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-The Project Gutenberg eBook of Das Weserbergland und der Teutoburger Wald,
-by Oswald Reißert
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and
-most other parts of the world at no cost and with almost no restrictions
-whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms
-of the Project Gutenberg License included with this eBook or online at
-www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you
-will have to check the laws of the country where you are located before
-using this eBook.
-
-Title: Das Weserbergland und der Teutoburger Wald
-
-Author: Oswald Reißert
-
-Release Date: August 1, 2021 [eBook #65973]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: UTF-8
-
-Produced by: Peter Becker and the Online Distributed Proofreading Team at
- https://www.pgdp.net (This file was produced from images
- generously made available by The Internet Archive)
-
-*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DAS WESERBERGLAND UND DER
-TEUTOBURGER WALD ***
-
- +------------------------------------------------------------------+
- | Anmerkungen zur Transkription |
- | |
- | Gesperrter Text ist als ¯gesperrt¯ dargestellt, Antiquaschrift |
- | als ~Antiqua~, und tiefgestellter Text als _{tiegestellt}. |
- | Eine Liste der Änderungen befindet sich am Ende des Buchs. |
- +------------------------------------------------------------------+
-
-
- Land und Leute
-
- Monographien
- zur Erdkunde
-
-
- Land und Leute
-
- Monographien
- zur Erdkunde
-
- In Verbindung mit Anderen
- herausgegeben von A. Scobel
-
- 24
-
- Weserbergland und
- Teutoburger Wald
-
- 1909
-
- Bielefeld und Leipzig
-
- Verlag von Velhagen & Klasing
-
-
-
-
- Das Weserbergland
- und der
- Teutoburger Wald
-
- von O. Reißert
-
- Mit einer geologischen
- Übersicht von H. Stille
-
- Mit 123 Abbildungen nach photographischen
- Aufnahmen und einer farbigen Karte
-
- [Illustration]
-
- 1909
-
- Bielefeld und Leipzig
-
- Verlag von Velhagen & Klasing
-
-
- Druck von Fischer & Wittig in Leipzig.
-
-
-
-
-Inhalt.
-
-
- Seite
-
- ~I.~ Einleitung 3
-
- ~II.~ Der geologische Bau des Weserberglandes und des
- Teutoburger Waldes. Von ~Dr.~ ¯H. Stille¯ 5
-
- ~III.~ Klima und Gewässer 19
-
- ~IV.~ Der Wald 27
-
- ~V.~ Bäuerliche Verhältnisse 35
-
- ~VI.~ Geschichtliches 56
-
- ~VII.~ Die Weser von Münden bis Herstelle. Dransfelder
- Höhenland und Reinhardswald 63
-
- ~VIII.~ Solling, Homburg und Vogler 74
-
- ~IX.~ Die Weser von Herstelle bis Hameln 78
-
- ~X.~ Die Hilsmulde 84
-
- ~XI.~ Osterwald, Deister und Bückeburg 89
-
- ~XII.~ Von Hameln nach Osnabrück. Süntel, Weserkette
- und Wiehengebirge 94
-
- ~XIII.~ Osning, Teutoburger Wald und Egge 110
-
- ~XIV.~ Zwischen Teutoburger Wald und Weser 119
-
- * * * * *
-
- Literatur 125
-
- Verzeichnis der Abbildungen 126
-
- Register 128
-
- Karte des Weserberglandes und des Teutoburger Waldes.
-
-[Illustration: Abb. 1. Das Hermannsdenkmal im Morgennebel.
-
-Verlag der Hinrichs'schen Hofbuchhandlung (H. Knöner) in Detmold. (Zu
-Seite 116.)]
-
-
-
-
-~I.~ Einleitung.
-
-
-Dieses Buch soll meiner Heimat gehören. Auf einem Hügel, der das
-breite, wie ein ausgetrockneter See daliegende Wesertal überblickt,
-dort, wo die Ufer den Strom vor seinem Scheiden aus der bergigen
-Umgebung zum letzten Male mit allen ihren Reizen umkränzen, stand
-meiner Eltern Haus. Dort empfing der kleine Knabe, der einst die
-Unterhaltung der Erwachsenen über die Schönheit der Gegend belauschte,
-auf sein Eingeständnis: »Ich weiß wohl, was eine Gegend ist; aber
-was eine schöne Gegend ist, das verstehe ich nicht«, eine für sein
-Alter ausreichende Erklärung mit dem Hinweis auf die weite Fernsicht
-vom Altan des väterlichen Hauses. Später ging ihm das Verständnis
-für andere Reize seines Heimatgaues auf. Auf Spaziergängen durch
-den Buchenhochwald hob sich der Blick von dem Boden, wo süße
-Beeren lockten, zu den Domgewölben der hohen Wipfel empor, und die
-Obstbaumpflanzungen, in denen manches der benachbarten Dörfer sich
-schier versteckte, erfreuten nicht nur im Sommer und Herbst den Gaumen
-mit ihren süßen Gaben, sondern auch im Frühling das Auge mit der weißen
-Pracht ihrer Blüten. Ein anregender erdkundlicher Unterricht lehrte
-die Silhouette der bläulichen Weserkette, die sich in rhythmisch
-bewegter Wellenlinie in die Ferne schwingt, und die in dem Teutoburger
-Walde drüben ihr ebenbürtiges Gegenstück hat, als bewunderswerten Zug
-des heimischen Landschaftsbildes erfassen und die ehrwürdigen Reste
-einstiger Ritterburgen, Stadtbefestigungen und sonstiger baulichen
-Zeugen der Vergangenheit mit frommer Scheu betrachten, während an
-schulfreien Tagen sich jugendlicher Wander- und Wagemut von hohen
-Kuppen, schroffen Klippen und dunklen Höhlen angezogen fühlte. Die
-ersten Reisen aber trugen dem Jüngling die Erfahrung ein, daß weder
-jene farbenprächtigen Volkstrachten noch jene behaglichen Gehöfte, in
-denen sich der bäuerliche Wohlstand Westfalens und Lippes zeigte, und
-die er als etwas Selbstverständliches hingenommen hatte, in gleicher
-Weise in anderen Gegenden wiederkehrten, und diese Erkenntnis erfüllte
-ihn mit frohem Stolze.
-
-Jene Zeiten, in denen sich so die Vorstellung der Heimat als eines
-eigenartigen Stückes Erde und die Liebe zu eben diesem Teile deutschen
-Bodens gleichzeitig mit dem Menschen selber, mit seinen körperlichen
-und geistigen Kräften, entwickelte, liegen lange hinter mir. Aber auch
-in den späteren Jahrzehnten hat mich zwischen manchen Reisen in andere
-Gebiete deutschen und außerdeutschen Landes doch die Wanderlust wieder
-und wieder nach der roten Erde und an die Gestade des freundlichen
-Stromes geführt; trotz aller großartigeren Eindrücke erhabenerer Natur
-habe ich mich dem Zauber jener idyllischen Mittelgebirgslandschaften
-nie zu entziehen vermocht, sei es daß junges Buchengrün die kindlichen
-Hügelformen zart umkleidete, sei es daß bei Julisonnenschein der Segen
-der Felder seine goldenen Wogen im leichten Winde fluten ließ, mochte
-der Bergwald in prächtigem, gelbbraunem Herbstschmuck dastehen, oder
-mochten die hochstämmigen Fichten von bärtigem Rauhfrost behängt
-sein. Freilich liegt in dieser Vorliebe eines einzelnen für eine
-Landschaft, zumal wenn sie die Stätte seiner Knabenspiele gewesen
-ist, noch kein Beweis dafür, daß sie auch des Interesses anderer wert
-sei. Der Gefahr aber, daß die Heimatliebe zum »Lokalpatriotismus«
-werde -- ein häßliches Wort! -- entgehen wir am besten, wenn wir uns
-bemühen die wirklichen Verhältnisse zu erkennen, wenn wir die Natur der
-einzelnen Bergzüge und Täler, ihr Alter und ihr Werden zu verstehen
-suchen, wenn wir das organische Leben in seiner Abhängigkeit von
-Bodengestalt, Bewässerung und Klima betrachten und wenn wir endlich
-das menschliche Leben der Vergangenheit und der Gegenwart in seiner
-Bedingtheit durch die Summe aller jener natürlichen Voraussetzungen
-studieren. Dieser Aufgabe ist das vorliegende Buch gewidmet, wenigstens
-in erster Linie. Mag es daneben auch dem Zwecke dienen, das Interesse
-der Reisenden auf jene Gegenden zu lenken. In diesem Sinne möchte
-ich mich dem Rinteler Gymnasiallehrer Ludwig Boclo anschließen, der
-im Jahre 1844 einen »Begleiter auf dem Weserdampfschiffe« herausgab
-und bereits damals klagte, daß die Schnelligkeit des Reisens »in
-der neuesten Zeit« leider der Götze geworden sei, welchem jede
-Gemütlichkeit, jeder Naturgenuß, jede ruhige Auffassung und Beschauung
-geopfert werde. »Eine große innige Freude,« schreibt er, »würde es
-dem Unterzeichneten (welcher die körperlich-psychische und gemütlich
-erweckende und wiederbelebende Kraft des Reisens seit 40 Jahren an
-sich und anderen erfahren hat) gewähren, wenn er bei recht vielen das
-Verlangen erregen und das vorhandene noch steigern sollte, eine der
-deutschesten Gegenden des gemeinsamen Vaterlandes auf eine so anmutige
-Weise« (d. h. zu Schiffe) »kennen zu lernen.« Diese Worte wurden in
-einer Zeit geschrieben, in welcher die landschaftlichen Schönheiten
-jenes westfälisch-niedersächsischen Grenzgebietes noch nicht lange
-zuvor entdeckt worden waren. Im Jahre 1835 hatte George Osterwald
-seine »Gallerie von Weseransichten« und F. C. Th. Piderit seine
-»Geschichtlichen Wanderungen durch das Wesertal« in Rinteln erscheinen
-lassen.
-
-Am Anfang der Pideritschen Schrift stand als Gruß an den Leser anonym
-Franz Dingelstedts später so bekannt gewordenes Gedicht, das mit der
-Strophe beginnt:
-
- Ich kenne einen deutschen Strom,
- Der ist mir wert und lieb vor allen,
- Umwölbt von ernster Eichen Dom,
- Umgrünt von kühlen Buchenhallen.
-
- Ihn hat nicht, wie den großen Rhein,
- Der Alpen dunkler Geist beschworen,
- Ihn hat der friedliche Verein
- Verwandter Ströme still geboren.
-
-Sieben Jahre später (Cassel 1842) gab Dingelstedt, wiederum ohne
-seinen Namen, das Buch »Das Wesertal von Münden bis Minden« heraus.
-In ihm macht er es sich zur Aufgabe, des »Sängers Fluch« zu lösen,
-d. h. jenes bekannte Wort Schillers in seinen deutschen Wasser-Xenien,
-daß von der Weser gar nichts zu sagen sei, zu widerlegen. Schon im
-Herbste 1839 hatte Ferdinand Freiligrath seine begeisterte Einleitung
-zu Levin Schückings, im Jahre 1841 zuerst veröffentlichtem Buche
-»Das malerische und romantische Westfalen« verfaßt, in der er unter
-anderem die Schönheit der Porta Westfalica dithyrambisch preist.
-Die Wirkung all dieser Bücher war ungeheuer, und als im Jahre 1844
-die Weserdampfschiffahrt, 1846 die Cöln-Mindener Bahn eröffnet
-worden waren, konnten Westfalen und Weserbergland als Ziele für
-Vergnügungsreisen ernstlich in Frage kommen.
-
-[Sidenote: Umgrenzung des Gebiets.]
-
-Wenn der Titel unseres Buches als Gegenstand dieser Arbeit das
-Weserbergland und den Teutoburger Wald nennt, so sind wir uns einer
-gewissen unvermeidbaren Willkür in der Fassung der Aufgabe bewußt. Wir
-verstehen unter Weserbergland die hügeligen Landschaften, welche von
-dem Zusammenfluß der Werra und Fulda an beiderseits die Weser nach
-Norden zu begleiten, und zwar im Osten bis an den Rand der von der
-Leine durchflossenen Göttinger Senke, im Westen bis an die Münstersche
-Bucht und im Norden bis an die Norddeutsche Tiefebene. Der Teutoburger
-Wald ist besonders genannt, weil er -- wie allerdings auch das
-Wiehengebirge und seine namenlose westliche Fortsetzung -- sich weit
-von der Weser entfernt und in das Gebiet der Ems hineinragt. Sind die
-Grenzen unseres Berglandes nach Westen und Norden durch den Beginn der
-Tiefebenen ohne weiteres gegeben, und kann man sich das Leinetal als
-Scheide gegen das ostfälische Harzvorland immerhin gefallen lassen,
-so hat die Grenze nach Süden insofern etwas Willkürliches, als man
-dem hessischen Berglande, dessen nördliche Fortsetzung die Weserberge
-bilden, vielfach den Solling, den Reinhardswald, das Eggegebirge nebst
-dem Nethegau zurechnet, anderseits aber zum mindesten der Kaufunger
-Wald, wenn nicht gar der Meißner, es verlangen könnte, den Paten
-zugesellt zu werden, welche die Wiege der Weser umstehen.
-
-Das so umgrenzte Gebiet stellt ungefähr ein rechtwinkeliges Dreieck
-dar, dessen Scheitelpunkt südlich von Hannover bei Bennigsen am
-Deister zu suchen ist, während die anderen beiden Ecken in Münden und
-in Bevergern bei Rheine liegen. Von Bennigsen beträgt die Luftlinie
-bis Münden etwa 100, bis Bevergern 140 ~km~. Das ganze Gebiet wäre
-also annähernd 7000 ~qkm~ groß. Auf diesem Raume wechseln nun die
-mannigfachsten Geländeformen: langgestreckte Bergzüge, hier schroff
-abfallend, dort sanfter geneigt, ferner Plateaus und flachgerundete
-Kuppen, sowie förmliche Kegel, endlich engere und weitere Fluß- und
-Bachtäler. Frischer Laub- und ernster Nadelwald werden abgelöst
-von üppigen Fruchtfeldern. Neben dürftig bewachsenen und spärlich
-besiedelten Strichen finden sich dicht bevölkerte Gegenden mit reich
-entwickeltem Ackerbau oder beachtenswerter Gewerbetätigkeit.
-
-Ohne der Einzelbeschreibung vorzugreifen, oder auf das Geologische
-schon jetzt näher einzugehen, werden wir versuchen müssen, uns
-vorläufig in diesem Wirrwarr zu orientieren. Beginnen wir rechts von
-der Weser. Dort, wo die Leine gerade bei ihrem Übergang aus westlicher
-in nördliche Richtung sich der Werra am meisten nähert -- die Eisenbahn
-Göttingen-Bebra überschreitet hier bei Eichenberg die Wasserscheide
--- können wir die Grenze zwischen Eichsfeld und Weserbergland
-annehmen. Dieses letztere beginnt mit einer von Basaltkuppen bekrönten
-Hochfläche ohne volkstümlichen Gesamtnamen, für die wir die Bezeichnung
-Dransfelder Höhenland annehmen wollen. Nördlich davon liegt die
-Sandsteinhochebene des Sollings. Im Osten ist diesem Gebirge der
-nord-südlich verlaufende Muschelkalkrücken der Weper vorgelagert. Im
-Norden streichen die beiden Parallelketten der Grubenhagener Berge,
-sowie etwas entfernter der Elfas, die Homburggruppe und der Vogler,
-von Südost nach Nordwest zur mittleren Weser. Hieran schließt sich die
-felsberühmte, langgestreckte Ellipse der Hilsmulde. Eine breite Senke
-scheidet sie vom Osterwald und Kleinen Deister. Diesen trennt ein enger
-Paß vom eigentlichen Deister, dessen nach Südwest umgebogenes, durch
-das Auetal abgeschiedenes Gegenstück der Bückeberg bildet. Etwas weiter
-südlich beginnt mit dem Süntel jener lange Zug, der sich als Weserkette
-bis zur Porta Westfalica hinzieht.
-
-Am linken Weserufer liegt dem Dransfelder Höhenland gegenüber der
-Reinhardswald. Sein Westabhang leitet über zu jenem langgestreckten,
-welligen Gelände, das sich zwischen der Weser einerseits und den
-Kämmen der Egge und des Teutoburger Waldes anderseits hinzieht und
-sich gliedern läßt in Warburger Börde, Höxtersches Hügelland (oder
-Paderborner Hochfläche) und Lippisches Hügelland. Die westliche
-Fortsetzung dieses Landstriches ist dann das Ravensbergische und
-Osnabrückische Hügelland; seine südliche Begrenzung gegen das
-Münsterland bildet auch hier der Teutoburger Wald, in jenem westlichen
-Teile meist Osning genannt, und zwar bis zu seinem Ende in der Nähe der
-Ems bei Bevergern, die nördliche der auf dem linken Ufer des Stromes
-liegende Teil der Weserkette, streckenweise Wiehengebirge genannt.
-
-Dieses bunte orographische Bild in seinen Einzelzügen zu verstehen,
-kann uns nur der Geologe lehren. Wir werden zunächst seinem Vortrage zu
-lauschen haben.
-
-
-
-
-~II.~ Der geologische Bau des Weserberglandes und des Teutoburger
-Waldes.
-
-Von Professor ~Dr.~ H. Stille-Hannover.
-
-
-[Sidenote: Geologie. Verwerfungen und Abtragung.]
-
-Die topographische Vielgestaltigkeit des Berg- und Hügellandes
-zwischen Teutoburger Wald, Leinetal und Norddeutscher Tiefebene,
-des Weserberglandes, steht in engstem Zusammenhange mit der
-Mannigfaltigkeit des geologischen Aufbaues. Zwar ist die Zahl der
-Formationen, die ausgedehntere Flächen bedecken, keine ungewöhnlich
-große, und haben wir es in der Hauptsache nur mit den Sedimenten
-des Mittelalters der Erde, der mesozoischen Zeit, zu tun; aber die
-Lagerungsverhältnisse sind äußerst mannigfaltiger Art und teilweise
-nur schwierig deutbar, Faltungen sind nach wechselnden Richtungen
-eingetreten und Verwerfungen durchsetzen den Boden in solcher Zahl,
-daß er stellenweise als ein förmliches Mosaik durcheinandergewürfelter
-Schollen erscheint. Abbildung 2 zeigt ein System von Verwerfungen
-aus dem östlichen Vorlande des Eggegebirges, das den Untergrund dort
-in hunderte einzelner Schollen zerreißt. An den durch tektonische
-Kräfte gegeneinander verschobenen Schollen haben dann die Kräfte
-der Abtragung oder Denudation angesetzt, um das wechselvolle Bild
-unserer Landschaft hervorzuzaubern. Weiches Material ist ihnen leicht
-zum Opfer gefallen, hartes hat Widerstand geleistet und ist damit
-aus den umgebenden mürberen Schichten zu den lang sich hinziehenden
-Bergrippen und gedrungeneren Kuppen herausgearbeitet worden, die heute
-das bestimmendste Element der Landschaft ausmachen. In der Hauptsache
-bedingt also die wechselnde Widerstandsfähigkeit der Schichtkomplexe
-das heutige Relief; gegenüber ihrer Nachbarschaft gesunkene Komplexe,
-wie der Hils, können dabei als hochragende Bergzüge erscheinen, sobald
-nur widerstandsfähiges Material sie zusammensetzt, während die Linien
-¯geologisch¯ höchster Heraushebung oft genug in Talungen verlaufen,
-falls mürbe Schichten, wie z. B. Röt, in ihnen liegen. Der Betrag der
-Heraushebung[1] der Schollen und Schollenkomplexe drückt sich in der
-Verteilung der Formationen an der Tagesoberfläche aus, und es liegt auf
-der Hand, daß in den Gebieten höchster Heraushebung uns die ältesten,
-in den Senkungsgebieten die jüngeren Schichten entgegentreten.
-
-[1] Die Begriffe »Hebungsgebiet«, »Senkungsfeld«, »gehoben«, »gesunken«
-sind im folgenden nicht absolut, sondern nur relativ in ¯dem¯ Sinne zu
-verstehen, daß sie die heutige Lage der Schollen zu ihrer Nachbarschaft
-zum Ausdrucke bringen sollen. Unerörtert bleibt dabei, ob z. B. ein
-»Hebungsgebiet« tatsächlich etwas Herausgehobenes ist oder etwas
-Stehengebliebenes, während die benachbarten Komplexe in die Tiefe
-sanken. Die obigen Begriffe sollen also nur den heutigen Zustand
-ausdrücken, nicht aber den Vorgang, der diesen Zustand schuf.
-
-[Illustration: Abb. 2. Das Verwerfungssystem entlang dem Egge-Gebirge
-zwischen Driburg und Willebadessen, aufgenommen von H. Stille
-1903-1904. Maßstab etwa 1 : 80000.]
-
-[Sidenote: Von der ältesten Zeit bis zum Trias.]
-
-¯Vorpermisches »Grundgebirge«¯ nimmt weitere Flächen erst
-etwas außerhalb des Wesergebirgslandes im Harz und Rheinischen
-Schiefergebirge ein, erscheint in unserem Gebiete aber nur in
-drei kleineren Vorkommnissen in der Gegend von Osnabrück. Hier
-sind die Ibbenbürener Bergplatte, der Piesberg und der Hüggel aus
-kohlenführenden Konglomeraten, Sandsteinen und Schiefertonen des Oberen
-oder Produktiven Karbons zusammengesetzt, und nach den Floren, die
-diese Schichten umschließen, haben wir es mit dem oberen Teile der
-sogenannten »Saarbrücker Stufe« zu tun. An der Ibbenbürener Bergplatte
-geht heute noch der Bergbau auf Flöze des Oberkarbons um, während
-dieser am Piesberg vor etwas mehr als einem Jahrzehnt zum Erliegen
-gekommen ist, und am Hüggel das Vorhandensein von Flözen bisher nur
-durch Tiefbohrungen festgestellt wurde.
-
-Von der ¯Dyas¯ fehlt die untere Stufe, das Rotliegende, gänzlich,
-und auch gewisse rotgefärbte Schichten des Hüggels, die lange für
-Rotliegend galten, sind nach neueren Feststellungen nicht hierzu,
-sondern zum Oberkarbon zu rechnen. Die Zechsteinformation, der obere
-Teil der Dyas, ist im Umrandungsgebiete der Oberkarboninseln von
-Osnabrück vorhanden, wo sie am Hüggel und der Ibbenbürener Bergplatte
-die Braun- und Spateisensteinlager umschließt, die zur Gründung der
-Georgsmarienhütte geführt haben, und findet sich ferner in vereinzelten
-kleinen Schollen bei Bonenburg am südlichsten Eggegebirge und im
-Gebiete des Sollings. Einen Gipsstock, der dieser Formation angehört,
-finden wir bei Stadtoldendorf an der Homburg, wo der Gips in großen
-Brüchen gewonnen wird. Dem oberen Teile des Zechsteins gehören die
-Stein- und Kalisalzlager an, die im Leinetale in den letzten Jahren
-nachgewiesen und Gegenstand des Bergbaues geworden sind.
-
-Die ¯Trias¯, der tiefste Teil der mesozoischen Formation, nimmt
-mit ihren drei Gliedern, Buntsandstein, Muschelkalk und Keuper, so
-ziemlich das ganze Gebiet zwischen dem Teutoburger Walde einerseits,
-Weserkette, Süntel, Ith und Hils anderseits ein. Der Buntsandstein
-setzt die Höhen des Sollings und Reinhardswaldes und weiter nördlich
-Elfas und Vogler zusammen und bildet auch die Hänge des Wesertales
-zwischen Münden und Holzminden, bei Bodenwerder und weiter nördlich.
-Bei Bad Pyrmont stecken die Sandsteine dieser Formation in der Tiefe
-des Talkessels, während die angrenzenden Hänge in ihrem unteren Teile
-von den rötlichen Tonen des oberen Buntsandsteins oder Röts gebildet
-werden, und auch am Teutoburger Walde ist die Buntsandsteinformation
-vielfach nachweisbar. Der weitverbreitete Muschelkalk tritt am
-geschlossensten zwischen Solling und Teutoburger Wald auf und trennt
-hier als »Brakeler Muschelkalkschwelle« die beiden großen Keupermulden
-des Gebietes zwischen Teutoburger Wald und Weser, die sogenannte
-Keupermulde von Borgentreich, die etwa mit der fruchtbaren »Warburger
-Börde« zusammenfällt, und die Lippische Keupermulde. Letztere nimmt
-fast das ganze Gebiet zwischen der Weser und ihrem linken Nebenflusse,
-der Werre, ein, und nur lokal, wie z. B. bei Pyrmont, ist der Keuper
-durch Aufwölbungen älterer Triasschichten unterbrochen. In dem stark
-welligen und landschaftlich sehr reizvollen Berglande, das die Bahnen
-Hameln-Altenbeken und Hameln-Lage durchschneiden, finden wir die
-schönsten Beispiele der Abhängigkeit der Bodengestaltung von der
-Zusammensetzung des Untergrundes, indem die Niederungen von den mürben
-Mergeln und Tonen, die Höhen von den Sandsteinen und Quarziten des
-Keupers zusammengesetzt werden (Abb. 3). Namentlich die technisch
-recht wertvollen Quarzite des oberen Keupers oder Rhäts decken häufig
-die Bergkuppen, wie den Klüt bei Hameln, die Lemgoer Mark bei Lemgo,
-Winterberg, Herrmannsberg und Schwalenberger Wald südwestlich von
-Pyrmont und den Köterberg bei Holzminden, eine der höchsten Kuppen
-zwischen Harz und Rheinischem Schiefergebirge. Ferner hat der Keuper
-zwischen Osning und Wiehengebirge in der Gegend von Melle und Osnabrück
-recht erhebliche Verbreitung.
-
-[Illustration: Abb. 3. Keuperlandschaft bei Aerzen, südwestlich von
-Hameln. Die höhere Bergstufe wird vom Rhät (Oberer Keuper), die tiefere
-von Schilfsandstein (Mittlerer Keuper) gebildet.
-
-Nach einer Photographie von H. Stille 1908.]
-
-[Sidenote: Jura.]
-
-Vom ¯Jura¯ bestehen die untere und mittlere Abteilung, der Lias
-(Schwarzer Jura) und der Dogger (Brauner Jura), vorwiegend aus mürben
-Tonen, die obere Abteilung, der Malm (Weißer Jura), aber vorwiegend aus
-festen Kalken, und so ist es nur natürlich, daß erstere im allgemeinen
-in Talungen und an flachen Hängen zu suchen sind, während der Malm
-Bergzüge bildet. Das Einbeck-Markoldendorfer Becken, das dem Solling
-nach Nordosten vorgelagert ist, die Liaspartien im östlichen Vorlande
-des Eggegebirges und die Herforder Liasmulde zwischen Bielefeld und
-Herford sind Beispiele für Niederungsgebiete der älteren Juraschichten,
-während die lang sich hinziehende Bergkette des Ith zwischen
-Coppenbrügge und Eschershausen, der Kahnstein und der Selter, der
-Deister bei Springe, der Saupark (Abb. 6) und die Weserkette (Abb. 4)
-vom Weißen Jura gekrönt werden. Vorwiegend ist es der sogenannte
-Korallenoolith des Weißen Jura, der die Felsklippen am obersten Hange
-der genannten Bergzüge zusammensetzt, so die Dielmisser Felsen,
-Hammerslust, Poppenstein und Mönchstein am Ith, den Bielstein am
-Deister, den Hohenstein und die Luhdener Klippen an der Weserkette. In
-der Weserkette westlich der Porta Westfalica, d. h. im Wiehengebirge,
-und auch schon etwas östlich der Porta erreichen in dem vorwiegend
-aus Tonen bestehenden Dogger harte Sandsteine (Portasandsteine) eine
-erheblichere Mächtigkeit und setzen stellenweise wie an der Porta den
-Gebirgskamm zusammen, und ein anderer fester Horizont des Braunen Jura,
-das aus eisenschüssigen Kalksandsteinen bestehende »Cornbrash«, bildet
-weithin kleine Vorberge zur Hauptkette.
-
-Im Gegensatz zu der ziemlich erheblichen Mächtigkeit des Weißen
-Juras in der Weserkette steht die geringe Entwicklung dieser
-Formation am Teutoburger Walde, in dessen südlichem Teile, dem
-Eggegebirge, sie überhaupt nicht bekannt ist. Teilweise mag die
-Ablagerung dieser Schichten unterblieben sein, teilweise sind aber
-auch Wiederzerstörungen bald nach erfolgter Ablagerung, teilweise
-auch Verwerfungen der Grund der heutigen Lückenhaftigkeit der
-Weißjuraprofile.
-
-[Sidenote: Kreidezeit.]
-
-An der Basis der ¯Kreideformation¯, des obersten Teiles der
-mesozoischen Formationsgruppe, liegt in Nordwestdeutschland der
-sogenannte Wealden, der im Gegensatz zu allen ihn überlagernden
-Kreideschichten in der Hauptsache keine Bildung des Meeres, sondern
-eine solche festländischer Sümpfe ist. Das Hauptglied ist der
-Wealdensandstein, auch Deistersandstein genannt, der die Höhen der
-Bückeberge, des Deisters, des östlichen Süntels, des Nesselberges und
-Osterwaldes zusammensetzt und hier Kohlenflöze umschließt, die z. B.
-bei Obernkirchen, Barsinghausen und am Osterwalde Gegenstand des
-Bergbaues sind. Neben dem Sandstein finden sich auch Schiefertone, und
-zwar entweder nur im obersten Teile, wie am Osterwalde und südöstlichen
-Deister, oder im obersten und untersten Teile, wie am Süntel, im
-nordwestlichen Deister und in den Bückebergen.
-
-[Illustration: Abb. 4. Profil durch Weserkette und Bückeberge.
-
-Maßstab der Längen ca. 1 : 50000, der Höhen ca. 1 : 25000. 1 = Brauner
-Jura. 2 = Weißer Jura, ausschließlich Münder Mergel und Serpulit.
-3 = Münder Mergel. 4 = Serpulit. 5 = Unterer Wealdenschiefer. 6 =
-Wealdensandstein. 7 = Oberer Wealdenschiefer. 8 = Neocomtone.]
-
-Die Landschaftsentwicklung im Weißjura-Wealdengebiete ist eine
-verschiedene, je nachdem die stellenweise sehr mächtige Folge der
-mürben »Münder Mergel« zwischen den Kalken des Weißen Juras und den
-gleichfalls vorwiegend festen Gesteinen des Wealden vorhanden ist oder
-nicht. In ersterem Falle, den wir als den Normalfall bezeichnen können,
-haben wir zwei Parallelzüge, deren einer aus Weißjuraschichten, deren
-anderer aus Wealdensandstein besteht und die durch eine vorwiegend von
-Münder Mergeln erfüllte Niederung getrennt sind. Diesen Fall beobachten
-wir z. B. in der Linie Rinteln-Bückeburg (Abb. 4), wo die Weserkette
-aus Weißem Jura, der Parallelzug des Harrl aus Wealden besteht und
-die trennende Niederung, in der Bad Eilsen liegt, im Untergrunde in
-der Hauptsache die Münder Mergel enthält, oder südwestlich Springe,
-wo den Saupark der Weiße Jura, den Nesselberg der Wealden und das
-Längstal zwischen beiden die Münder Mergel zusammensetzen (Abb. 5
-und 6, westlicher Teil). Ein solches Längstal fehlt natürlich, wo
-die Münder Mergel nicht vorhanden sind, und so verschmelzen z. B. am
-südöstlichen Deister Weißjura und Wealden zu einem einheitlichen Zuge
-(Abb. 6, östlicher Teil). Das Fehlen der Münder Mergel und anderer
-Weißjuraschichten ist dabei durch Abtragungen vor Ablagerung des
-Serpulits, des obersten Gliedes des Weißen Juras, bedingt, der vielfach
-diskordant ältere Schichtkomplexe überlagert. Westlich Bückeburg nehmen
-die mürben Schiefer gegenüber den Sandsteinen immer mehr überhand, und
-im Zusammenhang damit verflacht sich der weiter östlich hochaufragende
-Wealdenzug der Bückeberge und verschwindet mit der Klus bei Bückeburg
-schließlich ganz unter dem Diluvium der Norddeutschen Tiefebene.
-
-Am Teutoburger Walde kennen wir Wealden etwa erst von Örlinghausen an
-nordwestwärts; namentlich südlich Osnabrück nimmt er weite Flächen ein
-und bildet dabei auch höhere Berggruppen. Der früher an mehreren Orten
-umgehende Bergbau auf die Wealdenkohlen des Teutoburger Waldes ist
-jetzt ganz zum Erliegen gekommen.
-
-Das Neokom, der untere Teil der marinen Unteren Kreide, tritt in
-zweierlei Fazies auf, und zwar als Ton entlang dem Nordfuße der
-Bückeberge und des Deisters, am Süntel, Osterwalde und Hils, als
-Sandstein am Teutoburger Walde. Dementsprechend ist die landschaftliche
-Erscheinungsform eine völlig verschiedene. Den Untergrund von
-Niederungsgebieten bildet er bei Bückeburg, Stadthagen und in der
-Deistermulde zwischen Deister einerseits, Stemmer und Gehrdener Berg
-anderseits, aufragende Bergzüge bezeichnen seinen Verlauf entlang
-dem Teutoburger Walde von der Burg Blankenrode im äußersten Süden
-bis Bevergern östlich der Ems. Als ununterbrochenes Band krönt der
-Teutoburgerwaldsandstein, der von Altenbeken an nordwärts außer
-dem Neokom noch den tiefsten Teil der folgenden Stufe, des Gault,
-umfaßt, den östlichen Steilhang des Eggegebirges und bildet hier die
-Wasserscheide zwischen Weser und Rhein; die Felsnadeln der Externsteine
-bei Horn bestehen aus ihm, wie weiterhin ganz oder zum größten Teile
-der Stemberg bei Berlebeck, die Grotenburg bei Detmold, der Tönsberg
-bei Örlinghausen, die Hünenburg bei Bielefeld, der Barenberg bei
-Borgholzhausen und der Dörenberg bei Iburg.
-
-[Illustration: Abb. 5. Blick vom Deister über das Tal von Springe
-(Lias und Dogger) zum Saupark (mittlerer Bergzug, Weißer Jura) und
-Nesselberg (hinterer Bergzug, Wealden). Zwischen Saupark und Nesselberg
-liegt das von Münder Mergel erfüllte Längstal (s. Abb. 6). Nach einer
-Photographie von F. Schöndorf 1908. (Zu Seite 9.)]
-
-Der Gegensatz zwischen der Sandsteinfazies des Neokoms am Teutoburger
-Walde und der Tonfazies in den nordöstlich liegenden Gebieten findet
-seine einfache Erklärung dadurch, daß im Gebiete des heutigen
-Westfalens ein Festland entstanden war und in dessen Umrandungsgebiete,
-d. h. dort, wo sich heute der Teutoburger Wald erhebt, Sande und
-Geröllagen sedimentiert wurden, während in die küstenferneren Gebiete
-nur noch die feineren tonigen Materialien transportiert werden konnten.
-
-[Illustration: Abb. 6. Der Deister-Saupark-Sattel. (Zu Seite 9 u. 18.)
-
-Maßstab ca. 1 : 125000. 1 = Mittlerer Keuper. 2 = Lias. 3 = Dogger. 4
-= Oxford. 5 = Kimmeridge, Gigasschichten und Plattenkalke. 6 = Münder
-Mergel. 7 = Serpulit. 8 = Wealden. 9 = Neocom. 10 = Diluvium. Zur
-Abkürzung des Profiles ist die Verwerfung zwischen Keuper und Wealden,
-die erst südwestlich Brünnighausen durchsetzt, etwas nach Nordosten
-verschoben.]
-
-Den oberen Teil der Unteren Kreide, den Gault, finden wir am Hils zu
-unterst durch den »Hilssandstein« vertreten, der hier den Kamm mit
-der höchsten Erhebung, der »Bloßen Zelle«, zusammensetzt, und ferner
-durch »Minimuston« und »Flammenmergel«; dem Hilssandstein entspricht
-an der südlichen Egge, so am Altenbekener Tunnel, ein glaukonitischer,
-sandiger Ton, am übrigen Teutoburger Walde der obere Teil des
-Teutoburgerwaldsandsteins, dem Minimuston bei Altenbeken und weiter
-südlich der rotgefärbte »Gaultsandstein«, am übrigen Teutoburger Walde
-der »Grünsand des Osnings«, und Flammenmergel ist am ganzen Teutoburger
-Walde in ähnlicher Entwicklung, wie am Hils, vorhanden.
-
-Von der oberen Kreide sind Cenoman und Turon in der Hauptsache durch
-hellgefärbte, teils etwas mergelige Kalke, sogenannte »Pläner«,
-vertreten. Diese setzen am Hils bei Grünenplan und Kaierde den
-Heimberg, Idtberg und Fahrenberg zusammen und haben ihre weiteste
-Verbreitung am Teutoburger Walde. Dort bauen sie im Hinterlande der
-Egge die gesamten Bergrücken bis hin zur Senne auf, die hier an Höhe
-hinter dem Kamm des Teutoburgerwaldsandsteins etwas zurückbleiben,
-während am Osning der Pläner in gezackten Kämmen vielfach den ihm
-nördlich parallel verlaufenden Sandstein überragt. An der Basis
-der Plänerformation bilden die Cenomanmergel infolge der geringen
-Widerstandsfähigkeit gegen die Verwitterung ein Längstal zwischen
-dem Bergzuge der Untern Kreide und den Plänerbergen, das am ganzen
-Teutoburger Walde als höchst charakteristisches Landschaftselement
-zu verfolgen ist (Abb. 7). In ihm liegen an der Egge die Ortschaften
-Herbram, Schwaney, Buke, Altenbeken, Feldrom, und hier hat es bei
-flacher Lagerung der Schichten eine erhebliche Breite, während es
-am Osning bei steiler Stellung der Schichten und entsprechender
-Verschmälerung ihres Ausgehenden weniger breit, aber nicht minder
-deutlich verfolgbar ist.
-
-[Illustration: Abb. 7. Das Längstal der Cenomanmergel bei Berlebeck im
-Teutoburger Walde.
-
-Nach einer Photographie von H. Stille 1908.]
-
-Das Senon ist im Gebiete des Teutoburger Waldes durch die wenig
-widerstandsfähigen »Emscher Mergel« vertreten, und es ist nur
-natürlich, daß in der Linie Brackwede-Schlangen-Lippspringe-Paderborn,
-in der es an die harten Pläner des Teutoburger Waldes angrenzt, das
-Gebirge seinen Süd- beziehungsweise Ostrand erreicht und die weite
-Ebene beginnt, die unter einer zum Teil recht mächtigen Decke von
-Quartärbildungen die senonen Schichten enthält.
-
-[Sidenote: Tertiär.]
-
-¯Tertiärgebirge¯ ist nur in vereinzelten, meist versenkten Schollen
-bekannt, von denen diejenige von Bünde in Westfalen wegen ihres großen
-Reichtums an oberoligocänen Versteinerungen besondere Berühmtheit
-erlangt hat. In die Tertiärzeit fallen auch die Ergüsse basaltischer
-Gesteine, die wir im südlichsten Teile des Wesergebirgslandes, z. B. in
-der Warburger Börde (Desenberg bei Warburg, Hüssenberg bei Eißen), am
-Reinhardswalde (Gahrenberg, Staufenberg, Sababurg), Solling (Bramburg)
-und südlich des Solling (Hoher Hagen) finden. Der nördlichste deutsche
-Basalt bildet einen kurzen und schmalen Gang in der Trias von Sandebeck
-am Eggegebirge.
-
-[Sidenote: Eiszeit.]
-
-Von Detmold zum Wesertale südlich Hameln und weiter um das Nordende
-des Iths herum in die Hilsmulde hinein, um den Kahnstein und um die
-Berge an der linken Seite des Leinetales bis nach Freden zieht sich
-in gewundenem Verlaufe der Südrand der ¯diluvialen Vereisung¯. Der
-Lippische Wald lag noch außerhalb derselben, während sie durch die
-Quertäler des Osnings und zum Teil auch noch über diesen hinweg nach
-Süden in das Münstersche Becken vordrang. Wie weit die nördlichen
-Bergzüge des Wesergebirgslandes als Inseln das Inlandeis überragten,
-mag dahingestellt bleiben, jedenfalls war z. B. der Deister völlig
-unter Eis begraben, wie Geschiebemergel mit nordischen Blöcken auf
-der Höhe des kleinen Gebirges am Bielstein beweist, und gleiches war
-auch bei den Bückebergen der Fall. Frühere höhere Wasserstände unserer
-Flußtäler, z. B. des Wesertales, deuten die über den heutigen Talböden
-liegenden Flußterrassen an. Gewaltige Kiesaufschüttungen sind der Porta
-Westfalica südöstlich vorgelagert und als Absätze der Weser aus einer
-Zeit gedeutet worden, in der das Inlandeis die westfälische Pforte von
-Norden verschloß und die von Süden kommenden Wasser anstaute.
-
-[Sidenote: Dünenbildung.]
-
-Am Osning und im Lippischen Walde liegen die Kreideschichten
-tief unter Dünensanden begraben, die besonders die Täler füllen
-(Abb. 8), doch auch den Höhen nicht ganz fehlen. Die Südgrenze der
-Überwehungen (Abb. 9) erklärt sich durch die Lage des Teutoburger
-Waldes zum Diluvialgebiete der Senne, dem die Sande entstammen, und
-die vorherrschende südwestliche Richtung der Winde, die den Transport
-besorgten.
-
-[Illustration: Abb. 8. Dünenlandschaft im Lippischen Walde. Nach einer
-Photographie von H. Stille 1908.]
-
- * * * * *
-
-Nach seiner inneren Struktur kann man das Weserbergland insofern als
-ein »Schollengebirge« bezeichnen, als in ihm die Zerrissenheit des
-Untergrundes in größere und kleinere Schollen die hauptsächlichste
-Erscheinungsform der gebirgsbildenden Kräfte ausmacht. Dabei ist
-es aber -- wenigstens in weiten Teilen -- keineswegs ein typisches
-Schollengebirge, vielmehr tritt uns ein Zusammenschub der Schichten
-zu Sätteln und Mulden, d. h. eine Faltenbildung, weithin entgegen, die
-sich am Osning, dem nördlichen Teutoburger Walde, bis zur Steilstellung
-und Überkippung großer Schichtenkomplexe steigert, und manche Teile,
-wie insbesondere den Osning, möchte man geradezu als durch weitgehende
-Bruchbildung modifizierte kleine Faltengebirge bezeichnen.
-
-[Illustration: Abb. 9. Südrand der Dünenbildungen am Teutoburger Walde.
-
-Maßstab 1 : 1500000.]
-
-[Sidenote: Streichen der Bergzüge.]
-
-Das Streichen der Mehrzahl der Bergzüge, wie des Ith, Hils und
-Selter, Saupark und Deister, Wesergebirges und Osnings, geht
-vorwiegend in herzynischem Sinne, d. h. von Südosten nach Nordwesten.
-Nur zurücktretend findet sich auch nord-südlicher Verlauf der
-Gebirgszüge, wie am südlichen Teutoburger Walde, dem Eggegebirge,
-oder südwest-nordöstlicher, wie an den Bückebergen. Die Richtung der
-Bergzüge ist durch das gleichfalls vorwiegend herzynisch gehende
-Streichen der Schichten und Verwerfungen bedingt, während nord-südlich
-gerichtete, sogenannte »rheinische« Brüche in unserem Gebiete sehr
-zurücktreten und erst etwas südlich und östlich desselben, wie im
-Leinetale zwischen Eichenberg und Northeim, eine große Bedeutung
-für den Aufbau des Untergrundes gewinnen. Sie besitzen dort die
-mehr nordnordöstliche Richtung, die so charakteristisch für die
-gesamte große Bruchzone ist, die vom Oberrheintale durch Wetterau und
-Hessische Senke, durch das Leinetal und das westliche Randgebiet des
-Harzes zur Norddeutschen Tiefebene nachweisbar ist. Nicht eigentlich
-»rheinisch« ist aber das Eggegebirge gerichtet, wo vielmehr das
-Generalstreichen der Schichten und Dislokationen nordnord¯west¯lich
-geht; das Eggegebirge hat aber damit eine Mittelrichtung zwischen
-der typisch herzynischen (Südost-Nordwest) und typisch rheinischen
-(Südsüdwest-Nordnordost) Richtung und ist auch das Ergebnis von
-Gebirgsbildungen in beiderlei Sinne. Indem sich aber der Einfluß der
-Gebirgsbildung im rheinischen Sinne am Teutoburger Walde von Süden
-nach Norden verschwächt, gewinnt die herzynische (nordwestliche) die
-Überhand und bestimmt schließlich allein den Verlauf des Osnings.
-
-Der Überblick über den ziemlich komplizierten Aufbau des
-Weserberglandes wird durch die Verfolgung der geologischen Achsen
-erleichtert, d. h. derjenigen Linien, entlang denen eine besonders hohe
-Heraushebung der Schichten erfolgt ist. Wir beginnen im Nordwesten, im
-Gebiete von Osning und Wiehengebirge.
-
-[Sidenote: Der Osning.]
-
-Der Osning ist der nördliche, die nordwestliche Richtung befolgende
-Teil des Teutoburger Waldes, des Randgebirges der Westfälischen
-Kreidemulde. Während die Kreideschichten aber an der Egge, dem
-südlichen Teutoburger Walde, flach liegen und höchstens unter 7 bis 9°
-nach Westen, d. h. zum Innern der Mulde, geneigt sind, bildet am Osning
-die steile Aufrichtung der Kreideschichten die Regel, und weithin sind
-sie sogar überkippt, so daß älteres über jüngerem liegt, wie in dem
-Quertale von Brackwede-Bielefeld zu beobachten ist. Eine erhebliche
-Breite besitzt der Teutoburger Wald in seinem südlichen Teile, aber
-in dem Maße, wie bei steilerer Schichtenstellung der Ausstrich der
-festen Kreideschichten sich nach Nordwesten zu verschmälert, verringert
-sich auch die Breite des Gebirges, das endlich zu dem schmalen Zuge
-des Osnings wird. Nahe an die Kreide des Osnings, von ihr nur durch
-schmale Streifen von Jura oder Keuper getrennt, treten Röt und
-Muschelkalk heran, sind aber im Gegensatze zu den steilgestellten
-Schichten der Kreide ziemlich flach gelagert und fallen mit schwacher
-Neigung nach Norden ein, wo sie von Keuper und Jura überdeckt werden
-(Abb. 10). Im großen und ganzen ist der Osning ein Sattel, aber
-ein solcher mit derartig tief entlang der Sattelspalte oder einem
-System von Staffelbrüchen versenktem Südflügel, daß die Kreide in
-das Niveau der älteren Trias des Nordflügels gelangte. Abbildung
-10 gibt davon ein schematisches Bild, dem etwa die Gegend östlich
-Bielefeld zugrunde liegt; in ihm sind zur Vereinfachung der Darstellung
-die Zwischenstaffeln zwischen oberem Buntsandstein und Kreide
-fortgelassen. Die westfälische Kreidemulde erweist sich gegenüber
-den Triasschichten des Osnings als ein Senkungsfeld großartigen
-Maßstabes, und der Nordrand dieses Senkungsfeldes fällt zusammen mit
-dem »Osningabbruch« entlang der »Osningachse«, der am ganzen Osning
-zu verfolgenden Hebungslinie dieses Gebirges (Abb. 11). Der Druck,
-der das Gebirge schuf, kam von Süden, und das Rückland, d. h. der der
-Druckrichtung zugewandte Teil des Osningsattels ging in die Tiefe,
-wobei sich die sinkenden[A] Schichttafeln beim Abgleiten entlang der
-stehenbleibenden[2] Masse des Nordflügels an ihrem äußersten Rande
-bis zur Überkippung aufrichteten und die Osningspalte weithin unter
-Fortwirkung des horizontalen Druckes zur Osning-Überschiebung wurde.
-Wir haben hier jenen Fall des Zusammenwirkens vertikalen Absinkens
-und horizontalen Druckes bei sinkendem Rücklande, den E. Sueß als
-»Rückfaltung« bezeichnet hat.
-
-[2] Vergl. Anmerkung Seite 7.
-
-[Illustration: Abb. 10. Schematisches Profil des Osnings (unter
-Fortlassung der Zwischenstaffeln zwischen Kreide und Buntsandstein).]
-
-[Illustration: Abb. 11. Die Hebungslinien des Teutoburger Waldes.
-Maßstab 1 : 1500000.]
-
-[Illustration: Abb. 12. Der Teutoburger Wald bei Detmold. Der vordere
-Bergzug besteht aus Muschelkalk und enthält die »Osning-Achse«, der
-hintere (Grotenburg mit Hermannsdenkmal) aus Kreide.
-
-Nach einer Photographie von H. Stille 1908.]
-
-Wenn sich nun auch das tektonische Bild des Osnings, wie es in
-Abbildung 10 aus der Gegend östlich Bielefeld gegeben ist, in der
-verschiedensten Weise modifiziert, so bleibt doch als etwas Konstantes
-und Schritt für Schritt zu Verfolgendes die Heraushebung nach einer
-herzynisch gerichteten, vielfach aufgerissenen Sattellinie, der
-Osningachse, bestehen, und auch die paläozoischen Horste des Hüggels
-und der Ibbenbürener Bergplatte sind an diese Achse gebunden. Bis
-etwa bei Detmold liegt sie ganz nahe am Rande der westfälischen
-Kreide, rückt dann aber etwas von ihr ab. In Abbildung 12 bilden
-jenseits der Stadt Detmold die nach der Osningachse aufgewölbten
-Muschelkalkschichten den ersten Bergzug, jenseits dessen die das
-Hermannsdenkmal tragende Kreidekette sichtbar wird. Weiterhin ist
-die Achse vom Verfasser bis in das Vorland des Eggegebirges östlich
-von Driburg verfolgt worden, wo bei Herste diese bedeutendste aller
-Hebungslinien des Wesergebirgslandes in einem flachen Sattel von Röt
-und Wellenkalk ausklingt. Hier, wie weiter nördlich bei Hermannsborn,
-Vinsebeck und in gewissem Sinne auch bei Meinberg, sind an das
-Sprungsystem entlang der Achse Austritte von Kohlensäure gebunden. Bei
-Herste verwehren die undurchlässigen Rötschichten der Kohlensäure den
-Austritt, soweit nicht natürliche Spalten oder künstliche Bohrlöcher
-die Verbindung zur Tiefe schaffen. Abbildung 13 zeigt uns einen der
-erbohrten Kohlensäuresprudel der Firma Rommenhöller A.-G. zu Herste,
-der beim Aufsteigen Wasser mit sich aus der Tiefe emporreißt.
-
-[Illustration: Abb. 13. Kohlensäuresprudel der Firma Rommenhöller A.-G.
-bei Herste.
-
-Nach einer Photographie von Otto Liebert in Holzminden.]
-
-[Illustration: Abb. 14. Profil durch Falkenhagener Liasgraben und
-Köterberg. Maßstab 1 : 40000. (Zu Seite 18.)]
-
-[Sidenote: Das Wiehengebirge.]
-
-Auf den Röt und Muschelkalk am Nordflügel des Osningsattels legen sich
-nördlich Bielefeld die Schichten des Keupers, Lias, Doggers und Malms,
-und nur unbedeutende Störungen und Auffaltungen modifizieren lokal
-das Bild einer normalen Schichtfolge vom Osning zum Wiehengebirge.
-Letzteres verdankt seinen Charakter als Gebirge allein der hohen
-Widerstandsfähigkeit der Weißjura- und einzelner Braunjuraschichten
-gegen die im Gebiete des Lias und Keupers tief eingreifende Denudation.
-Das Wiehengebirge ist somit ein »Schichtstufengebirge« am Nordflügel
-des Osningsattels, kein tektonisch selbständiger Gebirgszug, und
-auch ¯seine¯ Hebungslinie ist für einen Teil seiner Erstreckung die
-Osningachse (Abb. 15). Weiter nordwestlich erscheinen aber nördlich der
-Osningachse und parallel zu ihr zwei neue Achsen (Abb. 10), diejenige
-des Holter Sattels und diejenige des Piesberges[3], so daß wir hier
-zwischen der westfälischen Kreidemulde und dem Wiehengebirge nicht,
-wie weiter südöstlich, nur die eine Hebungslinie, die Osningachse,
-sondern deren drei haben, die sämtlich herzynisch gerichtet sind, und
-von denen die Piesbergachse als die nördlichste zur Hebungslinie des
-Wiehengebirges wird. Vom Karbon des Piesberges liegt bis zum Weißen
-Jura des Wiehengebirges eine einigermaßen ununterbrochene Folge
-nördlich einfallender Schichten, den Nordflügel des Piesbergsattels
-bildend. Eine etwas spießeckig gerichtete Verwerfung schneidet diese
-Schichten nach Westen ab, und zwar den Weißen Jura bei Neuenkirchen,
-und damit endigt das durch die Widerstandsfähigkeit der Juraschichten
-bedingte Wiehengebirge.
-
-[3] Den Angaben über die Piesbergachse und die Endigung des
-Wiehengebirges liegen die Untersuchungen E. Haarmanns zugrunde.
-
-[Sidenote: Eggegebirge. Lippische Keupermulde.]
-
-Parallel zur Osningachse und südlich von ihr liegen nun im stark
-gestörten Vorlande des Eggegebirges weitere Hebungslinien, und alle
-diese verschwinden nach Westen unter der Kreide des Eggegebirges und
-Lippischen Waldes (Abb. 10); an der Egge hat die Kreide keinen Anteil
-an der Aufwölbung nach den Achsen, sondern legt sich diskordant über
-die aufgefalteten und gegeneinander verschobenen Schollen hinweg.
-
-Wir haben am Eggegebirge den infolge der Widerstandsfähigkeit der
-Schichten als Gebirgswall aufragenden östlichen Denudationsrand der
-westfälischen Kreide, die hier flach und ungestört liegt. Die Faltung
-ist am Teutoburger Walde in vorcretacischer Zeit von Süden, dem Gebiete
-der heutigen Egge, ausgegangen und in postcretacischer (tertiärer)
-Zeit, teilweise vielleicht auch schon in spätcretacischer Zeit nach
-Norden, zum Osning, vorgerückt.
-
-[Illustration: Abb. 15. Das Wiehengebirge als Schichtstufe auf dem
-Nordflügel des Osning-Sattels.
-
-~Kr~ = Kreide. ~j_{3}~ = Malm. ~j_{2}~ = Dogger. ~j_{1}~ = Lias. ~Kp~ =
-Keuper. ~m~ = Muschelkalk. ~bs~ = Buntsandstein. (Zu Seite 16.)]
-
-Im Gegensatz zu der Gestörtheit der Schichten am Teutoburger Walde
-haben wir in dem weiten Gebiete zwischen diesem Gebirge und der
-Weser recht regelmäßige Lagerungsverhältnisse. Den Hauptteil nimmt
-die Lippische Keupermulde ein, aus der sich der in seinem Kerne
-aus Buntsandstein bestehende Pyrmonter Sattel herauswölbt. Die
-Verwerfungen, die in der Tiefe des Pyrmonter Talkessels aufsetzen,
-sind in bezug auf Sprunghöhe zwar nicht bedeutend, aber insofern
-höchst bemerkenswert, als an ihnen die Heilquellen des Bades zur
-Tagesoberfläche gelangen. Im herzynischen Fortstreichen des Pyrmonter
-Sattels wölbt sich ein Muschelkalksattel südöstlich Vlotho aus dem
-Keuper empor, und weiterhin entfällt in das System der Störungen
-entlang der »Pyrmonter Achse« ein von Vlotho bis Oeynhausen
-verfolgbarer Sprung, welcher der in tiefen Schichten der Erdkruste
-beheimateten Thermalsole des Bades Oeynhausen den Weg in höhere öffnet,
-aus denen sie durch Bohrlöcher gewonnen wird. 10 ~km~ südwestlich
-davon verläuft der »Quellsprung« des Bades Salzuflen, der Nordabbruch
-der Herforder Liasmulde. Die Pyrmonter Achse (Abb. 9) ist eine
-Parallelachse zu derjenigen des Osnings, und es wird noch festzustellen
-sein, ob sie als die Fortsetzung der Piesbergachse jenseits eines
-Gebietes mehr schwebender Lagerung gelten darf. Den südlichen Teil der
-Lippischen Keupermulde durchzieht in nordwest-südöstlicher Richtung
-von Polle bis fast zur Egge eine Zone eingesunkener Liasschichten,
-die Falkenhagener Grabenzone. Sie verläuft etwas nördlich des
-Köterberges, der auf der Höhe aus Oberem Keuper (Rhät) besteht, den wir
-am Falkenhagener Graben tief versenkt unter dem Lias zu suchen haben.
-Treppenförmig erfolgt dabei der Abbruch, wie in Abbildung 14 in der
-Höhenlage des Rhäts am Bentberge zum Ausdrucke kommt.
-
-Nach Südosten folgen links der Weser zwischen Höxter und Holzminden
-als Liegendes der sich allmählich heraushebenden Keupermulde die
-Schichten des Muschelkalkes, die sich nach Westen in der Brakeler
-Muschelkalkschwelle fortsetzen, und darunter endlich jenseits der
-Weser die weit ausgedehnten Buntsandsteinschichten des Sollinger
-Waldes, die hier vielfach durch grabenförmig versenkte Streifen von
-Tertiärgebirge unterbrochen sind; an solche versenkten Streifen ist der
-Braunkohlenbergbau des Sollings gebunden.
-
-[Sidenote: Die Gebirge rechts der Weser.]
-
-Die geologische Fortsetzung des Sollings nach Süden und gewissermaßen
-nur ein von ihm durch das Wesertal abgetrennter Teil ist der
-Reinhardswald. Nordöstlich des Sollings, teilweise zwar von ihm durch
-die Liasversenkung des Einbeck-Markoldendorfer Beckens getrennt,
-verläuft ein Zug in sich sattelförmig angeordneter und an Verwerfungen
-gegenüber den Nachbargebieten herausgehobener Buntsandsteinschichten,
-der die Bergzüge des Elfas, Homburgwaldes und Voglers zusammensetzt.
-Wir finden in ihm eine wichtige Hebungslinie des Wesergebirgslandes,
-die wir nach der in sie entfallenden Antiklinale des Elfas als die
-»Elfasachse« bezeichnen können und an der im Gebiete der Homburg sogar
-Zechsteinschichten die Tagesoberfläche erreichen. Gegen die entlang
-dieser Achse aufragenden alten Schichten liegt nach Feststellungen von
-O. Grupe der Solling an einer herzynischen Bruchzone abgesunken. Eine
-Hebungslinie von gleicher tektonischer Bedeutung, die »Leinetalachse«,
-folgt dem Leinetale zwischen Elze und Groß-Freden und bringt dort die
-Kalisalze des Zechsteins in abbauwürdige Teufen. Zwischen der Elfas-
-und der Leinetalachse liegt mit gleichfalls herzynischem Streichen das
-aus Jura- und Kreideschichten zusammengesetzte tektonische Senkungsfeld
-der Hilsmulde. Scharf hebt sich in ihr der Weiße Jura heraus, der am
-Südwestflügel den Ith, am Nordostflügel den Kahnstein, Thüster Berg,
-Duinger Berg und Selter zusammensetzt. Das Innere der Mulde bilden
-Kreideschichten, die den hochaufragenden Bergzug des Hils bilden, nach
-dem die ganze Mulde benannt ist. Vom Ith zur Weser bei Bodenwerder
-durchwandern wir Keuper und Muschelkalk quer zu ihrem Streichen und
-kreuzen die im Fortstreichen leicht verfolgbaren Rücken der festen
-Schichten, zunächst denjenigen des Rhäts, der zur Hasselburg und zum
-Schecken (Obensburg) bei Hameln führt, und danach denjenigen des
-Muschelkalkes. Zwischen dem aus Buntsandstein bestehenden Vogler und
-dem Muschelkalkzuge bilden die mürben Schichten des Röts, zwischen
-dem Muschelkalk- und dem Rhätzuge diejenigen des Mittleren Keupers
-und zwischen Rhätzug und Ith diejenigen des Unteren und Mittleren
-Juras herzynisch streichende Einsenkungen. Den Gegenflügel des
-Muschelkalkzuges im Vorlande des Iths finden wir zwischen Kahnstein und
-Leine in dem Bergzuge des Külf.
-
-Abbildung 6 auf Seite 10 zeigt ein Profil durch die Bergzüge zwischen
-dem Nordende der Hilsmulde und der Hannoverschen Tiefebene. Im großen
-und ganzen haben wir einen Sattel, dessen Kern im Tale von Springe
-liegt und dessen Flügel vom Deister einerseits, vom Saupark und
-Nesselberg anderseits gebildet werden. Die miteinander verschmelzenden
-Bergzüge des Osterwaldes, Sauparks und Nesselberges gehören tektonisch
-eng zusammen und bilden eine in sich stark zerrüttete Mulde von
-Wealden und Juraschichten, von der allerdings im nördlichen Teile der
-Westflügel durch die in Abbildung 6 angedeutete Verwerfung teilweise
-abgeschnitten ist.
-
-Die am südöstlichen Deister noch fehlenden Münder Mergel stellen
-sich etwa in der Höhe von Springe ein und schwellen nach Westen und
-Nordwesten stark an, wo aus ihnen in den Salinen von Münder und
-Sooldorf Sole gewonnen wird. Der nordwestliche Teil des kleinen
-Deistergebirges besteht in der Hauptmasse aus nordwärts fallenden
-Schichten des Wealden, und in dem Maße, wie der feste Wealdensandstein
-nach Bad Nenndorf zu an Mächtigkeit verliert, verringert sich auch
-die Höhe des Gebirges, wobei allerdings noch allerlei Störungen
-eine Rolle spielen. Eine schmale Niederung trennt bei Nenndorf das
-Nordwestende des Deisters von dem Nordostende der Bückeberge, die
-in diesem äußersten Teile den Namen Heisterberg führen, und Deister
-und Heisterberg ordnen sich mit ihren Schichten symmetrisch zu
-einer nord-südlich gerichteten Achse derart, daß wir sie als stark
-divergierende Flügel eines Sattels ansprechen können. Diese Achse
-nimmt im Fortstreichen die herzynische Richtung, die der Deister in
-seiner ganzen Länge befolgt und die auch von den Bückebergen weiter
-östlich eingeschlagen wird, und die abweichende Richtung der östlichen
-Bückeberge beruht auf rein lokaler Ausbiegung der Schichten inmitten
-eines im übrigen herzynischen Sattelsystems.
-
-Wir sahen bereits, daß die Bückeberge eine durch die
-Widerstandsfähigkeit der Wealdensandsteine bedingte Gebirgsschwelle im
-Hangenden des Juras der Wesergebirgskette und des südlich der Weser
-sich heraushebenden Keupers sind (Abb. 4). Die Wesergebirgskette
-führt nach Osten zum Süntel, und zwar bilden die Weißjuraschichten im
-Fortstreichen der Weserkette, wie neuerdings E. Scholz im einzelnen
-untersucht hat, den Südflügel der Süntel-Synklinale, deren Inneres im
-östlichen Teile des kleinen Gebirges neben gering ausgedehntem Neokom
-die im großen und ganzen die Form eines Hufeisens beschreibenden
-Schichten des Wealden einnehmen, die den Untergrund der höchsten
-Erhebungen des Süntels bilden.
-
-
-
-
-~III.~ Klima und Gewässer.
-
-
-[Sidenote: Klima.]
-
-Das Klima des Weserberglandes ist als ein gemäßigtes zu bezeichnen.
-Die mittlere Jahrestemperatur in den Haupttälern bis zum Oberlauf der
-Flüsse beträgt wie im nördlich vorgelagerten Flachlande über 8° ~C~,
-während sie auf den Höhen auf 6° sinkt. Die Verteilung der Wärme auf
-die vier Jahreszeiten ist aber wesentlich anders als im Flachlande.
-Der Januar zeigt bis Münden hinauf in den Tälern einen mittleren Stand
-von 0°, auf den Höhen von -1°, ist also kälter als an der Küste,
-wo das Meer erwärmend wirkt, und wärmer als auf den benachbarten
-Mittelgebirgen, Harz, Rhön, Thüringer Wald mit -3 bis -4°. Im April
-dagegen übertrifft die Mitteltemperatur der Gebirgstäler die des
-Flachlandes, da der höhere Sonnenstand im Süden sich bereits bemerkbar
-macht, während in größerer Seenähe das noch winterlich kalte Meerwasser
-die Lufttemperatur ungünstig beeinflußt. Es steht in dieser Jahreszeit
-der Küstentemperatur von etwa 7° eine solche von 8° in den Tälern des
-oberen Wesergebietes gegenüber. Die Höhen freilich haben auch dann
-im Mittel nur 5 bis 6°, übertreffen aber immerhin noch die Rhön mit
-3°, den Thüringer Wald mit 2° und den Brocken mit 0,5°. Im Juli haben
-die Täler des Hügellandes ungefähr die gleiche Temperatur wie das
-Flachland, nämlich 17 bis 18°, da die entgegengesetzte Wirkung des
-höheren Sonnenstandes im Süden und der absolut höheren Lage einander
-aufheben. In größeren Höhen zeigt sich dagegen schnelle Abnahme der
-Temperatur, auf den 300 bis 500 ~m~ hohen Weserbergen bis zu 15°
-(vergleiche Rhön 13°, Kamm des Thüringer Waldes 12°, Brocken 11°). Der
-Oktober endlich weist ähnliche Zahlen auf wie der Jahresdurchschnitt.
-
-[Sidenote: Temperatur und Niederschläge.]
-
-Die Zunahme und Abnahme der Temperatur erfolgt nicht gleichmäßig von
-Monat zu Monat. Die rascheste Steigerung erfolgt um 4 bis 5° vom April
-zum Mai, der stärkste Absturz vom Oktober zum November; langsam dagegen
-(etwa um 1°) ist die Temperaturabnahme vom Juli zum August und vom
-Dezember zum Januar, ebenso langsam die Zunahme vom Januar zum Februar.
-
-Nennen wir Winter die Zeit, in der die mittlere Tagestemperatur im
-Durchschnitt der Jahre unter den Gefrierpunkt sinkt, so ist dessen
-Dauer in den Niederungen unseres Gebietes auf zwei bis vier Wochen zu
-veranschlagen. Auf den Höhen dauert er dagegen von Anfang Dezember bis
-Ende Februar. Zum Vergleich diene die Bemerkung, daß das Flachland
-am Unterlauf der Weser keinen Winter im angegebenen Sinne kennt, daß
-dagegen auf der Rhön von Mitte November bis Mitte März Winter herrscht
-und auf dem Brocken gar fünf Monate lang.
-
-[Illustration: Abb. 16. Buchenhochwald am Blümer Berg bei Münden. (Zu
-Seite 31.)]
-
-[Sidenote: Niederschläge.]
-
-Im allgemeinen haben die höher gelegenen Orte die größere jährliche
-Niederschlagsmenge, da das Aufsteigen der feuchten Luftschichten in
-höhere und kältere Lagen eine Verdichtung der Wasserdämpfe und somit
-den bekannten Steigungsregen bewirkt. Zu berücksichtigen ist aber
-außer der Höhe eines Ortes die Frage, ob er an der Windseite (d. h.
-in unserem Klima Westseite) des benachbarten Gebirges oder auf der
-dem Winde abgewandten Ostseite liegt. Auf letzterer ist nie so viel
-Niederschlag. Überhaupt verliert die vom Meere hereinströmende Luft
-auf ihrem Wege landeinwärts immer mehr von ihrer Feuchtigkeit, so daß
-Orte von gleicher Meereshöhe im Westen mehr Niederschlag haben als im
-Osten. So findet man beispielsweise am Wiehengebirge und am Teutoburger
-Wald bereits bei 70 ~m~ Seehöhe eine Niederschlagsmenge von 700 ~mm~,
-während man, um diese anzutreffen, im Solling bis zu 175 ~m~, im
-Harz bis zu 200 ~m~ hinaufsteigen muß. Über 1 ~m~ Jahresniederschlag
-zeigen nur einzelne hochgelegene Stellen des Teutoburger Waldes und
-des Eggegebirges, auf 900 bis 1000 ~mm~ kommen die Höhen des Sollings,
-Hilses, Iths und Süntels, ferner der Köterberg und weitere Teile des
-Teutoburger Waldes; viel größere Flächen nimmt die Zone von 800 bis
-900 ~mm~ ein, während die im Schutze höherer Berge liegenden Täler und
-Abhänge die Stufen von 600 bis 800 ~mm~ ausfüllen.
-
-[Illustration: Abb. 17. Eibenruine bei Freudental unweit Münden. (Zu
-Seite 28.)]
-
-Der regenreichste Monat ist überall der Juli mit 11 bis 13% der
-Jahresmenge, die feuchteste Jahreszeit der Sommer. Diese hat in den
-Tälern des Südens 34-38 vom Hundert der gesamten Jahresmenge an Regen.
-Je höher aber die Orte liegen, desto mehr bekommen auch die anderen
-Jahreszeiten ihren Anteil an der Niederschlagsmenge, so daß auf dem
-Solling -- ähnlich wie auf dem Oberharz -- bereits die Winterregen
-überwiegen.
-
-Die Zahl der Niederschlagstage beträgt in den Tälern etwa 150 fürs
-Jahr; auf den Höhen ist sie größer. Zum Vergleich diene es, daß
-Hannover nur 137, Cassel 149, Osnabrück dagegen 164 und Schießhaus im
-Solling 173 Niederschlagstage haben. Innerhalb eines Monats geht die
-durchschnittliche Zahl nicht über 18 hinauf und nicht unter 10 herunter.
-
-[Illustration: §. Abb. 18. Der Meiler ist »holtrei«. Aus dem Solling.
-(Zu Seite 34.)]
-
-Wollte man aus der Verteilung der Niederschläge in den einzelnen
-Monaten und Jahreszeiten unmittelbar auf die in den Bächen und Flüssen
-jeweilig zu Tal beförderte Wassermenge schließen, so würde man sich
-gewaltig täuschen. Es darf nicht außer acht gelassen werden, daß die
-Zeiten des stärksten Niederschlages infolge ihrer hohen Temperaturen
-auch die Zeiten der stärksten Verdunstung sind. Infolgedessen versiegen
-besonders auf Kalkboden und auf spaltenreichem Sandstein, wo das Wasser
-zu unterirdischem Abfluß neigt, die Bäche im Sommer oft ganz und gar,
-wie z. B. mit ihren bezeichnenden Namen die Durrbeke bei Altenbeken
-und die Dürre Holzminde im Solling; und die Weser selbst hat leider
-ihren niedrigsten Wasserstand gerade zu der Zeit, wo sonst für die
-Schiffahrt die Bedingungen am günstigsten liegen. Größere Wassermengen,
-ja Überschwemmungen bringt mildes Winter- und Frühlingswetter, wenn die
-aufgespeicherten Feuchtigkeitsvorräte infolge der Schneeschmelze zu
-Tale eilen. Waren früher in den flacheren Talabschnitten die Hochwässer
-sehr gefürchtet und für den Verkehr störend, so haben sie seit der
-besseren Regulierung des Flußlaufes, der Vertiefung des Bettes,
-der Erweiterung der Durchlässe usw. das meiste von ihren Schrecken
-verloren. Hochwasserkatastrophen wie die vom Februar 1909 gehören
-jedenfalls zu den Seltenheiten.
-
-[Illustration: §. Abb. 19. Köhlerhütte im Vogler. (Zu Seite 34.)]
-
-[Sidenote: Die Weser.]
-
-Wenn die Weser bei Münden in unser Gebiet eintritt, hat sie eigentlich
-bereits zwei Fünftel ihres ganzen Weges und fast drei Fünftel ihres
-in das Gebirgsland fallenden Laufes hinter sich. Denn wir werden die
-Werra als das oberste Stück der Weser anzusprechen haben. Zwar hat die
-Fulda ein um ein Viertel größeres Niederschlagsgebiet als die Werra und
-besitzt in der Eder nebst der Schwalm Zuflüsse von einer Bedeutung,
-wie sie der Werra fehlen; dafür steht sie aber an Lauflänge hinter
-der Werra in dem Verhältnis von drei zu vier zurück. Spricht ferner
-zugunsten der Fulda die Abflußmenge, die unter normalen Verhältnissen
-der der Werra mindestens gleich kommt, bei Hochwasser aber sie bei
-weitem übertrifft, so könnte man für die Werra die gleiche Laufrichtung
-und den gleichen Charakter als Waldgebirgsstrom anführen, während
-die Fulda abgesehen von dem untersten Teile ihre eigene Physiognomie
-hat als Abfluß eines sanft welligen, offenen Hügellandes. Dieser
-Eindruck muß sich schon unseren Altvordern aufgezwungen haben. Sonst
-hätten sie nicht dem von der Rhön herabkommenden Fluß eine eigene
-Bezeichnung gegeben und hätten nicht das Kind des Thüringer Waldes
-mit dem Namen des Hauptstromes benannt. Dies ist aber tatsächlich
-geschehen. Denn den Formen »Werra« und »Weser« liegt bekanntlich die
-gleiche Urform »Wisar-Aha«, d. h. Westfluß, zugrunde, die durch eine
-nicht ungewöhnliche Angleichung des ~S~ an ~R~ im mitteldeutschen
-Sprachgebiet zu »Wirraha« und weiter zu »Werra« wurde, während die
-niederdeutschen Anwohner das ~S~ erhielten und den Namen nur zu
-»Wesera« und »Weser« verkürzten. Wenn man daher nicht, wie frühere
-Zeiten es taten, jeden der beiden Namen in Bezug auf den ganzen Strom
-beziehen und den einen oder den anderen anwenden will, je nachdem
-man eben hochdeutsch oder plattdeutsch spricht, dann müßte man die
-niedersächsische Benennung schon von der Sprachgrenze an abwärts
-gebrauchen und so das Stück des Flusses von oberhalb Hedemünden bis zum
-Einfluß der Fulda bereits der Weser zurechnen.
-
-[Illustration: §. Abb. 20. Köhler im Solling auf dem brennenden Meiler.
-(Zu Seite 34.)]
-
-Das Tal von Münden bis Minden zeigt einen regelmäßigen Wechsel
-zwischen engen, gewundenen Schluchten und breiten, mehr gradlinig oder
-flachbogig verlaufenden Niederungen. Dieser Wechsel hängt mit der
-geologischen Beschaffenheit des Geländes insofern zusammen, als der
-Fluß in den Tälern der letzteren Art im allgemeinen auf Gesteinsgrenzen
-dahinströmt, im anderen Falle aber seinen Weg durch ein und dieselbe
-Formation hindurchbricht, und zwar nacheinander durch Buntsandstein,
-Muschelkalk, Keuper und Jura. Auf diese Weise entstehen sieben
-Stromabschnitte, von denen die ersten vier annähernd gleiche Länge
-haben, nämlich rund je 40 bis 45 ~km~, die letzten drei jedoch zusammen
-nur halb so lang sind als jedes der ersten.
-
-[Illustration: §. Abb. 21. Köhler im Solling beim Verpacken fertiger
-Kohlen. (Zu Seite 35.)]
-
-Im obersten Abschnitte fließt die Weser von Münden bis Herstelle in
-enger Spalte durch Buntsandstein, von dort auf der Grenze zwischen den
-beiden ältesten Gliedern der Trias bis zur Mündung des Forstbaches
-in ziemlich breitem Tale. Bei der Domäne Forst tritt sie in das
-Muschelkalkplateau ein, das sie wiederum in engem Tale durchbricht.
-Bei Ohsen beginnt der vierte Talabschnitt, den wir bis zu dem
-lippischen Dorfe Erder rechnen können, und der abgesehen von der etwas
-schmaleren Stelle bei Hameln wieder recht breit ist. Er scheidet
-diesmal die jurassische Weserkette von den Keuperbergen Lippes. Dann
-folgt von Erder bis Rehme der Durchbruch durch das Keupergebirge;
-von Rehme bis Hausberge strömt die Weser zwischen der Weserkette und
-bedeutenden Diluvialablagerungen in breitem Tale ostwärts, und endlich
--- das wäre der siebente Abschnitt -- durchbricht sie in der Porta das
-Wesergebirge.
-
-Auf diesem Lauf hat die Weser bei einer Luftlinien-Entfernung von etwa
-105 ~km~ einen Weg von 204 ~km~ zurücklegt und ist dabei um 79 ~m~
-gefallen, d. h. durchschnittlich 387 ‰ oder 1 : 2584, wobei natürlich
-der Oberlauf im allgemeinen ein stärkeres Gefälle aufweist als die
-unteren Strecken.
-
-[Illustration: Abb. 22. Sattelmeierhof Nordhof bei Enger. (Zu Seite
-45.)]
-
-Stromspaltungen sind im Weserlauf äußerst selten und, wo sie
-vorkommen, durch Ablagerungen schwerer Geschiebe veranlaßt, die
-entweder unmittelbarer von den Talwänden oder durch Vermittlung von
-Nebenbächen dem Strombett zugeführt wurden. Meist hat man sie künstlich
-beseitigt. Nur bei Hameln und Bodenwerder besteht noch eine wirkliche
-Insel. Vorübergehend treten Teilungen des Flusses bei Hochwasser ein,
-dessen Flutrinnen an einigen Orten »Alte Weser« genannt werden und in
-einzelnen Fällen wirklich ehemaligen Flußbetten entsprechen mögen.
-Die Breite des Stromes, von Uferbord zu Uferbord gemessen, beträgt
-oberhalb Carlshafen durchschnittlich 100, unterhalb 120 bis 140 ~m~.
-Die Spiegelbreite schwankt naturgemäß und bleibt bei Mittelwasser um
-etwa 30 ~m~ hinter jener zurück. Ebenso verschieden ist nach Ort und
-Zeit die Tiefe des Flusses. Wo künstliche Ausbaggerung des Bettes nötig
-war, auf den sogenannten »Köpfen«, d. h. Schwellungen des natürlichen
-Untergrundes, begnügt man sich mit einer 25 ~m~ breiten Fahrrinne, die
-vorschriftsmäßig bei niedrigstem Wasserstande oberhalb Carlshafen
-80 ~cm~, unterhalb aber 1 ~m~ tief sein soll. An günstigen Stellen ist
-die Tiefe selbst bei Niedrigwasser etwas größer, bei Mittelwasser aber
--- abgesehen von einzelnen noch mehr bevorzugten Stellen -- 2 ~m~ und
-darüber.
-
-[Sidenote: Weserzuflüsse.]
-
-Ihre Zuflüsse erhält die Weser während ihres Laufes durch das Hügelland
-hauptsächlich von links, da rechts die Wasserscheide gegen die Leine
-und später gegen die Aue und andere Flachlandsbäche zu nahe liegt.
-So sind denn selbst die größten der von rechts mündenden Bäche, wie
-die Schwülme vom Dransfelder Höhenland, die Lenne aus der Hilsmulde
-und die Hamel vom Süntel ohne größere Bedeutung. Demgegenüber wären
-links zu nennen die Diemel, die von den Höhen des Sauerlandes mit
-beträchtlichem Gefälle herabkommt und in ihrem Mündungsgebiete bei
-Carlshafen früher ernstlich als Schiffahrtsstraße in Betracht genommen
-werden konnte, ferner die Neihe, die Emmer, die Humme und die Exter,
-sowie endlich die Werre, welche zusammen mit ihren Zuflüssen Else und
-Bega ein beträchtliches Stück des Lippischen und Ravensbergischen
-Hügellandes entwässert. Bekanntlich steht die Else in ihrem obersten
-Laufstück bei Gesmold in einer natürlich entstandenen, aber künstlich
-geregelten Verbindung mit der Hase, die ein Drittel ihres Wassers an
-die Else abgibt, während der Rest ihr selbst verbleibt und später der
-Ems zufließt. Das ist die berühmte Hase-Bifurkation, für welche die
-Anwohner das hübsche Wort Twielbiäke (Zwieselbach) verwenden.
-
-[Illustration: §. Abb. 23. Fränkisches Gehöft in Niederscheden bei
-Münden. (Zu Seite 44.)]
-
-Erwähnt mag noch werden, daß ein Teil unseres Hügellandes im Osten und
-Nordosten zur Leine, im Norden zur Hunte und somit nur mittelbar zur
-Weser entwässert; die West- und Südwesthänge des Egge-Osning-Zuges
-dagegen senden ihre Niederschlagswässer teils zur Lippe und somit zum
-Rhein, teils zur Ems. Auf der Hochfläche von Hartröhren im Teutoburger
-Wald, unfern vom Hermannsdenkmal, befindet sich der »hydrographische
-Knotenpunkt«, bei dem das Gebiet der Weser mit dem der Ems und des
-Rheines zusammenstößt. Und wahrlich, man hat den Eindruck, als ob hier
-für alle drei Flüsse genug Wassers vom Himmel herunterströmte, wenn man
-hört, daß der Hartröhrer Förster im Jahresmittel 1042 ~mm~ und im Jahre
-1894 gar 1159 ~mm~ Niederschläge gemessen hat.
-
-
-
-
-~IV.~ Der Wald.
-
-
-Wenn wir in dem folgenden Abschnitt über die Pflanzendecke unseres
-Gebietes handeln wollen, so betreten wir damit bereits die Grenze
-zwischen physikalischer und Anthropogeographie. Denn die heutige
-Vegetation ist ja nur zu einem Teile ein Ergebnis natürlicher
-Bedingungen, und neben, wenn nicht gar vor sie, tritt als bestimmende
-Macht der Mensch. Er weist nicht nur der einzelnen Pflanze und ganzen
-Gruppen Wohnplätze an und verbannt sie von anderen, sondern er läßt
-auch ganze Familien von Gewächsen aus einem Lande verschwinden und
-einwandernden Fremdlingen Platz machen. Wie schnell sich solch ein
-Wechsel selbst innerhalb eines Menschenlebens vollzieht, diese
-Beobachtung stimmte schon vor 700 Jahren den edlen Sänger Walter von
-der Vogelweide elegisch, da er als bejahrter Mann in seine Heimat
-zurückkehrte. Klagend rief er aus:
-
- Wo einst im tiefen Dunkel gerauscht der Tannenwald,
- Da wogen goldne Ähren, Kornblumen nicken drin --
- Nur du, geliebtes Wasser, strömst noch wie sonst dahin. (Samhaber.)
-
-[Illustration: Abb. 24. Hof in Kalkriese bei Engter (Osnabrück).
-Eigentümer: Hofbesitzer W. Fisse-Niewedde. (Zu Seite 45.)]
-
-[Sidenote: Wandel im Landschaftsbild.]
-
-Wer nach langer Abwesenheit in das Weserbergland zurückkehrt, wird
-dieselben Beobachtungen machen; ja oft wird er nicht einmal die
-alten Wasserläufe wiederfinden, sondern statt der sich schlängelnden
-Bäche »begradigte« Gräben. Mit dem murmelnden Quell aber ist manch
-liebliches Blümlein der Verkoppelung zum Opfer gefallen. Die stärkere
-Ausnutzung jedes Fleckchens Erde, die Pflasterung oder Beschotterung
-der Wege, das Aufräumen wüster Winkel hat die sogenannte Ruderalflora
-der Straßenränder, Dungstätten und Schutthaufen dem Untergange
-geweiht. Die aus Eichen und Buchen bestehenden Büsche, die besonders
-im Osnabrückischen und auch sonst in Westfalen zwischen den Feldern
-eingesprengt sind und dem ganzen Bezirk den Charakter eines Waldlandes
-geben, obgleich der Anteil des Gehölzes an der Bodenbedeckung
-verhältnismäßig nicht so groß ist, schwinden mehr und mehr (Abb. 101).
-Ebenso ergeht es vielfach in Westfalen den hohen Wallhecken, die neben
-Buche und Eiche auch Weißdorn- und Haselnußsträucher enthalten, und
-die »Kämpe« wandeln sich in offenes Feld um. Die Gemeindeänger sind
-verschwunden und zu Acker gemacht. Von den alten Waldbäumen ist die
-Eibe nahezu ausgerottet, und die wenigen noch wild wachsenden Exemplare
-werden als »Naturdenkmäler« gezeigt (Abb. 17 und 81). Der Wald ist aus
-der Tiefe der Täler fast ganz verbannt. In wesentlich höhere Lagen
-sind stellenweise die Felder emporgestiegen; aber weder das zarte
-Blau der Leinblüte, noch das üppige Goldgelb des Rapses schmückt
-mehr die Hänge und die Talbreiten. Vorbei auch sind die Zeiten, in
-denen »der Pappeln stolze Geschlechter in geordnetem Pomp vornehm und
-prächtig daherzogen«. Die Pyramidenpappel, übrigens auch ein Fremdling,
-ein Kind des sonnigen Welschlandes, hat an unseren Heerstraßen dem
-unscheinbaren, aber nahrhaften Apfelbaum weichen müssen, weil man ihren
-ungünstigen Einfluß auf die angrenzenden Felder erkannt hat, denen sie
-mit ihren weitverzweigten Wurzeln die Nahrung entzieht. Anderseits aber
-hat auch mit der Einschränkung der Hausschlachtung und Hausbäckerei der
-Bedarf an hölzernen Mulden und mit der Verbesserung der ländlichen Wege
-der Bedarf an Holzschuhen nachgelassen, die man beide, besonders im
-Schaumburgischen, aus ihrem weichen Holze heraushieb oder-schnitzte.
-
-[Illustration: §. Abb. 25. Diele in Sudenfeld, Kreis Iburg. (Zu Seite
-45.)]
-
-[Sidenote: Die Landschaft im Lauf der Zeiten.]
-
-Die Berge selbst haben ebenfalls ihr Aussehen verändert. Und wenn wir
-gelegentlich an Stelle einer Buchenkuppe, auf deren fein bis in die
-Einzelheiten durchmodellierter Oberfläche tausend Lichter spielten,
-eine ernst einförmige Fichtenpflanzung erblicken, so können wir uns in
-die Empfindung einer Mutter hineinversetzen, die ihres Sohnes geliebtes
-Lockenhaupt bei dessen Heimkehr aus der Fremde in einen modischen
-»Stiftekopf« verwandelt sieht.
-
-Nicht alle diese Eingriffe in die natürlichen Verhältnisse haben sich
-als zweckmäßig erwiesen. Manche hatten auch ungewollte und ungeahnte
-Nachteile im Gefolge. Das Niederlegen der Hecken und Regulieren der
-Bäche führte zur Austrocknung des Ackerbodens und beförderte die
-Mäuseplage. Die Umwandlung von Wald in Feld brachte, wo der Boden zu
-dürftig für den Körnerbau war, nicht die erhofften Erträge, und er
-verarmte ganz und gar. Deshalb war es nötig, die Walddecke vielfach
-wieder herzustellen und sich somit bis zu einem gewissen Grade den
-ursprünglichen Verhältnissen wieder zu nähern.
-
-[Sidenote: Der Wald im Altertum und Mittelalter.]
-
-Als ganz vom Urwald bedeckt dürfen wir uns unsere Gegend nämlich
-weder während der Anfänge menschlicher Besiedelung noch zu der Zeit
-denken, in der die Römer -- aus dem sonnigen Italien kommend --
-ihre übertriebenen Schilderungen von »des Waldes Duster« machten.
-Wie hätte ein solches Land Weide für das Vieh der nomadisierenden
-ersten Bewohner, wie auch Acker für die seit dem ersten christlichen
-Jahrhundert seßhaft werdenden Stämme liefern können? Ein Wechsel von
-Gehölz und waldfreiem Boden wird stets vorhanden gewesen sein; doch hat
-sich mehr und mehr das Verhältnis zuungunsten des Waldes verschoben.
-
-[Illustration: §. Abb. 26. Gehöft in Linnenbeke bei Vlotho. (Zu Seite
-45.)]
-
-[Sidenote: Der Wald in der Neuzeit.]
-
-Neue Ansiedelungen, vor allem die durch christliche Missionare und
-Klöster ins Leben gerufenen vor und nach Karl dem Großen, befriedigten
-ihr Landbedürfnis durch Rodungen. Erst seit dem dreizehnten Jahrhundert
-begegnen wir den ersten Anfängen von Maßnahmen zum Schutze des
-Waldes. Im sechzehnten Jahrhundert finden wir im Osnabrückischen
-die Vorschrift, daß auf jedem Hofe höchstens zwei Feuerstellen sein
-durften, nämlich das Haus des Besitzers und die »Leibzucht«, in welcher
-die Altenteiler wohnten. Auch war für Vollerben, Halberben und Kötter,
-die verschiedenen Stufen bäuerlicher Besitzerwürde, je ein Höchstmaß
-der Hausgröße vorgeschrieben, um den wertvollen »Obstbaum«, die für
-die Schweinemast unentbehrliche Eiche, nicht unnötig zu dezimieren.
-Später freilich räumte der Dreißigjährige Krieg grausam unter unseren
-Wäldern auf. Wie sich die Heere rücksichtslos das Brenn- und Nutzholz
-für ihre Zwecke holten, so konnten auch die Gemeinden die Forsten
-nicht schonen, wenn sie Geld zur Aufbringung von Kontributionen nötig
-hatten und nur durch rasche Befriedigung gestellter Forderungen ihre
-Ortschaft vor Einäscherung zu bewahren vermochten. Als nach dem Kriege
-die Volkszahl wieder stieg, sah man sich zur Hebung der Landwirtschaft
-wieder auf den Wald angewiesen. Hier holte man Laub und Plaggen als
-Streu, Gras und Kraut als Futtermittel, und hier ließ man auch das Vieh
-weiden, wodurch die natürliche Verjüngung des Gehölzes fast unmöglich
-wurde. So gab man den Wald, wenigstens als Hochwald, dem Untergange
-preis. Kümmerlicher Mittel- oder Niederwald trat an seine Stelle.
-Als die Marken im achtzehnten Jahrhundert aufgeteilt wurden, waren
-vielfach die Parzellen überhaupt für eine verständige Wirtschaft zu
-klein. Im Wiehengebirge und Osning liefen sie in schmalen Streifen über
-Berg und Tal. Da obendrein noch »Heide und Weide« gemeinsam blieb,
-war der Besitzer gar nicht in der Lage, sein Eigentum zu schützen,
-und niedriger Busch oder gar Heide waren die letzten Reste einstiger
-Pracht. Dieser Zustand hat sich dort auf weiten Strecken bis auf den
-heutigen Tag erhalten.
-
-Günstiger liegen die Verhältnisse an der oberen Weser. Aber auch
-hier hat der Wald seine Zeiten der Verwüstung durchgemacht, und
-zwar aus ähnlichen Gründen. Dazu kam aber dort noch die übermäßige
-Inanspruchnahme des Waldes durch die Pottasche-Siedereien für
-Leinenbleiche und Glasfabrikation hinzu. Außerdem bot die Weser und die
-Leine gute Gelegenheit zum Verflößen des Holzes, und auch das reizte
-zum Abholzen.
-
-[Illustration: §. Abb. 27. Diele eines lippischen Zieglerhauses in
-Heidelbeck. (Zu Seite 45.)]
-
-[Sidenote: Heutige Verteilung des Waldes.]
-
-Daß im neunzehnten Jahrhundert, welches fast gleichzeitig für die
-Landwirtschaft wie für die Forstkultur den Anfang einer verständigen
-und pfleglichen Behandlung der Natur bedeutet, die Wiederherstellung
-des Waldes im Süden besser gelang als im Nordwesten, erklärt sich aus
-den Besitzverhältnissen. Staats- und Gemeindebesitz zusammen umfaßt im
-Oberweser- und Diemelgebiet rund vier Fünftel, im Werregebiet nicht
-viel über ein Drittel, an der oberen und mittleren Ems und an der Hase
-wenig über ein Achtel des gesamten Waldbestandes. Zum Aufforsten aber
-sind natürlich langlebige Körperschaften besser befähigt als Private,
-denen für mehrere Generationen ein Verzicht auf jeglichen Ertrag
-zugemutet wird, wenn sie an Stelle auch noch so mageren Ackers oder
-dürrer Weide Waldbäume pflanzen sollen. Der lästigen Nebenbenutzer des
-Waldes entledigten sich Staat und Gemeinde durch Abfindungen, die auch
-dann nicht als allzu drückend empfunden wurden, wenn sie, wie besonders
-im Kreise Rinteln-Schaumburg, in Teilen des Waldes selbst bestanden,
-die dann der Urbarmachung anheimfielen.
-
-[Illustration: §. Abb. 28. Gasthaus in Volksen bei Rinteln. (Zu Seite
-45.)]
-
-Bei den Neuaufforstungen konnte man aber vielfach den alten Zustand
-nicht ohne weiteres wieder herstellen. Der verarmte Boden war nicht
-mehr imstande, Laubwald zu ernähren, und so mußte man denn die
-genügsame Kiefer als Pionier des Baumwuchses voranschicken; meist aber
-bot doch wenigstens die Fichte einen Ersatz für das entschwundene
-Buchengrün, das bis zum sechzehnten Jahrhundert noch fast alle Höhen
-überzog. Denn dieser herrliche Baum, dessen schlanke, silbergraue
-Stämme die grünen Kreuzgewölbe des deutschen Waldes am stolzesten
-tragen, gedeiht in unserem Klima vortrefflich auf allen Gesteinsarten
-der mesozoischen Formationen (Abb. 16). Gesellt aber hat sich ihm,
-wenn auch seltener in großen, geschlossenen Beständen, die Eiche,
-der am höchsten geschätzte Nutzbaum unserer Altvordern, der in den
-westfälischen Teilen unseres Gebietes früher stellenweise auch den
-ersten Platz einnahm. In der »Bramwaldischen Relation« von 1666
-werden nur Buche und Eiche dort als waldbildend genannt. Ebenso stand
-es im Solling, und der Reinhardswald war fast ausschließlich mit
-Buchen bestanden, wogegen jetzt die Buche nur 45% des Waldbodens im
-Oberwesergebiet innehat.
-
-[Illustration: §. Abb. 29. Motiv aus Exten bei Rinteln. (Zu Seite 54.)]
-
-Der Wiederkehr der alten Verhältnisse, die der Naturfreund mit Freuden
-begrüßen würde, steht nämlich mancherlei im Wege. Nicht auf allen
-Standorten leistet die Buche Genügendes, und die bequeme, schnell
-wachsende Fichte liefert als treffliches Nutzholz dem Forstfiskus
-Erträge, auf die er nicht verzichten kann.
-
-Der Anteil des Waldes an der Bodenbedeckung beträgt in dem
-Oberwesergebiet von Münden bis zur Porta unter Ausschluß der zur
-Diemel und Werre entwässernden Landesteile 35,3%, wobei aber bemerkt
-sein mag, daß das rechte Weserufer waldreicher ist als das linke. Das
-Diemelgebiet hat 31,2%, das Werregebiet dagegen 21,6 und das obere und
-mittlere Emsgebiet nur 19,3%. Die entsprechenden Ziffern für Preußen
-und das Deutsche Reich sind 23,7 und 25,9%. Als Hochwald werden im
-Oberwesergebiet 96,8% bewirtschaftet, im Diemelgebiet 96,7%, im Werre-
-und oberen und mittleren Emsgebiet nur 72,0 und 77,6%. Laubholz bedeckt
-im Oberwesergebiet 77,9, im Diemelgebiet 75,6%, im Werregebiet 72,4, im
-oberen und mittleren Emsgebiet 52,3% der Waldfläche.
-
-[Sidenote: Waldnutzung.]
-
-Als Kultur- und Wirtschaftselement hat der Wald früher eine größere
-Bedeutung gehabt als jetzt. Ehe man die in den schwarzen Diamanten
-unseres Landes, vor allem Westfalens, aufgespeicherten Kapitalien
-an Energie erschlossen und die gerade in unserem Gebiete reichlich
-vorhandenen unterirdischen Kaliablagerungen ans Tageslicht gezogen
-hatte, war es der Wald, insbesondere der Buchenwald, welcher die für
-manche Fabrikationszweige unentbehrlichen Stoffe, Kohle und Pottasche,
-liefern mußte. In jedem ländlichen Haushalt gehörte noch vor dreißig
-bis vierzig Jahren ein »Bükefaß« zum notwendigen Inventar; das war eine
-große hölzerne Tonne, in der die Leinenwäsche mit Buchenaschenlauge
-behandelt, d. h. »gebükt«, wurde. Dieses Bleichen mit dem aus der
-Holzasche gewonnenen kohlensauren Kali wurde an einzelnen Orten
-in größerem Stile gewerbsmäßig betrieben, so in Uslar am Solling
-und in dem benachbarten Sohlingen, wo noch heute eine »Königliche
-Musterbleiche« besteht, freilich mit einer inzwischen veränderten
-Betriebsweise.
-
-[Illustration: Abb. 30. Bauernfamilie aus Meinsen bei Bückeburg.
-Älterer Typus. (Zu Seite 54 bis 56.)]
-
-Große Massen Pottasche brauchten auch die Glashütten, deren es früher
-in allen waldigen Teilen unseres Gebietes, am Solling, an der Egge,
-am Bramwald, am Hils, am Deister und Bückeberg und an der Weserkette
-zahlreiche gab und zum Teil auch noch gibt. Der Wald lieferte ihnen
-außer Pottasche auch billiges Brennholz. Wie vieles Holz von ihnen
-verbraucht wurde, kann man sich vorstellen, wenn man hört, daß die
-kleine Glashütte Amelith im Solling in ihren blühendsten Zeiten
-20000 ~kg~ Pottasche jährlich verwendet haben soll, und dabei bedenkt,
-daß 1000 ~kg~ trockenen Holzes etwa 3 ~kg~ Asche und diese 3 ~kg~ Asche
-etwa 1 ~kg~ Kali enthalten.
-
-[Illustration: Abb. 31. Bauernmädchen aus der Gegend von Nenndorf. Nach
-einer Photographie von Gustav Kaulmann in Minden. (Zu Seite 54 bis 56.)]
-
-[Sidenote: Kohlenbrennerei.]
-
-Ein anderes aus dem Holze gewonnenes Erzeugnis ist die Kohle; man
-bedarf ihrer noch heute zur Herstellung feinerer Stahlarten und anderer
-Fabrikate.
-
-Zwar hat die verständige Gewinnung der Holzkohle, nämlich durch
-Abdestillieren der flüchtigen Bestandteile, die als Holzteer,
-Holzessig, Holzgeist, Aceton usw. mannigfach verwendbar sind, bei
-uns bereits Eingang gefunden. In Bodenfelde an der Weser z. B. ist
-eine solche Fabrik. Aber immer noch besteht auch die alte, zwar
-unzweckmäßige, aber poesieumwobene Kohlenbrennerei. Besonders im
-Bramwald, im Solling und im Vogler sieht man noch die Meiler dampfen.
-In der Nähe einer kühlen Quelle, die nach der heißen, staubigen Arbeit
-den erfrischenden Trunk spendet, hat sich der Köhler seinen Wigwam
--- ich wollte sagen seine Köte -- aufgebaut (Abb. 19). Es ist ein
-kreisrunder, kegelförmiger Bau aus Stangen, Reisig und Moos. Oben
-befindet sich ein Rauchloch, von einem kleinen Regenschirm aus den
-gleichen Materialien überbaut. Eine Tür mit Schutzdach ist an der Seite
-angebracht, und an sie schließt sich ein gemütliches Sitzbänkchen.
-So macht das Ganze von außen einen recht behaglichen Eindruck. Der
-Innenraum mit seiner mehr als bescheidenen Einrichtung dient zugleich
-als Küche und Schlafzimmer. Denn der Köhler muß auch nachts in der Nähe
-seiner Meiler bleiben.
-
-[Illustration: Abb. 32. Schulmädchen aus Eisbergen (Kreis Minden) auf
-dem Kirchgange. (Zu Seite 54 bis 56.)]
-
-Will er eine neue Kohlenstelle anlegen, so muß er zunächst den Boden
-mit der Schaufel einebnen. Dann schlägt er zwei etwa 2 ~m~ lange dürre
-Stangen dicht nebeneinander in die Erde und steckt zwischen sie kurze
-Stückchen trockenen Fichtenholzes. So entsteht der »Quandel«, der
-später dazu dienen soll, den Meiler von der Mitte aus zu entzünden.
-Nun werden ringsum etwa 1 ~m~ lange Knittel Buchenholz in immer größer
-werdenden Kreisen aufgestellt, jedoch so, daß am Boden ein kleiner
-Tunnel vom Quandel bis zum äußersten Rande ausgespart bleibt. Dies
-ist »dat Stekelock«, das Loch zum Anstecken. Zwei bis vier Stockwerke
-von Scheiten werden regelmäßig übereinander gebaut, und dann wird ein
-niedriges Gitterchen aus Buchenzweigen, das später die Decke halten
-soll, herumgeführt; so ist denn der Meiler »holtrei«, d. h. holzfertig
-(Abb. 18). Nun aber muß er mit welkem Buchenlaube verkleidet werden,
-und darüber wird Erde geschaufelt und festgeklopft. Etliche kunstvoll
-in Form eines Geländers rings herumgestellte Scheite verhindern das
-Abrutschen des oberen Teiles der Erddecke (Abb. 20). Aber bereits vor
-der völligen Eindeckung wird der Meiler angezündet. Jetzt heißt es
-aufpassen! Denn das Feuer will »regiert« sein. Es darf nicht ausgehen,
-aber auch nicht mit lichter Flamme auflodern. Um den Luftzutritt,
-von dem alles abhängt, auf das richtige Maß zu bringen, dienen dem
-Köhler die »Rumen«, d. h. Räume oder Löcher in der Decke, die er
-mit der Stange öffnen oder mit Erde schließen, bald nach oben, bald
-mehr nach unten verlegen kann. Alle sechs Stunden besteigt er seinen
-Meiler auf einer rohen Leiter, die aus einem einzigen Baumstamm mit
-eingekerbten Stufen besteht (Abb. 20); er überzeugt sich von dem
-Gange des Verkohlungsprozesses und füllt die eingesunkene Kuppe mit
-neuen Holzstücken auf. Nach etwa acht Tagen ist die Kohle »gar«.
-Der Meiler wird durch vorsichtiges Abheben und Wiederauflegen des
-»Drecks« gekühlt, die Kohlen nach und nach mit dem eisernen »Riethaken«
-(Reißhaken) vorsichtig herausgezogen, nach völligem Erkalten in Säcke
-gepackt und zu Wagen fortgeschafft (Abb. 21).
-
-[Sidenote: Holzverwertung.]
-
-Ein großer wirtschaftlicher Wert kommt natürlich dieser alten Industrie
-nicht zu. Wesentlich mehr Menschen finden ihre Nahrung in den großen
-Holzverwertungs-Unternehmungen unserer Waldgebiete, besonders an der
-Oberweser. So werden in Münden Trockenfässer, Eisenbahnschwellen,
-Parkett- und Pflasterklötze, in Carlshafen Fässer und Wiener Möbel, in
-Bodenfelde, Kaierde und Alfeld Schuhleisten, in Lauenförde, Hameln,
-Münder und Springe Stühle und in einigen Orten der Hilsmulde sowie in
-Wertheim bei Hameln Holzpappe und -papier gemacht. Von dem Umfang der
-Gesamtfabrikation wird man sich nicht leicht einen richtigen Begriff
-machen; immerhin ist es vielleicht interessant zu hören, daß die beiden
-größten unter jenen Werken zusammen 31500 Raummeter Holz, d. h. einen
-Würfel von fast 31½ ~m~ Kantenlänge, im Jahre verarbeiten.
-
-[Illustration: §. Abb. 33. Bauernmädchen aus Uffeln bei Vlotho. Einige
-unechte Bestandteile (Tücher, Schürzen) dringen in die Volkstracht ein.
-(Zu Seite 54 bis 56.)]
-
-Erscheinen uns solche Ziffern hoch, so wird es uns anderseits wundern
-zu hören, daß in den beiden waldreichen Kreisen Uslar und Münden
-nur 15,7 und 11,4% aller im Hauptberuf erwerbstätigen Einwohner in
-Forstwirtschaft oder Holzindustrie ihren Unterhalt finden. Trotz dieser
-beschränkten volkswirtschaftlichen Bedeutung der Waldindustrien wird
-doch der Naturfreund an deren Bestehen seine Freude haben. Denn sie
-geben der Forstverwaltung Gelegenheit, das Buchenholz, das früher fast
-nur zum Brennen diente, nützlich zu verwerten, und so bieten sie eine
-erneute Gewähr für die Erhaltung unserer herrlichen Laubwälder.
-
-
-
-
-~V.~ Bäuerliche Verhältnisse.
-
-
-Das gesamte Weserberggebiet ist, was seinen landwirtschaftlichen
-Charakter anlangt, Bauernland; Großgrundbesitz findet sich in
-bemerkenswertem Maße nur im südlichen Teil des Regierungsbezirks
-Minden, wo die dem Herzog von Ratibor gehörige Herrschaft Corvey
-allein schon ein mächtiges Areal bedeckt; Zwergwirtschaften überwiegen
-an der Oberweser, in den Kreisen Münden und Hofgeismar. Die dortige
-niederdeutsche Bevölkerung ist nämlich stark mit mitteldeutschen
-Bestandteilen vermischt und folgt der fränkischen Sitte, nach der das
-ländliche Besitztum unter die gleichberechtigten Erben aufgeteilt wird,
-während sich der Hof in Niedersachsen und Westfalen als Ganzes vererbt.
-
-[Illustration: Abb. 34. Bauersfrau aus Hahlen bei Minden. (Zu Seite
-56.)]
-
-[Sidenote: Bäuerliche Besitzverhältnisse.]
-
-Hier bestehen von der gesamten landwirtschaftlich benutzten Fläche
-etwa drei Viertel aus Betrieben von 5 bis 100 ~ha~, d. h. aus
-Mittelbetrieben, unter denen wiederum die kleineren überwiegen.
-Sobald die Größe von 20 ~ha~ überschritten ist, kann der Besitzer
-fremder Arbeitshilfe nicht mehr entbehren. Diese gewinnt er, wenn
-auch neuerdings mit Schwierigkeiten, meist in der Form von Knechten
-und Mägden, die der Hausgemeinschaft angehören. Dazu kommen im
-Osnabrückischen und in Minden-Ravensberg seit dem siebzehnten
-Jahrhundert die sogenannten Heuerlinge deren der einzelne Hof zwei
-oder auch mehr hat. Die Entstehung des Heuerlingswesens ist wohl
-darauf zurückzuführen, daß die während des Dreißigjährigen Krieges
-heruntergekommenen Bauern das Bedürfnis empfanden, einzelne Teile ihres
-Besitztums zu verpachten, um sich so eine wenn auch bescheidene Rente
-zu sichern. Die Heuerlinge sind Landwirte nur im Nebenberuf. Früher
-waren sie meist Leinweber und haben sich, nachdem sie beim Niedergang
-der westfälischen Handleinenweberei eine furchtbare wirtschaftliche
-Krise durchgemacht hatten, zum Teil anderer industrieller Arbeit, u. a.
-auch der Zigarrenmacherei zugewendet. Ihr eigentümliches Verhältnis zum
-Hofbesitzer besteht darin, daß ihnen das Häuschen nebst 1½ bis 2 ~ha~
-Land, worauf sie zwei Kühe halten können, zu äußerst geringem Pachtzins
-überlassen wird, wogegen sie wieder für einen sehr niedrigen Tagelohn
-arbeiten müssen, sobald der Bauer ihrer Hilfe bedarf. Niedersachsen
-kennt keine eigentlichen Heuerlinge. Wohl aber gibt es auch dort wie in
-Westfalen Industriearbeiter, die, um etwas Landwirtschaft zu treiben,
-einiges Land mit einem Häuschen gekauft oder gepachtet haben; aber sie
-treten zu dem ursprünglichen Besitzer in kein anderes als ein lockeres
-geschäftliches Verhältnis.
-
-[Illustration: Abb. 35. Bauer aus Hahlen bei Minden, Vater der vorigen.
-(Zu Seite 54.)]
-
-[Sidenote: Siedelungsformen.]
-
-Ein anderer Unterschied zwischen beiden Gebietsteilen betrifft die
-Form der bäuerlichen Ansiedelung selbst. Es ist ja bekannt, daß die
-Höfe in Westfalen meist zerstreut liegen, in Niedersachsen aber
-mehr in geschlossenen Dörfern. Eine scharfe Grenzscheide läßt sich
-freilich nicht ziehen. Denn im sogenannten Einzelhofgebiet gibt es
-auch geschlossene Ortschaften und umgekehrt im Dorfgebiet Weiler
-und vereinzelte Höfe. Zwar herrscht östlich von der Linie Porta
-Westfalica-Externsteine das Dorf vor und westlich von ihr der Hof.
-Das hindert aber nicht, daß der ganze Nordfuß des Wiehengebirges
-von Dörfern umsäumt ist. Unerklärt ist bisher der Ursprung dieser
-verschiedenen Siedelungsformen. Denn Meitzens Annahme, daß der
-Einzelhof keltischen, das Dorf aber germanischen Ursprungs sei,
-hat fast allenthalben Widerspruch gefunden. Jedenfalls verrät sich
-das Dorf als eine gemeinsame Gründung einer beschränkten Zahl
-von Stammesgenossen. Als sie das Bedürfnis empfanden, von einer
-nomadisierenden Lebensweise, bei der der Ackerbau gegenüber der
-Viehzucht nur eine ganz untergeordnete Rolle spielen konnte, zur
-Seßhaftigkeit überzugehen, da nahmen sie nach und nach einzelne
-Landstücke, Gewanne genannt, unter den Pflug, indem sie sie gegen den
-Einbruch des Wildes und des Weideviehes einzäunten und in Streifen
-unter sich aufteilten. Durch allmähliche Hinzunahme neuer Gewanne wuchs
-die Dorfflur auf durchschnittlich 300 bis 400 ~ha~. Gemeinsam aber
-blieb für Weide und Holznutzung der Wald, die Mark zwischen den Dörfern.
-
-[Illustration: Abb. 36. Münden und das Fuldatal. Nach einer
-Photographie von Carl Thoericht in Münden. (Zu Seite 63 bis 67.)]
-
-[Illustration: Abb. 37. Das Rathaus in Münden.
-
-Nach einer Photographie von Karl F. Wunder in Hannover. (Zu Seite 64.)]
-
-Dieser Zustand kettete in seiner Wirtschaftsordnung den einen Bauern
-an den andern und schuf den Flurzwang, wonach je ein Gewann von allen
-Besitzern zur gleichen Zeit und mit derselben Frucht bestellt werden
-mußte. Dies hatte für die alten Wirtschaftsweisen gewiß seine Vorteile,
-für die neue aber fast nur Nachteile. Bekanntlich ist dieses System
-erst im neunzehnten Jahrhundert durch die sogenannte Verkoppelung ganz
-beseitigt worden.
-
-Auch die sonstigen Schicksale der Dörfer und Bauerschaften hüben und
-drüben sind durchaus nicht immer die gleichen gewesen. Als sich im
-dreizehnten Jahrhundert die von Karl dem Großen geschaffenen großen
-Grundherrschaften auflösten, wurden die halbfreien »Laten« in den alten
-welfischen Provinzen, sowie in Paderborn und Corvey frei und kamen
-als »Meier« in eine Mittelstellung zwischen Pächter und Besitzer,
-gerieten dagegen in Osnabrück, Minden, Ravensberg und Schaumburg in den
-Zustand der Eigenbehörigkeit, aus dem sie zu Anfang des neunzehnten
-Jahrhunderts, im Königreich Hannover sogar erst im Jahre 1836, befreit
-worden sind.
-
-[Illustration: §. Abb. 38. Der Marktplatz in Münden. (Zu Seite 64.)]
-
-[Sidenote: Bauernhöfe.]
-
-Höchst merkwürdig ist es, daß alle diese Wandlungen der
-Agrarverfassung, daß Kriege und wirtschaftliche Krisen den Bestand
-der Bauernhöfe selbst nur im verhältnismäßig geringen Maße anzutasten
-vermocht haben. Sowohl in Niedersachsen als besonders in Westfalen gibt
-es Höfe, die sich vielhundertjährigen Bestandes rühmen, und darunter
-gewiß manche mit Recht. Ich erinnere an die berühmten Sattelmeierhöfe
-bei Enger, deren Besitzer sich noch heute als Nachkommen jener freien
-Bauern betrachten, die mit Herzog Wittekind Freud und Leid teilten
-(Abb. 22). Ohne Adelsprädikat und ohne heroldsamtliche Anerkennung
-genießen sie bei ihren Landsleuten edelherrliches Ansehen. Bei
-dem Ableben eines Sattelmeiers wird drei Tage hintereinander zur
-»Königstunde« geläutet, die Leiche wird in der Kirche auf dem Chor
-niedergesetzt, und wenn sie zu Grabe gefahren wird, folgt dem Sarge wie
-bei Fürsten das Reitpferd.
-
-[Illustration: §. Abb. 39. Die Vorstadt Blume in Münden. (Zu Seite 64.)]
-
-Über das Alter des einzelnen Hofes ist es freilich meist schwer, einen
-urkundlichen Nachweis zu führen. Auffallend ist aber, daß die Hofgrößen
-in alter und neuer Zeit so wenig Unterschied zeigen. Freilich ganz ohne
-Teilungen ist es ja nicht abgegangen. Wie sollte man sich sonst die
-Ausdrücke Vollmeier, Halbmeier (im Osnabrückischen Vollerbe, Halberbe)
-und andere Bruchzahlen in der Klassifizierung der Bauern erklären?
-Auch tragen manche Familien noch in ihren Eigennamen die Spuren alter
-Hofzerlegungen: man denke an Nordmann, Nordmeyer, Nordhof, Ostermann,
-Ostermeyer, Osterhof usw. oder an Grotkord, Lüttjohann u. a. Den
-Teilhöfen ist es aber nicht selten gelungen, sich aus der Mark wieder
-zu ergänzen, so daß manchmal der Halbhof, zuweilen sogar die Kotstelle,
-größer geworden ist als der Vollhof.
-
-[Illustration: Abb. 40. Bursfelde.
-
-Nach einer Photographie von Carl Thoericht in Münden. (Zu Seite 70.)]
-
-[Sidenote: Hof und Familie.]
-
-Der Hof ist der Stolz und gewissermaßen das Heiligtum der Familie.
-Nach dem Hofe nennt sich der Besitzer, nicht umgekehrt. Selbst
-landesherrliche Verordnungen haben es nicht hindern können, daß der
-Bauer, der eine Erbtochter heiratete, wenigstens im gewöhnlichen
-Leben den Namen seines Schwiegervaters und somit des Hofes führt.
-Oft weiß man den rechtsgültigen Namen eines alten Bekannten gar
-nicht und erfährt ihn nur zufällig, wenn er mit Gericht, Standesamt,
-Militärbehörde oder Pfarre etwas zu tun hat. Daß der Hof gegenüber
-dem Einzelwesen das Bedeutendere ist, zeigt sich auch bei den
-Eheschließungen. Hat der künftige Schwiegersohn oder die in Aussicht
-genommene Schwiegertochter die für eine gedeihliche Führung des Hofes
-und der Wirtschaft nötigen Eigenschaften und dazu den erwünschten
-Besitz, so werden sich die alten Leute bei ihren Verheiratungsplänen
-wenig um Neigungen oder Abneigungen der jungen kümmern. Ich sehe noch
-das entrüstete Gesicht eines alten Bauern vor mir, der sich einst bei
-meinem Vater über die Widerspenstigkeit seiner Tochter beklagte. Wie
-lächerlich er den Widerstand des Mädchens gegen sein wohlmeinendes
-Vorhaben fand, zeigt der Ausruf, mit dem er die Aufzählung der Vorzüge
-der betreffenden Partie schloß. »Niu hannelt et sick man blot noch um
-de Perßönlichkeit, un dorümme will de Saotan nich!«
-
-[Sidenote: Hof und Erbrecht.]
-
-Der Hof muß also »an der Reihe« erhalten werden. Er muß ungeteilt auf
-einen einzelnen Erben übertragen werden. Dieser heißt der Anerbe. Die
-Geschwister hat er abzufinden. Über die Höhe der Entschädigungen haben
-Gesetz und Herkommen verschiedenes bestimmt; daß die Leistungsfähigkeit
-des Gutes erhalten bliebe, war hierbei vor allem der maßgebende
-Gesichtspunkt. Denn auch der Grundherr, solange es einen solchen gab,
-und der Staat hatten ein Interesse an dem Vorhandensein zins- und
-steuerkräftiger Bauern.
-
-Auch die Einführung des gemeinen Erbrechtes im neunzehnten Jahrhundert
-hat die Anerbensitte nicht zu zerstören vermocht. Ja die Gesetzgebung
-selbst ist zum Teil wieder dem bäuerlichen Brauch entgegengekommen,
-indem sie das Anerbenrecht als Intestaterbrecht für die Bauerngüter
-in den Kleinstaaten und in der preußischen Grafschaft Schaumburg
-verbindlich, in Hannover und Westfalen wahlfrei (durch Eintragung
-des Besitztums in die Höferolle, wie sie in Hannover heißt, oder in
-die Landgüterrolle, wie man in Westfalen sagt) einführte. Die Fälle
-freilich, daß der Bauer stirbt, ohne durch Testament oder -- was noch
-häufiger vorkommt -- durch Übergabe bei Lebzeiten über den Hof verfügt
-zu haben, sind selten. Und selbst dann einigen sich die Geschwister,
-auch wenn Teilung rechtlich zulässig wäre, gütlich über die Einsetzung
-eines Anerben. Das Interesse des Hofes steht höher als der Eigennutz
-des einzelnen. Dies zeigt sich auch darin, daß die Erben oft mit
-geringeren Abfindungen zufrieden sind, als ihnen das Gesetz oder der
-Wille des Erblassers zugedacht hat.
-
-Daß der Bauer gern bei Lebzeiten »abgibt«, hat seinen Grund darin, daß
-er dem herangewachsenen Sohn und seiner unverbrauchten Kraft, besonders
-bei Gelegenheit seiner Verheiratung, ein Feld der Tätigkeit eröffnen,
-sich selber aber Ruhe gönnen will.
-
-Die alten Leute gehen dann auf die Leibzucht, »up Lieftide«, wie man im
-Mindenschen sagt. In dieser Gegend ist, wenigstens auf größeren Höfen,
-ein besonderes Leibzuchtshaus vorhanden; sonst wohnen die Altenteiler
-bei den jungen Leuten, in deren Hause ihnen eine besondere Kammer und
-der beste Platz hinter dem Ofen eingeräumt ist. Außerdem werden von
-ihnen einige Naturalleistungen, Nutzung von Ländereien, einige Stück
-Vieh, Hüterecht für dieses, Fuhren, etwas Taschengeld, »Hege und Pflege
-in gesunden und kranken Tagen und ein christliches Begräbnis« in der
-Regel vertraglich ausbedungen.
-
-[Illustration: §. Abb. 41. Klosterkirche in Bursfelde. (Zu Seite 70.)]
-
-[Sidenote: Familienverhältnisse.]
-
-Anerbe ist in der Regel der älteste Sohn, in Ermanglung von Söhnen
-die älteste Tochter. Indessen bevorzugen einige Gegenden, und zwar
-Osnabrück und Ravensberg, sowie der größte Teil von Minden, den
-jüngsten Sohn oder die jüngste Tochter, wobei wohl der Wunsch der Väter
-maßgebend ist, die Generationenfolge zu verlangsamen. Wenn der Älteste
-erbt, heißt es, kommt die Wiege gar nicht vom Hof. Die Geschwister des
-Anerben haben in dem Hofe, von dessen Besitz sie ausgeschlossen sind,
-immer einen Rückhalt. Sie bleiben bis zu ihrer Konfirmation regelmäßig
-dort und erhalten auch später freien Unterhalt im Falle von Krankheit
-und Gebrechlichkeit oder auch sonst auf ihren Wunsch, wenn sie bereit
-sind, bei der Arbeit zu helfen. Freilich gelten sie dann durchaus nicht
-etwa als ebenbürtig mit dem Bauern. Ich redete in meinem Heimatsdorf
-einst den älteren Bruder eines Besitzers, der als Knecht auf dem Hofe
-lebte, mit »Guden Dag, Korf!« an. -- »Guden Dag,« erwiderte er, »awer
-eck sin nich Korf; eck sin Korf sin Broer.« Also auf den Familiennamen
-hatte er keinen Anspruch; der gehörte dem Inhaber der Stelle; er war
-»blot de olle Hinnak«, und das hätte ich wissen müssen. Verlassen die
-Geschwister des Anerben den Hof, so fallen sie durchaus nicht dem
-Proletariat anheim, wie man behauptet hat, sondern bilden auch weiter
-einen wertvollen Bestandteil der Gesellschaft. Nach einer von Spee
-mitgeteilten Erhebung über 4561 Abfindlinge von 1204 westfälischen
-Höfen waren 19% auf den Höfen geblieben. Von den übrigen Brüdern und
-Schwestern des Anerben ist der Beruf ermittelt. Danach sind von
-den Männern 46% durch Heirat, Erbschaft, Kauf oder Pachtung wieder
-selbständige Landwirte geworden, 22% selbständige Unternehmer im Handel
-oder Gewerbe, 16% haben liberale Berufe ergriffen (darunter akademisch
-und seminarisch gebildete Lehrer, Geistliche, Ärzte, Juristen,
-Ingenieure, Tierärzte, Apotheker usw.), 10% sind unselbständige
-Arbeiter geworden, 4% sind ausgewandert. Von den Frauen haben sich die
-meisten verheiratet, darunter 72% an selbständige Landwirte.
-
-[Illustration: §. Abb. 42. Hugenotten aus Gewissenruh. (Zu Seite 70.)]
-
-[Illustration: Abb. 43. Carlshafen vom Diemeltal aus gesehen.
-
-Nach einer Photographie von Alfred Menzhausen. (Zu Seite 72.)]
-
-[Illustration: Abb. 44. Helmarshausen und die Krukenburg gegen den
-Solling.
-
-Nach einer Photographie von Alfred Menzhausen. (Zu Seite 72.)]
-
-[Sidenote: Die Siedelungen.]
-
-Wer unser ganzes Gebiet von einem Ende bis zum andern durchreist,
-dem wird es auffallen, wie verschieden die Dörfer sich ausnehmen. Im
-Einzelhofgebiet kann man freilich von Dörfern nicht reden. Es gibt nur
-Bauerschaften, die höchstens einen dorfähnlichen Kern haben. Sonst
-zeigt das Landschaftsbild durcheinander offenes Feld, Esch genannt,
-und eingehegte Kämpe, Wiese und Buschwald und dazwischen versteckt
-unter alten Eichen und Buchen die Gehöfte (Abb. 24, 26 u. 101), sowie
-abseits von diesen wiederum die Heuerlingshäuser. Von den Höhen der
-Weserkette herabschauend, sieht man dagegen geschlossene Ortschaften,
-deren rote Dächer von Bäumen umgeben sind. Aber das Weiß, das im
-Frühling an die Stelle des Baumgrüns tritt, verrät es uns, daß es
-keine Wald-, sondern Obstbäume sind, die auf den Höfen wachsen. Wenn
-wir weiter weseraufwärts ins Calenbergische kommen, so überwiegt das
-Rot im Dorfbilde, das Grün tritt mehr zurück. Doch ersetzt im Süden,
-vor allem im Solling, wieder der durch das Alter meist grau gefärbte
-Buntsandsteinschiefer (Sollinger Platten) die Ziegelbedeckung, so
-daß die Dörfer dort etwas Düsteres bekommen. Übrigens wird nach der
-Oberweser hin auch der Grundriß der Siedelungen anders. Straßenweise
-reiht sich Haus an Haus. Der geräumige Hofraum, mit dem in Westfalen
-geradezu Verschwendung getrieben wird, fehlt fast ganz. Ackergeräte und
-Wagen, sowie das in hohen Haufen aufgeschichtete Buchenbrennholz lagern
-in malerischem Durcheinander auf der Straße, die dem Jungvieh und
-Geflügel, besonders den zahlreichen Gänsen, sowie auch der menschlichen
-Dorfjugend zum gemeinsamen Spaziergang und Tummelplatz dient (Abb. 62).
-Reihendörfer finden sich allerdings auch im Norden des Gebietes, im
-Schaumburgischen, aber von wesentlich anderem Charakter. Es sind die im
-dreizehnten Jahrhundert angelegten, auch jetzt noch durch mancherlei
-Eigentümlichkeiten in Geschmack und Sitte ausgezeichneten Hagendörfer.
-Ihren Ursprung verdanken sie einzelnen Fürsten, die meist fränkische
-Kolonisten vom Niederrhein im Waldlande ansiedelten. Sie liegen nur
-an einer Seite einer geraden Straße. Hinter dem Hause ist der Garten
-und etwas Weideland, das an einen Bach stößt. Auf der anderen Seite
-der Straße liegt in langen Streifen der Acker. Augenscheinlich ist
-diese Kolonisationsform der der Marschendörfer an den Weser- und
-Elbmündungen nachgeahmt. Sie wurde aber auch später noch angewendet,
-so in Hessendorf bei Rinteln, einer im Jahre 1660 von dem hessischen
-Landgrafen gegründeten Ansiedlung lippischer Kolonisten, und ähnlich an
-der Oberweser in dem 1722 angelegten Hugenottendorf Gewissenruh (vergl.
-Seite 70).
-
-[Illustration: §. Abb. 45. Basaltbruch am Hohen Hagen. (Zu Seite 73.)]
-
-[Sidenote: Dorf- und Hausformen.]
-
-Eine noch größere Mannigfaltigkeit als bei den Dorfformen findet sich
-auf dem Gebiete der Hausformen. Nur im äußersten Süden, bei Münden,
-herrscht das fränkische Haus (Abb. 23). Es steht mit seinem Giebel an
-der Straße, auf welche die Stubenfenster herausblicken. Daneben ist die
-Einfahrt in den Hof. Von diesem gelangt man durch eine schmale Haustür
-an der Langseite in das Wohnhaus. Die anderen Seiten des Hofes sind von
-den Ställen und Scheuern umgeben. Dieser Haustypus dringt im Süden und
-Osten unseres Gebietes vor, teils das Sachsenhaus verdrängend, teils
-das Entstehen von Mischformen begünstigend.
-
-[Illustration: §. Abb. 46. Trendelburg an der Diemel. (Zu Seite 74.)]
-
-[Sidenote: Das Bauernhaus.]
-
-In allen übrigen Teilen der Weserberge bildet dagegen das altsächsische
-Bauernhaus noch immer die Grundform der älteren ländlichen Wohnungen
-(Abb. 22, 24 bis 28).
-
-[Illustration: Abb. 47. Hirschfütterung im Reinhardswald.
-
-Nach einer Photographie von Oberförster J. von Wangelin in Strelno. (Zu
-Seite 74.)]
-
-Das Wesen dieses oft gerühmten, von Justus Möser in seinen
-patriotischen Phantasien und in seiner Osnabrückischen Geschichte
-verherrlichten Hauses ist, daß für alles, was zur bäuerlichen
-Wirtschaft gehört, Raum unter einem einzigen Dache und bei ursprünglich
-nur einer Feuerstelle geschaffen ist. Der Grundriß hat die Form eines
-länglichen Vierecks. Nähern wir uns einem der ganz alten Häuser, wie
-sie in dem westfälischen, besonders in dem osnabrückischen Teile
-unseres Gebietes noch vereinzelt vorkommen, so fällt uns das hohe
-Strohdach auf, das sich von der langgestreckten First nach den beiden
-niedrigen Langwänden zu gleichmäßig herabsenkt. Der Vordergiebel ist
-gleichfalls mit Stroh verkleidet und bildet einen flach gewölbten Walm
-an seinem oberen Ende, unterbrochen durch eine dreieckige Öffnung,
-die von zwei gekreuzten Brettern, den »Windfedern«, umrahmt wird
-(ähnlich auf Abb. 24); sie sollen das Strohgeflecht gegen den Sturm
-schützen, der es sonst zerzausen würde. Sie haben als Schmuck meist die
-nach außen schauenden geschnitzten Pferdeköpfe oder einen senkrecht
-stehenden verzierten Stab.
-
-Wir betreten das Haus durch die in der Mitte der vorderen Schmalseite
-befindliche Einfahrtstür. Sie ist breit und hoch genug, um einen voll
-beladenen Erntewagen hereinzulassen. Sie führt uns auf die gepflasterte
-oder mit gestampftem Estrich versehene Diele, auf der allerhand Geräte,
-Häcksel, Grünfutter und dergleichen herumliegen (Abb. 25). Hund und
-Hühner, junge Schweinchen und kleine Kinder tummeln sich hier und gehen
-durch das weit geöffnete Tor aus und ein. Von links schauen über ihre
-Krippen die Kühe, von rechts die Pferde herein. Denn von den Ställen
-ist die Diele nicht durch Wände getrennt, sondern durch die eichenen
-Ständer, die allein, ohne Mithilfe der Außenwände, das Dach tragen.
-Da die Ställe nicht zum Dache hinaufreichen, ist über ihnen noch die
-Hille, ein schräger Raum, verfügbar, der von der Diele auf Leitern
-erstiegen wird. Oft bleibt er offen und dient als Lagerstätte für Holz,
-Heu, Futter oder kleinere Geräte; oft ist er auch durch eine leichte
-Wand verschlossen, hinter der sich dann einzelne Kammern befinden. Auch
-die Diele selbst reicht nicht bis zum Dach. Doch ist der Bretterboden,
-der sie nach oben abschließt, viel höher als der über den Ställen.
-Durch die Luken dieses Bodens werden vom Erntewagen aus die Garben und
-Heubündel nach oben gereicht, durch dieselben Luken wirft man sie im
-Bedarfsfalle wieder herab. Am Ende der Diele befindet sich der Herd,
-bei ihm die Küche, die sich quer durch das Gebäude bis zu den beiden
-Langseiten des Hauses fortsetzt und hier zwei schmale Türen nach dem
-Hofe hat. Über dem Herde hängen Würste, Schinken und Speckseiten am
-»Wiem« (Abb. 27). Ganz am Ende, mit den Fenstern nach der rückwärtigen
-Schmalseite hingewendet, liegen zu ebener Erde die Wohnräume, meist
-eine Stube und zwei Kammern.
-
-[Illustration: Abb. 48. Das Rathaus in Einbeck.
-
-Nach einer Photographie von Prof. W. Nürnberg in Hannover. (Zu Seite
-76.)]
-
-Das ganze Gebäude ist in Fachwerk aufgeführt. Das Gebälke ist eichen.
-Die Füllung der Fächer besteht aus grobem Flechtwerk, das mit Lehm
-überstrichen ist (Abb. 26).
-
-Erwähnen wir noch, daß ein Schornstein nicht vorhanden ist, daß der
-Rauch vielmehr durch die offene Tür und das Loch im Giebel entweicht,
-so haben wir wohl die Haupteigentümlichkeiten der ältesten noch
-vorhandenen Hausform erschöpft.
-
-Diese ist indessen äußerst selten geworden, obgleich nach Justus Möser
-kein Vitruv imstande wäre, mehr Vorteile zu vereinigen. Neubauten
-werden in dieser Weise nicht mehr aufgeführt. Aber auch manches alte
-Haus hat sich Umgestaltungen gefallen lassen müssen, Abänderungen auch
-die Baupläne späterer, in den letzten Jahrzehnten errichtete Häuser,
-so daß die in unseren Tagen erstehenden ländlichen Wohnstätten mit
-den alten Bauüberlieferungen entweder nur einen lockeren Zusammenhang
-wahren oder auch diesen bewußtermaßen aufgeben.
-
-[Illustration: Abb. 49. Eickesches Haus in Einbeck.
-
-Nach einer Photographie von Prof. W. Nürnberg in Hannover. (Zu Seite
-76.)]
-
-Ehe wir aber über dieses Schwinden eines Stückes heimischer Eigenart
-klagen und etwa in die Vorwürfe einstimmen, die man geneigt ist den
-Bauern zu machen, weil sie das schöne niedersächsische Landschaftsbild
-durch Errichtung charakterloser Nützlichkeitsbauten verunzieren, wollen
-wir uns klar werden, daß auch jenes älteste Haus, wie wir es vor
-unserem inneren Auge erstehen ließen, schon seine Geschichte hinter
-sich hat und an die Stelle noch älterer Gebilde getreten ist. Als
-unsere Vorfahren etwa im ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung sich
-zur Gründung fester Wohnsitze in größerem Umfang entschlossen, haben
-sie vermutlich das Zelt als Muster für das Haus genommen. Jenes aber
-hatte noch keine Längswände, und so wird auch vermutlich das erste
-Haus -- ähnlich den Schafställen der Lüneburger Heide -- nur aus einem
-bis zur Erde reichenden Dach und zwei Giebelwänden bestanden haben.
-Allmählich nötigte die Erweiterung des Raumes dazu, Ständer im Innern
-anzubringen, die das Dach stützten und später ganz und gar trugen
-(Abb. 25): aus dem einschiffigen wurde der dreischiffige Bau. Jetzt
-erst konnten die Seitenschiffe eigene Außenwände erhalten. Zugleich
-wurden sie konstruktiv vom Mittelbau losgelöst, indem sie eigene,
-leichtere Dachsparren erhielten. Nun ward, wie es scheint, die Teilung
-des Raumes eine feststehende: die Seitenschiffe gehörten dem Vieh,
-der Mittelraum blieb frei für menschliche Arbeit und Erholung, oben
-lagerten die Vorräte. Die Ständer aber gewannen eine solche Bedeutung,
-daß nach der Zahl der von ihnen gebildeten Abteilungen, der »Fächer«,
-die Häuser in Klassen eingeteilt wurden.
-
-[Illustration: Abb. 50. Bremer Straße bei Beverungen. (Zu Seite 79.)]
-
-[Illustration: §. Abb. 51. Zwei Fährleute, Vater und Sohn, aus Wehrden.
-(Zu Seite 79.)]
-
-Begnügten sich in den ältesten Zeiten die menschlichen Insassen des
-Hauses zum Schlafen mit den dem Herde zunächstliegenden Teilen der
-Seitenschiffe oder mit den Dachräumen darüber und zum Wohnen mit
-der von der Diele noch nicht getrennten Küche, so fingen allmählich
-die Wohlhabenderen an, sich an der Rückwand des Hauses eine Kammer
-anzubauen, die sich allmählich zu einem völligen Wohnbau auswuchs.
-Diese Änderung trat nach Jostes zu verschiedenen Zeiten ein, sicher
-nirgends vor dem sechzehnten Jahrhundert, d. h. also in einer Zeit, in
-welcher sich auch auf den Edelsitzen und in den Städten das Bedürfnis
-nach größerem Wohnbehagen geltend machte. Ein anderer Haustypus
-zeigt die Kammern seitwärts von der Küche, die nun statt der beiden
-Seitenausgänge einen Hinterausgang erhält (Abb. 27).
-
-[Illustration: §. Abb. 52. Fürstenberg. (Zu Seite 79.)]
-
-Weitere Änderungen folgten. Die Küche ward durch eine Wand von der
-Diele getrennt (Abb. 25) und erhielt einen Schornstein. Um ihr mehr
-Licht zu geben, zog man ihre Wände hoch und versah sie mit Fenstern. An
-anderen Teilen des Hauses wurde dasselbe Verfahren eingeschlagen, und
-so mußten auch die Außenwände einen Teil der Dachlast tragen helfen.
-Daher mußte dann das Gezimmer des ganzen Hauses in sich fester werden.
-Es wurde zum Kasten, der desto stärker sein mußte, je schwerer er zu
-tragen hatte. Die höheren Wände verlangten stärkeren Schutz gegen Wind
-und Wetter: je nach den natürlichen Hilfsquellen der Gegend wurde das
-Lehmflechtwerk durch Back- oder Bruchsteine ersetzt. Ebenso traten
-Ziegel, im Oberwesergebiet Buntsandsteinschiefer, an die Stelle des
-Dachstrohes. Solch ein schweres Dach bedarf aber keiner Windfedern.
-So verschwinden vielfach die Pferdeköpfe und Giebelsäulchen, wenn sie
-nicht lediglich als bedeutungsloser Schmuck weiter verwendet oder unter
-dem Einfluß gelehrter Freunde des Heimatschutzes wieder eingeführt
-werden. Vor neue Aufgaben stellt jetzt der Giebel die Baumeister. Der
-eine läßt den alten Walm bestehen und bedeckt seine flache Wölbung
-mit Ziegelpfannen, so besonders in der Gegend von Minden und Hameln;
-ein anderer legt eine ebene Giebelfläche an, die aber schräg geneigt
-wird, und zwar ungefähr unter demselben Winkel wie früher der Walm,
-und deckt auch sie mit Pfannen, so am Nordfuß des Wiehengebirges;
-die meisten aber bauen den Giebel senkrecht und decken ihn ganz oder
-teilweise mit Ziegeln oder Sollinger Platten (Abb. 24 u. 62), oder
-sie vernageln ihn mit Brettern, die im Osnabrückischen wagerecht, im
-Lippischen und Schaumburgischen lotrecht verlaufen (Abb. 26 u. 28);
-oder endlich sie führen ihn als eine Fachwerkswand mit Ziegelfüllung
-bis dicht unter die First hinauf, so bei Osnabrück und Minden (Abb. 22
-u. 62). Diese Eigentümlichkeiten sind übrigens nicht immer örtlich
-begrenzt, sondern hängen vielfach vom Können und vom Geschmack des
-Zimmermeisters oder des Bauherrn ab. Macht das alte Strohhaus in seiner
-Form einen ehrwürdigen und zugleich malerischen Eindruck, so hat das
-neuere Bauernhaus, das Bauernhaus hauptsächlich des achtzehnten und
-neunzehnten Jahrhunderts, durch das viele außen sichtbare Holz der
-Freude an der Farbe neue Nahrung gegeben. Die Ziegelfächer zeigen
-entweder das natürliche Rot des Backsteins nebst sauberen weißen Fugen,
-oder sie sind weiß, seltener rot oder gelb getüncht. Die Balken sind
-braun oder schwarz gestrichen. Die Giebelbretter liebt der Osnabrücker
-Bauer grün, in anderen Gegenden zieht man rotbraune Färbung vor. Die
-Türen zeigen rohe, aber zuweilen nicht ungefällige Flachornamente.
-Selten dagegen ist die Unsitte, Balken und Fächer gleichmäßig weiß zu
-übertünchen, um den Eindruck des Massiven zu machen. Nur am Südfuß
-des Osnings bei Halle habe ich es im Gegensatz zu den geschmackvollen
-Bauten des Städtchens beobachtet, besonders aber auch im Diemeltale.
-
-[Illustration: §. Abb. 53. Corvey. (Zu Seite 80.)]
-
-[Illustration: Abb. 54. Eingang zur Abtei Corvey.
-
-Photographie und Verlag von Otto Buchholtz' Buchhandlung (Ernst Ummen)
-in Höxter. (Zu Seite 80.)]
-
-Sicher ist, daß das Anbringen von Inschriften erst mit dem Fortfallen
-des Strohwalms möglich oder doch üblich wurde. Über der Türe nennen der
-Erbauer und die Erbauerin des Hauses ihre Namen nebst der Jahreszahl
-der Errichtung. Begnügt man sich hiermit in der Regel an der Oberweser,
-so lassen die Bauherren im Norden und Westen es sich nicht nehmen,
-einen Segenswunsch oder frommen Spruch hinzuzufügen. Sehr verbreitet
-ist z. B. der Vers: »Wer Gott vertraut, hat wohl gebaut«, auch mit
-dem Zusatz: »im Himmel und auf Erden«. Was zu dem Bau Veranlassung
-gegeben, berichtet folgende Inschrift, die Wolf aus dem Kreise Halle
-mitteilt: »Durch Feuersgluht und strenger Hand, das vorige Haus ist
-abgebrannt, bewahr, O Gott, dieses Haus, vor Feuer, Schaden, Sturm und
-Braus, zieh du mit deinem Segen ein, und laß es dir befohlen sein.« Mit
-mißverstandener Gelehrsamkeit prahlt ein »lateinischer Bauer«, indem
-er das schöne Wort »~Ora Edla Bora~« über seine Haustür setzt, wogegen
-die natürliche Weisheit des folgenden Spruches angenehmer berührt: »Man
-öffnet schnell die Thür, wenn einer klopfet an; wie oft klopft Gott
-ans Herz, und wird nicht aufgethan.« Den Kampf zwischen Hochdeutsch
-und Plattdeutsch verewigt folgende Inschrift aus dem Jahre 1609: »Nach
-Dir Her verlanget mir min Gott Ich hafve Dir Las mir nicht to Skanden
-werden Dat sik mine Vien nicht frowen werden.« Im Mindenschen herrschen
-Bibelsprüche vor.
-
-[Illustration: Abb. 55. Höxter, vom Felsenkeller aus gesehen.
-Photographie und Verlag von Otto Buchholtz' Buchhandlung (Ernst Ummen)
-in Höxter. (Zu Seite 79 bis 81.)]
-
-Weit einschneidender als diese Ausgestaltungen des alten Typus sind
-gewisse Änderungen im Grundriß. Hatte man einmal das Gezimmer des
-Hauses zu einem festen Kasten gemacht, der in allen seinen Teilen das
-Dach gleichmäßig trug, so konnte man dieses auch im rechten Winkel
-umdrehen, oder mit anderen Worten, man konnte aus der Längsdiele eine
-Querdiele machen. Dies ist östlich von den Wesergegenden in Ostfalen
-vielfach geschehen. Vereinzelte Beispiele findet man aber auch in allen
-Teilen unseres Gebietes.
-
-[Illustration: §. Abb. 56. Schloß Bevern. (Zu Seite 82.)]
-
-Eine weitere Änderung ist die, daß man Wohnende und Viehstall
-miteinander vertauschte (Abb. 28). Hierbei war wohl der Wunsch
-maßgebend, der Straße näher zu wohnen, vom Zimmer aus das Leben im
-Dorfe überblicken zu können. Wenn wir aber diese eigentümliche Hausform
-besonders an der Oberweser, und zwar hier als herrschende, vorfinden,
-so werden wir sie wohl auch auf den Einfluß des Nachbargebietes mit
-seinem mitteldeutschen Hause zurückführen müssen. Daß die Diele hierbei
-möglichst schmal wird, um die ohnehin übermäßig getrennten Wohnzimmer
-nicht noch mehr voneinander zu reißen, versteht sich von selbst
-(Abb. 25 u. 27).
-
-[Illustration: Abb. 57. Schichtung der Muschelkalk-Formation bei
-Bodenwerder.
-
-Nach einer Photographie von W. Wehrhahn in Hannover. (Zu Seite 82.)]
-
-Auch die Zweistöckigkeit ist eine solche Abweichung von der Grundform,
-die wir besonders im Süden beobachten (Abb. 62).
-
-Noch tiefer aber als alle diese bisher erwähnten Veränderungen an
-dem alten Hause sind die, welche ihm die neuen Wirtschaftsformen
-des neunzehnten Jahrhunderts aufgezwungen haben. Verkoppelung und
-Gemeinheitsteilung -- Stallfütterung -- künstlicher Dünger --
-Vermehrung des Viehstandes -- größere Ernteerträge -- Dreschmaschinen
--- jedes dieser Worte erklärt Änderungen an der Behausung des
-Landwirts. Mehr Ställe, mehr Scheuern müssen geschaffen werden, erstere
-zunächst in Anbauten rechts und links von der Diele, jene unter
-besonderem Dach. Die Dreschtenne ist als solche nicht mehr nötig;
-sie wird zum Hausflur, also schmaler und mit vollständigen Wänden an
-den Seiten. Anderseits hört das patriarchalische Zusammenleben von
-Herr und Knecht mehr und mehr auf; daher werden weitere Wohnräume
-nötig, und so verbreitert sich der hintere Wohnteil. Ferner ist das
-Eichenholz nicht mehr zu erschwingen. Dafür liefern Eisen, Beton,
-Zementpfannen, schließlich sogar gepreßtes Blech und Dachpappe billiges
-Baumaterial. Was Wunder, wenn das neue, massive Bauernhaus mit
-seiner nüchternen Außenseite nur noch in der breiten Haustür an der
-Giebelwand eine gewisse Erinnerung an seine Vorgänger bewahrt. »Es ist
-der Geist, der sich den Körper baut,« und jener ist eben ein anderer
-geworden. Der Gedanke des Zusammenlebens der sämtlichen Familien- und
-Wirtschaftsgenossen nebst ihrem Viehstand und ihren Vorräten unter
-demselben Dache hat nun einmal aufgegeben werden müssen, und eine neue
-ästhetisch wirkende Hausform fehlt noch.
-
-[Illustration: Abb. 58. Polle. (Zu Seite 83.)]
-
-[Sidenote: Die Volkstracht.]
-
-Mit dem alten Hause schwindet auch die Volkstracht. Für die Männer ist
-sie im ganzen Gebiete nahezu ausgestorben (Abb. 35). Daß sie den Frauen
-vorangingen, darüber wird man sich nicht wundern, wenn man bedenkt, wie
-viel mehr die Männer Gelegenheit haben, die Heimat zu verlassen, als
-die Frauen. Aber auch weibliche Volkstrachten haben sich nur noch auf
-einem schmalen Landstriche längs des Bückeberges, der Weserkette und
-des Wiehengebirges erhalten. In einigen anderen Gegenden Westfalens und
-Lippes sind höchstens Reste und Andeutungen, z. B. in eigentümlichen
-Haubenformen, vorhanden (Abb. 28 u. 29).
-
-[Illustration: Abb. 59. Die Steinmühle. (Zu Seite 82 u. 83.)]
-
-Am bekanntesten ist die farbenprächtige sogenannte Bückeburger Tracht,
-die auch in einigen hessisch-schaumburgischen und westfälischen
-Kirchspielen rechts der Weser verbreitet ist (Abb. 30 bis 33 u. 86).
-Die Männer trugen früher -- hie und da tun es einige alte Bauern
-auch noch -- einen langen weißleinenen Kittel mit vielen blanken
-Messingknöpfen und rotem Flanellfutter und auf dem Kopfe eine Pelzmütze
-oder einen breitkrempigen Filzhut (Abb. 30).
-
-[Illustration: Abb. 60. Bodenwerder. Rechts die Königszinne.
-
-Nach einer Photographie von Carl Thoericht in Münden. (Zu Seite 78 u.
-83.)]
-
-Die Frauenkleidung zeichnet sich besonders durch den fußfreien,
-feuerroten Tuchrock aus, dessen Stoff -- vielleicht nach seiner
-friesischen Herkunft -- Friesat, sonst auch Büffel oder Schierlaken
-genannt wird. Die Frauen tragen ihn stets außer beim Abendmahl, wo
-ein schwarzer an seine Stelle tritt. Der Schnitt und der Farbenton
-des Rockes ist in den einzelnen Landesteilen verschieden; ebenso
-unterscheiden sich einige andere Stücke des Anzuges, wie Wams, Mütze,
-Nackentuch, Schürze und Mantel. Man spricht daher von einem hessischen
-oder Lindhorster Typus (Abb. 31), den wir z. B. in Nenndorf am Deister
-noch beobachten können, von einem Friller Typus, der nördlich von
-Minden herrscht, und von dem eigentlichen Bückeburger. Bei diesem
-letzten fallen uns besonders die festen Mützen mit den ungeheuren
-steifen Bandschleifen auf. Die letzteren sind verhältnismäßig jungen
-Ursprungs. Bis gegen Ende der siebziger Jahre waren die Schleifen
-noch klein und ungesteift (Abb. 30). Dann griff man zur Pappeinlage
-und hatte nun ein Mittel gefunden, sie allmählich bis ins Ungemessene
-zu vergrößern (Abb. 32 zeigt den Übergang). Die Folge davon ist
-freilich gewesen, daß die Mütze jetzt schwer und lästig ist und
-bei der Arbeit oder zu Hause vielfach gar nicht aufgesetzt wird
-(Abb. 33). Ein besonders wertvolles Schmuckstück ist die »Kralle«,
-die Bernsteinhalskette mit silbernem Schloß, zu der in einzelnen
-Landesteilen noch eine silberne Halsbinde kommt. Überhaupt hat die
-ganze Tracht den Charakter des Prunkenden, aber auch zugleich des
-Soliden und Echten. Wäre das einzelne Kleidungs- oder Schmuckstück
-nicht für ein Menschenleben oder gar für eine Folge von Generationen
-gemacht, so würde gewiß die Tracht längst verschwunden sein.
-
-[Illustration: Abb. 61. Schloß Hehlen. (Zu Seite 83.)]
-
-Eine gewisse Abart des Schaumburger Kostüms herrscht am linken
-Weserufer in der Mindener Gegend. Die Hauptabweichung besteht außer
-in der Mützenform (Abb. 34) darin, daß die weißen Halskrausen und
-leider auch die roten Röcke nebst sonstigen farbigen Bestandteilen
-der Kleidung seit den sechziger Jahren verschwunden sind. Man
-nennt diese Tracht daher bezeichnenderweise die »schwarze Tracht«.
-Ihres Hauptreizes beraubt, fällt sie natürlich noch leichter
-der Gleichmacherei zur Beute und wird sicher ziemlich bald der
-vordringenden städtischen Kleidung den Platz räumen. Aber auch die
-bunte Schaumburger Tracht geht, obwohl langsamer, kirchspielweise,
-denselben Weg (Abb. 33) und wird wie das altsächsische Haus
-nach Verlauf weniger Jahrzehnte wohl nur noch als antiquarische
-Merkwürdigkeit bewundert werden können.
-
-
-
-
-~VI.~ Geschichtliches.
-
-
-[Sidenote: Geschichte.]
-
-Eine Geschichte des Weserlandes zu schreiben, kann nicht der Zweck
-dieses Buches sein; auch würde ein solches Unternehmen voraussetzen,
-daß der Landstrich politisch eine Einheit darstellte. Das ist nun
-aber fast nie der Fall gewesen, und so wird sich diese historische
-Skizze, die der Beschreibung der einzelnen Landschaften vorausgehen
-mag, die Aufgabe stellen, die Buntscheckigkeit der heutigen politischen
-Landkarte zu erklären und nebenbei einige Ereignisse zu berühren, die
-sich ausschließlich oder doch vorzugsweise im Weserland abgespielt
-haben.
-
-[Sidenote: Altertum.]
-
-Seit dem vierten Jahrhundert v. Chr. finden wir dort fast überall
-Germanen außer links von der Weser, von wo die letzten Kelten weit
-später, wenn auch sicher schon vor Cäsars Feldzügen nach Westen
-gedrängt worden sind. Zur Zeit der Römereinfälle wohnten an der oberen
-Weser die kriegerischen Cherusker, von Angrivariern, Brukterern und
-Chatten im Norden, Westen und Süden umgrenzt. Sie und ihr tapferer
-und verschlagener Häuptling Arminius hatten die Führung jener Stämme
-in den Freiheitskriegen gegen die römischen Feldherren Quintilius
-Varus und Germanikus; in ihrem Gebiete lag der Teutoburger Wald, wo
-die Legionen des Varus im Jahre 9 n. Chr. aufgerieben wurden, und
-Idistavisus, wo Germanikus einen solchen Sieg davon trug, daß ihm
-der Geschmack an weiteren Lorbeeren verleidet wurde. Idistavisus ist
-vermutlich an der Weserkette zu suchen, doch wissen wir nicht wo; und
-auch die Lage der Teutoburg wird sich wohl nie mit unumstößlicher
-Gewißheit feststellen lassen. Viel für sich hat die Annahme
-Clostermeiers (1822), die auch Schuchhardt neuerdings vertritt, daß die
-Grotenburg bei Detmold, auf der jetzt das Denkmal des Arminius steht,
-die alte Teutoburg sei. Jedenfalls ist sie eine der altgermanischen
-Volksburgen, wie sie in Kriegeszeiten zum Sammeln des Aufgebots und
-als Zufluchtsstätte für Menschen und Vieh benutzt wurden, und zwar in
-unserem Gebiet die einzige sicher festzustellende; denn die Hünenburg
-bei Bielefeld und die Sieburg im Dreieck zwischen Diemel und Weser bei
-Carlshafen können auch jünger sein.
-
-Einige Jahrhunderte nach jenen Kämpfen ist die Erinnerung an die
-alten germanischen Stammesbezeichnungen verschwunden. Es leben
-in Norddeutschland die kühnen, freien Sachsen, abgesehen von den
-Nordalbingern in die Stämme der Westfalen, Engern und Ostfalen geteilt.
-Nehmen manche Geschichtsschreiber eine friedliche Verschmelzung der
-alten Völkerschaften und die allmähliche Ausdehnung des Namens Sachsen
-auf die geeinte Stammesfamilie an, so stellen sich andere Forscher den
-Vorgang weniger idyllisch vor. Gewichtige Stimmen sprechen von einer im
-dritten und vierten Jahrhundert schrittweise vorgehenden Unterwerfung
-der Länder zwischen Rhein und Elbe durch die aus Holstein kommenden
-Sachsen.
-
-[Illustration: Abb. 62. Straße in Eschershausen.
-
-Nach einer Photographie von Prof. W. Nürnberg in Hannover. (Zu Seite
-49, 53 u. 86.)]
-
-Für ihren kriegerischen Sinn zeugt die große Zahl der von ihnen
-errichteten Burgen. Es sind große befestigte Heerlager auf
-unzugänglichen Bergen, vielfach nur aus einer Mauer bestehend.
-Der ahnungslose Wanderer, der etwa die Amelungsenburg bei
-Hessisch-Oldendorf oder den Wittekindsberg bei der Porta betritt, wird
-die im Buchenwalde versteckt liegenden Wälle kaum beachten, wogegen der
-Forscher in ihnen wie in vielen anderen, z. B. der Karlsschanze bei
-Willebadessen, der Iburg bei Driburg, der Herlingsburg bei Schieder,
-der Obensburg bei Hameln, die deutlichen Züge der altsächsischen
-Befestigung erkennt.
-
-[Illustration: Abb. 63. Adam und Eva am Ith.
-
-Nach einer Photographie von Prof. W. Nürnberg in Hannover. (Zu Seite
-86.)]
-
-[Sidenote: Die Zeit Karls des Großen.]
-
-Trotz ihrer Tapferkeit erlagen die Sachsen den fränkischen Eroberern,
-die mit einem Netz von Straßen, Wirtschaftshöfen und Burgen das Land
-überzogen. Auch von ihren Befestigungen finden wir Reste und erkennen
-sie an ihrer Zweiteiligkeit. Der kleinere befriedete Raum umschloß die
-Wohnung des Wirtschafters oder Befehlshabers, der größere enthielt
-den nötigen Platz für Zelt- oder Barackenlager. Zu diesen Burgen
-gehören u. a. Altschieder bei Schieder, die Bennigserburg und die
-Heisterburg im Deister, die Babilönie bei Lübbecke und die sogenannte
-Wittekindsburg bei Rulle. Diese Festen bieten in ihren Überbleibseln
-dem nicht sachkundigen Beschauer ebensowenig des Merkwürdigen wie die
-Sachsenlager. Viele andere, zumeist die jüngeren, haben überhaupt keine
-Spuren hinterlassen, da sie in Dörfern oder Städten aufgegangen sind.
-Da Karl der Große längs der Straßen und Marken alles Land der Verfügung
-des Staates unterstellte, sächsische Bauern vielfach verpflanzte,
-und für sich und seine Getreuen sowie für geistliche Stiftungen
-bedeutende Güter aussonderte, die dann mit abhängigen Kolonisten aus
-dem Frankenlande besiedelt wurden, so brachte er allmählich alle
-wichtigen Plätze in die Hand sicherer Leute. Natürlich erbitterte die
-Errichtung dieser großen Grundherrschaften, diese völlige Umwälzung der
-Eigentumsverhältnisse die Sachsen aufs äußerste. Gleichwohl lag darin
-auch ein Anreiz, sich mit der neuen Herrschaft zu versöhnen und den
-Lohn der »Treue« in Gestalt reichen Königsguts entgegenzunehmen. So
-vertauschte, nachdem der Engernfürst Bruno sich bereits 775 unterworfen
-hatte, auch der Westfale Wittekind zehn Jahre später die Rolle des
-Bauerngenerals mit der des reichen Grundherrn von Königs Gnaden.
-
-Aufs engste war unter Karl und seinen Nachfolgern mit der politischen
-Eroberung die kirchliche verknüpft. Bistümer erstanden wie Osnabrück,
-Minden, Paderborn u. a. Ihre Diözesen und derer Unterabteilungen
-schlossen sich ebenso wie die fränkischen Gerichts- und
-Verwaltungsbezirke, die Gaue, an alte Stammgebiete und volkstümliche
-Gerichtssprengel an.
-
-Von den drei alten Provinzen Sachsens interessiert uns zumeist Engern.
-Ostfalen scheidet abgesehen von einem Teil der Hilsmulde ganz aus
-unserer Betrachtung aus, und westfälisch ist von dem auf Seite 4
-umgrenzten Gebiet nur der Teil, der von der Linie Bünde-Brackwede
-nordwestlich liegt. In Engern lag die alte Thingstätte Markloh
-(d. h. Grenzwald), wo die Abgesandten der Sachsen zusammenkamen.
-In Engern spielten sich auch die meisten Hauptereignisse des
-sächsisch-fränkischen Krieges, Überwinterungen, Reichstage,
-Belagerungen, Schlachten, ab. Man denke an die Eresburg (Marsberg), an
-Herstelle, Lügde, Schieder, Detmold, Paderborn, den Süntel, Lübbecke.
-
-[Sidenote: Das Mittelalter.]
-
-Zur Ottonenzeit war es ruhig in den Weserlanden. Das politische
-Schwergewicht hatte sich nach Ostfalen verschoben, wo es auch unter
-den Saliern blieb. Engern erfreute sich allerdings häufiger Besuche
-der Herrscher. Herford und Corvey sowie, ihnen nacheifernd, Paderborn
-und Minden wirkten kulturfördernd; aber doch hatte das Weserland kein
-Goslar, kein Hildesheim aufzuweisen. Auch von dem Emporblühen der
-westfälischen Städte Osnabrück, Münster, Soest und Dortmund hatte das
-Weserland, das alte Engern, wenig Vorteil.
-
-[Illustration: §. Abb. 64. Am Rotenstein bei Eschershausen. (Zu Seite
-87.)]
-
-[Sidenote: Scheidung der Dialekte.]
-
-Im elften Jahrhundert verschwindet übrigens der Name Engern allmählich.
-Als mit dem Sturze Heinrichs des Löwen (1180) das Herzogtum Sachsen,
-das noch kurz zuvor dem Kaiser selber Trotz zu bieten vermochte,
-in Stücke geschlagen ward, da lösten sich die Bande zwischen den
-Ländern rechts und links der Weser. Paderborn kam an das unter dem
-Erzbischof von Köln stehende Herzogtum Westfalen. Auch Minden, das
-selbständig gewordene Bistum, wurde später zu Westfalen gerechnet;
-durch die Maximilianische Kreiseinteilung (1512) gelangte auch
-Schaumburg dazu, während die welfischen Lande den Hauptbestandteil des
-niedersächsischen Kreises bildeten. Diese scharfe Scheidung scheint
-auch auf die Entwicklung der Stämme von Einfluß gewesen zu sein.
-Denn das niedersächsische Plattdeutsch weist von dem westfälischen
-bedeutende Unterschiede auf. Heißt es in Westfalen »mī« und »dī«, so
-sagt man in einem Teile Niedersachsens »meck« und »deck«; sagt der
-Westfale »ick sin«, so wird man in Niedersachsen meist »ick bin« hören.
-Besonders groß sind die Unterschiede des Vokalismus, insofern der
-einfachen niedersächsischen Länge zumeist ein westfälischer Doppellaut
-gegenübersteht; man vergleiche: Brôd -- Bräud oder Braud (Brot), Brût
--- Briut (Braut), dûsent -- diusent (tausend), Müse -- Muüse (Mäuse),
-Tîd -- Tëid oder Tuid (Zeit), spräken -- spriäken (sprechen), brôken
--- bruaken (gebrochen). Auffallend ist auch das reine lange â der
-Westfalen, z. B. in Wâter (Wasser), während der Niedersachse dumpf
-Wáter sagt. Da die ehemals engrischen Teile Westfalens noch gewisse
-Besonderheiten im Dialekt gegenüber dem Altwestfälischen haben, so ist
-anzunehmen, daß das Ostengrische vom Ostfälischen (= Niedersächsischen)
-aufgesogen worden ist.
-
-[Illustration: §. Abb. 65. Lauenstein. (Zu Seite 87.)]
-
-Doch kehren wir zu unserer Geschichte zurück. Nach der Zerstückelung
-des sächsischen Herzogtums sehen wir, wie mehr und mehr die kleinen
-Dynasten emporkommen und die geistlichen Herren nach Kräften rupfen.
-Im Welfenlande wurde ein ansehnlicher Teil des alten Besitzes 1235 als
-Herzogtum Braunschweig-Lüneburg zusammengefaßt, unterlag aber später
-mannigfachen großen und kleinen Teilungen, bis sich aus dem Wirrwarr
-die Fürstentümer Lüneburg, Calenberg, Göttingen, Grubenhagen und
-Wolfenbüttel nebst kleineren Unterteilen herauskristallisierten. Ihre
-Grenzen haben sich teils in den Grenzen des Herzogtums Braunschweig
-gegen die preußische Provinz Hannover, teils in denen der hannoverschen
-Regierungsbezirke gegeneinander erhalten.
-
-[Illustration: Abb. 66. Bückeburg. Photographie und Verlag von F. H.
-Hespe in Bückeburg. (Zu Seite 93.)]
-
-Wohl könnte es uns reizen, die Geschicke auch einzelner geistlicher
-Territorien und mancher urwüchsiger Dynastengeschlechter zu verfolgen,
-deren Länder in dem Territorialbesitz der überlebenden Staaten
-aufgegangen sind; von manchem kecken Raubzug, mancher blutigen Fehde,
-mancher frommen Stiftung würden wir hören. Aber wir werden uns
-begnügen, ihre Spuren da zu erwähnen, wo wir sie finden. Für eine
-Geschichte der Grafen und Herren von Northeim, Dassel, Everstein,
-Homburg, Spiegelberg, Schwalenberg, Pyrmont, Sternberg, Schaumburg,
-Hallermund, Roden, Ravensberg, Tecklenburg ist hier kein Platz.
-Auch die ferneren Schicksale unserer Landschaften werden wir nicht
-verfolgen, da ihre Geschichte die Geschichte Deutschlands ist.
-
-[Illustration: Abb. 67. Saukörnung am Kleinen Deister bei Springe.
-
-Nach einer Photographie von W. Wehrhahn in Hannover. (Zu Seite 90.)]
-
-[Sidenote: Die Neuzeit.]
-
-Eine Betrachtung der politischen Karte wird uns zeigen, daß unser
-Bergland unter fünf verschiedenen Herrschern steht. Von den
-alten Kleinstaaten sind Braunschweig, Waldeck-Pyrmont, Lippe und
-Schaumburg-Lippe erhalten. Preußen ist mit den Provinzen Hannover,
-Westfalen und Hessen-Nassau, den Regierungsbezirken Hannover,
-Hildesheim, Osnabrück, Minden, Münster und Cassel beteiligt. Unter
-das Zepter der Hohenzollern ist die Grafschaft Ravensberg im Jahre
-1609 gekommen, dann folgte 1647 die Stadt Herford, 1648 das Bistum
-Minden, 1702 Ibbenbüren, 1707 Tecklenburg, 1803 die Bistümer Hildesheim
-(bis 1813) und Paderborn sowie das Stift Herford. Dazu kam 1815
-außer den in der Franzosenzeit verlorenen und nun wieder gewonnenen
-Gebieten noch das Stift Corvey mit der Stadt Höxter. Endlich wurden
-1866 Hessen-Nassau und Hannover nebst den von ihnen früher erworbenen
-Ländern, vor allem den Bistümern Hildesheim und Osnabrück, der
-Zollernkrone untertan.
-
-[Illustration]
-
-
-
-
-~VII.~ Die Weser von Münden bis Herstelle. Dransfelder Höhenland und
-Reinhardswald.
-
-
-Ehe wir von Münden aus unsere Weserfahrt antreten, sind wir
-hinaufgestiegen zur Tillyschanze, jenem steinernen Turm auf einem
-Vorsprung des Reinhardswaldes. Die geschichtliche Tatsache, die dieser
-Stätte ihren Namen gegeben hat, wird uns mit realistischer Treue ins
-Gedächtnis gerufen durch die im Inneren aufgestellten Kriegsaltertümer
-und das lebensvolle Relief von Prof. Gustav Eberlein: »Die Verteidigung
-der Stadt Münden im Dreißigjährigen Kriege.« Wie anders als in jenen
-schrecklichen Pfingsttagen des Jahres 1626, wo die von 3000 Leichen
-erfüllte Stadt der Beutegier kaiserlicher Soldateska preisgegeben war,
-ist der Anblick, den jetzt das entzückte Auge von der Plattform genießt!
-
-[Illustration: Abb. 68. Die lutherische Kirche in Bückeburg.
-
-Nach einer Photographie von F. W. Kuhlmann in Bückeburg. (Zu Seite 94.)]
-
- O Heimat, du erscheinst mir
- So jugendfrisch und schön;
- Ein Tempe Deutschlands[4] bist du,
- Wie keins ich noch gesehn,
- Ein Born, woraus sich immer
- Mein durstig Herz erquickt,
- Wenn ich von deinen Höhen
- Hinab ins Tal geblickt.
-
- Wie bist du schön im Maien,
- In Frühlingsherrlichkeit,
- Von weißen Blütenbäumen
- Stehst du wie überschneit,
- Und schallen Kirchenglocken
- Hinein ins blühende Tal,
- Dann bist du aller Schönheit
- Vollkommnes Ideal.
-
-[4] Der Ausdruck rührt von Goethe her.
-
-Gern werden wir uns dieses Urteil Eberleins zu eigen machen, der sich
-am Fuß des Berges, im Angesicht der Vaterstadt, sein behagliches, von
-einem großen steinernen Eber bewachtes Heim geschaffen hat. In engem
-Talkessel, umgeben rings von den lieblichen Formen buchengrüner Höhen,
-umkränzt von Obstgärten mit zierlichen Landhäusern, blickt uns das
-freundliche Rot der ziegelgedeckten Altstadt entgegen; und darüber ragt
-in ehrwürdigem Grau eine Anzahl massiver Steinbauten empor, unter denen
-die alten, zum Zweck der Schrotfabrikation erhöhten Befestigungstürme,
-»die Hageltürme«, besonders auffallen (Abb. 36).
-
-[Illustration: Abb. 69. Das neue Rathaus in Bückeburg.
-
-Nach einer Photographie von F. W. Kuhlmann in Bückeburg. (Zu Seite 94.)]
-
-[Sidenote: Münden und die Weserschiffahrt.]
-
-Die in ihrer ursprünglichen Gestalt dem dreizehnten Jahrhundert
-angehörenden Kirchen zu St. Ägidien und St. Blasien -- an der ersteren
-befindet sich der Grabstein des liedberühmten ~Dr.~ Eisenbart --,
-das plumpe Schloß der Calenberger Herzöge Erich ~I.~ und ~II.~
-und das der Blütezeit Niedersachsens, dem Anfang des siebzehnten
-Jahrhunderts, entstammende Renaissance-Rathaus (Abb. 37), sie alle
-zeugen von der Bedeutung Mündens in alter Zeit. Aber auch die
-Privathäuser mit ihrer an hessische und thüringische Städte gemahnenden
-Holzarchitektur, mit ihren vielen überkragenden Geschossen, ihrem
-zierlichen Riegelwerk und den spitzen, wohlgegliederten Dächern
-erzählen uns von der Vergangenheit (Abb. 38 u. 39). Politisch und
-sprachlich zu Hannover gehörig, zeigt nämlich das Gebiet von Münden
-in städtischem und ländlichem Hausbau, in Dorfanlage und bäuerlicher
-Erbsitte mitteldeutschen Charakter (Abb. 23). Gau- und Stammesscheiden,
-deren Nachfolger die jetzigen Provinzialgrenzen von Hannover,
-Hessen-Nassau und Sachsen sind, stießen hier zusammen, erlitten aber
-auch gelegentlich Verschiebungen. Münden selbst wird als ursprünglich
-fränkischer Ort bezeugt; es war eine karolingische »~villa~«,
-zugleich wohl Brückenkopf gegen das Sachsenland. Die Burg aber ist
-wahrscheinlich von Otto von Northeim, einem niedersächsischen Dynasten,
-also als Bollwerk gegen Hessen gegründet worden. Nach dem Sturze
-Heinrichs des Löwen kam die Stadt an die Landgrafen von Thüringen, um
-gegen die Mitte des dreizehnten Jahrhunderts unter die Welfenherrschaft
-zurückzukehren. Der Ursprung der Siedelung erklärt sich, wenn man
-einen Blick auf die Karte wirft, von selbst. Werra und Fulda waren für
-die winzigen Verhältnisse des mittelalterlichen Verkehrs bedeutende
-Wasserstraßen, Münden Knotenpunkt des Schiffsverkehrs, Umschlags- und
-Stapelort. Eifersucht und Feindschaft gegen die Hessen veranlaßte
-im Anfang des vierzehnten Jahrhunderts nach und nach die welfischen
-Landesherren zur Erteilung, dann die Mündener Bürger zum Erschleichen
-von Privilegien, die bis ins neunzehnte Jahrhundert galten und in
-ihrer Gesamtheit unter dem Namen des Mündener Stapelrechts bekannt
-sind. Danach durften alle Waren, die stromauf und stromab die Stadt
-verließen, nur durch Mündener Schiffer befördert werden; auch mußte
-man alle Durchgangsgüter ausladen und zu Casseler Marktpreis drei
-Tage lang feilhalten. Daß Münden nicht bedeutender wurde, hat seinen
-Grund darin, daß die Ufer der drei Flüsse eine für Talstraßen wenig
-günstige Beschaffenheit darboten. So bevorzugte der vom Oberrhein durch
-die hessische Senke kommende Überlandverkehr, soweit er auf Hamburg
-und Lübeck hinstrebte, das Leinetal, dem auch jetzt die Eisenbahn
-nach Hannover folgt, soweit er Bremen zu erreichen suchte, das Esse-
-und Diemeltal. Die Erbauung der Eisenbahnen hat wie überall auch in
-Münden zunächst zertrümmernd, dann aufbauend auf die wirtschaftlichen
-Zustände gewirkt. Die Stadt ist mehr und mehr Industrieort geworden.
-Der Wald der Umgegend liefert Holz zu mannigfacher Verarbeitung (vergl.
-Seite 35) und Lohe für die Gerberei, der Erdboden Braunkohle, Ton und
-Mühlsteine. Andere der dortigen Industrien (Zinnwaren, Tabak, Gummi)
-sind weniger abhängig von örtlicher Rohstofferzeugung. Aber auch der
-Schiffsverkehr hat sich mächtig gehoben, besonders in der letzten
-Zeit, wozu die im Jahre 1895 dem Verkehr übergebene Kanalisierung
-der Fulda bis Cassel besonders beigetragen hat. Zum Schluß wollen
-wir noch bemerken, daß Münden derzeit 11300 Einwohner zählt, eine
-Kgl. Forstakademie mit etwa siebzig Studierenden beherbergt und als
-Sommerfrische und Touristenstadt mehr und mehr aufgesucht wird.
-
-[Illustration: Abb. 70. Hameln gegen den Süntel. Nach einer
-Photographie von H. Blesius in Hameln. (Zu Seite 94 ff.)]
-
-[Illustration: Abb. 71. Das Rattenfängerhaus in Hameln.
-
-Nach einer Photographie von H. Blesius in Hameln. (Zu Seite 98.)]
-
-[Illustration: §. Abb. 72. Schloß Hämelschenburg bei Hameln. (Zu Seite
-98.)]
-
-Wir schreiten zum Tanzwerder, der wegen Hochwassergefahr unbebaut
-gebliebenen äußersten Ecke des Anschwemmungsdeltas zwischen Werra
-und Fulda, also sozusagen der Geburtsstätte der Weser. Hier steht
-der Weserstein, leider! War es nötig, der Weser ein Denkmal zu
-errichten? bedurfte es wirklich einer »Verschönerung« der Landschaft
-durch Verse? und mußten diese gar in Stein gemeißelt werden als ein
-»~monumentum aere perennius~«? Wir besteigen den geräumigen und
-bequemen Dampfer »Kaiser Wilhelm« und fahren, durch das regelmäßig
-einförmige Stampfen der Räder in süßes Träumen gewiegt, behaglich
-dahin und lassen die traulichen Bilder der grünen Ufer an unseren
-Blicken vorübergleiten. Wir werden gut tun, aus unserem Gedächtnis
-alle Erinnerungen an eine etwa früher unternommene Donau- oder
-Rheinfahrt zu verbannen; wir wollen nicht vergleichen, nicht die
-Lieblichkeit der einen Landschaft an der Großartigkeit der anderen
-messen, sondern unbefangen genießen. Daran wird uns auch nicht ein
-vielsprachiges Gewimmel von hastigen Reisenden stören. Unser Schiff
-trägt außer den Landleuten der Ufergegenden zumeist anspruchslose
-Touristen aus Nordwest- und Mitteldeutschland. Gelegentlich bemerkt
-man unter ihnen einige holländische Vergnügungsreisende. Weit zurück
-liegt die Zeit, wo auf diesen Fluten der erste Dampfer fuhr; es war
-der erste Dampfer überhaupt. Sein Erbauer war der gelehrte Hugenotte
-Dionysius Papin aus Blois, seit 1687 Professor der Physik in Marburg.
-Von Cassel aus fuhr er auf dem von ihm ersonnenen Beförderungsmittel
-die Fulda hinab, um England damit zu erreichen. Doch schon in Münden
-zerschlugen die neidischen Mitglieder der privilegierten Schiffergilde
-das Teufelsfahrzeug. Seit jenem unglückseligen Septembertage des
-Jahres 1707 verstrichen über 111 Jahre, bis der nächste Dampfer --
-er hieß »Herzog von Cambridge« -- vom 9. bis zum 20. März 1819 die
-Fahrt von Bremen nach Münden machte; doch erwies sich die Maschine
-als zu schwach, das Fahrwasser als zu schwierig, und so wurden
-die Fahrten nicht fortgesetzt. Erst im Jahre 1843 fuhren wieder
-Dampfer auf der Oberweser, und seit 1844 unterhielt die »Vereinigte
-Weserdampfschiffahrtsgesellschaft« mit dem in Paris gebauten
-»Hermann« und dem bald folgenden »Wittekind« regelmäßige Fahrten. Die
-jetzige Personenschiffahrt betreibt zwischen Münden und Hameln die
-Wesermühlen-Aktiengesellschaft zu Hameln mit fünf stattlichen Schiffen,
-die im Jahre 1908 rund 112000 Passagiere befördert haben (im Jahre 1905
-etwa 60000).
-
-[Illustration: Abb. 73. Kapelle beim Armenhaus Wangelist (Hameln).
-
-Nach einer Photographie von H. Blesius in Hameln. (Zu Seite 98.)]
-
-[Sidenote: Von Münden bis Carlshafen.]
-
-Das Wesertal ist von Münden bis Carlshafen-Herstelle eng und
-wenig besiedelt. Der Strom fließt im Buntsandstein, einer alten
-Verwerfungsspalte dieses Gesteines folgend. Durch jahrtausendelanges
-Nagen hat sich das Flußbett derartig vertieft, daß die bewaldeten Höhen
-rechts und links -- dort Blümer Berg (Abb. 16), Bramwald, Kiffing,
-hier Reinhardswald genannt -- die Talsohle vielfach bis zu 230 ~m~
-überragen. Die Schichten dieser Berge fallen beiderseits nach der vom
-Strome abgewendeten Seite ein; die Wasserscheiden liegen nahe dem Fluß,
-die Hänge sind schroff, die Täler meist kurz und steil. Nur rechts sind
-Schede, Nieme und Schwülme größere Bäche, die, dem Hinterlande jener
-grünen Berge, nämlich der Senke zwischen Buntsandstein und Muschelkalk
-entsprungen, den letzteren in hübschen Tälchen durchnagt haben.
-Verzichten müssen wir auf die Aufzählung all der schmucken Dörfer,
-deren Jugend die Ankunft unseres Schiffes an und noch lieber in dem
-Wasser erwartet, während die überall zahlreich vorhandenen Gänse unter
-lautem Protestgeschnatter in vornehmem Zuge das Flußbett verlassen.
-Im allgemeinen bildet die Weser hier die Grenze zwischen Hannover und
-Hessen. Doch greift dieses auch aufs rechte Ufer über. Die Bevölkerung
-aber ist auf beiden Seiten niederdeutsch.
-
-[Illustration: Abb. 74. Rinteln gegen den Taubenberg. Nach einer
-Photographie des dortigen Verschönerungs-Vereins. (Zu Seite 99.)]
-
-Links liegt der Flecken Veckerhagen (1500 Einwohner), der seine jetzt
-noch bestehende kleine Tonindustrie und die Fabrik von Casseler
-Braun (Umbra) ebenso wie die von 1666 bis 1903 betriebene Eisenhütte
-benachbarten tertiären Bodenschätzen verdankt. Das gegenüberliegende
-Hemeln ist aus einem alten karolingischen Reichshof hervorgegangen,
-der wie so oft unter einer alten Volksburg angelegt worden war.
-Den späteren Wohnsitz ihres adligen Gebieters werden wir in der
-Bramburg zu erkennen haben, deren Ruine rechts aus dem Walde düster
-emporragt; sie gehörte später den Herren von Stockhausen und wurde
-wegen deren Räubereien im fünfzehnten Jahrhundert zweimal von den
-braunschweigischen Landesherren zerstört. Die Domänen Hilwartshausen
-und Bursfelde sind ehemalige Klöster; letzteres liegt auf dem
-Geröllkegel der Nieme (Abb. 40 u. 41). Kirchengeschichtlich ist
-es bekannt als Ursprungsort der Bursfelder Kongregation, eines im
-fünfzehnten Jahrhundert gestifteten Verbandes von Benediktinerklöstern
-zur Erhaltung der kirchlichen Zucht, kunstgeschichtlich durch seine
-schöne im Jahre 1903 wieder hergestellte romanische Basilika. In
-dem erweiterten Tale beim Einfluß der Schwülme haben die Flecken
-Lippoldsberg (900 Einwohner) mit schönem alten Kloster und Bodenfelde
-mit kleinem Umschlagsplatz (vergl. Seite 34) einige Bedeutung. Ein
-besonderes Interesse beanspruchen die Hugenottenkolonien Gottestreu
-und Gewissenruh. Sie sind ungefähr gleichzeitig mit Carlshafen um
-1700 entstanden, als Landgraf Karl von Hessen die nach Aufhebung des
-Edikts von Nantes vertriebenen Glaubensgenossen der wirtschaftlichen
-Hebung seines Landes dienstbar zu machen suchte. In Gewissenruh wurden
-zwölf Familien angesiedelt, von denen jede einen Streifen Waldland zur
-Urbarmachung erhielt (vergl. Seite 44). Französische Inschriften an den
-Häusern und dem kleinen Kirchlein[5], französische Familiennamen wie
-Jouvenal, Don, Héritier, Volle, Seguin (sprich: Zeckink) und einige
-schwarzäugige und dunkelhaarige Köpfe sind die einzigen Reste fremden
-Wesens in dem Dörflein (Abb. 42).
-
-[5] ~1 Août 1799. Gen. XXVIII. V. 16. Certes, L'éternel est en ce lieu
-et ie nan sauoie rien.~
-
-[Illustration: §. Abb. 75. Blick von der Bückeburger Chaussee in das
-Tal von Rinteln. (Zu Seite 77.)]
-
-[Illustration: §. Abb. 76. Dankerser Mühle bei Rinteln. (Zu Seite 77.)]
-
-[Illustration: Abb. 77. Vlotho gegen den Amthausberg und das
-Wiehengebirge.
-
-Nach einer Photographie von Cramers Kunstanstalt in Dortmund. (Zu Seite
-100.)]
-
-[Sidenote: Carlshafen.]
-
-Noch mehr hat sich dieses in Carlshafen verwischt, obgleich hier noch
-bis 1825 von dem Pfarrer Guillaume Suchier französisch gepredigt
-worden ist. Carlshafen ist eine rein künstliche Gründung (Abb. 43).
-Freilich ist die geographische Lage am Einfluß des größten linken
-Nebenflusses in die Weser außerordentlich günstig und hat früh zwei
-Siedelungen veranlaßt. Weil aber der Baugrund an der Mündungsstelle
-selbst zu feucht war, ist die eine von ihnen 2 ~km~ im Diemeltale
-hinauf, die andere 2 ~km~ im Wesertale abwärts gerückt. Jene ist
-Helmarshausen (1300 Einwohner) mit der im Jahre 998 von dem frommen
-Freundespaar, Kaiser Otto ~III.~ und Papst Gregor ~V.~, gestifteten
-Benediktinerabtei, zu deren Schutze Erzbischof Engelbert von Köln
-1220 die Krukenburg dort oben erbaute (Abb. 44); diese ist das von
-Karl dem Großen erbaute Herstelle, wo er den Winter 797/98 verbrachte
-und eine Kirche gründete. Herstelle war zu einem festen Lager und
-dauernden Stützpunkt seiner Regierung bestimmt; zeitweilig kam sogar
-die Errichtung eines Bistums in Frage. Jetzt ist Helmarshausen ein
-hauptsächlich von Steinbrucharbeitern und Zigarrenmachern bewohntes
-Städtchen, die Krukenburg die schönste Ruine des Wesergebiets,
-Herstelle ein westfälisches Dorf, überragt von einem Kloster und
-einem modernen Schloß. Mit der Erbauung von Carlshafen oder, wie
-es ursprünglich nach der alten Volksburg darüber (vergl. Seite 57)
-genannt wurde, Sieburg, wurde am 29. September 1699 begonnen. Landgraf
-Karl wollte hier mit allen Mitteln des aufgeklärten Despotismus die
-Entstehung einer Handels- und Hafenstadt erzwingen; der Verkehr sollte
-den lästigen Mündener Stapel umgehen und auf der kanalisierten Diemel
-und Esse bis Hofgeismar und dann über Land nach Cassel gelenkt, der
-Kanal aber womöglich bis zur Lahn nach Marburg fortgeführt werden.
-Französische und deutsche Ansiedler erhielten billige Wohnungen und
-allerhand Vergünstigungen. Die Stadt bietet, aus der Vogelschau von
-den hessischen Klippen gesehen, das Bild vollendeter Symmetrie: in der
-Mitte der jetzt unbenutzte Hafen, daneben zwei stattliche Gebäude, dann
-gleiche Wohnblöcke, deren Häuser -- außer den etwas größeren Eckbauten
--- je fünf Fenster Front, zwei Stockwerke und einen einfenstrigen
-Dacherker haben. Die weitschauenden Pläne Karls versanken mit seinem
-Tode von selbst ins Nichts. Jetzt hat das 1900 Einwohner zählende
-Städtchen als Erwerbsquellen Stein-, Tonröhren- und Holzindustrie, dazu
-Zigarrenfabrikation und ein kleines Solbad; ein Invalidenhaus besteht
-noch seit den Tagen des edlen Landgrafen; auch lockt die entzückende
-Lage, neben der Mündens sicherlich die reizvollste im Wesertal,
-zahlreiche Sommerfrischler herbei.
-
-Von den Landschaften an dem obersten Stück des Weserlaufs werden die
-links den Wanderer mehr anlocken. Rechts ist die Buntsandsteinzone
-schmal, und nur in ihr herrscht zusammenhängender Wald, so besonders
-im Bramwald (Totenberg 406 ~m~), dem man freilich stellenweise
-noch anmerkt, daß bis vor 40 Jahren 1700 Rinder, 7500 Schafe, 3200
-Schweine und zahllose Gänse bei ihm zu Gaste gingen. Das hübsch
-an der Nieme gelegene Lewenhagen ist ein bescheidener Luftkurort.
-Das östlich dahinter liegende Dransfelder Höhenland, das meist dem
-Muschelkalk angehört, wird überragt von malerischen Basaltkuppen,
-wie dem aussichtreichen Hohen Hagen (506 ~m~) und dem Dransberg,
-deren Steinbrüche auch hauptsächlich den 1400 Einwohnern des alten,
-hochgelegenen Städtchens Dransfeld (Bahnhof 301 ~m~) Unterhalt gewähren
-(Abb. 45).
-
-[Illustration: §. Abb. 78. Exten bei Rinteln. (Zu Seite 100.)]
-
-[Sidenote: Der Reinhardswald.]
-
-Der Reinhardswald links der Weser ist für den Naturfreund ein
-lohnenderes Wandergebiet. Er besteht aus einer fast 30 ~km~ langen,
-durchschnittlich 10 ~km~ breiten Buntsandsteinscholle von etwa 400 ~m~
-Höhe, auf der basaltische Kuppen wie der Gahrenberg (464 ~m~) und
-der Staufenberg (472 ~m~) aufgesetzt sind. An ihrem Fuße finden sich
-tertiäre Ablagerungen, aus denen u. a. am Gahrenberg Braunkohle
-bergmännisch gewonnen wird. Das Innere des Waldes ist fast unbewohnt.
-Beberbeck ist ein königliches Hauptgestüt mit weit ausgedehnten
-Bergweiden, auf denen sich etwa 350 edle Rosse (Halbblut) in Freiheit
-tummeln, die malerische Sababurg (im Volksmunde ist der ursprüngliche
-Name Zappenburg erhalten) ein 1490 erbautes, jetzt halb zerfallenes
-Jagdschloß der hessischen Landgrafen, Gottsbüren, das einzige,
-übrigens sehr alte Dorf des inneren Waldes, im vierzehnten Jahrhundert
-durch seine Wallfahrtskapelle, jetzt durch eine Kirchenorgelfabrik
-berühmt. Das malerische, von einer Burg überragte Ackerstädtchen
-Trendelburg an der Diemel (650 Einwohner) liegt schon außerhalb des
-Gebirges (Abb. 46). In diesem selbst herrscht ringsum der Wald,
-ununterbrochener Wald. Der Reinhardswald ist alter Reichsforst, wurde
-aber im Jahre 1018 von Kaiser Heinrich ~II.~, dem letzten Sachsen,
-seinem Freunde, dem Bischof Meinwerk von Paderborn, für das Bistum
-geschenkt. Nach mehrfacher Teilung und Besitzvertauschung kam er bis
-zum sechzehnten Jahrhundert nach und nach ganz an Hessen.
-
-[Sidenote: Reinhardswald und Solling.]
-
-Die für den Forstmann nicht gerade erfreulichen Schicksale des Waldes
-als solchen, über die auf Seite 30 bis 32 das Nötige gesagt worden
-ist, haben eine den Naturfreund fesselnde Mannigfaltigkeit des
-Landschaftsbildes hervorgerufen. Außer dem eigentlich bodenständigen
-Buchenwald finden sich weite, parkartig mit vereinzelten alten Eichen
-bestandene Blößen, die früher Hutezwecken dienten. Vielfach auch sind
-die Eichen später mit jungen Buchen forstgerecht unterbaut. In den
-sechziger Jahren wurden, um die Blößen nicht ganz der Viehweide zu
-entziehen, sie aber zugleich auch forstlichen Zwecken dienstbar zu
-machen, kreisförmige Plätze von 4 bis 6 ~m~ Durchmesser bei 14 ~m~
-Dreiecksverband mit kleinen Entwässerungsgräben umgeben und miteinander
-verbunden. Der Aufwurf diente zur Erhöhung des Platzes, der mit je 25
-Stück junger Fichten bepflanzt wurde. Diese sind nun herangewachsen und
-bilden die auffallende Erscheinung der »Klümpse«. An ihre Stelle tritt
-neuerdings allmählich richtiger Fichtenwald, der im Gahrenberger Revier
-bereits 22% der Forstfläche (gegen 3% vor hundert Jahren) bedeckt.
-Stellenweise bereitet auf der Hochfläche allerdings der versauerte und
-vertorfte Boden der Aufforstung Schwierigkeiten.
-
-Im Mittelalter noch ein Tummelplatz von Tausenden wilder Eber, verarmte
-der Reinhardswald später allmählich in bezug auf seinen Wildstand, und
-als gar im Revolutionsjahre die Jagd freigegeben worden war, zählte
-man bald danach (1852) im Holzhäuser Revier nur 8 Stück Rotwild, 14
-Stück Schwarzwild und 14 Rehe gegen 98, 86 und 76 fünf Jahre vorher.
-Jetzt ist seit 1866 ein Gebiet von 8000 ~ha~ eingegattert, und es
-wird darin ein mäßiger Bestand an Rot- und Schwarzwild gehalten
-(Abb. 47). Auch Auerwild kommt vereinzelt vor. In jedem Herbst findet
-die akademische Hubertusjagd im Forstbezirk Gahrenberg statt, nach der
-unter Fackelschein die Beute durch Münden getragen, auf dem Markte eine
-Rede gehalten und beim Kommers das Jagdgericht abgehalten wird.
-
-
-
-
-~VIII.~ Solling, Homburg und Vogler.
-
-
-Ähnlichen Charakter wie der Bramwald und der Reinhardswald zeigt auch
-der Solling, jene große Buntsandstein-Ellipse, die nach Einmündung
-der Schwülme in die Weser dem Hauptstrom die westliche Richtung
-seines Nebenflusses aufzwingt. Es fehlen hier jedoch die basaltischen
-Durchbrüche, wenn wir nicht die von der Schwülme an drei Seiten
-umflossene Berggruppe, die in der 461 ~m~ hohen Bramburg gipfelt,
-noch zum Solling rechnen wollen. Die Bramburg ist die nördlichste
-ausgebildete Kuppe aus Basalt Deutschlands überhaupt. Die Brüche dort
-oben sind mit maschinellen Hilfsmitteln allerart ausgestattet. Sie
-sind die bedeutendsten in der Gegend und haben den Gipfel des Berges,
-der eine prachtvolle Fernsicht gewährt, bereits völlig umgestaltet.
-Der leitende Ingenieur und eine Anzahl Arbeiter wohnen oben, andere
-in den benachbarten Ortschaften. Bei der Gewinnung der Steine kommt
-es vor allem darauf an, das eben gebrochene Material schnell hinter
-Strohwänden oder unter Schuppen zu bergen und möglichst bald zu
-verarbeiten. Solange es nämlich noch frisch ist, läßt es sich leicht
-spalten und zu rechteckigen Klötzen behauen; sobald aber die Sonne
-es beschienen hat, zerspringt es unter dem Hammer zu unregelmäßigen
-Stücken, und statt der Pflastersteine ist nur Schotter zu gewinnen. So
-kostet oft ein unerwarteter Sonnenschein, vor dem frisch gebrochene
-Steine nicht mehr gerettet werden konnten, dem Werke eine Menge Geld.
-Die Ursache des »Verbrennens« der Steine ist noch nicht einwandfrei
-festgestellt. Am Südfuße der Bramburg liegt der uralte Flecken
-Adelebsen (1500 Einwohner), in dem die Adelsfamilie gleichen Namens
-ihr Stammschloß mit einem ungeheuren Bergfried hat. Am Nordfuß ist
-Volpriehausen zwar ein altes Dorf, aber ein ganz junger Industrieplatz.
-Abgesehen davon, daß es die Bahnstation für die Bramburgbrüche
-ist (eine Betriebsbahn verbindet diese damit), verdankt es seine
-Bedeutung dem großen Kaliwerk, das aus Tiefen von 400 bis 600 ~m~
-jenes für die Landwirtschaft so wichtige Mineral zugleich mit reinem
-Steinsalz heraufbefördert. Als Betriebsmittel dient die in der Nähe
-bei Delliehausen gewonnene Braunkohle; doch ist deren Lager nahezu
-erschöpft.
-
-[Illustration: §. Abb. 79. Schloß Varenholz. (Zu Seite 101.)]
-
-[Sidenote: Der Solling.]
-
-Der Solling bietet an seinen Rändern meist keinen reizvollen Anblick,
-da er sich allmählich erhebt und die Äcker weit an seinen Hängen
-emporsteigen. Nur bei Carlshafen und Fürstenberg hat die Weser ihn
-angenagt, so daß der Dampfer dicht unter steilen Felsen dahingleitet.
-Von den bisher besprochenen Buntsandsteingebieten unterscheidet
-sich der Solling durch eine größere Ausdehnung und seine annähernd
-kreisrunde Form. Da die Schichten des Gesteins horizontal liegen, so
-ist der Abfluß von der Mitte der Hochfläche erschwert, und es bilden
-sich Hochmoore wie am Moosberg, der wohl daher seinen Namen hat.
-Strahlenförmig fließen nach allen Seiten Bäche, die sich ziemlich enge,
-allmählich tiefer werdende, landschaftlich recht reizvolle Wiesentäler
-nach den Rändern der Hochfläche hin genagt haben; von jenen fließt die
-Ilme zur Leine, die Aale zur Schwülme, die Rottmünde und die Holzminde
-zur Weser. Die zwischen den Tälern stehen gebliebenen breiten Rücken
-haben annähernd gleiche Höhe und wachsen für das Auge eines ferner
-stehenden Beschauers zu einer einzigen Ebene zusammen. Auch die Gipfel,
-unter denen die Große Blöße mit 528 ~m~ der höchste Berg zwischen
-Harz und Sauerland ist, überragen die Fläche so wenig, daß vor der
-Herausgabe der preußischen Meßtischblätter stets der Moosberg (513 ~m~)
-als die bedeutendste Kuppe des Gebirges, als der König des Sollings,
-genannt wurde. So haben also preußische Offiziere diesen König
-entthront. Die Silhouette des Sollings erscheint unter diesen Umständen
-außerordentlich einförmig. Was das Gebirge reizvoll macht, das ist
-der stundenlang ununterbrochene Wald (Abb. 18, 20 u. 21). Berühmt
-sind außer vereinzelten Prachteichen auch einige um die Mitte des
-achtzehnten Jahrhunderts angepflanzte Eichenalleen. Im übrigen aber ist
-der Wald -- jetzt vielfach Fichtenbestand -- ein Ergebnis der neueren
-verständigen Forstkultur (Seite 30 ff.).
-
-An Siedelungen ist das Innere des Gebirges arm. Daß deren früher
-mehr vorhanden waren, beweisen die Kirchenruinen, wie wir deren
-im Schwülmetale bei Adelebsen und in der Wüstung Friewohle unweit
-Volpriehausen zwei noch stattliche finden, während sich an anderen
-Stellen nur eben die Grundmauern unter Laub und Gras erkennen lassen.
-Dagegen ist das Gebirge mit einem Kranz von Dörfern und Städten
-umgeben. Carlshafen, Adelebsen und Volpriehausen haben wir bereits
-erwähnt. An der Bahnstrecke Ottbergen-Northeim, welche einer alten
-Handelsstraße zum Harze folgt, liegt noch Uslar (2500 Einwohner)
-inmitten fruchtbaren Getreide- und Rübenbodens mit Eisenhütte,
-Obstweinfabrikation und Teppichweberei und Hardegsen (1300 Einwohner)
-am Durchbruch des Flüßchens Espolde durch den öden Muschelkalkzug der
-Weper, überragt von dem hohen, düsteren »Mushaus«, dem Überrest einer
-sehr alten, zeitweilig den Braunschweiger Herzögen gehörigen Burg.
-Baulich interessant sind noch das alte Schloß Nienover bei Bodenfelde
-und die romanische Basilika des Klosters Fredelsloh.
-
-[Sidenote: Einbeck.]
-
-Nordöstlich vom Solling und von ihm getrennt durch den Bergzug, der
-die Ruine der alten ehemaligen Welfenburg Grubenhagen trägt (293 ~m~),
-liegt am Rande einer fruchtbaren Keuper- und Liasmulde die einstige
-Hansastadt Einbeck (8700 Einwohner), von alters her berühmt durch
-ihre Leinweberei und noch mehr durch das Bier, von dem schon Herzog
-Erich ~I.~ von Calenberg auf dem Wormser Reichstage Luthern eine Kanne
-spendete. Die Brauerei nimmt neben anderen Gewerbezweigen, z. B. der
-Zuckerfabrikation und der Fahrradindustrie, noch immer eine Hauptstelle
-in der Arbeit der Bewohner ein und liefert besonders pasteurisiertes
-Flaschenbier zur Ausfuhr in die Tropen. Bedeutende Kirchen, ein
-stattliches Rathaus und schöne geschnitzte Holzhäuser aus der
-Renaissancezeit bezeugen die ehemalige Blüte der Stadt (Abb. 48 u. 49).
-Während Einbeck früher an der Kreuzung zweier bedeutender Straßen lag,
-nämlich der von Göttingen nach Hannover, welche an dieser Stelle das
-enge, feuchte Leinetal vermied, und der zur Weser bei Bodenwerder, wird
-es jetzt von der durchgehenden Bahnlinie nicht berührt. Es liegt an
-einer Seitenbahn, die im Ilmetal aufwärts bis zu dem Städtchen Dassel
-(1500 Einwohner) führt. Daß dieses einst der Sitz eines mächtigen
-Grafengeschlechtes war -- man denke an Ludolf, den Kanzler des Rotbarts
---, ist an sichtbaren Spuren nicht mehr zu erkennen. Interessanter ist
-das benachbarte von Herzog Erich ~I.~ von Calenberg 1530 erbaute Schloß
-Erichsburg.
-
-Nördlich davon liegt Stadtoldendorf, ein braunschweigisches
-Städtchen von 3500 Einwohnern, Station der Bahn Kreiensen-Holzminden
-(Berlin-Cöln). Der Zechstein birgt hier, besonders nach der
-benachbarten Homburg zu, einen mächtigen Gipsstock, der in mehreren
-Brüchen ausgebeutet wird. In einigen Fabriken werden daher Gipsdielen
-hergestellt.
-
-[Sidenote: Elfas. Homburg.]
-
-Die am Westrande des Solling liegenden Orte mögen später bei einer
-fortgesetzten Betrachtung des Weserlaufes besprochen werden. Vorher
-hätten wir noch ein Wort über den Buntsandsteinzug Elfas-Homburg-Vogler
-zu sagen. Das Fehlen eines gemeinsamen Namens zeigt uns, daß wir
-es trotz der geologischen Zusammengehörigkeit dieser Berge mit drei
-gesonderten Gruppen zu tun haben. Am wenigsten tritt der Elfas
-(380 ~m~) hervor. Bedeutender ist die Homburggruppe, in ihren beiden
-Hauptgipfeln 400 ~m~ überragend. Auffallend ist -- zumal im Gegensatz
-zu der Weichheit der Linien in dem benachbarten Sollinggebiet -- die
-in dieser Formation so seltene malerische Kuppelform des Berges,
-der die Ruinen der alten Dynastenburg trägt. Es ist nicht viel von
-ihr erhalten. Denn schon hundert Jahre nachdem 1409 der letzte
-der Herren von Homburg, wie die Sage meldet, unter der Hand eines
-Eversteiner Grafen am Altare zu Amelunxborn verblutet war, ließen die
-Braunschweiger Herzöge die Burg verfallen und bauten aus den Steinen
-das neue Amtshaus in Wickensen. Aber der Pallas ist nebst einigen
-Gewölberesten mitten im grünen Buchenwald noch erkennbar. Der Besuch
-der Trümmer sowie der Blick von dem Stumpf des zerbröckelten Bergfrieds
-auf das Städtchen zu Füßen wird den Wanderer sicherlich für die Mühen
-des Aufstieges belohnen.
-
-[Sidenote: Vogler.]
-
-Zum Vogler werden wir von Stadtoldendorf aus unseren Weg am besten
-durch das liebliche Hooptal nehmen; so heißt das oberste Stück der von
-dem Forstbach in die Hochebene eingewaschenen Schlucht. Bald überrascht
-uns hier der Anblick des Klosters Amelunxborn, hart oben am Rande
-der schroffen Talwand gelegen. Wir finden hier eine auch sonst sich
-aufdrängende Beobachtung bestätigt, daß die Zisterziensermönche nicht
-nur landwirtschaftliche Praktiker ersten Ranges, sondern auch Menschen
-von einem hervorragenden Verständnis für landschaftliche Schönheit
-gewesen sein müssen. Im Jahre 1129 vom Grafen Siegfried von Northeim
-gestiftet, auf den auch die Erbauung der Homburg, wenn auch vielleicht
-nicht die erste, zurückgeführt wird, ist es die älteste Klostergründung
-jenes Ordens in Niedersachsen. Die schöne romanisch-gotische
-Doppelkirche dient jetzt der Domäne und den Nachbardörfern als
-Gotteshaus.
-
-[Illustration: Abb. 80. Möllenbeck gegen die Weserkette (Papenbrink,
-Lange Wand, Luhdener Klippe). Nach einer Photographie von W. Siekmann
-in Rinteln. (Zu Seite 101.)]
-
-Der Vogler ist von den drei Berggruppen die ausgedehnteste. Der Kamm
-zieht sich in einem flachen, nach Osten geöffneten Bogen etwa zehn
-Kilometer weit hin, sendet nach beiden Seiten viele starke Äste aus
-und gipfelt in dem 460 ~m~ hohen Ebersnacken, einem der herrlichsten
-Aussichtspunkte des Wesergebietes. Die Fülle schönen Buchenwaldes,
-die starke Entwicklung leicht zu überblickender Täler, die reiche
-Gliederung, die auch in der edlen Silhouette des Gebirges ihren
-Ausdruck findet, verleihen dieser Berggruppe einen ganz besonderen
-Reiz. An Siedelungen finden sich fast versteckt nur zwei arme
-Holzhacker-Dörflein. Der Name des einen, Heinrichshagen, hat zusammen
-mit dem des Bergzuges selbst Anlaß zu der Sage gegeben, hier habe König
-Heinrichs Vogelherd gestanden. An seinem Nordwestende, der Königszinne,
-erreicht der Vogler in steilem Absturz bei Bodenwerder die Weser, deren
-Lauf wir von Herstelle ab nunmehr noch verfolgen müssen (Abb. 60).
-
-[Illustration: Abb. 81. Süntelbuche auf der Schafweide bei Hülsede.
-
-Nach einer Photographie von W. Wehrhahn in Hannover. (Zu Seite 101.)]
-
-
-
-
-~IX.~ Die Weser von Herstelle bis Hameln.
-
-
-[Sidenote: Das Wesertal.]
-
-Unterhalb Carlshafens, bei Herstelle, verläßt die Weser das reine
-Buntsandsteingebiet und tritt durch das von den hannoverschen Klippen
-rechts, von den hessischen Klippen und ihrer westlichen Fortsetzung
-links gebildete Tor in den zweiten der Seite 24 u. 25 genannten
-Talabschnitte hinaus. Der Eindruck der offenen Landschaft wird
-abgesehen von der größeren Entfernung der Talwände auch durch deren
-Lücken hervorgerufen, die sich an den Mündungen der Zuflüsse befinden,
-aber zu der Bedeutung von Wässerchen wie die Nethe, die Holzminde, der
-rechtsseitige Bever- und der Forstbach in keinem Verhältnis stehen. Den
-Gegensatz zwischen den beiden jüngsten Gliedern der Trias, die unser
-Tal scheidet, haben wir reiche Gelegenheit zu beobachten. Sanft erhebt
-sich rechts der Solling; weit steigen die Felder an seinen Hängen
-hinauf, so daß von dem Walde vielfach nur ein Streifen zu sehen ist
-und die Gipfelhöhe des Sandsteingebirges unterschätzt wird. Links fällt
-das Höxtersche Höhenland steil ab. Im Gegensatz zu der abgerundeten
-Form der Gehänge, die wir am Reinhardswalde beobachtet haben, bildet
-der Muschelkalk winklige Abstürze, deren steilste Stelle oben am Rande
-des Plateaus liegt, während unten stellenweise aufgehäufte Schuttkegel
-die Steilheit mildern. Diese Form des Bergprofils wiederholt sich bei
-allen Vorsprüngen der Hochfläche, die sich kulissenartig voreinander
-schieben, und erinnert trotz der kleineren Verhältnisse an den Nordrand
-der Schwäbischen Alb (Abb. 55). Als Grund dieser Erscheinung haben wir
-die Tatsache anzusehen, daß beim Sandstein mehr die mechanischen, beim
-Kalk mehr die chemischen Kräfte des Wassers abtragend gewirkt haben.
-Dieses führt den Kalk gelöst oder in so kleinen Teilchen zu Tale, daß
-an der Böschung selbst fast nichts liegen bleibt, während sich der
-aus dem Sandstein losgerissene Schutt überall da ablagert, wo das
-schwächere Gefälle die lebendige Kraft des Wassers mindert.
-
-[Illustration: §. Abb. 82. Der Hohenstein gegen den Süntel. (Zu Seite
-28 u. 102.)]
-
-An Siedelungen werden wir zuerst rechts das hannoversche Dorf
-Lauenförde, links die westfälische Stadt Beverungen an der Bever (2400
-Einwohner) bemerken, das früher von Herstelle aus nur mit einem Umweg
-über das rechte Ufer erreichbar war, während seit den vierziger Jahren
-die seinerzeit viel bewunderte und auch jetzt noch schöne Bremer Straße
-oben am Berge dorthin führt (Abb. 50). Ferner erwähnen wir links das
-Schlößchen Blankenau und das Dorf Wehrden mit stattlichem Edelsitz
-(Abb. 51). Aber schon von ferne ragt uns rechts auf hohem Sandsteinfels
-das Dorf und das ehemalige Schloß Fürstenberg (180 ~m~) entgegen
-(Abb. 52). In seinen älteren Erinnerungen auf die Grafen von Dassel und
-Everstein zurückgehend, interessiert es uns erst von dem Zeitpunkt an,
-wo Herzog Karl von Braunschweig-Wolfenbüttel, ergriffen von dem um die
-Mitte des achtzehnten Jahrhunderts herrschenden Porzellanfieber, durch
-den der Höchster Fabrik abspenstig gemachten »Arkanisten« Benckgraff
-die Fabrikation jener edlen Topfware hier einführte. Die Fabrik, seit
-1853 in Privatbesitz, hat sich im vorigen Jahrhundert lange Zeit
-hindurch auf die Herstellung kunstloser Massenartikel beschränkt,
-arbeitet aber neuerdings wieder nach den aus den letzten Jahrzehnten
-des achtzehnten Jahrhunderts stammenden Modellen, die zum Teil einen
-hohen Kunstwert besitzen.
-
-[Illustration: §. Abb. 83. Turm der Schaumburg gegen die Paschenburg.
-(Zu Seite 102.)]
-
-Läßt es sich ermöglichen, so werden wir in Fürstenberg einen kurzen
-Aufenthalt machen und uns an der Aussicht erfreuen, die wir von den
-Terrassen der Gasthäuser auf die Täler der Weser und Nethe genießen
-können. Bald ist dann auch das freundliche Höxter nebst dem nahen
-Corvey erreicht.
-
-[Sidenote: Höxter.]
-
-Höxter ist ursprünglich ein karolingischer Königshof und wird seinen
-Ursprung der sächsischen Volksburg auf dem Brunsberge zu verdanken
-haben, wie so oft die fränkischen Höfe die Nähe solcher alten
-Befestigungen aufsuchten. Hier schenkte Ludwig der Fromme den aus
-Corbie in der Pikardie eingewanderten Benediktinern, die sieben Jahre
-zuvor an einem nicht zu bestimmenden Orte »Hetha« eine Tochteranstalt
-gegründet, diese aber wegen der Unwirtlichkeit des Platzes aufgegeben
-hatten, 822 den Grund und Boden für eine neue Niederlassung; das ist
-das im Mittelalter so hoch berühmte Corvey. Seinen Ruhm verdankt es
-dem raschen Wachstum seines Konvents und seiner Besitzungen, dem Eifer
-seiner Insassen für ihre Pionierarbeit im Interesse der Kultur und der
-stattlichen Anzahl in Kunst und Wissenschaft hervorragender Männer, die
-in seinen Mauern geweilt haben. Wir erinnern nur an Hrabanus Maurus,
-den späteren Abt von Fulda und Erzbischof von Mainz, an Anschar, den
-Apostel des Nordens, an die Maler Theodegar und Anderedus, an den
-Baumeister Luitolf, an den Geschichtsschreiber des Sachsenlandes
-Widukind und den ersten deutschen Papst, Gregor ~V.~ Bekannt ist, daß
-die sonst verschollenen fünf ersten Bücher von Tacitus' Annalen im
-Jahre 1514 in der dortigen Klosterbibliothek wieder aufgefunden worden
-sind. Die Blütezeit des Klosters ist freilich bereits mit dem elften
-Jahrhundert zu Ende gegangen. Seine Reichsunmittelbarkeit hat es 1803
-verloren; später ist es zu einer Standesherrschaft geworden, die sich
-seit dem Jahre 1834 im Besitz der Hohenloheschen Familie, gegenwärtig
-des Herzogs von Ratibor, befindet.
-
-Von den alten Bauten ist nicht viel erhalten. Am interessantesten
-ist die westliche Vorhalle der Kirche, das älteste erhaltene Bauwerk
-Westfalens, mit Säulen in frühchristlichem (vorromanischem) Stile.
-Der größte Teil der Gebäude rührt von dem um 1700 errichteten Neubau
-des Abtes Florentius v. Velde her, dessen italienische Bauleute in
-dem benachbarten Lüchtringen noch einige schwarzäugige Nachkommen
-hinterlassen haben sollen. An Sehenswürdigkeiten werden noch gezeigt
-eine Galerie mit den Bildnissen der fünfundsechzig Äbte, die in ihrer
-Bedeutung meist sehr überschätzte Bibliothek von 60000 Bänden und das
-Grab Hoffmanns von Fallersleben, der hier als Bibliothekar im Jahre
-1874 gestorben ist (Abb. 53 u. 54).
-
-Die westfälische Stadt Höxter entwickelte sich teils unter dem
-Einfluß des Klosters, teils als Brückenort der Handelsstraße vom
-Rhein nach Braunschweig und Magdeburg. Sie teilte die politischen
-Geschicke Corveys. Jetzt zählt sie 7700 Einwohner, die ihre Arbeit
-außer beim Ackerbau auch in einigen Industrien (u. a. Zement) finden.
-An kirchlichen und profanen Baudenkmalen hat sie noch einige hübsche
-Stücke aus alter Zeit bewahrt (Abb. 55).
-
-[Illustration: §. Abb. 84. Die Arensburg. (Zu Seite 103.)]
-
-[Sidenote: Holzminden.]
-
-Weniger bevorzugt durch landschaftliche Reize der Lage ist Holzminden
-(9900 Einwohner), das sich mit Höxter in die Stellung als Übergangsort
-teilt, ihm aber als Hauptstapelplatz der Sollinger Sandsteine überlegen
-ist. Welche Bedeutung dieser Industrie zukommt, geht zur Genüge
-schon aus der Tatsache hervor, daß in dem braunschweigischen Kreise
-Holzminden 22½ % der erwerbstätigen Bevölkerung mit Gewinnung und
-Verarbeitung von Steinen und Erden beschäftigt sind, im hannoverschen
-Kreise Uslar aber 13,9%. Die meisten und besten Brüche liegen eben an
-der West- und Nordseite des Sollings. Der Sandstein findet sich in zwei
-verschiedenen Formen, nämlich als Block oder als Platte. Die Blöcke
-werden als Bau- und Werksteine benutzt, zu Trögen, Krippen, Ausgüssen
-und dergleichen verarbeitet; die Platten dagegen finden als Fliesen zum
-Bedecken der Fußböden in Küchen und Hausfluren, als Trottoirbelag und
-besonders auch als Dachsteine Verwendung. Das Behauen der Blöcke, die
-Herstellung der Behälter, das Zurechtschneiden und Glätten der Schiefer
-geschieht großenteils an Ort und Stelle, ehe die Ware auf dem Schiff
-oder der Eisenbahn verfrachtet wird.
-
-[Sidenote: Bevern.]
-
-Von der Burg, welche die Grafen von Everstein hier einst besaßen,
-ist keine Spur erhalten. Wohl aber kann man ihr Stammschloß auf dem
-schroffen Muschelkalkrücken des Burgberges, 10 ~km~ nordöstlich von
-Holzminden, noch an den Wällen und Gräben erkennen. Von hier aus übte
-dieses Geschlecht, dessen Besitz mit seinem Aussterben (1408) an die
-Welfen überging, seine Herrschaft über große Teile Niedersachsens bis
-ins Göttingische und auf das Eichsfeld aus. An dem Fuß des Berges
-verdient der Flecken Bevern am Beverbach (2200 Einwohner) einen Besuch
-wegen seines herrlichen Renaissance-Schlosses; es wurde 1603 bis 1612
-von einem Herrn von Münchhausen erbaut und diente zeitweilig den
-Herzögen von Braunschweig-Bevern zum Wohnsitz (Abb. 56).
-
-[Sidenote: Ohsen.]
-
-Bei der Domäne Forst tritt nun die Weser in das Muschelkalkplateau ein,
-das sie erst bei Ohsen an der Emmermündung ganz verläßt. Zeitweilig
-nähert sich freilich der Strom bei Bodenwerder dem Buntsandstein des
-Voglers und weiter abwärts den Keuperbergen von Grohnde. Im allgemeinen
-aber bleibt der Charakter des engen Durchbruchstales durch den
-Muschelkalk bestehen, in dessen Windungen wir alte Spalten zu erkennen
-haben mögen. Vortrefflich lassen sich die Schichten des Gesteins da
-beobachten, wo der Fluß den Felsen unmittelbar bespült, und wo erst die
-neuere Technik Raum für Straßen geschaffen hat (Abb. 57 u. 59). Bald
-steht der Felsen kahl, nur mit einigem Gestrüpp und farbig blühenden
-Kalkpflanzen bewachsen; stellenweise haben aber auch einige Bäume,
-so am Breitenstein bei Rühle die zählebige Eibe, jener sonst fast
-ausgestorbene Waldbaum, festen Fuß fassen können.
-
-[Illustration: §. Abb. 85. Die Weserkette bei Rinteln (Lange Wand,
-Luhdener Klippe). (Zu Seite 103.)]
-
-[Sidenote: Polle. Brevörde.]
-
-Der nächste bedeutendere Ort ist links Polle (1000 Einwohner), von
-»wo ein mit Liasgebilden erfülltes Tal einen bequemen Zugang von der
-Weser zur Hochfläche ermöglicht« (Guthe). Der Flecken ist unter dem
-Schutze einer eversteinischen Burg entstanden, deren Ruinen auf einem
-kleinen Bergkegel hart am Ufer eine besondere Zierde des Wesertales
-bilden (Abb. 58). Bald ist auch Brevörde erreicht, wo eine Kunststraße
-in vielen Schlangenwindungen von der Hochebene herabkommt, und die
-berühmte alte Steinmühle, früher Dohlensteinmühle, die ein aus der
-Felswand sprudelnder Quell treibt (Abb. 59). Bei dem malerischen
-Dörfchen Rühle kommen wir an den Vogler, dessen ziemlich steile
-Buchenhänge wir nun bis Bodenwerder zu unserer Rechten behalten.
-
-[Illustration: §. Abb. 86. Porta Westfalica von Süden. (Zu Seite 103.)]
-
-[Sidenote: Bodenwerder.]
-
-Daß Bodenwerder (1600 Einwohner), wie sein Name (~Insula Bodonis~)
-sagt, auf einer Insel liegt, werden die wenigsten der Reisenden
-bemerken, die sich dieser Perle des Wesertales nähern, da der linke Arm
-der Weser sich allmählich bis zu völliger Winzigkeit verengert. Der
-Ort scheint im elften Jahrhundert von den Herren von Homburg begründet
-worden zu sein, deren Erbe fast gleichzeitig mit dem der Eversteiner
-an die Welfen fiel. Die Bedeutung des Ortes lag darin, daß die von
-rechts hier einmündende Lenne in ihrem Tal einen natürlichen Zugang
-zur Hilsmulde, sowie nach Alfeld, Einbeck und Northeim gewährte. So
-war Bodenwerder der gegebene Umschlagsort für Bremer Waren, die nach
-der mittleren und oberen Leine bestimmt waren. Die neue Eisenbahn
-Emmerthal-Vorwohle und der Hafen an der Lennemündung sind dazu
-bestimmt, die alten Verhältnisse einigermaßen wieder herzustellen
-(Abb. 60).
-
-[Sidenote: Kemnade.]
-
-Das anschließende Dorf Kemnade besitzt noch von einem im zehnten und
-elften Jahrhundert gegründeten Benediktinerinnenstift eine schöne
-flachgedeckte Pfeilerbasilika mit einfachen und schlanken Formen (1046
-geweiht). In ihr liegt der wegen seinen Aufschneidereien bekannte
-Freiherr von Münchhausen († 1797), der in Bodenwerder ein Gut besaß,
-begraben.
-
-[Sidenote: Hastenbeck. Hameln.]
-
-Auf der ferneren Fahrt wird uns noch das Renaissanceschloß des
-Grafen Schulenburg in Hehlen (Abb. 61) und der hübsche Flecken
-Grohnde auffallen, ferner an der Emmermündung die Dörfer Hagenohsen
-und Kirchohsen, sowie endlich das Rittergut Ohr unter dem steil
-abfallenden Ohrberg, einem beliebten Ausflugsort mit schönem,
-an exotischen Gewächsen reichen Park. Die üppige Fruchtebene zu
-unserer Rechten, überragt von dem Kalkrücken des Scheckens mit der
-altsächsischen Obensburg, ist das Schlachtfeld von Hastenbeck, auf
-dem am 26. Juli 1757 Hannoveraner und Franzosen miteinander stritten.
-Links öffnet sich das breite Tal der Humme. Aber schon winken uns die
-Türme Hamelns; das Schiff gleitet auf der spiegelblanken, durch die
-Wehre aufgestauten Flut dahin, und während wir uns in den zauberischen
-Anblick der alten Stadt vertiefen, die am Fuß der grünen Berge mit
-ihren Türmen höher und höher emporzuwachsen scheint, legt der Dampfer
-dicht oberhalb der Brücke neben dem stattlichen Bonifatius-Münster an.
-Wir sind am Ziele unserer Reise angelangt.
-
-[Illustration: Abb. 87. Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal an der Porta
-Westfalica.
-
-Nach einer Aufnahme von Hofphotograph C. Colberg in Oeynhausen. (Zu
-Seite 104.)]
-
-
-
-
-~X.~ Die Hilsmulde.
-
-
-[Sidenote: Der Hils. Eschershausen.]
-
-Während der Fahrt, die wir auf dem schmucken Dampfer talwärts machten,
-sind uns unterhalb Holzmindens auf der rechten Seite der Weser,
-wenn die nahen Hügel oder das Voglergebirge den Blick in die Ferne
-nicht völlig versperrten, einige Berge aufgefallen, deren Form und
-Höhe unser Interesse erweckten. Es war der zackige Kamm des Iths und
-die waldige Höhe des Hilses. Beide gehören zu dem Gebirgssystem der
-Hilsmulde, über deren merkwürdigen geologischen Bau auf Seite 18 das
-Nötige gesagt ist. Wir erinnern nur daran, daß eine Wanderung von der
-Leine oder Weser bis etwa nach Grünenplan über eine Anzahl ringförmig
-einander umschließender Berge und Täler führt, von denen jedesmal
-die folgende Zone eine spätere Form der Erdrinde darstellt als die
-vorhergehende von den ältesten Gebilden der Trias bis zu den jüngsten
-der Kreide. Von der Weser aus führt uns eine Eisenbahn in die Hilsmulde
-hinein, die Linie Emmerthal-Vorwohle. Sie überschreitet den Strom
-bei Bodenwerder (vergl. Seite 83) und verfolgt dann das Längstal der
-Lenne, dessen Westrand durch den Buntsandstein des Voglers gebildet
-wird, während im Osten hinter einer niedrigen Muschelkalkkette sich
-der Ith erhebt. Wir erreichen bald Eschershausen (1900 Einwohner),
-ein braunschweigisches Städtchen, im elften und zwölften Jahrhundert
-durch flämische Einwanderer wenn auch wohl nicht gegründet, so doch
-hauptsächlich besiedelt (Abb. 62). Früher hat es als Kreuzungspunkt
-der Straßen Alfeld-Holzminden und Einbeck-Bodenwerder eine gewisse
-Bedeutung gehabt. Jetzt ist es zusammen mit dem nahen Vorwohle der Sitz
-einer lebhaften Zement- und Asphalt-Industrie. Der Rohstoff dieser
-letzteren ist ein bis zu 15% mit Erdpech durchtränkter Kalkstein, der
-teils durch Tagebau, teils in Stollen und Gruben gewonnen wird, und
-aus dem sowohl Stampfasphalt als Gußasphalt in ziemlich beträchtlichen
-Mengen hergestellt wird.
-
-[Illustration: Abb. 88. Minden. Verlag von Julius Bleek in Minden. (Zu
-Seite 104.)]
-
-[Illustration: Abb. 89. Inneres des Doms zu Minden. (Zu Seite 106.)]
-
-[Sidenote: Der Ith.]
-
-Der Ith erscheint uns, von Eschershausen gesehen, gleichsam wie
-eine zinnengekrönte Mauer. Der zackige Kamm zieht sich, bis 439 ~m~
-ansteigend, nach Nordwest 20 ~km~ paßlos hin; denn die beiden
-Landstraßen, die ihn überschreiten, klimmen bis zur Kammhöhe hinauf.
-Dann knickt er plötzlich nach Osten um. Dieser südwestlichen Mauer
-entspricht eine ähnliche, wesentlich längere ohne Gesamtnamen im
-Nordosten, nur daß diese sich mehr in einzelne Berge auflöst und durch
-zwei Bäche, die Glene und die Wispe, durchbrochen ist. Im Norden klafft
-zwischen der Ost- und der Westmauer eine etwa 5 ~km~ weite Öffnung,
-der die Saale entströmt. Im Süden ist der äußere Ring überhaupt nicht
-geschlossen; doch legt sich hier die Hilshöhe (s. Seite 88), wenn
-auch nicht vollständig, in die Lücke hinein. Die ganze Ellipse von
-fast 40 ~km~ Länge und 10 ~km~ Breite besteht aus Gebilden des weißen
-Jura, dessen Schichten nach dem Inneren der Mulde ziemlich steil
-einfallen und dem Wanderer, der sie von der Außenseite her nehmen will,
-schroffe, dräuende Dolomitklippen entgegenhalten. Manche von ihnen
-haben geradezu die Form von Keulen oder Nadeln, wie die berühmten
-Steine »Adam und Eva« bei Coppenbrügge (Abb. 63). Der Kamm hebt und
-senkt sich fortwährend und ist, besonders auf dem Ith, äußerst schmal.
-Eine Gratwanderung ist daher recht beschwerlich; denn selbst der
-Buchenwald, der nur mager gedeiht, gewährt nicht immer ausreichenden
-Schatten. Aber doch welch ein Genuß, von den Rotensteinfelsen bei
-Eschershausen (Abb. 64), von den Dielmisser Felsen, von dem Mönchstein
-bei Lauenstein oder vom Kahnstein bei Salzhemmendorf, hoch oben
-am Rande der senkrechten Wand stehend, auf das fruchtbare Vorland
-hinabzuschauen, in dem die Dörfer sich eng geschlossen und ziegelrot
-wie auf der Landkarte aus dem gelb, braun und grün gezeichneten Gelände
-abheben. Noch mühseliger freilich ist es, sich durch die Felswildnis
-hindurchzuarbeiten, welche die äußeren Abhänge jener Bergketten
-begleitet. Aber lohnend ist auch das, zumal wenn wir so interessante
-Punkte aufsuchen wie die Teufelsküche bei Coppenbrügge, wo der
-gewaltige Garnwindel- oder Wackelstein auf schmaler Basis ruht, oder
-die Kammersteine am Selter bei Freden mit ihrer Höhle.
-
-[Illustration: §. Abb. 90. Bergkirchen auf dem Wiehengebirge. (Zu Seite
-107.)]
-
-Das zwischen jenen Bergen eingeschlossene Becken ist ebenfalls reich
-an gutem Ackerboden, birgt aber auch viele verwertbare Mineralien,
-wie Kalk, Gips, Ton, Braunkohle und Eisenerz. So hat es sich denn
-auch gelohnt, eine normalspurige Kleinbahn von Voldagsen an der Linie
-Hameln-Hildesheim bis zu der Eisenhütte bei Delligsen in die Hilsmulde
-hineinzuschieben. Sie berührt zunächst das reizende Lauenstein
-(1200 Einwohner), das sich fast in den oben erwähnten Knick des Ith
-hineinschmiegt und von schön bewaldeten Hügeln umgeben ist (Abb. 65).
-Der Ort ist unter dem Schutz einer den Herren von Homburg gehörigen und
-in ihren Resten noch erhaltenen Burg entstanden, wie auf der anderen
-Seite des Gebirges der Flecken Coppenbrügge seinen Ursprung einer Feste
-der Grafen von Spiegelberg zu verdanken scheint, die jetzt als Amthaus
-dient.
-
-Salzhemmendorf (1300 Einwohner) am Fuße des Kahnsteins hat seine Saline
-1873 eingehen lassen, besitzt aber noch sein kleines Solbad, wenn auch
-die riesigen Kalksteinbrüche den Flecken fast ganz zum Industrieorte
-zu machen drohen. Duingen (1100 Einwohner) dagegen sieht seit den
-siebziger Jahren allmählich seine alte, bodenständige Steingutindustrie
-dahinschwinden, die dem Wettbewerb mit dem billigen Emailgeschirr auf
-die Dauer nicht standhalten kann. Der tertiäre Ton, der sich dort
-in vereinzelten Nestern findet, wurde von selbständigen Meistern,
-von denen gegenwärtig nur noch vier das Gewerbe fortsetzen, auf dem
-Drehrade mit der Hand zu Töpfen, Schüsseln, Krügen usw. verarbeitet
-und in kleinen Öfen mit Stroh gebrannt. An die Stelle der Erzeugung
-von Topfware ist jetzt zum Teil der Handel mit solcher getreten. Man
-läßt sie von auswärts kommen, z. B. aus Bunzlau, und fährt sie in den
-Dörfern herum, wo die Landleute sie unmittelbar vom Wagen kaufen.
-
-[Illustration: Abb. 91. Königl. Kurhaus in Bad Oeynhausen.
-
-Nach einer Aufnahme von Hofphotograph C. Colberg in Oeynhausen. (Zu
-Seite 107/108.)]
-
-Ein viel besuchtes Plätzchen in der Nähe ist die berühmte
-Lippoldshöhle, eine vermutlich sehr alte Wohn- und Befestigungsanlage,
-die, vielleicht mit Benutzung natürlicher Höhlen, in den Korallenkalk
-des Reuberges bei Brunkensen hineingearbeitet worden ist. Sie liegt an
-dem Durchbruchstale der Glene, die hier einer Papierfabrik dienstbar
-gemacht ist, und hatte wohl den Zweck, diesen Engpaß zu sperren. Dies
-wird um so wahrscheinlicher, als auf dem Reuberge einst die Burg
-Hohenbüchen lag, und als in der Familie ihrer Besitzer, der Herren
-von Rössing, der Name Lippold nicht selten war. Die Sage aber hat die
-alte Höhle zum Räubernest gemacht, was ja in einem gewissen Sinne auch
-nicht unrichtig ist; sie weiß von Lippolds Freveltaten schauerliche
-Mären zu erzählen und läßt ihn selbst verdientermaßen auf dem
-Rabensteine enden. Oft suchen die Schulen der Umgegend den romantischen
-Platz auf. Die jugendlichen Wandersleute steigen dann gerne auf der
-schwankenden Leiter zu des Räubers »Stube« und »Kammer«, kriechen
-mit den Wachsstümpfen in der Hand durch den niedrigen, schmalen
-Gang zum »Schornstein« und lassen sich durch diesen zur »Küche« und
-zum »Pferdestall« herab, derweil die besonneneren Begleiter sich im
-Schatten der Felsen an der plätschernden Glene der Rast erfreuen und
-den Zauber der märchenhaften Umgebung auf sich wirken lassen.
-
-[Sidenote: Ith und Hils.]
-
-In den südöstlichen Teil des besprochenen Juraringes ist nun ein
-kleinerer Ring sozusagen eingeschaltet, der der Kreideformation
-angehört; es ist der eigentliche Hils selbst. Er übertrifft den Jurazug
-an Höhe, da er im Großen Sohl und in der Bloßen Zelle bis zu 471 und
-477 ~m~ ansteigt. Auf der Karte gleicht er einem menschlichen rechten
-Ohr; er zeigt nur im Osten eine Öffnung, und diese wird durch das
-Tal der Wispe gebildet. Steigt ihr hinauf zu einer kahlen Stelle des
-breiten Hilsrückens, so überschaut ihr ein Waldland von echtem, herbem
-Mittelgebirgscharakter. Denn auf dem Hilssandstein gedeihen ausgedehnte
-Fichtenwälder und nur auf den jüngeren Formationen, besonders dem
-Pläner, findet sich Buchenwald. Bäuerliche Siedelungen fehlen hier
-gänzlich. Inmitten dieser kleinen, aber durch Naturschönheiten
-besonders bevorzugten Berggruppe liegt tief im Kessel Grünenplan,
-eine ganz junge Gründung. Denn den Kern des braunschweigischen Dorfes
-bildet eine Spiegelglashütte, die des billigen Brennholzes wegen
-im Jahre 1740 angelegt wurde, und zwar, wie es scheint, an Stelle
-älterer, wieder verlassener Hütten. Wer möchte es glauben, daß dieses
-Dorf viele weit gereiste und sprachkundige Männer beherbergt! Es sind
-Vogelhändler, die aus dem Oberharz die kleinen gefiederten Sänger,
-zumal Kanarienvögel, beziehen und sie dann selbst in überseeische
-Länder, besonders nach Süd- und Mittelamerika, bringen. Zu diesen
-Erwerbszweigen tritt neuerdings die Fremdenindustrie. Denn Grünenplan
-kommt als Sommerfrische immer mehr in Aufnahme.
-
-[Illustration: Abb. 92. Osnabrück vom Gertrudenberge aus gesehen.
-
-Nach einer Photographie von J. H. Evering Wwe. in Osnabrück. (Zu Seite
-108/109.)]
-
-
-
-
-~XI.~ Osterwald, Deister und Bückeberg.
-
-
-[Sidenote: Der Osterwald.]
-
-Nördlich von der Hilsmulde und von ihr geschieden durch die breite
-Niederung der Saale, durch welche nach Überwindung des Scheckenpasses
-bei der alten Sachsenfeste Obensburg die Eisenbahn Hameln-Hildesheim
-der Leine bei Elze zustrebt, erhebt sich ein bis zu 419 ~m~ Höhe
-ansteigender, sanft gewölbter Rücken aus Wealdensandstein, in seinem
-östlichen Teile Osterwald, im westlichen Nesselberg genannt. Es ist
-trotz des reichen Waldbestandes landschaftlich ein etwas einförmiges
-Gebiet. Wirtschaftlich wichtig ist dagegen seine Kohle und sein
-feinkörniger, von den Architekten hochgeschätzter Sandstein, der
-z. B. für das Berliner Reichstagsgebäude verwendet worden ist. Kohle
-und Stein werden in zahlreichen Brüchen und mehreren Gruben bei dem
-hochgelegenen Dorfe Osterwald gewonnen. Reizvoller ist die im Norden
-sich anschließende jurassische Kette, deren Dolomitklippen, der Weiße
-Stein, die Barenburg mit ihren alten Wallresten, der Drakenberg und die
-romantische Landgrafenküche, ziemlich steil nach der Ebene abfallen.
-Gern besucht man daher diese Punkte von Hannover aus, lieber noch die
-idyllische Holzmühle in einem Quertale dieses Zuges und den Saupark
-bei Springe, in dem der Kaiser jedes Jahr im Spätherbst ein Treiben
-auf Schwarzwild abzuhalten pflegt, und wo man zu anderen Zeiten die
-schwarzen Vettern unseres Hausschweines an den Futterstellen friedlich
-schmausen sehen kann (Abb. 67).
-
-[Sidenote: Saupark. Deister.]
-
-Der Saupark, auch Kleiner Deister genannt, bildet mit dem Ebersberge,
-der bereits zum eigentlichen Deister gehört, die beiden Torpfosten
-der Deisterpforte, eines strategisch wichtigen Passes, durch den die
-Eisenbahn Hannover-Hameln hindurchführt (Abb. 5).
-
-Auch der Deister ist ein beliebtes Ausflugsziel der Hannoveraner trotz
-seiner Einförmigkeit. Sein Hauptreiz besteht, wenn wir nicht die
-Bennigser- und die Heisterburg (Seite 58) mit fachmännischem Interesse
-betrachten, in dem prächtig gedeihenden Buchenwalde, der fast alles
-überzieht, meist sogar den gleichmäßig gestreckten, breiten Kamm, der
-400 ~m~ nur an einer Stelle überragt, überall aber die sanften Nord-
-und die steileren Südhänge, sowie die flachen, gleichgerichteten
-Auswaschungstäler, die den Nordabhang in eine große Zahl sogenannter
-»Brinke« teilen.
-
-Ähnlich wie der Osterwald besteht auch der Deister aus einem Kern
-von Wealdensandstein mit einem vorgelagerten Weißjuragürtel (Näheres
-Seite 9). Dieser liegt aber im Süden, nicht wie dort im Norden.
-Infolgedessen ist hier im Gegensatz zum Osterwalde die Ausbeutung der
-Kohlenlager und Sandsteinbänke von Norden her begonnen worden, und der
-Norden hat auch zuerst seine Bahnverbindung in der Linie Weetzen-Haste
-erhalten.
-
-[Illustration: Abb. 93. Der Markt in Osnabrück mit Rathaus,
-Stüve-Denkmal, Ratswage und Marienkirche.
-
-Nach einer Photographie von Karl F. Wunder in Hannover. (Zu Seite 110.)]
-
-Als Siedelungen am Deister sind außer Springe (3100 Einwohner),
-dem in einer fruchtbaren Mulde gelegenen ehemaligen Hauptort der
-Grafschaft Hallermund, der einige Teppichfabriken besitzt, noch
-folgende zu nennen: an der Nordostseite Barsinghausen, der Mittelpunkt
-des Kohlenbergbaues und des Touristenverkehrs, mit schöner, alter
-Klosterkirche, an der Nordwestecke Nenndorf mit ziemlich bedeutendem
-Bade, das die stärksten Schwefelquellen Deutschlands besitzt, und dicht
-dabei das Städtchen Rodenberg (1700 Einwohner) mit einer Saline.
-
-[Sidenote: Der Bückeberg.]
-
-Die Rodenberger Aue trennt den Deister vom Bückeberge, der zwar anders
-streicht als der Deister, aber der gleichen Formation angehört und auch
-landschaftlich ihm in gewissem Grade ähnelt. Freilich hat hier der
-Buchenwald auf weite Strecken den Fichtenpflanzungen weichen müssen.
-Die Sandsteinbrüche befinden sich hier in höheren Lagen als am Deister
-und Osterwald, nämlich oben auf dem Kamm, so daß die Schutthalden
-den Bergzug meilenweit kenntlich machen. Die Steine werden in der
-Regel oben nur roh behauen und dann auf Wagen zu Tale befördert. An
-Vortrefflichkeit stehen sie keinen anderen nach und haben daher auch
-für manchen berühmten Bau, wie das Antwerpener Rathaus, das Schloß und
-die Börse in Amsterdam und den Kölner Dom, das Material geliefert.
-Die Kohlenflöze liegen hier jedoch tiefer als am Deister. Gegenüber
-dem überwiegenden Stollenbetrieb dort haben wir daher hier Schächte.
-Sie liegen am Nordfuße des Gebirges in der Gegend von Obernkirchen;
-die Kohlen können meist unmittelbar auf den Stationen der Bahn
-Rinteln-Stadthagen verladen werden und gelangen zum großen Teil in
-Rinteln zu Schiffe.
-
-[Illustration: §. Abb. 94. Tecklenburg. (Zu Seite 114.)]
-
-[Sidenote: Die Wealdenkohle.]
-
-Die Wealdenkohle, welche nicht nur an den zuletzt besprochenen drei
-Bergzügen, sondern auch am Süntel, an der Nordseite des Wiehengebirges
-und im Amte Iburg bei Osnabrück vorkommt, nimmt nach Alter und
-Beschaffenheit eine Mittelstellung zwischen der eigentlichen Steinkohle
-der Karbonzeit und der Braunkohle ein. Die beste ist die am Bückeberge,
-die der westfälischen an Heizkraft fast gleichkommt; dieser steht die
-Deisterkohle nach, und die Osterwaldkohle ist noch geringer.
-
-Die ältesten Werke sind die am Bückeberge; denn sicher hat dort
-ein geregelter Betrieb schon im Jahre 1520 bestanden; weniger
-einwandfreie Nachrichten lassen den Bergbau sogar bis auf das
-vierzehnte Jahrhundert zurückgehen. Am Osterwalde legte Herzog Julius
-von Braunschweig-Lüneburg in den achtziger Jahren des sechzehnten
-Jahrhunderts die ersten Gruben an, um die Salinen von Hemmendorf mit
-Steinkohlen zu befeuern; am Süntel, von dem weiter unten die Rede
-sein wird, und am Deister begann die Bergwerkstätigkeit zur Zeit
-des Dreißigjährigen Krieges, wobei allerdings erwähnt werden mag,
-daß damals am Deister schon von verlassenen Stollen die Rede war,
-an deren ehemaligen Betrieb sich alte Leute noch erinnern wollten.
-Der eigentliche Aufschwung des Bergwerksbetriebes setzt erst mit
-der Entstehung der Hannover-Lindener Industrie im zweiten Viertel
-des neunzehnten Jahrhunderts ein. Für sie war das Vorhandensein der
-Deisterkohle geradezu eine Vorbedingung.
-
-Der Besitz der verschiedenen Werke liegt teils in Privathänden, teils
-in denen des Staates. Die Kohlenfelder am Bückeberg beutet Preußen mit
-Schaumburg-Lippe gemeinsam aus. Die gesamte Förderung des besprochenen
-Gebietes betrug ohne Osterwald und Süntel im Jahre 1907 fast eine
-Million Tonnen, die Belegschaft rund 6300 Mann.
-
-[Sidenote: Stadthagen.]
-
-Im Gegensatz zum Osterwalde und Deister ist der Bückeberg nicht völlig
-unbewohnt. Nein, gerade auf der höchsten Stelle hat sich eine kleine
-Ansiedlung von Steinbruchsarbeitern und -beamten gebildet. Am Nordfuße
-liegt Stadthagen (6700 Einwohner) mit hübschem schaumburg-lippischem
-Schloß. Der Ort, früher Grevenalveshagen, d. h. Graf Adolfs (des
-Vierten) Hagen, ist ursprünglich eine der Seite 44 erwähnten
-Hagenkolonien aus dem dreizehnten Jahrhundert, von denen aus der
-Nachbarschaft noch Krebshagen, Wendhagen, Kathrinhagen u. a. zu nennen
-sind.
-
-[Sidenote: Obernkirchen.]
-
-Wesentlich älter ist Obernkirchen (4200 Einwohner), das den Ursprung
-seines ehemaligen Benediktinerinnenklosters auf die Zeit Ludwigs des
-Frommen zurückzuführen sucht. Die gut wiederhergestellte gotische
-Hallenkirche ist sehenswert. Die Einwohner des Orts finden in den
-Steinbrüchen und Gruben, sowie auch in der bedeutenden Glashütte
-Schauenstein Beschäftigung.
-
-[Illustration: Abb. 95. Schloß Iburg. (Zu Seite 114.)]
-
-[Illustration: Abb. 96. Burg Ravensberg im Jahre 1839.
-
-Nach einer photographischen Reproduktion (Eigentum des
-Verschönerungs-Vereins in Halle i. W.) von H. Baumann in Bielefeld. (Zu
-Seite 114.)]
-
-[Illustration: Abb. 97. Burg Ravensberg.
-
-Nach einer Photographie (Eigentum des Verschönerungs-Vereins in
-Halle i. W.) von H. Baumann in Bielefeld. (Zu Seite 114.)]
-
-[Sidenote: Bückeburg.]
-
-Als eine westliche Fortsetzung des Bückeberges ist der niedrige Zug
-des Harrl anzusehen, der an dem Tal der Bückeburger Aue bei dem
-lieblich gelegenen Schwefelbade Eilsen beginnt und bei Bückeburg, der
-schmucken Hauptstadt des Schaumburger Ländchens, sein Ende erreicht
-(Abb. 66). Das alte Grafengeschlecht der Schaumburger, vor deren
-scharfem Schwerte so Dänen wie Sarazenen erbebten, ist seit 1640
-ausgestorben, und die lippische Dynastie, die jetzt dort sitzt, hat
-von dem weiten Länderbesitz ihrer Vorgänger nur ein kleines Stückchen
-zu behaupten vermocht. Der Herrscher aber, der der Residenzstadt ihr
-Gepräge aufgedrückt hat, ist Fürst Ernst, der vorletzte Schaumburger,
-gewesen. »Die heute noch vorhandenen Reste der Kunstschöpfungen dieses
-Fürsten,« sagt Haupt, »... atmen eine so leidenschaftliche Liebe zu
-den prächtigsten und üppigsten Mitteln des Renaissancestils, ein so
-überzeugtes, unwiderstehliches Fortstürmen auf dem Wege der Übertragung
-italienischer Kunst ins Nordischere, daß man nur hier völlig ermessen
-kann, welch herrliche, aufblühende nationale Kunst durch den
-unglückseligsten aller Kriege erdrückt ist.« Hierher gehören vor allem
-die so wenig bekannten prachtvollen Innendekorationen des Bückeburger
-Schlosses und der lutherischen Stadtkirche, die schwungvolle Fassade
-derselben (Abb. 68), die Schloßkirche, das Tor des Schloßplatzes und
-die schönen Bronzefiguren von Adrian de Vries im Schloßgarten. Der
-einheitliche Kunstcharakter des Städtchens, den auch Neubauten wie das
-stattliche Schloß der Fürstin Mutter und das neue Rathaus (Abb. 69)
-gewahrt haben, das Fehlen lärmender Industrie, die hübsche Lage am
-Fuße des buchengrünen Harrl, der Reiz der bunten Volkstrachten in der
-Umgebung haben Bückeburg (5700 Einwohner) zu einem beliebten Ruhesitz
-von Rentnern und Pensionären gemacht.
-
-[Illustration: Abb. 98. Straße in Halle i. W.
-
-Nach einer Photographie (Eigentum des dortigen Verschönerungs-Vereins)
-von H. Baumann in Bielefeld. (Zu Seite 114.)]
-
-
-
-
-~XII.~ Von Hameln nach Osnabrück. Süntel, Weserkette und Wiehengebirge.
-
-
-[Sidenote: Hameln.]
-
-Eine Wanderung über die Weserkette nimmt naturgemäß von Hameln ihren
-Ausgang (Abb. 70). Die Stadt (20700 Einwohner) liegt an einer von
-der Natur selbst zum Brücken-, Umschlags- und Mühlenort bestimmten
-Stelle. Das den Überschwemmungen ausgesetzte Gebiet ist hier sehr
-schmal, schmaler als oberhalb und unterhalb der Stadt. Ferner führen
-abgesehen von dem Wesertale selbst von rechts die Täler der Hamel
-und Remte, von links die der Emmer und Humme dem Orte alte Straßen
-und neuerdings Eisenbahnen zu. Die Weser aber ist durch eine Insel
-und ein noch nicht völlig von den Wassern durchnagtes Felsenriff
-aufgestaut, was die Anlage von Mühlen erleichterte, aber die Schiffer
-zum Umladen zwang. Was in diesen Verhältnissen Ungünstiges lag, hat
-die moderne Technik siegreich überwunden. Das gefürchtete »Hameler
-Loch« hat nach Anlage geräumiger Schleusen seine Schrecken verloren.
-Wohl aber blühen noch die großartigen Müllereien, die jetzt der
-Weser-Mühlen-Aktien-Gesellschaft gehören. Die beiden Mühlenwerke
-werden durch 16 Turbinen mit rund 1500 Pferdekräften betrieben und
-können täglich etwa 6000 Zentner vermahlen. Außerdem geben die Wehre
-Gelegenheit zum Lachsfang, der seit alten Zeiten dort betrieben,
-seit Mitte des vorigen Jahrhunderts aber durch die Anlage von
-Lachsbrutanstalten in der Nähe der Stadt wesentlich lohnender gemacht
-worden ist. Stehen wir auf der eisernen Brücke, welche den Mühlenwerder
-mit den beiderseitigen Ufern verbindet, so können wir die Fischer
-beobachten, wie sie das schwere quadratische Netz wieder und wieder in
-die bewegte Flut senken und dann an einem plumpen Holzhebel emporziehen.
-
-[Illustration: Abb. 99. Kette des Teutoburger Waldes bei Halle mit
-Blick auf den Ravensberg.
-
-Nach einer Photographie (Eigentum des Verschönerungs-Vereins in
-Halle i. W.) von H. Baumann in Bielefeld. (Zu Seite 114.)]
-
-[Illustration: Abb. 100. Idyll aus Amshausen bei Halle i. W.
-
-Nach einer Photographie von H. Baumann in Bielefeld. (Zu Seite 114.)]
-
-Nicht zu vergleichen mit den Verkehrsverhältnissen einer Zeit, die
-noch nicht lange hinter uns liegt, ist die Güterbewegung auf der
-Weser, wie sie sich in den letzten Jahren entwickelt hat. Wurden
-durch die Hameler Schleuse zu Berg und zu Tale im Jahre 1881 erst
-48256 Tonnen hindurchbefördert, so konnte man im Jahre 1891 bereits
-155540, im Jahre 1901 dagegen 311309 und im Jahr 1907 endlich gar
-491368 Tonnen notieren. Es hat sich also der Verkehr im Laufe von 26
-Jahren verzehnfacht. Bei der immer stärker werdenden Produktion von
-Kali, dem zurzeit hauptsächlichsten Ausfuhrartikel der Weser, dürfte
-auch in der Folgezeit auf eine große Steigerung zu rechnen sein. Von
-allen Umschlagplätzen aber von Cassel bis Minden einschließlich hatte
-im Jahre 1906 der Hameler Hafen mit einer viertel Million Tonnen den
-größten Verkehr.
-
-[Illustration: Abb. 101. Blick auf Bielefeld. Nach einer Photographie
-von H. Baumann in Bielefeld. (Zu Seite 28 u. 114.)]
-
-Vorüber sind die Zeiten, wo die sogenannten Bremer »Böcke« von 15 bis
-20 Pferden mittels eines am Maste befestigten Seiles unter endlosem
-»Hüh!« und »Hoh!« der Treiber stromauf geschleppt wurden und den
-kleineren »Hinterhang« nebst den noch kleineren »Bullen« hinter sich
-herzogen. Drei auf diese Weise vereinigte Schiffe hießen »eine Mast«.
-Stromabwärts ließen die Schiffer ihre Fahrzeuge treiben und machten
-durch einen lauten harmonischen Dreiklang die Fährleute von weitem auf
-ihr Kommen aufmerksam, damit das Drahtseil rechtzeitig in den Strom
-hinabgelassen werden konnte. Hat Schreiber dieser Zeilen jene Art des
-Verkehrs noch in seinen Knabenjahren mitangesehen, so wird es ihm und
-wohl auch dem Leser schwer, sich in jene Zeit zu versetzen, wo selbst
-der Treidelzug mit Pferden eine Neuerung war, die stellenweise mit
-alten Verboten zu kämpfen hatte. Im Jahre 1815 bestand ein solches
-allerdings nur noch auf der lippischen Strecke, wo selbst damals nur
-mit Menschen getreidelt werden durfte.
-
-[Illustration: Abb. 102. Burg Sparenberg (Bielefeld) vom Johannisberg
-aus gesehen.
-
-Nach einer Photographie von Ernst Lohöfener in Bielefeld. (Zu Seite
-114.)]
-
-Kehren wir nach dieser Abschweifung noch einmal zur Stadt Hameln
-zurück! Was ihren baulichen Charakter anlangt, so reichen sich
-hier Mittelalter und Neuzeit die Hand. Da bewundern wir das
-ehrwürdige Bonifatius-Münster, dessen Ursprung vielleicht noch auf
-die Karolingerzeit zurückgeht, dessen älteste erhaltene Teile der
-Spätblüte des romanischen Stiles und dessen Umbauten der gotischen
-Zeit angehören. Da erfreuen wir uns an den Renaissance-Schöpfungen
-jenes unbekannten Meisters, der in dem Hochzeitshause einen Bau für
-allgemeine städtische Zwecke, in dem sogenannten Rattenfängerhause ein
-behagliches Patrizierheim und in den benachbarten Schlössern Schwöbber
-und Hämelschenburg Edelsitze nach dem neuen Geschmack von 1600
-herzustellen wußte (Abb. 71 u. 72). Umgeben ist die Stadt von einem
-Kranz zierlicher Landhäuser. Und wahrlich man kann es verstehen, wenn
-wirtschaftlich unabhängige Menschen sich diesen Wohnplatz aussuchen.
-Lockt der Ort doch auch Jahr für Jahr einen immer stärker werdenden
-Schwarm von Touristen herbei, die hier teils die Dampfschiffahrt in
-die Oberwesergegenden antreten, teils zu Fuß oder im Motorboot die
-beliebten Punkte der Umgegend aufsuchen. Zu diesen gehört außer dem
-Seite 84 erwähnten Ohrberg der Klüt, ein unmittelbar über der Stadt am
-linken Weserufer ziemlich schroff aufsteigender Berg, im achtzehnten
-Jahrhundert von dem Fort George, jetzt von einem steinernen Turme
-bekrönt. Unvergleichlich ist der Blick von dort oben auf die schmucke
-Stadt, das fruchtbare Tal und die gegenüberliegenden Bergketten.
-
-Von Hameln nach Minden fehlt es an einem regelmäßigen
-Personendampferverkehr. Nur Sonntags im Sommer fährt ein Schiff
-stromabwärts. Das Tal ist bis Erder zu breit, der Wasserspiegel
-zu tief, um immer eine freie Umschau zu ermöglichen. So benutzen
-wir denn lieber die Bahn Hameln-Löhne, die das fruchtbare, von
-schön profilierten Bergen umrahmte Tal durchzieht (Abb. 80). Hier
-hat Fischbeck von seinem alten Augustinerinnenkloster, das jetzt
-als adliges Fräuleinstift weiter besteht, noch eine flachgedeckte
-romanische Basilika von hervorragender Schönheit. Es folgen
-Hessisch-Oldendorf (1900 Einwohner) und Rinteln (5300 Einwohner), zwei
-Städte, deren hübsche alte Fachwerkshäuschen großenteils noch nicht
-von der entstellenden Tünche befreit sind, mit denen Ungeschmack und
-Großmannssucht sie im vorigen Jahrhundert bekleidet hat[6].
-
-[6] Wie in den vierziger Jahren selbst die Gebildeten jedes Verständnis
-für die behaglichen alten Bauformen verloren hatten und nur für lange,
-weiße Mauern schwärmten, dafür enthält das in der Einleitung erwähnte
-Buch von Boclo zwei charakteristische Stellen. An Hameln weiß der
-»Begleiter auf dem Weserdampfschiff« nur das Gefängnis(!) zu rühmen. Er
-bittet, »nicht zu übersehen, wie großartig-modern Hameln sich ausnimmt,
-in dem Moment, wo man es zuerst erblickt. Die großen neuen massiven
-Korrektionsgebäude maskieren nämlich die ganze übrige, ältliche nicht
-eben schöne (!) Stadt ... und lassen vermuten, Hameln wäre nach diesem
-modernen Stile eben gebaut worden.« Von Rinteln heißt es: »Die Straßen
-Rintelns würden viel länger, die Stadt viel schöner sein, wenn nicht
-bei weitem die meisten Häuser mit der Giebelseite nach der Straße
-gerichtet wären. Der Grund mag darin liegen, daß Rinteln ... früher
-eine Ackerstadt war. Man sieht dies noch daraus, daß viele Häuser statt
-der Türme hohe Tore haben.«
-
-[Illustration: Abb. 103. Haus in der Oberntorstraße in Bielefeld.
-
-Nach einer Photographie von Ernst Lohöfener in Bielefeld. (Zu Seite
-114.)]
-
-[Sidenote: Rinteln.]
-
-Rinteln ist die Hauptstadt des preußischen Kreises Grafschaft
-Schaumburg, d. h. des nach dem Aussterben der einheimischen Herrscher
-an Kurhessen gefallenen Teiles von dem Schaumburger Erbe (Abb. 74).
-Das Dorf Rinteln lag ursprünglich auf der rechten Seite der Weser,
-die Stadt wurde im dreizehnten Jahrhundert vom Grafen Adolf ~IV.~, dem
-Dänenbesieger, auf dem linken Ufer gegründet, hat aber in den letzten
-Jahrzehnten mit ihrer jungen Industrie die alte Heimstätte wieder
-mit in Beschlag genommen. Im Jahre 1621 gründete hier Fürst Ernst
-(Seite 93) eine Universität, die König Jerome im Jahre 1809 zugleich
-mit Helmstedt eingehen ließ. Dem Königreich Westfalen blieben ja
-noch die Hochschulen zu Marburg, Göttingen und Halle, mehr als genug
-für die wissenschaftlichen Bedürfnisse des Königs »Loustic«. Während
-der kurfürstlichen Zeit war Rinteln als das »hessische Sibirien«
-verschrien. In diesen entlegenen Teil des Staates schickte man gern
-unfähige oder auch allzu steifnackige Beamte. Früher war die Zahl der
-Behörden größer. Aber auch die jetzigen erhalten ihre Beamtenschaft in
-der Regel aus dem Hauptteil des Regierungsbezirks Cassel. So ist denn
-hier in der westfälischen Bevölkerung ein hessischer Einschlag immerhin
-bemerkbar.
-
-[Illustration: Abb. 104. Rathaus und Theater in Bielefeld.
-
-Nach einer Photographie von Ernst Lohöfener in Bielefeld. (Zu Seite
-114.)]
-
-[Sidenote: An der Lippischen Porta. Vlotho.]
-
-Unterhalb Erder verengert sich das Tal. Der Fluß windet sich wieder
-durch ein Stück des Keupergebirges hindurch und bildet die sogenannte
-»Kleine« oder »Lippische Porta«. Das mit ihr beginnende Durchbruchstal
-ist nur kurz, es mißt kaum 10 ~km~; aber innerhalb desselben vollführt
-die Weser einen ihrer schärfsten Knicke. Bei dem westfälischen
-Industriestädtchen Vlotho (4700 Einwohner), das sich malerisch unter
-seine alte Dynastenburg auf dem Amthausberg schmiegt, geht sie aus
-der westlichen plötzlich in die nördliche Richtung über (Abb. 77).
-Hier verläßt die Bahn das Wesertal, um auf die linksseitigen Höhen
-nach Oeynhausen und Löhne hinaufzusteigen. Die Weser aber tritt in das
-breite Tal ein, das bereits die Werre in ostwärts gewendetem Laufe
-durchfließt. Dieser Richtung folgt sie selber und erreicht alsbald die
-Westfälische Pforte.
-
-[Illustration: Abb. 105. Grabmal Wittekinds in der Kirche zu Enger. (Zu
-Seite 116.)]
-
-[Sidenote: Der Süntel. Die Weserkette.]
-
-Diesem Zielpunkte wird der rüstige Wanderer lieber auf anderen Wegen
-zustreben. Vielleicht wird er von Hameln aus das linke Weserufer
-verfolgen; er wird über den aussichtsreichen Taubenberg gehen, das
-uralte Dorf Exten (Abb. 29 u. 78) an der forellenreichen Exter
-besuchen, die dort einer alt eingesessenen Stahlwarenindustrie
-dienstbar gemacht ist, und die ansehnlichen Baulichkeiten
-des tausendjährigen Klosters Möllenbeck (Abb. 80) sowie das
-Renaissanceschloß Graf Simons ~VI.~ zur Lippe in Varenholz
-bewundern (Abb. 79). Der Hauptstrom der Touristen aber folgt der
-nördlichen Weserkette, deren schöne Wellenlinie zwar vom Tal und den
-gegenüberliegenden Höhen aus besser zu beobachten ist, deren kühle
-Buchenhallen aber nebst manchen sehenswerten Punkten einen Besuch
-des Gebirges selbst fordern. So sind wir denn an dem östlichen Ende
-jenes etwa 115 ~km~ langen Zuges angelangt, der früher in seiner
-ganzen Ausdehnung von der Hamel zur Hase den Namen Süntel führte.
-Jetzt begegnet uns diese Bezeichnung zunächst in seinem östlichen
-und höchsten Stück, das sich aus Wealdensandstein aufbaut und bis zu
-437 ~m~ ansteigt. Am Nordostfuße liegt Münder (3300 Einwohner) mit
-Solbad, Stuhlfabriken und Kohlengruben (vergl. Seite 92), von wo eine
-Eisenbahn durch die Senke zwischen Süntel und Deister nach Nenndorf
-führt. Steigen wir von dort statt von Hameln zur Höhe hinan, so werden
-wir hier und da einer nur noch in kleineren Beständen vorhandenen,
-interessanten Baumform begegnen, der Süntelbuche, die sich außerdem nur
-am Jura in geringem Maße vorfindet; sie wächst völlig krumm und ist
-daher anders als zu Heizzwecken nicht zu verwenden (Abb. 81). Von dem
-Süntelturm aus, an dessen lohnender Fernsicht wir uns lange erfreuen,
-sehen wir unseren Weg deutlich vor uns. Zwei bis drei Tage lang werden
-wir, wenn wir die Porta zu Fuß erreichen wollen, der Bergkette zu
-folgen haben, die wir hier in der Verkürzung erblicken. »Auf eine
-Kette von niederen Vorbergen gestellt, zieht das Hauptgebirge von dem
-eigentlichen Süntel aus gegen Abend bis zur Porta Westfalica, zumeist
-scharf und steil gegen das Tal abfallend. Die schöne Scheitellinie
-der Bergwand ist wellenförmig gewunden, und häufige, symmetrisch
-wechselnde, flach eingeschnittene Buchten bezeichnen eine Reihe der
-ausgezeichnetsten Berge, welche ebensowohl durch ihre malerischen
-Formen und namentlich ihre grotesken Felsenhäupter, als durch die
-herrlichen Aussichten, welche man von ihnen genießt, die ganze
-Aufmerksamkeit des Wanderers in Anspruch nehmen« (Franz Dingelstedt).
-Der Übergang vom Süntel zur eigentlichen Weserkette macht sich wenig
-bemerkbar, nur daß der Fichtenwald vom Buchenwald abgelöst wird.
-Daß wir uns auf dem Gebiete des Weißen Juras befinden, verraten uns
-erst die Klippen, auf die wir am Hohenstein (332 ~m~) unerwartet
-heraustreten. Großartiger noch und massiger, von tieferen Kaminen
-zerklüftet als am Ith, fallen hier die Dolomitfelsen in das waldige
-Vorland ab. Als dunkele Flecken heben sich die vielhundertjährigen
-Eiben an unzugänglichen Standorten von dem lichtgrauen Gestein ab
-(Abb. 82). Von einsamen Waldtälern ist der mächtige Steinklotz auf
-drei Seiten umschlossen. Tiefe, nachdenkliche Stille umgibt uns hier
-oben. Gern wollen wir es glauben, was die Überlieferung behauptet, daß
-der vereinzelt vorspringende Fels, der heute den Namen Teufelskanzel
-führt, einst ein altgermanischer Opferaltar gewesen sei, und immerhin
-annehmbar erscheint uns die Hypothese, daß die Namen der benachbarten
-Hochfläche, des einen Tales und seines Wasserlaufes sowie des einen
-Dorfes im Tal -- Dachtelfeld (= Prügelfeld), Totental, Blutbach,
-Weibeck (= Kampfbach) -- an den Sieg Wittekinds über die Franken im
-Jahre 782, wenn nicht gar an Idistavisus erinnern sollen.
-
-[Illustration: Abb. 106. Waldchaussee von Detmold zum Jagdschloß
-Lopshorn.
-
-Verlag der Hinrichs'schen Hofbuchhandlung (H. Knöner) in Detmold. (Zu
-Seite 116.)]
-
-Durch frische Täler und über buchenbewachsene Hügel geht es fort
-zur Paschenburg, zur Schaumburg und zur Arensburg. Die erste ist
-ein hochgelegenes Gasthaus (336 ~m~), das wegen seiner Fernsicht
-berühmt ist. Lassen sich doch von dort oben angeblich 23 Windungen
-der Weser und 136 Ortschaften zählen. Die Schaumburg, der Stammsitz
-des gleichnamigen Grafengeschlechtes, liegt unmittelbar darunter auf
-einem Vorberge. Von dem Schloß sind noch eine Anzahl teils bewohnte,
-teils halb zerfallene Baulichkeiten ohne großen Kunstwert vorhanden
-(Abb. 83). Die Lage aber und der Blick auf das am Berge hängende
-Dörfchen Rosenthal ist von zauberhafter Schönheit. Auch die Arensburg,
-welche auf kleinem Hügel den Paßübergang von Rinteln nach Obernkirchen
-beherrscht, ist ursprünglich eine Ritterburg gewesen, jetzt aber
-ein Lustschlößchen des Fürsten von Bückeburg mit wohlgepflegten,
-geschmackvollen Parkanlagen (Abb. 84). Das nahe Steinbergen wird als
-Sommerfrische viel besucht.
-
-[Illustration: Abb. 107. Donoper Teich bei Detmold.
-
-Verlag der Hinrichs'schen Hofbuchhandlung (H. Knöner) in Detmold. (Zu
-Seite 116.)]
-
-[Sidenote: Die Porta Westfalica.]
-
-Von der Schaumburg bis zur Porta Westfalica führt der Touristenweg
-nicht über die Kämme der Einzelberge, die sich in regelmäßigem Wechsel
-erheben und bis zur Höhe der südlichen Vorberge herabsenken, sondern
-auf einer Zwischenstufe, auf der Grenzlinie des Weißen und Braunen
-Juras (Abb. 85). Von den Gipfeln sind viele bis obenhin bewaldet; ihrer
-schönen Fernsicht wegen werden hauptsächlich die Luhdener Klippe mit
-steinernem Turm, der oben kahle Papenbrink, die Nammer Klippe und der
-Jakobsberg besucht, der bereits einen der Torflügel der Porta bildet.
-Seinen Namen hat der Berg durch Friedrich den Großen erhalten. Bei
-einem Besuche der Gegend fand er dort einen seiner Kriegsinvaliden,
-namens Jakob, der ihm selbstgezogene Trauben[7] vorsetzte. Dies
-veranlaßte den König, den bisherigen Tönniesberg in Jakobsberg
-umzunennen.
-
-[7] Weinbau wurde auch sonst an der Weser getrieben. Bei Höxter ging er
-zu Anfang des achtzehnten Jahrhunderts ein. Wie bei Höxter gibt es auch
-bei Lübbecke einen »Weinberg«.
-
-In die Porta blicken wir von der auf dem Gipfel errichteten
-Bismarcksäule oder von der benachbarten Jakobsklippe wie aus der
-Vogelschau hinab. Durch ein Felsentor von nur etwa 800 m Breite strömt
-friedlich der blanke Fluß dahin; keine Stromschnelle, kein Strudel
-zeugt mehr von der Arbeit, die das Wasser hier verrichten mußte,
-als es diese Bergkette in demselben Maße, wie sie sich hob, langsam
-durchnagte (Abb. 86). Landstraßen geleiten den Fluß auf beiden Seiten;
-auf dem rechten Ufer freilich ist der Raum für sie und die Eisenbahn
-erst durch Felssprengungen gewonnen worden. Das fortwährende Rollen
-der Züge verrät uns, daß wir uns an einer echten Völkerpforte, einem
-der wichtigsten Tore zwischen Rhein und Elbe, befinden. Der Flecken am
-Südfuße des Berges, 200 ~m~ unter uns, ist Hausberge, genannt nach dem
-»Haus am Berge« (auch als Schalksburg bezeichnet), das die edlen Herren
-vom Berge dort besaßen; sie waren angeblich Nachkommen Wittekinds, und
-ihnen gehörte auch der gegenüberliegende Hof Wedigenstein.
-
-Dieser war wohl der Herrenhof zu der Volksburg oben auf dem
-Wittekindsberge, der den westlichen Torflügel der Porta und den Anfang
-des Wiehengebirges bildet. Von dem alten Ringwall ist kaum noch
-etwas zu sehen. Die kleine graue Wittekindskapelle, der Rest eines
-ehemaligen Klosters namens Margaretenklus, sowie die merkwürdig hoch
-gelegene steingefaßte Wittekindsquelle fallen als Zeugen der frühen
-Besiedelung mehr in das Auge. Die Hauptzier des Berges aber ist das
-Denkmal, das die Provinz Westfalen durch Kaspar Zumbusch und Bruno
-Schmitz dem Gründer des Deutschen Reiches hat errichten lassen. Unter
-hohem steinernem Hallenbau, dessen Fernwirkung aufs beste berechnet
-ist, steht des alten Kaisers ehrwürdige Gestalt, die Rechte zum Segnen
-erhoben (Abb. 87).
-
-Leider ist dieser durch Natur und Kunst ausgezeichnete Platz wenig
-geschont worden. Gerade mitten an der schmalsten Stelle des Tales
-liegt ein garstiges Eisenwerk, das die in der Nachbarschaft gefundenen
-Erze ausbeutet, und die Talwände sind durch Steinbrüche verunziert.
-In ihnen wird der wertvolle grobkörnige Portasandstein gewonnen,
-während der benachbarte Hügelzug Bölhorst, nördlich vom Wittekindsberg,
-Wealdenkohlen birgt.
-
-[Illustration: §. Abb. 108. Berlebeck. (Zu Seite 116.)]
-
-[Sidenote: Minden.]
-
-Eine Wegstunde stromabwärts liegt die Regierungsbezirks-Hauptstadt
-Minden (25400 Einwohner), deren Ursprung auf die Zeit Karls des Großen
-zurückgeht (Abb. 88). Dieser gründete hier für das Engerland ein
-Bistum, das bis zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges reichsunmittelbar
-blieb. Trotz des Ausmündens der Weserstraße und der Wege vom Rhein und
-von der Ems (Eisenbahnlinien Cöln-Hannover und Rheine-Hannover) hat
-sich Minden unter der Ungunst politischer Verhältnisse nur langsam
-entwickeln können. Immerhin hat es als Umschlagshafen an der Weser
-jetzt die zweite Stelle eingenommen. Die Industrie des Ortes hat
-keinen einheitlichen Charakter. Erwähnen möchten wir aber hier einen
-Gewerbezweig, der sich über ein weites Gebiet auf beiden Seiten der
-Weser bis nach Osnabrück, Bielefeld und Detmold, ja bis nach Höxter
-und Carlshafen ausdehnt und von größter sozialer Bedeutung ist. Das
-ist die Verarbeitung des auf der Weser eingeführten Bremer Tabaks.
-Vielfach ist die Zigarrenmacherei an Stelle der Weberei getreten,
-die um die Mitte des vorigen Jahrhunderts zugrunde ging, und wird
-wie sie als Hausindustrie gepflegt. Meist sind die Arbeiter kleine
-Grundbesitzer und Pächter, Heuerlinge, die neben der Arbeit für
-den Verleger auch etwas Landwirtschaft betreiben, und die an ihrer
-Lohnarbeit auch die Familienglieder teilnehmen lassen. Nach einer
-Schätzung der Mindener Handelskammer zählen die genannten Bezirke
-abgesehen von den Oberweserorten rund 27000 ansässige Tabakarbeiter.
-In den Kreisen Minden, Lübbecke und Herford sind 3500 Häuser im
-Besitz von Zigarrenmachern, und allein in dem Herfordischen Amte
-Gohfeld-Mennighüffen wird in 1400 von 3400 vorhandenen Häusern
-Zigarrenarbeit getrieben.
-
-[Illustration: Abb. 109. Detmold gegen das Hermannsdenkmal. Verlag der
-Hinrichs'schen Hofbuchhandlung (H. Knöner) in Detmold. (Zu Seite 116.)]
-
-[Illustration: §. Abb. 110. Das Fürstliche Schloß in Detmold. (Zu Seite
-116.)]
-
-Von der Vergangenheit Mindens erzählt uns hauptsächlich der Dom, dessen
-ehrwürdig plumper Turm aus der romanischen Zeit in einem merkwürdigen
-Kontrast zu den edlen und freien Formen seines gotischen Schiffes steht
-(Abb. 89). Besonders berühmt sind die »überaus prachtvollen, in dieser
-Art für Westfalen unerreicht und überhaupt vielleicht unübertroffen
-dastehenden Fenster« (Lübke).
-
-Nach diesem Abstecher kehren wir zu unserer Gebirgswanderung zurück,
-deren größter Teil noch vor uns liegt; denn etwa 70 ~km~ trennen die
-Porta von der Hase. Aber es mindern sich die Reize des Gebirges links
-der Weser mehr und mehr. Die Gliederung ist einfacher, sie geschieht
-fast nur durch einige tief einschneidende Quertäler. Die Klippen aus
-Korallenkalk fehlen ebenso wie die malerischen Vorberge, die wir in
-der eigentlichen Weserkette beobachtet haben. Mißt der Wittekindsberg
-277 ~m~ über den Meeresspiegel, und erreichen zwei Berge bei Lübbecke
-noch 320 ~m~, so nimmt das Gebirge weiterhin an Höhe und Breite ab
-und endigt westlich von Bramsche in Hügeln, welche die Diluvialebene
-kaum noch überragen. Daß die Bewaldung nur dürftig ist, wurde Seite 30
-bereits erwähnt. Von Osterkappeln ab tritt Nadelwald an Stelle der
-Buchen.
-
-[Sidenote: Das Wiehengebirge.]
-
-Der Name Wiehengebirge (vielleicht = Wittekindsgebirge) kommt der Kette
-im Volksmunde nur bis in die Gegend von Lübbecke zu; weiterhin gibt es
-auf eine längere Strecke hin keinen volkstümlichen Gesamtnamen; und
-erst im Osnabrückischen wird wieder die Bezeichnung Süntel gebraucht.
-
-Als einheitlicher, ungegliederter Wall zieht sich das Gebirge von der
-Porta bis zu dem Passe, den man nach dem hoch auf dem Sattel reitenden
-Dorfe Bergkirchen (163 ~m~) zu benennen pflegt (Abb. 90). Bald folgt
-ein etwas tieferer Paß, die Wallücke; Eisengruben haben hier zur Anlage
-einer Kleinbahn nach Löhne Veranlassung gegeben. Weitere Erwähnung
-verdient höchstens noch das Städtchen Lübbecke (4000 Einwohner), das
-bereits in den Kriegen Karls des Großen eine Rolle gespielt hat, und
-das Solbad Essen.
-
-[Illustration: §. Abb. 111. Donopbrunnen in Detmold. (Zu Seite 116.)]
-
-[Sidenote: Oeynhausen.]
-
-Wollten wir von Minden die Bahn nach Osnabrück benutzen, so würden
-wir anfangs dem Laufe der Werre und Else entgegenfahren, dann dem
-der Hase folgen (vergl. Seite 26). Die Weser überschreiten wir bei
-Rehme, dem übertausendjährigen, und erreichen dann eine der jüngsten
-Städte Westfalens, das Solbad Oeynhausen (3400 Einwohner). Die
-ersten Bohrversuche durch den Berghauptmann v. Oeynhausen, nach dem
-der Ort genannt ist, gehen auf das Jahr 1830, die Anlage der ersten
-Bäder bis 1845 zurück. Später nahm der Staat die Ausgestaltung der
-Anlagen in die Hand. Jetzt besitzt der Ort, der sich seit 1885 der
-Stadtrechte erfreut, verschiedene warme und kalte Solquellen, die
-jährlich rund 15000 Gäste zu dem freundlich gelegenen, geschmackvoll
-und behaglich eingerichteten Bade locken und außerdem zur Gewinnung
-von Kochsalz dienen (Abb. 91). Das tiefste Bohrloch ist bis auf
-707 ~m~ hinabgetrieben. Löhne ist ein bedeutender Eisenbahn-Knotenpunkt
-mit verschiedenen industriellen Anlagen, Bünde (5000 Einwohner) ein
-reizloses Städtchen, bekannt durch seine Zigarrenfabriken, seine Würste
-und seine Missionsfeste, Melle (3200 Einwohner) ein bescheidenes Solbad
-inmitten äußerst fruchtbaren Ackerlandes.
-
-[Sidenote: Elsetal. Piesberg. Osnabrück.]
-
-Nicht mit zum Wiehengebirge oder zum Süntel können wir aber die Berge
-rechnen, die sich zwischen jener zusammenhängenden Bergkette und der
-Else-Hase-Rinne, vielfach gegliedert, von Ost nach West ziehen. Sie
-sind stellenweise, so bei Melle und in der Gegend von Schledehausen,
-gut bewaldet und entbehren des landschaftlichen Reizes nicht. Ein
-besonderes Interesse beansprucht der nordwestlich von Osnabrück
-gelegene Piesberg wegen seines im Jahre 1899 leider eingegangenen
-Kohlenbergwerkes, das eine ausgezeichnete Anthrazitkohle förderte, und
-wegen der mächtigen, noch jetzt von etwa 1000 Arbeitern ausgebeuteten
-Steinbrüche. Der dort gewonnene Kohlensandstein ist außerordentlich
-hart, aber recht grobkörnig. Er wird besonders als Pflaster- und
-Schotterstein verwendet. Zum Werkstein eignet er sich nicht; wohl aber
-wird der ausgewaschene Splitterkies mit Zement zu einem Kunststein
-namens Durilith verarbeitet, den man in Osnabrück vielfach zum Bau
-monumentaler Fassaden benutzt.
-
-[Illustration: Abb. 112. Das Hermannsdenkmal.
-
-Nach einer Photographie von H. Baumann in Bielefeld. (Zu Seite 116.)]
-
-[Sidenote: Osnabrück. Der Osning.]
-
-Daß Osnabrück (60000 Einwohner) eine sehr alte Siedelung ist,
-vielleicht die älteste unseres ganzen Gebietes, dafür spricht
-mancherlei; so das Vorhandensein zahlreicher Steingräber, wie sie
-sonst in unserem Gebiete nicht vorkommen, ferner aber auch der alte
-germanische Name Osnabrück selbst, der vermutlich als Götterbrücke zu
-deuten sein wird, wie Osning als Götterberg (s. Seite 110). Schwanken
-auch die Annahmen über die Entstehungszeit der Steingräber oder Dolmen,
-deren wir in den Karlssteinen am Piesberg ein treffliches Stück
-besitzen, so fällt sie doch wohl kaum später als in die Mitte des
-letzten vorchristlichen Jahrtausends. Die Gründung des Bistums erfolgte
-wohl bald nach dem entscheidenden Siege der Franken über Wittekind an
-der Hase (783), jedenfalls aber noch vor 787. Osnabrück ist also das
-älteste und wohl auch das bedeutendste sächsisch-karolingische Bistum
-gewesen. Um die Domfreiheit, die -- wahrscheinlich schon vor der
-Gründung der ersten Kirche -- von Bauern, später Ackerbürgern, bewohnt
-war, bauten sich Handwerker und Gewerbetreibende an. So erlangte der
-Ort, der später dem Westfälischen Städtebunde, sowie auch der Hansa
-beitrat, eine große Bedeutung als Handelsstadt und betrieb einen
-schwunghaften Export von Erzeugnissen der Landwirtschaft, besonders
-der Viehzucht, wie Schinken, Häuten und Wolle, sowie von Leinwand und
-Tuch. Die Tuchmacherei, die im Jahre 1600 noch über 300 selbständige
-Meister beschäftigte, erlag in der Folgezeit der englischen Konkurrenz,
-während sich die Leinweberei zwar länger hielt, aber infolge der Wirren
-des Siebenjährigen Krieges und infolge des Überganges vom Handbetrieb
-zum Maschinenbetrieb schwere Krisen durchmachen mußte. Die heutige
-Regierungsbezirks-Hauptstadt, deren schnelles Wachstum erst seit dem
-großen Kriege von 1870 beginnt -- denn im Jahre 1868 zählte sie noch
-19600 Seelen gegen 59600 im Jahre 1905 --, ist nach ihrem industriellen
-Charakter in erster Linie Metallstadt. Erster Arbeitgeber in diesem
-Gewerbezweige ist der Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenverein,
-der außer der Georgsmarienhütte am Fuße des Dörenberges südlich von
-Osnabrück noch in der Stadt selbst das Eisen- und Stahlwerk, außerdem
-aber Erzfelder am benachbarten Hüggel, am Schafberg bei Ibbenbüren
-(s. Seite 110), an der Wallücke (vergl. Seite 107) und bei Werne in
-Westfalen besitzt. Auch der Piesberg gehört ihm. Im ganzen beschäftigt
-er weit über 6000 Arbeiter und erzeugte im Jahre 1907 über 300000
-Tonnen Roheisen, Halb- und Fertigfabrikate. Als Gegenstände des
-Osnabrücker Gewerbefleißes sind besonders Eisenbahnbedarfsartikel wie
-Schienen, Schwellen, Weichen, Wegschranken, ferner aber Drahtröhren,
-Maschinen allerart, Brücken, Dachkonstruktionen, Kochherde, Kraftwagen
-und Musikinstrumente zu nennen, die in einer großen Anzahl von Fabriken
-erzeugt werden. Stark ist der Gegensatz zwischen dem modernen und dem
-mittelalterlichen Osnabrück, die noch nebeneinander bestehen. Niemand,
-der vom Gertruden- oder Westerberg das malerische Städtebild auf sich
-wirken läßt, wird sich diesem Eindruck entziehen können (Abb. 92). Zwar
-hat der Bischof, der seit dem Westfälischen Frieden seine Landeshoheit
-in der merkwürdigen Weise mit dem Welfenhause teilen mußte, daß
-abwechselnd ein katholischer Prälat und ein protestantischer Prinz das
-Fürstentum regierte, seit 1803 seine Reichsunmittelbarkeit verloren.
-Aber doch werden wir noch einen Begriff von der einstigen Bedeutung
-dieses kirchlichen Mittelpunktes empfinden, wenn wir den wuchtigen
-spätromanischen Bau des Domes und die schönen gotischen Gotteshäuser,
-die Johannis-, Marien- und Katharinenkirche, betrachten. Anderseits
-zeugen das stattliche spätgotische Rathaus nebst der Ratswage (Abb. 93)
-und die hübschen Wohnhäuser aus dem sechzehnten Jahrhundert von dem
-stolzen, tüchtigen Bürgersinn, der aus Osnabrück das gemacht hat, was
-es ist, und der auch bis jetzt nicht geschwunden ist.
-
-[Illustration: §. Abb. 113. Die Externsteine. (Zu Seite 118.)]
-
-
-
-
-~XIII.~ Osning, Teutoburger Wald und Egge.
-
-
-[Sidenote: Teutoburger Wald.]
-
-Das 100 ~km~ lange, schmale Gebirge, das mit dem niedrigen Huckberg
-unfern der Ems beginnt und bei Horn in Lippe in dem Velmerstot gipfelt
-und endet, hat im Mittelalter den Namen Osning, auch Osnegge, geführt;
-diese Bezeichnung umfaßte zugleich den südlich anschließenden Zug vom
-Velmerstot bis zum Diemeltale, der heute kurzweg Egge genannt wird.
-Egge, hochdeutsch Ecke, bedeutet soviel wie Schneide, enthält also eine
-ähnliche Bildvorstellung wie der Ausdruck Kamm. Asen-Egge ist also
-der Götter-Bergkamm. Jetzt wird der Name Osning besonders der Strecke
-von Örlinghausen bis Osnabrück beigelegt. Der aus Tacitus' Annalen
-stammende Name Teutoburger Wald wurde erst im neunzehnten Jahrhundert,
-nach den Befreiungskriegen, auf unser Gebirge, und zwar zunächst
-auf den sogenannten Lippischen Wald bezogen, seitdem der Detmolder
-Archivrat Clostermeier unter Hinweis auf die alte Befestigung der
-Grotenburg und auf deren mittelalterlichen Namen Teut den Nachweis zu
-führen versucht hatte, daß dort der Ort der Varusschlacht sei.
-
-[Illustration: §. Abb. 114. Die Kreuzabnahme, Hochrelief an den
-Externsteinen. (Zu Seite 118.)]
-
-Ohne auf die geologische Erklärung des Gebirges (s. Seite 12 ff.)
-zurückzugreifen, möchte ich nur daran erinnern, daß wir es mit mehreren
--- zwei oder auch stellenweise drei -- parallelen Ketten zu tun haben.
-Dazwischen ziehen sich schmale Längstäler hin. Aber auch an Quertälern
-fehlt es nicht, die in der Regel bis auf den Grund des Gebirges
-hinabgehen. Zu ihnen gehört die Brochterbecker Schlucht, durch welche
-die Eisenbahn Ibbenbüren-Gütersloh hindurchgeht, ferner die Pässe von
-Iburg, Borgholzhausen und Bielefeld, die Dörenschlucht und mehrere
-kleinere Einschnitte.
-
-Sehen wir von den inselartig aus der Diluvialdecke des Flachlandes
-links der Ems auftauchenden Hügeln ab, so haben wir das nordwestliche
-Ende des Osnings bei Bevergern am Dortmund-Ems-Kanal zu suchen.
-
-Die Reise über diesen Bergzug aber werden wir am zweckmäßigsten in
-Ibbenbüren beginnen. Der Ort (5500 Einwohner), die Hauptstadt der
-ehemaligen Grafschaft Ober-Lingen, liegt nicht unmittelbar am Osning,
-sondern am Fuße des nördlich vorgelagerten Schafberg-Plateaus, das uns
-insofern interessiert, als es neben dem Hüggel und dem Piesberg bei
-Osnabrück allein in unserem Gebiete die paläozoischen Formationen, und
-zwar das obere Karbon, vertritt. Es liegen dort sieben abbauwürdige
-Flöze, die von etwa 800 Bergleuten meist für Rechnung des Staates
-ausgebeutet werden.
-
-[Sidenote: Osning-Wanderung.]
-
-Eine Kammwanderung von Ibbenbüren zunächst bis Bielefeld erfordert drei
-bis vier Tage. Ihre Reize bestehen hauptsächlich darin, daß von den
-geologisch verschiedenen Parallelketten bald die eine, bald die andere
-die Führung übernimmt. Folgen wir stets der höchsten, so genießen wir
-immer wieder wechselnde Landschafts- und Vegetationsbilder. Anfangs
-schreiten wir auf der Sandsteinkette dahin. Sie hat hier trotz ihrer
-geringen Höhe etwas Ernstes, Starres. Ihre Flora ist noch ganz die
-der benachbarten Heide; Birke und Kiefer bilden den spärlichen Wald,
-Hülse und Wacholder ein niederes Buschwerk, und Heidekraut und
-Preißelbeere bedecken den Boden. Nur vereinzelt ragen nackte Felsen
-aus dem sonst abgerundeten Rücken hervor und bringen es uns zum
-Bewußtsein, daß wir nicht mehr auf Dünen oder auf den Geschieben der
-Eiszeit dahinschreiten. Unter jenen Steingebilden sind die Dörenther
-Klippen wegen ihrer grotesken Formen berühmt. Ungehindert aber schweift
-der Blick über die flacheren Landstriche im Norden und Süden und
-besonders hier weit hinein in die Münstersche Tieflandsbucht. Von
-Tecklenburg ab werden wir dagegen auf den buchenbedeckten Plänerhöhen
-wandern, die uns nur hie und da einen Ausblick aus dem Waldesschatten
-erlauben, dafür aber auch zuweilen einen recht lohnenden, wie der
-Große Freden (210 ~m~) bei Iburg. Hier umfaßt das Auge einen weiten
-Horizont waldiger Höhen. Es sind außer der parallelen Sandsteinkette
-noch einige besondere Gruppen, die im Norden vorgelagert sind. Unter
-ihnen überragt der viel besuchte, wuchtige Dörenberg (331 ~m~),
-zwischen Iburg und Georgsmarienhütte gelegen, den Osningzug selbst um
-ein beträchtliches. Nach einer längeren Wanderung durch einförmiges
-Stangengehölz, das bei Borgholzhausen endigt, haben wir zwischen dem
-Ravensberg und Halle die Wahl, ob wir auf der Südkette im Buchenwalde
-oder auf der Nordkette über kahle Sandsteinhöhen dahinschreiten wollen.
-Von Halle ab bilden die letzteren unbestritten den Hauptkamm. Äußerst
-lohnend ist ein Spaziergang über diesen an sich öden Rücken bei kühlem
-Herbstwetter, wenn der scharfe Südwestwind uns am Lodenmantel zaust,
-und wenn zwischen den jagenden Wolken immer neue Landschaftsbilder mit
-stets wechselnden Beleuchtungen in den beiden so grundverschiedenen
-Landschaften, dem fruchtbaren Ravensberger Hügellande und der sandigen
-Münsterbucht, vor unseren Blicken auftauchen. Freilich den würdigen
-Abschluß erhalten diese Genüsse erst, wenn wir vom Dreikaiserturm,
-den man in die alte Hünenburg (s. Seite 57) eingebaut hat, oder vom
-Schützenhaus auf dem Johannisberge auf das freundliche Bielefeld zu
-unseren Füßen hinabschauen.
-
-[Illustration: Abb. 115. Lemgo. Nach einer Photographie von Clemens
-Bolzau in Lemgo. (Zu Seite 121.)]
-
-Vergessen wir aber nicht, unterwegs den interessanten menschlichen
-Siedelungen gebührende Beachtung zu schenken. Da sind zunächst die drei
-stolzen Hochburgen zu nennen, die der Sage nach einst ein mächtiger
-Sachsenfürst aus Wittekinds Geblüte für seine Töchter Thekla, Ida und
-Ravenna erbaut hat. Tecklenburg, Iburg, Ravensberg. Von der Feste
-Tecklenburg, deren fehdelustige Insassen über einen ausgedehnten
-Länderbesitz verfügten, stehen nur noch die Ringmauern. Im Jahre 1701
-starben die Grafen aus, und ihr Schloß gab man dem Verfalle preis.
-Wohl aber liegt das malerische Städtchen (1000 Einwohner), das einst
-im Schutze der Burg entstand, noch heute auf seiner luftigen Höhe
-(200 ~m~) und lockt durch die Reize seiner Lage zahlreiche Ausflügler
-herbei (Abb. 94).
-
-Der gleichen Gunst erfreut sich Iburg (900 Einwohner), dessen Burg
-auf einem 142 ~m~ hohen Einzelhügel einen wichtigen Paß beherrscht.
-In dem Benediktinerkloster, das die Osnabrücker Bischöfe im Jahre
-1070 hier gründeten, haben sie sechs Jahrhunderte hindurch ihre
-Residenz gehabt und damit wohl ebensosehr ihren strategischen Blick
-wie ein tiefes Verständnis für die landschaftlichen Reize dieses
-Fleckchens Erde bewiesen. Von den ursprünglichen Gebäuden ist infolge
-wiederholter großer Brände nicht viel auf unsere Tage gekommen, und
-die Ersatzbauten, die jetzt die Spitze des Hügels krönen -- sie dienen
-zu Verwaltungszwecken -- wirken im Landschaftsbilde weniger durch
-künstlerische Formen als durch ihre imponierende Massigkeit und ihre
-bevorzugte Lage (Abb. 95).
-
-Trauriger noch waren die Geschicke der Burg Ravensberg (Abb. 96, 97
-u. 99). Wohl ragt noch der gewaltige alte Bergfried und bietet uns
-ein köstliches Luginsland. An ihn aber lehnt sich eine bescheidene
-Försterwohnung anstatt des Schlosses, das im Jahre 1673 von dem
-Bischof von Münster, Bernhard von Galen, zusammengeschossen worden
-ist. Eine Stadt schließt sich an den Ravensberg nicht unmittelbar an.
-Borgholzhausen (1300 Einwohner) liegt eine halbe Stunde nördlich,
-Werther (2100 Einwohner) mehr östlich und das saubere, altertümliche
-Halle (1800 Einwohner) etwas weiter südlich (Abb. 98 u. 99).
-Erwähnenswert ist, daß hier wie in dem an derselben Bahnstrecke
-Osnabrück-Bielefeld liegenden Dissen (2000 Einwohner) die Herstellung
-feiner Fleischwaren fabrikmäßig betrieben wird. Man ist darin uralten
-westfälischen Überlieferungen treu geblieben. Denn es ist bekannt, daß
-Westfalen schon seit dem elften Jahrhundert seine Schinken und Würste
-weithin versandte, und daß sich in Cöln, Frankfurt und Mainz Markt-
-und Stapelplätze für diesen wohlschmeckenden Handelsartikel befanden
-(Abb. 100).
-
-[Sidenote: Bielefeld.]
-
-Bielefeld (72000 Einwohner), der Hauptort der Grafschaft Ravensberg,
-die durch Erbschaft 1346 an Jülich, 1514 an Cleve und 1609 endlich
-an Brandenburg fiel, wird im Anfang des elften Jahrhunderts zuerst
-erwähnt (Abb. 101 bis 104). Es verdankt einerseits seine Entstehung
-der wichtigen alten Straße vom Rhein zur Weser, die wie auch jetzt
-die Cöln-Mindener Bahn das Gebirge hier in einem bequemen Passe
-durchschneidet, anderseits seine Stellung als Hauptstadt dem
-schützenden Bergneste Sparenberg, das, geschmackvoll ausgebaut, noch
-jetzt das reizende Stadtbild wirksam belebt. Dort steht auch das
-Standbild des Großen Kurfürsten inmitten der von ihm oft und gern
-bewohnten Baulichkeiten, aus deren Fenstern er auf sein geliebtes
-»Spinn- und Linnenländchen« herabzuschauen liebte. Das Leinengewerbe,
-dem auch er seine Förderung durch Anlage von staatlichen Leggen
-angedeihen ließ, hat recht eigentlich den Weltruf Bielefelds
-begründet. Mindestens seit dem sechzehnten Jahrhundert ist das
-Spinnen und Weben von Flachs im Ravensbergischen heimisch. Wie diese
-Beschäftigung aus den bescheidenen Anfängen eines landwirtschaftlichen
-Nebengewerbes herangewachsen ist, wie sie sich aus einem ländlichen
-zu einem städtischen Gewerbe, vom Handwerk zur Fabrikation
-exportfähiger Ware entwickelte, wie sie nach schweren Krisen der
-allgemeinen wirtschaftlichen Verhältnisse und der besonderen ihres
-Produktionszweiges durch Anpassung an die veränderten Umstände zu neuer
-Blüte hinaufstieg, ist hier nicht der Ort zu erzählen. Erwähnt mag nur
-werden, daß die erdrückende Konkurrenz der Baumwolle und der Maschine
-um die Mitte des neunzehnten Jahrhunderts glücklich überwunden wurde
-durch Anlage mechanischer Spinnereien und Webereien. Gegenwärtig sind
-die Ravensberger Spinnerei und die Bielefelder mechanische Weberei die
-größten Werke ihrer Art in ganz Deutschland. Aber mit ihnen wetteifern
-am Orte zahlreiche andere Firmen, die auch verwandte Gewerbe, u. a.
-Seiden- und Plüschweberei und vor allem die Wäschefabrikation und die
-Konfektion betreiben. Für diese letzteren Betriebe war die Herstellung
-von Nähmaschinen zunächst ein Hilfsgewerbe. Doch bildete es den
-Übergang zur Metallindustrie, die jetzt in Fahrrad-, Automobil-,
-Maschinen- und anderen Fabriken bereits ein größeres Arbeiterheer
-beschäftigt als die Gewebeindustrie. Von der Blüte des modernen
-Bielefeld legt der stattliche Rathaus- und Theaterbau von 1903 ein
-beredtes Zeugnis ab (Abb. 104).
-
-[Illustration: §. Abb. 116. Marktplatz in Lemgo. (Zu Seite 121.)]
-
-[Sidenote: Bielefelds Umgebung.]
-
-Zum Einflußbereiche der Stadt gehören auch die neuerdings zu
-beträchtlicher Größe angewachsenen Nachbardörfer, von denen u. a.
-Schildesche mit altem, berühmtem Kloster 7700, Brackwede 9600 Einwohner
-zählen. Bei letzterem Orte liegen auch die großartigen Krankenanstalten
-von Bethel, die, im Jahre 1866 aus den Liebesgaben christlicher
-Freunde gegründet, sich unter der Leitung des unermüdlichen Pastors v.
-Bodelschwingh zu nie geahnter Ausdehnung entwickelt haben (Abb. 101 im
-Vordergrunde). Die ganze Siedelung zählt etwa 5000 Seelen, darunter
-4000 Kranke, meist Epileptiker, und arbeitet mit einem jährlichen
-Budget von drei Millionen Mark. Um dies zu verstehen, dürfen wir
-nicht vergessen, daß die Grafschaft Ravensberg von jeher ein Land
-äußerst regen religiösen Lebens gewesen ist, wie auch die großartige
-Missionstätigkeit daselbst beweist.
-
-[Sidenote: Herford.]
-
-Die zweitgrößte Stadt Ravensbergs ist Herford (28900 Einwohner), am
-Einfluß der Aa in die Werre gelegen. Im frühen Mittelalter wegen
-seines hochberühmten, bis 1803 sogar reichsunmittelbaren Stiftes der
-Nachbarstadt Bielefeld weit überlegen, hat das »heilige Herford« in
-wirtschaftlicher Entwicklung nicht völlig gleichen Schritt halten
-können. Immerhin sind seine Spinnereien, seine Möbel- und seine
-Zigarrenfabriken von Bedeutung; die alten Kirchen und Bürgerhäuser
-erfreuen noch heute den Kunstfreund. Wie Herford, so birgt auch der
-auf Seite 39 erwähnte Flecken Enger Erinnerungen an den Sachsenherzog
-Wittekind, dessen schönes, allerdings späteren Zeiten entstammendes
-Grabdenkmal sich in dem ehrwürdigen Kirchlein des Ortes befindet
-(Abb. 105).
-
-[Sidenote: Lippischer Wald.]
-
-Die weitere Bergwanderung vom Sparenberge nach Südost bietet uns
-zunächst ähnliche Eindrücke wie vor Bielefeld. Bei dem hochgelegenen,
-von Sommerfrischlern geschätzten Dorfe Örlinghausen überschreiten
-wir die Grenze des Fürstentums Lippe; dahinter auf dem Tönsberge
-besuchen wir die Reste des ehemaligen befestigten Sachsenlagers, das
-in den Kriegen gegen Karl den Großen eine Rolle gespielt hat. Später
-müssen wir vielfach tief durch den aus der benachbarten Senne in die
-Schluchten des Gebirges hereingewehten Sand stapfen, bis wir an der
-sogenannten Dörenschlucht den eigentlichen Lippischen Wald erreichen
-(Abb. 8).
-
-Hier sind wir an dem reizvollsten Stück des Gebirges angelangt. Die
-Gliederung des Berggeländes ist mannigfaltiger, die Gipfel höher,
-die Täler bedeutender geworden. Näher aneinander drängen sich die
-verschiedenen Landschaftsformen. Frischer Buchenwald, hochstämmige
-Fichtenbestände, lichte Parks stattlicher Eichen und echte Heide mit
-Kiefern und Wacholderbüschen wechseln je nach der Beschaffenheit des
-Untergrundes (Abb. 1 u. 106). Dabei werden die Forsten, die meist
-Staatsgut sind, sorgfältig gepflegt und weisen in den eingehegten
-Teilen einen stattlichen Wildstand auf. Noch anziehender aber wird die
-Landschaft durch mächtige Felsen wie die Externsteine und durch hübsche
-Wasserflächen wie die an ihrem Fuße aufgestaute Lichtheupte (Abb. 113)
-und den Donoper Teich (Abb. 107).
-
-[Sidenote: Detmold.]
-
-Welcher aber von den vielbesuchten Orten ist der Glanzpunkt
-des Gebirges? Ist es Berlebeck, das hübsche Dorf, das sich im
-waldumschlossenen Talkessel bis in das Herz des Gebirges hineinzieht,
-hier überragt von dem Schloßhügel der ehemaligen Falkenburg, dort
-von dem modernen Pensionshause Johannaberg? (Abb. 7 u. 108). Ist es
-Detmold, die schmucke Residenz mit dem ansehnlichen Renaissanceschloß,
-mit den geräumigen Plätzen, sauberen Straßen, schattigen Gärten und
-Spaziergängen und den zahlreichen freundlichen Landhäusern? Detmold
-(13200 Einwohner) ist zwar ein uralter Ort -- denn schon im Jahre 783
-besiegte Karl der Große die Sachsen bei Theotmalli, d. h. bei der
-Volksgerichtsstätte --, aber in seiner heutigen Erscheinung ist es
-durchaus modern (Abb. 12 u. 109). Residenz ist es seit 1511. Einzelne
-Bestandteile des Fürstenschlosses gehen allerdings auf das fünfzehnte
-Jahrhundert zurück; seine heutige Renaissancefassade aber gab ihm
-der Umbau von 1557 (Abb. 110). Da die natürlichen wirtschaftlichen
-Hilfsquellen Detmolds nicht groß sind, so mußte der Staat und der
-Hof der Stadt geben, was sie zu dem bedeutendsten Platze des Landes
-machte. So legte der prachtliebende Graf Friedrich Adolf um 1700 die
-schönen Parks und Promenaden an, und so vermehrten spätere Zeiten
-die öffentlichen Gebäude und Denkmäler, unter denen der niedliche
-Donopbrunnen von Hölbe (Abb. 111) erwähnt werden mag.
-
-[Sidenote: Hermannsdenkmal.]
-
-Die eigentliche Sehenswürdigkeit von Detmold ist aber doch die
-Grotenburg (388 ~m~) mit dem Hermannsdenkmal (Abb. 1 u. 112). Von
-dem Großen Hünenring, der alten Befestigung, die früher den Gipfel
-des Berges umzog, und in der Clostermeier und neuerdings Schuchhardt
-die altgermanische Teutoburg erkennen wollen, ist nur wenig erhalten
-(vergl. Seite 57). Mehr fällt dem Touristen die am Fuß des Berges
-gelegene, wohl erst aus der sächsischen Zeit stammende Wegschanze
-auf, die man den Kleinen Hünenring nennt. Das Denkmal Armins, das
-die Kuppe des Berges noch um fast 54 ~m~ überragt, besteht aus einem
-besteigbaren steinernen Rundtempel, der eine herrliche Umschau gewährt,
-und der aus Kupfer geschmiedeten Kolossalfigur des Cheruskerhäuptlings
-darüber. Es ist Ernst v. Bandels Lebenswerk, dessen Vollendung ihm erst
-nach fünfzigjähriger Arbeit und nach einer schier endlosen Kette von
-Enttäuschungen im Jahre 1875 gelungen ist.
-
-[Illustration: §. Abb. 117. Erker mit Laube am Rathaus in Lemgo. (Zu
-Seite 121.)]
-
-[Sidenote: Die Externsteine.]
-
-Wie diese Stätte ist noch eine andere durch Natur und Kunst in gleicher
-Weise ausgezeichnet. Ich meine jene gewaltigen Sandsteinfelsen, die
-am Nordfuß des Gebirges bei dem Städtchen Horn (1100 Einwohner)
-gleich Riesensäulen phantastisch aus dem Boden emporsteigen und unter
-dem Namen Externsteine bekannt sind (Abb. 113). Der eine der Felsen
-birgt in seinem Inneren eine Kapelle nebst einigen Nebenräumen. Sie
-ist im Jahre 1115 von einem Paderborner Bischof geweiht, und man
-hat lange Zeit geglaubt, daß die Mönche des Klosters Abdinghof in
-Paderborn, die im Jahre 1093 die Gegend käuflich erwarben, auch die
-Schöpfer der Grotte seien. Demgegenüber weist Anton Kisa auf ein in
-den Boden gemeißeltes Becken hin, das er nur aus der Benutzung bei
-heidnischen Opfern glaubt erklären zu können. Ebenso sei die Anlage
-einer zweiten Kapelle oben auf dem Nachbarfelsen nur in der Weise zu
-deuten, daß dort ein heidnisches Heiligtum bestanden habe, an dessen
-Stelle die Abdinghöfer, dem sonstigen Verfahren der Kirche getreu,
-ein christliches gesetzt hätten. »Die Externsteine weisen demnach die
-drei charakteristischen Merkmale altgermanischer Kultusstätten auf,
-das Grottenheiligtum, das obere Heiligtum und den am Fuße des Felsens
-vorbeifließenden Bach.« An dem Ufer dieses letzteren haben die Mönche
-ein »heiliges Grab« angelegt. So war denn das Ganze zum Wallfahrtsorte
-geworden. Aus dieser Bestimmung erklärt sich auch der merkwürdigste
-Bestandteil der mittelalterlichen Anlage, das kolossale Hochrelief,
-das in die Außenwand des Kapellenfelsens hineingearbeitet worden
-ist, ein Werk einzig in seiner Art, das bedeutendste frühchristliche
-Skulpturdenkmal Norddeutschlands überhaupt (Abb. 114). Da sehen wir
-staunend die lebensgroßen Gestalten des Nikodemus und des Joseph von
-Arimathia, wie sie den Heiland vom Kreuze heben; daneben stehen Maria
-und der Evangelist Johannes. Gottvater aber schwebt darüber mit der
-Siegesfahne und hält die Seele Jesu in Kindesgestalt auf dem Arme,
-während Sonne und Mond mit Schleiern ihr Antlitz kummervoll verhüllen.
-Darunter befindet sich noch eine stark verwitterte symbolische
-Darstellung des Sündenfalles, ein kniendes Menschenpaar, in die
-Windungen eines abenteuerlichen Drachen verstrickt.
-
-[Illustration: §. Abb. 118. Fürstliches Schloß in Pyrmont. (Zu Seite
-121.)]
-
-[Sidenote: Egge.]
-
-Der Lippische Wald endet mit dem 468 ~m~ hohen, aussichtreichen
-Velmerstot. Da der südwärts gerichtete Zug der Egge, der allmählich
-breiter und flacher wird, weniger landschaftliche Reize besitzt
-und uns an ihm nur vereinzelte Siedelungen, wie der bedeutende
-Eisenbahnknotenpunkt Altenbeken, das kleine Stahlbad Driburg (2700
-Einwohner) unter der ehemaligen Sachsenfeste Iburg und das Dorf
-Neuenheerse mit seiner romanischen Stiftskirche interessieren würden,
-so nehmen wir hier auf der luftigen Höhe Abschied vom Teutoburger Walde
-und überschauen das weit vor uns ausgebreitete Hügelland von Lippe,
-Pyrmont und Südwestfalen, dem unsere letzte Reise gelten soll.
-
-[Illustration: §. Abb. 119. Inneres der Kreuzkirche in Lügde. (Zu Seite
-121.)]
-
-
-
-
-~XIV.~ Zwischen Teutoburger Wald und Weser.
-
-
-[Sidenote: Das Lippische Hügelland.]
-
-Da wir in den letzten beiden Abschnitten den zusammenhängenden
-Bergzügen gefolgt sind, haben wir ein interessantes Gebiet bisher fast
-umgangen. Es ist das Hügelland zwischen Teutoburger Wald und Weser, das
-sich von der Talfurche Bielefeld-Porta im Nordwesten bis zum Diemeltale
-im Südosten hinzieht und durch die Emmer und die Nethe in das Lippische
-Hügelland, das Höxtersche Höhenland und die Warburger Börde geteilt
-wird. Wir haben es hier mit einem äußerst mannigfaltig gegliederten
-Gelände zu tun, dessen Oberfläche hauptsächlich von den verschiedenen
-Gesteinen des Keupers (Abb. 3), im Süden und Osten auch von Muschelkalk
-gebildet wird, wogegen Buntsandstein nur an der Umrandung des Pyrmonter
-und des Driburger Kessels zu finden ist. Im Süden zeigen sich auch
-einzelne basaltische Durchbrüche. Einige Teile dieses Gebietes sind
-nur als flachwellig zu bezeichnen, wie z. B. die Gegend an der unteren
-Werre und Bega, das Dreieck zwischen Bielefeld, Herford und Lage, sowie
-die Börde im Süden. Stattlichere Höhengruppen weist der Norden Lippes
-zwischen Bega und Weser auf, wie den Bornstapel, die Lemgoer Mark, die
-Sternberger Höhen, den Hohen Asch und den Taubenberg, deren zwischen
-300 und 400 ~m~ hohe Gipfel wegen ihrer Fernsichten geschätzt sind.
-Einen tiefen Talkessel mit schroffen, über 300 ~m~ hohen Rändern bietet
-das Emmertal bei Pyrmont und Lügde, ein vermoortes Hochplateau der
-Schwalenberger Wald (446 ~m~), den man auch als das Mörth bezeichnet,
-eine einsame kegelförmige Hochwarte der Köterberg (497 ~m~), endlich
-steilrandige Muschelkalkhöhen das Gelände längs der Weser und der
-Nethe. An sogenannten landschaftlichen Sehenswürdigkeiten ist dieses
-Gebiet verhältnismäßig arm, und da es auch in bezug auf die Bewaldung
-den anderen Teilen unseres Gebietes nachsteht, locken nur wenige Punkte
-einen größeren Touristenschwarm herbei. Das aber, was man als intimere
-Reize einer Landschaft bezeichnet, wird der Wanderer, wenn er sich
-Zeit läßt, in lauschigen Tälern, malerischen Dörfern und Gehöften,
-interessanten Hausformen und Volkstypen in reichem Maße finden (Abb. 26
-bis 29, 78 u. 122). Mit Recht singt daher der lippische Poet Stockmeyer:
-
- Voll Gottes Segen und voll Fleißes Frucht
- Ist unser Land, ein Land voll Lieblichkeiten,
- Wo Berg und Auen um den Vorrang streiten.
- Ja, welcher Wandrer hätte es besucht
- Und dächte nicht der freundlichen Gefilde
- In diesem frohen, lebenswarmen Bilde,
- Das Anmut, Reiz und Schönheit uns bereiten!
-
-[Illustration: Abb. 120. Schwalenberg.
-
-Verlag der Hinrichs'schen Hofbuchhandlung (H. Knöner) in Detmold. (Zu
-Seite 122.)]
-
-[Sidenote: Lemgo.]
-
-Ihren Anfang mag unsere Reise von Salzuflen (5800 Einwohner) nehmen,
-dem altertümlichen Salinenstädtchen mit dem kleinen Solbade und
-der weltberühmten Hoffmannschen Stärkefabrik, die an Größe auf
-dem europäischen Festlande ihresgleichen nicht hat. Über Lage
-(5500 Einwohner), wo sich die beiden Bahnen des Lipperlandes,
-Bielefeld-Hameln und Herford-Altenbeken, kreuzen, geht es nach Lemgo
-(9000 Einwohner), dem man mit freundlicher Übertreibung den Namen des
-lippischen Nürnberg gegeben hat (Abb. 115 bis 117). Tatsächlich ist
-es die älteste und vormals bedeutendste Stadt des Fürstentums. Welche
-Rolle es in Altwestfalen spielte, ersehen wir aus dem Umstande, daß es
-zur Taxe der Hansa mit weit höheren Beiträgen als Hameln und Bielefeld
-herangezogen wurde. Von dem ehemaligen Wohlstande zeugen eine Menge
-älterer Bürgerhäuser, deren spitze, straßenwärts gerichtete Giebel noch
-das Formprinzip der Gotik verraten, während die in Holz oder Stein
-geschnittenen Ornamente bereits dem Geschmack der Renaissance huldigen.
-Die gleiche Stilmischung beobachten wir an dem neben den beiden
-Hauptkirchen bedeutendsten Bauwerke Lemgos, dem herrlichen Rathause,
-während das nahe Schloß Brake ein reiner Renaissancebau ist.
-
-[Illustration: §. Abb. 121. Das Rathaus in Schwalenberg. (Zu Seite
-122.)]
-
-[Sidenote: Pyrmont.]
-
-Der Vollständigkeit halber erwähnen wir noch die Städtchen Barntrup
-(1700 Einwohner) und Blomberg (3600 Einwohner) mit ihren alten
-Schlössern und wenden uns zu dem Bade Pyrmont (3900 Einwohner), das
-den Hauptort einer waldeckischen Exklave, einer ehemals selbständigen
-Grafschaft, bildet (Abb. 118). Die kohlensauren Stahl- und Solquellen
-scheinen von alters her bekannt gewesen zu sein. Doch beginnt der
-eigentliche Aufschwung erst mit dem sechzehnten Jahrhundert. Die
-heilkräftigen Wasser und die liebliche Umgebung des Talkessels, dessen
-Wände überall bis zu 200 ~m~ relativer Höhe emporsteigen, lockte
-besonders die vornehme Welt, während das nicht allzuferne Bad Meinberg
-immer einen etwas bescheideneren Besucherkreis hatte. Im siebzehnten
-und achtzehnten Jahrhundert strömten Fürstlichkeiten und Adlige,
-aber auch Künstler und Gelehrte aus ganz Europa in Pyrmont zusammen.
-Merkwürdig mutet es uns an, daß in diesem Bade, das jetzt in erster
-Linie bleichsüchtige Damen aufsuchen, Männer wie der Große Kurfürst,
-Peter der Große, Friedrich der Große und Blücher den Eisengehalt ihres
-Blutes glaubten verstärken zu sollen.
-
-[Sidenote: Lügde.]
-
-Das Emmertal ist uralter Kulturboden. Lügde (2700 Einwohner), das noch
-jetzt ein ausgezeichnetes romanisches Kirchlein (Abb. 119) besitzt,
-ist eine alte karolingische »~villa~«, Schieder, unterhalb der
-altsächsischen Skidroburg gelegen, der zugehörige Reichshof, in dem
-Karl der Große vermutlich im Jahre 784 das Weihnachtsfest gefeiert hat.
-
-[Sidenote: Schwalenberg.]
-
-Bis in die Karolingerzeit reicht auch die Geschichte Schwalenbergs
-oder wenigstens seines Grafengeschlechtes zurück. Das Gebiet dieses
-Herrscherhauses war im Mittelalter weit ausgedehnt; es reichte von
-der Diemel bis zum Deister; die Herrschaften Waldeck, Pyrmont und
-Sternberg sind nur spätere Abzweigungen seines Besitzes, die Klöster
-Marienmünster und Falkenhagen, deren edle Baulichkeiten uns noch heute
-erfreuen, seine Gründungen. Wie das zuletzt genannte Stift und das
-Schloß Sternberg, das auf waldiger Höhe unweit Lemgos das Begatal
-überragt, wurde auch die Burg und die Stadt Schwalenberg (Abb. 120) von
-dem Grafen Volkwin ~III.~ erbaut, der seinen Wohnsitz von der früheren
-Burg Schwalenberg, später Oldenburg genannt, dorthin verlegte. Von dem
-damaligen Schloßbau steht nur noch ein schmuckloser Flügel auf einem
-Bergkegel am Fuße des Mörths; um diesen Hügel aber schmiegt sich noch
-jetzt das Städtchen (800 Einwohner), dessen geschmackvoll ausgebautes
-Rathaus von 1579, 1603 und 1909 eine Perle deutscher Holzarchitektur
-ist (Abb. 121).
-
-[Sidenote: Die Ziegler.]
-
-Obgleich wir nunmehr an der Ostgrenze des Lipperlandes angelangt sind,
-können wir es nicht verlassen, ohne eines für das ganze Fürstentum
-höchst charakteristischen Gewerbes, der Ziegelei, zu gedenken. Dieser
-Arbeitszweig ist, wie es scheint, nicht sehr alt, hat sich vielmehr
-wohl erst nach dem Dreißigjährigen Kriege ausgebildet. Ungenügender
-Verdienst in der Heimat veranlaßte damals viele Männer, als Grasmäher
-und Torfstecher nach Holland und Friesland zu gehen. Im Jahre 1682 wird
-aber neben dieser Auslandsarbeit auch das Ziegelstreichen erwähnt.
-Auf die beweglichen Klagen der »gehorsamen Stände und Ritterschaft«
-wegen der Leutenot in der Landwirtschaft erließ der Landesherr eine
-Verordnung, in der es heißt: »wobei wir auch denenjenigen, welche sich
-bishero zu gewisser Zeit des Auslaufens in fremde Länder angemaßet,
-daselbst Ziegelarbeit sich zu bedienen, solche ihre bisherige
-Gewohnheit, und zwar einem jeden bei Strafe 50 Goldfl. alles Ernstes
-verbieten.« Aber Verbote und Plackereien halfen nicht viel. Die Zahl
-der Ziegler wuchs, und zwar besonders 1842 nach dem Brande Hamburgs,
-1846 nach der mehrfach erwähnten Leinenkrisis, die dem Gewerbe viele
-ehemalige Weber zuführte, und 1871 nach dem Kriege. Jetzt dürfte ihre
-Zahl etwa 15000 betragen, d. h. über 10% der gesamten Bevölkerung.
-
-[Illustration: §. Abb. 122. Lippischer Hirtenjunge. (Zu Seite 122.)]
-
-Die Ziegelmacherei ist Saisonarbeit. Sobald die ersten Lenzwinde wehen,
-verlassen die sangesfrohen Scharen das Heimatland, kaum der Schule
-entwachsene Knaben, rüstige Männer und bärtige Greise, um in allen
-deutschen Gauen, ja selbst in Holland, Dänemark, Polen und Ungarn ihrem
-Verdienst nachzugehen. Während der Arbeitsmonate lebt der Ziegler
-äußerst einfach und mäßig. Erbsen und immer wieder Erbsen sind seine
-tägliche Kost und dazu Wurst, Speck und Schinken aus dem heimischen
-Vorrat. Denn das verdiente Bargeld muß der Gattin oder den alten Eltern
-heimgebracht werden, die inzwischen mit Hilfe der Kinder mühselig den
-Garten und das Stückchen Acker bestellt, für das Vieh, vor allem für
-die zahlreichen Ziegen gesorgt und Haus und Hof in Ordnung gehalten
-haben (Abb. 27 u. 122). Wehe dem, der sich zu unnützen Ausgaben hat
-verleiten lassen und die erwarteten hundert Taler nicht abgeben kann!
-Verachtung ist sein Lohn. Wie aber den wackeren Zieglern zumute ist,
-wie schwer ihnen der Abschied von der schönen Heimat fällt, wie sie
-sich auf die wohlverdiente Ruhe des Winters freuen, das erfahren
-wir am besten aus den »Zieglerliedern«, den Gedichten, die Heinrich
-Wienke in Brakelsiek bei Schieder, ein echter Ziegler und ein echter
-Poet, nunmehr schon in vierter Auflage seinen Kameraden gewidmet hat
-(Abb. 123). Da heißt es z. B. in dem »Abschiedstrost«:
-
- Reich' mir, lieb Weib, den Wanderstab,
- Er steht in jener Ecke,
- Und wenn ihn deine Hand mir gab,
- So reis' ich frisch und fröhlich ab,
- Du weißt, zu welchem Zwecke.
-
- »Zu welchem Zweck, das weiß ich ja,
- Doch, Schatz, ich kann dir's sagen,
- Es kränket meine Seel', fürwahr,
- Daß du für uns mußt alle Jahr
- Dich in der Ferne plagen.«
-
- O darum quäl' dich nicht so sehr,
- Bin ich's doch nicht alleine,
- Denn wandern müssen noch viel mehr.
- Gott führ' mich fröhlich wieder her,
- Und bleib' ich aus, dann weine.
-
-[Illustration: Abb. 123. H. Wienke, Ziegler und Volksdichter in
-Brakelsiek (Lippe). (Zu Seite 123.)]
-
-[Sidenote: Im Nethegau.]
-
-Aber auch wir werden von dem Land der roten Rose und damit von den
-Weserbergen überhaupt, sowie von dem Teutoburger Walde Abschied
-nehmen müssen. Die südlichen Teile unseres Hügellandes enthalten zwar
-insbesondere im sogenannten Nethegau noch einige interessante Stätten,
-wie z. B. die Edelsitze Rheder und Hinnenburg bei dem Städtchen Brakel
-(3600 Einwohner) oder den hochgelegenen Flecken Dringenberg mit seiner
-alten bischöflich paderbornischen Burg. Aber weder diese Orte noch das
-freundliche Tal der Nethe selbst werden uns dauernd fesseln können. Wir
-eilen wiederum der Weser zu und gelangen so zurück in die Gegenden,
-von denen unsere Rundreise ihren Ausgang nahm. Sie ist vollendet. Wird
-es die letzte Fahrt sein, die wir nach diesem lieblichen Landstriche
-machen? Ich für mein Teil hoffe es nicht.
-
- Und tönen wieder die Gesänge
- Der Lerchen an des Himmels Blau,
- Dann lockt mich aus der dumpfen Enge
- Der liebe, alte Heimatgau:
-
- Das Wogen reicher Saatenfelder,
- Der fetten Wiesen üppig Grün,
- Das Quellenrauschen kühler Wälder,
- Der Hügel frisches Buchengrün,
-
- Des Stromes traulich klarer Spiegel,
- Des Fährmanns Hütte strohgedeckt,
- Des Dörfleins übermooste Ziegel
- In Apfelblüte fast versteckt;
-
- Es locken Mauern mich und Wälle
- Der weltentrückten kleinen Stadt,
- In schmalen Gäßchen manche Stelle,
- Die einst so gern mein Fuß betrat,
-
- Auch stolzer Burgen morsche Trümmer,
- Von Efeuranken überdeckt,
- Der Bergzug, der in blauem Schimmer
- Sich neblig in die Ferne streckt.
-
- Das alles lockt aus dumpfer Enge
- Mich in den lieben Heimatgau.
- Denn, horch! schon tönen die Gesänge
- Der Lerchen an des Himmels Blau.
-
-[Illustration]
-
-
-
-
-Literatur.
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- E. Görges, Wegweiser durch das Weserbergland. 7. Aufl. Hameln 1902.
-
- H. Thorbecke, Der Teutoburger Wald. 10. Aufl. Detmold 1909.
-
- H. Aschenberg, Der Teutoburger Wald. Münster 1906.
-
-Benutzt wurden noch die amtlichen Darstellungen der Kunst- und
-Altertumsdenkmäler der verschiedenen Gebiete, soweit sie erschienen
-sind, ferner eine große Zahl von Lokalführern und zahlreiche kleinere
-Aufsätze in verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften.
-
-
-
-
-Verzeichnis der Abbildungen.
-
-
- Abb. Seite
-
- 1. Das Hermannsdenkmal im Morgennebel 2
-
- 2. Das Verwerfungssystem entlang dem Egge-Gebirge zwischen
- Driburg und Willebadessen 6
-
- 3. Die Keuperlandschaft bei Aerzen, südwestlich von Hameln 8
-
- 4. Profil durch Weserkette und Bückeberge 9
-
- 5. Blick vom Deister über das Tal von Springe zum Saupark
- und Nesselberg 10
-
- 6. Der Deister-Saupark-Sattel 10
-
- 7. Das Längstal der Cenomanmergel bei Berlebeck im
- Teutoburger Walde 11
-
- 8. Dünenlandschaft im Lippischen Walde 12
-
- 9. Südrand der Dünenbildungen am Teutoburger Walde 13
-
- 10. Schematisches Profil des Osnings 14
-
- 11. Die Hebungslinien des Teutoburger Waldes 14
-
- 12. Der Teutoburger Wald bei Detmold 15
-
- 13. Kohlensäuresprudel bei Herste 16
-
- 14. Profil durch Falkenhagener Liasgraben und Köterberg 16
-
- 15. Das Wiehengebirge als Schichtstufe auf dem Nordflügel
- des Osning-Sattels 17
-
- 16. Buchenhochwald am Blümer Berg bei Münden 20
-
- 17. Eibenruine bei Freudental unweit Münden 21
-
- §. 18. Der Meiler ist »holtrei«. Aus dem Solling 22
-
- §. 19. Köhlerhütte im Vogler 23
-
- §. 20. Köhler im Solling auf dem brennenden Meiler 24
-
- §. 21. Köhler im Solling beim Verpacken fertiger Kohlen 24
-
- 22. Sattelmeierhof Nordhof bei Enger 25
-
- §. 23. Fränkisches Gehöft in Niederscheden bei Münden 26
-
- 24. Hof in Kalkriese bei Engter (Osnabrück) 27
-
- §. 25. Diele in Sudenfeld, Kreis Iburg 28
-
- §. 26. Gehöft in Linnenbecke bei Vlotho 29
-
- §. 27. Diele eines lippischen Zieglerhauses in Heidelbeck 30
-
- §. 28. Gasthaus in Volksen bei Rinteln 31
-
- §. 29. Motiv aus Exten bei Rinteln 32
-
- 30. Bauernfamilie aus Meinsen bei Bückeburg. Älterer Typus 33
-
- 31. Bauermädchen aus der Gegend von Nenndorf 33
-
- 32. Schulmädchen aus Eisbergen (Kreis Minden) auf dem
- Kirchgang 34
-
- §. 33. Bauernmädchen aus Uffeln bei Vlotho 35
-
- 34. Bauersfrau aus Hahlen bei Minden 36
-
- 35. Bauer aus Hahlen bei Minden 36
-
- 36. Münden und das Fuldatal 37
-
- 37. Das Rathaus in Münden 38
-
- §. 38. Der Marktplatz in Münden 39
-
- §. 39. Die Vorstadt Blume in Münden 39
-
- 40. Bursfelde 40
-
- §. 41. Klosterkirche in Bursfelde 41
-
- §. 42. Hugenotten aus Gewissenruh 42
-
- 43. Carlshafen vom Diemeltal aus gesehen 42
-
- 44. Helmarshausen und die Krukenburg gegen den Solling 43
-
- §. 45. Basaltbruch am Hohen Hagen 44
-
- §. 46. Trendelburg an der Diemel 45
-
- 47. Hirschfütterung im Reinhardswald 45
-
- 48. Das Rathaus in Einbeck 46
-
- 49. Eickesches Haus in Einbeck 47
-
- 50. Bremer Straße bei Beverungen 48
-
- §. 51. Zwei Fährleute, Vater und Sohn, aus Wehrden 48
-
- §. 52. Fürstenberg 49
-
- §. 53. Corvey 50
-
- 54. Eingang zur Abtei Corvey 50
-
- 55. Höxter, vom Felsenkeller aus gesehen 51
-
- §. 56. Schloß Bevern 52
-
- 57. Schichtung der Muschelkalk-Formation bei Bodenwerder 53
-
- 58. Polle 54
-
- 59. Die Steinmühle 54
-
- 60. Bodenwerder 55
-
- 61. Schloß Hehlen 56
-
- 62. Straße in Eschershausen 57
-
- 63. Adam und Eva am Ith 58
-
- §. 64. Am Rotenstein bei Eschershausen 59
-
- §. 65. Lauenstein 60
-
- 66. Bückeburg 61
-
- 67. Saukörnung am Kleinen Deister bei Springe 62
-
- 68. Die lutherische Kirche in Bückeburg 63
-
- 69. Das neue Rathaus in Bückeburg 64
-
- 70. Hameln gegen den Süntel 65
-
- 71. Das Rattenfängerhaus in Hameln 66
-
- §. 72. Schloß Hämelschenburg bei Hameln 67
-
- 73. Kapelle beim Armenhaus Wangelist (Hameln) 68
-
- 74. Rinteln gegen den Taubenberg 69
-
- §. 75. Blick von der Bückeburger Chaussee in das Tal von Rinteln 70
-
- §. 76. Dankerser Mühle bei Rinteln 71
-
- 77. Vlotho gegen den Amthausberg und das Wiehengebirge 72
-
- §. 78. Exten bei Rinteln 73
-
- §. 79. Schloß Varenholz 75
-
- 80. Möllenbeck gegen die Weserkette (Papenbrink, Lange Wand,
- Luhdener Klippe) 77
-
- 81. Süntelbuche auf der Schafweide bei Hülsede 78
-
- §. 82. Der Hohenstein gegen den Süntel 79
-
- §. 83. Turm der Schaumburg gegen die Paschenburg 80
-
- §. 84. Die Arensburg 81
-
- §. 85. Die Weserkette bei Rinteln (Lange Wand, Luhdener Klippe) 82
-
- §. 86. Porta Westfalica von Süden 83
-
- 87. Das Kaiser Wilhelm-Denkmal an der Porta Westfalica 84
-
- 88. Minden 85
-
- 89. Inneres des Doms zu Minden 86
-
- §. 90. Bergkirchen auf dem Wiehengebirge 87
-
- 91. Königl. Kurhaus in Bad Oeynhausen 88
-
- 92. Osnabrück vom Gertrudenberge aus gesehen 89
-
- 93. Der Markt in Osnabrück 90
-
- §. 94. Tecklenburg 91
-
- 95. Schloß Iburg 92
-
- 96. Burg Ravensberg im Jahre 1839 93
-
- 97. Burg Ravensberg 93
-
- 98. Straße in Halle i. W. 94
-
- 99. Kette des Teutoburger Waldes bei Halle mit Blick auf den
- Ravensberg 95
-
- 100. Idyll aus Amshausen bei Halle i. W. 96
-
- 101. Blick auf Bielefeld 97
-
- 102. Burg Sparenberg (Bielefeld) vom Johannisberg aus gesehen 98
-
- 103. Haus in der Oberntorstraße in Bielefeld 99
-
- 104. Rathaus und Theater in Bielefeld 100
-
- 105. Grabmal Wittekinds in der Kirche zu Enger 101
-
- 106. Waldchaussee von Detmold zum Jagdschloß Lopshorn 102
-
- 107. Donoper Teich bei Detmold 103
-
- §. 108. Berlebeck 104
-
- 109. Detmold gegen das Hermannsdenkmal 105
-
- §. 110. Das Fürstliche Schloß in Detmold 106
-
- §. 111. Donopbrunnen in Detmold 107
-
- 112. Das Hermannsdenkmal 109
-
- §. 113. Die Externsteine 110
-
- §. 114. Die Kreuzabnahme, Hochrelief an den Externsteinen 111
-
- 115. Lemgo 113
-
- §. 116. Marktplatz in Lemgo 115
-
- §. 117. Erker mit Laube am Rathaus in Lemgo 117
-
- §. 118. Fürstliches Schloß im Pyrmont 118
-
- §. 119. Inneres der Kreuzkirche in Lügde 119
-
- 120. Schwalenberg 110
-
- §. 121. Das Rathaus in Schwalenberg 121
-
- §. 122. Lippischer Hirtenjunge 122
-
- 123. F. Wienke, Ziegler und Volksdichter in Brakelsiek (Lippe) 123
-
-Die mit §. gekennzeichneten Abbildungen sind photographische Aufnahmen
-des Verfassers.
-
-[Illustration]
-
-
-
-
-Register.
-
-
- Aa 115.
-
- Aale 75.
-
- Adam und Eva 58 (Abb. 63). 86.
-
- Adelebsen 75. 76.
-
- Aerzen 8 (Abb. 3).
-
- Alfeld 35.
-
- Altenbeken 11. 22. 119.
-
- Altenteil 41.
-
- Alte Weser 25.
-
- Altschieder 58.
-
- Amelith 33.
-
- Amelungsenburg 57.
-
- Amelunxborn 77.
-
- Amshausen 96 (Abb. 100).
-
- Amthausberg 100.
-
- Anerbe 40.
-
- Angrivarier 56.
-
- Ansiedlungsformen 36.
-
- Anthrazitkohle 108.
-
- Arensburg 81 (Abb. 84). 102.
-
- Arminius 56.
-
- Aue, Bückeburger 5. 93.
-
- Aue, Rodenberger 26. 91.
-
-
- Babilönie 58.
-
- Bad Eilsen s. Eilsen.
-
- Bad Oeynhausen s. Oeynhausen.
-
- Barenberg 10.
-
- Barenburg 89.
-
- Barntrup 121.
-
- Barsinghausen 9. 90.
-
- Basaltbruch 44 (Abb. 45).
-
- Bauernhof 25 (Abb. 22) bis 32 (Abb. 29). 38. 40. 43. 45.
-
- Bauerschaften 43.
-
- Beberbeck 73.
-
- Bega 26. 119. 120. 122.
-
- Bennigsen 4.
-
- Bennigserburg 58. 90.
-
- Bentberg 18.
-
- Bergkirchen 87 (Abb. 90). 107.
-
- Besitzverhältnisse 35.
-
- Berlebeck 10. 11 (Abb. 7). 104 (Abb. 108). 116.
-
- Bethel 115.
-
- Bever 79.
-
- Beverbach 78. 82.
-
- Bevergern 5. 10. 112.
-
- Bevern 52 (Abb. 56). 82.
-
- Beverungen 79.
-
- Bevölkerung 33 (Abb. 30) bis 36 (Abb. 35).
-
- Bielefeld 10. 14. 15. 97 (Abb. 101) bis 100 (Abb. 104). 112. 114. 115.
-
- Bielefeld, Paß von 112.
-
- Bielstein 8. 12.
-
- Bifurkation 26.
-
- Bismarcksäule 103.
-
- Blankenau 79.
-
- Blankenrode 10.
-
- Blomberg 121.
-
- Blöße, Große 76.
-
- Bloße Zelle 11. 88.
-
- Blume 39 (Abb. 39).
-
- Blümer Berg 20 (Abb. 16). 68.
-
- Blutbach 102.
-
- Bodenfelde 34. 35. 70.
-
- Bodenwerder 7. 18. 53 (Abb. 57). 55 (Abb. 60). 78. 82. 83.
-
- Bölhorst 104.
-
- Bonenburg 7.
-
- Borgentreich 7.
-
- Borgholzhausen 10. 112. 114.
-
- Borgholzhausen, Paß von 112.
-
- Bornstapel 120.
-
- Brackwede 14. 115.
-
- Brakel 7. 18. 124.
-
- Brakelsiek 123.
-
- Bramburg (Berg) 12. 74.
-
- Bramburg (Ruine) 70.
-
- Bramsche 107.
-
- Bramwald 34. 68. 73.
-
- Braunkohle s. Kohlen.
-
- Braunschweig 62.
-
- Breitenstein 82.
-
- Bremer Böcke 96.
-
- Bremer Straße 48 (Abb. 50).
-
- Brevörde 83.
-
- Brinke 90.
-
- Brochterbecker Schlucht 112.
-
- Brukterer 56.
-
- Brunkensen 88.
-
- Brunsberg 80.
-
- Buche 31.
-
- Bückeberg 5. 9. 13. 91. 92.
-
- Bückeburg 9. 61 (Abb. 66). 63 (Abb. 68). 64 (Abb. 69). 93. 94.
-
- Bückeburger Aue 5. 93.
-
- Bückeburger Tracht 54. 55.
-
- Büffel 55.
-
- Bullen 96.
-
- Buke 11.
-
- Bükefaß 33.
-
- Bünde 108.
-
- Burgberg 82.
-
- Burgen 57.
-
- Bursfelde 40 (Abb. 40). 41 (Abb. 41). 70.
-
- Bursfelder Kongregation 70.
-
-
- Carlshafen 25. 26. 35. 42 (Abb. 43). 68. 70. 72. 75. 76.
-
- Chatten 56.
-
- Cherusker 56.
-
- Coppenbrügge 8. 18. 86. 87.
-
- Corvey 50 (Abb. 53 u. 54). 59. 62. 80.
-
-
- Dachtelfeld 102.
-
- Dampfschiffahrt 67.
-
- Dankerser Mühle 71 (Abb. 76).
-
- Dassel 62. 76.
-
- Deister 4. 5. 9. 10. 13. 19. 90. 92.
-
- Deister, Kleiner 90.
-
- Deisterpforte 90.
-
- Delliehausen 75.
-
- Delligsen 87.
-
- Desenberg 11.
-
- Detmold 10. 15 (Abb. 12). 59. 102 (Abb. 106). 103 (Abb. 107). 116.
-
- Diele 28 (Abb. 25). 30 (Abb. 27). 46.
-
- Dielmisser Felsen 8. 87.
-
- Diemel 26. 72. 74. 110.
-
- Diluviale Vereisung 12.
-
- Dissen 114.
-
- Dogger 8.
-
- Dohlensteinmühle 83.
-
- Dolmen 108.
-
- Donoper Teich 103 (Abb. 107). 116.
-
- Dörenberg 10. 108. 112.
-
- Dörenschlucht 112. 116.
-
- Dörenther Klippen 112.
-
- Dortmund-Ems-Kanal 112.
-
- Drakenberg 89.
-
- Dransberg 73.
-
- Dransfeld 73.
-
- Dransfelder Höhenland 5. 26. 73.
-
- Dreikaiserturm 112.
-
- Driburg 58. 119.
-
- Dringenberg 124.
-
- Duingen 87.
-
- Duinger Berg 18.
-
- Dünenlandschaft 12 (Abb. 8). 13 (Abb. 9).
-
- Durrbeke 22.
-
- Durilith 108.
-
- Dürre Holzminde 22.
-
- Dyas 7.
-
-
- Ebersberg 90.
-
- Ebersnacken 78.
-
- Egge-Gebirge 4. 5. 6 (Abb. 2). 11. 13. 20. 110. 119.
-
- Eibe 21 (Abb. 17). 28. 82.
-
- Eiche 31.
-
- Eichenberg 5.
-
- Eilsen 9. 93.
-
- Einbeck 8. 46 (Abb. 48). 47. (Abb. 49). 76.
-
- Einbeck-Markoldendorfer Becken 18.
-
- Einzelhof 43.
-
- Eisbergen 33. 34.
-
- Eiszeit (Vereisung) 12.
-
- Eißen 11.
-
- Elfas 5. 7. 18. 77.
-
- Else 26. 107.
-
- Elze 18. 89.
-
- Emmer 26. 82. 84. 94. 119.
-
- Emmertal 120. 121.
-
- Enger 39. 101 (Abb. 105). 115.
-
- Engern 57. 59.
-
- Erder 25. 99. 100.
-
- Eresburg 59.
-
- Erichsburg 76.
-
- Esch 43.
-
- Eschershausen 8. 57 (Abb. 62). 59. 86. 87.
-
- Espolde 76.
-
- Esse 72.
-
- Everstein 62. 82.
-
- Exten 32 (Abb. 29). 73 (Abb. 78). 100.
-
- Exter 26. 100.
-
- Externsteine 10. 110 (Abb. 113). 111 (Abb. 114). 116. 118.
-
-
- Fahrenberg 11.
-
- Falkenburg 116.
-
- Falkenhagen 17. 122.
-
- Feldrom 11.
-
- Fischbeck 99.
-
- Flurzwang 38.
-
- Forst, Domäne 24. 82.
-
- Forstbach 24. 77. 78.
-
- Forstkultur 30.
-
- Fort George 98.
-
- Fränkisches Haus 44.
-
- Fredelsloh 76.
-
- Freden 87.
-
- Freden, Großer 112.
-
- Friesat 55.
-
- Friewohle 76.
-
- Friller Tracht 55.
-
- Fulda 22. 37 (Abb. 36).
-
- Fürstenberg 49 (Abb. 52). 75. 79. 80.
-
-
- Gahrenberg 11. 73.
-
- Garnwindelstein 87.
-
- Gehöft s. Bauernhof.
-
- Gehrdener Berg 10.
-
- Geologie 5 ff.
-
- George, Fort 98.
-
- Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenverein 108.
-
- Georgsmarienhütte 7. 108.
-
- Germanen 56.
-
- Gertrudenberg 110.
-
- Geschichte 56 ff.
-
- Gesmold 26.
-
- Gewissenruh 44. 70.
-
- Glene 86. 88.
-
- Gohfeld-Mennighüffen 106.
-
- Gottestreu 70.
-
- Gottsbüren 74.
-
- Grevenalveshagen 92.
-
- Grohnde 82. 83.
-
- Große Blöße 75.
-
- Großer Hünenring 116.
-
- Großer Freden 112.
-
- Groß-Freden 18.
-
- Großer Sohl 88.
-
- Grotenburg 10. 15 (Abb. 12).
-
- Grubenhagen 76.
-
- Grubenhagener Berge 5.
-
- Grünenplan 11. 84. 89.
-
-
- Hageltürme 64.
-
- Hagen, Hoher 12. 44 (Abb. 45). 73.
-
- Hagenohsen 84.
-
- Hahlen 25. 36.
-
- Halle 50. 94 (Abb. 98). 112. 114.
-
- Hallermund 62. 90.
-
- Hamel, Fl. 26. 94.
-
- Hameler Loch 94.
-
- Hameln 8. 12. 25. 35. 58. 65 (Abb. 70) bis 68 (Abb. 73). 94. 98. 99.
-
- Hämelschenburg 67 (Abb. 72). 98.
-
- Hammerslust 8.
-
- Hannover, Prov. 62.
-
- Hardegsen 76.
-
- Harrl 9. 93. 94.
-
- Hartröhren 26.
-
- Hase 26. 106. 107.
-
- Hasselburg 18.
-
- Hastenbeck 84.
-
- Hausberge 25. 104.
-
- Hausformen 44.
-
- Hausindustrie 106.
-
- Hedemünden 24.
-
- Hehlen 56 (Abb. 61). 83.
-
- Heimberg 11.
-
- Heinrichshagen 78.
-
- Heisterberg 19.
-
- Heisterburg 58. 90.
-
- Helmarshausen 43 (Abb. 44). 72.
-
- Hemeln 70.
-
- Hemmendorf 92.
-
- Herbram 11.
-
- Herford 59. 62. 106. 115.
-
- Herlingsburg 58.
-
- Hermannsborn 15.
-
- Hermannsdenkmal 2 (Abb. 1). 15 (Abb. 12). 105 (Abb. 109).
- 109 (Abb. 112). 116.
-
- Herrmannsberg 8.
-
- Herste 15.
-
- Herstelle 24. 59. 68. 72. 78.
-
- Hessendorf 44.
-
- Hessen-Nassau 62.
-
- Hessischer Typus 55.
-
- Hessisch-Oldendorf 57. 99.
-
- Hetha 80.
-
- Heuerlinge 36.
-
- Hildesheim (Bistum) 62.
-
- Hille 46.
-
- Hils 5. 10. 12. 13. 18. 20. 26. 84. 87. 88.
-
- Hilwartshausen 70.
-
- Hinterhang 96.
-
- Hochmoore 75.
-
- Hof s. Bauernhof.
-
- Hohenbüchen 88.
-
- Hohenstein 8. 79 (Abb. 82). 102.
-
- Hoher Asch 120.
-
- Hoher Hagen 12. 44 (Abb. 45). 73.
-
- Holter Sattel 16.
-
- Holzindustrie 35.
-
- Holzkohle 33.
-
- Holzminde 75. 78.
-
- Holzminden 18. 81.
-
- Holzmühle 90.
-
- Homburg, Geb. 5. 7. 18. 76. 77.
-
- Homburg, Ort 62.
-
- Hooptal 77.
-
- Horn 10. 110. 118.
-
- Höxter 18. 51 (Abb. 55). 62. 80. 81. 103.
-
- Höxtersches Höhenland 5. 79. 119.
-
- Huckberg 110.
-
- Hugenotten 42 (Abb. 42).
-
- Hüggel 7. 108. 112.
-
- Hülsede 78 (Abb. 81).
-
- Humme 26. 84. 94.
-
- Hünenburg 10. 112.
-
- Hünenring 116.
-
- Hunte 26.
-
- Hüssenberg 11.
-
-
- Ibbenbüren 62. 108. 112.
-
- Ibbenbürener Bergplatte 7.
-
- Iburg b. Driburg 58. 119.
-
- Iburg b. Osnabrück 10. 91. 92 (Abb. 95). 112. 114.
-
- Iburg, Paß von 112.
-
- Idistavisus 57. 102.
-
- Idtberg 11.
-
- Ilme 75. 76.
-
- Inseln 25.
-
- Ith 7. 8. 12. 13. 18. 20. 58 (Abb. 63). 84. 86.
-
-
- Jakobsberg 103.
-
- Jakobsklippe 103.
-
- Johannaberg 116.
-
- Johannisberg 112.
-
- Jura 8.
-
-
- Kahnstein 8. 12. 18. 87.
-
- Kaierde 11. 35.
-
- Kaiser Wilhelm-Denkmal 84 (Abb. 87). 104.
-
- Kali 75.
-
- Kalkriese 27 (Abb. 24).
-
- Kammersteine 87.
-
- Kämpe 28. 43.
-
- Karlsschanze 58.
-
- Karlssteine 108.
-
- Kathrinhagen 92.
-
- Kaufunger Wald 4.
-
- Kelten 56.
-
- Kemnade 83.
-
- Kiffing 68.
-
- Kirchohsen 84.
-
- Kleine Porta 100.
-
- Kleiner Deister 5. 90.
-
- Kleiner Hünenring 116.
-
- Klima 19 ff.
-
- Klümpse 74.
-
- Klus 9.
-
- Klüt 8. 98.
-
- Kohlenbergbau 75. 90. 91. 92.
-
- Kohlenbrennerei 34.
-
- Kohlenmeiler 22 (Abb. 18). 24 (Abb. 20 u. 21).
-
- Kohlensandstein 108.
-
- Kohlensäuresprudel 16 (Abb. 13).
-
- Köhlerhütte 23 (Abb. 19).
-
- Königstunde 39.
-
- Königszinne 55 (Abb. 60). 78.
-
- Köterberg 8. 16 (Abb. 14). 20. 120.
-
- Kralle 55.
-
- Krebshagen 92.
-
- Kreideformation 9.
-
- Krukenburg 43 (Abb. 44). 72.
-
- Külf 18.
-
-
- Lachsfang 96.
-
- Lage 120.
-
- Landgrafenküche 89.
-
- Lange Wand 77 (Abb. 80). 82 (Abb. 85).
-
- Laten 38.
-
- Lauenförde 35. 79.
-
- Lauenstein 60 (Abb. 65). 87.
-
- Leggen (Bleichen) 114.
-
- Leibzucht 41.
-
- Leine 7. 26. 75.
-
- Leinenweberei 114.
-
- Lemgo 8. 113 (Abb. 115) bis 117 (Abb. 117). 121. 122.
-
- Lemgoer Mark 8. 120.
-
- Lenne 26. 83. 86.
-
- Lewenhagen 73.
-
- Lias 8.
-
- Lichtheupte 116.
-
- Lindhorster Typus 55.
-
- Linnenbecke 29 (Abb. 26).
-
- Lippe 62.
-
- Lippische Porta 100.
-
- Lippischer Wald 12 (Abb. 8). 111. 116.
-
- Lippisches Hügelland 5. 119.
-
- Lippoldsberg 70.
-
- Lippoldshöhle 88.
-
- Löhne 100. 108.
-
- Lübbecke 58. 59. 103. 106. 107.
-
- Lügde 59. 119 (Abb. 119). 120. 121.
-
- Luhdener Klippe 8. 77 (Abb. 80). 82 (Abb. 85). 103.
-
-
- Malm 8.
-
- Margaretenklus 104.
-
- Marienmünster 122.
-
- Markloh 59.
-
- Markoldendorf 8.
-
- Marsberg 59.
-
- Mast 98.
-
- Meier 38.
-
- Meinberg 15. 121.
-
- Meinsen 33.
-
- Meißner 4.
-
- Melle 108.
-
- Minden 55. 58. 59. 62. 85 (Abb. 88). 86 (Abb. 89). 104. 106.
-
- Möllenbeck 77 (Abb. 80). 101.
-
- Mönchstein 8. 87.
-
- Moosberg 75. 76.
-
- Mörth 120. 122.
-
- Münden 5. 24. 35. 37 (Abb. 36) bis 39 (Abb. 39). 63 ff.
-
- Mündener Stapelrecht 66. 72.
-
- Münder 19. 101.
-
- Mushaus 76.
-
-
- Nammer Klippe 103.
-
- Nenndorf 19. 55. 91. 101.
-
- Nesselberg 9. 10 (Abb. 5 u. 6). 18. 89.
-
- Nethe 26. 78. 119. 120.
-
- Nethegau 4. 123. 124.
-
- Neuenheerse 119.
-
- Neuenkirchen 17.
-
- Niedersächsisch-Plattdeutsch 60.
-
- Niederscheden 26 (Abb. 23).
-
- Niederschlagsverhältnisse 20.
-
- Nieme 68. 70. 73.
-
- Nienover 76.
-
- Northeim 62.
-
-
- Obensburg 18. 58. 84. 89.
-
- Obernkirchen 9. 91. 92.
-
- Oeynhausen 17. 88 (Abb. 91). 100. 107.
-
- Ohr 84.
-
- Ohrberg 84. 98.
-
- Ohsen 25. 82.
-
- Oldenburg 122.
-
- Oldendorf, Hessisch- 57. 99.
-
- Örlinghausen 9. 110. 116.
-
- Ortschaften 43.
-
- Osnabrück 58. 59. 89 (Abb. 92). 90 (Abb. 93). 108.
-
- Osnabrückisches Hügelland 5.
-
- Osnegge 110.
-
- Osning 5. 11. 12. 13. 14 (Abb. 10). 108. 110. 112.
-
- Osterkappeln 107.
-
- Osterwald, Dorf 89.
-
- Osterwald, Geb. 5. 9. 10. 18. 89.
-
- Ostfalen 57.
-
-
- Paderborn 58. 59.
-
- Paderborn (Bistum) 62.
-
- Paderborner Hochfläche 5.
-
- Papenbrink 77 (Abb. 80). 103.
-
- Papin, Dionysius 67.
-
- Paschenburg 80 (Abb. 83). 102.
-
- Piesberg 7. 16. 17. 108. 112.
-
- Plattdeutsch 60.
-
- Polle 17. 54 (Abb. 58). 82.
-
- Poppenstein 8.
-
- Porta Westfalica (Westfälische Pforte) 5. 8. 12. 25. 57. 83 (Abb. 86).
- 84 (Abb. 87). 100. 103. 104.
-
- Porta, Kleine oder Lippische 100.
-
- Pottaschegewinnung 33.
-
- Preußen 62.
-
- Pyrmont 7. 17. 62. 118 (Abb. 118). 119. 120. 121. 122.
-
-
- Rattenfängerhaus 66 (Abb. 71). 98.
-
- Ravensberg 62. 93 (Abb. 96 u. 97). 95 (Abb. 99). 112. 114.
-
- Ravensbergisches Hügelland 5
-
- Rehme 25. 107.
-
- Reihendörfer 44.
-
- Reinhardswald 4. 5. 11. 18. 31. 45 (Abb. 47). 63. 68. 73. 74.
-
- Remte 94.
-
- Reuberg 88.
-
- Rinteln 69 (Abb. 74) bis 71 (Abb. 76). 91. 99. 100.
-
- Roden 62.
-
- Rodenberg 91.
-
- Rodenberger Aue 26. 91.
-
- Rosenthal 102.
-
- Rotenstein 59 (Abb. 64). 87.
-
- Rottmünde 75.
-
- Rühle 82. 83.
-
- Rulle 58.
-
-
- Saale 86.
-
- Sababurg 11. 73.
-
- Sachsen 57.
-
- Sachsenlager 58. 116.
-
- Sächsisches Haus 45.
-
- Salzhemmendorf 87.
-
- Salzuflen 17. 120.
-
- Sandebeck 12.
-
- Sandsteine 81. 91.
-
- Sattelmeierhöfe 39. 25 (Abb. 22).
-
- Saukörnung 62 (Abb. 67).
-
- Saupark 9. 10 (Abb. 5 u. 6). 13. 18. 90.
-
- Schafberg 108. 112.
-
- Schalksburg 104.
-
- Schauenstein 92.
-
- Schaumburg 59. 62. 80 (Abb. 83). 102.
-
- Schaumburg, Grafschaft 99.
-
- Schaumburger Tracht 56.
-
- Schaumburg-Lippe 62.
-
- Schecken 18. 84.
-
- Scheckenpaß 89.
-
- Schede 68.
-
- Schieder 58. 59. 122.
-
- Schierlaken 55.
-
- Schildesche 115.
-
- Schledehausen 108.
-
- Schwalenberg 62. 120 (Abb. 120). 121 (Abb. 121). 122.
-
- Schwalenberger Wald 8. 120.
-
- Schwaney 11.
-
- Schwöbber 98.
-
- Schwülme 26. 68. 70. 74. 75.
-
- Selter 8. 13. 18. 87.
-
- Sieburg 72.
-
- Siedelungsformen 38.
-
- Skidroburg 122.
-
- Solling 4. 5. 7. 12. 18. 20. 31. 34. 43 (Abb. 44). 74. 75. 76. 81.
-
- Sollinger Wald 18.
-
- Sooldorf 19.
-
- Sparenberg 98 (Abb. 101). 114.
-
- Spiegelberg 62.
-
- Springe 9. 18. 35 62 (Abb. 67). 90.
-
- Stadthagen 10. 92.
-
- Stadtoldendorf 7. 76.
-
- Stapelrecht, Mündener 66. 72.
-
- Staufenberg 11. 73.
-
- Steinbergen 103.
-
- Steinbrüche 108.
-
- Steingräber 108.
-
- Steinmühle 54 (Abb. 59). 83.
-
- Steinsalz 75.
-
- Stemberg 10.
-
- Stemmer Berg 10.
-
- Sternberg 62. 122.
-
- Sternberger Höhen 120.
-
- Süntel 5. 7. 9. 13. 20. 26. 59. 65 (Abb. 70). 79 (Abb. 82). 91. 92.
- 101. 107.
-
- Süntelbuche 78 (Abb. 81). 101.
-
- Süntelturm 101.
-
-
- Tabakfabrikation 106.
-
- Tanzwerder 67.
-
- Taubenberg 69 (Abb. 74). 100. 120.
-
- Tecklenburg 62. 91 (Abb. 94). 112. 114.
-
- Temperaturverhältnisse 19 ff.
-
- Tertiär 11.
-
- Teufelskanzel 102.
-
- Teufelsküche 87.
-
- Teutoburg 57. 116.
-
- Teutoburger Wald 4. 9. 11 (Abb. 7). 13 (Abb. 9). 14 (Abb. 10). 13. 20.
- 57. 95 (Abb. 99). 110. 111.
-
- Theotmalli 116.
-
- Thüster Berg 18.
-
- Tillyschanze 63.
-
- Tönniesberg 103.
-
- Tönsberg 10. 116.
-
- Totenberg 73.
-
- Totental 102.
-
- Trachten s. Volkstrachten.
-
- Treidelschiffahrt 98.
-
- Trendelburg 45 (Abb. 46). 74.
-
- Trias 7.
-
- Twielbiäke 26.
-
-
- Uffeln 35.
-
- Uslar 76.
-
-
- Varenholz 75. 101.
-
- Varusschlacht 111.
-
- Veckerhagen 68.
-
- Velmerstot 110. 119.
-
- Vinsebeck 15.
-
- Vlotho 17. 72 (Abb. 77). 100.
-
- Vogler 5. 7. 18. 34. 77. 78. 82. 83. 86.
-
- Voldagsen 87.
-
- Volksen 31 (Abb. 28).
-
- Volkstrachten 33 (Abb. 30) bis 36 (Abb. 35). 54.
-
- Völmerstot s. Velmerstot.
-
- Volpriehausen 75. 76.
-
-
- Wackelstein 87.
-
- Wald 27 ff.
-
- Waldeck 122.
-
- Waldeck-Pyrmont 62.
-
- Wallücke 107. 108.
-
- Wangelist 98 (Abb. 73).
-
- Warburg 11.
-
- Warburger Börde 5. 7. 11. 119.
-
- Wealdenkohle 91. 104.
-
- Wehrden 79.
-
- Weibeck 102.
-
- Weinbau 103.
-
- Weißer Stein 89.
-
- Wendhagen 92.
-
- Weper 5.
-
- Werra 22.
-
- Werre 7. 26. 107. 115. 119.
-
- Wertheim 35.
-
- Werther 114.
-
- Weser 22 ff. 63 ff. 75. 100. 107.
-
- Wesergebirge 13. 19.
-
- Weserkette 9 (Abb. 4). 77 (Abb. 80). 82 (Abb. 85). 102.
-
- Wesermühlen-Aktiengesellschaft 68. 96.
-
- Weserstein 67.
-
- Westerberg 110.
-
- Westfalen 57. 62.
-
- Westfälische Pforte s. Porta Westfalica.
-
- Westfälisch-Plattdeutsch 60.
-
- Wickensen 77.
-
- Wiehengebirge 5. 16. 17 (Abb. 15). 20. 72 (Abb. 77). 87 (Abb. 90). 91.
- 104. 107.
-
- Wiem 46.
-
- Wienke 123.
-
- Willebadessen 58.
-
- Windfedern 45.
-
- Winterberg 8.
-
- Wispe 86. 88.
-
- Wittekind 58. 108. 115.
-
- Wittekindsberg 57. 107.
-
- Wittekindsburg 58.
-
- Wittekinds Grabmal 101 (Abb. 105). 115.
-
- Wittekindskapelle 104.
-
- Wittekindsquelle 104.
-
-
- Zappenburg 73.
-
- Zelle, Bloße 11. 88.
-
- Ziegelei 122. 123.
-
- Zwieselbach 26.
-
-[Illustration]
-
-[Illustration: KARTE DES WESERBERGLANDES.]
-
-
-
-
- +----------------------------------------------------------------+
- | Anmerkungen zur Transkription |
- | |
- | Inkonsistenzen wurden beibehalten, wenn beide Schreibweisen |
- | gebräuchlich waren, wie: |
- | |
- | Amthaus -- Amtshaus |
- | Ansiedelung -- Ansiedlung |
- | Domes -- Doms |
- | Egge-Gebirge -- Eggegebirge |
- | Eisenbahn-Knotenpunkt -- Eisenbahnknotenpunkt |
- | Gebietes -- Gebiets |
- | Gesteines -- Gesteins |
- | Linnenbecke -- Linnenbeke |
- | Neocom -- Neokom |
- | Osning-Achse -- Osningachse |
- | Umschlagplätzen -- Umschlagsplatz |
- | Weser-Mühlen-Aktien-Gesellschaft |
- | -- Wesermühlen-Aktiengesellschaft |
- | Wesergebietes -- Wesergebiets |
- | |
- | Interpunktion wurde ohne Erwähnung korrigiert. |
- | Im Text wurden folgende Änderungen vorgenommen: |
- | |
- | S. 8 »Mönchsstein« in »Mönchstein« geändert. |
- | S. 20 »unserm« in »unserem« geändert. |
- | S. 26 »Neihe« in »Nethe« geändert. |
- | S. 42 »auf dem Familiennamen« in »auf den Familiennamen« |
- | geändert. |
- | S. 47 »Baulüberlieferungen« in »Bauüberlieferungen« geändert. |
- | S. 54 »ausstorben« in »ausgestorben« geändert. |
- | S. 59 »selbstständig« in » selbständig« geändert. |
- | S. 60 »gewesen sein« in »gewesen zu sein« geändert. |
- | S. 84 »Seite 18« in »auf Seite 18« geändert. |
- | S. 86 »Tagesbau« in »Tagebau« geändert. |
- | S. 94 »Bückeburges Schlosses« in »Bückeburger Schlosses« |
- | geändert. |
- | S. 100 »Durchbruchtal« in »Durchbruchstal« geändert. |
- | S. 108 »Kohlesandstein« in »Kohlensandstein« geändert. |
- | S. 112 »Rava« in »Ravenna« geändert. |
- | S. 130 »Mönchsstein« in »Mönchstein« geändert. |
- | S. 130 »Rosental« in »Rosenthal« geändert. |
- | S. 131 »Walllücke« in »Wallücke« geändert. |
- +----------------------------------------------------------------+
-
-*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DAS WESERBERGLAND UND DER
-TEUTOBURGER WALD ***
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-Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
-
-Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
-electronic works in formats readable by the widest variety of
-computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It
-exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations
-from people in all walks of life.
-
-Volunteers and financial support to provide volunteers with the
-assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
-goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
-remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
-Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
-and permanent future for Project Gutenberg-tm and future
-generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see
-Sections 3 and 4 and the Foundation information page at
-www.gutenberg.org
-
-Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation
-
-The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non-profit
-501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
-state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
-Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
-number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by
-U.S. federal laws and your state's laws.
-
-The Foundation's business office is located at 809 North 1500 West,
-Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up
-to date contact information can be found at the Foundation's website
-and official page at www.gutenberg.org/contact
-
-Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
-Literary Archive Foundation
-
-Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without
-widespread public support and donations to carry out its mission of
-increasing the number of public domain and licensed works that can be
-freely distributed in machine-readable form accessible by the widest
-array of equipment including outdated equipment. Many small donations
-($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
-status with the IRS.
-
-The Foundation is committed to complying with the laws regulating
-charities and charitable donations in all 50 states of the United
-States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
-considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
-with these requirements. We do not solicit donations in locations
-where we have not received written confirmation of compliance. To SEND
-DONATIONS or determine the status of compliance for any particular
-state visit www.gutenberg.org/donate
-
-While we cannot and do not solicit contributions from states where we
-have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
-against accepting unsolicited donations from donors in such states who
-approach us with offers to donate.
-
-International donations are gratefully accepted, but we cannot make
-any statements concerning tax treatment of donations received from
-outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
-
-Please check the Project Gutenberg web pages for current donation
-methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
-ways including checks, online payments and credit card donations. To
-donate, please visit: www.gutenberg.org/donate
-
-Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic works
-
-Professor Michael S. Hart was the originator of the Project
-Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be
-freely shared with anyone. For forty years, he produced and
-distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of
-volunteer support.
-
-Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
-editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in
-the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not
-necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper
-edition.
-
-Most people start at our website which has the main PG search
-facility: www.gutenberg.org
-
-This website includes information about Project Gutenberg-tm,
-including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
-subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.