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If you are not located in the United States, you -will have to check the laws of the country where you are located before -using this eBook. - -Title: Das Weserbergland und der Teutoburger Wald - -Author: Oswald Reißert - -Release Date: August 1, 2021 [eBook #65973] - -Language: German - -Character set encoding: UTF-8 - -Produced by: Peter Becker and the Online Distributed Proofreading Team at - https://www.pgdp.net (This file was produced from images - generously made available by The Internet Archive) - -*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DAS WESERBERGLAND UND DER -TEUTOBURGER WALD *** - - +------------------------------------------------------------------+ - | Anmerkungen zur Transkription | - | | - | Gesperrter Text ist als ¯gesperrt¯ dargestellt, Antiquaschrift | - | als ~Antiqua~, und tiefgestellter Text als _{tiegestellt}. | - | Eine Liste der Änderungen befindet sich am Ende des Buchs. | - +------------------------------------------------------------------+ - - - Land und Leute - - Monographien - zur Erdkunde - - - Land und Leute - - Monographien - zur Erdkunde - - In Verbindung mit Anderen - herausgegeben von A. Scobel - - 24 - - Weserbergland und - Teutoburger Wald - - 1909 - - Bielefeld und Leipzig - - Verlag von Velhagen & Klasing - - - - - Das Weserbergland - und der - Teutoburger Wald - - von O. Reißert - - Mit einer geologischen - Übersicht von H. Stille - - Mit 123 Abbildungen nach photographischen - Aufnahmen und einer farbigen Karte - - [Illustration] - - 1909 - - Bielefeld und Leipzig - - Verlag von Velhagen & Klasing - - - Druck von Fischer & Wittig in Leipzig. - - - - -Inhalt. - - - Seite - - ~I.~ Einleitung 3 - - ~II.~ Der geologische Bau des Weserberglandes und des - Teutoburger Waldes. Von ~Dr.~ ¯H. Stille¯ 5 - - ~III.~ Klima und Gewässer 19 - - ~IV.~ Der Wald 27 - - ~V.~ Bäuerliche Verhältnisse 35 - - ~VI.~ Geschichtliches 56 - - ~VII.~ Die Weser von Münden bis Herstelle. Dransfelder - Höhenland und Reinhardswald 63 - - ~VIII.~ Solling, Homburg und Vogler 74 - - ~IX.~ Die Weser von Herstelle bis Hameln 78 - - ~X.~ Die Hilsmulde 84 - - ~XI.~ Osterwald, Deister und Bückeburg 89 - - ~XII.~ Von Hameln nach Osnabrück. Süntel, Weserkette - und Wiehengebirge 94 - - ~XIII.~ Osning, Teutoburger Wald und Egge 110 - - ~XIV.~ Zwischen Teutoburger Wald und Weser 119 - - * * * * * - - Literatur 125 - - Verzeichnis der Abbildungen 126 - - Register 128 - - Karte des Weserberglandes und des Teutoburger Waldes. - -[Illustration: Abb. 1. Das Hermannsdenkmal im Morgennebel. - -Verlag der Hinrichs'schen Hofbuchhandlung (H. Knöner) in Detmold. (Zu -Seite 116.)] - - - - -~I.~ Einleitung. - - -Dieses Buch soll meiner Heimat gehören. Auf einem Hügel, der das -breite, wie ein ausgetrockneter See daliegende Wesertal überblickt, -dort, wo die Ufer den Strom vor seinem Scheiden aus der bergigen -Umgebung zum letzten Male mit allen ihren Reizen umkränzen, stand -meiner Eltern Haus. Dort empfing der kleine Knabe, der einst die -Unterhaltung der Erwachsenen über die Schönheit der Gegend belauschte, -auf sein Eingeständnis: »Ich weiß wohl, was eine Gegend ist; aber -was eine schöne Gegend ist, das verstehe ich nicht«, eine für sein -Alter ausreichende Erklärung mit dem Hinweis auf die weite Fernsicht -vom Altan des väterlichen Hauses. Später ging ihm das Verständnis -für andere Reize seines Heimatgaues auf. Auf Spaziergängen durch -den Buchenhochwald hob sich der Blick von dem Boden, wo süße -Beeren lockten, zu den Domgewölben der hohen Wipfel empor, und die -Obstbaumpflanzungen, in denen manches der benachbarten Dörfer sich -schier versteckte, erfreuten nicht nur im Sommer und Herbst den Gaumen -mit ihren süßen Gaben, sondern auch im Frühling das Auge mit der weißen -Pracht ihrer Blüten. Ein anregender erdkundlicher Unterricht lehrte -die Silhouette der bläulichen Weserkette, die sich in rhythmisch -bewegter Wellenlinie in die Ferne schwingt, und die in dem Teutoburger -Walde drüben ihr ebenbürtiges Gegenstück hat, als bewunderswerten Zug -des heimischen Landschaftsbildes erfassen und die ehrwürdigen Reste -einstiger Ritterburgen, Stadtbefestigungen und sonstiger baulichen -Zeugen der Vergangenheit mit frommer Scheu betrachten, während an -schulfreien Tagen sich jugendlicher Wander- und Wagemut von hohen -Kuppen, schroffen Klippen und dunklen Höhlen angezogen fühlte. Die -ersten Reisen aber trugen dem Jüngling die Erfahrung ein, daß weder -jene farbenprächtigen Volkstrachten noch jene behaglichen Gehöfte, in -denen sich der bäuerliche Wohlstand Westfalens und Lippes zeigte, und -die er als etwas Selbstverständliches hingenommen hatte, in gleicher -Weise in anderen Gegenden wiederkehrten, und diese Erkenntnis erfüllte -ihn mit frohem Stolze. - -Jene Zeiten, in denen sich so die Vorstellung der Heimat als eines -eigenartigen Stückes Erde und die Liebe zu eben diesem Teile deutschen -Bodens gleichzeitig mit dem Menschen selber, mit seinen körperlichen -und geistigen Kräften, entwickelte, liegen lange hinter mir. Aber auch -in den späteren Jahrzehnten hat mich zwischen manchen Reisen in andere -Gebiete deutschen und außerdeutschen Landes doch die Wanderlust wieder -und wieder nach der roten Erde und an die Gestade des freundlichen -Stromes geführt; trotz aller großartigeren Eindrücke erhabenerer Natur -habe ich mich dem Zauber jener idyllischen Mittelgebirgslandschaften -nie zu entziehen vermocht, sei es daß junges Buchengrün die kindlichen -Hügelformen zart umkleidete, sei es daß bei Julisonnenschein der Segen -der Felder seine goldenen Wogen im leichten Winde fluten ließ, mochte -der Bergwald in prächtigem, gelbbraunem Herbstschmuck dastehen, oder -mochten die hochstämmigen Fichten von bärtigem Rauhfrost behängt -sein. Freilich liegt in dieser Vorliebe eines einzelnen für eine -Landschaft, zumal wenn sie die Stätte seiner Knabenspiele gewesen -ist, noch kein Beweis dafür, daß sie auch des Interesses anderer wert -sei. Der Gefahr aber, daß die Heimatliebe zum »Lokalpatriotismus« -werde -- ein häßliches Wort! -- entgehen wir am besten, wenn wir uns -bemühen die wirklichen Verhältnisse zu erkennen, wenn wir die Natur der -einzelnen Bergzüge und Täler, ihr Alter und ihr Werden zu verstehen -suchen, wenn wir das organische Leben in seiner Abhängigkeit von -Bodengestalt, Bewässerung und Klima betrachten und wenn wir endlich -das menschliche Leben der Vergangenheit und der Gegenwart in seiner -Bedingtheit durch die Summe aller jener natürlichen Voraussetzungen -studieren. Dieser Aufgabe ist das vorliegende Buch gewidmet, wenigstens -in erster Linie. Mag es daneben auch dem Zwecke dienen, das Interesse -der Reisenden auf jene Gegenden zu lenken. In diesem Sinne möchte -ich mich dem Rinteler Gymnasiallehrer Ludwig Boclo anschließen, der -im Jahre 1844 einen »Begleiter auf dem Weserdampfschiffe« herausgab -und bereits damals klagte, daß die Schnelligkeit des Reisens »in -der neuesten Zeit« leider der Götze geworden sei, welchem jede -Gemütlichkeit, jeder Naturgenuß, jede ruhige Auffassung und Beschauung -geopfert werde. »Eine große innige Freude,« schreibt er, »würde es -dem Unterzeichneten (welcher die körperlich-psychische und gemütlich -erweckende und wiederbelebende Kraft des Reisens seit 40 Jahren an -sich und anderen erfahren hat) gewähren, wenn er bei recht vielen das -Verlangen erregen und das vorhandene noch steigern sollte, eine der -deutschesten Gegenden des gemeinsamen Vaterlandes auf eine so anmutige -Weise« (d. h. zu Schiffe) »kennen zu lernen.« Diese Worte wurden in -einer Zeit geschrieben, in welcher die landschaftlichen Schönheiten -jenes westfälisch-niedersächsischen Grenzgebietes noch nicht lange -zuvor entdeckt worden waren. Im Jahre 1835 hatte George Osterwald -seine »Gallerie von Weseransichten« und F. C. Th. Piderit seine -»Geschichtlichen Wanderungen durch das Wesertal« in Rinteln erscheinen -lassen. - -Am Anfang der Pideritschen Schrift stand als Gruß an den Leser anonym -Franz Dingelstedts später so bekannt gewordenes Gedicht, das mit der -Strophe beginnt: - - Ich kenne einen deutschen Strom, - Der ist mir wert und lieb vor allen, - Umwölbt von ernster Eichen Dom, - Umgrünt von kühlen Buchenhallen. - - Ihn hat nicht, wie den großen Rhein, - Der Alpen dunkler Geist beschworen, - Ihn hat der friedliche Verein - Verwandter Ströme still geboren. - -Sieben Jahre später (Cassel 1842) gab Dingelstedt, wiederum ohne -seinen Namen, das Buch »Das Wesertal von Münden bis Minden« heraus. -In ihm macht er es sich zur Aufgabe, des »Sängers Fluch« zu lösen, -d. h. jenes bekannte Wort Schillers in seinen deutschen Wasser-Xenien, -daß von der Weser gar nichts zu sagen sei, zu widerlegen. Schon im -Herbste 1839 hatte Ferdinand Freiligrath seine begeisterte Einleitung -zu Levin Schückings, im Jahre 1841 zuerst veröffentlichtem Buche -»Das malerische und romantische Westfalen« verfaßt, in der er unter -anderem die Schönheit der Porta Westfalica dithyrambisch preist. -Die Wirkung all dieser Bücher war ungeheuer, und als im Jahre 1844 -die Weserdampfschiffahrt, 1846 die Cöln-Mindener Bahn eröffnet -worden waren, konnten Westfalen und Weserbergland als Ziele für -Vergnügungsreisen ernstlich in Frage kommen. - -[Sidenote: Umgrenzung des Gebiets.] - -Wenn der Titel unseres Buches als Gegenstand dieser Arbeit das -Weserbergland und den Teutoburger Wald nennt, so sind wir uns einer -gewissen unvermeidbaren Willkür in der Fassung der Aufgabe bewußt. Wir -verstehen unter Weserbergland die hügeligen Landschaften, welche von -dem Zusammenfluß der Werra und Fulda an beiderseits die Weser nach -Norden zu begleiten, und zwar im Osten bis an den Rand der von der -Leine durchflossenen Göttinger Senke, im Westen bis an die Münstersche -Bucht und im Norden bis an die Norddeutsche Tiefebene. Der Teutoburger -Wald ist besonders genannt, weil er -- wie allerdings auch das -Wiehengebirge und seine namenlose westliche Fortsetzung -- sich weit -von der Weser entfernt und in das Gebiet der Ems hineinragt. Sind die -Grenzen unseres Berglandes nach Westen und Norden durch den Beginn der -Tiefebenen ohne weiteres gegeben, und kann man sich das Leinetal als -Scheide gegen das ostfälische Harzvorland immerhin gefallen lassen, -so hat die Grenze nach Süden insofern etwas Willkürliches, als man -dem hessischen Berglande, dessen nördliche Fortsetzung die Weserberge -bilden, vielfach den Solling, den Reinhardswald, das Eggegebirge nebst -dem Nethegau zurechnet, anderseits aber zum mindesten der Kaufunger -Wald, wenn nicht gar der Meißner, es verlangen könnte, den Paten -zugesellt zu werden, welche die Wiege der Weser umstehen. - -Das so umgrenzte Gebiet stellt ungefähr ein rechtwinkeliges Dreieck -dar, dessen Scheitelpunkt südlich von Hannover bei Bennigsen am -Deister zu suchen ist, während die anderen beiden Ecken in Münden und -in Bevergern bei Rheine liegen. Von Bennigsen beträgt die Luftlinie -bis Münden etwa 100, bis Bevergern 140 ~km~. Das ganze Gebiet wäre -also annähernd 7000 ~qkm~ groß. Auf diesem Raume wechseln nun die -mannigfachsten Geländeformen: langgestreckte Bergzüge, hier schroff -abfallend, dort sanfter geneigt, ferner Plateaus und flachgerundete -Kuppen, sowie förmliche Kegel, endlich engere und weitere Fluß- und -Bachtäler. Frischer Laub- und ernster Nadelwald werden abgelöst -von üppigen Fruchtfeldern. Neben dürftig bewachsenen und spärlich -besiedelten Strichen finden sich dicht bevölkerte Gegenden mit reich -entwickeltem Ackerbau oder beachtenswerter Gewerbetätigkeit. - -Ohne der Einzelbeschreibung vorzugreifen, oder auf das Geologische -schon jetzt näher einzugehen, werden wir versuchen müssen, uns -vorläufig in diesem Wirrwarr zu orientieren. Beginnen wir rechts von -der Weser. Dort, wo die Leine gerade bei ihrem Übergang aus westlicher -in nördliche Richtung sich der Werra am meisten nähert -- die Eisenbahn -Göttingen-Bebra überschreitet hier bei Eichenberg die Wasserscheide --- können wir die Grenze zwischen Eichsfeld und Weserbergland -annehmen. Dieses letztere beginnt mit einer von Basaltkuppen bekrönten -Hochfläche ohne volkstümlichen Gesamtnamen, für die wir die Bezeichnung -Dransfelder Höhenland annehmen wollen. Nördlich davon liegt die -Sandsteinhochebene des Sollings. Im Osten ist diesem Gebirge der -nord-südlich verlaufende Muschelkalkrücken der Weper vorgelagert. Im -Norden streichen die beiden Parallelketten der Grubenhagener Berge, -sowie etwas entfernter der Elfas, die Homburggruppe und der Vogler, -von Südost nach Nordwest zur mittleren Weser. Hieran schließt sich die -felsberühmte, langgestreckte Ellipse der Hilsmulde. Eine breite Senke -scheidet sie vom Osterwald und Kleinen Deister. Diesen trennt ein enger -Paß vom eigentlichen Deister, dessen nach Südwest umgebogenes, durch -das Auetal abgeschiedenes Gegenstück der Bückeberg bildet. Etwas weiter -südlich beginnt mit dem Süntel jener lange Zug, der sich als Weserkette -bis zur Porta Westfalica hinzieht. - -Am linken Weserufer liegt dem Dransfelder Höhenland gegenüber der -Reinhardswald. Sein Westabhang leitet über zu jenem langgestreckten, -welligen Gelände, das sich zwischen der Weser einerseits und den -Kämmen der Egge und des Teutoburger Waldes anderseits hinzieht und -sich gliedern läßt in Warburger Börde, Höxtersches Hügelland (oder -Paderborner Hochfläche) und Lippisches Hügelland. Die westliche -Fortsetzung dieses Landstriches ist dann das Ravensbergische und -Osnabrückische Hügelland; seine südliche Begrenzung gegen das -Münsterland bildet auch hier der Teutoburger Wald, in jenem westlichen -Teile meist Osning genannt, und zwar bis zu seinem Ende in der Nähe der -Ems bei Bevergern, die nördliche der auf dem linken Ufer des Stromes -liegende Teil der Weserkette, streckenweise Wiehengebirge genannt. - -Dieses bunte orographische Bild in seinen Einzelzügen zu verstehen, -kann uns nur der Geologe lehren. Wir werden zunächst seinem Vortrage zu -lauschen haben. - - - - -~II.~ Der geologische Bau des Weserberglandes und des Teutoburger -Waldes. - -Von Professor ~Dr.~ H. Stille-Hannover. - - -[Sidenote: Geologie. Verwerfungen und Abtragung.] - -Die topographische Vielgestaltigkeit des Berg- und Hügellandes -zwischen Teutoburger Wald, Leinetal und Norddeutscher Tiefebene, -des Weserberglandes, steht in engstem Zusammenhange mit der -Mannigfaltigkeit des geologischen Aufbaues. Zwar ist die Zahl der -Formationen, die ausgedehntere Flächen bedecken, keine ungewöhnlich -große, und haben wir es in der Hauptsache nur mit den Sedimenten -des Mittelalters der Erde, der mesozoischen Zeit, zu tun; aber die -Lagerungsverhältnisse sind äußerst mannigfaltiger Art und teilweise -nur schwierig deutbar, Faltungen sind nach wechselnden Richtungen -eingetreten und Verwerfungen durchsetzen den Boden in solcher Zahl, -daß er stellenweise als ein förmliches Mosaik durcheinandergewürfelter -Schollen erscheint. Abbildung 2 zeigt ein System von Verwerfungen -aus dem östlichen Vorlande des Eggegebirges, das den Untergrund dort -in hunderte einzelner Schollen zerreißt. An den durch tektonische -Kräfte gegeneinander verschobenen Schollen haben dann die Kräfte -der Abtragung oder Denudation angesetzt, um das wechselvolle Bild -unserer Landschaft hervorzuzaubern. Weiches Material ist ihnen leicht -zum Opfer gefallen, hartes hat Widerstand geleistet und ist damit -aus den umgebenden mürberen Schichten zu den lang sich hinziehenden -Bergrippen und gedrungeneren Kuppen herausgearbeitet worden, die heute -das bestimmendste Element der Landschaft ausmachen. In der Hauptsache -bedingt also die wechselnde Widerstandsfähigkeit der Schichtkomplexe -das heutige Relief; gegenüber ihrer Nachbarschaft gesunkene Komplexe, -wie der Hils, können dabei als hochragende Bergzüge erscheinen, sobald -nur widerstandsfähiges Material sie zusammensetzt, während die Linien -¯geologisch¯ höchster Heraushebung oft genug in Talungen verlaufen, -falls mürbe Schichten, wie z. B. Röt, in ihnen liegen. Der Betrag der -Heraushebung[1] der Schollen und Schollenkomplexe drückt sich in der -Verteilung der Formationen an der Tagesoberfläche aus, und es liegt auf -der Hand, daß in den Gebieten höchster Heraushebung uns die ältesten, -in den Senkungsgebieten die jüngeren Schichten entgegentreten. - -[1] Die Begriffe »Hebungsgebiet«, »Senkungsfeld«, »gehoben«, »gesunken« -sind im folgenden nicht absolut, sondern nur relativ in ¯dem¯ Sinne zu -verstehen, daß sie die heutige Lage der Schollen zu ihrer Nachbarschaft -zum Ausdrucke bringen sollen. Unerörtert bleibt dabei, ob z. B. ein -»Hebungsgebiet« tatsächlich etwas Herausgehobenes ist oder etwas -Stehengebliebenes, während die benachbarten Komplexe in die Tiefe -sanken. Die obigen Begriffe sollen also nur den heutigen Zustand -ausdrücken, nicht aber den Vorgang, der diesen Zustand schuf. - -[Illustration: Abb. 2. Das Verwerfungssystem entlang dem Egge-Gebirge -zwischen Driburg und Willebadessen, aufgenommen von H. Stille -1903-1904. Maßstab etwa 1 : 80000.] - -[Sidenote: Von der ältesten Zeit bis zum Trias.] - -¯Vorpermisches »Grundgebirge«¯ nimmt weitere Flächen erst -etwas außerhalb des Wesergebirgslandes im Harz und Rheinischen -Schiefergebirge ein, erscheint in unserem Gebiete aber nur in -drei kleineren Vorkommnissen in der Gegend von Osnabrück. Hier -sind die Ibbenbürener Bergplatte, der Piesberg und der Hüggel aus -kohlenführenden Konglomeraten, Sandsteinen und Schiefertonen des Oberen -oder Produktiven Karbons zusammengesetzt, und nach den Floren, die -diese Schichten umschließen, haben wir es mit dem oberen Teile der -sogenannten »Saarbrücker Stufe« zu tun. An der Ibbenbürener Bergplatte -geht heute noch der Bergbau auf Flöze des Oberkarbons um, während -dieser am Piesberg vor etwas mehr als einem Jahrzehnt zum Erliegen -gekommen ist, und am Hüggel das Vorhandensein von Flözen bisher nur -durch Tiefbohrungen festgestellt wurde. - -Von der ¯Dyas¯ fehlt die untere Stufe, das Rotliegende, gänzlich, -und auch gewisse rotgefärbte Schichten des Hüggels, die lange für -Rotliegend galten, sind nach neueren Feststellungen nicht hierzu, -sondern zum Oberkarbon zu rechnen. Die Zechsteinformation, der obere -Teil der Dyas, ist im Umrandungsgebiete der Oberkarboninseln von -Osnabrück vorhanden, wo sie am Hüggel und der Ibbenbürener Bergplatte -die Braun- und Spateisensteinlager umschließt, die zur Gründung der -Georgsmarienhütte geführt haben, und findet sich ferner in vereinzelten -kleinen Schollen bei Bonenburg am südlichsten Eggegebirge und im -Gebiete des Sollings. Einen Gipsstock, der dieser Formation angehört, -finden wir bei Stadtoldendorf an der Homburg, wo der Gips in großen -Brüchen gewonnen wird. Dem oberen Teile des Zechsteins gehören die -Stein- und Kalisalzlager an, die im Leinetale in den letzten Jahren -nachgewiesen und Gegenstand des Bergbaues geworden sind. - -Die ¯Trias¯, der tiefste Teil der mesozoischen Formation, nimmt -mit ihren drei Gliedern, Buntsandstein, Muschelkalk und Keuper, so -ziemlich das ganze Gebiet zwischen dem Teutoburger Walde einerseits, -Weserkette, Süntel, Ith und Hils anderseits ein. Der Buntsandstein -setzt die Höhen des Sollings und Reinhardswaldes und weiter nördlich -Elfas und Vogler zusammen und bildet auch die Hänge des Wesertales -zwischen Münden und Holzminden, bei Bodenwerder und weiter nördlich. -Bei Bad Pyrmont stecken die Sandsteine dieser Formation in der Tiefe -des Talkessels, während die angrenzenden Hänge in ihrem unteren Teile -von den rötlichen Tonen des oberen Buntsandsteins oder Röts gebildet -werden, und auch am Teutoburger Walde ist die Buntsandsteinformation -vielfach nachweisbar. Der weitverbreitete Muschelkalk tritt am -geschlossensten zwischen Solling und Teutoburger Wald auf und trennt -hier als »Brakeler Muschelkalkschwelle« die beiden großen Keupermulden -des Gebietes zwischen Teutoburger Wald und Weser, die sogenannte -Keupermulde von Borgentreich, die etwa mit der fruchtbaren »Warburger -Börde« zusammenfällt, und die Lippische Keupermulde. Letztere nimmt -fast das ganze Gebiet zwischen der Weser und ihrem linken Nebenflusse, -der Werre, ein, und nur lokal, wie z. B. bei Pyrmont, ist der Keuper -durch Aufwölbungen älterer Triasschichten unterbrochen. In dem stark -welligen und landschaftlich sehr reizvollen Berglande, das die Bahnen -Hameln-Altenbeken und Hameln-Lage durchschneiden, finden wir die -schönsten Beispiele der Abhängigkeit der Bodengestaltung von der -Zusammensetzung des Untergrundes, indem die Niederungen von den mürben -Mergeln und Tonen, die Höhen von den Sandsteinen und Quarziten des -Keupers zusammengesetzt werden (Abb. 3). Namentlich die technisch -recht wertvollen Quarzite des oberen Keupers oder Rhäts decken häufig -die Bergkuppen, wie den Klüt bei Hameln, die Lemgoer Mark bei Lemgo, -Winterberg, Herrmannsberg und Schwalenberger Wald südwestlich von -Pyrmont und den Köterberg bei Holzminden, eine der höchsten Kuppen -zwischen Harz und Rheinischem Schiefergebirge. Ferner hat der Keuper -zwischen Osning und Wiehengebirge in der Gegend von Melle und Osnabrück -recht erhebliche Verbreitung. - -[Illustration: Abb. 3. Keuperlandschaft bei Aerzen, südwestlich von -Hameln. Die höhere Bergstufe wird vom Rhät (Oberer Keuper), die tiefere -von Schilfsandstein (Mittlerer Keuper) gebildet. - -Nach einer Photographie von H. Stille 1908.] - -[Sidenote: Jura.] - -Vom ¯Jura¯ bestehen die untere und mittlere Abteilung, der Lias -(Schwarzer Jura) und der Dogger (Brauner Jura), vorwiegend aus mürben -Tonen, die obere Abteilung, der Malm (Weißer Jura), aber vorwiegend aus -festen Kalken, und so ist es nur natürlich, daß erstere im allgemeinen -in Talungen und an flachen Hängen zu suchen sind, während der Malm -Bergzüge bildet. Das Einbeck-Markoldendorfer Becken, das dem Solling -nach Nordosten vorgelagert ist, die Liaspartien im östlichen Vorlande -des Eggegebirges und die Herforder Liasmulde zwischen Bielefeld und -Herford sind Beispiele für Niederungsgebiete der älteren Juraschichten, -während die lang sich hinziehende Bergkette des Ith zwischen -Coppenbrügge und Eschershausen, der Kahnstein und der Selter, der -Deister bei Springe, der Saupark (Abb. 6) und die Weserkette (Abb. 4) -vom Weißen Jura gekrönt werden. Vorwiegend ist es der sogenannte -Korallenoolith des Weißen Jura, der die Felsklippen am obersten Hange -der genannten Bergzüge zusammensetzt, so die Dielmisser Felsen, -Hammerslust, Poppenstein und Mönchstein am Ith, den Bielstein am -Deister, den Hohenstein und die Luhdener Klippen an der Weserkette. In -der Weserkette westlich der Porta Westfalica, d. h. im Wiehengebirge, -und auch schon etwas östlich der Porta erreichen in dem vorwiegend -aus Tonen bestehenden Dogger harte Sandsteine (Portasandsteine) eine -erheblichere Mächtigkeit und setzen stellenweise wie an der Porta den -Gebirgskamm zusammen, und ein anderer fester Horizont des Braunen Jura, -das aus eisenschüssigen Kalksandsteinen bestehende »Cornbrash«, bildet -weithin kleine Vorberge zur Hauptkette. - -Im Gegensatz zu der ziemlich erheblichen Mächtigkeit des Weißen -Juras in der Weserkette steht die geringe Entwicklung dieser -Formation am Teutoburger Walde, in dessen südlichem Teile, dem -Eggegebirge, sie überhaupt nicht bekannt ist. Teilweise mag die -Ablagerung dieser Schichten unterblieben sein, teilweise sind aber -auch Wiederzerstörungen bald nach erfolgter Ablagerung, teilweise -auch Verwerfungen der Grund der heutigen Lückenhaftigkeit der -Weißjuraprofile. - -[Sidenote: Kreidezeit.] - -An der Basis der ¯Kreideformation¯, des obersten Teiles der -mesozoischen Formationsgruppe, liegt in Nordwestdeutschland der -sogenannte Wealden, der im Gegensatz zu allen ihn überlagernden -Kreideschichten in der Hauptsache keine Bildung des Meeres, sondern -eine solche festländischer Sümpfe ist. Das Hauptglied ist der -Wealdensandstein, auch Deistersandstein genannt, der die Höhen der -Bückeberge, des Deisters, des östlichen Süntels, des Nesselberges und -Osterwaldes zusammensetzt und hier Kohlenflöze umschließt, die z. B. -bei Obernkirchen, Barsinghausen und am Osterwalde Gegenstand des -Bergbaues sind. Neben dem Sandstein finden sich auch Schiefertone, und -zwar entweder nur im obersten Teile, wie am Osterwalde und südöstlichen -Deister, oder im obersten und untersten Teile, wie am Süntel, im -nordwestlichen Deister und in den Bückebergen. - -[Illustration: Abb. 4. Profil durch Weserkette und Bückeberge. - -Maßstab der Längen ca. 1 : 50000, der Höhen ca. 1 : 25000. 1 = Brauner -Jura. 2 = Weißer Jura, ausschließlich Münder Mergel und Serpulit. -3 = Münder Mergel. 4 = Serpulit. 5 = Unterer Wealdenschiefer. 6 = -Wealdensandstein. 7 = Oberer Wealdenschiefer. 8 = Neocomtone.] - -Die Landschaftsentwicklung im Weißjura-Wealdengebiete ist eine -verschiedene, je nachdem die stellenweise sehr mächtige Folge der -mürben »Münder Mergel« zwischen den Kalken des Weißen Juras und den -gleichfalls vorwiegend festen Gesteinen des Wealden vorhanden ist oder -nicht. In ersterem Falle, den wir als den Normalfall bezeichnen können, -haben wir zwei Parallelzüge, deren einer aus Weißjuraschichten, deren -anderer aus Wealdensandstein besteht und die durch eine vorwiegend von -Münder Mergeln erfüllte Niederung getrennt sind. Diesen Fall beobachten -wir z. B. in der Linie Rinteln-Bückeburg (Abb. 4), wo die Weserkette -aus Weißem Jura, der Parallelzug des Harrl aus Wealden besteht und -die trennende Niederung, in der Bad Eilsen liegt, im Untergrunde in -der Hauptsache die Münder Mergel enthält, oder südwestlich Springe, -wo den Saupark der Weiße Jura, den Nesselberg der Wealden und das -Längstal zwischen beiden die Münder Mergel zusammensetzen (Abb. 5 -und 6, westlicher Teil). Ein solches Längstal fehlt natürlich, wo -die Münder Mergel nicht vorhanden sind, und so verschmelzen z. B. am -südöstlichen Deister Weißjura und Wealden zu einem einheitlichen Zuge -(Abb. 6, östlicher Teil). Das Fehlen der Münder Mergel und anderer -Weißjuraschichten ist dabei durch Abtragungen vor Ablagerung des -Serpulits, des obersten Gliedes des Weißen Juras, bedingt, der vielfach -diskordant ältere Schichtkomplexe überlagert. Westlich Bückeburg nehmen -die mürben Schiefer gegenüber den Sandsteinen immer mehr überhand, und -im Zusammenhang damit verflacht sich der weiter östlich hochaufragende -Wealdenzug der Bückeberge und verschwindet mit der Klus bei Bückeburg -schließlich ganz unter dem Diluvium der Norddeutschen Tiefebene. - -Am Teutoburger Walde kennen wir Wealden etwa erst von Örlinghausen an -nordwestwärts; namentlich südlich Osnabrück nimmt er weite Flächen ein -und bildet dabei auch höhere Berggruppen. Der früher an mehreren Orten -umgehende Bergbau auf die Wealdenkohlen des Teutoburger Waldes ist -jetzt ganz zum Erliegen gekommen. - -Das Neokom, der untere Teil der marinen Unteren Kreide, tritt in -zweierlei Fazies auf, und zwar als Ton entlang dem Nordfuße der -Bückeberge und des Deisters, am Süntel, Osterwalde und Hils, als -Sandstein am Teutoburger Walde. Dementsprechend ist die landschaftliche -Erscheinungsform eine völlig verschiedene. Den Untergrund von -Niederungsgebieten bildet er bei Bückeburg, Stadthagen und in der -Deistermulde zwischen Deister einerseits, Stemmer und Gehrdener Berg -anderseits, aufragende Bergzüge bezeichnen seinen Verlauf entlang -dem Teutoburger Walde von der Burg Blankenrode im äußersten Süden -bis Bevergern östlich der Ems. Als ununterbrochenes Band krönt der -Teutoburgerwaldsandstein, der von Altenbeken an nordwärts außer -dem Neokom noch den tiefsten Teil der folgenden Stufe, des Gault, -umfaßt, den östlichen Steilhang des Eggegebirges und bildet hier die -Wasserscheide zwischen Weser und Rhein; die Felsnadeln der Externsteine -bei Horn bestehen aus ihm, wie weiterhin ganz oder zum größten Teile -der Stemberg bei Berlebeck, die Grotenburg bei Detmold, der Tönsberg -bei Örlinghausen, die Hünenburg bei Bielefeld, der Barenberg bei -Borgholzhausen und der Dörenberg bei Iburg. - -[Illustration: Abb. 5. Blick vom Deister über das Tal von Springe -(Lias und Dogger) zum Saupark (mittlerer Bergzug, Weißer Jura) und -Nesselberg (hinterer Bergzug, Wealden). Zwischen Saupark und Nesselberg -liegt das von Münder Mergel erfüllte Längstal (s. Abb. 6). Nach einer -Photographie von F. Schöndorf 1908. (Zu Seite 9.)] - -Der Gegensatz zwischen der Sandsteinfazies des Neokoms am Teutoburger -Walde und der Tonfazies in den nordöstlich liegenden Gebieten findet -seine einfache Erklärung dadurch, daß im Gebiete des heutigen -Westfalens ein Festland entstanden war und in dessen Umrandungsgebiete, -d. h. dort, wo sich heute der Teutoburger Wald erhebt, Sande und -Geröllagen sedimentiert wurden, während in die küstenferneren Gebiete -nur noch die feineren tonigen Materialien transportiert werden konnten. - -[Illustration: Abb. 6. Der Deister-Saupark-Sattel. (Zu Seite 9 u. 18.) - -Maßstab ca. 1 : 125000. 1 = Mittlerer Keuper. 2 = Lias. 3 = Dogger. 4 -= Oxford. 5 = Kimmeridge, Gigasschichten und Plattenkalke. 6 = Münder -Mergel. 7 = Serpulit. 8 = Wealden. 9 = Neocom. 10 = Diluvium. Zur -Abkürzung des Profiles ist die Verwerfung zwischen Keuper und Wealden, -die erst südwestlich Brünnighausen durchsetzt, etwas nach Nordosten -verschoben.] - -Den oberen Teil der Unteren Kreide, den Gault, finden wir am Hils zu -unterst durch den »Hilssandstein« vertreten, der hier den Kamm mit -der höchsten Erhebung, der »Bloßen Zelle«, zusammensetzt, und ferner -durch »Minimuston« und »Flammenmergel«; dem Hilssandstein entspricht -an der südlichen Egge, so am Altenbekener Tunnel, ein glaukonitischer, -sandiger Ton, am übrigen Teutoburger Walde der obere Teil des -Teutoburgerwaldsandsteins, dem Minimuston bei Altenbeken und weiter -südlich der rotgefärbte »Gaultsandstein«, am übrigen Teutoburger Walde -der »Grünsand des Osnings«, und Flammenmergel ist am ganzen Teutoburger -Walde in ähnlicher Entwicklung, wie am Hils, vorhanden. - -Von der oberen Kreide sind Cenoman und Turon in der Hauptsache durch -hellgefärbte, teils etwas mergelige Kalke, sogenannte »Pläner«, -vertreten. Diese setzen am Hils bei Grünenplan und Kaierde den -Heimberg, Idtberg und Fahrenberg zusammen und haben ihre weiteste -Verbreitung am Teutoburger Walde. Dort bauen sie im Hinterlande der -Egge die gesamten Bergrücken bis hin zur Senne auf, die hier an Höhe -hinter dem Kamm des Teutoburgerwaldsandsteins etwas zurückbleiben, -während am Osning der Pläner in gezackten Kämmen vielfach den ihm -nördlich parallel verlaufenden Sandstein überragt. An der Basis -der Plänerformation bilden die Cenomanmergel infolge der geringen -Widerstandsfähigkeit gegen die Verwitterung ein Längstal zwischen -dem Bergzuge der Untern Kreide und den Plänerbergen, das am ganzen -Teutoburger Walde als höchst charakteristisches Landschaftselement -zu verfolgen ist (Abb. 7). In ihm liegen an der Egge die Ortschaften -Herbram, Schwaney, Buke, Altenbeken, Feldrom, und hier hat es bei -flacher Lagerung der Schichten eine erhebliche Breite, während es -am Osning bei steiler Stellung der Schichten und entsprechender -Verschmälerung ihres Ausgehenden weniger breit, aber nicht minder -deutlich verfolgbar ist. - -[Illustration: Abb. 7. Das Längstal der Cenomanmergel bei Berlebeck im -Teutoburger Walde. - -Nach einer Photographie von H. Stille 1908.] - -Das Senon ist im Gebiete des Teutoburger Waldes durch die wenig -widerstandsfähigen »Emscher Mergel« vertreten, und es ist nur -natürlich, daß in der Linie Brackwede-Schlangen-Lippspringe-Paderborn, -in der es an die harten Pläner des Teutoburger Waldes angrenzt, das -Gebirge seinen Süd- beziehungsweise Ostrand erreicht und die weite -Ebene beginnt, die unter einer zum Teil recht mächtigen Decke von -Quartärbildungen die senonen Schichten enthält. - -[Sidenote: Tertiär.] - -¯Tertiärgebirge¯ ist nur in vereinzelten, meist versenkten Schollen -bekannt, von denen diejenige von Bünde in Westfalen wegen ihres großen -Reichtums an oberoligocänen Versteinerungen besondere Berühmtheit -erlangt hat. In die Tertiärzeit fallen auch die Ergüsse basaltischer -Gesteine, die wir im südlichsten Teile des Wesergebirgslandes, z. B. in -der Warburger Börde (Desenberg bei Warburg, Hüssenberg bei Eißen), am -Reinhardswalde (Gahrenberg, Staufenberg, Sababurg), Solling (Bramburg) -und südlich des Solling (Hoher Hagen) finden. Der nördlichste deutsche -Basalt bildet einen kurzen und schmalen Gang in der Trias von Sandebeck -am Eggegebirge. - -[Sidenote: Eiszeit.] - -Von Detmold zum Wesertale südlich Hameln und weiter um das Nordende -des Iths herum in die Hilsmulde hinein, um den Kahnstein und um die -Berge an der linken Seite des Leinetales bis nach Freden zieht sich -in gewundenem Verlaufe der Südrand der ¯diluvialen Vereisung¯. Der -Lippische Wald lag noch außerhalb derselben, während sie durch die -Quertäler des Osnings und zum Teil auch noch über diesen hinweg nach -Süden in das Münstersche Becken vordrang. Wie weit die nördlichen -Bergzüge des Wesergebirgslandes als Inseln das Inlandeis überragten, -mag dahingestellt bleiben, jedenfalls war z. B. der Deister völlig -unter Eis begraben, wie Geschiebemergel mit nordischen Blöcken auf -der Höhe des kleinen Gebirges am Bielstein beweist, und gleiches war -auch bei den Bückebergen der Fall. Frühere höhere Wasserstände unserer -Flußtäler, z. B. des Wesertales, deuten die über den heutigen Talböden -liegenden Flußterrassen an. Gewaltige Kiesaufschüttungen sind der Porta -Westfalica südöstlich vorgelagert und als Absätze der Weser aus einer -Zeit gedeutet worden, in der das Inlandeis die westfälische Pforte von -Norden verschloß und die von Süden kommenden Wasser anstaute. - -[Sidenote: Dünenbildung.] - -Am Osning und im Lippischen Walde liegen die Kreideschichten -tief unter Dünensanden begraben, die besonders die Täler füllen -(Abb. 8), doch auch den Höhen nicht ganz fehlen. Die Südgrenze der -Überwehungen (Abb. 9) erklärt sich durch die Lage des Teutoburger -Waldes zum Diluvialgebiete der Senne, dem die Sande entstammen, und -die vorherrschende südwestliche Richtung der Winde, die den Transport -besorgten. - -[Illustration: Abb. 8. Dünenlandschaft im Lippischen Walde. Nach einer -Photographie von H. Stille 1908.] - - * * * * * - -Nach seiner inneren Struktur kann man das Weserbergland insofern als -ein »Schollengebirge« bezeichnen, als in ihm die Zerrissenheit des -Untergrundes in größere und kleinere Schollen die hauptsächlichste -Erscheinungsform der gebirgsbildenden Kräfte ausmacht. Dabei ist -es aber -- wenigstens in weiten Teilen -- keineswegs ein typisches -Schollengebirge, vielmehr tritt uns ein Zusammenschub der Schichten -zu Sätteln und Mulden, d. h. eine Faltenbildung, weithin entgegen, die -sich am Osning, dem nördlichen Teutoburger Walde, bis zur Steilstellung -und Überkippung großer Schichtenkomplexe steigert, und manche Teile, -wie insbesondere den Osning, möchte man geradezu als durch weitgehende -Bruchbildung modifizierte kleine Faltengebirge bezeichnen. - -[Illustration: Abb. 9. Südrand der Dünenbildungen am Teutoburger Walde. - -Maßstab 1 : 1500000.] - -[Sidenote: Streichen der Bergzüge.] - -Das Streichen der Mehrzahl der Bergzüge, wie des Ith, Hils und -Selter, Saupark und Deister, Wesergebirges und Osnings, geht -vorwiegend in herzynischem Sinne, d. h. von Südosten nach Nordwesten. -Nur zurücktretend findet sich auch nord-südlicher Verlauf der -Gebirgszüge, wie am südlichen Teutoburger Walde, dem Eggegebirge, -oder südwest-nordöstlicher, wie an den Bückebergen. Die Richtung der -Bergzüge ist durch das gleichfalls vorwiegend herzynisch gehende -Streichen der Schichten und Verwerfungen bedingt, während nord-südlich -gerichtete, sogenannte »rheinische« Brüche in unserem Gebiete sehr -zurücktreten und erst etwas südlich und östlich desselben, wie im -Leinetale zwischen Eichenberg und Northeim, eine große Bedeutung -für den Aufbau des Untergrundes gewinnen. Sie besitzen dort die -mehr nordnordöstliche Richtung, die so charakteristisch für die -gesamte große Bruchzone ist, die vom Oberrheintale durch Wetterau und -Hessische Senke, durch das Leinetal und das westliche Randgebiet des -Harzes zur Norddeutschen Tiefebene nachweisbar ist. Nicht eigentlich -»rheinisch« ist aber das Eggegebirge gerichtet, wo vielmehr das -Generalstreichen der Schichten und Dislokationen nordnord¯west¯lich -geht; das Eggegebirge hat aber damit eine Mittelrichtung zwischen -der typisch herzynischen (Südost-Nordwest) und typisch rheinischen -(Südsüdwest-Nordnordost) Richtung und ist auch das Ergebnis von -Gebirgsbildungen in beiderlei Sinne. Indem sich aber der Einfluß der -Gebirgsbildung im rheinischen Sinne am Teutoburger Walde von Süden -nach Norden verschwächt, gewinnt die herzynische (nordwestliche) die -Überhand und bestimmt schließlich allein den Verlauf des Osnings. - -Der Überblick über den ziemlich komplizierten Aufbau des -Weserberglandes wird durch die Verfolgung der geologischen Achsen -erleichtert, d. h. derjenigen Linien, entlang denen eine besonders hohe -Heraushebung der Schichten erfolgt ist. Wir beginnen im Nordwesten, im -Gebiete von Osning und Wiehengebirge. - -[Sidenote: Der Osning.] - -Der Osning ist der nördliche, die nordwestliche Richtung befolgende -Teil des Teutoburger Waldes, des Randgebirges der Westfälischen -Kreidemulde. Während die Kreideschichten aber an der Egge, dem -südlichen Teutoburger Walde, flach liegen und höchstens unter 7 bis 9° -nach Westen, d. h. zum Innern der Mulde, geneigt sind, bildet am Osning -die steile Aufrichtung der Kreideschichten die Regel, und weithin sind -sie sogar überkippt, so daß älteres über jüngerem liegt, wie in dem -Quertale von Brackwede-Bielefeld zu beobachten ist. Eine erhebliche -Breite besitzt der Teutoburger Wald in seinem südlichen Teile, aber -in dem Maße, wie bei steilerer Schichtenstellung der Ausstrich der -festen Kreideschichten sich nach Nordwesten zu verschmälert, verringert -sich auch die Breite des Gebirges, das endlich zu dem schmalen Zuge -des Osnings wird. Nahe an die Kreide des Osnings, von ihr nur durch -schmale Streifen von Jura oder Keuper getrennt, treten Röt und -Muschelkalk heran, sind aber im Gegensatze zu den steilgestellten -Schichten der Kreide ziemlich flach gelagert und fallen mit schwacher -Neigung nach Norden ein, wo sie von Keuper und Jura überdeckt werden -(Abb. 10). Im großen und ganzen ist der Osning ein Sattel, aber -ein solcher mit derartig tief entlang der Sattelspalte oder einem -System von Staffelbrüchen versenktem Südflügel, daß die Kreide in -das Niveau der älteren Trias des Nordflügels gelangte. Abbildung -10 gibt davon ein schematisches Bild, dem etwa die Gegend östlich -Bielefeld zugrunde liegt; in ihm sind zur Vereinfachung der Darstellung -die Zwischenstaffeln zwischen oberem Buntsandstein und Kreide -fortgelassen. Die westfälische Kreidemulde erweist sich gegenüber -den Triasschichten des Osnings als ein Senkungsfeld großartigen -Maßstabes, und der Nordrand dieses Senkungsfeldes fällt zusammen mit -dem »Osningabbruch« entlang der »Osningachse«, der am ganzen Osning -zu verfolgenden Hebungslinie dieses Gebirges (Abb. 11). Der Druck, -der das Gebirge schuf, kam von Süden, und das Rückland, d. h. der der -Druckrichtung zugewandte Teil des Osningsattels ging in die Tiefe, -wobei sich die sinkenden[A] Schichttafeln beim Abgleiten entlang der -stehenbleibenden[2] Masse des Nordflügels an ihrem äußersten Rande -bis zur Überkippung aufrichteten und die Osningspalte weithin unter -Fortwirkung des horizontalen Druckes zur Osning-Überschiebung wurde. -Wir haben hier jenen Fall des Zusammenwirkens vertikalen Absinkens -und horizontalen Druckes bei sinkendem Rücklande, den E. Sueß als -»Rückfaltung« bezeichnet hat. - -[2] Vergl. Anmerkung Seite 7. - -[Illustration: Abb. 10. Schematisches Profil des Osnings (unter -Fortlassung der Zwischenstaffeln zwischen Kreide und Buntsandstein).] - -[Illustration: Abb. 11. Die Hebungslinien des Teutoburger Waldes. -Maßstab 1 : 1500000.] - -[Illustration: Abb. 12. Der Teutoburger Wald bei Detmold. Der vordere -Bergzug besteht aus Muschelkalk und enthält die »Osning-Achse«, der -hintere (Grotenburg mit Hermannsdenkmal) aus Kreide. - -Nach einer Photographie von H. Stille 1908.] - -Wenn sich nun auch das tektonische Bild des Osnings, wie es in -Abbildung 10 aus der Gegend östlich Bielefeld gegeben ist, in der -verschiedensten Weise modifiziert, so bleibt doch als etwas Konstantes -und Schritt für Schritt zu Verfolgendes die Heraushebung nach einer -herzynisch gerichteten, vielfach aufgerissenen Sattellinie, der -Osningachse, bestehen, und auch die paläozoischen Horste des Hüggels -und der Ibbenbürener Bergplatte sind an diese Achse gebunden. Bis -etwa bei Detmold liegt sie ganz nahe am Rande der westfälischen -Kreide, rückt dann aber etwas von ihr ab. In Abbildung 12 bilden -jenseits der Stadt Detmold die nach der Osningachse aufgewölbten -Muschelkalkschichten den ersten Bergzug, jenseits dessen die das -Hermannsdenkmal tragende Kreidekette sichtbar wird. Weiterhin ist -die Achse vom Verfasser bis in das Vorland des Eggegebirges östlich -von Driburg verfolgt worden, wo bei Herste diese bedeutendste aller -Hebungslinien des Wesergebirgslandes in einem flachen Sattel von Röt -und Wellenkalk ausklingt. Hier, wie weiter nördlich bei Hermannsborn, -Vinsebeck und in gewissem Sinne auch bei Meinberg, sind an das -Sprungsystem entlang der Achse Austritte von Kohlensäure gebunden. Bei -Herste verwehren die undurchlässigen Rötschichten der Kohlensäure den -Austritt, soweit nicht natürliche Spalten oder künstliche Bohrlöcher -die Verbindung zur Tiefe schaffen. Abbildung 13 zeigt uns einen der -erbohrten Kohlensäuresprudel der Firma Rommenhöller A.-G. zu Herste, -der beim Aufsteigen Wasser mit sich aus der Tiefe emporreißt. - -[Illustration: Abb. 13. Kohlensäuresprudel der Firma Rommenhöller A.-G. -bei Herste. - -Nach einer Photographie von Otto Liebert in Holzminden.] - -[Illustration: Abb. 14. Profil durch Falkenhagener Liasgraben und -Köterberg. Maßstab 1 : 40000. (Zu Seite 18.)] - -[Sidenote: Das Wiehengebirge.] - -Auf den Röt und Muschelkalk am Nordflügel des Osningsattels legen sich -nördlich Bielefeld die Schichten des Keupers, Lias, Doggers und Malms, -und nur unbedeutende Störungen und Auffaltungen modifizieren lokal -das Bild einer normalen Schichtfolge vom Osning zum Wiehengebirge. -Letzteres verdankt seinen Charakter als Gebirge allein der hohen -Widerstandsfähigkeit der Weißjura- und einzelner Braunjuraschichten -gegen die im Gebiete des Lias und Keupers tief eingreifende Denudation. -Das Wiehengebirge ist somit ein »Schichtstufengebirge« am Nordflügel -des Osningsattels, kein tektonisch selbständiger Gebirgszug, und -auch ¯seine¯ Hebungslinie ist für einen Teil seiner Erstreckung die -Osningachse (Abb. 15). Weiter nordwestlich erscheinen aber nördlich der -Osningachse und parallel zu ihr zwei neue Achsen (Abb. 10), diejenige -des Holter Sattels und diejenige des Piesberges[3], so daß wir hier -zwischen der westfälischen Kreidemulde und dem Wiehengebirge nicht, -wie weiter südöstlich, nur die eine Hebungslinie, die Osningachse, -sondern deren drei haben, die sämtlich herzynisch gerichtet sind, und -von denen die Piesbergachse als die nördlichste zur Hebungslinie des -Wiehengebirges wird. Vom Karbon des Piesberges liegt bis zum Weißen -Jura des Wiehengebirges eine einigermaßen ununterbrochene Folge -nördlich einfallender Schichten, den Nordflügel des Piesbergsattels -bildend. Eine etwas spießeckig gerichtete Verwerfung schneidet diese -Schichten nach Westen ab, und zwar den Weißen Jura bei Neuenkirchen, -und damit endigt das durch die Widerstandsfähigkeit der Juraschichten -bedingte Wiehengebirge. - -[3] Den Angaben über die Piesbergachse und die Endigung des -Wiehengebirges liegen die Untersuchungen E. Haarmanns zugrunde. - -[Sidenote: Eggegebirge. Lippische Keupermulde.] - -Parallel zur Osningachse und südlich von ihr liegen nun im stark -gestörten Vorlande des Eggegebirges weitere Hebungslinien, und alle -diese verschwinden nach Westen unter der Kreide des Eggegebirges und -Lippischen Waldes (Abb. 10); an der Egge hat die Kreide keinen Anteil -an der Aufwölbung nach den Achsen, sondern legt sich diskordant über -die aufgefalteten und gegeneinander verschobenen Schollen hinweg. - -Wir haben am Eggegebirge den infolge der Widerstandsfähigkeit der -Schichten als Gebirgswall aufragenden östlichen Denudationsrand der -westfälischen Kreide, die hier flach und ungestört liegt. Die Faltung -ist am Teutoburger Walde in vorcretacischer Zeit von Süden, dem Gebiete -der heutigen Egge, ausgegangen und in postcretacischer (tertiärer) -Zeit, teilweise vielleicht auch schon in spätcretacischer Zeit nach -Norden, zum Osning, vorgerückt. - -[Illustration: Abb. 15. Das Wiehengebirge als Schichtstufe auf dem -Nordflügel des Osning-Sattels. - -~Kr~ = Kreide. ~j_{3}~ = Malm. ~j_{2}~ = Dogger. ~j_{1}~ = Lias. ~Kp~ = -Keuper. ~m~ = Muschelkalk. ~bs~ = Buntsandstein. (Zu Seite 16.)] - -Im Gegensatz zu der Gestörtheit der Schichten am Teutoburger Walde -haben wir in dem weiten Gebiete zwischen diesem Gebirge und der -Weser recht regelmäßige Lagerungsverhältnisse. Den Hauptteil nimmt -die Lippische Keupermulde ein, aus der sich der in seinem Kerne -aus Buntsandstein bestehende Pyrmonter Sattel herauswölbt. Die -Verwerfungen, die in der Tiefe des Pyrmonter Talkessels aufsetzen, -sind in bezug auf Sprunghöhe zwar nicht bedeutend, aber insofern -höchst bemerkenswert, als an ihnen die Heilquellen des Bades zur -Tagesoberfläche gelangen. Im herzynischen Fortstreichen des Pyrmonter -Sattels wölbt sich ein Muschelkalksattel südöstlich Vlotho aus dem -Keuper empor, und weiterhin entfällt in das System der Störungen -entlang der »Pyrmonter Achse« ein von Vlotho bis Oeynhausen -verfolgbarer Sprung, welcher der in tiefen Schichten der Erdkruste -beheimateten Thermalsole des Bades Oeynhausen den Weg in höhere öffnet, -aus denen sie durch Bohrlöcher gewonnen wird. 10 ~km~ südwestlich -davon verläuft der »Quellsprung« des Bades Salzuflen, der Nordabbruch -der Herforder Liasmulde. Die Pyrmonter Achse (Abb. 9) ist eine -Parallelachse zu derjenigen des Osnings, und es wird noch festzustellen -sein, ob sie als die Fortsetzung der Piesbergachse jenseits eines -Gebietes mehr schwebender Lagerung gelten darf. Den südlichen Teil der -Lippischen Keupermulde durchzieht in nordwest-südöstlicher Richtung -von Polle bis fast zur Egge eine Zone eingesunkener Liasschichten, -die Falkenhagener Grabenzone. Sie verläuft etwas nördlich des -Köterberges, der auf der Höhe aus Oberem Keuper (Rhät) besteht, den wir -am Falkenhagener Graben tief versenkt unter dem Lias zu suchen haben. -Treppenförmig erfolgt dabei der Abbruch, wie in Abbildung 14 in der -Höhenlage des Rhäts am Bentberge zum Ausdrucke kommt. - -Nach Südosten folgen links der Weser zwischen Höxter und Holzminden -als Liegendes der sich allmählich heraushebenden Keupermulde die -Schichten des Muschelkalkes, die sich nach Westen in der Brakeler -Muschelkalkschwelle fortsetzen, und darunter endlich jenseits der -Weser die weit ausgedehnten Buntsandsteinschichten des Sollinger -Waldes, die hier vielfach durch grabenförmig versenkte Streifen von -Tertiärgebirge unterbrochen sind; an solche versenkten Streifen ist der -Braunkohlenbergbau des Sollings gebunden. - -[Sidenote: Die Gebirge rechts der Weser.] - -Die geologische Fortsetzung des Sollings nach Süden und gewissermaßen -nur ein von ihm durch das Wesertal abgetrennter Teil ist der -Reinhardswald. Nordöstlich des Sollings, teilweise zwar von ihm durch -die Liasversenkung des Einbeck-Markoldendorfer Beckens getrennt, -verläuft ein Zug in sich sattelförmig angeordneter und an Verwerfungen -gegenüber den Nachbargebieten herausgehobener Buntsandsteinschichten, -der die Bergzüge des Elfas, Homburgwaldes und Voglers zusammensetzt. -Wir finden in ihm eine wichtige Hebungslinie des Wesergebirgslandes, -die wir nach der in sie entfallenden Antiklinale des Elfas als die -»Elfasachse« bezeichnen können und an der im Gebiete der Homburg sogar -Zechsteinschichten die Tagesoberfläche erreichen. Gegen die entlang -dieser Achse aufragenden alten Schichten liegt nach Feststellungen von -O. Grupe der Solling an einer herzynischen Bruchzone abgesunken. Eine -Hebungslinie von gleicher tektonischer Bedeutung, die »Leinetalachse«, -folgt dem Leinetale zwischen Elze und Groß-Freden und bringt dort die -Kalisalze des Zechsteins in abbauwürdige Teufen. Zwischen der Elfas- -und der Leinetalachse liegt mit gleichfalls herzynischem Streichen das -aus Jura- und Kreideschichten zusammengesetzte tektonische Senkungsfeld -der Hilsmulde. Scharf hebt sich in ihr der Weiße Jura heraus, der am -Südwestflügel den Ith, am Nordostflügel den Kahnstein, Thüster Berg, -Duinger Berg und Selter zusammensetzt. Das Innere der Mulde bilden -Kreideschichten, die den hochaufragenden Bergzug des Hils bilden, nach -dem die ganze Mulde benannt ist. Vom Ith zur Weser bei Bodenwerder -durchwandern wir Keuper und Muschelkalk quer zu ihrem Streichen und -kreuzen die im Fortstreichen leicht verfolgbaren Rücken der festen -Schichten, zunächst denjenigen des Rhäts, der zur Hasselburg und zum -Schecken (Obensburg) bei Hameln führt, und danach denjenigen des -Muschelkalkes. Zwischen dem aus Buntsandstein bestehenden Vogler und -dem Muschelkalkzuge bilden die mürben Schichten des Röts, zwischen -dem Muschelkalk- und dem Rhätzuge diejenigen des Mittleren Keupers -und zwischen Rhätzug und Ith diejenigen des Unteren und Mittleren -Juras herzynisch streichende Einsenkungen. Den Gegenflügel des -Muschelkalkzuges im Vorlande des Iths finden wir zwischen Kahnstein und -Leine in dem Bergzuge des Külf. - -Abbildung 6 auf Seite 10 zeigt ein Profil durch die Bergzüge zwischen -dem Nordende der Hilsmulde und der Hannoverschen Tiefebene. Im großen -und ganzen haben wir einen Sattel, dessen Kern im Tale von Springe -liegt und dessen Flügel vom Deister einerseits, vom Saupark und -Nesselberg anderseits gebildet werden. Die miteinander verschmelzenden -Bergzüge des Osterwaldes, Sauparks und Nesselberges gehören tektonisch -eng zusammen und bilden eine in sich stark zerrüttete Mulde von -Wealden und Juraschichten, von der allerdings im nördlichen Teile der -Westflügel durch die in Abbildung 6 angedeutete Verwerfung teilweise -abgeschnitten ist. - -Die am südöstlichen Deister noch fehlenden Münder Mergel stellen -sich etwa in der Höhe von Springe ein und schwellen nach Westen und -Nordwesten stark an, wo aus ihnen in den Salinen von Münder und -Sooldorf Sole gewonnen wird. Der nordwestliche Teil des kleinen -Deistergebirges besteht in der Hauptmasse aus nordwärts fallenden -Schichten des Wealden, und in dem Maße, wie der feste Wealdensandstein -nach Bad Nenndorf zu an Mächtigkeit verliert, verringert sich auch -die Höhe des Gebirges, wobei allerdings noch allerlei Störungen -eine Rolle spielen. Eine schmale Niederung trennt bei Nenndorf das -Nordwestende des Deisters von dem Nordostende der Bückeberge, die -in diesem äußersten Teile den Namen Heisterberg führen, und Deister -und Heisterberg ordnen sich mit ihren Schichten symmetrisch zu -einer nord-südlich gerichteten Achse derart, daß wir sie als stark -divergierende Flügel eines Sattels ansprechen können. Diese Achse -nimmt im Fortstreichen die herzynische Richtung, die der Deister in -seiner ganzen Länge befolgt und die auch von den Bückebergen weiter -östlich eingeschlagen wird, und die abweichende Richtung der östlichen -Bückeberge beruht auf rein lokaler Ausbiegung der Schichten inmitten -eines im übrigen herzynischen Sattelsystems. - -Wir sahen bereits, daß die Bückeberge eine durch die -Widerstandsfähigkeit der Wealdensandsteine bedingte Gebirgsschwelle im -Hangenden des Juras der Wesergebirgskette und des südlich der Weser -sich heraushebenden Keupers sind (Abb. 4). Die Wesergebirgskette -führt nach Osten zum Süntel, und zwar bilden die Weißjuraschichten im -Fortstreichen der Weserkette, wie neuerdings E. Scholz im einzelnen -untersucht hat, den Südflügel der Süntel-Synklinale, deren Inneres im -östlichen Teile des kleinen Gebirges neben gering ausgedehntem Neokom -die im großen und ganzen die Form eines Hufeisens beschreibenden -Schichten des Wealden einnehmen, die den Untergrund der höchsten -Erhebungen des Süntels bilden. - - - - -~III.~ Klima und Gewässer. - - -[Sidenote: Klima.] - -Das Klima des Weserberglandes ist als ein gemäßigtes zu bezeichnen. -Die mittlere Jahrestemperatur in den Haupttälern bis zum Oberlauf der -Flüsse beträgt wie im nördlich vorgelagerten Flachlande über 8° ~C~, -während sie auf den Höhen auf 6° sinkt. Die Verteilung der Wärme auf -die vier Jahreszeiten ist aber wesentlich anders als im Flachlande. -Der Januar zeigt bis Münden hinauf in den Tälern einen mittleren Stand -von 0°, auf den Höhen von -1°, ist also kälter als an der Küste, -wo das Meer erwärmend wirkt, und wärmer als auf den benachbarten -Mittelgebirgen, Harz, Rhön, Thüringer Wald mit -3 bis -4°. Im April -dagegen übertrifft die Mitteltemperatur der Gebirgstäler die des -Flachlandes, da der höhere Sonnenstand im Süden sich bereits bemerkbar -macht, während in größerer Seenähe das noch winterlich kalte Meerwasser -die Lufttemperatur ungünstig beeinflußt. Es steht in dieser Jahreszeit -der Küstentemperatur von etwa 7° eine solche von 8° in den Tälern des -oberen Wesergebietes gegenüber. Die Höhen freilich haben auch dann -im Mittel nur 5 bis 6°, übertreffen aber immerhin noch die Rhön mit -3°, den Thüringer Wald mit 2° und den Brocken mit 0,5°. Im Juli haben -die Täler des Hügellandes ungefähr die gleiche Temperatur wie das -Flachland, nämlich 17 bis 18°, da die entgegengesetzte Wirkung des -höheren Sonnenstandes im Süden und der absolut höheren Lage einander -aufheben. In größeren Höhen zeigt sich dagegen schnelle Abnahme der -Temperatur, auf den 300 bis 500 ~m~ hohen Weserbergen bis zu 15° -(vergleiche Rhön 13°, Kamm des Thüringer Waldes 12°, Brocken 11°). Der -Oktober endlich weist ähnliche Zahlen auf wie der Jahresdurchschnitt. - -[Sidenote: Temperatur und Niederschläge.] - -Die Zunahme und Abnahme der Temperatur erfolgt nicht gleichmäßig von -Monat zu Monat. Die rascheste Steigerung erfolgt um 4 bis 5° vom April -zum Mai, der stärkste Absturz vom Oktober zum November; langsam dagegen -(etwa um 1°) ist die Temperaturabnahme vom Juli zum August und vom -Dezember zum Januar, ebenso langsam die Zunahme vom Januar zum Februar. - -Nennen wir Winter die Zeit, in der die mittlere Tagestemperatur im -Durchschnitt der Jahre unter den Gefrierpunkt sinkt, so ist dessen -Dauer in den Niederungen unseres Gebietes auf zwei bis vier Wochen zu -veranschlagen. Auf den Höhen dauert er dagegen von Anfang Dezember bis -Ende Februar. Zum Vergleich diene die Bemerkung, daß das Flachland -am Unterlauf der Weser keinen Winter im angegebenen Sinne kennt, daß -dagegen auf der Rhön von Mitte November bis Mitte März Winter herrscht -und auf dem Brocken gar fünf Monate lang. - -[Illustration: Abb. 16. Buchenhochwald am Blümer Berg bei Münden. (Zu -Seite 31.)] - -[Sidenote: Niederschläge.] - -Im allgemeinen haben die höher gelegenen Orte die größere jährliche -Niederschlagsmenge, da das Aufsteigen der feuchten Luftschichten in -höhere und kältere Lagen eine Verdichtung der Wasserdämpfe und somit -den bekannten Steigungsregen bewirkt. Zu berücksichtigen ist aber -außer der Höhe eines Ortes die Frage, ob er an der Windseite (d. h. -in unserem Klima Westseite) des benachbarten Gebirges oder auf der -dem Winde abgewandten Ostseite liegt. Auf letzterer ist nie so viel -Niederschlag. Überhaupt verliert die vom Meere hereinströmende Luft -auf ihrem Wege landeinwärts immer mehr von ihrer Feuchtigkeit, so daß -Orte von gleicher Meereshöhe im Westen mehr Niederschlag haben als im -Osten. So findet man beispielsweise am Wiehengebirge und am Teutoburger -Wald bereits bei 70 ~m~ Seehöhe eine Niederschlagsmenge von 700 ~mm~, -während man, um diese anzutreffen, im Solling bis zu 175 ~m~, im -Harz bis zu 200 ~m~ hinaufsteigen muß. Über 1 ~m~ Jahresniederschlag -zeigen nur einzelne hochgelegene Stellen des Teutoburger Waldes und -des Eggegebirges, auf 900 bis 1000 ~mm~ kommen die Höhen des Sollings, -Hilses, Iths und Süntels, ferner der Köterberg und weitere Teile des -Teutoburger Waldes; viel größere Flächen nimmt die Zone von 800 bis -900 ~mm~ ein, während die im Schutze höherer Berge liegenden Täler und -Abhänge die Stufen von 600 bis 800 ~mm~ ausfüllen. - -[Illustration: Abb. 17. Eibenruine bei Freudental unweit Münden. (Zu -Seite 28.)] - -Der regenreichste Monat ist überall der Juli mit 11 bis 13% der -Jahresmenge, die feuchteste Jahreszeit der Sommer. Diese hat in den -Tälern des Südens 34-38 vom Hundert der gesamten Jahresmenge an Regen. -Je höher aber die Orte liegen, desto mehr bekommen auch die anderen -Jahreszeiten ihren Anteil an der Niederschlagsmenge, so daß auf dem -Solling -- ähnlich wie auf dem Oberharz -- bereits die Winterregen -überwiegen. - -Die Zahl der Niederschlagstage beträgt in den Tälern etwa 150 fürs -Jahr; auf den Höhen ist sie größer. Zum Vergleich diene es, daß -Hannover nur 137, Cassel 149, Osnabrück dagegen 164 und Schießhaus im -Solling 173 Niederschlagstage haben. Innerhalb eines Monats geht die -durchschnittliche Zahl nicht über 18 hinauf und nicht unter 10 herunter. - -[Illustration: §. Abb. 18. Der Meiler ist »holtrei«. Aus dem Solling. -(Zu Seite 34.)] - -Wollte man aus der Verteilung der Niederschläge in den einzelnen -Monaten und Jahreszeiten unmittelbar auf die in den Bächen und Flüssen -jeweilig zu Tal beförderte Wassermenge schließen, so würde man sich -gewaltig täuschen. Es darf nicht außer acht gelassen werden, daß die -Zeiten des stärksten Niederschlages infolge ihrer hohen Temperaturen -auch die Zeiten der stärksten Verdunstung sind. Infolgedessen versiegen -besonders auf Kalkboden und auf spaltenreichem Sandstein, wo das Wasser -zu unterirdischem Abfluß neigt, die Bäche im Sommer oft ganz und gar, -wie z. B. mit ihren bezeichnenden Namen die Durrbeke bei Altenbeken -und die Dürre Holzminde im Solling; und die Weser selbst hat leider -ihren niedrigsten Wasserstand gerade zu der Zeit, wo sonst für die -Schiffahrt die Bedingungen am günstigsten liegen. Größere Wassermengen, -ja Überschwemmungen bringt mildes Winter- und Frühlingswetter, wenn die -aufgespeicherten Feuchtigkeitsvorräte infolge der Schneeschmelze zu -Tale eilen. Waren früher in den flacheren Talabschnitten die Hochwässer -sehr gefürchtet und für den Verkehr störend, so haben sie seit der -besseren Regulierung des Flußlaufes, der Vertiefung des Bettes, -der Erweiterung der Durchlässe usw. das meiste von ihren Schrecken -verloren. Hochwasserkatastrophen wie die vom Februar 1909 gehören -jedenfalls zu den Seltenheiten. - -[Illustration: §. Abb. 19. Köhlerhütte im Vogler. (Zu Seite 34.)] - -[Sidenote: Die Weser.] - -Wenn die Weser bei Münden in unser Gebiet eintritt, hat sie eigentlich -bereits zwei Fünftel ihres ganzen Weges und fast drei Fünftel ihres -in das Gebirgsland fallenden Laufes hinter sich. Denn wir werden die -Werra als das oberste Stück der Weser anzusprechen haben. Zwar hat die -Fulda ein um ein Viertel größeres Niederschlagsgebiet als die Werra und -besitzt in der Eder nebst der Schwalm Zuflüsse von einer Bedeutung, -wie sie der Werra fehlen; dafür steht sie aber an Lauflänge hinter -der Werra in dem Verhältnis von drei zu vier zurück. Spricht ferner -zugunsten der Fulda die Abflußmenge, die unter normalen Verhältnissen -der der Werra mindestens gleich kommt, bei Hochwasser aber sie bei -weitem übertrifft, so könnte man für die Werra die gleiche Laufrichtung -und den gleichen Charakter als Waldgebirgsstrom anführen, während -die Fulda abgesehen von dem untersten Teile ihre eigene Physiognomie -hat als Abfluß eines sanft welligen, offenen Hügellandes. Dieser -Eindruck muß sich schon unseren Altvordern aufgezwungen haben. Sonst -hätten sie nicht dem von der Rhön herabkommenden Fluß eine eigene -Bezeichnung gegeben und hätten nicht das Kind des Thüringer Waldes -mit dem Namen des Hauptstromes benannt. Dies ist aber tatsächlich -geschehen. Denn den Formen »Werra« und »Weser« liegt bekanntlich die -gleiche Urform »Wisar-Aha«, d. h. Westfluß, zugrunde, die durch eine -nicht ungewöhnliche Angleichung des ~S~ an ~R~ im mitteldeutschen -Sprachgebiet zu »Wirraha« und weiter zu »Werra« wurde, während die -niederdeutschen Anwohner das ~S~ erhielten und den Namen nur zu -»Wesera« und »Weser« verkürzten. Wenn man daher nicht, wie frühere -Zeiten es taten, jeden der beiden Namen in Bezug auf den ganzen Strom -beziehen und den einen oder den anderen anwenden will, je nachdem -man eben hochdeutsch oder plattdeutsch spricht, dann müßte man die -niedersächsische Benennung schon von der Sprachgrenze an abwärts -gebrauchen und so das Stück des Flusses von oberhalb Hedemünden bis zum -Einfluß der Fulda bereits der Weser zurechnen. - -[Illustration: §. Abb. 20. Köhler im Solling auf dem brennenden Meiler. -(Zu Seite 34.)] - -Das Tal von Münden bis Minden zeigt einen regelmäßigen Wechsel -zwischen engen, gewundenen Schluchten und breiten, mehr gradlinig oder -flachbogig verlaufenden Niederungen. Dieser Wechsel hängt mit der -geologischen Beschaffenheit des Geländes insofern zusammen, als der -Fluß in den Tälern der letzteren Art im allgemeinen auf Gesteinsgrenzen -dahinströmt, im anderen Falle aber seinen Weg durch ein und dieselbe -Formation hindurchbricht, und zwar nacheinander durch Buntsandstein, -Muschelkalk, Keuper und Jura. Auf diese Weise entstehen sieben -Stromabschnitte, von denen die ersten vier annähernd gleiche Länge -haben, nämlich rund je 40 bis 45 ~km~, die letzten drei jedoch zusammen -nur halb so lang sind als jedes der ersten. - -[Illustration: §. Abb. 21. Köhler im Solling beim Verpacken fertiger -Kohlen. (Zu Seite 35.)] - -Im obersten Abschnitte fließt die Weser von Münden bis Herstelle in -enger Spalte durch Buntsandstein, von dort auf der Grenze zwischen den -beiden ältesten Gliedern der Trias bis zur Mündung des Forstbaches -in ziemlich breitem Tale. Bei der Domäne Forst tritt sie in das -Muschelkalkplateau ein, das sie wiederum in engem Tale durchbricht. -Bei Ohsen beginnt der vierte Talabschnitt, den wir bis zu dem -lippischen Dorfe Erder rechnen können, und der abgesehen von der etwas -schmaleren Stelle bei Hameln wieder recht breit ist. Er scheidet -diesmal die jurassische Weserkette von den Keuperbergen Lippes. Dann -folgt von Erder bis Rehme der Durchbruch durch das Keupergebirge; -von Rehme bis Hausberge strömt die Weser zwischen der Weserkette und -bedeutenden Diluvialablagerungen in breitem Tale ostwärts, und endlich --- das wäre der siebente Abschnitt -- durchbricht sie in der Porta das -Wesergebirge. - -Auf diesem Lauf hat die Weser bei einer Luftlinien-Entfernung von etwa -105 ~km~ einen Weg von 204 ~km~ zurücklegt und ist dabei um 79 ~m~ -gefallen, d. h. durchschnittlich 387 ‰ oder 1 : 2584, wobei natürlich -der Oberlauf im allgemeinen ein stärkeres Gefälle aufweist als die -unteren Strecken. - -[Illustration: Abb. 22. Sattelmeierhof Nordhof bei Enger. (Zu Seite -45.)] - -Stromspaltungen sind im Weserlauf äußerst selten und, wo sie -vorkommen, durch Ablagerungen schwerer Geschiebe veranlaßt, die -entweder unmittelbarer von den Talwänden oder durch Vermittlung von -Nebenbächen dem Strombett zugeführt wurden. Meist hat man sie künstlich -beseitigt. Nur bei Hameln und Bodenwerder besteht noch eine wirkliche -Insel. Vorübergehend treten Teilungen des Flusses bei Hochwasser ein, -dessen Flutrinnen an einigen Orten »Alte Weser« genannt werden und in -einzelnen Fällen wirklich ehemaligen Flußbetten entsprechen mögen. -Die Breite des Stromes, von Uferbord zu Uferbord gemessen, beträgt -oberhalb Carlshafen durchschnittlich 100, unterhalb 120 bis 140 ~m~. -Die Spiegelbreite schwankt naturgemäß und bleibt bei Mittelwasser um -etwa 30 ~m~ hinter jener zurück. Ebenso verschieden ist nach Ort und -Zeit die Tiefe des Flusses. Wo künstliche Ausbaggerung des Bettes nötig -war, auf den sogenannten »Köpfen«, d. h. Schwellungen des natürlichen -Untergrundes, begnügt man sich mit einer 25 ~m~ breiten Fahrrinne, die -vorschriftsmäßig bei niedrigstem Wasserstande oberhalb Carlshafen -80 ~cm~, unterhalb aber 1 ~m~ tief sein soll. An günstigen Stellen ist -die Tiefe selbst bei Niedrigwasser etwas größer, bei Mittelwasser aber --- abgesehen von einzelnen noch mehr bevorzugten Stellen -- 2 ~m~ und -darüber. - -[Sidenote: Weserzuflüsse.] - -Ihre Zuflüsse erhält die Weser während ihres Laufes durch das Hügelland -hauptsächlich von links, da rechts die Wasserscheide gegen die Leine -und später gegen die Aue und andere Flachlandsbäche zu nahe liegt. -So sind denn selbst die größten der von rechts mündenden Bäche, wie -die Schwülme vom Dransfelder Höhenland, die Lenne aus der Hilsmulde -und die Hamel vom Süntel ohne größere Bedeutung. Demgegenüber wären -links zu nennen die Diemel, die von den Höhen des Sauerlandes mit -beträchtlichem Gefälle herabkommt und in ihrem Mündungsgebiete bei -Carlshafen früher ernstlich als Schiffahrtsstraße in Betracht genommen -werden konnte, ferner die Neihe, die Emmer, die Humme und die Exter, -sowie endlich die Werre, welche zusammen mit ihren Zuflüssen Else und -Bega ein beträchtliches Stück des Lippischen und Ravensbergischen -Hügellandes entwässert. Bekanntlich steht die Else in ihrem obersten -Laufstück bei Gesmold in einer natürlich entstandenen, aber künstlich -geregelten Verbindung mit der Hase, die ein Drittel ihres Wassers an -die Else abgibt, während der Rest ihr selbst verbleibt und später der -Ems zufließt. Das ist die berühmte Hase-Bifurkation, für welche die -Anwohner das hübsche Wort Twielbiäke (Zwieselbach) verwenden. - -[Illustration: §. Abb. 23. Fränkisches Gehöft in Niederscheden bei -Münden. (Zu Seite 44.)] - -Erwähnt mag noch werden, daß ein Teil unseres Hügellandes im Osten und -Nordosten zur Leine, im Norden zur Hunte und somit nur mittelbar zur -Weser entwässert; die West- und Südwesthänge des Egge-Osning-Zuges -dagegen senden ihre Niederschlagswässer teils zur Lippe und somit zum -Rhein, teils zur Ems. Auf der Hochfläche von Hartröhren im Teutoburger -Wald, unfern vom Hermannsdenkmal, befindet sich der »hydrographische -Knotenpunkt«, bei dem das Gebiet der Weser mit dem der Ems und des -Rheines zusammenstößt. Und wahrlich, man hat den Eindruck, als ob hier -für alle drei Flüsse genug Wassers vom Himmel herunterströmte, wenn man -hört, daß der Hartröhrer Förster im Jahresmittel 1042 ~mm~ und im Jahre -1894 gar 1159 ~mm~ Niederschläge gemessen hat. - - - - -~IV.~ Der Wald. - - -Wenn wir in dem folgenden Abschnitt über die Pflanzendecke unseres -Gebietes handeln wollen, so betreten wir damit bereits die Grenze -zwischen physikalischer und Anthropogeographie. Denn die heutige -Vegetation ist ja nur zu einem Teile ein Ergebnis natürlicher -Bedingungen, und neben, wenn nicht gar vor sie, tritt als bestimmende -Macht der Mensch. Er weist nicht nur der einzelnen Pflanze und ganzen -Gruppen Wohnplätze an und verbannt sie von anderen, sondern er läßt -auch ganze Familien von Gewächsen aus einem Lande verschwinden und -einwandernden Fremdlingen Platz machen. Wie schnell sich solch ein -Wechsel selbst innerhalb eines Menschenlebens vollzieht, diese -Beobachtung stimmte schon vor 700 Jahren den edlen Sänger Walter von -der Vogelweide elegisch, da er als bejahrter Mann in seine Heimat -zurückkehrte. Klagend rief er aus: - - Wo einst im tiefen Dunkel gerauscht der Tannenwald, - Da wogen goldne Ähren, Kornblumen nicken drin -- - Nur du, geliebtes Wasser, strömst noch wie sonst dahin. (Samhaber.) - -[Illustration: Abb. 24. Hof in Kalkriese bei Engter (Osnabrück). -Eigentümer: Hofbesitzer W. Fisse-Niewedde. (Zu Seite 45.)] - -[Sidenote: Wandel im Landschaftsbild.] - -Wer nach langer Abwesenheit in das Weserbergland zurückkehrt, wird -dieselben Beobachtungen machen; ja oft wird er nicht einmal die -alten Wasserläufe wiederfinden, sondern statt der sich schlängelnden -Bäche »begradigte« Gräben. Mit dem murmelnden Quell aber ist manch -liebliches Blümlein der Verkoppelung zum Opfer gefallen. Die stärkere -Ausnutzung jedes Fleckchens Erde, die Pflasterung oder Beschotterung -der Wege, das Aufräumen wüster Winkel hat die sogenannte Ruderalflora -der Straßenränder, Dungstätten und Schutthaufen dem Untergange -geweiht. Die aus Eichen und Buchen bestehenden Büsche, die besonders -im Osnabrückischen und auch sonst in Westfalen zwischen den Feldern -eingesprengt sind und dem ganzen Bezirk den Charakter eines Waldlandes -geben, obgleich der Anteil des Gehölzes an der Bodenbedeckung -verhältnismäßig nicht so groß ist, schwinden mehr und mehr (Abb. 101). -Ebenso ergeht es vielfach in Westfalen den hohen Wallhecken, die neben -Buche und Eiche auch Weißdorn- und Haselnußsträucher enthalten, und -die »Kämpe« wandeln sich in offenes Feld um. Die Gemeindeänger sind -verschwunden und zu Acker gemacht. Von den alten Waldbäumen ist die -Eibe nahezu ausgerottet, und die wenigen noch wild wachsenden Exemplare -werden als »Naturdenkmäler« gezeigt (Abb. 17 und 81). Der Wald ist aus -der Tiefe der Täler fast ganz verbannt. In wesentlich höhere Lagen -sind stellenweise die Felder emporgestiegen; aber weder das zarte -Blau der Leinblüte, noch das üppige Goldgelb des Rapses schmückt -mehr die Hänge und die Talbreiten. Vorbei auch sind die Zeiten, in -denen »der Pappeln stolze Geschlechter in geordnetem Pomp vornehm und -prächtig daherzogen«. Die Pyramidenpappel, übrigens auch ein Fremdling, -ein Kind des sonnigen Welschlandes, hat an unseren Heerstraßen dem -unscheinbaren, aber nahrhaften Apfelbaum weichen müssen, weil man ihren -ungünstigen Einfluß auf die angrenzenden Felder erkannt hat, denen sie -mit ihren weitverzweigten Wurzeln die Nahrung entzieht. Anderseits aber -hat auch mit der Einschränkung der Hausschlachtung und Hausbäckerei der -Bedarf an hölzernen Mulden und mit der Verbesserung der ländlichen Wege -der Bedarf an Holzschuhen nachgelassen, die man beide, besonders im -Schaumburgischen, aus ihrem weichen Holze heraushieb oder-schnitzte. - -[Illustration: §. Abb. 25. Diele in Sudenfeld, Kreis Iburg. (Zu Seite -45.)] - -[Sidenote: Die Landschaft im Lauf der Zeiten.] - -Die Berge selbst haben ebenfalls ihr Aussehen verändert. Und wenn wir -gelegentlich an Stelle einer Buchenkuppe, auf deren fein bis in die -Einzelheiten durchmodellierter Oberfläche tausend Lichter spielten, -eine ernst einförmige Fichtenpflanzung erblicken, so können wir uns in -die Empfindung einer Mutter hineinversetzen, die ihres Sohnes geliebtes -Lockenhaupt bei dessen Heimkehr aus der Fremde in einen modischen -»Stiftekopf« verwandelt sieht. - -Nicht alle diese Eingriffe in die natürlichen Verhältnisse haben sich -als zweckmäßig erwiesen. Manche hatten auch ungewollte und ungeahnte -Nachteile im Gefolge. Das Niederlegen der Hecken und Regulieren der -Bäche führte zur Austrocknung des Ackerbodens und beförderte die -Mäuseplage. Die Umwandlung von Wald in Feld brachte, wo der Boden zu -dürftig für den Körnerbau war, nicht die erhofften Erträge, und er -verarmte ganz und gar. Deshalb war es nötig, die Walddecke vielfach -wieder herzustellen und sich somit bis zu einem gewissen Grade den -ursprünglichen Verhältnissen wieder zu nähern. - -[Sidenote: Der Wald im Altertum und Mittelalter.] - -Als ganz vom Urwald bedeckt dürfen wir uns unsere Gegend nämlich -weder während der Anfänge menschlicher Besiedelung noch zu der Zeit -denken, in der die Römer -- aus dem sonnigen Italien kommend -- -ihre übertriebenen Schilderungen von »des Waldes Duster« machten. -Wie hätte ein solches Land Weide für das Vieh der nomadisierenden -ersten Bewohner, wie auch Acker für die seit dem ersten christlichen -Jahrhundert seßhaft werdenden Stämme liefern können? Ein Wechsel von -Gehölz und waldfreiem Boden wird stets vorhanden gewesen sein; doch hat -sich mehr und mehr das Verhältnis zuungunsten des Waldes verschoben. - -[Illustration: §. Abb. 26. Gehöft in Linnenbeke bei Vlotho. (Zu Seite -45.)] - -[Sidenote: Der Wald in der Neuzeit.] - -Neue Ansiedelungen, vor allem die durch christliche Missionare und -Klöster ins Leben gerufenen vor und nach Karl dem Großen, befriedigten -ihr Landbedürfnis durch Rodungen. Erst seit dem dreizehnten Jahrhundert -begegnen wir den ersten Anfängen von Maßnahmen zum Schutze des -Waldes. Im sechzehnten Jahrhundert finden wir im Osnabrückischen -die Vorschrift, daß auf jedem Hofe höchstens zwei Feuerstellen sein -durften, nämlich das Haus des Besitzers und die »Leibzucht«, in welcher -die Altenteiler wohnten. Auch war für Vollerben, Halberben und Kötter, -die verschiedenen Stufen bäuerlicher Besitzerwürde, je ein Höchstmaß -der Hausgröße vorgeschrieben, um den wertvollen »Obstbaum«, die für -die Schweinemast unentbehrliche Eiche, nicht unnötig zu dezimieren. -Später freilich räumte der Dreißigjährige Krieg grausam unter unseren -Wäldern auf. Wie sich die Heere rücksichtslos das Brenn- und Nutzholz -für ihre Zwecke holten, so konnten auch die Gemeinden die Forsten -nicht schonen, wenn sie Geld zur Aufbringung von Kontributionen nötig -hatten und nur durch rasche Befriedigung gestellter Forderungen ihre -Ortschaft vor Einäscherung zu bewahren vermochten. Als nach dem Kriege -die Volkszahl wieder stieg, sah man sich zur Hebung der Landwirtschaft -wieder auf den Wald angewiesen. Hier holte man Laub und Plaggen als -Streu, Gras und Kraut als Futtermittel, und hier ließ man auch das Vieh -weiden, wodurch die natürliche Verjüngung des Gehölzes fast unmöglich -wurde. So gab man den Wald, wenigstens als Hochwald, dem Untergange -preis. Kümmerlicher Mittel- oder Niederwald trat an seine Stelle. -Als die Marken im achtzehnten Jahrhundert aufgeteilt wurden, waren -vielfach die Parzellen überhaupt für eine verständige Wirtschaft zu -klein. Im Wiehengebirge und Osning liefen sie in schmalen Streifen über -Berg und Tal. Da obendrein noch »Heide und Weide« gemeinsam blieb, -war der Besitzer gar nicht in der Lage, sein Eigentum zu schützen, -und niedriger Busch oder gar Heide waren die letzten Reste einstiger -Pracht. Dieser Zustand hat sich dort auf weiten Strecken bis auf den -heutigen Tag erhalten. - -Günstiger liegen die Verhältnisse an der oberen Weser. Aber auch -hier hat der Wald seine Zeiten der Verwüstung durchgemacht, und -zwar aus ähnlichen Gründen. Dazu kam aber dort noch die übermäßige -Inanspruchnahme des Waldes durch die Pottasche-Siedereien für -Leinenbleiche und Glasfabrikation hinzu. Außerdem bot die Weser und die -Leine gute Gelegenheit zum Verflößen des Holzes, und auch das reizte -zum Abholzen. - -[Illustration: §. Abb. 27. Diele eines lippischen Zieglerhauses in -Heidelbeck. (Zu Seite 45.)] - -[Sidenote: Heutige Verteilung des Waldes.] - -Daß im neunzehnten Jahrhundert, welches fast gleichzeitig für die -Landwirtschaft wie für die Forstkultur den Anfang einer verständigen -und pfleglichen Behandlung der Natur bedeutet, die Wiederherstellung -des Waldes im Süden besser gelang als im Nordwesten, erklärt sich aus -den Besitzverhältnissen. Staats- und Gemeindebesitz zusammen umfaßt im -Oberweser- und Diemelgebiet rund vier Fünftel, im Werregebiet nicht -viel über ein Drittel, an der oberen und mittleren Ems und an der Hase -wenig über ein Achtel des gesamten Waldbestandes. Zum Aufforsten aber -sind natürlich langlebige Körperschaften besser befähigt als Private, -denen für mehrere Generationen ein Verzicht auf jeglichen Ertrag -zugemutet wird, wenn sie an Stelle auch noch so mageren Ackers oder -dürrer Weide Waldbäume pflanzen sollen. Der lästigen Nebenbenutzer des -Waldes entledigten sich Staat und Gemeinde durch Abfindungen, die auch -dann nicht als allzu drückend empfunden wurden, wenn sie, wie besonders -im Kreise Rinteln-Schaumburg, in Teilen des Waldes selbst bestanden, -die dann der Urbarmachung anheimfielen. - -[Illustration: §. Abb. 28. Gasthaus in Volksen bei Rinteln. (Zu Seite -45.)] - -Bei den Neuaufforstungen konnte man aber vielfach den alten Zustand -nicht ohne weiteres wieder herstellen. Der verarmte Boden war nicht -mehr imstande, Laubwald zu ernähren, und so mußte man denn die -genügsame Kiefer als Pionier des Baumwuchses voranschicken; meist aber -bot doch wenigstens die Fichte einen Ersatz für das entschwundene -Buchengrün, das bis zum sechzehnten Jahrhundert noch fast alle Höhen -überzog. Denn dieser herrliche Baum, dessen schlanke, silbergraue -Stämme die grünen Kreuzgewölbe des deutschen Waldes am stolzesten -tragen, gedeiht in unserem Klima vortrefflich auf allen Gesteinsarten -der mesozoischen Formationen (Abb. 16). Gesellt aber hat sich ihm, -wenn auch seltener in großen, geschlossenen Beständen, die Eiche, -der am höchsten geschätzte Nutzbaum unserer Altvordern, der in den -westfälischen Teilen unseres Gebietes früher stellenweise auch den -ersten Platz einnahm. In der »Bramwaldischen Relation« von 1666 -werden nur Buche und Eiche dort als waldbildend genannt. Ebenso stand -es im Solling, und der Reinhardswald war fast ausschließlich mit -Buchen bestanden, wogegen jetzt die Buche nur 45% des Waldbodens im -Oberwesergebiet innehat. - -[Illustration: §. Abb. 29. Motiv aus Exten bei Rinteln. (Zu Seite 54.)] - -Der Wiederkehr der alten Verhältnisse, die der Naturfreund mit Freuden -begrüßen würde, steht nämlich mancherlei im Wege. Nicht auf allen -Standorten leistet die Buche Genügendes, und die bequeme, schnell -wachsende Fichte liefert als treffliches Nutzholz dem Forstfiskus -Erträge, auf die er nicht verzichten kann. - -Der Anteil des Waldes an der Bodenbedeckung beträgt in dem -Oberwesergebiet von Münden bis zur Porta unter Ausschluß der zur -Diemel und Werre entwässernden Landesteile 35,3%, wobei aber bemerkt -sein mag, daß das rechte Weserufer waldreicher ist als das linke. Das -Diemelgebiet hat 31,2%, das Werregebiet dagegen 21,6 und das obere und -mittlere Emsgebiet nur 19,3%. Die entsprechenden Ziffern für Preußen -und das Deutsche Reich sind 23,7 und 25,9%. Als Hochwald werden im -Oberwesergebiet 96,8% bewirtschaftet, im Diemelgebiet 96,7%, im Werre- -und oberen und mittleren Emsgebiet nur 72,0 und 77,6%. Laubholz bedeckt -im Oberwesergebiet 77,9, im Diemelgebiet 75,6%, im Werregebiet 72,4, im -oberen und mittleren Emsgebiet 52,3% der Waldfläche. - -[Sidenote: Waldnutzung.] - -Als Kultur- und Wirtschaftselement hat der Wald früher eine größere -Bedeutung gehabt als jetzt. Ehe man die in den schwarzen Diamanten -unseres Landes, vor allem Westfalens, aufgespeicherten Kapitalien -an Energie erschlossen und die gerade in unserem Gebiete reichlich -vorhandenen unterirdischen Kaliablagerungen ans Tageslicht gezogen -hatte, war es der Wald, insbesondere der Buchenwald, welcher die für -manche Fabrikationszweige unentbehrlichen Stoffe, Kohle und Pottasche, -liefern mußte. In jedem ländlichen Haushalt gehörte noch vor dreißig -bis vierzig Jahren ein »Bükefaß« zum notwendigen Inventar; das war eine -große hölzerne Tonne, in der die Leinenwäsche mit Buchenaschenlauge -behandelt, d. h. »gebükt«, wurde. Dieses Bleichen mit dem aus der -Holzasche gewonnenen kohlensauren Kali wurde an einzelnen Orten -in größerem Stile gewerbsmäßig betrieben, so in Uslar am Solling -und in dem benachbarten Sohlingen, wo noch heute eine »Königliche -Musterbleiche« besteht, freilich mit einer inzwischen veränderten -Betriebsweise. - -[Illustration: Abb. 30. Bauernfamilie aus Meinsen bei Bückeburg. -Älterer Typus. (Zu Seite 54 bis 56.)] - -Große Massen Pottasche brauchten auch die Glashütten, deren es früher -in allen waldigen Teilen unseres Gebietes, am Solling, an der Egge, -am Bramwald, am Hils, am Deister und Bückeberg und an der Weserkette -zahlreiche gab und zum Teil auch noch gibt. Der Wald lieferte ihnen -außer Pottasche auch billiges Brennholz. Wie vieles Holz von ihnen -verbraucht wurde, kann man sich vorstellen, wenn man hört, daß die -kleine Glashütte Amelith im Solling in ihren blühendsten Zeiten -20000 ~kg~ Pottasche jährlich verwendet haben soll, und dabei bedenkt, -daß 1000 ~kg~ trockenen Holzes etwa 3 ~kg~ Asche und diese 3 ~kg~ Asche -etwa 1 ~kg~ Kali enthalten. - -[Illustration: Abb. 31. Bauernmädchen aus der Gegend von Nenndorf. Nach -einer Photographie von Gustav Kaulmann in Minden. (Zu Seite 54 bis 56.)] - -[Sidenote: Kohlenbrennerei.] - -Ein anderes aus dem Holze gewonnenes Erzeugnis ist die Kohle; man -bedarf ihrer noch heute zur Herstellung feinerer Stahlarten und anderer -Fabrikate. - -Zwar hat die verständige Gewinnung der Holzkohle, nämlich durch -Abdestillieren der flüchtigen Bestandteile, die als Holzteer, -Holzessig, Holzgeist, Aceton usw. mannigfach verwendbar sind, bei -uns bereits Eingang gefunden. In Bodenfelde an der Weser z. B. ist -eine solche Fabrik. Aber immer noch besteht auch die alte, zwar -unzweckmäßige, aber poesieumwobene Kohlenbrennerei. Besonders im -Bramwald, im Solling und im Vogler sieht man noch die Meiler dampfen. -In der Nähe einer kühlen Quelle, die nach der heißen, staubigen Arbeit -den erfrischenden Trunk spendet, hat sich der Köhler seinen Wigwam --- ich wollte sagen seine Köte -- aufgebaut (Abb. 19). Es ist ein -kreisrunder, kegelförmiger Bau aus Stangen, Reisig und Moos. Oben -befindet sich ein Rauchloch, von einem kleinen Regenschirm aus den -gleichen Materialien überbaut. Eine Tür mit Schutzdach ist an der Seite -angebracht, und an sie schließt sich ein gemütliches Sitzbänkchen. -So macht das Ganze von außen einen recht behaglichen Eindruck. Der -Innenraum mit seiner mehr als bescheidenen Einrichtung dient zugleich -als Küche und Schlafzimmer. Denn der Köhler muß auch nachts in der Nähe -seiner Meiler bleiben. - -[Illustration: Abb. 32. Schulmädchen aus Eisbergen (Kreis Minden) auf -dem Kirchgange. (Zu Seite 54 bis 56.)] - -Will er eine neue Kohlenstelle anlegen, so muß er zunächst den Boden -mit der Schaufel einebnen. Dann schlägt er zwei etwa 2 ~m~ lange dürre -Stangen dicht nebeneinander in die Erde und steckt zwischen sie kurze -Stückchen trockenen Fichtenholzes. So entsteht der »Quandel«, der -später dazu dienen soll, den Meiler von der Mitte aus zu entzünden. -Nun werden ringsum etwa 1 ~m~ lange Knittel Buchenholz in immer größer -werdenden Kreisen aufgestellt, jedoch so, daß am Boden ein kleiner -Tunnel vom Quandel bis zum äußersten Rande ausgespart bleibt. Dies -ist »dat Stekelock«, das Loch zum Anstecken. Zwei bis vier Stockwerke -von Scheiten werden regelmäßig übereinander gebaut, und dann wird ein -niedriges Gitterchen aus Buchenzweigen, das später die Decke halten -soll, herumgeführt; so ist denn der Meiler »holtrei«, d. h. holzfertig -(Abb. 18). Nun aber muß er mit welkem Buchenlaube verkleidet werden, -und darüber wird Erde geschaufelt und festgeklopft. Etliche kunstvoll -in Form eines Geländers rings herumgestellte Scheite verhindern das -Abrutschen des oberen Teiles der Erddecke (Abb. 20). Aber bereits vor -der völligen Eindeckung wird der Meiler angezündet. Jetzt heißt es -aufpassen! Denn das Feuer will »regiert« sein. Es darf nicht ausgehen, -aber auch nicht mit lichter Flamme auflodern. Um den Luftzutritt, -von dem alles abhängt, auf das richtige Maß zu bringen, dienen dem -Köhler die »Rumen«, d. h. Räume oder Löcher in der Decke, die er -mit der Stange öffnen oder mit Erde schließen, bald nach oben, bald -mehr nach unten verlegen kann. Alle sechs Stunden besteigt er seinen -Meiler auf einer rohen Leiter, die aus einem einzigen Baumstamm mit -eingekerbten Stufen besteht (Abb. 20); er überzeugt sich von dem -Gange des Verkohlungsprozesses und füllt die eingesunkene Kuppe mit -neuen Holzstücken auf. Nach etwa acht Tagen ist die Kohle »gar«. -Der Meiler wird durch vorsichtiges Abheben und Wiederauflegen des -»Drecks« gekühlt, die Kohlen nach und nach mit dem eisernen »Riethaken« -(Reißhaken) vorsichtig herausgezogen, nach völligem Erkalten in Säcke -gepackt und zu Wagen fortgeschafft (Abb. 21). - -[Sidenote: Holzverwertung.] - -Ein großer wirtschaftlicher Wert kommt natürlich dieser alten Industrie -nicht zu. Wesentlich mehr Menschen finden ihre Nahrung in den großen -Holzverwertungs-Unternehmungen unserer Waldgebiete, besonders an der -Oberweser. So werden in Münden Trockenfässer, Eisenbahnschwellen, -Parkett- und Pflasterklötze, in Carlshafen Fässer und Wiener Möbel, in -Bodenfelde, Kaierde und Alfeld Schuhleisten, in Lauenförde, Hameln, -Münder und Springe Stühle und in einigen Orten der Hilsmulde sowie in -Wertheim bei Hameln Holzpappe und -papier gemacht. Von dem Umfang der -Gesamtfabrikation wird man sich nicht leicht einen richtigen Begriff -machen; immerhin ist es vielleicht interessant zu hören, daß die beiden -größten unter jenen Werken zusammen 31500 Raummeter Holz, d. h. einen -Würfel von fast 31½ ~m~ Kantenlänge, im Jahre verarbeiten. - -[Illustration: §. Abb. 33. Bauernmädchen aus Uffeln bei Vlotho. Einige -unechte Bestandteile (Tücher, Schürzen) dringen in die Volkstracht ein. -(Zu Seite 54 bis 56.)] - -Erscheinen uns solche Ziffern hoch, so wird es uns anderseits wundern -zu hören, daß in den beiden waldreichen Kreisen Uslar und Münden -nur 15,7 und 11,4% aller im Hauptberuf erwerbstätigen Einwohner in -Forstwirtschaft oder Holzindustrie ihren Unterhalt finden. Trotz dieser -beschränkten volkswirtschaftlichen Bedeutung der Waldindustrien wird -doch der Naturfreund an deren Bestehen seine Freude haben. Denn sie -geben der Forstverwaltung Gelegenheit, das Buchenholz, das früher fast -nur zum Brennen diente, nützlich zu verwerten, und so bieten sie eine -erneute Gewähr für die Erhaltung unserer herrlichen Laubwälder. - - - - -~V.~ Bäuerliche Verhältnisse. - - -Das gesamte Weserberggebiet ist, was seinen landwirtschaftlichen -Charakter anlangt, Bauernland; Großgrundbesitz findet sich in -bemerkenswertem Maße nur im südlichen Teil des Regierungsbezirks -Minden, wo die dem Herzog von Ratibor gehörige Herrschaft Corvey -allein schon ein mächtiges Areal bedeckt; Zwergwirtschaften überwiegen -an der Oberweser, in den Kreisen Münden und Hofgeismar. Die dortige -niederdeutsche Bevölkerung ist nämlich stark mit mitteldeutschen -Bestandteilen vermischt und folgt der fränkischen Sitte, nach der das -ländliche Besitztum unter die gleichberechtigten Erben aufgeteilt wird, -während sich der Hof in Niedersachsen und Westfalen als Ganzes vererbt. - -[Illustration: Abb. 34. Bauersfrau aus Hahlen bei Minden. (Zu Seite -56.)] - -[Sidenote: Bäuerliche Besitzverhältnisse.] - -Hier bestehen von der gesamten landwirtschaftlich benutzten Fläche -etwa drei Viertel aus Betrieben von 5 bis 100 ~ha~, d. h. aus -Mittelbetrieben, unter denen wiederum die kleineren überwiegen. -Sobald die Größe von 20 ~ha~ überschritten ist, kann der Besitzer -fremder Arbeitshilfe nicht mehr entbehren. Diese gewinnt er, wenn -auch neuerdings mit Schwierigkeiten, meist in der Form von Knechten -und Mägden, die der Hausgemeinschaft angehören. Dazu kommen im -Osnabrückischen und in Minden-Ravensberg seit dem siebzehnten -Jahrhundert die sogenannten Heuerlinge deren der einzelne Hof zwei -oder auch mehr hat. Die Entstehung des Heuerlingswesens ist wohl -darauf zurückzuführen, daß die während des Dreißigjährigen Krieges -heruntergekommenen Bauern das Bedürfnis empfanden, einzelne Teile ihres -Besitztums zu verpachten, um sich so eine wenn auch bescheidene Rente -zu sichern. Die Heuerlinge sind Landwirte nur im Nebenberuf. Früher -waren sie meist Leinweber und haben sich, nachdem sie beim Niedergang -der westfälischen Handleinenweberei eine furchtbare wirtschaftliche -Krise durchgemacht hatten, zum Teil anderer industrieller Arbeit, u. a. -auch der Zigarrenmacherei zugewendet. Ihr eigentümliches Verhältnis zum -Hofbesitzer besteht darin, daß ihnen das Häuschen nebst 1½ bis 2 ~ha~ -Land, worauf sie zwei Kühe halten können, zu äußerst geringem Pachtzins -überlassen wird, wogegen sie wieder für einen sehr niedrigen Tagelohn -arbeiten müssen, sobald der Bauer ihrer Hilfe bedarf. Niedersachsen -kennt keine eigentlichen Heuerlinge. Wohl aber gibt es auch dort wie in -Westfalen Industriearbeiter, die, um etwas Landwirtschaft zu treiben, -einiges Land mit einem Häuschen gekauft oder gepachtet haben; aber sie -treten zu dem ursprünglichen Besitzer in kein anderes als ein lockeres -geschäftliches Verhältnis. - -[Illustration: Abb. 35. Bauer aus Hahlen bei Minden, Vater der vorigen. -(Zu Seite 54.)] - -[Sidenote: Siedelungsformen.] - -Ein anderer Unterschied zwischen beiden Gebietsteilen betrifft die -Form der bäuerlichen Ansiedelung selbst. Es ist ja bekannt, daß die -Höfe in Westfalen meist zerstreut liegen, in Niedersachsen aber -mehr in geschlossenen Dörfern. Eine scharfe Grenzscheide läßt sich -freilich nicht ziehen. Denn im sogenannten Einzelhofgebiet gibt es -auch geschlossene Ortschaften und umgekehrt im Dorfgebiet Weiler -und vereinzelte Höfe. Zwar herrscht östlich von der Linie Porta -Westfalica-Externsteine das Dorf vor und westlich von ihr der Hof. -Das hindert aber nicht, daß der ganze Nordfuß des Wiehengebirges -von Dörfern umsäumt ist. Unerklärt ist bisher der Ursprung dieser -verschiedenen Siedelungsformen. Denn Meitzens Annahme, daß der -Einzelhof keltischen, das Dorf aber germanischen Ursprungs sei, -hat fast allenthalben Widerspruch gefunden. Jedenfalls verrät sich -das Dorf als eine gemeinsame Gründung einer beschränkten Zahl -von Stammesgenossen. Als sie das Bedürfnis empfanden, von einer -nomadisierenden Lebensweise, bei der der Ackerbau gegenüber der -Viehzucht nur eine ganz untergeordnete Rolle spielen konnte, zur -Seßhaftigkeit überzugehen, da nahmen sie nach und nach einzelne -Landstücke, Gewanne genannt, unter den Pflug, indem sie sie gegen den -Einbruch des Wildes und des Weideviehes einzäunten und in Streifen -unter sich aufteilten. Durch allmähliche Hinzunahme neuer Gewanne wuchs -die Dorfflur auf durchschnittlich 300 bis 400 ~ha~. Gemeinsam aber -blieb für Weide und Holznutzung der Wald, die Mark zwischen den Dörfern. - -[Illustration: Abb. 36. Münden und das Fuldatal. Nach einer -Photographie von Carl Thoericht in Münden. (Zu Seite 63 bis 67.)] - -[Illustration: Abb. 37. Das Rathaus in Münden. - -Nach einer Photographie von Karl F. Wunder in Hannover. (Zu Seite 64.)] - -Dieser Zustand kettete in seiner Wirtschaftsordnung den einen Bauern -an den andern und schuf den Flurzwang, wonach je ein Gewann von allen -Besitzern zur gleichen Zeit und mit derselben Frucht bestellt werden -mußte. Dies hatte für die alten Wirtschaftsweisen gewiß seine Vorteile, -für die neue aber fast nur Nachteile. Bekanntlich ist dieses System -erst im neunzehnten Jahrhundert durch die sogenannte Verkoppelung ganz -beseitigt worden. - -Auch die sonstigen Schicksale der Dörfer und Bauerschaften hüben und -drüben sind durchaus nicht immer die gleichen gewesen. Als sich im -dreizehnten Jahrhundert die von Karl dem Großen geschaffenen großen -Grundherrschaften auflösten, wurden die halbfreien »Laten« in den alten -welfischen Provinzen, sowie in Paderborn und Corvey frei und kamen -als »Meier« in eine Mittelstellung zwischen Pächter und Besitzer, -gerieten dagegen in Osnabrück, Minden, Ravensberg und Schaumburg in den -Zustand der Eigenbehörigkeit, aus dem sie zu Anfang des neunzehnten -Jahrhunderts, im Königreich Hannover sogar erst im Jahre 1836, befreit -worden sind. - -[Illustration: §. Abb. 38. Der Marktplatz in Münden. (Zu Seite 64.)] - -[Sidenote: Bauernhöfe.] - -Höchst merkwürdig ist es, daß alle diese Wandlungen der -Agrarverfassung, daß Kriege und wirtschaftliche Krisen den Bestand -der Bauernhöfe selbst nur im verhältnismäßig geringen Maße anzutasten -vermocht haben. Sowohl in Niedersachsen als besonders in Westfalen gibt -es Höfe, die sich vielhundertjährigen Bestandes rühmen, und darunter -gewiß manche mit Recht. Ich erinnere an die berühmten Sattelmeierhöfe -bei Enger, deren Besitzer sich noch heute als Nachkommen jener freien -Bauern betrachten, die mit Herzog Wittekind Freud und Leid teilten -(Abb. 22). Ohne Adelsprädikat und ohne heroldsamtliche Anerkennung -genießen sie bei ihren Landsleuten edelherrliches Ansehen. Bei -dem Ableben eines Sattelmeiers wird drei Tage hintereinander zur -»Königstunde« geläutet, die Leiche wird in der Kirche auf dem Chor -niedergesetzt, und wenn sie zu Grabe gefahren wird, folgt dem Sarge wie -bei Fürsten das Reitpferd. - -[Illustration: §. Abb. 39. Die Vorstadt Blume in Münden. (Zu Seite 64.)] - -Über das Alter des einzelnen Hofes ist es freilich meist schwer, einen -urkundlichen Nachweis zu führen. Auffallend ist aber, daß die Hofgrößen -in alter und neuer Zeit so wenig Unterschied zeigen. Freilich ganz ohne -Teilungen ist es ja nicht abgegangen. Wie sollte man sich sonst die -Ausdrücke Vollmeier, Halbmeier (im Osnabrückischen Vollerbe, Halberbe) -und andere Bruchzahlen in der Klassifizierung der Bauern erklären? -Auch tragen manche Familien noch in ihren Eigennamen die Spuren alter -Hofzerlegungen: man denke an Nordmann, Nordmeyer, Nordhof, Ostermann, -Ostermeyer, Osterhof usw. oder an Grotkord, Lüttjohann u. a. Den -Teilhöfen ist es aber nicht selten gelungen, sich aus der Mark wieder -zu ergänzen, so daß manchmal der Halbhof, zuweilen sogar die Kotstelle, -größer geworden ist als der Vollhof. - -[Illustration: Abb. 40. Bursfelde. - -Nach einer Photographie von Carl Thoericht in Münden. (Zu Seite 70.)] - -[Sidenote: Hof und Familie.] - -Der Hof ist der Stolz und gewissermaßen das Heiligtum der Familie. -Nach dem Hofe nennt sich der Besitzer, nicht umgekehrt. Selbst -landesherrliche Verordnungen haben es nicht hindern können, daß der -Bauer, der eine Erbtochter heiratete, wenigstens im gewöhnlichen -Leben den Namen seines Schwiegervaters und somit des Hofes führt. -Oft weiß man den rechtsgültigen Namen eines alten Bekannten gar -nicht und erfährt ihn nur zufällig, wenn er mit Gericht, Standesamt, -Militärbehörde oder Pfarre etwas zu tun hat. Daß der Hof gegenüber -dem Einzelwesen das Bedeutendere ist, zeigt sich auch bei den -Eheschließungen. Hat der künftige Schwiegersohn oder die in Aussicht -genommene Schwiegertochter die für eine gedeihliche Führung des Hofes -und der Wirtschaft nötigen Eigenschaften und dazu den erwünschten -Besitz, so werden sich die alten Leute bei ihren Verheiratungsplänen -wenig um Neigungen oder Abneigungen der jungen kümmern. Ich sehe noch -das entrüstete Gesicht eines alten Bauern vor mir, der sich einst bei -meinem Vater über die Widerspenstigkeit seiner Tochter beklagte. Wie -lächerlich er den Widerstand des Mädchens gegen sein wohlmeinendes -Vorhaben fand, zeigt der Ausruf, mit dem er die Aufzählung der Vorzüge -der betreffenden Partie schloß. »Niu hannelt et sick man blot noch um -de Perßönlichkeit, un dorümme will de Saotan nich!« - -[Sidenote: Hof und Erbrecht.] - -Der Hof muß also »an der Reihe« erhalten werden. Er muß ungeteilt auf -einen einzelnen Erben übertragen werden. Dieser heißt der Anerbe. Die -Geschwister hat er abzufinden. Über die Höhe der Entschädigungen haben -Gesetz und Herkommen verschiedenes bestimmt; daß die Leistungsfähigkeit -des Gutes erhalten bliebe, war hierbei vor allem der maßgebende -Gesichtspunkt. Denn auch der Grundherr, solange es einen solchen gab, -und der Staat hatten ein Interesse an dem Vorhandensein zins- und -steuerkräftiger Bauern. - -Auch die Einführung des gemeinen Erbrechtes im neunzehnten Jahrhundert -hat die Anerbensitte nicht zu zerstören vermocht. Ja die Gesetzgebung -selbst ist zum Teil wieder dem bäuerlichen Brauch entgegengekommen, -indem sie das Anerbenrecht als Intestaterbrecht für die Bauerngüter -in den Kleinstaaten und in der preußischen Grafschaft Schaumburg -verbindlich, in Hannover und Westfalen wahlfrei (durch Eintragung -des Besitztums in die Höferolle, wie sie in Hannover heißt, oder in -die Landgüterrolle, wie man in Westfalen sagt) einführte. Die Fälle -freilich, daß der Bauer stirbt, ohne durch Testament oder -- was noch -häufiger vorkommt -- durch Übergabe bei Lebzeiten über den Hof verfügt -zu haben, sind selten. Und selbst dann einigen sich die Geschwister, -auch wenn Teilung rechtlich zulässig wäre, gütlich über die Einsetzung -eines Anerben. Das Interesse des Hofes steht höher als der Eigennutz -des einzelnen. Dies zeigt sich auch darin, daß die Erben oft mit -geringeren Abfindungen zufrieden sind, als ihnen das Gesetz oder der -Wille des Erblassers zugedacht hat. - -Daß der Bauer gern bei Lebzeiten »abgibt«, hat seinen Grund darin, daß -er dem herangewachsenen Sohn und seiner unverbrauchten Kraft, besonders -bei Gelegenheit seiner Verheiratung, ein Feld der Tätigkeit eröffnen, -sich selber aber Ruhe gönnen will. - -Die alten Leute gehen dann auf die Leibzucht, »up Lieftide«, wie man im -Mindenschen sagt. In dieser Gegend ist, wenigstens auf größeren Höfen, -ein besonderes Leibzuchtshaus vorhanden; sonst wohnen die Altenteiler -bei den jungen Leuten, in deren Hause ihnen eine besondere Kammer und -der beste Platz hinter dem Ofen eingeräumt ist. Außerdem werden von -ihnen einige Naturalleistungen, Nutzung von Ländereien, einige Stück -Vieh, Hüterecht für dieses, Fuhren, etwas Taschengeld, »Hege und Pflege -in gesunden und kranken Tagen und ein christliches Begräbnis« in der -Regel vertraglich ausbedungen. - -[Illustration: §. Abb. 41. Klosterkirche in Bursfelde. (Zu Seite 70.)] - -[Sidenote: Familienverhältnisse.] - -Anerbe ist in der Regel der älteste Sohn, in Ermanglung von Söhnen -die älteste Tochter. Indessen bevorzugen einige Gegenden, und zwar -Osnabrück und Ravensberg, sowie der größte Teil von Minden, den -jüngsten Sohn oder die jüngste Tochter, wobei wohl der Wunsch der Väter -maßgebend ist, die Generationenfolge zu verlangsamen. Wenn der Älteste -erbt, heißt es, kommt die Wiege gar nicht vom Hof. Die Geschwister des -Anerben haben in dem Hofe, von dessen Besitz sie ausgeschlossen sind, -immer einen Rückhalt. Sie bleiben bis zu ihrer Konfirmation regelmäßig -dort und erhalten auch später freien Unterhalt im Falle von Krankheit -und Gebrechlichkeit oder auch sonst auf ihren Wunsch, wenn sie bereit -sind, bei der Arbeit zu helfen. Freilich gelten sie dann durchaus nicht -etwa als ebenbürtig mit dem Bauern. Ich redete in meinem Heimatsdorf -einst den älteren Bruder eines Besitzers, der als Knecht auf dem Hofe -lebte, mit »Guden Dag, Korf!« an. -- »Guden Dag,« erwiderte er, »awer -eck sin nich Korf; eck sin Korf sin Broer.« Also auf den Familiennamen -hatte er keinen Anspruch; der gehörte dem Inhaber der Stelle; er war -»blot de olle Hinnak«, und das hätte ich wissen müssen. Verlassen die -Geschwister des Anerben den Hof, so fallen sie durchaus nicht dem -Proletariat anheim, wie man behauptet hat, sondern bilden auch weiter -einen wertvollen Bestandteil der Gesellschaft. Nach einer von Spee -mitgeteilten Erhebung über 4561 Abfindlinge von 1204 westfälischen -Höfen waren 19% auf den Höfen geblieben. Von den übrigen Brüdern und -Schwestern des Anerben ist der Beruf ermittelt. Danach sind von -den Männern 46% durch Heirat, Erbschaft, Kauf oder Pachtung wieder -selbständige Landwirte geworden, 22% selbständige Unternehmer im Handel -oder Gewerbe, 16% haben liberale Berufe ergriffen (darunter akademisch -und seminarisch gebildete Lehrer, Geistliche, Ärzte, Juristen, -Ingenieure, Tierärzte, Apotheker usw.), 10% sind unselbständige -Arbeiter geworden, 4% sind ausgewandert. Von den Frauen haben sich die -meisten verheiratet, darunter 72% an selbständige Landwirte. - -[Illustration: §. Abb. 42. Hugenotten aus Gewissenruh. (Zu Seite 70.)] - -[Illustration: Abb. 43. Carlshafen vom Diemeltal aus gesehen. - -Nach einer Photographie von Alfred Menzhausen. (Zu Seite 72.)] - -[Illustration: Abb. 44. Helmarshausen und die Krukenburg gegen den -Solling. - -Nach einer Photographie von Alfred Menzhausen. (Zu Seite 72.)] - -[Sidenote: Die Siedelungen.] - -Wer unser ganzes Gebiet von einem Ende bis zum andern durchreist, -dem wird es auffallen, wie verschieden die Dörfer sich ausnehmen. Im -Einzelhofgebiet kann man freilich von Dörfern nicht reden. Es gibt nur -Bauerschaften, die höchstens einen dorfähnlichen Kern haben. Sonst -zeigt das Landschaftsbild durcheinander offenes Feld, Esch genannt, -und eingehegte Kämpe, Wiese und Buschwald und dazwischen versteckt -unter alten Eichen und Buchen die Gehöfte (Abb. 24, 26 u. 101), sowie -abseits von diesen wiederum die Heuerlingshäuser. Von den Höhen der -Weserkette herabschauend, sieht man dagegen geschlossene Ortschaften, -deren rote Dächer von Bäumen umgeben sind. Aber das Weiß, das im -Frühling an die Stelle des Baumgrüns tritt, verrät es uns, daß es -keine Wald-, sondern Obstbäume sind, die auf den Höfen wachsen. Wenn -wir weiter weseraufwärts ins Calenbergische kommen, so überwiegt das -Rot im Dorfbilde, das Grün tritt mehr zurück. Doch ersetzt im Süden, -vor allem im Solling, wieder der durch das Alter meist grau gefärbte -Buntsandsteinschiefer (Sollinger Platten) die Ziegelbedeckung, so -daß die Dörfer dort etwas Düsteres bekommen. Übrigens wird nach der -Oberweser hin auch der Grundriß der Siedelungen anders. Straßenweise -reiht sich Haus an Haus. Der geräumige Hofraum, mit dem in Westfalen -geradezu Verschwendung getrieben wird, fehlt fast ganz. Ackergeräte und -Wagen, sowie das in hohen Haufen aufgeschichtete Buchenbrennholz lagern -in malerischem Durcheinander auf der Straße, die dem Jungvieh und -Geflügel, besonders den zahlreichen Gänsen, sowie auch der menschlichen -Dorfjugend zum gemeinsamen Spaziergang und Tummelplatz dient (Abb. 62). -Reihendörfer finden sich allerdings auch im Norden des Gebietes, im -Schaumburgischen, aber von wesentlich anderem Charakter. Es sind die im -dreizehnten Jahrhundert angelegten, auch jetzt noch durch mancherlei -Eigentümlichkeiten in Geschmack und Sitte ausgezeichneten Hagendörfer. -Ihren Ursprung verdanken sie einzelnen Fürsten, die meist fränkische -Kolonisten vom Niederrhein im Waldlande ansiedelten. Sie liegen nur -an einer Seite einer geraden Straße. Hinter dem Hause ist der Garten -und etwas Weideland, das an einen Bach stößt. Auf der anderen Seite -der Straße liegt in langen Streifen der Acker. Augenscheinlich ist -diese Kolonisationsform der der Marschendörfer an den Weser- und -Elbmündungen nachgeahmt. Sie wurde aber auch später noch angewendet, -so in Hessendorf bei Rinteln, einer im Jahre 1660 von dem hessischen -Landgrafen gegründeten Ansiedlung lippischer Kolonisten, und ähnlich an -der Oberweser in dem 1722 angelegten Hugenottendorf Gewissenruh (vergl. -Seite 70). - -[Illustration: §. Abb. 45. Basaltbruch am Hohen Hagen. (Zu Seite 73.)] - -[Sidenote: Dorf- und Hausformen.] - -Eine noch größere Mannigfaltigkeit als bei den Dorfformen findet sich -auf dem Gebiete der Hausformen. Nur im äußersten Süden, bei Münden, -herrscht das fränkische Haus (Abb. 23). Es steht mit seinem Giebel an -der Straße, auf welche die Stubenfenster herausblicken. Daneben ist die -Einfahrt in den Hof. Von diesem gelangt man durch eine schmale Haustür -an der Langseite in das Wohnhaus. Die anderen Seiten des Hofes sind von -den Ställen und Scheuern umgeben. Dieser Haustypus dringt im Süden und -Osten unseres Gebietes vor, teils das Sachsenhaus verdrängend, teils -das Entstehen von Mischformen begünstigend. - -[Illustration: §. Abb. 46. Trendelburg an der Diemel. (Zu Seite 74.)] - -[Sidenote: Das Bauernhaus.] - -In allen übrigen Teilen der Weserberge bildet dagegen das altsächsische -Bauernhaus noch immer die Grundform der älteren ländlichen Wohnungen -(Abb. 22, 24 bis 28). - -[Illustration: Abb. 47. Hirschfütterung im Reinhardswald. - -Nach einer Photographie von Oberförster J. von Wangelin in Strelno. (Zu -Seite 74.)] - -Das Wesen dieses oft gerühmten, von Justus Möser in seinen -patriotischen Phantasien und in seiner Osnabrückischen Geschichte -verherrlichten Hauses ist, daß für alles, was zur bäuerlichen -Wirtschaft gehört, Raum unter einem einzigen Dache und bei ursprünglich -nur einer Feuerstelle geschaffen ist. Der Grundriß hat die Form eines -länglichen Vierecks. Nähern wir uns einem der ganz alten Häuser, wie -sie in dem westfälischen, besonders in dem osnabrückischen Teile -unseres Gebietes noch vereinzelt vorkommen, so fällt uns das hohe -Strohdach auf, das sich von der langgestreckten First nach den beiden -niedrigen Langwänden zu gleichmäßig herabsenkt. Der Vordergiebel ist -gleichfalls mit Stroh verkleidet und bildet einen flach gewölbten Walm -an seinem oberen Ende, unterbrochen durch eine dreieckige Öffnung, -die von zwei gekreuzten Brettern, den »Windfedern«, umrahmt wird -(ähnlich auf Abb. 24); sie sollen das Strohgeflecht gegen den Sturm -schützen, der es sonst zerzausen würde. Sie haben als Schmuck meist die -nach außen schauenden geschnitzten Pferdeköpfe oder einen senkrecht -stehenden verzierten Stab. - -Wir betreten das Haus durch die in der Mitte der vorderen Schmalseite -befindliche Einfahrtstür. Sie ist breit und hoch genug, um einen voll -beladenen Erntewagen hereinzulassen. Sie führt uns auf die gepflasterte -oder mit gestampftem Estrich versehene Diele, auf der allerhand Geräte, -Häcksel, Grünfutter und dergleichen herumliegen (Abb. 25). Hund und -Hühner, junge Schweinchen und kleine Kinder tummeln sich hier und gehen -durch das weit geöffnete Tor aus und ein. Von links schauen über ihre -Krippen die Kühe, von rechts die Pferde herein. Denn von den Ställen -ist die Diele nicht durch Wände getrennt, sondern durch die eichenen -Ständer, die allein, ohne Mithilfe der Außenwände, das Dach tragen. -Da die Ställe nicht zum Dache hinaufreichen, ist über ihnen noch die -Hille, ein schräger Raum, verfügbar, der von der Diele auf Leitern -erstiegen wird. Oft bleibt er offen und dient als Lagerstätte für Holz, -Heu, Futter oder kleinere Geräte; oft ist er auch durch eine leichte -Wand verschlossen, hinter der sich dann einzelne Kammern befinden. Auch -die Diele selbst reicht nicht bis zum Dach. Doch ist der Bretterboden, -der sie nach oben abschließt, viel höher als der über den Ställen. -Durch die Luken dieses Bodens werden vom Erntewagen aus die Garben und -Heubündel nach oben gereicht, durch dieselben Luken wirft man sie im -Bedarfsfalle wieder herab. Am Ende der Diele befindet sich der Herd, -bei ihm die Küche, die sich quer durch das Gebäude bis zu den beiden -Langseiten des Hauses fortsetzt und hier zwei schmale Türen nach dem -Hofe hat. Über dem Herde hängen Würste, Schinken und Speckseiten am -»Wiem« (Abb. 27). Ganz am Ende, mit den Fenstern nach der rückwärtigen -Schmalseite hingewendet, liegen zu ebener Erde die Wohnräume, meist -eine Stube und zwei Kammern. - -[Illustration: Abb. 48. Das Rathaus in Einbeck. - -Nach einer Photographie von Prof. W. Nürnberg in Hannover. (Zu Seite -76.)] - -Das ganze Gebäude ist in Fachwerk aufgeführt. Das Gebälke ist eichen. -Die Füllung der Fächer besteht aus grobem Flechtwerk, das mit Lehm -überstrichen ist (Abb. 26). - -Erwähnen wir noch, daß ein Schornstein nicht vorhanden ist, daß der -Rauch vielmehr durch die offene Tür und das Loch im Giebel entweicht, -so haben wir wohl die Haupteigentümlichkeiten der ältesten noch -vorhandenen Hausform erschöpft. - -Diese ist indessen äußerst selten geworden, obgleich nach Justus Möser -kein Vitruv imstande wäre, mehr Vorteile zu vereinigen. Neubauten -werden in dieser Weise nicht mehr aufgeführt. Aber auch manches alte -Haus hat sich Umgestaltungen gefallen lassen müssen, Abänderungen auch -die Baupläne späterer, in den letzten Jahrzehnten errichtete Häuser, -so daß die in unseren Tagen erstehenden ländlichen Wohnstätten mit -den alten Bauüberlieferungen entweder nur einen lockeren Zusammenhang -wahren oder auch diesen bewußtermaßen aufgeben. - -[Illustration: Abb. 49. Eickesches Haus in Einbeck. - -Nach einer Photographie von Prof. W. Nürnberg in Hannover. (Zu Seite -76.)] - -Ehe wir aber über dieses Schwinden eines Stückes heimischer Eigenart -klagen und etwa in die Vorwürfe einstimmen, die man geneigt ist den -Bauern zu machen, weil sie das schöne niedersächsische Landschaftsbild -durch Errichtung charakterloser Nützlichkeitsbauten verunzieren, wollen -wir uns klar werden, daß auch jenes älteste Haus, wie wir es vor -unserem inneren Auge erstehen ließen, schon seine Geschichte hinter -sich hat und an die Stelle noch älterer Gebilde getreten ist. Als -unsere Vorfahren etwa im ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung sich -zur Gründung fester Wohnsitze in größerem Umfang entschlossen, haben -sie vermutlich das Zelt als Muster für das Haus genommen. Jenes aber -hatte noch keine Längswände, und so wird auch vermutlich das erste -Haus -- ähnlich den Schafställen der Lüneburger Heide -- nur aus einem -bis zur Erde reichenden Dach und zwei Giebelwänden bestanden haben. -Allmählich nötigte die Erweiterung des Raumes dazu, Ständer im Innern -anzubringen, die das Dach stützten und später ganz und gar trugen -(Abb. 25): aus dem einschiffigen wurde der dreischiffige Bau. Jetzt -erst konnten die Seitenschiffe eigene Außenwände erhalten. Zugleich -wurden sie konstruktiv vom Mittelbau losgelöst, indem sie eigene, -leichtere Dachsparren erhielten. Nun ward, wie es scheint, die Teilung -des Raumes eine feststehende: die Seitenschiffe gehörten dem Vieh, -der Mittelraum blieb frei für menschliche Arbeit und Erholung, oben -lagerten die Vorräte. Die Ständer aber gewannen eine solche Bedeutung, -daß nach der Zahl der von ihnen gebildeten Abteilungen, der »Fächer«, -die Häuser in Klassen eingeteilt wurden. - -[Illustration: Abb. 50. Bremer Straße bei Beverungen. (Zu Seite 79.)] - -[Illustration: §. Abb. 51. Zwei Fährleute, Vater und Sohn, aus Wehrden. -(Zu Seite 79.)] - -Begnügten sich in den ältesten Zeiten die menschlichen Insassen des -Hauses zum Schlafen mit den dem Herde zunächstliegenden Teilen der -Seitenschiffe oder mit den Dachräumen darüber und zum Wohnen mit -der von der Diele noch nicht getrennten Küche, so fingen allmählich -die Wohlhabenderen an, sich an der Rückwand des Hauses eine Kammer -anzubauen, die sich allmählich zu einem völligen Wohnbau auswuchs. -Diese Änderung trat nach Jostes zu verschiedenen Zeiten ein, sicher -nirgends vor dem sechzehnten Jahrhundert, d. h. also in einer Zeit, in -welcher sich auch auf den Edelsitzen und in den Städten das Bedürfnis -nach größerem Wohnbehagen geltend machte. Ein anderer Haustypus -zeigt die Kammern seitwärts von der Küche, die nun statt der beiden -Seitenausgänge einen Hinterausgang erhält (Abb. 27). - -[Illustration: §. Abb. 52. Fürstenberg. (Zu Seite 79.)] - -Weitere Änderungen folgten. Die Küche ward durch eine Wand von der -Diele getrennt (Abb. 25) und erhielt einen Schornstein. Um ihr mehr -Licht zu geben, zog man ihre Wände hoch und versah sie mit Fenstern. An -anderen Teilen des Hauses wurde dasselbe Verfahren eingeschlagen, und -so mußten auch die Außenwände einen Teil der Dachlast tragen helfen. -Daher mußte dann das Gezimmer des ganzen Hauses in sich fester werden. -Es wurde zum Kasten, der desto stärker sein mußte, je schwerer er zu -tragen hatte. Die höheren Wände verlangten stärkeren Schutz gegen Wind -und Wetter: je nach den natürlichen Hilfsquellen der Gegend wurde das -Lehmflechtwerk durch Back- oder Bruchsteine ersetzt. Ebenso traten -Ziegel, im Oberwesergebiet Buntsandsteinschiefer, an die Stelle des -Dachstrohes. Solch ein schweres Dach bedarf aber keiner Windfedern. -So verschwinden vielfach die Pferdeköpfe und Giebelsäulchen, wenn sie -nicht lediglich als bedeutungsloser Schmuck weiter verwendet oder unter -dem Einfluß gelehrter Freunde des Heimatschutzes wieder eingeführt -werden. Vor neue Aufgaben stellt jetzt der Giebel die Baumeister. Der -eine läßt den alten Walm bestehen und bedeckt seine flache Wölbung -mit Ziegelpfannen, so besonders in der Gegend von Minden und Hameln; -ein anderer legt eine ebene Giebelfläche an, die aber schräg geneigt -wird, und zwar ungefähr unter demselben Winkel wie früher der Walm, -und deckt auch sie mit Pfannen, so am Nordfuß des Wiehengebirges; -die meisten aber bauen den Giebel senkrecht und decken ihn ganz oder -teilweise mit Ziegeln oder Sollinger Platten (Abb. 24 u. 62), oder -sie vernageln ihn mit Brettern, die im Osnabrückischen wagerecht, im -Lippischen und Schaumburgischen lotrecht verlaufen (Abb. 26 u. 28); -oder endlich sie führen ihn als eine Fachwerkswand mit Ziegelfüllung -bis dicht unter die First hinauf, so bei Osnabrück und Minden (Abb. 22 -u. 62). Diese Eigentümlichkeiten sind übrigens nicht immer örtlich -begrenzt, sondern hängen vielfach vom Können und vom Geschmack des -Zimmermeisters oder des Bauherrn ab. Macht das alte Strohhaus in seiner -Form einen ehrwürdigen und zugleich malerischen Eindruck, so hat das -neuere Bauernhaus, das Bauernhaus hauptsächlich des achtzehnten und -neunzehnten Jahrhunderts, durch das viele außen sichtbare Holz der -Freude an der Farbe neue Nahrung gegeben. Die Ziegelfächer zeigen -entweder das natürliche Rot des Backsteins nebst sauberen weißen Fugen, -oder sie sind weiß, seltener rot oder gelb getüncht. Die Balken sind -braun oder schwarz gestrichen. Die Giebelbretter liebt der Osnabrücker -Bauer grün, in anderen Gegenden zieht man rotbraune Färbung vor. Die -Türen zeigen rohe, aber zuweilen nicht ungefällige Flachornamente. -Selten dagegen ist die Unsitte, Balken und Fächer gleichmäßig weiß zu -übertünchen, um den Eindruck des Massiven zu machen. Nur am Südfuß -des Osnings bei Halle habe ich es im Gegensatz zu den geschmackvollen -Bauten des Städtchens beobachtet, besonders aber auch im Diemeltale. - -[Illustration: §. Abb. 53. Corvey. (Zu Seite 80.)] - -[Illustration: Abb. 54. Eingang zur Abtei Corvey. - -Photographie und Verlag von Otto Buchholtz' Buchhandlung (Ernst Ummen) -in Höxter. (Zu Seite 80.)] - -Sicher ist, daß das Anbringen von Inschriften erst mit dem Fortfallen -des Strohwalms möglich oder doch üblich wurde. Über der Türe nennen der -Erbauer und die Erbauerin des Hauses ihre Namen nebst der Jahreszahl -der Errichtung. Begnügt man sich hiermit in der Regel an der Oberweser, -so lassen die Bauherren im Norden und Westen es sich nicht nehmen, -einen Segenswunsch oder frommen Spruch hinzuzufügen. Sehr verbreitet -ist z. B. der Vers: »Wer Gott vertraut, hat wohl gebaut«, auch mit -dem Zusatz: »im Himmel und auf Erden«. Was zu dem Bau Veranlassung -gegeben, berichtet folgende Inschrift, die Wolf aus dem Kreise Halle -mitteilt: »Durch Feuersgluht und strenger Hand, das vorige Haus ist -abgebrannt, bewahr, O Gott, dieses Haus, vor Feuer, Schaden, Sturm und -Braus, zieh du mit deinem Segen ein, und laß es dir befohlen sein.« Mit -mißverstandener Gelehrsamkeit prahlt ein »lateinischer Bauer«, indem -er das schöne Wort »~Ora Edla Bora~« über seine Haustür setzt, wogegen -die natürliche Weisheit des folgenden Spruches angenehmer berührt: »Man -öffnet schnell die Thür, wenn einer klopfet an; wie oft klopft Gott -ans Herz, und wird nicht aufgethan.« Den Kampf zwischen Hochdeutsch -und Plattdeutsch verewigt folgende Inschrift aus dem Jahre 1609: »Nach -Dir Her verlanget mir min Gott Ich hafve Dir Las mir nicht to Skanden -werden Dat sik mine Vien nicht frowen werden.« Im Mindenschen herrschen -Bibelsprüche vor. - -[Illustration: Abb. 55. Höxter, vom Felsenkeller aus gesehen. -Photographie und Verlag von Otto Buchholtz' Buchhandlung (Ernst Ummen) -in Höxter. (Zu Seite 79 bis 81.)] - -Weit einschneidender als diese Ausgestaltungen des alten Typus sind -gewisse Änderungen im Grundriß. Hatte man einmal das Gezimmer des -Hauses zu einem festen Kasten gemacht, der in allen seinen Teilen das -Dach gleichmäßig trug, so konnte man dieses auch im rechten Winkel -umdrehen, oder mit anderen Worten, man konnte aus der Längsdiele eine -Querdiele machen. Dies ist östlich von den Wesergegenden in Ostfalen -vielfach geschehen. Vereinzelte Beispiele findet man aber auch in allen -Teilen unseres Gebietes. - -[Illustration: §. Abb. 56. Schloß Bevern. (Zu Seite 82.)] - -Eine weitere Änderung ist die, daß man Wohnende und Viehstall -miteinander vertauschte (Abb. 28). Hierbei war wohl der Wunsch -maßgebend, der Straße näher zu wohnen, vom Zimmer aus das Leben im -Dorfe überblicken zu können. Wenn wir aber diese eigentümliche Hausform -besonders an der Oberweser, und zwar hier als herrschende, vorfinden, -so werden wir sie wohl auch auf den Einfluß des Nachbargebietes mit -seinem mitteldeutschen Hause zurückführen müssen. Daß die Diele hierbei -möglichst schmal wird, um die ohnehin übermäßig getrennten Wohnzimmer -nicht noch mehr voneinander zu reißen, versteht sich von selbst -(Abb. 25 u. 27). - -[Illustration: Abb. 57. Schichtung der Muschelkalk-Formation bei -Bodenwerder. - -Nach einer Photographie von W. Wehrhahn in Hannover. (Zu Seite 82.)] - -Auch die Zweistöckigkeit ist eine solche Abweichung von der Grundform, -die wir besonders im Süden beobachten (Abb. 62). - -Noch tiefer aber als alle diese bisher erwähnten Veränderungen an -dem alten Hause sind die, welche ihm die neuen Wirtschaftsformen -des neunzehnten Jahrhunderts aufgezwungen haben. Verkoppelung und -Gemeinheitsteilung -- Stallfütterung -- künstlicher Dünger -- -Vermehrung des Viehstandes -- größere Ernteerträge -- Dreschmaschinen --- jedes dieser Worte erklärt Änderungen an der Behausung des -Landwirts. Mehr Ställe, mehr Scheuern müssen geschaffen werden, erstere -zunächst in Anbauten rechts und links von der Diele, jene unter -besonderem Dach. Die Dreschtenne ist als solche nicht mehr nötig; -sie wird zum Hausflur, also schmaler und mit vollständigen Wänden an -den Seiten. Anderseits hört das patriarchalische Zusammenleben von -Herr und Knecht mehr und mehr auf; daher werden weitere Wohnräume -nötig, und so verbreitert sich der hintere Wohnteil. Ferner ist das -Eichenholz nicht mehr zu erschwingen. Dafür liefern Eisen, Beton, -Zementpfannen, schließlich sogar gepreßtes Blech und Dachpappe billiges -Baumaterial. Was Wunder, wenn das neue, massive Bauernhaus mit -seiner nüchternen Außenseite nur noch in der breiten Haustür an der -Giebelwand eine gewisse Erinnerung an seine Vorgänger bewahrt. »Es ist -der Geist, der sich den Körper baut,« und jener ist eben ein anderer -geworden. Der Gedanke des Zusammenlebens der sämtlichen Familien- und -Wirtschaftsgenossen nebst ihrem Viehstand und ihren Vorräten unter -demselben Dache hat nun einmal aufgegeben werden müssen, und eine neue -ästhetisch wirkende Hausform fehlt noch. - -[Illustration: Abb. 58. Polle. (Zu Seite 83.)] - -[Sidenote: Die Volkstracht.] - -Mit dem alten Hause schwindet auch die Volkstracht. Für die Männer ist -sie im ganzen Gebiete nahezu ausgestorben (Abb. 35). Daß sie den Frauen -vorangingen, darüber wird man sich nicht wundern, wenn man bedenkt, wie -viel mehr die Männer Gelegenheit haben, die Heimat zu verlassen, als -die Frauen. Aber auch weibliche Volkstrachten haben sich nur noch auf -einem schmalen Landstriche längs des Bückeberges, der Weserkette und -des Wiehengebirges erhalten. In einigen anderen Gegenden Westfalens und -Lippes sind höchstens Reste und Andeutungen, z. B. in eigentümlichen -Haubenformen, vorhanden (Abb. 28 u. 29). - -[Illustration: Abb. 59. Die Steinmühle. (Zu Seite 82 u. 83.)] - -Am bekanntesten ist die farbenprächtige sogenannte Bückeburger Tracht, -die auch in einigen hessisch-schaumburgischen und westfälischen -Kirchspielen rechts der Weser verbreitet ist (Abb. 30 bis 33 u. 86). -Die Männer trugen früher -- hie und da tun es einige alte Bauern -auch noch -- einen langen weißleinenen Kittel mit vielen blanken -Messingknöpfen und rotem Flanellfutter und auf dem Kopfe eine Pelzmütze -oder einen breitkrempigen Filzhut (Abb. 30). - -[Illustration: Abb. 60. Bodenwerder. Rechts die Königszinne. - -Nach einer Photographie von Carl Thoericht in Münden. (Zu Seite 78 u. -83.)] - -Die Frauenkleidung zeichnet sich besonders durch den fußfreien, -feuerroten Tuchrock aus, dessen Stoff -- vielleicht nach seiner -friesischen Herkunft -- Friesat, sonst auch Büffel oder Schierlaken -genannt wird. Die Frauen tragen ihn stets außer beim Abendmahl, wo -ein schwarzer an seine Stelle tritt. Der Schnitt und der Farbenton -des Rockes ist in den einzelnen Landesteilen verschieden; ebenso -unterscheiden sich einige andere Stücke des Anzuges, wie Wams, Mütze, -Nackentuch, Schürze und Mantel. Man spricht daher von einem hessischen -oder Lindhorster Typus (Abb. 31), den wir z. B. in Nenndorf am Deister -noch beobachten können, von einem Friller Typus, der nördlich von -Minden herrscht, und von dem eigentlichen Bückeburger. Bei diesem -letzten fallen uns besonders die festen Mützen mit den ungeheuren -steifen Bandschleifen auf. Die letzteren sind verhältnismäßig jungen -Ursprungs. Bis gegen Ende der siebziger Jahre waren die Schleifen -noch klein und ungesteift (Abb. 30). Dann griff man zur Pappeinlage -und hatte nun ein Mittel gefunden, sie allmählich bis ins Ungemessene -zu vergrößern (Abb. 32 zeigt den Übergang). Die Folge davon ist -freilich gewesen, daß die Mütze jetzt schwer und lästig ist und -bei der Arbeit oder zu Hause vielfach gar nicht aufgesetzt wird -(Abb. 33). Ein besonders wertvolles Schmuckstück ist die »Kralle«, -die Bernsteinhalskette mit silbernem Schloß, zu der in einzelnen -Landesteilen noch eine silberne Halsbinde kommt. Überhaupt hat die -ganze Tracht den Charakter des Prunkenden, aber auch zugleich des -Soliden und Echten. Wäre das einzelne Kleidungs- oder Schmuckstück -nicht für ein Menschenleben oder gar für eine Folge von Generationen -gemacht, so würde gewiß die Tracht längst verschwunden sein. - -[Illustration: Abb. 61. Schloß Hehlen. (Zu Seite 83.)] - -Eine gewisse Abart des Schaumburger Kostüms herrscht am linken -Weserufer in der Mindener Gegend. Die Hauptabweichung besteht außer -in der Mützenform (Abb. 34) darin, daß die weißen Halskrausen und -leider auch die roten Röcke nebst sonstigen farbigen Bestandteilen -der Kleidung seit den sechziger Jahren verschwunden sind. Man -nennt diese Tracht daher bezeichnenderweise die »schwarze Tracht«. -Ihres Hauptreizes beraubt, fällt sie natürlich noch leichter -der Gleichmacherei zur Beute und wird sicher ziemlich bald der -vordringenden städtischen Kleidung den Platz räumen. Aber auch die -bunte Schaumburger Tracht geht, obwohl langsamer, kirchspielweise, -denselben Weg (Abb. 33) und wird wie das altsächsische Haus -nach Verlauf weniger Jahrzehnte wohl nur noch als antiquarische -Merkwürdigkeit bewundert werden können. - - - - -~VI.~ Geschichtliches. - - -[Sidenote: Geschichte.] - -Eine Geschichte des Weserlandes zu schreiben, kann nicht der Zweck -dieses Buches sein; auch würde ein solches Unternehmen voraussetzen, -daß der Landstrich politisch eine Einheit darstellte. Das ist nun -aber fast nie der Fall gewesen, und so wird sich diese historische -Skizze, die der Beschreibung der einzelnen Landschaften vorausgehen -mag, die Aufgabe stellen, die Buntscheckigkeit der heutigen politischen -Landkarte zu erklären und nebenbei einige Ereignisse zu berühren, die -sich ausschließlich oder doch vorzugsweise im Weserland abgespielt -haben. - -[Sidenote: Altertum.] - -Seit dem vierten Jahrhundert v. Chr. finden wir dort fast überall -Germanen außer links von der Weser, von wo die letzten Kelten weit -später, wenn auch sicher schon vor Cäsars Feldzügen nach Westen -gedrängt worden sind. Zur Zeit der Römereinfälle wohnten an der oberen -Weser die kriegerischen Cherusker, von Angrivariern, Brukterern und -Chatten im Norden, Westen und Süden umgrenzt. Sie und ihr tapferer -und verschlagener Häuptling Arminius hatten die Führung jener Stämme -in den Freiheitskriegen gegen die römischen Feldherren Quintilius -Varus und Germanikus; in ihrem Gebiete lag der Teutoburger Wald, wo -die Legionen des Varus im Jahre 9 n. Chr. aufgerieben wurden, und -Idistavisus, wo Germanikus einen solchen Sieg davon trug, daß ihm -der Geschmack an weiteren Lorbeeren verleidet wurde. Idistavisus ist -vermutlich an der Weserkette zu suchen, doch wissen wir nicht wo; und -auch die Lage der Teutoburg wird sich wohl nie mit unumstößlicher -Gewißheit feststellen lassen. Viel für sich hat die Annahme -Clostermeiers (1822), die auch Schuchhardt neuerdings vertritt, daß die -Grotenburg bei Detmold, auf der jetzt das Denkmal des Arminius steht, -die alte Teutoburg sei. Jedenfalls ist sie eine der altgermanischen -Volksburgen, wie sie in Kriegeszeiten zum Sammeln des Aufgebots und -als Zufluchtsstätte für Menschen und Vieh benutzt wurden, und zwar in -unserem Gebiet die einzige sicher festzustellende; denn die Hünenburg -bei Bielefeld und die Sieburg im Dreieck zwischen Diemel und Weser bei -Carlshafen können auch jünger sein. - -Einige Jahrhunderte nach jenen Kämpfen ist die Erinnerung an die -alten germanischen Stammesbezeichnungen verschwunden. Es leben -in Norddeutschland die kühnen, freien Sachsen, abgesehen von den -Nordalbingern in die Stämme der Westfalen, Engern und Ostfalen geteilt. -Nehmen manche Geschichtsschreiber eine friedliche Verschmelzung der -alten Völkerschaften und die allmähliche Ausdehnung des Namens Sachsen -auf die geeinte Stammesfamilie an, so stellen sich andere Forscher den -Vorgang weniger idyllisch vor. Gewichtige Stimmen sprechen von einer im -dritten und vierten Jahrhundert schrittweise vorgehenden Unterwerfung -der Länder zwischen Rhein und Elbe durch die aus Holstein kommenden -Sachsen. - -[Illustration: Abb. 62. Straße in Eschershausen. - -Nach einer Photographie von Prof. W. Nürnberg in Hannover. (Zu Seite -49, 53 u. 86.)] - -Für ihren kriegerischen Sinn zeugt die große Zahl der von ihnen -errichteten Burgen. Es sind große befestigte Heerlager auf -unzugänglichen Bergen, vielfach nur aus einer Mauer bestehend. -Der ahnungslose Wanderer, der etwa die Amelungsenburg bei -Hessisch-Oldendorf oder den Wittekindsberg bei der Porta betritt, wird -die im Buchenwalde versteckt liegenden Wälle kaum beachten, wogegen der -Forscher in ihnen wie in vielen anderen, z. B. der Karlsschanze bei -Willebadessen, der Iburg bei Driburg, der Herlingsburg bei Schieder, -der Obensburg bei Hameln, die deutlichen Züge der altsächsischen -Befestigung erkennt. - -[Illustration: Abb. 63. Adam und Eva am Ith. - -Nach einer Photographie von Prof. W. Nürnberg in Hannover. (Zu Seite -86.)] - -[Sidenote: Die Zeit Karls des Großen.] - -Trotz ihrer Tapferkeit erlagen die Sachsen den fränkischen Eroberern, -die mit einem Netz von Straßen, Wirtschaftshöfen und Burgen das Land -überzogen. Auch von ihren Befestigungen finden wir Reste und erkennen -sie an ihrer Zweiteiligkeit. Der kleinere befriedete Raum umschloß die -Wohnung des Wirtschafters oder Befehlshabers, der größere enthielt -den nötigen Platz für Zelt- oder Barackenlager. Zu diesen Burgen -gehören u. a. Altschieder bei Schieder, die Bennigserburg und die -Heisterburg im Deister, die Babilönie bei Lübbecke und die sogenannte -Wittekindsburg bei Rulle. Diese Festen bieten in ihren Überbleibseln -dem nicht sachkundigen Beschauer ebensowenig des Merkwürdigen wie die -Sachsenlager. Viele andere, zumeist die jüngeren, haben überhaupt keine -Spuren hinterlassen, da sie in Dörfern oder Städten aufgegangen sind. -Da Karl der Große längs der Straßen und Marken alles Land der Verfügung -des Staates unterstellte, sächsische Bauern vielfach verpflanzte, -und für sich und seine Getreuen sowie für geistliche Stiftungen -bedeutende Güter aussonderte, die dann mit abhängigen Kolonisten aus -dem Frankenlande besiedelt wurden, so brachte er allmählich alle -wichtigen Plätze in die Hand sicherer Leute. Natürlich erbitterte die -Errichtung dieser großen Grundherrschaften, diese völlige Umwälzung der -Eigentumsverhältnisse die Sachsen aufs äußerste. Gleichwohl lag darin -auch ein Anreiz, sich mit der neuen Herrschaft zu versöhnen und den -Lohn der »Treue« in Gestalt reichen Königsguts entgegenzunehmen. So -vertauschte, nachdem der Engernfürst Bruno sich bereits 775 unterworfen -hatte, auch der Westfale Wittekind zehn Jahre später die Rolle des -Bauerngenerals mit der des reichen Grundherrn von Königs Gnaden. - -Aufs engste war unter Karl und seinen Nachfolgern mit der politischen -Eroberung die kirchliche verknüpft. Bistümer erstanden wie Osnabrück, -Minden, Paderborn u. a. Ihre Diözesen und derer Unterabteilungen -schlossen sich ebenso wie die fränkischen Gerichts- und -Verwaltungsbezirke, die Gaue, an alte Stammgebiete und volkstümliche -Gerichtssprengel an. - -Von den drei alten Provinzen Sachsens interessiert uns zumeist Engern. -Ostfalen scheidet abgesehen von einem Teil der Hilsmulde ganz aus -unserer Betrachtung aus, und westfälisch ist von dem auf Seite 4 -umgrenzten Gebiet nur der Teil, der von der Linie Bünde-Brackwede -nordwestlich liegt. In Engern lag die alte Thingstätte Markloh -(d. h. Grenzwald), wo die Abgesandten der Sachsen zusammenkamen. -In Engern spielten sich auch die meisten Hauptereignisse des -sächsisch-fränkischen Krieges, Überwinterungen, Reichstage, -Belagerungen, Schlachten, ab. Man denke an die Eresburg (Marsberg), an -Herstelle, Lügde, Schieder, Detmold, Paderborn, den Süntel, Lübbecke. - -[Sidenote: Das Mittelalter.] - -Zur Ottonenzeit war es ruhig in den Weserlanden. Das politische -Schwergewicht hatte sich nach Ostfalen verschoben, wo es auch unter -den Saliern blieb. Engern erfreute sich allerdings häufiger Besuche -der Herrscher. Herford und Corvey sowie, ihnen nacheifernd, Paderborn -und Minden wirkten kulturfördernd; aber doch hatte das Weserland kein -Goslar, kein Hildesheim aufzuweisen. Auch von dem Emporblühen der -westfälischen Städte Osnabrück, Münster, Soest und Dortmund hatte das -Weserland, das alte Engern, wenig Vorteil. - -[Illustration: §. Abb. 64. Am Rotenstein bei Eschershausen. (Zu Seite -87.)] - -[Sidenote: Scheidung der Dialekte.] - -Im elften Jahrhundert verschwindet übrigens der Name Engern allmählich. -Als mit dem Sturze Heinrichs des Löwen (1180) das Herzogtum Sachsen, -das noch kurz zuvor dem Kaiser selber Trotz zu bieten vermochte, -in Stücke geschlagen ward, da lösten sich die Bande zwischen den -Ländern rechts und links der Weser. Paderborn kam an das unter dem -Erzbischof von Köln stehende Herzogtum Westfalen. Auch Minden, das -selbständig gewordene Bistum, wurde später zu Westfalen gerechnet; -durch die Maximilianische Kreiseinteilung (1512) gelangte auch -Schaumburg dazu, während die welfischen Lande den Hauptbestandteil des -niedersächsischen Kreises bildeten. Diese scharfe Scheidung scheint -auch auf die Entwicklung der Stämme von Einfluß gewesen zu sein. -Denn das niedersächsische Plattdeutsch weist von dem westfälischen -bedeutende Unterschiede auf. Heißt es in Westfalen »mī« und »dī«, so -sagt man in einem Teile Niedersachsens »meck« und »deck«; sagt der -Westfale »ick sin«, so wird man in Niedersachsen meist »ick bin« hören. -Besonders groß sind die Unterschiede des Vokalismus, insofern der -einfachen niedersächsischen Länge zumeist ein westfälischer Doppellaut -gegenübersteht; man vergleiche: Brôd -- Bräud oder Braud (Brot), Brût --- Briut (Braut), dûsent -- diusent (tausend), Müse -- Muüse (Mäuse), -Tîd -- Tëid oder Tuid (Zeit), spräken -- spriäken (sprechen), brôken --- bruaken (gebrochen). Auffallend ist auch das reine lange â der -Westfalen, z. B. in Wâter (Wasser), während der Niedersachse dumpf -Wáter sagt. Da die ehemals engrischen Teile Westfalens noch gewisse -Besonderheiten im Dialekt gegenüber dem Altwestfälischen haben, so ist -anzunehmen, daß das Ostengrische vom Ostfälischen (= Niedersächsischen) -aufgesogen worden ist. - -[Illustration: §. Abb. 65. Lauenstein. (Zu Seite 87.)] - -Doch kehren wir zu unserer Geschichte zurück. Nach der Zerstückelung -des sächsischen Herzogtums sehen wir, wie mehr und mehr die kleinen -Dynasten emporkommen und die geistlichen Herren nach Kräften rupfen. -Im Welfenlande wurde ein ansehnlicher Teil des alten Besitzes 1235 als -Herzogtum Braunschweig-Lüneburg zusammengefaßt, unterlag aber später -mannigfachen großen und kleinen Teilungen, bis sich aus dem Wirrwarr -die Fürstentümer Lüneburg, Calenberg, Göttingen, Grubenhagen und -Wolfenbüttel nebst kleineren Unterteilen herauskristallisierten. Ihre -Grenzen haben sich teils in den Grenzen des Herzogtums Braunschweig -gegen die preußische Provinz Hannover, teils in denen der hannoverschen -Regierungsbezirke gegeneinander erhalten. - -[Illustration: Abb. 66. Bückeburg. Photographie und Verlag von F. H. -Hespe in Bückeburg. (Zu Seite 93.)] - -Wohl könnte es uns reizen, die Geschicke auch einzelner geistlicher -Territorien und mancher urwüchsiger Dynastengeschlechter zu verfolgen, -deren Länder in dem Territorialbesitz der überlebenden Staaten -aufgegangen sind; von manchem kecken Raubzug, mancher blutigen Fehde, -mancher frommen Stiftung würden wir hören. Aber wir werden uns -begnügen, ihre Spuren da zu erwähnen, wo wir sie finden. Für eine -Geschichte der Grafen und Herren von Northeim, Dassel, Everstein, -Homburg, Spiegelberg, Schwalenberg, Pyrmont, Sternberg, Schaumburg, -Hallermund, Roden, Ravensberg, Tecklenburg ist hier kein Platz. -Auch die ferneren Schicksale unserer Landschaften werden wir nicht -verfolgen, da ihre Geschichte die Geschichte Deutschlands ist. - -[Illustration: Abb. 67. Saukörnung am Kleinen Deister bei Springe. - -Nach einer Photographie von W. Wehrhahn in Hannover. (Zu Seite 90.)] - -[Sidenote: Die Neuzeit.] - -Eine Betrachtung der politischen Karte wird uns zeigen, daß unser -Bergland unter fünf verschiedenen Herrschern steht. Von den -alten Kleinstaaten sind Braunschweig, Waldeck-Pyrmont, Lippe und -Schaumburg-Lippe erhalten. Preußen ist mit den Provinzen Hannover, -Westfalen und Hessen-Nassau, den Regierungsbezirken Hannover, -Hildesheim, Osnabrück, Minden, Münster und Cassel beteiligt. Unter -das Zepter der Hohenzollern ist die Grafschaft Ravensberg im Jahre -1609 gekommen, dann folgte 1647 die Stadt Herford, 1648 das Bistum -Minden, 1702 Ibbenbüren, 1707 Tecklenburg, 1803 die Bistümer Hildesheim -(bis 1813) und Paderborn sowie das Stift Herford. Dazu kam 1815 -außer den in der Franzosenzeit verlorenen und nun wieder gewonnenen -Gebieten noch das Stift Corvey mit der Stadt Höxter. Endlich wurden -1866 Hessen-Nassau und Hannover nebst den von ihnen früher erworbenen -Ländern, vor allem den Bistümern Hildesheim und Osnabrück, der -Zollernkrone untertan. - -[Illustration] - - - - -~VII.~ Die Weser von Münden bis Herstelle. Dransfelder Höhenland und -Reinhardswald. - - -Ehe wir von Münden aus unsere Weserfahrt antreten, sind wir -hinaufgestiegen zur Tillyschanze, jenem steinernen Turm auf einem -Vorsprung des Reinhardswaldes. Die geschichtliche Tatsache, die dieser -Stätte ihren Namen gegeben hat, wird uns mit realistischer Treue ins -Gedächtnis gerufen durch die im Inneren aufgestellten Kriegsaltertümer -und das lebensvolle Relief von Prof. Gustav Eberlein: »Die Verteidigung -der Stadt Münden im Dreißigjährigen Kriege.« Wie anders als in jenen -schrecklichen Pfingsttagen des Jahres 1626, wo die von 3000 Leichen -erfüllte Stadt der Beutegier kaiserlicher Soldateska preisgegeben war, -ist der Anblick, den jetzt das entzückte Auge von der Plattform genießt! - -[Illustration: Abb. 68. Die lutherische Kirche in Bückeburg. - -Nach einer Photographie von F. W. Kuhlmann in Bückeburg. (Zu Seite 94.)] - - O Heimat, du erscheinst mir - So jugendfrisch und schön; - Ein Tempe Deutschlands[4] bist du, - Wie keins ich noch gesehn, - Ein Born, woraus sich immer - Mein durstig Herz erquickt, - Wenn ich von deinen Höhen - Hinab ins Tal geblickt. - - Wie bist du schön im Maien, - In Frühlingsherrlichkeit, - Von weißen Blütenbäumen - Stehst du wie überschneit, - Und schallen Kirchenglocken - Hinein ins blühende Tal, - Dann bist du aller Schönheit - Vollkommnes Ideal. - -[4] Der Ausdruck rührt von Goethe her. - -Gern werden wir uns dieses Urteil Eberleins zu eigen machen, der sich -am Fuß des Berges, im Angesicht der Vaterstadt, sein behagliches, von -einem großen steinernen Eber bewachtes Heim geschaffen hat. In engem -Talkessel, umgeben rings von den lieblichen Formen buchengrüner Höhen, -umkränzt von Obstgärten mit zierlichen Landhäusern, blickt uns das -freundliche Rot der ziegelgedeckten Altstadt entgegen; und darüber ragt -in ehrwürdigem Grau eine Anzahl massiver Steinbauten empor, unter denen -die alten, zum Zweck der Schrotfabrikation erhöhten Befestigungstürme, -»die Hageltürme«, besonders auffallen (Abb. 36). - -[Illustration: Abb. 69. Das neue Rathaus in Bückeburg. - -Nach einer Photographie von F. W. Kuhlmann in Bückeburg. (Zu Seite 94.)] - -[Sidenote: Münden und die Weserschiffahrt.] - -Die in ihrer ursprünglichen Gestalt dem dreizehnten Jahrhundert -angehörenden Kirchen zu St. Ägidien und St. Blasien -- an der ersteren -befindet sich der Grabstein des liedberühmten ~Dr.~ Eisenbart --, -das plumpe Schloß der Calenberger Herzöge Erich ~I.~ und ~II.~ -und das der Blütezeit Niedersachsens, dem Anfang des siebzehnten -Jahrhunderts, entstammende Renaissance-Rathaus (Abb. 37), sie alle -zeugen von der Bedeutung Mündens in alter Zeit. Aber auch die -Privathäuser mit ihrer an hessische und thüringische Städte gemahnenden -Holzarchitektur, mit ihren vielen überkragenden Geschossen, ihrem -zierlichen Riegelwerk und den spitzen, wohlgegliederten Dächern -erzählen uns von der Vergangenheit (Abb. 38 u. 39). Politisch und -sprachlich zu Hannover gehörig, zeigt nämlich das Gebiet von Münden -in städtischem und ländlichem Hausbau, in Dorfanlage und bäuerlicher -Erbsitte mitteldeutschen Charakter (Abb. 23). Gau- und Stammesscheiden, -deren Nachfolger die jetzigen Provinzialgrenzen von Hannover, -Hessen-Nassau und Sachsen sind, stießen hier zusammen, erlitten aber -auch gelegentlich Verschiebungen. Münden selbst wird als ursprünglich -fränkischer Ort bezeugt; es war eine karolingische »~villa~«, -zugleich wohl Brückenkopf gegen das Sachsenland. Die Burg aber ist -wahrscheinlich von Otto von Northeim, einem niedersächsischen Dynasten, -also als Bollwerk gegen Hessen gegründet worden. Nach dem Sturze -Heinrichs des Löwen kam die Stadt an die Landgrafen von Thüringen, um -gegen die Mitte des dreizehnten Jahrhunderts unter die Welfenherrschaft -zurückzukehren. Der Ursprung der Siedelung erklärt sich, wenn man -einen Blick auf die Karte wirft, von selbst. Werra und Fulda waren für -die winzigen Verhältnisse des mittelalterlichen Verkehrs bedeutende -Wasserstraßen, Münden Knotenpunkt des Schiffsverkehrs, Umschlags- und -Stapelort. Eifersucht und Feindschaft gegen die Hessen veranlaßte -im Anfang des vierzehnten Jahrhunderts nach und nach die welfischen -Landesherren zur Erteilung, dann die Mündener Bürger zum Erschleichen -von Privilegien, die bis ins neunzehnte Jahrhundert galten und in -ihrer Gesamtheit unter dem Namen des Mündener Stapelrechts bekannt -sind. Danach durften alle Waren, die stromauf und stromab die Stadt -verließen, nur durch Mündener Schiffer befördert werden; auch mußte -man alle Durchgangsgüter ausladen und zu Casseler Marktpreis drei -Tage lang feilhalten. Daß Münden nicht bedeutender wurde, hat seinen -Grund darin, daß die Ufer der drei Flüsse eine für Talstraßen wenig -günstige Beschaffenheit darboten. So bevorzugte der vom Oberrhein durch -die hessische Senke kommende Überlandverkehr, soweit er auf Hamburg -und Lübeck hinstrebte, das Leinetal, dem auch jetzt die Eisenbahn -nach Hannover folgt, soweit er Bremen zu erreichen suchte, das Esse- -und Diemeltal. Die Erbauung der Eisenbahnen hat wie überall auch in -Münden zunächst zertrümmernd, dann aufbauend auf die wirtschaftlichen -Zustände gewirkt. Die Stadt ist mehr und mehr Industrieort geworden. -Der Wald der Umgegend liefert Holz zu mannigfacher Verarbeitung (vergl. -Seite 35) und Lohe für die Gerberei, der Erdboden Braunkohle, Ton und -Mühlsteine. Andere der dortigen Industrien (Zinnwaren, Tabak, Gummi) -sind weniger abhängig von örtlicher Rohstofferzeugung. Aber auch der -Schiffsverkehr hat sich mächtig gehoben, besonders in der letzten -Zeit, wozu die im Jahre 1895 dem Verkehr übergebene Kanalisierung -der Fulda bis Cassel besonders beigetragen hat. Zum Schluß wollen -wir noch bemerken, daß Münden derzeit 11300 Einwohner zählt, eine -Kgl. Forstakademie mit etwa siebzig Studierenden beherbergt und als -Sommerfrische und Touristenstadt mehr und mehr aufgesucht wird. - -[Illustration: Abb. 70. Hameln gegen den Süntel. Nach einer -Photographie von H. Blesius in Hameln. (Zu Seite 94 ff.)] - -[Illustration: Abb. 71. Das Rattenfängerhaus in Hameln. - -Nach einer Photographie von H. Blesius in Hameln. (Zu Seite 98.)] - -[Illustration: §. Abb. 72. Schloß Hämelschenburg bei Hameln. (Zu Seite -98.)] - -Wir schreiten zum Tanzwerder, der wegen Hochwassergefahr unbebaut -gebliebenen äußersten Ecke des Anschwemmungsdeltas zwischen Werra -und Fulda, also sozusagen der Geburtsstätte der Weser. Hier steht -der Weserstein, leider! War es nötig, der Weser ein Denkmal zu -errichten? bedurfte es wirklich einer »Verschönerung« der Landschaft -durch Verse? und mußten diese gar in Stein gemeißelt werden als ein -»~monumentum aere perennius~«? Wir besteigen den geräumigen und -bequemen Dampfer »Kaiser Wilhelm« und fahren, durch das regelmäßig -einförmige Stampfen der Räder in süßes Träumen gewiegt, behaglich -dahin und lassen die traulichen Bilder der grünen Ufer an unseren -Blicken vorübergleiten. Wir werden gut tun, aus unserem Gedächtnis -alle Erinnerungen an eine etwa früher unternommene Donau- oder -Rheinfahrt zu verbannen; wir wollen nicht vergleichen, nicht die -Lieblichkeit der einen Landschaft an der Großartigkeit der anderen -messen, sondern unbefangen genießen. Daran wird uns auch nicht ein -vielsprachiges Gewimmel von hastigen Reisenden stören. Unser Schiff -trägt außer den Landleuten der Ufergegenden zumeist anspruchslose -Touristen aus Nordwest- und Mitteldeutschland. Gelegentlich bemerkt -man unter ihnen einige holländische Vergnügungsreisende. Weit zurück -liegt die Zeit, wo auf diesen Fluten der erste Dampfer fuhr; es war -der erste Dampfer überhaupt. Sein Erbauer war der gelehrte Hugenotte -Dionysius Papin aus Blois, seit 1687 Professor der Physik in Marburg. -Von Cassel aus fuhr er auf dem von ihm ersonnenen Beförderungsmittel -die Fulda hinab, um England damit zu erreichen. Doch schon in Münden -zerschlugen die neidischen Mitglieder der privilegierten Schiffergilde -das Teufelsfahrzeug. Seit jenem unglückseligen Septembertage des -Jahres 1707 verstrichen über 111 Jahre, bis der nächste Dampfer -- -er hieß »Herzog von Cambridge« -- vom 9. bis zum 20. März 1819 die -Fahrt von Bremen nach Münden machte; doch erwies sich die Maschine -als zu schwach, das Fahrwasser als zu schwierig, und so wurden -die Fahrten nicht fortgesetzt. Erst im Jahre 1843 fuhren wieder -Dampfer auf der Oberweser, und seit 1844 unterhielt die »Vereinigte -Weserdampfschiffahrtsgesellschaft« mit dem in Paris gebauten -»Hermann« und dem bald folgenden »Wittekind« regelmäßige Fahrten. Die -jetzige Personenschiffahrt betreibt zwischen Münden und Hameln die -Wesermühlen-Aktiengesellschaft zu Hameln mit fünf stattlichen Schiffen, -die im Jahre 1908 rund 112000 Passagiere befördert haben (im Jahre 1905 -etwa 60000). - -[Illustration: Abb. 73. Kapelle beim Armenhaus Wangelist (Hameln). - -Nach einer Photographie von H. Blesius in Hameln. (Zu Seite 98.)] - -[Sidenote: Von Münden bis Carlshafen.] - -Das Wesertal ist von Münden bis Carlshafen-Herstelle eng und -wenig besiedelt. Der Strom fließt im Buntsandstein, einer alten -Verwerfungsspalte dieses Gesteines folgend. Durch jahrtausendelanges -Nagen hat sich das Flußbett derartig vertieft, daß die bewaldeten Höhen -rechts und links -- dort Blümer Berg (Abb. 16), Bramwald, Kiffing, -hier Reinhardswald genannt -- die Talsohle vielfach bis zu 230 ~m~ -überragen. Die Schichten dieser Berge fallen beiderseits nach der vom -Strome abgewendeten Seite ein; die Wasserscheiden liegen nahe dem Fluß, -die Hänge sind schroff, die Täler meist kurz und steil. Nur rechts sind -Schede, Nieme und Schwülme größere Bäche, die, dem Hinterlande jener -grünen Berge, nämlich der Senke zwischen Buntsandstein und Muschelkalk -entsprungen, den letzteren in hübschen Tälchen durchnagt haben. -Verzichten müssen wir auf die Aufzählung all der schmucken Dörfer, -deren Jugend die Ankunft unseres Schiffes an und noch lieber in dem -Wasser erwartet, während die überall zahlreich vorhandenen Gänse unter -lautem Protestgeschnatter in vornehmem Zuge das Flußbett verlassen. -Im allgemeinen bildet die Weser hier die Grenze zwischen Hannover und -Hessen. Doch greift dieses auch aufs rechte Ufer über. Die Bevölkerung -aber ist auf beiden Seiten niederdeutsch. - -[Illustration: Abb. 74. Rinteln gegen den Taubenberg. Nach einer -Photographie des dortigen Verschönerungs-Vereins. (Zu Seite 99.)] - -Links liegt der Flecken Veckerhagen (1500 Einwohner), der seine jetzt -noch bestehende kleine Tonindustrie und die Fabrik von Casseler -Braun (Umbra) ebenso wie die von 1666 bis 1903 betriebene Eisenhütte -benachbarten tertiären Bodenschätzen verdankt. Das gegenüberliegende -Hemeln ist aus einem alten karolingischen Reichshof hervorgegangen, -der wie so oft unter einer alten Volksburg angelegt worden war. -Den späteren Wohnsitz ihres adligen Gebieters werden wir in der -Bramburg zu erkennen haben, deren Ruine rechts aus dem Walde düster -emporragt; sie gehörte später den Herren von Stockhausen und wurde -wegen deren Räubereien im fünfzehnten Jahrhundert zweimal von den -braunschweigischen Landesherren zerstört. Die Domänen Hilwartshausen -und Bursfelde sind ehemalige Klöster; letzteres liegt auf dem -Geröllkegel der Nieme (Abb. 40 u. 41). Kirchengeschichtlich ist -es bekannt als Ursprungsort der Bursfelder Kongregation, eines im -fünfzehnten Jahrhundert gestifteten Verbandes von Benediktinerklöstern -zur Erhaltung der kirchlichen Zucht, kunstgeschichtlich durch seine -schöne im Jahre 1903 wieder hergestellte romanische Basilika. In -dem erweiterten Tale beim Einfluß der Schwülme haben die Flecken -Lippoldsberg (900 Einwohner) mit schönem alten Kloster und Bodenfelde -mit kleinem Umschlagsplatz (vergl. Seite 34) einige Bedeutung. Ein -besonderes Interesse beanspruchen die Hugenottenkolonien Gottestreu -und Gewissenruh. Sie sind ungefähr gleichzeitig mit Carlshafen um -1700 entstanden, als Landgraf Karl von Hessen die nach Aufhebung des -Edikts von Nantes vertriebenen Glaubensgenossen der wirtschaftlichen -Hebung seines Landes dienstbar zu machen suchte. In Gewissenruh wurden -zwölf Familien angesiedelt, von denen jede einen Streifen Waldland zur -Urbarmachung erhielt (vergl. Seite 44). Französische Inschriften an den -Häusern und dem kleinen Kirchlein[5], französische Familiennamen wie -Jouvenal, Don, Héritier, Volle, Seguin (sprich: Zeckink) und einige -schwarzäugige und dunkelhaarige Köpfe sind die einzigen Reste fremden -Wesens in dem Dörflein (Abb. 42). - -[5] ~1 Août 1799. Gen. XXVIII. V. 16. Certes, L'éternel est en ce lieu -et ie nan sauoie rien.~ - -[Illustration: §. Abb. 75. Blick von der Bückeburger Chaussee in das -Tal von Rinteln. (Zu Seite 77.)] - -[Illustration: §. Abb. 76. Dankerser Mühle bei Rinteln. (Zu Seite 77.)] - -[Illustration: Abb. 77. Vlotho gegen den Amthausberg und das -Wiehengebirge. - -Nach einer Photographie von Cramers Kunstanstalt in Dortmund. (Zu Seite -100.)] - -[Sidenote: Carlshafen.] - -Noch mehr hat sich dieses in Carlshafen verwischt, obgleich hier noch -bis 1825 von dem Pfarrer Guillaume Suchier französisch gepredigt -worden ist. Carlshafen ist eine rein künstliche Gründung (Abb. 43). -Freilich ist die geographische Lage am Einfluß des größten linken -Nebenflusses in die Weser außerordentlich günstig und hat früh zwei -Siedelungen veranlaßt. Weil aber der Baugrund an der Mündungsstelle -selbst zu feucht war, ist die eine von ihnen 2 ~km~ im Diemeltale -hinauf, die andere 2 ~km~ im Wesertale abwärts gerückt. Jene ist -Helmarshausen (1300 Einwohner) mit der im Jahre 998 von dem frommen -Freundespaar, Kaiser Otto ~III.~ und Papst Gregor ~V.~, gestifteten -Benediktinerabtei, zu deren Schutze Erzbischof Engelbert von Köln -1220 die Krukenburg dort oben erbaute (Abb. 44); diese ist das von -Karl dem Großen erbaute Herstelle, wo er den Winter 797/98 verbrachte -und eine Kirche gründete. Herstelle war zu einem festen Lager und -dauernden Stützpunkt seiner Regierung bestimmt; zeitweilig kam sogar -die Errichtung eines Bistums in Frage. Jetzt ist Helmarshausen ein -hauptsächlich von Steinbrucharbeitern und Zigarrenmachern bewohntes -Städtchen, die Krukenburg die schönste Ruine des Wesergebiets, -Herstelle ein westfälisches Dorf, überragt von einem Kloster und -einem modernen Schloß. Mit der Erbauung von Carlshafen oder, wie -es ursprünglich nach der alten Volksburg darüber (vergl. Seite 57) -genannt wurde, Sieburg, wurde am 29. September 1699 begonnen. Landgraf -Karl wollte hier mit allen Mitteln des aufgeklärten Despotismus die -Entstehung einer Handels- und Hafenstadt erzwingen; der Verkehr sollte -den lästigen Mündener Stapel umgehen und auf der kanalisierten Diemel -und Esse bis Hofgeismar und dann über Land nach Cassel gelenkt, der -Kanal aber womöglich bis zur Lahn nach Marburg fortgeführt werden. -Französische und deutsche Ansiedler erhielten billige Wohnungen und -allerhand Vergünstigungen. Die Stadt bietet, aus der Vogelschau von -den hessischen Klippen gesehen, das Bild vollendeter Symmetrie: in der -Mitte der jetzt unbenutzte Hafen, daneben zwei stattliche Gebäude, dann -gleiche Wohnblöcke, deren Häuser -- außer den etwas größeren Eckbauten --- je fünf Fenster Front, zwei Stockwerke und einen einfenstrigen -Dacherker haben. Die weitschauenden Pläne Karls versanken mit seinem -Tode von selbst ins Nichts. Jetzt hat das 1900 Einwohner zählende -Städtchen als Erwerbsquellen Stein-, Tonröhren- und Holzindustrie, dazu -Zigarrenfabrikation und ein kleines Solbad; ein Invalidenhaus besteht -noch seit den Tagen des edlen Landgrafen; auch lockt die entzückende -Lage, neben der Mündens sicherlich die reizvollste im Wesertal, -zahlreiche Sommerfrischler herbei. - -Von den Landschaften an dem obersten Stück des Weserlaufs werden die -links den Wanderer mehr anlocken. Rechts ist die Buntsandsteinzone -schmal, und nur in ihr herrscht zusammenhängender Wald, so besonders -im Bramwald (Totenberg 406 ~m~), dem man freilich stellenweise -noch anmerkt, daß bis vor 40 Jahren 1700 Rinder, 7500 Schafe, 3200 -Schweine und zahllose Gänse bei ihm zu Gaste gingen. Das hübsch -an der Nieme gelegene Lewenhagen ist ein bescheidener Luftkurort. -Das östlich dahinter liegende Dransfelder Höhenland, das meist dem -Muschelkalk angehört, wird überragt von malerischen Basaltkuppen, -wie dem aussichtreichen Hohen Hagen (506 ~m~) und dem Dransberg, -deren Steinbrüche auch hauptsächlich den 1400 Einwohnern des alten, -hochgelegenen Städtchens Dransfeld (Bahnhof 301 ~m~) Unterhalt gewähren -(Abb. 45). - -[Illustration: §. Abb. 78. Exten bei Rinteln. (Zu Seite 100.)] - -[Sidenote: Der Reinhardswald.] - -Der Reinhardswald links der Weser ist für den Naturfreund ein -lohnenderes Wandergebiet. Er besteht aus einer fast 30 ~km~ langen, -durchschnittlich 10 ~km~ breiten Buntsandsteinscholle von etwa 400 ~m~ -Höhe, auf der basaltische Kuppen wie der Gahrenberg (464 ~m~) und -der Staufenberg (472 ~m~) aufgesetzt sind. An ihrem Fuße finden sich -tertiäre Ablagerungen, aus denen u. a. am Gahrenberg Braunkohle -bergmännisch gewonnen wird. Das Innere des Waldes ist fast unbewohnt. -Beberbeck ist ein königliches Hauptgestüt mit weit ausgedehnten -Bergweiden, auf denen sich etwa 350 edle Rosse (Halbblut) in Freiheit -tummeln, die malerische Sababurg (im Volksmunde ist der ursprüngliche -Name Zappenburg erhalten) ein 1490 erbautes, jetzt halb zerfallenes -Jagdschloß der hessischen Landgrafen, Gottsbüren, das einzige, -übrigens sehr alte Dorf des inneren Waldes, im vierzehnten Jahrhundert -durch seine Wallfahrtskapelle, jetzt durch eine Kirchenorgelfabrik -berühmt. Das malerische, von einer Burg überragte Ackerstädtchen -Trendelburg an der Diemel (650 Einwohner) liegt schon außerhalb des -Gebirges (Abb. 46). In diesem selbst herrscht ringsum der Wald, -ununterbrochener Wald. Der Reinhardswald ist alter Reichsforst, wurde -aber im Jahre 1018 von Kaiser Heinrich ~II.~, dem letzten Sachsen, -seinem Freunde, dem Bischof Meinwerk von Paderborn, für das Bistum -geschenkt. Nach mehrfacher Teilung und Besitzvertauschung kam er bis -zum sechzehnten Jahrhundert nach und nach ganz an Hessen. - -[Sidenote: Reinhardswald und Solling.] - -Die für den Forstmann nicht gerade erfreulichen Schicksale des Waldes -als solchen, über die auf Seite 30 bis 32 das Nötige gesagt worden -ist, haben eine den Naturfreund fesselnde Mannigfaltigkeit des -Landschaftsbildes hervorgerufen. Außer dem eigentlich bodenständigen -Buchenwald finden sich weite, parkartig mit vereinzelten alten Eichen -bestandene Blößen, die früher Hutezwecken dienten. Vielfach auch sind -die Eichen später mit jungen Buchen forstgerecht unterbaut. In den -sechziger Jahren wurden, um die Blößen nicht ganz der Viehweide zu -entziehen, sie aber zugleich auch forstlichen Zwecken dienstbar zu -machen, kreisförmige Plätze von 4 bis 6 ~m~ Durchmesser bei 14 ~m~ -Dreiecksverband mit kleinen Entwässerungsgräben umgeben und miteinander -verbunden. Der Aufwurf diente zur Erhöhung des Platzes, der mit je 25 -Stück junger Fichten bepflanzt wurde. Diese sind nun herangewachsen und -bilden die auffallende Erscheinung der »Klümpse«. An ihre Stelle tritt -neuerdings allmählich richtiger Fichtenwald, der im Gahrenberger Revier -bereits 22% der Forstfläche (gegen 3% vor hundert Jahren) bedeckt. -Stellenweise bereitet auf der Hochfläche allerdings der versauerte und -vertorfte Boden der Aufforstung Schwierigkeiten. - -Im Mittelalter noch ein Tummelplatz von Tausenden wilder Eber, verarmte -der Reinhardswald später allmählich in bezug auf seinen Wildstand, und -als gar im Revolutionsjahre die Jagd freigegeben worden war, zählte -man bald danach (1852) im Holzhäuser Revier nur 8 Stück Rotwild, 14 -Stück Schwarzwild und 14 Rehe gegen 98, 86 und 76 fünf Jahre vorher. -Jetzt ist seit 1866 ein Gebiet von 8000 ~ha~ eingegattert, und es -wird darin ein mäßiger Bestand an Rot- und Schwarzwild gehalten -(Abb. 47). Auch Auerwild kommt vereinzelt vor. In jedem Herbst findet -die akademische Hubertusjagd im Forstbezirk Gahrenberg statt, nach der -unter Fackelschein die Beute durch Münden getragen, auf dem Markte eine -Rede gehalten und beim Kommers das Jagdgericht abgehalten wird. - - - - -~VIII.~ Solling, Homburg und Vogler. - - -Ähnlichen Charakter wie der Bramwald und der Reinhardswald zeigt auch -der Solling, jene große Buntsandstein-Ellipse, die nach Einmündung -der Schwülme in die Weser dem Hauptstrom die westliche Richtung -seines Nebenflusses aufzwingt. Es fehlen hier jedoch die basaltischen -Durchbrüche, wenn wir nicht die von der Schwülme an drei Seiten -umflossene Berggruppe, die in der 461 ~m~ hohen Bramburg gipfelt, -noch zum Solling rechnen wollen. Die Bramburg ist die nördlichste -ausgebildete Kuppe aus Basalt Deutschlands überhaupt. Die Brüche dort -oben sind mit maschinellen Hilfsmitteln allerart ausgestattet. Sie -sind die bedeutendsten in der Gegend und haben den Gipfel des Berges, -der eine prachtvolle Fernsicht gewährt, bereits völlig umgestaltet. -Der leitende Ingenieur und eine Anzahl Arbeiter wohnen oben, andere -in den benachbarten Ortschaften. Bei der Gewinnung der Steine kommt -es vor allem darauf an, das eben gebrochene Material schnell hinter -Strohwänden oder unter Schuppen zu bergen und möglichst bald zu -verarbeiten. Solange es nämlich noch frisch ist, läßt es sich leicht -spalten und zu rechteckigen Klötzen behauen; sobald aber die Sonne -es beschienen hat, zerspringt es unter dem Hammer zu unregelmäßigen -Stücken, und statt der Pflastersteine ist nur Schotter zu gewinnen. So -kostet oft ein unerwarteter Sonnenschein, vor dem frisch gebrochene -Steine nicht mehr gerettet werden konnten, dem Werke eine Menge Geld. -Die Ursache des »Verbrennens« der Steine ist noch nicht einwandfrei -festgestellt. Am Südfuße der Bramburg liegt der uralte Flecken -Adelebsen (1500 Einwohner), in dem die Adelsfamilie gleichen Namens -ihr Stammschloß mit einem ungeheuren Bergfried hat. Am Nordfuß ist -Volpriehausen zwar ein altes Dorf, aber ein ganz junger Industrieplatz. -Abgesehen davon, daß es die Bahnstation für die Bramburgbrüche -ist (eine Betriebsbahn verbindet diese damit), verdankt es seine -Bedeutung dem großen Kaliwerk, das aus Tiefen von 400 bis 600 ~m~ -jenes für die Landwirtschaft so wichtige Mineral zugleich mit reinem -Steinsalz heraufbefördert. Als Betriebsmittel dient die in der Nähe -bei Delliehausen gewonnene Braunkohle; doch ist deren Lager nahezu -erschöpft. - -[Illustration: §. Abb. 79. Schloß Varenholz. (Zu Seite 101.)] - -[Sidenote: Der Solling.] - -Der Solling bietet an seinen Rändern meist keinen reizvollen Anblick, -da er sich allmählich erhebt und die Äcker weit an seinen Hängen -emporsteigen. Nur bei Carlshafen und Fürstenberg hat die Weser ihn -angenagt, so daß der Dampfer dicht unter steilen Felsen dahingleitet. -Von den bisher besprochenen Buntsandsteingebieten unterscheidet -sich der Solling durch eine größere Ausdehnung und seine annähernd -kreisrunde Form. Da die Schichten des Gesteins horizontal liegen, so -ist der Abfluß von der Mitte der Hochfläche erschwert, und es bilden -sich Hochmoore wie am Moosberg, der wohl daher seinen Namen hat. -Strahlenförmig fließen nach allen Seiten Bäche, die sich ziemlich enge, -allmählich tiefer werdende, landschaftlich recht reizvolle Wiesentäler -nach den Rändern der Hochfläche hin genagt haben; von jenen fließt die -Ilme zur Leine, die Aale zur Schwülme, die Rottmünde und die Holzminde -zur Weser. Die zwischen den Tälern stehen gebliebenen breiten Rücken -haben annähernd gleiche Höhe und wachsen für das Auge eines ferner -stehenden Beschauers zu einer einzigen Ebene zusammen. Auch die Gipfel, -unter denen die Große Blöße mit 528 ~m~ der höchste Berg zwischen -Harz und Sauerland ist, überragen die Fläche so wenig, daß vor der -Herausgabe der preußischen Meßtischblätter stets der Moosberg (513 ~m~) -als die bedeutendste Kuppe des Gebirges, als der König des Sollings, -genannt wurde. So haben also preußische Offiziere diesen König -entthront. Die Silhouette des Sollings erscheint unter diesen Umständen -außerordentlich einförmig. Was das Gebirge reizvoll macht, das ist -der stundenlang ununterbrochene Wald (Abb. 18, 20 u. 21). Berühmt -sind außer vereinzelten Prachteichen auch einige um die Mitte des -achtzehnten Jahrhunderts angepflanzte Eichenalleen. Im übrigen aber ist -der Wald -- jetzt vielfach Fichtenbestand -- ein Ergebnis der neueren -verständigen Forstkultur (Seite 30 ff.). - -An Siedelungen ist das Innere des Gebirges arm. Daß deren früher -mehr vorhanden waren, beweisen die Kirchenruinen, wie wir deren -im Schwülmetale bei Adelebsen und in der Wüstung Friewohle unweit -Volpriehausen zwei noch stattliche finden, während sich an anderen -Stellen nur eben die Grundmauern unter Laub und Gras erkennen lassen. -Dagegen ist das Gebirge mit einem Kranz von Dörfern und Städten -umgeben. Carlshafen, Adelebsen und Volpriehausen haben wir bereits -erwähnt. An der Bahnstrecke Ottbergen-Northeim, welche einer alten -Handelsstraße zum Harze folgt, liegt noch Uslar (2500 Einwohner) -inmitten fruchtbaren Getreide- und Rübenbodens mit Eisenhütte, -Obstweinfabrikation und Teppichweberei und Hardegsen (1300 Einwohner) -am Durchbruch des Flüßchens Espolde durch den öden Muschelkalkzug der -Weper, überragt von dem hohen, düsteren »Mushaus«, dem Überrest einer -sehr alten, zeitweilig den Braunschweiger Herzögen gehörigen Burg. -Baulich interessant sind noch das alte Schloß Nienover bei Bodenfelde -und die romanische Basilika des Klosters Fredelsloh. - -[Sidenote: Einbeck.] - -Nordöstlich vom Solling und von ihm getrennt durch den Bergzug, der -die Ruine der alten ehemaligen Welfenburg Grubenhagen trägt (293 ~m~), -liegt am Rande einer fruchtbaren Keuper- und Liasmulde die einstige -Hansastadt Einbeck (8700 Einwohner), von alters her berühmt durch -ihre Leinweberei und noch mehr durch das Bier, von dem schon Herzog -Erich ~I.~ von Calenberg auf dem Wormser Reichstage Luthern eine Kanne -spendete. Die Brauerei nimmt neben anderen Gewerbezweigen, z. B. der -Zuckerfabrikation und der Fahrradindustrie, noch immer eine Hauptstelle -in der Arbeit der Bewohner ein und liefert besonders pasteurisiertes -Flaschenbier zur Ausfuhr in die Tropen. Bedeutende Kirchen, ein -stattliches Rathaus und schöne geschnitzte Holzhäuser aus der -Renaissancezeit bezeugen die ehemalige Blüte der Stadt (Abb. 48 u. 49). -Während Einbeck früher an der Kreuzung zweier bedeutender Straßen lag, -nämlich der von Göttingen nach Hannover, welche an dieser Stelle das -enge, feuchte Leinetal vermied, und der zur Weser bei Bodenwerder, wird -es jetzt von der durchgehenden Bahnlinie nicht berührt. Es liegt an -einer Seitenbahn, die im Ilmetal aufwärts bis zu dem Städtchen Dassel -(1500 Einwohner) führt. Daß dieses einst der Sitz eines mächtigen -Grafengeschlechtes war -- man denke an Ludolf, den Kanzler des Rotbarts ---, ist an sichtbaren Spuren nicht mehr zu erkennen. Interessanter ist -das benachbarte von Herzog Erich ~I.~ von Calenberg 1530 erbaute Schloß -Erichsburg. - -Nördlich davon liegt Stadtoldendorf, ein braunschweigisches -Städtchen von 3500 Einwohnern, Station der Bahn Kreiensen-Holzminden -(Berlin-Cöln). Der Zechstein birgt hier, besonders nach der -benachbarten Homburg zu, einen mächtigen Gipsstock, der in mehreren -Brüchen ausgebeutet wird. In einigen Fabriken werden daher Gipsdielen -hergestellt. - -[Sidenote: Elfas. Homburg.] - -Die am Westrande des Solling liegenden Orte mögen später bei einer -fortgesetzten Betrachtung des Weserlaufes besprochen werden. Vorher -hätten wir noch ein Wort über den Buntsandsteinzug Elfas-Homburg-Vogler -zu sagen. Das Fehlen eines gemeinsamen Namens zeigt uns, daß wir -es trotz der geologischen Zusammengehörigkeit dieser Berge mit drei -gesonderten Gruppen zu tun haben. Am wenigsten tritt der Elfas -(380 ~m~) hervor. Bedeutender ist die Homburggruppe, in ihren beiden -Hauptgipfeln 400 ~m~ überragend. Auffallend ist -- zumal im Gegensatz -zu der Weichheit der Linien in dem benachbarten Sollinggebiet -- die -in dieser Formation so seltene malerische Kuppelform des Berges, -der die Ruinen der alten Dynastenburg trägt. Es ist nicht viel von -ihr erhalten. Denn schon hundert Jahre nachdem 1409 der letzte -der Herren von Homburg, wie die Sage meldet, unter der Hand eines -Eversteiner Grafen am Altare zu Amelunxborn verblutet war, ließen die -Braunschweiger Herzöge die Burg verfallen und bauten aus den Steinen -das neue Amtshaus in Wickensen. Aber der Pallas ist nebst einigen -Gewölberesten mitten im grünen Buchenwald noch erkennbar. Der Besuch -der Trümmer sowie der Blick von dem Stumpf des zerbröckelten Bergfrieds -auf das Städtchen zu Füßen wird den Wanderer sicherlich für die Mühen -des Aufstieges belohnen. - -[Sidenote: Vogler.] - -Zum Vogler werden wir von Stadtoldendorf aus unseren Weg am besten -durch das liebliche Hooptal nehmen; so heißt das oberste Stück der von -dem Forstbach in die Hochebene eingewaschenen Schlucht. Bald überrascht -uns hier der Anblick des Klosters Amelunxborn, hart oben am Rande -der schroffen Talwand gelegen. Wir finden hier eine auch sonst sich -aufdrängende Beobachtung bestätigt, daß die Zisterziensermönche nicht -nur landwirtschaftliche Praktiker ersten Ranges, sondern auch Menschen -von einem hervorragenden Verständnis für landschaftliche Schönheit -gewesen sein müssen. Im Jahre 1129 vom Grafen Siegfried von Northeim -gestiftet, auf den auch die Erbauung der Homburg, wenn auch vielleicht -nicht die erste, zurückgeführt wird, ist es die älteste Klostergründung -jenes Ordens in Niedersachsen. Die schöne romanisch-gotische -Doppelkirche dient jetzt der Domäne und den Nachbardörfern als -Gotteshaus. - -[Illustration: Abb. 80. Möllenbeck gegen die Weserkette (Papenbrink, -Lange Wand, Luhdener Klippe). Nach einer Photographie von W. Siekmann -in Rinteln. (Zu Seite 101.)] - -Der Vogler ist von den drei Berggruppen die ausgedehnteste. Der Kamm -zieht sich in einem flachen, nach Osten geöffneten Bogen etwa zehn -Kilometer weit hin, sendet nach beiden Seiten viele starke Äste aus -und gipfelt in dem 460 ~m~ hohen Ebersnacken, einem der herrlichsten -Aussichtspunkte des Wesergebietes. Die Fülle schönen Buchenwaldes, -die starke Entwicklung leicht zu überblickender Täler, die reiche -Gliederung, die auch in der edlen Silhouette des Gebirges ihren -Ausdruck findet, verleihen dieser Berggruppe einen ganz besonderen -Reiz. An Siedelungen finden sich fast versteckt nur zwei arme -Holzhacker-Dörflein. Der Name des einen, Heinrichshagen, hat zusammen -mit dem des Bergzuges selbst Anlaß zu der Sage gegeben, hier habe König -Heinrichs Vogelherd gestanden. An seinem Nordwestende, der Königszinne, -erreicht der Vogler in steilem Absturz bei Bodenwerder die Weser, deren -Lauf wir von Herstelle ab nunmehr noch verfolgen müssen (Abb. 60). - -[Illustration: Abb. 81. Süntelbuche auf der Schafweide bei Hülsede. - -Nach einer Photographie von W. Wehrhahn in Hannover. (Zu Seite 101.)] - - - - -~IX.~ Die Weser von Herstelle bis Hameln. - - -[Sidenote: Das Wesertal.] - -Unterhalb Carlshafens, bei Herstelle, verläßt die Weser das reine -Buntsandsteingebiet und tritt durch das von den hannoverschen Klippen -rechts, von den hessischen Klippen und ihrer westlichen Fortsetzung -links gebildete Tor in den zweiten der Seite 24 u. 25 genannten -Talabschnitte hinaus. Der Eindruck der offenen Landschaft wird -abgesehen von der größeren Entfernung der Talwände auch durch deren -Lücken hervorgerufen, die sich an den Mündungen der Zuflüsse befinden, -aber zu der Bedeutung von Wässerchen wie die Nethe, die Holzminde, der -rechtsseitige Bever- und der Forstbach in keinem Verhältnis stehen. Den -Gegensatz zwischen den beiden jüngsten Gliedern der Trias, die unser -Tal scheidet, haben wir reiche Gelegenheit zu beobachten. Sanft erhebt -sich rechts der Solling; weit steigen die Felder an seinen Hängen -hinauf, so daß von dem Walde vielfach nur ein Streifen zu sehen ist -und die Gipfelhöhe des Sandsteingebirges unterschätzt wird. Links fällt -das Höxtersche Höhenland steil ab. Im Gegensatz zu der abgerundeten -Form der Gehänge, die wir am Reinhardswalde beobachtet haben, bildet -der Muschelkalk winklige Abstürze, deren steilste Stelle oben am Rande -des Plateaus liegt, während unten stellenweise aufgehäufte Schuttkegel -die Steilheit mildern. Diese Form des Bergprofils wiederholt sich bei -allen Vorsprüngen der Hochfläche, die sich kulissenartig voreinander -schieben, und erinnert trotz der kleineren Verhältnisse an den Nordrand -der Schwäbischen Alb (Abb. 55). Als Grund dieser Erscheinung haben wir -die Tatsache anzusehen, daß beim Sandstein mehr die mechanischen, beim -Kalk mehr die chemischen Kräfte des Wassers abtragend gewirkt haben. -Dieses führt den Kalk gelöst oder in so kleinen Teilchen zu Tale, daß -an der Böschung selbst fast nichts liegen bleibt, während sich der -aus dem Sandstein losgerissene Schutt überall da ablagert, wo das -schwächere Gefälle die lebendige Kraft des Wassers mindert. - -[Illustration: §. Abb. 82. Der Hohenstein gegen den Süntel. (Zu Seite -28 u. 102.)] - -An Siedelungen werden wir zuerst rechts das hannoversche Dorf -Lauenförde, links die westfälische Stadt Beverungen an der Bever (2400 -Einwohner) bemerken, das früher von Herstelle aus nur mit einem Umweg -über das rechte Ufer erreichbar war, während seit den vierziger Jahren -die seinerzeit viel bewunderte und auch jetzt noch schöne Bremer Straße -oben am Berge dorthin führt (Abb. 50). Ferner erwähnen wir links das -Schlößchen Blankenau und das Dorf Wehrden mit stattlichem Edelsitz -(Abb. 51). Aber schon von ferne ragt uns rechts auf hohem Sandsteinfels -das Dorf und das ehemalige Schloß Fürstenberg (180 ~m~) entgegen -(Abb. 52). In seinen älteren Erinnerungen auf die Grafen von Dassel und -Everstein zurückgehend, interessiert es uns erst von dem Zeitpunkt an, -wo Herzog Karl von Braunschweig-Wolfenbüttel, ergriffen von dem um die -Mitte des achtzehnten Jahrhunderts herrschenden Porzellanfieber, durch -den der Höchster Fabrik abspenstig gemachten »Arkanisten« Benckgraff -die Fabrikation jener edlen Topfware hier einführte. Die Fabrik, seit -1853 in Privatbesitz, hat sich im vorigen Jahrhundert lange Zeit -hindurch auf die Herstellung kunstloser Massenartikel beschränkt, -arbeitet aber neuerdings wieder nach den aus den letzten Jahrzehnten -des achtzehnten Jahrhunderts stammenden Modellen, die zum Teil einen -hohen Kunstwert besitzen. - -[Illustration: §. Abb. 83. Turm der Schaumburg gegen die Paschenburg. -(Zu Seite 102.)] - -Läßt es sich ermöglichen, so werden wir in Fürstenberg einen kurzen -Aufenthalt machen und uns an der Aussicht erfreuen, die wir von den -Terrassen der Gasthäuser auf die Täler der Weser und Nethe genießen -können. Bald ist dann auch das freundliche Höxter nebst dem nahen -Corvey erreicht. - -[Sidenote: Höxter.] - -Höxter ist ursprünglich ein karolingischer Königshof und wird seinen -Ursprung der sächsischen Volksburg auf dem Brunsberge zu verdanken -haben, wie so oft die fränkischen Höfe die Nähe solcher alten -Befestigungen aufsuchten. Hier schenkte Ludwig der Fromme den aus -Corbie in der Pikardie eingewanderten Benediktinern, die sieben Jahre -zuvor an einem nicht zu bestimmenden Orte »Hetha« eine Tochteranstalt -gegründet, diese aber wegen der Unwirtlichkeit des Platzes aufgegeben -hatten, 822 den Grund und Boden für eine neue Niederlassung; das ist -das im Mittelalter so hoch berühmte Corvey. Seinen Ruhm verdankt es -dem raschen Wachstum seines Konvents und seiner Besitzungen, dem Eifer -seiner Insassen für ihre Pionierarbeit im Interesse der Kultur und der -stattlichen Anzahl in Kunst und Wissenschaft hervorragender Männer, die -in seinen Mauern geweilt haben. Wir erinnern nur an Hrabanus Maurus, -den späteren Abt von Fulda und Erzbischof von Mainz, an Anschar, den -Apostel des Nordens, an die Maler Theodegar und Anderedus, an den -Baumeister Luitolf, an den Geschichtsschreiber des Sachsenlandes -Widukind und den ersten deutschen Papst, Gregor ~V.~ Bekannt ist, daß -die sonst verschollenen fünf ersten Bücher von Tacitus' Annalen im -Jahre 1514 in der dortigen Klosterbibliothek wieder aufgefunden worden -sind. Die Blütezeit des Klosters ist freilich bereits mit dem elften -Jahrhundert zu Ende gegangen. Seine Reichsunmittelbarkeit hat es 1803 -verloren; später ist es zu einer Standesherrschaft geworden, die sich -seit dem Jahre 1834 im Besitz der Hohenloheschen Familie, gegenwärtig -des Herzogs von Ratibor, befindet. - -Von den alten Bauten ist nicht viel erhalten. Am interessantesten -ist die westliche Vorhalle der Kirche, das älteste erhaltene Bauwerk -Westfalens, mit Säulen in frühchristlichem (vorromanischem) Stile. -Der größte Teil der Gebäude rührt von dem um 1700 errichteten Neubau -des Abtes Florentius v. Velde her, dessen italienische Bauleute in -dem benachbarten Lüchtringen noch einige schwarzäugige Nachkommen -hinterlassen haben sollen. An Sehenswürdigkeiten werden noch gezeigt -eine Galerie mit den Bildnissen der fünfundsechzig Äbte, die in ihrer -Bedeutung meist sehr überschätzte Bibliothek von 60000 Bänden und das -Grab Hoffmanns von Fallersleben, der hier als Bibliothekar im Jahre -1874 gestorben ist (Abb. 53 u. 54). - -Die westfälische Stadt Höxter entwickelte sich teils unter dem -Einfluß des Klosters, teils als Brückenort der Handelsstraße vom -Rhein nach Braunschweig und Magdeburg. Sie teilte die politischen -Geschicke Corveys. Jetzt zählt sie 7700 Einwohner, die ihre Arbeit -außer beim Ackerbau auch in einigen Industrien (u. a. Zement) finden. -An kirchlichen und profanen Baudenkmalen hat sie noch einige hübsche -Stücke aus alter Zeit bewahrt (Abb. 55). - -[Illustration: §. Abb. 84. Die Arensburg. (Zu Seite 103.)] - -[Sidenote: Holzminden.] - -Weniger bevorzugt durch landschaftliche Reize der Lage ist Holzminden -(9900 Einwohner), das sich mit Höxter in die Stellung als Übergangsort -teilt, ihm aber als Hauptstapelplatz der Sollinger Sandsteine überlegen -ist. Welche Bedeutung dieser Industrie zukommt, geht zur Genüge -schon aus der Tatsache hervor, daß in dem braunschweigischen Kreise -Holzminden 22½ % der erwerbstätigen Bevölkerung mit Gewinnung und -Verarbeitung von Steinen und Erden beschäftigt sind, im hannoverschen -Kreise Uslar aber 13,9%. Die meisten und besten Brüche liegen eben an -der West- und Nordseite des Sollings. Der Sandstein findet sich in zwei -verschiedenen Formen, nämlich als Block oder als Platte. Die Blöcke -werden als Bau- und Werksteine benutzt, zu Trögen, Krippen, Ausgüssen -und dergleichen verarbeitet; die Platten dagegen finden als Fliesen zum -Bedecken der Fußböden in Küchen und Hausfluren, als Trottoirbelag und -besonders auch als Dachsteine Verwendung. Das Behauen der Blöcke, die -Herstellung der Behälter, das Zurechtschneiden und Glätten der Schiefer -geschieht großenteils an Ort und Stelle, ehe die Ware auf dem Schiff -oder der Eisenbahn verfrachtet wird. - -[Sidenote: Bevern.] - -Von der Burg, welche die Grafen von Everstein hier einst besaßen, -ist keine Spur erhalten. Wohl aber kann man ihr Stammschloß auf dem -schroffen Muschelkalkrücken des Burgberges, 10 ~km~ nordöstlich von -Holzminden, noch an den Wällen und Gräben erkennen. Von hier aus übte -dieses Geschlecht, dessen Besitz mit seinem Aussterben (1408) an die -Welfen überging, seine Herrschaft über große Teile Niedersachsens bis -ins Göttingische und auf das Eichsfeld aus. An dem Fuß des Berges -verdient der Flecken Bevern am Beverbach (2200 Einwohner) einen Besuch -wegen seines herrlichen Renaissance-Schlosses; es wurde 1603 bis 1612 -von einem Herrn von Münchhausen erbaut und diente zeitweilig den -Herzögen von Braunschweig-Bevern zum Wohnsitz (Abb. 56). - -[Sidenote: Ohsen.] - -Bei der Domäne Forst tritt nun die Weser in das Muschelkalkplateau ein, -das sie erst bei Ohsen an der Emmermündung ganz verläßt. Zeitweilig -nähert sich freilich der Strom bei Bodenwerder dem Buntsandstein des -Voglers und weiter abwärts den Keuperbergen von Grohnde. Im allgemeinen -aber bleibt der Charakter des engen Durchbruchstales durch den -Muschelkalk bestehen, in dessen Windungen wir alte Spalten zu erkennen -haben mögen. Vortrefflich lassen sich die Schichten des Gesteins da -beobachten, wo der Fluß den Felsen unmittelbar bespült, und wo erst die -neuere Technik Raum für Straßen geschaffen hat (Abb. 57 u. 59). Bald -steht der Felsen kahl, nur mit einigem Gestrüpp und farbig blühenden -Kalkpflanzen bewachsen; stellenweise haben aber auch einige Bäume, -so am Breitenstein bei Rühle die zählebige Eibe, jener sonst fast -ausgestorbene Waldbaum, festen Fuß fassen können. - -[Illustration: §. Abb. 85. Die Weserkette bei Rinteln (Lange Wand, -Luhdener Klippe). (Zu Seite 103.)] - -[Sidenote: Polle. Brevörde.] - -Der nächste bedeutendere Ort ist links Polle (1000 Einwohner), von -»wo ein mit Liasgebilden erfülltes Tal einen bequemen Zugang von der -Weser zur Hochfläche ermöglicht« (Guthe). Der Flecken ist unter dem -Schutze einer eversteinischen Burg entstanden, deren Ruinen auf einem -kleinen Bergkegel hart am Ufer eine besondere Zierde des Wesertales -bilden (Abb. 58). Bald ist auch Brevörde erreicht, wo eine Kunststraße -in vielen Schlangenwindungen von der Hochebene herabkommt, und die -berühmte alte Steinmühle, früher Dohlensteinmühle, die ein aus der -Felswand sprudelnder Quell treibt (Abb. 59). Bei dem malerischen -Dörfchen Rühle kommen wir an den Vogler, dessen ziemlich steile -Buchenhänge wir nun bis Bodenwerder zu unserer Rechten behalten. - -[Illustration: §. Abb. 86. Porta Westfalica von Süden. (Zu Seite 103.)] - -[Sidenote: Bodenwerder.] - -Daß Bodenwerder (1600 Einwohner), wie sein Name (~Insula Bodonis~) -sagt, auf einer Insel liegt, werden die wenigsten der Reisenden -bemerken, die sich dieser Perle des Wesertales nähern, da der linke Arm -der Weser sich allmählich bis zu völliger Winzigkeit verengert. Der -Ort scheint im elften Jahrhundert von den Herren von Homburg begründet -worden zu sein, deren Erbe fast gleichzeitig mit dem der Eversteiner -an die Welfen fiel. Die Bedeutung des Ortes lag darin, daß die von -rechts hier einmündende Lenne in ihrem Tal einen natürlichen Zugang -zur Hilsmulde, sowie nach Alfeld, Einbeck und Northeim gewährte. So -war Bodenwerder der gegebene Umschlagsort für Bremer Waren, die nach -der mittleren und oberen Leine bestimmt waren. Die neue Eisenbahn -Emmerthal-Vorwohle und der Hafen an der Lennemündung sind dazu -bestimmt, die alten Verhältnisse einigermaßen wieder herzustellen -(Abb. 60). - -[Sidenote: Kemnade.] - -Das anschließende Dorf Kemnade besitzt noch von einem im zehnten und -elften Jahrhundert gegründeten Benediktinerinnenstift eine schöne -flachgedeckte Pfeilerbasilika mit einfachen und schlanken Formen (1046 -geweiht). In ihr liegt der wegen seinen Aufschneidereien bekannte -Freiherr von Münchhausen († 1797), der in Bodenwerder ein Gut besaß, -begraben. - -[Sidenote: Hastenbeck. Hameln.] - -Auf der ferneren Fahrt wird uns noch das Renaissanceschloß des -Grafen Schulenburg in Hehlen (Abb. 61) und der hübsche Flecken -Grohnde auffallen, ferner an der Emmermündung die Dörfer Hagenohsen -und Kirchohsen, sowie endlich das Rittergut Ohr unter dem steil -abfallenden Ohrberg, einem beliebten Ausflugsort mit schönem, -an exotischen Gewächsen reichen Park. Die üppige Fruchtebene zu -unserer Rechten, überragt von dem Kalkrücken des Scheckens mit der -altsächsischen Obensburg, ist das Schlachtfeld von Hastenbeck, auf -dem am 26. Juli 1757 Hannoveraner und Franzosen miteinander stritten. -Links öffnet sich das breite Tal der Humme. Aber schon winken uns die -Türme Hamelns; das Schiff gleitet auf der spiegelblanken, durch die -Wehre aufgestauten Flut dahin, und während wir uns in den zauberischen -Anblick der alten Stadt vertiefen, die am Fuß der grünen Berge mit -ihren Türmen höher und höher emporzuwachsen scheint, legt der Dampfer -dicht oberhalb der Brücke neben dem stattlichen Bonifatius-Münster an. -Wir sind am Ziele unserer Reise angelangt. - -[Illustration: Abb. 87. Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal an der Porta -Westfalica. - -Nach einer Aufnahme von Hofphotograph C. Colberg in Oeynhausen. (Zu -Seite 104.)] - - - - -~X.~ Die Hilsmulde. - - -[Sidenote: Der Hils. Eschershausen.] - -Während der Fahrt, die wir auf dem schmucken Dampfer talwärts machten, -sind uns unterhalb Holzmindens auf der rechten Seite der Weser, -wenn die nahen Hügel oder das Voglergebirge den Blick in die Ferne -nicht völlig versperrten, einige Berge aufgefallen, deren Form und -Höhe unser Interesse erweckten. Es war der zackige Kamm des Iths und -die waldige Höhe des Hilses. Beide gehören zu dem Gebirgssystem der -Hilsmulde, über deren merkwürdigen geologischen Bau auf Seite 18 das -Nötige gesagt ist. Wir erinnern nur daran, daß eine Wanderung von der -Leine oder Weser bis etwa nach Grünenplan über eine Anzahl ringförmig -einander umschließender Berge und Täler führt, von denen jedesmal -die folgende Zone eine spätere Form der Erdrinde darstellt als die -vorhergehende von den ältesten Gebilden der Trias bis zu den jüngsten -der Kreide. Von der Weser aus führt uns eine Eisenbahn in die Hilsmulde -hinein, die Linie Emmerthal-Vorwohle. Sie überschreitet den Strom -bei Bodenwerder (vergl. Seite 83) und verfolgt dann das Längstal der -Lenne, dessen Westrand durch den Buntsandstein des Voglers gebildet -wird, während im Osten hinter einer niedrigen Muschelkalkkette sich -der Ith erhebt. Wir erreichen bald Eschershausen (1900 Einwohner), -ein braunschweigisches Städtchen, im elften und zwölften Jahrhundert -durch flämische Einwanderer wenn auch wohl nicht gegründet, so doch -hauptsächlich besiedelt (Abb. 62). Früher hat es als Kreuzungspunkt -der Straßen Alfeld-Holzminden und Einbeck-Bodenwerder eine gewisse -Bedeutung gehabt. Jetzt ist es zusammen mit dem nahen Vorwohle der Sitz -einer lebhaften Zement- und Asphalt-Industrie. Der Rohstoff dieser -letzteren ist ein bis zu 15% mit Erdpech durchtränkter Kalkstein, der -teils durch Tagebau, teils in Stollen und Gruben gewonnen wird, und -aus dem sowohl Stampfasphalt als Gußasphalt in ziemlich beträchtlichen -Mengen hergestellt wird. - -[Illustration: Abb. 88. Minden. Verlag von Julius Bleek in Minden. (Zu -Seite 104.)] - -[Illustration: Abb. 89. Inneres des Doms zu Minden. (Zu Seite 106.)] - -[Sidenote: Der Ith.] - -Der Ith erscheint uns, von Eschershausen gesehen, gleichsam wie -eine zinnengekrönte Mauer. Der zackige Kamm zieht sich, bis 439 ~m~ -ansteigend, nach Nordwest 20 ~km~ paßlos hin; denn die beiden -Landstraßen, die ihn überschreiten, klimmen bis zur Kammhöhe hinauf. -Dann knickt er plötzlich nach Osten um. Dieser südwestlichen Mauer -entspricht eine ähnliche, wesentlich längere ohne Gesamtnamen im -Nordosten, nur daß diese sich mehr in einzelne Berge auflöst und durch -zwei Bäche, die Glene und die Wispe, durchbrochen ist. Im Norden klafft -zwischen der Ost- und der Westmauer eine etwa 5 ~km~ weite Öffnung, -der die Saale entströmt. Im Süden ist der äußere Ring überhaupt nicht -geschlossen; doch legt sich hier die Hilshöhe (s. Seite 88), wenn -auch nicht vollständig, in die Lücke hinein. Die ganze Ellipse von -fast 40 ~km~ Länge und 10 ~km~ Breite besteht aus Gebilden des weißen -Jura, dessen Schichten nach dem Inneren der Mulde ziemlich steil -einfallen und dem Wanderer, der sie von der Außenseite her nehmen will, -schroffe, dräuende Dolomitklippen entgegenhalten. Manche von ihnen -haben geradezu die Form von Keulen oder Nadeln, wie die berühmten -Steine »Adam und Eva« bei Coppenbrügge (Abb. 63). Der Kamm hebt und -senkt sich fortwährend und ist, besonders auf dem Ith, äußerst schmal. -Eine Gratwanderung ist daher recht beschwerlich; denn selbst der -Buchenwald, der nur mager gedeiht, gewährt nicht immer ausreichenden -Schatten. Aber doch welch ein Genuß, von den Rotensteinfelsen bei -Eschershausen (Abb. 64), von den Dielmisser Felsen, von dem Mönchstein -bei Lauenstein oder vom Kahnstein bei Salzhemmendorf, hoch oben -am Rande der senkrechten Wand stehend, auf das fruchtbare Vorland -hinabzuschauen, in dem die Dörfer sich eng geschlossen und ziegelrot -wie auf der Landkarte aus dem gelb, braun und grün gezeichneten Gelände -abheben. Noch mühseliger freilich ist es, sich durch die Felswildnis -hindurchzuarbeiten, welche die äußeren Abhänge jener Bergketten -begleitet. Aber lohnend ist auch das, zumal wenn wir so interessante -Punkte aufsuchen wie die Teufelsküche bei Coppenbrügge, wo der -gewaltige Garnwindel- oder Wackelstein auf schmaler Basis ruht, oder -die Kammersteine am Selter bei Freden mit ihrer Höhle. - -[Illustration: §. Abb. 90. Bergkirchen auf dem Wiehengebirge. (Zu Seite -107.)] - -Das zwischen jenen Bergen eingeschlossene Becken ist ebenfalls reich -an gutem Ackerboden, birgt aber auch viele verwertbare Mineralien, -wie Kalk, Gips, Ton, Braunkohle und Eisenerz. So hat es sich denn -auch gelohnt, eine normalspurige Kleinbahn von Voldagsen an der Linie -Hameln-Hildesheim bis zu der Eisenhütte bei Delligsen in die Hilsmulde -hineinzuschieben. Sie berührt zunächst das reizende Lauenstein -(1200 Einwohner), das sich fast in den oben erwähnten Knick des Ith -hineinschmiegt und von schön bewaldeten Hügeln umgeben ist (Abb. 65). -Der Ort ist unter dem Schutz einer den Herren von Homburg gehörigen und -in ihren Resten noch erhaltenen Burg entstanden, wie auf der anderen -Seite des Gebirges der Flecken Coppenbrügge seinen Ursprung einer Feste -der Grafen von Spiegelberg zu verdanken scheint, die jetzt als Amthaus -dient. - -Salzhemmendorf (1300 Einwohner) am Fuße des Kahnsteins hat seine Saline -1873 eingehen lassen, besitzt aber noch sein kleines Solbad, wenn auch -die riesigen Kalksteinbrüche den Flecken fast ganz zum Industrieorte -zu machen drohen. Duingen (1100 Einwohner) dagegen sieht seit den -siebziger Jahren allmählich seine alte, bodenständige Steingutindustrie -dahinschwinden, die dem Wettbewerb mit dem billigen Emailgeschirr auf -die Dauer nicht standhalten kann. Der tertiäre Ton, der sich dort -in vereinzelten Nestern findet, wurde von selbständigen Meistern, -von denen gegenwärtig nur noch vier das Gewerbe fortsetzen, auf dem -Drehrade mit der Hand zu Töpfen, Schüsseln, Krügen usw. verarbeitet -und in kleinen Öfen mit Stroh gebrannt. An die Stelle der Erzeugung -von Topfware ist jetzt zum Teil der Handel mit solcher getreten. Man -läßt sie von auswärts kommen, z. B. aus Bunzlau, und fährt sie in den -Dörfern herum, wo die Landleute sie unmittelbar vom Wagen kaufen. - -[Illustration: Abb. 91. Königl. Kurhaus in Bad Oeynhausen. - -Nach einer Aufnahme von Hofphotograph C. Colberg in Oeynhausen. (Zu -Seite 107/108.)] - -Ein viel besuchtes Plätzchen in der Nähe ist die berühmte -Lippoldshöhle, eine vermutlich sehr alte Wohn- und Befestigungsanlage, -die, vielleicht mit Benutzung natürlicher Höhlen, in den Korallenkalk -des Reuberges bei Brunkensen hineingearbeitet worden ist. Sie liegt an -dem Durchbruchstale der Glene, die hier einer Papierfabrik dienstbar -gemacht ist, und hatte wohl den Zweck, diesen Engpaß zu sperren. Dies -wird um so wahrscheinlicher, als auf dem Reuberge einst die Burg -Hohenbüchen lag, und als in der Familie ihrer Besitzer, der Herren -von Rössing, der Name Lippold nicht selten war. Die Sage aber hat die -alte Höhle zum Räubernest gemacht, was ja in einem gewissen Sinne auch -nicht unrichtig ist; sie weiß von Lippolds Freveltaten schauerliche -Mären zu erzählen und läßt ihn selbst verdientermaßen auf dem -Rabensteine enden. Oft suchen die Schulen der Umgegend den romantischen -Platz auf. Die jugendlichen Wandersleute steigen dann gerne auf der -schwankenden Leiter zu des Räubers »Stube« und »Kammer«, kriechen -mit den Wachsstümpfen in der Hand durch den niedrigen, schmalen -Gang zum »Schornstein« und lassen sich durch diesen zur »Küche« und -zum »Pferdestall« herab, derweil die besonneneren Begleiter sich im -Schatten der Felsen an der plätschernden Glene der Rast erfreuen und -den Zauber der märchenhaften Umgebung auf sich wirken lassen. - -[Sidenote: Ith und Hils.] - -In den südöstlichen Teil des besprochenen Juraringes ist nun ein -kleinerer Ring sozusagen eingeschaltet, der der Kreideformation -angehört; es ist der eigentliche Hils selbst. Er übertrifft den Jurazug -an Höhe, da er im Großen Sohl und in der Bloßen Zelle bis zu 471 und -477 ~m~ ansteigt. Auf der Karte gleicht er einem menschlichen rechten -Ohr; er zeigt nur im Osten eine Öffnung, und diese wird durch das -Tal der Wispe gebildet. Steigt ihr hinauf zu einer kahlen Stelle des -breiten Hilsrückens, so überschaut ihr ein Waldland von echtem, herbem -Mittelgebirgscharakter. Denn auf dem Hilssandstein gedeihen ausgedehnte -Fichtenwälder und nur auf den jüngeren Formationen, besonders dem -Pläner, findet sich Buchenwald. Bäuerliche Siedelungen fehlen hier -gänzlich. Inmitten dieser kleinen, aber durch Naturschönheiten -besonders bevorzugten Berggruppe liegt tief im Kessel Grünenplan, -eine ganz junge Gründung. Denn den Kern des braunschweigischen Dorfes -bildet eine Spiegelglashütte, die des billigen Brennholzes wegen -im Jahre 1740 angelegt wurde, und zwar, wie es scheint, an Stelle -älterer, wieder verlassener Hütten. Wer möchte es glauben, daß dieses -Dorf viele weit gereiste und sprachkundige Männer beherbergt! Es sind -Vogelhändler, die aus dem Oberharz die kleinen gefiederten Sänger, -zumal Kanarienvögel, beziehen und sie dann selbst in überseeische -Länder, besonders nach Süd- und Mittelamerika, bringen. Zu diesen -Erwerbszweigen tritt neuerdings die Fremdenindustrie. Denn Grünenplan -kommt als Sommerfrische immer mehr in Aufnahme. - -[Illustration: Abb. 92. Osnabrück vom Gertrudenberge aus gesehen. - -Nach einer Photographie von J. H. Evering Wwe. in Osnabrück. (Zu Seite -108/109.)] - - - - -~XI.~ Osterwald, Deister und Bückeberg. - - -[Sidenote: Der Osterwald.] - -Nördlich von der Hilsmulde und von ihr geschieden durch die breite -Niederung der Saale, durch welche nach Überwindung des Scheckenpasses -bei der alten Sachsenfeste Obensburg die Eisenbahn Hameln-Hildesheim -der Leine bei Elze zustrebt, erhebt sich ein bis zu 419 ~m~ Höhe -ansteigender, sanft gewölbter Rücken aus Wealdensandstein, in seinem -östlichen Teile Osterwald, im westlichen Nesselberg genannt. Es ist -trotz des reichen Waldbestandes landschaftlich ein etwas einförmiges -Gebiet. Wirtschaftlich wichtig ist dagegen seine Kohle und sein -feinkörniger, von den Architekten hochgeschätzter Sandstein, der -z. B. für das Berliner Reichstagsgebäude verwendet worden ist. Kohle -und Stein werden in zahlreichen Brüchen und mehreren Gruben bei dem -hochgelegenen Dorfe Osterwald gewonnen. Reizvoller ist die im Norden -sich anschließende jurassische Kette, deren Dolomitklippen, der Weiße -Stein, die Barenburg mit ihren alten Wallresten, der Drakenberg und die -romantische Landgrafenküche, ziemlich steil nach der Ebene abfallen. -Gern besucht man daher diese Punkte von Hannover aus, lieber noch die -idyllische Holzmühle in einem Quertale dieses Zuges und den Saupark -bei Springe, in dem der Kaiser jedes Jahr im Spätherbst ein Treiben -auf Schwarzwild abzuhalten pflegt, und wo man zu anderen Zeiten die -schwarzen Vettern unseres Hausschweines an den Futterstellen friedlich -schmausen sehen kann (Abb. 67). - -[Sidenote: Saupark. Deister.] - -Der Saupark, auch Kleiner Deister genannt, bildet mit dem Ebersberge, -der bereits zum eigentlichen Deister gehört, die beiden Torpfosten -der Deisterpforte, eines strategisch wichtigen Passes, durch den die -Eisenbahn Hannover-Hameln hindurchführt (Abb. 5). - -Auch der Deister ist ein beliebtes Ausflugsziel der Hannoveraner trotz -seiner Einförmigkeit. Sein Hauptreiz besteht, wenn wir nicht die -Bennigser- und die Heisterburg (Seite 58) mit fachmännischem Interesse -betrachten, in dem prächtig gedeihenden Buchenwalde, der fast alles -überzieht, meist sogar den gleichmäßig gestreckten, breiten Kamm, der -400 ~m~ nur an einer Stelle überragt, überall aber die sanften Nord- -und die steileren Südhänge, sowie die flachen, gleichgerichteten -Auswaschungstäler, die den Nordabhang in eine große Zahl sogenannter -»Brinke« teilen. - -Ähnlich wie der Osterwald besteht auch der Deister aus einem Kern -von Wealdensandstein mit einem vorgelagerten Weißjuragürtel (Näheres -Seite 9). Dieser liegt aber im Süden, nicht wie dort im Norden. -Infolgedessen ist hier im Gegensatz zum Osterwalde die Ausbeutung der -Kohlenlager und Sandsteinbänke von Norden her begonnen worden, und der -Norden hat auch zuerst seine Bahnverbindung in der Linie Weetzen-Haste -erhalten. - -[Illustration: Abb. 93. Der Markt in Osnabrück mit Rathaus, -Stüve-Denkmal, Ratswage und Marienkirche. - -Nach einer Photographie von Karl F. Wunder in Hannover. (Zu Seite 110.)] - -Als Siedelungen am Deister sind außer Springe (3100 Einwohner), -dem in einer fruchtbaren Mulde gelegenen ehemaligen Hauptort der -Grafschaft Hallermund, der einige Teppichfabriken besitzt, noch -folgende zu nennen: an der Nordostseite Barsinghausen, der Mittelpunkt -des Kohlenbergbaues und des Touristenverkehrs, mit schöner, alter -Klosterkirche, an der Nordwestecke Nenndorf mit ziemlich bedeutendem -Bade, das die stärksten Schwefelquellen Deutschlands besitzt, und dicht -dabei das Städtchen Rodenberg (1700 Einwohner) mit einer Saline. - -[Sidenote: Der Bückeberg.] - -Die Rodenberger Aue trennt den Deister vom Bückeberge, der zwar anders -streicht als der Deister, aber der gleichen Formation angehört und auch -landschaftlich ihm in gewissem Grade ähnelt. Freilich hat hier der -Buchenwald auf weite Strecken den Fichtenpflanzungen weichen müssen. -Die Sandsteinbrüche befinden sich hier in höheren Lagen als am Deister -und Osterwald, nämlich oben auf dem Kamm, so daß die Schutthalden -den Bergzug meilenweit kenntlich machen. Die Steine werden in der -Regel oben nur roh behauen und dann auf Wagen zu Tale befördert. An -Vortrefflichkeit stehen sie keinen anderen nach und haben daher auch -für manchen berühmten Bau, wie das Antwerpener Rathaus, das Schloß und -die Börse in Amsterdam und den Kölner Dom, das Material geliefert. -Die Kohlenflöze liegen hier jedoch tiefer als am Deister. Gegenüber -dem überwiegenden Stollenbetrieb dort haben wir daher hier Schächte. -Sie liegen am Nordfuße des Gebirges in der Gegend von Obernkirchen; -die Kohlen können meist unmittelbar auf den Stationen der Bahn -Rinteln-Stadthagen verladen werden und gelangen zum großen Teil in -Rinteln zu Schiffe. - -[Illustration: §. Abb. 94. Tecklenburg. (Zu Seite 114.)] - -[Sidenote: Die Wealdenkohle.] - -Die Wealdenkohle, welche nicht nur an den zuletzt besprochenen drei -Bergzügen, sondern auch am Süntel, an der Nordseite des Wiehengebirges -und im Amte Iburg bei Osnabrück vorkommt, nimmt nach Alter und -Beschaffenheit eine Mittelstellung zwischen der eigentlichen Steinkohle -der Karbonzeit und der Braunkohle ein. Die beste ist die am Bückeberge, -die der westfälischen an Heizkraft fast gleichkommt; dieser steht die -Deisterkohle nach, und die Osterwaldkohle ist noch geringer. - -Die ältesten Werke sind die am Bückeberge; denn sicher hat dort -ein geregelter Betrieb schon im Jahre 1520 bestanden; weniger -einwandfreie Nachrichten lassen den Bergbau sogar bis auf das -vierzehnte Jahrhundert zurückgehen. Am Osterwalde legte Herzog Julius -von Braunschweig-Lüneburg in den achtziger Jahren des sechzehnten -Jahrhunderts die ersten Gruben an, um die Salinen von Hemmendorf mit -Steinkohlen zu befeuern; am Süntel, von dem weiter unten die Rede -sein wird, und am Deister begann die Bergwerkstätigkeit zur Zeit -des Dreißigjährigen Krieges, wobei allerdings erwähnt werden mag, -daß damals am Deister schon von verlassenen Stollen die Rede war, -an deren ehemaligen Betrieb sich alte Leute noch erinnern wollten. -Der eigentliche Aufschwung des Bergwerksbetriebes setzt erst mit -der Entstehung der Hannover-Lindener Industrie im zweiten Viertel -des neunzehnten Jahrhunderts ein. Für sie war das Vorhandensein der -Deisterkohle geradezu eine Vorbedingung. - -Der Besitz der verschiedenen Werke liegt teils in Privathänden, teils -in denen des Staates. Die Kohlenfelder am Bückeberg beutet Preußen mit -Schaumburg-Lippe gemeinsam aus. Die gesamte Förderung des besprochenen -Gebietes betrug ohne Osterwald und Süntel im Jahre 1907 fast eine -Million Tonnen, die Belegschaft rund 6300 Mann. - -[Sidenote: Stadthagen.] - -Im Gegensatz zum Osterwalde und Deister ist der Bückeberg nicht völlig -unbewohnt. Nein, gerade auf der höchsten Stelle hat sich eine kleine -Ansiedlung von Steinbruchsarbeitern und -beamten gebildet. Am Nordfuße -liegt Stadthagen (6700 Einwohner) mit hübschem schaumburg-lippischem -Schloß. Der Ort, früher Grevenalveshagen, d. h. Graf Adolfs (des -Vierten) Hagen, ist ursprünglich eine der Seite 44 erwähnten -Hagenkolonien aus dem dreizehnten Jahrhundert, von denen aus der -Nachbarschaft noch Krebshagen, Wendhagen, Kathrinhagen u. a. zu nennen -sind. - -[Sidenote: Obernkirchen.] - -Wesentlich älter ist Obernkirchen (4200 Einwohner), das den Ursprung -seines ehemaligen Benediktinerinnenklosters auf die Zeit Ludwigs des -Frommen zurückzuführen sucht. Die gut wiederhergestellte gotische -Hallenkirche ist sehenswert. Die Einwohner des Orts finden in den -Steinbrüchen und Gruben, sowie auch in der bedeutenden Glashütte -Schauenstein Beschäftigung. - -[Illustration: Abb. 95. Schloß Iburg. (Zu Seite 114.)] - -[Illustration: Abb. 96. Burg Ravensberg im Jahre 1839. - -Nach einer photographischen Reproduktion (Eigentum des -Verschönerungs-Vereins in Halle i. W.) von H. Baumann in Bielefeld. (Zu -Seite 114.)] - -[Illustration: Abb. 97. Burg Ravensberg. - -Nach einer Photographie (Eigentum des Verschönerungs-Vereins in -Halle i. W.) von H. Baumann in Bielefeld. (Zu Seite 114.)] - -[Sidenote: Bückeburg.] - -Als eine westliche Fortsetzung des Bückeberges ist der niedrige Zug -des Harrl anzusehen, der an dem Tal der Bückeburger Aue bei dem -lieblich gelegenen Schwefelbade Eilsen beginnt und bei Bückeburg, der -schmucken Hauptstadt des Schaumburger Ländchens, sein Ende erreicht -(Abb. 66). Das alte Grafengeschlecht der Schaumburger, vor deren -scharfem Schwerte so Dänen wie Sarazenen erbebten, ist seit 1640 -ausgestorben, und die lippische Dynastie, die jetzt dort sitzt, hat -von dem weiten Länderbesitz ihrer Vorgänger nur ein kleines Stückchen -zu behaupten vermocht. Der Herrscher aber, der der Residenzstadt ihr -Gepräge aufgedrückt hat, ist Fürst Ernst, der vorletzte Schaumburger, -gewesen. »Die heute noch vorhandenen Reste der Kunstschöpfungen dieses -Fürsten,« sagt Haupt, »... atmen eine so leidenschaftliche Liebe zu -den prächtigsten und üppigsten Mitteln des Renaissancestils, ein so -überzeugtes, unwiderstehliches Fortstürmen auf dem Wege der Übertragung -italienischer Kunst ins Nordischere, daß man nur hier völlig ermessen -kann, welch herrliche, aufblühende nationale Kunst durch den -unglückseligsten aller Kriege erdrückt ist.« Hierher gehören vor allem -die so wenig bekannten prachtvollen Innendekorationen des Bückeburger -Schlosses und der lutherischen Stadtkirche, die schwungvolle Fassade -derselben (Abb. 68), die Schloßkirche, das Tor des Schloßplatzes und -die schönen Bronzefiguren von Adrian de Vries im Schloßgarten. Der -einheitliche Kunstcharakter des Städtchens, den auch Neubauten wie das -stattliche Schloß der Fürstin Mutter und das neue Rathaus (Abb. 69) -gewahrt haben, das Fehlen lärmender Industrie, die hübsche Lage am -Fuße des buchengrünen Harrl, der Reiz der bunten Volkstrachten in der -Umgebung haben Bückeburg (5700 Einwohner) zu einem beliebten Ruhesitz -von Rentnern und Pensionären gemacht. - -[Illustration: Abb. 98. Straße in Halle i. W. - -Nach einer Photographie (Eigentum des dortigen Verschönerungs-Vereins) -von H. Baumann in Bielefeld. (Zu Seite 114.)] - - - - -~XII.~ Von Hameln nach Osnabrück. Süntel, Weserkette und Wiehengebirge. - - -[Sidenote: Hameln.] - -Eine Wanderung über die Weserkette nimmt naturgemäß von Hameln ihren -Ausgang (Abb. 70). Die Stadt (20700 Einwohner) liegt an einer von -der Natur selbst zum Brücken-, Umschlags- und Mühlenort bestimmten -Stelle. Das den Überschwemmungen ausgesetzte Gebiet ist hier sehr -schmal, schmaler als oberhalb und unterhalb der Stadt. Ferner führen -abgesehen von dem Wesertale selbst von rechts die Täler der Hamel -und Remte, von links die der Emmer und Humme dem Orte alte Straßen -und neuerdings Eisenbahnen zu. Die Weser aber ist durch eine Insel -und ein noch nicht völlig von den Wassern durchnagtes Felsenriff -aufgestaut, was die Anlage von Mühlen erleichterte, aber die Schiffer -zum Umladen zwang. Was in diesen Verhältnissen Ungünstiges lag, hat -die moderne Technik siegreich überwunden. Das gefürchtete »Hameler -Loch« hat nach Anlage geräumiger Schleusen seine Schrecken verloren. -Wohl aber blühen noch die großartigen Müllereien, die jetzt der -Weser-Mühlen-Aktien-Gesellschaft gehören. Die beiden Mühlenwerke -werden durch 16 Turbinen mit rund 1500 Pferdekräften betrieben und -können täglich etwa 6000 Zentner vermahlen. Außerdem geben die Wehre -Gelegenheit zum Lachsfang, der seit alten Zeiten dort betrieben, -seit Mitte des vorigen Jahrhunderts aber durch die Anlage von -Lachsbrutanstalten in der Nähe der Stadt wesentlich lohnender gemacht -worden ist. Stehen wir auf der eisernen Brücke, welche den Mühlenwerder -mit den beiderseitigen Ufern verbindet, so können wir die Fischer -beobachten, wie sie das schwere quadratische Netz wieder und wieder in -die bewegte Flut senken und dann an einem plumpen Holzhebel emporziehen. - -[Illustration: Abb. 99. Kette des Teutoburger Waldes bei Halle mit -Blick auf den Ravensberg. - -Nach einer Photographie (Eigentum des Verschönerungs-Vereins in -Halle i. W.) von H. Baumann in Bielefeld. (Zu Seite 114.)] - -[Illustration: Abb. 100. Idyll aus Amshausen bei Halle i. W. - -Nach einer Photographie von H. Baumann in Bielefeld. (Zu Seite 114.)] - -Nicht zu vergleichen mit den Verkehrsverhältnissen einer Zeit, die -noch nicht lange hinter uns liegt, ist die Güterbewegung auf der -Weser, wie sie sich in den letzten Jahren entwickelt hat. Wurden -durch die Hameler Schleuse zu Berg und zu Tale im Jahre 1881 erst -48256 Tonnen hindurchbefördert, so konnte man im Jahre 1891 bereits -155540, im Jahre 1901 dagegen 311309 und im Jahr 1907 endlich gar -491368 Tonnen notieren. Es hat sich also der Verkehr im Laufe von 26 -Jahren verzehnfacht. Bei der immer stärker werdenden Produktion von -Kali, dem zurzeit hauptsächlichsten Ausfuhrartikel der Weser, dürfte -auch in der Folgezeit auf eine große Steigerung zu rechnen sein. Von -allen Umschlagplätzen aber von Cassel bis Minden einschließlich hatte -im Jahre 1906 der Hameler Hafen mit einer viertel Million Tonnen den -größten Verkehr. - -[Illustration: Abb. 101. Blick auf Bielefeld. Nach einer Photographie -von H. Baumann in Bielefeld. (Zu Seite 28 u. 114.)] - -Vorüber sind die Zeiten, wo die sogenannten Bremer »Böcke« von 15 bis -20 Pferden mittels eines am Maste befestigten Seiles unter endlosem -»Hüh!« und »Hoh!« der Treiber stromauf geschleppt wurden und den -kleineren »Hinterhang« nebst den noch kleineren »Bullen« hinter sich -herzogen. Drei auf diese Weise vereinigte Schiffe hießen »eine Mast«. -Stromabwärts ließen die Schiffer ihre Fahrzeuge treiben und machten -durch einen lauten harmonischen Dreiklang die Fährleute von weitem auf -ihr Kommen aufmerksam, damit das Drahtseil rechtzeitig in den Strom -hinabgelassen werden konnte. Hat Schreiber dieser Zeilen jene Art des -Verkehrs noch in seinen Knabenjahren mitangesehen, so wird es ihm und -wohl auch dem Leser schwer, sich in jene Zeit zu versetzen, wo selbst -der Treidelzug mit Pferden eine Neuerung war, die stellenweise mit -alten Verboten zu kämpfen hatte. Im Jahre 1815 bestand ein solches -allerdings nur noch auf der lippischen Strecke, wo selbst damals nur -mit Menschen getreidelt werden durfte. - -[Illustration: Abb. 102. Burg Sparenberg (Bielefeld) vom Johannisberg -aus gesehen. - -Nach einer Photographie von Ernst Lohöfener in Bielefeld. (Zu Seite -114.)] - -Kehren wir nach dieser Abschweifung noch einmal zur Stadt Hameln -zurück! Was ihren baulichen Charakter anlangt, so reichen sich -hier Mittelalter und Neuzeit die Hand. Da bewundern wir das -ehrwürdige Bonifatius-Münster, dessen Ursprung vielleicht noch auf -die Karolingerzeit zurückgeht, dessen älteste erhaltene Teile der -Spätblüte des romanischen Stiles und dessen Umbauten der gotischen -Zeit angehören. Da erfreuen wir uns an den Renaissance-Schöpfungen -jenes unbekannten Meisters, der in dem Hochzeitshause einen Bau für -allgemeine städtische Zwecke, in dem sogenannten Rattenfängerhause ein -behagliches Patrizierheim und in den benachbarten Schlössern Schwöbber -und Hämelschenburg Edelsitze nach dem neuen Geschmack von 1600 -herzustellen wußte (Abb. 71 u. 72). Umgeben ist die Stadt von einem -Kranz zierlicher Landhäuser. Und wahrlich man kann es verstehen, wenn -wirtschaftlich unabhängige Menschen sich diesen Wohnplatz aussuchen. -Lockt der Ort doch auch Jahr für Jahr einen immer stärker werdenden -Schwarm von Touristen herbei, die hier teils die Dampfschiffahrt in -die Oberwesergegenden antreten, teils zu Fuß oder im Motorboot die -beliebten Punkte der Umgegend aufsuchen. Zu diesen gehört außer dem -Seite 84 erwähnten Ohrberg der Klüt, ein unmittelbar über der Stadt am -linken Weserufer ziemlich schroff aufsteigender Berg, im achtzehnten -Jahrhundert von dem Fort George, jetzt von einem steinernen Turme -bekrönt. Unvergleichlich ist der Blick von dort oben auf die schmucke -Stadt, das fruchtbare Tal und die gegenüberliegenden Bergketten. - -Von Hameln nach Minden fehlt es an einem regelmäßigen -Personendampferverkehr. Nur Sonntags im Sommer fährt ein Schiff -stromabwärts. Das Tal ist bis Erder zu breit, der Wasserspiegel -zu tief, um immer eine freie Umschau zu ermöglichen. So benutzen -wir denn lieber die Bahn Hameln-Löhne, die das fruchtbare, von -schön profilierten Bergen umrahmte Tal durchzieht (Abb. 80). Hier -hat Fischbeck von seinem alten Augustinerinnenkloster, das jetzt -als adliges Fräuleinstift weiter besteht, noch eine flachgedeckte -romanische Basilika von hervorragender Schönheit. Es folgen -Hessisch-Oldendorf (1900 Einwohner) und Rinteln (5300 Einwohner), zwei -Städte, deren hübsche alte Fachwerkshäuschen großenteils noch nicht -von der entstellenden Tünche befreit sind, mit denen Ungeschmack und -Großmannssucht sie im vorigen Jahrhundert bekleidet hat[6]. - -[6] Wie in den vierziger Jahren selbst die Gebildeten jedes Verständnis -für die behaglichen alten Bauformen verloren hatten und nur für lange, -weiße Mauern schwärmten, dafür enthält das in der Einleitung erwähnte -Buch von Boclo zwei charakteristische Stellen. An Hameln weiß der -»Begleiter auf dem Weserdampfschiff« nur das Gefängnis(!) zu rühmen. Er -bittet, »nicht zu übersehen, wie großartig-modern Hameln sich ausnimmt, -in dem Moment, wo man es zuerst erblickt. Die großen neuen massiven -Korrektionsgebäude maskieren nämlich die ganze übrige, ältliche nicht -eben schöne (!) Stadt ... und lassen vermuten, Hameln wäre nach diesem -modernen Stile eben gebaut worden.« Von Rinteln heißt es: »Die Straßen -Rintelns würden viel länger, die Stadt viel schöner sein, wenn nicht -bei weitem die meisten Häuser mit der Giebelseite nach der Straße -gerichtet wären. Der Grund mag darin liegen, daß Rinteln ... früher -eine Ackerstadt war. Man sieht dies noch daraus, daß viele Häuser statt -der Türme hohe Tore haben.« - -[Illustration: Abb. 103. Haus in der Oberntorstraße in Bielefeld. - -Nach einer Photographie von Ernst Lohöfener in Bielefeld. (Zu Seite -114.)] - -[Sidenote: Rinteln.] - -Rinteln ist die Hauptstadt des preußischen Kreises Grafschaft -Schaumburg, d. h. des nach dem Aussterben der einheimischen Herrscher -an Kurhessen gefallenen Teiles von dem Schaumburger Erbe (Abb. 74). -Das Dorf Rinteln lag ursprünglich auf der rechten Seite der Weser, -die Stadt wurde im dreizehnten Jahrhundert vom Grafen Adolf ~IV.~, dem -Dänenbesieger, auf dem linken Ufer gegründet, hat aber in den letzten -Jahrzehnten mit ihrer jungen Industrie die alte Heimstätte wieder -mit in Beschlag genommen. Im Jahre 1621 gründete hier Fürst Ernst -(Seite 93) eine Universität, die König Jerome im Jahre 1809 zugleich -mit Helmstedt eingehen ließ. Dem Königreich Westfalen blieben ja -noch die Hochschulen zu Marburg, Göttingen und Halle, mehr als genug -für die wissenschaftlichen Bedürfnisse des Königs »Loustic«. Während -der kurfürstlichen Zeit war Rinteln als das »hessische Sibirien« -verschrien. In diesen entlegenen Teil des Staates schickte man gern -unfähige oder auch allzu steifnackige Beamte. Früher war die Zahl der -Behörden größer. Aber auch die jetzigen erhalten ihre Beamtenschaft in -der Regel aus dem Hauptteil des Regierungsbezirks Cassel. So ist denn -hier in der westfälischen Bevölkerung ein hessischer Einschlag immerhin -bemerkbar. - -[Illustration: Abb. 104. Rathaus und Theater in Bielefeld. - -Nach einer Photographie von Ernst Lohöfener in Bielefeld. (Zu Seite -114.)] - -[Sidenote: An der Lippischen Porta. Vlotho.] - -Unterhalb Erder verengert sich das Tal. Der Fluß windet sich wieder -durch ein Stück des Keupergebirges hindurch und bildet die sogenannte -»Kleine« oder »Lippische Porta«. Das mit ihr beginnende Durchbruchstal -ist nur kurz, es mißt kaum 10 ~km~; aber innerhalb desselben vollführt -die Weser einen ihrer schärfsten Knicke. Bei dem westfälischen -Industriestädtchen Vlotho (4700 Einwohner), das sich malerisch unter -seine alte Dynastenburg auf dem Amthausberg schmiegt, geht sie aus -der westlichen plötzlich in die nördliche Richtung über (Abb. 77). -Hier verläßt die Bahn das Wesertal, um auf die linksseitigen Höhen -nach Oeynhausen und Löhne hinaufzusteigen. Die Weser aber tritt in das -breite Tal ein, das bereits die Werre in ostwärts gewendetem Laufe -durchfließt. Dieser Richtung folgt sie selber und erreicht alsbald die -Westfälische Pforte. - -[Illustration: Abb. 105. Grabmal Wittekinds in der Kirche zu Enger. (Zu -Seite 116.)] - -[Sidenote: Der Süntel. Die Weserkette.] - -Diesem Zielpunkte wird der rüstige Wanderer lieber auf anderen Wegen -zustreben. Vielleicht wird er von Hameln aus das linke Weserufer -verfolgen; er wird über den aussichtsreichen Taubenberg gehen, das -uralte Dorf Exten (Abb. 29 u. 78) an der forellenreichen Exter -besuchen, die dort einer alt eingesessenen Stahlwarenindustrie -dienstbar gemacht ist, und die ansehnlichen Baulichkeiten -des tausendjährigen Klosters Möllenbeck (Abb. 80) sowie das -Renaissanceschloß Graf Simons ~VI.~ zur Lippe in Varenholz -bewundern (Abb. 79). Der Hauptstrom der Touristen aber folgt der -nördlichen Weserkette, deren schöne Wellenlinie zwar vom Tal und den -gegenüberliegenden Höhen aus besser zu beobachten ist, deren kühle -Buchenhallen aber nebst manchen sehenswerten Punkten einen Besuch -des Gebirges selbst fordern. So sind wir denn an dem östlichen Ende -jenes etwa 115 ~km~ langen Zuges angelangt, der früher in seiner -ganzen Ausdehnung von der Hamel zur Hase den Namen Süntel führte. -Jetzt begegnet uns diese Bezeichnung zunächst in seinem östlichen -und höchsten Stück, das sich aus Wealdensandstein aufbaut und bis zu -437 ~m~ ansteigt. Am Nordostfuße liegt Münder (3300 Einwohner) mit -Solbad, Stuhlfabriken und Kohlengruben (vergl. Seite 92), von wo eine -Eisenbahn durch die Senke zwischen Süntel und Deister nach Nenndorf -führt. Steigen wir von dort statt von Hameln zur Höhe hinan, so werden -wir hier und da einer nur noch in kleineren Beständen vorhandenen, -interessanten Baumform begegnen, der Süntelbuche, die sich außerdem nur -am Jura in geringem Maße vorfindet; sie wächst völlig krumm und ist -daher anders als zu Heizzwecken nicht zu verwenden (Abb. 81). Von dem -Süntelturm aus, an dessen lohnender Fernsicht wir uns lange erfreuen, -sehen wir unseren Weg deutlich vor uns. Zwei bis drei Tage lang werden -wir, wenn wir die Porta zu Fuß erreichen wollen, der Bergkette zu -folgen haben, die wir hier in der Verkürzung erblicken. »Auf eine -Kette von niederen Vorbergen gestellt, zieht das Hauptgebirge von dem -eigentlichen Süntel aus gegen Abend bis zur Porta Westfalica, zumeist -scharf und steil gegen das Tal abfallend. Die schöne Scheitellinie -der Bergwand ist wellenförmig gewunden, und häufige, symmetrisch -wechselnde, flach eingeschnittene Buchten bezeichnen eine Reihe der -ausgezeichnetsten Berge, welche ebensowohl durch ihre malerischen -Formen und namentlich ihre grotesken Felsenhäupter, als durch die -herrlichen Aussichten, welche man von ihnen genießt, die ganze -Aufmerksamkeit des Wanderers in Anspruch nehmen« (Franz Dingelstedt). -Der Übergang vom Süntel zur eigentlichen Weserkette macht sich wenig -bemerkbar, nur daß der Fichtenwald vom Buchenwald abgelöst wird. -Daß wir uns auf dem Gebiete des Weißen Juras befinden, verraten uns -erst die Klippen, auf die wir am Hohenstein (332 ~m~) unerwartet -heraustreten. Großartiger noch und massiger, von tieferen Kaminen -zerklüftet als am Ith, fallen hier die Dolomitfelsen in das waldige -Vorland ab. Als dunkele Flecken heben sich die vielhundertjährigen -Eiben an unzugänglichen Standorten von dem lichtgrauen Gestein ab -(Abb. 82). Von einsamen Waldtälern ist der mächtige Steinklotz auf -drei Seiten umschlossen. Tiefe, nachdenkliche Stille umgibt uns hier -oben. Gern wollen wir es glauben, was die Überlieferung behauptet, daß -der vereinzelt vorspringende Fels, der heute den Namen Teufelskanzel -führt, einst ein altgermanischer Opferaltar gewesen sei, und immerhin -annehmbar erscheint uns die Hypothese, daß die Namen der benachbarten -Hochfläche, des einen Tales und seines Wasserlaufes sowie des einen -Dorfes im Tal -- Dachtelfeld (= Prügelfeld), Totental, Blutbach, -Weibeck (= Kampfbach) -- an den Sieg Wittekinds über die Franken im -Jahre 782, wenn nicht gar an Idistavisus erinnern sollen. - -[Illustration: Abb. 106. Waldchaussee von Detmold zum Jagdschloß -Lopshorn. - -Verlag der Hinrichs'schen Hofbuchhandlung (H. Knöner) in Detmold. (Zu -Seite 116.)] - -Durch frische Täler und über buchenbewachsene Hügel geht es fort -zur Paschenburg, zur Schaumburg und zur Arensburg. Die erste ist -ein hochgelegenes Gasthaus (336 ~m~), das wegen seiner Fernsicht -berühmt ist. Lassen sich doch von dort oben angeblich 23 Windungen -der Weser und 136 Ortschaften zählen. Die Schaumburg, der Stammsitz -des gleichnamigen Grafengeschlechtes, liegt unmittelbar darunter auf -einem Vorberge. Von dem Schloß sind noch eine Anzahl teils bewohnte, -teils halb zerfallene Baulichkeiten ohne großen Kunstwert vorhanden -(Abb. 83). Die Lage aber und der Blick auf das am Berge hängende -Dörfchen Rosenthal ist von zauberhafter Schönheit. Auch die Arensburg, -welche auf kleinem Hügel den Paßübergang von Rinteln nach Obernkirchen -beherrscht, ist ursprünglich eine Ritterburg gewesen, jetzt aber -ein Lustschlößchen des Fürsten von Bückeburg mit wohlgepflegten, -geschmackvollen Parkanlagen (Abb. 84). Das nahe Steinbergen wird als -Sommerfrische viel besucht. - -[Illustration: Abb. 107. Donoper Teich bei Detmold. - -Verlag der Hinrichs'schen Hofbuchhandlung (H. Knöner) in Detmold. (Zu -Seite 116.)] - -[Sidenote: Die Porta Westfalica.] - -Von der Schaumburg bis zur Porta Westfalica führt der Touristenweg -nicht über die Kämme der Einzelberge, die sich in regelmäßigem Wechsel -erheben und bis zur Höhe der südlichen Vorberge herabsenken, sondern -auf einer Zwischenstufe, auf der Grenzlinie des Weißen und Braunen -Juras (Abb. 85). Von den Gipfeln sind viele bis obenhin bewaldet; ihrer -schönen Fernsicht wegen werden hauptsächlich die Luhdener Klippe mit -steinernem Turm, der oben kahle Papenbrink, die Nammer Klippe und der -Jakobsberg besucht, der bereits einen der Torflügel der Porta bildet. -Seinen Namen hat der Berg durch Friedrich den Großen erhalten. Bei -einem Besuche der Gegend fand er dort einen seiner Kriegsinvaliden, -namens Jakob, der ihm selbstgezogene Trauben[7] vorsetzte. Dies -veranlaßte den König, den bisherigen Tönniesberg in Jakobsberg -umzunennen. - -[7] Weinbau wurde auch sonst an der Weser getrieben. Bei Höxter ging er -zu Anfang des achtzehnten Jahrhunderts ein. Wie bei Höxter gibt es auch -bei Lübbecke einen »Weinberg«. - -In die Porta blicken wir von der auf dem Gipfel errichteten -Bismarcksäule oder von der benachbarten Jakobsklippe wie aus der -Vogelschau hinab. Durch ein Felsentor von nur etwa 800 m Breite strömt -friedlich der blanke Fluß dahin; keine Stromschnelle, kein Strudel -zeugt mehr von der Arbeit, die das Wasser hier verrichten mußte, -als es diese Bergkette in demselben Maße, wie sie sich hob, langsam -durchnagte (Abb. 86). Landstraßen geleiten den Fluß auf beiden Seiten; -auf dem rechten Ufer freilich ist der Raum für sie und die Eisenbahn -erst durch Felssprengungen gewonnen worden. Das fortwährende Rollen -der Züge verrät uns, daß wir uns an einer echten Völkerpforte, einem -der wichtigsten Tore zwischen Rhein und Elbe, befinden. Der Flecken am -Südfuße des Berges, 200 ~m~ unter uns, ist Hausberge, genannt nach dem -»Haus am Berge« (auch als Schalksburg bezeichnet), das die edlen Herren -vom Berge dort besaßen; sie waren angeblich Nachkommen Wittekinds, und -ihnen gehörte auch der gegenüberliegende Hof Wedigenstein. - -Dieser war wohl der Herrenhof zu der Volksburg oben auf dem -Wittekindsberge, der den westlichen Torflügel der Porta und den Anfang -des Wiehengebirges bildet. Von dem alten Ringwall ist kaum noch -etwas zu sehen. Die kleine graue Wittekindskapelle, der Rest eines -ehemaligen Klosters namens Margaretenklus, sowie die merkwürdig hoch -gelegene steingefaßte Wittekindsquelle fallen als Zeugen der frühen -Besiedelung mehr in das Auge. Die Hauptzier des Berges aber ist das -Denkmal, das die Provinz Westfalen durch Kaspar Zumbusch und Bruno -Schmitz dem Gründer des Deutschen Reiches hat errichten lassen. Unter -hohem steinernem Hallenbau, dessen Fernwirkung aufs beste berechnet -ist, steht des alten Kaisers ehrwürdige Gestalt, die Rechte zum Segnen -erhoben (Abb. 87). - -Leider ist dieser durch Natur und Kunst ausgezeichnete Platz wenig -geschont worden. Gerade mitten an der schmalsten Stelle des Tales -liegt ein garstiges Eisenwerk, das die in der Nachbarschaft gefundenen -Erze ausbeutet, und die Talwände sind durch Steinbrüche verunziert. -In ihnen wird der wertvolle grobkörnige Portasandstein gewonnen, -während der benachbarte Hügelzug Bölhorst, nördlich vom Wittekindsberg, -Wealdenkohlen birgt. - -[Illustration: §. Abb. 108. Berlebeck. (Zu Seite 116.)] - -[Sidenote: Minden.] - -Eine Wegstunde stromabwärts liegt die Regierungsbezirks-Hauptstadt -Minden (25400 Einwohner), deren Ursprung auf die Zeit Karls des Großen -zurückgeht (Abb. 88). Dieser gründete hier für das Engerland ein -Bistum, das bis zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges reichsunmittelbar -blieb. Trotz des Ausmündens der Weserstraße und der Wege vom Rhein und -von der Ems (Eisenbahnlinien Cöln-Hannover und Rheine-Hannover) hat -sich Minden unter der Ungunst politischer Verhältnisse nur langsam -entwickeln können. Immerhin hat es als Umschlagshafen an der Weser -jetzt die zweite Stelle eingenommen. Die Industrie des Ortes hat -keinen einheitlichen Charakter. Erwähnen möchten wir aber hier einen -Gewerbezweig, der sich über ein weites Gebiet auf beiden Seiten der -Weser bis nach Osnabrück, Bielefeld und Detmold, ja bis nach Höxter -und Carlshafen ausdehnt und von größter sozialer Bedeutung ist. Das -ist die Verarbeitung des auf der Weser eingeführten Bremer Tabaks. -Vielfach ist die Zigarrenmacherei an Stelle der Weberei getreten, -die um die Mitte des vorigen Jahrhunderts zugrunde ging, und wird -wie sie als Hausindustrie gepflegt. Meist sind die Arbeiter kleine -Grundbesitzer und Pächter, Heuerlinge, die neben der Arbeit für -den Verleger auch etwas Landwirtschaft betreiben, und die an ihrer -Lohnarbeit auch die Familienglieder teilnehmen lassen. Nach einer -Schätzung der Mindener Handelskammer zählen die genannten Bezirke -abgesehen von den Oberweserorten rund 27000 ansässige Tabakarbeiter. -In den Kreisen Minden, Lübbecke und Herford sind 3500 Häuser im -Besitz von Zigarrenmachern, und allein in dem Herfordischen Amte -Gohfeld-Mennighüffen wird in 1400 von 3400 vorhandenen Häusern -Zigarrenarbeit getrieben. - -[Illustration: Abb. 109. Detmold gegen das Hermannsdenkmal. Verlag der -Hinrichs'schen Hofbuchhandlung (H. Knöner) in Detmold. (Zu Seite 116.)] - -[Illustration: §. Abb. 110. Das Fürstliche Schloß in Detmold. (Zu Seite -116.)] - -Von der Vergangenheit Mindens erzählt uns hauptsächlich der Dom, dessen -ehrwürdig plumper Turm aus der romanischen Zeit in einem merkwürdigen -Kontrast zu den edlen und freien Formen seines gotischen Schiffes steht -(Abb. 89). Besonders berühmt sind die »überaus prachtvollen, in dieser -Art für Westfalen unerreicht und überhaupt vielleicht unübertroffen -dastehenden Fenster« (Lübke). - -Nach diesem Abstecher kehren wir zu unserer Gebirgswanderung zurück, -deren größter Teil noch vor uns liegt; denn etwa 70 ~km~ trennen die -Porta von der Hase. Aber es mindern sich die Reize des Gebirges links -der Weser mehr und mehr. Die Gliederung ist einfacher, sie geschieht -fast nur durch einige tief einschneidende Quertäler. Die Klippen aus -Korallenkalk fehlen ebenso wie die malerischen Vorberge, die wir in -der eigentlichen Weserkette beobachtet haben. Mißt der Wittekindsberg -277 ~m~ über den Meeresspiegel, und erreichen zwei Berge bei Lübbecke -noch 320 ~m~, so nimmt das Gebirge weiterhin an Höhe und Breite ab -und endigt westlich von Bramsche in Hügeln, welche die Diluvialebene -kaum noch überragen. Daß die Bewaldung nur dürftig ist, wurde Seite 30 -bereits erwähnt. Von Osterkappeln ab tritt Nadelwald an Stelle der -Buchen. - -[Sidenote: Das Wiehengebirge.] - -Der Name Wiehengebirge (vielleicht = Wittekindsgebirge) kommt der Kette -im Volksmunde nur bis in die Gegend von Lübbecke zu; weiterhin gibt es -auf eine längere Strecke hin keinen volkstümlichen Gesamtnamen; und -erst im Osnabrückischen wird wieder die Bezeichnung Süntel gebraucht. - -Als einheitlicher, ungegliederter Wall zieht sich das Gebirge von der -Porta bis zu dem Passe, den man nach dem hoch auf dem Sattel reitenden -Dorfe Bergkirchen (163 ~m~) zu benennen pflegt (Abb. 90). Bald folgt -ein etwas tieferer Paß, die Wallücke; Eisengruben haben hier zur Anlage -einer Kleinbahn nach Löhne Veranlassung gegeben. Weitere Erwähnung -verdient höchstens noch das Städtchen Lübbecke (4000 Einwohner), das -bereits in den Kriegen Karls des Großen eine Rolle gespielt hat, und -das Solbad Essen. - -[Illustration: §. Abb. 111. Donopbrunnen in Detmold. (Zu Seite 116.)] - -[Sidenote: Oeynhausen.] - -Wollten wir von Minden die Bahn nach Osnabrück benutzen, so würden -wir anfangs dem Laufe der Werre und Else entgegenfahren, dann dem -der Hase folgen (vergl. Seite 26). Die Weser überschreiten wir bei -Rehme, dem übertausendjährigen, und erreichen dann eine der jüngsten -Städte Westfalens, das Solbad Oeynhausen (3400 Einwohner). Die -ersten Bohrversuche durch den Berghauptmann v. Oeynhausen, nach dem -der Ort genannt ist, gehen auf das Jahr 1830, die Anlage der ersten -Bäder bis 1845 zurück. Später nahm der Staat die Ausgestaltung der -Anlagen in die Hand. Jetzt besitzt der Ort, der sich seit 1885 der -Stadtrechte erfreut, verschiedene warme und kalte Solquellen, die -jährlich rund 15000 Gäste zu dem freundlich gelegenen, geschmackvoll -und behaglich eingerichteten Bade locken und außerdem zur Gewinnung -von Kochsalz dienen (Abb. 91). Das tiefste Bohrloch ist bis auf -707 ~m~ hinabgetrieben. Löhne ist ein bedeutender Eisenbahn-Knotenpunkt -mit verschiedenen industriellen Anlagen, Bünde (5000 Einwohner) ein -reizloses Städtchen, bekannt durch seine Zigarrenfabriken, seine Würste -und seine Missionsfeste, Melle (3200 Einwohner) ein bescheidenes Solbad -inmitten äußerst fruchtbaren Ackerlandes. - -[Sidenote: Elsetal. Piesberg. Osnabrück.] - -Nicht mit zum Wiehengebirge oder zum Süntel können wir aber die Berge -rechnen, die sich zwischen jener zusammenhängenden Bergkette und der -Else-Hase-Rinne, vielfach gegliedert, von Ost nach West ziehen. Sie -sind stellenweise, so bei Melle und in der Gegend von Schledehausen, -gut bewaldet und entbehren des landschaftlichen Reizes nicht. Ein -besonderes Interesse beansprucht der nordwestlich von Osnabrück -gelegene Piesberg wegen seines im Jahre 1899 leider eingegangenen -Kohlenbergwerkes, das eine ausgezeichnete Anthrazitkohle förderte, und -wegen der mächtigen, noch jetzt von etwa 1000 Arbeitern ausgebeuteten -Steinbrüche. Der dort gewonnene Kohlensandstein ist außerordentlich -hart, aber recht grobkörnig. Er wird besonders als Pflaster- und -Schotterstein verwendet. Zum Werkstein eignet er sich nicht; wohl aber -wird der ausgewaschene Splitterkies mit Zement zu einem Kunststein -namens Durilith verarbeitet, den man in Osnabrück vielfach zum Bau -monumentaler Fassaden benutzt. - -[Illustration: Abb. 112. Das Hermannsdenkmal. - -Nach einer Photographie von H. Baumann in Bielefeld. (Zu Seite 116.)] - -[Sidenote: Osnabrück. Der Osning.] - -Daß Osnabrück (60000 Einwohner) eine sehr alte Siedelung ist, -vielleicht die älteste unseres ganzen Gebietes, dafür spricht -mancherlei; so das Vorhandensein zahlreicher Steingräber, wie sie -sonst in unserem Gebiete nicht vorkommen, ferner aber auch der alte -germanische Name Osnabrück selbst, der vermutlich als Götterbrücke zu -deuten sein wird, wie Osning als Götterberg (s. Seite 110). Schwanken -auch die Annahmen über die Entstehungszeit der Steingräber oder Dolmen, -deren wir in den Karlssteinen am Piesberg ein treffliches Stück -besitzen, so fällt sie doch wohl kaum später als in die Mitte des -letzten vorchristlichen Jahrtausends. Die Gründung des Bistums erfolgte -wohl bald nach dem entscheidenden Siege der Franken über Wittekind an -der Hase (783), jedenfalls aber noch vor 787. Osnabrück ist also das -älteste und wohl auch das bedeutendste sächsisch-karolingische Bistum -gewesen. Um die Domfreiheit, die -- wahrscheinlich schon vor der -Gründung der ersten Kirche -- von Bauern, später Ackerbürgern, bewohnt -war, bauten sich Handwerker und Gewerbetreibende an. So erlangte der -Ort, der später dem Westfälischen Städtebunde, sowie auch der Hansa -beitrat, eine große Bedeutung als Handelsstadt und betrieb einen -schwunghaften Export von Erzeugnissen der Landwirtschaft, besonders -der Viehzucht, wie Schinken, Häuten und Wolle, sowie von Leinwand und -Tuch. Die Tuchmacherei, die im Jahre 1600 noch über 300 selbständige -Meister beschäftigte, erlag in der Folgezeit der englischen Konkurrenz, -während sich die Leinweberei zwar länger hielt, aber infolge der Wirren -des Siebenjährigen Krieges und infolge des Überganges vom Handbetrieb -zum Maschinenbetrieb schwere Krisen durchmachen mußte. Die heutige -Regierungsbezirks-Hauptstadt, deren schnelles Wachstum erst seit dem -großen Kriege von 1870 beginnt -- denn im Jahre 1868 zählte sie noch -19600 Seelen gegen 59600 im Jahre 1905 --, ist nach ihrem industriellen -Charakter in erster Linie Metallstadt. Erster Arbeitgeber in diesem -Gewerbezweige ist der Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenverein, -der außer der Georgsmarienhütte am Fuße des Dörenberges südlich von -Osnabrück noch in der Stadt selbst das Eisen- und Stahlwerk, außerdem -aber Erzfelder am benachbarten Hüggel, am Schafberg bei Ibbenbüren -(s. Seite 110), an der Wallücke (vergl. Seite 107) und bei Werne in -Westfalen besitzt. Auch der Piesberg gehört ihm. Im ganzen beschäftigt -er weit über 6000 Arbeiter und erzeugte im Jahre 1907 über 300000 -Tonnen Roheisen, Halb- und Fertigfabrikate. Als Gegenstände des -Osnabrücker Gewerbefleißes sind besonders Eisenbahnbedarfsartikel wie -Schienen, Schwellen, Weichen, Wegschranken, ferner aber Drahtröhren, -Maschinen allerart, Brücken, Dachkonstruktionen, Kochherde, Kraftwagen -und Musikinstrumente zu nennen, die in einer großen Anzahl von Fabriken -erzeugt werden. Stark ist der Gegensatz zwischen dem modernen und dem -mittelalterlichen Osnabrück, die noch nebeneinander bestehen. Niemand, -der vom Gertruden- oder Westerberg das malerische Städtebild auf sich -wirken läßt, wird sich diesem Eindruck entziehen können (Abb. 92). Zwar -hat der Bischof, der seit dem Westfälischen Frieden seine Landeshoheit -in der merkwürdigen Weise mit dem Welfenhause teilen mußte, daß -abwechselnd ein katholischer Prälat und ein protestantischer Prinz das -Fürstentum regierte, seit 1803 seine Reichsunmittelbarkeit verloren. -Aber doch werden wir noch einen Begriff von der einstigen Bedeutung -dieses kirchlichen Mittelpunktes empfinden, wenn wir den wuchtigen -spätromanischen Bau des Domes und die schönen gotischen Gotteshäuser, -die Johannis-, Marien- und Katharinenkirche, betrachten. Anderseits -zeugen das stattliche spätgotische Rathaus nebst der Ratswage (Abb. 93) -und die hübschen Wohnhäuser aus dem sechzehnten Jahrhundert von dem -stolzen, tüchtigen Bürgersinn, der aus Osnabrück das gemacht hat, was -es ist, und der auch bis jetzt nicht geschwunden ist. - -[Illustration: §. Abb. 113. Die Externsteine. (Zu Seite 118.)] - - - - -~XIII.~ Osning, Teutoburger Wald und Egge. - - -[Sidenote: Teutoburger Wald.] - -Das 100 ~km~ lange, schmale Gebirge, das mit dem niedrigen Huckberg -unfern der Ems beginnt und bei Horn in Lippe in dem Velmerstot gipfelt -und endet, hat im Mittelalter den Namen Osning, auch Osnegge, geführt; -diese Bezeichnung umfaßte zugleich den südlich anschließenden Zug vom -Velmerstot bis zum Diemeltale, der heute kurzweg Egge genannt wird. -Egge, hochdeutsch Ecke, bedeutet soviel wie Schneide, enthält also eine -ähnliche Bildvorstellung wie der Ausdruck Kamm. Asen-Egge ist also -der Götter-Bergkamm. Jetzt wird der Name Osning besonders der Strecke -von Örlinghausen bis Osnabrück beigelegt. Der aus Tacitus' Annalen -stammende Name Teutoburger Wald wurde erst im neunzehnten Jahrhundert, -nach den Befreiungskriegen, auf unser Gebirge, und zwar zunächst -auf den sogenannten Lippischen Wald bezogen, seitdem der Detmolder -Archivrat Clostermeier unter Hinweis auf die alte Befestigung der -Grotenburg und auf deren mittelalterlichen Namen Teut den Nachweis zu -führen versucht hatte, daß dort der Ort der Varusschlacht sei. - -[Illustration: §. Abb. 114. Die Kreuzabnahme, Hochrelief an den -Externsteinen. (Zu Seite 118.)] - -Ohne auf die geologische Erklärung des Gebirges (s. Seite 12 ff.) -zurückzugreifen, möchte ich nur daran erinnern, daß wir es mit mehreren --- zwei oder auch stellenweise drei -- parallelen Ketten zu tun haben. -Dazwischen ziehen sich schmale Längstäler hin. Aber auch an Quertälern -fehlt es nicht, die in der Regel bis auf den Grund des Gebirges -hinabgehen. Zu ihnen gehört die Brochterbecker Schlucht, durch welche -die Eisenbahn Ibbenbüren-Gütersloh hindurchgeht, ferner die Pässe von -Iburg, Borgholzhausen und Bielefeld, die Dörenschlucht und mehrere -kleinere Einschnitte. - -Sehen wir von den inselartig aus der Diluvialdecke des Flachlandes -links der Ems auftauchenden Hügeln ab, so haben wir das nordwestliche -Ende des Osnings bei Bevergern am Dortmund-Ems-Kanal zu suchen. - -Die Reise über diesen Bergzug aber werden wir am zweckmäßigsten in -Ibbenbüren beginnen. Der Ort (5500 Einwohner), die Hauptstadt der -ehemaligen Grafschaft Ober-Lingen, liegt nicht unmittelbar am Osning, -sondern am Fuße des nördlich vorgelagerten Schafberg-Plateaus, das uns -insofern interessiert, als es neben dem Hüggel und dem Piesberg bei -Osnabrück allein in unserem Gebiete die paläozoischen Formationen, und -zwar das obere Karbon, vertritt. Es liegen dort sieben abbauwürdige -Flöze, die von etwa 800 Bergleuten meist für Rechnung des Staates -ausgebeutet werden. - -[Sidenote: Osning-Wanderung.] - -Eine Kammwanderung von Ibbenbüren zunächst bis Bielefeld erfordert drei -bis vier Tage. Ihre Reize bestehen hauptsächlich darin, daß von den -geologisch verschiedenen Parallelketten bald die eine, bald die andere -die Führung übernimmt. Folgen wir stets der höchsten, so genießen wir -immer wieder wechselnde Landschafts- und Vegetationsbilder. Anfangs -schreiten wir auf der Sandsteinkette dahin. Sie hat hier trotz ihrer -geringen Höhe etwas Ernstes, Starres. Ihre Flora ist noch ganz die -der benachbarten Heide; Birke und Kiefer bilden den spärlichen Wald, -Hülse und Wacholder ein niederes Buschwerk, und Heidekraut und -Preißelbeere bedecken den Boden. Nur vereinzelt ragen nackte Felsen -aus dem sonst abgerundeten Rücken hervor und bringen es uns zum -Bewußtsein, daß wir nicht mehr auf Dünen oder auf den Geschieben der -Eiszeit dahinschreiten. Unter jenen Steingebilden sind die Dörenther -Klippen wegen ihrer grotesken Formen berühmt. Ungehindert aber schweift -der Blick über die flacheren Landstriche im Norden und Süden und -besonders hier weit hinein in die Münstersche Tieflandsbucht. Von -Tecklenburg ab werden wir dagegen auf den buchenbedeckten Plänerhöhen -wandern, die uns nur hie und da einen Ausblick aus dem Waldesschatten -erlauben, dafür aber auch zuweilen einen recht lohnenden, wie der -Große Freden (210 ~m~) bei Iburg. Hier umfaßt das Auge einen weiten -Horizont waldiger Höhen. Es sind außer der parallelen Sandsteinkette -noch einige besondere Gruppen, die im Norden vorgelagert sind. Unter -ihnen überragt der viel besuchte, wuchtige Dörenberg (331 ~m~), -zwischen Iburg und Georgsmarienhütte gelegen, den Osningzug selbst um -ein beträchtliches. Nach einer längeren Wanderung durch einförmiges -Stangengehölz, das bei Borgholzhausen endigt, haben wir zwischen dem -Ravensberg und Halle die Wahl, ob wir auf der Südkette im Buchenwalde -oder auf der Nordkette über kahle Sandsteinhöhen dahinschreiten wollen. -Von Halle ab bilden die letzteren unbestritten den Hauptkamm. Äußerst -lohnend ist ein Spaziergang über diesen an sich öden Rücken bei kühlem -Herbstwetter, wenn der scharfe Südwestwind uns am Lodenmantel zaust, -und wenn zwischen den jagenden Wolken immer neue Landschaftsbilder mit -stets wechselnden Beleuchtungen in den beiden so grundverschiedenen -Landschaften, dem fruchtbaren Ravensberger Hügellande und der sandigen -Münsterbucht, vor unseren Blicken auftauchen. Freilich den würdigen -Abschluß erhalten diese Genüsse erst, wenn wir vom Dreikaiserturm, -den man in die alte Hünenburg (s. Seite 57) eingebaut hat, oder vom -Schützenhaus auf dem Johannisberge auf das freundliche Bielefeld zu -unseren Füßen hinabschauen. - -[Illustration: Abb. 115. Lemgo. Nach einer Photographie von Clemens -Bolzau in Lemgo. (Zu Seite 121.)] - -Vergessen wir aber nicht, unterwegs den interessanten menschlichen -Siedelungen gebührende Beachtung zu schenken. Da sind zunächst die drei -stolzen Hochburgen zu nennen, die der Sage nach einst ein mächtiger -Sachsenfürst aus Wittekinds Geblüte für seine Töchter Thekla, Ida und -Ravenna erbaut hat. Tecklenburg, Iburg, Ravensberg. Von der Feste -Tecklenburg, deren fehdelustige Insassen über einen ausgedehnten -Länderbesitz verfügten, stehen nur noch die Ringmauern. Im Jahre 1701 -starben die Grafen aus, und ihr Schloß gab man dem Verfalle preis. -Wohl aber liegt das malerische Städtchen (1000 Einwohner), das einst -im Schutze der Burg entstand, noch heute auf seiner luftigen Höhe -(200 ~m~) und lockt durch die Reize seiner Lage zahlreiche Ausflügler -herbei (Abb. 94). - -Der gleichen Gunst erfreut sich Iburg (900 Einwohner), dessen Burg -auf einem 142 ~m~ hohen Einzelhügel einen wichtigen Paß beherrscht. -In dem Benediktinerkloster, das die Osnabrücker Bischöfe im Jahre -1070 hier gründeten, haben sie sechs Jahrhunderte hindurch ihre -Residenz gehabt und damit wohl ebensosehr ihren strategischen Blick -wie ein tiefes Verständnis für die landschaftlichen Reize dieses -Fleckchens Erde bewiesen. Von den ursprünglichen Gebäuden ist infolge -wiederholter großer Brände nicht viel auf unsere Tage gekommen, und -die Ersatzbauten, die jetzt die Spitze des Hügels krönen -- sie dienen -zu Verwaltungszwecken -- wirken im Landschaftsbilde weniger durch -künstlerische Formen als durch ihre imponierende Massigkeit und ihre -bevorzugte Lage (Abb. 95). - -Trauriger noch waren die Geschicke der Burg Ravensberg (Abb. 96, 97 -u. 99). Wohl ragt noch der gewaltige alte Bergfried und bietet uns -ein köstliches Luginsland. An ihn aber lehnt sich eine bescheidene -Försterwohnung anstatt des Schlosses, das im Jahre 1673 von dem -Bischof von Münster, Bernhard von Galen, zusammengeschossen worden -ist. Eine Stadt schließt sich an den Ravensberg nicht unmittelbar an. -Borgholzhausen (1300 Einwohner) liegt eine halbe Stunde nördlich, -Werther (2100 Einwohner) mehr östlich und das saubere, altertümliche -Halle (1800 Einwohner) etwas weiter südlich (Abb. 98 u. 99). -Erwähnenswert ist, daß hier wie in dem an derselben Bahnstrecke -Osnabrück-Bielefeld liegenden Dissen (2000 Einwohner) die Herstellung -feiner Fleischwaren fabrikmäßig betrieben wird. Man ist darin uralten -westfälischen Überlieferungen treu geblieben. Denn es ist bekannt, daß -Westfalen schon seit dem elften Jahrhundert seine Schinken und Würste -weithin versandte, und daß sich in Cöln, Frankfurt und Mainz Markt- -und Stapelplätze für diesen wohlschmeckenden Handelsartikel befanden -(Abb. 100). - -[Sidenote: Bielefeld.] - -Bielefeld (72000 Einwohner), der Hauptort der Grafschaft Ravensberg, -die durch Erbschaft 1346 an Jülich, 1514 an Cleve und 1609 endlich -an Brandenburg fiel, wird im Anfang des elften Jahrhunderts zuerst -erwähnt (Abb. 101 bis 104). Es verdankt einerseits seine Entstehung -der wichtigen alten Straße vom Rhein zur Weser, die wie auch jetzt -die Cöln-Mindener Bahn das Gebirge hier in einem bequemen Passe -durchschneidet, anderseits seine Stellung als Hauptstadt dem -schützenden Bergneste Sparenberg, das, geschmackvoll ausgebaut, noch -jetzt das reizende Stadtbild wirksam belebt. Dort steht auch das -Standbild des Großen Kurfürsten inmitten der von ihm oft und gern -bewohnten Baulichkeiten, aus deren Fenstern er auf sein geliebtes -»Spinn- und Linnenländchen« herabzuschauen liebte. Das Leinengewerbe, -dem auch er seine Förderung durch Anlage von staatlichen Leggen -angedeihen ließ, hat recht eigentlich den Weltruf Bielefelds -begründet. Mindestens seit dem sechzehnten Jahrhundert ist das -Spinnen und Weben von Flachs im Ravensbergischen heimisch. Wie diese -Beschäftigung aus den bescheidenen Anfängen eines landwirtschaftlichen -Nebengewerbes herangewachsen ist, wie sie sich aus einem ländlichen -zu einem städtischen Gewerbe, vom Handwerk zur Fabrikation -exportfähiger Ware entwickelte, wie sie nach schweren Krisen der -allgemeinen wirtschaftlichen Verhältnisse und der besonderen ihres -Produktionszweiges durch Anpassung an die veränderten Umstände zu neuer -Blüte hinaufstieg, ist hier nicht der Ort zu erzählen. Erwähnt mag nur -werden, daß die erdrückende Konkurrenz der Baumwolle und der Maschine -um die Mitte des neunzehnten Jahrhunderts glücklich überwunden wurde -durch Anlage mechanischer Spinnereien und Webereien. Gegenwärtig sind -die Ravensberger Spinnerei und die Bielefelder mechanische Weberei die -größten Werke ihrer Art in ganz Deutschland. Aber mit ihnen wetteifern -am Orte zahlreiche andere Firmen, die auch verwandte Gewerbe, u. a. -Seiden- und Plüschweberei und vor allem die Wäschefabrikation und die -Konfektion betreiben. Für diese letzteren Betriebe war die Herstellung -von Nähmaschinen zunächst ein Hilfsgewerbe. Doch bildete es den -Übergang zur Metallindustrie, die jetzt in Fahrrad-, Automobil-, -Maschinen- und anderen Fabriken bereits ein größeres Arbeiterheer -beschäftigt als die Gewebeindustrie. Von der Blüte des modernen -Bielefeld legt der stattliche Rathaus- und Theaterbau von 1903 ein -beredtes Zeugnis ab (Abb. 104). - -[Illustration: §. Abb. 116. Marktplatz in Lemgo. (Zu Seite 121.)] - -[Sidenote: Bielefelds Umgebung.] - -Zum Einflußbereiche der Stadt gehören auch die neuerdings zu -beträchtlicher Größe angewachsenen Nachbardörfer, von denen u. a. -Schildesche mit altem, berühmtem Kloster 7700, Brackwede 9600 Einwohner -zählen. Bei letzterem Orte liegen auch die großartigen Krankenanstalten -von Bethel, die, im Jahre 1866 aus den Liebesgaben christlicher -Freunde gegründet, sich unter der Leitung des unermüdlichen Pastors v. -Bodelschwingh zu nie geahnter Ausdehnung entwickelt haben (Abb. 101 im -Vordergrunde). Die ganze Siedelung zählt etwa 5000 Seelen, darunter -4000 Kranke, meist Epileptiker, und arbeitet mit einem jährlichen -Budget von drei Millionen Mark. Um dies zu verstehen, dürfen wir -nicht vergessen, daß die Grafschaft Ravensberg von jeher ein Land -äußerst regen religiösen Lebens gewesen ist, wie auch die großartige -Missionstätigkeit daselbst beweist. - -[Sidenote: Herford.] - -Die zweitgrößte Stadt Ravensbergs ist Herford (28900 Einwohner), am -Einfluß der Aa in die Werre gelegen. Im frühen Mittelalter wegen -seines hochberühmten, bis 1803 sogar reichsunmittelbaren Stiftes der -Nachbarstadt Bielefeld weit überlegen, hat das »heilige Herford« in -wirtschaftlicher Entwicklung nicht völlig gleichen Schritt halten -können. Immerhin sind seine Spinnereien, seine Möbel- und seine -Zigarrenfabriken von Bedeutung; die alten Kirchen und Bürgerhäuser -erfreuen noch heute den Kunstfreund. Wie Herford, so birgt auch der -auf Seite 39 erwähnte Flecken Enger Erinnerungen an den Sachsenherzog -Wittekind, dessen schönes, allerdings späteren Zeiten entstammendes -Grabdenkmal sich in dem ehrwürdigen Kirchlein des Ortes befindet -(Abb. 105). - -[Sidenote: Lippischer Wald.] - -Die weitere Bergwanderung vom Sparenberge nach Südost bietet uns -zunächst ähnliche Eindrücke wie vor Bielefeld. Bei dem hochgelegenen, -von Sommerfrischlern geschätzten Dorfe Örlinghausen überschreiten -wir die Grenze des Fürstentums Lippe; dahinter auf dem Tönsberge -besuchen wir die Reste des ehemaligen befestigten Sachsenlagers, das -in den Kriegen gegen Karl den Großen eine Rolle gespielt hat. Später -müssen wir vielfach tief durch den aus der benachbarten Senne in die -Schluchten des Gebirges hereingewehten Sand stapfen, bis wir an der -sogenannten Dörenschlucht den eigentlichen Lippischen Wald erreichen -(Abb. 8). - -Hier sind wir an dem reizvollsten Stück des Gebirges angelangt. Die -Gliederung des Berggeländes ist mannigfaltiger, die Gipfel höher, -die Täler bedeutender geworden. Näher aneinander drängen sich die -verschiedenen Landschaftsformen. Frischer Buchenwald, hochstämmige -Fichtenbestände, lichte Parks stattlicher Eichen und echte Heide mit -Kiefern und Wacholderbüschen wechseln je nach der Beschaffenheit des -Untergrundes (Abb. 1 u. 106). Dabei werden die Forsten, die meist -Staatsgut sind, sorgfältig gepflegt und weisen in den eingehegten -Teilen einen stattlichen Wildstand auf. Noch anziehender aber wird die -Landschaft durch mächtige Felsen wie die Externsteine und durch hübsche -Wasserflächen wie die an ihrem Fuße aufgestaute Lichtheupte (Abb. 113) -und den Donoper Teich (Abb. 107). - -[Sidenote: Detmold.] - -Welcher aber von den vielbesuchten Orten ist der Glanzpunkt -des Gebirges? Ist es Berlebeck, das hübsche Dorf, das sich im -waldumschlossenen Talkessel bis in das Herz des Gebirges hineinzieht, -hier überragt von dem Schloßhügel der ehemaligen Falkenburg, dort -von dem modernen Pensionshause Johannaberg? (Abb. 7 u. 108). Ist es -Detmold, die schmucke Residenz mit dem ansehnlichen Renaissanceschloß, -mit den geräumigen Plätzen, sauberen Straßen, schattigen Gärten und -Spaziergängen und den zahlreichen freundlichen Landhäusern? Detmold -(13200 Einwohner) ist zwar ein uralter Ort -- denn schon im Jahre 783 -besiegte Karl der Große die Sachsen bei Theotmalli, d. h. bei der -Volksgerichtsstätte --, aber in seiner heutigen Erscheinung ist es -durchaus modern (Abb. 12 u. 109). Residenz ist es seit 1511. Einzelne -Bestandteile des Fürstenschlosses gehen allerdings auf das fünfzehnte -Jahrhundert zurück; seine heutige Renaissancefassade aber gab ihm -der Umbau von 1557 (Abb. 110). Da die natürlichen wirtschaftlichen -Hilfsquellen Detmolds nicht groß sind, so mußte der Staat und der -Hof der Stadt geben, was sie zu dem bedeutendsten Platze des Landes -machte. So legte der prachtliebende Graf Friedrich Adolf um 1700 die -schönen Parks und Promenaden an, und so vermehrten spätere Zeiten -die öffentlichen Gebäude und Denkmäler, unter denen der niedliche -Donopbrunnen von Hölbe (Abb. 111) erwähnt werden mag. - -[Sidenote: Hermannsdenkmal.] - -Die eigentliche Sehenswürdigkeit von Detmold ist aber doch die -Grotenburg (388 ~m~) mit dem Hermannsdenkmal (Abb. 1 u. 112). Von -dem Großen Hünenring, der alten Befestigung, die früher den Gipfel -des Berges umzog, und in der Clostermeier und neuerdings Schuchhardt -die altgermanische Teutoburg erkennen wollen, ist nur wenig erhalten -(vergl. Seite 57). Mehr fällt dem Touristen die am Fuß des Berges -gelegene, wohl erst aus der sächsischen Zeit stammende Wegschanze -auf, die man den Kleinen Hünenring nennt. Das Denkmal Armins, das -die Kuppe des Berges noch um fast 54 ~m~ überragt, besteht aus einem -besteigbaren steinernen Rundtempel, der eine herrliche Umschau gewährt, -und der aus Kupfer geschmiedeten Kolossalfigur des Cheruskerhäuptlings -darüber. Es ist Ernst v. Bandels Lebenswerk, dessen Vollendung ihm erst -nach fünfzigjähriger Arbeit und nach einer schier endlosen Kette von -Enttäuschungen im Jahre 1875 gelungen ist. - -[Illustration: §. Abb. 117. Erker mit Laube am Rathaus in Lemgo. (Zu -Seite 121.)] - -[Sidenote: Die Externsteine.] - -Wie diese Stätte ist noch eine andere durch Natur und Kunst in gleicher -Weise ausgezeichnet. Ich meine jene gewaltigen Sandsteinfelsen, die -am Nordfuß des Gebirges bei dem Städtchen Horn (1100 Einwohner) -gleich Riesensäulen phantastisch aus dem Boden emporsteigen und unter -dem Namen Externsteine bekannt sind (Abb. 113). Der eine der Felsen -birgt in seinem Inneren eine Kapelle nebst einigen Nebenräumen. Sie -ist im Jahre 1115 von einem Paderborner Bischof geweiht, und man -hat lange Zeit geglaubt, daß die Mönche des Klosters Abdinghof in -Paderborn, die im Jahre 1093 die Gegend käuflich erwarben, auch die -Schöpfer der Grotte seien. Demgegenüber weist Anton Kisa auf ein in -den Boden gemeißeltes Becken hin, das er nur aus der Benutzung bei -heidnischen Opfern glaubt erklären zu können. Ebenso sei die Anlage -einer zweiten Kapelle oben auf dem Nachbarfelsen nur in der Weise zu -deuten, daß dort ein heidnisches Heiligtum bestanden habe, an dessen -Stelle die Abdinghöfer, dem sonstigen Verfahren der Kirche getreu, -ein christliches gesetzt hätten. »Die Externsteine weisen demnach die -drei charakteristischen Merkmale altgermanischer Kultusstätten auf, -das Grottenheiligtum, das obere Heiligtum und den am Fuße des Felsens -vorbeifließenden Bach.« An dem Ufer dieses letzteren haben die Mönche -ein »heiliges Grab« angelegt. So war denn das Ganze zum Wallfahrtsorte -geworden. Aus dieser Bestimmung erklärt sich auch der merkwürdigste -Bestandteil der mittelalterlichen Anlage, das kolossale Hochrelief, -das in die Außenwand des Kapellenfelsens hineingearbeitet worden -ist, ein Werk einzig in seiner Art, das bedeutendste frühchristliche -Skulpturdenkmal Norddeutschlands überhaupt (Abb. 114). Da sehen wir -staunend die lebensgroßen Gestalten des Nikodemus und des Joseph von -Arimathia, wie sie den Heiland vom Kreuze heben; daneben stehen Maria -und der Evangelist Johannes. Gottvater aber schwebt darüber mit der -Siegesfahne und hält die Seele Jesu in Kindesgestalt auf dem Arme, -während Sonne und Mond mit Schleiern ihr Antlitz kummervoll verhüllen. -Darunter befindet sich noch eine stark verwitterte symbolische -Darstellung des Sündenfalles, ein kniendes Menschenpaar, in die -Windungen eines abenteuerlichen Drachen verstrickt. - -[Illustration: §. Abb. 118. Fürstliches Schloß in Pyrmont. (Zu Seite -121.)] - -[Sidenote: Egge.] - -Der Lippische Wald endet mit dem 468 ~m~ hohen, aussichtreichen -Velmerstot. Da der südwärts gerichtete Zug der Egge, der allmählich -breiter und flacher wird, weniger landschaftliche Reize besitzt -und uns an ihm nur vereinzelte Siedelungen, wie der bedeutende -Eisenbahnknotenpunkt Altenbeken, das kleine Stahlbad Driburg (2700 -Einwohner) unter der ehemaligen Sachsenfeste Iburg und das Dorf -Neuenheerse mit seiner romanischen Stiftskirche interessieren würden, -so nehmen wir hier auf der luftigen Höhe Abschied vom Teutoburger Walde -und überschauen das weit vor uns ausgebreitete Hügelland von Lippe, -Pyrmont und Südwestfalen, dem unsere letzte Reise gelten soll. - -[Illustration: §. Abb. 119. Inneres der Kreuzkirche in Lügde. (Zu Seite -121.)] - - - - -~XIV.~ Zwischen Teutoburger Wald und Weser. - - -[Sidenote: Das Lippische Hügelland.] - -Da wir in den letzten beiden Abschnitten den zusammenhängenden -Bergzügen gefolgt sind, haben wir ein interessantes Gebiet bisher fast -umgangen. Es ist das Hügelland zwischen Teutoburger Wald und Weser, das -sich von der Talfurche Bielefeld-Porta im Nordwesten bis zum Diemeltale -im Südosten hinzieht und durch die Emmer und die Nethe in das Lippische -Hügelland, das Höxtersche Höhenland und die Warburger Börde geteilt -wird. Wir haben es hier mit einem äußerst mannigfaltig gegliederten -Gelände zu tun, dessen Oberfläche hauptsächlich von den verschiedenen -Gesteinen des Keupers (Abb. 3), im Süden und Osten auch von Muschelkalk -gebildet wird, wogegen Buntsandstein nur an der Umrandung des Pyrmonter -und des Driburger Kessels zu finden ist. Im Süden zeigen sich auch -einzelne basaltische Durchbrüche. Einige Teile dieses Gebietes sind -nur als flachwellig zu bezeichnen, wie z. B. die Gegend an der unteren -Werre und Bega, das Dreieck zwischen Bielefeld, Herford und Lage, sowie -die Börde im Süden. Stattlichere Höhengruppen weist der Norden Lippes -zwischen Bega und Weser auf, wie den Bornstapel, die Lemgoer Mark, die -Sternberger Höhen, den Hohen Asch und den Taubenberg, deren zwischen -300 und 400 ~m~ hohe Gipfel wegen ihrer Fernsichten geschätzt sind. -Einen tiefen Talkessel mit schroffen, über 300 ~m~ hohen Rändern bietet -das Emmertal bei Pyrmont und Lügde, ein vermoortes Hochplateau der -Schwalenberger Wald (446 ~m~), den man auch als das Mörth bezeichnet, -eine einsame kegelförmige Hochwarte der Köterberg (497 ~m~), endlich -steilrandige Muschelkalkhöhen das Gelände längs der Weser und der -Nethe. An sogenannten landschaftlichen Sehenswürdigkeiten ist dieses -Gebiet verhältnismäßig arm, und da es auch in bezug auf die Bewaldung -den anderen Teilen unseres Gebietes nachsteht, locken nur wenige Punkte -einen größeren Touristenschwarm herbei. Das aber, was man als intimere -Reize einer Landschaft bezeichnet, wird der Wanderer, wenn er sich -Zeit läßt, in lauschigen Tälern, malerischen Dörfern und Gehöften, -interessanten Hausformen und Volkstypen in reichem Maße finden (Abb. 26 -bis 29, 78 u. 122). Mit Recht singt daher der lippische Poet Stockmeyer: - - Voll Gottes Segen und voll Fleißes Frucht - Ist unser Land, ein Land voll Lieblichkeiten, - Wo Berg und Auen um den Vorrang streiten. - Ja, welcher Wandrer hätte es besucht - Und dächte nicht der freundlichen Gefilde - In diesem frohen, lebenswarmen Bilde, - Das Anmut, Reiz und Schönheit uns bereiten! - -[Illustration: Abb. 120. Schwalenberg. - -Verlag der Hinrichs'schen Hofbuchhandlung (H. Knöner) in Detmold. (Zu -Seite 122.)] - -[Sidenote: Lemgo.] - -Ihren Anfang mag unsere Reise von Salzuflen (5800 Einwohner) nehmen, -dem altertümlichen Salinenstädtchen mit dem kleinen Solbade und -der weltberühmten Hoffmannschen Stärkefabrik, die an Größe auf -dem europäischen Festlande ihresgleichen nicht hat. Über Lage -(5500 Einwohner), wo sich die beiden Bahnen des Lipperlandes, -Bielefeld-Hameln und Herford-Altenbeken, kreuzen, geht es nach Lemgo -(9000 Einwohner), dem man mit freundlicher Übertreibung den Namen des -lippischen Nürnberg gegeben hat (Abb. 115 bis 117). Tatsächlich ist -es die älteste und vormals bedeutendste Stadt des Fürstentums. Welche -Rolle es in Altwestfalen spielte, ersehen wir aus dem Umstande, daß es -zur Taxe der Hansa mit weit höheren Beiträgen als Hameln und Bielefeld -herangezogen wurde. Von dem ehemaligen Wohlstande zeugen eine Menge -älterer Bürgerhäuser, deren spitze, straßenwärts gerichtete Giebel noch -das Formprinzip der Gotik verraten, während die in Holz oder Stein -geschnittenen Ornamente bereits dem Geschmack der Renaissance huldigen. -Die gleiche Stilmischung beobachten wir an dem neben den beiden -Hauptkirchen bedeutendsten Bauwerke Lemgos, dem herrlichen Rathause, -während das nahe Schloß Brake ein reiner Renaissancebau ist. - -[Illustration: §. Abb. 121. Das Rathaus in Schwalenberg. (Zu Seite -122.)] - -[Sidenote: Pyrmont.] - -Der Vollständigkeit halber erwähnen wir noch die Städtchen Barntrup -(1700 Einwohner) und Blomberg (3600 Einwohner) mit ihren alten -Schlössern und wenden uns zu dem Bade Pyrmont (3900 Einwohner), das -den Hauptort einer waldeckischen Exklave, einer ehemals selbständigen -Grafschaft, bildet (Abb. 118). Die kohlensauren Stahl- und Solquellen -scheinen von alters her bekannt gewesen zu sein. Doch beginnt der -eigentliche Aufschwung erst mit dem sechzehnten Jahrhundert. Die -heilkräftigen Wasser und die liebliche Umgebung des Talkessels, dessen -Wände überall bis zu 200 ~m~ relativer Höhe emporsteigen, lockte -besonders die vornehme Welt, während das nicht allzuferne Bad Meinberg -immer einen etwas bescheideneren Besucherkreis hatte. Im siebzehnten -und achtzehnten Jahrhundert strömten Fürstlichkeiten und Adlige, -aber auch Künstler und Gelehrte aus ganz Europa in Pyrmont zusammen. -Merkwürdig mutet es uns an, daß in diesem Bade, das jetzt in erster -Linie bleichsüchtige Damen aufsuchen, Männer wie der Große Kurfürst, -Peter der Große, Friedrich der Große und Blücher den Eisengehalt ihres -Blutes glaubten verstärken zu sollen. - -[Sidenote: Lügde.] - -Das Emmertal ist uralter Kulturboden. Lügde (2700 Einwohner), das noch -jetzt ein ausgezeichnetes romanisches Kirchlein (Abb. 119) besitzt, -ist eine alte karolingische »~villa~«, Schieder, unterhalb der -altsächsischen Skidroburg gelegen, der zugehörige Reichshof, in dem -Karl der Große vermutlich im Jahre 784 das Weihnachtsfest gefeiert hat. - -[Sidenote: Schwalenberg.] - -Bis in die Karolingerzeit reicht auch die Geschichte Schwalenbergs -oder wenigstens seines Grafengeschlechtes zurück. Das Gebiet dieses -Herrscherhauses war im Mittelalter weit ausgedehnt; es reichte von -der Diemel bis zum Deister; die Herrschaften Waldeck, Pyrmont und -Sternberg sind nur spätere Abzweigungen seines Besitzes, die Klöster -Marienmünster und Falkenhagen, deren edle Baulichkeiten uns noch heute -erfreuen, seine Gründungen. Wie das zuletzt genannte Stift und das -Schloß Sternberg, das auf waldiger Höhe unweit Lemgos das Begatal -überragt, wurde auch die Burg und die Stadt Schwalenberg (Abb. 120) von -dem Grafen Volkwin ~III.~ erbaut, der seinen Wohnsitz von der früheren -Burg Schwalenberg, später Oldenburg genannt, dorthin verlegte. Von dem -damaligen Schloßbau steht nur noch ein schmuckloser Flügel auf einem -Bergkegel am Fuße des Mörths; um diesen Hügel aber schmiegt sich noch -jetzt das Städtchen (800 Einwohner), dessen geschmackvoll ausgebautes -Rathaus von 1579, 1603 und 1909 eine Perle deutscher Holzarchitektur -ist (Abb. 121). - -[Sidenote: Die Ziegler.] - -Obgleich wir nunmehr an der Ostgrenze des Lipperlandes angelangt sind, -können wir es nicht verlassen, ohne eines für das ganze Fürstentum -höchst charakteristischen Gewerbes, der Ziegelei, zu gedenken. Dieser -Arbeitszweig ist, wie es scheint, nicht sehr alt, hat sich vielmehr -wohl erst nach dem Dreißigjährigen Kriege ausgebildet. Ungenügender -Verdienst in der Heimat veranlaßte damals viele Männer, als Grasmäher -und Torfstecher nach Holland und Friesland zu gehen. Im Jahre 1682 wird -aber neben dieser Auslandsarbeit auch das Ziegelstreichen erwähnt. -Auf die beweglichen Klagen der »gehorsamen Stände und Ritterschaft« -wegen der Leutenot in der Landwirtschaft erließ der Landesherr eine -Verordnung, in der es heißt: »wobei wir auch denenjenigen, welche sich -bishero zu gewisser Zeit des Auslaufens in fremde Länder angemaßet, -daselbst Ziegelarbeit sich zu bedienen, solche ihre bisherige -Gewohnheit, und zwar einem jeden bei Strafe 50 Goldfl. alles Ernstes -verbieten.« Aber Verbote und Plackereien halfen nicht viel. Die Zahl -der Ziegler wuchs, und zwar besonders 1842 nach dem Brande Hamburgs, -1846 nach der mehrfach erwähnten Leinenkrisis, die dem Gewerbe viele -ehemalige Weber zuführte, und 1871 nach dem Kriege. Jetzt dürfte ihre -Zahl etwa 15000 betragen, d. h. über 10% der gesamten Bevölkerung. - -[Illustration: §. Abb. 122. Lippischer Hirtenjunge. (Zu Seite 122.)] - -Die Ziegelmacherei ist Saisonarbeit. Sobald die ersten Lenzwinde wehen, -verlassen die sangesfrohen Scharen das Heimatland, kaum der Schule -entwachsene Knaben, rüstige Männer und bärtige Greise, um in allen -deutschen Gauen, ja selbst in Holland, Dänemark, Polen und Ungarn ihrem -Verdienst nachzugehen. Während der Arbeitsmonate lebt der Ziegler -äußerst einfach und mäßig. Erbsen und immer wieder Erbsen sind seine -tägliche Kost und dazu Wurst, Speck und Schinken aus dem heimischen -Vorrat. Denn das verdiente Bargeld muß der Gattin oder den alten Eltern -heimgebracht werden, die inzwischen mit Hilfe der Kinder mühselig den -Garten und das Stückchen Acker bestellt, für das Vieh, vor allem für -die zahlreichen Ziegen gesorgt und Haus und Hof in Ordnung gehalten -haben (Abb. 27 u. 122). Wehe dem, der sich zu unnützen Ausgaben hat -verleiten lassen und die erwarteten hundert Taler nicht abgeben kann! -Verachtung ist sein Lohn. Wie aber den wackeren Zieglern zumute ist, -wie schwer ihnen der Abschied von der schönen Heimat fällt, wie sie -sich auf die wohlverdiente Ruhe des Winters freuen, das erfahren -wir am besten aus den »Zieglerliedern«, den Gedichten, die Heinrich -Wienke in Brakelsiek bei Schieder, ein echter Ziegler und ein echter -Poet, nunmehr schon in vierter Auflage seinen Kameraden gewidmet hat -(Abb. 123). Da heißt es z. B. in dem »Abschiedstrost«: - - Reich' mir, lieb Weib, den Wanderstab, - Er steht in jener Ecke, - Und wenn ihn deine Hand mir gab, - So reis' ich frisch und fröhlich ab, - Du weißt, zu welchem Zwecke. - - »Zu welchem Zweck, das weiß ich ja, - Doch, Schatz, ich kann dir's sagen, - Es kränket meine Seel', fürwahr, - Daß du für uns mußt alle Jahr - Dich in der Ferne plagen.« - - O darum quäl' dich nicht so sehr, - Bin ich's doch nicht alleine, - Denn wandern müssen noch viel mehr. - Gott führ' mich fröhlich wieder her, - Und bleib' ich aus, dann weine. - -[Illustration: Abb. 123. H. Wienke, Ziegler und Volksdichter in -Brakelsiek (Lippe). (Zu Seite 123.)] - -[Sidenote: Im Nethegau.] - -Aber auch wir werden von dem Land der roten Rose und damit von den -Weserbergen überhaupt, sowie von dem Teutoburger Walde Abschied -nehmen müssen. Die südlichen Teile unseres Hügellandes enthalten zwar -insbesondere im sogenannten Nethegau noch einige interessante Stätten, -wie z. B. die Edelsitze Rheder und Hinnenburg bei dem Städtchen Brakel -(3600 Einwohner) oder den hochgelegenen Flecken Dringenberg mit seiner -alten bischöflich paderbornischen Burg. Aber weder diese Orte noch das -freundliche Tal der Nethe selbst werden uns dauernd fesseln können. Wir -eilen wiederum der Weser zu und gelangen so zurück in die Gegenden, -von denen unsere Rundreise ihren Ausgang nahm. Sie ist vollendet. Wird -es die letzte Fahrt sein, die wir nach diesem lieblichen Landstriche -machen? Ich für mein Teil hoffe es nicht. - - Und tönen wieder die Gesänge - Der Lerchen an des Himmels Blau, - Dann lockt mich aus der dumpfen Enge - Der liebe, alte Heimatgau: - - Das Wogen reicher Saatenfelder, - Der fetten Wiesen üppig Grün, - Das Quellenrauschen kühler Wälder, - Der Hügel frisches Buchengrün, - - Des Stromes traulich klarer Spiegel, - Des Fährmanns Hütte strohgedeckt, - Des Dörfleins übermooste Ziegel - In Apfelblüte fast versteckt; - - Es locken Mauern mich und Wälle - Der weltentrückten kleinen Stadt, - In schmalen Gäßchen manche Stelle, - Die einst so gern mein Fuß betrat, - - Auch stolzer Burgen morsche Trümmer, - Von Efeuranken überdeckt, - Der Bergzug, der in blauem Schimmer - Sich neblig in die Ferne streckt. - - Das alles lockt aus dumpfer Enge - Mich in den lieben Heimatgau. - Denn, horch! schon tönen die Gesänge - Der Lerchen an des Himmels Blau. - -[Illustration] - - - - -Literatur. - - - A. Penck, Das Deutsche Reich (Länderkunde des Erdteils Europa, - herausgegeben von A. Kirchhoff I, 1). Prag und Leipzig 1887. - - H. Guthe, Die Lande Braunschweig und Hannover, bearb. von A. Renner. - Hannover 1888. - - J. Meyer, Die Provinz Hannover. Hannover 1888. - - E. Oehlmann, Landeskunde der Provinz Hannover und des Herzogtums - Braunschweig. 3. Aufl. Breslau 1908. - - J. Wormstall, Landeskunde der Provinz Westfalen. 4. Aufl. Breslau 1907. - - J. B. Nordhoff, Altwestfalen. Münster 1898. - - L. Schücking und F. Freiligrath, Das malerische und romantische - Westfalen. 4. Aufl. Paderborn 1898. - - H. Schwanold, Das Fürstentum Lippe. Detmold 1899. - - W. Wiegmann, Heimatkunde des Fürstentums Schaumburg-Lippe. Stadthagen - 1905. - - C. Heßler, Hessische Landes- und Volkskunde. Marburg 1904. - - H. Keller, Weser und Ems. Berlin 1901. - - E. Küster, Die deutschen Bundsandsteingebiete. Stuttgart 1881. - - M. Buesgen, Der deutsche Wald. Leipzig o. J. - - E. Wagner, Die Bevölkerungsdichte in Südhannover. Stuttgart 1903. - - W. Nedderich, Wirtschaftsgeographische Verhältnisse, Ansiedelungen und - Bevölkerungsverteilung im ostfälischen Hügel- und Tieflande. Stuttgart - 1902. - - A. Meitzen, Der Boden u. die landw. Verhältnisse des preuß. Staates. - Bd. ~V~. Berlin 1894. - - -- Siedelung und Agrarwesen der Westgermanen und Ostgermanen usw. - Berlin 1895. - - Entwicklung und Tätigkeit des Landwirtschaftlichen Hauptvereins für - das Fürstentum Osnabrück. Osnabrück 1896. (Aufsatz von C. B. Stüve.) - - Festschrift zur fünfzigjährigen Jubelfeier des Land- und - Forstwirtschaftlichen Hauptvereins für den Reg.-Bez. Hannover. - Hannover 1886. - - K. Rhamm, Dorf und Bauerschaft im altdeutschen Lande. Leipzig 1890. - - M. Sering, Die Vererbung des ländlichen Grundbesitzes. Bd. ~II~. - Berlin 1900. - - H. Potthoff, Die Leinenleggen in der Grafschaft Ravensberg (15. - Jahresbericht des historischen Vereins für die Grafschaft Ravensberg). - Bielefeld 1901. - - ~Dr.~ Reese, Die geschichtliche Entwicklung der Bielefelder - Leinenindustrie (11. Jahresbericht des hist. Ver. f. d. Grafsch. - Ravensberg). Bielefeld 1897. - - A. Ebert, Geschichtliche Darstellung des Kohlenbergbaues im Fürstentum - Calenberg (Zeitschr. d. hist. Ver. f. Niedersachsen). Hannover 1866. - - M. Staercke, Die lippischen Ziegler. Detmold 1901. - - Berichte der Handelskammern Göttingen, Hannover, Minden, Bielefeld und - Osnabrück 1905 bis 1907. - - B. Uhl, Die Verkehrswege der Flußtäler um Münden. Hannover u. Leipzig - 1907. - - W. Peßler, Das altsächsische Bauernhaus in seiner geograph. - Verbreitung. Braunschweig 1906. - - F. Jostes, Westfälisches Trachtenbuch. Bielefeld, Berlin und Leipzig - 1904. - - H. Jellinghaus, Zur Einteilung der niederdeutschen Mundarten. Kiel - 1874. - - C. Schuchhardt (vorher A. v. Oppermann), Atlas vorgeschichtlicher - Befestigungen in Niedersachsen ~I~ bis ~VIII~. Hannover 1887 bis 1905. - - K. Rübel, Die Franken, ihr Eroberungs- und Siedelungssystem. Bielefeld - u. Leipzig 1904. - - W. Lübke, Die mittelalterliche Kunst in Westfalen. Leipzig 1853. - - A. Kisa, Die Externsteine (Jahrb. d. Vereins v. Altertumsfreunden im - Rheinl. Heft 94). Bonn 1893. - - A. Wurm, Osnabrück. 2. Aufl. Osnabrück 1906. - - H. E. und M. Marcard, Pyrmont und seine Umgebungen. Paderborn 1861. - - R. Francke, Geschichte der Stadt Carlshafen. 2. Aufl. Carlshafen 1899. - - Festschrift zur 650jährigen Jubelfeier Schwalenbergs. Hannover 1906. - - L. Puritz, Der hannoversche Tourist. 12. Aufl. Hannover 1907. - - E. Görges, Wegweiser durch das Weserbergland. 7. Aufl. Hameln 1902. - - H. Thorbecke, Der Teutoburger Wald. 10. Aufl. Detmold 1909. - - H. Aschenberg, Der Teutoburger Wald. Münster 1906. - -Benutzt wurden noch die amtlichen Darstellungen der Kunst- und -Altertumsdenkmäler der verschiedenen Gebiete, soweit sie erschienen -sind, ferner eine große Zahl von Lokalführern und zahlreiche kleinere -Aufsätze in verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften. - - - - -Verzeichnis der Abbildungen. - - - Abb. Seite - - 1. Das Hermannsdenkmal im Morgennebel 2 - - 2. Das Verwerfungssystem entlang dem Egge-Gebirge zwischen - Driburg und Willebadessen 6 - - 3. Die Keuperlandschaft bei Aerzen, südwestlich von Hameln 8 - - 4. Profil durch Weserkette und Bückeberge 9 - - 5. Blick vom Deister über das Tal von Springe zum Saupark - und Nesselberg 10 - - 6. Der Deister-Saupark-Sattel 10 - - 7. Das Längstal der Cenomanmergel bei Berlebeck im - Teutoburger Walde 11 - - 8. Dünenlandschaft im Lippischen Walde 12 - - 9. Südrand der Dünenbildungen am Teutoburger Walde 13 - - 10. Schematisches Profil des Osnings 14 - - 11. Die Hebungslinien des Teutoburger Waldes 14 - - 12. Der Teutoburger Wald bei Detmold 15 - - 13. Kohlensäuresprudel bei Herste 16 - - 14. Profil durch Falkenhagener Liasgraben und Köterberg 16 - - 15. Das Wiehengebirge als Schichtstufe auf dem Nordflügel - des Osning-Sattels 17 - - 16. Buchenhochwald am Blümer Berg bei Münden 20 - - 17. Eibenruine bei Freudental unweit Münden 21 - - §. 18. Der Meiler ist »holtrei«. Aus dem Solling 22 - - §. 19. Köhlerhütte im Vogler 23 - - §. 20. Köhler im Solling auf dem brennenden Meiler 24 - - §. 21. Köhler im Solling beim Verpacken fertiger Kohlen 24 - - 22. Sattelmeierhof Nordhof bei Enger 25 - - §. 23. Fränkisches Gehöft in Niederscheden bei Münden 26 - - 24. Hof in Kalkriese bei Engter (Osnabrück) 27 - - §. 25. Diele in Sudenfeld, Kreis Iburg 28 - - §. 26. Gehöft in Linnenbecke bei Vlotho 29 - - §. 27. Diele eines lippischen Zieglerhauses in Heidelbeck 30 - - §. 28. Gasthaus in Volksen bei Rinteln 31 - - §. 29. Motiv aus Exten bei Rinteln 32 - - 30. Bauernfamilie aus Meinsen bei Bückeburg. Älterer Typus 33 - - 31. Bauermädchen aus der Gegend von Nenndorf 33 - - 32. Schulmädchen aus Eisbergen (Kreis Minden) auf dem - Kirchgang 34 - - §. 33. Bauernmädchen aus Uffeln bei Vlotho 35 - - 34. Bauersfrau aus Hahlen bei Minden 36 - - 35. Bauer aus Hahlen bei Minden 36 - - 36. Münden und das Fuldatal 37 - - 37. Das Rathaus in Münden 38 - - §. 38. Der Marktplatz in Münden 39 - - §. 39. Die Vorstadt Blume in Münden 39 - - 40. Bursfelde 40 - - §. 41. Klosterkirche in Bursfelde 41 - - §. 42. Hugenotten aus Gewissenruh 42 - - 43. Carlshafen vom Diemeltal aus gesehen 42 - - 44. Helmarshausen und die Krukenburg gegen den Solling 43 - - §. 45. Basaltbruch am Hohen Hagen 44 - - §. 46. Trendelburg an der Diemel 45 - - 47. Hirschfütterung im Reinhardswald 45 - - 48. Das Rathaus in Einbeck 46 - - 49. Eickesches Haus in Einbeck 47 - - 50. Bremer Straße bei Beverungen 48 - - §. 51. Zwei Fährleute, Vater und Sohn, aus Wehrden 48 - - §. 52. Fürstenberg 49 - - §. 53. Corvey 50 - - 54. Eingang zur Abtei Corvey 50 - - 55. Höxter, vom Felsenkeller aus gesehen 51 - - §. 56. Schloß Bevern 52 - - 57. Schichtung der Muschelkalk-Formation bei Bodenwerder 53 - - 58. Polle 54 - - 59. Die Steinmühle 54 - - 60. Bodenwerder 55 - - 61. Schloß Hehlen 56 - - 62. Straße in Eschershausen 57 - - 63. Adam und Eva am Ith 58 - - §. 64. Am Rotenstein bei Eschershausen 59 - - §. 65. Lauenstein 60 - - 66. Bückeburg 61 - - 67. Saukörnung am Kleinen Deister bei Springe 62 - - 68. Die lutherische Kirche in Bückeburg 63 - - 69. Das neue Rathaus in Bückeburg 64 - - 70. Hameln gegen den Süntel 65 - - 71. Das Rattenfängerhaus in Hameln 66 - - §. 72. Schloß Hämelschenburg bei Hameln 67 - - 73. Kapelle beim Armenhaus Wangelist (Hameln) 68 - - 74. Rinteln gegen den Taubenberg 69 - - §. 75. Blick von der Bückeburger Chaussee in das Tal von Rinteln 70 - - §. 76. Dankerser Mühle bei Rinteln 71 - - 77. Vlotho gegen den Amthausberg und das Wiehengebirge 72 - - §. 78. Exten bei Rinteln 73 - - §. 79. Schloß Varenholz 75 - - 80. Möllenbeck gegen die Weserkette (Papenbrink, Lange Wand, - Luhdener Klippe) 77 - - 81. Süntelbuche auf der Schafweide bei Hülsede 78 - - §. 82. Der Hohenstein gegen den Süntel 79 - - §. 83. Turm der Schaumburg gegen die Paschenburg 80 - - §. 84. Die Arensburg 81 - - §. 85. Die Weserkette bei Rinteln (Lange Wand, Luhdener Klippe) 82 - - §. 86. Porta Westfalica von Süden 83 - - 87. Das Kaiser Wilhelm-Denkmal an der Porta Westfalica 84 - - 88. Minden 85 - - 89. Inneres des Doms zu Minden 86 - - §. 90. Bergkirchen auf dem Wiehengebirge 87 - - 91. Königl. Kurhaus in Bad Oeynhausen 88 - - 92. Osnabrück vom Gertrudenberge aus gesehen 89 - - 93. Der Markt in Osnabrück 90 - - §. 94. Tecklenburg 91 - - 95. Schloß Iburg 92 - - 96. Burg Ravensberg im Jahre 1839 93 - - 97. Burg Ravensberg 93 - - 98. Straße in Halle i. W. 94 - - 99. Kette des Teutoburger Waldes bei Halle mit Blick auf den - Ravensberg 95 - - 100. Idyll aus Amshausen bei Halle i. W. 96 - - 101. Blick auf Bielefeld 97 - - 102. Burg Sparenberg (Bielefeld) vom Johannisberg aus gesehen 98 - - 103. Haus in der Oberntorstraße in Bielefeld 99 - - 104. Rathaus und Theater in Bielefeld 100 - - 105. Grabmal Wittekinds in der Kirche zu Enger 101 - - 106. Waldchaussee von Detmold zum Jagdschloß Lopshorn 102 - - 107. Donoper Teich bei Detmold 103 - - §. 108. Berlebeck 104 - - 109. Detmold gegen das Hermannsdenkmal 105 - - §. 110. Das Fürstliche Schloß in Detmold 106 - - §. 111. Donopbrunnen in Detmold 107 - - 112. Das Hermannsdenkmal 109 - - §. 113. Die Externsteine 110 - - §. 114. Die Kreuzabnahme, Hochrelief an den Externsteinen 111 - - 115. Lemgo 113 - - §. 116. Marktplatz in Lemgo 115 - - §. 117. Erker mit Laube am Rathaus in Lemgo 117 - - §. 118. Fürstliches Schloß im Pyrmont 118 - - §. 119. Inneres der Kreuzkirche in Lügde 119 - - 120. Schwalenberg 110 - - §. 121. Das Rathaus in Schwalenberg 121 - - §. 122. Lippischer Hirtenjunge 122 - - 123. F. Wienke, Ziegler und Volksdichter in Brakelsiek (Lippe) 123 - -Die mit §. gekennzeichneten Abbildungen sind photographische Aufnahmen -des Verfassers. - -[Illustration] - - - - -Register. - - - Aa 115. - - Aale 75. - - Adam und Eva 58 (Abb. 63). 86. - - Adelebsen 75. 76. - - Aerzen 8 (Abb. 3). - - Alfeld 35. - - Altenbeken 11. 22. 119. - - Altenteil 41. - - Alte Weser 25. - - Altschieder 58. - - Amelith 33. - - Amelungsenburg 57. - - Amelunxborn 77. - - Amshausen 96 (Abb. 100). - - Amthausberg 100. - - Anerbe 40. - - Angrivarier 56. - - Ansiedlungsformen 36. - - Anthrazitkohle 108. - - Arensburg 81 (Abb. 84). 102. - - Arminius 56. - - Aue, Bückeburger 5. 93. - - Aue, Rodenberger 26. 91. - - - Babilönie 58. - - Bad Eilsen s. Eilsen. - - Bad Oeynhausen s. Oeynhausen. - - Barenberg 10. - - Barenburg 89. - - Barntrup 121. - - Barsinghausen 9. 90. - - Basaltbruch 44 (Abb. 45). - - Bauernhof 25 (Abb. 22) bis 32 (Abb. 29). 38. 40. 43. 45. - - Bauerschaften 43. - - Beberbeck 73. - - Bega 26. 119. 120. 122. - - Bennigsen 4. - - Bennigserburg 58. 90. - - Bentberg 18. - - Bergkirchen 87 (Abb. 90). 107. - - Besitzverhältnisse 35. - - Berlebeck 10. 11 (Abb. 7). 104 (Abb. 108). 116. - - Bethel 115. - - Bever 79. - - Beverbach 78. 82. - - Bevergern 5. 10. 112. - - Bevern 52 (Abb. 56). 82. - - Beverungen 79. - - Bevölkerung 33 (Abb. 30) bis 36 (Abb. 35). - - Bielefeld 10. 14. 15. 97 (Abb. 101) bis 100 (Abb. 104). 112. 114. 115. - - Bielefeld, Paß von 112. - - Bielstein 8. 12. - - Bifurkation 26. - - Bismarcksäule 103. - - Blankenau 79. - - Blankenrode 10. - - Blomberg 121. - - Blöße, Große 76. - - Bloße Zelle 11. 88. - - Blume 39 (Abb. 39). - - Blümer Berg 20 (Abb. 16). 68. - - Blutbach 102. - - Bodenfelde 34. 35. 70. - - Bodenwerder 7. 18. 53 (Abb. 57). 55 (Abb. 60). 78. 82. 83. - - Bölhorst 104. - - Bonenburg 7. - - Borgentreich 7. - - Borgholzhausen 10. 112. 114. - - Borgholzhausen, Paß von 112. - - Bornstapel 120. - - Brackwede 14. 115. - - Brakel 7. 18. 124. - - Brakelsiek 123. - - Bramburg (Berg) 12. 74. - - Bramburg (Ruine) 70. - - Bramsche 107. - - Bramwald 34. 68. 73. - - Braunkohle s. Kohlen. - - Braunschweig 62. - - Breitenstein 82. - - Bremer Böcke 96. - - Bremer Straße 48 (Abb. 50). - - Brevörde 83. - - Brinke 90. - - Brochterbecker Schlucht 112. - - Brukterer 56. - - Brunkensen 88. - - Brunsberg 80. - - Buche 31. - - Bückeberg 5. 9. 13. 91. 92. - - Bückeburg 9. 61 (Abb. 66). 63 (Abb. 68). 64 (Abb. 69). 93. 94. - - Bückeburger Aue 5. 93. - - Bückeburger Tracht 54. 55. - - Büffel 55. - - Bullen 96. - - Buke 11. - - Bükefaß 33. - - Bünde 108. - - Burgberg 82. - - Burgen 57. - - Bursfelde 40 (Abb. 40). 41 (Abb. 41). 70. - - Bursfelder Kongregation 70. - - - Carlshafen 25. 26. 35. 42 (Abb. 43). 68. 70. 72. 75. 76. - - Chatten 56. - - Cherusker 56. - - Coppenbrügge 8. 18. 86. 87. - - Corvey 50 (Abb. 53 u. 54). 59. 62. 80. - - - Dachtelfeld 102. - - Dampfschiffahrt 67. - - Dankerser Mühle 71 (Abb. 76). - - Dassel 62. 76. - - Deister 4. 5. 9. 10. 13. 19. 90. 92. - - Deister, Kleiner 90. - - Deisterpforte 90. - - Delliehausen 75. - - Delligsen 87. - - Desenberg 11. - - Detmold 10. 15 (Abb. 12). 59. 102 (Abb. 106). 103 (Abb. 107). 116. - - Diele 28 (Abb. 25). 30 (Abb. 27). 46. - - Dielmisser Felsen 8. 87. - - Diemel 26. 72. 74. 110. - - Diluviale Vereisung 12. - - Dissen 114. - - Dogger 8. - - Dohlensteinmühle 83. - - Dolmen 108. - - Donoper Teich 103 (Abb. 107). 116. - - Dörenberg 10. 108. 112. - - Dörenschlucht 112. 116. - - Dörenther Klippen 112. - - Dortmund-Ems-Kanal 112. - - Drakenberg 89. - - Dransberg 73. - - Dransfeld 73. - - Dransfelder Höhenland 5. 26. 73. - - Dreikaiserturm 112. - - Driburg 58. 119. - - Dringenberg 124. - - Duingen 87. - - Duinger Berg 18. - - Dünenlandschaft 12 (Abb. 8). 13 (Abb. 9). - - Durrbeke 22. - - Durilith 108. - - Dürre Holzminde 22. - - Dyas 7. - - - Ebersberg 90. - - Ebersnacken 78. - - Egge-Gebirge 4. 5. 6 (Abb. 2). 11. 13. 20. 110. 119. - - Eibe 21 (Abb. 17). 28. 82. - - Eiche 31. - - Eichenberg 5. - - Eilsen 9. 93. - - Einbeck 8. 46 (Abb. 48). 47. (Abb. 49). 76. - - Einbeck-Markoldendorfer Becken 18. - - Einzelhof 43. - - Eisbergen 33. 34. - - Eiszeit (Vereisung) 12. - - Eißen 11. - - Elfas 5. 7. 18. 77. - - Else 26. 107. - - Elze 18. 89. - - Emmer 26. 82. 84. 94. 119. - - Emmertal 120. 121. - - Enger 39. 101 (Abb. 105). 115. - - Engern 57. 59. - - Erder 25. 99. 100. - - Eresburg 59. - - Erichsburg 76. - - Esch 43. - - Eschershausen 8. 57 (Abb. 62). 59. 86. 87. - - Espolde 76. - - Esse 72. - - Everstein 62. 82. - - Exten 32 (Abb. 29). 73 (Abb. 78). 100. - - Exter 26. 100. - - Externsteine 10. 110 (Abb. 113). 111 (Abb. 114). 116. 118. - - - Fahrenberg 11. - - Falkenburg 116. - - Falkenhagen 17. 122. - - Feldrom 11. - - Fischbeck 99. - - Flurzwang 38. - - Forst, Domäne 24. 82. - - Forstbach 24. 77. 78. - - Forstkultur 30. - - Fort George 98. - - Fränkisches Haus 44. - - Fredelsloh 76. - - Freden 87. - - Freden, Großer 112. - - Friesat 55. - - Friewohle 76. - - Friller Tracht 55. - - Fulda 22. 37 (Abb. 36). - - Fürstenberg 49 (Abb. 52). 75. 79. 80. - - - Gahrenberg 11. 73. - - Garnwindelstein 87. - - Gehöft s. Bauernhof. - - Gehrdener Berg 10. - - Geologie 5 ff. - - George, Fort 98. - - Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenverein 108. - - Georgsmarienhütte 7. 108. - - Germanen 56. - - Gertrudenberg 110. - - Geschichte 56 ff. - - Gesmold 26. - - Gewissenruh 44. 70. - - Glene 86. 88. - - Gohfeld-Mennighüffen 106. - - Gottestreu 70. - - Gottsbüren 74. - - Grevenalveshagen 92. - - Grohnde 82. 83. - - Große Blöße 75. - - Großer Hünenring 116. - - Großer Freden 112. - - Groß-Freden 18. - - Großer Sohl 88. - - Grotenburg 10. 15 (Abb. 12). - - Grubenhagen 76. - - Grubenhagener Berge 5. - - Grünenplan 11. 84. 89. - - - Hageltürme 64. - - Hagen, Hoher 12. 44 (Abb. 45). 73. - - Hagenohsen 84. - - Hahlen 25. 36. - - Halle 50. 94 (Abb. 98). 112. 114. - - Hallermund 62. 90. - - Hamel, Fl. 26. 94. - - Hameler Loch 94. - - Hameln 8. 12. 25. 35. 58. 65 (Abb. 70) bis 68 (Abb. 73). 94. 98. 99. - - Hämelschenburg 67 (Abb. 72). 98. - - Hammerslust 8. - - Hannover, Prov. 62. - - Hardegsen 76. - - Harrl 9. 93. 94. - - Hartröhren 26. - - Hase 26. 106. 107. - - Hasselburg 18. - - Hastenbeck 84. - - Hausberge 25. 104. - - Hausformen 44. - - Hausindustrie 106. - - Hedemünden 24. - - Hehlen 56 (Abb. 61). 83. - - Heimberg 11. - - Heinrichshagen 78. - - Heisterberg 19. - - Heisterburg 58. 90. - - Helmarshausen 43 (Abb. 44). 72. - - Hemeln 70. - - Hemmendorf 92. - - Herbram 11. - - Herford 59. 62. 106. 115. - - Herlingsburg 58. - - Hermannsborn 15. - - Hermannsdenkmal 2 (Abb. 1). 15 (Abb. 12). 105 (Abb. 109). - 109 (Abb. 112). 116. - - Herrmannsberg 8. - - Herste 15. - - Herstelle 24. 59. 68. 72. 78. - - Hessendorf 44. - - Hessen-Nassau 62. - - Hessischer Typus 55. - - Hessisch-Oldendorf 57. 99. - - Hetha 80. - - Heuerlinge 36. - - Hildesheim (Bistum) 62. - - Hille 46. - - Hils 5. 10. 12. 13. 18. 20. 26. 84. 87. 88. - - Hilwartshausen 70. - - Hinterhang 96. - - Hochmoore 75. - - Hof s. Bauernhof. - - Hohenbüchen 88. - - Hohenstein 8. 79 (Abb. 82). 102. - - Hoher Asch 120. - - Hoher Hagen 12. 44 (Abb. 45). 73. - - Holter Sattel 16. - - Holzindustrie 35. - - Holzkohle 33. - - Holzminde 75. 78. - - Holzminden 18. 81. - - Holzmühle 90. - - Homburg, Geb. 5. 7. 18. 76. 77. - - Homburg, Ort 62. - - Hooptal 77. - - Horn 10. 110. 118. - - Höxter 18. 51 (Abb. 55). 62. 80. 81. 103. - - Höxtersches Höhenland 5. 79. 119. - - Huckberg 110. - - Hugenotten 42 (Abb. 42). - - Hüggel 7. 108. 112. - - Hülsede 78 (Abb. 81). - - Humme 26. 84. 94. - - Hünenburg 10. 112. - - Hünenring 116. - - Hunte 26. - - Hüssenberg 11. - - - Ibbenbüren 62. 108. 112. - - Ibbenbürener Bergplatte 7. - - Iburg b. Driburg 58. 119. - - Iburg b. Osnabrück 10. 91. 92 (Abb. 95). 112. 114. - - Iburg, Paß von 112. - - Idistavisus 57. 102. - - Idtberg 11. - - Ilme 75. 76. - - Inseln 25. - - Ith 7. 8. 12. 13. 18. 20. 58 (Abb. 63). 84. 86. - - - Jakobsberg 103. - - Jakobsklippe 103. - - Johannaberg 116. - - Johannisberg 112. - - Jura 8. - - - Kahnstein 8. 12. 18. 87. - - Kaierde 11. 35. - - Kaiser Wilhelm-Denkmal 84 (Abb. 87). 104. - - Kali 75. - - Kalkriese 27 (Abb. 24). - - Kammersteine 87. - - Kämpe 28. 43. - - Karlsschanze 58. - - Karlssteine 108. - - Kathrinhagen 92. - - Kaufunger Wald 4. - - Kelten 56. - - Kemnade 83. - - Kiffing 68. - - Kirchohsen 84. - - Kleine Porta 100. - - Kleiner Deister 5. 90. - - Kleiner Hünenring 116. - - Klima 19 ff. - - Klümpse 74. - - Klus 9. - - Klüt 8. 98. - - Kohlenbergbau 75. 90. 91. 92. - - Kohlenbrennerei 34. - - Kohlenmeiler 22 (Abb. 18). 24 (Abb. 20 u. 21). - - Kohlensandstein 108. - - Kohlensäuresprudel 16 (Abb. 13). - - Köhlerhütte 23 (Abb. 19). - - Königstunde 39. - - Königszinne 55 (Abb. 60). 78. - - Köterberg 8. 16 (Abb. 14). 20. 120. - - Kralle 55. - - Krebshagen 92. - - Kreideformation 9. - - Krukenburg 43 (Abb. 44). 72. - - Külf 18. - - - Lachsfang 96. - - Lage 120. - - Landgrafenküche 89. - - Lange Wand 77 (Abb. 80). 82 (Abb. 85). - - Laten 38. - - Lauenförde 35. 79. - - Lauenstein 60 (Abb. 65). 87. - - Leggen (Bleichen) 114. - - Leibzucht 41. - - Leine 7. 26. 75. - - Leinenweberei 114. - - Lemgo 8. 113 (Abb. 115) bis 117 (Abb. 117). 121. 122. - - Lemgoer Mark 8. 120. - - Lenne 26. 83. 86. - - Lewenhagen 73. - - Lias 8. - - Lichtheupte 116. - - Lindhorster Typus 55. - - Linnenbecke 29 (Abb. 26). - - Lippe 62. - - Lippische Porta 100. - - Lippischer Wald 12 (Abb. 8). 111. 116. - - Lippisches Hügelland 5. 119. - - Lippoldsberg 70. - - Lippoldshöhle 88. - - Löhne 100. 108. - - Lübbecke 58. 59. 103. 106. 107. - - Lügde 59. 119 (Abb. 119). 120. 121. - - Luhdener Klippe 8. 77 (Abb. 80). 82 (Abb. 85). 103. - - - Malm 8. - - Margaretenklus 104. - - Marienmünster 122. - - Markloh 59. - - Markoldendorf 8. - - Marsberg 59. - - Mast 98. - - Meier 38. - - Meinberg 15. 121. - - Meinsen 33. - - Meißner 4. - - Melle 108. - - Minden 55. 58. 59. 62. 85 (Abb. 88). 86 (Abb. 89). 104. 106. - - Möllenbeck 77 (Abb. 80). 101. - - Mönchstein 8. 87. - - Moosberg 75. 76. - - Mörth 120. 122. - - Münden 5. 24. 35. 37 (Abb. 36) bis 39 (Abb. 39). 63 ff. - - Mündener Stapelrecht 66. 72. - - Münder 19. 101. - - Mushaus 76. - - - Nammer Klippe 103. - - Nenndorf 19. 55. 91. 101. - - Nesselberg 9. 10 (Abb. 5 u. 6). 18. 89. - - Nethe 26. 78. 119. 120. - - Nethegau 4. 123. 124. - - Neuenheerse 119. - - Neuenkirchen 17. - - Niedersächsisch-Plattdeutsch 60. - - Niederscheden 26 (Abb. 23). - - Niederschlagsverhältnisse 20. - - Nieme 68. 70. 73. - - Nienover 76. - - Northeim 62. - - - Obensburg 18. 58. 84. 89. - - Obernkirchen 9. 91. 92. - - Oeynhausen 17. 88 (Abb. 91). 100. 107. - - Ohr 84. - - Ohrberg 84. 98. - - Ohsen 25. 82. - - Oldenburg 122. - - Oldendorf, Hessisch- 57. 99. - - Örlinghausen 9. 110. 116. - - Ortschaften 43. - - Osnabrück 58. 59. 89 (Abb. 92). 90 (Abb. 93). 108. - - Osnabrückisches Hügelland 5. - - Osnegge 110. - - Osning 5. 11. 12. 13. 14 (Abb. 10). 108. 110. 112. - - Osterkappeln 107. - - Osterwald, Dorf 89. - - Osterwald, Geb. 5. 9. 10. 18. 89. - - Ostfalen 57. - - - Paderborn 58. 59. - - Paderborn (Bistum) 62. - - Paderborner Hochfläche 5. - - Papenbrink 77 (Abb. 80). 103. - - Papin, Dionysius 67. - - Paschenburg 80 (Abb. 83). 102. - - Piesberg 7. 16. 17. 108. 112. - - Plattdeutsch 60. - - Polle 17. 54 (Abb. 58). 82. - - Poppenstein 8. - - Porta Westfalica (Westfälische Pforte) 5. 8. 12. 25. 57. 83 (Abb. 86). - 84 (Abb. 87). 100. 103. 104. - - Porta, Kleine oder Lippische 100. - - Pottaschegewinnung 33. - - Preußen 62. - - Pyrmont 7. 17. 62. 118 (Abb. 118). 119. 120. 121. 122. - - - Rattenfängerhaus 66 (Abb. 71). 98. - - Ravensberg 62. 93 (Abb. 96 u. 97). 95 (Abb. 99). 112. 114. - - Ravensbergisches Hügelland 5 - - Rehme 25. 107. - - Reihendörfer 44. - - Reinhardswald 4. 5. 11. 18. 31. 45 (Abb. 47). 63. 68. 73. 74. - - Remte 94. - - Reuberg 88. - - Rinteln 69 (Abb. 74) bis 71 (Abb. 76). 91. 99. 100. - - Roden 62. - - Rodenberg 91. - - Rodenberger Aue 26. 91. - - Rosenthal 102. - - Rotenstein 59 (Abb. 64). 87. - - Rottmünde 75. - - Rühle 82. 83. - - Rulle 58. - - - Saale 86. - - Sababurg 11. 73. - - Sachsen 57. - - Sachsenlager 58. 116. - - Sächsisches Haus 45. - - Salzhemmendorf 87. - - Salzuflen 17. 120. - - Sandebeck 12. - - Sandsteine 81. 91. - - Sattelmeierhöfe 39. 25 (Abb. 22). - - Saukörnung 62 (Abb. 67). - - Saupark 9. 10 (Abb. 5 u. 6). 13. 18. 90. - - Schafberg 108. 112. - - Schalksburg 104. - - Schauenstein 92. - - Schaumburg 59. 62. 80 (Abb. 83). 102. - - Schaumburg, Grafschaft 99. - - Schaumburger Tracht 56. - - Schaumburg-Lippe 62. - - Schecken 18. 84. - - Scheckenpaß 89. - - Schede 68. - - Schieder 58. 59. 122. - - Schierlaken 55. - - Schildesche 115. - - Schledehausen 108. - - Schwalenberg 62. 120 (Abb. 120). 121 (Abb. 121). 122. - - Schwalenberger Wald 8. 120. - - Schwaney 11. - - Schwöbber 98. - - Schwülme 26. 68. 70. 74. 75. - - Selter 8. 13. 18. 87. - - Sieburg 72. - - Siedelungsformen 38. - - Skidroburg 122. - - Solling 4. 5. 7. 12. 18. 20. 31. 34. 43 (Abb. 44). 74. 75. 76. 81. - - Sollinger Wald 18. - - Sooldorf 19. - - Sparenberg 98 (Abb. 101). 114. - - Spiegelberg 62. - - Springe 9. 18. 35 62 (Abb. 67). 90. - - Stadthagen 10. 92. - - Stadtoldendorf 7. 76. - - Stapelrecht, Mündener 66. 72. - - Staufenberg 11. 73. - - Steinbergen 103. - - Steinbrüche 108. - - Steingräber 108. - - Steinmühle 54 (Abb. 59). 83. - - Steinsalz 75. - - Stemberg 10. - - Stemmer Berg 10. - - Sternberg 62. 122. - - Sternberger Höhen 120. - - Süntel 5. 7. 9. 13. 20. 26. 59. 65 (Abb. 70). 79 (Abb. 82). 91. 92. - 101. 107. - - Süntelbuche 78 (Abb. 81). 101. - - Süntelturm 101. - - - Tabakfabrikation 106. - - Tanzwerder 67. - - Taubenberg 69 (Abb. 74). 100. 120. - - Tecklenburg 62. 91 (Abb. 94). 112. 114. - - Temperaturverhältnisse 19 ff. - - Tertiär 11. - - Teufelskanzel 102. - - Teufelsküche 87. - - Teutoburg 57. 116. - - Teutoburger Wald 4. 9. 11 (Abb. 7). 13 (Abb. 9). 14 (Abb. 10). 13. 20. - 57. 95 (Abb. 99). 110. 111. - - Theotmalli 116. - - Thüster Berg 18. - - Tillyschanze 63. - - Tönniesberg 103. - - Tönsberg 10. 116. - - Totenberg 73. - - Totental 102. - - Trachten s. Volkstrachten. - - Treidelschiffahrt 98. - - Trendelburg 45 (Abb. 46). 74. - - Trias 7. - - Twielbiäke 26. - - - Uffeln 35. - - Uslar 76. - - - Varenholz 75. 101. - - Varusschlacht 111. - - Veckerhagen 68. - - Velmerstot 110. 119. - - Vinsebeck 15. - - Vlotho 17. 72 (Abb. 77). 100. - - Vogler 5. 7. 18. 34. 77. 78. 82. 83. 86. - - Voldagsen 87. - - Volksen 31 (Abb. 28). - - Volkstrachten 33 (Abb. 30) bis 36 (Abb. 35). 54. - - Völmerstot s. Velmerstot. - - Volpriehausen 75. 76. - - - Wackelstein 87. - - Wald 27 ff. - - Waldeck 122. - - Waldeck-Pyrmont 62. - - Wallücke 107. 108. - - Wangelist 98 (Abb. 73). - - Warburg 11. - - Warburger Börde 5. 7. 11. 119. - - Wealdenkohle 91. 104. - - Wehrden 79. - - Weibeck 102. - - Weinbau 103. - - Weißer Stein 89. - - Wendhagen 92. - - Weper 5. - - Werra 22. - - Werre 7. 26. 107. 115. 119. - - Wertheim 35. - - Werther 114. - - Weser 22 ff. 63 ff. 75. 100. 107. - - Wesergebirge 13. 19. - - Weserkette 9 (Abb. 4). 77 (Abb. 80). 82 (Abb. 85). 102. - - Wesermühlen-Aktiengesellschaft 68. 96. - - Weserstein 67. - - Westerberg 110. - - Westfalen 57. 62. - - Westfälische Pforte s. Porta Westfalica. - - Westfälisch-Plattdeutsch 60. - - Wickensen 77. - - Wiehengebirge 5. 16. 17 (Abb. 15). 20. 72 (Abb. 77). 87 (Abb. 90). 91. - 104. 107. - - Wiem 46. - - Wienke 123. - - Willebadessen 58. - - Windfedern 45. - - Winterberg 8. - - Wispe 86. 88. - - Wittekind 58. 108. 115. - - Wittekindsberg 57. 107. - - Wittekindsburg 58. - - Wittekinds Grabmal 101 (Abb. 105). 115. - - Wittekindskapelle 104. - - Wittekindsquelle 104. - - - Zappenburg 73. - - Zelle, Bloße 11. 88. - - Ziegelei 122. 123. - - Zwieselbach 26. - -[Illustration] - -[Illustration: KARTE DES WESERBERGLANDES.] - - - - - +----------------------------------------------------------------+ - | Anmerkungen zur Transkription | - | | - | Inkonsistenzen wurden beibehalten, wenn beide Schreibweisen | - | gebräuchlich waren, wie: | - | | - | Amthaus -- Amtshaus | - | Ansiedelung -- Ansiedlung | - | Domes -- Doms | - | Egge-Gebirge -- Eggegebirge | - | Eisenbahn-Knotenpunkt -- Eisenbahnknotenpunkt | - | Gebietes -- Gebiets | - | Gesteines -- Gesteins | - | Linnenbecke -- Linnenbeke | - | Neocom -- Neokom | - | Osning-Achse -- Osningachse | - | Umschlagplätzen -- Umschlagsplatz | - | Weser-Mühlen-Aktien-Gesellschaft | - | -- Wesermühlen-Aktiengesellschaft | - | Wesergebietes -- Wesergebiets | - | | - | Interpunktion wurde ohne Erwähnung korrigiert. | - | Im Text wurden folgende Änderungen vorgenommen: | - | | - | S. 8 »Mönchsstein« in »Mönchstein« geändert. | - | S. 20 »unserm« in »unserem« geändert. | - | S. 26 »Neihe« in »Nethe« geändert. | - | S. 42 »auf dem Familiennamen« in »auf den Familiennamen« | - | geändert. | - | S. 47 »Baulüberlieferungen« in »Bauüberlieferungen« geändert. | - | S. 54 »ausstorben« in »ausgestorben« geändert. | - | S. 59 »selbstständig« in » selbständig« geändert. | - | S. 60 »gewesen sein« in »gewesen zu sein« geändert. | - | S. 84 »Seite 18« in »auf Seite 18« geändert. | - | S. 86 »Tagesbau« in »Tagebau« geändert. | - | S. 94 »Bückeburges Schlosses« in »Bückeburger Schlosses« | - | geändert. | - | S. 100 »Durchbruchtal« in »Durchbruchstal« geändert. | - | S. 108 »Kohlesandstein« in »Kohlensandstein« geändert. | - | S. 112 »Rava« in »Ravenna« geändert. | - | S. 130 »Mönchsstein« in »Mönchstein« geändert. | - | S. 130 »Rosental« in »Rosenthal« geändert. | - | S. 131 »Walllücke« in »Wallücke« geändert. | - +----------------------------------------------------------------+ - -*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DAS WESERBERGLAND UND DER -TEUTOBURGER WALD *** - -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed. - -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the -United States without permission and without paying copyright -royalties. 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