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-The Project Gutenberg eBook of Die Umsegelung Afrikas durch phönizische
-Schiffer ums Jahr 600 v. Chr. Geb., by Willi Müller
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and
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-using this eBook.
-
-Title: Die Umsegelung Afrikas durch phönizische Schiffer ums Jahr 600
- v. Chr. Geb.
-
-Author: Willi Müller
-
-Release Date: April 17, 2021 [eBook #65093]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: UTF-8
-
-Produced by: Peter Becker, Jens Sadowski, and the Online Distributed
- Proofreading Team at https://www.pgdp.net. This file was
- produced from images generously made available by The Internet
- Archive.
-
-*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE UMSEGELUNG AFRIKAS DURCH
-PHÖNIZISCHE SCHIFFER UMS JAHR 600 V. CHR. GEB. ***
-
-
-
-
- Die
- Umsegelung Afrikas
- durch phönizische Schiffer
- ums Jahr 600 v. Chr. Geb.
-
-
- Willi Müller,
- Dr. phil., Oberlehrer.
-
-
- Rathenow.
- Verlag von Max Babenzien.
-
-
-
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- Inhalts-Verzeichniss.
-
-
- Seite
- Einleitung 1
- Die Quelle 4
- Die nennenswerthesten Zweifler 4
- Die namhaftesten Vertheidiger 5
- Die Glaubwürdigkeit Herodots 6
- Die Zuverlässigkeit der muthmasslichen Gewährsmänner Herodots 11
- Charakter der saïtischen Dynastie 14
- Charakter Nechos 16
- Nechos vermuthliche Ansichten über die Möglichkeit der 19
- Heimkehr seiner Sendlinge
- Abschliessendes Urtheil über Necho 20
- Andere Versuche der Umschiffung 21
- Warum fuhren nicht Aegypter? 23
- Seemännische Tüchtigkeit der Phönizier 27
- Vermuthliche Ansichten über die Gestalt und südliche 33
- Erstreckung Afrikas ums Jahr 600 v. Chr.
- Genauere Zeitbestimmung der Fahrt 36
- Abfahrtsort der Expedition 38
- Wo waren die ausgesandten Schiffer zu Hause? 41
- Unternehmungslust des Alterthums auf dem Gebiete des Reisens 43
- Antriebe zur Fahrt 44
- Folgenlosigkeit der Fahrt 49
- Zusammenstellung des Bisherigen und Uebergang zur Betrachtung 64
- der eigentlichen Fahrt
- Winde 66
- Meeresströmungen 68
- Konstellation 69
- Fehlen des Kompasses 71
- Brandungen und Klippen 71
- Grund für die Aussendung mehrerer Schiffe 71
- Art der Fahrzeuge 72
- Schnelligkeit der Schiffe des Alterthums 73
- Leitung der Expedition 76
- Welches Getreide haben die Phönizier gesäet und geerntet? 78
- Die Rastorte der Phönizier 86
- Was bedeutet Her. IV, 42 φθινόπωρον? 89
- Genauere Vertheilung der Zeit auf die einzelnen Abschnitte der 91
- Reise
- Länge des Aufenthalts an den Rastorten 94
- Sind Störungen seitens der Eingeborenen bei Saat und Ernte 96
- anzunehmen?
- Der Stand der Sonne 97
- Schlussbetrachtung 107
-
-
-
-
- Einleitung.
-
-
-Es giebt wenige Fragen in der Geschichte der Geographie, welche
-Gegenstand so lebhaft und so andauernd geführter Debatten gewesen sind,
-wie die nach der Wahrheit des herodoteischen Berichtes über die
-Umsegelung Afrikas, unternommen durch phönizische Schiffer auf den
-Befehl des ägyptischen Königs Nechos II. um’s Jahr 600 v. Chr.; über
-zwei Jahrtausende sind gegenwärtig seit dem Beginn des Streites
-verflossen. Wenn es nicht leicht ist, zu einem abschliessenden Urtheile
-in dieser Sache zu gelangen, so liegt das einmal an der Kürze der Notiz
-bei Herodot, in zweiter Linie trägt aber der Umstand die Schuld, dass
-die wenige Zeilen umfassende Nachricht die einzige Quelle ist, aus der
-wir schöpfen können; alles, was das Alterthum und die spätere Zeit sonst
-von der kühnen Fahrt zu erzählen wissen, muss auf diesen Originalbericht
-zurückgeführt werden. Für den Forscher, der heutzutage der angedeuteten
-Frage näher tritt, wird die Schwierigkeit der Arbeit aber wesentlich
-erhöht durch die Fülle von Schriften, welche für und wider die
-Glaubwürdigkeit dieser Erzählung in dem langen Zeitraume von Herodots
-Tagen bis auf uns der Scharfsinn und die Gelehrsamkeit Berufener
-veröffentlicht haben. Wer sich nicht in der leichtfertigen Weise, welche
-Vincent in seiner History of the commerce, navigation and discoveries of
-the Ancients in the Indian Ocean, Vol. II, p. 189 charakterisirt[1], an
-die Erörterung der Frage macht, sondern unter sorgfältiger Erwägung
-aller Verhältnisse, die für eine richtige Beurtheilung in Betracht
-kommen können, und unter Benutzung des Besten aus der umfangreichen
-Litteratur zu dieser Ueberlieferung, dem erwächst eine zwar sehr
-interessante, aber nicht minder mühevolle Arbeit. Ich habe es mir
-angelegen sein lassen, den Anforderungen, die man an einen
-gewissenhaften Forscher stellt, nach Möglichkeit gerecht zu werden, und
-hoffe, mich keiner der Erörterungen, die zur Klarstellung der Sachlage
-dienen können, entzogen zu haben, auch darf ich mich der Hoffnung
-hingeben, dass von den zahlreichen Schriften über das in Frage stehende
-Problem, sowie von den grösseren Werken, welche dasselbe im Vorbeigehen
-berühren, mir nichts Wichtiges unbekannt geblieben ist. Je mehr ich mich
-freilich in das Studium der Sache vertiefte, desto klarer wurde mir, wie
-Recht Bobrik hat, wenn er sagt (Geographie des Herodot, Einl., p. VI):
-„Es liegt in der Natur der Sache, dass eine altgeographische Monographie
-nicht vollständig und abgeschlossen sein kann. Einestheils steht niemand
-alles zu Gebote, dessen er bedarf, anderntheils, wenn’s auch der Fall
-sein sollte, reicht ein Menschenleben gar nicht zur Benutzung des
-vorhandenen Materials aus. Alle Alten, viele Byzantiner, die neueren
-Reisebeschreibungen und sonst noch über den Gegenstand Erschienenes
-durchzulesen und durchzu_arbeiten_ übersteigt bei weitem die Kräfte des
-Einzelnen.“ Diese Worte bitte ich besonders Diejenigen zu beherzigen,
-welche vielleicht berufen sein sollten, die vorliegende Arbeit vor ihr
-kritisches Forum zu ziehen.
-
-Was nun das Resultat der Untersuchung betrifft, so gestehe ich gleich
-hier, dass ich im Gegensatze zu vielen andern Beurtheilern, die sich
-theils völlig ablehnend, theils zweifelnd verhalten, nicht den
-geringsten Grund finden kann dem herodoteischen Berichte die
-Glaubwürdigkeit abzusprechen, sondern mich rückhaltlos denen
-anschliesse, welche die Fahrt der Phönizier als historisches Faktum
-anerkennen. Die Aufgabe einer Untersuchung, wie die vorliegende ist,
-wird im wesentlichen sein festzustellen, ob die inneren
-Unwahrscheinlichkeiten der Ueberlieferung so gross sind oder die
-Beschwerlichkeiten der Fahrt derartige sein mussten, dass das Vertrauen
-zu einem im allgemeinen zuverlässigen Schriftsteller dadurch in’s Wanken
-gerathen kann, ob der Umstand, dass irgend welche sichtbaren Folgen
-dieser Expedition für die Entwicklung der Geographie oder der Geschichte
-sich nicht ergeben haben, im Stande ist die Glaubwürdigkeit unseres
-vereinzelt dastehenden Berichtes zu erschüttern, oder ob nicht vielmehr
-eine sorgfältige Betrachtung aller einschlägigen Verhältnisse zu dem
-Resultat führt, dass von einer Unmöglichkeit der Fahrt nicht die Rede
-sein kann, ja, dass dieselbe mindestens in hohem Grade wahrscheinlich
-wird. Glückt es, das letztere nachzuweisen, so haben wir keinen Grund
-mehr an der Nachricht eines so zuverlässigen Gewährsmannes wie Herodot
-zu zweifeln. Ich meinestheils glaube, dass man nicht kritikloser
-Schwärmer und blinder Alterthumsfanatiker zu sein braucht, um an die
-Umsegelung zu glauben; und man befindet sich dabei – Gott sei Dank! – in
-ganz guter Gesellschaft. Zu leugnen ist ja nicht, dass oft genug, und
-gerade im Alterthum, Berichte über Seefahrten theils in wunderbarer
-Weise ausgeschmückt, theils auch wohl ganz und gar erfunden sind, wie
-Bunbury[2] deren einige anführt; ob auch der unsere dazu gehört, wird
-eine eingehende Untersuchung lehren. Wir werden die von Herodot
-überlieferte Nachricht auf ihre Glaubwürdigkeit prüfen an der Hand von
-Resultaten, welche sich aus einer gründlichen Erörterung der
-verschiedenen in Betracht kommenden Punkte ergeben, mögen diese die
-Charakteristik einzelner Personen und ganzer Völker ins Auge fassen,
-mögen sie geographische oder naturgeschichtliche Gebiete berühren oder
-endlich in Betrachtungen über die Leistungsfähigkeit der Matrosen des
-Alterthums, der Fahrzeuge jener Zeit und ähnliches übergehen. Für alle
-diese Fragen wird die Antwort sich zum Theil aus anderen
-Ueberlieferungen gewinnen lassen, zum Theil durch Kombination gefunden
-werden können, und, wie wir denken, bedarf es dazu nicht einer solchen,
-die in „die übergeschichtliche Region zeugnissloser Phantasieen und
-Ahnungen“[3] hineinragt.
-
-Manches, was ich behaupte, wird bisher geäusserten Ansichten
-widersprechen. Wenn ich nun auch diesen letzteren nicht zustimmen kann,
-so fühle ich mich doch in aufrichtiger Anerkennung ihrer Verdienste den
-gelehrten Männern, welche sie veröffentlichten, zu grossem Danke
-verpflichtet für die Anregungen, die sie mir durch ihre Werke gegeben
-haben. Es ist nicht alles neu, was ich in meiner Abhandlung vorbringe;
-ich musste einige Hauptpunkte, die früher bereits festgestellt waren,
-wiederholen, um überzeugende Beweise in Händen zu haben; doch bleibt
-immer ein guter Theil übrig, den ich als mein geistiges Eigenthum in
-Anspruch nehmen kann. Durch gewissenhafte Forschung, getragen von Lust
-und Liebe zur Sache, ist es errungen, und so habe ich geglaubt, es nicht
-für mich behalten, sondern mit dem bereits früher Gewonnenen zu einem
-fest verbundenen Ganzen vereinigen und den Kreisen, die sich für
-derartige Fragen interessiren, zugänglich machen zu dürfen. Ueberzeugt
-bin ich, dass es an Angriffen, wenn sich die Kritik mit dieser Arbeit
-beschäftigen sollte, nicht fehlen wird; ich werde mich freuen, wenn sie
-mich über Irrthümer, denen ich mich hingegeben, in überzeugenderer Weise
-belehren, als es den Zweiflern an dem Berichte von der Umsegelung
-Afrikas bislang geglückt ist.
-
-
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-
- Die Quelle.
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-
-Herodot erzählt im 42. Kapitel des IV. Buches seines Geschichtswerkes
-Folgendes: „Es ist klar, dass Libyen vom Meere umflossen ist mit
-Ausnahme des Theiles, der an Asien grenzt, und dies hat Necho, der König
-von Aegypten, soweit wir wissen, zuerst bewiesen. Als dieser nämlich die
-Arbeiten an dem Kanale einstellen liess, der aus dem Nile in den
-arabischen Busen führen sollte, sandte er phönizische Männer zu Schiffe
-ab mit dem Befehl, auf der Heimreise durch die Säulen des Herakles zu
-fahren und so über das nördliche Meer nach Aegypten zurückzukehren. Die
-Phönizier segelten demgemäss aus dem rothen Meere ab und fuhren in das
-Südmeer. So oft die Saatzeit kam, landeten sie, bestellten das Feld, wo
-sie gerade in Libyen waren und warteten die Ernte ab. Wenn sie aber das
-Korn eingeheimst hatten, fuhren sie weiter, bogen nach Verlauf von zwei
-Jahren im dritten durch die Säulen des Herakles und gelangten nach
-Aegypten. Sie erzählten aber – was mir zwar nicht glaublich ist,
-vielleicht aber einem andern – dass sie bei ihrer Fahrt um Libyen die
-Sonne zur Rechten gehabt“[4].
-
-
-
-
- Die nennenswerthesten Zweifler.
-
-
-Diese wenigen Zeilen sind es, an welche der gewaltige wissenschaftliche
-Streit anknüpft; die Zahl der Kämpfer, über die jede Partei verfügt, ist
-nicht gering, und hier, wie da finden sich Namen von gutem Klang. Auf
-der einen Seite, derjenigen der Zweifler, stehen zunächst einige
-Schriftsteller des Alterthums[5]; sicher ist nämlich, dass man seit dem
-vierten Jahrhundert v. Chr. an die Umsegelung Afrikas durch die
-Phönizier, sowie an die Thatsache, welche durch sie bewiesen werden
-sollte, die Halbinselgestalt Libyens, nicht allgemein geglaubt hat[6].
-Seit jener Zeit schon existiren also in der Beurtheilung unserer Frage
-zwei Parteien. Die alexandrinischen Gelehrten leugneten wunderbarerweise
-die Umschiffung[7], ebenfalls Posidonius, wie uns Strabo erzählt[8],
-auch dieser letztere Schriftsteller selbst; wenigstens nimmt er einen
-Theil der afrikanischen Küste als noch unbefahren an[9]. Dieser Zweifel
-Strabos an der Umsegelung Afrikas ist um so auffälliger, als er z. B.
-die Argonautenfahrt ohne Beanstandung als geschichtliche Wahrheit gelten
-lässt[10]. Sein Zeugniss in betreff der phönizischen Reise wird aber
-verdächtig durch den Umstand, dass er an einer Stelle sagt[11], alle,
-die versucht hätten, vom rothen Meere oder von den Säulen des Herakles
-aus Libyen zu umsegeln, seien nicht um die Südspitze herumgekommen,
-während er doch gleich darauf Afrika im Süden für umschiffbar erklärt.
-Woher konnte Strabo denn das aber wissen? Es ist klar, dass dieser
-Widerspruch Misstrauen erwecken muss und seinen Zweifel an der
-Umsegelung ohne Gewicht erscheinen lässt. Von namhafteren neueren
-Schriftstellern erheben Bedenken gegen die Wahrheit der Erzählung
-Bunbury[12], der Verfasser des Artikels „Africa“ in „The Penny
-Cyclopaedia“[13], Gosselin[14], Lelewel[15], welcher meint, dass
-genauere Betrachtung „zu kühnerem Zweifel an der Umschiffung ganz
-Afrikas, worüber so viel schriftstellerischer Fleiss sich vergebens
-angestrengt hat, geneigt macht“, Malte-Brun[16], der die Ansicht
-vertritt, dass die Fahrt überhaupt nicht stattgefunden habe oder
-höchstens eine entstellte Ueberlieferung sei, Vincent in seinem
-interessanten Werke[17] und vor allen Dingen Vivien de St. Martin[18].
-Diesen schliessen sich an unsere Landsleute v. Bohlen[19], Bredow[20],
-Forbiger[21], sowie Mannert[22], der die Umschiffung „vielleicht
-wahrscheinlich“ nennt, dessen Scheingründe für die geäusserten Zweifel
-aber von Heffter[23] gründlich widerlegt sind. Die hier angeführten
-Namen repräsentiren die gelehrten Zweifler jedoch durchaus nicht
-erschöpfend; sie nennen nur einige der bedeutendsten und lassen der
-Vervollständigung weiten Spielraum. Jedenfalls hat Wheeler Recht[24],
-wenn er die Ueberlieferung nennt: „a narrative, which was evidently
-believed by Herodotus and his contemporaries, but rejected by succeeding
-authors and doubted by many of the ablest geographers of modern times“.
-
-
-
-
- Die namhaftesten Vertheidiger.
-
-
-Diesen zahlreichen Ungläubigen steht nun aber eine nicht minder
-stattliche Schaar von Schriftstellern gegenüber, welche mit grösserer
-oder geringerer Ueberzeugung für die Glaubwürdigkeit des herodoteischen
-Berichtes eine Lanze eingelegt haben. Aus dem Alterthum ist uns zwar nur
-ein Zeugniss durch Herodot selbst übermittelt, und dies ist nicht ganz
-unanfechtbar – denn ob die Worte IV, 43: „μετὰ δὲ Καρχηδόνιοί εἰσι οί
-λέγοντες“ bedeuten sollen, dass die Karthager die vorausgegangene
-Erzählung von der Fahrt der Phönizier bestätigten, oder nicht vielmehr,
-sie hätten die Umschiffbarkeit Libyens selbst ausgekundet, ist fraglich
-–; die spätere Zeit stellt uns deren aber eine reiche Fülle zur
-Verfügung. Ich erwähne Dureau de la Malle[25], Grote[26], Maspéro[27],
-Quatremère[28], Rennel[29], Wheeler, der nach seiner eigenen Aussage in
-den meisten Punkten sich an Rennel anschliesst[30], ferner Bähr[31],
-Gesner[32], dessen Abhandlung persönlich einzusehen mir leider nicht
-gelungen ist, Heffter[33], die treffliche Arbeit Junkers[34], Knös[35],
-Sandberg, von dem wir eine sehr verdienstvolle Dissertation
-besitzen[36], Duncker[37], Heeren[38], Lieblein[39], A. v. Humboldt[40],
-Löwenberg[41], Paulitschke[42], Peschel, welcher freilich hinzusetzt:
-„Wenn wir uns auch einigen Zwang auferlegen müssen an solch hohe
-nautische Thaten zu glauben“[43], und – last, not least – Karl
-Ritter[44]. Ich bemerke ausdrücklich, dass auch diese Reihe von
-Vertheidigern der Erzählung des Herodot keineswegs Anspruch auf
-Vollständigkeit macht; der kurze Ueberblick zeigt uns aber schon, dass
-auch auf dieser Seite gewichtige Namen vertreten sind.
-
-
-
-
- Die Glaubwürdigkeit Herodots.
-
-
-Naturgemäss werden wir uns nun beim Lesen eines Berichtes, der Zweifel
-an seiner Zuverlässigkeit erwecken kann und von irgend einer Seite
-verdächtigt wird, zunächst die Frage nach dem Charakter des
-Berichterstatters vorlegen und zu ergründen suchen, ob er unbedingtes
-Vertrauen verdient oder etwa die Vermuthung berechtigt erscheinen
-könnte, er habe uns täuschen wollen oder sei selbst getäuscht worden.
-Bei der Erörterung der Frage nach der Glaubwürdigkeit Herodots betreten
-wir nun zwar eine recht oft begangene Strasse; dies darf uns aber nicht
-abschrecken, denn ohne sie zu passiren, kommen wir nicht ans Ziel. Dass
-im allgemeinen aus seinen Werken grosse Wahrheitsliebe spricht, ist nur
-von Wenigen geleugnet worden, und diese Wenigen gehören dem Alterthume
-an; auch die neuere Forschung hat ihn vor ihr Tribunal gezogen, aber von
-dem Verdachte absichtlicher Täuschung völlig freigesprochen. Schon seine
-kindliche Schreibweise erweckt Vertrauen. Zwar verwirft er ja auch das
-Seltsamste nicht als unmöglich, aber „nicht aus Leichtgläubigkeit,
-sondern weil seine Erfahrung ihm die Wirklichkeit der sonderbarsten
-Dinge gezeigt hat, welche er innerhalb der Grenzen der Heimath für
-unmöglich gehalten haben würde“[45]. So findet sich in seinem Werke
-genug des Wunderbaren, ja des Fabelhaften, doch alles dieses ist nicht
-im Stande gewesen, in den gediegensten Forschern die Vermuthung
-wachzurufen, er habe seine Leser absichtlich täuschen wollen. Doch hat
-er das Schicksal vieler Reisenden getheilt, die von Dingen erzählten,
-welche der Mitwelt und zum Theil auch noch der Nachwelt als Wunder
-erschienen: Die ersten Zweifel an seiner Wahrheitsliebe sind das Signal
-gewesen, auf welches hin ein allgemeiner Angriff auf seine
-Zuverlässigkeit stattgefunden hat; wohl über keinen der alten Historiker
-ist mehr Zank und Streit gewesen, und erbittert ist oft die Fehde
-entbrannt[46]. Das Resultat war, dass man seine Glaubwürdigkeit im
-Allgemeinen nicht mehr anzweifelt, wenn ja auch dies oder jenes mit
-Recht jetzt noch Widerspruch erfährt und immer erfahren wird. Eine
-Betrachtung im Einzelnen wird dies mildere Urtheil begründet erscheinen
-lassen, denn offen und ehrlich bekennt Herodot in vielen Fällen seine
-Unwissenheit und verschweigt nicht, wo er nur Vermuthungen bietet. Er
-erzählt nur das als sicher, was er genau zu wissen meint[47], und
-gesteht ein, wenn er ungenau über etwas unterrichtet ist[48]; es liegt
-ihm gänzlich fern, in solchem Falle die Leser mit Märchen zu
-unterhalten[49]. Auch wenn ihm das eine oder das andere als nicht ganz
-zuverlässig gemeldet wird, registrirt er diesen Umstand sorgfältig[50];
-ist er aber bei zwei Darstellungen einer und derselben Sache
-zweifelhaft, welche vorzuziehen sei, so prüft er sie entweder auf ihre
-Wahrhaftigkeit und trifft demnach seine Auswahl[51] oder theilt beide
-mit, dem Leser anheimstellend, für welche er glaubt, sich entscheiden zu
-müssen[52]. Vor allem aber macht Herodot stets als gewissenhafter
-Berichterstatter einen Unterschied zwischen dem, was er selbst gesehen
-und erlebt, und dem, was er nur von andern gehört hat[53]. Dass er bei
-Ueberlieferung von Nachrichten ersterer Art wahrheitsgetreu verfahren
-ist, können wir in vielen Fällen noch jetzt beweisen; so sind seine
-Angaben über asiatische Verhältnisse, die vielfach Angriffe erfuhren,
-grossentheils durch nunmehr entzifferte Keilinschriften bestätigt
-worden, und derartige Beglaubigungen seiner historischen Treue sprechen
-naturgemäss auch für Zuverlässigkeit in vielen andern Dingen. Wohl
-erscheint ja Herodots Erzählung manchmal wunderbar und sagenhaft und
-schreitet scheinbar mehr in dem Gewande phantasiereicher Dichtung als in
-dem ernster Geschichtsschreibung einher, doch würde man unrecht thun,
-ihn deswegen der Uebermittlung absichtlich lügenhafter Berichte zu
-zeihen; pflegt er doch, wo ihm Zweifel an dem, was er aufzeichnet,
-kommen, gewissenhaft dem allzu vertrauensseligen Leser durch eine
-passend eingeflochtene Bemerkung eine Warnungstafel zu errichten. Ja, an
-manchen Stellen verhehlt er seinen eigenen Unglauben keineswegs, wenn er
-sich deshalb auch nicht für berechtigt hält, seiner Pflicht als
-Geschichtsschreiber durch Verschweigen untreu zu werden, wie II, 123, wo
-es heisst: „Diese Geschichte mag glauben, wer will; ich theile mit, was
-überliefert ist.“ Mit vollem Rechte haben ihm daher auf Grund solcher
-Erwägungen berufene Beurtheiler der Neuzeit, wie beispielsweise unter
-den Litterarhistorikern Otfried Müller, unter den Geographen – was hier
-doch besonders wichtig – Vivien de St. Martin, der sich zwar, wie oben
-erwähnt, der Umsegelung Afrikas gegenüber zweifelnd verhält, und viele
-andere das Zeugniss grosser Wahrheitsliebe nicht verweigert[54].
-
-Können wir demnach fest überzeugt sein, dass Herodot uns nicht
-absichtlich täuscht, so wollen wir uns andrerseits nicht verhehlen, dass
-er ein recht schwacher Kritiker ist. Er prüft und kritisirt wohl, aber
-eigentlich kritisches Talent besitzt er nicht, und Stein charakterisirt
-ihn treffend mit folgenden Worten[55]: „Jene unwandelbare Kritik, die in
-den Kern der Dinge dringt, unbekümmert, ob darüber die Form der
-Tradition zertrümmert wird, war seiner treuherzigen, schonenden Natur
-fremd.“ Dürfte uns die Ansicht gewisser Schriftsteller des Alterthums
-leiten, so würden wir freilich gezwungen sein, wie manches andere, so
-auch den Bericht über die phönizische Expedition mit starkem Misstrauen
-zu lesen; die Urtheile, welche seine mangelnde kritische Befähigung
-zumal bei zweien seiner Volksgenossen hervorgerufen hat, sind hart
-genug. Ich denke, indem ich dies schreibe, an Aristoteles und Plutarch;
-der erste hält ihn für einen Fabulisten[56], und der andere lässt an der
-ganzen Art seiner Berichterstattung kein gutes Haar[57]. Auf alle Fälle
-ist also beim Lesen seines Werkes Vorsicht geboten, und wir werden ihm
-daher die Nachricht über die Expedition auf sein Wort trotz seiner
-anerkannten Wahrheitsliebe nicht ohne weiteres glauben dürfen, sondern
-alle in Betracht kommenden Verhältnisse einer sorgfältigen Prüfung
-unterwerfen müssen.
-
-So würde es sich z. B. empfehlen, zunächst zu fragen, wie es denn
-hinsichtlich der Zuverlässigkeit der übrigen Nachrichten aussieht,
-welche Herodot über Aegypten mittheilt, und da werden wir bei
-kompetenten Beurtheilern die Ansicht vertreten finden, dass diese, trotz
-mannigfacher Irrthümer im einzelnen, im ganzen und grossen durch spätere
-Forschungen bestätigt sind, und zwar sowohl die geschichtlichen, wie die
-dem Gebiete der Landeskunde angehörigen, so dass der Geograph Vivien de
-St. Martin eben so recht hat, wenn er über das, was Herodot in Aegypten
-erfahren, in seiner Histoire de la géographie, p. 85, urtheilt: „ses
-informations, içi comme partout d’une remarquable exactitude ...“, wie
-der Aegyptolog Lieblein, wenn er in seinem oben zitirten Werke, p. 77,
-sagt: „Die neuere historische Kritik ist übrigens zu der Erkenntniss
-gekommen, dass Herodot nicht, wie man früher wähnte, ein Fabler sei, den
-man ungestraft vernachlässigen kann, sondern ein in all seiner Naivetät
-wahrhafter Erzähler, zu dem man Vertrauen haben muss.“ Vor den Urtheilen
-so gewichtiger Autoritäten wird nun aber auch der Vorwurf in sich
-zusammensinken, dass Herodot seine Leser _unabsichtlich_ getäuscht,
-indem er, der Sprache des Nillandes vielleicht nur oberflächlich kundig,
-seine ägyptischen Gewährsmänner nicht ganz richtig verstanden habe. Wir
-dürfen nach den Aeusserungen der eben zitirten Gelehrten mit Fug und
-Recht annehmen, unser Schriftsteller sei im Stande gewesen, einer ihn
-sicherlich wegen ihrer scheinbaren Absurdität in hohem Grade
-interessirenden Nachricht, wie diese Mittheilung war, auf den Grund zu
-gehen. Wesentlich ist ihm bei dem Bestreben, nur Zuverlässiges zu
-berichten jedenfalls auch die Menschenkenntniss, welche er auf seinen
-weiten Fahrten erworben, zu statten gekommen; als er in Aegypten weilte,
-hatte er bereits Assyrien, Medien und Persien bereist[58]. Der Verkehr
-mit den verschiedensten Volksstämmen und Individuen hatte sein geistiges
-Auge geschärft, so dass er ohne Mühe erkennt, wenn jemand ihm etwas
-aufbinden will und sich mit ihm nach dieser Richtung hin einen Scherz
-erlaubt[59]. Vor Täuschungen, welche in einem derartigen Bestreben ihren
-Ursprung haben könnten, dürfen wir uns daher als gesichert betrachten
-und können ohne Bedenken behaupten, dass Herodot nicht nur geneigt,
-sondern auch befähigt war, die Wahrheit zu erkunden und zu
-übermitteln[60].
-
-Persönlich hatte er jedenfalls keinen Grund, an der Wahrheit jener
-Erzählung zu zweifeln. Seine ägyptischen Nachrichten hat Herodot nach
-der landläufigen Annahme grösstentheils von den dortigen Priestern
-erhalten. Dass diese Vermuthung richtig ist, lässt sich aus mehreren
-Stellen seines Werkes mit einiger Sicherheit schliessen[61]. Zu beweisen
-ist sie freilich nicht, und der Zweifel, den Junker in seiner
-Abhandlung[62] äussert, kann nicht strikte widerlegt werden; es
-erscheint aber doch nicht gerade wunderbar, dass Herodot sich, um
-Auskunft über dies und das zu erhalten, an diejenigen Männer wandte,
-welche er mit Recht als die gründlichsten Kenner ihrer Heimath und der
-Geschichte ihres Volkes ansah, und dass er bei dieser Gelegenheit auch
-von der phönizischen Expedition hörte. Auf alle Fälle werden seine
-Gewährsmänner – ob nun, wie in erster Linie zu vermuthen, Priester oder
-nicht – Leute gewesen sein, denen er glaubte vertrauen zu dürfen, denn
-nicht an der Fahrt selbst zweifelt er, sondern die ihm unerklärliche
-Stellung der Sonne scheint ihm unglaublich.
-
-Aber auch aus innern Gründen die Nachricht anzuzweifeln, lag für ihn
-keine Veranlassung vor. Dass eine Umschiffung Afrikas im Süden – rein
-geographisch betrachtet – möglich sei, nahm das herodoteische Zeitalter
-wohl allgemein an, und das war nicht wunderbar. Homer und seine
-Zeitgenossen hielten für ausgemacht, dass im Westen und Osten die
-Landmassen vom Oceanus umgeben würden, der durch den Phasis und die
-Strasse von Gibraltar mit dem mittelländischen Meere in Verbindung
-stände. In Betreff der Begrenzung der Länder im Norden und Süden fehlte
-ihnen jede positive Kenntniss, nicht aber eine Vermuthung, dahin
-zielend, dass diese beiden Enden der Welt durch Umströmung mit den
-Gegenden des Sonnenaufgangs und Sonnenuntergangs verbunden seien. Da
-konnte den Völkern zur Zeit des Herodot, denen die Meere, welche die
-Ost- und Westküste Afrikas bespülen, zum Theil bekannt waren, die
-Annahme nicht fern liegen, dass diese durch eine sie im Süden
-verbindende Wasserwelt eins seien und der Schifffahrt um die Südspitze
-Libyens kein Hinderniss im Wege stehe. Ebenso wenig konnte sich Herodot
-aber an dem Zeitmasse der Umsegelung stossen, denn zu dem, was die
-Schiffe des Alterthums an Schnelligkeit leisten konnten, stand die Dauer
-der phönizischen Reise, wie unten gezeigt werden wird, durchaus in
-keinem Missverhältnisse. Und sollte denn – bei aller Achtung, die auch
-er sicherlich der Kühnheit eines so grossartigen Unternehmens zollte –
-ihm diese Fahrt etwa wegen ihrer Gefahren und Beschwerden so unmöglich
-erschienen sein, dass er glauben musste, man erzähle ihm ein Märchen?
-Wir können dies nicht annehmen; wir werden vielmehr verstehen, warum
-Herodot der Erzählung ohne hierauf bezügliche Bedenken Glauben
-entgegenbrachte, sobald wir uns erinnern, dass unser Schriftsteller nach
-der Verbannung aus seiner Vaterstadt in Samos gelebt und hier
-gewissermassen eine zweite Heimath gefunden hatte. Von Samos war aber
-Koläos zu seiner berühmten Reise ausgefahren, und wer, dem, wie Herodot
-doch jedenfalls, die Erzählung von dieser kühnen Meerfahrt bekannt war,
-hätte zweifeln sollen, dass eine Expedition wie die der Phönizier
-möglich sei?
-
-Fassen wir nun kurz zusammen, was sich als Resultat über die
-Glaubwürdigkeit unseres Berichterstatters ergiebt, so lässt sich
-dasselbe etwa dahin präzisiren, dass wir zwar seine Schwäche als
-Kritiker nicht leugnen können, andrerseits aber an seiner Wahrheitsliebe
-nicht zweifeln und keinesfalls ihm die Absicht zutrauen dürfen, uns mit
-Fleiss zu täuschen. Wir haben ferner keine Berechtigung, ihm die
-Fähigkeit abzusprechen, seine Gewährsmänner nach ihrem wahren Werth zu
-beurtheilen, seine ägyptischen Nachrichten im allgemeinen für
-unzuverlässig zu erklären oder Erstaunen darüber zu äussern, dass er
-speziell der Erzählung von der Umsegelung ohne Zweifel an ihrer Wahrheit
-lauschte und sie weiter verbreitete. Dagegen sind wir in der Lage, die
-oben über ihn verzeichneten ungünstigen Aeusserungen als durchaus
-unrichtig oder gar böswillig zurückzuweisen und von vorn herein der
-Prüfung des Berichtes näher zu treten ohne Vorurtheil gegen den, welcher
-ihn erstattet.
-
-
-
-
- Die Zuverlässigkeit der muthmasslichen Gewährsmänner Herodots.
-
-
-In zweiter Linie werden wir gut thun, um zu einem sichern Urtheil über
-die Glaubwürdigkeit der in Betreff der phönizischen Expedition uns
-überlieferten Nachricht zu gelangen, uns über die Zuverlässigkeit der
-muthmasslichen Gewährsmänner Herodots, der ägyptischen Priester, ein
-Urtheil zu bilden. Wir sind glücklicherweise bei dem Material, welches
-wir durch unsern Schriftsteller selbst und an andern Stellen
-aufgezeichnet finden, dazu im Stande. Dahin gehört zunächst eine
-Bemerkung des Strabo, der die ägyptischen Priester als „geheimnissvolle
-und ungern mittheilende Menschen“[63] bezeichnet. Hieraus dürfen wir
-vielleicht den Schluss ziehen, dass sie nur gegen die sich äusserten,
-welche sich ihres besonderen Wohlwollens erfreuten, können aber
-andererseits dann auch nicht annehmen, dass sie solche Männer zu
-hintergehen und durch falsche Berichte zu täuschen suchten. Da sie es
-nun, wie wir gesehen haben, höchst wahrscheinlich waren, welche dem
-Herodot Mittheilungen zukommen liessen, liegt die Vermuthung von
-vornherein nicht gerade nahe, dass diese auf Täuschung berechnet gewesen
-seien. Die weiten Reisen, welche Herodot bereits gemacht hatte, als er
-ägyptischen Boden betrat, mochten in einer Zeit, die an Verkehrsmitteln
-bequemer Art so arm war, wie das 5. Jahrhundert v. Chr., noch weit mehr
-imponiren als heutzutage und dem kühnen Wanderer von vorn herein eine
-begünstigte Ausnahmestellung in den Augen von Männern sichern, zu denen
-er kam mit der Bitte, ihn auch in ihres Landes Geschicke und Sitten
-einen Einblick thun zu lassen. Freilich lag ja unter diesen Umständen
-die Versuchung nahe, Bilder zu entwerfen, die mehr darauf berechnet
-waren, Bewunderung wach zu rufen, als die Verhältnisse der Wahrheit
-gemäss darzustellen, zumal wenn wir das natürliche Bestreben der
-Gewährsmänner in Betracht ziehen, über ihr Volk und ihre Heimath nicht
-minder Grossartiges und Interessantes zu berichten, wie der Hörer
-bereits über die mächtigen Reiche erkundet hatte, in die ihn sein Weg
-vorher geführt. Die Möglichkeit also, dass Herodot in Bezug auf die
-phönizische Expedition einer schlau berechneten Täuschung zum Opfer
-gefallen sei, könnte im ersten Augenblicke als ziemlich nahe liegend
-erscheinen, besonders wenn man die nicht wegzuleugnende Ruhmredigkeit
-der ägyptischen Priester in Betracht zieht, die trotz achtbarer
-Leistungen alter, wie neuer Zeit auf diesem Gebiete doch wohl
-unübertroffen dastehen möchte. Wem daran liegt, sich von der
-staunenswerthen Fertigkeit derselben nach dieser Seite hin eine
-Vorstellung zu machen, dem sei die Lektüre des Gedichtes auf Ramses II.,
-vom Tempeldiener Pentaur verfasst, warm empfohlen[64]. Auch sonst hat
-jener Nationalheld herhalten müssen als Spiegelbild ägyptischer Grösse,
-und die Ausschmückung seiner Feldzüge zeigt uns auf Schritt und Tritt,
-wie die Historiographen des Nilthales – und das können doch nur die
-Priester gewesen sein – es verstanden, auf Kosten der Wahrheit
-Grossthaten ihrer Könige und ihres Volkes zu erfinden[65]. Auch das ist
-nicht unverdächtig, dass Herodot von den ägyptischen Verhältnissen
-meistens nur das für Aegypten günstig Lautende weiss; das weniger
-Ruhmreiche haben ihm seine Gewährsmänner wohlweislich verschwiegen, und
-wenn wir nicht durch andere Quellen darüber aufgeklärt wären, dass es
-auch sehr trübe Zeiten für das Land der Pyramiden gegeben hat, würden
-wir uns unter Zugrundelegung des herodoteischen Berichtes allein von
-manchen Perioden ein völlig falsches Bild machen. Beispielsweise hat
-Herodot sicherlich nicht das Geringste davon erfahren, dass jemals
-Assyrier über das Nilthal geherrscht hatten. Diesem Verschweigen von
-Demüthigungen – so wird mancher folgern – konnte nun aber ein Erfinden
-von Grossthaten, wie z. B. die Umsegelung Afrikas eine war, leicht nahe
-verwandt sein. Und doch ist es nicht wahrscheinlich, dass die Priester
-Herodot gegenüber eine solche Taktik befolgt haben. Einmal müssen sie
-gegen ihn von einer ganz besonderen Offenheit gewesen sein; das sehen
-wir daraus, dass ein Kollegium ihn sogar in seine Mysterien
-einweihte[66] – ein Beweis des Vertrauens, wie er grösser nicht gedacht
-werden kann. Dieses Kollegium, dem sicher eine absichtliche Täuschung
-des Fremdlings fern lag, war das saïtische, das, im Delta wohnend,
-jedenfalls über alle maritimen Vorkommnisse am besten unterrichtet sein
-konnte, und da zu Saïs der Palast des Necho, des intellektuellen
-Urhebers der phönizischen Expedition, gestanden[67], speziell auch von
-dieser Unternehmung jedenfalls die genaueste Nachricht hatte. Wir werden
-also kaum fehl gehen, wenn wir annehmen, dass in einem der Tempel zu
-Saïs die Quelle floss, aus der Herodot seine Kenntniss von der
-Umsegelung schöpfte. Sodann waren die Aegypter von einem förmlich
-krankhaften Nationalgefühl beseelt; alles Fremde, von dem sie fürchten
-mussten, dass es die von den Vätern überkommenen Sitten und Anschauungen
-beeinflussen könnte, war ihnen von vorn herein unsympathisch, und wir
-können fest überzeugt sein, dass die Einwanderer aus andern Nationen,
-welche, wie unten weiter erörtert werden wird, wohl schon vor
-Psammetich, jedenfalls aber unter diesem Könige und unter Amasis sich in
-Aegypten niederliessen, also auch die Phönizier, den Priestern, als den
-geborenen Vertretern und Vertheidigern altägyptischen Wesens, ein Dorn
-im Auge waren. Man mag es noch als einen Akt selbstbewusster
-Vaterlandsliebe betrachten, wenn ein Priester dem Perserkönige Darius
-trotz zweifellos grosser Thaten nicht das Recht zugestehen wollte, seine
-Bildsäule vor derjenigen des Pharao Sesostris, einer völlig mythischen
-Persönlichkeit, aufzustellen[68] – viele andere Züge, die uns das
-Alterthum überliefert hat, zeigen uns zur Genüge Ueberschätzung der
-eigenen Weise, verbunden mit Geringachtung alles anders Gearteten. So
-können wir mit voller Sicherheit annehmen, dass es nicht in der Absicht
-der Priester lag, den Phöniziern eine nautische Grossthat zuzuschreiben,
-wenn sie dieselbe nicht wirklich ausgeführt hatten; ihre pfäffische
-Unduldsamkeit war sicher eher geneigt, sie zu verkleinern als zu
-erheben, wenn auch von einem ihrer eigenen Könige der Befehl zu jener
-That gegeben war. Eben dass er Phöniziern, dass er Fremden Gelegenheit
-gegeben hatte, Ruhm zu erwerben, wird ihnen wenig angenehm gewesen sein.
-Endlich aber wirkt die Schlichtheit des Berichtes überzeugend; gerade so
-einfach, wie Herodot sie in Aegypten hörte und später aufzeichnete,
-klingt die Erzählung wahrheitsgetreu und zuverlässig. Hätten die
-Priester sie mit Fabeln ausschmücken wollen, wie leicht wäre ihnen das
-geworden! An Phantasie dazu fehlte es ihnen wahrlich nicht, das zeigt
-das von Eduard Meyer in der „Geschichte des alten Aegyptens“[69] in
-seinen Grundzügen mitgetheilte Märchen von dem ägyptischen Odysseus,
-der, allein von seinen Genossen aus dem Schiffbruch gerettet, den
-Versuchungen der Tochter des Schlangenkönigs widersteht und schliesslich
-die Heimath wiedersieht. So dürfen wir als Resultat dieser Betrachtung
-wohl die Ueberzeugung hinstellen, dass die ägyptischen Priester, wenn
-auch sonst manchmal mit der Wahrheit auf gespanntem Fusse, in diesem
-Falle wahrscheinlich eine Thatsache berichteten, keinenfalls aber, sei
-es nun wegen eines masslosen Chauvinismus – der freilich genau so die
-Modekrankheit des Alterthums gewesen zu sein scheint, wie er die der
-neuesten Zeit ist – sei es aus den andern oben erwähnten Gründen, eine
-phönizische Grossthat zu berichten sich geneigt zeigten, wenn sie nicht
-geschehen war. Ob sie aber geschehen war, darüber hatte man doch
-zunächst ums Jahr 600 nicht wohl im Zweifel sein können. Waren die
-phönizischen Schiffe, die man mit der Umsegelung beauftragt hatte,
-damals wirklich vom rothen Meere in den Nil eingelaufen, so mussten sie
-Afrika im Süden umsegelt haben; denn da es – wenn wir Herodot glauben
-dürfen – unter Necho eine Wasserverbindung zwischen dem arabischen
-Meerbusen einerseits und dem Nil oder dem Mittelmeer andrerseits nicht
-gab, hätten die Schiffer ja sonst ihre Fahrzeuge zu Lande bis an jenes
-Becken, bezw. den genannten Fluss schaffen müssen, und, ganz abgesehen
-von der Umständlichkeit, wird doch niemand glauben, dass sie dies völlig
-unbemerkt hätten thun können. Man wusste also in Aegypten zur Zeit
-Nechos jedenfalls ganz genau, wie man mit den Phöniziern daran war.
-Erzählten nun die Priester dem Herodot trotz ihrer ausgesprochenen
-Missgunst gegen fremde Verdienste von einer phönizischen Fahrt um
-Afrika, so können wir annehmen, dass ihr Bericht in wohl verbürgter
-Tradition aus jener früheren Periode wurzelte, die Schiffer durch die
-Nilmündungen heimgekehrt waren und also ihre Aufgabe wirklich gelöst
-hatten.
-
-
-
-
- Charakter der saïtischen Dynastie.
-
-
-Die nächste Betrachtung, welche uns beschäftigen muss, wenn wir zu einem
-klaren Urtheile in der Frage nach der Glaubwürdigkeit der phönizischen
-Expedition gelangen wollen, wird die sein, ob Necho uns in seinen
-übrigen Thaten und in den Nachrichten, welche hinsichtlich seines
-Charakters uns sonst übermittelt sind, als ein Mann entgegentritt, dem
-wir so ausserordentlich grossartige Pläne, wie der Afrika umsegeln zu
-lassen einer ist, zuzutrauen das Recht haben, und da wird es zur Klärung
-dienen, wenn wir uns danach umsehen, welche Rolle das Herrscherhaus, dem
-er entstammte, denn überhaupt in der ägyptischen Geschichte spielt. Wir
-sahen bereits, dass das Königsgeschlecht, dem Necho angehört, aus Saïs
-stammte und hier seine Residenz hatte; es war die Dynastie, welcher von
-Königen, die in weiteren Kreisen bekannt sind, auch Amasis angehörte. In
-dieser Königsfamilie findet sich nun eine wunderbare Mischung vom Haften
-an altägyptischer Tradition und dem Uebergange zu einer Lebens- und
-Denkungsweise, welche den bisher über die Wahrung der königlichen Würde
-und die Bahnen, in denen sich die weitere Entwickelung des ägyptischen
-Volkes zu vollziehen habe, im Nilthale vertreten gewesenen Anschauungen
-diametral entgegenlief. Um nur ein Beispiel anzuführen für das Streben
-dieser Fürsten in die Fussstapfen der früheren Könige zu treten, genügt
-es, darauf hinzuweisen, dass Amasis hinsichtlich der Grossartigkeit
-seiner Bauten durchaus den alten Pharaonen sich würdig zur Seite
-stellt[70]. Dahingegen durchbrechen die Saïten in mancher andern
-Beziehung völlig die altägyptische Sitte, und so können wir uns nicht
-wundern, wenn wir vernehmen, dass die Wiege dieses Herrschergeschlechtes
-überhaupt nicht am Nil, sondern in Libyen gestanden hatte[71]. Als
-Söldner waren seine Vorfahren nach Aegypten eingewandert, und es erklärt
-sich demnach leicht, wenn die Nachkommen keinen Anstoss daran nahmen,
-sich über Hergebrachtes in vielen Stücken ohne Bedenken hinwegzusetzen.
-So hat Psammetich, der Vater des Necho, in das sonst so abgeschlossene
-Aegypten jedenfalls griechische Kriegsknechte[72], vielleicht auch
-Phönizier[73] aufgenommen; überhaupt stützte sich die saïtische Dynastie
-nicht auf die alte ägyptische Kriegsmacht, sondern auf Söldner, die sie
-in ihren Dienst nahm, und die bisher libyscher Abkunft gewesen
-waren[74]. Daneben wich auch auf andern Gebieten die Jahrtausende lang
-geübte Zurückhaltung der Aegypter einem freieren Auftreten; der Verkehr
-mit fremden Staaten und Völkern wurde begünstigt, der Handel gefördert.
-Ja, wir erkennen mit Staunen, wie die uralten Bande des Ceremoniels,
-welche die ägyptischen Könige seit undenklichen Zeiten wie mit eisernen
-Ketten gefesselt gehalten hatten, durch die leichtlebigen Anschauungen
-eines Amasis gelockert werden und fallen[75]. An dem Königthum dieses
-Fürsten ist nur noch die Hälfte ägyptisch; Amasis hielt sich – nach
-alter Anschauung ein Sacrilegium an der Würde des Thrones! – eine
-griechische Leibwache, und es kann nicht geleugnet werden, dass er
-philhellenischen Tendenzen in ausgiebigster Weise huldigte[76]. Kurzum
-die Zeit der Saïten ist eine Periode der gewaltigsten Reformen im ganzen
-ägyptischen Staatsleben; von dem, was die Ptolemäer dem Lande später
-sind, finden wir bereits eine Spur bei dieser Dynastie, der
-sechsundzwanzigsten im Lande der Pyramiden.
-
-
-
-
- Charakter Nechos.
-
-
-Ein Spross dieses Königshauses war also auch Necho, und das hilft
-verstehen, wie er auf den Gedanken einer Umsegelung Afrikas kam. Es ist
-aber nicht nur der Charakter seines väterlichen Geschlechtes, der diesem
-Fürsten seinen Stempel aufgedrückt hat, er war zweifellos persönlich ein
-hervorragender Mann. Ein kurzer Blick auf seine Regierung wird uns davon
-überzeugen. Wie viele der bedeutenderen ägyptischen Könige vor ihm, hat
-auch er seinem Unternehmungsgeiste die Zügel schiessen lassen durch
-einen Einfall in Syrien; dass er zu diesem Vorgehen die politische
-Konstellation benutzte, welche sich ihm zeigte, als Assyrien durch
-Kyaxares von Medien und Nabopalassar von Babylon angegriffen wurde, die
-drei grossen asiatischen Reiche also vollauf beschäftigt waren, beweist,
-wie er es verstand, von günstigen Umständen zur Erreichung seiner Zwecke
-Vortheil zu ziehen. Den König von Juda, Josias, der ihm bei seinem
-Beginnen zunächst entgegentrat, besiegte er mit leichter Mühe bei
-Megiddo[77], dann ging der Zug weiter an den Euphrat. Aber mittlerweile
-war das assyrische Reich gefallen, die Sieger hatten die Beute getheilt,
-und Nabopalassar fand nun Zeit, seinen Sohn Nebukadnezar dem ägyptischen
-Heere entgegenzusenden, um den unbequemen Feind in seine Grenzen
-zurückzuweisen. Durch die Schlacht bei Karchemisch wurde diese Absicht
-erreicht[78] und Necho gezwungen, ganz Syrien zu räumen und sich auf
-sein ägyptisches Gebiet zu beschränken. Wie schwer mag es ihm bei den
-Plänen, mit denen er sich trug, geworden sein, auch die für Handel und
-Schifffahrt so wichtigen phönizischen Küstenstädte wieder aufzugeben!
-Hatte er so als Feldherr wenig Lorbeern geerntet, und durfte er nicht
-daran denken, dem mächtigen Herrscher von Babylon noch einmal mit den
-Waffen in der Hand entgegenzutreten, so ist er doch staatsmännisch auch
-später gegen denselben thätig gewesen und hat ihm Schwierigkeiten
-bereitet, wo er konnte, zumal durch Schürung des Hasses, den man im
-Reiche Juda gegen die Chaldäer empfand, und der schliesslich zur
-Empörung führte[79]. Und weit entfernt sich durch den syrischen
-Misserfolg entmuthigen zu lassen, hat Necho seiner Thatkraft alsbald
-andere Bahnen eröffnet. Die Verwirklichung des grossartigen Planes, den
-wahrscheinlich schon vor ihm ein ägyptischer Herrscher auszuführen
-versucht hatte[80], den nachher mehrere intelligente und energische
-Regenten jenes Landes mit nur zeitweiligem Erfolge wieder aufgenommen
-haben, und der in unsern Tagen nun endlich, ein leuchtender Sieg des
-menschlichen Geistes über die erdgestaltenden Naturkräfte, definitiv der
-Vollendung entgegengeführt ist – die Verbindung des mittelländischen
-Meeres mit dem rothen Meere durch einen ägyptischen Nordostseekanal –
-hat Necho als wesentliche Aufgabe in sein Regierungsprogramm
-aufgenommen[81] und dadurch der Mit- und Nachwelt den Beweis geliefert,
-dass er dem thörichten Wahne, der Lorbeer der Unsterblichkeit werde nur
-auf blutgetränktem Schlachtfelde angesichts der feindlichen
-Lanzenspitzen gepflückt, entsagt hatte und klar erkannte, dass seine
-üppigsten Blätter gerade den Fürsten entgegengrünen, denen die Palme des
-Friedens als Symbol ihrer Thätigkeit dient, und die in der Erfüllung des
-hohen Berufes, unter ihren Zweigen die freundschaftlichen Beziehungen
-der Völker zu pflegen, ihre weltgeschichtliche Aufgabe erblicken.
-Freilich: si vis pacem, para bellum; das wusste auch Necho.
-Beabsichtigte er – und das zeigt ja der Kanalbau – den Verkehr seines
-Landes zu heben, trug er sich mit dem Gedanken, dem überseeischen Handel
-Aegyptens ein neues Gebiet zu eröffnen – und dass nur einem solchen
-Bestreben die Erzählung von der Umschiffung Libyens ihre Entstehung
-verdanken konnte, werden auch die zugeben, welche an ihre Ausführung
-nicht glauben – wollte er endlich einem unter Nebukadnezars Führung zu
-erwartenden Angriffe asiatischer Völker, der alle diese Pläne kreuzen
-musste, und bei dem sicherlich den Schiffen der Küstenstädte Syriens
-eine Rolle zugewiesen war, mit Erfolg die Spitze bieten, so war eine
-zahlreiche, wohl gerüstete Flotte dazu unbedingt das erste Erforderniss.
-Nur unter ihrem Schutze war es möglich, Handelsbeziehungen mit
-entlegenen Gegenden anzuknüpfen und zu erhalten, nur Kriegsschiffe in
-gleicher Anzahl und gleich wohl armirt, wie der Beherrscher Syriens sie
-ohne Mühe vom Mittelmeere aus zu einem Angriff auf das Nildelta
-verwenden und vom Nordende des rothen Meeres gegen die ägyptische
-Ostküste auslaufen lassen konnte, waren im Stande, einige Aussicht auf
-den Bestand des Reiches und eine wünschenswerthe Entwicklung seiner
-materiellen Interessen zu gewähren. So baute denn Necho eine
-Mittelmeerflotte und eine solche im arabischen Busen[82]. Nach Herodot
-hatten die Aegypter allerdings schon vor Necho eine Kriegsmarine[83],
-und es wäre demnach anzunehmen, der Letztere hätte dieselbe nur
-vergrössert; es ist aber anderweitig festgestellt, dass in älterer Zeit
-Kriegsschiffe nur auf dem Nil, nicht zur See vorkommen, demnach z. B.
-die grosse Seeexpedition, welche dem Sesostris zugeschrieben wird, ins
-Gebiet der Fabel verwiesen werden muss und in der That die ägyptische
-Trierenflotte für eine Schöpfung Nechos angesehen werden darf[84].
-
-Das ist in grossen Zügen ein Bild dieses bedeutenden Herrschers. Nun
-wird es sich darum handeln: war er ein Fürst, von dem man sich den
-Befehl zur Umschiffung Afrikas ausgehend denken kann? Ich glaube es wird
-sich schwerlich jemand finden, der diese Frage zu verneinen wagt. Selbst
-die Bedenken Mannerts, hervorgerufen durch die ägyptische Vorliebe für
-Abgeschlossenheit innerhalb der eigenen Heimath[85], werden schwinden
-müssen, wenn der Persönlichkeit Nechos die nöthige Berücksichtigung zu
-theil wird. Freilich, der einzige Zweck, den er im Auge hatte, war der,
-für Handel und Verkehr den Weg zu ebnen; wissenschaftliche Begeisterung,
-welche späterhin so viele Reisen veranlasst hat und noch auf die
-gegenwärtigen Entdeckungsfahrten einen so grossen Einfluss ausübt,
-dürfen wir seiner Zeit noch nicht zutrauen, und mit Recht sagt
-Paulitschke: „Geistige Interessen, ein Verlangen, die Wohnstätte der
-Menschheit in einem auch nur mässigen Umfange kennen zu lernen, walten
-in dem Zeitraum bis Herodot nirgends vor“[86]. Nur das Bestreben, den
-materiellen Wohlstand seines Volkes durch die Theilnahme am grossen
-Weltverkehr zu heben, konnte selbst einen Herrscher wie Necho bewegen,
-Aegypten in stärkerem Masse mit dem Auslande zu engagiren. Bis jetzt
-gingen – abgesehen von den Fahrten nach Punt, von denen nachher die Rede
-sein wird – die Aegypter nicht in die Fremde zum Zwecke kaufmännischer
-Thätigkeit, sie liessen sich die Waren bringen, suchten sie aber nicht
-auf, oder sie verkauften im eigenen Lande ihre Erzeugnisse an die
-Nachbarvölker, die dorthin kamen, um sie zu holen[87]. Aber auch in
-diesem Verkehr zeigt sich ihre Abgeschlossenheit und die Scheu vor der
-Berührung mit Fremden; ich erinnere nur an die Geschichte von Joseph und
-seinen Brüdern, denen man bei ihrem Besuche in Aegypten einen Tisch
-besonders deckte[88]. Wohl war es also ein wichtiger Schritt, den Necho
-that, wenn er sein Land in erweiterte Berührung mit der Fremde brachte,
-aber um seiner höheren Zwecke willen hat er den Bruch mit altägyptischer
-Sitte und Tradition nicht gescheut. Wir Deutschen der Gegenwart werden
-ihn verstehen; haben wir doch selbst erlebt, wie durch eine energische
-und weitsichtige Regierung seit dem Auftauchen der modernen
-Kolonialbestrebungen unserm Volke, unbekümmert um die Kirchthurmspolitik
-engherziger Bierbankphilister, in transozeanischen Ländern weite Gebiete
-zur Besiedlung erworben sind. Wer hatte früher in unserm Vaterlande –
-abgesehen von unbedeutenden Versuchen einer dafür noch nicht reifen Zeit
-– jemals an die Anlage von Kolonieen gedacht? Freilich, Widerspruch hat
-der grosse Kanzler, der Förderer dieser überseeischen Gründungen, so gut
-dabei erfahren, wie die altägyptische Partei mit Nechos
-Regierungsprogramme unzufrieden gewesen sein wird; aber das ist ja
-gerade das Charakteristische an grossen Männern, dass sie sich ihre
-eigenen Wege suchen. Und Necho ging noch unvermittelter vor als
-Bismarck, denn das Beweismittel für die Nothwendigkeit kolonialen
-Ländererwerbs, welches unserer Regierung aus der massenhaften
-Auswanderung erwuchs, fehlte dem ägyptischen Herrscher vollständig.
-Dagegen spielte sich hinter den Kulissen vielleicht etwas anderes ab;
-wir werden schwerlich fehl gehen, wenn wir annehmen, dass die Phönizier,
-unternehmend und erwerbslustig, wie sie waren, den König selbst zur
-Entsendung der Expedition angestachelt haben.
-
-
-
-
- Nechos vermuthliche Ansichten über die Möglichkeit der Heimkehr
- seiner Sendlinge.
-
-
-Ich schliesse hieran gleich die Zurückweisung eines Grundes, den man
-geltend gemacht hat, um die Unwahrscheinlichkeit der Fahrt darzuthun,
-und der entnommen wird aus dem Befehl des Necho, die Schiffer sollten
-durch die Säulen des Herakles zurückkehren. Man hat auf diese
-Ueberlieferung hin argumentirt, es liege in dem Wortlaut der
-Kursanweisung, dass Necho die Möglichkeit, Afrika im Süden zu umsegeln,
-gekannt habe[89]; da dies nun kaum denkbar ist, hat man hieraus einen
-Grund entnommen, den ganzen Bericht mit Misstrauen anzusehen. Dem
-gegenüber muss jedoch geltend gemacht werden, dass in einem derartigen
-Befehle die Möglichkeit, ihn auszuführen, noch keineswegs enthalten ist.
-Wie oft wird wohl beispielsweise bei kriegerischen Aktionen das Kommando
-ertheilt: „Der und der Truppentheil soll die und die feindliche Stellung
-nehmen“. Der Versuch wird natürlich gemacht, ob er aber glückt, das ist
-doch eine andere Frage. So wird auch der Befehl Nechos zu verstehen
-sein: Die Phönizier sollten eben _versuchen_, ob sie nicht Libyen
-umsegeln und durch die Strasse von Gibraltar heimkehren könnten. Gelang
-es ihnen nicht, so konnten sie nach Nechos vermuthlicher Ansicht, wenn
-sie nicht direkt umwenden wollten, auch noch auf einem andern Wege
-heimkehren. Das graueste griechische Alterthum lehrte, der Nil erhalte
-seinen Ursprung aus dem Ozeanus. Schwerlich ist nun freilich anzunehmen,
-die Sage habe dabei einen äussern Zusammenhang seiner Quelle mit dem
-Weltmeere im Auge gehabt; liess man in ältester Zeit doch alles
-lebendige Nass dem Ozeanus entstammen, eine Anschauung, welcher eine
-Ahnung von dem Kreislauf des Wassers in der Natur zu Grunde gelegen zu
-haben scheint. Ferner erzählten alte griechische Sagen, dass man vom
-indischen Ozean aus quer durch Afrika ins mittelländische Meer gelangen
-könne; so waren nach einer Lesart die Argonauten nach Hause
-zurückgekehrt[90]. Sollten diese Sagen dem Necho nicht bekannt gewesen
-sein, wo doch zu Naukratis und auch wohl an anderen Stellen des Deltas
-Hellenen wohnten, und sollten sie ihn nicht, zum Theil zu wörtlich
-genommen und in ihrem Kerne missverstanden, zu falschen geographischen
-Vorstellungen verleitet haben? Wie leicht ist das denkbar; und so mochte
-er die Rückkehr der Schiffer, welche er aussendete, auch wenn sie den
-Weg durch die Säulen nicht fanden doch auf der Route quer durch Afrika
-für gesichert erachten. War es dann nicht möglich, um den Süden des
-Erdtheils herum einen neuen Handelsweg an die Westküste zu finden, so
-konnte es den Bemühungen der Phönizier immer noch glücken, andere Märkte
-im Innern auszukundschaften.
-
-
-
-
- Abschliessendes Urtheil über Necho.
-
-
-Nach reiflicher Erwägung alles dessen, was vorhin über die saïtische
-Dynastie im allgemeinen und Nechos Charakter und Pläne im besonderen
-gesagt worden ist, werden wir nicht verkennen können, dass in Aegypten
-sich zur Zeit jenes Königshauses eine grossartige Umwälzung vollzieht,
-und dass Necho unbedingt zu den Herrschern im grossen Stile zu zählen
-ist. Sorgfältige Forscher haben dies auch rückhaltlos anerkannt, so
-Maspéro, der folgendermassen über ihn urtheilt[91]: „Necho II. war ein
-thatkräftiger König vom Schlage der grossen Pharaonen, der, wenn ihm nur
-ähnliche Hülfsquellen zu Gebote gestanden hätten, Thotmes und Seti an
-Ruhm gleichgekommen wäre“, und The narrative of discovery adventure in
-Africa by Murray, Jameson and Wilson[92]: „One of the most industrious
-of the native kings of Egypt was Necho, whose name ranks second only to
-that of Sesostris[93]. The habits and prejudices of the ancient
-Egyptians were unfavourable to maritime enterprises; yet this ruler,
-with the spirit of a great man, which raised him superior of the age, in
-which he lived, eagerly sought the solution of the grand mystery
-regarding the form and termination of Africa“.
-
-
-
-
- Andere Versuche der Umschiffung.
-
-
-Ist somit die Untersuchung, ob die Aussendung einer Expedition, wie die
-phönizische war, mit dem eben entworfenen Bilde Nechos in Einklang zu
-bringen sei, zweifellos in bejahendem Sinne abzuschliessen, so wird uns
-doch die Erzählung Herodots noch weit glaublicher erscheinen, wenn es
-uns glückt nachzuweisen, dass das Bestreben, das schwierige Problem der
-Umschiffbarkeit Libyens zu lösen, auch sonst im Alterthume auftaucht.
-Und in der That steht Nechos Unternehmung nicht vereinzelt da, wenn es
-sich bei den anderen, die wir kennen, auch schwerlich um mehr als
-Versuche gehandelt haben wird. Zunächst weiss Strabo[94] von einer
-Umsegelung zu melden, freilich nicht, ohne dass erhebliche Zweifel an
-ihr geltend gemacht wären. Eudoxus von Kyzikus soll (130 v. Chr.) von
-Gades bis zum arabischen Meerbusen um Afrika herumgefahren sein.
-Wahrscheinlich ist immerhin, dass er eine Ahnung von der wirklichen
-Gestalt des Erdtheils hatte, weil er trotz wiederholten Schiffbruches
-den Gedanken, Indien durch Umsegelung desselben erreichen zu können,
-nicht aufgab. Auch Plinius berichtet von mehreren Umschiffungen, deren
-Wahrheit freilich nicht minder angefochten ist[95]. Ja, selbst ein so
-eifriger Gegner der Glaubwürdigkeit der phönizischen Reise, wie
-Gosselin, hält es nicht für undenkbar, dass eine solche schon vor Necho
-stattgefunden habe, und glaubt, nur dieser, die er für eine Erfindung
-der Priester erklärt, die Wirklichkeit absprechen zu müssen[96].
-Uebrigens machen die Einwürfe Gosselins an dieser Stelle seines Werkes,
-wie auch sonst, den Eindruck, als habe dem Verfasser mehr daran gelegen,
-seinen Scharfsinn in helles Licht zu setzen, als der Wahrheit die Ehre
-zu geben. Auch Bougainville meint[97], diese Umsegelung sei nichts Neues
-gewesen, wie der Wortlaut des von Necho ertheilten Befehles beweise, und
-die Vorsichtsmassregeln, welche die Phönizier angewendet hätten, um
-günstige Winde abzuwarten, zeigten, dass sie genugsam über die Natur des
-von ihnen zu befahrenden Meeres unterrichtet gewesen seien. Ich vermag
-hinsichtlich des ersten Punktes, wie oben gesagt, in den Worten Nechos
-nur eine Aufforderung zu einem _Versuche_ zu erkennen, die eine
-wirkliche Bekanntschaft mit der vorgeschriebenen Fahrstrasse keineswegs
-voraussetzt, und was das Abwarten günstiger Winde anbetrifft, so steht
-davon zwar im Herodot nichts, doch ist anzunehmen, dass die Phönizier
-die wechselnden Luftströmungen des indischen Ozeans kannten und als gute
-Seeleute benutzten; ganz entschieden aber muss bestritten werden, dass
-sie diese Kenntniss nur durch frühere Reisen um Afrika herum erworben
-haben konnten. Auf etwaigen Handelsexpeditionen nach Indien sammelten
-sie jedenfalls Kenntnisse über diesen Punkt genau so gut, und dass wir
-Fahrten dorthin in der Zeit vor Necho weit eher annehmen dürfen, als
-solche, die mehr nach Süden gingen, denke ich weiter unten beweisen zu
-können. Mögen nun aber andere Versuche der Umsegelung Afrikas, die das
-Alterthum unternahm, geglückt sein oder nicht, auf alle Fälle beweisen
-sie, dass der Gedanke daran lebendig war und nichts Auffallendes darin
-liegen kann, wenn ein Mann wie Necho ihn verwirklichte. Ueber die
-gewaltigen Schwierigkeiten, vor deren Bekämpfung solche Afrikaumsegler
-bei dem damaligen Stande der Schifffahrt gestellt wurden, hat man sich
-freilich keineswegs getäuscht, das beweist, was Herodot über Sataspes
-erzählt[98]. Dieser, ein persischer Grosser, sollte wegen eines schweren
-Vergehens auf Befehl des Xerxes den Martertod sterben. Da bat seine
-Mutter für ihn und sagte, sie wolle ihm eine grössere Strafe auferlegen,
-als jene sei, nämlich die Umschiffung Libyens. Hiermit erklärte sich
-Xerxes einverstanden; wir werden uns aber gewiss nicht täuschen, wenn
-wir annehmen, dass er auf diesen Vorschlag nur einging, weil er die
-Ausführung des Wagestückes sicherem Tode gleich achtete. Sataspes
-segelte nun an der Nordküste Afrikas nach Westen, um, den Erdtheil zur
-Linken behaltend, um die Südspitze herum ins rothe Meer zu gelangen. Da
-ihm hierbei auf dem grössten Theile der Strecke Winde und Strömungen
-entgegen waren, verlor er den Muth, wandte sein Schiff und kehrte heim,
-hatte aber nun die Nichtausführung des Befehles am Kreuze zu bereuen.
-Aus diesem Umstande will Junker[99] schliessen, dass das Gelingen der
-phönizischen Expedition dem Grosskönige bekannt gewesen sein musste. Es
-hat dies etwas für sich; ein schlagender Beweis freilich ist es bei der
-Unberechenbarkeit von Despotenlaunen nicht. Jedenfalls wird aber auch
-hier wieder gegen Gosselin Opposition zu machen sein. Nicht wird, wie
-jener behauptet, durch den verunglückten Versuch des Sataspes bewiesen,
-dass noch keiner vor ihm die Fahrt gemacht[100], sondern nur, dass er,
-in der entgegengesetzten Richtung wie die Phönizier fahrend, mit
-grösseren äusseren Schwierigkeiten, hervorgerufen durch Wind und Wellen,
-zu kämpfen hatte, und allenfalls, dass er weniger Energie besass. Der
-Merkwürdigkeit wegen sei hier auch noch auf eine neuere Schrift
-hingewiesen, die zu wunderbaren Resultaten kommt[101]. Nach ihr hat
-Odysseus etwa im 15. Jahrhundert v. Chr. nicht nur Afrika umsegelt,
-sondern ist sogar im südlichen Polarlande gewesen, eine Leistung, die
-das weit hinter sich lässt, was Strabo[102], gestützt auf das XIV. Buch
-der Odyssee, Vers 81 ff., dem Menelaus zutraut, wenn er dessen Reise für
-eine Fahrt um das Kap der guten Hoffnung erklärt.
-
-In Folge der vorstehenden Ausführungen werden wir einmal die
-Ueberzeugung gewinnen, dass der Gedanke, Afrika zu umsegeln, das
-Alterthum mehrfach beschäftigt hat, sodann aber auch die Vermuthung, die
-meisten dieser Versuche seien erfolglos gewesen, als berechtigt
-anerkennen und nach sorgfältiger Erwägung aller Umstände dem Ausspruch
-Paulitschkes[103] beistimmen: „Dass es vor der epochemachenden Fahrt
-Vaskos da Gama irgend einem Seefahrer gelungen wäre, das Kap der guten
-Hoffnung zu umsegeln, (wir sehen hier von der Fahrt der Phönizier ab) –
-eine Frage, welche viele Geographen beschäftigt hat – ist schwer
-glaublich“.
-
-
-
-
- Warum fuhren nicht Aegypter?
-
-
-Gehörte nun aber König Necho zu den bevorzugten Männern des Alterthums,
-in deren Geist der Gedanke an die Lösung eines so schwierigen Problems
-Raum fand, hätte man dann nicht erwarten sollen, dass er sein Vertrauen
-in dieser Angelegenheit seinen Landsleuten schenkte? Muss es nicht auf
-den ersten Blick wunderbar erscheinen, wenn er Fremden die Ausführung
-eines so wichtigen Unternehmens übertrug? Eine Betrachtung der
-Volkscharaktere der betreffenden Nationen wird uns darüber aufklären und
-jedem Zweifel an der Wahrheit der Erzählung, der etwa aus dem Umstande
-entnommen werden könnte, dass von einem ägyptischen Könige nicht
-Aegypter, sondern Phönizier zu der Fahrt ausersehen seien, ein Ende
-machen.
-
-Wenn Nechos Bestreben dahin ging, den Handel seines Landes zu heben –
-und dass dies seine Absicht war, zeigt der Kanalbau – so konnte er sich
-dazu unmöglich solcher Elemente bedienen, die voll hochfahrenden
-Nationalstolzes verächtlich, ja feindlich auf alles, was fremd hiess,
-hinabsahen, und denen die Seefahrt nicht nur unsympathisch, sondern auch
-völlig ungewohnt war. Solche Leute waren aber die eingeborenen Bewohner
-des Nilthales. Strabo sagt, die Könige der Aegypter, zufrieden mit dem,
-was sie hatten, und eingeführter Güter nicht eben bedürftig, seien gegen
-alle Heranschiffenden feindlich gewesen[104]; und wir haben keinen
-Grund, daran zu zweifeln, dass dies ungastliche Verhalten der Könige ein
-Ausdruck der Gesinnung des ganzen Volkes gewesen sei. So sind denn nach
-Herodot[105] die Jonier und Karer, welche sich unter Psammetich in
-Aegypten niederliessen – also nachdem das Reich etwa zwei und ein halbes
-Jahrtausend bestanden hatte – als die ersten Leute fremder Zunge in
-diesem Lande dauernd sesshaft geworden, und auch sonst pflichtet das
-Alterthum der Ansicht jenes Schriftstellers bei[106]. Neuere
-Aegyptologen sind allerdings geneigt anzunehmen, dass doch schon früher
-einigen heterogenen Elementen der Zutritt gestattet worden sei, nur
-nicht den Griechen[107]. Und in der That haben schon in sehr alten
-Zeiten die Aegypter Handel mit Fremden getrieben; ja, im neuen Reiche
-stand der Verkehr mit Syrien in vollster Blüthe[108]. Fremde werden
-jedenfalls schon vor Psammetich Aegypten wenigstens vorübergehend
-besucht haben. Wenn dieses Land hinsichtlich seiner Abgeschlossenheit
-während des Alterthums China und Japan an die Seite gestellt worden
-ist[109], so wird ein derartiger Vergleich nur zutreffend sein in Bezug
-auf die letzten Jahrhunderte vor Psammetich, wo die inneren Wirren und
-die dadurch herbeigeführte Rechtsunsicherheit den Besuch Aegyptens nicht
-räthlich erscheinen lassen konnten; vorher haben Fremde zweifellos dort
-verkehrt. Schon Homer führt ja den göttlichen Dulder Odysseus auch an
-den Nil[110], und wenn wir demselben Dichter in anderer Beziehung
-vertrauen dürfen, verkehrten zu jener Zeit auch bereits Phönizier dort.
-Freilich, mehr als geduldet sind die Fremdlinge wohl nicht gewesen, und
-erst unter Psammetich und mehr noch unter Amasis werden sie angefangen
-haben, eine Rolle zu spielen. Schwerlich wird man irren, wenn man meint,
-dass der Grund, aus welchem der erstere die Häfen Aegyptens fremden
-Schiffen öffnete, ein politischer war: er suchte ausserhalb des Landes
-Stützpunkte für seine Macht[111], und mit Amasis wird es wohl nicht
-anders gewesen sein. Es erklärt sich aber aus der nach jener Zeit von
-Seiten der Aegypter bewiesenen Gastfreundlichkeit die Ansicht
-Herodots[112], dass wir alles, was seit König Psammetich in Aegypten
-sich zugetragen, mit Zuverlässigkeit wüssten; während der Regierung
-dieses Herrschers traten sich eben auch Hellenen und Aegypter näher.
-Vorher werden vor allem die Bewohner der Nachbarländer – ich erinnere
-nur an Josephs Brüder – des Handels wegen nach Aegypten gekommen sein;
-ansässig sind aber auch sie wohl nur ausnahmsweise gewesen. Daher die
-Nachricht des Herodot, dass Naukratis vor Alters der einzige Stapelplatz
-im Delta gewesen sei[113]. Neuere Ansichten haben freilich hinsichtlich
-dieser Stadt allerhand Zweifel ergeben, nicht nur über ihre Abstammung
-von Milet, sondern – was hier ins Gewicht fällt – über die Zeit ihrer
-Gründung, die vielleicht richtig erst unter Amasis angesetzt wird. Was
-in dieser Beziehung das Zutreffende ist, mag dahin gestellt bleiben;
-jedenfalls lebten seit Psammetich Griechen in Aegypten, und zwar im
-Delta, und damit mag die Notiz Herodots zusammenhängen. Aber mögen auch
-schon in weit früherer Zeit Ausländer in Aegypten verkehrt haben und
-kleine Bruchtheile der ansässigen Bevölkerung des ägyptischen Nilthales
-stammfremd gewesen sein – fest steht doch, dass das Volk der Pharaonen,
-von dem Strabo sagt, dass es hinreichend eigene Hülfsmittel hatte[114],
-dem Verkehr mit Nichtägyptern abhold war und also zur Anknüpfung von
-Handelsbeziehungen in bisher unbekannten Gegenden wenig geeignet
-erschien. Die Aegypter waren eben ihrer Ansicht nach die grande nation
-unter den damals blühenden Völkern, wie das verschiedene Erzählungen
-Herodots beweisen[115]; sie werden auch an allen einen erspriesslichen
-Verkehr so sehr erschwerenden Schwächen der in solchen Anschauungen
-Befangenen in reichem Masse gelitten haben. Das einzige Verhältniss zu
-Fremden, in das sie sich ohne Mühe hineindenken konnten, war das von
-Herren zu Sklaven, ein Zusammenleben mit jenen als Gleichgestellten
-erschien ihnen unnatürlich und ihrer unwürdig; die Verwirklichung
-solcher Ideen im Handelsverkehr musste aber bei der andern Partei
-naturgemäss Misstrauen und Unbehagen erzeugen und eine befriedigende
-Entwicklung der Beziehungen von vornherein ausschliessen.
-
-So ist es begreiflich, dass die Aegypter bis zu Nechos Zeit zu
-Koloniegründung und ausgedehnteren kaufmännischen Beziehungen nicht
-gekommen waren, und wenn auch schon Sethos und sein Sohn Ramses II.
-daran gedacht hatten, um des Handels willen, der auf dem rothen Meere
-getrieben wurde, einen Kanal von hier aus zum Nil zu graben[116], so
-dürfen wir daraus doch nicht schliessen, dass dieser ägyptische Handel
-sich weiter als an die Afrika gegenüber liegende Küste Arabiens
-erstreckt hätte. Der Aegypter zog nicht gern ausser Landes, und was von
-solchen Expeditionen – auch kriegerischen – die Sage erzählt, ist mit
-grosser Vorsicht aufzunehmen; es ist nicht wahrscheinlich, dass über das
-Amanosgebirge und den Euphrat jemals ägyptische Heere vorgedrungen
-sind[117]. Ja, so stark war der Aegypter in heimathlichen Anschauungen
-befangen, und so sehr legte er die Verhältnisse seines Landes als
-Massstab auch an die fremden an, dass ein ägyptisches Heer, als König
-Thutmosis I. auf seinem syrischen Feldzuge bis an den Euphrat gedrungen
-war, sich wunderte, dass dieser Fluss in umgekehrter Richtung floss, wie
-der Nil[118]. Und das war doch schon nach der Vertreibung des Hyksos!
-Man kann sich denken, wie einem Volke, dem die Verhältnisse daheim in
-dieser Weise massgebend waren, das Verlangen nach Erwerbung
-überseeischer Landstriche, der doch Phönizier und Griechen mit grossem
-Eifer oblagen, nicht kommen konnte, und so erklärt sich denn leicht die
-Erscheinung, dass trotz der vielen Handelsreisen, welche die Aegypter
-schon in ältester Zeit nach dem produktenreichen Lande Punt zu beiden
-Seiten Bab-el-Mandebs[119] zur Beschaffung nothwendiger Bedürfnisse
-unternahmen, und trotz der Erneuerung dieser Fahrten ums Jahr 1400 v.
-Chr. unter der Königin Hatasu – auch Hatschepsut genannt – im grossen
-Stil dieses Gebiet niemals von ihnen annektirt worden ist[120]. Was
-sonst von grossen Seeunternehmungen – z. B. zur Zeit des Sesostris –
-erzählt wird, der mit einer gewaltigen Flotte durch das erythräische
-Meer nach Indien hin bis an den Ganges gefahren sein soll[121], ist
-sicher in das Gebiet der Sage zu verweisen[122], und die Versuche, die
-historische Wahrheit derselben aufrecht zu erhalten müssen, nachdem
-jener König als Fabelwesen erkannt ist, für gescheitert gelten[123].
-
-Es wird kaum nöthig sein, nach dieser Schilderung noch besonders darauf
-hinzuweisen, dass die Aegypter zur See nicht tüchtig sein konnten und
-keineswegs im Stande waren, ein Material an Matrosen zu stellen, wie es
-Necho zur Verwirklichung seiner weit ausschauenden Pläne bedurfte. Die
-Gleichgültigkeit seines Volkes gegen das Meer und alles, was damit
-zusammenhing, ging so weit, dass es nicht einmal eine Gottheit desselben
-kannte, wie etwa die Griechen ihren Poseidon[124], und in wie hohem
-Grade die Salzfluth den Priestern, die wir als die Inkarnation
-altägyptischer Anschauungen betrachten dürfen, ein Gegenstand des
-Abscheus war, erkennen wir daraus, dass sie es vermieden, mit Schiffern
-zu reden, da diese jener ihren Lebensunterhalt verdankten[125]. So kann
-es uns nicht wundern, wenn wir bei Herodot lesen[126], dass die Aegypter
-die Produkte ihres Landes nicht selbst ausführten, sondern den Vertrieb
-derselben den Phöniziern überliessen; durch Kombination werden wir
-allenfalls hinzufügen dürfen, dass diese sich in das Geschäft mit den im
-Delta ansässigen Griechen getheilt haben mögen. Mit Recht sagt daher
-Bougainville[127]: „Les Égyptiens n’etaient pas gens de mer“, und es
-wird bei der vorstehenden Charakteristik begreiflich erscheinen, wenn
-sie, wie oben gezeigt, erst sehr spät – eben unter Necho[128] – in den
-Besitz einer Kriegsflotte kamen. Dass sie nachher als tüchtige Seeleute
-hingestellt werden, ändert an diesem Urtheil gar nichts[129]. Herodot
-erzählt, sie hätten dem Xerxes auf seinem Zuge nach Griechenland 200
-Schiffe gestellt, und nach demselben Berichterstatter[130] zeichnen sie
-sich in einem der Treffen bei Artemisium sogar besonders aus. Der Druck
-des fremden Despotenthums wird eben, nachdem er sie zu anderen
-Zugeständnissen genöthigt hatte, wie den Verlust ihrer Selbständigkeit,
-so auch den ihres eigenthümlichen nationalen Wesens herbeigeführt und
-sie aufs Meer gezwungen haben, das sie früher mieden; die im Delta
-ansässigen Phönizier und Griechen mögen ihnen aber Lehrmeister der
-Schifffahrt gewesen sein. So lernen wir das Urtheil Bougainvilles über
-eine spätere Zeit verstehen, welches lautet[131]: „Le commerce et la
-navigation ne fleurirent en Égypte que sous les Ptolémées, et les
-Égyptiens y avaient beaucoup moins de part que les Grecs d’Alexandrie“.
-Unter diesen Umständen kann ich nicht, wie Mannert[132] es thut, etwas
-Auffälliges darin sehen, dass Necho die Ausführung seines grossartigen
-Planes Ausländern übertrug; im Gegentheil, Aegypter zu verwenden, wo er
-die seekundigsten Leute zur Verfügung hatte, wäre eine arge Thorheit
-gewesen. Er war hinsichtlich der Bemannung der Schiffe, die zu einem so
-gefahrvollen Unternehmen auslaufen sollten, genau in der Lage wie Salomo
-bei seinen Ophirfahrten; beider Fürsten Völker waren nicht im Stande,
-Reisen, wie die Herrscher sie wünschten, mit Aussicht auf Erfolg zu
-machen, und so mussten diese Phönizier fahren lassen.
-
-
-
-
- Seemännische Tüchtigkeit der Phönizier.
-
-
-Und wenn es Männer gab, die einer solchen Aufgabe gewachsen sein
-mochten, so waren sie es. Kein Land war geeigneter, ein Volk zur
-Seefahrt zu erziehen, als ihre Heimath, der schmale Küstensaum Syriens
-mit seinen trefflichen Buchten, mit den Cedern und Cypressen des
-Libanon, die ein Material zum Schiffsbau lieferten, wie es besser kaum
-gefunden werden konnte, und mit seinem wenig ergiebigen Boden, der den
-Menschen seit den ältesten Zeiten gelehrt hatte, seine Blicke auf das
-Meer zu richten, das hier in nächster Nähe die hafenreichen Küsten
-dreier Erdtheile umfluthete. Daher erfreuten sich die vielen Städte
-dieses Gestades, von denen man im benachbarten Aegypten sagte, sie seien
-reicher an Fischen als an Sand, hoher Blüthe, und Sidon, Tyrus, Berytus,
-Tripolis u. a. bildeten, in ihrer besten Zeit frei von jeder fürstlichen
-Herrschaft, einen seemächtigen Bund, eine Hansa des Alterthums, welche
-mehr und mehr mit der See verwuchs, die vor ihren Thoren brandete. Kein
-Wunder, wenn in einem solchen Lande ein Volk erstand, dem wir die
-hervorragendsten Entdeckungen des Alterthums verdanken. Schon den
-Knaben, welche in diesen Küstenstädten das Licht der Welt erblickten,
-galt das Meer als zweite Heimath; so kannten sie, zu Männern
-herangereift, nicht nur alle Tücken, durch welche die bösen Geister der
-Luft und des Wassers die Schiffer zu necken und zu ängstigen pflegen,
-nein, sie verstanden auch – wohl unter allen Sterblichen die ersten –
-die Kunst gegen den Wind zu segeln[133]. Zunächst befuhren sie die
-Gestade des Mittelmeeres und gründeten hier Kolonieen und
-Handelsfaktoreien; die Küsten Siziliens und Sardiniens, die Balearen
-gehörten ihnen, in Afrika hatten sie Niederlassungen, und von der
-Pomündung holten sie den Bernstein, der auf uralten Handelsstrassen von
-Preussen über die Alpen hierhergebracht wurde. Nachdem sie so das
-heimische Gewässer nach allen Richtungen hin gekreuzt, genügte ihnen
-dieses rings umschlossene Becken nicht mehr; kühn segelten sie durch die
-Säulen des Herakles hinaus in den weiten atlantischen Ozean und landeten
-an der Küste von Tarschisch im südwestlichen Spanien[134]. Hier erbauten
-sie als ältesten Hafen Gadir, das heutige Cadiz, wahrscheinlich schon
-ums Jahr 1100 v. Chr.[135]. Ohne Rast und Ruhe aber, wie sie waren, ein
-echtes Handelsvolk, trieb es sie noch weiter in das unermessliche
-Weltmeer hinaus, und es liegt kein Grund vor, an der Nachricht Strabos
-zu zweifeln, dass sie von Britannien – genauer von den Scilly-Inseln vor
-der britischen Küste – Zinn geholt haben[136]. Doch selbst diese
-erweiterte Reise genügte ihnen nicht; sie schlugen noch eine andere
-Richtung ein und haben jedenfalls schon in sehr früher Zeit auch in das
-rothe Meer ihre Ruder getaucht, und zwar zunächst wohl auf ihren viel
-besprochenen Fahrten nach Ophir. Als sicher darf betrachtet werden, dass
-diese schon ums Jahr 1000 v. Chr. stattgefunden, weniger fest steht, was
-wir uns denn unter Ophir eigentlich zu denken haben. Die einen versetzen
-es nach Indien[137], andere nach Ostafrika, Madagaskar gegenüber[138]
-oder weiter nördlich ins Somaliland[139], und nach einer dritten Ansicht
-ist es im südwestlichen Arabien, in Jemen, zu suchen, wo in
-den ältesten Zeiten der Geschichte der Mittelpunkt für den
-indisch-äthiopisch-ägyptisch-arabisch-phönikischen Handel war[140]. Von
-einer Seite ist sogar die Entdeckungsfahrt Nechos als eine Reise nach
-Ophir angesehen worden[141]. Es kann natürlich nicht die Absicht des
-Verfassers dieser Abhandlung sein, in eine selbständige Untersuchung
-über die Frage einzutreten, wo Ophir gelegen haben mag, sie würde weit
-von unserm Thema abführen; die meisten kompetenten Beurtheiler haben
-sich allmählich wohl dahin geeinigt, dass es in der That in Jemen oder
-einem der andern Küstenländer in der Nähe von Bab-el-Mandeb zu suchen
-sei, eine Vermuthung, die wir theilen. Zwar sagt die heilige Schrift:
-„Das Meerschiff des Königs Salomo, das auf dem Meere mit dem Schiffe
-Hirams fuhr, kam in dreien Jahren einmal“[142], und man hat geglaubt,
-das Land Ophir deshalb in grösserer Entfernung vom Nordende des rothen
-Meeres, dem Ausgangspunkte dieser Expeditionen, suchen zu müssen; wenn
-man aber erwägt, dass die Schiffer auf diesen Fahrten gewiss sehr häufig
-anlegten, ans Land gingen und ausgiebigen Tauschhandel mit den
-Eingeborenen, vielleicht auch den weiter im Innern wohnenden, trieben,
-wird man an der langen Abwesenheit keinen Anstoss mehr nehmen. Kaum zu
-bezweifeln dürfte aber sein, dass die Phönizier auch bei Bab-el-Mandeb
-nicht Halt machten, sondern lange vor Necho durch diese Strasse hindurch
-in den indischen Ozean hineinsegelten, zwar nicht an der afrikanischen
-Küste entlang, aber, links umbiegend, an dem südlichen Gestade
-Vorderasiens hin; denn mit dem Verwerfen der Annahme, Ophir habe in
-Indien gelegen, soll keineswegs die Behauptung ausgesprochen sein, die
-Phönizier hätten dieses Land auf ihren Fahrten nicht berührt. Im
-Gegentheil, es ist sehr wahrscheinlich, dass sie bis hierhin gelangt
-sind. Indische Kaufleute fuhren früh, wie Lassen[143] nachweist, von
-ihrer Heimath nach Arabia felix, um hier die Produkte ihres Landes
-abzusetzen; scheint es da nicht nach allem, was wir sonst über die
-Phönizier wissen, schon von vornherein in hohem Grade glaubhaft, dass
-sie, den Spuren dieser Händler folgend, nach Indien gesegelt seien, um
-die Waren an Ort und Stelle zu kaufen? Wenn sie – Küstenfahrt
-vorausgesetzt – bei der Strasse von Ormus nach Persien hinübergingen und
-so den persischen Meerbusen abschnitten, war der Weg von Jemen nach
-Indien nicht annähernd so weit wie der von Phönizien nach den
-Kassiteriden. Ein präziser Beweis für diese phönizischen Reisen nach
-Indien ist zwar nicht zu erbringen und die Thatsache selbst darum viel
-angezweifelt worden; es liegt aber kein Grund vor zu der Annahme, dass
-dieselben Männer, welche die westliche Pforte der Mittelmeerwelt so bald
-durchsegelten, an der östlichen zaghaft Halt gemacht haben sollten. Dies
-ist um so weniger wahrscheinlich, als wir wissen, dass die Sabäer im
-südwestlichen Arabien schon in sehr alten Zeiten Seeverkehr mit Indien
-hatten; sie konnten die Phönizier über den Weg belehren oder ihnen als
-Führer dienen. Auch Lassen zieht diese Fahrten durchaus nicht in
-Zweifel, wenn sie ihm auch bei seinem Standpunkt in der Ophirfrage als
-Reisen in jenes Land gelten[144]. Man braucht ja nicht gleich
-anzunehmen, wie Grotefend dies thut[145], dass sie bis Ceylon hinab
-gefahren seien; es genügte für ihre Zwecke, etwa an die Mündung des
-Indus zu gelangen, wo sie zweifellos alle Produkte Indiens erwerben
-konnten. Wenn ich eben die Ansicht aussprach, die Phönizier seien vor
-Necho von Bab-el-Mandeb aus wohl nach Indien, nicht aber um das Kap
-Guardafui herum an der Ostküste Afrikas nach Süden gefahren, so denke
-ich das folgendermassen, wenn nicht zu beweisen, so doch wahrscheinlich
-zu machen. Die Produkte, welche die Schiffe Salomos aus Ophir – also
-Jemen oder nahe liegenden Ländern – holten, sind: Gold, Sandelholz,
-Edelsteine, Silber, Elfenbein, Affen und Pfauen. Von diesen Waren werden
-Sandelholz, Pfauen und wahrscheinlich auch Edelsteine aus Indien dorthin
-gebracht worden sein, Gold und Silber kamen in Südarabien vor, dessen
-Ruf als Produktionsstätte dieser Edelmetalle, zumal des Goldes, wie die
-Erzählung von der Königin von Saba beweist[146], im Alterthume weit
-verbreitet war, Elfenbein und Affen aber in Afrika, obgleich ersteres
-auch aus Indien und letztere aus Arabien zu haben waren. Jedenfalls
-konnten die Händler aber beides in der Gegend von Bab-el-Mandeb so gut
-erhalten wie weiter südlich. Waren sie an der Danakil- oder Somaliküste,
-so befanden sie sich bereits in dem Produktionsgebiet dieser Waren oder
-vermochten sie doch aus dem Innern des Landes ohne Mühe zu beziehen;
-warum sollten sie da versuchen, sie von den entfernteren Küstenstrichen
-zu holen? Zu einer Fahrt nach Süden musste ihnen erst aus späteren
-Verhältnissen ein Antrieb erwachsen. Ganz anders lag die Sache
-hinsichtlich Indiens. Die Produkte dieses Landes an Ort und Stelle, also
-jedenfalls billiger zu erwerben, als es in Ophir möglich war, musste ihr
-Bestreben sein, sobald sie deren Werth erkannt hatten, und frühere
-Fahrten dorthin sind also nicht unwahrscheinlich.
-
-So treten uns die Phönizier als das kühnste Schiffervolk des Alterthums
-entgegen; wahrlich, wir können Männern unsere Bewunderung nicht
-versagen, welche die Meere von England bis Indien befuhren, ohne die
-hülfreiche Nadel Flavio Giojas zu besitzen, und ohne eine andere
-Seekarte als etwa diejenige, welche die kunstfertige Hand des Hephästus
-in Erz gebildet hatte, als er dem Sohne der Thetis seine neue Wehr
-schuf. Wohl geschult und furchtlos war also jedenfalls auch die
-Mannschaft, welche die Schiffe Nechos hinaussteuerte in die unbekannte
-Weite, und Alles, was uns sonst über phönizische Seeleute überliefert
-ist, spricht dafür, dass sie im Stande war, ihr gefahrvolles Unternehmen
-glücklich zu Ende zu führen. Freilich, Männer wie Vincent und ähnliche,
-wahre Fanatiker des Zweifels, haben den Phöniziern selbst seemännischen
-Muth absprechen wollen, eine Eigenschaft, die sie doch in so hohem Grade
-besassen, dass jedes Blatt der Kolonialgeschichte des Alterthums die
-leuchtendsten Beispiele davon zu erzählen weiss. Nicht weil zu besorgen
-wäre, dass jene mit ihrer Ansicht durchdringen könnten, sondern nur der
-Vollständigkeit wegen mögen hier diese Behauptungen zurückgewiesen sein.
-Ukert[147] führt die Furcht der phönizischen Schiffer auf Xerxes’ Flotte
-vor der Umsegelung des Athos an. Eine Quelle dafür nennt er nicht, und
-ich muss leider gestehen, so unwissend zu sein, dass ich eine solche
-nicht kenne; trotz eifrigen Suchens habe ich keine hierauf bezügliche
-Andeutung in irgend einem Schriftsteller gefunden. Doch gesetzt, Ukert
-kennte eine solche, wäre diese Furcht auffällig? Giebt es nicht Stunden,
-denen auch der Muthigste mit Besorgniss entgegensieht? Sagt nicht
-Herodot ausdrücklich[148], dass Alle, die vor Xerxes um den Athos
-gefahren, grossen Verlust erlitten hätten, und wird nicht speziell das
-Unglück des Mardonius jenen phönizischen Seeleuten, die im Jahre 480 den
-Zug nach Griechenland mitmachten, genügend bekannt gewesen sein? Wohl
-mag also die sonst so Kühnen beim Anblick jener Unglücksstätte einen
-Augenblick Zaghaftigkeit befallen haben – ein Charakterzug des Volkes
-war sie nicht, und dass die Phönizier im allgemeinen die Gefahren
-fremder Meere nicht fürchteten, beweist ihre Geschichte zur Genüge. Das
-andere Beispiel, das Ukert erwähnt, betrifft Nearchs Fahrt an den
-südlichen Küsten Vorderasiens, die ja in der That keine hervorragende
-nautische Leistung genannt werden kann. Mit Recht ist aber gegen eine zu
-ungünstige Beurtheilung derselben geltend gemacht worden, dass die
-Flotte dieses Admirals, aus zusammengerafften Schiffen bestehend, kein
-richtiges Bild von der Leistungsfähigkeit des damaligen Seewesens giebt,
-und die Bemerkung Ukerts, dass die Umsegelung Afrikas nicht an
-Wahrscheinlichkeit gewinne, wenn man diese Expedition betrachte, hat
-Sandberg[149] zurückgewiesen, indem er darlegt, dass Alexander, als er
-den Nearch entsendete, neben Cypriern, Kariern und Aegyptern freilich
-auch wohl Phönizier, aber doch schwerlich phönizische Matrosen in seinem
-Heere gehabt habe[150]. Dass übrigens dies Geschwader, welches Nearch
-von Indien her in den Euphrat führte, von Alexander selbst als untüchtig
-angesehen wurde, geht ganz klar daraus hervor, dass er nach dem
-Eintreffen desselben in Babylon noch phönizische Schiffe aus Syrien auf
-dem beschwerlichen Ueberlandwege bis Thapsakus kommen und ausserdem eine
-neue Flotte bauen liess. Auch die Bemannung zog er aus Phönizien und
-andern Küstenländern heran, alles, um zur Umschiffung Arabiens eine
-wirklich tüchtige Seemacht zur Verfügung zu haben[151]. Mit andern
-Bedenken, die ebenfalls Zweifel an dem Muthe der Phönizier erheben,
-tritt uns Vincent[152] entgegen. Er sagt, es sei nicht anzunehmen, dass
-Seefahrer aus diesem Volke in den Kanal von Mozambique mit seiner
-reissenden Strömung hineingesegelt seien, sowie sie ihn zuerst
-erblickten, während doch die Araber in der langen Zeit, wo sie die
-Ostküste Afrikas befuhren, das niemals gewagt und ihre Besitzungen nur
-bis zu seinem nördlichen Eingange ausgedehnt hätten. Er ist leicht
-widerlegt, denn was er über die Grenzen der arabischen Schifffahrt in
-diesen Gegenden sagt, ist einfach unrichtig. Die Araber sind
-wahrscheinlich bis zum heutigen Inhambane und dem Kap Corrientes
-gelangt, Punkten, die beide am Südende des Kanales liegen[153]. Es wird
-also schwerlich glücken, die Schiffer Nechos als Leute hinzustellen,
-denen der zu einer Umsegelung Afrikas nöthige Muth fehlte, und die
-„ausserordentlich dehnbare Vorstellung von der Seetüchtigkeit der
-Phönizier“, welche Berger[154] bespöttelt, braucht nur auf das durch das
-Alterthum gut beglaubigte Mass zurückgeführt zu werden, um an wirklich
-grosse Thaten derselben glauben zu machen. Waren sie, nach ihrem
-Verhalten beim Graben des Kanals am Athos zu schliessen[155], überhaupt
-anstellige und gewandte Leute, so ist es um so mehr über allen Zweifel
-erhaben, dass sie in der Führung von Schiffen unübertroffen
-dastanden[156]. Was die Venetianer und Genuesen dem Mittelalter, was die
-Holländer und Engländer der Neuzeit waren und sind, das ist jenes Volk
-dem Alterthume gewesen, und ohne Bedenken dürfen wir Heeren
-beipflichten, wenn er sagt[157]: „Der Zufall hat uns einen Bericht von
-ein paar solcher Unternehmungen erhalten, die Herodot gelegentlich
-anführt; aber wie viele mögen von einem Volke gewagt und glücklich
-ausgeführt sein, das so gut wie die Briten und Portugiesen seine Cooks
-und seine Vaskos da Gama gehabt haben muss!“ Wenn aber die Phönizier in
-Betreff aller zur Lösung der schwierigen Aufgabe erforderlichen
-Eigenschaften dem Volke des Necho so weit überlegen waren, fällt nicht
-nur jeglicher Grund des Staunens weg, dass er mit Uebergehung der
-eigenen Landsleute jene durch seinen Auftrag auszeichnete, sondern es
-wird auch Jeder, der nicht voreingenommen ist, zugeben müssen, dass
-vielmehr durch die Erwähnung dieses Umstandes einerseits die Erzählung
-glaubwürdiger und andrerseits die glückliche Vollendung der Fahrt
-wahrscheinlicher wird.
-
-
-
-
- Vermuthliche Ansichten über die Gestalt und südliche Erstreckung
- Afrikas ums Jahr 600 v. Chr.
-
-
-Mögen wir aber den Muth der phönizischen Schiffer noch so hoch stellen,
-mögen wir uns ihren Drang nach Abenteuern so unwiderstehlich wie möglich
-ausmalen, wir dürfen uns doch bei sorgfältiger Erwägung der Sachlage
-nicht verhehlen, dass sie sich die Umsegelung wahrscheinlich weit
-leichter vorstellten, als sie wirklich war, und ihnen vor allem die
-weite Süderstreckung Afrikas nicht bekannt gewesen sein wird. Hätten sie
-von letzterer eine Ahnung gehabt, möchte auch dem Kühnsten von ihnen
-wohl der Muth entsunken sein. Wie weit die Kenntnisse der Phönizier in
-der Geographie Afrikas und der dasselbe umgebenden Meere ums Jahr 600 v.
-Chr. gingen, können wir nur annähernd feststellen. Da uns direkte
-Nachrichten darüber nicht zu Gebote stehen, sind wir auf Rückschlüsse
-angewiesen, und auf Grund derselben dürfen wir wohl annehmen, dass das
-Wissen des Herodot in dieser Beziehung auch etwa das jener Phönizier
-gewesen sein mag, denn einmal ist der Zeitraum, der beide von einander
-trennt, nicht so erheblich, dass er bei der verhältnissmässig langsamen
-Erweiterung der Länderkunde während des Alterthums ins Gewicht fallen
-könnte, und zweitens waren sowohl phönizische Schiffer, wie auch Herodot
-weit umhergekommen, und die Vermuthung, dass beide Theile das, was die
-damalige Welt überhaupt von den Oberflächenverhältnissen der Erde
-kannte, etwa in gleicher Weise ihr geistiges Eigenthum nannten, scheint
-wohl berechtigt. Wenn wir also feststellen, was Herodot von
-afrikanischer Geographie wusste, so werden wir damit zugleich auch
-ungefähr den Kreis der phönizischen Kenntnisse umschrieben haben.
-Herodot weiss aber im ganzen von Afrika – oder wie er sagt, von Libyen –
-nicht viel. Was das Innere des Erdtheils anbetrifft, so ist ihm nicht
-fremd, dass sich die Wüste von Theben bis zu den Säulen des Herakles
-erstreckt, sonst aber wird er in den Aegypten ferner liegenden Theilen,
-wie jenseit Karthagos, schon ziemlich unsicher. Wie weit aber
-hinsichtlich der Gestadeländer seine und der Phönizier Kenntniss ging,
-darüber sind wir nicht durchweg genügend unterrichtet. Bis zu welchem
-Punkte ihnen z. B. die Ostküste bekannt war, ist unmöglich genau zu
-sagen; es herrscht wohl einige Uebereinstimmung, dass sich nur
-Vermuthungen darüber aufstellen lassen. Herodots mehr oder weniger
-gründliches Wissen ging wahrscheinlich bis Bab-el-Mandeb[158]; davon,
-dass den Phöniziern die südlicheren Gegenden bekannt gewesen seien,
-haben mich die aus Strabo und einigen anderen Schriftstellern von
-verschiedenen Gelehrten gezogenen Schlüsse nicht überzeugen können. Fest
-steht dagegen, dass Herodot und zweifellos auch schon den Phöniziern
-viel früherer Zeit die Nordküste im ganzen und grossen wohl bekannt war;
-in Betreff der Westküste sind die Nachrichten, welche er den Sataspes
-von seiner Fahrt mitbringen lässt[159], zu ungenau, als dass wir darauf
-irgend welche sichere Vermuthung gründen könnten. Die Frage nach seiner
-Kenntniss der Länder jenseits des Kap Soloeis[160] können wir wohl, ohne
-ihm zu nahe zu treten, dahin beantworten, dass er nur eine unklare
-Vorstellung von ihnen hatte; hinsichtlich dieses Vorgebirges dürfen wir
-aber mit grosser Sicherheit annehmen, er habe darunter das heutige Kap
-Spartel verstanden. Wenn nun das, was die Phönizier wussten, sich in
-einem Punkte mit der Kenntniss Herodots vielleicht nicht deckte, so war
-es eben in Betreff der Westküste, wo ihnen wahrscheinlich weiter nach
-Süden gelegene Gegenden nicht unbekannt waren. Es lässt sich dies aus
-einigen Stellen alter Schriftsteller folgern[161]. Isaak Vossius in
-seinen: Observationes ad Pomponium Melam de situ orbis[162] meint sogar,
-dass die Nachricht des Strabo, die Phönizier hätten bald nach dem
-trojanischen Kriege jenseit der Säulen des Herakles auf der libyschen
-Küste Kolonieen angelegt, mit dem Periplus des Hanno in Verbindung zu
-setzen sei; demnach hätten also wenigstens die karthagischen
-Stammesgenossen der Phönizier lange vor Necho einen grösseren Theil des
-westlichen Gestades befahren. Doch geht die Ansicht der meisten Forscher
-dahin, dass dieser Periplus weit später, erst nach der Umsegelung durch
-die Phönizier (etwa 470) angenommen werden dürfe. Nach Junker[163], der
-für seine Ansicht einen geistvoll erdachten Grund anführt, hätten die
-Karthager den von Herodot erwähnten Tauschhandel an der Goldküste
-betrieben, woraus wir schliessen könnten, dass wohl auch den verwandten
-Phöniziern das westliche Gestade Afrikas bis hierher bekannt gewesen
-sei, doch haben sich andere wichtige Stimmen erhoben, welche ihn nach
-Senegambien an den Rio do Ouro verlegen[164]. Auf alle Fälle ging aber
-die Kenntniss der Karthager – und damit wohl auch der Phönizier – über
-Kap Soloeis hinaus. Die dreieckige Südhälfte des Erdtheils war natürlich
-gänzlich unbekannt, und in Folge davon hat das Alterthum die für die
-projektirte Umschiffung so wichtige Frage nach dem Zusammenhange der
-Meere in jener Gegend sehr verschieden beantwortet; noch die Späteren
-stehen hierin in direktem Widerspruch unter einander. Hipparch[165] z.
-B., in der Mitte des zweiten Jahrhunderts v. Chr., und Ptolemäus[166],
-etwa 150 Jahre n. Chr., leugneten eine südliche Verbindung des Ost- und
-des Westmeeres, Strabo und andere[167] glaubten, dass sie vorhanden. Aus
-früherer Zeit ist die Ansicht Alexanders des Grossen interessant; auch
-er, dem auf seinen weiten Zügen sich manche Gelegenheit geboten haben
-mochte, der Lösung geographischer Streitfragen näher zu treten, war von
-der Einheit der Weltmeere überzeugt, wie wir aus einer Stelle Arrians
-ersehen, wo er sagt: „Das grosse Meer umgiebt die ganze Erde“[168],
-Worte, aus denen einige schliessen, er habe von der Umsegelung gewusst
-und den Bericht über sie für wahr gehalten. So gern ich dieser Ansicht
-als einem für meine Auffassung sprechenden Beweise beistimmen möchte,
-vermag ich es leider nicht. In Alexanders Worten spricht sich eine
-uralte griechische Anschauung aus; wer dieser huldigte, konnte an die
-Möglichkeit einer Umschiffung Libyens glauben, auch wenn er die That der
-Phönizier bezweifelte, und wenn der macedonische Welteroberer, wie man
-meint, wirklich daran gedacht hat, Afrika umsegeln zu lassen, so ist
-sein Heldenmuth vor einer solchen Expedition schwerlich
-zurückgeschreckt, auch wenn der Glaube fehlte, dass andere ihm die Pfade
-geebnet hätten. Herodot selbst vertheidigt die Ansicht von dem
-Zusammenhang der Meere[169], wenn auch seine fortgeschrittenere Bildung
-ihn den homerischen Ozeanusfluss belächeln lässt[170]; aber dieser
-Zusammenhang ist ihm erst durch die phönizische Fahrt festgestellt[171].
-Schwerlich werden also die Phönizier, als sie absegelten, gewusst haben,
-ob wirklich ein Wasserweg ganz um den Erdtheil herum führte; es wird
-eben – wie vorhin schon angedeutet – ein Versuch gewesen sein, den sie
-machten. Waren doch zu Herodots Zeit in Aegypten noch wunderbare Märchen
-über manche Theile des erythräischen Meeres verbreitet, wie wir daraus
-entnehmen können, dass die Priester gläubig erzählten, Sesostris sei bei
-seiner See-Expedition an eine Stelle gekommen, die er wegen der Untiefen
-nicht habe befahren können[172]. Dass freilich auch die Phönizier an die
-Unwegsamkeit der Meere unter gewissen Himmelsstrichen geglaubt –
-Phantasieen, wie sie uns vor der Zeit der grossen Entdeckungen im
-Mittelalter wieder begegnen – wird nicht überliefert. Aber waren sie
-auch zu aufgeklärt, um solche Märchen für Wahrheit zu nehmen,
-die Gestalt Afrikas – das dürfen wir aus den vorstehenden
-Auseinandersetzungen schliessen – war sowohl ihnen, wie Herodot in
-tiefes Dunkel gehüllt. Der letztere spricht dies offen aus, wo er von
-dem Oberlaufe des Nils redet[173]; ebenso geht es hervor aus der Stelle
-III, 114, die Sandberg zitiert[174]. Herodot sagt hier, dass Aethiopien
-– d. i. Südafrika – sich von Arabia felix nach Südwesten erstrecke, als
-das letzte der bewohnten Länder; wie weit aber, das lässt er dahin
-gestellt. Wenn wir uns nun gar daran erinnern, wie noch Strabo über
-diese Frage dachte[175], dem die Südgrenze Libyens etwa bei 10° n. Br.
-liegt, so wird uns nicht länger zweifelhaft sein, dass die Phönizier 600
-v. Chr. keinenfalls von dem wirklichen Sachverhalt eine Ahnung hatten,
-und diese Täuschung, in der sie sich über die wahre Gestalt des
-Erdtheils befanden, den sie umsegeln sollten, wird für sie ein neuer
-Antrieb gewesen sein, die Fahrt kühnen Muthes zu unternehmen, für uns
-aber ist sie ein Grund mehr, an ihr nicht zu zweifeln.
-
-
-
-
- Genauere Zeitbestimmung der Fahrt.
-
-
-Ein anderer Punkt, der ins Auge gefasst werden muss, ist eine genauere
-Zeitbestimmung der Fahrt. Nun ist es meiner Ansicht nach zwar ganz
-unmöglich, bestimmte Jahre dafür anzusetzen, wie Wheeler es thut, der
-die Reise auf die Zeit von 613-610 fixirt; aber wir werden doch
-vielleicht entscheiden können, ob sie in die erste, kriegerisch gefärbte
-Regierungsperiode Nechos zu setzen oder der zweiten, friedlichen
-zuzutheilen sei. Die Untersuchung dieser Frage ist um so wichtiger, als
-wir aus ihr die Grundlage zur Beantwortung einer anderen gewinnen
-werden, nämlich der, ob wir die Phönizier des Mutterlandes oder die in
-Aegypten ansässigen als Vollender der kühnen Fahrt ansehen dürfen. König
-Necho hat nun wahrscheinlich von 609-594 regiert[176] und die Schlacht
-von Karchemisch im Jahre 604 stattgefunden. Demnach ist etwa das erste
-Drittel der Herrschaft dieses Fürsten auf die Züge in Syrien zu rechnen.
-Wenn wir nun die Umsegelung nicht in diese Periode, sondern in die
-folgende setzen, werden wir schwerlich einem Irrthum anheimfallen. Es
-ist undenkbar, dass Necho; als er im Felde stand, Zeit und Sinn für eine
-derartige Unternehmung gehabt habe; seine Absicht war, wie sein Zug an
-den Euphrat zeigt, nach Syrien das babylonische Reich zu erobern – ein
-Riesenplan, der in seinem Kopfe sicher für nichts anderes Raum liess –,
-und erst nachdem Nebukadnezars Schwert ihm nach dieser Richtung hin
-Entsagung aufgezwungen hatte, wird er äussere und innere Ruhe für die
-Werke des Friedens gefunden haben[177]. Auch aus einer Prüfung der
-Notizen des herodoteischen Werkes über den Kanalbau können wir in
-Verbindung mit einer anderen Ueberlieferung Schlüsse ziehen auf die Zeit
-der Umsegelung. Herodot erzählt an einer Stelle[178], Necho habe den
-Kanal vor seinem Kriegszuge gebaut und zu bauen aufgehört, als er nach
-Syrien gezogen sei. Diese Nachricht ist schwerlich richtig; denn wenn
-wir bei demselben Schriftsteller lesen[179], dass durch jenen Bau 120000
-Menschen ihr Leben verloren, so musste er sich doch über einen längeren
-Zeitraum erstrecken. Lehrreich kann ein Vergleich mit dem Verluste an
-Menschenleben bei dem Bau des Mahmudiehkanals wirken. An ihm arbeiteten
-250000 Mann ein Jahr lang, von denen 20000 gestorben sein sollen; eine
-erschreckend hohe Ziffer, aber immer doch nur der sechste Theil von dem,
-was Herodot als Opfer des Nilkanals anführt[180]. Nun hat Necho aber
-seinen Kriegszug, wie feststeht, sehr bald nach seinem Regierungsantritt
-begonnen; in einer ganz kurzen Spanne Zeit müsste also jene gewaltige
-Menschenmenge umgekommen sein. Das ist einfach unmöglich, selbst wenn
-wir die Zahl als etwas zu hoch gegriffen ansehen wollen und daneben noch
-in Betracht ziehen, dass in den Augen von Pharaonen der Werth von
-Menschenleben ein sehr geringer gewesen sein mag. Sicher ist also an dem
-Kanal mehrere Jahre geschafft worden; dann kann der Bau aber nicht vor
-den syrischen Feldzug gefallen sein, sondern nur in dieselbe Zeit mit
-jenem oder in die nach ihm. Dass letztere Annahme die wahrscheinlichere,
-ist oben nachgewiesen. Die Ereignisse werden demnach wohl
-folgendermassen zu ordnen sein: etwa ein Drittel seiner Regierungszeit
-war Necho in Syrien; als er dann nach Hause kam, begann er den Kanal,
-und als er – jedenfalls erst nach Jahren, wie man sagt, infolge eines
-Orakels[181] – aufhörte zu bauen, sandte er nach einer andern
-Mittheilung Herodots[182] die phönizische Expedition aus. Die
-Vermuthung, dass unser Gewährsmann sich in der eben angedeuteten Weise
-hinsichtlich der zeitlichen Aufeinanderfolge der Dinge geirrt, liegt
-also, wie die voraufgegangenen Auseinandersetzungen zeigen, nahe und
-würde sich uns aufdrängen auch ohne die Kenntniss einer Nachricht, die
-Strabo hinterlassen hat, und die in direktem Gegensatze zu Herodots
-Mittheilung steht. Dieser Schriftsteller giebt nämlich an, erst der Tod
-des Königs habe die Arbeiten am Kanal unterbrochen[183]; ein
-Widerspruch, den völlig zu lösen auf den ersten Blick nicht möglich
-scheint. Doch werden wir schwerlich fehl gehen, wenn wir auf Grund des
-oben Gesagten und an der Hand der erwähnten Zeugnisse annehmen, dass der
-Kanalbau erst _nach_ dem syrischen Feldzuge begonnen und bis gegen das
-Lebensende des Necho gedauert hat, wo er vielleicht infolge eines
-Orakelspruches aufgegeben wurde. Dann aber, also in der letzten Zeit
-jenes Königs, ist die phönizische Expedition entsendet worden. Dass
-diese Anschauung die richtige sein dürfte, zeigt auch ein Vergleich mit
-dem, was über die Regierung des Sesostris erzählt wird; auch er soll
-friedliche Aufgaben zu seinem Ruhme und zur Sicherung Aegyptens,
-Tempelbau, Kanalanlage und anderes derart, erst nach Beendigung seiner
-Feldzüge[184] begonnen haben. Wenn nun auch jener König, wie erwähnt,
-eine ganz fabelhafte Figur ist, so zeigt doch diese Vertheilung seiner
-Thaten über sein Leben, wie man selbst bei dem mächtigsten Herrscher
-Aegyptens es nicht für möglich hielt, dass er Kriege und Grossthaten des
-Friedens zu gleicher Zeit unternommen und ausgeführt habe. Die Sage ist
-in solchen Dingen aber so feinfühlig, dass der Beurtheiler
-geschichtlicher Verhältnisse sehr wohl von ihr lernen kann, und was
-einem Sesostris, der Verkörperung ägyptischer Fürstengrösse, nicht
-möglich war, dürfen wir auch dem Pharao Necho schwerlich zutrauen.
-
-
-
-
- Abfahrtsort der Expedition.
-
-
-Haben wir uns im Vorstehenden über die Zeit, in welche die Expedition
-fällt, Rechenschaft gegeben, so wird es nun nicht minder wichtig sein,
-den Ort festzustellen, von wo die Phönizier aussegelten. Trotzdem
-übergehen die meisten Forscher diesen Punkt mit Stillschweigen; doch
-kann man hie und da aus beiläufigen Bemerkungen den Schluss ziehen, dass
-sie der Ansicht sind, die Fahrt sei von der Nordspitze des rothen Meeres
-ausgegangen. Und in der That hat diese Vermuthung auf den ersten Blick
-etwas Bestechendes, denn da die Phönizier wohl hauptsächlich im Delta
-sassen, war ihnen der nordwestliche Ausläufer jenes Meerbusens nahe
-genug. Auch hatten, wie wir gesehen haben, die Saïten, zu denen ja
-Necho, der intellektuelle Urheber des ganzen Planes, gehörte, im Delta,
-also in der Nähe des heutigen Busens von Suez, ihre Residenz. Nichts
-desto weniger kann ich der bezeichneten Ansicht nicht beipflichten; denn
-der Verkehr Aegyptens mit den südlichen Ländern ist, wie ich gleich
-nachweisen werde, in älterer, wie in neuerer Zeit meist nicht von hier
-ausgegangen. Eine auffällige Vermuthung verfechten zwei Gelehrte in
-trefflichen Abhandlungen, Junker und Sandberg; sie sprechen sich mit
-Entschiedenheit für den Golf von Aden als Abfahrtsort aus[185].
-Untersuchen wir, mit welchem Rechte! Herodot sagt: „οί Φοίνικες ἐκ τῆς
-Ἐρυθρῆς θαλάσσης ἔπλεον“; was haben wir nun unter den Worten „ἐκ τῆς
-Ἐρυθρῆς θαλάσσης“ zu verstehen? Sandberg – es mag genügen, einen von
-Beiden zu widerlegen – erwähnt mehrere Stellen, wo jener Schriftsteller
-ausdrücklich den arabischen Busen vom erythräischen Meere unterscheidet,
-und will damit beweisen, dass an ein Absegeln aus ersterem nicht zu
-denken sei. Zweitens führt er als Beleg für seine Ansicht das an, was
-Herodot über den Skylax überliefert[186], der auf der Rückkehr von
-seiner Entdeckungsreise nach Indien zuletzt nach Westen gefahren und so
-an dem Orte gelandet sei, von wo Necho die Phönizier ausgesandt hatte,
-während der Berichterstatter, wenn diese aus dem rothen Meere abgesegelt
-wären, ihn doch schliesslich nach Norden steuern lassen müsste. Mir
-scheinen beide Gründe nicht ganz einwandsfrei zu sein. Was den ersten
-anbetrifft, so nennt Herodot an einer Stelle das rothe Meer einen Busen
-– und das heisst doch so viel wie einen Theil – des erythräischen
-Meeres, wie er denn überhaupt unter dem letzteren augenscheinlich den
-ganzen indischen Ozean mit dem persischen und dem arabischen
-Meerbusen[187] versteht; wenn er also sagt: „Die Phönizier fuhren aus
-dem erythräischen Meere ab“, warum sollte es nicht erlaubt sein, an
-jenen Theil zu denken? Das zweite Zitat aber, in dem von Skylax die Rede
-ist, heranzuziehen halte ich für bedenklich, gerade wo es sich um
-Feststellung der Himmelsgegenden handelt, denn in dieser Beziehung ist
-Herodot hier sehr ungenau; den Indus, der doch nach Südwesten fliesst,
-lässt er nach Osten münden! Dazu kommt, dass König Necho wohl schwerlich
-am Busen von Aden Landbesitz hatte, wo er Vorbereitungen zu der
-phönizischen Expedition hätte treffen können, wohl aber besass er am
-rothen Meere dazu geeignetes Terrain – die Reste der dortigen
-Schiffswerfte sah ja Herodot noch[188] –, und schliesslich können wir
-behaupten, dass den Phöniziern das rothe Meer viel zu bekannt gewesen
-sein wird, als dass sie eine Fahrt auf demselben hätten zu scheuen
-brauchen. Sehen wir also von der Nordspitze des Meeres und vom Golf von
-Aden ab und suchen eine andere Stelle ausfindig zu machen, die mit
-grösserer Wahrscheinlichkeit den Ruhm für sich in Anspruch nehmen kann,
-der Abfahrtsort dieser denkwürdigen Expedition gewesen zu sein. Etwa
-unter 26° n. Br. liegt am Nil an einer Stelle, wo der Fluss sich dem
-rothen Meere auf 150 Km. nähert, die Stadt Keneh, ein wenig nördlicher,
-als im Alterthum Koptos lag. Von dieser Stadt führte, wie heute von
-Keneh, eine Strasse durch das Thal, welches jetzt Wadi Hamamat heisst,
-zum Meere[189] in der Gegend, wo Kosseir liegt, der Leukos Limen der
-Griechen[190]. Von diesem Hafen oder von seiner nächsten Umgebung wird
-die Expedition der Phönizier wahrscheinlich ausgegangen sein. Den Beweis
-für die geäusserte Ansicht wird ein Ueberblick über die Rolle geben,
-welche diese Stätte in der Geschichte des ägyptischen Handels und
-Verkehrs gespielt hat. Bereits vor und während der Pyramidenzeit war der
-Weg von hier aus an den Nil eine Hauptstrasse des Weihrauchhandels;
-jedenfalls schon in den Tagen der elften Dynastie, vielleicht noch
-früher, ist von Seiten der Regierung der Versuch gemacht worden, von
-hier aus direkte Beziehungen zu dem Lande Punt, der Heimath des
-Weihrauchs in Arabien, anzuknüpfen. Ob den Endpunkt der Strasse am Meer
-Kosseir oder ein nur wenig weiter nördlich gelegener Hafen bildete, mag
-dahin gestellt bleiben[191]; zur Zeit der zwölften Dynastie, wo der
-Handel auf dem rothen Meere in voller Blüthe steht, ist sein
-Ausgangspunkt jene andere Stelle. In den nächsten Jahrhunderten scheint
-der Verkehr mit Punt bald unterbrochen gewesen zu sein, bald aber lesen
-wir, dass er einen neuen Aufschwung nimmt, so besonders nach der
-Vertreibung der Hyksos, wo in Aegypten dasselbe geschah, was sich 3000
-Jahre später in Spanien nach der Besiegung der Mauren wiederholte: das
-Selbstgefühl, gehoben durch die in schweren Kämpfen wieder errungene
-Freiheit, äusserte sich in kühner Seefahrt, und die Königin Hatasu, das
-Spiegelbild der kastilischen Isabella, beschloss wieder Schiffe ins
-Weihrauchland zu entsenden. Leider fehlen über den Abgangsort derselben
-alle positiven Angaben; erst das wissen wir wieder sicher, dass unter
-Ramses III. in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts die Expeditionen
-den alten Weg von Koptos zur Küste gehen, ja dass Ramses IV., der
-unmittelbare Nachfolger jenes Königs, sich durch Anlegung einer neuen
-Verbindungsstrasse besonders verdient gemacht hat. Nicht geringere
-Bedeutung hat der Verkehrsweg zur Zeit der 26. Dynastie, der saïtischen,
-eben der des Necho. Diese umfasst eine Periode der Restauration; im
-Kultus, in der Sprache, in der Schrift kommt man auf das Alte zurück.
-Das Staatsleben sucht man durch das Hervorholen archaistischer
-Titulaturen mit der Würde verflossener Jahrtausende zu umkleiden und
-tritt mit einer gewissen Ostentation auch auf anderen Gebieten in die
-Fussstapfen der älteren Königshäuser. Schon aus diesem Grunde würde es
-uns leicht glaublich erscheinen, dass man auch bei der Wiederaufnahme
-eines regeren überseeischen Handelsverkehrs hinsichtlich des
-Ausgangspunktes der alten Tradition nicht untreu wurde; aber wir haben
-sogar ausdrückliche Beweise dafür. An einer Felswand des Wadi Gasus auf
-dem Wege vom Nil zu dem alten Hafenplatze am rothen Meere finden sich
-nämlich aus der Zeit der 26. Dynastie die Namen mehrerer „Gottesweiber“
-– das sind Königinnen, welche zugleich Gattinnen des Gottes Amon zu
-Theben waren –; Beweis genug, dass die Strasse von Koptos an die Küste
-damals wieder erhöhte Bedeutung gewann. Und wie zur Zeit der alten
-Pharaonen hatte auch unter den Ptolemäern der ägyptische Handel auf dem
-rothen Meere seinen Ausgangspunkt neben dem nördlicher gelegenen
-Heroopolis[192] hauptsächlich in Kosseir, ja, noch für die Periode um
-Christi Geburt schildert uns Strabo Koptos als den Stapelplatz für
-indische, arabische und äthiopische Waren, wenn auch die
-Verbindungsstrasse mit der Küste etwas weiter südöstlich lief, als
-früher, nämlich nach Berenice[193], und selbst in der Neuzeit bis zur
-Eröffnung des Suezkanales spielte Kosseir, über das auch eine wichtige
-Route für die afrikanischen Mekkapilger führte, als Verkehrsmittelpunkt
-dieser Gegenden seine Rolle. So liegt in der That die Vermuthung nahe,
-dass dieser Platz oder ein benachbarter Hafen, wie so vieler anderen
-Fahrten, auch der phönizischen Ausgangspunkt gewesen, und es dürfte
-nicht zu gewagt sein, unter Zurückweisung der oben erwähnten Ansichten
-für diese die grössere Wahrscheinlichkeit in Anspruch zu nehmen.
-
-
-
-
- Wo waren die ausgesandten Schiffer zu Hause?
-
-
-Zeit und Abfahrtsort der Expedition sind somit wenigstens annähernd
-festgestellt; es tritt nun an uns die Frage heran: woher nahm Necho die
-Mannschaft, welche er aussendete? Auch hierauf können wir jetzt Antwort
-geben. Ging das Geschwader erst nach der Rückkehr des Königs vom
-syrischen Feldzuge ab, so gewinnt damit die Vermuthung an
-Wahrscheinlichkeit, dass die Bemannung der Schiffe nicht von der
-phönizischen Küste Asiens, sondern aus dem Nildelta stammte, eine
-Ansicht, durch die ich freilich in Gegensatz zu einigen Gelehrten
-gerathe, welche sich ebenfalls mit der Umsegelung beschäftigt haben. Ein
-Theil der Beurtheiler übergeht diese Frage gänzlich mit Stillschweigen
-und lässt sich auch nicht andeutungsweise darüber vernehmen, andere, die
-sie nicht besonders erörtern, lassen wenigstens errathen, dass sie
-Phönizier aus dem Mutterlande für die Beauftragten halten, während eine
-dritte Kategorie dieses geradezu behauptet. Ihnen allen gegenüber möchte
-ich auf Folgendes hinweisen. Nechos Herrschaft über Syrien währte nur
-wenige Jahre[194]; nach der Schlacht von Karchemisch gab er mit seinen
-anderen Eroberungen auch die Herrschaft über die phönizischen Städte
-auf[195]. Da lag es ihm doch näher, falls er nun erst seine Expedition
-aussandte, die Phönizier im Delta, seine Unterthanen, mit der Ausführung
-zu betrauen, als sich an die im Mutterlande gebliebenen zu wenden,
-welche eben von seiner Herrschaft wieder frei geworden waren. Auch ist
-noch zu erwägen, dass in den nächsten Jahren nach der Schlacht bei
-Karchemisch Nebukadnezar Syrien in Besitz nahm[196]. Sobald dieser Herr
-der Phönizier geworden war, verstand es sich von selbst, dass sie für
-seinen Feind – denn der Friede, welcher folgte, war ein bewaffneter –
-nicht fahren durften; aber auch ehe sie wirklich das babylonische Joch
-trugen, werden sie schwerlich geneigt gewesen sein, auf etwaige
-Anerbietungen Nechos einzugehen und sich damit der Rache des von Osten
-gegen sie vordringenden asiatischen Machthabers auszusetzen. Und konnte
-Necho nicht die Dienstleistung der syrischen Phönizier recht wohl
-entbehren? Ganz gewiss. Nach Herodot[197] wohnten Landsleute von ihnen
-bei Memphis, ja nach Lieblein[198] waren Phönizier bereits 2600 Jahre
-vor Chr. von Südarabien – hier glaubt dieser Gelehrte seien sie
-ursprünglich zu Hause gewesen – über das rothe Meer nach Aegypten
-gekommen und hatten ausser an anderen Stellen auch in der Nähe von
-Koptos eine Kolonie gegründet; dass sie sich auch in dem wegen seiner
-vielen Wasserstrassen für Handel und Verkehr so sehr geeigneten Delta
-werden ausgebreitet haben, dürfen wir bei unserer Kenntniss des
-phönizischen Nationalcharakters mit Sicherheit annehmen. Sagt doch auch
-Curtius[199]: „Im unteren Nilthale waren die Phönizier seit ältesten
-Zeiten heimisch und besassen daselbst die einträglichsten
-Handelsstationen“. Und dass sie auf einem Terrain, welches ihrem
-amphibischen Charakter so zusagte, die alte Tüchtigkeit zur See, wie die
-syrische Heimath sie ihnen anerzogen hatte, sich bewahrten, bedarf kaum
-der Erwähnung. Wo wir auch immer phönizische Kolonisten auftauchen
-sehen, des Erbes ihres Stammlandes, der Kunst, den flüchtigen Kiel
-geschickt durch die wogende Fluth zu lenken, sind sie überall
-theilhaftig geblieben; sicherlich nicht am wenigsten diejenigen, welche
-an den tausend Wasseradern des Nildeltas neue Wohnsitze gefunden hatten.
-Geeignet für die in Frage stehende Fahrt waren auch diese also
-unbedingt, denn was werden sie anders gewesen sein als Kaufleute und
-Matrosen? Sicher verdankte die ägyptische Handelsmarine zum grossen
-Theile den im Delta ansässigen Phöniziern ihre Existenz. Diese wird
-Necho also ohne Zweifel auch zur Bemannung seiner neu geschaffenen
-Kriegsflotte verwendet, ihnen den Befehl zur Umsegelung Afrikas ertheilt
-haben. Fast unwiderleglich scheint mir aber der Beweis dafür, dass es
-ägyptische Phönizier gewesen waren, welche die Fahrt unternommen hatten,
-sich aus den Vorbereitungen zu ergeben, die Sataspes zu seiner Reise
-traf. Er ging, um ein Schiff für seine Umfahrt ausrüsten zu lassen,
-nicht, wie es doch näher gelegen hätte, in den Küstenstrich, wo die
-persische Marine ihren Hauptsitz hatte, nach Syrien, sondern ins
-Nildelta. Da es nun völlig ausgeschlossen erscheinen muss, er habe
-Aegypter heuern wollen[200], bleibt nur die Annahme übrig, dass er die
-hier ansässigen Phönizier für diejenigen Leute hielt, bei denen die
-Tradition von der Fahrt des Necho am lebendigsten war, und denen er am
-ersten zutrauen durfte, die Fährlichkeiten einer neuen gleichen Reise
-mit ihm zu bestehen.
-
-
-
-
- Unternehmungslust des Alterthums auf dem Gebiete des Reisens.
-
-
-Das passendste Werkzeug drängte sich also einem Könige Aegyptens, der
-seinem Lande durch Förderung des Handels bisher unbekannte Quellen
-materiellen Wohlergehens erschliessen wollte, gewissermassen von selbst
-auf, und diese Erwägung mag fördernd auf Nechos Pläne eingewirkt haben;
-bei sorgfältiger Betrachtung wird sich aber zeigen, dass auch manche
-andere Verhältnisse sowohl des Alterthums im Allgemeinen, als auch der
-Zeit Nechos im Besondern, die Aussendung der Expedition in einem nicht
-so wunderbaren Lichte erscheinen lassen, wie man auf den ersten Blick
-geneigt sein könnte zu glauben. Zunächst muss festgestellt werden, dass
-es heissen würde, einen grossen Irrthum begehen, wenn man dem Alterthum
-Mangel an Unternehmungsgeist auf dem Gebiete des Reisens vorwerfen
-wollte. Abgesehen von vielen über allem Zweifel erhabenen Fahrten der
-Phönizier und Griechen erinnere ich nur an ein Faktum, das Herodot
-selbst erzählt[201]. Aus dem Volke der Nasamonen, nomadischer
-Schafzüchter an den Syrten, unternahmen einst fünf Jünglinge die
-abenteuerliche Wanderung nach dem Niger, eine That, die erst in unserer
-Zeit durch Expeditionen, welche mit allen Hülfsmitteln moderner Kultur
-ausgerüstet waren, in Schatten gestellt ist. Diese Durchquerung der
-Sahara von Seiten der Nasamonen ist eine grossartigere Leistung als
-selbst die Umsegelung Libyens durch die Phönizier. Befähigt waren die
-Vertreter beider Völker für die Lösung ihrer Aufgabe, diese in Folge
-ihrer früheren ausgedehnten Fahrten zur See, jene durch ihre jährlichen
-Wanderungen nach Audschila, von wo sie Datteln holten[202]. Aber wenn es
-wahr ist, dass Wüsten die sie begrenzenden Länder mehr trennen als
-Ozeane die Küsten, welche sie bespülen, so wird auch zugestanden werden
-müssen, dass eine Wanderung durch das unbekannte afrikanische Sandmeer
-ohne Kamele, die damals in jenem Erdtheile noch nicht heimisch waren,
-mindestens eben so schwierig sein musste, wie eine Fahrt in eine fremde
-Wasserwelt, bei der man doch die Küste schwerlich auch nur einen Tag
-ausser Sicht verlor. An einem gewissen Wagemuthe, der die Schrecknisse
-aberteuerlicher Fahrten gering achtete, fehlte es also dem Alterthume
-entschieden nicht.
-
-
-
-
- Antriebe zur Fahrt.
-
-
-Wenn aber ein König wie Necho das, was er an Unternehmungsgeist besass,
-gerade der Förderung der Seefahrt zu gute kommen liess, wenn es ihn
-antrieb, fremde Meere und Länder in den Bereich ägyptischer Thätigkeit
-hineinzuziehen, so werden sich speziellere Beweggründe dafür unschwer
-finden lassen. Seit Psammetich waren in Aegypten Karer und – was für uns
-vielleicht wichtiger ist – Jonier ansässig[203]; in Jonien aber blühte
-Milet vor allen anderen Städten, und die Grundlage dieser Blüthe
-bildeten ihre Beziehungen zum Auslande. Von diesem glänzenden Emporium
-Kleinasiens zog der strebsame Kaufmann zu Tausch und Handel in die
-Fremde hinaus, und hierher trug ihm die dienstbare Meereswelle von allen
-Gegenden der Windrose Schätze der fernsten Erdstriche als Lohn der
-überstandenen Mühen und Gefahren herbei. Lassen wir es dahin gestellt,
-ob gerade Naukratis eine milesische Kolonie war oder nicht; als sicher
-dürfen wir betrachten, dass die Verbindung, wie sie zwischen der
-bedeutendsten Handelsstadt der kleinasiatischen Westküste und Aegypten
-durch die jonischen Söldner eingeleitet war, die Milesier bewogen haben
-wird, auch die Gegenden an den Mündungen des Nils in den Kreis ihres
-Handelsverkehrs hineinzuziehen. So wird Necho, über die Segnungen
-kolonialer Thätigkeit durch die Berührung mit einem der Hauptzentren
-damaliger griechischer Besiedlungskunst belehrt, sicher dazu angeregt
-sein, seine auf das gleiche Gebiet gerichteten Bestrebungen um so
-eifriger zu verfolgen. Dass er gerade auf eine Umsegelung Afrikas
-verfiel, dazu hat die irrige Anschauung seines Zeitalters über die
-Gestalt jenes Erdtheils wahrscheinlich das ihrige beigetragen. Ob Necho
-sicher wusste, dass dieser im Süden zu umsegeln war, muss trotz A. v.
-Humboldts Einwendungen[204] als zweifelhaft gelten; in hohem Grade
-wahrscheinlich ist aber, dass man ums Jahr 600 nicht nur das annahm,
-sondern – wie oben erwähnt – seine Süderstreckung für weit geringer
-hielt, als sie in der That ist. Naturgemäss ergab aber diese irrige
-Anschauung für Necho eine Anregung mehr, die Fahrt zu befehlen, und für
-die Phönizier einen neuen Antrieb, dem Befehle nachzukommen. Sie werden,
-von Kap Guardafui durch das rothe, das mittelländische Meer und den
-atlantischen Ozean bis zu den Handelsplätzen der Karthager in
-Senegambien rechnend, wahrscheinlich angenommen haben, den Umfang des
-Erdtheils über die Hälfte hinaus, vielleicht bis zu zwei Dritteln zu
-kennen, und es ist klar, dass diese Annahme einerseits sie reizen
-musste, auch den Rest zu erforschen, andrerseits ihren Muth für die
-gefährliche Reise stählte. Es fordern, wie in manchem andern Punkte, so
-auch in dieser Beziehung die Fahrten der Portugiesen an der Westküste
-Afrikas im 15. Jahrhundert zu einem Vergleich heraus. Tappend von einer
-Station zur andern, suchten sie vorsichtig und bedächtig ihren Weg und
-haben über siebzig Jahre gebraucht, um bis an das Kap der guten Hoffnung
-zu gelangen, dann aber legten sie den Rest des Seeweges nach Indien,
-ihres Sieges gewiss, in kurzer Zeit zurück. Aehnlich haben wir uns auch
-das Vorgehen der Phönizier zu denken. Jahrhunderte lang wird es gedauert
-haben – und bei dem damaligen unentwickelteren Standpunkte der Seefahrt
-ist das begreiflich – bis dieselben einerseits mit ihren Vettern vom
-Bagradas über das Mittelmeer bis nach Senegambien, andrerseits allein
-auf dem rothen Meere bis Bab-el-Mandeb vorgedrungen sind. Nachdem sie an
-letzterem Orte lange Zeit Handel getrieben hatten, mag in Folge äusserer
-Veranlassung, vielleicht halb durch Nechos Befehl geweckt, halb aus
-anderen gleich zu erwähnenden Gründen, die Lust in ihnen erwacht sein,
-den Rest Libyens zu umsegeln, und in der Voraussetzung, der Erdtheil
-schlösse viel weiter im Norden ab, als er es wirklich thut, werden sie,
-belebt von der sicheren Hoffnung des Gelingens, wie nach ihnen Vasko da
-Gama, den vermeintlich kurzen Weg angetreten und, trotzdem er sich wider
-Erwarten lang erwies, glücklich vollendet haben. Den angedeuteten
-anderen Gründen dürfte es nun passend erscheinen, ein paar Worte zu
-widmen. Zunächst war es gefährlich, dem Befehl eines Despoten – und ein
-solcher war doch zweifellos auch Necho – nicht Folge zu leisten; das
-Schicksal des Sataspes zeigt dies zur Genüge. Dazu kommt, dass, wenn
-nicht alles täuscht, des Königs Aufforderung die Phönizier getroffen
-haben wird, als sie sich selbst mit dem Gedanken, über Kap Guardafui
-hinaus die Fahrt zu versuchen, bereits vertraut gemacht hatten; es wird
-also zu einem längst von ihrer Seite geplanten Unternehmen der Pharao
-den äusseren Anstoss gegeben haben. Dass aber gerade damals den
-Phöniziern der Gedanke nahe gelegt wurde, eine Probefahrt in bisher
-unbekannte Gegenden zu unternehmen, um eventuell ihr Handelsgebiet über
-diese auszudehnen, lag in den politischen Verhältnissen begründet. In
-den ältesten Zeiten gehörte ihnen das mittelländische Meer unumschränkt,
-und ohne Konkurrenz befuhren sie es von einem Ende zum andern. Das hatte
-sich aber in den letzten Jahrhunderten, die vor Necho liegen, sehr zu
-ihrem Nachtheile geändert. Mehr und mehr fing die griechische Seemacht
-an, den Kampf um das Prestige siegreich aufzunehmen, weiter und weiter
-spann sich das Netz, mit dem hellenischer Unternehmungsgeist und
-hellenische Thatkraft die Ufer des Mittelmeeres kolonisirend überzogen,
-und ums Jahr 600 v. Chr. war der östliche Theil dieser früher
-ausschliesslich phönizischen Domäne bereits verloren, der westliche
-schwer bedroht. Schon um die Mitte des siebten Jahrhunderts war Koläos
-von Samos durch die Säulen des Herakles nach Tartessos verschlagen
-worden[205], und der Schätze, die er mitbrachte, waren so viele, dass
-der zehnte Theil hinreichte, ein grosses Weihgefäss von Erz im Tempel
-der Hera zu Samos aufzustellen. Er war der erste Hellene, der den
-atlantischen Ozean beschifft, der den wichtigsten Marktplatz der
-Phönizier besucht hatte. Dass nach solchen Erfolgen die Griechen den
-Westen des Mittelmeeres mehr frequentiren würden, dies vorauszusehen,
-bedurfte es keiner prophetischen Beanlagung, und in der That wurde schon
-im Jahre 628 im Westen Siziliens Selinus gegründet[206]. Das
-Naturgemässe würde nun gewesen sein, die Phönizier hätten ihre Schiffe
-bemannt und mit des Schwertes Schärfe ihre vermeintlichen Ansprüche den
-Eindringlingen gegenüber zur Geltung gebracht; doch nichts derartiges
-geschah. Semiten sind geschmeidig; der Druck, der ihnen die Waffen in
-die Hand zwingen soll, muss schon ziemlich stark sein, und alles, was
-phönizisch hiess oder nur entfernt von Phöniziern seinen Ursprung
-ableitete, war Krämervolk und huldigte der Politik der Duldung. Wir
-sehen es an der Geschichte der Karthager. Waren sie schneidige Leute, so
-mussten sie, als das erste griechische Schiff durch die Strasse zwischen
-Sizilien und Afrika fuhr, diesen Vorfall als einen casus belli
-betrachten und eine Monroe-Doktrin des Alterthums aufstellen, indem sie
-mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln die Einmischung der
-hellenischen Osthälfte der damaligen Mittelmeerwelt in ihre westlichen
-Gebiete zurückweisen. Sie thaten es nicht. Erst als sich ums Jahr 537
-die Phokäer in Alalia auf Korsika niedergelassen hatten und der Handel
-dieser griechischen Kolonie den Puniern aufs ernstliche gefährlich zu
-werden schien, verbündeten sie sich mit den Etruskern zu einem
-Waffengang gegen die Fremdlinge und zwangen sie durch eine Seeschlacht,
-ihre Ansiedlung aufzugeben[207]; dann aber trat wieder Ruhe ein, und
-erst 60 Jahre später entbrannte auf der ganzen Linie der Kampf zwischen
-der phönizischen und der hellenischen Welt, als Xerxes an der Spitze
-seiner Flotte gegen das griechische Mutterland zog und gleichzeitig die
-Karthager die von dort ausgegangenen sizilischen Kolonieen bedrängten.
-So weit war man zu Nechos Zeit aber noch lange nicht, und keineswegs
-dachten damals die Phönizier an gewaltsame Abwehr; sie versuchten
-vielmehr sich Ersatz zu schaffen für die verloren gegangenen
-Handelsgebiete, und bei einem Volke, dessen Schiffer gewohnt waren, die
-weiten Wege nach Indien und Britannien ohne Furcht zurückzulegen, ist
-ein solcher Entschluss in der That weniger wunderbar, als er auf den
-ersten Blick erscheinen mag. So mochten sie leicht auf den Gedanken
-einer Umsegelung Afrikas verfallen, und wir werden schwerlich irren,
-wenn wir behaupten, dass Necho, in seinen Plänen vielleicht von den
-Phöniziern beeinflusst, ausgesprochen hat, was diese längst wünschten,
-ja, dass die Fahrt binnen Kurzem zu Stande gekommen wäre, auch wenn er
-sie nicht befohlen hätte. Die ganze Lage drängte dazu, und es war nur
-natürlich, dass die Phönizier sich anderen Meeren zuwandten, da sie das
-mittelländische nicht behaupten konnten oder wollten. Bis zu Nechos Zeit
-wird ihr Seeverkehr über Bab-el-Mandeb hinaus nicht sehr lebhaft gewesen
-sein. Was ihnen an der Pforte des Mittelmeeres zum atlantischen Ozean
-fehlte, ein Stapelplatz für die aus weiter abliegenden Ländern
-einzuführenden Waren – denn darüber, dass Gades etwa für die Produkte
-der Kassiteriden und anderer westlicher Gebiete dies gewesen sei, ist
-nichts überliefert – das hatten sie an dem Thor, welches den Verkehr mit
-dem indischen Meere vermittelte, in dem Lande Punt. Hierher wurden die
-Erzeugnisse Indiens, auch nachdem die Phönizier den Seeweg dorthin
-gefunden hatten, jedenfalls öfters von den Händlern des produzirenden
-Landes gebracht, als jene sie holten; auch die Waren, welche die in der
-Nähe von Bab-el-Mandeb gelegenen afrikanischen Küstenorte
-ausführten[208], strömten hier zusammen, und dass es mit den
-Handelsartikeln der weiter südlich liegenden produktenreichen Länder
-wahrscheinlich ebenso der Fall war, haben wir schon oben gesehen. Daher
-gingen selten Schiffe aus dem rothen Meere in den indischen Ozean
-hinaus, wie Strabo, der doch weit später lebte (um Chr. Geb.), dies noch
-von seiner Zeit berichtet[209]; geschah es dennoch, erregte es Aufsehn,
-und wenn die Nachricht von der phönizischen Umsegelung Afrikas der
-Nachwelt erhalten ist, so mag dies als einer der Gründe dafür angesehen
-werden. War also bis zu Nechos Zeit der östliche Seehandel der Phönizier
-im Wesentlichen auf Punt beschränkt und griff höchstens ab und an nach
-Indien hinüber, so lenkte dieses Königs Gewinnsucht ihn in neue Bahnen.
-Ob es ein Versuch ins Blaue hinein war, oder ob ihm die Erreichung
-bestimmter Gegenden als Ziel vorschwebte, kann unentschieden bleiben.
-Unmöglich ist das Letztere nicht, denn an der Westküste Afrikas waren
-durch phönizische und karthagische Expeditionen allerlei reiche Länder
-bekannt geworden, mit denen in Verbindung zu treten Necho reizen konnte.
-Es lag nun aber nicht fern zu fürchten, dass ihm der ungehinderte
-Verkehr dorthin auf der nächsten Strasse, der des Mittelmeeres, verlegt
-werden könnte; so kam er auf den Gedanken zu versuchen, ob das Ziel
-nicht auch durch Umsegelung Afrikas im Süden zu erreichen sei. Da Necho
-wahrscheinlich meinte, die Küste Libyens ziehe gleich beim Kap Guardafui
-nach Westen, lässt sich sein Plan verstehen. Wenn er recht hatte, war
-der Weg von Punt bis Senegambien um Südafrika herum in der That kaum
-weiter als der von den Nilmündungen durch das mittelländische Meer
-dorthin. Was nun die Sperre der nördlichen Strasse anbetrifft, so glaubt
-Maspéro[210], die ersten Entdecker jener Länder an der Westküste,
-Phönizier und Karthager, würden schwerlich den mediterranen Verkehr
-ägyptischer Schiffe nach ihren Ansiedlungen, den sie leicht hindern
-konnten, gestattet haben. Mir erscheint dies fraglich, da doch
-Landsleute sie führten; weit eher könnte es, wie oben gezeigt, die
-wachsende Seemacht der Griechen gewesen sein, die ihn befürchten liess,
-dass für Phönizier die Fahrt auf dem Mittelmeere in Kürze ihr Ende
-erreicht haben möchte. So war Aegypten unter König Necho hinsichtlich
-dieser westafrikanischen Gebiete in einer ähnlichen Lage wie das
-Abendland seit dem Vordringen der türkischen Horden nach Vorderasien in
-Bezug auf Indien; war im Mittelalter der nächste Weg nach diesem Lande
-durch die Söhne der hinterasiatischen Steppe verlegt, so bedrohte im
-Alterthum den in jene Gebiete die Eifersucht der griechischen Seefahrer.
-In beiden Fällen blieb als Auskunftsmittel die Umsegelung Afrikas im
-Süden. Mag man also über die Beweggründe Nechos denken, wie man will:
-Gewinnsucht, die auri sacra fames, ist höchst wahrscheinlich nicht die
-geringste der Triebfedern zu dieser, wie zu so vielen andern Thaten
-gewesen, und wie dem Kolumbus bei seiner epochemachenden Entdeckung als
-Ziel die Gestade Zipangus, des Goldlandes Marco Polos, vorschwebten, so
-sind die ersten Umsegler Afrikas möglicherweise durch die Schätze
-Senegambiens zu ihrer abenteuerlichen Reise verlockt worden.
-
-
-
-
- Folgenlosigkeit der Fahrt.
-
-
-Trotz der grossen Hoffnungen aber und der weit ausschauenden Pläne,
-welche Necho und die Phönizier mit dieser Fahrt verknüpften, ist sie
-doch nicht nur für die allgemeine Weltgeschichte, sondern auch für die
-des ägyptischen Landes ohne alle Folge geblieben; es zeigt sich uns hier
-einer jener Fälle, wo einer wirklich grossen That der gebührende Lohn
-versagt geblieben ist. Alle diejenigen aber, welche geneigt sind, aus
-was für Gründen immer, der Nachricht Herodots mit Zweifeln
-gegenüberzutreten, haben sich aus dieser Folgenlosigkeit eine Waffe
-geschmiedet, der allerdings auf den ersten Blick die Fähigkeit, schlimme
-Wunden zu schlagen, nicht abgesprochen werden kann, die aber bei
-sorgfältigerer Prüfung sich doch als stumpf und nur zu einem
-Scheingefecht verwendbar erweist. Betrachten wir die Sachlage etwas
-eingehender! Der erste Grund, den die Gegner geltend machen, ist der,
-dass kein Schriftsteller des Alterthums von dieser Umsegelung weiss, es
-sei denn, dass er die Nachricht aus Herodot entlehnt hätte. Sie
-argumentiren nun, ein so wichtiges Ereigniss habe nicht ganz vergessen
-werden können, und daraus, dass keiner es erwähne, sei mit Sicherheit zu
-schliessen, dass keiner daran geglaubt habe[211]. Die ganze Erzählung
-von der Umsegelung sei also eine Fabel oder bezöge sich im günstigsten
-Falle auf einen Versuch, gegen dessen Gelingen das Schweigen der alten
-Quellen auf das beredteste spräche[212]. Sicherlich kann man nun aber
-daraus, dass nur einer irgend ein Ereigniss kennt, nicht schliessen,
-dass es überhaupt nicht stattgefunden habe; manchmal wird es bei
-genauerer Prüfung sogar auffällig erscheinen, dass dieser eine es kennen
-gelernt hat, und der Fall scheint mir hier vorzuliegen. Es ist, eben
-weil die Fahrt ohne jede Nachwirkung geblieben war, einerseits als ein
-besonders glücklicher Zufall zu betrachten, dass die Priester bei
-Herodots Anwesenheit in Aegypten sich der vor 150 Jahren gemachten Reise
-erinnerten, andrerseits ist es wunderbar, weil diese Gewährsmänner aus
-Gründen, die später zu erörtern sein werden, selbst die Thatsachen nur
-oberflächlich kannten und anzunehmen ist, dass schon um die Mitte des
-fünften Jahrhunderts v. Chr. bei jedem Fehlen eines greifbaren Erfolges
-die ganze Geschichte nicht viel mehr als ein dunkles Gerücht gewesen
-sei. Wenn nach dieser Zeit Griechen, die Aegypten bereisten, etwa durch
-Herodots Erzählung angeregt, nach der Sache fragten, haben sie sicher
-nichts erfahren: die späteren Generationen hatten selbst keine Kenntniss
-davon. Es könnte hiergegen eingewendet werden, dass die Bewohner des
-Nilthales doch von den Grossthaten ihrer Könige aus viel früherer Zeit
-zu berichten wussten, aber es waren ja eben Aegypter gewesen, die jene
-vollbracht hatten, und – mochten die alten Erzählungen nun Wahres oder
-Unwahres berichten – jene Nachrichten waren eben so viele Blätter in dem
-Ruhmeskranze der ägyptischen Geschichte. Welchen Glanz konnte aber der
-Vergangenheit ihres Landes diese Heldenthat phönizischer Schiffer
-verleihen, zu welcher der Pharao doch höchstens die Anregung gegeben
-hatte, bei der alle Mühen und Gefahren aber von Fremden erduldet worden
-waren, denen naturgemäss deshalb auch der Ruhm und die Ehre gebührte?
-Man hatte – durch die Brille ägyptischer Selbstsucht gesehen – demnach
-wenig Interesse daran, dieser Fahrt eine länger dauernde Erinnerung zu
-widmen. Unser Gewährsmann, der doch persönlich am Ausgangspunkte der
-Expedition war und ihr zeitlich im Verhältniss zu den andern Historikern
-und Geographen des Alterthums nahe stand, erfuhr also wenig genug, und
-das ist nicht auffällig; eher wäre denkbar, dass vor Herodots Zeiten
-dieser oder jener Grieche, der sich in Aegypten aufhielt, Genaueres von
-der Reise gehört hätte; ist es denn aber wunderbar, wenn bei dem
-gänzlichen Mangel einer griechischen Historiographie in jenen Zeiten
-weiteren Kreisen davon nichts bekannt wurde?
-
-Man hat ferner erwähnt, der Umstand, dass nach der Zeit, in welche die
-Umsegelung gesetzt wird, der Standpunkt der geographischen Kenntnisse
-genau derselbe geblieben, dass auch nicht der geringste Fortschritt auf
-diesem Gebiete zu konstatiren sei, lege es nahe, die Fahrt der Phönizier
-als nicht geschehen zu betrachten. Eine genauere Prüfung wird die
-Hinfälligkeit auch dieses Grundes erweisen. Zugegeben muss
-selbstverständlich werden, dass weder Herodot, noch manche spätere dies
-Gebiet berührende Schriftsteller des Alterthums eine Ahnung von der
-südlichen Ausdehnung und wahren Gestalt Afrikas hatten. Die alten
-Geographen kannten zwar natürlich die Erzählung von der Umsegelung des
-Erdtheils und wussten wohl, dass er sich bis in eine Gegend erstrecken
-solle, wo die Sonne dem an der Südküste von Osten nach Westen Fahrenden
-mittags zur Rechten erscheinen konnte; es war das aber – wie ihnen
-bekannt – für einen Theil des Jahres schon der Fall, wenn er sich bis
-über den Wendekreis des Krebses ausdehnte, und indem sie ihn bei ihren
-Kartenentwürfen soweit verlängerten, glaubten sie der Nachricht Herodots
-genüge zu thun. Wir konstatiren bei dieser Gelegenheit, dass aus den
-verkehrten Anschauungen über die Süderstreckung des Erdtheils, die wir
-bei nachherodoteischen Geographen des Alterthums finden, also keineswegs
-– wie es thatsächlich geschehen ist – geschlossen werden darf, dass
-diese sämmtlich jene Erzählung für eine Lüge ansahen; sie konnten
-dieselbe für wahr halten, konnten glauben, dass der Schiffer die Sonne
-im Norden erblickt, und doch den Erdtheil nördlich vom Aequator seinen
-Abschluss finden lassen. Und selbst die Besten haben sich in dieser
-Beziehung die verkehrtesten Bilder gemacht. So denkt sich noch Strabo
-Libyen als ein rechtwinkliges Dreieck, dessen lange Kathete am
-Mittelmeer liegt, und dessen kurze sich in der Richtung des Niles
-erstreckt, während die Hypotenuse etwa von Gibraltar nach Südosten
-verläuft. Die Südspitze des Erdtheils verlegt er etwa unter den 10. Grad
-n. Br.[213]. Eine andere beliebte Annahme war die, dass Südafrika sich
-nach Osten hin mit Vorderindien verbinde und also der indische Ozean ein
-Binnensee sei. Schon Hipparchus von Nikäa, der zu Alexandria lehrte (um
-200 v. Chr.), hat sich dieser irrigen Vorstellung hingegeben, und wenn
-auch Strabo und Posidonius dieselbe verwarfen, so haben doch Polybius,
-Marinus von Tyrus und endlich Claudius Ptolemäus sie vertheidigt[214].
-Polybius, einer der hervorragendsten Geographen des Alterthums,
-behauptet geradezu, dass Afrika „in Aethiopien“ mit Asien
-zusammenhänge[215], woraus klar hervorgeht, dass zu seiner Zeit nicht
-einmal der Verlauf der Ostküste des Erdtheils unmittelbar südlich von
-dem heutigen Kap Guardafui bekannt war, denn hier beginnt ja Aethiopien
-nach der Anschauung der Alten[216]. Auf diesen Gründen fussend, hat nun
-die Zweifelsucht den Kampf eröffnet, freilich, wie wir gleich sehen
-werden, ohne Aussicht auf Sieg. Plinius erzählt uns nämlich[217], dass
-Ptolemäus Philadelphus der erste gewesen sei, der Troglodytice – d. i.
-die Westküste des rothen Meeres – genauer untersuchen liess. Nun hatten
-aber an dieser Küste entlang die Aegypter nicht Jahrhunderte, nein,
-wahrscheinlich Jahrtausende hindurch Schifffahrt nach Punt getrieben und
-sie dabei ohne Zweifel bis ins Kleinste hinein kennen gelernt. Wenn nun
-jener König Veranlassung nahm, ein Land aufs neue erforschen zu lassen,
-das man 1000 Jahre und früher, bevor er zur Regierung kam, schon
-gründlich gekannt hatte, wenn noch in den letzten Zeiten vor der
-Perserherrschaft diese Kenntniss durch neue Fahrten in jener Richtung
-völlig gesichert erscheint, so geht daraus hervor, dass in den Wirren,
-welche mit dem Zuge des Kambyses für Aegypten begannen, die früher
-erworbene Kunde wieder verloren gegangen war. Wenn das aber dem Lande
-Troglodytice geschehen konnte, so ist nicht einzusehen, warum es nicht
-auch die weiter südlich gelegene Ostküste Afrikas hätte treffen sollen.
-Die Kenntniss jener Gegenden, wohl nur durch die eine phönizische Fahrt
-vermittelt, war sicherlich weit oberflächlicher als die hinsichtlich
-Troglodytices erworbene; konnten die hochgehenden Wogen des Stromes der
-politischen Ereignisse diese fortreissen, so war es kein Wunder, wenn
-jene ihnen nicht hatte widerstehen können. Daraus also, dass die
-Ostküste Afrikas südlich vom Kap Guardafui zur Zeit des Polybius
-unbekannt war, kann unmöglich geschlossen werden, die phönizische
-Expedition habe nicht stattgefunden. Wenn aber feststeht, dass man
-später in Aegypten von der Umsegelung nichts mehr hat wissen wollen,
-wenn besonders betont worden ist, dass auch die grossen Geographen der
-alexandrinischen Schule an die Wahrheit der herodoteischen Erzählung
-nicht geglaubt haben[218] – vor allen andern wird Claudius Ptolemäus,
-der ebenfalls den indischen Ozean in ein asiatisch-afrikanisches
-Binnenmeer verwandelte[219], als Zeuge für die Ansicht der Gegner
-aufgeführt. Und in der That ist einerseits nicht darüber zu streiten,
-dass er die Erzählung gekannt, andrerseits, dass er ihr keinen Glauben
-beigemessen hat. Der Grund seines Zweifels hat freilich wohl weniger in
-Bedenken gelegen, die er in Bezug auf die Wahrheitsliebe Herodots hegte,
-als vielmehr in der häufig wiederkehrenden Anschauung, dass das
-Gleichgewicht der Erdkugel ohne ein grosses antarktisches Festland,
-welches den um den Nordpol lagernden Landmassen entspräche, nicht
-aufrecht erhalten werden könne. An die Existenz eines solchen Landes,
-das sich mit Südasien und Südafrika verbinden sollte, mag Ptolemäus
-geglaubt haben, wie nach ihm noch so viele, bis gegen das Ende des
-vorigen Jahrhunderts Cooks zweite Reise das Phantastische dieser
-Hypothese nachwies. Trotzdem könnten wir uns wundern, dass er einer
-solchen blossen Vermuthung zu Liebe durch seine Konstruktion des
-afrikanischen Festlandes der herodoteischen Ueberlieferung die Wahrheit
-bestritt, wenn wir nicht wüssten, dass er sich auch andern
-hochbedeutenden und völlig gesicherten Resultaten wissenschaftlicher
-Forschung gegenüber ablehnend verhielt. So hatte vier Jahrhunderte vor
-ihm Aristarchos von Samos die Lehre von einem heliozentrischen
-Weltsystem aufgestellt und niemand wird bezweifeln, dass sie Ptolemäus
-bekannt war. Wenn dieser Gelehrte nun trotzdem auf den geozentrischen
-Bau zurückging, werden wir deswegen doch gewiss nicht annehmen, dass der
-samische Astronom Falsches gelehrt, sondern vielmehr, dass sein Gegner
-geirrt habe. Ein Mann aber, der solche Irrthümer beging, wird durch
-seine abweisende Haltung schwerlich Zweifel an dem Faktum der Umsegelung
-Afrikas in uns wachrufen können; es ist ihm hier gegangen, wie mit dem
-Sonnensystem: hat er nicht geschlafen, so hat er doch geschlummert. Wir
-erkennen also in der ptolemäischen Gestaltung Afrikas nur einen
-bedauerlichen Irrthum, einen Rückschritt der geographischen Erkenntniss,
-der dadurch verschuldet wurde, dass jener Gelehrte die zur Zeit des
-Königs Necho bereits geglückte Lösung eines schwierigen Problems nicht
-anerkannte. Diese Negierung darf uns aber keineswegs stutzig machen und
-etwa erneute Zweifel an der Wahrheit des von Herodot Mitgetheilten in
-uns wachrufen. Ein derartiges Zurückversinken in unreifere Anschauungen
-steht in der Geschichte der Geographie leider keineswegs vereinzelt da;
-brachten uns doch die Zeiten der ersten christlichen Geographen „das
-drückende Schauspiel eines Verfalls der Wissenschaft und ihres
-Zurücksinkens in das Kindesalter der jonischen Schule“[220]. Sehen wir
-doch hier unter dem Einfluss der naiven Darstellungen der Bibel die Erde
-aus einer Kugel wieder zur gewölbten Scheibe werden, deren Mittelpunkt
-die heilige Stadt Jerusalem ist, wie einst den Griechen ihr Apollositz
-Delphi „der Nabel der Erde“ war, und über ihr die Engel die Gestirne am
-Himmel hinauf- und herabführen und dafür sorgen, dass Tag und Nacht sich
-richtig ablösen und dann und wann zur Unterbrechung des monotonen
-Einerlei eine Sonnen- oder Mondfinsterniss in Szene geht[221]. Es wird
-schon aus diesen Ausführungen, wie ich denke, klar hervorgehen, dass der
-Mangel an Erweiterung unseres geographischen Horizontes in Folge der
-phönizischen Fahrt uns keineswegs veranlassen darf, an dieser selbst zu
-zweifeln; wenn sie aber nach dieser Richtung hin ohne alle Folgen blieb,
-so liegt ein anderer Grund wohl noch in dem Umstande, dass die Phönizier
-sich schwerlich Zeit genommen haben, die Küsten und die Lage des
-Erdtheils im Vorbeifahren auch nur oberflächlich aufzunehmen, ganz
-abgesehen davon, dass sie zur Anfertigung einer nur halbwegs richtigen
-Skizze jedenfalls nicht annähernd befähigt waren. So werden sie auf die
-Frage, wie weit sich Afrika nach Süden erstrecke, selbst nicht im Stande
-gewesen sein, genaue Auskunft zu geben; die Nachwelt blieb darüber erst
-recht im Dunkeln und konnte, da neue Fahrten in das Südmeer nicht
-unternommen wurden, noch lange meinen, der Erdtheil reiche nur etwa bis
-in die Nähe des Aequators. Als man dann später über die weite südliche
-Ausdehnung Afrikas mehr und mehr ins Klare kam, diente diese Erkenntniss
-naturgemäss der Ansicht zur Stütze, dass die ägyptische
-Priestererzählung eine Fabel gewesen sei, gedichtet auf Grund der
-früheren irrigen Vermuthung über jenen Punkt, die ja allerdings eine
-Umschiffung weit leichter erscheinen lassen musste, als sie es in
-Wirklichkeit war[222]. Auffallend ist bei diesen Erwägungen für den
-modernen Menschen vor allem das Eine, dass zur Zeit der Ptolemäer – also
-nach 300 Jahren –, wenn wir die Gelehrtenkreise, denen das Werk Herodots
-bekannt war, ausnehmen, augenscheinlich niemand von der Umsegelung etwas
-wusste, und auf den ersten Blick könnte ein gewisses Erstaunen über
-diesen Umstand berechtigt erscheinen, wenn man die Verhältnisse der
-neueren Zeit in Betracht zieht. Eine so kühne Seereise, in den letzten
-Jahrhunderten unserer Zeitrechnung unternommen, würde nicht nur niemals
-der Vergessenheit anheimfallen können, sondern vielmehr jedem halbwegs
-Gebildeten unbedingt geläufig sein. Um aber ein richtiges Urtheil zu
-gewinnen, dürfen wir nicht an den unendlichen Reichthum der
-litterarischen Publikationsmittel, wie er uns heute zu Gebote steht,
-denken, sondern müssen uns die im wesentlichen auf mündliche Tradition
-angewiesene Zeit des Königs Necho vergegenwärtigen; erst dann werden wir
-uns klar machen können, wie es möglich war, dass die Erinnerung an diese
-Fahrt nur durch Vermittlung einer einzigen, und noch dazu so spärlich
-fliessenden Quelle auf uns gekommen ist und die Nachricht von einer
-hochinteressanten, wenn auch wissenschaftlich und politisch folgenlosen
-Begebenheit nach 300 Jahren schon vergessen sein konnte.
-
-Der Fall, dass an und für sich bewundernswerthe Expeditionen folgenlos
-verliefen, steht übrigens nicht so vereinzelt da, wie man bei
-oberflächlicher Betrachtung glauben sollte, und keinenfalls wird es
-gestattet sein, daraus, dass die phönizische Fahrt ohne weitere
-Nachwirkung geblieben ist, den Schluss zu ziehen, sie habe überhaupt
-nicht stattgefunden. Wir brauchen uns nur im Herodot umzusehen, so
-finden wir für diese Behauptung gleich einen Beweis: die Wanderung der
-Nasamonen, so kühn sie war, blieb ohne Folgen; wir lesen wenigstens
-nirgends, dass durch sie Handelsbeziehungen mit den Stämmen jenseits der
-Wüste angeknüpft wären. Und wenn wir an die drei grossen
-Entdeckungsfahrten denken, welche die alte Welt von ihrem Zentrum, dem
-Mittelmeer, aus zur Erforschung der begrenzenden Erdtheile ausgesandt
-hat – die des Pytheas von Massilia nach dem Norden, Alexanders des
-Grossen in östlicher Richtung und der Phönizier dem Süden zu – so finden
-wir, dass es nur dem einen Alexander geglückt ist, die von ihm
-eröffneten Gebiete als Vertreter vorgeschrittener Staatskunst und
-höherer Bildung durch äussere oder geistige Bande dauernd mit jenem
-Mittelpunkte der Kultur zu verbinden. Den Ländern, welche Pytheas
-besuchte, vermochte der verwegene Forscher ein gleiches Glück nicht zu
-schaffen; geschichtlich sind seine Reisen so folgenlos geblieben wie die
-Fahrt der Phönizier. Wer aber vorzieht, eine ausschliesslich maritime
-Expedition zum Vergleiche zu wählen, den erinnere ich an die erste
-Erkundung Amerikas, die bekanntlich von normannischen Schiffern ausging;
-auch sie ist der Umsegelung Afrikas in so fern ähnlich, als sie für den
-Gang der Geschichte so gleichgültig geblieben ist, dass Christoph
-Kolumbus mit Recht von aller Welt als der wahre Entdecker gepriesen
-wird. Und ist es nicht begreiflich genug, dass die Normannen dem
-genuesischen Kapitän ihren Ruhm haben abtreten müssen, da die Küsten
-Winlands nicht jene Edelmetalle hervorbrachten, welche den Ländern
-Mittelamerikas Jahrhunderte lang als Magnet für die Bevölkerung Europas
-gedient und somit die ersten näheren Beziehungen zwischen der alten und
-der neuen Welt vermittelt haben? Aber eben so wenig wie die nordischen
-Schiffer fanden die Phönizier auf ihrer Fahrt – so weit wir wissen – ein
-besonders reiches Land, wie es später Vasko da Gama glückte, der
-dieselbe Strasse, aber in entgegengesetzter Richtung, segelte. So preist
-man, gleich dem Kolumbus, auch jenen Portugiesen; die Phönizier aber
-theilen das Schicksal der Normannen. Es dürfte sich übrigens empfehlen,
-wenn wir zu einem richtigen Urtheil über die Folgenlosigkeit der
-phönizischen Expedition gelangen wollen, die Parallele zwischen ihr und
-der Fahrt des Vasko noch etwas weiter zu ziehen. Leitete die letztere
-einen dauernden Verkehr zur See mit Ostindien ein, eine Folge, die als
-selbstverständlich erscheint, wenn man bedenkt, dass die von dort
-bezogenen Handelsartikel den Europäern längst Bedürfniss geworden, aber
-durch das Erscheinen der Türken in Vorderasien der Ueberlandweg
-verschlossen war, wenn man ferner erwägt, dass die Eröffnung des neuen
-Weges nach jenen reichen Gegenden den Beweggrund für die nautischen
-Anstrengungen der Portugiesen während des ganzen 15. Jahrhunderts
-gebildet hatte und dies Volk im Vollgefühle seiner eben gegen die Mauren
-erkämpften nationalen Selbständigkeit sich nach gewinnbringenden
-Beziehungen zur Fremde sehnte, so stand es in dieser Hinsicht mit den
-Folgen jener von Necho veranlassten Reise wesentlich anders. Auch die
-Phönizier werden freilich nach reichen, zur Kolonisation geeigneten
-Landstrichen ausgeschaut haben, ohne dass uns überliefert ist, sie
-hätten solche gefunden; wenn es aber auch der Fall war, in dem andern
-Punkte sind sie jedenfalls nicht gleich glücklich gewesen: es kamen für
-Aegypten und damit doch auch für die Phönizier im Delta bald Zeiten, wo
-die traurigen politischen Verhältnisse der Heimath ihnen den Gedanken an
-grössere Unternehmungen nach aussen hin fern halten mussten und sie
-selbst und ihre Mit- und Nachwelt um die Folgen ihrer kühnen That
-betrogen. Auch an die Holländer möchte ich erinnern, die bald nach 1600
-den Erdtheil Australien berührten, eine Entdeckung, die so wenig
-Einfluss auf die Kulturvölker geübt hat, dass beinahe noch zwei
-Jahrhunderte verflossen sind, bis dieser Kontinent – durch James Cook –
-in die Geschicke der zivilisirten Welt verflochten wurde. Wer darf sich
-da wundern, wenn im Alterthume, wo der Schauplatz der Geschichte sich
-sehr allmählich erweiterte, wo noch Jahrhunderte nach Necho das kleine
-Becken des Mittelmeeres und die dieses begrenzenden Länder im
-wesentlichen die historisch wichtigen Ereignisse zeitigten, von einer
-Wiederholung der Umsegelung Afrikas nichts gemeldet wird und im
-Mittelalter, das zunächst durch eine Umgestaltung aller politischen
-Verhältnisse, sodann durch den Riesenkampf gegen den Muhammedanismus
-vollauf in Anspruch genommen wurde, sich erst ganz am Ende Gelegenheit
-fand, Südafrika in die Interessensphäre der gebildeten Welt zu ziehen,
-so dass es im ganzen zwei Jahrtausende gedauert hat, bis das Nadelkap
-aufs neue umsegelt wurde! Es ist dem Alterthume mit dem Wege um Afrika
-gegangen, wie den letzten Jahrhunderten mit der Passage der sogenannten
-nordwestlichen Durchfahrt. Necho strebte danach, eine Verbindung
-zwischen dem rothen und dem mittelländischen Meere durch die Umsegelung
-herzustellen, die Neuzeit aber hoffte, den Weg um Nordamerika zu finden
-zum Zwecke eines bequemeren Verkehrs zwischen dem atlantischen und dem
-grossen Ozean. Beide Versuche ereilte dasselbe Geschick: während
-einerseits die Möglichkeit nachgewiesen wurde, stellte sich andrerseits
-heraus, dass für Handel und Verkehr nichts zu hoffen sei, für das
-Alterthum, weil der Weg um Afrika in anbetracht der damaligen
-beschränkten Verhältnisse des Schauplatzes der Weltgeschichte zu weit
-war, für die Neuzeit wegen der Ungunst des Klimas in den Gegenden
-nördlich vom amerikanischen Kontinent. Man mag also die Sache
-betrachten, wie man will, ruhiger Ueberlegung wird die Folgenlosigkeit
-der phönizischen Expedition nicht als Grund zum Zweifel an ihr
-erscheinen.
-
-Es dürfte sich empfehlen, den Beweis für diese Behauptung dadurch weiter
-zu führen, dass wir auf die angedeutete Entwicklung der politischen
-Verhältnisse des unteren Nilthales nach jener Reise einen kurzen Blick
-werfen. Er wird uns überzeugen, wie sie nothwendigerweise die
-Erweiterung des ägyptischen Handelsverkehrs hinter näher Liegendem
-zurücktreten lassen mussten, und wie wenig berechtigt z. B. Mannerts
-Staunen[223] über diese Gestaltung der Dinge ist. Nach Nechos
-Unterliegen bei Karchemisch erforderten die vitalsten Interessen des
-ägyptischen Reiches, den Vorgängen im Osten die gespannteste
-Aufmerksamkeit zuzuwenden; das letzte Ziel, nach welchem der Ehrgeiz der
-asiatischen Eroberer trachtete, war der Besitz von Memphis aus Theben,
-so dass zunächst Nebukadnezar als Gebieter Syriens die Existenz
-Aegyptens stets gefährdete[224]. Wie dringlich geboten es war, die
-Kräfte des Reiches unzersplittert zur Abwehr bereit zu halten, zeigt der
-von Nebukadnezar gegen Amasis geführte Kampf[225], in dem Aegypten noch
-seine Selbständigkeit zu bewahren vermochte, und bald darauf der
-unglücklichere des Psammenit gegen den Kambyses. Unter so gefährdeten
-Verhältnissen wird die Lust an Entdeckungsfahrten begreiflicherweise den
-Aegyptern vergangen sein; und wenn sie, wie die Geschichte lehrt, nach
-ihrem unglücklichen Perserkriege mehr daran dachten, die Sklavenketten
-zu zerreissen, als phantastischen Träumereien von der Beherrschung einer
-neuen Welt sich hinzugeben, wie sie die Macht und Herrlichkeit eines
-Reiches erzeugt hatte, das nun in Trümmern lag, so ist dies doch gewiss
-zu verstehen. Naturgemäss wurden in die wechselnden Geschicke Aegyptens
-aber auch die Phönizier im Delta hineingezogen und fanden weder Zeit,
-noch Gelegenheit, aufs neue das südafrikanische Meer zu befahren. Nicht
-besser erging es den Schwesterstädten im Mutterlande, auch sie kamen
-nicht in die Lage, den Spuren ihrer Stammesgenossen zu folgen; bald
-sanken sie unter der babylonischen Fremdherrschaft von ihrer Höhe herab,
-und später unter den Persern wurden ihre Kräfte durch Darius und Xerxes
-in anderer Weise vollauf in Anspruch genommen. Es waren aber diese
-drohenden Wolken im Osten nicht allein, die Aegypten von den kaum
-gefassten Kolonisationsplänen wieder ablenkten und es unmöglich machten,
-dass die phönizische Fahrt irgend welche praktischen Folgen nach dieser
-Richtung hinterliess; hinzu trat bald eine allgemeine Zerrüttung der
-inneren Verhältnisse. Nachdem Nechos Sohn Psammis einen wohl kaum
-erfolgreichen Zug gegen Aethiopien unternommen hatte[226], kam bald der
-Enkel Apries zur Regierung, erlag aber binnen Kurzem der Revolution des
-Amasis[227]. Unter diesem Könige kommt dann zwar eine neue Blüthezeit,
-aber seine Interessen sind besonders auf das mittelländische Meer und
-dessen Küsten gerichtet[228]; auch hat er augenscheinlich mehr Sinn für
-Architektur und Plastik gehabt, als für die Förderung nautischer
-Interessen[229]. Dessen Sohn war Psammenit, unter dem Aegypten von
-Persien abhängig wurde. So dachte man an eine Wiederholung der Fahrt
-nicht; es ging den Aegyptern in dieser Beziehung wie dem auserwählten
-Volke mit seinen Ophirfahrten: innere Wirren und äussere Verwicklungen
-haben bei beiden die ersten Blüthen überseeischer Handelsbeziehungen im
-Keime erstickt, und als am Nil während eines neuen Aufschwungs das
-glänzende Herrschergeschlecht der Ptolemäer die Erbschaft Nechos auch in
-geistiger Beziehung antrat, da war im Sturme der Zeit die Spur jener
-grossen Tage verweht, und neue Pfade mussten gesucht werden für den
-alten Plan, dem ägyptischen Handel auch in der Fremde eine Stätte zu
-schaffen. Aber – so wird man einwenden – konnten es denn nur Aegypter
-oder Phönizier sein, die, nachdem gezeigt worden war, dass die Passage
-um Südafrika möglich sei, nun auch diese Kenntniss praktisch
-verwertheten? Ist es nicht auffallend, dass sich kein anderes Volk fand,
-welches in dieser Beziehung für sie eintrat, und sind wir nicht
-vielleicht berechtigt, aus dieser ablehnenden Haltung den Schluss zu
-ziehen, dass die Umsegelung doch am Ende keine ganz verbürgte Thatsache
-sei? Erinnern wir uns, um diese Frage zu beantworten, an einige
-Verhältnisse der Welt des Alterthums! Wenn Aegypten darauf verfiel, mit
-Hülfe der Phönizier seinen Handel in das südliche Meer hinein
-auszudehnen, so war das, wie oben auseinandergesetzt ist, aus mancherlei
-Gründen begreiflich. Anders lag die Sache für die übrigen Staaten; weit
-wichtigere Aufgaben mussten von den sonst noch am Becken des
-mittelländischen Meeres ansässigen Völkern erst gelöst werden, und noch
-auf Jahrhunderte hinaus hatten sie damit zu thun. Noch viele
-Menschenalter hindurch war hier ausschliesslich die Bühne für die
-Entwickelung des grossen geschichtlichen Dramas, war hier das Herz, das
-Zentrum der damaligen Welt. Und wie klein sind die räumlichen
-Verhältnisse dieses Schauplatzes, wie riesengross dagegen die
-Entfernungen, welche Südafrika von ihm trennen! Wie nahe waren dagegen
-England und Indien; sie lagen, so zu sagen, vor den Thoren des
-Mittelmeeres im Verhältniss zum Kap und zur Südwestküste Afrikas. So war
-es natürlich, dass diese Länder noch viele Jahrhunderte dem Kreise fremd
-blieben, welcher den Ursprung seiner Kultur von den Ufern des
-Mittelmeeres herleitete, selbst dann noch, als römische Politik und
-hellenische Bildung um die Stämme dieser eng begrenzten Welt ein
-äusserliches, wie ein geistiges Band geschlungen hatten und so der
-wichtigste Theil ihrer Bestimmung erfüllt war. Wie dürfen wir uns da
-wundern, wenn die phönizische Fahrt, die in eine Zeit fällt, wo die
-Gegensätze unter jenen Völkern noch unausgeglichen mit einander rangen,
-die fernen Länder, die sie berührte, dem Herde der Kultur nicht näher
-brachte! Und welche Nation hätte in die Fussstapfen der Phönizier treten
-sollen? Die Perser? Sie richteten ihre Blicke mehr nach Westen als nach
-Süden, und nach den Niederlagen, welche die Hellenen ihnen beibrachten,
-waren sie eines neuen Aufschwungs nicht mehr fähig. Oder die Griechen?
-Die heillosen Bruderkriege dieses Volkes liessen eine Erstarkung
-desselben nicht zu; nur Alexander, dem sie ja alle gehorchten, hat sich
-vielleicht mit dem Plane der Erneuerung jener Fahrt getragen, da warfen
-ihn die Götter, neidisch, dass dieses Sterblichen Haupt noch ein neuer
-Ruhmeskranz schmücken sollte, aufs Todtenbett. Nun wurden die Römer
-Herren des Mittelmeeres. Selbstverständlich konnte man von einem Volke,
-dessen Kern in seiner Glanzperiode aus Ackerbürgern bestand, nicht die
-nautischen Heldenthaten der Phönizier erwarten; für solch’ unsichere
-Unternehmungen waren sie zu praktisch veranlagt und freuten sich
-naturgemäss mehr der Furche, die ihr Pflug in der Erde, als derjenigen,
-welche der Kiel eines Schiffes in der Meerfluth zog. So stand es im
-Alterthume; als dieses aber zur Ruhe gegangen war und am rothen Meere
-nun ein neues mächtiges Reich entstand, das der Chalifen, da wurde auch
-die alte Tradition dieser Länder wieder lebendig, und Araber segelten
-weit nach Süden an der Küste Afrikas entlang. Freilich, ehe sie das
-Nadelkap erreichten, sank die Macht des Islam dahin, aber aus der
-Zertrümmerung des Maurenreiches der Pyrenäenhalbinsel erwuchs, wie wir
-gesehen, den Portugiesen der Muth, nun die gefährliche Fahrt um Afrika
-von Westen her zu unternehmen und glücklich zu vollenden.
-
-Die Folgenlosigkeit jener ersten Umsegelung Afrikas hatte aber wohl noch
-andere Gründe. Ein schriftliches Resumé, wie etwa das über den Periplus
-des Hanno, welches in den kommenden Geschlechtern die Erinnerung an die
-Einzelheiten der Fahrt hätte lebendig erhalten können, ist wohl
-keineswegs abgefasst ohne ausdrücklichen königlichen Befehl; die
-Phönizier hatten ohne ihn keine Veranlassung dazu. Dass aber ein solcher
-Befehl gegeben sein sollte, ist, wie ich bald zeigen werde, nicht gerade
-wahrscheinlich. Wenn aber schriftliche Ueberlieferung vollständig
-fehlte, wie hätte die Quelle der mündlichen Tradition, die doch auch nur
-tropfenweis sickerte, die nachfolgende Zeit mit Gedanken oder Thaten
-befruchten können, die als Folgen jener Reise bezeichnet werden dürften?
-So mochten bis zu Herodots Zeit Generationen von Priestern dahingegangen
-sein, ohne dass man der Expedition eingehender gedachte; die, welche den
-Tempeln vorstanden, als unser Schriftsteller in Aegypten war, wussten
-selbst nicht viel von ihr, und mit Unrecht wundert sich Vivien de St.
-Martin[230], dass er diese wichtige Sache in ein paar Reihen abthut: er
-konnte eben nicht mehr erzählen, als er selbst erfahren hatte, und mit
-seinen Bitten um weitere Mittheilung, an denen er es gewiss nicht fehlen
-liess, wird er durch ein „non possumus“ der heiligen Männer abgewiesen
-worden sein. Sie waren gewiss überzeugt, dass die Fahrt stattgefunden
-hatte, aber die Einzelheiten derselben waren verschollen[231].
-
-Daneben mag noch eine andere Erwägung Platz finden. Ich habe soeben
-behauptet, es sei nicht gerade wahrscheinlich, dass König Necho ein
-schriftliches Resumé über die Reise verlangt habe. Dieser Ansicht
-huldigt auch Wheeler, freilich aus einem ganz anderen Grunde wie
-ich[232]; er meint, der Pharao habe, als die Phönizier heimkehrten, noch
-in Syrien im Felde gestanden, eine Annahme, die, ganz abgesehen davon,
-dass er dann doch später nach seiner Heimkehr den Bericht hätte
-einfordern können, nach dem, was wir oben über den muthmasslichen
-Zeitpunkt der phönizischen Reise festgestellt haben, entschieden
-zurückgewiesen werden muss. Mir scheint ein weit triftigerer Grund für
-das Fehlen eines solchen Rapportes über die Erlebnisse jener Phönizier
-vorzuliegen: meiner Ansicht nach war bei der Rückkehr derselben ihr
-Auftraggeber bereits todt. Den Beweis für diese Behauptung hoffe ich
-führen zu können. Wie oben gezeigt, wurde die Expedition wahrscheinlich
-erst ganz gegen das Ende der Regierung Nechos ausgesendet. Da nun dieser
-König, wie uns Maspéro belehrt[233], bereits betagt war, als er die
-Herrschaft antrat, ist es begreiflich, dass ihn, einen Greis, nachdem er
-sechzehn Jahre die Krone getragen, der Tod ereilte; als die Phönizier
-nach beinahe dreijähriger Abwesenheit heimkehrten, herrschte schon
-Psammis. So war es Necho in Bezug auf die Umsegelung Afrikas gegangen,
-wie Prinz Heinrich dem Seefahrer; sie starben beide, ehe ihnen die frohe
-Kunde wurde, dass ihren Anstrengungen der Erfolg nicht versagt geblieben
-sei. Psammis aber sass nur sechs Jahre auf dem Throne und führte in
-dieser Zeit einen Krieg gegen Aethiopien[234]; er wird unter solchen
-Umständen schwerlich so viel Zeit und Interesse für die phönizische
-Expedition gehabt haben, dass er sich über die Erfolge derselben hätte
-mündlichen Vortrag halten oder schriftlichen Bericht abstatten lassen,
-und da die Phönizier, durch triftige, gleich zu erörternde Gründe
-bewogen, unaufgefordert schwerlich redeten, verscholl die Kunde von der
-Umsegelung bald. So ist eine neue Erklärung dafür gefunden, dass nichts
-auf die Nachwelt kam von all dem Interessanten, das jene kühnen Schiffer
-gesehen und erlebt hatten, von all den Wundern, welche eine neue Welt
-ihnen erschloss.
-
-Noch anders versucht Quatremère[235], der selbst meint, dass diese Reise
-„quelque chose d’extraordinaire et même de romanesque“ gehabt habe, die
-Dürftigkeit des Berichtes zu erklären, indem er darauf hinweist, dass
-derartige See-Expeditionen der Alten sich wesentlich von denen der
-Neuzeit unterschieden; diese seien wissenschaftlich, jene seien es nicht
-gewesen, diesen seien Naturforscher, Physiker und andere Gelehrte zu
-allerhand interessanten Beobachtungen beigegeben, jene phönizische habe
-vielleicht einen Führer gehabt, ausgestattet mit allerhand für die
-damalige Zeit hervorragenden Kenntnissen in der Nautik, aber ohne die
-wissenschaftliche Bildung, die ihn in Stand gesetzt hätte, über
-Gegenstände, welche diesem Gebiete fremd gewesen seien, Beobachtungen
-anzustellen. Dagegen lässt sich aber mit Recht einwenden, dass zum
-Verständniss von unendlich vielem, was die Phönizier sahen, sicherlich
-ein scharfer Blick und eine gute Auffassungsgabe genügten,
-Eigenschaften, deren erstere man den Seeleuten im allgemeinen, deren
-letztere man dem mit der Führung einer solchen Expedition betrauten
-Kapitän schwerlich wird absprechen wollen; es brauchte das alles ja gar
-nicht wissenschaftlich registrirt zu werden. Unbedingt befanden sich die
-Phönizier in der Lage, allerhand interessante Mittheilungen zu machen,
-sie waren nur nicht geneigt dazu. _Ihre_ Verschwiegenheit, nicht die der
-Priester, ist in erster Linie schuld, wenn die späteren Geschlechter
-sehr wenige Resultate der Expedition kannten[236]. So waren, um nur dies
-eine zu erwähnen, die Schiffer trotz des Fehlens aller bezüglichen
-Instrumente möglicherweise in der Lage zu verrathen, dass sich Afrika
-weit südlicher erstrecke, als man bis dahin angenommen hatte, aber dies
-Wissen blieb ihr Geheimniss, wie ihr ganzer Kurs. Es hat nicht an
-Beurtheilern gefehlt, welche aus ihrem Schweigen den Schluss haben
-ziehen wollen, sie hätten nichts erzählen können, weil die Reise
-überhaupt nicht von ihnen gemacht worden sei, aber mit Recht hat
-Quatremère dem gegenüber betont, dass ein Fälscher, der eine derartige
-Geschichte hätte erdichten wollen, zweifellos seinen Roman mit tausend
-wunderbaren Anekdoten und Einzelheiten ausgeschmückt haben würde,
-geeignet, die Neugier der Leser zu befriedigen, und dass die Einfachheit
-der Erzählung der beste Beweis für ihre Wahrheit sei. Die Phönizier
-waren wenig geneigt zu Mittheilungen, weil sie kluge Männer waren und
-wussten, dass Schweigen unter Umständen Gold ist: wollten sie ihre
-Handels- und Kolonialinteressen ungestört verfolgen, so durften sie ihre
-darauf bezüglichen Geheimnisse nicht preisgeben. Zwar auch diese so nahe
-liegende Vermuthung haben die Zweifler nicht gelten lassen wollen, und
-Berger spottet über „die allbereite Lehre von den Lügen und der
-Verheimlichungspolitik“[237] der Phönizier; es wird uns dies jedoch
-nicht hindern, darauf bezüglichen Erwägungen auf den Gang unserer
-Untersuchung Einfluss zuzugestehen, sofern sie an der Hand sicher
-überlieferter Thatsachen oder fest verbürgter Eigenthümlichkeiten des
-phönizischen Charakters angestellt werden. Das Faktum aber, dass die
-Phönizier sich Mühe gaben, die von ihnen eröffneten Handelswege nicht
-bekannt werden zu lassen, ist nicht nur genügend beglaubigt, sondern
-entspricht auch völlig allem, was wir sonst über die Art dieses Stammes
-wissen. Es ist nun zwar nicht anzunehmen, dass die Reisenden viele
-Schätze als Lohn ihrer Mühen mitbrachten, sonst hätten sie gewiss, um
-andere abzuschrecken von unendlichen Mühen und Gefahren erzählt, und wir
-besässen ausführlichere Nachrichten über die Fahrt, wenn auch fabelhafte
-– haben doch schon im Alterthume, wie wir aus einer Stelle Herodots[238]
-vermuthen können, weit gereiste Seeleute wohl öfter die daheim
-Gebliebenen mit allerhand Märchen unterhalten –, auch mochte, was sie im
-flüchtigen Vorbeifahren von den Gestaden kennen gelernt hatten, kaum zur
-Wiederholung der Reise einladen; dass sie aber an den Orten ihres
-längeren Aufenthaltes einen günstigeren Eindruck von dem fremden Lande
-gewannen, ist wohl anzunehmen, und wir werden schwerlich irren, wenn wir
-vermuthen, dass sie an spätere gründliche Untersuchung des Ganzen und
-dann vielleicht, wie nach ihnen der Karthager Hanno[239], an die Anlage
-von Kolonieen an geeigneten Stellen gedacht haben. Wollten sie lästige
-Konkurrenz vermeiden, war Schweigen über ihren Weg und ihre Erlebnisse
-natürlich die erste Bedingung, und um so mehr, wenn sie, wie Necho
-gehofft haben wird, das Vorhandensein von Gold an der Westküste Afrikas,
-vielleicht in Senegambien, wirklich feststellten[240]. „Was einzelne in
-glücklichen Fahrten entdeckt hatten, wurde von Handelsvereinen
-ausgebeutet“ sagt Curtius[241]; so lag ihnen der Gedanke an die Gründung
-einer Gesellschaft zur Bearbeitung der westafrikanischen Minen
-vielleicht nicht so fern, wie es auf den ersten Blick scheinen mag.
-Wollten sie aber andere ins Vertrauen ziehen, so standen ihnen ihre
-Volksgenossen in der Heimath näher als die Aegypter; die Geschichte
-kennt ja Beispiele genug für den freundschaftlichen Verkehr zwischen dem
-phönizischen Mutterlande und den Kolonieen[242]. Im Grunde werden bei
-dem im Alterthume so scharf ausgeprägten Nationalitätsgefühle der
-Völker, das alle heterogenen Elemente über die Achsel ansah, die
-Phönizier im Delta so wenig ägyptisch gedacht und gefühlt haben wie etwa
-die Griechen in Naukratis, und wie diese in dem mächtigen Pharao
-schliesslich doch nur einen weit unter ihnen stehenden Barbaren
-erblickten, haben auch die Phönizier ohne Zwang ägyptische Männer
-schwerlich zu ihren Vertrauten gemacht. Mochte aber auch die Sorge vor
-der Konkurrenz dieses Volkes die Phönizier bei der Abneigung desselben
-gegen die Seefahrt weniger drücken, wohnten nicht auch Griechen im
-Delta, Leute des Stammes, mit dessen Rivalität sie schon die bösesten
-Erfahrungen gemacht hatten? Wenn sie daher, wie uns Strabo lehrt[243],
-ihre Handelswege überhaupt auf das sorgfältigste geheim hielten, so ist
-gewiss zu verstehen, dass sie in diesem Falle doppelt vorsichtig
-verfuhren. In hohem Grade unbegreiflich erscheint mir daher
-Mannerts[244] Erstaunen einerseits darüber, dass nicht eine richtigere
-Erkenntniss wenigstens von der wahren Lage der Küsten aus dieser Fahrt
-resultirte und von Herodot ab lange Zeit die Geographen geglaubt haben,
-Afrika reiche nicht einmal bis zum Aequator, sowie andrerseits über den
-Umstand, dass die Umschiffung nach 150 Jahren nicht viel mehr als eine
-Volkssage war[245]. Nichts ist doch verständlicher als diese
-handelspolitische Eifersucht der Phönizier, welche sie das, was mit so
-grossen Gefahren errungen war, auch allein besitzen lassen wollte. Steht
-doch derartiges in der Entdeckungsgeschichte keineswegs vereinzelt da.
-Noch in der Neuzeit haben seefahrende Völker die von ihnen erkundeten
-Meerespfade und Länder ängstlich vor der Kenntniss etwaiger Konkurrenten
-gehütet, wie die Spanier ihre ums Jahr 1600 von Torres und anderen in
-der Südsee gemachten Entdeckungen. Doch genug davon; dem objektiven
-Beurtheiler werden die angeführten Gründe für die Folgenlosigkeit der
-phönizischen Fahrt genügen, wen aber das erwähnte Zusammentreffen von
-mancherlei Umständen noch nicht darüber belehrt haben sollte, wie es
-kam, dass sich absolut niemand gefunden hat, der unmittelbar nach
-Vollendung der Fahrt etwas mehr Einzelheiten über dieselbe zu sammeln
-und zu überliefern versuchte, dass von keiner Seite ein Bestreben
-hervortritt, diese bewundernswerthe nautische That zu fruktifiziren und
-so die auf den verschiedensten Gebieten zu erwartenden Folgen gänzlich
-ausblieben, der mag eine endgültige Erklärung dafür in der bekannten
-Thatsache sehen, dass es Leistungen giebt, die zu gross sind, um von der
-Nachwelt gebührend gewürdigt zu werden. Die Phönizier Nechos sind ihrer
-Zeit, welche nicht im Stande war, die Wichtigkeit der Entdeckung zu
-verstehen, eben um ein Bedeutendes vorausgeeilt.
-
-
-
-
- Zusammenstellung des Bisherigen und Uebergang zur Betrachtung der
- eigentlichen Fahrt.
-
-
-Nachdem wir so die Charaktere der Träger dieser Nachricht von der
-Umsegelung, sowie diejenigen der an derselben hauptsächlich betheiligten
-Persönlichkeiten und Völker einer sorgfältigen Prüfung unterzogen, auch
-ihre Veranlassungen beleuchtet, den vermuthlichen Zeitpunkt und
-Abgangsort festgestellt, das Fehlen aller Folgen erklärt, auch diesen
-und jenen andern minder wichtigen Punkt flüchtig berührt und so den
-Hintergrund, auf dem sich das ganze Ereigniss abspielt, gezeichnet
-haben, bleibt uns zunächst die Aufgabe, einige auf das nautische Gebiet
-bezügliche Fragen zu erörtern, deren richtige Beantwortung uns über die
-Möglichkeit, die Fahrt glücklich zu vollenden, neue Aufschlüsse geben
-wird.
-
-Zwei Faktoren, denen bei jeder Seereise die allerhöchste Bedeutung
-beigelegt werden muss, sind Wind und Wellen. So wird es
-selbstverständlich auch für uns von Wichtigkeit sein, wenn wir von den
-grösseren oder geringeren Schwierigkeiten, mit denen die Phönizier zu
-kämpfen hatten, ein klares Bild gewinnen wollen, zu erforschen, in wie
-weit diese beiden elementaren Kräfte das Vorhaben derselben entweder
-begünstigt oder gehindert haben. Hierüber aber zu einem richtigen
-Urtheil zu gelangen wird uns nur dann glücken, wenn wir – eingedenk der
-im Laufe des Jahres an vielen Stellen des Meeres im Luftkreise, wie in
-der Wasserwelt wechselnden Erscheinungen – uns die Frage beantworten: Zu
-welcher Jahreszeit sind denn die Phönizier abgefahren? Doch auch ihr
-wird wunderbarerweise von den meisten Gelehrten, welche sich mit dieser
-Expedition beschäftigt haben, keine Beachtung geschenkt. Ganz allgemein
-unterrichten uns Movers[246] und Duncker[247], dass die Phönizier die
-Schifffahrt im Februar eröffneten und im Oktober schlossen; in den
-Wintermonaten blieben sie wegen der durch stürmisches Wetter
-hervorgerufenen Gefahren zu Hause. Selbstverständlich beziehen sich
-diese Angaben aber nur auf ihre Thätigkeit im mittelländischen Meere. Zu
-der Umsegelung Afrikas sind sie gewiss nicht erst im Februar
-ausgefahren; sie wussten entweder in Folge eigener Reisen nach Indien
-oder konnten durch Vermittlung der Sabäer, die dorthin Schifffahrt
-trieben, leicht erkunden, dass sie in den südlichen Meeren von den
-Stürmen des Winters nichts zu befürchten hätten und ihnen die Monsune
-bei einer Fahrt an der Ostküste Afrikas hinab während dieser Jahreszeit
-sogar von entschiedenem Vortheil sein würden. Wheeler[248] setzt in
-Erwägung dieses Umstandes ihre Abfahrt auf den August fest; sie hätten
-dann, meint er, im Oktober im indischen Ozean eintreffen können. Seinen
-Ausführungen liegt gewiss ein richtiger Gedanke zu Grunde, wenn man
-ihnen deswegen auch nicht in allen Einzelheiten zuzustimmen braucht.
-Sicher sind die Phönizier bestrebt gewesen, aus den atmosphärischen
-Verhältnissen des indischen Ozeans für ihre Fahrt den möglichsten
-Vortheil zu ziehen; sie haben aber daneben – die Engländer des
-Alterthums – zweifellos dem Grundsatze, dass Zeit Geld ist, so gut
-gehuldigt, wie die praktischen Söhne Albions es heut zu Tage thun, und
-sind demnach gewiss erst auf die Reise gegangen, als die Schifffahrt auf
-dem mittelländischen Meere stockte. Dies war, wie gesagt, etwa Ende
-Oktober der Fall, und da zu derselben Zeit gerade die Windverhältnisse
-auf dem indischen Ozean ihren Plänen besonders günstig wurden, hiesse
-es, die Schlauheit der Phönizier ausserordentlich unterschätzen, wenn
-wir nicht annehmen wollten, dass sie etwa zu dieser Zeit ihre Expedition
-unternahmen. Der Herbst war ihnen jedenfalls die genehmste Zeit zur
-Abfahrt, und dass Necho ihnen nach dieser Richtung hin freie Hand liess,
-dürfen wir als gewiss annehmen; gewann doch nur durch kluge Benutzung
-aller günstigen Umstände die gefahrvolle Reise Aussicht auf Erfolg.
-Begaben sich also die Phönizier nach Schluss der Schifffahrt auf dem
-Mittelmeer, also etwa Ende Oktober, an den Ort, von wo sie aussegeln
-wollten, stellten dort ihre Schiffe in Dienst und verproviantirten sich
-genügend, so werden sie – auf dies Alles einen Monat gerechnet – etwa
-Ende November von Kosseir abgefahren sein und, nachdem sie die
-bekanntlich schwierige Passage durch das rothe Meer mit Hülfe der Ruder
-glücklich überwunden hatten, so recht bei dem kräftigsten Wehen der
-NO-Monsune den indischen Ozean erreicht haben.
-
-
-
-
- Winde.
-
-
-Es wird sich nun empfehlen, im einzelnen zu erwägen, welche Vortheile
-oder Nachtheile bei einer Ausfahrt im Spätherbst den Phöniziern Wind und
-Wellen boten. Bevor wir aber in die Untersuchung hierüber eintreten,
-muss ich vorausschicken, dass eine im Vergleich zur Gegenwart etwas
-andere Vertheilung der Wärme und der Wassermassen auf der Erdoberfläche,
-wie sie ums Jahr 600 v. Chr. möglicherweise bestanden hat, sowie eine
-dadurch bedingte geringe Abweichung der Luft- und Wasserströmungen hier,
-weil theilweise hypothetisch und jedenfalls unbedeutend, nicht
-berücksichtigt worden ist. Was nun den ersten Theil der Fahrt
-anbetrifft, so weit sie innerhalb des rothen Meeres stattfand, werden
-die Phönizier, wie oben angedeutet, wesentlich aufs Rudern angewiesen
-gewesen sein, da die Segelschifffahrt hier mancherlei Schwierigkeiten
-bietet[249]; von Bab-el-Mandeb bis Socotra hatten sie sogar entschieden
-ungünstigen Wind, nämlich NO-Monsun, dann aber für lange Zeit theils
-vortrefflichen, theils wenigstens leidlich guten. Bis zum Aequator wehte
-nämlich in der Jahreszeit, in welcher sie diese Gegenden passirten, der
-erwähnte NO-Monsun, der ihnen von Kap Guardafui ab gerade günstig war;
-nach dem Ueberschreiten der Linie gelangten sie dann gegen den
-nördlichen Frühling hin in die Zone des SO-Passates, welcher sie zwar
-nicht direkt begünstigte, aber als ein seitlich wehender Wind von
-geschickten Schiffern immerhin mit einigem Vortheil benutzt werden
-konnte. So erreichten sie das Kap und damit ihre erste Station. Indem
-ich hinsichtlich der weiteren Ausführung der hier und im Folgenden über
-die Rastorte der Phönizier und die Vertheilung der Zeit auf die
-einzelnen Jahre von mir ausgesprochenen Vermuthungen auf später
-verweise, bitte ich, zunächst die Einwirkung der Winde auf die
-phönizische Fahrt weiter mit mir verfolgen zu wollen. Meiner Ansicht
-nach werden sie vom Kap im Dezember des zweiten Reisejahres weiter
-gefahren sein und hatten bis zum Aequator höchst günstigen Wind, da der
-Südostpassat an der Westküste Südafrikas in Südwind abgelenkt wird. Sie
-werden also die erstere, kürzere Strecke ihrer zweiten grossen Tour –
-vom Kap bis zum Atlas, wo sie meiner Ansicht nach im November des
-nächsten Jahres, also nach zweijähriger Abwesenheit aus Aegypten, Halt
-machten – mit günstigem Winde gefahren sein; daher rechne ich bis zum
-Busen von Biafra etwa ein Drittel der ganzen Zeit – vom Dezember des
-zweiten bis zum November des dritten Reisejahres – die sie auf jene Tour
-mögen verwandt haben. Sie kamen in dem genannten Busen also Ende März
-an. In den nächsten Monaten hatten sie dann, an der Küste von Oberguinea
-und Kap Palmas vorbei fahrend, ziemlich konträren SW-Wind oder befanden
-sich im Gürtel der Kalmen[250], der ihnen, trotzdem er sie zum
-fleissigen Rudern zwang, doch weniger unangenehm gewesen sein mag, da
-sie seine hemmende Kraft in unmittelbarer Nähe der Küste wegen der durch
-die ungleiche Erwärmung von Land und Wasser hervorgerufenen Bewegung der
-Luft wohl nicht in ihrer vollen Stärke empfunden haben werden. Im
-weiteren Verlaufe der Fahrt stellte sich dann bis zum zweiten Rastplatze
-die Windrichtung für sie immer ungünstiger: je weiter sie kamen, desto
-mehr wehte ihnen der NO-Passat gerade entgegen. Diese Luftströmung blieb
-ihnen sogar noch bei ihrer Abfahrt, die ich in den Juni des dritten
-Reisejahres setze, bis zur Strasse von Gibraltar; von hier ab aber bis
-zu den Mündungen des Nil werden die durch die sommerliche Auflockerung
-der Luft über der Sahara aus dem mittelländischen Meere angezogenen
-Winde unsern Schiffern weder nennenswerthen Vortheil, noch Nachtheil
-gebracht haben, bis dieselben schliesslich wohl noch beim Wehen dieser
-Etesien ins Delta einliefen[251]. Wir können demnach behaupten, dass,
-abgesehen von den Strecken vom Ausfahrtsort bis Guardafui und vom Busen
-von Biafra bis zur Strasse von Gibraltar, die herrschenden
-Windrichtungen einer Fahrt um Afrika in der von den Phöniziern
-eingeschlagenen Richtung nirgends direkt ungünstig, meistens sogar
-förderlich waren und ein Gelingen des Unternehmens als höchst
-wahrscheinlich erkennen lassen.
-
-
-
-
- Meeresströmungen.
-
-
-Zu demselben Resultate werden wir auch bei Betrachtung der für die
-Umsegelung jedenfalls nicht minder wichtigen Meeresströmungen kommen,
-worauf schon Rennell hingewiesen hat. Eine Ausnahme macht freilich
-sogleich das rothe Meer, in welchem von Oktober bis April ein der Route
-unserer Reisenden entgegengesetzter Strom herrscht, der diese bei den
-wenig günstigen Windverhältnissen bestärken musste, sich der Ruder zu
-bedienen. Von Kap Guardafui an bis zur Nordspitze von Madagaskar hatten
-sie dann aber die periodische Strömung für sich, welche hier die Küste
-zur Zeit des südlichen Sommers begleitet. Ganz unverständlich ist mir,
-wie der sonst so sorgfältige Heffter dazu kommt, die Fahrt an dem
-östlichen Gestade Afrikas in der Richtung von Nord nach Süd für
-besonders schwierig zu erklären; Winde und Strömungen waren entschieden
-günstig, und es bleibt somit kaum etwas anderes übrig, als die Annahme,
-dass statt _West_küste durch ein Versehen _Ost_küste gesetzt ist. Die
-Bewältigung der nun folgenden Strecke bis zum Aequator auf der Westseite
-des Erdtheils wurde den Schiffern erleichtert zunächst durch die
-Mozambique-, später durch die Agulhas- und die atlantische Strömung, die
-ihnen alle von Vortheil waren. Die erste von diesen steigert sich im
-Kanal von Mozambique und weiter südlich zu bedeutender Schnelligkeit, so
-dass sie an einzelnen Stellen über 130 km in 24 Stunden zurücklegt, und
-von der gefürchteten Agulhas- oder Kapströmung wissen wir durch eine von
-Sandberg aus „Uitkomsten van Wetenschap en Ervaring, uitgegeven door het
-Koninklijk Nederlandsch Meteorologisch Instituut 1857“ ausgezogene Notiz
-von Andrau, dass sie für die in unmittelbarster Nähe der Küste Fahrenden
-viel von ihren Schrecken verliert[252]; der atlantischen Strömung aber
-kommt zwar an der Westküste ungefähr von 25-15° s. Br. dicht am Ufer ein
-nördlicher Strom entgegen, doch ist dieser nicht so stark, dass die
-Phönizier ihn nicht mit Hülfe des günstigen Windes leicht hätten
-überwinden können. Vom Aequator bis zur Strasse von Gibraltar hatten sie
-dann freilich gegen eine starke Strömung, die nordafrikanische,
-anzukämpfen – bei Kap Palmas legt diese ca. 50 km in 24 Stunden zurück
-–, doch vermindert sich später diese Schnelligkeit und beträgt bei Kap
-Blanco nur noch 20 km in derselben Zeit. Die Gewalt dieser Strömung, so
-bedeutend sie ist, wird unsern Schiffern aber keine Schwierigkeiten
-bereitet haben, deren sie nicht hätten Herr werden können; sind doch die
-Portugiesen unter Vasko da Gama im Kanal von Mozambique gegen die
-erwähnte bedeutend stärkere angefahren, und ihre Hülfsmittel zur
-Bekämpfung solcher Hindernisse waren doch schwerlich wesentlich andere
-als die der Phönizier. Der Vortheil, der sich den Portugiesen, als sie
-den südlichen Eingang zur Strasse von Madagaskar durchsegelten, durch
-den SO-Passat im Gegensatze zu den Phöniziern bot, welche bei Kap Palmas
-halb konträren Wind hatten, wird durch die fast dreimal stärkere
-Mozambique-Strömung aufgewogen. An der Nordküste Afrikas fuhren unsere
-Schiffer dann wieder bis zum Nil hin mit dem Strom[253]. So war also
-auch, was die Strömungen anbetrifft, der Theil der Fahrt vom Aequator an
-der Nordwestküste entlang bis zur Strasse von Gibraltar bei weitem der
-schwierigste[254]. Im allgemeinen lagen aber in dieser Beziehung, wie
-aus Vorstehendem erhellt, die Verhältnisse genau so, wie hinsichtlich
-der Winde: ein ernstliches Hinderniss für die Phönizier konnte aus ihnen
-nicht erwachsen, und Bähr hat Recht, wenn er sagt[255]: „cum navigatio
-hac ex parte (vom rothen Meere um das Kap nach der Strasse von
-Gribraltar) instituta totidem fere praebeat commoda, quot incommoda
-exsistunt, contraria a parte si navigationem instituere velis“.
-
-
-
-
- Konstellation.
-
-
-Wenden wir uns nun von der Luft und dem Wasser dem Firmamente zu! Einen
-der vielen Gründe zum Zweifel an der Fahrt der Phönizier hat man aus dem
-Umstande herleiten wollen, dass in dem Berichte über dieselbe garnicht
-von Veränderungen der Konstellation die Rede ist. Aber auch hierin kann
-ich nichts Auffallendes entdecken. Die Phönizier benutzten zwar, wie
-Strabo erzählt, als Leitgestirn, nach dem sie sich orientirten, den
-kleinen Bären[256], genauer gesagt, wohl den Polarstern[257],
-bekanntlich einen Bestandtheil jenes Sternbildes, nicht, wie
-Gosselin[258] wunderbarerweise aus der Notiz über den Stand der Sonne
-schliessen will, diesen Himmelskörper. Wenn aber der genannte Gelehrte
-fragt, ob es nicht einleuchtend sei, dass die Phönizier die Fahrt
-überhaupt nicht gemacht, da sie nichts davon verlauten liessen, dass sie
-diesen ihren Führer auf der südlichen Halbkugel nicht mehr erblickten,
-so werden wir, ohne mit der Wahrheit in Konflikt zu gerathen, ruhig
-antworten können: keineswegs. Selbstverständlich werden sie freilich das
-Verschwinden desselben bemerkt, vielleicht auch unangenehm bemerkt haben
-– denn es erinnerte sie ja an die grosse Entfernung von der Heimat –,
-aber eine nennenswerthe Bedeutung für sie hatte es nicht. Der Polarstern
-war ihnen, soweit er überhaupt zur Orientirung benutzt werden konnte,
-also nördlich vom Aequator, natürlich unentbehrlich, wenn es galt, sich
-auf hoher See zurechtzufinden und den richtigen Kurs innezuhalten; bei
-dieser Expedition aber würde er erst in zweiter Linie gestanden haben,
-selbst wenn sie ihn hätten sehen können; ihre Reise war ja eine
-Küstenfahrt und die Uferlinie der Ariadnefaden, der sie unter allen
-Umständen, im schlimmsten Falle durch Wenden der Schiffe, aus dem
-Labyrinth des unendlichen Meeres der Heimath wieder zuführen musste. Wer
-aber meint, sie würden erstaunt gewesen sein, den erwähnten Stern unter
-der Linie aus den Augen zu verlieren, irrt sicher; waren sie doch schon
-durch ihre Reisen auf dem rothen Meere gewohnt, ihn bei Fahrten in
-südlicher Richtung tiefer und tiefer sinken zu sehen. Wenn sie daher
-dieser Erscheinung nicht Erwähnung thaten, so liegt darin nichts
-Auffälliges, und es würde ganz verkehrt sein, hieraus einen Beweis dafür
-entnehmen zu wollen, dass die Reise überhaupt nicht von ihnen ausgeführt
-sei. Aber selbst in dem Falle, dass sie von dem Verschwinden jenes
-Himmelskörpers erzählt haben, dürfen wir uns nicht wundern, wenn die
-ägyptischen Gewährsmänner Herodots davon nichts wussten; für ein Volk,
-welches der Seefahrt so fern stand, wie das der Pharaonen, hatte der
-Polarstern eine viel zu untergeordnete Bedeutung, als dass eine auf ihn
-bezügliche Bemerkung der phönizischen Schiffer besonderen Eindruck hätte
-machen können und wir erwarten dürften, die Erinnerung an dieselbe nach
-150 Jahren noch lebendig zu finden. Für die Aegypter war die Sonne
-ungleich wichtiger, daher wandte sich ihr Interesse naturgemäss in
-erster Linie den auf sie bezüglichen Nachrichten zu, und das Wunder
-ihrer nördlichen Stellung wurde der Nachwelt überliefert, während
-eventuelle Nachrichten über das Verschwinden des Polarsterns der
-Vergessenheit anheimfielen.
-
-
-
-
- Fehlen des Kompasses.
-
-
-Genau so unüberlegt, wie die eben zurückgewiesene Ansicht, sind einige
-andere Behauptungen, durch die gezeigt werden soll, wie wenig Glauben
-der herodoteische Bericht verdiene. Ich rechne dahin diejenige, dass
-eine so weite Reise ohne Kompass garnicht hätte gemacht werden können.
-Dem gegenüber möchte ich fragen: Was nützte bei einer Fahrt am Ufer
-entlang ein solches Hülfsmittel? Rennell sagt mit Recht: „although it
-may be admitted as an unsurmountable obstacle to the discovery of
-America, in the way to which an extensive ocean was to be crossed, yet
-the voyage in question was a coasting voyage“[259].
-
-
-
-
- Brandungen und Klippen.
-
-
-Ich erwähne ferner die Bedenken, welche Andere, eben durch den Umstand
-veranlasst, dass die Expedition eine Küstenfahrt war, darauf gegründet
-haben, dass den Phöniziern Feinde erstanden, welche die Seeleute mehr
-fliehen als Sturm und Unwetter, nämlich Brandungen und Klippen. Aber,
-bemerkt hiergegen Junker sehr richtig[260], die Schiffer des Alterthums
-werden ihrer weit leichter Herr geworden sein als unsere Matrosen, da
-sie in Küstenfahrten eine ungleich grössere Uebung hatten.
-
-
-
-
- Grund für die Aussendung mehrerer Schiffe.
-
-
-Trotzdem war natürlich die Reise sehr gefahrvoll, und es lag nahe, die
-Möglichkeit eines Schiffbruches ins Auge zu fassen. So erklärt sich
-wohl, dass mehrere Fahrzeuge – die genauere Zahl kennen wir nicht –
-abgesendet wurden; hatte eins Unglück, so brauchte deshalb die
-Expedition noch nicht aufgegeben zu werden, sondern die Mannschaft
-konnte sich auf ein anderes retten. So fuhr auch Demokedes, als er seine
-Fahrt zur Erforschung Griechenlands unternahm, mit drei Schiffen
-aus[261]. Sataspes freilich hatte nur eins[262]; aus welchem Grunde,
-wissen wir nicht. Vielleicht war es ihm so vorgeschrieben, damit die
-Gefahr der Reise gesteigert würde. Möglich ist es, vielleicht
-wahrscheinlich, dass auf der langen Fahrt der Phönizier das eine oder
-das andere Schiff verloren gegangen ist. Man wird nach 150 Jahren bei
-dem vermuthlichen Mangel an schriftlicher Ueberlieferung schwerlich noch
-die Zahl der ausgesandten Schiffe gekannt haben; das Gros der Flotte war
-heimgekehrt und das Problem der Umschiffung gelöst, das genügte; der
-Verlust eines Schiffes oder auch mehrerer war dagegen so verschwindend,
-dass man sich begreiflicherweise nicht die Mühe gegeben hat, darüber der
-Nachwelt besondere Mittheilungen zu hinterlassen.
-
-
-
-
- Art der Fahrzeuge.
-
-
-Welcher Art diese phönizischen Fahrzeuge waren, werden wir aber mit
-ziemlicher Sicherheit feststellen können. Wheeler nimmt an, es seien
-Kauffahrteischiffe gewesen[263], eine Ansicht, der ich nicht zustimmen
-kann, denn unsere Expedition sollte, soweit wir ihren Charakter zu
-erkennen vermögen, wohl nicht selbst Handel treiben, sondern vielmehr
-zukünftigem kaufmännischem Verkehr die Wege ebnen. Wehrlose und
-schwerfällige Schiffe, wie die phönizischen Handelsleute sie häufig
-benutzten – der Name γαυλός, der etwa so viel wie „Wanne“ bedeutet, sagt
-schon genug –, konnte man auf einer so gefahrvollen Expedition nicht
-brauchen, zumal Tauschgegenstände, die man dem etwas unsicheren Geschick
-eines Transportes in völlig unbekannte Gegenden und zu voraussichtlich
-barbarischen Nationen hätte aussetzen müssen, schwerlich mitgenommen
-wurden. Man hat sich vielmehr höchst wahrscheinlich phönizischer
-Pentekontoren bedient, die, Ruder- und Segelschiffe zugleich, sich durch
-einen hohen Grad von Schnelligkeit auszeichneten[264]. Schon in den
-homerischen Gedichten lesen wir ja, dass Schiffe theils durch Ruder,
-theils durch Segel, die man bei günstigem Winde aufzog, bei ungünstigem
-herunterliess, getrieben wurden; im Laufe der Jahrhunderte, welche seit
-der Entstehung jener Lieder verflossen waren, hatten die Phönizier beide
-Arten der Fortbewegung aber in hohem Grade vervollkommnet. Das Urtheil
-Movers’, eines sehr gründlichen Kenners des phönizischen Alterthums,
-über die Pentekontoren lautet: „Für weite Seefahrten an unbekannten und
-gefährlichen Küsten, wozu weder die grossen und schwerfälligen Gauloi,
-noch auch die Triremen wegen ihres Tiefgangs taugten, war die
-leichtgebaute mit Rudern und Segelwerk versehene, dazu mit
-Kriegsmannschaft ausgerüstete Pentekontore ganz das geeignete
-Fahrzeug“[265]. Die Behauptung Vincents, die Phönizier hätten mit diesen
-kleinen Barken niemals ums Kap fahren können[266], ist leicht widerlegt.
-Zunächst kann man im allgemeinen annehmen, dass Schiffe, die von Syrien
-nach Indien und Britannien fuhren, auch gross genug gewesen sein werden,
-die Reise um Afrika zu machen trotz all der Schrecknisse und Gefahren,
-welche Vincent[267] anführt, und wenn auch vorauszusetzen ist, dass der
-Verkehr zwischen Phönizien und jenen Ländern hauptsächlich durch
-Kauffahrteischiffe, also durch Gauloi, vermittelt wurde, so wird doch
-schwerlich jemand bestreiten, dass auch Pentekontoren, sei es als
-Pfadfinder, sei es zur Bedeckung jener, dorthin gekommen sind. Als
-speziellen Beweis für die Möglichkeit, auch auf einem kleinen Fahrzeuge
-eine ähnliche Strecke wie die Phönizier zurückzulegen, erwähne ich aber
-noch, dass im Jahre 1539 Diego Botelho, ein Portugiese, sich zu Goa auf
-einem Boote von etwa 5 Meter Länge und 3 Meter Breite einschiffte und
-glücklich nach Lissabon gelangte[268]. Auch der in tausend Gefahren
-erprobte Muth phönizischer Seeleute mag die Zweifel derjenigen
-überwinden helfen, welche meinen, dass die benutzten Schiffe für eine
-solche Reise zu schwach gewesen seien. Es ist eine unleugbare Thatsache,
-dass die Erfahrung und Kühnheit der Bemannung in gewissem Grade die
-Schwäche ihrer Fahrzeuge zu kompensiren vermag; das zeigt uns das
-Beispiel der Normannen, die an allen Küsten Europas Schrecken
-verbreiteten, obgleich ihre Schiffe so klein waren, dass sie mit ihnen
-auch auf Flüssen fahren konnten, oder das der Malayen, die in ihren
-kleinen Barken um die halbe Erde gewandert sind[269]. Wir dürfen also
-annehmen, dass die Phönizier auf ihren Pentekontoren allen
-Eventualitäten der Reise, welche an die Leistungsfähigkeit ihrer
-Fahrzeuge appellirten, gewachsen waren, und werden schwerlich irren,
-wenn wir hinzufügen, dass der König Necho ihnen durchaus seetüchtige
-Schiffe zum Zwecke der Umsegelung auf dem rothen Meere wird haben bauen
-lassen.
-
-
-
-
- Schnelligkeit der Schiffe des Alterthums.
-
-
-Um uns aber ein richtiges Bild von der ganzen Expedition zu machen,
-werden wir diese Fahrzeuge auf das, was sie an Schnelligkeit leisten
-konnten, einer genaueren Prüfung unterziehen müssen; wir werden dann
-feststellen können, ob sie im Stande waren, in der angegebenen Zeit die
-ja immerhin bedeutende Strecke um Afrika herum zurückzulegen. Die Gegner
-haben auch dieses bezweifelt und zum Beweise für die Richtigkeit ihrer
-Ansicht ein naheliegendes aus Herodot entlehntes Beispiel, das des
-Skylax von Karyanda, angeführt[270], der zu einer Reise von Kaspatyros
-den Indus hinab bis zu der Stelle, von wo Necho seine Expedition
-ausgesendet hatte, also zu einer weit kürzeren Fahrt, etwa eben so viel
-Zeit gebrauchte, wie unser Gewährsmann den Phöniziern bewilligt, nämlich
-30 Monate. Es ist nun die Behauptung aufgestellt worden, dass die
-Phönizier unmöglich ihre Reise in der angegebenen Zeit hätten vollenden
-können, wenn etwa hundert Jahre später Skylax zu der seinigen eben so
-viel aufwenden musste. Aber diese Behauptung ist nur scheinbar richtig.
-Wie es gekommen sein mag, dass Skylax so lange Zeit zum Durchsegeln
-einer verhältnissmässig geringen Entfernung brauchte, wissen wir nicht,
-vielleicht wird es sich aus öfterem Anlegen erklären lassen. Das aber
-wissen wir glücklicherweise, dass die Schiffe des Alterthums in Betreff
-ihrer Schnelligkeit weit leistungsfähiger waren, als es nach dieser
-Notiz Herodots scheinen könnte, und damit wird der von gegnerischer
-Seite angeführte Grund hinfällig. Den Beweis für meine Behauptung werde
-ich sogleich erbringen. In dem Periplus des Skylax findet sich eine
-Stelle[271] des Inhalts, dass im fünften Jahrhundert eine Küstenfahrt
-von Phönizien bis zu den Säulen des Herakles bei einer Entfernung von
-etwa 5300 km 80 Tage dauerte. Das würde auf den Tag 66 km ausmachen.
-Diese Angabe dürfen wir, da es sich um eine Reise nach Spanien handelt,
-wohl auf ein schweres, sogenanntes Tarsisschiff beziehen; leichte
-Fahrzeuge fuhren schon früher weit schneller. Bereits bei Homer[272]
-segelt ein phönizisches Schiff in sieben Tag- und Nachtfahrten von einer
-der Inseln nördlich von Delos bis Ithaka. Freilich wird gegen die
-Heranziehung dieses Beispieles geltend gemacht werden, dass die Angaben
-Homers in der Schilderung des Lebenslaufes des Eumäus, welche die
-angeführte Stelle enthält, soweit sie sich auf Lokales beziehen, jedes
-topographischen Untergrundes entbehren und reine Phantasiegebilde seien,
-sodann, dass es sowohl gewagt erscheinen dürfte, Dichterstellen zu
-benutzen zur Bildung geographischer Begriffe, als auch im besondern
-einen Epiker als Zeugen zu zitiren, dessen Existenz von der
-wissenschaftlichen Kritik längst als Sage hingestellt ist. Dem gegenüber
-mag es aber gestattet sein, darauf hinzuweisen, wie doch auch die
-Interpreten unserer deutschen Heldenlieder vielfach nicht nur den
-allgemeinen Schauplatz mancher Begebenheiten, sondern auch bestimmte
-ursprünglich sagenhaft erscheinende Lokalitäten mit Sicherheit als
-wirklich vorhanden festgestellt haben und kein Grund vorliegt, beim
-griechischen Epos auf die gleiche Möglichkeit zu verzichten, wie ferner
-gerade die letzten Jahrzehnte durch ihre überraschenden Resultate auf
-dem Gebiete der Ausgrabungen den Beweis geführt haben, dass bei Homer
-manches wörtlicher zu nehmen ist, als es früher den Anschein hatte, und
-also mit den in jener Erzählung aufgeführten Punkten in der That recht
-wohl Inseln des ägäischen Meeres gemeint sein können, vor allem aber,
-wie niemand – mag die homerischen Gedichte geschrieben haben, wer will
-–, dem Dichter oder den Dichtern gründliche Kenntniss aller nautischen
-Verhältnisse, also auch der Entfernung zwischen zwei durch Schifffahrt
-verbundenen Oertlichkeiten wird absprechen wollen. Der Weg von Delos bis
-Ithaka ist nun etwa 560 km lang, sie fuhren also in 24 Stunden ca. 80
-km. Wer aber diesen Beweis aus Homer nicht gelten lassen will, den
-verweise ich auf Herodot. Er giebt an[273], dass ein Schiff in 24
-Stunden weit über 200 km fährt, eine Stelle, die freilich nicht ganz
-unverdächtig ist wegen des Verhältnisses zwischen Tag- und Nachtfahrt,
-das schwerlich stimmen kann. Es soll nämlich das betreffende Fahrzeug
-unter ca. 41° n. Br. – das ist die Lage des südlichen Pontos, und von
-dieser Gegend ist die Rede – zur Zeit des Hochsommers bei Tage etwa 130,
-bei Nacht etwa 110 km – also im ganzen 240 – zurücklegen, und daher
-scheint es, dass hier ein Irrthum untergelaufen sei, da sich sonst in
-der erwähnten Jahreszeit unter jenem Breitengrade die Länge des Tages
-zur Länge der Nacht etwa wie 7 : 6 verhalten würde. Das ist aber nicht
-der Fall, sie verhält sich etwa wie 5 : 3[274]. Doch steht die
-Gesammtleistung, wenn der Bericht wahr ist, nicht vereinzelt da; bei
-Xenophon[275] legt eine unter Segeln und Rudern gehende Triere den Weg
-von Byzanz nach Heraklea Pontica – über 200 km – in einem Tage zurück,
-ohne die Nacht zu benutzen, ja, Graser[276] schätzt in seinem
-mustergültigen Werke die höchste Schnelligkeit der Schiffe zur Zeit des
-Xenophon auf 9-10 Knoten (Seemeilen) in der Stunde, das ergiebt auf 24
-Stunden die erstaunliche Summe von 450 km. Interessant ist auch die
-Notiz in Arrians Periplus Ponti Euxini[277], wo an einem Vormittage,
-noch dazu bei zeitweise ungünstigem Wetter, über 90 km zurückgelegt
-werden, so dass auf 24 Stunden – gleiche Fahrgeschwindigkeit zur
-Nachtzeit vorausgesetzt – 360 km kommen würden. Diese Schnelligkeit
-unter erschwerenden Umständen ist so erstaunlich, dass der Herausgeber
-hier einen Irrthum vermuthet. Schliesslich sind noch einige
-Mittheilungen des Plinius erwähnenswerth[278]. Von der Strasse von
-Messina ging, wie er erzählt, ein Schiff bis Alexandria in 6 Tagen, das
-macht über 260 km auf den Tag, von Gades nach Ostia in 7 Tagen, das
-würde etwa eben so viel ausmachen, von Afrika nach Ostia aber in 2
-Tagen, so dass auf den Tag gegen 300 km kommen. Nur bei solcher
-Schnelligkeit wird die Anekdote von der Feige des Cato glaublich, die
-den dritten punischen Krieg veranlasst haben soll[279], und nur so lässt
-es sich erklären, dass der alte Fanatiker die römischen Senatoren
-glauben machen konnte, die Epigonen Hannibals ständen vor den Thoren der
-Stadt, wenn sie in Afrika mit König Masinissa um ihre Grenzen haderten.
-
-
-
-
- Leitung der Expedition.
-
-
-Nachdem wir uns so ein Bild von der Leistungsfähigkeit der Schiffe des
-Alterthums gemacht, werden wir im Stande sein, ein Urtheil darüber zu
-gewinnen, ob die phönizischen Pentekontoren in dem von Herodot
-angegebenen Zeitraume die Umsegelung vollbringen konnten, verschieben
-aber die Beantwortung dieser Frage auf später, um dann mit ihr zugleich
-eine genauere Vertheilung der gesammten Zeit auf die einzelnen
-Abschnitte der Fahrt vorzunehmen, und lenken unsere Aufmerksamkeit
-zunächst auf einen anderen Punkt, nämlich auf die oberste Leitung der
-Expedition. Wer war der Führer dieses zur Lösung eines so wichtigen
-Problems ausgesandten Geschwaders? Herodot nennt seinen Namen nicht, und
-es fehlt jede Handhabe, darüber Vermuthungen aufzustellen. Wenn ich nun
-doch bei diesem Punkte noch ein wenig verweile, so geschieht es, um die
-Angriffe zurückzuweisen, welche er hervorgerufen hat. Es ist behauptet
-worden, man könnte doch erwarten, dass bei einem so hervorragenden
-Unternehmen, wenn es wirklich stattgefunden hätte, auch der Name des
-Führers überliefert wäre; da er fehle, sei die Erzählung von der Fahrt
-einer Fabel gleich zu achten. Dagegen lässt sich aber Folgendes
-erwidern. Dass der Name nicht erhalten ist, scheint weniger wunderbar
-als betrübend, und keinenfalls kann dieser Umstand als Beweis dafür
-gelten, dass die Umsegelung nicht stattgefunden habe. Auch die Stellen
-bei Strabo[280] und in der Bibel[281], wo von den wohl allgemein als
-historisch anerkannten und gewiss für das Alterthum sehr hervorragenden
-Fahrten der Phönizier nach Tarsis, den Kassiteriden und Ophir die Rede
-ist, nennen die betreffenden Führer nicht. Das _Fehlen_ des Namens ist
-somit ganz gewiss kein Beweis gegen die Glaubwürdigkeit des Berichtes;
-eher würde es unter Umständen das _Anführen_ eines solchen sein können,
-wie die von Vincent[282], wie mir scheint, nicht sehr glücklich
-herangezogenen mythischen Beispiele zeigen. Er argumentirt: Bei den
-Fahrten aus älterer Zeit nennt man Herakles, Jason u. a. als Führer,
-obgleich deren Thaten sich doch auf einem weit kleineren Raume
-abspielten; da durfte bei unserm Unternehmen ein Hinweis auf den Leiter
-doch erst recht nicht fehlen. Dem gegenüber meine ich, dass eben die
-Namen jener Helden gegen die ihnen zugeschriebenen Thaten leicht
-Misstrauen erwecken werden. Herakles und Jason sind doch nur Vertreter
-von Kulturperioden; wenn ersterer eine Personifikation der Zeit ist, die
-den Kampf gegen das Ungeheuerliche in der Natur, wie in der Menschheit
-siegreich aufnahm, so erblicken wir in dem letzteren den Vertreter der
-Epoche, in welcher der Grieche die Scheu vor dem trügerischen
-Meereselemente überwinden lernte und zuerst seinen Kiel nach fernen
-Gestaden lenkte. Historische Wirklichkeit wird man keinenfalls diesen
-beiden oder ähnlichen Gestalten zugestehen dürfen. In unserm Falle
-scheint mir nun das Fehlen des Namens gerade ein Beweis für die
-Glaubwürdigkeit der Gewährsmänner Herodots zu sein. Bezweifeln dürfen
-wir kaum, dass letzterer bei seiner Gründlichkeit Erkundigungen über den
-Leiter einer so wichtigen Expedition einzuziehen versucht hat. Nun wäre
-es seinen Berichterstattern ja ein Leichtes gewesen, irgend einen Namen
-zu erfinden, so gut man ein paar Jahrhunderte früher sich den Herakles
-und Jason konstruirt hatte. Trotzdem nannten sie einen solchen nicht,
-sonst hätte Herodot ihn uns sicher überliefert, und dass sie es nicht
-thaten, spricht für ihre Wahrhaftigkeit und damit zugleich für die
-Wahrheit des Faktums, das sie berichteten. Aber, wird eingewendet
-werden, es sind doch z. B. die Namen des Sataspes und Skylax bekannt,
-der Leiter von Expeditionen, welche sich an Bedeutung mit der
-phönizischen nicht annähernd messen können. Wie das gekommen sein mag,
-ist nicht schwer zu erklären. Verweilen wir einen Augenblick bei
-Sataspes. Leicht mag Herodot, wie Berger[283] aus dem, was jener
-Schriftsteller selbst mittheilt[284], meint schliessen zu dürfen, von
-einem Samier, der durch einen Eunuchen des unglücklichen Prinzen in den
-Besitz der Schätze und wohl auch der Nachricht von der verunglückten
-Umsegelung desselben gekommen war, seine Information erhalten haben. Es
-scheint mir aber nicht undenkbar, dass er noch direktere Quellen hatte.
-Er selbst war am persischen Hoflager zu Susa, wie aus einigen Stellen
-seines Werkes hervorgeht[285], und hier war jedenfalls der Name des
-Sataspes noch wohl bekannt; sorgte dafür nicht sein nautisches Fiasko,
-so that es sicher die chronique scandaleuse des Achämenidenhofes. Das
-Vergehen, wegen dessen ihm die Umschiffung Libyens auferlegt war,
-bestand in der Vergewaltigung einer Perserin aus einer der ersten
-Familien des Reiches. Da nun die Hofgesellschaft in der persischen
-Residenz unter dem Einfluss der Haremsdamen sicherlich für derartige
-pikante Stoffe ein treffliches Gedächtniss hatte, lebte auch Sataspes
-noch in der Erinnerung dieser Kreise, wenn seine misslungene Expedition
-ihm auch erst in zweiter Linie dazu verhalf. Es ging ihm ähnlich wie dem
-Paris, der ja auch mehr wegen seiner Heldenthaten im Boudoir der Helena,
-als durch seine Erfolge auf dem Schlachtfelde bekannt ist. Auch
-Berger[286] giebt zu, die Erzählung von der Fahrt des Sataspes trüge den
-Charakter einer Hofgeschichte. Dazu kommt, dass seit dieser Reise beim
-Aufenthalt des Herodot in Susa wohl erst etwa zwei Dezennien verflossen
-waren, seit der Umschiffung Libyens durch die Phönizier, als er in
-Aegypten weilte, aber anderthalb Jahrhunderte. So kann es uns nicht
-wundern, dass man sich des Sataspes trotz seines Misserfolges noch
-erinnerte, während man den leitenden phönizischen Kapitän, der doch
-ungleich mehr geleistet, nicht zu nennen wusste. Was aber den zweiten
-Namen anbetrifft, der herangezogen werden könnte, um den herodoteischen
-Bericht auffallend lückenhaft erscheinen zu lassen, den des Skylax von
-Karyanda[287], der vom Indus zum rothen Meere fuhr, so wird folgende
-Erwägung am Platze sein. Dieser kühne Entdecker war unserm
-Schriftsteller sicher am wenigsten unbekannt. Karyanda lag ja von
-Halikarnass, dem Geburtsort desselben, nur etwa 20 km entfernt, und die
-Fahrt des Skylax wird doch nur etwa ein Menschenalter vor Herodot
-stattgefunden haben. Die nautische That, welche der berühmte Landsmann
-im Dienste des Perserkönigs vollbracht hatte, wird nun zweifellos nicht
-nur in seiner Vaterstadt, sondern auch im benachbarten Halikarnass jedem
-Kinde geläufig gewesen sein, und so erklärt sich meiner Ansicht nach
-sehr natürlich, wie es kam, dass Herodot über ihn genau unterrichtet
-war. Für die Erinnerung an den phönizischen Anführer fehlte es an solch
-günstigen Vorbedingungen, so ist begreiflicherweise sein Name versunken
-und vergessen, und nur seine grosse That lebt im Munde der Nachwelt
-fort.
-
-
-
-
- Welches Getreide haben die Phönizier gesäet und geerntet?
-
-
-Wenden wir uns nun der Betrachtung der Fahrt selbst in ihren
-Einzelheiten zu, so wird es zur Gestaltung eines deutlichen Bildes von
-derselben vor allem nöthig sein, über die Punkte ins Klare zu kommen, wo
-die Phönizier Rast gehalten haben. Es heisst in dem Bericht: „So oft die
-Saatzeit kam, gingen sie ans Land“; meiner Ansicht nach – die Gründe
-werde ich später darlegen – geschah dies im ganzen zweimal. Die Frage,
-wo die Rastorte gelegen haben mögen, ist nun in den meisten mir zu
-Gesicht gekommenen Abhandlungen über unsere Expedition wunderbarerweise
-gar nicht erörtert, in einigen andern oberflächlich berührt, aber, wie
-ich glaube, ganz verkehrt beantwortet worden. Eine direkte Auskunft
-lässt sich aus Herodots Berichte ja auch unmöglich herauslesen, doch auf
-einem Umwege hinter das Richtige zu kommen, scheint mir nicht
-ausgeschlossen zu sein. Auf diesem soll uns die Frage leiten: Was haben
-die Phönizier an ihren Ruhepunkten wohl gesäet und geerntet? Durch die
-Beantwortung derselben werden wir vielleicht einen Fingerzeig zur Lösung
-des andern Problems gewinnen. Zunächst wird es sich darum handeln, was
-wir an dieser Stelle des Herodot unter σῖτος zu verstehen haben. Die
-Antwort hierauf mit Sicherheit zu geben ist nicht ganz leicht und wird
-eine längere Betrachtung erfordern. σῖτος bedeutet überhaupt
-„Kornfrucht“, auch bei Herodot, wo an einer Stelle[288] darunter Weizen,
-Gerste, Hirse und Sesam begriffen werden; ausgeschlossen ist dabei von
-vornherein eine Pflanze, welche nach Diodor[289] in Aegypten, wenigstens
-im Delta, wo unsere Phönizier doch wahrscheinlich ansässig waren, zur
-Brotbereitung diente, der Lotos. Es versteht sich auch von selbst, dass
-diese, die nur bei ausgiebigster Bewässerung gedeiht, von Schiffern
-nicht zur Aussaat mitgenommen werden konnte, wenn sie nicht wussten, ob
-sie die für das Fortkommen derselben erforderlichen Bedingungen
-antreffen würden. Ausser dem, was Herodot an der erwähnten Stelle unter
-σῖτος versteht, könnten wir nun etwa noch an Roggen, Hafer, Reis und –
-wenn wir z. B. Duncker folgen wollen – auch an Mais denken; eine nur
-oberflächliche Betrachtung der einschlägigen Verhältnisse genügt jedoch,
-uns zu überzeugen, dass keine dieser Körnerfrüchte die Phönizier auf
-ihrer Reise begleitet haben wird. Was die erstgenannte Pflanze
-anbetrifft, so soll sie nach Luther zwar in Altägypten gebaut worden
-sein, denn er übersetzt, als von dem Hagelwetter bei Gelegenheit der
-ägyptischen Plagen berichtet wird: „Aber der Weizen und Roggen ward
-nicht geschlagen“[290], doch liegt hier sicher ein Irrthum vor und statt
-„Roggen“ muss es heissen „die Wicke“, eine Frucht, die wohl wesentlich
-als Zusatz zum Viehfutter verwendet wurde[291]. Der Roggen kam überhaupt
-schwerlich im alten Aegypten vor; in den Monumenten wenigstens ist er
-nicht aufgefunden[292]. An Hafer darf noch weniger gedacht werden; er
-wird zwar jetzt in Aegypten gebaut, im Alterthume war dies jedoch nicht
-der Fall[293], ganz abgesehen davon, dass sich das Mehl dieser Frucht
-zum Brotbacken wenig empfiehlt. Was den Reis anbetrifft, so wäre es nach
-de Candolles Ausführungen[294] nicht wunderbar, wenn die Aegypter zur
-Zeit des Necho die Kultur dieser Pflanze gekannt hätten, obgleich sich
-in den Sämereien der Denkmale und auf den altägyptischen Gemälden kein
-Anzeichen dafür findet. Auch hätten die Phönizier aus seinen Körnern,
-wenn nicht Brot, so doch brotähnliche Kuchen herstellen können, aber er
-gedeiht bekanntlich nur in sumpfigen Gegenden, und der Verproviantirung
-mit diesem Lebensmittel wenigstens zum Zwecke der Aussaat, stellten sich
-jedenfalls die bei dem Lotos geltend gemachten Bedenken entgegen.
-Hinsichtlich des Mais aber irren Duncker u. a., welche ihn dem alten
-Aegypten zuertheilen, entschieden[295]; er ist ursprünglich in der
-ganzen alten Welt nicht heimisch, sondern ein Geschenk der neuen an
-diese[296], und in Europa beispielsweise erst seit dem 16. Jahrhundert
-eingebürgert[297]. Fassen wir nun die Pflanzen ins Auge, die Herodot
-selbst, wie oben erwähnt, als zum σῖτος gehörig bezeichnet, so sind
-Sesam und wohl auch Hirse – sowohl panicum italicum, wie auch miliaceum
-– von der Debatte auszuschliessen, obwohl beide in Altägypten vorkamen;
-die erste, weil man sie nur der Oelgewinnung wegen baute[298], die
-zweite, da es, obgleich sich wohl ein brotartiges Gebäck aus ihr
-herstellen lässt, nicht wahrscheinlich ist, dass die Phönizier sich
-davon hauptsächlich genährt haben sollten[299]. Es bleiben demnach noch
-Weizen und Gerste übrig, die beide sowohl für die Verproviantirung, wie
-auch zur Saat von vornherein ganz geeignet erscheinen dürften. Trotzdem
-haben Rawlinson[300] und Sandberg[301] vorgezogen, an Durrah zu denken.
-Da es nun zur Bestimmung der Stellen, wo gesäet, und somit, wo gerastet
-wurde, von der höchsten Bedeutung ist, ob diese Pflanze oder jene
-Getreidearten von den Phöniziern mitgenommen worden sind, wird es unsere
-Aufgabe sein müssen nachzuforschen, mit welchem Recht jene Gelehrten
-dies gethan haben. Der letztgenannte, der allein sich auf eine längere
-Begründung einlässt, führt als Beleg für seine Ansicht Niebuhrs
-Beschreibung von Arabien an, wo erzählt wird, dass zu der Zeit, als
-dieser berühmte Reisende jenes Land besuchte, die grosse Menge des
-arabischen Volkes aus Durrah gebackenes Brot ass. Aber jeder unbefangene
-Beurtheiler wird zugeben, dass aus dem Umstande, dass die Araber Mitte
-vorigen Jahrhunderts Durrahbrot gegessen, schwerlich gefolgert werden
-kann, die Phönizier in Aegypten hätten zweitausend und einige hundert
-Jahre früher das Nämliche gethan. Ferner beruft sich derselbe Herr auf
-eine Stelle der Genesis[302]; es scheint mir aber eine ziemliche Portion
-guter Wille vorausgesetzt zu werden, wenn man aus dieser das Säen von
-Durrah herauslesen soll. Interessant sind die völlig entgegengesetzten
-Urtheile über die Verwendbarkeit der Durrah als Nahrungsmittel. Viktor
-Hehn[303] meint, dass sie wesentlich als Thierfutter Werth habe und nur
-in Theurungsjahren zu anderm Mehl gemischt werde. Dem gegenüber bekundet
-sich in Ungers Ansicht[304] die alte Wahrheit, dass über
-Geschmacksrichtungen nicht zu streiten sei; er behauptet, Durrah gebe
-ein schmackhaftes Brot. Ihm stimmt Delile bei durch seine
-Aeusserung[305]: „il (dourrah d’Égypte) donne une farine bonne pour
-faire des gâteaux“, fährt dann freilich gleich fort: „mais dont on ne
-fait point de pain levé (aufgegangenes Brot), comme avec le blé“. Es
-kann nicht schwer sein, trotz dieser sich entgegenstehenden Ansichten zu
-einem Urtheil darüber zu kommen, ob die Phönizier Durrah mitgenommen
-haben werden oder nicht. Ich glaube entschieden, annehmen zu dürfen,
-dass sie es nicht thaten; entweder gab das Mehl ein unschmackhaftes
-Brot, dann verbot diese Wahl sich von selbst, da eine zusagende Nahrung
-durchaus erforderlich scheinen musste, um die physischen Kräfte und
-damit auch den Muth der Matrosen für die gefährliche Fahrt aufrecht zu
-erhalten, oder es war nur zum Kuchenbacken geeignet, dann handelten sie
-thöricht, wenn sie sich mit so weichlichem Proviant versahen, da ihnen
-kräftige Speise mehr nützte und „toujours perdrix“ für die Menschen zu
-Nechos Zeit gewiss ein eben so wenig anheimelnder Gedanke war, wie für
-die modernen. Vor allem wird sich aber die Frage zur Beantwortung
-drängen: Stand denn den ägyptischen Phöniziern Durrah überhaupt zur
-Verfügung, d. h. wuchs sie um 600 v. Chr. in Aegypten? Die Ansichten
-darüber gehen weit auseinder; Unger[306] meint, es sei sicher der Fall
-gewesen, dahingegen behauptet Alphons de Candolle[307] unter „Holcus
-saccharatus oder Sorghum saccharatum (Moorhirse, Durrahgras)“, dass kein
-Beweis einer so frühen Kultur dieser Pflanze im Nilthal vorliege. Einige
-Denkmäler zeigen die Ernte einer Kornfrucht, welche allenfalls Durrah
-darstellen könnte[308]. Diesem bedauerlichen Zwiespalt der Meinungen
-gegenüber werden wir gut thun, von der Gegenwart ausgehend, zunächst
-festzustellen, was sich über den Anbau der betreffenden Frucht in
-Aegypten für die näher liegenden Zeiten sagen lässt, und da werden wir
-denn finden, dass sie heute dort massenhaft gepflanzt wird. De
-Candolle[309] schreibt unter „Holcus Sorghum oder Sorghum vulgare
-(Kafferhirse)“: „Dies ist eine der am meisten von den Aegyptern der
-Neuzeit unter dem Namen Durrah, im äquatorialen Afrika, Indien und China
-angebauten Pflanzen“ und Delile[310] sagt, dass die Durrah (oder Sorgho)
-das Getreide oberhalb Thebens ersetzt. Im mittelalterlichen Aegypten
-dagegen wurde diese Frucht, so viel wir wissen, nur an einer Stelle
-gebaut[311]; der arabische Arzt aus Bagdad, Abd-Allatif, der gegen das
-Jahr 1200 n. Chr. lebte und eine Beschreibung des unteren Nilthales
-herausgab, theilt ausdrücklich mit, dass sie hier mit Ausnahme der
-oberen Gegend des Saïd – d. i. Oberägypten – fehle. Demnach dürfte es
-nicht wahrscheinlich sein, dass sie im Alterthume in grösserem Umfange
-gebaut wurde, da kein Grund ersichtlich ist, warum die Kultur einer so
-nützlichen Pflanze zurückgegangen sein sollte. Ist diese Annahme aber
-richtig und erst unter der türkischen Herrschaft dies Korn in Aegypten
-allgemein angebaut, so werden die im Delta wohnenden Phönizier, welche
-die Fahrt unternahmen, allenfalls Durrah gekannt, sicherlich aber daraus
-nicht ihr Brot verfertigt haben. Schlosser[312], den Sandberg anzieht,
-meint freilich, die alten Aegypter hätten das Mehl jener Pflanze zum
-Backen verwendet, und wenn er recht hätte, würden Rückschlüsse auf die
-Phönizier ja nicht allzu fern liegen. Das Citat aus Schlosser lautet:
-„Das gewöhnliche Brot, von welchem man neuerdings noch einiges in
-Gräbern gefunden hat, war aus Durrah oder Moorhirse bereitet; ausserdem
-hatte man auch Brot von anderen Getreidearten“. Ganz entgegengesetzter
-Ansicht ist de Candolle[313], welcher meint: „In den Gräbern des alten
-Aegypten hat man das Vorkommen der Kafferhirse nicht mit Sicherheit
-nachgewiesen“. Mir scheint die Stelle aus Schlosser ohne Quellenangabe,
-wie sie ist, und ganz allgemein gehalten, wenig überzeugende Kraft zu
-haben. Es fehlt jeder Nachweis darüber, in welcher Gegend Aegyptens
-diese Durrah enthaltenden Gräber lagen, ob im Delta oder weiter
-oberhalb, und das würde doch, wenn wir für das Alterthum in Betreff
-dieser Pflanze dieselben Verhältnisse annehmen, wie sie uns für das
-Mittelalter verbürgt sind, von grosser Wichtigkeit bei der Entscheidung
-der Frage nach dem Backmaterial sein. Der Fellah in Oberägypten mag sein
-Brot aus Durrah hergestellt haben, ohne dass der phönizische Schiffer an
-der Mündung des Flusses dasselbe that. Auch wird es nicht gleichgültig
-für die Beurtheilung unserer Frage sein, welchem Stande die Leute
-angehört haben, in deren Gräbern man Durrahbrot gefunden hat. Im alten
-Reiche war es ein Privilegium der besseren Kreise, sich eine Art der
-Bestattung zu vergönnen, welche den Zweck erfüllte, den Stürmen der Zeit
-Widerstand zu leisten; im mittleren und noch mehr im neuen Reiche ist
-diese Sitte allgemein geworden, alle Schichten des Volkes nehmen an ihr
-Theil, vom hohen Beamten bis zu den Inhabern der niederen Stellen herab;
-selbst Gräber von Privatleuten und Handwerkern sind mit Sicherheit
-nachgewiesen, und leicht mögen sich auch die Bauern in ähnlicher Weise
-haben bestatten lassen[314]. Diese letzteren befanden sich aber in einer
-kümmerlichen Lage; sie waren grösstentheils unfrei, wie die Natur
-des Landes es mit sich bringt, welche in Folge der grossen
-Ueberschwemmungen, gegen die der einzelne machtlos ist, die Menschen
-zwingt, sich zusammenzuthun zum gemeinsamen Kampfe, in dem sich dann
-naturgemäss der weniger Bemittelte dem Wohlhabenden unterordnet. Kurzum,
-es war mit der Bauernbevölkerung am Nil vor zwei bis drei Jahrtausenden
-genau wie heute: die Lebensweise dieser Leute war ausserordentlich
-dürftig. Nun mag Durrah dem einen absolut nicht munden, dem andern wie
-Kuchen schmecken, eine für den täglichen Konsum minderwerthige Sorte
-Brotes als Weizen und Gerste giebt sie auf alle Fälle[315], und ist es
-nicht unwahrscheinlich, dass der ägyptische Ackersmann der alten Zeit in
-seinen traurigen Verhältnissen gezwungen war, sich des Mehles dieser
-Pflanze zum Backen zu bedienen. Leider theilt uns Schlosser nun nicht
-mit, welches Standes die Leute gewesen sein mögen, in deren Gräbern man
-Durrahbrot gefunden hat; waren es vielleicht bäuerliche Grabkammern, so
-würde das für die Ernährungsweise der Phönizier noch gar nichts
-beweisen. Dieser wesentlich Handel und Seefahrt treibende Bruchtheil der
-ägyptischen Bevölkerung wird in einer finanziell ungleich günstigeren
-Lage gewesen sein als die armen Fellahs, und es leuchtet ein, dass
-demnach die Ernährungsweise der letzteren auf die jener besser situirten
-Leute keine Rückschlüsse gestattet. Die hinsichtlich des Proviantes und
-des Saatkornes aufgestellte Behauptung Sandbergs wird sich also auch
-durch das Citat aus Schlosser nicht stützen lassen, und dieser Umstand
-im Verein mit dem, was sonst gegen die von jenem Forscher vorgebrachte
-Ansicht gesagt ist, dürfte die Mitnahme von Durrah in hohem Grade
-unwahrscheinlich machen. Ich komme also darauf zurück: Die Kornfrucht
-der Phönizier entstammt den Pflanzen, welche Herodot[316] in erster
-Linie als σῖτος bezeichnet, dem Weizen oder allenfalls der Gerste, die
-man beide, wie die heilige Schrift bezeugt, und wie das Stroh beweist,
-das man in ungebrannten Ziegeln findet[317], im Alterthume in Aegypten
-baute. Nun wissen wir zwar durch Herodot[318], dass die Aegypter das aus
-diesen Pflanzen hergestellte Brot verschmähten, was ja nach Delile[319],
-der ausdrücklich bestätigt: „L’orge est le grain que les Égyptiens
-donnent aux chevaux“, hinsichtlich der Gerste auch heute noch der Fall
-ist, aber es liegt nicht der geringste Grund zu der Annahme vor, dass
-die Phönizier diesen Abscheu getheilt hätten. Im Gegentheil, wir dürfen
-aus der bekannten Thatsache, dass in vielen Mumiengräbern sich
-Weizenkörner gefunden haben, vielmehr mit Sicherheit schliessen, dass
-garnicht einmal alle Aegypter, sondern vielleicht nur die
-gesellschaftlichen Kreise oder die Landstriche, mit denen Herodot in
-Berührung kam, sich ablehnend gegen Brot aus diesem Getreide verhielten.
-Weizen, das Hauptprodukt Aegyptens, haben meiner Ansicht nach also die
-Phönizier mit auf die Reise genommen, von dieser Frucht ihr Brot
-gefertigt und die Körner derselben gesäet. Daneben könnte man noch an
-Gerste denken, wenn auch deren Name „oberägyptisches Getreide“[320] ihre
-Verwendung weniger wahrscheinlich macht; da diese sich aber in allen für
-unsere Abhandlung wichtigen Fragen – Säen, Fortkommen und Ernten – ganz
-ähnlich verhält wie der Weizen, werde ich im Folgenden nur letzteren ins
-Auge fassen, wobei ich die eventuelle Substituirung jener andern
-Getreideart jedem Leser überlasse.
-
-Zur Bekräftigung der eben vertretenen Ansicht, σῖτος bedeute an unserer
-Stelle Weizen, wird es sich noch empfehlen, im Folgenden zu untersuchen,
-ob die Bewohner des unteren Nilthales sich vorwiegend von Brot aus dem
-Mehle dieser Pflanze nährten; lautet die Antwort bejahend, so muss die
-Annahme, die Phönizier hätten anderes Getreide mitgenommen, von selbst
-ausgeschlossen erscheinen. Nach der soeben mitgetheilen Behauptung
-Herodots, betreffend die Abneigung der Aegypter gegen Weizenbrot, könnte
-es nun zwar – zumal da sie, wie wir aus den Opferlisten der Gräber
-wissen, mindestens 16 verschiedene Arten Brot und Kuchen kannten[321] –
-den Anschein haben, als wenn dieser Nachweis schwerlich glücken dürfte,
-und doch ist er möglich, denn in den allgemeinen Begriff Weizen können
-wir zweifellos die Abart des Spelzes oder, wie man in andern Gegenden
-Deutschlands sagt, des Dinkels hineinbeziehen, und diese wurde in
-Aegypten als Nahrungsmittel in ausgiebigster Weise verwendet: malte sich
-doch die Phantasie des dort ansässigen Bauern das Paradies als ein
-Gefilde, wo sie sieben Ellen hoch würde[322]. Die Griechen hatten – wie
-wir – zwei Namen für den Spelt, und Herodot sagt ausdrücklich[323]: „Die
-Aegypter leben von ὄλυρα, welche andere ζειά nennen“. De Candolle
-bezweifelt zwar das Vorkommen des echten Spelzes in Altägypten und den
-benachbarten Ländern[324], aber der angeführte Ausspruch Herodots lässt
-es mindestens sehr zweifelhaft erscheinen, ob er recht hat. Sehr
-erschwert werden Untersuchungen wie die vorliegende leider dadurch, dass
-die griechischen Autoren die Cerealien in so kurzer und nichtssagender
-Weise beschrieben haben und in Folge davon der Sinn, den sie mit ihren
-Worten haben verbinden wollen, häufig genug ganz unsicher
-erscheint[325]. Immerhin aber gewinnt aus mancherlei Gründen die
-Ansicht, dass in Aegypten irgend eine Weizenart – gleich viel welche –
-gebaut wurde und diese an unserer Stelle unter σῖτος zu verstehen sei,
-grosse Wahrscheinlichkeit. Nicht nur wies der fette Boden seine Bewohner
-wesentlich auf die Kultur dieses Getreides hin[326], sondern auch die
-Denkmäler zeigen Weizen als Ernteprodukt, wie ja auch heute noch diese
-Kornfrucht für das Land des untern Nil von hoher Bedeutung ist. Thomé
-bezeugt dies ausdrücklich, wenn er sagt: „Weizen und Mais, zu denen in
-Oberägypten die Mohrenhirse und im Delta Reis hinzutreten, sind die am
-meisten gebauten Getreide“[327]. War doch auch Aegypten während des
-ganzen Alterthums von den Zeiten Josephs[328] bis auf die des römischen
-Kaiserreiches[329] die Kornkammer seiner Nachbarländer, deren Bedarf an
-Weizen es grossentheils deckte, und wie sehr diese Erdstelle als
-Hauptproduktionsstätte jener nützlichen Pflanze angesehen wurde, zeigt
-uns das Urtheil Diodors[330], der sie geradezu als Vaterland der
-Weizenkultur rühmt. Ist seine Ansicht nun auch keineswegs richtig, so
-mag sie doch als Beweis dafür gelten, wie gut das fragliche
-Bodenerzeugniss dort gedieh. De Candolle[331] belehrt uns, dass sehr
-alte Denkmäler Aegyptens, aus der Zeit vor der Invasion der Hyksos,
-diese Kultur als eine schon begründete hinstellen, und wenn – wie
-erwähnt – in den Mumiensärgen vielfach Weizen gefunden wurde, so ist das
-bezeichnend genug für die Rolle, welche ein Getreide spielte, das
-Unger[332] mit Recht als die wichtigste der ägyptischen Kornfrüchte
-hinstellt. Wie unerschöpflich die Produktionsfähigkeit des Landes in
-Bezug auf Weizen war, zeigt uns die Notiz des Plutarch in seiner Vita
-des Perikles[333], wo er erzählt, der König von Aegypten habe den
-Athenern 40000 Scheffel dieses Getreides geschickt. Der betreffende
-König kann nur Amyrtäus gewesen sein[334], und er konnte das Geschenk
-machen, nachdem Theile Aegyptens 20 Jahre lang vom Kriege verheert
-worden waren. Hier wird übrigens nicht im allgemeinen von σῖτος
-gesprochen, sondern es heisst τετρακισμυρίουσ πυρῶν μεδίμνους, und wenn
-Link[335] nachweist, dass in den späteren Zeiten des Alterthums σῖτος
-geradezu für πυρός gebraucht wurde, also die besondere Bedeutung
-„Weizen“ annahm, so ist dies gewiss ein Grund mehr für die Richtigkeit
-der Vermuthung, das Wort könne auch bei Herodot dasselbe bezeichnen.
-Dafür dass die Phönizier sich wesentlich aus diesem Getreide ihr Brot
-gefertigt haben, spricht übrigens ferner der Umstand, dass in ihrer
-syrischen Heimath Weizen und Gerste am häufigsten gebaut wurden[336];
-und wenn Herodot erzählt, die Aegypter hätten das Mehl jener Früchte
-nicht zum Backen benutzt, und dies als etwas besonders Bemerkenswerthes
-hinstellt, das sie von andern Leuten unterschied, so dürfen wir daraus
-doch ebenfalls schliessen, dass die erwähnten Getreidearten andern
-Völkern, also doch auch wohl den seekundigen Fremdlingen, ihr
-wichtigstes Nahrungsmittel gewährten. Zu der Annahme aber, die
-Phönizier, welche ihre Heimath verliessen und in Aegypten Kolonieen
-gründeten, hätten ihre Lebensweise geändert, liegt gar kein Grund vor.
-Wenn wir für ausgemacht halten dürfen, dass die ägyptische
-Handelsflotte, so weit es überhaupt eine solche gab, bei der Abneigung
-der Aegypter gegen das Meer, in Händen phönizischer Kaufleute und
-Schiffer war, so ist damit zugleich gesagt, wo diese sassen, nämlich im
-Delta, und hier fehlte es zur Zeit des neuen Reiches sicherlich an dem
-trefflichsten Marschboden für Weizenbau nicht. Kurz, man mag die Frage
-erörtern, wie man will; es wird stets dasselbe resultiren: die Phönizier
-lebten, was ihre vegetabilische Nahrung anbetraf, wesentlich von
-Weizenbrot, und σῖτος kann hier nichts anderes bedeuten als Weizen
-eventuell Spelz – oder – wie ja immer mit eingeschlossen – Gerste.
-
-
-
-
- Die Rastorte der Phönizier.
-
-
-Mit dieser Erkenntniss ist aber unendlich viel gewonnen; wir können nun
-einen grossen Theil Afrikas von vornherein als ausgeschlossen in Bezug
-auf die Stationen der Phönizier bezeichnen. Wir wissen nämlich, dass
-innerhalb der Wendekreise mit Ausnahme einiger Gegenden, die in Folge
-besonderer lokaler Eigenthümlichkeiten, wie z. B. frischer Winde, eine
-exzeptionelle Stellung einnehmen, Weizen erst in solchen Höhen gebaut
-werden kann, die hinsichtlich ihrer klimatischen Verhältnisse den
-subtropischen Zonen entsprechen[337]. Murzuk z. B. ist einer der
-südlichsten Punkte nördlich des Aequators, wo in Afrika noch Weizen und
-Gerste gedeihen, aber nur im Winter[338]. Da nun innerhalb der
-Tropenzone der Küstensaum Afrikas durchweg niedrig und auch sonst der
-angedeuteten Vergünstigungen nicht theilhaftig ist, da ferner die
-Annahme, die Phönizier hätten sich von ihren Schiffen weg weiter ins
-Innere des Landes auf die zum Plateau führenden Terrassen begeben, um
-dort zu säen und zu ernten, ganz unhaltbar erscheint, können wir mit
-Sicherheit behaupten: innerhalb der Wendekreise haben die Phönizier ihre
-grossen Ruhepausen nicht abgehalten. Auch einige Küstenstrecken in den
-gemässigten Zonen können sogleich ausgeschlossen werden. In der
-nördlichen einmal die kleine Stelle an der Ostküste vom Abfahrtsorte bis
-zum Wendekreise des Krebses, weil da eine Ergänzung des Proviantes noch
-nicht nöthig war, sodann an der andern Seite des Erdtheils das Gebiet
-vom nördlichen Wendekreise bis zum Atlas hin als der Sahara angehörig;
-in der südlichen gemässigten Zone aber die Partie westlich von der
-Kalahari. Hier kann zwar Ackerbau getrieben werden, aber nur mit Hülfe
-künstlicher Bewässerung[339]. Wenn nun die Phönizier solche auch höchst
-wahrscheinlich kannten[340], so wird doch niemand behaupten, sie hätten
-dieselbe hier angewendet, denn die Anlage solcher Irrigationen erfordert
-Zeit. Da nun jedenfalls wohl zweimal gerastet wurde – in den beiden
-ersten Jahren je einmal – und diese Rastorte unbedingt auf der Strecke
-vom Abfahrtsorte bis zur Strasse von Gribraltar zu suchen sind – denn
-erst im dritten fuhren sie durch die Säulen des Herakles –, kann der
-erste nur in dem südlichen Zipfel des Erdtheils, der zweite im
-Atlasgebiet gelegen haben. Im Kaplande, wo das Klima bereits subtropisch
-ist, gedeiht Weizen schon in geringer Höhe über dem Meeresspiegel.
-Vivien de St. Martin sagt in seinem Dictionnaire de géographie
-universelle[341] über diese Stelle unseres Planeten: „Pendant la plus
-grande partie de l’année là ou il y a de l’eau la terre rend presque
-tout ce qu’on lui demande“. Nun zerfällt dieses Land hinsichtlich der
-Niederschlagsvertheilung in einen Ost- und einen Westtheil[342]; in
-ersterem regnet es in der Zeit vom September bis April, in letzterem im
-Winter (unserm Sommer). Wie ich später nachweisen werde, sind die
-Phönizier nun wahrscheinlich im Mai des ersten Jahres ihrer Fahrt in
-Südafrika angelangt; liessen sie sich hier im westlichen Kaplande nieder
-und säeten etwa Anfang Juni, so hatten sie die sicherste Aussicht in
-Betreff des Aufgehens der Saat. Es hat sich in den wärmern Ländern im
-allgemeinen der Gebrauch herausgestellt, zur Zeit des niedrigsten
-Sonnenstandes zu säen, wenn die folgenden Monate zugleich angenehme
-Feuchtigkeit bieten; die Periode, in welcher das Getreide wachsen soll,
-ist ja naturgemäss die milderer Temperatur, wie ansteigenden Lichtes und
-muss stets im Anfang viel, nachher weniger Feuchtigkeit bieten[343]. Das
-trifft alles für jene Gegend zu; wenn zu Beginn des Juni gesäet wurde,
-hatte man bis August ausgiebige Feuchtigkeit, von da an nahm sie bei
-steigender Temperatur allmählich ab[344]. Da der Zwischenraum zwischen
-Saat und Ernte von Weizen und Gerste in diesen Gegenden nun ungefähr 5-6
-Monate beträgt, würden sie etwa im November geerntet haben. Der zweite
-Rastort wird im Atlasgebiete südlich der Strasse von Gibraltar, also
-etwa im heutigen Marokko zu suchen sein. Auch von dieser Gegend ist es,
-wie vom Kaplande, bekannt, dass sie zur Produktion von Weizen sehr
-geeignet ist. Hier mögen die Phönizier, wie weiter unten ausgeführt
-werden soll, etwa im folgenden November angekommen sein, und da die
-Aussaat in diesen Gegenden im Dezember stattfindet, konnten sie, wenn
-sie dies Geschäft rechtzeitig vornahmen, im Juni ernten[345].
-
-Nach diesen Ausführungen wird die Ansicht Rennels, sie hätten zuerst in
-Angola und später in Senegambien Station gemacht, die, wie so manche
-andere, sein Landsmann Wheeler theilt, hinfällig[346]. Sein Irrthum ist
-übrigens verzeihlich; er publizirte sein Werk im Jahre 1800, also zu
-einer Zeit, wo der Gedanke an eine Wissenschaft der Pflanzengeographie
-in A. von Humboldts Kopfe noch unausgesprochen schlummerte. Ebenso
-unhaltbar ist natürlich auch die Vermuthung Junkers[347], dass sie auf
-der Küste von Mozambique oder Sofala und später in Oberguinea gesäet und
-geerntet haben könnten, und nicht minder diejenige Peschels, der von
-einem zweimaligen australischen Frühlinge[348] spricht. Wie dieser
-scharfsinnige Gelehrte zu der Annahme kommt, die Phönizier hätten an
-beiden Rastorten sich südlich vom Aequator befunden, ist mir, da er
-Gründe für seine Behauptung nicht anführt, leider unklar geblieben.
-Wunderbar könnte es auf den ersten Blick erscheinen, dass die Sendlinge
-Nechos die passenden Stellen und die richtige Jahreszeit für die Aussaat
-des Weizens erkannten; bei genauerer Betrachtung erklärt sich aber auch
-dieses leicht. Dass sie im Kaplande zu säen beschlossen, dazu mag sie
-der Stand der Sonne veranlasst haben, die sie hier bei ihrer Ankunft
-mittags etwa eben so tief im Norden erblickten, wie in Aegypten und in
-ihrer syrischen Heimath im Süden, wenn man dort im Dezember zur Aussaat
-des Weizens schritt[349]. Auch war die Temperatur der heissen Zone, die
-sie vorher durchsegelten, jedenfalls zu verschieden von der
-heimathlichen, als dass sie zu einem Versuche hätte einladen können; die
-des Kaplandes hingegen entsprach jener ungefähr, und dasselbe wird in
-Marokko der Fall gewesen sein. Ferner dürfen wir annehmen, dass die
-Phönizier mit dem Lande fortgesetzt in Verkehr standen; abgesehen von
-mancherlei Bedürfnissen, die sie gezwungen haben werden, hier und da
-anzulegen, musste ihnen bei ihren auf die Eröffnung eines neuen
-Handelsgebietes gerichteten Plänen eine möglichst genaue Erkundung von
-Land und Leuten am Herzen liegen. Sie wären nicht Phönizier gewesen,
-wenn sie darauf verzichtet hätten. In der Ausübung dieser Thätigkeit
-werden sie nun ohne Mühe aus den Beschäftigungen der Küstenvölker und
-dem Stande der Felder erkannt haben, wo und wann es angängig sein
-könnte, Weizen zu säen, und so in der westlichen Hälfte des Kaplandes
-als der ihrem Vorhaben günstigeren gelandet sein. Im Atlasgebiet kam
-ihnen aber vielleicht noch ein anderer Umstand zu Hülfe. Strabo[350]
-erzählt, die Phönizier hätten kurze Zeit nach dem trojanischen Kriege an
-der Westküste Libyens Städte angelegt. Nun äussert zwar derselbe
-Schriftsteller an anderer Stelle hinsichtlich dieser Gründungen
-Bedenken, aber seine Zweifel können nicht ins Gewicht fallen, denn
-Junker[351] weist nach, dass er auch sonst Glaubwürdiges verwirft. Diese
-Kolonieen, von denen ein Theil sehr wohl im heutigen Marokko liegen
-mochte, oder wenigstens Reste derselben, werden nun die nechonischen
-Phönizier berührt haben und durch den Rath ihrer Landsleute hinsichtlich
-der Zeit der Feldbestellung sicherlich unterstützt worden sein.
-
-
-
-
- Was bedeutet Her. IV, 42 φθινόπωρον?
-
-
-Die vorstehenden Auseinandersetzungen zeigen zur Genüge, dass das Wort
-φθινόπωρον an unserer Stelle nicht den Herbst im meteorologischen Sinne
-bezeichnen kann, sondern in der Bedeutung von „Saatzeit“ aufzufassen
-ist. Herbst – nach ägyptischen Verhältnissen gerechnet – haben unsere
-Schiffer überhaupt während ihres Aufenthalts auf den Hauptstationen nur
-einmal gehabt und zwar im zweiten Jahre in Marokko. Als im ersten Jahre
-der ägyptische Herbst kam, also in unserem September, rasteten sie auf
-der Südspitze und hatten demnach Frühling; als aber im März der Herbst
-der südlichen Halbinsel begann, waren sie sicher bereits wieder von dort
-abgefahren. Schon aus diesen Betrachtungen ergiebt sich, dass unter
-φθινόπωρον nicht das verstanden werden darf, was der Kalender als
-„Herbst“ bezeichnet. Gosselin[352] freilich behauptet, da das Fallen der
-Jahreszeiten in andere Monate, wie es doch auf der südlichen Halbinsel
-stattfinde, an der Stelle, wo von Saat und Ernte die Rede ist, garnicht
-erwähnt sei, könne man mit Sicherheit annehmen, dass die Phönizier von
-dieser Erscheinung selbst nichts gewusst und also die Fahrt überhaupt
-nicht gemacht hätten. Ich möchte dem gegenüber darauf hinweisen, dass
-wir in der kurzen Notiz bei Herodot schwerlich alles besitzen, was über
-jene Reise anderthalb Jahrhunderte vor dessen Aufenthalt in Aegypten in
-die Oeffentlichkeit gedrungen war. Da die Fahrt aber nicht die geringste
-Konsequenz für die Geschichte Aegyptens gehabt hatte, waren die
-Einzelheiten verschollen und wären es vielleicht für immer gewesen, wenn
-nicht die Priester dem wissensdurstigen Fremdling zu Liebe die wenigen
-Trümmer der Ueberlieferung, die man noch besass, wieder ans Tageslicht
-gezogen hätten. Wie viel Wunderbares mag den Phöniziern auf ihrer Fahrt
-in den fremden Gegenden aufgestossen sein! Und doch erfahren wir – sei
-es, dass sie absichtlich schwiegen, sei es, dass die Kunde im Laufe der
-Zeit verloren ging – über alle diese Dinge, abgesehen von dem
-veränderten Stande der Sonne, nichts. Wie dürfen wir nun eine
-Mittheilung gerade darüber erwarten, dass die Schiffer die Aussaat ein
-einziges Mal zu anderer Zeit vornahmen als daheim? Ich muss also dabei
-beharren: φθινόπωρον bedeutet hier „Saatzeit“; diese deckte sich im
-ersten Jahre der phönizischen Reise, als am Kap Halt gemacht wurde,
-keineswegs mit dem ägyptischen Herbste, wohl aber im zweiten bei
-Gelegenheit der marokkanischen Rast. Bähr sagt[353], φθινόπωρον bezöge
-sich „ad illud omnino tempus, quo sua quisque in terra maturos percipiat
-fructus“, vergisst aber dabei, dass nicht unter allen Himmelsstrichen
-und nicht für alle Früchte der Herbst die Zeit der Ernte ist; seine
-Erklärung passt hinsichtlich des Weizens weder für das Kap, noch für die
-Länder des Atlas. Die Gewährsmänner Herodots aber, welche zwar wussten,
-dass die Phönizier mehrmals gesäet und geerntet hatten, hinsichtlich der
-Einzelheiten sich jedoch völlig im Unklaren befanden, nahmen, da sie die
-klimatischen Verhältnisse der betreffenden Länder nicht kannten, mit
-einem gewissen Rechte an, ersteres sei zur Zeit des Herbstes ihrer
-ägyptischen Heimath geschehen, wo man im Dezember, spätestens im Januar,
-wenn das Wasser abgelaufen war, die Felder bestellte und Weizen Ende
-März[354], eventuell während des April oder Anfang Mai, Gerste etwas
-früher einheimste[355]. Vor allen Dingen erscheint es aber garnicht
-ausgemacht, dass die Priester dem Herodot gegenüber ein Wort mit der
-Bedeutung „Herbst“ gebraucht haben; vermuthlich sprachen sie nur von
-einer Zeit des Säens, und unser Schriftsteller bezog dies auf den
-ägyptischen Herbst, da auch ihm unmöglich bekannt sein konnte, dass z.
-B. am Kap die Saatzeit eine andere sei[356]. Dies ist um so
-wahrscheinlicher, als es nach Diodor fraglich erscheinen muss, ob die
-Aegypter überhaupt den Herbst als besondere Jahreszeit betrachtet haben.
-An einigen Stellen dieses Schriftstellers[357] ist nämlich nur von einem
-ägyptischen Frühling, Sommer und Winter die Rede, auch sagt er bei
-anderer Gelegenheit[358] ausdrücklich, die Aegypter hätten nur drei
-Jahreszeiten angenommen. Ich denke, aus allen diesen Erwägungen wird
-klar hervorgehen, wie sehr Gosselin und seine Anhänger[359] irren, wenn
-sie das Schweigen unseres Berichtes über die veränderte Lage der
-Jahreszeiten in Südafrika so auslegen, als ob die Phönizier die Fahrt
-überhaupt nicht gemacht hätten.
-
-
-
-
- Genauere Vertheilung der Zeit auf die einzelnen Abschnitte der
- Reise.
-
-
-Es wird nun unsere Aufgabe sein nachzuweisen, wie sich die Zeit genauer
-auf die einzelnen Abschnitte der Reise vertheilt. Ich weiss recht wohl,
-dass die bisherigen Rekonstruktionsversuche heftigen Angriffen von
-Seiten derer, welche die Wahrheit der ganzen Erzählung bezweifeln,
-ausgesetzt gewesen sind; sehr mit Unrecht. Auch dem meinen wird es,
-obgleich er in einigen wesentlichen Punkten von den früheren abweicht,
-schwerlich besser gehen. Das kann mich aber nicht abhalten, ihn
-anzustellen. Ob ein solcher Versuch das Richtige trifft, darüber kann
-man ja freilich verschiedener Meinung sein, im Prinzip muss er aber
-gebilligt werden, denn solche Rekonstruktionen tragen nicht nur
-wesentlich dazu bei, ein klares Bild der Reise in uns zu erzeugen,
-sondern verhelfen uns auch in Folge davon zu einem sichern Urtheile über
-die Möglichkeit, bezw. die Wahrscheinlichkeit der Umsegelung und damit
-über die Frage, ob der Bericht eines zuverlässigen Schriftstellers einem
-Phantasiegebilde gleich zu achten oder als Mittheilung über ein
-historisches Faktum zu begrüssen sei. Was nun zunächst das gesammte
-Zeitmass von zwei bis drei Jahren anbetrifft, so musste dies unserm
-Gewährsmanne Herodot schon deswegen völlig ausreichend erscheinen, weil
-er sich Afrika nicht mal bis zum Aequator reichend dachte; dass es aber
-auch zur Umsegelung des Erdtheils in seiner wirklichen Gestalt genügte,
-glauben wir beweisen zu können. Mannerts und anderer Ansicht[360], dass
-die Zeit zu kurz sei, wird nach allem, was früher über die Schnelligkeit
-der Schiffe des Alterthums gesagt ist, keinen Anspruch auf
-Berücksichtigung mehr erheben dürfen, und eben so wenig kann die oben
-erwähnte, oft zitirte Fahrt, die Skylax von Karyanda auf Befehl des
-Darius Hystaspes von Kaspatyros, dem heutigen Kabul[361] aus, nach der
-Stelle unternahm, von wo Necho die Phönizier ausgeschickt hatte – also
-doch wohl nach dem nördlichen Theile des rothen Meeres –, und die trotz
-der verhältnissmässigen Kürze des Weges 30 Monate dauerte, gegen die
-Wahrheit der phönizischen Umsegelung als Beweis herangezogen werden, da
-es ganz ungewiss ist, ob jener Seeheld Phönizier als Matrosen hatte. Es
-ist leicht möglich, dass – ganz abgesehen von anderen früher erörterten
-Gründen für diese Langsamkeit – seine Mannschaft aus Persern bestand,
-die der Seefahrt unkundig waren. Eben so wenig sind Schlussfolgerungen
-aus den Fahrten nach Ophir gestattet, denn diese waren ausgesprochene
-Handelsreisen, auf denen selbstverständlich die Händler oft anhielten,
-um zu kaufen oder zu verkaufen[362], während unsere Umsegelung nicht
-selbst eine Handelsexpedition war – sonst wäre die Zeit ja freilich zu
-kurz bemessen –, sondern nur die Gelegenheit, Verbindungen merkantilen
-Charakters anzuknüpfen, auskundschaften sollte. Bei der Vertheilung der
-Zeit auf die einzelnen Jahre wird es nun nöthig sein, die Länge der
-Küstenlinie zu berechnen. Es genügt natürlich für unsern Fall, diese
-ganz allgemein anzugeben, da wir nicht wissen können, ob jede kleine
-Biegung wirklich ausgefahren ist; vermuthlich hat man dies nicht gethan.
-Ich rechne daher rund bis zum Kap 10000, von dort bis nach Marokko
-abermals 10000 und weiter bis zur Nilmündung 5000, also im Ganzen 25000
-km. Als Rastpunkte liegen auf dieser Strecke fest das westliche Kapland
-und Marokko. Man könnte nun vielleicht hoffen, die Länge der einzelnen
-Tagfahrten sei durch einen Vergleich mit dem Periplus des Hanno zu
-bestimmen, aber bei der Unklarheit, in welcher wir uns hinsichtlich der
-in diesem Berichte erwähnten Lokalitäten befinden, erweist sich die
-Unmöglichkeit, einigermassen Sicheres aus ihm herauszulesen, nur gar zu
-bald. Versuche dieser Art, wie sie von Seiten Rennells und anderer
-gemacht worden sind, führen zu nichts. Ausserdem dürfen etwaige
-Resultate doch nur unter einem gewissen Vorbehalte zum Vergleiche mit
-unserm Fall herangezogen werden, da die Flotte des Hanno, welche zum
-Zwecke der Kolonisation mit 30000 Männern und Weibern an Bord von 60
-Schiffen ausgeschickt war, erheblich schwerfälliger gewesen sein wird
-als die phönizische Expedition, für welche Agilität erste Bedingung war,
-da ihr Gelingen bei eventuellen Fährlichkeiten auf der weiten Fahrt
-leicht von möglichster Schnelligkeit der Bewegung abhängen konnte.
-Pentekontoren freilich hat Hanno so gut verwendet, wie es wahrscheinlich
-unsere Phönizier thaten[363]. Hinsichtlich der Vertheilung der Fahrzeit
-auf die einzelnen Tage sind wir also auf ziemlich willkürliche
-Kombinationen angewiesen. Sehen wir zunächst, wie Rennell sich mit der
-Frage abfindet! Er schätzt den Küstenumfang auf 3360 deutsche Meilen =
-25200 km[364] und berechnet als kleinstes Mass für die Tagfahrt 6 d. M.
-= 45 km; so würde eine Zeit von 560 wirklichen Reisetagen nöthig gewesen
-sein, das sind 18⅔ Monate. Dann nimmt er 12 Monate für Saat und Ernte,
-für Erholung, Ausbesserung der Schiffe usw. an und erhält somit für die
-ganze Fahrt 2 Jahre 6⅔ Monate. „Doch“ – sagt Rennell – „wollen wir diese
-bestimmten ökonomischen Angaben nicht so zuversichtlich angenommen
-wissen“. Will man überhaupt solche Berechnungen, die ja einer sichern
-Grundlage entbehren, gelten lassen, so wird sich gegen die vorstehende
-nicht allzu viel einwenden lassen. Diejenige, welche ich mir aufgestellt
-habe, weicht daher von der Rennell’schen nur in wenigen Punkten ab. Wenn
-die Phönizier von Kosseir Ende November abfuhren und Ende Mai am Kap
-landeten, hatten sie 10000 km in etwa 180 Tagen gesegelt, das macht auf
-den Tag ca. 55 km. Sie stachen dann vom Kap ungefähr Anfang Dezember des
-zweiten Jahres wieder in See, landeten in Marokko wegen ungünstiger
-Strömungen und Winde aber erst gegen das Ende des folgenden November;
-auf dieser Tour legten sie also eine Strecke von 10000 km in 12 Monaten,
-rund 360 Tagen, zurück, das würde für den Tag etwa 28 km ergeben. Nach
-meiner Berechnung hat die ganze Reise also etwas länger gedauert als
-Rennell annimmt, nämlich 8 Monate Fahrt + 6 Monate Aufenthalt + 12
-Monate Fahrt + 6 Monate Aufenthalt = 32 Monate, und dann noch so viel,
-wie sie brauchten, um von Marokko nach Hause zu gelangen. Hierzu genügte
-jedenfalls sehr wenig Zeit, da sie von den Säulen an sich in völlig
-bekanntem Fahrwasser bewegten. Die drei Jahre werden also auch bei
-dieser Eintheilung nicht überschritten. Das im Verhältniss zu der oben
-besprochenen Leistungsfähigkeit der Schiffe des Alterthums
-ausserordentlich langsame Segeln während des grössten Theiles der
-Strecke erklärt sich leicht aus dem Kurs in völlig unbekannten Gegenden,
-in denen die grösste Vorsicht geboten war. Auch müssen wir annehmen,
-dass nachts wohl selten gefahren wurde und die Nähe der Küste zum
-öfteren Rasten verlocken mochte. Häufiges Landen war ja, abgesehen von
-der Befriedigung mancher Bedürfnisse, schon durch den nächsten Zweck der
-Expedition geboten. Ein kurzer Ueberblick über die Zeitvertheilung auf
-der ganzen Fahrt würde demnach etwa Folgendes ergeben. Wenn sie mit dem
-Schluss der Schifffahrt auf dem Mittelmeer sich zu der Reise nach dem
-Süden zu rüsten anfingen, können sie sicher etwa Ende November mit ihren
-Vorbereitungen fertig gewesen sein. Nun rechnet Herodot 40 Tage auf die
-Fahrt von der Nordspitze des rothen Meeres bis Bab-el-Mandeb, und er
-konnte in Aegypten, wo man in Folge der Fahrten nach Punt über die
-Erstreckung dieses Busens jedenfalls gut unterrichtet war, wohl
-Gelegenheit gehabt haben, sich genügend zu informiren. Da die Phönizier
-aber nicht aus dem äussersten Norden abfuhren, rechnen wir nicht ganz 40
-Tage bis Bab-el-Mandeb[365] und von da gegen den Wind halb so viel bis
-Guardafui, das sie also etwa Mitte Januar werden umsegelt haben. Ende
-Mai landeten sie dann in der Nähe der Kapstadt, von wo sie Anfang
-Dezember des zweiten Jahres wieder abfuhren, um, nordwärts haltend, Ende
-März in den Busen von Biafra zu gelangen und von hier, gegen Wind und
-Strömung ringend, Ende Juni Kap Palmas zu passiren, worauf sie im Kampfe
-mit dem schwächer werdenden Strom Ende September am Wendekreise und im
-Laufe des November im heutigen Marokko angekommen sein werden. Im Juni
-des dritten Jahres setzten sie dann die Reise fort, segelten durch die
-Säulen des Herakles und gelangten, bei völlig bekanntem Fahrwasser ihr
-Tempo beschleunigend, jedenfalls in kürzester Zeit nach Hause.
-
-
-
-
- Länge des Aufenthalts an den Rastorten.
-
-
-Die Wegstrecken, welche laut vorstehender Eintheilung auf die einzelnen
-Segeltage gerechnet sind, werden keinenfalls zu lang erscheinen, eher
-könnte dem Verfasser der Vorwurf gemacht werden, bei dem Aufenthalt auf
-den beiden Stationen hinsichtlich der Zeit zu freigebig gewesen zu sein,
-und da möchte ich wenigstens den Einwurf Vincents[366] zurückweisen, die
-Phönizier hätten während der Rastzeit mehr Getreide verzehrt, als bei
-der Ernte gewonnen. Sobald wir annehmen, dass sie beim Eintreffen auf
-ihrer ersten Station ausser dem, was sie während des Aufenthalts
-daselbst zum Leben brauchten, eine genügende Menge Saatkorn hatten, um
-reichlich, d. h. so viel zu säen, dass sie mit der gewonnenen Frucht bis
-zur nächstjährigen Ernte auskamen und doch noch Korn für die zweite Saat
-übrig behielten, wird dies Bedenken hinfällig. Dass sie aber so wohl
-versehen waren, dürfte kaum einem Zweifel unterliegen. Die Phönizier
-werden selbst bei ihrer verkehrten Ansicht über die Süderstreckung
-Afrikas schwerlich angenommen haben, binnen Jahresfrist wieder daheim zu
-sein, und eben so wenig konnten sie, da ihnen die zu befahrenden Küsten
-gänzlich unbekannt waren, bei ihrer Abreise mit Sicherheit darauf
-rechnen, unterwegs Gelegenheit zur Saat und Ernte zu finden. Jedenfalls
-werden sie sich also einen grossen Vorrath Korn mitgenommen haben, und
-es kann kein Bedenken erregen, die nothwendige reichliche
-Verproviantirung als einen der Gründe dafür anzusehen, dass mehrere
-Schiffe ausgerüstet wurden, in denen, da sie Waren zum Tausch oder
-Handel schwerlich enthielten, für reichliche Versorgung mit Getreide
-genügender Raum blieb. Kamen sie nun während des Mai im Kaplande an, so
-hatten sie von ihren Vorräthen erst sechs Monate gelebt und gewiss noch
-so reichlich Korn, dass sie ein grösseres Areal bestellen und doch noch
-bis zur Ernte von dem Rest des Mitgebrachten leben konnten. Was sie aber
-von der umfangreichen Fläche einheimsten, wird mit etwaigen
-Ueberbleibseln des alten Getreides nicht nur für die marokkanische Saat,
-sondern auch zum Lebensunterhalt bis zur dortigen Ernte gereicht haben.
-Konnten sie am Atlas nicht mehr so ausgiebig säen – denn sie waren ja
-zwischen der ersten und zweiten Rast ein volles Jahr (Dezember bis
-November) unterwegs und mussten noch für 6 Monate Korn zum Unterhalte
-zurückbehalten (Dezember bis Mai) –, so schadete das nichts, da sie an
-der kleineren hier gewonnenen Ernte doch gewiss bis zur Rückkehr in die
-Heimath genug hatten.
-
-Der Einwurf Vincents dürfte damit als erledigt betrachtet werden, aber
-auch abgesehen von ihm könnte man an der Länge des Aufenthaltes Anstoss
-nehmen, da die Alten Weizen kannten, den δίμηνος und τρίμηνος, der schon
-zwei oder drei Monate nach der Saat in jenen wärmeren Gegenden reif
-wurde, ja sogar eine auf Euboea heimische Abart, welche nur 40 Tage dazu
-brauchte. Lassen wir nun dahin gestellt, ob die Phönizier zufällig eine
-von diesen Sorten mit sich führten, ob sie Sommer- (ἠρινός) oder
-Winterweizen (χαιμερινός)[367], ob sie sechszeilige Gerste –
-wahrscheinlich die einzige, die man in Altägypten kannte[368] – oder
-endlich irgend eine andere Weizen- oder Gerstenart gebaut haben,
-immerhin können wir auf einen jedesmaligen halbjährigen Aufenthalt
-rechnen, denn ausser dem Säen und Ernten des Getreides, dessen
-Vegetationsperiode in Südafrika, wie oben gezeigt, im allgemeinen 5-6
-Monate beträgt[369], blieb ihnen noch genug andere landwirthschaftliche
-Arbeit, wie Dreschen und Ausworfeln; sodann werden aber auch vor allem
-die Schiffe einer gründlichen Reparatur bedürftig gewesen sein. Sie
-hatten wohl zu viel Tiefgang, als dass sie an jeder beliebigen Stelle
-ohne grosse Mühe aufs Land gezogen werden konnten; um so nöthiger wird
-dies nach monatelanger Fahrt an den beiden Hauptruhestätten gewesen
-sein.
-
-
-
-
- Sind Störungen seitens der Eingeborenen bei Saat und Ernte
- anzunehmen?
-
-
-Aber nicht nur die Frage nach der Länge des Aufenthaltes hat
-Veranlassung zu Erörterungen gegeben; es finden sich auch in einigen
-Beurtheilungen dieser Expedition Zweifel darüber ausgesprochen, ob das
-Säen und Ernten seitens einer verhältnissmässig kleinen Schar von
-Männern in fremdem Lande inmitten barbarischer Völkerschaften ungestört
-habe von statten gehen können[370]. Diese Bedenken sind um so
-unbegreiflicher, als bekannt ist, mit welch’ ehrfurchtsvoller Scheu
-gerade einfache Naturvölker zivilisirteren Fremdlingen entgegenzutreten
-pflegen, falls sie von ihnen nicht gerade gereizt werden. Der Respekt,
-den die eingeborenen Küstenbewohner vor Männern gehabt haben werden, die
-mit gewaltigen Schiffen über das weite Meer gewissermassen aus einer
-andern vollkommneren Welt zu ihnen kamen, mochte, auch wenn jene in
-geringer Anzahl erschienen, doch wohl die paar Monate vorhalten, welche
-die Phönizier sich an ihren Ruheplätzen aufhielten. Man denke nur an den
-Eindruck, den Cortez’ Spanier auf die Bewohner des Plateaus von Anahuac
-machten. Und ohne Zweifel werden die Phönizier sich nicht nur aufs
-äusserste gehütet haben, mit den Eingeborenen in Konflikt zu gerathen,
-während ihr Korn auf dem Halme stand, sondern sie werden sogar, wenn sie
-Gelegenheit fanden, sicher bemüht gewesen sein, durch kleine
-Aufmerksamkeiten – und wie leicht ist das kindliche Gemüth solcher
-Wilden zufriedengestellt! – ein gutes Einvernehmen zu erkaufen, was
-freilich nicht gehindert haben mag, dass sie beim Absegeln, getreu ihrer
-alten Piratenart, die erwiesene Gastfreundschaft lohnten, indem sie
-mitnahmen, was nicht niet- und nagelfest war. Nach dem, was wir über
-Sataspes’ Fahrt wissen, ist übrigens kaum anzunehmen, sie seien mit den
-Eingeborenen persönlich in Berührung gekommen. Herodot erzählt[371],
-dass dieselben beim Nahen jener Expedition, ihre Städte preisgebend, auf
-die Berge flohen, so dass die Matrosen ihnen ihr Vieh ungehindert nehmen
-konnten. Und solche Leute sollten die Phönizier bei Saat und Ernte
-gestört haben? Schwerlich. Es kann nach diesen Auseinandersetzungen wohl
-nicht mehr zweifelhaft erscheinen, dass die Versorgung der Expedition
-mit Getreide in der von Herodot angedeuteten Weise vor sich gegangen ist
-und Wheeler irrt, wenn er meint[372], König Necho habe den Phöniziern
-zunächst am Gestade des rothen Meeres Stationen zur Verproviantirung
-errichtet, später aber hätten sie auf ihrer Fahrt an der Ostküste
-Afrikas entlang durch irgend welche Beziehungen zu den südlicher
-wohnenden Völkern Nahrungsmittel erhalten. Sie bedurften sicherlich
-keiner Zufuhr, bis sie das Kap, und später, bis sie das Atlasgebiet
-erreicht hatten.
-
-
-
-
- Der Stand der Sonne.
-
-
-Ich komme jetzt zu demjenigen Punkte des herodoteischen Berichtes, der
-seit alten Zeiten mehr als alles andere von sich hat reden machen, zu
-dem unsern Reisenden so auffälligen Stande der Sonne. Die Phönizier
-erzählten bekanntlich, sie hätten, als sie Libyen umsegelten, diese zur
-Rechten gehabt. Fragen wir zunächst, wie das zu verstehen ist. Einige
-Forscher glauben, es sei die _Morgen_sonne gemeint[373], ohne jedoch
-Gründe für ihre Ansicht anzugeben. Mir scheint es, da die Worte τὸν
-ἥλιον ohne irgend einen diese Anschauung rechtfertigenden Zusatz stehen,
-näher zu liegen, an den gesammten täglichen Lauf, speziell an den
-Höhepunkt desselben, die Stellung zur Mittagszeit, zu denken, und ebenso
-wird augenscheinlich die Sache von der Mehrzahl der kompetenten
-Beurtheiler aufgefasst. Demnach würden die Phönizier, als sie um die
-Südspitze Afrikas fuhren, die Sonne um Mittag im Norden gesehen haben.
-Welche Beweiskraft nun diese Mittheilung für die Wahrheit der ganzen
-Erzählung habe, darüber ist heiss gestritten worden. Die einen
-behaupten, es sei hierdurch unumstösslich dargethan, dass die Reise ums
-Kap wirklich gemacht sei, die andern wollen darin nicht die Spur eines
-Beweises erblicken. Meiner Ansicht nach haben beide Parteien unrecht.
-
-Ich muss darauf verzichten, wenn ich dem Vorwurfe zu grosser
-Weitschweifigkeit entgehen will, einen Ueberblick über alles zu geben,
-was geschrieben ist, um der einen oder der andern Behauptung grösseren
-Nachdruck zu verleihen, aber dieser Verzicht wird mir nicht allzu
-schwer. Neben wenigen guten Körnern findet sich unendlich viel Spreu,
-und man erinnert sich bei manchem der vielen Versuche, auf Grund der
-erwähnten Ueberlieferung einerseits die Wahrscheinlichkeit, andrerseits
-das Fabelhafte der Umsegelung nachzuweisen, der Worte Bredows: „Quo
-maior ars, eo minor fides“.
-
-Erwägen wir zunächst den Werth des Zweifels, den Herodot dieser
-Sache gegenüber äussert! Er war in allen Fragen, welche die
-mathematisch-astronomische Geographie betreffen, ein reines Kind. Erst
-zu seiner Zeit fing ja das Dunkel, welche diese Geheimnisse der Natur
-bedeckte, allmählich an, sich zu lichten. Parmenides von Elea nahm
-zuerst aus bessern Gründen die Kugelgestalt der Erde an und unterschied
-die Zonen[374], aber dessen unteritalische Heimath lag für die damaligen
-Verkehrsverhältnisse und bei der Langsamkeit, mit der sich in alter Zeit
-geistige Errungenschaften verbreiteten, zu weit ab von der Reiseroute
-Herodots, als dass man annehmen könnte, diese Wahrheiten, die ca. 460
-ausgesprochen wurden, seien bald zu seinen Ohren gedrungen. Als er aber
-später sein Heim nach Thurii verlegte, wo er leicht Gelegenheit haben
-konnte, die neue Anschauung kennen zu lernen, brachte er wahrscheinlich
-mancherlei Ausarbeitungen über seine Reisen schon fertig mit und mochte
-der frisch auftauchenden Theorie nicht genug Vertrauen entgegenbringen,
-um danach seine früheren Aussprüche zu modifiziren. Jedenfalls erkannte
-er die Lehre von der Kugelgestalt der Erde nicht an, und dass ihm auch
-die Gesetze, nach denen sich die wichtigsten Himmelskörper bewegen,
-nicht klar waren, geht aus mehreren Stellen seines Werkes deutlich
-hervor[375]. Demnach hatte er auch keine Ahnung von der Schiefe der
-Ekliptik und ihren Ursachen und Folgen[376]; die Worte Her. II, 19:
-τροπέων τῶν θερινέων verbürgen, wie längst nachgewiesen ist, nicht
-etwaige Kenntniss jener Verhältnisse[377]. Es kann auffallend
-erscheinen, wenn Herodot, der weit gereiste und wissensdurstige, in
-dieser Beziehung so ganz im Dunkeln tappte, aber dass er es that, steht
-fest, und vielleicht war es gut so, er hätte sonst wohl das wichtige
-Faktum des nördlichen Sonnenstandes als etwas Alltägliches und Bekanntes
-garnicht registrirt und dadurch eine für die Wahrscheinlichkeit der
-Umsegelung in hohem Grade überzeugende Thatsache unserer Kenntniss
-vorenthalten. Wie Herodot aber nicht im Stande war, aus
-wissenschaftlichen Gründen einen nördlichen Sonnenstand zu erklären, so
-hat er auch keinenfalls Gelegenheit gehabt, sich auf andere Weise von
-der Möglichkeit eines solchen zu überzeugen; denn er ist weder selbst
-jemals über den Wendekreis des Krebses hinausgekommen, noch wird er
-glaubwürdige Leute gesprochen haben, welche aus eigener Anschauung ihm
-versichern konnten, dass eine derartige Stellung in der That möglich
-sei. Selbst in Elephantine, das nicht mal 60 km vom Wendekreis des
-Krebses entfernt lag, und wo doch sicher Menschen lebten, die einmal
-innerhalb der Tropen gewesen waren, hat er augenscheinlich dazu keine
-Gelegenheit gefunden. Er dachte sich die Erde als eine Art Scheibe, über
-welcher das Firmament als eine hohle Halbkugel ruhe, eine Anschauung,
-die nicht wunderbar, im Gegentheil vielen Naturvölkern, welche die
-Himmelserscheinungen nur nach der sinnlichen Wahrnehmung beurtheilen,
-geläufig ist. Dass das scheinbare Himmelsgewölbe eine Hohlkugel sei und
-sie von ihm nur die eine Hälfte kennen, ahnen diese so wenig, wie etwa
-die Menschheit vor Magelhans berühmter Reise wusste, dass ihr erst die
-halbe Oberfläche der Erde bekannt war. An diesem Gewölbe geht die Sonne
-dem Herodot von Osten nach Westen[378], aber nicht in der Mitte, sondern
-mehr südlich. Da er sie mittags stets im Süden sah, stand sie seiner
-Ansicht nach zu dieser Tageszeit über den dort liegenden Erdräumen
-senkrecht[379]. Dass es jenseits jener Gebiete Länder oder Meere gäbe,
-wo man sie nördlich sähe, konnte er nicht annehmen, am allerwenigsten
-aber, dass dies der Fall sei in den Gegenden, wo er die Südküste Afrikas
-vermuthete, d. h. weit nördlicher, als sie wirklich liegt. So kommt es
-denn, dass Herodot über die ganze phönizische Expedition im Tone des
-Gläubigen berichtet und ihm nur dies eine, der nördliche Standpunkt der
-Sonne, Bedenken erregt[380]. Dieser Zweifel wird bei seinen mangelhaften
-Kenntnissen berechtigt erscheinen; uns, die wir mit fortgeschrittenerem
-Wissen ausgestattet sind, braucht er an der Wahrheitsliebe der Phönizier
-nicht irre zu machen.
-
-Wir gehen daher über ihn hinweg und treten der Frage näher: Ist die
-Nachricht, wie viele wollen, ein unumstösslicher Beweis dafür, dass die
-Phönizier wirklich ums Kap gefahren sind? Die Antwort wird lauten: Nein.
-Zwar ist nicht nur von älteren Gelehrten darauf hingewiesen, dass bei
-dem damaligen Standpunkte der astronomischen Geographie, die zur Zeit
-der Umsegelung noch in den Windeln lag, Schiffer, um den Glauben an eine
-Fahrt zu erwecken, die sie garnicht gemacht, unmöglich auf die
-Erscheinung hätten verfallen können, die selbst dem erfahrenen und durch
-seine Reisen vielseitig gebildeten Herodot nicht glaublich
-erschien[381], sondern auch einer der bedeutendsten neueren, Karl
-Ritter, äussert: „Leute, die keine astronomisch-geographische Theorie
-besassen, aus der sich ergiebt, dass dies (der nördliche Standpunkt der
-Sonne in der Mittagsstunde) nur auf der südlichen Halbkugel stattfinden
-kann, konnten dies nicht erzählen, ohne es wirklich gesehen zu haben“;
-aber doch scheint mir der hieraus für unsere Untersuchung gezogene
-Schluss, dass damit die Wahrheit des Berichtes unumstösslich bewiesen
-werde, etwas voreilig. Unbestreitbar ist freilich auch meiner Ansicht
-nach, dass wir Kenntniss der einschlägigen Gesetze und Verhältnisse
-anderthalb Jahrhunderte vor Herodot keinenfalls bei phönizischen
-Schiffern voraussetzen dürfen, die sich wohl mit Astronomie zum
-praktischen Gebrauche für die Seefahrt beschäftigen mochten, denen aber
-das Studium wissenschaftlicher Probleme der Sternenwelt sicherlich nicht
-zuzutrauen ist. Aber – werden wir fragen müssen – konnten nicht unsere
-Seeleute, auch ohne die Gesetze der astronomischen Geographie zu kennen,
-bei den auf früheren Fahrten gemachten Erfahrungen und den damals
-landläufigen Ansichten über die geringe Süderstreckung Afrikas auf die
-Vermuthung eines nördlichen Sonnenstandes für die jenen Erdtheil
-Umsegelnden mit Leichtigkeit verfallen? Ich glaube, unbedingt. Seit
-Jahrhunderten, vielleicht seit Jahrtausenden, gingen phönizische Schiffe
-südlich bis Bab-el-Mandeb; so war es den Phöniziern jedenfalls bekannt,
-dass das Tagesgestirn für diese Gegend unter gewissen Umständen um
-Mittag nördlich stehe. Gesetzt nun, sie nahmen an – und dass sie es
-wahrscheinlich thaten, ist oben gezeigt –, die Südküste Afrikas liege
-etwa unter gleicher geographischer Breite wie jene Pforte des rothen
-Meeres, so konnten sie leicht die aus ihren Beobachtungen bei
-Bab-el-Mandeb gewonnenen Resultate auf die mittäglichen Gestade jenes
-Erdtheils übertragen und, wenn sie eine Umsegelung fingiren wollten,
-auch ohne wirklich dort gewesen zu sein, von dem in jenen Breiten, wo
-sie die Südküste vermutheten, wahrzunehmenden nördlichen Standpunkte der
-Sonne sprechen, ohne Furcht, damit irgend etwas Unmögliches zu
-behaupten. Einen vollgültigen Beweis für die Wahrheit des Berichtes der
-Phönizier liefert dieser Theil ihrer Erzählung also keineswegs; ja,
-Beurtheilern, die zum Zweifel neigen, wird sich noch die Frage
-aufdrängen, ob nicht, wenn auch nicht die ganze Mittheilung, so doch
-wenigstens jener Herodot so sehr mit Bedenken erfüllende Zusatz über die
-Sonnenstellung als eine Erfindung anderen Ursprungs, nämlich der
-ägyptischen Priester, zu betrachten sei. Um hierüber zu einem Schlusse
-zu kommen, werden wir zunächst den Umfang ihres Wissens auf dem Gebiete
-der astronomischen Geographie feststellen und fragen müssen: Berechtigte
-dasselbe sie zur Annahme eines nördlichen Sonnenstandes? So weit wir
-vermuthen dürfen, war es so wenig wie das der Phönizier aus irgend
-welchen Theorieen geschöpft, sondern rein der Praxis des Lebens
-entnommen. Zwar hat man behauptet, die Schiefe der Ekliptik und ihre
-Wirkungen seien den Priestern bekannt gewesen und dies durch Zeugnisse
-aus dem Alterthume zu bekräftigen versucht, so des Strabo, der als
-Gewährsmann dafür angeführt zu werden pflegt, dass sie über die Bewegung
-und Stellung der Himmelskörper eingehende Kenntniss besessen
-hätten[382]. Aber er sagt nur ganz allgemein, sie seien sternkundige
-Männer gewesen, wie weit ihr Wissen im einzelnen ging, erfahren wir
-durch ihn nicht. Der andere ist Diogenes Laertius in seiner Vita des
-Thales[383]. Daraus, dass dieser für das Jahr 610 v. Chr. eine
-Sonnenfinsterniss vorherzusagen vermochte, hat man geschlossen, dass er
-sich über die Bewegung von Erde und Mond schon völlig klar gewesen sei.
-Knös[384] folgert demgemäss nach dem Vorgange von Gosselin: Wenn Thales
-eine Sonnenfinsterniss vorhersagen konnte, musste er die Schiefe der
-Ekliptik kennen. Thales, ein Zeitgenosse des Necho, hatte aber, wie in
-seiner Vita steht, bei den ägyptischen Priestern Geometrie, also
-wahrscheinlich auch Astronomie, studirt. Demnach werden diese Priester
-schon zur Zeit des Necho die Schiefe der Ekliptik gekannt und gewusst
-haben, dass die Sonne bald über dem einen, bald über dem andern
-Wendekreise senkrecht steht.
-
-Diese Beweisführung aus der Prophezeiung des Thales ist nicht
-stichhaltig, und die Schlüsse, welche aus ihr auf die astronomischen
-Kenntnisse der ägyptischen Priester gezogen werden, sind unrichtig.
-Zunächst folgt aus dem Umstande, dass Thales jene Sonnenfinsterniss
-vorhersagte, noch keineswegs, dass er die Schiefe der Ekliptik und
-überhaupt die Gesetze, nach denen sich die Erde um die Sonne und der
-Mond um die Erde bewegen, kannte. Eine genauere Prüfung des
-herodoteischen Berichtes über jene Prophezeiung wird dies ergeben. Er
-erzählt[385], Thales von Milet habe den Joniern diese Finsterniss vorher
-verkündigt und als Zeit das Jahr angegeben, in dem sie sich wirklich
-zutrug. Nun ist aber Folgendes über jeden Zweifel erhaben: Kannte Thales
-in der That die vorhin bezeichneten Gesetze der Bewegung der Erde und
-des Mondes, also unter anderm auch die Schiefe der Ekliptik, so war er
-im Stande, nicht nur das Jahr, sondern auch den Tag und die Stunde der
-Finsterniss vorherzusagen und hätte dies sicherlich gethan; daraus, dass
-er sich auf die Angabe des Jahres beschränkte, können wir ohne Bedenken
-entnehmen, dass ihm die Kenntniss der betreffenden Gesetze abging und er
-die Kunde von dem zu erwartenden Eintritt jenes Naturereignisses andern
-Umständen verdankte. Ueber diese dürfte es gestattet sein, folgende
-Vermuthung auszusprechen. Bekanntlich sind die Sonnenfinsternisse an
-bestimmte Perioden gebunden, und es ist leicht denkbar, dass sich viele
-Jahrhunderte vor Thales, als noch niemand an eine wissenschaftliche
-astronomische Geographie dachte, schon Männer gefunden haben, welche
-durch Tradition überlieferte Erfahrungen über die Wiederkehr solcher
-Erscheinungen mit den Beobachtungen ihres eigenen Zeitalters
-zusammenstellten und der Nachwelt gewisse Formeln überlieferten, nach
-denen man die Jahre berechnen konnte, welche in Zukunft ähnliche
-Ereignisse mit sich bringen würden. Wer sich im Besitze dieser Formeln
-befand und durch sie die Perioden kannte, in denen die Finsternisse
-wiederkehren, war nun natürlich in der Lage, auch ohne irgend etwas von
-den Bewegungen der betreffenden Himmelskörper zu wissen, das Jahr einer
-solchen Erscheinung vorher zu verkünden. Derartiger Formeln wird sich
-auch Thales bedient haben. Dass er nur auf diese Weise zu seiner
-Prophezeiung befähigt sein kann, ist unbestreitbar; es geht das klar
-daraus hervor, dass Diogenes ihn zum Schüler der ägyptischen Priester in
-der Geometrie macht, womit ja zugegeben wird, dass er noch weniger
-mathematische Kenntnisse besass, als jene Männer, und das will viel
-sagen. Man hat die Höhe, bis zu welcher sich wissenschaftliche
-Leistungen im Lande der Pyramiden schon frühe aufgeschwungen haben
-sollten, ehedem weitaus überschätzt, wie ja lange Zeit hindurch die
-ganze altägyptische Kultur in unsern Augen mit dem Nimbus des
-Wunderbaren umkleidet war; jetzt sind wir besser unterrichtet und wissen
-sicher, dass im alten, und können mit grosser Wahrscheinlichkeit
-behaupten, dass auch im neuen Reiche die Kenntnisse der Aegypter in der
-Mathematik so ausserordentlich dürftig waren, dass jede Vermuthung, sie
-hätten den Lauf von Himmelskörpern berechnen können, als völlig absurd
-zurückgewiesen werden muss. Die ersten Anfänge einer wirklichen
-Astronomie – doch auch nur diese – hatte man zwar im alten
-Aegypten[386], aber die Mathematik diente dort rein der Praxis des
-Lebens; wie die Grösse eines Ackers berechnet, wie als Besoldung
-dienende Esswaren unter eine Anzahl berechtigter Empfänger angemessen
-vertheilt wurden, derartige Aufgaben wusste man annähernd richtig zu
-lösen[387], was darüber hinauslag, war den Leuten am Nil ein Buch mit
-sieben Siegeln, und mit wohl begründetem Erstaunen erkennt man die
-unglaubliche Schwerfälligkeit, mit der die einfachsten Aufgaben, welche
-bei uns jeder Knabe vor seinem Eintritt in die Sexta gewandt im Kopfe zu
-lösen weiss, schriftlich ausgerechnet werden. Und die Verfasser der
-Rechenbücher, welche solcher Umständlichkeit zur Bewältigung der
-leichtesten Operationen bedurften, sind doch jedenfalls nicht beliebige
-Leute aus der grossen Masse, sondern sicher die Gebildeten der Nation,
-d. h. die Priester gewesen. Wer aber noch mit den vier Spezies im Kampfe
-liegt, wird selbstverständlich nicht an die Lösung von Aufgaben aus der
-höheren Mathematik denken, und somit muss die Vermuthung, welche Knös
-äussert[388], die Priester hätten die Gesetze von der Bewegung der
-erwähnten Himmelskörper zwar wohl gekannt, aber dem Herodot als einem
-Manne, „cui facta historica, non astronomiam discendi desiderium fuit“
-vorenthalten, für hinfällig erklärt werden; sie konnten nicht lehren,
-was sie selbst nicht wussten. Wenn nun Thales nach Aegypten ging, um bei
-diesen Männern Geometrie und allenfalls Astronomie zu studiren, wenn er
-also glaubte, von ihnen noch lernen zu können, wie ausserordentlich
-gering muss dann der Umfang seines eigenen Wissens gewesen sein!
-Geradezu Lachen erregend wirkt der Gedanke, ein Mann, der die Schiefe
-der Ekliptik kannte, habe in den Tempeln des Nillandes sich weiter
-bilden wollen. Es darf nach diesen Erwägungen als ganz unmöglich
-bezeichnet werden, dass er – gesetzt auch, er habe die in Aegypten
-eingeheimsten Kenntnisse später selbständig fortentwickelt und seine
-Lehrer an Gelehrsamkeit weit übertroffen – jemals auch nur annähernd auf
-den Standpunkt gekommen sei, die Bahnen von Himmelskörpern berechnen zu
-können; genau eben so wenig wird aber die Annahme gestattet erscheinen,
-seine ägyptischen Lehrer hätten dies vermocht.
-
-Im Vorstehenden ist nachgewiesen: aus wissenschaftlichen Gründen konnten
-die Gewährsmänner Herodots den nördlichen Stand der Sonne nicht
-erklären; damit ist aber keineswegs gesagt, dass sie die Thatsache
-selbst für undenkbar hielten. Denn sicherlich haben sie, da sie das
-innerhalb der Tropen gelegene Meroe kannten[389], und auch in Folge der
-ägyptischen Züge nach Aethiopien, wie der Fahrten nach Punt – also aus
-der Praxis des Lebens – gewusst, dass nicht allzu weit südlich von ihrer
-Heimath Gegenden lägen, wo es unter gewissen Umständen möglich sei, die
-Sonne mittags im Norden zu erblicken. Also auch von ihrer Seite
-erscheint eine Täuschung nicht absolut ausgeschlossen. Die Sache wird so
-gelegen haben, dass es beiden, den Phöniziern, wie den Priestern möglich
-war, von der auffallenden Stellung des Tagesgestirns zu erzählen, ohne
-dass jemand die Fahrt gemacht hatte. Es fragt sich nur, ob wir es auch
-für wahrscheinlich halten dürfen, dass sie es thaten. Und das glaube ich
-nicht. Denn was zunächst die Phönizier betrifft, so konnten sie durch
-die Erwähnung einer Thatsache, die sie, wie die Priester ohne Zweifel
-wussten, leicht durch Kombination hatten zurecht konstruiren können,
-ihren eventuellen Zweck, die Aegypter von der Ausführung der Umsegelung
-zu überzeugen, schwerlich erreichen. Es lag sehr nahe, zu vermuthen,
-dass in den Gegenden, die sie durchsegelt haben wollten, die Erscheinung
-der nördlich stehenden Sonne so gut zu beobachten sei wie im südlichen
-rothen Meere; darum hätten sie, wenn es galt, den Bericht über eine
-nicht gemachte Reise mit Wahrscheinlichkeitsbeweisen auszustatten, dazu
-sicher irgend etwas anderes gewählt, als dieses im Kreise ihrer Zuhörer
-seit Jahrhunderten bekannte Faktum. Die Phönizier sind also meiner
-Ansicht nach von einer auf Grund dieser Nachricht beabsichtigten
-Täuschung unbedingt freizusprechen; was sie erzählten, haben sie
-wirklich erlebt. Wenn aber der Bericht von der Fahrt ein Märchen war,
-das den Priestern seinen Ursprung verdankte, wenn diese wussten, dass
-die Phönizier weder jemals die fragliche Reise unternommen, noch,
-heimgekehrt, von dem Stande der Sonne erzählt hatten, wie sollten sie
-dann dazu gekommen sein, an ihre schmucklose Erzählung, die sie, wie
-oben gezeigt, so leicht durch allerhand märchenhaften Aufputz hätten
-interessanter färben können, schliesslich noch die Erwähnung eines
-Ereignisses anzufügen, das bei Ausführung der Reise nicht nur faktisch
-so eingetreten wäre, sondern auch nach ihrem eigenen Ermessen gerade so
-eintreten musste, wie sie es darstellten? Die Lüge verfügte doch über
-einen zu reichen Schatz phantastischer Vorstellungen, als dass sie bei
-der Wahrheit hätte zu borgen brauchen. Ich glaube also, auch den
-Priestern dürfen wir böswillige Erfindung nicht zutrauen; sie haben
-wahrheitsgetreu überliefert, was ihren Vorgängern im Amte durch die
-heimkehrenden Phönizier berichtet worden war.
-
-So bleibt nur noch die Frage zu beantworten, was diese, nachdem sie die
-Reise wirklich gemacht hatten, veranlasst haben mag, die nördliche
-Stellung der Sonne, die sie während ihrer Fahrt zu finden jedenfalls
-erwartet hatten, und die auch den Aegyptern nicht überraschend
-erscheinen konnte, noch ausdrücklich zu erwähnen. Die Antwort ist bald
-gegeben: Die Phönizier haben einen Sonnenstand beobachtet, der alles,
-was sie bislang in dieser Hinsicht gesehen oder wovon sie gehört hatten,
-weit hinter sich liess. Wenn sie nun auch noch so verschwiegen waren in
-Betreff aller Erfahrungen, die sie bezüglich der Verwirklichung ihrer
-kolonialen Pläne gemacht hatten, diese interessante Erscheinung zu
-verheimlichen, lag kein Grund vor. Worin aber das Wunder bestand, das
-sie so anstaunten, ist leicht gesagt. Mochten die Phönizier das südliche
-rothe Meer befahren und selbst Bab-el-Mandeb passirt haben, mehr als
-etwa 10° entfernte sich die Sonne hier nie vom Zenith. Nun wird zwar für
-den, der um die Zeit des längsten Tages der nördlichen Halbkugel in
-diesen Gegenden sich von Osten nach Westen bewegt, der eigene Schatten
-zur Linken fallen, und wir müssen annehmen, dass die Phönizier dies so
-gut beobachtet haben, wie wir wissen, dass das spätere Alterthum es
-beobachtet hat. Aber die Abweichung der Sonne vom Zenith erscheint so
-gering, dass ein unbefangener Beurtheiler immer noch mehr den Eindruck
-haben wird, sie stehe ihm zu Häupten als zur Seite. Jeder, der den
-Versuch machen, einen Punkt am Himmel, 10° vom Zenith, suchen und sich
-dort die Sonne denken wird, dürfte mir Recht geben, und auch die
-Phönizier werden bei Bab-el-Mandeb diesen Eindruck gehabt haben. Wenn
-sie aber um die Südspitze Afrikas fuhren – und es traf sich ja so, dass
-sie dies zur Zeit des nördlichen Sommers thaten, wo für jene Gegenden
-die Sonne zur Mittagszeit möglichst tief stand –, hatten sie natürlich
-ein ganz anderes Schauspiel; passirten sie im Mai das Nadelkap, so
-erblickten sie die Sonne um Mittag etwa 50° vom Zenith entfernt. Sie
-sahen das Tagesgestirn also dem nördlichen Horizonte etwa eben so nahe,
-wie es zur Zeit des ägyptischen Winters dem südlichen stand. Aehnliches
-war ihnen noch nicht vorgekommen, und da sie eine Erklärung dafür nicht
-kannten, wird es ihnen als ein Wunder erschienen sein, das sie,
-zurückgekehrt, als das seltsamste Erlebniss ihrer langen Reise den
-staunenden Aegyptern verkündeten, die ihrerseits das, was die kühnen
-Schiffer erzählten, bei dem bisherigen Mangel aller Nachrichten aus
-südlichen Breiten für interessant genug hielten, um es der Nachwelt zu
-überliefern. So blieb die Erinnerung an diese seltsame Erscheinung
-anderthalb Jahrhunderte lang in Aegypten lebendig, und um so mehr, weil
-sie eine der wenigen Einzelheiten war, die man über die Reise erfahren
-hatte.
-
-Es scheint mir nach diesen Erwägungen gänzlich ausgeschlossen zu sein,
-dass die Phönizier zu einer wesentlich andern Jahreszeit als der
-angegebenen, etwa gar um den _südlichen_ Sommeranfang das Kap passirt
-haben; in letzterem Falle wäre die Abweichung der Sonne vom Zenith kaum
-grösser gewesen, als sie dieselbe bei Bab-el-Mandeb oftmals gesehen, und
-hätte schwerlich Veranlassung gegeben, ihrer besonders zu gedenken. Je
-weiter nördlich unsere Schiffer das Gestirn erblickten, um so
-auffallender und bemerkenswerther musste dies ihnen erscheinen; wenn sie
-nun etwa im Mai an der Südspitze des Erdtheils entlang fuhren, um in der
-Nähe der heutigen Kapstadt zur ersten Saat und Ernte zu landen, so hatte
-die Sonne ihren nördlichsten Standpunkt für diese Gegenden beinahe
-erreicht. In der Annahme, dass die Phönizier um die Zeit, wo dies
-geschah, das Nadelkap umsegelten, finden wir aber auch den Schlüssel
-dafür, dass die ganze Erscheinung nicht als eine zweimalige erwähnt
-wird, obgleich sie sich doch an der Nordguineaküste den Schiffern zum
-zweiten Male gezeigt haben muss. Denn, wie oben erwähnt, werden sie an
-dieser zu einer Zeit entlang gefahren sein, als die Sonne in der Nähe
-des Wendekreises des Krebses senkrecht stand, und etwa um den nördlichen
-Sommeranfang Kap Palmas passirt haben. Hier erschien ihnen in dieser
-Jahreszeit das Gestirn mittags etwa 20° vom Zenith entfernt, was sie
-sicher nach den bei Bab-el-Mandeb gesammelten Erfahrungen mit dem
-grössten Staunen erfüllt haben würde, wenn sie nicht am Kap einen weit
-grösseren Zenithabstand kennen gelernt hätten. Nach dem, was sie dort
-erlebt hatten, imponirte ihnen der Stand der Sonne in Oberguinea
-jedenfalls nur noch wenig, und so werden sie den Priestern nach ihrer
-Rückkehr wohl von einer auffällig sich dem nördlichen Horizonte
-nähernden Stellung jenes Weltkörpers, schwerlich aber auch von derselben
-im zweiten Jahr mit weit geringerer Intensität auftretenden Erscheinung
-gesprochen haben. Daher berichtet Herodot einfach, sie hätten die Sonne
-im Norden gesehen, oder, wie er sich ausdrückt „zur Rechten gehabt“,
-macht aber durch diese kurze Notiz, wenn auch – wie gezeigt – ein
-absoluter Wahrheitsbeweis damit nicht erbracht wird, die Umsegelung
-jedenfalls ohne sein Wissen und vielleicht auch gegen seinen Willen in
-hohem Grade wahrscheinlich.
-
-Geben wir nun einen Ueberblick über die Stellung der Sonne zu den
-Phöniziern an den verschiedenen Punkten ihrer Reise! Wenn sie etwa Ende
-November abfuhren und Mitte Februar den Aequator erreichten, hatten sie
-dieselbe natürlich während dieser ganzen Zeit mittags südlich gesehen.
-Bald nachdem sie die Linie gekreuzt hatten, passirten sie dann, so zu
-sagen, jenen Himmelskörper, welcher der Stellung der Tag- und
-Nachtgleiche entgegen eilte. Nun begann allmählich das Auffällige. Je
-weiter die Phönizier südwärts fuhren, und je mehr die Sonne zugleich
-sich ihrer Stellung zur Zeit des nördlichen Sommeranfangs näherte, desto
-intensiver mussten Erscheinungen eintreten, welche die Aufmerksamkeit
-der Schiffer in steigendem Masse in Anspruch nahmen. Am meisten wird
-dies selbstverständlich der Fall gewesen sein, als sie die Südspitze des
-Erdtheils erreicht hatten, während zugleich das Tagesgestirn über den
-Gegenden in der Nähe des nördlichen Wendekreises senkrecht stand. Zur
-Zeit der ersten langen Rast, die sie hielten, stieg dann die
-Mittagssonne von Tag zu Tag höher, und im Dezember sahen sie dieselbe
-bei ihrer Abfahrt in nördlicher Richtung mit geringer Abweichung vom
-Zenith vor sich; als sie aber im März in der Gegend der Nigermündung
-anlangten, stand sie ziemlich senkrecht über ihnen. Vom Kap bis hierher
-wird also nichts für Ophirschiffer Merkwürdiges sich ergeben haben. Auf
-der folgenden Strecke bis zum Kap Palmas erblickten sie dann die Sonne
-mittags wieder zur Rechten, doch der grösste Abstand vom Zenith betrug
-noch nicht 20°, und das war nach dem, was sie in Südafrika erlebt
-hatten, nicht der Rede werth. Je mehr sie aber, den letzten Theil ihrer
-Fahrt zurücklegend, sich den heimathlichen Breiten näherten, desto
-bekannter mussten ihnen die Vorgänge am Firmament erscheinen, und desto
-weniger auffallend war ihnen natürlich der Sonnenstand.
-
-
-
-
- Schlussbetrachtung.
-
-
-So denke ich mir nach dem leider so kurzen Berichte Herodots jene
-merkwürdige Fahrt. In vielen Punkten werden die Ansichten anderer von
-den meinigen wesentlich abweichen, in einem alle Beurtheiler, die
-überhaupt an die Umsegelung glauben, rückhaltlos mit mir übereinstimmen:
-an Gefahren wird diese Entdeckungsreise so reich gewesen sein wie je
-eine. In unbekannte Weiten ging der Weg, über Meere, die wohl nie zuvor
-der Kiel eines Schiffes durchfurcht hatte; nicht überall waren Wind und
-Wellen den kühnen Schiffern gewogen, gegen widrige Strömungen in der
-Atmosphäre und im Meer galt es stellenweise anzukämpfen; mühsam musste
-die Mannschaft, was sie zum Leben brauchte, erst mit eigener Hand säen
-und dann im Schweisse ihres Angesichts einheimsen; ja selbst die Quelle
-des Lichts, das dem Menschen in Noth und Gefahren neuen Muth in der
-Seele erweckt, schien in dieser fremden Welt aus ihrer alten Bahn
-gedrängt zu sein. Vincent[390] führt Namen an, welche die Schiffer des
-Alterthums Marktplätzen an der Ostküste Afrikas gegeben haben sollen; er
-nennt sie: the prison, the straits of burial, the port of death, the
-gate of affliction, bezeichnend genug auch für die Fährlichkeiten der
-phönizischen Route, und welchen Eindruck das Kap der guten Hoffnung auf
-die macht, welche es zuerst erblicken, besagt der Name, den ihm die
-Portugiesen unter Bartholomäus Diaz gaben; sie nannten es: „Cabo da
-todos los tormientes“[391]. Und doch wird es auch den Phöniziern zu
-einem Kap der guten Hoffnung geworden sein; nachdem sie es umsegelt
-hatten, ging die Fahrt ja heimwärts gen Norden, und dem väterlichen
-Herde waren die Schiffe zugekehrt. Wohl mochte die kühnen Männer die
-westliche Erstreckung der Küste vom Busen von Benin bis zum Kap Palmas
-mit neuem Schrecken erfüllen, da sie durch dieselbe von ihrem Ziele
-abgelenkt zu werden schienen, und wenn jemals, mag ihnen hier, wo Wind
-und Meeresströmung konträr waren, der Gedanke an Umkehr gekommen sein;
-sie werden sich aber andrerseits verständigerweise gesagt haben, dass
-sie nach dem Wenden der Schiffe bis zum heutigen Kap Guardafui
-fortgesetzt gegen den Strom anzufahren hätten, zeitweise – im Kanal von
-Mozambique – gegen einen stärkeren, als der an der Küste von Nordguinea
-war, nicht minder auch einen Theil des Weges gegen den Wind, und werden
-demgemäss vorgezogen haben, der eingeschlagenen Richtung muthig weiter
-zu folgen, in der Hoffnung, nach nicht allzu langer Zeit wieder
-günstigere Verhältnisse zu treffen. Als sie dann am Kap Palmas
-vorübergesegelt waren, werden sie mit neuem Muthe erfüllt worden sein,
-da nun die Küste eine nördliche Wendung nahm und der Polarstern, sich
-mehr und mehr aus dem Meere hebend, ihnen baldige Ankunft in bekannteren
-Gewässern verhiess. Freilich darf man, um die Reise der Phönizier im
-rechten Lichte zu sehen, in einer Beziehung nicht den Massstab der
-heutigen Seefahrt anlegen. Der moderne Seemann mit seinem tiefgehenden
-Fahrzeuge sucht, gestützt auf sein Arsenal von Instrumenten, sich
-möglichst auf offener See zu halten und meidet die Nähe des Landes; dem
-des Alterthums hingegen, der weit flachere Schiffe benutzte und im
-offenen Meer viel leichter seinen Kurs verfehlen konnte, gewährte die
-Nähe des Landes ein Gefühl der Sicherheit: kam ein Unwetter, lief er an
-und zog seine Barke ans Land. So dürfen wir uns die Schwierigkeiten und
-Gefahren, welche diese Reise mit sich brachte, wenn sie auch enorm
-waren, doch nicht so erheblich vorstellen, dass aus diesem Grunde die
-ganze Fahrt hätte unterbleiben müssen; unüberwindlich waren sie nicht.
-Und sicher wussten die Sendlinge des Aegypterkönigs recht wohl, dass
-eine Aufgabe wie die gestellte ohne die Bewältigung ausserordentlicher
-Hindernisse nicht zu lösen war; sie werden sich darüber so wenig im
-Unklaren gewesen sein, wie man sich am Hofe des Xerxes in dieser
-Beziehung Täuschungen hingab[392]. Aber sollten sie deshalb vor der
-Fahrt zurückschrecken? Hatte ihr Volk nicht schon Aehnliches vollbracht?
-Eben in der Gefahr mag für so wagehalsige Männer, wie diese alten
-phönizischen Seefahrer gewesen sein müssen, ein besonderer Reiz gelegen
-haben, und Strabo sagt ja geradezu, als er von der Schwierigkeit der
-Seefahrt an den Syrten spricht[393]: „Die Keckheit der Menschen macht,
-dass alles versucht wird, besonders die Küstenfahrten“. Eins allerdings
-war nöthig, wenn das Unternehmen gelingen sollte, nämlich Glück, und das
-haben unsere Schiffer, wie unbedingt zugegeben werden muss, in hohem
-Grade gehabt. Es ist allein schon als ein besonders günstiger Zufall
-anzusehen, wenn sie in den beiden einzigen Gegenden der langen Küste
-zwischen dem rothen Meere und der Strasse von Gibraltar, wo überhaupt
-Weizenbau möglich ist, gerade zu den Zeiten anlangten, in welchen die
-Aussaat sich am besten vornehmen liess. Ohne Glück sind derartige
-Unternehmungen überhaupt nicht ausführbar. Man erinnere sich nur der
-epochemachenden Fahrt, deren zehnjährige Vollendung wir nun bald feiern;
-was die Phönizier zuerst für den Süden der alten Welt geleistet, das
-that Ende der siebziger Jahre unseres Jahrhunderts Nordenskiöld für den
-Norden derselben. Und so wenig jemand an dem entschlossenen Muthe und
-der grossen nautischen Geschicklichkeit dieses hervorragenden Entdeckers
-zweifeln wird, so gewiss wird doch jeder, der die einschlägigen
-Verhältnisse kennt, zugestehen, dass ohne Glück selbst er den arktischen
-Breiten nicht entronnen wäre und die „Vega“ vielleicht heute noch
-festgeklemmt zwischen Eisschollen und Schneefeldern sässe. Aber selbst
-die Annahme, dass durch das Zusammentreffen mannigfacher Glücksumstände
-den Phöniziern die Lösung ihrer Aufgabe erleichtert sei, vermag nicht,
-ihren Ruhm zu schmälern. Sie haben ausgeführt, was erst über zweitausend
-Jahre nach ihnen der Menschheit aufs neue zu vollbringen gelang, eine
-Reise, die Rosellini[394] sehr richtig charakterisirt: „tremendo
-passaggio non solo all’ antica arte marinaresca, ma a quella eziandio di
-circa tre secoli fa“; die Fahrt, welche die Schiffer des Königs Necho
-600 Jahre vor Christi Geburt auf ihren Pentekontoren glücklich vollendet
-haben, ist erst am Ende des 15. Jahrhunderts unserer Zeitrechnung den
-portugiesischen Galeeren und den Matrosen aus der Schule Heinrichs des
-Seefahrers aufs neue geglückt. Die Geschichte der Geographie, speziell
-der Entdeckungen, ist nicht arm an bedeutenden Ereignissen; es hat nie
-an Beweggründen edelster oder minder edler Art gefehlt, welche kühne
-Männer hinaustrieben zur Erforschung unbekannter Theile der Oberfläche
-unseres Planeten, aber schwerlich ist jemals eine That zu verzeichnen
-gewesen oder wird zu verzeichnen sein, welche grösser wäre als diese
-phönizische Fahrt. Mit Recht winden wir grünen Lorbeer um die Stirne der
-Helden, die auf dem Felde der Ehre mannhaften Muthes dem Feinde
-entgegentreten als Beschützer der heimathlichen Penaten, und wenn die
-Geschichte denen einen Platz in ihren Annalen gönnt, die für ihren
-Glauben oder ihre wissenschaftliche Ueberzeugung willig ihr Leben dahin
-geben, so wird ihnen zu Theil, was sie verdienen; aber der Muth dieser
-Männer, die, ohne irgend welche nennenswerthe nautische Hülfsmittel zu
-besitzen, zuerst die unbekannten Wasserwüsten des südlichen indischen
-und atlantischen Ozeans durchfuhren und so eins der schwierigsten
-Probleme der Erdkunde lösten, verdient – wenn auch Gewinnsucht unter den
-Beweggründen eine hervorragende Rolle gespielt haben mag – nicht
-geringere Bewunderung. Das sind Heldengestalten, wie sie dem Horaz
-vorschwebten, als er sein: „Illi robur et aes triplex etc.“ sang, und es
-ist tief zu beklagen, dass der Name des hervorragenden Seemannes,
-welcher diese Expedition leitete, der Nachwelt nicht erhalten ist; er
-stände billig dem Vaskos und Nordenskiölds zur Seite.
-
-Ich hoffe, es ist mir im Vorstehenden gelungen, etwaige Zweifel an der
-Wahrheit des von Herodot über die phönizische Expedition Mitgetheilten
-zu besiegen. Ich vermag Lewis nicht beizustimmen, welcher äussert[395]:
-„we may conclude that the circumnavigation of Africa in the time of Neco
-is too imperfectly attested and too improbable in itself, to be regarded
-as a historical fact“; im Gegentheil, mögen die Ansichten im einzelnen
-auch noch so weit auseinandergehen, an der Thatsache selbst zu zweifeln,
-dürfte kein Grund vorliegen, und der Vorwurf der Leichtgläubigkeit oder
-Kritiklosigkeit, der den Gläubigen durch Lewis Worte gemacht wird, und
-in den der ganze Chorus seiner Gesinnungsgenossen im volltönenden
-Unisono einstimmt, wird nach sorgfältiger Erwägung der massgebenden
-Verhältnisse endgültig verstummen müssen. Wer aber überzeugt ist, dass
-wir es hier nicht mit einer Fabel, sondern mit einem historischen Faktum
-zu thun haben, der wird den kühnen Männern, die den grossen Gedanken des
-Königs Necho zur That werden liessen, das zuerkennen, was ihnen gebührt:
-einen unverwelklichen Ruhmeskranz.
-
-
-
-
- Anmerkungen.
-
-
- [1] „Nothing is more easy than to affirm the accomplishment of these
- great attempts (die Umsegelungen Afrikas im Alterthum), where an
- author logs himself with neither circumstances or particulars“.
-
- [2] History of Ancient Geography. I, p. 296.
-
- [3] cf. Berger: Geschichte der wissenschaftlichen Erdkunde der
- Griechen. Erste Abtheilung: Die Geographie der Jonier, p. 40.
-
- [4] Λιβύη μὲν γὰρ δηλοῖ ἑωυτὴν ἐοῦσα περίρρυτος, πλὴν ὅσον αὐτῆς
- πρὸς τὴν Ἀσίην οὐρίζει, Νεκῶ τοῦ Αἰγυπτίων βασιλέος πρώτου τῶν ἡμεῖς
- ἴδμεν καταδέξαντος, ὃς ἐπείτε τὴν διώρυχα ἐπαύσατο ὀρύσσων τὴν ἐκ
- τοῦ Νείλου διέχουσαν ἐς τὸν Ἀράβιον κόλπον, ἀπέπεμφε Φοίνικας ἄνδρας
- πλοίοισι, ἐντειλάμενος ἐς τὸ ὀπίσω δί Ἡρακλέων στηλέων διεκπλέειν,
- ἕως ἐς τὴν βορηίην θάλασσαν καὶ οὕτω ἐς Αἴγυπτον ἀπικνέεσθαι.
- ὁρμηθέντες ὧν οἱ Φοίνικες ἐκ τῆς Ἐρυθρῆς θαλάσσης ἔπλεον τὴν νοτίην
- θάλασσαν· ὅκως δὲ γίνοιτο φθινόπωρον, προσίσχοντες ἄν σπείρεσκον τὴν
- γῆν, ἵνα ἑκάστοτε τῆσ Λιβυής πλέοντες γινοίατο, καὶ μένεσκον τὸν
- ἄμητον· θερίσαντες δ ἂν τὸν σῖτον ἔπλεον, ὥστε δύο ἐτέων
- διεξελθόντων τρίτῳ ἔτεϊ κάμψαντες Ἡρακλέας στήλας ἀπίκοντο ἐσ
- Αἴγυπτον καὶ ἔλεγον ἐμοὶ μὲν οὐ πιστά, ἄλλῳ δὲ δή τεῳ, ὁς
- περιπλώοντες τὴν Λιβύην τὸν ἥλιον ἔσχον ἐς τὰ δεξιά.
-
- [5] Siehe darüber Wheeler: The Geography of Herodotus, p. 336, wo
- die ablehnenden Ansichten des Plato, Ephorus, Polybius, Strabo und
- Ptolemäus aufgeführt sind. Zu vergl. Bunbury: History of Ancient
- Geography, I, p. 290.
-
- [6] cf. Berger, a. a. O., pp. 37 n. 41.
-
- [7] cf. Gosselin: Ueber die Kenntniss der Alten von der West- und
- Ostküste Afrikas und über die Umschiffung dieses Erdtheils (bei
- Bredow: Untersuchungen über einzelne Gegenstände der alten
- Geschichte, Geographie und Chronologie, II, p. 338).
-
- [8] Strabo II, 3.
-
- [9] ibid. I, 1.
-
- [10] ibid. I, 2.
-
- [11] ibid.
-
- [12] Bunbury: Hist. etc.
-
- [13] Hier wird die Behauptung ausgesprochen, dass eine ursprünglich
- anders lautende Erzählung im Laufe der 150 Jahre, welche zwischen
- der ihr zu Grunde liegenden Thatsache und dem Aufenthalt Herodots in
- Aegypten verflossen wären, zu dieser Umsegelung umgestempelt worden
- sei. Die für die Unwahrscheinlichkeit der Umsegelung an dieser
- Stelle angeführten Gründe sollen weiter unten widerlegt werden.
-
- [14] a. a. O.
-
- [15] Die Entdeckungen der Karthager und Griechen, aus dem Polnischen
- übersetzt, p. 2.
-
- [16] Précis de la Géographie Universelle, Tome I, p. 68 f.
-
- [17] History of the commerce, navigation and discoveries of the
- Ancients in the Indian Ocean.
-
- [18] Histoire de la géographie, p. 30 f.
-
- [19] Das alte Indien.
-
- [20] Handbuch der alten Geschichte.
-
- [21] Handbuch der alten Geographie, I, p. 41.
-
- [22] Geogr. der Griechen u. Römer, Einleitung, p. 19.
-
- [23] cf. dessen Abhandlung in: „Neue Jahrbücher für Philologie und
- Pädagogik“ von Seebode und Jahn, p. 428 ff.
-
- [24] Wheeler: The Geography of Herodotus, p. 344.
-
- [25] Géographie physique de la mer noire.
-
- [26] History of Greece, III, p. 377 ff.
-
- [27] Histoire Ancienne des peuples de l’orient, p. 488 ff.
-
- [28] In den Mémoires de l’Institut Royal de France, Académie des
- Inscriptions et Belles-Lettres, tome XV, p. 380 ff.
-
- [29] The Geographical System of Herodotus.
-
- [30] Wheeler, a. a. O., p. 342, Anm.
-
- [31] In seiner Ausgabe des Herodot (s. den Exkurs zu IV, 42).
-
- [32] De navigationibus extra columnas Herculis.
-
- [33] a. a. O.
-
- [34] „Die Umschiffung Libyens durch die Phöniker“ in: „Neue
- Jahrbücher für Philologie und Pädagogik“, Supplementband VII.
-
- [35] Disquisitio de fide Herodoti, qua perhibet Phoenices Africam
- navibus circumvectos esse.
-
- [36] Disputatio historica de Africa a Phoenicibus circumnavigata.
-
- [37] Geschichte des Alterthums^4, II, p. 476.
-
- [38] Ideen über die Politik, den Verkehr und den Handel der
- vornehmsten Völker der alten Welt.
-
- [39] Handel und Schifffahrt auf dem rothen Meere in alten Zeiten.
-
- [40] Kosmos II, p. 103 u. Anm. 23.
-
- [41] Geschichte der Geographie.
-
- [42] Die Erforschung Afrikas^2, p. 2 f.
-
- [43] Geschichte der Erdkunde^2, herausgegeben von S. Ruge, p. 20 f.
-
- [44] Geschichte der Erdkunde und der Entdeckungen, herausgeg. von
- Daniel.
-
- [45] Niebuhr, kl. Schriften, I, p. 135.
-
- [46] cf. Ulrici, Charakteristik der antiken Historiographie, p. 35,
- Anm. 1.
-
- [47] cf. I, 140; III, 115, 116; IV, 16, 187.
-
- [48] cf. I, 160; VI, 14, 81, 124, 137; VIII, 8; IX, 32, 81, 84.
-
- [49] cf. II, 19.
-
- [50] cf. II, 119.
-
- [51] cf. I, 95, 214; VII. 214.
-
- [52] cf. II, 125.
-
- [53] cf. II, 29, 99, 147, 148.
-
- [54] Vivien de St. Martin, Histoire de la Géographie, p. 88
- beurtheilt das Werk des Herodot im allgemeinen dahin: „Ce caractère
- de souveraine exactitude dans les faits de détail appartient à
- l’oeuvre tout entière d’Hérodote; il est marqué dans les
- descriptions géographiques aussi bien que dans les parties purement
- historiques.“ – C. O. Müller, Geschichte der griechischen
- Litteratur^3, I, p. 454: „Dass Herodot bei diesen Mittheilungen, wo
- er nicht das selbst Gesehene und Beobachtete beschreibt,
- mannigfachen Täuschungen ... ausgesetzt war, wer könnte dies
- leugnen?“, aber weiter unten: „Wie oft haben neuere Reisende,
- Naturforscher, Ethnographen Veranlassung gehabt, die Wahrheit und
- Genauigkeit von Beobachtungen und Erkundigungen zu bewundern, welche
- in scheinbar abenteuerlichen und seltsamen Erzählungen Herodots
- enthalten ist!“
-
- [55] a. a. O., p. XXXIX.
-
- [56] μυθολόγος; Aristot. de gener. anim., III, 5.
-
- [57] cf. De Herodoti malignitate.
-
- [58] cf. Steins Ausgabe des Herodot, 3. Aufl., Einleitung, p. XIV f.
-
- [59] cf. II, 28.
-
- [60] cf. Creuzer: Die historische Kunst der Griechen, p. 100 ff.
-
- [61] cf. II, 3, 55, 102.
-
- [62] cf. Anm. 31.
-
- [63] cf. XVII, 1.
-
- [64] In: Brugsch: Gesch. Aegyptens, p. 501 ff. Nach anderer Ansicht
- hat Pentaur mit diesem Gedichte nur dadurch zu thun, dass er es
- abgeschrieben hat. cf. Eduard Meyer: Gesch. des alten Aegypten, p.
- 304, Anm. 1. Der priesterliche Ursprung ist aber keinenfalls zu
- bezweifeln.
-
- [65] Eduard Meyer, a. a. O., p. 292.
-
- [66] cf. Her. II, 171.
-
- [67] cf. Duncker: Gesch. des Alterthums^4, II. 469.
-
- [68] cf. Her. II, 110.
-
- [69] p. 184.
-
- [70] cf. Her. II, 175 u. 176.
-
- [71] cf. Ed. Meyer, a. a. O., p. 363.
-
- [72] cf. Her. II, 152.
-
- [73] S. darüber weiter unten.
-
- [74] cf. Ed. Meyer, a. a. O., p. 363.
-
- [75] cf. Her. II, 173.
-
- [76] cf. Her. II, 154, 178.
-
- [77] 2. Kön., 23; 29. – 2. Chron. 35; 22 ff. – Her. II, 159.
-
- [78] Jerem. 46; 2.
-
- [79] Maspéro, a. a. O., p. 493.
-
- [80] cf. Her. IV, 42.
-
- [81] cf. Her. II, 158. – Ob Necho den Kanal erst graben oder den
- versandeten hat wiederherstellen lassen wollen, wie andere meinen –
- cf. Lieblein, a. a. O., p. 105 – ist für die in Frage stehende
- Untersuchung gleichgültig. – Warum ich den Kanalbau _nach_ dem
- syrischen Misserfolge ansetze, werde ich unten ausführen.
-
- [82] cf. Her. II, 159.
-
- [83] cf. II, 102, wo Sesostris’ Züge erzählt werden.
-
- [84] cf. Ed. Meyer, a. a. O., p. 370.
-
- [85] a. a. O. I, p. 21.
-
- [86] a. a. O., p. 8.
-
- [87] cf. Duncker, a. a. O., I, p. 172.
-
- [88] Genes. 43; 32.
-
- [89] cf. Mannert, a. a. O., Einleitung, p. 20.
-
- [90] cf. C. und Th. Müller, Hecataei fragmenta, 187, und Hesiod.
- Fragm. LXXXVI, ed. Göttling, Schol. Apoll. IV, 259.
-
- [91] a. a. O., p. 488.
-
- [92] p. 38.
-
- [93] Sesostris – gänzlich sagenhaft – ist die Gestalt, zu der die
- grossen ägyptischen Eroberer den Griechen zusammenschmolzen; die
- bedeutendsten Thaten werden ihm beigelegt.
-
- [94] II, 3.
-
- [95] II, 67.
-
- [96] a. a. O., p. 344.
-
- [97] „Réflexions sur le commerce de Carthage en particulier et sur
- celui des Anciens en général“ in den „Mémoires de l’Académie des
- Inscriptions“, Tom. XXVIII, p. 308.
-
- [98] IV, 43.
-
- [99] a. a. O., p. 384.
-
- [100] wie Gosselin, a. a. O., p. 338 behauptet.
-
- [101] Anton Krichenbauer: Die Irrfahrt d. Odysseus als eine
- Umschiffung Afrikas.
-
- [102] I, 2.
-
- [103] a. a. O., p. 58.
-
- [104] XVII, 1.
-
- [105] II, 154.
-
- [106] cf. Diodor, I, 67.
-
- [107] cf. Ed. Meyer, a. a. O., p. 366.
-
- [108] cf. Erman: Aegypten, II, p. 681.
-
- [109] cf. Duncker, a. a. O., I, p. 172.
-
- [110] Od. XIV, 285-291.
-
- [111] cf. Duncker, a. a. O., II, 469.
-
- [112] II, 154.
-
- [113] II, 179.
-
- [114] XVII, 1.
-
- [115] cf. II, 121 u. 160.
-
- [116] ibid., p. 119.
-
- [117] cf. Ed. Meyer, a. a. O., p. 242.
-
- [118] ibid., p. 231.
-
- [119] cf. Lieblein. a. a. O., p. 61 f.
-
- [120] cf. Ed. Meyer, a. a. O., p. 244.
-
- [121] cf. Her. II, 102-106.
-
- [122] cf. Heyne: De fide Diodori, in den Comment. Soc. Gott. VII,
- 83, und v. Bohlen: Das alte Indien, I, p. 62.
-
- [123] cf. Karl Ritter: Geschichte der Erdkunde und der Entdeckungen,
- herausgegeben von Daniel, 2. Aufl., p. 9 ff.
-
- [124] cf. Her. II, 50.
-
- [125] cf. Plutarch: Isis und Osiris, Kap. 32.
-
- [126] I, 1.
-
- [127] a. a. O., p. 308. cf. Lenormant: Histoire Ancienne de
- l’Orient^9, VI, p. 491.
-
- [128] cf. Her. II, 159.
-
- [129] VII, 89.
-
- [130] VIII, 17.
-
- [131] a. a. O., p. 309.
-
- [132] a. a. O., Einleitung, p. 21.
-
- [133] cf. Movers: Die Phönizier, II, 3, p. 184.
-
- [134] cf. Strabo III, 5.
-
- [135] cf. Duncker, a. a. O., II, p. 46, u. I, p. 516.
-
- [136] cf. Strabo III, 5.
-
- [137] cf. Junker, a. a. O., p. 372, wo auch die einschlägige
- Litteratur angeführt ist.
-
- [138] Besonders geschieht dies seit Mauchs afrikanischen Reisen.
-
- [139] cf. Brugsch: Ophir, in der Sonntagsbeilage zur „Voss. Zeitung“
- vom 17. März 1889.
-
- [140] cf. Riehm: Bibl. Handwörterbuch, Art. „Ophir“, u. Lieblein, a.
- a. O., p. 60.
-
- [141] cf. Grotefend: Vorrede zu Sanchuniathons Auszuge,
- herausgegeben von Wagenfeld, p. XX.
-
- [142] 1. Kön., 10; 22.
-
- [143] Indische Alterthumskunde, II, 579 ff.
-
- [144] ibid., p. 584 ff.; I. p. 784. cf. Ed. Meyer: Geschichte des
- Alterthums, I, p. 225.
-
- [145] In der Vorrede zu Sanchuniathons Auszuge, herausgegeben von
- Wagenfeld, p. XIX.
-
- [146] cf. 2. Buch der Chronika, 9; 9.
-
- [147] Geogr. der Griechen und Römer, I, 1, p. 46 ff.
-
- [148] VII, 21.
-
- [149] a. a. O., p. 24.
-
- [150] cf. Arriani Exped. Alex., VI, 1.
-
- [151] cf. ibid. VII, 19.
-
- [152] a. a. O., p. 198 f.
-
- [153] cf. Peschel, a. a. O., p. 123.
-
- [154] a. a. O., p. 39.
-
- [155] cf. Her. VII, 23.
-
- [156] cf. ibid., VII, 44 u. 96.
-
- [157] a. a. O., I, p. 703.
-
- [158] cf. III, 114.
-
- [159] cf. IV. 43.
-
- [160] cf. ibid. u. II, 32.
-
- [161] cf. Strabo I, 1, III, 5 u. Diod. V, 19 u. 20.
-
- [162] p. 333.
-
- [163] a. a. O., p. 375.
-
- [164] cf. Peschel, a. a. O., p. 22, Anm. 2, u. Hennicke, De
- Geographia Africae Herodotea, p. 36.
-
- [165] Strabo, I, 5.
-
- [166] cf. Peschel, a. a. O., p. 60.
-
- [167] cf. Strabo I, 5 u. II, 3.
-
- [168] Exped. Alex., V, 26.
-
- [169] cf. I, 202.
-
- [170] cf. IV, 36 u. II, 23.
-
- [171] cf. IV., 42.
-
- [172] cf. Her. II, 102.
-
- [173] II, 31.
-
- [174] a. a. O., p. 38.
-
- [175] II, 5.
-
- [176] cf. Ed. Meyer, a. a. O.
-
- [177] cf. Sandberg, a. a. O. p. 15.
-
- [178] II, 159.
-
- [179] II, 158.
-
- [180] cf. Erman, a. a. O., II, p. 631.
-
- [181] ibid.
-
- [182] Her. IV, 42.
-
- [183] XVII, 1.
-
- [184] cf. Her. II, 102-110 u. Diod. I, 53-58.
-
- [185] Junker, a. a. O., p. 365; Sandberg, a, a. O., p. 31.
-
- [186] IV, 44.
-
- [187] cf. II, 11 u. 158.
-
- [188] cf. II, 159.
-
- [189] cf. Ed. Meyer, a. a. O., p. 50.
-
- [190] cf. Lieblein, a. a. O., p. 11.
-
- [191] cf. über die Geschichte dieser Strasse und ihren Endpunkt am
- rothen Meere: Ed. Meyer, a. a. O., pp. 153 ff., 183 f., 296, 320,
- 369, 373.
-
- [192] cf. Lieblein, a. a. O., p. 127, Anm. 1.
-
- [193] Cf. XVII, 1.
-
- [194] cf. Maspéro, a. a. O., p. 491.
-
- [195] 2. Kön., 24; 7.
-
- [196] cf. Ed. Meyer, a. a. O., p. 381.
-
- [197] II, 112.
-
- [198] a. a. O., p. 92 ff.
-
- [199] Griech. Gesch.^5, I, p. 40.
-
- [200] cf. Sandberg, a. a. O., p. 50.
-
- [201] II, 32.
-
- [202] cf. Her. IV, 172, 182.
-
- [203] cf. Her. II, 152.
-
- [204] cf. Kosmos II, Anm. 23.
-
- [205] Cf. Her. IV, 152.
-
- [206] cf. G. Gilbert: Handbuch der griech. Staatsalterthümer, II, p.
- 248.
-
- [207] cf. Mommsen: Röm. Gesch., I^6, p. 143.
-
- [208] cf. Lieblein, a. a. O., p. 65 f. u. viele Stellen des von ihm
- angezogenen Periplus Maris Erythraei.
-
- [209] XVII, 1.
-
- [210] a. a. O., p. 489.
-
- [211] cf. Bredow: Geogr. et Uranolog. Her. specimen, p. XXXIV, u.
- Vincent, a. a. O., Vol. II, p. 14.
-
- [212] Forbiger: Handbuch der alten Geographie, I, p. 63. Diese
- Notiz, wie einige andere, war Herr Kand. d. höh. Schulamts Franz
- Jänicke so freundlich für mich auszuziehen. Ich sage ihm auch an
- dieser Stelle für seine Gefälligkeit meinen besten Dank.
-
- [213] cf. XVII, 3.
-
- [214] cf. Paulitschke, a. a. O., p. 18, p. 29, Anm. 6 u. das von ihm
- angeführte Werk: Letronne: Discussion de l’opinion d’Hipparche sur
- le prolongement de l’Afrique an sud de l’Équateur etc. im Journal
- des Savants 1831.
-
- [215] III, 38.
-
- [216] cf. Her. 114.
-
- [217] Hist. natur. VI, 33.
-
- [218] cf. Peschel: Gesch. der Erdkunde, 2. Aufl., p. 21.
-
- [219] cf. ibid., p. 60.
-
- [220] cf. ibid., p. 79.
-
- [221] cf. ibid., pp. 97 u. 101.
-
- [222] cf. Gosselin, a. a. O., p. 352.
-
- [223] a. a. O., I, p. 23.
-
- [224] cf. Maspéro, a. a. O., p. 492.
-
- [225] cf. Ed. Meyer, a. a. O., p. 384.
-
- [226] cf. Her. II, 161.
-
- [227] cf. Ed. Meyer, a. a. O., p. 383.
-
- [228] cf. Her. II, 182; I, 77; III, 47.
-
- [229] cf. Her. II, 175, 176, 182.
-
- [230] Histoire de la géographie, p. 30.
-
- [231] cf. Knös, a. a. O. p. 18, annot.
-
- [232] a. a. O., p. 339, Anm. 1.
-
- [233] cf. Maspéro, a. a. O., p. 488.
-
- [234] cf. Her. II, 161.
-
- [235] a. a. O., p. 380 ff.
-
- [236] cf. dagegen Mannert, a. a. O., I, p. 23.
-
- [237] Gesch. der wissenschaftl. Erdkunde der Griechen. Erste
- Abtheilung: Die Geogr. der Jonier, p. 39.
-
- [238] IV, 44.
-
- [239] cf. Hannonis periplus in: Geographiae veteris scriptores
- Graeci minorea, I.
-
- [240] cf. Her. V, 116.
-
- [241] Griech. Gesch., 5. Aufl., I, p. 36.
-
- [242] cf. Her. III, 19.
-
- [243] III, 5.
-
- [244] a. a. O., I. p. 23.
-
- [245] ibid., p. 21.
-
- [246] Die Phönizier III, p. 185.
-
- [247] a. a. O., I, p. 537 u. II, 191.
-
- [248] a. a. O., p. 339 ff. – cf. Rennell, b. Bredow, p. 693.
-
- [249] cf. Guthe-Wagner: Lehrbuch der Geographie, 5. Auflage, p. 328;
- auch Brugsch: Ophir, in der Sonntagsbeilage zur „Vossischen Ztg.“
- vom 17. März 1889, der sagt, dass wegen häufiger Windstillen und
- ungünstiger Winde noch gegenwärtig ein arabischer Segler 5-6 Monate
- braucht, um das rothe Meer von einem Ende bis zum andern zu
- durchschiffen.
-
- [250] Hann, v. Hochstetter und Pokorny: Allgem. Erdkunde, 2. Aufl.,
- p. 58.
-
- [251] cf. die Karte der Winde auf Berghaus: Chart of the World.
-
- [252] Es ist mir trotz vielfacher Bemühungen nicht gelungen, dies
- Buch einzusehen.
-
- [253] cf. Guthe-Wagner, a. a. O., p. 417.
-
- [254] cf. über die Strömungen: Berghaus, Chart of the World und die
- Uebersicht der wichtigsten Meeresströmungen in Andrees Handatlas, p.
- 6.
-
- [255] in einer adnotatio seiner Herodotausgabe zu IV, 42.
-
- [256] I, 1.
-
- [257] cf. Movers, a. a. O., II, p. 184 und John Kenrick: Phoenicia,
- p. 235.
-
- [258] a. a. O., pp. 546 u. 347.
-
- [259] a. a. O., p. 691.
-
- [260] a. a. O., p. 368.
-
- [261] cf. Her. III., 136.
-
- [262] cf. ibid., IV., 43.
-
- [263] a. a. O., p. 337.
-
- [264] cf. Movers, a. a. O., II, 3, p. 174.
-
- [265] a. a. O., II, 3, p. 175.
-
- [266] a. a. O., p. 189.
-
- [267] cf. Bougainville, a. a. O., p. 190 f.
-
- [268] a. a. O., p. 311.
-
- [269] Quatremère, a. a. O.
-
- [270] cf. IV, 44.
-
- [271] c. 110.
-
- [272] Od. XV, 474 ff.
-
- [273] IV, 86.
-
- [274] cf. Guthe-Wagner, a. a. O., p. 42.
-
- [275] Anab, VI. 2, 2.
-
- [276] De veterum re navali, p. 76, annot.
-
- [277] in: Geographi Graeci Minores ed. Müller, I, p. 372.
-
- [278] Hist. natur. XIX, 1.
-
- [279] a. a. O., XV, 20.
-
- [280] III, 5.
-
- [281] 1. Kön. 9; 27 u. 28, auch 10; 11.
-
- [282] a. a. O., p. 200.
-
- [283] a. a. O., p. 37.
-
- [284] IV, 43.
-
- [285] III, 102, u. V, 52 ff.
-
- [286] a. a. O., p. 49.
-
- [287] Her. IV, 44.
-
- [288] I, 193.
-
- [289] I, 34.
-
- [290] Exodus, 9; 31 u. 32.
-
- [291] cf. Riehm, a. a. O., I, p. 19.
-
- [292] cf. Alphons de Candolle: Der Ursprung der Kulturpflanzen, p.
- 448.
-
- [293] cf. ibid. p. 472.
-
- [294] ibid., p. 488 f.
-
- [295] cf. Duncker, a. a. O., I, p. 169.
-
- [296] cf. Guthe-Wagner, a. a. O., p. 118. Ueberzeugend nachgewiesen
- auch durch Alphons de Candolle: Géographie botanique, p. 942 ff.
-
- [297] cf. Viktor Hehn: Kulturpflanzen und Hausthiere in ihrem
- Uebergange aus Asien nach Griechenland und Italien, 2. Aufl., p. 437
- f.
-
- [298] cf. A. de Candolle: Der Ursprung usw. S. 531 ff. und Leunis:
- Synopsis, Botanik, 2. Band, 1885, p. 638.
-
- [299] cf. A. de Candolle: Der Ursprung usw., p. 475, u. Unger:
- Sitzungsberichte der Kaiserl. Akademie der Wissenschaften zu Wien,
- mathem.-naturw. Klasse, Bd. XXXVIII, 1859: Die Pflanzen des alten
- Aegyptens, p. 100.
-
- [300] The History of Herodotus. IV, 42, n. 8.
-
- [301] a. a. O., p. 34.
-
- [302] 26; 2.
-
- [303] a. a. O., p. 439.
-
- [304] a. a. O., p. 100.
-
- [305] Histoire des plantes cultivées en Égypte, p. 8.
-
- [306] a. a. O., p. 99.
-
- [307] Der Ursprung usw., p. 484.
-
- [308] Cf. Erman, a. a. O., II, p. 578.
-
- [309] a. a. O., p. 481.
-
- [310] a. a. O., p. 2.
-
- [311] cf. Viktor Hehn, a. a. O., p. 536.
-
- [312] Weltgesch. 3. Aufl., I, p. 76.
-
- [313] Der Ursprung: usw., p. 482.
-
- [314] cf. Ed. Meyer, a. a. O., p. 167 f. u. Erman, a. a. O., I, pp.
- 149-150, 182-185 u. II, 425.
-
- [315] cf. Riehm, a. a. O., p. 620. – Dafür spricht auch, was
- Pietschmann: Gesch. der Phönizier, p. 141 sagt. Der bis jetzt
- erschienene Theil dieses neuesten Werkes über jenes Volk kommt in
- meine Hand, während sich die vorliegende Abhandlung schon beim
- Drucker befindet. Es wird dort mitgetheilt, dass Kamh, der Name
- einer Brotart, die in uralten ägyptischen Formeln als Speise der
- Götter erwähnt wird, ursprünglich „Weizen“ bedeutet. Wenn aber die
- Aegypter meinten, dass das Brot der Götter aus Weizenmehl gefertigt
- werde, mussten sie dies doch für das feinste halten.
-
- [316] I, 93.
-
- [317] Exodus, 9; 31 u. 32 u. Erman, a. a. O., II, p. 578.
-
- [318] II, 36 u. 77.
-
- [319] a. a. O., p. 4.
-
- [320] cf. Erman, a. a. O., I, p. 270.
-
- [321] ibid. p. 265.
-
- [322] cf. ibid. II, p. 414.
-
- [323] II 36. – cf. de Candolle: Der Ursprung usw., p. 458, u.
- derselbe: Géogr. botanique, p. 933 unter L’épautre.
-
- [324] Der Ursprung usw., p. 459.
-
- [325] cf. ibid., p. 458.
-
- [326] Exodus, 9; 32.
-
- [327] Thier- und Pflanzengeographie, p. 269.
-
- [328] cf. Genesis, 42 ff.
-
- [329] cf. Mommsen: Röm. Staatsr., 2. Aufl., II, 2, p. 994.
-
- [330] I, 14 u. 20.
-
- [331] Der Ursprung usw., p. 448.
-
- [332] a. a. O., p. 79.
-
- [333] Cap. 27 u. 34.
-
- [334] cf. Duncker, a. a. O., Bd. 9, p. 99.
-
- [335] a. a. O., p. 67 f.
-
- [336] cf. Riehm, a. a. O., I, p. 19.
-
- [337] cf. Wappaeus: Handbuch der allgem. Geogr. u. Statistik, I, pp.
- 132 u. 133.
-
- [338] Cf. Thomé, a. a. O., p. 300.
-
- [339] cf. Grisebach: Die Vegetation der Erde, 2. Aufl., II, p. 144
- u. 543, Anm. 1.
-
- [340] cf. Riehm, a. a. O., d. Abbildungen unter „Ackerbau“. Dass die
- Aegypter künstliche Bewässerung kannten, geht hervor aus Strabo
- XVII, 1.
-
- [341] p. 609, Spalte 3.
-
- [342] cf. ibid., Spalte 2.
-
- [343] Diese Notizen verdanke ich Herrn Prof. Drude in Dresden; für
- seine freundliche Bereitwilligkeit mir aus dem reichen Schatze
- seines Wissens mitzutheilen, sage ich demselben auch an dieser
- Stelle meinen Dank.
-
- [344] cf. Guthe-Wagner, a. a. O., I, p. 368.
-
- [345] Diese Angaben habe ich dem oben angeführten trefflichen Werke
- Grisebachs entnommen, I, p. 539, Anm. 50; sie beziehen sich zunächst
- auf Madeira, können aber sicherlich ohne Bedenken auf die
- gegenüberliegende festländische Küste übertragen werden.
-
- [346] b. Bredow, pp. 695 u. 701.
-
- [347] a. a. O., p. 367.
-
- [348] a. a. O., p. 20.
-
- [349] cf. über die Zeit Duncker, a. a. O., I, p. 180.
-
- [350] I, 3.
-
- [351] a. a. O., p. 369.
-
- [352] a. a. O., p. 350.
-
- [353] a. a. O., adnot. zu IV, 42.
-
- [354] cf. Duncker, a. a. O., I, p. 169.
-
- [355] cf. Delile, a. a. O., pp. 2 u. 4.
-
- [356] cf. Knös, a. a. O., p. 20 nebst adnot.
-
- [357] I, 11, 12 u. 26.
-
- [358] I, 16.
-
- [359] cf. Bredow: Handbuch der alten Geschichte, 3. Aufl., p. 173,
- Anm. 2.
-
- [360] a. a. O., Einltg., p. 21 u. „The Penny Cyclopaedia“, Art.
- Africa.
-
- [361] cf. Kruse: Indiens alte Geschichte, p. 33.
-
- [362] cf. Sandberg, a. a. O., p. 29.
-
- [363] cf. Hudson: Periplus Hannonis in Geographiae Veteris
- Scriptores Graeci Minores, I.
-
- [364] b. Bredow, p. 688.
-
- [365] Von Kosseir bis Bab-el-Mandeb beträgt die Entfernung 1800 km;
- hatten sie, um diese zurückzulegen, volle 40 Tage, so mussten sie
- täglich 45 km fahren, im vorliegenden Falle also etwas mehr. Sie
- konnten dies zweifellos, auch bei Windstille, wenn sie in dem
- bekannten Fahrwasser die Nacht zu Hülfe nahmen und die Mannschaft
- sich häufig ablöste. – cf. auch Erman, a. a. O., II, p. 675, der
- annimmt, dass die nach Punt bestimmten ägyptischen Schiffe etwa
- einen Monat brauchten, um ihr Ziel zu erreichen.
-
- [366] a. a. O., p. 195, Anm. 316.
-
- [367] cf. Link: Ueber die ältere Geschichte der Getreidearten in den
- „Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften“ zu Berlin, 1826,
- phys. Klasse, p. 75.
-
- [368] cf. Alphons de Candolle: Der Ursprung usw., p. 466.
-
- [369] Private Mittheilung des Herrn Prof. Drude.
-
- [370] cf. Rennell, a. a. O., p. 677 und „The Penny Cyclopaedia“,
- Art. Africa.
-
- [371] IV, 43.
-
- [372] a. a. O., p. 343.
-
- [373] cf. Peschel, a. a. O., p. 20, u. Rawlinson: The History of
- Herodotus, IV, 42, n. 4.
-
- [374] cf. Diog. Laert.: Parmenides, lib. IX, cap. III, u. Peschel,
- a. a. O., pp. 34 f. u. 72.
-
- [375] cf. I, 74, 103; VII, 37.
-
- [376] cf. Paulitschke, a. a. O., p. 2 f., u. Stein, a. a. O., Anm.
- zu IV, 42.
-
- [377] cf. Bredow: Geographiae et Uranologiae Herodotea specimina, p.
- XVIII, seq.
-
- [378] cf. II, 98 u. 104.
-
- [379] cf. II, 24.
-
- [380] cf. Histoire d’Hérodote par M. Larcher, Tome III, p. 404 f.
-
- [381] cf. Schlichthorst: Geographia Africae Herodotea, p. 110.
-
- [382] cf. XVII, 1.
-
- [383] Diog. Laert.: Thales, ed. Firmin Didot, p. 6.
-
- [384] a. a. O., p. 26 f.
-
- [385] I, 74.
-
- [386] cf. Erman, a. a. O., II, pp. 466-468.
-
- [387] cf. ibid., II, pp. 486-492.
-
- [388] a. a. O., p. 18 annot.
-
- [389] cf. Her. II, 29.
-
- [390] a. a. O., p. 190 f.
-
- [391] cf. Paulitschke, a. a. O., p. 55.
-
- [392] S. das oben über den Auftrag des Sataspes Erzählte.
-
- [393] XVII, 3.
-
- [394] cf. Monumenti Civili, 1836, Tome III, p. 120.
-
- [395] History of Ancient Astronomy, p. 515.
-
-
-_Berichtigung._ S. 32, Zeile 9 v. oben lies: _Arabiens_ statt: Afrikas.
-
-
- A. Haase’s Buchdruckerei (Max Babenzien), Rathenow.
-
-
-
-
- Anmerkungen zur Transkription
-
-
-Die _Berichtigung_ auf Seite XI wurde in den Text eingearbeitet.
-
-Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Weitere
-Änderungen sind hier aufgeführt (vorher/nachher):
-
- [S. 32]:
- ... und andern Küstenländern heran, alles, um zur Umschiffung
- Afrikas ...
- ... und andern Küstenländern heran, alles, um zur Umschiffung
- Arabiens ...
-
- [S. 32]:
- ... um so mehr über allem Zweifel erhaben, dass sie in der
- Führung ...
- ... um so mehr über allen Zweifel erhaben, dass sie in der
- Führung ...
-
- [S. 36]:
- ... neuer Antrieb gewesen sein, die Fahrt kühnes Muthes zu
- unternehmen, ...
- ... neuer Antrieb gewesen sein, die Fahrt kühnen Muthes zu
- unternehmen, ...
-
- [S. 51]:
- ... sie konnten dieselbe für wahr halten, konnten glauben, dass
- die ...
- ... sie konnten dieselbe für wahr halten, konnten glauben, dass
- der ...
-
- [S. 109]:
- ... möglich ist, gerade zu den Zeiten anlagten, in welchen die
- Aussaat ...
- ... möglich ist, gerade zu den Zeiten anlangten, in welchen die
- Aussaat ...
-
-
-*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE UMSEGELUNG AFRIKAS DURCH
-PHÖNIZISCHE SCHIFFER UMS JAHR 600 V. CHR. GEB. ***
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