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Geb. - -Author: Willi Müller - -Release Date: April 17, 2021 [eBook #65093] - -Language: German - -Character set encoding: UTF-8 - -Produced by: Peter Becker, Jens Sadowski, and the Online Distributed - Proofreading Team at https://www.pgdp.net. This file was - produced from images generously made available by The Internet - Archive. - -*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE UMSEGELUNG AFRIKAS DURCH -PHÖNIZISCHE SCHIFFER UMS JAHR 600 V. CHR. GEB. *** - - - - - Die - Umsegelung Afrikas - durch phönizische Schiffer - ums Jahr 600 v. Chr. Geb. - - - Willi Müller, - Dr. phil., Oberlehrer. - - - Rathenow. - Verlag von Max Babenzien. - - - - - Inhalts-Verzeichniss. - - - Seite - Einleitung 1 - Die Quelle 4 - Die nennenswerthesten Zweifler 4 - Die namhaftesten Vertheidiger 5 - Die Glaubwürdigkeit Herodots 6 - Die Zuverlässigkeit der muthmasslichen Gewährsmänner Herodots 11 - Charakter der saïtischen Dynastie 14 - Charakter Nechos 16 - Nechos vermuthliche Ansichten über die Möglichkeit der 19 - Heimkehr seiner Sendlinge - Abschliessendes Urtheil über Necho 20 - Andere Versuche der Umschiffung 21 - Warum fuhren nicht Aegypter? 23 - Seemännische Tüchtigkeit der Phönizier 27 - Vermuthliche Ansichten über die Gestalt und südliche 33 - Erstreckung Afrikas ums Jahr 600 v. Chr. - Genauere Zeitbestimmung der Fahrt 36 - Abfahrtsort der Expedition 38 - Wo waren die ausgesandten Schiffer zu Hause? 41 - Unternehmungslust des Alterthums auf dem Gebiete des Reisens 43 - Antriebe zur Fahrt 44 - Folgenlosigkeit der Fahrt 49 - Zusammenstellung des Bisherigen und Uebergang zur Betrachtung 64 - der eigentlichen Fahrt - Winde 66 - Meeresströmungen 68 - Konstellation 69 - Fehlen des Kompasses 71 - Brandungen und Klippen 71 - Grund für die Aussendung mehrerer Schiffe 71 - Art der Fahrzeuge 72 - Schnelligkeit der Schiffe des Alterthums 73 - Leitung der Expedition 76 - Welches Getreide haben die Phönizier gesäet und geerntet? 78 - Die Rastorte der Phönizier 86 - Was bedeutet Her. IV, 42 φθινόπωρον? 89 - Genauere Vertheilung der Zeit auf die einzelnen Abschnitte der 91 - Reise - Länge des Aufenthalts an den Rastorten 94 - Sind Störungen seitens der Eingeborenen bei Saat und Ernte 96 - anzunehmen? - Der Stand der Sonne 97 - Schlussbetrachtung 107 - - - - - Einleitung. - - -Es giebt wenige Fragen in der Geschichte der Geographie, welche -Gegenstand so lebhaft und so andauernd geführter Debatten gewesen sind, -wie die nach der Wahrheit des herodoteischen Berichtes über die -Umsegelung Afrikas, unternommen durch phönizische Schiffer auf den -Befehl des ägyptischen Königs Nechos II. um’s Jahr 600 v. Chr.; über -zwei Jahrtausende sind gegenwärtig seit dem Beginn des Streites -verflossen. Wenn es nicht leicht ist, zu einem abschliessenden Urtheile -in dieser Sache zu gelangen, so liegt das einmal an der Kürze der Notiz -bei Herodot, in zweiter Linie trägt aber der Umstand die Schuld, dass -die wenige Zeilen umfassende Nachricht die einzige Quelle ist, aus der -wir schöpfen können; alles, was das Alterthum und die spätere Zeit sonst -von der kühnen Fahrt zu erzählen wissen, muss auf diesen Originalbericht -zurückgeführt werden. Für den Forscher, der heutzutage der angedeuteten -Frage näher tritt, wird die Schwierigkeit der Arbeit aber wesentlich -erhöht durch die Fülle von Schriften, welche für und wider die -Glaubwürdigkeit dieser Erzählung in dem langen Zeitraume von Herodots -Tagen bis auf uns der Scharfsinn und die Gelehrsamkeit Berufener -veröffentlicht haben. Wer sich nicht in der leichtfertigen Weise, welche -Vincent in seiner History of the commerce, navigation and discoveries of -the Ancients in the Indian Ocean, Vol. II, p. 189 charakterisirt[1], an -die Erörterung der Frage macht, sondern unter sorgfältiger Erwägung -aller Verhältnisse, die für eine richtige Beurtheilung in Betracht -kommen können, und unter Benutzung des Besten aus der umfangreichen -Litteratur zu dieser Ueberlieferung, dem erwächst eine zwar sehr -interessante, aber nicht minder mühevolle Arbeit. Ich habe es mir -angelegen sein lassen, den Anforderungen, die man an einen -gewissenhaften Forscher stellt, nach Möglichkeit gerecht zu werden, und -hoffe, mich keiner der Erörterungen, die zur Klarstellung der Sachlage -dienen können, entzogen zu haben, auch darf ich mich der Hoffnung -hingeben, dass von den zahlreichen Schriften über das in Frage stehende -Problem, sowie von den grösseren Werken, welche dasselbe im Vorbeigehen -berühren, mir nichts Wichtiges unbekannt geblieben ist. Je mehr ich mich -freilich in das Studium der Sache vertiefte, desto klarer wurde mir, wie -Recht Bobrik hat, wenn er sagt (Geographie des Herodot, Einl., p. VI): -„Es liegt in der Natur der Sache, dass eine altgeographische Monographie -nicht vollständig und abgeschlossen sein kann. Einestheils steht niemand -alles zu Gebote, dessen er bedarf, anderntheils, wenn’s auch der Fall -sein sollte, reicht ein Menschenleben gar nicht zur Benutzung des -vorhandenen Materials aus. Alle Alten, viele Byzantiner, die neueren -Reisebeschreibungen und sonst noch über den Gegenstand Erschienenes -durchzulesen und durchzu_arbeiten_ übersteigt bei weitem die Kräfte des -Einzelnen.“ Diese Worte bitte ich besonders Diejenigen zu beherzigen, -welche vielleicht berufen sein sollten, die vorliegende Arbeit vor ihr -kritisches Forum zu ziehen. - -Was nun das Resultat der Untersuchung betrifft, so gestehe ich gleich -hier, dass ich im Gegensatze zu vielen andern Beurtheilern, die sich -theils völlig ablehnend, theils zweifelnd verhalten, nicht den -geringsten Grund finden kann dem herodoteischen Berichte die -Glaubwürdigkeit abzusprechen, sondern mich rückhaltlos denen -anschliesse, welche die Fahrt der Phönizier als historisches Faktum -anerkennen. Die Aufgabe einer Untersuchung, wie die vorliegende ist, -wird im wesentlichen sein festzustellen, ob die inneren -Unwahrscheinlichkeiten der Ueberlieferung so gross sind oder die -Beschwerlichkeiten der Fahrt derartige sein mussten, dass das Vertrauen -zu einem im allgemeinen zuverlässigen Schriftsteller dadurch in’s Wanken -gerathen kann, ob der Umstand, dass irgend welche sichtbaren Folgen -dieser Expedition für die Entwicklung der Geographie oder der Geschichte -sich nicht ergeben haben, im Stande ist die Glaubwürdigkeit unseres -vereinzelt dastehenden Berichtes zu erschüttern, oder ob nicht vielmehr -eine sorgfältige Betrachtung aller einschlägigen Verhältnisse zu dem -Resultat führt, dass von einer Unmöglichkeit der Fahrt nicht die Rede -sein kann, ja, dass dieselbe mindestens in hohem Grade wahrscheinlich -wird. Glückt es, das letztere nachzuweisen, so haben wir keinen Grund -mehr an der Nachricht eines so zuverlässigen Gewährsmannes wie Herodot -zu zweifeln. Ich meinestheils glaube, dass man nicht kritikloser -Schwärmer und blinder Alterthumsfanatiker zu sein braucht, um an die -Umsegelung zu glauben; und man befindet sich dabei – Gott sei Dank! – in -ganz guter Gesellschaft. Zu leugnen ist ja nicht, dass oft genug, und -gerade im Alterthum, Berichte über Seefahrten theils in wunderbarer -Weise ausgeschmückt, theils auch wohl ganz und gar erfunden sind, wie -Bunbury[2] deren einige anführt; ob auch der unsere dazu gehört, wird -eine eingehende Untersuchung lehren. Wir werden die von Herodot -überlieferte Nachricht auf ihre Glaubwürdigkeit prüfen an der Hand von -Resultaten, welche sich aus einer gründlichen Erörterung der -verschiedenen in Betracht kommenden Punkte ergeben, mögen diese die -Charakteristik einzelner Personen und ganzer Völker ins Auge fassen, -mögen sie geographische oder naturgeschichtliche Gebiete berühren oder -endlich in Betrachtungen über die Leistungsfähigkeit der Matrosen des -Alterthums, der Fahrzeuge jener Zeit und ähnliches übergehen. Für alle -diese Fragen wird die Antwort sich zum Theil aus anderen -Ueberlieferungen gewinnen lassen, zum Theil durch Kombination gefunden -werden können, und, wie wir denken, bedarf es dazu nicht einer solchen, -die in „die übergeschichtliche Region zeugnissloser Phantasieen und -Ahnungen“[3] hineinragt. - -Manches, was ich behaupte, wird bisher geäusserten Ansichten -widersprechen. Wenn ich nun auch diesen letzteren nicht zustimmen kann, -so fühle ich mich doch in aufrichtiger Anerkennung ihrer Verdienste den -gelehrten Männern, welche sie veröffentlichten, zu grossem Danke -verpflichtet für die Anregungen, die sie mir durch ihre Werke gegeben -haben. Es ist nicht alles neu, was ich in meiner Abhandlung vorbringe; -ich musste einige Hauptpunkte, die früher bereits festgestellt waren, -wiederholen, um überzeugende Beweise in Händen zu haben; doch bleibt -immer ein guter Theil übrig, den ich als mein geistiges Eigenthum in -Anspruch nehmen kann. Durch gewissenhafte Forschung, getragen von Lust -und Liebe zur Sache, ist es errungen, und so habe ich geglaubt, es nicht -für mich behalten, sondern mit dem bereits früher Gewonnenen zu einem -fest verbundenen Ganzen vereinigen und den Kreisen, die sich für -derartige Fragen interessiren, zugänglich machen zu dürfen. Ueberzeugt -bin ich, dass es an Angriffen, wenn sich die Kritik mit dieser Arbeit -beschäftigen sollte, nicht fehlen wird; ich werde mich freuen, wenn sie -mich über Irrthümer, denen ich mich hingegeben, in überzeugenderer Weise -belehren, als es den Zweiflern an dem Berichte von der Umsegelung -Afrikas bislang geglückt ist. - - - - - Die Quelle. - - -Herodot erzählt im 42. Kapitel des IV. Buches seines Geschichtswerkes -Folgendes: „Es ist klar, dass Libyen vom Meere umflossen ist mit -Ausnahme des Theiles, der an Asien grenzt, und dies hat Necho, der König -von Aegypten, soweit wir wissen, zuerst bewiesen. Als dieser nämlich die -Arbeiten an dem Kanale einstellen liess, der aus dem Nile in den -arabischen Busen führen sollte, sandte er phönizische Männer zu Schiffe -ab mit dem Befehl, auf der Heimreise durch die Säulen des Herakles zu -fahren und so über das nördliche Meer nach Aegypten zurückzukehren. Die -Phönizier segelten demgemäss aus dem rothen Meere ab und fuhren in das -Südmeer. So oft die Saatzeit kam, landeten sie, bestellten das Feld, wo -sie gerade in Libyen waren und warteten die Ernte ab. Wenn sie aber das -Korn eingeheimst hatten, fuhren sie weiter, bogen nach Verlauf von zwei -Jahren im dritten durch die Säulen des Herakles und gelangten nach -Aegypten. Sie erzählten aber – was mir zwar nicht glaublich ist, -vielleicht aber einem andern – dass sie bei ihrer Fahrt um Libyen die -Sonne zur Rechten gehabt“[4]. - - - - - Die nennenswerthesten Zweifler. - - -Diese wenigen Zeilen sind es, an welche der gewaltige wissenschaftliche -Streit anknüpft; die Zahl der Kämpfer, über die jede Partei verfügt, ist -nicht gering, und hier, wie da finden sich Namen von gutem Klang. Auf -der einen Seite, derjenigen der Zweifler, stehen zunächst einige -Schriftsteller des Alterthums[5]; sicher ist nämlich, dass man seit dem -vierten Jahrhundert v. Chr. an die Umsegelung Afrikas durch die -Phönizier, sowie an die Thatsache, welche durch sie bewiesen werden -sollte, die Halbinselgestalt Libyens, nicht allgemein geglaubt hat[6]. -Seit jener Zeit schon existiren also in der Beurtheilung unserer Frage -zwei Parteien. Die alexandrinischen Gelehrten leugneten wunderbarerweise -die Umschiffung[7], ebenfalls Posidonius, wie uns Strabo erzählt[8], -auch dieser letztere Schriftsteller selbst; wenigstens nimmt er einen -Theil der afrikanischen Küste als noch unbefahren an[9]. Dieser Zweifel -Strabos an der Umsegelung Afrikas ist um so auffälliger, als er z. B. -die Argonautenfahrt ohne Beanstandung als geschichtliche Wahrheit gelten -lässt[10]. Sein Zeugniss in betreff der phönizischen Reise wird aber -verdächtig durch den Umstand, dass er an einer Stelle sagt[11], alle, -die versucht hätten, vom rothen Meere oder von den Säulen des Herakles -aus Libyen zu umsegeln, seien nicht um die Südspitze herumgekommen, -während er doch gleich darauf Afrika im Süden für umschiffbar erklärt. -Woher konnte Strabo denn das aber wissen? Es ist klar, dass dieser -Widerspruch Misstrauen erwecken muss und seinen Zweifel an der -Umsegelung ohne Gewicht erscheinen lässt. Von namhafteren neueren -Schriftstellern erheben Bedenken gegen die Wahrheit der Erzählung -Bunbury[12], der Verfasser des Artikels „Africa“ in „The Penny -Cyclopaedia“[13], Gosselin[14], Lelewel[15], welcher meint, dass -genauere Betrachtung „zu kühnerem Zweifel an der Umschiffung ganz -Afrikas, worüber so viel schriftstellerischer Fleiss sich vergebens -angestrengt hat, geneigt macht“, Malte-Brun[16], der die Ansicht -vertritt, dass die Fahrt überhaupt nicht stattgefunden habe oder -höchstens eine entstellte Ueberlieferung sei, Vincent in seinem -interessanten Werke[17] und vor allen Dingen Vivien de St. Martin[18]. -Diesen schliessen sich an unsere Landsleute v. Bohlen[19], Bredow[20], -Forbiger[21], sowie Mannert[22], der die Umschiffung „vielleicht -wahrscheinlich“ nennt, dessen Scheingründe für die geäusserten Zweifel -aber von Heffter[23] gründlich widerlegt sind. Die hier angeführten -Namen repräsentiren die gelehrten Zweifler jedoch durchaus nicht -erschöpfend; sie nennen nur einige der bedeutendsten und lassen der -Vervollständigung weiten Spielraum. Jedenfalls hat Wheeler Recht[24], -wenn er die Ueberlieferung nennt: „a narrative, which was evidently -believed by Herodotus and his contemporaries, but rejected by succeeding -authors and doubted by many of the ablest geographers of modern times“. - - - - - Die namhaftesten Vertheidiger. - - -Diesen zahlreichen Ungläubigen steht nun aber eine nicht minder -stattliche Schaar von Schriftstellern gegenüber, welche mit grösserer -oder geringerer Ueberzeugung für die Glaubwürdigkeit des herodoteischen -Berichtes eine Lanze eingelegt haben. Aus dem Alterthum ist uns zwar nur -ein Zeugniss durch Herodot selbst übermittelt, und dies ist nicht ganz -unanfechtbar – denn ob die Worte IV, 43: „μετὰ δὲ Καρχηδόνιοί εἰσι οί -λέγοντες“ bedeuten sollen, dass die Karthager die vorausgegangene -Erzählung von der Fahrt der Phönizier bestätigten, oder nicht vielmehr, -sie hätten die Umschiffbarkeit Libyens selbst ausgekundet, ist fraglich -–; die spätere Zeit stellt uns deren aber eine reiche Fülle zur -Verfügung. Ich erwähne Dureau de la Malle[25], Grote[26], Maspéro[27], -Quatremère[28], Rennel[29], Wheeler, der nach seiner eigenen Aussage in -den meisten Punkten sich an Rennel anschliesst[30], ferner Bähr[31], -Gesner[32], dessen Abhandlung persönlich einzusehen mir leider nicht -gelungen ist, Heffter[33], die treffliche Arbeit Junkers[34], Knös[35], -Sandberg, von dem wir eine sehr verdienstvolle Dissertation -besitzen[36], Duncker[37], Heeren[38], Lieblein[39], A. v. Humboldt[40], -Löwenberg[41], Paulitschke[42], Peschel, welcher freilich hinzusetzt: -„Wenn wir uns auch einigen Zwang auferlegen müssen an solch hohe -nautische Thaten zu glauben“[43], und – last, not least – Karl -Ritter[44]. Ich bemerke ausdrücklich, dass auch diese Reihe von -Vertheidigern der Erzählung des Herodot keineswegs Anspruch auf -Vollständigkeit macht; der kurze Ueberblick zeigt uns aber schon, dass -auch auf dieser Seite gewichtige Namen vertreten sind. - - - - - Die Glaubwürdigkeit Herodots. - - -Naturgemäss werden wir uns nun beim Lesen eines Berichtes, der Zweifel -an seiner Zuverlässigkeit erwecken kann und von irgend einer Seite -verdächtigt wird, zunächst die Frage nach dem Charakter des -Berichterstatters vorlegen und zu ergründen suchen, ob er unbedingtes -Vertrauen verdient oder etwa die Vermuthung berechtigt erscheinen -könnte, er habe uns täuschen wollen oder sei selbst getäuscht worden. -Bei der Erörterung der Frage nach der Glaubwürdigkeit Herodots betreten -wir nun zwar eine recht oft begangene Strasse; dies darf uns aber nicht -abschrecken, denn ohne sie zu passiren, kommen wir nicht ans Ziel. Dass -im allgemeinen aus seinen Werken grosse Wahrheitsliebe spricht, ist nur -von Wenigen geleugnet worden, und diese Wenigen gehören dem Alterthume -an; auch die neuere Forschung hat ihn vor ihr Tribunal gezogen, aber von -dem Verdachte absichtlicher Täuschung völlig freigesprochen. Schon seine -kindliche Schreibweise erweckt Vertrauen. Zwar verwirft er ja auch das -Seltsamste nicht als unmöglich, aber „nicht aus Leichtgläubigkeit, -sondern weil seine Erfahrung ihm die Wirklichkeit der sonderbarsten -Dinge gezeigt hat, welche er innerhalb der Grenzen der Heimath für -unmöglich gehalten haben würde“[45]. So findet sich in seinem Werke -genug des Wunderbaren, ja des Fabelhaften, doch alles dieses ist nicht -im Stande gewesen, in den gediegensten Forschern die Vermuthung -wachzurufen, er habe seine Leser absichtlich täuschen wollen. Doch hat -er das Schicksal vieler Reisenden getheilt, die von Dingen erzählten, -welche der Mitwelt und zum Theil auch noch der Nachwelt als Wunder -erschienen: Die ersten Zweifel an seiner Wahrheitsliebe sind das Signal -gewesen, auf welches hin ein allgemeiner Angriff auf seine -Zuverlässigkeit stattgefunden hat; wohl über keinen der alten Historiker -ist mehr Zank und Streit gewesen, und erbittert ist oft die Fehde -entbrannt[46]. Das Resultat war, dass man seine Glaubwürdigkeit im -Allgemeinen nicht mehr anzweifelt, wenn ja auch dies oder jenes mit -Recht jetzt noch Widerspruch erfährt und immer erfahren wird. Eine -Betrachtung im Einzelnen wird dies mildere Urtheil begründet erscheinen -lassen, denn offen und ehrlich bekennt Herodot in vielen Fällen seine -Unwissenheit und verschweigt nicht, wo er nur Vermuthungen bietet. Er -erzählt nur das als sicher, was er genau zu wissen meint[47], und -gesteht ein, wenn er ungenau über etwas unterrichtet ist[48]; es liegt -ihm gänzlich fern, in solchem Falle die Leser mit Märchen zu -unterhalten[49]. Auch wenn ihm das eine oder das andere als nicht ganz -zuverlässig gemeldet wird, registrirt er diesen Umstand sorgfältig[50]; -ist er aber bei zwei Darstellungen einer und derselben Sache -zweifelhaft, welche vorzuziehen sei, so prüft er sie entweder auf ihre -Wahrhaftigkeit und trifft demnach seine Auswahl[51] oder theilt beide -mit, dem Leser anheimstellend, für welche er glaubt, sich entscheiden zu -müssen[52]. Vor allem aber macht Herodot stets als gewissenhafter -Berichterstatter einen Unterschied zwischen dem, was er selbst gesehen -und erlebt, und dem, was er nur von andern gehört hat[53]. Dass er bei -Ueberlieferung von Nachrichten ersterer Art wahrheitsgetreu verfahren -ist, können wir in vielen Fällen noch jetzt beweisen; so sind seine -Angaben über asiatische Verhältnisse, die vielfach Angriffe erfuhren, -grossentheils durch nunmehr entzifferte Keilinschriften bestätigt -worden, und derartige Beglaubigungen seiner historischen Treue sprechen -naturgemäss auch für Zuverlässigkeit in vielen andern Dingen. Wohl -erscheint ja Herodots Erzählung manchmal wunderbar und sagenhaft und -schreitet scheinbar mehr in dem Gewande phantasiereicher Dichtung als in -dem ernster Geschichtsschreibung einher, doch würde man unrecht thun, -ihn deswegen der Uebermittlung absichtlich lügenhafter Berichte zu -zeihen; pflegt er doch, wo ihm Zweifel an dem, was er aufzeichnet, -kommen, gewissenhaft dem allzu vertrauensseligen Leser durch eine -passend eingeflochtene Bemerkung eine Warnungstafel zu errichten. Ja, an -manchen Stellen verhehlt er seinen eigenen Unglauben keineswegs, wenn er -sich deshalb auch nicht für berechtigt hält, seiner Pflicht als -Geschichtsschreiber durch Verschweigen untreu zu werden, wie II, 123, wo -es heisst: „Diese Geschichte mag glauben, wer will; ich theile mit, was -überliefert ist.“ Mit vollem Rechte haben ihm daher auf Grund solcher -Erwägungen berufene Beurtheiler der Neuzeit, wie beispielsweise unter -den Litterarhistorikern Otfried Müller, unter den Geographen – was hier -doch besonders wichtig – Vivien de St. Martin, der sich zwar, wie oben -erwähnt, der Umsegelung Afrikas gegenüber zweifelnd verhält, und viele -andere das Zeugniss grosser Wahrheitsliebe nicht verweigert[54]. - -Können wir demnach fest überzeugt sein, dass Herodot uns nicht -absichtlich täuscht, so wollen wir uns andrerseits nicht verhehlen, dass -er ein recht schwacher Kritiker ist. Er prüft und kritisirt wohl, aber -eigentlich kritisches Talent besitzt er nicht, und Stein charakterisirt -ihn treffend mit folgenden Worten[55]: „Jene unwandelbare Kritik, die in -den Kern der Dinge dringt, unbekümmert, ob darüber die Form der -Tradition zertrümmert wird, war seiner treuherzigen, schonenden Natur -fremd.“ Dürfte uns die Ansicht gewisser Schriftsteller des Alterthums -leiten, so würden wir freilich gezwungen sein, wie manches andere, so -auch den Bericht über die phönizische Expedition mit starkem Misstrauen -zu lesen; die Urtheile, welche seine mangelnde kritische Befähigung -zumal bei zweien seiner Volksgenossen hervorgerufen hat, sind hart -genug. Ich denke, indem ich dies schreibe, an Aristoteles und Plutarch; -der erste hält ihn für einen Fabulisten[56], und der andere lässt an der -ganzen Art seiner Berichterstattung kein gutes Haar[57]. Auf alle Fälle -ist also beim Lesen seines Werkes Vorsicht geboten, und wir werden ihm -daher die Nachricht über die Expedition auf sein Wort trotz seiner -anerkannten Wahrheitsliebe nicht ohne weiteres glauben dürfen, sondern -alle in Betracht kommenden Verhältnisse einer sorgfältigen Prüfung -unterwerfen müssen. - -So würde es sich z. B. empfehlen, zunächst zu fragen, wie es denn -hinsichtlich der Zuverlässigkeit der übrigen Nachrichten aussieht, -welche Herodot über Aegypten mittheilt, und da werden wir bei -kompetenten Beurtheilern die Ansicht vertreten finden, dass diese, trotz -mannigfacher Irrthümer im einzelnen, im ganzen und grossen durch spätere -Forschungen bestätigt sind, und zwar sowohl die geschichtlichen, wie die -dem Gebiete der Landeskunde angehörigen, so dass der Geograph Vivien de -St. Martin eben so recht hat, wenn er über das, was Herodot in Aegypten -erfahren, in seiner Histoire de la géographie, p. 85, urtheilt: „ses -informations, içi comme partout d’une remarquable exactitude ...“, wie -der Aegyptolog Lieblein, wenn er in seinem oben zitirten Werke, p. 77, -sagt: „Die neuere historische Kritik ist übrigens zu der Erkenntniss -gekommen, dass Herodot nicht, wie man früher wähnte, ein Fabler sei, den -man ungestraft vernachlässigen kann, sondern ein in all seiner Naivetät -wahrhafter Erzähler, zu dem man Vertrauen haben muss.“ Vor den Urtheilen -so gewichtiger Autoritäten wird nun aber auch der Vorwurf in sich -zusammensinken, dass Herodot seine Leser _unabsichtlich_ getäuscht, -indem er, der Sprache des Nillandes vielleicht nur oberflächlich kundig, -seine ägyptischen Gewährsmänner nicht ganz richtig verstanden habe. Wir -dürfen nach den Aeusserungen der eben zitirten Gelehrten mit Fug und -Recht annehmen, unser Schriftsteller sei im Stande gewesen, einer ihn -sicherlich wegen ihrer scheinbaren Absurdität in hohem Grade -interessirenden Nachricht, wie diese Mittheilung war, auf den Grund zu -gehen. Wesentlich ist ihm bei dem Bestreben, nur Zuverlässiges zu -berichten jedenfalls auch die Menschenkenntniss, welche er auf seinen -weiten Fahrten erworben, zu statten gekommen; als er in Aegypten weilte, -hatte er bereits Assyrien, Medien und Persien bereist[58]. Der Verkehr -mit den verschiedensten Volksstämmen und Individuen hatte sein geistiges -Auge geschärft, so dass er ohne Mühe erkennt, wenn jemand ihm etwas -aufbinden will und sich mit ihm nach dieser Richtung hin einen Scherz -erlaubt[59]. Vor Täuschungen, welche in einem derartigen Bestreben ihren -Ursprung haben könnten, dürfen wir uns daher als gesichert betrachten -und können ohne Bedenken behaupten, dass Herodot nicht nur geneigt, -sondern auch befähigt war, die Wahrheit zu erkunden und zu -übermitteln[60]. - -Persönlich hatte er jedenfalls keinen Grund, an der Wahrheit jener -Erzählung zu zweifeln. Seine ägyptischen Nachrichten hat Herodot nach -der landläufigen Annahme grösstentheils von den dortigen Priestern -erhalten. Dass diese Vermuthung richtig ist, lässt sich aus mehreren -Stellen seines Werkes mit einiger Sicherheit schliessen[61]. Zu beweisen -ist sie freilich nicht, und der Zweifel, den Junker in seiner -Abhandlung[62] äussert, kann nicht strikte widerlegt werden; es -erscheint aber doch nicht gerade wunderbar, dass Herodot sich, um -Auskunft über dies und das zu erhalten, an diejenigen Männer wandte, -welche er mit Recht als die gründlichsten Kenner ihrer Heimath und der -Geschichte ihres Volkes ansah, und dass er bei dieser Gelegenheit auch -von der phönizischen Expedition hörte. Auf alle Fälle werden seine -Gewährsmänner – ob nun, wie in erster Linie zu vermuthen, Priester oder -nicht – Leute gewesen sein, denen er glaubte vertrauen zu dürfen, denn -nicht an der Fahrt selbst zweifelt er, sondern die ihm unerklärliche -Stellung der Sonne scheint ihm unglaublich. - -Aber auch aus innern Gründen die Nachricht anzuzweifeln, lag für ihn -keine Veranlassung vor. Dass eine Umschiffung Afrikas im Süden – rein -geographisch betrachtet – möglich sei, nahm das herodoteische Zeitalter -wohl allgemein an, und das war nicht wunderbar. Homer und seine -Zeitgenossen hielten für ausgemacht, dass im Westen und Osten die -Landmassen vom Oceanus umgeben würden, der durch den Phasis und die -Strasse von Gibraltar mit dem mittelländischen Meere in Verbindung -stände. In Betreff der Begrenzung der Länder im Norden und Süden fehlte -ihnen jede positive Kenntniss, nicht aber eine Vermuthung, dahin -zielend, dass diese beiden Enden der Welt durch Umströmung mit den -Gegenden des Sonnenaufgangs und Sonnenuntergangs verbunden seien. Da -konnte den Völkern zur Zeit des Herodot, denen die Meere, welche die -Ost- und Westküste Afrikas bespülen, zum Theil bekannt waren, die -Annahme nicht fern liegen, dass diese durch eine sie im Süden -verbindende Wasserwelt eins seien und der Schifffahrt um die Südspitze -Libyens kein Hinderniss im Wege stehe. Ebenso wenig konnte sich Herodot -aber an dem Zeitmasse der Umsegelung stossen, denn zu dem, was die -Schiffe des Alterthums an Schnelligkeit leisten konnten, stand die Dauer -der phönizischen Reise, wie unten gezeigt werden wird, durchaus in -keinem Missverhältnisse. Und sollte denn – bei aller Achtung, die auch -er sicherlich der Kühnheit eines so grossartigen Unternehmens zollte – -ihm diese Fahrt etwa wegen ihrer Gefahren und Beschwerden so unmöglich -erschienen sein, dass er glauben musste, man erzähle ihm ein Märchen? -Wir können dies nicht annehmen; wir werden vielmehr verstehen, warum -Herodot der Erzählung ohne hierauf bezügliche Bedenken Glauben -entgegenbrachte, sobald wir uns erinnern, dass unser Schriftsteller nach -der Verbannung aus seiner Vaterstadt in Samos gelebt und hier -gewissermassen eine zweite Heimath gefunden hatte. Von Samos war aber -Koläos zu seiner berühmten Reise ausgefahren, und wer, dem, wie Herodot -doch jedenfalls, die Erzählung von dieser kühnen Meerfahrt bekannt war, -hätte zweifeln sollen, dass eine Expedition wie die der Phönizier -möglich sei? - -Fassen wir nun kurz zusammen, was sich als Resultat über die -Glaubwürdigkeit unseres Berichterstatters ergiebt, so lässt sich -dasselbe etwa dahin präzisiren, dass wir zwar seine Schwäche als -Kritiker nicht leugnen können, andrerseits aber an seiner Wahrheitsliebe -nicht zweifeln und keinesfalls ihm die Absicht zutrauen dürfen, uns mit -Fleiss zu täuschen. Wir haben ferner keine Berechtigung, ihm die -Fähigkeit abzusprechen, seine Gewährsmänner nach ihrem wahren Werth zu -beurtheilen, seine ägyptischen Nachrichten im allgemeinen für -unzuverlässig zu erklären oder Erstaunen darüber zu äussern, dass er -speziell der Erzählung von der Umsegelung ohne Zweifel an ihrer Wahrheit -lauschte und sie weiter verbreitete. Dagegen sind wir in der Lage, die -oben über ihn verzeichneten ungünstigen Aeusserungen als durchaus -unrichtig oder gar böswillig zurückzuweisen und von vorn herein der -Prüfung des Berichtes näher zu treten ohne Vorurtheil gegen den, welcher -ihn erstattet. - - - - - Die Zuverlässigkeit der muthmasslichen Gewährsmänner Herodots. - - -In zweiter Linie werden wir gut thun, um zu einem sichern Urtheil über -die Glaubwürdigkeit der in Betreff der phönizischen Expedition uns -überlieferten Nachricht zu gelangen, uns über die Zuverlässigkeit der -muthmasslichen Gewährsmänner Herodots, der ägyptischen Priester, ein -Urtheil zu bilden. Wir sind glücklicherweise bei dem Material, welches -wir durch unsern Schriftsteller selbst und an andern Stellen -aufgezeichnet finden, dazu im Stande. Dahin gehört zunächst eine -Bemerkung des Strabo, der die ägyptischen Priester als „geheimnissvolle -und ungern mittheilende Menschen“[63] bezeichnet. Hieraus dürfen wir -vielleicht den Schluss ziehen, dass sie nur gegen die sich äusserten, -welche sich ihres besonderen Wohlwollens erfreuten, können aber -andererseits dann auch nicht annehmen, dass sie solche Männer zu -hintergehen und durch falsche Berichte zu täuschen suchten. Da sie es -nun, wie wir gesehen haben, höchst wahrscheinlich waren, welche dem -Herodot Mittheilungen zukommen liessen, liegt die Vermuthung von -vornherein nicht gerade nahe, dass diese auf Täuschung berechnet gewesen -seien. Die weiten Reisen, welche Herodot bereits gemacht hatte, als er -ägyptischen Boden betrat, mochten in einer Zeit, die an Verkehrsmitteln -bequemer Art so arm war, wie das 5. Jahrhundert v. Chr., noch weit mehr -imponiren als heutzutage und dem kühnen Wanderer von vorn herein eine -begünstigte Ausnahmestellung in den Augen von Männern sichern, zu denen -er kam mit der Bitte, ihn auch in ihres Landes Geschicke und Sitten -einen Einblick thun zu lassen. Freilich lag ja unter diesen Umständen -die Versuchung nahe, Bilder zu entwerfen, die mehr darauf berechnet -waren, Bewunderung wach zu rufen, als die Verhältnisse der Wahrheit -gemäss darzustellen, zumal wenn wir das natürliche Bestreben der -Gewährsmänner in Betracht ziehen, über ihr Volk und ihre Heimath nicht -minder Grossartiges und Interessantes zu berichten, wie der Hörer -bereits über die mächtigen Reiche erkundet hatte, in die ihn sein Weg -vorher geführt. Die Möglichkeit also, dass Herodot in Bezug auf die -phönizische Expedition einer schlau berechneten Täuschung zum Opfer -gefallen sei, könnte im ersten Augenblicke als ziemlich nahe liegend -erscheinen, besonders wenn man die nicht wegzuleugnende Ruhmredigkeit -der ägyptischen Priester in Betracht zieht, die trotz achtbarer -Leistungen alter, wie neuer Zeit auf diesem Gebiete doch wohl -unübertroffen dastehen möchte. Wem daran liegt, sich von der -staunenswerthen Fertigkeit derselben nach dieser Seite hin eine -Vorstellung zu machen, dem sei die Lektüre des Gedichtes auf Ramses II., -vom Tempeldiener Pentaur verfasst, warm empfohlen[64]. Auch sonst hat -jener Nationalheld herhalten müssen als Spiegelbild ägyptischer Grösse, -und die Ausschmückung seiner Feldzüge zeigt uns auf Schritt und Tritt, -wie die Historiographen des Nilthales – und das können doch nur die -Priester gewesen sein – es verstanden, auf Kosten der Wahrheit -Grossthaten ihrer Könige und ihres Volkes zu erfinden[65]. Auch das ist -nicht unverdächtig, dass Herodot von den ägyptischen Verhältnissen -meistens nur das für Aegypten günstig Lautende weiss; das weniger -Ruhmreiche haben ihm seine Gewährsmänner wohlweislich verschwiegen, und -wenn wir nicht durch andere Quellen darüber aufgeklärt wären, dass es -auch sehr trübe Zeiten für das Land der Pyramiden gegeben hat, würden -wir uns unter Zugrundelegung des herodoteischen Berichtes allein von -manchen Perioden ein völlig falsches Bild machen. Beispielsweise hat -Herodot sicherlich nicht das Geringste davon erfahren, dass jemals -Assyrier über das Nilthal geherrscht hatten. Diesem Verschweigen von -Demüthigungen – so wird mancher folgern – konnte nun aber ein Erfinden -von Grossthaten, wie z. B. die Umsegelung Afrikas eine war, leicht nahe -verwandt sein. Und doch ist es nicht wahrscheinlich, dass die Priester -Herodot gegenüber eine solche Taktik befolgt haben. Einmal müssen sie -gegen ihn von einer ganz besonderen Offenheit gewesen sein; das sehen -wir daraus, dass ein Kollegium ihn sogar in seine Mysterien -einweihte[66] – ein Beweis des Vertrauens, wie er grösser nicht gedacht -werden kann. Dieses Kollegium, dem sicher eine absichtliche Täuschung -des Fremdlings fern lag, war das saïtische, das, im Delta wohnend, -jedenfalls über alle maritimen Vorkommnisse am besten unterrichtet sein -konnte, und da zu Saïs der Palast des Necho, des intellektuellen -Urhebers der phönizischen Expedition, gestanden[67], speziell auch von -dieser Unternehmung jedenfalls die genaueste Nachricht hatte. Wir werden -also kaum fehl gehen, wenn wir annehmen, dass in einem der Tempel zu -Saïs die Quelle floss, aus der Herodot seine Kenntniss von der -Umsegelung schöpfte. Sodann waren die Aegypter von einem förmlich -krankhaften Nationalgefühl beseelt; alles Fremde, von dem sie fürchten -mussten, dass es die von den Vätern überkommenen Sitten und Anschauungen -beeinflussen könnte, war ihnen von vorn herein unsympathisch, und wir -können fest überzeugt sein, dass die Einwanderer aus andern Nationen, -welche, wie unten weiter erörtert werden wird, wohl schon vor -Psammetich, jedenfalls aber unter diesem Könige und unter Amasis sich in -Aegypten niederliessen, also auch die Phönizier, den Priestern, als den -geborenen Vertretern und Vertheidigern altägyptischen Wesens, ein Dorn -im Auge waren. Man mag es noch als einen Akt selbstbewusster -Vaterlandsliebe betrachten, wenn ein Priester dem Perserkönige Darius -trotz zweifellos grosser Thaten nicht das Recht zugestehen wollte, seine -Bildsäule vor derjenigen des Pharao Sesostris, einer völlig mythischen -Persönlichkeit, aufzustellen[68] – viele andere Züge, die uns das -Alterthum überliefert hat, zeigen uns zur Genüge Ueberschätzung der -eigenen Weise, verbunden mit Geringachtung alles anders Gearteten. So -können wir mit voller Sicherheit annehmen, dass es nicht in der Absicht -der Priester lag, den Phöniziern eine nautische Grossthat zuzuschreiben, -wenn sie dieselbe nicht wirklich ausgeführt hatten; ihre pfäffische -Unduldsamkeit war sicher eher geneigt, sie zu verkleinern als zu -erheben, wenn auch von einem ihrer eigenen Könige der Befehl zu jener -That gegeben war. Eben dass er Phöniziern, dass er Fremden Gelegenheit -gegeben hatte, Ruhm zu erwerben, wird ihnen wenig angenehm gewesen sein. -Endlich aber wirkt die Schlichtheit des Berichtes überzeugend; gerade so -einfach, wie Herodot sie in Aegypten hörte und später aufzeichnete, -klingt die Erzählung wahrheitsgetreu und zuverlässig. Hätten die -Priester sie mit Fabeln ausschmücken wollen, wie leicht wäre ihnen das -geworden! An Phantasie dazu fehlte es ihnen wahrlich nicht, das zeigt -das von Eduard Meyer in der „Geschichte des alten Aegyptens“[69] in -seinen Grundzügen mitgetheilte Märchen von dem ägyptischen Odysseus, -der, allein von seinen Genossen aus dem Schiffbruch gerettet, den -Versuchungen der Tochter des Schlangenkönigs widersteht und schliesslich -die Heimath wiedersieht. So dürfen wir als Resultat dieser Betrachtung -wohl die Ueberzeugung hinstellen, dass die ägyptischen Priester, wenn -auch sonst manchmal mit der Wahrheit auf gespanntem Fusse, in diesem -Falle wahrscheinlich eine Thatsache berichteten, keinenfalls aber, sei -es nun wegen eines masslosen Chauvinismus – der freilich genau so die -Modekrankheit des Alterthums gewesen zu sein scheint, wie er die der -neuesten Zeit ist – sei es aus den andern oben erwähnten Gründen, eine -phönizische Grossthat zu berichten sich geneigt zeigten, wenn sie nicht -geschehen war. Ob sie aber geschehen war, darüber hatte man doch -zunächst ums Jahr 600 nicht wohl im Zweifel sein können. Waren die -phönizischen Schiffe, die man mit der Umsegelung beauftragt hatte, -damals wirklich vom rothen Meere in den Nil eingelaufen, so mussten sie -Afrika im Süden umsegelt haben; denn da es – wenn wir Herodot glauben -dürfen – unter Necho eine Wasserverbindung zwischen dem arabischen -Meerbusen einerseits und dem Nil oder dem Mittelmeer andrerseits nicht -gab, hätten die Schiffer ja sonst ihre Fahrzeuge zu Lande bis an jenes -Becken, bezw. den genannten Fluss schaffen müssen, und, ganz abgesehen -von der Umständlichkeit, wird doch niemand glauben, dass sie dies völlig -unbemerkt hätten thun können. Man wusste also in Aegypten zur Zeit -Nechos jedenfalls ganz genau, wie man mit den Phöniziern daran war. -Erzählten nun die Priester dem Herodot trotz ihrer ausgesprochenen -Missgunst gegen fremde Verdienste von einer phönizischen Fahrt um -Afrika, so können wir annehmen, dass ihr Bericht in wohl verbürgter -Tradition aus jener früheren Periode wurzelte, die Schiffer durch die -Nilmündungen heimgekehrt waren und also ihre Aufgabe wirklich gelöst -hatten. - - - - - Charakter der saïtischen Dynastie. - - -Die nächste Betrachtung, welche uns beschäftigen muss, wenn wir zu einem -klaren Urtheile in der Frage nach der Glaubwürdigkeit der phönizischen -Expedition gelangen wollen, wird die sein, ob Necho uns in seinen -übrigen Thaten und in den Nachrichten, welche hinsichtlich seines -Charakters uns sonst übermittelt sind, als ein Mann entgegentritt, dem -wir so ausserordentlich grossartige Pläne, wie der Afrika umsegeln zu -lassen einer ist, zuzutrauen das Recht haben, und da wird es zur Klärung -dienen, wenn wir uns danach umsehen, welche Rolle das Herrscherhaus, dem -er entstammte, denn überhaupt in der ägyptischen Geschichte spielt. Wir -sahen bereits, dass das Königsgeschlecht, dem Necho angehört, aus Saïs -stammte und hier seine Residenz hatte; es war die Dynastie, welcher von -Königen, die in weiteren Kreisen bekannt sind, auch Amasis angehörte. In -dieser Königsfamilie findet sich nun eine wunderbare Mischung vom Haften -an altägyptischer Tradition und dem Uebergange zu einer Lebens- und -Denkungsweise, welche den bisher über die Wahrung der königlichen Würde -und die Bahnen, in denen sich die weitere Entwickelung des ägyptischen -Volkes zu vollziehen habe, im Nilthale vertreten gewesenen Anschauungen -diametral entgegenlief. Um nur ein Beispiel anzuführen für das Streben -dieser Fürsten in die Fussstapfen der früheren Könige zu treten, genügt -es, darauf hinzuweisen, dass Amasis hinsichtlich der Grossartigkeit -seiner Bauten durchaus den alten Pharaonen sich würdig zur Seite -stellt[70]. Dahingegen durchbrechen die Saïten in mancher andern -Beziehung völlig die altägyptische Sitte, und so können wir uns nicht -wundern, wenn wir vernehmen, dass die Wiege dieses Herrschergeschlechtes -überhaupt nicht am Nil, sondern in Libyen gestanden hatte[71]. Als -Söldner waren seine Vorfahren nach Aegypten eingewandert, und es erklärt -sich demnach leicht, wenn die Nachkommen keinen Anstoss daran nahmen, -sich über Hergebrachtes in vielen Stücken ohne Bedenken hinwegzusetzen. -So hat Psammetich, der Vater des Necho, in das sonst so abgeschlossene -Aegypten jedenfalls griechische Kriegsknechte[72], vielleicht auch -Phönizier[73] aufgenommen; überhaupt stützte sich die saïtische Dynastie -nicht auf die alte ägyptische Kriegsmacht, sondern auf Söldner, die sie -in ihren Dienst nahm, und die bisher libyscher Abkunft gewesen -waren[74]. Daneben wich auch auf andern Gebieten die Jahrtausende lang -geübte Zurückhaltung der Aegypter einem freieren Auftreten; der Verkehr -mit fremden Staaten und Völkern wurde begünstigt, der Handel gefördert. -Ja, wir erkennen mit Staunen, wie die uralten Bande des Ceremoniels, -welche die ägyptischen Könige seit undenklichen Zeiten wie mit eisernen -Ketten gefesselt gehalten hatten, durch die leichtlebigen Anschauungen -eines Amasis gelockert werden und fallen[75]. An dem Königthum dieses -Fürsten ist nur noch die Hälfte ägyptisch; Amasis hielt sich – nach -alter Anschauung ein Sacrilegium an der Würde des Thrones! – eine -griechische Leibwache, und es kann nicht geleugnet werden, dass er -philhellenischen Tendenzen in ausgiebigster Weise huldigte[76]. Kurzum -die Zeit der Saïten ist eine Periode der gewaltigsten Reformen im ganzen -ägyptischen Staatsleben; von dem, was die Ptolemäer dem Lande später -sind, finden wir bereits eine Spur bei dieser Dynastie, der -sechsundzwanzigsten im Lande der Pyramiden. - - - - - Charakter Nechos. - - -Ein Spross dieses Königshauses war also auch Necho, und das hilft -verstehen, wie er auf den Gedanken einer Umsegelung Afrikas kam. Es ist -aber nicht nur der Charakter seines väterlichen Geschlechtes, der diesem -Fürsten seinen Stempel aufgedrückt hat, er war zweifellos persönlich ein -hervorragender Mann. Ein kurzer Blick auf seine Regierung wird uns davon -überzeugen. Wie viele der bedeutenderen ägyptischen Könige vor ihm, hat -auch er seinem Unternehmungsgeiste die Zügel schiessen lassen durch -einen Einfall in Syrien; dass er zu diesem Vorgehen die politische -Konstellation benutzte, welche sich ihm zeigte, als Assyrien durch -Kyaxares von Medien und Nabopalassar von Babylon angegriffen wurde, die -drei grossen asiatischen Reiche also vollauf beschäftigt waren, beweist, -wie er es verstand, von günstigen Umständen zur Erreichung seiner Zwecke -Vortheil zu ziehen. Den König von Juda, Josias, der ihm bei seinem -Beginnen zunächst entgegentrat, besiegte er mit leichter Mühe bei -Megiddo[77], dann ging der Zug weiter an den Euphrat. Aber mittlerweile -war das assyrische Reich gefallen, die Sieger hatten die Beute getheilt, -und Nabopalassar fand nun Zeit, seinen Sohn Nebukadnezar dem ägyptischen -Heere entgegenzusenden, um den unbequemen Feind in seine Grenzen -zurückzuweisen. Durch die Schlacht bei Karchemisch wurde diese Absicht -erreicht[78] und Necho gezwungen, ganz Syrien zu räumen und sich auf -sein ägyptisches Gebiet zu beschränken. Wie schwer mag es ihm bei den -Plänen, mit denen er sich trug, geworden sein, auch die für Handel und -Schifffahrt so wichtigen phönizischen Küstenstädte wieder aufzugeben! -Hatte er so als Feldherr wenig Lorbeern geerntet, und durfte er nicht -daran denken, dem mächtigen Herrscher von Babylon noch einmal mit den -Waffen in der Hand entgegenzutreten, so ist er doch staatsmännisch auch -später gegen denselben thätig gewesen und hat ihm Schwierigkeiten -bereitet, wo er konnte, zumal durch Schürung des Hasses, den man im -Reiche Juda gegen die Chaldäer empfand, und der schliesslich zur -Empörung führte[79]. Und weit entfernt sich durch den syrischen -Misserfolg entmuthigen zu lassen, hat Necho seiner Thatkraft alsbald -andere Bahnen eröffnet. Die Verwirklichung des grossartigen Planes, den -wahrscheinlich schon vor ihm ein ägyptischer Herrscher auszuführen -versucht hatte[80], den nachher mehrere intelligente und energische -Regenten jenes Landes mit nur zeitweiligem Erfolge wieder aufgenommen -haben, und der in unsern Tagen nun endlich, ein leuchtender Sieg des -menschlichen Geistes über die erdgestaltenden Naturkräfte, definitiv der -Vollendung entgegengeführt ist – die Verbindung des mittelländischen -Meeres mit dem rothen Meere durch einen ägyptischen Nordostseekanal – -hat Necho als wesentliche Aufgabe in sein Regierungsprogramm -aufgenommen[81] und dadurch der Mit- und Nachwelt den Beweis geliefert, -dass er dem thörichten Wahne, der Lorbeer der Unsterblichkeit werde nur -auf blutgetränktem Schlachtfelde angesichts der feindlichen -Lanzenspitzen gepflückt, entsagt hatte und klar erkannte, dass seine -üppigsten Blätter gerade den Fürsten entgegengrünen, denen die Palme des -Friedens als Symbol ihrer Thätigkeit dient, und die in der Erfüllung des -hohen Berufes, unter ihren Zweigen die freundschaftlichen Beziehungen -der Völker zu pflegen, ihre weltgeschichtliche Aufgabe erblicken. -Freilich: si vis pacem, para bellum; das wusste auch Necho. -Beabsichtigte er – und das zeigt ja der Kanalbau – den Verkehr seines -Landes zu heben, trug er sich mit dem Gedanken, dem überseeischen Handel -Aegyptens ein neues Gebiet zu eröffnen – und dass nur einem solchen -Bestreben die Erzählung von der Umschiffung Libyens ihre Entstehung -verdanken konnte, werden auch die zugeben, welche an ihre Ausführung -nicht glauben – wollte er endlich einem unter Nebukadnezars Führung zu -erwartenden Angriffe asiatischer Völker, der alle diese Pläne kreuzen -musste, und bei dem sicherlich den Schiffen der Küstenstädte Syriens -eine Rolle zugewiesen war, mit Erfolg die Spitze bieten, so war eine -zahlreiche, wohl gerüstete Flotte dazu unbedingt das erste Erforderniss. -Nur unter ihrem Schutze war es möglich, Handelsbeziehungen mit -entlegenen Gegenden anzuknüpfen und zu erhalten, nur Kriegsschiffe in -gleicher Anzahl und gleich wohl armirt, wie der Beherrscher Syriens sie -ohne Mühe vom Mittelmeere aus zu einem Angriff auf das Nildelta -verwenden und vom Nordende des rothen Meeres gegen die ägyptische -Ostküste auslaufen lassen konnte, waren im Stande, einige Aussicht auf -den Bestand des Reiches und eine wünschenswerthe Entwicklung seiner -materiellen Interessen zu gewähren. So baute denn Necho eine -Mittelmeerflotte und eine solche im arabischen Busen[82]. Nach Herodot -hatten die Aegypter allerdings schon vor Necho eine Kriegsmarine[83], -und es wäre demnach anzunehmen, der Letztere hätte dieselbe nur -vergrössert; es ist aber anderweitig festgestellt, dass in älterer Zeit -Kriegsschiffe nur auf dem Nil, nicht zur See vorkommen, demnach z. B. -die grosse Seeexpedition, welche dem Sesostris zugeschrieben wird, ins -Gebiet der Fabel verwiesen werden muss und in der That die ägyptische -Trierenflotte für eine Schöpfung Nechos angesehen werden darf[84]. - -Das ist in grossen Zügen ein Bild dieses bedeutenden Herrschers. Nun -wird es sich darum handeln: war er ein Fürst, von dem man sich den -Befehl zur Umschiffung Afrikas ausgehend denken kann? Ich glaube es wird -sich schwerlich jemand finden, der diese Frage zu verneinen wagt. Selbst -die Bedenken Mannerts, hervorgerufen durch die ägyptische Vorliebe für -Abgeschlossenheit innerhalb der eigenen Heimath[85], werden schwinden -müssen, wenn der Persönlichkeit Nechos die nöthige Berücksichtigung zu -theil wird. Freilich, der einzige Zweck, den er im Auge hatte, war der, -für Handel und Verkehr den Weg zu ebnen; wissenschaftliche Begeisterung, -welche späterhin so viele Reisen veranlasst hat und noch auf die -gegenwärtigen Entdeckungsfahrten einen so grossen Einfluss ausübt, -dürfen wir seiner Zeit noch nicht zutrauen, und mit Recht sagt -Paulitschke: „Geistige Interessen, ein Verlangen, die Wohnstätte der -Menschheit in einem auch nur mässigen Umfange kennen zu lernen, walten -in dem Zeitraum bis Herodot nirgends vor“[86]. Nur das Bestreben, den -materiellen Wohlstand seines Volkes durch die Theilnahme am grossen -Weltverkehr zu heben, konnte selbst einen Herrscher wie Necho bewegen, -Aegypten in stärkerem Masse mit dem Auslande zu engagiren. Bis jetzt -gingen – abgesehen von den Fahrten nach Punt, von denen nachher die Rede -sein wird – die Aegypter nicht in die Fremde zum Zwecke kaufmännischer -Thätigkeit, sie liessen sich die Waren bringen, suchten sie aber nicht -auf, oder sie verkauften im eigenen Lande ihre Erzeugnisse an die -Nachbarvölker, die dorthin kamen, um sie zu holen[87]. Aber auch in -diesem Verkehr zeigt sich ihre Abgeschlossenheit und die Scheu vor der -Berührung mit Fremden; ich erinnere nur an die Geschichte von Joseph und -seinen Brüdern, denen man bei ihrem Besuche in Aegypten einen Tisch -besonders deckte[88]. Wohl war es also ein wichtiger Schritt, den Necho -that, wenn er sein Land in erweiterte Berührung mit der Fremde brachte, -aber um seiner höheren Zwecke willen hat er den Bruch mit altägyptischer -Sitte und Tradition nicht gescheut. Wir Deutschen der Gegenwart werden -ihn verstehen; haben wir doch selbst erlebt, wie durch eine energische -und weitsichtige Regierung seit dem Auftauchen der modernen -Kolonialbestrebungen unserm Volke, unbekümmert um die Kirchthurmspolitik -engherziger Bierbankphilister, in transozeanischen Ländern weite Gebiete -zur Besiedlung erworben sind. Wer hatte früher in unserm Vaterlande – -abgesehen von unbedeutenden Versuchen einer dafür noch nicht reifen Zeit -– jemals an die Anlage von Kolonieen gedacht? Freilich, Widerspruch hat -der grosse Kanzler, der Förderer dieser überseeischen Gründungen, so gut -dabei erfahren, wie die altägyptische Partei mit Nechos -Regierungsprogramme unzufrieden gewesen sein wird; aber das ist ja -gerade das Charakteristische an grossen Männern, dass sie sich ihre -eigenen Wege suchen. Und Necho ging noch unvermittelter vor als -Bismarck, denn das Beweismittel für die Nothwendigkeit kolonialen -Ländererwerbs, welches unserer Regierung aus der massenhaften -Auswanderung erwuchs, fehlte dem ägyptischen Herrscher vollständig. -Dagegen spielte sich hinter den Kulissen vielleicht etwas anderes ab; -wir werden schwerlich fehl gehen, wenn wir annehmen, dass die Phönizier, -unternehmend und erwerbslustig, wie sie waren, den König selbst zur -Entsendung der Expedition angestachelt haben. - - - - - Nechos vermuthliche Ansichten über die Möglichkeit der Heimkehr - seiner Sendlinge. - - -Ich schliesse hieran gleich die Zurückweisung eines Grundes, den man -geltend gemacht hat, um die Unwahrscheinlichkeit der Fahrt darzuthun, -und der entnommen wird aus dem Befehl des Necho, die Schiffer sollten -durch die Säulen des Herakles zurückkehren. Man hat auf diese -Ueberlieferung hin argumentirt, es liege in dem Wortlaut der -Kursanweisung, dass Necho die Möglichkeit, Afrika im Süden zu umsegeln, -gekannt habe[89]; da dies nun kaum denkbar ist, hat man hieraus einen -Grund entnommen, den ganzen Bericht mit Misstrauen anzusehen. Dem -gegenüber muss jedoch geltend gemacht werden, dass in einem derartigen -Befehle die Möglichkeit, ihn auszuführen, noch keineswegs enthalten ist. -Wie oft wird wohl beispielsweise bei kriegerischen Aktionen das Kommando -ertheilt: „Der und der Truppentheil soll die und die feindliche Stellung -nehmen“. Der Versuch wird natürlich gemacht, ob er aber glückt, das ist -doch eine andere Frage. So wird auch der Befehl Nechos zu verstehen -sein: Die Phönizier sollten eben _versuchen_, ob sie nicht Libyen -umsegeln und durch die Strasse von Gibraltar heimkehren könnten. Gelang -es ihnen nicht, so konnten sie nach Nechos vermuthlicher Ansicht, wenn -sie nicht direkt umwenden wollten, auch noch auf einem andern Wege -heimkehren. Das graueste griechische Alterthum lehrte, der Nil erhalte -seinen Ursprung aus dem Ozeanus. Schwerlich ist nun freilich anzunehmen, -die Sage habe dabei einen äussern Zusammenhang seiner Quelle mit dem -Weltmeere im Auge gehabt; liess man in ältester Zeit doch alles -lebendige Nass dem Ozeanus entstammen, eine Anschauung, welcher eine -Ahnung von dem Kreislauf des Wassers in der Natur zu Grunde gelegen zu -haben scheint. Ferner erzählten alte griechische Sagen, dass man vom -indischen Ozean aus quer durch Afrika ins mittelländische Meer gelangen -könne; so waren nach einer Lesart die Argonauten nach Hause -zurückgekehrt[90]. Sollten diese Sagen dem Necho nicht bekannt gewesen -sein, wo doch zu Naukratis und auch wohl an anderen Stellen des Deltas -Hellenen wohnten, und sollten sie ihn nicht, zum Theil zu wörtlich -genommen und in ihrem Kerne missverstanden, zu falschen geographischen -Vorstellungen verleitet haben? Wie leicht ist das denkbar; und so mochte -er die Rückkehr der Schiffer, welche er aussendete, auch wenn sie den -Weg durch die Säulen nicht fanden doch auf der Route quer durch Afrika -für gesichert erachten. War es dann nicht möglich, um den Süden des -Erdtheils herum einen neuen Handelsweg an die Westküste zu finden, so -konnte es den Bemühungen der Phönizier immer noch glücken, andere Märkte -im Innern auszukundschaften. - - - - - Abschliessendes Urtheil über Necho. - - -Nach reiflicher Erwägung alles dessen, was vorhin über die saïtische -Dynastie im allgemeinen und Nechos Charakter und Pläne im besonderen -gesagt worden ist, werden wir nicht verkennen können, dass in Aegypten -sich zur Zeit jenes Königshauses eine grossartige Umwälzung vollzieht, -und dass Necho unbedingt zu den Herrschern im grossen Stile zu zählen -ist. Sorgfältige Forscher haben dies auch rückhaltlos anerkannt, so -Maspéro, der folgendermassen über ihn urtheilt[91]: „Necho II. war ein -thatkräftiger König vom Schlage der grossen Pharaonen, der, wenn ihm nur -ähnliche Hülfsquellen zu Gebote gestanden hätten, Thotmes und Seti an -Ruhm gleichgekommen wäre“, und The narrative of discovery adventure in -Africa by Murray, Jameson and Wilson[92]: „One of the most industrious -of the native kings of Egypt was Necho, whose name ranks second only to -that of Sesostris[93]. The habits and prejudices of the ancient -Egyptians were unfavourable to maritime enterprises; yet this ruler, -with the spirit of a great man, which raised him superior of the age, in -which he lived, eagerly sought the solution of the grand mystery -regarding the form and termination of Africa“. - - - - - Andere Versuche der Umschiffung. - - -Ist somit die Untersuchung, ob die Aussendung einer Expedition, wie die -phönizische war, mit dem eben entworfenen Bilde Nechos in Einklang zu -bringen sei, zweifellos in bejahendem Sinne abzuschliessen, so wird uns -doch die Erzählung Herodots noch weit glaublicher erscheinen, wenn es -uns glückt nachzuweisen, dass das Bestreben, das schwierige Problem der -Umschiffbarkeit Libyens zu lösen, auch sonst im Alterthume auftaucht. -Und in der That steht Nechos Unternehmung nicht vereinzelt da, wenn es -sich bei den anderen, die wir kennen, auch schwerlich um mehr als -Versuche gehandelt haben wird. Zunächst weiss Strabo[94] von einer -Umsegelung zu melden, freilich nicht, ohne dass erhebliche Zweifel an -ihr geltend gemacht wären. Eudoxus von Kyzikus soll (130 v. Chr.) von -Gades bis zum arabischen Meerbusen um Afrika herumgefahren sein. -Wahrscheinlich ist immerhin, dass er eine Ahnung von der wirklichen -Gestalt des Erdtheils hatte, weil er trotz wiederholten Schiffbruches -den Gedanken, Indien durch Umsegelung desselben erreichen zu können, -nicht aufgab. Auch Plinius berichtet von mehreren Umschiffungen, deren -Wahrheit freilich nicht minder angefochten ist[95]. Ja, selbst ein so -eifriger Gegner der Glaubwürdigkeit der phönizischen Reise, wie -Gosselin, hält es nicht für undenkbar, dass eine solche schon vor Necho -stattgefunden habe, und glaubt, nur dieser, die er für eine Erfindung -der Priester erklärt, die Wirklichkeit absprechen zu müssen[96]. -Uebrigens machen die Einwürfe Gosselins an dieser Stelle seines Werkes, -wie auch sonst, den Eindruck, als habe dem Verfasser mehr daran gelegen, -seinen Scharfsinn in helles Licht zu setzen, als der Wahrheit die Ehre -zu geben. Auch Bougainville meint[97], diese Umsegelung sei nichts Neues -gewesen, wie der Wortlaut des von Necho ertheilten Befehles beweise, und -die Vorsichtsmassregeln, welche die Phönizier angewendet hätten, um -günstige Winde abzuwarten, zeigten, dass sie genugsam über die Natur des -von ihnen zu befahrenden Meeres unterrichtet gewesen seien. Ich vermag -hinsichtlich des ersten Punktes, wie oben gesagt, in den Worten Nechos -nur eine Aufforderung zu einem _Versuche_ zu erkennen, die eine -wirkliche Bekanntschaft mit der vorgeschriebenen Fahrstrasse keineswegs -voraussetzt, und was das Abwarten günstiger Winde anbetrifft, so steht -davon zwar im Herodot nichts, doch ist anzunehmen, dass die Phönizier -die wechselnden Luftströmungen des indischen Ozeans kannten und als gute -Seeleute benutzten; ganz entschieden aber muss bestritten werden, dass -sie diese Kenntniss nur durch frühere Reisen um Afrika herum erworben -haben konnten. Auf etwaigen Handelsexpeditionen nach Indien sammelten -sie jedenfalls Kenntnisse über diesen Punkt genau so gut, und dass wir -Fahrten dorthin in der Zeit vor Necho weit eher annehmen dürfen, als -solche, die mehr nach Süden gingen, denke ich weiter unten beweisen zu -können. Mögen nun aber andere Versuche der Umsegelung Afrikas, die das -Alterthum unternahm, geglückt sein oder nicht, auf alle Fälle beweisen -sie, dass der Gedanke daran lebendig war und nichts Auffallendes darin -liegen kann, wenn ein Mann wie Necho ihn verwirklichte. Ueber die -gewaltigen Schwierigkeiten, vor deren Bekämpfung solche Afrikaumsegler -bei dem damaligen Stande der Schifffahrt gestellt wurden, hat man sich -freilich keineswegs getäuscht, das beweist, was Herodot über Sataspes -erzählt[98]. Dieser, ein persischer Grosser, sollte wegen eines schweren -Vergehens auf Befehl des Xerxes den Martertod sterben. Da bat seine -Mutter für ihn und sagte, sie wolle ihm eine grössere Strafe auferlegen, -als jene sei, nämlich die Umschiffung Libyens. Hiermit erklärte sich -Xerxes einverstanden; wir werden uns aber gewiss nicht täuschen, wenn -wir annehmen, dass er auf diesen Vorschlag nur einging, weil er die -Ausführung des Wagestückes sicherem Tode gleich achtete. Sataspes -segelte nun an der Nordküste Afrikas nach Westen, um, den Erdtheil zur -Linken behaltend, um die Südspitze herum ins rothe Meer zu gelangen. Da -ihm hierbei auf dem grössten Theile der Strecke Winde und Strömungen -entgegen waren, verlor er den Muth, wandte sein Schiff und kehrte heim, -hatte aber nun die Nichtausführung des Befehles am Kreuze zu bereuen. -Aus diesem Umstande will Junker[99] schliessen, dass das Gelingen der -phönizischen Expedition dem Grosskönige bekannt gewesen sein musste. Es -hat dies etwas für sich; ein schlagender Beweis freilich ist es bei der -Unberechenbarkeit von Despotenlaunen nicht. Jedenfalls wird aber auch -hier wieder gegen Gosselin Opposition zu machen sein. Nicht wird, wie -jener behauptet, durch den verunglückten Versuch des Sataspes bewiesen, -dass noch keiner vor ihm die Fahrt gemacht[100], sondern nur, dass er, -in der entgegengesetzten Richtung wie die Phönizier fahrend, mit -grösseren äusseren Schwierigkeiten, hervorgerufen durch Wind und Wellen, -zu kämpfen hatte, und allenfalls, dass er weniger Energie besass. Der -Merkwürdigkeit wegen sei hier auch noch auf eine neuere Schrift -hingewiesen, die zu wunderbaren Resultaten kommt[101]. Nach ihr hat -Odysseus etwa im 15. Jahrhundert v. Chr. nicht nur Afrika umsegelt, -sondern ist sogar im südlichen Polarlande gewesen, eine Leistung, die -das weit hinter sich lässt, was Strabo[102], gestützt auf das XIV. Buch -der Odyssee, Vers 81 ff., dem Menelaus zutraut, wenn er dessen Reise für -eine Fahrt um das Kap der guten Hoffnung erklärt. - -In Folge der vorstehenden Ausführungen werden wir einmal die -Ueberzeugung gewinnen, dass der Gedanke, Afrika zu umsegeln, das -Alterthum mehrfach beschäftigt hat, sodann aber auch die Vermuthung, die -meisten dieser Versuche seien erfolglos gewesen, als berechtigt -anerkennen und nach sorgfältiger Erwägung aller Umstände dem Ausspruch -Paulitschkes[103] beistimmen: „Dass es vor der epochemachenden Fahrt -Vaskos da Gama irgend einem Seefahrer gelungen wäre, das Kap der guten -Hoffnung zu umsegeln, (wir sehen hier von der Fahrt der Phönizier ab) – -eine Frage, welche viele Geographen beschäftigt hat – ist schwer -glaublich“. - - - - - Warum fuhren nicht Aegypter? - - -Gehörte nun aber König Necho zu den bevorzugten Männern des Alterthums, -in deren Geist der Gedanke an die Lösung eines so schwierigen Problems -Raum fand, hätte man dann nicht erwarten sollen, dass er sein Vertrauen -in dieser Angelegenheit seinen Landsleuten schenkte? Muss es nicht auf -den ersten Blick wunderbar erscheinen, wenn er Fremden die Ausführung -eines so wichtigen Unternehmens übertrug? Eine Betrachtung der -Volkscharaktere der betreffenden Nationen wird uns darüber aufklären und -jedem Zweifel an der Wahrheit der Erzählung, der etwa aus dem Umstande -entnommen werden könnte, dass von einem ägyptischen Könige nicht -Aegypter, sondern Phönizier zu der Fahrt ausersehen seien, ein Ende -machen. - -Wenn Nechos Bestreben dahin ging, den Handel seines Landes zu heben – -und dass dies seine Absicht war, zeigt der Kanalbau – so konnte er sich -dazu unmöglich solcher Elemente bedienen, die voll hochfahrenden -Nationalstolzes verächtlich, ja feindlich auf alles, was fremd hiess, -hinabsahen, und denen die Seefahrt nicht nur unsympathisch, sondern auch -völlig ungewohnt war. Solche Leute waren aber die eingeborenen Bewohner -des Nilthales. Strabo sagt, die Könige der Aegypter, zufrieden mit dem, -was sie hatten, und eingeführter Güter nicht eben bedürftig, seien gegen -alle Heranschiffenden feindlich gewesen[104]; und wir haben keinen -Grund, daran zu zweifeln, dass dies ungastliche Verhalten der Könige ein -Ausdruck der Gesinnung des ganzen Volkes gewesen sei. So sind denn nach -Herodot[105] die Jonier und Karer, welche sich unter Psammetich in -Aegypten niederliessen – also nachdem das Reich etwa zwei und ein halbes -Jahrtausend bestanden hatte – als die ersten Leute fremder Zunge in -diesem Lande dauernd sesshaft geworden, und auch sonst pflichtet das -Alterthum der Ansicht jenes Schriftstellers bei[106]. Neuere -Aegyptologen sind allerdings geneigt anzunehmen, dass doch schon früher -einigen heterogenen Elementen der Zutritt gestattet worden sei, nur -nicht den Griechen[107]. Und in der That haben schon in sehr alten -Zeiten die Aegypter Handel mit Fremden getrieben; ja, im neuen Reiche -stand der Verkehr mit Syrien in vollster Blüthe[108]. Fremde werden -jedenfalls schon vor Psammetich Aegypten wenigstens vorübergehend -besucht haben. Wenn dieses Land hinsichtlich seiner Abgeschlossenheit -während des Alterthums China und Japan an die Seite gestellt worden -ist[109], so wird ein derartiger Vergleich nur zutreffend sein in Bezug -auf die letzten Jahrhunderte vor Psammetich, wo die inneren Wirren und -die dadurch herbeigeführte Rechtsunsicherheit den Besuch Aegyptens nicht -räthlich erscheinen lassen konnten; vorher haben Fremde zweifellos dort -verkehrt. Schon Homer führt ja den göttlichen Dulder Odysseus auch an -den Nil[110], und wenn wir demselben Dichter in anderer Beziehung -vertrauen dürfen, verkehrten zu jener Zeit auch bereits Phönizier dort. -Freilich, mehr als geduldet sind die Fremdlinge wohl nicht gewesen, und -erst unter Psammetich und mehr noch unter Amasis werden sie angefangen -haben, eine Rolle zu spielen. Schwerlich wird man irren, wenn man meint, -dass der Grund, aus welchem der erstere die Häfen Aegyptens fremden -Schiffen öffnete, ein politischer war: er suchte ausserhalb des Landes -Stützpunkte für seine Macht[111], und mit Amasis wird es wohl nicht -anders gewesen sein. Es erklärt sich aber aus der nach jener Zeit von -Seiten der Aegypter bewiesenen Gastfreundlichkeit die Ansicht -Herodots[112], dass wir alles, was seit König Psammetich in Aegypten -sich zugetragen, mit Zuverlässigkeit wüssten; während der Regierung -dieses Herrschers traten sich eben auch Hellenen und Aegypter näher. -Vorher werden vor allem die Bewohner der Nachbarländer – ich erinnere -nur an Josephs Brüder – des Handels wegen nach Aegypten gekommen sein; -ansässig sind aber auch sie wohl nur ausnahmsweise gewesen. Daher die -Nachricht des Herodot, dass Naukratis vor Alters der einzige Stapelplatz -im Delta gewesen sei[113]. Neuere Ansichten haben freilich hinsichtlich -dieser Stadt allerhand Zweifel ergeben, nicht nur über ihre Abstammung -von Milet, sondern – was hier ins Gewicht fällt – über die Zeit ihrer -Gründung, die vielleicht richtig erst unter Amasis angesetzt wird. Was -in dieser Beziehung das Zutreffende ist, mag dahin gestellt bleiben; -jedenfalls lebten seit Psammetich Griechen in Aegypten, und zwar im -Delta, und damit mag die Notiz Herodots zusammenhängen. Aber mögen auch -schon in weit früherer Zeit Ausländer in Aegypten verkehrt haben und -kleine Bruchtheile der ansässigen Bevölkerung des ägyptischen Nilthales -stammfremd gewesen sein – fest steht doch, dass das Volk der Pharaonen, -von dem Strabo sagt, dass es hinreichend eigene Hülfsmittel hatte[114], -dem Verkehr mit Nichtägyptern abhold war und also zur Anknüpfung von -Handelsbeziehungen in bisher unbekannten Gegenden wenig geeignet -erschien. Die Aegypter waren eben ihrer Ansicht nach die grande nation -unter den damals blühenden Völkern, wie das verschiedene Erzählungen -Herodots beweisen[115]; sie werden auch an allen einen erspriesslichen -Verkehr so sehr erschwerenden Schwächen der in solchen Anschauungen -Befangenen in reichem Masse gelitten haben. Das einzige Verhältniss zu -Fremden, in das sie sich ohne Mühe hineindenken konnten, war das von -Herren zu Sklaven, ein Zusammenleben mit jenen als Gleichgestellten -erschien ihnen unnatürlich und ihrer unwürdig; die Verwirklichung -solcher Ideen im Handelsverkehr musste aber bei der andern Partei -naturgemäss Misstrauen und Unbehagen erzeugen und eine befriedigende -Entwicklung der Beziehungen von vornherein ausschliessen. - -So ist es begreiflich, dass die Aegypter bis zu Nechos Zeit zu -Koloniegründung und ausgedehnteren kaufmännischen Beziehungen nicht -gekommen waren, und wenn auch schon Sethos und sein Sohn Ramses II. -daran gedacht hatten, um des Handels willen, der auf dem rothen Meere -getrieben wurde, einen Kanal von hier aus zum Nil zu graben[116], so -dürfen wir daraus doch nicht schliessen, dass dieser ägyptische Handel -sich weiter als an die Afrika gegenüber liegende Küste Arabiens -erstreckt hätte. Der Aegypter zog nicht gern ausser Landes, und was von -solchen Expeditionen – auch kriegerischen – die Sage erzählt, ist mit -grosser Vorsicht aufzunehmen; es ist nicht wahrscheinlich, dass über das -Amanosgebirge und den Euphrat jemals ägyptische Heere vorgedrungen -sind[117]. Ja, so stark war der Aegypter in heimathlichen Anschauungen -befangen, und so sehr legte er die Verhältnisse seines Landes als -Massstab auch an die fremden an, dass ein ägyptisches Heer, als König -Thutmosis I. auf seinem syrischen Feldzuge bis an den Euphrat gedrungen -war, sich wunderte, dass dieser Fluss in umgekehrter Richtung floss, wie -der Nil[118]. Und das war doch schon nach der Vertreibung des Hyksos! -Man kann sich denken, wie einem Volke, dem die Verhältnisse daheim in -dieser Weise massgebend waren, das Verlangen nach Erwerbung -überseeischer Landstriche, der doch Phönizier und Griechen mit grossem -Eifer oblagen, nicht kommen konnte, und so erklärt sich denn leicht die -Erscheinung, dass trotz der vielen Handelsreisen, welche die Aegypter -schon in ältester Zeit nach dem produktenreichen Lande Punt zu beiden -Seiten Bab-el-Mandebs[119] zur Beschaffung nothwendiger Bedürfnisse -unternahmen, und trotz der Erneuerung dieser Fahrten ums Jahr 1400 v. -Chr. unter der Königin Hatasu – auch Hatschepsut genannt – im grossen -Stil dieses Gebiet niemals von ihnen annektirt worden ist[120]. Was -sonst von grossen Seeunternehmungen – z. B. zur Zeit des Sesostris – -erzählt wird, der mit einer gewaltigen Flotte durch das erythräische -Meer nach Indien hin bis an den Ganges gefahren sein soll[121], ist -sicher in das Gebiet der Sage zu verweisen[122], und die Versuche, die -historische Wahrheit derselben aufrecht zu erhalten müssen, nachdem -jener König als Fabelwesen erkannt ist, für gescheitert gelten[123]. - -Es wird kaum nöthig sein, nach dieser Schilderung noch besonders darauf -hinzuweisen, dass die Aegypter zur See nicht tüchtig sein konnten und -keineswegs im Stande waren, ein Material an Matrosen zu stellen, wie es -Necho zur Verwirklichung seiner weit ausschauenden Pläne bedurfte. Die -Gleichgültigkeit seines Volkes gegen das Meer und alles, was damit -zusammenhing, ging so weit, dass es nicht einmal eine Gottheit desselben -kannte, wie etwa die Griechen ihren Poseidon[124], und in wie hohem -Grade die Salzfluth den Priestern, die wir als die Inkarnation -altägyptischer Anschauungen betrachten dürfen, ein Gegenstand des -Abscheus war, erkennen wir daraus, dass sie es vermieden, mit Schiffern -zu reden, da diese jener ihren Lebensunterhalt verdankten[125]. So kann -es uns nicht wundern, wenn wir bei Herodot lesen[126], dass die Aegypter -die Produkte ihres Landes nicht selbst ausführten, sondern den Vertrieb -derselben den Phöniziern überliessen; durch Kombination werden wir -allenfalls hinzufügen dürfen, dass diese sich in das Geschäft mit den im -Delta ansässigen Griechen getheilt haben mögen. Mit Recht sagt daher -Bougainville[127]: „Les Égyptiens n’etaient pas gens de mer“, und es -wird bei der vorstehenden Charakteristik begreiflich erscheinen, wenn -sie, wie oben gezeigt, erst sehr spät – eben unter Necho[128] – in den -Besitz einer Kriegsflotte kamen. Dass sie nachher als tüchtige Seeleute -hingestellt werden, ändert an diesem Urtheil gar nichts[129]. Herodot -erzählt, sie hätten dem Xerxes auf seinem Zuge nach Griechenland 200 -Schiffe gestellt, und nach demselben Berichterstatter[130] zeichnen sie -sich in einem der Treffen bei Artemisium sogar besonders aus. Der Druck -des fremden Despotenthums wird eben, nachdem er sie zu anderen -Zugeständnissen genöthigt hatte, wie den Verlust ihrer Selbständigkeit, -so auch den ihres eigenthümlichen nationalen Wesens herbeigeführt und -sie aufs Meer gezwungen haben, das sie früher mieden; die im Delta -ansässigen Phönizier und Griechen mögen ihnen aber Lehrmeister der -Schifffahrt gewesen sein. So lernen wir das Urtheil Bougainvilles über -eine spätere Zeit verstehen, welches lautet[131]: „Le commerce et la -navigation ne fleurirent en Égypte que sous les Ptolémées, et les -Égyptiens y avaient beaucoup moins de part que les Grecs d’Alexandrie“. -Unter diesen Umständen kann ich nicht, wie Mannert[132] es thut, etwas -Auffälliges darin sehen, dass Necho die Ausführung seines grossartigen -Planes Ausländern übertrug; im Gegentheil, Aegypter zu verwenden, wo er -die seekundigsten Leute zur Verfügung hatte, wäre eine arge Thorheit -gewesen. Er war hinsichtlich der Bemannung der Schiffe, die zu einem so -gefahrvollen Unternehmen auslaufen sollten, genau in der Lage wie Salomo -bei seinen Ophirfahrten; beider Fürsten Völker waren nicht im Stande, -Reisen, wie die Herrscher sie wünschten, mit Aussicht auf Erfolg zu -machen, und so mussten diese Phönizier fahren lassen. - - - - - Seemännische Tüchtigkeit der Phönizier. - - -Und wenn es Männer gab, die einer solchen Aufgabe gewachsen sein -mochten, so waren sie es. Kein Land war geeigneter, ein Volk zur -Seefahrt zu erziehen, als ihre Heimath, der schmale Küstensaum Syriens -mit seinen trefflichen Buchten, mit den Cedern und Cypressen des -Libanon, die ein Material zum Schiffsbau lieferten, wie es besser kaum -gefunden werden konnte, und mit seinem wenig ergiebigen Boden, der den -Menschen seit den ältesten Zeiten gelehrt hatte, seine Blicke auf das -Meer zu richten, das hier in nächster Nähe die hafenreichen Küsten -dreier Erdtheile umfluthete. Daher erfreuten sich die vielen Städte -dieses Gestades, von denen man im benachbarten Aegypten sagte, sie seien -reicher an Fischen als an Sand, hoher Blüthe, und Sidon, Tyrus, Berytus, -Tripolis u. a. bildeten, in ihrer besten Zeit frei von jeder fürstlichen -Herrschaft, einen seemächtigen Bund, eine Hansa des Alterthums, welche -mehr und mehr mit der See verwuchs, die vor ihren Thoren brandete. Kein -Wunder, wenn in einem solchen Lande ein Volk erstand, dem wir die -hervorragendsten Entdeckungen des Alterthums verdanken. Schon den -Knaben, welche in diesen Küstenstädten das Licht der Welt erblickten, -galt das Meer als zweite Heimath; so kannten sie, zu Männern -herangereift, nicht nur alle Tücken, durch welche die bösen Geister der -Luft und des Wassers die Schiffer zu necken und zu ängstigen pflegen, -nein, sie verstanden auch – wohl unter allen Sterblichen die ersten – -die Kunst gegen den Wind zu segeln[133]. Zunächst befuhren sie die -Gestade des Mittelmeeres und gründeten hier Kolonieen und -Handelsfaktoreien; die Küsten Siziliens und Sardiniens, die Balearen -gehörten ihnen, in Afrika hatten sie Niederlassungen, und von der -Pomündung holten sie den Bernstein, der auf uralten Handelsstrassen von -Preussen über die Alpen hierhergebracht wurde. Nachdem sie so das -heimische Gewässer nach allen Richtungen hin gekreuzt, genügte ihnen -dieses rings umschlossene Becken nicht mehr; kühn segelten sie durch die -Säulen des Herakles hinaus in den weiten atlantischen Ozean und landeten -an der Küste von Tarschisch im südwestlichen Spanien[134]. Hier erbauten -sie als ältesten Hafen Gadir, das heutige Cadiz, wahrscheinlich schon -ums Jahr 1100 v. Chr.[135]. Ohne Rast und Ruhe aber, wie sie waren, ein -echtes Handelsvolk, trieb es sie noch weiter in das unermessliche -Weltmeer hinaus, und es liegt kein Grund vor, an der Nachricht Strabos -zu zweifeln, dass sie von Britannien – genauer von den Scilly-Inseln vor -der britischen Küste – Zinn geholt haben[136]. Doch selbst diese -erweiterte Reise genügte ihnen nicht; sie schlugen noch eine andere -Richtung ein und haben jedenfalls schon in sehr früher Zeit auch in das -rothe Meer ihre Ruder getaucht, und zwar zunächst wohl auf ihren viel -besprochenen Fahrten nach Ophir. Als sicher darf betrachtet werden, dass -diese schon ums Jahr 1000 v. Chr. stattgefunden, weniger fest steht, was -wir uns denn unter Ophir eigentlich zu denken haben. Die einen versetzen -es nach Indien[137], andere nach Ostafrika, Madagaskar gegenüber[138] -oder weiter nördlich ins Somaliland[139], und nach einer dritten Ansicht -ist es im südwestlichen Arabien, in Jemen, zu suchen, wo in -den ältesten Zeiten der Geschichte der Mittelpunkt für den -indisch-äthiopisch-ägyptisch-arabisch-phönikischen Handel war[140]. Von -einer Seite ist sogar die Entdeckungsfahrt Nechos als eine Reise nach -Ophir angesehen worden[141]. Es kann natürlich nicht die Absicht des -Verfassers dieser Abhandlung sein, in eine selbständige Untersuchung -über die Frage einzutreten, wo Ophir gelegen haben mag, sie würde weit -von unserm Thema abführen; die meisten kompetenten Beurtheiler haben -sich allmählich wohl dahin geeinigt, dass es in der That in Jemen oder -einem der andern Küstenländer in der Nähe von Bab-el-Mandeb zu suchen -sei, eine Vermuthung, die wir theilen. Zwar sagt die heilige Schrift: -„Das Meerschiff des Königs Salomo, das auf dem Meere mit dem Schiffe -Hirams fuhr, kam in dreien Jahren einmal“[142], und man hat geglaubt, -das Land Ophir deshalb in grösserer Entfernung vom Nordende des rothen -Meeres, dem Ausgangspunkte dieser Expeditionen, suchen zu müssen; wenn -man aber erwägt, dass die Schiffer auf diesen Fahrten gewiss sehr häufig -anlegten, ans Land gingen und ausgiebigen Tauschhandel mit den -Eingeborenen, vielleicht auch den weiter im Innern wohnenden, trieben, -wird man an der langen Abwesenheit keinen Anstoss mehr nehmen. Kaum zu -bezweifeln dürfte aber sein, dass die Phönizier auch bei Bab-el-Mandeb -nicht Halt machten, sondern lange vor Necho durch diese Strasse hindurch -in den indischen Ozean hineinsegelten, zwar nicht an der afrikanischen -Küste entlang, aber, links umbiegend, an dem südlichen Gestade -Vorderasiens hin; denn mit dem Verwerfen der Annahme, Ophir habe in -Indien gelegen, soll keineswegs die Behauptung ausgesprochen sein, die -Phönizier hätten dieses Land auf ihren Fahrten nicht berührt. Im -Gegentheil, es ist sehr wahrscheinlich, dass sie bis hierhin gelangt -sind. Indische Kaufleute fuhren früh, wie Lassen[143] nachweist, von -ihrer Heimath nach Arabia felix, um hier die Produkte ihres Landes -abzusetzen; scheint es da nicht nach allem, was wir sonst über die -Phönizier wissen, schon von vornherein in hohem Grade glaubhaft, dass -sie, den Spuren dieser Händler folgend, nach Indien gesegelt seien, um -die Waren an Ort und Stelle zu kaufen? Wenn sie – Küstenfahrt -vorausgesetzt – bei der Strasse von Ormus nach Persien hinübergingen und -so den persischen Meerbusen abschnitten, war der Weg von Jemen nach -Indien nicht annähernd so weit wie der von Phönizien nach den -Kassiteriden. Ein präziser Beweis für diese phönizischen Reisen nach -Indien ist zwar nicht zu erbringen und die Thatsache selbst darum viel -angezweifelt worden; es liegt aber kein Grund vor zu der Annahme, dass -dieselben Männer, welche die westliche Pforte der Mittelmeerwelt so bald -durchsegelten, an der östlichen zaghaft Halt gemacht haben sollten. Dies -ist um so weniger wahrscheinlich, als wir wissen, dass die Sabäer im -südwestlichen Arabien schon in sehr alten Zeiten Seeverkehr mit Indien -hatten; sie konnten die Phönizier über den Weg belehren oder ihnen als -Führer dienen. Auch Lassen zieht diese Fahrten durchaus nicht in -Zweifel, wenn sie ihm auch bei seinem Standpunkt in der Ophirfrage als -Reisen in jenes Land gelten[144]. Man braucht ja nicht gleich -anzunehmen, wie Grotefend dies thut[145], dass sie bis Ceylon hinab -gefahren seien; es genügte für ihre Zwecke, etwa an die Mündung des -Indus zu gelangen, wo sie zweifellos alle Produkte Indiens erwerben -konnten. Wenn ich eben die Ansicht aussprach, die Phönizier seien vor -Necho von Bab-el-Mandeb aus wohl nach Indien, nicht aber um das Kap -Guardafui herum an der Ostküste Afrikas nach Süden gefahren, so denke -ich das folgendermassen, wenn nicht zu beweisen, so doch wahrscheinlich -zu machen. Die Produkte, welche die Schiffe Salomos aus Ophir – also -Jemen oder nahe liegenden Ländern – holten, sind: Gold, Sandelholz, -Edelsteine, Silber, Elfenbein, Affen und Pfauen. Von diesen Waren werden -Sandelholz, Pfauen und wahrscheinlich auch Edelsteine aus Indien dorthin -gebracht worden sein, Gold und Silber kamen in Südarabien vor, dessen -Ruf als Produktionsstätte dieser Edelmetalle, zumal des Goldes, wie die -Erzählung von der Königin von Saba beweist[146], im Alterthume weit -verbreitet war, Elfenbein und Affen aber in Afrika, obgleich ersteres -auch aus Indien und letztere aus Arabien zu haben waren. Jedenfalls -konnten die Händler aber beides in der Gegend von Bab-el-Mandeb so gut -erhalten wie weiter südlich. Waren sie an der Danakil- oder Somaliküste, -so befanden sie sich bereits in dem Produktionsgebiet dieser Waren oder -vermochten sie doch aus dem Innern des Landes ohne Mühe zu beziehen; -warum sollten sie da versuchen, sie von den entfernteren Küstenstrichen -zu holen? Zu einer Fahrt nach Süden musste ihnen erst aus späteren -Verhältnissen ein Antrieb erwachsen. Ganz anders lag die Sache -hinsichtlich Indiens. Die Produkte dieses Landes an Ort und Stelle, also -jedenfalls billiger zu erwerben, als es in Ophir möglich war, musste ihr -Bestreben sein, sobald sie deren Werth erkannt hatten, und frühere -Fahrten dorthin sind also nicht unwahrscheinlich. - -So treten uns die Phönizier als das kühnste Schiffervolk des Alterthums -entgegen; wahrlich, wir können Männern unsere Bewunderung nicht -versagen, welche die Meere von England bis Indien befuhren, ohne die -hülfreiche Nadel Flavio Giojas zu besitzen, und ohne eine andere -Seekarte als etwa diejenige, welche die kunstfertige Hand des Hephästus -in Erz gebildet hatte, als er dem Sohne der Thetis seine neue Wehr -schuf. Wohl geschult und furchtlos war also jedenfalls auch die -Mannschaft, welche die Schiffe Nechos hinaussteuerte in die unbekannte -Weite, und Alles, was uns sonst über phönizische Seeleute überliefert -ist, spricht dafür, dass sie im Stande war, ihr gefahrvolles Unternehmen -glücklich zu Ende zu führen. Freilich, Männer wie Vincent und ähnliche, -wahre Fanatiker des Zweifels, haben den Phöniziern selbst seemännischen -Muth absprechen wollen, eine Eigenschaft, die sie doch in so hohem Grade -besassen, dass jedes Blatt der Kolonialgeschichte des Alterthums die -leuchtendsten Beispiele davon zu erzählen weiss. Nicht weil zu besorgen -wäre, dass jene mit ihrer Ansicht durchdringen könnten, sondern nur der -Vollständigkeit wegen mögen hier diese Behauptungen zurückgewiesen sein. -Ukert[147] führt die Furcht der phönizischen Schiffer auf Xerxes’ Flotte -vor der Umsegelung des Athos an. Eine Quelle dafür nennt er nicht, und -ich muss leider gestehen, so unwissend zu sein, dass ich eine solche -nicht kenne; trotz eifrigen Suchens habe ich keine hierauf bezügliche -Andeutung in irgend einem Schriftsteller gefunden. Doch gesetzt, Ukert -kennte eine solche, wäre diese Furcht auffällig? Giebt es nicht Stunden, -denen auch der Muthigste mit Besorgniss entgegensieht? Sagt nicht -Herodot ausdrücklich[148], dass Alle, die vor Xerxes um den Athos -gefahren, grossen Verlust erlitten hätten, und wird nicht speziell das -Unglück des Mardonius jenen phönizischen Seeleuten, die im Jahre 480 den -Zug nach Griechenland mitmachten, genügend bekannt gewesen sein? Wohl -mag also die sonst so Kühnen beim Anblick jener Unglücksstätte einen -Augenblick Zaghaftigkeit befallen haben – ein Charakterzug des Volkes -war sie nicht, und dass die Phönizier im allgemeinen die Gefahren -fremder Meere nicht fürchteten, beweist ihre Geschichte zur Genüge. Das -andere Beispiel, das Ukert erwähnt, betrifft Nearchs Fahrt an den -südlichen Küsten Vorderasiens, die ja in der That keine hervorragende -nautische Leistung genannt werden kann. Mit Recht ist aber gegen eine zu -ungünstige Beurtheilung derselben geltend gemacht worden, dass die -Flotte dieses Admirals, aus zusammengerafften Schiffen bestehend, kein -richtiges Bild von der Leistungsfähigkeit des damaligen Seewesens giebt, -und die Bemerkung Ukerts, dass die Umsegelung Afrikas nicht an -Wahrscheinlichkeit gewinne, wenn man diese Expedition betrachte, hat -Sandberg[149] zurückgewiesen, indem er darlegt, dass Alexander, als er -den Nearch entsendete, neben Cypriern, Kariern und Aegyptern freilich -auch wohl Phönizier, aber doch schwerlich phönizische Matrosen in seinem -Heere gehabt habe[150]. Dass übrigens dies Geschwader, welches Nearch -von Indien her in den Euphrat führte, von Alexander selbst als untüchtig -angesehen wurde, geht ganz klar daraus hervor, dass er nach dem -Eintreffen desselben in Babylon noch phönizische Schiffe aus Syrien auf -dem beschwerlichen Ueberlandwege bis Thapsakus kommen und ausserdem eine -neue Flotte bauen liess. Auch die Bemannung zog er aus Phönizien und -andern Küstenländern heran, alles, um zur Umschiffung Arabiens eine -wirklich tüchtige Seemacht zur Verfügung zu haben[151]. Mit andern -Bedenken, die ebenfalls Zweifel an dem Muthe der Phönizier erheben, -tritt uns Vincent[152] entgegen. Er sagt, es sei nicht anzunehmen, dass -Seefahrer aus diesem Volke in den Kanal von Mozambique mit seiner -reissenden Strömung hineingesegelt seien, sowie sie ihn zuerst -erblickten, während doch die Araber in der langen Zeit, wo sie die -Ostküste Afrikas befuhren, das niemals gewagt und ihre Besitzungen nur -bis zu seinem nördlichen Eingange ausgedehnt hätten. Er ist leicht -widerlegt, denn was er über die Grenzen der arabischen Schifffahrt in -diesen Gegenden sagt, ist einfach unrichtig. Die Araber sind -wahrscheinlich bis zum heutigen Inhambane und dem Kap Corrientes -gelangt, Punkten, die beide am Südende des Kanales liegen[153]. Es wird -also schwerlich glücken, die Schiffer Nechos als Leute hinzustellen, -denen der zu einer Umsegelung Afrikas nöthige Muth fehlte, und die -„ausserordentlich dehnbare Vorstellung von der Seetüchtigkeit der -Phönizier“, welche Berger[154] bespöttelt, braucht nur auf das durch das -Alterthum gut beglaubigte Mass zurückgeführt zu werden, um an wirklich -grosse Thaten derselben glauben zu machen. Waren sie, nach ihrem -Verhalten beim Graben des Kanals am Athos zu schliessen[155], überhaupt -anstellige und gewandte Leute, so ist es um so mehr über allen Zweifel -erhaben, dass sie in der Führung von Schiffen unübertroffen -dastanden[156]. Was die Venetianer und Genuesen dem Mittelalter, was die -Holländer und Engländer der Neuzeit waren und sind, das ist jenes Volk -dem Alterthume gewesen, und ohne Bedenken dürfen wir Heeren -beipflichten, wenn er sagt[157]: „Der Zufall hat uns einen Bericht von -ein paar solcher Unternehmungen erhalten, die Herodot gelegentlich -anführt; aber wie viele mögen von einem Volke gewagt und glücklich -ausgeführt sein, das so gut wie die Briten und Portugiesen seine Cooks -und seine Vaskos da Gama gehabt haben muss!“ Wenn aber die Phönizier in -Betreff aller zur Lösung der schwierigen Aufgabe erforderlichen -Eigenschaften dem Volke des Necho so weit überlegen waren, fällt nicht -nur jeglicher Grund des Staunens weg, dass er mit Uebergehung der -eigenen Landsleute jene durch seinen Auftrag auszeichnete, sondern es -wird auch Jeder, der nicht voreingenommen ist, zugeben müssen, dass -vielmehr durch die Erwähnung dieses Umstandes einerseits die Erzählung -glaubwürdiger und andrerseits die glückliche Vollendung der Fahrt -wahrscheinlicher wird. - - - - - Vermuthliche Ansichten über die Gestalt und südliche Erstreckung - Afrikas ums Jahr 600 v. Chr. - - -Mögen wir aber den Muth der phönizischen Schiffer noch so hoch stellen, -mögen wir uns ihren Drang nach Abenteuern so unwiderstehlich wie möglich -ausmalen, wir dürfen uns doch bei sorgfältiger Erwägung der Sachlage -nicht verhehlen, dass sie sich die Umsegelung wahrscheinlich weit -leichter vorstellten, als sie wirklich war, und ihnen vor allem die -weite Süderstreckung Afrikas nicht bekannt gewesen sein wird. Hätten sie -von letzterer eine Ahnung gehabt, möchte auch dem Kühnsten von ihnen -wohl der Muth entsunken sein. Wie weit die Kenntnisse der Phönizier in -der Geographie Afrikas und der dasselbe umgebenden Meere ums Jahr 600 v. -Chr. gingen, können wir nur annähernd feststellen. Da uns direkte -Nachrichten darüber nicht zu Gebote stehen, sind wir auf Rückschlüsse -angewiesen, und auf Grund derselben dürfen wir wohl annehmen, dass das -Wissen des Herodot in dieser Beziehung auch etwa das jener Phönizier -gewesen sein mag, denn einmal ist der Zeitraum, der beide von einander -trennt, nicht so erheblich, dass er bei der verhältnissmässig langsamen -Erweiterung der Länderkunde während des Alterthums ins Gewicht fallen -könnte, und zweitens waren sowohl phönizische Schiffer, wie auch Herodot -weit umhergekommen, und die Vermuthung, dass beide Theile das, was die -damalige Welt überhaupt von den Oberflächenverhältnissen der Erde -kannte, etwa in gleicher Weise ihr geistiges Eigenthum nannten, scheint -wohl berechtigt. Wenn wir also feststellen, was Herodot von -afrikanischer Geographie wusste, so werden wir damit zugleich auch -ungefähr den Kreis der phönizischen Kenntnisse umschrieben haben. -Herodot weiss aber im ganzen von Afrika – oder wie er sagt, von Libyen – -nicht viel. Was das Innere des Erdtheils anbetrifft, so ist ihm nicht -fremd, dass sich die Wüste von Theben bis zu den Säulen des Herakles -erstreckt, sonst aber wird er in den Aegypten ferner liegenden Theilen, -wie jenseit Karthagos, schon ziemlich unsicher. Wie weit aber -hinsichtlich der Gestadeländer seine und der Phönizier Kenntniss ging, -darüber sind wir nicht durchweg genügend unterrichtet. Bis zu welchem -Punkte ihnen z. B. die Ostküste bekannt war, ist unmöglich genau zu -sagen; es herrscht wohl einige Uebereinstimmung, dass sich nur -Vermuthungen darüber aufstellen lassen. Herodots mehr oder weniger -gründliches Wissen ging wahrscheinlich bis Bab-el-Mandeb[158]; davon, -dass den Phöniziern die südlicheren Gegenden bekannt gewesen seien, -haben mich die aus Strabo und einigen anderen Schriftstellern von -verschiedenen Gelehrten gezogenen Schlüsse nicht überzeugen können. Fest -steht dagegen, dass Herodot und zweifellos auch schon den Phöniziern -viel früherer Zeit die Nordküste im ganzen und grossen wohl bekannt war; -in Betreff der Westküste sind die Nachrichten, welche er den Sataspes -von seiner Fahrt mitbringen lässt[159], zu ungenau, als dass wir darauf -irgend welche sichere Vermuthung gründen könnten. Die Frage nach seiner -Kenntniss der Länder jenseits des Kap Soloeis[160] können wir wohl, ohne -ihm zu nahe zu treten, dahin beantworten, dass er nur eine unklare -Vorstellung von ihnen hatte; hinsichtlich dieses Vorgebirges dürfen wir -aber mit grosser Sicherheit annehmen, er habe darunter das heutige Kap -Spartel verstanden. Wenn nun das, was die Phönizier wussten, sich in -einem Punkte mit der Kenntniss Herodots vielleicht nicht deckte, so war -es eben in Betreff der Westküste, wo ihnen wahrscheinlich weiter nach -Süden gelegene Gegenden nicht unbekannt waren. Es lässt sich dies aus -einigen Stellen alter Schriftsteller folgern[161]. Isaak Vossius in -seinen: Observationes ad Pomponium Melam de situ orbis[162] meint sogar, -dass die Nachricht des Strabo, die Phönizier hätten bald nach dem -trojanischen Kriege jenseit der Säulen des Herakles auf der libyschen -Küste Kolonieen angelegt, mit dem Periplus des Hanno in Verbindung zu -setzen sei; demnach hätten also wenigstens die karthagischen -Stammesgenossen der Phönizier lange vor Necho einen grösseren Theil des -westlichen Gestades befahren. Doch geht die Ansicht der meisten Forscher -dahin, dass dieser Periplus weit später, erst nach der Umsegelung durch -die Phönizier (etwa 470) angenommen werden dürfe. Nach Junker[163], der -für seine Ansicht einen geistvoll erdachten Grund anführt, hätten die -Karthager den von Herodot erwähnten Tauschhandel an der Goldküste -betrieben, woraus wir schliessen könnten, dass wohl auch den verwandten -Phöniziern das westliche Gestade Afrikas bis hierher bekannt gewesen -sei, doch haben sich andere wichtige Stimmen erhoben, welche ihn nach -Senegambien an den Rio do Ouro verlegen[164]. Auf alle Fälle ging aber -die Kenntniss der Karthager – und damit wohl auch der Phönizier – über -Kap Soloeis hinaus. Die dreieckige Südhälfte des Erdtheils war natürlich -gänzlich unbekannt, und in Folge davon hat das Alterthum die für die -projektirte Umschiffung so wichtige Frage nach dem Zusammenhange der -Meere in jener Gegend sehr verschieden beantwortet; noch die Späteren -stehen hierin in direktem Widerspruch unter einander. Hipparch[165] z. -B., in der Mitte des zweiten Jahrhunderts v. Chr., und Ptolemäus[166], -etwa 150 Jahre n. Chr., leugneten eine südliche Verbindung des Ost- und -des Westmeeres, Strabo und andere[167] glaubten, dass sie vorhanden. Aus -früherer Zeit ist die Ansicht Alexanders des Grossen interessant; auch -er, dem auf seinen weiten Zügen sich manche Gelegenheit geboten haben -mochte, der Lösung geographischer Streitfragen näher zu treten, war von -der Einheit der Weltmeere überzeugt, wie wir aus einer Stelle Arrians -ersehen, wo er sagt: „Das grosse Meer umgiebt die ganze Erde“[168], -Worte, aus denen einige schliessen, er habe von der Umsegelung gewusst -und den Bericht über sie für wahr gehalten. So gern ich dieser Ansicht -als einem für meine Auffassung sprechenden Beweise beistimmen möchte, -vermag ich es leider nicht. In Alexanders Worten spricht sich eine -uralte griechische Anschauung aus; wer dieser huldigte, konnte an die -Möglichkeit einer Umschiffung Libyens glauben, auch wenn er die That der -Phönizier bezweifelte, und wenn der macedonische Welteroberer, wie man -meint, wirklich daran gedacht hat, Afrika umsegeln zu lassen, so ist -sein Heldenmuth vor einer solchen Expedition schwerlich -zurückgeschreckt, auch wenn der Glaube fehlte, dass andere ihm die Pfade -geebnet hätten. Herodot selbst vertheidigt die Ansicht von dem -Zusammenhang der Meere[169], wenn auch seine fortgeschrittenere Bildung -ihn den homerischen Ozeanusfluss belächeln lässt[170]; aber dieser -Zusammenhang ist ihm erst durch die phönizische Fahrt festgestellt[171]. -Schwerlich werden also die Phönizier, als sie absegelten, gewusst haben, -ob wirklich ein Wasserweg ganz um den Erdtheil herum führte; es wird -eben – wie vorhin schon angedeutet – ein Versuch gewesen sein, den sie -machten. Waren doch zu Herodots Zeit in Aegypten noch wunderbare Märchen -über manche Theile des erythräischen Meeres verbreitet, wie wir daraus -entnehmen können, dass die Priester gläubig erzählten, Sesostris sei bei -seiner See-Expedition an eine Stelle gekommen, die er wegen der Untiefen -nicht habe befahren können[172]. Dass freilich auch die Phönizier an die -Unwegsamkeit der Meere unter gewissen Himmelsstrichen geglaubt – -Phantasieen, wie sie uns vor der Zeit der grossen Entdeckungen im -Mittelalter wieder begegnen – wird nicht überliefert. Aber waren sie -auch zu aufgeklärt, um solche Märchen für Wahrheit zu nehmen, -die Gestalt Afrikas – das dürfen wir aus den vorstehenden -Auseinandersetzungen schliessen – war sowohl ihnen, wie Herodot in -tiefes Dunkel gehüllt. Der letztere spricht dies offen aus, wo er von -dem Oberlaufe des Nils redet[173]; ebenso geht es hervor aus der Stelle -III, 114, die Sandberg zitiert[174]. Herodot sagt hier, dass Aethiopien -– d. i. Südafrika – sich von Arabia felix nach Südwesten erstrecke, als -das letzte der bewohnten Länder; wie weit aber, das lässt er dahin -gestellt. Wenn wir uns nun gar daran erinnern, wie noch Strabo über -diese Frage dachte[175], dem die Südgrenze Libyens etwa bei 10° n. Br. -liegt, so wird uns nicht länger zweifelhaft sein, dass die Phönizier 600 -v. Chr. keinenfalls von dem wirklichen Sachverhalt eine Ahnung hatten, -und diese Täuschung, in der sie sich über die wahre Gestalt des -Erdtheils befanden, den sie umsegeln sollten, wird für sie ein neuer -Antrieb gewesen sein, die Fahrt kühnen Muthes zu unternehmen, für uns -aber ist sie ein Grund mehr, an ihr nicht zu zweifeln. - - - - - Genauere Zeitbestimmung der Fahrt. - - -Ein anderer Punkt, der ins Auge gefasst werden muss, ist eine genauere -Zeitbestimmung der Fahrt. Nun ist es meiner Ansicht nach zwar ganz -unmöglich, bestimmte Jahre dafür anzusetzen, wie Wheeler es thut, der -die Reise auf die Zeit von 613-610 fixirt; aber wir werden doch -vielleicht entscheiden können, ob sie in die erste, kriegerisch gefärbte -Regierungsperiode Nechos zu setzen oder der zweiten, friedlichen -zuzutheilen sei. Die Untersuchung dieser Frage ist um so wichtiger, als -wir aus ihr die Grundlage zur Beantwortung einer anderen gewinnen -werden, nämlich der, ob wir die Phönizier des Mutterlandes oder die in -Aegypten ansässigen als Vollender der kühnen Fahrt ansehen dürfen. König -Necho hat nun wahrscheinlich von 609-594 regiert[176] und die Schlacht -von Karchemisch im Jahre 604 stattgefunden. Demnach ist etwa das erste -Drittel der Herrschaft dieses Fürsten auf die Züge in Syrien zu rechnen. -Wenn wir nun die Umsegelung nicht in diese Periode, sondern in die -folgende setzen, werden wir schwerlich einem Irrthum anheimfallen. Es -ist undenkbar, dass Necho; als er im Felde stand, Zeit und Sinn für eine -derartige Unternehmung gehabt habe; seine Absicht war, wie sein Zug an -den Euphrat zeigt, nach Syrien das babylonische Reich zu erobern – ein -Riesenplan, der in seinem Kopfe sicher für nichts anderes Raum liess –, -und erst nachdem Nebukadnezars Schwert ihm nach dieser Richtung hin -Entsagung aufgezwungen hatte, wird er äussere und innere Ruhe für die -Werke des Friedens gefunden haben[177]. Auch aus einer Prüfung der -Notizen des herodoteischen Werkes über den Kanalbau können wir in -Verbindung mit einer anderen Ueberlieferung Schlüsse ziehen auf die Zeit -der Umsegelung. Herodot erzählt an einer Stelle[178], Necho habe den -Kanal vor seinem Kriegszuge gebaut und zu bauen aufgehört, als er nach -Syrien gezogen sei. Diese Nachricht ist schwerlich richtig; denn wenn -wir bei demselben Schriftsteller lesen[179], dass durch jenen Bau 120000 -Menschen ihr Leben verloren, so musste er sich doch über einen längeren -Zeitraum erstrecken. Lehrreich kann ein Vergleich mit dem Verluste an -Menschenleben bei dem Bau des Mahmudiehkanals wirken. An ihm arbeiteten -250000 Mann ein Jahr lang, von denen 20000 gestorben sein sollen; eine -erschreckend hohe Ziffer, aber immer doch nur der sechste Theil von dem, -was Herodot als Opfer des Nilkanals anführt[180]. Nun hat Necho aber -seinen Kriegszug, wie feststeht, sehr bald nach seinem Regierungsantritt -begonnen; in einer ganz kurzen Spanne Zeit müsste also jene gewaltige -Menschenmenge umgekommen sein. Das ist einfach unmöglich, selbst wenn -wir die Zahl als etwas zu hoch gegriffen ansehen wollen und daneben noch -in Betracht ziehen, dass in den Augen von Pharaonen der Werth von -Menschenleben ein sehr geringer gewesen sein mag. Sicher ist also an dem -Kanal mehrere Jahre geschafft worden; dann kann der Bau aber nicht vor -den syrischen Feldzug gefallen sein, sondern nur in dieselbe Zeit mit -jenem oder in die nach ihm. Dass letztere Annahme die wahrscheinlichere, -ist oben nachgewiesen. Die Ereignisse werden demnach wohl -folgendermassen zu ordnen sein: etwa ein Drittel seiner Regierungszeit -war Necho in Syrien; als er dann nach Hause kam, begann er den Kanal, -und als er – jedenfalls erst nach Jahren, wie man sagt, infolge eines -Orakels[181] – aufhörte zu bauen, sandte er nach einer andern -Mittheilung Herodots[182] die phönizische Expedition aus. Die -Vermuthung, dass unser Gewährsmann sich in der eben angedeuteten Weise -hinsichtlich der zeitlichen Aufeinanderfolge der Dinge geirrt, liegt -also, wie die voraufgegangenen Auseinandersetzungen zeigen, nahe und -würde sich uns aufdrängen auch ohne die Kenntniss einer Nachricht, die -Strabo hinterlassen hat, und die in direktem Gegensatze zu Herodots -Mittheilung steht. Dieser Schriftsteller giebt nämlich an, erst der Tod -des Königs habe die Arbeiten am Kanal unterbrochen[183]; ein -Widerspruch, den völlig zu lösen auf den ersten Blick nicht möglich -scheint. Doch werden wir schwerlich fehl gehen, wenn wir auf Grund des -oben Gesagten und an der Hand der erwähnten Zeugnisse annehmen, dass der -Kanalbau erst _nach_ dem syrischen Feldzuge begonnen und bis gegen das -Lebensende des Necho gedauert hat, wo er vielleicht infolge eines -Orakelspruches aufgegeben wurde. Dann aber, also in der letzten Zeit -jenes Königs, ist die phönizische Expedition entsendet worden. Dass -diese Anschauung die richtige sein dürfte, zeigt auch ein Vergleich mit -dem, was über die Regierung des Sesostris erzählt wird; auch er soll -friedliche Aufgaben zu seinem Ruhme und zur Sicherung Aegyptens, -Tempelbau, Kanalanlage und anderes derart, erst nach Beendigung seiner -Feldzüge[184] begonnen haben. Wenn nun auch jener König, wie erwähnt, -eine ganz fabelhafte Figur ist, so zeigt doch diese Vertheilung seiner -Thaten über sein Leben, wie man selbst bei dem mächtigsten Herrscher -Aegyptens es nicht für möglich hielt, dass er Kriege und Grossthaten des -Friedens zu gleicher Zeit unternommen und ausgeführt habe. Die Sage ist -in solchen Dingen aber so feinfühlig, dass der Beurtheiler -geschichtlicher Verhältnisse sehr wohl von ihr lernen kann, und was -einem Sesostris, der Verkörperung ägyptischer Fürstengrösse, nicht -möglich war, dürfen wir auch dem Pharao Necho schwerlich zutrauen. - - - - - Abfahrtsort der Expedition. - - -Haben wir uns im Vorstehenden über die Zeit, in welche die Expedition -fällt, Rechenschaft gegeben, so wird es nun nicht minder wichtig sein, -den Ort festzustellen, von wo die Phönizier aussegelten. Trotzdem -übergehen die meisten Forscher diesen Punkt mit Stillschweigen; doch -kann man hie und da aus beiläufigen Bemerkungen den Schluss ziehen, dass -sie der Ansicht sind, die Fahrt sei von der Nordspitze des rothen Meeres -ausgegangen. Und in der That hat diese Vermuthung auf den ersten Blick -etwas Bestechendes, denn da die Phönizier wohl hauptsächlich im Delta -sassen, war ihnen der nordwestliche Ausläufer jenes Meerbusens nahe -genug. Auch hatten, wie wir gesehen haben, die Saïten, zu denen ja -Necho, der intellektuelle Urheber des ganzen Planes, gehörte, im Delta, -also in der Nähe des heutigen Busens von Suez, ihre Residenz. Nichts -desto weniger kann ich der bezeichneten Ansicht nicht beipflichten; denn -der Verkehr Aegyptens mit den südlichen Ländern ist, wie ich gleich -nachweisen werde, in älterer, wie in neuerer Zeit meist nicht von hier -ausgegangen. Eine auffällige Vermuthung verfechten zwei Gelehrte in -trefflichen Abhandlungen, Junker und Sandberg; sie sprechen sich mit -Entschiedenheit für den Golf von Aden als Abfahrtsort aus[185]. -Untersuchen wir, mit welchem Rechte! Herodot sagt: „οί Φοίνικες ἐκ τῆς -Ἐρυθρῆς θαλάσσης ἔπλεον“; was haben wir nun unter den Worten „ἐκ τῆς -Ἐρυθρῆς θαλάσσης“ zu verstehen? Sandberg – es mag genügen, einen von -Beiden zu widerlegen – erwähnt mehrere Stellen, wo jener Schriftsteller -ausdrücklich den arabischen Busen vom erythräischen Meere unterscheidet, -und will damit beweisen, dass an ein Absegeln aus ersterem nicht zu -denken sei. Zweitens führt er als Beleg für seine Ansicht das an, was -Herodot über den Skylax überliefert[186], der auf der Rückkehr von -seiner Entdeckungsreise nach Indien zuletzt nach Westen gefahren und so -an dem Orte gelandet sei, von wo Necho die Phönizier ausgesandt hatte, -während der Berichterstatter, wenn diese aus dem rothen Meere abgesegelt -wären, ihn doch schliesslich nach Norden steuern lassen müsste. Mir -scheinen beide Gründe nicht ganz einwandsfrei zu sein. Was den ersten -anbetrifft, so nennt Herodot an einer Stelle das rothe Meer einen Busen -– und das heisst doch so viel wie einen Theil – des erythräischen -Meeres, wie er denn überhaupt unter dem letzteren augenscheinlich den -ganzen indischen Ozean mit dem persischen und dem arabischen -Meerbusen[187] versteht; wenn er also sagt: „Die Phönizier fuhren aus -dem erythräischen Meere ab“, warum sollte es nicht erlaubt sein, an -jenen Theil zu denken? Das zweite Zitat aber, in dem von Skylax die Rede -ist, heranzuziehen halte ich für bedenklich, gerade wo es sich um -Feststellung der Himmelsgegenden handelt, denn in dieser Beziehung ist -Herodot hier sehr ungenau; den Indus, der doch nach Südwesten fliesst, -lässt er nach Osten münden! Dazu kommt, dass König Necho wohl schwerlich -am Busen von Aden Landbesitz hatte, wo er Vorbereitungen zu der -phönizischen Expedition hätte treffen können, wohl aber besass er am -rothen Meere dazu geeignetes Terrain – die Reste der dortigen -Schiffswerfte sah ja Herodot noch[188] –, und schliesslich können wir -behaupten, dass den Phöniziern das rothe Meer viel zu bekannt gewesen -sein wird, als dass sie eine Fahrt auf demselben hätten zu scheuen -brauchen. Sehen wir also von der Nordspitze des Meeres und vom Golf von -Aden ab und suchen eine andere Stelle ausfindig zu machen, die mit -grösserer Wahrscheinlichkeit den Ruhm für sich in Anspruch nehmen kann, -der Abfahrtsort dieser denkwürdigen Expedition gewesen zu sein. Etwa -unter 26° n. Br. liegt am Nil an einer Stelle, wo der Fluss sich dem -rothen Meere auf 150 Km. nähert, die Stadt Keneh, ein wenig nördlicher, -als im Alterthum Koptos lag. Von dieser Stadt führte, wie heute von -Keneh, eine Strasse durch das Thal, welches jetzt Wadi Hamamat heisst, -zum Meere[189] in der Gegend, wo Kosseir liegt, der Leukos Limen der -Griechen[190]. Von diesem Hafen oder von seiner nächsten Umgebung wird -die Expedition der Phönizier wahrscheinlich ausgegangen sein. Den Beweis -für die geäusserte Ansicht wird ein Ueberblick über die Rolle geben, -welche diese Stätte in der Geschichte des ägyptischen Handels und -Verkehrs gespielt hat. Bereits vor und während der Pyramidenzeit war der -Weg von hier aus an den Nil eine Hauptstrasse des Weihrauchhandels; -jedenfalls schon in den Tagen der elften Dynastie, vielleicht noch -früher, ist von Seiten der Regierung der Versuch gemacht worden, von -hier aus direkte Beziehungen zu dem Lande Punt, der Heimath des -Weihrauchs in Arabien, anzuknüpfen. Ob den Endpunkt der Strasse am Meer -Kosseir oder ein nur wenig weiter nördlich gelegener Hafen bildete, mag -dahin gestellt bleiben[191]; zur Zeit der zwölften Dynastie, wo der -Handel auf dem rothen Meere in voller Blüthe steht, ist sein -Ausgangspunkt jene andere Stelle. In den nächsten Jahrhunderten scheint -der Verkehr mit Punt bald unterbrochen gewesen zu sein, bald aber lesen -wir, dass er einen neuen Aufschwung nimmt, so besonders nach der -Vertreibung der Hyksos, wo in Aegypten dasselbe geschah, was sich 3000 -Jahre später in Spanien nach der Besiegung der Mauren wiederholte: das -Selbstgefühl, gehoben durch die in schweren Kämpfen wieder errungene -Freiheit, äusserte sich in kühner Seefahrt, und die Königin Hatasu, das -Spiegelbild der kastilischen Isabella, beschloss wieder Schiffe ins -Weihrauchland zu entsenden. Leider fehlen über den Abgangsort derselben -alle positiven Angaben; erst das wissen wir wieder sicher, dass unter -Ramses III. in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts die Expeditionen -den alten Weg von Koptos zur Küste gehen, ja dass Ramses IV., der -unmittelbare Nachfolger jenes Königs, sich durch Anlegung einer neuen -Verbindungsstrasse besonders verdient gemacht hat. Nicht geringere -Bedeutung hat der Verkehrsweg zur Zeit der 26. Dynastie, der saïtischen, -eben der des Necho. Diese umfasst eine Periode der Restauration; im -Kultus, in der Sprache, in der Schrift kommt man auf das Alte zurück. -Das Staatsleben sucht man durch das Hervorholen archaistischer -Titulaturen mit der Würde verflossener Jahrtausende zu umkleiden und -tritt mit einer gewissen Ostentation auch auf anderen Gebieten in die -Fussstapfen der älteren Königshäuser. Schon aus diesem Grunde würde es -uns leicht glaublich erscheinen, dass man auch bei der Wiederaufnahme -eines regeren überseeischen Handelsverkehrs hinsichtlich des -Ausgangspunktes der alten Tradition nicht untreu wurde; aber wir haben -sogar ausdrückliche Beweise dafür. An einer Felswand des Wadi Gasus auf -dem Wege vom Nil zu dem alten Hafenplatze am rothen Meere finden sich -nämlich aus der Zeit der 26. Dynastie die Namen mehrerer „Gottesweiber“ -– das sind Königinnen, welche zugleich Gattinnen des Gottes Amon zu -Theben waren –; Beweis genug, dass die Strasse von Koptos an die Küste -damals wieder erhöhte Bedeutung gewann. Und wie zur Zeit der alten -Pharaonen hatte auch unter den Ptolemäern der ägyptische Handel auf dem -rothen Meere seinen Ausgangspunkt neben dem nördlicher gelegenen -Heroopolis[192] hauptsächlich in Kosseir, ja, noch für die Periode um -Christi Geburt schildert uns Strabo Koptos als den Stapelplatz für -indische, arabische und äthiopische Waren, wenn auch die -Verbindungsstrasse mit der Küste etwas weiter südöstlich lief, als -früher, nämlich nach Berenice[193], und selbst in der Neuzeit bis zur -Eröffnung des Suezkanales spielte Kosseir, über das auch eine wichtige -Route für die afrikanischen Mekkapilger führte, als Verkehrsmittelpunkt -dieser Gegenden seine Rolle. So liegt in der That die Vermuthung nahe, -dass dieser Platz oder ein benachbarter Hafen, wie so vieler anderen -Fahrten, auch der phönizischen Ausgangspunkt gewesen, und es dürfte -nicht zu gewagt sein, unter Zurückweisung der oben erwähnten Ansichten -für diese die grössere Wahrscheinlichkeit in Anspruch zu nehmen. - - - - - Wo waren die ausgesandten Schiffer zu Hause? - - -Zeit und Abfahrtsort der Expedition sind somit wenigstens annähernd -festgestellt; es tritt nun an uns die Frage heran: woher nahm Necho die -Mannschaft, welche er aussendete? Auch hierauf können wir jetzt Antwort -geben. Ging das Geschwader erst nach der Rückkehr des Königs vom -syrischen Feldzuge ab, so gewinnt damit die Vermuthung an -Wahrscheinlichkeit, dass die Bemannung der Schiffe nicht von der -phönizischen Küste Asiens, sondern aus dem Nildelta stammte, eine -Ansicht, durch die ich freilich in Gegensatz zu einigen Gelehrten -gerathe, welche sich ebenfalls mit der Umsegelung beschäftigt haben. Ein -Theil der Beurtheiler übergeht diese Frage gänzlich mit Stillschweigen -und lässt sich auch nicht andeutungsweise darüber vernehmen, andere, die -sie nicht besonders erörtern, lassen wenigstens errathen, dass sie -Phönizier aus dem Mutterlande für die Beauftragten halten, während eine -dritte Kategorie dieses geradezu behauptet. Ihnen allen gegenüber möchte -ich auf Folgendes hinweisen. Nechos Herrschaft über Syrien währte nur -wenige Jahre[194]; nach der Schlacht von Karchemisch gab er mit seinen -anderen Eroberungen auch die Herrschaft über die phönizischen Städte -auf[195]. Da lag es ihm doch näher, falls er nun erst seine Expedition -aussandte, die Phönizier im Delta, seine Unterthanen, mit der Ausführung -zu betrauen, als sich an die im Mutterlande gebliebenen zu wenden, -welche eben von seiner Herrschaft wieder frei geworden waren. Auch ist -noch zu erwägen, dass in den nächsten Jahren nach der Schlacht bei -Karchemisch Nebukadnezar Syrien in Besitz nahm[196]. Sobald dieser Herr -der Phönizier geworden war, verstand es sich von selbst, dass sie für -seinen Feind – denn der Friede, welcher folgte, war ein bewaffneter – -nicht fahren durften; aber auch ehe sie wirklich das babylonische Joch -trugen, werden sie schwerlich geneigt gewesen sein, auf etwaige -Anerbietungen Nechos einzugehen und sich damit der Rache des von Osten -gegen sie vordringenden asiatischen Machthabers auszusetzen. Und konnte -Necho nicht die Dienstleistung der syrischen Phönizier recht wohl -entbehren? Ganz gewiss. Nach Herodot[197] wohnten Landsleute von ihnen -bei Memphis, ja nach Lieblein[198] waren Phönizier bereits 2600 Jahre -vor Chr. von Südarabien – hier glaubt dieser Gelehrte seien sie -ursprünglich zu Hause gewesen – über das rothe Meer nach Aegypten -gekommen und hatten ausser an anderen Stellen auch in der Nähe von -Koptos eine Kolonie gegründet; dass sie sich auch in dem wegen seiner -vielen Wasserstrassen für Handel und Verkehr so sehr geeigneten Delta -werden ausgebreitet haben, dürfen wir bei unserer Kenntniss des -phönizischen Nationalcharakters mit Sicherheit annehmen. Sagt doch auch -Curtius[199]: „Im unteren Nilthale waren die Phönizier seit ältesten -Zeiten heimisch und besassen daselbst die einträglichsten -Handelsstationen“. Und dass sie auf einem Terrain, welches ihrem -amphibischen Charakter so zusagte, die alte Tüchtigkeit zur See, wie die -syrische Heimath sie ihnen anerzogen hatte, sich bewahrten, bedarf kaum -der Erwähnung. Wo wir auch immer phönizische Kolonisten auftauchen -sehen, des Erbes ihres Stammlandes, der Kunst, den flüchtigen Kiel -geschickt durch die wogende Fluth zu lenken, sind sie überall -theilhaftig geblieben; sicherlich nicht am wenigsten diejenigen, welche -an den tausend Wasseradern des Nildeltas neue Wohnsitze gefunden hatten. -Geeignet für die in Frage stehende Fahrt waren auch diese also -unbedingt, denn was werden sie anders gewesen sein als Kaufleute und -Matrosen? Sicher verdankte die ägyptische Handelsmarine zum grossen -Theile den im Delta ansässigen Phöniziern ihre Existenz. Diese wird -Necho also ohne Zweifel auch zur Bemannung seiner neu geschaffenen -Kriegsflotte verwendet, ihnen den Befehl zur Umsegelung Afrikas ertheilt -haben. Fast unwiderleglich scheint mir aber der Beweis dafür, dass es -ägyptische Phönizier gewesen waren, welche die Fahrt unternommen hatten, -sich aus den Vorbereitungen zu ergeben, die Sataspes zu seiner Reise -traf. Er ging, um ein Schiff für seine Umfahrt ausrüsten zu lassen, -nicht, wie es doch näher gelegen hätte, in den Küstenstrich, wo die -persische Marine ihren Hauptsitz hatte, nach Syrien, sondern ins -Nildelta. Da es nun völlig ausgeschlossen erscheinen muss, er habe -Aegypter heuern wollen[200], bleibt nur die Annahme übrig, dass er die -hier ansässigen Phönizier für diejenigen Leute hielt, bei denen die -Tradition von der Fahrt des Necho am lebendigsten war, und denen er am -ersten zutrauen durfte, die Fährlichkeiten einer neuen gleichen Reise -mit ihm zu bestehen. - - - - - Unternehmungslust des Alterthums auf dem Gebiete des Reisens. - - -Das passendste Werkzeug drängte sich also einem Könige Aegyptens, der -seinem Lande durch Förderung des Handels bisher unbekannte Quellen -materiellen Wohlergehens erschliessen wollte, gewissermassen von selbst -auf, und diese Erwägung mag fördernd auf Nechos Pläne eingewirkt haben; -bei sorgfältiger Betrachtung wird sich aber zeigen, dass auch manche -andere Verhältnisse sowohl des Alterthums im Allgemeinen, als auch der -Zeit Nechos im Besondern, die Aussendung der Expedition in einem nicht -so wunderbaren Lichte erscheinen lassen, wie man auf den ersten Blick -geneigt sein könnte zu glauben. Zunächst muss festgestellt werden, dass -es heissen würde, einen grossen Irrthum begehen, wenn man dem Alterthum -Mangel an Unternehmungsgeist auf dem Gebiete des Reisens vorwerfen -wollte. Abgesehen von vielen über allem Zweifel erhabenen Fahrten der -Phönizier und Griechen erinnere ich nur an ein Faktum, das Herodot -selbst erzählt[201]. Aus dem Volke der Nasamonen, nomadischer -Schafzüchter an den Syrten, unternahmen einst fünf Jünglinge die -abenteuerliche Wanderung nach dem Niger, eine That, die erst in unserer -Zeit durch Expeditionen, welche mit allen Hülfsmitteln moderner Kultur -ausgerüstet waren, in Schatten gestellt ist. Diese Durchquerung der -Sahara von Seiten der Nasamonen ist eine grossartigere Leistung als -selbst die Umsegelung Libyens durch die Phönizier. Befähigt waren die -Vertreter beider Völker für die Lösung ihrer Aufgabe, diese in Folge -ihrer früheren ausgedehnten Fahrten zur See, jene durch ihre jährlichen -Wanderungen nach Audschila, von wo sie Datteln holten[202]. Aber wenn es -wahr ist, dass Wüsten die sie begrenzenden Länder mehr trennen als -Ozeane die Küsten, welche sie bespülen, so wird auch zugestanden werden -müssen, dass eine Wanderung durch das unbekannte afrikanische Sandmeer -ohne Kamele, die damals in jenem Erdtheile noch nicht heimisch waren, -mindestens eben so schwierig sein musste, wie eine Fahrt in eine fremde -Wasserwelt, bei der man doch die Küste schwerlich auch nur einen Tag -ausser Sicht verlor. An einem gewissen Wagemuthe, der die Schrecknisse -aberteuerlicher Fahrten gering achtete, fehlte es also dem Alterthume -entschieden nicht. - - - - - Antriebe zur Fahrt. - - -Wenn aber ein König wie Necho das, was er an Unternehmungsgeist besass, -gerade der Förderung der Seefahrt zu gute kommen liess, wenn es ihn -antrieb, fremde Meere und Länder in den Bereich ägyptischer Thätigkeit -hineinzuziehen, so werden sich speziellere Beweggründe dafür unschwer -finden lassen. Seit Psammetich waren in Aegypten Karer und – was für uns -vielleicht wichtiger ist – Jonier ansässig[203]; in Jonien aber blühte -Milet vor allen anderen Städten, und die Grundlage dieser Blüthe -bildeten ihre Beziehungen zum Auslande. Von diesem glänzenden Emporium -Kleinasiens zog der strebsame Kaufmann zu Tausch und Handel in die -Fremde hinaus, und hierher trug ihm die dienstbare Meereswelle von allen -Gegenden der Windrose Schätze der fernsten Erdstriche als Lohn der -überstandenen Mühen und Gefahren herbei. Lassen wir es dahin gestellt, -ob gerade Naukratis eine milesische Kolonie war oder nicht; als sicher -dürfen wir betrachten, dass die Verbindung, wie sie zwischen der -bedeutendsten Handelsstadt der kleinasiatischen Westküste und Aegypten -durch die jonischen Söldner eingeleitet war, die Milesier bewogen haben -wird, auch die Gegenden an den Mündungen des Nils in den Kreis ihres -Handelsverkehrs hineinzuziehen. So wird Necho, über die Segnungen -kolonialer Thätigkeit durch die Berührung mit einem der Hauptzentren -damaliger griechischer Besiedlungskunst belehrt, sicher dazu angeregt -sein, seine auf das gleiche Gebiet gerichteten Bestrebungen um so -eifriger zu verfolgen. Dass er gerade auf eine Umsegelung Afrikas -verfiel, dazu hat die irrige Anschauung seines Zeitalters über die -Gestalt jenes Erdtheils wahrscheinlich das ihrige beigetragen. Ob Necho -sicher wusste, dass dieser im Süden zu umsegeln war, muss trotz A. v. -Humboldts Einwendungen[204] als zweifelhaft gelten; in hohem Grade -wahrscheinlich ist aber, dass man ums Jahr 600 nicht nur das annahm, -sondern – wie oben erwähnt – seine Süderstreckung für weit geringer -hielt, als sie in der That ist. Naturgemäss ergab aber diese irrige -Anschauung für Necho eine Anregung mehr, die Fahrt zu befehlen, und für -die Phönizier einen neuen Antrieb, dem Befehle nachzukommen. Sie werden, -von Kap Guardafui durch das rothe, das mittelländische Meer und den -atlantischen Ozean bis zu den Handelsplätzen der Karthager in -Senegambien rechnend, wahrscheinlich angenommen haben, den Umfang des -Erdtheils über die Hälfte hinaus, vielleicht bis zu zwei Dritteln zu -kennen, und es ist klar, dass diese Annahme einerseits sie reizen -musste, auch den Rest zu erforschen, andrerseits ihren Muth für die -gefährliche Reise stählte. Es fordern, wie in manchem andern Punkte, so -auch in dieser Beziehung die Fahrten der Portugiesen an der Westküste -Afrikas im 15. Jahrhundert zu einem Vergleich heraus. Tappend von einer -Station zur andern, suchten sie vorsichtig und bedächtig ihren Weg und -haben über siebzig Jahre gebraucht, um bis an das Kap der guten Hoffnung -zu gelangen, dann aber legten sie den Rest des Seeweges nach Indien, -ihres Sieges gewiss, in kurzer Zeit zurück. Aehnlich haben wir uns auch -das Vorgehen der Phönizier zu denken. Jahrhunderte lang wird es gedauert -haben – und bei dem damaligen unentwickelteren Standpunkte der Seefahrt -ist das begreiflich – bis dieselben einerseits mit ihren Vettern vom -Bagradas über das Mittelmeer bis nach Senegambien, andrerseits allein -auf dem rothen Meere bis Bab-el-Mandeb vorgedrungen sind. Nachdem sie an -letzterem Orte lange Zeit Handel getrieben hatten, mag in Folge äusserer -Veranlassung, vielleicht halb durch Nechos Befehl geweckt, halb aus -anderen gleich zu erwähnenden Gründen, die Lust in ihnen erwacht sein, -den Rest Libyens zu umsegeln, und in der Voraussetzung, der Erdtheil -schlösse viel weiter im Norden ab, als er es wirklich thut, werden sie, -belebt von der sicheren Hoffnung des Gelingens, wie nach ihnen Vasko da -Gama, den vermeintlich kurzen Weg angetreten und, trotzdem er sich wider -Erwarten lang erwies, glücklich vollendet haben. Den angedeuteten -anderen Gründen dürfte es nun passend erscheinen, ein paar Worte zu -widmen. Zunächst war es gefährlich, dem Befehl eines Despoten – und ein -solcher war doch zweifellos auch Necho – nicht Folge zu leisten; das -Schicksal des Sataspes zeigt dies zur Genüge. Dazu kommt, dass, wenn -nicht alles täuscht, des Königs Aufforderung die Phönizier getroffen -haben wird, als sie sich selbst mit dem Gedanken, über Kap Guardafui -hinaus die Fahrt zu versuchen, bereits vertraut gemacht hatten; es wird -also zu einem längst von ihrer Seite geplanten Unternehmen der Pharao -den äusseren Anstoss gegeben haben. Dass aber gerade damals den -Phöniziern der Gedanke nahe gelegt wurde, eine Probefahrt in bisher -unbekannte Gegenden zu unternehmen, um eventuell ihr Handelsgebiet über -diese auszudehnen, lag in den politischen Verhältnissen begründet. In -den ältesten Zeiten gehörte ihnen das mittelländische Meer unumschränkt, -und ohne Konkurrenz befuhren sie es von einem Ende zum andern. Das hatte -sich aber in den letzten Jahrhunderten, die vor Necho liegen, sehr zu -ihrem Nachtheile geändert. Mehr und mehr fing die griechische Seemacht -an, den Kampf um das Prestige siegreich aufzunehmen, weiter und weiter -spann sich das Netz, mit dem hellenischer Unternehmungsgeist und -hellenische Thatkraft die Ufer des Mittelmeeres kolonisirend überzogen, -und ums Jahr 600 v. Chr. war der östliche Theil dieser früher -ausschliesslich phönizischen Domäne bereits verloren, der westliche -schwer bedroht. Schon um die Mitte des siebten Jahrhunderts war Koläos -von Samos durch die Säulen des Herakles nach Tartessos verschlagen -worden[205], und der Schätze, die er mitbrachte, waren so viele, dass -der zehnte Theil hinreichte, ein grosses Weihgefäss von Erz im Tempel -der Hera zu Samos aufzustellen. Er war der erste Hellene, der den -atlantischen Ozean beschifft, der den wichtigsten Marktplatz der -Phönizier besucht hatte. Dass nach solchen Erfolgen die Griechen den -Westen des Mittelmeeres mehr frequentiren würden, dies vorauszusehen, -bedurfte es keiner prophetischen Beanlagung, und in der That wurde schon -im Jahre 628 im Westen Siziliens Selinus gegründet[206]. Das -Naturgemässe würde nun gewesen sein, die Phönizier hätten ihre Schiffe -bemannt und mit des Schwertes Schärfe ihre vermeintlichen Ansprüche den -Eindringlingen gegenüber zur Geltung gebracht; doch nichts derartiges -geschah. Semiten sind geschmeidig; der Druck, der ihnen die Waffen in -die Hand zwingen soll, muss schon ziemlich stark sein, und alles, was -phönizisch hiess oder nur entfernt von Phöniziern seinen Ursprung -ableitete, war Krämervolk und huldigte der Politik der Duldung. Wir -sehen es an der Geschichte der Karthager. Waren sie schneidige Leute, so -mussten sie, als das erste griechische Schiff durch die Strasse zwischen -Sizilien und Afrika fuhr, diesen Vorfall als einen casus belli -betrachten und eine Monroe-Doktrin des Alterthums aufstellen, indem sie -mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln die Einmischung der -hellenischen Osthälfte der damaligen Mittelmeerwelt in ihre westlichen -Gebiete zurückweisen. Sie thaten es nicht. Erst als sich ums Jahr 537 -die Phokäer in Alalia auf Korsika niedergelassen hatten und der Handel -dieser griechischen Kolonie den Puniern aufs ernstliche gefährlich zu -werden schien, verbündeten sie sich mit den Etruskern zu einem -Waffengang gegen die Fremdlinge und zwangen sie durch eine Seeschlacht, -ihre Ansiedlung aufzugeben[207]; dann aber trat wieder Ruhe ein, und -erst 60 Jahre später entbrannte auf der ganzen Linie der Kampf zwischen -der phönizischen und der hellenischen Welt, als Xerxes an der Spitze -seiner Flotte gegen das griechische Mutterland zog und gleichzeitig die -Karthager die von dort ausgegangenen sizilischen Kolonieen bedrängten. -So weit war man zu Nechos Zeit aber noch lange nicht, und keineswegs -dachten damals die Phönizier an gewaltsame Abwehr; sie versuchten -vielmehr sich Ersatz zu schaffen für die verloren gegangenen -Handelsgebiete, und bei einem Volke, dessen Schiffer gewohnt waren, die -weiten Wege nach Indien und Britannien ohne Furcht zurückzulegen, ist -ein solcher Entschluss in der That weniger wunderbar, als er auf den -ersten Blick erscheinen mag. So mochten sie leicht auf den Gedanken -einer Umsegelung Afrikas verfallen, und wir werden schwerlich irren, -wenn wir behaupten, dass Necho, in seinen Plänen vielleicht von den -Phöniziern beeinflusst, ausgesprochen hat, was diese längst wünschten, -ja, dass die Fahrt binnen Kurzem zu Stande gekommen wäre, auch wenn er -sie nicht befohlen hätte. Die ganze Lage drängte dazu, und es war nur -natürlich, dass die Phönizier sich anderen Meeren zuwandten, da sie das -mittelländische nicht behaupten konnten oder wollten. Bis zu Nechos Zeit -wird ihr Seeverkehr über Bab-el-Mandeb hinaus nicht sehr lebhaft gewesen -sein. Was ihnen an der Pforte des Mittelmeeres zum atlantischen Ozean -fehlte, ein Stapelplatz für die aus weiter abliegenden Ländern -einzuführenden Waren – denn darüber, dass Gades etwa für die Produkte -der Kassiteriden und anderer westlicher Gebiete dies gewesen sei, ist -nichts überliefert – das hatten sie an dem Thor, welches den Verkehr mit -dem indischen Meere vermittelte, in dem Lande Punt. Hierher wurden die -Erzeugnisse Indiens, auch nachdem die Phönizier den Seeweg dorthin -gefunden hatten, jedenfalls öfters von den Händlern des produzirenden -Landes gebracht, als jene sie holten; auch die Waren, welche die in der -Nähe von Bab-el-Mandeb gelegenen afrikanischen Küstenorte -ausführten[208], strömten hier zusammen, und dass es mit den -Handelsartikeln der weiter südlich liegenden produktenreichen Länder -wahrscheinlich ebenso der Fall war, haben wir schon oben gesehen. Daher -gingen selten Schiffe aus dem rothen Meere in den indischen Ozean -hinaus, wie Strabo, der doch weit später lebte (um Chr. Geb.), dies noch -von seiner Zeit berichtet[209]; geschah es dennoch, erregte es Aufsehn, -und wenn die Nachricht von der phönizischen Umsegelung Afrikas der -Nachwelt erhalten ist, so mag dies als einer der Gründe dafür angesehen -werden. War also bis zu Nechos Zeit der östliche Seehandel der Phönizier -im Wesentlichen auf Punt beschränkt und griff höchstens ab und an nach -Indien hinüber, so lenkte dieses Königs Gewinnsucht ihn in neue Bahnen. -Ob es ein Versuch ins Blaue hinein war, oder ob ihm die Erreichung -bestimmter Gegenden als Ziel vorschwebte, kann unentschieden bleiben. -Unmöglich ist das Letztere nicht, denn an der Westküste Afrikas waren -durch phönizische und karthagische Expeditionen allerlei reiche Länder -bekannt geworden, mit denen in Verbindung zu treten Necho reizen konnte. -Es lag nun aber nicht fern zu fürchten, dass ihm der ungehinderte -Verkehr dorthin auf der nächsten Strasse, der des Mittelmeeres, verlegt -werden könnte; so kam er auf den Gedanken zu versuchen, ob das Ziel -nicht auch durch Umsegelung Afrikas im Süden zu erreichen sei. Da Necho -wahrscheinlich meinte, die Küste Libyens ziehe gleich beim Kap Guardafui -nach Westen, lässt sich sein Plan verstehen. Wenn er recht hatte, war -der Weg von Punt bis Senegambien um Südafrika herum in der That kaum -weiter als der von den Nilmündungen durch das mittelländische Meer -dorthin. Was nun die Sperre der nördlichen Strasse anbetrifft, so glaubt -Maspéro[210], die ersten Entdecker jener Länder an der Westküste, -Phönizier und Karthager, würden schwerlich den mediterranen Verkehr -ägyptischer Schiffe nach ihren Ansiedlungen, den sie leicht hindern -konnten, gestattet haben. Mir erscheint dies fraglich, da doch -Landsleute sie führten; weit eher könnte es, wie oben gezeigt, die -wachsende Seemacht der Griechen gewesen sein, die ihn befürchten liess, -dass für Phönizier die Fahrt auf dem Mittelmeere in Kürze ihr Ende -erreicht haben möchte. So war Aegypten unter König Necho hinsichtlich -dieser westafrikanischen Gebiete in einer ähnlichen Lage wie das -Abendland seit dem Vordringen der türkischen Horden nach Vorderasien in -Bezug auf Indien; war im Mittelalter der nächste Weg nach diesem Lande -durch die Söhne der hinterasiatischen Steppe verlegt, so bedrohte im -Alterthum den in jene Gebiete die Eifersucht der griechischen Seefahrer. -In beiden Fällen blieb als Auskunftsmittel die Umsegelung Afrikas im -Süden. Mag man also über die Beweggründe Nechos denken, wie man will: -Gewinnsucht, die auri sacra fames, ist höchst wahrscheinlich nicht die -geringste der Triebfedern zu dieser, wie zu so vielen andern Thaten -gewesen, und wie dem Kolumbus bei seiner epochemachenden Entdeckung als -Ziel die Gestade Zipangus, des Goldlandes Marco Polos, vorschwebten, so -sind die ersten Umsegler Afrikas möglicherweise durch die Schätze -Senegambiens zu ihrer abenteuerlichen Reise verlockt worden. - - - - - Folgenlosigkeit der Fahrt. - - -Trotz der grossen Hoffnungen aber und der weit ausschauenden Pläne, -welche Necho und die Phönizier mit dieser Fahrt verknüpften, ist sie -doch nicht nur für die allgemeine Weltgeschichte, sondern auch für die -des ägyptischen Landes ohne alle Folge geblieben; es zeigt sich uns hier -einer jener Fälle, wo einer wirklich grossen That der gebührende Lohn -versagt geblieben ist. Alle diejenigen aber, welche geneigt sind, aus -was für Gründen immer, der Nachricht Herodots mit Zweifeln -gegenüberzutreten, haben sich aus dieser Folgenlosigkeit eine Waffe -geschmiedet, der allerdings auf den ersten Blick die Fähigkeit, schlimme -Wunden zu schlagen, nicht abgesprochen werden kann, die aber bei -sorgfältigerer Prüfung sich doch als stumpf und nur zu einem -Scheingefecht verwendbar erweist. Betrachten wir die Sachlage etwas -eingehender! Der erste Grund, den die Gegner geltend machen, ist der, -dass kein Schriftsteller des Alterthums von dieser Umsegelung weiss, es -sei denn, dass er die Nachricht aus Herodot entlehnt hätte. Sie -argumentiren nun, ein so wichtiges Ereigniss habe nicht ganz vergessen -werden können, und daraus, dass keiner es erwähne, sei mit Sicherheit zu -schliessen, dass keiner daran geglaubt habe[211]. Die ganze Erzählung -von der Umsegelung sei also eine Fabel oder bezöge sich im günstigsten -Falle auf einen Versuch, gegen dessen Gelingen das Schweigen der alten -Quellen auf das beredteste spräche[212]. Sicherlich kann man nun aber -daraus, dass nur einer irgend ein Ereigniss kennt, nicht schliessen, -dass es überhaupt nicht stattgefunden habe; manchmal wird es bei -genauerer Prüfung sogar auffällig erscheinen, dass dieser eine es kennen -gelernt hat, und der Fall scheint mir hier vorzuliegen. Es ist, eben -weil die Fahrt ohne jede Nachwirkung geblieben war, einerseits als ein -besonders glücklicher Zufall zu betrachten, dass die Priester bei -Herodots Anwesenheit in Aegypten sich der vor 150 Jahren gemachten Reise -erinnerten, andrerseits ist es wunderbar, weil diese Gewährsmänner aus -Gründen, die später zu erörtern sein werden, selbst die Thatsachen nur -oberflächlich kannten und anzunehmen ist, dass schon um die Mitte des -fünften Jahrhunderts v. Chr. bei jedem Fehlen eines greifbaren Erfolges -die ganze Geschichte nicht viel mehr als ein dunkles Gerücht gewesen -sei. Wenn nach dieser Zeit Griechen, die Aegypten bereisten, etwa durch -Herodots Erzählung angeregt, nach der Sache fragten, haben sie sicher -nichts erfahren: die späteren Generationen hatten selbst keine Kenntniss -davon. Es könnte hiergegen eingewendet werden, dass die Bewohner des -Nilthales doch von den Grossthaten ihrer Könige aus viel früherer Zeit -zu berichten wussten, aber es waren ja eben Aegypter gewesen, die jene -vollbracht hatten, und – mochten die alten Erzählungen nun Wahres oder -Unwahres berichten – jene Nachrichten waren eben so viele Blätter in dem -Ruhmeskranze der ägyptischen Geschichte. Welchen Glanz konnte aber der -Vergangenheit ihres Landes diese Heldenthat phönizischer Schiffer -verleihen, zu welcher der Pharao doch höchstens die Anregung gegeben -hatte, bei der alle Mühen und Gefahren aber von Fremden erduldet worden -waren, denen naturgemäss deshalb auch der Ruhm und die Ehre gebührte? -Man hatte – durch die Brille ägyptischer Selbstsucht gesehen – demnach -wenig Interesse daran, dieser Fahrt eine länger dauernde Erinnerung zu -widmen. Unser Gewährsmann, der doch persönlich am Ausgangspunkte der -Expedition war und ihr zeitlich im Verhältniss zu den andern Historikern -und Geographen des Alterthums nahe stand, erfuhr also wenig genug, und -das ist nicht auffällig; eher wäre denkbar, dass vor Herodots Zeiten -dieser oder jener Grieche, der sich in Aegypten aufhielt, Genaueres von -der Reise gehört hätte; ist es denn aber wunderbar, wenn bei dem -gänzlichen Mangel einer griechischen Historiographie in jenen Zeiten -weiteren Kreisen davon nichts bekannt wurde? - -Man hat ferner erwähnt, der Umstand, dass nach der Zeit, in welche die -Umsegelung gesetzt wird, der Standpunkt der geographischen Kenntnisse -genau derselbe geblieben, dass auch nicht der geringste Fortschritt auf -diesem Gebiete zu konstatiren sei, lege es nahe, die Fahrt der Phönizier -als nicht geschehen zu betrachten. Eine genauere Prüfung wird die -Hinfälligkeit auch dieses Grundes erweisen. Zugegeben muss -selbstverständlich werden, dass weder Herodot, noch manche spätere dies -Gebiet berührende Schriftsteller des Alterthums eine Ahnung von der -südlichen Ausdehnung und wahren Gestalt Afrikas hatten. Die alten -Geographen kannten zwar natürlich die Erzählung von der Umsegelung des -Erdtheils und wussten wohl, dass er sich bis in eine Gegend erstrecken -solle, wo die Sonne dem an der Südküste von Osten nach Westen Fahrenden -mittags zur Rechten erscheinen konnte; es war das aber – wie ihnen -bekannt – für einen Theil des Jahres schon der Fall, wenn er sich bis -über den Wendekreis des Krebses ausdehnte, und indem sie ihn bei ihren -Kartenentwürfen soweit verlängerten, glaubten sie der Nachricht Herodots -genüge zu thun. Wir konstatiren bei dieser Gelegenheit, dass aus den -verkehrten Anschauungen über die Süderstreckung des Erdtheils, die wir -bei nachherodoteischen Geographen des Alterthums finden, also keineswegs -– wie es thatsächlich geschehen ist – geschlossen werden darf, dass -diese sämmtlich jene Erzählung für eine Lüge ansahen; sie konnten -dieselbe für wahr halten, konnten glauben, dass der Schiffer die Sonne -im Norden erblickt, und doch den Erdtheil nördlich vom Aequator seinen -Abschluss finden lassen. Und selbst die Besten haben sich in dieser -Beziehung die verkehrtesten Bilder gemacht. So denkt sich noch Strabo -Libyen als ein rechtwinkliges Dreieck, dessen lange Kathete am -Mittelmeer liegt, und dessen kurze sich in der Richtung des Niles -erstreckt, während die Hypotenuse etwa von Gibraltar nach Südosten -verläuft. Die Südspitze des Erdtheils verlegt er etwa unter den 10. Grad -n. Br.[213]. Eine andere beliebte Annahme war die, dass Südafrika sich -nach Osten hin mit Vorderindien verbinde und also der indische Ozean ein -Binnensee sei. Schon Hipparchus von Nikäa, der zu Alexandria lehrte (um -200 v. Chr.), hat sich dieser irrigen Vorstellung hingegeben, und wenn -auch Strabo und Posidonius dieselbe verwarfen, so haben doch Polybius, -Marinus von Tyrus und endlich Claudius Ptolemäus sie vertheidigt[214]. -Polybius, einer der hervorragendsten Geographen des Alterthums, -behauptet geradezu, dass Afrika „in Aethiopien“ mit Asien -zusammenhänge[215], woraus klar hervorgeht, dass zu seiner Zeit nicht -einmal der Verlauf der Ostküste des Erdtheils unmittelbar südlich von -dem heutigen Kap Guardafui bekannt war, denn hier beginnt ja Aethiopien -nach der Anschauung der Alten[216]. Auf diesen Gründen fussend, hat nun -die Zweifelsucht den Kampf eröffnet, freilich, wie wir gleich sehen -werden, ohne Aussicht auf Sieg. Plinius erzählt uns nämlich[217], dass -Ptolemäus Philadelphus der erste gewesen sei, der Troglodytice – d. i. -die Westküste des rothen Meeres – genauer untersuchen liess. Nun hatten -aber an dieser Küste entlang die Aegypter nicht Jahrhunderte, nein, -wahrscheinlich Jahrtausende hindurch Schifffahrt nach Punt getrieben und -sie dabei ohne Zweifel bis ins Kleinste hinein kennen gelernt. Wenn nun -jener König Veranlassung nahm, ein Land aufs neue erforschen zu lassen, -das man 1000 Jahre und früher, bevor er zur Regierung kam, schon -gründlich gekannt hatte, wenn noch in den letzten Zeiten vor der -Perserherrschaft diese Kenntniss durch neue Fahrten in jener Richtung -völlig gesichert erscheint, so geht daraus hervor, dass in den Wirren, -welche mit dem Zuge des Kambyses für Aegypten begannen, die früher -erworbene Kunde wieder verloren gegangen war. Wenn das aber dem Lande -Troglodytice geschehen konnte, so ist nicht einzusehen, warum es nicht -auch die weiter südlich gelegene Ostküste Afrikas hätte treffen sollen. -Die Kenntniss jener Gegenden, wohl nur durch die eine phönizische Fahrt -vermittelt, war sicherlich weit oberflächlicher als die hinsichtlich -Troglodytices erworbene; konnten die hochgehenden Wogen des Stromes der -politischen Ereignisse diese fortreissen, so war es kein Wunder, wenn -jene ihnen nicht hatte widerstehen können. Daraus also, dass die -Ostküste Afrikas südlich vom Kap Guardafui zur Zeit des Polybius -unbekannt war, kann unmöglich geschlossen werden, die phönizische -Expedition habe nicht stattgefunden. Wenn aber feststeht, dass man -später in Aegypten von der Umsegelung nichts mehr hat wissen wollen, -wenn besonders betont worden ist, dass auch die grossen Geographen der -alexandrinischen Schule an die Wahrheit der herodoteischen Erzählung -nicht geglaubt haben[218] – vor allen andern wird Claudius Ptolemäus, -der ebenfalls den indischen Ozean in ein asiatisch-afrikanisches -Binnenmeer verwandelte[219], als Zeuge für die Ansicht der Gegner -aufgeführt. Und in der That ist einerseits nicht darüber zu streiten, -dass er die Erzählung gekannt, andrerseits, dass er ihr keinen Glauben -beigemessen hat. Der Grund seines Zweifels hat freilich wohl weniger in -Bedenken gelegen, die er in Bezug auf die Wahrheitsliebe Herodots hegte, -als vielmehr in der häufig wiederkehrenden Anschauung, dass das -Gleichgewicht der Erdkugel ohne ein grosses antarktisches Festland, -welches den um den Nordpol lagernden Landmassen entspräche, nicht -aufrecht erhalten werden könne. An die Existenz eines solchen Landes, -das sich mit Südasien und Südafrika verbinden sollte, mag Ptolemäus -geglaubt haben, wie nach ihm noch so viele, bis gegen das Ende des -vorigen Jahrhunderts Cooks zweite Reise das Phantastische dieser -Hypothese nachwies. Trotzdem könnten wir uns wundern, dass er einer -solchen blossen Vermuthung zu Liebe durch seine Konstruktion des -afrikanischen Festlandes der herodoteischen Ueberlieferung die Wahrheit -bestritt, wenn wir nicht wüssten, dass er sich auch andern -hochbedeutenden und völlig gesicherten Resultaten wissenschaftlicher -Forschung gegenüber ablehnend verhielt. So hatte vier Jahrhunderte vor -ihm Aristarchos von Samos die Lehre von einem heliozentrischen -Weltsystem aufgestellt und niemand wird bezweifeln, dass sie Ptolemäus -bekannt war. Wenn dieser Gelehrte nun trotzdem auf den geozentrischen -Bau zurückging, werden wir deswegen doch gewiss nicht annehmen, dass der -samische Astronom Falsches gelehrt, sondern vielmehr, dass sein Gegner -geirrt habe. Ein Mann aber, der solche Irrthümer beging, wird durch -seine abweisende Haltung schwerlich Zweifel an dem Faktum der Umsegelung -Afrikas in uns wachrufen können; es ist ihm hier gegangen, wie mit dem -Sonnensystem: hat er nicht geschlafen, so hat er doch geschlummert. Wir -erkennen also in der ptolemäischen Gestaltung Afrikas nur einen -bedauerlichen Irrthum, einen Rückschritt der geographischen Erkenntniss, -der dadurch verschuldet wurde, dass jener Gelehrte die zur Zeit des -Königs Necho bereits geglückte Lösung eines schwierigen Problems nicht -anerkannte. Diese Negierung darf uns aber keineswegs stutzig machen und -etwa erneute Zweifel an der Wahrheit des von Herodot Mitgetheilten in -uns wachrufen. Ein derartiges Zurückversinken in unreifere Anschauungen -steht in der Geschichte der Geographie leider keineswegs vereinzelt da; -brachten uns doch die Zeiten der ersten christlichen Geographen „das -drückende Schauspiel eines Verfalls der Wissenschaft und ihres -Zurücksinkens in das Kindesalter der jonischen Schule“[220]. Sehen wir -doch hier unter dem Einfluss der naiven Darstellungen der Bibel die Erde -aus einer Kugel wieder zur gewölbten Scheibe werden, deren Mittelpunkt -die heilige Stadt Jerusalem ist, wie einst den Griechen ihr Apollositz -Delphi „der Nabel der Erde“ war, und über ihr die Engel die Gestirne am -Himmel hinauf- und herabführen und dafür sorgen, dass Tag und Nacht sich -richtig ablösen und dann und wann zur Unterbrechung des monotonen -Einerlei eine Sonnen- oder Mondfinsterniss in Szene geht[221]. Es wird -schon aus diesen Ausführungen, wie ich denke, klar hervorgehen, dass der -Mangel an Erweiterung unseres geographischen Horizontes in Folge der -phönizischen Fahrt uns keineswegs veranlassen darf, an dieser selbst zu -zweifeln; wenn sie aber nach dieser Richtung hin ohne alle Folgen blieb, -so liegt ein anderer Grund wohl noch in dem Umstande, dass die Phönizier -sich schwerlich Zeit genommen haben, die Küsten und die Lage des -Erdtheils im Vorbeifahren auch nur oberflächlich aufzunehmen, ganz -abgesehen davon, dass sie zur Anfertigung einer nur halbwegs richtigen -Skizze jedenfalls nicht annähernd befähigt waren. So werden sie auf die -Frage, wie weit sich Afrika nach Süden erstrecke, selbst nicht im Stande -gewesen sein, genaue Auskunft zu geben; die Nachwelt blieb darüber erst -recht im Dunkeln und konnte, da neue Fahrten in das Südmeer nicht -unternommen wurden, noch lange meinen, der Erdtheil reiche nur etwa bis -in die Nähe des Aequators. Als man dann später über die weite südliche -Ausdehnung Afrikas mehr und mehr ins Klare kam, diente diese Erkenntniss -naturgemäss der Ansicht zur Stütze, dass die ägyptische -Priestererzählung eine Fabel gewesen sei, gedichtet auf Grund der -früheren irrigen Vermuthung über jenen Punkt, die ja allerdings eine -Umschiffung weit leichter erscheinen lassen musste, als sie es in -Wirklichkeit war[222]. Auffallend ist bei diesen Erwägungen für den -modernen Menschen vor allem das Eine, dass zur Zeit der Ptolemäer – also -nach 300 Jahren –, wenn wir die Gelehrtenkreise, denen das Werk Herodots -bekannt war, ausnehmen, augenscheinlich niemand von der Umsegelung etwas -wusste, und auf den ersten Blick könnte ein gewisses Erstaunen über -diesen Umstand berechtigt erscheinen, wenn man die Verhältnisse der -neueren Zeit in Betracht zieht. Eine so kühne Seereise, in den letzten -Jahrhunderten unserer Zeitrechnung unternommen, würde nicht nur niemals -der Vergessenheit anheimfallen können, sondern vielmehr jedem halbwegs -Gebildeten unbedingt geläufig sein. Um aber ein richtiges Urtheil zu -gewinnen, dürfen wir nicht an den unendlichen Reichthum der -litterarischen Publikationsmittel, wie er uns heute zu Gebote steht, -denken, sondern müssen uns die im wesentlichen auf mündliche Tradition -angewiesene Zeit des Königs Necho vergegenwärtigen; erst dann werden wir -uns klar machen können, wie es möglich war, dass die Erinnerung an diese -Fahrt nur durch Vermittlung einer einzigen, und noch dazu so spärlich -fliessenden Quelle auf uns gekommen ist und die Nachricht von einer -hochinteressanten, wenn auch wissenschaftlich und politisch folgenlosen -Begebenheit nach 300 Jahren schon vergessen sein konnte. - -Der Fall, dass an und für sich bewundernswerthe Expeditionen folgenlos -verliefen, steht übrigens nicht so vereinzelt da, wie man bei -oberflächlicher Betrachtung glauben sollte, und keinenfalls wird es -gestattet sein, daraus, dass die phönizische Fahrt ohne weitere -Nachwirkung geblieben ist, den Schluss zu ziehen, sie habe überhaupt -nicht stattgefunden. Wir brauchen uns nur im Herodot umzusehen, so -finden wir für diese Behauptung gleich einen Beweis: die Wanderung der -Nasamonen, so kühn sie war, blieb ohne Folgen; wir lesen wenigstens -nirgends, dass durch sie Handelsbeziehungen mit den Stämmen jenseits der -Wüste angeknüpft wären. Und wenn wir an die drei grossen -Entdeckungsfahrten denken, welche die alte Welt von ihrem Zentrum, dem -Mittelmeer, aus zur Erforschung der begrenzenden Erdtheile ausgesandt -hat – die des Pytheas von Massilia nach dem Norden, Alexanders des -Grossen in östlicher Richtung und der Phönizier dem Süden zu – so finden -wir, dass es nur dem einen Alexander geglückt ist, die von ihm -eröffneten Gebiete als Vertreter vorgeschrittener Staatskunst und -höherer Bildung durch äussere oder geistige Bande dauernd mit jenem -Mittelpunkte der Kultur zu verbinden. Den Ländern, welche Pytheas -besuchte, vermochte der verwegene Forscher ein gleiches Glück nicht zu -schaffen; geschichtlich sind seine Reisen so folgenlos geblieben wie die -Fahrt der Phönizier. Wer aber vorzieht, eine ausschliesslich maritime -Expedition zum Vergleiche zu wählen, den erinnere ich an die erste -Erkundung Amerikas, die bekanntlich von normannischen Schiffern ausging; -auch sie ist der Umsegelung Afrikas in so fern ähnlich, als sie für den -Gang der Geschichte so gleichgültig geblieben ist, dass Christoph -Kolumbus mit Recht von aller Welt als der wahre Entdecker gepriesen -wird. Und ist es nicht begreiflich genug, dass die Normannen dem -genuesischen Kapitän ihren Ruhm haben abtreten müssen, da die Küsten -Winlands nicht jene Edelmetalle hervorbrachten, welche den Ländern -Mittelamerikas Jahrhunderte lang als Magnet für die Bevölkerung Europas -gedient und somit die ersten näheren Beziehungen zwischen der alten und -der neuen Welt vermittelt haben? Aber eben so wenig wie die nordischen -Schiffer fanden die Phönizier auf ihrer Fahrt – so weit wir wissen – ein -besonders reiches Land, wie es später Vasko da Gama glückte, der -dieselbe Strasse, aber in entgegengesetzter Richtung, segelte. So preist -man, gleich dem Kolumbus, auch jenen Portugiesen; die Phönizier aber -theilen das Schicksal der Normannen. Es dürfte sich übrigens empfehlen, -wenn wir zu einem richtigen Urtheil über die Folgenlosigkeit der -phönizischen Expedition gelangen wollen, die Parallele zwischen ihr und -der Fahrt des Vasko noch etwas weiter zu ziehen. Leitete die letztere -einen dauernden Verkehr zur See mit Ostindien ein, eine Folge, die als -selbstverständlich erscheint, wenn man bedenkt, dass die von dort -bezogenen Handelsartikel den Europäern längst Bedürfniss geworden, aber -durch das Erscheinen der Türken in Vorderasien der Ueberlandweg -verschlossen war, wenn man ferner erwägt, dass die Eröffnung des neuen -Weges nach jenen reichen Gegenden den Beweggrund für die nautischen -Anstrengungen der Portugiesen während des ganzen 15. Jahrhunderts -gebildet hatte und dies Volk im Vollgefühle seiner eben gegen die Mauren -erkämpften nationalen Selbständigkeit sich nach gewinnbringenden -Beziehungen zur Fremde sehnte, so stand es in dieser Hinsicht mit den -Folgen jener von Necho veranlassten Reise wesentlich anders. Auch die -Phönizier werden freilich nach reichen, zur Kolonisation geeigneten -Landstrichen ausgeschaut haben, ohne dass uns überliefert ist, sie -hätten solche gefunden; wenn es aber auch der Fall war, in dem andern -Punkte sind sie jedenfalls nicht gleich glücklich gewesen: es kamen für -Aegypten und damit doch auch für die Phönizier im Delta bald Zeiten, wo -die traurigen politischen Verhältnisse der Heimath ihnen den Gedanken an -grössere Unternehmungen nach aussen hin fern halten mussten und sie -selbst und ihre Mit- und Nachwelt um die Folgen ihrer kühnen That -betrogen. Auch an die Holländer möchte ich erinnern, die bald nach 1600 -den Erdtheil Australien berührten, eine Entdeckung, die so wenig -Einfluss auf die Kulturvölker geübt hat, dass beinahe noch zwei -Jahrhunderte verflossen sind, bis dieser Kontinent – durch James Cook – -in die Geschicke der zivilisirten Welt verflochten wurde. Wer darf sich -da wundern, wenn im Alterthume, wo der Schauplatz der Geschichte sich -sehr allmählich erweiterte, wo noch Jahrhunderte nach Necho das kleine -Becken des Mittelmeeres und die dieses begrenzenden Länder im -wesentlichen die historisch wichtigen Ereignisse zeitigten, von einer -Wiederholung der Umsegelung Afrikas nichts gemeldet wird und im -Mittelalter, das zunächst durch eine Umgestaltung aller politischen -Verhältnisse, sodann durch den Riesenkampf gegen den Muhammedanismus -vollauf in Anspruch genommen wurde, sich erst ganz am Ende Gelegenheit -fand, Südafrika in die Interessensphäre der gebildeten Welt zu ziehen, -so dass es im ganzen zwei Jahrtausende gedauert hat, bis das Nadelkap -aufs neue umsegelt wurde! Es ist dem Alterthume mit dem Wege um Afrika -gegangen, wie den letzten Jahrhunderten mit der Passage der sogenannten -nordwestlichen Durchfahrt. Necho strebte danach, eine Verbindung -zwischen dem rothen und dem mittelländischen Meere durch die Umsegelung -herzustellen, die Neuzeit aber hoffte, den Weg um Nordamerika zu finden -zum Zwecke eines bequemeren Verkehrs zwischen dem atlantischen und dem -grossen Ozean. Beide Versuche ereilte dasselbe Geschick: während -einerseits die Möglichkeit nachgewiesen wurde, stellte sich andrerseits -heraus, dass für Handel und Verkehr nichts zu hoffen sei, für das -Alterthum, weil der Weg um Afrika in anbetracht der damaligen -beschränkten Verhältnisse des Schauplatzes der Weltgeschichte zu weit -war, für die Neuzeit wegen der Ungunst des Klimas in den Gegenden -nördlich vom amerikanischen Kontinent. Man mag also die Sache -betrachten, wie man will, ruhiger Ueberlegung wird die Folgenlosigkeit -der phönizischen Expedition nicht als Grund zum Zweifel an ihr -erscheinen. - -Es dürfte sich empfehlen, den Beweis für diese Behauptung dadurch weiter -zu führen, dass wir auf die angedeutete Entwicklung der politischen -Verhältnisse des unteren Nilthales nach jener Reise einen kurzen Blick -werfen. Er wird uns überzeugen, wie sie nothwendigerweise die -Erweiterung des ägyptischen Handelsverkehrs hinter näher Liegendem -zurücktreten lassen mussten, und wie wenig berechtigt z. B. Mannerts -Staunen[223] über diese Gestaltung der Dinge ist. Nach Nechos -Unterliegen bei Karchemisch erforderten die vitalsten Interessen des -ägyptischen Reiches, den Vorgängen im Osten die gespannteste -Aufmerksamkeit zuzuwenden; das letzte Ziel, nach welchem der Ehrgeiz der -asiatischen Eroberer trachtete, war der Besitz von Memphis aus Theben, -so dass zunächst Nebukadnezar als Gebieter Syriens die Existenz -Aegyptens stets gefährdete[224]. Wie dringlich geboten es war, die -Kräfte des Reiches unzersplittert zur Abwehr bereit zu halten, zeigt der -von Nebukadnezar gegen Amasis geführte Kampf[225], in dem Aegypten noch -seine Selbständigkeit zu bewahren vermochte, und bald darauf der -unglücklichere des Psammenit gegen den Kambyses. Unter so gefährdeten -Verhältnissen wird die Lust an Entdeckungsfahrten begreiflicherweise den -Aegyptern vergangen sein; und wenn sie, wie die Geschichte lehrt, nach -ihrem unglücklichen Perserkriege mehr daran dachten, die Sklavenketten -zu zerreissen, als phantastischen Träumereien von der Beherrschung einer -neuen Welt sich hinzugeben, wie sie die Macht und Herrlichkeit eines -Reiches erzeugt hatte, das nun in Trümmern lag, so ist dies doch gewiss -zu verstehen. Naturgemäss wurden in die wechselnden Geschicke Aegyptens -aber auch die Phönizier im Delta hineingezogen und fanden weder Zeit, -noch Gelegenheit, aufs neue das südafrikanische Meer zu befahren. Nicht -besser erging es den Schwesterstädten im Mutterlande, auch sie kamen -nicht in die Lage, den Spuren ihrer Stammesgenossen zu folgen; bald -sanken sie unter der babylonischen Fremdherrschaft von ihrer Höhe herab, -und später unter den Persern wurden ihre Kräfte durch Darius und Xerxes -in anderer Weise vollauf in Anspruch genommen. Es waren aber diese -drohenden Wolken im Osten nicht allein, die Aegypten von den kaum -gefassten Kolonisationsplänen wieder ablenkten und es unmöglich machten, -dass die phönizische Fahrt irgend welche praktischen Folgen nach dieser -Richtung hinterliess; hinzu trat bald eine allgemeine Zerrüttung der -inneren Verhältnisse. Nachdem Nechos Sohn Psammis einen wohl kaum -erfolgreichen Zug gegen Aethiopien unternommen hatte[226], kam bald der -Enkel Apries zur Regierung, erlag aber binnen Kurzem der Revolution des -Amasis[227]. Unter diesem Könige kommt dann zwar eine neue Blüthezeit, -aber seine Interessen sind besonders auf das mittelländische Meer und -dessen Küsten gerichtet[228]; auch hat er augenscheinlich mehr Sinn für -Architektur und Plastik gehabt, als für die Förderung nautischer -Interessen[229]. Dessen Sohn war Psammenit, unter dem Aegypten von -Persien abhängig wurde. So dachte man an eine Wiederholung der Fahrt -nicht; es ging den Aegyptern in dieser Beziehung wie dem auserwählten -Volke mit seinen Ophirfahrten: innere Wirren und äussere Verwicklungen -haben bei beiden die ersten Blüthen überseeischer Handelsbeziehungen im -Keime erstickt, und als am Nil während eines neuen Aufschwungs das -glänzende Herrschergeschlecht der Ptolemäer die Erbschaft Nechos auch in -geistiger Beziehung antrat, da war im Sturme der Zeit die Spur jener -grossen Tage verweht, und neue Pfade mussten gesucht werden für den -alten Plan, dem ägyptischen Handel auch in der Fremde eine Stätte zu -schaffen. Aber – so wird man einwenden – konnten es denn nur Aegypter -oder Phönizier sein, die, nachdem gezeigt worden war, dass die Passage -um Südafrika möglich sei, nun auch diese Kenntniss praktisch -verwertheten? Ist es nicht auffallend, dass sich kein anderes Volk fand, -welches in dieser Beziehung für sie eintrat, und sind wir nicht -vielleicht berechtigt, aus dieser ablehnenden Haltung den Schluss zu -ziehen, dass die Umsegelung doch am Ende keine ganz verbürgte Thatsache -sei? Erinnern wir uns, um diese Frage zu beantworten, an einige -Verhältnisse der Welt des Alterthums! Wenn Aegypten darauf verfiel, mit -Hülfe der Phönizier seinen Handel in das südliche Meer hinein -auszudehnen, so war das, wie oben auseinandergesetzt ist, aus mancherlei -Gründen begreiflich. Anders lag die Sache für die übrigen Staaten; weit -wichtigere Aufgaben mussten von den sonst noch am Becken des -mittelländischen Meeres ansässigen Völkern erst gelöst werden, und noch -auf Jahrhunderte hinaus hatten sie damit zu thun. Noch viele -Menschenalter hindurch war hier ausschliesslich die Bühne für die -Entwickelung des grossen geschichtlichen Dramas, war hier das Herz, das -Zentrum der damaligen Welt. Und wie klein sind die räumlichen -Verhältnisse dieses Schauplatzes, wie riesengross dagegen die -Entfernungen, welche Südafrika von ihm trennen! Wie nahe waren dagegen -England und Indien; sie lagen, so zu sagen, vor den Thoren des -Mittelmeeres im Verhältniss zum Kap und zur Südwestküste Afrikas. So war -es natürlich, dass diese Länder noch viele Jahrhunderte dem Kreise fremd -blieben, welcher den Ursprung seiner Kultur von den Ufern des -Mittelmeeres herleitete, selbst dann noch, als römische Politik und -hellenische Bildung um die Stämme dieser eng begrenzten Welt ein -äusserliches, wie ein geistiges Band geschlungen hatten und so der -wichtigste Theil ihrer Bestimmung erfüllt war. Wie dürfen wir uns da -wundern, wenn die phönizische Fahrt, die in eine Zeit fällt, wo die -Gegensätze unter jenen Völkern noch unausgeglichen mit einander rangen, -die fernen Länder, die sie berührte, dem Herde der Kultur nicht näher -brachte! Und welche Nation hätte in die Fussstapfen der Phönizier treten -sollen? Die Perser? Sie richteten ihre Blicke mehr nach Westen als nach -Süden, und nach den Niederlagen, welche die Hellenen ihnen beibrachten, -waren sie eines neuen Aufschwungs nicht mehr fähig. Oder die Griechen? -Die heillosen Bruderkriege dieses Volkes liessen eine Erstarkung -desselben nicht zu; nur Alexander, dem sie ja alle gehorchten, hat sich -vielleicht mit dem Plane der Erneuerung jener Fahrt getragen, da warfen -ihn die Götter, neidisch, dass dieses Sterblichen Haupt noch ein neuer -Ruhmeskranz schmücken sollte, aufs Todtenbett. Nun wurden die Römer -Herren des Mittelmeeres. Selbstverständlich konnte man von einem Volke, -dessen Kern in seiner Glanzperiode aus Ackerbürgern bestand, nicht die -nautischen Heldenthaten der Phönizier erwarten; für solch’ unsichere -Unternehmungen waren sie zu praktisch veranlagt und freuten sich -naturgemäss mehr der Furche, die ihr Pflug in der Erde, als derjenigen, -welche der Kiel eines Schiffes in der Meerfluth zog. So stand es im -Alterthume; als dieses aber zur Ruhe gegangen war und am rothen Meere -nun ein neues mächtiges Reich entstand, das der Chalifen, da wurde auch -die alte Tradition dieser Länder wieder lebendig, und Araber segelten -weit nach Süden an der Küste Afrikas entlang. Freilich, ehe sie das -Nadelkap erreichten, sank die Macht des Islam dahin, aber aus der -Zertrümmerung des Maurenreiches der Pyrenäenhalbinsel erwuchs, wie wir -gesehen, den Portugiesen der Muth, nun die gefährliche Fahrt um Afrika -von Westen her zu unternehmen und glücklich zu vollenden. - -Die Folgenlosigkeit jener ersten Umsegelung Afrikas hatte aber wohl noch -andere Gründe. Ein schriftliches Resumé, wie etwa das über den Periplus -des Hanno, welches in den kommenden Geschlechtern die Erinnerung an die -Einzelheiten der Fahrt hätte lebendig erhalten können, ist wohl -keineswegs abgefasst ohne ausdrücklichen königlichen Befehl; die -Phönizier hatten ohne ihn keine Veranlassung dazu. Dass aber ein solcher -Befehl gegeben sein sollte, ist, wie ich bald zeigen werde, nicht gerade -wahrscheinlich. Wenn aber schriftliche Ueberlieferung vollständig -fehlte, wie hätte die Quelle der mündlichen Tradition, die doch auch nur -tropfenweis sickerte, die nachfolgende Zeit mit Gedanken oder Thaten -befruchten können, die als Folgen jener Reise bezeichnet werden dürften? -So mochten bis zu Herodots Zeit Generationen von Priestern dahingegangen -sein, ohne dass man der Expedition eingehender gedachte; die, welche den -Tempeln vorstanden, als unser Schriftsteller in Aegypten war, wussten -selbst nicht viel von ihr, und mit Unrecht wundert sich Vivien de St. -Martin[230], dass er diese wichtige Sache in ein paar Reihen abthut: er -konnte eben nicht mehr erzählen, als er selbst erfahren hatte, und mit -seinen Bitten um weitere Mittheilung, an denen er es gewiss nicht fehlen -liess, wird er durch ein „non possumus“ der heiligen Männer abgewiesen -worden sein. Sie waren gewiss überzeugt, dass die Fahrt stattgefunden -hatte, aber die Einzelheiten derselben waren verschollen[231]. - -Daneben mag noch eine andere Erwägung Platz finden. Ich habe soeben -behauptet, es sei nicht gerade wahrscheinlich, dass König Necho ein -schriftliches Resumé über die Reise verlangt habe. Dieser Ansicht -huldigt auch Wheeler, freilich aus einem ganz anderen Grunde wie -ich[232]; er meint, der Pharao habe, als die Phönizier heimkehrten, noch -in Syrien im Felde gestanden, eine Annahme, die, ganz abgesehen davon, -dass er dann doch später nach seiner Heimkehr den Bericht hätte -einfordern können, nach dem, was wir oben über den muthmasslichen -Zeitpunkt der phönizischen Reise festgestellt haben, entschieden -zurückgewiesen werden muss. Mir scheint ein weit triftigerer Grund für -das Fehlen eines solchen Rapportes über die Erlebnisse jener Phönizier -vorzuliegen: meiner Ansicht nach war bei der Rückkehr derselben ihr -Auftraggeber bereits todt. Den Beweis für diese Behauptung hoffe ich -führen zu können. Wie oben gezeigt, wurde die Expedition wahrscheinlich -erst ganz gegen das Ende der Regierung Nechos ausgesendet. Da nun dieser -König, wie uns Maspéro belehrt[233], bereits betagt war, als er die -Herrschaft antrat, ist es begreiflich, dass ihn, einen Greis, nachdem er -sechzehn Jahre die Krone getragen, der Tod ereilte; als die Phönizier -nach beinahe dreijähriger Abwesenheit heimkehrten, herrschte schon -Psammis. So war es Necho in Bezug auf die Umsegelung Afrikas gegangen, -wie Prinz Heinrich dem Seefahrer; sie starben beide, ehe ihnen die frohe -Kunde wurde, dass ihren Anstrengungen der Erfolg nicht versagt geblieben -sei. Psammis aber sass nur sechs Jahre auf dem Throne und führte in -dieser Zeit einen Krieg gegen Aethiopien[234]; er wird unter solchen -Umständen schwerlich so viel Zeit und Interesse für die phönizische -Expedition gehabt haben, dass er sich über die Erfolge derselben hätte -mündlichen Vortrag halten oder schriftlichen Bericht abstatten lassen, -und da die Phönizier, durch triftige, gleich zu erörternde Gründe -bewogen, unaufgefordert schwerlich redeten, verscholl die Kunde von der -Umsegelung bald. So ist eine neue Erklärung dafür gefunden, dass nichts -auf die Nachwelt kam von all dem Interessanten, das jene kühnen Schiffer -gesehen und erlebt hatten, von all den Wundern, welche eine neue Welt -ihnen erschloss. - -Noch anders versucht Quatremère[235], der selbst meint, dass diese Reise -„quelque chose d’extraordinaire et même de romanesque“ gehabt habe, die -Dürftigkeit des Berichtes zu erklären, indem er darauf hinweist, dass -derartige See-Expeditionen der Alten sich wesentlich von denen der -Neuzeit unterschieden; diese seien wissenschaftlich, jene seien es nicht -gewesen, diesen seien Naturforscher, Physiker und andere Gelehrte zu -allerhand interessanten Beobachtungen beigegeben, jene phönizische habe -vielleicht einen Führer gehabt, ausgestattet mit allerhand für die -damalige Zeit hervorragenden Kenntnissen in der Nautik, aber ohne die -wissenschaftliche Bildung, die ihn in Stand gesetzt hätte, über -Gegenstände, welche diesem Gebiete fremd gewesen seien, Beobachtungen -anzustellen. Dagegen lässt sich aber mit Recht einwenden, dass zum -Verständniss von unendlich vielem, was die Phönizier sahen, sicherlich -ein scharfer Blick und eine gute Auffassungsgabe genügten, -Eigenschaften, deren erstere man den Seeleuten im allgemeinen, deren -letztere man dem mit der Führung einer solchen Expedition betrauten -Kapitän schwerlich wird absprechen wollen; es brauchte das alles ja gar -nicht wissenschaftlich registrirt zu werden. Unbedingt befanden sich die -Phönizier in der Lage, allerhand interessante Mittheilungen zu machen, -sie waren nur nicht geneigt dazu. _Ihre_ Verschwiegenheit, nicht die der -Priester, ist in erster Linie schuld, wenn die späteren Geschlechter -sehr wenige Resultate der Expedition kannten[236]. So waren, um nur dies -eine zu erwähnen, die Schiffer trotz des Fehlens aller bezüglichen -Instrumente möglicherweise in der Lage zu verrathen, dass sich Afrika -weit südlicher erstrecke, als man bis dahin angenommen hatte, aber dies -Wissen blieb ihr Geheimniss, wie ihr ganzer Kurs. Es hat nicht an -Beurtheilern gefehlt, welche aus ihrem Schweigen den Schluss haben -ziehen wollen, sie hätten nichts erzählen können, weil die Reise -überhaupt nicht von ihnen gemacht worden sei, aber mit Recht hat -Quatremère dem gegenüber betont, dass ein Fälscher, der eine derartige -Geschichte hätte erdichten wollen, zweifellos seinen Roman mit tausend -wunderbaren Anekdoten und Einzelheiten ausgeschmückt haben würde, -geeignet, die Neugier der Leser zu befriedigen, und dass die Einfachheit -der Erzählung der beste Beweis für ihre Wahrheit sei. Die Phönizier -waren wenig geneigt zu Mittheilungen, weil sie kluge Männer waren und -wussten, dass Schweigen unter Umständen Gold ist: wollten sie ihre -Handels- und Kolonialinteressen ungestört verfolgen, so durften sie ihre -darauf bezüglichen Geheimnisse nicht preisgeben. Zwar auch diese so nahe -liegende Vermuthung haben die Zweifler nicht gelten lassen wollen, und -Berger spottet über „die allbereite Lehre von den Lügen und der -Verheimlichungspolitik“[237] der Phönizier; es wird uns dies jedoch -nicht hindern, darauf bezüglichen Erwägungen auf den Gang unserer -Untersuchung Einfluss zuzugestehen, sofern sie an der Hand sicher -überlieferter Thatsachen oder fest verbürgter Eigenthümlichkeiten des -phönizischen Charakters angestellt werden. Das Faktum aber, dass die -Phönizier sich Mühe gaben, die von ihnen eröffneten Handelswege nicht -bekannt werden zu lassen, ist nicht nur genügend beglaubigt, sondern -entspricht auch völlig allem, was wir sonst über die Art dieses Stammes -wissen. Es ist nun zwar nicht anzunehmen, dass die Reisenden viele -Schätze als Lohn ihrer Mühen mitbrachten, sonst hätten sie gewiss, um -andere abzuschrecken von unendlichen Mühen und Gefahren erzählt, und wir -besässen ausführlichere Nachrichten über die Fahrt, wenn auch fabelhafte -– haben doch schon im Alterthume, wie wir aus einer Stelle Herodots[238] -vermuthen können, weit gereiste Seeleute wohl öfter die daheim -Gebliebenen mit allerhand Märchen unterhalten –, auch mochte, was sie im -flüchtigen Vorbeifahren von den Gestaden kennen gelernt hatten, kaum zur -Wiederholung der Reise einladen; dass sie aber an den Orten ihres -längeren Aufenthaltes einen günstigeren Eindruck von dem fremden Lande -gewannen, ist wohl anzunehmen, und wir werden schwerlich irren, wenn wir -vermuthen, dass sie an spätere gründliche Untersuchung des Ganzen und -dann vielleicht, wie nach ihnen der Karthager Hanno[239], an die Anlage -von Kolonieen an geeigneten Stellen gedacht haben. Wollten sie lästige -Konkurrenz vermeiden, war Schweigen über ihren Weg und ihre Erlebnisse -natürlich die erste Bedingung, und um so mehr, wenn sie, wie Necho -gehofft haben wird, das Vorhandensein von Gold an der Westküste Afrikas, -vielleicht in Senegambien, wirklich feststellten[240]. „Was einzelne in -glücklichen Fahrten entdeckt hatten, wurde von Handelsvereinen -ausgebeutet“ sagt Curtius[241]; so lag ihnen der Gedanke an die Gründung -einer Gesellschaft zur Bearbeitung der westafrikanischen Minen -vielleicht nicht so fern, wie es auf den ersten Blick scheinen mag. -Wollten sie aber andere ins Vertrauen ziehen, so standen ihnen ihre -Volksgenossen in der Heimath näher als die Aegypter; die Geschichte -kennt ja Beispiele genug für den freundschaftlichen Verkehr zwischen dem -phönizischen Mutterlande und den Kolonieen[242]. Im Grunde werden bei -dem im Alterthume so scharf ausgeprägten Nationalitätsgefühle der -Völker, das alle heterogenen Elemente über die Achsel ansah, die -Phönizier im Delta so wenig ägyptisch gedacht und gefühlt haben wie etwa -die Griechen in Naukratis, und wie diese in dem mächtigen Pharao -schliesslich doch nur einen weit unter ihnen stehenden Barbaren -erblickten, haben auch die Phönizier ohne Zwang ägyptische Männer -schwerlich zu ihren Vertrauten gemacht. Mochte aber auch die Sorge vor -der Konkurrenz dieses Volkes die Phönizier bei der Abneigung desselben -gegen die Seefahrt weniger drücken, wohnten nicht auch Griechen im -Delta, Leute des Stammes, mit dessen Rivalität sie schon die bösesten -Erfahrungen gemacht hatten? Wenn sie daher, wie uns Strabo lehrt[243], -ihre Handelswege überhaupt auf das sorgfältigste geheim hielten, so ist -gewiss zu verstehen, dass sie in diesem Falle doppelt vorsichtig -verfuhren. In hohem Grade unbegreiflich erscheint mir daher -Mannerts[244] Erstaunen einerseits darüber, dass nicht eine richtigere -Erkenntniss wenigstens von der wahren Lage der Küsten aus dieser Fahrt -resultirte und von Herodot ab lange Zeit die Geographen geglaubt haben, -Afrika reiche nicht einmal bis zum Aequator, sowie andrerseits über den -Umstand, dass die Umschiffung nach 150 Jahren nicht viel mehr als eine -Volkssage war[245]. Nichts ist doch verständlicher als diese -handelspolitische Eifersucht der Phönizier, welche sie das, was mit so -grossen Gefahren errungen war, auch allein besitzen lassen wollte. Steht -doch derartiges in der Entdeckungsgeschichte keineswegs vereinzelt da. -Noch in der Neuzeit haben seefahrende Völker die von ihnen erkundeten -Meerespfade und Länder ängstlich vor der Kenntniss etwaiger Konkurrenten -gehütet, wie die Spanier ihre ums Jahr 1600 von Torres und anderen in -der Südsee gemachten Entdeckungen. Doch genug davon; dem objektiven -Beurtheiler werden die angeführten Gründe für die Folgenlosigkeit der -phönizischen Fahrt genügen, wen aber das erwähnte Zusammentreffen von -mancherlei Umständen noch nicht darüber belehrt haben sollte, wie es -kam, dass sich absolut niemand gefunden hat, der unmittelbar nach -Vollendung der Fahrt etwas mehr Einzelheiten über dieselbe zu sammeln -und zu überliefern versuchte, dass von keiner Seite ein Bestreben -hervortritt, diese bewundernswerthe nautische That zu fruktifiziren und -so die auf den verschiedensten Gebieten zu erwartenden Folgen gänzlich -ausblieben, der mag eine endgültige Erklärung dafür in der bekannten -Thatsache sehen, dass es Leistungen giebt, die zu gross sind, um von der -Nachwelt gebührend gewürdigt zu werden. Die Phönizier Nechos sind ihrer -Zeit, welche nicht im Stande war, die Wichtigkeit der Entdeckung zu -verstehen, eben um ein Bedeutendes vorausgeeilt. - - - - - Zusammenstellung des Bisherigen und Uebergang zur Betrachtung der - eigentlichen Fahrt. - - -Nachdem wir so die Charaktere der Träger dieser Nachricht von der -Umsegelung, sowie diejenigen der an derselben hauptsächlich betheiligten -Persönlichkeiten und Völker einer sorgfältigen Prüfung unterzogen, auch -ihre Veranlassungen beleuchtet, den vermuthlichen Zeitpunkt und -Abgangsort festgestellt, das Fehlen aller Folgen erklärt, auch diesen -und jenen andern minder wichtigen Punkt flüchtig berührt und so den -Hintergrund, auf dem sich das ganze Ereigniss abspielt, gezeichnet -haben, bleibt uns zunächst die Aufgabe, einige auf das nautische Gebiet -bezügliche Fragen zu erörtern, deren richtige Beantwortung uns über die -Möglichkeit, die Fahrt glücklich zu vollenden, neue Aufschlüsse geben -wird. - -Zwei Faktoren, denen bei jeder Seereise die allerhöchste Bedeutung -beigelegt werden muss, sind Wind und Wellen. So wird es -selbstverständlich auch für uns von Wichtigkeit sein, wenn wir von den -grösseren oder geringeren Schwierigkeiten, mit denen die Phönizier zu -kämpfen hatten, ein klares Bild gewinnen wollen, zu erforschen, in wie -weit diese beiden elementaren Kräfte das Vorhaben derselben entweder -begünstigt oder gehindert haben. Hierüber aber zu einem richtigen -Urtheil zu gelangen wird uns nur dann glücken, wenn wir – eingedenk der -im Laufe des Jahres an vielen Stellen des Meeres im Luftkreise, wie in -der Wasserwelt wechselnden Erscheinungen – uns die Frage beantworten: Zu -welcher Jahreszeit sind denn die Phönizier abgefahren? Doch auch ihr -wird wunderbarerweise von den meisten Gelehrten, welche sich mit dieser -Expedition beschäftigt haben, keine Beachtung geschenkt. Ganz allgemein -unterrichten uns Movers[246] und Duncker[247], dass die Phönizier die -Schifffahrt im Februar eröffneten und im Oktober schlossen; in den -Wintermonaten blieben sie wegen der durch stürmisches Wetter -hervorgerufenen Gefahren zu Hause. Selbstverständlich beziehen sich -diese Angaben aber nur auf ihre Thätigkeit im mittelländischen Meere. Zu -der Umsegelung Afrikas sind sie gewiss nicht erst im Februar -ausgefahren; sie wussten entweder in Folge eigener Reisen nach Indien -oder konnten durch Vermittlung der Sabäer, die dorthin Schifffahrt -trieben, leicht erkunden, dass sie in den südlichen Meeren von den -Stürmen des Winters nichts zu befürchten hätten und ihnen die Monsune -bei einer Fahrt an der Ostküste Afrikas hinab während dieser Jahreszeit -sogar von entschiedenem Vortheil sein würden. Wheeler[248] setzt in -Erwägung dieses Umstandes ihre Abfahrt auf den August fest; sie hätten -dann, meint er, im Oktober im indischen Ozean eintreffen können. Seinen -Ausführungen liegt gewiss ein richtiger Gedanke zu Grunde, wenn man -ihnen deswegen auch nicht in allen Einzelheiten zuzustimmen braucht. -Sicher sind die Phönizier bestrebt gewesen, aus den atmosphärischen -Verhältnissen des indischen Ozeans für ihre Fahrt den möglichsten -Vortheil zu ziehen; sie haben aber daneben – die Engländer des -Alterthums – zweifellos dem Grundsatze, dass Zeit Geld ist, so gut -gehuldigt, wie die praktischen Söhne Albions es heut zu Tage thun, und -sind demnach gewiss erst auf die Reise gegangen, als die Schifffahrt auf -dem mittelländischen Meere stockte. Dies war, wie gesagt, etwa Ende -Oktober der Fall, und da zu derselben Zeit gerade die Windverhältnisse -auf dem indischen Ozean ihren Plänen besonders günstig wurden, hiesse -es, die Schlauheit der Phönizier ausserordentlich unterschätzen, wenn -wir nicht annehmen wollten, dass sie etwa zu dieser Zeit ihre Expedition -unternahmen. Der Herbst war ihnen jedenfalls die genehmste Zeit zur -Abfahrt, und dass Necho ihnen nach dieser Richtung hin freie Hand liess, -dürfen wir als gewiss annehmen; gewann doch nur durch kluge Benutzung -aller günstigen Umstände die gefahrvolle Reise Aussicht auf Erfolg. -Begaben sich also die Phönizier nach Schluss der Schifffahrt auf dem -Mittelmeer, also etwa Ende Oktober, an den Ort, von wo sie aussegeln -wollten, stellten dort ihre Schiffe in Dienst und verproviantirten sich -genügend, so werden sie – auf dies Alles einen Monat gerechnet – etwa -Ende November von Kosseir abgefahren sein und, nachdem sie die -bekanntlich schwierige Passage durch das rothe Meer mit Hülfe der Ruder -glücklich überwunden hatten, so recht bei dem kräftigsten Wehen der -NO-Monsune den indischen Ozean erreicht haben. - - - - - Winde. - - -Es wird sich nun empfehlen, im einzelnen zu erwägen, welche Vortheile -oder Nachtheile bei einer Ausfahrt im Spätherbst den Phöniziern Wind und -Wellen boten. Bevor wir aber in die Untersuchung hierüber eintreten, -muss ich vorausschicken, dass eine im Vergleich zur Gegenwart etwas -andere Vertheilung der Wärme und der Wassermassen auf der Erdoberfläche, -wie sie ums Jahr 600 v. Chr. möglicherweise bestanden hat, sowie eine -dadurch bedingte geringe Abweichung der Luft- und Wasserströmungen hier, -weil theilweise hypothetisch und jedenfalls unbedeutend, nicht -berücksichtigt worden ist. Was nun den ersten Theil der Fahrt -anbetrifft, so weit sie innerhalb des rothen Meeres stattfand, werden -die Phönizier, wie oben angedeutet, wesentlich aufs Rudern angewiesen -gewesen sein, da die Segelschifffahrt hier mancherlei Schwierigkeiten -bietet[249]; von Bab-el-Mandeb bis Socotra hatten sie sogar entschieden -ungünstigen Wind, nämlich NO-Monsun, dann aber für lange Zeit theils -vortrefflichen, theils wenigstens leidlich guten. Bis zum Aequator wehte -nämlich in der Jahreszeit, in welcher sie diese Gegenden passirten, der -erwähnte NO-Monsun, der ihnen von Kap Guardafui ab gerade günstig war; -nach dem Ueberschreiten der Linie gelangten sie dann gegen den -nördlichen Frühling hin in die Zone des SO-Passates, welcher sie zwar -nicht direkt begünstigte, aber als ein seitlich wehender Wind von -geschickten Schiffern immerhin mit einigem Vortheil benutzt werden -konnte. So erreichten sie das Kap und damit ihre erste Station. Indem -ich hinsichtlich der weiteren Ausführung der hier und im Folgenden über -die Rastorte der Phönizier und die Vertheilung der Zeit auf die -einzelnen Jahre von mir ausgesprochenen Vermuthungen auf später -verweise, bitte ich, zunächst die Einwirkung der Winde auf die -phönizische Fahrt weiter mit mir verfolgen zu wollen. Meiner Ansicht -nach werden sie vom Kap im Dezember des zweiten Reisejahres weiter -gefahren sein und hatten bis zum Aequator höchst günstigen Wind, da der -Südostpassat an der Westküste Südafrikas in Südwind abgelenkt wird. Sie -werden also die erstere, kürzere Strecke ihrer zweiten grossen Tour – -vom Kap bis zum Atlas, wo sie meiner Ansicht nach im November des -nächsten Jahres, also nach zweijähriger Abwesenheit aus Aegypten, Halt -machten – mit günstigem Winde gefahren sein; daher rechne ich bis zum -Busen von Biafra etwa ein Drittel der ganzen Zeit – vom Dezember des -zweiten bis zum November des dritten Reisejahres – die sie auf jene Tour -mögen verwandt haben. Sie kamen in dem genannten Busen also Ende März -an. In den nächsten Monaten hatten sie dann, an der Küste von Oberguinea -und Kap Palmas vorbei fahrend, ziemlich konträren SW-Wind oder befanden -sich im Gürtel der Kalmen[250], der ihnen, trotzdem er sie zum -fleissigen Rudern zwang, doch weniger unangenehm gewesen sein mag, da -sie seine hemmende Kraft in unmittelbarer Nähe der Küste wegen der durch -die ungleiche Erwärmung von Land und Wasser hervorgerufenen Bewegung der -Luft wohl nicht in ihrer vollen Stärke empfunden haben werden. Im -weiteren Verlaufe der Fahrt stellte sich dann bis zum zweiten Rastplatze -die Windrichtung für sie immer ungünstiger: je weiter sie kamen, desto -mehr wehte ihnen der NO-Passat gerade entgegen. Diese Luftströmung blieb -ihnen sogar noch bei ihrer Abfahrt, die ich in den Juni des dritten -Reisejahres setze, bis zur Strasse von Gibraltar; von hier ab aber bis -zu den Mündungen des Nil werden die durch die sommerliche Auflockerung -der Luft über der Sahara aus dem mittelländischen Meere angezogenen -Winde unsern Schiffern weder nennenswerthen Vortheil, noch Nachtheil -gebracht haben, bis dieselben schliesslich wohl noch beim Wehen dieser -Etesien ins Delta einliefen[251]. Wir können demnach behaupten, dass, -abgesehen von den Strecken vom Ausfahrtsort bis Guardafui und vom Busen -von Biafra bis zur Strasse von Gibraltar, die herrschenden -Windrichtungen einer Fahrt um Afrika in der von den Phöniziern -eingeschlagenen Richtung nirgends direkt ungünstig, meistens sogar -förderlich waren und ein Gelingen des Unternehmens als höchst -wahrscheinlich erkennen lassen. - - - - - Meeresströmungen. - - -Zu demselben Resultate werden wir auch bei Betrachtung der für die -Umsegelung jedenfalls nicht minder wichtigen Meeresströmungen kommen, -worauf schon Rennell hingewiesen hat. Eine Ausnahme macht freilich -sogleich das rothe Meer, in welchem von Oktober bis April ein der Route -unserer Reisenden entgegengesetzter Strom herrscht, der diese bei den -wenig günstigen Windverhältnissen bestärken musste, sich der Ruder zu -bedienen. Von Kap Guardafui an bis zur Nordspitze von Madagaskar hatten -sie dann aber die periodische Strömung für sich, welche hier die Küste -zur Zeit des südlichen Sommers begleitet. Ganz unverständlich ist mir, -wie der sonst so sorgfältige Heffter dazu kommt, die Fahrt an dem -östlichen Gestade Afrikas in der Richtung von Nord nach Süd für -besonders schwierig zu erklären; Winde und Strömungen waren entschieden -günstig, und es bleibt somit kaum etwas anderes übrig, als die Annahme, -dass statt _West_küste durch ein Versehen _Ost_küste gesetzt ist. Die -Bewältigung der nun folgenden Strecke bis zum Aequator auf der Westseite -des Erdtheils wurde den Schiffern erleichtert zunächst durch die -Mozambique-, später durch die Agulhas- und die atlantische Strömung, die -ihnen alle von Vortheil waren. Die erste von diesen steigert sich im -Kanal von Mozambique und weiter südlich zu bedeutender Schnelligkeit, so -dass sie an einzelnen Stellen über 130 km in 24 Stunden zurücklegt, und -von der gefürchteten Agulhas- oder Kapströmung wissen wir durch eine von -Sandberg aus „Uitkomsten van Wetenschap en Ervaring, uitgegeven door het -Koninklijk Nederlandsch Meteorologisch Instituut 1857“ ausgezogene Notiz -von Andrau, dass sie für die in unmittelbarster Nähe der Küste Fahrenden -viel von ihren Schrecken verliert[252]; der atlantischen Strömung aber -kommt zwar an der Westküste ungefähr von 25-15° s. Br. dicht am Ufer ein -nördlicher Strom entgegen, doch ist dieser nicht so stark, dass die -Phönizier ihn nicht mit Hülfe des günstigen Windes leicht hätten -überwinden können. Vom Aequator bis zur Strasse von Gibraltar hatten sie -dann freilich gegen eine starke Strömung, die nordafrikanische, -anzukämpfen – bei Kap Palmas legt diese ca. 50 km in 24 Stunden zurück -–, doch vermindert sich später diese Schnelligkeit und beträgt bei Kap -Blanco nur noch 20 km in derselben Zeit. Die Gewalt dieser Strömung, so -bedeutend sie ist, wird unsern Schiffern aber keine Schwierigkeiten -bereitet haben, deren sie nicht hätten Herr werden können; sind doch die -Portugiesen unter Vasko da Gama im Kanal von Mozambique gegen die -erwähnte bedeutend stärkere angefahren, und ihre Hülfsmittel zur -Bekämpfung solcher Hindernisse waren doch schwerlich wesentlich andere -als die der Phönizier. Der Vortheil, der sich den Portugiesen, als sie -den südlichen Eingang zur Strasse von Madagaskar durchsegelten, durch -den SO-Passat im Gegensatze zu den Phöniziern bot, welche bei Kap Palmas -halb konträren Wind hatten, wird durch die fast dreimal stärkere -Mozambique-Strömung aufgewogen. An der Nordküste Afrikas fuhren unsere -Schiffer dann wieder bis zum Nil hin mit dem Strom[253]. So war also -auch, was die Strömungen anbetrifft, der Theil der Fahrt vom Aequator an -der Nordwestküste entlang bis zur Strasse von Gibraltar bei weitem der -schwierigste[254]. Im allgemeinen lagen aber in dieser Beziehung, wie -aus Vorstehendem erhellt, die Verhältnisse genau so, wie hinsichtlich -der Winde: ein ernstliches Hinderniss für die Phönizier konnte aus ihnen -nicht erwachsen, und Bähr hat Recht, wenn er sagt[255]: „cum navigatio -hac ex parte (vom rothen Meere um das Kap nach der Strasse von -Gribraltar) instituta totidem fere praebeat commoda, quot incommoda -exsistunt, contraria a parte si navigationem instituere velis“. - - - - - Konstellation. - - -Wenden wir uns nun von der Luft und dem Wasser dem Firmamente zu! Einen -der vielen Gründe zum Zweifel an der Fahrt der Phönizier hat man aus dem -Umstande herleiten wollen, dass in dem Berichte über dieselbe garnicht -von Veränderungen der Konstellation die Rede ist. Aber auch hierin kann -ich nichts Auffallendes entdecken. Die Phönizier benutzten zwar, wie -Strabo erzählt, als Leitgestirn, nach dem sie sich orientirten, den -kleinen Bären[256], genauer gesagt, wohl den Polarstern[257], -bekanntlich einen Bestandtheil jenes Sternbildes, nicht, wie -Gosselin[258] wunderbarerweise aus der Notiz über den Stand der Sonne -schliessen will, diesen Himmelskörper. Wenn aber der genannte Gelehrte -fragt, ob es nicht einleuchtend sei, dass die Phönizier die Fahrt -überhaupt nicht gemacht, da sie nichts davon verlauten liessen, dass sie -diesen ihren Führer auf der südlichen Halbkugel nicht mehr erblickten, -so werden wir, ohne mit der Wahrheit in Konflikt zu gerathen, ruhig -antworten können: keineswegs. Selbstverständlich werden sie freilich das -Verschwinden desselben bemerkt, vielleicht auch unangenehm bemerkt haben -– denn es erinnerte sie ja an die grosse Entfernung von der Heimat –, -aber eine nennenswerthe Bedeutung für sie hatte es nicht. Der Polarstern -war ihnen, soweit er überhaupt zur Orientirung benutzt werden konnte, -also nördlich vom Aequator, natürlich unentbehrlich, wenn es galt, sich -auf hoher See zurechtzufinden und den richtigen Kurs innezuhalten; bei -dieser Expedition aber würde er erst in zweiter Linie gestanden haben, -selbst wenn sie ihn hätten sehen können; ihre Reise war ja eine -Küstenfahrt und die Uferlinie der Ariadnefaden, der sie unter allen -Umständen, im schlimmsten Falle durch Wenden der Schiffe, aus dem -Labyrinth des unendlichen Meeres der Heimath wieder zuführen musste. Wer -aber meint, sie würden erstaunt gewesen sein, den erwähnten Stern unter -der Linie aus den Augen zu verlieren, irrt sicher; waren sie doch schon -durch ihre Reisen auf dem rothen Meere gewohnt, ihn bei Fahrten in -südlicher Richtung tiefer und tiefer sinken zu sehen. Wenn sie daher -dieser Erscheinung nicht Erwähnung thaten, so liegt darin nichts -Auffälliges, und es würde ganz verkehrt sein, hieraus einen Beweis dafür -entnehmen zu wollen, dass die Reise überhaupt nicht von ihnen ausgeführt -sei. Aber selbst in dem Falle, dass sie von dem Verschwinden jenes -Himmelskörpers erzählt haben, dürfen wir uns nicht wundern, wenn die -ägyptischen Gewährsmänner Herodots davon nichts wussten; für ein Volk, -welches der Seefahrt so fern stand, wie das der Pharaonen, hatte der -Polarstern eine viel zu untergeordnete Bedeutung, als dass eine auf ihn -bezügliche Bemerkung der phönizischen Schiffer besonderen Eindruck hätte -machen können und wir erwarten dürften, die Erinnerung an dieselbe nach -150 Jahren noch lebendig zu finden. Für die Aegypter war die Sonne -ungleich wichtiger, daher wandte sich ihr Interesse naturgemäss in -erster Linie den auf sie bezüglichen Nachrichten zu, und das Wunder -ihrer nördlichen Stellung wurde der Nachwelt überliefert, während -eventuelle Nachrichten über das Verschwinden des Polarsterns der -Vergessenheit anheimfielen. - - - - - Fehlen des Kompasses. - - -Genau so unüberlegt, wie die eben zurückgewiesene Ansicht, sind einige -andere Behauptungen, durch die gezeigt werden soll, wie wenig Glauben -der herodoteische Bericht verdiene. Ich rechne dahin diejenige, dass -eine so weite Reise ohne Kompass garnicht hätte gemacht werden können. -Dem gegenüber möchte ich fragen: Was nützte bei einer Fahrt am Ufer -entlang ein solches Hülfsmittel? Rennell sagt mit Recht: „although it -may be admitted as an unsurmountable obstacle to the discovery of -America, in the way to which an extensive ocean was to be crossed, yet -the voyage in question was a coasting voyage“[259]. - - - - - Brandungen und Klippen. - - -Ich erwähne ferner die Bedenken, welche Andere, eben durch den Umstand -veranlasst, dass die Expedition eine Küstenfahrt war, darauf gegründet -haben, dass den Phöniziern Feinde erstanden, welche die Seeleute mehr -fliehen als Sturm und Unwetter, nämlich Brandungen und Klippen. Aber, -bemerkt hiergegen Junker sehr richtig[260], die Schiffer des Alterthums -werden ihrer weit leichter Herr geworden sein als unsere Matrosen, da -sie in Küstenfahrten eine ungleich grössere Uebung hatten. - - - - - Grund für die Aussendung mehrerer Schiffe. - - -Trotzdem war natürlich die Reise sehr gefahrvoll, und es lag nahe, die -Möglichkeit eines Schiffbruches ins Auge zu fassen. So erklärt sich -wohl, dass mehrere Fahrzeuge – die genauere Zahl kennen wir nicht – -abgesendet wurden; hatte eins Unglück, so brauchte deshalb die -Expedition noch nicht aufgegeben zu werden, sondern die Mannschaft -konnte sich auf ein anderes retten. So fuhr auch Demokedes, als er seine -Fahrt zur Erforschung Griechenlands unternahm, mit drei Schiffen -aus[261]. Sataspes freilich hatte nur eins[262]; aus welchem Grunde, -wissen wir nicht. Vielleicht war es ihm so vorgeschrieben, damit die -Gefahr der Reise gesteigert würde. Möglich ist es, vielleicht -wahrscheinlich, dass auf der langen Fahrt der Phönizier das eine oder -das andere Schiff verloren gegangen ist. Man wird nach 150 Jahren bei -dem vermuthlichen Mangel an schriftlicher Ueberlieferung schwerlich noch -die Zahl der ausgesandten Schiffe gekannt haben; das Gros der Flotte war -heimgekehrt und das Problem der Umschiffung gelöst, das genügte; der -Verlust eines Schiffes oder auch mehrerer war dagegen so verschwindend, -dass man sich begreiflicherweise nicht die Mühe gegeben hat, darüber der -Nachwelt besondere Mittheilungen zu hinterlassen. - - - - - Art der Fahrzeuge. - - -Welcher Art diese phönizischen Fahrzeuge waren, werden wir aber mit -ziemlicher Sicherheit feststellen können. Wheeler nimmt an, es seien -Kauffahrteischiffe gewesen[263], eine Ansicht, der ich nicht zustimmen -kann, denn unsere Expedition sollte, soweit wir ihren Charakter zu -erkennen vermögen, wohl nicht selbst Handel treiben, sondern vielmehr -zukünftigem kaufmännischem Verkehr die Wege ebnen. Wehrlose und -schwerfällige Schiffe, wie die phönizischen Handelsleute sie häufig -benutzten – der Name γαυλός, der etwa so viel wie „Wanne“ bedeutet, sagt -schon genug –, konnte man auf einer so gefahrvollen Expedition nicht -brauchen, zumal Tauschgegenstände, die man dem etwas unsicheren Geschick -eines Transportes in völlig unbekannte Gegenden und zu voraussichtlich -barbarischen Nationen hätte aussetzen müssen, schwerlich mitgenommen -wurden. Man hat sich vielmehr höchst wahrscheinlich phönizischer -Pentekontoren bedient, die, Ruder- und Segelschiffe zugleich, sich durch -einen hohen Grad von Schnelligkeit auszeichneten[264]. Schon in den -homerischen Gedichten lesen wir ja, dass Schiffe theils durch Ruder, -theils durch Segel, die man bei günstigem Winde aufzog, bei ungünstigem -herunterliess, getrieben wurden; im Laufe der Jahrhunderte, welche seit -der Entstehung jener Lieder verflossen waren, hatten die Phönizier beide -Arten der Fortbewegung aber in hohem Grade vervollkommnet. Das Urtheil -Movers’, eines sehr gründlichen Kenners des phönizischen Alterthums, -über die Pentekontoren lautet: „Für weite Seefahrten an unbekannten und -gefährlichen Küsten, wozu weder die grossen und schwerfälligen Gauloi, -noch auch die Triremen wegen ihres Tiefgangs taugten, war die -leichtgebaute mit Rudern und Segelwerk versehene, dazu mit -Kriegsmannschaft ausgerüstete Pentekontore ganz das geeignete -Fahrzeug“[265]. Die Behauptung Vincents, die Phönizier hätten mit diesen -kleinen Barken niemals ums Kap fahren können[266], ist leicht widerlegt. -Zunächst kann man im allgemeinen annehmen, dass Schiffe, die von Syrien -nach Indien und Britannien fuhren, auch gross genug gewesen sein werden, -die Reise um Afrika zu machen trotz all der Schrecknisse und Gefahren, -welche Vincent[267] anführt, und wenn auch vorauszusetzen ist, dass der -Verkehr zwischen Phönizien und jenen Ländern hauptsächlich durch -Kauffahrteischiffe, also durch Gauloi, vermittelt wurde, so wird doch -schwerlich jemand bestreiten, dass auch Pentekontoren, sei es als -Pfadfinder, sei es zur Bedeckung jener, dorthin gekommen sind. Als -speziellen Beweis für die Möglichkeit, auch auf einem kleinen Fahrzeuge -eine ähnliche Strecke wie die Phönizier zurückzulegen, erwähne ich aber -noch, dass im Jahre 1539 Diego Botelho, ein Portugiese, sich zu Goa auf -einem Boote von etwa 5 Meter Länge und 3 Meter Breite einschiffte und -glücklich nach Lissabon gelangte[268]. Auch der in tausend Gefahren -erprobte Muth phönizischer Seeleute mag die Zweifel derjenigen -überwinden helfen, welche meinen, dass die benutzten Schiffe für eine -solche Reise zu schwach gewesen seien. Es ist eine unleugbare Thatsache, -dass die Erfahrung und Kühnheit der Bemannung in gewissem Grade die -Schwäche ihrer Fahrzeuge zu kompensiren vermag; das zeigt uns das -Beispiel der Normannen, die an allen Küsten Europas Schrecken -verbreiteten, obgleich ihre Schiffe so klein waren, dass sie mit ihnen -auch auf Flüssen fahren konnten, oder das der Malayen, die in ihren -kleinen Barken um die halbe Erde gewandert sind[269]. Wir dürfen also -annehmen, dass die Phönizier auf ihren Pentekontoren allen -Eventualitäten der Reise, welche an die Leistungsfähigkeit ihrer -Fahrzeuge appellirten, gewachsen waren, und werden schwerlich irren, -wenn wir hinzufügen, dass der König Necho ihnen durchaus seetüchtige -Schiffe zum Zwecke der Umsegelung auf dem rothen Meere wird haben bauen -lassen. - - - - - Schnelligkeit der Schiffe des Alterthums. - - -Um uns aber ein richtiges Bild von der ganzen Expedition zu machen, -werden wir diese Fahrzeuge auf das, was sie an Schnelligkeit leisten -konnten, einer genaueren Prüfung unterziehen müssen; wir werden dann -feststellen können, ob sie im Stande waren, in der angegebenen Zeit die -ja immerhin bedeutende Strecke um Afrika herum zurückzulegen. Die Gegner -haben auch dieses bezweifelt und zum Beweise für die Richtigkeit ihrer -Ansicht ein naheliegendes aus Herodot entlehntes Beispiel, das des -Skylax von Karyanda, angeführt[270], der zu einer Reise von Kaspatyros -den Indus hinab bis zu der Stelle, von wo Necho seine Expedition -ausgesendet hatte, also zu einer weit kürzeren Fahrt, etwa eben so viel -Zeit gebrauchte, wie unser Gewährsmann den Phöniziern bewilligt, nämlich -30 Monate. Es ist nun die Behauptung aufgestellt worden, dass die -Phönizier unmöglich ihre Reise in der angegebenen Zeit hätten vollenden -können, wenn etwa hundert Jahre später Skylax zu der seinigen eben so -viel aufwenden musste. Aber diese Behauptung ist nur scheinbar richtig. -Wie es gekommen sein mag, dass Skylax so lange Zeit zum Durchsegeln -einer verhältnissmässig geringen Entfernung brauchte, wissen wir nicht, -vielleicht wird es sich aus öfterem Anlegen erklären lassen. Das aber -wissen wir glücklicherweise, dass die Schiffe des Alterthums in Betreff -ihrer Schnelligkeit weit leistungsfähiger waren, als es nach dieser -Notiz Herodots scheinen könnte, und damit wird der von gegnerischer -Seite angeführte Grund hinfällig. Den Beweis für meine Behauptung werde -ich sogleich erbringen. In dem Periplus des Skylax findet sich eine -Stelle[271] des Inhalts, dass im fünften Jahrhundert eine Küstenfahrt -von Phönizien bis zu den Säulen des Herakles bei einer Entfernung von -etwa 5300 km 80 Tage dauerte. Das würde auf den Tag 66 km ausmachen. -Diese Angabe dürfen wir, da es sich um eine Reise nach Spanien handelt, -wohl auf ein schweres, sogenanntes Tarsisschiff beziehen; leichte -Fahrzeuge fuhren schon früher weit schneller. Bereits bei Homer[272] -segelt ein phönizisches Schiff in sieben Tag- und Nachtfahrten von einer -der Inseln nördlich von Delos bis Ithaka. Freilich wird gegen die -Heranziehung dieses Beispieles geltend gemacht werden, dass die Angaben -Homers in der Schilderung des Lebenslaufes des Eumäus, welche die -angeführte Stelle enthält, soweit sie sich auf Lokales beziehen, jedes -topographischen Untergrundes entbehren und reine Phantasiegebilde seien, -sodann, dass es sowohl gewagt erscheinen dürfte, Dichterstellen zu -benutzen zur Bildung geographischer Begriffe, als auch im besondern -einen Epiker als Zeugen zu zitiren, dessen Existenz von der -wissenschaftlichen Kritik längst als Sage hingestellt ist. Dem gegenüber -mag es aber gestattet sein, darauf hinzuweisen, wie doch auch die -Interpreten unserer deutschen Heldenlieder vielfach nicht nur den -allgemeinen Schauplatz mancher Begebenheiten, sondern auch bestimmte -ursprünglich sagenhaft erscheinende Lokalitäten mit Sicherheit als -wirklich vorhanden festgestellt haben und kein Grund vorliegt, beim -griechischen Epos auf die gleiche Möglichkeit zu verzichten, wie ferner -gerade die letzten Jahrzehnte durch ihre überraschenden Resultate auf -dem Gebiete der Ausgrabungen den Beweis geführt haben, dass bei Homer -manches wörtlicher zu nehmen ist, als es früher den Anschein hatte, und -also mit den in jener Erzählung aufgeführten Punkten in der That recht -wohl Inseln des ägäischen Meeres gemeint sein können, vor allem aber, -wie niemand – mag die homerischen Gedichte geschrieben haben, wer will -–, dem Dichter oder den Dichtern gründliche Kenntniss aller nautischen -Verhältnisse, also auch der Entfernung zwischen zwei durch Schifffahrt -verbundenen Oertlichkeiten wird absprechen wollen. Der Weg von Delos bis -Ithaka ist nun etwa 560 km lang, sie fuhren also in 24 Stunden ca. 80 -km. Wer aber diesen Beweis aus Homer nicht gelten lassen will, den -verweise ich auf Herodot. Er giebt an[273], dass ein Schiff in 24 -Stunden weit über 200 km fährt, eine Stelle, die freilich nicht ganz -unverdächtig ist wegen des Verhältnisses zwischen Tag- und Nachtfahrt, -das schwerlich stimmen kann. Es soll nämlich das betreffende Fahrzeug -unter ca. 41° n. Br. – das ist die Lage des südlichen Pontos, und von -dieser Gegend ist die Rede – zur Zeit des Hochsommers bei Tage etwa 130, -bei Nacht etwa 110 km – also im ganzen 240 – zurücklegen, und daher -scheint es, dass hier ein Irrthum untergelaufen sei, da sich sonst in -der erwähnten Jahreszeit unter jenem Breitengrade die Länge des Tages -zur Länge der Nacht etwa wie 7 : 6 verhalten würde. Das ist aber nicht -der Fall, sie verhält sich etwa wie 5 : 3[274]. Doch steht die -Gesammtleistung, wenn der Bericht wahr ist, nicht vereinzelt da; bei -Xenophon[275] legt eine unter Segeln und Rudern gehende Triere den Weg -von Byzanz nach Heraklea Pontica – über 200 km – in einem Tage zurück, -ohne die Nacht zu benutzen, ja, Graser[276] schätzt in seinem -mustergültigen Werke die höchste Schnelligkeit der Schiffe zur Zeit des -Xenophon auf 9-10 Knoten (Seemeilen) in der Stunde, das ergiebt auf 24 -Stunden die erstaunliche Summe von 450 km. Interessant ist auch die -Notiz in Arrians Periplus Ponti Euxini[277], wo an einem Vormittage, -noch dazu bei zeitweise ungünstigem Wetter, über 90 km zurückgelegt -werden, so dass auf 24 Stunden – gleiche Fahrgeschwindigkeit zur -Nachtzeit vorausgesetzt – 360 km kommen würden. Diese Schnelligkeit -unter erschwerenden Umständen ist so erstaunlich, dass der Herausgeber -hier einen Irrthum vermuthet. Schliesslich sind noch einige -Mittheilungen des Plinius erwähnenswerth[278]. Von der Strasse von -Messina ging, wie er erzählt, ein Schiff bis Alexandria in 6 Tagen, das -macht über 260 km auf den Tag, von Gades nach Ostia in 7 Tagen, das -würde etwa eben so viel ausmachen, von Afrika nach Ostia aber in 2 -Tagen, so dass auf den Tag gegen 300 km kommen. Nur bei solcher -Schnelligkeit wird die Anekdote von der Feige des Cato glaublich, die -den dritten punischen Krieg veranlasst haben soll[279], und nur so lässt -es sich erklären, dass der alte Fanatiker die römischen Senatoren -glauben machen konnte, die Epigonen Hannibals ständen vor den Thoren der -Stadt, wenn sie in Afrika mit König Masinissa um ihre Grenzen haderten. - - - - - Leitung der Expedition. - - -Nachdem wir uns so ein Bild von der Leistungsfähigkeit der Schiffe des -Alterthums gemacht, werden wir im Stande sein, ein Urtheil darüber zu -gewinnen, ob die phönizischen Pentekontoren in dem von Herodot -angegebenen Zeitraume die Umsegelung vollbringen konnten, verschieben -aber die Beantwortung dieser Frage auf später, um dann mit ihr zugleich -eine genauere Vertheilung der gesammten Zeit auf die einzelnen -Abschnitte der Fahrt vorzunehmen, und lenken unsere Aufmerksamkeit -zunächst auf einen anderen Punkt, nämlich auf die oberste Leitung der -Expedition. Wer war der Führer dieses zur Lösung eines so wichtigen -Problems ausgesandten Geschwaders? Herodot nennt seinen Namen nicht, und -es fehlt jede Handhabe, darüber Vermuthungen aufzustellen. Wenn ich nun -doch bei diesem Punkte noch ein wenig verweile, so geschieht es, um die -Angriffe zurückzuweisen, welche er hervorgerufen hat. Es ist behauptet -worden, man könnte doch erwarten, dass bei einem so hervorragenden -Unternehmen, wenn es wirklich stattgefunden hätte, auch der Name des -Führers überliefert wäre; da er fehle, sei die Erzählung von der Fahrt -einer Fabel gleich zu achten. Dagegen lässt sich aber Folgendes -erwidern. Dass der Name nicht erhalten ist, scheint weniger wunderbar -als betrübend, und keinenfalls kann dieser Umstand als Beweis dafür -gelten, dass die Umsegelung nicht stattgefunden habe. Auch die Stellen -bei Strabo[280] und in der Bibel[281], wo von den wohl allgemein als -historisch anerkannten und gewiss für das Alterthum sehr hervorragenden -Fahrten der Phönizier nach Tarsis, den Kassiteriden und Ophir die Rede -ist, nennen die betreffenden Führer nicht. Das _Fehlen_ des Namens ist -somit ganz gewiss kein Beweis gegen die Glaubwürdigkeit des Berichtes; -eher würde es unter Umständen das _Anführen_ eines solchen sein können, -wie die von Vincent[282], wie mir scheint, nicht sehr glücklich -herangezogenen mythischen Beispiele zeigen. Er argumentirt: Bei den -Fahrten aus älterer Zeit nennt man Herakles, Jason u. a. als Führer, -obgleich deren Thaten sich doch auf einem weit kleineren Raume -abspielten; da durfte bei unserm Unternehmen ein Hinweis auf den Leiter -doch erst recht nicht fehlen. Dem gegenüber meine ich, dass eben die -Namen jener Helden gegen die ihnen zugeschriebenen Thaten leicht -Misstrauen erwecken werden. Herakles und Jason sind doch nur Vertreter -von Kulturperioden; wenn ersterer eine Personifikation der Zeit ist, die -den Kampf gegen das Ungeheuerliche in der Natur, wie in der Menschheit -siegreich aufnahm, so erblicken wir in dem letzteren den Vertreter der -Epoche, in welcher der Grieche die Scheu vor dem trügerischen -Meereselemente überwinden lernte und zuerst seinen Kiel nach fernen -Gestaden lenkte. Historische Wirklichkeit wird man keinenfalls diesen -beiden oder ähnlichen Gestalten zugestehen dürfen. In unserm Falle -scheint mir nun das Fehlen des Namens gerade ein Beweis für die -Glaubwürdigkeit der Gewährsmänner Herodots zu sein. Bezweifeln dürfen -wir kaum, dass letzterer bei seiner Gründlichkeit Erkundigungen über den -Leiter einer so wichtigen Expedition einzuziehen versucht hat. Nun wäre -es seinen Berichterstattern ja ein Leichtes gewesen, irgend einen Namen -zu erfinden, so gut man ein paar Jahrhunderte früher sich den Herakles -und Jason konstruirt hatte. Trotzdem nannten sie einen solchen nicht, -sonst hätte Herodot ihn uns sicher überliefert, und dass sie es nicht -thaten, spricht für ihre Wahrhaftigkeit und damit zugleich für die -Wahrheit des Faktums, das sie berichteten. Aber, wird eingewendet -werden, es sind doch z. B. die Namen des Sataspes und Skylax bekannt, -der Leiter von Expeditionen, welche sich an Bedeutung mit der -phönizischen nicht annähernd messen können. Wie das gekommen sein mag, -ist nicht schwer zu erklären. Verweilen wir einen Augenblick bei -Sataspes. Leicht mag Herodot, wie Berger[283] aus dem, was jener -Schriftsteller selbst mittheilt[284], meint schliessen zu dürfen, von -einem Samier, der durch einen Eunuchen des unglücklichen Prinzen in den -Besitz der Schätze und wohl auch der Nachricht von der verunglückten -Umsegelung desselben gekommen war, seine Information erhalten haben. Es -scheint mir aber nicht undenkbar, dass er noch direktere Quellen hatte. -Er selbst war am persischen Hoflager zu Susa, wie aus einigen Stellen -seines Werkes hervorgeht[285], und hier war jedenfalls der Name des -Sataspes noch wohl bekannt; sorgte dafür nicht sein nautisches Fiasko, -so that es sicher die chronique scandaleuse des Achämenidenhofes. Das -Vergehen, wegen dessen ihm die Umschiffung Libyens auferlegt war, -bestand in der Vergewaltigung einer Perserin aus einer der ersten -Familien des Reiches. Da nun die Hofgesellschaft in der persischen -Residenz unter dem Einfluss der Haremsdamen sicherlich für derartige -pikante Stoffe ein treffliches Gedächtniss hatte, lebte auch Sataspes -noch in der Erinnerung dieser Kreise, wenn seine misslungene Expedition -ihm auch erst in zweiter Linie dazu verhalf. Es ging ihm ähnlich wie dem -Paris, der ja auch mehr wegen seiner Heldenthaten im Boudoir der Helena, -als durch seine Erfolge auf dem Schlachtfelde bekannt ist. Auch -Berger[286] giebt zu, die Erzählung von der Fahrt des Sataspes trüge den -Charakter einer Hofgeschichte. Dazu kommt, dass seit dieser Reise beim -Aufenthalt des Herodot in Susa wohl erst etwa zwei Dezennien verflossen -waren, seit der Umschiffung Libyens durch die Phönizier, als er in -Aegypten weilte, aber anderthalb Jahrhunderte. So kann es uns nicht -wundern, dass man sich des Sataspes trotz seines Misserfolges noch -erinnerte, während man den leitenden phönizischen Kapitän, der doch -ungleich mehr geleistet, nicht zu nennen wusste. Was aber den zweiten -Namen anbetrifft, der herangezogen werden könnte, um den herodoteischen -Bericht auffallend lückenhaft erscheinen zu lassen, den des Skylax von -Karyanda[287], der vom Indus zum rothen Meere fuhr, so wird folgende -Erwägung am Platze sein. Dieser kühne Entdecker war unserm -Schriftsteller sicher am wenigsten unbekannt. Karyanda lag ja von -Halikarnass, dem Geburtsort desselben, nur etwa 20 km entfernt, und die -Fahrt des Skylax wird doch nur etwa ein Menschenalter vor Herodot -stattgefunden haben. Die nautische That, welche der berühmte Landsmann -im Dienste des Perserkönigs vollbracht hatte, wird nun zweifellos nicht -nur in seiner Vaterstadt, sondern auch im benachbarten Halikarnass jedem -Kinde geläufig gewesen sein, und so erklärt sich meiner Ansicht nach -sehr natürlich, wie es kam, dass Herodot über ihn genau unterrichtet -war. Für die Erinnerung an den phönizischen Anführer fehlte es an solch -günstigen Vorbedingungen, so ist begreiflicherweise sein Name versunken -und vergessen, und nur seine grosse That lebt im Munde der Nachwelt -fort. - - - - - Welches Getreide haben die Phönizier gesäet und geerntet? - - -Wenden wir uns nun der Betrachtung der Fahrt selbst in ihren -Einzelheiten zu, so wird es zur Gestaltung eines deutlichen Bildes von -derselben vor allem nöthig sein, über die Punkte ins Klare zu kommen, wo -die Phönizier Rast gehalten haben. Es heisst in dem Bericht: „So oft die -Saatzeit kam, gingen sie ans Land“; meiner Ansicht nach – die Gründe -werde ich später darlegen – geschah dies im ganzen zweimal. Die Frage, -wo die Rastorte gelegen haben mögen, ist nun in den meisten mir zu -Gesicht gekommenen Abhandlungen über unsere Expedition wunderbarerweise -gar nicht erörtert, in einigen andern oberflächlich berührt, aber, wie -ich glaube, ganz verkehrt beantwortet worden. Eine direkte Auskunft -lässt sich aus Herodots Berichte ja auch unmöglich herauslesen, doch auf -einem Umwege hinter das Richtige zu kommen, scheint mir nicht -ausgeschlossen zu sein. Auf diesem soll uns die Frage leiten: Was haben -die Phönizier an ihren Ruhepunkten wohl gesäet und geerntet? Durch die -Beantwortung derselben werden wir vielleicht einen Fingerzeig zur Lösung -des andern Problems gewinnen. Zunächst wird es sich darum handeln, was -wir an dieser Stelle des Herodot unter σῖτος zu verstehen haben. Die -Antwort hierauf mit Sicherheit zu geben ist nicht ganz leicht und wird -eine längere Betrachtung erfordern. σῖτος bedeutet überhaupt -„Kornfrucht“, auch bei Herodot, wo an einer Stelle[288] darunter Weizen, -Gerste, Hirse und Sesam begriffen werden; ausgeschlossen ist dabei von -vornherein eine Pflanze, welche nach Diodor[289] in Aegypten, wenigstens -im Delta, wo unsere Phönizier doch wahrscheinlich ansässig waren, zur -Brotbereitung diente, der Lotos. Es versteht sich auch von selbst, dass -diese, die nur bei ausgiebigster Bewässerung gedeiht, von Schiffern -nicht zur Aussaat mitgenommen werden konnte, wenn sie nicht wussten, ob -sie die für das Fortkommen derselben erforderlichen Bedingungen -antreffen würden. Ausser dem, was Herodot an der erwähnten Stelle unter -σῖτος versteht, könnten wir nun etwa noch an Roggen, Hafer, Reis und – -wenn wir z. B. Duncker folgen wollen – auch an Mais denken; eine nur -oberflächliche Betrachtung der einschlägigen Verhältnisse genügt jedoch, -uns zu überzeugen, dass keine dieser Körnerfrüchte die Phönizier auf -ihrer Reise begleitet haben wird. Was die erstgenannte Pflanze -anbetrifft, so soll sie nach Luther zwar in Altägypten gebaut worden -sein, denn er übersetzt, als von dem Hagelwetter bei Gelegenheit der -ägyptischen Plagen berichtet wird: „Aber der Weizen und Roggen ward -nicht geschlagen“[290], doch liegt hier sicher ein Irrthum vor und statt -„Roggen“ muss es heissen „die Wicke“, eine Frucht, die wohl wesentlich -als Zusatz zum Viehfutter verwendet wurde[291]. Der Roggen kam überhaupt -schwerlich im alten Aegypten vor; in den Monumenten wenigstens ist er -nicht aufgefunden[292]. An Hafer darf noch weniger gedacht werden; er -wird zwar jetzt in Aegypten gebaut, im Alterthume war dies jedoch nicht -der Fall[293], ganz abgesehen davon, dass sich das Mehl dieser Frucht -zum Brotbacken wenig empfiehlt. Was den Reis anbetrifft, so wäre es nach -de Candolles Ausführungen[294] nicht wunderbar, wenn die Aegypter zur -Zeit des Necho die Kultur dieser Pflanze gekannt hätten, obgleich sich -in den Sämereien der Denkmale und auf den altägyptischen Gemälden kein -Anzeichen dafür findet. Auch hätten die Phönizier aus seinen Körnern, -wenn nicht Brot, so doch brotähnliche Kuchen herstellen können, aber er -gedeiht bekanntlich nur in sumpfigen Gegenden, und der Verproviantirung -mit diesem Lebensmittel wenigstens zum Zwecke der Aussaat, stellten sich -jedenfalls die bei dem Lotos geltend gemachten Bedenken entgegen. -Hinsichtlich des Mais aber irren Duncker u. a., welche ihn dem alten -Aegypten zuertheilen, entschieden[295]; er ist ursprünglich in der -ganzen alten Welt nicht heimisch, sondern ein Geschenk der neuen an -diese[296], und in Europa beispielsweise erst seit dem 16. Jahrhundert -eingebürgert[297]. Fassen wir nun die Pflanzen ins Auge, die Herodot -selbst, wie oben erwähnt, als zum σῖτος gehörig bezeichnet, so sind -Sesam und wohl auch Hirse – sowohl panicum italicum, wie auch miliaceum -– von der Debatte auszuschliessen, obwohl beide in Altägypten vorkamen; -die erste, weil man sie nur der Oelgewinnung wegen baute[298], die -zweite, da es, obgleich sich wohl ein brotartiges Gebäck aus ihr -herstellen lässt, nicht wahrscheinlich ist, dass die Phönizier sich -davon hauptsächlich genährt haben sollten[299]. Es bleiben demnach noch -Weizen und Gerste übrig, die beide sowohl für die Verproviantirung, wie -auch zur Saat von vornherein ganz geeignet erscheinen dürften. Trotzdem -haben Rawlinson[300] und Sandberg[301] vorgezogen, an Durrah zu denken. -Da es nun zur Bestimmung der Stellen, wo gesäet, und somit, wo gerastet -wurde, von der höchsten Bedeutung ist, ob diese Pflanze oder jene -Getreidearten von den Phöniziern mitgenommen worden sind, wird es unsere -Aufgabe sein müssen nachzuforschen, mit welchem Recht jene Gelehrten -dies gethan haben. Der letztgenannte, der allein sich auf eine längere -Begründung einlässt, führt als Beleg für seine Ansicht Niebuhrs -Beschreibung von Arabien an, wo erzählt wird, dass zu der Zeit, als -dieser berühmte Reisende jenes Land besuchte, die grosse Menge des -arabischen Volkes aus Durrah gebackenes Brot ass. Aber jeder unbefangene -Beurtheiler wird zugeben, dass aus dem Umstande, dass die Araber Mitte -vorigen Jahrhunderts Durrahbrot gegessen, schwerlich gefolgert werden -kann, die Phönizier in Aegypten hätten zweitausend und einige hundert -Jahre früher das Nämliche gethan. Ferner beruft sich derselbe Herr auf -eine Stelle der Genesis[302]; es scheint mir aber eine ziemliche Portion -guter Wille vorausgesetzt zu werden, wenn man aus dieser das Säen von -Durrah herauslesen soll. Interessant sind die völlig entgegengesetzten -Urtheile über die Verwendbarkeit der Durrah als Nahrungsmittel. Viktor -Hehn[303] meint, dass sie wesentlich als Thierfutter Werth habe und nur -in Theurungsjahren zu anderm Mehl gemischt werde. Dem gegenüber bekundet -sich in Ungers Ansicht[304] die alte Wahrheit, dass über -Geschmacksrichtungen nicht zu streiten sei; er behauptet, Durrah gebe -ein schmackhaftes Brot. Ihm stimmt Delile bei durch seine -Aeusserung[305]: „il (dourrah d’Égypte) donne une farine bonne pour -faire des gâteaux“, fährt dann freilich gleich fort: „mais dont on ne -fait point de pain levé (aufgegangenes Brot), comme avec le blé“. Es -kann nicht schwer sein, trotz dieser sich entgegenstehenden Ansichten zu -einem Urtheil darüber zu kommen, ob die Phönizier Durrah mitgenommen -haben werden oder nicht. Ich glaube entschieden, annehmen zu dürfen, -dass sie es nicht thaten; entweder gab das Mehl ein unschmackhaftes -Brot, dann verbot diese Wahl sich von selbst, da eine zusagende Nahrung -durchaus erforderlich scheinen musste, um die physischen Kräfte und -damit auch den Muth der Matrosen für die gefährliche Fahrt aufrecht zu -erhalten, oder es war nur zum Kuchenbacken geeignet, dann handelten sie -thöricht, wenn sie sich mit so weichlichem Proviant versahen, da ihnen -kräftige Speise mehr nützte und „toujours perdrix“ für die Menschen zu -Nechos Zeit gewiss ein eben so wenig anheimelnder Gedanke war, wie für -die modernen. Vor allem wird sich aber die Frage zur Beantwortung -drängen: Stand denn den ägyptischen Phöniziern Durrah überhaupt zur -Verfügung, d. h. wuchs sie um 600 v. Chr. in Aegypten? Die Ansichten -darüber gehen weit auseinder; Unger[306] meint, es sei sicher der Fall -gewesen, dahingegen behauptet Alphons de Candolle[307] unter „Holcus -saccharatus oder Sorghum saccharatum (Moorhirse, Durrahgras)“, dass kein -Beweis einer so frühen Kultur dieser Pflanze im Nilthal vorliege. Einige -Denkmäler zeigen die Ernte einer Kornfrucht, welche allenfalls Durrah -darstellen könnte[308]. Diesem bedauerlichen Zwiespalt der Meinungen -gegenüber werden wir gut thun, von der Gegenwart ausgehend, zunächst -festzustellen, was sich über den Anbau der betreffenden Frucht in -Aegypten für die näher liegenden Zeiten sagen lässt, und da werden wir -denn finden, dass sie heute dort massenhaft gepflanzt wird. De -Candolle[309] schreibt unter „Holcus Sorghum oder Sorghum vulgare -(Kafferhirse)“: „Dies ist eine der am meisten von den Aegyptern der -Neuzeit unter dem Namen Durrah, im äquatorialen Afrika, Indien und China -angebauten Pflanzen“ und Delile[310] sagt, dass die Durrah (oder Sorgho) -das Getreide oberhalb Thebens ersetzt. Im mittelalterlichen Aegypten -dagegen wurde diese Frucht, so viel wir wissen, nur an einer Stelle -gebaut[311]; der arabische Arzt aus Bagdad, Abd-Allatif, der gegen das -Jahr 1200 n. Chr. lebte und eine Beschreibung des unteren Nilthales -herausgab, theilt ausdrücklich mit, dass sie hier mit Ausnahme der -oberen Gegend des Saïd – d. i. Oberägypten – fehle. Demnach dürfte es -nicht wahrscheinlich sein, dass sie im Alterthume in grösserem Umfange -gebaut wurde, da kein Grund ersichtlich ist, warum die Kultur einer so -nützlichen Pflanze zurückgegangen sein sollte. Ist diese Annahme aber -richtig und erst unter der türkischen Herrschaft dies Korn in Aegypten -allgemein angebaut, so werden die im Delta wohnenden Phönizier, welche -die Fahrt unternahmen, allenfalls Durrah gekannt, sicherlich aber daraus -nicht ihr Brot verfertigt haben. Schlosser[312], den Sandberg anzieht, -meint freilich, die alten Aegypter hätten das Mehl jener Pflanze zum -Backen verwendet, und wenn er recht hätte, würden Rückschlüsse auf die -Phönizier ja nicht allzu fern liegen. Das Citat aus Schlosser lautet: -„Das gewöhnliche Brot, von welchem man neuerdings noch einiges in -Gräbern gefunden hat, war aus Durrah oder Moorhirse bereitet; ausserdem -hatte man auch Brot von anderen Getreidearten“. Ganz entgegengesetzter -Ansicht ist de Candolle[313], welcher meint: „In den Gräbern des alten -Aegypten hat man das Vorkommen der Kafferhirse nicht mit Sicherheit -nachgewiesen“. Mir scheint die Stelle aus Schlosser ohne Quellenangabe, -wie sie ist, und ganz allgemein gehalten, wenig überzeugende Kraft zu -haben. Es fehlt jeder Nachweis darüber, in welcher Gegend Aegyptens -diese Durrah enthaltenden Gräber lagen, ob im Delta oder weiter -oberhalb, und das würde doch, wenn wir für das Alterthum in Betreff -dieser Pflanze dieselben Verhältnisse annehmen, wie sie uns für das -Mittelalter verbürgt sind, von grosser Wichtigkeit bei der Entscheidung -der Frage nach dem Backmaterial sein. Der Fellah in Oberägypten mag sein -Brot aus Durrah hergestellt haben, ohne dass der phönizische Schiffer an -der Mündung des Flusses dasselbe that. Auch wird es nicht gleichgültig -für die Beurtheilung unserer Frage sein, welchem Stande die Leute -angehört haben, in deren Gräbern man Durrahbrot gefunden hat. Im alten -Reiche war es ein Privilegium der besseren Kreise, sich eine Art der -Bestattung zu vergönnen, welche den Zweck erfüllte, den Stürmen der Zeit -Widerstand zu leisten; im mittleren und noch mehr im neuen Reiche ist -diese Sitte allgemein geworden, alle Schichten des Volkes nehmen an ihr -Theil, vom hohen Beamten bis zu den Inhabern der niederen Stellen herab; -selbst Gräber von Privatleuten und Handwerkern sind mit Sicherheit -nachgewiesen, und leicht mögen sich auch die Bauern in ähnlicher Weise -haben bestatten lassen[314]. Diese letzteren befanden sich aber in einer -kümmerlichen Lage; sie waren grösstentheils unfrei, wie die Natur -des Landes es mit sich bringt, welche in Folge der grossen -Ueberschwemmungen, gegen die der einzelne machtlos ist, die Menschen -zwingt, sich zusammenzuthun zum gemeinsamen Kampfe, in dem sich dann -naturgemäss der weniger Bemittelte dem Wohlhabenden unterordnet. Kurzum, -es war mit der Bauernbevölkerung am Nil vor zwei bis drei Jahrtausenden -genau wie heute: die Lebensweise dieser Leute war ausserordentlich -dürftig. Nun mag Durrah dem einen absolut nicht munden, dem andern wie -Kuchen schmecken, eine für den täglichen Konsum minderwerthige Sorte -Brotes als Weizen und Gerste giebt sie auf alle Fälle[315], und ist es -nicht unwahrscheinlich, dass der ägyptische Ackersmann der alten Zeit in -seinen traurigen Verhältnissen gezwungen war, sich des Mehles dieser -Pflanze zum Backen zu bedienen. Leider theilt uns Schlosser nun nicht -mit, welches Standes die Leute gewesen sein mögen, in deren Gräbern man -Durrahbrot gefunden hat; waren es vielleicht bäuerliche Grabkammern, so -würde das für die Ernährungsweise der Phönizier noch gar nichts -beweisen. Dieser wesentlich Handel und Seefahrt treibende Bruchtheil der -ägyptischen Bevölkerung wird in einer finanziell ungleich günstigeren -Lage gewesen sein als die armen Fellahs, und es leuchtet ein, dass -demnach die Ernährungsweise der letzteren auf die jener besser situirten -Leute keine Rückschlüsse gestattet. Die hinsichtlich des Proviantes und -des Saatkornes aufgestellte Behauptung Sandbergs wird sich also auch -durch das Citat aus Schlosser nicht stützen lassen, und dieser Umstand -im Verein mit dem, was sonst gegen die von jenem Forscher vorgebrachte -Ansicht gesagt ist, dürfte die Mitnahme von Durrah in hohem Grade -unwahrscheinlich machen. Ich komme also darauf zurück: Die Kornfrucht -der Phönizier entstammt den Pflanzen, welche Herodot[316] in erster -Linie als σῖτος bezeichnet, dem Weizen oder allenfalls der Gerste, die -man beide, wie die heilige Schrift bezeugt, und wie das Stroh beweist, -das man in ungebrannten Ziegeln findet[317], im Alterthume in Aegypten -baute. Nun wissen wir zwar durch Herodot[318], dass die Aegypter das aus -diesen Pflanzen hergestellte Brot verschmähten, was ja nach Delile[319], -der ausdrücklich bestätigt: „L’orge est le grain que les Égyptiens -donnent aux chevaux“, hinsichtlich der Gerste auch heute noch der Fall -ist, aber es liegt nicht der geringste Grund zu der Annahme vor, dass -die Phönizier diesen Abscheu getheilt hätten. Im Gegentheil, wir dürfen -aus der bekannten Thatsache, dass in vielen Mumiengräbern sich -Weizenkörner gefunden haben, vielmehr mit Sicherheit schliessen, dass -garnicht einmal alle Aegypter, sondern vielleicht nur die -gesellschaftlichen Kreise oder die Landstriche, mit denen Herodot in -Berührung kam, sich ablehnend gegen Brot aus diesem Getreide verhielten. -Weizen, das Hauptprodukt Aegyptens, haben meiner Ansicht nach also die -Phönizier mit auf die Reise genommen, von dieser Frucht ihr Brot -gefertigt und die Körner derselben gesäet. Daneben könnte man noch an -Gerste denken, wenn auch deren Name „oberägyptisches Getreide“[320] ihre -Verwendung weniger wahrscheinlich macht; da diese sich aber in allen für -unsere Abhandlung wichtigen Fragen – Säen, Fortkommen und Ernten – ganz -ähnlich verhält wie der Weizen, werde ich im Folgenden nur letzteren ins -Auge fassen, wobei ich die eventuelle Substituirung jener andern -Getreideart jedem Leser überlasse. - -Zur Bekräftigung der eben vertretenen Ansicht, σῖτος bedeute an unserer -Stelle Weizen, wird es sich noch empfehlen, im Folgenden zu untersuchen, -ob die Bewohner des unteren Nilthales sich vorwiegend von Brot aus dem -Mehle dieser Pflanze nährten; lautet die Antwort bejahend, so muss die -Annahme, die Phönizier hätten anderes Getreide mitgenommen, von selbst -ausgeschlossen erscheinen. Nach der soeben mitgetheilen Behauptung -Herodots, betreffend die Abneigung der Aegypter gegen Weizenbrot, könnte -es nun zwar – zumal da sie, wie wir aus den Opferlisten der Gräber -wissen, mindestens 16 verschiedene Arten Brot und Kuchen kannten[321] – -den Anschein haben, als wenn dieser Nachweis schwerlich glücken dürfte, -und doch ist er möglich, denn in den allgemeinen Begriff Weizen können -wir zweifellos die Abart des Spelzes oder, wie man in andern Gegenden -Deutschlands sagt, des Dinkels hineinbeziehen, und diese wurde in -Aegypten als Nahrungsmittel in ausgiebigster Weise verwendet: malte sich -doch die Phantasie des dort ansässigen Bauern das Paradies als ein -Gefilde, wo sie sieben Ellen hoch würde[322]. Die Griechen hatten – wie -wir – zwei Namen für den Spelt, und Herodot sagt ausdrücklich[323]: „Die -Aegypter leben von ὄλυρα, welche andere ζειά nennen“. De Candolle -bezweifelt zwar das Vorkommen des echten Spelzes in Altägypten und den -benachbarten Ländern[324], aber der angeführte Ausspruch Herodots lässt -es mindestens sehr zweifelhaft erscheinen, ob er recht hat. Sehr -erschwert werden Untersuchungen wie die vorliegende leider dadurch, dass -die griechischen Autoren die Cerealien in so kurzer und nichtssagender -Weise beschrieben haben und in Folge davon der Sinn, den sie mit ihren -Worten haben verbinden wollen, häufig genug ganz unsicher -erscheint[325]. Immerhin aber gewinnt aus mancherlei Gründen die -Ansicht, dass in Aegypten irgend eine Weizenart – gleich viel welche – -gebaut wurde und diese an unserer Stelle unter σῖτος zu verstehen sei, -grosse Wahrscheinlichkeit. Nicht nur wies der fette Boden seine Bewohner -wesentlich auf die Kultur dieses Getreides hin[326], sondern auch die -Denkmäler zeigen Weizen als Ernteprodukt, wie ja auch heute noch diese -Kornfrucht für das Land des untern Nil von hoher Bedeutung ist. Thomé -bezeugt dies ausdrücklich, wenn er sagt: „Weizen und Mais, zu denen in -Oberägypten die Mohrenhirse und im Delta Reis hinzutreten, sind die am -meisten gebauten Getreide“[327]. War doch auch Aegypten während des -ganzen Alterthums von den Zeiten Josephs[328] bis auf die des römischen -Kaiserreiches[329] die Kornkammer seiner Nachbarländer, deren Bedarf an -Weizen es grossentheils deckte, und wie sehr diese Erdstelle als -Hauptproduktionsstätte jener nützlichen Pflanze angesehen wurde, zeigt -uns das Urtheil Diodors[330], der sie geradezu als Vaterland der -Weizenkultur rühmt. Ist seine Ansicht nun auch keineswegs richtig, so -mag sie doch als Beweis dafür gelten, wie gut das fragliche -Bodenerzeugniss dort gedieh. De Candolle[331] belehrt uns, dass sehr -alte Denkmäler Aegyptens, aus der Zeit vor der Invasion der Hyksos, -diese Kultur als eine schon begründete hinstellen, und wenn – wie -erwähnt – in den Mumiensärgen vielfach Weizen gefunden wurde, so ist das -bezeichnend genug für die Rolle, welche ein Getreide spielte, das -Unger[332] mit Recht als die wichtigste der ägyptischen Kornfrüchte -hinstellt. Wie unerschöpflich die Produktionsfähigkeit des Landes in -Bezug auf Weizen war, zeigt uns die Notiz des Plutarch in seiner Vita -des Perikles[333], wo er erzählt, der König von Aegypten habe den -Athenern 40000 Scheffel dieses Getreides geschickt. Der betreffende -König kann nur Amyrtäus gewesen sein[334], und er konnte das Geschenk -machen, nachdem Theile Aegyptens 20 Jahre lang vom Kriege verheert -worden waren. Hier wird übrigens nicht im allgemeinen von σῖτος -gesprochen, sondern es heisst τετρακισμυρίουσ πυρῶν μεδίμνους, und wenn -Link[335] nachweist, dass in den späteren Zeiten des Alterthums σῖτος -geradezu für πυρός gebraucht wurde, also die besondere Bedeutung -„Weizen“ annahm, so ist dies gewiss ein Grund mehr für die Richtigkeit -der Vermuthung, das Wort könne auch bei Herodot dasselbe bezeichnen. -Dafür dass die Phönizier sich wesentlich aus diesem Getreide ihr Brot -gefertigt haben, spricht übrigens ferner der Umstand, dass in ihrer -syrischen Heimath Weizen und Gerste am häufigsten gebaut wurden[336]; -und wenn Herodot erzählt, die Aegypter hätten das Mehl jener Früchte -nicht zum Backen benutzt, und dies als etwas besonders Bemerkenswerthes -hinstellt, das sie von andern Leuten unterschied, so dürfen wir daraus -doch ebenfalls schliessen, dass die erwähnten Getreidearten andern -Völkern, also doch auch wohl den seekundigen Fremdlingen, ihr -wichtigstes Nahrungsmittel gewährten. Zu der Annahme aber, die -Phönizier, welche ihre Heimath verliessen und in Aegypten Kolonieen -gründeten, hätten ihre Lebensweise geändert, liegt gar kein Grund vor. -Wenn wir für ausgemacht halten dürfen, dass die ägyptische -Handelsflotte, so weit es überhaupt eine solche gab, bei der Abneigung -der Aegypter gegen das Meer, in Händen phönizischer Kaufleute und -Schiffer war, so ist damit zugleich gesagt, wo diese sassen, nämlich im -Delta, und hier fehlte es zur Zeit des neuen Reiches sicherlich an dem -trefflichsten Marschboden für Weizenbau nicht. Kurz, man mag die Frage -erörtern, wie man will; es wird stets dasselbe resultiren: die Phönizier -lebten, was ihre vegetabilische Nahrung anbetraf, wesentlich von -Weizenbrot, und σῖτος kann hier nichts anderes bedeuten als Weizen -eventuell Spelz – oder – wie ja immer mit eingeschlossen – Gerste. - - - - - Die Rastorte der Phönizier. - - -Mit dieser Erkenntniss ist aber unendlich viel gewonnen; wir können nun -einen grossen Theil Afrikas von vornherein als ausgeschlossen in Bezug -auf die Stationen der Phönizier bezeichnen. Wir wissen nämlich, dass -innerhalb der Wendekreise mit Ausnahme einiger Gegenden, die in Folge -besonderer lokaler Eigenthümlichkeiten, wie z. B. frischer Winde, eine -exzeptionelle Stellung einnehmen, Weizen erst in solchen Höhen gebaut -werden kann, die hinsichtlich ihrer klimatischen Verhältnisse den -subtropischen Zonen entsprechen[337]. Murzuk z. B. ist einer der -südlichsten Punkte nördlich des Aequators, wo in Afrika noch Weizen und -Gerste gedeihen, aber nur im Winter[338]. Da nun innerhalb der -Tropenzone der Küstensaum Afrikas durchweg niedrig und auch sonst der -angedeuteten Vergünstigungen nicht theilhaftig ist, da ferner die -Annahme, die Phönizier hätten sich von ihren Schiffen weg weiter ins -Innere des Landes auf die zum Plateau führenden Terrassen begeben, um -dort zu säen und zu ernten, ganz unhaltbar erscheint, können wir mit -Sicherheit behaupten: innerhalb der Wendekreise haben die Phönizier ihre -grossen Ruhepausen nicht abgehalten. Auch einige Küstenstrecken in den -gemässigten Zonen können sogleich ausgeschlossen werden. In der -nördlichen einmal die kleine Stelle an der Ostküste vom Abfahrtsorte bis -zum Wendekreise des Krebses, weil da eine Ergänzung des Proviantes noch -nicht nöthig war, sodann an der andern Seite des Erdtheils das Gebiet -vom nördlichen Wendekreise bis zum Atlas hin als der Sahara angehörig; -in der südlichen gemässigten Zone aber die Partie westlich von der -Kalahari. Hier kann zwar Ackerbau getrieben werden, aber nur mit Hülfe -künstlicher Bewässerung[339]. Wenn nun die Phönizier solche auch höchst -wahrscheinlich kannten[340], so wird doch niemand behaupten, sie hätten -dieselbe hier angewendet, denn die Anlage solcher Irrigationen erfordert -Zeit. Da nun jedenfalls wohl zweimal gerastet wurde – in den beiden -ersten Jahren je einmal – und diese Rastorte unbedingt auf der Strecke -vom Abfahrtsorte bis zur Strasse von Gribraltar zu suchen sind – denn -erst im dritten fuhren sie durch die Säulen des Herakles –, kann der -erste nur in dem südlichen Zipfel des Erdtheils, der zweite im -Atlasgebiet gelegen haben. Im Kaplande, wo das Klima bereits subtropisch -ist, gedeiht Weizen schon in geringer Höhe über dem Meeresspiegel. -Vivien de St. Martin sagt in seinem Dictionnaire de géographie -universelle[341] über diese Stelle unseres Planeten: „Pendant la plus -grande partie de l’année là ou il y a de l’eau la terre rend presque -tout ce qu’on lui demande“. Nun zerfällt dieses Land hinsichtlich der -Niederschlagsvertheilung in einen Ost- und einen Westtheil[342]; in -ersterem regnet es in der Zeit vom September bis April, in letzterem im -Winter (unserm Sommer). Wie ich später nachweisen werde, sind die -Phönizier nun wahrscheinlich im Mai des ersten Jahres ihrer Fahrt in -Südafrika angelangt; liessen sie sich hier im westlichen Kaplande nieder -und säeten etwa Anfang Juni, so hatten sie die sicherste Aussicht in -Betreff des Aufgehens der Saat. Es hat sich in den wärmern Ländern im -allgemeinen der Gebrauch herausgestellt, zur Zeit des niedrigsten -Sonnenstandes zu säen, wenn die folgenden Monate zugleich angenehme -Feuchtigkeit bieten; die Periode, in welcher das Getreide wachsen soll, -ist ja naturgemäss die milderer Temperatur, wie ansteigenden Lichtes und -muss stets im Anfang viel, nachher weniger Feuchtigkeit bieten[343]. Das -trifft alles für jene Gegend zu; wenn zu Beginn des Juni gesäet wurde, -hatte man bis August ausgiebige Feuchtigkeit, von da an nahm sie bei -steigender Temperatur allmählich ab[344]. Da der Zwischenraum zwischen -Saat und Ernte von Weizen und Gerste in diesen Gegenden nun ungefähr 5-6 -Monate beträgt, würden sie etwa im November geerntet haben. Der zweite -Rastort wird im Atlasgebiete südlich der Strasse von Gibraltar, also -etwa im heutigen Marokko zu suchen sein. Auch von dieser Gegend ist es, -wie vom Kaplande, bekannt, dass sie zur Produktion von Weizen sehr -geeignet ist. Hier mögen die Phönizier, wie weiter unten ausgeführt -werden soll, etwa im folgenden November angekommen sein, und da die -Aussaat in diesen Gegenden im Dezember stattfindet, konnten sie, wenn -sie dies Geschäft rechtzeitig vornahmen, im Juni ernten[345]. - -Nach diesen Ausführungen wird die Ansicht Rennels, sie hätten zuerst in -Angola und später in Senegambien Station gemacht, die, wie so manche -andere, sein Landsmann Wheeler theilt, hinfällig[346]. Sein Irrthum ist -übrigens verzeihlich; er publizirte sein Werk im Jahre 1800, also zu -einer Zeit, wo der Gedanke an eine Wissenschaft der Pflanzengeographie -in A. von Humboldts Kopfe noch unausgesprochen schlummerte. Ebenso -unhaltbar ist natürlich auch die Vermuthung Junkers[347], dass sie auf -der Küste von Mozambique oder Sofala und später in Oberguinea gesäet und -geerntet haben könnten, und nicht minder diejenige Peschels, der von -einem zweimaligen australischen Frühlinge[348] spricht. Wie dieser -scharfsinnige Gelehrte zu der Annahme kommt, die Phönizier hätten an -beiden Rastorten sich südlich vom Aequator befunden, ist mir, da er -Gründe für seine Behauptung nicht anführt, leider unklar geblieben. -Wunderbar könnte es auf den ersten Blick erscheinen, dass die Sendlinge -Nechos die passenden Stellen und die richtige Jahreszeit für die Aussaat -des Weizens erkannten; bei genauerer Betrachtung erklärt sich aber auch -dieses leicht. Dass sie im Kaplande zu säen beschlossen, dazu mag sie -der Stand der Sonne veranlasst haben, die sie hier bei ihrer Ankunft -mittags etwa eben so tief im Norden erblickten, wie in Aegypten und in -ihrer syrischen Heimath im Süden, wenn man dort im Dezember zur Aussaat -des Weizens schritt[349]. Auch war die Temperatur der heissen Zone, die -sie vorher durchsegelten, jedenfalls zu verschieden von der -heimathlichen, als dass sie zu einem Versuche hätte einladen können; die -des Kaplandes hingegen entsprach jener ungefähr, und dasselbe wird in -Marokko der Fall gewesen sein. Ferner dürfen wir annehmen, dass die -Phönizier mit dem Lande fortgesetzt in Verkehr standen; abgesehen von -mancherlei Bedürfnissen, die sie gezwungen haben werden, hier und da -anzulegen, musste ihnen bei ihren auf die Eröffnung eines neuen -Handelsgebietes gerichteten Plänen eine möglichst genaue Erkundung von -Land und Leuten am Herzen liegen. Sie wären nicht Phönizier gewesen, -wenn sie darauf verzichtet hätten. In der Ausübung dieser Thätigkeit -werden sie nun ohne Mühe aus den Beschäftigungen der Küstenvölker und -dem Stande der Felder erkannt haben, wo und wann es angängig sein -könnte, Weizen zu säen, und so in der westlichen Hälfte des Kaplandes -als der ihrem Vorhaben günstigeren gelandet sein. Im Atlasgebiet kam -ihnen aber vielleicht noch ein anderer Umstand zu Hülfe. Strabo[350] -erzählt, die Phönizier hätten kurze Zeit nach dem trojanischen Kriege an -der Westküste Libyens Städte angelegt. Nun äussert zwar derselbe -Schriftsteller an anderer Stelle hinsichtlich dieser Gründungen -Bedenken, aber seine Zweifel können nicht ins Gewicht fallen, denn -Junker[351] weist nach, dass er auch sonst Glaubwürdiges verwirft. Diese -Kolonieen, von denen ein Theil sehr wohl im heutigen Marokko liegen -mochte, oder wenigstens Reste derselben, werden nun die nechonischen -Phönizier berührt haben und durch den Rath ihrer Landsleute hinsichtlich -der Zeit der Feldbestellung sicherlich unterstützt worden sein. - - - - - Was bedeutet Her. IV, 42 φθινόπωρον? - - -Die vorstehenden Auseinandersetzungen zeigen zur Genüge, dass das Wort -φθινόπωρον an unserer Stelle nicht den Herbst im meteorologischen Sinne -bezeichnen kann, sondern in der Bedeutung von „Saatzeit“ aufzufassen -ist. Herbst – nach ägyptischen Verhältnissen gerechnet – haben unsere -Schiffer überhaupt während ihres Aufenthalts auf den Hauptstationen nur -einmal gehabt und zwar im zweiten Jahre in Marokko. Als im ersten Jahre -der ägyptische Herbst kam, also in unserem September, rasteten sie auf -der Südspitze und hatten demnach Frühling; als aber im März der Herbst -der südlichen Halbinsel begann, waren sie sicher bereits wieder von dort -abgefahren. Schon aus diesen Betrachtungen ergiebt sich, dass unter -φθινόπωρον nicht das verstanden werden darf, was der Kalender als -„Herbst“ bezeichnet. Gosselin[352] freilich behauptet, da das Fallen der -Jahreszeiten in andere Monate, wie es doch auf der südlichen Halbinsel -stattfinde, an der Stelle, wo von Saat und Ernte die Rede ist, garnicht -erwähnt sei, könne man mit Sicherheit annehmen, dass die Phönizier von -dieser Erscheinung selbst nichts gewusst und also die Fahrt überhaupt -nicht gemacht hätten. Ich möchte dem gegenüber darauf hinweisen, dass -wir in der kurzen Notiz bei Herodot schwerlich alles besitzen, was über -jene Reise anderthalb Jahrhunderte vor dessen Aufenthalt in Aegypten in -die Oeffentlichkeit gedrungen war. Da die Fahrt aber nicht die geringste -Konsequenz für die Geschichte Aegyptens gehabt hatte, waren die -Einzelheiten verschollen und wären es vielleicht für immer gewesen, wenn -nicht die Priester dem wissensdurstigen Fremdling zu Liebe die wenigen -Trümmer der Ueberlieferung, die man noch besass, wieder ans Tageslicht -gezogen hätten. Wie viel Wunderbares mag den Phöniziern auf ihrer Fahrt -in den fremden Gegenden aufgestossen sein! Und doch erfahren wir – sei -es, dass sie absichtlich schwiegen, sei es, dass die Kunde im Laufe der -Zeit verloren ging – über alle diese Dinge, abgesehen von dem -veränderten Stande der Sonne, nichts. Wie dürfen wir nun eine -Mittheilung gerade darüber erwarten, dass die Schiffer die Aussaat ein -einziges Mal zu anderer Zeit vornahmen als daheim? Ich muss also dabei -beharren: φθινόπωρον bedeutet hier „Saatzeit“; diese deckte sich im -ersten Jahre der phönizischen Reise, als am Kap Halt gemacht wurde, -keineswegs mit dem ägyptischen Herbste, wohl aber im zweiten bei -Gelegenheit der marokkanischen Rast. Bähr sagt[353], φθινόπωρον bezöge -sich „ad illud omnino tempus, quo sua quisque in terra maturos percipiat -fructus“, vergisst aber dabei, dass nicht unter allen Himmelsstrichen -und nicht für alle Früchte der Herbst die Zeit der Ernte ist; seine -Erklärung passt hinsichtlich des Weizens weder für das Kap, noch für die -Länder des Atlas. Die Gewährsmänner Herodots aber, welche zwar wussten, -dass die Phönizier mehrmals gesäet und geerntet hatten, hinsichtlich der -Einzelheiten sich jedoch völlig im Unklaren befanden, nahmen, da sie die -klimatischen Verhältnisse der betreffenden Länder nicht kannten, mit -einem gewissen Rechte an, ersteres sei zur Zeit des Herbstes ihrer -ägyptischen Heimath geschehen, wo man im Dezember, spätestens im Januar, -wenn das Wasser abgelaufen war, die Felder bestellte und Weizen Ende -März[354], eventuell während des April oder Anfang Mai, Gerste etwas -früher einheimste[355]. Vor allen Dingen erscheint es aber garnicht -ausgemacht, dass die Priester dem Herodot gegenüber ein Wort mit der -Bedeutung „Herbst“ gebraucht haben; vermuthlich sprachen sie nur von -einer Zeit des Säens, und unser Schriftsteller bezog dies auf den -ägyptischen Herbst, da auch ihm unmöglich bekannt sein konnte, dass z. -B. am Kap die Saatzeit eine andere sei[356]. Dies ist um so -wahrscheinlicher, als es nach Diodor fraglich erscheinen muss, ob die -Aegypter überhaupt den Herbst als besondere Jahreszeit betrachtet haben. -An einigen Stellen dieses Schriftstellers[357] ist nämlich nur von einem -ägyptischen Frühling, Sommer und Winter die Rede, auch sagt er bei -anderer Gelegenheit[358] ausdrücklich, die Aegypter hätten nur drei -Jahreszeiten angenommen. Ich denke, aus allen diesen Erwägungen wird -klar hervorgehen, wie sehr Gosselin und seine Anhänger[359] irren, wenn -sie das Schweigen unseres Berichtes über die veränderte Lage der -Jahreszeiten in Südafrika so auslegen, als ob die Phönizier die Fahrt -überhaupt nicht gemacht hätten. - - - - - Genauere Vertheilung der Zeit auf die einzelnen Abschnitte der - Reise. - - -Es wird nun unsere Aufgabe sein nachzuweisen, wie sich die Zeit genauer -auf die einzelnen Abschnitte der Reise vertheilt. Ich weiss recht wohl, -dass die bisherigen Rekonstruktionsversuche heftigen Angriffen von -Seiten derer, welche die Wahrheit der ganzen Erzählung bezweifeln, -ausgesetzt gewesen sind; sehr mit Unrecht. Auch dem meinen wird es, -obgleich er in einigen wesentlichen Punkten von den früheren abweicht, -schwerlich besser gehen. Das kann mich aber nicht abhalten, ihn -anzustellen. Ob ein solcher Versuch das Richtige trifft, darüber kann -man ja freilich verschiedener Meinung sein, im Prinzip muss er aber -gebilligt werden, denn solche Rekonstruktionen tragen nicht nur -wesentlich dazu bei, ein klares Bild der Reise in uns zu erzeugen, -sondern verhelfen uns auch in Folge davon zu einem sichern Urtheile über -die Möglichkeit, bezw. die Wahrscheinlichkeit der Umsegelung und damit -über die Frage, ob der Bericht eines zuverlässigen Schriftstellers einem -Phantasiegebilde gleich zu achten oder als Mittheilung über ein -historisches Faktum zu begrüssen sei. Was nun zunächst das gesammte -Zeitmass von zwei bis drei Jahren anbetrifft, so musste dies unserm -Gewährsmanne Herodot schon deswegen völlig ausreichend erscheinen, weil -er sich Afrika nicht mal bis zum Aequator reichend dachte; dass es aber -auch zur Umsegelung des Erdtheils in seiner wirklichen Gestalt genügte, -glauben wir beweisen zu können. Mannerts und anderer Ansicht[360], dass -die Zeit zu kurz sei, wird nach allem, was früher über die Schnelligkeit -der Schiffe des Alterthums gesagt ist, keinen Anspruch auf -Berücksichtigung mehr erheben dürfen, und eben so wenig kann die oben -erwähnte, oft zitirte Fahrt, die Skylax von Karyanda auf Befehl des -Darius Hystaspes von Kaspatyros, dem heutigen Kabul[361] aus, nach der -Stelle unternahm, von wo Necho die Phönizier ausgeschickt hatte – also -doch wohl nach dem nördlichen Theile des rothen Meeres –, und die trotz -der verhältnissmässigen Kürze des Weges 30 Monate dauerte, gegen die -Wahrheit der phönizischen Umsegelung als Beweis herangezogen werden, da -es ganz ungewiss ist, ob jener Seeheld Phönizier als Matrosen hatte. Es -ist leicht möglich, dass – ganz abgesehen von anderen früher erörterten -Gründen für diese Langsamkeit – seine Mannschaft aus Persern bestand, -die der Seefahrt unkundig waren. Eben so wenig sind Schlussfolgerungen -aus den Fahrten nach Ophir gestattet, denn diese waren ausgesprochene -Handelsreisen, auf denen selbstverständlich die Händler oft anhielten, -um zu kaufen oder zu verkaufen[362], während unsere Umsegelung nicht -selbst eine Handelsexpedition war – sonst wäre die Zeit ja freilich zu -kurz bemessen –, sondern nur die Gelegenheit, Verbindungen merkantilen -Charakters anzuknüpfen, auskundschaften sollte. Bei der Vertheilung der -Zeit auf die einzelnen Jahre wird es nun nöthig sein, die Länge der -Küstenlinie zu berechnen. Es genügt natürlich für unsern Fall, diese -ganz allgemein anzugeben, da wir nicht wissen können, ob jede kleine -Biegung wirklich ausgefahren ist; vermuthlich hat man dies nicht gethan. -Ich rechne daher rund bis zum Kap 10000, von dort bis nach Marokko -abermals 10000 und weiter bis zur Nilmündung 5000, also im Ganzen 25000 -km. Als Rastpunkte liegen auf dieser Strecke fest das westliche Kapland -und Marokko. Man könnte nun vielleicht hoffen, die Länge der einzelnen -Tagfahrten sei durch einen Vergleich mit dem Periplus des Hanno zu -bestimmen, aber bei der Unklarheit, in welcher wir uns hinsichtlich der -in diesem Berichte erwähnten Lokalitäten befinden, erweist sich die -Unmöglichkeit, einigermassen Sicheres aus ihm herauszulesen, nur gar zu -bald. Versuche dieser Art, wie sie von Seiten Rennells und anderer -gemacht worden sind, führen zu nichts. Ausserdem dürfen etwaige -Resultate doch nur unter einem gewissen Vorbehalte zum Vergleiche mit -unserm Fall herangezogen werden, da die Flotte des Hanno, welche zum -Zwecke der Kolonisation mit 30000 Männern und Weibern an Bord von 60 -Schiffen ausgeschickt war, erheblich schwerfälliger gewesen sein wird -als die phönizische Expedition, für welche Agilität erste Bedingung war, -da ihr Gelingen bei eventuellen Fährlichkeiten auf der weiten Fahrt -leicht von möglichster Schnelligkeit der Bewegung abhängen konnte. -Pentekontoren freilich hat Hanno so gut verwendet, wie es wahrscheinlich -unsere Phönizier thaten[363]. Hinsichtlich der Vertheilung der Fahrzeit -auf die einzelnen Tage sind wir also auf ziemlich willkürliche -Kombinationen angewiesen. Sehen wir zunächst, wie Rennell sich mit der -Frage abfindet! Er schätzt den Küstenumfang auf 3360 deutsche Meilen = -25200 km[364] und berechnet als kleinstes Mass für die Tagfahrt 6 d. M. -= 45 km; so würde eine Zeit von 560 wirklichen Reisetagen nöthig gewesen -sein, das sind 18⅔ Monate. Dann nimmt er 12 Monate für Saat und Ernte, -für Erholung, Ausbesserung der Schiffe usw. an und erhält somit für die -ganze Fahrt 2 Jahre 6⅔ Monate. „Doch“ – sagt Rennell – „wollen wir diese -bestimmten ökonomischen Angaben nicht so zuversichtlich angenommen -wissen“. Will man überhaupt solche Berechnungen, die ja einer sichern -Grundlage entbehren, gelten lassen, so wird sich gegen die vorstehende -nicht allzu viel einwenden lassen. Diejenige, welche ich mir aufgestellt -habe, weicht daher von der Rennell’schen nur in wenigen Punkten ab. Wenn -die Phönizier von Kosseir Ende November abfuhren und Ende Mai am Kap -landeten, hatten sie 10000 km in etwa 180 Tagen gesegelt, das macht auf -den Tag ca. 55 km. Sie stachen dann vom Kap ungefähr Anfang Dezember des -zweiten Jahres wieder in See, landeten in Marokko wegen ungünstiger -Strömungen und Winde aber erst gegen das Ende des folgenden November; -auf dieser Tour legten sie also eine Strecke von 10000 km in 12 Monaten, -rund 360 Tagen, zurück, das würde für den Tag etwa 28 km ergeben. Nach -meiner Berechnung hat die ganze Reise also etwas länger gedauert als -Rennell annimmt, nämlich 8 Monate Fahrt + 6 Monate Aufenthalt + 12 -Monate Fahrt + 6 Monate Aufenthalt = 32 Monate, und dann noch so viel, -wie sie brauchten, um von Marokko nach Hause zu gelangen. Hierzu genügte -jedenfalls sehr wenig Zeit, da sie von den Säulen an sich in völlig -bekanntem Fahrwasser bewegten. Die drei Jahre werden also auch bei -dieser Eintheilung nicht überschritten. Das im Verhältniss zu der oben -besprochenen Leistungsfähigkeit der Schiffe des Alterthums -ausserordentlich langsame Segeln während des grössten Theiles der -Strecke erklärt sich leicht aus dem Kurs in völlig unbekannten Gegenden, -in denen die grösste Vorsicht geboten war. Auch müssen wir annehmen, -dass nachts wohl selten gefahren wurde und die Nähe der Küste zum -öfteren Rasten verlocken mochte. Häufiges Landen war ja, abgesehen von -der Befriedigung mancher Bedürfnisse, schon durch den nächsten Zweck der -Expedition geboten. Ein kurzer Ueberblick über die Zeitvertheilung auf -der ganzen Fahrt würde demnach etwa Folgendes ergeben. Wenn sie mit dem -Schluss der Schifffahrt auf dem Mittelmeer sich zu der Reise nach dem -Süden zu rüsten anfingen, können sie sicher etwa Ende November mit ihren -Vorbereitungen fertig gewesen sein. Nun rechnet Herodot 40 Tage auf die -Fahrt von der Nordspitze des rothen Meeres bis Bab-el-Mandeb, und er -konnte in Aegypten, wo man in Folge der Fahrten nach Punt über die -Erstreckung dieses Busens jedenfalls gut unterrichtet war, wohl -Gelegenheit gehabt haben, sich genügend zu informiren. Da die Phönizier -aber nicht aus dem äussersten Norden abfuhren, rechnen wir nicht ganz 40 -Tage bis Bab-el-Mandeb[365] und von da gegen den Wind halb so viel bis -Guardafui, das sie also etwa Mitte Januar werden umsegelt haben. Ende -Mai landeten sie dann in der Nähe der Kapstadt, von wo sie Anfang -Dezember des zweiten Jahres wieder abfuhren, um, nordwärts haltend, Ende -März in den Busen von Biafra zu gelangen und von hier, gegen Wind und -Strömung ringend, Ende Juni Kap Palmas zu passiren, worauf sie im Kampfe -mit dem schwächer werdenden Strom Ende September am Wendekreise und im -Laufe des November im heutigen Marokko angekommen sein werden. Im Juni -des dritten Jahres setzten sie dann die Reise fort, segelten durch die -Säulen des Herakles und gelangten, bei völlig bekanntem Fahrwasser ihr -Tempo beschleunigend, jedenfalls in kürzester Zeit nach Hause. - - - - - Länge des Aufenthalts an den Rastorten. - - -Die Wegstrecken, welche laut vorstehender Eintheilung auf die einzelnen -Segeltage gerechnet sind, werden keinenfalls zu lang erscheinen, eher -könnte dem Verfasser der Vorwurf gemacht werden, bei dem Aufenthalt auf -den beiden Stationen hinsichtlich der Zeit zu freigebig gewesen zu sein, -und da möchte ich wenigstens den Einwurf Vincents[366] zurückweisen, die -Phönizier hätten während der Rastzeit mehr Getreide verzehrt, als bei -der Ernte gewonnen. Sobald wir annehmen, dass sie beim Eintreffen auf -ihrer ersten Station ausser dem, was sie während des Aufenthalts -daselbst zum Leben brauchten, eine genügende Menge Saatkorn hatten, um -reichlich, d. h. so viel zu säen, dass sie mit der gewonnenen Frucht bis -zur nächstjährigen Ernte auskamen und doch noch Korn für die zweite Saat -übrig behielten, wird dies Bedenken hinfällig. Dass sie aber so wohl -versehen waren, dürfte kaum einem Zweifel unterliegen. Die Phönizier -werden selbst bei ihrer verkehrten Ansicht über die Süderstreckung -Afrikas schwerlich angenommen haben, binnen Jahresfrist wieder daheim zu -sein, und eben so wenig konnten sie, da ihnen die zu befahrenden Küsten -gänzlich unbekannt waren, bei ihrer Abreise mit Sicherheit darauf -rechnen, unterwegs Gelegenheit zur Saat und Ernte zu finden. Jedenfalls -werden sie sich also einen grossen Vorrath Korn mitgenommen haben, und -es kann kein Bedenken erregen, die nothwendige reichliche -Verproviantirung als einen der Gründe dafür anzusehen, dass mehrere -Schiffe ausgerüstet wurden, in denen, da sie Waren zum Tausch oder -Handel schwerlich enthielten, für reichliche Versorgung mit Getreide -genügender Raum blieb. Kamen sie nun während des Mai im Kaplande an, so -hatten sie von ihren Vorräthen erst sechs Monate gelebt und gewiss noch -so reichlich Korn, dass sie ein grösseres Areal bestellen und doch noch -bis zur Ernte von dem Rest des Mitgebrachten leben konnten. Was sie aber -von der umfangreichen Fläche einheimsten, wird mit etwaigen -Ueberbleibseln des alten Getreides nicht nur für die marokkanische Saat, -sondern auch zum Lebensunterhalt bis zur dortigen Ernte gereicht haben. -Konnten sie am Atlas nicht mehr so ausgiebig säen – denn sie waren ja -zwischen der ersten und zweiten Rast ein volles Jahr (Dezember bis -November) unterwegs und mussten noch für 6 Monate Korn zum Unterhalte -zurückbehalten (Dezember bis Mai) –, so schadete das nichts, da sie an -der kleineren hier gewonnenen Ernte doch gewiss bis zur Rückkehr in die -Heimath genug hatten. - -Der Einwurf Vincents dürfte damit als erledigt betrachtet werden, aber -auch abgesehen von ihm könnte man an der Länge des Aufenthaltes Anstoss -nehmen, da die Alten Weizen kannten, den δίμηνος und τρίμηνος, der schon -zwei oder drei Monate nach der Saat in jenen wärmeren Gegenden reif -wurde, ja sogar eine auf Euboea heimische Abart, welche nur 40 Tage dazu -brauchte. Lassen wir nun dahin gestellt, ob die Phönizier zufällig eine -von diesen Sorten mit sich führten, ob sie Sommer- (ἠρινός) oder -Winterweizen (χαιμερινός)[367], ob sie sechszeilige Gerste – -wahrscheinlich die einzige, die man in Altägypten kannte[368] – oder -endlich irgend eine andere Weizen- oder Gerstenart gebaut haben, -immerhin können wir auf einen jedesmaligen halbjährigen Aufenthalt -rechnen, denn ausser dem Säen und Ernten des Getreides, dessen -Vegetationsperiode in Südafrika, wie oben gezeigt, im allgemeinen 5-6 -Monate beträgt[369], blieb ihnen noch genug andere landwirthschaftliche -Arbeit, wie Dreschen und Ausworfeln; sodann werden aber auch vor allem -die Schiffe einer gründlichen Reparatur bedürftig gewesen sein. Sie -hatten wohl zu viel Tiefgang, als dass sie an jeder beliebigen Stelle -ohne grosse Mühe aufs Land gezogen werden konnten; um so nöthiger wird -dies nach monatelanger Fahrt an den beiden Hauptruhestätten gewesen -sein. - - - - - Sind Störungen seitens der Eingeborenen bei Saat und Ernte - anzunehmen? - - -Aber nicht nur die Frage nach der Länge des Aufenthaltes hat -Veranlassung zu Erörterungen gegeben; es finden sich auch in einigen -Beurtheilungen dieser Expedition Zweifel darüber ausgesprochen, ob das -Säen und Ernten seitens einer verhältnissmässig kleinen Schar von -Männern in fremdem Lande inmitten barbarischer Völkerschaften ungestört -habe von statten gehen können[370]. Diese Bedenken sind um so -unbegreiflicher, als bekannt ist, mit welch’ ehrfurchtsvoller Scheu -gerade einfache Naturvölker zivilisirteren Fremdlingen entgegenzutreten -pflegen, falls sie von ihnen nicht gerade gereizt werden. Der Respekt, -den die eingeborenen Küstenbewohner vor Männern gehabt haben werden, die -mit gewaltigen Schiffen über das weite Meer gewissermassen aus einer -andern vollkommneren Welt zu ihnen kamen, mochte, auch wenn jene in -geringer Anzahl erschienen, doch wohl die paar Monate vorhalten, welche -die Phönizier sich an ihren Ruheplätzen aufhielten. Man denke nur an den -Eindruck, den Cortez’ Spanier auf die Bewohner des Plateaus von Anahuac -machten. Und ohne Zweifel werden die Phönizier sich nicht nur aufs -äusserste gehütet haben, mit den Eingeborenen in Konflikt zu gerathen, -während ihr Korn auf dem Halme stand, sondern sie werden sogar, wenn sie -Gelegenheit fanden, sicher bemüht gewesen sein, durch kleine -Aufmerksamkeiten – und wie leicht ist das kindliche Gemüth solcher -Wilden zufriedengestellt! – ein gutes Einvernehmen zu erkaufen, was -freilich nicht gehindert haben mag, dass sie beim Absegeln, getreu ihrer -alten Piratenart, die erwiesene Gastfreundschaft lohnten, indem sie -mitnahmen, was nicht niet- und nagelfest war. Nach dem, was wir über -Sataspes’ Fahrt wissen, ist übrigens kaum anzunehmen, sie seien mit den -Eingeborenen persönlich in Berührung gekommen. Herodot erzählt[371], -dass dieselben beim Nahen jener Expedition, ihre Städte preisgebend, auf -die Berge flohen, so dass die Matrosen ihnen ihr Vieh ungehindert nehmen -konnten. Und solche Leute sollten die Phönizier bei Saat und Ernte -gestört haben? Schwerlich. Es kann nach diesen Auseinandersetzungen wohl -nicht mehr zweifelhaft erscheinen, dass die Versorgung der Expedition -mit Getreide in der von Herodot angedeuteten Weise vor sich gegangen ist -und Wheeler irrt, wenn er meint[372], König Necho habe den Phöniziern -zunächst am Gestade des rothen Meeres Stationen zur Verproviantirung -errichtet, später aber hätten sie auf ihrer Fahrt an der Ostküste -Afrikas entlang durch irgend welche Beziehungen zu den südlicher -wohnenden Völkern Nahrungsmittel erhalten. Sie bedurften sicherlich -keiner Zufuhr, bis sie das Kap, und später, bis sie das Atlasgebiet -erreicht hatten. - - - - - Der Stand der Sonne. - - -Ich komme jetzt zu demjenigen Punkte des herodoteischen Berichtes, der -seit alten Zeiten mehr als alles andere von sich hat reden machen, zu -dem unsern Reisenden so auffälligen Stande der Sonne. Die Phönizier -erzählten bekanntlich, sie hätten, als sie Libyen umsegelten, diese zur -Rechten gehabt. Fragen wir zunächst, wie das zu verstehen ist. Einige -Forscher glauben, es sei die _Morgen_sonne gemeint[373], ohne jedoch -Gründe für ihre Ansicht anzugeben. Mir scheint es, da die Worte τὸν -ἥλιον ohne irgend einen diese Anschauung rechtfertigenden Zusatz stehen, -näher zu liegen, an den gesammten täglichen Lauf, speziell an den -Höhepunkt desselben, die Stellung zur Mittagszeit, zu denken, und ebenso -wird augenscheinlich die Sache von der Mehrzahl der kompetenten -Beurtheiler aufgefasst. Demnach würden die Phönizier, als sie um die -Südspitze Afrikas fuhren, die Sonne um Mittag im Norden gesehen haben. -Welche Beweiskraft nun diese Mittheilung für die Wahrheit der ganzen -Erzählung habe, darüber ist heiss gestritten worden. Die einen -behaupten, es sei hierdurch unumstösslich dargethan, dass die Reise ums -Kap wirklich gemacht sei, die andern wollen darin nicht die Spur eines -Beweises erblicken. Meiner Ansicht nach haben beide Parteien unrecht. - -Ich muss darauf verzichten, wenn ich dem Vorwurfe zu grosser -Weitschweifigkeit entgehen will, einen Ueberblick über alles zu geben, -was geschrieben ist, um der einen oder der andern Behauptung grösseren -Nachdruck zu verleihen, aber dieser Verzicht wird mir nicht allzu -schwer. Neben wenigen guten Körnern findet sich unendlich viel Spreu, -und man erinnert sich bei manchem der vielen Versuche, auf Grund der -erwähnten Ueberlieferung einerseits die Wahrscheinlichkeit, andrerseits -das Fabelhafte der Umsegelung nachzuweisen, der Worte Bredows: „Quo -maior ars, eo minor fides“. - -Erwägen wir zunächst den Werth des Zweifels, den Herodot dieser -Sache gegenüber äussert! Er war in allen Fragen, welche die -mathematisch-astronomische Geographie betreffen, ein reines Kind. Erst -zu seiner Zeit fing ja das Dunkel, welche diese Geheimnisse der Natur -bedeckte, allmählich an, sich zu lichten. Parmenides von Elea nahm -zuerst aus bessern Gründen die Kugelgestalt der Erde an und unterschied -die Zonen[374], aber dessen unteritalische Heimath lag für die damaligen -Verkehrsverhältnisse und bei der Langsamkeit, mit der sich in alter Zeit -geistige Errungenschaften verbreiteten, zu weit ab von der Reiseroute -Herodots, als dass man annehmen könnte, diese Wahrheiten, die ca. 460 -ausgesprochen wurden, seien bald zu seinen Ohren gedrungen. Als er aber -später sein Heim nach Thurii verlegte, wo er leicht Gelegenheit haben -konnte, die neue Anschauung kennen zu lernen, brachte er wahrscheinlich -mancherlei Ausarbeitungen über seine Reisen schon fertig mit und mochte -der frisch auftauchenden Theorie nicht genug Vertrauen entgegenbringen, -um danach seine früheren Aussprüche zu modifiziren. Jedenfalls erkannte -er die Lehre von der Kugelgestalt der Erde nicht an, und dass ihm auch -die Gesetze, nach denen sich die wichtigsten Himmelskörper bewegen, -nicht klar waren, geht aus mehreren Stellen seines Werkes deutlich -hervor[375]. Demnach hatte er auch keine Ahnung von der Schiefe der -Ekliptik und ihren Ursachen und Folgen[376]; die Worte Her. II, 19: -τροπέων τῶν θερινέων verbürgen, wie längst nachgewiesen ist, nicht -etwaige Kenntniss jener Verhältnisse[377]. Es kann auffallend -erscheinen, wenn Herodot, der weit gereiste und wissensdurstige, in -dieser Beziehung so ganz im Dunkeln tappte, aber dass er es that, steht -fest, und vielleicht war es gut so, er hätte sonst wohl das wichtige -Faktum des nördlichen Sonnenstandes als etwas Alltägliches und Bekanntes -garnicht registrirt und dadurch eine für die Wahrscheinlichkeit der -Umsegelung in hohem Grade überzeugende Thatsache unserer Kenntniss -vorenthalten. Wie Herodot aber nicht im Stande war, aus -wissenschaftlichen Gründen einen nördlichen Sonnenstand zu erklären, so -hat er auch keinenfalls Gelegenheit gehabt, sich auf andere Weise von -der Möglichkeit eines solchen zu überzeugen; denn er ist weder selbst -jemals über den Wendekreis des Krebses hinausgekommen, noch wird er -glaubwürdige Leute gesprochen haben, welche aus eigener Anschauung ihm -versichern konnten, dass eine derartige Stellung in der That möglich -sei. Selbst in Elephantine, das nicht mal 60 km vom Wendekreis des -Krebses entfernt lag, und wo doch sicher Menschen lebten, die einmal -innerhalb der Tropen gewesen waren, hat er augenscheinlich dazu keine -Gelegenheit gefunden. Er dachte sich die Erde als eine Art Scheibe, über -welcher das Firmament als eine hohle Halbkugel ruhe, eine Anschauung, -die nicht wunderbar, im Gegentheil vielen Naturvölkern, welche die -Himmelserscheinungen nur nach der sinnlichen Wahrnehmung beurtheilen, -geläufig ist. Dass das scheinbare Himmelsgewölbe eine Hohlkugel sei und -sie von ihm nur die eine Hälfte kennen, ahnen diese so wenig, wie etwa -die Menschheit vor Magelhans berühmter Reise wusste, dass ihr erst die -halbe Oberfläche der Erde bekannt war. An diesem Gewölbe geht die Sonne -dem Herodot von Osten nach Westen[378], aber nicht in der Mitte, sondern -mehr südlich. Da er sie mittags stets im Süden sah, stand sie seiner -Ansicht nach zu dieser Tageszeit über den dort liegenden Erdräumen -senkrecht[379]. Dass es jenseits jener Gebiete Länder oder Meere gäbe, -wo man sie nördlich sähe, konnte er nicht annehmen, am allerwenigsten -aber, dass dies der Fall sei in den Gegenden, wo er die Südküste Afrikas -vermuthete, d. h. weit nördlicher, als sie wirklich liegt. So kommt es -denn, dass Herodot über die ganze phönizische Expedition im Tone des -Gläubigen berichtet und ihm nur dies eine, der nördliche Standpunkt der -Sonne, Bedenken erregt[380]. Dieser Zweifel wird bei seinen mangelhaften -Kenntnissen berechtigt erscheinen; uns, die wir mit fortgeschrittenerem -Wissen ausgestattet sind, braucht er an der Wahrheitsliebe der Phönizier -nicht irre zu machen. - -Wir gehen daher über ihn hinweg und treten der Frage näher: Ist die -Nachricht, wie viele wollen, ein unumstösslicher Beweis dafür, dass die -Phönizier wirklich ums Kap gefahren sind? Die Antwort wird lauten: Nein. -Zwar ist nicht nur von älteren Gelehrten darauf hingewiesen, dass bei -dem damaligen Standpunkte der astronomischen Geographie, die zur Zeit -der Umsegelung noch in den Windeln lag, Schiffer, um den Glauben an eine -Fahrt zu erwecken, die sie garnicht gemacht, unmöglich auf die -Erscheinung hätten verfallen können, die selbst dem erfahrenen und durch -seine Reisen vielseitig gebildeten Herodot nicht glaublich -erschien[381], sondern auch einer der bedeutendsten neueren, Karl -Ritter, äussert: „Leute, die keine astronomisch-geographische Theorie -besassen, aus der sich ergiebt, dass dies (der nördliche Standpunkt der -Sonne in der Mittagsstunde) nur auf der südlichen Halbkugel stattfinden -kann, konnten dies nicht erzählen, ohne es wirklich gesehen zu haben“; -aber doch scheint mir der hieraus für unsere Untersuchung gezogene -Schluss, dass damit die Wahrheit des Berichtes unumstösslich bewiesen -werde, etwas voreilig. Unbestreitbar ist freilich auch meiner Ansicht -nach, dass wir Kenntniss der einschlägigen Gesetze und Verhältnisse -anderthalb Jahrhunderte vor Herodot keinenfalls bei phönizischen -Schiffern voraussetzen dürfen, die sich wohl mit Astronomie zum -praktischen Gebrauche für die Seefahrt beschäftigen mochten, denen aber -das Studium wissenschaftlicher Probleme der Sternenwelt sicherlich nicht -zuzutrauen ist. Aber – werden wir fragen müssen – konnten nicht unsere -Seeleute, auch ohne die Gesetze der astronomischen Geographie zu kennen, -bei den auf früheren Fahrten gemachten Erfahrungen und den damals -landläufigen Ansichten über die geringe Süderstreckung Afrikas auf die -Vermuthung eines nördlichen Sonnenstandes für die jenen Erdtheil -Umsegelnden mit Leichtigkeit verfallen? Ich glaube, unbedingt. Seit -Jahrhunderten, vielleicht seit Jahrtausenden, gingen phönizische Schiffe -südlich bis Bab-el-Mandeb; so war es den Phöniziern jedenfalls bekannt, -dass das Tagesgestirn für diese Gegend unter gewissen Umständen um -Mittag nördlich stehe. Gesetzt nun, sie nahmen an – und dass sie es -wahrscheinlich thaten, ist oben gezeigt –, die Südküste Afrikas liege -etwa unter gleicher geographischer Breite wie jene Pforte des rothen -Meeres, so konnten sie leicht die aus ihren Beobachtungen bei -Bab-el-Mandeb gewonnenen Resultate auf die mittäglichen Gestade jenes -Erdtheils übertragen und, wenn sie eine Umsegelung fingiren wollten, -auch ohne wirklich dort gewesen zu sein, von dem in jenen Breiten, wo -sie die Südküste vermutheten, wahrzunehmenden nördlichen Standpunkte der -Sonne sprechen, ohne Furcht, damit irgend etwas Unmögliches zu -behaupten. Einen vollgültigen Beweis für die Wahrheit des Berichtes der -Phönizier liefert dieser Theil ihrer Erzählung also keineswegs; ja, -Beurtheilern, die zum Zweifel neigen, wird sich noch die Frage -aufdrängen, ob nicht, wenn auch nicht die ganze Mittheilung, so doch -wenigstens jener Herodot so sehr mit Bedenken erfüllende Zusatz über die -Sonnenstellung als eine Erfindung anderen Ursprungs, nämlich der -ägyptischen Priester, zu betrachten sei. Um hierüber zu einem Schlusse -zu kommen, werden wir zunächst den Umfang ihres Wissens auf dem Gebiete -der astronomischen Geographie feststellen und fragen müssen: Berechtigte -dasselbe sie zur Annahme eines nördlichen Sonnenstandes? So weit wir -vermuthen dürfen, war es so wenig wie das der Phönizier aus irgend -welchen Theorieen geschöpft, sondern rein der Praxis des Lebens -entnommen. Zwar hat man behauptet, die Schiefe der Ekliptik und ihre -Wirkungen seien den Priestern bekannt gewesen und dies durch Zeugnisse -aus dem Alterthume zu bekräftigen versucht, so des Strabo, der als -Gewährsmann dafür angeführt zu werden pflegt, dass sie über die Bewegung -und Stellung der Himmelskörper eingehende Kenntniss besessen -hätten[382]. Aber er sagt nur ganz allgemein, sie seien sternkundige -Männer gewesen, wie weit ihr Wissen im einzelnen ging, erfahren wir -durch ihn nicht. Der andere ist Diogenes Laertius in seiner Vita des -Thales[383]. Daraus, dass dieser für das Jahr 610 v. Chr. eine -Sonnenfinsterniss vorherzusagen vermochte, hat man geschlossen, dass er -sich über die Bewegung von Erde und Mond schon völlig klar gewesen sei. -Knös[384] folgert demgemäss nach dem Vorgange von Gosselin: Wenn Thales -eine Sonnenfinsterniss vorhersagen konnte, musste er die Schiefe der -Ekliptik kennen. Thales, ein Zeitgenosse des Necho, hatte aber, wie in -seiner Vita steht, bei den ägyptischen Priestern Geometrie, also -wahrscheinlich auch Astronomie, studirt. Demnach werden diese Priester -schon zur Zeit des Necho die Schiefe der Ekliptik gekannt und gewusst -haben, dass die Sonne bald über dem einen, bald über dem andern -Wendekreise senkrecht steht. - -Diese Beweisführung aus der Prophezeiung des Thales ist nicht -stichhaltig, und die Schlüsse, welche aus ihr auf die astronomischen -Kenntnisse der ägyptischen Priester gezogen werden, sind unrichtig. -Zunächst folgt aus dem Umstande, dass Thales jene Sonnenfinsterniss -vorhersagte, noch keineswegs, dass er die Schiefe der Ekliptik und -überhaupt die Gesetze, nach denen sich die Erde um die Sonne und der -Mond um die Erde bewegen, kannte. Eine genauere Prüfung des -herodoteischen Berichtes über jene Prophezeiung wird dies ergeben. Er -erzählt[385], Thales von Milet habe den Joniern diese Finsterniss vorher -verkündigt und als Zeit das Jahr angegeben, in dem sie sich wirklich -zutrug. Nun ist aber Folgendes über jeden Zweifel erhaben: Kannte Thales -in der That die vorhin bezeichneten Gesetze der Bewegung der Erde und -des Mondes, also unter anderm auch die Schiefe der Ekliptik, so war er -im Stande, nicht nur das Jahr, sondern auch den Tag und die Stunde der -Finsterniss vorherzusagen und hätte dies sicherlich gethan; daraus, dass -er sich auf die Angabe des Jahres beschränkte, können wir ohne Bedenken -entnehmen, dass ihm die Kenntniss der betreffenden Gesetze abging und er -die Kunde von dem zu erwartenden Eintritt jenes Naturereignisses andern -Umständen verdankte. Ueber diese dürfte es gestattet sein, folgende -Vermuthung auszusprechen. Bekanntlich sind die Sonnenfinsternisse an -bestimmte Perioden gebunden, und es ist leicht denkbar, dass sich viele -Jahrhunderte vor Thales, als noch niemand an eine wissenschaftliche -astronomische Geographie dachte, schon Männer gefunden haben, welche -durch Tradition überlieferte Erfahrungen über die Wiederkehr solcher -Erscheinungen mit den Beobachtungen ihres eigenen Zeitalters -zusammenstellten und der Nachwelt gewisse Formeln überlieferten, nach -denen man die Jahre berechnen konnte, welche in Zukunft ähnliche -Ereignisse mit sich bringen würden. Wer sich im Besitze dieser Formeln -befand und durch sie die Perioden kannte, in denen die Finsternisse -wiederkehren, war nun natürlich in der Lage, auch ohne irgend etwas von -den Bewegungen der betreffenden Himmelskörper zu wissen, das Jahr einer -solchen Erscheinung vorher zu verkünden. Derartiger Formeln wird sich -auch Thales bedient haben. Dass er nur auf diese Weise zu seiner -Prophezeiung befähigt sein kann, ist unbestreitbar; es geht das klar -daraus hervor, dass Diogenes ihn zum Schüler der ägyptischen Priester in -der Geometrie macht, womit ja zugegeben wird, dass er noch weniger -mathematische Kenntnisse besass, als jene Männer, und das will viel -sagen. Man hat die Höhe, bis zu welcher sich wissenschaftliche -Leistungen im Lande der Pyramiden schon frühe aufgeschwungen haben -sollten, ehedem weitaus überschätzt, wie ja lange Zeit hindurch die -ganze altägyptische Kultur in unsern Augen mit dem Nimbus des -Wunderbaren umkleidet war; jetzt sind wir besser unterrichtet und wissen -sicher, dass im alten, und können mit grosser Wahrscheinlichkeit -behaupten, dass auch im neuen Reiche die Kenntnisse der Aegypter in der -Mathematik so ausserordentlich dürftig waren, dass jede Vermuthung, sie -hätten den Lauf von Himmelskörpern berechnen können, als völlig absurd -zurückgewiesen werden muss. Die ersten Anfänge einer wirklichen -Astronomie – doch auch nur diese – hatte man zwar im alten -Aegypten[386], aber die Mathematik diente dort rein der Praxis des -Lebens; wie die Grösse eines Ackers berechnet, wie als Besoldung -dienende Esswaren unter eine Anzahl berechtigter Empfänger angemessen -vertheilt wurden, derartige Aufgaben wusste man annähernd richtig zu -lösen[387], was darüber hinauslag, war den Leuten am Nil ein Buch mit -sieben Siegeln, und mit wohl begründetem Erstaunen erkennt man die -unglaubliche Schwerfälligkeit, mit der die einfachsten Aufgaben, welche -bei uns jeder Knabe vor seinem Eintritt in die Sexta gewandt im Kopfe zu -lösen weiss, schriftlich ausgerechnet werden. Und die Verfasser der -Rechenbücher, welche solcher Umständlichkeit zur Bewältigung der -leichtesten Operationen bedurften, sind doch jedenfalls nicht beliebige -Leute aus der grossen Masse, sondern sicher die Gebildeten der Nation, -d. h. die Priester gewesen. Wer aber noch mit den vier Spezies im Kampfe -liegt, wird selbstverständlich nicht an die Lösung von Aufgaben aus der -höheren Mathematik denken, und somit muss die Vermuthung, welche Knös -äussert[388], die Priester hätten die Gesetze von der Bewegung der -erwähnten Himmelskörper zwar wohl gekannt, aber dem Herodot als einem -Manne, „cui facta historica, non astronomiam discendi desiderium fuit“ -vorenthalten, für hinfällig erklärt werden; sie konnten nicht lehren, -was sie selbst nicht wussten. Wenn nun Thales nach Aegypten ging, um bei -diesen Männern Geometrie und allenfalls Astronomie zu studiren, wenn er -also glaubte, von ihnen noch lernen zu können, wie ausserordentlich -gering muss dann der Umfang seines eigenen Wissens gewesen sein! -Geradezu Lachen erregend wirkt der Gedanke, ein Mann, der die Schiefe -der Ekliptik kannte, habe in den Tempeln des Nillandes sich weiter -bilden wollen. Es darf nach diesen Erwägungen als ganz unmöglich -bezeichnet werden, dass er – gesetzt auch, er habe die in Aegypten -eingeheimsten Kenntnisse später selbständig fortentwickelt und seine -Lehrer an Gelehrsamkeit weit übertroffen – jemals auch nur annähernd auf -den Standpunkt gekommen sei, die Bahnen von Himmelskörpern berechnen zu -können; genau eben so wenig wird aber die Annahme gestattet erscheinen, -seine ägyptischen Lehrer hätten dies vermocht. - -Im Vorstehenden ist nachgewiesen: aus wissenschaftlichen Gründen konnten -die Gewährsmänner Herodots den nördlichen Stand der Sonne nicht -erklären; damit ist aber keineswegs gesagt, dass sie die Thatsache -selbst für undenkbar hielten. Denn sicherlich haben sie, da sie das -innerhalb der Tropen gelegene Meroe kannten[389], und auch in Folge der -ägyptischen Züge nach Aethiopien, wie der Fahrten nach Punt – also aus -der Praxis des Lebens – gewusst, dass nicht allzu weit südlich von ihrer -Heimath Gegenden lägen, wo es unter gewissen Umständen möglich sei, die -Sonne mittags im Norden zu erblicken. Also auch von ihrer Seite -erscheint eine Täuschung nicht absolut ausgeschlossen. Die Sache wird so -gelegen haben, dass es beiden, den Phöniziern, wie den Priestern möglich -war, von der auffallenden Stellung des Tagesgestirns zu erzählen, ohne -dass jemand die Fahrt gemacht hatte. Es fragt sich nur, ob wir es auch -für wahrscheinlich halten dürfen, dass sie es thaten. Und das glaube ich -nicht. Denn was zunächst die Phönizier betrifft, so konnten sie durch -die Erwähnung einer Thatsache, die sie, wie die Priester ohne Zweifel -wussten, leicht durch Kombination hatten zurecht konstruiren können, -ihren eventuellen Zweck, die Aegypter von der Ausführung der Umsegelung -zu überzeugen, schwerlich erreichen. Es lag sehr nahe, zu vermuthen, -dass in den Gegenden, die sie durchsegelt haben wollten, die Erscheinung -der nördlich stehenden Sonne so gut zu beobachten sei wie im südlichen -rothen Meere; darum hätten sie, wenn es galt, den Bericht über eine -nicht gemachte Reise mit Wahrscheinlichkeitsbeweisen auszustatten, dazu -sicher irgend etwas anderes gewählt, als dieses im Kreise ihrer Zuhörer -seit Jahrhunderten bekannte Faktum. Die Phönizier sind also meiner -Ansicht nach von einer auf Grund dieser Nachricht beabsichtigten -Täuschung unbedingt freizusprechen; was sie erzählten, haben sie -wirklich erlebt. Wenn aber der Bericht von der Fahrt ein Märchen war, -das den Priestern seinen Ursprung verdankte, wenn diese wussten, dass -die Phönizier weder jemals die fragliche Reise unternommen, noch, -heimgekehrt, von dem Stande der Sonne erzählt hatten, wie sollten sie -dann dazu gekommen sein, an ihre schmucklose Erzählung, die sie, wie -oben gezeigt, so leicht durch allerhand märchenhaften Aufputz hätten -interessanter färben können, schliesslich noch die Erwähnung eines -Ereignisses anzufügen, das bei Ausführung der Reise nicht nur faktisch -so eingetreten wäre, sondern auch nach ihrem eigenen Ermessen gerade so -eintreten musste, wie sie es darstellten? Die Lüge verfügte doch über -einen zu reichen Schatz phantastischer Vorstellungen, als dass sie bei -der Wahrheit hätte zu borgen brauchen. Ich glaube also, auch den -Priestern dürfen wir böswillige Erfindung nicht zutrauen; sie haben -wahrheitsgetreu überliefert, was ihren Vorgängern im Amte durch die -heimkehrenden Phönizier berichtet worden war. - -So bleibt nur noch die Frage zu beantworten, was diese, nachdem sie die -Reise wirklich gemacht hatten, veranlasst haben mag, die nördliche -Stellung der Sonne, die sie während ihrer Fahrt zu finden jedenfalls -erwartet hatten, und die auch den Aegyptern nicht überraschend -erscheinen konnte, noch ausdrücklich zu erwähnen. Die Antwort ist bald -gegeben: Die Phönizier haben einen Sonnenstand beobachtet, der alles, -was sie bislang in dieser Hinsicht gesehen oder wovon sie gehört hatten, -weit hinter sich liess. Wenn sie nun auch noch so verschwiegen waren in -Betreff aller Erfahrungen, die sie bezüglich der Verwirklichung ihrer -kolonialen Pläne gemacht hatten, diese interessante Erscheinung zu -verheimlichen, lag kein Grund vor. Worin aber das Wunder bestand, das -sie so anstaunten, ist leicht gesagt. Mochten die Phönizier das südliche -rothe Meer befahren und selbst Bab-el-Mandeb passirt haben, mehr als -etwa 10° entfernte sich die Sonne hier nie vom Zenith. Nun wird zwar für -den, der um die Zeit des längsten Tages der nördlichen Halbkugel in -diesen Gegenden sich von Osten nach Westen bewegt, der eigene Schatten -zur Linken fallen, und wir müssen annehmen, dass die Phönizier dies so -gut beobachtet haben, wie wir wissen, dass das spätere Alterthum es -beobachtet hat. Aber die Abweichung der Sonne vom Zenith erscheint so -gering, dass ein unbefangener Beurtheiler immer noch mehr den Eindruck -haben wird, sie stehe ihm zu Häupten als zur Seite. Jeder, der den -Versuch machen, einen Punkt am Himmel, 10° vom Zenith, suchen und sich -dort die Sonne denken wird, dürfte mir Recht geben, und auch die -Phönizier werden bei Bab-el-Mandeb diesen Eindruck gehabt haben. Wenn -sie aber um die Südspitze Afrikas fuhren – und es traf sich ja so, dass -sie dies zur Zeit des nördlichen Sommers thaten, wo für jene Gegenden -die Sonne zur Mittagszeit möglichst tief stand –, hatten sie natürlich -ein ganz anderes Schauspiel; passirten sie im Mai das Nadelkap, so -erblickten sie die Sonne um Mittag etwa 50° vom Zenith entfernt. Sie -sahen das Tagesgestirn also dem nördlichen Horizonte etwa eben so nahe, -wie es zur Zeit des ägyptischen Winters dem südlichen stand. Aehnliches -war ihnen noch nicht vorgekommen, und da sie eine Erklärung dafür nicht -kannten, wird es ihnen als ein Wunder erschienen sein, das sie, -zurückgekehrt, als das seltsamste Erlebniss ihrer langen Reise den -staunenden Aegyptern verkündeten, die ihrerseits das, was die kühnen -Schiffer erzählten, bei dem bisherigen Mangel aller Nachrichten aus -südlichen Breiten für interessant genug hielten, um es der Nachwelt zu -überliefern. So blieb die Erinnerung an diese seltsame Erscheinung -anderthalb Jahrhunderte lang in Aegypten lebendig, und um so mehr, weil -sie eine der wenigen Einzelheiten war, die man über die Reise erfahren -hatte. - -Es scheint mir nach diesen Erwägungen gänzlich ausgeschlossen zu sein, -dass die Phönizier zu einer wesentlich andern Jahreszeit als der -angegebenen, etwa gar um den _südlichen_ Sommeranfang das Kap passirt -haben; in letzterem Falle wäre die Abweichung der Sonne vom Zenith kaum -grösser gewesen, als sie dieselbe bei Bab-el-Mandeb oftmals gesehen, und -hätte schwerlich Veranlassung gegeben, ihrer besonders zu gedenken. Je -weiter nördlich unsere Schiffer das Gestirn erblickten, um so -auffallender und bemerkenswerther musste dies ihnen erscheinen; wenn sie -nun etwa im Mai an der Südspitze des Erdtheils entlang fuhren, um in der -Nähe der heutigen Kapstadt zur ersten Saat und Ernte zu landen, so hatte -die Sonne ihren nördlichsten Standpunkt für diese Gegenden beinahe -erreicht. In der Annahme, dass die Phönizier um die Zeit, wo dies -geschah, das Nadelkap umsegelten, finden wir aber auch den Schlüssel -dafür, dass die ganze Erscheinung nicht als eine zweimalige erwähnt -wird, obgleich sie sich doch an der Nordguineaküste den Schiffern zum -zweiten Male gezeigt haben muss. Denn, wie oben erwähnt, werden sie an -dieser zu einer Zeit entlang gefahren sein, als die Sonne in der Nähe -des Wendekreises des Krebses senkrecht stand, und etwa um den nördlichen -Sommeranfang Kap Palmas passirt haben. Hier erschien ihnen in dieser -Jahreszeit das Gestirn mittags etwa 20° vom Zenith entfernt, was sie -sicher nach den bei Bab-el-Mandeb gesammelten Erfahrungen mit dem -grössten Staunen erfüllt haben würde, wenn sie nicht am Kap einen weit -grösseren Zenithabstand kennen gelernt hätten. Nach dem, was sie dort -erlebt hatten, imponirte ihnen der Stand der Sonne in Oberguinea -jedenfalls nur noch wenig, und so werden sie den Priestern nach ihrer -Rückkehr wohl von einer auffällig sich dem nördlichen Horizonte -nähernden Stellung jenes Weltkörpers, schwerlich aber auch von derselben -im zweiten Jahr mit weit geringerer Intensität auftretenden Erscheinung -gesprochen haben. Daher berichtet Herodot einfach, sie hätten die Sonne -im Norden gesehen, oder, wie er sich ausdrückt „zur Rechten gehabt“, -macht aber durch diese kurze Notiz, wenn auch – wie gezeigt – ein -absoluter Wahrheitsbeweis damit nicht erbracht wird, die Umsegelung -jedenfalls ohne sein Wissen und vielleicht auch gegen seinen Willen in -hohem Grade wahrscheinlich. - -Geben wir nun einen Ueberblick über die Stellung der Sonne zu den -Phöniziern an den verschiedenen Punkten ihrer Reise! Wenn sie etwa Ende -November abfuhren und Mitte Februar den Aequator erreichten, hatten sie -dieselbe natürlich während dieser ganzen Zeit mittags südlich gesehen. -Bald nachdem sie die Linie gekreuzt hatten, passirten sie dann, so zu -sagen, jenen Himmelskörper, welcher der Stellung der Tag- und -Nachtgleiche entgegen eilte. Nun begann allmählich das Auffällige. Je -weiter die Phönizier südwärts fuhren, und je mehr die Sonne zugleich -sich ihrer Stellung zur Zeit des nördlichen Sommeranfangs näherte, desto -intensiver mussten Erscheinungen eintreten, welche die Aufmerksamkeit -der Schiffer in steigendem Masse in Anspruch nahmen. Am meisten wird -dies selbstverständlich der Fall gewesen sein, als sie die Südspitze des -Erdtheils erreicht hatten, während zugleich das Tagesgestirn über den -Gegenden in der Nähe des nördlichen Wendekreises senkrecht stand. Zur -Zeit der ersten langen Rast, die sie hielten, stieg dann die -Mittagssonne von Tag zu Tag höher, und im Dezember sahen sie dieselbe -bei ihrer Abfahrt in nördlicher Richtung mit geringer Abweichung vom -Zenith vor sich; als sie aber im März in der Gegend der Nigermündung -anlangten, stand sie ziemlich senkrecht über ihnen. Vom Kap bis hierher -wird also nichts für Ophirschiffer Merkwürdiges sich ergeben haben. Auf -der folgenden Strecke bis zum Kap Palmas erblickten sie dann die Sonne -mittags wieder zur Rechten, doch der grösste Abstand vom Zenith betrug -noch nicht 20°, und das war nach dem, was sie in Südafrika erlebt -hatten, nicht der Rede werth. Je mehr sie aber, den letzten Theil ihrer -Fahrt zurücklegend, sich den heimathlichen Breiten näherten, desto -bekannter mussten ihnen die Vorgänge am Firmament erscheinen, und desto -weniger auffallend war ihnen natürlich der Sonnenstand. - - - - - Schlussbetrachtung. - - -So denke ich mir nach dem leider so kurzen Berichte Herodots jene -merkwürdige Fahrt. In vielen Punkten werden die Ansichten anderer von -den meinigen wesentlich abweichen, in einem alle Beurtheiler, die -überhaupt an die Umsegelung glauben, rückhaltlos mit mir übereinstimmen: -an Gefahren wird diese Entdeckungsreise so reich gewesen sein wie je -eine. In unbekannte Weiten ging der Weg, über Meere, die wohl nie zuvor -der Kiel eines Schiffes durchfurcht hatte; nicht überall waren Wind und -Wellen den kühnen Schiffern gewogen, gegen widrige Strömungen in der -Atmosphäre und im Meer galt es stellenweise anzukämpfen; mühsam musste -die Mannschaft, was sie zum Leben brauchte, erst mit eigener Hand säen -und dann im Schweisse ihres Angesichts einheimsen; ja selbst die Quelle -des Lichts, das dem Menschen in Noth und Gefahren neuen Muth in der -Seele erweckt, schien in dieser fremden Welt aus ihrer alten Bahn -gedrängt zu sein. Vincent[390] führt Namen an, welche die Schiffer des -Alterthums Marktplätzen an der Ostküste Afrikas gegeben haben sollen; er -nennt sie: the prison, the straits of burial, the port of death, the -gate of affliction, bezeichnend genug auch für die Fährlichkeiten der -phönizischen Route, und welchen Eindruck das Kap der guten Hoffnung auf -die macht, welche es zuerst erblicken, besagt der Name, den ihm die -Portugiesen unter Bartholomäus Diaz gaben; sie nannten es: „Cabo da -todos los tormientes“[391]. Und doch wird es auch den Phöniziern zu -einem Kap der guten Hoffnung geworden sein; nachdem sie es umsegelt -hatten, ging die Fahrt ja heimwärts gen Norden, und dem väterlichen -Herde waren die Schiffe zugekehrt. Wohl mochte die kühnen Männer die -westliche Erstreckung der Küste vom Busen von Benin bis zum Kap Palmas -mit neuem Schrecken erfüllen, da sie durch dieselbe von ihrem Ziele -abgelenkt zu werden schienen, und wenn jemals, mag ihnen hier, wo Wind -und Meeresströmung konträr waren, der Gedanke an Umkehr gekommen sein; -sie werden sich aber andrerseits verständigerweise gesagt haben, dass -sie nach dem Wenden der Schiffe bis zum heutigen Kap Guardafui -fortgesetzt gegen den Strom anzufahren hätten, zeitweise – im Kanal von -Mozambique – gegen einen stärkeren, als der an der Küste von Nordguinea -war, nicht minder auch einen Theil des Weges gegen den Wind, und werden -demgemäss vorgezogen haben, der eingeschlagenen Richtung muthig weiter -zu folgen, in der Hoffnung, nach nicht allzu langer Zeit wieder -günstigere Verhältnisse zu treffen. Als sie dann am Kap Palmas -vorübergesegelt waren, werden sie mit neuem Muthe erfüllt worden sein, -da nun die Küste eine nördliche Wendung nahm und der Polarstern, sich -mehr und mehr aus dem Meere hebend, ihnen baldige Ankunft in bekannteren -Gewässern verhiess. Freilich darf man, um die Reise der Phönizier im -rechten Lichte zu sehen, in einer Beziehung nicht den Massstab der -heutigen Seefahrt anlegen. Der moderne Seemann mit seinem tiefgehenden -Fahrzeuge sucht, gestützt auf sein Arsenal von Instrumenten, sich -möglichst auf offener See zu halten und meidet die Nähe des Landes; dem -des Alterthums hingegen, der weit flachere Schiffe benutzte und im -offenen Meer viel leichter seinen Kurs verfehlen konnte, gewährte die -Nähe des Landes ein Gefühl der Sicherheit: kam ein Unwetter, lief er an -und zog seine Barke ans Land. So dürfen wir uns die Schwierigkeiten und -Gefahren, welche diese Reise mit sich brachte, wenn sie auch enorm -waren, doch nicht so erheblich vorstellen, dass aus diesem Grunde die -ganze Fahrt hätte unterbleiben müssen; unüberwindlich waren sie nicht. -Und sicher wussten die Sendlinge des Aegypterkönigs recht wohl, dass -eine Aufgabe wie die gestellte ohne die Bewältigung ausserordentlicher -Hindernisse nicht zu lösen war; sie werden sich darüber so wenig im -Unklaren gewesen sein, wie man sich am Hofe des Xerxes in dieser -Beziehung Täuschungen hingab[392]. Aber sollten sie deshalb vor der -Fahrt zurückschrecken? Hatte ihr Volk nicht schon Aehnliches vollbracht? -Eben in der Gefahr mag für so wagehalsige Männer, wie diese alten -phönizischen Seefahrer gewesen sein müssen, ein besonderer Reiz gelegen -haben, und Strabo sagt ja geradezu, als er von der Schwierigkeit der -Seefahrt an den Syrten spricht[393]: „Die Keckheit der Menschen macht, -dass alles versucht wird, besonders die Küstenfahrten“. Eins allerdings -war nöthig, wenn das Unternehmen gelingen sollte, nämlich Glück, und das -haben unsere Schiffer, wie unbedingt zugegeben werden muss, in hohem -Grade gehabt. Es ist allein schon als ein besonders günstiger Zufall -anzusehen, wenn sie in den beiden einzigen Gegenden der langen Küste -zwischen dem rothen Meere und der Strasse von Gibraltar, wo überhaupt -Weizenbau möglich ist, gerade zu den Zeiten anlangten, in welchen die -Aussaat sich am besten vornehmen liess. Ohne Glück sind derartige -Unternehmungen überhaupt nicht ausführbar. Man erinnere sich nur der -epochemachenden Fahrt, deren zehnjährige Vollendung wir nun bald feiern; -was die Phönizier zuerst für den Süden der alten Welt geleistet, das -that Ende der siebziger Jahre unseres Jahrhunderts Nordenskiöld für den -Norden derselben. Und so wenig jemand an dem entschlossenen Muthe und -der grossen nautischen Geschicklichkeit dieses hervorragenden Entdeckers -zweifeln wird, so gewiss wird doch jeder, der die einschlägigen -Verhältnisse kennt, zugestehen, dass ohne Glück selbst er den arktischen -Breiten nicht entronnen wäre und die „Vega“ vielleicht heute noch -festgeklemmt zwischen Eisschollen und Schneefeldern sässe. Aber selbst -die Annahme, dass durch das Zusammentreffen mannigfacher Glücksumstände -den Phöniziern die Lösung ihrer Aufgabe erleichtert sei, vermag nicht, -ihren Ruhm zu schmälern. Sie haben ausgeführt, was erst über zweitausend -Jahre nach ihnen der Menschheit aufs neue zu vollbringen gelang, eine -Reise, die Rosellini[394] sehr richtig charakterisirt: „tremendo -passaggio non solo all’ antica arte marinaresca, ma a quella eziandio di -circa tre secoli fa“; die Fahrt, welche die Schiffer des Königs Necho -600 Jahre vor Christi Geburt auf ihren Pentekontoren glücklich vollendet -haben, ist erst am Ende des 15. Jahrhunderts unserer Zeitrechnung den -portugiesischen Galeeren und den Matrosen aus der Schule Heinrichs des -Seefahrers aufs neue geglückt. Die Geschichte der Geographie, speziell -der Entdeckungen, ist nicht arm an bedeutenden Ereignissen; es hat nie -an Beweggründen edelster oder minder edler Art gefehlt, welche kühne -Männer hinaustrieben zur Erforschung unbekannter Theile der Oberfläche -unseres Planeten, aber schwerlich ist jemals eine That zu verzeichnen -gewesen oder wird zu verzeichnen sein, welche grösser wäre als diese -phönizische Fahrt. Mit Recht winden wir grünen Lorbeer um die Stirne der -Helden, die auf dem Felde der Ehre mannhaften Muthes dem Feinde -entgegentreten als Beschützer der heimathlichen Penaten, und wenn die -Geschichte denen einen Platz in ihren Annalen gönnt, die für ihren -Glauben oder ihre wissenschaftliche Ueberzeugung willig ihr Leben dahin -geben, so wird ihnen zu Theil, was sie verdienen; aber der Muth dieser -Männer, die, ohne irgend welche nennenswerthe nautische Hülfsmittel zu -besitzen, zuerst die unbekannten Wasserwüsten des südlichen indischen -und atlantischen Ozeans durchfuhren und so eins der schwierigsten -Probleme der Erdkunde lösten, verdient – wenn auch Gewinnsucht unter den -Beweggründen eine hervorragende Rolle gespielt haben mag – nicht -geringere Bewunderung. Das sind Heldengestalten, wie sie dem Horaz -vorschwebten, als er sein: „Illi robur et aes triplex etc.“ sang, und es -ist tief zu beklagen, dass der Name des hervorragenden Seemannes, -welcher diese Expedition leitete, der Nachwelt nicht erhalten ist; er -stände billig dem Vaskos und Nordenskiölds zur Seite. - -Ich hoffe, es ist mir im Vorstehenden gelungen, etwaige Zweifel an der -Wahrheit des von Herodot über die phönizische Expedition Mitgetheilten -zu besiegen. Ich vermag Lewis nicht beizustimmen, welcher äussert[395]: -„we may conclude that the circumnavigation of Africa in the time of Neco -is too imperfectly attested and too improbable in itself, to be regarded -as a historical fact“; im Gegentheil, mögen die Ansichten im einzelnen -auch noch so weit auseinandergehen, an der Thatsache selbst zu zweifeln, -dürfte kein Grund vorliegen, und der Vorwurf der Leichtgläubigkeit oder -Kritiklosigkeit, der den Gläubigen durch Lewis Worte gemacht wird, und -in den der ganze Chorus seiner Gesinnungsgenossen im volltönenden -Unisono einstimmt, wird nach sorgfältiger Erwägung der massgebenden -Verhältnisse endgültig verstummen müssen. Wer aber überzeugt ist, dass -wir es hier nicht mit einer Fabel, sondern mit einem historischen Faktum -zu thun haben, der wird den kühnen Männern, die den grossen Gedanken des -Königs Necho zur That werden liessen, das zuerkennen, was ihnen gebührt: -einen unverwelklichen Ruhmeskranz. - - - - - Anmerkungen. - - - [1] „Nothing is more easy than to affirm the accomplishment of these - great attempts (die Umsegelungen Afrikas im Alterthum), where an - author logs himself with neither circumstances or particulars“. - - [2] History of Ancient Geography. I, p. 296. - - [3] cf. Berger: Geschichte der wissenschaftlichen Erdkunde der - Griechen. Erste Abtheilung: Die Geographie der Jonier, p. 40. - - [4] Λιβύη μὲν γὰρ δηλοῖ ἑωυτὴν ἐοῦσα περίρρυτος, πλὴν ὅσον αὐτῆς - πρὸς τὴν Ἀσίην οὐρίζει, Νεκῶ τοῦ Αἰγυπτίων βασιλέος πρώτου τῶν ἡμεῖς - ἴδμεν καταδέξαντος, ὃς ἐπείτε τὴν διώρυχα ἐπαύσατο ὀρύσσων τὴν ἐκ - τοῦ Νείλου διέχουσαν ἐς τὸν Ἀράβιον κόλπον, ἀπέπεμφε Φοίνικας ἄνδρας - πλοίοισι, ἐντειλάμενος ἐς τὸ ὀπίσω δί Ἡρακλέων στηλέων διεκπλέειν, - ἕως ἐς τὴν βορηίην θάλασσαν καὶ οὕτω ἐς Αἴγυπτον ἀπικνέεσθαι. - ὁρμηθέντες ὧν οἱ Φοίνικες ἐκ τῆς Ἐρυθρῆς θαλάσσης ἔπλεον τὴν νοτίην - θάλασσαν· ὅκως δὲ γίνοιτο φθινόπωρον, προσίσχοντες ἄν σπείρεσκον τὴν - γῆν, ἵνα ἑκάστοτε τῆσ Λιβυής πλέοντες γινοίατο, καὶ μένεσκον τὸν - ἄμητον· θερίσαντες δ ἂν τὸν σῖτον ἔπλεον, ὥστε δύο ἐτέων - διεξελθόντων τρίτῳ ἔτεϊ κάμψαντες Ἡρακλέας στήλας ἀπίκοντο ἐσ - Αἴγυπτον καὶ ἔλεγον ἐμοὶ μὲν οὐ πιστά, ἄλλῳ δὲ δή τεῳ, ὁς - περιπλώοντες τὴν Λιβύην τὸν ἥλιον ἔσχον ἐς τὰ δεξιά. - - [5] Siehe darüber Wheeler: The Geography of Herodotus, p. 336, wo - die ablehnenden Ansichten des Plato, Ephorus, Polybius, Strabo und - Ptolemäus aufgeführt sind. Zu vergl. Bunbury: History of Ancient - Geography, I, p. 290. - - [6] cf. Berger, a. a. O., pp. 37 n. 41. - - [7] cf. Gosselin: Ueber die Kenntniss der Alten von der West- und - Ostküste Afrikas und über die Umschiffung dieses Erdtheils (bei - Bredow: Untersuchungen über einzelne Gegenstände der alten - Geschichte, Geographie und Chronologie, II, p. 338). - - [8] Strabo II, 3. - - [9] ibid. I, 1. - - [10] ibid. I, 2. - - [11] ibid. - - [12] Bunbury: Hist. etc. - - [13] Hier wird die Behauptung ausgesprochen, dass eine ursprünglich - anders lautende Erzählung im Laufe der 150 Jahre, welche zwischen - der ihr zu Grunde liegenden Thatsache und dem Aufenthalt Herodots in - Aegypten verflossen wären, zu dieser Umsegelung umgestempelt worden - sei. Die für die Unwahrscheinlichkeit der Umsegelung an dieser - Stelle angeführten Gründe sollen weiter unten widerlegt werden. - - [14] a. a. O. - - [15] Die Entdeckungen der Karthager und Griechen, aus dem Polnischen - übersetzt, p. 2. - - [16] Précis de la Géographie Universelle, Tome I, p. 68 f. - - [17] History of the commerce, navigation and discoveries of the - Ancients in the Indian Ocean. - - [18] Histoire de la géographie, p. 30 f. - - [19] Das alte Indien. - - [20] Handbuch der alten Geschichte. - - [21] Handbuch der alten Geographie, I, p. 41. - - [22] Geogr. der Griechen u. Römer, Einleitung, p. 19. - - [23] cf. dessen Abhandlung in: „Neue Jahrbücher für Philologie und - Pädagogik“ von Seebode und Jahn, p. 428 ff. - - [24] Wheeler: The Geography of Herodotus, p. 344. - - [25] Géographie physique de la mer noire. - - [26] History of Greece, III, p. 377 ff. - - [27] Histoire Ancienne des peuples de l’orient, p. 488 ff. - - [28] In den Mémoires de l’Institut Royal de France, Académie des - Inscriptions et Belles-Lettres, tome XV, p. 380 ff. - - [29] The Geographical System of Herodotus. - - [30] Wheeler, a. a. O., p. 342, Anm. - - [31] In seiner Ausgabe des Herodot (s. den Exkurs zu IV, 42). - - [32] De navigationibus extra columnas Herculis. - - [33] a. a. O. - - [34] „Die Umschiffung Libyens durch die Phöniker“ in: „Neue - Jahrbücher für Philologie und Pädagogik“, Supplementband VII. - - [35] Disquisitio de fide Herodoti, qua perhibet Phoenices Africam - navibus circumvectos esse. - - [36] Disputatio historica de Africa a Phoenicibus circumnavigata. - - [37] Geschichte des Alterthums^4, II, p. 476. - - [38] Ideen über die Politik, den Verkehr und den Handel der - vornehmsten Völker der alten Welt. - - [39] Handel und Schifffahrt auf dem rothen Meere in alten Zeiten. - - [40] Kosmos II, p. 103 u. Anm. 23. - - [41] Geschichte der Geographie. - - [42] Die Erforschung Afrikas^2, p. 2 f. - - [43] Geschichte der Erdkunde^2, herausgegeben von S. Ruge, p. 20 f. - - [44] Geschichte der Erdkunde und der Entdeckungen, herausgeg. von - Daniel. - - [45] Niebuhr, kl. Schriften, I, p. 135. - - [46] cf. Ulrici, Charakteristik der antiken Historiographie, p. 35, - Anm. 1. - - [47] cf. I, 140; III, 115, 116; IV, 16, 187. - - [48] cf. I, 160; VI, 14, 81, 124, 137; VIII, 8; IX, 32, 81, 84. - - [49] cf. II, 19. - - [50] cf. II, 119. - - [51] cf. I, 95, 214; VII. 214. - - [52] cf. II, 125. - - [53] cf. II, 29, 99, 147, 148. - - [54] Vivien de St. Martin, Histoire de la Géographie, p. 88 - beurtheilt das Werk des Herodot im allgemeinen dahin: „Ce caractère - de souveraine exactitude dans les faits de détail appartient à - l’oeuvre tout entière d’Hérodote; il est marqué dans les - descriptions géographiques aussi bien que dans les parties purement - historiques.“ – C. O. Müller, Geschichte der griechischen - Litteratur^3, I, p. 454: „Dass Herodot bei diesen Mittheilungen, wo - er nicht das selbst Gesehene und Beobachtete beschreibt, - mannigfachen Täuschungen ... ausgesetzt war, wer könnte dies - leugnen?“, aber weiter unten: „Wie oft haben neuere Reisende, - Naturforscher, Ethnographen Veranlassung gehabt, die Wahrheit und - Genauigkeit von Beobachtungen und Erkundigungen zu bewundern, welche - in scheinbar abenteuerlichen und seltsamen Erzählungen Herodots - enthalten ist!“ - - [55] a. a. O., p. XXXIX. - - [56] μυθολόγος; Aristot. de gener. anim., III, 5. - - [57] cf. De Herodoti malignitate. - - [58] cf. Steins Ausgabe des Herodot, 3. Aufl., Einleitung, p. XIV f. - - [59] cf. II, 28. - - [60] cf. Creuzer: Die historische Kunst der Griechen, p. 100 ff. - - [61] cf. II, 3, 55, 102. - - [62] cf. Anm. 31. - - [63] cf. XVII, 1. - - [64] In: Brugsch: Gesch. Aegyptens, p. 501 ff. Nach anderer Ansicht - hat Pentaur mit diesem Gedichte nur dadurch zu thun, dass er es - abgeschrieben hat. cf. Eduard Meyer: Gesch. des alten Aegypten, p. - 304, Anm. 1. Der priesterliche Ursprung ist aber keinenfalls zu - bezweifeln. - - [65] Eduard Meyer, a. a. O., p. 292. - - [66] cf. Her. II, 171. - - [67] cf. Duncker: Gesch. des Alterthums^4, II. 469. - - [68] cf. Her. II, 110. - - [69] p. 184. - - [70] cf. Her. II, 175 u. 176. - - [71] cf. Ed. Meyer, a. a. O., p. 363. - - [72] cf. Her. II, 152. - - [73] S. darüber weiter unten. - - [74] cf. Ed. Meyer, a. a. O., p. 363. - - [75] cf. Her. II, 173. - - [76] cf. Her. II, 154, 178. - - [77] 2. Kön., 23; 29. – 2. Chron. 35; 22 ff. – Her. II, 159. - - [78] Jerem. 46; 2. - - [79] Maspéro, a. a. O., p. 493. - - [80] cf. Her. IV, 42. - - [81] cf. Her. II, 158. – Ob Necho den Kanal erst graben oder den - versandeten hat wiederherstellen lassen wollen, wie andere meinen – - cf. Lieblein, a. a. O., p. 105 – ist für die in Frage stehende - Untersuchung gleichgültig. – Warum ich den Kanalbau _nach_ dem - syrischen Misserfolge ansetze, werde ich unten ausführen. - - [82] cf. Her. II, 159. - - [83] cf. II, 102, wo Sesostris’ Züge erzählt werden. - - [84] cf. Ed. Meyer, a. a. O., p. 370. - - [85] a. a. O. I, p. 21. - - [86] a. a. O., p. 8. - - [87] cf. Duncker, a. a. O., I, p. 172. - - [88] Genes. 43; 32. - - [89] cf. Mannert, a. a. O., Einleitung, p. 20. - - [90] cf. C. und Th. Müller, Hecataei fragmenta, 187, und Hesiod. - Fragm. LXXXVI, ed. Göttling, Schol. Apoll. IV, 259. - - [91] a. a. O., p. 488. - - [92] p. 38. - - [93] Sesostris – gänzlich sagenhaft – ist die Gestalt, zu der die - grossen ägyptischen Eroberer den Griechen zusammenschmolzen; die - bedeutendsten Thaten werden ihm beigelegt. - - [94] II, 3. - - [95] II, 67. - - [96] a. a. O., p. 344. - - [97] „Réflexions sur le commerce de Carthage en particulier et sur - celui des Anciens en général“ in den „Mémoires de l’Académie des - Inscriptions“, Tom. XXVIII, p. 308. - - [98] IV, 43. - - [99] a. a. O., p. 384. - - [100] wie Gosselin, a. a. O., p. 338 behauptet. - - [101] Anton Krichenbauer: Die Irrfahrt d. Odysseus als eine - Umschiffung Afrikas. - - [102] I, 2. - - [103] a. a. O., p. 58. - - [104] XVII, 1. - - [105] II, 154. - - [106] cf. Diodor, I, 67. - - [107] cf. Ed. Meyer, a. a. O., p. 366. - - [108] cf. Erman: Aegypten, II, p. 681. - - [109] cf. Duncker, a. a. O., I, p. 172. - - [110] Od. XIV, 285-291. - - [111] cf. Duncker, a. a. O., II, 469. - - [112] II, 154. - - [113] II, 179. - - [114] XVII, 1. - - [115] cf. II, 121 u. 160. - - [116] ibid., p. 119. - - [117] cf. Ed. Meyer, a. a. O., p. 242. - - [118] ibid., p. 231. - - [119] cf. Lieblein. a. a. O., p. 61 f. - - [120] cf. Ed. Meyer, a. a. O., p. 244. - - [121] cf. Her. II, 102-106. - - [122] cf. Heyne: De fide Diodori, in den Comment. Soc. Gott. VII, - 83, und v. Bohlen: Das alte Indien, I, p. 62. - - [123] cf. Karl Ritter: Geschichte der Erdkunde und der Entdeckungen, - herausgegeben von Daniel, 2. Aufl., p. 9 ff. - - [124] cf. Her. II, 50. - - [125] cf. Plutarch: Isis und Osiris, Kap. 32. - - [126] I, 1. - - [127] a. a. O., p. 308. cf. Lenormant: Histoire Ancienne de - l’Orient^9, VI, p. 491. - - [128] cf. Her. II, 159. - - [129] VII, 89. - - [130] VIII, 17. - - [131] a. a. O., p. 309. - - [132] a. a. O., Einleitung, p. 21. - - [133] cf. Movers: Die Phönizier, II, 3, p. 184. - - [134] cf. Strabo III, 5. - - [135] cf. Duncker, a. a. O., II, p. 46, u. I, p. 516. - - [136] cf. Strabo III, 5. - - [137] cf. Junker, a. a. O., p. 372, wo auch die einschlägige - Litteratur angeführt ist. - - [138] Besonders geschieht dies seit Mauchs afrikanischen Reisen. - - [139] cf. Brugsch: Ophir, in der Sonntagsbeilage zur „Voss. Zeitung“ - vom 17. März 1889. - - [140] cf. Riehm: Bibl. Handwörterbuch, Art. „Ophir“, u. Lieblein, a. - a. O., p. 60. - - [141] cf. Grotefend: Vorrede zu Sanchuniathons Auszuge, - herausgegeben von Wagenfeld, p. XX. - - [142] 1. Kön., 10; 22. - - [143] Indische Alterthumskunde, II, 579 ff. - - [144] ibid., p. 584 ff.; I. p. 784. cf. Ed. Meyer: Geschichte des - Alterthums, I, p. 225. - - [145] In der Vorrede zu Sanchuniathons Auszuge, herausgegeben von - Wagenfeld, p. XIX. - - [146] cf. 2. Buch der Chronika, 9; 9. - - [147] Geogr. der Griechen und Römer, I, 1, p. 46 ff. - - [148] VII, 21. - - [149] a. a. O., p. 24. - - [150] cf. Arriani Exped. Alex., VI, 1. - - [151] cf. ibid. VII, 19. - - [152] a. a. O., p. 198 f. - - [153] cf. Peschel, a. a. O., p. 123. - - [154] a. a. O., p. 39. - - [155] cf. Her. VII, 23. - - [156] cf. ibid., VII, 44 u. 96. - - [157] a. a. O., I, p. 703. - - [158] cf. III, 114. - - [159] cf. IV. 43. - - [160] cf. ibid. u. II, 32. - - [161] cf. Strabo I, 1, III, 5 u. Diod. V, 19 u. 20. - - [162] p. 333. - - [163] a. a. O., p. 375. - - [164] cf. Peschel, a. a. O., p. 22, Anm. 2, u. Hennicke, De - Geographia Africae Herodotea, p. 36. - - [165] Strabo, I, 5. - - [166] cf. Peschel, a. a. O., p. 60. - - [167] cf. Strabo I, 5 u. II, 3. - - [168] Exped. Alex., V, 26. - - [169] cf. I, 202. - - [170] cf. IV, 36 u. II, 23. - - [171] cf. IV., 42. - - [172] cf. Her. II, 102. - - [173] II, 31. - - [174] a. a. O., p. 38. - - [175] II, 5. - - [176] cf. Ed. Meyer, a. a. O. - - [177] cf. Sandberg, a. a. O. p. 15. - - [178] II, 159. - - [179] II, 158. - - [180] cf. Erman, a. a. O., II, p. 631. - - [181] ibid. - - [182] Her. IV, 42. - - [183] XVII, 1. - - [184] cf. Her. II, 102-110 u. Diod. I, 53-58. - - [185] Junker, a. a. O., p. 365; Sandberg, a, a. O., p. 31. - - [186] IV, 44. - - [187] cf. II, 11 u. 158. - - [188] cf. II, 159. - - [189] cf. Ed. Meyer, a. a. O., p. 50. - - [190] cf. Lieblein, a. a. O., p. 11. - - [191] cf. über die Geschichte dieser Strasse und ihren Endpunkt am - rothen Meere: Ed. Meyer, a. a. O., pp. 153 ff., 183 f., 296, 320, - 369, 373. - - [192] cf. Lieblein, a. a. O., p. 127, Anm. 1. - - [193] Cf. XVII, 1. - - [194] cf. Maspéro, a. a. O., p. 491. - - [195] 2. Kön., 24; 7. - - [196] cf. Ed. Meyer, a. a. O., p. 381. - - [197] II, 112. - - [198] a. a. O., p. 92 ff. - - [199] Griech. Gesch.^5, I, p. 40. - - [200] cf. Sandberg, a. a. O., p. 50. - - [201] II, 32. - - [202] cf. Her. IV, 172, 182. - - [203] cf. Her. II, 152. - - [204] cf. Kosmos II, Anm. 23. - - [205] Cf. Her. IV, 152. - - [206] cf. G. Gilbert: Handbuch der griech. Staatsalterthümer, II, p. - 248. - - [207] cf. Mommsen: Röm. Gesch., I^6, p. 143. - - [208] cf. Lieblein, a. a. O., p. 65 f. u. viele Stellen des von ihm - angezogenen Periplus Maris Erythraei. - - [209] XVII, 1. - - [210] a. a. O., p. 489. - - [211] cf. Bredow: Geogr. et Uranolog. Her. specimen, p. XXXIV, u. - Vincent, a. a. O., Vol. II, p. 14. - - [212] Forbiger: Handbuch der alten Geographie, I, p. 63. Diese - Notiz, wie einige andere, war Herr Kand. d. höh. Schulamts Franz - Jänicke so freundlich für mich auszuziehen. Ich sage ihm auch an - dieser Stelle für seine Gefälligkeit meinen besten Dank. - - [213] cf. XVII, 3. - - [214] cf. Paulitschke, a. a. O., p. 18, p. 29, Anm. 6 u. das von ihm - angeführte Werk: Letronne: Discussion de l’opinion d’Hipparche sur - le prolongement de l’Afrique an sud de l’Équateur etc. im Journal - des Savants 1831. - - [215] III, 38. - - [216] cf. Her. 114. - - [217] Hist. natur. VI, 33. - - [218] cf. Peschel: Gesch. der Erdkunde, 2. Aufl., p. 21. - - [219] cf. ibid., p. 60. - - [220] cf. ibid., p. 79. - - [221] cf. ibid., pp. 97 u. 101. - - [222] cf. Gosselin, a. a. O., p. 352. - - [223] a. a. O., I, p. 23. - - [224] cf. Maspéro, a. a. O., p. 492. - - [225] cf. Ed. Meyer, a. a. O., p. 384. - - [226] cf. Her. II, 161. - - [227] cf. Ed. Meyer, a. a. O., p. 383. - - [228] cf. Her. II, 182; I, 77; III, 47. - - [229] cf. Her. II, 175, 176, 182. - - [230] Histoire de la géographie, p. 30. - - [231] cf. Knös, a. a. O. p. 18, annot. - - [232] a. a. O., p. 339, Anm. 1. - - [233] cf. Maspéro, a. a. O., p. 488. - - [234] cf. Her. II, 161. - - [235] a. a. O., p. 380 ff. - - [236] cf. dagegen Mannert, a. a. O., I, p. 23. - - [237] Gesch. der wissenschaftl. Erdkunde der Griechen. Erste - Abtheilung: Die Geogr. der Jonier, p. 39. - - [238] IV, 44. - - [239] cf. Hannonis periplus in: Geographiae veteris scriptores - Graeci minorea, I. - - [240] cf. Her. V, 116. - - [241] Griech. Gesch., 5. Aufl., I, p. 36. - - [242] cf. Her. III, 19. - - [243] III, 5. - - [244] a. a. O., I. p. 23. - - [245] ibid., p. 21. - - [246] Die Phönizier III, p. 185. - - [247] a. a. O., I, p. 537 u. II, 191. - - [248] a. a. O., p. 339 ff. – cf. Rennell, b. Bredow, p. 693. - - [249] cf. Guthe-Wagner: Lehrbuch der Geographie, 5. Auflage, p. 328; - auch Brugsch: Ophir, in der Sonntagsbeilage zur „Vossischen Ztg.“ - vom 17. März 1889, der sagt, dass wegen häufiger Windstillen und - ungünstiger Winde noch gegenwärtig ein arabischer Segler 5-6 Monate - braucht, um das rothe Meer von einem Ende bis zum andern zu - durchschiffen. - - [250] Hann, v. Hochstetter und Pokorny: Allgem. Erdkunde, 2. Aufl., - p. 58. - - [251] cf. die Karte der Winde auf Berghaus: Chart of the World. - - [252] Es ist mir trotz vielfacher Bemühungen nicht gelungen, dies - Buch einzusehen. - - [253] cf. Guthe-Wagner, a. a. O., p. 417. - - [254] cf. über die Strömungen: Berghaus, Chart of the World und die - Uebersicht der wichtigsten Meeresströmungen in Andrees Handatlas, p. - 6. - - [255] in einer adnotatio seiner Herodotausgabe zu IV, 42. - - [256] I, 1. - - [257] cf. Movers, a. a. O., II, p. 184 und John Kenrick: Phoenicia, - p. 235. - - [258] a. a. O., pp. 546 u. 347. - - [259] a. a. O., p. 691. - - [260] a. a. O., p. 368. - - [261] cf. Her. III., 136. - - [262] cf. ibid., IV., 43. - - [263] a. a. O., p. 337. - - [264] cf. Movers, a. a. O., II, 3, p. 174. - - [265] a. a. O., II, 3, p. 175. - - [266] a. a. O., p. 189. - - [267] cf. Bougainville, a. a. O., p. 190 f. - - [268] a. a. O., p. 311. - - [269] Quatremère, a. a. O. - - [270] cf. IV, 44. - - [271] c. 110. - - [272] Od. XV, 474 ff. - - [273] IV, 86. - - [274] cf. Guthe-Wagner, a. a. O., p. 42. - - [275] Anab, VI. 2, 2. - - [276] De veterum re navali, p. 76, annot. - - [277] in: Geographi Graeci Minores ed. Müller, I, p. 372. - - [278] Hist. natur. XIX, 1. - - [279] a. a. O., XV, 20. - - [280] III, 5. - - [281] 1. Kön. 9; 27 u. 28, auch 10; 11. - - [282] a. a. O., p. 200. - - [283] a. a. O., p. 37. - - [284] IV, 43. - - [285] III, 102, u. V, 52 ff. - - [286] a. a. O., p. 49. - - [287] Her. IV, 44. - - [288] I, 193. - - [289] I, 34. - - [290] Exodus, 9; 31 u. 32. - - [291] cf. Riehm, a. a. O., I, p. 19. - - [292] cf. Alphons de Candolle: Der Ursprung der Kulturpflanzen, p. - 448. - - [293] cf. ibid. p. 472. - - [294] ibid., p. 488 f. - - [295] cf. Duncker, a. a. O., I, p. 169. - - [296] cf. Guthe-Wagner, a. a. O., p. 118. Ueberzeugend nachgewiesen - auch durch Alphons de Candolle: Géographie botanique, p. 942 ff. - - [297] cf. Viktor Hehn: Kulturpflanzen und Hausthiere in ihrem - Uebergange aus Asien nach Griechenland und Italien, 2. Aufl., p. 437 - f. - - [298] cf. A. de Candolle: Der Ursprung usw. S. 531 ff. und Leunis: - Synopsis, Botanik, 2. Band, 1885, p. 638. - - [299] cf. A. de Candolle: Der Ursprung usw., p. 475, u. Unger: - Sitzungsberichte der Kaiserl. Akademie der Wissenschaften zu Wien, - mathem.-naturw. Klasse, Bd. XXXVIII, 1859: Die Pflanzen des alten - Aegyptens, p. 100. - - [300] The History of Herodotus. IV, 42, n. 8. - - [301] a. a. O., p. 34. - - [302] 26; 2. - - [303] a. a. O., p. 439. - - [304] a. a. O., p. 100. - - [305] Histoire des plantes cultivées en Égypte, p. 8. - - [306] a. a. O., p. 99. - - [307] Der Ursprung usw., p. 484. - - [308] Cf. Erman, a. a. O., II, p. 578. - - [309] a. a. O., p. 481. - - [310] a. a. O., p. 2. - - [311] cf. Viktor Hehn, a. a. O., p. 536. - - [312] Weltgesch. 3. Aufl., I, p. 76. - - [313] Der Ursprung: usw., p. 482. - - [314] cf. Ed. Meyer, a. a. O., p. 167 f. u. Erman, a. a. O., I, pp. - 149-150, 182-185 u. II, 425. - - [315] cf. Riehm, a. a. O., p. 620. – Dafür spricht auch, was - Pietschmann: Gesch. der Phönizier, p. 141 sagt. Der bis jetzt - erschienene Theil dieses neuesten Werkes über jenes Volk kommt in - meine Hand, während sich die vorliegende Abhandlung schon beim - Drucker befindet. Es wird dort mitgetheilt, dass Kamh, der Name - einer Brotart, die in uralten ägyptischen Formeln als Speise der - Götter erwähnt wird, ursprünglich „Weizen“ bedeutet. Wenn aber die - Aegypter meinten, dass das Brot der Götter aus Weizenmehl gefertigt - werde, mussten sie dies doch für das feinste halten. - - [316] I, 93. - - [317] Exodus, 9; 31 u. 32 u. Erman, a. a. O., II, p. 578. - - [318] II, 36 u. 77. - - [319] a. a. O., p. 4. - - [320] cf. Erman, a. a. O., I, p. 270. - - [321] ibid. p. 265. - - [322] cf. ibid. II, p. 414. - - [323] II 36. – cf. de Candolle: Der Ursprung usw., p. 458, u. - derselbe: Géogr. botanique, p. 933 unter L’épautre. - - [324] Der Ursprung usw., p. 459. - - [325] cf. ibid., p. 458. - - [326] Exodus, 9; 32. - - [327] Thier- und Pflanzengeographie, p. 269. - - [328] cf. Genesis, 42 ff. - - [329] cf. Mommsen: Röm. Staatsr., 2. Aufl., II, 2, p. 994. - - [330] I, 14 u. 20. - - [331] Der Ursprung usw., p. 448. - - [332] a. a. O., p. 79. - - [333] Cap. 27 u. 34. - - [334] cf. Duncker, a. a. O., Bd. 9, p. 99. - - [335] a. a. O., p. 67 f. - - [336] cf. Riehm, a. a. O., I, p. 19. - - [337] cf. Wappaeus: Handbuch der allgem. Geogr. u. Statistik, I, pp. - 132 u. 133. - - [338] Cf. Thomé, a. a. O., p. 300. - - [339] cf. Grisebach: Die Vegetation der Erde, 2. Aufl., II, p. 144 - u. 543, Anm. 1. - - [340] cf. Riehm, a. a. O., d. Abbildungen unter „Ackerbau“. Dass die - Aegypter künstliche Bewässerung kannten, geht hervor aus Strabo - XVII, 1. - - [341] p. 609, Spalte 3. - - [342] cf. ibid., Spalte 2. - - [343] Diese Notizen verdanke ich Herrn Prof. Drude in Dresden; für - seine freundliche Bereitwilligkeit mir aus dem reichen Schatze - seines Wissens mitzutheilen, sage ich demselben auch an dieser - Stelle meinen Dank. - - [344] cf. Guthe-Wagner, a. a. O., I, p. 368. - - [345] Diese Angaben habe ich dem oben angeführten trefflichen Werke - Grisebachs entnommen, I, p. 539, Anm. 50; sie beziehen sich zunächst - auf Madeira, können aber sicherlich ohne Bedenken auf die - gegenüberliegende festländische Küste übertragen werden. - - [346] b. Bredow, pp. 695 u. 701. - - [347] a. a. O., p. 367. - - [348] a. a. O., p. 20. - - [349] cf. über die Zeit Duncker, a. a. O., I, p. 180. - - [350] I, 3. - - [351] a. a. O., p. 369. - - [352] a. a. O., p. 350. - - [353] a. a. O., adnot. zu IV, 42. - - [354] cf. Duncker, a. a. O., I, p. 169. - - [355] cf. Delile, a. a. O., pp. 2 u. 4. - - [356] cf. Knös, a. a. O., p. 20 nebst adnot. - - [357] I, 11, 12 u. 26. - - [358] I, 16. - - [359] cf. Bredow: Handbuch der alten Geschichte, 3. Aufl., p. 173, - Anm. 2. - - [360] a. a. O., Einltg., p. 21 u. „The Penny Cyclopaedia“, Art. - Africa. - - [361] cf. Kruse: Indiens alte Geschichte, p. 33. - - [362] cf. Sandberg, a. a. O., p. 29. - - [363] cf. Hudson: Periplus Hannonis in Geographiae Veteris - Scriptores Graeci Minores, I. - - [364] b. Bredow, p. 688. - - [365] Von Kosseir bis Bab-el-Mandeb beträgt die Entfernung 1800 km; - hatten sie, um diese zurückzulegen, volle 40 Tage, so mussten sie - täglich 45 km fahren, im vorliegenden Falle also etwas mehr. Sie - konnten dies zweifellos, auch bei Windstille, wenn sie in dem - bekannten Fahrwasser die Nacht zu Hülfe nahmen und die Mannschaft - sich häufig ablöste. – cf. auch Erman, a. a. O., II, p. 675, der - annimmt, dass die nach Punt bestimmten ägyptischen Schiffe etwa - einen Monat brauchten, um ihr Ziel zu erreichen. - - [366] a. a. O., p. 195, Anm. 316. - - [367] cf. Link: Ueber die ältere Geschichte der Getreidearten in den - „Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften“ zu Berlin, 1826, - phys. Klasse, p. 75. - - [368] cf. Alphons de Candolle: Der Ursprung usw., p. 466. - - [369] Private Mittheilung des Herrn Prof. Drude. - - [370] cf. Rennell, a. a. O., p. 677 und „The Penny Cyclopaedia“, - Art. Africa. - - [371] IV, 43. - - [372] a. a. O., p. 343. - - [373] cf. Peschel, a. a. O., p. 20, u. Rawlinson: The History of - Herodotus, IV, 42, n. 4. - - [374] cf. Diog. Laert.: Parmenides, lib. IX, cap. III, u. Peschel, - a. a. O., pp. 34 f. u. 72. - - [375] cf. I, 74, 103; VII, 37. - - [376] cf. Paulitschke, a. a. O., p. 2 f., u. Stein, a. a. O., Anm. - zu IV, 42. - - [377] cf. Bredow: Geographiae et Uranologiae Herodotea specimina, p. - XVIII, seq. - - [378] cf. II, 98 u. 104. - - [379] cf. II, 24. - - [380] cf. Histoire d’Hérodote par M. Larcher, Tome III, p. 404 f. - - [381] cf. Schlichthorst: Geographia Africae Herodotea, p. 110. - - [382] cf. XVII, 1. - - [383] Diog. Laert.: Thales, ed. Firmin Didot, p. 6. - - [384] a. a. O., p. 26 f. - - [385] I, 74. - - [386] cf. Erman, a. a. O., II, pp. 466-468. - - [387] cf. ibid., II, pp. 486-492. - - [388] a. a. O., p. 18 annot. - - [389] cf. Her. II, 29. - - [390] a. a. O., p. 190 f. - - [391] cf. Paulitschke, a. a. O., p. 55. - - [392] S. das oben über den Auftrag des Sataspes Erzählte. - - [393] XVII, 3. - - [394] cf. Monumenti Civili, 1836, Tome III, p. 120. - - [395] History of Ancient Astronomy, p. 515. - - -_Berichtigung._ S. 32, Zeile 9 v. oben lies: _Arabiens_ statt: Afrikas. - - - A. Haase’s Buchdruckerei (Max Babenzien), Rathenow. - - - - - Anmerkungen zur Transkription - - -Die _Berichtigung_ auf Seite XI wurde in den Text eingearbeitet. - -Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Weitere -Änderungen sind hier aufgeführt (vorher/nachher): - - [S. 32]: - ... und andern Küstenländern heran, alles, um zur Umschiffung - Afrikas ... - ... und andern Küstenländern heran, alles, um zur Umschiffung - Arabiens ... - - [S. 32]: - ... um so mehr über allem Zweifel erhaben, dass sie in der - Führung ... - ... um so mehr über allen Zweifel erhaben, dass sie in der - Führung ... - - [S. 36]: - ... neuer Antrieb gewesen sein, die Fahrt kühnes Muthes zu - unternehmen, ... - ... neuer Antrieb gewesen sein, die Fahrt kühnen Muthes zu - unternehmen, ... - - [S. 51]: - ... sie konnten dieselbe für wahr halten, konnten glauben, dass - die ... - ... sie konnten dieselbe für wahr halten, konnten glauben, dass - der ... - - [S. 109]: - ... möglich ist, gerade zu den Zeiten anlagten, in welchen die - Aussaat ... - ... möglich ist, gerade zu den Zeiten anlangten, in welchen die - Aussaat ... - - -*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE UMSEGELUNG AFRIKAS DURCH -PHÖNIZISCHE SCHIFFER UMS JAHR 600 V. CHR. GEB. *** - -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed. - -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the -United States without permission and without paying copyright -royalties. Special rules, set forth in the General Terms of Use part -of this license, apply to copying and distributing Project -Gutenberg-tm electronic works to protect the PROJECT GUTENBERG-tm -concept and trademark. Project Gutenberg is a registered trademark, -and may not be used if you charge for an eBook, except by following -the terms of the trademark license, including paying royalties for use -of the Project Gutenberg trademark. If you do not charge anything for -copies of this eBook, complying with the trademark license is very -easy. 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