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+
+The Project Gutenberg EBook of Die Braut von Messina
+by Johann Christoph Friedrich von Schiller
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+this or any other Project Gutenberg eBook.
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+**Welcome To The World of Free Plain Vanilla Electronic Texts**
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+*****These eBooks Were Prepared By Thousands of Volunteers!*****
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+
+Title: Die Braut von Messina
+
+Author: Johann Christoph Friedrich von Schiller
+
+Release Date: September, 2004 [EBook #6496]
+[Yes, we are more than one year ahead of schedule]
+[This file was first posted on December 22, 2002]
+
+Edition: 10
+
+Language: German
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+Character set encoding: ISO-8859-1
+
+*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK, DIE BRAUT VON MESSINA ***
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+This book content was graciously contributed by the Gutenberg Projekt-DE.
+That project is reachable at the web site http://gutenberg2000.de.
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+Dieses Buch wurde uns freundlicherweise vom "Gutenberg Projekt-DE"
+zur Verfügung gestellt. Das Projekt ist unter der Internet-Adresse
+http://gutenberg2000.de erreichbar.
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+
+Die Braut von Messina
+
+oder
+
+die feindlichen Brüder.
+
+
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+Friedrich Schiller
+
+Ein Trauerspiel mit Chören.
+
+
+
+Personen.
+
+Donna Isabella, Fürstin von Messina.
+Don Manuel und Don Cesar, ihre Söhne.
+Beatrice.
+Diego.
+Boten.
+Chor, bestehend aus dem Gefolge der Brüder.
+Die Ältesten von Messina, reden nicht.
+
+Über den Gebrauch des Chors in der Tragödie
+
+1. Aufzug
+2. Aufzug
+3. Aufzug
+4. Aufzug
+
+
+
+
+Erster Aufzug. (1)
+
+------------------------------------------------------
+(1) Die Eintheilung in Aufzüge und Auftritte, die sich in der ersten
+und in allen bisherigen Ausgaben nicht findet, ist dem von Schiller
+revidirten Hamburger Bühnenmanuscript entnommen.
+------------------------------------------------------
+
+Die Scene ist eine geräumige Säulenhalle, auf beiden Seiten sind Eingänge,
+eine große Flügelthüre in der Tiefe führt zu einer Kapelle.
+
+
+
+Erster Auftritt.
+
+
+Donna Isabella in tiefer Trauer, die Ältesten von Messina stehen um sie her.
+
+Isabella.
+ Der Noth gehorchend, nicht dem eignen Trieb,
+ Tret' ich, ihr greisen Häupter dieser Stadt,
+ Heraus zu euch aus den verschwiegenen
+ Gemächern meines Frauensaals, das Antlitz
+ Vor euren Männerblicken zu entschleiern.
+ Denn es geziemt der Wittwe, die den Gatten
+ Verloren, ihres Lebens Licht und Ruhm,
+ Die schwarz umflorte Nachtgestalt dem Aug
+ Der Welt in stillen Mauern zu verbergen;
+ Doch unerbittlich allgewaltig treibt
+ Des Augenblicks Gebieterstimme mich
+ An das entwohnte Licht der Welt hervor.
+
+ Nicht zweimal hat der Mond die Lichtgestalt
+ Erneut, seit ich den fürstlichen Gemahl
+ Zu seiner letzten Ruhestätte trug,
+ Der mächtigwaltend dieser Stadt gebot,
+ Mit starkem Arme gegen eine Welt
+ Euch schützend, die euch feindlich rings umlagert.
+ Er selber ist dahin, doch lebt sein Geist
+ In einem tapfern Heldenpaare fort
+ Glorreicher Söhne, dieses Landes Stolz.
+ Ihr habt sie unter euch in freud'ger Kraft
+ Aufwachsen sehen, doch mit ihnen wuchs
+ Aus unbekannt verhängnißvollem Samen
+ Auch ein unsel'ger Bruderhaß empor,
+ Der Kindheit frohe Einigkeit zerreißend,
+ Und reifte furchtbar mit dem Ernst der Jahre.
+ Nie hab' ich ihrer Eintracht mich erfreut;
+ An diesen Brüsten nährt' ich beide gleich,
+ Gleich unter sie vertheil' ich Lieb' und Sorge,
+ Und beide weiß ich kindlich mir geneigt.
+ In diesem einz'gen Triebe sind sie Eins,
+ In allem Andern trennt sie blut'ger Streit.
+
+ Zwar, weil der Vater noch gefürchtet herrschte,
+ Hielt er durch gleiche Strenge furchtbare
+ Gerechtigkeit die Heftigbrausenden im Zügel,
+ Und unter eines Joches Eisenschwere
+ Bog er vereinend ihren starren Sinn.
+ Nicht waffentragend durften sie sich nahn,
+ Nicht in denselben Mauern übernachten.
+ So hemmt' er zwar mit strengem Machtgebot
+ Den rohen Ausbruch ihres wilden Triebs;
+ Doch ungebessert in der tiefen Brust
+ Ließ er den Haß--der Starke achtet es
+ Gering, die leise Quelle zu verstopfen,
+ Weil er dem Strome mächtig wehren kann.
+
+ Was kommen mußte, kam. Als er die Augen
+ Im Tode schloß und seine starke Hand
+ Sie nicht mehr bändigt, bricht der alte Groll
+ Gleichwie des Feuers eingepreßte Gluth,
+ Zur offnen Flamme sich entzündend, los.
+ Ich sag' euch, was ihr Alle selbst bezeugt:
+ Messina theilte sich, die Bruderfehde
+ Löst' alle heil'gen Bande der Natur,
+ Dem allgemeinen Streit die Losung gebend,
+ Schwert traf auf Schwert, zum Schlachtfeld ward die Stadt.
+ Ja, diese Hallen selbst bespritzte Blut.
+
+ Des Staates Bande sahet ihr zerreißen,
+ Doch mir zerriß im Innersten das Herz--
+ Ihr fühltet nur das öffentliche Leiden
+ Und fragtet wenig nach der Mutter Schmerz.
+ Ihr kamt zu mir und spracht dies harte Wort:
+ "Du siehst, daß deiner Söhne Bruderzwist
+ "Die Stadt empört in bürgerlichem Streit,
+ "Die, von dem bösen Nachbarn rings umgarnt,
+ "Durch Eintracht nur dem Feinde widersteht.
+ "--Du bist die Mutter! Wohl, so siehe zu,
+ "Wie du der Söhne blut'gen Hader stillst.
+ "Was kümmert uns, die Friedlichen, der Zank
+ "Der Herrscher? Sollen wir zu Grunde gehn,
+ "Weil deine Söhne wüthend sich befehden?
+ "Wir wollen uns selbst rathen ohne sie
+ "Und einem andern Herrn uns übergeben,
+ "Der unser Bestes will und schaffen kann!"
+
+ So spracht ihr rauhen Männer, mitleidlos
+ Für euch nur sorgend und für eure Stadt,
+ Und wälztet noch die öffentliche Noth
+ Auf dieses Herz, das von der Mutter Angst
+ Und Sorgen schwer genug belastet war.
+ Ich unternahm das nicht zu Hoffende,
+ Ich warf mit dem zerrißnen Mutterherzen
+ Mich zwischen die Ergrimmten, Frieden rufend--
+ Unabgeschreckt, geschäftig, unermüdlich
+ Beschickt' ich sie, den Einen um den Andern,
+ Bis ich erhielt durch mütterliches Flehn,
+ Das sie's zufrieden sind, in dieser Stadt
+ Messina, in dem väterlichen Schloß
+ Unfeindlich sich von Angesicht zu sehn,
+ Was nie geschah, seitdem der Fürst verschied.
+
+ Dies ist der Tag! Des Boten harr' ich stündlich,
+ Der mir die Kunde bringt von ihrem Anzug.
+ --Seid denn bereit, die Herrscher zu empfangen
+ Mit Ehrfurcht, wie's dem Unterthanen ziemt.
+ Nur eure Pflicht zu leisten seid bedacht,
+ Für's Andre laßt uns Andere gewähren.
+ Verderblich diesem Land und ihnen selbst
+ Verderbenbringend war der Söhne Streit;
+ Versöhnt, vereinigt, sind sie mächtig gnug,
+ Euch zu beschützen gegen eine Welt
+ Und Recht sich zu verschaffen--gegen euch!
+
+(Die Ältesten entfernen sich schweigend, die Hand auf der Brust.
+Sie winkt einem alten Diener, der zurückbleibt.)
+
+
+
+Zweiter Auftritt.
+
+
+Isabella. Diego.
+
+Isabella.
+ Diego!
+
+Diego.
+ Was gebietet meine Fürstin?
+
+Isabella.
+ Bewährter Diener! Redlich Herz! Tritt näher!
+ Mein Leiden hast du, meinen Schmerz getheilt,
+ So theil' auch jetzt das Glück der Glücklichen.
+ Verpfändet hab' ich deiner treuen Brust
+ Mein schmerzlich süßes, heiliges Geheimniß.
+ Der Augenblick ist da, wo es ans Licht
+ Des Tages soll hervorgezogen werden.
+ Zu lange schon erstickt' ich der Natur
+ Gewalt'ge Regung, weil noch über mich
+ Ein fremder Wille herrisch waltete.
+ Jetzt darf sich ihre Stimme frei erheben,
+ Noch heute soll dies Herz befriedigt sein,
+ Und dieses Haus, das lang verödet war,
+ Versammle Alles, was mir theuer ist.
+
+ So lenke denn die alterschweren Tritte
+ Nach jenem wohlbekannten Kloster hin,
+ Das einen theuren Schatz mir aufbewahrt.
+ Du warst es, treue Seele, der ihn mir
+ Dorthin geflüchtet hat auf beßre Tage,
+ Den traur'gen Dienst der Traurigen erzeigend.
+ Du bringe fröhlich jetzt der Glücklichen
+ Das theure Pfand zurück.
+(Man hört in der Ferne blasen.)
+ O eile, eile
+ Und laß die Freude deinen Schritt verjüngen!
+ Ich höre kriegerischer Hörner Schall,
+ Der meiner Söhne Einzug mir verkündigt.
+
+(Diego geht ab. Die Musik läßt sich noch von einer entgegengesetzten
+Seite immer näher und näher hören.)
+
+Isabella.
+ Erregt ist ganz Messina--Horch! ein Strom
+ Verworrner Stimmen wälzt sich brausend her--
+ Sie sind's! Das Herz der Mutter, mächtig schlagend,
+ Empfindet ihrer Nähe Kraft und Zug.
+ Sie sind's! O meine Kinder, meine Kinder! (Sie eilt hinaus.)
+
+
+
+Dritter Auftritt.
+
+
+Chor tritt auf.
+
+Er besteht aus zwei Halbchören, welche zu gleicher Zeit, von zwei
+entgegengesetzten Seiten, der eine aus der Tiefe, der andere aus
+dem Vordergrund eintreten, rund um die Bühne gehen und sich alsdann
+auf derselben Seite, wo jeder eingetreten, in eine Reihe stellen.
+Den einen Halbchor bilden die ältern, den andern die jüngern Ritter;
+beide sind durch Farbe und Abzeichen verschieden. Wenn beide Chöre
+einander gegenüber stehen, schweigt der Marsch, und die beiden
+Chorführer reden. (2)
+
+------------------------------------------------------
+(2) Anmerkung. Der Verfasser hat bei Übersendung des Manuscripts an
+das Theater zu Wien einen Vorschlag beigefügt, wie die Reden des Chors
+unter einzelne Personen vertheilt werden könnten. Der erste Chor sollte
+nämlich aus Cajetan, Berengar, Manfred, Tristan und acht Rittern Don
+Manuels, der zweite aus Bohemund, Roger, Hippolit und neun Rittern
+Don Cesars bestehen. Was jede dieser Personen nach des Verfassers
+Plane zu sagen haben würde, ist bei dieser Ausgabe angedeutet worden.
+------------------------------------------------------
+
+Erster Chor. (Cajetan.)
+ Dich begrüß' ich in Ehrfurcht,
+ Prangende Halle,
+ Dich, meiner Herrscher
+ Fürstliche Wiege,
+ Säulengetragenes herrliches Dach.
+
+ Tief in der Scheide
+ Ruhe das Schwert,
+ Vor den Thoren gefesselt
+ Liege des Streits schlangenhaarigtes Scheusal.
+ Denn des gastlichen Hauses
+ Unverletzliche Schwelle
+ Hütet der Eid, der Erinyen Sohn,
+ Der furchtbarste unter den Göttern der Hölle!
+
+Zweiter Chor. (Bohemund.)
+ Zürnend ergrimmt mir das Herz im Busen,
+ Zu dem Kampf ist die Faust geballt,
+ Denn ich sehe das Haupt der Medusen,
+ Meines Feindes verhaßte Gestalt.
+ Kaum gebiet' ich dem kochenden Blute.
+ Gönn' ich ihm die Ehre des Worts?
+ Oder gehorch' ich dem zürnenden Muthe?
+ Aber mich schreckt die Eumenide,
+ Die Beschirmerin dieses Orts,
+ Und der waltende Gottesfriede.
+
+Erster Chor. (Cajetan.)
+ Weisere Fassung
+ Ziemet dem Alter,
+ Ich, der Vernünftige, grüße zuerst. (Zu dem zweiten Chor.)
+
+ Sei mir willkommen,
+ Der du mit mir
+ Gleiche Gefühle
+ Brüderlich theilend,
+ Dieses Palastes
+ Schützende Götter
+ Fürchtend verehrst!
+ Weil sich die Fürsten gütlich besprechen,
+ Wollen auch wir jetzt Worte des Friedens
+ Harmlos wechseln mit ruhigem Blut,
+ Denn auch das Wort ist, das heilende, gut.
+ Aber treff' ich dich draußen im Freien,
+ Da mag der blutige Kampf sich erneuen,
+ Da erprobe das Eisen den Muth.
+
+Der ganze Chor.
+ Aber treff ich dich draußen im Freien,
+ Da mag der blutige Kampf sich erneuen,
+ Da erprobe das Eisen den Muth.
+
+Erster Chor. (Berengar.)
+ Dich nicht hass' ich! Nicht du bist mein Feind!
+ Eine Stadt ja hat uns geboren,
+ Jene sind ein fremdes Geschlecht.
+ Aber wenn sich die Fürsten befehden,
+ Müssen die Diener sich morden und tödten,
+ Das ist die Ordnung, so will es das Recht.
+
+Zweiter Chor. (Bohemund.)
+ Mögen sie's wissen,
+ Warum sie sich blutig
+ Hassend bekämpfen! Mich ficht es nicht an.
+ Aber wir fechten ihre Schlachten;
+ Der ist kein Tapfrer, kein Ehrenmann,
+ Der den Gebieter läßt verachten.
+
+Der ganze Chor.
+ Aber wir fechten ihre Schlachten;
+ Der ist kein Tapfrer, kein Ehrenmann,
+ Der den Gebieter läßt verachten.
+
+Einer aus dem Chor. (Berengar.)
+ Hört, was ich bei mir selbst erwogen,
+ Als ich müßig daher gezogen,
+ Durch des Korus hochwallende Gassen,
+ Meinen Gedanken überlassen.
+
+ Wir haben uns in des Kampfes Wuth
+ Nicht besonnen und nicht berathen,
+ Denn uns bethörte das brausende Blut.
+
+ Sind sie nicht unser, diese Saaten?
+ Diese Ulmen, mit Reben umsponnen,
+ Sind sie nicht Kinder unsrer Sonnen?
+ Könnten wir nicht in frohem Genuß
+ Harmlos vergnügliche Tage spinnen,
+ Lustig das leichte Leben gewinnen?
+ Warum ziehn wir mit rasendem Beginnen
+ Unser Schwert für das fremde Geschlecht?
+ Es hat an diesem Boden kein Recht.
+ Auf dem Meerschiff ist es gekommen
+ Von der Sonne röthlichem Untergang;
+ Gastlich haben wir's aufgenommen
+ (Unsre Väter! Die Zeit ist lang),
+ Und jetzt sehen wir uns als Knechte,
+ Unterthan diesem fremden Geschlechte!
+
+Ein Zweiter. (Manfred.)
+ Wohl! Wir bewohnen ein glückliches Land,
+ Das die himmelumwandelnde Sonne
+ Ansieht mit immer freundlicher Helle,
+ Und wir können es fröhlich genießen;
+ Aber es läßt sich nicht sperren und schließen,
+ Und des Meers rings umgebende Welle,
+ Sie verräth uns dem kühnen Corsaren,
+ Die die Küste verwegen durchkreuzt.
+ Einen Segen haben wir zu bewahren,
+ Der das Schwert nur des Fremdlings reizt.
+ Sklaven sind wir in den eigenen Sitzen,
+ Das Land kann seine Kinder nicht schützen.
+ Nicht, wo die goldene Ceres lacht
+ Und der friedliche Pan, der Flurenbehüter,
+ Wo das Eisen wächst in der Berge Schacht,
+ Da entspringen der Erde Gebieter.
+
+Erster Chor. (Cajetan.)
+ Ungleich vertheilt sind des Lebens Güter
+ Unter der Menschen flücht'gem Geschlecht;
+ Aber die Natur, sie ist ewig gerecht.
+ Uns verlieh sie das Mark und die Fülle,
+ Die sich immer erneuend erschafft,
+ Jenen ward der gewaltige Wille
+ Und die unzerbrechliche Kraft.
+ Mit der furchtbaren Stärke gerüstet,
+ Führen sie aus, was dem Herzen gelüstet,
+ Füllen die Erde mit mächtigem Schall;
+ Aber hinter den großen Höhen
+ Folgt auf der tiefe, der donnernde Fall.
+
+ Darum lob' ich mir niedrig zu stehen,
+ Mich verbergend in meiner Schwäche.
+ Jene gewaltigen Wetterbäche,
+ Aus des Hagels unendlichen Schlossen,
+ Aus den Wolkenbrüchen zusammen geflossen,
+ Kommen finster gerauscht und geschossen,
+ Reißen die Brücken und reißen die Dämme
+ Donnernd mit fort im Wogengeschwemme,
+ Nichts ist, das die Gewaltigen hemme.
+ Doch nur der Augenblick hat sie geboren,
+ Ihres Laufes furchtbare Spur
+ Geht verrinnend im Sande verloren,
+ Die Zerstörung verkündigt sie nur.
+ --Die fremden Eroberer kommen und gehen;
+ Wir gehorchen, aber wir bleiben stehen.
+
+Die hintere Thüre öffnet sich; Donna Isabella erscheint zwischen
+ihren Söhnen Don Manuel und Don Cesar.
+
+Beide Chöre. (Cajetan.)
+ Preis ihr und Ehre,
+ Die uns dort aufgeht,
+ Eine glänzende Sonne!
+ Knieend verehr' ich dein herrliches Haupt.
+
+Erster Chor. (Berengar.)
+ Schön ist des Mondes
+ Mildere Klarheit
+ Unter der Sterne blitzendem Glanz,
+ Schön ist der Mutter
+ Liebliche Hoheit
+ Zwischen der Söhne feuriger Kraft;
+ Nicht auf der Erden
+ Ist ihr Bild und ihr Gleichniß zu sehn.
+
+ Hoch auf des Lebens (3)
+
+------------------------------------------------------
+
+(3) Anmerkung. Nach der Absicht des Verf. sollte die Stelle: "Hoch
+auf des Lebens--ihrem Sohn" auf dem Theater wegbleiben.
+
+------------------------------------------------------
+
+ Gipfel gestellt,
+ Schließt sie blühend den Kreis des Schönen,
+ Mit der Mutter und ihren Söhnen
+ Krönt sich die herrlich vollendete Welt.
+
+ Selber die Kirche, die göttliche, stellt nicht
+ Schöneres dar auf dem himmlischen Thron;
+ Höheres bildet
+ Selber die Kunst nicht, die göttlich geborne,
+ Als die Mutter mit ihrem Sohne.
+
+Zweiter Chor. (Bohemund.)
+ Freudig sieht sie aus ihrem Schooße
+ Einen blühenden Baum sich erheben,
+ Der sich ewig sprossend erneut.
+ Denn sie hat ein Geschlecht geboren,
+ Welches wandeln wird mit der Sonne
+ Und den Namen geben der rollenden Zeit.
+(Roger.)
+ Völker verrauschen,
+ Namen verklingen,
+ Finstre Vergessenheit
+ Breitet die dunkelnachtenden Schwingen
+ Über ganzen Geschlechtern aus.
+
+ Aber der Fürsten
+ Einsame Häupter
+ Glänzen erhellt,
+ Und Aurora berührt sie
+ Mit den ewigen Strahlen
+ Als die ragenden Gipfel der Welt.
+
+
+
+Vierter Auftritt.
+
+
+Isabella (mit ihren Söhnen hervortretend).
+ Blick' nieder, hohe Königin des Himmels,
+ Und halte deine Hand auf dieses Herz,
+ Daß es der Übermuth nicht schwellend hebe;
+ denn leicht vergäße sich der Mutter Freude,
+ Wenn sie sich spiegelt in der Söhne Glanz,
+ Zum Erstenmal, seitdem ich sie geboren,
+ Umfass' ich meines Glückes Fülle ganz.
+ Denn bis auf diesen Tag mußt' ich gewaltsam
+ Des Herzens fröhliche Ergießung theilen;
+ Vergessen ganz mußt' ich den einen Sohn,
+ Wenn ich der Nähe mich des andern freute.
+ O, meine Mutterliebe ist nur eine,
+ Und meine Söhne waren ewig zwei!
+ --Sagt, darf ich ohne Zittern mich der süßen
+ Gewalt des trunknen Herzens überlassen? (Zu Don Manuel.)
+ Wenn ich die Hand des Bruders freundlich drücke,
+ Stoß' ich den Stachen nicht in deine Brust? (Zu Don Cesar.)
+ Wenn ich das Herz an seinem Anblick weide,
+ Ist's nicht ein Raub an Dir?--O, ich muß zittern,
+ Daß meine Liebe selbst, die ich euch zeige,
+ Nur eures Hasses Flammen heft'ger schüre.
+
+(Nachdem sie Beide fragend angesehen.)
+
+ Was darf ich mir von euch versprechen? Redet!
+ Mit welchem Herzen kamet ihr hieher?
+ Ist's noch der alte unversöhnte Haß,
+ Den ihr mit herbringt in des Vaters Haus,
+ Und wartet draußen vor des Schlosses Thoren
+ Der Krieg, auf Augenblicke nur gebändigt
+ Und knirschend in das eherne Gebiß,
+ Um alsobald, wenn ihr den Rücken mir
+ Gekehrt, mit neuer Wuth sich zu entfesseln?
+
+Chor. (Bohemund.)
+ Krieg oder Frieden! Noch liegen die Loose
+ Dunkel verhüllt in der Zukunft Schooße!
+ Doch es wird sich noch, eh wir uns trennen, entscheiden;
+ Wir sein bereit und gerüstet zu beiden.
+
+Isabella (im ganzen Kreis umherschauend.)
+ Und welcher furchtbar kriegerische Anblick!
+ Was sollen Diese hier? Ist's eine Schlacht,
+ Die sich in diesen Sälen zubereitet?
+ Wozu die fremde Schaar, wenn eine Mutter
+ Das Herz aufschließen will vor ihren Kindern?
+ Bis in den Schooß der Mutter fürchtet ihr
+ Der Arglist Schlingen, tückischen Verrath,
+ Daß ihr den Rücken euch besorglich deckt?
+ --O diese wilden Banden, die euch folgen,
+ Die raschen Diener eures Zorns--sie sind
+ Nicht eure Freunde! Glaubet nimmermehr,
+ Daß sie euch wohlgesinnt zum Besten rathen!
+ Wie könnten sie's von Herzen mit euch meinen,
+ Den Fremdlingen, dem eingedrungnen Stamm,
+ Der aus dem eignen Erbe sie vertrieben,
+ Sich über die der Herrschaft angemaßt?
+ Glaubt mir! Es liebt ein Jeder, frei sich selbst
+ Zu leben nach dem eigenen Gesetz;
+ Die fremde Herrschaft wird mit Neid ertragen.
+ Von eurer Macht allein und ihrer Furcht
+ Erhaltet ihr den gern versagten Dienst.
+ Lernt dies Geschlecht, das herzlos falsche, kennen!
+ Die Schadenfreude ist's, wodurch sie sich
+ An eurem Glück, an eurer Größe rächen.
+ Der Herrscher Fall, der hohen Häupter Sturz
+ Ist ihrer Lieder Stoff und ihr Gespräch,
+ Was sich vom Sohn zum Enkel forterzählt,
+ Womit sie sich die Winternächte kürzen.
+ --O meine Söhne! Feindlich ist die Welt
+ Und falsch gesinnt! Es liebt ein Jeder nur
+ Sich selbst; unsicher, los und wandelbar
+ Sind alle Bande, die das leichte Glück
+ Geflochten--Laune löst, was Laune knüpft--
+ Nur die Natur ist redlich! Sie allein
+ Liegt an dem ew'gen Ankergrunde fest,
+ Wenn alles Andre auf den sturmbewegten Wellen
+ Des Lebens unstet treibt--Die Neigung gibt
+ Den Freund, es gibt der Vortheil den Gefährten;
+ Wohl Dem, dem die Geburt den Bruder gab!
+ Ihn kann das Glück nicht geben! Anerschaffen
+ Ist ihm der Freund, und gegen eine Welt
+ Voll Kriegs und Truges steht er zweifach da!
+
+Chor. (Cajetan.)
+ Ja, es ist etwas Großes, ich muß es verehren,
+ Um einer Herrscherin fürstlichen Sinn,
+ Über der Menschen Thun und Verkehren
+ Blickt sie mit ruhiger Klarheit hin.
+ Uns aber treibt das verworrene Streben
+ Blind und sinnlos durchs wüste Leben.
+
+Isabella. (zu Don Cesar).
+ Du, der das Schwert auf seinen Bruder zückt,
+ Sieh dich umher in dieser ganzen Schaar,
+ Wo ist ein edler Bild als deines Bruders? (Zu Don Manuel.)
+ Wer unter Diesen, die du Freunde nennst,
+ Darf deinem Bruder sich zur Seite stellen?
+ Ein Jeder ist ein Muster seines Alters,
+ Und Keiner gleicht, und Keiner weicht dem Andern.
+ Wagt es, euch in das Angesicht zu sehn!
+ O Raserei der Eifersucht, des Neides!
+ Ihn würdest du aus Tausenden heraus
+ Zum Freunde dir gewählt, ihn an das Herz
+ Geschlossen haben als den Einzigen;
+ Und jetzt, da ihn die heilige Natur
+ Dir gab, dir in der Wiege schon ihn schenkte,
+ Trittst du, ein Frevler an dem eignen Blut,
+ Mit stolzer Willkür ihr Geschenk mit Füßen,
+ Dich wegzuwerfen an den schlechtern Mann,
+ Dich an den Feind und Fremdling anzuschließen!
+
+Don Manuel.
+ Höre mich, Mutter!
+
+Don Cesar.
+ Mutter, höre mich!
+
+Isabella.
+ Nicht Worte sind's, die diesen traur'gen Streit
+ Erledigen--Hier ist das Mein und Dein,
+ Die Rache von der Schuld nicht mehr zu sondern.
+ --Wer möchte noch das alte Bette finden
+ Des Schwefelstroms, der glühend sich ergoß?
+ Des unterird'schen Feuers schreckliche
+ Geburt ist Alles, eine Lavarinde
+ Liegt aufgeschichtet über dem Gesunden,
+ Und jeder Fußtritt wandelt auf Zerstörung.
+ --Nur dieses Eine leg' ich euch ans Herz:
+ Das Böse, das der Mann, der mündige,
+ Dem Manne zufügt, das, ich will es glauben,
+ Vergibt sich und versöhnt sich schwer. Der Mann
+ Will seinen Haß, und keine Zeit verändert
+ Den Rathschluß, den er wohl besonnen faßt.
+ Doch eures Haders Ursprung steigt hinauf
+ In unverständ'ger Kindheit frühe Zeit,
+ Sein Alter ist's, was ihn entwaffnen sollte.
+ Fragte zurück, was euch zuerst entzweite;
+ Ihr wißt es nicht, ja, fändet ihr's auch aus,
+ Ihr würdet auch des kind'schen Haders schämen.
+ Und dennoch ist's der erste Kinderstreit,
+ Der, fortgezeugt in unglücksel'ger Kette,
+ Die neuste Unbill dieses Tags geboren.
+ Denn alle schweren Thaten, die bis jetzt geschahn,
+ Sind nur des Argwohns und der Rache Kinder.
+ --Und jene Knabenfehde wolltet ihr
+ Nicht jetzt fortkämpfen, da ihr Männer seid? (Beider Hände fassend.)
+ O, meine Söhne! Kommt, entschließet euch,
+ Die Rechnung gegenseitig zu vertilgen,
+ Denn gleich auf beiden Seiten ist das Unrecht.
+ Seid edel, und großherzig schenkt einander
+ Die unabtragbar ungeheure Schuld.
+ Der Siege göttlichster ist das Vergeben!
+ In eueres Vaters Gruft werft ihn hinab,
+ Den alten Haß der frühen Kinderzeit!
+ Der schönen Liebe sei das neue Leben,
+ Der Eintracht, der Versöhnung sei's geweiht.
+
+(Sie tritt einen Schritt zwischen beiden zurück, als wollte sie ihnen
+Raum geben, sich einander zu nähern. Beide blicken zur Erde, ohne
+einander anzusehen.)
+
+Chor. (Cajetan.)
+ Höret der Mutter vermahnende Rede,
+ Wahrlich, sie spricht ein gewichtiges Wort!
+ Laßt es genug sein und endet die Fehde,
+ Oder gefällt's euch, so setzet sie fort.
+ Was auch genehm ist, das ist mir gerecht,
+ Ihr seid die Herrscher, und ich bin der Knecht.
+
+Isabella. (nachdem sie einige Zeit innegehalten und vergebens eine
+Äußerung der Brüder erwartet, mit unterdrücktem Schmerz.)
+ Jetzt weiß ich nichts mehr. Ausgeleert hab' ich
+ Der Worte Köcher und erschöpft der Bitten Kraft.
+ Im Grabe ruht, der euch gewaltsam bändigte,
+ Und machtlos steht die Mutter zwischen euch.
+ --Vollendet! Ihr habt freie Macht! Gehorcht
+ Dem Dämon, der euch sinnlos wüthend treibt,
+ Ehrt nicht des Hausgotts heiligen Altar,
+ Laßt diese Halle selbst, die euch geboren,
+ Den Schauplatz werden eines Wechselmords.
+ Vor eurer Mutter Aug zerstöret euch
+ Mit euren eignen, nicht durch fremde Hände.
+ Leib gegen Leib, wie das thebanische Paar,
+ Rückt auf einander an, und wuthvoll ringend,
+ Umfanget euch mit eherner Umarmung.
+ Leben um Leben tauschend siege Jeder,
+ Den Dolch einbohrend nicht des Andern Brust,
+ Daß selbst der Tod nicht eure Zwietracht heile,
+ Die Flamme selbst, des Feuers rothe Säule,
+ Die sich von eurem Scheiterhaufen hebt,
+ Sich zweigespalten von einander theile,
+ Ein schaudernd Bild, wie ihr gestorben und gelebt.
+
+(Sie geht ab. Die Brüder bleiben noch in der vorigen Entfernung von
+einander stehen.)
+
+
+
+Fünfter Auftritt.
+
+
+Beide Brüder. Beide Chöre.
+
+Chor. (Cajetan.)
+ Es sind nur Worte, die sie gesprochen,
+ Aber sie haben den fröhlichen Muth
+ In der felsigten Brust mir gebrochen!
+ Ich nicht vergoß das verwandte Blut.
+ Nein zum Himmel erheb' ich die Hände:
+ Ihr seid Brüder! Bedenket das Ende!
+
+Don Cesar (ohne Don Manuel anzusehen).
+ Du bist der ältre Bruder, rede du!
+ Dem Erstgebornen weich' ich ohne Schande.
+
+Don Manuel (in derselben Stellung).
+ Sag' etwas Gutes, und ich folge gern
+ Dem edeln Beispiel, das der jüngre gibt.
+
+Don Cesar.
+ Nicht, weil ich für den Schuldigeren mich
+ Erkenne oder schwächer gar mich fühle--
+
+Don Manuel.
+ Nicht Kleinmuths zeiht Don Cesarn, wer ihn kennt,
+ Fühlt' er sich schwächer, würd' er stolzer reden.
+
+Don Cesar.
+ Denkst du von deinem Bruder nicht geringer?
+
+Don Manuel.
+ Du bist zu stolz zur Demuth, ich zur Lüge.
+
+Don Cesar.
+ Verachtung nicht erträgt mein edles Herz.
+ Doch in des Kampfes heftigster Erbittrung
+ Gedachtest du mit Würde deines Bruders.
+
+Don Manuel.
+ Du willst nicht meinen Tod, ich habe Proben.
+ Ein Mönch erbot sich dir, mich meuchlerisch
+ Zu morden; du bestraftest den Verräther.
+
+Don Cesar (tritt etwas näher).
+ Hätt' ich dich früher so gerecht erkannt,
+ Es wäre Vieles ungeschehn geblieben.
+
+Don Manuel.
+ Und hätt' ich dir ein so versöhnlich Herz
+ Gewußt, viel Mühe spart' ich dann der Mutter.
+
+Don Cesar.
+ Du wurdest mir viel stolzer abgeschildert.
+
+Don Manuel.
+ Es ist der Fluch der Hohen, daß die Niedern
+ Sich ihres offnen Ohrs bemächtigen.
+
+Don Cesar (lebhaft).
+ So ist's, die Diener tragen alle Schuld.
+
+Don Manuel.
+ Die unser Herz in bitterm Haß entfremdet.
+
+Don Cesar.
+ Die böse Worte hin und wieder trugen.
+
+Don Manuel.
+ Mit falscher Deutung jede That vergiftet.
+
+Don Cesar.
+ Die Wunde nährten, die sie heilen sollten.
+
+Don Manuel.
+ Die Flamme schürten, die sie löschen konnten.
+
+Don Cesar.
+ Wir waren die Verführer, die Betrogenen!
+
+Don Manuel.
+ Das blinde Werkzeug fremder Leidenschaft!
+
+Don Cesar.
+ Ist's wahr, daß alles Andre treulos ist--
+
+Don Manuel.
+ Und falsch! Die Mutter sagt's, du darfst es glauben!
+
+Don Cesar.
+ So will ich diese Bruderhand ergreifen--
+
+(Er reicht ihm die Hand hin.)
+
+Don Manuel. (ergreift sie lebhaft).
+ Die mir die nächste ist auf dieser Welt.
+
+(Beide stehen Hand in Hand und betrachten einander eine Zeitlang
+schweigend.)
+
+Don Cesar.
+ Ich seh' dich an, und überrascht, erstaunt
+ Find' ich in dir der Mutter theure Züge.
+
+Don Manuel.
+ Und eine Ähnlichkeit entdeckt sich mir
+ In dir, die mich noch wunderbarer rühret.
+
+Don Cesar.
+ Bist du es wirklich, der dem jüngern Bruder
+ So hold begegnet und so gütig spricht?
+
+Don Manuel.
+ Ist dieser freundlich sanftgesinnte Jüngling
+ Der übelwollend mir gehäß'ge Bruder?
+
+(Wiederum Stillschweigen; Jeder steht in den Anblick des Andern verloren.)
+
+Don Cesar.
+ Du nahmst die Pferde von arab'scher Zucht
+ In Anspruch aus dem Nachlaß unsers Vaters.
+ Den Rittern, die du schicktest, schlug ich's ab.
+
+Don Manuel.
+ Sie sind dir lieb, ich denke nicht mehr dran.
+
+Don Cesar.
+ Nein, nimm die Rosse, nimm den Wagen auch
+ Des Vaters, nimm sie, ich beschwöre dich!
+
+Don Manuel.
+ Ich will es thun, wenn du das Schloß am Meere
+ Beziehen willst, um das wir heftig stritten.
+
+Don Cesar.
+ Ich nehm' es nicht, doch bin ich's wohl zufrieden,
+ Daß wir's gemeinsam brüderlich bewohnen.
+
+Don Manuel.
+ So sei's! Warum ausschließend Eigenthum
+ Besitzen, da die Herzen einig sind?
+
+Don Cesar.
+ Warum noch länger abgesondert leben,
+ Da wir, vereinigt, jeder reicher werden?
+
+Don Manuel.
+ Wir sind nicht mehr getrennt, wir sind vereinigt.
+
+(Er eilt in seine Arme.)
+
+Erster Chor (zum zweiten.) (Cajetan.)
+ Was stehen wir hier noch feindlich geschieden,
+ Da die Fürsten liebend sich umfassen?
+ Ihrem Beispiel folg' ich und biete dir Frieden,
+ Wollen wir einander denn ewig hassen?
+ Sind sie Brüder durch Blutes Bande,
+ Sind wir Bürger und Söhne von einem Lande.
+
+(Beide Chöre umarmen sich.)
+
+
+
+Sechster Auftritt.
+
+
+Ein Bote tritt auf.
+
+Zweiter Chor (Zu Don Cesar.) (Bohemund.)
+ Den Späher, den du ausgesendet, Herr,
+ Erblick' ich wiederkehrend. Freue dich,
+ Don Cesar! Gute Botschaft harret dein,
+ Denn fröhlich strahlt der Blick des Kommenden.
+
+Bote.
+ Heil mir und Heil der fluchbefreiten Stadt!
+ Des schönsten Anblicks wird mein Auge froh.
+ Die Söhne meines Herrn, die Fürsten seh' ich
+ In friedlichem Gespräche, Hand in Hand,
+ Die ich in heißer Kampfes Wuth verlassen.
+
+Don Cesar.
+ Du siehst die Liebe aus des Hasses Flammen
+ Wie einen neu verjüngten Phönix steigen.
+
+Bote.
+ Ein zweites leg' ich zu dem ersten Glück!
+ Mein Botenstab ergrünt von frischen Zweiten!
+
+Don Cesar. (ihn bei Seite führend).
+ Laß hören, was du bringst.
+
+Bote.
+ Ein einz'ger Tag
+ Will Alles, was erfreulich ist, versammeln.
+ Auch die Verlorene, nach der wir suchten,
+ Sie ist gefunden, Herr, sie ist nicht weit.
+
+Don Cesar.
+ Sie ist gefunden! O, wo ist sie? Sprich!
+
+Bote.
+ Hier in Messina, Herr, verbirgt sie sich.
+
+Don Manuel (zu dem ersten Halbchor gewendet).
+ Von hoher Röthe Gluth seh' ich die Wangen
+ Des Bruders glänzen, und sein Auge blitzt.
+ Ich weiß nicht, was es ist; doch ist's die Farbe
+ Der Freude, und mitfreuend theil' ich sie.
+
+Don Cesar (zu dem Boten).
+ Komm, führe mich!--Leb wohl, Don Manuel!
+ Im Arm der Mutter finden wir uns wieder;
+ Jetzt fordert mich ein dringend Werk von hier. (Er will gehen.)
+
+Don Manuel.
+ Verschieb' es nicht. Das Glück begleite dich.
+
+Don Cesar (besinnt sich und kommt zurück).
+ Don Manuel! Mehr, als ich sagen kann,
+ Freut mich dein Anblick--ja, mir ahnet schon,
+ Wir werden uns wie Herzensfreunde lieben,
+ Der langgebundne Trieb wird freud'ger nur
+ Und mächt'ger streben in der neuen Sonne.
+ Nachholen werd' ich das verlorne Leben.
+
+Don Manuel.
+ Die Blüthe deutet auf die schöne Frucht.
+
+Don Cesar.
+ Es ist nicht recht, ich fühl's und tadle mich,
+ Daß ich mich jetzt aus deinen Armen reiße.
+ Denk' nicht, ich fühle weniger, als du,
+ Weil ich die festlich schöne Stunde rasch zerschneide.
+
+Don Manuel (mit sichtbarer Zerstreuung).
+ Gehorche du dem Augenblick! Der Liebe
+ Gehört von heute an das ganze Leben.
+
+Don Cesar.
+ Entdeckt' ich dir, was mich von hinnen ruft--
+
+Don Manuel.
+ Laß mir dein Herz! Dir bleibe dein Geheimniß.
+
+Don Cesar.
+ Auch kein Geheimniß trenn' uns ferner mehr,
+ Bald soll die letzte dunkle Falte schwinden!
+(Zu dem Chor gewendet.)
+ Euch künd' ich's an, damit ihr's Alle wisset!
+ Der Streit ist abgeschlossen zwischen mir
+ Und dem geliebten Bruder! Den erklär' ich
+ Für meinen Todfeind und Beleidiger
+ Und werd' ihn hassen wie der Hölle Pforten,
+ Der den erloschnen Funken unsers Streits
+ Aufbläst zu neuen Flammen--Hoffe Keiner
+ Mir zu gefallen oder Dank zu ernten,
+ Der von dem Bruder Böses mir berichtet,
+ Mit falscher Dienstbegier den bittern Pfeil
+ Des raschen Worts geschäftig weiter sendet.
+ --Nicht Wurzeln auf der Lippe schlägt das Wort,
+ Das unbedacht dem schnellen Zorn entflohen;
+ Doch, von dem Ohr des Argwohns aufgefangen,
+ Kriecht es wie Schlingkraut endlos treibend fort
+ Und hängt ans Herz sich an mit tausend Ästen:
+ So trennen endlich in Verworrenheit
+ Unheilbar sich die Guten und die Besten!
+
+(Er umarmt den Bruder noch einmal und geht ab, von dem zweiten
+Chor begleitet.)
+
+
+
+Siebenter Auftritt.
+
+
+Don Manuel und der erste Chor.
+
+Chor. (Cajetan.)
+ Verwundrungsvoll, o Herr, betracht' ich dich,
+ Und fast muß ich dich heute ganz verkennen.
+ Mit karger Rede kaum erwiederst du
+ Des Bruders Liebesworte, der gutmeinend
+ Mit offnem Herzen dir entgegen kommt.
+ Versunken in dich selber stehst du da,
+ Gleich einem Träumenden, als wäre nur
+ Dein Leib zugegen, und die Seele fern.
+ Wer so dich sähe, möchte leicht der Kälte
+ Dich zeihn und stolz unfreundlichen Gemüths;
+ Ich aber will dich drum nicht fühllos schelten,
+ Denn heiter blickst du, wie ein Glücklicher
+ Um dich, und Lächeln spielt um deine Wangen.
+
+Don Manuel.
+ Was soll ich sagen? was erwiedern? Mag
+ Der Bruder Worte finden! Ihn ergreift
+ Ein überraschend neu Gefühl; er sieht
+ Den alten Haß aus seinem Busen schwinden,
+ Und wundernd fühlt er sein verwandtes Herz.
+ Ich--habe keinen Haß mehr mitgebracht,
+ Kaum weiß ich noch, warum wir blutig stritten.
+ Denn über allen ird'schen Dingen hoch
+ Schwebt mir auf Freudenfittigen die Seele,
+ Und in dem Glanzesmeer, das mich umfängt,
+ Sind alle Wolken mir und finstre Falten
+ Des Lebens ausgeglättet und verschwunden.
+ --Ich sehe diese Hallen, diese Säle,
+ Und denke mir das freudige Erschrecken
+ Der überraschten, hoch erstaunten Braut,
+ Wenn ich als Fürstin sie und Herrscherin
+ Durch dieses Hauses Pforten führen werde.
+ --Noch liebt sie nur den Liebenden! Dem Fremdling,
+ Dem Namenlosen hat sie sich gegeben.
+ Nicht ahnet sie, daß es Don Manuel,
+ Messina's Fürst ist, der die goldne Binde
+ Ihr um die schöne Stirne flechten wird.
+ Wie süß ist's, das Geliebte zu beglücken
+ Mit ungehoffter Größe Glanz und Schein!
+ Längst spart' ich mir dies höchste der Entzücken,
+ Wohl bleibt es stets sein höchster Schmuck allein;
+ Doch auch die Hoheit darf das Schöne schmücken,
+ Der goldne Reif erhebt den Edelstein.
+
+Chor. (Cajetan.)
+ Ich höre dich, o Herr, vom langen Schweigen
+ Zum erstenmal den stummen Mund entsiegeln.
+ Mit Späheraugen folgt' ich dir schon längst,
+ Ein seltsam wunderbar Geheimniß ahnend;
+ Doch nicht erkühnt' ich mich, was du vor mir
+ In tiefes Dunkel hüllst, dir abzufragen.
+ Dich reizt nicht mehr der Jagden muntre Lust,
+ Der Rosse Wettlauf und des Falken Sieg.
+ Aus der Gefährten Aug verschwindest du,
+ So oft die Sonne sinkt zum Himmelsrande,
+ Und Keiner unsers Chors, die wir dich sonst
+ In jeder Kriegs--und Jagdgefahr begleiten,
+ Mag deines stillen Pfads Gefährte sein.
+ Warum verschleierst du bis diesen Tag
+ Dein Liebesglück mit dieser neid'schen Hülle?
+ Was zwingt den Mächtigen, daß er verhehle?
+ Denn Furcht ist fern von deiner großen Seele.
+
+Don Manuel.
+ Geflügelt ist das Glück und schwer zu binden,
+ Nur in verschloßner Lade wird's bewahrt.
+ Das Schweigen ist zum Hüter ihm gesetzt,
+ Und rasch entfliegt es, wenn Geschwätzigkeit
+ Voreilig wagt, die Decke zu erheben.
+ Doch jetzt, dem Ziel so nahe, darf ich wohl
+ Das lange Schweigen brechen, und ich will's.
+ Denn mit der nächsten Morgensonne Strahl
+ Ist sie die Meine, und des Dämons Neid
+ Wird keine Macht mehr haben über mich.
+ Nicht mehr verstohlen werd' ich zu ihr schleichen,
+ Nicht rauben mehr der Liebe goldne Frucht,
+ Nicht mehr die Freude haschen auf der Flucht,
+ Das Morgen wird dem schönen Heute gleichen,
+ Nicht Blitzen gleich, die schnell vorüber schießen
+ Und plötzlich von der Nacht verschlungen sind,
+ Mein Glück wird sein, gleichwie des Baches Fließen,
+ Gleichwie der Sand des Stundenglases rinnt.
+
+Chor. (Cajetan.)
+ So nenne sie uns, Herr, die dich im Stillen
+ Beglückt, daß wir dein Loos beneidend rühmen
+ Und würdig ehren unsers Fürsten Braut.
+ Sag' an, wo du sie fandest, wo verbirgst,
+ In welches Orts verschwiegner Heimlichkeit?
+ Denn wir durchziehen schwärmend weit und breit
+ Die Insel auf der Jagd verschlungnen Pfaden,
+ Doch keine Spur hat uns dein Glück verrathen,
+ So daß ich bald mich überreden möchte,
+ Es hülle sie ein Zaubernebel ein.
+
+Don Manuel.
+ Den Zauber lös' ich auf, denn heute noch
+ Soll, was verborgen war, die Sonne schauen.
+ Vernehmet denn und hört, wie mir geschah.
+ Fünf Monde sind's, es herrschte noch im Lande
+ Des Vaters Macht und beugete gewaltsam
+ Der Jugend starren Nacken in das Joch--
+ Nichts kannt' ich als der Waffen wilde Freuden
+ Und als des Waidwerks kriegerische Lust.
+ --Wir hatten schon den ganzen Tag gejagt
+ Entlang des Waldgebirges--da geschah's,
+ Daß die Verfolgung einer weißen Hindin
+ Mich weit hinweg aus eurem Haufen riß.
+ Das scheue Thier floh durch des Thales Krümmen,
+ Durch Busch und Kluft und bahnenlos Gestrüpp,
+ Auf Wurfes Weite sah ich's stets vor mir,
+ Doch konnt' ich's nicht erreichen, noch erzielen,
+ Bis es zuletzt an eines Gartens Pforte mir
+ Verschwand. Schnell von dem Roß herab mich werfend
+ Dring' ich ihm nach, schon mit dem Speere zielend,
+ Da seh' ich wundern das erschrockne Thier
+ Zu einer Nonne Füßen zitternd liegen,
+ Die selbst mit zarten Händen schmeichelnd kost.
+ Bewegungslos starr' ich das Wunder an,
+ Den Jagdspieß in der Hand, zum Wurf ausholend--
+ Sie aber blickt mit großen Augen flehend
+ Mich an. So stehn wir schweigend gegen einander--
+ Wie lange Frist, das kann ich nicht ermessen,
+ Denn alles Maß der Zeiten war vergessen.
+ Tief in die Seele drückt sie mir den Blick,
+ Und umgewandelt schnell ist mir das Herz.
+ --Was ich nun sprach, was die Holdsel'ge mir
+ Erwiedert, möge Niemand mich befragen,
+ Denn wie ein Traumbild liegt es hinter mir
+ Aus früher Kindheit dämmerhellen Tagen,
+ An meiner Brust fühlt' ich die ihre schlagen,
+ Als die Besinnungskraft mir wieder kam.
+ Da hört' ich einer Glocke helles Läuten,
+ Den Ruf zur Hora schien es zu bedeuten,
+ Und schnell, wie Geister in die Luft verwehen,
+ Entschwand sie mir und ward nicht mehr gesehen.
+
+Chor. (Cajetan.)
+ Mit Furcht, o Herr, erfüllt mich dein Bericht.
+ Raub hast du an dem Göttlichen begangen,
+ Des Himmels Braut berührt mit sündigem Verlangen,
+ Denn furchtbar heilig ist des Klosters Pflicht.
+
+Don Manuel.
+ Jetzt hatt' ich eine Straße nur zu wandeln,
+ Das unstet schwanke Sehnen war gebunden,
+ Dem Leben war sein Inhalt ausgefunden.
+ Und wie der Pilger sich nach Osten wendet,
+ Wo ihm die Sonne der Verheißung glänzt,
+ So kehrte sich mein Hoffen und mein Sehnen
+ Dem einen hellen Himmelspunkte zu.
+ Kein Tag entstieg dem Meer und sank hinunter,
+ Der nicht zwei glücklich Liebende vereinte.
+ Geflochten still war unsrer Herzen Bund,
+ Nur der allsehnde Äther über uns
+ War des verschwiegnen Glücks vertrauter Zeuge,
+ Es brauchte weiter keines Menschen Dienst.
+ Das waren goldne Stunden, sel'ge Tage!
+ --Nicht Raub am Himmel war mein Glück, denn noch
+ Durch kein Gelübde war das Herz gefesselt,
+ Das sich auf ewig mir zu eigen gab.
+
+Chor. (Cajetan.)
+ So war das Kloster eine Freistatt nur
+ Der zarten Jugend, nicht des Lebens Grab?
+
+Don Manuel.
+ Ein heilig Pfand ward sie dem Gotteshaus
+ Vertraut, das man zurück einst werde fordern.
+
+Chor. (Cajetan.)
+ Doch welches Blutes rühmt sie sich zu sein?
+ Denn nur vom Edeln kann das Edle stammen.
+
+Don Manuel.
+ Sich selber ein Geheimniß wuchs sie auf,
+ Nicht kennt sie ihr Geschlecht, noch Vaterland.
+
+Chor. (Cajetan.)
+ Und leitet keine dunkle Spur zurück
+ Zu ihres Daseins unbekannten Quellen?
+
+Don Manuel.
+ Daß sie von edelm Blut, gesteht der Mann,
+ Der einz'ge, der um ihre Herkunft weiß.
+
+Chor. (Cajetan.)
+ Wer ist der Mann? Nichts halte mir zurück,
+ Denn wissend nur kann ich dir nützlich rathen.
+
+Don Manuel.
+ Ein alter Diener naht von Zeit zu Zeit,
+ Der einz'ge Bote zwischen Kind und Mutter.
+
+Chor. (Cajetan.)
+ Von diesem Alten hast du nichts erforscht?
+ Feigherzig und geschwätzig ist das Alter.
+
+Don Manuel.
+ Nie wagt' ich's, einer Neugier nachzugeben,
+ Die mein verschwiegnes Glück gefährden könnte.
+
+Chor. (Cajetan.)
+ Was aber war der Inhalt seiner Worte,
+ Wenn er die Jungfrau zu besuchen kam?
+
+Don Manuel.
+ Auf eine Zeit, die Alles lösen werde,
+ Hat er von Jahr zu Jahren sie vertröstet.
+
+Chor. (Cajetan.)
+ Und diese Zeit, die Alles lösen soll,
+ Hat er sie näher deutend nicht bezeichnet?
+
+Don Manuel.
+ Seit wenig Monden drohete der Greis
+ Mit einer nahen Ändrung ihres Schicksals.
+
+Chor. (Cajetan.)
+ Er drohte, sagst du? Also fürchtest du
+ Ein Licht zu schöpfen das dich nicht erfreut?
+
+Don Manuel.
+ Ein jeder Wechsel schreckt den Glücklichen,
+ Wo kein Gewinn zu hoffen, droht Verlust.
+
+Chor. (Cajetan.)
+ Doch konnte die Entdeckung, die du fürchtest,
+ Auch deiner Liebe günst'ge Zeichen bringen.
+
+Don Manuel.
+ Auch stürzen konnte sie mein Glück; drum wählt' ich
+ Das Sicherste, ihr schnell zuvor zu kommen.
+
+Chor. (Cajetan.)
+ Wie das, o Herr? Mit Furcht erfüllt du mich,
+ Und eine rasche That muß ich besorgen.
+
+Don Manuel.
+ Schon seit den letzten Monden ließ der Greis
+ Geheimnißvolle Winke sich entfallen,
+ Daß nicht mehr ferne sei der Tag, der sie
+ Den Ihrigen zurücke geben werde.
+ Seit gestern aber sprach er's deutlich aus,
+ Daß mit der nächsten Morgensonne Strahl--
+ Dies aber ist der Tag, der heute leuchtet--
+ Ihr Schicksal sich entscheidend werde lösen.
+ Kein Augenblick war zu verlieren, schnell
+ War mein Entschluß gefaßt und schnell vollstreckt.
+ In dieser Nacht raubt' ich die Jungfrau weg
+ Und brachte sie verborgen nach Messina.
+
+Chor. (Cajetan.)
+ Welch kühn verwegen-räuberische That!
+ --Verzeih, o Herr, die freie Tadelrede!
+ Doch Solches ist des weisern Alters Recht,
+ Wenn sich die rasche Jugend kühn vergißt.
+
+Don Manuel.
+ Unfern vom Kloster der Barmherzigen,
+ In eines Gartens abgeschiedner Stille,
+ Der von der Neugier nicht betreten wird,
+ Trennt' ich mich eben jetzt von ihr, hieher
+ Zu der Versöhnung mit dem Bruder eilend.
+ In banger Furcht ließ ich sie dort allein
+ Zurück, die sich nichts weniger erwartet,
+ Als in dem Glanz der Fürstin eingeholt
+ Und auf erhabnem Fußgestell des Ruhms
+ Vor ganz Messina ausgestellt zu werden.
+ Denn anders nicht soll sie mich wiedersehn,
+ Als in der Größe Schmuck und Staat und festlich
+ Von eurem ritterlichen Chor umgeben.
+ Nicht will ich, daß Don Manuels Verlobte
+ Als eine Heimathlose, Flüchtige
+ Der Mutter nahen soll, die ich ihr gebe;
+ Als eine Fürstin fürstlich will ich sie
+ Einführen in die Hofburg meiner Väter.
+
+Chor. (Cajetan.)
+ Gebiete, Herr! Wir harren deines Winks.
+
+Don Manuel.
+ Ich habe mich aus ihrem Arm gerissen,
+ Doch nur mit ihr werd' ich beschäftigt sein.
+ Denn nach dem Bazar sollt ihr mich anjetzt
+ Begleiten, wo die Mohren zum Verkauf
+ Ausstellen, was das Morgenland erzeugt
+ An edelm Stoff und feinem Kunstgebild.
+ Erst wählet aus die zierlichen Sandalen,
+ Der zartgeformten Füße Schutz und Zier;
+ Dann zum Gewande wählt das Kunstgewebe
+ Des Indiers, hellglänzend, wie der Schnee
+ Des Ätna, der der Nächste ist dem Licht--
+ Und leicht umfließ' es, wie der Morgenduft,
+ Den zarten Bau der jugendlichen Glieder.
+ Von Purpur sei, mit zarten Fäden Goldes
+ Durchwirkt, der Gürtel, der die Tunica
+ Unter dem zücht'gen Busen reizend knüpft.
+ Dazu den Mantel wählt, von glänzender
+ Seide gewebt, in bleichem Purpur schimmernd,
+ Über der Achsel heft' ihn eine goldne
+ Cicade--Auch die Spangen nicht vergeßt,
+ Die schönen Arme reizend zu umzirken,
+ Auch nicht der Perlen und Korallen Schmuck,
+ Der Meeresgöttin wundersame Gaben,
+ Um die Locken winde sich ein Diadem,
+ Gefüget aus dem köstlichsten Gestein,
+ Worin der feurig glühende Rubin
+ Mit dem Smaragd die Farbenblitze kreuze.
+ Oben im Haarschmuck sei der lange Schleier
+ Gleich einem hellen Lichtgewölk, umfließe,
+ Und mit der Myrte jungfräulichem Kranze
+ Vollende krönend sich das schöne Ganze.
+
+Chor. (Cajetan.)
+ Es soll geschehen, Herr, wie du gebietest,
+ Denn fertig und vollendet findet sich
+ Dies alles auf dem Bazar ausgestellt.
+
+Don Manuel.
+ Den schönsten Zelter führet dann hervor
+ Aus meinen Ställen; seine Farbe sei
+ Lichtweiß, gleichwie des Sonnengottes Pferde,
+ Von Purpur sei die Decke, und Geschirr
+ Und Zügel reich besetzt mit edeln Steinen,
+ Denn tragen soll er meine Königin.
+ Ihr selber haltet euch bereit, im Glanz
+ Des Ritterstaates, unterm freud'gen Schall
+ Der Hörner, eure Fürstin heimzuführen.
+ Dies alles zu besorgen, geh' ich jetzt,
+ Zwei unter euch erwähl' ich zu Begleitern,
+ Ihr andern wartet mein--was ihr vernahmt,
+ Bewahrt's in eures Busens tiefem Grunde,
+ Bis ich das Band gelöst von eurem Munde.
+
+(Er geht ab, von Zweien aus dem Chor begleitet.)
+
+
+
+Achter Auftritt.
+
+
+Chor. (Cajetan.)
+ Sage, was werden wir jetzt beginnen,
+ Da die Fürsten ruhen vom Streit,
+ Auszufüllen die Leere der Stunden
+ Und die lange unendliche Zeit?
+ Etwas fürchten und hoffen und sorgen
+ Muß der Mensch für den kommenden Morgen,
+ Daß er die Schwere des Daseins ertrage
+ Und das ermüdende Gleichmaß der Tage,
+ Und mit erfrischendem Windesweben
+ Kräuselnd bewege das stockende Leben.
+
+Einer aus dem Chor. (Manfred.)
+ Schön ist der Friede! Ein lieblicher Knabe
+ Liegt er gelagert am ruhigen Bach,
+ Und die hüpfenden Lämmer grasen
+ Lustig um ihn auf dem sonnigten Rasen,
+ Süßes Tönen entlockt er der Flöte,
+ Und das Echo des Berges wird wach,
+ Oder im Schimmer der Abendröthe
+ Wiegt ihn in Schlummer der murmelnde Bach--
+ Aber der Krieg auch hat seine Ehre,
+ Der Beweger des Menschengeschicks;
+ Mir gefällt ein lebendiges Leben,
+ Mir ein ewiges Schwanken und Schwingen und Schweben
+ Auf der steigenden, fallenden Welle des Glücks.
+
+ Denn der Mensch verkümmert im Frieden,
+ Müßige Ruh' ist das Grab des Muths.
+ Das Gesetz ist der Freund des Schwachen,
+ Alles will es nur eben machen,
+ Möchte gerne die Welt verflachen;
+ Aber der Krieg läßt die Kraft erscheinen,
+ Alles erhebt er zum Ungemeinen,
+ Selber dem Feigen erzeugt er den Muth.
+
+Ein Zweiter. (Berengar.)
+ Stehen nicht Amors Tempel offen?
+ Wallet nicht zu dem Schönen die Welt?
+ Da ist das Fürchten! Da ist das Hoffen!
+ König ist hier, wer den Augen gefällt!
+ Auch die Liebe beweget das Leben,
+ Daß sich die graulichten Farben erheben.
+ Reizend betrügt sie die glücklichen Jahre,
+ Die gefällige Tochter des Schaums;
+ In das Gemeine und Traurigwahre
+ Webt sie die Bilder des goldenen Traums.
+
+Ein Dritter. (Cajetan.)
+ Bleibe die Blume dem blühenden Lenze,
+ Scheine das Schöne, und flechte sich Kränze,
+ Wem die Locken noch jugendlich grünen;
+ Aber dem männlichen Alter ziemt's,
+ Einem ernsteren Gott zu dienen.
+
+Erster. (Manfred.)
+ Der strengen Diana, der Freundin der Jagden,
+ Lasset uns folgen ins wilde Gehölz,
+ Wo die Wälder am dunkelsten nachten,
+ Und den Springbock stürzen vom Fels.
+ Denn die Jagd ist ein Gleichniß der Schlachten,
+ Des ernsten Kriegsgotts lustige Braut--
+ Man ist auf mit dem Morgenstrahl,
+ Wenn die schmetternden Hörner laden
+ Lustig hinaus in das dampfende Thal,
+ Über Berge, über Klüfte,
+ Die ermatteten Glieder zu baden
+ In den erfrischenden Strömen der Lüfte!
+
+Zweiter. (Berengar.)
+ Oder wollen wir uns der blauen
+ Göttin, der ewig bewegten, vertrauen,
+ Die uns mit freundlicher Spiegelhelle
+ Ladet in ihren unendlichen Schooß?
+ Bauen wir auf der tanzenden Welle
+ Uns ein lustig schwimmendes Schloß?
+ Wer das grüne, krystallene Feld
+ Pflügt mit des Schiffes eilendem Kiele,
+ Der vermählt sich das Glück, dem gehört die Welt,
+ Ohne die Saat erblüht ihm die Ernte!
+ Denn das Meer ist der Raum der Hoffnung
+ Und der Zufälle launisch Reich:
+ Hier wird der Reiche schnell zum Armen,
+ Und der Ärmste dem Fürsten gleich.
+ Wie der Wind mit Gedankenschnelle
+ Läuft um die ganze Windesrose,
+ Wechseln hier des Geschickes Loose,
+ Dreht das Glück seine Kugel um,
+ Auf den Wellen ist Alles Welle,
+ Auf dem Meer ist kein Eigenthum.
+
+Dritter. (Cajetan.)
+ Aber nicht bloß im Wellenreiche,
+ Auf der wogenden Meeresfluth,
+ Auch auf der Erde, so fest sie ruht
+ Auf den ewigen, alten Säulen,
+ Wanket das Glück und will nicht weilen.
+ --Sorge gibt mir dieser neue Frieden,
+ Und nicht fröhlich mag ich ihm vertrauen;
+ Auf der Lava, die der Berg geschieden,
+ Möcht' ich nimmer meine Hütte bauen.
+ Denn zu tief schon hat der Haß gefressen,
+ Und zu schwere Thaten sind geschehn,
+ Die sich nie vergeben und vergessen;
+ Noch hab' ich das Ende nicht gesehn.
+ Und mich schrecken ahnungsvolle Träume!
+ Nicht Wahrsagung reden soll mein Mund;
+ Aber sehr mißfällt mir dies Geheime,
+ Dieser Ehe segenloser Bund,
+ Diese lichtscheu krummen Liebespfade,
+ Dieses Klosterraubs verwegne That;
+ Denn das Gute liebt sich das Gerade,
+ Böse Früchte trägt die böse Saat.
+
+(Berengar.)
+ Auch ein Raub war's, wie wir alle wissen,
+ Der des alten Fürsten ehliches Gemahl
+ In ein frevelnd Ehebett gerissen,
+ Denn sie war des Vaters Wahl.
+ Und der Ahnherr schüttete im Zorne
+ Grauenvoller Flüche schrecklichen Samen
+ Auf das sündige Ehebett aus.
+ Gräuelthaten ohne Namen,
+ Schwarze Verbrechen verbirgt dies Haus.
+
+Chor. (Cajetan.)
+ Ja, es hat nicht gut begonnen,
+ Glaubt mir, und es endet nicht gut;
+ Denn gebüßt wird unter der Sonnen
+ Jede That der verblendeten Wuth.
+ Es ist kein Zufall und blindes Loos,
+ Daß die Brüder sich wüthend selbst zerstören;
+ Denn verflucht ward der Mutter Schooß,
+ Sie sollte den Haß und den Streit gebären.
+ --Aber ich will es schweigend verhüllen.
+ Denn die Rachgötter schaffen im Stillen;
+ Zeit ist's, die Unfälle zu beweinen,
+ Wenn sie nahen und wirklich erscheinen. (Der Chor geht ab.)
+
+
+
+
+Zweiter Aufzug.
+
+
+
+Erster Auftritt.
+
+
+Die Scene verwandelt sich in einen Garten, der die Aussicht auf
+das Meer eröffnet. Aus einem anstoßenden Gartensaale tritt
+Beatrice, geht unruhig auf und nieder, nach allen Seiten
+Umherspähend. Plötzlich steht sie still und horcht.
+
+ Es ist es nicht--Es war der Winde Spiel,
+ Die durch der Pinie Wipfel sausend streichen;
+ Schon neigt die Sonne sich zu ihrem Ziel,
+ Mit trägem Schritt seh' ich die Stunden schleichen,
+ Und mich ergreift ein schauderndes Gefühl,
+ Es schreckt mich selbst das wesenlose Schweigen.
+ Nichts zeigt sich mir, wie weit die Blicke tragen;
+ Er läßt mich hier in meiner Angst verzagen.
+
+ Und nahe hör' ich, wie ein rauschend Wehr,
+ Die Stadt, die völkerwimmelnde, ertosen;
+ Ich höre fern das ungeheure Meer
+ An seine Ufer dumpferbrandend stoßen.
+ Es stürmen alle Schrecken auf mich her,
+ Klein fühl' ich mich in diesem Furchtbargroßen,
+ Und fortgeschleudert, wie das Blatt vom Baume,
+ Verlier' ich mich im grenzenlosen Raume.
+
+ Warum verließ ich meine stille Zelle?
+ Da lebt' ich ohne Sehnsucht, ohne Harm!
+ Das Herz war ruhig, wie die Wiesenquelle,
+ An Wünschen leer, doch nicht an Freuden arm.
+ Ergriffen jetzt hat mich des Lebens Welle,
+ Mich faßt die Welt in ihren Riesenarm;
+ Zerrissen hab' ich alle frühern Bande,
+ Vertrauend eines Schwures leichtem Pfande.
+
+ Wo waren die Sinne?
+ Was hab' ich gethan?
+ Ergriff mich bethörend
+ Ein rasender Wahn?
+
+ Den Schleier zerriß ich
+ Jungfräulicher Zucht,
+ Die Pforten durchbrach ich der heiligen Zelle!
+ Umstrickte mich blendend ein Zauber der Hölle?
+ Dem Manne folgt' ich,
+ Dem kühnen Entführer, in sträflicher Flucht.
+
+ O, komm, mein Geliebter!
+ Wo bleibst du und säumest? Befreie, befreie
+ Die kämpfende Seele! Mich naget die Reue,
+ Es faßt mich der Schmerz;
+ Mit liebender Nähe versichre mein Herz.
+
+ Und sollt' ich mich dem Manne nicht ergeben,
+ Der in der Welt allein sich an mich schloß?
+ Denn ausgesetzt ward ich ins fremde Leben,
+ Und frühe schon hat ich ein strenges Loos
+ (Ich darf den dunkeln Schleier nicht erheben)
+ Gerissen von dem mütterlichen Schooß.
+ Nur einmal sah ich sie, die mich geboren,
+ Doch wie ein Traum ging mir das Bild verloren.
+
+ Und so erwuchs ich still am stillen Orte,
+ In Lebens Gluth den Schatten beigesellt,
+ --Da stand er plötzlich an des Klosters Pforte,
+ Schön, wie ein Gott, und männlich, wie ein Held.
+ O, mein Empfinden nennen keine Worte!
+ Fremd kam er mir aus einer fremden Welt,
+ Und schnell, als wär' es ewig so gewesen,
+ Schloß sich der Bund, den keine Menschen lösen.
+
+ Vergib, du Herrliche, die mich geboren,
+ Daß ich, vorgreifend den verhängten Stunden,
+ Mir eigenmächtig mein Geschick erkoren.
+ Nicht frei erwählt' ich's, es hat mich gefunden;
+ Ein dringt der Gott auch zu verschloßnen Thoren,
+ Zu Perseus' Thurm hat er den Weg gefunden,
+ Dem Dämon ist sein Opfer unverloren.
+ Wär' es an öde Klippen angebunden
+ Und an des Atlas himmeltragende Säulen,
+ So wird ein Flügelroß es dort ereilen.
+
+ Nicht hinter mich begehr' ich mehr zu schauen,
+ In keine Heimath sehn' ich mich zurück;
+ Der Liebe will ich liebend mich vertrauen,
+ Gibt es ein schönres als der Liebe Glück?
+ Mit meinem Loos will ich mich gern bescheiden,
+ Ich kenne nicht des Lebens andre Freuden.
+
+ Nicht kenn' ich sie und will sie nimmer kennen,
+ Die sich die Stifter meiner Tage nennen,
+ Wenn sie von dir mich, mein Geliebter, trennen.
+ Ein ewig Räthsel bleiben will ich mir;
+ Ich weiß genug, ich lebe dir! (Aufmerkend.)
+ Horch, der lieben Stimme Schall!
+ --Nein, es war der Wiederhall
+ Und des Meeres dumpfes Brausen,
+ Das sich an den Ufern bricht,
+ Der Geliebte ist es nicht!
+ Weh mir! Weh mir! Wo er weilet?
+ Mich umschlingt ein kaltes Grausen!
+ Immer tiefer
+ Singt die Sonne! Immer öder
+ Wird die Öde! Immer schwerer
+ Wird das Herz--Wo zögert er? (Sie geht unruhig umher.)
+
+ Aus des Gartens sichern Mauern
+ Wag' ich meinen Schritt nicht mehr.
+ Kalt ergriff mich das Entsetzen,
+ Als ich in die nahe Kirche
+ Wagte meinen Fuß zu setzen;
+ Denn mich trieb's mit mächt'gem Drang
+ Aus der Seele tiefsten Tiefen,
+ Als sie zu der Hora riefen,
+ Hinzuknien an heil'ger Stätte,
+ Zu der Göttlichen zu flehn,
+ Nimmer konnt' ich widerstehn.
+ Wenn ein Lauscher mich erspähte?
+ Voll von Feinden ist die Welt,
+ Arglist hat auf allen Pfaden,
+ Fromme Unschuld zu verrathen,
+ Ihr betrüglich Netz gestellt.
+ Grauend hab' ich's schon erfahren,
+ Als ich aus des Klosters Hut
+ In die fremden Menschenschaaren
+ Mich gewagt mit frevelm Muth.
+ Dort, bei jenes Festes Feier,
+ Da der Fürst begraben ward,
+ Mein Erkühnen büßt' ich theuer,
+ Nur ein Gott hat mich bewahrt--
+ Da der Jüngling mir, der fremde,
+ Nahte, mit dem Flammenauge,
+ Und mit Blicken, die mich schreckten,
+ Mir das Innerste durchzuckten,
+ In das tiefste Herz mir schaute--
+ Noch durchschauert kaltes Grauen,
+ Da ich's denke, mir die Brust!
+ Nimmer, nimmer kann ich schauen
+ In die Augen des Geliebten,
+ Dieser stillen Schuld bewußt! (Aufhorchend.)
+ Stimmen im Garten!
+ Er ist's, der Geliebte!
+ Er selber! Jetzt täuschte
+ Kein Blendwerk mein Ohr.
+ Es naht, es vermehrt sich!
+ In seine Arme!
+ An seine Brust!
+
+(Sie eilt mit ausgebreiteten Armen nach der Tiefe des Gartens.
+Don Cesar tritt ihr entgegen.)
+
+
+
+Zweiter Auftritt.
+
+
+Don Cesar. Beatrice. Der Chor.
+
+Beatrice (mit Schrecken zurückfliehend.)
+ Weh mir! Was seh' ich!
+
+(In demselben Augenblick tritt auch der Chor ein.)
+
+Don Cesar.
+ Holde Schönheit, fürchte nichts!
+(Zu dem Chor.)
+ Der rauhe Anblick eurer Waffen schreckt
+ Die zarte Jungfrau--Weicht zurück und bleibt
+ In ehrerbiet'ger Ferne!
+(Zu Beatricen.)
+ Fürchte nichts!
+ Die holde Scham, die Schönheit ist mir heilig.
+
+(Der Chor hat sich zurückgezogen. Er tritt ihr näher und ergreift
+ihre Hand.)
+
+ Wo warst du? Welches Gottes Macht entrückte,
+ Verbarg dich diese lange Zeit? Dich hab' ich
+ Gesucht, nach dir geforschet; wachend, träumend
+ Warst du des Herzens einziges Gefühl,
+ Seit ich bei jenem Leichenfest des Fürsten,
+ Wie eines Engels Lichterscheinung, dich
+ Zum erstenmal erblickte--Nicht verborgen
+ Blieb dir die Macht, mit der du mich bezwangst.
+ Der Blicke Feuer und der Lippe Stammeln,
+ Die Hand, die in der deinen zitternd lag,
+ Verrieth sie dir--ein kühneres Geständniß
+ Verbot des Ortes ernste Majestät.
+ --Der Messe Hochamt rief mich zum Gebet,
+ Und da ich von den Knieen jetzt erstanden,
+ Die ersten Blicke schnell auf dich sich heften,
+ Warst du aus meinen Augen weggerückt;
+ Doch nachgezogen mit allmächt'gen Zaubers Banden
+ Hast du mein Herz mit allen seinen Kräften.
+ Seit diesem Tage such' ich rastlos dich
+ An aller Kirchen und Paläste Pforten,
+ An allen offnen und verborgnen Orten,
+ Wo sich die schöne Unschuld zeigen kann,
+ Hab' ich das Netz der Späher ausgebreitet;
+ Doch meiner Mühe sah ich keine Frucht,
+ Bis endlich heut, von einem Gott geleitet,
+ Des Spähers glückbekrönte Wachsamkeit
+ In dieser nächsten Kirche sich entdeckte.
+
+(Hier macht Beatrice, welche in dieser ganzen Zeit zitternd und
+abgewandt gestanden, eine Bewegung des Schreckens.)
+
+ Ich habe dich wieder, und der Geist verlasse
+ Eher die Glieder, eh' ich von dir scheide!
+ Und daß ich fest sogleich den Zufall fasse
+ Und mich verwahre vor des Dämons Neide,
+ So red' ich dich vor diesen Zeugen allen
+ Als meine Gattin an und reiche dir
+ Zum Pfande deß die ritterliche Rechte. (Er stellt sie dem Chor dar.)
+
+ Nicht forschen will ich, wer du bist--Ich will
+ Nur dich von dir, nichts frag' ich nach dem Andern
+ Daß deine Seele, wie dein Ursprung, rein,
+ Hat mir dein erster Blick verbürget und beschworen,
+ Und wärst du selbst die Niedrigste geboren,
+ Du müßtest dennoch meine Liebe sein,
+ Die Freiheit hab' ich und die Wahl verloren.
+
+ Und daß du wissen mögest, ob ich auch
+ Herr meiner Thaten sei und hoch genug
+ Gestellt auf dieser Welt, auch das Geliebte
+ Mit starkem Arm zu mir emporzuheben,
+ Bedarf's nur, meinen Namen dir zu nennen.
+ --Ich bin Don Cesar, und in dieser Stadt
+ Messina ist kein Größrer über mir.
+
+(Beatrice schaudert zurück; er bemerkt es und fährt nach einer
+kleinen Weile fort.)
+
+ Dein Staunen lob' ich und dein sittsam Schweigen,
+ Schamhafte Demuth ist der Reize Krone,
+ Denn ein Verborgenes ist sich das Schöne,
+ Und es erschrickt vor seiner eignen Macht.
+ --Ich geh' und überlasse dich dir selbst,
+ Daß sich dein Geist von seinem Schrecken löse,
+ Denn jedes Neue, auch das Glück, erschreckt. (Zu dem Chor.)
+ Gebt ihr--sie ist's von diesem Augenblick--
+ Die Ehre meiner Braut und eurer Fürstin!
+ Belehret sie von ihres Standes Größe.
+ Bald kehr' ich selbst zurück, sie heimzuführen,
+ Wie's meiner würdig ist und ihr gebührt. (Er geht ab.)
+
+
+
+Dritter Auftritt.
+
+
+Beatrice und der Chor.
+
+Chor. (Bohemund.)
+ Heil dir, o Jungfrau,
+ Liebliche Herrscherin!
+ Dein ist die Krone,
+ Dein ist der Sieg!
+
+ Als die Erhalterin
+ Dieses Geschlechtes,
+ Künftiger Helden
+ Blühende Mutter begrüß' ich dich!
+
+(Roger.)
+ Dreifaches Heil dir!
+ Mit glücklichen Zeichen,
+ Glückliche, trittst du
+ In ein götterbegünstigtes, glückliches Haus,
+ Wo die Kränze des Ruhmes hängen,
+ Und das goldene Scepter in stetiger Reihe
+ Wandert vom Ahnherrn zum Enkel hinab.
+
+(Bohemund.)
+ Deines lieblichen Eintritts
+ Werden sich freuen
+ Die Penaten des Hauses,
+ Die hohen, die ernsten,
+ Verehrten Alten.
+ Au den Schwelle empfangen
+ Wird dich die immer blühende Hebe
+ Und die goldne Victoria,
+ Die geflügelte Göttin,
+ Die auf der Hand schwebt des ewigen Vaters,
+ Ewig die Schwingen zum Siege gespannt.
+
+(Roger.)
+ Nimmer entweicht
+ Die Krone der Schönheit
+ Aus diesem Geschlechte;
+ Scheidend reicht
+ Eine Fürstin der andern
+ Den Gürtel der Anmuth
+ Und den Schleier der züchtigen Scham.
+ Aber das Schönste
+ Erlebt mein Auge,
+ Denn ich sehe die Blume der Tochter,
+ Ehe die Blume der Mutter verblüht.
+
+Beatrice (aus ihrem Schrecken erwachend).
+ Wehe mir! In welche Hand
+ Hat das Unglück mich gegeben!
+ Unter allen,
+ Welche leben,
+ Nicht in diese sollt' ich fallen!
+
+ Jetzt versteh' ich das Entsetzen,
+ Das geheimnißvolle Grauen,
+ Das mich schaudernd stets gefaßt,
+ Wenn man mir den Namen nannte
+ Dieses furchtbaren Geschlechtes,
+ Das sich selbst vertilgend haßt,
+ Gegen seine eignen Glieder
+ Wüthend mit Erbittrung rast!
+ Schaudernd hört' ich oft und wieder
+ Von dem Schlangenhaß der Brüder,
+ Und jetzt reiße mein Schreckenschicksal
+ Mich, die Arme, Rettungslose,
+ In den Strudel dieses Hasses,
+ Diese Unglücks mich hinein! (Sie flieht in den Gartensaal.)
+
+
+
+Vierter Auftritt.
+
+
+Chor. (Bohemund.)
+ Den begünstigten Sohn der Götter beneid' ich,
+ Den beglückten Besitzer der Macht!
+ Immer das Köstlichste ist sein Antheil,
+ Und von Allem, was hoch und herrlich
+ Von den Sterblichen wird gepriesen,
+ Bricht er die Blume sich ab.
+
+(Roger.)
+ Von den Perlen, welche der tauchender Fischer
+ Auffängt, wählt er die reinsten für sich.
+ Für den Herrscher legt man zurück das Beste,
+ Was gewonnen ward mit gemeinsamer Arbeit,
+ Wenn sich die Diener durchs Loos vergleichen,
+ Ihm ist das Schönste gewiß.
+
+(Bohemund.)
+ Aber eines doch ist sein köstlichstes Kleinod,
+ Jeder andre Vorzug sei ihm gegönnt,
+ Dieses beneid' ich ihm unter allem,
+ Daß er heimführt die Blume der Frauen,
+ Die das Entzücken ist aller Augen,
+ Daß er sie eigen besitzt.
+
+(Roger.)
+ Mit dem Schwerte springt der Corsar an die Küste
+ In dem nächtlich ergreifenden Überfall;
+ Männer führt er davon und Frauen
+ Und ersättigt die wilde Begierde.
+ Nur die schönste Gestalt darf er nicht berühren,
+ Die ist des Königes Gut.
+
+(Bohemund.)
+ Aber jetzt folgt mir, zu bewachen den Eingang
+ Und die Schwelle des heiligen Raums,
+ Daß kein Ungeweihter in dieses Geheimniß
+ Dringe und der Herrscher uns lobe,
+ Der das Köstlichste, was er besitzet,
+ Unsrer Bewahrung vertraut.
+(Der Chor entfernt sich nach dem Hintergrunde.)
+
+
+Die Scene verwandelt sich in ein Zimmer im Innern des Palastes.
+
+
+
+Fünfter Auftritt.
+
+
+Donna Isabella steht zwischen Don Manuel und Don Cesar.
+
+Isabella.
+ Nun endlich ist mir der erwünschte Tag,
+ Der langersehnte, festliche, erschienen--
+ Vereint seh' ich die Herzen meiner Kinder,
+ Wie ich die Hände leicht zusammenfüge,
+ Und im vertrauten Kreis zum erstenmal
+ Kann sich das Herz der Mutter freudig öffnen.
+ Fern ist der fremden Zeugen rohe Schaar,
+ Die zwischen uns sich kampfgerüstet stellte--
+ Der Waffen Klang erschreckt mein Ohr nicht mehr,
+ Und wie der Eulen nachtgewohnte Brut
+ Von der zerstörten Brandstatt, wo sie lang
+ Mit altverjährtem Eigenthum genistet,
+ Auffliegt in düsterm Schwarm, den Tag verdunkelnd,
+ Wenn sich die lang vertriebenen Bewohner
+ Heimkehrend nahen mit der Freude Schall,
+ Den neuen Bau lebendig zu beginnen:
+ So flieht der alte Haß mit seinem nächtlichen
+ Gefolge, dem hohläugigten Verdacht,
+ Der schellen Mißgunst und dem bleichen Neide,
+ Aus diesen Thoren murrend zu der Hölle,
+ Und mit dem Frieden zieht geselliges
+ Vertraun und holde Eintracht lächelnd ein. (Sie hält inne.)
+ --Doch nicht genug, daß dieser heut'ge Tag
+ Jedem von beiden einen Bruder schenkt,
+ Auch eine Schwester hat er euch geboren.
+ --Ihr staunt? Ihr seht mich mir Verwundrung an?
+ Ja, meine Söhne! Es ist Zeit, daß ich
+ Das Siegel breche und das Siegel löse
+ Von einem lang verschlossenen Geheimniß.
+ --Auch eine Tochter hat' ich Eurem Vater
+ Geboren--eine jüngre Schwester lebt
+ Euch noch--Ihr sollt noch heute sie umarmen.
+
+Don Cesar.
+ Was sagst du, Mutter? Eine Schwester lebt uns,
+ Und nie vernahmen wir von dieser Schwester!
+
+Don Manuel.
+ Wohl hörten wir in früher Kinderzeit,
+ Daß eine Schwester uns geboren worden;
+ Doch in der Wiege schon, so ging die Sage,
+ Nahm sie der Tod hinweg.
+
+Isabella. Die Sage lügt!
+ Sie lebt!
+
+Don Cesar.
+ Sie lebt, und du verschwiegest uns?
+
+Isabella.
+ Von meinem Schweigen geb' ich Rechenschaft.
+ Hört, was gesäet ward in frührer Zeit
+ Und jetzt zur frohen Ernte reifen soll.
+ --Ihr wart noch zarte Knaben, aber schon
+ Entzweite euch der jammervolle Zwist,
+ Der ewig nie mehr wiederkehren möge,
+ Und häufte Gram auf eurer Eltern Herz.
+ Da wurde eurem Vater eines Tages
+ Ein seltsam wunderbarer Traum. Ihm däuchte,
+ Er säh' aus seinem hochzeitlichen Bette
+ Zwei Lorbeerbäume wachsen, ihr Gezweig
+ Dicht in einander flechtend--zwischen beiden
+ Wuchs eine Lilie empor--Sie ward
+ Zur Flamme, die, der Bäume dicht Gezweig
+ Und das Gebälk ergreifend, prasseln aufschlug
+ Und, um sich wüthend, schnell das ganze Haus
+ In ungeheurer Feuerfluth verschlang.
+
+ Erschreckt von diesem seltsamen Gesichte,
+ Befragt' der Vater einen sternekundigen
+ Arabier, der sein Orakel war,
+ An dem sein Herz mehr hing, als mir gefiel,
+ Um die Bedeutung. Der Arabier
+ Erklärte: wenn mein Schooß von einer Tochter
+ Entbunden würde, tödten würde sie ihm
+ Die beiden Söhne und sein ganzer Stamm
+ Durch sie vergehn--Und ich ward Mutter einer Tochter;
+ Der Vater aber gab den grausamen
+ Befehl, die neugeborene alsbald
+ Ins Meer zu werfen. Ich vereitelte
+ Den blut'gen Vorsatz und erhielt die Tochter
+ Durch eines treuen Knechts verschwiegnen Dienst.
+
+Don Cesar.
+ Gesegnet sei er, der dir hilfreich war!
+ O, nicht an Rath gebricht's der Mutterliebe!
+
+Isabella.
+ Der Mutterliebe mächt'ge Stimme nicht
+ Allein trieb mich, das Kindlein zu verschonen.
+ Auch mir ward eines Traumes seltsames
+ Orakel, als mein Schooß mit dieser Tochter
+ Gesegnet war: Ein Kind, wie Liebesgötter schön,
+ Sah ich im Grase spielen, und ein Löwe
+ Kam aus dem Wald, der in dem blut'gen Rachen
+ Die frisch gejagte Beute trug, und ließ
+ Sie schmeichelnd in den Schooß des Kindes fallen.
+ Und aus den Lüften schwang ein Adler sich
+ Herab, ein zitternd Reh in seinen Fängen,
+ Und legt es schmeichelnd in den Schooß des Kindes,
+ Und beide, Löw' und Adler, legen, fromm
+ Gepaart, sich zu des Kindes Füßen nieder.
+ --Des Traums Verständniß löste mir ein Mönch,
+ Ein gottgeliebter Mann, bei dem das Herz
+ Rath fand und Trost in jeder ird'schen Noth.
+ Der sprach: "Genesen würd' ich einer Tochter,
+ "Die mir der Söhne streitende Gemüther
+ "In heißer Liebesgluth vereinen würde."
+ --Im Innersten bewahrt' ich mir dies Wort;
+ Dem Gott der Wahrheit mehr als dem der Lüge
+ Vertrauend, rettet' ich die Gott verheißne,
+ Des Segens Tochter, meiner Hoffnung Pfand,
+ Die mir des Friedens Werkzeug sollte sein,
+ Als euer Haß sich wachsend stets vermehrte.
+
+Don Manuel (seinen Bruder umarmend).
+ Nicht mehr der Schwester braucht's, der Liebe Band
+ Zu flechten, aber fester soll sie's knüpfen.
+
+Isabella.
+ So ließ ich an verborgner Stelle sie,
+ Von meinen Augen fern, geheimnißvoll
+ Durch fremde Hand erziehn--der Anblick selbst
+ Des lieben Angesichts, den heißerflehten,
+ Versagt' ich mir, den strengen Vater scheuend,
+ Der, von des Argwohns ruheloser Pein
+ Und finster grübelndem Verdacht genagt,
+ Auf allen Schritten mir die Späher pflanzte.
+
+Don Cesar.
+ Drei Monde aber deckt den Vater schon
+ Das stille Grab--Was wehrte dir, o Mutter,
+ Die lang Verborgne an das Licht hervor
+ Zu ziehn und unsre Herzen zu erfreuen?
+
+Isabella.
+ Was sonst, als euer unglücksel'ger Streit,
+ Der, unauslöschlich wüthend, auf dem Grab
+ Des kaum entseelten Vaters sich entflammte,
+ Nicht Raum noch Stätte der Versöhnung gab?
+ Konnt' ich die Schwester zwischen eure wild
+ Entblößten Schwerter stellen? Konntet ihr
+ In diesem Sturm die Mutterstimme hören?
+ Und sollt' ich sie, des Friedens theures Pfand,
+ Den letzten heil'gen Anker meiner Hoffnung,
+ An eures Hasses Wuth unzeitig wagen?
+ --Erst mußtet ihr's ertragen, euch als Brüder
+ Zu sehn, eh' ich die Schwester zwischen euch
+ Als einen Friedensengel stellen konnte.
+ Jetzt kann ich's, und ich führe sie euch zu.
+ Den alten Diener hab' ich ausgesendet,
+ Und stündlich harr' ich seiner Wiederkehr,
+ Der, ihrer stillen Zuflucht sie entreißend,
+ Zurück an meine mütterliche Brust
+ Sie führt und in die brüderlichen Arme.
+
+Don Manuel.
+ Und sie ist nicht die Einz'ge, die du heut
+ In deine Mutterarme schließen wirst.
+ Es zieht die Freude ein durch alle Pforten,
+ Es füllt sich der verödete Palast
+ Und wird der Sitz der blühnden Anmuth werden.
+ --Vernimm, o Mutter, jetzt auch mein Geheimniß.
+ Eine Schwester gibst du mir--Ich will dafür
+ Dir eine zweite liebe Tochter schenken.
+ Ja, Mutter! Segne deinen Sohn!--Dies Herz,
+ Es hat gewählt; gefunden hab' ich sie,
+ Die mir durchs Leben soll Gefährtin sein.
+ Eh dieses Tages Sonne sinkt, führ' ich
+ Die Gattin dir Don Manuels zu Füßen.
+
+Isabella.
+ An meine Brust will ich sie freudig schließen,
+ Die meinen Erstgebornen mir beglückt;
+ Auf ihren Pfaden soll die Freude sprießen,
+ Und jede Blume, die das Leben schmückt,
+ Und jedes Glück soll mir den Sohn belohnen,
+ Der mir die schönste reicht der Mutterkronen!
+
+Don Cesar.
+ Verschwende, Mutter, deines Segens Fülle
+ Nicht an den einen erstgebornen Sohn!
+ Wenn Liebe Segen gibt, so bring' auch ich
+ Dir eine Tochter, solcher Mutter werth,
+ Die mich der Liebe neu Gefühl gelehrt.
+ Eh dieses Tages Sonne sinkt, führt auch
+ Don Cesar seine Gattin dir entgegen.
+
+Don Manuel.
+ Allmächt'ge Liebe! Göttliche! Wohl nennt
+ Man dich mit Recht die Königin der Seelen!
+ Dir unterwirft sich jedes Element,
+ Du kannst das Feindlichstreitende vermählen;
+ Nichts lebt, was deine Hoheit nicht erkennt,
+ Und auch des Bruders wilden Sinn hast du
+ Besiegt, der unbezwungen stets geblieben. (Don Cesar umarmend.)
+ Jetzt glaub' ich an dein Herz und schließe dich
+ Mit Hoffnung an die brüderliche Brust;
+ Nicht zweifl' ich mehr an dir, denn du kannst lieben.
+
+Isabella.
+ Dreimal gesegnet sei mir dieser Tag,
+ Der mir auf einmal jede bange Sorge
+ Vom schwer beladnen Busen hebt--Gegründet
+ Auf festen Säulen seh' ich mein Geschlecht,
+ Und in der Zeiten Unermeßlichkeit
+ Kann ich hinabsehn mit zufriednem Geist.
+ Noch gestern sah ich mich im Wittwenschleier,
+ Gleich einer Abgeschiednen, kinderlos,
+ In diesen öden Sälen ganz allein,
+ Und heute werden in der Jugend Glanz
+ Drei blühnde Töchter mir zur Seite stehen.
+ Die Mutter zeige sich, die glückliche,
+ Von allen Weibern, die geboren haben,
+ Die sich mit mir an Herrlichkeit vergleicht!
+ --Doch welcher Fürsten königliche Töchter
+ Erblühen denn an dieses Landes Grenzen,
+ Davon ich Kunde nie vernahm?--denn nicht
+ Unwürdig wählen konnten meine Söhne!
+
+Don Manuel.
+ Nur heute, Mutter, fordre nicht, den Schleier
+ Hinwegzuheben, der mein Glück bedeckt.
+ Es kommt der Tag, der Alles lösen wird,
+ Am besten mag die Braut sich selbst verkünden,
+ Deß sei gewiß, du wirst sie würdig finden.
+
+Isabella.
+ Des Vaters eignen Sinn und Geist erkenn' ich
+ In meinem erstgebornen Sohn! Der liebte
+ Von jeher, sich verborgen in sich selbst
+ Zu spinnen und den Rathschluß zu bewahren
+ Um unzugangbar fest verschlossenen Gemüth!
+ Gern mag ich dir die kurze Frist vergönnen;
+ Doch mein Sohn Cesar, deß bin ich gewiß,
+ Wird jetzt mir eine Königstochter nennen.
+
+Don Cesar.
+ Nicht meine Weise ist's, geheimnißvoll
+ Mich zu verhüllen, Mutter. Frei und offen,
+ Wie meine Stirne, trag' ich mein Gemüth;
+ Doch, was du jetzt von mir begehrst zu wissen,
+ Das, Mutter--laß mich's redlich dir gestehn,
+ Hab' ich mich selbst noch nicht gefragt. Fragt man,
+ Woher der Sonne Himmelsfeuer flamme?
+ Die alle Welt verklärt, erklärt sich selbst,
+ Ihr Licht bezeugt, daß sie vom Lichte stamme.
+ Ins klare Auge sah ich meiner Braut,
+ Ins Herz des Herzens hab' ich ihr geschaut,
+ Am reinen Glanz will ich die Perle kennen;
+ Doch ihren Namen kann ich dir nicht nennen.
+
+Isabella.
+ Wie, mein Sohn Cesar? Kläre mir das auf.
+ Zu gern dem ersten mächtigen Gefühl
+ Vertrautest du, wie einer Götterstimme.
+ Auf rascher Jugendthat erwart' ich dich,
+ Doch nicht auf thöricht kindischer--Laß hören,
+ Was deine Wahl gelenkt.
+
+Don Cesar.
+ Wahl, meine Mutter?
+ Ist's Wahl, wenn des Gestirnes Macht den Menschen
+ Ereilt in der verhängnißvollen Stunde?
+ Nicht, eine Braut zu suchen, ging ich aus,
+ Nicht wahrlich solches Eitle konnte mir
+ Zu Sinne kommen in dem Haus des Todes,
+ Denn dorten fand ich, die ich nicht gesucht.
+ Gleichgültig war und nichts bedeutend mir
+ Der Frauen leer geschwätziges Geschlecht,
+ Denn eine zweite sah ich nicht, wie dich,
+ Die ich gleich wie ein Götterbild verehre.
+ Es war des Vaters ernste Todtenfeier;
+ Im Volksgedräng verborgen, wohnten wir
+ Ihr bei, du weißt's, in unbekannter Kleidung;
+ So hattest du's mit Weisheit angeordnet,
+ Daß unsers Haders wild ausbrechende
+ Gewalt des Festes Würde nicht verletze.
+ --Mit schwarzem Flor behangen war das Schiff
+ Der Kirche, zwanzig Genien umstanden,
+ Mit Fackeln in den Händen, den Altar,
+ Vor dem der Todtensarg erhaben ruhte,
+ Mit weißbekreuztem Grabestuch bedeckt.
+ Und auf dem Grabtuch sahe man den Stab
+ Der Herrschaft liegen und die Fürstenkrone,
+ Den ritterlichen Schmuck der goldnen Sporen,
+ Das Schwert mit diamantenem Gehäng.
+ --Und Alles lag in stiller Andacht knieend,
+ Als ungesehen jetzt vom hohen Chor
+ Herab die Orgel anfing sich zu regen,
+ Und hundertstimmig der Gesang begann--
+ Und als der Chor noch fortklung, stieg der Sarg
+ Mit sammt dem Boden, der ihn trug, allmählich
+ Versinkend in die Unterwelt hinab,
+ Das Grabtuch aber überschleierte,
+ Weit ausgebreitet, die verborgne Mündung,
+ Und auf der Erde blieb der ird'sche Schmuck
+ Zurück, dem Niederfahrenden nicht folgend--
+ Doch auf den Seraphsflügeln des Gesangs
+ Schwang die befreite Seele sich nach oben,
+ Den Himmel suchend und den Schooß der Gnade.
+ --Dies alles, Mutter, ruf' ich dir, genau
+ Beschreibend, ins Gedächtniß jetzt zurück,
+ Daß du erkennest, ob zu jener Stunde
+ Ein weltlich Wünschen mir im Herzen war.
+ Und diesen festlich ernsten Augenblick
+ Erwählte sich der Lenker meines Lebens,
+ Mich zu berühren mit der Liebe Strahl.
+ Wie es geschah, frag' ich mich selbst vergebens.
+
+Isabella.
+ Vollende dennoch! Laß mich Alles hören!
+
+Don Cesar.
+ Woher sie kam, und wie sie sich zu mir
+ Gefunden, dieses frage nicht--Als ich
+ Die Augen wandte, stand sie mir zur Seite,
+ Und dunkel mächtig, wunderbar ergriff
+ Im tiefsten Innersten mich ihre Nähe.
+ Nicht ihres Wesens schöner Außenschein,
+ Nicht ihres Lächelns holder Zauber war's,
+ Die Reize nicht, die auf der Wange schweben,
+ Selbst nicht der Glanz der göttlichen Gestalt--
+ Es war ihr tiefste und geheimstes Leben,
+ Was mich ergriff mit heiliger Gewalt,
+ Wie Zaubers Kräfte unbegreiflich weben--
+ Die Seelen schienen ohne Worteslaut
+ Sich ohne Mittel geistig zu berühren,
+ Als sich mein Athem mischte mit dem ihren;
+ Fremd war sie mir und innig doch vertraut,
+ Und klar auf einmal fühlt' ich's in mir werden,
+ Die ist es oder Keine sonst auf Erden!
+
+Don Manuel (mit Feuer einfallend).
+ Das ist der Liebe heil'ger Götterstrahl,
+ Der in die Seele schlägt und trifft und zündet,
+ Wenn sich Verwandtes zum Verwandten findet,
+ Da ist kein Widerstand und keine Wahl,
+ Es löst der Mensch nicht, was der Himmel bindet.
+ --Dem Bruder fall' ich bei, ich muß ihn loben,
+ Mein eigen Schicksal ist's, was er erzählt,
+ Den Schleier hat er glücklich aufgehoben
+ Von dem Gefühl, das dunkel mich beseelt.
+
+Isabella.
+ Den eignen freien Weg, ich seh' es wohl,
+ Will das Verhängniß gehn mit meinen Kindern.
+ Vom Berge stürzt der ungeheure Strom,
+ Wühlt sich sein Bette selbst und bricht sich Bahn,
+ Nicht des gemeßnen Pfades achtet er,
+ Den ihm die Klugheit vorbedächtig baut.
+ So unterwerf' ich mich--wie kann ich's ändern?--
+ Der unregiersam stärkern Götterhand,
+ Die meines Hauses Schicksal dunkel spinnt.
+ Der Söhne Herz ist meiner Hoffnung Pfand,
+ Sie denken groß, wie sie geboren sind.
+
+
+
+Sechster Auftritt.
+
+
+Donna Isabella. Don Manuel. Don Cesar. Diego zeigt sich an der Thüre.
+
+Isabella.
+ Doch, sieh, da kommt mein treuer Knecht zurück!
+ Nur näher, näher, redlicher Diego!
+ Wo ist mein Kind?--Sie wissen Alles! Hier
+ Ist kein Geheimniß mehr--Wo ist sie? Sprich!
+ Verbirg sie länger nicht! Wir sind gefaßt,
+ Die höchste Freude zu ertragen. Komm!
+
+(Sie will mit ihm nach der Thüre gehen.)
+
+ Was ist das? Wie? Du zögerst? Du verstummst?
+ Das ist kein Blick, der Gutes mir verkündet!
+ Was ist dir? Sprich! Ein Schauder faßt mich an.
+ Wo ist sie? Wo ist Beatrice?
+(Will hinaus.)
+
+Don Manuel. (für sich betroffen).
+ Beatrice!
+
+Diego. (hält sie zurück).
+ Bleib!
+
+Isabella.
+ Wo ist sie? Mich entseelt die Angst.
+
+Diego.
+ Sie folgt
+ Mir nicht. Ich bringe dir die Tochter nicht.
+
+Isabella.
+ Was ist geschehn? Bei allen Heil'gen, rede!
+
+Don Cesar.
+ Wo ist die Schwester? Unglücksel'ger, rede!
+
+Diego.
+ Sie ist geraubt! Gestohlen von Corsaren!
+ O, hätt' ich nimmer diesen Tag gesehn!
+
+Don Manuel.
+ Faß dich, o Mutter!
+
+Don Cesar.
+ Mutter, sei gefaßt!
+ Bezwinge dich, bis du ihn ganz vernommen!
+
+Diego.
+ Ich machte schnell mich auf, wie du befohlen,
+ Die oft betretne Straße nach dem Kloster
+ Zum letztenmal zu gehn--Die Freude trug mich
+ Auf leichten Flügeln fort.
+
+Don Cesar.
+ Zur Sache!
+
+Don Manuel.
+ Rede!
+
+Diego.
+ Und da ich in die wohlbekannten Höfe
+ Des Klosters trete, die ich oft betrat,
+ Nach deiner Tochter ungeduldig frage,
+ Seh' ich des Schreckens Bild in jedem Auge,
+ Entsetzt vernehm' ich das Entsetzliche.
+
+(Isabella sinkt bleich und zitternd auf einen Sessel, Don Manuel
+ist um sie beschäftigt.)
+
+Don Cesar.
+ Und Mauren, sagst du, raubten sie hinweg?
+ Sah man die Mauren? Wer bezeugte dies?
+
+Diego.
+ Ein maurisch Räuberschiff gewahrte man
+ In einer Bucht, unfern dem Kloster ankernd.
+
+Don Cesar.
+ Manch Segel rettet sich in diese Buchten
+ Vor des Orkanes Wuth--Wo ist das Schiff?
+
+Diego.
+ Heut frühe sah man es in hoher See
+ Mit voller Segel Kraft das Weite suchen.
+
+Don Cesar.
+ Hört man von anderm Raub noch, der geschehn?
+ Dem Mauren gnügt einfache Beute nicht.
+
+Diego.
+ Hinweg getrieben wurde mit Gewalt
+ Die Rinderheerde, die dort weidete.
+
+Don Cesar.
+ Wie konnten Räuber aus des Klosters Mitte
+ Die Wohlverschloßne heimlich raubend stehlen?
+
+Diego.
+ Des Klostergartens Mauern waren leicht
+ Auf hoher Leiter Sprossen überstiegen.
+
+Don Cesar.
+ Wie brachen sie ins Innerste der Zellen?
+ Denn fromme Nonnen hält der strenge Zwang.
+
+Diego.
+ Die noch durch kein Gelübde sich gebunden,
+ Sie durfte frei im Freien sich ergehen.
+
+Don Cesar.
+ Und pflegte sie des freien Rechtes oft
+ Sich zu bedienen? Dieses sage mir.
+
+Diego.
+ Oft sah man sie des Gartens Stille suchen;
+ Der Wiederkehr vergaß sie heute nur.
+
+Don Cesar (nachdem er sich eine Weile bedacht).
+ Raub, sagst du? War sie frei genug dem Räuber,
+ So konnte sie in Freiheit auch entfliehen.
+
+Isabella (steht auf).
+ Es ist Gewalt! Es ist verwegner Raub!
+ Nicht pflichtvergessen konnte meine Tochter
+ Aus freier Neigung dem Entführer folgen!
+ --Don Manuel! Don Cesar! Eine Schwester
+ Dacht' ich euch zuzuführen; doch ich selbst
+ Soll jetzt sie eurem Heldenarm verdanken.
+ In eurer Kraft erhebt euch, meine Söhne!
+ Nicht ruhig duldet es, daß eure Schwester
+ Des frechen Diebes Beute sei--Ergreift
+ Die Waffen! Rüstet Schiffe aus! Durchforscht
+ Die ganze Küste! Durch alle Meere setzt
+ Dem Räuber nach! Erobert euch die Schwester!
+
+Don Cesar.
+ Leb wohl! Zur Rache flieg' ich, zur Entdeckung!
+
+(Er geht ab. Don Manuel aus einer tiefen Zerstreuung erwachend,
+wendet sich beunruhigt zu Diego.)
+
+Don Manuel.
+ Wann, sagst du, sei sie unsichtbar geworden?
+
+Diego.
+ Seit diesem Morgen erst ward sie vermißt.
+
+Don Manuel. (zu Donna Isabella).
+ Und Beatrice nennt sich deine Tochter?
+
+Isabella.
+ Dies ist ihr Name! Eile! Frage nicht!
+
+Don Manuel.
+ Nur Eines noch, o Mutter, laß mich wissen--
+
+Isabella.
+ Fliege zur That! Des Bruders Beispiel folge!
+
+Don Manuel.
+ In welcher Gegend, ich beschwöre dich--
+
+Isabella (ihn forttreibend).
+ Sieh meine Thränen, meine Todesangst
+
+Don Manuel.
+ In welcher Gegend hieltst du sie verborgen?
+
+Isabella.
+ Verborgner nicht war sie im Schooß der Erde!
+
+Diego.
+ O, jetzt ergreift mich plötzlich bange Furcht.
+
+Don Manuel.
+ Furcht, und worüber? Sage, was du weißt.
+
+Diego.
+ Daß ich des Raubs unschuldig Ursach sei.
+
+Isabella.
+ Unglücklicher, entdecke, was geschehn!
+
+Diego.
+ Ich habe dir's verhehlt, Gebieterin,
+ Dein Mutterherz mit Sorgen zu verschonen.
+ Am Tage, als der Fürst beerdigt ward,
+ Und alle Welt, begierig nach dem Neuen,
+ Der ernsten Feier sich entgegendrängte,
+ Lag deine Tochter--denn die Kunde war
+ Auch in des Klosters Mauern eingedrungen--
+ Lag sie mir an mit unabläß'gem Flehn,
+ Ihr dieses Festes Anblick zu gewähren.
+ Ich Unglückseliger ließ mich bewegen,
+ Verhüllte sie in ernste Trauertracht,
+ Und also war sie Zeugin jenes Festes.
+ Und dort, befürcht' ich, in des Volks Gewühl,
+ Das sich herbeigedrängt von allen Enden,
+ Ward sie vom Aug des Räubers ausgespäht,
+ Denn ihrer Schönheit Glanz birgt keine Hülle.
+
+Don Manuel (vor sich, erleichtert).
+ Glücksel'ges Wort, das mir das Herz befreit!
+ Das gleicht ihr nicht! Dies Zeichen triff nicht zu.
+
+Isabella.
+ Wahnsinn'ger Alter! So verriethst du mich!
+
+Diego.
+ Gebieterin! Ich dacht' es gut zu machen.
+ Die Stimme der Natur, die Macht des Bluts
+ Glaubt' ich in diesem Wunsche zu erkennen;
+ Ich hielt es für des Himmels eignes Werk,
+ Der mit verborgen ahnungsvollem Zuge
+ Die Tochter hintrieb zu des Vaters Grab!
+ Der frommen Pflicht wollt' ich ihr Recht erzeigen,
+ Und so, aus guter Meinung, schafft' ich Böses!
+
+Don Manuel (vor sich).
+ Was steh' ich hier in Furcht und Zweifelsqualen?
+ Schnell will ich Licht mir schaffen und Gewißheit. (Will gehen.)
+
+Don Cesar (der zurückkommt).
+ Verzieh, Don Manuel; gleich folg' ich dir.
+
+Don Manuel.
+ Folge mir nicht! Hinweg! Mir folge Niemand! (Er geht ab.)
+
+Don Cesar (sieht ihm verwundert nach).
+ Was ist dem Bruder? Mutter, sage mir's.
+
+Isabella.
+ Ich kenn' ihn nicht mehr. Ganz verkenn' ich ihn.
+
+Don Cesar.
+ Du siehst mich wiederkehren, meine Mutter;
+ Denn in des Eifers heftiger Begier
+ Vergaß ich, um ein Zeichen dich zu fragen,
+ Woran man die verlorne Schwester kennt.
+ Wie find' ich ihre Spuren, eh' ich weiß,
+ Aus welchem Ort die Räuber sie gerissen?
+ Das Kloster nenne mir, das sie verbarg.
+
+Isabella.
+ Der heiligen Cecilia ist's gewidmet,
+ Und hinterm Waldgebirge, das zum Ätna
+ Sich langsam steigend hebt, liegt es versteckt;
+ Wie ein verschwiegner Aufenthalt der Seelen.
+
+Don Cesar.
+ Sei guten Muths! Vertraue deinen Söhnen!
+ Die Schwester bring' ich dir zurück, müßt' ich
+ Durch alle Länder sie und Meere suchen.
+ Doch eines, Mutter, ist es, was mich kümmert:
+ Die Braut verließ ich unter fremdem Schutz.
+ Nur dir kann ich das theure Pfand vertrauen,
+ Ich sende sie dir her, du wirst sie schauen;
+ An ihrer Brust, an ihrem lieben Herzen
+ Wirst du des Grams vergessen und der Schmerzen. (Er geht ab.)
+
+Isabella.
+ Wann endlich wird der Fluch sich lösen,
+ Der über diesem Hause lastend ruht?
+ Mit meiner Hoffnung spielt ein tückisch Wesen,
+ Und nimmer stillt sich seines Neides Wuth.
+ So nahe glaubt ich mich dem sichern Hafen,
+ So fest vertraut' ich auf des Glückes Pfand,
+ Und alle Stürme glaubt' ich eingeschlafen,
+ Und freudig winkend sah ich schon das Land
+ Im Abendglanz der Sonne sich erhellen;
+ Da kommt ein Sturm, aus heitrer Luft gesandt,
+ Und reißt mich wieder in den Kampf der Wellen!
+
+(Sie geht nach dem innern Hause, wohin ihr Diego folgt.)
+
+
+
+
+Dritter Aufzug.
+
+Die Scene verwandelt sich in den Garten.
+
+
+
+Erster Auftritt.
+
+
+Beide Chöre. Zuletzt Beatrice.
+(Der Chor des Don Manuel kommt in festlichem Aufzug, mit Kränzen
+geschmückt und die oben beschriebnen Brautgeschenke begleitend;
+der Chor de Don Cesar will ihm den Eintritt verwehren.)
+
+Erster Chor. (Cajetan.)
+ Du würdest wohl thun, diesen Platz zu leeren.
+
+Zweiter Chor. (Bohemund.)
+ Ich will's, wenn beßre Männer es begehren.
+
+Erster Chor. (Cajetan.)
+ Du könntest merken, daß du lästig bist.
+
+Zweiter Chor. (Bohemund.)
+ Deßwegen bleib' ich, weil es dich verdrießt.
+
+Erster Chor. (Cajetan.)
+ Hier ist mein Platz. Wer darf zurück mich halten?
+
+Zweiter Chor. (Bohemund.)
+ Ich darf es thun, ich habe hier zu walten.
+
+Erster Chor. (Cajetan.)
+ Mein Herrscher sendet mich, Don Manuel!
+
+Zweiter Chor. (Bohemund.)
+ Ich stehe hier auf meines Herrn Befehl.
+
+Erster Chor. (Cajetan.)
+ Dem ältern Bruder muß der jüngre weichen.
+
+Zweiter Chor. (Bohemund.)
+ Dem Erstbesitzenden gehört die Welt.
+
+Erster Chor. (Cajetan.)
+ Verhaßter, geh und räume mir das Feld.
+
+Zweiter Chor. (Bohemund.)
+ Nicht, bis sich unsre Schwerter erst vergleichen.
+
+Erster Chor. (Cajetan.)
+ Find' ich dich überall in meinen Wegen?
+
+Zweiter Chor. (Bohemund.)
+ Wo mir's gefällt, da tret' ich dir entgegen.
+
+Erster Chor. (Cajetan.)
+ Was hast du hier zu horchen und zu hüten?
+
+Zweiter Chor. (Bohemund.)
+ Was hast du hier zu fragen, zu verbieten?
+
+Erster Chor. (Cajetan.)
+ Dir steh' ich nicht zur Red und Antwort hier.
+
+Zweiter Chor. (Bohemund.)
+ Und nicht des Wortes Ehre gönn' ich dir.
+
+Erster Chor. (Cajetan.)
+ Ehrfurcht gebührt, o Jüngling, meinen Jahren.
+
+Zweiter Chor. (Bohemund.)
+ In Tapferkeit bin ich, wie du, erfahren!
+
+Beatrice (stürzt heraus).
+ Weh mir! Was wollen diese wilden Schaaren?
+
+Erster Chor. (Cajetan.) zum zweiten
+ Nichts acht' ich dich und deine stolze Miene!
+
+Zweiter Chor. (Bohemund.)
+ Ein beßrer ist der Herrscher, dem ich diene.
+
+Beatrice.
+ O, weh mir, weh mir, wenn er jetzt erschiene!
+
+Erster Chor. (Cajetan.)
+ Du lügst! Don Manuel besiegt ihn weit!
+
+Zweiter Chor. (Bohemund.)
+ Den Preis gewinnt mein Herr in jedem Streit.
+
+Beatrice.
+ Jetzt wird er kommen, dies ist seine Zeit.
+
+Erster Chor. (Cajetan.)
+ Wäre nicht Friede, Recht verschafft' ich mir!
+
+Zweiter Chor. (Bohemund.)
+ Wär's nicht die Furcht, kein Friede wehrte dir.
+
+Beatrice.
+ O, wär' er tausend Meilen weit von hier!
+
+Erster Chor. (Cajetan.)
+ Das Gesetz fürcht' ich, nicht deiner Blicke Trutz.
+
+Zweiter Chor. (Bohemund.)
+ Wohl thust du dran, es ist des Feigen Schutz.
+
+Erster Chor. (Cajetan.)
+ Fang' an, ich folge!
+
+Zweiter Chor. (Bohemund.)
+ Mein Schwert ist heraus!
+
+Beatrice (in der heftigsten Beängstigung).
+ Sie werden handgemein, die Degen blitzen!
+ Ihr Himmelsmächte, haltet ihn zurück!
+ Werft euch in seinen Weg, ihr Hindernisse,
+ Eine Schlinge legt, ein Netz um seine Füße,
+ Daß er verfehle diesen Augenblick!
+ Ihr Engel alle, die ich flehend bat,
+ Ihn herzuführen, täuschet meine Bitte,
+ Weit, weit von hier entfernet seine Schritte!
+
+(Sie eilt hinein. Indem die Chöre einander anfallen, erscheint Don Manuel.)
+
+
+
+Zweiter Auftritt.
+
+
+Don Manuel. Der Chor.
+
+Don Manuel.
+ Was seh' ich! Haltet ein!
+
+Erster Chor (Cajetan, Berengar, Manfred) zum zweiten.
+ Komm an! Komm an!
+
+Zweiter Chor. (Bohemund, Roger, Hippolyt.)
+ Nieder mit ihnen! Nieder!
+
+Don Manuel (tritt zwischen sie, mit gezogenem Schwert).
+ Haltet ein!
+
+Erster Chor. (Cajetan.)
+ Es ist der Fürst.
+
+Zweiter Chor. (Bohemund.)
+ Der Bruder! Haltet Friede!
+
+Don Manuel.
+ Den streck' ich todt auf dieses Rasens Grund,
+ Der mit gezuckter Augenwimper nur
+ Die Fehde fortsetzt und dem Gegner droht!
+ Rast ihr? Was für ein Dämon reizt euch an,
+ Des alten Zwistes Flammen aufzublasen,
+ Der zwischen uns, den Fürsten abgethan
+ Und ausgeglichen ist auf immerdar?
+ --Wer fing den Streit an? Redet! Ich will's wissen.
+
+Erster Chor. (Cajetan, Berengar.)
+ Sie standen hier--
+
+Zweiter Chor (Roger, Bohemund unterbrechend).
+ Sie kamen--
+
+Don Manuel (zum ersten Chor).
+ Rede du!
+
+Erster Chor. (Cajetan.)
+ Wir kamen her, mein Fürst, die Hochzeitgaben
+ Zu überreichen, wie du uns befahlst.
+ Geschmückt zu einem Feste, keineswegs
+ Zum Krieg bereit, du siehst es, zogen wir
+ In Frieden unsern Weg, nichts Arges denkend
+ Und trauend dem beschworenen Vertrag;
+ Da fanden wir sie feindlich hier gelagert
+ Und uns den Eingang sperrend mit Gewalt.
+
+Don Manuel.
+ Unsinnige, ist keine Freistatt sicher
+ Genug vor eurer blinden, tollen Wuth?
+ Auch in der Unschuld still verborgnen Sitz
+ Bricht euer Hader friedestörend ein? (Zum zweiten Chor.)
+ Weiche zurück! Hier sind Geheimnisse,
+ Die deine kühne Gegenwart nicht dulden. (Da derselbe zögert.)
+ Zurück Dein Herr gebietet dir's durch mich,
+ Denn wir sind jetzt ein Haupt und ein Gemüth,
+ Und mein Befehl ist auch der seine. Geh! (Zum ersten Chor.)
+ Du bleibst und wahrst des Eingangs.
+
+Zweiter Chor. (Bohemund.)
+ Was beginnen?
+ Die Fürsten sind versöhnt, das ist die Wahrheit,
+ Und in der hohen Häupter Spahn und Streit
+ Sich unberufen, vielgeschäftig drängen,
+ Bringt wenig Dank und öfterer Gefahr.
+ Denn wenn der Mächtige des Streits ermüdet,
+ Wirft er behend auf den geringen Mann,
+ Der arglos ihm gedient, den blut'gen Mantel
+ Der Schuld, und leicht gereinigt steht er da.
+ Drum mögen sich die Fürsten selbst vergleichen,
+ Ich acht' es für gerathner, wir gehorchen.
+
+(Der zweite Chor geht ab, der erste zieht sich nach dem Hintergrund
+der Scene zurück. In demselben Augenblicke stürzt Beatrice heraus
+und wirft sich in Don Manuels Arme.)
+
+
+
+Dritter Auftritt.
+
+
+Beatrice. Don Manuel.
+
+Beatrice.
+ Du bist's. Ich habe dich wieder--Grausamer!
+ Du hast mich lange, lange schmachten lassen,
+ Der Furcht und allen Schrecknissen zum Raub
+ Dahin gegeben--Doch nichts mehr davon!
+ Ich habe dich--in deinen lieben Armen
+ Ist Schutz und Schirm vor jeglicher Gefahr.
+ Komm! Sie sind weg! Wir haben Raum zur Flucht,
+ Fort, laß uns keinen Augenblick verlieren!
+ (Sie will ihn mit sich fortziehen und sieht ihn jetzt erst genau an.)
+ Was ist dir? So verschlossen feierlich
+ Empfängst du mich--entziehst dich meinen Armen,
+ Als wolltest du mich lieber ganz verstoßen?
+ Ich kenne dich nicht mehr--Ist dies Don Manuel,
+ Mein Gatte, mein Geliebter?
+
+Don Manuel. Beatrice!
+
+Beatrice.
+ Nein, rede nicht! Jetzt ist nicht Zeit zu Worten!
+ Fort laß uns eilen, schnell der Augenblick
+ Ist kostbar--
+
+Don Manuel.
+ Bleib! Antworte mir!
+
+Beatrice.
+ Fort, Fort!
+ Eh diese wilden Männer wiederkehren!
+
+Don Manuel.
+ Bleib! Jene Männer werden uns nicht schaden.
+
+Beatrice.
+ Doch, doch! Du kennst sie nicht. O, komm! Entfliehe!
+
+Don Manuel.
+ Von meinem Arm beschützt, was kannst du fürchten?
+
+Beatrice.
+ O, glaube mir, es gibt hier mächt'ge Menschen!
+
+Don Manuel.
+ Geliebte, keinen mächtiger als mich.
+
+Beatrice.
+ Du, gegen diese Vielen ganz allein?
+
+Don Manuel.
+ Ich ganz allein! Die Männer, die du fürchtest--
+
+Beatrice.
+ Du kennst sie nicht, du weißt nicht, wem sie dienen.
+
+Don Manuel.
+ Mir dienen sie, und ich bin ihr Gebieter.
+
+Beatrice.
+ Du bist--Ein Schrecken fliegt durch meine Seele!
+
+Don Manuel.
+ Lerne mich endlich kennen, Beatrice!
+ Ich bin nicht Der, der ich dir schien zu sein,
+ Der arme Ritter nicht, der unbekannte,
+ Der liebend nur um deine Liebe warb.
+ Wer ich wahrhaftig bin, was ich vermag,
+ Woher ich stamme, hab' ich dir verborgen.
+
+Beatrice.
+ Du bist Don Manuel nicht! Weh mir, wer bist du?
+
+Don Manuel.
+ Don Manuel heiß' ich--doch ich bin der Höchste,
+ Der diesen Namen führt in dieser Stadt,
+ Ich bin Don Manuel, Fürst von Messina.
+
+Beatrice.
+ Du wärst Don Manuel, Don Cesars Bruder?
+
+Don Manuel.
+ Don Cesar ist mein Bruder.
+
+Beatrice.
+ Ist dein Bruder!
+
+Don Manuel.
+ Wie? Dies erschreckt dich? Kennst du den Don Cesar?
+ Kennst du noch sonsten Jemand meines Bluts?
+
+Beatrice.
+ Du bist Don Manuel, der mit dem Bruder
+ In Hasse lebt und unversöhnter Fehde?
+
+Don Manuel. Wir sind versöhnt, seit heute sind wir Brüder,
+ Nicht von Geburt nur, nein! von Herzen auch!
+
+Beatrice.
+ Versöhnt, seit heute!
+
+Don Manuel.
+ Sage mir, was ist das?
+ Was bringt dich so in Aufruhr? Kennst du mehr
+ Als nur den Namen bloß von meinem Hause?
+ Weiß ich dein ganz Geheimniß? Hast du nichts,
+ Nichts mir verschwiegen oder vorenthalten?
+
+Beatrice.
+ Was denkst du? Wie? Was hätt' ich zu gestehen?
+
+Don Manuel.
+ Von deiner Mutter hast du mir noch nichts
+ Gesagt. Wer ist sie? Würdest du sie kennen,
+ Wenn ich sie dir beschriebe--dir sie zeigte?
+
+Beatrice.
+ Du kennst sie--kennst sie und verbargst sie mir?
+
+Don Manuel.
+ Weh dir und wehe mir, wenn ich sie kenne!
+
+Beatrice.
+ O, sie ist gütig, wie das Licht der Sonne!
+ Ich seh' sie vor mir, die Erinnerung
+ Belebt sich wieder, aus der Seele Tiefen
+ Erhebt sich mir die göttliche Gestalt.
+ Der braunen Locken dunkle Ringe seh' ich
+ Des weißen Halses edle Form beschatten,
+ Ich seh' der Stirne rein gewölbten Bogen,
+ Des großen Auges dunkelhellen Glanz,
+ Auch ihrer Stimme seelenvolle Töne
+ Erwachen mir--
+
+Don Manuel.
+ Weh mir! Du schilderst sie!
+
+Beatrice.
+ Und ich entfloh ihr! Konnte sie verlassen,
+ Vielleicht am Morgen eben dieses Tags,
+ Der mich auf ewig ihr vereinen sollte!
+ O, selbst die Mutter gab ich hin für dich!
+
+Don Manuel.
+ Messinas Fürstin wird dir Mutter sein.
+ Zu ihr bring' ich dich jetzt; sie wartet deiner.
+
+Beatrice.
+ Was sagst du? Deine Mutter und Don Cesars?
+ Zu ihr mich bringen? Nimmer, nimmermehr!
+
+Don Manuel.
+ Du schauderst? Was bedeutet dies Entsetzen?
+ Ist meine Mutter keine Fremde dir?
+
+Beatrice.
+ O unglückselig traurige Entdeckung!
+ O, hätt' ich nimmer diesen Tag gesehn!
+
+Don Manuel.
+ Was kann dich ängstigen, nun du mich kennst,
+ Den Fürsten findest in dem Unbekannten?
+
+Beatrice.
+ O, gib mir diesen Unbekannten wieder,
+ Mit ihm auf dem Eiland wär' ich selig!
+
+Don Cesar (hinter der Scene).
+ Zurück! Welch vieles Volk ist hier versammelt?
+
+Beatrice.
+ Gott! Diese Stimme! Wo verberg' ich mich?
+
+Don Manuel.
+ Erkennst du diese Stimme? Nein, du hast
+ Sie nie gehört und kannst sie nicht erkennen!
+
+Beatrice.
+ O, laß uns fliehen! Komm und weile nicht!
+
+Don Manuel.
+ Was fliehn? Es ist des Bruders Stimme, der
+ Mich sucht; zwar wundert mich, wie er entdeckte--
+
+Beatrice.
+ Bei allen Heiligen des Himmels, meid' ihn!
+ Begegne nicht dem heftig Stürmenden,
+ Laß dich von ihm an diesem Ort nicht finden.
+
+Don Manuel.
+ Geliebte Seele, dich verwirrt die Furcht!
+ Du hörst mich nicht, wir sind versöhnte Brüder!
+
+Beatrice.
+ O Himmel, rette mich aus dieser Stunde!
+
+Don Manuel.
+ Was ahnt mir! Welch ein Gedanke faßt
+ Mich schaudernd?--Wär es möglich--Wäre dir
+ Die Stimme keine fremde?--Beatrice,
+ Du warst?--Mir grauet, weiter fort zu fragen!
+ Du warst--bei meines Vaters Leichenfeier?
+
+Beatrice.
+ Wer mir!
+
+Don Manuel.
+ Du warst zugegen?
+
+Beatrice.
+ Zürne nicht!
+
+Don Manuel.
+ Unglückliche, du warst?
+
+Beatrice.
+ Ich war zugegen.
+
+Don Manuel.
+ Entsetzen!
+
+Beatrice.
+ Die Begierde war zu mächtig!
+ Vergib mir! Ich gestand dir meinen Wunsch;
+ Doch, plötzlich ernst und finster, ließest du
+ Die Bitte fallen, und so schwieg auch ich.
+ Doch weiß ich nicht, welch böses Sternes Macht
+ Mich trieb mit unbezwinglichem Gelüsten.
+ Des Herzens heißen Drang mußt' ich vergnügen;
+ Der alte Diener lieh mir seinen Beistand,
+ Ich war dir ungehorsam, und ich ging.
+
+(Sie schmiegt sich an ihn, indem tritt Don Cesar herein, von dem
+ganzen Chor begleitet.)
+
+
+
+Vierter Auftritt.
+
+
+Beide Brüder. Beide Chöre. Beatrice.
+
+Zweiter Chor (Bohemund) zu Don Cesar.
+ Du glaubst uns nicht--Glaub deinen eignen Augen!
+
+Don Cesar (tritt heftig ein und fährt beim Anblick seines Bruders
+mit Entsetzen zurück.)
+ Blendwerk der Hölle! Was? In seinen Armen!
+(Näher tretend, zu Don Manuel.)
+ Giftvolle Schlange! Das ist deine Liebe!
+ Deßwegen logst du tückisch mir Versöhnung!
+ O, eine Stimme Gottes war mein Haß!
+ Fahre zur Hölle, falsche Schlangenseele! (Er ersticht ihn.)
+
+Don Manuel.
+ Ich bin des Todes--Beatrice--Bruder!
+
+(Er sinkt und stirbt. Beatrice fällt neben ihm ohnmächtig nieder.)
+
+Erster Chor. (Cajetan.)
+ Mord! Mord! Herbei! Greift zu den Waffen alle!
+ Mit Blut gerächet sei die blut'ge That! (Alle ziehen den Degen.)
+
+Zweiter Chor. (Bohemund.)
+ Heil uns! Der lange Zwiespalt ist geendigt.
+ Nur einem Herrscher jetzt gehorcht Messina.
+
+Erster Chor. (Cajetan, Berengar, Manfred.)
+ Rache! Rache! Der Mörder falle! falle,
+ Ein sühnend Opfer dem Gemordeten!
+
+Zweiter Chor. (Bohemund, Roger, Hippolyt.)
+ Herr, fürchte nichts, wir stehen treu zu dir.
+
+Don Cesar (mit Ansehen zwischen sie tretend).
+ Zurück--Ich habe meinen Feind getödtet,
+ Der mein vertrauend redlich Herz betrog,
+ Die Bruderliebe mir zum Fallstrick legte.
+ Ein furchtbar gräßlich Ansehn hat die That,
+ Doch der gerechte Himmel hat gerichtet.
+
+Erster Chor. (Cajetan.)
+ Weh die, Messina! Wehe! Wehe! Wehe!
+ Das gräßlich Ungeheure ist geschehn
+ In deinen Mauern--Wehe deinen Müttern
+ Und Kindern, deinen Jünglingen und Greisen!
+ Und wehe der noch ungebornen Frucht!
+
+Don Cesar.
+ Die Klage kommt zu spät--Hier schaffet Hilfe!
+(Auf Beatricen zeigend.)
+ Ruft sie ins Leben! Schnell entfernet sie
+ Von diesem Ort des Schreckens und des Todes.
+ --Ich kann nicht länger weilen, denn mich ruft
+ Die Sorge fort um die geraubte Schwester.
+ --Bringt sie in meiner Mutter Schloß und sprecht:
+ Es sei ihr Sohn Don Cesar, der sie sende!
+
+(Er geht ab; die ohnmächtige Beatrice wird von dem zweiten Chor
+auf eine Bank gesetzt und so hinweg getragen; der erste Chor bleibt
+bei dem Leichnam zurück, um welchen auch die Knaben, die die
+Brautgeschenke tragen, in einem Halbkreis herumstehen.)
+
+
+
+Fünfter Auftritt.
+
+
+Chor. (Cajetan.)
+ Sagt mir! Ich kann's nicht fassen und deuten,
+ Wie es so schnell sich erfüllend genaht.
+ Längst wohl sah ich im Geist mit weiten
+ Schritten das Schreckensgespenst herschreiten
+ Dieser entsetzlichen, blutigen That.
+ Dennoch übergießt mich ein Grauen,
+ Da sie vorhanden ist und geschehen,
+ Da ich erfüllt muß vor Augen schauen,
+ Was ich in ahnender Furcht nur gesehen.
+ All mein Blut in den Adern erstarrt
+ Vor der gräßlich entschiedenen Gegenwart.
+
+Einer aus dem Chor. (Manfred.)
+ Lasset erschallen die Stimme der Klage!
+ Holder Jüngling!
+ Da liegt er entseelt,
+ Hingestreckt in der Blüthe der Tage,
+ Schwer umfangen von Todesnacht,
+ An der Schwelle der bräutlichen Kammer!
+ Aber über dem Stummen erwacht
+ Lauter, unermeßlicher Jammer.
+
+Ein Zweiter. (Cajetan.)
+ Wir kommen, wir kommen
+ Mit festlichem Prangen
+ Die Braut zu empfangen,
+ Es bringen die Knaben
+ Die reichen Gewande, die bräutlichen Gaben,
+ Das Fest ist bereitet, es warten die Zeugen;
+ Aber der Bräutigam höret nicht mehr,
+ Nimmer erweckt ihn der fröhliche Reigen,
+ Denn der Schlummer der Todten ist schwer.
+
+Ganzer Chor.
+ Schwer und tief ist der Schlummer der Todten,
+ Nummer erweckt ihn die Stimme der Braut,
+ Nimmer des Hifthorns fröhlicher Laut,
+ Starr und fühllos liegt er am Boden!
+
+Ein Dritter. (Cajetan.)
+ Was sind die Hoffnungen, was sind Entwürfe,
+ Die der Mensch, der vergängliche, baut?
+ Heute umarmtet ihr euch als Brüder,
+ Einig gestimmt mit Herzen und Munde,
+ Diese Sonne, die jetzo nieder
+ Geht, sie leuchtete eurem Bunde!
+ Und jetzt liegst du, dem Staube vermählt,
+ Von des Brudermords Händen entseelt,
+ In dem Busen die gräßliche Wunde!
+ Was sind Hoffnungen, was sind Entwürfe,
+ Die der Mensch, der flüchtige Sohn der Stunde,
+ Aufbaut auf dem betrüglichen Grunde?
+
+Chor. (Berengar.)
+ Zu der Mutter will ich dich tragen,
+ Eine unbeglückende Last!
+ Diese Cypresse laßt uns zerschlagen
+ Mit der mörderischen Schneide der Axt,
+ Eine Bahre zu flechten aus ihren Zweigen,
+ Nimmer soll sie Lebendiges zeugen,
+ Die die tödtliche Frucht getragen,
+ Nimmer in fröhlichem Wuchs sich erheben,
+ Keinem Wandrer mehr Schatten geben;
+ Die sich genährt auf des Mordes Boden,
+ Soll verflucht sein zum Dienst der Todten!
+
+Erster. (Cajetan.)
+ Aber wehe dem Mörder, wehe,
+ Der dahin geht in thörichtem Muth!
+ Hinab, hinab in der Erde Ritzen
+ Rinnet, rinnet, rinnet sein Blut.
+ Drunten aber im Tiefen sitzen
+ Lichtlos, ohne Gesang und Sprache,
+ Der Themis Töchter, die nie vergessen,
+ Die Untrüglichen, die mit Gerechtigkeit messen,
+ Fangen es auf in schwarzen Gefäßen,
+ Rühren und mengen die schreckliche Rache.
+
+Zweiter. (Berengar.)
+ Leicht verschwindet der Thaten Spur
+ Von der sonnenbeleuchteten Erde,
+ Wie aus dem Antlitz die leichte Geberde--
+ Aber nichts ist verloren und verschwunden,
+ Was die geheimnißvoll waltenden Stunden
+ In den dunkel schaffenden Schooß aufnahmen--
+ Die Zeit ist eine blühende Flur,
+ Ein großes Lebendiges ist die Natur,
+ Und alles ist Frucht, und alles ist Samen.
+
+Dritter. (Cajetan.)
+ Wehe, wehe dem Mörder, wehe,
+ Der sich gesät die tödtliche Saat!
+ Ein andres Antlitz, eh sie geschehen,
+ Ein anderes zeigt die vollbrachte That.
+ Muthvoll blickt sie und kühn dir entgegen,
+ Wenn der Rache Gefühle den Busen bewegen;
+ Aber ist sie geschehn und begangen,
+ Blickt sie dich an mit erbleichenden Wangen.
+ Selber die schrecklichen Furien schwangen
+ Gegen Orestes die höllischen Schlangen,
+ Reizten den Sohn zu dem Muttermord an;
+ Mit der Gerechtigkeit heiligen Zügen
+ Wußte sie listig sein Herz zu betrügen,
+ Bis er die tödtliche That nun gethan--
+ Aber, da er den Schooß jetzt geschlagen,
+ Der ihn empfangen und liebend getragen,
+ Siehe, da kehrten sie
+ Gegen ihn selber
+ Schrecklich sich um--
+ Und er erkannte die furchtbaren Jungfraun
+ Die den Mörder ergreifend fassen,
+ Die von jetzt an ihn nimmer lassen,
+ Die ihn mit ewigem Schlangenbiß nagen,
+ Die von Meer zu Meer ihn ruhelos jagen
+ Bis in das delphische Heiligthum.
+
+(Der Chor geht ab, den Leichnam Don Manuels auf einer Bahre tragend.)
+
+
+
+
+Vierter Aufzug.
+
+Die Säulenhalle.--Es ist Nacht; die Scene ist von oben herab durch
+eine große Lampe erleuchtet.
+
+
+
+Erster Auftritt.
+
+
+Donna Isabella und Diego treten auf.
+
+Isabella.
+ Noch keine Kunde kam von meinen Söhnen,
+ Ob eine Spur sich fand von der Verlornen?
+
+Diego.
+ Noch nichts, Gebieterin!--doch hoffe Alles
+ Von deiner Söhne Ernst und Emsigkeit.
+
+Isabella.
+ Wie ist mein Herz geängstiget, Diego!
+ Es stand bei mir, dies Unglück zu verhüten.
+
+Diego.
+ Drück' nicht des Vorwurfs Stachel in dein Herz.
+ An welcher Vorsicht ließest du's ermangeln?
+
+Isabella.
+ Hätt' ich sie früher an das Licht gezogen,
+ Wie mich des Herzens Stimme mächtig trieb!
+
+Diego.
+ Die Klugheit wehrte dir's, du thatest weise;
+ Doch der Erfolg ruht in des Himmels Hand.
+
+Isabella.
+ Ach, so ist keine Freude rein! Mein Glück
+ Wär' ein vollkommnes ohne diesen Zufall.
+
+Diego.
+ Dies Glück ist nur verzögert, nicht zerstört;
+ Genieße du jetzt deiner Söhne Frieden.
+
+Isabella.
+ Ich habe sie einander Herz an Herz
+ Umarmen sehn--ein nie erlebter Anblick!
+
+Diego.
+ Und nicht ein Schauspiel bloß, es ging von Herzen,
+ Denn ihr Geradsinn haßt der Lüge Zwang.
+
+Isabella.
+ Ich seh' auch, daß sie zärtlicher Gefühle,
+ Der schönen Neigung fähig sind; mit Wonne
+ Entdeck' ich, daß sie ehren, was sie lieben.
+ Der ungebundnen Freiheit wollen sie
+ Entsagen, nicht dem Zügel des Gesetzes
+ Entzieht sich ihre brausend wilde Jugend,
+ Und sittlich selbst blieb ihre Leidenschaft.
+ --Und will dir's jetzo gern gestehn, Diego,
+ Daß ich mit Sorge diesem Augenblick,
+ Der aufgeschloßnen Blume des Gefühls
+ Mit banger Furcht entgegen sah--Die Liebe
+ Wird leicht zur Wuth in heftigen Naturen.
+ Wenn in den aufgehäuften Feuerzunder
+ Des alten Hasses auch noch dieser Blitz,
+ Der Eifersucht feindsel'ge Flamme schlug--
+ Mir schaudert, es zu denken--ihr Gefühl,
+ Das niemals einig war, gerade hier
+ Zum erstenmal unselig sich begegnet--
+ Wohl mir! Auch diese donnerschwere Wolke,
+ Die über mir schwarz drohend niederhing,
+ Sie führte mir ein Engel still vorüber,
+ Und leicht nun athmet die befreite Brust.
+
+Diego.
+ Ja, freue deines Werkes dich. Du hast
+ Mit zartem Sinn und ruhigem Verstand
+ Vollendet, was der Vater nicht vermochte
+ Mit aller seiner Herrscher Macht--Dein ist
+ Der Ruhm; doch auch dein Glücksstern ist zu loben!
+
+Isabella.
+ Vieles gelang mir! Viel auch that das Glück!
+ Nichts Kleines war es, solche Heimlichkeit
+ Verhüllt zu tragen diese langen Jahre,
+ Der Mann zu täuschen, den umsichtigsten
+ Der Menschen, und ins Herz zurückzudrängen
+ Den Trieb des Bluts, der mächtig, wie des Feuers
+ Verschloßner Gott, aus seinen Banden strebte!
+
+Diego.
+ Ein Pfand ist mir des Glückes lange Gunst,
+ Daß Alles sich erfreulich lösen wird.
+
+Isabella.
+ Ich will nicht eher meine Sterne loben,
+ Bis ich das Ende dieser Thaten sah.
+ Daß mir der böse Genius nicht schlummert,
+ Erinnert warnen mich der Tochter Flucht.
+ --Schilt oder lobe meine That, Diego!
+ Doch dem Getreuen will ich nichts verbergen.
+ Nicht tragen konnt' ich's, hier in müß'ger Ruh
+ Zu harren des Erfolgs, indeß die Söhne
+ Geschäftig forschen nach der Tochter Spur.
+ Gehandelt hab' auch ich--Wo Menschenkunst
+ Nicht zureicht, hat der Himmel oft gerathen.
+
+Diego.
+ Entdecke mir, was mir zu wissen ziemt.
+
+Isabella.
+ Einsiedelnd auf des Ätna Höhen haust
+ Ein frommer Klausner, von Uralters her
+ Der Greis genannt des Berges, welcher, näher
+ Dem Himmel wohnend, als der andern Menschen
+ Tief wandelndes Geschlecht, den ird'schen Sinn
+ In leichter, reiner Ätherluft geläutert
+ Und von dem Berg der aufgewälzten Jahre
+ Hinabsieht in das aufgelöste Spiel
+ Des unverständlich krummgewundnen Lebens.
+ Nicht fremd ist ihm das Schicksal meines Hauses,
+ Oft hat der heil'ge Mann für uns den Himmel
+ Gefragt und manchen Fluch hinweggebetet.
+ Zu ihm hinauf gesandt hab' ich alsbald
+ Des raschen Boten jugendliche Kraft,
+ Daß er mir Kunde von der Tochter gebe,
+ Und stündlich harr' ich dessen Wiederkehr.
+
+Diego.
+ Trügt mich mein Auge nicht, Gebieterin,
+ So ist's derselbe, der dort eilend naht,
+ Und Lob fürwahr verdient der Emsige!
+
+
+
+Zweiter Auftritt.
+
+
+Bote. Die Vorigen.
+
+Isabella.
+ Sag' an und weder Schlimmes hehle mir
+ Noch Gutes, sondern schöpfe rein die Wahrheit!
+ Was gab der Greis des Bergs dir zum Bescheide?
+
+Bote.
+ Ich soll mich schnell zurückbegeben, war
+ Die Antwort, die Verlorne sei gefunden.
+
+Isabella.
+ Glücksel'ger Mund, erfreulich Himmelswort,
+ Stets hast du das Erwünschte mir verkündet!
+ Und welchem meiner Söhne war's verliehn,
+ Die Spur zu finden der Verlornen?
+
+Bote.
+ Die Tiefverborgne fand dein ältster Sohn.
+
+Isabella.
+ Don Manuel ist es, dem ich sie verdanke!
+ Ach, stets war dieser mir ein Kind des Segens!
+ --Hast du dem Greis auch die geweihte Kerze
+ Gebracht, die zum Geschenk ich ihm gesendet,
+ Sie anzuzünden seinem Heiligen?
+ Denn, was von Gaben sonst der Menschen Herzen
+ Erfreut, verschmäht der fromme Gottesdiener.
+
+Bote.
+ Die Kerze nahm er schweigend von mir an,
+ Und zum Altar hintretend, wo die Lampe
+ Dem Heil'gen brannte, zündet' er sie flugs
+ Dort an, und schnell in Brand steckt' er die Hütte,
+ Worin er Gott verehrt seit neunzig Jahren.
+
+Isabella.
+ Was sagst du? Welches Schreckniß nennst du mir?
+
+Bote.
+ Und dreimal Wehe! Wehe! rufend, stieg er
+ Herab vom Berg; mir aber winkt' er schweigend,
+ Ihm nicht zu folgen, noch zurückzuschauen.
+ Und so, gejagt von Grausen, eilt' ich her!
+
+Isabella.
+ In neuer Zweifel wogende Bewegung
+ Und ängstlich schwankende Verworrenheit
+ Stürzt mich das Widersprechende zurück.
+ Gefunden sei mir die verlorne Tochter
+ Von meinem ältsten Sohn, Don Manuel?
+ Die gute Rede kann mir nicht gedeihen,
+ Begleitet von der unglücksel'gen That.
+
+Bote.
+ Blick' hinter dich, Gebieterin! Du siehst
+ Des Klausners Wort erfüllt vor deinen Augen;
+ Denn Alles müßt' mich trügen, oder dies
+ Ist die verlorne Tochter, die du suchst,
+ Von deiner Söhne Ritterschaar begleitet.
+
+(Beatrice wird von dem zweiten Halbchor auf einem Tragsessel
+gebracht und auf der vordern Bühne niedergesetzt. Sie ist noch
+ohne Leben und Bewegung.)
+
+
+
+Dritter Auftritt.
+
+
+Isabella. Diego. Bote. Beatrice. Chor. (Bohemund, Roger, Hippolyt
+und die neun andern Ritter Don Cesars.)
+
+Chor. (Bohemund.)
+ Des Herrn Geheiß erfüllend, setzen wir
+ Die Jungfrau hier zu deinen Füßen nieder,
+ Gebieterin--Also befahl er uns
+ Zu thun und dir zu melden dieses Wort:
+ Es sei dein Sohn Don Cesar, der sie sendet.
+
+Isabella (ist mit ausgebreiteten Armen auf sie zugeeilt und tritt
+mit Schrecken zurück.)
+ O Himmel! Sie ist bleich und ohne Leben!
+
+Chor. (Bohemund.)
+ Sie lebt! Sie wird erwachen! Gönn' ihr Zeit,
+ Von dem Erstaunlichen sich zu erholen,
+ Das ihre Geister noch gebunden hält.
+
+Isabella.
+ Mein Kind! Kind meiner Schmerzen, meiner Sorgen!
+ So sehen wir uns wieder! So mußt du
+ Den Einzug halten in des Vaters Haus!
+ O, laß an meinem Leben mich das deinige
+ Anzünden! An die mütterliche Brust
+ Will ich dich pressen, bis, vom Todesfrost
+ Gelöst, die warmen Adern wieder schlagen! (Zum Chor.)
+ O, sprich! Welch Schreckliches ist hier geschehn?
+ Wo fandst du sie? Wie kam das theure Kind
+ In diesen kläglich jammervollen Zustand?
+
+Chor. (Bohemund.)
+ Erfahr' es nicht von mir, mein Mund ist stumm.
+ Dein Sohn Don Cesar wird dir Alles deutlich
+ Verkündigen, denn er ist's, der sie sendet.
+
+Isabella.
+ Mein Sohn Don Manuel, so willst du sagen?
+
+Chor. (Bohemund.)
+ Dein Sohn Don Cesar sendet sie dir zu.
+
+Isabella (zu dem Boten).
+ War's nicht Don Manuel, den der Seher nannte?
+
+Bote.
+ So ist es, Herrin, das war seine Rede.
+
+Isabella.
+ Welcher es sei, er hat mein Herz erfreut;
+ Die Tochter dank' ich ihm, er sei gesegnet!
+ O, muß ein neid'scher Dämon mir die Wonne
+ Des heiß erflehten Augenblicks verbittern!
+ Ankämpfen muß ich gegen mein Entzücken!
+ Die Tochter seh' ich in des Vaters Haus,
+ Sie aber sieht nicht mich, vernimmt mich nicht,
+ Sie kann der Mutter Freude nicht erwiedern.
+ O, öffnet euch, ihr lieben Augenlichter!
+ Erwärmet euch, ihr Hände! Hebe dich,
+ Lebloser Busen, und schlage der Lust!
+ Diego! Das ist meine Tochter--Das
+ Die Langverborgne, die Gerettete,
+ Vor aller Welt kann ich sie jetzt erkennen!
+
+Chor. (Bohemund.)
+ Ein seltsam neues Schreckniß glaub' ich ahnend
+ Vor mir zu sehn und stehe wundernd, wie
+ Das Irrsal sich entwirren soll und lösen.
+
+Isabella (zum Chor, der Bestürzung und Verlegenheit ausdrückt).
+ O, seid ihr undurchdringlich harte Herzen!
+ Vom ehrnen Harnisch eurer Brust, gleichwie
+ Von einem schroffen Meeresfelsen, schlägt
+ Die Freude meines Herzens mir zurück!
+ Umsonst in diesem ganzen Kreis umher
+ Späh' ich nach einem Auge, das empfindet.
+ Wo weilen meine Söhne, daß ich Antheil
+ In einem Auge lese; denn mir ist,
+ Als ob der Wüste unmitleid'ge Schaaren,
+ Des Meeres Ungeheuer mich umständen!
+
+Diego.
+ Sie schlägt die Augen auf! Sie regt sich, lebt!
+
+Isabella.
+ Sie lebt! Ihr erster Blick sei auf die Mutter!
+
+Diego.
+ Das Auge schließt sie schaudernd wieder zu.
+
+Isabella (zum Chor).
+ Weichet zurück! Sie schreckt der fremde Anblick!
+
+Chor (tritt zurück). (Bohemund.)
+ Gern meid' ich's, ihrem Blicke zu begegnen.
+
+Diego.
+ Mit großen Augen mißt sie staunend dich.
+
+Beatrice.
+ Wo bin ich? Diese Züge sollt' ich kennen.
+
+Isabella.
+ Langsam kehrt die Besinnung ihr zurück.
+
+Diego.
+ Was macht sie? Auf die Kniee senkt sie sich.
+
+Beatrice.
+ Ich, schönes Engelsantlitz meiner Mutter!
+
+Isabella.
+ Kind meines Herzens! Komm in meine Arme!
+
+Beatrice.
+ Zu deinen Füßen sieh die Schuldige.
+
+Isabella.
+ Ich habe dich wieder! Alles sei vergessen!
+
+Diego.
+ Betracht' auch mich! Erkennst du meine Züge?
+
+Beatrice.
+ Des redlichen Diego greises Haupt!
+
+Isabella.
+ Der treue Wächter deiner Kinderjahre.
+
+Beatrice.
+ So bin ich wieder in dem Schooß der Meinen?
+
+Isabella.
+ Und nichts soll uns mehr scheiden, als der Tod.
+
+Beatrice.
+ Du willst mich nicht mehr in die Fremde stoßen?
+
+Isabella.
+ Nichts trennt uns mehr, das Schicksal ist befriedigt.
+
+Beatrice (sinkt an ihre Brust).
+ Und find' ich wirklich mich an deinem Herzen?
+ Und Alles war ein Traum, was ich erlebt?
+ Ein schwerer, fürchterlicher Traum--O Mutter!
+ Ich sah ihn todt zu meinen Füßen fallen!
+ --Wie komm' ich aber hieher? Ich besinne
+ Mich nicht--Ach, wohl mir, wohl, daß ich gerettet
+ In deinen Armen bin! Sie wollten mich
+ Zur Fürstin Mutter von Messina bringen.
+ Eher ins Grab!
+
+Isabella.
+ Komm zu dir, meine Tochter!
+ Messinas Fürstin--
+
+ Beatrice.
+ Nenne sie nicht mehr!
+ Mir gießt sich bei dem unglücksel'gen Namen
+ Ein Frost des Todes durch die Glieder.
+
+Isabella.
+ Höre mich.
+
+Beatrice.
+ Sie hat zwei Söhne, die sich tödtlich hassen;
+ Don Manuel, Don Cesar nennt man sie.
+
+Isabella.
+ Ich bin's ja selbst! Erkenne deine Mutter!
+
+Beatrice.
+ Was sagst du? Welches Wort hast du geredet?
+
+Isabella.
+ Ich, deine Mutter, bin Messinas Fürstin.
+
+Beatrice.
+ Du bist Don Manuels Mutter und Don Cesars?
+
+Isabella.
+ Und deine Mutter! Deine Brüder nennst du!
+
+Beatrice.
+ Weh, weh mir! O, entsetzensvolles Licht!
+
+Isabella.
+ Was ist dir? Was erschüttert dich so seltsam?
+
+Beatrice (wild um sich her schauend, erblickt den Chor).
+ Das sind sie, ja! Jetzt, jetzt erkenn' ich sie.
+ Mich hat kein Traum getäuscht--Die sind's, Die waren
+ Zugegen--Es ist fürchterliche Wahrheit!
+ Unglückliche, wo habt ihr ihn verborgen?
+
+(Sie geht mit heftigem Schritt auf den Chor zu, der sich von ihr
+abwendet. Ein Trauermarsch läßt sich in der Ferne hören.)
+
+Chor.
+ Weh! Wehe!
+
+Isabella.
+ Wen verborgen? Was ist wahr?
+ Ihr schweigt bestürzt--Ihr scheint sie zu verstehn.
+ Ich les' in euren Augen, eurer Stimme
+ Gebrochnen Tönen etwas Unglücksel'ges,
+ Das mir zurückgehalten wird--Was ist's?
+ Ich will es wissen. Warum heftet ihr
+ So schreckensvolle Blicke nach der Thüre?
+ Und was für Töne hör' ich da erschallen?
+
+Chor. (Bohemund.)
+ Es naht sich! Es wird sich mit Schrecken klären.
+ Sei stark, Gebieterin, stähle dein Herz!
+ Mit Fassung ertrage, was dich erwartet,
+ Mit männlicher Seele den tödtlichen Schmerz!
+
+Isabella.
+ Was naht sich? Was erwartet mich?--Ich höre
+ Der Todtenklage fürchterlichen Ton
+ Das Haus durchdringen--Wo sind meine Söhne?
+
+(Der erste Halbchor bringt den Leichnam Don Manuels auf einer
+Bahre getragen, die er auf der leer gelassenen Seite der Scene
+niedersetzt. Ein schwarzes Tuch ist darüber gebreitet.)
+
+
+
+Vierter Auftritt.
+
+
+Isabella. Beatrice. Diego. Beide Chöre.
+
+Erster Chor. (Cajetan.)
+ Durch die Straßen der Städte,
+ Vom Jammer gefolget,
+ Schreitet das Unglück--
+ Lauernd umschleicht es
+ Die Häuser der Menschen,
+ Heute an dieser
+ Pforte pocht es,
+ Morgen an jener,
+ Aber noch keinen hat es verschont.
+ Die unerwünschte
+ Schmerzliche Botschaft,
+ Früher oder später,
+ Bestellt es an jeder
+ Schwelle, wo ein Lebendiger wohnt.
+
+(Berengar.)
+ Wenn die Blätter fallen
+ In des Jahres Kreise,
+ Wenn zum Grabe wallen
+ Entnervte Greise,
+ Da gehorcht die Natur
+ Ruhig nur
+ Ihrem alten Gesetze,
+ Ihrem ewigen Brauch,
+ Da ist nichts, was den Menschen entsetze!
+
+ Aber das Ungeheure auch
+ Lerne erwarten im irdischen Leben!
+ Mit gewaltsamer Hand
+ Löst der Mord auch das heiligste Band,
+ In sein stygisches Boot
+ Raffet der Tod
+ Auch der Jugend blühendes Leben!
+
+(Cajetan.)
+ Wenn die Wolken gethürmt den Himmel schwärzen,
+ Wenn dumpftosend der Donner hallt,
+ Da, da fühlen sich alle Herzen
+ In des furchtbaren Schicksals Gewalt.
+ Aber auch aus entwölkter Höhe
+ Kann der zündende Donner schlagen
+ Darum in deinen fröhlichen Tagen
+ Fürchte des Unglücks tückische Nähe!
+ Nicht an die Güter hänge dein Herz,
+ Die das Leben vergänglich zieren!
+ Wer besitzt, der lerne verlieren,
+ Wer im Glück ist, der lerne den Schmerz.
+
+Isabella.
+ Was soll ich hören? Was verhüllt dies Tuch?
+(Sie macht einen Schritt gegen die Bahre, bleibt aber unschlüssig
+zaudernd stehen.)
+ Es zieht mich grausend hin und zieht mich schaudernd
+ Mit dunkler, kalter Schreckenshand zurück.
+(Zu Beatrice, welche sich zwischen sie und die Bahre geworfen.)
+ Laß mich! Was es auch sei, ich will's enthüllen!
+(Sie hebt das Tuch auf und entdeckt Don Manuels Leichnam.)
+ O himmlische Mächte, es ist mein Sohn!
+
+(Sie bleibt mit starrem Entsetzen stehen--Beatrice sinkt mit einem
+Schrei des Schmerzens neben der Bahre nieder.)
+
+Chor. (Cajetan, Berengar, Manfred.)
+ Unglückliche Mutter! Es ist dein Sohn!
+ Du hast es gesprochen, das Wort des Jammers,
+ Nicht meinen Lippen ist es entflohn.
+
+Isabella.
+ Mein Sohn! Mein Manuel!--O, ewige
+ Erbarmung--So muß ich dich wieder finden!
+ Mit deinem Leben mußtest du die Schwester
+ Erkaufen aus des Räubers Hand!--Wo war
+ Dein Bruder, daß sein Arm dich nicht beschützte?
+ --O, Fluch der Hand, die diese Wunde grub!
+ Fluch ihr, die den Verderblichen geboren,
+ Der mir den Sohn erschlug! Fluch seinem ganzen
+ Geschlecht!
+
+Chor.
+ Wehe! Wehe! Wehe! Wehe!
+
+Isabella.
+ So haltet ihr mir Wort, ihr Himmelsmächte?
+ Das, das ist eure Wahrheit? Wehe Dem,
+ Der euch vertraut mit redlichem Gemüth!
+ Worauf hab' ich gehofft, wovor gezittert,
+ Wenn dies der Ausgang ist!--O, die ihr hier
+ Mich schreckenvoll umsteht, an meinem Schmerz
+ Die Blicke weidend, lernt die Lügen kennen,
+ Womit die Träume uns, die Seher täuschen!
+ Glaube noch einer an der Götter Mund!
+ --Als ich mich Mutter fühlte dieser Tochter,
+ Da träumte ihrem Vater eines Tages,
+ Er säh' aus seinem hochzeitlichen Bette
+ Zwei Lorbeerbäume wachsen--Zwischen ihnen
+ Wuchs eine Lilie empor; sie ward
+ Zur Flamme, die der Bäume dicht Gezweig ergriff
+ Und, um sich wüthend, schnell das ganze Haus
+ In ungeheurer Feuersfluth verschlang.
+ Erschreckt von diesem seltsamen Gesichte,
+ Befrug der Vater einen Vogelschauer
+ Und schwarzen Magier um die Bedeutung.
+ Der Magier erklärte: wenn mein Schooß
+ Von einer Tochter sich entbinden würde,
+ So würde sie die beiden Söhne ihm
+ Ermorden und vertilgen seinen Stamm!
+
+Chor. (Cajetan und Bohemund.)
+ Gebieterin, was sagst du? Wehe! Wehe!
+
+Isabella.
+ Darum befahlt der Vater, sie zu tödten;
+ Doch ich entrückte sie dem Jammerschicksal.
+ --Die arme Unglückselige! Verstoßen
+ Ward sie als Kind aus ihrer Mutter Schooß,
+ Daß sie, erwachsen, nicht die Brüder morde!
+ Und jetzt durch Räubershände fällt der Bruder,
+ Nicht die Unschuldige hat ihn getödtet!
+
+Chor.
+ Wehe! Wehe! Wehe! Wehe!
+
+Isabella.
+ Keinen Glauben
+ Verdiente mir des Götzendieners Spruch,
+ Ein beßres Hoffen stärkte meine Seele.
+ Denn mir verkündigte ein andrer Mund,
+ Den ich für wahrhaft hielt, von dieser Tochter:
+ "In heißer Liebe würde sie dereinst
+ "Der Söhne Herzen mir vereinigen."
+ --So widersprachen die Orakel sich,
+ Den Fluch zugleich und Segen auf das Haupt
+ Der Tochter legend--Nicht den Fluch hat sie
+ Verschuldet, die Unglückliche! Nicht Zeit
+ Ward ihr gegönnt, den Segen zu vollziehen.
+ Ein Mund hat, wie der andere, gelogen!
+ Die Kunst der Seher ist ein eitles Nichts,
+ Betrüger sind sie oder sind betrogen.
+ Nichts Wahres läßt sich von der Zukunft wissen,
+ Du schöpfest drunten an der Hölle Flüssen,
+ Du schöpfest droben an dem Quell des Lichts.
+
+Erster Chor. (Cajetan.)
+ Wehe! Wehe! Was sagst du? Halt ein, halt ein!
+ Bezähme der Zunge verwegenes Toben!
+ Die Orakel sehen und treffen ein,
+ Der Ausgang wird die Wahrhaftigen loben!
+
+Isabella.
+ Nicht zähmen will ich meine Zunge, laut,
+ Wie mir das Herz gebietet, will ich reden.
+ Warum besuchen wir die heil'gen Häuser
+ Und heben zu dem Himmel fromme Hände?
+ Gutmüth'ge Thoren, was gewinnen wir
+ Mit unserm Glauben? So unmöglich ist's,
+ Die Götter, die hochwohnenden, zu treffen,
+ Als in den Mond mit einem Pfeil zu schießen.
+ Vermauert ist dem Sterblichen die Zukunft,
+ Und kein Gebet durchbohrt den ehrnen Himmel.
+ Ob rechts die Vögel fliegen oder links,
+ Die Sterns so sich oder anders fügen,
+ Nicht Sinn ist in dem Buche der Natur,
+ Die Traumkunst träumt, und alle Zeichen trügen.
+
+Zweiter Chor. (Bohemund.)
+ Halt ein, Unglückliche! Wehe! Wehe!
+ Du leugnest der Sonne leuchtendes Licht
+ Mit blinden Augen! Die Götter leben,
+ Erkenne sie, die dich furchtbar umgeben!
+(Alle Ritter.)
+ Die Götter leben, die Götter leben,
+ Erkenne sie, die dich furchtbar umgeben!
+
+Beatrice.
+ O Mutter! Mutter! Warum hast du mich
+ Gerettet! Warum warfst du mich nicht hin
+ Dem Fluch, der, eh' ich war, mich schon verfolgte?
+ Blödsicht'ge Mutter! Warum dünktest du
+ Dich weiser, als die Alles Schauenden,
+ Die Nah' und Fernes an einander knüpfen
+ Und in der Zukunft späte Saaten sehn?
+ Dir selbst und mir, uns allen zum Verderben
+ Hast du den Todesgöttern ihren Raub,
+ Den sie gefordert, frevelnd vorenthalten!
+ Jetzt nehmen sie ihn zweifach, dreifach selbst.
+ Nicht dank' ich dir das traurige Geschenk,
+ Dem Schmerz, dem Jammer hast du mich erhalten!
+
+Erster Chor (Cajetan.) (in heftiger Bewegung nach der Thüre sehend).
+ Brechet auf, ihr Wunden,
+ Fließet, fließet!
+ In schwarzen Güssen
+ Stürzet hervor, ihr Bäche des Bluts!
+
+(Berengar.)
+ Eherner Füße
+ Rauschen vernehm' ich,
+ Höllischer Schlangen
+ Zischendes Tönen,
+ Ich erkenne der Furien Schritt!
+
+(Cajetan.)
+ Stürzet ein, ihr Wände!
+ Versink, o Schwelle,
+ Unter der schrecklichen Füße Tritt!
+ Schwarze Dämpfe, entsteiget, entsteiget
+ Qualmend dem Abgrund! Verschlinget des Tages
+ Lieblichen Schein!
+ Schützende Götter des Hauses, entweichet!
+ Lasst die rächenden Göttinnen ein!
+
+
+
+Fünfter Auftritt.
+
+
+Don Cesar. Isabella. Beatrice. Der Chor.
+
+Beim Eintritt des Don Cesar zertheilt sich der Chor in fliehender
+Bewegung vor ihm; er bleibt allein in der Mitte der Scene stehen.
+
+Beatrice.
+ Weh mir, er ist's!
+
+Isabella (tritt ihm entgegen).
+ O mein Sohn Cesar! Muß ich so
+ Dich wiedersehen--O, blick her und sieh
+ Den Frevel einer gottverfluchten Hand!
+(Führt ihn zu dem Leichnam.)
+
+Don Cesar (tritt mit Entsetzen zurück, das Gesicht verhüllend).
+
+Erster Chor. (Cajetan, Berengar.)
+ Brechet auf, ihr Wunden!
+ Fließet, fließet!
+ In schwarzen Güssen
+ Strömet hervor, ihr Bäche des Bluts!
+
+Isabella.
+ Du schauderst und erstarrst!--Ja, das ist Alles
+ Was dir noch übrig ist von deinem Bruder!
+ Da liegen meine Hoffnungen--Sie stirbt
+ Im Keim, die junge Blume eures Friedens,
+ Und keine schöne Früchte sollt' ich schauen.
+
+Don Cesar.
+ Tröste dich, Mutter! Redlich wollten wir
+ Den Frieden, aber Blut beschloß der Himmel.
+
+Isabella.
+ O, ich weiß, du liebtest ihn, ich sah entzückt
+ Die schönen Bande zwischen euch sich flechten!
+ An deinem Herzen wolltest du ihn tragen,
+ Ihm reich ersetzen die verlornen Jahre.
+ Der blut'ge Mord kam deiner schönen Liebe
+ Zuvor--Jetzt kannst du nichts mehr, als ihn rächen.
+
+Don Cesar.
+ Komm, Mutter, komm! Hier ist kein Ort für dich,
+ Entreiß dich diesem unglücksel'gen Anblick! (Er will sie fortziehen.)
+
+Isabella (fällt ihm um den Hals).
+ Du lebst mir noch! Du, jetzt mein Einziger!
+
+Beatrice.
+ Weh, Mutter! Was beginnst du?
+
+Don Cesar.
+ Weine dich aus
+ An diesem treuen Busen! Unverloren
+ Ist dir der Sohn, denn seine Liebe lebt
+ Unsterblich fort in deines Cesars Brust.
+
+Erster Chor. (Cajetan, Berengar, Manfred.)
+ Brechet auf, ihr Wunden!
+ Redet, ihr stummen!
+ In schwarzen Fluthen
+ Stürzet hervor, ihr Bäche des Bluts!
+
+Isabella (Beider Hände fassend).
+ O meine Kinder!
+
+Don Cesar.
+ Wie entzückt es mich,
+ In deinen Armen sie zu sehen, Mutter!
+ Ja, laß sie deine Tochter sein! Die Schwester--
+
+Isabella (unterbricht ihn).
+ Dir dank' ich die Gerettete, mein Sohn!
+ Du hieltest Wort, du hast sie mir gesendet.
+
+Don Cesar (erstaunt).
+ Wen, Mutter, sagst du, hab' ich dir gesendet?
+
+Isabella.
+ Sie mein' ich, die du vor dir siehst, die Schwester.
+
+Don Cesar.
+ Sie meine Schwester?
+
+Isabella.
+ Welche andre sonst?
+
+Don Cesar.
+ Meine Schwester?
+
+Isabella.
+ Die du selber mir gesendet.
+
+Don Cesar.
+ Und seine Schwester!
+
+Chor.
+ Wehe! Wehe! Wehe!
+
+Beatrice.
+ O, meine Mutter!
+
+Isabella.
+ Ich erstaune--Redet!
+
+Don Cesar.
+ So ist der Tag verflucht, der mich geboren!
+
+Isabella.
+ Was ist dir? Gott!
+
+Don Cesar.
+ Verflucht der Schooß, der mich
+ Getragen!--Und verflucht sei deine Heimlichkeit,
+ Die all dies Gräßliche verschuldet! Falle
+ Der Donner nieder, der dein Herz zerschmettert,
+ Nicht länger halt' ich schonen ihn zurück--
+ Ich selber, wiss' es, ich erschlug den Bruder,
+ In ihren Armen überrascht' ich ihn;
+ Sie ist es, die ich liebe, die zur Braut
+ Ich mir gewählt--den Bruder aber fand ich
+ In ihren Armen--Alles weißt du nun!
+ --Ist sie wahrhaftig seine, meine Schwester,
+ So bin ich schuldig einer Gräuelthat,
+ Die keine Reu' und Büßung kann versöhnen!
+
+Chor. (Bohemund.)
+ Es ist gesprochen, du hast es vernommen,
+ Das Schlimmste weißt du, nichts ist mehr zurück!
+ Wie die Seher verkündet, so ist es gekommen,
+ Denn noch Niemand entfloh dem verhängten Geschick.
+ Und wer sich vermißt, es klüglich zu wenden,
+ Der muß es selber erbauend vollenden.
+
+Isabella.
+ Was kümmert's mich noch, ob die Götter sich
+ Als Lügner zeigen, oder sich als wahr
+ Bestätigen? Mir haben sie das Ärgste
+ Gethan--Trotz biet' ich ihnen, mich noch härter
+ Zu treffen, als sie trafen--Wer für nichts mehr
+ Zu zittern hat, der fürchtet sie nicht mehr.
+ Ermordet liegt mir der geliebte Sohn,
+ Und von dem lebenden scheid' ich mich selbst.
+ Er ist mein Sohn nicht--Einen Basilisken
+ Hab' ich erzeugt, genährt an meiner Brust,
+ Der mir den bessern Sohn zu Tode stach.
+ --Komm, meine Tochter! Hier ist unsers Bleibens
+ Nicht mehr--den Rachegeistern überlass' ich
+ Dies Haus--ein Frevel führte mich herein,
+ Ein Frevel treibt mich aus--Mit Widerwillen
+ Hab' ich's betreten und mit Furcht bewohnt,
+ Und in Verzweiflung räum' ich's--Alles dies
+ Erleid' ich schuldlos; doch bei Ehren bleiben
+ Die Orakel, und gerettet sind die Götter.
+(Sie geht ab. Diego folgt ihr.)
+
+
+
+Sechster Auftritt.
+
+
+Beatrice. Don Cesar. Der Chor.
+
+Don Cesar (Beatricen zurückhaltend).
+ Bleib, Schwester! Scheide du nicht so von mir!
+ Mag mir die Mutter fluchen, mag dies Blut
+ Anklagend gegen mich zum Himmel rufen,
+ Mich alle Welt verdammen! Aber du
+ Fluche mir nicht! Von dir kann ich's nicht tragen!
+
+Beatrice (zeigt mit abgewandtem Gesicht auf den Leichnam).
+
+Don Cesar.
+ Nicht den Geliebten hab' ich dir getödtet!
+ Den Bruder hab' ich dir und hab' ihn mir
+ Gemordet--Dir gehört der Abgeschiedne jetzt
+ Nicht näher an, als ich, der Lebende,
+ Und ich bin mitleidswürdiger, als er,
+ Denn er schied rein hinweg, und ich bin schuldig.
+
+Beatrice (bricht in heftige Thränen aus).
+
+Don Cesar.
+ Weine um den Bruder, ich will mit dir weinen,
+ Und mehr noch--rächen will ich ihn! Doch nicht
+ Um den Geliebten weine! Diesen Vorzug,
+ Den du dem Todten gibst, ertrag' ich nicht.
+ Den einz'gen Trost, den letzten, laß mich schöpfen
+ Aus unsers Jammers bodenloser Tiefe,
+ Daß er dir näher nicht gehört, als ich--
+ Denn unser furchtbar aufgelöstes Schicksal
+ Macht unsre Rechte gleich, wie unser Unglück.
+ In einen Fall verstrickt, drei liebende
+ Geschwister, gehen wir vereinigt unter
+ Und theilen gleich der Thränen traurig Recht.
+ Doch wenn ich denken muß, daß deine Trauer
+ Mehr dem Geliebten als dem Bruder gilt,
+ Dann mischt sich Wuth und Neid in meinen Schmerz,
+ Und mich verläßt der Wehmuth letzter Trost.
+ Nicht freudig, wie ich gerne will, kann ich
+ Das letzte Opfer seinen Manen bringen;
+ Doch sanft nachsenden will ich ihm die Seele,
+ Weiß ich nur, daß du meinen Staub mit seinem
+ In einem Aschenkruge sammeln wirst.
+
+(Den Arm um sie schlingend, mit einer leidenschaftlich zärtlichen Heftigkeit.)
+
+ Dich liebt' ich, wie ich nichts zuvor geliebt,
+ Da du noch eine Fremde für mich warst.
+ Weil ich dich liebte über alle Grenzen,
+ Trag' ich den schweren Fluch des Brudermords,
+ Liebe zu dir war meine ganze Schuld.
+ --Jetzt bist du meine Schwester, und dein Mitleid
+ Fordr' ich von dir als einen heil'gen Zoll.
+
+(Er sieht sie mit ausforschenden Blicken und schmerzlicher
+Erwartung an, dann wendet er sich mit Heftigkeit von ihr.)
+
+ Nein, nein, nicht sehen kann ich diese Thränen--
+ In dieses Todten Gegenwart verläßt
+ Der Muth mich, und die Brust zerreißt der Zweifel--
+ --Laß mich im Irrthum! Weine im Verborgnen!
+ Sieh nie mich wieder--niemals mehr--Nicht dich,
+ Nicht deine Mutter will ich wieder sehen,
+ Sie hat mich nie geliebt! Verrathen endlich
+ Hat sich ihr Herz, der Schmerz hat es geöffnet.
+ Sie nannt' ihn ihren bessern Sohn!--So hat sie
+ Verstellung ausgeübt ihr ganzes Leben!
+ --Und du bist falsch, wie sie! Zwinge dich nicht!
+ Zeig' deinen Abscheu! Mein verhaßtes Antlitz
+ Sollst du nicht wieder sehn! Geh hin auf ewig!
+
+(Er geht ab. Sie steht unschlüssig, im Kampf widersprechender
+Gefühle, dann reißt sie sich los und geht.)
+
+
+
+Siebenter Auftritt.
+
+
+Chor. (Cajetan.) -- -- -- -- -- -- --
+ Wohl Dem! Selig muß ich ihn preisen,
+ Der in der Stille der ländlichen Flur,
+ Fern von des Lebens verworrenen Kreisen,
+ Kindlich liegt an der Brust der Natur.
+ Denn das Herz wird mir schwer in der Fürsten Palästen,
+ Wenn ich herab vom Gipfel des Glücks
+ Stürzen sehe die Höchsten, die Besten
+ In der Schnelle des Augenblicks!
+
+ Und auch Der hast sich wohl gebettet,
+ Der aus der stürmischen Lebenswelle,
+ Zeitig gewarnt, sich heraus gerettet
+ In des Klosters friedliche Zelle,
+ Der die stachelnde Sucht der Ehren
+ Von sich warf und die eitle Lust
+ Und die Wünsche, die ewig begehren,
+ Eingeschläfert in ruhiger Brust.
+ Ihn ergreift in dem Lebensgewühle
+ Nicht der Leidenschaft wilde Gewalt,
+ Nimmer in seinem stillen Asyle
+ Sieht er der Menschheit traur'ge Gestalt.
+ Nur in bestimmter Höhe ziehet
+ Das Verbrechen hin und das Ungemach,
+ Wie die Pest die erhabnen Orte fliehet,
+ Dem Qualm der Städte wälzt es sich nach.
+
+(Berengar, Bohemund und Manfred.)
+ Auf den Bergen ist Freiheit! Der Hauch der Grüfte
+ Steigt nicht hinauf in die reinen Lüfte;
+ Die Welt ist vollkommen überall,
+ Wo der Mensch nicht hinkommt mit seiner Qual.
+
+(Der ganze Chor wiederholt.)
+ Auf den Bergen u. s. w.
+
+
+
+Achter Auftritt.
+
+
+Don Cesar. Der Chor.
+
+Don Cesar (gefaßter).
+ Das Recht des Herrschers üb' ich aus zum letzten Mal,
+ Dem Grab zu übergeben diesen theuren Leib,
+ Denn dieses ist der Todten letzte Herrlichkeit.
+ Vernehmt denn meines Willens ernstlichen Beschluß,
+ Und wie ich's euch gebiete, also übt es aus
+ Genau--Euch ist in frischem Angedenken noch
+ Das ernste Amt, denn nicht von langen Zeiten ist's,
+ Daß ihr zur Gruft begleitet eures Fürsten Leib.
+ Die Todtenklage ist in diesen Mauern kaum
+ Verhallt, und eine Leiche drängt die andre fort
+ Ins Grab, daß eine Fackel ander andern sich
+ Anzünden, auf der Treppe Stufen sich der Zug
+ Der Klagemänner fast begegnen mag.
+ So ordnet denn ein feierlich Begräbnißfest
+ In dieses Schlosses Kirche, die des Vaters Staub
+ Verwahrt, geräuschlos bei verschloßnen Pforten an,
+ Und Alles werde, wie es damals war, vollbracht.
+
+Chor. (Bohemund.)
+ Mit schnellen Händen soll dies Werk bereitet sein,
+ O Herr--denn aufgerichtet steht der Katafalk,
+ Ein Denkmal jener ernsten Festlichkeit, noch da,
+ Und an den Bau des Todes rührte keine Hand.
+
+Don Cesar.
+ Das war kein glücklich Zeichen, daß des Grabes Mund
+ Geöffnet blieb im Hause der Lebendigen.
+ Wie kam's, daß man das unglückselige Gerüst
+ Nicht nach vollbrachtem Dienste alsobald zerbrach?
+
+Chor. (Bohemund.)
+ Die Noth der Zeiten und der jammervolle Zwist,
+ Der gleich nachher, Messina feindlich theilend, sich
+ Entflammt, zog unsre Augen von den Todten ab,
+ Und öde blieb, verschlossen dieses Heiligthum.
+
+Don Cesar.
+ Ans Werk denn eilet ungesäumt! Noch diese Nacht
+ Vollende sich das mitternächtliche Geschäft!
+ Die nächste Sonne finde von Verbrechen rein
+ Das Haus und leuchte einem fröhlichen Geschlecht.
+
+(Der zweite Chor entfernt sich mit Don Manuels Leichnam.)
+
+Erster Chor. (Cajetan.)
+ Soll ich der Mönche fromme Brüderschaft hieher
+ Berufen, daß sie nach der Kirche altem Brauch
+ Das Seelenamt verwalte und mit heil'gem Lied
+ Zur ew'gen Ruh einsegne den Begrabenen?
+
+Don Cesar.
+ Ihr frommes Lied mag fort und fort an unserm Grab
+ Auf ew'ge Zeiten schallen bei der Kerze Schein;
+ Doch heute nicht bedarf es ihres reinen Amts,
+ Der blut'ge Mord verscheucht das Heilige.
+
+Chor. (Cajetan.)
+ Beschließe nichts gewaltsam Blutiges, o Herr,
+ Wider sich selber wüthend mit Verzweiflungsthat;
+ Denn auf der Welt lebt Niemand, der dich strafen kann,
+ Und fromme Büßung kauft den Zorn des Himmels ab.
+
+Don Cesar.
+ Nicht auf der Welt lebt, wer mich richten strafen kann,
+ Drum muß ich selber an mir selber es vollziehn.
+ Bußfert'ge Sühne, weiß ich, nimmt der Himmel an;
+ Doch nur mit Blut büßt sich ab der blut'ge Mord.
+
+Chor. (Cajetan.)
+ Des Jammers Fluthen, die auf dieses Haus gestürmt,
+ Ziemt dir zu brechen, nicht zu häufen Leid auf Leid.
+
+Don Cesar.
+ Den alten Fluch des Hauses lös' ich sterbend auf,
+ Der freie Tod nur bricht die Kette des Geschicks.
+
+Chor. (Cajetan.)
+ Zum Herrn bist du dich schuldig dem verwaisten Land,
+ Weil du des andern Herrscherhauptes uns beraubt.
+
+Don Cesar.
+ Zuerst den Todesgöttern zahl' ich meine Schuld,
+ Ein andrer Gott mag sorgen für die Lebenden.
+
+Chor. (Cajetan.)
+ So weit die Sonne leuchtet, ist die Hoffnung auch,
+ Nur von dem Tod gewinnt sich nichts! Bedenk' es wohl!
+
+Don Cesar.
+ Du selbst bedenke schweigend deine Dienerpflicht!
+ Mich laß dem Geist gehorchend, der mich furchtbar treibt,
+ Denn in das Innre kann kein Glücklicher mir schaun.
+ Und ehrst du fürchtend auch den Herrscher nicht in mir,
+ Den Verbrecher fürchte, den der Flüche schwerster drückt!
+ Das Haupt verehre des Unglücklichen,
+ Das auch den Göttern heilig ist--Wer das erfuhr,
+ Was ist erleide und im Busen fühle,
+ Gibt keinem Irdischen mehr Rechenschaft.
+
+
+
+Neunter Auftritt.
+
+
+Donna Isabella. Don Cesar. Der Chor.
+
+Isabella (kommt mit zögernden Schritten und wirft unschlüssige
+Blicke auf Don Cesar. Endlich tritt sie ihm näher und spricht
+mit gefaßtem Ton).
+ Dich sollten meine Augen nicht mehr schauen,
+ So hatt' ich mir's in meinem Schmerz gelobt;
+ Doch in die Luft verwehen die Entschlüsse,
+ Die eine Mutter, unnatürlich wüthend,
+ Wider des Herzens Stimme faßt--Mein Sohn!
+ Mich treibt ein unglückseliges Gerücht
+ Aus meines Schmerzens öden Wohnungen
+ Hervor--Soll ich ihm glauben? Ist es wahr,
+ Daß mir ein Tag zwei Söhne rauben soll?
+
+Chor. (Cajetan.)
+ Entschlossen siehst du ihn, festen Muths,
+ Hinab zu gehen mit freiem Schritte
+ Zu des Todes traurigen Thoren.
+ Erprobe du jetzt die Kraft des Blutes,
+ Die Gewalt der rührenden Mutterbitte!
+ Meine Worte hab' ich umsonst verloren.
+
+Isabella.
+ Ich rufe die Verwünschungen zurück,
+ Die ich im blinden Wahnsinn der Verzweiflung
+ Auf dein geliebtes Haupt herunter rief.
+ Eine Mutter kann des eignen Busens Kind,
+ Das sie mit Schmerz geboren, nicht verfluchen.
+ Nicht hört der Himmel solche sündige
+ Gebete; schwer von Thränen, fallen sie
+ Zurück von seinem leuchtenden Gewölbe.
+ --Lebe, mein Sohn! Ich will den Mörder lieber sehn
+ Des einen Kindes, als um beide weinen.
+
+Don Cesar.
+ Nicht wohl bedenkst du, Mutter, was du wünschest
+ Dir selbst und mir--Mein Pfad kann nicht mehr sein
+ Bei den Lebendigen--Ja, könntest du
+ Des Mörders gottverhaßtes Antlitz auch
+ Ertragen, Mutter, ich ertrüge nicht
+ Den stummen Vorwurf deines ew'gen Grams.
+
+Isabella.
+ Kein Vorwurf soll dich kränken, keine laute,
+ Noch stumme Klage in das Herz dir schneiden.
+ In milder Wehmuth wird der Schmerz sich lösen,
+ Gemeinsam trauernd, wollen wir das Unglück
+ Beweinen und bedecken das Verbrechen.
+
+Don Cesar (faßt ihre Hand, mit sanfter Stimme).
+ Das wirst du, Mutter. Also wird's geschehn.
+ In milder Wehmuth wird dein Schmerz sich lösen--
+ Dann, Mutter, wenn ein Todtenmal den Mörder
+ Zugleich mit dem Gemordeten umschließt,
+ Ein Stein sich wölbet über beider Staube,
+ Dann wird der Fluch entwaffnet sein--Dann wirst
+ Du deine Söhne nicht mehr unterscheiden,
+ Die Thränen, die dein schönes Auge weint,
+ Sie werden einem wie dem andern gelten,
+ Ein mächtiger Vermittler ist der Tod.
+ Da löschen alle Zornesflammen aus,
+ Der Haß versöhnt sich, und das schöne Mitleid
+ Neigt sich, ein weinend Schwesterbild, mit sanft
+ Anschmiegender Umarmung auf die Urne.
+ Drum, Mutter, wehre du mir nicht, daß ich
+ Hinuntersteige und den Fluch versöhne.
+
+Isabella.
+ Reich ist die Christenheit an Gnadenbildern,
+ Zu denen wallend ein gequältes Herz
+ Kann Ruhe finden. Manche schwere Bürde
+ Ward abgeworfen in Lorettos Haus,
+ Und segensvolle Himmelskraft umweht
+ Das heil'ge Grab, das alle Welt entsündigt.
+ Vielkräftig auch ist das Gebet der Frommen,
+ Sie haben reichen Vorrath an Verdienst,
+ Und auf der Stelle, wo ein Mord geschah,
+ Kann sich ein Tempel reinigend erheben.
+
+Don Cesar.
+ Wohl läßt der Pfeil sich aus dem Herzen ziehn,
+ Doch nie wird das verletzte mehr gesunden.
+ Lebe, wer's kann, ein Leben der Zerknirschung,
+ Mit strengen Bußkasteiungen allmählich
+ Abschöpfend eine ew'ge Schuld--Ich kann
+ Nicht leben, Mutter, mit gebrochnem Herzen.
+ Aufblicken muß ich freudig zu den Frohen
+ Und in den Äther greifen über mir
+ Mit freiem Geist--Der Neid vergiftete mein Leben,
+ Da wir noch deine Liebe gleich getheilt.
+ Denkst du, daß ich den Vorzug werde tragen,
+ Den ihm dein Schmerz gegeben über mich?
+ Der Tod hat eine reinigende Kraft,
+ In seinem unvergänglichen Palaste
+ Zu echter Tugend reinem Diamant
+ Das Sterbliche zu läutern und die Flecken
+ Der mangelhaften Menschheit zu verzehren.
+ Weit, wie die Sterne abstehn von der Erde,
+ Wird er erhaben stehen über mir,
+ Und hat der alte Neid uns in dem Leben
+ Getrennt, da wir noch gleich Brüder waren,
+ So wurd er rastlos mir das Herz zernagen,
+ Nun er das Ewige mir abgewann
+ Und, jenseits alles Wettstreits, wie ein Gott
+ In der Erinnerung der Menschen wandelt.
+
+Isabella.
+ O, hab' ich euch nur darum nach Messina
+ Gerufen, um euch Beide zu begraben!
+ Euch zu versöhnen, rief ich euch hieher,
+ Und ein verderblich Schicksal kehret all
+ Mein Hoffen in sein Gegentheil mir um!
+
+Don Cesar.
+ Schilt nicht den Ausgang, Mutter! Es erfüllt
+ Sich Alles, was versprochen ward. Wir zogen ein
+ Mit Friedenshoffnungen in diese Thore,
+ Und friedlich werden wir zusammen ruhn,
+ Versöhnt auf ewig, in dem Haus des Todes.
+
+Isabella.
+ Lebe, mein Sohn! Laß deine Mutter nicht
+ Freundlos im Land der Fremdlinge zurück,
+ Rohherziger Verhöhnung preisgegeben,
+ Weil sie der Söhne Kraft nicht mehr beschützt.
+
+Don Cesar.
+ Wenn alle Welt dich herzlos kalt verhöhnt
+ So flüchte du dich hin zu unserm Grabe
+ Und rufe deiner Söhne Gottheit an;
+ Denn Götter sind wir dann, wir hören dich,
+ Und wie des Himmels Zwillinge, dem Schiffer
+ Ein leuchtend Sternbild, wollen wir mit Trost
+ Die nahe sein und deine Seele stärken.
+
+Isabella.
+ Lebe, mein Sohn! Für deine Mutter lebe!
+ Ich kann's nicht tragen, Alles zu verlieren!
+
+(Sie schlingt ihre Arme mit leidenschaftlicher Heftigkeit um ihn;
+er macht sich sanft von ihr los und reicht ihr die Hand mit
+abgewandtem Gesicht.)
+
+Don Cesar.
+ Leb wohl!
+
+Isabella.
+ Ach, wohl erfahr' ich's schmerzlich fühlend nun,
+ Daß nichts die Mutter über dich vermag!
+ Gibt's keine andre Stimme, welche dir
+ Zum Herzen mächt'ger als die meine dringt?
+(Sie sieht nach dem Eingang der Scene.)
+ Komm, meine Tochter! Wenn der todte Bruder
+ Ihn so gewaltig nachzieht in die Gruft,
+ So mag vielleicht die Schwester, die geliebte,
+ Mit schöner Lebenshoffnung Zauberschein
+ Zurück ihn locken in das Licht der Sonne.
+
+
+
+Letzter Auftritt.
+
+
+Beatrice erscheint am Eingang der Scene. Donna Isabella. Don Cesar
+und der Chor.
+
+Don Cesar (bei ihrem Anblick heftig bewegt sich verhüllend).
+ O Mutter! Mutter! Was ersannest du?
+
+Isabella (führt sie vorwärts).
+ Die Mutter hat umsonst zu ihm gefleht,
+ Beschwöre du, erfleh' ihn, daß er lebe!
+
+Don Cesar.
+ Arglist'ge Mutter! Also prüfst du mich!
+ In neuen Kampf willst du zurück mich stürzen?
+ Das Licht der Sonne mir noch theurer machen
+ Auf meinem Wege zu der ew'gen Nacht?
+ --Da steht der holde Lebensengel mächtig
+ Vor mir, und tausend Blumen schüttet er
+ Und tausend goldne Früchte lebenduftend
+ Aus reichem Füllhorn strömend vor mir aus,
+ Das Herz geht auf im warmen Strahl der Sonne,
+ Und neu erwacht in der erstorbnen Brust
+ Die Hoffnung wieder und die Lebenslust.
+
+Isabella.
+ Fleh' ihn, dich oder Niemand wird er hören,
+ Daß er den Stab nicht raube dir und mir.
+
+Beatrice.
+ Ein Opfer fordert der geliebte Todte;
+ Es soll ihm werden, Mutter--Aber mich
+ Laß dieses Opfer sein! Dem Tode war ich
+ Geweiht, eh' ich das Leben sah. Mich fordert
+ Der Fluch, der dieses Haus verfolgt, und Raub
+ Am Himmel ist das Leben, das ich lebe.
+ Ich bin's, die ihn gemordet, eures Streits
+ Entschlafne Furien geweckte--Mir
+ Gebührt es, seine Manen zu versöhnen!
+
+Chor. (Cajetan.)
+ O jammervolle Mutter! Hin zum Tod
+ Drängen sich eifernd alle deine Kinder
+ Und lassen dich allein, verlassen stehen
+ Um freudlos öden, liebeleeren Leben.
+
+Beatrice.
+ Du, Bruder, rette dein geliebtes Haupt!
+ Für deine Mutter lebe! Sie bedarf
+ Des Sohnes; erst heute fand sie eine Tochter,
+ Und leicht entbehrt sie, was sie nie besaß.
+
+Don Cesar (mit tief verwundeter Seele).
+ Wir mögen leben, Mutter, oder sterben,
+ Wenn sie nur dem Geliebten sich vereinigt!
+
+Beatrice.
+ Beneidest du des Bruders todten Staub?
+
+Don Cesar.
+ Er lebt in deinem Schmerz ein selig Leben,
+ Ich werde ewig todt sein bei den Todten.
+
+Beatrice.
+ O Bruder!
+
+Don Cesar (mit dem Ausdruck der heftigsten Leidenschaft).
+ Schwester, weinest du um mich?
+
+Beatrice.
+ Lebe für unsre Mutter!
+
+Don Cesar (läßt ihre Hand los, zurücktretend).
+ Für die Mutter?
+
+Beatrice (neigt sich an seine Brust).
+ Lebe für sie und tröste deine Schwester.
+
+Chor. (Bohemund.)
+ Sie hat gesiegt! Dem rührenden Flehen
+ Der Schwester konnt' er nicht widerstehen.
+ Trostlose Mutter! Gieb Raum der Hoffnung,
+ Er erwählt das Leben, die bleibt dein Sohn!
+
+(In diesem Augenblick läßt sich ein Chorgesang hören, die Flügelthüre
+wird geöffnet, man sieht in der Kirche den Katafalk aufgerichtet und
+den Sarg von Candelabern umgeben.)
+
+Don Cesar (gegen den Sarg gewendet).
+ Nein, Bruder! Nicht dein Opfer will ich dir
+ Entziehen--deine Stimme aus dem Sarg
+ Ruft mächt'ger dringend als der Mutter Thränen
+ Und mächt'ger als der Liebe Flehn--Ich halte
+ In meinen Armen, was das ird'sche Leben
+ Zu einem Loos der Götter machen kann--
+ Doch ich, der Mörder, sollte glücklich sein,
+ Und deine heil'ge Unschuld ungerächet
+ Im tiefen Grabe liegen?--Das verhüte
+ Der allgerechte Lenker unsrer Tage,
+ Daß solche Theilung sei in seiner Welt--
+ --Die Thränen sah ich, die auch mir geflossen,
+ Befriedigt ist mein Herz, ich folge dir.
+
+(Er durchsticht sich mit einem Dolch und gleitet sterbend an seiner
+Schwester nieder, die sich der Mutter in die Arme wirft.)
+
+Chor (Cajetan.) (nach einem tiefen Schweigen).
+ Erschüttert steh' ich, weiß nicht, ob ich ihn
+ Bejammern oder preisen soll sein Loos.
+ Dies Eine fühl' ich und erkenn' es klar:
+ Das Leben ist der Güter höchstes nicht,
+ Der Übel größtes aber ist die Schuld.
+
+
+
+
+
+
+
+
+*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK, DIE BRAUT VON MESSINA ***
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+We are already on our way to trying for 2000 more eBooks in 2002
+If they reach just 1-2% of the world's population then the total
+will reach over half a trillion eBooks given away by year's end.
+
+The Goal of Project Gutenberg is to Give Away 1 Trillion eBooks!
+This is ten thousand titles each to one hundred million readers,
+which is only about 4% of the present number of computer users.
+
+Here is the briefest record of our progress (* means estimated):
+
+eBooks Year Month
+
+ 1 1971 July
+ 10 1991 January
+ 100 1994 January
+ 1000 1997 August
+ 1500 1998 October
+ 2000 1999 December
+ 2500 2000 December
+ 3000 2001 November
+ 4000 2001 October/November
+ 6000 2002 December*
+ 9000 2003 November*
+10000 2004 January*
+
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation has been created
+to secure a future for Project Gutenberg into the next millennium.
+
+We need your donations more than ever!
+
+As of February, 2002, contributions are being solicited from people
+and organizations in: Alabama, Alaska, Arkansas, Connecticut,
+Delaware, District of Columbia, Florida, Georgia, Hawaii, Illinois,
+Indiana, Iowa, Kansas, Kentucky, Louisiana, Maine, Massachusetts,
+Michigan, Mississippi, Missouri, Montana, Nebraska, Nevada, New
+Hampshire, New Jersey, New Mexico, New York, North Carolina, Ohio,
+Oklahoma, Oregon, Pennsylvania, Rhode Island, South Carolina, South
+Dakota, Tennessee, Texas, Utah, Vermont, Virginia, Washington, West
+Virginia, Wisconsin, and Wyoming.
+
+We have filed in all 50 states now, but these are the only ones
+that have responded.
+
+As the requirements for other states are met, additions to this list
+will be made and fund raising will begin in the additional states.
+Please feel free to ask to check the status of your state.
+
+In answer to various questions we have received on this:
+
+We are constantly working on finishing the paperwork to legally
+request donations in all 50 states. If your state is not listed and
+you would like to know if we have added it since the list you have,
+just ask.
+
+While we cannot solicit donations from people in states where we are
+not yet registered, we know of no prohibition against accepting
+donations from donors in these states who approach us with an offer to
+donate.
+
+International donations are accepted, but we don't know ANYTHING about
+how to make them tax-deductible, or even if they CAN be made
+deductible, and don't have the staff to handle it even if there are
+ways.
+
+Donations by check or money order may be sent to:
+
+Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+PMB 113
+1739 University Ave.
+Oxford, MS 38655-4109
+
+Contact us if you want to arrange for a wire transfer or payment
+method other than by check or money order.
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation has been approved by
+the US Internal Revenue Service as a 501(c)(3) organization with EIN
+[Employee Identification Number] 64-622154. Donations are
+tax-deductible to the maximum extent permitted by law. As fund-raising
+requirements for other states are met, additions to this list will be
+made and fund-raising will begin in the additional states.
+
+We need your donations more than ever!
+
+You can get up to date donation information online at:
+
+https://www.gutenberg.org/donation.html
+
+
+***
+
+If you can't reach Project Gutenberg,
+you can always email directly to:
+
+Michael S. Hart <hart@pobox.com>
+
+Prof. Hart will answer or forward your message.
+
+We would prefer to send you information by email.
+
+
+**The Legal Small Print**
+
+
+(Three Pages)
+
+***START**THE SMALL PRINT!**FOR PUBLIC DOMAIN EBOOKS**START***
+Why is this "Small Print!" statement here? You know: lawyers.
+They tell us you might sue us if there is something wrong with
+your copy of this eBook, even if you got it for free from
+someone other than us, and even if what's wrong is not our
+fault. So, among other things, this "Small Print!" statement
+disclaims most of our liability to you. It also tells you how
+you may distribute copies of this eBook if you want to.
+
+*BEFORE!* YOU USE OR READ THIS EBOOK
+By using or reading any part of this PROJECT GUTENBERG-tm
+eBook, you indicate that you understand, agree to and accept
+this "Small Print!" statement. If you do not, you can receive
+a refund of the money (if any) you paid for this eBook by
+sending a request within 30 days of receiving it to the person
+you got it from. If you received this eBook on a physical
+medium (such as a disk), you must return it with your request.
+
+ABOUT PROJECT GUTENBERG-TM EBOOKS
+This PROJECT GUTENBERG-tm eBook, like most PROJECT GUTENBERG-tm eBooks,
+is a "public domain" work distributed by Professor Michael S. Hart
+through the Project Gutenberg Association (the "Project").
+Among other things, this means that no one owns a United States copyright
+on or for this work, so the Project (and you!) can copy and
+distribute it in the United States without permission and
+without paying copyright royalties. Special rules, set forth
+below, apply if you wish to copy and distribute this eBook
+under the "PROJECT GUTENBERG" trademark.
+
+Please do not use the "PROJECT GUTENBERG" trademark to market
+any commercial products without permission.
+
+To create these eBooks, the Project expends considerable
+efforts to identify, transcribe and proofread public domain
+works. Despite these efforts, the Project's eBooks and any
+medium they may be on may contain "Defects". Among other
+things, Defects may take the form of incomplete, inaccurate or
+corrupt data, transcription errors, a copyright or other
+intellectual property infringement, a defective or damaged
+disk or other eBook medium, a computer virus, or computer
+codes that damage or cannot be read by your equipment.
+
+LIMITED WARRANTY; DISCLAIMER OF DAMAGES
+But for the "Right of Replacement or Refund" described below,
+[1] Michael Hart and the Foundation (and any other party you may
+receive this eBook from as a PROJECT GUTENBERG-tm eBook) disclaims
+all liability to you for damages, costs and expenses, including
+legal fees, and [2] YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE OR
+UNDER STRICT LIABILITY, OR FOR BREACH OF WARRANTY OR CONTRACT,
+INCLUDING BUT NOT LIMITED TO INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE
+OR INCIDENTAL DAMAGES, EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE
+POSSIBILITY OF SUCH DAMAGES.
+
+If you discover a Defect in this eBook within 90 days of
+receiving it, you can receive a refund of the money (if any)
+you paid for it by sending an explanatory note within that
+time to the person you received it from. If you received it
+on a physical medium, you must return it with your note, and
+such person may choose to alternatively give you a replacement
+copy. If you received it electronically, such person may
+choose to alternatively give you a second opportunity to
+receive it electronically.
+
+THIS EBOOK IS OTHERWISE PROVIDED TO YOU "AS-IS". NO OTHER
+WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, ARE MADE TO YOU AS
+TO THE EBOOK OR ANY MEDIUM IT MAY BE ON, INCLUDING BUT NOT
+LIMITED TO WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR A
+PARTICULAR PURPOSE.
+
+Some states do not allow disclaimers of implied warranties or
+the exclusion or limitation of consequential damages, so the
+above disclaimers and exclusions may not apply to you, and you
+may have other legal rights.
+
+INDEMNITY
+You will indemnify and hold Michael Hart, the Foundation,
+and its trustees and agents, and any volunteers associated
+with the production and distribution of Project Gutenberg-tm
+texts harmless, from all liability, cost and expense, including
+legal fees, that arise directly or indirectly from any of the
+following that you do or cause: [1] distribution of this eBook,
+[2] alteration, modification, or addition to the eBook,
+or [3] any Defect.
+
+DISTRIBUTION UNDER "PROJECT GUTENBERG-tm"
+You may distribute copies of this eBook electronically, or by
+disk, book or any other medium if you either delete this
+"Small Print!" and all other references to Project Gutenberg,
+or:
+
+[1] Only give exact copies of it. Among other things, this
+ requires that you do not remove, alter or modify the
+ eBook or this "small print!" statement. You may however,
+ if you wish, distribute this eBook in machine readable
+ binary, compressed, mark-up, or proprietary form,
+ including any form resulting from conversion by word
+ processing or hypertext software, but only so long as
+ *EITHER*:
+
+ [*] The eBook, when displayed, is clearly readable, and
+ does *not* contain characters other than those
+ intended by the author of the work, although tilde
+ (~), asterisk (*) and underline (_) characters may
+ be used to convey punctuation intended by the
+ author, and additional characters may be used to
+ indicate hypertext links; OR
+
+ [*] The eBook may be readily converted by the reader at
+ no expense into plain ASCII, EBCDIC or equivalent
+ form by the program that displays the eBook (as is
+ the case, for instance, with most word processors);
+ OR
+
+ [*] You provide, or agree to also provide on request at
+ no additional cost, fee or expense, a copy of the
+ eBook in its original plain ASCII form (or in EBCDIC
+ or other equivalent proprietary form).
+
+[2] Honor the eBook refund and replacement provisions of this
+ "Small Print!" statement.
+
+[3] Pay a trademark license fee to the Foundation of 20% of the
+ gross profits you derive calculated using the method you
+ already use to calculate your applicable taxes. If you
+ don't derive profits, no royalty is due. Royalties are
+ payable to "Project Gutenberg Literary Archive Foundation"
+ the 60 days following each date you prepare (or were
+ legally required to prepare) your annual (or equivalent
+ periodic) tax return. Please contact us beforehand to
+ let us know your plans and to work out the details.
+
+WHAT IF YOU *WANT* TO SEND MONEY EVEN IF YOU DON'T HAVE TO?
+Project Gutenberg is dedicated to increasing the number of
+public domain and licensed works that can be freely distributed
+in machine readable form.
+
+The Project gratefully accepts contributions of money, time,
+public domain materials, or royalty free copyright licenses.
+Money should be paid to the:
+"Project Gutenberg Literary Archive Foundation."
+
+If you are interested in contributing scanning equipment or
+software or other items, please contact Michael Hart at:
+hart@pobox.com
+
+[Portions of this eBook's header and trailer may be reprinted only
+when distributed free of all fees. Copyright (C) 2001, 2002 by
+Michael S. Hart. Project Gutenberg is a TradeMark and may not be
+used in any sales of Project Gutenberg eBooks or other materials be
+they hardware or software or any other related product without
+express permission.]
+
+*END THE SMALL PRINT! FOR PUBLIC DOMAIN EBOOKS*Ver.02/11/02*END*
+
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+This eBook, including all associated images, markup, improvements,
+metadata, and any other content or labor, has been confirmed to be
+in the PUBLIC DOMAIN IN THE UNITED STATES.
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+Procedures for determining public domain status are described in
+the "Copyright How-To" at https://www.gutenberg.org.
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+No investigation has been made concerning possible copyrights in
+jurisdictions other than the United States. Anyone seeking to utilize
+this eBook outside of the United States should confirm copyright
+status under the laws that apply to them.
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+Project Gutenberg (https://www.gutenberg.org) public repository for
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