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-The Project Gutenberg EBook of Holbein der jüngere, by Hermann Knackfuß
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and most
-other parts of the world at no cost and with almost no restrictions
-whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of
-the Project Gutenberg License included with this eBook or online at
-www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you'll have
-to check the laws of the country where you are located before using this ebook.
-
-Title: Holbein der jüngere
-
-Author: Hermann Knackfuß
-
-Release Date: June 13, 2020 [EBook #62389]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: UTF-8
-
-*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK HOLBEIN DER JÜNGERE ***
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-
-Produced by Peter Becker, Reiner Ruf, and the Online
-Distributed Proofreading Team at https://www.pgdp.net (This
-file was produced from images generously made available
-by The Internet Archive)
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- Anmerkungen zur Transkription
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- Der vorliegende Text wurde anhand der 1896 erschienenen Buchausgabe
- so weit wie möglich originalgetreu wiedergegeben. Typographische
- Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Ungewöhnliche und
- altertümliche Schreibweisen bleiben gegenüber dem Original
- unverändert; fremdsprachliche Zitate wurden nicht korrigiert.
-
- Einige Abbildungen wurden zwischen die Absätze verschoben und zum
- Teil sinngemäß gruppiert, um den Textfluss nicht zu beeinträchtigen.
-
- Das Original wurde in Frakturschrift gesetzt. Besondere
- Schriftschnitte wurden mit Hilfe der folgenden Sonderzeichen
- gekennzeichnet:
-
- Unterstrichen: _Unterstriche_
- Fettdruck: =Gleichheitszeichen=
- gesperrt: +Pluszeichen+
- Antiqua: ~Tilden~
-
- ####################################################################
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-
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-
- Liebhaber-Ausgaben
-
- [Illustration]
-
-
-
-
- Künstler-Monographien
-
- In Verbindung mit Andern herausgegeben
-
- von
-
- H. Knackfuß
-
- XVII
-
- Holbein der jüngere
-
- =Bielefeld= und =Leipzig=
-
- +Verlag von Velhagen & Klasing+
-
- 1896
-
-
-
-
- Holbein der jüngere
-
- Von
-
- H. Knackfuß
-
- +Mit 151 Abbildungen von Gemälden, Zeichnungen und
- Holzschnitten+
-
- Zweite Auflage
-
- [Illustration]
-
- =Bielefeld= und =Leipzig=
-
- +Verlag von Velhagen & Klasing+
-
- 1896
-
-
-
-
-Von diesem Werke ist für Liebhaber und Freunde besonders luxuriös
-ausgestatteter Bücher außer der vorliegenden Ausgabe
-
-_eine numerierte Ausgabe_
-
-veranstaltet, von der nur 100 Exemplare auf Extra-Kunstdruckpapier
-gedruckt sind. Jedes Exemplar ist in der Presse sorgfältig numeriert
-(von 1-100) und in einen reichen Ganzlederband gebunden. Der Preis
-eines solchen Exemplars beträgt 20 M. Ein Nachdruck dieser Ausgabe, auf
-welche jede Buchhandlung Bestellungen annimmt, wird nicht veranstaltet.
-
- Die Verlagshandlung.
-
-
-Druck von Fischer & Wittig in Leipzig.
-
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-
-[Illustration: +Bildnis eines Unbekannten.+ Deckfarbenmalerei.
-
-Im königl. Kupferstichkabinett zu Berlin.]
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-[Illustration: Die Knaben +Prosy und Hanns Holbain+, gezeichnet von
-ihrem Vater, Hans Holbein dem älteren; oben in der Mitte die Jahreszahl
-1511, bei Hans die Altersangabe 14, die Altersangabe bei dem älteren
-Bruder ist unleserlich geworden. Silberstiftzeichnung im königl.
-Kupferstichkabinett zu Berlin.]
-
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-
-
-Hans Holbein der jüngere.
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-
-Man pflegt Dürer und Holbein nebeneinander zu nennen, wenn man von
-dem Höhepunkt der deutschen Kunst der Renaissance spricht. Aber
-man darf die beiden großen Meister nicht unmittelbar miteinander
-vergleichen wollen. Das verbietet schon der zwischen ihnen bestehende
-Altersunterschied von mehr als einem Vierteljahrhundert. Das ist
-ein Unterschied, der sehr viel ausmacht in einer Zeit, die von
-so starkem treibenden Leben erfüllt war, wie das Jahrhundert des
-Übergangs vom Mittelalter zur Neuzeit. Auch liegt die Größe der beiden
-Meister auf wesentlich verschiedenen Gebieten. Dürers schöpferische
-Gestaltungskraft hat kein anderer deutscher Maler wieder erreicht.
-An Erfindungsgabe, Geist, Gemüt und auch an Bildung steht Dürer weit
-über Holbein. Aber dieser tritt uns, was Dürer nicht thut, als ein
-echter Maler entgegen. Die Farbe ist ihm nicht ein bloßes Kleid seiner
-Gestaltungen; sie ist ihm ein Wesentliches, Innerliches; sie ist
-ihm Ausdrucksmittel seiner künstlerischen Empfindungen. Dürer ging
-aus einer Schule hervor die noch halb der Gotik angehörte, und sein
-Genius ließ ihn die Bahnen der neuen Kunst entdecken. Holbein dagegen
-war durch nichts mit der Kunst des Mittelalters verbunden. Er wurde
-durch seinen Vater ausgebildet, und dieser stand, als der im Jahre
-1497 geborene Knabe fähig war, künstlerischen Unterricht aufzunehmen
-und zu verarbeiten, schon ganz auf dem Boden der vollen, reifen
-Renaissance. Darum brauchen wir uns in Holbeins Formensprache nicht
-erst einzulernen; sie ist uns unmittelbar verständlich.
-
-Nur selten ist künstlerische Begabung erblich. Hans Holbein aber besaß
-den Kern von dem, was ihn groß gemacht hat, als angeborenes Erbteil
-von seinem Vater her. Auch dieser hieß mit Vornamen Hans, und zur
-Unterscheidung der beiden Maler fügt die Kunstgeschichte dem gleichen
-Namen die Zusätze „der ältere“ und „der jüngere“ bei. Wenn von Hans
-Holbein schlechtweg die Rede ist, so ist immer der jüngere gemeint.
-Aber auch Hans Holbein der ältere nimmt einen sehr ehrenvollen Platz in
-der Geschichte der deutschen Kunst ein. Geboren zu Augsburg, man weiß
-nicht, in welchem Jahre, als der Sohn eines aus der Nachbargemeinde
-Schönefeld eingewanderten Gerbermeisters, widmete er sich, ebenso wie
-ein Bruder von ihm mit Namen Siegmund, der Malerei. Seine Werke sind
-vom Jahre 1492 oder 1493 an nachgewiesen. Man gewahrt in denselben
-den Einfluß der Arbeiten des großen und liebenswürdigen Meisters
-Martin Schongauer, dessen Kupferstiche durch die Welt gingen, in
-dessen vielbesuchter Werkstatt zu Colmar aber auch denkbarerweise der
-Augsburger Maler in der Lehre gewesen sein könnte. Weiter erkennt man
-darin eine entschiedene Aufnahme jener Richtung, die von den Werken
-der Brüder van Eyck mit ihrer liebevollen Naturnachbildung und ihrer
-tiefen Farbenpoesie ausgegangen war. Der Sinn für getreue Wiedergabe
-des in der Wirklichkeit Vorhandenen äußerte sich bei dem älteren
-Holbein am stärksten in der Lust und Befähigung, die Mannigfaltigkeit
-der menschlichen Gesichter in der Besonderheit, wie ein jedes
-sich zeigte, zu erfassen. Seine Kirchengemälde sind angefüllt von
-Persönlichkeiten, denen man es ansieht, daß sie aus der Wirklichkeit
-entnommen sind, daß sie die Abbilder von Menschen sind, die als
-Zeitgenossen des Malers gelebt haben. Von besonderem Interesse für
-uns ist eine Gruppe von Personen, die als Zuschauer bei der Taufe des
-Paulus auf einem jetzt in der Augsburger Gemäldegalerie befindlichen
-Bilde angebracht sind: da steht der Maler selbst mit zwei Knaben im
-Alter von etwa fünf und sieben Jahren, seinen Söhnen Ambrosius und
-Hans; jener, der ältere von beiden, durch das Schreibzeug am Gürtel
-als Schulknabe gekennzeichnet, scheint lebhafteren Temperaments
-zu sein; der kleine Hans macht den Eindruck eines ruhigen, still
-beobachtenden Kindes, aus seinem rundlichen Gesicht blicken große,
-aufmerksame Augen. -- Bildnisbestellungen waren damals in Augsburg
-wohl noch etwas kaum Bekanntes. So gab der Vater Holbein seiner Lust
-am Porträtieren dadurch Befriedigung, daß er die Personen seiner
-Bekanntschaft, hoch und niedrig, in sein Skizzenbuch zeichnete. Eine
-ganze Menge von solchen Skizzenbuchblättern hat sich erhalten, die
-meisten davon bewahrt das Kupferstichkabinett des Berliner Museums.
-Das sind Meisterwerke der Bildniskunst, sprechende Wiedergaben von
-Persönlichkeiten, in klarer, lebensvoller Kennzeichnung und in feiner,
-malerisch empfundener Ausführung mit dem Silberstift, bisweilen mit
-Zuhilfenahme von Rötel und Weiß, leicht und sicher hingezeichnet.
-Auch unter diesen Zeichnungen finden wir die Köpfe der beiden Knaben
-wieder. Ein im Berliner Kupferstichkabinett befindliches Blättchen,
-das mit der Jahreszahl 1511 bezeichnet ist, zeigt uns dieselben
-einander gegenübergestellt, mit beigeschriebenen Namen. Der lockige
-„Prosy“ erscheint hier schon als ein Jüngling; „Hanns,“ bei dem
-die Altersangabe „vierzehn“ beigefügt ist, zeigt unter schlicht
-herabgekämmtem Haar ein rundes Kindergesicht, in dem die Ähnlichkeit
-mit jenem früheren Bildnis noch sehr groß ist. -- Der Vater Holbein
-wendete sich bereits im ersten Jahrzehnt des XVI. Jahrhunderts mit
-voller Begeisterung der neuen Kunstrichtung zu, die von Italien
-herübergebracht wurde. Vom Jahre 1508 an sind Gemälde von ihm
-vorhanden, die ganz dem Stil der „Renaissance“ angehören; nicht nur
-in dem äußerlichen Sinne, daß in den Architekturen und Ziergebilden,
-welche die Bilder einfassen, „antikische“ Formen an die Stelle der
-gotischen getreten sind; sondern auch dem inneren Wesen nach, indem
-die Gestalten eine vollere Rundung und Weichheit der Formen, die
-Gewänder einen freieren, größeren Wurf und alle Linien einen belebteren
-Schwung bekommen. Sein in der Münchener Pinakothek befindliches
-Altarwerk, der „Sebastiansaltar“, gehört zu den Juwelen der deutschen
-Renaissancemalerei.
-
-Ungeachtet des Ansehens, das der ältere Holbein als Maler genoß, erging
-es ihm in seinem Alter schlecht. Er verließ Augsburg im Jahre 1517
-wegen unglücklicher Vermögensverhältnisse und starb 1524 zu Isenheim
-im Elsaß.
-
-[Illustration: Abb. 1. +Marienbild.+ Ölgemälde aus dem Jahre 1514.
-
-Im Museum zu Basel.]
-
-[Illustration: Abb. 2. +Die heilige Jungfrau Maria.+
-
-Ölbild im Museum zu Basel.
-
-(Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach
-i. E. und Paris.)]
-
-Seine Söhne, die er beide zu Nachfolgern seiner Kunst herangebildet
-hatte, verließen die Vaterstadt schon früher und begaben sich nach
-Basel. Hier ist die Thätigkeit von Hans Holbein seit 1515, diejenige
-von Ambrosius seit 1516 bezeugt.
-
-Ambrosius Holbein war ein bescheidenes Talent. Es sind nur wenige
-Gemälde von ihm vorhanden; unter diesen nehmen zwei im Baseler Museum
-befindliche Knabenbildnisse die erste Stelle ein. Ferner werden einige
-Bildniszeichnungen von ihm in der nämlichen Sammlung und in der
-Albertina zu Wien aufbewahrt. Dazu kommt eine Anzahl in Holzschnitt
-vervielfältigter Zeichnungen, der Mehrzahl nach reich verzierte und mit
-figürlichen Darstellungen ausgestattete Buchtitel. Ambrosius Holbein
-muß früh gestorben sein. Seine Aufnahme in die Baseler Malerzunft wird
-im Jahre 1517 beurkundet. Nach 1519 aber gibt kein Werk und keine
-Urkunde mehr Zeugnis von seinem Dasein.
-
-Hans Holbein lenkte gleich in der ersten Zeit seiner Anwesenheit in
-Basel durch kecke und bedeutende Arbeiten die Aufmerksamkeit auf sich.
-
-Das Museum zu Basel besitzt als das älteste bekannte Werk von der
-Hand des jüngeren Hans Holbein ein kleines Marienbild, welches mit
-der Jahreszahl 1514 bezeichnet ist (Abb. 1). Dieses Bildchen ist in
-einem Dorfe in der Nähe von Konstanz aufgefunden worden, und die
-Vermutung scheint begründet, daß der junge Maler dasselbe während
-seiner Wanderschaft von Augsburg nach Basel angefertigt habe. Es
-ist ein kindliches, aber ansprechendes Werk. Die Jungfrau Maria ist
-sitzend, das Jesuskind auf dem Schoße haltend, dargestellt, als
-Kniestück; sie trägt ein weißes Kleid und schwarzen Rock, das fein
-gefältelte Kleid ist mit Goldstickereien verziert; Gesicht und Hände
-und das Kinderkörperchen sind so licht gehalten, daß ihre Farbe dem
-Weißen nahe kommt. Dieses Ganze von anspruchslosen Tönen hebt sich
-von einem dunkelroten Hintergrund ab, der aber nicht unmittelbar das
-Weiß des Kleides und das farblose Fleisch berührt, sondern durch die
-Goldfarbe der Krone auf Marias Haupt und des über ihre Schultern
-fließenden Haares davon getrennt wird. Um das Bildchen ist ein gemalter
-Rahmen herumgeführt, wie ein Aufbau aus weißem Stein, in dem sich
-kleine Englein, durch schwarze Füllungen in dem Architekturrahmen
-hervorgehoben, bewegen; sie tragen die Leidenswerkzeuge Christi,
-Musikgeräte und Inschrifttäfelchen. Aus dem oberen Querteil dieses
-Rahmens hängt ein grünes Lorbeergewinde in den dunkelroten Grund
-herab, der außerdem noch durch zwei Wappen belebt wird. Die Formen des
-Rahmens gehören vollständig dem Renaissancestil an. Aus dem reizvollen
-Zusammenklang, der in die wenigen Farben gebracht ist, spricht schon
-eine große Feinheit des Farbengefühls.
-
-Unter den von Holbeins Freund Bonifacius Amerbach gesammelten Werken
-von dessen Hand, die den Grundstock des Baseler Museums ausmachen,
-werden in dem ursprünglichen Verzeichnis mehrere Bilder ausdrücklich
-als früheste Arbeiten des Malers bezeichnet. Diese müssen also dem
-ersten Jahre seines Aufenthalts in Basel, 1515, angehören. Es sind
-zwei Köpfe von Heiligen und einige Bilder aus der Leidensgeschichte
-Christi. Die beiden Heiligen, eine Jungfrau mit Krone und losem Haar
-(Abb. 2) und ein bartloser junger Mann mit lockigen Haaren (Abb. 3),
-stellen wohl Maria und Johannes den Evangelisten vor. Sie haben goldene
-Heiligenscheine und hellblaue Hintergründe. Die Töne sind auch hier gut
-zusammengestimmt. In Form und Ausdruck aber verraten die sehr fleißig
-gemalten Köpfe noch nicht viel von der hohen Begabung ihres Urhebers.
-
-[Illustration: Abb. 3. +Der heilige Johannes der Evangelist.+
-
-Ölbild im Museum zu Basel.
-
-(Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach
-i. E. und Paris.)]
-
-In höherem Maße sind die Passionsbilder geeignet, unsere Aufmerksamkeit
-zu fesseln. Die aus der Amerbachschen Sammlung stammenden Stücke, denen
-das alte Verzeichnis jenen Vermerk bezüglich ihrer Entstehungszeit
-beigegeben hat, stellen das letzte Abendmahl und die Geißelung Christi
-dar. Zu diesen sind durch spätere Erwerbung noch drei andere in das
-Baseler Museum gelangt, welche augenscheinlich Bestandteile der
-nämlichen, ursprünglich zweifellos noch größer gewesenen Folge bilden:
-das Gebet am Ölberg, die Gefangennahme Christi und die Händewaschung
-des Pilatus. Die Bilder sind nicht auf Holztafeln, sondern auf Leinwand
-gemalt. Da dieses damals in Deutschland noch ganz ungebräuchlich war
-bei Gemälden, auf welche man Wert legte, so ist mit Grund die Vermutung
-ausgesprochen worden, dieselben seien zu einem vorübergehenden Zweck,
-etwa zur Ausschmückung einer Kirche in der Karwoche gemalt worden.
-Daraus würde sich auch die derbe und eilfertige Art der Ausführung
-dieser Bilder erklären. Auch glaubt man, da die Bilder auf den ersten
-Anblick nicht den Eindruck von Werken Holbeins machen, annehmen
-zu müssen, daß er dieselben in der Werkstatt eines älteren Malers
-als dessen Gehilfe ausgeführt habe. Nach dieser Annahme würden die
-Kompositionen der Bilder wahrscheinlich nicht von ihm, sondern von
-dem Meister der Werkstatt herrühren. Aber die Kompositionen sind
-bedeutender, als man sie von einem der älteren damaligen Baseler
-Maler erwarten dürfte, und in zwei Dingen kommen die besonderen
-Begabungen Holbeins deutlich zum Ausspruch: in dem künstlerischen Wert
-der Farbenstimmungen und in der Lebendigkeit und Natürlichkeit der
-Gesichter; der Gesichtsausdruck ist überall außerordentlich sprechend,
-und wenn er hier und da an die Grenze der Übertreibung streift, so
-ist das leicht erklärlich in Bildern, bei denen die derbe Art der
-Ausführung kein Eingehen in Feinheiten zuließ.
-
-[Illustration: Abb. 4. +Das letzte Abendmahl.+ Ölgemälde auf Leinwand.
-
-Im Museum zu Basel.]
-
-[Illustration: Abb. 5. +Die Geißelung.+ Ölgemälde auf Leinwand.
-
-Im Museum zu Basel.]
-
-Die Darstellung des letzten Abendmahls (Abb. 4) verlegt den Vorgang in
-einen Raum von spielender, bunter Renaissancearchitektur -- auch diese
-Architektur ist echt Holbeinisch --; darin öffnen sich Durchblicke auf
-die dunkelblaue Luft. Die Tafel ist auf zwei rechtwinklig aneinander
-stoßenden Tischen gedeckt. An der Spitze des Winkels sitzt Christus
-so, daß man ihn von der Seite sieht, und reicht dem gelb gekleideten
-Judas das Brot über den Tisch herüber. Das Ganze hat eine sehr reiche
-Farbenwirkung. In einer Art von Laube, die man im Hintergrund sieht,
-ist als Nebendarstellung die Fußwaschung des Petrus zur Anschauung
-gebracht. -- Das Gebet am Ölberg ist in einem düsteren Nachtstück
-geschildert. Christus wirft die Arme in heftiger Bewegung empor, wie
-es Dürer in seiner wenige Jahre vorher erschienenen Kupferstichpassion
-vorgebildet hatte. Der Engel kommt, in kühner Verkürzung dargestellt,
-köpflings vom Himmel herab; er ist in ein blaßrotes Renaissancekostüm
-gekleidet. Die Gewänder des Heilandes und des im Vordergrund
-schlafenden Petrus klingen in schwärzlichen Tönen mit der allgemeinen
-Nachtstimmung zusammen. Am Horizont flimmert ein rötliches Morgenlicht
-im Gewölk. Von den Fackeln der Männer, welche im Hintergrund das
-Gartenthor durchschreiten, geht heller Schein aus. Wenn dieses Bild im
-ganzen weniger ansprechend wirkt, als die übrigen, so macht dagegen die
-Schilderung des folgenden Vorgangs, der Gefangennahme Christi, einen
-wahrhaft großartigen Eindruck. Eine wilde Bewegung geht durch das Bild,
-in dem, wie üblich, die drei Momente des Judaskusses, des Ergreifens
-des Verratenen und des Schwerthiebes des Petrus zusammengefaßt sind.
-Die eigentümliche Mächtigkeit des Farbeneindrucks beruht hauptsächlich
-auf der Wirkung, in welcher der gelbe Rock des Judas und das graue
-Eisen der Rüstungen und Waffen der Häscher zu einander stehen; das
-Fackellicht ist nicht zu künstlichen Beleuchtungswirkungen benutzt.
--- In dem Pilatusbilde ist die linke Hälfte des Gemäldes, wo der
-Landpfleger in dunkelolivengrünem Rock mit Hermelinpelz in einer
-Nische aus verschiedenfarbigem Marmor thront und sich die Hände in
-einer goldenen Schüssel wäscht, die ihm ein Diener in dunkelfarbiger
-Kleidung hinhält, während ein anderer Diener, in einen hellgelben Rock
-mit schwarzem Sammetbesatz gekleidet, aus goldener Kanne eingießt, zu
-großer Schönheit der Farbenstimmung durchgebildet. Rechts von dieser
-Gruppe sieht man den Heiland, der von einer Schergenschar zur Thür
-hinausgeschleppt wird; die am meisten sprechende Farbe gibt hier der
-dunkelblaue Christusrock. -- Die Geißelung ist in einer gewaltig
-eindrucksvollen Darstellung mit wahrer Grausamkeit gemalt (Abb. 5). Der
-entkleidete Christus, dessen Körper mit bedeutender Kenntnis gezeichnet
-ist, ist mit einem Strick um den Leib an eine weiße Säule gebunden,
-mit einem anderen Strick sind seine Hände hoch gezogen; unter der
-Gewalt der Schmerzen klemmt er seine Beine krampfhaft übereinander. Die
-helle Gestalt und die bunt gekleideten grimmigen Henker heben sich von
-einer beschatteten grauen Steinwand ab; in der Wand sieht man eine
-Thüröffnung, durch die Pilatus dem gräßlichen Schauspiel zusieht.
-
-[Illustration: Abb. 6. +Bildnis eines Unbekannten.+ Ölgemälde von 1515.
-
-Im Großherzogl. Museum zu Darmstadt.]
-
-Beweglichen Geistes vermochte Holbein, der hier mit so eindringlicher
-Vertiefung das herbste Leiden schilderte, sich ebenso ausdrucksvoll
-auf dem Gebiete lustigen Humors zu bewegen. Davon gibt eine in
-der Stadtbibliothek zu Zürich aufbewahrte Arbeit die erste Probe,
-die in der ersten Hälfte des Jahres 1515 entstanden sein muß, da
-der Besteller derselben, Hans Ber, im Sommer dieses Jahres als
-Fähnrich mit den Baseler Truppen ausrückte und aus der zweitägigen
-blutigen Schlacht bei Marignano nicht heimkehrte. Es ist eine mit
-Verbildlichungen volkstümlicher Späße bemalte hölzerne Tischplatte.
-Die Hauptdarstellungen zeigen einen eingeschlafenen Händler, dessen
-Kram von Affen geplündert wird, und den „Niemand,“ der an allem, was
-irgendwo Verkehrtes angerichtet worden ist, schuld sein soll und der
-sich doch nicht verteidigen kann. Um diese Hauptbilder zieht sich ein
-Rahmen, in dem allerlei Kurzweil dargestellt ist: Kampfspiele, Jagden,
-Fischfang, Bad, Schmauserei und Mädchenfang. Dazu sind verschiedene
-kleine Dinge, ein Brief, eine Brille, Schreibgeräte und dergleichen, so
-auf den Tisch gemalt, als ob sie wirklich dort lägen. Diese Zuthaten
-bezwecken den Scherz der Augentäuschung durch die Körperhaftigkeit
-der Malerei. Noch im XVII. Jahrhundert war diese Tischplatte ein weit
-berühmtes Werk; später in Vergessenheit geraten, wurde sie erst im
-Jahre 1871 wieder entdeckt, leider in schwer beschädigtem Zustand.
-
-Im Jahre 1515 trat Holbein auch schon als Bildnismaler auf. Das Museum
-zu Darmstadt bewahrt das halblebensgroße Brustbild eines jungen Mannes,
-welches mit dieser Jahreszahl und den Buchstaben ~H. H.~ bezeichnet
-ist. Der unbekannte Jüngling ist in scharlachrotes Tuch gekleidet,
-eine Mütze aus demselben Stoff sitzt auf seinem blonden Haar; den
-Hintergrund bildet ein lichtblauer Luftton. In einem kühnen Wagnis hat
-der junge Maler hier seine Farbenkunst auf die Probe gestellt; und es
-ist ihm wohl gelungen (Abb. 6).
-
-[Illustration: Abb. 7. Schlußbild zu Erasmus’ „+Lob der Narrheit+“.
-(Die Narrheit steigt vom Katheder herunter.)
-
-Federzeichnung in dem Handexemplar des Erasmus, im Museum zu Basel.]
-
-[Illustration: Abb. 8. +Buchverzierung mit der Geschichte des
-Tantalus.+ Im Text +Zierbuchstabe mit Simson und Delila+. Holzschnitte.]
-
-[Illustration: Abb. 9. +Das Bücherzeichen des Johannes Froben.+
-
-Holzschnitt.]
-
-Eine andere, ganz eigenartige Arbeit Holbeins aus dem nämlichen Jahre
-lehrt uns ihn als einen Meister schnell fertiger Erfindung kennen.
-Das sind seine Randzeichnungen zu dem „Lob der Narrheit“ des Erasmus
-von Rotterdam. Erasmus war im Jahr 1513 zum erstenmal nach Basel
-gekommen, um mit dem berühmten Buchdrucker Johannes Froben über
-die Veröffentlichung seiner Sammlung von Sprichwörtern und seiner
-Ausgabe des Neuen Testaments zu verhandeln. Seitdem verweilte der
-hoch gefeierte Gelehrte alljährlich längere Zeit in Basel. Bei Froben
-erschien auch im Jahre 1514 das in lateinischer Sprache, aber in
-volkstümlichem Sinne geschriebene scharf satirische Buch „~Encomion
-morias~“ (Lob der Narrheit). In einem Exemplare dieses Buches, welches
-für den eigenen Gebrauch des Verfassers bestimmt war, zeichnete
-Holbein auf die etwa fünf Centimeter breiten Ränder 82 Bildchen. Er
-führte diese Arbeit, wie in einem auf dem Titelblatt eingetragenen
-Vermerk bekundet wird, in der Zeit von zehn Tagen aus, damit Erasmus
-sich daran ergötze. Aus einer anderen Notiz erfahren wir, daß diese
-Illustrationen gegen das Ende des Jahres 1515 angefertigt wurden.
-Unbekannt bleibt, ob dieselben ihre Entstehung einem Wunsche des
-Erasmus selbst verdanken oder ob etwa ein Freund sie als Geschenk für
-diesen bestellte. Das kostbare Buch befindet sich jetzt unter den
-Holbeinschätzen des Baseler Museums. Die Zeichnungen, mit der Feder
-in flotten, sicheren Strichen ohne lange Überlegung hingeworfen,
-illustrieren mit Witz und gesundem Humor die nebenstehenden Textstellen
-oder die erläuternden Randglossen. Die Einleitung bildet eine
-Darstellung der „Moria“ (Narrheit), die in Gestalt eines mit der
-Schellenkappe bekleideten jungen Weibes den Lehrstuhl besteigt, um ihr
-eigenes Lob zu verkünden. In der mannigfaltigsten Weise hat dann der
-Zeichner aus dem Text und den Randbemerkungen herausgezogen, was ihm
-gerade zur Verbildlichung geeignet erschien. Seine Einfälle erfaßten
-nicht immer den Kern der Sache, sondern häufig gab ihm eine bloß
-zufällig vorkommende Redensart den Gedanken zu einer Zeichnung ein; so
-hat er zum Beispiel zu einer Stelle, wo der sprichwörtliche Ausdruck
-„von einer Sache so viel verstehen, wie der Esel vom Lautenspiel“
-gebraucht wird, einen Esel gezeichnet, der mit dem köstlichsten
-Ausdruck einem ritterlichen Harfner gegenübersteht und dessen Spiel
-mit seiner schönen Stimme begleitet. Die in den Glossen enthaltenen
-Erklärungen zu den im Text vorkommenden mythologischen Anspielungen
-haben ihn ganz besonders gereizt zu mutwillig launigen Darstellungen,
-welche die Göttergeschichten ins Lächerliche ziehen. Eine sprechende
-Probe von der Lebhaftigkeit des Geistes, mit welcher Holbein Bildstoffe
-in den Worten fand, gibt die Zeichnung zu einer Stelle, wo der
-mittelalterliche Theologe Nikolaus de Lyra erwähnt wird; hier hat der
-bloße Name genügt, um ihm einen Bildgedanken einzugeben: der fromme und
-gelehrte Herr sitzt mit einem Leierkasten neben seinem Pult. Einmal
-nennt Erasmus seinen eigenen Namen im Text. Da hat Holbein auch ihn
-in seiner Studierstube sitzend an den Rand gezeichnet und den Namen
-Erasmus groß dazu geschrieben. Das Bildchen enthält nichts Boshaftes,
-aber der Gelehrte hat sich doch an dem jungen Künstler für den Scherz,
-das Abbild seiner eigenen Person unter die Witzbildchen gebracht zu
-haben, gerächt: auf der folgenden Seite steht bei der Zeichnung eines
-feisten Schwelgers, der bei Weib und Wein die Lehren des Epikurus
-befolgt, der Name Holbein von der Hand des Erasmus beigeschrieben. Man
-braucht aus diesem Scherz gegen Scherz nicht gleich zu folgern, daß
-der junge Holbein ein besonderer Wüstling gewesen wäre; aber das folgt
-daraus, daß zwischen den beiden Männern, von denen der eine auf der
-Höhe des Ruhmes, der andere erst an der Schwelle seiner Laufbahn sich
-befand, schon ein freundschaftliches Verhältnis bestand, das dem jungen
-Künstler zur großen Ehre gereichen mußte. Die größte Mehrzahl der
-Randzeichnungen beschäftigt sich natürlich mit den Thorheiten selbst,
-die den Menschen aller Stände anhaften, und in diesen bildlichen
-Verspottungen menschlichen Dünkels erweist der Künstler sich als dem
-Verfasser der Satire ebenbürtig in Bezug auf treffende Darstellung.
-Das Schlußbild zeigt wieder die Moria selbst, wie sie, nachdem sie den
-Hörern Lebewohl gesagt, die ihr mit den verschiedensten Gesichtern
-nachsehen, vom Lehrstuhl herabsteigt (Abb. 7). Das Überraschendste an
-all diesen kleinen flüchtigen Zeichnungen ist neben ihrer frischen
-Munterkeit die Schärfe der mit so wenigen Strichen gegebenen
-Charakteristik.
-
-[Illustration: Abb. 10. +Das Aushängeschild eines Schulmeisters.+
-Ölmalerei von 1516.
-
-Im Museum zu Basel.]
-
-[Illustration: Abb. 11. +Das Aushängeschild eines Schulmeisters.+
-Ölmalerei von 1516.
-
-Im Museum zu Basel.]
-
-Die Bekanntschaft mit Erasmus verdankte Holbein ohne Zweifel dem
-Buchdrucker Froben. Dieser berühmte Verleger gab dem jungen Künstler
-bald nach dessen Ankunft in Basel Beschäftigung, indem er ihn
-Holzzeichnungen zur Druckausstattung von Büchern anfertigen ließ.
-Eine mit Hans Holbeins Namen bezeichnete Titeleinfassung, bestehend
-aus einem Renaissancegehäuse, das von Putten belebt ist, und auf
-dessen Sockel Tritonen wie in Relief dargestellt sind, kommt in den
-Ausgaben verschiedener Bücher aus dem Jahre 1515 und der Folgezeit
-vor. Dann folgen von 1516 an verschiedene Umrahmungen, in denen
-Figurendarstellungen die Hauptsache sind; da werden die Geschichten
-von Mucius Scävola, von Marcus Curtius, von Kleopatra, die Sage von
-Tantalus und Pelops (Abb. 8) und andere klassische Erzählungen, die
-in jenem Zeitalter des Humanismus wieder neues Leben bekommen hatten,
-dem Beschauer vorgeführt. Es ist bemerkenswert, daß Holbein hier
-schon anstatt der Tracht seiner Zeit antikes Kostüm angewendet hat,
-dessen Kenntnis die Kupferstiche des Mantegna ihm zutrugen. Dazu kommt
-ein Titelrahmen mit der vom Mittelalter her beliebten Verbildlichung
-von der Weibermacht; Paris, Pyramus, David und Salomon sind als
-Beispiele der dem Weibe unterliegenden Männer vorgeführt. Außer
-ganzen Titeleinfassungen zeichnete Holbein auch einzelne Zierleisten,
-figurengeschmückte Alphabete und einzelne Buchstaben für den Buchdruck;
-ferner die auf dem Titel oder am Schluß des Buches anzubringenden
-Verlagszeichen (Signete), nicht nur des Froben, sondern auch anderer
-Drucker. Das Verlagszeichen des Johannes Froben war ein von zwei
-Händen gehaltener Merkursstab, auf dessen Knopf zwischen den Köpfen
-der beiden Schlangen eine Taube sitzt. Auf dem großen Bücherzeichen
-(~Ex-libris~) Frobens (Abb. 9) sehen wir dieses Signet auf einem
-Schild angebracht, der von Putten in einem reichen Renaissancegehäuse
-gehalten wird; leider wird das hübsch erfundene Blättchen durch die
-mangelhafte Schnittausführung verunstaltet. Überhaupt ist der Schnitt
-dieser frühen Holzzeichnungen Holbeins recht unvollkommen; der Strich
-der Künstlerhand erscheint manchmal sehr entstellt. Bei mehreren der
-Blätter, die keine Namensbezeichnung tragen, bleibt es zweifelhaft,
-ob Hans Holbein oder sein auf demselben Gebiete thätiger Bruder
-Ambrosius der Urheber ist. -- Das Frobensche Signet hat Hans Holbein
-auch einmal in größerem Maßstab, sozusagen als Bild, ausgeführt,
-in Wasserfarbenmalerei auf Leinwand. Dieses Blatt, das sich in der
-Handzeichnungensammlung des Baseler Museums befindet, ist ein Muster
-guten Geschmacks; in klarer, einfacher Zeichnung, die mit wenigen
-Tönen angelegt ist, erzielt es die trefflichste dekorative Wirkung.
-Der Stab mit Schlangen und Tauben schwebt, von Händen, deren Ursprung
-in Wolken verschwindet, gehalten, hell vor einem dunkelblauen Grund,
-unter einer Bogenarchitektur mit kurzen Säulen, deren Kapitelle die
-korinthische Form haben und deren Schäfte, dunkelrot mit ausgesparten
-Lichtern, den Eindruck glänzend polierten Marmors machen.
-
-[Illustration: Abb. 12. +Der Bürgermeister Jakob Meyer zum Hasen.+
-
-Zeichnung in Silberstift und Rötel. Im Museum zu Basel.
-
-(Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach
-i. E. und Paris.)]
-
-Der junge Maler nahm jeden Auftrag an, der ihm geboten wurde. So
-malte er im Jahre 1516 das Aushängeschild eines Schulmeisters (Abb.
-10 und 11). Es war eine Tafel, die, am Schulhause herausgehängt, auf
-beiden Seiten zu sehen war; jede Seite bekam daher Aufschrift und
-Bild. Jetzt befindet sich die Tafel, in ihre beiden Seitenhälften
-gespalten, im Museum zu Basel. Die Aufschrift, die, auf beiden Seiten
-gleichlautend, jedem, der gern deutsch schreiben und lesen lernen will,
-er sei Bürger oder Handwerksgesell, Frau oder Jungfrau, verspricht,
-ihm dieses in kürzester Zeit gründlich beizubringen, unter der Zusage,
-von demjenigen, bei dem die Unterweisung vergeblich sein sollte,
-keinen Lohn nehmen zu wollen, und die für die jungen Knaben und
-Mägdlein die übliche Schulzeit ansagt, nimmt in ihrer Ausführlichkeit
-den größten Raum der Tafel ein. Für die bildliche Belebung dieser
-Ansprache an die Vorübergehenden blieb je ein länglicher niedriger
-Streifen frei. Holbein hat hier, begreiflicherweise ohne künstlerischen
-Kraftaufwand, aber doch mit malerischer Lust und mit heiterer Laune,
-zwei niedliche Bildchen gemalt, in denen er einerseits den Unterricht
-der Kinder, andererseits denjenigen der Erwachsenen schildert. Dort
-sieht man in ein kahles Zimmer mit Bretterboden und grauen getünchten
-Wänden. An der Langwand steht unter den Butzenscheibenfenstern eine
-ganz einfache Bank, eine zweite Bank steht genau in der Mitte des
-Raumes; links und rechts befinden sich je ein Pult. An dem einen Pult
-sitzt auf einer Kiste der Schulmeister, gelb und rot gekleidet, mit
-einer roten Mütze auf dem Kopf; er berührt einen lesenden Knaben
-in grünem Röckchen freundschaftlich mit der Rute. Gegenüber sitzt
-die Frau Schulmeisterin in rotem Kleid und weißer Haube auf einem
-Stuhl, mit dem Unterweisen eines blau und grün gekleideten Mädchens
-beschäftigt. In der Mitte sitzen auf der Bank und auf einem daneben
-stehenden Schemel zwei Knaben, die für sich lesen, der eine in blauem
-Anzug, der andere in gelbem mit roter Mütze. Das Bildchen hat in
-seiner großen Anspruchslosigkeit einen Reiz durch seine vollkommene
-Naivetät; der Ausdruck, nicht nur in den Gesichtern, sondern auch in
-den Bewegungen, ist ganz vortrefflich. Das andere Bildchen besitzt
-noch mehr malerischen Reiz. Die naturgemäße Beleuchtung mit dem
-durch die Fenster von hinten auf die Figuren fallenden Licht und den
-nach vorn sich ausbreitenden Schlagschatten ist mit Entschiedenheit
-angegeben. Die Stube ist ähnlich wie dort, wirkt aber doch etwas
-wohnlicher. An der Wand sieht man eine Vorrichtung zum Waschen mit
-einem sauberen Handtuch. In der Mitte steht ein Tisch mit Stühlen.
-Da sitzt der Schulmeister, den man hier gerade von vorn sieht --
-zweifellos ist er Porträt --, in der nämlichen Kleidung wie dort,
-zwischen zwei erwachsenen jungen Männern, die nach der Landsknechtsmode
-gekleidet sind, der eine bunt in Rot und Gelb, der andere grün. Der
-Gesichtsausdruck ist wieder meisterhaft, namentlich wirkt die Miene
-des Grünen, der sich mit der größten Mühe anstrengt zu fassen, was der
-Lehrer ihm sagt, unbeschreiblich komisch.
-
-[Illustration: Abb. 13. +Dorothea Kannengießer, Gattin des
-Bürgermeisters Jakob Meyer.+ Zeichnung in Silberstift und Rötel. Im
-Museum zu Basel.
-
-(Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach
-i. E. und Paris.)]
-
-[Illustration: Abb. 14. +Der Bürgermeister Jakob Meyer.+ Ölgemälde von
-1516.
-
-Im Museum zu Basel.
-
-(Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach
-i. E. und Paris.)]
-
-Neben solchen bescheidenen Arbeiten von flüchtiger Ausführung malte
-Holbein aber auch Bildnisse, in denen er den höchsten künstlerischen
-Ansprüchen Genüge leistete durch eine meisterhafte Bethätigung der
-Kunst, aus dem naturgetreuen Abbild eines Menschen ein wirkliches
-Bild, ein in Formen und Farben in sich abgeschlossenes harmonisches
-Kunstwerk, zu gestalten, und durch die vollendetste technische
-Durchbildung. In eben dem Jahre 1516 gab der neuerwählte Bürgermeister
-von Basel, Jakob Meyer, ihm den Auftrag, ihn und seine Gattin zu
-malen. Das Baseler Museum besitzt nicht nur die in einem Rahmen
-vereinigten Bildnisse des Ehepaares, sondern auch die Vorarbeiten,
-welche Holbein zu denselben gemacht hat. Diese letzteren bestehen in
-Zeichnungen der Köpfe, die in der nämlichen Größe, die sie im Gemälde
-bekommen sollten, halb lebensgroß, mit der äußersten Sorgfalt und
-Feinheit ausgeführt sind. Mit haarscharfen Linien des Silberstifts,
-die so klar und bestimmt dastehen wie Federstriche, hat der Künstler
-die Umrisse festgestellt; in leichter, zarter Modellierung hat er
-mit demselben Stift die Rundung der Formen angegeben und dabei die
-Verschiedenartigkeiten der Haut in ihrer Lage über festen und über
-weichen Teilen treffend anzugeben gewußt; mit Rötel hat er dann die
-röteren Stellen der Haut bezeichnet. Namentlich die Zeichnung des
-Männerkopfes ist so vollendet in der Durchbildung, daß diese Vorarbeit
-zu einem Gemälde den Wert eines selbständigen Kunstwerks in sich trägt.
-Jakob Meyer, mit dem Beinamen zum Hasen -- solche unterscheidende
-Beinamen wurden von den Wahrzeichen der Häuser der Betreffenden
-hergeleitet --, zeigt sich uns als eine ehrenfeste Persönlichkeit,
-in deren Zügen sich Milde und Entschiedenheit vereinigen. So können
-wir uns den Mann wohl vorstellen, der, nachdem er mehrere Feldzüge
-in Italien mitgemacht hatte, als der erste von bürgerlicher Herkunft
-an die Spitze der Regierung von Basel berufen wurde und in einer
-Reihe aufeinander folgender Amtsjahre tief eingreifende Neuerungen
-in der Verfassung der Stadt mit Umsicht und Thatkraft durchführte
-(Abb. 12). Die Gattin des Bürgermeisters, Dorothea Kannegießer,
-erscheint jung und hübsch; sie war Jakob Meyers erst vor wenigen
-Jahren heimgeführte zweite Frau (Abb. 13). -- Nachdem Holbein solche
-Zeichnungen angefertigt hatte, in denen Form und Ausdruck schon
-vollkommen fertig festgelegt waren, konnte er bei der Ausführung in
-der Malerei sein ganzes Augenmerk auf die Farbe richten. Und auch um
-der Farbe willen brauchte er seine Modelle nicht durch viele und lange
-Sitzungen zu ermüden. Auf der Bildniszeichnung Jakob Meyers sehen
-wir oben links in der Ecke einige schriftliche Bemerkungen von der
-Hand Holbeins; das sind Notizen über die Farbe, z. B. „Brauen heller
-denn das Haar.“ Wir ersehen daraus, daß der Künstler die Absicht
-hatte und zweifellos auch durchführte, beim Herstellen der Gemälde,
-im Vertrauen auf sein erforderlichenfalls durch solche Notizen
-unterstütztes Farbengedächtnis, die Zeichnungen so viel wie möglich
-aus dem Kopf in Malerei zu übersetzen. Dieses Verfahren hat Holbein
-zeitlebens beibehalten. In die Art und Weise, wie er beim Malen zu
-Werke ging, gewährt ein in den ersten Anfängen stehen gebliebenes
-Damenporträt im Baseler Museum einen interessanten Einblick; da sind
-innerhalb der genauen Zeichnung alle Farben mit ganz platten Tönen
-angelegt, nur das Fleisch ist von vornherein ein wenig modelliert. --
-Das gemalte Doppelbildnis des Meyerschen Ehepaares (Abb. 14 und 15) ist
-ein ausgezeichnetes Meisterwerk. Von seinem Vater hatte Holbein die
-Lust überkommen, Architekturen in dem neuen italienischen Geschmack,
-im Renaissancestil, zu erfinden. So hat er auch die beiden Brustbilder
-unter eine solche, seiner Phantasie entsprungene Architektur gesetzt.
-Dieselbe ist als eine in beiden Bildhälften durchgehende gedacht. Sie
-bringt Abwechselung in Formen und Farben in die Hintergründe; der graue
-Stein ist buntfarbig belebt durch braunrote Marmorsäulchen, goldfarbige
-Verzierungen und dunkelblaue Tönungen in den Kassetten der Wölbung. Bei
-dem Bilde des Mannes bleibt ein schmaler, bei demjenigen der Frau ein
-breiter Durchblick in die lichtblaue Luft frei. Jakob Meyer trägt einen
-schwarzen Rock, ein weißes Hemd mit goldfarbiger Stickerei am Börtchen
-und eine scharlachrote Mütze auf dem krausen braunen Haar; das Rot und
-das Luftblau stehen ganz ähnlich zusammen wie in dem das Jahr zuvor
-gemalten Bildnis im Darmstädter Museum. Das Bild der Frau ist womöglich
-noch prächtiger in der Farbe, als das des Mannes. Kopf und Hals heben
-sich in den lichten Fleischtönen einer Blondine, deren kühle Farbe
-durch eine warme Tönung des mit goldfarbigen Verzierungen durchwirkten
-Weißzeugs von Haube und Hemd noch gehoben wird, von der blauen Luft
-ab; ein paar schmale Kettchen auf dem weißen Hals und glitzernder
-Metallschmuck am Saum des Hemdes beleben die Helligkeitsmasse, die
-unten kräftig abgeschlossen wird durch den breiten schwarzsammetenen
-Besatz des scharlachroten Kleides.
-
-[Illustration: Abb. 15. +Die Gattin des Bürgermeisters Jakob Meyer.+
-
-Ölgemälde von 1516. Im Museum zu Basel.
-
-(Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach
-i. E. und Paris.)]
-
-Ein mit der Jahreszahl 1517 bezeichnetes kleines Bild im Baseler
-Museum zeigt Adam und Eva in Brustbildern (Abb. 16). Es ist eine mit
-Ölfarbe auf Papier gemalte fleißige Naturstudie, deren malerischer Reiz
-in der Verschiedenheit besteht, mit der sich helleres und dunkleres
-Fleisch -- Adam ist brünett, Eva blond -- nebeneinander vom schwarzen
-Grunde abheben.
-
-[Illustration: Abb. 16. +Adam und Eva.+ Ölmalerei auf Papier, von 1517.
-
-Im Museum zu Basel.]
-
-Wie eingehend Holbein die Natur auch in Kleinigkeiten studierte,
-davon legen ein paar niedliche Blättchen unter den Handzeichnungen
-des Baseler Museums Zeugnis ab. Auf dem einen sehen wir ein Lamm und
-den Kopf eines Lammes, mit entzückender Feinheit gezeichnet und mit
-ganz leichter Anwendung von Wasserfarben zu völlig malerischer Wirkung
-gebracht (Abb. 17). Auf dem anderen ist mit der nämlichen Sorgfalt
-eine ausgespannte Fledermaus gezeichnet; die durch die Flughäute
-durchschimmernden Adern sind mit roter Wasserfarbe nachgezogen, und
-hierdurch und durch leichtes Anlegen einiger anderen Stellen mit dem
-rötlichen Ton ist in überraschender Weise ein farbiger und malerischer
-Eindruck erzielt (Abb. 18).
-
-Im Jahre 1517 begab sich Holbein nach Luzern. Hier harrte seiner eine
-umfangreiche Aufgabe der Wandmalerei.
-
-Während im übrigen Deutschland damals den Malern wenig Gelegenheit
-geboten wurde, ihre Kunst auf diesem besonderen Gebiet zu erweisen,
-dem die gleichzeitigen Italiener die Freiheit und Größe ihres Stils in
-erster Linie verdankten, hatte in den deutschen Städten in der Nähe des
-Alpenrandes -- zuerst vielleicht in Augsburg, das ja vornehmlich den
-Verkehr mit Italien vermittelte, -- die oberitalienische Sitte Aufnahme
-gefunden, die Außenseite der Häuser mit Gemälden zu schmücken, anstatt
-in der Anbringung gotischer Zierformen das Mittel zur Belebung der
-Flächen zu suchen; die Mauern blieben zur Aufnahme solchen Schmuckes
-ganz schlicht, und die Fenster erhielten schon früh eine einfach
-viereckige Gestalt. Die Ausmalung der Innenräume der Bürgerhäuser mit
-figürlichen Darstellungen war in diesen Gegenden bereits vor mehr als
-einem Jahrhundert beliebt.
-
-[Illustration: Abb. 17. +Naturstudie.+ Aquarellierte
-Silberstiftzeichnung.
-
-Im Museum zu Basel.
-
-(Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach
-i. E. und Paris.)]
-
-So hatte auch Holbein in Luzern das Haus des Schultheißen Jakob von
-Hertenstein von innen und von außen mit Malereien zu schmücken. Im
-Innern kamen in einem Gemache religiöse, in anderen Räumen genrehafte
-Gegenstände zur Darstellung, dazu das Märchen vom Jungbrunnen, dessen
-Wasser Alten und Gebrechlichen Jugendkraft und Jugendschönheit
-wiedergibt. Außen wurden Historienbilder angebracht; der Stoff zu
-diesen wurde jetzt, in einer Zeit, wo alles sich dem Studium des
-klassischen Altertums zuwandte, nicht mehr aus den mittelalterlichen
-Dichtungen, sondern aus der -- freilich mit späteren Sagen
-untermischten -- Geschichte der Römer und Griechen geschöpft.
-
-[Illustration: Abb. 18. +Naturstudie.+ Zeichnung in Silberstift und
-Wasserfarben. Im Museum zu Basel.
-
-(Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach
-i. E. und Paris.)]
-
-[Illustration: Abb. 19. +Das letzte Abendmahl.+ Ölgemälde im Museum zu
-Basel.
-
-(Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach
-i. E. und Paris.)]
-
-Das Hertensteinische Haus stand mit großenteils wohlerhaltenem
-Gemäldeschmuck bis zum Jahre 1824; dann mußte es abgetragen werden, und
-nur sehr ungenügende Kopien bewahren uns -- abgesehen von einigen kaum
-nennenswerten Resten und von einer kleinen getuschten Skizze zu einem
-der Bilder -- das Andenken an Holbeins erste monumentale Schöpfung.
-Immerhin können wir uns nach den Kopien eine Vorstellung von den
-Außenmalereien des Hauses machen: wenn auch nicht von der Schönheit
-des Einzelnen, so doch von dem Geschmack der Gesamtanordnung. Das
-Erdgeschoß war ungeschmückt gelassen. Im Hauptgeschoß, wo zahlreiche
-und dicht beisammen stehende Fenster wenig Raum ließen, beschränkte
-sich die Malerei auf drei einzelne weibliche Gestalten, je eine an
-den Ecken und eine auf dem breiten Fensterzwischenraum in der Mitte.
-Darüber sah man links Figurenornamente, welche sich den unregelmäßigen
-Fensterbekrönungen anpaßten, und rechts, wo die Fenster in gerader
-Reihe standen, einen Fries von kämpfenden Kindern. Zwischen diesen
-grau in grau gemalten Darstellungen befand sich in der Mitte ein
-größeres farbiges Bild, das mit seinem oberen Teil in den zweiten
-Stock hineinreichte. Dieses Bild löste die Mauerfläche derartig auf,
-daß es aussah, als ob ein halbrunder Erker aus der Wand herausträte,
-durch dessen weite Säulenstellung man in einen inneren Raum blickte; in
-diesen inneren Raum war die Verbildlichung eines Vorganges verlegt, zu
-dem die Sage von den drei Prinzen, die vor der Leiche des alten Königs
-beweisen sollen, wer von ihnen dessen rechter Sohn sei, den Stoff gab.
-Rechts und links waren zwischen den Fenstern des zweiten Stockwerks
-Ehewappen, von bekränzten Bogen umrahmt, angebracht. In dem Raum
-zwischen den Fenstern des zweiten und denen des dritten Stocks war ein
-Triumphzug zu sehen, durch Pilaster in einzelne Gruppen abgeteilt und
-auf eine Bodenlinie gestellt, welche die Ungleichheit der Fensterhöhen
-unberücksichtigt ließ. Diese Gruppen hatte Holbein den Kupferstichen
-des Andrea Mantegna „der Triumphzug Cäsars“ entnommen; seinem Vorbilde
-getreu hatte er hier antike Trachten zur Anschauung gebracht, während
-er auf den übrigen Geschichtsbildern der Fassade die Figuren noch
-in das Kostüm seiner Zeit kleidete. Die Bilder zwischen den bis zum
-Dachgesims reichenden Fenstern des dritten Stocks zeigten Beispiele
-antiker Sinnesgröße: da sah man die Zurückweisung des verräterischen
-Schulmeisters von Falerii, die Athenerin Leäna, die sich die Zunge
-abgebissen hat, um vor Gericht nicht gegen ihren Geliebten aussagen zu
-können, Mucius Scävola vor Porsenna, den Selbstmord der Lucretia und
-den Opfertod des Marcus Curtius. In dem letztgenannten Bilde war der
-römische Ritter so dargestellt, als ob er sein Roß antriebe, um auf
-die Straße herabzuspringen. Die Standhaftigkeit der Leäna ist dasjenige
-von den Bildern, von welchem sich eine Originalskizze erhalten hat; in
-dieser im Baseler Museum befindlichen Zeichnung sehen wir den schwer
-zu verbildlichenden Gegenstand mit wenigen Figuren so deutlich, wie es
-eben möglich war, erzählt und die unregelmäßige Bildfläche durch die
-Architektur des Gerichtssaales geschickt ausgefüllt.
-
-[Illustration: Abb. 20. +Bonifacius Amerbach.+ Ölgemälde im Museum zu
-Basel.
-
- Aufschrift:
-
- „Bin ich auch nur ein gemaltes Gesicht, nicht weich’ ich dem Leben,
- Gleiche in jeglichem Strich meinem Besitzer genau.
- Wie ihn, da er achtmal drei Lebensjahre vollendet,
- Hat gebildet Natur, sag’ ich durch bildende Kunst.
-
- Den Bonifacius Amorbacchius malte Johannes Holbein im Jahre 1519 am
- Tag vor den Iden des Oktober.“
-
-(Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach
-i. E. und Paris.)]
-
-Möglicherweise machte Holbein von Luzern aus einen Ausflug über die
-italienische Grenze. Zwar wird in einer alten Lebensbeschreibung
-ausdrücklich von ihm gesagt, er sei niemals in Italien gewesen. Aber
-das schließt nicht aus, daß er das der Schweiz so nahe gelegene Mailand
-besucht habe. Was dafür spricht, ist der Umstand, daß Holbein eine
-Darstellung des letzten Abendmahls gemalt hat, die ganz unverkennbare
-große Ähnlichkeiten mit dem berühmten Freskogemälde des Leonardo da
-Vinci in S. Maria delle Grazie zu Mailand zeigt. Das Bild, dem die
-Seitenteile fehlen, befindet sich im Baseler Museum. Es war schon
-zu Amerbachs Zeit beschädigt und schlecht ausgebessert, ist später
-nochmals ausgebessert und dabei hart und bunt übermalt worden, so
-daß man von der ursprünglichen Farbenstimmung keine Vorstellung mehr
-bekommt. Was man noch würdigen kann, ist der stark betonte sprechende
-Ausdruck der Köpfe. Die Anordnung, die Figur des Heilandes und die
-ganze durch die Versammlung gehende Bewegung erinnern so stark an
-Leonardos Meisterwerk, daß man unbedingt annehmen muß, daß Holbein
-dieses gesehen habe (Abb. 19).
-
-Nach Basel zurückgekehrt, wurde Holbein am 25. September 1519 in die
-dortige Malerzunft aufgenommen.
-
-Wenige Wochen später vollendete er ein Meisterwerk der Bildniskunst in
-dem Brustbild des Bonifacius Amerbach. Der gelehrte und kunstsinnige,
-dabei durch große persönliche Liebenswürdigkeit ausgezeichnete Herr,
-der später alles sammelte, was er von Arbeiten Holbeins auftreiben
-konnte, und dessen Bildnis mit dieser ganzen Sammlung in das Baseler
-Museum gelangt ist, zeigt sich uns hier in einer so sprechenden
-Lebensfülle der Erscheinung, daß wir die Berechtigung der von ihm
-für das Bild gedichteten Verse, in denen er die Vollkommenheit
-der Ähnlichkeit preist, ohne den leisesten Zweifel anerkennen.
-Ausgezeichnet ist die Farbenstimmung des Gemäldes. Der schöne Kopf,
-warm von Hautfarbe und mit rötlichbraunem Bart und Haar, hebt sich im
-Rahmen einer mit schwarzem Pelz besetzten schwarzen Kleidung, die ein
-Unterwams von hellblauem Damast und den weißleinenen Hemdkragen sehen
-läßt, von einer tiefblauen Luft ab. Das Blau der Luft wird leicht
-belebt durch einen Fernblick auf beschneites Hochgebirge und kräftig
-begrenzt und durchschnitten durch die warmen braunen und grünen Töne
-von Stamm und Zweigen eines Feigenbaumes. An dem Baumstamm hängt in
-hölzernem Rahmen die pergamentene Tafel mit der Inschrift, die außer
-jenen Versen den Namen des Malers und des Abgemalten und das Datum (14.
-Oktober 1519) trägt (Abb. 20).
-
-[Illustration: Abb. 21. +Mutmaßliches Selbstbildnis Holbeins.+
-
-Buntstiftzeichnung im Museum zu Basel.]
-
-Am 3. Juli 1520 leistete Holbein der Stadt Basel den Bürgereid.
-Wahrscheinlich um dieselbe Zeit vermählte er sich mit Frau Elsbeth,
-einer Witwe. Erwerbung des Bürgerrechts und Verehelichung wurden
-vermutlich von den Baseler Zunftordnungen ebenso ausdrücklich wie von
-denjenigen anderer Städte von jedem verlangt, der sich als Meister
-niederlassen wollte.
-
-[Illustration: Abb. 22. +Madonna.+ Tuschzeichnung als Vorlage für
-Glasmalerei, im Museum zu Basel.]
-
-Wie der junge Meister aussah, mögen wir uns nach der schönen
-Buntstiftzeichnung im Baseler Museum vorstellen, welche als sein
-Selbstbildnis gilt (Abb. 21). Doch darf nicht verschwiegen werden, daß
-die Berechtigung dieser Bezeichnung nicht ganz unzweifelhaft ist. Das
-alte Amerbachsche Verzeichnis nennt dieses Bild eine „Conterfehung
-Holbeins mit trocken farben,“ und aus diesen Worten ergibt sich
-nicht ohne weiteres, daß es eine „Conterfehung“ seiner selbst sei.
-Ähnlichkeit mit den vom Vater angefertigten Kinderbildnissen kann man
-allerdings darin finden; aber die Ähnlichkeit zwischen einem Kind und
-einem erwachsenen Mann ist immer nur eine unbestimmte und entfernte.
-Mag nun das Bild den Meister selbst vorstellen oder eine andere
-Persönlichkeit, jedenfalls ist sie ein hervorragendes Meisterwerk. Die
-Ausführung ist eine ganz außerordentlich vollendete, völlig malerisch.
-In die mit schwarzer Kreide gemachte Zeichnung sind die verschiedenen
-Töne farbiger Stifte so dünn und sauber hineingewischt, daß der
-Eindruck von Wasserfarbe dadurch erreicht wird. Nur im Gesicht sind
-auch farbige Töne mit spitzigem Stift in Strichen gezeichnet. Dieses
-sinnige Gesicht mit den klaren braunen Augen könnte wohl dasjenige
-des die Außenwelt ruhig und sicher beobachtenden und im Innern regsam
-schaffenden Malers sein. Auf dem kurzen dunkelbraunen Haar sitzt
-ein breitrandiges rotes Barret. Die Farbe des mit schwarzem Sammet
-besetzten Rockes ist ein helles bräunliches Grau. Auf dem am Hals zum
-Vorschein kommenden Hemd sind die Lichter mit weißer Farbe aufgesetzt.
-Für die Härte der Gesamtumrisse, welche die malerische Wirkung des
-prächtigen Bildes einigermaßen beeinträchtigt, ist der Künstler nicht
-verantwortlich; die Figur ist nachträglich am Kontur ausgeschnitten und
-auf graues Papier geklebt worden.
-
-[Illustration: Abb. 23. „+St. Anna selbdritt+“ (Mutter Anna mit
-der Jungfrau Maria und dem Jesuskind). Getuschte Vorzeichnung für
-Glasmalerei. Im Museum zu Basel.
-
-(Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach
-i. E. und Paris.)]
-
-Sieben Jahre lang von seiner Aufnahme in die Zunft an blieb Holbein
-ohne längere Unterbrechung seines Aufenthaltes in Basel und entfaltete
-die reichste Thätigkeit.
-
-Den besten Überblick über sein vielseitiges Schaffen gewährt uns der
-kostbare Schatz von Handzeichnungen, den das Baseler Museum besitzt
-und der sein Vorhandensein zum allergrößten Teil der von Bonifacius
-Amerbach angelegten und von dessen Sohn Basilius bedeutend vermehrten
-Sammlung verdankt, welche die Stadt Basel im Jahre 1661 als „ein
-sonderbares Kleinod“ angekauft hat.
-
-Da finden wir neben den köstlichen Bildniszeichnungen, welche in
-einer einzig dastehenden Weise mit den allereinfachsten Mitteln, mit
-Umrißlinien und ein paar hineingewischten oder gestrichelten Tönen
-eine sprechende Lebendigkeit und ganz malerische Wirkung erreichen,
-und neben sonstigen Studien und in sich künstlerisch abgeschlossenen
-Zeichnungen auch Entwürfe zu größeren Werken und Vorbilder für
-verschiedene Zweige des Kunstgewerbes.
-
-Unter den letzteren stehen der Zahl nach die sogenannten
-„Scheibenrisse,“ d. h. Vorzeichnungen für Glasmalereien, an erster
-Stelle.
-
-[Illustration: Abb. 24. +Die heilige Barbara.+ Getuschte Vorzeichnung
-für Glasmalerei.
-
-Im Museum zu Basel.
-
-(Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach
-i. E. und Paris.)]
-
-[Illustration: Abb. 25. +Die heilige Katharina.+ Getuschte Vorzeichnung
-für eine Fensterscheibe.
-
-Im Museum zu Basel.
-
-(Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach
-i. E. und Paris.)]
-
-Die Glasmalerei hatte ihren Vorrang unter den verschiedenen Zweigen
-der Malerkunst schon längst eingebüßt; in der Renaissancezeit trat
-sie völlig in Abhängigkeit von der Tafelmalerei. Sie gab ihren
-teppichartigen Charakter auf, und mit Hilfe neuerfundener Mittel wußte
-sie es jener in plastischer Modellierung und perspektivischer Wirkung
-gleich zu thun. Auch hörte sie auf, eine rein kirchliche Kunst zu
-sein; sie schmückte in den sonst farblosen Fenstern der Bürgerhäuser
-einzelne Scheiben mit Wappen und mit figürlichen Darstellungen. Hier
-traten ihre Gebilde dem Beschauer in nächster Nähe vor Augen, und auf
-engem Raum entfaltete sich ein reiches Bild von kleinem Maßstab in
-einem auf das Unentbehrlichste eingeschränkten Gerüst von Verbleiungen;
-die feinste, zierlichste Ausführung war daher unbedingt notwendig. Daß
-bei so gänzlich veränderten Anforderungen die Glaser sich die Entwürfe
-zu ihren Arbeiten gern von Malern anderen Faches machen ließen, war
-natürlich.
-
-[Illustration: Abb. 26. +Marienbild mit Stifter.+ Getuschte
-Vorzeichnuug für eine Fensterscheibe. Im Museum zu Basel.
-
-(Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach
-i. E. und Paris.)]
-
-[Illustration: Abb. 27. +Der Erzengel Michael.+ Getuschte Vorzeichnung
-zu einer Fensterscheibe. Im Museum zu Basel.
-
-(Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach
-i. E. und Paris.)]
-
-[Illustration: Abb. 28. +Christus vor Kaiphas.+ Aus der Folge von
-Tuschzeichnungen aus der Leidensgeschichte Christi (Vorlagen für
-Glasmalerei), im Museum zu Basel.]
-
-Sowohl zu Glasfenstern mit religiösen Darstellungen als auch zu
-solchen mit Wappenbildern hat Holbein Entwürfe angefertigt. Dieselben
-sind sämtlich in der Ausführungsgröße mit dem Pinsel gezeichnet und
-ausgetuscht, mit kräftiger Angabe der Licht- und Schattenwirkung.
-So war dem Glaser die Zeichnung der Umrisse und alles, was er mit
-Schwarzlot zu machen hatte, auf das genaueste gegeben, die Wahl der
-Farben aber blieb seinem Geschmack überlassen; nur in einzelnen Fällen
-hat Holbein es für angezeigt gehalten, seine Farbengedanken durch ein
-paar leichte Tönungen anzudeuten. Das erste Erfordernis bei diesen
-Arbeiten war die dekorative Wirkung, die wohlgeordnete Verteilung
-der Formen über die Fläche, deren Ausschmückung ihr Zweck war. --
-Die ältesten dieser Holbeinschen Vorzeichnungen für Glasmalerei sind
-mehrere Heiligenbilder. In den Gestalten, welche wir auf diesen Bildern
-sehen, fällt ein befremdlicher Schönheitsfehler, der sich in Holbeins
-früheren Werken mehrfach bemerklich macht, in besonders unangenehmer
-Weise auf. Die Figuren haben fast alle viel zu kurze Beine. Aber
-man hat auch den Eindruck, als ob der Künstler beim Entwerfen
-dieser Blätter den Figuren kaum so viel Interesse entgegengebracht
-hätte, wie der Umgebung derselben, in der er mit unerschöpflicher
-Einbildungskraft reiche, phantastische Renaissancearchitekturen
-schuf. Bisweilen bilden diese Architekturen rahmenartige Einfassungen
-um die freistehenden Figuren; bisweilen vertiefen sie sich in das
-Bild hinein zu einem thorartigen Gehäuse; oder sie ziehen sich, wie
-Teile eines großen Bauwerks gedacht, auch in den hinter den Figuren
-befindlichen Raum, den sonst eine landschaftliche Fernsicht füllt,
-hinein. Diese letzteren, reichsten Architekturen, die zum Entfalten
-einer bunten Mannigfaltigkeit in der Anordnung spielend ersonnener
-Bauformen Gelegenheit gaben, finden wir in einer Folge von acht
-zusammengehörigen Scheibenbildern (daraus die Abbildungen 22 bis 25)
-derartig angewendet, daß jedesmal zwei der Bilder als Gegenstücke --
-also in den zwei Flügeln eines Fensters angebracht -- gedacht sind und
-daß darum ihre Architekturen einander symmetrisch entsprechen, doch
-ohne daß sie deswegen in ihren Einzelheiten genau übereinstimmten (Abb.
-23 und 24). Wenn man aus dem stärkeren Hervortreten des erwähnten
-Schönheitsfehlers der Figuren einen Schluß auf die Entstehungszeit
-ziehen darf, so müssen diese acht Fensterbilder die ältesten von
-allen sein. Bei einem einzelnen Marienbild gibt der Umstand, daß die
-landschaftliche Fernsicht die Stadt Luzern zeigt, Grund zu der Annahme,
-daß dasselbe während Holbeins Aufenthalt in jener Stadt entstanden sei.
-Auf einem sehr schönen Scheibenbilde, das, den guten Verhältnissen der
-Figuren nach zu urteilen, einer späteren Zeit angehört, steht Maria,
-eine anmutige Gestalt, die mit lieblichstem Gesichtsausdruck das Kind
-in ihren Armen betrachtet, vor einer von Pfeilern eingeschlossenen
-Nische, deren schöne Architektur viel einfacher gehalten ist, als es
-sonst dem Jugendgeschmack Holbeins entsprach; die Figur ist wie ein
-plastisches Bildwerk gedacht: sie steht auf einem verzierten Sockel,
-und die Strahlen, welche sie als ein der Kunst geläufiges Abzeichen der
-unbefleckten Empfängnis vom Kopf bis zu den Füßen umgeben, erscheinen
-wie aus Metall gebildet. Seitwärts kniet der Stifter des Bildes in
-ritterlicher Tracht, mit dem Ausdruck heißen Flehens im Gesicht und den
-geöffneten Händen (Abb. 26). Im Gegensatz zu dieser verhältnismäßig
-ruhigen Architektur, die mit ihren wohl abgewogenen Massen die Figur
-in der Mitte so schön hervorhebt, finden wir die ausschweifendste
-architektonische Phantastik in einem Blatt, welches Christus am Kreuz
-zwischen Maria und Johannes darstellt. Die Bauformen das umrahmenden
-Gehäuses lösen sich hier ganz in Ornamente auf, und der üppige Schwung
-der Holbeinschen Renaissanceornamentik wirkt auf die Linienzüge und
-selbst den Gesichtsausdruck der Figuren zurück. In einer reichen
-Komposition, welche die Krönung der Jungfrau Maria als Himmelskönigin
-darstellt, hat Holbein die Rahmenarchitektur ganz weggelassen und seine
-Lust am Schaffen baukünstlerischer Gebilde nur an dem in den Wolken
-stehenden Prachtgestühl bestätigt, auf dem die Gestalten von Gott Vater
-und Gott Sohn sitzen. Gleichfalls ohne Einrahmung ist ein vorzüglich
-schönes Bild des Erzengels Michael, der, wie ein Schnitzbild gedacht,
-auf einer Art von Konsole steht; der Engel hält die Wage des Gerichts
-und wägt die Sündenlast, die durch eine Teufelsfigur angedeutet wird,
-gegen die durch das Christuskind verbildlichte Kraft der Erlösung ab
-(Abb. 27). -- Eine vereinzelte Stellung hinsichtlich des Gegenstandes
-nimmt unter den Glasbilderentwürfen ein treffliches Blatt ein, das
-innerhalb einer rahmenartigen Einfassung den verlorenen Sohn als
-Schweinehirten zeigt. In einer von Bergen begrenzten Landschaft drängt
-sich die Schweineherde um einen Eichbaum, und ihr Hüter schreitet, wie
-von innerer Unruhe getrieben, schnell vorwärts, mit dem scheuen Blick
-eines verkommenen Menschen, in dessen Zügen sich aber ein solches
-Unglücklichkeitsgefühl eingegraben hat, daß sein Anblick mehr Mitleid
-als Abscheu erweckt.
-
-[Illustration: Abb. 29. +Die Geißelung.+ Aus der Folge von
-Tuschzeichnungen aus der Leidensgeschichte Christi (Vorlagen für
-Glasgemälde) im Museum zu Basel.
-
-(Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach
-i. E. und Paris.)]
-
-[Illustration: Abb. 30. +Die Verspottung Christi.+ Aus der Folge von
-Tuschzeichnungen aus der Passion (Vorlagen für Glasbilder), im Museum
-zu Basel.]
-
-[Illustration: Abb. 31. +Die Händewaschung des Pilatus.+ Aus der Folge
-von Tuschzeichnungen aus der Leidensgeschichte Christi (Vorlagen für
-Glasmalerei), im Museum zu Basel.]
-
-[Illustration: Abb. 32. +Die Kreuztragung.+ Aus der Folge von
-Tuschzeichnungen aus der Leidensgeschichte Christi (Vorlagen für
-Glasmalerei), im Museum zu Basel.
-
-(Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach
-i. E. und Paris.)]
-
-[Illustration: Abb. 33. +Die Kreuzigung.+ Aus der Folge von
-Tuschzeichnungen aus der Leidensgeschichte Christi (Vorlagen für
-Glasmalerei), im Museum zu Basel.
-
-(Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach
-i. E. und Paris.)]
-
-[Illustration: Abb. 34. +Das Wappen der Familie Holdermeier+, Vorlage
-für eine Fensterscheibe. Tuschzeichnung aus dem Jahre 1518. Im Museum
-zu Basel.
-
-(Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach
-i. E. und Paris.)]
-
-[Illustration: Abb. 35. +Entwurf zu einem Wappenfenster.+
-Tuschzeichnung im Museum zu Basel.]
-
-Das inhaltlich Bedeutendste von allem, was sich an Vorlagen Holbeins
-für Glasmalerei erhalten hat, ist eine Folge von zehn Darstellungen
-aus der Leidensgeschichte Christi. Auch hier hat der Künstler seiner
-Freude am Ersinnen reicher, kräftig gestalteter Bau- und Ziergebilde
-im „antikischen“ Geschmack freien Lauf gelassen. Aber das Hauptgewicht
-hat er doch auf die figürlichen Darstellungen gelegt, die sich im
-Einschluß dieser Rahmen als vollendete Meisterwerke der Raumausfüllung
-ausbreiten. Finden wir in diesen Kompositionen auch nicht die
-unerreichbare Tiefe der Empfindung und die ergreifende Poesie Dürers,
-so kommen sie dafür durch die ungemein anschauliche und naturgemäße
-Schilderung der mehr vom menschlichen als vom religiösen Standpunkt
-aus aufgefaßten Vorgänge und durch die schlichte natürliche
-Schönheit der Formen, die alle Härten vermeidet, dem Verständnis und
-dem Gefühl des modernen Beschauers um so unmittelbarer entgegen. Auch
-der nebensächliche Umstand spricht dabei mit, daß sich nirgendwo das
-zeitgenössische Kostüm hervordrängt, daß namentlich die Kriegerfiguren
-großenteils in die antik-römische Tracht nach Mantegnas Vorbild
-gekleidet sind. Freilich läßt sich nicht leugnen, daß mit diesem
-Streben nach geschichtlicher Treue auch in den Äußerlichkeiten, mit
-diesem Entrücken der Vorgänge in eine entlegene zeitliche Ferne,
-der großen Menge der zeitgenössischen Beschauer gegenüber eine
-Einbuße in Bezug auf die innerliche Wirkung verbunden sein mußte im
-Vergleich mit dem Eindruck, den die Werke der älteren Meister dadurch
-machten, daß in ihnen die Begebenheiten aus dem Leben des Heilandes
-als für alle Zeiten geschehene Gottesthaten in die eigene Gegenwart
-verlegt erschienen. -- Die Folge beginnt mit der Vorführung Christi
-vor Kaiphas. Man sieht den Thron des Hohenpriesters, der in einer
-schmuckreichen Halle aufgebaut ist, von der Seite. Ihm gegenüber
-steht der gefesselte Heiland und wendet den Kopf mit einem wunderbar
-ausdrucksvollen Blick der Frage und der Unschuld zu dem Kriegsknecht,
-der ihn mit der Faust geschlagen hat (Abb. 28). Auch die Geißelung
-ist in einen prunkhaften Raum verlegt, und die Erfindungslust des
-Künstlers hat selbst die Martersäule mit Schmuckformen versehen.
-Christus lehnt, mit den Armen angebunden, kraftlos, mit niedersinkendem
-Haupt an der Säule, den Schlägen von drei Schergen preisgegeben und
-von einer obrigkeitlichen Person beobachtet. Bei den Figuren der
-Schergen fällt es auf, daß sie nicht ganz jene Fülle von Lebendigkeit
-besitzen, welche Holbein sonst bewegten Gestalten zu geben vermochte
-(Abb. 29). Um so lebendiger und eindrucksvoller ist die Schilderung der
-Verspottung Christi, deren Schauplatz eine ausnahmsweise in gotischen
-Formen komponierte Halle ist (Abb. 30). Das folgende Bild stellt die
-Dornenkrönung dar. Man sieht den auf einem Stuhl sitzenden Heiland von
-der Seite. Einer der Soldaten kniet spöttisch vor ihm nieder, während
-er ihm das Schilfrohr als Scepter reicht; zwei andere drücken ihm
-mit einem Stab die Krone auf den Kopf, und ein dritter schlägt mit
-dem Stock darauf. Hinter dem Sitz steht Pilatus mit dem Richterstab
-in der Hand als Zuschauer. Bei diesem Blatt ist die Einfassung, die
-aus einem oben durch Ornamente verbundenen Pfeilerpaar besteht, nicht
-mit der Raumarchitektur des Bildes im Zusammenhang gedacht, sondern
-umgibt das Ganze als ein besonderer Rahmen. Auch bei allen folgenden
-Blättern sind die Einrahmungen nur ein äußerer, mit dem Bilde nicht in
-inneren Zusammenhang gebrachter Abschluß. Durch den Umstand, daß die
-Darstellungen sich im Freien bewegen, war hier eine solche Anordnung
-geboten; diese Einschränkung der architektonischen Zuthaten aber hat
-Holbein nicht gehindert, in denselben auch hier den Reichtum seiner
-Erfindungskraft in bunter Mannigfaltigkeit spielen zu lassen. In dem
-auf die Dornenkrönung folgenden Bilde öffnet sich uns ein Stadtbild.
-Wir blicken auf den freien Platz vor dem Gerichtsgebäude. Lärmendes
-Volk, das der Künstler mit großem Geschick so anzugeben gewußt hat,
-daß er durch wenige Figuren den Eindruck einer großen Menge erzielt,
-erfüllt den Platz. Sein Geschrei ist die Antwort auf die von lebhaftem
-Mienen- und Gebärdenspiel begleiteten mitleidig geringschätzigen
-Worte, mit denen Pilatus den mit gesenkten Blicken neben ihm stehenden
-Dulder dem Volke vorstellt. Auf dem nächsten Bilde sehen wir in einem
-geräumigen Innenhof den von einem Baldachin überdachten Thron des
-Landpflegers errichtet. Mit einer sehr ausdrucksvollen Entschiedenheit
-führt Pilatus die sinnbildliche Handlung der Handwaschung aus, während
-er, noch ein lautes Wort sprechend, dem Zuge nachsieht, der den
-preisgegebenen Christus hinausführt. Christus schreitet im Vordergrunde
-zwischen einer Schar von Kriegsknechten und sein Blick trifft mit einer
-stummen Frage einen Geharnischten, dessen Eisenfaust seinen Arm umfaßt
-hat (Abb. 31). Es folgt die Kreuztragung. Eine gedrängte Menschenmenge
-durchschreitet das Stadtthor, das einen kleinen Durchblick in die
-Straße gewährt, während man von außen ein Stück der turmbewehrten
-Stadtmauer sieht. Vorn im Zuge schreiten, mit Stricken gebunden, die
-beiden Schächer. Dem ihnen folgenden Christus brechen eben unter
-der Last des Kreuzes die Kniee. Ein neben ihm schreitender Führer
-der Kriegsleute faßt ihn scheltend und drohend an der Schulter, die
-Knechte stoßen und schlagen auf ihn ein. Über die Köpfe der Figuren
-ragen Waffen und Geräte, und der Eindruck der Vielheit der Menge wird
-hierdurch wirksam gesteigert (Abb. 32). Das nächste Bild schildert
-in lebendiger und eindrucksvoller Komposition die Vorbereitungen zur
-Kreuzigung. Christus kniet auf dem am Boden liegenden Kreuz. Zwei
-Schergen entkleiden ihn, indem sie ihm mit wüster Gewalt die Tunika
-über den Kopf ziehen. Vorn ist ein Mann damit beschäftigt, die Löcher
-für die Nägel in die Kreuzbalken zu bohren. Ein anderer hackt die
-Grube zum Einpflanzen des Kreuzes aus. Im Hintergrunde sieht man viel
-Volk, darunter einen der Schächer, der bereits entkleidet ist. -- Der
-Darstellung der Entkleidung folgt diejenige der Annagelung an das
-Kreuz. Auch dieser Vorgang ist mit großer Lebendigkeit geschildert. Die
-geschäftsmäßige Roheit der Henker wird derb, aber ohne Übertreibung
-zur Anschauung gebracht. Kalt und gelassen schauen eine Gerichtsperson
-in Pelz und Mütze und ein auf einem Maultier reitender höherer
-Beamter in morgenländischer Kleidung zu. Im Mittelgrund sieht man
-die um den Rock Christi würfelnden Soldaten und weiter zurück eine
-große Menschenmenge. -- Auf dem letzten Bilde sehen wir die drei
-Kreuze aufgerichtet. Christus wendet den Kopf seitwärts nach seiner
-Mutter herab, die, von Johannes aufrecht gehalten, dicht an den Stamm
-herangetreten ist und nicht aufzublicken vermag. Ein Mann, der den
-Aufschriftzettel angeheftet hat, steigt im Rücken des Kreuzes die
-Leiter hinab. Man sieht den an eine Stange gesteckten Essigschwamm.
-Vor den Kriegsknechten steht, dem gekreuzigten Heiland gerade
-gegenüber, der römische Hauptmann und hebt, zu ihm aufschauend, die
-Hand zur Beteuerung seines Glaubens empor. Was dieses Blatt besonders
-bewunderungswürdig macht, ist die schlichte Einfachheit der Stellungen
-und Bewegungen; wo es galt, lebendige Thätigkeit zu veranschaulichen,
-wußte der Künstler die höchste Lebendigkeit zu entfalten, hier, wo
-keine Handlung mehr vor sich geht, hat er jede gesuchte Lebendigkeit zu
-vermeiden gewußt (Abb. 33).
-
-[Illustration: Abb. 36. +Entwurf zu einer gemalten Fensterscheibe.+
-Tuschzeichnung mit Farbenangabe.
-
-Im königl. Kupferstichkabinett zu Berlin.]
-
-[Illustration: Abb. 37. +Entwurf zu einem Wappenfenster.+
-Tuschzeichnung im Museum zu Basel.]
-
-[Illustration: Abb. 38. +Entwurf zu einem bischöflichen Wappen.+
-Getuschte Vorlage für Glasmalerei.
-
-Im Museum zu Basel.
-
-(Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach
-i. E. und Paris.)]
-
-[Illustration: Abb. 39. +Das Wappen von Basel.+ Getuschter und leicht
-mit Wasserfarben angelegter Entwurf zu einem Glasgemälde. Im Museum zu
-Basel.
-
-(Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach
-i. E. und Paris.)]
-
-[Illustration: Abb. 40. +Die Schutzheiligen von Freiburg.+ Holzschnitt
-auf der Rückseite des Titels der im Jahre 1520 erschienenen
-„Stadtrechte und Statuten der löblichen Stadt Freiburg im Breisgau“ von
-Ulrich Zasius.
-
- Unterschrift:
-
- „Machtvoll nimm in den gnädigen Schutz, o Jungfrau, dein Freiburg,
- Daß keinen Schaden ihm thun Geister des höllischen Reichs.
- Zeige auch du, Lambertus, als Schirmer dich deinen Altären,
- Ritter vom heiligen Land, wehre dem unholden Heer.“
-
-Die von Holbein angefertigten Vorlagen für Wappenfenster sind
-Meisterwerke reichen Geschmacks. Auch unter diesen Blättern befindet
-sich eins, das sich als aus der Zeit des Aufenthalts in Luzern stammend
-zu erkennen gibt. Es ist mit der Jahreszahl 1518 bezeichnet und
-zeigt das Wappen der Luzerner Familie Holdermeier. Der heraldische
-Teil der Darstellung beschränkt sich hier auf den am Boden stehenden
-Wappenschild; die Hauptsache ist eine Gruppe von drei Bauern, grotesk
-aufgefaßten Gestalten, die in lebhaftem Gespräch hinter dem Schilde
-stehen; der architektonische Rahmen, ein pfeilergetragener Bogen, als
-Marmor gezeichnet, enthält in den Bogenzwickeln wieder Bauernbildchen,
-Schnitter und Mäher darstellend (Abb. 34). Wenn es sich um Wappen von
-Personen handelte, die auf kriegerischem Felde thätig waren, lag es
-nahe, die heraldische Darstellung in ähnlicher Weise, wie es dort mit
-Bauern geschehen war, mit Kriegerfiguren zu bereichern; die malerischen
-Gestalten der Landsknechte in ihrer phantastischen Tracht mußten dem
-Geschmack Holbeins ganz besonders zusagen. So finden wir in einer
-Zeichnung einen grimmig aussehenden Kriegsmann mit einem mächtigen
-Zweihänder auf der Schulter als Schildhalter verwendet; dabei ist
-auch das obere Feld der Umrahmung mit einer Darstellung kämpfenden
-Fußvolks geschmückt (Abb. 35). Auf einem anderen, sehr schönen Blatt
-stehen zwei Landsknechte an den Seiten des Schildes (Abb. 37). Ein
-ähnliches Blatt, mit der Zuthat von Heldenfiguren des Altertums und von
-einem Kampf nackter Männer in der Rahmenarchitektur, befindet sich im
-Berliner Museum (Einschaltbild Abb. 36). In den beiden letztgenannten
-Zeichnungen sind die Schilde leer gelassen. Dieselben können darum
-nicht für eine bestimmte Persönlichkeit angefertigt worden sein,
-da eine solche vor allem ihr Wappen im Wappenschilde hätte sehen
-wollen. Holbein hat sie also auf Vorrat gemacht, für sich oder für
-den Glaser, der dann je nach der Person eines etwaigen Bestellers das
-Heraldische auszufüllen hatte. Auch bei einem sehr prunkvollen großen
-Entwurf eines Bischofswappens, der mit einer fast überschwenglichen
-Formenfülle die Bildfläche überspinnt, ist der Schild und außerdem der
-Platz für die Devise oder eine sonstige Inschrift leer gelassen (Abb.
-38). Zwei ganz verschiedenartige reiche Kompositionen enthalten das
-Wappen von Basel. Auf dem einen dieser Blätter steht der Wappenschild,
-von Kindern gehalten, zu den Füßen der Jungfrau Maria; an den
-Seiten stehen der heilige Kaiser Heinrich und der heilige Bischof
-Pantalus; der einschließende Architekturbogen ist mit leeren Schilden
-belegt und mit den Medaillonbildern römischer Imperatoren zwischen
-Arabesken geschmückt. Das andere Blatt, dem ungewöhnlicherweise
-die architektonische Umrahmung fehlt, zeigt das Baseler Wappen mit
-Basilisken als Schildhaltern unter einem im Bau begriffenen Thorbogen,
-der wieder den Kranz leerer Schilde zeigt; dahinter sieht man in eine
-waldige Landschaft, und im Vordergrund fährt ein mit Kriegsleuten
-besetzter Kahn vorbei. Der Oberste der Kriegsleute ist durch den Namen
-Basilius kenntlich gemacht, und die ganze Darstellung bezieht sich
-auf die sagenhafte Geschichte der Gründung von Basel (Abb. 39). Ein
-Entwurf zu einem Ehewappen, wiederum mit leer gelassenen Schilden,
-ist bemerkenswert durch die schwungvolle Ausarbeitung der zu üppigen
-Ornamenten auswachsenden Helmdecken, durch die Anlehnung an den Stil
-spätromanischer Prachtportale in der Gestaltung der architektonischen
-Umrahmung und durch die Bezeichnung mit einer Jahreszahl: 1520. -- Es
-scheint, daß die Wappenzeichnungen Holbeins, sowie seine sonstigen
-Glasbilderentwürfe der größten Mehrzahl nach in den ersten Jahren nach
-seiner Rückkehr aus Luzern und in noch früherer Zeit entstanden sind.
-
-[Illustration: Abb. 41. +Entwurf zu einem Stück Fassadenmalerei, mit
-der Figur Karls des Großen.+ Tuschzeichnung im Museum zu Basel.
-
-(Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach
-i. E. und Paris.)]
-
-Eine seiner schönsten Wappenzeichnungen führte Holbein nicht als
-Vorlage für ein Scheibenbild, sondern auf dem Holzstock aus. Das Blatt
-stellt das Wappen der Stadt Freiburg im Breisgau dar und schmückt
-den Titel des im Jahre 1520 erschienenen Buches „Stadtrechte und
-Statuten der löblichen Stadt Freiburg im Breisgau.“ Hier dehnt sich das
-heraldische Bild über das ganze Blatt aus; nur oben und unten ist ein
-schmaler Raum gelassen für die Worte des Titels und ein paar Verse.
-Auch die Rückseite dieses Titelblattes ist mit einem Holzschnitt von
-Holbein geschmückt. Darauf sind die Schutzheiligen von Freiburg, die
-Jungfrau Maria, der Ritter Georg und der Bischof Lambertus dargestellt;
-an der Rahmenarchitektur ist nochmals das Wappen der Stadt, als
-einfacher Schild mit dem Kreuz, und das Wappen des Staates, zu dem der
-Breisgau damals gehörte, der „Bindenschild“ von Österreich, angebracht
-(Abb. 40).
-
-[Illustration: Abb. 42. +Vornehme Baselerin in reicher Tracht und
-Federhut.+
-
-Tuschzeichnung im Museum zu Basel.]
-
-[Illustration: Abb. 43. +Vornehme Baselerin in Tuchkleid und gestickter
-Haube.+
-
-Tuschzeichnung im Museum zu Basel. (Nach einer Originalphotographie von
-Braun, Clément & Cie. in Dornach i. E. und Paris.)]
-
-[Illustration: Abb. 44. +Baseler Bürgerfrau.+ Tuschzeichnung im Museum
-zu Basel.]
-
-Mehrmals wurde an Holbein, nachdem er sich in Basel niedergelassen,
-die Aufgabe gestellt, seine in Luzern bewährte Kunst auch hier zu
-bethätigen, die Straßenseite eines Hauses durch malerischen Schmuck
-zu beleben. Von diesen Straßenmalereien hat sich nichts erhalten. Nur
-ein paar Originalentwürfe zu einzelnen Stücken (Abb. 41) und einzelne
-spätere Abbildungen geben uns eine Vorstellung von deren Art und
-Weise. Mit kühner Phantasie und mit genialer Ausnutzung der durch
-die unregelmäßigen Fensterstellungen gegebenen verschiedenartigen
-Flächen umkleidete er die schlichten Häuser mit säulenreichen
-Renaissancearchitekturen und belebte die gemalten Balkone und luftigen
-Hallen mit geschichtlichen, mythologischen, sinnbildlichen und
-volkstümlichen Gestalten. Am berühmtesten war die übermütig lustige
-Darstellung eines Bauerntanzes, nach welchem das Haus, an dem sie sich
-befand, „zum Tanz“ genannt wurde. Wie dieses Gebäude in seiner Bemalung
-ausgesehen hat, davon gibt außer den erhaltenen Originalentwürfen
-einzelner Stücke eine alte Durchzeichnung des Gesamtentwurfs Kunde.
-Es war ein dreistöckiges Eckhaus; die Malerei erstreckte sich über
-beide Seiten und war in ihrer Perspektive so angeordnet, daß sie
-auf einen Standpunkt des Beschauers schräg der Ecke gegenüber, von
-wo aus man beide Seiten sah, rechnete. Im Erdgeschoß war an der
-Hauptseite eine von Säulen getragene Bogenlaube gemalt; mit großem
-Geschick hatte Holbein die in der Wirklichkeit vorhandene gotische
-Form von Thür und Fenstern in der Art verwendet, daß die in seinen
-Stil nicht passenden Spitzbogen wie das Ergebnis der perspektivischen
-Überschneidung, welche die jenem Standpunkt entsprechende schräge
-Ansicht der gemalten Rundbogenwölbungen mit sich brachte, erschienen.
-Darüber, in dem Raum unterhalb der nächsten Fensterreihe, sah man
-die farbigen Gestalten der tanzenden Bauern, die sich vor der hier
-scheinbar weiter zurücktretenden Architektur, ihre Schlagschatten auf
-die Wand werfend, auf einem Bretterboden tummelten. An der anderen
-Seite des Hauses war ein großer Teil der Wand so bemalt, als ob man in
-einen hohen, den ersten Stock mit durchbrechenden Thorweg hineinsähe.
-Jenseits desselben war wieder eine Bogenlaube gemalt; davor sah man
-einen Stallknecht mit einem Pferde stehen; deren Füße waren, da es
-nicht anging, das Aufstehen derselben auf der Straße zu malen, durch
-eine die Straße entlang gehend gedachte niedrige Mauer verborgen.
-Weiter oben, zwischen den Fenstern des ersten Stocks, sah man eine
-farbige Figur des Bacchus. Die oberen Geschosse waren an beiden
-Hauswänden mit einer phantastischen Architektur übersponnen. Bald
-scheinbar hervortretend in Balkonen, auf denen sich bunte Gestalten
-bewegten, bald tief zurückgehend, durchbrochen von Durchblicken
-in die blaue Luft unter schattigen Bogen, mit Steinfiguren und
-Medaillons geschmückt, zeigte dieses künstlerische Spiel eine Fülle der
-mannigfaltigsten Formgedanken. Selbst die Unregelmäßigkeiten, welche
-in der Stellung der Fenster vorhanden waren, wurden ausgenutzt, indem
-der Anschein hervorgerufen wurde, als ob die Ungleichheiten durch
-die Perspektive bedingt wären. Über dem gemalten Thorweg erblickte
-man den Marcus Curtius, der, aus einer tiefen Halle hervorsprengend,
-sich anschickt, mit seinem mächtigen, aufbäumenden Schimmel auf die
-Straße hinabzustürzen. Es fehlte auch nicht ein kleiner Scherz des
-Malers: ganz oben stand auf einem Gesims ein Farbentopf, wie wenn er
-dort vergessen worden wäre und nun nicht mehr heruntergeholt werden
-könnte. -- Eine bis zur Augentäuschung gehende Körperhaftigkeit war ein
-Hauptwitz bei den Straßenmalereien Holbeins. Die alten Berichterstatter
-haben verschiedene darauf bezügliche Geschichtchen der Aufzeichnung für
-wert gehalten.
-
-[Illustration: Abb. 45. +Christus im Grabe.+ Ölgemälde von 1521. Im
-Museum zu Basel.]
-
-[Illustration: Abb. 46. +Kopf des Totenbildes im Baseler Museum+ (s. d.
-vorige Abb.).
-
-(Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach
-i. E. und Paris.)]
-
-Die Stadt Basel muß durch die zahlreichen von Holbein bemalten
-Hausfassaden förmlich etwas von dessen persönlichem Stil aufgedrückt
-bekommen haben. Aber der Einfluß des jungen Malers mit seinem
-ausgebildeten Geschmack beschränkte sich nicht auf den Schmuck der
-Häuser, er erstreckte sich auch auf die äußere Erscheinung der
-Menschen. Unter den Holbeinzeichnungen im Baseler Museum befindet
-sich eine Anzahl von Entwürfen zu Damenanzügen. Es ist nicht recht
-annehmbar, daß Holbein diese in sorgfältiger Tuschzeichnung ziemlich
-groß ausgeführten Blätter gemacht haben sollte, um der Nachwelt zu
-berichten, wie die Baselerinnen zu seiner Zeit sich kleideten; vielmehr
-hat er seine Erfindungsgabe, die innerhalb des die Gotik verdrängenden
-„antikischen“ Stils neue Bau- und Zierformen spielend gestaltete,
-auch angewendet, um im Rahmen des herrschenden Modegeschmacks
-Musterbilder weiblicher Kleidung zu schaffen. Und zweifellos haben
-die jungen Damen sehr gut ausgesehen, welche diese Vorbilder durch
-ihren Schneider in die Wirklichkeit übersetzen ließen. Die Trachten
-bieten viel Abwechselung. Da sehen wir eine vornehme Dame in einem
-Kleid aus reichem schweren Seidenstoff mit weiten Puffärmeln, unter
-denen mehrfach gepuffte Unterärmel aus feinem Weißzeug hervorkommen,
-mit einem breiten Hut, der ganz mit wallenden Straußenfedern besetzt
-ist (Abb. 42). Dann eine Dame in häuslicher Festkleidung, mit einem
-Tuchkleid, das mit breiten Sammetbesätzen und mit verschiedenartigen
-Puffen und gefälteltem Weißzeug an Brust und Ärmeln verziert ist, mit
-besticktem Unterrock und besticktem Häubchen, mit einer Menge von
-Goldschmuck über dem durchsichtigen Stoff, der die Schultern leicht
-verschleiert (Abb. 43). Weiter das sehr hübsche Bild einer Bürgerfrau
-in gefälteltem Kleid und durchsichtiger Haube. Dann die sogenannte
-Wirtin, eine junge Dame, die mit einem Humpen in der Hand dargestellt
-ist, als ob sie eben des Amtes walte, einen Ehrentrunk zu überreichen;
-dementsprechend trägt sie die häusliche Schürze, die aber in ihrer
-feinen Fältelung auch ein Putzstück ist, über dem reichfaltigen
-Schleppkleid, dessen Ärmel in mehrere weite, gefältelte Puffen
-abgeteilt sind; auf dem Kopfe trägt sie einen schräg aufgesetzten
-ganz flachen Hut, dessen Rand ein Kranz von Straußenfedern umgibt,
-und den Ausschnitt des Kleides hat sie zum größten Teil unter einem
-sammetbesetzten Schulterkragen, nicht unähnlich dem heutigen „Cape“,
-verborgen. Die künstlerisch schönste unter all diesen Zeichnungen zeigt
-eine Bürgerfrau in halber Rückenansicht, in verhältnismäßig einfacher,
-aber darum nicht weniger kleidsamer Tracht; der einzige Schmuck des
-Kleides von schwerem Tuch besteht in Sammetbesätzen am Ausschnitt und
-an den glatten, nur an den Ellenbogen von Weißzeugpuffen unterbrochenen
-Ärmeln; über Hals und Schultern schmiegt sich ein dünner gefältelter
-Stoff, und das Haar ist unter einer ebenfalls halbdurchsichtigen
-Haube verborgen; keinerlei metallener Schmuck, nur die am Gürtelband
-hängende kunstreich gearbeitete Büchse für das Nähgerät (Abb. 44).
-Bei einer sechsten Modezeichnung, welche ein ziemlich leichtfertig
-aussehendes junges Mädchen im Federhut, mit unverschleiertem sehr
-tiefen Ausschnitt des Kleides zeigt, erscheint der Holbeinsche Ursprung
-zweifelhaft. Was bei all diesen weiblichen Trachtenbildern den heutigen
-Beschauer so befremdlich berührt, das Zurückbiegen des Oberkörpers mit
-stark ausgehöhltem Rücken, war eine modische Angewöhnung der Zeit,
-die durchaus zum guten Ton gehörte, und die ihren thatsächlichen
-Entstehungsgrund wohl in dem Umstand hatte, daß der mitunter sehr
-schwere Rock, da er vorn ebenso weit auf den Boden hinabreichte wie
-hinten, beim Gehen beständig vorn aufgehoben werden mußte.
-
-[Illustration: Abb. 47. +Madonna von Solothurn.+ Ölgemälde von 1522. Im
-Privatbesitz in Solothurn.
-
-(Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach
-i. E. und Paris.)]
-
-[Illustration: Abb. 48. +Die heilige Ursula.+ Ölgemälde von 1522.
-
-In der Kunsthalle zu Karlsruhe.]
-
-[Illustration: Abb. 49. +Der heilige Georg.+ Ölgemälde von 1522.
-
-In der Kunsthalle zu Karlsruhe.]
-
-[Illustration: Abb. 50. +Die Cebestafel.+ Buchtitelholzschnitt, zuerst
-veröffentlicht im Jahre 1522. (Nach einem Druck von 1523 im königlichen
-Kupferstichkabinett zu Berlin.)]
-
-[Illustration: Abb. 51. +Erasmus von Rotterdam.+
-
-Holzschnittbildnis, wahrscheinlich von Hans Lützelburger geschnitten.]
-
-[Illustration: Abb. 52. +Erasmus von Rotterdam.+ Ölgemälde von 1523. Im
-Louvre zu Paris.
-
-(Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach
-i. E. und Paris.)]
-
-An den jungen Meister, von dessen Erfindungsgabe und Geschmack Basel so
-vielfältige Proben sah, und dessen Handfertigkeit in der Wandmalerei
-die Häuser an den Straßen bekundeten, wendete sich die Regierung von
-Basel, als es sich darum handelte, das Innere des großen Sitzungssaales
-im neuen Rathause mit Wandgemälden zu schmücken. Holbein übernahm
-diese Arbeit im Juni 1521 und brachte dieselbe bis zum Spätherbst
-des folgenden Jahres zu einem vorläufigen Abschluß. In dieser Zeit
-bemalte er drei Wände des Saales. Als er damit fertig war, glaubte
-er den für das Ganze vereinbarten Preis bereits verdient zu haben;
-der Rat gab ihm hierin Recht und beschloß, „die hintere Wand bis auf
-weiteren Bescheid anstehen zu lassen.“ -- Was für ein großartiges Werk
-Holbein hier geschaffen hat, das können wir leider nur noch erraten aus
-demjenigen, was uns die Kenntnis davon vermittelt. Die Malereien selbst
-sind schon vor langer Zeit, wahrscheinlich durch Feuchtigkeit, zu
-Grunde gegangen. Ihre Spuren wurden im Jahre 1817 bei der Beseitigung
-einer alten Tapete wiederaufgefunden. Danach sind von drei Hauptbildern
-Abbildungen angefertigt worden, die aber begreiflicherweise nicht
-mehr als das Allgemeine der Kompositionen wiedergeben. Eine bessere
-Vorstellung von der Formengebung der Gemälde bekommen wir durch eine
-Tuschzeichnung Holbeins, welche als Entwurf zu einem der Bilder gedient
-hat, und durch mehrere alte Kopien nach solchen Entwürfen. Wie herrlich
-die Farbe gewesen sein muß, kann man nur nach ganz spärlichen kleinen
-Resten ahnen, die aus dem zerbröckelnden Wandputz herausgenommen und
-in das Museum gebracht worden sind. -- Der Künstler verfuhr bei der
-Ausschmückung des Saales nach den nämlichen Grundsätzen, die er bei
-der Bemalung der Außenseite von Häusern anwendete. Er verwandelte den
-an sich einfachen Raum durch gemalte Säulenstellungen in eine weite
-Halle. In diesen Rahmen ordnete er die Figurendarstellungen in der
-Weise ein, daß man die in den Hauptbildern geschilderten Vorgänge in
-breiten Durchblicken der Architektur, gleichsam draußen sich abspielen
-sah, bald im Freien, bald in tiefen Säulensälen; in den Zwischenräumen
-zwischen diesen großen Bildern sah man Einzelgestalten in vertieften
-Nischen des Architekturrahmens. Diese Einzelgestalten waren zum Teil
-geschichtliche Persönlichkeiten, zum Teil Allegorien der sogenannten
-weltlichen oder Kardinaltugenden. Für die Hauptbilder gab, wie es die
-Zeit mit sich brachte, die Geschichte des klassischen Altertums die
-Stoffe; sie sollten in großartigen Beispielen zur strengsten Pflege
-derjenigen Tugenden, welche die höchsten Pflichten der Herrschenden
-sind, ermahnen. Da sah man die unbeugsame Gerechtigkeit und die
-opfermutige Stärke in den Bildern zweier Gesetzgeber veranschaulicht:
-Charondas, der sich selbst mit dem Tode bestraft, und Zaleukus, der
-die Hälfte der von seinem Sohn verwirkten Strafe an sich selbst
-vollstrecken läßt; ein Beispiel der Weisheit gab das Bild des
-unbestechlichen Dentatus, und die Maßhaltung wurde gepredigt durch
-das abschreckende Beispiel des Perserkönigs Sapor, der dem besiegten
-Feinde noch Schmach anthut. Wie sprechend und lebendig Holbein die
-Vorgänge zu erzählen wußte, das zeigen auch die unvollkommenen
-Anschauungsmittel der vorhandenen Skizzen und schlechten Abbildungen.
--- Charondas von Catanea hatte in den Gesetzen, welche er der Stadt
-Thurii gab, bei Todesstrafe verboten, in der Volksversammlung Waffen
-zu tragen; und als es ihm widerfuhr, daß er, von einer Reise, ohne
-sich umzukleiden, zur Versammlung eilend, erst dort gewahrte, daß er
-noch mit dem Schwert umgürtet war, gab er sich selbst vor aller Augen
-den Tod. Holbein hat die Sitzung der Volksvertreter von Thurii in eine
-große, teilweise offene Säulenhalle mit reichem bildnerischen Schmuck
-verlegt. Die Augen aller Versammelten heften sich auf Charondas,
-und dieser vollführt seine überraschende That so schnell, daß die
-meisten wie gebannt auf ihren Plätzen sitzen bleiben; nur wenige sind
-aufgesprungen. Charondas richtet, indem er sich das Schwert in die
-Brust stößt, den Blick zum Himmel, entsprechend der Angabe der antiken
-Erzählung, daß eine Anrufung des Zeus zum Zeugen, daß das Gesetz Herr
-bleiben solle, seine letzten Worte waren. -- Das Zaleukusbild schildert
-mit grausiger Anschaulichkeit die Blendung zweier Menschen. In einer
-Halle, die sich nach einem sonnenbeschienenen Platz hin öffnet,
-sitzt vor einer großen Menge von Zuschauern ein junger Mann, dem der
-Henker das linke Auge ausreißt. Ihm gegenüber sitzt ein würdevoller
-Greis in fürstlicher Tracht auf dem Thron und bietet sein rechtes
-Auge der Zange dar. Der Greis ist Zaleukus, Herrscher von Lokri in
-Unteritalien. Seine Gesetze hatten die Strafe des Verlustes beider
-Augen auf den Ehebruch gesetzt, und sein einziger Sohn war dieses
-Verbrechens überführt worden. Die Lokrier baten ihn, Gnade zu üben; und
-um ihren Bitten und seinem Vatergefühl Rechnung zu tragen, ohne daß
-vom Gesetz abgewichen würde, bestimmte er, daß sein Sohn das eine Auge
-verlieren, er selbst aber das andere hergeben solle. Wunderbar hat der
-Künstler den Gegensatz geschildert zwischen dem Missethäter, der in
-gräßlicher Qual seine Strafe erleidet, und dem Helden der Aufopferung,
-der sich anschickt, freiwillig dasselbe zu erdulden. An jenem thut
-ein Diener der Gerechtigkeit gefühllos, was seines Amtes ist. Bei
-diesem untersucht der mit der Vollziehung des Befehls Beauftragte
-vorher das Auge mit einer Lupe; man sieht, er wird sich bemühen, bei
-der Operation so behutsam wie möglich zu verfahren. Das Volk blickt
-zum Teil mit tiefer Bewegung auf den Fürsten, zum Teil sieht es mit
-Schauder der Arbeit des Henkers zu. -- Das Blatt im Baseler Museum,
-welches die alte Skizzenkopie des Zaleukus enthält, zeigt uns auch eine
-der allegorischen Gestalten, die Holbein zwischen die Geschichtsbilder
-einordnete. Es ist die Figur der Gerechtigkeit. Frau Justitia steht
-in einer Architekturlaube und zeigt mit dem Schwert auf eine im
-Bogen aufgehängte Tafel, auf der in lateinischer Sprache die Worte
-stehen: „O ihr Herrschenden, vergeßt eure eigenen Angelegenheiten
-und sorgt für die öffentlichen!“ Auch die übrigen Bilder waren durch
-Inschriften erläutert. -- Von dem Bilde des Curius Dentatus ist leider
-keine Skizze vorhanden, sondern nur die mangelhafte Abbildung der im
-Jahre 1817 aufgefundenen Reste. Das Bild muß prächtig gewesen sein;
-die Komposition ist sehr schön. Unter einer offenen Rundbogenhalle,
-durch die man weit in die Landschaft hinaussieht, kniet Curius, mit
-römischer Feldherrenrüstung bekleidet, am Kaminfeuer und ist im
-Begriff, sich eigenhändig sein einfaches Mahl zu bereiten. Da treten
-von der Seite die Gesandten der Samniter zu ihm herein; die beiden
-vordersten der prunkhaft reich -- in Renaissancetracht -- gekleideten
-Herren tragen einen großen goldenen Pokal und eine mit Goldstücken
-gefüllte Schüssel. Der Römer aber wendet sich nur eben ein wenig nach
-ihnen um und spricht, auf die vor ihm liegenden Rüben hinweisend,
-die Worte, die in das Bild geschrieben sind: „Ich will lieber das da
-aus meinem Irdengeschirr essen und denen, die Gold haben, gebieten.“
-Unterhalb dieser Darstellung hat der Maler den übrigbleibenden Raum der
-Wandfläche in eigentümlicher Weise ausgefüllt. Man sieht die steinerne
-Unterwölbung des Fußbodens, auf dem sich der Vorgang abspielt; vor
-dem Kellergewölbe steht der Baseler Ratsdiener, in die Wappenfarben
-der Stadt, schwarz und weiß, gekleidet, mit dem Wappenschildchen auf
-der Brust, und lüftet grüßend den Hut gegen den Beschauer. Von der
-Originalausführung sind die Köpfe von einigen der Gesandten erhalten;
-trotz des schadhaften Zustands kann man daran die prächtige Malerei
-noch bewundern. -- Von dem Bilde des Sapor ist der eigenhändige
-Entwurf Holbeins erhalten: eine getuschte Zeichnung, der durch einige
-hier und da hineingesetzte Farbentöne ein lebhafteres malerisches
-Aussehen gegeben ist. Der architektonische Rahmen, der die Darstellung
-einschließt, zeigt reich verzierte Säulen auf rot marmorierten
-Sockelgestellen. Dazwischen hindurch sieht man auf einen freien Platz,
-den spätgotische Gebäude abschließen. Ritter und bewaffnetes Fußvolk
-füllen den Platz. Im Vordergrund steigt der Perserkönig Sapor, in
-stattliche Renaissancetracht gekleidet, auf sein von einem Stallknecht
-gehaltenes Roß, indem er den Rücken des gefangenen Kaisers Valerianus,
-der mit jammervollem Ausdruck am Boden kniet, als Schemel benutzt.
-
-[Illustration: Abb. 53. +Die Gemahlin des Herzogs Jehan de Berry.+
-Zeichnung in schwarzer und farbiger Kreide nach der bemalten Steinfigur
-der Herzogin in der Kathedrale zu Bourges. Im Museum zu Basel. (Nach
-einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach i. E.
-und Paris.)]
-
-In den beiden Jahren, während deren Holbein im Rathaussaale malte,
-schuf er verschiedene Ölgemälde, die der Nachwelt erhalten geblieben
-sind. Mit der Jahreszahl 1521 ist ein eigentümliches Bild bezeichnet,
-das im Baseler Museum den Blick des Beschauers unwiderstehlich fesselt:
-Christus im Grabe (Abb. 45 und 46). Der Leichnam liegt ausgestreckt
-in dem engen Sarg, dessen uns zugekehrte Seite fortgelassen ist, ohne
-eine andere Unterlage, als ein weißes Tuch auf dem Boden. Das Innere
-des Sarges ist warmgrün angestrichen, und dieser Ton stimmt wundervoll
-zu den fahlen Fleischtönen des Toten. Über dem Sargdeckel sieht man
-einen schmalen Strich tiefschwarzen Hintergrunds, und darüber ist, wie
-mit Goldbuchstaben auf die Kante einer weißen Steinplatte geschrieben,
-die Inschrift angebracht: „~Jesus Nazarenus, Rex Judaeorum.~“ Holbein
-hat den Leichnam mit dem größten Fleiß nach der Natur gemalt; mit
-vollkommener Treue hat er die Starre der Glieder, das Leblose der Haut,
-das verfärbte Gesicht mit den blutleeren Lippen und dem gebrochenen
-Auge wiedergegeben. Sein Modell war durchaus nicht schön, aber das Bild
-ist unsagbar schön -- freilich nicht im landläufigen Sinne des Worts.
-Es ist ein Wunderwerk der Malerei. Seine religiöse Bedeutung erhält
-das Werk allerdings nur durch die Wundmale und durch die Überschrift;
-von idealer Auffassung ist keine Rede, es war dem Maler sichtlich um
-die volle Ausnutzung eines Studiums, das zu machen er wohl nicht oft
-Gelegenheit fand, zu thun. Sehr richtig hat schon Basilius Amerbach das
-Gemälde in seinem Verzeichnis aufgeführt als „ein Totenbild mit dem
-Titel Jesus Nazarenus.“
-
-Die Jahreszahl 1522 trägt ein Gemälde, das sich zu Solothurn in
-Privatbesitz befindet und unter dem Namen „Madonna von Solothurn“
-bekannt ist (Abb. 47). Zweifellos schmückte dasselbe ursprünglich
-einen Altar in dem alten, im vorigen Jahrhundert durch einen Neubau
-ersetzten Münster dieser Stadt. Später fand es sich unbeachtet und
-verwahrlost in einer Dorfkirche der Nachbarschaft. Es zeigt in einer
-Anordnung, die derjenigen des Holzschnitts mit den Schutzheiligen
-von Freiburg (Abb. 40) sehr ähnlich ist, die Jungfrau Maria thronend
-zwischen den stehenden Gestalten eines Bischofs und eines Ritters;
-diese beiden sind die Schutzpatrone von Solothurn, der heilige
-Martin, Bischof von Tours, und der heilige Ursus, einer der Märtyrer
-von der thebäischen Legion. Der Kopf der Maria ist das holdeste und
-lieblichste Frauengesicht, das Holbein ersonnen hat. Mit dem Ausdruck
-der Bescheidenheit und Milde vor sich hinblickend, hält die Jungfrau
-das köstlich lebenswahre nackte Kind, das den Kopf und die Händchen
-und Füßchen bewegt, auf dem Schoß. Über ihr hellrotes Kleid wallt
-in weiten Falten der blaue Mantel auf die Thronstufe herab, die ein
-bunter, mit Stifterwappen geschmückter Teppich bedeckt. Der Kopf
-hebt sich mit dem über die Schultern ausgebreiteten goldfarbigen
-Haar, auf dem ein feiner, durchsichtiger Schleier liegt, und mit der
-reichen, mit Edelsteinen und Perlen besetzten Krone von dem lichten
-Blau der Luft ab, in die man durch einen Rundbogen hinausblickt.
-Dieser graue Steinbogen ist gegen Holbeins Gewohnheit ganz schmucklos;
-eiserne Stangen sind in ihn eingespannt, wie um ihn zusammenzuhalten.
-Vermutlich hatte man durch solche Mittel die Wölbungen der alten Kirche
-zu festigen gesucht, und Holbein brachte das Bild in Einklang mit dem
-Bauwerk, welches dasselbe aufnahm. Die beiden Heiligen an den Seiten
-sind herrliche Gestalten, bewunderungswürdig auch in der Durchführung
-des Gegensatzes der Charaktere. Martinus ist ein vornehmer Herr und
-frommer Priester mit einem feinen, geistreichen und liebenswürdigen
-Gesicht; seine rote Mitra und seine violette Kasel sind mit prächtigen
-Stickereien geschmückt, die der Maler bis ins einzelste ausgeführt
-hat; in der linken Hand hält er mit dem Bischofsstab zugleich den
-Handschuh der entblößten Rechten, die er gebraucht, um Geldstücke in
-das Holzschüsselchen eines Bettlers zu legen. Der Bettler ist eine
-zur Darstellung des heiligen Martin gehörende kennzeichnende Beigabe;
-mit feinem Gefühl hat Holbein von dieser an und für sich nicht in die
-Vereinigung von Heiligen passenden Gestalt nur das Notwendigste zum
-Vorschein kommen lassen: das flehende, kümmerliche Gesicht und ein
-Stück von der Hand, welche die Schüssel zum Empfang der Gabe emporhält.
-Der heilige Ursus ist ganz Kriegsmann, ehrenfest und unerschütterlich;
-von Kopf zu Fuß in eine Rüstung, wie sie zu des Künstlers Zeit getragen
-wurde, gekleidet, umfaßt er mit der Linken den Schwertgriff und hält
-in der Rechten eine rote Fahne mit weißem Kreuz, die sich in dem
-glänzenden Eisen von Helm und Harnisch spiegelt.
-
-Zwei Tafeln mit Einzelfiguren von Heiligen, die sich in der Kunsthalle
-zu Karlsruhe befinden, augenscheinlich Stücke eines größeren
-Altarwerks, gehören ebenfalls dem Jahre 1522 an. Das eine Bild,
-auf dem mit dem Namen des Künstlers die Jahreszahl angebracht ist,
-stellt die heilige Ursula vor. Gekrönt, mit goldenem Heiligenschein,
-in fürstlicher Tracht nach dem Modegeschmack der Zeit, steht die
-Glaubenszeugin, die als Zeichen ihres Märtyrertums eine Anzahl langer
-Pfeile in den Händen trägt, vor einer weiten Landschaft und einer
-blauen, von den Zweigen eines Feigenbaums durchschnittenen Luft (Abb.
-48). Das Gegenstück zeigt den heiligen Georg, der in antiker Rüstung,
-mit der Fahne in der Hand, auf dem erlegten Lindwurm steht (Abb. 49).
-
-[Illustration: Abb. 54. +Das Leiden Christi+ in acht Bildern,
-Altargemälde (Übersichtsblatt, vergl. die beiden folgenden
-Doppelbilder). Im Museum zu Basel.
-
-(Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach
-i. E. und Paris.)]
-
-[Illustration: Abb. 55. +Obere Hälfte der Passionstafel+ im Museum zu
-Basel.
-
-(Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach
-i. E. und Paris.)]
-
-[Illustration: Abb. 56. +Untere Hälfte der Passionstafel+ im Museum zu
-Basel.
-
-(Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach
-i. E. und Paris.)]
-
-In dem nämlichen Jahr erschien zum erstenmal ein später noch oftmals
-gedruckter berühmter Buchtitelholzschnitt von Holbein, die sogenannte
-Cebestafel. Der griechische Philosoph Cebes -- entweder der von Plato
-erwähnte Schüler des Sokrates oder ein Späterer gleichen Namens --
-bringt in seiner Schrift „Das Gemälde“ eine ausführliche Beschreibung
-eines figurenreichen Bildes, das ihm in einem Tempel gezeigt wurde;
-darin war der Weg des Menschen zur wahren Glückseligkeit dargestellt.
-Nach dieser Beschreibung hat Holbein das genannte Blatt entworfen (Abb.
-50). Eine rings um das Bild laufende Mauer bezeichnet das begrenzte
-Gebiet des menschlichen Lebens. Außerhalb der Mauer, unten am Bildrand,
-sieht man eine Schar nackter Kinder. Das sind die Seelen der noch nicht
-ins Leben eingetretenen Menschen; die Verbildlichung der Seele durch
-eine Kindergestalt war eine im Mittelalter allgemein gebräuchliche und
-auch der Zeit Holbeins noch geläufige Darstellungsform. Den ins
-Leben Eintretenden empfängt an der Pforte der Genius, der Schutzgeist,
-dargestellt durch einen würdevollen Greis, der dem Eintretenden
-einen Zettel überreicht; als Inhalt des Zettels haben wir uns die
-Mahnungen des Schutzgeistes für den Lebensweg zu denken. Gleich hinter
-der Lebenspforte fährt die Glücksgöttin auf rollender Kugel daher,
-Gutes und Schlimmes verteilend; und den Neuling im Leben erwartet
-die Verführung, verbildlicht durch eine reich gekleidete Dame, deren
-hilfsbereites Gefolge die trügerischen Vorstellungen bilden. Was
-deren Lockungen bieten, sieht der Mensch, der nun in Jünglingsgestalt
-erscheint, jenseits einer Mauer. Das Thor in dieser Mauer führt ihn in
-das Gebiet der Wollust, der Habgier und der Unenthaltsamkeit. Nachdem
-er die aus diesem Bereich führende Pforte durchschritten hat, harren
-seiner am Wege der Schmerz und die Traurigkeit. Aus deren Bereich
-wird er durch die Reue, die sich liebevoll seiner annimmt, geleitet.
-Aber nun verfällt er der falschen Belehrung, die wieder als geputzte
-Dame erscheint. Nur ein schmaler Weg und eine enge Pforte in steiler
-Felswand führen aus diesem Gebiet hinaus; mit vielfacher Thätigkeit
-eifrig beschäftigt, lagern die Scharen derer, die hier das Lebensziel
-gefunden zu haben glauben, an der Felswand. Der Lebenswanderer
-sieht die schöne Frau mit scheuer Bewunderung an -- diese kleine
-ausdrucksvolle Rückenfigur ist ein wahres Meisterwerk --, und er
-schreitet weiter. In der Entschlossenheit und der Stärke findet er die
-hilfreichen Kräfte, die ihn durch die enge Felsenschlucht, in der sich
-der Ausweg verliert, emporziehen. Und jetzt ist er im Gebiet der wahren
-Belehrung angelangt. Diese steht wie ein Heiligenbild gestaltet auf
-einem Steinsockel; Wahrheit und Überzeugung sind ihre Begleiterinnen.
-Der Lebenswanderer kniet anbetend vor ihr nieder, und nichts trennt
-ihn mehr vom Eingang zur Burg der wahren Glückseligkeit. Da wohnen
-alle Tugenden, und in der Mitte thront die Glückseligkeit, eine von
-überirdischem Strahlenschein umleuchtete Herrscherin; sie krönt den
-Wanderer, der an allen Irrungen vorbei den Weg gefunden hat. --
-Holbein hat seine Holzschnittzeichnungen nur selten mit seinem Namen
-bezeichnet. Dieses Blatt aber hat er für wichtig genug gehalten, um auf
-demselben seine Unterschrift in Gestalt eines doppelten ~H~ anzubringen.
-
-Die erste Bestimmung von Holbeins Cebestafel war, den Titel der von
-Erasmus von Rotterdam veranstalteten lateinischen Ausgabe des Neuen
-Testaments zu schmücken. Daraus erklärt sich die kirchliche Gestaltung
-der Figuren der wahren Belehrung und der Glückseligkeit. Die Anwendung
-der Gedanken des griechischen Philosophen auf das christliche Buch
-entsprach so recht dem Sinn des Erasmus.
-
-In dem nämlichen Jahre 1522 erschien in Basel eine deutsche Ausgabe
-des Neuen Testaments, ein Nachdruck von Luthers Übersetzung, und auch
-zu diesem Buch zeichnete Holbein den Titel. Er brachte darauf als
-Hauptfiguren an den Seiten die Apostel Petrus und Paulus an, in den
-vier Ecken die Evangelistenzeichen, oben das Wappen der Stadt Basel und
-unten das Druckerzeichen des Verlegers Adam Petri, ein auf einem Löwen
-reitendes Kind.
-
-Im März 1523 erschien bei Petri gleichzeitig mit einer neuen Auflage
-dieser großen Ausgabe eine fein ausgestattete kleine (Oktav-) Ausgabe
-des Neuen Testaments in der deutschen Übersetzung. Diese war außer mit
-einem jenem großen Blatt ähnlich komponierten Titel mit den Bildern
-der vier Evangelisten und mit vier Bildern zur Apostelgeschichte
-von Holbeins Hand geschmückt. -- Im Dezember 1523 gab Petri einen
-Nachdruck von Luthers Übersetzung des Alten Testaments heraus. Dieses
-Buch brachte zwischen vielen Bildchen von anderen Zeichnern eine
-Anzahl Zierbuchstaben und einige Bilder von Holbein, darunter ein
-besonders schönes Kopfstück zum Anfang des Textes, die Erschaffung
-der Eva inmitten der übrigen, vollendeten Schöpfung darstellend. --
-Eine größere Reihe von Holzzeichnungen lieferte Holbein zu der Ausgabe
-von Luthers Übersetzung des Neuen Testaments, welche der Drucker
-Thomas Wolff ebenfalls im Jahre 1523 veranstaltete. Hier stellte er in
-der Titeleinfassung eine ganze Anzahl von bildlichen Darstellungen,
-meistens aus der Apostelgeschichte, zusammen. Dazu kamen einundzwanzig
-Bilder zur Offenbarung Johannis. Daß es Holbein, trotz seiner sonstigen
-künstlerischen Selbständigkeit, bei dieser Aufgabe nicht immer gelang,
-sich von der Erinnerung an Dürers gewaltige Schöpfungen frei zu halten,
-das kann man ihm nicht zum Vorwurf machen; und daß es ihm nicht gelang,
-diesem übermächtigen Vorbild gleich zu kommen, namentlich in Bezug
-auf das Phantastische, das ist begreiflich. Die Schnittausführung der
-apokalyptischen Bilder ist schlecht. Dagegen ist das Titelblatt mit
-den zahlreichen kleinen Figuren ein Meisterwerk der Holzschneidekunst.
-Dasselbe trägt das Zeichen des Formschneiders Hans Lützelburger.
-
-Hans Lützelburger, genannt Franck, stammte wahrscheinlich aus Augsburg.
-Er scheint erst im Jahre 1523 nach Basel gekommen zu sein. Seine
-Thätigkeit dort dauerte nur wenige Jahre; im Juni 1526 war er bereits
-verstorben. In dieser Zeit aber schnitt er fast alles, was Holbein für
-den Buchdruck zeichnete. Er verstand es meisterhaft, dem Striche des
-Künstlers aufs genaueste gerecht zu werden, ganz besonders in feinen,
-kleinen Sachen. Nur in den von ihm geschnittenen Blättern kommt die
-Schönheit von Holbeins Holzschnittzeichnung voll zur Geltung.
-
-Von ihm rührt zweifellos die wunderbar klare Schnittausführung des
-kleinen Bildnisses des Erasmus von Rotterdam her, das Holbein für den
-Frobenschen Verlag zeichnete (Abb. 51). Dieses Bildchen in Rundformat,
-das uns das scharfe Profil und die feinen Züge des vorzeitig gealterten
-gelehrten Herrn so lebenswahr vor Augen führt, daß die kleine Zeichnung
-ebenbürtig neben großen Gemälden steht, wird im Jahre 1523 entstanden
-sein.
-
-[Illustration: Abb. 57. „+Rühre mich nicht an!+“ (Ev. Joh. 20, 17.)
-Ölgemälde in der Sammlung des Schlosses Hamptoncourt. Aus dem ersten
-Jahrgangsheft der Kunsthistorischen Gesellschaft für photographische
-Publikationen.]
-
-In diesem Jahre ließ Erasmus sich mehrmals von Holbein porträtieren.
-In einem Briefe an Willibald Pirkheimer in Nürnberg erwähnt Erasmus
-drei Bildnisse, die er ins Ausland an Freunde geschickt habe, zwei nach
-England und eins nach Frankreich. Die beiden nach England gesandten
-Porträts sind noch vorhanden. Das eine befindet sich in einer
-englischen Privatsammlung. Das andere ist als Geschenk König Karls I.
-von England an Ludwig XIII. nach Paris gekommen und befindet sich jetzt
-im Louvremuseum. Dieses ist ein Meisterwerk allerersten Rangs. Erasmus
-ist in zwei Drittel Lebensgröße schreibend dargestellt. Eben hat er
-die Überschrift einer neuen Arbeit auf ein Blatt Papier gesetzt, das
-auf einem Buch als Unterlage vor ihm liegt; sein Blick folgt dem Gange
-des klassischen Schreibgeräts, des Calamus, dessen er sich anstatt
-einer Feder bedient. Jede Form in dem Gesicht und in den Händen ist
-die Lebenswahrheit selbst. Die Haut ist fahl, das Haar ergrauend. Die
-Kleidung ist dunkel, Schwarz herrscht vor. Den Hintergrund bildet eine
-dunkelgrüne, hellgrün und weiß gemusterte Stofftapete neben einem
-Stück brauner Holzbekleidung. Der Zusammenklang der Farben ist das
-Vollkommenste, was man sich denken kann (Abb. 52).
-
-[Illustration: Abb. 58. +Die Geburt Christi.+ Altarflügel im Münster zu
-Freiburg i. B.
-
-(Nach einer Originalphotographie im Photogr. Kunstverlag von G. Röbcke
-in Freiburg i. B.)]
-
-Das Museum zu Basel besitzt die mit Ölfarbe auf Papier gemalte
-und nachträglich auf eine Holztafel geklebte Vorstudie zu dem
-letztgenannten Bildnis des Erasmus. Auch diese Vorstudie ist schon
-ein fertiges Bild. Sie unterscheidet sich von dem Pariser Porträt,
-abgesehen von der minder vollendeten Durchbildung der Malerei, nur
-durch den schlichten Hintergrund und einige Verschiedenheiten in der
-Kleidung, die für die malerische Wirkung des Ganzen weniger vorteilhaft
-sind. Nicht ohne Grund ist die Vermutung ausgesprochen worden, daß das
-Baseler Porträt dasjenige sei, welches Erasmus laut seinem erwähnten
-Briefe nach Frankreich schickte, und daß der Empfänger desselben
-Bonifacius Amerbach gewesen sei. Bonifacius hielt sich damals zu neuem
-Studium in Avignon auf, und aus seiner Sammlung stammt das Baseler Bild
-des schreibenden Erasmus. In jenem Briefe wird gesagt, daß Erasmus sein
-Porträt durch den Maler selbst habe nach Frankreich bringen lassen.
-Auch dieser Umstand bestätigt die Richtigkeit jener Vermutung, da
-Holbein ebenso wie Erasmus ein persönlicher Freund Amerbachs war.
-
-[Illustration: Abb. 59. +Die Anbetung der drei Weisen.+ Altarflügel im
-Münster zu Freiburg i. B.
-
-(Nach einer Originalphotographie im Photogr. Kunstverlag von G. Röbcke
-in Freiburg i. B.)]
-
-Es scheint, daß Holbein diese Gelegenheit zu einer weiteren Reise
-durch Frankreich benutzte. Zwei Zeichnungen im Baseler Museum erzählen
-von einem Aufenthalt des Künstlers in Bourges. Diese Zeichnungen
-zeigen einen Herrn und eine Dame in der Tracht des ersten Viertels
-des XV. Jahrhunderts, im Gebete knieend. Es sind Abbildungen der
-Figuren des Herzogs Jehan de Berry († 1416) und seiner Gemahlin, die
-sich in der Kathedrale von Bourges befinden; zu Holbeins Zeit standen
-dieselben noch in der eigenen Kapelle der Herzöge von Berry; nach deren
-Abbruch sind sie im Chorumgang aufgestellt worden. Holbein hat diese
-Grabmalfiguren, von denen namentlich die weibliche sehr hübsch und
-ausdrucksvoll ist (Abb. 53), so abgezeichnet, als ob er nach dem Leben
-zeichnete, und hat mit schwarzer Kreide und ein paar Farbenangaben
-mit Rot- und Gelbstift eine ganz lebendige, malerische Wirkung
-hineingebracht.
-
-[Illustration: Abb. 60. +Der Schmerzensmann.+ Ölgemälde braun in braun.
-Im Museum zu Basel.
-
-(Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach
-i. E. und Paris.)]
-
-[Illustration: Abb. 61. +Die Schmerzensmutter.+ Ölgemälde braun in
-braun. Im Museum zu Basel.
-
-(Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach
-i. E. und Paris.)]
-
-[Illustration: Abb. 62. +Entwurf zum linken Thürflügel der Orgel des
-Baseler Münsters.+ Bräunlich getuschte Zeichnung, im Museum zu Basel.
-(Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach
-i. E. und Paris.)]
-
-Ein viertes Bildnis des Erasmus, das Holbein um dieselbe Zeit malte,
-zeigte in einem Doppelbild den gelehrten Schriftsteller und seinen
-verdienstvollen Verleger Froben. Als Geschenk für den letzteren wurde
-es von Erasmus bestellt. Dieses Gemälde ist verschollen. Eine Kopie
-des Ganzen befindet sich in England und eine Kopie des Brustbildes
-Frobens allein im Museum zu Basel. Die letztere Kopie ist in Bezug
-auf die Farbe sehr schlecht. Aber immerhin ist es interessant, aus
-ihr das Aussehen des Mannes kennen zu lernen, der Holbein zu so
-vielen Schöpfungen Veranlassung gegeben hat. Johannes Froben, der mit
-übereinander geschlagenen Armen in einem schwarzen, mit braunem Pelz
-gefütterten Überrock dasitzt, zeigt uns ein glattrasiertes, furchiges
-Gesicht, dessen Formen ziemlich gewöhnlich sind, das aber durch den
-Ausdruck von Wohlwollen und Klugheit fesselt; das spärliche braune Haar
-fällt in mäßiger Länge über den Hinterkopf herab.
-
-Die Jahreszahlen 1524 und 1525 finden sich auf keinem erhaltenen Werke
-Holbeins. So mögen hier mehrere undatierte Gemälde genannt werden,
-deren Entstehung in diese Zeit fallen kann.
-
-[Illustration: Abb. 63. +Entwurf zum rechten Thürflügel der Orgel des
-Baseler Münsters.+ Bräunlich getuschte Zeichnung. Im Museum zu Basel.
-(Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach
-i. E. und Paris.)]
-
-Als die Krone von Holbeins Schöpfungen galt jahrhundertelang eine
-Zusammenstellung von acht kleinen Bildern aus der Leidensgeschichte
-Christi in +einem+ Rahmen (Abb. 54, 55 und 56). Das Gemälde
-wurde von jeher im Rathaus zu Basel aufbewahrt. Da es aber aller
-Wahrscheinlichkeit nach nicht für das Rathaus, sondern für eine
-Kirche gemalt worden ist, so nimmt man an, der Rat habe dasselbe an
-sich genommen, um es vor der Beschädigung oder Vernichtung durch den
-Bildersturm, den Basel im Jahre 1529 erlebte, zu retten. Kurfürst
-Maximilian I. von Bayern, jener eifrige Kunstsammler, der von der Stadt
-Nürnberg Dürers Apostel erhandelte, wollte die Passionstafel um jeden
-Preis in seinen Besitz bringen. Aber die Baseler ehrten das Andenken
-ihres großen Künstlers besser als die Nürnberger das Vermächtnis Dürers
-und schickten die kurfürstlichen Abgesandten mit einem höflichen, aber
-glatt abschlägigen Bescheid heim. Die Tafel verblieb im Besitz der
-Stadt und erzählte jedem Besucher des Rathauses ihres Meisters Ruhm
-und Ehre, wie Joachim von Sandrart in seiner „Teutschen Akademie“
-(1675) sagt, als „ein Werk, darin alles, was unsere Kunst vermag, zu
-finden ist,“ und das „keiner Tafel, weder in Deutschland noch Italien,
-weichen darf.“ Das dauerte bis zum Jahre 1771. Da wurde das Gemälde
-durch Ratsbeschluß an die Kunstsammlung, die sich jetzt im Museum
-befindet, abgegeben. Bei dieser Gelegenheit verfiel es dem Schicksal,
-daß es vor der Überführung einer „gründlichen Restauration“ unterworfen
-wurde, bei der es des besten Teils seiner Schönheit beraubt wurde.
-Der restaurierende Maler hat zwar die Zeichnung in anerkennenswerter
-Weise geschont, aber die Farbe hat er zerstört. Gewiß hat er bei seiner
-Auffrischungsarbeit das, was rot war, rot, was blau war, blau übermalt
-u. s. w., aber er hat alle Töne verstimmt, und dazu durch seinen
-glatten Auftrag den feinen Reiz von Holbeins malerischer Behandlung
-vernichtet. Durch das bunte, harte Mißgetön von Farben hindurch ist
-der Zauber Holbeinscher Farbenmusik nicht mehr zu vernehmen. Ein
-schönheitsempfindliches Auge muß die Verletzung durch dieses entseelte
-Kolorit erst überwinden, ehe es dazu gelangt, die sonstigen großen
-Schönheiten der Tafel zu genießen. Was zunächst auffällt, ist die
-bewunderungswürdige Art und Weise, wie die acht verschiedenen Bildchen,
-die in zwei Reihen übereinander stehen, in der Quere durch gemalte
-Goldornamente, senkrecht durch plastische Rahmenleisten getrennt,
-als ein malerisches Ganzes zusammenkomponiert sind. Jede der acht
-Darstellungen, die mit großem Geschick dem Hochformat der einzelnen
-Felder angepaßt sind, ist ein in sich abgeschlossenes Bild, das seine
-abgerundete malerische Wirkung von Hell und Dunkel besitzt, das ganz
-für sich allein als Kunstwerk bestehen könnte. Zugleich aber geht eine
-einheitliche malerische Wirkung durch das Ganze, die Helligkeiten und
-Dunkelheiten sind so verteilt, daß auch die ganze Tafel sich dem Auge
-als ein abgerundetes malerisches Kunstwerk darbietet. Im einzelnen
-stellt sich jede Komposition als ein Meisterwerk von Leben und Ausdruck
-dar. Verschiedenartige Beleuchtungswirkungen sprechen lebhaft mit. Auf
-dem ersten Bildchen, Christi Gebet am Ölberg, erscheint der Engel
-mit dem Kelch in einer Lichtöffnung des nächtlichen Himmels. In den
-beiden folgenden, der Gefangennahme und der Vorführung Christi vor
-den Hohenpriester, geht die Beleuchtung von Fackeln aus; auf jenem
-überspielt das Fackellicht die unteren Äste eines Baumes, dessen Krone
-in Finsternis verschwindet; auf diesem irrt es in den phantastischen
-Formen einer Holbeinschen Renaissancearchitektur umher. Auch das vierte
-und das fünfte Bild, die Geißelung und die Verspottung Christi, umgeben
-die Figuren mit reichen Architekturphantasien. Bei den zwei nächsten
-Darstellungen, der Kreuztragung und der Kreuzigung, sind die unteren
-Hälften der Bilder ganz mit Figuren angefüllt; darüber sieht man dort
-einen runden Thorturm der Stadtmauer und eine in hellem Tageslicht sich
-ausdehnende Ferne mit Hochgebirge; hinter den aufgerichteten Kreuzen
-dagegen ist der verfinsterte Himmel völlig schwarz. Den Schluß bildet
-die Grablegung; die Männer tragen den heiligen Leichnam über eine grüne
-Wiese zu dem in einem gelben Felsen sich öffnenden Grufteingang; Maria
-steht weinend bei ihrer Begleitung an einem Tannenbäumchen, das in
-einer Spalte des Felsens Wurzel gefunden hat.
-
-[Illustration: Abb. 64. +Maria mit dem Kinde.+ Getuschte und mit Weiß
-gehöhte Federzeichnung auf grau grundiertem Papier. Im Museum zu Basel.
-
-(Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach
-i. E. und Paris.)]
-
-Diesen Passionsbildern ist in der Auffassung wie in der malerischen
-Empfindungsweise ein kleines Gemälde nahe verwandt, das in der Sammlung
-des Schlosses Hamptoncourt bei London vor kurzem sozusagen neu entdeckt
-worden ist. Sein Gegenstand ist ebenfalls der Leidensgeschichte Christi
-entnommen: die Erscheinung des Auferstandenen vor Maria Magdalena (Abb.
-57). Es ist ein wunderbares Meisterwerk malerischer Poesie. Großartig
-ist die landschaftliche Stimmung der „Frühe, da es noch finster war.“
-Und ebenso großartig und ergreifend ist der Ausdruck der Figuren. „Da
-wandte sie sich und sprach zu ihm: ‚Rabbuni!‘ Jesus aber sprach zu ihr:
-‚Rühre mich nicht an!‘“ Seitwärts sieht man den vom Grabe weggewälzten
-Stein. und durch die niedrige Grabesöffnung gewahrt man, was Maria
-Magdalena, als sie gebückt hineinblickte, gesehen hatte, die zwei Engel
-in weißen Kleidern, einen am Kopf- und einen am Fußende. In der Ferne
-gehen die beiden Jünger, die vorher am Grabe gewesen waren, wieder
-fort nach Hause; in der Art, wie die beiden miteinander sprechen, ist
-die Verschiedenheit des Eindrucks, den der Befund des Grabes auf sie
-gemacht hat, in treffender Weise gekennzeichnet, im genauesten Anschluß
-an den Wortlaut der Erzählung im Johannesevangelium, wie alles in
-diesem Bilde: Johannes „sah und glaubte,“ Petrus ist noch nicht von der
-Thatsache der Auferstehung überzeugt, darum redet er so eifrig.
-
-[Illustration: Abb. 65. +Heilige Familie.+ Tuschzeichnung mit weiß
-aufgesetzten Lichtern auf rot grundiertem Papier.
-
-Im Museum zu Basel.
-
-(Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach
-i. E. und Paris.)]
-
-[Illustration: Abb. 66. +Die Kreuzschleppung.+ Tuschzeichnung mit weiß
-aufgesetzten Lichtern auf grauem Grund. Im Museum zu Basel.
-
-(Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach
-i. E. und Paris.)]
-
-[Illustration: Abb. 67. +Der kreuztragende Christus.+ Holzschnitt
-(einziges Exemplar) im Museum zu Basel.]
-
-In die Gruppe der in reicher malerischer Helldunkelwirkung komponierten
-religiösen Bilder gehören ferner zwei Altarflügel, die sich im Münster
-zu Freiburg im Breisgau befinden. Aus den Wappen der Geschlechter
-Oberriedt und Zscheckapürlin, die auf ihnen neben den Bildnissen der
-Stifterfamilie unterhalb der eigentlichen Darstellung angebracht
-sind, ergibt sich, daß Holbein diese Gemälde im Auftrag des Baseler
-Ratsherrn Hans Oberriedt, der mit einer Zscheckapürlin vermählt war,
-malte. Aus der Form der Bilder ergibt sich, daß sie sich an den beiden
-Seiten eines oben bogenförmig begrenzten Mittelbilds befunden haben,
-das mit diesen Flügeln geschlossen werden konnte. Zweifellos wurde das
-ganze Werk von dem Besteller in irgend eine Kirche Basels gestiftet.
-Hans Oberriedt verließ infolge der wilden Religionsstreitigkeiten
-des Jahres 1529 seine Vaterstadt und siedelte nach Freiburg im
-Breisgau über. Wahrscheinlich war er es, der die Flügelbilder vor
-dem Bildersturm, dem die größere Mitteltafel zum Opfer gefallen sein
-muß, rettete, um sie mit in die neue Heimat zu nehmen und auch dort
-wieder auf einem Altar aufzustellen. Damit kamen die Bilder aber
-noch nicht zu dauernder Ruhe. Während des dreißigjährigen Krieges
-wurden sie nach Schaffhausen geflüchtet. Kurfürst Maximilian I. von
-Bayern ließ sie sich zur Besichtigung nach München bringen, und
-Kaiser Ferdinand III. ließ sie sich in Regensburg zeigen. Im Jahre
-1796 wurden sie von den Franzosen aus Freiburg entführt, 1808 aber
-zurückgegeben. Sie fanden dann ihre Aufstellung auf dem Altar der
-sogenannten Universitätskapelle im Chor des Freiburger Münsters. Es
-sind dies die einzigen Kirchenbilder Holbeins, die noch an geweihter
-Stätte zum Beschauer sprechen. Und dabei ist vielleicht gerade in
-ihnen weniger religiöse Stimmung als in anderen; der Künstler hat
-sich bei ihrem Gestalten mehr dem rein malerischen Reiz, als der
-Innerlichkeit der Empfindung hingegeben. Die Gegenstände der beiden
-Gemälde, bei denen ebenso wie bei der Passionstafel der Figurenmaßstab
-sehr klein ist, sind die Geburt Christi und die Anbetung der drei
-Weisen aus dem Morgenland. Die Geburt (Abb. 58) ist in die Ruine
-eines antiken Prachtgebäudes verlegt. Die Beleuchtung geht von dem
-Kindlein aus, das auf weiße Windeln gebettet liegt. Das übernatürliche
-Licht bestrahlt mit weicher Helligkeit die Gestalten von Maria und
-Joseph, die sich in Bewunderung und seliger Andacht über das Kind
-beugen, und eine Schar kleiner Englein, die dasselbe umjubeln. Es
-streift das Gesicht und die Schulter eines Hirten, der sich schüchtern
-hinter eine Säule gedrückt hält, solange seine Gefährten noch nicht
-da sind, denen draußen in der Ferne die Lichtgestalt eines Engels die
-frohe Botschaft bringt. Mit unverminderter Kraft strahlt das Licht
-über die nächste Umgebung des Kindes hinaus und läßt die marmornen
-Glieder des Gebäudes bunt und vielgestaltig aus dem zerteilten Dunkel
-hervortreten. Am Himmel steht der Mond. Aber er läßt seinen Schein
-nicht in Widerstreit treten mit jenem heiligen Licht. Auch der Mond
-huldigt dem als Kind geborenen Herrn der Welt, indem er sich vor ihm
-verneigt: die Mondscheibe -- selbstverständlich ist der Mond als
-Scheibe, nicht als Kugel gedacht -- wendet ihre Fläche nach unten, dem
-Kinde zu, so daß sie sich dem Beschauer in der Verkürzung zeigt. Ein
-anderer origineller Künstlergedanke ist der, bei den kleinen Englein
-die Verbindung der Flügel mit der Menschengestalt dadurch naturgemäßer
-zu machen, daß die Schwingen sich aus den Armen entwickeln, statt, wie
-sonst, als besondere Glieder aus den Schultern hervorzugehen. Auf dem
-anderen Gemälde (Abb. 59) bildet der Stern, der die drei Weisen geführt
-hat, das Gegenstück zu dem Mond der heiligen Nacht; groß und goldig
-strahlend steht er am hellen Mittagshimmel zwischen weißen Wolken.
-Einer der Begleiter der Ankömmlinge hält sich die Hand über die Augen,
-um nach seinem Glanz emporzusehen. Der Schauplatz des Vorgangs ist
-wieder eine antike Ruine, aber hier von außen gesehen und schlichter
-in den Formen. Eine malerisch prächtige Erscheinung ist der weiß
-gekleidete Mohrenkönig, der als der jüngste von den dreien wartet, bis
-die anderen ihre Gaben dargebracht haben. Der älteste, ein langbärtiger
-Greis in rotem Rock und Hermelinkragen -- seine Gestalt ist merkwürdig
-ungefällig gezeichnet --, überreicht knieend sein Geschenk dem auf
-Marias Schoße sitzenden Kind, das aufmerksam herabsieht. Der zweite
-der drei Weisen, ein dunkelbärtiger kräftiger Mann, der eine weiße
-Binde mit wehenden Enden um die Krone geschlungen trägt, schickt
-sich an, vorzutreten, um die Stelle des Greises einzunehmen, sobald
-dieser aufgestanden sein wird. Es scheint, daß dieses Bild durch
-Ausbesserungen stärker beschädigt ist, als das andere.
-
-[Illustration: Abb. 68. +Nackte Figur von unbekannter Bedeutung.+
-Tuschzeichnung auf rötlichem Papier, weiß gehöht. Im Museum zu Basel.
-(Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach
-i. E. und Paris.)]
-
-Während Holbein in den genannten Gemälden mit reichen Farben und
-vollen Gegensätzen von Hell und Dunkel arbeitete, begnügte er sich in
-anderen Fällen mit einfarbiger oder fast einfarbiger Ausführung, um
-die beabsichtigte künstlerische Wirkung zu erzielen. Im Baseler Museum
-befinden sich zwei kleine Ölgemälde braun in braun, die als Doppeltafel
-zum Zusammenklappen miteinander verbunden sind und ein einheitliches
-Ganzes bilden. Solche Klapptäfelchen dienten zum Aufstellen bei
-häuslicher Andacht. Da sind in tiefer Empfindung und in feinster
-Ausführung Christus als Schmerzensmann und Maria als schmerzenreiche
-Mutter dargestellt. Die beiden Figuren befinden sich in einer
-phantastisch reichen Renaissancehalle; die Luftdurchblicke zwischen
-den Säulen dieser Architektur hat Holbein blau gemalt, und durch diese
-mit feinem künstlerischen Geschmack verteilten blauen Flecken in dem
-sonst einfarbigen Bild hat er in dasselbe eine reizvoll malerische
-Belebung gebracht. Der nackte Christuskörper ist mit fleißigem Studium
-ausgeführt. Maria, die sich mit erhobenen Händen nach ihrem duldenden
-Sohne umsieht, ist in Kopf, Händen und Gewandung außerordentlich schön
-(Abb. 60 und 61). Eigentümlich ist es, daß bei dieser Doppeltafel,
-die bei ihrer Kleinheit doch nicht in großer Höhe aufgestellt werden
-konnte, der Horizont unterhalb des Bildes angenommen ist. Vielleicht
-muß man sie auf Grund dieses Umstands als Entwurf oder Wiederholung
-einer Ausführung in großem Maßstab, die für eine hohe Aufstellung
-berechnet war, ansehen.
-
-[Illustration: Abb. 69. +Kampf von Landsknechten.+ Tuschzeichnung, im
-Museum zu Basel.
-
-(Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach
-i. E. und Paris.)]
-
-Braun in braun ohne jede andere Farbenzuthat sind zwei große Bilder
-ausgeführt, die, auf Leinwand gemalt, die Innenseiten der Thüren
-bekleideten, durch die das Gehäuse der Orgel im Baseler Münster
-verschließbar war. Die eigentümliche Form dieser Thüren hat Holbein
-mit großem Geschick ausgefüllt; durch die Einordnung von mächtigen,
-schwungvollen Ornamenten in die unregelmäßige Fläche einer jeden Thür
-hat er sich ein annähernd symmetrisches Bildfeld geschaffen, in das er
-an beiden Seiten je eine überlebensgroße Heiligenfigur stellte, während
-er den zwischen diesen verbleibenden niedrigen Raum mit auf den Ort
-bezüglichen Darstellungen füllte. In dem linken Flügel stehen Kaiser
-Heinrich II., der Gründer des Baseler Münsters, und seine Gemahlin
-Kunigunde; zwischen ihnen sieht man das Münster selbst. In dem rechten
-Flügel steht einerseits die Jungfrau Maria, mit der Himmelskrone auf
-dem Haupt und mit dem Jesuskind, das sich kosend an sie schmiegt, in
-den Armen, andererseits der Bischof Pantalus; in der Mitte ein Konzert
-von köstlichen Kinderengeln, die gleichsam die Klänge der Münsterorgel
-mit Himmelsmusik begleiten. Auch in diesen Bildern liegt, wie es streng
-genommen bei Gemälden, deren Aufstellungsplatz ihre Fußbodenlinie
-über die Köpfe der Beschauer hinausrückt, immer der Fall sein müßte,
-der Horizont unter der Bodenlinie; Holbein hatte diese sonst im
-allgemeinen selten beachtete Rücksichtnahme auf die Gesetze des Sehens
-wohl aus Werken des Mantegna, der in dieser Beziehung sehr gewissenhaft
-war, gelernt. Die Orgelthüren haben den Bildersturm überdauert, wohl
-weil die Zerstörer in ihnen keine Andachtsbilder, sondern lediglich
-Schmuckstücke sahen. Sie sind erst in unserem Jahrhundert, als die
-alte Orgel durch eine neue ersetzt wurde, von ihrem Platz entfernt
-und in das Museum gebracht worden. Aber sie sind durch eine im XVII.
-Jahrhundert vorgenommene Übermalung und durch Gebrauchsbeschädigungen
-verunstaltet. Doch kann man sie noch voll würdigen, wenn man die unter
-den Handzeichnungen des Museums befindlichen Entwürfe betrachtet, die
-durch ihre Austuschung mit brauner Wasserfarbe auch den Farbeneindruck
-der großen Ausführungen andeuten (Abb. 62 und 63).
-
-[Illustration: Abb. 70. +Ein zur Abfahrt bereites Schiff mit
-Bewaffneten.+ Tuschzeichnung, im Städelschen Museum zu Frankfurt a. M.]
-
-[Illustration: Abb. 71. +Das Totentanzalphabet.+ Holzzeichnungen,
-geschnitten von Hans Lützelburger. (Originalgröße.)]
-
-Vielleicht darf man noch bei mehreren, mit großer Sorgfalt ausgeführten
-Kompositionen, die sich unter Holbeins Zeichnungen im Museum zu
-Basel befinden, annehmen, daß in ihnen Entwürfe zu Gemälden, die der
-Bildersturm vernichtet hat, erhalten seien.
-
-Da ist ein Bildchen der Jungfrau Maria, die dem Jesuskind die
-Brust reicht, auf grau grundiertem Papier mit schwarzer und weißer
-Wasserfarbe ausgeführt, in einem nur durch die Umrisse zweier Säulen
-angedeuteten Architekturgehäuse (Abb. 64). Dann ein durch desto
-prächtigere Ausarbeitung der Architektur ausgezeichnetes Blatt, in dem
-eine heilige Familie dargestellt ist. Das Christuskind macht zwischen
-der Mutter Maria und der Großmutter Anna seine ersten Gehversuche,
-denen außer den beiden Frauen auch der alte Joachim zusieht. Die
-Beleuchtung ist als schräg von hinten einfallend angenommen, und das
-Spiel der vielen scharfen Lichter, die mit weißer Farbe in die auf
-rotem Grund getuschte Zeichnung kräftig hineingesetzt sind, geben dem
-Bild einen eigenen Reiz (Abb. 65). Bei diesen beiden Blättern liegt der
-Horizont wieder unterhalb der Fußlinie. Vielleicht sind es Entwürfe zu
-hoch angebrachten Wandmalereien; dafür scheint der dekorative Charakter
-der Darstellungen zu sprechen und auch die schräge Perspektive, die
-hier wie dort darauf schließen läßt, daß zu dem Bilde eine rechts
-davon liegende, die Mitte von einem größeren Ganzen enthaltende
-Hauptdarstellung gehörte. -- Wieder ein Bild aus der Leidensgeschichte
-des Heilands, in Schwarz und Weiß auf grauer Grundierung ausgeführt:
-die Kreuzschleppung. Christus ist unter der Last zu Boden gestürzt;
-mühsam hält er sich auf den Händen, und stöhnend blickt er empor,
-vergeblich nach Mitleid suchend unter der Schar der gefühllosen, teils
-gleichgültigen, teils grausam rohen Begleiter (Abb. 66). Man mag mit
-dieser Zeichnung den ergreifend schönen, nur in einem einzigen Exemplar
-(im Baseler Museum) vorhandenen Holzschnitt vergleichen, in dem der
-unter dem Kreuz zusammengesunkene Christus allein dargestellt ist,
-nicht als eine Figur aus einem geschichtlichen Vorgang, sondern als ein
-Mahner, der die bittere Klage, die aus seinen Augen spricht, an den
-Beschauer richtet (Abb. 67).
-
-[Illustration: Abb. 72. +Der Tod und der Kaiser.+
-
-Aus der Holzschnittfolge „der Totentanz“.
-
-(Originalgröße.)]
-
-Unverständlich ist die Bedeutung einer Zeichnung, die in sorgfältiger
-Tuschausführung auf rötlichem Papier ein nacktes Weib zeigt, das,
-in lebhafter Bewegung neben einer Säule vortretend, in jeder Hand
-einen Stein wie zum Hinabwerfen hält. Eine lediglich zur Belehrung
-gemachte Naturstudie ist es, trotz der fleißigen Durcharbeitung der
-einzelnen Formen, nicht; eine solche würde Holbein mit schärferer Treue
-gezeichnet haben. Es muß auch eine Vorarbeit zu irgend einer Malerei
-sein, in der die Figur wohl nur einen Teil einer größeren Komposition
-bildete. Jedenfalls hat es an und für sich immer ein künstlerisches
-Interesse, eine von Holbein entworfene nackte Gestalt zu sehen (Abb.
-68).
-
-[Illustration: Abb. 73. +Der Tod und der Schiffer.+
-
-Aus der Holzschnittfolge „der Totentanz“.]
-
-Wohl nicht zu einem bestimmten Zweck ersonnen, sondern nur aus Freude
-an der Sache entworfen sind mehrere, in verschiedenen Sammlungen
-befindliche Darstellungen aus dem Leben der Schweizer Landsknechte, in
-leichter Ausführung mit höchster Lebendigkeit hingezeichnete Blätter.
-Das Baseler Museum besitzt eine ganz wundervolle Schilderung eines
-Zusammenstoßes zweier Landsknechthaufen; auf der einen Seite suchen die
-Männer mit den langen Spießen eine geschlossene Verteidigungsstellung
-zu behaupten, von der anderen drängen sie in wuchtigem Haufen heran,
-in der Mitte raufen die Katzbalger, die verlorenen Gesellen. Das ist
-mit einer so packenden Lebendigkeit zur Anschauung gebracht, als ob
-der Zeichner Selbsterlebtes erzählte. Auch die Art der Ausführung
-trägt zur Lebendigkeit des Eindrucks bei; in schneller und sofort
-sicherer Führung des Tuschpinsels hat der Zeichner mit Strichen und
-Tönen die vorderen Figuren in allem Gewühl und Getümmel klar erkennbar
-auseinander gehalten, und die weiter zurückstehenden, die in der
-Wirklichkeit ein Staubschleier dem Beschauer undeutlich machen würde,
-hat er nur in flüchtigen, gleichsam zitternden Umrissen angedeutet
-(Abb. 69). Zu den Landsknechtsbildern gehört auch die Abbildung eines
-Schiffes, die sich im Städelschen Museum zu Frankfurt befindet. Das
-augenscheinlich nach der Wirklichkeit gezeichnete Fahrzeug ist in
-Bereitschaft, den Hafen zu verlassen, um eine Schar von Bewaffneten,
-deren Tracht die des Schweizer Kriegsvolks ist, in die Ferne zu führen.
-Der Hauptstrom der Schweizer Reisläufer ging damals nach Frankreich;
-Holbein mag, wenn er in Avignon seinen Freund Amerbach besuchte, von
-dort aus leicht Gelegenheit gefunden haben, einen solchen Vorgang,
-wie er ihn hier schildert, zu sehen. Schon blähen sich die Segel des
-Schiffes, eilig rudert zum letztenmal ein Boot heran, um, was nicht an
-Bord gehört, zurückzuholen. Die Eingeschifften haben den Abschied vom
-Lande kräftig gefeiert, jetzt gilt es, das Scheiden kurz zu machen.
-Der Trommler und der Pfeifer lassen vom Heck die Marschmusik der
-Landsknechte ertönen, der Fähnrich schwingt grüßend das große Banner.
-Unter der Schiffsmannschaft kreist noch ein Abschiedstrunk in großen
-Kannen, bis zum Mastkorb hinauf. Daß, nach der Bauart des Schiffes, die
-Figuren im Verhältnis zu diesem etwas zu groß geraten sind, mag man dem
-Zeichner gern verzeihen (Abb. 70).
-
-[Illustration: Abb. 74. +Der Tod und der Ritter.+
-
-Aus der Holzschnittfolge „der Totentanz“.]
-
-Der Reichtum von Holbeins Erfindungsgabe und die Leichtigkeit seines
-Schaffens fanden die dankbarste Verwertung in der Zeichnung für den
-Holzschnitt. Diejenigen seiner Arbeiten für den Buchdruck, die am
-weitesten in der Welt bekannt geworden sind, gehören fast alle der
-Zeit von 1523 bis Anfang 1526 an. Wenn auch die meisten von ihnen erst
-in späteren Jahren veröffentlicht worden sind, so beweist doch der
-Umstand, daß sie von der Hand Lützelburgers geschnitten sind, ihre
-Entstehung in jener Zeit.
-
-[Illustration: Abb. 75. +Der Tod und das Ehepaar.+
-
-Aus der Holzschnittfolge „der Totentanz“.]
-
-Mit zu den ersten Schnittausführungen Holbeinscher Zeichnungen durch
-Lützelburger gehört das sogenannte Totentanzalphabet. Einzelne
-Buchstaben aus diesem erschienen schon in Drucken des Jahres 1524.
-Holbein befolgte bei seinen Buchstabenzeichnungen, die den Zweck
-hatten, die Texte gedruckter Bücher nach dem Vorbild der gemalten
-Initialen in mittelalterlichen Handschriften zu schmücken, immer
-eine gleiche Art der Anordnung. Den Buchstaben selbst, den er stets
-in der eigentlichen Renaissancegestalt, das ist in der klassischen
-Form der alten lateinischen Schrift, bildete, ließ er unverziert; die
-Ausschmückung gab er ihm durch ein quadratisches Figurenbildchen, das
-den Hintergrund für den Buchstaben bildet, ohne eine andere Verbindung
-zwischen dem Bildchen und dem Buchstaben, als die des künstlerischen
-Zusammenklangs der Linien. Gern zeichnete er ganze Alphabete in der
-Weise, daß die 24 Bildchen -- für ~U~ und ~V~ gab es nur ein Zeichen,
-ebenso wie für ~I~ und ~J~ -- eine in sich zusammenhängende Folge
-bildeten. So hat er zum Beispiel ein Alphabet mit den verschiedenen
-Berufsarten des Menschen, in Kinderspiel eingekleidet, ein anderes mit
-den belustigenden Vorgängen einer Bauernkirmeß geschaffen. Den meisten
-Beifall aber fand er mit dem Alphabet, in dem er die Gewalt des Todes
-über alle Stände zum Thema der Bildchen nahm.
-
-[Illustration: Abb. 76. +Der Tod und der Ackermann.+
-
-Aus der Holzschnittfolge „der Totentanz“.]
-
-Das Thema war sehr volkstümlich. Bis in das XIV. Jahrhundert
-lassen sich die Anfänge der sogenannten Totentanzdarstellungen
-zurückverfolgen. Es waren Bilder, die die Nichtigkeit alles Irdischen
-dadurch veranschaulichten, daß sie den Gestalten Lebender die Gestalten
-von Toten gegenüberstellten, die einst dasselbe gewesen waren wie jene
-und jetzt nichts mehr besaßen als die nackte Häßlichkeit verwesender
-oder eingetrockneter Leichname. Im XV. Jahrhundert ließen besonders die
-Predigermönche oftmals ganze Reihen von solchen Paaren an geeigneten
-Stellen, in der Vorhalle der Kirche, im Klostergang oder wo sonst sie
-von vielen gesehen werden konnten, an die Wand malen; erläuternde
-Verse, volkstümlich gefaßt, wurden dazu geschrieben. In den Versen
-sprachen die Toten mit den Lebenden, in den Bildern reichten sie ihnen
-die Hand. Das waren Bilderpredigten, die den Beschauer zum Denken an
-das Ende mahnen sollten und dadurch, daß in den dargestellten Personen
-alle Stände, geistliche und weltliche, von den höchsten bis zu den
-niedrigsten, gekennzeichnet wurden, auf die Gleichheit aller im Tode
-hinwiesen. Die Reihen von Paaren bildeten gleichsam einen Reigen.
-Daraus entwickelte sich von selbst der Gedanke, die ganze Darstellung
-als einen Tanzreigen aufzufassen; die Zeit liebte die Würze des Humors
-auch in sehr ernsten Dingen. Beim Reigen durfte der Spielmann nicht
-fehlen. Der aber hier zum Tanze fiedelte, war der Tod selbst, als
-persönliches Wesen gedacht und ebenfalls in der Gestalt einer lebenden
-Leiche gebildet. Diese Bilder waren die eigentlichen Totentänze. Auch
-Basel besaß zu Holbeins Zeit einen berühmten Totentanz, der sich an
-der Kirchhofsmauer des Predigerklosters befand und der eine freie
-Nachbildung eines noch älteren Werkes im Nonnenkloster Klingenthal zu
-Klein-Basel war. Der Name ist an dem ganzen Kreise von Darstellungen
-haften geblieben, obgleich seit dem Beginn des XVI. Jahrhunderts die
-Darstellungsweise sich wesentlich veränderte. In den entsprechenden
-Bildern, welche die Künstler dieser Zeit, und so auch Holbein,
-entwarfen, treten keine Toten mehr auf, und es wird auch nicht mehr
-getanzt. An Stelle des Toten ist es der Tod, der in jedem Bilde sich
-dem Lebenden gesellt.
-
-[Illustration: Abb. 77. +Der Tod und die Spieler.+
-
-Aus der Holzschnittfolge „der Totentanz“.]
-
-Holbein stellte den Tod in der letzten zusammenhängenden Form, die eine
-Leiche haben kann, als kahles Gerippe dar. Vereinzelt waren auch schon
-andere auf diese Form gekommen, zum Beispiel Dürer in einer großartigen
-Zeichnung vom Jahre 1505. Das war ein glücklicher Künstlergriff;
-denn nichts konnte unheimlicher wirken, als wenn ein Knochengestell,
-dem alle Mittel der Bewegung fehlten, sich dennoch bewegte, aus
-eigener unerklärbarer Kraft. Holbeins anatomische Kenntnisse
-waren freilich gering. Die Gerippe, die er zeichnete, wimmeln von
-Unrichtigkeiten. Aber er schuf diese Darstellungen ja auch nicht, um
-mit wissenschaftlichen Kenntnissen zu prunken. Den künstlerischen
-Zweck erreichte er mit seinen fehlerhaften Gerippen so vollkommen,
-wie kaum jemals ein anderer, der Ähnliches versucht hat. Er verstand
-es meisterhaft, dem leeren Knochengerüst den Anschein eines lebenden
-Wesens zu geben; die tiefen Schatten der leeren Augenhöhlen und das
-scheinbare Grinsen der fleischlosen Kiefer gaben ihm die Mittel, einen
-eigentümlich drastischen Gesichtsausdruck hervorzuzaubern, der in
-seiner Mannigfaltigkeit alles Mienenspiel ersetzt.
-
-[Illustration: Abb. 78. +Das Wappen des Todes.+ Aus der
-Holzschnittfolge „der Totentanz“.]
-
-Sein Totentanzalphabet (Abb. 71) beginnt im ~A~ mit einer Erinnerung an
-die wirklichen Totentanzbilder: der Tod spielt auf zum Reigen; dabei
-erscheint der Tod nicht als ein nur in der Einzahl vorkommendes Wesen,
-es sind ihrer mehrere. Auch in vielen der folgenden Bildchen arbeitet
-der Tod mit Gehilfen. Mit wilder Lust, oft mit grausig höhnendem Spott
-fällt der Knochenmann über seine Opfer her, über die Menschen aller
-Lebensstellungen. Er ergreift den Papst, den Kaiser, den König, den
-Kardinal, die Kaiserin, die Königin, den Bischof, den Fürsten, den
-Ritter, die Edelfrau, den Gelehrten, den Kaufmann, den Mönch, den
-Soldaten, die Nonne, den Schalksnarr und die leichtfertige Dirne; er
-gießt einem Säufer den letzten Trunk in die Kehle, springt hinter dem
-Reisenden aufs Pferd, führt den Klausner freundlich von dannen, gesellt
-sich in Begleitung eines Teufels zu Spielern und holt das Kind aus der
-Wiege. Den Schluß bildet im ~Z~ das Jüngste Gericht.
-
-[Illustration: Abb. 79. +Das Weltgericht.+ Aus der Holzschnittfolge
-„der Totentanz“.]
-
-Diese winzigen Bildchen sind in der That große Meisterwerke. Welcher
-Reichtum der dichterischen Erfindung, welche Kraft der Kennzeichnung,
-welche packende Lebendigkeit der Schilderung ist in jeder der in so
-engen Raum gebundenen Kompositionen enthalten! Man begreift, daß der
-Meister, der sich mit solcher Künstlerlust in den Gegenstand vertiefte,
-das Verlangen empfinden mußte, dieselbe Sache auch einmal anders zu
-behandeln, als in der beschränkten Gestalt von Buchstabenbildchen,
-die noch dazu dem Publikum immer nur zerstreut, niemals in ihrem
-durchdachten Zusammenhang zu Gesicht kamen. Er entwarf einen
-„Totentanz“ zum Zweck der Veröffentlichung in einem selbständigen
-Werk, in Zeichnungen, die zwar auch noch klein waren, ihm aber Platz
-genug gewährten, um seine bildlichen Dichtungen weiter auszudichten und
-ihnen durch Räumlichkeit und Landschaft, erforderlichenfalls auch durch
-Hinzufügung von Nebenpersonen noch mehr Inhalt und Anschaulichkeit
-zu geben. Die Zeichnungen wurden der größten Mehrzahl nach von
-Lützelburger in mustergültiger Weise geschnitten.
-
-Dieser Totentanz in Holzschnitten hat wie kein anderes Werk den Namen
-Holbeins berühmt gemacht.
-
-[Illustration: Abb. 80. +Jakob segnet Esau+ (1. Moses 27, 22). Aus den
-Holzschnitten zum Alten Testament. (Originalgröße).]
-
-[Illustration: Abb. 81. +Boas und Ruth+ (Ruth 2, 5). Aus den
-Holzschnitten zum Alten Testament.]
-
-[Illustration: Abb. 82. +Die betrübte Hanna+ (1. Samuel 1, 15). Aus den
-Holzschnitten zum Alten Testament.]
-
-[Illustration: Abb. 83. +Salomon segnet die Gemeinde+ (2. Chronica 6,
-3). Aus den Holzschnitten zum Alten Testament.]
-
-Merkwürdigerweise kam derselbe erst viele Jahre nach seinem Entstehen
-zur Veröffentlichung. Nur fünf Probedruckexemplare sind vorhanden
-(in den Museen zu Basel, Berlin und London, im Kupferstichkabinett
-zu Karlsruhe und in der Nationalbibliothek zu Paris) von der ersten
-beabsichtigten Ausgabe; die Zahl der Bilder beträgt hier vierzig,
-und der Text beschränkt sich auf Überschriften in deutscher Sprache.
-Von einer anderen Ausgabe, die ein Blatt enthält, welches dort fehlt
-und die sich dadurch von jener unterscheidet, daß die Überschriften,
-in denen auch einiges wenige anders gefaßt ist -- mit gotischen
-(sogenannten deutschen) Lettern gedruckt sind statt mit den sonst
-damals bevorzugten lateinischen, ist nur ein einziges Exemplar (in der
-Pariser Bibliothek) vorhanden. Die erste wirkliche Veröffentlichung
-erfolgte im Jahre 1538 zu Lyon durch die Druckerei der Brüder Caspar
-und Melchior Trechsel. Diese Ausgabe enthält die 41 Bilder, jedes
-von einer Bibelstelle in lateinischer Sprache und von französischen
-Versen begleitet, mit einer Vorrede des französischen Herausgebers,
-die der Äbtissin des St. Petersklosters zu Lyon gewidmet ist. In
-späteren Auflagen, die auch mit ins Deutsche übertragenen Versen
-erschienen, kamen noch acht Bilder hinzu, die in der ersten Ausgabe
-weggeblieben waren, weil Lützelburger vor ihrer Vollendung vom Tode
-hinweggerafft worden war, und weil -- nach den Worten des gelehrten
-französischen Geistlichen, der die Vorrede verfaßte und in dieser,
-mit Übergehung Holbeins, dem Formschneider alles Verdienst an den
-Zeichnungen zuschrieb -- niemand an die unvollendeten Bilder die Hand
-zu legen wagte, so wenig wie jemand den himmlischen Regenbogen berühren
-könnte. Erst nach vielen Jahren fand sich eine andere Kraft, die der
-hinterlassenen Aufgabe leidlich gerecht wurde. Diese nachträglich
-geschnittenen oder im angefangenen Schnitt vollendeten sind Bilder,
-die, ohne den Zusammenhang zu stören, weggelassen werden konnten; denn
-sie reihen sich nicht der herkömmlichen Ordnung nach Ständen ein,
-sondern enthalten -- wie die Bildchen der Buchstaben ~T~ bis ~X~ des
-Todesalphabets -- frei erdachte Darstellungen sittenbildlicher Art
-(Abb. 77). Von einigen Stücken, die erst in viel späteren Ausgaben,
-lange nach des Künstlers Tode, eingeschoben worden sind, erscheint
-es fraglich, ob ihre Einreihung in das Ganze von Holbein selbst
-beabsichtigt war. -- Die drei ersten Bilder der Folge enthalten die
-Einleitung des Bildergedichts: die Erschaffung der Eva, den Sündenfall
-und die Vertreibung aus dem Paradies. Dann tritt der Tod auf; er hilft
-Adam bei der Bearbeitung der Erde mit einem unbeschreiblichen Ausdruck
-wilden Vergnügens. Die Freude des Todes darüber, daß die Menschheit
-ihm verfallen ist, verkündet auf dem nächsten Blatt ein Konzert von
-Gerippen, deren einige zum Hohn sich lächerlich aufgeputzt haben,
-mit lärmendem Jubel. Und jetzt sucht der Tod alle Stände heim, vom
-Papst und Kaiser angefangen bis zu dem Ärmsten und Geringsten und zum
-unmündigen Kinde. Mit grausigem Humor mischt er sich in die Thätigkeit
-der Menschen, bald heimlich, bald offen, unerkannt oder Entsetzen
-verbreitend. Dem schmausenden König reicht er als Mundschenk den Wein,
-als verbindlicher Kavalier geleitet er die Kaiserin und als tanzender
-Narr ergreift er die Königin inmitten ihres Hofstaats. Höhnisch
-trägt er Inful und Hirtenstab, da er den Abt hinwegzerrt; mit einem
-Kranze geschmückt, wie ihn die jungen Stutzer bei Tanz und Gelagen
-zu tragen pflegten, reißt er die Äbtissin über die Klosterschwelle;
-als Mesner naht er sich dem Prediger. Bekränzt und tanzend verhöhnt
-er, von einem lustig musizierenden Gerippe begleitet, eine alte Frau,
-die rosenkranzbetend am Stabe dahinschleicht. Den Arzt sucht er als
-Begleiter eines Patienten auf; mit fragender Miene reicht er dem
-Gelehrten einen Schädel dar; dem Reichen raubt er sein Geld. Aus den
-Wogen aufsteigend, zerbricht er den Mast eines Schiffes auf stürmischer
-See (Abb. 73); von Panzer und Kettelhemd umschlottert, rennt er einem
-Ritter den Speer durch Harnisch und Leib (Abb. 74). Er hilft beim
-bräutlichen Schmücken der jungen Gräfin und schreitet als Trommler vor
-dem vornehmen Ehepaar her (Abb. 75). Wie ein Wegelagerer überfällt er
-den Krämer auf offener Landstraße; er treibt als übereifriger Knecht
-das Gespann des Bauersmannes, der in reizvoll friedlicher Landschaft
-hinter dem Pfluge herschreitet (Abb. 76). Welches der Bildchen man
-auch betrachten mag, jedes einzelne ist eine beziehungsreiche,
-geistvolle Schöpfung, in die man sich lange vertiefen kann. Als ein
-bemerkenswertes Zeichen der Zeit sieht man in manchen der Blätter,
-wie die humoristischen Züge sich in Satire verwandeln. Auch sieht man
-die Zeitereignisse selbst sich wiederspiegeln; so sind bei dem Bilde
-des Papstes, den der Tod aus einer Handlung höchster Machtentfaltung
-herausreißt, während ein Teufel zum Empfang seiner Seele bereit
-steht, die Anspielungen auf Leo X. († 1521) hinreichend deutlich; der
-ehrenfeste alte Kaiser, der im Ausüben der Gerechtigkeit unterbrochen
-wird (Abb. 72), ist unverkennbar Maximilian († 1519), und der König
-trägt die Züge Franz’ I. von Frankreich, obgleich dieser damals noch
-lebte; der Graf, dem der Tod in der Tracht eines Bauern entgegentritt,
-um ihn mit dem eigenen Wappenschild niederzuschlagen, und der Ratsherr,
-den der Tod abruft, während er sich weigert, einem geringen Mann Gehör
-zu schenken, erinnern an den im Jahre 1525 bis an die Thore Basels
-herantobenden Bauernaufstand und an die Ursachen seiner Entstehung.
-Die Folge endigt mit dem allgemeinen Weltgericht (Abb. 78) und mit
-einem Schlußblatt, welches das Wappen des Todes zeigt: ein Totenkopf
-in zerfetztem Schild, eine Sanduhr und zwei erhobene Knochenarme als
-Helmzier (Abb. 79); daß dem Herrscher Tod ein Wappen zustand, war
-eine eingebürgerte Vorstellung, die ja auch Dürer einmal zu einem
-Kupferstich angeregt hatte.
-
-In demselben Verlage wie die Todesbilder, und ebenfalls erst im
-Jahre 1538 erschien die größte von Holbein gezeichnete Bilderfolge,
-seine Illustrationen zum Alten Testament. Daß auch diese Blätter in
-den Jahren 1523 bis 1526, wenigstens der Mehrzahl nach, entstanden
-sind, beweist der Umstand, daß die Schnittausführung der meisten die
-Hand Lützelburgers erkennen läßt; diejenigen, welche von anderer
-Hand geschnitten worden sind, fallen in sehr bemerklicher Weise
-gegen die ersten ab. Die Trechselsche Veröffentlichung brachte die
-Zeichnungen nicht, wie sie wohl ursprünglich gedacht waren, im Text
-einer Bibelausgabe, sondern als selbständiges Bilderwerk. Jedem
-Blatt wurde eine Anführung der betreffenden Schriftstelle und eine
-kurze Erläuterung in französischen Versen beigegeben. Dazu kam eine
-Vorrede in lateinischen Versen; in dieser wurde nicht, wie in der
-Veröffentlichung des Totentanzes, Holbeins Name verschwiegen; vielmehr
-wurde der Künstler, der sich freilich gefallen lassen mußte, daß sein
-Name dem Versmaß zuliebe die verkümmerte Form Holbius annahm, über
-Apelles und die anderen berühmtesten Maler des griechischen Altertums
-erhoben. Der Verfasser der Vorrede hatte Holbein persönlich kennen und
-bewundern gelernt. -- In demselben Jahre wie die erste Ausgabe des
-später noch oftmals aufgelegten Bilderwerks erschienen die Zeichnungen
-auch in einer lateinischen Bibelausgabe, die von einem anderen Drucker
-zu Lyon, Hugo a Porta, veranstaltet wurde. In dieser seltenen Ausgabe
-sind einige Bilder weggelassen; dafür aber ist eines, der Sündenfall,
-vorhanden, das dort fehlt und das sonst nur in einem im Museum zu Basel
-bewahrten Probedruckexemplar vorkommt. -- Holbeins Bilder zum Alten
-Testament sind im allgemeinen viel weniger bekannt, als sein Totentanz.
-Aber diese 91 Bildchen -- das Format ist auch hier ein kleines --
-verdienen die allergrößte Beachtung. Während der Künstler in jenem
-anderen Werk durch seine geistreichen Einfälle überrascht und fesselt,
-schließt er sich hier schlicht und treu an das zu verbildlichende
-Wort des Textes an. Er zeigt sich als ein Erzähler allerersten
-Ranges, der in jeder Darstellung alles, worauf es ankommt, mit der
-liebenswürdigsten Einfachheit und Natürlichkeit, in knappster Fassung
-zu sagen weiß, nichts wesentlich zur Sage Gehöriges vergißt und alles
-Überflüssige vermeidet (Abb. 80-85).
-
-[Illustration: Abb. 84. +Die Heimkehr aus der babylonischen
-Gefangenschaft+ (1. Esra 1, 5). Aus den Holzschnitten zum Alten
-Testament.]
-
-[Illustration: Abb. 85. +Der Prophet Amos+ (Amos 1, 1). Aus den
-Holzschnitten zum Alten Testament.]
-
-Zu den Schnitten Lützelburgers gehört auch ein in sehr wenigen
-Exemplaren erhaltenes Bildchen, das offenbar als Kopfstück ein
-fliegendes Blatt geschmückt hat, ein von reformatorischer Seite
-ausgegebenes Spottblatt, das um seiner Schärfe willen von der Baseler
-Obrigkeit unterdrückt worden sein mag. Dasselbe zeigt in seiner rechten
-Hälfte einen geschmückten Saal, in dem die Leute sich drängen, um die
-von dem thronenden Papste, dessen Person das allenthalben angebrachte
-Mediceerwappen kennzeichnet, ausgegebenen Ablaßzettel zu kaufen; links
-aber sieht man draußen im Freien David, Manasse und den armen Zöllner
-als die Vertreter der wahren Bußfertigen, und diesen breitet Gott Vater
-vom Himmel herab seine Arme entgegen. Eine Zeichnung ähnlicher Art, die
-in der feinen Schnittausführung ebenfalls Lützelburgers Hand erkennen
-läßt, erschien als Kopfstück des 1527 gedruckten „Evangelischen
-Kalenders“ von ~Dr.~ Johannes Copp. Das Bildchen zeigt Christus als das
-wahre Licht, das die Welt durchstrahlt und das gläubige Volk an sich
-zieht, während der Papst und seine Geistlichkeit ihm den Rücken wenden,
-um, von den heidnischen Philosophen Plato und Aristoteles angeführt, in
-den Abgrund zu stürzen.
-
-Der kirchliche Zwiespalt, in den der Künstler sich mit diesen
-Blättern mischte, nahm in Basel scharfe Formen an. Alles entbrannte
-in religiösem Parteieifer. Dabei froren die Künste, wie Erasmus
-sich in einem Briefe ausdrückte. Es machte sich eine entschieden
-bilderfeindliche Partei geltend. Im Januar 1526 richtete die
-Malerzunft ein Bittgesuch an den Rat, er möge gnädiglich dafür sorgen,
-daß sie, die eben auch Frau und Kinder hätten, in Basel verbleiben
-könnten. Auch Holbeins Erwerbsverhältnisse gestalteten sich schlecht.
-Wie wenig Verwendung die Regierung Basels für seine Kunst hatte, geht
-aus den Ratsrechnungen hervor, die als einzige an Holbein in diesen
-Jahren geleistete Zahlung einen geringfügigen Betrag nennen, den
-er im März 1526 dafür bekam, daß er „etliche Schilde am Städtlein
-Waldenburg,“ wohl das obrigkeitliche Wappen an öffentlichen Gebäuden
-dieser zum Baseler Gebiet gehörigen Stadt, gemalt hatte.
-
-[Illustration: Abb. 86. +Jakob Meyer zum Hasen.+ Zeichnung in schwarzer
-und farbiger Kreide, Studie zu dem Madonnenbild in Darmstadt. Im Museum
-zu Basel.
-
-(Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach
-i. E. und Paris.)]
-
-Doch war es aller Wahrscheinlichkeit nach in eben diesem Jahre, daß
-Holbein von seinem alten Gönner Jakob Meyer einen Auftrag bekam,
-in dessen Ausführung er ein Werk schuf, das zweifellos unter allen
-religiösen Bildern, die von ihm erhalten geblieben sind, das schönste
-ist.
-
-Jakob Meyer zum Hasen, der das Bürgermeisteramt zum letztenmal im
-Jahre 1521 bekleidet hatte, hielt, während die Reformation in Basel
-immer mehr die Überhand bekam, streng an der alten Kirche fest. So
-ließ er gerade damals, wo die katholische Partei sich kaum noch im
-Rat zu behaupten vermochte, ein offenbar zur Aufstellung auf einem
-Kapellenaltar bestimmtes Gemälde anfertigen, in dem er gleichsam ein
-öffentliches Glaubensbekenntnis ablegte. Er ließ sich selbst mit seiner
-ganzen Familie abbilden, wie sie sich unter den Schutz und Schirm der
-Jungfrau Maria stellen. In der Ausführung dieses Auftrags schuf Holbein
-das herrliche Marienbild, das sich jetzt im Besitz des Großherzogs von
-Hessen befindet und im großherzoglichen Schlosse zu Darmstadt bewahrt
-wird.
-
-Von den Vorarbeiten Holbeins zu diesem Gemälde haben sich die
-Bildnisaufnahmen von Jakob Meyer, von Frau Dorothea und von deren
-Tochter Anna erhalten. Diese drei Zeichnungen, in der bekannten Art
-des Künstlers mit schwarzer Kreide unter Zuhilfenahme von ein paar
-Buntstiften ausgeführt, befinden sich im Museum zu Basel. Der Kopf des
-Mannes (Abb. 86) ist auf gelblich getöntem Hintergrund mit Schwarz
-und Rot in ganz leichter Behandlung zu ganz sprechender Wirkung
-gebracht; auch der Ausdruck, den er im Gemälde bekommen sollte, ist
-schon angedeutet. Der Kopf der Frau (Abb. 87) ist durch das „Gebände“
-stärker verhüllt, als es dem Maler später bei der Ausführung gut
-schien; die Farbenangaben beschränken sich auf das Rot im Gesicht und
-etwas Braun zur Bezeichnung des die Haube durchschimmernden Haares und
-des Pelzfutters am Mantelkragen. Anna Meyer (Abb. 88), deren Alter
-von etwa dreizehn Jahren für die Feststellung der Entstehungszeit des
-Bildes mitbestimmend ist, ist gleich in halber Figur gezeichnet, die
-Arme annähernd in der Haltung, die sie im Gemälde bekommen sollten;
-von leicht grünlich angetuschtem Hintergrund heben sich das Gesicht
-mit seinem zarten Fleischton, das goldbraune Haar, dessen Farbe mit
-ineinander gezeichnetem Gelb und Braun erreicht ist, und die weiße
-Kleidung, die durch einen roten Gürtel und durch gelb angegebene
-Verzierungen am Halsband belebt wird, in fast schon völlig malerischer
-Wirkung ab. Das junge Mädchen sieht in der Zeichnung entschieden
-vorteilhafter aus, als im Gemälde; das liegt hauptsächlich daran, daß
-das offene Haar sie viel besser kleidet, als der festliche, wohl bei
-einer besonderen Veranlassung, etwa der ersten Kommunion, gebräuchliche
-Kopfputz, der den größten Teil des in Zöpfen hochgesteckten Haares
-verdeckt.
-
-[Illustration: Abb. 87. +Jakob Meyers Ehefrau Dorothea Kannegießer.+
-Zeichnung in schwarzer und farbiger Kreide, Studie zu dem Madonnenbild
-in Darmstadt. Im Museum zu Basel. (Nach einer Originalphotographie von
-Braun, Clément & Cie. in Dornach i. E. und Paris.)]
-
-Das Gemälde selbst (Abb. 89), in dreiviertel Lebensgröße ausgeführt,
-ist eines der seltenen Kunstwerke, die gleich beim ersten Anblick den
-Beschauer mit der ganzen Macht einer vollkommenen Kunst überwältigen
-und die man, wenn man sie einmal gesehen hat, nie wieder vergißt.
-
-[Illustration: Abb. 88. +Anna Meyer.+ Zeichnung in schwarzer und
-farbiger Kreide, Studie zu dem Madonnenbild in Darmstadt. Im Museum zu
-Basel.]
-
-[Illustration: Abb. 89. „+Madonna des Bürgermeisters Meyer.+“ Im
-großherzoglichen Schloß zu Darmstadt.]
-
-[Illustration: Abb. 90. +Alte Kopie von Holbeins „Madonna des
-Bürgermeisters Meyer.“+ In der königl. Gemäldegalerie zu Dresden.
-
-(Nach einer Photographie von Franz Hanfstängl in München.)]
-
-[Illustration: Abb. 91. „+Lais Corinthiaca.+“ Ölgemälde von 1526. Im
-Museum zu Basel.
-
-(Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach
-i. E. und Paris.)]
-
-[Illustration: Abb. 92. +Liebesgöttin.+ Ölgemälde, im Museum zu Basel.
-
-(Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach
-i. E. und Paris.)]
-
-
-[Illustration:
-
- Elisabeth Margareta John Thomas John More, Cäcilie Alice, Thomas
- Dancy, Gigs, eine More, Morus. der Sohn. Heron, Morus’ zweite
- zweite mit den Thomas’ jüngste Frau.
- Tochter. Töchtern Vater. Tochter.
- erzogene Anna Grisacre, Henry Margareta Roper,
- Verwandte. Braut des Sohnes. Paterson, älteste Tochter.
- der Hausnarr.
-
-Abb. 93. +Entwurf zu dem Familienbild des Thomas Morus.+ Federzeichnung
-im Museum zu Basel.
-
-Die Namensbeischriften auf dieser Zeichnung sind von der Hand Thomas
-Morus’, die Notizen über einige Änderungen in der Anordnung von der
-Hand Holbeins.]
-
-[Illustration: Abb. 94. +Thomas Morus.+ Zeichnung in schwarzer und
-farbiger Kreide, Studie zu dem More’schen Familienbild.
-
-In der Bibliothek der Königin von England im Schlosse zu Windsor. (Nach
-einer Photographie von Franz Hanfstängl in München.)]
-
-[Illustration: Abb. 95. +Sir John More, Vater von Thomas Morus.+ Studie
-zu dem More’schen Familienbilde, mit schwarzer und farbiger Kreide
-gezeichnet. In der Bibliothek der Königin von England im Schlosse zu
-Windsor.
-
-(Nach einer Photographie von Franz Hanfstängl in München.)]
-
-Die Himmelskönigin erscheint hier nicht thronend, sondern sie steht
-aufrecht mitten unter der Familie des Stifters, über die ihr Mantel
-sich ausbreitet; das göttliche Kind schmiegt sein Köpfchen an die
-Brust der Mutter und streckt das Händchen segnend über die Beter
-aus. Auf der einen Seite kniet Jakob Meyer in inbrünstigem Gebet,
-neben ihm sein etwa zwölfjähriger Sohn, dessen Andacht einigermaßen
-gestört wird durch das jüngste Familienmitglied, ein entzückendes
-nacktes Knäblein, das sich um himmlische Dinge noch gar nicht kümmert
-und vom Bruder mit beiden Händen festgehalten werden muß. Gegenüber
-knieen die erste und die zweite Frau des Bürgermeisters in stiller
-ernster Andacht, sowie die einzige Tochter, deren Aufmerksamkeit
-zwischen dem Rosenkranz in ihren Händen und dem niedlichen kleinen
-Brüderchen geteilt erscheint. -- Etwas Wunderbares von Ausdruck ist
-der Kopf Meyers: tiefste, aufrichtige Frömmigkeit eines Mannes, der in
-vertrauensvollem Gebet Beruhigung sucht gegenüber den Bitterkeiten,
-die ihm die Außenwelt und das eigene trotzige Gemüt bereiten; und
-wie stimmen mit den gespannten Muskeln des Gesichts die ineinander
-gepreßten Finger überein! Und wie wird dieser Ausdruck durch den
-Gegensatz der unschuldigen Knabengesichter gehoben! Sehr eigentümlich
-wirken die beiden Frauen nebeneinander: die eine, die so recht
-mitten im Leben steht, deren gesundem, beweglichem Gesicht man die
-unermüdliche Thätigkeit der waltenden Hausfrau ansieht, und die
-längst verstorbene, die nicht mehr zu dieser Welt gehört, die in der
-geraden Profilansicht von Kopf und Gestalt den Eindruck einer starren
-Regungslosigkeit macht, und von deren Gesicht -- das Holbein nie
-gesehen hatte -- nur ein kleines Stück aus dem verhüllenden Gebäude
-wie aus Leichentüchern hervorschaut. Eigentümlich wirkungsvoll ist es
-auch, daß man von den gefalteten Händen der Frauen, die Tochter mit
-einbegriffen, nur Fingerspitzen sieht. Über den Menschengesichtern
-in ihrer bewegten Mannigfaltigkeit steht das Antlitz der Gnadenmutter
-in himmlischer Ruhe, ein Antlitz, das in seiner Schlichtheit von Form
-und Ausdruck eine so ernst und innig empfundene Künstlerschöpfung
-ist, daß es selbst mit den frommen Meisterwerken des XV. Jahrhunderts
-den Vergleich aushält. Das Jesuskind blickt den Beschauer mit nur
-halbzugewendetem Gesicht mit schmerzlichen Zügen, als ob es eben
-geweint hätte, an. Das ist ein sicher nicht von dem Maler, sondern
-von dem Besteller ausgehender Gedanke, den Erlöser in solcher Weise
-seinem Kummer über die kirchlichen Zustände Basels Ausdruck geben zu
-lassen. Auf Rechnung des Künstlers ist es zu setzen, daß das Jesuskind
-mit der linken Hand segnet; hätte der Maler das Kind die rechte Hand
-aufheben lassen, so hätte er auf das die Stimmung, die der Wunsch des
-Bestellers angegeben hatte, so wesentlich steigernde Motiv verzichten
-müssen, daß das Kind sich wie müde zurücklehnt. -- Im Jahre 1887 ist
-das Gemälde, das an vielen Stellen von willkürlichen Übermalungen
-bedeckt war, durch kundige Hand von diesen befreit worden, und es ist
-unter der Schicht der Überarbeitungen in einem überraschenden Zustand
-von Unversehrtheit zu Tage gekommen, so daß wir in diesem Meisterwerk
-Holbeins die Pracht seiner Farbe ganz und voll bewundern können,
-die sich hier in einer Frische zeigt, als ob das Bild eben erst die
-Staffelei verlassen hätte. Der leuchtende Kernpunkt des Farbenzaubers
-ist das Gesicht Marias, ganz hell, mit rosigen Wangen. Das blonde Haar,
-das unter der goldenen, mit Perlen und einem violettroten Edelstein
-geschmückten Krone dieses Gesicht umschließt, ist weich und wunderbar
-fein; wie es lockig flimmert und mit seinen losen Enden auf dem Mantel
-haften bleibt, das ist etwas Einziges; es ist mit künstlerischem
-Wonnegefühl gemalt; Dürer hat niemals die einzelnen Härchen mit
-größerer Feinheit gezeichnet, dabei ist aber hier zugleich das Haar
-als Ganzes vollendet malerisch. Der Marienkopf mit seiner goldigen
-Einfassung und mit dem krausblonden Kopf des Jesuskindes, dessen Körper
-die Helligkeitsfarbe des Gesichts fortführt bis zu den Händen Marias,
-so daß all diese zarten Fleischtöne eine geschlossene Lichteinheit
-bilden, hat als Hintergrund den schimmernden Ton einer muschelförmigen
-Nischenwölbung aus blank geschliffenem braunroten Marmor. Der übrige
-Teil der Nische besteht aus einem grauen Stein, dessen kalte Farbe
-mit anspruchslosen Tönen in das Blau der daneben sichtbar werdenden,
-von grünen Feigenbaumzweigen durchschnittenen Luft hinüberleitet.
-Marias Kleid ist dunkel grünblau, mit goldfarbigen Unterärmeln, in
-denen, wie auch in allen Schmucksachen, wirkliches Gold beim Malen
-angewendet ist; die große dunkle Masse des Gewandes, dessen Schatten
-mit der unbeleuchteten Innenseite des grünlichgrauen Mantels ganz
-zusammengehen, wird durch einen hochroten Gürtel unterbrochen; an den
-Handgelenken kommt ein schmaler Weißzeugstreifen zum Vorschein, und am
-Brustsaum liegt ein dünner, schleierartiger Stoff zwischen Kleid und
-Hals. Die Gruppe zur Rechten Marias geht aus tiefem Schwarz, das in
-Meyers Haar und seinem aus Moireestoff gefertigten, mit hellbraunem
-Pelz gefütterten Überrock steht, in das Licht des dem Christuskörper
-an Helligkeit gleichkommenden Fleisches des Kleinen über durch farbige
-Mitteltöne hindurch, die die Kleidung des größeren Knaben gibt;
-dieser braunlockige Knabe hat einen hellbraunen Rock mit braunrotem
-Sammetbesatz, mit goldenen Hafteln und Nesteln, an dünnen blauen
-Schnürchen und zinnoberrote Beinkleider an; an seinem Gürtel hängt eine
-gelblichgrüne Börse mit mattblauen Seidenquästchen. Eine entsprechende
-Abstufung geht durch die drei Gesichter: die kräftige Gesichtsfarbe
-Meyers, mit blauen Spuren des rasierten Bartes, die frische Farbe
-des Knaben und das zarte Kindergesicht. In der Gruppe der Frauen
-stehen zwischen Schwarz und Weiß außer dem Gesicht der lebenden Frau,
-das, ganz von Weiß umgeben, doppelt farbig wirkt, nur wenige kleine
-Farbenflecken; das Kopfband von Anna Meyer besteht aus Goldstoff mit
-reicher Perlenstickerei, karminrote Seidenquästchen hängen über dem
-braunen Zopf, oben auf dem Band liegt ein Kränzchen von weißen und
-roten Blumen mit wenigen grünen Blättchen; der Rosenkranz in Annas
-Händen ist rot. Der Fußteppich, der nach vorn über eine niedrige Stufe
-fällt, hat auf dunkelgelbem Grund rot und grüne Musterungen mit etwas
-Weiß und Schwarz; sein Gesamtton ist sehr warm. -- Die Beschreibung der
-Farben eines Bildes kann freilich von ihrer Stimmung keine Vorstellung
-geben. Die Farbenstimmung des Darmstädter Gemäldes ist so, als ob man
-Kirchenglocken läuten hörte.
-
-[Illustration: Abb. 96. +Wilhelm Warham, Erzbischof von Canterbury.+
-Zeichnung in schwarzer und farbiger Kreide, in der Bibliothek der
-Königin von England im Schlosse zu Windsor. (Nach einer Photographie
-von Franz Hanfstängl in München.)]
-
-[Illustration: Abb. 97. +Wilhelm Warham, Erzbischof von Canterbury.+
-Ölgemälde im Louvremuseum zu Paris.]
-
-[Illustration: Abb. 98. +Johannes Fischer, Bischof von Rochester.+
-Zeichnung in schwarzer und farbiger Kreide, in der Bibliothek der
-Königin von England im Schlosse zu Windsor. (Nach einer Photographie
-von Franz Hanfstängl in München.)]
-
-[Illustration: Abb. 99. +~D.~ Stockesley, Bischof von London.+ In
-der königl. Gemäldegalerie des Schlosses zu Windsor. (Nach einer
-Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach i. E. und
-Paris.)]
-
-In der Farbe und ihrem Eindruck auf das Gemüt des Beschauers liegt
-der größte Unterschied zwischen dem Originalgemälde der „Madonna
-des Bürgermeisters Meyer“ und der in der Dresdener Gemäldegalerie
-befindlichen Kopie desselben, die, in unbekannter Zeit entstanden,
-so geschickt gemalt ist, daß sie mehr als ein Jahrhundert lang für
-das Original gelten konnte. Aber nicht in der Farbe allein. Auch die
-photographische Abbildung zeigt, wieviel die Komposition an Innigkeit
-verloren hat dadurch, daß der Kopist die Holbeinsche Gedrungenheit in
-der Figur Marias durch schlankere Verhältnisse verbessern zu müssen
-glaubte, und daß er, ebenfalls aus einem falschen Schönheitsgefühl, die
-Nische höher gemacht hat; und auch, wie in den Köpfen die Charaktere
-unter der Hand des Kopisten abgeschwächt worden sind (Abb. 90).
-
-Wohl nicht auf Bestellung, sondern aus eigener Lust gemalt in
-freier Zeit, die die bilderfeindlichen Verhältnisse des Jahres 1526
-dem Künstler ließen, sind zwei idealisierende Bilder einer jungen
-Dame, die sich im Museum zu Basel befinden, und von denen eines
-diese Jahreszahl trägt. Die in kleinem Maßstabe -- etwa ein Drittel
-Lebensgröße -- mit köstlicher Feinheit ausgeführten Gemälde zeigen
-in fast übereinstimmender Farbenwirkung die blonde junge Frau,
-deren helle Haut einen etwas matten Ton hat, in halber Figur, in
-einem Kleide von dunkelrotem Sammet mit weiß ausgepufften und mit
-goldenen Nestelschnürchen besetzten Schlitzen, mit weiten Überärmeln
-von dunkelgoldfarbiger Seide; sie sitzt hinter einer Brüstung von
-grauem Stein, in ihrem Rücken hängt ein dunkelgrüner Vorhang in
-breiten Falten herab. In dem einen Bilde sieht man auf der Platte
-der Steinbrüstung ein Häuflein Goldstücke liegen; die Dame streckt
-ihre Rechte dem Beschauer geöffnet entgegen, wie um mehr einzunehmen,
-während ihre Linke in den Falten eines über dem Schoß liegenden
-blauen Mantels ruht; sie blickt mit gesenkten Augen vor sich hin,
-und in dem Ausdruck des feinen Gesichts liegt eine stille, tiefe
-Traurigkeit. Auf der Kante der Steinplatte stehen wie eingemeißelt die
-Worte: „~Lais Corinthiaca.~ 1526“ (Abb. 91). In dem anderen Bilde,
-das sich hinsichtlich der Kleidung dadurch von jenem unterscheidet,
-daß auf dem Haar statt des Goldhäubchens, das man dort sieht, ein
-schwarzes, mit etwas Gold verziertes Häubchen sitzt, und daß die
-Unterarme unverhüllt aus den gelbseidenen Überärmeln hervorkommen,
-blickt die Schöne den Beschauer lächelnd an, ihre Hand bewegt sich
-zu einladendem Gruß; von ihren Knieen aus lehnt sich ein Amor über
-die Steinbrüstung, ein allerliebster rothaariger kleiner Schelm, der
-einen Pfeil im Händchen hält (Abb. 92). Der Sinn der beiden Gemälde
-wird durch ihre Nebeneinanderstellung klar: das begehrte Gold vermag
-das junge Weib nicht glücklich zu machen, aber die Liebe. Über die
-Beziehungen Holbeins zu der so von ihm abgemalten Persönlichkeit läßt
-die Unterschrift „~Lais Corinthiaca~“ kaum einen Zweifel. Die wegen
-ihrer verführerischen Schönheit berühmte Hetäre Lais von Korinth war
-eine Geliebte des Apelles; und Apelles genannt zu werden, daran war
-Holbein ebenso wie andere von gelehrten Bewunderern umgebene Maler
-jener Zeit gewöhnt. Den Namen der Dame verrät das alte Verzeichnis der
-Amerbachschen Sammlung: sie war eine Tochter des Adelsgeschlechts von
-Offenburg.
-
-Schon im Jahre 1524 hatte Erasmus von Rotterdam daran gedacht,
-seinem jungen Freund, dessen Einnahmen in Basel in keinem Verhältnis
-standen zu seiner hohen Begabung, ein fruchtbareres Erwerbsgebiet
-zu verschaffen, indem er ihn seinen Freunden in England empfahl.
-Und Thomas Morus, der große Staatsmann und Gelehrte, der wenige
-Jahre später Lordkanzler von England wurde, versprach in seinem
-Antwortschreiben an Erasmus, er wolle sein möglichstes für dessen
-Maler thun, den er aus den übersandten Werken als „einen wunderbaren
-Künstler“ erkannt hatte. Unter den für die Kunst sich immer trüber
-gestaltenden Verhältnissen Basels entschloß sich Holbein, dem Rate
-seines Gönners zu folgen, und verließ Basel gegen den Herbst 1526, um
-über Antwerpen nach England zu reisen.
-
-Als Freund des Erasmus wurde Holbein im Hause des Thomas Morus in
-Chelsea als ein lieber Gast aufgenommen. Als Künstler war er hier,
-auch ehe Erasmus sein von ihm gemaltes Bildnis an Morus sandte, kein
-ganz Unbekannter; denn in der Ausgabe von Morus’ in der ganzen Welt
-gelesenem Buche „Utopia“, die Froben im Jahre 1518 veranstaltete, war
-der Widmungstitel mit der von Holbein im Jahre 1515 entworfenen und mit
-seinem Namen bezeichneten Einfassung geschmückt.
-
-[Illustration: Abb. 100. +Sir Henry Guildford, Stallmeister König
-Heinrichs VIII.+ Gemälde von 1527 in der königl. Gemäldegalerie des
-Schlosses zu Windsor.
-
-(Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach
-i. E. und Paris.)]
-
-[Illustration: Abb. 101. +Bildnis eines Unbekannten.+ Im Pradomuseum zu
-Madrid.
-
-(Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach
-i. E. und Paris.)]
-
-[Illustration: Abb. 102. +Nikolaus Kratzer, Hofastronom König Heinrichs
-VIII. von England.+ Ölgemälde von 1528.
-
-Im Louvremuseum zu Paris.]
-
-[Illustration: Abb. 103. +Sir Thomas Goldsalve mit seinem Sohne John.+
-Ölgemälde von 1528. In der königl. Gemäldegalerie zu Dresden. (Nach
-einer Photographie von Franz Hanfstängl in München.)]
-
-Durch die Empfehlung seines hochstehenden Gastfreundes fand Holbein
-reichliche Beschäftigung als Porträtmaler. Zunächst malte er natürlich
-den Thomas Morus selbst. Von vielen auf diesen Namen getauften und
-Holbein zugeschriebenen Bildnissen gilt ein in London in Privatbesitz
-befindliches Bild in halber Figur, mit der Jahreszahl 1527 bezeichnet,
-als das einzige echte. Die ganze Familie des Morus malte er in einem
-umfangreichen Bilde lebensgroß mit Wasserfarben auf Leinwand. Dieses
-bewunderte Gemälde ist spurlos verschwunden. Aber das Baseler Museum
-bewahrt einen Entwurf zu demselben, eine geistreiche Federzeichnung
-in Umrissen (Abb. 93). Thomas Morus schickte dieses Blatt, auf dem
-er zu jeder der in den wenigen Strichen schon ganz porträtähnlich
-angegebenen Personen den Namen beischrieb, durch den Künstler selbst,
-als dieser heimkehrte, als Geschenk an Erasmus. Von den Zeichnungen
-in Ausführungsgröße, in denen Holbein die einzelnen Köpfe des
-Familienbildes aufnahm, sind glücklicherweise die meisten erhalten; sie
-befinden sich in der Bibliothek des königlichen Schlosses zu Windsor
-(Abb. 94 der Kopf des Thomas Morus und Abb. 95 derjenige von dessen
-Vater). -- Wohl auch zu den ersten Personen, die Holbein in England
-porträtierte, gehörten die hohen geistlichen Freunde und Gönner des
-Erasmus: der Erzbischof Warham von Canterbury und der Bischof Fisher
-von Rochester. Auch von diesen Bildnissen werden die Zeichnungen im
-Windsorschlosse bewahrt (Abb. 96 und 98). Das Bild Warhams ist in zwei
-eigenhändigen Ausführungen vorhanden, von denen sich die eine noch im
-erzbischöflichen Palast in Southwark, die andere im Louvre befindet
-(Abb. 97). Den Porträts der beiden greisen Kirchenfürsten reiht sich
-dasjenige eines jüngeren Herrn, des Bischofs Stokesley von London an,
-das sich in der Gemäldegalerie des Windsorschlosses befindet (Abb. 99).
-In der nämlichen Sammlung prangt ein Hauptwerk des Jahres 1527, das
-Porträt des Sir Henry Guildford, Stallmeisters König Heinrichs VIII.
-Der mit Morus befreundete und auch mit Erasmus bekannte ritterliche
-Herr, der in dem Feldzug gegen Frankreich das Banner seines Königs
-in der Schlacht getragen hatte, steht in reicher Staatskleidung da,
-mit Unterkleidern von Goldbrokat unter dem pelzbesetzten schwarzen
-Überrock, mit der Kette des Hosenbandordens geschmückt und mit dem
-Kammerherrenstab in der Hand (Abb. 100). Ein Prachtstück der Malerei,
-das, wie man aus der Tracht schließen kann, während des ersten
-Aufenthalts Holbeins in England entstand, ist das im Pradomuseum zu
-Madrid befindliche Bildnis eines in Schwarz gekleideten alten Herren
-mit sehr roter Gesichtsfarbe und ungewöhnlich großer Nase (Abb. 101).
-Mit der Jahreszahl 1528 ist das treffliche Bildnis des königlichen
-Hofastronomen Nikolaus Kratzer aus München, im Louvre, bezeichnet,
-eine lebensgroße Halbfigur, von wissenschaftlichen Geräten, die mit
-der äußersten Genauigkeit gemalt sind, umgeben (Abb. 102). Deutschland
-besitzt ein Werk von 1528 in dem kleinen Doppelbildnis des Thomas
-Goldsalve und seines Sohnes John in der Dresdener Galerie (Abb. 103).
-Wahrscheinlich gehört auch das in der Münchener Pinakothek befindliche,
-leider schlecht erhaltene Bildnis des Sir Bryan Tuke in diese Zeit, auf
-dem der Abgebildete, wohl durch Holbeins Totentanzzeichnungen angeregt,
-neben sich den Tod darstellen ließ, der als Gerippe mit der Sense in
-der Hand von hinten herantritt und auf die ablaufende Sanduhr auf dem
-Tische hinweist (Abb. 104).
-
-[Illustration: Abb. 104. +Sir Bryan Tuke.+ Ölgemälde in der königl.
-Pinakothek zu München. (Nach einer Photographie von Franz Hanfstängl in
-München.)]
-
-[Illustration: Abb. 105. +Bildnis einer englischen Dame.+ Zeichnung
-in schwarzer und farbiger Kreide. Im Museum zu Basel. (Nach einer
-Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach i. E. und
-Paris.)]
-
-Holbein behielt in seiner Bildnismalerei jetzt und auch später das
-Verfahren bei, das er von frühester Zeit her angewendet hatte. Er legte
-den Grund zu dem Gemälde in einer auf Papier ausgeführten Zeichnung,
-in der er mit Buntstiften einige Farbenangaben machte, für ihn
-ausreichend, um danach das Bild so weit zu bringen, daß das Modell nur
-zur letzten Vollendung zu sitzen brauchte. Unter den aus der Sammlung
-Amerbachs herrührenden Blättern im Baseler Museum befinden sich auch
-einige Bildniszeichnungen aus England, die der Maler mit nach Hause
-gebracht hat, nach seinem ersten Aufenthalt in England oder bei seiner
-zweiten Heimkehr. Da sind die in schneller Umrißzeichnung und leichter
-Tönung des Fleisches angegebenen Porträts eines vornehmen Ehepaares,
-das in etwas weitergehender Wirkung ausgeführte Porträt des königlichen
-Stallmeisters Sir Nicolas Carew, und das vorzüglich schöne Bild einer
-unbekannten Dame in der eigentümlichen Haube der damaligen englischen
-Mode (Abb. 105). Neben diesen Bildniszeichnungen sei diejenige eines
-unbekannten jungen Mannes erwähnt, der dem Schnitt seines Gesichtes
-nach kein Engländer, sondern ein Deutscher ist, die schönste von
-allen in Basel befindlichen Bildniszeichnungen Holbeins. In diesem
-Prachtstück meisterhafter Zeichnung ist unter dem schwarz schraffierten
-und gewischten breitrandigen Barett das Gesicht mit Schwarz und Rot,
-auf die denkbar einfachste Weise, zu völlig malerischer, fleischiger
-Wirkung durchgebildet; auf das Haar ist ein kräftiger brauner Ton
-gezeichnet, der auch die Modellierung der Haarwellen angibt, und mit
-demselben braunen Stift ist der Pelzbesatz des Rockkragens flüchtig,
-aber treffend angedeutet (Abb. 106). Eine in andersartigem Verfahren,
-in Deckfarbenmalerei, ausgeführte Bildnisaufnahme, die ebenfalls
-ein Meisterwerk allerersten Ranges ist, besitzt Deutschland in dem
-im Berliner Kupferstichkabinett befindlichen Kopf eines unbekannten
-bärtigen Mannes (Titelbild).
-
-Im Sommer 1528 war Holbein wieder in Basel. Von wie günstigen Erfolgen
-die englische Reise begleitet war, geht daraus hervor, daß er
-gleich nach der Heimkehr ein Haus kaufte; später kaufte er noch ein
-anstoßendes kleineres Haus dazu.
-
-[Illustration: Abb. 106. +Bildnis eines Unbekannten.+ Zeichnung in
-schwarzer, roter und brauner Kreide. Im Museum zu Basel. (Nach einer
-Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach i. E. und
-Paris.)]
-
-Eine seiner ersten Arbeiten nach der Rückkehr in die Heimat mag das
-Bildnis der Seinigen gewesen sein, das im Baseler Museum eines der
-fesselndsten Stücke für den heutigen Beschauer ist. Darauf sehen
-wir Frau Elsbeth mit zwei Kindern, einem blonden Jungen und einem
-rothaarigen kleinen Mädchen (Abb. 107). Die Kinder sind jedenfalls die
-beiden ältesten, Philipp und Katharina. Von Philipp erfährt man, daß er
-ein „guter, frommer Junge“ war; er wurde Goldschmied, kam nach seiner
-Lehrzeit in Paris weit in der Welt herum und ließ sich schließlich
-in Augsburg nieder; von ihm stammt das durch Kaiser Matthias in den
-Adelstand erhobene Geschlecht der Holbein von Holbeinsberg. Auf Philipp
-und Katharina folgten noch zwei Kinder: Jakob, der als Goldschmied in
-London starb, und Küngolt, die sich, ebenso wie ihre ältere Schwester,
-in Basel verheiratete. -- Das Gemälde, in Lebensgröße mit Ölfarben
-auf Papier gemalt, das dann an den Umrissen ausgeschnitten und auf
-eine Holztafel geklebt worden ist, ist ein Meisterstück kostbarer
-Malerei und ein Wunderwerk künstlerischer Naturnachbildung. In diesem
-„Realismus“ ist die Einfachheit der Natur selbst erreicht. Es sieht
-aus, als ob der Maler die drei Figuren so aufgefaßt hätte, wie der
-Zufall sie ihm hinsetzte; und doch, wie wohl erwogen und abgemessen
-ist das Kunstwerk! Eine verblühende Frau mit trübem Ausdruck, zwei
-ganz hübsche und gesunde, aber keineswegs ungewöhnlich reizvolle
-Kinder, alle drei in äußerst anspruchslosem Anzug -- das nach der
-damaligen Baseler Mode tief ausgeschnittene, schmucklose Kleid der
-Frau ist schwarzgrün, ein Streifen dünnen braunen Pelzes an einem
-dem Kleid gleichfarbigen Obergewand und ein sehr feiner Schleier
-über dem dunkelblonden, am Hinterkopf in einem rötlichbraunen
-Mützchen versteckten Haar sind die einzigen Putzstücke, der Knabe hat
-einen schwärzlich grünblauen Kittel und das Mädchen ein farbloses
-hellwollenes Röckchen an --: daraus hat Holbein ein in den Helligkeits-
-und Dunkelheitsverhältnissen, im Fluß der Linien und im Zusammenklang
-der Farben vollendet schönes Bild geschaffen.
-
-Man sollte denken, der Maler, der seinen Mitbürgern ein solches Bildnis
-zeigen konnte, hätte mit Porträtbestellungen überhäuft werden müssen.
-Aber die Baseler waren ganz und gar durch den Glaubensstreit in
-Anspruch genommen, und in dem blinden Eifern der Parteien verhallte die
-Mahnung des Rates, man solle „einander nicht papistisch, lutherisch,
-ketzerisch, neu- oder altgläubig nennen, sondern einen jeden ungetrotzt
-und ungeschmäht bei seinem Glauben lassen.“ Welcher Bürger hätte da der
-schönen, friedlichen Kunst noch seine Aufmerksamkeit zuwenden können?
-
-Die Jahreszahl 1529 auf einer Zeichnung des Baseler Museums weist uns
-auf ein untergeordnetes, aber äußerst verdienstvolles Arbeitsfeld
-Holbeins hin: seine Thätigkeit als Erfinder mustergültiger Vorbilder
-für das Kunsthandwerk. Hatte er in seiner frühen Jugend vorzugsweise
-das Glasergewerbe mit Mustern bedacht, so schuf er später mit Vorliebe
-Entwürfe für Goldschmiedearbeiten. Jene Jahreszahl steht auf einem in
-getuschter Federzeichnung ausgeführten Entwurf einer mit prachtvollen
-Renaissanceornamenten bedeckten Dolchscheide (Abb. 108). Das Baseler
-Museum besitzt außer dieser noch vier Vorzeichnungen Holbeins zu
-schmuckreichen Dolchscheiden, wie Stutzer und vornehme Herren sie gern
-trugen, eine schöner als die andere. Die eine, sehr reich und fein,
-zeigt, nur in Umrißlinien mit der Feder skizziert, drei mythologische
-Darstellungen in Gehäusen übereinander, das Parisurteil, Pyramus und
-Thisbe und Venus und Amor, darunter einen Kopf zwischen Ornamenten
-(Abb. 108). Auch die drei anderen sind mit Figurendarstellungen
-geschmückt, und zwar, entsprechend der vielfach beliebten Sitte,
-den Dolch in wagerechtem Hang am Gürtel zu tragen, in der Weise,
-daß die Kompositionen sich in der Längsrichtung der Fläche, von der
-Zwinge der Scheide nach dem Griff des Dolches hin bewegen. Da ist in
-einer ebenfalls nur in Umrissen skizzierten Zeichnung ein römischer
-Triumphzug dargestellt; in der anderen, die in zartester, unglaublich
-feiner Durchmodellierung ausgetuscht ist, der Durchgang der Israeliten
-durch den Jordan; die dritte zeigt einen Totentanz: König und Königin,
-Kriegsmann und Mönch, Frau und Kind müssen den in höhnischer Lustigkeit
-springenden Gerippen folgen (Abb. 109). -- Neben den Dolchscheiden
-seien die Zierstreifen erwähnt, die, bald aufrecht stehend, bald
-wagerecht liegend gedacht, auch für mancherlei andere Zweige des
-Kunsthandwerks verwendbar, doch vorzugsweise auf Ausführung in
-Goldschmiedearbeit berechnet sind. Davon finden sich im Baseler Museum
-ein lustiger Fries mit nackten Kindern, ein anderer, mehr ausgeführter
-mit jagenden und spielenden Kindern zwischen prächtig geschwungenen
-Ornamenten (Abb. 110) und eine aufrechte Leiste, in der Bären gar
-possierlich im Gerank einer Rebe emporklettern, von einem Spielmann mit
-Trommel und Pfeife begleitet (Abb. 111).
-
-[Illustration: Abb. 107. +Holbeins Frau und Kinder.+ Ölgemälde auf
-Papier. Im Museum zu Basel.
-
-(Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach
-i. E. und Paris.)]
-
-Holbeins Geschmack im Entwerfen von Ziergebilden, der sich schon früh
-so reich und fruchtbar gezeigt hatte, war nicht stehen geblieben in der
-Entwickelung. Das schönste Beispiel von seiner Geschmacksverfeinerung
-und zugleich einen Beweis von seinem Mitgehen mit der vorschreitenden
-Umwandlung des Renaissancestils gibt ein prächtiger Holzschnitt, der
-in dieser Zeit entstanden sein muß (Abb. 112); „Erasmus Rotterdamus
-in einem Gehäuse“ wird das Blatt in dem Amerbachschen Verzeichnis,
-das sich auch auf Holzschnitte erstreckt, genannt. Dieses Gehäuse,
-schmuckvoll und reich und zugleich rein und vornehm in den Formen,
-ist vielleicht das Schönste, was die Zeit auf dem Gebiete der
-Buchverzierungen überhaupt geschaffen hat. Aber ein ebenso großes
-Meisterwerk wie die Umrahmung ist das von ihr eingeschlossene Bildnis
-des Erasmus. Wir sehen den feingeistigen und gelehrten Mann hier in
-ganzer Figur: eine schwächliche Gestalt, eingehüllt in talarartig
-lange, pelzgefütterte Röcke, und dabei groß und bedeutend nicht
-nur im Kopf, der den Blick dem Beschauer zuwendet, sondern auch in
-der ganzen Haltung. Er lehnt die Rechte auf den Kopf einer beseelt
-gedachten Herme, des „Terminus,“ und macht mit der Linken eine auf
-diese Gestalt hinweisende Bewegung. Den Terminus, den Schutzgeist
-der festgelegten Wege und Grenzen, hatte Erasmus zum Sinnbild
-seiner schriftstellerischen Thätigkeit gewählt. Die volle Bedeutung
-dieses Sinnbilds wird uns durch eine im Baseler Museum befindliche
-Tuschzeichnung mitgeteilt, die Holbein einmal für Erasmus angefertigt
-hatte, anscheinend zum Zwecke der Ausführung in Glasmalerei. Da steht,
-von einem säulengetragenen Bogen eingerahmt, der Terminus in einer
-weiten Landschaft, der ein paar grüne Farbenflecken ein wirkungsvoll
-lebhaftes Aussehen geben; der von einem Strahlenkranz umgebene Kopf der
-Bildsäule macht eine leichte Wendung und spricht scheinbar leichthin
-und doch mit unantastbarer Bestimmtheit die Worte, die dabeigeschrieben
-sind: „~Concedo nulli~“ (Ich mache niemandem Zugeständnisse). Holbein
-verstand seinen gelehrten Freund. Das ganze Blatt wirkt eigentümlich
-groß, und der sprechende Gesichtsausdruck des Terminus ist ein
-Meisterwerk allerersten Rangs. -- Die Holzzeichnung „Erasmus im
-Gehäuse“ war als Titelblatt zu den Werken des Erasmus bestimmt. Die
-seltenen ersten Abdrücke sind unten mit einer zweizeiligen lateinischen
-Inschrift versehen, die die Ähnlichkeit des Bildnisses preist. In
-der späteren Ausgabe, die als Titel zu der von Johannes Frobens Sohn
-Hieronymus Froben veranstalteten Gesamtausgabe von Erasmus’ Schriften
-im Jahre 1540 erschien, sind an die Stelle des einen Distichons deren
-zwei getreten, in denen des Zeichners mit ebenso rühmenden Worten
-gedacht wird wie des Schriftstellers, der vier Jahre vor dieser
-Veröffentlichung seiner gesamten Werke gestorben war.
-
-[Illustration: Abb. 108. +Entwürfe zu metallenen Dolchscheiden.+
-
-Federzeichnungen im Museum zu Basel.]
-
-[Illustration: Abb. 109. +Dolchscheide mit Totentanz, Entwurf für
-Silberarbeit.+
-
-Tuschzeichnung im Museum zu Basel.]
-
-Dieses Blatt war eines der letzten, die Holbein für den Baseler
-Buchdruck zeichnete. In den seiner Abreise nach England vorausgehenden
-Jahren hatte er noch einige sinnvolle Titel zu theologischen Schriften
-gezeichnet. Jetzt ging, wie es scheint, die Bilderfeindlichkeit so
-weit, daß auch eine solche Schmückung geistlicher Bücher Bedenken
-erregte. Nur ein Blatt gehört noch dieser späteren Zeit an, eine
-Darstellung des heiligen Paulus in einem Gehäuse von ähnlichem Stil wie
-jenes des Erasmustitels.
-
-[Illustration: Abb. 110. +Zierleiste.+ Tuschzeichnung, im Museum zu
-Basel.]
-
-Zum Malen kirchlicher Bilder gab es in Basel jetzt selbstredend gar
-keine Gelegenheit mehr. Schon zu Ostern 1528 waren aus mehreren Kirchen
-alle Bilder entfernt worden; im folgenden Jahre brach der wüsteste
-Bildersturm los. Der Rat war nicht imstande, den Eiferern Widerstand
-zu leisten. Das Aufstellen religiöser Gemälde in den Kirchen wurde
-untersagt.
-
-Dem feinen Empfinden des Erasmus, der von den damaligen Vorgängen
-lebhafte Schilderungen hinterlassen hat, waren solche Roheiten ein
-Greuel. Er entschloß sich mit schwerem Herzen, die Stadt, die ihm
-als „der behaglichste Musensitz“ lieb geworden war und wo er seit
-1521 sich dauernd angesiedelt hatte, zu verlassen. Er begab sich, von
-Bonifacius Amerbach begleitet, nach Freiburg im Breisgau. Dort muß ihn
-auch der befreundete Künstler aufgesucht haben. Denn ein von Holbein
-gemaltes kleines Bildnis des Erasmus -- Kopf in Dreiviertelansicht,
-die Hände auf einem geöffnet auf dem Tische liegenden Buche ruhend --
-trägt die Jahreszahl 1530. Das Original dieses Bildes befindet sich
-in der Gemäldegalerie zu Parma, Kopien davon gibt es in verschiedenen
-Sammlungen. -- Die nämliche Ansicht des Kopfes zeigt ein kostbares
-Rundbildchen von nur zehn Centimeter Durchmesser im Baseler Museum,
-Brustbild in schwarzer Kleidung mit braunem Pelz auf grünlichblauem
-Hintergrund (Abb. 114).
-
-Wie ein Gegenstück zu dem Miniaturporträt des Erasmus erscheint ein
-ebenso fein ausgeführtes Bildnis des Melanchthon (Abb. 113), das die
-königliche Gemäldegalerie zu Hannover besitzt, und das sich noch in
-der ursprünglichen, mit grau in grau gemalten Ornamenten verzierten
-Schutzkapsel befindet.
-
-Im Sommer 1530 besann sich der Rat von Basel endlich darauf, daß er
-noch über eine Gelegenheit verfügte, einem Maler von der Bedeutung und
-dem schon weit verbreiteten Ruhm Holbeins Thätigkeit zu verschaffen.
-Er beauftragte ihn mit der Ausmalung der vor acht Jahren unbemalt
-stehen gelassenen Wand im Rathaussaale. Die Gegenstände wurden
-diesmal, der veränderten Geistesrichtung entsprechend, nicht aus
-der klassischen, sondern aus der biblischen Geschichte gewählt. Das
-eine der beiden großen Gemälde, mit denen Holbein die betreffende
-Wand bedeckte, zeigte den König Rehabeam, wie er die Abgesandten des
-Volkes, die um Erleichterung des Joches bitten, mit harter Antwort
-zurückweist. Das andere zeigt den König Saul, wie er aus dem Feldzuge
-gegen die Amalekiter heimkehrt und von Samuel hören muß, daß er wegen
-seines Ungehorsams gegen Gottes Gebot verworfen sei. -- Wenn auch
-die Wandgemälde selbst schon vor Ablauf des XVI. Jahrhunderts durch
-die Feuchtigkeit zerstört wurden, so lassen uns doch die erhaltenen
-Entwürfe zu beiden Bildern (im Baseler Museum) erkennen, in wie
-großartiger Weise Holbein diese Aufgabe gelöst hat; sie zeigen, daß er
-auch als Monumentalmaler den größten Meistern beizuzählen ist.
-
-Rehabeam ist in einer reichen Halle thronend dargestellt; hinter
-ihm sitzen zu beiden Seiten seine Räte, die alten, deren Mahnung er
-unbeachtet gelassen hat, und die jungen, denen er zum Schaden des
-Reiches folgt. Vor ihm stehen die würdevollen, bejahrten Abgesandten,
-bestürzt über des Königs Worte und teilweise schon zum Gehen gewendet;
-denn im höchsten Zorn hat er ihnen eben zugerufen: „Mein kleiner Finger
-soll dicker sein als meines Vaters Lenden; mein Vater hat euch mit
-Peitschen gezüchtigt, ich will euch mit Skorpionen züchtigen.“ Durch
-ein mit der größten Unbefangenheit ersonnenes, höchst ausdrucksvoll
-sprechendes Gebärdenspiel hat der Künstler diese Worte des Königs
-verbildlicht: Rehabeam streckt an der den Abgesandten drohend
-entgegengeworfenen Faust den kleinen Finger aus, und mit der anderen
-weist er geringschätzig, ohne den Arm von der Thronlehne zu erheben,
-auf die Geißel in der Hand eines an den Thronstufen stehenden
-Pagen. Außerhalb der Halle sieht man im Hintergrunde die Folgen der
-eigenwilligen Härte des Herrschers: den Abfall eines Teiles des Volkes,
-verbildlicht durch die Krönung des Gegenkönigs Jerobeam (Abb. 115).
-Von diesem Entwurf, der als Tuschzeichnung mit einigen Farbenangaben
--- in der Ferne und den Fensterdurchblicken in die Luft, im Fleisch
-und an wenigen anderen Stellen -- ausgeführt ist, ist der Meister
-bei der Übertragung ins Große wesentlich abgewichen. Das sieht man
-an den spärlichen Resten des Wandgemäldes, die in einigermaßen
-erhaltenem Zustand aufgefunden und in das Museum gebracht worden
-sind. Unter diesen Resten befindet sich der Kopf und die erhobene
-Hand Rehabeams mit dem ausgestreckten kleinen Finger; der Kopf, ein
-Meisterwerk mächtigen Ausdrucks, ist nicht, wie in der Skizze, von
-vorn, sondern scharf von der Seite zu sehen. Dieser Stellung des Königs
-entspricht eine gleichfalls erhaltene, sehr schöne Gruppe von Köpfen
-bedenklicher Zuhörer. Es ist keine Frage, daß der Künstler durch die
-Gegenüberstellung des Sprechenden und der Angeredeten im Profil ein
-Mittel zu lebhafter Steigerung des Eindrucks gewann; schon deswegen,
-weil es ihm auf diese Weise möglich wurde, auch von denjenigen
-Abgesandten, die sich noch nicht von dem König abwenden, die Gesichter
-zu zeigen. -- Bemerkenswert ist, daß die kleinen Reste erkennen lassen,
-daß Holbein auch bei der Wandmalerei die Anwendung von Vergoldung nicht
-verschmähte.
-
-[Illustration: Abb. 111. +Zierleiste.+ Tuschzeichnung im Museum zu
-Basel.]
-
-Die vorhandene Skizze zu dem anderen Wandgemälde ist etwas weiter
-durchgebildet als jene, nicht maßgebend gebliebene des Rehabeambildes.
-Die vollendete Abgewogenheit der Komposition, die sich durch keine
-Änderung hätte besser machen lassen, berechtigt uns zu der Annahme,
-daß sie im wesentlichen unverändert beibehalten worden sei. Es ist
-ein wuchtiges Bild (Abb. 116). Wir sehen das siegreiche Heer, Reiter
-und Fußvolk in antiker Rüstung, mit dem gefangenen Amalekiterkönig
-heimkehren. Noch brennen die Burgen und Städte, die der Krieg verheert
-hat. Aus der Ferne werden die Herden herbeigetrieben, um derentwillen
-der Sieger den göttlichen Befehl übertreten hat. König Saul schreitet
-an der Spitze seiner Streiter; er ist vom Roß gestiegen, um den
-Propheten Samuel ehrerbietig zu begrüßen. Der aber tritt ihm mit
-drohend ausgestrecktem Arm entgegen; man glaubt die gewaltige Stimme
-vernehmen zu müssen, mit der er den Sieger niederschmettert: „Will
-etwa der Herr Brandopfer und Schlachtopfer und nicht vielmehr, daß
-man gehorche der Stimme des Herren? Weil du des Herren Wort verworfen
-hast, hat dich der Herr verworfen, daß du nicht König seiest.“ Die
-Gestalt des einen Mannes ist so mächtig aufgefaßt, daß sie dem ganzen
-ihr entgegenmarschierenden Zuge das Gegengewicht bietet. Eine Tafel
-zur Aufnahme der Worte Samuels, in denen der Inhalt und die mahnende
-Bedeutung des Bildes ausgesprochen waren, ist in der Skizze angegeben.
-Man hat sich die Inschrifttafel von dem Gebälk der umrahmenden
-Architektur, von der eine Säule mit auf das Blatt gezeichnet ist,
-herabhängend zu denken. Das Vorhandensein dieser Beiwerksangaben
-spricht gleichfalls dafür, daß Holbein diesen Entwurf dem Gemälde
-als maßgebend zu Grunde legte. Von der Farbe des Gemäldes bekommen
-wir freilich auch hier keine Vorstellung. Denn die Farbenangaben des
-Entwurfs beschränken sich auf Blau in der Luft, in den fernen Bergen
-und in einem die Ebene durchziehenden Wasserlauf, auf Rot in den
-Bränden und auf eine bräunliche Antuschung des Geländes, die sich an
-gegebenen Stellen, wie in dem Bäumchen des Mittelgrundes, mit einem
-blauen Ton zu Grün verbindet: Angaben, die kaum einen anderen Zweck
-haben, als den, den Hintergrund zu lockern und die Figuren als etwas
-Gesondertes hervortreten zu lassen. Die Figuren sind braun gezeichnet
-und mit kaltgrauen Schattentönen ausgetuscht.
-
-[Illustration: Abb. 112. +Erasmus von Rotterdam („im Gehäuse“).+
-
-Titelholzschnitt zu den Werken des Erasmus.
-
- Nach dem seltenen ersten Druck mit der Unterschrift:
-
- Wenn einer von des Erasmus Gestalt noch kein Bild hat gesehen,
- Zeigt ihm ein solches dies Blatt, das nach dem Leben gemalt.
-
-Für den Mangel an sonstigen Aufträgen konnte die eine große Arbeit den
-Meister freilich nicht entschädigen.
-
-Mit wie geringfügigen Arbeiten der große Künstler wieder vorlieb nehmen
-mußte, beweist die Aufzeichnung in den Ratsrechnungen, daß ihm im
-Herbst 1531 für „beide Uhren am Rheinthor zu malen“ vierzehn Gulden
-ausbezahlt wurden. Der Betrag von vierzehn Gulden für eine solche
-kleine Straßenmalerei erscheint allerdings verhältnismäßig hoch, wenn
-man erfährt, daß für die beiden großen Rathausgemälde nur 72 Gulden
-gezahlt worden waren.
-
-Der Gedanke, sein Glück von neuem in England zu versuchen, mußte
-Holbein um so verlockender nahe treten, als sein Gönner Thomas Morus
-inzwischen das höchste Amt im Königreich erhalten hatte und als
-Lordkanzler die Staatsgeschäfte leitete. So wandte er Basel abermals
-den Rücken und reiste nach London. Als er fort war, schickte der Rat
-von Basel ihm ein schmeichelhaftes Schreiben nach und bot ihm ein
-festes Jahresgehalt an, wenn er zurückkehren wollte. Aber dieses
-Anerbieten kam zu spät. Denn Holbein fand in London alsbald reichliche
-und lohnende Thätigkeit.
-
-Thomas Morus hatte im Mai 1532 -- das war wohl vor Holbeins Ankunft --
-die Bürde seines hohen Amtes wieder niedergelegt. Der glänzende Kreis,
-in den der Lordkanzler ihn würde eingeführt haben, öffnete sich dem
-Künstler nicht gleich. Aber ein anderer Kreis nahm ihn auf, der ihm
-Verkehr in Sprache und Sitten der Heimat und reichliche Verwertung
-seines Könnens bot. Das waren die deutschen Kaufleute, deren sehr
-viele in London ansässig waren und die miteinander eine geschlossene
-Gemeinschaft bildeten. Ihr Vereinigungspunkt war der sogenannte
-Stahlhof, ein Besitztum der Hansa, in dem sich um das alte Gildehaus
-Warenlager und Wohnhäuser reihten, dem auch ein eigenes Weinhaus und
-ein wohlgepflegter Garten nicht fehlten.
-
-[Illustration: Abb. 113. +Philipp Melanchthon.+ Miniaturölgemälde.
-
-In der königl. Gemäldegalerie zu Hannover.]
-
-[Illustration: Abb. 114. +Erasmus von Rotterdam.+ Miniaturölgemälde. Im
-Museum zu Basel. (Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément &
-Cie. in Dornach i. E. und Paris.)]
-
-In den Jahren 1532 und 1533 malte Holbein eine ganze Anzahl von
-Bildnissen deutscher Kaufleute vom Stahlhof. Das schönste von diesen,
-ein Juwel der Malerei, befindet sich im Berliner Museum. Der darin
-abgebildete jugendliche, blondhaarige Mann heißt Georg Giße oder
-Gyze, wie das Gemälde selbst uns mitteilt (Abb. 117). Wir sehen ihn,
-bekleidet mit einem seidenen Wams von kalter roter Farbe und einem
-Überrock von schwarzem Tuch, der vorn am Halse über dem Ausschnitt
-der Unterkleidung das feingefältelte Hemd frei läßt, mit einer
-schwarzen Tuchmütze auf dem Kopf, in seiner Arbeitsstube. Es umgeben
-ihn all die kleinen Dinge des täglichen Gebrauchs, auf dem mit einem
-prächtigen Teppich bedeckten Tische vor ihm und auf den an der grün
-angestrichenen Holzwand angebrachten Bordbrettern so verteilt, wie er
-gewohnt ist, sie zur Hand zu haben. An Leistchen, welche an der Wand
-entlang gehen, stecken Briefe in großer Zahl, auch Briefpapier und
-Verschlußstreifen für Briefe. Zu den Gebrauchs- und Geschäftsdingen
-kommt ein zierliches Gefäß von feinstem venezianischen Glase, mit
-Wasser gefüllt, in dem Nelken stecken; die Nelke bezeichnet in der
-Blumensprache der Zeit den glücklich Liebenden, sie ist vorzugsweise
-die Blume von Bräutigam und Braut. Georg Giße ist eben damit
-beschäftigt, mit echt niederdeutscher Gemächlichkeit einen Brief aus
-der Heimat zu öffnen, auf dem wir die Aufschrift lesen können: „dem
-ersamen jergen giße to lunden in engelant, mynem broder, to handen.“
-An der Wand steht mit Kreide angeschrieben: „~nulla sine merore
-voluptas~“ (keine Lust ohne Kummer) und darunter die Unterschrift
-„G. Gyze.“ Ein weiter oben an die Wand gehefteter Zettel enthält ein
-paar das Bildnis lobende Verse, die Angabe des Alters von 34 Jahren
-und die Jahreszahl 1532. Richtig ist das vom malerischen Standpunkt
-aus ja nicht, daß man auf die Entfernung, in der die Wand hinter der
-den Bildrand berührenden vorderen Tischkante liegt, eine so feine
-Schrift noch entziffern kann. Aber wie das und wie alle die anderen
-kleinsten Einzelheiten gemacht sind, das ist bewunderungswürdig; eine
-vollendetere Ausführung hat kein Stilllebenmaler jemals erreicht. Gewiß
-war dieses Bild eines der ersten, vielleicht das allererste, das er
-für ein Mitglied des Stahlhofes malte. Da hat er sich durch eine Art
-von Meisterstück empfehlen wollen und hat all die Kleinigkeiten in
-das Bild hineingepackt, an denen er seine Geschicklichkeit glänzend
-zur Schau stellen konnte. Denn Leute von so nüchternem praktischen
-Sinne, wie er aus den Zügen dieses ehrsamen Kaufmannes spricht, sind
-eher befähigt, die mit dem Verstande zu würdigende Geschicklichkeit
-eines Künstlers zu bewundern und zu schätzen, als aus der nur dem
-feineren Empfindungsvermögen zugänglichen Mitteilung der künstlerischen
-Empfindung, der eigentlichen Kunst, den wirklichen Kunstgenuß zu
-ziehen. Angesichts der äußersten Vollendung, mit der in diesem Bilde
-alle Dinge zur körperlichen Erscheinung gebracht sind, begreift man
-die Lobpreisungen derjenigen Zeitgenossen des Meisters vollkommen, die
-an seinen Werken vor allem die Augentäuschung bewunderten. Daß aber
-Holbein es fertig gebracht hat, durch all die haarscharf ausgeführten
-Nebendinge die Hauptsache nicht erdrücken zu lassen, daß er es
-vermocht hat, durch all den Kleinkram hindurch seine künstlerische
-Empfindung, den großen Farbengedanken und das lebendig erfaßte
-Wesen der Persönlichkeit, zu uns sprechen zu lassen, das ist das
-Bewunderungswürdigste an diesem wunderbaren Bilde.
-
-Die Jahreszahl 1532 tragen ferner das mit liebenswürdiger Einfachheit
-aufgefaßte Bildnis eines jungen Mannes in der Gemäldesammlung des
-gräflich Schönbornschen Palastes zu Wien (Abb. 118), und ein in
-der Sammlung des Windsorschlosses bewahrtes Bild eines mit seinen
-Briefschaften beschäftigten bärtigen Mannes (Abb. 119), in dem man
-nach der nicht ganz deutlichen Briefaufschrift den Goldschmied Hans
-von Antwerpen zu erkennen glaubt. Die Niederländer gehörten mit zu der
-deutschen Kolonie in London.
-
-[Illustration: Abb. 115. +König Rehabeam und die Abgesandten des
-Volkes.+ Getuschte Zeichnung mit einigen Farbenangaben, Entwurf zu
-einem Wandgemälde im Baseler Rathaus (1530). Im Museum zu Basel.
-
-(Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach
-i. E. und Paris.)]
-
-Unter den Bildnissen des Jahres 1533 seien dasjenige des Derich Tybis
-aus Duisburg, in der kaiserlichen Gemäldegalerie zu Wien (Abb. 120),
-und das eines unbenannten Mannes mit blondem Bart im königlichen Museum
-zu Berlin (Abb. 121) hervorgehoben.
-
-Ein Selbstporträt des Meisters aus diesem Jahr, in Miniaturformat
-ausgeführt, soll sich zu Prag in Privatbesitz befinden.
-
-Aber nicht Bildnisse allein malte Holbein im Stahlhof. Es wurde
-ihm auch Gelegenheit zur Ausführung monumentaler Gemälde geboten.
-Er schmückte den Festsaal des alten Gildehauses mit zwei großen
-allegorischen Bildern, die er indessen nicht auf der Wand, sondern
-mit Temperafarben auf Leinwand ausführte. Dieselben stellten in
-figurenreichen friesartigen Zügen den „Triumph des Reichtums“ und den
-„Triumph der Armut“ dar; ihr belehrender Inhalt war, daß der Reichtum
-sowohl wie die Armut edler Tugenden bedürfen, um zum Guten geführt zu
-werden. Wieder sind es nur Abbildungen und eine kleine, im Louvre zu
-Paris bewahrte Skizze, nach denen wir uns einen ungefähren Begriff von
-der Schönheit dieser Gemälde machen können, die selbst von Italienern
-des XVI. Jahrhunderts ebenso hoch und höher geschätzt wurden als die
-Schöpfungen Raffaels. -- Mit derselben Meisterschaft, mit denen er
-monumentale Werke ausführte, entwarf Holbein gelegentlich Dekorationen,
-die nur zur Verschönerung eines schnell vorüberrauschenden Festes
-dienten. Als am 31. Mai 1533 Anna Boleyn im Krönungszuge vom Tower
-nach Westminster fuhr, prangten die Straßen, welche der Zug berührte,
-im reichsten und prächtigsten Schmuck. Den am meisten bewunderten
-Glanzpunkt von allem bildete dabei die von Holbein entworfene
-Festdekoration, welche die Kaufleute des Stahlhofes errichtet hatten.
-Es war eine Schaubühne mit lebenden Bildern -- wie solche auch die
-Antwerpener beim Einzuge Karls V. veranstalteten -- und zeigte auf
-einem prachtvollen Renaissanceaufbau den Parnaß mit Apollo und den
-Musen.
-
-Die Beziehungen Holbeins zum Stahlhofe dauerten mehrere Jahre. Die
-Jahreszahlen auf Bildnissen deutscher Kaufleute gehen bis 1536. Von
-da an wurde er durch höhere Kreise in Anspruch genommen. Durch wessen
-Vermittelung er in Beziehungen zum königlichen Hofe kam, wissen
-wir nicht. Es gibt aus dieser Zeit keine anderen Lebensnachrichten
-über ihn, als das, was seine Werke erzählen. Von Thomas Morus kann
-seine Einführung bei Hofe nicht ausgegangen sein; denn der ehemalige
-Lordkanzler stand wegen seiner entschiedenen Nichtbilligung der
-Schritte, durch die König Heinrich VIII. den Bruch mit der römischen
-Kirche vollzog, tief in Ungnade; als Märtyrer seiner Glaubensfestigkeit
-endete er am 6. Juli 1535 sein Leben auf dem Schafott, im Verein mit
-dem achtzigjährigen Bischof Fisher.
-
-[Illustration: Abb. 116. +Samuel verkündet Saul den Zorn Gottes.+
-Getuschte und teilweise kolorierte Zeichnung, Entwurf zu einem
-Wandgemälde für den Baseler Rathaussaal. Im Museum zu Basel.]
-
-[Illustration: Abb. 117. +Georg Giße, Kaufmann vom Stahlhof zu London.+
-Ölgemälde von 1532.
-
-Im königl. Museum zu Berlin.
-
-(Nach einer Photographie von Franz Hanfstängl in München.)]
-
-Die erste Kunde von Holbeins Verkehr mit englischen Herren nach seiner
-zweiten Ankunft in London gibt das Bild des königlichen Falkners Robert
-Cheseman, vom Jahre 1533, in der Gemäldegalerie im Haag. Der nach
-der Angabe auf dem Bilde im 48. Jahre stehende Mann ist in annähernd
-lebensgroßer Halbfigur dargestellt, in rotseidenem Wams und schwarzer,
-pelzbesetzter Oberkleidung; er trägt den Jagdvogel -- ein Prachtstück
-von Malerei -- auf der behandschuhten linken Faust und streichelt ihn
-beruhigend mit der Rechten; sein Gesicht mit den scharfen Zügen und
-den ins Weite spähenden Augen hat selbst etwas von dem Wesen und dem
-Ausdruck eines Edelfalken angenommen (Abb. 122). -- Aus dem Jahre
-1537 sind bereits Bildnisse von Persönlichkeiten vorhanden, die König
-Heinrich VIII. sehr nahe standen. Diese Jahreszahl trägt ein in der
-Sammlung eines englischen Hauses befindliches Doppelbildnis, das
-den Namen „die Gesandten“ führt und das als ein Hauptwerk Holbeins
-gerühmt und in Bezug auf die Ausführung mit dem Porträt des Georg
-Giße verglichen wird. In dem einen der in diesem Gemälde lebensgroß
-in halber Figur abgebildeten vornehmen und gelehrten Herren erkennt
-man des Königs Liebling, den „unvergleichlichen Ritter“ Thomas Wyat.
-Ebenfalls in englischem Privatbesitz befindet sich das Bildnis des
-Thomas Cromwell, das spätestens im Anfang des Jahres 1534 entstanden
-sein muß; diese Zeitbestimmung ergibt sich aus dem auf einem
-gemalten Briefe zu lesenden Titel des aus bescheidenen Anfängen zu
-einflußreicher Stellung emporgestiegenen Mannes, der die Trennung der
-englischen Kirche von der römischen in einem weitergehenden Sinne, als
-es anfänglich vom König beabsichtigt war, durchführte.
-
-[Illustration: Abb. 118. +Bildnis eines deutschen Kaufmanns in London+,
-von 1532.
-
-In der Schönborngalerie zu Wien.]
-
-[Illustration: Abb. 119. +Ein Kaufmann vom Stahlhof zu London.+
-Ölgemälde von 1532, in der Sammlung des Schlosses Windsor.
-
-(Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach
-i. E. und Paris.)]
-
-Im Jahre 1535 erschien eine Prachtausgabe der ganzen Heiligen Schrift
-in englischer Sprache, übersetzt von Coverdale. Das Buch, das nicht
-in England, sondern in Zürich gedruckt wurde, war König Heinrich
-VIII. gewidmet. Sein Titelblatt schmückte eine sehr schöne Einfassung
-von Holbein. Diese Titelzeichnung setzt sich aus einer Anzahl von
-Bildchen zusammen, die nach mittelalterlichem Herkommen, aber in
-neuer Auffassung Gegenüberstellungen von Begebenheiten des alten und
-des neuen Bundes enthalten. In dem Kopfstreifen sind Sündenfall und
-Erlösung dargestellt: hier Adam und Eva unter dem Baum, dort der dem
-Grabe entstiegene Heiland, der über Tod und Hölle triumphiert; beides
-Zeichnungen von überraschender Schönheit der Figuren. Dann folgen an
-den Seiten herunter hier Moses, der auf dem Sinai die Gesetztafeln
-empfängt, und Esra, der den aus der babylonischen Gefangenschaft
-zurückkehrenden Juden das alte Gesetz vorliest, dort Christus, der
-seine Jünger in alle Welt entsendet, und die predigenden Apostel. Unten
-stehen der König David und der Apostel Paulus einander gegenüber.
-Zwischen diesen beiden Einzelgestalten sieht man Heinrich VIII. im
-königlichen Schmuck auf dem Thron sitzen; vor ihm knieen die Fürsten
-und Bischöfe Englands, und er überreicht den letzteren ein Buch, die
-Heilige Schrift in der Landessprache. -- Es ist bemerkenswert, daß der
-König in diesem kleinen, übrigens -- vielleicht durch die Schuld des
-Holzschneiders -- nicht sehr porträtähnlichen Bild bereits, entgegen
-der bis dahin in England geltenden Sitte, einen Vollbart trägt, was
-nach seinem Beispiel alsbald allgemeine Mode wurde.
-
-[Illustration: Abb. 120. +Derich Tybis aus Duisburg, Kaufmann zu
-London.+ Ölgemälde in der kaiserlichen Gemäldegalerie zu Wien. (Nach
-einer Photographie von J. Löwy in Wien.)]
-
-[Illustration: Abb. 121. +Bildnis eines in London ansässigen
-Deutschen+, von 1533. Im königl. Museum zu Berlin.
-
-(Nach einer Photographie von Franz Hanfstängl in München.)]
-
-Holbein führte in dieser Zeit wieder mehrere Holzzeichnungen aus.
-In ein paar kleinen Blättern, die erst nach seinem Tode, in dem
-Katechismus des Erzbischofs Cranmer zur Veröffentlichung kamen,
-spiegelte sich die Stimmung wieder, welche das erschreckende Ergebnis
-der von Cromwell veranstalteten amtlichen Besichtigung der englischen
-Klöster hervorrief. In diesen Holzschnitten, die das Gleichnis
-vom Pharisäer und Zöllner und Christus, den Besessenen heilend,
-darstellen, sind die Pharisäer als Mönche gezeichnet. Das letztere
-Blättchen hat Holbein, entgegen seiner Gewohnheit, mit seinem vollen
-Namen unterschrieben. So auch einen ähnlichen kleinen Holzschnitt,
-der in einer Flugschrift erschien, eine Darstellung des guten Hirten,
-bei der der schlechte Hirt, der seine Herde im Stiche läßt, wieder
-als Mönch erscheint. -- Eine in dem nämlichen Sinne, aber noch
-schärfer gehaltene Folge kleiner Handzeichnungen, eine Darstellung der
-Leidensgeschichte Christi in 22 Blättern, ist verschwunden. Sandrart,
-dem sie der Graf von Arundel, ihr damaliger Besitzer, zeigte, erwähnt
-sie in seiner „Teutschen Akademie,“ und von sechzehn derselben gewähren
-Kupferstichnachbildungen aus dem XVII. Jahrhundert eine nur ungenaue
-Anschauung.
-
-Eine Bildniszeichnung auf Holz fertigte Holbein im Jahre 1535 an.
-Der französische Dichter Nikolaus Bourbon von Vandoeuvre hielt sich
-damals in England auf. Holbein malte sein Bild, und zwar stellte er ihn
-schreibend dar; aber nicht, wie einst den gelehrten Erasmus, gesenkten
-Blickes in die Schrift vertieft, sondern mit sinnendem Dichterauge
-ins Weite schauend. Was der Dichter während der Sitzung schrieb, war
-ein schmeichelhafter Ausdruck seiner Bewunderung für den Künstler.
-Nach diesem Bildnis -- die Zeichnung desselben befindet sich in der
-Sammlung des Windsorschlosses (Abb. 123) -- machte Holbein dann das
-Holzschnittbild, das bestimmt war, eine Ausgabe von lateinischen
-Gedichten Bourbons zu schmücken. Diese Ausgabe erschien zu Lyon im
-Jahre 1538, und in demselben Jahre stattete Bourbon in seiner Kunst
-dem Maler seinen Dank ab: er war der Verfasser der lobpreisenden
-Einleitungsverse zu Holbeins Bildern aus dem Alten Testament.
-
-Unter jenen Gedichten Bourbons trägt eins die Überschrift: „Auf ein
-Gemälde des königlich britanischen Malers Hans, meines Freundes.“
-Dieses besungene Gemälde war das Bildnis eines schlafenden Knaben von
-der Schönheit eines Liebesgottes, gemalt auf ein Elfenbeintäfelchen. Es
-war also ein Miniaturbild.
-
-[Illustration: Abb. 122. +Robert Cheseman+, Falkner König Heinrichs
-VIII.
-
-Gemälde von 1533, in der königl. Gemäldesammlung im Haag.
-
-(Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach
-i. E. und Paris.)]
-
-Daß Holbein, der ja so überaus fein zu malen verstand und Ölbilder von
-ganz kleinem Maßstab mit der höchsten Vollendung ausarbeitete, sich
-in England in der eigentlichen Miniaturmalerei versucht habe, wird
-auch von anderer Seite berichtet. Miniaturmalerei war damals nicht
-mehr ausschließlich das, was die ursprüngliche Bedeutung des Wortes
-besagt, farbige Ausschmückung von Handschriften, sondern das Verfahren
-der Buchmalerei wurde auf selbständige Bildchen kleinsten Maßstabes
-angewendet. Schließlich hat das Wort ja seine Bedeutung so verändert,
-daß man heute jedes sehr kleine Gemälde als ein Miniaturgemälde
-bezeichnet, einerlei in welcher Technik es gemacht sein mag.
-
-[Illustration: Abb. 123. +Der Dichter Nikolaus Bourbon von Vandoeuvre.+
-Zeichnung in schwarzer und farbiger Kreide. In der Bibliothek der
-Königin von England im Windsorschlosse.
-
-(Nach einer Photographie von Franz Hanfstängl in München.)]
-
-Holbein soll das Verfahren der Miniaturmalerei dem am englischen Hofe
-angestellten Niederländer Lukas Horebout abgesehen haben, einem Bruder
-jener Susanna, deren Kunstfertigkeit Dürer in Antwerpen bewundert
-hatte und die jetzt als Gattin eines königlichen Bogenschützen in
-London lebte. Holbein soll sein Vorbild nach kurzer Zeit der Übung weit
-übertroffen haben.
-
-Viele in englischem Besitz befindliche Miniaturbildnisse, zum Teil
-auf Stücke von Spielkarten gemalt, gelten als Arbeiten Holbeins. Ein
-unzweifelhaftes Werk seiner Hand ist das mit der Jahreszahl 1535
-bezeichnete Bildchen des fünfjährigen Henry Brandon, Sohnes des Herzogs
-von Suffolk: es befindet sich in der Bibliothek des Schlosses Windsor
-(Abb. 124). Dann zwei im Besitze der Familie Seymour befindliche
-zusammengehörige Bildchen von 1536: die Porträts von König Heinrich
-VIII. und Jane Seymour, der jungen Königin, die im Mai dieses Jahres an
-die Stelle der beklagenswerten Anna Boleyn getreten war.
-
-Holbein stand im Jahre 1536 als angestellter Maler des Königs, der
-ein festes Jahresgehalt bezog, im Dienste Heinrichs VIII. Die erste
-sichere Bezeugung von seinem Eintritt in diese Stellung findet sich in
-einem Brief, den Nikolaus Bourbon von der Heimat aus an einen Freund
-am englischen Hofe schrieb; darin sendet der Dichter seine Grüße neben
-anderen Herren vom Hofe an „Herrn Hans, den Apelles unserer Zeit“
-und nennt denselben mit dem Titel „königlichen Maler“ -- wie in der
-Überschrift des zwei Jahre später veröffentlichten Gedichts.
-
-Von nun an finden wir Holbein fast ausschließlich als Bildnismaler des
-königlichen Hofes und der höchsten Aristokratie des Landes thätig.
-
-Den ersten Rang unter Holbeins Hofbildnissen nimmt das auch der Zeit
-nach voranstehende Porträt von Jane Seymour ein, das sich in der
-kaiserlichen Gemäldegalerie zu Wien befindet (Abb. 127). Die Königin
-ist in nicht ganz lebensgroßem Maßstab in halber Figur dargestellt.
-Sie trägt ein dunkelrotes Kleid über einem Rock von Silberbrokat, dem
-Unterärmel aus dem nämlichen Stoff entsprechen. Ihre gepriesene rein
-weiße Hautfarbe leuchtet klar und kühl aus dem Purpurton des Kleides
-hervor, an dem schönen Hals und dem still und bescheiden blickenden
-Gesicht von reichlichem Perlen- und Goldschmuck umsäumt, an den
-feinen Händen, deren ruhiges Ineinanderliegen dem Gesichtsausdruck so
-treffend entspricht, mit dem Weiß der in kostbarer Arbeit verzierten
-Ärmelvorstöße wetteifernd. Es ist ein wahrhaft königliches Bild.
-
-[Illustration: Abb. 124. +Heinrich Brandon, Sohn des Herzogs von
-Suffolk.+ Miniaturbildchen von 1535. In der Bibliothek der Königin von
-England im Windsorschloß. (Nach einer Photographie von Franz Hanfstängl
-in München.)]
-
-Heinrich VIII. ließ sich von Holbein in einem Wandgemälde porträtieren,
-im „Königsgemach“ des Schlosses Whitehall. Das Gemälde, das im Jahre
-1537 fertig wurde, bestand aus einer Zusammenstellung von vier
-stehenden Bildnisfiguren auf reichem architektonischen Hintergrund:
-Heinrich VIII., seine Eltern Heinrich VII. und Elisabeth von York
-und seine Gemahlin Jane Seymour; die beiden Könige rechts im Bilde
-(also links vom Beschauer), die Königinnen links; die Vorfahren etwas
-zurückstehend, die Lebenden im Vordergrunde. Wie alle monumentalen
-Schöpfungen Holbeins ist auch dieses Wandgemälde untergegangen. Es
-fiel dem Brande des Schlosses Whitehall im Jahre 1698 zum Opfer. Eine
-kleine Kopie desselben, die König Karl II. anfertigen ließ, wird in
-der Sammlung des Schlosses Hamptoncourt aufbewahrt. Wichtiger noch für
-die Würdigung dieses Meisterwerkes Holbeins ist ein erhaltenes Stück
-des Kartons, der zur Übertragung der Zeichnung des Gemäldes auf die
-Wand gedient hat. Dieses Stück, das sich im Besitz des Herzogs von
-Devonshire befindet, enthält die Figuren der beiden Könige; es ist
-nicht nach der gewöhnlichen Art solcher Hilfszeichnungen mit Kohle,
-sondern mit dem Pinsel in schwarzer und weißer Leimfarbe ausgeführt.
-Das Münchener Kupferstichkabinett bewahrt die in der gewohnten Art
-des Meisters nach dem Leben gezeichnete Studie zu dem Kopf Heinrichs
-VIII. (Abb. 125). -- Wenn es des Königs eigenster Gedanke war, das
-Aussehen seiner Person in einem Monumentalgemälde auf die Nachwelt
-zu bringen und das ganze Gemälde nur aus seinem, seiner -- in diesem
-Augenblick sicher wirklich von ihm geliebten -- Frau und seiner Eltern
-Bildnissen bestehen zu lassen, so war Holbein der geeignetste Meister
-dazu, um aus dem Porträtstück ein monumentales Geschichtsbild zu
-machen. In den Gestalten des verstorbenen Königspaares hat er das, was
-vorhandene Bildnisse ihm gaben, beseelt. Bei den Lebenden hat er in
-den Abbildern der Wirklichkeit großartige Charakterbilder geschaffen.
-Jane Seymour erscheint in der nämlichen Auffassung, wie in dem Wiener
-Ölgemälde, als „die stille Königin.“ Heinrich VIII., in überreicher,
-juwelengeschmückter Kleidung, steht mit gespreizten Beinen da, stark
-und breitschultrig, mit einem Kopf von mächtigem Knochenbau und weichem
-Fleisch, mit einem harten und doch fesselnden Blick aus kleinen Augen
-unter hochgeschwungenen Brauen und mit einem wohlgeformten Mund von
-sinnlich und zugleich thatkräftigem Ausdruck, das ganze Gesicht ein
-Bild der Rücksichtslosigkeit, unter der die von Natur vorhandenen
-ansprechenderen Züge verschwinden; die rechte Faust ist herausfordernd
-auf die Hüfte gesetzt, die Linke spielt mit dem Gehänge des Dolches.
-So steht er im Bilde dem Beschauer gegenüber als der Heinrich VIII.
-der Geschichte. -- Die vorhandenen Ölgemälde, die das Bildnis des
-Königs wiedergeben, sind sämtlich Nachbildungen des Freskogemäldes
-von Whitehall. Keines derselben scheint von Holbeins eigener Hand
-ausgeführt zu sein (Abb. 126).
-
-Allem Anschein nach war Heinrich VIII. von der Auffassung, in der
-Holbein ihn in Whitehall an die Wand malte, so voll befriedigt, daß er
-es für unnötig hielt, ihm später noch einmal zu einem anderen Bilde zu
-sitzen.
-
-Ein Holzschnittbildnis des Königs -- dazu brauchte er keine Sitzung --
-zeichnete Holbein als Titelblatt zu Halls Chronik. In diesem großen
-Blatt ist Heinrich VIII. thronend dargestellt, von seinen Räten umgeben.
-
-[Illustration: Abb. 125. +Heinrich VIII., König von England.+
-Kreidezeichnung nach dem Leben.
-
-Im königl. Kupferstichkabinett zu München.]
-
-[Illustration: Abb. 126. +König Heinrich VIII. von England.+ Ölgemälde
-in der Sammlung des Schlosses zu Windsor, übereinstimmend mit dem
-untergegangenen Freskobild Holbeins zu Whitehall.
-
-(Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach
-i. E. und Paris.)]
-
-[Illustration: Abb. 127. +Jane Seymour, Königin von England.+ Ölgemälde
-in der kaiserl. Gemäldesammlung zu Wien.
-
-(Nach einer Photographie von J. Löwy in Wien.)]
-
-[Illustration: Abb. 128. +Hubert Morett, Goldschmied König Heinrichs
-VIII. von England.+
-
-Ölgemälde in der Gemäldegalerie zu Dresden.
-
-(Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach
-i. E. und Paris.)]
-
-Das schönste Holbeinsche Porträt, welches Deutschland besitzt, muß
-seiner Entstehungszeit nach dem Wandbild in Whitehall nahe stehen. Es
-ist das Bild des Hubert Morett in der Dresdener Gemäldegalerie (Abb.
-128). Dieser Mann gehörte zwar nicht zu den großen Herren bei Hofe,
-aber er hatte doch sehr viel bei Hofe zu thun. Er war des Königs
-Juwelier. Als er sich von dem Hofmaler in Lebensgröße porträtieren
-ließ, hat er sichtlich den Wunsch zu erkennen gegeben, in ähnlicher
-Haltung abgebildet zu werden, wie sein königlicher Gebieter. Wie dieser
-hat er sich in gerader Vorderansicht hingestellt, die Rechte mit dem
-ausgezogenen Handschuh unter dem Gürtel aufgesetzt und die Linke an
-den Dolch gelegt. Es ist interessant, dieses Gemälde hinsichtlich der
-Auffassung mit dem anderen in Deutschland befindlichen Meisterwerk von
-Holbeins Bildniskunst, dem Giße in Berlin, zu vergleichen. Der deutsche
-Kaufherr ist in seiner täglichen Geschäftsthätigkeit dargestellt; der
-englische Goldschmied aber steht prunkend da. Er füllt mit seiner
-stattlichen Persönlichkeit und seiner reichen Kleidung das ganze Bild.
-Ein grünseidener Vorhang bildet den Hintergrund und erzeugt mit dem
-warmen Ton des Fleisches und des rötlichen, grau gemischten Bartes,
-mit dem Goldschmuck, mit dem schwarzen Atlas, dem braunen Pelz und dem
-weißen Unterzeug der Kleidung eine so wunderbare Farbenwirkung, wie sie
-auch von Holbein selbst niemals übertroffen worden ist.
-
-[Illustration: Abb. 129. +Prinzessin Christine von Dänemark,
-Herzoginwitwe von Mailand.+ Gemälde von 1538, im Besitz des Herzogs von
-Norfolk.]
-
-Morett mag damals oft Gelegenheit gehabt haben, mit Holbein in
-nahen Verkehr zu kommen. Denn gewiß hat er manches Prachtstück in
-Gold und Silber nach dessen Zeichnung ausgeführt. Der König machte
-reichlichen Gebrauch von seines Malers Kunstfertigkeit im Entwerfen
-kunstgewerblicher Dinge. Viele dahin gehörige Zeichnungen Holbeins
-haben sich erhalten. Das meiste findet sich in zwei Skizzenbüchern,
-von denen das eine im Britischen Museum zu London, das andere im
-Baseler Museum bewahrt wird. In dem Baseler Buch steht bei einer
-Zeichnung die Jahreszahl 1537. Da gibt es Entwürfe zu allen möglichen
-Dingen, zu Gefäßen verschiedenster Art, zu Handspiegeln und anderem
-Toilettegerät, zu Degengriffen, zu Ohrgehängen, Agraffen und sonstigen
-Schmucksachen für Herren und Damen; jedes Ding ein Musterwerk edlen
-Geschmacks in der Gesamtform und in der reichen, fast überall durch
-Figuren belebten Ausschmückung. Eine Anzahl der Zeichnungen gibt bloß
-figürliche Kompositionen, in zartester Durchbildung ausgeführt, die
-augenscheinlich als Vorbilder für feine, zierliche Edelmetallarbeiten
-bestimmt waren. Die Gegenstände der Darstellungen sind bald der
-Mythologie oder der Geschichte des klassischen Altertums, bald der
-Bibel entnommen; Religiöses und Allegorisches, auch Heraldisches
-kommt hinzu. Häufig sind auch Sinnsprüche oder sonstige Aufschriften
-angebracht, aus denen sich in einzelnen Fällen ein Schluß darauf
-ziehen läßt, wem der König, der wohl meistens der Besteller war,
-das Schmuckstück zugedacht hatte. Auch minder anspruchsvollen
-Dingen, wie Knöpfen, Quasten, Borten und Stickereien, ließ Holbein
-seine künstlerische Erfindungsgabe zugute kommen. Dabei wußte er
-an die Stelle seines sonstigen malerisch-plastischen Stils einen
-arabeskenhaften Flächenstil von ebenso reinem Geschmack zu setzen.
--- Ein Hauptwerk ist der in Federzeichnung mit Angabe des farbigen
-Zusammenwirkens von Gold, Perlen und Edelsteinen ausgeführte Entwurf
-eines großen, reich gegliederten Pokals. Das Blatt befindet sich in der
-Universitätsbibliothek zu Oxford. Das Prachtgefäß war für die Königin
-Jane Seymour bestimmt; es trägt deren Wahlspruch: „Zum Gehorchen und
-zum Dienen verbunden“ und die aneinander geknüpften Buchstaben H
-und J (Henry und Jane). -- Von keinem der berühmtesten Meister der
-Zierkunst der Renaissance wird Holbein an Reichtum und Vornehmheit des
-Geschmacks übertroffen. -- Als einen großen Meister baukünstlerischen
-Schmuckstils offenbart er sich in einer im Britischen Museum
-bewahrten Zeichnung, die den Entwurf zu einem Kamin enthält, einem
-zweigeschossigen Säulenaufbau, der mit mannigfaltigem Zierwerk und mit
-Figurendarstellungen reich geschmückt ist und sich durch die Anbringung
-des englischen Wappens und des Namenszuges Heinrichs VIII. als für ein
-königliches Schloß bestimmt zu erkennen gibt.
-
-[Illustration: Abb. 130. +Eduard, Prinz von Wales.+ Ölgemälde in der
-königl. Gemäldegalerie zu Hannover.]
-
-[Illustration: Abb. 131. +Anna von Cleve.+ Ölgemälde auf Pergament, von
-1539. Im Museum des Louvre zu Paris.
-
-(Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach
-i. E. und Paris.)]
-
-Im März 1538 reiste Holbein im Auftrag des Hofes nach Brüssel.
-Als Jane Seymour, nachdem sie am 12. Oktober 1537 einem Prinzen das
-Leben gegeben hatte, gestorben war, sannen des Königs Räte, vor allen
-Thomas Cromwell, der jetzt die ganzen Staatsgeschäfte leitete, auf
-eine möglichst baldige neue Ehe des Königs. Dieser selbst schien
-anfangs abgeneigt. Als aber nach verschiedenen anderen festländischen
-Prinzessinnen Christine von Dänemark, die Witwe des Herzogs Francesco
-Maria Sforza von Mailand, genannt wurde, zog er die Sache ernstlich
-in Erwägung. Die im Alter von dreizehn Jahren zur Witwe gewordene
-Prinzessin war die Tochter des Königs Christian II. von Dänemark
-und der Königin Isabella, der Schwester Kaiser Karls V. Politische
-Gründe sprachen dafür, durch die Vermählung mit der Nichte des Kaisers
-freundschaftlichere Beziehungen zu diesem anzubahnen, in dieser Ehe
-ein Mittel zu suchen, daß der Kaiser die Schmach vergäße, die Heinrich
-VIII. ihm durch die Verstoßung seiner ersten Gemahlin Katharina von
-Arragon, der Tante Karls V., angethan hatte. Aber vor allem handelte
-es sich darum, zu erfahren, ob die Prinzessin auch dem persönlichen
-Geschmack des Königs behagte. Darum wurde Holbein abgesandt, um ihr
-Bildnis zu malen. Am 10. März 1538 traf er, von einem Diener Cromwells
-begleitet, in Brüssel ein, wo die Herzogin Christine bei ihrer
-Tante, der Statthalterin der Niederlande, verweilte. Der englische
-Geschäftsträger in Flandern, John Hutton, hatte inzwischen schon ein
-für seinen König bestimmtes, von einem ungenannten Maler angefertigtes
-Porträt der Herzogin abgeschickt. Aber als Holbein ankam, ließ Hutton
-den mit dem Bild unterwegs befindlichen Boten durch einen Eilboten
-zurückhalten; denn er war, wie er an Cromwell berichtete, der Meinung,
-jenes Porträt sei „weder so gut, wie die Sache es verlangte, noch
-wie Herr Hans es würde machen können.“ Am folgenden Tage bat er die
-Herzogin um die Erlaubnis, daß der zu diesem Zweck vom englischen
-Hofe hergeschickte Maler sie malen dürfe. Gleich am nächsten Tage,
-am 12. März, gewährte die Herzogin Christine Holbein eine Sitzung.
-„Der,“ so berichtete Hutton an Cromwell, „wenn er auch nur drei
-Stunden Zeit hatte, erwies sich als Meister in der Kunst, denn das
-Bild ist ganz vollkommen.“ -- Das Gemälde, welches Holbein nach jener
-in drei Stunden gemachten Aufnahme, die wohl eine Zeichnung in seiner
-bekannten Art war, ausführte, wurde ein Meisterwerk. Es befindet
-sich jetzt im Besitze des Herzogs von Norfolk. Während jener andere
-Maler die Prinzessin in großer Kleiderpracht abgebildet hatte, malte
-Holbein sie so, wie sie ihm zuerst entgegentrat, in ihrer italienischen
-Witwentracht. Er malte sie in ganzer Figur, um ihren schönen hohen
-Wuchs zu zeigen. Wie die Sechzehnjährige, ein noch halb kindliches
-Wesen, in der ernsten, schwarzen Kleidung ganz schlicht dasteht,
-das ist mit der höchsten künstlerischen Größe aufgefaßt, einfach,
-natürlich, vornehm und liebenswürdig (Abb. 129).
-
-[Illustration: Abb. 132. +Katharina Howard, Königin von England.+
-Miniaturbildchen in der königl. Bibliothek des Windsorschlosses. (Nach
-einer Photographie von Franz Hanfstängl in München.)]
-
-[Illustration: Abb. 133. +Thomas Howard, Herzog von Norfolk.+ In der
-königl. Gemäldegalerie des Schlosses zu Windsor.
-
-(Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach
-i. E. und Paris.)]
-
-Im Sommer desselben Jahres schickte der König den Maler abermals nach
-dem Festland, und zwar nach Hochburgund, -- wir wissen nicht mit
-welchem Auftrag. Bei dieser Gelegenheit machte Holbein einen kurzen
-Besuch bei den Seinen in Basel. Er traf um den Anfang des September
-dort ein. Seine Mitbürger sahen den im Auslande zum großen Herrn
-gewordenen Maler mit Verwunderung an. „Da er aus England wieder gen
-Basel auf eine Zeit kam, war er in Seiden und Sammet bekleidet, da
-er vormals mußte Wein am Zapfen kaufen.“ So wird über ihn berichtet;
-es war in den Augen der Zeitgenossen ein überzeugendes Zeichen von
-Dürftigkeit, wenn einer seinen Bedarf an Wein im Wirtshaus holen ließ.
-statt vom eigenen Vorrat im Keller. Holbein hatte allen Grund, die
-Verhältnisse in England glücklich zu preisen. In den Rechnungsbüchern
-des englischen Hofes ist sein Gehalt seit dem Frühjahr 1538 ermittelt
-worden; nach den damaligen Wertverhältnissen des Geldes wird berechnet,
-daß sein Jahressold einem Betrag von 360 Pfund Sterling heutigen Wertes
-gleichkam. -- Die Regierung von Basel bemühte sich wiederum, und zwar
-sehr ernsthaft, den Meister an die Stadt zu fesseln. In einer am 16.
-Oktober 1538 ausgefertigten Urkunde versprachen Bürgermeister und Rat
-„unserem lieben Bürger Hans Holbein“ ein jährliches Gehalt in der für
-die damaligen Baseler Verhältnisse ganz ansehnlichen Höhe von fünfzig
-Gulden, „aus besonderem geneigten Willen, weil er seines Kunstreichtums
-halber vor anderen Malern weit berühmt ist, in Erwägung ferner, daß
-er uns in Sachen unserer Stadt -- Bauangelegenheiten und anderes,
-dessen er Verstand trägt, betreffend -- mit seinem Rate dienstbar sein
-könne, und daß er endlich, falls wir einmal bei Gelegenheit Malwerk
-auszuführen hätten, uns dasselbige, jedoch gegen geziemende Belohnung,
-getreulich fertigen solle.“ Da nach Holbeins Aussage zu erwarten war,
-daß er innerhalb der nächsten zwei Jahre kaum in Gnaden vom Hofe des
-Königs von England würde scheiden können, so wurde ihm ein zweijähriger
-Urlaub nach England gewährt. In diesen zwei Jahren sollte anstatt
-des ihm zugesicherten Dienstgeldes ein jährlicher Betrag von vierzig
-Gulden an seine Hausfrau in Basel gezahlt werden. Wenn er nach Ablauf
-des bewilligten Urlaubs sich wieder in Basel niedergelassen haben
-würde, so sollte er durch den Bezug des städtischen Gehaltes keineswegs
-in der anderweitigen Verwertung seiner Kunst behindert werden. „Da
-wir,“ so lautet die hierauf bezügliche bemerkenswerte Stelle, „wohl
-ermessen können, daß besagter Holbein mit seiner Kunst und Arbeit,
-so weit mehr wert, als daß sie an alte Mauern und Häuser vergeudet
-werden solle, bei uns allein nicht aufs beste zu seinem Vorteil kommen
-mag, so haben wir deshalb besagtem Holbein gütlich nachgelassen, daß
-er... um seiner Kunst und seines Handwerks willen... von fremden
-Königen, Fürsten, Herren und Städten wohl möge Dienstgeld erwerben,
-annehmen und empfangen; daß er außerdem die Kunstwerke, so er allhier
-bei uns machen wird, im Jahre ein-, zwei- oder dreimal, doch jedesmal
-mit unserer besonderen Erlaubnis und nicht ohne unser Wissen, in
-Frankreich, England, Mailand und Niederland fremden Herren zuführen und
-verkaufen möge. Doch darf er auf solchen Reisen nicht arglistigerweise
-im Ausland bleiben, sondern soll seine Sachen jederzeit förderlich
-ausrichten und sich darauf ohne Verzug wieder anheim verfügen und uns,
-wie oben steht, dienstbar sein.“ -- Holbein nahm dieses Anerbieten
-an und gelobte und versprach, die Bedingungen desselben zu halten.
-Zweifellos war er damals fest entschlossen, wieder seinen bleibenden
-Aufenthaltsort in Basel zu nehmen, sobald er in England ein genügendes
-Vermögen erworben haben würde. Er soll die Absicht ausgesprochen haben,
-die Rathausgemälde und andere Bilder auf eigene Kosten neu und besser
-zu malen, da ihm von seinen Baseler Wandmalereien nur das Haus zum Tanz
-„ein wenig gut“ vorgekommen sei. -- Aber er kehrte nicht heim.
-
-Im Dezember 1538 befand sich Holbein wieder am englischen Hofe. Es
-wurde ihm eine besondere Belohnung ausbezahlt für die unbenannten
-Geschäfte des Königs, um derentwillen er in die Gegend von Hochburgund
-geschickt worden war.
-
-Zum Beginn des nächsten Jahres überreichte er Heinrich VIII. ein
-Bildnis des kleinen Prinzen Eduard als Neujahrsgeschenk; als Gegengabe
-erhielt er vom König einen goldenen Becher mit Deckel. Eine größere
-Freude konnte Holbein seinem Herrn wohl nicht bereiten; denn Heinrich
-VIII., dessen Hoffnungen auf einen Thronfolger so oft getäuscht worden
-waren, war verliebt in sein Söhnchen, in dessen Nähe zu kommen er nur
-bevorzugten Personen gestattete. Ein lebensgroßes Porträt in halber
-Figur, das sich in der Gemäldegalerie zu Hannover befindet, könnte dem
-Alter des Kindes nach wohl das genannte Bild sein. Der zweijährige
-Prinz zeigt hier sein hübsches, rundliches Gesichtchen, auf dessen
-Stirn unter dem Häubchen hervor dünne, blonde Haare fallen, und seine
-dicken Händchen in der prächtigen Hervorhebung durch Rot und Gold;
-er trägt ein rotes Sammetkleid mit goldenen Schnüren und goldfarbigen
-Unterärmeln und über der Kinderhaube ein rotes Sammethütchen mit einer
-Straußenfeder (Abb. 130). -- Eine allerliebste kleine Umrißzeichnung in
-Form eines Medaillons, die das Kind in ganzer Figur, auf einem Kissen
-sitzend und mit einem Hündchen spielend zeigt, befindet sich unter den
-Blättern des früher erwähnten Skizzenbuchs zu Basel.
-
-[Illustration: Abb. 134. +Bildnis eines Unbekannten+, von 1541. Im
-königl. Museum zu Berlin.
-
-(Nach einer Photographie von Franz Hanfstängl in München.)]
-
-[Illustration: Abb. 135. +Karl Brandon, Söhnchen des Herzogs von
-Suffolk.+ Miniaturbildchen von 1541. In der Bibliothek der Königin von
-England im Windsorschlosse.
-
-(Nach einer Photographie von Franz Hanfstängl in München.)]
-
-Im Juli 1539 wurde Holbein wieder „in gewissen Geschäften“ des Königs
-auf Reisen geschickt. Der Plan der Vermählung Heinrichs VIII. mit der
-Nichte des Kaisers war gescheitert. Jetzt wurde dem Kaiser zum Trotz
-die Verbindung mit einer protestantischen deutschen Fürstentochter ins
-Auge gefaßt. Die Schwester des Herzogs von Cleve und Schwägerin des
-Kurfürsten von Sachsen, Anna, wurde dem Könige als eine wünschenswerte
-Partie angepriesen. Mit dem Auftrage, deren Bild zu malen, reiste
-Holbein nach Deutschland. Galanterweise schickte der König ihr sein
-eigenes Bildnis gleich mit durch den Maler; dies besagt eine aus den
-königlichen Haushaltungsbüchern geschöpfte Nachricht, daß Holbein
-beauftragt war, ein von ihm selbst hergestelltes und mit ansehnlichem
-Honorar bezahltes, aber weiter nicht benanntes Ding mitzunehmen.
--- Das Bildnis der neuen Königsbraut wurde Anfang August in einem
-Schlosse des clevischen Gebiets aufgenommen. Am 1. September kam der
-Maler nach London zurück. -- Wenn später die Fabel verbreitet wurde,
-Holbein habe die Fürstin schöner gemalt, als sie in Wirklichkeit
-war, und habe dadurch den König veranlaßt, eine Ehe einzugehen, die
-ihm sehr bald leid wurde, so beweist das erhaltene Bildnis selber
-die Grundlosigkeit dieser Behauptung. Das Gemälde befindet sich im
-Louvre. Da sehen wir Anna von Cleve in halber Figur, steif geputzt,
-mit einer Menge von Schmuck, das rötlichweiße Gesicht von einer
-reichverzierten Haube eingeschlossen, in gerader Vorderansicht (Abb.
-131). Man sieht, daß Holbein die Dame langweilig gefunden hat, und
-seine künstlerische Ehrlichkeit hat sie so langweilig wie möglich
-aufgefaßt. Keine Regung in der Gestalt, keine Regung in den Mienen.
-Wie unvergleichlich treffend ist der Ausdruck der blöden deutschen
-Jungfrau, die „nie vom Ellenbogen ihrer Mutter kam,“ wiedergegeben! In
-einem Punkte steht Holbein höher als alle anderen großen Bildnismaler:
-im Erfassen des Charakters auch in den Händen, nicht bloß in Bezug
-auf die Form, sondern auch auf den Ausdruck. Man vergleiche nur die
-ineinander gelegten Hände der drei Königsbräute: die in Zurückhaltung
-ruhenden der Jane Seymour, die liebenswürdigen, kindlich tändelnden der
-Herzogin Christine und die geistlosen der clevischen Herzogstochter!
-Die Langeweile, die der Maler empfunden hat, spiegelt sich auch in
-der Farbe. Gegenständlich war ihm hier ja alles zur Erzielung einer
-herrlichen Farbenwirkung gegeben: blondes Fleisch, feines Weißzeug,
-roter Sammet, Goldstoff, Gold und Juwelen, -- eine Farbenpracht, die er
-durch einen dunkelgrünen Hintergrund passend hervorhob. Und dennoch hat
-er mit diesen Mitteln hier keinen solchen künstlerischen Reiz der Farbe
-erreicht, wie er ihn sonst zu entwickeln vermochte.
-
-Daß Heinrich VIII. seinem Maler den ihm von den Geschichtschreibern
-hinsichtlich dieses Bildnisses aufgebürdeten Vorwurf nicht machte,
-geht schon aus den Gnadenbezeugungen hervor, die er ihm gerade in der
-nächsten Zeit erwies. Holbein bekam im Jahre 1540 doppeltes Gehalt
-ausbezahlt. Daß er unter diesen Umständen darauf verzichtete, zur
-verabredeten Zeit nach Basel zurückzukehren, ist leicht zu begreifen.
-
-Seinen Verstand in Bausachen, auf den man in Basel besonders rechnete,
-zu bewähren, fand Holbein auch in London Gelegenheit. Wenigstens gilt
-die zur Zeit der Königin Anna von Cleve ausgeführte schmuckreiche Decke
-der Kapelle des St. James-Palastes als ein Werk seiner Erfindung.
-
-[Illustration: Abb. 136. +Bildnis eines Unbekannten+, von 1541. In der
-kaiserl. Gemäldegalerie zu Wien.
-
-(Nach einer Photographie von J. Löwy in Wien.)]
-
-[Illustration: Abb. 137. +Simon George aus Cornwall.+ Ölgemälde im
-Städelschen Museum zu Frankfurt a. M.
-
-(Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach
-i. E. und Paris.)]
-
-Die Königin Anna wurde verstoßen, Cromwell, der mächtige, zielbewußte
-Lenker des englischen Staatswesens, wurde enthauptet, die katholische
-Katharina Howard wurde zur Königin erhoben und ihr Oheim Thomas Howard,
-Herzog von Norfolk, einst ein Freund und Gesinnungsgenosse von Thomas
-Morus, übernahm die Leitung der Staatsgeschäfte: alles wechselte
-wieder einmal am englischen Hofe; aber Holbeins Gunststellung blieb
-unverändert.
-
-Von der Königin Katharina Howard ist kein anderes Bildnis von Holbeins
-Hand bekannt, als ein Miniaturbildchen -- wie er deren auch eines
-von Anna von Cleve als Gegenstück zu einem ebensolchen des Königs
-gemalt hatte --; das Bildchen befindet sich in der Bibliothek des
-Windsorschlosses (Abb. 132).
-
-Ein großes Prachtbild, in der Gemäldesammlung des nämlichen Schlosses,
-führt uns den Herzog von Norfolk auf der Höhe seiner Macht vor Augen
-(Abb. 133). Der Herzog war 66 Jahre alt, als er sich von Holbein malen
-ließ. Er zeigt uns ein hageres, verschlossenes Gesicht, glatt rasiert
-nach der Mode der alten Zeit; über dem breit umgelegten Hermelinpelz,
-mit dem sein Mantel gefüttert ist, trägt er die goldene Kette des
-Hosenbandordens; in den feinen, fleischlosen Händen hält er den
-weißen Stab des Lordkämmerers und den goldenen Stab des Großmarschalls
-von England.
-
-[Illustration: Abb. 138. +Bildnis einer unbekannten Dame.+ In der
-kaiserl. Gemäldegalerie zu Wien.
-
-(Nach einer Photographie von J. Löwy in Wien.)]
-
-[Illustration: Abb. 139. +Sir Thomas Wyat.+ Zeichnung in schwarzer und
-farbiger Kreide, im königl. Schloß zu Windsor.
-
-(Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach
-i. E. und Paris.)]
-
-Von 1541 ist das Miniaturporträt eines dreijährigen Knaben, in der
-Bibliothek zu Windsor (Abb. 135). Es stellt Charles Brandon, den
-zweiten Sohn des Herzogs von Suffolk, vor und bildet das Gegenstück zu
-dem sechs Jahre früher gemalten Bild von dessen Brüderchen Henry.
-
-Die Jahreszahl 1541 ist auch auf zwei Bildnissen von anscheinend nicht
-zu den Hofkreisen gehörigen Herren zu lesen, von denen sich das eine,
-ein mit der ansprechendsten Schlichtheit aufgefaßtes Brustbild eines
-bärtigen Mannes (Abb. 134), im Museum zu Berlin, das andere, die
-Halbfigur eines jungen Mannes, der, mit einem Buche in der Hand, hinter
-einem Tische sitzt und den Beschauer anblickt (Abb. 136), im Wiener
-Hofmuseum befindet.
-
-Hier mögen zwei andere in deutschen Sammlungen bewahrte Meisterwerke
-von kleinem Format Erwähnung finden, die Holbeins englischer Zeit
-angehören, die aber keinen Anhalt zu näherer Zeitbestimmung bieten:
-das Porträt einer hübschen jungen Frau -- Brustbild mit Händen -- im
-Wiener Hofmuseum (Abb. 138), und das liebenswürdig aufgefaßte und mit
-köstlicher Feinheit gemalte Profilbild eines Herrn Simon George aus
-Cornwall im Städelschen Museum zu Frankfurt (Abb. 137).
-
-[Illustration: Abb. 140. +Die Herzogin von Suffolk.+ Zeichnung in
-schwarzer und farbiger Kreide, im königl. Schloß zu Windsor.]
-
-Die Zahl der Porträts ohne Jahresangabe ist größer als die Zahl der
-datierten. Seine Namensunterschrift hat Holbein nur ausnahmsweise auf
-die Bilder gesetzt. Er hatte, wie Michelangelo, das Selbstbewußtsein,
-daß seine Gemälde die Beglaubigung seiner Urheberschaft in sich selbst
-trügen. Daher ist es wohl erklärlich, daß gar manches Bild später auf
-seinen Namen getauft worden ist, das mit seiner Kunst nichts gemein
-hat. Wie viele von Holbein in England gemalte Bildnisse noch vorhanden
-sind, ist wohl überhaupt noch nicht festgestellt. Sie sind zu einem
-großen Teil in englischem Privatbesitz zerstreut. -- Wenn es nirgendwo
-Gelegenheit gibt, eine größere Anzahl Holbeinscher Bildnisgemälde
-nebeneinander zu sehen, so findet sich dafür ein ganzer Schatz von
-seinen herrlichen Bildniszeichnungen in der Bibliothek der Königin
-von England im Windsorschlosse vereinigt. Diese in ihrer Art ganz
-einzige, unschätzbare Sammlung enthält über achtzig Blätter, lauter
-Meisterwerke. In diesen ersten Aufnahmen nach dem Leben, die bald
-in wenig mehr als Umrissen alles Notwendige zu sagen wissen, bald
-ganz malerisch ausgearbeitet sind, treten uns die Persönlichkeiten,
-unbenannte und benannte -- viele, die in der englischen Geschichte
-eine Rolle gespielt haben --, fast ebenso sprechend und lebensvoll vor
-Augen, wie in ausgeführten Gemälden. Ja, es liegt in dieser ersten
-Niederschrift von Künstlerhand, die, das Wesentliche schnell erfassend,
-gleich alles vermerkte, was im Gemälde ausgedrückt werden sollte, ein
-ganz besonderer Reiz. Daß mit so Wenigem so Vollkommenes gegeben wird,
-ist das Wunderbare an diesen Zeichnungen, die, ohne etwas an und für
-sich Fertiges sein zu wollen, doch ganze fertige Kunstwerke sind (Abb.
-139-144).
-
-[Illustration: Abb. 141. +Sir John Gage.+ Zeichnung in schwarzer und
-farbiger Kreide, im königl. Schloß zu Windsor.
-
-(Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach
-i. E. und Paris.)]
-
-In der nämlichen Sammlung befindet sich ein einzigartiges Werk
-Holbeins, eine figurenreiche Komposition in Miniaturausführung;
-getuschte Silberstiftzeichnung, mit Gold und einigen wenigen Farben
-reizvoll belebt. Der Gegenstand der Darstellung ist der Besuch der
-Königin von Saba bei König Salomo. Bemerkenswert ist die reife
-Schönheit der Renaissancearchitektur auf diesem Blatt, die von Holbeins
-jugendlichen Architekturphantasien weit verschieden ist (Abb. 145).
-
-Im Jahre 1542 erschien eine Holzzeichnung Holbeins, die vielleicht
-das letzte war, was er für den Buchdruck machte. Es ist ein Bildnis
-in Medaillenform von Sir Thomas Wyat und schmückt die Rückseite des
-Titels einer Schrift, die als „Nänia“ (Totenklage) das Andenken dieses
-im Jahre 1541 im blühendsten Alter gestorbenen Lieblings des Königs
-feiert. Mit der denkbar größten Einfachheit des Striches, der auch die
-minder geübte Hand eines englischen Formschneiders folgen konnte, hat
-Holbein hier ein sprechendes Porträt gezeichnet.
-
-[Illustration: Abb. 142. +Elisabeth, Gemahlin von Sir Henry Parker.+
-Zeichnung in schwarzer und farbiger Kreide.
-
-In der Bibliothek des königl. Schlosses zu Windsor.
-
-(Nach einer Photographie von Franz Hanfstängl in München.)]
-
-[Illustration: Abb. 143. +Reskymeer+, ein Edelmann aus Cornwall.
-Zeichnung in schwarzer und farbiger Kreide. Im königl. Schloß zu
-Windsor.]
-
-Im Jahre 1542 muß Holbein wieder ein Bild des Prinzen von Wales gemalt
-haben. Zwar ist über das Gemälde selbst nichts bekannt, aber unter
-den Zeichnungen im Windsorschloß ist eine, die das Kind in dem dieser
-Zeit entsprechenden Alter zeigt (Abb. 146). Ein mit der Jahreszahl
-1542 bezeichnetes Werk besitzt die Gemäldegalerie im Haag in den
-trefflichen kleinen Porträt eines jungen Mannes, der einen Falken auf
-der Faust hält. Ein Selbstbildnis Holbeins aus diesem Jahre wird als
-im Privatbesitz vorhanden erwähnt.
-
-[Illustration: Abb. 144. +Lady Baux.+
-
-Zeichnung in schwarzer und farbiger Kreide. Im königl. Schloß zu
-Windsor.]
-
-Im folgenden Jahre fand Holbein die Muße, zweimal sich selbst zu malen,
-das eine Mal in Miniatur, das andere Mal in halber Lebensgröße. Diese
-Bilder sind beide verschollen. Aber von dem einen derselben gewähren
-uns zwei Kupferstichnachbildungen aus dem XVII. Jahrhundert, eine
-von Vorstermann (Abb. 149), die andere von Wenzel Hollar -- der auch
-sonst viele von Holbeins englischen Arbeiten gestochen hat, -- eine
-Anschauung. Der fünfundvierzigjährige Meister sieht hier sehr ernst
-aus. Der allgemeinen Sitte folgend hat er sich nach König Heinrichs
-Vorbild einen Vollbart wachsen lassen. -- Das in der Sammlung von
-Malerbildnissen im Uffizienpalast zu Florenz hängende Selbstbildnis
-Holbeins kann kaum noch als solches bezeichnet werden. Dasselbe ist
-zwar ursprünglich eine Zeichnung Holbeins, anscheinend zu dem in jenen
-Kupferstichen wiedergegebenen Gemälde; aber die Zeichnung ist durch
-Übermalung verunstaltet und unähnlich gemacht worden.
-
-Ein schönes Brustbild eines langbärtigen Herren im Pelz, mit Namen
-Melchior Maag, das sich in der Sammlung des Herrn Huybrechts zu
-Antwerpen befindet, trägt ebenfalls die Jahresbezeichnung 1543 (Abb.
-147).
-
-[Illustration: Abb. 145. +Die Königin von Saba vor Salomo.+
-Miniaturartige Tuschzeichnung mit Farben und Gold.
-
-In der Bibliothek der Königin von England im Windsorschloß.
-
-(Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach
-i. E. und Paris.)]
-
-[Illustration: Abb. 146. +Eduard, Prinz von Wales.+ Zeichnung in
-schwarzer und farbiger Kreide, in der königl. Bibliothek im Schlosse zu
-Windsor.
-
-(Nach einer Photographie von Franz Hanfstängl in München.)]
-
-In dieser Zeit arbeitete Holbein an einem großen figurenreichen
-Gemälde, das er wohl nur nach und nach fertig machen konnte. Es
-war ein Porträtstück, das zugleich einen geschichtlichen Vorgang
-verbildlichte. Die vereinigte Chirurgen- und Barbiergilde zu London
-ließ dasselbe malen zur Erinnerung an die Gewährung ihrer Zunftrechte
-durch den König. Die Vertreter der Gilde, achtzehn an der Zahl,
-wurden dargestellt, wie sie vor dem Throne Heinrichs VIII. knieen,
-um aus dessen Hand ihren Freibrief in Empfang zu nehmen. Einzelne
-der Vorstandsmitglieder malte Holbein nebenher auch in besonderen
-Bildnissen. So den achtundachtzigjährigen ~Dr.~ John Chambers, der zu
-den Leibärzten des Königs gehörte. Das schöne Bild des würdevollen
-Greises befindet sich jetzt in der kaiserlichen Gemäldegalerie zu Wien
-(Abb. 148). Das große Genossenschaftsbild hat sich auch erhalten;
-es hängt noch im Zunfthaus der Londoner Barbiere. Aber es zeigt,
-abgesehen von der Entstellung durch spätere Übermalungen, daß es auch
-ursprünglich nur zum Teil von Holbein gemalt worden ist. Es war dem
-Meister nicht beschieden, dieses Werk fertig zu sehen.
-
-[Illustration: Abb. 147. +Melchior Maag.+ Gemälde von 1543. In der
-Sammlung Huybrechts zu Antwerpen.]
-
-[Illustration: Abb. 148. +John Chambers+, Leibarzt König Heinrichs
-VIII. In der kaiserl. Gemäldegalerie zu Wien.]
-
-Mitten in der reichsten Schaffensthätigkeit starb Hans Holbein in der
-Blüte der Jahre und fern von der Heimat im Herbst 1543, wahrscheinlich
-als ein Opfer der Pest, welche in diesem Jahre in London wütete.
-
-Vom 7. Oktober ist sein Testament datiert. Von seiner Familie in
-Basel ist darin keine Rede. Für diese hatte er augenscheinlich
-schon vorgesorgt; die Familie lebte auch nach seinem Tode in guten
-Verhältnissen. Die letztwillige Verfügung bezieht sich nur auf die
-Ordnung seiner Londoner Verhältnisse. Sein Pferd und seine sonstige
-Habe sollte verkauft werden zur Deckung der Guthaben einiger Freunde.
-
-Am 29. November gab der Goldschmied Johannes von Antwerpen, einer der
-Zeugen, die Vollstreckung des Testamentes ab.
-
-König Heinrich VIII. erhielt ein Werk von der Hand seines Künstlers
-noch nach dessen Tode. Zu Neujahr 1544 wurde ihm von einem seiner
-Kämmerer ein Entwurf Holbeins zu einer Wanduhr verehrt, eine jetzt
-im Britischen Museum befindliche große Zeichnung von prächtig
-geschmackvoller Erfindung.
-
-[Illustration: Abb. 149. +Holbeins Selbstbildnis aus seinem letzten
-Lebensjahre.+
-
-Nach Borstermanns Stich des verschollenen Originals.]
-
-
-
-
-
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-
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