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-The Project Gutenberg EBook of Salome, by Oscar Wilde
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and most
-other parts of the world at no cost and with almost no restrictions
-whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of
-the Project Gutenberg License included with this eBook or online at
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-
-Title: Salome
- Tragödie in Einem Akt
-
-Author: Oscar Wilde
-
-Illustrator: Aubrey Beardsley
-
-Translator: Hedwig Lachmann
-
-Release Date: May 26, 2020 [EBook #62233]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: UTF-8
-
-*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK SALOME ***
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-Produced by Mohammad Aboomar for the QuantiQual Project;
-Project ID: COALESCE/2017/117 (Irish Research Council)
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-Oscar Wilde
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-Salome
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-Mit den Zeichnungen von
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-Aubrey Beardsley
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-Insel-Bücherei Nr. 247
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-SALOME
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-TRAGÖDIE
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-IN EINEM AKT
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-VON
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-OSCAR WILDE
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-IM INSEL-VERLAG ZU LEIPZIG
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-SALOME
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-PERSONEN DES SPIELS
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-HERODES ANTIPAS, Tetrarch von Judäa
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-JOCHANAAN, der Prophet
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-DER JUNGE SYRIER, Hauptmann der Wache
-
-TIGELLINUS, ein junger Römer
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-EIN KAPPADOZIER -- EIN NUBIER
-
-ERSTER SOLDAT -- ZWEITER SOLDAT
-
-DER PAGE DER HERODIAS
-
-EIN SKLAVE
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-JUDEN -- NAZARENER
-
-NAAMAN, der Scharfrichter
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-HERODIAS, Gemahlin des Tetrarchen
-
-SALOME, Tochter der Herodias
-
-DIE SKLAVINNEN DER SALOME
-
-
-
-
-Eine große Terrasse im Palast des Herodes, die an den Bankettsaal
-stößt. Einige Soldaten lehnen sich über die Brüstung. Rechts eine
-mächtige Treppe, links im Hintergrund eine alte Zisterne mit einer
-Einfassung aus grüner Bronze. Der Mond scheint sehr hell.
-
-Der junge Syrier
-
-Wie schön ist die Prinzessin Salome heute nacht!
-
-Der Page der Herodias
-
-Sieh die Mondscheibe! Wie seltsam sie aussieht. Wie eine Frau, die aus
-dem Grab aufsteigt. Wie eine tote Frau. Man könnte meinen, sie blickt
-nach toten Dingen aus.
-
-Der junge Syrier
-
-Sie ist sehr seltsam. Wie eine kleine Prinzessin, die einen gelben
-Schleier trägt und deren Füße von Silber sind. Wie eine kleine
-Prinzessin, deren Füße weiße Tauben sind. Man könnte meinen, sie
-tanzt.
-
-Der Page der Herodias
-
-Wie eine Frau, die tot ist. Sie gleitet langsam dahin.
-
-Lärm im Bankettsaal.
-
-Erster Soldat
-
-Was für ein Aufruhr! Was sind das für wilde Tiere, die da heulen?
-
-Zweiter Soldat
-
-Die Juden. Sie sind immer so. Sie streiten über ihre Religion.
-
-Erster Soldat
-
-Warum streiten sie über ihre Religion?
-
-Zweiter Soldat
-
-Ich weiß es nicht. Sie tun das immer. Die Pharisäer zum Beispiel sagen,
-daß es Engel gibt, und die Sadduzäer behaupten, daß es keine gibt.
-
-Erster Soldat
-
-Ich finde es lächerlich, über solche Dinge zu streiten.
-
-Der junge Syrier
-
-Wie schön ist die Prinzessin Salome heute abend!
-
-Der Page der Herodias
-
-Du siehst sie immer an. Du siehst sie zuviel an. Es ist gefährlich,
-Menschen auf diese Art anzusehn. Schreckliches kann geschehen.
-
-Der junge Syrier
-
-Sie ist sehr schön heute abend.
-
-Erster Soldat
-
-Der Tetrarch sieht finster drein.
-
-Zweiter Soldat
-
-Ja, er sieht finster drein.
-
-Erster Soldat
-
-Er blickt auf etwas.
-
-Zweiter Soldat
-
-Er blickt auf jemanden.
-
-Erster Soldat
-
-Auf wen blickt er?
-
-Zweiter Soldat
-
-Ich weiß nicht.
-
-Der junge Syrier
-
-Wie blaß die Prinzessin ist. Niemals habe ich sie so blaß gesehen. Sie
-ist wie der Schatten einer weißen Rose in einem silbernen Spiegel.
-
-Der Page der Herodias
-
-Du mußt sie nicht ansehn. Du siehst sie zuviel an.
-
-Erster Soldat
-
-Herodias hat den Becher des Tetrarchen gefüllt.
-
-Der Kappadozier
-
-Ist das die Königin Herodias dort mit dem perlenbesetzten schwarzen
-Kopfputz und dem blauen Puder im Haar?
-
-Erster Soldat
-
-Ja, das ist Herodias, die Frau des Tetrarchen.
-
-Zweiter Soldat
-
-Der Tetrarch liebt den Wein sehr. Er hat drei Sorten Wein. Den einen
-bringt man von der Insel Samothrake, er ist purpurn wie der Mantel des
-Cäsar.
-
-Der Kappadozier
-
-Ich habe Cäsar nie gesehn.
-
-Zweiter Soldat
-
-Der zweite kommt aus einer Stadt namens Zypern und ist gelb wie Gold.
-
-Der Kappadozier
-
-Ich liebe Gold.
-
-Zweiter Soldat
-
-Und der dritte ist ein Wein aus Sizilien. Dieser Wein ist rot wie Blut.
-
-Der Nubier
-
-Die Götter meines Landes lieben Blut sehr. Zweimal im Jahre opfern wir
-ihnen Jünglinge und Jungfrauen: fünfzig Jünglinge und fünfzig
-Jungfrauen. Aber ich fürchte, wir geben ihnen nie genug, denn sie sind
-sehr hart gegen uns.
-
-Der Kappadozier
-
-In meinem Lande sind keine Götter mehr. Die Römer haben sie
-ausgetrieben. Einige sagen, sie hielten sich in den Bergen versteckt,
-aber ich glaube es nicht. Drei Nächte bin ich in den Bergen gewesen und
-habe sie überall gesucht. Ich fand sie nicht, und zuletzt rief ich sie
-beim Namen, aber sie kamen nicht. Sie sind wohl tot.
-
-Erster Soldat
-
-Die Juden beten einen Gott an, den man nicht sehen kann.
-
-Der Kappadozier
-
-Ich kann das nicht verstehen.
-
-Erster Soldat
-
-Wirklich, sie glauben nur an Dinge, die man nicht sehen kann.
-
-Der Kappadozier
-
-Das finde ich ganz und gar lächerlich.
-
-Die Stimme des Jochanaan
-
-Nach mir wird einer kommen, der ist stärker als ich. Ich bin nicht wert,
-ihm die Riemen an seinen Schuhen zu lösen. Wenn er kommt, werden die
-verödeten Stätten frohlocken. Sie werden aufblühen wie die Rosen. Die
-Augen der Blinden werden den Tag sehen, und die Ohren der Tauben werden
-geöffnet. Das Kind wird an der Höhle des Drachen spielen, es wird die
-Löwen an ihren Mähnen führen.
-
-Zweiter Soldat
-
-Heiß ihn schweigen! Er sagt immer lächerliche Dinge.
-
-Erster Soldat
-
-Nein, nein, er ist ein heiliger Mann. Und er ist sehr sanft. Jeden Tag,
-wenn ich ihm zu essen gebe, dankt er mir.
-
-Der Kappadozier
-
-Wer ist es?
-
-Erster Soldat
-
-Ein Prophet.
-
-Der Kappadozier
-
-Wie ist sein Name?
-
-Erster Soldat
-
-Jochanaan.
-
-Der Kappadozier
-
-Woher kommt er?
-
-Erster Soldat
-
-Aus der Wüste, wo er sich von Heuschrecken und wildem Honig nährte. Er
-trug ein Kleid von Kamelhaaren und um die Lenden einen ledernen Gürtel.
-Er war sehr schrecklich anzusehn. Eine große Schar war immer um ihn. Er
-hatte auch Jünger, die ihm folgten.
-
-Der Kappadozier
-
-Wovon redet er?
-
-Erster Soldat
-
-Das kann man nie wissen. Manchmal sagt er Dinge, die einen erschrecken,
-aber es ist unmöglich zu verstehen, was er sagt.
-
-Der Kappadozier
-
-Kann man ihn sehen?
-
-Erster Soldat
-
-Nein, der Tetrarch hat es verboten.
-
-Der junge Syrier
-
-Die Prinzessin verbirgt ihr Gesicht hinter dem Fächer. Ihre kleinen
-weißen Hände flattern wie Tauben, wenn sie in den Schlag fliegen. Sie
-sind wie weiße Schmetterlinge. Sie sind genau wie weiße Schmetterlinge.
-
-Der Page der Herodias
-
-Was geht es dich an? Warum siehst du sie an? Du sollst sie nicht ansehn
-. . . Schreckliches kann geschehen.
-
-Der Kappadozier auf die Zisterne zeigend
-
-Ein sonderbares Gefängnis.
-
-Zweiter Soldat
-
-Es ist eine alte Zisterne.
-
-Der Kappadozier
-
-Eine alte Zisterne? Das muß ein mörderischer Ort zum Wohnen sein.
-
-Zweiter Soldat
-
-O nein! Zum Beispiel, des Tetrarchen Bruder, sein älterer Bruder, der
-erste Mann der Königin Herodias, war da zwölf Jahre gefangen. Es hat
-ihn nicht umgebracht. Nach Verlauf der zwölf Jahre mußte man ihn
-erdrosseln.
-
-Der Kappadozier
-
-Erdrosseln? Wer wagte das?
-
-Zweiter Soldat
-
-deutet auf den Henker, einen riesigen Neger
-
-Der Mann dort, Naaman.
-
-Der Kappadozier
-
-Fürchtete er sich nicht?
-
-Zweiter Soldat
-
-O nein, der Tetrarch sandte ihm den Ring.
-
-Der Kappadozier
-
-Was für einen Ring?
-
-Zweiter Soldat
-
-Den Todesring. Da fürchtete er sich nicht.
-
-Der Kappadozier
-
-Es ist aber doch etwas Schreckliches, einen König zu erdrosseln.
-
-Erster Soldat
-
-Wieso? Könige haben auch nur einen Hals wie andere Leute.
-
-Der Kappadozier
-
-Ich finde es schrecklich.
-
-Der junge Syrier
-
-Die Prinzessin erhebt sich! Sie verläßt die Tafel. Sie ist sehr erregt.
-Sie kommt hierher. Ja, sie kommt auf uns zu. Wie blaß sie ist. Ich habe
-sie nie so blaß gesehn.
-
-Der Page der Herodias
-
-Sieh sie nicht an. Ich bitte dich, sieh sie nicht an.
-
-Der junge Syrier
-
-Sie ist wie eine Taube, die sich verirrt hat . . . Sie ist wie eine
-Narzisse, die im Winde zittert . . . Sie ist wie eine silberne Blume.
-
-Salome tritt ein.
-
-Salome
-
-Ich will nicht bleiben. Ich kann nicht bleiben. Warum sieht mich der
-Tetrarch fortwährend so an mit seinen Maulwurfsaugen unter den zuckenden
-Lidern? Es ist seltsam, daß der Mann meiner Mutter mich so ansieht. Ich
-weiß nicht, was es heißen soll. In Wahrheit -- ich weiß es nur zu gut.
-
-Der junge Syrier
-
-Ihr habt das Fest verlassen, Prinzessin?
-
-Salome
-
-Wie süß die Luft hier ist! Hier kann ich atmen. Da drinnen sitzen Juden
-aus Jerusalem, die sich einander über ihre närrischen Gebräuche in
-Stücke reißen, und Barbaren, die trinken und trinken und ihren Wein auf
-den Estrich schütten, und Griechen aus Smyrna mit bemalten Augen und
-Backen, mit ihrem gekräuselten Haar und ihren Säulenlocken, und
-schweigsame, listige Ägypter mit langen Achatnägeln und rostbraunen
-Mänteln, und brutale ungeschlachte Römer mit ihrer plumpen Sprache. O,
-wie ich diese Römer hasse! Sie sind grob und gemein und geben sich das
-Ansehen, als ob sie Fürsten wären.
-
-Der junge Syrier
-
-Wollt Ihr nicht sitzen, Prinzessin?
-
-Der Page der Herodias
-
-Warum sprichst du zu ihr? O, es wird Schreckliches geschehen. Warum
-siehst du sie an?
-
-Salome
-
-Wie gut ist es, in den Mond zu sehen. Er ist wie eine silberne Blume.
-Kühl und keusch. Wie eine Jungfrau. Ja, wie die Schönheit einer
-Jungfrau. Gewiß, wie eine Jungfrau, die rein geblieben ist. Die sich nie
-Männern preisgegeben hat wie die andern Göttinnen.
-
-Die Stimme des Jochanaan
-
-Siehe! Der Herr ist gekommen. Des Menschen Sohn ist nahe. Die Zentauren
-haben sich in die Ströme geflüchtet, und die Nymphen haben die Ströme
-verlassen und liegen unter den Blättern des Waldes begraben.
-
-Salome
-
-Wer war das, der hier gerufen hat?
-
-Zweiter Soldat
-
-Der Prophet, Prinzessin.
-
-Salome
-
-Ach, der Prophet! Der, vor dem der Tetrarch Angst hat?
-
-Zweiter Soldat
-
-Wir wissen davon nichts, Prinzessin. Es war der Prophet Jochanaan, der
-gerufen hat.
-
-Der junge Syrier
-
-Beliebt es Euch, daß ich Eure Sänfte holen lasse, Prinzessin? Die Nacht
-ist schön im Garten.
-
-Salome
-
-Er sagt schreckliche Dinge über meine Mutter, nicht wahr?
-
-Zweiter Soldat
-
-Wir verstehen nie, was er sagt, Prinzessin.
-
-Salome
-
-Ja, er sagt schreckliche Dinge über sie.
-
-Ein Sklave tritt ein.
-
-Der Sklave
-
-Prinzessin, der Tetrarch ersucht Euch, wieder zum Fest hineinzugehn.
-
-Salome
-
-Ich will nicht hineingehn.
-
-Der junge Syrier
-
-Verzeihung, Prinzessin, aber wenn Ihr nicht hineingeht, kann Schlimmes
-geschehen.
-
-Salome
-
-Ist dieser Prophet ein alter Mann?
-
-Der junge Syrier
-
-Prinzessin, es wäre besser, hineinzugehen. Gestattet, daß ich Euch
-führe.
-
-Salome
-
-Ist der Prophet ein alter Mann?
-
-Erster Soldat
-
-Nein, Prinzessin, er ist ganz jung.
-
-Zweiter Soldat
-
-Man kann es nicht sicher wissen. Welche sagen, es sei Elias.
-
-Salome
-
-Wer ist Elias?
-
-Zweiter Soldat
-
-Ein Prophet dieses Landes aus vergangenen Tagen, Prinzessin.
-
-Der Sklave
-
-Welche Antwort soll ich dem Tetrarchen von der Prinzessin bringen?
-
-Die Stimme des Jochanaan
-
-Jauchze nicht, du Land Palästina, weil der Stab dessen, der dich schlug,
-zerbrochen ist. Denn aus dem Samen der Schlange wird ein Basilisk kommen,
-und seine Brut wird die Vögel verschlingen.
-
-Salome
-
-Welch seltsame Stimme! Ich möchte mit ihm sprechen.
-
-Erster Soldat
-
-Ich fürchte, das kann nicht sein, Prinzessin. Der Tetrarch duldet nicht,
-daß irgendwer mit ihm spricht. Er hat selbst dem Hohepriester verboten,
-mit ihm zu sprechen.
-
-Salome
-
-Ich wünsche mit ihm zu sprechen.
-
-Erster Soldat
-
-Es ist unmöglich, Prinzessin.
-
-Salome
-
-Ich will mit ihm sprechen.
-
-Der junge Syrier
-
-Wäre es nicht besser, wieder zum Bankett zu gehen?
-
-Salome
-
-Bringt diesen Propheten heraus.
-
-Der Sklave geht ab.
-
-Erster Soldat
-
-Wir dürfen nicht, Prinzessin.
-
-Salome tritt an die Zisterne heran und blickt hinunter
-
-Wie schwarz es da drunten ist! Es muß schrecklich sein, in so einer
-schwarzen Höhle zu leben. Es ist wie eine Gruft . . . Zu den Soldaten:
-Habt ihr nicht gehört? Bringt den Propheten heraus. Ich möchte ihn
-sehen.
-
-Zweiter Soldat
-
-Prinzessin, ich bitte Euch, verlangt das nicht von uns.
-
-Salome
-
-Ich soll wohl warten, bis es euch beliebt?
-
-Erster Soldat
-
-Prinzessin, unser Leben gehört Euch, aber wir können nicht tun, was Ihr
-von uns begehrt. Und Ihr solltet das wirklich von uns nicht verlangen.
-
-Salome einen Blick auf den jungen Syrier werfend
-
-Ah!
-
-Der Page der Herodias
-
-O, was wird geschehen? Ich weiß, es wird Schreckliches geschehen.
-
-Salome tritt an den jungen Syrier heran
-
-Du wirst das für mich tun, Narraboth, nicht wahr? Du wirst das für mich
-tun. Ich war dir immer gewogen. Du wirst es für mich tun. Ich möchte
-ihn bloß sehen, diesen seltsamen Propheten. Die Leute haben so viel von
-ihm gesprochen. Ich habe den Tetrarchen oft von ihm sprechen hören. Ich
-glaube, der Tetrarch hat Angst vor ihm. Hast du auch Angst vor ihm,
-Narraboth, du auch?
-
-Der junge Syrier
-
-Ich fürchte ihn nicht, Prinzessin; ich fürchte niemanden. Aber der
-Tetrarch hat es ausdrücklich verboten, daß irgendwer den Deckel zu
-diesem Brunnen aufhebt.
-
-Salome
-
-Du wirst das für mich tun, Narraboth, und morgen, wenn ich in meiner
-Sänfte an dem Torweg, wo die Götzenbildhändler stehen, vorbeikomme,
-werde ich eine kleine Blume für dich fallen lassen, ein kleines grünes
-Blümchen.
-
-Der junge Syrier
-
-Prinzessin, ich kann nicht, ich kann nicht.
-
-Salome lächelnd
-
-Du wirst das für mich tun, Narraboth. Du weißt, daß du das für mich
-tun wirst. Und morgen früh, wenn ich in meiner Sänfte an der Brücke
-vorbeikomme, wo man Götzenbilder kauft, werde ich unter den
-Musselinschleiern dir einen Blick zuwerfen, Narraboth, ich werde dich
-ansehn, kann sein, ich werde dir zulächeln. Sieh mich an, Narraboth,
-sieh mich an. Ah! wie gut du weißt, daß du tun wirst, um was ich dich
-bitte! Wie du es weißt . . . Ich weiß, du wirst das tun.
-
-Der junge Syrier
-
-gibt dem dritten Soldaten ein Zeichen
-
-Laß den Propheten herauskommen . . . Die Prinzessin Salome wünscht ihn
-zu sehen.
-
-Salome
-
-Ah!
-
-Der Page der Herodias
-
-O, wie seltsam der Mond aussieht! Wie die Hand einer toten Frau, die das
-Laken über sich ziehen will.
-
-Der junge Syrier
-
-Ja, sehr seltsam! Wie eine kleine Prinzessin, mit Augen wie
-Bernsteinaugen. Durch die Wolken von Musselin lächelt das Gesicht hervor
-wie eine kleine Prinzessin.
-
-Der Prophet kommt aus der Zisterne. Salome sieht ihn an und weicht
-langsam zurück.
-
-Jochanaan
-
-Wo ist er, dessen Sündenbecher jetzt voll ist? Wo ist er, der eines
-Tages im Angesichte alles Volkes in einem Silbermantel sterben wird?
-Heißt ihn herkommen, auf daß er die Stimme dessen höre, der in den
-Wüsten und in den Häusern der Könige gekündet hat.
-
-Salome
-
-Von wem spricht er?
-
-Der junge Syrier
-
-Niemand kann es sagen, Prinzessin.
-
-Jochanaan
-
-Wo ist sie, die vor den gemalten Männerbildern gestanden hat, vor den
-buntgemalten Bildern der Chaldäer, die sich hingab der Lust ihrer Augen
-und Gesandte ins Land der Chaldäer schickte?
-
-Salome
-
-Er spricht von meiner Mutter.
-
-Der junge Syrier
-
-O nein, Prinzessin.
-
-Salome
-
-Ja, er spricht von meiner Mutter.
-
-Jochanaan
-
-Wo ist sie, die sich den Hauptleuten Assyriens gab, mit ihren
-Wehrgehängen und bunten Kronen auf dem Kopf? Wo ist sie, die sich den
-jungen Männern der Ägypter gegeben hat, die in feinem Leinen und
-Hyazinthgesteinen prangen, deren Schilde von Gold sind und die Helme von
-Silber und die Leiber wie von Riesen? Geht, heißt sie aufstehn von dem
-Bett ihrer Greuel, vom Bett ihrer Blutschande; auf daß sie die Worte
-dessen vernehme, der dem Herrn die Wege bereitet, und ihre Missetaten
-bereue. Und wenn sie gleich nicht bereut, sondern verstockt bleibt in
-ihren Sündengreueln, heißt sie herkommen, denn die Geißel des Herrn
-ist in seiner Hand.
-
-Salome
-
-O, er ist schrecklich, er ist wirklich schrecklich!
-
-Der junge Syrier
-
-Bleibt nicht hier, Prinzessin, ich bitte Euch.
-
-Salome
-
-Seine Augen sind von allem das Schrecklichste. Sie sind, als ob schwarze
-Löcher mit Fackeln in einen tyrischen Teppich gebrannt worden wären.
-Sie sind wie die schwarzen Höhlen, wo die Drachen leben, die schwarzen
-Höhlen Ägyptens, wo die Drachen hausen. Sie sind wie schwarze Seen, aus
-denen irres Mondlicht flackert . . . Glaubt ihr, daß er noch einmal
-sprechen wird?
-
-Der junge Syrier
-
-Bleibt nicht hier, Prinzessin. Ich bitte inständig, bleibt nicht hier.
-
-Salome
-
-Wie abgezehrt er ist! Er ist wie eine dünne Elfenbeinfigur. Er ist wie
-ein Bildnis aus Silber. Gewiß ist er keusch wie der Mond. Er ist wie ein
-Mondenstrahl, wie ein Silberschaft. Sein Fleisch muß sehr kühl sein,
-kühl wie Elfenbein . . . Ich möchte ihn näher besehen.
-
-Der junge Syrier
-
-Nein, nein, Prinzessin.
-
-Salome
-
-Ich muß ihn näher besehen.
-
-Der junge Syrier
-
-Prinzessin! Prinzessin!
-
-Jochanaan
-
-Wer ist dies Weib, das mich ansieht? Ich will ihre Augen nicht auf mir
-haben. Warum sieht sie mich an mit ihren Goldaugen unter den gleißenden
-Lidern? Ich weiß nicht, wer sie ist. Ich will nicht wissen, wer sie ist.
-Heißt sie gehen. Zu ihr will ich nicht sprechen.
-
-Salome
-
-Ich bin Salome, die Tochter der Herodias, Prinzessin von Judäa.
-
-Jochanaan
-
-Zurück, Tochter Babylons! Komm dem Erwählten des Herrn nicht nahe!
-Deine Mutter hat die Erde erfüllt mit dem Wein ihrer Lüste, und das
-Unmaß ihrer Sünden schreit zu Gott.
-
-Salome
-
-Sprich mehr, Jochanaan. Deine Stimme ist wie Musik in meinen Ohren.
-
-Der junge Syrier
-
-Prinzessin! Prinzessin! Prinzessin!
-
-Salome
-
-Sprich mehr! Sprich mehr! Jochanaan, und sage mir, was ich tun soll.
-
-Jochanaan
-
-Tochter Sodoms, komm mir nicht nahe! Vielmehr bedecke dein Gesicht mit
-einem Schleier und streue Asche auf deinen Kopf und mach dich auf in die
-Wüste und suche des Menschen Sohn.
-
-Salome
-
-Wer ist das, des Menschen Sohn? Ist er so schön wie du, Jochanaan?
-
-Jochanaan
-
-Weiche von mir! Ich höre die Flügel des Todesengels im Palaste rauschen.
-
-Der junge Syrier
-
-Prinzessin, ich flehe: geh hinein.
-
-Jochanaan
-
-Engel des Herrn meines Gottes, was tust du hier mit deinem Schwert? Wen
-suchst du in diesem Palast? Der Tag dessen, der im Silbermantel sterben
-soll, ist noch nicht gekommen.
-
-Salome
-
-Jochanaan!
-
-Jochanaan
-
-Wer spricht hier?
-
-Salome
-
-Ich bin verliebt in deinen Leib, Jochanaan! Dein Leib ist weiß wie die
-Lilien auf einem Felde, das nie die Sichel berührt hat. Dein Leib ist
-weiß wie der Schnee, der auf den Bergen Judäas liegt und in die Täler
-herabkommt. Die Rosen im Garten der Königin von Arabien sind nicht so
-weiß wie dein Leib. Nicht die Rosen im Garten der Königin von Arabien,
-im Gewürzgarten der Königin von Arabien, nicht die Füße der
-Dämmerung, wenn sie auf die Blätter herabsteigt, nicht die Brüste des
-Mondes, wenn er auf dem Meere liegt . . . Nichts in der Welt ist so weiß
-wie dein Leib . . . Laß mich ihn berühren, deinen Leib!
-
-Jochanaan
-
-Zurück, Tochter Babylons! Durch das Weib kam das Übel in die Welt.
-Sprich nicht zu mir. Ich will dich nicht anhören. Ich höre nur auf die
-Stimme des Herrn, meines Gottes.
-
-Salome
-
-Dein Leib ist grauenvoll. Er ist wie der Leib eines Aussätzigen. Er ist
-wie eine getünchte Wand, wo Nattern gekrochen sind; wie eine getünchte
-Wand, wo die Skorpione ihr Nest gebaut haben. Er ist wie ein
-übertünchtes Grab, voll widerlicher Dinge. Er ist gräßlich, dein Leib
-ist gräßlich. In dein Haar bin ich verliebt, Jochanaan. Dein Haar ist
-wie Weintrauben, wie Büschel schwarzer Trauben, die an den Weinstöcken
-Edoms hängen im Lande der Edomiter. Dein Haar ist wie die Zedern vom
-Libanon, wie die großen Zedern vom Libanon, die den Löwen und Räubern
-ihren Schatten spenden, wenn sie sich am Tage verbergen wollen. Die
-langen schwarzen Nächte, wenn der Mond sein Gesicht verbirgt, wenn den
-Sternen bange ist, sind nicht so schwarz wie dein Haar. Das Schweigen,
-das im Walde wohnt, ist nicht so schwarz. Nichts in der Welt ist so
-schwarz wie dein Haar . . . Laß mich es berühren, dein Haar!
-
-Jochanaan
-
-Zurück, Tochter Sodoms! Berühre mich nicht. Entweihe nicht den Tempel
-des Herrn, meines Gottes.
-
-Salome
-
-Dein Haar ist gräßlich. Es starrt von Staub und Unrat. Es ist wie eine
-Dornenkrone auf deinen Kopf gesetzt. Es ist wie ein Schlangenknoten um
-deinen Hals gewickelt. Ich liebe dein Haar nicht . . . Deinen Mund
-begehre ich, Jochanaan. Dein Mund ist wie ein Scharlachband an einem Turm
-von Elfenbein. Er ist wie ein Granatapfel von einem Elfenbeinmesser
-zerteilt. Die Granatapfelblüten, die in den Gärten von Tyrus wachsen,
-die glühender sind als Rosen, sind nicht so rot. Die roten Fanfaren der
-Trompeten, die das Nahen von Königen künden und vor denen der Feind
-erzittert, sind nicht so rot. Dein Mund ist röter als die Füße der
-Männer, die den Wein in der Kelter stampfen. Er ist röter als die
-Füße der Tauben, die in den Tempeln wohnen und von den Priestern ihr
-Futter bekommen. Er ist röter als die Füße des Mannes, der aus dem
-Walde kommt, wo er einen Löwen erschlagen und goldfarbige Tiger erblickt
-hat. Dein Mund ist wie ein Korallenzweig, den die Fischer in der
-Dämmerung des Meeres gefunden haben, wie die Koralle, die sie für
-Könige bewahren! . . . Er ist wie der Purpur, den die Moabiter in den
-Gruben von Moab finden, wie der Purpur, den die Könige von ihnen haben.
-Er ist wie der Bogen des Perserkönigs, der mit Purpur bemalt und mit
-Korallen besetzt ist. Nichts in der Welt ist so rot wie dein Mund . . .
-Laß mich ihn küssen, deinen Mund!
-
-Jochanaan
-
-Niemals! Tochter Babylons! Tochter Sodoms! Niemals!
-
-Salome
-
-Ich will deinen Mund küssen, Jochanaan. Ich will deinen Mund küssen.
-
-Der junge Syrier
-
-Prinzessin, Prinzessin, die wie ein Garten von Myrrhen ist, die die Taube
-aller Tauben ist, sieh diesen Mann nicht an, sieh ihn nicht an. Sprich
-nicht solche Worte zu ihm. Ich kann es nicht ertragen . . . Prinzessin,
-sprich nicht solche Dinge.
-
-Salome
-
-Ich will deinen Mund küssen, Jochanaan.
-
-Der junge Syrier
-
-Ah! Er tötet sich und fällt zwischen Salome und Jochanaan.
-
-Der Page der Herodias
-
-Der junge Syrier hat sich getötet. Der junge Hauptmann hat sich
-getötet. Der mein Freund war, hat sich getötet. Ich habe ihm eine
-kleine Nardenbüchse und silberne Ohrringe geschenkt, und nun hat er sich
-getötet. Ach, sagte er nicht, es wird Schlimmes geschehen? Ich sagte es
-auch, und es ist eingetroffen. Wohl wußte ich, daß der Mond etwas Totes
-suchte, aber ich wußte nicht, daß er es war, den er suchte. Ach, warum
-barg ich ihn nicht vor dem Mond! Hätte ich ihn in einer Höhle
-verborgen, dann hätte er ihn nicht gesehen.
-
-Erster Soldat
-
-Prinzessin, der junge Hauptmann hat sich getötet.
-
-Salome
-
-Laß mich deinen Mund küssen, Jochanaan!
-
-Jochanaan
-
-Wird dir nicht bange, Tochter der Herodias? Habe ich dir nicht gesagt,
-daß ich im Palaste den Flügelschlag des Todesengels gehört habe, und
-ist er nicht gekommen, der Engel des Todes?
-
-Salome
-
-Laß mich deinen Mund küssen!
-
-Jochanaan
-
-Tochter der Unzucht, es lebt nur Einer, der dich retten kann. Es ist Der,
-von dem ich sprach. Geh, such ihn. Er ist in einem Nachen auf dem See von
-Galiläa und redet zu seinen Jüngern. Knie nieder am Ufer des Sees, rufe
-ihn an und nenne ihn beim Namen. Wenn er zu dir kommt, und er kommt zu
-allen, die ihn anrufen, dann bücke dich zu seinen Füßen, daß er dir
-deine Sünden vergebe.
-
-Salome
-
-Laß mich deinen Mund küssen!
-
-Jochanaan
-
-Sei verflucht! Tochter einer blutschänderischen Mutter, sei verflucht!
-
-Salome
-
-Ich will deinen Mund küssen, Jochanaan!
-
-Jochanaan
-
-Ich will dich nicht ansehn. Du bist verflucht, Salome, du bist verflucht.
-Er geht in die Zisterne hinab.
-
-Salome
-
-Ich will deinen Mund küssen. Jochanaan, ich will deinen Mund küssen! . . .
-
-Erster Soldat
-
-Wir müssen den Leichnam an einen andern Ort tragen. Der Tetrarch mag
-keine Toten sehen, außer wenn er selbst gemordet hat.
-
-Der Page der Herodias
-
-Er war mein Bruder, ja er war mir näher als ein Bruder. Ich gab ihm eine
-kleine Nardenbüchse und einen Achatring, den er immer an der Hand trug.
-Abends gingen wir oft am Fluß spazieren und unter den Mandelbäumen, und
-er erzählte mir gern von seiner Heimat. Er sprach immer sehr leise. Der
-Klang seiner Stimme war wie der Klang der Flöte, wie wenn einer auf der
-Flöte spielt. Er hatte auch große Freude daran, im Fluß sein Bild zu
-betrachten. Ich habe ihn oft darum getadelt.
-
-Zweiter Soldat
-
-Du hast recht, wir müssen den Leichnam verstecken. Der Tetrarch darf ihn
-nicht sehen.
-
-Erster Soldat
-
-Der Tetrarch wird nicht hierher kommen. Er kommt nie auf die Terrasse. Er
-hat zu große Angst vor dem Propheten.
-
-Herodes, Herodias und der ganze Hof treten ein.
-
-Herodes
-
-Wo ist Salome, wo ist die Prinzessin? Warum kam sie nicht wieder zum
-Bankett, wie ich ihr befohlen hatte? Ah! Hier ist sie!
-
-Herodias
-
-Du sollst sie nicht ansehen! Fortwährend siehst du sie an!
-
-Herodes
-
-Wie der Mond heute nacht aussieht! Es steckt Seltsames in ihm. Ist es
-nicht ein seltsames Bild? Es sieht aus wie ein wahnsinniges Weib, ein
-wahnsinniges Weib, das überall nach Buhlen sucht. Und nackt ist, ganz
-nackt. Die Wolken wollen seine Nacktheit bekleiden, aber das Weib läßt
-sie nicht. Es stellt sich nackt am Himmel zur Schau, wie ein betrunkenes
-Weib, das durch die Wolken taumelt . . . Gewiß, es sucht nach Buhlen.
-Sieht es nicht aus wie ein betrunkenes Weib? Es steckt heut etwas im Mond
-wie ein wahnsinniges Weib, nicht?
-
-Herodias
-
-Nein, der Mond ist wie der Mond, das ist alles. Wir wollen hineingehn . . .
-Wir haben hier nichts zu tun.
-
-Herodes
-
-Ich will hier bleiben! Manasseh, leg Teppiche hierher! Zündet Fackeln
-an! Bringt die Elfenbeintische heraus und die Tische von Jaspis! Die Luft
-ist süß hier. Ich will noch Wein mit meinen Gästen trinken. Wir
-müssen den Gesandten des Cäsar alle Ehren erweisen.
-
-Herodias
-
-Nicht um ihretwillen willst du bleiben.
-
-Herodes
-
-Doch; die Luft ist sehr süß. Komm, Herodias, unsere Gäste warten auf
-uns. Ah! Ich bin ausgeglitten! Ich bin in Blut getreten! Das ist ein
-böses Zeichen, das ist ein sehr böses Zeichen. Warum ist hier Blut? . . .
-Und dieser Tote? Was soll dieser Tote hier? Denkt ihr, ich sei wie der
-König von Ägypten, der seinen Gästen kein Fest gibt, ohne ihnen einen
-Leichnam zu zeigen? Wer ist der Tote? Ich will ihn nicht sehen.
-
-Erster Soldat
-
-Es ist unser Hauptmann, Herr. Es ist der junge Syrier, den Ihr erst vor
-drei Tagen zum Hauptmann der Leibwache ernannt habt.
-
-Herodes
-
-Ich erließ keinen Befehl, daß er getötet würde.
-
-Erster Soldat
-
-Er hat sich selbst getötet, Herr.
-
-Herodes
-
-Aus welchem Grund? Ich hatte ihn zum Hauptmann meiner Leibwache ernannt!
-
-Zweiter Soldat
-
-Wir wissen es nicht, Herr. Aber mit eigener Hand hat er sich getötet.
-
-Herodes
-
-Das scheint mir seltsam. Ich habe gedacht, nur die römischen Philosophen
-töteten sich selbst. Nicht wahr, Tigellinus, die Philosophen in Rom
-töten sich selbst?
-
-Tigellinus
-
-Es gibt dort einige, die sich selbst töten. Es sind die Stoiker. Die
-Stoiker sind Leute ohne Bildung. Es sind lächerliche Leute. Ich für
-meinen Teil halte sie für ganz und gar lächerlich.
-
-Herodes
-
-Ich auch. Es ist lächerlich, sich selbst zu töten.
-
-Tigellinus
-
-Alle Welt in Rom lacht über sie. Der Kaiser hat eine Satire gegen sie
-geschrieben. Man trägt sie überall vor.
-
-Herodes
-
-Ah! Er hat eine Satire gegen sie geschrieben? Cäsar ist erstaunlich. Er
-kann alles . . . Es ist seltsam, daß der junge Syrier sich getötet hat.
-Es tut mir leid, daß er sich getötet hat. Es tut mir sehr leid. Denn er
-war schön zu sehen. Er war sehr schön. Er hatte so schmachtende Augen.
-Ich erinnere mich, ich sah seine schmachtenden Augen, wenn er Salome
-ansah. Wahrhaftig, ich dachte: er sieht sie zuviel an.
-
-Herodias
-
-Es gibt noch andere, die sie zuviel ansehen.
-
-Herodes
-
-Sein Vater war ein König. Ich vertrieb ihn aus seinem Reich. Und seine
-Mutter, die eine Königin war, machtest du zur Sklavin, Herodias. Er war
-also sozusagen mein Gast, und darum ernannte ich ihn zu meinem Hauptmann.
-Es tut mir leid, daß er tot ist. He! Warum habt ihr den Leichnam hier
-liegen lassen? Er muß fortgebracht werden. Ich will ihn nicht sehen --
-fort mit ihm! Sie tragen den Leichnam weg. Es ist kalt hier. Es weht ein
-Wind. Weht nicht ein Wind?
-
-Herodias
-
-Nein, es weht kein Wind.
-
-Herodes
-
-Ich sage euch, es weht ein Wind -- Und in der Luft höre ich etwas wie
-das Rauschen von Flügeln, wie das Rauschen von mächtigen Flügeln.
-Hört ihr es nicht?
-
-Herodias
-
-Ich höre nichts.
-
-Herodes
-
-Jetzt höre ich es nicht mehr. Aber ich habe es gehört. Es war das Wehen
-des Windes. Es ist vorüber. Horch, jetzt höre ich es wieder. Hört ihr
-es nicht? Es ist genau wie ein Rauschen von Flügeln.
-
-Herodias
-
-Ich sage dir, es ist nichts daran. Du bist krank. Wir wollen hineingehen.
-
-Herodes
-
-Ich bin nicht krank. Aber deine Tochter ist krank zu Tode. Niemals habe
-ich sie so blaß gesehen.
-
-Herodias
-
-Ich habe dir gesagt, du sollst sie nicht ansehen.
-
-Herodes
-
-Schenkt mir Wein ein. Es wird Wein gebracht. Salome, komm, trink Wein mit
-mir. Ich habe hier einen köstlichen Wein. Cäsar hat ihn mir selbst
-geschickt. Tauche deine kleinen roten Lippen hinein, dann will ich den
-Becher leeren.
-
-Salome
-
-Ich bin nicht durstig, Tetrarch.
-
-Herodes
-
-Hörst du, wie sie mir antwortet, diese deine Tochter?
-
-Herodias
-
-Sie hat recht. Warum stierst du sie immer an?
-
-Herodes
-
-Bringt reife Früchte. Es werden Früchte gebracht. Salome, komm, iß mit
-mir von diesen Früchten. Ich sehe den Abdruck deiner kleinen Zähne in
-einer Frucht so gern. Beiß nur ein wenig von dieser Frucht hier ab, dann
-will ich essen, was übrig ist.
-
-Salome
-
-Ich bin nicht hungrig, Tetrarch.
-
-Herodes zu Herodias
-
-Du siehst, wie du diese deine Tochter erzogen hast.
-
-Herodias
-
-Meine Tochter und ich stammen aus königlichem Blut. Du aber, weißt du,
-dein Vater war Kameltreiber! Dein Vater war ein Dieb und ein Räuber
-obendrein!
-
-Herodes
-
-Du lügst!
-
-Herodias
-
-Du weißt wohl, daß es wahr ist.
-
-Herodes
-
-Salome, komm, setz dich zu mir. Du sollst auf dem Thron deiner Mutter
-sitzen.
-
-Salome
-
-Ich bin nicht müde, Tetrarch.
-
-Herodias
-
-Du siehst, wie sie dich achtet.
-
-Herodes
-
-Bringt mir -- Was wünsch ich denn? Ich hab es vergessen. Ah! Ah! Ich
-erinnere mich.
-
-Die Stimme des Jochanaan
-
-Siehe, die Zeit ist gekommen! Was ich vorhersagte, ist eingetroffen. Der
-Tag, von dem ich sprach, ist da.
-
-Herodias
-
-Heiß ihn schweigen. Ich will seine Stimme nicht hören. Dieser Mensch
-beschimpft mich fortwährend.
-
-Herodes
-
-Er hat nichts gegen dich gesagt. Überdies ist er ein sehr großer
-Prophet.
-
-Herodias
-
-Ich glaube nicht an Propheten. Kann jemand sagen, was sich in Zukunft
-ereignen wird? Niemand weiß das. Auch beschimpft er mich fortwährend.
-Aber ich glaube, du hast Angst vor ihm. Ich weiß wohl, daß du Angst vor
-ihm hast.
-
-Herodes
-
-Ich habe keine Angst vor ihm. Ich habe vor niemand Angst.
-
-Herodias
-
-Ich sage dir, du hast Angst vor ihm. Wenn du keine Angst vor ihm hast,
-warum lieferst du ihn nicht den Juden aus, die seit sechs Monaten nach
-ihm schreien?
-
-Ein Jude
-
-Wahrhaftig, Herr, es wäre besser, ihn in unsere Hände zu geben.
-
-Herodes
-
-Genug davon. Ich habe euch meine Antwort schon gegeben. Ich werde ihn
-nicht in eure Hände geben. Er ist ein heiliger Mann. Er ist ein Mann,
-der Gott geschaut hat.
-
-Ein Jude
-
-Das kann nicht sein. Seit dem Propheten Elias hat niemand Gott gesehen.
-Er war der letzte, der Gott von Angesicht zu Angesicht geschaut hat. In
-unseren Tagen zeigt Gott sich nicht. Gott verbirgt sich. Darum ist
-großes Übel über das Land gekommen.
-
-Ein anderer Jude
-
-In Wahrheit weiß niemand, ob Elias in der Tat Gott gesehen hat.
-Möglicherweise war es nur der Schatten Gottes, was er sah.
-
-Ein dritter Jude
-
-Gott ist zu keiner Zeit verborgen. Er zeigt sich zu allen Zeiten und an
-allen Orten. Gott ist in dem Schlimmen ebenso wie in dem Guten.
-
-Ein vierter Jude
-
-Du solltest das nicht sagen. Es ist eine sehr gefährliche Lehre. Es ist
-eine Lehre, die aus Alexandria kommt, wo die griechische Philosophie
-gelehrt wird. Und die Griechen sind Heiden. Sie sind nicht einmal
-beschnitten.
-
-Ein fünfter Jude
-
-Niemand kann sagen, wie Gott wirkt. Seine Wege sind sehr dunkel. Es kann
-sein, daß die Dinge, die wir schlimm nennen, gut sind, und daß die
-Dinge, die wir gut nennen, schlimm sind. Wir wissen von nichts etwas. Wir
-können nur unser Haupt unter seinen Willen beugen, denn Gott ist sehr
-stark. Er bricht den Starken in Stücke, wie den Schwachen, denn jeder
-gilt ihm gleich.
-
-Erster Jude
-
-Du sagst die Wahrheit. Fürwahr, Gott ist furchtbar. Er bricht den
-Starken und den Schwachen in Stücke, wie man Körner in einem Mörser
-zerreibt. Aber was diesen Menschen angeht, der hat Gott nie gesehen. Seit
-dem Propheten Elias hat niemand Gott gesehen.
-
-Herodias
-
-Heiß sie schweigen. Sie langweilen mich!
-
-Herodes
-
-Doch hab ich davon sprechen hören, Jochanaan sei in Wahrheit euer
-Prophet Elias.
-
-Der Jude
-
-Das kann nicht sein. Seit den Tagen des Propheten Elias sind mehr als
-dreihundert Jahre vergangen.
-
-Herodes
-
-Welche sagen, der Mann sei der Prophet Elias.
-
-Ein Nazarener
-
-Mir ist es sicher, daß er der Prophet Elias ist.
-
-Der Jude
-
-Keineswegs, es ist nicht der Prophet Elias.
-
-Die Stimme des Jochanaan
-
-Siehe, der Tag ist nahe, der Tag des Herrn, und ich höre auf den Bergen
-die Schritte Dessen, der der Erlöser der Welt sein wird.
-
-Herodes
-
-Was soll das heißen: der Erlöser der Welt?
-
-Tigellinus
-
-Es ist ein Titel, den Cäsar führt.
-
-Herodes
-
-Aber Cäsar kommt nicht nach Judäa. Erst gestern hatte ich Briefe von
-Rom. Es stand nichts von dieser Sache darin. Und Ihr, Tigellinus, Ihr
-wart ja den Winter über in Rom. Ihr habt nichts von dieser Sache
-gehört, was?
-
-Tigellinus
-
-Herr, ich habe nichts von der Sache gehört. Ich wollte nur den Titel
-erklären. Es ist einer von Cäsars Titeln.
-
-Herodes
-
-Aber Cäsar kann nicht kommen. Er wird zu sehr von der Gicht geplagt. Es
-heißt, seine Füße seien wie die eines Elefanten. Es sprechen auch
-politische Erwägungen mit. Wer Rom verläßt, hat Rom verloren. Er wird
-nicht kommen. Indessen, Cäsar ist der Herr, er wird kommen, wenn es ihm
-so beliebt. Trotzdem glaube ich, er wird nicht kommen.
-
-Erster Nazarener
-
-Herr, die Worte, die der Prophet sprach, haben sich nicht auf Cäsar
-bezogen.
-
-Herodes
-
-Wie? Nicht auf Cäsar bezogen?
-
-Erster Nazarener
-
-Nein, Herr.
-
-Herodes
-
-Auf wen bezogen sie sich denn?
-
-Erster Nazarener
-
-Auf den Messias, der gekommen ist.
-
-Ein Jude
-
-Der Messias ist nicht gekommen.
-
-Erster Nazarener
-
-Er ist gekommen, und allenthalben tut er Wunder.
-
-Herodias
-
-Oho! Wunder! Ich glaube nicht an Wunder. Ich habe ihrer zu viele gesehen.
-Zu dem Pagen: Meinen Fächer.
-
-Erster Nazarener
-
-Der Mann tut wirkliche Wunder. Zum Beispiel hat er bei einer Hochzeit,
-die in einer kleinen Stadt in Galiläa stattfand, Wasser in Wein
-verwandelt. Zuverlässige Leute, die dabei waren, haben es mir berichtet.
-Ferner heilte er zwei Aussätzige, die vor dem Tore von Kapernaum saßen,
-durch einfaches Berühren.
-
-Zweiter Nazarener
-
-Nein, zwei Blinde heilte er in Kapernaum.
-
-Erster Nazarener
-
-Nein, es waren Aussätzige. Aber er hat auch Blinde geheilt, und man hat
-ihn auf einem Berge im Gespräch mit Engeln gesehen.
-
-Ein Sadduzäer
-
-Es gibt keine Engel.
-
-Ein Pharisäer
-
-Es gibt Engel, aber ich glaube nicht, daß der Mann mit ihnen gesprochen
-hat.
-
-Erster Nazarener
-
-Eine große Menge Volkes hat ihn gesehen, wie er mit Engeln sprach.
-
-Herodias
-
-Wie diese Menschen mich langweilen! Sie sind lächerlich! Sie sind alle
-miteinander lächerlich. Zu dem Pagen: Nun! Mein Fächer? Der Page gibt
-ihr den Fächer. Du blickst drein wie ein Träumer. Du sollst nicht
-träumen. Nur kranke Menschen träumen. Sie schlägt den Pagen mit ihrem
-Fächer.
-
-Zweiter Nazarener
-
-Dann geschah ferner das Wunder mit der Tochter des Jairus.
-
-Erster Nazarener
-
-Jawohl, das ist gewiß. Niemand kann es bestreiten.
-
-Herodias
-
-Diese Menschen sind verrückt. Sie haben zu lange in den Mond gesehen.
-Befiehl ihnen, daß sie schweigen!
-
-Herodes
-
-Was ist das für ein Wunder mit der Tochter des Jairus?
-
-Erster Nazarener
-
-Die Tochter des Jairus war tot. Der Mann erweckte sie von den Toten.
-
-Herodes
-
-Wie! Er erweckt die Menschen vom Tode?
-
-Erster Nazarener
-
-Jawohl, Herr, er erweckt die Toten.
-
-Herodes
-
-Ich will nicht, daß er das tue. Ich verbiete ihm, das zu tun. Ich
-erlaube niemandem, die Toten zu erwecken. Der Mann muß gefunden werden,
-und man soll ihm sagen, daß ich ihm verbiete, die Toten zu erwecken. Wo
-ist der Mann zur Zeit?
-
-Zweiter Nazarener
-
-Herr, er ist überall, aber es ist schwer, ihn zu finden.
-
-Erster Nazarener
-
-Es heißt, er sei jetzt in Samaria.
-
-Ein Jude
-
-Man kann leicht sehen, daß er nicht der Messias ist, wenn er in Samaria
-ist. Nicht zu den Leuten von Samaria soll der Messias kommen. Die von
-Samaria sind verflucht. Sie bringen keine Opfer zum Tempel.
-
-Zweiter Nazarener
-
-Vor ein paar Tagen verließ er Samaria. Ich glaube, im Augenblick ist er
-in der Nähe von Jerusalem.
-
-Erster Nazarener
-
-Nein, dort ist er nicht. Ich bin erst aus Jerusalem gekommen. In zwei
-Monaten haben sie keine Nachricht von ihm gehabt.
-
-Herodes
-
-Tut nichts! Er soll gefunden werden, und man soll ihm sagen: So spricht
-Herodes, der König: "Ich will nicht dulden, daß du die Toten
-erweckest." -- Wasser in Wein verwandeln, Aussätzige und Blinde heilen
-. . . derlei Dinge mag er tun, wenn er will. Ich sage nichts gegen diese
-Dinge. In Wahrheit, ich halte es für eine gute Tat, einen Aussätzigen
-zu heilen. Aber niemand soll die Toten erwecken . . . Es müßte
-schrecklich sein, wenn die Toten wiederkämen.
-
-Die Stimme des Jochanaan
-
-O über dies geile Weib! Diese Hure! Ha! die Tochter Babylons mit ihren
-Goldaugen und ihren gleißenden Lidern! So sagt der Herr unser Gott: Eine
-Menge Menschen werden sich gegen sie sammeln. Und sie werden Steine
-nehmen und sie steinigen . . .
-
-Herodias
-
-Befiehl ihm, er soll schweigen!
-
-Die Stimme des Jochanaan
-
-Die Kriegshauptleute werden sie mit ihren Schwertern durchbohren, sie
-werden sie unter ihren Schilden zermalmen.
-
-Herodias
-
-Wahrhaftig, es ist schändlich!
-
-Die Stimme des Jochanaan
-
-Es ist so, daß ich alle Verruchtheit von der Erde austilgen werde, und
-daß alle Weiber lernen werden, nicht auf den Wegen ihrer Greuel zu
-wandeln.
-
-Herodias
-
-Du hörst, was er gegen mich sagt? Du duldest es, daß er die schmähe,
-die dein Weib ist!
-
-Herodes
-
-Er hat deinen Namen nicht genannt.
-
-Herodias
-
-Was tut das zur Sache? Du weißt wohl, daß ich es bin, die er zu
-schmähen sucht. Und ich bin dein Weib -- oder nicht?
-
-Herodes
-
-In der Tat, teure und vieledle Herodias, du bist mein Weib, und zuvor
-warst du das Weib meines Bruders.
-
-Herodias
-
-Nämlich du rissest mich aus seinen Armen.
-
-Herodes
-
-In der Tat war ich stärker als er . . . Aber wir wollen von dieser Sache
-nicht reden. Ich wünsche nicht, davon zu reden. Es handelt sich um die
-schrecklichen Worte, die der Prophet gesprochen hat. Am Ende bedeuten
-diese Worte, daß Schlimmes geschehen wird. Wir wollen von dieser Sache
-nicht reden. Edle Herodias, wir sind gegen unsere Gäste nicht
-aufmerksam. Füll du mein Glas, Vielgeliebte. He! Füllt die großen
-Pokale von Silber und die großen Pokale von Glas mit Wein. Ich will auf
-Cäsar trinken. Es sind Römer hier, wir müssen auf Cäsar trinken!
-
-Alle
-
-Cäsar! Cäsar!
-
-Herodes
-
-Siehst du nicht, wie blaß deine Tochter ist?
-
-Herodias
-
-Was kümmert es dich, ob sie blaß ist oder nicht?
-
-Herodes
-
-Nie hab ich sie so blaß gesehen.
-
-Herodias
-
-Du brauchst sie nicht anzusehen.
-
-Die Stimme des Jochanaan
-
-Es kommt ein Tag, da wird die Sonne finster werden wie ein schwarzes
-Tuch, und der Mond wird werden wie Blut, und die Sterne des Himmels
-werden auf die Erde fallen wie unreife Feigen vom Feigenbaum, und die
-Könige der Erde werden erzittern.
-
-Herodias
-
-Haha! Den Tag möcht ich sehen, von dem er spricht, wenn der Mond wie
-Blut wird und die Sterne wie unreife Feigen zur Erde fallen. Dieser
-Prophet schwatzt wie ein Betrunkener . . . aber ich kann den Klang seiner
-Stimme nicht ertragen. Ich hasse seine Stimme. Befiehl ihm, er soll
-schweigen.
-
-Herodes
-
-Ich will nicht. Ich kann nicht verstehen, was das sein soll, wovon er
-spricht, aber vielleicht ist es ein Zeichen.
-
-Herodias
-
-Ich glaube nicht an Zeichen. Er spricht wie ein Betrunkener.
-
-Herodes
-
-Kann sein, er ist trunken vom Weine Gottes.
-
-Herodias
-
-Was ist das für ein Wein, der Wein Gottes? Auf was für Weinbergen ist
-er gewachsen? In welcher Kelter findet man ihn?
-
-Herodes
-
-sieht von diesem Augenblicke ab fortwährend Salome an
-
-Tigellinus, als Ihr jüngst in Rom wart, sprach der Kaiser mit Euch über
-. . . ?
-
-Tigellinus
-
-Worüber, Herr?
-
-Herodes
-
-Worüber? Ach, ich fragte Euch etwas, nicht? Ich habe vergessen, was ich
-Euch fragen wollte . . .
-
-Herodias
-
-Du fängst wieder an, meine Tochter anzusehn. Du sollst sie nicht ansehn.
-Ich habe es schon gesagt.
-
-Herodes
-
-Du sagst nichts anderes.
-
-Herodias
-
-Ich sage es nochmals.
-
-Herodes
-
-Und dann der Ausbau des Tempels, von dem sie so viel geredet haben, wird
-da etwas geschehn? Sie sagen, der Vorhang zum Allerheiligsten sei
-verschwunden, nicht wahr?
-
-Herodias
-
-Du hast ihn selber gestohlen. Du schwatzest in den Tag hinein und
-sinnloses Zeug. Ich will nicht hier bleiben. Wir wollen hineingehn.
-
-Herodes
-
-Tanz für mich, Salome.
-
-Herodias
-
-Ich will nicht haben, daß sie tanzt.
-
-Salome
-
-Ich habe keine Lust zu tanzen, Tetrarch.
-
-Herodes
-
-Salome, Tochter der Herodias, tanz für mich.
-
-Herodias
-
-Sei still! Laß sie in Frieden.
-
-Herodes
-
-Ich befehle dir zu tanzen, Salome.
-
-Salome
-
-Ich will nicht tanzen, Tetrarch.
-
-Herodias lachend
-
-Du siehst, wie sie dir gehorcht.
-
-Herodes
-
-Was kümmert es mich, ob sie tanzt oder nicht? Das gilt mir gleich. Heut
-nacht bin ich glücklich. Ich bin ausnehmend glücklich. Ich bin nie so
-glücklich gewesen . . .
-
-
-Erster Soldat
-
-Der Tetrarch blickt finster drein. Sieht er nicht finster drein?
-
-Zweiter Soldat
-
-Ja, er sieht finster drein.
-
-Herodes
-
-Warum sollte ich nicht glücklich sein? Cäsar, der der Herr der Welt
-ist, Cäsar, der der Herr über alles ist, liebt mich gar sehr. Er hat
-mir höchst kostbare Geschenke übersandt. Auch hat er mir versprochen,
-den König von Kappadozien, der mein Feind ist, nach Rom vorzuladen. Kann
-sein, daß er ihn in Rom ans Kreuz schlagen läßt, denn er ist imstande,
-alles zu tun, wonach ihm der Sinn steht. Cäsar ist in Wahrheit ein Herr.
-Darum tue ich wohl daran, glücklich zu sein. Ich bin sehr glücklich,
-nie bin ich so glücklich gewesen. Nichts in der Welt kann mein Glück
-stören.
-
-Die Stimme des Jochanaan
-
-Er wird auf seinem Throne sitzen. Er wird gekleidet sein in Scharlach und
-Purpur. In seiner Hand wird er einen goldenen Becher halten, der voll ist
-seiner Lästerungen. Und der Engel des Herrn wird ihn darniederschlagen.
-Er wird von den Würmern gefressen werden.
-
-Herodias
-
-Du hörst, was er über dich sagt. Er sagt, du wirst von den Würmern
-gefressen werden.
-
-Herodes
-
-Er spricht nicht von mir. Er spricht nie gegen mich. Er spricht von dem
-König von Kappadozien, der mein Feind ist. Der wird von den Würmern
-gefressen werden. Ich bin es nicht. Nie hat er ein Wort gegen mich
-gesprochen, dieser Prophet, außer, daß ich sündigte, als ich das Weib
-meines Bruders zum Weibe nahm. Kann sein, er hat recht. Denn in der Tat,
-du bist unfruchtbar.
-
-Herodias
-
-Ich bin unfruchtbar, ich? Das sagst du, du, der fortwährend meine
-Tochter ansieht, du, der sich an ihrem Tanze weiden möchte? Du sprichst
-wie ein Narr. Ich habe ein Kind geboren. Du hast kein Kind gezeugt, nein,
-nicht mit einer einzigen deiner Sklavinnen. An dir liegt es, nicht an mir!
-
-Herodes
-
-Still, Weib! Ich sage, du bist unfruchtbar. Du hast mir kein Kind
-geboren, und der Prophet sagt, daß unsere Ehe keine rechte Ehe ist. Er
-sagt, daß es eine Ehe der Blutschande ist, eine Ehe, die Unheil bringen
-wird . . . Ich fürchte, er hat recht; es ist mir sicher, daß er recht
-hat. Aber es ist nicht die Stunde, von diesen Dingen zu sprechen. Ich
-möchte glücklich sein heute. Wahrhaftig, ich bin glücklich. Es gibt
-nichts, was ich misse.
-
-Herodias
-
-Ich bin froh, daß du heut nacht so gut gelaunt bist. Es kommt nicht oft
-vor bei dir. Aber es ist spät. Wir wollen hineingehen. Vergiß nicht,
-daß wir bei Sonnenaufgang zur Jagd gehen. Alle Ehren müssen Cäsars
-Gesandten erwiesen werden, nicht?
-
-Zweiter Soldat
-
-Der Tetrarch blickt finster drein.
-
-Erster Soldat
-
-Ja, er blickt finster drein.
-
-Herodes
-
-Salome, Salome, tanz für mich. Ich bitte dich, tanz für mich. Ich bin
-traurig heut nacht. Als ich hierher kam, bin ich in Blut getreten, und
-das ist ein böses Zeichen; auch hört ich in der Luft ein Rauschen von
-Flügeln, ein Rauschen von riesengroßen Flügeln. Ich weiß nicht,
-worauf das deuten mag . . . Ich bin traurig heut nacht. Drum tanz für
-mich. Tanz für mich, Salome, ich bitte gar sehr. Wenn du für mich
-tanzest, kannst du von mir begehren, was du willst, ich werde es dir
-geben. Ja, tanz für mich, Salome, und was du immer von mir begehren
-magst, das will ich dir geben, und wär’s die Hälfte meines
-Königreichs.
-
-Salome steht auf
-
-Willst du mir wirklich alles geben, was ich von dir begehre, Tetrarch?
-
-Herodias
-
-Tanze nicht, meine Tochter!
-
-Herodes
-
-Alles, was du von mir begehren wirst, und wär’s die Hälfte meines
-Königreichs.
-
-Salome
-
-Du schwörst es, Tetrarch?
-
-Herodes
-
-Ich schwöre es, Salome!
-
-Herodias
-
-Tanze nicht, meine Tochter!
-
-Salome
-
-Wobei willst du das beschwören, Tetrarch?
-
-Herodes
-
-Bei meinem Leben, bei meiner Krone, bei meinen Göttern. Verlange, was du
-willst, ich will es dir geben, und wär’s die Hälfte meines
-Königreichs, wenn du nur für mich tanzen willst. O Salome, Salome, tanz
-für mich!
-
-Salome
-
-Du hast einen Eid geschworen, Tetrarch!
-
-Herodes
-
-Ich habe einen Eid geschworen!
-
-Herodias
-
-Meine Tochter, tanze nicht!
-
-Herodes
-
-Und wär’s die Hälfte meines Königreichs. Du wirst unermeßlich
-schön sein als Königin, Salome, wenn es dir gefällt, die Hälfte
-meines Königreichs zu begehren. Wird sie nicht schön sein als Königin?
-Ah, es ist kalt hier! Es geht ein eisiger Wind und ich höre . . . warum
-hör ich in der Luft dies Rauschen von Flügeln? Ah! Es ist doch so, als
-ob ein ungeheurer schwarzer Vogel über die Terrasse schwebte. Warum kann
-ich ihn nicht sehen, diesen Vogel? Das Rauschen seiner Flügel ist
-schrecklich. Der sausende Wind von diesen Flügelschlägen ist
-schrecklich. Es ist ein schneidender Wind. Aber nein, er ist nicht kalt,
-er ist heiß. Es ist zum Ersticken. Gießt mir Wasser über die Hände.
-Gebt mir Schnee zu essen. Macht mir den Mantel los! Schnell, schnell,
-macht mir den Mantel los! Doch nein, laßt ihn. Mein Kranz drückt mich,
-die Rosen meines Kranzes. Die Blumen sind wie Feuer. Sie haben mir die
-Stirn verbrannt. Er reißt das Gewinde vom Kopf und wirft es auf den
-Tisch. Ah! Jetzt kann ich atmen. Wie rot diese Rosenblätter sind! Sie
-sind wie Blutflecken auf einem Gewande. Doch lassen wir’s. Es ist
-töricht, in allem, was man sieht, nach Bedeutung zu spüren. Es bringt
-zu viel Entsetzen ins Leben. Es wäre besser zu sagen, daß Blutflecken
-so lieblich wie Rosenblätter sind. Es wäre ferner besser zu sagen, daß
-. . . Aber wir wollen nicht davon sprechen. Ich bin jetzt glücklich. Ich
-bin über die Maßen glücklich. Hab ich nicht das Recht, glücklich zu
-sein? Deine Tochter will für mich tanzen. Wirst du nicht für mich
-tanzen, Salome? Du hast versprochen, für mich zu tanzen.
-
-Herodias
-
-Ich will nicht haben, daß sie tanzt.
-
-Salome
-
-Ich will für dich tanzen, Tetrarch.
-
-Herodes
-
-Du hörst, was deine Tochter sagt. Sie will für mich tanzen. Du tust
-recht, wenn du für mich tanzest, Salome. Und wenn du für mich getanzt
-hast, vergiß nicht, von mir zu begehren, was zu begehren dir in den Sinn
-kommen mag. Alles, was du verlangst, werde ich dir geben, und wär’s
-die Hälfte meines Königreichs. Ich habe es geschworen -- oder nicht?
-
-Salome
-
-Du hast es geschworen, Tetrarch.
-
-Herodes
-
-Und ich habe immer mein Wort gehalten. Ich bin keiner von denen, die ihre
-Eide brechen. Ich verstehe mich nicht aufs Lügen. Ich bin der Sklave
-meines Worts, und mein Wort ist das Wort eines Königs. Der König von
-Kappadozien trug immer Lügen im Mund, aber er ist kein echter König. Er
-ist ein Wicht. Er schuldet mir auch Geld, das er nicht heimzahlt. Er hat
-sogar meine Gesandten beleidigt. Er hat Worte gesprochen, die kränkend
-waren. Aber Cäsar wird ihn ans Kreuz schlagen lassen, wenn er nach Rom
-kommt. Ich weiß, Cäsar wird ihn kreuzigen lassen. Und wenn er ihn nicht
-kreuzigen läßt, wird er doch sterben und von den Würmern gefressen
-werden. Der Prophet hat es prophezeit. Nun! Warum zögerst du, Salome?
-
-Salome
-
-Ich warte, bis meine Sklavinnen mir Salben und die sieben Schleier
-bringen und die Sandalen von meinen Füßen lösen.
-
-Sklavinnen bringen Salben und die sieben Schleier und nehmen Salome die
-Sandalen ab.
-
-Herodes
-
-Ah, du wirst mit nackten Füßen tanzen! ’s ist gut! ’s ist gut!
-Deine kleinen Füße werden wie weiße Tauben sein. Sie werden wie kleine
-weiße Blumen sein, die auf den Bäumen tanzen . . . Nein, nein, sie wird
-auf Blut tanzen!
-
-Da auf dem Boden ist Blut vergossen! Sie soll nicht auf Blut tanzen! Es
-wäre ein böses Zeichen.
-
-Herodias
-
-Was kümmert es dich, ob sie auf Blut tanzt? Du hast tief genug darin
-gewatet . . .
-
-Herodes
-
-Was kümmert es mich? Ah, sieh den Mond an! Er ist rot geworden. Er ist
-rot geworden wie Blut. Ah, der Prophet hat wahr prophezeit. Er
-prophezeite, daß der Mond wie Blut werden würde. Hat er das nicht
-prophezeit? Ihr alle habt gehört, wie er es prophezeite. Und jetzt ist
-der Mond wie Blut geworden. Seht ihr es nicht?
-
-Herodias
-
-O ja, ich sehe es gut, und die Sterne fallen wie unreife Feigen, nicht?
-Und die Sonne wird finster wie ein schwarzes Tuch, und die Könige der
-Erde erzittern. Das wenigstens kann man sehen. Darin wenigstens hat der
-Prophet recht behalten mit seinem Wort, denn fürwahr, die Könige der
-Erde zittern . . . Wir wollen hineingehen. Du bist krank. Sie werden in
-Rom sagen, daß du verrückt bist. Wir wollen hineingehen, sage ich.
-
-Die Stimme des Jochanaan
-
-Wer ist Der, der von Edom kommt, wer ist Der, der von Bozra kommt, dessen
-Kleid mit Purpur gefärbt ist, der in der Schönheit seiner Gewänder
-leuchtet, der mächtig in seiner Größe wandelt? Warum ist dein Kleid
-mit Scharlach gefleckt?
-
-Herodias
-
-Wir wollen hineingehen. Die Stimme dieses Menschen macht mich wahnsinnig.
-Ich will nicht haben, daß meine Tochter tanzt, während er fortwährend
-dazwischenschreit. Ich will nicht, daß sie tanzt, während du sie auf
-solche Art ansiehst. Mit einem Wort, ich will nicht haben, daß sie tanzt.
-
-Herodes
-
-Steh nicht auf, mein Weib, meine Königin, es wird dir nichts helfen. Ich
-gehe nicht hinein, bevor sie getanzt hat. Tanze, Salome, tanze für mich!
-
-Herodias
-
-Tanze nicht, meine Tochter!
-
-Salome
-
-Ich bin bereit, Tetrarch.
-
-Salome tanzt den Tanz der sieben Schleier.
-
-Herodes
-
-Ah! Wundervoll! Wundervoll! Siehst du, sie hat für mich getanzt, deine
-Tochter. Komm her, Salome, komm her, du sollst deinen Lohn haben. Ah! Ich
-zahle denen königlichen Preis, die mir zur Lust tanzen wollen. Ich will
-dich königlich belohnen. Ich will dir alles geben, was dein Herz
-begehrt. Was willst du haben? Sprich!
-
-Salome kniend
-
-Ich möchte, daß sie mir gleich in einer Silberschüssel . . .
-
-Herodes lachend
-
-In einer Silberschüssel? Gewiß doch, in einer Silberschüssel! Sie ist
-reizend, nicht? Was ist es, das du in einer Silberschüssel haben
-möchtest, o süße, schöne Salome, du, die schöner ist als alle
-Töchter Judäas? Was sollen sie dir in einer Silberschüssel bringen?
-Sag es mir! Was es auch sein mag, du sollst es erhalten. Meine
-Reichtümer gehören dir. Was ist es, das du haben möchtest, Salome?
-
-Salome steht auf
-
-Den Kopf des Jochanaan.
-
-Herodias
-
-Ah! Das sagst du gut, meine Tochter.
-
-Herodes
-
-Nein, nein!
-
-Herodias
-
-Das sagst du gut, meine Tochter.
-
-Herodes
-
-Nein, nein, Salome. Das ist es nicht, was du begehrst. Hör nicht auf die
-Stimme deiner Mutter. Sie hat dir immer schlechten Rat gegeben. Achte
-nicht auf sie.
-
-Salome
-
-Ich achte nicht auf die Stimme meiner Mutter. Zu meiner eigenen Lust will
-ich den Kopf des Jochanaan in einer Silberschüssel haben. Du hast einen
-Eid geschworen, Herodes. Vergiß es nicht, du hast einen Eid geschworen!
-
-Herodes
-
-Ich weiß es. Ich habe einen Eid geschworen, bei meinen Göttern habe ich
-geschworen. Ich weiß es wohl. Aber ich beschwöre dich, Salome, verlange
-etwas anderes von mir. Verlange die Hälfte meines Königreichs von mir.
-Ich will sie dir geben. Aber verlange nicht von mir, was deine Lippen
-verlangt haben.
-
-Salome
-
-Ich verlange von dir den Kopf des Jochanaan.
-
-Herodes
-
-Nein, nein, ich will ihn dir nicht geben.
-
-Salome
-
-Du hast einen Eid geschworen, Herodes.
-
-Herodias
-
-Ja, du hast einen Eid geschworen. Alle haben es gehört. Du hast es vor
-allen geschworen.
-
-Herodes
-
-Still, Weib! Zu dir spreche ich nicht.
-
-Herodias
-
-Meine Tochter hat wohl daran getan, den Kopf des Jochanaan zu verlangen.
-Er hat mich mit Schimpf und Schande bedeckt. Er hat unsägliche Dinge
-gegen mich gesagt. Man kann sehen, daß sie ihre Mutter lieb hat. Gib
-nicht nach, meine Tochter. Er hat einen Eid geschworen, er hat einen Eid
-geschworen.
-
-Herodes
-
-Still! Sprich nicht zu mir! . . . Salome, ich beschwöre dich, sei nicht
-trotzig. Ich bin immer gut zu dir gewesen. Ich habe dich immer lieb
-gehabt . . . Kann sein, ich habe dich zu lieb gehabt. Darum verlange das
-nicht von mir. Das ist etwas Schreckliches, etwas Grauenvolles, was du
-von mir verlangst. Sicher, ich glaube, du willst scherzen. Der Kopf eines
-Mannes, der vom Rumpf getrennt ist, das ist ein übler Anblick, nicht? Es
-ziemt sich nicht, daß die Augen eines Mädchens auf so etwas fallen. Was
-für eine Lust könntest du darin finden? Du könntest keine Lust darin
-finden. Nein, nein, das begehrst du nicht. Horch, was ich sage. Ich habe
-einen Smaragd, einen großen Smaragd, einen runden, den Cäsars Freundin
-mir hergeschickt hat. Wenn du durch diesen Smaragd siehst, kannst du
-sehen, was weit weg vor sich geht. Cäsar selbst trägt solch einen
-Smaragd, wenn er in den Zirkus geht. Aber mein Smaragd ist der größere.
-Ich weiß es, er ist der größere. Er ist der größte Smaragd in der
-ganzen Welt. Den willst du haben, nicht wahr? Verlange ihn von mir, ich
-werde ihn dir geben.
-
-Salome
-
-Ich fordere den Kopf des Jochanaan.
-
-Herodes
-
-Du hörst nicht zu. Du hörst nicht zu. Laß mich zu dir reden, Salome.
-
-Salome
-
-Den Kopf des Jochanaan.
-
-Herodes
-
-Nein, nein, du möchtest das nicht haben. Du sagst das nur, um mich zu
-quälen, weil ich dich so angesehen und es den ganzen Abend nicht
-gelassen habe. Es ist wahr, ich habe dich angesehen und hab’s den
-ganzen Abend nicht gelassen. Deine Schönheit hat mich verwirrt. Deine
-Schönheit hat mich maßlos verwirrt, und ich habe dich allzuviel
-angesehen. Aber ich will dich wahrhaftig nicht mehr ansehen. Man sollte
-gar nichts ansehen. Weder Dinge noch Menschen sollte man ansehen. Nur in
-Spiegel sieht es sich gut, denn Spiegel zeigen uns bloß Masken. O! O!
-Bringt Wein! Mich dürstet! . . . Salome, Salome, laß uns wie Freunde
-zueinander sein. Bedenk dich! . . . Ah! Was wollte ich sagen? Was
-war’s! Ah! Ich weiß es wieder! . . . Salome -- komm doch näher her zu
-mir, ich fürchte, du hörst sonst meine Worte nicht -- Salome, du kennst
-meine weißen Pfauen, meine schönen weißen Pfauen, die im Garten
-zwischen den Myrten und den hohen Zypressenbäumen wandeln. Ihre
-Schnäbel sind mit Gold bemalt, und die Körner, die sie fressen, sind
-vergoldet, und ihre Füße sind mit Purpur gefärbt. Wenn sie ihren
-Schrei ausstoßen, kommt Regen, und der Mond zeigt sich am Himmelszelt,
-wenn sie ihr Rad entfalten. Zwei und zwei wandeln sie zwischen den
-Zypressenbäumen und den dunkeln Myrten, und für jeden ist ein Sklave
-da, der ihn pflegt. Manchmal fliegen sie über die Bäume weg, und
-zuweilen ruhen sie im Gras und rund um die Teiche. In der ganzen Welt
-gibt es keine so wunderbaren Vögel. Ich weiß, Cäsar selbst hat nicht
-so schöne Vögel, wie meine Vögel sind. Ich will dir fünfzig von
-meinen Pfauen geben. Sie werden dir folgen, wohin du gehen willst, und
-inmitten ihrer Schar wirst du wie der Mond sein in einer großen, weißen
-Wolke . . . Ich will sie dir geben, alle. Ich habe bloß hundert, und in
-der ganzen Welt lebt kein König, der Pfauen hat, wie meine Pfauen sind.
-Aber ich will sie dir alle geben. Nur mußt du mich von meinem Eid
-entbinden und mußt nicht von mir verlangen, was deine Lippen von mir
-verlangt haben.
-
-Er leert seinen Becher.
-
-Salome
-
-Gib mir den Kopf des Jochanaan!
-
-Herodias
-
-Gut gesagt, meine Tochter! Und du, du bist lächerlich mit deinen Pfauen!
-
-Herodes
-
-Still! Was kreischest du denn immer? Du kreischest wie ein Raubvogel. Du
-mußt nicht so kreischen. Deine Stimme peinigt mich. Still, sag ich dir!
-. . . Salome, bedenke, was du tun willst. Es kann sein, daß der Mann von
-Gott gesandt ist. Er ist ein heiliger Mann. Der Finger Gottes hat ihn
-berührt. Gott hat schreckliche Worte in seinen Mund gelegt. Im Palast
-wie in der Wüste ist immer Gott bei ihm . . . Es kann wenigstens sein,
-daß er bei ihm ist. Man kann es nicht sagen, aber es ist möglich, daß
-Gott bei ihm ist und ihm beisteht. Wenn er daher stirbt, kann mich
-vielleicht ein Unheil treffen. Er hat wirklich gesagt, an dem Tage, da er
-stirbt, wird irgend jemanden Unheil treffen. Wen sollte es treffen, wenn
-nicht mich? Denk daran, ich trat in Blut, als ich hierher kam. Und hörte
-ich nicht auch in der Luft ein Rauschen von Flügeln, ein Rauschen von
-ungeheuren Flügeln? Das sind schlimme Zeichen. Und es war noch anderes
-da. Ich bin sicher, es war noch anderes da, ich habe es nur nicht
-gesehen. Du möchtest nicht, daß mich ein Unheil trifft, Salome? Hör
-jetzt auf mich.
-
-Salome
-
-Gib mir den Kopf des Jochanaan!
-
-Herodes
-
-Ach! Du willst nicht auf mich hören. Sei ruhig. Ich, siehst du, ich bin
-ruhig. Ich bin ganz und gar ruhig. Höre. Ich habe an diesem Ort Juwelen
-versteckt -- Juwelen, die selbst deine Mutter nie gesehen hat! Juwelen,
-die wundervoll zu sehen sind. Ich habe ein Halsband mit vier Reihen
-Perlen. Sie sind wie Monde, die an silberne Strahlen gekettet sind. Ja,
-sie sind wie ein halbes Hundert Monde, die man in goldenem Netz gefangen
-hat. Auf der Elfenbeinbrust einer Königin haben sie geruht. Du sollst
-schön sein wie eine Königin, wenn du sie trägst. Ich habe zwei Arten
-Amethyste; die einen sind wie dunkelschwarzer Wein, und die andern sind
-rot wie Wein, den man mit Wasser vermengt hat. Ich habe Topase, gelb wie
-die Augen der Tiger, und Topase, die sind hellrot wie die Augen einer
-Waldtaube, und grüne Topase, die sind wie Katzenaugen. Ich habe Opale,
-die immer funkeln, mit einem Feuer, das kalt wie Eis ist, Opale, die den
-Geist der Menschen traurig stimmen und die das Dunkel nicht ertragen
-können. Ich habe Onyxe gleich den Augäpfeln einer toten Frau. Ich habe
-Mondsteine, die ihre Farbe wechseln, wenn der Mond wechselt, und
-erblassen, wenn sie die Sonne sehen. Ich habe Saphire so groß wie ein Ei
-und so blau wie blaue Blumen. Das Meer wogt in ihnen, und der Mond
-wandelt nie das Blau ihrer Wellen. Ich habe Chrysolithe und Berylle und
-Chrysoprase und Rubine, ich habe Sardonyx- und Hyazinthsteine und Steine
-von Chalcedon -- und ich will sie dir alle geben, alle, und will noch
-andere Dinge dazutun. Der König von Indien hat mir jetzt eben erst vier
-Fächer geschickt, die aus Papageifedern gefertigt sind, und der König
-von Numidien ein Gewand von Straußfedern. Ich habe einen Kristall, in
-den zu schauen keinem Weibe erlaubt ist, und junge Männer dürfen ihn
-nur betrachten, wenn sie vorher mit Ruten gestrichen wurden. In einem
-Perlmutterkästchen habe ich drei wunderbare Türkise. Wer sie an seiner
-Stirne trägt, kann Dinge schauen, die nicht wirklich sind, und wer sie
-in der Hand trägt, kann einer Frau die Fruchtbarkeit benehmen. Das sind
-große Schätze. Es sind unbezahlbare Schätze. Aber das ist nicht alles.
-In einem Kästchen aus Ebenholz habe ich zwei Becher aus Bernstein, die
-sind wie Äpfel von reinem Gold. Wenn ein Feind Gift in diese Becher
-gießt, werden sie Äpfel von Silber. In einem Kästchen, das mit
-Bernstein verziert ist, habe ich Sandalen, die mit Glas eingelegt sind.
-Ich habe Mäntel, die man aus dem Lande der Serer gebracht hat, und
-Armspangen, rundum mit Karfunkeln und Achaten besetzt, die aus der Stadt
-Euphrates kommen . . . Was begehrst du noch sonst, Salome? Sage mir, was
-du begehrst, ich will es dir geben. Alles, was du verlangst, will ich dir
-geben -- nur eines nicht. Ich will dir alles geben, was mein ist -- nur
-nicht das Leben dieses einen Mannes. Ich will dir den Mantel des
-Hohenpriesters geben. Ich will dir den Vorhang des Allerheiligsten geben
-. . .
-
-Die Juden
-
-O! O!
-
-Salome
-
-Gib mir den Kopf des Jochanaan!
-
-Herodes sinkt auf seinen Sitz zurück
-
-Man soll ihr geben, was sie verlangt! Sie ist in Wahrheit ihrer Mutter
-Kind!
-
-Der erste Soldat tritt näher. Herodias zieht dem Tetrarchen den
-Todesring vom Finger und gibt ihn dem Soldaten, der ihn auf der Stelle
-dem Henker überbringt. Der Henker sieht erschrocken drein.
-
-Herodes
-
-Wer hat meinen Ring genommen? Ich hatte einen Ring an der rechten Hand.
-Wer hat meinen Wein getrunken? Es war Wein in meinem Becher. Er war mit
-Wein gefüllt. Es hat ihn jemand ausgetrunken! O! Gewiß wird Unheil
-über einen kommen. Der Henker geht in die Zisterne hinunter. O! Warum
-hab ich einen Eid geschworen? Von jetzt ab soll kein König mehr einen
-Eid schwören. Wenn er ihn nicht hält, ist es schrecklich, und wenn er
-ihn hält, ist es auch schrecklich.
-
-Herodias
-
-Meine Tochter hat recht getan.
-
-Herodes
-
-Ich bin sicher, es wird ein Unheil geschehen.
-
-Salome lehnt sich über die Zisterne und horcht
-
-Es ist kein Laut zu vernehmen. Ich höre nichts. Warum schreit er nicht,
-der Mann? Ah! Wenn einer mich zu töten käme, ich würde schreien, ich
-würde mich wehren, ich würde es nicht dulden . . . Schlag zu, schlag
-zu, Naaman, schlag zu, sag ich dir . . . Nein, ich höre nichts. Es ist
-alles still, eine schreckliche Stille. Ah! Es ist etwas zu Boden
-gefallen. Ich hörte etwas fallen. Es war das Schwert des Henkers. Er hat
-Angst, dieser Sklave. Er hat das Schwert fallen lassen. Er traut sich
-nicht, ihn zu töten. Er ist eine Memme, dieser Sklave! Schickt Soldaten
-hin. Sie sieht den Pagen der Herodias und redet ihn an. Komm hierher. Du
-warst der Freund des Toten, nicht? Wohlan, ich sage dir, es sind noch
-nicht genug Tote. Geh zu den Soldaten und befiehl ihnen, hinabzusteigen
-und mir zu holen, was ich verlange, was mir der Tetrarch versprochen hat,
-was mein ist. Der Page weicht zurück, sie wendet sich den Soldaten zu.
-Hierher, ihr Soldaten! Geht ihr in diese Zisterne hinunter und holt mir
-den Kopf des Mannes. Tetrarch, Tetrarch, befiehl deinen Soldaten, daß
-sie mir den Kopf des Jochanaan holen.
-
-Ein riesengroßer schwarzer Arm, der Arm des Henkers, streckt sich aus
-der Zisterne heraus, auf einem silbernen Schild den Kopf des Jochanaan
-haltend, Salome greift darnach. HeroDES verhüllt sein Gesicht mit dem
-Mantel. Herodias fächelt sich zu und lächelt. Die Nazarener sinken in
-die Knie und beginnen zu beten.
-
-Salome
-
-Ah! Du wolltest mich deinen Mund nicht küssen lassen, Jochanaan. Wohl!
-Ich will ihn jetzt küssen. Ich will mit meinen Zähnen hineinbeißen,
-wie man in eine reife Frucht beißen mag. Ja, ich will ihn küssen,
-deinen Mund, Jochanaan. Ich hab es gesagt; hab ich’s nicht gesagt? Ich
-hab es gesagt. Ah, ich will ihn jetzt küssen . . . Aber warum siehst du
-mich nicht an, Jochanaan? Deine Augen, die so schrecklich waren, so
-voller Wut und Verachtung, sind jetzt geschlossen. Warum sind sie
-geschlossen? Öffne doch deine Augen! Erhebe deine Lider, Jochanaan!
-Warum siehst du mich nicht an? Hast du Angst vor mir, Jochanaan, daß du
-mich nicht ansehn willst? . . . Und deine Zunge, die wie eine rote,
-giftsprühende Schlange war, sie bewegt sich nicht mehr, sie spricht kein
-Wort, Jochanaan, diese Scharlachnatter, die ihren Geifer auf mich spie.
-Es ist seltsam, nicht? Wie kommt es, daß die rote Natter sich nicht mehr
-rührt? . . . Du wolltest mich nicht haben, Jochanaan! Du wiesest mich
-von dir. Du sprachst böse Worte gegen mich. Du benahmst dich gegen mich
-wie gegen eine Hure, wie gegen ein geiles Weib, gegen mich, Salome, die
-Tochter der Herodias, Prinzessin von Judäa! Nun wohl, ich lebe noch,
-aber du bist tot, und dein Kopf gehört mir. Ich kann mit ihm tun, was
-ich will. Ich kann ihn den Hunden vorwerfen und den Vögeln der Luft. Was
-die Hunde übriglassen, sollen die Vögel der Luft verzehren . . . Ah!
-Jochanaan, Jochanaan, du warst der Mann, den ich allein von allen
-Männern liebte! Alle andern Männer waren mir verhaßt. Doch du warst
-schön! Dein Leib war eine Elfenbeinsäule auf silbernen Füßen. Er war
-ein Garten voller Tauben und Silberlilien. Er war ein silberner Turm, mit
-Elfenbeinschilden gedeckt. Nichts in der Welt war so weiß wie dein Leib.
-Nichts in der Welt war so schwarz wie dein Haar. In der ganzen Welt war
-nichts so rot wie dein Mund. Deine Stimme war ein Weihrauchgefäß, das
-seltene Düfte verbreitete, und wenn ich dich ansah, hörte ich
-geheimnisvolle Musik. O! Warum hast du mich nicht angesehen, Jochanaan!
-Mit deinen Händen als Mantel und mit dem Mantel deiner Lästerworte
-verhülltest du dein Gesicht. Du legtest über deine Augen die Binde
-Eines, der seinen Gott schauen wollte. Wohl, du hast deinen Gott gesehen,
-Jochanaan, aber mich, mich, mich hast du nie gesehen! Hättest du mich
-gesehen, so hättest du mich geliebt! Ich sah dich, und ich liebte dich!
-O, wie liebte ich dich! Ich liebe dich noch, Jochanaan! Ich liebe nur
-dich . . . Ich dürste nach deiner Schönheit; ich hungre nach deinem
-Leib; nicht Wein noch Äpfel können mein Verlangen stillen. Was soll ich
-jetzt tun, Jochanaan? Nicht die Fluten noch die großen Wasser können
-dies brünstige Begehren löschen. Ich war eine Fürstin, und du
-verachtetest mich, eine Jungfrau, und du nahmst mir meine Keuschheit. Ich
-war rein und züchtig, und du hast Feuer in meine Adern gegossen . . .
-Ah! Ah! Warum sahst du mich nicht an? Hättest du mich angesehen, du
-hättest mich geliebt. Ich weiß es wohl, du hättest mich geliebt, und
-das Geheimnis der Liebe ist größer als das Geheimnis des Todes . . .
-
-Herodes
-
-Sie ist ein Ungeheuer, deine Tochter; ich sage dir, sie ist ein
-Ungeheuer. In Wahrheit, was sie getan hat, ist ein großes Verbrechen.
-Mir ist gewiß, es ist ein Verbrechen gegen einen unbekannten Gott.
-
-Herodias
-
-Ich bin ganz zufrieden mit meiner Tochter. Sie hat recht getan. Und ich
-möchte jetzt hier bleiben.
-
-Herodes steht auf
-
-Ah! Da spricht meines Bruders Weib! Komm! Ich will nicht an diesem Orte
-bleiben. Komm, sag ich dir! Sicher, es wird Schreckliches geschehen.
-Manasseh, Issachar, Osias, löscht die Fackeln aus! Ich will all die
-Dinge nicht sehen, ich will nicht leiden, daß all die Dinge mich sehen.
-Löscht die Fackeln aus! Verbergt den Mond! Verbergt die Sterne! Wir
-wollen uns selber im Palast verbergen, Herodias. Ich fange an zu
-erzittern.
-
-Die Sklaven löschen die Fackeln aus. Die Sterne verschwinden. Eine
-große Wolke zieht über den Mond und verhüllt ihn völlig. Die Bühne
-wird ganz dunkel. Der Tetrarch beginnt die Treppe hinaufzusteigen.
-
-Die Stimme der Salome
-
-Ah, ich habe deinen Mund geküßt, Jochanaan; ich hab ihn geküßt,
-deinen Mund. Es war ein bitterer Geschmack auf deinen Lippen. Hat es nach
-Blut geschmeckt? . . . Nein; doch schmeckte es vielleicht nach Liebe . . .
-Sie sagen, daß die Liebe bitter schmecke . . . Doch, was tut’s, was
-tut’s? Ich habe deinen Mund geküßt, Jochanaan, ich hab ihn geküßt,
-deinen Mund!
-
-Ein Strahl des Mondlichts fällt auf Salome und beleuchtet sie.
-
-Herodes wendet sich um und erblickt Salome
-
-Man töte dieses Weib!
-
-Die Soldaten stürzen vor und zermalmen Salome, die Tochter der Herodias,
-Prinzessin von Judäa, unter ihren Schilden.
-
-Übertragen von Hedwig Lachmann
-
-Druck von Bernhard Tauchnitz in Leipzig
-
-
-
-
-Insel-Verlag zu Leipzig
-
-Oscar Wilde:
-
-
-Die Erzählungen und Märchen. Übertragen von Felix Paul Greve und Franz
-Blei. Mit 10 Vollbildern sowie Initialen von Heinrich Vogeler-Worpswede.
-65.--82. Tausend. In Pappband M. 6.50
-
-Zwei Gespräche von der Kunst und vom Leben. Übertragen von Hedwig
-Lachmann und Gustav Landauer. Geheftet M. 4.--, in Halbleder M. 8.--
-
-Das Bildnis des Dorian Gray. Ein Roman. Übertragen von Hedwig Lachmann
-und Gustav Landauer. 16.--25. Tausend. In Halbleinen M. 6.--
-
-Lehren und Sprüche für die reifere Jugend. (Insel-Bücherei Nr. 53.)
-26.--35. Tausend. In Pappband M. 1.10
-
-Die Ballade vom Zuchthaus zu Reading. Deutsch von Albrecht Schaeffer.
-(Insel-Bücherei Nr. 220.) 11.--20. Tausend. In Pappband M. 1.10
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-End of the Project Gutenberg EBook of Salome, by Oscar Wilde
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-*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK SALOME ***
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-Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
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