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You may copy it, give it away or -re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included -with this eBook or online at www.gutenberg.org/license - - -Title: Erzählungen aus der Römischen Geschichte in biographischer Form - -Author: Ludwig Stacke - -Release Date: May 1, 2020 [EBook #61988] - -Language: German - -Character set encoding: UTF-8 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK ERZÄHLUNGEN AUS DER *** - - - - -Produced by the Online Distributed Proofreading Team at -https://www.pgdp.net - - - - - - - #################################################################### - - Anmerkungen zur Transkription - - Der vorliegende Text wurde anhand der 1904 erschienenen Buchausgabe - so weit wie möglich originalgetreu wiedergegeben. Typographische - Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Ungewöhnliche und - heute nicht mehr gebräuchliche Schreibweisen bleiben gegenüber - dem Original unverändert, sofern der Sinn des Texts dadurch - nicht beeinträchtigt wird. Rechtschreibvarianten wurden nicht - vereinheitlicht, wenn die jeweiligen Formen mehrmals bzw. gleich - oft im Text vorkommen. - - Personennamen werden bei ihrer ersten Erwähnung oft mit Betonungs- - und ggf. mit Aussprachezeichen versehen und erscheinen dann in der - Regel gesperrt gedruckt, später meist nicht mehr. - - Die Buchwerbung wurde vom Bearbeiter der Übersichtlichkeit halber - am Ende des Texts zusammengefasst. - - Besondere Schriftschnitte wurden mit Hilfe der folgenden - Sonderzeichen gekennzeichnet: - - Fettdruck: =Gleichheitszeichen= - gesperrt: +Pluszeichen+ - Antiqua: ~Tilden~ - - #################################################################### - - - - - Erzählungen - - aus der - - alten Geschichte. - - Von - - Prof. ~Dr.~ Ludw. Stacke. - - II. Teil. 27. Auflage. - - Römische Geschichten. - - Oldenburg, 1904. - - Druck und Verlag von Gerhard Stalling. - - - - - Erzählungen - - aus der - - Römischen Geschichte - - in biographischer Form. - - Von - - Prof. ~Dr.~ Ludwig Stacke. - - Siebenundzwanzigste, verbesserte Auflage. - - [Illustration] - - Oldenburg. - Druck und Verlag von Gerhard Stalling. - 1904. - - - - -Aus dem Vorwort zur 1. Auflage. - - -Dieses zweite Bändchen meiner Erzählungen enthält eine Auswahl -derjenigen Momente der römischen Geschichte, welche für den -biographischen Unterricht geeignet schienen. Die eigenen Worte der -Quellen anzuführen, wie ich es im ersten Bändchen, namentlich mit -den aus Herodotos gewählten Erzählungen getan habe, war hier fast -ganz unstatthaft; dagegen sind angemessene Darstellungen aus neueren -quellenmäßigen Bearbeitungen, wenn sie sich für meinen Zweck eigneten, -ganz oder teilweise aufgenommen worden. -- Über Marc Aurel hinaus -mochte ich die Erzählungen nicht fortsetzen; auch die Zeiten des -Unterganges des Reiches sind in dem angehängten +Schluß+ nur -sehr übersichtlich berührt, weil man mit dem Auftreten der Germanen -zweckmäßiger die Geschichte des Mittelalters eröffnet. - - ~Dr.~ =Stacke=. - - - - -Vorwort zur 25. Auflage. - - -Nach denselben Gesichtspunkten, wie bei der letzten Auflage der -„Erzählungen aus der römischen Geschichte“, ist auch bei der -Bearbeitung des vorliegenden Bändchens verfahren worden. Man wird die -Tätigkeit der nachbessernden, ergänzenden oder berichtigenden Hand -auf jeder Seite gewahren. Unverändert dagegen ist die Grundanlage -und die Auswahl des Stoffes geblieben, mit der einen, schon bei dem -griechischen Teil der Erzählungen eingeführten Ausnahme, daß die seit -der 8. Auflage zugefügte „Geographische Überschrift des alten Italiens“ -durch eine kurze historisch geographische Einleitung in die Geschichte -Roms ersetzt worden ist. - - +Oldenburg+, im März 1898. - - ~Dr.~ =H. Stein=. - - - - -Vorwort zur 27. Auflage. - - -Die erneuerte Durchsicht hat bei dieser Auflage, außer vielfachen -kleineren, meist formalen Nachbesserungen, auch einige erhebliche -Erweiterungen und Ergänzungen zur Folge gehabt, durch welche der Umfang -des Bändchens um zehn Seiten gewachsen ist. - - +Oldenburg+, im Juni 1904. - - ~Dr.~ =H. Stein=. - - - - -Inhalt. - - - Seite. - - +Einleitung+ 1 - - +Rom unter Königsherrschaft.+ - - I. Gründung Roms. König Romulus (754-717 v. Chr.) 3 - - II. König Numa Pompilius (716-673 v. Chr.) 9 - - III. König Tullus Hostilius (673-641 v. Chr.) 10 - - IV. König Ancus Marcius (641-617 v. Chr.) 13 - - V. König Tarquinius Priscus (617-578 v. Chr.) 15 - - VI. König Servius Tullius (578-534 v. Chr.) 17 - - VII. König Tarquinius Superbus (534-510 v. Chr.) 20 - - +Rom als Republik.+ - - VIII. Brutus, erster Konsul der Römer (506 v. Chr.) 25 - - IX. Krieg mit König Porsenna 27 - - X. Innerer Zwist. Menenius Agrippa und C. Marcius - Coriolanus 29 - - XI. Untergang der Fabier (477 v. Chr.) 32 - - XII. Appius Claudius und die Decemvirn (451-449 v. Chr.) 35 - - XIII. M. Furius Camillus. Einbruch der Gallier 38 - - XIV. Titus Manlius Torquatus. Marcus Valerius Corvus. - -- M. Curtius 44 - - XV. Die Tribunen Licinius und Sextius. Gleichstellung der - Plebs 45 - - XVI. Die zwei ersten Samniterkriege. -- P. Decius. -- - Papirius Cursor. -- Der Samniter Pontius 48 - - XVII. Der Krieg mit den Latinern und der dritte Samniterkrieg. - Titus Manlius. Die beiden Decius Mus 53 - - XVIII. Pyrrhus, König von Epirus 55 - - XIX. Der erste punische Krieg (264-241). Gajus Duilius. - M. Atilius Regulus 60 - - XX. Der zweite punische Krieg (219-201). Hannibal. - - 1. Hannibals erstes Auftreten 63 - - 2. Hannibals Zug nach Italien 66 - - 3. Hannibals Siege am Ticinus und an der Trebia 70 - - 4. Schlacht am trasimenischen See 73 - - 5. Hannibal gegen Fabius Cunctator 76 - - 6. Die Schlacht bei Cannä (216) 78 - - 7. Hannibal und Marcellus 81 - - 8. Hannibal und Scipio. Schlacht bei Zama (202) 84 - - 9. Hannibals und Scipios Ausgang 88 - - XXI. Kriege gegen Makedonien. -- Ämilius Paulus. -- - Scipio Africanus der Jüngere. -- Karthagos Zerstörung 91 - - XXII. Die beiden Gracchen 100 - - XXIII. Gajus Marius. -- Jugurtha. -- Cimbernkrieg 111 - - XXIV. Der erste Bürgerkrieg. Sulla und Marius. - - 1. Sulla, Feldherr gegen Mithridates, vertreibt den - Marius 119 - - 2. Flucht des Marius 122 - - 3. Sullas Krieg gegen Mithridates 124 - - 4. Cinna in Rom. Marius’ Rückkehr und Tod 127 - - 5. Sullas Rückkehr und Proskriptionen. Sein Tod 128 - - XXV. Pompejus Magnus. - - 1. Sein erstes Auftreten 131 - - 2. Pompejus gegen Sertorius 133 - - 3. Pompejus besiegt die Reste des Sklavenaufstandes 136 - - 4. Pompejus besiegt die Seeräuber 139 - - 5. Pompejus in Asien 141 - - XXVI. Cicero 147 - - XXVII. Julius Cäsar. Der zweite Bürgerkrieg. - - 1. Cäsar bis zum Kampfe gegen Pompejus 151 - - 2. Cäsars Kampf gegen Pompejus (49-48) 157 - - 3. Cäsar in Afrika. Catos Tod 166 - - 4. Cäsars fernere Taten und Tod 170 - - XXVIII. Der dritte Bürgerkrieg. Marcus Antonius und Cäsar - Octavianus 177 - - XXIX. Cäsar Octavianus als Augustus. - - 1. Augustus’ Regierung (30 v. Chr.-14 n. Chr.) 188 - - 2. Kriege gegen die Deutschen. Arminius, - Deutschlands Befreier 191 - - XXX. Kaiser Tiberius (14-37 n. Chr.) 199 - - XXXI. Die Kaiser Gajus Caligula (37-41) und Tiberius - Claudius Cäsar (41-54) 202 - - XXXII. Nero (54-68) 204 - - XXXIII. Flavius Vespasianus (69-79). Seine Söhne Titus - (79-81) und Domitianus (81-96) 208 - - XXXIV. Die glücklichste Periode der römischen Kaiserherrschaft: - Nerva, Trajanus, Hadrianus und die beiden Antonine - (96-180) 213 - - XXXV. Bis zum Ausgange des weströmischen Reiches (180-476) 218 - -[Illustration] - - - - -Einleitung. - - -Das römische Reich (~imperium Romanum~), das zur Zeit der Geburt -Christi alle Länder am Mittelmeer umfaßte und später sich noch weiter -nach Norden und Osten ausdehnte, ist benannt nach der Stadt Rom -(~Roma~), in der es seinen Ursprung und bis zum Beginn des Mittelalters -seine Hauptstadt hatte. Wann und wie diese Stadt entstanden ist, weiß -man nicht mit Gewißheit. Die Römer selber setzten die Zeit ihrer -Gründung in das Jahr 754 vor Christi Geburt, und nannten ihren Gründer -und ersten Beherrscher Rómulus. - -Ihre Lage war trefflich gewählt, sowohl zum Verkehr mit dem -Binnenlande als mit dem Meere. Da wo die Tiber (~Tiberis~), der an sich -nicht bedeutende, aber unter allen Flüssen des mittleren und unteren -Italiens bedeutendste Fluß, seinen raschen Lauf zwischen Bergen und -Hügeln beendet und in den flachen Küstenrand hinaustritt, an einer -Stelle, die in alter Zeit auch Seeschiffe erreichen konnten, drei -Meilen vom Meer, lagen die ältesten Teile der Stadt auf den Hügeln -an der linken Flußseite. Ihr Gebiet gehörte zu der fruchtbaren teils -hügeligen, teils ebenen Landschaft +Látium+, der heutigen Campagna, -über welche sie zuerst ihre Herrschaft ausdehnte. Diese Landschaft -bewohnten die Latiner (~Latini~), ein Volksstamm, der nach Abstammung, -Sprache und Sitten verwandt war mit den andern umwohnenden Stämmen des -mittlern Italiens, den Umbrern, Marsern, Sabinern, Volskern, Samniten -oder Sabellern, Oskern. Alle diese Stämme, unter denen neben dem -latinischen der samnitische der angesehenste war, gehörten einem Volke -an, das mit dem hellenischen oder griechischen stammverwandt war und -ein Glied jener alten Völkerfamilie bildete, zu der die Inder, Perser, -Germanen, Kelten und Slaven gezählt werden. - -Aber nicht alle Nachbarn Roms waren gleichen Stammes. Nordwestlich -von Latium, zwischen dem Meer und den umbrischen Bergen, im heutigen -Toskana, und jenseits des Apennin bis in die Ebenen des Po (~Padus~) -saß das mächtige, betriebsame Volk der Etrusker oder Etrurier -(~Tusci~), über dessen Sprache und Herkunft man noch nichts sicheres -weiß. - -An den Küsten des südlichen Italiens, in den fruchtbaren Landschaften -Campanien, Lucanien, Bruttium und Calabrien, hatten sich seit alter -Zeit zahlreiche griechische Einwanderer angesiedelt, deren Städte zu -solcher Blüte gelangten, daß man diesen Teil Unteritaliens als das -„Große Griechenland“ (~Graecia magna~) bezeichnete. - -Der Name Italien (~Italia~) selbst war ursprünglich auf die kleine -Landspitze beschränkt, welche der Insel Sicilien gegenüber liegt, und -wurde erst allmählich auf die nördlichen Landschaften, zuletzt auch auf -das Gebiet zwischen Apennin und Alpen ausgedehnt. - -Rom blieb in den ersten Jahrhunderten seiner Geschichte den Griechen -fast unbekannt. Um die Zeit, da Athen die Welt mit dem Glanz -seiner Macht und seiner Bildung erfüllte, wußten die griechischen -Geschichtschreiber noch nichts von der zukünftigen Beherrscherin -der Welt zu berichten. Und da die Römer selber erst verhältnismäßig -spät, seit dem dritten Jahrhunderte vor Christi Geburt, anfingen sich -eine höhere Bildung anzueignen und Schriften über ihre Geschichte zu -verfassen, so sind die Nachrichten über die früheren Zeiten lückenhaft -und unsicher geblieben. Insbesondere ist das meiste von dem, was -spätere römische und griechische Geschichtschreiber über die Gründung -der Stadt und die Jahrhunderte der Königsherrschaft zu erzählen wußten, -teils dunkle und ungewisse Sage, teils willkürliche Erdichtung. - -[Illustration] - - - - -Rom unter Königsherrschaft. - - - - -I. - -Die Gründung Roms. König Romulus. - -(754-717 v. Chr.) - - -Bei der Zerstörung Trojas war +Änēas+, der Sohn des Anchīses und der -Göttin Venus, dem allgemeinen Verderben entronnen. Göttersprüchen -vertrauend, durchsegelte er mit seinen Gefährten das weite Meer, um -sich im fernen Westen eine neue Heimat zu suchen. Nach jahrelangen -Irrfahrten, auf denen er wunderbare Abenteuer und Mühseligkeiten aller -Art zu bestehen hatte, landete er endlich an der Westküste Italiens, -südlich von der Tibermündung, in der Landschaft Latium. Hier wohnten -die Aboriginer (d. h. Ureinwohner), über welche König +Latīnus+ -herrschte. Die göttliche Abkunft des Äneas, sein mit Heldenmut und -frommer Zuversicht ertragenes Geschick, die wackere Haltung seiner -Genossen, und ihre Bitte im Lande bleiben zu dürfen, bewogen den König -die Fremdlinge freundlich aufzunehmen und nicht lange nachher dem Äneas -seine Tochter +Lavinia+ zur Gattin zu geben. Dieser baute eine Stadt, -die er nach dem Namen seiner Gattin Lavinium nannte. Aber der Bund des -Königs mit den Fremden hatte alsbald eine harte Probe zu bestehen. -+Turnus+, König der benachbarten Rútuler, dem Lavinia früher verlobt -gewesen, ertrug es nicht, daß ihm der heimatlose Äneas vorgezogen -worden, und beschloß Rache zu nehmen. Es kam zum Krieg, auf der einen -Seite stand Turnus mit seinen Rutulern, auf der andern die Aboriginer -und Trojaner unter Latinus und Äneas. Turnus ward geschlagen, aber die -Trojaner und Aboriginer hatten den Verlust des Latinus, der im Treffen -geblieben war, zu beklagen. Nun ward Äneas König und verband Trojaner -und Aboriginer, die einander an Treue und Liebe zu ihrem Herrscher -nichts nachgaben, zu einem einzigen Volke unter dem Namen +Latiner+. Im -Vertrauen auf die Zuneigung seines Volkes konnte Äneas der Erneuerung -des Kampfes ruhig entgegensehen. Denn Turnus, an seiner eigenen -Kraft verzweifelnd, hatte sich mit +Mezentius+, dem König der damals -mächtigen Etrusker, verbunden, und beide drohten dem neuen Staate den -Untergang. Auch in diesem Kriege waren die Latiner siegreich; aber -wiederum hatten sie den Sieg mit dem Verlust ihres Königs erkauft: -Äneas war im Kampfe gefallen. - -Sein Volk erwies ihm göttliche Ehren; sein Sohn +Ascánius+ folgte ihm -in der Herrschaft. Unter ihm kam der Friede zwischen Latinern und -Etruskern zustande, und die Tiber bildete fortan die Grenze beider -Völker. Die von Äneas gegründete Stadt Lavinium blühte herrlich auf und -faßte bald die Menge ihrer Bewohner nicht mehr. Da überließ Ascanius -Lavinium seiner Mutter und gründete am Fuße des Albanerberges eine neue -Stadt, die er +Alba Longa+ nannte, wo seine Nachkommen als Könige über -die ganze ringsum sich ausbreitende Landschaft herrschten. - -Einer dieser Könige von Alba Longa, Procas, hinterließ zwei Söhne, von -denen der ältere +Númitor+, der jüngere +Amúlius+ hieß. Numitor folgte -anfangs seinem Vater in der Regierung; doch bald verdrängte Amulius -seinen Bruder, ließ dessen Sohn töten, die Tochter Rhea Silvia zur -Priesterin der Göttin Vesta wählen, in deren Dienst sie unvermählt bis -zum Lebensende verbleiben sollte. Denn er besorgte, daß ihre Kinder -einst den Verlust des Thrones an ihm rächen könnten. Doch Rhea Silvia -gebar zwei Knaben, +Rómulus+ und +Remus+, als deren Vater die Sage den -Kriegsgott Mars nannte. Auf diese Kunde befahl Amulius die Priesterin -in den Fluß Anio zu stürzen, in dessen Fluten sie zur Göttin ward, die -Zwillinge aber in die nahe Tiber zu werfen. Allein damals war gerade -die Tiber über ihre Ufer getreten, und die königlichen Diener setzten -die Knaben in einer Wanne in das ausgetretene Wasser am Fuße des Berges -Palatium. Als sich das Wasser verlaufen hatte, blieb die Wanne auf dem -Trockenen stehen. Da kam, durch das Gewimmer der Kinder herbeigelockt, -eine Wölfin, die sich ihrer erbarmte und sie säugte, während ein -Specht, des Mars heiliger Vogel, ihnen Speise zutrug. Dieses seltsame -Schauspiel gewahrte Faústulus, ein Hirt der königlichen Herden, er sah -darin eine göttliche Fügung, nahm die Kleinen und brachte sie seiner -Frau, Acca Larentia, um sie zu ernähren und aufzuziehen. Er forschte -ihrer Herkunft nach, erkannte, daß sie die Enkel des Numitor seien, -schwieg aber aus Furcht vor der Rache des Königs. - -So wuchsen Romulus und Remus unter den Hirten am Ufer der Tiber zu -rüstigen Jünglingen heran, und übten gemeinsam mit den Hirtensöhnen -ihre Kraft in der Jagd auf wilde Tiere, bald auch in Angriffen auf die -in der Nachbarschaft hausenden Räuber, denen sie ihre Beute entrissen. -Darüber aufgebracht, stellten die Räuber den Brüder nach, und eines -Tages, als die Hirten sich den Freuden eines Festes hingaben, gelang -es ihnen beide zu überfallen. Romulus schlug sich durch; den Remus -führten sie gefangen zum König, unter der Anklage, daß er mit seinem -Bruder die Herden des Numitor beraubt habe. Der König übergab deshalb -den Gefangenen seinem Bruder, dem Numitor, den er einst vom Thron -gestoßen hatte, zur Bestrafung. Diese Gelegenheit benutzte Faustulus, -um das über der Herkunft der beiden Jünglinge ruhende Geheimnis ihrem -Großvater zu offenbaren. - -Als Numitor seine Enkel anerkannt hatte, faßten diese den Entschluß, -an Amulius Rache zu nehmen. Sie drangen auf verschiedenen Wegen in die -Stadt Alba Longa, griffen die Königsburg an, erschlugen den Amulius, -und setzten ihren Großvater wieder als König ein. - -Nun beschlossen beide Brüder auf dem Palatium, dem Orte, wo sie -ausgesetzt und erzogen worden waren, eine neue Stadt zu gründen. -Zahlreiche Jünglinge aus Alba Longa und anderen latinischen Städten, -auch ihre Gespielen unter den Hirten sammelten sich unter ihrer -Führung. Aber schon bevor die Stadt erbaut war, erhob sich über ihre -Benennung und Beherrschung zwischen beiden Brüdern ein heftiger Streit, -dessen Entscheidung sie den Göttern anheimstellten. Aus dem Fluge der -Vögel suchten sie, nach landesüblichem Brauche, den Willen der Götter -zu erkennen. Zu diesem Zwecke begab sich Romulus auf den palatinischen, -Remus auf den nahe gelegenen aventinischen Berg. Zuerst erschienen dem -Remus sechs Geier. Allein kaum hatte er dieses Zeichen dem Romulus -gemeldet, als diesem zwölf Geier erschienen und zugleich Blitz und -Donner folgten. Da entstand ein neuer Streit, weil jeder sein Zeichen -für das bessere hielt; Remus, weil er zuerst sechs Geier gesehen hatte, -Romulus, weil ihm die doppelte Anzahl erschienen war. Von Worten kam -es zum Kampf, und Remus fiel im Getümmel. Eine andere Sage berichtet, -Remus sei, um seinen Bruder zu verhöhnen, über die noch niedrigen -Mauern der neuen Stadt gesprungen, und deshalb habe ihn Romulus mit den -Worten erschlagen: „So geschehe jedem, der über meine Mauern springt!“ - -Als Jahr der Gründung Roms galt bei den späteren Römern das Jahr 754 -vor Christi Geburt, und der 21. April, an dem das Hirtenfest der -Palilien gefeiert wurde, als der Stiftungstag. - - -Um die Bevölkerung der neuen Stadt zu vermehren, eröffnete Romulus -eine Freistätte (Asyl) für heimatlose Leute jeder Art, und nun -strömten zahlreiche Haufen von Verbannten, Verbrecher und Schuldlose, -Freie und Knechte, nach Rom. Aus der ganzen Bevölkerung wählte der -König die hundert Ältesten und Angesehensten und bildete aus ihnen -einen Senat (~senatus~, „Rat der Alten“), um mit ihm die gemeinsamen -Angelegenheiten zu beraten und zu leiten. Auch sorgte er für die -notwendigsten Gesetze und für Einrichtung des Götterdienstes. - -Aber noch fehlte es der neuen Stadtgemeinde an Frauen. Um diese zu -erhalten, schickte Romulus an die benachbarten Gemeinden Gesandte und -ließ sie bitten mit seinem Volke eheliche Verbindungen einzugehen. -Allein die Gesandten wurden überall mit Hohn abgewiesen und gefragt, -warum zu Rom nicht auch eine Freistätte für heimatlose Frauen eröffnet -würde. Diese Zurückweisung kränkte den Romulus; er beschloß durch -List und Gewalt zu rauben, was man seinen Bitten abgeschlagen hatte. -Er ließ ein Fest mit Kampfspielen zu Ehren des Meergottes Neptūnus -veranstalten und alle Nachbarn dazu einladen. Und sie kamen, von der -Schaulust getrieben, in großen Haufen mit ihren Weibern und Kindern, -besonders zahlreich die Sabiner aus den benachbarten Tälern und Bergen -des Apennin. Aber mitten unter den Spielen fielen die römischen -Jünglinge mit bloßen Schwertern über die Fremden her, und während diese -überrascht und erschrocken von dannen eilten, griff sich ein jeder der -Römer eines der Mädchen und trug es als sein zukünftiges Weib nach -seinem Hause. - -Die verwegene Tat brachte alle Städte, die davon betroffen waren, -unter die Waffen gegen die Räuber. Sie verbanden sich zu gemeinsamer -Rache. Aber noch ehe die Sabiner völlig gerüstet waren, begannen die -übrigen vereinzelt den Krieg, und Romulus schlug sie nach einander mit -überlegener Macht. - -Viel schwerer war der Kampf mit +Titus Tatius+, dem König der Sabiner. -Dieser fiel nicht nur mit einem Heere von 25000 Mann zu Fuß und 1000 -Mann zu Pferde in das römische Gebiet ein, sondern bemächtigte sich -auch der auf dem Kapitolium gelegenen Burg durch folgende List. -+Tarpeja+, die Tochter des Befehlshabers der Burg, war ausgegangen, um -Wasser zu holen, und den Feinden in die Hände gefallen. Sie versprach -ihnen die Burg zu öffnen, wenn ihr die Sabiner das gäben, was sie am -linken Arm trügen. Sie meinte damit die goldenen Armbänder und Spangen. -Nun trugen aber die Sabiner nicht nur diese, sondern auch ihre Schilde -am linken Arm. Als daher Tarpeja den Feinden die Tore geöffnet hatte, -sollen diese, um Betrug durch Betrug zu bestrafen, ihre Schilde über -die Verräterin geworfen und sie so getötet haben. Von dieser Tarpeja -ward in der Folge der steilste Teil des kapitolinischen Hügels der -tarpejische Fels genannt, und noch heutzutage herrscht zu Rom der -Volksglaube, die schöne Tarpeja hause tief im Berge verzaubert, mit -Gold und Geschmeide bedeckt. - -Am Tage nach der Besetzung des Kapitoliums rückten die Römer heran, -die verlorene Burg wieder zu erobern; auch die Sabiner stiegen herab, -und der Kampf begann. Nach heftigem Widerstand wichen endlich die -Römer, und Romulus selbst ward von den Fliehenden fortgerissen. Da -erhob er seine Hände gen Himmel und gelobte dem Jupiter, wenn er die -Flucht der Seinigen hemme (~Jupiter Stator~), einen Tempel. Sofort -standen die Römer und erneuerten das Treffen; der Sieg wandte sich -auf ihre Seite. Da kamen die geraubten Sabinerinnen mit fliegenden -Haaren und zerrissenen Kleidern herbei, stellten sich zwischen ihre -Männer und Väter und machten durch ihre Tränen und Bitten dem Krieg ein -Ende. Es kam zwischen beiden Völkern nicht nur zum Frieden, sondern -auch zu einer festen Verbindung. Fortan sollten Römer und Sabiner zu -+einem+ Volke vereinigt sein, hundert Sabiner in den Senat aufgenommen -werden und beide Könige gemeinschaftlich regieren. Die Bürger der so -vereinigten Gemeinde hießen nun Quiriten (~Quirītes~). Sie bildeten -nach ihrer Abkunft zwei Stämme (~tribus~), die römischen Ramnes und die -sabinischen Tities, zu denen später ein dritter Stamm kam, die Lúceres, -welcher die Bürger anderer Herkunft enthielt. Jeder der drei Stämme -teilte sich in zehn Curien, jede Curie in zehn Decurien, und jede -Decurie enthielt eine Anzahl Familien (~gentes~). Jede der dreihundert -Decurien stellte einen „Vater“ (~pater~) in den Senat und einen Reiter -(~eques~). Väter und Reiter (Ritter) bildeten die beiden vornehmsten -Klassen der Bürgerschaft. - - -Doch bald war Romulus wieder Alleinherrscher, da Tatius bei einem -Aufstand in Lavinium erschlagen ward. Nach dessen Tode hatte -der kriegerische Romulus noch manchen Kampf mit den Nachbarn zu -bestehen. In allen blieb er siegreich, und seine Stadt nahm stetig -zu an Landbesitz und Kriegsmacht. Sein Ende hat die Sage wunderbar -ausgeschmückt. Als er eines Tages Heerschau über das Volk hielt, da -erhob sich plötzlich ein Sturm mit Donner und Blitz, eine schwarze -Wetterwolke umhüllte den König und entzog dem Volke seinen Anblick, -und fortan war Romulus auf Erden nicht mehr sichtbar. Der Kriegsgott -selber, so hieß es, hatte den ruhmgekrönten Sohn auf feurigem Wagen -gen Himmel gehoben. Dem Volke wußte nachher einer der Senatoren zu -erzählen, wie ihm Romulus in göttlicher Gestalt erschienen sei und zu -ihm, der anbetend dagestanden und nicht gewagt die Augen zu ihm zu -erheben, gesagt habe: „Künde den Römern, daß ich unter die Himmlischen -aufgenommen bin und fortan nicht mehr Romulus, sondern +Quirīnus+ -heiße. Die Götter wollen, daß meine Roma dereinst die Hauptstadt der -Welt werde. Darum sollen die Römer den Krieg üben und gewiß sein, daß -keine menschliche Macht ihren Waffen widerstehen kann.“ Mit diesen -Worten habe er sich wieder zum Himmel erhoben. - -Eine andere Nachricht erzählt, daß Romulus von den Senatoren, denen -seine Herrschaft verhaßt gewesen, durch heimlichen Mord beiseite -geschafft worden sei. - - - - -II. - -König Numa Pompilius. - -(716-673 v. Chr.) - - -Nach des Romulus Tode dauerte es ein volles Jahr, bis die Wahl eines -Königs zustande kam. Die Leitung des Staates führte inzwischen in -wechselnder Folge je einer der Senatoren. Die Wahl fiel endlich auf -einen Mann sabinischen Stammes, aus der sabinischen Stadt Cures, den -Eidam des Königs Tatius, +Numa Pompilius+, der in dem Ruf großer -Weisheit und Gerechtigkeit, friedliebenden Sinnes und tiefer Einsicht -in alle göttlichen und menschlichen Dinge stand. - -Wie Romulus den jungen Staat mit Waffengewalt gegründet und befestigt -hatte, so gedachte Numa ihn auf der festen Grundlage göttlichen und -menschlichen Rechtes gleichsam neu zu gründen. - -Nachdem er zuvörderst mit allen Nachbaren Frieden und Freundschaft -hergestellt, war seine vorzüglichste Sorgfalt darauf gerichtet, die -durch steten Krieg verwilderten Sitten der Römer zu mildern und ihren -kriegerischen Sinn zu besänftigen. Das beste Mittel, um dies zu -erreichen, sah er in einer neuen Ordnung des Götterdienstes. Dabei -bediente er sich geschickt des verbreiteten Gerüchtes, daß er sich -der besonderen Gunst einer vor den Toren der Stadt in einer Grotte -hausenden weisen Nymphe, der +Egéria+, erfreue, die ihm bei allen -seinen Einrichtungen ratend zur Seite stände. Als Aufseher und Leiter -des ganzen Götterdienstes bestellte er das Kollegium der Priester -(~pontífices~), an deren Spitze der König selbst als Oberpriester -(~póntifex máximus~) stand. Den Vogelschauern (~aúgures~) erteilte -er das Amt, aus dem Fluge der Vögel, aus Donner und Blitz und dem -Fressen der heiligen Hühner die Zukunft und den Willen der Götter zu -erforschen. Die Eingeweideschauer (~harúspices~) untersuchten die -Eingeweide der Opfertiere und deuteten daraus auf Glück oder Unglück. -Die Zahl der Vestalinnen, der heiligen Jungfrauen, denen die Sorge für -das Herdfeuer im Tempel der Vesta oblag, vermehrte er auf vier. Dem -Janus, einem Gotte, der mit doppeltem, nach entgegengesetzten Seiten -gewandtem Gesicht und einem Schlüssel in der Hand dargestellt wurde, -baute er einen Tempel, der in Kriegszeiten offen stehen, im Frieden -aber geschlossen sein sollte. Unter Numa selbst, dessen 43jährige -Regierung in ungestörtem Frieden verlief, blieb er stets geschlossen. -Nach Numa ist dies während der ganzen Dauer der römischen Republik -nur zweimal wieder der Fall gewesen, das eine Mal nach Beendigung des -ersten punischen Krieges, und dann wieder im Anfang der Regierung -Augustus, des ersten Kaisers. Auch für das bürgerliche Leben traf Numa -zweckmäßige Einrichtungen, wie er denn das Jahr, das bis dahin nur zehn -Monate hatte, in zwölf Mondmonate einteilte und es durch Einführung von -Schalttagen mit dem Sonnenlaufe in Übereinstimmung brachte. - -Hochgeehrt und geliebt nicht nur von seinem eigenen, sondern auch von -den umwohnenden Völkern, starb der fromme König im 84. Lebensjahre. - - - - -III. - -König Tullus Hostilius. - -(673-641 v. Chr.) - - -Kurze Zeit nach seinem Tode wählte das Volk wieder einen König aus -römischem Stamme, den kriegerischen +Tullus Hostilius+. Unter seiner -Regierung ward Alba Longa, Roms Mutterstadt, zerstört. Die Veranlassung -zu diesem Kriege war folgende. - -Albanische Hirten hatten im römischen, römische im albanischen Gebiete -Raub begangen. Von beiden Seiten wurden Gesandte abgeordnet, um -Genugtuung zu fordern. Aber mit dieser Forderung kamen die römischen -Gesandten den albanischen zuvor, sodaß, da die Albaner die Genugtuung -verweigerten, die Schuld des Krieges ihnen zur Last fiel. Beide -Teile rüsteten sich dazu mit aller Macht. Als die Heere einander in -Schlachtordnung gegenüber standen, machte +Mettius Fuffétius+, der -Führer der Albaner, dem römischen König den Vorschlag, den Krieg durch -einen Kampf Weniger entscheiden zu lassen. Beide Teile stimmten zu. -Nun traf es sich, daß in jedem Heere Drillingsbrüder standen, drei -+Horatier+ im römischen, drei +Curiatier+ im albanischen. Diese wurden -für den entscheidenden Kampf bestimmt und waren dazu freudig bereit. -Zuvor aber ward ein feierlicher Vertrag abgeschlossen, daß dasjenige -Volk, dessen Vorkämpfer siegen würden, über das andere herrschen sollte. - -Zwischen beiden Heeren wurde eine Ebene zum Kampfplatz bestimmt, und -mit Blumen bekränzt und unter lautem Zuruf der Ihrigen gingen die -jungen Vorkämpfer mit dem Schwerte in der Faust aufeinander los. Nicht -die eigene Gefahr, nur das Schicksal ihres Vaterlandes schwebte ihnen -vor Augen. Bei beiden Heeren herrschte bange Furcht und allgemeine -Stille. Kaum aber waren sie handgemein, kaum hatten die Bewegungen -mit den Schilden und Schwertern und das aus den Wunden strömende Blut -die Augen der Zuschauer auf sich gezogen, als schon zwei Römer, einer -über den andern, tot zur Erde stürzten. Bei ihrem Fall erhob das -albanische Heer ein Freudengeschrei, während die römische Legion, fast -hoffnungslos, das Schicksal ihres einzigen noch übrigen Kämpfers mit -steigender Angst erwartete. Zum Glück war dieser noch unverwundet, -und also zwar den Gegnern, obwohl sie alle drei verwundet waren, wenn -sie vereinigt blieben, nicht gewachsen, aber noch siegesmutig genug, -um es mit jedem besonders aufzunehmen. Um sie also zu trennen, nahm -er die Flucht, indem er voraussah, daß ihm jeder nur so geschwind -folgen würde, als es seine Wunden gestatteten. Schon hatte er sich -etwas aus den Grenzen des Kampfplatzes entfernt, als er sich umwandte -und seine Gegner in weiten Zwischenräumen ihm nacheilen sah. Einen -aber erblickte er nicht weit hinter sich und ging sofort auf ihn los. -Bald hatte er ihn erlegt und drang auf den zweiten ein. Da erhoben -die Römer ein Freudengeschrei, um ihren Vorkämpfer zu ermuntern, der -denn auch den zweiten Curiatier zu Boden streckte, noch ehe ihm der -dritte zu Hilfe kommen konnte. Nun waren die Parteien zwar noch an -Zahl, aber nicht mehr an Hoffnung und Kräften gleich: der eine noch -unverwundet, zwiefach Sieger, eilte voll Mut in den dritten Kampf, der -andere aber, der seinen von Wunden und vom Lauf ermatteten Körper kaum -fortschleppte, sah sich seinem Feinde als ein gewisses Schlachtopfer -preisgegeben. Frohlockend rief der Römer: „Zwei habe ich dem Schatten -meiner Brüder geopfert, den dritten weihe ich dem Preis dieses Kampfes, -auf das Rom über Alba herrsche!“ Sprachs und stieß seinem Feinde, der -kaum noch den Schild halten konnte, das Schwert in die Kehle, streckte -ihn zu Boden und nahm ihm seine Rüstung. So wurde durch diesen Kampf -Alba Longa der Herrschaft der Römer unterworfen. - -Horatius kehrte an der Spitze des Heeres, mit den Rüstungen der -erschlagenen Feinde als Beute und Zeichen seines Sieges, nach Rom -zurück. Am Capenischen Tor begegnete ihm seine Schwester, die mit -einem der Curiatier verlobt gewesen war. Als sie unter der Beute ihres -Bruders auch das Gewand erblickte, das sie für ihren Bräutigam gewebt -hatte, brach sie in laute Klagen und Verwünschungen gegen ihren Bruder -aus. Darüber geriet Horatius in solche Wut, daß er die eigne Schwester -niederstach. Wegen dieser blutigen Tat wurde er vor Gericht geladen und -von den Richtern zum Tode verurteilt. Nur die Bitten, mit denen sich -sein Vater an das Volk wandte, retteten den Schuldigen, und der König -bestrafte ihn bloß dadurch, daß er ihn unter dem Schandjoch hergehen -ließ. - -Die Albaner aber unter Mettius Fuffetius ertrugen die Abhängigkeit von -Rom mit Unwillen. Um ihre Selbständigkeit wieder zu gewinnen, suchten -sie den König Tullus in einen Krieg zu verwickeln und reizten die -Stadt Fidénä zum Abfall von Rom. Den Fidenaten leistete die etrurische -Stadt Veji offene Hilfe, die Albaner aber versprachen heimlich, sie -würden während der Schlacht zu ihnen übergehen. Als Tullus gegen die -Fidenaten zu Felde zog, entbot er auch die Albaner zum Heerbann. Das -römische Heer stellte er den Vejentern, das albanische den Fidenaten -gegenüber. Aber Mettius Fuffetius zeigte sich im Kampfe untätig und -schwankend, indem er zu denen überzugehen gedachte, auf deren Seite -sich der Sieg neigen würde. So sahen denn die Albaner ruhig zu, wie -die Römer allein, unter unaufhörlichem Gefecht, erst die Fidenaten, -dann die Vejenter schlugen und einen vollständigen Sieg errangen. Als -Fuffetius dem siegreichen Tullus Glück wünschte, empfing ihn der König -scheinbar mit Güte und stellte sich, als habe er dessen treuloses -Spiel nicht bemerkt, bestellte aber beide Heere auf den folgenden Tag -zu einer Versammlung. Zuerst erschienen unbewaffnet die Albaner; das -römische Heer stellte sich bewaffnet ringsum. Darauf enthüllte Tullus -in einer an beide Heere gerichteten Rede den Verrat des Fuffetius und -verkündigte seine und seines Volkes Strafe. Fuffetius selbst ward auf -zwei Wagen festgebunden, deren Gespanne, nach verschiedenen Richtungen -getrieben, seinen Körper in zwei Stücke zerrissen. Die Stadt aber der -Albaner wurde zerstört, ihre Bewohner mußten nach Rom ziehen, wo ihnen -der cölische Hügel (~mons coelius~), nahe dem palatinischen südwärts -gelegen, zu Wohnstätten angewiesen wurde. - -Auch in einem Kriege gegen die Sabiner focht Tullus glücklich; aber -das Ende seiner Regierung ward durch manche unheilverkündende Zeichen -und Unfälle getrübt. Auf dem Albanerberge regnete es Steine, und aus -dem dortigen Hain erscholl eine Stimme, die über die Vernachlässigung -des Gottesdienstes klagte. Eine Seuche brach aus, an der Tullus selbst -erkrankte. Voll Mißmut ergab er sich allen Arten von Aberglauben. Einst -fand er in den Büchern des Numa einen Zauberspruch, mit dem man den -Jupiter vom Himmel herabzubannen glaubte. Aber der König beging in der -Anwendung des Spruches einen Fehler; der empörte Gott fuhr in einem -Wetterstrahl herab, der den König samt seinem Hause verbrannte. - - - - -IV. - -König Ancus Marcius. - -(641-617 v. Chr.) - - -Der vierte König der Römer war +Ancus Marcius+, ein Tochtersohn -des Numa Pompilius. Wie sein Großvater im Innern, so war er darauf -bedacht nach außen, in den Verhältnissen zu den meist feindlichen -Nachbarvölkern, eine feste, auf Recht und Gerechtigkeit gegründete -Ordnung herzustellen. Kein Krieg wurde erklärt und begonnen, ohne zuvor -dem Feinde Gelegenheit und Frist zu friedlichem Austrage des Streites -zu geben, kein Friede geschlossen ohne Beobachtung bestimmter heiliger -Gebräuche. Für beides hatten die sogenannten Fetialen zu sorgen, -angesehene Männer, welche mit dem Rechte des Krieges und Friedens -wohl vertraut waren. Auch auf die innere Wohlfahrt verwandte dieser -König eifrige Sorge. Er legte die Hafenstadt +Ostia+ an der Mündung -der Tiber an, baute eine Pfahlbrücke über diesen Fluß zum Janiculum -hinüber, und siedelte auf dem Aventinus die +Plebejer+ (die Plebs) an, -die aus der Menge der zugewanderten oder aus den besiegten Ortschaften -verpflanzten Bewohner bestanden und den altbürgerlichen Geschlechtern, -den +Patriziern+, gegenübertraten, aber keinen Anteil an der Verwaltung -des Staates besaßen. Somit waren schon fünf Hügel bebaut, der -+palatinische+ von den ersten Ansiedlern, der +quirinalische+ von -den Sabinern, der +coelische+ von den Albanern, der +aventinische+ -von den Plebejern, während das Capitolium, zwischen dem Palatinus -und Quirinalis, als Burg der Stadt und Stätte der Haupttempel, nicht -bewohnt werden durfte. - -Unter der Regierung des Ancus Marcius kam ein gewisser Lúcumo nach Rom. -Er war der Sohn des Korinthiers Damarātus, der, aus seiner Vaterstadt -vertrieben, sich nach Tarquinii, einer Stadt in Etrurien, begeben und -daselbst durch seine Reichtümer Ansehen erlangt hatte. Von Jugend -auf durch das Glück begünstigt, hatte Lúcumo, der einzige Erbe aller -Reichtümer seines Vaters, die Tochter eines vornehmen Bürgers seiner -neuen Heimat, die Tanaquil geheiratet, die, wie viele ihres Volkes, -der Weissagung kundig war. Indessen konnte er doch als Ausländer -in Tarquinii zu keinen hohen Ehrenstellen gelangen. Dies schmerzte -die stolze Tanaquil so sehr, daß sie ihren Gemahl bat die Stadt zu -verlassen und nach Rom zu ziehen. Lucumo, selbst von Ehrgeiz und -Ruhmsucht gespornt, willfahrte ihr, und so machten sich beide auf die -Reise nach Rom. - -Als sie nicht mehr weit von dieser Stadt entfernt waren, fuhr ein Adler -herab, nahm dem Lucumo den Hut vom Haupte, erhob sich in die Lüfte -und setzte ihn ihm bald nachher wieder auf. Tanaquil sah in diesem -Ereignis eine glückliche Vorbedeutung und erfüllte ihren Gemahl mit -der Hoffnung, daß ihm in Rom die Herrschaft zufallen würde. Und diese -Hoffnung täuschte sie nicht. Denn Lucumo, der in Rom den Namen +Lucius -Tarquinius+ angenommen hatte, erwarb sich bald durch Leutseligkeit und -Freigebigkeit die Liebe und Achtung seiner neuen Mitbürger. Die Kunde -von ihm gelangte auch an den Hof. Der König Ancus Marcius gewann den -reichen Etrusker lieb und bediente sich seines Rates und Beistandes -in allen Angelegenheiten; ja er bestellte ihn sogar vor seinem Tode -zum Vormund seiner Kinder. Als aber Ancus starb, sandte Tarquinius -dessen beide Söhne zur Zeit, als die Wahl des neuen Königs vollzogen -werden sollte, auf die Jagd; er selbst bat in der Versammlung das Volk, -das er an die vielen von ihm erhaltenen Wohltaten erinnerte, um die -Königswürde. Das Volk willfahrte seiner Bitte, und Tarquinius ward -König. Er erhielt später, zum Unterschied von seinem gleichnamigen -Nachfolger, den Beinamen +Priscus+ (der Alte). - - - - -V. - -Tarquinius Priscus. - -(617-578 v. Chr.) - - -Um sich zum Kriege gegen die Sabiner zu rüsten, wollte Tarquinius den -bisherigen drei Abteilungen (Centurien) der Reiter noch drei neue -Centurien mit neuen Namen hinzufügen. Aber einer der Augurn, +Attus -Navius+, erklärte, dies könne nicht eher geschehen, als bis die -Augurn mit ihrer Kunst den Willen der Götter erforscht hätten, denn -jede Einrichtung des Staates, welche unter Befragung der Vogelzeichen -(Auspicien) getroffen sei, dürfte nicht ohne neue Befragung geändert -werden. Dieser Ausspruch des Augurn verdroß den eigenmächtigen -Sinn des Königs, und er beschloß seine Sehergabe auf eine Probe zu -stellen. Spöttisch fragte er ihn: „Kann das geschehen, was ich in -diesem Augenblicke denke?“ „Gewiß“, antwortete der Augur, nachdem er -darüber die Auspicien befragt hatte. „Wohlan“, rief der König, „so -zerschneide mir diesen Kiesel mit einem Schermesser.“ Und ohne Zögern --- so berichtet die Sage -- vollbrachte der Augur das Wunder, und -der König sah sich genötigt von seinem Vorhaben abzustehen. Indessen -verdoppelte er doch die Anzahl der vorhandenen Reiter, obgleich er -keine neuen Centurien bildete, sondern die alten Namen beibehielt. -Dieser Vorfall erhob das Ansehen der Augurn außerordentlich, und noch -in späteren Zeiten sah man zu Rom die Bildsäule des Attus, unter -welcher der zerschnittene Stein vergraben liegen sollte. -- Auch den -Senat vermehrte der König auf 300 Mitglieder. - -Die reiche Beute aus seinen glücklichen Kriegen gegen die Sabiner und -Latiner, sowie die Einnahmen aus dem ihnen entrissenen Landbesitz -verwandte der König auf großartige Bauten. Durch mächtige unterirdische -Kanäle (Kloaken), von denen der größte noch heute benutzt wird, ließ er -die sumpfigen Niederungen zwischen den Hügeln trocken legen und eine -derselben, zwischen Palatin und Capitol, zum Markt- und Gerichtsplatz -(~forum~) einrichten. In einer anderen, auf der westlichen Seite des -Palatin bis zum Aventin, legte er den +Circus Maximus+ an, einen -weiten, ovalen, rings von Bühnen für die Zuschauer umgebenen Platz für -Wagen- und Pferderennen und Gladiatorenkämpfe. Die Stadt schloß er mit -einer Mauer von Backsteinen ein und begann den Bau des Tempels des -capitolinischen Jupiter. - -Aber ein blutiges Ende beschloß seine Regierung. Die Söhne des -früheren Königs konnten es nicht vergessen, daß er sie durch List um -ihr väterliches Erbe gebracht hatte. Ja, sie mußten sogar fürchten, -daß der Schwiegersohn des Königs, +Servius Tullius+, nach ihm zur -Regierung gelangen würde. Sie machten deshalb den Anschlag, den König -zu töten und sich des Thrones zu bemächtigen. Sie stifteten zwei -Hirten zum Meuchelmorde an. Diese gingen mit Äxten, die sie zu tragen -gewohnt waren, in den königlichen Palast, fingen daselbst Streit an und -verlangten, daß der König ihn schlichten sollte. Tarquinius ließ sie -vor sich kommen, um ihre Sache zu hören. Anfangs suchten beide durch -ihr Geschrei den König zu verwirren, doch Tarquinius befahl, daß einer -nach dem anderen reden sollte. Als sich nun der König, ohne etwas Arges -zu ahnen, aufmerksam zu dem einen hinwandte, versetzte ihm der andere -mit der Axt einen tödlichen Schlag, daß er entseelt zu Boden sank. - -Allein die Söhne des Ancus erreichten ihre Absicht nur halb. Sobald -nämlich der König getötet worden war, ließ Tanaquil, die Königin, die -königliche Burg verschließen und forderte den Servius Tullius auf -sich der Herrschaft zu versichern. Darauf öffnete sie das Fenster -und kündete selber dem Volke, das sich auf die Nachricht von dem -Mordanfall vor dem Palaste versammelt hatte, Tarquinius lebe noch und -befehle dem Volke, inzwischen seinem Eidam zu gehorchen. Darauf trat -dieser in königlicher Kleidung und von Amtsdienern (Lictoren) umgeben -hervor, um, wie er vorgab, die Stelle des noch lebenden Königs zu -vertreten. Als nach einigen Tagen der Tod des Königs bekannt wurde, -fiel es dem Servius nicht schwer den Thron zu behaupten, den er zwar -mit Bewilligung des Senats, aber nicht mit Beistimmung des Volkes in -Besitz nahm. Die Söhne aber des Ancus waren bereits von den ergriffenen -Mördern als Anstifter der Tat verraten und, mutlos geworden, aus der -Stadt entflohen und fanden in der Fremde ein ruhmloses Ende. - - - - -VI. - -König Servius Tullius. - -(578-534 v. Chr.) - - -Der neue König war von unfreier Herkunft. Unter der Regierung des -Tarquinius Priscus, so wird erzählt, eroberten die Römer die sabinische -Stadt Corniculum. Hierbei ward Tullus, einer der angesehensten Bürger -der Stadt, getötet, und seine Frau als Gefangene nach Rom abgeführt. Im -Hause des Königs gebar sie einen Knaben, der wegen der Knechtschaft, -in welche seine Mutter geraten war, +Servius+ (von ~servus~ „Knecht“), -nach seinem Vater aber +Tullius+ genannt wurde und unter dem Gesinde -der Königin aufwuchs. Da geschah es, daß in einer Nacht, während das -Kind schlief, plötzlich ein heller Flammenschein sein Haupt umloderte. -Tanaquil, die solche Dinge zu deuten verstand, verbot den Dienern das -Feuer zu löschen, und es verschwand von selbst, als der Knabe erwachte. -Von dieser Zeit an glaubten der König und die Königin, der junge -Servius sei zu hohen Dingen berufen, und nahmen ihn an Kindes Statt an. -Er ward in allen edlen Künsten unterrichtet, und da sich seine Gaben -vortrefflich entwickelten, gab ihm der König seine eigene Tochter zur -Ehe. Wie er nach dem Tode des Tarquinius Priscus selbst König wurde, -ist bereits erzählt worden. - -Unter seiner Regierung erhielt die Stadt ihre letzte Erweiterung und -einen neuen Mauerring. Er zog die zwei letzten der sieben Hügel, von -denen Rom die „Siebenhügelstadt“ genannt wird, den Esquilinus und den -Viminalis, die auf der Ostseite der Stadt lagen, in ihren Umkreis, und -umgab das Ganze mit einer Mauer aus mächtigen Quadersteinen, wovon noch -heute einzelne Reste das Staunen der Beschauer erregen. - -Nach außen wußte er durch kluge und friedliche Verhandlungen mit den -anderen noch selbständigen latinischen Städten für Rom die erste Stelle -in ihrem Bunde zu gewinnen, und sie zu bewegen auf dem Aventin einen -gemeinsamen Tempel der Göttin Diana zu erbauen. Ja, durch eine List -des Priesters dieses Tempels gelang es, wie eine Sage ging, auch den -Anspruch auf die Oberherrschaft über ganz Latium für Rom zu gewinnen. -Ein Sabiner nämlich trieb einst ein Rind von ungewöhnlicher Größe und -Schönheit nach Rom, um es daselbst im Tempel der Diana zu opfern, -in der festen Überzeugung, daß er dadurch, nach dem Ausspruch der -Seher, seiner Vaterstadt die Obergewalt verschaffen würde. Denn die -Augurn hatten gesagt, daß dasjenige Volk die Oberherrschaft erhalten -sollte, dessen Bürger jenes Rind der Diana opfern würden. Allein dieser -Ausspruch war auch zu den Ohren jenes römischen Priesters gekommen, und -dieser suchte sich des Opfers zu bemächtigen. Er befahl dem Sabiner -sich vor dem Opfer in fließendem Wasser zu baden, aber während der -Sabiner dies tat, opferte der Priester selber das Rind. - -Die größte Tätigkeit wandte Servius den inneren Angelegenheiten zu. -Er ordnete eine allgemeine Schatzung (~Census~) und Musterung des -Volkes an, welche fortan alle fünf Jahre vollzogen werden sollte. An -dem dazu bestimmten Tage erschienen alle wehrfähigen Bürger auf der -vor dem Capitol sich nordwärts erstreckenden Ebene vor der Stadt, dem -später sogenannten Marsfelde (~campus Martius~). Da mußte jeder seinen -und seines Vaters Namen, Alter, Wohnort und Vermögen eidlich angeben. -Nach der Verschiedenheit des Vermögens wurde die gesamte Bevölkerung -Roms, Patrizier und Plebejer, in fünf Klassen, diese wieder in eine -Anzahl Centurien eingeteilt, so daß auch die Plebejer das Recht -erhielten die Waffen zu führen und in der nach Centurien geordneten -und stimmenden Volksversammlung (~comitia centuriata~) mitzustimmen. -Mit dem 17. Jahre wurde der Bürger in die Bürgerlisten eingetragen. -Nach geendigter Schatzung stellte sich die ganze Bürgerschaft bewaffnet -auf dem Marsfeld zur großen Heerschau; dann wurden unter Gebeten drei -Tiere, ein Schwein, ein Schaf und ein Rind, um das ganze Volk dreimal -herumgeführt und darauf geopfert, zur Sühne aller Sünden, die das Volk -in den letzten fünf Jahren begangen hatte. - -Nach der Schatzung richtete sich die Steuer, die jeder Bürger -zu entrichten hatte, und der Kriegsdienst. Alle Bürger waren -kriegspflichtig; vom 17. bis 46. Jahre dienten sie im Felde, vom 46. -bis 60. Jahre als Besatzung der Stadt. Die Bürger der ersten Klasse -waren mit einem Helme, Panzer, großem Schilde und Beinschienen von Erz -gerüstet, und führten als Waffen Speer und Schwert. In der Schlacht -standen sie, als die am schwersten Bewaffneten, in der ersten Linie. -Die Bürger der zweiten Klasse hatten keinen Panzer und einen kleinen -Schild, sonst alles wie jene; sie standen in der zweiten Linie. Die -in der dritten Klasse, welche in der dritten Linie standen, waren -gerüstet wie die in der zweiten, nur fehlten die Beinschienen. Die -Bürger der vierten Klasse hatten außer einem kleinen Schilde gar -keine Schutzwaffen, sie führten Speer und Wurfspieß und standen in -der letzten Linie. Die der fünften endlich dienten als Schleuderer -und standen außerhalb der Linie. Alle mußten sich Rüstung, Waffen und -Unterhalt aus eigenen Mitteln beschaffen; nur den Rittern gab der Staat -Geld zum Ankauf eines Streitrosses, sowie zum Unterhalt desselben und -eines Reitknechts nebst dessen Pferde. - - -Durch alle diese Einrichtungen, die neue Ordnung und Einigung des -Volkes, die Erweiterung und Befestigung der Stadt, die Stellung, welche -Rom an der Spitze der latinischen Städte einnahm, erwarb sich der König -die Liebe und Dankbarkeit der Römer und machte den unberechtigten -Ursprung seiner Herrschaft vergessen. Gleichwohl traf ihn, nach -44jähriger glücklicher Regierung, ein schreckliches Ende. - -Seine beiden Töchter hatte er mit den beiden Söhnen seines Vorgängers -und Schwiegervaters, des Tarquinius Priscus, vermählt. Diese waren -an Denkungsart und Sitten ebenso verschieden als des Königs Töchter. -Lucius Tarquinius war wild, ungestüm und herrschsüchtig, und ebenso die -jüngere Tullia. Aruns Tarquinius hingegen und die ältere Tullia waren -sanft und gutherzig. Darum hielt es Servius für das Beste, wenn er die -entgegengesetzten Charaktere mit einander verbände, damit die Sanftmut -des einen die Heftigkeit des anderen mäßigen könnte. Er gab daher die -ältere Tullia dem Lucius Tarquinius, die jüngere Tullia aber dem Aruns -Tarquinius zur Ehe. Aber der Erfolg fiel ganz gegen seine Hoffnung aus. - -Die Ähnlichkeit der Gemüts- und Denkungsart, die zwischen dem Lucius -Tarquinius und der jüngeren Tullia stattfand, brachte zwischen beiden -bald eine Vertraulichkeit zuwege, die sie zu den schändlichsten -Handlungen verführte. Beide töteten, er seine Gattin, sie ihren Gatten. -Dies konnte Servius nicht nur nicht verhindern, sondern mußte sogar -erlauben, daß sie sich einander heirateten. Aber damit nicht zufrieden, -suchten sie den Servius der Regierung zu berauben. Tarquinius warb -sich eine Partei unter den Bürgern und gewann besonders die Vornehmen, -die sich durch die neuen Einrichtungen des Königs in ihren alten -Vorrechten gekränkt fühlten. Eines Tages erkühnte er sich, angetan mit -den Abzeichen der Königswürde, in königlichem Schmuck in das Rathaus -zu gehen, sich auf den Königsstuhl zu setzen und, als wäre er bereits -König, den Senat zu berufen. Sie kamen in großer Anzahl, und er hielt -eine Rede an sie, worin er ihnen seine Absicht, sich auf den Thron zu -setzen, entdeckte. Inzwischen kam auch Servius Tullius voll Zorn herbei -und wollte sogleich seinen Eidam vom Throne herabziehen. Allein dieser, -an Kräften dem alten König überlegen, ergriff und stürzte ihn von der -obersten Stufe des Rathauses auf den Markt hinab. Verwundet wollte -Servius sich nach Hause begeben, allein die Boten des Tarquinius holten -ihn unterwegs ein und töteten ihn auf der Stelle. - -Indessen war Tullia herbeigekommen und hatte den Vorgang gehört. -Frohlockend ließ sie ihren Mann aus dem Rathause rufen und begrüßte -ihn zuerst als König. Als sie wieder nach Hause fuhr, führte der Weg -durch eine enge Straße, wo der Leichnam des ermordeten Königs lag. -Bei diesem Anblick hielt der Wagenführer an und wollte ausweichen, -aber die gottlose Tullia befahl ihm über den Leichnam ihres Vaters -hinwegzufahren. So kam sie, mit dem Blute ihres Vaters bespritzt, nach -Hause. - - - - -VII. - -König Tarquinius Superbus. - -(534-510 v. Chr.) - - -+Tarquinius+ hat sich durch seine eigenmächtige und gewalttätige -Herrschaft den Beinamen +Superbus+ (Tyrann) zugezogen. Er hatte sich -des Königsamtes bemächtigt, ohne vom Volke gewählt und durch die -Auspicien bestätigt zu sein. Die Reichen drückte er durch willkürliche -Auflagen, die Armen durch Frohndienste. Viele Vornehme, die treu zum -vorigen Könige gehalten hatten oder die ihm verdächtig schienen, -bestrafte er mit Hinrichtung, Verbannung oder Verlust des Vermögens. -Er berief den Senat nicht mehr, und entschied allein über Krieg und -Frieden und über Bündnisse mit anderen Völkern. Nach außen aber nahm -der Staat unter seinem klugen und unternehmenden Regiment an Größe, -Macht und Ansehen stetig zu. Er entriß den latinischen Städten ihre -Selbständigkeit und machte Rom zum herrschenden Haupte des latinischen -Bundes. - -Eine derselben, die große und feste Stadt Gabii, belagerte Tarquinius -sieben Jahre lang vergebens, bis er sie endlich durch List eroberte. -Sein jüngster Sohn, +Sextus+ Tarquinius, flüchtete, scheinbar in Zwist -mit seinem Vater, nach Gabii, wo er über dessen unerträgliche Härte -klagte, und dadurch das Mitleid der Gabinier erregte. Sie nahmen ihn -gern auf, und bald wußte er ihr volles Vertrauen zu erwerben. Mit -einem gabinischen Heerhaufen trieb er die Kriegsmannen seines Vaters -zurück; die sich der Verabredung gemäß schlagen lassen mußten. Durch -diese Arglist betrogen, übertrugen ihm die Gabinier bald den Oberbefehl -über Stadt und Heer. Nun schickte er einen vertrauten Boten an seinen -Vater, mit der Frage, was er nun, da die Götter ihn zum Herrn von Gabii -gemacht hätten, dort tun sollte. Der König führte schweigend den Boten -in den Garten, schlug mit einem Stabe die höchsten Mohnköpfe ab, und -hieß ihn dann dem Sohne sagen was er gesehen hätte. Sextus verstand -seines Vaters Wink und schaffte die vornehmsten Gabinier teils durch -heimlichen Mord, teils durch falsche Anklagen und Verbannung beiseite. -Nachdem er auf diese Weise die Stadt ihrer Häupter beraubt, und das -gemeine Volk durch Verteilung der Güter der Verurteilten gewonnen -hatte, lieferte er sie ohne jeden Widerstand in die Hand seines Vaters. - -Der kriegerische König war zugleich prachtliebend und verschönerte -Rom durch großartige Bauten, die er durch kunstgeübte etrurische -Werkmeister ausführen ließ. Die Kosten bestritt er aus den Gütern der -verbannten Reichen und der angesammelten Kriegsbeute, während das -ärmere Volk zu harten Frondiensten herangezogen wurde. Von diesen -Bauten waren am berühmtesten die „große Kloake“ und das Capitolium mit -dem dreifachen Tempel des Jupiter, der Juno und der Minerva, der mit -ehernen Götter- und Königsbildern geschmückt war. Als man bei dem Bau -dieses großen capitolinischen Tempels die vielen älteren Altäre und -kleinen Tempel, welche den Ort bedeckten, wegräumte, ließen sich die -des „Grenzgottes“ (~Terminus~) und der Göttin der „Jugend“ (~Juventus~) -nicht wegrücken. Diese Wunderzeichen deutete man dahin, daß die Jugend -des römischen Staates nie verblühen seine Grenzen nie zurückweichen -würden. Man schloß daher diese Götter mit in die Mauer des Tempels ein. -In einem unterirdischen Gewölbe des Tempels wurden in bleiernem Kasten -die drei sibyllinischen Bücher verwahrt, in deren Besitz Tarquinius auf -folgende Weise gelangt war. - -Einst kam eine unbekannte Alte von seltsamem Ansehen zum König und bot -ihm neun Bücherrollen zum Kauf an. Aber der Preis, den sie forderte, -war dem König zu hoch, und die Frau wurde abgewiesen. Alsbald ging -sie fort und verbrannte drei von ihren Büchern, kam dann wieder und -bot die übrigen sechs dem Könige zu demselben Preise an. Wiederum -zurückgewiesen, verbrannte sie abermals drei Bücher. Als sie dann zum -dritten Male erschien und die drei letzten Bücher zu verbrennen drohte, -wenn sie jenen Preis nicht erhielte, wurde der König aufmerksam und -ließ die Bücher von den Augurn untersuchen. Auf ihren Rat kaufte er -die Bücher, und sofort verschwand die Fremde. Die Abfassung dieser mit -dunklen, rätselhaften Sprüchen und Weissagungen in griechischer Sprache -angefüllten Bücher schrieb man einer Sibylle zu, mit welchem Namen man -in alten Zeiten geheimnisvolle, mit Sehergabe ausgestattete Frauen -bezeichnete, und davon hießen fortan diese wundersamen Schriftrollen -die +sibyllinischen Bücher+. Der besondern Obhut zweier Priester -anvertraut, wurden sie fortan zu Rate gezogen, so oft auffällige -Naturerscheinungen die Gemüter erschreckten, oder der Staat, durch -innere oder äußere Not bedrängt, eines göttlichen Rates zu bedürfen -schien. - - -Nicht lange, so ängstigten böse Zeichen und Träume das Gemüt des -Königs. Eine Schlange schlüpfte aus dem Altar des königlichen Hauses -und raubte das dargebrachte Opferfleisch. Der König beschloß das -delphische Orakel, welches damals im größten Ansehen stand, über -dieses Wunder zu befragen und sandte seine beiden Söhne +Titus+ und -+Aruns+, denen er den Junius +Brutus+ als Begleiter gab, mit kostbaren -Weihgeschenken dahin ab. Dieser, obgleich ein naher Verwandter des -Königs, war der Grausamkeit des Tyrannen, der schon seinen Vater und -Bruder getötet hatte, nur dadurch entgangen, daß er sich blödsinnig -stellte. Tarquinius hatte ihn wirklich für dumm gehalten, ihm den -Namen Brutus (der Dumme) gegeben und ihn der Kurzweil wegen an seinen -Hof genommen. Doch äußerte Brutus bisweilen Spuren der in ihm -versteckten Klugheit. In Delphi machte er dem Orakel einen Stab von -Kornelkirschholz zum Geschenk, aber der hölzerne Stab war hohl und mit -Gold gefüllt, und so ward er das Sinnbild des Brutus selbst. - -Als die Jünglinge den Auftrag des Vaters vollzogen hatten, trieb sie -die Neugier das Orakel zu befragen, wer nach dem Vater in Rom herrschen -würde, und es geschah die Antwort: „Der, welcher zuerst von euch seine -Mutter küssen wird.“ Die Königssöhne, welche meinten, das Orakel weise -auf ihre Mutter, die Königin, die Gattin des Tarquinius, machten -unter sich aus ihre Mutter zu gleicher Zeit zu küssen, um später -gemeinschaftlich zu regieren. Brutus aber verstand unter der Mutter -die Erde, die gemeinsame Mutter aller Menschen. Darum tat er, als sie -heimkehrten und aus dem Schiff ans Land stiegen, mit Absicht einen -Fehltritt, fiel nieder zur Erde und berührte sie mit seinen Lippen, und -erfüllte so das Geheiß des Orakels. - - -Bald darauf geschah es, daß bei einer Belagerung von Ardĕa, der -Hauptstadt der Rútuler, sich die Söhne des Königs die Langeweile im -Lager durch Gastmähler und Trinkgelage zu vertreiben suchten. Als sie -so einst bei ihrem Bruder Sextus, dem Eroberer von Gabii, schmausten, -fiel die Rede auch auf ihre Frauen, und sie stritten, wer von ihnen -die preiswürdigste hätte. Da jeder seine eigene dafür hielt, rief -Collatinus Tarquinius, ihr Vetter: „Wozu all dies Streiten? Laßt uns -unsere Rosse besteigen und unsere Frauen besuchen! Womit wir eine jede -beschäftigt finden, darnach mag der Preis zuerkannt werden.“ Alle waren -mit dem Vorschlage zufrieden. Beim Anbruch der Dunkelheit gelangten sie -nach Rom, wo die Frauen der Königssöhne die Zeit in Lust und Wohlleben -verbrachten; von da ging ihr Ritt nach Collatia, zum Landgute des -Collatinus. Hier fanden sie die ebenso schöne wie züchtige +Lucretia+, -die Gattin desselben, noch in später Nacht unter ihren Mägden sitzen -und mit Wollarbeit beschäftigt. Ihr wurde der Preis zuerkannt. -Freundlich bewirtete sie den Mann und die mitgebrachten Gäste, bis sie -ins Lager zurückkehrten. - -Einige Tage nachher erschien Sextus Tarquinius diesmal allein und ohne -Wissen des Collatinus, wieder in Collatia. Er ward von der arglosen -Lucretia gastlich aufgenommen, vergalt aber diese Aufnahme damit, daß -er der tugendhaften Frau eine rohe und entehrende Gewalt antat. Als der -Verräter sie verlassen, ließ sie ihren Vater Lucretius und ihren Gemahl -zu sich nach Collatia entbieten. Sie kamen, der Gatte begleitet von -jenem Junius Brutus, der Vater von seinem Freunde Valerius. Jammernd -erzählte sie ihnen den erlittenen Schimpf, und nachdem sie ihnen -den Schwur abgefordert, den Sextus Tarquinius, ihren Beleidiger, zu -bestrafen, stieß sie sich vor ihren Augen einen Dolch in die Brust. -Während die anderen vor Schreck wie gelähmt dastanden, trat Brutus -hervor, zog den Dolch aus der Leiche und schwur bei dem Blute des -unschuldigen Opfers, daß er nicht ruhen und rasten wolle, bis er dies -gottlose Königsgeschlecht aus Rom verjagt und der Königsherrschaft ein -Ende gemacht hätte. Und den gleichen Schwur ließ er den beleidigten -Gatten und den Vater nebst Valerius auf den blutigen Dolch leisten. -Darauf hoben sie die Tote und trugen sie auf den Markt, wo sie dem -herzueilenden Volke die Schandtat des Tarquiniers erzählten. Die -Bürger von Collatia bewaffneten sich, besetzten die Tore ihrer Stadt -und zogen, von Brutus und den anderen geführt, nach Rom. Hier berief -Brutus das Volk zusammen und zählte ihm alle Freveltaten auf, die -der König, sein Weib und seine Söhne vom Morde des Servius Tullius -an bis zu dieser letzten Schandtat verübt hätten. Das Volk erklärte -den Tarquinius der Königswürde verlustig und beschloß seine und -seines Geschlechtes Verbannung. Darauf zog Brutus mit einer Schar von -Jünglingen in das Lager von Ardea, jedoch auf einem Umwege, sodaß er -dem Könige, der auf die erste Nachricht von dem Aufruhr nach Rom geeilt -war, nicht begegnete. Freudig nahm das Heer den Brutus auf und verjagte -die Königssöhne. In Rom aber ließ man den König nicht herein, sondern -verschloß ihm die Tore und kündigte ihm seine Verbannung an. So von -Volk und Heer verlassen, floh er mit seiner Familie nach der Stadt -Cäre in Etrurien. Sextus ging zu den Gabiniern, die ihn, eingedenk des -früheren Verrates, erschlugen. - - - - -Rom als Republik. - - - - -VIII. - -Brutus, erster Konsul der Römer. - -(509 v. Chr.) - - -An Stelle des einen Königs traten von jetzt an +zwei+ oberste -Beamte, die +Konsuln+, die, vom Volke gewählt, beide zwar dieselbe -Machtbefugnis als oberste Heerführer und Richter übten, wie bisher -die Könige, aber ihr Amt nur +ein+ Jahr lang bekleideten und sich -gegenseitig an Ausschreitungen hindern konnten. Die ersten Konsuln -waren +Brutus+ und +Collatinus+. - -Obschon die Vertreibung der Könige von den alten Geschlechtern, den -Patriziern, ausgegangen war, so waren doch nicht alle Patrizier damit -zufrieden. Zumal die jüngeren unter ihnen, welche den Glanz und die -Freuden eines königlichen Hofes vermißten, fanden sich nicht leicht -in den neuen Zustand, und warteten nur auf eine Gelegenheit, um den -König zurückzuführen. Als der König von dieser Stimmung Kunde erhielt, -schickte er alsbald Gesandte nach Rom, unter dem Vorwande, daß sie -die Herausgabe seiner Güter fordern sollten, in der Tat aber, um -eine Empörung zum Sturz der Konsuln zuwege zu bringen. Mehrere junge -Patrizier, unter ihnen sogar die Söhne des Konsuls Brutus, ließen sich -dafür gewinnen und warben unter ihren Freunden zahlreiche Genossen. Man -verabredete an einem bestimmten Tage die Konsuln zu töten und zugleich -dem König die Tore der Stadt zu öffnen, und schrieb einen Brief an ihn, -um ihn zu eiliger Rückkehr aufzufordern. Allein, ehe noch die Gesandten -mit dem Briefe Rom verlassen konnten, wurde die Verschwörung entdeckt. -Ein Sklave hatte eine Zusammenkunft der Verschworenen belauscht und -ihren Plan den Konsuln angezeigt. Diese ließen sofort die Gesandten -und die Verschworenen ergreifen, und der vorgefundene Brief bezeugte -unwidersprechlich ihre Schuld. Die Gesandten wurden, dem Völkerrechte -gemäß, unverletzt entlassen, die ganze Habe des Königs aber dem Volke -preisgegeben, sein großer Landbesitz nordwärts der Stadt bis zur Tiber -dem Kriegsgott geweiht und seit der Zeit Marsfeld (~campus Martius~) -genannt. - -Die Verschworenen wurden in Fesseln vor die Konsuln geführt, welche -auf ihren Amtsstühlen zu Gerichte saßen. Da sie nichts zu ihrer -Verteidigung vorbringen konnten, so verurteilte sie Brutus, der Vater -die eigenen Söhne, zum Tode. Diese Strenge machte auch dem Collatinus, -dessen Neffe unter den Verschworenen war, ein milderes Urteil -unmöglich. Mit fester Miene und unverwandtem Blick sah Brutus seine -Söhne mit Ruten geißeln und dann mit dem Beil hinrichten. Darauf bewog -er das Volk zu dem Beschluß, daß auch alle Verwandten des Königshauses -verbannt sein sollten. Da zu diesen auch der Konsul Collatinus gehörte, -so legte er sein Amt nieder und ging in die Verbannung. An seine Stelle -trat der oben erwähnte Publius Valerius. - -Tarquinius suchte von nun an mit Waffengewalt die verlorene Herrschaft -wiederzugewinnen. Er rückte mit einem Heere, das ihm die etruskischen -Städte Veji und Tarquinii gestellt hatten, gegen Rom. Die Bürger -zogen ihm entgegen. Am Walde Arsia kam es zum Treffen. Als Brutus -und Arnus, beide an der Spitze ihrer Reiterei, einander ansichtig -wurden, sprengten sie, von gleichem Haß und Kampflust getrieben, -gegen einander an. Beide fielen, jeder vom andern zu Tode getroffen. -Darauf entbrannte die Schlacht allgemein und dauerte ununterbrochen -bis gegen Mitternacht. Plötzlich erscholl aus dem Forste die Stimme -des Waldgottes: „Bei den Etruskern ist ein Mann mehr gefallen, der -Sieg gehört den Römern!“ Da gaben die Etrusker die Sache verloren und -wandten sich zur Flucht, und die Römer kehrten als Sieger nach Hause. -Den Brutus bestatteten sie auf das ehrenvollste, und die römischen -Frauen betrauerten ihn ein ganzes Jahr wie einen Vater. - - - - -IX. - -Krieg mit König Porsenna. - - -Tarquinius ließ die Hoffnung, die Königswürde wieder zu erlangen, noch -nicht fahren. Er begab sich in den Schutz +Porsennas+, des mächtigen -Fürsten der Stadt Clusium in Etrurien. Der Krieg, den dieser deshalb -mit Rom begann, erreichte zwar nicht das eigentliche Ziel, die -Herstellung des Tarquinius als römischen Königs, aber die Römer mußten, -trotz heldenhafter Gegenwehr, einen Teil ihres Gebietes an Porsenna -abtreten. Von diesen Heldentaten berichtet die Sage folgendes. - -Da die kleine Festung auf dem Berge Janiculum, auf der rechten Seite -der Tiber, der Stadt gegenüber, beim ersten Angriff vom Feinde erobert -ward, so zog sich die Besatzung vor der Übermacht in die Mauern der -Stadt zurück. Nun wäre Porsenna unaufhaltsam über die schmale hölzerne -Tiberbrücke nachgedrungen, wenn nicht +Horatius Cocles+ durch seine -Unerschrockenheit und Tapferkeit es verhindert hätte. Als er sah, daß -seine Genossen nicht mehr standhielten, riet er ihnen selbst über die -Brücke zu eilen und sie so schnell als möglich abzutragen. Während dies -geschah, wehrte Horatius mit zweien seiner Gefährten das feindliche -Heer von dem Zugang zur Brücke ab. Als dieselbe beinahe abgetragen -war, entließ er auch seine Gefährten, um sich über die Reste in die -Stadt zu retten. Hierauf stellte er sich allein dem Feinde entgegen, -und erst, als die letzten Balken krachten, sprang er, den Stromgott um -Schutz anflehend, mit Schild und Wehr in die Fluten. Unter einem Hagel -feindlicher Pfeile schwamm er unversehrt an das andere Ufer. - -Die festen und hohen Mauern der Stadt schützten sie zwar gegen einen -stürmischen Angriff; aber der Feind begann ihr von allen Seiten die -Zufuhr abzuschneiden und ihr Gebiet zu verwüsten, sodaß bald Mangel an -Nahrung entstand. Um Rom von dieser Bedrängnis zu befreien, beschloß -+Mucius Scävŏla+, ein mutiger Jüngling, den feindlichen König zu töten. -In etruskischer Kleidung, einen Dolch unter dem Gewande, schlich er -ins feindliche Lager, wo eben ein Schreiber neben dem König saß, der -mit den Kriegern verhandelte, die ihren Sold erhalten sollten. Weil -sich dieser in seiner Tracht gar nicht vom König unterschied, so hielt -ihn Mucius für den König selbst und stieß ihn mit dem Dolche nieder. -Ergriffen und vor den König geführt, bekannte er unerschrocken sein -Vorhaben. Als ihn Porsenna mit dem Feuertode bedrohte, streckte er, um -zu zeigen, daß er alle Drohungen verachte, seine Rechte in die Flamme -des nahestehenden Opferherdes, ohne das geringste Zeichen von Schmerz -zu verraten. Da verwandelte sich des Königs Zorn in Bewunderung, er -schenkte dem Mucius das Leben, und dieser erklärte nun, gleichsam um -den König für seine Milde zu belohnen, daß nicht er allein, sondern -dreihundert römische Jünglinge sich zu gleichem Zwecke verschworen -hätten, um durch den Tod des Königs ihre Vaterstadt zu befreien. -Der junge Held, der später von dem Verluste seiner rechten Hand den -Beinamen Scävola (Linkhand) erhielt, ward entlassen; der König aber, -der sich jetzt von steten Gefahren bedroht glaubte und für sein Leben -fürchtete, ward zum Frieden geneigt, der auch bald zustande kam. Er -hob die Belagerung auf und verzichtete auf die Wiedereinsetzung des -Tarquinius; dagegen traten die Römer das rechte Tiberufer an ihn ab und -stellten zehn Jünglinge und ebenso viele Jungfrauen als Geiseln. - -Unter diesen Jungfrauen befand sich die edle +Clölia+. Sie täuschte -die Wächter und schwamm mit den übrigen Jungfrauen über die Tiber. -Vergebens schossen die Feinde ihre Pfeile auf sie ab; sie kam mit ihren -Gefährtinnen glücklich nach Rom. Aber der römische Konsul schickte sie -auf die drohende Forderung Porsennas in das etruskische Lager zurück. -Doch hatte der Heldenmut der Jungfrau des Königs Bewunderung erregt; er -vergab ihr nicht nur und schenkte ihr die Freiheit, sondern er erlaubte -ihr sogar einige von den römischen Jünglingen, die als Geiseln im Lager -waren, mit nach Hause zu nehmen. Sie wählte die jüngeren, deren zartes -Alter ihr im Feindeslande am meisten der Kränkung ausgesetzt schien. -In Rom aber errichtete man, zu dauerndem Andenken an den Heldenmut der -Clölia, ein ehernes Denkmal, eine Jungfrau zu Roß. - -So war denn auch dieser Versuch des Tarquinius, die Herrschaft -wiederzugewinnen, mißlungen. Er nahm hierauf seine Zuflucht zu den -Latinern, die er zu einem Kriege gegen die Römer aufreizte, der im -Jahre 496 v. Chr. zum Ausbruch kam. Am See +Regillus+ trafen beide -Heere aufeinander; es war ein Heldenkampf, in dem die Führer selber -sich im Zweikampf begegneten, während die Menge ohne Entscheidung -focht, und der Sieg bald hierin, bald dorthin sich wandte. Selbst der -hochbejahrte Tarquinius nahm an der Schlacht Anteil und ward verwundet. -Endlich siegten die Römer und nahmen das feindliche Lager; Tarquinius -ging hoffnungslos zu Aristodémus, dem Fürsten der griechischen Stadt -Cumä, nahe dem heutigen Neapel, wo er im folgenden Jahre starb. - - - - -X. - -Innerer Zwist. Menenius Agrippa und Marcius Coriolanus. - - -Die Bürgerschaft Roms zerfiel in zwei an Herkunft, Recht und Ansehen -verschiedene Klassen, unter denen nicht einmal ein gemeinschaftliches -Verkehrsrecht (~commercium~) und Eherecht (~conubium~) bestand. Die -eigentliche Gemeinde bildeten nur die +Patrizier+, die Nachkommen -der alten Geschlechter, aus denen die ursprüngliche Bevölkerung Roms -bestanden hatte. Sie besaßen alle Vorrechte; aus ihrer Mitte wurden -die Beamten und Senatoren gewählt, sie allein bildeten das „Römische -Volk“ (~populus Romanus~) und beschlossen in ihrer Versammlung -(~comítia curiāta~) über die Angelegenheiten des Staates. Die -+Plebejer+ dagegen, die Nachkommen derjenigen Zuwanderer, welche sich, -freiwillig oder gezwungen, nach und nach in Rom niedergelassen hatten, -an Zahl weit überlegen und zu allen Diensten für das Gemeinwesen, zu -Kriegsdienst und Steuern verpflichtet, entbehrten alles Anteils an der -Regierung, welche die patrizischen Beamten mit stolzer Härte gegen -die rechtlose Menge ausübten. Die plebejischen Bauern konnten oft -wegen der häufigen Kriege, zu denen sie eingerufen wurden, ihr Land -nicht rechtzeitig bestellen, gerieten in Schulden, und wenn sie die -hohen Zinsen nicht bezahlen konnten, so verfielen sie, nach dem harten -römischen Schuldrecht, mit ihrer Person der Gewalt der Gläubiger, die -sie als Knechte fronden lassen oder sogar in die Fremde verkaufen -durften. So waren schon viele in Armut und Knechtschaft geraten, und -die Unzufriedenheit über die ungerechte Bedrückung stieg unter den -Plebejern immer höher. - -Schon hatten sie einige Male den Kriegsdienst verweigert; aber den -Patriziern war es noch immer gelungen, bald durch Drohungen, bald -durch leere Versprechungen, den Ausbruch der Unzufriedenheit zu -unterdrücken. Einst geschah es, daß das Volk, von einem beutereichen -Feldzuge zurückkehrend, zum Lohn eine Erleichterung seiner drückenden -Lage erwartete. Allein die Patrizier suchten es aufs neue zu täuschen, -indem sie es sogleich zu einem neuen Kriege führen wollten. Da aber kam -die lang verhaltene Wut der Plebejer zu offenem Ausbruch. Bewaffnet, -wie sie waren, rotteten sie sich zusammen, verließen die Stadt und -zogen, unter einem selbstgewählten Anführer, auf eine nicht weit von -Rom gelegene Anhöhe, die man den „heiligen Berg“ nannte, wo sie ein -festes Lager aufschlugen und sich dauernd niederzulassen drohten. (494 -v. Chr.) - -Darüber entstand zu Rom eine allgemeine Bestürzung. Das -zurückgebliebene Volk fürchtete die Härte der Patrizier, diese die -völlige Auswanderung des Volks. Endlich beschloß der Senat eine -Gesandtschaft abzuschicken, um das Volk zur Rückkehr zu bewegen. An -der Spitze derselben stand ein kluger und beredter, als Volksfreund -bekannter und beliebter Mann, +Menénius Agrippa+. Auf dem heiligen -Berge angekommen, begann er seine Rede damit, daß er dem Volke folgende -Fabel erzählte. - -„Die Glieder des Leibes empörten sich einst wider den Magen, weil er -allein untätig sei, während sie alle für ihn arbeiten mußten. Sie -versagten ihm daher den Dienst. Die Hände wollten keine Speise mehr -in den Mund bringen, der Mund sie nicht aufnehmen und die Zähne sie -nicht zerreiben. Eine Zeitlang führten die Glieder diesen Vorsatz aus. -Bald aber fühlten sie, daß sie sich selbst dadurch schadeten. Sie -erkannten, daß es der Magen sei, der die empfangene Speise verdaue, -das damit genährte Blut durch alle Glieder verbreite und ihnen allen -Leben und Kraft verleihe. Sie gaben daher ihr Vorhaben auf und söhnten -sich wieder mit dem Magen aus. So ist es auch, fuhr Agrippa fort, mit -den Gliedern eines Staates. Keiner von ihnen vermag für sich allein zu -bestehen; nur auf ihrer Eintracht beruht das Wohl des Ganzen.“ - -Durch solche Rede soll Agrippa das Volk zur Rückkehr geneigt gemacht -haben. Sie erfolgte jedoch nicht eher, als bis die Patrizier das -feierliche Versprechen gaben, die Schuldgefangenen in Freiheit zu -setzen und den Plebejern die Wahl einer eigenen unverletzlichen -Obrigkeit zu gestatten. Von dieser Zeit an wählte das Volk aus seiner -Mitte jährlich zwei Beamte, +Tribunen+ genannt, deren Zahl später bis -auf zehn vermehrt ward. Sie hatten das Recht die Gemeinde der Plebejer -zu berufen und mit ihr zu beraten, und die Pflicht jeden einzelnen -derselben gegen eine Härte oder Ungerechtigkeit der Konsuln und -anderen Beamten zu schützen. Auch durften sie gegen jeden Beschluß des -Senats, vor dessen Tür sie ihren Sitz hatten, Einsprache (~veto~ „ich -verbiete“) tun und ihn dadurch ungültig machen. - - -Doch schon in den ersten Jahren liefen die Plebejer Gefahr diese -Rechte, welche sie durch die Auswanderung (~secessio~) auf den heiligen -Berg errungen hatten, wieder zu verlieren. Damals nämlich wurde Rom -durch eine furchtbare Hungersnot heimgesucht. Der Senat hatte auswärts -Vorräte an Getreide aufkaufen lassen, und fast alle Senatoren waren -der Meinung, man solle dieses Getreide den Plebejern entweder umsonst -oder um einen sehr geringen Preis überlassen. Nur +C. Marcius+ stimmte -ihnen nicht bei. Dieser Marcius hatte durch seine Tapferkeit Corioli, -eine Stadt der den Römern benachbarten, aber immer feindlichen Volsker, -eingenommen und sich dadurch den Beinamen +Coriolanus+ erworben. Er war -ein erbitterter Gegner der Plebejer, denen er ihre neue Obrigkeit zu -entreißen suchte. Daher machte er jetzt im Senate den Vorschlag, man -solle dem Volke das Getreide nur unter +der+ Bedingung geben, daß es -seine Tribunen wieder abschaffe. - -Kaum hatte das Volk von diesem Vorschlage Kunde, als es in die größte -Wut geriet und den Coriolanus zerrissen hätte, wenn es die Tribunen -nicht gehindert hätten. Diese bestimmten darauf dem Coriolanus einen -Tag, wo er vor dem Gerichte des Volkes erscheinen und sich verantworten -sollte. Die Patrizier flehten um Gnade für ihn, er selbst aber zeigte -Trotz und Hohn und verachtete die Anklage. Als er jedoch sah, daß er -verurteilt werden würde, wartete er den Gerichtstag nicht ab, sondern -entfernte sich aus Rom. Das Volk verurteilte ihn, da er sich nicht zu -Gericht gestellt hatte, zu lebenslänglicher Verbannung. - -Coriolanus war nach Antium, einer Stadt der Volsker, gegangen, wo ihn -sein Gastfreund Attius Tullius bereitwillig aufnahm. Hier brachte er -es dahin, daß die Volsker gegen die ihnen verhaßten Römer aufs neue -zu den Waffen griffen. An der Spitze eines volskischen Heeres drang -Coriolanus bis in die Nähe von Rom und lagerte sich eine Meile weit -von der Stadt. Weit und breit verwüstete er die Güter der Plebejer, -verschonte aber die der Patrizier, entweder um seinen Haß gegen jene an -den Tag zu legen, oder um beide Parteien gegen einander aufzureizen. - -Rom befand sich in der größten Gefahr. Von außen wütete der Feind, -im Innern der Streit zwischen Volk und Senat. Endlich ward eine -Gesandtschaft der vornehmsten Patrizier an ihn abgeordnet, kehrte -aber unverrichteter Sache zurück. Dann wurden Priester mit allen -Zeichen ihrer Würde abgeschickt. Coriolanus empfing sie mit großer -Ehrerbietung, doch auch sie richteten nichts aus. Endlich gingen -+Vetúria+, die Mutter des Coriolanus, und dessen Gemahlin +Volúmnia+ -mit seinen Kindern nebst anderen römischen Matronen ins volskische -Lager. Als Coriolanus von ihrer Ankunft hörte, eilte er auf seine -Mutter zu, um sie zu umarmen. Allein Veturia wies seine Umarmung ab, -voll Zorn und Schmerz brach sie in laute und bittere Klagen aus über -des Sohnes frevelhaften Krieg, über des Vaterlandes Not und das eigene -Unglück die Mutter eines solchen Sohnes zu sein. Tief erschüttert gab -Coriolanus nach. „Mutter,“ rief er, „das Vaterland hast du gerettet, -aber deinen Sohn verloren!“ Er verließ mit dem Heer der Volsker das -römische Gebiet und kehrte nach Antium zurück. Dort soll er bald darauf -von dem erzürnten Volk erschlagen worden sein, nach einer anderen Sage -aber als Verbannter ein hohes Alter in der freudelosen Fremde erreicht -haben. - - - - -XI. - -Untergang der Fabier. - -(477 v. Chr.) - - -Auch nach dem Abzuge des Coriolanus hörten die inneren Kämpfe zwischen -Patriziern und Plebejern in Rom nicht auf; jene suchten ihre Vorrechte -unverkürzt zu behaupten, diese forderten, unter der Führung ihrer -Tribunen, immer lebhafter eine rechtliche Gleichstellung. Insbesondere -erbitterte es die Plebejer, daß alles Land, welches den besiegten -Feinden entrissen und Eigentum des römischen Volkes ward (~ager -publicus~ „Gemeinland“), ausschließlich den Patriziern gegen eine -geringe Abgabe in Erbpacht gegeben wurde. Gegen ihre billige Forderung, -daß der Vorteil aus solcher Kriegsbeute allen Bürgern gleichmäßig -zufallen sollte, sträubte sich besonders das adelstolze zahlreiche -Geschlecht der +Fabier+, und gegen sie war der Unwille des Volkes -vorzugsweise gerichtet. Sieben Jahre nach einander, von 485-479 v. Chr., -bekleidete jedesmal ein Fabier das Konsulat. Nun brach im Jahre 483 -ein Krieg mit +Veji+, einer benachbarten Stadt Etruriens, aus. In -den beiden ersten Jahren geschah nichts Erhebliches, aber im dritten -ereignete sich Schmachvolles. Das größtenteils aus Plebejern bestehende -Heer folgte seinem Feldherrn, dem +Käso Fabius+, mit Ingrimm; ihm zum -Trotze wich es im Kampfe, gab das Lager dem Feinde preis und floh in -größter Unordnung nach Rom. Da beschlossen die Fabier, ohnmächtig -gegen des Volkes Haß und Starrsinn, sich mit ihm auszusöhnen. So -gelobten die Soldaten dem +Marcus Fabius+ Gehorsam und Sieg; sein -Bruder +Quintus+ fiel in einer Schlacht gegen die Etrusker, und ebenso -der andere Konsul, aber Marcus trug einen glänzenden Sieg davon. Der -Senat bewilligte ihm einen Triumph, den er jedoch wegen des Todes -seines Bruders und seines Kollegen ablehnte. Die verwundeten Plebejer -verteilte er in die patrizischen Häuser, viele nahm sein eigenes -Geschlecht auf und verpflegte sie aufs beste. Seitdem waren die Fabier -des Volkes Lieblinge, und Käso Fabius wurde zum dritten Male Konsul. - -Dieser Mann forderte die Patrizier auf, einen Teil des jüngst -gewonnenen Gemeinlandes unter die armen Bürger zu verteilen, aber -vergeblich; er zog sich dadurch nur den Haß seiner Stammesgenossen -zu. Um so mehr vertrauten ihm die Plebejer. Noch immer dauerte der -Kampf mit den Vejentern fort, die, wenn ihnen gerade kein Heer -gegenüberstand, Streifzüge in das römische Gebiet unternahmen. Da -faßten Käso Fabius und sein ganzes Geschlecht den Entschluß mit ihren -Schützlingen und Anhängern (Klienten) die Vaterstadt zu verlassen und -für das Wohl des Staates auf eigene Hand den Grenzkrieg gegen Veji zu -übernehmen. Als sich die Kunde von diesem Entschlusse durch die Stadt -verbreitete, entstand ein allgemeiner Jubel, und das Volk erhob die -Fabier bis in den Himmel. Unter Gebeten und Segenswünschen zogen nun -die Fabier, 306 Helden, alle Patrizier, alle aus +einem+ Geschlecht, -jeder des Feldherrnamtes würdig, mit ihrem Gefolge von etwa 4000 -Männern, durch das carmentalische Tor bis an das Flüßchen +Crémera+, wo -sie sich niederließen und verschanzten (479 v. Chr.). - -Drei Jahre lang führten sie dort den Grenzkrieg gegen die Etrusker mit -Glück; die ganze vejentische Landschaft bis in die fernsten Winkel -wurde von ihren Streifzügen heimgesucht, und manches Treffen im offenen -Felde von ihnen gewonnen. Das Glück machte sie kühn und sicher, zuletzt -sorglos. Einst wurden Rinderherden unter schwacher Bedeckung an ihnen -vorbeigetrieben. Durch diese ließen sie sich auf eine Bergweide locken, -wo aus den Waldhöhen umher viele Tausende bewaffneter Feinde sich -verborgen hatten. Die Hüter des Viehes entflohen zum Schein; die Römer, -den Rindern nachjagend, zerstreuten sich und gerieten immer tiefer in -die verderbliche Talenge, als plötzlich von allen Seiten Schlachtruf -erscholl, und ein Hagel von Wurfgeschossen auf sie niederfiel. Die -Übermacht der Feinde umdrängte sie und immer enger ward der Kreis, in -den sie sich zusammenziehen mußten. Nachdem sie lange gegen den von -allen Seiten andringenden Feind gefochten hatten, wandten sie sich -endlich insgesamt in keilförmiger Aufstellung nach einer Richtung -hin und bahnten sich, durch die Macht ihrer Leiber und Waffen, den -Weg nach einer nahen Anhöhe. Hier bestanden sie den Kampf gegen die -nachstürmenden Feinde, bis diese auf einem Umweg den Gipfel des Berges -im Rücken der Römer erstiegen, von wo sie, Steinblöcke und Geschosse -hinabschleudernd, die Helden alle bis auf den letzten erschlugen. Der -Tag, an dem dies geschah, war der 18. Juli des Jahres 477 v. Chr. und -blieb im Andenken der Römer auf immer ein Unglückstag, der in stiller -Trauer begangen ward. Auch das carmentalische Tor, durch welches die -Fabier aus Rom gezogen waren, galt fortan für unheilbringend. Nur ein -Sprößling des Geschlechts, ein noch unmündiger Knabe, soll in Rom -zurückgeblieben sein, von dem das spätere fabische Geschlecht abstammte. - - - - -XII. - -Appius Claudius und die Decemvirn. - -(451-449 v. Chr.) - - -Die Römer hatten bis zu dieser Zeit noch keine geschriebenen Gesetze. -Die patrizischen Richter sprachen Recht nach altem Herkommen oder nach -Gutdünken, wobei sie sich oft Begünstigung ihrer Standesgenossen zum -Nachteile der Plebejer zuschulden kommen ließen. Um sich gegen solche -ungerechte Urteilssprüche zu sichern, setzten es die Plebejer unter -ihrem Tribunen +Terentilius Harsa+ durch, daß zu ihrem Schutze gegen -die Willkür der Patrizier +geschriebene Gesetze+ aufgestellt werden -sollten (453 v. Chr.). Nun wurden Gesandte in die griechischen Städte -Unteritaliens und nach Athen geschickt, um dort die weisesten Gesetze -zu sammeln. Nach ihrer Rückkehr wurde ein Ausschuß von zehn Männern -(~decemvirn~) ernannt, der aus diesen Gesetzen diejenigen auswählen -sollte, welche dem römischen Staate angemessen wären und zu gleicher -Zeit auf ein Jahr mit der unumschränkten Regierungsgewalt betraut, -sodaß alle anderen Obrigkeiten inzwischen aufhörten. Unter diesen -Zehnmännern oder +Decemvirn+ war +Appius Claudius+ der angesehenste und -einflußreichste. - -Die Decemvirn regierten anfangs zu völliger Zufriedenheit des -Volkes. Am Ende ihres Amtsjahres stellten sie auf zehn Tafeln eine -Reihe von Gesetzen auf, bezeigten aber keine Lust, nun auch ihr Amt -niederzulegen. Besonders wünschte der stolze Appius Claudius seine -Herrschaft noch fortzusetzen. Durch erheuchelte Milde und Leutseligkeit -hatte er das Volk für sich gewonnen und bewirkte ohne Mühe, daß die -Decemvirn auch für das folgende Jahr im Amte blieben. Am Schluß des -zweiten Jahres stellten sie noch zwei Gesetztafeln auf. Aber auch jetzt -legten die Decemvirn ihr Amt nicht nieder, sondern mißbrauchten es zu -Gewalttätigkeiten gegen das Volk, besonders gegen diejenigen Plebejer, -die ihrer Herrschaft gefährlich schienen. Nun geschah es, daß die -benachbarten Äquer und Sabiner in die römische Landschaft einbrachen -und die Decemvirn gegen sie zwei Heere ins Feld führen mußten. Beide -Heere wurden durch die Schuld der Krieger, welche absichtlich ihre -Pflicht versäumten aus Unwillen gegen die Decemvirn, geschlagen. Als -der erste Schreck vorüber war und von Rom Verstärkung anlangte, rückte -das eine Heer in das Gebiet der Sabiner vor. In diesem Heere befand -sich ein alter Hauptmann, +Siccius Dentatus+, der in vielen Schlachten -gefochten, acht Feinde im Zweikampfe erlegt und vierzehn Bürgern -im Kampf das Leben gerettet hatte, dessen Brust zahlreiche Narben -schmückten und dem eine Menge von Bürgerkränzen, goldenen Ketten, -Armbändern und anderen Ehrenzeichen als Lohn seiner Heldentaten zuteil -geworden waren. Dieser Mann, über die Gewaltherrschaft der Decemvirn -empört, forderte seine im Felde stehenden Mitbürger zu einer zweiten -Auswanderung nach dem heiligen Berg auf, um die verlorenen Rechte -wiederzugewinnen. Als die Decemvirn davon Kunde erhielten, beschlossen -sie seinen Tod. Sie sandten ihn, begleitet von einer Schar gedungener -Meuchelmörder, in die Umgegend, um den Platz für ein neues Lager zu -suchen. Diese überfielen in einem einsamen Hohlwege den ahnungslosen -Helden. Aber es ward ihnen schwer den gewaltigen Mann zu fällen, und -um seine Leiche lagen viele der Verräter, die er in seiner Notwehr -hingestreckt hatte. Die übrigen berichteten im Lager Siccius sei mit -einigen seiner Leute in einen Hinterhalt der Feinde geraten und tapfer -kämpfend gefallen. Man eilte hin, seine Leiche zu holen: da wurde -der Verrat offenbar, denn es lagen keine Feinde, sondern nur Römer -um ihn her. Das Heer drohte Aufstand und wollte die Leiche nach Rom -tragen, ließ sich aber für diesmal noch dadurch beschwichtigen, daß -die Decemvirn dem Gefallenen ein prächtiges Leichenbegängnis mit allen -kriegerischen Ehren anordneten. - -So nachteilig auch diese Tat für den Ruf der Decemvirn war, so -gelang es diesen doch sich in der Gewalt zu behaupten, bis endlich -der Frevelmut des Appius Claudius eine allgemeine Empörung gegen sie -veranlaßte. Appius hatte die schöne +Virginia+, die Tochter eines -Plebejers, des +Virginius+, und Braut des Icilius gesehen und strebte -nach ihrem Besitze. Anfangs suchte er sie durch lockende Versprechungen -zu gewinnen. Da ihm dies nicht gelang, so bewog er einen seiner -Klienten die Virginia für die Tochter seiner Sklavin auszugeben und als -sein Eigentum zurückzufordern. - -Ihr Vater Virginius stand im Lager, als der Klient die Virginia auf -offener Straße ergriff und vor den Richterstuhl des Appius Claudius -führte, von dem er sie sich nun als Eigentum zusprechen ließ. Auf das -Geschrei des um Hilfe stehenden Mädchens strömte eine Menge Volkes -herbei. Auch Icilius war herbeigeeilt, und nur mit Mühe vermochte er -den Appius zu bewegen, bis zur Ankunft des Vaters die Sache anstehen -und die Jungfrau in den Händen derer zu lassen, welche sich für sie -verbürgten. Alsbald schickte Appius heimlich einige Diener ins Lager -an die Decemvirn, die dort den Oberbefehl hatten, mit dem Auftrage, -sie sollten dem Virginius keinen Urlaub gewähren. Doch die Boten des -Icilius waren früher gekommen. Virginius hatte bereits Urlaub und war -auf dem Wege nach Rom. - -Am folgenden Tage erschien er vor dem Richterstuhle des Decemvirn -mit seiner Tochter, beide in Trauergewand, von vielen Matronen und -Freunden begleitet. Der ganze Marktplatz war von Menschen angefüllt, -die das traurige Schauspiel herbeigelockt hatte. Appius bestieg die -Richterbühne; sein Klient wiederholte seine Klage, und abermals wurde -die Jungfrau ihm als Eigentum zugesprochen. Als er sie ergreifen -wollte und der Vater ihn drohend abwies, die Umstehenden aber in ihrer -Entrüstung einen schützenden Kreis um Vater und Tochter schlossen, da -befahl Appius seinen mit Beilen bewehrten Amtsdienern, den Liktoren, -den Haufen zu sprengen und das Mädchen zu ergreifen, und bedrohte mit -schwerer Strafe alle diejenigen, die sich gestern und heute gegen -seine Richtergewalt gesträubt hätten. Dadurch eingeschüchtert wich die -Menge auseinander. Virginius aber, der keine Rettung mehr sah, bat -nur noch um die Gunst von seiner Tochter Abschied nehmen zu dürfen. -Dies ward ihm gewährt. Da führte er sie zu einer nahen Fleischerbude, -ergriff ein Messer und stieß es ihr in die Brust, indem er ausrief: -„Hiermit allein, mein Kind, kann ich deine Ehre retten!“ Darauf -wandte er sich gegen Appius und schrie: „Bei diesem Blute weihe ich -dein Haupt den Göttern der Unterwelt!“, bahnte sich mit dem Messer in -der Hand einen Weg durch das Gedränge und gelangte bis ans Tor, um -zurück ins Lager zu eilen. Icilius aber zeigte dem Volke den blutenden -Leichnam seiner Verlobten und forderte zum Sturz der Decemvirn auf; die -Liktoren des Appius wurden übermannt und er selbst floh mit verhülltem -Haupte in sein Haus. Auch im Lager brach der Aufruhr los. Das Volk -zog zum zweiten Male auf den heiligen Berg und kehrte erst dann nach -Rom zurück, als der Senat verordnete, daß die Decemvirn ihr Amt -niederlegen und wieder Konsuln an ihre Stelle treten sollten. - -Appius Claudius aber, der ruchloseste der Decemvirn, ward in den Kerker -geworfen und nahm sich dort selbst das Leben. - - - - -XIII. - -M. Furius Camillus. Einbruch der Gallier. - - -Nicht weit von Rom, auf etrurischem Gebiet, lag die mächtige Stadt -+Veji+, die mit den Römern seit lange in Fehde lag und schon oft -blutige Kämpfe geführt hatte. Nun geschah es, daß die Vejenter römische -Gesandte ermordeten, wofür die Römer Genugtuung verlangten und mit -neuem Kriege drohten. Im Vertrauen auf ihre Macht und die Festigkeit -ihrer Stadt nahmen ihn die Vejenter an, und es begann ein zehnjähriger -Kampf (405-396 v. Chr.), der mit der völligen Zerstörung der Stadt Veji -endete. Der Ruhm dieses Sieges gebührte dem Marcus +Furius Camillus+. - -Zehn Jahre lang ward die Stadt von den Römern belagert, aber nicht -ohne Unterbrechung. Ihr Heer zog gewöhnlich nur im Sommer und lagerte -einige Monate um die Stadt, die übrige Zeit begnügte es sich ihr durch -Streifzüge die Zufuhr abzuschneiden. Erst im zehnten Jahre schritt man -zu einer förmlichen Belagerung, wobei das römische Heer zum ersten Male -den Winter über im Felde blieb und die Mannschaften für ihren Unterhalt -einen Sold aus der Staatskasse erhielten. - -In diesem letzten Jahre aber erlitten die Römer eine so schwere -Niederlage, daß banges Zagen das Heer und auch die Bevölkerung Roms -ergriff, und man schon den Feind vor den Mauern erwartete. In dieser -Not ward +M. Furius Camillus+ zum Diktator gewählt. So hieß bei den -Römern der Beamte, den sie in Zeiten großer Bedrängnis ernannten, -und mit unumschränkter höchster Gewalt ausstatteten, um den Staat -zu retten, und mit dessen Ernennung die Amtsgewalt aller anderen -Obrigkeiten aufhörte. - -Camillus sammelte eine bedeutende Streitmacht und rückte, nach einem -glücklichen Treffen gegen die Falisker, welche auf Seite der Vejenter -standen, vor Veji, schloß die Stadt ein und erbaute rings umher -eine Reihe fester Schanzen. Auch ließ er einen unterirdischen Gang -graben, welcher in das Innere der Burg von Veji hineinführen sollte. -Tag und Nacht wurde ohne Unterlaß an diesen Werken gearbeitet; man -hoffte zuversichtlich, daß Vejis Untergang nahe sei. Unter vielen -anderen Wunderzeichen hatte es sich im Jahre vorher ereignet, daß der -Albanersee, südlich von Rom, im trockenen Hochsommer ungewöhnlich -anschwoll und die umliegende Landschaft überschwemmte. Man schickte -nach Delphi, um über die Bedeutung der seltsamen Erscheinung den -Gott zu befragen. Um Veji war um diese Zeit Waffenruhe, und die -Vorposten auf beiden Seiten führten Gespräche mit einander. So hörten -die Belagerten von dem Wunder des Sees, und ein etruskischer Seher -verkündigte, Veji sei nicht einzunehmen, so lange das Wasser nicht -abgeleitet sei. Bald nachher lud ein römischer Hauptmann den Wahrsager -zu sich, unter dem Vorwande, er wolle sich einige Zeichen, die ihn -allein beträfen, von ihm deuten lassen. Er kam, aber der starke -Hauptmann ergriff den schwachen Alten und schleppte ihn mit Gewalt -zu dem Feldherrn, der ihn nach Rom abführen ließ. Hier vor dem Senat -bekannte der Seher: „Die Schicksalsbücher von Veji verkünden, solange -der See überströme, könne Veji nicht eingenommen werden, und wenn sein -Wasser das Meer erreiche, werde Rom untergehen.“ Damit stimmte die -Antwort des delphischen Orakels überein. - -Nun wurde ein Kanal gegraben und das Wasser des Sees auf die Felder -geleitet. Vejis Untergang hielt man jetzt für so gewiß, daß Camillus, -ehe er die Stadt bestürmen ließ, den Senat befragte, wie er mit der -Beute verfahren solle. Der Senat beschloß, daß jeder, der daran -teilhaben wollte, ins Lager ziehen möge, und jung und alt strömte hin. -Als nun der unterirdische Gang in die Burg bis unter dem Boden des -Junotempels vollendet war, gelobte Camillus den Zehnten der Beute den -Göttern zu weihen, zur Göttin Juno aber betete er, sie möge den Siegern -nach Rom in ein prächtigeres Wohnhaus folgen. Zur bestimmten Stunde -wurde der Gang mit Kriegern gefüllt, die Camillus selbst anführte, -während das übrige Heer ringsum den Sturm auf die Mauern begann, wo -allein die Belagerten ihren Angriff erwarteten. Im Junotempel opferte -inzwischen der König der Vejenter, und der Seher erklärte, +der+ werde -siegen, welcher der Göttin das Opferfleisch zerlege. Kaum hörten dies -die Römer in dem Gange, so brachen sie aus demselben hervor, raubten -das Opferfleisch und trugen es zu dem Diktator. Zugleich verbreiteten -sich von der Burg aus die aus dem Gange Eingedrungenen in die Stadt, -um den Stürmenden die Tore zu öffnen. In allen Straßen wurde gekämpft -und unter den Einwohnern ein furchtbares Gemetzel angerichtet, bis der -Diktator verkünden ließ die Wehrlosen zu verschonen. Die dem Blutbade -entronnen waren, wurden als Sklaven verkauft, und so überschwänglich -war die übrige Beute, daß der Diktator, als er sie überschaute, mit gen -Himmel gehobenen Händen zu den Göttern gebetet haben soll, daß, wenn -ihnen dies Glück übergroß erschiene, das römische Volk nur mit einem -kleinen Unfall büßen möge. Bei der Rückkehr nach Rom feierte der Sieger -einen prächtigen Triumph, wobei er auf einem mit vier weißen Rossen -bespannten Wagen das Kapitol hinauffuhr. - -Auch die Stadt +Falerii+, die es mit den Vejentern gehalten hatte, -unterwarf Camillus der Botmäßigkeit der Römer. Zwar trotzten anfangs -die Einwohner, die Falisker, auf die Festigkeit ihrer auf steilen -Felsen gelegenen Stadt vertrauend, und die Belagerung zog sich in -die Länge; bis der hochherzige Sinn, den Camillus hier zu zeigen -Gelegenheit hatte, die Falisker zur Unterwerfung geneigt machte. -Eines Tages nämlich führte ein Schulmeister eine Schar Kinder aus -den vornehmsten Familien der Stadt, wie zur Friedenszeit, zu einem -Spaziergange aus der Stadt und zog mit ihnen weit vor die Mauern, bis -er zu den Vorposten der Feinde und an das Zelt des Camillus kam. „Diese -Knaben sind die Söhne der vornehmsten Bewohner der Stadt. Behalte sie -als Geiseln, so bringst du ihre Stadt ohne weitern Kampf in deine -Gewalt.“ So sprach der Arglistige, in Hoffnung auf einen großen Lohn. -Aber der hochgesinnte Römer ließ dem verräterischen Lehrer die Hände -auf den Rücken binden und übergab ihn den Kindern, die ihn unter -Rutenschlägen in die Stadt zurücktrieben. Diese Ehrlichkeit des Feindes -verwandelte den Haß der Falisker in Bewunderung; sie suchten und fanden -in Rom einen billigen Frieden. - -In den folgenden Jahren verlor indes der um Rom so hochverdiente Mann -die Gunst des Volkes. Ja, ein Volkstribun klagte ihn an einen Teil der -vejentischen Beute unterschlagen zu haben. Verlassen von Freunden und -Klienten, ging er in die Verbannung, mit dem Gebete an die Götter, -daß, wenn man ihm Unrecht tue, bald eine Zeit kommen möge, wo das -Vaterland seiner bedürfe. Sein Wunsch ging bald in Erfüllung, wie die -folgende Geschichte lehrt. - - -Aus den Ländern jenseits der Alpen hatten sich nicht lange vor dieser -Zeit zahlreiche Schwärme des großen +keltischen+ oder +gallischen+ -Volkes in Bewegung gesetzt, um in den fruchtbaren Gefilden der -apenninischen Halbinsel neue Wohnsitze zu erobern. Sie besetzten die -vom Padus (Po) durchströmte reiche Landschaft zwischen den Alpen -und dem Apennin, welche dann nach ihnen ~Gallia cisalpina~ (Gallien -diesseits der Alpen) genannt und damals noch nicht als zu Italien -gehörig betrachtet wurde. Aber mit dieser Eroberung nicht zufrieden, -drangen sie bald in neuen Scharen unter König +Brennus+ über das -Gebirge südwärts in das Land der Etrurier ein, und belagerten dort -die Stadt Clusium, wo einst Porsenna geherrscht hatte. Die Clusinier -baten in ihrer Bedrängnis die Römer um Hilfe, und diese ordneten drei -Gesandte ab, welche den Galliern mit Krieg drohten, wofern sie nicht -das von ihnen ohne alles Recht besetzte Gebiet räumten. Aber die -Gallier antworteten: „Zum ersten Male hören wir den Namen der Römer -und halten sie für tapfere Männer; unser Recht jedoch beruht auf -unsern Waffen, alles gehört den Tapfern!“ Die Gesandten nahmen darauf -sogar an dem Kampfe gegen die Gallier teil und töteten dabei einen -ihrer Heerführer. Für diese Verletzung des Völkerrechts forderten -die Gallier Genugtuung und drangen, da sie ihnen verweigert ward, -gegen Rom vor. Am Flüßchen +Allia+ stießen sie auf das römische Heer, -das sie in ihrer großen Überzahl und ihrer ungewohnten stürmischen -Angriffsweise in jähe Flucht warfen und mit solchem Schreck erfüllten, -daß ein großer Teil der Flüchtlinge nicht nach Rom, sondern nach dem -näheren Veji und anderen Orten sich rettete. In Rom selbst geriet alles -in die größte Bestürzung und Verwirrung. Man fand es unmöglich die -Stadt gegen den vorrückenden Feind zu verteidigen und beschloß sie zu -verlassen. Nur das Kapitol blieb besetzt; der Senat und etwa tausend -Krieger waren entschlossen diese heilige Tempelburg gegen die Barbaren -zu verteidigen. Das übrige Volk, darunter auch die Vestalinnen und -Priester mit den Heiligtümern, die sie mit sich nehmen konnten, flohen -nach dem seit seiner Eroberung verlassenen und leeren Veji und in -andre benachbarte Städte. In der Angst und Verwirrung schloß man nicht -einmal die Tore. Nur die ältesten Senatoren blieben unten in der Stadt -zurück; geschmückt mit den Zeichen ihrer Würde, saßen sie auf ihren -Amtssesseln auf dem Markte, des Todes durch Feindeshand gewärtig. - -Nicht lange, so erschienen die ersten Gallier vor den Mauern. Da sie -die Tore der Stadt offen und unverteidigt fanden, fürchteten sie -anfangs einen Hinterhalt. Endlich aber wagten sie sich mit aller -Vorsicht hinein. Da fanden sie niemanden als jene alten ehrwürdigen -Senatoren, die still und unbeweglich auf ihren Stühlen saßen. Ihr -Anblick flößte zugleich Furcht und Verwunderung ein, sodaß sie -anfänglich von den Galliern für die Bildsäulen der Schutzgötter Roms -gehalten wurden. Erst nach einiger Zeit trat ein kühner Gallier an -einen der ältesten, Marcus Papirius, heran und zupfte ihn am Barte, um -zu sehen, ob er lebte. Erzürnt hob Papirius sein elfenbeinernes Szepter -und schlug damit den Gallier aufs Haupt. Da fielen die Gallier über die -Greise her und töteten sie alle. Hiernach verbreiteten sie sich über -die ganze Stadt, schleppten alle Beute heraus und steckten die Häuser -in Brand. Das ganze Rom, mit Ausnahme des Kapitols, ging in Flammen auf -(389 v. Chr.). - -Während nun Brennus mit seinen Galliern das Kapitol belagerte, um -die Besatzung auszuhungern, unternahm ein anderer Teil seines Heeres -einen Streifzug, um Lebensmittel zu holen. Diese Schar kam in die -Nähe von Ardea, wo Camillus in der Verbannung lebte. Eilig sammelte -er die Ardeaten und überfiel mit ihnen die Gallier, von denen viele -niedergemacht wurden, die übrigen sich in wilder Flucht zerstreuten. -Durch diesen Erfolg ermutigt, beschloß das nach Veji geflüchtete -Volk den Camillus aus der Verbannung zu rufen und zum Diktator zu -ernennen. Dazu war die Zustimmung des Senats nötig, der sich auf dem -Kapitol befand. Um die Genehmigung einzuholen, erbot sich ein kühner -Jüngling, +Pontius Cominius+. Nachts schwamm er die Tiber hinab, betrat -nahe am Kapitol das Ufer, erkletterte die steile Burghöhe und kam, -nachdem er seinen Auftrag ausgerichtet, unbemerkt wieder durch die -Posten der Feinde hindurch. Am andern Morgen entdeckten die Gallier -aus den Fußspuren den Weg, wo jener hinauf- und herabgekommen war, -und beschlossen, auf demselben einen Versuch auf die Burg zu machen. -In einer mondhellen Nacht, als alles auf dem Kapitole schlief, kamen -sie in tiefster Stille, da selbst die Hunde oben sich nicht regten, -bis an den Rand der Höhe, als plötzlich das Schnattern der Gänse, -die im Heiligtum der Juno gehalten wurden, den +M. Manlius+ aus dem -Schlafe weckte. Eiligst lief er der unbewachten Stelle zu und stieß den -vordersten Gallier, der eben den äußersten Felsenrand erklommen hatte, -in die Tiefe. Sein Sturz riß auch alle ihm Nachfolgenden hinab. So -wurde die Burg gerettet. Manlius ward von allen gepriesen und belohnt, -die achtlosen Wächter aber zur Strafe über die Felsen in die Tiefe -gestürzt. - -Schon währte die Belagerung bis in den sechsten Monat, und der Mangel -an Nahrung nahm auf der Burg mit jedem Tage zu; schon zwang der Hunger -selbst das Leder von den Schuhen und Schilden zu verzehren, und noch -immer erschien Camillus nicht zum Ersatz. Aber auch von den Galliern -wurden viele durch Seuchen weggerafft. Unter solchen Umständen wurden -beide Teile zum Frieden geneigt. Brennus versprach die Stadt und ihr -Gebiet zu verlassen, wenn man ihm tausend Pfund Goldes zahle. Als es -hierzu gewogen werden sollte, ließ Brennus falsches Gewicht anwenden, -und auf die Beschwerde der Römer warf er sein Schwert und Wehrgehäng -auf die Wagschale und rief: „Wehe den Besiegten!“ In diesem Augenblicke -kam die Nachricht, daß Camillus mit dem Heere von Veji heranziehe, -und als er zur Stelle war, erklärte er den ohne seine, des Diktators, -Genehmigung geschlossenen Vertrag für ungültig, hieß die Römer das Gold -wegtragen, die Gallier aber sich zur Schlacht bereiten: mit Eisen, -nicht mit Golde wolle er seine Vaterstadt befreien. In zwei Schlachten -schlug er die Gallier und vernichtete sie bis auf den letzten Mann. -Brennus wurde gefangen und hingerichtet, wobei man ihm die Worte: -„Wehe den Besiegten!“ höhnend wiedergab. Camillus zog triumphierend in -die Stadt zurück; das Volk nannte ihn Romulus und pries ihn als Roms -zweiten Gründer. - -Aber die wiedergewonnene Stadt war, mit Ausnahme des Kapitols, eine -öde Brandstätte. Viele der Bürger wünschten nach Veji zu ziehen und -sich in den leerstehenden Häusern anzusiedeln; Camillus und der Rat -widerrieten. Eines Tages war der Senat versammelt, als gerade ein -Hauptmann eine Rotte Krieger über das Forum führte und ihnen zurief: -„Halt, hier bleiben wir am besten!“ Dies Wort nahmen die Senatoren -für eine glückliche Vorbedeutung; das Volk gab seinen Beifall, und -der Wiederaufbau der Stadt wurde beschlossen. Aber noch lange nachher -ließen die engen und unregelmäßigen Straßen erkennen, mit welcher Eile -der Neubau geschehen war. - -Camillus führte noch mehrere glückliche Kriege gegen benachbarte -Völker. Bei einem neuen Einfall der Gallier übernahm er in einem Alter -von achtzig Jahren noch immer die Diktatur und schlug die Feinde -abermals. Kurz darauf raffte ihn die Pest hinweg. Er hatte im ganzen -vier Triumphzüge gefeiert und fünfmal die Diktatur bekleidet. - - - - -XIV. - -Titus Manlius Torquatus. Marcus Valerius Corvus. -- M. Curtius. - - -Nach der Vertreibung der Gallier gerieten die Römer noch öfters mit -ihnen in Krieg, weil immer neue Schwärme ihre Einfälle in das römische -Gebiet wiederholten. In diesen Kämpfen zeichneten sich unter allen -+Titus Manlius+ und +Marcus Valerius+ durch Heldenmut und Heldentaten -aus. - -Einst trat aus den Reihen der Gallier ein riesiger Streiter in -prunkender Rüstung hervor und forderte den tapfersten Römer zum -Zweikampf heraus. Da kein anderer Römer die Herausforderung anzunehmen -wagte, erklärte sich Titus Manlius dazu bereit. Mit Genehmigung des -Diktators trat er dem prahlenden Gallier entgegen, und der Kampf begann -im Angesicht beider Heere. Mit wuchtigen Hieben seines gewaltigen -Schwertes fiel der Riese auf den viel kleineren Römer, aber dieser wich -gewandt zur Seite, drang dann dicht an den Leib und hinter den großen -Schild des Gegners und durchbohrte ihm mit seinem kleinen Schwerte die -Weichen, daß er totwund niederfiel. Weil er dem so erlegten Feinde den -aus Draht gewundenen Halsring (~torques~), den jener nach gallischer -Sitte trug, abnahm und selber als Siegeszeichen anlegte, bekam er den -Beinamen +Torquatus+. Die Gallier aber wurden durch diesen Ausgang -des Zweikampfes so mutlos, daß sie in der folgenden Nacht ihr Lager -verließen und nach Campanien abzogen. - -Ein ganz ähnlicher Vorfall ereignete sich bei einem späteren Einbruche -der Gallier in das römische Gebiet. Beide Heere hatten sich in einer -sehr sumpfigen Gegend gelagert, und keines wollte das andere zuerst -angreifen. Auch hier trat ein gallischer Krieger hervor und forderte -den tapfersten Römer zum Kampfe. Diesmal nahm ihn +Marcus Valerius+ an -und bestand ihn, wie es heißt, unter dem besonderen Schutze der Götter. -Denn gleich beim Anfang des Kampfes setzte sich ein Rabe auf den Helm -des Valerius, der dies für eine gute Vorbedeutung ansah. Während des -Kampfes blendete der Rabe den Gallier durch seinen Flügelschlag und -hackte nach ihm mit seinen Krallen. Dadurch wurde dieser so außer -Fassung gebracht, daß ihn der Römer mit leichter Mühe erlegte. Um den -Leib des getöteten Galliers entstand ein allgemeiner Kampf der beiden -Heere, in welchem die Gallier geschlagen wurden. Valerius aber erhielt -von diesem Vorfall den Beinamen Corvus (Rabe). - -Im Jahre 362 v. Chr. soll mitten auf dem Forum, wahrscheinlich durch -ein Erdbeben, ein tiefer und breiter Spalt im Boden entstanden sein, -den man vergeblich auszufüllen versuchte; denn alle Erdmassen, die man -hineinschüttete, verschwanden spurlos in der Tiefe. Da erklärten die -Weissager, er werde sich nur schließen, wenn Rom das Kostbarste, was -es habe, hineinwerfe. Alsbald trat, wie die Sage berichtet, +Marcus -Curtius+, ein junger berühmter Krieger, in vollem Waffenschmuck hervor, -mahnte die Römer, daß Waffen und tapferer Mut Roms beste Kleinode -seien, und weihte sich selbst den Göttern der Unterwelt als Opfer. -Darauf schwang er sich auf sein Schlachtroß und sprang in den Abgrund, -während das Volk, Männer und Frauen, Früchte und andere Gaben ihm -nachwarfen. Und sofort schloß sich der Abgrund über ihm. - - - - -XV. - -Die Tribunen Licinius und Sextius. Gleichstellung der Plebs. - - -Obschon sich die Plebejer durch die Auswanderung auf den heiligen -Berg das Recht, Tribunen als ihre Schützer und Vertreter zu wählen, -erzwungen hatten, so blieben doch die Patrizier noch immer im Besitze -bedeutender Vorrechte. Namentlich konnten zu den höheren Ämtern nur -Patrizier gewählt werden, obgleich doch schon viele plebejische -Familien an Reichtum und Ansehen hinter keiner patrizischen mehr -zurückstanden, und in den häufigen Kriegen zahlreiche plebejische -Führer sich durch Tapferkeit und Einsicht hervorgetan hatten. Um den -immer dringenderen Forderungen der Plebs auf Anteil an der Regierung -auszuweichen, hatte man schon Jahre hindurch an Stelle der Konsuln -sogenannte Kriegstribunen gewählt, aber selbst dieses den Plebejern -zugängliche Amt war meist den patrizischen Bewerbern zugefallen. Dieser -lange erbitterte Streit endete damit, daß immer der eine von den beiden -Konsuln aus den Plebejern gewählt werden sollte. Die beiden Tribunen -+Licinius Stolo+ und +Lucius Sextius+ waren es, welche den Plebejern -dieses Recht erwarben. Der Hergang wird in folgender Weise erzählt. - -Der vornehme Patrizier Fabius Ambustus hatte zwei Töchter, von denen -die eine mit einem Patrizier, die jüngere mit dem Plebejer Licinius -Stolo vermählt war. Einst besuchte die Frau des Licinius, als dieser -Volkstribun war, ihre Schwester, deren patrizischer Gatte damals einer -der Kriegstribunen war, als sie plötzlich erschrocken zusammenfuhr: die -Trabanten des Kriegstribunen, die sogenannten Liktoren, hatten durch -Schläge auf das Tor seine Heimkehr verkündigt. Sie verriet dadurch, daß -ihr dieser Gebrauch nicht bekannt war, und mußte den Spott der älteren, -vornehmeren Schwester über diese Unkenntnis ertragen. Aber sie konnte -es nicht verwinden, daß sie der Schwester an Stand und Ehre soweit -nachstehen sollte, und ruhte fortan nicht, bis ihr Gatte und selbst der -Vater ihr versprachen, sie würden alles aufbieten, daß ihrem Hause und -Stande die gleiche Ehre zuteil werde. - -Nun brachte Licinius zusammen mit Sextius den Antrag vor das Volk, daß -der eine der beiden Konsuln immer aus den Plebejern gewählt werden -solle. Diesen Vorschlag bekämpften die Patrizier aus allen Kräften, und -bestachen von den zehn Tribunen die acht übrigen, damit diese durch -ihren Einspruch den ganzen Antrag vereiteln sollten. Aber Licinius -und Sextius hielten fest zusammen und hinderten ihrerseits durch ihre -Einsprache die Wahl aller höheren Obrigkeiten fünf Jahre hindurch, -während sie selbst vom Volk immer wieder von neuem zu Tribunen gewählt -wurden. Mit der Zeit wurde der Widerstand der Patrizier schwächer, da -es ihnen nicht mehr gelang die übrigen Tribunen durch Bestechungen für -sich zu gewinnen. Endlich, nach einem zehnjährigen Kampfe (376 bis 367 -v. Chr.), wurde der Antrag zum Gesetz erhoben. Von da an waren auch die -Plebejer zum Konsulat berechtigt, und Lucius Sextius, der mit Licinius -so beharrlich um das Recht gestritten hatte, ging aus der Wahl als der -erste plebejische Konsul hervor (366). - -Doch nicht bloß dieses, sondern noch ein anderes Recht setzten die -beiden Tribunen für die Plebejer durch. Bis dahin hatten sich nämlich -die Patrizier allein das Recht angemaßt, das Gemeinland des Staates, -das durch die fortdauernde Unterwerfung italischer Gemeinden immer -größer geworden war, in billiger Erbpacht zu erhalten. Zugleich mit -seinem Antrage über das Konsulat brachte deshalb Licinius auch das -Gesetz durch, daß kein Patrizier mehr als 500 Morgen des Gemeinlandes -besitzen, das übrige aber in Teilen von je sieben Morgen an arme -Plebejer verteilt werden sollte. - -Durch diese Gesetze, welche die Gleichstellung der Plebejer mit den -Patriziern sehr beförderten, erwarben sich die beiden Tribunen ein -großes Verdienst um den römischen Staat, der nur durch vollkommene -Einheit und Eintracht der beiden Stände zu jener Größe und Macht sich -entwickeln konnte, die ihm in der Folgezeit zur Weltherrschaft verhalf. -Denn auch zu den drei übrigen höheren Ämtern, welche zum Eintritt in -den Senat befähigten, wurden die Plebejer nach und nach zugelassen. Das -waren 1. die +Prätur+, die im Jahre 366 von dem Konsulat abgetrennt -wurde. Die Prätoren, anfangs nur einer, später bis acht, leiteten die -Gerichte und vertraten die abwesenden Konsuln. 2. Die +Ädilen+ übten -die Aufsicht über Handel, Verkehr, Straßen- und Staatsbauten. 3. -Die +Quästoren+ verwalteten, als Gehilfen der Konsuln und Prätoren, -die Einnahmen und Ausgaben des Staates. Alle diese Beamten wurden -nur auf je ein Jahr gewählt. Außerdem wurden alle fünf Jahre aus -den angesehensten früheren Konsuln, den Konsularen, zwei +Zensoren+ -gewählt, denen es oblag die Listen der drei Bürgerklassen (Senatoren, -Ritter, Bürger) zu prüfen und festzustellen, das Einkommen der Bürger -einzuschätzen, und damit zugleich eine Oberaufsicht über das sittliche -Verhalten jedes einzelnen zu üben und Unwürdige durch Ausstoßung aus -ihrer Klasse zu bestrafen. Hatten sie diese Schätzung und Musterung -der Bürger (~census~, daher ihr Name ~censōres~) beendigt, so legten -sie ihr Amt nieder. Aus den Familien aber, deren Angehörige eines der -hohen Ämter bekleidet hatten, bildete sich mit der Zeit, an Stelle des -Patriziats, das ein Geschlechts- oder Geburtsadel gewesen, eine neue -Adelsklasse, die einen Dienst- oder Amtsadel darstellte. - - - - -XVI. - -Die zwei ersten Samniterkriege. -- P. Decius. -- Papirius Cursor. -- -Der Samniter Pontius. - - -Nachdem sich die Römer ganz Latium und die Nachbarstädte im sabinischen -und etrurischen Lande untertänig gemacht und die Kämpfe mit den -Schwärmen der Gallier siegreich bestanden hatten, gerieten sie in -einen langen und wechselvollen Krieg mit dem stammverwandten, großen -und streitbaren Bergvolk der Samniter. Diese waren aus ihren rauhen -Bergtälern in die fruchtbaren Gefilde Campaniens vorgedrungen, um sich -dort festzusetzen. Die Stadt der Sidiciner, Teānum, von ihnen hart -bedrängt, wandte sich an die mächtigste Stadt Campaniens, Capua, um -Hilfe, und diese hinwieder rief den Beistand der Römer an. So kam es -zwischen den Samnitern und Römern zu einem Kampf, der, mit mehrjährigen -Unterbrechungen, über fünfzig Jahre, von 343-290 v. Chr. dauerte. - -In dem ersten Kriege gegen die Samniter (343-340) zogen zwei Heere -unter den beiden Konsuln +M. Valerius Corvus+ und +A. Cornelius Cossus+ -ins Feld, von denen das eine den Marsch nach Campanien nahm, das andere -bestimmt war in Samnium selbst einzurücken. Valerius schlug sein -Lager in der Nähe der griechischen Seestadt Cumä, am Berge +Gaurus+, -auf, und kampflustig rückte ihm der Feind entgegen. In der Schlacht -standen seine Reihen unerschüttert und wiesen alle Stürme der Römer -zurück. Schon war der Tag weit vorgerückt, als der Konsul selbst an der -Spitze seines Heeres mit einem letzten ungestümen Angriff die Samniter -endlich zum Weichen brachte. Auf der Flucht wurden viele erschlagen und -gefangen, bis die Nacht der Verfolgung ein Ende machte. - -Inzwischen war das Heer des andern Konsuls in große Not geraten. Von -der Grenze Samniums führte Cornelius Cossus sein Heer über die Gebirge -auf einem Wege, der nach der Stadt Beneventum lief. Nirgends zeigten -sich Feinde, und die Römer wurden sorglos. So kamen sie durch einen Paß -in eine tiefe Talschlucht, wo die Samniter die Höhen ringsum besetzt -hatten. Doch nicht eher gewahrte man sie, als bis schon der Rückweg -abgeschnitten war. In dieser Gefahr erbot sich der Kriegstribun P. -Decius mit den beiden ersten Schlachtreihen einer Legion, 1600 Mann, -einen Gipfel zu besetzen, der den Weg, aus dem die Samniter vordrangen, -beherrschte. Es gelang ihm denselben vor dem Feinde zu erreichen. Von -hieraus griff er diese an und zog ihren Angriff auf sich, sodaß das -übrige Heer den Bergpaß wieder erreichen und in einiger Entfernung von -da eine bessere Stellung nehmen konnte. Decius behauptete sich indessen -mit den Seinen in unaufhörlichem Gefecht bis in die Nacht. Während sich -nun die Samniter um die Höhe lagerten und sich dem Schlafe überließen, -machte sich der kleine Haufe der Römer nach der zweiten Nachtwache -in aller Stille auf, um sich einen Weg zu ihrem Heere zu bahnen. Sie -waren schon in der Samniter Mitte, als einer von ihnen an einen Schild -stieß und dieses Geräusch die zunächst liegenden Samniter aufweckte. -Allein ehe die schlaftrunkenen und verwirrten Feinde sich zu gehörigem -Widerstande geordnet hatten, gelang es den Römern zu entrinnen. In der -Nähe des römischen Lagers ließ Decius sie Halt machen, bis es tage; -denn es gezieme sich nicht, daß so tapfere Männer unter dem Dunkel der -Nacht ins Lager einrückten. Auf die Kunde, daß die, welche sich für -die Rettung aller dem Tode dargeboten, wohlerhalten und in der Nähe -wären, zog ihnen fast das ganze Heer aus dem Lager entgegen. Unter -allgemeinem Jubel rückte die tapfere Schar ins Lager. Als dort der -Konsul anhub ihm eine Lobrede zu halten, unterbrach ihn Decius mit der -Mahnung lieber sofort den Feind zu überraschen, bevor er sich von dem -nächtlichen Schrecken erholt und in sein festes Lager zurückgezogen -hätte. Und so geschah es. Ungesäumt wurden die Legionen über die Berge -geführt, die Feinde zerstreut, verfolgt und alle, die sich in ihr -Lager gerettet, niedergehauen und das Lager geplündert. Decius erhielt -als Belohnung von dem Konsul einen goldenen Kranz, hundert Rinder und -einen weißen Stier mit vergoldeten Hörnern; seine Leute empfingen -auf immer doppelte Portionen, jeder zwei Mäntel und einen Ochsen. -Das Heer überreichte dem Decius einen aus Gras gewundenen Kranz, den -gewöhnlichen Ehrenlohn dessen, der eine Schar aus Feindes Gewalt und -Belagerung befreit hatte. - -Ein nochmaliger Sieg des Valerius bei +Suéssula+ führte den Frieden -herbei, in dem die Römer Campanien behielten. Aber nach Beendigung -eines Kampfes mit den Latinern (s. XVII) veranlaßte die Anlage -einer römischen Kolonie in der Grenzstadt +Fregellä+ den zweiten -Samniterkrieg (326-304). - -Im vierten Jahre dieses Krieges hatten die Römer, da die Zahl der -Feinde sich durch den Beitritt mehrerer Stämme im Süden Italiens -vermehrt hatte, den +Papirius Cursor+ zum Diktator gewählt. Allein -abergläubische Furcht hielt den Fortgang seiner Unternehmungen auf. -Da man glaubte, daß bei der feierlichen Wahl des Diktators ein Fehler -vorgekommen sei, so eilte Papirius nach Rom, um sie von neuem anstellen -zu lassen, befahl aber seinem Unterfeldherrn, dem Reiterobersten -(~magister equitum~) +Fabius Rullianus+ während seiner Abwesenheit -ruhig im Lager zu bleiben. Allein durch Ehrgeiz und Kampflust -angetrieben, lieferte dieser dennoch den Samnitern ein Treffen, und das -Glück war ihm so günstig, daß er den Feinden eine schwere Niederlage -beibrachte. Alle freuten sich dieses Sieges. Als aber der Diktator ins -Lager zurückkehrte, ließ er sogleich die Legionen zusammenberufen und -den Fabius vor sich fordern. Vergebens suchte sich dieser wegen seines -Ungehorsams zu verteidigen. Der Diktator befahl ihn zu entkleiden und -hinzurichten. Aber Fabius entfloh den Händen des Liktors, der ihn -ergriffen hatte, und barg sich unter die Haufen der umherstehenden -Krieger. Es entstand ein lautes Murren; die Befehle des Diktators -wurden nicht mehr gehört, und der Tumult dauerte, bis die anbrechende -Nacht die Versammlung zu entlassen nötigte. In der Nacht floh Fabius -aus Furcht vor der unerbittlichen Strenge des Diktators nach Rom. Auf -Betreiben seines Vaters, eines sehr angesehenen Mannes, wurde sogleich -der Senat berufen. Hier klagte er über die Härte des Diktators und -beschwor den Senat das Leben seines Sohnes zu retten. Dieser war dazu -geneigt, aber er vermochte es nicht. Denn plötzlich erschien der -Diktator selbst in seiner Mitte, fest entschlossen den Ungehorsam -seines Untergebenen kraft seines Amtes nach Kriegsrecht zu bestrafen. -Umsonst baten ihn alle Senatoren um Milde. Papirius befahl den Fabius -zu ergreifen. Nun blieb dem alten Fabius nur noch ein Ausweg übrig: er -wandte sich an die Versammlung der Volksgemeinde. Dies war zwar eine -gesetzwidrige Handlung, denn gegen die Entscheidung des Diktators gab -es keine Berufung (~provocatio~) an das Volk. Gleichwohl gestattete sie -Papirius. Er ging in die Versammlung und zeigte dem Volke, wie nötig es -sei die Strenge der Kriegszucht aufrecht zu halten und die Amtsgewalt -des Diktators unverletzt zu wahren. Obschon nun das Volk geneigt -war, den Fabius zu retten, konnte es doch das Recht des Diktators -nicht mißachten. Es wagte daher keine Entscheidung, sondern legte nur -seine Fürbitte für das Leben des Reiterobersten ein. Eben dies taten -auch seine Verwandten, indem sie sich zu den Füßen des Diktators -niederwarfen. Da erst ließ Papirius Milde walten. Nachdem er das -Ansehen des Oberbefehls vor Senat und Volk behauptet hatte, konnte er -den Ungehorsam verzeihen, nicht weil er mußte, sondern weil er wollte. -Und er tat es zur Freude des ganzen Volkes. - - -In demselben Kriege erlitten die Römer unter der Anführung des -+Veturius Calvinus+ und +Spurius Postumius+ in den caudinischen -Engpässen eine bittere Schmach (321). Beide Konsuln lagerten bei -Calatia in Campanien. Darauf gründete +Gavius Pontius+, der Feldherr -der Samniter, einen Kriegsplan. Er ließ das Gerücht verbreiten, daß er -jenseits des Gebirges die Stadt Lucéria, eine von den Römern in Apulien -angelegte Festung, belagere. Um dieser wichtigen Stadt schleunige Hilfe -zu leisten, schlugen die Konsuln den kürzesten Weg ein, der durch -die caudinischen Pässe führte. So nannte man ein tiefes Wiesental, -nicht weit von Caudium, einer Stadt der Samniter, das rings von hohen -bewaldeten Bergzügen eingeschlossen war und nur einen schmalen Eingang -und Ausgang hatte. Um dieses Tal herum hatte Pontius sein Heer in den -Wäldern versteckt, und ohne Arges zu ahnen, gingen die unvorsichtigen -Konsuln in die ihnen gelegte Falle. - -In langem Zuge rückten die Legionen mit allem Troß durch das Tal -hin zum jenseitigen Ausgang, fanden ihn aber mit gefällten Bäumen -und vorgewälzten mächtigen Felsblöcken verschlossen. In demselben -Augenblick bemerkten sie, daß die Höhen ringsum von bewaffneten -Samnitern wimmelten, welche die Anrückenden hohnlachend erwarteten. -Sie kehrten daher eilig zurück, aber nun war auch schon der Eingang -von den Samnitern besetzt. In dieser verzweiflungsvollen Lage schlugen -die Römer, 20000 Mann stark, ein enges dürftiges Lager auf. Ein -Versuch sich durchzuschlagen mißlang; ihre Not ward von Tag zu Tag -größer; endlich zwang sie der Hunger Gesandte an den samnitischen -Heerführer Pontius zu schicken und um Frieden zu bitten. Pontius ließ -seinen Vater, einen wegen seiner Einsicht und Erfahrung hochgeachteten -Greis, um Rat fragen. Dieser antwortete: „Laßt alle Römer frei und -ungekränkt abziehen.“ Pontius, verwundert über diese Antwort, glaubte, -daß der Bote falsch gehört hätte. Er schickte daher zum zweiten Male -an seinen Vater. Jetzt gab der Alte die Antwort: „Tötet alle Römer -ohne Unterschied.“ Niemand verstand den Sinn dieser so verschiedenen -Bescheide. Pontius ließ daher seinen Vater selbst herbeiholen. Nun -gab der Greis die Gründe seiner Ratschläge an: „Ihr müßt“, sagte er, -„entweder alle Römer töten, um ihre Kraft auf lange Zeit zu schwächen, -oder ihr müßt sie alle schonen, um durch solche Großmut ihren Dank und -Freundschaft zu gewinnen.“ Aber Pontius verwarf beides und wählte einen -Mittelweg. Er ließ den Römern durch ihre Gesandten erwidern: Rom solle -Frieden schließen, ganz Samnium räumen, die dort angelegten Kolonien -aufgeben, das Heer aber Mann für Mann waffenlos durchs Joch gehen und -sechshundert aus dem Ritterstande als Geiseln stellen. - -Über diese schimpflichen Vorschläge gerieten die Römer in die größte -Bestürzung. Keiner wagte zur Annahme zu raten, und doch konnten sie in -ihrer äußerst bedrängten Lage nicht länger ausharren. Sie mußten sich -darein fügen; die Konsuln und die Führer der Kohorten bestätigten den -Friedensvertrag mit ihrem Eide. Entwaffnet und halb entkleidet gingen -erst sechshundert Ritter, die als Geiseln ausgeliefert werden mußten, -dann die Konsuln und Hauptleute, endlich die übrigen Mannschaften -unter dem Joch, das durch einen quer über zwei Ständer gelegten Speer -gebildet wurde, hindurch. Es war der größte Schimpf, der einem freien -Kriegsmann angetan werden konnte; denn er erniedrigte die Freien zum -Knecht. Mit Hohn und Spott schauten die ringsum aufgestellten Samniter -diesem Vorgange zu. Waffen, Pferde, Knechte, alle Habe außer dem -Kleide, das jeder trug, blieben dem Sieger. Voll Scham und stiller Wut -zogen die Römer über Capua, wo sie liebreich aufgenommen wurden, nach -Rom, das sie erst im Dunkel der Nacht zu betreten wagten. Der römische -Senat aber bestätigte den geschlossenen Vertrag nicht; er beschloß, daß -alle, die den Frieden beschworen hatten, den Samnitern ausgeliefert -werden sollten. Damit glaubte er aller Verbindlichkeit, den Frieden zu -halten, überhoben zu sein. Es wurden also die beiden Konsuln und die -anderen, welche den Vertrag geschlossen hatten, gefesselt nach Caudium -vor den Amtsstuhl des Pontius geführt. Dieser jedoch lehnte ihre -Annahme ab, indem er sagte: „Entweder muß das römische Heer, das sich -in der Gewalt der Samniter befunden hat, in seine vorige Lage zwischen -den Bergpässen zurückkehren, oder das römische Volk muß den Frieden -halten.“ Zugleich ließ er den Überlieferten die Fesseln lösen und -schickte sie unverletzt nach Rom zurück. Hier rüstete man in Eile ein -neues Heer, das im zweitfolgenden Jahre (319), unter der Führung des -bewährten Papirius Cursor, nach dem von den Samnitern eroberten Luceria -vordrang, dem samnitischen Heere eine schwere Niederlage beibrachte, -Luceria und die dort verwahrten römischen Geiseln zurückgewann, und die -samnitische Besatzung nun ebenfalls durchs Joch gehen ließ. So löschten -die Römer ihre Schande in blutiger Wiedervergeltung aus. - - - - -XVII. - -Der Krieg mit den Latinern und der dritte Samniterkrieg. Titus Manlius. -Die beiden Decius Mus. - - -Gleich nach Beendigung des ersten Samniterkrieges, im Jahre 340, brach -ein Kampf zwischen den Römern und den ihnen seit alters verbündeten -Latinern aus. Die Latiner hatten Gesandte nach Rom geschickt und -verlangten, daß fortan die Hälfte des Senats und der eine Konsul aus -ihnen gewählt und alle latinischen Städte in die volle Gemeinschaft -des römischen Staates aufgenommen werden sollten. Solche Forderung -erschien dem römischen Senate als freche Anmaßung, und der Konsul T. -Manlius rief den Jupiter, in dessen Tempel die Sitzung stattfand, zum -Zeugen der schmachvollen Zumutung an. Da soll der latinische Gesandte -Annius dem römischen Jupiter Trotz und Hohn geboten, aber sofort auch -des Gottes Zorn erfahren haben. Denn als er die Stufen des Tempels -hinabeilte, strauchelte er, fiel hinab und lag in Ohnmacht. Kaum -entgingen die Gesandten der Wut des Volkes. Der Senat aber beschloß den -Krieg gegen die Latiner. - -Die Konsuln +Titus Manlius+ und +Decius Mūs+ zogen mit zwei Heeren -ins Feld. Am Fuß des Vesuvius kam er zur entscheidenden Schlacht. Als -die Heere einander gegenüber standen, verkündeten die Konsuln, bei -Todesstrafe sollte sich kein Römer bei den Vorposten in ein Gefecht -einlassen. Doch der eigene Sohn des Manlius handelte dem Befehle -zuwider. Abgeschickt mit einem Geschwader Reiter, um die Feinde zu -beobachten, begegnete er einem tusculanischen Befehlshaber, der ihn -zum Zweikampf forderte. Um dem Vorwurf der Feigheit zu entgehen, nahm -Manlius den Kampf an und hatte das Glück den Gegner zu erlegen und ihn -seiner Waffen zu berauben. Frohlockend kehrte er als Sieger ins Lager -zurück. Allein sein Vater ließ diese Verletzung der Kriegszucht nicht -ungeahndet: er ließ den eigenen Sohn im Angesichte des ganzen Heeres -durch den Liktor enthaupten. - -Vor der Schlacht am Vesuv sahen beide Konsuln zu gleicher Zeit im -Traume eine übermenschliche Gestalt, welche ihnen verkündete, daß -von dem einen der kämpfenden Heere einer der Führer, das andere Heer -aber ganz den Todesgöttern und der Mutter Erde verfallen sei. Sie -kamen deshalb überein, daß derjenige von ihnen, dessen Flügel zuerst -weichen würde, sich selber und damit zugleich das feindliche Heer den -unterirdischen Göttern weihen sollte. Bald nach dem Anfang der Schlacht -ward der linke Flügel, den Decius Mus befehligte, zurückgedrängt. -Da rief dieser einen Priester herbei, der ihm den Spruch vorsagte, -mit dem er, über einem Schwerte stehend und das Haupt verhüllt, sein -Leben den Göttern der Unterwelt weihte. Dann bestieg er von neuem sein -Schlachtroß und stürzte sich mitten in die Feinde, Tod und Verderben -um sich her verbreitend, bis er von Geschossen durchbohrt niedersank. -Diese heldenmütige Aufopferung belebte seine Truppen mit neuem Mut; sie -stellten sich aufs neue dem Feinde entgegen und erfochten endlich durch -die geschickte Führung des Manlius einen vollständigen Sieg. Noch -zwei Jahre widerstanden die Latiner; dann mußten sie sich den harten -Friedensbedingungen Roms unterwerfen (338). - -Wie damals Decius Mus, der Vater, so weihte sich sein Sohn +Publius -Decius+, im dritten samnitischen Kriege (298-290), den Todesgöttern. -In der Schlacht bei +Sentinum+ (295) hatte er schon zweimal die -Reitergeschwader der Gallier, die mit den Samnitern verbunden waren, -zurückgeworfen, als diese einen dritten Angriff mit ihren Streitwagen -machten, und durch das Ungewöhnliche der Kampfart die Römer in -Schrecken und Verwirrung brachten. Da ließ Publius Decius durch den -Priester sich und die Feinde den Todesgöttern weihen. Nachdem er -die Weihung in derselben Weise, wie sein Vater in der Schlacht am -Vesuv, erhalten hatte, fügte er noch die Fluchformel hinzu: „Vor -mir her treibe ich Angst und Flucht, Mord und Blutvergießen, der -himmlischen und der unteren Götter Zorn. Todesgrausen bringe ich auf -die Feldzeichen, auf Wehr und Waffen der Feinde. Ein und derselbe Ort -soll mein und der Feinde Grab sein!“ Darauf spornte er sein Roß in -die dichtesten Scharen der Feinde und fiel unter ihren Geschossen. -Ihm nach die Römer mit neuem Mute, und die Schlacht endigte mit der -vollständigen Niederlage des Feindes. - - - - -XVIII. - -Pyrrhus, König von Epirus. - - -Schon hatten die Römer die mächtigsten Völker Italiens unterjocht; -Etrusker, Latiner, Campaner, Samniter und viele andere Völkerschaften -standen unter ihrer Herrschaft, als sie in Kampf gerieten mit der -griechischen Stadt Tarent, in Unteritalien, die sich durch Schiffahrt, -Handel und Kunstfleiß zu Reichtum und Macht emporgeschwungen hatte. - -Zwischen Römern und Tarentinern bestand ein alter Vertrag, der den -Römern nicht gestattete über das lacinische Vorgebirge in Unteritalien -hinauszusegeln. Als nun einst eine römische Flotte durch einen Sturm -über dieses Vorgebirge hinaus in den Hafen von Tarent getrieben wurde, -erklärten dies die Tarentiner für einen Friedensbruch. Sie saßen gerade -im Theater, von dem man die Aussicht auf das Meer hatte, und bemerkten -die heraufsegelnden Schiffe. Von einem Redner aufgehetzt, eilte eine -Menge bewaffnet auf ihre Schiffe und machte auf die unvorbereiteten -römischen Fahrzeuge einen Angriff. Vier Schiffe wurden versenkt, der -Anführer und die Mannschaft ermordet. Für diesen blutigen Friedensbruch -forderte der römische Senat Genugtuung; aber seine Gesandten, in -das Theater vor das versammelte Volk geführt, wurden mit Spott und -Hohn empfangen. Ihr Führer Postumius redete in griechischer Sprache -zur Menge, ohne daß diese auf den Inhalt seiner Worte achtete, aber -so oft er einen Fehler gegen die Aussprache beging, lachte das Volk -laut auf und schalt ihn einen Barbaren. Ein gemeiner Possenreißer -drängte sich an ihn und besudelte sein Gewand. Postumius zeigte dem -Volke das beschmutzte Gewand, und neues Hohngelächter erhob sich. Da -sprach der Gesandte: „Lacht, so lange ihr mögt, ihr werdet auch lange -genug weinen!“ Als das Volk heftig dagegen schrie, rief Postumius: -„Damit ihr euch noch mehr erzürnt, so sage ich euch, dies Gewand wird -in Strömen eures Blutes rein gewaschen werden.“ Kurze Zeit darauf -begannen die Römer den Krieg. Da aber die Tarentiner ein weichliches, -unkriegerisches Volk waren, so riefen sie +Pyrrhus+, den König von -Epirus, zu Hilfe. Dieser kriegskundige und kampfliebende Fürst, der -sein Geschlecht von dem vielgefeierten Helden Achilleus ableitete, -wurde von seinem unruhigen Geiste immer zu neuen Kriegsfahrten und -Abenteuern getrieben und strebte ein zweiter Alexander der Große zu -werden. Er ging daher gern auf den Antrag der Tarentiner ein. - - -Im Frühling des Jahres 281 setzte Pyrrhus mit einem kriegsgeübten -Söldnerheere von 22000 Mann zu Fuß, 3000 Reitern und 20 zum Kriege -abgerichteten Elefanten nach Italien über. Zwar verlor er bei der -Überfahrt durch einen Sturm einen Teil seiner Schiffe und Mannschaft; -aber in Tarent angelangt, begann er alsbald mit großer Umsicht den -Kampf gegen das mächtige Rom zu rüsten. Er hoffte alle unterworfenen -Stämme Italiens unter seiner Fahne zu vereinigen. Zunächst führte er -in dem an üppiges Leben gewöhnten Tarent ein strenges kriegerisches -Regiment ein, was ihn bei den Bürgern keineswegs beliebt machte. Er hob -die tüchtigsten von ihnen für den Kriegsdienst aus und untersagte ihnen -Gelage und sonstige Lustbarkeiten. - -Die erste Schlacht mit den Römern erfolgte bei +Heraklea+ in Lucanien -(280). Als Pyrrhus vorher das Lager der Römer betrachtete, soll er -ausgerufen haben: „Die Lagerordnung dieser Barbaren ist durchaus nicht -barbarisch; bald werden wir auch ihre Taten kennen lernen.“ Die heiße -Schlacht, welche nun entbrannte, in der dem König selbst ein Roß unter -dem Leibe getötet ward, wurde endlich durch den Ungestüm der auf die -Römer eindringenden Elefanten zum Vorteil des Pyrrhus entschieden. -Als er das Schlachtfeld in Augenschein nahm und die Leichen der Römer -betrachtete, die alle mit Wunden auf der Brust dalagen, soll er gesagt -haben: „Mit solchen Kriegern wäre die Welt mein, und sie gehörte den -Römern, wenn ich ihr Feldherr wäre!“ Auch ließ er ihre Toten zusammen -mit den seinigen bestatten; den Gefangenen bot er an unter ihm zu -dienen, und als sie sich weigerten, behandelte er sie dennoch mit -großer Milde. - -Obschon der König den Sieg errungen hatte, sandte er doch den +Kineas+, -einen Mann von großer Klugheit und Beredsamkeit, nach Rom, um die Römer -zum Frieden zu stimmen. Dieser bot alle Kraft seiner Rede auf; der -Senat war schwankend und verbrachte mehrere Tage mit Beratungen. Da -ließ sich der alte blinde +Appius Claudius+, der seit Jahren den Senat -nicht mehr besucht hatte, auf einer Sänfte in den Senat tragen, wo er -die Ratsherren wegen ihrer Unschlüssigkeit und Neigung zum Frieden -heftig anließ. „Bis heute,“ sagte er, „habe ich immer den Verlust -meiner Augen beklagt, jetzt aber wünsche ich auch noch taub zu sein, -um so Unwürdiges nicht hören zu müssen.“ Da schlug die Strömung um. -Dem Kineas wurde befohlen, die Stadt zu verlassen und seinem König -zu sagen, daß an Frieden und Freundschaft mit ihm nicht zu denken -sei, bevor er nicht Italien verlassen hätte. Erstaunt über so stolze -Antwort der Besiegten, soll der König den Kineas gefragt haben, welchen -Eindruck die Stadt Rom und der Senat auf ihn gemacht hätten. „Mir -erschien“, antwortete jener, „die Stadt gleichwie ein Tempel, der Senat -aber gleich einer Versammlung von Königen.“ - -Nach der Schlacht bei Heraklea war Pyrrhus bis in die Nähe von Rom -vorgedrungen, zog sich dann aber, ohne einen Angriff auf die Stadt zu -wagen, wieder nach Tarent zurück. Um diese Zeit schickten die Römer -drei Gesandte zu ihm, um über eine Auswechselung der Gefangenen zu -unterhandeln, unter ihnen den +Gajus Fabricius Luscínus+, einen zwar -armen, aber stolzen und unbeugsamen Senator. Der König empfing die -Gesandten sehr freundlich und hoffte, daß sie ihn um Frieden bitten -würden; doch sie sprachen nur von der Auslösung der Gefangenen. Dieses -Begehren schlug er ihnen zwar ab, unterredete sich aber insgeheim -mit Fabricius, den er seiner Armut wegen zu bestechen hoffte. Allein -der Römer wies des Königs Versprechungen und Geschenke mit stolzer -Verachtung zurück. Am folgenden Tage gedachte Pyrrhus seinen Mut auf -eine Probe zu stellen. Er verbarg seinen größten Elefanten hinter einem -Vorhang des Zeltes, worin er den Römer empfing. Auf ein gegebenes -Zeichen mußte das ungeheure Tier ein Gebrüll erheben und seinen -Rüssel über den Kopf des Fabricius ausstrecken. Aber Fabricius blieb -unerschüttert. Lächelnd sagte er zum König: „So wenig mich gestern dein -Gold verlockt hat, so wenig schreckt mich heute dein Tier.“ Erfüllt -von Bewunderung eines so reinen und so unerschrockenen Charakters, und -um ihm einen Beweis seiner Hochachtung zu geben, gewährte der König -allen Gefangenen einen Urlaub, um nach Rom zu gehen und dort das Fest -der Saturnalien zu feiern. Wenn der Senat seine Friedensbedingungen -annehme, sollten sie frei sein, wo nicht, so sollten sie geloben, in -die Gefangenschaft zurückzukehren. Und keiner von ihnen blieb aus, als -der Senat die Bedingungen verworfen hatte. - -Auch die zweite Schlacht bei +Askulum+ in Apulien (279) gewann Pyrrhus, -erlitt aber so starke Verluste, daß er denen, welche ihm zu seinem -Siege Glück wünschten, erwiderte: „Noch einen solchen Sieg, und ich bin -verloren!“ Abermals sandte er den Kineas nach Rom, um über den Frieden -zu unterhandeln, und mit ihm alle Gefangenen reichlich beschenkt und -bekleidet. Aber vergeblich machte dieser bei angesehenen Männern und -Frauen die Runde und bot Geschenke von Gold und kostbarem Schmuck, um -die Gemüter für den Frieden zu stimmen. Der Senat beharrte bei dem -Entschlusse nicht eher mit Pyrrhus zu unterhandeln, als bis er Italien -verlassen hätte. - -Im folgenden Jahre (278) gab Gajus Fabricius als Konsul abermals einen -Beweis seines edlen Sinnes. Er erhielt eines Tages einen Brief vom -Leibarzte des Königs, worin sich dieser erbot gegen eine ansehnliche -Belohnung seinen Herrn zu vergiften. Aber Fabricius, voll Abscheu über -solchen Verrat, entdeckte die Sache dem König. Über diese Redlichkeit -erstaunt, rief Pyrrhus aus: „Es ist schwerer den Fabricius von seiner -Rechtschaffenheit abzubringen, als die Sonne von ihrem Laufe!“ Sogleich -gab er alle römischen Gefangenen, die er noch hatte, ohne Lösegeld -frei, und die Römer, um sich nicht an Großmut übertreffen zu lassen, -schickten ihm ebenso viele Gefangene zurück. - -Da Pyrrhus keine Hoffnung mehr hatte den Krieg auf eine für ihn -rühmliche Weise zu beendigen, so war ihm eine Einladung der -Syrakusaner, die ihn gegen die Karthager zu Hilfe riefen, sehr -willkommen. Auch in Sizilien war er anfangs glücklich; zuletzt aber -nahm der Krieg eine für ihn so ungünstige Wendung, daß er auf den Ruf -der Tarentiner gern nach Italien zurückkehrte (276). - -Damals führte +Curius Dentatus+ den Oberbefehl über das römische Heer. -Dieser Mann war ein vollkommenes Muster von Mäßigkeit und freiwilliger -Armut. Einst kamen Gesandte der Samniter zu ihm, um ihn durch eine -große Geldsumme für ihre Sache günstig zu stimmen. Sie fanden ihn, als -er gerade am Herde saß und sich selbst sein Rübengericht bereitete. -Trotz seiner Armut wies er das Angebot zurück, indem er sagte, es sei -angenehmer über solche, welche Gold besäßen, zu herrschen, als es -selbst zu besitzen. Nur zwei Reitknechte begleiteten ihn ins Feld, -und seine Töchter mußten auf Staatskosten ausgestattet werden. Diesem -Feldherrn gelang es endlich den Pyrrhus zu schlagen und aus Italien zu -vertreiben. Er hatte bei +Beneventum+ eine feste Stellung eingenommen, -als ihn Pyrrhus angriff (275). Diesmal ließen sich die Römer durch die -Elefanten nicht schrecken. Sie empfingen die anrennenden Ungetüme mit -Brandpfeilen, wodurch diese gereizt und verwirrt sich rückwärts auf die -Reihen der Feinde warfen und in völlige Unordnung brachten. Damit war -der Sieg der Römer entschieden. Das Lager des Königs mit vieler Beute, -darunter vier Elefanten, fiel in ihre Hände. Jetzt mußte sich Pyrrhus -entschließen Italien zu verlassen; er kehrte mit wenigen Reitern nach -Tarent zurück und schiffte bald nachher nach Epirus über. - -Sein unruhiger, kampflustiger Sinn trieb ihn bald in neue Kriege. Einst -drang er bei dunkler Nacht in die Stadt Argos im Peloponnes ein; da -ward er im Straßenkampf von einem Stein, den eine alte Frau auf ihn -schleuderte, tödlich getroffen (272). In dem Jahre seines Todes mußte -sich Tarent an die Römer ergeben. Nachdem diese in den nächsten Jahren -auch das übrige Süditalien sich unterworfen hatten, waren sie die -Herren der ganzen Halbinsel bis nordwärts zum Gebiet der Gallier. - - - - -XIX. - -=Der erste punische Krieg= (264-241). - -Gajus Duilius. M. Atilius Regulus. - - -Kaum war ganz Italien der Herrschaft der Römer untertan, so kamen sie -mit den Karthagern auf Sizilien in feindliche Berührung. Auf dieser -Insel hatten sich seit zwanzig Jahren campanische Söldner, die sogen. -Mamertiner (Marsmänner), die vorher dem Fürsten von Syrakus gedient -hatten, der Stadt Messāna bemächtigt und sich dort sowohl gegen die -Syrakusaner, wie gegen die Karthager, die beiden Herren der Insel, -behauptet. Diese baten nun, von den Karthagern hart bedrängt, in Rom um -Hilfe, und der Senat beschloß sie zu gewähren. So wurde denn das erste -römische Heer auf schlechten Fahrzeugen nach Sizilien übergesetzt, und -es entbrannte der langwierige und blutige Krieg, der, weil er gegen die -Karthager oder Punier geführt ward, der +erste punische Krieg+ genannt -wird. - -Im Fortgange dieses Kampfes, den die Römer zunächst auf Sizilien mit -großem Erfolge begonnen hatten, erkannten sie doch bald das Bedürfnis -einer Seemacht, und mit bewundernswürdiger Raschheit erbauten sie -in sechzig Tagen eine Flotte von 100 größeren und 20 kleineren -Schiffen, wobei ihnen ein gestrandetes karthagisches Kriegsschiff zum -Muster diente. Den Oberbefehl über die Flotte erhielten die Konsuln -+Gajus Duilius+ und +Cornelius Scipio+. Da diese einsahen, daß ihre -Schiffe mit der noch ungeübten Mannschaft von den feindlichen an -Geschwindigkeit der Bewegungen übertroffen wurden, so versuchten sie -diesen Nachteil dadurch auszugleichen, daß sie Enterbrücken an ihren -Schiffen anbrachten. Auf jedem Schiff nämlich ward vorn ein 24 Fuß -hoher Mast aufgerichtet und an dessen Fuß eine drehbare, 36 Fuß lange -und 4 Fuß breite Leiter befestigt, die man mittels eines Taues am Mast -emporzog und, sobald man einem feindlichen Schiffe nahe genug gekommen -war, niederfallen ließ, wobei sie mit ihrer hakenförmigen eisernen -Spitze in das feindliche Verdeck einschlug, und so eine Brücke bildete, -auf der die Besatzung hinüber gelangen und dort wie zu Lande kämpfen -konnte. - -Nachdem die römische Flotte mit dieser Vorrichtung versehen und, -nach einem glücklichen Treffen mit einem feindlichen Geschwader, in -Messana eingelaufen war, ging sie, unter dem Konsul +Duilius+ -- der -andere war mit den ersten Schiffen, die er in See geführt, von den -Puniern überrascht und gefangen worden -- der karthagischen Flotte, -die von Pánormos (heute Palermo) heranfuhr, kühnlich entgegen. Bei -Mylä, nordwestlich von Messana, trafen sich die beiden Flotten. Sobald -die Punier ihrer Gegner ansichtig wurden, gingen sie ihnen in solcher -Siegeszuversicht entgegen, daß sie nicht einmal eine Schlachtordnung -bildeten. Fünfzig ihrer Schiffe, darunter das des Admirals, wurden von -den Enterhaken ergriffen und gewonnen oder versenkt, die übrigen zur -Flucht genötigt (260). Der siegreiche Konsul feierte unter großem Jubel -des Volkes seinen Triumph wegen der ersten gewonnenen Seeschlacht. -Auch wurde ihm für sein ganzes Leben die Auszeichnung bewilligt, daß -er sich abends, wenn er von Gastmählern heimkehrte, mit einer Fackel -vorleuchten und von einem Flötenspieler begleiten lassen durfte, -was damals noch keinem Römer gestattet war. Auf dem Forum ward eine -marmorne, mit den Schnäbeln der eroberten Schiffe verzierte Denksäule -aufgestellt, deren Reste noch jetzt erhalten sind. - -Im weiteren Verlaufe des Krieges zeichnete sich der Konsul +Marcus -Atilius Régulus+ durch Kühnheit und seltene Charakterstärke in Glück -und Unglück aus. Nachdem er beim Berge Eknŏmos an der Südküste von -Sizilien die Karthager geschlagen hatte (256), setzte er nach Afrika -über, um die Feinde in ihrem eigenen Lande zu bekriegen. Er landete -glücklich und drang siegreich vor. Er eroberte viele feindliche Städte -und bedrängte die Karthager so sehr, daß sie Frieden geschlossen -haben würden, wenn nicht die Bedingungen des Regulus zu hart gewesen -wären. Als die Gesandten um mildere Bedingungen flehten, antwortete -er ihnen, sie sollten siegen oder den Siegern gehorchen, und an den -römischen Senat schrieb er: „Ich habe die Tore Karthagos mit Schrecken -versiegelt.“ - -Aber plötzlich änderte sich die Lage der Dinge. +Xánthippus+, ein -erfahrener griechischer Heerführer, war den Karthagern von Sparta aus -zu Hilfe gekommen, und diesem gelang es, das Kriegsglück Karthagos -einigermaßen wieder herzustellen. In einem hartnäckigen Treffen bei -Tunes (255) überwand er den Regulus, nahm ihn gefangen und führte ihn -nach Karthago, wo er fünf Jahre lang im Kerker schmachten mußte. - -Mittlerweile wurde der Krieg zwischen Rom und Karthago mit -abwechselndem Glücke fortgesetzt, bis endlich die erschöpften -Karthager den Frieden wünschten. In der Person des Regulus glaubten -sie einen passenden Vermittler zu besitzen. Sie schickten ihn daher -nach Rom, um über den Frieden zu verhandeln, vorher aber ließen sie -ihn schwören, daß er zurückkehren werde, wenn er nicht imstande wäre, -den Frieden herbeizuführen. Regulus kam nach Rom und trug dem Senat -seinen Auftrag vor. Aber weit entfernt davon, dem Senat zum Frieden zu -raten, riet er vielmehr das Gegenteil. Er verwarf den Frieden, weil -Karthago jetzt schon so geschwächt wäre, daß es bald gänzlich zugrunde -gerichtet werden könnte. Der Senat billigte diese Meinung, wünschte -aber zugleich den hochgesinnten Mann zu retten. Allein dieser gedachte -seines Eidschwures. Vergebens baten ihn seine Freunde zu bleiben, -vergebens sprachen ihn die Priester von seinem Eide los. Ja, er vermied -sogar seine Frau und seine Kinder zu sehen, um nicht von ihren Tränen -erweicht zu werden. Er kehrte, getreu seiner Eidpflicht, nach Karthago -zurück. - -Als die Karthager hörten, daß Regulus selbst gegen ihre Aufträge -gesprochen hatte, wurden sie äußerst aufgebracht und töteten ihn, -wie später in Rom erzählt wurde, durch die schrecklichsten Martern. -Sie schnitten ihm zuerst die Augenlider ab, warfen ihn so in einen -finsteren Kerker und führten ihn dann in die Sonne. Hierauf legten -sie ihn in einen hölzernen Kasten, der mit scharfen Nägeln inwendig -ausgeschlagen war, und ließen ihn darin langsam sterben. Es ist -jedoch wahrscheinlich, daß dies alles eine Erdichtung der Römer war, -die dadurch ihre eigenen Grausamkeiten zu beschönigen, oder ihren -unversöhnlichen Haß gegen Karthago zu rechtfertigen suchten. - -Der Krieg zwischen Rom und Karthago dauerte hiernach noch neun Jahre. -In dieser Zeit hatten die Karthager einen ausgezeichneten Feldherrn an -+Hámilkar+ mit dem Beinamen +Barkas+ („Blitz“), der sich im Nordwesten -Siziliens sieben Jahre lang gegen alle Anstrengungen der Römer -siegreich behauptete, bis der Seesieg des +Lutatius Cátulus+ bei den -+ägatischen+ Inseln die erschöpften Karthager zum Frieden zwang (241). -Sie traten Sizilien ab, welches die erste römische Provinz ward, und -zahlten 3200 Talente Silber (13½ Millionen Mark). - - - - -XX. - -=Der zweite punische Krieg= (219-201). - -Hannibal. - - -1. Hannibals erstes Auftreten. - -Während bald darauf die Römer mitten im Frieden das erschöpfte -Karthago zur Abtretung von Sardinien und Corsica nötigten, dann -die seeräuberischen Illyrier und die Gallier im Gebiete des Po zu -unterwerfen begannen, hatte Hamilkar Barkas in Karthago die Empörung -der unbezahlten Söldnerhaufen zu dämpfen, die den karthagischen -Staat dem Untergange nahe brachte. Nach Beendigung dieses Kampfes -ging Hamilkar, ein unversöhnlicher Feind der Römer, nach Hispanien -(Spanien), um durch die großen Hilfsmittel dieser damals noch freien -und von den kriegerischen Stämmen der Ibēren bevölkerten Halbinsel -seiner Vaterstadt wieder aufzuhelfen und neue Kräfte gegen Rom zu -gewinnen. Als er im Begriff war abzureisen, bat ihn Hannibal, sein -Sohn, ein Knabe von neun Jahren, ihn auf diesem Zuge begleiten zu -dürfen. Der Vater versprach es und suchte zugleich das Herz seines -Sohnes mit unaustilgbarem Hasse gegen Rom zu erfüllen. Er führte -ihn vor den Altar, auf welchem er eben opferte. Alle Zeugen wurden -entfernt, dann hieß er seinen Sohn den Altar umfassen und schwören, daß -er zeitlebens ein Feind der Römer sein wolle. Das tat Hannibal, und nie -ist ein Schwur treuer gehalten worden. - -Neun Jahre focht Hamilkar in Spanien mit glücklichem Erfolg, unterwarf -sich einen großen Teil der Einwohner mit Gewalt oder Klugheit, und -gründete dort eine Herrschaft, welche den Verlust der Inseln reichlich -ersetzte. Nachdem er in einer Schlacht gefallen war, übernahm sein -Eidam +Hásdrubal+ den Oberbefehl. Dieser setzte die kriegerischen -Unternehmungen mit großem Glücke fort und gab dem neuerworbenen Lande -in der von ihm gegründeten Stadt Neukarthago (heute Cartagena) eine -trefflich gelegene Hauptstadt. Die Römer wurden über diese Fortschritte -so besorgt, daß sie in einem Vertrage mit Hasdrubal den Fluß Ibērus -(Ebro) als Grenze der karthagischen Eroberungen feststellten und die -griechischen Handelsplätze, darunter die Stadt Saguntum (nördlich von -Valencia), in ihren Schutz nahmen. - -Hannibal war nach des Vaters Tode nach Karthago zurückgekehrt; -Hasdrubal ließ ihn wieder zu sich kommen und vollendete seine -kriegerische Erziehung. Acht Jahre hatte Hasdrubal den Oberbefehl in -Spanien geführt, als er von einem Eingeborenen ermordet wurde. Jetzt -rief das Heer den jungen Hannibal als Feldherrn aus, und Senat und Volk -zu Karthago bestätigten die Wahl. - -Im Lager aufgezogen, war Hannibal der Liebling des Heeres; die alten -Krieger sahen in ihm des Vaters Ebenbild. Wenn eine Unternehmung Mut -und Ausdauer erforderte, stellte schon Hasdrubal ihn am liebsten an -die Spitze, und unter keinem Führer hatten die Krieger mehr Vertrauen -und Siegeszuversicht. Mit der größten Kühnheit ging er in Gefahren, -mit der größten Besonnenheit benahm er sich mitten in denselben, durch -keine Beschwerde konnte sein Körper ermüdet, sein Geist gebeugt werden, -Hitze und Kälte ertrug er mit gleicher Ausdauer, in Speise und Trank -war er mäßig, und zum Schlafe gönnte er sich nur die Zeit, die ihm -die Geschäfte übrig ließen. Dazu bedurfte er keines weichen Lagers, -noch der Stille der Nacht, oft sahen ihn seine Krieger, nur mit einem -kurzen Feldmantel bedeckt, zwischen den Wachen und Posten auf dem Boden -liegen. Seine Kleidung war von der seiner Waffengenossen in nichts -unterschieden, nur Waffen und Rosse kündigten den Feldherrn an. Er war -bei weitem der beste Reiter, wie der beste Fußgänger. Als vorderster -ging er ins Treffen, als letzter kehrte er zurück. Unerschöpflich in -klugen Anschlägen, stets wohl unterrichtet von den Plänen der Feinde, -fand er in jeder Not und Gefahr einen rettenden Ausweg. Einer der -größten Feldherren aller Zeiten, ein weitschauender Staatsmann, ein -tapferer Krieger, ließ er sich im Glück nicht zum Übermut verleiten, -und trug er das Unglück mit zäher Geduld und festem Sinn. Milde lag -nicht in seiner Art; hart und grausam gegen die Feinde, scheute er -keine Arglist und Untreue, wenn sein Vorteil dazu riet. - -Er war erst 28 Jahre alt, als er an die Spitze des hispanischen Heeres -trat (221 v. Chr.). Sofort entschloß er sich mit Rom zu brechen. - -Hasdrubal hatte den Vertrag mit den Römern, die Stadt +Saguntum+ nicht -anzugreifen, treulich gehalten. Hannibal kümmerte sich nicht darum, -sondern schritt alsbald zu ihrer Belagerung. Als die Römer von der -Bedrängnis der mit ihnen verbündeten Stadt hörten, ordneten sie eine -Gesandtschaft an Hannibal ab, um ihn an den Vertrag zu erinnern. Der -aber ließ sie gar nicht ins Lager, sondern befahl sie zu bescheiden, -daß er mitten im Kampfe keine Zeit habe Gesandtschaften anzuhören. -Ebenso erfolglos war die Gesandtschaft in Karthago. Inzwischen -erfuhren die Saguntiner alle Schrecken einer Belagerung. Unter -dem heldenmütigsten Widerstand der Einwohner und erst nach einer -achtmonatlichen Einschließung und Bestürmung konnte Hannibal sich der -Stadt bemächtigen (219). Als den Saguntinern alle Hoffnung geschwunden -war, hatten die Vornehmsten alles Silber und Gold aus ihren Häusern auf -dem Markt auf einen brennenden Scheiterhaufen geworfen und sich dann -selber hinein gestürzt. Alle Wehrhaften wurden getötet, viele hatten -sich mit Weib und Kind in ihre Häuser verschlossen und diese in Brand -gesteckt. Alle übrigen wurden in die Knechtschaft verkauft (219). - -Als die Kunde von dem schrecklichen Untergang der ihrem Schutze -anvertrauten Stadt nach Rom kam, war die Entrüstung über solchen -Friedensbruch unbeschreiblich. Sofort ging eine Gesandtschaft nach -Karthago, an deren Spitze +Quintus Fabius+ stand. Sie sollte die -Auslieferung des vertragsbrüchigen Feldherrn fordern, oder, wenn diese -verweigert würde, den Krieg ankündigen. Der karthagische Senat, in -zwei Parteien geteilt, konnte zu keinem Entschluß kommen. Er suchte -Ausflüchte zu machen und die Sache hinzuziehen, allein Qu. Fabius -forderte eine bestimmte Erklärung. Indem er seine Toga zu einem Bausche -faltete und dem Senate hinhielt, sagte er: „Hier liegt Krieg und -Frieden: nehmt was ihr wollt!“ -- „Wir nehmen,“ rief man ihm entgegen, -„was ihr uns gebt.“ -- „So nehmt den Krieg!“ erwiderte Fabius und -entfaltete seine Toga mit einer drohenden Geberde, als ob er Waffen und -Krieger herausschüttete. - -So begann der +zweite punische Krieg+, der achtzehn Jahre (219-201) -hindurch Italien, Spanien und Afrika verwüstete, Rom an den Rand des -Verderbens brachte, und zuletzt mit der völligen Niederlage Karthagos -endete. - - -2. Hannibals Zug nach Italien. - -Hannibal hatte sich nach der Eroberung von Sagunt in die -Winterquartiere begeben. Hier entbot er die Hauptleute der auf der -Halbinsel geworbenen Krieger zu sich und machte sie mit seinem Plan, -in fernes Land zu ziehen, bekannt. Um ihnen aber Zeit zu geben, sich -von den Beschwerden des letzten Krieges zu erholen und ihre Familien -wiederzusehen, erteilte er allem Kriegsvolk einen Urlaub, mit dem -Befehl, beim Anbruch des Frühlings sich wieder einzustellen. Nachdem -er dann im Frühjahr die Truppen gemustert hatte, ließ er, um Spanien -zu behaupten, ein Heer von 15000 Mann und eine Flotte von 50 Schiffen -unter dem Befehl seines Bruders Hasdrubal zurück. Ein anderes, -größtenteils aus Ibérern bestehendes Heer von nahe an 20000 Mann -schickte er nach Afrika, um teils als Besatzung von Karthago zu dienen, -teils im karthagischen Gebiet verteilt zu werden. Er selbst brach im -Frühjahr 218 mit 90000 Mann Fußvolk, 12000 Reitern und 37 Elefanten -nordwärts nach dem Ibérus (Ebro) auf (218). - -Auf diesem Zuge erschien ihm einst, wie die Sage erzählt, im Schlaf ein -Jüngling von göttlicher Gestalt, welcher sagte: „Ich bin von Jupiter -als dein Wegweiser nach Italien gesandt; mache dich auf und folge mir -unverwandten Auges.“ Hannibal folgte anfangs schüchtern, nirgends -um oder hinter sich blickend; dann aber konnte er aus menschlicher -Ängstlichkeit, was das wohl sein möge, wonach er sich nicht umsehen -solle, seine Augen nicht mehr beherrschen. Er blickte hinter sich und -gewahrte eine Schlange von wundersamer Größe, die hinter ihm herschoß, -Bäume und Sträucher weithin niederschlagend, und hinter der Schlange -einen Platzregen mit Donnerschlägen. Auf seine Frage, was das für ein -Ungetüm sei, und was das Zeichen bedeute, erhielt er die Antwort, daß -es die Verwüstung Italiens sei; er solle aber nur vorwärts gehen, nicht -weiter fragen und das fernere Schicksal in seinem Dunkel ruhen lassen. - -Froh über dieses Gesicht setzte er über den Ebro und bezwang die noch -unabhängigen Völkerschaften zwischen diesem Fluß und den Pyrenäen. Um -die Pässe des Gebirges und die neu eroberten Landschaften zu hüten, -ließ er eine Truppe von 11000 Mann zurück, während er noch andere -11000 Mann, welche die Furcht vor einem Kriege mit Rom entmutigt hatte, -nach Hause entließ. Ihm selbst blieben damals 50000 Mann zu Fuß und -9000 Reiter, alle bewährte Krieger, zum größeren Teil Libyer aus dem -Gebiete Karthagos, zum kleineren Teil Hispanier (Ibérer). Die Völker -des südlichen Galliens gewann er durch List und Geschenke, und als man -in Rom vernahm, er habe den Ebro überschritten, stand er bereits am -rechten Ufer der unteren Rhódanus (Rhone), an der Stelle des heutigen -Avignon. - -Die dort seßhaften Gallier standen auf seiten der Römer, fühlten sich -aber zu schwach, um den Anmarsch des punischen Heeres in offenem Felde -aufzuhalten. In der Hoffnung auf die Hilfe des römischen Heeres, das -bereits bei Massilia (Marseille) an der Rhonemündung eingetroffen -war, nahmen sie auf dem linken Flußufer eine feste Stellung ein. Aber -Hannibal ließ sich nicht aufhalten. Er ließ alle Schiffe und Kähne -aufwärts und abwärts des Flusses zusammenholen, Bäume fällen und -Flöße bauen, und traf alle Anstalten zu raschem Übergang. Aber auf -der anderen Seite standen die Feinde, die zu Pferd und zu Fuß das -ganze Ufer innehatten. Um sie von dort zu vertreiben, befahl Hannibal -dem Hanno mit einem Teil des Heeres zwei Tagereisen weit am Flusse -hinaufzuziehen und dort an einer geeigneten Stelle überzusetzen. -Pünktlich führte Hanno den Befehl aus. Auf Flößen und verkoppelten -Baumstämmen brachte er Roß und Mann und alles übrige hinüber. Die -Hispanier steckten ihre Kleider in Schläuche, legten sich darauf und -schwammen ohne weitere Vorkehrung über den Fluß. Von dort zog er -eilends stromabwärts in den Rücken der Feinde, und bereits am dritten -Tage seit seinem Aufbruch meldete er durch Rauchsignale dem Feldherrn -seine Ankunft. Sofort gab Hannibal den Befehl zum Übergang. Die Gallier -anderseits stürzten gegen das Ufer mit vielstimmigem Geheul, ihrem -gewohnten Schlachtgesange, die Schilde zusammenschlagend und in der -Rechten den Speer schwingend. Da plötzlich loderte in ihrem Rücken -das eigene Lager in hellen Flammen auf. Hanno hatte es überfallen -und bedrohte ihre Rückseite. Zwar suchten die Gallier anfangs nach -beiden Seiten das Feld zu halten, gaben aber bald den hoffnungslosen -Widerstand auf und zerstreuten sich in ihre Dörfer. So konnte Hannibal -sein ganzes Heer mit allem Troß ungefährdet über den reißenden Strom -führen und jenseits ein Lager schlagen. - -Ganz eigentümlich war die Art, wie Hannibal die Elefanten hinübersetzen -ließ. Er ließ ein 200 Fuß langes und 50 Fuß breites Floß vom Lande aus -in den Fluß hineinbauen und damit es nicht vom Strome fortgerissen -würde, durch starke Taue am Ufer festbinden. Dann ließ er es mit Erde -beschütten, damit es die Tiere ohne Scheu gleich wie festes Land -betreten könnten. Ein zweites Floß, ebenso breit, 100 Fuß lang und -zur Überfahrt eingerichtet, wurde an jenes angebunden. Wenn nun die -Elefanten über das feststehende Floß, wie auf einer Straße, auf das -zweite kleinere Floß hinübergegangen waren, so wurden sogleich die -Bindetaue gelöst und dies Floß an das andere Ufer gezogen. So lange sie -auf dem ersten Floß wie auf einer breiten Brücke gingen, blieben sie -ruhig; dann erst zeigten sie Angst, wenn das zweite Floß abgelöst war -und mit ihnen in die Mitte des Flusses trieb. Da drängten sie sich vom -Wasser weg zusammen und verursachten ziemliche Störung, bis endlich die -Furcht selbst sie ruhig machte. - -Um die Zeit, da Hannibal über die Rhone ging, stand der römische Konsul -P. Cornelius Scipio an der Mündung dieses Stromes. Er hatte mit seinem -Heere nach Spanien übersetzen sollen, um dort den Krieg zu beginnen, -während der andere Konsul, Titus Sempronius Longus, von Sicilien aus -Karthago selbst angreifen sollte. Als er aber auf dieser Fahrt nach -Massilia kam, mußte er zu seiner großen Überraschung erfahren, daß der -Feind bereits in der Nähe stände und sich anschickte über die Rhone zu -gehen. Statt nun sofort dem Hilferufe der Gallier zu folgen, zauderte -er, bis es zu spät war. Ein Reitergeschwader, das er darauf den Fluß -hinaufsandte, um Erkundigungen über den Standort und die Stärke des -feindlichen Heeres einzuziehen, traf auf eine zu gleichem Zwecke -abgeschickte Abteilung Numider (aus Nordafrika). Es kam zu einem sehr -hitzigen Gefecht, in dem sich der Sieg endlich auf die Seite der Römer -neigte. Doch als Scipio in eiligem Marsche nach der Übergangsstelle -hinaufzog, war das feindliche Heer schon in weiter Ferne, und es blieb -ihm nichts übrig als nach Italien zurückzukehren und dort den Feind zu -bestehen. - -Für Hannibal aber begann jetzt erst der schwierigste Teil seiner kühnen -Unternehmung. Es galt den Marsch zu wagen mitten durch zahlreiche -Feinde, über die schnee- und eisbedeckten Alpen, auf ungebahnten, -vielleicht noch nie betretenen Wegen, die selbst für Fußgänger -kaum gangbar waren, viel weniger noch für Elefanten, Rosse und -schwerbeladene Karren und Saumtiere. Kein Wunder, daß beim Anblick der -steilen Gebirge selbst die abgehärtesten Krieger zu zagen begannen. Nur -ihr Feldherr blieb festen Mutes und verstand es auch seinen Truppen -neue Zuversicht einzuflößen. Er schilderte ihnen die reichen Gebiete, -die sie jenseits des Gebirges erreichen, die große Beute, die sie dort -gewinnen, und die Hilfe, die sie im Tale des Po bei den kriegstüchtigen -und von Römerhaß erfüllten gallischen Stämmen finden würden. Er führte -ihnen sogar einen eben von dort eingetroffenen gallischen Fürsten vor, -Magilus mit Namen, der dies alles bestätigte. - -Man kannte damals nur zwei Pässe zum Übergang von Gallien nach dem -oberen Italien. Der eine kürzere aber rauhere führte durch das Tal der -Dürance über die cottischen Alpen (Mont Genèvre) in das Gebiet der -Tauriner (Turin), der längere aber weniger schwierige im Tal der Isère -aufwärts zu den graischen Alpen und über den kleinen St. Bernhard ins -Tal der Doria (Baltéa). Diesen zweiten wählte Hannibal auch deshalb, -weil die an seinem jenseitigen Ausgange wohnenden Gallier nur auf seine -Ankunft warteten, um sich mit ihm gegen die Römer zu verbinden. - -Der Marsch ging zuerst sechzehn Tage lang durch das fruchtbare Gebiet -der Allóbroger zwischen Isère und Rhone, bis zum Fuße des Hochgebirges. -Der von den Bewohnern gesperrte nächste Paß wurde genommen; aber auf -dem steilen und glatten Abstieg von der Höhe geriet das Heer in harte -Not: feindliche Haufen brachen in die Reihen, ein wildes Getümmel -entstand, Menschen und Tiere stürzten in die Tiefe. Erst als man ins -Tal der Isère gelangte, ward der Marsch gefahrlos, bis man in das -Gebiet der Centronen hinaufstieg, welche das Heer mit allen Zeichen -der Freude gastlich empfingen und aus dem Tale zum Fuß der Paßhöhe des -kleinen St. Bernhard geleiteten. Da plötzlich griffen sie die nächste -durch eine Schlucht emporklimmende Abteilung von allen Seiten an. Unter -blutigen und verlustvollen Kämpfen gelangte man am folgenden Tage auf -die Hochfläche des Passes. - -Den erschöpften und durch die schweren Verluste an Menschen und Tieren -entmutigten Truppen gewährte hier der Feldherr eine kurze Rast, die -er benutzte, um alle Nachzügler und Versprengte zu sammeln und durch -den Hinweis auf die Nähe des ersehnten Zieles, durch den Ausblick auf -die in der Ferne sich breitende Ebene Italiens die gesunkene Stimmung -wieder zu heben. Man näherte sich zwar den befreundeten Galliern, aber -die vorgerückte Jahreszeit -- es war schon Anfang September -- brachte -neues Ungemach. An den engen und steilen Talrändern der Dora, auf denen -der Abstieg geschah, lag frischer Schnee, der die Pfade verdeckte; -haufenweise stürzten Menschen und Tiere in die Abgründe. An einer -Strecke von nur 200 Schritt Länge mußte vier Tage lang mit Aufgebot -aller Kräfte gearbeitet werden, um die Elefanten und das Gepäck -über die glatten Eismassen hinüber bringen zu können. Nach weiterem -dreitägigen Marsch bergab gelangte man endlich in die Talebene, wo die -Dörfer der Gallier, in der Gegend des heutigen Ivréa, Rast und Pflege -boten. - -So war das Ziel endlich erreicht, aber mit welchen Opfern! Mehr als -die Hälfte des Heeres, die meisten Pferde und Elefanten waren auf den -Märschen und in den Kämpfen zugrunde gegangen, und was hinübergelangt -war, bedurfte längerer Erholung, um sich zu den bevorstehenden harten -Kämpfen zu stärken und neu auszurüsten. Hätte Hannibal beim Austritt -aus dem Gebirge ein römisches Heer kampfbereit sich gegenüber gefunden, -so wäre er dem Untergang schwerlich entronnen. - - -3. =Hannibals Siege am Ticinus und an der Trebia= (218). - -Anfangs hatten die Römer, wie oben berichtet ist, die Absicht den Krieg -gegen Karthago in Spanien und Afrika zu führen. Sie hatten daher den -Konsul T. Sempronius Longus mit der größeren Heeresmacht, 24000 Mann zu -Fuß, 1800 Reitern und 160 Kriegsschiffen, nach Sicilien gesandt; der -andere Konsul, P. Cornelius Scipio, sollte mit 22000 Mann zu Fuß, 1600 -Reitern und 60 Schiffen einen Angriff auf Spanien unternehmen. Aber -Hannibal war den Römern zuvorgekommen. Schon stand er an der Rhone, -als Scipio auf seiner Fahrt erst an der Mündung derselben angekommen -war, wo er dann die Nähe des Feindes erfuhr und das bereits erwähnte -Reitergefecht vorfiel. Nun änderte Scipio seinen Plan, er sandte -seinen Bruder Gnaeus mit dem größeren Teile des Heeres nach Spanien, -während er selbst mit dem übrigen zurück in die Ebene des Po eilte, -um sich dort an die Spitze des römischen Heeres zu stellen, welches -dort die aufrührerischen Gallier niederzuhalten bestimmt war, und dem -anrückenden Feinde die Stirn zu bieten. Hannibal hatte inzwischen -seinem Heere die nötige Rast gegönnt, hatte den Widerstand der Tauriner -durch Erstürmung ihrer Hauptstadt gebrochen, und war dann rasch bis -an den +Ticīnus+ (Tessin), einen Nebenfluß des Po, vorgedrungen. -Scipio ließ eine Brücke über den Po schlagen und rückte ihm entgegen. -Nicht lange, so kam es dort in der Ebene am Ticinus zu einem ersten -Zusammenstoß. Beide Feldherren zogen eines Tages an der Spitze ihrer -Reiterei, Scipio auch von leichtem Fußvolk begleitet, aus, um die -Stellung der Feinde auszukundschaften. So stießen sie aufeinander. -Gleich nach Beginn des Kampfes floh das leichte römische Fußvolk, -das Scipio in die vorderste Reihe gestellt hatte, vor dem Anprall -der schweren punischen Reiter, warf sich unter die eigene Reiterei -und brachte sie in Verwirrung. Gleichwohl nahm diese den Kampf auf -und bestand ihn eine Zeitlang, unerschüttert durch die feindlichen -Angriffe. Als dann aber die leichten numidischen Geschwader sie auf den -Flanken und im Rücken anfielen war die Niederlage und Flucht der Römer -nicht mehr aufzuhalten. Der Konsul selbst ward im Getümmel verwundet -und nur durch die Entschlossenheit seines siebzehnjährigen Sohnes, des -später als Besieger Hannibals berühmt gewordenen Scipio Africanus, aus -dem feindlichen Gedränge herausgehauen und gerettet. - -In der folgenden Nacht führte Scipio sein Heer ungestört über den -Po zurück und nahm an dem rechten Ufer des +Trébia+, eines kleinen -Nebenflusses des Po, eine feste Stellung, wo sein rechter Flügel sich -an den Po bei der Koloniestadt Placentia (Piacenza), sein linker an -die Vorberge des Apennin lehnte, in einem hügeligen Gelände, das die -Bewegung der überlegenen feindlichen Reiterei hinderte. Hier stieß -auch der andere Konsul, Sempronius, der auf die erste Nachricht von -dem Erscheinen Hannibals aus Sicilien zurückberufen worden war, mit -seinem Heere zu ihm. Aber zwischen den beiden Konsuln herrschte keine -Eintracht: Sempronius drang auf eine entscheidende Schlacht, während -Scipio, durch seine Wunden an der Führung behindert, sich von einer -bloß abwehrenden Haltung mehr Vorteil versprach. Ihre Uneinigkeit -blieb Hannibal nicht unbekannt. Er war den über den Po zurückweichenden -Römern alsbald nachgezogen und hatte ihnen gegenüber auf der linken -Seite der Trebia sein Lager genommen. Als er durch seine Kundschafter -erfahren, daß die Römer zum Kampf bereit wären, wählte er einen -Ort zum Hinterhalt. In der Nähe seines Lagers war ein Bach, auf -beiden Seiten von einem sehr hohen Ufer eingeschlossen und rings mit -Gesträuch und Dorngebüsch dicht besetzt, wo ein Reitertrupp eine ganz -verdeckte Aufstellung nehmen konnte. Darin versteckte Hannibal tausend -auserlesene Reiter und ebenso viel Fußvolk unter Führung seines Bruders -Mago. - -Früh am folgenden Tage ließ er seine numidischen Reiter über die -Trebia setzen, sich vor den Toren des feindlichen Lagers tummeln, um -den Feind zum Kampfe herauszulocken und, wenn ihnen dies gelungen war, -langsam über den Fluß zurückzuweichen. Kaum hatten sie sich gezeigt, -so führte Sempronius, der an diesem Tage den Oberbefehl auch über -Scipios Legionen führte, erst seine ganze Reiterei, darauf 6000 Mann -Fußvolk, endlich sein ganzes Heer zum Kampfe heraus. Es war ein kalter -schneeiger Dezembertag; Roß und Mann wurden, ohne vorher durch Speise -gestärkt zu sein, ungeschützt gegen die Kälte, ins Treffen geführt. Als -sie aber auf der Verfolgung der fliehenden Numider sogar ins Wasser -gingen, das ihnen bis an die Brust reichte, erstarrten ihnen vollends -die Glieder, daß sie kaum die Waffen zu halten vermochten und bald der -Ermattung und dem Hunger erlagen. - -Dagegen hatten Hannibals Truppen vor ihren Zelten Feuer angezündet, -ihre Glieder mit Öl geschmeidig gemacht und in Ruhe gegessen. Rüstig -an Leib und Seele ergriffen sie die Waffen und standen zur Schlacht -gerüstet, als der Feind über den Fluß gegangen war. Ins Vordertreffen -stellte der karthagische Feldherr als Plänkler 8000 leicht bewaffnete -balearische Schleuderer und Speerwerfer; hinter diesen das schwere -Fußvolk, den Kern seines Heeres; die Flügel umgab er mit seinen -zahlreichen Reitern und an die beiden Flügelspitzen stellte er zu -gleichen Teilen die wenigen Elefanten, welche ihm geblieben waren. -Vergebens ließ jetzt Sempronius seinen hitzig verfolgenden Reitern zum -Rückzug blasen; er mußte die Schlacht annehmen und ordnete die Seinen. -Die ermüdeten leichten Truppen wichen gleich anfangs zurück; dann -kam die römische Reiterei ins Gedränge und wurde von einer Wolke von -Schleuderkugeln und Speeren, welche die Balearen warfen, überschüttet. -Der Anblick und der ungewohnte Geruch der Elefanten brachte die Pferde -in Verwirrung und verursachte allgemeine Flucht. Das Fußvolk hielt -länger stand; aber die Punier waren, zuvor durch Speise gestärkt, in -das Treffen gezogen; den ermüdeten, hungrigen, vor Kälte starrenden -Römern versagte der Körper den Dienst. Da brach endlich Mago mit -seinen Numidern aus dem Hinterhalt hervor und fiel den Römern zu ihrem -großen Schrecken in den Rücken, so daß diese nach allen Seiten hin zu -kämpfen hatten. Eine Abteilung von 10000 Römern durchbrach in fester -Haltung die Mitte der feindlichen Linie und wandte sich nach Placentia; -die übrigen suchten sich an verschiedenen Stellen und unter blutigem -Gemetzel einen Ausweg. Die nach dem Lager ihren Rückzug nahmen, deren -ertranken viele in dem Fluß oder wurden von den verfolgenden Feinden -erschlagen; die meisten entrannen ohne Ordnung nach Placentia. Eben -dorthin führte der verwundete und im Lager zurückgebliebene Konsul -Scipio den Rest des Heeres. Sempronius, der sich mit wenigen Reitern -gerettet hatte, begab sich bald darauf nach Rom, wohin er berufen war, -um die Wahl der neuen Konsuln zu leiten. - -Aber auch die Punier hatten starke Verluste erlitten, und die rauhe -Jahreszeit nötigte sie in Winterquartieren Ruhe und Erholung zu suchen. -Inzwischen bedrängten ihre Reiter und leichten Truppen fortwährend die -Römer in den festen Städten Placentia und Cremona, und die gallischen -Stämme folgten großenteils dem Rufe des siegreichen Puniers und -kündigten den verhaßten Römern den Gehorsam. - - -=4. Schlacht am trasimenischen See= (217). - -Kaum begann der Frühling, so brach Hannibal gegen Italien auf. -Ansehnliche gallische Hilfsvölker begleiteten ihn, teils aus Kampf- und -Beutelust, teils um den Krieg aus ihren Gebieten entfernen zu helfen, -alle aber, um mit den Puniern die ihrer Unabhängigkeit gefährliche -römische Übermacht zu vernichten. Von den beiden Straßen, von denen -die eine von Rom über den Apennin bei Ariminium das Meer erreichte, -die andere bei Arretium, diesseits des Gebirges, endete, waren von -den beiden neuen Konsuln Gaius Flaminius und Gnaeus Servilius mit -vier während des Winters vom Po fortgeführten und ergänzten Legionen -besetzt. Hannibal wählte den Weg deshalb mehr westlich in das Tal -des Arno, der nicht besonders schwierig, damals aber durch die -Schneeschmelze und die Frühlingsregen auf weite Strecken überschwemmt -war. Vier Tage und drei Nächte marschierte das Heer fortwährend durch -Wasser und Morast, aller Erquickung entbehrend. Die, welche ausruhen -wollten, warfen Haufen von Gepäck ins Wasser, um sich damit ein Lager -zu bereiten, oder legten sich auf die Leiber der gefallenen Lasttiere. -Hannibal, der auf dem einzigen noch übrigen Elefanten ritt, erlitt eine -Augenentzündung, in deren Folge er ein Auge verlor. Als er endlich nach -Verlust vieler Tiere und Menschen auf das Trockene gekommen war und das -erste Lager auf etruskischem Boden bei Fäsulä (Fiésole) bezogen hatte, -meldeten Kundschafter, das römische Heer unter dem Konsul Flaminius -stehe ostwärts in der Gegend von Arretium (Arezzo). Um diesen Mann, -dessen Unbesonnenheit ihm bekannt geworden, zum Angriff zu reizen, -verwüstete Hannibal die schönen Gefilde zwischen Fäsulä und Arretium -durch Raub und Brand. Umsonst mahnte man den Flaminius erst die Ankunft -des andern Konsuls, der noch jenseits des Gebirges am adriatischen -Meere stand, abzuwarten. Er gab das Zeichen zum Aufbruch, weil er die -Verheerungen des Feindes nicht länger dulden mochte. - -Hannibal war auf seinem Marsche zu dem schmalen Landstrich gekommen, -wo der +trasimenische See+ (~lago di Perugia~) nahe an die Berge -von Cortona herantritt. Ein ganz enger Weg führt zwischen dem See -und den Hügeln in eine breitere Fläche, an deren Ende, dem Eingange -der Landenge gegenüber, eine Anhöhe emporragt. Auf dieser Anhöhe -lagerte sich Hannibal mit dem Kern seines Heeres, dem spanischen und -afrikanischen Fußvolk. Die Balearen und die übrigen leichten Truppen -stellte er in langer Reihe hinter den Hügeln auf, welche jene Fläche -auf einer Seite begrenzten; die Reiterei und die Gallier verbarg er -neben den Waldhöhen, die dem engen Eingang am See gegenüberlagen. Bei -diesem Eingange langte am Abend des folgenden Tages Flaminius an. -Gleich am nächsten Morgen, als ein dicker Nebel auf den Wassern des -Sees lag und Berg und Tal verhüllte, zog er, ohne vorher die Gegend -ausgekundschaftet zu haben, durch die enge Straße in die mittlere -Fläche, indem er nur die ihm gegenüber liegende Anhöhe von den Puniern -besetzt glaubte. So wie er sich derselben näherte und die letzten -seines Zuges an dem äußersten Hinterhalt der Feinde vorüber waren, -erfolgte der Angriff der Punier von allen Seiten und mit solchem -Ungestüm, daß sich die Römer nicht einmal in Schlachtordnung aufstellen -konnten. Kaum drei Stunden währte die Schlacht, und so hitzig ward auf -beiden Seiten gekämpft, daß man das furchtbare Erdbeben nicht gewahr -wurde, das um diese Zeit die Landschaft heimsuchte. Der Konsul selbst -fiel unter den ersten und 15000 der Seinen mit ihm. Viele wurden -in den See gejagt und ertranken, oder wurden von den verfolgenden -Reitern erschlagen. Nur einer Abteilung von 6000 Mann gelang es sich -durchzuschlagen; sie retteten sich auf eine nahe Anhöhe, von wo -sie, als der Nebel sich zerstreut hatte, das Schicksal der Ihrigen -erkannten. Ihre eilige Flucht setzten sie auch noch den nächsten Tag -fort, bis sie der Hunger zwang, sich dem Maharbal, der sie mit seiner -Reiterei verfolgte, zu ergeben. Viertausend Reiter, die der andere -Konsul zu Hilfe geschickt, wurden ebenfalls teils vernichtet, teils -gefangen. Die Zahl der Gefangenen belief sich auf 15000. Hannibal -ließ von ihnen die römischen in Fesseln legen, die italischen Bündner -(~socii~) aber frei in ihre Heimat ziehen. Ebenso hatte er schon nach -der Schlacht an der Trebia getan; denn er gedachte als der Befreier -Italiens von der Römerherrschaft aufzutreten, und hoffte dabei auf den -Beistand der bündnerischen Städte Mittel- und Unteritaliens. - -Auf die erste unbestimmte Nachricht von der unglücklichen Schlacht und -der Vernichtung der zwei Legionen geriet das Volk in unbeschreibliche -Aufregung. Keiner wußte Genaues, selbst die obersten Beamten nicht; -Männer und Weiber bestürmten sie mit Fragen. Erst gegen Abend erhielt -der Senat sichere Kunde, und der Prätor teilte sie auf dem Markte mit: -„Wir haben eine große Schlacht verloren, das Heer ist vernichtet, der -Konsul tot, die Stadt in Gefahr.“ - -Man war darauf gefaßt den Sieger alsbald vor den Toren der Stadt -erscheinen zu sehen, und traf in höchster Eile alle Vorkehrungen zur -Abwehr. Vor allem galt es die Verteidigung des Vaterlandes, da der -eine Konsul tot, der andere fern war, in +eines+ Mannes Hand mit -unbeschränkter Machtbefugnis zu legen, das heißt einen Diktator zu -ernennen. Die Wahl fiel auf +Fabius Maximus+, der sich den Minucius -Rufus als Reiterobersten zugesellte. - - -5. Hannibal gegen Fabius Cunctator. - -Aber Hannibal zog nicht gegen Rom, sondern wandte sich von Etrurien -ostwärts nach Umbrien und drang bis zur Stadt Spoletium, die er -vergebens bestürmte, da sie von einer tapferen Besatzung verteidigt -ward. Von da ging er in die fruchtbare picenische Landschaft -hinüber, ließ die Truppen einige Tage ausruhen und drang dann, unter -schrecklichen Verwüstungen, südwärts die Küste entlang bis nach -Apulien. Aber seine Hoffnung, daß sich die Bundesgenossen Roms, der -römischen Herrschaft überdrüssig, auf seine Seite schlagen würden, -blieb unerfüllt. Alle Städte schlossen ihre Tore und behandelten ihn -als Feind. - -Inzwischen hatte der alte bedächtige Diktator Fabius zwei neue Legionen -gebildet und die beiden des Konsuls Servilius sowie den versprengten -Rest des geschlagenen Heeres an sich gezogen. Er folgte dem Feinde auf -seinem Marsche, nicht um im offenen Felde eine neue und vielleicht -letzte Schlacht zu schlagen, sondern um seine neuen Truppen zu üben -und zu ermutigen, die Bündner in Treue zu halten und dem Gegner keine -Rast zu lassen. Bei Arpi in Apulien bekam er ihn zuerst zu Gesicht. -Hannibal bot ihm gleich die Schlacht an; aber Fabius wich vorsichtig -aus und hielt sein Heer im festen Lager, das er immer auf den Höhen der -Berge und in ziemlicher Entfernung vom Feinde aufschlug. Da Hannibal -den vorsichtigen Gegner zu keiner Schlacht bewegen konnte, so brach er -endlich auf und zog unter steten Verwüstungen durch Samnium, um wieder -auf die Westseite des Gebirges nach Campanien zu gelangen. - -Auf dem Wege dorthin kam er in eine von Bergen und Flüssen -eingeschlossene Talebene. Fabius war ihm auf dem Fuße gefolgt, hielt -die Höhen ringsum besetzt und hatte auch den Rückweg nach Samnium -verlegt. Schon schienen die Karthager verloren zu sein, als Hannibal -sich der Umschließung durch folgende List zu entziehen wußte. Er befahl -gegen zweitausend Ochsen aus den erbeuteten Herden zusammenzutreiben, -ließ ihnen dürre Reisbündel an die Hörner binden und, nachdem diese -angezündet waren, den ganzen Haufen mit Anbruch der Nacht gegen die -Anhöhen jagen, die der Feind besetzt hielt. Die römischen Truppen, die -unten am Ausgange des Tales standen, sahen mit Staunen die eilenden -Feuerlinien über sich auf den Bergen, und da sie glaubten, die -Karthager hätten sie umgangen und zögen bei Fackelschein ab, so wichen -sie seitwärts auf die Anhöhen, während die, welche oben standen, vor -dem Ansturm der wütenden Tiere flohen. Selbst Fabius wagte es nicht -seine Stellung auf der andern Seite des Tales zu verlassen. Indessen -zog Hannibal durch die geöffneten und unbewachten Pässe und entkam so -der Falle, die ihm Fabius gelegt hatte. - -In Rom aber war man über die Weise, wie Fabius den Krieg führte, -unwillig, und auch im Lager erhob sich lautes Murren über den -Feldherrn, den sie wegen der Art seiner Kriegsführung spöttisch den -Zauderer (~cunctator~) nannten. Am meisten suchte sein Reiteroberst -+Minucius+ den Diktator in ein ungünstiges Licht zu stellen, und als er -nun gar eines Tages, während der Diktator in Rom beschäftigt war, ein -glückliches Gefecht geliefert hatte, brachte er es wirklich dahin, daß -die Diktatur und der Heerbefehl zwischen ihm und Fabius geteilt ward. -Sie bezogen, jeder mit zwei Legionen, getrennte Lager. Eines Tages -reizte Hannibal, der die Zwietracht seiner Gegner kannte, das Heer des -Minucius in einem engen Tale zum Gefecht. Eine plötzlich aus einem -Hinterhalte hervorbrechende Schar von 5000 Puniern faßte es in Seite -und Rücken; schon schien seine Vernichtung unvermeidlich, als Fabius, -der den ganzen Hergang von seinem nahe gelegenen Lager aus beobachtet -hatte, mit seinen Legionen ausrückte und die bereits siegreichen Feinde -so bedrängte, daß nicht nur das Heer des Minucius entsetzt wurde, -sondern auch Hannibal den Rückzug antrat und sich für besiegt erklärte. -„So habe ich doch einmal,“ sagte er zu den Seinen, „diese Wetterwolke, -die immer um den höchsten Berggipfel schwebt, in die Tiefe herab -und zur Entladung gebracht.“ Den Fabius aber begrüßte der beschämte -Minucius als Vater, und seine Legionen die des Diktators als ihre -Patrone (Beschützer). Die beiden Lager wurden wieder vereinigt, und -Minucius verzichtete gern auf den ihm eingeräumten Mitbefehl. - -Von da an wurde das Verfahren des Fabius, der den Krieg in die Länge -zu ziehen und den Feind zu ermüden suchte, als weise anerkannt, der -Spottname Cunctator ward ihm jetzt zu einem Ehrennamen und der größte -Dichter jener Zeit, +Quintus Ennius+, pries ihn mit dem Verse: - - +Ein+ Mann brachte dem Staat durch klügliches Zaudern Errettung. - - -=6. Die Schlacht bei Cannä= (216). - -Die hinhaltende Kriegführung des Diktators hatte auch ihre Nachteile; -sie erschöpfte die Hilfsmittel des Landes und drohte die Treue der -darunter leidenden Bundesgenossen ins Wanken zu bringen. Deshalb -beschloß der Senat, nach Ablauf der Amtszeit des Diktators, wieder -Konsuln an die Spitze des Heeres zu stellen und dieses in solcher -Stärke ins Feld zu schicken, daß man hoffen konnte den Krieg mit einem -Schlage zu beendigen. Statt der bisherigen vier wurden acht überstarke -Legionen aufgestellt und eine gleiche Anzahl bündnerischer Truppen -einberufen. Außerdem wurde eine neunte Legion ins Po-Tal geschickt, um -die bei Hannibal stehenden Gallier zum Abzuge in ihre bedrohte Heimat -zu bewegen. Niemals hatte Rom eine solche Kriegsmacht aufgestellt. Aber -die Wahl der neuen Konsuln war nicht glücklich. Neben dem besonnenen -und kriegserfahrenen +L. Ämilius Paullus+ stand der beim Volk beliebte, -aber ebenso anmaßende wie unfähige +G. Terentius Varro+. - -Hannibal, der im ganzen über 10000 Reiter und etwas mehr als 40000 -Mann Fußvolk verfügte, hatte im Frühjahr 216 eine starke Stellung in -der kornreichen apulischen Ebene eingenommen, bei +Cannä+ (zwischen -den heutigen Städten Canōsa und Barletta), südlich des Flusses -Aufĭdus (Ofanto). Nordwärts standen die beiden Konsuln in gesonderten -Lagern zu beiden Seiten des Flusses. Hannibal wünschte nichts mehr -als eine entscheidende Schlacht; denn die Ebene gestattete ihm den -unbehinderten Gebrauch seiner überlegenen Reiterei, und die Nähe des -feindlichen Heeres erschwerte ihm die Verpflegung des eigenen. Eben -deshalb wollte Paullus, der die Lage des Gegners richtig beurteilte, -den entscheidenden Kampf noch hinausschieben und auf ein den Römern -günstigeres Schlachtfeld verlegen. Aber der hitzige Varro achtete nicht -auf seine Vorstellungen, und da sie im Heerbefehl einen Tag um den -andern wechselten, so führte er an seinem Tage das Heer, gegen 80000 -Mann, zur Schlacht hinaus auf das rechte Flußufer, während ein kleiner -Teil, 10000 Mann, auf dem linken im Lager zurückblieb. - -Beide Schlachtlinien lehnten sich mit einem Flügel an das rechte -Flußufer, so daß der römische nach Süden stand, der punische nach -Norden gewandt war. Varro hatte die römischen Reiter am Flusse, -die der Bundesgenossen auf dem andern Flügel, in der Mitte das -Fußvolk in tiefen Massen aufgestellt; vor der ganzen Linie standen -in mäßigen Zwischenräumen die Leichtbewaffneten. Auf dem rechten -Flügel befehligte Ämilius Paullus, auf dem linken Varro, in der Mitte -Servilius, der Konsul des vorigen Jahres. Auch Hannibal stellte -seine Leichtbewaffneten vor die Front, links zunächst am Flusse die -schwere gallische und spanische Reiterei, auf der andern die leichte -numidische. Dazwischen bildete das schwerbewaffnete Fußvolk eine -weite halbmondförmige Linie, in deren Mitte die Gallier und Spanier -am meisten nach vorn, die Afrikaner nach beiden Seiten mehr zurück -standen. Diese mittleren Truppen befehligte Hannibal selbst mit seinem -Bruder Mago, den linken Flügel Hasdrubal, den rechten Hanno. - -Es war ein heißer Junitag; glühend blies der Südwestwind den Römern -ins Gesicht und wirbelte ihnen große Staubwolken entgegen. Die -Leichtbewaffneten begannen die Schlacht, jedoch auf beiden Seiten ohne -Entscheidung. Dann aber erfolgte ein blutiger Kampf zwischen den am -Flusse stehenden Reitern, die in dem engen Raum zum Teil absprangen und -zu Fuß Mann gegen Mann stritten. Die Römer, völlig geworfen, wurden -teils niedergemacht, teils in den Fluß getrieben und zersprengt. -Paullus, schwer verwundet, rettete sich zu dem Fußvolk. Dieses hatte -inzwischen den Angriff auf die feindliche Mitte siegreich begonnen. Die -Gallier und Spanier, überwältigt von dem ersten Stoße der Legionen, -wichen zurück und öffneten die Linie, während die Afrikaner etwas -weiter seitwärts unbewegt feststanden. Die römische Schlachtlinie, -die Weichenden verfolgend, drang immer tiefer in den offen gelassenen -Raum hinein und sah sich auf einmal von den Afrikanern in ihren -Flanken angegriffen. Indes währte das Gefecht auf dem andern Flügel -unentschieden fort, bis Hasdrubal von der linken Seite den Puniern zu -Hilfe kam und auch hier die römische Reiterei zum Weichen brachte. -Das Verfolgen der Geschlagenen überließ er den Numidern; er selbst -schwenkte mit seinen Reitern nach der Mitte hin und griff das römische -Fußvolk im Rücken an. Dieses, nunmehr von allen Seiten eingeschlossen, -wurde fast bis auf den letzten Mann niedergemacht. Von den 76000 -Mann, die in der Schlachtlinie gestanden hatten, lagen 70000 auf der -Walstatt, darunter ein Konsul des vorigen Jahres, über dreißig, die -andere hohe Staatsämter bekleidet hatten, achtzig Senatoren und auch -der Konsul Ämilius Paullus selbst. Auch die Besatzung des Lagers, 10000 -Mann, mußte sich großenteils ergeben. Viel geringer war der Verlust auf -punischer Seite, kaum 6000 Mann. - -Als Paullus sich ins Lager zu retten suchte, hatte er sich, von seiner -Wunde ermattet, auf einen Stein gesetzt und hier den Tod erwartet. -So traf ihn Lentulus, ein Kriegsoberster, der selbst verwundet aus -der Schlacht floh, und bot ihm sein eigenes Pferd zur Flucht. Aber -Paullus schlug es aus und sagte: „Rette dich, edler Freund, sage den -Vätern, sie sollten Rom verrammeln und stark besetzen, und dem Fabius, -ich hätte seine Lehren im Leben befolgt und im Tode noch gebilligt. -Mich laß unter diesen Leichenhaufen meiner Krieger den Tod finden, -damit ich nicht als Ankläger meines Amtsgenossen aufzutreten brauche.“ -Kaum hatte er dies gesagt, so naheten die Feinde. Lentulus entkam -durch die Schnelle seines Rosses, der Konsul wurde niedergemacht. Und -gleichsam als wollte das Schicksal Roms sich in diesem Unglücksjahre -ganz vollenden, geriet auch jene neunte Legion in einen Hinterhalt der -Gallier und wurde völlig vernichtet. - -Varro entkam mit wenigen Reitern nach Venusia, wohin sich auch eine -Anzahl der Versprengten und ein kleiner Teil der im Lager Gebliebenen -rettete. Als er von dort, tief gedemütigt, auf Einladung des Senats -nach Rom kam, zog ihm dieser vor das Tor entgegen und dankte ihm, daß -er am Vaterlande nicht verzweifelte. - -Die Folge dieser furchtbaren Schlacht war, daß nunmehr viele Städte und -Landschaften Unteritaliens, sowie alle cisalpinischen Gallier von Rom -abfielen. Rom war am Rande des Untergangs; stündlich erwartete man den -Sieger vor den Toren. Aber die Römer zeigten wiederum, daß sie niemals -größer waren, als im Unglück, und bewiesen eine Stärke der Seele, -welche die höchste Bewunderung verdient. Niemand sprach von Frieden, -und die Abgeordneten Hannibals, welche Friedensanträge brachten, ließ -man nicht einmal in die Stadt, ja sogar den Loskauf der Gefangenen -lehnte man ab. Hannibal aber marschierte nicht sofort gegen Rom, wie -ihm Maharbal riet, und mußte deshalb von diesem den Vorwurf hören: „Zu -siegen verstehst du, aber den Sieg auszunutzen verstehst du nicht.“ - - -7. Hannibal und Marcellus. - -Mit dem Siege bei Cannä hatte Hannibal den Gipfel seines Glückes -erstiegen; von nun an sehen wir ihn, obgleich den Römern noch immer -furchtbar, keine so glänzenden Taten mehr verrichten. Sein Heer -legte er zum Winterquartier in die große und reiche Stadt Capua, -deren Bewohner ihn als einen Befreier vom römischen Joche zu sich -eingeladen hatten. Unter dem milden Himmel Campaniens und durch die -üppigen Genüsse, die dieses ihm bot, soll das Heer verweichlicht worden -sein und die alte Kriegszucht und Manneskraft eingebüßt haben. Dazu -kam, daß Hannibal von Karthago aus ohne Unterstützung blieb, weil -ihm eine feindliche Partei entgegenarbeitete, obschon zwei Scheffel -goldener Ringe, die in der Schlacht bei Cannä von den Händen römischer -Ritter gezogen und nach Karthago geschickt worden waren, eine große -Begeisterung für den Sieger erweckt hatten. - -Dagegen zeigten die Römer bei den härtesten Schlägen des Schicksals -eine große, unerschütterliche Standhaftigkeit. Neue Legionen wurden -ausgehoben, und der Prätor +Claudius Marcellus+ war der Erste, unter -dem die Römer wieder siegen lernten. Der alte Mut kehrte allmählich -zurück, und wie sie Fabius ihren Schild nannten, so den Marcellus ihr -Schwert. Er stand mit einem Teil des neuen Heeres bei Nola in Campanien -und hinderte Hannibal an der Eroberung dieser Stadt. Anfangs hielt -er seine noch ungeübten Truppen innerhalb der Mauern, dann machte er -Ausfälle und übte es in kleinen Gefechten; zuletzt überfiel er die -Feinde in ihrem Lager und erschlug ihrer mehrere Tausende. Im folgenden -Jahre (215) kam es vor +Nola+ zu einer förmlichen Schlacht, in welcher -Marcellus den ersten vollständigen Sieg über die Punier erfocht. - - -Nach diesem Siege ward Marcellus von Italien nach einem andern -Schauplatz des Krieges abgesandt. In Sicilien war die mächtige und -blühende Stadt +Syrakus+ nach dem Tode ihres Königs Hiero, des treuen -Bundesgenossen der Römer, von ihnen abgefallen, und Marcellus hatte -den Auftrag sie wieder zu unterwerfen. Allein die Belagerung zog sich -bis ins dritte Jahr hin (214-212). Von zwei Seiten, vom Lande und vom -Hafen aus, versuchte er sie zu erstürmen; aber ein Bürger der Stadt, -der große Mathematiker +Archimēdes+, erfand Maschinen, durch die er die -Schiffe und Sturmwerke der Römer vernichtete und alle ihre Versuche -vereitelte. Die Mauern versah er mit jeder Art von Geschützen, welche -die feindlichen Schiffe mit Steinkugeln bewarfen; in die Mauer brach er -von unten bis oben breite Schießscharten, durch welche die Verteidiger -mit Pfeilen und Handgeschossen den Feind ungesehen überschütteten. Wenn -römische Schiffe in die Nähe kamen, so ließ er eiserne Ketten mit Haken -herab, zog durch Hebelkräfte die Schiffe in die Höhe und stürzte sie -dann wieder ins Meer hinab. Auch soll er Brennspiegel erfunden haben, -um die feindlichen Schiffe anzuzünden. Durch diese Maschinen fügte -er den Römern furchtbare Verluste zu und setzte sie so in Angst, daß -zuletzt alle, wenn nur ein Seil oder Holz sich auf der Mauer zeigte, -eiligst die Flucht ergriffen. Aber endlich wurde Marcellus doch auf -folgende Weise Herr der Stadt. - -Einst unterhandelten die Syrakusaner von einem Turme herab mit den -Römern. Einer von diesen zählte dabei die Quadersteine der Mauer und -merkte sich ihre Größe. Daraus berechnete man ihre Höhe an dieser -Stelle und verfertigte Leitern zum Ersteigen. Als nun das dreitägige -Fest der Göttin Artĕmis (Diána) in der Stadt gefeiert wurde, und die -Bürger nach den Festmahlen des Tages sich zur Ruhe gelegt hatten, -erstiegen tausend der kühnsten Krieger die bezeichnete Mauerstelle, -töteten die hier aufgestellten Wachen und erbrachen das nächste Tor, -durch welches Marcellus mit dem Heere eindrang. Den Bürgern ward Leben, -Freiheit und Wohnung gesichert und nur das bewegliche Gut geplündert. -Eine Menge von Kunstwerken und Schätzen ward nach Rom geschleppt. -Der große Archimedes soll im Getümmel seinen Tod gefunden haben. Ein -Krieger, der ihn nicht kannte, stürmte in sein Haus und fand ihn in das -Zeichnen von Sandfiguren vertieft. „Zertritt mir meine Kreise nicht!“ -rief er ärgerlich dem Manne zu, worauf dieser ihn erschlug. Gern hätte -ihm Marcellus das Leben erhalten; den Toten ehrte er durch ein Denkmal. - - -Inzwischen hatte der Krieg auch in Italien nicht geruht. Zwar hatte -Hannibal die wichtige Seestadt Tarent durch Verrat genommen (212), -dagegen mußte er sehen, wie Capua von einem römischen Heere aufs -härteste bedrängt wurde. Um diese Stadt von dem Belagerungsheere zu -befreien, unternahm er einen Zug gegen Rom, und schlug eine Meile vor -der Ostseite der Stadt sein Lager auf (211). Von einer Anhöhe herab -betrachtete er die Lage und die Mauern der Stadt, und eine Sage ging, -er habe eine Lanze in eine der nächsten Straßen geschleudert. Zweimal -stand er dem römischen Heere kampfbereit gegenüber, und zweimal nötigte -ein Ungewitter mit furchtbarem Hagel- und Regenguß die Heere in ihre -Lager zurückzukehren, während das heiterste Wetter eintrat, sobald -sie sich getrennt hatten. Darin erkannten selbst die Punier einen -Götterwink, und Hannibal trat den Rückweg an. Aber noch lange nachher -erhielt sich im Volke der Eindruck des Schreckensrufs: „Hannibal vor -den Toren!“ - -Nun gab Hannibal die Stadt Capua ihrem Schicksal preis. Die Belagerten -erkannten ihren hoffnungslosen Zustand und beschlossen die Übergabe; da -trat ein Mann, namens Vibius Virrius, der am meisten zum Abfall von Rom -geraten hatte, hervor und sagte: „Von dem erbitterten Feinde ist keine -Gnade zu hoffen; retten kann uns nur der Tod. Wer von euch den Mut hat -dies Ende auf sich zu nehmen, der komme heute zu mir als Gast. Habt -ihr euch da an Speise und Trank gelabt, so will ich euch einen Becher -bieten, der von aller Schmach erretten soll.“ Siebenundzwanzig folgten -ihm zu diesem Totenmahle, bei dem sie sich erst mit Wein berauschten, -dann das Gift, das er ihnen reichte, tranken, sodaß sie vor dem Einzuge -der Feinde den Geist aufgaben. Die Stadt aber erfuhr eine furchtbare -Züchtigung. Siebzig Ratsherren wurden hingerichtet, dreihundert der -edelsten Campaner starben im Kerker, eine Menge Bürger wurde verkauft, -und Capua fortan als ein untertäniger, des Stadtrechts entkleideter Ort -behandelt. Gleiche Strenge erfuhren mehrere kleinere Städte Campaniens -als Strafe für ihren Abfall, und die treu gebliebenen fühlten sich in -ihrem Widerstand gegen den Feind eines glücklichen Ausgangs sicher. - -Dieser Kampf dauerte in den südlichen Teilen Italiens mit wechselndem -Glück noch Jahre lang fort, ohne eine Entscheidung herbeizuführen. -Marcellus, der Eroberer von Syrakus, wiederholt zum Konsul gewählt, -führte ihn mit der ihm eigenen Umsicht und Zähigkeit, bis er in einem -ihm gelegten Hinterhalt den Tod fand (208). Zwei Jahre nach Capuas -Fall ward auch Tarent von dem Konsul Q. Fabius -- es war das fünfte -Konsulat des 80jährigen Helden -- erstürmt und mit furchtbarer Härte -für den Abfall gestraft. Hannibals Versuch, die unglückliche Stadt zu -schützen, kam zu spät. - - -=8. Hannibal und Scipio. Schlacht bei Zama.= (202). - -Da Hannibal ohne Unterstützung von Karthago blieb, so setzte er seine -Hoffnung auf das an Hilfsmitteln unerschöpfliche Spanien, von wo ihm -seine Brüder Hasdrubal und Mago zu verschiedenen Malen neue Truppen -zuzuführen suchten. Aber auch diese Hoffnung täuschte ihn. Hasdrubal -war schon mit einem starken Heere, dem letzten, das er in Spanien hatte -sammeln können, über die Alpen nach Italien und am östlichen Apennin -entlang bis in die Landschaft Picenum gelangt, wo ihm der Konsul Livius -Salinator entgegentrat. Auf die Kunde hiervon eilte auch der andere -Konsul Claudius Nero, der in Unteritalien Hannibal gegenüber im Lager -stand, bevor dieser von der Ankunft seines Bruders Nachricht erhalten, -in raschem Zuge seinem Amtsgenossen zu Hilfe. Vereinigt schlugen und -vernichteten sie bei Sena Gallica am Flusse Metaurus, im Jahre 207, -das feindliche Heer. Als Hasdrubal die Niederlage der Seinen erkannte, -stürzte er sich unter die Feinde und kämpfte, bis er den Tod fand. -Darauf kehrte Nero in sein altes Lager zurück und ließ, wie erzählt -wird, das blutige Haupt Hadrubals unter die feindlichen Vorposten -schleudern. Als Hannibal seines Bruders Kopf erkannte und seine letzte -Hoffnung geschwunden sah, soll er in bitterem Schmerze ausgerufen -haben: „Daran erkenne ich Karthagos Schicksal!“ - -In den letzten Jahren behauptete sich Hannibal nur noch im Gebiete der -ihm treuen Bruttier und verfuhr nur verteidigungsweise. Endlich ward er -vom Rate zu Karthago zum Schutze der Vaterstadt zurückgerufen, da die -Römer in Afrika gelandet waren und Karthago selbst bedrängten. Hannibal -zögerte nicht dem Ruf zu folgen; denn seine Rolle in Italien war -ohnehin zu Ende. In Kroton (Cortona) bestieg er mit dem Reste seines -Heeres die Schiffe und verließ den Schauplatz seines sechzehnjährigen -Kampfes (203). Ebenso wurde sein jüngster Bruder Mago, der seit -drei Jahren in Norditalien sich festgesetzt und behauptet hatte, -heimgerufen, starb aber auf der Fahrt an einer Verwundung. - -In Rom atmete man auf, als der gewaltige „libysche Löwe“ endlich den -italischen Boden freiwillig verließ. Bei diesem Anlaß ward dem einzig -überlebenden der Feldherren, die gegen ihn gefochten hatten, dem bald -90jährigen Quintus Fabius von Senat und Bürgerschaft die höchste Ehre -erwiesen, die ein Bürger erreichen konnte. Er empfing den Graskranz, -den nach alter Sitte das Heer seinem Feldherrn darbrachte, dem es seine -Rettung zu verdanken hatte. Noch in demselben Jahre starb der alte Held. - -Der Feldherr aber, der den Krieg nach Afrika verlegt hatte, war -+Publius Cornelius Scipio+, der Sohn jenes Scipio, der im Treffen -am Ticinus verwundet worden war. Sein Vater und sein Oheim hatten, -nachdem sie fast ganz Spanien erobert hatten, zuletzt im Kampfe gegen -Hannibals Bruder Hamilkar schwere Niederlagen erlitten und selber den -Tod gefunden (211), und so hoffnungslos schien damals die Lage der -Römer auf dieser Halbinsel, daß in Rom jeder den Oberbefehl in diesem -gefahrvollen Kriege ablehnte. Nur der erst siebenundzwanzigjährige -Publius Scipio bot dem Vaterlande seine Dienste an. Er hatte noch nicht -das zu Staatsämtern erforderliche Alter erreicht, aber der aus schönem -Körper hervorleuchtende hohe und stolze Geist, seine Begierde den Tod -des Vaters zu rächen und seine schon bewährte Tapferkeit bestimmten -den Senat dem edlen Jüngling den Heerbefehl zu übertragen. Im Jahre -211 ging er, den die Römer mit dem Kriegsgott selber verglichen, nach -Spanien, um dieses wichtige Gebiet dem Feinde zu entreißen. - -Hier fand er ein niedergeschlagenes und zerrüttetes Heer, dem er erst -Mut und Vertrauen einflößen mußte. Schon 210 eroberte er Neukarthago -und gewann unermeßliche Beute. Die Geiseln, welche die Karthager für -die Treue der Spanier hier aufbewahrten, behandelte er mit großer -Freundlichkeit und Schonung. Unter ihnen befand sich eine Jungfrau -von ausgezeichneter Schönheit. Er fragte sie nach ihren Eltern und -ihrer Heimat. Sie sagte ihm, sie sei die Tochter eines keltiberischen -Häuptlings und die Braut des Allucius, eines keltiberischen Fürsten. -Sogleich ließ Scipio ihre Eltern und ihren Bräutigam herbeikommen. Sie -naheten sich in banger Ungewißheit, aber Scipio beruhigte sie: „Hier -ist deine Braut“, sprach er zu Allucius, „nimm sie unverletzt und ohne -Lösegeld zurück, und werde ein Freund der Römer!“ Da ergriff Allucius, -von Dankgefühl und Freude hingerissen, die Rechte des Scipio und bat -die Götter solchen Edelmut würdig zu belohnen. Auch die Eltern des -Mädchens waren tief gerührt. Sie hatten ein großes Lösegeld mitgebracht -und baten ihn dies als ein Zeichen ihrer Dankbarkeit anzunehmen. Scipio -nahm das Geld, wandte sich noch einmal an Allucius und sagte: „Zu der -Mitgift, die du von deinem Schwiegervater erhalten wirst, nimm von mir -dieses Hochzeitsgeschenk.“ Freudig kehrte der glückliche Bräutigam -mit den Seinigen zurück, und indem er überall das Lob des Scipio -verbreitete, brachte er seine Mitbürger auf die Seite der Römer. „Ein -Jüngling,“ sagte er zu den Keltiberern, „ist nach Spanien gekommen, -ganz den Göttern ähnlich, der nicht bloß durch Waffen, sondern auch -durch Milde und Wohltun alles besiegt.“ - -Nachdem Scipio in sechsjährigem Kriege die karthagische Macht in -Spanien völlig vernichtet und die Einwohner teils mit Waffengewalt, -teils durch kluge Großmut und Milde unter römische Botmäßigkeit -gebracht hatte, kehrte er sieggekrönt nach Rom zurück (205), wo -ihm das Konsulat für das folgende Jahr übertragen wurde. Er ging -nach Sizilien und traf hier gewaltige Zurüstungen zu einem Zuge -nach Afrika, an dessen Küste er im Jahre 204 landete. Die Karthager -hatten ein bedeutendes Heer unter Hasdrubal und Syphax, dem König -von Westnumidien. Aber Scipio wußte durch eine List ihr Lager -auszukundschaften, steckte es bei einem nächtlichen Überfall in Brand -und rieb fast das ganze Heer auf. Auch in einer zweiten Schlacht schlug -er die Feinde. Da riefen die Karthager, im eigenen Lande gefährdet, -ihren Feldherrn Hannibal zurück. - -Der gefürchtete Held erschien in Afrika und bezog bei +Zama+, fünf -Tagereisen von Karthago, ein Lager (202). Vor der Schlacht wünschte -er, da er wohl einen unglücklichen Ausgang voraussah, eine Unterredung -mit Scipio, um über den Frieden zu verhandeln. Sie ward ihm gewährt. -Auf einer Ebene unweit von Zama kamen beide Feldherrn zusammen. Sie -gerieten beim ersten Anblick in solches Erstaunen, daß sie sich -eine Zeit lang schweigend betrachteten. Beide hatten sich noch -niemals gesehen und doch schon so viel von einander gehört. Beide -waren die größten Feldherrn ihrer Zeit, aber in ihrem Äußeren weit -verschieden. Hannibal, damals fünfundvierzig Jahre alt, zeigte ein -finsteres, schwermütiges Antlitz; die Mühseligkeiten seiner langen und -wechselvollen Feldzüge hatten ihre tiefen Spuren darin zurückgelassen. -Scipio hingegen, damals in einem Alter von fünfunddreißig Jahren, war -ein Muster männlicher Schönheit. Nach langem Schweigen fing endlich -Hannibal die Unterredung an. Er sprach zuerst von der Veränderlichkeit -des Glücks und seinen eigenen Schicksalen; dann riet er Scipio, er möge -dem Glücke, das ihm jetzt lächele, nicht zu sehr vertrauen, und einen -sicheren Frieden einem ungewissen Kampfe vorziehen. Hierauf legte er -ihm seine Friedensbedingungen vor; er versprach im Namen der Karthager -Spanien, Sardinien und alle anderen Inseln zwischen Afrika und Italien -den Römern abzutreten. Scipio aber verwarf diese Bedingungen und -forderte vollständige Unterwerfung der Karthager. Da Hannibal diese -nicht versprechen wollte noch konnte, so schied man ohne Ergebnis von -einander, um sich zum Entscheidungskampfe zu bereiten. - -Am folgenden Tage stellte Scipio die drei Linien seines Fußvolkes -in die Mitte, und zwar in durchbrochenen Gliedern, um den achtzig -Elefanten, welche Hannibal vor seiner Schlachtlinie aufstellte, Raum -zum Durchbrechen zu lassen. Auf dem linken Flügel stand die italische -Reiterei, auf dem rechten +Massinissa+, der mit den Römern verbündete -König von Ostnumidien, an der Spitze seiner numidischen Reiter. Auch -Hannibal ordnete sein Fußvolk in drei Linien. Vorn, gedeckt durch die -Reihe der Elefanten, die karthagischen Soldtruppen, hinter diesen -die libyschen Truppen, und darauf die Veteranen, die er aus Italien -hergeführt hatte. Auf den beiden Flügeln standen wie üblich die -Reitergeschwader. - -Gleich beim Beginn des Treffens wurden die Elefanten durch das -Kampfgeschrei und die Feldmusik der Römer, dann durch einen Hagel von -Geschossen scheu, brachen durch die Lücken der römischen Aufstellung -und warfen sich auf die Reiterei des eigenen Heeres. Diese geriet in -Unordnung und ergriff, als jetzt die römische zum Angriff vordrang, -die Flucht. So wurden gleich anfangs die Flügel des punischen Heeres -entblößt. Aber auch die Leichtbewaffneten in der ersten und zweiten -Linie der Karthager wurden nach kurzem Gefecht auf die Hauptkolonne -zurückgeworfen. Ganze Haufen von Erschlagenen lagen der vordringenden -ersten Linie der Römer im Wege und hinderten sie im weiteren -Vorrücken. Da ließ Scipio die zweite und dritte Linie eine Schwenkung -machen und in die Flanken des Feindes vordringen. Gleichwohl hielt das -punische Heer, von Hannibal rasch wieder gesammelt und geordnet, und -zumal seine italischen Kerntruppen noch tapfer stand, bis die römische -Reiterei von der Verfolgung der punischen zurückkam und dem Fußvolk in -den Rücken fiel. Dies entschied die Niederlage der Punier; 20000 lagen -tot auf dem Schlachtfelde, etwa ebenso viele wurden gefangen. Hannibal -selbst entkam mit wenigen Reitern. Er erkannte, daß fortan jeder -Widerstand vergeblich sei, und riet in Karthago dringend zum Frieden. - -Der Friede kam auf folgende Bedingungen zustande (201): die Karthager -behalten nur ihr Gebiet in Afrika, bezahlen 10000 Talente (über 47 -Mill. Mark) in 50 Jahren, liefern ihre 500 Kriegsschiffe bis auf 10 -aus, ebenso die Elefanten, und dürfen ohne Roms Genehmigung keinen -Krieg anfangen. Damit war die Macht und die Vorherrschaft Karthagos im -westlichen Mittelmeer gebrochen. Sicilien und die iberische Halbinsel -standen fortan als die ersten Provinzen des erstehenden römischen -Reiches (~imperium~) unter der Verwaltung römischer Statthalter. Nicht -lange, so gerieten auch die Küstenländer des östlichen Mittelmeeres -unter die Hoheit dieses Reiches. - -Nach seiner Rückkehr feierte Scipio in Rom einen Triumph, der alle -früheren an Bedeutung und Glanz übertraf, und erhielt den Ehrennamen -+Africanus+. - - -9. Hannibals und Scipios Ausgänge. - -Nach Abschluß des Friedens war Hannibal rastlos bemüht die durch den -langen Krieg erschöpften Kräfte seiner Vaterstadt wieder herzustellen -und einer besseren Zeit, auf die er immer noch hoffte, vorzusorgen. Vor -allem verwaltete er die Einkünfte und Ausgaben des Staates so weise und -sparsam, daß nicht nur die außerordentliche Kriegssteuer regelmäßig -an die Römer bezahlt wurde, sondern sogar noch ein Überschuß blieb. -Aber unter den Bürgern fehlte es ihm nicht an mächtigen Feinden, die, -von den Römern heimlich ermuntert, auf sein Verderben sannen. Um ihren -Nachstellungen zu entgehen, verließ er nach vier Jahren sein Vaterland -und ging zu +Antiochus+, dem König von Syrien, mit dessen Hilfe er -aufs neue einen Kampf gegen Rom zu beginnen hoffte. Dieser mächtige -König geriet einige Jahre später in Krieg mit Rom, den er auf Hannibals -Rat in Griechenland und Italien zu führen beschloß. Aber statt mit -aller Macht nach Italien zu gehen, zögerte er in Griechenland, bis ein -römisches Heer dort erschien und ihn bei +Thermopylä+ besiegte, worauf -er eiligst nach Asien zurückkehrte (191). Hier trat ihm im folgenden -Jahre der römische Konsul +Lucius Cornelius Scipio+ entgegen, dem sein -Bruder Publius, der Sieger von Zama, als Berater und eigentlicher -Leiter des Feldzugs beigegeben war. Die entscheidende Schlacht erfolgte -in Lydien bei +Magnesia+ am Berge Sípylos (190). - -Den Angriff machten die Syrer mit ihren furchtbaren Sichelwagen. -Aber die römischen Schleuderer und Bogenschützen scheuchten die -Pferde derselben durch ihre Geschosse und ihr Geschrei, sodaß sich -diese mit den Wagen wendeten und auf den einen syrischen Flügel -einstürmten, und als hier durch die Fliehenden eine Lücke entstand, -drangen die römischen Reiter ein und brachten denselben samt dem -ganzen Mitteltreffen in Verwirrung. Auf dem rechten Flügel dagegen war -Antiochus schon nahe daran das römische Lager zu erobern, als er von -der dort aufgestellten Besatzung so empfangen wurde, daß er sein Pferd -zur Flucht wandte und den Römern das Schlachtfeld überließ. Von den -Syrern waren 50000, von den Römern nur einige hundert Mann gefallen. - -Antiochus, gänzlich geschlagen, mußte in einem schimpflichen Frieden -Kleinasien bis an das Gebirge Taurus abtreten und 15000 Talente (über -70 Millionen Mark) zahlen. Auch gehörte zu den Friedensbedingungen -Hannibals Auslieferung. Dieser floh aber zu +Prúsias+, dem König -von Bithynien, der ihn sehr freundlich aufnahm und mit einer Burg -beschenkte. Hier lebte er eine Zeitlang in Frieden, richtete aber seine -Wohnung so ein, daß sie nach jeder Seite einen Ausgang hatte; denn er -zweifelte ebenso sehr an der beharrlichen Treue des Königs, als er von -dem Hasse der Römer gegen sich alles fürchtete. Und er irrte sich nicht. - -Als die Römer von dem Aufenthalte ihres größten Feindes Nachricht -erhalten hatten, schickten sie eine Gesandtschaft zu Prusias, an deren -Spitze Flaminius stand. Dieser bat den König um die Auslieferung -Hannibals. Der König scheute sich das Gastrecht zu verletzen, er -fürchtete aber nicht minder das Gesuch abzuschlagen. Er ließ daher -die Römer selbst hingehen, um sich Hannibals zu bemächtigen. Eines -Tages sah dieser sein Haus auf allen Seiten von Bewaffneten umringt -und keinen Ausweg zur Flucht mehr übrig. Eingedenk seiner großen -Vergangenheit wollte er sich nicht lebendig gefangen geben. „So will -ich denn endlich die Römer“, rief er aus, „von ihrer Angst befreien, da -sie den Tod eines alten Mannes doch nicht erwarten können!“ Darauf nahm -er das Gift, das er schon längst bei sich zu führen gewohnt war, und -starb, wie er gelebt hatte, voll Haß gegen die Römer (183), einer der -größten Feldherrn der alten wie der neuen Zeit, der furchtbarste Feind, -den Rom je zu bestehen hatte. - -In demselben Jahre endete auch das Leben seines großen Gegners Publius -Scipio, des Siegers von Zama. Auch dieser war dem Neide und der -Mißgunst seiner Mitbürger nicht entgangen. Er war als Unterfeldherr -seinem schwächlichen und wenig begabten Bruder Lucius im Krieg gegen -Antiochus nach Asien gefolgt, nach dessen siegreichem Ausgang jener -den Ehrennamen Asiaticus erhielt. Nach seiner Rückkehr wurde er nebst -seinem Bruder, auf Anstiften des +Cato+, angeklagt, sie wären von -Antiochus bestochen worden, um ihm einen milden Frieden zu gewähren, -und hätten einen Teil der Beute unterschlagen. Viele ehrliche, aber -allzu argwöhnische Bürger mißbilligten zwar eine solche Anklage gegen -einen so verdienstvollen Mann; dennoch ward Scipio von den Tribunen -vor das Volksgericht geladen. Und er erschien am bestimmten Tage, aber -wie ein Triumphator, das Haupt bekränzt, von zahlreichen Freunden -und Anhängern begleitet. Mitten durch die Versammlung schritt er zur -Rednerbühne. Aber anstatt sich gegen den schmählichen Vorwurf der -Bestechlichkeit und der Unterschlagung zu verteidigen, zerriß er -vor den Augen des Volkes die Rechnungen über seine und des Bruders -Amtsführung, und rief: „An diesem Tage habe ich einst Hannibal bei -Zama geschlagen und Karthago euch zinsbar gemacht. Laßt uns nicht -undankbar gegen die Götter sein! Auf! gehen wir aufs Kapitol, um ihnen -zu danken!“ Mit diesen Worten verließ er die Bühne und stieg zum nahen -Kapitol hinan. Alles Volk brach in Beifall aus und folgte ihm, nur die -Tribunen blieben, beschämt und verhöhnt, allein auf dem Platz zurück. -Scipio wurde von dem Volke zuerst auf das Kapitolium, dort zum Tempel -des Jupiter und endlich in seine eigene Wohnung zurückbegleitet. So -ward dieser Tag der Anklage für ihn fast noch ehrenvoller als der Tag -seines Triumphes. - -Da aber die Anfeindungen seiner Neider und Gegner gleichwohl nicht -nachließen, so erfüllte sich das Gemüt des stolzen Mannes mit solcher -Bitterkeit, daß er nicht mehr inmitten so vieler Undankbarkeit weilen -mochte: er verließ Rom und zog sich auf sein Landgut Liternum in -Campanien zurück. Aber der Haß der Tribunen verfolgte ihn auch hier. -Sie erneuerten ihre Anklage; vergebens entschuldigte ihn sein Bruder -durch eine Krankheit. Erst als Tiberius Gracchus, sonst ein Feind der -Scipionen, eine solche Anklage für eine des römischen Staates unwürdige -Handlung erklärte, ließen die Tribunen davon ab. Scipio aber verlebte -den Rest seiner Tage in Liternum, ohne je nach Rom zurückzukehren. Ja -der Groll gegen seine Vaterstadt war so groß, daß er seiner Gattin -befahl seinen Leichnam nicht in dem Grabmal der Scipionen an der -appischen Straße, nahe vor Rom, sondern in Liternum beizusetzen und -dort auf sein Grab die Worte zu schreiben: „Undankbare Vaterstadt, auch -meine Gebeine sollst du nicht haben!“ - - - - -XXI. - -Kriege gegen Makedonien. Ämilius Paulus. -- Der jüngere Scipio -Africanus. Karthagos Zerstörung. - - -Nachdem die Römer aus dem zweiten punischen Kriege, der anfangs ihren -Staat mit dem Untergang bedroht hatte, siegreich hervorgegangen waren, -dehnten sie ihre Eroberungen auch nach Osten aus, wo sie den Kampf -mit den aus Alexanders des Großen Weltmonarchie entstandenen Reichen -begannen. Schon ehe Lucius Scipio, wie bereits erwähnt, Antiochus, -den König von Syrien, bei Magnesia besiegte, war Philippus III. von -Makedonien, der im punischen Kriege auf Hannibals Seite getreten war, -in der Schlacht bei +Kynosképhalä+ in Thessalien, wo die berühmte -makedonische Phalanx den römischen Legionen gegenübertrat, von -+Quinctius Flamininus+ geschlagen worden (197). Im Frieden mußte -Philippus alle seine Eroberungen in Griechenland herausgeben, worauf -Flamininus, für griechische Bildung begeistert, bei den isthmischen -Spielen Griechenlands Freiheit verkündigte. Die Griechen sollten fortan -nach eigenen Gesetzen leben, keine fremde Besatzung im Lande haben und -keinen Tribut bezahlen. - -König Philipp suchte zwar den Frieden mit dem stetig vordringenden -Rom solange als möglich zu erhalten, erkannte aber die seinem Reiche -von dort dräuende Gefahr und traf alle Vorbereitungen zu einem neuen -Kriege, der auch bald nach seinem Tode unter seinem Sohne +Perseus+ zum -Ausbruch kam. Die Römer führten diesen Krieg in den ersten Jahren sehr -lässig, und erst +Ämilius Paullus+ erzwang durch den entscheidenden -Sieg bei +Pydna+ die Unterwerfung Makedoniens (168). - -Kurz vor dieser Schlacht trat eine Mondfinsternis ein, die ein -römischer, der Astronomie kundiger Oberst, Sulpicius Gallus, dem Heere -vorhergesagt und erklärt hatte, damit sie dieselbe nicht für ein -böses Vorzeichen halten möchten, während die Makedoner sie für ein -Unglückszeichen hielten und vor Angst laut schrieen. Als die Schlacht -begann, bot der starre Lanzenwald der dichtgeschlossenen makedonischen -Phalanx den Römern einen so furchtbaren Anblick dar, daß es lange Zeit -nicht gelingen wollte die Legionen zum Angriff heranzubringen. Erst -als Ämilius hier und da Lücken bemerkte, befahl er in Keilstellung -sich in die Lücken einzudrängen, und während die Elefanten den einen -seiner Flügel zum Weichen brachten, sprengte er selbst mit einer Legion -die Mittelstellung des Feindes. So ward der Sieg in +einer+ Stunde -entschieden; 20000 Makedoner bedeckten das Schlachtfeld, 11000 wurden -gefangen. Bald darauf war Perseus genötigt sich mit den Seinigen den -Römern zu ergeben. - -Ämilius Paulus feierte zu Rom einen dreitägigen Triumph und brachte -eine unermeßliche Beute heim. In allen Straßen und auf allen freien -Plätzen waren Schaugerüste für das Volk errichtet; alle Tempel -waren geöffnet und strömten, mit Kränzen geschmückt, den Duft des -köstlichsten Weihrauchs aus. Am ersten Tage wurden die erbeuteten -Gemälde, Bildsäulen, Vasen und sonstiges Kunstgerät auf 250 Wagen -aufgeführt. Am zweiten Tage wurden die eroberten Waffen und Rüstungen -im hellsten Glanze und in kunstreicher Anordnung umhergefahren, -darauf 750 Gefäße mit gemünztem Silber, zuletzt die kunstvollsten -Silbergeräte der verschiedensten Art, von zahlreichen Trägern -vorübergetragen. Am dritten Tage eröffneten 120 bekränzte Opferstiere -den Zug; ihnen folgten festlich geschmückte Knaben und Jünglinge mit -Opfergefäßen; dann kam des Perseus Schatz und sein Wagen mit dem Diadem -und Waffenschmuck, endlich seine Kinder, Perseus selbst mit verstörtem -Gesicht, samt seiner Gemahlin und Verwandtschaft. Alsdann wurden -400 goldene Ehrenkronen, welche die griechischen Städte dem Sieger -gewidmet hatten, vorbeigetragen. Den Schluß machte Ämilius selbst auf -einem mit vier weißen Rossen bespannten Triumphwagen in goldgesticktem -Purpurgewand, einen Lorbeerzweig in der Hand, und hinter ihm das -siegreiche Heer. - -Perseus endete in römischer Gefangenschaft. Makedonien wurde in vier -gänzlich von einander getrennte Gemeinwesen geteilt. Mit dem Siege bei -Pydna war Roms Oberherrschaft auf der Balkanhalbinsel entschieden. - - -Bei all diesen Erfolgen aber blieb die Aufmerksamkeit der Römer auch -auf Karthago gerichtet, das, an günstigster Stelle der afrikanischen -Nordküste gelegen, durch seinen Handel, durch die Fruchtbarkeit und den -Reichtum des Landes sich von neuem zu einem Wohlstand erhoben hatte, -welcher den Neid und das Mißtrauen der Römer erregte. Sie ruhten nicht -eher, als bis die alte Nebenbuhlerin gänzlich vernichtet war. Der Ruhm, -Rom von dieser noch immer nicht ungefährlichen Stadt befreit zu haben, -fiel dem Publius +Cornelius Scipio Ämilianus+ zu. - -Dieser Mann war der Sohn jenes Ämilius Paullus, der den makedonischen -König Perseus überwunden hatte. Er war ein tapferer und einsichtiger -Soldat, wenn auch kein großer Feldherr, von reiner edler Sinnesweise, -von einer Bildung, die ihn über alle seine Standesgenossen erhob, ein -Kenner und Freund hellenischer Kunst, Literatur und Wissenschaft. -Er war von dem kinderlosen Sohne des großen Scipio an Sohnes statt -angenommen, führte deshalb nach römischer Sitte dessen Namen und -außerdem, zur Erinnerung an sein väterliches Geschlecht den Beinamen -Ämilianus. Nachdem er während der Belagerung Karthagos sich als der -tüchtigste Offizier des Heeres bewährt hatte, wurde ihm der Oberbefehl -übertragen. Dieser Krieg aber hatte folgende Veranlassung. - -+Massinissa+, König von Numidien, den die Römer den Karthagern zum -Nachbar und Aufseher hingestellt hatten, beunruhigte diese unaufhörlich -und nahm ihnen Provinzen und Städte weg. Die wiederholten Klagen der -Karthager fanden in Rom kein Gehör. Als sie endlich gegen ihn zu den -Waffen griffen, sah der römische Senat darin eine Verletzung des -Friedens. Der Mann, der fortwährend im Senate zur Zerstörung Karthagos -aufreizte, war der schon oben (S. 90) erwähnte +Marcus Porcius Cato+. - -Dieser Mann übte in Rom einen großen Einfluß auf den Senat wie auf das -Volk. Als Bauer im Sabinerlande geboren, war er Zeit seines Lebens von -derben bäuerischen Sitten geblieben, und ein erbitterter Feind der -feineren griechischen Bildung und der damit verbundenen Sittenänderung. -Wie er im punischen und makedonischen Kriege sich in vielen Schlachten -hervorgetan, so war er auch im Frieden unermüdlich im Dienste des -Staates und erreichte die höchsten Ämter. Als Zensor übte er gegen alle -Bürger, selbst die vornehmsten, welche sich ihres Standes unwürdig -benommen hatten, eine unnachsichtige Strenge. Man nennt ihn deshalb, -zum Unterschiede von dem gleichnamigen Gegner Cäsars, Censorius. Zur -Prüfung einer Streitsache zwischen Karthago und Massinissa war er nach -Afrika geschickt worden, und sah mit Erstaunen und Sorge, wie sehr sich -die Stadt in dem halben Jahrhundert des Friedens wieder gehoben hatte. -Handel und Verkehr blühten, die Volkszahl war so groß wie ehemals, der -Kriegshafen voll von Schiffen und die Zeughäuser angefüllt mit Waffen -und aller Art von Kriegsgerät. Seit dieser Zeit stimmte Cato für die -Zerstörung Karthagos und fügte jedem Vortrage, den er im Senat hielt, -die Worte hinzu: „Übrigens bin ich der Meinung, daß Karthago zerstört -werden muß.“ Einst brachte er einige Feigen in die Senatsversammlung. -Als die Senatoren deren Größe und Schönheit bewunderten, sagte er: -„Diese Feigen sind erst vor drei Tagen in Karthago gepflückt worden; so -schöne Frucht trägt dies feindliche Land, und so nahe sind wir ihm.“ -Durch solche und ähnliche Künste suchte Cato den Senat für seinen -Vorschlag zu gewinnen. - -Vergeblich erhob sich im Senat ein lebhafter Widerspruch gegen ein so -ungerechtes und zugleich unkluges Verfahren. Man besorgte mit Recht, -daß die Kräfte der Römer erschlaffen oder sich gegen den Staat selbst -richten würden, wenn sie nicht mehr durch Furcht vor der Nebenbuhlerin -angespannt oder nach außen geleitet würden. Endlich drang jedoch -Cato mit seiner Meinung durch. Als bald darauf Karthago, durch die -unablässigen Übergriffe Massinissas gereizt, sich mit Waffengewalt -gegen ihn erhob, benutzte der römische Senat diesen Anlaß, um die Stadt -des Friedensbruches anzuklagen, und die Konsuln erhielten den Befehl, -von Sicilien aus nach Afrika zu gehen und den Krieg gegen Karthago zu -beginnen (149). - -Als die Karthager davon hörten, gerieten sie in die größte Bestürzung. -Im Gefühl ihrer Schwäche schickten sie zu wiederholten Malen Gesandte -nach Rom und unterwarfen sich gänzlich dem Willen der Römer. Der -Senat nahm ihre Unterwerfung an und befahl ihnen dreihundert Geiseln, -Söhne ihrer vornehmsten Bürger, nach Sicilien zu bringen und den -Konsuln Folge zu leisten. Die Geiseln wurden gestellt, aber die -Konsuln segelten gleichwohl mit ihrem Heere nach Afrika. Bei der -Ankunft eines so großen Heeres schickten die Karthager von neuem eine -Gesandtschaft an die Konsuln, um sie zu fragen, was sie tun sollten, -und mit dem Versprechen, daß sie alles zu tun bereit wären. Die Konsuln -verlangten, die Karthager sollten ihre vorrätigen Schiffe, Waffen und -Kriegsmaschinen ausliefern. Die Karthager stellten ihnen vor, daß sie -von inneren und äußeren Feinden umgeben wären und also ihrer Waffen -bedürften. Allein die Konsuln antworteten in stolzem Tone: „Rom wird -für eure Sicherheit sorgen.“ Und Karthago gehorchte noch einmal. Die -Schiffe wurden verbrannt, die Kriegsgeräte ausgeliefert. Ihre Zahl soll -sich auf 200000 schwere Rüstungen und 3000 Katapulten (Wurfmaschinen) -belaufen haben. Hierauf riefen die Konsuln die vornehmsten Senatoren -der Karthager zu sich, um ihnen die letzten Befehle des römischen -Senats zu eröffnen. Sie erschienen, ein ehrwürdiger Zug von dreißig -Greisen, denen eine nicht minder ehrwürdige Anzahl von Priestern und -vornehmen Männern folgte. Jetzt verlangten die Konsuln im Namen des -Senats: die Karthager sollten ihre Stadt verlassen und eine andere -bauen, die über 10000 Schritte weit vom Meer entfernt wäre Und keine -Mauern hätte; denn das jetzige Karthago müsse dem Erdboden gleich -gemacht werden. - -Mit Entsetzen hörten die Abgeordneten diese furchtbaren Befehle, -und brachen in so herzergreifendes Wehklagen aus, daß selbst das -umstehende Kriegsvolk dadurch gerührt wurde. Aber die Konsuln blieben -erbarmungslos, sie bestanden auf ihrer Forderung, und die Gesandten -kehrten ganz entmutigt nach Karthago zurück. Hier aber, als sich die -Schreckenskunde verbreitete, bemächtigte sich des Volkes eine rasende -Wut und Verzweiflung. Die Wut wendete sich zuerst gegen diejenigen der -Senatoren, die zur Auslieferung der Geiseln und Waffen geraten hatten. -Andere ergriffen die Abgeordneten, steinigten sie und schleiften -ihre Körper durch die Straßen der Stadt. Noch andere ermordeten alle -anwesenden Italiker oder zogen mit Hohngelächter in die Tempel der -Götter, die, wie sie sagten, nicht einmal Kraft genug zu ihrer eigenen -Verteidigung hätten. Nur wenige behielten bei der allgemeinen Aufregung -einige Besonnenheit. Diese verschlossen die Tore der Stadt und trugen -eine große Menge Steine auf die Mauern, um damit wenigstens den ersten -Angriff zurückzutreiben. - -Als die Heftigkeit des ersten Schmerzes vorüber war, versammelten -sich die Senatoren von neuem. Alle waren entschlossen ihre Stadt aufs -äußerste zu verteidigen und entweder zu siegen oder zu sterben. Eine -rastlose Tätigkeit begann und setzte alles in Bewegung. Die Verbrecher -wurden aus den Gefängnissen erlöst, die Sklaven freigelassen, -die Verbannten zurückgerufen und alle Einwohner zum Waffendienst -verpflichtet. Aber nun fühlte man den Mangel an Waffen. Da wandelten -sich alle Tempel und öffentlichen Gebäude in Werkstätten. Alle, ohne -Unterschied des Standes und Alters, Männer und Weiber, arbeiteten Tag -und Nacht an der Verfertigung von Waffen. Überall suchte man Eisen -und Erz zusammen und nahm sogar den Gold- und Silberschmuck von den -Bildnissen der Götter. Die Weiber schnitten ihre Haare ab, um daraus -Stricke zu drehen. Bei einem solchen Eifer wurden täglich 140 Schilde, -300 Schwerter, 500 Lanzen und 1000 Wurfspeere verfertigt. Sogar fünfzig -neue Kriegsschiffe wurden gebaut. - -Die Konsuln hatten indessen mit ihrem Angriff gezögert. Als sie -endlich heranrückten, um die Stadt mit Sturm zu nehmen, wurden sie -zurückgeschlagen. Außerdem war Hasdrubal, ein verbannter Karthager, -mit 20000 Vertriebenen zurückgekehrt. So verteidigten sich die -Karthager zwei Jahre lang (149-147) mit verzweifeltem Mute, und alle -Anstrengungen der römischen Feldherren blieben ohne Erfolg. - -Da wählten die Römer, des langen Zauderns müde, den +P. Cornelius -Scipio+ zum Konsul und übertrugen ihm den Oberbefehl gegen Karthago. -Scipio fand ein zuchtloses und träges Heer; die Herstellung der -Kriegszucht war daher seine erste Sorge. Dann legte er große Wälle und -Dämme an, um den Karthagern die Zufuhr vom Lande und von der Seeseite -her abzuschneiden. Aber die Karthager gruben auf der inneren Seite des -Hafens eine neue Mündung ins Meer hinaus. Da sie die Arbeit ganz geheim -betrieben hatten, so erstaunten die Belagerer nicht wenig, als sie -eines Tages die Feinde mit 50 Kriegsschiffen heranfahren sahen. Scipio -schlug sie jedoch in einem Seegefechte, und machte nun Anstalt zur -Bestürmung der Stadt und rückte an die Mauer. Im Frühling des Jahres -146 erstürmte er zuerst den unteren Teil der Stadt, der an die Häfen -stieß, während die Burg Byrsa und die zunächst anstoßenden Straßen -noch von Feinden besetzt blieben. Hier waren die Häuser am höchsten -und ein jedes mußte von den Römern, während die Punier Geschosse jeder -Art schleuderten, mit stürmender Hand genommen werden. In den Straßen, -in den Häusern, sogar auf den Dächern wurde gekämpft. Und als nun die -äußerste Häuserreihe genommen war, befahl Scipio das ganze Quartier -anzuzünden, um einen freien Raum für die Bestürmung der Burg selbst -zu gewinnen. Sechs Tage vergingen, ehe die entsetzliche Verwüstung -vollendet und die Trümmer- und Leichenhaufen weggeräumt waren. Am -siebenten Tage kamen 25000 Frauen aus der Burg herab und baten um -Schonung ihres Lebens. Scipio bewilligte ihre Bitte. Darauf kamen -30000 Männer und verlangten dieselbe Gnade. Noch wollte Hasdrubal, -der Befehlshaber der Burg, nichts von Übergabe wissen. Mit Weib und -Kind und mit 900 römischen Überläufern zog er sich zuletzt in das -hohe Tempelgebäude des Äsculapius (des Gottes der Heilkunst) zurück. -Als aber die Römer auch bis zu dieser äußersten Höhe herangerückt -waren, verließ ihn der Mut. Ohne Mitwissen der anderen kam er mit -einem Ölzweige in der Hand und bat zu Scipios Füßen um Frieden. Seine -Gattin und die übrigen zündeten den Tempel an und stürzten sich in die -Flammen. Die noch nicht zerstörten Teile der Stadt wurden darauf zur -Plünderung den Truppen preisgegeben; nur die Beute der Tempel an Gold, -Silber und Kunstwerken behielt Scipio für den öffentlichen Schatz. Die -meisten Einwohner wurden als Sklaven verkauft; viele, unter ihnen auch -Hasdrubal, wurden als Gefangene an einzelne italische Städte verteilt -und von diesen bis zu ihrem Tode in Haft gehalten. Der Senat beschloß, -daß Karthago dem Erdboden gleich gemacht und jeder verflucht sein -sollte, der je die Stätte desselben wieder bebauen würde. Nach diesem -Beschluß wurden auch die noch stehenden Reste der Stadt angezündet. -Siebzehn Tage brannte die vorher von 700000 Menschen bevölkerte, über -700 Jahre alte gewaltige Stadt. Eines Tages beschaute Scipio an der -Seite seines Freundes, des griechischen Geschichtschreibers Polybios, -von einer Anhöhe aus die rauchenden Trümmer der Stadt, deren Flotten -einst die Meere beherrscht hatten. Eine tiefe Wehmut ergriff ihn, da er -der Hinfälligkeit aller Menschenmacht und Menschenglückes gedachte, und -er erinnerte sich und die Freunde jener Worte, die der Dichter Homer -dem Priamos in den Mund legt: - - Einst wird kommen der Tag, da die heilige Ilios hinsinkt, - Priamos selbst und das Volk des lanzenkundigen Königs. - -Scipio erhielt von der Zerstörung Karthagos den Ehrennamen Africanus, -und wird, um ihn von dem älteren Scipio, dem Sieger bei Zama, zu -unterscheiden, der jüngere Afrikaner (~Africanus minor~) genannt. Das -Gebiet Karthagos ward unter dem Namen Afrika eine römische Provinz. - -In demselben Jahre, als Karthago fiel, wurde auch Makedonien in eine -römische Provinz verwandelt, und auch das freie Griechenland infolge -einer Empörung unter den Statthalter von Makedonien gestellt, nachdem -die große und reiche Stadt Korinth durch den Konsul +Mummius+ erobert -und zerstört worden war (146). - - -Nachdem Scipio zwölf Jahre in Ruhe und Muße, mit den Wissenschaften -beschäftigt, gelebt hatte, wurde ihm eine neue Gelegenheit zu -kriegerischer Auszeichnung zuteil. Die Veranlassung zu diesem neuen -siegreichen Feldzug bot der Kampf gegen die Stadt +Numántia+ in Spanien. - -In dieser Provinz hatte die Habsucht, die Willkür und rohe Grausamkeit -der römischen Statthalter, von denen einer sogar wehrlos versammelte -Einwohner, die sich unterwarfen, niederhauen ließ, eine allgemeine -Empörung erregt. An die Spitze stellte sich +Viriáthus+, ein kühner -Lusitanier. Gewöhnt an ein freies Leben im Gebirge, abgehärtet, -gewandt, kräftig von Körper, keine Gefahr scheuend, geliebt von seinen -Landsleuten, vertraut mit dem Boden seines bergigen Vaterlandes, -verstand er sein Volk zum Kampf für die Freiheit zu begeistern. So -verteidigte er sich acht Jahre lang (148-140) gegen die römischen -Feldherren, bis er endlich durch Meuchelmord fiel. - -Aber auch nach seinem Tode dauerte der Freiheitskampf der Spanier -fort. Den heftigsten Widerstand leistete zuletzt die Stadt +Numántia+. -Sie lag auf der altkastilischen Hochebene, am Flusse Durius (Dūero), -auf steiler Höhe, von Talschluchten und Wäldern umgeben; Wälle und -Gräben schützten den einzigen Zugang aus der Ebene. Die keltiberischen -Einwohner, unter ihnen gegen 8000 wehrhafte Männer, waren wegen ihrer -kriegerischen Tüchtigkeit bekannt. Schon sieben Jahre lang hatten sie -sich gegen die römischen Angriffe behauptet, und in Rom begann man -unruhig und besorgt zu werden. Man zieh die bisherigen Führer der -Unfähigkeit oder des Verrats und meinte, nur Scipio, der Zerstörer -Karthagos, könne hier helfen. So übertrug ihm das Volk den Heerbefehl -in Spanien (134). - -Bei seiner Ankunft im Lager fand er die Kriegszucht im Heere gänzlich -erschlafft; im Lager wimmelte es von Krämern, Schenkwirten und -Gesindel; die Soldaten lebten nur in Lust und Spiel. Die Herstellung -der alten Mannszucht beschäftigte ihn daher ein ganzes Jahr. Er übte -die der Arbeit entwöhnten Soldaten unaufhörlich und mit unerbittlicher -Strenge im Lagerbau, Lasttragen, Marschieren, in Manövern und -Streifzügen. Da er die Stadt auszuhungern gedachte, so vermied er einen -Sturm, rückte aber immer näher an sie heran, schloß sie mit Wall und -Graben ein und schnitt ihr so von allen Seiten die Zufuhr ab. Da der -reißende Strom des Duero die Linie der Einschließung unterbrach und den -Bau einer Brücke nicht zuließ, so baute er an beiden Ufern Kastelle, -von denen aus schwere, mit Seilen aneinander hangende Balken, die -rundum von Sicheln und eisernen Spitzen starrten, über das Wasser von -einer Seite zur andern gespannt wurden, so daß man weder schwimmend -noch fahrend den Fluß hinabkommen konnte. Das Heer hatte Scipio bis auf -60000 Mann gebracht und die Belagerten bei mehrmaligen Ausfällen mit -großem Verlust zurückgeschlagen. Schon währte die Belagerung fünfzehn -Monate; die Hungersnot wütete unter den Numantinern; Gras und das -Lederwerk von den Waffen dienten zur Nahrung; man verzehrte Leichname, -und die Mütter schlachteten zuletzt ihre Kinder. Endlich baten die -Belagerten um Frieden. Aber Scipio verlangte Übergabe auf Gnade oder -Ungnade. Die Gesandten, welche diesen Bescheid brachten, wurden von den -verzweifelten Einwohnern erschlagen; dennoch blieb ihnen nichts anderes -übrig. Sie öffneten die Tore, baten aber die Römer erst am dritten -Tage einzuziehen. Diese Frist benutzte ein Teil der Einwohner sich -durch freiwilligen Tod der Knechtschaft zu entziehen. Der kleine Rest, -von Elend und Krankheit furchtbar entstellt, ergab sich dem Sieger. -Sie wurden als Sklaven verkauft; nur fünfzig sparte Scipio für seinen -Triumph auf. Die Stadt wurde gänzlich zerstört. Scipio erhielt von -dieser Eroberung einen zweiten Beinamen, +Numantīnus+. - -Als er nach Rom zurückgekehrt war, stand er in den dort ausgebrochenen -blutigen Parteikämpfen auf der Seite des Adels gegen die von den -Gracchen geführte Demokratie, bis er, wahrscheinlich ein Opfer des -Parteihasses, starb. Nachdem er in einer Volksversammlung eine dem -Volkswillen abgünstige Rede gehalten, fand man ihn am folgenden Tage -tot im Bette; der Dolch eines Meuchelmörders hatte ihn getroffen (129). -Wer die Tat verübt und auf wessen Anstiften, ist niemals aufgehellt -worden. - - - - -XXII. - -Die beiden Gracchen. - - -Jener Tiberius Sempronius Gracchus, der sich des älteren Scipio gegen -seine Ankläger angenommen hatte (S. 91), vermählte sich in der Folge -mit dessen Tochter +Cornelia+. Einst, erzählt man, ergriff er auf -seinem Lager ein Paar Schlangen. Die Wahrsager, über dies schreckhafte -Zeichen befragt, erklärten, daß, wenn das männliche Tier getötet würde, -dies dem Tiberius, der Tod des weiblichen aber der Cornelia den Tod -bringen werde. Da ließ Tiberius, in edler Gattenliebe, das männliche -töten, das andere aber verschonen, und nicht lange hernach starb er. -Cornelia aber gab ihren beiden Söhnen +Tiberius+ und +Gajus+, und ihrer -Tochter Sempronia, die sich später mit dem jüngeren Scipio Africanus -vermählte, die sorgfältigste Erziehung. Einst erhielt sie den Besuch -einer vornehmen Campanerin, welche ihren reichen Schmuck von Gold und -kostbaren Steinen vor ihr ausbreitete. Als sie dann Cornelia bat, sie -möchte ihr nun auch den ihrigen zeigen, da ließ die stolze Römerin -ihre beiden Söhne kommen und sagte, auf sie hinweisend: „Diese sind -mein Schmuck, meine Kleinodien.“ - -Zum Jüngling herangewachsen, machte der ältere, +Tiberius Sempronius -Gracchus+, mit seinem Schwager Scipio als dessen Zeltgenosse den -Kriegszug gegen Karthago mit. Er zeichnete sich hier durch Pflichttreue -und Tapferkeit aus und erstieg zuerst von den Römern die Mauer der -Stadt. Später ging er als Quästor (Schatzmeister) mit dem Konsul -Mancīnus nach Spanien in den Krieg gegen die Numantiner. Als dieser -ungeschickte Feldherr einst, nach vielen großen Verlusten, aufbrechen -und das Lager verlassen wollte, wurde er mit seinem ganzen Heere -von den Numantinern eingeschlossen und in Gegenden gedrängt, die -keine Flucht zuließen. Mancinus, an aller Rettung verzweifelnd, -schickte Gesandte an die Numantiner um Waffenstillstand und -Friedensunterhandlungen. Die Numantiner erklärten, daß sie allein -zu Tiberius Vertrauen hätten und nur mit ihm unterhandeln wollten. -So ward denn Tiberius gesandt, und er schloß mit den Feinden einen -Friedensvertrag, der dem römischen Staate 20000 Bürger rettete. Als -er aber nach Rom zurückkehrte, ward der ganze Vertrag vom Senate -verworfen, und der Beschluß gefaßt, daß alle Befehlshaber, die sich an -dem Abschluß des schmachvollen Vertrages beteiligt hätten, dem Feinde -ausgeliefert werden sollten. Doch des Tiberius menschenfreundliche -Denkungsart, sein leutseliges Wesen und seine Rechtlichkeit hatten -ihm bereits die Volksgunst in solchem Grade gewonnen, daß seine -Auslieferung abgelehnt wurde. So wurde nur der Konsul Mancinus -ausgeliefert, aber die Numantiner waren edelmütig genug dieses -Sühnopfer des Vertragsbruchs nicht anzunehmen und den unglücklichen -Mann unverletzt zu entlassen. - -Doch nicht seine Taten im Felde, sondern seine Wirksamkeit im Staate -war es, die den Tiberius berühmt gemacht hat. Schon früh hatte Cornelia -den Ehrgeiz ihrer Söhne geweckt und genährt. „Warum rühmt man mich“, -sagte sie zu ihnen, „immer nur als die Schwiegermutter des Scipio und -nicht auch als die Mutter der Gracchen? Den Kriegsruhm eures Schwagers -werdet ihr einst übertreffen oder erreichen; aber eine andere nicht -minder ehrenvolle Laufbahn steht euch offen, durch weise Gesetze für -das gemeine Wohl des Volkes zu sorgen.“ - -Diesen von der Mutter angedeuteten Weg schlug jetzt Tiberius ein. -Erbittert durch den ihm in der numantinischen Sache angetanen Schimpf, -wandte er sich von seinen adligen Standesgenossen ab, um fortan die -Sache des Volkes zu vertreten und die Vorherrschaft des Adels im Staate -und in der Ausnutzung des Staatsgutes zu bekämpfen. Zu diesem Zwecke -bewarb er sich um das Volkstribunat für das Jahr 133, und ward unter -großem Beifall des Volkes gewählt, das seit langer Zeit von gärender -Unzufriedenheit erfüllt war. - -Der Grund bestand darin, daß bei weitem der größte Teil alles Landes -in Italien in den Besitz der reichen herrschenden Familien, der -Optimaten, gekommen war, während die große Masse der eigentlichen -Bauern mehr und mehr verarmt war und ihre kleinen Höfe verkaufen oder -ihren harten Gläubigern überlassen mußten. Und doch waren sie es, die -in den unaufhörlichen Kriegen Roms den Kern des Heeres bildeten und -ihr Blut für die Eroberungen des Staates vergossen. Um nun dieser -für den Bestand des Staates so wichtigen Klasse von Bürgern einen -neuen Grundbesitz zu verschaffen, erneuerte Tiberius als Volkstribun -jenes alte licinische Gesetz (S. 47), daß kein Bürger mehr als 500 -Morgen des ursprünglich dem Staate gehörigen Landes (~ager publicus~) -besitzen sollte. Dies Land war nämlich den unterworfenen Städten und -Gemeinden Italiens abgenommen und als Eigentum des römischen Staates -gegen geringen Pachtzins an vornehme römische Bürger vergeben worden -und bildete einen großen Teil alles anbaufähigen Landes der Halbinsel. -Der Staat hatte demnach das Recht diesen Besitz zurückzunehmen oder -einzuschränken, zumal er nur den großen Familien zugute kam. Jedoch -erlaubte das neue Gesetz, daß ein Familienvater für jeden Sohn, der -noch unter seiner Aufsicht lebte, 250 Morgen mehr besitzen dürfe. -Alles übrige Land sollte eingezogen und, zu kleinen Gütern vermessen, -unter die besitzlosen Bürger verteilt werden. Um dieses Gesetz -durchzuführen, verband sich Tiberius mit einer Anzahl der angesehensten -und wohlmeinendsten Männer, welche seine politischen Ansichten teilten; -unter ihnen war sein Schwiegervater Appius Claudius, der Oberpriester -Crassus und der große Rechtsgelehrte Mucius Scävola. - -Es war natürlich, daß Tiberius durch seinen Vorschlag die Gunst -des Volkes in vollstem Maße gewann, dagegen aber auch den Haß und -den Widerstand der herrschenden Partei aufs heftigste reizte. Mit -hinreißender Beredsamkeit schilderte er die traurige Lage des armen -Volkes: „Die Tiere des Feldes und Waldes haben ihre Gruben und Nester, -und jedes findet eine Stätte zum Ruhen. Aber die Männer, die für -Italien bluten und sterben, haben nur Anteil an Luft und Licht; ohne -Häuser, ohne feste Wohnsitze irren sie umher mit Weib und Kind. Was -will es noch bedeuten, daß der Heerführer seine Krieger, wenn es in die -Schlacht geht, ermahnt, für Haus und Herd und die Gräber ihrer Väter zu -fechten? Keiner von all den Tausenden besitzt mehr die Stelle, da einst -die Hausgötter seiner Vorfahren standen, oder wo ihre Väter begraben -liegen. Für anderer Wohlleben und Reichtum kämpfen und fallen sie, und -werden Herren der Welt genannt, die doch selbst keine Scholle mehr zu -eigen besitzen.“ - -Gegen den Vorschlag des Tiberius erhob sich, wie zu erwarten gewesen, -der heftigste Widerstand, und die Erbitterung der Gemüter stieg auf -beiden Seiten, bis endlich der Tag herannahte, an welchem in der -Volksversammlung über das Gesetz abgestimmt werden sollte. Als Tiberius -an diesem Tage seinen Vorschlag noch einmal dem Volke vortrug, trat -plötzlich ein anderer Tribun, +Octavius+, auf und hinderte durch seine -Einsprache die Verlesung des Vorschlags und die Abstimmung darüber. -Diesen Tribunen hatten die Optimaten für sich gewonnen, da sie sonst -kein Mittel hatten, das Gesetz, das ihrer schrankenlosen Habsucht -Grenzen setzte, zu hintertreiben. Denn nach dem geltenden Rechte konnte -kein Vorschlag Gesetzkraft erhalten, wenn auch nur einer der zehn -Tribunen dagegen Einspruch tat. - -Vergebens suchte Tiberius den Gegner umzustimmen. In der Meinung, -jener befürchte selbst bei der Verteilung des Landes Verlust an seinem -Eigentum, bot er ihm Ersatz aus seinem eigenen Vermögen an. Als auch -dies nichts fruchtete, verließ ihn seine bisherige Geduld. Die milden -Bestimmungen seines Vorschlages zugunsten der Söhne nahm er weg; von -jetzt an sollte jeder Reiche nur 500 Morgen und ohne alle Entschädigung -für das, was er verlor, behalten. Die Reichen legten Trauerkleider an -und suchten Mitleid bei der Bürgerschaft zu erregen; aber heimlich -sollen sie Meuchelmörder gedungen haben, um den tödlich gehaßten Mann -aus dem Wege zu räumen. Dieser trug fortan einen Dolch, sprach vor -dem Volke von seiner Gefahr, und ging nicht mehr ohne Geleit seiner -Anhänger aus dem Hause. Oft war eine Schar von 3-4000 Menschen um ihn. - -In der nächsten Volksversammlung befahl Tiberius von neuem die -Verlesung seines Vorschlags, und Octavius wiederholte seine -Einsprache. Die Volksmenge geriet in Aufruhr. Als Tiberius dennoch -zur Abstimmung schreiten wollte, bemerkte man, daß die Urnen, worein -die Stimmtäfelchen geworfen wurden, weggenommen waren. Wie nun die -Volksmenge immer heftiger tobte und Octavius nicht nachgeben wollte, -rief Tiberius: „Ich weiß kein anderes Mittel als dies, daß einer von -uns sein Amt niederlege. Laß du das Volk über mich zuerst abstimmen; -wenn es mich meiner Würde entsetzt, so gehe ich als Privatmann nach -Hause.“ Da Octavius auch dies versagte, so beschied Tiberius das Volk -auf den anderen Tag wieder, um über die Absetzung zu entscheiden. - -Am anderen Tage wiederholte Octavius abermals seinen Widerspruch. Da -ließ Tiberius über seine Absetzung stimmen. Als nahezu der größere -Teil des Volkes sich gegen Octavius ausgesprochen hatte und seine -Absetzung schon fast gewiß war, trat Tiberius vor aller Augen auf -Octavius zu, umarmte ihn und bat ihn flehentlich, er möge nachgeben. -Octavius, zu Tränen gerührt, war einige Augenblicke unschlüssig. -Als er aber seine Augen auf die nahe Schar der Optimaten warf, da -befiel ihn Scham, und er hieß den Gracchus tun was er wolle. So ward -Octavius seines Amtes entsetzt, und kaum entging er den Händen des -erbitterten Volkes. Das Gesetz des Tiberius ward nun genehmigt, und -drei Männer zu seiner Ausführung gewählt: er selbst, sein Bruder Gajus -und sein Schwiegervater Appius Claudius. Aber Tiberius hatte durch -die Amtsentsetzung des Octavius, dessen Person als Tribun heilig und -unverletzlich war, eine gesetzwidrige Handlung begangen, durch welche -die Verfassung verletzt ward, und damit zuerst den Weg betreten, der -endlich zum Untergang der Republik führen mußte. - -Es war bereits um die Mitte des Sommers, und es nahte die Zeit, wo -die neuen Volkstribunen gewählt wurden. Die Reichen gedachten sich -an Tiberius zu rächen, sobald er seine Würde niedergelegt hätte, und -machten vorher alle seine Schritte gehässig. Und in der Tat, die -gesetzwidrige Absetzung des Octavius war beispiellos und befremdete -sogar manchen aus dem Volke. Um sich nun in der Gunst des Volkes -zu erhalten, machte er den Vorschlag, daß die Schätze des letzten -Königs von Pérgamon, des Attălus, der das römische Volk zum Erben -seines Reiches eingesetzt hatte, unter das Volk verteilt werden, -und daß dieses über jenes Reich verfügen sollte. Durch diesen -Vorschlag verletzte er den Senat, der bisher allein über solche -Angelegenheiten zu beschließen gewohnt war auf das tiefste, und seine -Feinde verbreiteten mit Arglist das Gerücht, daß er selber nach der -königlichen Würde strebe und ein Mann aus Pergamon ihm bereits Diadem -und Purpurmantel überbracht habe. - -Unter solchen Umständen bewarb sich Tiberius um das Tribunat für das -folgende Jahr. Die Wahl fiel in die Erntezeit, wo nur der besitzlose -städtische Pöbel in Rom anwesend, die Landbewohner aber auf dem Felde -beschäftigt waren. An dem Wahltage aber kam es zu Streit und Einspruch -und Tiberius, der die Wahl leitete, verlegte die Versammlung auf den -folgenden Tag, den übrigen Teil des Tages ging er in Trauerkleidern, -seinen Knaben an der Hand, auf dem Forum umher und bat die Bürger -für die Sicherheit seines Lebens zu sorgen. Eine große Schar armen -Volkes begleitete ihn und bewachte während der Nacht sein Haus. Am -folgenden Morgen besetzten große Haufen Volks das Kapitolium; in der -Nähe versammelte sich der Senat in einem Tempel. Schlimme Vorzeichen, -erzählte man, schreckten den Tiberius, als er sein Haus verließ. -Aber die Freunde machten ihm Mut, und als er die Stufen des Kapitols -hinanstieg, begrüßte ihn das Volk mit lautem Freudengeschrei. Allein -die Versammlung blieb auch diesmal ohne Ergebnis. Inzwischen brachte -ihm ein Freund die Nachricht, daß die Gegner beschlossen hatten ihre -Sklaven und Klienten zu bewaffnen. Als dies ruchbar wurde, erhob sich -unter seinen Anhängern ein wilder Lärm. Tiberius wollte reden; da -er aber bei diesem Getümmel sich nicht hörbar machen konnte, zeigte -er mit der Hand nach seinem Kopfe, um dem Volke seine Lebensgefahr -anzudeuten. Von dieser Bewegung des Tiberius erhielten die Senatoren -sogleich Nachricht und legten sie boshafter Weise so aus, als habe -Tiberius die Krone gefordert. Da sprang +Scipio Nasīca+, ein harter -und leidenschaftlicher Aristokrat, auf und verlangte von dem Konsul, -er solle Gewalt gegen den Hochverräter gebrauchen. Der Konsul +Mucius -Scävola+ aber, ein Mann von strengem Rechtsgefühl und der Reform -geneigt, weigerte sich die geheiligte Person des Tribunen zu verletzen. -Darauf rief Scipio: „Weil denn der Konsul die gemeine Sache verläßt, -so folge mir jeder, der sie retten will!“ So stürmte er, von seinen -Anhängern begleitet, aus dem Tempel und viele schlossen sich ihm auf -dem Wege an. Das Volk erstaunte bei der Ankunft der Senatoren und -machte ehrerbietig Platz. Diese aber ergriffen was sie von Beinen und -Stücken zerbrochener Bänke und Gerätschaften vorfanden, und schlugen -auf das Volk los, das nach allen Seiten hin die schleunigste Flucht -ergriff. Auch Tiberius floh, stürzte aber über einige vor ihm liegende -Leichen. Da erschlug ihn einer der Wütenden -- der Tribun Publius -Saturnejus und Lucius Rufus stritten sich später um diese Heldentat --- durch einen Knüttelschlag auf die Schläfe, vor den Bildsäulen der -sieben Könige beim Tempel der Fides (Treue). Seine Leiche und die der -übrigen Erschlagenen, deren über dreihundert waren, wurden am Abend -durch die Gassen geschleift und in die Tiber geworfen. Vergebens bat -sein Bruder Gajus sie bestatten zu dürfen. - -Das Ackergesetz des Tiberius und der Ausschuß von drei Männern -(~triumviri~), die mit der Ausführung betraut waren, blieben auch -nach dem Tode ihres Urhebers bestehen, obgleich die Optimaten alles -aufboten, um die Verteilung des Gemeinlandes zu hintertreiben. Zu -diesen gehörte selbst der Schwager des Ermordeten, Scipio Africanus, -der, als er vor Numantia die Nachricht von dem Tode des Gracchus -erhielt, des homerischen Verses gedachte: - - „So mags jedem ergehn, der solcherlei Taten verübt hat!“ - -Wie dieser dann einige Jahre nachher selber als ein Opfer des -Parteihasses fiel, ist bereits oben erzählt worden. Die an Tiberius -und seinen Anhängern verübte Freveltat, die in der ganzen bisherigen -Geschichte Roms nicht ihres gleichen hatte, ward zwar von den -Gemäßigten auch unter den Optimaten verurteilt, aber der Senat -suchte sie als die Strafe eines nach der Krone strebenden Verräters -zu rechtfertigen, und ließ sogar gegen seine Anhänger im Volke mit -blutigen Richtersprüchen vorgehen, während der Hauptschuldige, Scipio -Nasica, um ihn der Rache der Menge zu entziehen, mit einem Auftrage -nach Asien gesendet wurde. Seine Bluttat aber wirkte wie eine böse Saat -in den folgenden Parteikämpfen. - -+Gajus Sempronius Gracchus+, neun Jahre jünger als sein Bruder Tiberius --- er war im Jahre 153 geboren -- lebte nach dessen Untergang in -stiller Zurückgezogenheit. Er glich dem älteren Bruder an strenger -Sitte und hochstrebender vornehmer Gesinnung, übertraf ihn aber an -Geist und Beredsamkeit, und war viel feuriger und leidenschaftlicher, -dabei trotz seiner Jugend bereits im Felde bewährt und in allen -Staatsgeschäften sicher und gewandt, unermüdlich, unbeugsam in seinem -ererbten Kampfe gegen die volksfeindliche Optimatenpartei. Einst, -da er einen Freund vor Gericht verteidigte, erregte er durch seine -hinreißende stürmische Rede eine solche Bewunderung, daß der Adel in -Sorge geriet, es möchte in ihm ein Rächer seines Bruders erstehen, und -deshalb einen Vorwand suchte, um ihn von Rom zu entfernen. Er wurde -als Quästor nach Sardinien geschickt und dort über die gesetzliche -Frist festgehalten. Aber Gajus merkte die Absicht des Senats. Plötzlich -verließ er seine Stelle, eilte nach Rom zurück und bewarb sich um das -Tribunat (124). Man sagte, er sei dazu durch einen Traum aufgefordert -worden. Sein ermordeter Bruder sei ihm nämlich im Traum erschienen und -hätte gesagt: „Umsonst sträubst du dich, Gajus, dir bleibt doch ein Tod -wie der meinige beschieden.“ - -Als seine Mutter Cornelia von seiner Bewerbung um das Tribunat hörte, -suchte sie ihn davon abzubringen. Zwar hatte sie selbst vordem ihre -Söhne angetrieben nach Ehren und Ruhm zu streben, aber das traurige -Ende ihres älteren Sohnes hatte ihren stolzen Sinn gebeugt. Sie kannte -die Feuerseele des hochbegabten und früh zum Manne gereiften Sohnes, -seinen unauslöschlichen Haß gegen die herrschende Aristokratie, die ihm -den geliebten Bruder gemordet und seinen unbändigen Drang die Schäden -der öffentlichen Zustände zu heilen. In ihren Briefen bat sie ihn mit -den rührendsten Ausdrücken von einem Unternehmen abzulassen, das für -ihn höchst gefährlich werden könnte. Aber Gajus beharrte auf seinem -Vorhaben und erreichte seine Wahl für das folgende Jahr. - -Zwei Jahre hintereinander, 123 und 122, bekleidete er das Tribunat. Er -erneuerte nicht nur das Ackergesetz seines Bruders, sondern schwächte, -um sich die Gunst der großen Volksmenge zu verschaffen, durch eine -ganze Reihe von Vorschlägen und Gesetzen die Macht des Senates. Sein -Getreidegesetz, wonach regelmäßig Getreide unter die ärmeren Bürger zu -sehr billigen Preisen abgegeben werden sollte, legte der Staatskasse -bedeutende Kosten auf, und konnte nur dazu dienen die ohnehin schon -bestehende Trägheit und Genußsucht des großstädtischen Pöbels zu -nähren. Besonders einschneidend war das Gesetz, durch welches er den -Senatoren die Gerichtsbarkeit entzog, indem es bestimmte, daß die -Gerichte fortan nicht mehr mit Männern aus dem Senatoren-, sondern -aus dem Ritterstande besetzt werden sollten, der zwischen dem Senats- -und dem Bürgerstande die Mitte bildete. Die Absicht war dem Unfug zu -steuern, daß die dem ersten Stande angehörigen Angeklagten von ihren -Standesgenossen, aller Schuld ungeachtet, häufig freigesprochen wurden. -Nun gehörten aber dem Ritterstande die zahlreichen Steuerpächter -(~publicani~) an, welche in großen Gesellschaften vereinigt, in den -Provinzen die Steuern erhoben, wobei sie durch Erpressungen aller -Art die Provinzialen auszubeuten gewohnt waren. Wenn sich nun die -ausgesogenen Provinzen gezwungen sahen die Steuerpächter in Rom vor -Gericht zu ziehen, so fanden sie bei den neuen Richtern, die eben aus -Rittern, den Standesgenossen der Angeklagten, bestanden, noch weniger -Schutz als früher, als die Richterstellen mit Senatoren besetzt wurden. -Außerdem gewann Gajus das Volk durch den Bau von Landstraßen, durch -Herabsetzung der Kriegsdienstzeit, durch Ausrüstung der Soldaten auf -Staatskosten, und stellte den Antrag eine römische Kolonie auf der -Stätte des zerstörten Karthago zu gründen. - -Aber seine Gegner fanden ein Mittel, um dem unermüdlichen Tribunen -die Volksgunst zu entziehen. Sie gewannen einen seiner Kollegen, -+Livius Drusus+, der durch Vorschläge, welche den Wünschen des Volkes -entsprachen, namentlich durch Beantragung von Kolonien in +Italien -selbst+ statt der +überseeischen+ in Afrika, jenen noch bei weitem -überbieten, und für diese Vorschläge schon im voraus die Genehmigung -des Senats versprechen sollte. Durch dieses Verfahren suchte der -Senat im Volke die Meinung zu erwecken, daß er nur aus Abneigung und -Mißtrauen gegen den persönlichen Ehrgeiz des Gracchus den Wünschen -des Volkes widerstrebe, und daß er diese befriedigen werde, sobald -jener vom Tribunate entfernt sei. So verlor Gracchus allmählich die -schwankende Gunst des Volkes; er erlangte das Tribunat nicht zum -dritten Mal, während sein erbittertster Gegner +Opimius+ Konsul ward. - -Eines Tages, als seine Unverletzlichkeit bereits aufgehört hatte, -erschien er mit einem Haufen der Seinigen auf dem Kapitol, als eben -Opimius die gewöhnlichen Opfer verrichtete. Gerade trug der Liktor -Antyllius die Eingeweide des Opfertieres heraus, ein stolzer und -trotziger Mensch. Als dieser zu den Anhängern des Gracchus kam, rief er -ihnen zu: „Hinweg, ihr schlechten Bürger, macht braven Leuten Platz!“ -Diese Worte brachten einen Begleiter des Gracchus in so heftigen -Zorn, daß er den Beleidiger auf der Stelle niederstieß. Das war ein -schweres Vergehen gegen die Heiligkeit des Ortes und der Opferhandlung, -das man in dem entstehenden Auflauf dem Gracchus selber zu Lasten -legte und vom Konsul benutzt wurde, um gegen ihn und seinen Anhang -mit Gewalt einzuschreiten. Als Gracchus heimkehrte, führte ihn sein -Weg über das Forum an der Bildsäule seines Vaters vorbei. Er blieb -stehen, betrachtete sie eine Zeitlang in düsterem Schweigen, dann brach -ein Strom von Tränen aus seinen Augen. Seine Freunde, tief gerührt, -schwuren ihn niemals zu verlassen, und wachten die ganze Nacht vor -seiner Wohnung. - -Inzwischen hatte der Senat, der früher den Mord des Tiberius -ungeahndet gelassen hatte, nicht nur die strengste Ahndung des an -dem Liktor begangenen Frevels beschlossen, sondern wie bei einem -hochverräterischen Aufstande den Konsuln den Auftrag erteilt, -„vorzusorgen, daß das Gemeinwesen keinen Schaden nähme“ (~videant -consules ne quid respublica detrimenti capiat~): was die Befugnis -bedeutete, nach eigenem Ermessen und ohne auf Gesetz und Herkommen zu -achten, gegen die Feinde des Staates zu verfahren. - -Darauf bewaffnete der Konsul Opimius die Senatoren und Ritter und -ließ sie das Kapitol besetzen, während die Anhänger des Gracchus, -unter Führung seines Freundes Fulvius Flaccus, sich auf dem Aventin -versammelten. Als er selbst am nächsten Morgen, nur mit einem kleinen -Dolch versehen, eben im Begriff war, mit einigen Freunden das Haus zu -verlassen, trat ihm seine Gattin Licinia entgegen. Mit der einen Hand -führte sie ihren kleinen Sohn, mit der andern ergriff sie die Toga -ihres Gatten und rief: „Wohin eilst du, mein Gajus? Willst du dich -unbewaffnet deinen Feinden preisgeben? Erinnerst du dich nicht an das -Schicksal deines Bruders? Ach, ich Unglückliche, wer weiß, ob ich -nicht bald das Meer oder die Tiber bitten muß, mir deinen Leichnam -wiederzugeben, um ihn bestatten zu können.“ Gajus, tief erschüttert, -zögerte, aber er sollte seinem Verhängnis nicht entgehen. Seine Freunde -winkten, und er riß sich aus den Umarmungen seiner Gattin und entfernte -sich, ohne ihr zu antworten. Licinia folgte ihrem Mann und suchte ihn -zu halten; aber vergebens. Ohnmächtig sank sie auf der Straße nieder; -ein Diener trug sie ins Haus zurück. - -Gajus kam indessen zum Fulvius auf den aventinischen Berg. Von hier -aus suchten beide mit dem Konsul zu unterhandeln. Fulvius schickte -einen seiner Söhne mit dem Friedensstab in der Hand an ihn ab; der -schöne Knabe trat mit bescheidenem Anstand vor den Konsul und meldete -tränenden Auges seines Vaters Anerbieten. Opimius aber gab ihm harten -Bescheid: nicht durch Boten sollten sie den Senat angehen, sondern -sich selber als schuldbeladene Bürger zum Gericht stellen und den Zorn -der Senatoren zu besänftigen suchen. Dem Boten aber befahl er auf -diese Bedingung oder gar nicht wieder zu kommen. Gleichwohl schickte -Fulvius seinen Sohn zum zweiten Mal; Opimius aber, der den Kampf zu -beginnen eilte, ließ diesen ergreifen und ins Gefängnis werfen. Darauf -zog er gegen den Aventin mit Schwerbewaffneten und mit Bogenschützen, -durch deren Pfeile viele verwundet wurden und die Menge in Verwirrung -geriet. Bei der allgemeinen Flucht verbarg sich anfangs Fulvius, ward -aber entdeckt und niedergehauen. Gajus floh über die Tiber in einen -der Furina geheiligten Hain. Als er keinen Ausweg mehr sah, ließ er -sich von einem treuen Sklaven töten. Sein Leichnam fiel in die Hand -eines vornehmen Mannes, des Septumulejus; dieser schnitt ihm den Kopf -ab, füllte ihn mit Blei und brachte ihn zum Konsul; denn Opimius hatte -versprochen, demjenigen, der den Kopf des Gracchus brächte, so viel -Gold zu geben, als der Kopf wiegen würde (121). - -Nach dem Tode des Gracchus wurden fast alle seine Gesetze aufgehoben -und die Herrschaft der Senatspartei mit blutiger Strenge wieder -hergestellt. Aber auf die von den Gracchen versuchte Revolution folgten -bald neue Unruhen und zerrüttende Bürgerkriege, die Rom an den Rand des -Untergangs brachten, und mit dem Verlust der republikanischen Freiheit -enden sollten. - - - - -XXIII. - -Gajus Marius. -- Jugurtha. -- Cimbernkrieg. - - -+Marius+ war der Sohn eines Landmanns aus Arpinum im Lande der Volsker. -Aus niederem Stande entsprossen, wuchs er ohne allen Unterricht auf -und war von rohen, derben Sitten. Frühzeitig entwickelte er eine -ungewöhnliche Begabung für das Kriegswesen, sodaß er in der Folge einer -der tüchtigsten Feldherren wurde. War er auch ohne gelehrte Bildung, -so besaß er doch viel Verstand, rasche Fassung, große Rednergabe und -eine glühende Begierde nach Ruhm. Seine ersten Kriegsdienste tat er -vor Numantia unter dem Oberbefehl des Scipio, und schon damals erregte -er durch seine militärische Begabung dessen Aufmerksamkeit. Als einst -einige Freunde des Scipio fragten: „Wer wird dich uns ersetzen, wenn -das Schicksal dich uns entreißen sollte?“ antwortete er, indem er -Marius auf die Schulter klopfte: „Dieser hier!“ Nach Rom zurückgekehrt, -erhielt Marius das Amt eines Volkstribunen und verteidigte als solcher -die Rechte seiner Standesgenossen gegen die Partei der Optimaten, die -er tödlich haßte, und die schon damals in ihm einen furchtbaren Gegner -erkannten. Die erste Gelegenheit, selbständig als Feldherr aufzutreten -und sich um sein Vaterland hochverdient zu machen, gab ihm der Krieg, -den die Römer gegen Jugurtha, König von Numidien, führten. Zugleich -zeigte dieser Krieg die Entartung der damaligen Römer, besonders die -Habsucht und Bestechlichkeit der Optimaten. - -Des Königs Massinissa Sohn Micipsa hatte vor seinem Tode das numidische -Reich, das sich westlich von der römischen Provinz Afrika, die Küste -entlang und südwärts bis zur Wüste erstreckte, unter seine beiden -Söhne Adherbal und Hiémpsal und seinen Bruderssohn Jugurtha geteilt. -Aber der herrschsüchtige Jugurtha, der nach dem Besitz des Ganzen -trachtete, tötete bald darauf den Hiempsal und nötigte den Adherbal -zur Flucht nach Rom. Hier aber hatte Jugurtha durch sein Gold schon -viele Senatoren bestochen, sodaß an seine Bestrafung nicht gedacht, -vielmehr das Reich in zwei Hälften geteilt ward, von denen Jugurtha -die bessere erhielt. Auch damit noch nicht zufrieden, bekriegte er -ohne alle Veranlassung den Adherbal und ließ ihn, nach Übergabe seiner -Hauptstadt, ermorden. Da erst, nachdem bei dem Blutbad auch eine -Anzahl römischer Bürger umgekommen waren, entschloß sich der Senat, -durch die wachsende Erbitterung des Volkes geängstigt, den frechen -Missetäter zu bestrafen (111). - -Aber der Konsul Calpurnius Piso Bestia, der mit einem Heere nach Afrika -übersetzte, und sein Legat, der vornehmste aller Senatoren, Ämilius -Scaurus, ließen sich durch Jugurthas Gold gewinnen und bewilligten ihm -einen Frieden, der den Besiegten nur zur Auslieferung seiner Elefanten -und zur Zahlung einer Geldbuße verpflichtete. Solchem Beispiel des -Konsuls folgten die unteren Führer der Truppen: einige lieferten dem -Jugurtha die abgenommenen Elefanten wieder aus, andere verkauften ihm -die Überläufer, und noch andere plünderten die Bewohner der Provinz -Afrika. Als die Nachricht von diesem Vertrage nach Rom kam, erkannte -man ohne Mühe den schmählichen Betrug, und ein Sturm des Unwillens -erhob sich. Mit flammender Rede erwirkte der Tribun Gajus +Memmius+ -bei dem Volke den Beschluß, daß die Sache untersucht, die Schuldigen -bestraft und Jugurtha selber in Rom erscheinen sollte, um sich vor -dem Volke zu rechtfertigen. Unter der Zusage persönlicher Sicherheit -kam Jugurtha nach Rom, ohne königlichen Schmuck, im Trauergewand, -wie ein demütiger Angeklagter. Aber im geheimen begann er sofort -seine Bestechungen von neuem. Da er wußte, daß jedes Unternehmen -eines Tribunen vereitelt werden konnte, wenn sich ein anderer Tribun -widersetzte, so brachte er den Tribunen Bäbius durch große Geldsummen -auf seine Seite. In der Volksversammlung hielt ihm Memmius alle seine -Verbrechen vor. Als er ihn aber aufforderte, seine Mitschuldigen zu -nennen, fuhr Bäbius dazwischen und verbot dem König auf diese Frage zu -antworten. So wurde das Volksgericht vereitelt. - -Durch diesen Erfolg ermuntert, und im Vertrauen auf die Macht seines -Goldes, trieb Jugurtha seine Frechheit noch weiter. In Rom hielt sich -damals ein Enkel des Massinissa, Massiva, auf, der nach dem Sturze -Jugurthas selber König von Numidien zu werden hoffte. Diesen ließ er -durch einen seiner Vertrauten meuchlings beseitigen, und als der Mörder -bestraft werden sollte, verhalf er ihm zur Flucht. Nun war auch die -Geduld des Senates zu Ende. Der geschlossene Friede ward für ungültig -erklärt, dem König aufs neue der Krieg angekündigt und befohlen sofort -Rom und Italien zu verlassen. Als er die Stadt verließ, soll er sich -wiederholt nach ihr umgewendet und zuletzt gesagt haben, die ganze -Stadt wäre käuflich und dem Untergang verfallen, wenn sich nur ein -Käufer fände, reich genug den Preis zu zahlen. - -Aber der Wiederbeginn des Krieges brachte den Römern eine bittere -Enttäuschung. Der neue Konsul Postumius Albinus war unfähig oder -bestochen, das Heer zuchtlos und entartet. Und als während einer -Abwesenheit des Konsuls sein Bruder den Oberbefehl führte, ließ er sich -von dem schlauen Gegner in einen Hinterhalt locken, und wurde gezwungen -mit dem Heere unter dem Joche abzuziehen und sogar die Räumung -Numidiens zu versprechen (109). - -Diese Schmach ertrug das römische Volk nicht. Der frühere und der -damalige Führer des Heeres und viele mitschuldige Senatoren wurden -wegen Landesverrat vor Gericht gestellt und in die Verbannung -geschickt. Gegen Jugurtha aber sandte man den Konsul +Q. Cäcilius -Metellus+, und +G. Marius+ begleitete ihn als Legat (Unterfeldherr). -Der unbestechliche Metellus stellte die Zucht des Heeres wieder her, -führte den Krieg zwei Jahre lang mit allem Nachdruck, trieb den -Jugurtha in die Enge und eroberte eine Stadt nach der andern, aber -den Ruhm, den Krieg zu beendigen, wußte ihm der ehrgeizige Marius zu -entziehen. Marius wollte sich um das Konsulat bewerben, und da er zu -diesem Zwecke in Rom anwesend sein mußte, suchte er beim Oberfeldherrn -um Urlaub nach. Der adelsstolze Metellus, über diese Absicht des -Emporkömmlings erstaunt und entrüstet, riet ihm, nicht über seinen -Stand hinauszustreben. Als aber jener nicht abließ um Urlaub zu bitten, -sagte Metellus mit bitterem Spotte: „Du wirst noch früh genug nach Rom -kommen, wenn du dich zugleich mit meinem Sohne zum Konsulate meldest.“ -Der junge Metellus war aber erst zwanzig Jahre alt, und da zum Konsulat -ein Alter von dreiundvierzig Jahren erforderlich war, hätte Marius nach -den höhnischen Worten des Konsuls noch dreiundzwanzig Jahre warten -können. Marius, durch diesen Hohn schwer gekränkt, erzwang den Urlaub -und zeigte sich von jetzt an bei jeder Gelegenheit als Gegner des -stolzen Aristokraten. In Rom gab er zu verstehen, daß jener den Krieg -absichtlich in die Länge ziehe; und zum Konsul gewählt, erhielt er auch -den Oberbefehl gegen Jugurtha (108). Bis dahin war es noch keinem Manne -von niederer Herkunft gelungen diese höchste Würde zu erlangen. - -Als Marius im nächsten Jahre (107) als Konsul die Leitung des Krieges -übernahm, änderte er die Kampfweise gegen Jugurtha, der sich inzwischen -mit seinem Schwiegervater +Bocchus+, dem König von Mauretanien -(Marokko), verbunden hatte. Statt die flüchtigen Reiterscharen des -Feindes zu verfolgen, suchte er ihm alle festen Orte und Hilfsquellen -zu entreißen. Er eroberte Burgen und Städte und machte große Beute. -Dann griff er die im Südosten Numidiens gelegene Stadt Capsa an. -Dorthin führte er sein Heer mit solcher Eile, daß seine Reiter schon -die nächsten Tore der Stadt besetzten, ehe die Einwohner seine Ankunft -erfuhren. Sie ergaben sich ohne Widerstand; dennoch ließ Marius alle -Waffenfähigen umbringen und die Stadt anzünden. Im folgenden Jahre -(106) erschien er auf der Westseite Numidiens vor der Stadt Mulucha, in -der Jugurtha seine meisten Schätze verwahrte. Sie lag am gleichnamigen -Flusse auf einem steilen Bergkegel, der nur einen einzigen Zugang bot, -und wurde von einer zahlreichen, mit allem Nötigen versehenen Besatzung -geschützt. Alle Versuche die Burg zu erstürmen mißlangen. Und schon -dachte Marius sein Vorhaben aufzugeben, als eines Tages ein Soldat -ihm anzeigte, wie er an der entgegengesetzten Seite des Berges beim -Schneckensammeln einen Weg entdeckt habe und auf die Höhe des Felsens -gekommen sei, wo die Burg unbesetzt wäre. Schon am nächsten Tage mußten -vier Centurien mit fünf Trompetern unter Leitung jenes Soldaten den -Fels erklettern. Sie fanden keine Gegenwehr, zumal da um dieselbe Zeit -die ganze Besatzung auf der andern Seite beschäftigt war, den heftiger -als je anstürmenden Feind zurückzudrängen. Plötzlich ertönten die -Trompeten der Römer und das Angstgeschrei der Weiber und Kinder, die -zuerst den eindringenden Feind erblickten. Bestürzt wich die Besatzung -in die Stadt zurück; Marius verdoppelte seine Anstrengung und drang -zugleich mit den Gegnern in die Festung ein. - -Im Laufe des Jahres 106 geriet beinahe das ganze numidische Land in -die Hände der Römer. Noch in zwei Treffen besiegte Marius den Jugurtha -und den Bocchus. Letzterer zeigte sich endlich zum Frieden geneigt. -Die Unterhandlungen mit ihm betrieb +L. Cornelius Sulla+, der im Heere -des Marius Quästor war und bei Freund und Feind durch seine Tapferkeit -und kluge Führung zu großem Ansehen gekommen war. Er bewog den König -Bocchus seinen Schwiegersohn auszuliefern. Jugurtha wurde zu einer -Unterhandlung eingeladen, und als er am bestimmten Orte und Tage -erschien, von den Leuten des Königs ergriffen, gefesselt und dem Sulla -überliefert. Aber Marius kränkte es tief, daß es nicht ihm, sondern dem -Sulla gelungen war die Person des Jugurtha in seine Gewalt zu bekommen; -vor allem aber erweckte es seinen unversöhnlichen Groll, daß sich Sulla -einen Siegelring verfertigen ließ, auf dem die Auslieferung Jugurthas -dargestellt war. Die Feindschaft, die von jetzt an zwischen beiden -Männern bestand, sollte in der Folge dem römischen Staate großes Unheil -bringen. - -Am ersten Tage des Jahres 104 ward Jugurtha in Rom beim Triumph des -Marius einhergeführt. Dabei riß ihm der rohe raubsüchtige Pöbel -die Kleider und Ohrringe samt den Ohrläppchen ab. Dann ward er -nackt in eine unterirdische Felskammer am Kapitol, ein ehemaliges -Brunnengewölbe, das als Gefängnis diente, hinabgestoßen. „Hu, wie kalt -ist euer Bad!“ rief der Unglückliche beim Hinabfallen. Dort ließ man -ihn sechs Tage ohne Nahrung, worauf man ihn aus Gnaden erdrosselte -(104). Sein Königreich ward geteilt: den westlichen Teil erhielt -König Bocchus als Lohn seines Verrates, den östlichen ein Enkel des -Massinissa und Halbbruder des Jugurtha. - - -Marius war inzwischen, während er noch als Prokonsul in Afrika an der -Spitze des Heeres stand, und ohne daß er sich darum beworben hatte, -gegen alles Herkommen abermals zum Konsul für 104 erwählt worden. Das -römische Reich nämlich und Rom selbst war an anderer Stelle in Gefahr -des Untergangs geraten, und Marius sollte es retten. Ein furchtbarer -Feind stand plötzlich an der Grenze Italiens. - -Schon vor Beginn des jugurthinischen Krieges vernahm man in Rom, daß -unter den Völkern nördlich der Alpen eine große Bewegung entstanden -sei; in großen Haufen zögen sie gegen die Alpen, um im Süden neue -Wohnsitze zu erobern. In der Tat erschienen im Jahre 113 v. Chr. an -den Ostalpen, im heutigen Krain, die +Cimbern+, ein germanischer -Volksstamm, der wahrscheinlich bis da im Norden Germaniens gesessen -hatte. Zu ihnen gesellten sich später die +Teutonen+, +Ambronen+ und -andere Stämme. Sie zogen mit Weibern und Kindern und aller fahrenden -Habe, ein ungeheurer Schwarm von mehr als 300000 Kriegern. Bei -Aquileja stellte sich ihnen der Konsul Papirius Carbo entgegen, erlitt -aber eine völlige Niederlage. Doch wandte sich der feindliche Zug für -diesmal von Italien ab nach Westen, wo er Gallien und Spanien raubend -und verwüstend heimsuchte. Dort begegneten sie den Römern abermals im -südöstlichen Gallien, in der römischen Provinz (~Gallia transalpina~, -der heutigen Provence), und brachten ihnen in den Jahren 109-105 -mehrere vernichtende Niederlagen bei. - -Italien zitterte vor den gewaltigen Scharen des Nordens, wie in den -Tagen Hannibals: der Schrecken war zu Rom so groß, daß sich niemand um -das Konsulat des Jahres 104 zu melden wagte. Da hoffte das Volk von -Marius, dem Bezwinger Jugurthas, Rettung. Es wählte ihn zum Konsul -und übertrug ihm die Leitung des Krieges in Gallien. Nachdem er im -Beginn des Jahres, wie oben erzählt, seinen Triumph über Jugurtha -gefeiert hatte, begab er sich in die Provinz jenseits der Alpen, zum -Kampf gegen die Germanen, fand sie aber dort nicht mehr: sie waren -durch Südgallien über die Pyrenäen nach Spanien gezogen, und kehrten -von dort erst nach zwei Jahren zurück. Diese durch die Torheit der -Gegner gewährte Frist benutzte Marius, um ein neues Heer zu bilden und -die erschlaffte Kriegszucht durch unerbittliche Strenge und harten -Dienst herzustellen, und in Gallien alles vorzubereiten, was für den -neuen Kampf erforderlich schien. So groß war die Furcht in Rom und die -Zuversicht auf Marius, daß ihm, bis zur Beendigung des Krieges, das -Konsulat noch vier Mal erneuert wurde; eine Auszeichnung, die noch nie -einem Römer widerfahren war. - -Im Jahre 102 kehrten die Feinde aus Spanien, wo sie hartnäckigen -Widerstand gefunden hatten, nach Gallien zurück, um nunmehr mit aller -Macht in Italien einzudringen. Sie teilten sich in zwei Haufen; die -Cimbern gingen über den Rhein, um von Rhätien (Tirol) aus in Italien -einzufallen; die Teutonen und Ambronen gedachten an der Küste entlang -durch Ligurien einzudringen. - -Marius hatte am Zusammenfluß der Rhone und Isère ein Lager errichtet -und erwartete hier die Teutonen und Ambronen. Er vermied die offene -Schlacht, obschon die Feinde drei Tage lang sein Lager bestürmten, und -seine eigenen Leute ungeduldig den Kampf forderten. An der Festigkeit -der Schanzen scheiterte alle Tapferkeit, aller Ungestüm der Germanen. -Da beschlossen sie nicht länger zu zaudern, sondern geradeswegs am -römischen Lager vorüber nach Italien zu ziehen. Höhnisch riefen sie -den römischen Soldaten zu, sie zögen nach Italien; ob sie Aufträge an -ihre Frauen und Kinder zu bestellen hätten? Kaum bändigte Marius den -Zorn seiner Krieger. So groß war die Menge der Barbaren, so gewaltig -ihr Troß an Wagen und Lasttieren, daß sie sechs Tage lang an dem Lager -vorbeimarschierten. Kaum waren sie vorüber, so folgte ihnen Marius -auf dem Fuße nach und gelangte auf kürzerem Wege zugleich mit ihnen -an einen kleinen Fluß, an dem +Aquä Sextiä+ (~Aix en Provence~) lag. -Hier wählte Marius einen Hügel zum Lagerplatz, von welchem herab er die -Gegend ringsum zu übersehen vermochte. Die Germanen lagerten sich an -beiden Seiten des Flusses. Durch diese Lagerung wurden die Römer vom -Wasser abgeschnitten. Diese, von Durst gequält, klagten und murrten. -Marius aber wies auf den Fluß hin: „Ihr seid Männer“, sprach er, „dort -ist Wasser für Blut feil, und ihr klagt, daß es fehle?“ Da gingen -römische Troßknechte mit ihren Tieren zum Fluß hinab und vertrieben -einige Feinde; als aber mehr Barbaren erschienen, eilten auch römische -Soldaten hinzu. Die Teutonen aber und ihre Bundesgenossen fühlten sich -in voller Sicherheit; sie aßen, badeten und freuten sich des schönen -fruchtreichen Landes. Wie nun von beiden Seiten Hilfe erschien, wurden -zuletzt die Hauptheere selbst in den Kampf hineingezogen. Der Ambronen -waren 30000 Mann. In dem Augenblick, wo sie über den Fluß setzten, ließ -sie Marius von allen Seiten angreifen und zwar mit solchem Erfolg, daß -die meisten auf dem Platze erschlagen wurden. Die Flüchtlinge drangen -gleich den Römern bis an die Zelte und Wagen der Teutonen, die am Kampf -noch nicht teilgenommen hatten; hier wurden sie auch von den Weibern -mit Beilen und Schwertern empfangen, und erst die Dunkelheit brachte -die Kämpfenden auseinander. - -Nun folgte eine grauenhafte Nacht. Die Totenklagen der Teutonen um die -gefallenen Brüder, dazwischen die Wehrufe der Verwundeten, und ihr -wilder Schlachtgesang wiederhallten in den Wäldern und klangen in das -römische Lager hinüber, daß es den Römern durch Mark und Bein ging. -Marius, der 3000 Mann unter Claudius Marcellus in einen Hinterhalt -gelegt hatte, stellte mit Anbruch des Tages sein Heer vor dem Lager in -Schlachtordnung und reizte die Teutonen durch abgesandte Reiterscharen -zur Schlacht. In dicht geschlossenen Massen stürmten diese die -beschwerlichen Höhen hinan und die Römer ihnen entgegen. Noch vor Mitte -des Tages waren die Angreifer in die Ebene zurückgedrängt, und schon -begannen ihre Reihen sich zu lösen, als auch Marcellus aus seinem -Hinterhalt hervorbrach und ihre Verwirrung vermehrte. Ordnungslose -Flucht kam über ihr ganzes Heer und nun erst begann ein entsetzliches -Morden unter den fliehenden Scharen. Der Erschlagenen und Gefangenen -waren an 100000. Der ganze Stamm war vernichtet bis auf einen geringen -Rest, der sich nach dem nördlichen Gallien rettete. Von den gefangenen -Frauen und Mädchen hatten viele nach verzweifelter Abwehr, um der -Schmach der Knechtschaft zu entgehen, sich selber den Tod gegeben. -+Teutobod+ selber, der König, geriet in Gefangenschaft (102). - -Inzwischen waren die noch unbesiegten Cimbern über den Brennerpaß -vorgedrungen, hatten das Heer des +Lutatius Catulus+ an der unteren -Etsch geschlagen und südwärts über den Po zurückgedrängt. Ihr Plan -war, sich mit den Teutonen, deren Schicksal ihnen noch unbekannt -war, zu vereinigen und dann gegen Rom zu ziehen. Darüber versäumten -sie die günstige Gelegenheit, sofort nach ihrem Siege über den Po -vorzurücken und das wehrlose Italien zu erobern. Im Frühlinge des -folgenden Jahres (101) verband sich Marius mit Catulus. So rückten sie, -50000 Mann stark, wieder über den Po und stießen bei Vercellä auf den -Feind, nahe der Mündung der Sesia in den Po, wo einst Hannibal seine -erste italische Schlacht geschlagen hatte. Die Cimbern aber schickten -Abgeordnete an die römischen Feldherren und ließen um Land für sich -und ihre Brüder, die Teutonen, bitten. Sie erhielten die Antwort: für -ihre Brüder sei bereits gesorgt; sie hätten ein Land bekommen, wo -sie ewig bleiben würden. Dabei ließ Marius, um ihnen die Vernichtung -der Teutonen glaublich zu machen, den gefangenen Teutobod in Ketten -vorführen. Jetzt rückten die Cimbern vor das Lager der Römer, und -+Bojorix+, ihr König, forderte, nach dem Brauche seines Volkes, den -Gegner auf Ort und Zeit zur Schlacht zu bestimmen. Marius bezeichnete -den folgenden Tag und das raudische Feld, das der überlegenen römischen -Reiterei einen günstigen Kampfplatz bot. - -Die Cimbern erwarteten den Angriff in einer viereckigen -Schlachtstellung, die sich dreiviertel Meilen in Breite und Tiefe -erstreckte. In den äußeren Gliedern hatten sich die Kämpfer mit -eisernen Ketten aneinander gebunden, um das Eindringen der Feinde zu -verhindern. Bei den Römern stand das Heer des Catulus im Mitteltreffen, -das des Marius bildete die Flügel. Im Morgennebel ward die -cimbrische Reiterei von der römischen überrascht und auf ihr Fußvolk -zurückgetrieben, das sich eben erst ordnete. Schon aber rückte das -römische Fußvolk, Sonne und Wind im Rücken, aus der staubigen Ebene -heran. Der Tag war schwül; die Cimbern hatten Sonne und Wind gegen -sich und ertrugen nicht lange die ungewohnte Hitze. So errangen die -Legionen mit geringen Verlusten einen völligen, mit der Vernichtung -des cimbrischen Volkes endigenden Sieg. Nachdem ein Teil der Feinde -dem römischen Schwerte erlegen war, floh der Rest der Wagenburg zu, wo -auch die Frauen sich zur Wehr stellten. Hier begann ein neues Gemetzel, -dem nur wenige Haufen durch die Flucht entgingen. Auch hier geschah -es, daß viele der Frauen, um nicht in Gefangenschaft zu geraten, erst -ihre Kinder, dann sich selbst töteten. Dennoch betrug die Zahl der -Gefangenen 60000; die der Gefallenen 120000. - -Die Römer aber erwiesen dem Marius als dem Retter Italiens die höchste -Ehre. Sie nannten ihn den dritten Gründer der Stadt und erteilten -ihm zum sechsten Male das Konsulat. Am Triumphe aber ließ Marius den -Catulus teilnehmen. Vor dem Triumphwagen mußte der gefangene Teutobod -einherschreiten, ein Mann von so riesigem Wuchse, daß er noch über die -Siegeszeichen emporragte. - - - - -XXIV. - -Bürgerkrieg. Sulla und Marius. - - -1. Sulla, Feldherr gegen Mithridates, vertreibt den Marius. - -+Lucius Cornelius Sulla+ stammte aus einem patricischen Geschlechte. -Ein stattlicher Mann, von vornehmer stolzer Haltung, hochbegabt, mit -griechischer Sprache, Kunst und Wissenschaft gründlich vertraut, dabei -ein tapferer Soldat und geschickter Heerführer, im Verkehr gesprächig, -witzig, liebenswürdig und einnehmend, war er in Tugenden und Fehlern -das Muster der damaligen römischen Aristokratie. Ausschweifend im -Genuß, sittenlos und verschwenderisch, bewies er doch in Amt und -Dienst, in den Kämpfen des Krieges und der Politik eine unermüdliche -Kraft des Geistes und Leibes, und wo es den Sieg seiner Partei, der -Optimaten, galt, schreckte er vor keiner blutigen Gewalttat zurück. So -war er fast in allen Stücken das Gegenteil des Marius; nur in maßloser -Ruhmbegier und in der Kunst der Heerführung waren beide Männer einander -gleich. Schon seit dem Ende des jugurthinischen Krieges, wo Sulla dem -Marius die Ehre, sich der Person des Jugurtha zu bemächtigen, entrissen -hatte, lebten beide in bitterer Feindschaft, die dadurch unversöhnlich -wurde, daß Marius, nach seinen glorreichen Siegen, in Rom bald offen an -die Spitze der allmählich wieder erstarkten Volkspartei trat. Aber zu -offenem Kampfe steigerte sich dieser Gegensatz erst, als Rom in einen -neuen großen Krieg verwickelt wurde. - -+Mithridátes+, der König von Pontus, an der Südküste des schwarzen -Meeres, war ein Mann von ungewöhnlichen Eigenschaften. Körperlich -ungemein stark und abgehärtet gegen alle Beschwerden, kühn und -rastlos in Gefahren und Wagnissen, enthaltsam im Sinnengenuß, wilden, -unbeugsamen Sinnes, doch nicht ohne alle Großmut, dabei von großem -Verstand und außerordentlichem Gedächtnis, herrschsüchtig, mißtrauisch -und grausam, war er ein unversöhnlicher, erbitterter Feind der Römer. -Nicht zufrieden mit seinem Reiche Pontus, erweiterte er seine Macht -durch Eroberung anderer Staaten Kleinasiens, wobei ihm der Umstand -zu großem Vorteil gereichte, daß er, der zweiundzwanzig asiatische -Sprachen redete, mit jedem Volke in seiner eigenen Sprache unterhandeln -konnte. Er hatte die Absicht sich zum Herrn von ganz Asien zu machen. -Schon hatte er einen römischen Feldherrn, den Manius Aquillius, -geschlagen, und als er ihn in seine Gewalt bekommen, gefesselt auf -einem Esel durch die Städte Kleinasiens führen und ihm zuletzt -geschmolzenes Gold in den Hals gießen lassen, um in ihm die römische -Habgier zu verhöhnen und zu strafen. Mit Freuden öffneten ihm die -griechischen Städte, als dem Erretter vom römischen Druck, ihre Tore. -Daran erließ er an alle Städte Kleinasiens den greulichen Befehl, -an einem bestimmten Tage alle römischen Bürger, ohne Unterschied -des Standes, Alters und Geschlechts zu töten. Mit schrecklicher -Pünktlichkeit erfüllten die Obrigkeiten aller Orte den Befehl, und -80000 Italiker erlagen an einem Tage der Wut des Volkes. Nachdem -Mithridates den Römern in Asien ihre Provinz entrissen hatte, streckte -er seine Hände auch nach Griechenland aus, und es war hohe Zeit für die -Römer gegen diesen Eroberer entscheidende Maßregeln zu ergreifen. - -Kurz vorher hatte sich Sulla in dem gefährlichen Kriege der Römer -mit ihren aufständischen italischen Bundesgenossen (90-88), die -sich die völlige politische Gleichstellung erkämpfen wollten und -auch größtenteils erlangten, ausgezeichnet und wegen seiner überall -siegreichen Erfolge den Ehrennamen des Glücklichen erhalten. Während -seines Konsulats (88) wurde der Krieg gegen Mithridates beschlossen, -und da ihm für das folgende Jahr, bei der üblichen Verlosung der -Provinzen, die Verwaltung der Provinz Asia (des westlichen Kleinasiens) -zufiel, so übertrug ihm der Senat auch den Oberbefehl gegen -Mithridates. Dadurch fühlte sich der alternde Marius, dessen Ehrgeiz -trotz seiner 68 Jahre noch nicht gesättigt war, zurückgesetzt und -gekränkt. Wenn auch kränklich, besuchte er täglich das Marsfeld und -machte dort unter den jungen Männern alle körperlichen Übungen mit, -um den Verdacht der Hinfälligkeit zu entfernen. Er verband sich mit -dem verwegenen Volkstribunen +Sulpicius Rufus+, der ein ihm ergebenes -Gefolge von 600 Rittern hatte, die er ihrer dem Adel feindlichen -Gesinnung wegen seinen Gegensenat nannte, und außerdem noch eine Schar -von 3000 Bewaffneten in seinem Sold hatte. - -Mit Hilfe dieses Sulpicius und seines Anhanges wußte Marius einen -Volksbeschluß zu erzwingen, durch den der Oberbefehl gegen Mithridates -dem Sulla genommen und ihm, dem Marius, übertragen wurde. Unter solchen -Umständen verließ der Konsul Sulla nicht ohne persönliche Gefahren die -Stadt und begab sich nach Nola in Campanien, wo die ihm angewiesenen -Legionen standen. Diesen stellte er die ihm widerfahrene Unbill und -Gewalt vor, worauf sie ihn mit stürmischem Eifer aufforderten sie -ungesäumt nach Rom zu führen, um sich sein Recht zu holen. Als daher -die von Marius abgeschickten Kriegstribunen kamen, um das Heer für ihn -zu übernehmen, wurden sie von Sullas erbitterten Soldaten gesteinigt. -Bald rückte dieser an der Spitze von sechs Legionen gegen Rom vor. Als -seine Soldaten anfangs von der Partei des Marius zurückgeschlagen -wurden, befahl Sulla den Bogenschützen Brandpfeile auf die Dächer zu -schießen, und ergriff selbst eine brennende Fackel. Darauf drangen -seine Legionen aufs neue vor, und umsonst riefen die Anhänger des -Marius Bürger und Sklaven zu den Waffen. Sulla zog siegreich in Rom -ein, vertrieb den Marius, Sulpicius und zwölf ihrer Genossen aus der -Stadt und brachte es dahin, daß sie als Feinde des Vaterlandes in die -Acht erklärt wurden. Hierauf schickte er Reiter aus, um die Flüchtigen -aufzusuchen und zu töten. Sulpicius wurde gefunden und ermordet, aber -Marius entging mit seinem Sohne und einigen Freunden den Verfolgern. - - -2. Flucht des Marius. - -Er hatte sich an der Tibermündung nach Ostia begeben, wo er ein Boot -fand, das ihn aufnahm, aber durch einen Sturm genötigt wurde, bei -Circeji zu landen. Von den Anstrengungen der Fahrt erschöpft, von -Hunger gequält und auf allen Seiten von Gefahren umgeben, irrte Marius -mit seinen Begleitern in der Gegend umher. Gegen Abend stieß er auf -einige Kuhhirten, die er um Lebensmittel ansprach; allein sie waren -selbst arm und konnten ihm nichts geben. Indessen rieten sie ihm doch -sich eilig zu entfernen, denn eben wären Reiter dagewesen, die nach -ihm geforscht hätten. Marius verließ daher die Landstraße und floh mit -den Seinigen tief in den Wald. Am folgenden Morgen ging er, von Hunger -genötigt, wieder an die Küste, um Unterhalt und Mittel zur ferneren -Flucht zu suchen. Er war sehr ermattet, dennoch aber bestrebte er -sich seine Begleiter zu erheitern. Er bat sie nicht zu verzweifeln, -und erzählte ihnen folgendes Geschichtchen. Einst wäre er als Knabe -auf dem Felde gewesen, da wäre ihm ein Adlernest mit sieben Jungen -in den Schoß gefallen. Seine Eltern hätten die Wahrsager darüber -befragt und von diesen die Antwort erhalten, er werde einst unter den -Sterblichen sehr berühmt werden und siebenmal die höchsten Würden -bekleiden. Durch solche und ähnliche Unterhaltungen stärkte Marius den -Mut seiner Gefährten und zeigte ihnen, daß er selbst mitten im Unglück -die Hoffnung hegte, noch einmal Konsul zu werden; denn schon hatte er -sechsmal diese Würde bekleidet. - -Marius war mit seinen Gefährten nicht mehr weit von der Küstenstadt -Minturnä entfernt, als er auf der einen Seite einen Haufen Reiter -erblickte, die auf ihn zueilten, und zugleich auf der andern Seite zwei -Fahrzeuge gewahr wurde, die nicht weit von der Küste hinsegelten. Ohne -sich lange zu bedenken, warf er sich mit den Seinen ins Meer und kam, -durch zwei seiner Diener unterstützt, in eines jener Schiffe; seine -übrigen Gefährten gelangten zu dem andern. Inzwischen kamen die Reiter -heran und schrieen den Schiffern zu, sie sollten landen und den Marius -entweder ausliefern oder über Bord werfen. Lange Zeit schwankten die -Schiffer, endlich ließen sie sich durch die Bitten des alten Mannes -rühren und riefen zurück, sie würden den Flüchtling schützen. Aber -kaum hatten die Reiter sich entfernt, so änderten die Schiffer ihre -Gesinnung. Sie fuhren zur Mündung des Liris zurück. Hier rieten sie dem -Marius ans Land zu gehen, einige Nahrung zu sich zu nehmen und ruhig -zu schlafen, so lange sie hier am Ufer verweilten. Er folgte ihnen, -schlief ein, und sogleich entfernten sich die Schiffer. Als Marius -erwachte und sich allein, von allen verlassen sah, blieb er lange Zeit -entmutigt am Ufer liegen. Traurige Betrachtungen mochten sein Herz -erfüllen und seinen Mut beugen. Erst nach einiger Zeit faßte er sich -wieder. Er schleppte sich durch unwegsame und sumpfige Gegenden fort -und kam zur einsamen Hütte eines Greises, den er um Schutz und Beistand -bat. Der Greis wurde durch den Anblick des Unglücklichen gerührt und -verbarg ihn unter dem gehöhlten Ufer des Liris. Aber nicht lange darauf -kamen die Reiter des Sulla und verlangten die Auslieferung des Marius. -Das hörte dieser; er verließ das Ufer und eilte zu den Morästen bei -Minturnä. Hier zog er seine Kleider aus, tauchte sich bis ans Kinn ins -Wasser und verhüllte den Kopf mit Rohr. Dennoch ward er von einigen -Reitern entdeckt. Diese warfen ihm einen Strick um den Hals, zogen ihn -aus dem Wasser und führten ihn nach Minturnä ins Gefängnis. - -Die Obrigkeit von Minturnä war entschlossen den Befehlen des Senats zu -folgen und den Marius zu töten. Sie schickte deshalb einen cimbrischen -Sklaven von riesigem Wuchs ab, um durch diesen das Todesurteil -vollziehen zu lassen. Als der Sklave in das Gefängnis des Marius trat, -sah ihn dieser mit grimmem Blick und feuersprühenden Augen an und -rief ihm mit donnernder Stimme zu: „Sklave, du unterstehst dich den -Gajus Marius zu töten?“ Voll Schrecken und Entsetzen warf der Riese -sein Schwert weg, lief hinaus auf die Straße und rief: „Ich kann den -Marius nicht töten!“ Da wurden auch die Minturnenser unsicher in ihrem -Vorhaben; sie glaubten in der Furcht des Sklaven vor dem hilflosen -Greise einen Wink der Götter zu erkennen, ließen den Marius frei, -versahen ihn mit Geld und Kleidung und halfen ihm zur Flucht nach -Afrika. - -Unterwegs hörte Marius, daß sich sein Sohn und einige seiner Anhänger -in Numidien befanden und segelte daher nach dem alten Hafen von -Karthago. Aber kaum war er daselbst angekommen, als ihm der Statthalter -Sextius durch einen Liktor befehlen ließ Afrika zu verlassen. Marius -war eben in düstere Betrachtungen versunken. Der Platz, auf welchem -sonst Karthago gestanden hatte, erinnerte ihn lebhaft an den Wechsel -seines eigenen Glückes. So blieb er eine Zeitlang stumm, bis ihn der -Liktor fragte, ob er ihm keine Antwort an den Prätor erteilen wollte. -Da sprach er die bedeutsamen Worte: „Melde dem Sextius, du habest den -alten Marius auf den Trümmern von Karthago sitzen sehen.“ Bald darauf -fand er seinen Sohn und dessen Gefährten. Mit diesem begab er sich auf -eine Insel unweit der Küste von Afrika, wo er den Winter hindurch lebte -und auf Rache sann. - - -3. Sullas Krieg gegen Mithridates. - -Mittlerweile hatte Sulla in Rom die Wahl des ihm treu ergebenen -Octavius zum Konsul durchgesetzt, neben welchem das Volk den eifrigen -Marianer +Cornelius Cinna+ wählte. Diesen ließ Sulla schwören, daß er -an der Ordnung und Verfassung des Staates nichts ändern würde, und zog -im folgenden Jahre (87) mit seinem Heere gegen Mithridates, dessen -Feldherr Archelaos sich inzwischen Makedoniens und des größten Teils -von Griechenland bemächtigt und besonders in der Stadt Athen einen -festen Stützpunkt für sein Heer und seine Flotte gefunden hatte. - -Sulla landete in Epirus und drang durch Thessalien und Böotien -gegen Athen vor, dessen Bewohner es mit Mithridates hielten. Da -seine Versuche, die von Archelaos verteidigte Stadt zu erstürmen, -mißlangen, so mußte er sich zu einer langen und mühseligen Belagerung -entschließen. Um sich Geld zu verschaffen, nahm er die Tempelschätze -zu Delphi, und um Holz für die Belagerungswerke zu bekommen, ließ er -die Bäume im Haine der Akademie fällen, wo einst der große Philosoph -Platon gelebt und gelehrt hatte. Unter diesen und anderen Zurüstungen, -wie sie die Belagerung erforderte, verging der Winter. Mit Beginn des -Frühlings (86) wurden Stadt und Hafen enger eingeschlossen und die -Versuche sie zu erstürmen mehrmals, obgleich vergeblich, erneuert. -In der Stadt aber erreichte die Hungersnot einen so hohen Grad, daß -die Einwohner sich entschließen mußten, mit Sulla des Friedens wegen -zu unterhandeln. Ihre Gesandten hielten vor Sulla eine abgeschmackte -Rede, in der sie alle Herrlichkeiten des alten Athens aufzählten und -in stolzem Tone Schonung ihrer Stadt verlangten. Sulla aber schickte -sie mit den Worten zurück, solche Dinge sollten sie die Schüler in -den Redeschulen vortragen lassen. Endlich wurde die Stadt durch einen -Zufall verraten. Spione meldeten, daß einige alte Männer in einer -Barbierstube sich unwillig darüber geäußert hätten, daß eine Stelle der -Stadt nicht gehörig bewacht wäre. Diese Stelle wurde in der nächsten -Nacht erstiegen und die Stadt eingenommen. Raubend und mordend drangen -die sullanischen Soldaten ein und richteten ein furchtbares Blutbad -an. Erst am andern Tage tat Sulla der zerstörenden Wut seiner Truppen -Einhalt. Er gedachte der ruhmvollen Vergangenheit der Stadt, ihrer -vielen großen Männer, welche als Staatsmänner, Dichter, Künstler und -Schriftsteller die Welt mit dem Glanze ihrer Namen erfüllt hatten, und -rief: „Ich will vielen um weniger willen, und den Lebenden der Toten -wegen verzeihen.“ - -Nach der Eroberung Athens zog Sulla nach Böotien, wo der Sohn des -pontischen Königs und der aus Athen entkommene Archelaus mit 120000 -Mann standen, denen er kaum 40000 Mann entgegenzustellen hatte. In -der Nähe von +Chäroneia+, wo einst die Freiheit Griechenlands den -Makedonern unter König Philipp und seinem Sohne Alexandros erlegen -war, trafen beide Heere zusammen. Sullas Soldaten, der anstrengenden -Arbeiten müde, forderten laut eine Schlacht. Ihr Wunsch ward erfüllt, -und so vollständig war ihr Sieg, daß Archelaus nur mit 10000 Mann -entkommen sein soll. Noch blutiger und entscheidender war die Schlacht -bei +Orchomenos+, wo Archelaus, durch ein neues von seinem König -geschicktes und besonders an Reiterei überlegenes Heer verstärkt, eine -feste Stellung genommen hatte (85). Schon neigte sich der Sieg auf die -Seite des Gegners, als Sulla vom Pferde sprang, einem Fahnenträger den -Adler aus der Hand riß und mit den Worten: „Hier will ich sterben, und -wenn man euch fragt, wo ihr euren Feldherrn verlassen habt, so sagt: -bei Orchomenos!“ sich auf die Feinde stürzte. Da warfen sich seine -Truppen von neuem in den Kampf und schlugen den Feind mit einem Verlust -von 15000 Mann zurück. Am folgenden Tage sollen noch 30000 Mann in den -nahen Sümpfen umgekommen sein. Archelaus selbst hielt sich zwei Tage -lang in einem Sumpfe versteckt und entkam am dritten Tage nach der -Insel Euböa hinüber. - -In demselben Jahre unterhandelte Archelaus persönlich mit Sulla über -den Frieden. Zu Delion in Böotien kamen beide Feldherren zusammen. -Als Archelaus die Bedingungen Sullas zu hart fand, rief dieser: -„Mithridates sollte es mir auf den Knieen danken, daß ich ihm die -rechte Hand lasse, mit der er so viele Römer getötet hat.“ So wurden -die Unterhandlungen abgebrochen. Mithridates knüpfte sie aber von neuem -wieder an, als Sulla in Asien erschien. Hier hatte er mit dem König -selbst eine Unterredung zu Dardanos (in der Nähe des alten Troja) wo -jener in alle Forderungen Sullas einwilligte. Bei dieser Zusammenkunft -schwieg Mithridates anfänglich und schien Sulla die Eröffnung der -Unterredung überlassen zu wollen, doch dieser sagte: „Sprich du -zuerst, da du den Frieden nötig hast; der Sieger hat das Recht zu -schweigen und zu hören.“ Mithridates begann nun seine früheren Taten zu -rechtfertigen, aber Sulla versetzte: „Wohl hatten diejenigen recht, die -mir deine Beredsamkeit rühmten; denn es gehört in der Tat ein großer -Redner dazu, solche Schandtaten zu beschönigen.“ -- Der König mußte -alle seine Eroberungen herausgeben, 2000 Talente (gegen 10 Millionen -Mark) bezahlen und 80 Schiffe ausliefern. Die kleinasiatischen Städte, -die jetzt wieder unter römische Gewalt kamen, mußten ungeheure -Kriegssteuern zahlen, zusammen 20000 Talente (fast 100 Millionen -Mark) und außerdem die römischen Truppen lange Zeit auf ihre Kosten -unterhalten. Nie hat die Provinz Asia sich von dem Druck dieser Lasten -ganz erholt. Denn um die großen Summen aufzubringen, wurden sie die -Schuldner römischer Kapitalisten, denen sie hohe Wucherzinsen zahlen -mußten. Sulla selbst kehrte alsbald nach dem Friedensschluß nach Rom -zurück, wo seine Gegenwart dringend notwendig war, wenn nicht seine -Partei den Marianern völlig erliegen sollte. - - -4. Cinna in Rom. Marius’ Rückkehr und Tod. - -Kaum hatte nämlich Sulla im Jahre 87 Italien verlassen, als der -eine der neuen Konsuln, +L. Cornelius Cinna+, eine Volksversammlung -berief, um die Zurückberufung des Marius und der übrigen Geächteten -zu bewirken. Hierbei kam es zu blutigen Kämpfen. Der andere Konsul -Octavius eilte mit seinen Scharen herbei und drängte Cinna bis an die -Tore der Stadt zurück; 10000 Anhänger Cinnas sollen bei dem Gemetzel -das Leben verloren haben. Hilflos floh dieser, seiner Konsulwürde -verlustig erklärt, nach Campanien. In Nola gewann er die Kriegstribunen -der dortigen Legionen und trat dann vor den versammelten Truppen auf. -Von Liktoren umgeben, mit allen Zeichen seiner konsularischen Würde -angetan, begann er seine Anrede, ließ dann aber plötzlich die Liktoren -abtreten und erzählte weinend, wie ihn der Senat seiner Würde entsetzt -habe; er zerriß seine Kleidung, sprang von der Rednerbühne und warf -sich auf die Erde. Die Soldaten ließen sich durch dieses Schauspiel -zu Mitleid hinreißen, sie führten ihn zur Rednertribüne zurück, gaben -ihm alle Zeichen seiner Würde zurück und versprachen den dem Konsul -gebührenden Gehorsam. Nach diesem Erfolge rief er alle Anhänger der -senatsfeindlichen Partei zu seinen Fahnen, lud den geächteten Marius -zur Rückkehr ein, und erschien mit einem gewaltigen Heere vor Rom. - -Die Zeit der Rache war für Marius gekommen. Er landete in Etrurien und -brachte dort 1000 Reiter und außerdem eine Bande von mehreren Tausend -Sklaven zusammen, und an der Spitze dieser wilden Rotte stieß er zum -Heere Cinnas. Der Senat war außerstande, die Stadt zu verteidigen, und -da zudem noch Hungersnot ausbrach, so suchte er die erbitterten Gegner -durch Unterhandlungen zu gewinnen. Als die Gesandten zum Cinna kamen, -fragte er sie, ob sie zu ihm als ihrem Konsul kämen. Darauf konnten sie -nicht antworten und gingen unverrichteter Sache zurück. Nun erkannte -ihn der Senat als Konsul an und schickte von neuem Abgeordnete an ihn. -Sie fanden ihn auf seinem Amtssessel sitzend und mit allen Zeichen der -konsularischen Würde angetan. Marius stand schweigend neben ihm, aber -sein finsterer Blick verriet die grimmige Rachgier seines Herzens. - -Die beiden Verbündeten kamen hierauf zum Stadttor. Cinna zog ein; -Marius aber blieb am Tore stehen und sagte mit bitterem Lächeln: -„Verbannte dürfen ja die Stadt nicht betreten.“ Cinna ließ daher -sogleich das Volk zusammenkommen, um die Aufhebung des Beschlusses -zu bewirken, durch welchen Marius geächtet worden war. Allein kaum -hatten drei Abteilungen des Volkes für seine Rückkehr gestimmt, so -konnte sich dieser nicht länger halten. Er brach in die Stadt, ließ -mit wütender Grausamkeit alles, was ihm in den Weg kam, niederstoßen, -befahl Sullas Haus dem Erdboden gleich zu machen, und erlaubte seinen -wilden Horden die schrecklichsten Ausschweifungen. Als das Morden -fünf Tage und fünf Nächte lang gedauert hatte, ward Cinna dessen -überdrüssig; aber der alte Marius hatte seinen Blutdurst noch nicht -gesättigt; wem er den Gruß weigerte, der wurde getötet, darunter die -vornehmsten und verdienstvollsten Männer des Staates, unter anderen -der Konsul Octavius, die Konsulare M. Antonius, der größte römische -Redner seinerzeit, Q. Catulus, der Mitsieger bei Vercellä (S. 118). Da -überfiel endlich Cinna mit einer Schar Bewaffneter diese Mordsklaven in -ihrem nächtlichen Lager und ließ sie niedermetzeln. - -Als die erste Wut vorüber war, ernannten sich Cinna und Marius -eigenmächtig zu Konsuln. Marius bekleidete dieses Amt nun zum siebenten -Male, aber nur auf wenige Tage. Sulla hatte den Senat von seinen Siegen -über Mithridates benachrichtigt und zugleich versichert, er werde bald -kommen, um an seinen Feinden Rache zu nehmen. Diese Nachricht erfüllte -den alten Wüterich, der selbst seinen Parteigenossen ein Greuel und -Schrecken geworden war, mit Unruhe und Angst, und vergebens suchte er -den fliehenden Schlaf in maßlosem Weingenuß. In solchem Taumel befiel -ihn ein hitziges Fieber, dem er nach sieben Tagen erlag. Er starb im -Januar 86, am siebenzehnten Tage seines Konsulats. - - -5. Sullas Rückkehr und Proskriptionen. Sein Tod. - -Drei Jahre hindurch behauptete sich Cinna im Konsulat, als er aber -dem zurückkehrenden Sulla entgegen ziehen wollte, ward er in einem -Aufstand von seinen eigenen Leuten, die nicht gegen Sulla fechten -wollten, getötet. Sulla erschien an der Spitze eines siegreichen Heeres -von 40000 Mann, das er überschwenglich belohnt hatte, in Italien (84), -wo ihm die Marianer eine Macht von 200000 Mann entgegenstellen konnten. -Aber von den sie führenden Konsuln ward der eine geschlagen, der -andere von seinen Truppen, die zu Sulla übergingen, verlassen. Sulla -wußte sogar das Heer des jungen Marius durch geschickte Überredung auf -seine Seite zu bringen, sodaß Papirius Carbo, einer der marianischen -Parteihäupter, sagte: „In Sulla steckt ein Löwe und ein Fuchs, und -dieser ist noch mehr zu fürchten als jener.“ Der junge Marius warf -sich in die hochgelegene feste Stadt Präneste, nicht weit von Rom, wo -er sich heldenmütig verteidigte. Als aber Sulla vor den Toren Roms ein -großes Heer der Samniter, den letzten Rest der aufständischen Italiker, -geschlagen und vernichtet hatte, ließ sich Marius, am glücklichen -Erfolge verzweifelnd, durch einen Sklaven töten. Seinen Kopf stellte -Sulla auf der Rednerbühne aus und sagte spottend: „Das Bürschchen hätte -erst Ruderer werden sollen, zum Steuermann war es noch zu jung.“ - -Nach einer Reihe von Siegen zog Sulla in Rom ein, und jetzt verwandelte -er sich in den blutgierigsten Wüterich, den Rom jemals gehabt hat. Er -hatte in der letzten Schlacht 6000 Gefangene gemacht. Diese ließ er -in der großen Rennbahn, dem Zirkus Maximus, auf einmal niederhauen. -Während dies geschah, versammelte er den Senat nicht weit vom Zirkus -im Tempel der Bellōna. Hier hielt er eine drohende Rede, worin er -die Senatoren nicht als Häupter eines freien Staates, sondern als -pflichtvergessene Untertanen eines stolzen Gebieters behandelte. -Während dieser Rede hörten die Senatoren das klägliche Geschrei jener -Gefangenen, die eben im Zirkus ermordet wurden. Alle erschraken und -sprangen bestürzt von ihren Sitzen auf. Nur Sulla blieb unbewegt. -Ohne eine Miene zu verändern, sagte er bloß: „Laßt euch nicht stören, -versammelte Väter! Was ihr hört, ist das Geschrei einiger Aufrührer, -die auf meinen Befehl gestraft werden.“ Dann setzte er seine Rede fort, -bis das Geschrei verstummte. Nicht lange nachher hielt er eine Rede -vor dem Volk, worin er deutlich sagte, daß er keines Menschen schonen -würde, der gegen ihn die Waffen getragen hätte. Der Grausame hielt -Wort. Denn nun erfolgte das fürchterlichste Blutbad in Rom und ganz -Italien. Vierzig Senatoren, sechzehnhundert Ritter und viele tausend -Bürger wurden getötet, viele italische Städte zerstört, und jeder -konnte ungestraft den ermorden, den er haßte oder dessen Vermögen er zu -besitzen wünschte. - -Als das Morden schon einige Tage gedauert hatte, sprach Metellus, ein -Haupt der Optimaten und Parteigenosse Sullas, in der Senatssitzung zu -ihm: „Wir bitten dich nicht diejenigen leben zu lassen, die du zu töten -beschlossen hast, sondern nur diejenigen nicht durch Angst zu töten, -die du erhalten willst.“ Sulla ward durch diese Freimütigkeit nicht -beleidigt. Er erwiderte bloß, daß er selbst noch nicht wisse, wen er -verschonen wolle. Hierauf sagte Metellus weiter: „Nun, so nenne uns -diejenigen, die du zu töten entschlossen bist.“ - -Dies geschah. Sulla ließ die Namen derjenigen in Listen verzeichnen, -die ihre Güter und ihr Leben verlieren sollten. Mit solchen -Verzeichnissen, den sogenannten Proskriptionen, gab Sulla das erste -und schrecklichste Beispiel politischen Massenmordes. Die Listen der -zum Tode Bestimmten wurden öffentlich auf dem Forum ausgestellt und -zugleich durch ein Gesetz bekannt gegeben, daß mit der Ächtung auch -der Verlust des Vermögens verbunden sei. Sulla schickte ganze Scharen -gallischer Reiter aus, um die Verurteilten aufzusuchen und umzubringen. -Wer den Kopf eines Geächteten brachte, erhielt zwei Talente (fast 10000 -Mark) zur Belohnung; wer einen Verurteilten aufnahm, verbarg oder ihm -zur Flucht verhalf, ward mit dem Tode bestraft. Diese Achtserklärungen -erzeugten die greulichsten Schandtaten. Sklaven verrieten ihre -Herren, Kinder gaben ihre Eltern preis, Brüder und Gatten gerieten in -Streit und tödlichen Haß. Tempel und Altäre wurden mit dem Blute der -Verfolgten befleckt. Nicht nur Rom, sondern fast alle Städte Italiens -waren der Schauplatz solcher unerhörten Greuel. Verrat, Undank, -Meuchelmord, Bosheit, Raub und Habsucht wüteten allenthalben. Die Zahl -der Getöteten ließ sich nicht genau bestimmen; in Rom sollen nahe an -5000 gefallen sein. Sulla hörte nicht eher auf durch Achtserklärungen -seine wirklichen oder angeblichen Gegner zu verfolgen, als bis die -Rache und die Habsucht aller seiner Anhänger gesättigt war. Ein -gewisser Furfidius mahnte ihn doch einige seiner Feinde leben zu -lassen, damit Menschen übrig blieben, über die er herrschen könnte. - -Als Sulla seine Rache endlich gesättigt hatte, ließ er sich zum -Diktator auf Lebenszeit ernennen und begann durch eine Reihe von -Gesetzen die Verfassung und Verwaltung des Staates umzugestalten, -wobei sein Absehen vor allem darauf gerichtet war, die Macht und das -Ansehen der Optimaten und des Senates zu verstärken, die Geltung und -den Einfluß der Tribunen zu schwächen, und überhaupt der verhaßten -Volksherrschaft enge Schranken zu setzen. Wegen seiner Siege über -Mithridates hielt er einen glänzenden Triumph, und belohnte alle -Soldaten und seine Anhänger mit Geld und Landgütern. - -Aber schon im zweiten Jahre legte er die Diktatur nieder (79), nachdem -er noch einmal in einer Rede vor dem Volke seine Taten und sein -Glück gepriesen hatte. Er lebte dann noch ein Jahr als Privatmann, -dem Vergnügen und der Jagd ergeben. Seine letzten Tage wurden ihm -durch eine sehr schmerzhafte und Ekel erregende Krankheit verbittert. -Er starb im Jahre 78. In seiner Zurückgezogenheit hatte er die -Denkwürdigkeiten seines Lebens in griechischer Sprache geschrieben. -Sein Leichnam ward auf dem Marsfeld verbrannt. In der Grabschrift, -die er selber verfaßt hatte, rühmte er sich, daß er alles gute oder -schlimme, daß er von Menschen erfahren hätte, ihnen reichlich vergolten -habe. - - - - -XXV. - -Gnaeus Pompejus Magnus. - - -1. Sein erstes Auftreten. - -Gnaeus Pompejus, geboren 106, war der Sohn des Pompejus Strabo, der im -Kriege der Römer gegen ihre aufständischen italischen Bundesgenossen -(91-88 v. Chr.) mit Auszeichnung gefochten und einen Triumph gefeiert -hatte. Während aber der Vater wegen seiner Geldgier und seines -zweideutigen politischen Verhaltens beim Volk und beim Heer mißliebig -war, wußte der junge Pompejus durch Vorzüge des Geistes und Charakters, -durch persönliche Anmut und leutseliges Benehmen die Liebe und Gunst -des Volkes zu gewinnen. Schon als Jüngling gab er Beweise von Mut und -Unerschrockenheit. Während des Bürgerkrieges hatte Cinna einen Mörder -gegen den älteren Pompejus gedungen, allein der Anschlag ward verraten -und durch die wachsame Umsicht des Sohnes vereitelt. Ein andermal, -als die Truppen dem verhaßten Feldherrn den Gehorsam weigerten und -dieser aus Furcht nicht hervortrat, stellte sich der Sohn mitten unter -die Soldaten, die bereits das Lager verlassen wollten, und suchte -sie durch geschickte Rede zu ihrer Pflicht zurückzuführen. Als seine -Vorstellungen nichts fruchteten, warf er sich vor dem Tor des Lagers -zur Erde und hieß diejenigen, die abziehen wollten, zuvor seinen Körper -zertreten. Bei diesem Anblick kehrten die beschämten Soldaten zurück -und versöhnten sich mit ihrem Feldherrn. - -Im Bürgerkriege nahm er entschiedene Partei für Sulla und die Sache der -Optimaten. Solange die Herrschaft der Marianer dauerte, lebte er auf -seinen Gütern, trat aber, als Sulla nach Italien zurückgekehrt war, -offen für diesen auf. Siegreich kämpfte er mit seiner Truppe, die er -selbst geworben, gegen die Marianer, sodaß Sulla dem erst 23jährigen -jungen Krieger den Ehrennamen Imperator beilegte. Als Sulla seinen -Einzug in Rom gehalten hatte, sandte er den Pompejus nach Sizilien -und Afrika, um auch dort die Marianer zu vernichten. In Sizilien -schlug er Papirius Carbo, nahm ihn gefangen und ließ ihn hinrichten. -Nach Afrika übergesetzt, gelang es ihm in nur vierzig Tagen diese -Provinz zu beruhigen. Als dann seine Legionen, nach Beendigung des -Krieges, auf Sullas Befehl sich auflösen sollten, wollten diese die -Waffen nicht eher niederlegen, als bis man sie auf gleiche Weise wie -die Sullanischen belohnt hätte; ja sie forderten sogar den Pompejus -auf sie gegen Sulla zu führen, und nur durch die Drohung, er werde -lieber sich selbst töten, wußte dieser die Meuterer zu ihrer Pflicht -zurückzuführen. Diese selbstlose Hingebung setzte ihn bei dem Diktator -in die höchste Gunst. Dieser gab ihm den ehrenden Beinamen des Großen -(Magnus) und zeichnete ihn noch besonders dadurch aus, daß er sich bei -seinem Eintritt vom Amtssessel erhob. Als aber Pompejus auch die Ehre -des Triumphes verlangte, eine Ehre, die nur siegreichen Prätoren und -Konsuln zuteil zu werden pflegte, schlug ihm Sulla seine Bitte ab und -verwies ihm seinen allzu großen Ehrgeiz. Da hatte der junge Sieger die -Kühnheit zu erwidern: „Die aufgehende Sonne hat mehr Anbeter als die -untergehende!“ Sulla, durch diese kecke Äußerung betroffen, gewährte -ihm zwar die Bitte und rief zweimal: „So triumphiere denn!“ Aber von -der Zeit an waren beide Männer keine Freunde mehr. - -Dennoch blieb Pompejus der Partei des Sulla getreu. Die eigentliche -Zeit seines Ruhmes brach aber erst nach Sullas Tode an, als er -Gelegenheit fand eine Reihe glücklicher Kriege zu führen. Freilich -waren es seine glänzenden Eigenschaften nicht allein, die ihn solche -Erfolge erringen ließen; nicht selten war es die besondere Gunst der -Umstände, die ihn dabei unterstützten, und die Kunst sich die Siege -anderer und ihre Früchte anzueignen. - - -2. Pompejus gegen Sertorius. - -+Quintus Sertorius+ stammte aus dem Sabinerlande, aus einer bislang -namenlosen Familie. In seiner Vaterstadt erlangte er einigen Ruf durch -seine Beredsamkeit; bald aber widmete er sich einzig und allein dem -Waffendienste. Er machte die Feldzüge gegen die Cimbern und Teutonen -mit und kämpfte später im Bundesgenossenkrieg. Er verrichtete so -bewunderungswürdige Taten, daß das Volk ihn mit lautem Freudengeschrei -begrüßte, so oft er zu Rom im Theater erschien. Bei dem Ausbruche -des Bürgerkrieges zwischen Marius und Sulla schloß er sich jenem -an, und als die Sache der Marianer in Italien verloren war, ging er -nach Spanien, wo er sich acht Jahre lang, 80-72, als Haupt der in -Italien unterlegenen Volkspartei gegen die Übermacht der gegen ihn -vom Staat geschickten Heerführer siegreich behauptete. Unermüdlich in -allen Anstrengungen des Krieges, abgehärtet und bedürfnislos wie ein -einfacher Kriegsmann, dabei mit List und Gewandtheit allen Gefahren -sich entziehend, mit immer neuen Anschlägen die Gegner überraschend, -ward er ein Abgott seiner Anhänger und des spanischen Volkes, das ihn -den zweiten Hannibal nannte. - -Anfangs, als sein Heer noch klein und ungeregelt war, wurde er von dem -ersten Heere, das Sulla gegen ihn geschickt hatte, genötigt, Spanien -zu verlassen. Da fuhr er denn mit seinen 3000 Mann eine Zeitlang -abenteuernd an den spanischen Küsten umher, und schon kam ihm der trübe -Gedanke, aus der zerrütteten römischen Welt auszuscheiden und sich -auf den „glücklichen Inseln“ (den kanarischen), deren paradiesische -Schönheit die überlieferten Erzählungen griechischer Seefahrer nicht -genug rühmen konnten, eine neue Heimat zu suchen. Aber seine Truppen -hatten dazu keine Lust, und so führte er sie nach Afrika hinüber zu den -Mauretaniern, denen er in einem Aufstande gegen ihren König half. Hier -erwarben ihm seine Taten einen solchen Ruf, daß eine Einladung der noch -immer freiheitsstolzen Lusitaner (im heutigen Portugal) an ihn erging, -sie gegen die Heere der römischen Statthalter anzuführen. Nun ging er -wieder nach Spanien. Hier wußte er durch Mut und Tapferkeit, durch -Klugheit und erfindsamen Geist, sowie durch milde und rücksichtsvolle -Behandlung der Eingeborenen die Hälfte aller spanischen Völkerschaften -auf seine Seite zu ziehen. Sie räumten ihm volle Feldherrngewalt -ein und ließen sich sogar die Strenge des römischen Kriegsdienstes -gefallen. Um die Eingeborenen im Gehorsam zu erhalten, kam ihm ein -Aberglaube zustatten. Die Spanier standen nämlich in der Meinung, eine -Gottheit tue ihm ihren Willen durch die weiße Hindin kund, die er -sich gezähmt hatte, und die ihn überall begleitete, selbst mitten im -Kriegslärm. - -So bildete er aus Lusitanern und Celtiberern waffengeübte Heerhaufen, -mit denen er, verstärkt durch die aus Italien ihm zuströmenden -marianischen Flüchtlinge, lange Zeit im kleinen Gebirgskrieg den -römischen Legionen widerstand. Zwei Prokonsuln waren schon im Kampf -gegen ihn gefallen. Die ganze Provinz schien bereits dem römischen -Reiche verloren und Italien selber und die Herrschaft der Optimaten in -Rom bedroht, zumal auch der Prokonsul Metellus Pius wenig gegen ihn -ausrichtete. +Perpenna+, ein aus Italien vertriebener Marianer, der im -Jahre 77 mit dem Rest der marianischen Truppen in Spanien erschienen -war, ward von seinen Soldaten genötigt sich mit Sertorius zu vereinigen -und ihm unterzuordnen. Dieser bildete nun einen eigenen Senat von 300 -Mitgliedern, den er für den eigentlichen römischen Senat erklärte, -während der Senat zu Rom nur aus Sullas Sklaven bestände. Auch -errichtete er zu Oska auf seine Kosten eine Schule, wo die vornehmsten -Hispanier ihre Söhne nach Art der jungen Römer erziehen und in der -lateinischen und griechischen Sprache unterrichten ließen. - -Sertorius vermied auch nach seiner Verstärkung durch Perpenna -fortwährend offene Feldschlachten, sondern beschränkte sich auf den -kleinen Krieg, den er in dem bergigen Lande mit Glück führte. Einst -verlangten seine eigenen Soldaten, kühn geworden durch die immer -zunehmende Zahl ihres Heeres, mit Ungestüm eine förmliche Schlacht. -Sertorius gab nach. Bald aber wurden sie von den Feinden so bedrängt, -daß ihr Untergang unvermeidlich gewesen wäre, wenn nicht Sertorius im -rechten Augenblick zu ihrem Schutz herbeigeeilt wäre und sie sicher ins -Lager zurückgeführt hätte. Als sie durch diesen Unfall mutlos geworden -waren, ließ er einige Tage später zwei Pferde vorführen. Das eine war -alt und schwach, das andere stark und jung mit einem dicken Schweif. -Hinter jenes stellte er einen starken, hinter das andere einen kleinen -schwächeren Soldaten. Auf ein gegebenes Zeichen mußten beide versuchen, -den Pferden die Schweife auszuziehen. Der starke Soldat ergriff mit -einem Mal den ganzen Schweif des schwachen Pferdes, um ihn mit einem -Zuge auszureißen; aber er zog und zog, immer vergeblich. Indeß riß der -kleine Soldat dem starken Pferde ein Haar nach dem andern aus, bis -er zuletzt den ganzen Schweif in Händen hielt. So lehrte er sie, wie -sie durch Ausdauer und kleine Gefechte auch einen überlegenen Feind -schwächen könnten. - -Die Fortschritte des Sertorius erregten endlich in Rom solche -Besorgnisse, daß man den Pompejus mit einem neuen Heere nach Spanien -schickte. Pompejus führte sein Heer von 30000 Mann zu Fuß und 1000 -Reitern durch Gallien über die Pyrenäen (76). Jahrelang focht er, aber -ohne Glück und Entscheidung gegen den unbesiegbaren Marianer, der sich -sogar mit König Mithridates von Pontus in ein Bündnis einließ, bis -endlich schnöder Verrat und Meuchelmord den Helden zu Fall brachte. - -Als nämlich die Römer einen Preis von 100 Talenten und 20000 Morgen -Landes auf den Kopf des Sertorius setzten, da ließen sich viele -zum Abfall bewegen. Gefährlicher noch ward daher im eigenen Heer -der ehrgeizige Perpenna, der, weil er dem Sertorius den Oberbefehl -mißgönnte, die Gemüter vieler Untergebenen von ihm abwendig machte. -Er stiftete Zwietracht im Senat des Sertorius und machte auch die -Treue der Eingeborenen wankend. Da wurde Sertorius mißtrauisch und -grausam und ließ sich zu einer furchtbaren Tat hinreißen: er ließ die -Söhne der vornehmsten Spanier, welche er des Abfalles bezichtigte, in -der Schule zu Oska töten. Die tiefe Mißstimmung und Erbitterung, die -solches Verfahren auch bei den bisher treuesten Anhängern hervorrief, -benutzte sein Legat Perpenna als Gelegenheit zu seinem Untergang. Er -stiftete eine Verschwörung an und lud seinen arglosen Feldherrn zu -einem Gastmahl ein, zu dem dieser mit zweien seiner Geheimschreiber -erschien. Auf ein gegebenes Zeichen erhoben sich die Mitverschworenen -des Gastgebers und töteten Sertorius mit den beiden Schreibern (72). - -Perpenna stellte sich nun selbst an die Spitze des Heeres und hoffte -die Sache der Marianer weiter zu führen. Bald aber ward er von -Pompejus geschlagen und gefangen genommen. Vergebens erbot er sich die -in seinen Händen befindlichen Briefe auszuliefern, durch die viele -römische Senatoren in Gefahr gekommen wären. Pompejus ließ die Briefe -ungelesen verbrennen und den Verräter hinrichten. Die überlebenden -Marianer flüchteten übers Meer nach Mauretanien oder warfen sich auf -den Seeraub. Die beiden spanischen Provinzen kehrten unter die römische -Herrschaft zurück. - -Da Metellus inzwischen schon nach Italien zurückgekehrt war, konnte -sich Pompejus rühmen dem langjährigen und gefährlichen Kriege ein Ende -gemacht zu haben, und mit jenem zusammen im folgenden Jahre einen -glänzenden Triumph feiern. Sein Glück sollte ihm bald Gelegenheit -bieten, neue kriegerische Lorbeern zu ernten. - - -3. Pompejus besiegt die Reste des Sklavenaufstandes. - -Während des letzten Jahres, in welchem Pompejus in Spanien focht, -wurde Italien durch einen schrecklichen Sklavenaufstand überrascht, -der in der grausamen Behandlung der Sklaven seine Ursache hatte. Schon -längst hatte bei den Römern das blutgierige Vergnügen Eingang gefunden, -Menschen bei öffentlichen Festlichkeiten auf Leben und Tod mit einander -fechten zu sehen. Solche Fechter nannte man Gladiatoren (vom lat. -~gladius~ „Schwert“). Anfangs nahm man dazu Gefangene und Verbrecher; -allein die Sucht des römischen Volkes, sich an solchen Fechterspielen -zu ergötzen, nahm so zu, daß ganze Sklavenhorden von gewinnsüchtigen -Unternehmern gekauft, in eigenen Fechterschulen abgerichtet und an -die hohen Beamten, welche dem Volke solche Spiele auf ihre Kosten zu -geben pflegten, vermietet wurden. So fochten oft viele Hunderte von -Fechterpaaren vor dem Volke und gaben zur Belustigung desselben ihr -Leben hin. - -Um diesem unmenschlichen Zustand zu entgehen, entfloh aus einer solchen -Fechterschule zu Capua der Thraker +Spartacus+ mit einer Anzahl seiner -thrakischen und gallischen Unglücksgenossen. In diesem Manne fand sich -bei einer ungemeinen Körperstärke eine unbändige Freiheitsliebe, kühner -Wagemut und eine seltene kriegerische Begabung. Anfangs der Hauptmann -einer Räuberbande, erwies er sich bald als ein wirklicher Feldherr und -erneuerte in Italien den „hannibalischen Schrecken“. Der Zulauf zu -seiner kleinen Schar war so gewaltig, daß er nicht nur ein römisches -Heer nach dem andern schlug, sondern auch Rom selbst zittern machte. - -Anfangs setzte er sich mit seinen Gefährten in der Umgegend des Vesuvs -fest. Bald sammelten sich mehr und mehr Fechter und Sklaven aus -Süditalien um ihn, die er militärisch ordnete; Raub und Kriegsbeute -verschafften Unterhalt und Waffen, und seine Erfolge begeisterten die -wilden Haufen bald zu unbedingtem Gehorsam gegen den kühnen Führer. In -Rom verkannte man anfangs die Größe der Gefahr. Die schwachen Kohorten, -die man gegen den Aufstand sandte, wurden geschlagen. Erst als der -Übermut und die Grausamkeit des täglich anwachsenden Heerhaufens die -Städte Unteritaliens in Not und Schrecken setzte, rückten größere -Truppen gegen ihn aus, die einen regelrechten Feldzug eröffneten. - -Einst hatte Spartacus mit seinen Truppen eine Höhe besetzt; der -römische Befehlshaber konnte sie hier nicht angreifen und lagerte sich -vor der Höhe, da, wo ein einziger schmaler Weg zu ihr hinaufführte, -um die Feinde auszuhungern. Allein diese verfertigten aus wilden -Weinranken, mit denen die Höhe besetzt war, möglichst starke Ketten, an -denen sie sich nachts an der steilsten Stelle herabließen, ohne daß die -Römer auf der andern Seite das Mindeste merkten. Ja, sie wurden sogar -von den um den Berg herumgekommenen Fechtern so plötzlich überfallen, -daß sie die Flucht ergriffen und das Lager preisgaben. Dieser Sieg -verschaffte dem Spartacus einen solchen Ruf, daß ihm weitere Tausende -von Sklaven zuliefen. - -Ein andermal hatte ihn der römische Prätor schon eingeschlossen, sodaß -er entweder sich ergeben oder durch Hunger umkommen mußte. Da ließ -er nachts vor dem Lager Leichname, die an Pfähle gebunden waren und -Waffen in den Händen hielten, in gehörigen Zwischenräumen aufstellen; -alle Wachtfeuer brannten, ein Trompeter blies dann und wann; dies -alles, damit die Römer ihr Lager fortwährend besetzt halten sollten. -Inzwischen entwischte Spartacus mit seinem ganzen Heere an einer wenig -bewachten Stelle. - -So schlug er nach einander drei Prätoren und zwei Konsuln. Da er -jedoch fühlte, daß er seine aus 70000 Mann angeschwollene Masse wilder -Thraker, Gallier und Germanen nicht lange werde zusammenhalten können, -so suchte er nach Oberitalien zu dringen, um sie von da über die Alpen -in ihre Heimat zu führen. Allein das Raubleben in Italien gefiel den -meisten, und ein Unterbefehlshaber des Spartacus, namens Crixus, -trennte sich mit 30000 Galliern von ihm, erlitt aber bald eine völlige -Niederlage. Spartacus selbst ward von seinen Leuten gedrängt sie gegen -Rom zu führen. - -Hier wurde der durch seinen Reichtum bekannte +Licinius Crassus+ zum -Feldherrn gegen Spartacus ernannt. Er stellte zuerst die verfallene -Kriegszucht wieder her, ließ in zwei Legionen seines Unterfeldherrn -den zehnten Mann zur Strafe für ihre schimpfliche Flucht hinrichten, -und schloß dann den Feind durch einen meilenlangen Wallgraben ein. -Spartacus aber durchbrach den Wall und ward dann von Crassus zur -Schlacht am Flusse Silārus in Lucanien (71) genötigt. Er kämpfte mit -dem Mute eines Löwen; er hatte sein Pferd selbst erstochen, denn er -wollte siegen oder sterben. Er stürzte sich in den Feind und suchte -den Crassus zu treffen, jedoch vergebens; dagegen sanken viele andere -unter seinen Streichen. Als er, schwer an der Hüfte verwundet, nicht -mehr stehen konnte, schlug er knieend um sich, bis er aus der Ferne -mit Wurfspießen getötet wurde. In der Schlacht kamen 60000 Sklaven -um, 6000 wurden gefangen und an der Landstraße von Capua nach Rom ans -Kreuz geschlagen, und nur einem Reste von 5000 Mann gelang es sich nach -Oberitalien durchzuschlagen. - -Aber hier stießen sie auf die Legionen, mit denen Pompejus aus -Spanien heimkehrte. Er vernichtete den Haufen mit leichter Mühe bis -auf den letzten Mann, und schrieb großprahlend an den Senat, Crassus -habe zwar die Sklaven in geordnetem Treffen geschlagen, er aber habe -diesem Sklavenkrieg erst die Wurzel ausgerissen! Gepriesen von seinen -Schmeichlern, erhielt er nach seinem Triumph über Spanien das Konsulat, -in dem er eben jenen Licinius Crassus, der ihm natürlich nicht hold -war, zum Amtsgenossen hatte. Diese beiden Männer strebten jetzt nach -der Gunst des Volkes und dadurch nach der Herrschaft. Crassus bewirtete -das Volk an 10000 Tafeln und spendete ihm Getreide auf drei Monate; -Pompejus stellte die Macht der Volkstribunen, die Sulla beschränkt -hatte, wieder her, um mit ihrer Hilfe seine ehrgeizigen Pläne zu -fördern (70). - -Am Schluß dieses Jahres vermittelten Freunde zwischen beiden Konsuln -eine Versöhnung, wobei sich der gutmütigere Crassus zuerst von seinem -Sitze erhob und dem Pompejus die Hand reichte. Dieser liebte es mit -erkünstelter Bescheidenheit aufzutreten. Als in dem Jahre seines -Konsulats die Censoren die übliche Musterung über die Ritter hielten, -erschien auch Pompejus, als ob er dem Ritterstande angehörte, sein -Pferd am Zügel führend. Alles staunte; und als er auf die Frage, ob -er auch die den Angehörigen des Ritterstandes obliegenden Feldzüge -mitgemacht habe, mit lauter Stimme antwortete: „Ja, alle, und zwar -immer als Oberbefehlshaber!“ da brach die Menge in lauten Beifall aus -und gab ihm jubelnd das Ehrengeleit nach seinem Hause. - - -4. Pompejus besiegt die Seeräuber. - -Schon seit vielen Jahren befanden sich die östlichen Provinzen -des römischen Reiches in fortgesetzter Bedrängnis durch das -überhandnehmende Unwesen der Seeräuber, die namentlich seit dem Kriege -mit Mithridates durch die Söldnerscharen, welche in seinen Diensten -gestanden, außerordentlichen Zuwachs erhalten hatten. Sie hatten ihren -Sitz hauptsächlich an den rauhen Küsten Ciliciens in Kleinasien und -auf Kreta, und betrieben ihre Raubzüge in planmäßiger Ordnung. Alle -Küstenländer und Küstenstädte, sowie die Inseln von der Küste Asiens -bis zur spanischen Meerenge wurden durch Plünderungen, Menschenraub und -Erpressungen in Not und Schrecken gesetzt. Sie befuhren mit weit über -tausend trefflich bemannten und schnell segelnden Schiffen das Meer, -erschienen in ganzen kriegsmäßig geleiteten Geschwadern, geboten über -400 eroberte Städte und hatten allenthalben ihre festen Plätze, wo -sie ihren Raub verbargen und verpraßten. Sie liefen in die Mündungen -der Flüsse ein und überall, wo sie landeten, wagte man es nicht mehr -das Feld zu bestellen. Dabei hatten sie immer ihre Hehler und Helfer -in den Provinzen wie in Italien selbst. Vorzüglich gingen sie darauf -aus, angesehene Personen aufzufangen, um hohe Lösegelder für sie zu -bekommen; wer sich nicht löste, verlor Freiheit oder Leben. Besonders -suchten sie die Küsten Italiens heim, wo sie bald da, bald dort -landeten und einmal sogar die Tochter eines Senators, ja selbst zwei -Prätoren samt ihren Liktoren fortschleppten. So waren die Herren der -Welt nicht mehr Herren an ihrem eigenen Herde. - -Schon seit dem Jahre 78 v. Chr. führten die Römer Krieg gegen die -Seeräuber; aber wenn diese auch einmal geschlagen und ihre Raubnester -zerstört wurden, so war doch das Unwesen nicht ausgerottet, ja es -trat nach einiger Zeit noch stärker hervor, sodaß Handel und Verkehr -allgemein stockte, die Getreideschiffe aus Sizilien und Afrika -ausblieben, in Rom die Teuerung immer höher stieg, und Hungersnot und -Aufruhr des Stadtvolkes drohte. Als nun endlich sogar vor Ostia, wenige -Meilen von der Hauptstadt, eine römische Flotte von den Seeräubern -geschlagen und versenkt wurde, da erkannte man die Notwendigkeit -entscheidende Maßregeln zu ergreifen (67). Der Volkstribun +Aulus -Gabinius+, ein Anhänger des Pompejus, trat mit dem Vorschlage auf, man -solle einen der gewesenen Konsuln mit der Führung des Krieges gegen die -Seeräuber betrauen und ihm auf drei Jahre mit den nötigen Truppen und -Geldmitteln die unumschränkte Gewalt, Verfügung über die ganze Seemacht -und über alle Küstenländer des römischen Reiches bis auf zehn Meilen -landeinwärts übertragen. - -Da jedermann einsah, daß unter dem Einen, dem man auf diese Weise den -Befehl über fast das halbe römische Reich in die Hände legen sollte, -kein anderer als Pompejus gemeint sein konnte, so setzte der Senat den -ernstesten Widerstand entgegen. Bei den Beratungen über den Antrag des -Gabinius ging es so stürmisch und gewalttätig zu, daß dieser selbst -in Lebensgefahr geriet; aber auch die Senatoren würden vom Volke, das -dem Tribunen zu Hilfe in den Sitzungssaal eingedrungen war, erschlagen -worden sein, wenn sie nicht geflohen wären. Pompejus selbst gab sich -zwar in einer Rede vor der Volksversammlung den Anschein, als wünsche -er dieser großen Aufgabe, die so vielen Neid und Widerspruch errege, -überhoben zu sein; er habe schon so viel im Kriege ausgestanden, daß er -(der kaum 40 Jahre alt war) sich selbst als ein abgebrauchter alter -Mann vorkäme; man sollte daher einen Tüchtigeren wählen. Das Volk ward -dadurch nur noch bestärkt in dem Entschlusse den Vorschlag des Tribunen -durchzusetzen, und es erhob sich ein solcher Lärm, daß ein oben -vorbeifliegender Rabe, von dem Geschrei betäubt, zur Erde fiel. - -Der Antrag ging durch, und Pompejus erhielt 500 Schiffe, 120000 -Legionssoldaten mit 7000 Reitern und 25 Unterfeldherren (Legaten), dazu -144 Millionen Sesterze (33 Millionen Mark) aus dem Staatsschatz, nebst -der Vollmacht über alle Mittel der Provinzen zu verfügen. Eine solche -Macht hatte gesetzmäßig vor ihm noch kein römischer Feldherr besessen. - -Nun teilte Pompejus das ganze Mittelmeer in dreizehn Bezirke, über -deren jeden er einen Legaten mit den nötigen Streitmitteln setzte, und -befahl sodann die Piraten zunächst aus dem westlichen Meere, also aus -allen Schlupfwinkeln an den Küsten Italiens, Spaniens, Afrikas und der -dazwischen liegenden Inseln aufzuscheuchen und nach dem östlichen Meere -zu treiben. Als dies geschehen war, wendete er sich mit der Hauptmacht -nach Osten. Schon auf dem Wege dorthin ergaben sich ihm viele auf Gnade -und Ungnade, und er behandelte sie mit schonender Milde, um durch -diese Mäßigung den andern die Rückkehr zur Ordnung zu erleichtern. -Die meisten aber suchten ihre Zuflucht in den cilicischen Buchten und -Bergfesten. Pompejus schlug dort ihre Flotte in einer regelmäßigen -Schlacht gänzlich, zerstörte ihre Burgen, nahm ihnen alle ihre Städte, -Schiffe, Vorräte, Waffen, und verpflanzte die Gefangenen, über 20000, -tief in das Land hinein, um sich dort anzubauen und des Piratenlebens -zu entwöhnen. - -Auf diese Weise hatte er in drei Monaten das Seeräuberwesen vertilgt -und Rom die Herrschaft zur See wiedergegeben. - -Die rasche und glückliche Beendigung dieses Krieges versetzte das -römische Volk in solche Freude, daß es den Freunden des Pompejus leicht -wurde, dem Gefeierten ein noch größeres Feld des Ruhmes zu verschaffen, -auf dem er abermals die Frucht der Arbeit anderer ernten sollte. - - -5. Pompejus in Asien. - -Während Pompejus diese schnellen Siege erfocht, hatte sich -+Mithridates+, der den Römern so furchtbare König von Pontus, zu einem -neuen Kampfe gerüstet. Er hatte seine Land- und Seemacht verstärkt -und durch römische Hauptleute, die ihm nach der Unterdrückung der -Marianer in Menge zuströmten, in römischer Weise einüben lassen. Mit -seinem Eidam, dem König +Tigránes+ von Armenien, und mit Sertorius -in Spanien schloß er ein Bündnis und suchte die kriegerischen Völker -im Norden des schwarzen Meeres und an der Donau zum Kampfe gegen die -Römer aufzureizen. Nach dem Tode des Königs Nikomédes von Bithynien, -der die Römer zu Erben seines Reiches ernannt hatte, fiel Mithridates -in Bithynien ein mit einem Heer von 120000 Mann zu Fuß, 16000 Reitern -und 100 Sichelwagen (74 v. Chr.). Allenthalben ward er als Befreier -vom römischen Druck gern aufgenommen. Die Römer aber beauftragten die -beiden Konsuln dieses Jahres, L. Licinius +Lucullus+ und M. Aurelius -+Cotta+, mit der Führung des Krieges, von denen dieser hauptsächlich -die Leitung der Flotte, ersterer die des Hauptheeres zu Lande erhielt. - -Nachdem Cotta in der Propontis unglücklich gegen Mithridates gekämpft -und dabei seine ganze Flotte eingebüßt hatte, gelang es Lucullus, der -von Cilicien her eben dorthin vorgerückt war, das weit zahlreichere -Heer, womit der König die große Seestadt Kyzikos hart bedrängte, völlig -zu schlagen, die Stadt zu entsetzen, und bald darauf auch die Flotte -des Königs zu vernichten (73). Noch sieben Jahre, bis 67, dauerte -der Krieg, der sich allmählich ostwärts bis in die Gebirge Armeniens -und Mediens zog und den Gegner immer härter bedrängte. Schon gab -Mithridates sein Reich verloren und ließ in seiner Hauptstadt seine -Schwestern und Frauen töten, um sie vor römischer Gefangenschaft zu -bewahren; er selbst floh zu seinem Schwiegersohn Tigranes von Armenien, -der eben im Begriff stand, das Königreich Syrien mit dem seinigen zu -vereinigen. Lucullus ließ ihn auffordern, den Flüchtling auszuliefern. -Da er aber sein Schreiben an den „König“ Tigranes richtete, statt an -den „König der Könige“, wie sich jener hochmütig nannte, so fühlte sich -Tigranes gekränkt und gab eine abschlägige Antwort. Da zog Lucullus -auch gegen ihn und schlug das zwanzigmal stärkere armenische Heer bei -seiner Hauptstadt Tigranokerta in die Flucht (69). Dieser Sieg gewährte -unermeßliche Beute. Lucullus gedachte noch weiter vorzudringen, -allein der Ungehorsam seiner meuterischen Soldaten, deren Genuß- und -Beutegier er nicht genug frönte, hemmte ihn in seinen Unternehmungen, -und mitten im glücklichsten Lauf seiner Siege riefen ihn Neid und -Mißgunst und boshafte Verleumdungen seiner Gegner vom Schauplatze des -Krieges ab. - -Diese Feinde hatte sich Lucullus durch seine rücksichtsvolle und -menschliche Behandlung der kleinasiatischen Städte zugezogen. Die ihnen -von Sulla auferlegten 20000 Talente waren durch die Schulden, die sie -bei den römischen Wucherern hatten machen müssen, zu der entsetzlichen -Höhe von 120000 Talenten angewachsen, und die unvermögenden Schuldner -wurden durch Kerkerstrafen und Martern aufs schrecklichste gepreßt. -Lucullus setzte die Schuld auf 40000 Talente herab und gewährte -den Städten noch andere Erleichterungen. Dafür ward er denn von -den römischen Wucherern daheim auf das heftigste angegriffen und -verleumdet. Diese und die Anhänger des Pompejus brachten es dahin, -daß ihm der Oberbefehl genommen und auf den Antrag des Volkstribunen -Manilius, den Cicero in einer Rede verteidigte, dem Pompejus übertragen -wurde (67). Nun ging Pompejus nach Kleinasien, wo er in Galatien mit -Lucullus eine Unterredung hatte. Anfangs spendeten sich beide die -größten Lobsprüche; zuletzt überhäuften sie sich gegenseitig mit -Vorwürfen, indem Lucullus dem Pompejus seinen unersättlichen Ehrgeiz, -dieser dem Lucullus seine unersättliche Habgier vorhielt. - -Lucullus ging nach Rom, wo er nach langem Warten einen Triumph -erhielt, und dann sein weiteres Leben in der Beschäftigung mit Kunst -und Literatur und im Genuß seiner ungeheuren Reichtümer hinbrachte. -Seine reichen Sammlungen von kostbaren Gemälden, Bildsäulen, Büchern, -seine prächtigen Paläste, Landhäuser, Lustgärten, seine Fischteiche -und künstlichen Seen, seine Prachtgeräte und Kleinodien, seine -üppigen Gastmähler, wozu er die seltensten Speisen und Weine aus -allen Weltgegenden herbeischaffen ließ, machten lucullischen Luxus -zum Sprichwort. Kostete ihm doch ein einziges Prunkmahl im Apollo -(so hieß einer seiner Speisesäle) an 30000 Mark nach unserem Gelde! -Durch ihn wurden die Kirschen und andere aus Asien eingeführte -edle Obstarten in Europa einheimisch Sein Beispiel blieb natürlich -nicht ohne verderbliche Nachahmung; fast alle reichen und vornehmen -Männer Roms wetteiferten seitdem in der Pracht ihres Haushalts und -ihrer Lebensführung, und je größer ihre Verschwendung ward, um so -gieriger suchten sie sich in den Provinzen durch Erpressungen und -Bestechlichkeit zu bereichern. - -Pompejus, dem sein Vorgänger schon durch große Erfolge vorgearbeitet -hatte, setzte nun den Krieg gegen Mithridates fort. Dieser hatte sich -inzwischen wieder erholt und mit rastloser Tätigkeit ein neues Heer -von 33000 Mann aufgestellt. Vor dem andringenden Pompejus zog er sich -in das Innere seines Landes zurück und suchte den Euphrat zu gewinnen. -Hier holte ihn Pompejus ein, umging ihn unbemerkt und besetzte die -umgebenden Höhen eines Engtals, durch welches die Gegner ihren Marsch -nehmen mußten. Mithridates schlug, ohne Ahnung von der Nähe der Feinde, -in diesem Tal sein Lager auf. Die Nacht kam und alles lag in tiefer -Ruhe. Plötzlich schmetterten auf allen Seiten die römischen Trompeten; -die römischen Legionen erhoben ihren gefürchteten Schlachtruf -und schlugen mit den Waffen an die Schilde, daß die Schluchten -widerhallten. Hierauf ergoß sich ein Pfeil- und Speerregen von den -Anhöhen herab über die Aufgeschreckten, die in wildestem Gedränge den -Ausweg im Dunkeln suchten. Dann verließen die Römer die Berge; der -Feind sah sie nicht, aber er fühlte ihr Schwert; alles flüchtete und -drängte nach der Mitte, wo man sich erdrückte und zertrat. Endlich ging -der Mond auf und beleuchtete das gräßliche Nachtstück. Mithridates -selber entkam mit zwei Begleitern und einer seiner Frauen, die ihn -in persischer Reitertracht zu begleiten und alle Gefahren zu teilen -pflegte. Sein ganzes Heer war vernichtet. - -Pompejus wandte sich darauf gegen Tigranes nach Armenien, das er -ohne Schwertstreich einnahm. Der alte Tigranes, von dem eigenen -Sohne verraten und an seinem Glücke verzweifelnd, kam in das Lager -des Pompejus, legte ihm sein Diadem zu Füßen und bat um Schonung. Er -behielt sein Erbreich und zahlte 6000 Talente. - -Während Mithridates in die fernsten Teile seines Reiches am Kaukasus -und auf die taurische Halbinsel (Krim) geflohen war, um sich zu neuem -Widerstande zu rüsten, drang Pompejus durch die Kaukasusländer bis -nach Kolchis am schwarzen Meere vor. Bald aber begab er sich wieder -in das Reich Pontus, wo zwölf Fürsten der benachbarten Länder demütig -vor ihm als ihrem Gebieter erschienen, um seine Befehle zu empfangen. -Dann brach er auf, um südwärts nach Syrien zu ziehen, das, seit dem -Erlöschen der Dynastie der Seleukiden (312-64), in völlige Zerrüttung -geraten war, und machte auch dies große Reich mühelos zur römischen -Provinz. Von da wandte er sich westwärts nach Palästina (63). - -In Palästina stritten damals zwei Brüder aus dem Heldengeschlechte -der Makkabäer um die Herrschaft, und beide hatten den Pompejus zu -Hilfe gerufen. Dieser entschied zu Gunsten des älteren Bruders, -+Hyrkānos+, dem er die Regierung und das Hohepriestertum, aber nicht -den Königstitel bewilligte. Der zurückgesetzte +Aristobūlos+ zog sich -darauf mit seinen Anhängern auf den Tempelberg in Jerusalem zurück und -verteidigte sich dort mit der äußersten Tapferkeit. Erst im dritten -Monat eroberten die Römer an einem Sabbat, als die Juden die Waffen -ruhen ließen, den Tempel; 12000 Juden, darunter die Priester, die -sich im Opferdienst nicht irre machen ließen, verloren hierbei das -Leben. Nichts schmerzte aber die Juden mehr, als daß Pompejus sich -nicht scheute, mit seinem Gefolge in das Allerheiligste des Tempels -einzudringen, das doch bei ihnen niemand als der Hohepriester und -auch dieser nur einmal im Jahre betreten durfte. Pompejus tat dies in -der neugierigen Erwartung, daß er hier den einzigen Gott der Juden -sehen werde. Allein, wie erstaunte er über das Volk der Juden, als er -darin kein Götterbild wahrnahm, sondern nur den goldenen Leuchter, den -goldenen Tisch mit den Schaubroten und die heiligen Schriften. Dem -heidnischen Römer mußte dies alles ein verschlossenes Geheimnis sein. -Pompejus legte den Juden eine schwere Kriegssteuer auf und machte -das Land zinspflichtig; Aristobulus aber und seine Kinder führte er -gefangen fort, um sie in Rom beim Triumphe aufzuführen. - -In Palästina erfuhr Pompejus auch den Tod des Mithridates. Dieser -hatte zuletzt in seiner eigenen Familie Verrat erfahren müssen. -Auch sein liebster Sohn Phárnakes empörte sich wider ihn und gewann -sein Heer. Der alte, sogar von seinen Leibwachen verlassene König -flüchtete sich in eine Burg, wo ihn sein Sohn belagerte, um ihn den -Römern auszuliefern. Aber Mithridates, als er das seiner harrende Los -erkannte, nahm er das Gift, das er stets im Knaufe seines Schwertes -trug, und mischte für sich, seine Frauen und Töchter, unter diesen die -beiden Bräute der Könige von Ägypten und Cypern, den Giftbecher, den -er selber als der letzte trank. Da er aber seinen Körper, um sich gegen -Vergiftung zu schützen, seit lange an alle Arten von Gift gewöhnt und -dagegen abgehärtet hatte, so wirkte der Trank nur schwach und langsam. -Da bot der König einem seiner keltischen Söldner den Nacken zum -Todesstreich. So endete dieser große Feind der Römer sein Leben im 68. -Lebensjahre, nach 56jähriger Regierung und 26jährigem Kampf gegen die -römische Weltherrschaft (63). - -Jetzt eilte Pompejus in das Reich Pontus und traf hier umfassende -Anordnungen über die eroberten asiatischen Länder. Er setzte Könige -und Fürsten ab und ein, löste Königreiche und Fürstentümer auf und -schuf neue, ordnete die neuerworbenen Provinzen nach seinem Gutdünken, -und kehrte dann, überreich an Erfolgen, Ruhm und Beute, nach Italien -zurück. In Brundisium, wo er landete, entließ er sein Heer und begab -sich, wie ein einfacher Bürger, nach Rom. Auf dem ganzen Wege begrüßte -ihn das Volk unter stetem Beifallrufen bis zu den Toren Roms, wo ihn -der ganze Senat erwartete. In Rom feierte er +als Sieger über den -dritten Weltteil+ und +zweiter Alexander+ seinen dritten Triumph, -der zwei Tage dauerte und alles, was man bisher in dieser Art in Rom -gesehen hatte, an Pracht und Glanz weit hinter sich ließ. Voran trug -man Tafeln mit den Namen von sechzehn besiegten Ländern und Völkern, -mit der Angabe von 1000 Burgen, 900 Städten, 800 Schiffen, die er -genommen, und von 39 Städten, die er gegründet oder bevölkert hatte. -Unter den Siegeszeichen und erbeuteten Schätzen und Kostbarkeiten, die -er zur Schau stellte, befanden sich 33 Kronen mit Perlen, 3 goldene -Götterbildnisse, 9 Schenktische voll goldener Trinkgeschirre, die -unermeßlichen Schätze des Mithridates, darunter eine kostbare Sammlung -geschnittener Steine, sein goldenes, 8 Ellen hohes Brustbild, sein -Thron, sein 4 Fuß breites und 3 Fuß langes Brettspiel von 30 Pfund -Gold an Gewicht, mit Würfeln von Edelsteinen, ein Musentempel mit -einer Sonnenuhr im Giebel u. s. w. Die Menge der Kostbarkeiten war -so groß, daß sie nicht alle in diesen beiden Tagen aufgeführt werden -konnten. Unter den 324 vornehmen Gefangenen aus den verschiedensten -Völkerschaften, die ungefesselt vor dem Triumphwagen einhergingen, -befanden sich fünf Söhne und zwei Töchter des Mithridates. Endlich -folgte auf einem von Edelsteinen schimmernden Triumphwagen Pompejus -selbst, angetan mit einer Rüstung Alexanders des Großen, die er in -der königlichen Schatzkammer des Mithridates gefunden hatte. In den -römischen Staatsschatz lieferte er 20000 Talente (fast 10 Millionen -Mark). - - - - -XXVI. - -Cicero. - - -+Marcus Tullius Cicero+ wurde im Jahre 106 v. Chr. im südlichen Latium, -nahe bei Arpinum, der Vaterstadt des Marius, geboren. Er stammte aus -einem wohlhabenden Rittergeschlechte und empfing von seinem Vater -seine erste Bildung. Früh zeigte er den Ehrgeiz „immer der Beste zu -sein und emporzustreben vor allen.“ Seine weitere Vorbildung erhielt -er zu Rom, wo er schon in der Schule durch Wißbegierde, schnelle -Auffassung und rasche Fortschritte allgemeine Bewunderung erregte. Dann -machte er sich mit den Werken der besten griechischen Dichter, Redner -und Philosophen vertraut, und ließ sich in die römische Rechtskunde -einführen. Durch fleißiges Übersetzen griechischer Dichtungen und Reden -erlangte er eine große Gewandtheit auch im Gebrauch der lateinischen -Sprache. Nachdem er im marsischen oder Bundesgenossenkriege (S. 121) -einen Feldzug mitgemacht hatte, lebte er drei Jahre in Rom als Anwalt, -indem er die Verteidigung von Angeklagten übernahm. Dann ging er, um -seine Gesundheit herzustellen und sich weiter auszubilden, nach Athen, -Kleinasien und Rhodus, wo er die berühmtesten Lehrer der Beredsamkeit -hörte. In Rhodus, erzählt man, forderte ihn eines Tages sein Lehrer, -der berühmte Apollonios Molon, auf, einen griechischen Vortrag zu -halten. Cicero tat es und wußte seine Zuhörer so hinzureißen, daß -sie in Lobsprüchen über ihn wetteiferten; nur Molon saß lange Zeit -nachdenkend da und sprach endlich: „Dich, o Cicero, preise und -bewundere ich, aber Griechenlands Geschick bedauere ich, da ich sehe, -daß auch der einzige Vorzug, der uns Griechen noch übrig blieb, Bildung -und Beredsamkeit, durch dich den Römern zuteil wird.“ Einige Jahre -nach seiner Rückkehr ward er Quästor in Sicilien, wo er durch seine -menschenfreundliche und gerechte Amtsführung sich allgemeine Achtung -erwarb. Deshalb übertrugen ihm hernach die Städte dieser Provinz die -Anklage gegen +Gajus Verres+, der sie als Prätor drei Jahre lang durch -unersättliche Habgier, schamlose Erpressungen von Geld und Kunstwerken -aller Art, durch ungerechte und grausame Urteilssprüche in Verzweiflung -gebracht hatte. Cicero führte diese Anklage mit solchem Erfolge, daß -Verres noch vor Beendigung des Prozesses seine Sache verloren gab und -in die Verbannung ging. Dieser Erfolg begründete den Ruf Ciceros als -des ersten Redners in Rom und erwarb ihm so allgemeine Anerkennung, daß -er die nächsthöheren Ämter, die Ädilität und Prätur, mühelos erreichte -und endlich auch, obgleich wie sein Landsmann Marius ein „Neuling“ -(~homo novus~), das höchste Ziel seines Ehrgeizes, das Konsulat, für -das Jahr 63 erlangte. Als Konsul erwarb er sich um sein Vaterland -dadurch ein großes Verdienst, daß er die Verschwörung des Catilina -entdeckte und vernichtete. - -+Lucius Sergius Catilina+ war aus dem altpatrizischen Geschlechte -der Sergier entsprossen. Von Jugend auf von allen Lastern jener Zeit -befleckt, durch Verschwendung verarmt und verschuldet, war er vertraut -mit allen durch Ausschweifung und Leichtsinn zugrunde gerichteten -jungen Adligen, die er zu Meineid und Betrug, zu Gewalttat und Mord -verführte. Schon zur Zeit der sullanischen Proskriptionen hatte er -durch Ermordung des eigenen Bruders seine Verworfenheit gezeigt. -Dennoch wußte er sich so zu verstellen, daß er hohe Ämter erlangte -und sich sogar um das Konsulat bewarb. Da er aber als Proprätor -in Afrika wegen Erpressungen angeklagt wurde, mußte er von dieser -Bewerbung abstehen. Aus Erbitterung über diesen Fehlschlag seiner -Hoffnung und aus Furcht vor weiteren gerichtlichen Verfolgungen faßte -er den Entschluß die neuen Konsuln und die ihm verhaßten Senatoren zu -ermorden, und sich so das Konsulat mit Gewalt zu verschaffen und die -herrschende Aristokratie zu stürzen. - -Da sein Versuch, diesen Plan auszuführen, zweimal mißlungen war, -stiftete er eine weit verbreitete Verschwörung zum Umsturz des Staates -an. Er gewann in Rom selbst zehn Senatoren, eine Anzahl Ritter, -außerdem noch viele Unzufriedene in den übrigen Städten, Leute, die, -wie er selbst, durch eine völlige Umwälzung aus Armut, Schuldennot oder -Unehre wieder emporzukommen hofften. Diesen allen verhieß er Ämter, -Tilgung ihrer Schulden und Reichtümer. - -Zur Ausführung seines ruchlosen Planes bewarb er sich von neuem um das -Konsulat, diesmal zugleich mit Cicero, für das Jahr 63. Zwar er selbst -fiel durch, aber neben Cicero wurde ein heimlicher Gesinnungsgenosse -Catilinas, Antonius Pätus, gewählt. Durch seinen neuen Mißerfolg nicht -abgeschreckt, sondern zum äußersten gereizt und entschlossen, betrieb -Catilina seinen Verrat mit erhöhter Kraft. Er ließ in aller Stille -in allen Teilen Italiens seine Anhänger sich sammeln und bewaffnen, -und traf in Rom selbst alle Anstalten, um die Stadt auf ein gegebenes -Zeichen in Brand stecken und den neuen Konsul Cicero mit allen -Häuptern der herrschenden Partei ermorden zu lassen. Aber er fand in -Cicero einen wachsamen und unerschrockenen Gegner, der alle seine -Schritte beobachtete und rechtzeitig zu vereiteln wußte. So verging -ein großer Teil des Jahres. Endlich gelang es dem Konsul durch den -Verrat einer Frau und durch die Aussagen eines Teilnehmers einen Beweis -für Catilinas Hochverrat zu erhalten. Da trat er im Senat offen mit -seiner Anklage gegen Catilina hervor. Vergebens suchte dieser sich zu -verteidigen. Als er die ihm feindliche Stimmung erkannte, rief er mit -drohendem Trotz: „Aus zwei Körpern besteht unser Staat: der eine ist -hinfällig und hat ein schwaches Haupt; der andere ist kräftig, jedoch -ohne Haupt. Es soll ihm, wenn ich am Leben bleibe, nicht lange mehr -fehlen!“ Dann stürzte er hinaus. - -Inzwischen hatten seine Anhänger unter der Führung eines gewissen -+Manlius+ bei Fäsulä (heute Fiesole, nahe bei Florenz) ein Lager -bezogen. Da Catilina auch bei der Konsulwahl dieses Jahres wieder -durchgefallen war, so versammelte er in der darauf folgenden Nacht -die Verschworenen und wies jedem sein Geschäft zu. Die vornehmsten -Gegner sollten getötet, die Stadt an verschiedenen Stellen zugleich -angezündet, vor allem aber Cicero vor Anbruch des Tages ermordet -werden. Dieser erfuhr den Plan, ließ die beiden Verschworenen, die ihn -ermorden wollten, vor seiner Tür abweisen und berief den Senat. Auch -Catilina erschien. Jetzt enthüllte Cicero das ganze ruchlose Treiben -des Mannes in gewaltiger Rede, richtete dann sein Wort unmittelbar an -diesen selbst und forderte ihn auf mit seiner Rotte Rom zu verlassen, -wo für seine heimlichen Anschläge kein Raum mehr sei, wo der Konsul und -die Staatsgewalt ihn auf Schritt und Tritt bewache und das Volk ihn -verabscheue; draußen möge er den offenen Kampf gegen die Vaterstadt -beginnen. Und Catilina folgte dieser höhnischen Aufforderung: in der -folgenden Nacht eilte er aus der Stadt ins Lager zu Manlius. - -Die Mitverschworenen aber, die er in Rom zurückließ, bestimmten die -Feier der Saturnalien (im Dezember) zur Ausführung ihres Planes; die -Stadt sollte an zwölf Ecken angezündet, die Häupter des Senats und die -Konsuln durch bestimmte Verschworene ermordet werden, und Catilina -in der allgemeinen Verwirrung mit seinem Heere einrücken. Auch eine -Gesandtschaft der Allóbroger, einer Völkerschaft in der gallischen -Provinz, welche gekommen war, um über ungerechte Behandlung Beschwerde -zu führen, wurde mit in die Verschwörung gezogen und zum Aufstande -aufgefordert; aber dies beschleunigte nur den Untergang der Frevler. -Da diese Gesandten schwankten, was sie tun sollten, so teilten sie die -Sache einem Senator mit, durch den Cicero alles erfuhr. Sie erhielten -den Rat, sich von den Häuptern der Verschwörung Briefe an ihr Volk -geben zu lassen. Dies geschah; aber Cicero ließ die abreisenden -Gesandten, bei denen sich auch ein Verschworener befand, nahe bei der -Stadt aufheben und bekam durch die Briefe nun auch schriftliche Beweise -gegen die Verschworenen in die Hand. - -Die Schuldigen wurden darauf überführt und in Haft gegeben. Cicero -erhielt den Dank des Senats und den Namen Vater des Vaterlandes. Von -den neun Hauptschuldigen waren vier entflohen, die übrigen fünf, an -ihrer Spitze der Stadtprätor Lentulus, wurden vom Senat zum Tode -verurteilt und dieser Beschluß sogleich im Gefängnis vollzogen. Mit -den Worten: „Sie haben gelebt!“ verkündigte Cicero dem Volke die -Vollstreckung der Strafe und ward von ihm, wie im Triumphe, nach seinem -Hause begleitet. - -Gegen Catilina selbst aber wurde mit Waffengewalt vorgeschritten. -Der Feldzug gegen ihn fiel ins folgende Jahr (62). Bei +Pistoria+ in -Etrurien kam es zum Treffen. Catilina und seine 3000 Gefährten fochten -mit verzweifelter Tapferkeit; sie fielen bis auf den letzten Mann. - -Wiewohl Cicero durch die Entdeckung der Verschwörung den Staat gerettet -hatte, so wurde doch der Umstand, daß er die Verbrecher wider das -herkömmliche Rechtsverfahren, ohne gerichtliche Untersuchung und -Verurteilung, bloß auf einen Senatsbeschluß hin, hatte hinrichten -lassen, die Ursache, daß er später heftig angegriffen wurde, wobei -er von seinen politischen Freunden nur schwach unterstützt wurde. Der -Volkstribun +Clodius+ beantragte einige Jahre nachher ein Gesetz, daß -jeder, der einen römischen Bürger ohne Richterspruch hingerichtet habe, -geächtet sein solle. Dieses Gesetz, das unverkennbar gegen Cicero -gerichtet war, fand die Zustimmung des Volkes, und so mußte dieser, -um seinen Feinden zu entgehen, freiwillig in die Verbannung wandern -(58). Er ging nach Thessalonike in Makedonien. In Rom zog man seine -Güter ein und zerstörte sein Haus. Doch schon im folgenden Jahre (57) -wurde er durch Volksbeschluß zurückgerufen. Seine Rückkehr glich einem -Triumphzuge. Sein Haus und seine Güter wurden ihm wieder hergestellt. - - - - -XXVII. - -Julius Cäsar. Der zweite Bürgerkrieg. - - -1. Cäsar bis zum Kampfe gegen Pompejus. - -+Gajus Julius Cäsar+ wurde im Jahre 100 v. Chr. zu Rom als Sprößling -eines der vornehmsten alten Adelsgeschlechter, dem der Julier, geboren. -Von seiner Mutter Aurelia mit der größten Sorgfalt erzogen, zeigte er -schon als Knabe eine ganz ungewöhnliche Begabung des Geistes und eine -Willenskraft, die vor keinem Widerstande, vor keiner Schwierigkeit -zurückwich. Von seinem Gedächtnis und seiner Geisteskraft erzählte -man Erstaunliches: er sei imstande und gewohnt, zu gleicher Zeit zu -schreiben, zu lesen und zu hören, und auf einmal vier bis sieben Briefe -zu diktieren. Bei so seltenen Gaben, die mit rastloser Tätigkeit -verbunden waren, erwarb er sich eine reiche Fülle von Kenntnissen aller -Art und erreichte die volle Bildungshöhe seiner Zeit. - -Zur Zeit der Diktatur Sullas stand Cäsar auf Seiten des Marius. Schon -durch Verwandtschaft war er mit dieser Partei verbunden, da Marius -mit Cäsars Tante vermählt war und er selbst eine Tochter Cinnas, -Cornelia, zur Gemahlin hatte. Dadurch zog er sich die Feindschaft des -allgewaltigen Diktators zu. Sulla verlangte, Cäsar sollte sich von -seiner Gemahlin scheiden; dieser aber weigerte sich standhaft, während -Pompejus, an den Sulla eine gleiche Forderung gestellt hatte, sich dem -Willen des Diktators nachgiebig fügte. Durch diese Weigerung erbittert, -ließ Sulla Cäsars Namen auf die Liste der Geächteten (Proskribierten) -setzen. Dadurch verlor dieser das Heiratsgut seiner Frau und sein -väterliches Erbe, mußte Rom verlassen und eine Zeitlang unter den -größten Gefahren umherirren. Fast jede Nacht war er genötigt sich an -einem anderen Orte zu verbergen, und hatte unter solchen Umständen -um so schwerer zu leiden, als zugleich ein Fieber seine Kräfte -verzehrte. Als er dennoch zuletzt entdeckt wurde, mußte er sich von -den Häschern mit vielem Gelde loskaufen. Endlich verzieh ihm Sulla und -begnadigte ihn auf Fürbitten einiger vornehmen Freunde und besonders -der Vestalinnen, dabei sprach er aber die merkwürdigen Worte: „So nehmt -ihn denn hin, aber wisset, daß dieser Jüngling uns einst zum Verderben -gereichen wird; denn in dem einen Cäsar stecken viele Marius!“ - -Aber auch nach seiner Begnadigung mochte sich Cäsar noch nicht für ganz -sicher gehalten haben, denn bald verließ er Rom und begab sich nach -Rhodus, um sich dort in der Beredsamkeit auszubilden. Auf der Fahrt -dorthin geriet er in die Hände von Seeräubern, die damals noch ihr -Unwesen trieben. Während der vierzig Tage, die er bei ihnen bleiben -mußte, bis er das verlangte Lösegeld herbeischaffen konnte, wußte er -sich so in Achtung zu setzen, daß er nicht ihr Gefangener, sondern -ihr Herr zu sein schien. So hatten sie für seine Auslösung zwanzig -Talente verlangt, da rief er: „Wie? für einen Mann, wie ich bin, nur -zwanzig Talente? Ihr sollt fünfzig haben.“ Während der Gefangenschaft -beschäftigte er sich mit der Abfassung von Reden und Gedichten, die er -dann wohl den Piraten vorlas. Kargten sie dabei mit ihrem Beifall, so -schalt er sie und drohte, er werde sie alle ans Kreuz schlagen lassen. -Wenn er schlafen wollte, verbot er ihnen jedes Geräusch, und sie -gehorchten. So mächtig erwies sich seine geistige Überlegenheit selbst -auf die verwilderten Gemüter dieser rohen Gesellen. Kaum war er frei, -so brachte er einige milesische Schiffe zusammen, überfiel damit die -Seeräuber und ließ sie wirklich, wie er ihnen im Scherze gedroht, in -Pergamon ans Kreuz schlagen. - -Nach Rom zurückgekehrt, schloß er sich an Pompejus an, den er bei -Herstellung der Gewalt der Tribunen unterstützte, und wußte durch -seine Beredsamkeit und Leutseligkeit die Gunst des Volkes zu gewinnen. -Besonders erwarb er sich den Beifall der noch zahlreichen Anhänger -des Marius dadurch, als er seiner Tante, der Witwe des Marius, bei -ihrer Bestattung eine Grabrede hielt, worin er die Verdienste des den -Optimaten so verhaßten Mannes zu preisen wagte und sein Bildnis, dem -Verbote trotzend, unter den Ahnenbildern seines eigenen Geschlechtes -einhertragen ließ. Auch ließ er auf dem Kapitolium die Bildsäule -desselben und seine Siegeszeichen aus dem jugurthinischen und -cimbrischen Kriege, die von Sulla zerstört waren, wieder herstellen. - -Im Jahre 67 wurde er Quästor in der spanischen Provinz Lusitanien. Als -er dort zu Gades im Herkulestempel ein Standbild Alexanders des Großen -sah, rief er unter Tränen aus: „Der hatte in meinem Alter schon die -Welt erobert, und ich habe noch gar nichts getan!“ Als Ädil gewann er -durch ungemein prachtvolle und kostbare Spiele, wobei er unter anderem -320 Fechterpaare in silbernen Rüstungen auftreten ließ, die Gunst der -Volksmenge in hohem Grade, stürzte sich aber auch in große Schulden. -Im Vertrauen auf diese Volksgunst bewarb er sich, obwohl noch sehr -jung, um die erledigte Würde des Oberpriesters, die bislang nur die -ältesten und geehrtesten Konsulare zu bekleiden pflegten. Als ihn am -Tage der Wahl seine Mutter nicht ohne Tränen zur Tür geleitete, sagte -er: „Heute, Mutter, siehst du deinen Sohn entweder als Oberpriester -oder als Verbannten wieder!“ Und in der Tat hatte er das Glück dem an -Alter und Amtswürde weit überlegenen Catulus bei der Wahl vorgezogen zu -werden. Als Prätor bekam er die Verwaltung desselben Spaniens, in dem -er Quästor gewesen war. Doch hätte er Schulden halber nicht abreisen -können, wenn nicht Crassus für ihre ungeheure Summe (18 Millionen -Mark) seine Bürgschaft gewährt hätte. Als er auf dieser Reise durch -ein kleines Städtchen jenseits der Alpen kam, warf einer aus seiner -Begleitung die Frage auf, ob man sich in diesem Örtchen wohl auch um -Rang und Ämter streite. „Gewiß“, antwortete Cäsar, „ich wenigstens will -lieber hier der erste als in Rom der zweite sein!“ In seiner Provinz -Spanien erwarb er übrigens so viel, und machte in glücklichen Kriegen -solche Beute, daß er nicht nur seine Schulden bezahlen, sondern auch -noch eine große Summe in den Staatsschatz legen konnte. - -Als Cäsar nach Rom zurückkehrte, stand gerade die Konsulwahl für das -Jahr 59 bevor. Um das Konsulat zu erlangen, verband er sich mit -Pompejus, der durch seine Taten und Erfolge der angesehenste Mann in -Rom war, und mit Crassus, der einen ungeheuren Reichtum besaß. Diesen -Bund der drei Römer nannten ihre Gegner spöttisch ein +Triumvirat+ -(Dreimännerschaft). Sie versprachen sich einander, in den Kämpfen mit -ihren politischen Gegnern bei Wahlen und im Senat mit allen Mitteln zu -unterstützen. Denn auch Pompejus war mit dem Senat zerfallen, der die -Einrichtungen, die er aus Eigenmacht in Asien getroffen hatte, nicht -bestätigen wollte. Diese Bestätigung versprach ihm Cäsar beim Volke -durchzusetzen. Cäsar erlangte das Konsulat, erhielt aber als Kollegen -in diesem Amte den Kandidaten seiner Gegner, +M. Calpurnius Bibulus+. - -Als Konsul fuhr er fort sich um die Gunst des Volkes zu bewerben und -die Macht der Senatspartei zu schwächen. Dazu diente ihm besonders ein -Gesetz, das armen römischen Bürgern Landbesitz in Campanien anwies. -Als Bibulus sich diesem Gesetze entgegenstellte, entstand eine solche -Bewegung in der Volksversammlung gegen ihn, daß er nur mit Mühe sein -Leben rettete. Seit dieser Zeit wagte der eingeschüchterte Mitkonsul -überhaupt keinen Widerstand mehr; ja, er hielt sich fortan, aus -Furcht vor Cäsars gebieterischem Auftreten, während des Restes seines -Amtsjahres in seinem Hause verschlossen. Daher nannten die Spötter -dieses Konsulat nicht das des Cäsar und Bibulus, sondern das des Julius -und des Cäsar. - -Am Schlusse des Jahres ließ sich Cäsar die Provinzen Illyrien und das -diesseitige Gallien (~Gallia cisalpina~) als Statthalterschaft auf -fünf Jahre zuweisen, worauf der Senat noch die Provinz des jenseitigen -Galliens (~Gallia transalpina~) hinzufügte, in der geheimen Hoffnung, -er werde dort in allerlei Verlegenheiten verwickelt und auf diese Weise -am besten von Rom ferngehalten werden. Um seine Verbindung mit Pompejus -zu befestigen, gab Cäsar ihm seine Tochter +Julia+ zur Gemahlin. Sodann -wußte er noch zwei Männer aus Rom zu entfernen, die seine geheimen -Absichten durchschaut hatten und seinen Plänen gefährlich werden -konnten. Diese Männer waren Cato und Cicero; Cato ward nach der Insel -Cypern gesandt, um dieselbe in eine römische Provinz zu verwandeln, -Cicero aber durch den Volkstribunen Clodius genötigt in die Verbannung -zu gehen (S. 151). - -Im Frühjahr des Jahres 58 eilte Cäsar hinüber nach Gallien, dem -Lande der Kelten. Von diesem Lande besaßen die Römer damals nur den -südöstlichen Teil (s. S. 116); das übrige Gallien war von den Römern -noch nicht bezwungen. Hier fand Cäsar in achtjährigem Kriege (58-51) -Gelegenheit, das römische Reich um drei große Provinzen zu vergrößern, -sich selber aber den Ruhm eines der größten Feldherrn zu erwerben und -ein ihm treu ergebenes großes Heer zu bilden, mit dessen Hilfe er sich -bald der Reichsherrschaft selber bemächtigen konnte. - -Gleich im ersten Jahre seiner Statthalterschaft geriet er in Kampf -mit den gefürchteten Germanen. In einem Zwiste der gallischen Äduer -und Sequaner hatten die letzteren den Sueben +Ariovist+ vom rechten -Rheinufer her zu Hilfe gerufen. Dieser besiegte die Äduer und setzte -sich mit seinen Scharen, die allmählich auf 120000 Mann anwuchsen, -im Lande der Äduer fest. Auch die Sequaner zwang er ein Dritteil -ihres Landes ihm zu überlassen, und ein zweites Dritteil nahm er -gerade für neue Ankömmlinge in Anspruch, als Cäsar von Äduern und -Sequanern zu Hilfe gerufen ward. Ariovist war unter Cäsars Konsulat -mit dem Ehrentitel „Freund und Bundesgenosse des römischen Volkes“ -ausgezeichnet worden und stand mit diesem bis dahin in gutem Vernehmen. -Dennoch glaubte Cäsar die fortwährenden Zuzüge der Germanen nach -Gallien, die auch für die römische Provinz gefährlich werden konnten, -hindern zu müssen, und forderte den Ariovist zu einer Unterredung auf. -Dieser aber gab die stolze Antwort: wenn er selbst von Cäsar etwas -begehren sollte, so würde er selbst ihn aufsuchen; so möge Cäsar das -Gleiche tun und zu ihm kommen. Übrigens begreife er nicht, was die -Römer in diesem seinem Gallien zu tun und zu sagen hätten. Hierauf -ließ ihn Cäsar auffordern den Galliern ihre Freiheit wiederzugeben und -keine Germanen mehr über den Rhein kommen zu lassen. Dagegen erklärte -Ariovist: es sei Brauch des Krieges, daß die Sieger über die Besiegten -nach Gutdünken herrschten; auch die Römer herrschten über die Besiegten -nach eigenem und nicht nach fremdem Ermessen. Wie er den Römern nicht -vorschreibe, wie sie ihr Recht gebrauchen sollten, so wollte auch er in -seinem Rechte vom römischen Volke nicht behindert sein. Wenn übrigens -Cäsar Krieg wolle, möge er nur kommen; dann werde er einsehen, was -seine noch nie besiegten Germanen, die in vierzehn Jahren harten -Kriegsdienstes unter kein Dach gekommen wären, auszurichten vermöchten. - -Als hierauf Cäsar die Hauptstadt der Sequaner Vesontio (Besançon) -besetzte und eine Schlacht bevorstand, wurde das römische Heer von -gewaltiger Furcht und Mutlosigkeit überfallen. Die Gerüchte von der -Wildheit und Unüberwindlichkeit der Germanen, deren Mienen und feuriger -Blick nicht zu ertragen seien, hatten ein Zagen und Klagen unter den -Legionen erregt. Viele Offiziere, meist junge vornehme und des Krieges -noch ungewohnte Männer, verlangten unter allerlei Vorwänden Urlaub, -um nach Hause zu gehen; andere machten ihr Testament. Aber durch eine -kräftige Rede wußte Cäsar die Verzagten zu beschämen und den Mut seiner -Legionen wieder aufzurichten. In der bald darauf folgenden Schlacht, -in der Gegend zwischen Vesontio und dem Rhein, wahrscheinlich in der -Nähe von Mülhausen im Elsaß, siegte die römische Kriegskunst über die -Germanen, die völlig geschlagen wurden. Ariovist rettete sich auf einem -Kahne über den Rhein. - -In den folgenden Jahren zwang Cäsar, unter blutigen Kämpfen und nach -wiederholten Aufständen, fast alle gallischen Stämme sich der römischen -Herrschaft zu unterwerfen. Auch war er der erste Feldherr, der zweimal -nach Germanien (55 und 53) und Britannien (55 und 54) übersetzte, -nicht um auch diese Länder dauernd zu behaupten, sondern um ihre -kriegslustigen Völker von Einfällen in Gallien und Unterstützung der -Gallier abzuschrecken. - -Gallien schien endlich beruhigt, als sich im Jahre 52 noch einmal alle -gallischen Völkerschaften zwischen Seine, Loire und Garonne zu einem -Kampfe um ihre Freiheit erhoben. An der Spitze derselben stand der -kräftige und kluge +Vercingétorix+, ein Fürst der Arverner. Allein -die Geistesgegenwart und Feldherrnkunst Cäsars, sowie die Tüchtigkeit -seiner Legionen, insbesondere auch die Tapferkeit germanischer Söldner -trug einen entschiedenen Sieg davon. Der Krieg zog sich endlich um die -Stadt +Alesia+ (heute Alise St. Reine, zwischen Dijon und Chatillon) -zusammen. In diese hochgelegene feste Stadt warf sich Vercingetorix -mit 80000 Mann, worauf Cäsar Stadt und Lager der Feinde mit 60000 -Mann einschloß, indem er eine Umwallung von fast zwei Meilen an -Umfang errichtete und dann eine zweite noch ausgedehntere Reihe von -Befestigungen aufwarf, um sich gegen ein Heer von 257000 Mann zu -schützen, welches heranzog, um Alesia zu entsetzen. Aber sowohl gegen -die Ausfälle der Belagerten als gegen die Angriffe der Gallier, die von -außen seine Werke umzingelten, behauptete sich Cäsar mit Beharrlichkeit -und Glück. Die Heerhaufen der Gallier wurden geschlagen und zogen -einzeln wieder davon; Vercingetorix sah keine Hilfe mehr, und in der -Stadt nahm Hunger und Elend immer mehr zu. Da faßte er den Entschluß -durch Aufopferung seiner selbst die Eingeschlossenen zu retten. In -voller Rüstung, auf seinem besten Roß, erschien er vor dem Sieger, -umritt dessen Tribunal, gab dann Roß und Waffen ab und ließ sich -schweigend auf den Stufen zu Cäsars Füßen nieder. Fünf Jahre später -ward er bei Cäsars Triumph durch die Straßen Roms geführt und dann -enthauptet. Nach der Übergabe von Alesia baten die abgefallenen Völker -um Frieden. Der Widerstand der Gallier war gebrochen, und nur wenige -Stämme versuchten noch, aber ohne allen Erfolg, das Glück der Waffen. -Cäsar konnte die Unterwerfung Galliens als vollendet betrachten. -Er hatte in diesen Kriegen 800 Städte erobert, 300 Völkerschaften -unterworfen und im ganzen eine Million Streiter vernichtet, zwei -Millionen aber zu Gefangenen gemacht. - - -=2. Cäsars Kampf gegen Pompejus= (49-48). - -Während Cäsar Gallien unterjochte, blieb Pompejus fortwährend in Rom, -um durch seine Gegenwart seine Macht zu behaupten und zu erhöhen. Im -Jahre 55 bekleidete er mit Crassus zum zweiten Male das Konsulat, -nach dessen Ablauf dem Crassus Syrien, ihm selber Spanien und Afrika -als Provinzen zufielen. Cäsar hingegen erhielt die Erneuerung seiner -Statthalterschaft auf weitere fünf Jahre. - -Crassus eilte nach Syrien, um von dort aus einen Feldzug gegen die -+Parther+, die Nachbarn der Meder und Perser, welche mit ihren -zahlreichen Reiterscharen von Osten her die römischen Provinzen in -Vorderasien seit mehreren Jahren heimsuchten, zu unternehmen. Aber in -unersättlicher Habsucht brachte er seine Zeit damit zu allenthalben -Geld zu erpressen und die Tempelschätze zu plündern, wie er denn im -Tempel zu Hierapolis tagelang mit Abwägen des Goldes beschäftigt war. -Inzwischen gewannen die Parther Zeit zu mächtigen Rüstungen, und -als es dann in Mesopotamien bei Karrhä zur Schlacht kam, wurde er -gänzlich geschlagen. Auf dem Rückzug ließ er sich durch den parthischen -Feldherrn in einen Hinterhalt locken, in dem er verräterisch getötet -ward (53). - -Durch den Tod des Crassus hatte sich das sogenannte Triumvirat in ein -Duumvirat, d. h. in eine Verbindung zweier Männer verwandelt. Da aber -im Jahre 52 Julia, die Tochter Cäsars und Gemahlin des Pompejus, welche -bis dahin die Eintracht zwischen den beiden Machthabern erhalten hatte, -starb, so wurde die Verbindung zwischen ihnen, die ja nie aufrichtig -gemeint war, noch mehr gelockert. Pompejus war nach Ablauf seines -Konsulates nicht in seine Provinzen gegangen, sondern ließ sie durch -Legaten verwalten, um nur immer in Rom zu sein, wo es ihm gelang für -das Jahr 52 gegen alles Herkommen, zum alleinigen Konsul ernannt zu -werden. Dagegen unterließ aber auch Cäsar nicht durch Bestechungen die -einflußreichsten Männer in Rom zu gewinnen, darunter den talentvollen -und beredten Volkstribunen +Curio+. Als nun der Zeitpunkt herannahte, -wo die feindselige Spannung zwischen beiden Männern in offenen Kampf -ausbrechen sollte, überließ sich Pompejus einer großen Sorglosigkeit, -ohne an Gegenrüstungen zu denken. Als ihn jemand daran erinnerte, -äußerte er in stolzer Zuversicht: „Wo ich nur in Italien mit dem Fuße -auf die Erde stampfe, da werden Legionen hervorkommen.“ - -Cäsar gedachte sich um das Konsulat für das Jahr 49 zu bewerben, -wollte aber nicht, nach der herkömmlichen Ordnung, ein halbes Jahr -vor dem Antritt des Amtes sich persönlich in Rom bewerben. Denn dann -hätte er seine Stellung als Statthalter der ihm übertragenen Provinzen -zuvor verlassen und seine Legionen abgeben müssen, und wäre als -Privatmann gegen die Angriffe seiner Gegner machtlos geworden. Aber -eben deshalb bestand auch der Senat hartnäckig auf der Forderung, -daß er nur persönlich, nicht aus der Ferne, und als Privatmann, ohne -Amt und Heerbefehl, als Bewerber um das Konsulat auftreten solle. An -dieser Frage entzündete sich der seit lange drohende Kampf. Denn Cäsar -forderte, daß dann auch Pompejus auf seine Provinzen und Legionen -verzichten müsse. So wurde eine Zeit lang über die Frage, hin und her -gestritten. Endlich beschloß der Senat, daß Cäsar seine Kriegsmacht -abgeben sollte, wo nicht, so werde er als Feind des Vaterlandes -betrachtet werden. Die dem Cäsar treu ergebenen Tribunen M. Antonius -und C. Cassius erhoben leidenschaftlichen Einspruch. Da schritt der -Senat zu dem äußersten Mittel: er erteilte den Konsuln unbeschränkte -Vollmacht mit der alten Formel, „die Konsuln sollten darauf achten, daß -das Gemeinwesen (~res publica~) keinen Schaden nehme“, und gegen Cäsars -Unbotmäßigkeit mit Waffengewalt einzuschreiten. Jetzt flohen die beiden -Tribunen, als wären sie ihres Lebens nicht mehr sicher, als Sklaven -verkleidet, nach Ravenna, einer nahe an der Grenze gelegenen Stadt der -gallischen Provinz, wo sich Cäsar damals aufhielt, und meldeten ihm, -daß der Krieg gegen ihn beschlossen sei. Er war seit lange auf diesen -Ausgang seines Streites mit Pompejus und der Senatspartei vorbereitet, -und handelte nun mit seiner gewohnten Raschheit. - -Er führte die Tribunen in derselben entwürdigenden Kleidung, in der -sie zu ihm geflohen waren, vor die Reihen der Legion, mit der er nach -Ravenna vorgerückt war, stellte ihnen das ihm widerfahrene Unrecht vor -und schloß seine Rede mit der Frage, ob sie die Ehre ihres Feldherrn -verteidigen wollten, unter dessen Anführung sie so viele glückliche -Schlachten geliefert hätten. Freudig riefen alle, sie wären bereit -ihn zu verteidigen, und gelobten ihn niemals zu verlassen, wohin er -sie auch führen würde. Kaum war er der Treue seiner Legionen gewiß, -so schickte er sie heimlich an den Fluß Rúbico, der seine Provinz von -dem eigentlichen Italien trennte. Er selbst blieb bis zu Ende des -folgenden Tages in Ravenna. Um sein Vorhaben zu verbergen und keinen -Verdacht zu erregen, besuchte er früh ein öffentliches Schauspiel, -besah zur Mittagszeit die Anlage einer Fechterschule, die er zu Ravenna -bauen lassen wollte, und gab gegen Abend seiner Gewohnheit gemäß ein -großes Gastmahl. Erst nach Sonnenuntergang stand er von Tische auf, -unter dem Vorwand, daß er durch ein kleines Geschäft abgerufen werde, -und mit dem Versprechen sobald als möglich wiederkommen zu wollen. -Aber er kam nicht zurück. Er reiste vielmehr mit seinen vertrautesten -Freunden zum Fluß Rubico, den er vor Tagesanbruch erreichte. Und nun -stand er im Begriff den Krieg gegen sein Vaterland zu beginnen, denn -mit dem Übergang über den Grenzfluß überschritt er zugleich seine -amtliche Befugnis und erhob die Fahne der Empörung gegen die bestehende -Staatsordnung. Es war der Beginn des Bürgerkriegs. Ein solches Beginnen -mußte, wenn auch seit lange von Cäsar erwogen und beschlossen, ihm in -letzter Stunde noch einmal alle damit verbundenen Bedenken und Gefahren -vor die Seele führen. Wohl möchten diese Gedanken auch eines Cäsars -Geist erschüttern. „Noch ist es Zeit zurückzukehren“, sagte er zu -seinen Freunden, „sind wir aber einmal über diese Brücke gegangen, dann -muß alles mit den Waffen entschieden werden.“ - -Lange, so erzählt man, stand er und sann. Endlich rief er: „Wohlan, die -Götter wollen es, die Feinde fordern uns, der Würfel sei geworfen!“ Und -sogleich ließ er seine Truppen hinübergehen, rückte in größter Eile vor -Ariminum (Rimini) und nahm diese Stadt noch am Morgen des Tages ein. - -Zu spät erwachte jetzt Pompejus aus dem Schlummer der Sorglosigkeit. -Auf seine Soldaten, die, wenn auch 30000 Mann stark, keine Lust hatten -sich mit Cäsars sieggewohnten Legionen zu schlagen, konnte er sich -nicht verlassen. Jetzt mußte er sogar den Vorwurf hören, er möge doch -nun die verheißenen Legionen aus der Erde hervorstampfen! Dagegen -rückte Cäsar in raschem Siegeslauf die Küste entlang und nahm ohne -Schwertstreich eine Stadt nach der anderen. Da verlor Pompejus den -Mut; er verließ Rom mit den Konsuln, den meisten Senatoren und allen -seinen Anhängern, und ging nach Capua, wo seine Legionen standen. So -übereilt war die Flucht, daß die Konsuln den gefüllten Schatz in Rom -zurückließen und sich begnügten nur die Schlüssel mitzunehmen. Von -Capua eilte Pompejus nach Brundisium (Bríndisi), um von da über das -Meer nach Griechenland zu gehen. Ohne Kampf überließ er Italien seinem -Gegner. - -Cäsar, von dessen Siege man die Wiederkehr der Schreckenszeiten unter -Marius und Sulla befürchtete, verfuhr allenthalben mit unerwarteter -Milde und zuvorkommender Großmut. Auch Sardinien und Sizilien kamen -ohne Kampf in seine Gewalt. Den Zugang zum Schatz in Rom ließ er -erbrechen und erklärte dem Tribunen Metellus, der dies verhindern -wollte, daß er ihn bei fortgesetztem Widerstande werde hinrichten -lassen, indem er hinzufügte: „Wisse, junger Mann, daß es mir schwerer -fällt dies zu sagen als zu tun.“ Im Schatze fand er 26000 Barren Goldes -und 40 Millionen Sesterzen. In 60 Tagen ward er Herr von Italien und -hatte alle Gemüter durch Freundlichkeit und Wohlwollen beruhigt. Die -Bewachung der Stadt übergab er dem Lépidus, das Kommando in Italien -dem Marcus Antonius, und zog dann nach Spanien, um dort „das Heer -ohne Feldherrn“ und nach seiner Rückkehr „den Feldherrn ohne Heer“ zu -bekämpfen. Bald nötigte er die Legaten des Pompejus in Spanien sich -zu ergeben, und reiste dann nach Rom zurück, wo er sich zum Diktator -ernennen ließ, aber schon nach elf Tagen diese Würde mit dem Konsulat -vertauschte. Jetzt erst gedachte er den Pompejus selbst zu verfolgen -und zu bekämpfen. - -Dieser hatte indessen großartige Rüstungen betrieben. Aus den östlichen -Provinzen des römischen Reiches und von verbündeten Fürsten hatte er -Truppen, Schiffe und Geld zusammengebracht, und stand jetzt an der -Spitze eines Heeres von 63000 Mann zu Fuß und mehr als 10000 Reitern, -wozu eine Flotte von 800 Schiffen kam. Zugleich gab er durch den -Glanz seines Hauptquartiers, wo ein großer Teil des römischen Adels -versammelt war, und durch die Einrichtung eines eigenen Senates zu -erkennen, daß er +sich+ als den eigentlichen Machthaber und +seinen+ -Senat als den eigentlichen Sitz der Reichsregierung betrachtete. Cäsar -fuhr mit sieben Legionen von Brundisium ab und landete an der Küste -von Epirus; die leeren Schiffe sandte er zurück, Antonius sollte die -übrigen fünf Legionen auf ihnen hinüberführen. Aber von diesen Schiffen -wurden 30 von einem Legaten des Pompejus abgefangen, die übrigen -durch die Stürme des Winters an der Überfahrt gehindert. Ungeduldig -vor langem Warten bestieg Cäsar selbst in einer stürmischen Nacht -in Sklavenkleidung eine Barke, um nach Brundisium zu segeln und die -Einschiffung seiner Truppen zu beschleunigen. Aber das Meer war so -ungestüm, daß der Steuermann wieder umkehren wollte. Um ihn zu neuer -Anstrengung zu ermuntern, wagte Cäsar sich ihm zu entdecken: „Sei -guten Mutes!“ rief er, „du fährst Cäsar und Cäsars Glück!“ Dennoch -mußte er den allzu mächtig tobenden Elementen weichen und in den Hafen -zurückkehren. Endlich landete Marcus Antonius mit den übrigen Legionen. - -Anfangs ließ sich der Krieg in Epirus für Cäsar ungünstig an. Bei -+Dyrrháchion+ (Durazzo) durchbrach Pompejus seine Verschanzungen und -brachte ihm einen großen Verlust bei. Darauf zog Cäsar, dessen Heer den -Mangel an den notwendigsten Bedürfnissen nicht länger tragen konnte, -über das Gebirge nach dem fruchtbaren Thessalien hinüber. - -Hier kam es in der Ebene von +Pharsálos+ zur entscheidenden Schlacht -(9. August 48). Das Heer des Pompejus betrug 47000 Mann zu Fuß und 7000 -Reiter, und bildete eine zehn Mann tiefe Linie. Von Cäsars Heer waren -nur 22000 Mann zu Fuß und 1000 Reiter zur Stelle und in dreifacher -Schlachtreihe aufgestellt. Da Pompejus mit seiner Reiterei den linken -Flügel hielt, weil sein rechter von einem Fluß gedeckt war, so stellte -sich Cäsar mit seiner treuen, in vielen Schlachten bewährten zehnten -Legion und sechs Kohorten kräftiger Germanen, jenem gegenüber, hinter -seinem rechten Flügel auf. - -Pompejus befahl seinen Soldaten den feindlichen Angriff ruhig zu -erwarten. Cäsar dagegen ließ, um den Stoß auf den Feind zu verstärken, -sein Heer anlaufen, dann mitten im Anlauf ein wenig halten und sich -ordnen, und so auf den noch immer ruhigen Feind anstürmen. Zwar warf -des Pompejus Reiterei die des Cäsar, wurde aber mitten im Vorstürmen -plötzlich von der zehnten Legion und den deutschen Kohorten so -empfangen, daß sie die Flucht ergriff, worauf die verfolgenden Kohorten -Cäsars dem linken Flügel des feindlichen Fußvolkes in den Rücken -fielen und durch dessen völlige Versprengung den Sieg herbeiführten. -Am meisten Ruhm erntete im Heere Cäsars der Centurio Crástinus. Dieser -rief seinen Kameraden zu: „Wohlan, ihr Kriegsgefährten! Mir nach und -leistet eurem Feldherrn den Dienst, den ihr ihm verheißen habt; dieser -eine Kampf ist noch übrig, dann wird er seine gebührende Würde und wir -unsere Freiheit erlangen.“ Dann sagte er mit einem Blick auf Cäsar: -„Heute, Feldherr, will ich mir deinen Dank verdienen, ob ich falle oder -am Leben bleibe!“ Nach diesen Worten stürzte er sich an der Spitze -von 120 Auserlesenen auf den Feind, in deren Mitte er aufs tapferste -kämpfend den Tod fand. - -Die geschlagenen Truppen des Pompejus flohen ins Lager, wohin sich -dieser schon gleich nach der Flucht seiner Reiter begeben hatte. Noch -saß er wie betäubt und sprachlos in seinem Zelte, als man ihm meldete, -der Feind habe schon die äußeren Schanzen genommen. „Also gar bis -in unser Lager!“ rief er bestürzt und fassungslos, vertauschte sein -purpurnes Feldherrngewand mit einem schlichten Kleide, warf sich auf -ein Roß und floh, von wenigen Getreuen begleitet, in der Nacht durch -das Tal Tempe dem Meere zu. - -Indessen eroberte Cäsar das feindliche Lager mit Sturm; 15000 Feinde -lagen tot oder verwundet. Der Rest des feindlichen Heeres, der sich -gerettet hatte, gegen 20000 Mann, ergab sich am folgenden Morgen, -während Cäsar nur 30 Hauptleute und 200 Gemeine verloren hatte. Allen -Gefangenen schenkte der Sieger Leben, Freiheit und Eigentum. Die -Gemeinen nahm er in sein eigenes Heer auf. Die gefangenen Senatoren -dagegen und Ritter wurden fast alle mit dem Tode bestraft, nur wenige -fanden Schonung und Gnade; die übrigen suchten ihr Heil in der Flucht -nach den westlichen Provinzen, denn der ganze Osten fiel alsbald in die -Gewalt des Siegers. - -Als Pompejus auf seiner Flucht an das Meer gelangt war, bestieg er ein -Schiff und segelte nach der Stadt Amphípolis in Makedonien, wo er den -Befehl ausgehen ließ, daß alle junge Mannschaft dieser Provinz sich -zur Werbung einstellen sollte. Wahrscheinlich tat er dies, um den Plan -seiner ferneren Flucht zu verbergen; denn nur eine Nacht blieb er bei -Amphipolis vor Anker, dann segelte er weiter nach der Insel Lesbos, um -seine Gattin Cornelia, die sich dort aufhielt, zu sich zu nehmen. Durch -einen Boten ließ er ihr die Nachricht von seiner Niederlage mitteilen. -Die unglückliche Frau, welche in dem süßen Wahn lebte, daß Cäsar -seit dem Verluste bei Dyrrhachion schon völlig besiegt sei, sank bei -dieser Kunde sprachlos zu Boden, und als sie sich wieder aufgerichtet -hatte, stürzte sie, einer Rasenden gleich, aus der Stadt dem Hafen -zu; Pompejus kam ihr hier entgegen; sie fiel kraftlos in seine Arme. -Pompejus, selbst des Trostes bedürftig, suchte sie zu ermutigen und -stellte ihr vor, daß das Glück den, welchen es stürzt, auch wieder -erheben könne. - -Nach einigen Tagen segelte er mit seiner Gemahlin von Lesbos ab. Er -hatte nach reiflicher Überlegung beschlossen sich in den Schutz des -Königs +Ptolemäos+ von Ägypten zu begeben. Denn er durfte mit vollem -Recht auf die Dankbarkeit und das Wohlwollen desselben hoffen, weil -er +selbst+ einst dessen Vater wieder auf den Thron gesetzt hatte. Er -segelte also nach Pelusion, einer Stadt an der östlichen Mündung des -Nils. Als er nicht mehr weit vom Ufer entfernt war, ließ er den König -von seiner Ankunft benachrichtigen und um Schutz und Zuflucht bitten. -Ptolemäos, erst dreizehn Jahre alt und noch unfähig selbst zu regieren, -ließ sich von Achillas, dem Obersten seines Heeres, von seinem Vormund -Potheinos und seinem Lehrer, dem Rhetor Theódotos, leiten. Diese drei -Männer berieten über die Bitte des Pompejus. Anfangs waren sie in ihren -Meinungen geteilt, zuletzt sagte Theodotos: „Nehmen wir ihn auf, so -werden wir ihn zum Herrn und den Cäsar zum Feinde haben; weisen wir ihn -zurück, so werden wir ihn beleidigen, weil wir ihm die Aufnahme versagt -haben, und Cäsar nicht gewinnen, weil wir jenen haben entwischen -lassen. Der beste Rat ist daher den Pompejus kommen zu lassen und -sogleich zu töten; so beweisen wir uns dem Cäsar gefällig und brauchen -uns vor Pompejus nicht zu fürchten! denn“ -- setzte er hohnlachend -hinzu -- „die Toten beißen nicht mehr.“ - -Der Vorschlag des Theodotos wurde genehmigt und Achillas zur -Vollstreckung ausersehen. Dieser, ein Mann von außerordentlicher -Verwegenheit, bestieg mit Septimius, einem geborenen Römer, der einst -unter des Pompejus Fahnen gedient hatte, nebst drei bis vier Ägyptiern -ein kleines Fahrzeug und fuhr auf das Schiff des Pompejus zu. Das -schlechte Aussehen dieses Fahrzeuges und die geringen Anstalten, die -man zum Empfange des Pompejus traf, machten seine Freunde unruhig. Sie -fingen an Verdacht zu schöpfen und waren schon willens sich wieder zu -entfernen, als Achillas an Bord kam und den Pompejus einlud in sein -Fahrzeug zu steigen, dessen dürftiges Aussehen er damit entschuldigte, -daß das Meer an dieser Küste zu flach sei, um es mit größeren und -schwereren Schiffen zu befahren. Pompejus war nicht ohne Argwohn; -denn schon sah er, daß an der Küste einige königliche Schiffe bemannt -wurden. Allein, um die Ägyptier nicht durch Mißtrauen zu reizen, zeigte -er sich sogleich bereit dem Achillas zu folgen. Er nahm daher gefaßten -Mutes von seiner Gemahlin und seinem Sohne Abschied und stieg mit vier -Personen seines Gefolges in das ägyptische Boot. - -Schon waren sie eine beträchtliche Strecke weit gefahren, und noch -immer herrschte düsteres Schweigen in dem Boote. Pompejus wurde unruhig -und suchte seine Unruhe durch Sprechen zu unterdrücken. Er wandte sich -daher zu Septimius und sagte: „Mich dünkt, mein Freund, ich kenne dich. -Sind wir nicht einmal Kriegsgefährten gewesen?“ Septimius nickte nur -mit dem Kopfe, ohne ein Wort zu sprechen, und es herrschte abermals -die vorige Stille. Da nahm Pompejus seine Schreibtafel zur Hand, um -die griechische Anrede zu lesen, die er darin aufgezeichnet und die -er an den jungen König richten wollte. Cornelias Blicke begleiteten -indes die Fahrt in angstvoller Spannung bis zum Lande, wo sich eben -viele Hofleute wie zu feierlichem Empfange sammelten. Schon begann -sie zu hoffen. Aber in dem Augenblick, als Pompejus den Arm seines -Freigelassenen Philippus ergriff, um sich vom Sitze zu erheben, stieß -ihm Septimius sein Schwert in den Rücken, und Achillas fiel ihn von -vorn an. Pompejus sah, daß er seinem Tode nicht entrinnen konnte, und -suchte nun wenigstens die würdevolle Haltung, die er im Leben stets -gezeigt hatte, auch noch im Tode zu bewahren. Er zog seine Toga über -das Haupt, sprach kein Wort, sondern stöhnte nur bei jedem weiteren -Stoß, bis er tot am Ufer zusammenbrach. So starb der große Pompejus -im 58sten Jahre seines Alters, am 28. September 48, am Tage vor -seinem Geburtstage. Auf den Schiffen, welche ihn hergebracht hatten, -erscholl lauter Jammerruf beim Anblick dieses schrecklichen Vorgangs, -dann eilten sie ins offene Meer zurück, vergeblich verfolgt von den -ägyptischen Kriegsgaleeren. - -Die Mörder des Pompejus wüteten noch gegen den Leichnam. Sie schnitten -ihm den Kopf ab und warfen den Rumpf nackt an das Ufer, wo er von einer -Menge neugieriger Menschen begafft ward. Darauf erwies Philippus, der -Freigelassene des Pompejus, seinem Herrn den letzten Dienst. Er wusch -den verstümmelten Leichnam im Meere ab, wickelte ihn in eins seiner -Gewänder und brachte dann einige Trümmer von einem alten Fischerkahn -zusammen, um einen Scheiterhaufen zu errichten. Während er damit -beschäftigt war, trat ein alter Römer, der einst unter Pompejus gedient -hatte, mit den Worten zu ihm: „Wer bist du, der du den großen Pompejus -zu bestatten suchst?“ -- „Sein Freigelassener“, antwortete Philippus. --- „Wenn du der bist“, erwiderte der Alte, „so teile die Ehre der -Beerdigung mit mir, damit ich in dem Elend, das mich drückt, doch -wenigstens das eine Glück genieße, den Leichnam des größten römischen -Feldherrn mit meinen Händen zu begraben.“ Philippus willfahrte ihm, -beide verbrannten den Leichnam, vergruben die Asche und setzten auf den -Grabhügel eine Tafel mit der Inschrift: „Hier ruht Pompejus der Große!“ - - -3. Cäsar in Afrika. Catos Tod. - -Drei Tage nach des Pompejus Tode erschien Cäsar vor dem Hafen von -Alexandria, der damaligen Hauptstadt Ägyptens. Alsbald kamen die -Mörder in der Hoffnung auf eine Belohnung an Bord seines Schiffes und -überreichten des Pompejus Haupt und Siegelring. Cäsar wandte sich mit -Abscheu von dem Anblick des blutigen Hauptes, aber tränenden Auges -empfing er den Siegelring des Mannes, der einst so groß und mächtig und -durch Freundschaft und Verwandtschaft mit ihm verbunden gewesen. - -Weit entfernt die Schandtat zu belohnen, bewies er sich milde und -freundlich gegen die Anhänger des Pompejus, die man in Ägypten -ergriffen hatte und in seine Gewalt lieferte. Denn Großmut und -Nachsicht gegen besiegte Feinde bildeten den schönsten Zug seines -Charakters. Er fand das ägyptische Volk gespalten und aufgeregt -durch einen Zwist zwischen dem unmündigen König Ptolemäos und seiner -älteren Schwester +Kleópatra+, die ihm den Thron streitig machte. -Cäsar befahl beiden Teilen ihre Heere zu entlassen, und entschied dann -zu gunsten der schönen Kleopatra, die ihn durch ihre verführerischen -Reize geblendet hatte. Da brach plötzlich, durch die Ratgeber des -Königs, Potheinos und Achillas, angestiftet, ein gewaltiger Aufstand -in Alexandria aus, gegen den sich Cäsar mit den wenigen Truppen, die -er mitgebracht, kaum zu behaupten vermochte. Er zog sich vor der -Übermacht in das Brucheion, den schönsten und festesten Teil der Stadt, -zurück. Hier bestand er, von jeder Verbindung mit Rom und den Provinzen -abgeschnitten, unter der größten Bedrängnis neun Monate lang den Kampf -gegen die empörte, vielmal überlegene Menge der Feinde. Um sich den -Zugang zum Meere zu öffnen, verbrannte er die ägyptische Flotte im -alexandrinischen Hafen, weil er nicht hoffen konnte sie zu erobern. -Der Brand ergriff aber auch das Brucheion selbst, und die Hälfte jener -berühmten alexandrinischen Bibliothek, die sich hier befand, ward ein -Raub der Flammen. Während dieses traurige Schauspiel die Aufmerksamkeit -der Einwohner beschäftigte, besetzte Cäsar die kleine Insel Pharos, -die vor dem Hafen lag und den berühmten Turm, der als eins der sieben -Wunderwerke der alten Welt galt. Von da an drehte sich der Kampf um -die Behauptung des Hafens. Die Ägyptier schnitten den Römern das -Trinkwasser ab und leiteten Meerwasser in ihre Cisternen. Um der Not -abzuhelfen, ließ Cäsar neue Brunnen graben. Bald aber geriet auch die -Insel Pharos, die durch einen Damm mit dem Brucheion zusammenhing, -in die Hände der Feinde. Vergebens suchte Cäsar sie wiederzunehmen. -Er wurde zurückgeschlagen und kam dabei selbst in Lebensgefahr. Denn -als er vom Damm in ein Schiff sprang, drohte dieses wegen Überfüllung -zu sinken. Da sprang er ins Meer und schwamm unter einem Pfeilregen -einige hundert Schritte weit nach einem andern Schiffe, wobei er mit -der einen Hand wichtige Schriften emporhielt, um sie nicht vom Wasser -verderben zu lassen, und erreichte glücklich das Ufer. Endlich kam -die langersehnte Hilfe, die ihm Mithridates, ein angeblicher Sohn -des Königs dieses Namens, aus Kleinasien und Syrien zuführte. Dieser -eroberte Pelusion; der König Ptolemäos wurde geschlagen und ertrank auf -der Flucht im Nil. Nun ergab sich Alexandria dem Sieger (47); Kleopatra -ward zwar als Königin von Ägypten anerkannt, das Land aber von einem -römischen Heer besetzt gehalten. - -Bevor jedoch Cäsar nach Rom zurückkehrte, mußte er noch einen Feldzug -gegen +Phárnakes+, den Sohn des großen Mithridates, unternehmen. Dieser -hatte, unzufrieden mit dem kleinen Königreiche, das ihm Pompejus -gelassen, das väterliche Reich wieder erobert und gegen alle Römer -grausam gewütet. Cäsar brach mit einer Legion gegen ihn auf; durch -Syrien und Cilicien gelangte er nach Pontus, wo er den listigen -Pharnakes überfiel und ihm in der entscheidenden Schlacht bei +Ziéla+ -eine vollständige Niederlage beibrachte (47). Er selbst war von seinem -schnellen Sieg so überrascht, daß er an seine Freunde in Rom die -berühmten Worte schrieb: „Ich kam, sah, siegte!“ (~Veni, vidi, vici.~) -Pharnakes verlor alle Besitzungen und bald darauf durch einen treulosen -Diener das Leben. - -Jetzt erst kehrte Cäsar nach Rom zurück, wo seine Gegenwart dringend -notwendig war, da ein unruhiger Volkstribun einen Aufstand verursacht -hatte, der vielen Bürgern das Leben kostete. Cäsar stellte sogleich -die Ruhe wieder her und überhäufte seine Anhänger mit Ehrenstellen -und Belohnungen, dann richtete er seine Aufmerksamkeit auf Afrika, wo -sich die Anhänger des Pompejus gesammelt und eine bedeutende Macht an -sich gezogen hatten. Noch war er mit den Rüstungen zu diesem Kriege -beschäftigt, als eine Meuterei unter seinen Legionen ausbrach. Diese -standen in Capua und warteten mit Ungeduld auf ihren Abschied, sowie -auf die Belohnungen, die er ihnen versprochen hatte. Als er ihnen noch -größere Belohnungen versprechen ließ, wenn sie ihm nach Afrika folgen -wollten, empörten sie sich und brachen in ihrer Wut nach Rom auf, um -sich ihren Lohn mit Gewalt zu holen. Nachdem sie auf dem Marsfelde -angekommen waren, trat Cäsar unerwartet unter sie und fragte sie mit -fester Stimme, was sie wollten. „Unsere Entlassung“, riefen sie. „Ihr -sollt sie haben“, antwortete er, „und auch die versprochenen Geschenke, -wenn ich an der Spitze anderer Legionen gesiegt habe und sie zum -Triumphe nach Rom führe.“ Hiermit entfernte er sich und überließ die -Bestürzten dem quälenden Gedanken, daß nun andere an ihrer statt Ruhm -und Lohn neuer Siege ernten würden. Doch noch einmal wandte er sich an -sie, aber nun nicht mehr mit der Anrede „Kameraden“ (~commilitones~), -sondern mit der Anrede: „Bürger!“ (~Quirītes~). Da riefen alle, sie -seien keine Bürger sondern Soldaten, und baten ihn sie nach Afrika zu -führen. - -In Afrika bestand die Macht der Pompejaner aus zehn Legionen, -20000 afrikanischen Reitern und 120 Elefanten; dazu kamen noch die -Hilfstruppen des mit ihnen verbundenen Königs +Juba+ von Numidien. -Dieser furchtbaren Macht konnte Cäsar nur sechs Legionen und 2000 -Reiter entgegenstellen, mit denen er noch in demselben Jahre (47) -von Sicilien aus unter Segel ging, um seine Gegner, die ihn in -der ungünstigen Jahreszeit nicht erwarteten, zu überraschen. Die -Herbststürme jedoch zerstreuten seine Flotte, und er selbst erreichte -nur mit 3000 Mann zu Fuß und 150 Reitern die afrikanische Küste. Als -er in der Nähe von Adrumetum landete, fiel er dabei zur Erde, aber -mit gewohnter Geistesgegenwart rief er aus: „Ich halte dich, Afrika!“ -und verwandelte dadurch die schlimme Vorbedeutung, die seine Soldaten -leicht in diesem Falle hätten sehen können, in eine gute. Bald auch -fand sich die ganze Flotte wieder bei ihm ein, sodaß er im Anfang des -Jahres 46 mit 15000 Mann einen Streifzug ins Innere unternehmen konnte. -Da wurde er plötzlich von Labiēnus, der einst in Gallien sein bester -und erfolgreichster Legat gewesen, und von Petrejus, den er vorher -in Spanien besiegt und verschont hatte, mit einer solchen Übermacht -angegriffen, daß er nur durch einen geschickt geleiteten Rückzug einer -völligen Niederlage entging. Nicht lange darauf aber nötigte er seine -Gegner zu der entscheidenden Schlacht bei +Thapsus+, welche mit der -gänzlichen Vernichtung des pompejanischen Heeres endigte (46). - -Unter den Häuptern der pompejanischen Partei, die bei Thapsus besiegt -wurde, nahm der edle +M. Porcius Cato+, ein Urenkel jenes Cato, der -die Zerstörung Karthagos zu fordern pflegte, den ersten Rang ein. Nach -der Schlacht bei Pharsalos war er nach der Provinz Afrika gegangen und -hatte dort die Verteidigung der Hauptstadt Utĭca übernommen. Als Cäsar -heranzog, um durch die Eroberung dieser Stadt den Krieg zu beendigen, -suchte er anfangs die Einwohner zum Widerstande zu bewegen. Da er aber -sah, daß sie in ihren Meinungen geteilt waren, so änderte er seinen -Plan. Zunächst war er vielen Senatoren mit Geld und Schiffen zur Flucht -behilflich; ja, er riet sogar seinem eignen Sohn Marcus zur Flucht; -dieser aber weigerte sich standhaft den Vater zu verlassen. Für ihn -selbst hatte das Leben ohne den Bestand einer freien Republik keinen -Wert mehr, und darum hielt er sich, nach den Grundsätzen der stoischen -Lehre, deren eifriger Anhänger er war, für berechtigt sich selbst den -Tod zu geben. - -Gegen Abend ging er ins Bad und nahm dann mit seinen Freunden ein Mahl -ein. Nach dem Essen trank er mit seinen Gästen und unterredete sich -mit ihnen über den Satz, daß nur der Weise wahrhaft frei sei. Diese -Behauptung verteidigte er mit solcher Wärme, daß allen seine Absicht -klar wurde. Es folgte eine ängstliche Stille. Kaum merkte dies Cato, so -lenkte er das Gespräch auf einen anderen Gegenstand. Dann nahm er mit -besonderer Herzlichkeit Abschied und begab sich in sein Schlafgemach. -Hier las er den Phädon, eine Schrift des griechischen Weisen Plato, -welche von der Unsterblichkeit der Seele handelt und zugleich den Tod -des edlen und weisen Sokrates schildert, zweimal durch, und wollte dann -nach seinem Schwerte greifen. Er fand es aber nicht, denn sein Sohn -hatte es heimlich entfernt. Er forderte es mit Ungestüm und ließ nicht -eher ab, bis man es ihm brachte. Ohne sich an die Bitten und Tränen der -Seinigen zu kehren, rief er: „Nun bin ich Herr über mich!“ entließ die -Weinenden, las noch und schlief dann bis Mitternacht. Dann erkundigte -er sich, ob seinen Freunden die Flucht gelungen sei. Auf die Nachricht, -daß sie alle entkommen seien, verschloß er die Tür, stürzte sich in -sein Schwert und fiel zu Boden, wobei er einen Tisch mit umriß. Auf das -Geräusch eilten die Seinen herbei und verbanden seine Wunde; er aber, -wieder zu sich gekommen, riß sie wieder auf und starb an Verblutung. - -Als Cäsar bei seinem Einzug in Utica, welches ihm die Tore öffnete, -Catos Tod vernahm, sagte er mit aufrichtigem Schmerz: „Cato, ich -mißgönne dir deinen Tod, weil du mir deine Erhaltung nicht gegönnt -hast!“ Auch verzieh er dem jungen Cato und ließ ihm das väterliche -Vermögen. Catos Beispiel folgend gaben sich auch Metellus, Scipio, Juba -und Petrejus den Tod. Labienus aber und Sextus Pompejus verzweifelten -noch nicht, sondern flohen nach Spanien, um dort den Krieg zu erneuern. - - -4. Cäsars fernere Taten und Tod. - -Als Cäsar nach Rom zurückgekehrt war, wetteiferten der Senat und das -ihm ergebene Volk, ihn mit den höchsten Ehren und Würden zu überhäufen. -Die Diktatur, mit welcher die unumschränkte Macht über den ganzen -Staat verbunden war, wurde ihm auf zehn Jahre übertragen; auf goldenem -Sessel saß er neben den Konsuln, und 72 Liktoren, sechsmal mehr als -den Konsuln, schritten ihm voran, so oft er sein Haus verließ. Für -seinen Sieg bei Thapsus ordnete der Senat ein vierzigtägiges Dankfest -an, und seine Siege über Gallien, Ägypten, Pontus und Afrika feierte -Cäsar durch einen vierfachen Triumph. Neben dem Tempel der Fortuna, -der Göttin des Glücks, brach, ein schlimmes Vorzeichen, die Achse -seines Triumphwagens, und er mußte einen andern besteigen, dann stieg -er die Stufen des Jupitertempels auf den Knieen hinauf. Bei dieser -Gelegenheit legte er die Kriegsbeute über 200 Millionen Mark an Gold -und 2822 goldene Kränze im Werte von mehr als 15 Millionen Mark in den -öffentlichen Schatz. Seinen Feinden verzieh er großmütig und bewies -überall die größte Milde. Bei dem öffentlichen Festmahle, das er gab, -wurde das Volk an 22000 Tischen aufs köstlichste bewirtet, wobei sogar -die bei den Römern so beliebte Fischart der Muränen und die berühmten -Falerner- und Chierweine nicht fehlten. Außer dieser allgemeinen -Speisung beschenkte er noch 50000 arme Bürger mit Getreide und Öl und -je 60 Mark an Geld. Von seinen Kriegern bekam jeder gemeine Soldat 3000 -Mark, ein Hauptmann das Doppelte, ein Oberst das Dreifache. - -Während Cäsar noch damit beschäftigt war durch eine Reihe von Gesetzen -und Anordnungen die Ruhe und Ordnung des tief erschütterten Staates -herzustellen, rief ihn die Besorgnis vor der drohenden Macht der -Pompejaner in +Spanien+ zu neuem Kampfe ab. Dort hatten Gnaeus und -Sextus, die Söhne des großen Pompejus, wieder ein Heer von dreizehn -Legionen gesammelt. Cäsar zog mit acht Legionen gegen diese letzten -Verteidiger der Republik, und bei der Stadt +Munda+ kam es zu dem -erbittertsten und blutigsten Kampf dieses ganzen Bürgerkrieges (45). -Schon schwankten seine Legionen und das Glück schien ihn zu verlassen; -schon focht er, wie er später gestand, mehr um sein Leben als um den -Sieg. Da sprang er vom Pferde und warf sich, entblößten Hauptes um von -den Seinigen erkannt zu werden, und mit den Worten: „Wollt ihr mich -diesen Knaben überliefern?“ in die vordersten Reihen. So hitzig focht -er, daß viele unter seinen Streichen sanken und sein Schild von mehr -als hundert Geschossen durchbohrt wurde, bis er mit seiner zehnten -Legion und seiner Reiterei das Gleichgewicht wieder herstellte. Schon -neigte sich der Tag, und die Schlacht war noch unentschieden, als Cäsar -bemerkte, wie der pompejanische Anführer Labiēnus fünf Kohorten zum -Schutze seines Lagers absandte, und im Augenblick rief er: „Seht, die -Feinde fliehen!“ Dies glückliche Wort, das schnell durch die Reihen -lief, erhöhte den Mut der Seinen so sehr, daß sie mit hellem Siegesrufe -vordrangen und die Pompejaner, bestürzt durch die plötzliche Wendung, -nun wirklich die Flucht ergriffen. Nun erst begann, wie gewöhnlich in -jenen Zeiten, das eigentliche Gemetzel unter den aufgelösten Scharen -der Besiegten. Über 33000 Erschlagene bedeckten das Schlachtfeld. -Gnaeus Pompejus fiel auf der Flucht, als er eben die Küste erreicht -hatte und Spanien verlassen wollte. Nur sein Bruder Sextus, der der -Schlacht nicht beigewohnt hatte, blieb allein von den Häuptern der -pompejanischen Partei am Leben. - -Dieser Sieg machte dem Bürgerkrieg, der 170000 Menschen hingerafft -hatte, ein Ende. Als Cäsar nach Rom zurückkehrte, überhäufte ihn der -Senat mit neuen Ehren, wie sie noch nie einem Römer zuteil geworden -waren. Er erhielt den Titel Imperator oder Oberbefehlshaber der -gesamten Kriegsmacht, und dieser Titel wurde ihm auf Lebenszeit -beigelegt und sollte auch auf seine Nachkommen forterben können; -ebenso ward er auf zehn Jahre Konsul, auf Lebensdauer Diktator, -„Vater des Vaterlandes“, „Befreier“ ward er genannt, und unter einem -der zahlreichen Standbilder, die man ihm errichtete, war geschrieben: -„Dem unbesiegten Gotte“. So war er denn in Wahrheit Alleinherrscher -des römischen Reiches, wenn ihm auch dieser Name fehlte, und als -solcher suchte er die Erinnerung an die Zeit der freien Republik im -Volke allmählich auszulöschen, und die Amtswürden des herrschenden -Adels sanken zu bloßen Titeln herab. Er vermehrte den Senat auf 900 -Mitglieder, von denen er die Hälfte selbst ernannte; bei der Wahl der -andern Hälfte nahm das Volk auf seine Vorschläge Rücksicht. Auch ein -neues Forum legte er an, und errichtete daselbst der Venus Victrix, der -„siegreichen Venus“, die er als Stammmutter seines Geschlechts ausgab, -einen herrlichen Tempel. Auf die Einweihung dieses Tempels folgten -glänzende Volksspiele: in einem künstlichen See wurden Schiffsgefechte -geliefert, im Circus wurden 400 Löwen gejagt, wilde Stiere erlegt und -endlich eine förmliche Landschlacht dargestellt. - -Um die Verwaltung des Staates und der Provinzen, die von Grund auf -neu zu ordnen war, erwarb Cäsar sich große Verdienste. Neben vielen -anderen Gesetzen dieser Art ist besonders zu nennen die gründliche -Verbesserung des römischen +Kalenders+, die er mit Hilfe des -alexandrinischen Mathematikers Sosígenes durchführte. Es war darin eine -solche Verwirrung eingerissen, daß damals die Abweichung der Monats- -und Tagesrechnung von der wahren Zeit bereits 67 Tage betrug und sich -die Feste um ebensoviel Tage aus ihrer ursprünglichen Lage verschoben. -Die Ursache lag darin, daß man sich dabei nicht nach dem Laufe der -Sonne und der Dauer des Sonnenjahres, sondern nach den Mondumläufen -richtete, deren zwölf ein Jahr von 354 anstatt von 365 Tagen ergaben. -Und doch hatten schon längst die Ägyptier das Jahr nach dem Sonnenlaufe -auf 365 Tage 6 Stunden festgesetzt, während die Griechen und Römer -noch immer ihre Jahresrechnung auf den Mondlauf gründeten und dadurch -zu ungleichen Einschaltungen genötigt waren. Der neue, dem ägyptischen -nachgebildete Kalender, der nach seinem Urheber der +julianische+ -genannt wird, machte allen diesen Ungleichheiten und Schwankungen ein -heilsames Ende. Zwar war auch er noch nicht ganz der wirklichen Zeit -entsprechend. Denn indem er dem Jahre 365 Tage und jedem vierten Jahre -mit einem Schalttage 366 gab, wich er von der wahren Jahreslänge des -Sonnenumlaufs um ein Zuviel von mehreren Minuten ab, ein Fehler, der -im Laufe der folgenden Jahrhunderte auf etwa 10 Tage anwuchs und erst -durch den gregorianischen Kalender (1582 n. Chr.) ausgeglichen wurde. -Auch verlegte Cäsar den Anfang des Kalenderjahres vom 1. März auf den -1. Januar. Die Namen der römischen Monate behielt er bei, nur daß durch -Senatsbeschluß der bisherige Quinctīlis dem Cäsar zu Ehren fortan -Julius genannt wurde. - -Doch so sehr auch Cäsar seine Feinde durch Milde und Gnade gewonnen -zu haben glaubte, so große Verdienste er sich um die Vergrößerung und -den Ruhm des Staates erworben hatte, so vermochte er doch nicht den -tiefen Haß aller derjenigen zu versöhnen, welche bisher gewohnt waren -den Staat zu regieren und zu ihren Vorteilen auszubeuten. Auch schonte -er nicht in allem seinem Tun die ehrwürdigen alten Überlieferungen -der Republik, an denen das Volk mit zäher Beharrlichkeit hing. Nicht -zufrieden mit königlicher Macht, strebte er auch nach dem königlichen -Titel und beleidigte das Volk durch die Äußerung, daß die Republik -nur ein leerer Name sei. Seine Freunde beeiferten sich ihm den Titel -„König“ zu verschaffen, der den Römern seit der Vertreibung der Könige -ein Gegenstand des Abscheus war. Einst bekränzten sie heimlich seine -Bildsäule mit dem Diadem, aber die Tribunen rissen es ab und schickten -die Täter unter dem Beifall des Volkes ins Gefängnis. Ein anderes Mal -mischten einige in den Zuruf des Volkes den Königsgruß, aber die Menge -stimmte nicht ein, und Cäsar mußte erklären, er heiße Cäsar, nicht -König. An einem Fest trat einst sein Mitkonsul +Antonius+ mit einer -Rede auf und wollte ihm dann eine Krone mit den Worten überreichen: -„Dies sendet dir das römische Volk durch mich!“ aber das Volk brach in -lautes Wehklagen aus, Cäsar wies das Geschenk zurück, und als Antonius -fortfuhr ihm knieend das Diadem darzubieten, sagte er: „Nur Jupiter ist -König!“ und schickte es auf das Kapitol. - -Wenn nun auch diese Versuche, den königlichen Titel zu erhalten, -mißlangen, so war doch sein Streben nach der Königswürde unverkennbar. -Die Furcht vor der Gewaltherrschaft eines Königs, Cäsars beleidigender -Stolz gegen vornehme Römer, der Haß einzelner Großen, die seine -unumschränkte Macht nur mit tiefem Ingrimm ertrugen, brachten endlich -eine Verschwörung zuwege, deren Zweck war den großen Diktator zu -ermorden und die alte Ordnung wieder herzustellen. - -Der Plan zu diesem Morde entsprang aus dem finsteren Gemüte des +Gajus -Cassius+, der Cäsars Gnade das Leben verdankte. Er merkte aber bald, -daß kein angesehener Mann seinem Anschlage beitreten werde, wenn nicht -der damalige erste Prätor +Marcus Brutus+, Cäsars Liebling, ein wegen -seiner reichen Bildung und strenger Sinnesweise hochangesehener Mann, -sich seinem Plane anschlösse. Diesen suchte er daher vor allem dafür -zu gewinnen. Bald legte er Zettel auf seinen Prätorstuhl mit den -Worten: „Brutus, du schläfst!“ -- oder „Du bist wahrlich kein Brutus!“ -Bald schrieb er an die Bildsäule des alten Brutus, der vorzeiten das -Königtum gestürzt und die Freiheit begründet hatte (S. 24): „O daß du -noch lebtest, oder daß von deinen Nachkommen einer dir gleich wäre!“ -Lange blieb Brutus unentschlossen. Als er endlich der Verschwörung -beitrat, wirkte sein Beispiel so mächtig, daß bald sechzig andere, -teils begünstigte Freunde Cäsars, teils begnadigte Feinde, sich -anschlossen. Es fehlte ihnen nur noch die Gelegenheit zur Ausführung -ihres Planes, und diese bot ihnen Cäsar selbst. - -Damals, im Jahre 44, trug er sich mit dem großen Gedanken eines -Kriegszugs gegen die Parther, um die noch nicht gesühnte Niederlage -bei Karrhä (S. 157) an ihnen zu rächen und die Ostgrenzen des Reiches -gegen diese mächtigen Feinde zu sichern. Sobald ihm dieses gelungen -wäre, gedachte er längs den Küsten des kaspischen Meeres um den -Kaukasus herum zu ziehen, in Skythien einzudringen und von da wieder -westwärts durch die weiten Gebiete der Sarmaten, Daken, Germanen nach -Italien zurückzukehren. Während er zu diesem Zuge die nötigen Anstalten -traf, verbreiteten seine Freunde das Gerücht, daß nach einem Spruch -der sibyllinischen Bücher (S. 22) die Parther nur von einem König -besiegt werden könnten. Darum verlangten sie, daß Cäsar bloß in Italien -Diktator heißen, in den Provinzen aber den Königstitel führen sollte. -An den Iden des März (15. März, ~idibus Martiis~, denn ~idus~ hieß nach -römischem Sprachgebrauch der 15. oder 13. Tag eines Monates), sollte -über diese Frage im Senate verhandelt werden, und so beschlossen denn -die Verschworenen ihn an diesem Tage in der von Pompejus gebauten -Kurie (Ratshalle), wohin der Senat berufen war, zu ermorden. - -Vergebens warnten ihn drohende Anzeichen. Man fand, wie erzählt -wird, eine alte eherne Tafel mit einer griechischen Inschrift, die -auf seinen gewaltsamen Tod deutete; in der Nacht vor dem Morde gaben -die heiligen Schilde auf dem Kapitol einen klingenden Ton; Cäsars -Pferde wollten nicht fressen, und in den Tieren, die er opferte, fand -sich kein Herz. Der Seher Spurinna warnte ihn gerade vor den Iden -des Märzes. Doch Cäsars großes Herz war der Furcht und Sorge um sein -Leben verschlossen. Am Abend des 14. März speiste er bei Lépidus, -der als „Reiteroberst“ (~magister equitum~) dem Diktator als Gehilfe -zur Seite stand. Während er dort einige Briefe unterschrieb, warf -einer von den Gästen die Frage auf, welcher Tod der beste sei. Cäsar -antwortete schnell: „Der unerwartete.“ Die Nacht darauf verbrachte er -in großer Unruhe. Aufgeschreckt durch ein plötzliches Geräusch sah er -bei hellem Mondlicht die Türen seines Gemachs von selbst geöffnet und -hörte seine Gemahlin Calpurnia im Schlafe wehklagen. Ihr träumte, man -hätte ihren Gemahl ermordet, und sie halte den Toten weinend in ihren -Armen. Als der Morgen kam, bat sie, erschreckt durch diesen Traum, -ihren Gemahl inständig zu Hause zu bleiben. Cäsar war bereit ihren -Bitten zu willfahren, und gab schon dem Konsul Antonius den Auftrag den -versammelten Senat wieder zu entlassen. - -Inzwischen warteten bereits in der Kurie des Pompejus die -Verschworenen, mit versteckten Dolchen bewaffnet, ungeduldig ihres -Opfers, und besorgten schon, da Cäsar nicht kam, ihr Geheimnis wäre -verraten. Sie schickten daher den +Décimus Brutus+, einen vertrauten -Freund Cäsars, um sich nach der Ursache seines Säumens zu erkundigen. -Cäsar erzählte ihm Calpurnias Traum. Aber Brutus stellte ihm vor, wie -unklug es sei, seine Ernennung zum König verschieben zu wollen, bis ein -Weib bessere Träume habe, und zog ihn an der Hand mit sich fort. - -Noch hätte Cäsar dem Tode entgehen können, denn selbst auf dem Wege -nach der Kurie wurde er auf mannigfache Art gewarnt. Kaum hatte er sein -Haus verlassen, so drängte sich Artemidōros, ein gelehrter Grieche, -zu ihm heran und überreichte ihm eine Schrift, in der die ganze -Verschwörung entdeckt war. „Lies diese Schrift“, sprach er eifrig, -„lies sie sogleich, sie enthält wichtige Dinge, die dich betreffen.“ -Cäsar versuchte sie zu lesen, aber das Gedränge der Menschen um ihn -her war zu groß; ungelesen nahm er die Schrift mit in die Kurie. Nicht -mehr weit davon sah er den Spurinna und rief ihm lachend zu: „Die Iden -des Märzes sind gekommen!“ -- „Aber sie sind noch nicht vorüber“, -antwortete Spurinna. Ohne sich an das Wort zu kehren, ging Cäsar in -die Kurie. An der Tür wurde er noch durch ein Bittgesuch aufgehalten, -dann schritt er sorglos zu seinem goldenen Sessel, der am Fuße der -Bildsäule des Pompejus stand. Alle Verschworenen standen auf, um ihn -zu empfangen; nur Trebonius stand am Eingang der Kurie, um den Konsul -+Marcus Antonius+, den treuesten und kühnsten Anhänger Cäsars, von -dessen Körperkraft und Geistesgegenwart alles zu befürchten war, -zurückzuhalten. - -Kaum hatte sich Cäsar auf seinen Sessel niedergelassen, so drängten -sich die Verschworenen an ihn heran. Voran stand Tullius +Cimber+, um -von Cäsar die Begnadigung seines verbannten Bruders zu erbitten. Die -Verschworenen unterstützten sein Gesuch. Cäsar aber, unwillig über -ihren zudringlichen Eifer, verwies sie auf eine andere Zeit. Da ergriff -Cimber die Toga Cäsars und riß sie ihm von den Schultern. „Das ist ja -Gewalt!“ schrie Cäsar. In demselben Augenblick stieß der hinter seinen -Stuhl getretene +Casca+ mit dem Dolche nach seinem Hals, verwundete -ihn aber nur leicht. „Verruchter Casca, was machst du?“ ruft Cäsar und -durchbohrt mit seinem silbernen Schreibgriffel des Mörders Arm; aber -im Nu stoßen ihm alle Verschworenen ihre Dolche mit solcher Wut in den -Leib, daß mehrere von ihnen sich selbst an der Hand verwundeten. Als -Cäsar auch den Marcus Brutus unter den Mördern sieht, ruft er klagend -aus: „Auch du, mein Sohn!“ und nun sagt er kein Wort mehr, sondern -verhüllt sein Haupt und gibt sich ohne Widerstand allen Stößen preis. -Von 23 Wunden durchbohrt, von denen aber nur eine tödlich war, sank er -an der Bildsäule des Pompejus nieder (44). - -Überrascht und entsetzt von dem schaudervollen Auftritt flohen die -Senatoren auseinander. Brutus wollte sie anreden, aber niemand hörte -auf ihn. Auch das Volk, unter das die Mörder mit dem Rufe der Freiheit -traten, floh bestürzt. Eine Zeitlang lag der Ermordete allein in -seinem Blute, bis ihn drei Sklaven in einer Sänfte in die Wohnung der -Calpurnia trugen. - -In Cäsar ging der größte Mann unter, den Rom je hervorgebracht hatte. -Er war als Feldherr, Staatsmann und Gesetzgeber ohnegleichen, aber -auch hervorragend als Redner, Geschichtsschreiber, Sprachforscher, -Mathematiker und Architekt. Auch seine Persönlichkeit und Haltung ließ -den geborenen Herrscher erkennen. Seinen von Natur etwas schwächlichen -Körper hatte er so abgehärtet, daß er an Ausdauer keinem seiner -Krieger nachstand. Er ertrug Hitze und Kälte, Hunger und Durst und -alle Beschwerden und Anstrengungen des Krieges. In allen Leibesübungen -zeichnete er sich aus und suchte als Reiter, Schwimmer und Fechter -seinesgleichen. Seine Soldaten, denen er in jeder Hinsicht als Muster -vorleuchtete, verehrten ihn mit abgöttischer Liebe und Treue. - - - - -XXVIII. - -Der dritte Bürgerkrieg. Marcus Antonius und Cäsar Octavianus. - - -Nachdem die Verschworenen die blutige Tat vollbracht hatten, waren sie -durchaus ratlos, was sie nun weiter tun sollten. Sie hatten geglaubt, -das Volk würde ihrem Werke der Befreiung zujubeln, begegneten aber fast -überall einer feindlichen oder gleichgültigen Stimmung. Denn Cäsar -hatte die Menge durch den Glanz seiner Taten und seine freigebige -Großmut für sich gewonnen, und die „Freiheit“, welche Brutus und seine -vornehmen Genossen gegen Cäsar zu verteidigen schienen, war in Wahrheit -nur das bisherige Regiment der Großen und Reichen. Bald sollten die -Mörder erfahren, daß sie einen milden Herrscher mit einem furchtbaren -Tyrannen vertauscht hatten. - -Der Konsul +Antonius+, ein entschiedener Anhänger Cäsars, der sich in -der ersten Bestürzung versteckt hatte, trat nun hervor und beschloß -die Rolle des Herrschers, die Cäsar gespielt hatte, selber weiter -fortzuführen Er bemächtigte sich heimlich des öffentlichen Schatzes -und erhielt von Calpurnia, der Gemahlin des Gemordeten, dessen -schriftlichen Nachlaß. In einer Senatssitzung, der auch Antonius -beiwohnte, wurde zwar den Mördern Verzeihung bewilligt, aber auch -beschlossen, daß Cäsars Anordnungen fortbestehen sollten. In einer -zweiten Sitzung wurden sogar den Häuptern der Verschwörung nach einer -Anordnung, die Cäsar selbst schon getroffen hatte, die ihnen bestimmten -Provinzen zugewiesen: Marcus Brutus erhielt Makedonien, Decimus Brutus -das cisalpinische Gallien, und Cassius Syrien. - -Bisda hatte Antonius seine herrschsüchtigen Absichten mit großer -Schlauheit verborgen; nun aber trat er offener auf, und bei der -Leichenfeier Cäsars offenbarte er, was die Mörder von ihm zu erwarten -hatten. Um das Volk gegen diese aufzubringen, machte er zuerst das -Testament Cäsars bekannt, in dem er dem Volke seine großen parkartigen -Gärten jenseits der Tiber zu allgemeinem Gebrauch und jedem einzelnen -Bürger 45 Mark vermachte. Dann folgte die Leichenfeier, die den Abscheu -des Volkes gegen die Mörder, die ihm seinen Wohltäter entrissen hatten, -auf den höchsten Grad steigern sollte. - -Auf einem Gerüste, neben der Rednerbühne auf dem Forum, stand -eine vergoldete Kapelle, eine Nachbildung des von Cäsar erbauten -Venustempels; innerhalb der Kapelle, deren Dach auf Säulen ohne Wände -ruhte, war ein mit Elfenbein ausgelegtes, mit Purpurteppichen bedecktes -Ruhebett sichtbar. Auf dieses wurde nach vollendetem Trauerzuge der -Sarg mit der Leiche, unter dem Wehklagen des Volkes und der Soldaten -Cäsars, niedergesetzt. Sodann hielt Antonius eine Rede, worin er -Cäsars unsterbliche Taten und Verdienste um Reich und Volk mit -überschwenglichen Worten pries, und dann den an ihm verübten greulichen -Mord in grellen Farben schilderte, und zugleich, die Augen voll -Tränen, das blutige, von Dolchstichen zerstoßene Gewand des Ermordeten -emporhob. Dabei stieg ein aus Wachs verfertigtes Bild Cäsars mit den -23 Wunden, unter denen die entstellende Wunde des Gesichts und die -tödliche Brustwunde besonders auffielen, aus dem Sarg in die Höhe. - -Bei diesem Anblick verwandelte sich das Wehklagen des Volkes in helle -Wut gegen die Mörder, und man hätte sie zerrissen, wenn sie sich nicht -rechtzeitig entfernt hätten. Als dann das Leichengerüst angezündet -wurde, warf jedermann, was ihm an Geräten, Waffen und Schmuck zur Hand -war, in das Feuer, das dadurch so gewaltig um sich griff, daß ein Haus -in der Nähe in Brand geriet, und eine Feuersbrunst mit Mühe verhütet -ward. Kaum konnte Antonius das wütende Volk zurückhalten, das mit -Fackeln durch die Straßen der Stadt tobte und die Häuser der Mörder -anzünden wollte. - -Als Antonius das Volk für sich gewonnen hatte, brachte er es bald -dahin, daß ihm der Senat eine Schutzwache bewilligte, die er selbst auf -6000 Mann vermehrte. Im Vertrauen auf diesen Schutz gab er, angeblich -aus dem Nachlaß Cäsars, eine Verordnung nach der andern heraus, um sich -Anhänger und besonders Geld zu verschaffen. Er verkaufte Ämter und -Würden, verhandelte Königreiche und wußte sich dadurch Geld in solcher -Menge zu verschaffen, daß er und +Fulvia+, seine schändliche Gemahlin, -zuletzt das Geld nicht mehr zählten, sondern in Masse abwogen. Den -Mördern Cäsars nahm er ihre Provinzen, indem er Makedonien, das Marcus -Brutus hatte, für sich nahm und Syrien, das dem Cassius bestimmt war, -dem Dolabella gab. - -Doch auch gegen Antonius erhob sich bald ein Nebenbuhler, der -schließlich den Sieg über ihn davontragen sollte. - -Dies war der junge +Octavius+, der damals zu Apollonia in Illyrien -sich aufhielt, wo ein Teil der Truppen stand, die Cäsar für den -parthischen Krieg bestimmt hatte, und mit denen er an dem Feldzuge -teilnehmen sollte. Als Enkel von Cäsars jüngerer Schwester Julia war -er im Testamente Cäsars, seines Großoheims, der keinen eigenen Sohn -hinterlassen, an Sohnes Statt angenommen und zum Haupterben eingesetzt. -Er nannte sich deshalb fortan +Gajus Julius Cäsar Octavianus+. - -Nach dem Tode Cäsars eilte er nach Italien, um sein Erbe anzutreten. -Vor den Toren Roms strömten ihm die Freunde und Anhänger Cäsars -entgegen. Ein farbiger Ring, der in dieser Stunde die Sonne umgab, -ward als ein Zeichen seiner aufgehenden Größe gedeutet. Aber seine -Lage war schwierig. Auf der einen Seite drohte ihm die Feindschaft -der Mörder, die in ihm den Rächer ihrer Freveltat fürchteten, auf -der anderen sperrte ihm die gewalttätige Herrschaft des Antonius den -Weg zur höchsten Gewalt. Aber der achtzehnjährige Jüngling verfolgte -gleich von Anfang an mit ungewöhnlicher Klugheit und Selbstbeherrschung -das Ziel, das er sich steckte, Rache an den Mördern und Besitznahme -der ersten Stelle im Staate. Er suchte deshalb zunächst eine enge -Verbindung mit Antonius. Er verlangte von ihm die Herausgabe des -Geldes, das Cäsar hinterlassen, um es nach den Bestimmungen des -Testamentes unter die Bürger zu verteilen. Dies verweigerte Antonius -unter allerlei Vorwänden, und behandelte überhaupt den „jungen -Menschen“ mit hochfahrendem Stolze und Geringschätzung. Octavianus, -obgleich tief erbittert, vermied es mit dem Gewaltigen zu brechen. Er -ließ seine väterlichen Güter versteigern und zahlte aus dem Ertrag -die Vermächtnisse aus, mit denen Cäsar das Volk bedacht hatte. Die -Folge davon war, daß, während sich Antonius beim Volke verhaßt machte, -Octavianus in dessen Gunst stieg, zumal da er nun auch der Menge -kostbare Spiele gab. Während dieser Spiele zeigte sich sieben Tage lang -am Himmel ein Komet, den Cäsars Partei als seinen Geist deutete, der -unter die Götter versetzt sei. - -Während Antonius den Senat mit steigender Anmaßung und trotzigem -Übermut behandelte, bewies ihm der schlaue Octavianus die größte -Ehrerbietung. Unter den alten Soldaten Cäsars hatte er viele Anhänger, -die zu Tausenden seinen Fahnen zuströmten. An der Spitze dieser Truppen -gelang es ihm den Antonius aus Rom zu verdrängen. Dieser ging, nach dem -Ablauf seines Konsulates, in das diesseitige Gallien, welche Provinz er -dem Decimus Brutus entreißen wollte; aber von den beiden neuen Konsuln -und Octavianus bei Mútina (Módena) geschlagen, mußte er ins jenseitige -Gallien fliehen (43). - -Als die nächste Sorge vor Antonius vorüber war, glaubte der Senat den -Octavianus entbehren zu können und begann ihn mit Kälte zu behandeln. -Aber dieser wandte sich an seine treuen Legionen und stellte ihnen vor, -daß ihnen in Rom der Lohn ihrer Taten verweigert würde. Da sandten -die Truppen aus ihrer Mitte Abgeordnete an den Senat und forderten -für Octavianus das Konsulat. Als man dies abschlug, rief einer der -Abgeordneten, an sein Schwert schlagend: „Dieses wirds ihm geben!“ -worauf Cicero erwiderte: „Wenn das bitten heißt, so wird man es ihm -gewähren müssen.“ Nach dieser Weigerung des Senats rückte Octavianus -mit acht Legionen gegen Rom vor, wo das Volk ihn mit Jubel aufnahm und -der Senat sich in alle seine Forderungen fügen mußte. Seine Soldaten -belohnte Octavianus aus dem öffentlichen Schatze; dann ließ er sich -zum Konsul wählen und das Verbannungsurteil über Cäsars Mörder -aussprechen. Um aber nachdrücklich an ihnen Rache nehmen zu können, -hielt er es für zweckmäßig sich wieder mit Antonius zu verbinden. - -Dieser hatte sich inzwischen in Gallien mit +Lépidus+ vereinigt -und eine Macht von 23 Legionen und 10000 Reitern zusammengebracht. -Octavianus zog beiden entgegen, und Antonius ergriff die dargebotene -Hand zu einer Vereinigung. Sie wählten eine kleine Insel auf dem -Flusse Rhenus, unweit Bononia (Bologna) zum Orte ihrer Zusammenkunft. -Beide Parteien, Antonius und Lepidus einerseits und Octavianus -anderseits, rückten mit fünf Legionen an die Ufer dieses Flusses und -schlugen von beiden Seiten eine Brücke nach der Insel zu. Lepidus, -ein gemeinschaftlicher Freund der beiden andern, ging zuerst hinüber, -um ihre Sicherheit zu prüfen; dann kamen auf ein gegebenes Zeichen -Octavianus und Antonius, jeder mit 300 Mann, herbei. Diese blieben -am Ende der Brücken zurück; sie selbst aber gingen auf eine Anhöhe, -wo sie von ihren beiderseitigen Heeren gesehen werden konnten. Als -sie beisammen waren, durchsuchten sie erst ihre Kleider, aus Furcht, -daß irgend einer einen Dolch bei sich tragen möchte. Dann setzten -sie sich nieder, um den Plan ihres Bündnisses zu entwerfen. Die -Verhandlung dauerte drei Tage. Endlich kam nach manchem heftigen -Streit ein Vergleich zustande. Der erste Punkt desselben betraf die -höchste Gewalt im Staate; diese sollten alle drei gemeinschaftlich -fünf Jahre lang ausüben unter dem Titel „Triumvirn zur Einrichtung des -Gemeinwesens“. Dann verteilten sie die Provinzen unter sich; Italien -als das gemeinsame Mutterland und die morgenländischen Provinzen, -die damals noch Brutus und Cassius innehatten, wurden von dieser -Teilung ausgenommen. Die Abendländer aber wurden auf folgende Art -verteilt: Octavianus bekam Afrika, Sicilien und Sardinien, Antonius das -diesseitige und jenseitige Gallien, Lepidus Spanien und einen Teil des -jenseitigen Galliens. Hierauf verteilten sie die Geschäfte unter sich. -Octavianus und Antonius sollten jeder mit zwanzig Legionen vereinigt -den Krieg gegen Cäsars Mörder, namentlich gegen Brutus und Cassius, -führen, während Lepidus als Konsul des nächsten Jahres (42) mit drei -Legionen Rom und Italien in Gehorsam halten sollte. Der vierte Punkt -ihrer Verabredung betraf die Belohnung der Legionen. Die Triumvirn -machten aus, daß, nach Beendigung des Kampfes im Osten, achtzehn -Städte in den reichsten und blühendsten Gegenden Italiens als Kolonien -unter die Soldaten verteilt werden sollten, denen sie übrigens noch -ansehnliche Geschenke baren Geldes versprachen. Zur Ausführung aller -dieser Pläne brauchten sie unermeßliche Geldsummen, zu denen ihnen die -Achtserklärung (Proskription) ihrer Gegner die Mittel liefern sollte. -300 Senatoren und 2000 Ritter wurden von der Ächtung betroffen, von -denen jeder Triumvir einen Teil vorschlug und dabei selbst seine -eigenen Freunde und Anhänger dem Haß der beiden andern preisgeben -mußte. Endlich verpflichteten sich die Triumvirn zur Erfüllung dieses -Vertrages durch einen feierlichen Eid und kehrten mit ihren Legionen -nach Rom zurück, wo alsbald die Ächtungen ihren Anfang nahmen. - -Überall in Italien wüteten Verrat und Mord; nur wenige der Geächteten -retteten sich durch die Flucht, die meisten wurden von den Verfolgern -ereilt, ihre Köpfe auf der Rednerbühne ausgestellt. Jedem Freien wurde -der Kopf eines Verurteilten mit 12000, jedem Sklaven mit beinahe 6000 -Mark bezahlt; die Angeber erhielten den gleichen Lohn; der Tod traf -den, der einen Geächteten verbarg. Die Schreckenszeit Sullas kehrte -wieder, aber die Zahl der Opfer war noch größer. - -Unter den Opfern dieser Proskriptionen befand sich auch der große -Redner +Cicero+, der einst, zur Zeit der Verschwörung des Catilina, -sein Vaterland gerettet hatte. Er hatte sich den Antonius dadurch zu -einem unerbittlichen Feinde gemacht, daß er gegen dessen eigenmächtiges -und gewalttätiges Auftreten seine berühmten „philippischen Reden“ -(~Philippicae~) hielt, und Octavian, von dem er bisher wie ein Vater -verehrt worden war, hatte ihn herzlos dem Hasse des Verbündeten -geopfert. Als die Listen der Geächteten in Rom bekannt wurden, auf -denen auch sein Name stand, befand sich Cicero auf einem seiner -Landgüter. Um sich zu retten, beschloß er nach Makedonien zu Marcus -Brutus zu fliehen, allein körperliche Schwäche, Ängstlichkeit und -Unentschlossenheit hinderten ihn an der Ausführung seines Entschlusses; -zweimal ging er zu Schiffe und zweimal landete er wieder. Endlich -drängten ihn seine Diener, die schon einen Haufen Soldaten gesehen -hatten, welche nach ihrem Herrn spähten, die Flucht fortzusetzen. -In einer Sänfte trugen sie ihn zur Küste. Aber mitten auf dem Wege -begegneten sie den Häschern. Da Cicero sah, daß er nicht entrinnen -konnte, ließ er die Sänfte niedersetzen und steckte den Kopf hinaus. -An der Spitze der Soldaten stand Popilius Länas, ein Kriegstribun, -dem Ciceros Beredsamkeit einst vor Gericht das Leben gerettet hatte. -Eben dieser Mann eilte seinen Leuten zuvor, um selber den Blutlohn zu -verdienen, und schlug seinem greisen Wohltäter, nach dem besonderen -Auftrage des Antonius, des Todfeindes Ciceros, nicht nur das Haupt -ab, sondern auch die Hände, mit denen er den Vortrag seiner Reden -eindrucksvoll zu begleiten pflegte. Dies geschah am 7. Dezember des -Jahres 43. Das abgehauene Haupt wurde dem Antonius überbracht, und -nachdem Fulvia in ihrer Rachsucht die Zunge mit ihren Haarnadeln -durchstochen hatte, nebst den Händen auf derselben Rednerbühne am -Forum ausgestellt, wo Cicero so oft das Volk zu stürmischem Beifall -hingerissen hatte. Er stand erst im 64. Lebensjahre. - - * * * * * - -Nachdem sich die Triumvirn auf so blutige und habgierige Weise eines -großen Teiles ihrer Gegner im Senat und in der Ritterschaft entledigt -hatten, beschlossen Octavianus und Antonius gegen Brutus und Cassius -zu Felde zu ziehen, die inzwischen in Makedonien und Asien eine große -Streitmacht und alle noch übrigen Anhänger der Republik um sich -gesammelt hatten. Als diese von dem nahen Anzuge der beiden Triumvirn -hörten, eilte Brutus nach Asien, um gemeinschaftlich mit Cassius über -die Führung des Krieges zu beraten. Bei dieser Gelegenheit war es, wo, -wie man sagt, dem Brutus ein Gespenst erschien. Einst saß er nämlich, -wie er gewohnt war, bis tief in die Nacht in seinem Zelte, beschäftigt -mit den Gedanken an den ungewissen Ausgang des bevorstehenden Krieges. -Seine Diener schliefen, das Licht brannte düster, nichts regte sich, -er war allein. Da hörte er plötzlich ein Geräusch; die Zelttür öffnet -sich, und eine gespenstische Gestalt tritt auf ihn zu, ohne zu reden. -Brutus richtet sich erschrocken auf und fragt: „Wer bist du, ein -Gott oder ein Mensch, und was begehrst du?“ -- „Ich bin dein böser -Geist,“ antwortet die Gestalt, „bei Philippi sehen wir uns wieder.“ -Furchtlos erwiderte Brutus: „Wohl, ich werde dich dort wiedersehen!“ -Da verschwand die Gestalt. Gleich darauf rief Brutus seine Diener und -fragte sie, ob sie etwas gesehen oder gehört hätten. Sie verneinten -beides. Sobald der Morgen graute, ging Brutus zum Cassius und -erzählte ihm den Vorfall der vergangenen Nacht. Cassius, der nicht -an die Wirklichkeit eines Gespenstes glauben mochte, suchte sich die -Erscheinung aus der erregten Gemütsstimmung seines Freundes zu erklären. - -Von Sardis aus, wo sie ihre Legionen vereinigt hatten, brachen Brutus -und Cassius nach dem Hellespont auf und setzten nach Thrakien über, -wo bereits acht Legionen der Triumvirn standen. Bald kamen diese -mit ihrer gesamten Macht hinzu und nötigten die Gegner, welche bei -+Philippi+ ein festes Lager bezogen hatten, zur Schlacht. Es kam dort -zu einer Doppelschlacht, die aber den ganzen Krieg entscheiden sollte; -sie endete mit der Niederlage der Mörder Cäsars (42). Die Triumvirn -befehligten ein Heer von 100000 Mann zu Fuß und 13000 Reiter, ihre -Gegner 80000 Mann zu Fuß und 20000 Reiter. Auf beiden Seiten siegten -die rechten Flügel; Brutus drang siegreich vor und eroberte das Lager -des Octavianus, der sich damals wegen Krankheit aus dem Lager entfernt -hatte; dagegen schlug Antonius den Cassius vollständig zurück. Der -geschlagene Cassius wußte noch nichts von des Brutus Sieg, als dieser -eine Abteilung Reiter mit der Siegesbotschaft absandte. Cassius hielt -sie in der Dunkelheit für Feinde und glaubte schon die Seinigen -gefangen; da ließ er, um der Gefangenschaft zu entgehen, sich durch -einen Sklaven töten. Als Brutus von seinem Tode hörte, rief er unter -Tränen aus: „So ist der letzte Römer gefallen!“ - -Nach dieser Schlacht beschloß Brutus ein zweites Treffen zu vermeiden -und sich in seiner vorteilhaften Stellung zu behaupten. Allein der -Ungestüm seiner Soldaten, der weder durch Bitten noch durch Geschenke -und Versprechungen zu bändigen war, forderte eine Schlacht, und so kam -es denn ungefähr zwanzig Tage nach dem ersten zu einem zweiten Treffen -bei Philippi. In der Nacht vor dieser Schlacht soll dem Brutus dieselbe -Gestalt erschienen sein, die sich ihm vor seinem Übergange über den -Hellespont gezeigt hatte; stumm ging sie diesmal vor ihm vorüber und -verschwand. - -Auch dieses zweite Treffen entschied gegen Brutus. Von beiden Seiten -ward mit der größten Erbitterung gestritten; abermals drang Brutus -in das Lager des Octavianus, da sprengte Antonius die Mitte des ihm -gegenüberstehenden Flügels und trieb die Feinde in ihr Lager zurück. -Dadurch bekam Octavianus Luft, drang auch wieder vor und half den Sieg -vollenden. - -Brutus wandte sich mit vier Legionen nach dem Gebirge und hoffte in der -einbrechenden Dunkelheit zu entkommen, aber alle Ausgänge waren schon -besetzt. Da seine Legionen keine Lust zeigten sich durchzuschlagen, gab -er alle Hoffnung auf und stürzte sich in sein Schwert. Seine Truppen -streckten die Waffen. Seine Gemahlin +Porcia+ folgte ihm in den Tod, -indem sie durch den Dunst glühender Kohlen ihr Leben endete. - - -Nach diesen Siegen nahmen die beiden Triumvirn eine neue Teilung des -Reiches unter sich vor, wobei Octavianus den Westen, Antonius den Osten -erhielt. Lepidus, der wegen seiner Unbedeutendheit von den beiden -andern verachtet wurde, mußte sich mit der Provinz Afrika abfinden -lassen. - -In Kleinasien überließ Antonius sich ganz und gar seinem maßlosen -Hange zur Schwelgerei, mit der er ungeheure Reichtümer in kurzer Zeit -verschwendete. Einst schenkte er einem Zitherspieler die Steuern von -vier Städten, und Köchen gab er für ein gutes Gericht reiche Häuser -und Güter. Seine Lust an ausschweifenden Genüssen erreichte aber den -höchsten Grad, als es der ägyptischen Königin +Kleópatra+ gelungen war -ihn, wie einst den Cäsar, in ihre Netze zu ziehen. - -Diese Königin hatte es mit Brutus und Cassius gehalten und wurde -deshalb von Antonius zur Rechenschaft gezogen. Sie kam, aber nicht als -Angeklagte, sondern, um Antonius durch ihre Reize zu gewinnen, in dem -Aufzuge der Göttin Venus. Auf einem vergoldeten Schiffe mit silbernen -Rudern und purpurnen Segeln fuhr sie an der Küste Ciliciens, bei der -Stadt Tarsos, den Kydnosfluß herauf. Als Venus gekleidet, saß sie in -der Blüte der Schönheit unter einem goldgewirkten Zelte; zierliche -Knaben als Liebesgötter fächelten ihr Kühlung zu, schöne Jungfrauen -bedienten sie, während andere als Meergöttinnen die Ruder unter dem -Klange von Flöten und Harfen bewegten, und angezündetes Räucherwerk den -lieblichsten Duft verbreitete. Anstatt vor Antonius zu erscheinen, lud -sie ihn zu sich zum Mahle. Er kam, und von dieser Zeit an lebte er mit -Kleopatra in einem steten Taumel von Lüsten und ließ sogar die Parther -ungestraft in Syrien einbrechen. - -Durch solche Aufführung gab Antonius gegründeten Anlaß zu Klagen und -Beschwerden, und sein Verhältnis zu Octavianus, das nie aufrichtig -gewesen war, da jeder nur den andern zu verdrängen und sich zum -Alleinherrscher zu machen suchte, wurde immer gespannter und -feindseliger. Nur die Vermählung des Antonius mit des Octavianus -tugendhafter Schwester Octavia vermochte die Eintracht auf kurze Zeit -wieder herzustellen. - -Während Antonius die Zeit am üppigen Hofe Kleopatras vergeudete, war -Octavianus in rastloser Tätigkeit. Sextus Pompejus, der Sohn des großen -Pompejus, Octavians tüchtigster Helfer in Krieg und Frieden, der an der -Spitze einer Piratenflotte Italien und das westliche Meer jahrelang -beunruhigte, ward endlich von +Agrippa+ in der Seeschlacht bei Messāna -völlig besiegt und zur Flucht nach Asien gezwungen, wo er gefangen und -hingerichtet wurde. Auch den unbedeutenden Lepidus wußte Octavianus auf -die Seite zu schieben, als dieser an der Spitze von zwanzig Legionen -Sicilien verlangte. Er ging nach Messana und begab sich in das Lager -des Lepidus, wo es ihm bald gelang dessen Heer abwendig zu machen. Als -nun Lepidus sah, wie sein ganzes Heer zu Octavianus überging, warf er -sich diesem zu Füßen und flehte um Gnade. Octavianus verachtete ihn zu -sehr; er schenkte ihm Leben und Freiheit und ließ ihm die Würde des -Oberpriesters bis an sein Lebensende. - -Nun war das Triumvirat zu einem Duumvirat geworden; aber auch die -Verbindung zwischen Octavianus und Antonius eilte ihrer Auflösung -entgegen und verwandelte sich bald in offenen Bürgerkrieg. Die -Veranlassung dazu war, daß Antonius, der mit Kleopatra fortwährend ein -schwelgerisches Leben führte, seine edle Gemahlin Octavia verstieß. Da -erklärte der Senat den Krieg gegen Kleopatra, der Antonius natürlich -Beistand leistete. Dieser Krieg wurde durch die Schlacht bei +Aktium+ -(am Eingange des Meerbusens von Arta) entschieden (31 v. Chr., am 2. -September), und dadurch der Untergang der Republik in eine Monarchie -eingeleitet, an deren Spitze der Sieger, Cäsar, trat. - -Die Kriegsmacht des Antonius bestand aus 100000 Mann zu Fuß nebst -12000 Reitern, sowie aus einer Flotte von 500 Schiffen, die von -ungewöhnlicher Größe und deshalb für den Kampf in engen Gewässern zu -schwerfällig waren. Octavians Landheer betrug 80000 Mann zu Fuß mit -12000 Reiter, und seine Flotte bestand aus 250 kleinen Schiffen, die -aber leicht beweglich und trefflich bemannt waren. Vor allem kam es -ihm sehr zustatten, daß der bewährte Seeheld +Agrippa+ sie befehligte. -Des Antonius Schiffe bildeten einen dichten Wall, den die Feinde lange -Zeit vergeblich zu durchbrechen suchten. Endlich gelang es doch und es -entstand eine Öffnung in die Octavians Schiffe eindrangen. Bei diesem -Anblick fuhr Kleopatra, die mit ihren Schiffen hinter der Schlachtreihe -gehalten hatte, davon, und Antonius, der ihr Schiff an dem Purpursegel -erkannte, segelte ihr eiligst nach. Die Flotte kämpfte noch fort; -zuletzt aber mußten sich die Schiffe, ihres Führers beraubt, ergeben. -Das dem Antonius treu ergebene Landheer wartete noch sieben Tage auf -seine Rückkehr, dann streckte es auch die Waffen und ergab sich dem -Sieger. Dieser gründete später an der Stelle, wo sein Lager gestanden -hatte, zu dauernder Erinnerung an den entscheidenden Sieg, die Stadt -Nikópolis (Siegstadt) und stiftete in Rom zu jährlicher Feier die -Aktischen Kampfspiele. - -Im folgenden Jahre zog Octavianus gegen Ägypten, wo Antonius und -Kleopatra ihr üppiges Leben fortgeführt hatten. Von allen seinen -Truppen verlassen, empfing jetzt Antonius von der Königin, die sich -seiner zu entledigen wünschte, die Nachricht, sie habe sich getötet. -Da wollte auch er nicht länger leben und durchbohrte sich mit seinem -Schwert. Als er aber, in seinem Blute liegend, hörte, daß sie noch -lebte, verlangte er zu ihr gebracht zu werden. An Stricken wurde er in -das obere Stock des Grabgebäudes hinaufgezogen, in das sie sich begeben -hatte, und starb in ihren Armen. Nun versuchte die listige Kleopatra -auch den siegreichen Cäsar durch ihre Reize zu berücken. Als ihr dies -nicht gelang und er merken ließ, daß er sie zu seinem Triumph aufspare, -beschloß sie zu sterben. Man fand sie entseelt auf einem Ruhebette -liegend, im königlichen Schmuck; an ihrem Arme wollte man feine Stiche -bemerken, die entweder von Nadeln oder von giftigen Nattern herrührten. -Octavianus ließ sie mit königlichen Ehren bestatten. - -Der Sieger machte Ägypten zu einer römischen Provinz und feierte nach -seiner Rückkehr in Rom einen dreifachen Triumph (29). Er bezahlte seine -Schulden, belohnte seine Krieger mit Land und Geld, und suchte auch das -Volk durch reiche Gaben für seine neue Herrschaft zu gewinnen. - - - - -XXIX. - -Cäsar Octavianus als Augustus. - - -=1. Augustus’ Regierung= (30 v. Chr. bis 14 n. Chr.). - -Wenngleich nun Octavianus durch die Siege über alle seine Gegner -und an der Spitze eines erprobten und unbedingt ergebenen Heeres -der wirkliche Beherrscher des römischen Reiches war, so war er klug -genug die bisherigen Rechte des Senates und des Volkes wenigstens -der Form nach bestehen zu lassen, und mit dem Senat eine Verfassung -zu vereinbaren, die ihm selbst zwar nicht den Namen, aber die Gewalt -eines wirklichen Monarchen verlieh. Anfangs zwar hatte er im Senate -erklärt die Obergewalt niederlegen zu wollen, aber nur zum Schein. Der -Senat, den er von allen unwürdigen oder feindlich gesinnten Mitgliedern -gereinigt und auf die Zahl von 600 Senatoren beschränkt hatte, war -auf dieses Gaukelspiel vorbereitet; er drang mit Bitten in ihn die -Regierung doch länger zu behalten und Oberhaupt des Reiches zu bleiben. -Lange sträubte sich Octavianus, endlich versprach er, auf inständiges -Bitten der Senatoren, die Regierung über den Staat auf zehn Jahre -weiter zu übernehmen. Dieses Spiel, wobei er sich seine Macht alle zehn -oder fünf Jahre erneuern ließ und sie mit scheinbarem Widerstreben -annahm, wiederholte Augustus in der Folge noch mehrmals. So schien -es, als habe er die Alleinherrschaft nicht in gewaltsamer Weise an -sich gerissen, sondern auf gesetzmäßigem Wege erlangt. Die Würden und -Ämter der Republik ließ er zwar bestehen, wußte aber alle mit ihnen -verbundene Gewalt auf sich zu übertragen. Als +Imperator+ führte er -allein den Oberbefehl über die bewaffnete Macht; als dauernder Inhaber -der +tribunicischen+ Amtsbefugnis (~tribunicia potestas~) hatte er -allein das Recht das Volk zu versammeln und ihm Gesetze vorzuschlagen -und wurde persönlich unverletzlich; als erstes und vornehmstes Mitglied -des Senates (~princeps senatus~) hatte er die erste und maßgebende -Stimme bei allen Beschlüssen dieses höchsten Staatsrates. Als diese -neue Ordnung nach längeren Verhandlungen am 1. Januar 27 in Kraft -trat, erhielt er vom Senat und Volk den Beinamen +Augustus+ (der -Erhabene) und wurde damit als erhaben über alle Bürger und göttlicher -Verehrung würdig feierlich anerkannt. Er besaß überdies die Würde des -Oberpriesters (~póntifex maximus~) und übernahm wiederholt das Amt des -Konsuls. Der Monat Sextīlis erhielt ihm zu Ehren den Namen Augustus. -So kam er in den Besitz einer unumschränkten Macht, seine Person war -heilig und unverletzlich und den jährlichen Konsuln blieb wenig mehr -als die damit verbundene äußere Würde und Ehre. Auch das Volk behielt -noch seine Versammlungen, lernte aber unter Festen, Spielen und -Getreidespenden seine Freiheit vergessen. - -Unter Augustus war das römische Reich zu einer ungeheuren Ausdehnung -gelangt, die fast alle Länder des damals bekannten Erdkreises umfaßte. -Außer Italien gehörten dazu Gallien, Spanien, Griechenland, Makedonien, -Thrakien, Kleinasien, Syrien, Ägypten und die ganze Nordküste -Afrikas bis zur Grenze Mauretaniens. Alle diese Völker erkannten -Roms Oberherrschaft an, nur die Parther im Osten und die Stämme der -Germanen hatten sich noch nicht unter das römische Joch gebeugt. Die -Statthalter dieser Provinzen, Prokonsuln oder Proprätoren, wurden teils -von Augustus, teils vom Senat ernannt. An Stelle der alten Bürgerheere -waren allmählich Söldnertruppen getreten, die von nun an zu stehenden -Heeren wurden und an den von Feinden gefährdeten Grenzen, besonders -am Rhein, an der Donau und am Euphrat ihre dauernden Lager hatten. -Im ganzen unterhielt das Reich etwa 25 Legionen von je 6-7000 Mann. -Außerdem standen in und bei Rom 9000 Mann als Leibgarde des Herrschers, -die sog. prätorischen Kohorten, die zum Teil aus Germanen bestanden. -Zwei mächtige Flotten sicherten das Meer, von denen die eine bei -Ravenna im adriatischen, die andere bei Misēnum, nahe bei Neapel, ihren -Standort hatte. - -Nachdem sich Augustus in seiner Macht befestigt hatte, war sein -Streben darauf gerichtet, durch die Wohltaten eines ungestörten -Friedens die Greuel der Bürgerkriege und seine eigenen Grausamkeiten -in Vergessenheit zu bringen. Die Bevölkerung des weiten Reiches -begann sich, dank einer umsichtigen und gerechten Verwaltung, von den -Leiden der langen verwüstenden Kriege zu erholen; Ackerbau, Gewerbe, -Handel blühten auf, und mit dem steigenden Wohlstand gediehen auch -wieder die Künste und Wissenschaften. Die Stadt Rom verschönerte er -durch Aufführung der prachtvollsten Bauten so sehr, daß er sich mit -Recht rühmen konnte, er habe das aus Backsteinen gebaute Rom in ein -marmornes verwandelt. In den Werken der Baukunst wetteiferte mit ihm -der edle +Agrippa+, sein Feldherr, Berater und Schwiegersohn; er -erbaute unter andern prachtvolle Bäder und inmitten derselben einen -riesigen Kuppeltempel, das Pantheon, so genannt, weil er dem Dienste -aller Götter zusammen geweiht wurde. Außer Agrippa war es besonders -der kunstliebende +Mäcēnas+, der Berater und Freund des Kaisers, der -Gelehrte, Geschichtsschreiber und Dichter unterstützte und ihre Werke -belohnte. Dieser Kreis von hochgebildeten Männern, der den Hof des -Kaisers umgab, hat besonders dazu beigetragen, dem augustinischen -Zeitalter den Charakter einer Hochblüte der römischen Literatur und -Kunst zu verleihen. - - -Obschon sich Italien unter Augustus des tiefsten Friedens erfreute, -der nach den zerrüttenden Bürgerkriegen dem erschöpften Lande die -größte Wohltat gewährte, so gemahnten doch einige Verschwörungen, die -gegen des Augustus Leben gerichtet waren, diesen an das Schicksal -seines Großoheims Cäsar. Um so mehr war er darauf bedacht allen Schein -des Machthabers von sich zu entfernen und in allen seinen Handlungen -Mäßigung und Leutseligkeit zu beweisen. Den Senat behandelte er mit -der größten Achtung; in der Stadt sah man ihn nur in der Tracht eines -Senators, ohne daß irgend eine Auszeichnung an den weltgebietenden -Imperator erinnerte. Bei der Rückkehr von einer Reise vermied er -alles Aufsehen und hielt seinen Einzug gewöhnlich zur Nachtzeit. Er -bewohnte ein einfaches Haus auf dem palatinischen Hügel; erst als -dieses abgebrannt war, erbaute er das sogenannte +Palatium+, wovon -das Wort Palast zur Bezeichnung fürstlicher Wohnungen abstammt. Es -bleibt freilich zweifelhaft, ob die Tugenden, die Augustus als Kaiser -entfaltete, in seinem Charakter begründet, oder eine Folge kluger -Berechnung und des heilsamen Rates seiner Freunde waren. Soviel aber -ist gewiß, daß ihn das Volk als seinen Wohltäter liebte, weshalb seine -Zeitgenossen von ihm sagten: „Augustus hätte entweder nie sterben oder -nie geboren werden sollen!“ - -Der viel gepriesene Beherrscher des Reiches mußte, wie um die -Unbeständigkeit alles Menschenglückes zu bestätigen, in seiner Familie -schweren Kummer und Herzeleid erfahren. Seine einzige Tochter +Julia+ -aus seiner dritten Ehe führte ein lasterhaftes Leben, und seine -vierte Gemahlin +Livia+, die ihm zwei Stiefsöhne, den +Tiberius+ und -+Drusus+, zubrachte, ward für ihn die Ursache mancher häuslichen -Sorgen. Die Nachfolge in der Regierung hatte er dem +Marcellus+, einem -hoffnungsvollen Jüngling, dem Sohne seiner Schwester Octavia aus ihrer -ersten Ehe und Gemahl der Julia, zugedacht, aber der Tod raffte diesen -in der Blüte seiner Jahre dahin. Auch zwei Enkel aus der zweiten Ehe -der Julia mit Agrippa sah der Kaiser vor sich ins Grab sinken, während -ein dritter, Agrippa Pósthumus, ihn zwar überlebte, aber blödsinnig und -zur Nachfolge unfähig war. So schwand ihm die Hoffnung die Herrschaft -in seinem eigenen Geschlechte zu erhalten. Er nahm deshalb seinen -Stiefsohn +Tiberius+, den älteren Sohn der Livia aus ihrer früheren -Ehe mit Tiberius Claudius Nero, an Sohnes statt an, und erfüllte damit -einen von Livia lange gehegten und eifrig betriebenen Plan. Tiberius -war ein im Krieg und Staatsgeschäften rühmlich bewährter Mann, und da -er zugleich auf Wunsch des Augustus die Julia, nach dem Tode ihres -zweiten Gatten Agrippa, geheiratet hatte, so stand jetzt niemand der -Thronfolge näher. - -Inzwischen hatten Alter und häusliches Unglück die Kräfte des Kaisers -aufgerieben. Um seine zerrüttete Gesundheit wieder zu stärken, -unternahm er eine Reise nach Campanien. Anfangs war er ungemein munter, -bald aber nahm die Schwäche seines Körpers zu, und er beschloß nach Rom -zurückzukehren. Doch schon zu Nola in Campanien ereilte ihn der Tod. -Als er sein Ende herannahen fühlte, forderte er einen Spiegel, ließ -seine Haare in Ordnung bringen und seine gerunzelten Wangen glätten. -Dann fragte er seine umstehenden Freunde: „Was dünkt euch, habe ich die -Rolle meines Lebens gut gespielt?“ Als sie dies bejahten, fuhr er fort: -„Nun, so klatscht Beifall, denn sie ist ausgespielt!“ Darauf verschied -er, am 18. August, im 76. Jahre seines Lebens und im 41. seiner -Regierung (14 n. Chr.). Sein Leiche ward nach Rom gebracht und daselbst -feierlichst bestattet. - - -2. Kriege gegen die Deutschen. Arminius, Deutschlands Befreier. - -Das Land der Germanen war zu den Zeiten des Kaisers Augustus im Norden -von der Nord- und Ostsee, im Osten von der Weichsel und den Karpathen, -im Süden von der Donau und im Westen vom Rhein begrenzt. Das Land war -rauh und von undurchdringlichen Waldungen durchzogen. Der magere Boden -trug nur Gerste, Hafer und Hanf. In den Urwäldern hauste zahlreiches -Wild, Auerochsen, Renn- und Elentiere, Bären und Wölfe; auf den Felsen -horsteten Adler und Falken. Die Bewohner dieses Landes, die Germanen -oder Deutschen, waren durch blaue Augen und langes blondes Haar vor -anderen Völkern kenntlich und überragten an Leibesgröße und Gliederbau -die Bewohner der südlichen Völker. Schon von früher Jugend an übten -sie sich Schwert, Lanze und Schild zu führen, und der Krieg war ihre -liebste Beschäftigung, an deren Stelle im Frieden die Jagd trat. -Ackerbau und Hauswesen überließen sie den Frauen und Knechten. Obschon -dem Trunk und Spiel leidenschaftlich ergeben, zeichneten sie sich -doch durch die Tugenden der Tapferkeit, Freiheitsliebe, Keuschheit, -Gastlichkeit und vor allem durch Treue aus. Ihre Götter verehrten sie -nicht in Tempeln, sondern im stillen Dunkel heiliger Eichenhaine; -dorthin wallfahrtete das Volk; dort opferte der Oberpriester im Namen -des gesamten Volks, und großes Gewicht legte man auf die Weissagungen -kluger Frauen. - -Da die Germanen beständige Einfälle in das den Römern unterworfene, -an Wohlstand und Gütern aller Art viel höher entwickelte Gallien -machten, so ließ Augustus endlich seinen jüngeren Stiefsohn +Drusus+ -sie in ihrem eigenen Lande angreifen. Vier Jahre nach einander, 12-9 -v. Chr., machte Drusus Heerzüge in das Land der Germanen, legte -jenseits des Rheines eine Reihe von Kastellen an, und drang von -dort bis zur Elbe vor. Als er schon im Begriff stand diesen Fluß zu -überschreiten, soll ihm eine germanische +Wole+ oder weise Frau von -übermenschlicher Gestalt auf dem jenseitigen Ufer zugerufen haben: -„Wohin, Unersättlicher? Nicht alles zu sehen ist dir vom Schicksal -beschieden. Kehre um, denn schon bist du am Ziele deiner Taten und -Tage.“ - -Nach Errichtung eines Siegeszeichens an diesem Strom beschleunigte -Drusus seinen Rückweg. Auf diesem aber stürzte er mit dem Pferde, brach -den Schenkel und starb dreißig Tage darauf in den Armen seines Bruders -Tiberius, der auf die Nachricht von seinem Unfall herbeigeeilt war. - -Nach seinem Tode übernahm Tiberius den Oberbefehl. Mehr durch Klugheit, -indem er die Zwietracht unter den deutschen Stämmen nährte, als durch -offene Schlachten suchte er die Deutschen allmählich zur Unterwerfung -zu bringen. Und er tat dies mit solchem Erfolg, daß die Römer das -Land zwischen dem Rhein und der Weser schon als eroberte Provinz -betrachteten und alsbald auch römische Gesetze, Sprache und Sitten -einzuführen begannen. - -Von seinen Nachfolgern ließ es sich besonders der Statthalter -+Quinctilius Varus+ angelegen sein das römische Gerichtswesen in -Anwendung zu bringen. Und weil er anfangs überall Willfährigkeit zu -bemerken glaubte, so wähnte er die neuen Einrichtungen in aller Ruhe -durchführen zu können. Aber mit tiefer Entrüstung sahen die Germanen, -wie ihnen ihre altheimischen Volksgerichte und ihre freie Gauverfassung -entzogen, wie sie nach fremdem Rechte in fremder Sprache und von -fremden Richtern verurteilt, wie sie mit Rutenstreichen mißhandelt, ja -mit der Todesstrafe belegt wurden. - -Am meisten empört über die Herrschaft fremden Rechts und fremder Sitte -waren die Cherusker und unter ihnen vorzüglich +Arminius+ (Hermann?), -der Sohn +Segimers+, eines Cheruskerfürsten. Er hatte in römischen -Kriegsdiensten gestanden, wie viele seiner Volksgenossen, und dort als -Anführer einer cheruskischen Söldnerschar das römische Bürgerrecht -und die römische Ritterwürde erlangt, aber auch die unersättliche -Eroberungssucht und die Unterjochungskünste der Römer kennen gelernt. -Jetzt, da Roms Absicht, die freien Germanen dem Reiche einzuverleiben, -nahezu erfüllt schien, fühlte sich Arminius zum Retter seines Volkes -berufen, und entwarf mit andern cheruskischen Edlen den Plan der -Befreiung. - -Sorglos waltete Varus in Germanien; die scheinbare Willfährigkeit der -deutschen Häuptlinge hatte ihn sicher gemacht, und am allerwenigsten -besorgte er von seiten des Arminius eine Gefahr, dem er solches -Vertrauen schenkte, daß nicht einmal die Warnungen des +Segestes+, -eines andern Cheruskerfürsten und Oheims des Arminius, bei ihm Eingang -fanden. Während er an dem linken Ufer der Weser ein vergnügliches -Lagerleben führte, erhielt er plötzlich Kunde von dem Aufstande eines -benachbarten Stammes. Sofort traf er Anstalten zum Aufbruch und -ließ sich bei einem Gastmahl von den cheruskischen Häuptlingen das -Versprechen des Zuzugs wiederholen. Zwar machte ihn Segestes noch am -Tage vor dem Aufbruch mit der ganzen Gefahr bekannt; aber Varus, der -wohl wußte, daß zwischen Segestes und Arminius bittere Feindschaft -bestand, weil dieser jenem seine Tochter +Thusnelda+ entführt und wider -seinen Willen zu seiner Ehefrau gemacht hatte, schenkte ihm keinen -vollen Glauben. Eine höhere, den Germanen günstige Macht schien seinen -Sinn geblendet zu haben, daß er jählings in das bereitete Verderben -fiel. - -Unter dem Vorwande, dem Prokonsul ihre Scharen zuführen zu wollen, -trennten sich die germanischen Fürsten von ihm; daheim aber riefen -sie die Ihrigen zur Freiheit. Von Gau zu Gau erscholl der Ruf und -riß alle mit sich fort. Selbst Segestes, der Römerfreund, mußte sich -anschließen, während sein Sohn Segimund, ein Priester, die heilige -Binde zerriß und zu dem Freiheitskampfe eilte. - -Nichts schlimmes ahnend, zog das Römerheer unter Varus, ohne strenge -Ordnung, mit großem Troß und Gepäck, in langem Zuge durch Wald und -sumpfiges Gelände, wo erst Wege durch das Dickicht gebahnt und Gewässer -überbrückt werden mußten. Bald lockerten anhaltende Regengüsse den -Boden so sehr, daß Roß und Mann einsank und allgemeine Erschöpfung -eintrat. Plötzlich brachen die Germanen, anfangs einzeln, dann in -Haufen von allen Seiten aus dem Dickicht hervor und griffen die vom -Wege und Wetter erschöpften Römer an. Unter schweren Kämpfen erreichte -das Heer endlich eine lichte Stelle, wo der Angriff nachließ und ein -Lager zur Nachtrast geschlagen werden konnte. - -Am folgenden Morgen ging der Zug weiter. Kaum hatten die Legionen den -+Teutoburger Wald+ erreicht, so wurden sie von neuem auf allen Seiten -angefallen, und mit Mühe gelangten sie am Abend wieder an einen Platz, -wo einige Ruhe die Ermüdeten erquickte. Aber auch am dritten Morgen -wiederholte sich der Regensturm und der Angriff der Feinde. Die vom -Regen erschlafften Bogensehnen versagten, und die schwere Bewaffnung -empfand man als verdoppelte Last, während die leichtbewaffneten, mit -ihrem Boden und Klima vertrauten Deutschen weniger gehemmt waren. -Zwischen den Quellen der Lippe und Ems war die germanische Hauptmacht -versammelt; hier kam es zum letzten Kampfe. Vor dem ungestümen -allgemeinen Angriff weichen die erschöpften Legionen; ihre Reiter -werfen sich in Flucht; ihre Adler werden genommen. Varus selbst, als er -alles verloren sah, stürzte sich in sein Schwert, um die Schande nicht -zu überleben; die noch übrigen Römer erlagen dem Schwerte der Germanen, -und nur wenige entkamen. - -Die Rache der erbitterten Sieger schonte auch der Gefangenen nicht: die -vornehmsten Kriegshauptleute wurden an den Altären der Götter geopfert. -Vorzüglich aber kehrte sich die Wut der Germanen gegen die römischen -Richter und Sachwalter, die unter grausamen Martern getötet wurden. Der -Leichnam des Varus wurde zerfleischt, sein Kopf von Arminius an Marbod, -dem Könige der Markomannen in Böhmen gesendet, der sich eigensüchtig -von dem Freiheitskampf ferngehalten hatte. Von den Gefangenen, die zu -Leibeigenen gemacht wurden, hat mancher ehemalige Ritter oder Senator -als Hausknecht oder Viehhüter eines deutschen Bauern seine übrige -Lebenszeit zubringen müssen. - -Diese +Hermannsschlacht+, im Jahre 9 n. Chr., vernichtete eines der -tapfersten und geübtesten römischen Heere, das mit den Hilfstruppen -auf 40000 Mann geschätzt wird. Als die Schreckensnachricht von der -Niederlage nach Rom gelangte, geriet alles in größte Bestürzung. Schon -glaubte man das linke Rheinufer samt Belgien und Gallien verloren und -Italien bedroht; selbst Augustus verlor anfangs die Fassung so sehr, -daß er, im Schmerz sein Gewand zerreißend, ausrief: „Varus, Varus, gib -mir meine Legionen wieder!“ Mit ängstlicher Hast, als ob der Feind -schon gegen Rom heranzöge, wurden alle Germanen und Gallier aus der -Stadt entfernt und die deutsche Leibwache auf Inseln abgeführt. Allein -die Sieger dachten nicht an Eroberung; sie zerstörten alle Denkmale -römischer Knechtschaft, und kehrten dann wieder an ihren Herd zurück. - -Tiberius eilte an den Rhein, um dem erwarteten Einbruch der Germanen -zu wehren, beschränkte sich aber klüglich auf die Befestigung der -römischen Herrschaft an diesem Strom. Jedoch unmittelbar nach Augustus -Tod begann des Drusus Sohn, +Germánicus+, der Nachfolger des Tiberius -im Oberbefehl am Rhein, den Eroberungsversuch zu wiederholen. Viermal -in drei Jahren drang er in Germanien ein (14-16 n. Chr.) Im zweiten -dieser Feldzüge hatte er das Land der Chatten (Hessen) verwüstet und -war schon auf dem Rückzuge begriffen, als ihn der alte Römerfreund -Segestes zur Hilfe gegen Arminius rief. - -Segestes nämlich hatte seine Tochter +Thusnelda+, des Arminius -Gemahlin, in dessen Abwesenheit wieder in seine Gewalt gebracht, und -ward deshalb von seinem Eidam hart bedrängt. Sogleich kehrte Germanicus -um und zwang durch einen Überfall den Arminius zur Aufhebung der -Belagerung, worauf sich Segestes samt seiner Tochter in den Schutz der -Römer gab. Bei dieser Übergabe schritt Thusnelda, ihrem Gatten, nicht -ihrem Vater ähnlich, ohne Tränen, ohne Worte, die Hände unter der Brust -gefaltet, mit gesenktem Blicke einher. In der Gefangenschaft gebar sie -den +Thumélicus+, der späterhin zu Ravenna erzogen ward und dessen -weiteres Schicksal unbekannt blieb. Arminius und Thusnelda sahen sich -nie wieder. - -Auf die Nachricht von des Segestes Übertritt und Thusneldas -Gefangenschaft durchflog Arminius mit der Wut der Verzweiflung die -cheruskischen Gaue und rief alle seine Bundesgenossen zur Rache auf -gegen die Römer, die, sagte er, sich nicht schämten den Krieg durch -Verrat und gegen schwache Weiber zu führen. So gelang es ihm wieder -einen großen Bund der nordgermanischen Stämme gegen die Römer zustande -zu bringen. - -Um einem Angriffskriege der Germanen zuvorzukommen, eröffnete -Germanicus den dritten Feldzug, in dem er bis zum Teutoburger Walde -vordrang. Mit seinem ganzen Heere langte er bei der Walstatt der -Varusschlacht an, wo seit sechs Jahren die römischen Krieger noch -unbegraben lagen. Mit Grauen sahen die Römer die bleichenden Gebeine -der Gefallenen, dazwischen zerbrochene Waffen, Pferdegerippe, an den -Baumstämmen angenagelte Schädel, auf Altären die Reste der Geopferten. -Einige, die damals der Schlacht entkommen und jetzt zugegen waren, -zeigten die Stellen, wo die Legaten gefallen, wo die Adler genommen, -wo Varus verwundet, wo die Gefangenen geschlachtet worden waren. -Germanicus ließ alle Gebeine in ein gemeinsames Grab sammeln und legte -selbst den ersten Rasen zu dem Erdhügel, der es decken sollte. - -Während er auf einen sicheren Sieg seiner von Rachedurst entflammten -Legionen hoffte, zogen sich die Germanen in die Wälder zurück, aus -denen sie dann hervorbrachen und den Rückzug der Feinde beunruhigten. - -Auf seinem vierten Feldzuge rückte Germanicus bis an die Weser, auf -deren rechtem Ufer die Cherusker standen. Hier forderte Arminius -seinen Bruder +Flavius+, der im römischen Heere diente, zu einer -Unterredung auf, die von beiden Ufern aus gehalten wurde. Zunächst -suchte Flavius, der im Dienste der Römer reichen Lohn und Ehre -erhalten, aber ein Auge verloren hatte, den Bruder durch Aufzählung -aller Vorteile auf die Seite der Römer zu ziehen. Aber Arminius -erinnerte den Entarteten an die uralte Freiheit, an die heimischen -Götter, an den Schmerz der Mutter, an die Pflicht gegen sein Vaterland, -und beschwor ihn nicht der Verräter, sondern der Führer seines Volkes -sein zu wollen. So leidenschaftlich und vorwurfsvoll ward schließlich -die hin- und herschallende Rede, daß Flavius nach Roß und Waffen rief -und es zwischen den Brüdern, ungeachtet sie der Fluß trennte, zum -Zweikampf gekommen wäre, wenn nicht ein römischer Befehlshaber ihn -diesseits des Stromes zurückgehalten hätte. - -Nachdem Germanicus den Übergang über die Weser bewerkstelligt hatte, -traf er auf die vereinigte Macht der Germanen und brachte ihnen in -einer Ebene, +Idistavisus+ (Feenwiese?) genannt, oberhalb der heutigen -Stadt Minden, unter eigenem schweren Verlust, eine Niederlage bei. -Allein der Mut und die Kraft der Germanen war dadurch nicht gebrochen. -Empört über den Anblick der römischen Siegeszeichen, stand alles Volk -ringsum auf; hoch und niedrig, jung und alt griff zu den Waffen, und -so kam es zu einer zweiten Schlacht am Steinhudermeer. Furchtbar -wütete hier das Schwert der Römer; aber auch die Germanen fochten mit -dem Mut der Verzweiflung; Arminius selber ward verwundet. Daß sie -gewichen wären, wird nicht berichtet, obschon die Römer sich den Sieg -zuschrieben. - -Schon gedachte Germanicus im folgenden Jahre doch noch die stolzen -Cherusker zu demütigen, als ihn Tiberius, nicht etwa aus Neid auf -seinen Kriegsruhm, wie die Gegner des Kaisers raunten, sondern aus -der Überzeugung von der Erfolglosigkeit dieser Unternehmungen, vom -Oberbefehl abrief, mit der Bemerkung, es sei genug getan und gelitten, -mit Klugheit richte man gegen diese Feinde mehr aus als mit Gewalt, man -werde sie fortan besser ihrer eigenen Zwietracht überlassen. - -Und in der Tat brach die Uneinigkeit derselben bald in einen offenen -Krieg zwischen Arminius und Marbod aus. - -Der Markomannenkönig +Marbod+ hatte sein Volk in das heutige Böhmen -geführt und von hier aus einen Bund mit den anwohnenden Stämmen -gebildet, den er noch immer weiter auszudehnen suchte. Zwischen ihm, -der sich stets von der gemeinsamen Sache der germanischen Freiheit -ferngehalten hatte, und Arminius, der an der Spitze der nordwestlichen -Völker stand, entstand Feindschaft. Es kam zu einer Schlacht, die -unentschieden blieb; aber dennoch bat Marbod den römischen Kaiser -Tiberius um Hilfe, der dann einen Frieden zwischen Cheruskern und -Markomannen zustande bringen ließ. Aber nicht lange, so wußte der -schlaue Tiberius einen gotischen Fürsten zu einem Einfall in das Land -der Markomannen aufzumuntern, der für Marbod so unglücklich endete, -daß er, von allen verlassen, über die Donau fliehen und den Kaiser um -eine Zuflucht bitten mußte. Die Stadt Ravenna wurde ihm als Aufenthalt -angewiesen; dort lebte er noch achtzehn Jahre vom römischen Gnadenbrot -und beschloß sein Leben als ein vergessener Mann. - -Nicht lange nachher wurde auch Arminius ein Opfer der inneren -Zwietracht. Er fiel durch den Verrat seiner Verwandten, die, -eifersüchtig auf seinen Ruhm, ihm Streben nach Alleinherrschaft -vorwarfen. - -Von ihm urteilt der römische Geschichtsschreiber Tacitus: „Ohne Zweifel -ist er der Befreier Germaniens gewesen. Er hat nicht, wie andere Könige -und Feldherren, das römische Volk in seinen Anfängen, sondern in -seiner ganzen Machtherrlichkeit bekämpft, und ist zwar in Schlachten -nicht immer sieghaft, im Kriege aber unbesiegt gewesen. Er starb im -37. Jahre seines Lebens, im zwölften seiner Feldherrnmacht. Noch -heute wird er bei seinem Volke in Liedern gefeiert.“ Ein kolossales -ehernes Standbild, auf der Höhe der „Grotenburg“, südlich der Stadt -Detmold, im Jahre 1875 in Gegenwart Kaiser Wilhelms I. eingeweiht, ist -ein Zeichen, daß sein Andenken und sein Verdienst um die Erhaltung -deutscher Freiheit und deutscher Stammesart noch heute vom deutschen -Volke dankbar verehrt wird. - - - - -XXX. - -Kaiser Tiberius. - -(14-37 n. Chr.) - - -Augustus hatte dem Tiberius die Nachfolge gesichert. Als sich der Senat -beeilte ihm die Herrschaft zu übertragen, weigerte er sich anfangs -sie zu übernehmen, und lehnte mit anscheinender Bescheidenheit und -Höflichkeit die dargebotenen Würden ab. Aber die Senatoren, welche die -heuchlerische und versteckte Art seines Wesens und Redens kannten, -ließen mit Bitten und Schmeicheleien nicht ab, bis er die Herrschaft -übernahm. Nachdem die Vergötterung des Augustus, kraft welcher dieser -den Beinamen „der Göttliche“ (~Divus~) erhielt, den oberen Göttern -zugezählt und in eigenen Tempeln und durch eigene Priester verehrt -ward, stattgefunden hatte, ward die Fülle aller Würden und Ehren, die -jener besessen, auf den Tiberius übertragen. Unter ihm fielen die -Volksversammlungen, die unter Augustus nur selten und bloß zum Schein -berufen worden waren, völlig weg; ihre Befugnisse wurden dem Senate -zugewiesen. - -Tiberius führte die Regierung mit Kraft und Umsicht, und die ersten -neun Jahre derselben verdienen volle Anerkennung; nur seiner -Familie und dem Senate gegenüber zeigte er ein argwöhnisches und -zurückhaltendes Wesen. Darin mochte ihn, außer früheren verbitternden -Erfahrungen -- er hatte sich auf Augustus’ Verlangen von seiner -geliebten Vipsania, Agrippas Tochter, scheiden und die lasterhafte -Julia, des Kaisers Tochter und Agrippas Witwe heiraten müssen -- die -heimliche Anfeindung bestärken, die er von den Anhängern des Germanicus -und dessen stolzen und ehrgeizigen Gemahlin Agrippina erfuhr. Diese -war als Tochter der Julia eine Enkelin, Germanicus, durch seine Mutter -Antonia und Großmutter Octavia ein Großneffe des Augustus. Beide sahen -den Tiberius als Eindringling in die ihnen gebührenden Thronrechte -an. Zwar hatte dieser seinen Neffen Germanicus auf Wunsch des alten -Kaisers als Sohn adoptiert und ihm dadurch die Nachfolge gesichert. -Auch behandelte er ihn mit großer Nachsicht und Schonung. So hatte er -ihn zwar aus Germanien abberufen, weil seine eigenmächtigen Feldzüge -gegen die Deutschen ohne alle bleibenden Folgen waren, hatte ihm aber -doch einen glänzenden Triumph bewahrt, bei welchem des Arminius Gattin -Thusnelda mit ihrem dreijährigen Söhnlein mit aufgeführt ward. Da sich -aber die Vorliebe des Volkes für den Germanicus zu deutlich kundgab, -so suchte ihn der argwöhnische Tiberius aus den Augen des Volkes zu -entfernen. Zu diesem Zweck übergab er ihm den Oberbefehl in Asien, um -dort die gestörte Ruhe wieder herzustellen. Daneben beauftragte er -den Calpurnius Piso mit der Statthalterschaft von Syrien, der dort, -angeblich den geheimen Weisungen des Kaisers gemäß, den Befehlen des -Germanicus stets zuwiderhandelte. Dieser reiste daher nach Syrien -und bestrafte den ungehorsamen Piso mit Verweis und Entfernung. Als -er gleich darauf in schweres Siechtum fiel, entstand der Verdacht, -daß er durch Pisos und vielleicht sogar auf des Kaisers Anstiften -ein zehrendes Gift getrunken habe. Seine Gattin Agrippina teilte und -verbreitete diesen Verdacht. In ihren Armen starb Germanicus, fern -von Rom, im Jahre 19 v. Chr. Ganz Italien wurde bei dieser Nachricht -mit Trauer erfüllt, und die mit der Asche ihres Gatten zurückkehrende -Agrippina zu Rom vom Volke mit der größten Teilnahme empfangen. Piso -wurde zur Verantwortung gezogen, aber noch vor der Entscheidung seiner -Sache ward er eines Morgens, von einem Schwert durchbohrt, auf dem -Boden seines Gemachs gefunden. So blieb das Dunkel, das auf dem Tode -des Germanicus ruhte, unaufgeklärt. Agrippina aber und die Freunde -ihres Gatten ließen nicht ab in geheimen Umtrieben die Schuld seines -Todes auf den Kaiser zu wenden. - -Diese gehässige Feindschaft und Verleumdung trug dazu bei, des Kaisers -angeborene Neigung zu Argwohn und Menschenverachtung zu steigern. Die -Anklagen wegen Majestätsbeleidigung, die schon unter Augustus nicht -selten gewesen waren, wurden seit dieser Zeit immer häufiger. Jede -unvorsichtige Äußerung des Unwillens oder Tadels gegen die Person des -Kaisers, jeder zweideutige Ausdruck wurde von dem immer gefügigeren -Senat mit Verbannung oder Tod bestraft, und da die Angeber belohnt -wurden, so warfen sich viele verworfene Menschen mit Eifer auf dies -abscheuliche Gewerbe. - -So mißtrauisch Tiberius war, so wußte ihn doch sein Günstling +Älius -Sejanus+, der Befehlshaber der Prätorianer, mit listiger Schmeichelei -und dem Schein unbedingter Treue zu umstricken. Auf seinen Vorschlag -wurden sämtliche Abteilungen dieser Garden in einem festen Standlager, -dicht unter den Mauern Roms, vereinigt. Von dieser Zeit an konnte sich -der Kaiser dieser Truppen zur Durchführung jeder gewaltsamen Maßregel -bedienen, und der Befehlshaber dieser Prätorianer ward nach dem Kaiser -die wichtigste und mächtigste Person des Staates. - -Acht Jahre lang (23-31) stand der sonst gegen jedermann argwöhnische -Kaiser unter dem Einfluß dieses Günstlings, dem er auch die -Leitung der Regierung vertrauensvoll überließ. Er selber, in -stolzer Menschenverachtung, müde der niedrigen und eigensüchtigen -Unterwürfigkeit des Senates und des Volkes, hatte sich auf der einsamen -Felseninsel Capreä (Capri), am Eingang des herrlichen Busens von -Neapel, prächtige Schlösser gebaut, und lebte dort, fern vom Gewühl -der Hauptstadt, seinen Neigungen. Aber auch dorthin verfolgte ihn die -hämische Verleumdung und erzählte von unerhörten Ausschweifungen, denen -sich der alternde Kaiser auf seiner Insel ergäbe. - -Inzwischen schaltete Sejanus in Rom mit unumschränkter Gewalt. -Seine Bildsäulen standen allenthalben neben denen der kaiserlichen -Familienglieder. Bereits hatte er des Kaisers Sohn und Nachfolger -+Drusus+ durch Gift aus der Welt geschafft, und gegen die Familie des -verstorbenen Germanicus wütete er mit Verbannung und Einkerkerung. -Agrippina ward mit einem ihrer drei Söhne auf eine öde Insel verbannt, -ein anderer wurde in einem Kerker eingeschlossen. Als er aber endlich -seine Hand auch nach dem Throne ausstreckte, da wurden dem Tiberius -die Augen über seinen Günstling geöffnet. Er ernannte in der Stille -einen neuen Befehlshaber der Garden, und dieser legte eines Tages dem -Senat den kaiserlichen Befehl zur Verhaftung des ahnungslosen Sejanus -vor. Nicht nur der gefallene Günstling ward hingerichtet, sondern -Tiberius ließ auch seine Kinder, Verwandten und Anhänger in großer Zahl -umbringen. - -Denn nach dieser neuen bitteren Erfahrung verdüsterte sich der Sinn -des Kaisers immer mehr. Jetzt erst ward er wirklich grausam und -blutdürstig. Fast täglich fielen vornehme Männer und Frauen als Opfer -schändlicher Angeberei; mancher nahm, um einer martervollen Hinrichtung -zu entgehen, sich lieber selbst das Leben. Agrippina und zwei ihrer -Söhne mußten im Kerker den Hungertod sterben. Von der Familie des -Germanicus blieben, außer den Frauen, nur +Claudius+, sein Bruder, -und sein jüngster Sohn, +Gajus Caligŭla+, übrig. Endlich erkrankte -der 78jährige Tyrann auf seiner Insel und fiel in eine todähnliche -Ohnmacht, worauf sogleich die ganze Umgebung den jungen +Gajus+ den -Tiberius an Sohnes Statt angenommen hatte, als neuen Kaiser begrüßte. -Aber Tiberius kam wieder zu sich, und nun schien Gajus verloren. Da -faßte Macro, wie erzählt wurde, der Befehlshaber der Prätorianer, einen -raschen Entschluß; er ließ Polster und Decken auf den Kranken werfen -und ihn darunter ersticken. - - - - -XXXI. - -=Die Kaiser Gajus Caligula= (37-41) =und Tiberius Claudius= (41-54). - - -Gajus, der jüngste Sohn des Germanicus und der Agrippina, hatte, da -er mit seiner Mutter als Kind im Feldlager seines Vaters am Rhein -lebte, von den Soldatenstiefelchen (~caligae~), die er trug, von den -Soldaten den Beinamen +Caligula+ erhalten. Ihm allein war es gelungen -durch den Schein kindlicher Demut und Liebe das Herz des Tiberius -zu gewinnen, und als er nach dem Tode des alten Despoten als junger -Kaiser in Rom erschien, jauchzte ihm alles Volk wie einem Erlöser aus -harter Knechtschaft entgegen. In der Tat schien er anfangs die auf ihn -gesetzte Hoffnung erfüllen zu wollen. Er stellte die Untersuchungen -gegen die Verfolgten ein, wies die Angeber zurück, und machte sich -durch Freigebigkeit beliebt. Aber schon nach wenigen Monaten zeigte er -seine wahre Natur. Er erwies sich in Wirklichkeit als der schreckliche -Tyrann und ausschweifende Lüstling, für den Tiberius so lange gegolten -hatte. So sehr ging sein Tun und Denken gegen alle Vernunft, daß man -ihn für wahnsinnig halten mußte. In solchem Wahnsinn verfiel er auf -die grausamsten Handlungen. Den ungeheuren Schatz von 420 Millionen -Mark, den sein sparsamer Vorgänger gesammelt hatte, verschwendete er -gleich im ersten Jahre seiner Regierung. Über die Meeresbucht zwischen -Bajä und Putéoli, unweit des heutigen Neapels, eine Stunde weit, baute -er eine Schiffbrücke und legte auf derselben eine Kunststraße an mit -Häusern auf beiden Seiten, bloß um einmal in einem Prachtzuge darüber -fahren und sagen zu können, er habe das Meer in Land verwandelt. -Seinem Leibpferde Incitatus, dem er die Würde eines Konsuls zugedacht -hatte, ließ er einen Palast mit Hofhaltung einrichten, es mit -vergoldetem Hafer füttern, ja sogar an seiner eigenen Tafel fressen. -Als er durch solche wahnsinnige Streiche, durch Volksspeisungen und -öffentliche Spiele den Schatz vergeudet hatte, zwang er, um wieder Geld -aufzubringen, die Reichen die Kosten der öffentlichen Spiele zu tragen -und ihm große Geschenke und Vermächtnisse zu machen. Viele ließ er -hinrichten, um ihr Vermögen einzuziehen; er drückte die Reichen durch -eine Menge von Steuern und errichtete endlich eine Spielbank, wobei er -selbst den falschen Spieler machte. Seiner Grausamkeit wurden viele -Menschen geopfert; manche ließ er lebendig zersägen, andere den wilden -Tieren vorwerfen, ja bei den Tierhetzen, wenn gerade keine Verbrecher -mehr da waren, Zuschauer ergreifen und den Tieren preisgeben. In seinem -Blutdurste wünschte er, daß das ganze römische Volk nur +einen+ Kopf -haben möchte, um ihn mit einem Streich abschlagen zu können. Sein -Wahlspruch war: „Mag man mich hassen, wenn man mich nur fürchtet!“ -(~Odĕrint, dum métuant!~) - -In seiner Eitelkeit wollte er auch als siegreicher Eroberer glänzen. Er -unternahm deshalb sogenannte Feldzüge nach Germanien und Britannien. -Er ließ nämlich von Gallien aus einige germanische Söldner über den -Rhein setzen und sich dort verstecken; dann zog er mit einem Teil -der Reiterei hinüber und brachte sie als Gefangene zurück: das war -sein Sieg über die Germanen! Ebenso stellte er ein ungeheures Heer an -Galliens Nordküste auf, angeblich zum Zuge gegen Britannien, fuhr dann -auf einem Prachtschiff ein wenig ins Meer hinaus, und ließ nach seiner -Rückkehr die Soldaten am Strande Muscheln sammeln, die er nachher als -eine dem Ozean abgenommene Beute samt einer Anzahl Gefangener, die aus -Galliern in germanischer Tracht bestanden, bei seinem Triumph in Rom -aufführte. - -Nachdem er so fast vier Jahre lang gewütet hatte, bildete sich unter -seiner Umgebung, die zuletzt ihres eigenen Lebens nicht mehr sicher -war, eine Verschwörung, und zwei Hauptleute seiner Leibwache ermordeten -den Kaiser samt seiner Gemahlin und seiner Tochter (41). - -Während der Ermordung Caligulas hatte sich sein Oheim +Tiberius -Claudius+ hinter einem Türvorhang versteckt. Ihn zogen jetzt die -Soldaten der Leibgarde hervor und huldigten ihm als Kaiser, wofür -er ihnen eine große Summe Geldes versprechen mußte. Der Senat ward -genötigt ihn anzuerkennen. Wenn auch Claudius in Geschichte und -Sprachen wohl unterrichtet war, so fehlten ihm doch alle Eigenschaften -zur Regierung des Reichs. Er überließ sie Günstlingen und Frauen. -Unter diesen hatten besonders die durch ihren sittenlosen Wandel -berüchtigte +Messalina+, und nach ihrer Hinrichtung die, zwar nicht -sittenlose, aber weit herrschsüchtigere +Agrippina+, eine Tochter des -Germanicus und Schwester des Caligula, großen Einfluß. Da Agrippina den -Sohn des Kaisers von der Messalina, den +Britannicus+, vom Throne zu -verdrängen suchte, um ihrem eigenen Sohn aus erster Ehe, dem Domitius -+Nero+, Platz zu machen, so bewog sie den alten willensschwachen Kaiser -diesen als Sohn anzunehmen. Sobald ihr dies gelungen war, ließ sie -den alten Kaiser durch vergiftete Pilze töten, welche die berüchtigte -Giftmischerin Lacusta bereitet hatte. Daran ward Nero, als der ältere -der beiden Söhne, auf den Thron gehoben. - - - - -XXXII. - -=Nero= (54-68). - - -Nero gelangte im Alter von siebzehn Jahren zur Regierung. Solange -er sich der weisen Leitung des +Burrus+, des Obersten der Garde, -und seines Erziehers, des beredten und geistvollen +Séneca+ hingab, -regierte er ohne Tadel und zeichnete sich durch Bescheidenheit und -Milde, durch Wohltätigkeit und Enthaltsamkeit so sehr aus, daß man die -ersten fünf Jahre (~quinquennium~) seiner Herrschaft das glückliche -Quinquennium des Nero genannt hat. Doch alle diese Tugenden waren nur -die Wirkung des Zwanges und der Verstellung. Länger vermochte der -junge Monarch die Maske der Tugend nicht zu tragen, er warf sie ab und -offenbarte alsbald einen solchen Hang zu Grausamkeit, Eitelkeit und -Heuchelei, daß er ein wahres Ungeheuer von einem Tyrannen wurde. - -Da ihm seine Mutter Agrippina Vorwürfe über seine Ausschweifungen -machte und ihm drohte den jüngeren Stiefbruder Britannicus, an dem -sich treffliche Eigenschaften entwickelten, auf den Thron zu erheben, -so beschloß Nero sofort dessen Tod. Eines Tages ward bei einem -Festmahle ein warmes Getränk umhergereicht, dieses aber dem Britannicus -so heiß gegeben, daß er es nicht trinken konnte. Eiligst wurde kaltes -Wasser zugegossen, das die oben erwähnte Locusta vergiftet hatte. -Kaum hatte Britannicus davon getrunken, als er vor Neros und aller -Gäste Augen leblos niederfiel. „Es ist nichts als die Fallsucht, die -er schon öfters gehabt!“ rief der heuchlerische Nero und ließ die -Leiche wegschaffen, aber gleich in der Nacht auf einem Scheiterhaufen -verbrennen, Agrippina mußte den kaiserlichen Palast räumen und verlor -allen Einfluß. Bald ließ sich Nero durch die schöne, aber lasterhafte -+Poppäa Sabina+ bewegen seine tugendhafte Gemahlin Octavia, die -Schwester des Britannicus, zu verstoßen und seine eigene Mutter zu -ermorden. Burrus und Seneca bebten vor diesem Entschluß zurück, hatten -aber nicht den Mut sich zu widersetzen. Auf den Vorschlag eines -Günstlings wurde in der Nähe von Bajä eine Lustfahrt auf dem Meere -veranstaltet. Bei dieser Gelegenheit sollte Agrippina mit dem Schiffe -versenkt werden. Doch der Anschlag mißlang, Agrippina rettete sich ans -Land, ward aber gleich darauf von gedungenen Mördern in ihrer Wohnung -umgebracht. - -Seitdem von Gewissensangst verfolgt, suchte sich Nero durch den -Taumel wilder Vergnügungen zu zerstreuen. Er scheute sich nicht, um -seiner krankhaften Eitelkeit zu frönen, öffentlich als Wagenrenner, -Zitherspieler, Sänger und Schauspieler aufzutreten, ohne auf die -Mahnungen des Burrus und Seneca Rücksicht zu nehmen. Als Burrus starb -und Seneca sich ganz vom Hofe zurückzog, konnte sich nun Nero ganz -den Einflüsterungen elender Günstlinge hingeben. Seine Verschwendung -war schrankenlos; oft warf er am Schlusse der Feste, die er dem Volke -gab, kleine Kugeln unter dasselbe, auf denen Anweisungen auf Geld, -Edelsteine, Gemälde, Pferde, Äcker und Landgüter standen, die dann dem -glücklichen Erhascher ausgehändigt wurden. Darum mochte ihn sowohl das -Volk, das er durch Spiele und Kornspenden befriedigte, als auch das -Heer, das er reich besoldete, wohl leiden. - -Die größte Greueltat in seiner Regierung war der Brand von Rom. Um sich -eine schönere Hauptstadt bauen zu können, ließ er Rom an verschiedenen -Stellen anzünden; seine Mordbrenner durchzogen die Stadt, drangen mit -Fackeln und Brandstoffen in die Häuser und hinderten die Leute mit -Gewalt am Löschen. Während der Feuersbrunst stand er auf einem Turme -und sah mit grausamer Lust dem furchtbaren Schauspiel zu, indem er -dabei ein Gedicht von Trojas Untergang deklamierte. Durch diesen Brand -ward ein großer Teil der Stadt in Asche gelegt und unsägliches Elend -über die Bevölkerung gebracht, die damals bereits gegen eine Million -betrug. Es war also natürlich, daß sich eine wütende Entrüstung gegen -die Anstifter zu verbreiten begann. Darum suchte er mit teuflischer -Arglist die Schuld auf die Christen zu schieben, die, weil sie sich -von allen öffentlichen, mit heidnischen Gebräuchen verbundenen -Festlichkeiten zurückhielten, dem Volke schon lange verdächtig und -verhaßt waren. Viele derselben wurden als Mordbrenner angeklagt und -verurteilt, ein Teil enthauptet oder gekreuzigt, ein anderer in Felle -wilder Tiere genäht und den Hunden zum Zerfleischen vorgeworfen, andere -mit Pech übergossen und angezündet, um wie Fackeln in langen Reihen -bei nächtlichen Rennspielen zu leuchten. So ward Nero der Urheber der -ersten +Christenverfolgung+. - -Darauf ließ Nero die Stadt neu aufbauen, wobei er ein ganzes Quartier -für sich nahm und daselbst mit verschwenderischer Pracht einen Palast, -das sogenannte +goldene Haus+, bauen ließ, das mit Gärten, Bädern, -Lusthäusern, sogar mit Seen und Wildbahnen umgeben ward. Um die -ungeheuren Kosten zu decken und das Innere auszuschmücken, mußten -alle Provinzen, besonders die Tempel Griechenlands und Asiens, einen -Teil ihrer Geld- und Kunstschätze dazu steuern, und selbst die Heere -ihren Sold entbehren. Dadurch machte er sich allgemein verhaßt, und es -bildete sich eine Verschwörung von Senatoren und Rittern, um ihn zu -stürzen und den edeln +Gajus Piso+ auf den Thron zu setzen. Aber die -Verschwörung wurde entdeckt, Piso gab sich selbst den Tod, und viele -andere wurden hingerichtet Auch Neros Lehrer Seneca wurde, obschon -unschuldig, zum Tode verurteilt. Da man ihm die Gunst gewährte sich -selbst töten zu dürfen, so öffnete er sich die Adern; da aber bei dem -Greise das Blut zu langsam floß, ließ er sich durch die Dämpfe eines -Bades ersticken. Seine treue Gattin teilte freiwillig sein Schicksal. - -Um die Angst seines Gewissens zu betäuben, stürzte sich Nero in -immer neue Zerstreuungen. Er reiste nach Griechenland, wo er in den -Spielen als Sänger und Wagenlenker auftrat. Als die Griechen seine -Kunst bewunderten und ihm den Preis zuerkannten, verkündete er selber -als Herold Griechenlands Freiheit, was ihn jedoch nicht hinderte die -griechischen Tempel zu plündern. Mit 1800 Siegeskränzen geehrt, kehrte -er nach Rom zurück und feierte wegen seiner Kunstsiege einen Triumph. - -Vierzehn Jahre lang hatte Nero auf diese Weise regiert, als sich einige -Statthalter gegen ihn empörten. Noch hätte der Aufstand unterdrückt -werden können, wenn er sich zu entschlossenem Widerstande hätte -aufraffen können. Als es zu spät war, als in Rom selbst der Aufstand -siegte, machte er sich, von allen verlassen, auf die Flucht, um sich -auf einem Landgut bei Rom zu verstecken. Dahin ritt er mit vier -Begleitern in einer sturmvollen Nacht; der Beherrscher der Erde hatte -sich in einen schlechten Mantel vermummt und hielt sich ein Tuch vor -das Gesicht. Zuckende Blitze erleuchteten den Weg. Neros Pferd ward -scheu. Reisende, die ihnen begegneten, fragten: „Was neues von Nero?“ -Einen andern hörten sie sagen: „Die setzen gewiß auch dem Nero nach.“ -So geängstigt erreichte er halbtot das Landgut. Er wagte es nicht durch -den gewöhnlichen Eingang in das Haus zu kommen, und bis man ihm eine -Öffnung durch die Mauer gebrochen hatte, versteckte er sich im Schilf -und schöpfte sich, von Durst gequält, mit der Hand Wasser aus einer -Pfütze. Am folgenden Tage erhielt er die Nachricht, der Senat habe ihn -als einen Feind des Vaterlandes geächtet, der, wenn man ihn fände, nach -der Sitte der Vorfahren hingerichtet werden sollte. Seine Begleiter -forderten ihn dringend auf dieser Schande zuvorzukommen; er versuchte -auch, unter unsäglichem Wehklagen, sich selbst zu töten, aber er fand -nicht den Mut dazu. „Welch ein Künstler geht in mir unter!“ rief er -einmal über das andere aus. Da sprengten Reiter heran. Nun ergriff -er den Dolch und ein Freigelassener half beim Stoß in die Kehle. Die -Reiter, die ihn gern lebendig fangen wollten, traten ein, als er sich -fast verblutet hatte. Er stand im 32. Jahre, als er starb (68). Mit ihm -war Cäsars Geschlecht gänzlich erloschen. - - - - -XXXIII. - -=Flavius Vespasianus= (69-79). - -Seine Söhne =Titus= (79-81) und =Domitianus= (81-96). - - -Nach Neros Tode ward der spanische Statthalter +Galba+, der an der -Spitze der Empörung stand, zum Kaiser ausgerufen, ward aber in Kürze -durch +Otho+ gestürzt, wider den wieder der Befehlshaber der am -Rhein stehenden Legionen, +Vitellius+, sich erhob und in blutigem -Bürgerkriege obsiegte. Gegen Vitellius ward im Osten des Reiches der -Statthalter Syriens, +Flavius Vespasianus+, aufgestellt, und erst -diesem gelang es wieder eine dauernde Regierung herzustellen. - -Vespasianus stand eben mit seinen Legionen in Palästina, wo er einen -furchtbaren Aufstand der Juden gegen den Druck der römischen Herrschaft -zu bekämpfen hatte. Die Juden wehrten sich als Verzweifelnde. So lag -sechs Wochen lang ein römisches Heer von 60000 Mann vor der Stadt -Jotápata in Galiläa, ehe es sie erobern konnte. Vierzigtausend Juden -verloren dabei ihr Leben. Neben dem Krieg gegen den äußeren Feind -wüteten furchtbare innere Zwistigkeiten unter den Juden selbst. In -Jerusalem hatte sich eine wütende Rotte, Zeloten (Eiferer) genannt, -vor welcher die Gemäßigten, die den Frieden wünschten, zitterten, der -Tempelburg bemächtigt und führte eine furchtbare Schreckensregierung. -Bald zerfielen auch die Zeloten in zwei Parteien, welche einander mit -der größten Heftigkeit bekämpften, weshalb Vespasianus den Angriff auf -Jerusalem verschob, weil er darauf rechnete, daß diese Wütenden selbst -einander aufreiben würden. - -Als die Nachricht von Neros Tode und von den neuen Machthabern Roms -sich verbreitete, trugen die Statthalter der östlichen Provinzen -dem Vespasianus die Kaiserwürde an. Er nahm sie an und überließ die -Fortsetzung des Krieges seinem Sohne +Titus+. - -Dieser rückte im Jahre 70 vor Jerusalem, wo die Zerrüttung und das -Elend den höchsten Grad erreicht hatten. Die drei Parteien machten -einander den Besitz der Stadt und des Tempels streitig, und taten -alles, um sich gegenseitig zu verderben. Indes war Jerusalem so -stark befestigt, daß es kaum mit Waffengewalt einnehmbar schien. -Titus bot den Eingeschlossenen Verzeihung an, aber sie wollten sich -durchaus nicht ergeben. Die Hungersnot stieg in der von Flüchtlingen -vollgedrängten Stadt so hoch, daß eine Mutter ihr Kind schlachtete und -aß. Als Titus das hörte, rief er mit Entsetzen über die Empörer aus: -„Sie allein tragen die Schuld dieses Frevels! Ich will den Greuel des -Kindesfraßes mit den Trümmern der Stadt bedecken; die Sonne soll nicht -mehr eine Stadt bescheinen, in der Mütter also sich nähren!“ - -Neben dem Hunger wüteten Seuchen in der unglücklichen Stadt. Die -Leichen wurden zu Tausenden über die Mauern geworfen. Nachdem die Römer -den äußeren Mauerring erstürmt hatten, richtete sich ihre ganze Macht -gegen den Tempel, der von einem Haufen todesmutiger Männer auf das -tapferste verteidigt wurde. Aber dem unaufhaltsam vordringenden Angriff -erlagen alle Widerstände. Mauer auf Mauer warfen die Sturmwidder der -Römer nieder und erreichten endlich die den Tempel umgebenden Hallen. -Titus wünschte dies Prachtgebäude zu erhalten, aber umsonst. Die Juden -glaubten, ihr Tempel könne gar nicht erobert werden, Gott selber müsse -ihn beschützen. Aber die römischen Soldaten warfen Feuer hinein, -und bald bedeckte ein Flammenmeer den gewaltigen Bau. Es folgte ein -allgemeines Blutbad, wobei weder Alter noch Geschlecht noch Stand -geschont ward. Tausende fanden ihren Tod in den Flammen oder durch -Absturz von den Mauern. Die obere Stadt ward erst mehrere Wochen später -eingenommen, worauf Titus alles, was von Gebäuden noch stand, vollends -der Erde gleichmachen ließ. Mehr als eine Million Juden sollen in -diesem Vernichtungskriege ums Leben gekommen sein. Als Titus seinen -Einzug in die rauchenden Trümmer der Stadt hielt, brach er in die Worte -aus: „Wahrhaftig, mit Gott haben wir gesiegt! Gott hat die Juden aus -diesen Bollwerken vertrieben, denn was vermöchten Menschenhände und -Brechwerkzeuge gegen solche Steinmassen?“ - -Also ward das Wort Christi über Jerusalem erfüllt (Luk. 19, 44): „Sie -werden dich schleifen und keinen Stein auf dem andern lassen.“ - -Noch zwei Jahre währten die Todeszuckungen des zertretenen Volkes, und -erst im Jahre 72 war die völlige Bezwingung Judäas erreicht. Damit -verloren die Juden ihren nationalen Mittelpunkt und den letzten Rest -einer politischen Vereinigung, und es vollendete sich ihre Zerstreuung -in alle Welt und unter alle Völker. - - * * * * * - -Unterdessen war Vespasianus in Rom mit der kaiserlichen Macht bekleidet -worden und feierte im folgenden Jahre mit seinem Sohne Titus, den er -zum Mitregenten erhoben hatte, einen glänzenden Triumph wegen der -Beendigung des jüdischen Krieges. Noch steht im ganzen wohlerhalten -der prachtvolle, innen und außen mit reichem Bildwerk geschmückte -Triumphbogen, der nach dem Tode des Kaisers an der sogenannten -„heiligen Straße“ (~via sacra~), nahe dem Forum, errichtet wurde. - -Mit Vespasianus kehrte wieder Ordnung und Gesetz in das zerrüttete -römische Reich zurück. Er stellte die verfallene Kriegszucht bei den -Heeren wieder her; er reinigte den Senat von unwürdigen Mitgliedern -und ersetzte sie durch würdige Männer aus den Provinzen des Reiches. -Er beschränkte die Anklagen wegen beleidigter Majestät, die unter -seinen Vorgängern so vielen das Leben gekostet hatten, und füllte durch -Sparsamkeit und weise Verwaltung die gänzlich erschöpfte Staatskasse. -Unter den neuen Steuern, die er einführte, befand sich auch eine, die -er auf die Urinfässer legte, welche die Tuchwalker bei ihrem Gewerbe -gebrauchten. Als sich sein Sohn Titus darüber abfällig äußerte, hielt -er ihm ein aus dieser Steuer herrührendes Geldstück unter die Nase -und fragte ihn, ob es übel rieche. An seinem Hofe herrschte eine -soldatische Einfachheit, was nicht ohne einen günstigen Einfluß auf die -durch Luxus und Schwelgerei entartete römische Gesellschaft blieb. - -Auch verschönerte er Rom durch den Wiederaufbau des im Bürgerkriege -niedergebrannten Capitoliums und der noch seit dem Neronischen -Brande in Asche liegenden Stadtviertel. Außerdem ließ er an Stelle -des Neronischen Goldenen Hauses einen Tempel der Friedensgöttin, den -größten und prächtigsten Roms, bauen, und ein ungeheures Amphitheater, -in dem 87000 Menschen Raum fanden. Hier wurden jährlich die blutigen -Gladiatorengefechte und Tierhetzen vorgeführt, an deren Anblick sich -das Volk nicht ersättigen konnte. Durch unterirdische Kanäle konnte -Wasser eingelassen werden, das den ganzen Bodenraum in einen See -verwandelte, worin Schiffsgefechte aufgeführt wurden. Noch jetzt -machen die hochragenden Überreste dieses Riesenbaues, das den Namen -Kolosséum führt, auf den Beschauer einen gewaltigen Eindruck. Bei den -Einweihungsspielen wurden 5000 wilde Tiere erlegt. Es war dies der Ort, -in welchem später Tausende von christlichen Märtyrern unter den Zähnen -der wilden Tiere verbluten mußten. - -Dieser für das Reich so wohltätige Fürst starb als ein siebzigjähriger -Greis (79). Als er zum ersten Male in seinem Leben erkrankte und den -Tod herannahen fühlte, sprang er mit den Worten: „Ein Imperator muß -stehend sterben!“ vom Lager auf und sank tot um. - - * * * * * - -Er hinterließ die Herrschaft seinem Sohne Flavius Vespasianus +Titus+, -den er schon längst zum Mitregenten angenommen hatte. Wegen seiner -unordentlichen Lebensart und Neigung zur Grausamkeit hegte man von -ihm keine günstigen Hoffnungen, aber als Kaiser erschien er wie -umgewandelt und offenbarte das edelste und wohlwollendste Gemüt. Als -er sich einst bei der Mahlzeit erinnerte, daß er an dem ganzen Tage -niemanden eine Wohltat erwiesen hatte, rief er aus: „Freunde, ich -habe einen Tag verloren!“ Oft sagte er, von seinem Fürsten dürfte -niemand traurig weggehen. Den Regierungsgeschäften widmete er sich -mit der größten Gewissenhaftigkeit, behandelte jeden mit Milde und -Güte, selbst seine Feinde mit Großmut, und suchte die Leiden der -Menschheit durch Wohltätigkeit zu lindern, sodaß ihn das Volk die -Liebe und Wonne des Menschengeschlechts nannte. Seine kurze Regierung -gab ihm Gelegenheit genug, seine Freude am Wohltun in reichem Maße zu -offenbaren. Eine schreckliche Feuersbrunst wütete drei Tage lang in -Rom; eine verheerende Pest raffte Tausende hin. Furchtbarer noch war -der ganz unerwartete +Ausbruch des Vesuvs+. Bis fast zum Gipfel reich -angebaut, begann dieser Berg damals zum ersten Male und ganz plötzlich -die in ihm schlummernden vulkanischen Kräfte zu offenbaren. Am Mittag -des 24. August 79, unter gleichzeitigem Erdbeben und heftiger Bewegung -des nahen Meeres, erhob sich eine himmelhohe pinienförmige Rauch- und -Feuersäule, welche alles Land meilenweit mit einer mehrere Meter hohen -Schicht von kleinen Bimssteinen und dann mit einer noch höheren von -nasser Asche bedeckte. Mehrere Tage dauerte dieser Aschenregen, der -die Luft mit erstickendem Qualm erfüllte und den Tag in tiefe Nacht -verwandelte. Feurige Lavaströme brachen aus den Seiten des Berges und -erhöhten das Entsetzen des Volkes. Drei blühende Städte am Meerbusen, -Herculanum, Pompeji und Stabiä, wurden gänzlich verschüttet. -Viele tausend Menschen verloren Gut und Leben. Unter den Toten war -der Befehlshaber der Flotte im Hafen von Misēnum, der gelehrte -Naturforscher +Plinius+, der das unerhörte Ereignis in der Nähe schauen -wollte. Sein Neffe, Plinius der Jüngere, hat in Briefen an seinen -Freund, den Geschichtschreiber Tacitus, den ganzen Vorgang geschildert. - -Am 24. August, erzählt er, erhob sich plötzlich ein Geschrei, es -steige aus dem Berge Vesuv eine ganz ungewöhnliche, fürchterliche -Wolke auf. Der unerschrockene Oheim wollte ein so merkwürdiges -Ereignis in größerer Nähe beobachten, bestieg ein Schiff und eilte -der Gefahr entgegen. Schon auf dem Meere erreichte ihn fallende Asche -und Bimsstein; der Steuermann bat ihn umzukehren. Vergebens. „Mit dem -Tapfern ist das Glück!“ rief er und ließ sich nach Stabiä bringen, -wo er die Nacht hindurch ruhig schlief, während die Flammen aus dem -Vesuv hervorbrachen und alles, was fliehen konnte, floh. Am Morgen -aber entstand die Besorgnis, daß der stärker strömende Aschenregen -zuletzt den Ausgang aus der Stadt versperren, oder die von dem heftigen -Erdbeben schwankenden Mauern einstürzen möchten. So zog man denn -hinaus, auf das Meer zu, welches fürchterlich tobte. Eine stockfinstere -Nacht überall, nur von den Fackeln, welche die Sklaven trugen, und -den Flammen des Berges erhellt. Da sank Plinius plötzlich tot nieder. -Er war von den bösen Dämpfen erstickt; seinen Leichnam fand man erst -am dritten Tage, denn so lange dauerte die Finsternis. Sein Neffe war -indes in Misenum geblieben, bis auch dort das entsetzliche Erdbeben -die Gebäude zu verlassen zwang. Eine Menge Volks zog aus; da wandelte -sich auch hier in so weiter Entfernung der Tag in Nacht, und die Asche -begann zu stäuben. Das Rufen, das Geschrei und Gejammer der auf dem -Felde umhertappenden, die Ihrigen suchenden Menschen war schrecklich. -Endlich, als der lange und schwere Aschenregen nachließ, und die Sonne, -wiewohl mit fahlem Scheine, wieder hervortrat, boten die Gegenstände -umher den traurigsten Anblick dar; der Boden war hoch mit Asche wie -mit Schnee bedeckt. -- Aus dem, was bei Misenum geschah, kann man -sich ungefähr vorstellen, wie die dem schrecklichen Ausbruch so viel -näheren Städte Pompeji und Stabiä unter der Asche, Herculanum unter -den Lavaströmen verschüttet wurden und gänzlich verschwanden. Erst -seit der Mitte des 18. Jahrhunderts sind ihre Reste teilweise wieder -aufgedeckt und zugänglich gemacht worden. - -Titus, der Rom auch durch ein herrliches Werk der Baukunst, die nach -ihm genannten Thermen (allem Volk zugänglichen Bäder), zierte, regierte -zum Unglück für das Reich nur zwei Jahre und drei Monate. Er starb -kinderlos nach kurzer Krankheit (81). - -Sein Bruder +Domitianus+, der ihm in der Herrschaft folgte, schien -anfangs die Regierungsweise seiner beiden Vorgänger fortsetzen -zu wollen, bis allmählich die übermäßige Vorstellung von seiner -persönlichen Bedeutung, mit der er schon dem Vater lästig und dem -Bruder feindselig gewesen war, in eine Art Herrscherwahnsinn ausartete, -und seine Regierung für alle gefährlich machte, welche seine Eifersucht -oder seinen Argwohn weckten. Die Zeiten Caligulas und Neros schienen -sich zu erneuern. Endlich bildete sich unter den Freigelassenen, seinen -Günstlingen, welchen er die Verwaltung der Staatsgeschäfte anvertraut -hatte, und Mitgliedern des Senates, die alle in steter Furcht für ihr -Leben standen, eine Verschwörung, die ihm ein blutiges Ende bereitete -(96). Selbst seine Gemahlin Domitia half den Wüterich zu beseitigen. -Mit ihm erlosch die Dynastie der Flavier. Das Reich aber hatte unter -ihm, wenn auch ohne sein Verdienst, eine ansehnliche Erweiterung -erfahren. Die +Eroberung Britanniens+, die schon von Cäsar eingeleitet, -aber erst unter Kaiser Claudius ernstlich begonnen war, wurde im Jahre -85, trotz des langen und heldenmütigen Widerstandes der Britanner, -durch Julius Agricola, den Schwiegervater des Geschichtschreibers -Tacitus, vollendet. - - - - -XXXIV. - -=Die glücklichste Periode der römischen Kaiserherrschaft: Nerva, -Trajanus, Hadrianus und die beiden Antonine= (96-180). - - -Auf die Flavier folgte, während einer fast hundertjährigen Zeitdauer, -eine stetige Reihe trefflicher Fürsten, unter denen die Bewohner des -Reiches sich einer einsichtigen und gerechten Verwaltung, ungestörten -inneren Friedens und zunehmenden Wohlstandes erfreuten, sodaß man -diesen Zeitraum das goldene Zeitalter des römischen Reiches genannt hat. - -Zunächst wurde der alte würdige Senator Coccejus +Nerva+ auf den Thron -erhoben (96-98). Er gab dem Senat den ihm gebührenden Anteil an der -Regierung zurück, bemühte sich durch Milde und Gerechtigkeit, den -Leiden und Klagen der armen Bevölkerung abzuhelfen, den zerrütteten -Staatshaushalt zu ordnen, erleichterte die Abgaben und ließ arme Kinder -auf öffentliche Kosten erziehen. Da er aber fühlte, daß ihm, dem -Übermut und den Ansprüchen der Leibgarden gegenüber, die nötige Kraft -fehlte, so adoptierte er den kriegserprobten Statthalter des oberen -Germaniens, +Ulpius Trajanus+, einen in Spanien geborenen römischen -Bürger, und ernannte ihn zu seinem Mitregenten. Er starb einige Monate -nach dieser Wahl, worauf ihm Trajanus als Alleinherrscher folgte -(98-117). - -Durch seine Kraft und Milde, Güte und Bescheidenheit, Einsicht und -Gerechtigkeit erwarb er sich die Liebe und Bewunderung der römischen -Welt in dem Grade, daß ihm der Senat den Beinamen der „Beste“ erteilte, -und noch nach zweihundert Jahren die neugewählten Kaiser den Thron -unter dem Glückwunsch bestiegen: „Sei glücklicher als Augustus und -besser als Trajanus!“ Alle Tugenden, die den Herrscher, Feldherrn und -Menschen zieren, übte er in gleichem Maße. Die Majestätsprozesse hörten -auf; der Senat erhielt Freiheit der Beratungen. Der Kaiser selbst -unterwarf sich den Gesetzen und förderte dadurch auch in allen Bürgern -die Achtung vor Gesetz und Recht. Jedem Bürger gestattete er freien -Zutritt; die Provinzen beschützte er vor Bedrückung der Beamten; die -Armen unterstützte er, indem er in allen Teilen Italiens arme Kinder -auf Kosten des Staates erziehen ließ. Das Christentum aber, in dem der -heidnische Römer nichts anderes als einen jüdischen Aberglauben sah und -verachtete, suchte dieser beste der Kaiser planmäßig zu unterdrücken. -Wenn er auch geheime Anklagen und Verfolgungen der Christen nicht -gestattete, so befahl er doch die gesetzmäßig angeklagten und -überführten, wenn sie nicht widerrufen wollten, hinzurichten. - -Auch glänzende Kriegstaten und eine erhebliche Ausdehnung des Reichs -sind mit dem Namen dieses Kaisers verknüpft. Zur Sicherung der Provinz -Moesia an der unteren Donau unternahm er einen Kriegszug gegen das -unruhige Volk der +Daken+ am jenseitigen linken Ufer des Stromes (im -heutigen Rumänien und Siebenbürgen), deren König +Decébalus+ dem -römischen Reiche unter Domitianus gegen die jährliche Zahlung eines -Tributes Frieden gewährt hatte. Trajanus befreite Rom von dieser -schmählichen Abgabe; Decebalus mußte seine Hauptstadt erobert, seine -Festungen geschleift und einen Teil seines Landes von den Römern -besetzt sehen (103). Als er sich dann, dem Friedensvertrage zuwider, -heimlich mit Nachbarvölkern gegen die Römer verband, zog Trajanus zum -zweiten Mal gegen die Daken. Zu diesem Zwecke baute er, in der Nähe der -heutigen Stadt Czernetz in der Walachei, über die Donau eine steinerne -Brücke, die aus 20 steinernen Pfeilern ruhte und 2500 Fuß lang war. -Dann drang er tief in das Land der Feinde und bedrängte den Decebalus -so, daß dieser sich selbst das Leben nahm (106). Sein Land ward -römische Provinz (~Dacia~) und nahm bald römische Sprache und Art so -gründlich an, daß noch der Name und die Sprache der heutigen Rumänier -davon zeugen. - -Seine Siege über die Daken feierte Trajanus durch glänzende Triumphe -und Festspiele, bei denen an 123 Tagen 11000 wilde Tiere getötet -wurden. Das Andenken daran erhält noch heute die Trajanssäule in Rom. -Sie erhebt sich auf dem vormals mit Säulenhallen umgebenen Platze des -Trajanischen Forums, ist 117 Fuß hoch und aus hohlen Zylindern von -weißem Marmor zusammengesetzt, welche einen unten 11, oben 10 Fuß -starken Schaft bilden, an dessen Außenfläche Trajans Kriegstaten mit -etwa 2500 menschlichen Figuren dargestellt sind. Die Säule, unter -der sich des Kaisers Grabkammer befand, ist innen hohl, und 184 -Stufen führen auf ihre Spitze, auf welcher eine 22 Fuß hohe eherne -Bildsäule Trajans stand, die aber im Laufe der Zeit zerstört und im 16. -Jahrhundert durch die Bildsäule des Apostels Petrus ersetzt worden ist. - -Da die +Parther+ die Grenze des römischen Reiches im Osten -beunruhigten, so unternahm Trajanus auch einen Feldzug in die -Morgenländer. Er unterwarf Armenien, Mesopotamien und Assyrien und -machte diese Länder zu römischen Provinzen, deren Besitz jedoch von -nur kurzer Dauer war. Mit einer Flotte fuhr er den Tigris hinab in den -persischen Meerbusen und war schon nahe seinem Ziele, der Herstellung -des Reiches Alexanders des Großen. Das Reich der Parther machte er, -unter einem einheimischen, von ihm eingesetzten Fürsten, abhängig -von Rom. Aber diese Eroberungen waren nicht von Bestand. Die Parther -setzten ihren vertriebenen König wieder ein, und bevor er den Aufstand -bezwingen konnte, starb Trajanus zu Selinus in Cilicien, das ihm -zu Ehren Trajanopolis genannt ward. Seine Gebeine wurden nach Rom -geschafft und unter der Trajanssäule beigesetzt. - -Nach seinem Tode ließ sich T. Aelius +Hadrianus+, der vom sterbenden -Trajan als Sohn angenommene Befehlshaber des Heeres und Statthalter -von Syrien, sogleich von dem Heere zum Kaiser ausrufen, und der Senat -bestätigte ihn in dieser Würde. Er war ein sehr gebildeter Mann und -mit einem so außerordentlichen Gedächtnis begabt, daß er schon in -seinem fünfzehnten Jahre die griechische Sprache so vollkommen wie ein -Grieche sprach und jedes einmal gelesene Buch fast auswendig wußte. -Als Kaiser wandte er den inneren Angelegenheiten seines Reiches die -größte Sorgfalt zu. Er bereiste selbst fast alle Provinzen seines -weiten Reiches, und zwar meistenteils zu Fuß, „denn ein Kaiser,“ sagte -er, „muß wie die Sonne alle Teile seines Reiches beleuchten“. Auch die -Literatur und die bildenden Künste gediehen unter ihm zu einer Art von -Nachblüte. Von den zahlreichen Bauwerken, die er in allen Provinzen -errichten ließ, verdient das sogenannte Mausoléum oder Grabmal des -Hadrianus Erwähnung, das jetzt die Engelsburg heißt. Außer seinen -glänzenden Eigenschaften besaß er aber auch grobe Fehler, und besonders -waren Neid und Argwohn hervorstechende Züge seines Charakters, die ihn -zuweilen zu grausamen Handlungen verleiteten. Er regierte von 117 bis -138. - -Es folgte ihm sein Adoptivsohn +T. Aelius Hadrianus Antoninus+ -(138-161). Die kindliche Ehrfurcht, mit der er das Andenken seines -Vorgängers in Ehren hielt, erwarb ihm den Beinamen +Pius+. Er regierte -wie ein zweiter Numa, den er sich auch zum Muster genommen haben soll. -Von ihm, den seine Zeit mit Recht den Vater der Menschen genannt, hat -die Geschichte keine Kriegstaten, sondern nur wohltätige Einrichtungen -zu melden. Selbst die unter früheren Kaisern verfolgten Christen -konnten unter ihm ein ruhiges Leben führen. Er pflegte zu sagen: „Ich -will lieber das Leben eines einzigen Bürgers erhalten, als tausend -Feinde töten!“ - -+Marcus Aurelius+ Antoninus, in Spanien geboren, war von Antonius -Pius zusammen mit dessen zweitem Adoptivsohn zum Nachfolger ernannt -worden. Mit edlen Anlagen des Geistes und Herzens begabt, hatten -ihn ausgezeichnete Lehrer schon früh in die Lehren der griechischen -Weisheit eingeführt, die auf seine Regierung von großem Einfluß -wurden. Mit der ganzen sittlichen Kraft, die er aus der Beschäftigung -mit dieser Weisheit schöpfen konnte, bestand er die mannigfachen -Stürme, die während seiner neunzehnjährigen Regierung (161-180) -über ihn und sein Reich kamen. Er sorgte für Recht und Gesetze und -beobachtete eine weise Sparsamkeit in der Verwaltung. Besonders lag -ihm die Besserung der Sitten am Herzen. In den Christen aber sah er -eine staatsgefährliche Partei und ließ sie besonders in Kleinasien -und Gallien grausam verfolgen. Seine Milde und Wohltätigkeit zeigte -er, als Rom von einer Überschwemmung und Hungersnot heimgesucht ward. -Zu derselben Zeit wurde das Reich durch die Einfälle der Germanen -und Parther im Norden und Osten beunruhigt. Am furchtbarsten war der -schwere und langwierige Krieg gegen die germanischen +Markomannen+ -(166-190), der das römische Reich an den Rand des Untergangs brachte -und die Römerwelt in eine solche Angst versetzte, daß einer auf dem -Markte zu Rom den Untergang des Erdballes verkündete. Alle Donauvölker -erhoben sich wie in einem Bunde vereinigt, darunter besonders die -Markomannen (in Böhmen) und Quaden (in Mähren und Ungarn), stürmten -über die Donau in die römischen Provinzen und schleppten unter -furchtbaren Verheerungen ganze Bevölkerungen hinweg. Zu diesem Unglück -kam noch die Pest, welche die Legionen aus Asien mitbrachten und die -nun auch Italien und andere westliche Provinzen verheerte. Zwar zog -Marcus Aurelius gegen die Quaden und schlug sie mehrmals, feierte -auch zu Rom einen Triumph, aber die Markomannen und ihre Verbündeten -brachen immer wieder los und nötigten den Kaiser zu neuen Feldzügen. -Um die Mittel dazu aufzubringen, verkaufte er seine Kostbarkeiten und -Kunstschätze, bewaffnete Sklaven und Sträflinge, und nahm sogar zur -Wahrsagerei seine Zuflucht. Auf den Rat eines ägyptischen Wahrsagers -ließ er zwei Löwen über die Donau treiben, um die Barbaren durch diesen -Anblick zu erschrecken. Allein die Germanen hielten die Löwen für große -Hunde und schlugen sie mit Prügeln tot. In einer bald darauf folgenden -Schlacht töteten sie 20000 Römer. - -Auf einem seiner Feldzüge stand der Kaiser mit seinem Heere diesseits -der Gran, eines Nebenflusses der Donau in Ungarn, in einer wasserlosen -Gegend, rings von Feinden eingeschlossen. Er und alle die Seinen waren -dem Verschmachten nahe, als plötzlich ein Gewitter mit Regengüssen -erfolgte und die Erschöpften, die den Regen in ihren Schildern -auffingen, erfrischte. Nach einer christlichen Legende war der -Gewitterregen eine Folge des Gebets der zwölften Legion, die meist aus -Christen bestand, während römische Berichte ihn dem Gebete des Kaisers -zuschrieben. Es war dem Kaiser nicht vergönnt, den Krieg gegen die -Markomannen und Quaden zu beendigen. Er starb zu Vindóbona (Wien). -Sein unwürdiger Sohn +Commodus+ (180-192) erkaufte von ihnen einen -schimpflichen Frieden. - - - - -XXXV. - -Bis zum Ausgange des weströmischen Reiches (180-476). - - -Mit Marcus Aurelius schließt die Reihe der guten Kaiser. Zwar folgte -noch eine große Anzahl von Imperatoren nach ihm, von denen aber nur -sehr wenige verdienen hier erwähnt zu werden. Die innere Zerrüttung des -Reiches, der Verfall der Sitten, die Schwäche nach außen nahmen immer -mehr zu, und es zeigte sich in jeder Beziehung, daß die +römische Welt -sich ausgelebt hatte+. Ein anderes Volk war berufen an ihre Stelle zu -treten, das morsche Gebäude des römischen Reiches zu zertrümmern und -Träger des Christentums zu werden. Dieses Volk waren die +Germanen+. - -Aber noch ehe die Germanen das alte Reich in den Staub traten, -feierte das Christentum einen vollständigen Sieg über das Heidentum. -+Konstantinus der Große+[1] (306-337) gewährte dem Christentum die -staatliche Anerkennung. Damit hörten die Verfolgungen der Christen -auf, und der Glaube an den Erlöser, zu dem sich Konstantinus selbst -bekannte, verbreitete sich immer weiter. Auch ward die Regierung dieses -Kaisers noch dadurch von großer Bedeutung, daß er die Residenz von Rom -nach Byzantion verlegte, das ihm zu Ehren den Namen Konstantinopolis -erhielt. - -Nach seinem Tode waren noch nicht vierzig Jahre verstrichen, als durch -die Ankunft der Hunnen, die aus Asien in Europa einfielen, der Anstoß -zur sogenannten +Völkerwanderung+ gegeben wurde (375). Seitdem hörten -die Angriffe der Germanen gegen das römische Reich nicht mehr auf, -und nur mit Mühe vermochte der römische Kaiser +Theodosius der Große+ -(378-395) die in das oströmische Reich eingedrungenen Westgoten zu -beruhigen. Dieser Kaiser vereinigte noch einmal das ganze römische -Reich unter seinem Szepter. Vor seinem Tode (395) teilte er das Ganze -unter seine Söhne +Honorius+ und +Arkadius+, von denen jener das -weströmische oder lateinische Reich mit der Hauptstadt Rom, dieser das -oströmische oder griechische Reich mit der Hauptstadt Konstantinopel -erhielt. Die Feindschaft beider Brüder machte die Teilung zu einer -dauernden. Gegen das weströmische Reich richteten sich jetzt die -stürmischen Angriffe der Germanen, die nach und nach eine Provinz nach -der andern, Spanien, Gallien, Afrika und Britannien, davon losrissen, -bis endlich im Jahre 476 +Odoáker+, ein Anführer deutscher Soldtruppen, -den letzten römischen Kaiser +Romulus+ Augústulus absetzte und sich zum -Könige von Italien machte. Dadurch ward dem weströmischen Reiche ein -Ende gemacht, während das oströmische oder byzantinische Kaisertum im -Laufe des Mittelalters zwar immer mehr an Umfang und Macht verlor, aber -sich doch in der Hauptstadt erhielt, bis auch diese im Jahre 1453 von -den Türken erobert wurde. - - - [1] Als Konstantin gegen +Maxentius+ in den Streit zog, betete er - eines Nachmittags voll Andacht zu dem Gott der Christen. Da - erschien ihm ein Zeichen am Himmel in Gestalt eines glänzenden - Kreuzes mit der Inschrift: ~In hoc vinces!~ (In diesem Zeichen - sollst du siegen!) Nachts erschien ihm Christus im Traum und - befahl ihm dieses Sinnbild zum Kreuzespanier zu machen. Er - ließ nun eine Kriegsfahne anfertigen, die seine christlichen - Streiter mit begeistertem Mute erfüllte und ihm in der Schlacht - an den „roten Steinen“ (~saxa rubra~) in der Nähe Roms den Sieg - über Maxentius verschaffte (312). So erzählt ein christlicher - Schriftsteller. - - -[Illustration] - - - - -Verlag von +Gerhard Stalling+, Oldenburg i. Gr. - -Professor ~Dr.~ Ludwig Stacke’s Schriften. - - -Erzählungen aus der - - =Griechischen Geschichte=. =30.= Auflage. Gebd. 1 ℳ 90 ₰. - - =Römischen Geschichte=. =27.= Auflage. Gebd. 1 ℳ 90 ₰. - - =Mittelalter=. =17.= Auflage. Gebd. 1 ℳ 90 ₰. - - =Neuen Geschichte=. =14.= Auflage 2 ℳ 75 ₰, gebd. 3 ℳ 25 - ₰. - - =Neuesten Geschichte= (1815 bis zur Abberufung Bismarcks). - =6.= Auflage. 5 ℳ 50 ₰, eleg. gebd. 6 ℳ 25 ₰. - -Über Stackes „+Erzählungen aus der Geschichte+“ schreiben in ihrem -letzten Bande die in Berlin im Auftrage der historischen Gesellschaft -erscheinenden „Jahresberichte der Geschichtswissenschaft“ gelegentlich -der Besprechung von Volks- und Jugendschriften: „Hier sind in erster -Linie die Stackeschen Schriften zu erwähnen, die sich auch, wie ihre -hohen Auflagen zeigen, einer großen Beliebtheit erfreuen. An Rankes -und Beckers Weltgeschichte angelehnt, verstehen sie es, durch korrekte -Sprache und fesselnde Erzählungsform den Leser zu gewinnen und ihn in -jene gehobene Stimmung zu versetzen, welche die schönste Frucht der -Geschichtsbeschäftigung genannt worden ist.“ - -„Die fortgesetzten vielfachen Auflagen dieser vom echten Forschergeiste -und warmer Empfindung getragenen Geschichten beweisen mehr als alle -Anpreisungen den hohen Rang, welchen sie unter den zahlreichen -literarischen Erscheinungen ähnlicher Art einnehmen. Die Darstellung -ist in allen Richtungen anregend und frisch, die Form, meist -klassischen Mustern angepaßt, tadellos. Die Gunst der Lehrer wird -sicher diesen Büchern stets in steigendem Maße zu teil werden.“ - - (Schlesische Presse.) - -„Die Verlagshandlung und der als Oberlehrer am Gymnasium zu Rinteln -wirkende Verfasser sind zu diesem erfreulichen, +wohlverdienten+ -Erfolge, den diese „+Erzählungen+“ erzielt haben, zu beglückwünschen.“ - - (Wissenschaftl. Beilage d. Leipziger Zeitung.) - -„Eine herrliche Lektüre, eingehend, belehrend und angenehm -unterhaltend. Die Schilderungen fesseln nicht bloß 12-15jährige Knaben -und Mädchen, sondern auch reifere Jünglinge und Jungfrauen, gebildete -Männer und Frauen. Auswahl und Darstellung ist vortrefflich. Die -zahlreichen Auflagen sind verdiente.“ - - (Repertorium der Pädagogik.) - - -Hülfsbücher fürs die erste Unterrichtsstufe in der Geschichte. - - I. Teil. =Altertum.= =3.= Auflage Geh. 1 ℳ, geb. 1 ℳ 50 ₰. - II. Teil. =Mittelalter.= =2.= Auflage. Geh. 1 ℳ, geb. 1 ℳ 50 ₰. - III. Teil. =Neue Zeit.= =2.= Auflage. Geh. 1 ℳ 75 ₰, geb. 2 ℳ 25 ₰. - -„Der Herr Verfasser hat aus seinen „Erzählungen“ einen Auszug -zusammengestellt, der sich zur Einführung in die Schulen, in deren -Unterklassen alte Geschichte behandelt wird, im hohen Maße eignet. -Die Vorzüge dieses Buches vor allen andern der Art bestehen darin, -daß nicht einzelne, für sich behandelte Erzählungen aus der alten -Geschichte gegeben werden, sondern der Verfasser gibt uns stets ein -Gesamtbild der alten Geschichte. Dabei ist der Einzelgeschichte und -dem geographischen Elemente überall die nötige Berücksichtigung zu -teil geworden. Wer längere Zeit in diesem Unterricht sich mit recht -schwachen Hülfsbüchern hat behelfen müssen, wird das Buch mit großer -Freude begrüßen; denn er findet in demselben alles das, was er als -wissenswert dem Gedächtnis des Kindes eingeprägt sehen möchte. Möge das -Buch den Schulen bestens empfohlen sein!“ - - (Magazin für Lehr- und Lernmittel.) - - - - -Verlag von +Gerhard Stalling+, Oldenburg i. Gr. - -Das beste Buch für die deutsche Jugend und das deutsche Volk! - - -Nordisch-Germanische - -Götter- und Heldensagen. - -Für die deutsche Jugend und das deutsche Volk - -von - -Gustav Schalk - -3. Auflage - -(mit Illustrationen). - -Preis gebd. ℳ. 2.80. - -„Mit Freuden begrüße ich jedes Werk, welches deutsche Mythologie und -Heldensage behandelt. -- Seit den dornenvollen Arbeiten von Jak. Grimm, -K. Simrock, W. Wägner u. a. hat sich das Interesse für die Religion -unserer Altvordern, für ihre Sitten, Anschauungen und Gebräuche -gesteigert. -- Eine edlere Begeisterung für die längst entschwundene -Welt unserer Altvordern ist es auch, der dieses Werk seine Entstehung -verdankt, welches wir als ein wohlgelungenes bezeichnen können. Es wird -sicher die Kenntnis der alten Vorzeit verbreiten und Begeisterung für -die Helden erwecken und so wieder Heldenmut und Edelsinn erzeugen. Die -Darstellung ist eine recht gewandte und die Gruppierung des Stoffes -ebenso geschickt. Den Glanzpunkt des Ganzen bildet die bezaubernd -schöne Frithjofsage, die nach Tegner erzählt ist. -- Wer kennt nicht -Ingeborg, die schönste Rose des Nordens, und Frithjof, die königliche -Eiche auf Nordlands Bergen? Schon diese +eine+ Sage macht das Buch -jedem Leser lieb und wert. Die Sprache des Verfassers perlt hier -gleichsam im Morgentau und Frühlingssonnenschein. -- Möge das Buch -zahlreiche Leser finden.“ - - +Mainz.+ - - +~Dr.~ Heinrich Haskamp.+ - (Rhein.-Westf. Schulzeitung.) - -„Was dieses Buch vor manchen seinesgleichen ganz besonders auszeichnet, -das ist die durchweg knappe, klare und doch so poesievolle Darstellung, -der einfache, naive, meisterhafte Märchenton. Aus diesem Grunde sei das -vortreffliche, übersichtlich gehaltene Buch, welches sich für Schüler -aller Schulen als Nachlesebuch ganz vorzüglich eignet, aufs Wärmste -empfohlen.“ - - (Westfälische Lehrer-Zeitung.) - -+Se. Excellenz der General der Infanterie von Keßler+, -General-Inspekteur des Militär-Erziehungs- und Bildungswesens, schreibt -der Verlagsbuchhandlung unterm 4. Dezember 1897 über das Buch: „Das -Kommando des Kadettenkorps, welchem ich das Buch mitgeteilt habe, -hat mit +Anerkennung+ in Aussicht genommen, das Buch mit benutzen zu -lassen.“ - - - - -Verlag von Gerhard Stalling, Oldenburg i. Gr. - - - =Harms, Prof. Chr., Rechenbuch für die Vorschule.= Heft I. 12. - Aufl. kart. 50 ₰. Heft II, =13.= Aufl., kart. 80 ₰. - - - =Harms, Prof. Chr., Kopfrechenbuch. Eine Anleitung zur Lösung= - vieler angewandter Kopfrechenaufgaben. 1 ℳ. 50 ₰. - - - =Harms, Zwei Abhandlungen über den Rechenunterricht.= 80 ₰. - - - =Kallius, Prof. ~Dr.~, Die vier Species in ganzen Zahlen=, und =Das - Münz-, Maß- und Gewichtssystem im Rechenunterricht=. =4.= Aufl. 1 ℳ - 20 ₰. - - - =Lefèbre, Abriß der griechischen und römischen Geschichte für - Quarta.= Preis 35 ₰. - - - =Rechenbuch für Unterklassen von H. Friedrichs, A. Klusmann, F. - Logemann.= =23.= Aufl. Bearbeitet von H. Friedrichs und C. Krüder. - 65 ₰. - - „Das angezeigte Rechenbuch ist eine methodisch geordnete - Aufgabensammlung für die vier Species im Zahlenraume von 1-10000. - Der betreffende Stoff ist reichhaltig und wohlgegliedert. -- -- - Somit wird in den Unterklassen ein guter Grund gelegt, auf welchem - der Lehrer der Oberklasse mit Erfolg weiter zu bauen vermag.“ - - (Schulblatt f. d. Provinz Brandenburg.) - - - =Stacke, Prof. ~Dr.~ Ludwig, Abriß der Geschichte der Preußischen - Monarchie= von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart. =2.= - Aufl. 1 ℳ. - - „Außerordentlich reich an Stoff, klar und lichtvoll in der - Anordnung, anziehend und lebendig in der Sprache, anschaulich - und malerisch in der Schilderung, kräftig und kernig in der - Charakterisierung, durchdrungen von patriotischem Sinn und - sittlichem Ernst, ist dieser „+Abriß+“ Lehrenden und Lernenden - angelegentlichst zu empfehlen.“ - - (Deutsche Schulzeitung, herausg. v. F. E. Keller, Berlin.) - - „Gleich den übrigen Geschichtsdarstellungen des Verfassers eine der - ansprechendsten und gediegensten Arbeiten auf diesem Gebiete der - Literatur.“ - - (Pädag. Jahresbericht.) - - „Das Buch zeichnet sich durch allseitige Berücksichtigung der - wichtigsten historischen Momente, durch volle Beherrschung des - Stoffes, treffende und präzise Darstellung und durch warme - Hingebung an die Sache des Vaterlandes ganz besonders aus, und wird - für Schule und Haus, für Volksbibliotheken und als Prämie gleich - gut empfohlen werden können.“ - - (National-Zeitung.) - - - - -Verlag von Gerhard Stalling, Oldenburg i. Gr. - - - =Stacke, Prof. ~Dr.~ Ludwig, Die französische Revolution und das - Kaisertum= Napoleons I. Geschichtliche Übersicht der Zeit von 1789 - bis 1815. 660 Seiten. Geh. 4 ℳ 50 ₰. - - „Wir haben bereits eine große Menge Schriften aus den für Europa - ewig denkwürdigen 26 Jahren gelesen, aber kaum eine unter ihnen - gefunden, welche wie diese auf eine so weise und zweckmäßige Weise - die gebotenen Quellen benutzt und den gegebenen reichhaltigen - Stoff in so gründlicher Weise ausgearbeitet und mit einer - so ruhigen Würde dem Publikum zur Beurteilung und Belehrung - dargeboten hätte. Dabei ist der Stil prägnant und entschieden - und die Darstellungsweise edel und männlich, würdig den großen, - welterschütternden Begebenheiten der damaligen Zeit. Wir empfehlen - darum auch das Buch, nicht als ob es etwas Neues, Unbekanntes - enthielte, sondern vielmehr darum, weil wir das Bekannte und - teilweise Miterlebte hier auf meisterhafte Weise wiedergegeben - finden.“ - - (Münchener Neueste Nachrichten aus dem Gebiete der Politik.) - - - =Müller, Prof. E. R., Leitfaden der unorganischen Chemie für - Gymnasien=, Realgymnasien, höhere Bürgerschulen, Seminare etc. - Preis 60 ₰ - - „Das Buch zerfällt in drei Abschnitte: ~A.~ Das Wichtigste aus den - Hülfswissenschaften der Chemie, §§ 1-10, ~B.~ Methodischer Kursus - der Chemie, §§ 11-23, ~C.~ Systematischer Kursus der Chemie, §§ - 24-57. Diese Einteilung und die ihr entsprechende Durchführung - machen das Buch zu einer vollkommen neuen Erscheinung in der - chemischen Schulliteratur. Ganz besonders aber ist an ihm zu loben, - daß die wichtigsten Lehren der Chemie in streng synthetischer Weise - entwickelt sind. Die Darstellung ist präzis und klar.“ - - (Zeitung f. d. höhere Unterrichtswesen Deutschlands.) - - - =Müller, Prof. E. R., Planimetrische Konstruktionsaufgaben nebst - Anleitung= zu deren Lösung für höhere Schulen. =5.= Aufl., kart. 1 ℳ - - „Diese Sammlung ist trotz ihres geringen Umfanges recht reichhaltig - und durchaus methodisch angelegt. -- -- Sie empfiehlt sich durch - zweckmäßige methodische Behandlung, durch Gedrängtheit und Schärfe - des Ausdrucks und durch Korrektheit, auch des Druckes. Wir zweifeln - nicht, daß sich das kleine Buch neben einem Lehrbuche, welches, wie - das Kamblysche, den Aufgaben nur geringe Beachtung schenkt, recht - geeignet erweisen wird.“ - - (Zeitschrift f. d. Gymn.-Wesen.) - - „Wir haben es hier mit einem Büchlein zu tun, das ebenso durch - seine Kompendiosität, als durch die äußerst übersichtliche - Gruppierung des behandelten Stoffes unstreitig die Sympathieen - des Lesers wachruft. -- -- Der Referent kam bei der Durchsicht - des Büchleins zu der Überzeugung, daß die Benutzung desselben in - wirksamer Weise den planimetrischen Unterricht beleben und fördern - dürfte.“ - - (Zeitschrift f. d. Realschulwesen.) - - - =Müller, Prof. E. R., Lehr- und Übungsbuch der - Elementar-Geometrie.= I. Teil (Quinta-Kursus). Geh. 40 ₰. - - - - - Verlagsanträge - - aus dem Gebiete der - - Schulbücher-Literatur - - sind - - mir stets willkommen - - und finden - - +gewissenhafte Prüfung+. - - Oldenburg i. Gr. Gerhard Stalling, - Verlagsbuchhandlung. - Gegründet 1789. - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Erzählungen aus der Römisch -n Geschichte in biographische, by Ludwig Stacke - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK ERZÄHLUNGEN AUS DER *** - -***** This file should be named 61988-0.txt or 61988-0.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/6/1/9/8/61988/ - -Produced by the Online Distributed Proofreading Team at -https://www.pgdp.net - - -Updated editions will replace the previous one--the old editions -will be renamed. - -Creating the works from public domain print editions means that no -one owns a United States copyright in these works, so the Foundation -(and you!) can copy and distribute it in the United States without -permission and without paying copyright royalties. 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