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If you are not located in the United States, you'll -have to check the laws of the country where you are located before using -this ebook. - - - -Title: Komet und Weltuntergang - -Author: Wilhelm Bölsche - -Release Date: April 25, 2020 [EBook #61928] - -Language: German - -Character set encoding: UTF-8 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK KOMET UND WELTUNTERGANG *** - - - - -Produced by Jens Sadowski and the Online Distributed -Proofreading Team at https://www.pgdp.net (This book was -produced from images made available by the HathiTrust -Digital Library.) - - - - - - - - - - Anmerkungen zur Transkription - - - Das Original ist in Fraktur gesetzt. Im Original gesperrter Text - ist _so ausgezeichnet_. - - Weitere Anmerkungen zur Transkription befinden sich am Ende des - Buches. - - - - - Wilhelm Bölsche - - Komet und Weltuntergang - - [Illustration] - - Erstes bis siebentes Tausend - - Verlegt bei Eugen Diederichs in Jena 1910 - - - - -Vorwort - - -Es besteht das Bedürfnis, in diesem Frühjahr den Weltuntergang -infolge eines Zusammenstoßes der Erde mit dem Halleyschen Kometen zu -proklamieren. Mehrere Menschen empfinden daraufhin den Wunsch, durchaus -ethisch zu werden; andere meinen, daß nunmehr aller gute Wein, den -die Menschheit auf Reserve angesammelt hat, ausgetrunken und alle -schönen Mädchen abgeküßt werden müßten. Für diese an sich löblichen -Bestrebungen können streng wissenschaftliche Grundlagen aus Anlaß -vorliegender Kometentheorien zurzeit noch nicht in ausreichendem Maße -gegeben werden. Das zu untersuchen und zu klären ist der Zweck des -vorliegenden Büchleins, das übrigens auch _nach_ dem Weltuntergang noch -mit Nutzen gelesen werden kann. - - _Wilhelm Bölsche_ - - _Friedrichshagen_ - Ostern 1910 - - - - -Der Himmel rötet sich von einer nordlichtartigen Glut. In sprachloser -Erstarrung stehen die Menschen. Es ist kein Nordlicht: es ist der -Weltbrand. Walhalla brennt, und nun muß alles mit. - -Wir alle kennen die Gewalt dieses Schlußbildes in Wagners Dichtung. -Es ist der höchste Abschluß, den die Tragödie erreichen kann. Das -Schicksal siegt, und mit dem Vorhang fällt die Welt. - -Die Götter haben Schuld begangen, sie haben die heiligen Verträge -gebrochen. Nun zieht der unerbittliche Urgrund der Dinge den logischen -Schluß. Die Schuld muß gesühnt werden, also muß Walhalla brennen. Da -unten aber steht das arme Häuflein Menschen und weiß: die da droben -fallen, so müssen auch wir kleinen Kerle nach in den Weltenbrand. Die -Walküre hat ihnen noch von der Seligkeit der Liebe gesungen. Aber -das galt schon einem späteren, einem vielleicht einmal bleibenden -Geschlecht. Was heute Mensch heißt, das muß mit in den schauerlichen -Hochofen, der da oben zu glühen beginnt. Götterdämmerung! Die -Menschendämmerung ist dann nur noch ein Anhängsel. - -Immer, wenn ich das sah, haben mir diese Menschen leid getan, die -mit als Opfer fallen, weil das Schicksal den Schluß zieht aus der -Schuld derer da oben. Schon in der Ilias hat das so ergreifenden -Ausdruck gefunden. Die da oben wirtschaften ins Tolle; sie haben einen -ungeheuren Krieg inszeniert; die hier unten müssen bluten, und all ihr -Heldenmut erreicht zuletzt doch nur, daß Patroklus sinkt und Hektor und -schließlich auch Achilles. - -Es ist aber ein eigentümliches Ding in der Welt: die Namen wechseln, -aber die Mächte und die Nöte bleiben immer wieder die gleichen. - -Im alten Babylon sind einst aus den Sternen Götter geworden. Für uns -heute sind die antiken Götter wieder in Sterne eingegangen. Und doch -hat sich die Situation wenig geändert. - -Auch für uns, naturwissenschaftlich geschulte Menschen, Bewohner des -fern im Sonnenraum mit dreißig Kilometer Geschwindigkeit in der -Sekunde dahinsausenden Planeten Erde, moderne Menschen von heute, -auch für uns bewegen sich auf der Weltenbühne immer wieder die drei -Mitspielenden. - -In der Tiefe das unergründliche Geheimnis der Natur. Diese dunkle Macht -hinter Leben und Tod, der wir verdanken, daß überhaupt etwas ist; aus -der wir aufblühen, in der wir versinken, wir, Sterne wie Menschen; -die nicht lobt und nicht anklagt, die überhaupt nicht redet, die, -wie Angelus Silesius singt, »ein ew'ge Stille« ist; aber die aus dem -Unnahbaren dieser ewigen Stille vollzieht, und deren unerbittliche -Waffe die ewige Logik ist, das ewige Kausalgesetz. Was getan ist, das -zieht seine Folgen nach, unabänderlich. - -Vor diesem absoluten Naturgrunde aber spielen sich zwei engere Szenen -ab. - -Im Raume schweben Gestirne. Sonnen um die Planeten kreisen. Unfaßbar -lange Zeiten hindurch halten sie sich in geregelten Bahnen ohne -Zusammenstöße. Auf uralten Verträgen scheint ihr Dasein über Äonen -fort aufgebaut. Will man es weniger vermenschlicht ausdrücken, so mag -man es Balancen nennen. Vielleicht sind sie in ganz grauen Tagen erst -selber mühsam erworben worden, die Balanceverhältnisse etwa unseres -Planetensystems. Als Ergebnisse unendlicher Kämpfe. Bis alles sich in -natürlicher Auslese des Passendsten, des Harmonischsten endlich so -zurechtgesetzt hatte, daß es nun auf lange Zeiträume hin wirklich hielt -wie in einem ehernen Garantievertrag. - -Erst jenseits dieser kosmischen Garantien tauchen dann die -Menschen auf. Entwickelt in der Ruhe eines solchen Planeten, -der jahrmilliardenlang ohne Stoß, ohne Katastrophe um seinen -Sonnenschwerpunkt, seinen Vertragsmittelpunkt, jahraus jahrein -friedlich kreiste. In gewissem Sinne selbständig, sind diese Menschen -doch unlösbar gekettet an diesen oberen Zusammenhang. Mit ihrem Stern -hängen sie in der großen Sternenbalance. Unablässig rollt die Erde -sich mit ihnen um sich selbst, um die Sonne, mit dieser Sonne auf -das Sternbild des Herkules los. Von überall her starren die Augen -der anderen Oberwelten sie leuchtend an, wenn ihr Blick zum Himmel -geht. Sie mögen für sich treiben, was sie wollen, diese Menschen da -unten, kleine Götter spielen, gut sein oder schlecht; immer ist all -ihr Spiel nur garantiert durch die Vertragstreue, die Harmonie, die -Balancesicherheit derer da oben. - -Und nun die alte Angst: wenn die dort einmal ihre Verträge -brächen. Wenn Sterne gegeneinander liefen. Wenn unserer Erde -kosmische Katastrophen drohten. Wenn diese heilige Himmelsruhe sich -lockerte, sich löste. Das unerbittliche Schicksal der Logik, der -Naturgesetzlichkeit würde auch hier den Schluß ziehen, ohne mit -der Wimper seines schwarzen Rätselauges zu zucken. Seht ihr, wie -der Himmel sich rötet. Ein Weltensturz kommt, eine Sternen-, eine -Planetendämmerung. Ein kosmischer Störenfried bricht den uralten -Erdvertrag. Weltbrand, und was seid ihr Menschen plötzlich da unten, -mit müßt ihr in die Hölle, in den planetarischen Hochofen. Der Krieg -der Götter ist entbrannt, und ihr müßt mit, der Held bei euch wie der -Feigling, unerbittlich. - -Andere Zeiten, andere Worte. Aber das gleiche Spiel, die gleiche Angst, -das gleiche Mitleid bleibt mit den armen Menschen. Die Himmlischen -inszenieren Troja und wir müssen brennen. - -Eines ist aber doch nicht mehr gleich heute. Seit den Tagen Homers -oder der Edda sind wir Menschen hier auf unserm irdischen Posten der -großen Mysterienbühne unvergleichlich viel kühner, viel stolzer, viel -selbstbewußter geworden. - -In der Zwischenzeit liegt unsere eigentliche große Mündigerklärung -zur technischen Erdherrschaft. Eine ganze Masse Dinge, die hier unten -damals noch kleine Götter spielten, haben wir selber in die Hand -genommen als gereifte, diesen Gewalten endgültig gewachsene Titanen. -Poseidon wird in unserer Kultur ein derber Arbeiter, der Blitz muß -unsere Apparate treiben. Wenn die Pest wütet, so zittern wir nicht mehr -vor den Pfeilen Apollons, sondern wir wenden mit Erfolg Bakteriologie -und Antiseptik an. Es ist auf dem Punkt, daß wir wirklich hier auf -dieser Erdoberfläche mit dem, was hier noch an »Oberen« spukte, -endgültig fertig werden. Prometheus siegt hier, wer kann daran nach den -letzten Jahrhunderten der Technik noch zweifeln. Es ist eine heillose -Arbeit gewesen und fordert noch eine heillose. Aber die entscheidende -Wende ist überschritten. Es hat doch etwas wie ein Symbol (wenn es -auch, das gehört zu den Resignationen des Lebens, im Moment der -Lächerlichkeit ausgeliefert ist), daß der Fuß des Menschen sich jetzt -auf den Pol setzt. Wenn das lenkbare Luftschiff darüber weg steuert, -so wird auch die letzte Lächerlichkeit des »Objektteufels« vor der -heiligen Stunde kapitulieren, wie immer. - -Kleine Schlappen, die wir auf diesen Gebieten noch erleiden, zählen -nicht. Gewiß: wir machen noch Dummheiten; wir bauen eine Stadt auf die -Zuglinie sich verschiebender Landmassen und sie stürzt im Erdbeben -ein; wir regulieren einen Strom nicht ausreichend und Paris steht -unter Wasser. Das sind aber keine Weltuntergänge, sondern wir wissen -eigentlich schon selber recht genau, worin wir es dabei versehen -haben und wie es künftig besser zu machen wäre. Es ist alles eher -als eine Utopie, daß wir zuletzt alle Ströme, die an Kulturstädten -vorbeifließen, wirklich ausreichend regulieren werden, daß wir die -besonders durch Erdbeben bedrohten Erdstellen abschätzen lernen und -eventuell Häuser konstruieren werden, die auch einen derben Stoß -aushalten. - -Und noch um ein Schwereres ringen wir: das Raubtier Mensch zu zähmen -in uns selber, Mensch mit Mensch uns zu vertragen (wir sind doch nun -einmal die Brüder von der gleichen Schicht des großen Mysteriendramas), -den heillos simpeln Gedanken uns endlich einzuprägen, den uns schon die -ganze niedere Lebensentwicklung zuschreit, daß man sich besser liebt -als frißt. Auch das geht noch durch seine Momente der Müdigkeit (die -ethische Resignation kommt sooft wie die technische), aber durch bricht -es doch zuletzt. - -Was wir in all dieser heißen, inbrünstigen Arbeit brauchen, das ist -bloß noch Zeit, noch Fortsetzung der Dinge bei uns, noch Folgen von -Generationen, die weiter schaffen, wo wir die Axt sinken lassen. Der -Einzelne: ja da muß auch manches resignieren; mindestens müssen wir -ihn dem Geheimnis zuletzt überlassen. Aber das ist doch das immer -wieder Befreiende, Erhebende, daß auch dieser Einzelne in seinen -paar Lebensjahren immerzu in seinen besten Momenten in größeren -Zusammenhängen der Menschheit wirken und gestalten darf, auf Dinge -hin, die ihn überleben sollen, die fortleben sollen bei wieder jungen, -wieder frischen, wieder neu blühenden Menschen. Ein Rächer soll aus -unsern Knochen auferstehen, lautete das alte Wort; uns ist Rache nicht -mehr so wichtig; wir erwarten einen Fortsetzer, einen Vollender, einen -Benutzer unserer Arbeit. - -Und doch sind wir Titanen der Erde machtlos gegen die da oben! - -Wir haben ja angefangen, auch sie zu studieren, wie der kluge -Odysseus anfängt, seine Götter etwas mit Schläue zu sondieren, -zu diplomatisieren. Wir haben begonnen, die Sternverträge selber -zu prüfen, die Balancen ängstlich durchzurechnen. Wir haben die -Erde gewogen, ihre Schwungkraft gemessen, Sonnen- und Siriusweiten -festgestellt, das himmlische Billardspiel der ganzen Planetenbahnen -durchgeprobt auf seine Garantien. Aber eine unermeßliche Kluft trennt -uns von jeder Möglichkeit, deshalb nun da oben selber mitzuspielen, -selber einzugreifen. - -Wenn sich da oben etwas verschiebt, das alle planetarischen -Sicherheitsverträge zu bedrohen beginnt, so können wir's gerade zur -Not kommen sehen: ändern aber können wir's nicht. Wenn die Erde in ihr -Verderben rennt: _wir_ haben keine Macht, sie zu hemmen. - -Es gibt eine höchst amüsante, wenn auch wissenschaftlich nicht gerade -sehr tiefe Geschichte von Jules Verne, in der drei Menschen in einer -Bombe aus Aluminium zum Mond sausen; aus Langeweile gehen sie während -der Fahrt die Rechnungen vom Observatorium zu Cambridge noch einmal -durch, die ihnen die Ankunft auf dem Mond garantieren sollen, und dabei -stellen sie einen Fehler fest, der alles umschmeißt und ihnen Rücksturz -und Verderben bedeutet; angenehme Entdeckung, während sie schon -fliegen! Aber ganz genau so fliegen wir alle längst durch den Raum, und -wenn irgendeine schauerliche Rechnung uns heute beweisen sollte, daß -ein fremder Weltkörper sich geradlinig auf uns los bewegt mit einer -Bahnlage, die absolut notwendig zu einer entsetzlichen Katastrophe -führen muß, so sitzen wir zugleich genau so hilflos eingeschlossen in -unserem Gehäuse wie die Helden Jules Vernes und müssen wahllos in unser -Verderben fliegen. - -Unsere wissenschaftliche Phantasie kann sich dabei heute schon recht -reinlich vorstellen, was geschehen müßte, wenn ein einigermaßen großer -und schwerer Weltkörper auch nur ganz nahe an uns herankommen würde. - -Durch die Anziehung müßte eine unglaublich hohe Springflut bei uns -entstehen, deren doppelter Wasserberg mit der Erddrehung rasch um -unsern ganzen Planeten wanderte, alles in einer katastrophalen Sintflut -ersäufend. Gleichzeitig würden alle unsere Vulkane in tobenden -Eruptionen ausbrechen, da die vom Druck jäh entlasteten Lavaherde und -Dämpfe der Tiefe alle zugleich hochquellen müßten. Das Einströmen der -Flutwasser in diese Feueressen aber müßte Explosionen erzeugen, bei -denen weite Landgebiete wie Trümmer eines platzenden Dampfkessels -in die Luft flögen; die berühmte Explosion des Krakatau von 1883 an -der Sundastraße, bei der auch der Ozean in den ausbrechenden Krater -geflossen zu sein scheint und eine Dampfsäule von fünfzig Kilometer -Höhe entstand, in deren Gefolge längere Zeit Änderungen der gesamten -Erdatmosphäre (abnorme Dämmerungsfarben durch Beimischung feiner -Vulkanasche) eintraten, wäre ein harmloses Kinderspiel dagegen. - -Bei noch weiter fortschreitender Entlastung würden aber allmählich -auch die tieferen Massen des Erdinnern unruhig werden. Man nimmt -heute ziemlich allgemein an, daß der eigentliche Sitz des Magmas, das -in unseren Vulkanen aufquillt, noch nicht in sehr großer Tiefe der -Erdrinde sei. Was noch tiefer liegt, das wird durch den wachsenden -ungeheuerlichen Druck der auflastenden Massen normalerweise so -gebändigt, daß es gar nicht mehr bis zu uns aufbegehren kann. Nach -gangbarer Hypothese liegen der Temperatur nach eigentlich gasförmige -Stoffe gegen den Erdkern zu infolge des Drucks in einem Stadium, -das sehr nahe der äußeren Erscheinungsform des Flüssigen oder gar -Festen kommt. Eine plötzliche Erregung dieser sonst heilsam gedeckten -Innensubstanzen würde erst das wirklich Grauenhafteste auslösen. - -Man kennt ja die Geschichte jener kleinen Fische, die in der Tiefsee -unter einem beständigen Wasserdruck bis zu tausend Atmosphären -leben; in ihrer Tiefe sind sie hübsch körperlich auf diesen Druck -eingestellt; wenn man sie aber plötzlich im Netz an die Oberfläche -bringt, platzen sie jämmerlich auseinander. Jener Inhalt des Erdkerns -würde entlastet sich ebenfalls als titanischer Explosivstoff bewähren -müssen. Mit unhemmbarer Gewalt würde er losbrechen, die Erde würde -statt einfacher Vulkanausbrüche Protuberanzen entwickeln nach Art -jener fürchterlichen roten Eruptionen von glühendem Wasserstoff und -Calcium, die viele Tausende von Kilometern hoch über die Oberfläche der -Sonne emporzuspritzen pflegen. Eine wirkliche Berührung der Erde mit -jenem zweiten Weltkörper würde, abgesehen von der dabei entstehenden -mechanischen Umsatzwärme, durch direktes Zertrümmern der schützenden -Deckschale der Erde endlich eine Gesamtexplosion dieser Kernsubstanz -mit ihrer so lange verhaltenen Energie hervorrufen, die für unsere -irdischen Verhältnisse geradezu als Götterdämmerung bezeichnet werden -könnte. - -Schon ein geringer Teil dieser Ereignisse würde aber genügt haben, das -dünne schillernde Schleimhäutchen von der Erdrinde fortzusterilisieren, -das wir (mit Einschluß des Menschendaseins) Leben nennen. Dieses -Häutchen, in mancherlei Gestalt von Schleimtröpfchen protoplasmatischer -Art über eine geringe Schicht der Erdoberfläche lose verteilt, ist -seinem innersten Wesen nach zwar seit alters ein wahrer Ahasver und -Proteus zugleich an Zähigkeit, wenn man ihm Zeit läßt, sich gegen -äußere Bedingungen langsam einzustellen und raffinierteste Anpassungen -fertigzubekommen. Es ist aber ebenso schwach, wehrlos, hinschmelzend -wie eine Qualle in der grellen Sonne, hinsprühend wie eine Hand voll -Spreu in der Flamme gegenüber jeder katastrophalen Bedrohung. - -Ein paar Stichflammen, wie jene schauerliche von Martinique, die in -einem Moment über dreißigtausend Menschen vernichtete, durch die -Kontinente rasend, würden das Land sofort veröden, eine auch nur -momentane Erhöhung der Meerestemperatur auf Siedehitze die Ozeane. -Als letzte Überlebende dürften noch Sporen von Milzbrandbakterien, -die hundert Grad trockener Hitze aushalten, und gewisse Algenpflanzen -der heißen Quellen des Yellowstoneparks in Nordamerika eine Weile -ausdauern, binnen kurzem aber natürlich auch ohne Erfolg. Der Mensch -mit heutiger Technik wäre jedenfalls längst vorausgegangen im Tode. - -Unwillkürlich verweilt der Gedanke auf dem Antlitz dieser Menschheit -bei sich nähernder Gewißheit eines solchen Endes. - -Es wäre eine letzte, furchtbar ernste Probe auf unsere geistige Kraft, -auf den letzten Stärkeschatz, der sich angesammelt im Verlauf dieses -wunderbaren, unwahrscheinlichen Märchens, das wir als Entwickelung der -Menschheit und Menschenintelligenz auf dieser Erde haben. - -Noch einmal würden sie wohl beide in letzter Kraft erscheinen, die -beiden Gestalten, die um diesen Menschen immer wieder gerungen haben -in all den Jahrtausenden seiner Geschichte: das alte Raubtier, -das mit allen Mitteln die Erdherrschaft an sich riß, das von dem -alten Kannibalenhügel von Krapina, wo sie noch Neandertalmenschen -geschlachtet haben, bis auf unsere Zeiten immer auf einer roten -Spur von Blut durch diese Geschichte gewandelt ist; und das ewige -Sonnenkind, das aus der anderen Tiefe der Natur, aus der schon der -Paradiesvogel den Sinn nahm, spielend seine Hochzeitslaube mit -bunten Federn und Beeren zu schmücken, die Kunst zog, das auf Denken -und hingebende Forschung, auf Weltanschauung, auf Liebe und Ethik -loswanderte, als die großen Neuländer, die mehr waren als alle noch so -hoch gesteigerte Raubtierkraft. - -Die Energie brutaler Rücksichtslosigkeit würde sich noch einmal -ausleben wollen, fast glücklich, daß sie endlich noch einmal alle -Fesseln brechen kann, mit denen sie wenigstens die Kritik des -verfeinerten Menschentums heute überall eingeengt hat; wie eine kleine -Explosion notdürftig gebändigter, unter den Kulturdruck gestellter -Innengewalten und Urgewalten des Menschen selber würde das schon bei -dem Gedanken an den Untergang entlastet vorbrechen, ehe noch jene -zerstörende Entlastung des Planetenkerns der Erde begönne. - -Aus einer andern wieder entlasteten Schicht würde über Tausende und -Tausende von uns die Gedankenwelt sich noch einmal als zäher Lavastrom -ausbreiten, wie sie in ihrem typischsten noch lebenden Beispiel Sven -Hedin kürzlich so anschaulich aus den Klosterstädten Tibets geschildert -hat: jene absolute Einstellung des ganzen wirklichen Lebens auf die -Welt eines geglaubten anderen, nachkommenden. Der Glaube, der Menschen -veranlaßt, viele Jahre ihres Lebens in einer bis auf einen schmalen -Spalt zugemauerten Zelle freiwillig zu verbringen und tagaus tagein, ob -nun die Sonne draußen scheint oder Wolken die Dinge verfinstern, den -ganzen Inhalt dieses Lebens auf das ewig gleiche mechanische Drehen -einer Gebetmühle zu verwenden, im felsenfesten Vertrauen, daß so eine -bestimmte Suggestion auf dieses Jenseits ausgeübt werde! - -Umgekehrt würde für diesen fieberhaften letzten Moment aber zweifellos -auch noch einmal das wie eine wirkliche Lösung, ein wirklicher Trost -hervorblühen, was dem armen, ringenden, blutenden Einzelmenschen -so unzählige Male immer wieder schon in diesem Leben geholfen hat: -der göttliche Leichtsinn des Menschen mit all seiner Grazie und -Liebenswürdigkeit; der heilige Leichtsinn, der sich, wenn unten die -Pest als Schnitter durch die Garben geht und uns alle mähen wird, in -eine lustige Halle setzt und Boccacciosche Märchen erzählt, dem Tode -einen goldenen Becher zutrinkt aus dem Wein, den sonst erst die Enkel -haben sollten, und von der heißen Lippe des schönen Mädchens geküßt -wird, von dem ihn sonst alle heiligen und profanen Wasser dieser Erde -auf ewig hätten trennen müssen. - -Schließlich glaube ich aber doch auch noch an ein letztes kleines -Häufchen von Menschen (Fazit des reinsten Entwicklungsgoldes der -Menschheit heute schon, wenn es auch nur eine kleine Schar ist), die im -Anblick des rot aufstrahlenden Himmels der Götterdämmerung das Beste -aus all diesen wechselnden Zügen der Kraft nach bewähren würden ohne -die Schlacken; die aus der eisernen Stärke des wilden Kämpfers, aus dem -tiefsten Sehnen und Resignieren des echten religiösen Kerngehalts, wie -aus dem sprühenden Trotz, der dem Tode zutrinkt, endlich den Heldenmut -der freien Seele in diesem letzten Scheidefeuer sich schmieden würden, -von dem des Dichters Wort gilt: - - »Wenn etwas ist, gewalt'ger als das Schicksal, - So ist's der Mut, der's unerschüttert trägt.« - -... Auch ein solcher Mensch würde aber doch die ganze Trauer empfinden, -die uns beim Tode eines Jünglings ergreift. Die Mummelgreise des -blasierten Denkens lügen ja: die Menschheit ist noch nicht alt. Sie ist -noch jung bis zur grünsten Dummheit. Sie wollte erst anfangen, wollte -erst beginnen, etwas zu leisten. Erst eben fing eine endlose dunkle -Naturarbeit an, in ihr einen Sinn zu bekommen. Nun ein glühender Hauch, -und das alles soll wieder umsonst gewesen sein. - -Vielleicht registrieren sie das Aufflammen der Erde auf einem andern -Stern. Einmal wieder eine kleine kosmische Veränderung. Wer weiß, nach -wieviel Zeit erst. Das Licht nimmt ja vierzigtausend Meilen in der -Sekunde und braucht doch Jahrtausende bis zu den entfernteren Sternen -unseres Milchstraßensystems. Dort schieben sich die Geschehnisse durch -die verspätete Lichtpost immer weiter und weiter zurück. Wenn die Welt -wirklich, wie der Kalender will, erst um 3761 v. Chr. erschaffen worden -wäre, so müßte dieses merkwürdige Ereignis für unsere Gegend schon auf -Sternen von mittlerer Entfernung jetzt noch unmittelbar beobachtet -werden. - -Nehmen wir an, es sei nicht zu einer vollkommenen Explosion des -Erdinnern gekommen, sondern es hätten bloß die Springfluten -und Basaltergüsse beim nahen Vorbeipassieren eines himmlischen -Störenfriedes die Menschheit vernichtet, so wäre es denkbar, daß nach -Äonen andere, mit weit erhöhter Technik wandernde Intelligenzwesen -diesen toten Ball besuchten. Vielleicht, daß sie bei künstlichem -Licht durch Schachte in die rätselhafte ungeheure Erstarrungsdecke -des ehemals glühend ausgeströmten Basalts eindrängen, wie wir heute -uns mit Fackeln hinableuchten lassen in die gespenstischen Räume des -Theaters von Herkulaneum, über das einst die heißen Schlammströme des -neu explodierenden Vesuv geflossen sind. Wie in jenem verschütteten -Theater würde da und dort eine Stufe, ein Säulenrest, eine geköpfte -Statue, eine Inschrift von der toten Menschheit zeugen und staunende -Neugier, gemischt mit einem Gefühl des Grauens, wecken. Ein -verklungenes Märchen, in der Nacht, der Tiefe versunken. Wie Atlantis, -wie Vineta der Sage. Nicht einmal seine Glocken klingen mehr. Lava -hält energischer im Bann als Wasser. Das ausgeträumte Märchen der -Menschheit ... - - * * * * * - -Lassen wir die Grauen und nehmen ein ganz aktuelles, überaus anmutiges -Naturbild. - -Die meisten von uns haben es in den letzten Tagen des Januar dieses -Jahres genossen. - -Nicht als Götterdämmerung, sondern in ihren gewohnten roten Abendfeuern -ging die Sonne zur Rüste. In dem zauberhaften Farbenbogen, der aus -duftigstem, durchsichtigstem Orangegelb, Mattgrün und ganz oben -Violettblau sich noch eine Weile leise abklingend im Westen hielt, trat -plötzlich hineinblitzend und dann rasch im eigenen Weißfeuer wachsend, -bis sie als neuer Mittelpunkt das Ganze beherrschte, die Venus vor. -Dieser schöne schneeweiße Planet, der uns so nahe ist und von dem wir -doch so rein gar nichts wissen, weil ein ewiger dichter Wolkenschleier -zäh das Geheimnis seiner Oberflächengestalt hütet. - -Dann aber, rechts von dem strahlenden Auge des Abendsterns, jetzt -ein zweites, ganz feines Himmelsgebilde. Wie ein phosphoreszierendes -Federchen eben hingehaucht vor den blassen Kristall des abdunkelnden -Himmels. Ein schwaches Sternchen, das aussah, als sei es an der -freien Wölbung da oben ein Stückchen weit auf die Sonne zugekrochen -und habe dabei eine feine Silberspur auf dem Untergrunde hinterlassen. -Im Fernrohr erschien ein goldener Kern in einer weißlich verwaschenen -Nebelhülle, nicht unähnlich einem ausgeschütteten rohen Ei; von dem -floß jene Silberspur dann als langer Schweif aus, mit der starren -Geradlinigkeit nicht eines Körpers, sondern viel eher eines breiten -weißlichen Lichtstrahls. Nahm man den Kern als ein gelbes Schiffchen, -das in einer Nebelwolke fuhr, so ergab sich mit großer Anschaulichkeit -auch das Bild eines Scheinwerfers, mit dessen langem schleppenden -Lichtbande die Gegend jenseits der Sonne von Bord aus abgesucht wurde. - -Dieses höchst eigenartige Gebilde, das ein paar klare Abende lang -die allgemeinste Aufmerksamkeit auf sich zog, um dann still wieder -zu verschwinden, wie es gekommen, war der sogenannte Komet von -Johannesburg. Bahnschaffner im fernen Kapland, wo Johannesburg mit -Kapstadt durch eine Schienenlinie verknüpft ist, hatten von einem -andern kommenden Kometen gehört und zuerst die Kunde verbreitet, daß -jetzt wirklich ein Komet am Westhimmel glänze; es war aber nicht der -erwartete, sondern ein ganz neuer. - -Aus den ungeheuren Raumesfernen zwischen der Sonne und den nächsten -Fixsternen kam dieser Komet herangewandert, wie ein Zugvogel in -den Schleiern der Nacht kommt. Wie solchen Vogel wohl die jäh -auftauchende Flamme eines Leuchtturms auf einer einsamen Klippe über -den nachtverhangenen Wassern ablenkt, daß er sich wie gebannt vom -Licht ihr nähern muß, so wirkte bei einer gewissen Nähe mit bestimmtem -Zuge auch unsere Sonne auf den kosmischen Wanderer. Er stürzte nicht -mehr geradlinig fort wie ein Stein, der in den unendlichen Brunnen der -Raumesewigkeit geworfen war. Er bog aus, beschrieb eine Kurve um den -Sonnenleuchtturm. - -Im Ganzen war es nur eine kurze Episode. Eine Verbeugung ohne -Verweilen. Sehr bald sollte ihn wieder die alte ungestüme Kraft des -freifallenden Körpers in der offenen Raumesöde packen und davonstürzen -lassen in den Brunnengrund des Alls. Aber in der kurzen Spanne, da -der kosmische Zugvogel in einem raschen Bogen an der strahlenden -Leuchtturmkuppel näher hinglitt, als wolle er sie wirklich einmal -ganz umkreisen: in diesem flüchtigen Moment geschah es, daß von einer -kleineren einsamen Klippe in der Nähe der großen der vorbeischwebende -Vogel _gesehen_ wurde. - -Diese Klippe empfing ihr Licht ganz von dem Leuchtturm. Auf ihr aber -standen Hütten; Menschen wohnten dort. Und diese Menschen beobachteten -vorübergehend den seltsamen Wanderer. Die Gelehrten erkannten in ihm -etwas wieder, was man schon öfter beobachtet hatte, eine besondere -Spezies kosmischer »Vögel«. Komet nannte man solche Gebilde seit -alters; das Wort heißt Haarstern; also ein Stern, der hinter sich her -ein langes silbernes Gelocke wallen läßt: den Schweif. - -Es ist aber ein recht sonderbares Ding gerade um dieses Sternenhaar. - -Wenn der Komet einsam da draußen, sonnenfern durch den unermeßlichen -Brunnen des Raumes einfach fällt und fällt, besitzt er keinen Schweif. -Er gleicht dann wirklich einem kleinen Sternchen gewöhnlicher Art, nur -blasser, verwaschener. Etwas von einem Wölkchen hat er wohl immer, -nur daß es jetzt noch ein rundes punkthaftes Wölkchen in kompaktester -Zusammenziehung ist. Aber indem die engere Kurve an der Sonne vorbei -beginnt, ändert sich da etwas. - -Das Kernköpfchen hat sich im Bann dieser Sonne, wie gesagt, bequemt, -eine kleine Reverenz zu machen. Aber dabei ist es jetzt vielfach -wirklich, als werde etwas in seiner Frisur unruhig. Wie Haar, das -sich sträubt, wogt seine Nebelhülle von dem eigentlichen Sternkopf -empor. Erst ist es, als fasse die Magie der nahen Sonne sie stärker. -Auf wallt sie gegen die Sonne hin. Aber alsbald auch scheint die -Sonnenhand wieder abzuwinken. In der gesträubten Masse über dem -Kometenhaupt entsteht ein Scheitel: rechts, links fließen für unsern -Anblick die Nebelhaare des wunderlichen kosmischen Gesellen rückwärts -gegen sein Hinterhaupt, entgegengesetzt zur Sonne, ab. Dort aber -entfalten sie jetzt, als löse sich nochmals ein engeres Gewebe, erst -ihre ganze Länge. Wie mit einem unsichtbaren Kamm strähnt die Sonne -sie weit, immer weiter von dem Kometenkopf fort, bis sie als endloser -Nebelschweif hinauswallen in den Raum, der die Sonnenklippe von den -andern Klippen des Systems trennt. Immer aber weht dieser Schweif fort -von der Sonne, so lange der Komet im ganzen seine Sonnenreverenz macht. - -So entsteht jenes famose Bild eines kolossalen Scheinwerfers, -der nach zähestem Gesetz nie auf die Sonne selber, sondern immer -entgegengesetzt gerichtet werden muß. Und das eigentlich ist es, was -für uns auf der fernen Erdenklippe die größeren Kometen zu einem so -wunderbaren Schauspiel macht: dieser erst sich entwickelnde Schweif -in der Sonnennähe, dieses plötzlich erst losgebundene und wie in -einem magischen Sturm von der Sonne weggewehte Lockenhaar gerade in -der Zeit, da doch im ganzen die anziehende Kraft dieser Sonne diesen -Gesamtkometen so gepackt hat, daß er in kühnster Schwenkung ganz nahe -an ihr vorbei muß; so nahe, daß dem Rechner bangt, ob es dem Kopf -nicht gehen werde wie so manchem Zugvogel auf unserem Helgoland, der -direkt auf Tod und Verderben bei zu kurzer Kurve wider die Kuppel des -Leuchtturms selber prallt. - -Der Komet von Johannesburg trat erst in unsere Schau, als er bereits -in voller Pracht seines weithin wallenden Schweifes florierte. Wir -hatten von unserm Klippenstande aus sein Herankommen zur Sonne und die -Schweifentwickelung also selbst nicht beobachten können. Erst als die -ganze Locke längst majestätisch dahinwogte, glänzte er plötzlich vor -uns auf. Schon aber ging auch sein ganzes Sonnengastspiel damit zu -Ende. Keinerlei wirkliche engere Gemeinschaft fesselte diesen Wanderer -dauernd an unsern Leuchtturm. Frei sollte er jetzt wieder hinausfallen -in den Brunnen der Unendlichkeit. Mit der Sonnennähe muß aber zugleich -auch sein »Haarsträuben« wieder abnehmen, die erregten Nebellocken -werden wie ermattet wieder sinken, der geheimnisvolle Zug, der die -langen Strähnen von der Sonne fortjagte, muß im gleichen Verhältnis -schwächer werden, wie der ganze Kometenkopf die Sonnenanziehung -verläßt und selber wieder auf eigene Faust in die dunkle Weite strebt. -Als wieder beruhigtes, gleichsam wieder ganz eingerolltes, ringsum -geglättetes Sternköpfchen würden wir das seltsame Gebilde endlich -verschwinden sehen, wenn wir ihm so lange mit unserm freien Blick -folgen könnten. - -Das Erlebnis dieses Johannesburger Kometen ist, wie gesagt, nur eines -unter vielen. Wenn noch einmal das Gleichnis des Zugvogels gelten -soll, so muß aus den Tiefen des Raumes zu unserer Sonne herauf ein -unablässiger Wanderstrom solcher Vögel erfolgen. In dichtem Zuge -kommen sie, schweben an, umkreisen die Leuchtklippe unseres Systems -halb und entschweben wieder, einer nicht endenden Kette himmlischer -Wildgänse gleich, in deren beständigem Zuge durch die Äonen der Zeit -das momentane Abbiegen, die kleine Halbkurve vor dem Hemmnis der -Sonnenklippe durchweg nur ein winzigstes Intermezzo ist. - -Durchweg; doch nicht immer. Es gibt Fälle, wo der Wanderer dauernd -gefesselt wird. - -Denken wir uns im Bilde der Wildgans einen Vogel, der bei zu tiefem -Fluge nicht einer einzelnen Klippe begegnet, der er in einer Kurve -ausweichen kann. Er soll in ein Gewirre himmelhoher Schären geraten; -wo er hin will, sperren ihm neue Klippenzacken den geraden Weg; ratlos -beginnt er um die Hauptklippe zu kreisen. Das ist nach Lebensanalogie -gedacht. Streng bloß auf Schwereverhältnisse umgesehen, bedeutet -es für den Kometen, daß er bei seiner Kurve zu eng in die gesamten -Anziehungslinien eines Systems, wie es unser Sonnensystem darstellt, -sich hineinverheddert hat. Dieses System ist ja ein unendlich -verwickelter Zugapparat. Von allen Seiten zerrt und drängelt es da. -Eine gewisse zu kühne Kurvenwendung zur Sonne: und der Komet rollt -nicht mehr über sie hinaus, sondern muß auch auf der andern Seite in -eine Kurvenbiegung hinein. Die Halbkurven schließen sich aneinander zum -gestreckten Kreis: der Komet ist gefangen von der Sonne. - -Nun muß er dauernd gleich den schon vorhandenen Planeten um die große -Leuchtklippe kreisen. Die alten Planeten selber helfen ihn dabei -gründlich abfangen. Speziell unser System ist darin bedenklich für -solche Eindringlinge, daß es eine leise Neigung zu dem hat, was bei -andern am Fixsternhimmel sichtbaren vielfach offen proklamiert ist, -nämlich zur Bildung eines Doppelstern-Systems. Der Planet Jupiter vor -allem ist so groß, daß er neben der Sonne wirklich schon fast eine Art -Nebensonne spielt, mit der zusammen im Kräftespiel die Zugverhältnisse -eines Doppelsterns beginnen. Der Jupiter wird, sobald ihm ein Komet -zu nahe kommt, auch schon zum gefährlichsten Beuger und Ablenker. Im -Engeren wie als Gesamtaddition wirken aber auch alle andern Planeten -schon mit. Kurz: in so und so viel Fällen wird es dem Kometen -unmöglich, wieder loszukommen. Aus der flüchtigen Reverenz wird eine -Vasallenschaft. Mag er noch so regellos, ohne allen Anschluß an die -alten Verträge der Glieder gerade dieses Systems hineingeplatzt sein; -mag er rückwärts laufen in der Richtung, wo alle Planeten vorwärts -gehen; mag er mit seiner Bahn sozusagen auf dem Kopf der andern stehen; -mag er in der Not einen Kreis zur Sonne als Bahn bekommen haben, der -das schier unmöglichste an Kreisstreckung duldet; mag er bei jedem -Sonnenumlauf alle Planetenbahnen schneiden mit einer Kühnheit, die alle -Urverträge hier geradezu zum Spott macht: mitlaufen muß er zunächst auf -gut Glück um die Sonne, wie die Planeten es allgemein vertragsmäßig -tun. In geschlossener Bahn, die nach gewisser Zeit allemal wieder in -sich selbst zurückführt. - -Ein solcher Komet, den die Sonne zu irgendeiner Zeit einmal aus dem -großen Brunnenabgrund des freien Raumes eingefangen hat, ist nicht der -Johannesburger; wohl aber ist es der andere, der seit kurzem in aller -Welt Munde ist, der berühmteste, denkwürdigste Haarstern unserer ganzen -menschlichen Kultur überhaupt: _der Halleysche Komet_; benannt nach dem -großen englischen Mathematiker und Astronomen Edmund Halley, geboren zu -Haggerston bei London 1656, nach einem Leben voll intensivster Arbeit -und glänzendstem Erfolge als Beobachter, als Rechner, als Weltreisender -im Dienste astronomischer und magnetischer Spezialuntersuchungen, -zuletzt als Direktor der weltberühmten Sternwarte zu Greenwich -gestorben 1742. - -Als jene schlichten Entdecker im Januar den Johannesburger Kometen -auffanden, meinten sie, er sei selber der Halleysche. Bis dorthin also -war bereits die große Sensation gedrungen, die gegenwärtig bei uns die -breitesten Wellen schlägt. Etwas ganz Ungeheuerliches, so hören wir, -soll sich nämlich in diesem Jahre (1910) mit dem Halleyschen Kometen -zutragen. - -Der Separatvertrag, zu dem dieser Halleysche Komet seit seiner Aufnahme -in unser System vom Gesetz der Schwere gezwungen wurde, lautete auf -eine Umkreisung der Sonne in (rund gerechnet) je 76 Jahren. Umkreisung -ist dabei aber nicht so zu verstehen, daß der Komet in einem echten -mathematischen Kreise laufen müßte. Er verfolgt nur eine Bahn, die nach -Art des Kreises wieder in sich selbst zuletzt zurückläuft. Im übrigen -hat sie die Gestalt eines langgestreckten Eies. Ihre eine Ecke ragt bis -über die Bahn des äußersten uns bekannten Planeten, des Neptun, vor, -ihre andere biegt dagegen noch weit innerhalb unserer Erdbahn ganz nahe -um die Sonne herum. Alle 76 Jahre muß der Komet also einmal bis über -die Neptunbahn hinaus und einmal zwischen dem Abstande der Erdbahn und -der Sonne durchschweifen. Da er immer langsamer bummelt, je mehr er -sich in dieser Zeit von der Sonne entfernt, bleibt er aber den größten -Teil der 76 Jahre in den entlegeneren Regionen, so fern von uns, daß -wir ihn von der Erde aus gar nicht wahrnehmen können. Wie ein Rennpferd -in einer ungeheuer ausgedehnten Arena entzieht er sich selbst dem mit -Ferngläsern bewaffneten Blick der Insassen unserer Erdenloge, die so -relativ nahe dem einen Ende des Zirkus, der Sonne, liegt. Und erst -ganz dicht vor dem Termin, da für die Sonnenecke die 76 Jahre wieder -einmal abgelaufen sind, sehen wir ihn jedesmal plötzlich auftauchen. -In rasendem Tempo stürmt er dann daher, um in vollem Galopp die -Sonnensäule zu nehmen. - -Seit man die Ziffer seines Umlaufs im Ganzen kennt, ist es diese -kurze Spanne je im 76. Sonnenjahre, wo man die Ferngläser nach der -Gegend, von wo er kommen kann, zu richten beginnt. Und man wußte nun -längst schon, daß mit der Wende von 1909 zu 1910 dieser Termin wieder -einmal eingetreten sei. Das wilde Roß mußte auftauchen. Und es ist -aufgetaucht, programmäßig wie je. - -Zuerst nur im stärksten Fernrohr; dann bereits im schwächeren; -endlich an der Grenze des bloßen Auges; binnen kurzem wird es jeder -mit freiem Blick genießen können, obwohl innerhalb gewisser Grenzen -der Pracht; denn gerade der Halleysche Komet ist zwar, wie gesagt, -der denkwürdigste aller Kometen, aber er hat deshalb nie zu denen -allerersten Ranges an Schönheit der himmlischen Entfaltung gehört. - -Aber eine andere Kunde sichert ihm dafür gerade diesmal das allergrößte -Interesse in der ganzen Kulturbreite des Menschenvolkes, das die -Erdenloge füllt. - -Bleiben wir einmal einen Moment bei dem Bilde des Zirkus. Hier sitzen -wir in der Loge. Nahe vor uns steigt in strahlender Pracht die eine -goldene Meta auf, die ragende Säule des diesseitigen Eckziels, um das -der Renner oder das Gespann, was es nun sei, herumsausen müssen. Lange -harren wir. Da endlich dampft eine dicke Staubwolke auf, es kommt, -es kommt. Aber auf der goldenen Metasäule wird gleichzeitig etwas -Besonderes inszeniert. Ein großer Ventilator ist dort in Kraft gesetzt, -dessen schwirrende Drehräder den Staub des Wettrenners beständig von -der blanken Meta selber wegblasen, daß er jenseits in weitem Zipfel -in die Arena hinausschatten muß. Jetzt der höchste Moment: der Renner -umsaust die Metaecke. Im Moment aber, da er unter brausendem Jubel -genau zwischen der Goldsäule und unserer Loge durchpassiert, geht -über uns die äußerste Ecke des senkrecht von der Meta fortgetriebenen -Staubzipfels als flüchtiger Schleier weg. - -Der Renner, der sich in rasendem Laufe heranstürzt, ist der Halleysche -Komet. Die goldene Meta, die er nehmen muß, ist (nach Ablauf wiederum -von 76 Jahren) die Sonne. Die Loge voll gespannter Beobachter nahe -dieser Meta ist die Erde. Dicht gedrängt stehen sie in höchster -Erwartung, viele mit Gläsern vor den Augen. Der Komet ist aufgetaucht, -in eine geheimnisvolle Nebelwolke gehüllt. Je mehr er sich der -strahlenden Sonne nähert, desto deutlicher ist es aber, als blase -von dieser Sonne irgendwie etwas in den Dunst hinein und jage ihn in -langem staubartigem Schweif beständig senkrecht von der Sonne selber -fort weit in die Planetenarena hinaus. Und nun ein höchster Moment -auch hier: der Komet passiert für eine kurze Spanne genau zwischen der -umbogenen Sonnensäule und unserer Erdenloge hindurch. Jenes Etwas, das -den Schweif des Kometen senkrecht von der Sonne abpustet, richtet seine -Kraft für einen flüchtigen Moment genau auf uns. Und der Schweif ist so -lang, daß er durch die ganze Arenabreite von dem dampfenden Renner aus -bis zu uns tatsächlich herüberschleift: seine äußerste Spitze erreicht -uns, streift uns, fegt über uns fort ... - -Im Zirkus gibt es etwas Staubschlucken, Knirschen auf den Zähnen, -Streichen mit dem Taschentuch. Die allgemeine Begeisterung über das -große Schauspiel reißt rasch darüber fort. Wie aber wird das Bild -hier weiter passen? Wie wird es werden, wenn der Schweif des Kometen -wirklich über unsere Erde fegt? - -Als Datum, an dem der Halleysche Komet eine Stunde lang zwischen Sonne -und Erde durchpassiert, ist (falls nicht noch unberechnete Störungen -der Bahn eintreten) die Nacht vom 18. zum 19. Mai dieses Jahres -angesetzt. - -Kurz vorher, um den 1. Mai, fegt der Kometenschweif aus viel größerer -Nähe über die Venus. Falls den planetarischen Logen durch den -kometarischen Staubwirbel ernsthaft ein Schaden geschehen sollte, -würden wir also schon zu diesem früheren Termin den Effekt an der -Venus studieren können. Wenn die Loge dort in äußerlich sehr grober -Weise unter einem Sandsturm einstürzen oder durch sprühende Funken -in Brand gesetzt werden sollte, so werden wir das auf jeden Fall -mit ansehen, ehe es uns selber noch entsprechend geht. Feinere -Wirkungen, die speziell nur das zarte planetarische Häutchen des -Lebens betreffen würden (ob es ein solches auch auf der Venus gibt, -wissen wir unmittelbar überhaupt noch nicht), ließen sich allerdings -auch so nicht ablesen. Zum Beispiel, wenn der Staub so dick wäre, -daß die Logeninsassen rein an ihm erstickten, ohne daß die Loge im -Ganzen zusammenstürzte. Oder gar, wenn es sich um eine Art kosmischen -Auto-Wettrennens handelte, bei dem die Schweifwolke, die über die -Loge fortginge, aus derartig konzentrierten Giftgasen im Sinne -hochgesteigerten Benzingestanks bestände, daß sie alle Zuschauer -vergiftete. - -Durch den realen Schweif eines fremden Weltkörpers, eines Kometen, soll -die Erde gehen! Stoff eines weithin sichtbaren, offenbar riesengroßen -kosmischen Gebildes soll von außen unsere Erde berühren. Es liegt -doch eine seltsame Stimmung über diesem Moment. Wer hat das Gefühl -nicht einmal gehabt: man geht in der vollkommenen Dunkelheit und -zuckt plötzlich zusammen, aus dem Unsichtbaren scheint einen etwas -zu berühren, eine Hand. Eine solche dunkle Hand aus dem All rührt an -uns mit dem Kometenschweif. Wenn in der Nacht der Himmel sich rötete! -Götterdämmerung ... - -Wenn man die Garantien sich vergegenwärtigt, die sonst unsere -Menschenloge im All schützen, so liegt die stärkste in den gewaltigen -Entfernungen, die im allgemeinen die großen Weltkörper voneinander -trennen. In rascher Bewegung, mit explosibeln Substanzen innerlich -geladen wie Bomben, bildete jeder für den andern eine beständig -brennende Gefahr, wenn eben nicht diese starken Abstände wären. - -Scheiner, der ausgezeichnete Astrophysiker, hat das gelegentlich in -ein anschauliches Bild gebracht. Denken wir uns die Sonne in den -Größenverhältnissen der Domkuppel zu Berlin. Dann liefe der nächste -Planet durch das Berliner Reichstagsgebäude. Die Venus schnitte durch -Tiergarten und Humboldthain. Die Erde berührte den Bahnhof Tiergarten. -Die Bahn des Mars läge bei Tempelhof, die des Jupiter über Spandau und -jenseits Erkner. Saturn kreuzte Liebenwalde und Nauen, Uranus schon -Wittenberg und Frankfurt a. O. Für den Neptun reichte Preußen nicht -mehr überall. Er kreiste dicht vor Leipzig und schnitte Stettin und -Magdeburg. - -Nehmen wir in diesen Abständen Eisenbahn- oder Hochbahnlinien, so -wird keiner an Zusammenstöße denken; es gibt keine Weichen, keine -bedrohlichen Gleisdreiecke. Nun aber gar in dem gleichen Bilde die -Entfernung der Sonne und dieses ganzen Systems bis zum nächsten -Fixstern. Wenn der Blick das Firmament sucht mit seinem Sterngewimmel -und man hört, daß der einheitliche bleiche Schein der Milchstraße -bloß für unser Auge entstehe durch die Zusammendrängung unendlicher -Sternmassen auf diesem Fleck, so kann die Frage kommen, ob in diesem -rinnenden Silbersande nicht beständig Sternenstäubchen gegeneinander -prallen müssen. Aber was für Räume liegen in Wahrheit zwischen diesen -Punkten, die für uns wie wehender Silberstaub durch die Himmelsweite -regnen! Wenn die Domkuppel die Sonne ist und der Neptun durch Magdeburg -passiert, so ist der schöne Doppelstern Alpha im Sternbild des -Centauren, unser nächster Fixstern, nahezu um das Doppelte der wahren -Entfernung des Mondes von der Erde von dieser Domkuppel entfernt, also -fast zweimal 51000 Meilen. Es hat etwas Schauriges, sich die lieben -Lichtpünktchen da oben, die so dicht gereiht glänzen und vereint die -hübschesten Sternbilder formen, gesondert zu denken durch solche kalten -Abgründe des Raumes, in denen den Wanderer das entsetzlichste Gefühl -der absoluten Öde ergreifen müßte. Und doch liegt eben in dieser Öde -die große Garantie für uns. Sie ist der heilige Grenzrain, der die -Karambolagen verhütet, sie schützt den Frieden der Gestirne. - -Keine der Bahnen unserer großen Planeten kreuzt eine andere. Nur -bei den kleinsten Körpern des Systems, wie den durchweg winzigen -Planetoiden, kommen Schnittpunkte der Bahnen vor; der eine oder andere -solcher Zwerge durchbricht die Jupiterbahn, einer, der Eros, schneidet -weit in die Marsbahn hinein. Aber gerade dieses unruhige Kleinvolk -liegt doch wie im Ganzen gebändigt und in eine ungefährliche Ecke -zusammengestrudelt an einer bestimmten Stelle des Systems aufgehäuft, -anstatt frei zu schwärmen; speziell unsere Erde wandelt ihm schon -sehr fern im wieder gereinigten Feld. Eine überaus günstige Stellung -für die Balance des ganzen Riesenapparats nehmen umgekehrt die beiden -Kolosse darin ein, Saturn und vor allem der Jupiter, der, wie gesagt, -dem Ganzen fast den Charakter eines Doppelstern-Systems gibt. Man kann -das ohne direkte Teleologie so ausdrücken, daß man sagt: die Balance -des Ganzen war eben nur möglich bei solcher Einstellung, und nur als -diese Lage sich endlich fand, erhielt das System endlich Dauer; das -entspricht dem Darwinschen Gedanken von der Erhaltung des Passendsten -aus vielen durchgeprobten Möglichkeiten; so lange sind die Dinge in -Urzeiten vielleicht immer wieder zusammengebrochen, bis sich die einzig -mögliche Dauerform endlich in dieser Anordnung herausgelesen hatte. -Gegen die geschichtliche Deutung in diesem Sinne ist gar nichts zu -sagen, aber das Resultat, das uns heute die glücklichste Stabilität der -ganzen Flugmaschine unseres Systems garantiert, bleibt das gleiche für -uns. - -Alfred Russel Wallace, der alte Mitstreiter Darwins, hat gelegentlich -ein dickes Buch darüber geschrieben, wie ausgesucht sicher für -eine lange ungestörte Fortexistenz intelligenter Wesen doch gerade -unsere Erde inmitten all dieser kosmischen Garantien sei. Mit den -sinnreichsten astronomischen Einfällen und Aussichten hat er das -durchgeführt. Herr Wallace ist, obwohl er selber seinerzeit der -Mitbegründer jener Theorie der natürlichen Zuchtwahl war, heute -der wunderlichen Ansicht, in uns Menschen steckten nicht nur -höchstentwickelte Intelligenztiere unseres Planeten selbst, entwickelt -hier in der jahrmillionenlangen ungestörten Ruhe dieses Planeten. Ihm -sind die menschlichen Gehirne vielmehr Wohnstätten fernher gewanderter -kosmischer Geister; aber diese Geister sollen sich eben die Erde -ausgesucht haben als gesichertste Wohnstätte im All. Eine spaßhafte -Idee an sich, die aber doch in der Phantasie eines kenntnisreichen und -geistvollen Forscherkopfes dafür zeugt, _wie_ sehr sich die glückliche -Raumlage der _Erde_ aufdrängt, von wo immer man an sie herangehe. - -Auch wer in die Zukunft spekulieren will, sich denkt, daß dort einmal -die Planetenbahnen sich änderten, daß die Sonne erkalten könnte, daß -nach Tausenden vielleicht von Billionen von Jahren die Eigenbewegung -der Sonne und der nächsten Fixsterne doch einmal zu einer uns -mitreißenden Fixstern-Karambolage führen könnte (Dinge, die notabene -alle heute nicht etwa bewiesen werden können, sondern im breitesten -Spielraum des reinen Spekulationsvergnügens liegen), wird aus dieser -bestehenden Lage doch mindestens noch eine Zukunftsgarantie für Frieden -ohne Katastrophe auf viele Jahrmillionen hinaus zugeben müssen. - -Auch daß der Raum, durch den wir alljährlich einmal mit der Erde -wandern, normalerweise niemals absolut leer ist, liegt aller bisherigen -Erfahrung nach nicht in der Linie ernsthafter Gefahr. Feine, unsere -Bahn kreuzende Stoffteilchen verpuffen schon an den obersten Schichten -des großen Deck- und Puffermantels, den unsere Atmosphäre bildet, -allnächtlich zu völlig harmlosen Sternschnuppen. Mikroskopischer -kosmischer Staub, der sich da und dort auch aus solcher Quelle bei -uns anhäuft (z. B. in der Tiefsee), geniert niemand. Einzelne größere -meteorische Metall- oder Steinbrocken, die gelegentlich doch noch in -einer gewissen derben Greifbarkeit zu uns herunterkommen, haben eine -eigentlich verderbliche Rolle auch noch nie gespielt. An sich sind sie -so selten und meist so unauffällig, daß lange genug wissenschaftlicher -Streit sein konnte, ob sie überhaupt vorkämen. Das ist nun zwar heute -erledigt, aber die Wahrscheinlichkeit, daß auch nur ein Einzelmensch -gerade von einem Meteorstein vernichtet werden solle, liegt weit -unter der, daß der Betreffende zweimal hintereinander das große Los -gewinnen solle. Selbst einzelne größere Blöcke, die man nachträglich -gefunden und mit mehr oder weniger Sicherheit als meteorisch bestimmt -hat, können nur so minimalen Schaden auf winzigem Fleck getan haben, -daß die geringste irdische Vulkaneruption als wahre Riesenkatastrophe -dagegen erscheint. - -Alle diese normalen Verträge aber, darüber ist nun wirklich kein -Zweifel, bricht der Komet. Er rennt unter Umständen nicht nur senkrecht -in die Planetenkreise hinein, sondern er entwickelt auch aus sich -heraus körperliche Größenverhältnisse, die jene planetarischen -Zwischenräume belanglos machen. Es gibt Kometen, die in der Sonnennähe -Schwänze von zwanzig Millionen Meilen Länge entwickelt haben. Das ist -nahezu das Dreifache unserer kleinsten Erdentfernung vom Mars und fast -das Vierfache von der Venus. Wenn ein solcher Komet beinahe viermal -so weit wie die Venus von uns entfernt stände und seinen Schweif auf -uns eingestellt hätte, müßte dieser Schweif uns noch energisch über -den Kopf schlagen, angenommen, daß er die Beschaffenheit einer harten -Pritsche hätte. Er könnte dabei auf der Sonne sitzen und uns doch über -den ganzen Zwischenraum hindurch, quer durch Merkurbahn und Venusbahn, -einen Stüber versetzen. Wenn der Komet wirklich mit einer Pritsche -hauen kann oder wenn er uns in seinem Schweif mit etwas anpustet, das -uns versengen oder vergiften muß, so sind wir bei solcher Sachlage -einfach verloren. Das Damoklesschwert hängt bei der notorischen Menge -der Kometen immerfort über uns. Das Unheil, das uns jetzt in der Nacht -vom 18. zum 19. Mai drohen soll, ist nur die Krisis eines chronischen -Leidens, das auch außerhalb des angesagten Termins jeden Tag ausbrechen -kann. Der Halleysche Komet ist ja einer der wenigen in ihrem Lauf -sicher berechneten. Andere kommen beständig unverhofft; so eben der -Johannesburger. Wenn ihre Pritsche zufällig so liegt, daß sie zu uns -heranlangt, kann täglich, stündlich die große Katastrophe eintreten. -Die offene kosmische Garantielosigkeit ist hier proklamiert. - -Wenn ... ja, wenn der Komet eine Pritsche oder sonst irgend etwas -Gefährliches hat. Das ist die entscheidende Frage. Was ist ein Komet? - -Von den Planeten wissen wir, daß sie Lokomotiven sind. Ein -Zusammenprall bedeutete eine entsetzliche Katastrophe. Aber wenn -von der Lokomotive eine lange Dampfwolke in die grüne Wiese hinein -verloren wird und dieser Dampfschwaden einen Spaziergänger für einen -Moment einhüllt, so ist das keine Katastrophe. Wenn auf dieser Wiese -im Herbstabend Erlkönig seine Nebelschleier spinnt und die Lokomotive -durch diese Schleier saust, so ist das keine Katastrophe. Ist der -Komet eine kraftzitternde ungeheure Lokomotive ... oder ist er eine -harmlose Rauchsäule, ein Nebelstreif aus den Wiesen des Alls? Sein oder -Nichtsein für uns, das ist hier die Frage. - - * * * * * - -Still glänzt das silberne Wölkchen da oben, das jetzt nachweisbar seit -rund zwei Jahrtausenden alle sechsundsiebzig Jahre immer einmal wieder -in unser Menschenwesen hineingeschaut hat. Immer wieder hat es uns -dabei in neuen Stadien dieser Frage gefunden. Wenn der Halleysche Komet -ein Geschöpf wäre wie wir, das Erinnerungen sammeln und wiedererzählen -könnte, so würde er uns ein merkwürdiges Buch schreiben können von Wahn -und Hoffnung der Menschen, wie sie in diesen Abständen auch gravitiert -haben um das dunkle Zentrum jener Frage. Zweimal tausend Jahre hat er -uns Zeit gelassen, endlich Stellung zu ihm zu nehmen. - -Das Jahr 11 vor Christi Geburt ist das älteste Datum, bis zu dem man -ihn ziemlich sicher verfolgen kann. Wenn man die je 76 Jahre nur als -runden Wert nimmt, bedeutet das für heute also gerade das Jubiläum -seiner fünfundzwanzigsten Wiederkehr. - -In Bezug auf Störungen wie Zerstörungen (wir haben von diesem Begriff -bei Kometen gleich noch zu reden) muß er in dieser langen Zeit eine -relativ recht glückliche Lage gehabt haben, es steht also nichts im -Wege, sich zu denken, er komme in Wahrheit sogar schon viel länger. - -So mag er schon in die Zeiten der alten Babylonier hineingeleuchtet -haben, in jenen ersten Frühling astronomischer Forschung, aus dem uns -gerade über Kometen schon eine Meinung und zwar eine gleich zu Anfang -überraschend treffende überliefert ist. Wie Fische, hieß es, tauchten -sie ab und zu in die Tiefen ihres Meeres, der fernen Himmelsräume, so -daß man sie nicht mehr sehen könne; zu ihrer Zeit kehrten sie aber -wieder aufsteigend in unsere Nähe zurück. Der Begriff des wandernden -Weltkörpers, der gleich den Planeten in einer Bahn lief, war damit zum -erstenmal gefaßt. Und diese Ansicht sollte in der ganzen Antike bis zu -ihrem Schluß nie mehr ganz verloren gehen. - -Als der Komet in die Glanztage von Hellas hineinleuchtete, war sie die -Lehrmeinung der Pythagoreer, die sogar direkt annahmen, im Kometen -stecke eine Art Planet. Als er aber wiederkam kurz nach dem Tode des -Aristoteles, hatte sich eine zweite Deutung entgegengestellt, die nun -auch ein zähes Leben haben sollte, obwohl sie den verhängnisvollsten -Irrtum enthielt. - -Aristoteles lehrte, ein solcher Komet sei alles andere eher als ein -frei kreisender Weltkörper. Eine flüchtige Erscheinung unseres engeren -Luftkreises sei er nur; ein vom Erdboden aufgedunstetes leuchtendes -Wölkchen also, das sich bildete und zerfloß; wir heute würden sagen: -etwa wie ein Nordlicht, das man damals auch für brennenden Nebel hielt. -In dieser Zeit war zwar noch nicht abzusehen, was Aristoteles für -eine Macht werden sollte weit über die ganze Antike hinaus. Aber zwei -Meinungen gingen fortan durch diese Antike selbst, die sich gegenseitig -grell ausschlossen. - -Die erste historisch bezeugte Wiederkehr des Kometen nach Christi -Geburt, um das Jahr 65, fiel in das Todesjahr des geistvollen -Römers Seneca. In einem liebenswürdigen kleinen Plauderbuche über -naturwissenschaftliche Fragen, das man vielleicht als die früheste -erhaltene populärwissenschaftliche Feuilletonsammlung bezeichnen kann, -bekannte sich Seneca durchaus noch zu der pythagoreischen Idee. Die -Kometen sind ihm Gestirne wie Sonne und Mond, in festen Bahnen laufend; -eine Zeit werde kommen, da man diese Bahnen sicher berechnen werde; -eine erste gute Prophezeiung, die von einem feinen Kopf vor Kometen -gewagt wurde. - -Aber eben in diesen Tagen lebte auch der dicke Admiral Plinius, der -eine Art Konversationslexikon des damaligen Wissens zusammenstoppelte, -in seiner Art ein grandioses Werk, das uns unendlich viel gerettet hat. -Herr Plinius, der »große Meyer« also jener Zeit, urteilt selten, meist -kompiliert er verschiedene Ansichten. Auch von den Kometen weiß er, -daß die einen sie für echte Gestirne halten, die andern für brennenden -Qualm, der aus Feuchtigkeit und Feuerstoff entsteht und sich bald -wieder auflöst. - -Aber dazu bringt er nun einen aparten Qualm, aus dem plötzlich deutlich -wird, was für eine dritte Meinung sich allmählich im Volk und speziell -bei den Kulturrömern durchgekämpft hatte und zur Stunde unabhängig von -aller Wissenschaft sozusagen auch offizielle Hof- und Staatsräson des -römischen Cäsarenhauses war. Die Kometen hatten nicht nur allerhand -seltsame Gestalten; Plinius unterscheidet Bartsterne, Schießsterne, -Schwertsterne, Scheibensterne, Tonnensterne, Hornsterne und -Lampensterne. Sie erschienen auch nicht nur ab und zu ganz plötzlich. -Sondern sie _bedeuteten_ etwas. Sie selber taten uns nichts, aber sie -verkündeten, daß etwas geschehen werde. Sie hatten sozusagen einen -moralischen Sinn außerhalb aller unmittelbaren Naturerklärung. - -Diese Vorstellung führte aus allem naturwissenschaftlichen Denken -heraus, sie war der einfache Bankerott jeglicher Wissenschaft -überhaupt. Aber in der breiten Volksmasse jener Zeit war sie -offenbar damals bereits längst die beliebteste, und es war bloß -charakteristisch, daß sie jetzt auch nach oben zu sich anschickte, das -Denken zu erobern und die dort gefundene Logik wieder zu entthronen. - -Charakteristisch ist aber zugleich, wie der menschliche Pessimismus -sich mit ihr der Sache bemächtigte. An sich ist eine moralische -Vorbedeutung doch indifferent, sie könnte auch Gutes bedeuten. Plinius -selbst erzählt von Augustus, dem schlauen Herrschaftskünstler, der -sich alles mit Geschick zurechtzulegen wußte, wie er einen herrlichen -Kometen seiner Zeit, der »in allen Ländern gesehen wurde«, als -Glückszeichen seines Regimentsantritts nahm und ihm sogar einen -besonderen Tempelkultus weihte. Aber dieser Optimismus hielt nicht -stand. - -Von allen andern Kometen weiß der große Kompilator nur Schauderhaftes -an Vorbedeutung zu berichten, Bürgerkrieg und Blut und Gift. Mit -einem Kometen kommt der böse Nero zur Regierung, und mitten in seinen -Greueln taucht schon wieder einer auf, der »lange sichtbar und von sehr -schlimmem Einfluß war«. Über den letzteren kann kaum ein Zweifel sein: -es ist eben unser Halleyscher von Senecas Todesjahr. Also er selber -jetzt Unglücksprophet! - -Alles an den Kometen dient nun dieser amtlichen Magie, selbst das -Sternbild, vor dem sie erscheinen; geschieht es im Gestirn der -Schlange, so bedeutet das nach Plinius Vergiftung; trifft es auf -gewisse Leibesstellen der imaginären Sternbilderhelden, so kommen -skandalöse Sittenzustände. Zu diesen Dingen hatte das finsterste -Mittelalter und Nachmittelalter wenig hinzuzufügen: das ganze Rezept -ist schon bei Plinius fertig. - -Viermal hat der Halleysche Komet darum doch noch in den großen -Abendglanz der echten freien Antike hineinleuchten dürfen. Als er 373 -n. Chr. wieder in seine Sonnennähe kam, lehrte zu Alexandria noch -der Mathematiker Theon (ein Zeitgenosse des bekannten Pappus), und -er lehrte, wohl im letzten verglühenden Rot des Pythagoreertums, daß -die Kometen reisende Lichtwolken seien. Dieses liebenswürdigen Mannes -geniale Tochter Hypatia bestieg selber einen Lehrstuhl der Astronomie -und Mathematik. Sie aber wurde, zum vollgültigen Beweise, daß die große -Weihezeit des antiken Gedankens nun wirklich zu Ende sei, folgerichtig -von fanatischen Mönchen auf offener Straße zu Tode mißhandelt; -der Halleysche Komet befand sich zu dieser Zeit in der Gegend der -Neptunbahn. - -Mehr als ein dutzendmal mochte er aber jetzt wiederkehren, ohne daß die -endgültig festgefahrene Sache sich rückte und regte. - -Für die Wissenschaftler des Abendlandes wurde Aristoteles zur -naturgeschichtlichen Bibel, im besten Falle blieben die Kometen also -für mehr als tausend Jahre Kulturdenken jetzt durchaus nur brennende -atmosphärische Dünste; kein Araber ist zum Beispiel darüber mehr -hinausgegangen. An Stelle der Kausalerklärung für diese Qualmphänomene, -wie sie Aristoteles selber noch gefordert hätte, trat aber in ganzer -Breite, im Volk, bei Hof und amtlich und schließlich auch auf weitaus -den meisten Professorenstühlen die einfache rohe Moraldeutung: der -Brandqualm war von Gott als Fackel entzündet, damit wir aufmerksam -wurden, es kam etwas, und zwar natürlich etwas Unangenehmes. Auf der -katholischen wie später der reformierten Kanzel sah man im Kometen -ein Bußzeichen. Fatales hatten die Zeiten ja genug, Pest, Hungersnot, -Wasserfluten, Hunnen und Türken, böses Regiment und streitenden -Glauben. In der Menge gingen Verschen um, daß ein Komet am Himmel acht -Hauptstücke bedeute: »Wind, Teurung, Pest, Krieg, Wassersnot, Erdbeben, -Ändrung, eines Herren Tod.« Die armen Menschenkinder hatten sozusagen -zum Schaden den Spott. Nach ließ das Schicksal ihnen nichts, und aus -eigener Kraft konnten sie's so rasch auch nicht andern; so stand die -Kometenprophezeiung am Himmel wie ein Tort, bloß damit man sich auch -schon vorher ängstige. Mit mehr Haß sind die »Lichtwolken« Theons wohl -nie angeschaut worden als damals, wie denn sogar eine launige Sage -einen resoluten Papst, Calixtus III., gegen unsern Halleyschen Kometen -bei seiner Wiederkehr von 1456 den Kirchenbann schleudern läßt wegen -ungehöriger Beunruhigung der Christenheit. - -Der Komet wanderte nach diesem luftigen Intermezzo abermals auf -seine Neptunsecke zu, als zu Thorn Kopernikus geboren wurde. -Kopernikus lebte noch, als er 1531 wiederkam. Die größte Tat -der Astronomie war aber bereits geschehen, die neue Ansicht vom -Bau unseres Sonnensystems handschriftlich niedergelegt und im -engsten Freundeskreise bekanntgegeben. Sie bedeutete auch für die -alte babylonisch-pythagoreische Lehre, nach der die Kometen in -planetenhaften Bahnen liefen, den großen Fortschritt, daß jetzt Planet -wie Komet ausschließlich um die Sonne statt um die Erde gingen; eine -Ahnung dieses Sachverhalts hatte freilich in ihrer besten Zeit auch die -Antike selber schon einmal gehabt. - -Gerade die Kometentheorie war aber inzwischen so verbaut worden, daß -die Halleysche Lichtwolke noch gut zweimal wandern konnte, ehe man nur -so weit war, den antiken Obergedanken für sie aus all dem Wust wieder -zurückzufinden. Verlangte man doch lange nach Kopernikus noch vielfach -bei der Zulassung eines Professors das ausdrückliche Zeugnis, daß er -nicht nur überhaupt mit Aristoteles, sondern auch speziell mit seiner -Kometenerklärung als brennendem Luftqualm einverstanden sei. - -Rücken mußten die Dinge indessen endlich doch. Die Hochflut -astronomischer Ketzerei, die der sanfte Domherr zu Frauenburg angeregt, -ließ sich dauernd nicht mehr eindämmen. Als der Komet 1607 wiederkam, -bereitete sich gerade der Hauptschlag bei Galilei vor: das Fernrohr war -erfunden worden, und wenig später kamen jene heiligen Entdeckernächte, -da zum erstenmal ein brennendes Menschenauge die Monde des Jupiter, die -Bergschatten auf dem Monde, die Sichelgestalt der Venus, den Saturnring -und die Sternmyriaden in der Milchstraße sah. In diesen Nächten tagte -es für den Geist unaufhaltsam. - -Der Halleysche Komet war noch nicht zwanzig Jahre wieder auf der -Neptunfahrt, da sprach Kepler aus (was schon Tycho de Brahe vermutet -hatte): die Kometen könnten nicht Gebilde unseres Luftkreises -sein, denn sie ständen laut simpler Messung von zwei verschiedenen -Beobachterposten aus mindestens höher am Himmel als der Mond. Damit -war die Natur als »Gestirne« wenigstens wiederhergestellt, der Komet -aus Moralqualm und aristotelischem Luftqualm neu für die Astronomie -gerettet. Kepler selbst glaubte dabei noch an lauter fast geradlinige -Bahnen neben der Sonne hin, so daß also niemals der gleiche Komet -wieder zu uns zurückkehren könnte. Die Kugel begann aber zu rollen. -Das ungeheuer beschleunigte Tempo erneut freien wissenschaftlichen -Forschens, das sich bis heute hält, hatte eingesetzt, und vor ihm -bedeuteten 76 Jahre, die man früher hatte verzehnfachen müssen, um -über das einförmige Denken einer Epoche zu kommen, auf einmal einzeln -sehr viel. - -Nur noch viermal ist der Halleysche Wanderer seitdem wiedergekommen, -jede Rückkehr gab aber jetzt einen geradezu kolossalen Einschlag. - -Als er 1682 seine goldene Sonnenmeta nahm und dabei neu auch in -Menschenaugen glänzte, schrieben zwar eifrige Theologen noch -Traktätchen über die Zauberkraft des Gestirns, aus Rom berichtete man -von einem wunderbaren, mit dem Bilde eines Kometen versehenen Ei, das -eine Henne in solcher Kometenstunde gelegt haben sollte, und in Glarus -exemplifizierte jemand eben an Halleys Komet noch einmal mustergültig -hübsch in einer besonderen Schrift die vorsätzliche Zuchtruten-Natur -aller Kometen, womit Gott den Menschen zu verstehen geben wolle, »daß -sie sich des Rutenschlagens öfters sollten erinnern«. - -Aber in der ernsten Gelehrtenzelle gingen Dörfel und Bernoulli -zur gleichen Stunde schon unbeirrt an die Bahnberechnung dieser -Eierzauberer und Gottesruten. - -Dörfel erfaßte das Gesetz der großen Bahnbiegung, die auch ein -ursprünglich geradlinig wandernder Komet in der Sonnennähe erleiden -müsse, er faßte also endgültig etwa das, was uns heute der -Johannesburger Komet, den die Sonne zwar zu sich heranbiegt, aber nicht -dauernd fangen kann, vormacht. - -Bernoulli träumte (im Kern auch mit einem richtigen Ansatz) von der -engeren Vasallenschaft der Kometen zu unbekannten Planeten jenseits der -Saturnbahn; wenn aber irgendwo eine solche Vasallenschaft »gefangener« -Kometen schon existierte, so mußte sich auch für sie eine dauernd -zurückführende Bahn berechnen lassen: ihre periodische Wiederkehr zur -Sonne mußte sich vorher verkündigen lassen. - -Aus allem Wust und Nebel blödsinniger Prophezeiungen, die der -Komet selber tun sollte, hob sich endlich wieder die alte Form -wissenschaftlicher Prophezeiung vom Menschenstandpunkt aus gegenüber -dem Kometen, wie sie Seneca schon verkündet hatte, indem er -prophezeite, man werde noch einmal in dieser Form prophezeien können. - -Es war das Problem des Halleyschen Kometen jetzt selber, das erste -Gestalt annahm, obwohl noch niemand direkt an ihn dabei dachte. - -1759 war nach seinem kosmischen Vertrage das nächste Jahr seiner -Wiederkehr. Als diesmal der Termin kam, schauten vollkommen neue Augen -auf ihn. Das Größte war inzwischen wirklich getan. Menschengeist hatte -diesen Vertrag begriffen. Und auf Grund dieses Vertrages war die -Wiederkehr des Kometen zu diesem Jahr auf Grund wissenschaftlicher -Rechnungen tatsächlich prophezeit worden. - -Halley hatte die Tat getan. Noch einmal stand ein überragender Genius, -einer der ganz Großen, zwischen der letzten und dieser Kometennähe: -Newton. Seine Methode himmlischer Rechnung war für Halley schon -maßgebend, als er 1705 eine der scheinbar einfachsten und doch damals -noch kühnsten Vergleichungsarbeiten der ganzen Astronomie unternahm. Er -verglich die von ihm errechneten Bahnen von drei Kometen der letzten -beiden Jahrhunderte, von 1531, 1607 und 1682. Und aus den gleichmäßigen -Ziffern zog er den Schluß, daß es sich um ein und denselben Kometen -handeln müsse, der in rund gerechnet 76 Jahren je einmal in -geschlossener Bahn die Sonne umkreise, also alle 76 Jahre auch einmal -so in unsere Erdnähe kommen müsse, daß wir ihn sehen könnten. - -Damit war der Vertrag dieses Kometen in Halleys Hand. Er konnte nach -drei sicheren Vergangenheitsziffern wagen, auch eine Zukunftsziffer -aus ihm herauszulesen. Auf der Wende von 1758 zu 1759 mußte der Komet -wiederum sichtbar werden. - -Menschengeist dringt über Äonen der Zeit, über unermeßliche Weiten -des Raumes. Aber die enge Schale, aus der diese wunderbare Flamme -lodert, verzehrt sich rasch selbst. Hier gilt es resignieren. Als -Halley seine grandiose Prophezeiung wagte, stand er bereits dicht vor -dem fünfzigsten eigenen Lebensjahr. Mehr als fünfzig Jahre sollten -noch einmal darüber hingehen, ehe sein Komet wiederkam. Er hat ihn -selber nicht mehr erlebt. Aber als er wirklich kam, unter höchster -Spannung aller Wissenden genau zu dem Termin erschien: da erinnerte -man sich, daß es »sein Komet« für alle Zeiten bleiben müßte. Statt -einer Jahresziffer erhielt zum erstenmal ein Komet einen Menschennamen: -Halleys Komet nannte man ihn. - -Einer jener glücklichen Autodidakten, wie sie in der Geschichte der -Wissenschaft immer wiederkehren, ein Bauersmann bei Dresden, der hinter -seinem Pfluge ging, dabei aber Botanik und Trigonometrie, Physik und -Philosophie auf eigene Faust bis zu gründlichster Tiefe studierte, -Johann Georg Palitzsch, hatte um Weihnachten 1758 den großen Fund -gemacht und als erster im Fernrohr den _erwarteten_ Kometen gesehen. - -Das Symbol der unberechenbaren Weltordnung, die mit dem Wunder des -Kometen das Wunder irdischer Schrecken ansagte, besiegt durch die -Ziffern wissenschaftlicher Rechnung! Diese Wiederkehr von 1758/59, -die in das Zeitalter Friedrichs des Großen und Voltaires fiel, zehn -Jahre nach Goethes Geburt, ist ein Weltanschauungswert für unsere -ganze Kultur geworden weit über alle engere Kometentheorie hinaus. Mit -unerwartet andersartigen Zinsen zahlte sich jetzt der kühne Streich -aus, der aus solchem himmlischen Lichtwölkchen einen _moralischen_ Wert -gemacht hatte. - -Inzwischen ging der Komet selber, der jetzt an einer Stelle seines -Systems, dem er angehörte, einen Namen besaß, wieder ungestört auf -seine Neptunswanderung. Er überschlug die ganze Epoche Goethes und -fand sich erst, übrigens durchaus programmäßig, im August 1835 bei uns -wieder ein. - -Im ganzen war die Luft jetzt gereinigt; wir wollen milde sagen, noch -nicht auf der ganzen Linie der Weltanschauung, aber doch zweifellos -in der Kometentheorie. Die Kometen gehörten selbst im weiteren Kreise -nicht mehr der überweltlichen Pädagogik, sondern dem Gravitationsgesetz -an. - -Im Jahre 1770 hatte Herr Semmler, Mathematikprofessor zu Halle, schon -als Friedensweg vorgeschlagen, es könne nichts schaden, beim Anblick -der Kometen jedesmal an die sittliche Besserung zu denken, aber einen -wirklichen Einfluß »in die sichtbare Körperwelt, in die Reiche, -Republiken und Regierungen der Menschen, könne man den Kometen nicht -zuschreiben, weil sie so weit von der Erde entfernt bleiben, daß sie -nicht das Geringste in derselben wirken können«. Die Welt war aber -infolge von Spinoza, Voltaire, Goethe und andern inzwischen so verderbt -geworden, daß sie sogar über Herrn Semmler eine stille Heiterkeit nicht -ganz unterdrücken konnte. - -Indessen, seltsam genug, der Halleysche Komet fand eine neue Stimmung -vor, die doch in einem Punkte wiederum gegen die offene und helle -Entdeckerfreude von 1759 bedenklich abstach. - -Gerade die damals so wundervoll bestätigte Idee, daß also wirklich -Kometen wie echte planetarische Vasallen regelmäßig um die Sonne laufen -könnten, hatte sich in der Zwischenzeit so fest eingebürgert, daß -sie auch die phantasiefrohen, zu weitesten Spekulationen aufgelegten -Elemente der Denkerwelt notwendig umfassen und anregen mußte. Nachdem -in der jäh eingetretenen Sintflut neuer und freier Ideen die alte -biblische Schöpfungslegende arg verschwemmt worden war, hatten sich -alle möglichen kühnen Weltbau-Spekulationen vorgewagt. Buffon, Kant, -Laplace hatten das Sternsystem nach natürlichen Prinzipien entstehen -lassen. Dabei konnten zumeist doch auch die Kometen jetzt nicht aus -dem Spiel gelassen werden. Buffon besonders baute eine grandiose -Spekulation auf, wie ansausende Kometen in Urtagen die Sonne geradezu -angerempelt, wie sie glühende Brocken von ihr abgerissen und in weiter -Schwungbahn hinausgeschleudert hätten; aus solchen Sonnenbrocken -seien die Planeten geworden. Der Komet erschien in solchem Falle -wenigstens in seinem Kern als ein wahres Ungetüm, das über alle -Planeten selber ging, ein rasender Stoßwidder, vor dem selbst die Sonne -Fetzen lassen mußte. Die kosmogonischen Ideen von Kant und Laplace -haben später diesen kühnen Weltentraum des genialen Mannes in den -Hintergrund gedrängt; längere Zeit aber galt er als wahre »natürliche -Schöpfungsgeschichte«, und wer sich heute die Mühe macht, ihn zu -lesen, staunt noch immer über die Schärfe der Gedanken (mit damaligem -Wissensmaterial natürlich) und die Herrlichkeit der Schilderung. - -Die Kehrseite aber war, daß die Leute den wirklich sehr nahe liegenden -Schluß zogen, so etwas könne »rein natürlich« doch auch heute noch -geschehen. Die Kometen passierten nicht nur heute noch höchst -bedenklich dicht die Sonne, sondern sie durchschnitten, wenn sie -selber periodische Sonnenvasallen geworden waren, wie der Halleysche, -fortgesetzt Planetenbahnen. Warum also nicht auch aktuelle Gefahr -der fürchterlichsten Karambolagen mit den Planeten? Die Erde war nur -ein Planet ... warum nicht auch mit ihr? Kein besonderer Zorn Gottes -... aber eine ganz reale astronomische und eben deshalb auch dem -Nüchternsten äußerst fatal plausible Möglichkeit! - -Und ganz still, aber treffsicher kroch von hier das Gespenst einer -neuen Angst in die breite Masse hinein. Nicht weil man den rechnenden -Astronomen diesmal ablehnte, sondern gerade weil man ihm glaubte, aus -diesem Glauben aber dann gewisse Schlüsse zog, die wieder einmal nichts -weniger als angenehm sein konnten. - -Das Jahr 1835 bedeutete in dem Punkte eine wahre erste Krisis. Einmal, -1773, war die Sache schon in Frankreich etwas akut geworden. Es hieß, -die Fachastronomie habe bestimmt _ausgerechnet_, daß die Erde am 12. -Mai durch einen Kometenstoß untergehen werde. Sie halte es nur geheim -auf Wunsch der hochwohllöblichen Polizei. Ausgerechnet! Das Wort hatte -auf einmal einen scheußlichen Klang. Kometen ließen sich errechnen. -Kometen »bedeuteten« nicht mehr das Eintreten anderer Übel. Sie »waren« -selber etwas. Aber dieses Etwas war nun selbst am Ende gefährlich. Und -so stand schließlich gerade in der Rechnung diesmal der Weltuntergang! -Der angesetzte Termin war indessen ohne Krach verlaufen und das -hatte zunächst genügt; es scheint sogar nicht, daß kometarisch viel -überflüssiger Wein vorher ausgetrunken und viel überflüssig geküßt -worden ist; ein sehr realer Krach, nämlich die große französische -Revolution, lag schon zu sehr in der Luft, und wer reserveküßte, tat -es auf diesen »Weltuntergang«. Dagegen soll die Geistlichkeit großen -Zuspruch gehabt haben. - -Gerade im Anfang der Dreißiger des neuen Jahrhunderts war aber nun die -Sensationsbombe bei uns in Deutschland erst recht eigentlich geplatzt. - -Einige Jahre vorher hatte ein österreichischer Hauptmann, Wilhelm -von Biela, festgestellt, daß ein schon mehrfach früher beobachteter -Komet periodisch sei und zu bestimmten, diesmal sehr kurzen Terminen -wiederkehre. Als dieser nach ihm benannte Bielasche Komet für 1832 -wieder fällig war, hieß es (ganz korrekt) aus astronomischen Kreisen, -er habe eine so eigentümliche Bahn, daß er am 29. Oktober des Jahres -mit seinem Kopf die Erdbahn streifen werde. Wohlverstanden: die -Erdbahn. Das große Publikum mit Einschluß der Zeitungsredaktionen -verstand aber nicht wohl, sondern las: die Erde. In Wahrheit war die -Erde selbst damals gerade 11 Millionen Meilen von der kritischen -Schnittstelle ihrer Bahn entfernt. Der bekannte Astronom Littrow mußte -mit einer wahren Proklamation eingreifen, um eine allgemeine Panik zu -verhüten. - -Aber die Angst war nun einmal eingeimpft und wollte nicht mehr zu Ruhe -kommen. Und im Grunde hatten auch die Fachastronomen kein so ganz -reines Gewissen beim Beruhigen. Gewiß: es lag zurzeit keine bekannte -Kometenbahn so, daß ein Zusammenstoß unvermeidlich war. Aber eine -Garantie gab das noch lange nicht. Entscheiden konnte nur, wenn einer -nachwies, ein solcher Zusammenstoß sei für die Erde ungefährlich. Würde -man das aber einmal beweisen können? - -Nicht seine Bahn, sondern seine Beschaffenheit war in diesem Sinne das -eigentliche Wissens- wie Angstproblem, als der Halleysche Komet auch -1835 pünktlich erschien. - -Bessel nahm ihn besonders aufs Korn, ein Mann, gleich stark als -Theoretiker wie als Beobachter. Zum erstenmal wurde jenes erwähnte -Phänomen sehr im Detail gesehen: wie der Komet in der Sonnennähe -seine Hülle erst gegen die Sonne wolkenhaft hebt, dann aber ebenso -energisch rückwärts als Schweif von der Sonne fortfließen läßt. Daß -die Entstehung dieses Schweifs den Angelpunkt aller Theorien über die -innere Natur der Kometenkörper bilden müsse, hatte man früh begriffen. -Schon Kepler hatte sich daran versucht. So setzte auch Bessel hier ein -und wagte Vermutungen. Aber noch blieb alles in der Schwebe, als der -Halleysche Komet schon wieder in seinem entfernteren Bahnabschnitt -verschwand. Zunächst schien er diesmal nur neue und zum Teil bange -Rätselfragen hinterlassen zu haben. - -Es war sein letztes Verschwinden vor dem heutigen Termin. Noch einmal -waren 76 Jahre Frist gegeben, um sich durch Nachdenken und Vergleichen -mit andern inzwischen auftauchenden Kometen in der Beschaffenheitsfrage -schlüssig zu werden. - -Die Rechnung selbst war allerdings nicht mehr rückgängig zu machen. Sie -lief und läuft, und sie läuft heute auf das wirkliche und wahrhaftige -Zusammentreffen von Erde und Kometenschweif. Diesmal ist es keine -Verwechslung und keine Zeitungsente. Es fragt sich also doppelt -brennend, was die letzten 76 Jahre noch hinzugetan haben, uns zu -wappnen; denn der Streich wird diesmal (falls die Bahn sich nicht noch -ändert) vollführt, das bleibt fest. - -Und da ist es denn doch noch einmal sehr viel, was wir hinzubekommen -haben. Ja es ist das wirklich Entscheidende erst. - - * * * * * - -Zunächst haben wir einen geradezu durchschlagenden Indizienbeweis -in diesen letzten siebeneinhalb Jahrzehnten bekommen, einen -Indizienbeweis: daß die Begegnung mit Kometen unmöglich so gefährlich -sein kann, wie die nächste Phantasie sie sich ausgemalt hatte. -Folgendes der einfache Gedankengang, dessen Logik auch jeder Laie -nachprüfen kann. - -Man kennt gegenwärtig etwa achthundert ungefähr beglaubigte -Kometenerscheinungen. Dabei haben wir erst seit dreihundert Jahren -Fernrohre und kaum viel länger ernsthafte astronomische Aufzeichnungen -zum Zweck. Wie rasch sich bei systematischem Suchen mit dem Rohr -die Zahl vermehren läßt, zeigen einzelne fleißige Beobachter, die -als professionierte »Kometenjäger« allein ein bis drei Dutzend -aufgefunden haben. Dabei kann es sich aber stets und auch bei emsigster -Jagd nur um die Kometen des Systems handeln, die uns überhaupt so -nahe kommen, daß man sie von der Erde sehen kann. Eine sehr mäßige -Wahrscheinlichkeitsschätzung würde für unser ganzes Planetenbereich -jederzeit etwa rund 6000 als vorhanden aus jener Sichtbarkeitsziffer -für unsere zufällige Erdlage ableiten. - -Die Wahrscheinlichkeitsziffer der fremden Passanten, die in unser -System hineinsausen, um es bloß einmal zu schneiden und gleich wieder -zu verlassen, kommt schon bei noch nicht zehntausend Jahren auf eine -volle Million. - -Bei solcher Sachlage ist es nicht mehr nur eine Möglichkeit, sondern -es ist einfach eine Forderung, daß im Laufe auch nur kurzer Zeiträume -Planeten mit Kometen zusammentreffen _müssen_. - -Bei den inneren Planeten muß das Durchpassieren durch die ungeheuren -Schwänze schlechterdings etwas Gewöhnliches sein, sobald wir den Dingen -auch nur etwas Geschichtsperspektive geben. - -Und auch die Erde kann sich dieser schlichten Ziffernotwendigkeit -nicht entziehen. Wie sie heute eine Schwanzberührung erlebt, so muß -sie es historisch schon soundso oft erlebt haben. Schon für die -letzten hundert Jahre ist es bei der Bahnlage einzelner Kometen und -der Riesigkeit ihrer um die Sonne geschleiften Schwänze fast nicht -zu glauben, daß die Sache selbst da schon ohne Schwanzkarambolage -abgegangen sein solle. Was sind aber hundert und tausend, was sind -selbst zehntausend Jahre in der Erdgeschichte! - -Man ist noch nicht einmal aus der zusammenhängenden orientalischen -Kultur damit. Dahinter aber kommen erst die eigentlichen -Geschichtsziffern, die imponieren. Ein mehrfaches jener zehn -führt erst etwa auf die prähistorischen Magdalenier im Vezère-Tal -in Südfrankreich, die schon eine hohe Kunstblüte hatten. -Jahrhunderttausende kommen mindestens auf die Eiszeit, die damals -schon zu Ende ging. Wenn der Mensch, wie gewisse bearbeitete Steine -(Eolithen) noch zu beweisen scheinen, mit Anfängen der Kultur bis in -die mittlere Tertiärzeit reicht, so gibt das mehr als eine Million -Jahre gesamtes Kulturalter. Das wahre Entstehungsalter des Menschen -wird dann bei zwei Millionen liegen. Die geringste Schätzung für das -Gesamtalter der geologischen Schichten unserer Erdrinde, aus denen -wir noch erhaltene Lebensspuren entnehmen können, ergibt aber hundert -Millionen Jahre. An ihrem Ausgangspunkt, in den algonkisch-kambrischen -Schichten, tauchen jedoch schon so hohe Lebensformen auf, daß wir noch -einen vielleicht ebenso langen Zeitraum davor annehmen müssen. - -In diesen ganzen ungeheuren Geschichtsräumen fehlt uns nun aber _jede_ -Andeutung einer _Katastrophe_ der früher geschilderten Art, wie sie aus -dem Zusammenstoß der Erde mit einem umfangreichen anderen Weltkörper -notwendig hervorgehen müßte. - -Niemals ist die Erdoberfläche darin ganz von Wassern überflutet, -niemals mit kompaktem Basalt übergossen, niemals durch plötzliche -Gluthitze sterilisiert worden, und niemals ist die Atmosphäre -vergiftet worden, so daß das zarte Häutchen des Lebens eingehen mußte. -Kontinuierlich vielmehr ist dieses Leben in all jenen Jahrmillionen! - -Unablässig hat es sich durch die Geschlechterfolgen weitergegeben, ohne -Riß im ganzen. - -Ein ununterbrochener Stammbaum der Entwicklung verknüpft die Tier- und -Pflanzenformen. Gewisse ältere Formen sind gelegentlich ausgestorben, -aber niemals durch allgemein vernichtende Katastrophen, sondern langsam -durch besondere irdische Einzelursachen. - -Einzelne unserer bekanntesten Tiergattungen, zum Beispiel der Igel, -leben heute schon mindestens zwei Millionen Jahre lang unverändert auf -der Erde fort, in ungezählten gleichzeitigen Exemplaren und unfaßbar -vielen einander folgenden Generationen, auf Riesengebieten dieser Erde. -Der Mensch selber ist offenbar eine solche zähe Gattung. Auf einigen -Klippen der neuseeländischen Küste haust aber gegenwärtig sogar noch -einer der alten Saurier der Triaszeit, die sogenannte Brückeneidechse; -sein Alter muß nach Dutzenden von Millionen eingeschätzt werden. -Ebenso alt ist der australische Molchfisch Ceratodus. Das wurmähnliche -Schaltier Lingula aber lebte in gleicher Gattung schon in jener -algonkisch-kambrischen Urepoche, die hundert Millionen Jahre hinter uns -zurückliegt. - -In der ungestörten Ruhe dieser geologischen Epochen von schier -endloser Ausdehnung haben jene Steinkohlenwälder und später jene -Braunkohlenwälder in unendlicher Generationenfolge gegrünt, deren -Reste wir heute als Brennmaterial verwerten: sie alle sind nicht -durch Kometen verbrannt worden, sondern am Fleck selbst vertorft und -versteint in reinen Friedensprozessen. Korallentiere und Kalkalgen -haben in absoluter Friedensarbeit Riffe aufgehäuft, die wir jetzt als -die Dolomitalpen bestaunen. - -Hundert und mehr Millionen Jahre! Eine so ungeheure, erdrückende -Wahrscheinlichkeit von Kometen-Karambolagen in solcher Zeit! Und dann -doch keine leiseste Spur einer störenden, katastrophenhaften Wirkung im -feinsten, zartesten Erdleben in all diesen Zeiträumen!! - -Dieser Indizienbeweis ist erst unser heutiger Besitz. In jenem letzten -Halley-Jahre 1835 glaubten noch fast alle Geologen tatsächlich an eine -ganze Reihe periodisch wiederholter, entsetzlicher Katastrophen in der -Erdgeschichte. - -Immer einmal wieder alle paar tausend Jahre sollte die gesamte -Erdoberfläche einen entsetzlichen Chok durchgemacht haben. Alle -Lebewesen waren dabei vertilgt worden. Auf dem durch und durch -gereinigten, sterilisierten Plan hatte dann eine unbegreifliche -Neuschöpfung stattgefunden. Nie hatte eine Tier- oder Pflanzenform sich -lebend über eine solche Katastrophe fort in die nächste geologische -Epoche gerettet. Das letzte große Reinmachen dieser Art hatte die -Mammute vernichtet. Menschen konnte es mit denen zugleich also -noch nicht gegeben haben, denn der Mensch lebte ja noch. Er war -ein erst einige Jahrtausende altes fix und fertiges Neuprodukt des -nachdiluvialen Schöpfungstages. - -Wie nahe lag es bei solchen Annahmen (die, wie gesagt, um 1835 noch von -fast allen Fachautoritäten auf allen Lehrstühlen der Geologie vertreten -wurden) an wirkliche Kometenstöße zu denken. Was konnte billiger die -lebentötenden Sintfluten, Feuerschrecken, Giftgase hergeben, die der -Geolog so verschwenderisch brauchte! - -Heute klingt uns das alles aber nur noch wie ein amüsantes Märchen. -Die neuerwachende Geologie der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hat -mit all dem Spuk mehr als gründlich aufgeräumt. Die Entwicklungslehre -Darwins hat sich mit ihr verbündet, die Gespenster jener Katastrophen -auszuräuchern bis zum letzten Schatten. Von hier ist kein Material mehr -zu holen, nie mehr. - -Geschweige, daß Kometen dem Leben auf den Kopf gefallen sind und etwa -die Mammute totgeschlagen haben (die der Mensch selber in Masse gejagt, -gegessen, abgezeichnet hat, die Bilder besitzen wir noch von seiner -Hand), läßt sich nicht einmal geologisch in all den Zeiten auch nur ein -verstärktes Fallen jener kleinen gelegentlichen Meteorsteine irgendwo -nachweisen. Einmal hat es in junger geologischer Epoche an mehreren -Orten kleine meteorische Glassplitter geregnet, die wir als sogenannte -Moldavite dort finden. Vielleicht ist ein größerer Glasmeteorit damals -an unserer Erdatmosphäre zerplatzt. Aber er ist eben zerplatzt ohne -irgendeinen Stoßschaden zu tun; mit ein paar Glasscherben schlägt man -das irdische Leben nicht entzwei, das so viel Vulkanausbrüchen unserer -Erde selber ruhig getrotzt hat in den Jahrmillionen seiner Existenz. - -Für mein Gefühl ist dieser Indizienbeweis gegen die Gefährlichkeit der -Kometen _allein genügend_, um das ganze Spiel im wesentlichsten für -_gewonnen_ zu erklären. - -Wenn von diesen reisenden Lichtwolken wirklich harte Pritschen uns -über den Kopf schlagen könnten, wenn glühende oder vergiftende Dämpfe -uns bei ihrer Berührung einhüllen müßten, so wären wir dem längst alle -erlegen. Wir wären ihm erlegen schon in Urweltstagen, als der Mensch -noch im Tier steckte. Es gäbe keine organische Entwicklung auf Erden, -keinen Menschen, keine Kultur. - -Das Schwert des Damokles, das an einem Haar hing, ist eine sehr nette -Geschichte. Aber wenn wir hören, daß es hundert Millionen Jahre lang -über etwas geschwebt haben soll, ohne Schaden zu tun: so werden wir -uns zuletzt doch wohl sagen, daß kein Haar so lange hält, daß aber, -wenn wirklich kein Schaden geschehen ist, das Schwert wohl nur ein -Strohwisch war. - -Auf jeden Fall steht die himmlische Schachpartie längst nicht mehr -gleich für Optimismus und Pessimismus. Der Optimismus ist mit der -Logik dieses Indizienbeweises ein geradezu ungeheueres Stück voraus. -Von diesem Boden aus lassen sich jetzt aber auch eine ganze Reihe -wirklicher Beweisstücke, die nicht bloß auf Indizien gehen, aus dem -_Tatsachen_-Arsenal der besagten letzten 76 Jahre heranholen. - - * * * * * - -Zunächst hat in der Zwischenzeit jene Geschichte vom Bielaschen -Kometen, dem Angstkometen von 1832, noch ein bedeutsames Nachspiel -bekommen. - -Dieser Komet lief in einer ganz kurzen Bahn (noch nicht sieben Jahre -lang hin und zurück), und diese Bahn kreuzte dabei nicht nur die Bahn -eines anderen Kometen, sondern jedesmal ausgespart auch gerade unsere -Erdbahn. Damals, 1832, hatte es damit, wie gesagt, nichts Schlimmes -auf sich gehabt, denn der Komet ging durch den kritischen Punkt einen -ganzen Monat früher als wir. Aber mit Behagen konnte doch kein Astronom -die weitere Entwicklung dieser kuriosen Sachlage ansehen. Ein solches -Ungeheuer alle paar Jahre so dicht vor oder hinter uns und das bei den -bekannten Schwankungen solcher Bahnen: was für Eventualitäten! - -Das Ungeheuer wurde ganz besonders genau aufs Korn genommen, es -war aber auch, als wenn es sich dafür erkenntlich erweisen wollte. -Als es 1845 wiederkehrte, bekam es sozusagen vor den Augen der -Astronomen Junge. Wie jene einzelligen Urtiere, deren Fortpflanzung -einfach darin besteht, daß sie sich in zwei Stücke teilen, von denen -jedes selbständig weiterlebt, so sonderte sich auch das rätselhafte -Kometenwesen in zwei Teile auseinander. Aus dem Kern wurden in ganz -ruhiger Lösung zwei Kerne, die sich zunehmend voneinander entfernten. -Jeder Teilkern entsandte sein Schwänzchen. Statt des einen Ungeheuers -hatte man jetzt in paralleler Bewegung zwei. Da das etwas kleinere Kind -eine Weile an Helligkeit zunahm, durfte man der Vermutung Raum geben, -jedes der Stücke werde sich wieder zur ganzen Vatersgröße auswachsen, -womit dann die Gefahr also gründlich verdoppelt war. Doch zeigte die -Wiederkehr 1852 davon nichts; nur der Abstand der Zwillinge war immer -größer geworden; über dreihunderttausend geographische Meilen lagen -nun schon zwischen ihnen. Das Publikum kümmerte sich jetzt wenig um -diese interne Sache, und doch wäre, wenn je, vor dieser unberechenbaren -Entwickelung der Dinge ein leiser Schauder am Platze gewesen. - -1859 konnte man den Kometen wegen zu ungünstiger Lage von der Erde aus -nicht fassen. Dagegen war er 1866 mit Glanz fällig. Man wußte genau, wo -seine Stücke zu stehen hatten. Verlorene Liebesmühe. Sie kamen nicht -wieder! - -In den sieben Jahren war ihnen irgend etwas so Gründliches weiter -passiert, daß man aus unserer Entfernung überhaupt nichts mehr sah. -Waren weitere Teilungen erfolgt, ohne daß die Teilkinder wuchsen? Dann -mußten die Einzelstücke natürlich bald wirklich so klein werden, daß -wir sie aus unserer Ferne überhaupt nicht mehr erblicken konnten. Ein -ganzer Haufen solcher kleinen Wölkchen trieb sich dann in der Nähe der -unangenehmen alten Bahnstelle herum. - -Gelöst war das Fatale so für uns jedenfalls noch lange nicht. Wir -liefen jetzt aufs ungewisse einer Kreuzungsstelle, wo, allerdings -zunächst unsichtbar, eventuell ein ganzer Kometenschwarm sich, -Gott wußte wie verzettelt und die Karambolagengefahr durch breite -Schlachtlinie vermehrend, herumtrieb. Und nur eins war allerdings -merkwürdig. - -Ein Haufen Wölkchen, sagte ich. Ja, wie eine Art Wolke, wenn -auch eine kosmische und nicht eine atmosphärische, hatte sich -dieses Bielaungeheuer wirklich benommen bei dem Ganzen. Nicht im -Schweif, sondern gerade im Kernteil, im Kopf. Nicht das mindeste -hatte darauf hingewiesen, daß eine Stoßkatastrophe, irgendein -Zusammenprall, es auseinander gespalten hätte. Ganz genau so hatte -die Geschichte ausgesehen, als sei, entweder durch die äußeren -planetarischen Zugkräfte von fern her oder durch geheimnisvolle -innere Abstoßungskräfte, ganz, ganz gemächlich eine eigentlich und -ursprünglich schon wolkenhaft lose Masse bloß auseinandergetrieben -worden. Wie voneinander schwimmend waren die Kinderstücke -dahingeflossen. - -Es ging wirklich nicht gut an, man mochte die Sache drehen und wenden -so viel man wollte: daß ein in sich solider, etwa bloß mit einer -eigenen Dunstatmosphäre umhüllter, aber in Herz und Kern planetenhaft -steinharter kosmischer Klotz gerade dieses Spiel vollführt haben -sollte, nicht aufzustoßen, zu platzen, zu explodieren, sondern -wirklich im Bilde wie eine weiche lebendige Amöbe bei uns, die mit -ihrem Zell-Leibe in Selbstteilung tritt, ganz sanft, langsam, aber -unaufhaltsam auseinander zu fließen, also daß zuletzt zwei Kerne, jeder -nach außen nebelig verschwimmend und hinten geschwänzt, vorhanden waren. - -Der Kometenkopf mußte ernstlich eine Art Wolkennatur besitzen. Fragte -sich nur, was der Begriff »Wolke« bei einem Gebilde, fern einsam -zwischen die Planetenbahnen hinausgestreut, selber besagen sollte. - -Aus was für Stoff sollte diese leuchtende Wolke, die zerfließen, sich -auflösen konnte, wie eine irdische, und sicherlich doch keine Luftwolke -in unserm Erdensinne war, bestehen? - -Der Bielasche Komet, den man nach 1866 bereits aufgegeben hatte, war so -freundlich, uns auf diese Frage noch zu antworten. - -Nach der alten Rechnung hätte er 1872 wiederkehren sollen, es geschah -aber für unsere Augen konsequent so wenig mehr wie 1866. Dagegen -schnitten wir mit der Erde am 27. November auch dieses Jahres seine -alte Bahn, und zwar an einer Stelle, die er nach dem Brauch vor -seiner Zerstückelung schon einige Zeit vorher passiert haben müßte. -Wenn man sich dachte, daß in dieser Bahn am alten Fleck jetzt nicht -mehr ein einzelner Komet lief, sondern möglicherweise ein ganzer -Trupp kometarischen Kleinzeugs mit eigenen Köpfen herumbummelte, und -wenn man sich vergegenwärtigte, daß schon die Zwillinge von 1852 -sich Hunderttausende von Meilen voneinander entfernt hatten, so war -immerhin eins von neuem bedenklich. Es konnte sich irgendeiner der -kleinen Bummler auf der Hauptbahn so verspätet und über Monate zurück -verzettelt haben, daß wir (blind wie wir jetzt auch im Sinne unserer -Astronomen vor dem Ganzen standen) doch an dem Tage ihm begegneten. - -Und nun in der Tat ging in dieser kritischen Novembernacht ein -ungeheures Ereignis los. - -Der Himmel erstrahlte aus einer ganz bestimmten Richtung (vom -Sternbild der Andromeda her) im Feuerwerk eines märchenhaft schönen -Sternschnuppenregens. In Göttingen beispielsweise gab es in noch nicht -drei Stunden 7651 Sternschnuppen, also rund eine pro Sekunde. - -Sternschnuppen gehören zu den himmlischen Gebilden, vor denen die große -Menge von je am wenigsten Angst gehabt hat, und das aller Erfahrung -nach mit Recht. Ältere Ansicht sah auch in ihnen nur atmosphärische -Fünkchen, die man mit den Irrlichtern verglich, aber nicht mit so -bösen Sagen zu umgeben pflegte. Heute ist man sich sicher, daß zu -jeder Sternschnuppe ein kleines, sehr rasch bewegtes kosmisches -Staubteilchen gehört, das bei der Reibung an dem dicken Erdenpolster -unserer Atmosphäre aufglimmt und verpufft. In der Regel ist damit auch -schon alles zu Ende. Ist die Masse etwas größer, so daß sie nicht bloß -auf diesem Wege verflüchtigt werden kann, so kommen, durchweg nach -sichtbarlich heftiger Explosion, auch wohl einzelne Bruchstücke in -Gestalt sogenannter Meteorsteine herunter. Wie selten dieser letztere -Fall gerade auf menschliche Beobachter stößt und relativ überhaupt -sein muß, erhellt am besten aus der Seltenheit und Kostbarkeit solcher -Himmelsgeschenke in unsern Museen. In der Regel wird man bei der -echten Sternschnuppe durchaus nur von einem ganz flüchtigen Aufglühen -meteorischen Staubes reden können. - -Von Zeit zu Zeit gibt es nun auch sonst einmal eine Nacht, in der -Sternschnuppen zahlreicher fallen als gewöhnlich. Gewisse Augustnächte -sind zum Beispiel dafür berühmt. Die Leuchtfunken pflegen auch dann -von ein und der gleichen Stelle am Himmel auszustrahlen, die irgendein -Sternbild für uns markiert. Natürlich kommen sie aber nicht von diesen -Sternen selbst, sondern es handelt sich nur um ein kleines kosmisches -Staubwölkchen, das unsere Erdbahn gerade so schneidet, daß die -Schnittstelle sich auf jene Gegend projiziert. - -Ab und zu geht das aber nochmals ins Große. Dann kommt mit dem einen -oder andern Jahr ein Lichtregen, bei dem die Schnuppen fallen wie -Hagel. Das heißt: auch dann nur fürs Auge. Echter Hagel wäre schon -mißlicher. Denn gerade aus solchem Schnuppengewimmel heraus ist noch -nie etwa ein wirklicher Meteoritenregen herunter gekommen: gerade diese -dichteren kosmischen Staubwirbel scheinen ganz besonders energisch -schon in den oberen Atmosphäreschichten zu verpuffen ohne derberen -Rückstand. - -Wiederholt hatte man aber schon beobachtet, daß solcher Schnuppenregen -in periodischen Abständen sich mehrfach wiederholte. Die Idee lag -nahe, daß unsere Erde gelegentlich immer wieder da ein größeres -kosmisches Staubgewölk passiere, das sich selber um die Sonne bewege -und bei jeder Kreuzung den luftigen Feuerzauber erneue. Lose wie -solche Wolke sein mußte und selber bei jedem Durchgang um ein gut Teil -ihrer Staubpartikelchen geschmälert, konnte man natürlich hier keine -so sichere Gewähr erwarten, wie bei anderen Himmelsgebilden; wie denn -wirklich eine Wolke der Art, die im 19. Jahrhundert dreimal in ziemlich -genauen Abständen von je 33 Jahren die Himmelsfreunde ergötzt hat, -zuletzt, beim vierten Mal, so gut wie ganz wieder ausgeblieben ist. -Die Wölkchen von fern schon im ganzen zu sehen und so etwas schärfer zu -kontrollieren, dazu waren sie offenbar auch durchweg zu dünn; es ging -uns eben wie dem einzelnen mit einem Mückenschwarm, den man zumeist -auch erst summen hört, wenn man mit dem Kopf durchgeht. - -Kein Zweifel jetzt: eine solche ebenso amüsante, wie harmlose -Staubwolke hatte uns auch in dem Moment eingehüllt, da wir die alte -Bahn des Bielaschen Ungeheuers schnitten und die Gefahr bestand, -daß wir eines der »Jungen«, in die sich sein Kern aufgelöst, in der -Schnittstelle anrempeln könnten. Ein Beobachter glaubte sogar die -in der Kometenbahn weiterziehende Wolke noch auf einen Moment als -Ganzes in direkter Kometengestalt gesehen zu haben, doch ist das -strittig geblieben. Daß aber eine kosmische Wolke, die sich als -Sternschnuppenregen äußerte, im Moment in der Kometenbahn gestanden -hatte, konnte nicht strittig sein. - -Die Sache war wirklich sehr eindeutig. - -Der Kopf des Bielaschen Kometen hatte sich vor uns wolkenhaft -aufgelöst. Im Moment, da wir hinter ihm durchschnitten, gerieten wir -in eine kosmische Sternschnuppen-Wolke. Wir hatten einfach einen der -Fetzen des Biela-Kerns passiert! - -Ganz dem Bilde entsprechend, das die Auflösung früher geboten hatte, -war dieser Fetzen loses Material. Da es sich bei jener Auflösung um -echte Kerntrennung gehandelt hatte und nicht etwa bloß um Verlieren -von Hüllnebeln oder Schwanzmaterial, mußte es Kernmaterial sein. -Kometenschwänze liefen ja auch nicht in der Bahnlinie von Kometen -selber, sondern nur Kernköpfe; in der Bahnlinie aber hatten wir die -Wolke getroffen. Wir hatten also Kometen-Kernmasse erlebt, einen -»Zusammenstoß« mit ihr erlebt, und es war ein absolut harmloser -Sternschnuppenregen geworden! - -Es gibt wenige astronomische Wahrscheinlichkeitsschlüsse, bei denen -alle Teile so glatt ineinander passen, wie hier. - -Die Sache hat aber noch eine Probe auf ihr Exempel erfahren. Am 27. -November 1885 berührte die Erde abermals die alte Biela-Bahn an einer -Stelle, die der Komet im alten Sinne diesmal einige Zeit nachher hätte -durchsausen müssen. - -Und wiederum ging eine ungeheure Sternschnuppenwolke gerade über den -Fleck. - -Wieder regnete es stundenlang in pompösestem Schauspiel bei uns -Sternschnuppen. Aus dem Scheitelpunkt der Andromedagegend flammten -den Berichten nach ganze »Raketengarben« nieder. An einzelnen Orten -zählte man über 40000 Schnuppen in einer knappen Stunde, zeitweise fünf -pro Sekunde und mehr. Feuerkugeln in allen Farben waren dabei, die -Lichtstreifen blieben vielfach längere Zeit hell stehen, sich wirbelnd -windende und zerreißende Schnuppen wurden beobachtet. Es war eine -Pracht über alle Maßen. - -Und wieder »passierte« dabei nichts; auch nicht ein Stück Meteorstoff -ist nachweislich dabei bis zu uns heruntergestürzt, alles flammte auf -und starb zugleich wieder im Feuerwerk. - -Zum zweitenmal hatten wir ein Stück Kometenkern erlebt und wieder -gefahrlos. Das Ungeheuer, das uns fressen sollte, war ein brillanter -Feuerwerker, sonst nichts. - -Seither scheint es, als habe selbst diese größere Wolkenbildung in -der Bielabahn ganz aufgehört, das Sternschnuppenmaterial scheint sich -mehr oder minder regellos verzettelt zu haben. Damit standen wir -möglicherweise jetzt wirklich auch bei einem realen Kometentod. - -Das gibt aber bei diesem wunderbaren »Fall Biela« noch wieder für sich -zu denken. - -Kometenkerne sind also nichts Ewiges. Eben weil sie wolkenhaft lose -Gebilde sind, können sie nicht nur in ihrem wilden Lauf zwischen den -Planeten im ganzen bald so, bald so abgelenkt, sondern sie können auch -bei dieser Gelegenheit (zum Beispiel durch Macht des Riesen Jupiter -oder auch sonst) in sich selbst angebrochen, zerstückelt, ja endlich -völlig verpulvert werden. Je verwickelter ihre Bahn besonders in die -engeren Planetenbahnen hinein verknotet ist, desto wahrscheinlicher -muß solches Los (Biela ist redendes Exempel) werden. Je größer das -Stadium der Materieverzettelung, desto harmloser müssen sie aber für -diese Planeten selbst werden. Es erscheint da etwas wie der Schatten -einer am Ende seit alters fortgesetzt tätigen Regulierungsmaschine. Die -Planeten machen immerzu frisch eintretende Kometen ungefährlich, um sie -endlich ganz aufzureiben, zu töten, und diese Selbstregulierung wächst -im gleichen Maße rein mechanisch, je enger ein solcher Komet ihnen auf -den Hals rückt und mit verhedderten, gekreuzten Bahnen droht. Die Sache -sieht wie eine doppelte Versicherung aus, wobei aber die überhaupt -und zu Beginn doch schon lose Wolkennatur der Kometenköpfe allgemeine -Voraussetzung auf beiden Seiten bleibt. - -Die Idee, daß alle Kometen sich zuletzt auflösen müßten, hatte -übrigens schon Kepler zu einer Zeit, da er noch gar nicht an wirkliche -geschlossene Kometenbahnen zwischen den Planeten dachte. Er ging dabei -vom Schweif aus, den die Kometenkerne in der Sonnennähe entwickelten. -Auch hier schon schien ihm durch jene eigenartige Sonnenkraft, die -abstoßend wirkte, fortgesetzt Materie des Kerns auf Niemehrwiederkommen -in den offenen Raum hinausgeblasen zu werden, und das mußte doch -endlich die Quelle erschöpfen. »Ich halte dafür,« sagt der immer -vorahnend scharfsinnige Mann wörtlich, »daß der Kometenkörper sich -verwasche, verändere, auseinandergezogen und zuletzt vernichtet werde, -und daß, wie die Seidenwürmer durch das Herausspinnen ihres Fadens, -so auch die Kometen durch das Ausströmen ihres Schweifes aufgezehrt -und endlich dem Tode überliefert werden.« Der Gedanke ist an sich ein -durchaus folgerichtiger und würde erst recht gut gerade zu dem passen, -was der »Fall Biela« lehrt. Dabei mag er uns aber überhaupt auf das -Problem des Schwanzes zurückführen. - -Wenn der Kometenkern wirklich nur aus mehr oder minder losem -Meteoritenstoff in wolkenhafter Anhäufung besteht: was ist dann der -Kometenschwanz? - -Tatsächlich läßt ihn die Nähe der Sonne erst aus dieser Wolke -herauswirbeln, wie Staub unter einem blasenden Luftzug wirbelt. Der -nächstliegende Gedanke wäre also gewiß, wenn man von der Bielawolke -kommt: auch er ist bloß feinstes Sternschnuppenmaterial, das irgend -eine Sonnenkraft noch einmal besonders aus der Kernwolke fortpafft. -Natürlich, wenn es so ist, muß diese Wolke sich in Keplers Sinn auch -davon schon bei jedem Sonnenumlauf etwas mehr verzetteln und verlieren, -diesmal meist direkt abseits von ihrer Bahn, also wohl gänzlich auf -Niemehrwiederfinden. - -Für uns heute wäre aber aktuell gerade diese Erklärung das -allerwichtigste. Denn wir hängen für die kritische Nacht vom 18. zum -19. Mai ja nicht an Biela, sondern an Halley. Und das bedeutet: nicht -Kopf, sondern Schwanz. - -Der Halleysche Komet liegt ganz offenbar seit langer Zeit so, daß er -mit seinem Kopf gerade _nicht_ allzu eng ins Gedränge der mittleren -Planetenbahnen kommt. Deshalb würden sie ihn in jenem Sinne auch -seit mindestens zweitausend Jahren noch nicht in diesem Kopfteil -auseinandergerissen haben. Was an ihm aber, eben wegen dieser dauernden -Kopfstärke, nun für uns momentan bedenklich wird, das ist die -Produktivität dieses Kopfes in der Schwanzbildung. Dieser Schwanz und -nicht der Kopf soll zum Termin über uns wegfegen. Nach dem Fall Biela -erscheint es aber so gut wie unmöglich, daß der Kopf eine kompakte -harte Stoßmasse ist, wie viel weniger also der Schweif. Was wir auch -hier erwarten müßten, wäre fortgewirbelte Sternschnuppenmaterie, -die, in unsere Erdbahn übertretend und uns umwirbelnd, tatsächlich -auch eine Art »Fall Biela« schüfe: einen mehr oder minder starken -Sternschnuppenregen ohne alle Gefahr. - -Unsere Erfahrungen seit 1835 widersprechen aber selbst dem bei dem -Schweif noch als »zuviel«. Dazu sind allerdings wieder weitere -Tatsachen auch über den Fall Biela hinaus nötig, Tatsachen, die -zuallernächst noch einmal mitten in den großen Chok und Schreck vor -jeglicher Kometenbegegnung gerade hineinführen. - -In die letzten sechsundsiebzig Halley-Jahre fällt die Entdeckung der -Spektralanalyse. - -Wir haben mit ihr bekanntlich eine Methode gewonnen, die uns unter -Umständen aus dem Licht direkt ablesen läßt, was für ein Stoff in -der Lichtquelle brennt. Das Licht wird mit Hilfe eines mehrseitig -geschliffenen Glases, eines Prisma, zerlegt und in dem entstehenden -Farbenbande (Spektrum) zeigen sich gewisse charakteristische -Unterschiede je nach den verschiedenen leuchtenden Substanzen, die -ein solches Urteil in sehr vielen Fällen ermöglichen. Auf diesem Wege -haben wir Aufschluß gewonnen über die Gase, die in der äußeren Hülle -der Sonne und der anderen Fixsterne glühen, wie über den leuchtenden -Stoffinhalt ferner Nebelflecke. Wir können aus dem Spektrum entnehmen, -ob auf solchem entlegenen Weltkörper glühende Gase leuchten oder -festere Stoffe in Weißglut. Die Gase sind dann infolge ihrer in allen -Einzelfällen höchst charakteristisch angeordneten bunten Linien im -Spektrum meist aufs treffsicherste mit irdischen, uns direkt zum -Vergleich zugänglichen zu identifizieren. - -Diese sinnreiche Methode wurde nun auch auf die Kometen angewandt, -soweit solche in der Zeit disponibel waren. - -Das erste feste Resultat war, daß vom Kometen bei seiner -Sonnenannäherung nicht bloß einfaches Sonnenlicht zu uns herüberglänzt, -das er zurückwirft wie unsere Erde oder die Venus oder der Mars, ohne -selber etwas dazu zu tun. Außer solchem reflektierten Licht leuchtet -der Komet durchweg noch mit etwas Besonderem, etwas Eigenem. Aus diesem -Eigenlicht würde sich also eventuell etwas über seine stoffliche -Beschaffenheit ablesen lassen, und in der Tat glückt das. - -Im Kometen leuchten Gase, und zwar in immer verstärktem Maße, je -näher er der Sonne kommt. Und zwar sind es Gase, deren Spektrum eine -Identifizierung mit bestimmten, uns auf der Erde gut bekannten Stoffen -ebenfalls möglich macht. - -In erster Linie kommt der Stoff in Betracht, der in unserm irdischen -Petroleum brennt, nämlich Kohlenwasserstoff. Ferner konnten Kohlenoxyd, -Cyan und reiner Wasserstoff nachgewiesen werden. Endlich zeigten -einige Kometenköpfe in den Momenten, da sie außerordentlich nah an -der Glutoberfläche der Sonne vorüberglitten, unverkennbar deutlich -das gelbe Licht des Natriums, also des verdampfenden Kochsalzes, und -merkbar zuletzt auch Eisendämpfe. - -An sich können diese Befunde nicht überraschen. - -Wenn der Kometenkopf eine Wolke aus Meteorsubstanz ist, so muß diese -Substanz unter der Einwirkung der Sonnenglut notwendig anfangen, Gase -auszuhauchen, ja in nächster Sonnenbegegnung geradezu bis auf ihren -schwersten Metallgehalt (Eisen) zu verdampfen. - -Die Stoffe, die sich dabei zeigen, vor allem Kohlenwasserstoff und -Natrium, treten mit ihrem charakteristischen Spektrum genau so hervor, -wenn man einen zu uns herabgefallenen Meteorstein künstlich erhitzt. -Auch wenn man den spektroskopischen Apparat auf unsere allnächtlichen -Sternschnuppen richtet, kann man öfter die unverkennbare gelbe Linie -des Natriums aufleuchten sehen, die vorblitzt im Moment, da der feine -Meteorstaub in solcher Schnuppe völlig verdampft. - -Die engere Art allerdings, wie in der Sonnennähe des Kometenkopfes das -Kohlenwasserstofflicht gelegentlich von dem Natriumlicht ausgelöscht -wird, kann man nur nachmachen, wenn man in geschlossener erhitzter -Glasröhre durch ein Gemisch von Kohlenwasserstoff und verdampfendem -Natrium einen elektrischen Strom leitet. Man muß also noch die -Hilfserklärung machen, daß auch in dem Kometen elektrische Prozesse -tätig sind. - -Und das gibt sogar wieder eine sehr gute Ergänzung ab zur Erklärung des -sonst seltsamen Umstandes, daß Kometen sich schon bei einer Entfernung -von der Sonne wenigstens schwach selbstleuchtend zeigen, wo eine -wirkliche Erhitzung ihrer Substanz bis zum eigentlichen Glühen von -seiten der Sonne höchst unwahrscheinlich wird; hier wirken in ihnen -eben rein elektrische Entladungen, die als solche schon Licht erzeugen. - -So zwanglos nun alle diese Dinge sich in jenes andere Bild fügen, so -steckt in ihnen doch plötzlich auch ein neues Angstmotiv. - -Wenn aus dem Kometenkern Kohlenwasserstoff, Kohlenoxyd, Wasserstoff, -Natrium, Cyan, Eisen verdampfen, so würden wohl auch im Schweif ganz -besonders solche Dämpfe abqualmen müssen. Unter den genannten Stoffen -sind aber böse Sachen für den Fall, daß dadurch eine derbe Erdberührung -statthätte. - -Kohlenoxyd und Cyan sind hochgradig giftig und würden, in -größeren Massen plötzlich in unsere Erdatmosphäre hineingedampft, -schlechterdings alles organische Leben vernichten. - -Ein Petroleumregen würde sich augenblicklich an der ersten Flamme -hier unten zur fürchterlichsten Explosion entzünden und auch die -Erde veröden; eine Feuerwelle wie im kleinen eine der brennenden -Erdgasquellen von Baku müßte um unsern ganzen Planeten schlagen. - -Eine hochgradige Erdversalzung würde ebenfalls ein schlechter -Spaß sein. Eine Weile hielten vielleicht noch gewisse salzfestere -Steppenpflanzen und jene Artemia-Krebschen, die in eingedickter -Salzsohle leben können, stand; aber zuletzt würden auch sie in der -allgemeinen Pökelrinde der armen Erde eingehen. - -Dazu noch zwei weitere Möglichkeiten. - -Entweder kämen im Kometenschweif noch direkt heißglühende Dämpfe zu -uns, zum Beispiel ein konzentrierter Strahl Eisendampf aus dem in der -Sonnennähe geschmolzenen und verdampften Meteoritenmaterial. - -Oder es schlügen entsetzliche elektrische Entladungen mit -allverheerenden Blitzen aus dem Schweif zu uns nieder, die der -Menschheit im ganzen das Los eines jener Opfer auf den bekannten -elektrischen Hinrichtungsstühlen der Nordamerikaner schüfen. - -In allen Formen laufen gerade diese bösen Hypothesen heute wieder -herum. Der Halleyschweif soll uns in der kritischen Stunde mit Cyan -vergiften oder versengen oder zerblitzen, auch wenn sonst nur ein -Sternschnuppenregen durch seine eigentliche Stoßsubstanz entstände. - -Wir hätten die Wahl wie die Leute in Pompeji und Martinique. Der -dicke Plinius selber erstickte bekanntlich bei jenem schrecklichen -Vesuvausbruch, auch ohne einen Stein dabei an den Kopf zu bekommen; in -Martinique gab es eine versengende Stichflamme alle Häuser entlang, die -schnell wie ein Blitz zuckte; auch echte Blitze schlagen aber aus jeder -Vulkanwolke. Eine angenehme Wahl um den gleichen Preis! - -So hübsch auch das aber wieder einmal ausgedacht ist, um uns durchaus -kometarisch tot zu kriegen: es hapert auch hier. - -Jene Funde der Spektralanalyse sind an sich auf jeden Fall wichtig. In -ihnen selbst steckt aber bereits ein merkwürdiger Fingerzeig nach ganz -bestimmter Seite. - -Der spektroskopische Nachweis gewisser Substanzen, wie Kohlenoxyd oder -Natrium, in einer solchen fernen Lichtwolke gibt für sich noch keinen -direkten Anhalt, wie _dicht_ der betreffende Stoff in der gesamten, -doch offenbar so ungeheuerlich weit ausgedehnten kometarischen Wolke -enthalten sei; er kann enorm verdünnt sein. Wenn der Stoff, wie zum -Beispiel das Natrium, sich im Kometenkern bei dessen Sonnennähe erst -sichtbarlich entwickelt und dann in einem Schweif von da abdampft, -der mehrere Millionen Meilen lang und entsprechend als breites -Lichtband ungeheuerlich dick in die Weite geht, so wird die stärkste -Verdünnung, zumal gegen das Ende des Schweifs (also das, was uns bei -dem Halleyschen Ungeheuer allein packen kann), die wahrscheinlichere -werden. Wie weit wir das aber treiben wollen, dafür wird zunächst jene -elektrische Erwägung schon bedeutsam. - -Elektrische Leuchtprozesse der bezeichneten Art werden wir uns im -allgemeinen nur bei einem Gebilde vorstellen können, dessen Substanz -sich mindestens in den hierfür in Betracht kommenden Partikelchen in -einem Stadium höchst beträchtlicher Verdünnung befindet. Gerade solche -feinsten und allerfeinsten Partikelchen werden wir uns aber bei der -allgemeinen Sachlage doch am liebsten im Schweif ausströmend denken. - -Schon sehr frühen Beobachtern und späteren, kritischeren immer mehr -ist nämlich aufgefallen, wie dünn doch dem reinen Anblick nach schon -die Schweifmaterie aussehe. Seneca wußte schon (und es werden es also -wahrscheinlich schon die Pythagoreer und die alten Babylonier gewußt -haben), daß man durch diese ungeheuren Leuchtbänder durch und durch -sehen könne bis auf die dahinter schimmernden Sterne. Bessel und -Struve haben das mit den feinsten Messungen dahin präzisiert, daß man -faktisch auch nicht die geringste Ablenkung des Lichts bei solchen -durchscheinenden Sternen im Kometenschweif nachweisen könne. - -Das ist gewiß eine ganz außerordentlich frappante Sache. Bei unserem -Erdmond vermißt man, wenn ein Stern seinem Rand nahe kommt, ebenfalls -jede Spur einer solchen Lichtbrechung, und man zieht den Schluß -daraus, daß der Mond noch keine Atmosphäre haben könne, die auch nur -ein Tausendstel von der Dichtigkeit unserer irdischen besitze. Die -allgemein auch in Laienkreisen verbreitete Annahme, daß der Mond -absolut »luftlos« sei, gründet sich auf diesen Schluß. Ein Mensch würde -also, in solchen Kometenschweif versetzt, zunächst überhaupt wegen -kompletten Luftmangels für seine Lunge _ersticken_. - -Dabei sieht man aber in den dickeren Kometenschweifen ganz bestimmt -durch eine Lichtwolke von vielen tausenden (bis zwanzigtausend) Meilen -Tiefe. Zwanzigtausend Meilen tief ein dauerndes Lichtglimmen, durch -das für uns der Anblick der Schweifdicke entsteht: und doch auf dieser -ganzen Strecke kein Stoff, der auch nur dem Tausendstel unserer Erdluft -entspräche! Man ahnt, um was für homöopathische Verdünnungen der -Stoffe es sich hier handeln muß, einerlei, ob das nun gefährliche oder -ungefährliche Stoffe für unsere Lebensprozesse sein sollen. - -Schon der französische Akademiker Babinet hat also auch das Wort -geprägt vom »sichtbaren Nichts«, als das solcher Kometenschweif sich -allen gröberen chemischen Sondierungen gegenüberstellen müsse. - -Olbers dachte sich die einzelnen Schweifteilchen so weit und einzeln -zerstreut im allgemeinen Äther der Planetenräume herumschwirrend, wie -auf unserer Erde unendlich feine Wasserteilchen in gewissen von fern -glänzenden Nebeln weit getrennt schweben, Nebeln, die doch in Hinsicht -der Strahlenbrechung des Lichts und anderer Wirkungen sich nicht im -mindesten anders verhalten als pure Luft. Als eine Art Äthernebel ginge -der Kometenschwanz vor uns dahin, nur von weitem wie ein neckendes -Phantom dem Auge sichtbar, beim Versuch des Ergreifens aber (und wäre -die greifende Hand auch nur der Lichtstrahl) völlig unfaßbar gleich den -Gespenstern des Märchens. - -Hier aber muß sich jetzt noch ein Gedanke einmischen, der von einer -dritten Seite in die gleiche Richtung lenkt. - -Was treibt denn überhaupt die Schweifmaterie von der Sonne fort? - -Was bewirkt eben das, was uns heute mit dem Halleyschen Kometen in -Berührung bringen soll, wenn sein Kopf zwischen uns und der Sonne steht? - -Der Kometenkopf, mag er selber auch ein noch so leichtes -Meteoritenwölkchen sein, dessen Stoff auch bereits in sehr weiter -Zerstreuung schwebt, folgt als Ganzes doch unabänderlich noch dem -allwaltenden Gesetz der Schwere, der Riesin Gravitation. Jedes -beliebige meteorische Einzelstäubchen, das als Sternschnuppe bei uns -verpufft, tut das ja noch, warum nicht er? Wäre es nicht der Fall, so -hätte die Sonne ja nie über ihn Macht gewinnen, seine Bahn zu sich -heranbeugen, ja ihn unter Umständen (wie bei dem Halleyschen Gebilde) -in die Verträge ihrer festen Vasallen mit hinein schmieden können. Als -absoluter Gravitationssklave stürzt solch ein gefangener Kern wie der -Halleysche allemal wieder in seinem 76. Jahr an uns vorbei zur Sonne -hin und in wirbelnder Jagd ganz nahe um sie herum. - -Aber gleichzeitig macht sich mit dieser seiner Sonnenannäherung auch -etwas von hier aus schlechterdings Rätselhaftes geltend, nämlich eben -das Abströmen des Schweifes vom Kern direkt von der Sonne fort. - -Die Schweifmaterie _widersteht_ der Gravitation! - -Auf sie wirkt die Sonne nicht ziehend, wie auf den Kern, sondern -umgekehrt abstoßend. - -Treibt den Kern die Gravitation wie ein unhemmbarer Sturm so nah -wie seine Eigenbewegung nur irgend zuläßt an die Sonne heran, so -wirkt diese gleiche Sonne auf den Schweif wie ein Gegenwind, der ihn -senkrecht fortwirbelt! - -Schon eine ganze Weile, ehe der Kometenkopf seine größte -Sonnenannäherung erreicht hat, macht sich dieser Gegenwind, wie bereits -erzählt ist, geltend, der Schweif beginnt von ihm abzuwehen, wie Korn -aus einem undichten Sack, der als Ganzes senkrecht nach der Schwere -fällt, dessen ausfliegende Frucht aber zugleich ein Konträrwind lang -hinter ihm fortwirbelt. - -Dieses Abströmen ist auch mit der Hitze, die in Sonnennähe auf die -Meteoritenwolke des Kerns wirkt, nicht erklärt. Mag diese Hitze -Kohlenwasserstoffe aus den einzelnen Meteorteilchen vorlocken, mag -sie auch allmählich einen Teil ihres Salzinhalts verflüchtigen und -in gelben Flammen verbrennen, mag sie endlich gar Eisenteile dort so -verdampfen, daß wir es dicht an der Verdampfungsstelle spektroskopisch -wahrnehmen können, obwohl der Kern in solchem höchsten Moment selber -stets weit, weit von uns entfernt ist und Sonnennähen erlebt, die -wir niemals mitmachen können: das alles kann bei ihm jedenfalls -nur aufsteigende Wolken auf seiner Sonnenseite erzeugen, wie wir -sie ja auch tatsächlich dann sehen. Daß aber schon ganz früh eine -gewisse Kernmaterie sich sonnenabgekehrt einem phosphoreszierenden -Schatten gleich von diesem Kern hinterwärts über Millionen von Meilen -auszugießen beginnt; daß selbst jene Hitzewolken immerfort eine -Tendenz zeigen, fontänenhaft rückwärts mit gewissen ihrer Teile auch -in diesen Ausguß wieder abzufließen: das erklärt an sich die Hitze so -wenig wie die Gravitation. Auf diese »gewissen Teile«, diese »gewisse -Kernmaterie« muß noch ein aparter Bann für sich wirken. - -Ein Bann, der der Gravitation entkommt: es liegt wahrlich schon -für die allgemeinste theoretische Erwägung nahe, auch hier nur an -_allerfeinste_ Teilchen zu denken, Teilchen, für die das Bild auch -nur eines meteorischen Staubkorns, das einzeln an unserer Atmosphäre -bei der Berührung als helle Sternschnuppe aufglänzen könnte, -_außerordentlich viel zu derb_ wird. - -Eine erste Theorie hat auch hier an elektrische Wirkungen gedacht. - -Bessel, als er 1835 eben bei dem vorletzten Erscheinen des Halleyschen -Kometen das Wunder der Wolkenbildung und Schweifablenkung dort zum -erstenmal genau studierte, war schon darauf gekommen. Er sowohl wie -sein Freund Olbers und ihr gemeinsamer großer mathematischer Berater -Gauß sahen klärlich ein, daß es sich um eine Abstoßungskraft zwischen -gewissen feinsten Kometenteilchen und der Sonne handeln müsse, und man -hatte für solche Abstoßung zunächst nur eine einzige Naturwirkung zur -Verfügung, nämlich die bekannten Abstoßungserscheinungen gleichartiger -Elektrizitäten. - -Wenn der Komet der Schauplatz eigener intensiver elektrischer Prozesse -war; wenn in der Sonnennähe außer der wachsenden Sonnengravitation auch -die eigenen elektrischen Wirkungen der Sonne sich immer mehr merkbar -machten; wenn die Kometenelektrizität und die Sonnenelektrizität -gleichartig waren und somit dem Gesetz unterlagen, daß gleichartige -Elektrizitäten sich abstoßen: so erhielt man zunächst als Basis -überhaupt eine abstoßende Macht. Nahm man nun Kometenteilchen von einer -Feinheit der Stoffzerstreuung an, daß diese elektrische Abstoßung die -Gravitation in ihnen überbieten mußte, so ließ sich eine abstoßende -Fortbewegung im Gegensatz zur Schwererichtung konstruieren, die diese -Teilchen als »Schweif« senkrecht von der Sonne aus dem Kern und seinen -Wolken in die Planetenräume hinausjagte. - -Zöllner hat ähnliche Gedanken später zu einer großen Theorie ausgebaut. -Heute kann man sie in der veränderten Symbolsprache moderner -Elektrizitätsanschauungen ausdrücken, ohne daß doch das Grundbild, -scheint es, dabei ein wesentlich anderes würde. Gewisse leise -Schwierigkeiten sind stets in der Art geblieben, wie man sich die volle -Übermacht der elektrischen Abstoßung über die Gravitation denken sollte. - -Inzwischen ist in neuester Zeit aber noch eine andere sinnreiche -Erklärung aufgetaucht, wie man sich bei Annahme ungemein winziger und -zerstreuter Teilchen eine solche Abstoßung auch in größter Sonnennähe -vorstellen könnte. - -Die Schweifmaterie, sagte ich, erscheint so fein und so weitmaschig -verpulvert, daß sie durchströmendes Sternenlicht für uns nicht -ablenken kann. Aber es fragt sich, ob sie selber gerade in solchem -Zustande nicht durch das Licht, das Sonnenlicht in ihrer Sonnennähe, -dahingetrieben werden müßte. - -Ein ganz alter Kometengedanke kommt hier noch einmal zu Ehren, den fast -drei Jahrhunderte Physik verschüttet hatten. Der Satz, den Seneca schon -schreibt: »Die Kometenschweife fliehen vor den Sonnenstrahlen«, hatte -dem großen Kepler zu denken gegeben. Konnten es nicht die Lichtstrahlen -der Sonne selber sein, die den Schweif vor sich herjagten? - -Nach der Physik jener Zeit war das »Licht« etwas Körperliches in dem -Sinne, daß von der Lichtquelle aus dabei beständig wirkliche winzige -Körperchen in den Raum hinausgeschleudert wurden. Jede Kerzenflamme -bombardierte uns so mit ihren Lichtkörperchen. Die große Sonne aber -entsandte fortgesetzt einen wahren Hagel dieser Art um sich her. Wo -diese Körperchen auf einen Widerstand, auf andere, entgegenstehende -Körper stießen, da mußten sie prallend einen Stoß, einen Druck ausüben. - -Nun, sie waren winzig. Bei irgendwie größeren Dingen im Raum konnte -dieses liliputanische Lichthändchen nicht viel wollen. Wenn ich meine -Hand einer Kerzenflamme näherte, so fühlte ich den Lichtgegendruck gar -nicht, geschweige denn, daß er meine Hand beiseite drücken könnte. -Aber wenn man sich entsprechend winzige Einzelkörperchen, etwa ganz, -ganz feinen Staub, dachte, auf die einzeln grade so ein Lichtteilchen -anprallen konnte, so war doch recht gut denkbar, daß diesmal das -Stäubchen vor dem Stäubchen wirklich etwas rückwärts wich. - -Nun hielt Kepler zwar den Kometen schon für ein kosmisches Gebilde, -aber doch für eine recht lose Wolke. Und wenn nun von dieser Wolke ein -Teil im Schweif wirklich gerade vor den Sonnenlichtstrahlen zu fliehen -begann: warum sollte es sich da nicht um allerfeinste Teilchen dieser -Kometenwolke handeln, die wirklich und wahrhaftig von dem feinen Hagel -der Lichtkörperchen dieser Sonne in die Flucht geschlagen wurden? -Klein, sehr klein müßten die Kometenteilchen ja dann wohl sein; aber -sonst ging die Sache unverkennbar nett, vorausgesetzt, die Lichttheorie -mit ihren Körperchen war richtig. - -Allerdings war die Gravitationslehre damals noch nicht wissenschaftlich -scharf entwickelt, man übersah die Macht selbst noch nicht genügend, -der diese Wirkung die Stange halten sollte. Das sollte erst Newton -nachholen. Newton selbst aber war wieder der Keplerschen Idee nicht -hold, obwohl er an der Lichttheorie in dieser Form noch festhielt. - -Wenig später fiel aber dann auch diese ganze Lichttheorie dahin: man -faßte das Licht jetzt überhaupt nicht mehr als ein Aussprudeln eigener -Lichtkörperchen, sondern entschied sich für eine Wellenbewegung im -Äther. Und damit schien der alte Gedanke völlig antiquiert. Ein solches -Wellenschaukeln konnte wohl nichts von der Stelle rücken, auch das -kleinste Stäubchen nicht. - -Euler war der einzige, der im 18. Jahrhundert warnte. _Irgend_einen -Druck, meinte er, müßten doch auch solche Lichtwellen ausüben. Es -sollte aber noch weit über hundert Jahre dauern, bis einer auch nur -darauf wieder zurückkam. - -Maxwell tat es tief im 19. Jahrhundert, bei Gelegenheit seiner Revision -der ganzen Wellenlehre. Auch ihm schien die Annahme eines solchen -»Strahlungsdrucks« wieder unvermeidlich, doch hielt er ihn noch für -unmeßbar winzig, so daß auch jetzt die alten Fragen noch nicht wieder -eigentlich akut wurden. - -Wider Erwarten ließ sich die Messung indessen nachher bewerkstelligen. -Für entgegenstehende Stäubchen oder Tröpfchen von gewisser Größe konnte -der Strahlungsdruck (der des Lichtes, wie der jeder andern Strahlung) -wirklich nicht belanglos sein. - -Der bekannte schwedische Physiker Svante Arrhenius legte sich in diesem -Punkte dann endlich auf genaues Rechnen. - -Er kam zu dem Resultat, daß ein solches Stoffteilchen in der Nähe -der Sonne bei dem Gewicht etwa von Wasser einen Durchmesser von rund -dem Sechshundertstel eines Millimeters haben müsse, um vom reinen -Strahlungsdruck so in seinem Fall nach der Schwere (also auf die Sonne -los) gehemmt zu werden, daß es frei und einsam schwebend still stand. -Das kleine Händchen der Strahlung hielt in dem Falle der Riesenfaust -der Gravitation, die sonst alles zur Sonne riß, mitten im offenen Raum -die Wage! - -Ging man von da ab dann bei solchem Gegenstäubchen noch im Durchmesser -herunter, so begann der Strahlungsdruck allen Ernstes das Stäubchen der -Gravitation zum Trotz von der Sonne fortzutreiben. - -Bei dem Sechstausendstel eines Millimeters war dieser Gegendruck unter -Umständen schon zehnmal so stark wie die Gravitation. Unaufhaltsam -wurde das winzige Stäubchen in die Planetenräume hineingetrieben. - -Arrhenius hat sehr hübsch ausgemalt, wie das weitere Schicksal eines -solchen Schiffleins, das der Lichtdruck dahinbewegt, bei ungestörten -Verhältnissen verlaufen müßte. - -Das Licht fließt und fließt und drängelt sein Schifflein unaufhaltsam -weiter. Wenn ein solches Stäubchen die Erdbahn passierte, so würde es -durch den Lichtdruck der Sonne noch immer so bewegt werden, daß es -schon nach 20 Tagen den Zwischenraum, der die Erdbahn von der Bahn -des Mars trennt, durchschwommen hätte. Nach 80 Tagen überschritte -es die Jupiterbahn, nach 14 Monaten die des Neptun. Wenn fremder -Strahlungsdruck es nicht in Windstillen und Gegenwind seiner Richtkraft -brächte, müßte es nach 9000 Jahren das nächste Fixsternsystem bei -jenem Doppelstern Alpha im Sternbilde des Zentauren erreichen. - -Der Gedanke hat an sich seine Größe. Er lehrt, wie Materie in -stäubchenhaft winzigster Zerstreuung beständig von unserer Sonne zu -allen ihren Planeten, ja in ferne Fixsternsysteme getrieben werden -könnte. - -Wenn ein Planet wie unsere Erde feinsten Staub irgendeiner Art -gelegentlich selber aus seiner Atmosphäre verlöre, so müßte auch er an -solchen Weltfahrten teilnehmen, einfach, weil das Sonnenlicht auf ihn -scheint. - -Mancherlei Perspektiven könnten hier auftauchen, die trotz der -grenzenlosen Raumesöden, die Sonne und Planeten, Sonnen und andere -Sonnen trennen, ein beständiges geheimes Hin- und Herfluten kleinster -Stoffteilchen denkbar machen. - -Immer freilich gilt die Transportmöglichkeit nur von _sehr_ kleinen -Stäubchen. Durch Verminderung des Gewichts (z. B. für allerzarteste -Rußflöckchen) könnte man sie noch beweglicher machen. Aber der minimale -Durchmesser müßte bleiben. An Körperchen vom Durchmesser eines solchen -Sechstausendstels eines Millimeters wären 470 Billionen nötig, um auch -nur ein Kubikzentimeter Wasser zu bilden. Immerhin wäre man noch nicht -auf der Grenze der Moleküle. So weit dürfte man aber auch gar nicht -gehen. Denn ein Molekül ist _so_ winzig, daß das Händchen des Lichtes -(bildlich gesprochen) es gar nicht mehr umfassen kann. Dort versagt -also der Strahlungsdruck von neuem: reine Moleküle fallen nach der -Gravitation genau so wie schwerere Staubteilchen. - -Von hier ist nun bloß ein einfacher Schritt (und Arrhenius hat ihn -sofort selbst getan), um auf die alte Grundidee Keplers vor den -Kometenschweifen zurückzukommen. - -Die meteorische Kernwolke des Kometen folgt der Gravitation, stürzt -also gegen die Sonne. Eine gewisse Auslese ihrer losen Stoffteilchen -aber, die gerade jener kritischen Größe entspricht, wird, je näher das -Ganze der Sonne kommt, immer energischer vom Strahlungsdruck dieser -Sonne erfaßt und als Schweif umgekehrt aus der Hauptmasse fortgetrieben -werden müssen. - -Arrhenius denkt in der größeren Kernnähe und bei den kürzeren Schweifen -besonders an vereinzelt schwebende Kohlenwasserstofftröpfchen der -angesetzten Größe. Bei ihrer Kondensierung sollen elektrische -Prozesse, die als solche wieder die Sonne in der Kometenwolke erzeugt, -mitwirken, also die gleichen Vorgänge, in deren Gefolge dann auch die -abwirbelnde Schweifmaterie noch auf weite, weite Strecken hin wie -phosphoreszierend aufglimmt. Für die ganz langen, schier endlosen -Schweife dagegen nimmt er nur noch feinste Rußteilchen als eigentliches -Objekt des Strahlungsdruckes an, die durch Verkohlung solcher -Kohlenwasserstofftröpfchen entstanden sind und bei einem überaus -geringen Gewicht mit einer Abstoßungskraft dahinbewegt werden können, -die die Schwerewirkung der Sonne um das Vierzigfache übertrifft. - -Vor Jahren schon und ohne jede Rücksicht auf die Idee des -Strahlungsdrucks hatte nämlich der Astronom Bredichin aus den -verschiedenen Schweiflängen der einzelnen Kometen verschiedene Grade -der dabei wirkenden Abstoßungskraft zu errechnen gesucht und war dabei -für die längsten, am geradlinigsten von der Sonne abgekehrten Schweife -auf weit höhere Ziffern als für die kurzen, dicken und sozusagen nur -widerwillig gekrümmten gekommen. Ganz folgerichtig riet auch er dabei -schon auf verschiedene Substanzen in diesen Abstoßungsklassen, und -wenn (wie es wiederholt beobachtet worden ist) ein und derselbe Komet -(z. B. der herrliche Donatische von 1858) mehrere ungleich lange und -ungleich gerade Schwänze in der Sonnennähe von sich abwirbeln ließ, so -schloß er, daß hier verschiedene disponible Kernmaterien sich je nach -ihrer verschiedenen Schwere bald mehr, bald weniger dem Abstoßungsdruck -entsprechend angeordnet hätten. Das fügte sich jetzt sehr hübsch in -Arrhenius' Erklärung ein. - -Für unsern praktischen Fall mit dem Halleyschen Kometenschwanz im Mai -aber würde es gerade das Entscheidende werden; geht doch hier nicht ein -kurzer Kernschweif, sondern gerade recht das fernste Ende eines langen -Millionenmeilenschwanzes über uns fort; im Sinne von Arrhenius bekämen -wir also wohl nur noch solche allerfeinsten Rußpartikelchen wie vom -Schlotqualm eines endlos fern an uns vorbeifahrenden Dampfschiffs ab. - -Wie Arrhenius sich die Sache denkt, kann man sich direkt im Experiment -vormachen. - -In einer nach unsern Kräften luftleer gepumpten Sanduhr (einem alten -Stundenglase) läßt man etwas Schmirgelpulver, vermischt mit in Rotglut -vorher verkohlten Sporen eines Bovistpilzes von oben nach unten -durchlaufen. Gegen den niederrieselnden feinen Staubstrahl richtet -man jetzt von der Seite her das durch eine Linse konzentrierte Licht -einer elektrischen Bogenlampe. Das schwerere Schmirgelpulver fällt -einfach der Gravitation nach abwärts, ohne sich um den Lichtdruck -zu kümmern. Die absinkenden Kohlestäubchen dagegen werden eben von -diesem Lichtdruck abgelenkt und in langem Schweif zur Seite getrieben. -Im engen Bilde erscheint, was der Komet als _ungeheures kosmisches -Experiment_ in seinem luftleeren Weltraum uns nach Arrhenius auch -nur vormacht! Dem Schmirgel gleich fällt die meteorische Staubmasse -des Kernes nach dem Gravitationsgesetz zur Sonne. Die feinen -Rußpartikelchen fliehen dagegen unter dem Lichtdruck dieser Sonne als -Millionen Meilen langer Schweif dahin. - -Auf jeden Fall führen die verschiedensten Wege, wie man sich die -Abstoßung denken mag, alle unerläßlich auf eine Schweifmaterie von ganz -außerordentlicher Winzigkeit und Zerstreuung des Inhalts. - -Keine leiseste Theorie existiert, die solche Abstoßung, sei sie nun -elektrischer Natur oder Strahlungsdruck, auch nur noch auf solchen -feinen Meteorstaub, wie er in unsern Sternschnuppen verpufft, anwendbar -dächte. Es muß sich um eine noch viel, viel minutiösere Stoffauslese -handeln. - -Kein Gedanke, daß sich etwa ein einheitlicher dicker Giftqualm -einschmuggeln könnte, der unsere ungeheure, rasend schnell -vorbeibewegte und in ihren tieferen, dichteren Schichten, in denen wir -atmen, wie eine Art hygienischen Watteschutzes um die Erde gewundene -Atmosphäre völlig durchsetzen könnte. - -Keine entfernteste Möglichkeit heißer Dampfstrahlen etwa aus -glühendem Wasserstoff oder Eisendämpfen, die der Komet nach Art -der Sonnenprotuberanzen zu uns herüberschleudern könnte. Der -ungeheure Sonnenball selbst hat wahrlich andere Explosivmittel und -Stoffmaterialien als solches Kometenwölkchen zur Verfügung, er wirft -unter Umständen wirklich glühende (wenn auch stofflich sehr dünne) -Wasserstoffgarben in die Höhe, die siebzigtausend Meilen ansteigen -können; keine dieser Sonnenprotuberanzen könnte aber auch nur die Bahn -des innersten Planeten, des Merkur, bedrohen, der immer noch rund -sieben Millionen Meilen über der höchsten Protuberanz dahinzieht. -Um aus einem Kometenschweif eine glühende Wasserstoffprotuberanz zu -machen, müßte man den zur Sonne so schwachen Kometenkern aber Garben -werfen lassen bis zu zwanzig Millionen Meilen. Das Unsinnige liegt -schon so zutage, abgesehen von all den andern Gegengründen. - -Das elektrische Glühen der unendlich feinen Schweifmaterie wird man -sich auch nur als einen beständigen schwachen Ausgleich zwischen den -winzigen Einzelteilchen denken müssen im Sinne des Aufleuchtens der -außerordentlich verdünnten Materie in unsern Geißlerschen Röhren. - -Es ist ja erstaunlich, in was für Stadien der Verdünnung sich kosmische -Körper offenbar befinden können, ohne doch die Fähigkeit des Leuchtens -und die Wirksamkeit für unsere Spektralapparate zu verlieren. - -Jeder hat von den echten Nebelflecken gehört, ungeheuren Gebilden, -in denen leuchtende Gasmassen sich über unfaßbar riesige Gebiete -des Raumes ausdehnen. Diese Nebelflecken geben trotz ihrer enormen -Entfernung so viel Licht, daß wir sie photographieren können; einzelne, -wie der Orionnebel, erscheinen schon in kleinen Fernrohren als -imposantes Objekt. Im Spektroskop erkennt man sehr gut auch noch die -hellen Linien der Gassubstanzen, die da glühen, und man darf daraus -mit Sicherheit auf Wasserstoff, Stickstoff und Helium schließen. - -Die ältere Annahme hielt nun auch solchen Nebelfleck für ein echtes -höllenhaftes Glutmeer, in dem unsere Erde augenblicklich verpuffen -würde wie eine Sternschnuppe. Neuere Astronomen denken dagegen genau -umgekehrt an Gase, die leuchten, weil sie so außerordentlich _verdünnt_ -sind und bei sehr _niedrigen_ Temperaturen im kalten Raume schweben. -Auch hier mag man irgendein elektrisches Glühen vermuten, für das Gase -gerade in diesem Zustande besonders geeignet erscheinen. Über die -wirklich kolossale Verdünnung kann aber bei den Raumverhältnissen in -diesem Falle kein Zweifel sein. - -Arrhenius berechnet in einem Nebelfleck, dessen Gas den vielfachen Raum -der Neptunbahn einnähme, die Dichte des Gases nur auf ein Billionstel -der Dichte unserer Luft. Und doch erscheint der Nebel, in fernen -Fixsternräumen schwebend, noch als Lichtgebilde für uns und gibt -Stofflinien im Spektralapparat ganz wie ein Komet, der relativ dicht -neben uns um unsere Sonne geht! - -Dem Laien pflegt durch die allgemein verbreitete Kant-Laplacesche -Bildungstheorie die Vorstellung ganz besonders geläufig zu sein, daß -unser eigenes Sonnensystem mit all seinen Planeten und Monden einst -auch eine einheitliche gashafte Nebelmasse dieser Art gebildet habe, -wobei die jetzt zur Sonne und ihren Planeten und Monden geballte -Materie sich bis über die Neptunsbahn einheitlich lose ausgedehnt -hätte. Scheiner hat gerade das aber gelegentlich auch einmal exakt -durchgerechnet, und er hat als Resultat bekommen, daß unsere Atemluft -an der Erdoberfläche 240000 Millionen mal so dicht sei, als diese -anfängliche Nebelmaterie höchstens gewesen sein könne. Das sogenannte -Vakuum unter unsern Luftpumpen, das wir gern stolz als »leeren Raum« -bezeichnen, stellt im guten Falle erst ein Hunderttausendstel unserer -Luftdichte dar. Man bekommt hier einen Begriff, was wirklich leerer -Raum hieße. - -Bei jenem 240000 Millionstel unserer Luft stehen wir tatsächlich noch -bei realen Körpern, die selbständig leuchten und ein Lichtspektrum -geben, das ihre Elemente verrät! Erst weit jenseits dieser Werte würde -aber die Welt des Lichtäthers selbst beginnen, auf deren Wellendruck -Arrhenius seine Kometenteilchen in den Schweifen dahinsegeln läßt. - -Man muß diese Vergleichsbilder kennen, wenn auf der einen Seite ein -Forscher sagt, ein Kometenschweif erscheine ihm wie ein »leuchtendes -Nichts« ... und auf der anderen Weltuntergangsängste umlaufen, die -unter dem gleichen Gebilde sich ein Ding etwa wie eine weißglühende -Stange vorstellen, die mit zerschmetternder Vehemenz gegen unsere Erde -schlagen wird ... - - * * * * * - -Resümieren wir also noch einmal unser Los in der kritischen Nacht vom -18. zum 19. Mai. - -Nach der vorläufig besten und neuesten Berechnung liegt die eigentlich -bedeutsame Nachtstunde für uns in Deutschland _genau zwischen morgens -3 Uhr 22 Minuten und 4 Uhr 22 Minuten_. Sie gehört also nach unserer -bürgerlichen Datierung bereits dem 19. Mai an, während der Astronom -sie nach seiner Berechnungsart noch zum 18. Mai zählt. Über eventuelle -Verschiebungen des engeren Termins werden im letzten Momente ja noch -alle Zeitungen wie bei einer wichtigen Theaterpremiere berichten. - -In dieser Stunde also geht der Komet genau zwischen der Sonne und -unserer Erde durch. In Australien, in der Südsee und in Ostasien -wird man direkt beobachten können, wie der Kometenkopf scheinbar in -die Sonnenscheibe eintritt, um sie erst nach einer ganzen Stunde des -Vorbeipassierens wieder zu verlassen. - -Während dieser Stunde aber wird die Erde selbst durch den -Kometenschweif gehen, und wenn dieser Schweif angetan wäre, wirklich -unsere Atmosphäre mit irgend etwas Schrecklichem zu versetzen, so -würde sich dieses Schreckliche dann alsbald unaufhaltsam durch unsern -gesamten Luftkreis verbreiten müssen. - -Was ist nun in Wahrheit zu erwarten? - -Da uns nicht ein Kometenkopf berührt, sondern nur der Ausläufer -eines Kometenschweifs, ist es nicht wahrscheinlich, daß wir -direkt noch meteorischen Staub von der Stärke in unseren obersten -Atmosphäreschichten erhalten, daß ein Sternschnuppenregen auftritt; -schade, denn dieses Schauspiel wäre ebenso ungefährlich wie schön, und -es lohnte, daß man eine Nacht darum aufbliebe. - -Ausgeschlossen sind nach aller bestehenden Theorie sowohl -katastrophenhafte Stoßerscheinungen, wie Gefahren durch explosible oder -giftige Stoffe. - -Denkbar wäre dagegen zu dem kritischen Termin eine bestimmte Sorte -irdischer Feinwirkung, die wir diesmal zum erstenmal genau feststellen -könnten, weil wir zum erstenmal die nötigen Apparate dafür zur -Verfügung haben. Auch ihr geht jeder katastrophenhafte, uns und -unsere Technik gefährdende Charakter ab, dagegen handelt es sich um -die Möglichkeit von sowohl wissenschaftlich wie technisch wertvollen -Feststellungen. - -Es wäre nämlich immerhin möglich, daß der Kometenschweif gewisse feine -_elektromagnetische Störungen_ auf unserer Erde hervorriefe. - -Bekanntlich gibt es auf unserm Planeten höchst eigentümliche zeitweise -Störungen und Stürme innerhalb der geheimnisvollen Kraftbetätigungen, -die wir elektromagnetische nennen und deren Wirksamkeit wir erst in -neuerer Zeit genauer zu erforschen und zu verwerten begonnen haben. -Unsere Magnetnadeln geraten dabei in mehr oder minder lebhafte -Unruhe. In stärkeren Fällen durchsausen gewaltige elektrische -Erdströme die Oberflächenschicht des Planeten und bringen alle unsere -Telegraphenleitungen für eine kurze Weile in heillose Unordnung, ja -außer jeglicher brauchbaren Funktion. Zugleich wird bis in Gegenden, -wo man an dergleichen nicht gewöhnt ist, eine völlig ungefährliche, -aber sehr auffällige Lichterscheinung unserer Atmosphäre merkbar, -die sich sonst auf eine gewisse Nähe der magnetischen Pole unserer -Erde beschränkt: nämlich das sogenannte Polarlicht oder (für unsere -Nordhalbkugel) Nordlicht. - -Obwohl diese oft plötzlichen und für unsere modernen Verkehrsapparate -mindestens momentan lästigen elektromagnetischen »Unwetter« zunächst -durchaus irdische Phänomene sind (auch mit Einschluß des Nordlichts), -so hat man doch allmählich gelernt, daß bei ihnen irgendein weiterer -kosmischer Zusammenhang zweifellos auch noch besteht. - -Sie fallen nämlich durchweg zeitlich genau zusammen mit bestimmten -Erscheinungen auf der Sonne. - -Die Sonne zeigt an ihrer Oberfläche gelegentlich gewisse Anzeichen, -die auf eine lebhaftere eruptive Tätigkeit schließen lassen. Als -sichtbarlichstes Gebilde gehören (in irgendeinem Zusammenhang, der an -sich noch nicht völlig geklärt ist) hierher die Sonnenflecken. Diese -Sonnenflecken treten in bestimmten Perioden stärker und dann wieder -schwächer auf; bald ist die Sonnenscheibe von ihnen fast bedrohlich -besetzt, bald wieder scheinen sie so gut wie ganz zu verschwinden. - -Mit großer Sicherheit hat man nun eine elfjährige Periode dieser Art -feststellen können, in der einmal eine Steigerung bis zu einem Maximum -eintritt, dann aber wieder ein ebenso konsequentes Sinken folgt. - -Ganz genau die gleiche elfjährige Periode beobachtet man aber auch -in einem bestimmten Schwanken unserer Magnetnadeln. Hier _muß_ ein -Zusammenhang bestehen. - -Bei bestimmter Häufung und Größe einzelner Sonnenflecken wird dann auch -eine unmittelbare Wirkung deutlich. Mit dem Auftreten des Fleckenfeldes -auf der Sonne, ja noch enger genau mit dem Moment, da es sich innerhalb -der Sonnenrotation gerade unserer Erde senkrecht gegenüberstellt, -pflegt bei uns ein erhöhtes elektromagnetisches Gewitter (mit wilden -Magnetnadel-Ausschlägen, abnormen elektrischen Erdströmen und starken -Nordlichtern) einzutreten. - -Die Sonne ist von uns rund 20 Millionen Meilen entfernt. Trotzdem ist -es, als greife von ihr in solchem Moment etwas Unsichtbares wie ein -Scheinwerferstrahl bis zu uns herüber und störe unsere Apparate. - -Man hat wirklich an solche Wurfstrahlen gedacht. Bei den -Sonnenfinsternissen sieht man einen sonst unsichtbaren Kranz ungeheurer -Stoffstrahlen, die leuchtend weithin von der Sonne auszufließen -scheinen, die sogenannte Korona. Es könnte sein, daß bei großen -Eruptionen dort solche Strahlen stärker aufschießen und bei bestimmter -Einstellung bis zu uns kommen. Unendlich feine Materie jedenfalls, -haben sie nichts zu tun mit jenen erwähnten wirklichen glühenden -Wasserstoff-Protuberanzen der Sonne, die nie entfernt so weit -reichen könnten. Ihre einzige Wirkung, die sie bei uns tun können, -ist offenbar nur eben jene ganz feine elektromagnetische, die sich -in Magnetnadelschwankungen, Nordlichtern und (nur in unsern feinen -Apparaten merkbaren) Erdströmen andeutet. Arrhenius denkt auch hier -an feinste Stoffteilchen jener kritischen Größe, die, durch engere -Sonneneruptionen zunächst hochgeschleudert und verstreut, dann zum Teil -vom Strahlungsdruck bis in die Planetenräume hinausgetrieben und so -auch bis zu uns gebracht würden. Die elektrische Ladung dieser Teilchen -würde dann die Erdphänomene erklären. - -Wie man sich das nun im einzelnen ausmalen mag: jedenfalls gibt diese -Kette offensichtlicher elektromagnetischer Zusammenhänge zwischen Sonne -und Erde und ihre Wirkung bei uns einen _vagen_ Anhalt, was auch ein -Kometenschweif als irgendwie elektrisch tätiger »Scheinwerfer« bei uns -erzeugen _könnte_. - -Nehmen wir an, auch er enthält elektrisch erregte Teilchen, so wäre -es immerhin denkbar, daß auch sie bei ihrer Mischung mit unserer -Erdatmosphäre, wenn denn sonst bei ihrer Winzigkeit absolut nichts, so -doch einen gewissen »elektromagnetischen Sturm« erregten, also unsere -Magnetnadeln ausschlagen ließen, unsern elektrischen Betrieb momentan -durch unkontrollierbare Erdströme störten und (als sinnfälligsten -Effekt) vielleicht bis in unsere dichtesten Kulturbreiten hinein -brillante bunte Nordlichter aufflammen ließen. - -Wenn ein besonders großer Sonnenfleck das kann, indem er uns -vielleicht über zwanzig Millionen Meilen fort einen besonders langen -elektromagnetisch geladenen, aber sonst für uns ganz unsichtbaren -Koronastreifen zuschickt, bei dessen Berührung hier unten alles dieser -Kraft speziell Untertane zittert, wie toll verkehrt klingelt und -endlich den Himmel mit zuckenden magnetischen Strahlen rötet: warum -soll _das_ nicht der Komet auch vielleicht vollbringen? Vielleicht! -Bewiesen ist es natürlich nicht. - -Möglich ist ja, daß solcher Komet in seiner Sonnennähe wie eine Art -Konzentrierer und Kondensator der ausfließenden Sonnenkraft selber -wirkt. Nach Arrhenius würde er massenhaft in nächster Sonnennähe -elektrisch geladenen Koronastaub der Sonne direkt an sich ziehen und -nachher im Strahlungsdruck konzentriert wieder auspulvern gegen die -Planeten hin: hier wirkte er also tatsächlich wie eine Art Scheinwerfer -für Sonnenenergie. - -Es ist auch bereits behauptet worden, daß die Kometenschweife sich -stärker entwickelten in Jahren der Sonnenflecken-Maxima, sei es, daß -sie dann mehr direkten Eruptionsstaub der Sonne zu ihrem Eigenmaterial -noch hinzuerhielten, sei es, daß die dann ohnehin stärker ausströmende -elektrische Wirkung sie bloß auf stärkere Strecken hin zum elektrischen -Leuchten brächte und so den Schweif größer erscheinen ließe. - -Ein Grund aber, sich diese problematische elektromagnetische Wirkung -abnorm groß vorzustellen, liegt jedenfalls wieder nicht in dem ganzen -Sachverhalt. - -Wenn es im höchsten Grade wahrscheinlich, ja so gut wie gewiß ist, daß -wir früher schon so und so oft durch Kometenschweife hindurchgegangen -sind (_jeder_ Komet, der für uns _vor_ der Sonne herging und einen -_langen_ Schweif hatte, kommt ja historisch dafür in Betracht), -so haben wir damals eben überhaupt nie etwas gemerkt (es sei denn -Nordlichter, die man früher aber nirgendwo einzuregistrieren wußte und -deshalb durchweg überhaupt nicht registrierte), einfach, weil unsere -Technik noch nicht mit elektromagnetischen Feinapparaten arbeitete. -Wie jung diese Arbeit ist, lehrt klärlich wohl die kleine Reminiszenz, -daß bei der vorigen Wiederkehr des Halley-Kometen, 1835, eben zwei -Jahre verflossen waren, seit zum erstenmal und zunächst rein als -Privatexperiment zwei Göttinger Gelehrte, Gauß und Weber, zwischen -der Sternwarte und dem physikalischen Kabinett ihres Göttingen eine -elektrische Telegraphenverbindung primitivsten Stils hergestellt hatten. - -Wichtig ist aber auf _jeden_ Fall, daß auf diese Symptome, und seien -sie noch so geringfügig, _geachtet_ werde. Nicht als Angstobjekt, -sondern als willkommenes kosmisches Experiment sollen wir diese -Kometennacht verstehen und werten. - -Von der schönen Treptower Volkssternwarte, die gewiß zu den edelsten -Errungenschaften kulturell ersprießlicher Wissenschaft gehört, die wir -in den 76 Jahren seit dem letzten Halley-Termin gewonnen haben, wird -dabei besonders aufgefordert, es möchten doch in der Nacht vom 18. zum -19. Mai und tunlichst schon etwas vorher auf der Erde alle Versuche mit -den Apparaten der elektrischen Wellentelegraphie unterbleiben, damit -sich eventuelle elektrische Wirkungen des Kometen als solche von den -fein gestimmten Empfangsapparaten ablesen ließen. - -Und so gibt es noch mehrere andere Punkte, auf die auch gerade von dort -her besonders aufmerksam gemacht worden ist als auf Dinge, die sorgsam -zu beachten wären. - -Ob eine abnorme Aufhellung des Himmels einträte. - -Ob sich besondere bunte Dämmerungserscheinungen hinterher geltend -machten, die auf das Eindringen allerfeinster Staubteilchen in unsere -oberen Luftschichten deuten könnten. - -Ob Änderungen an dem sogenannten Zodiakallicht, einem für gewöhnlich -schon recht rätselhaften Lichtkegel, der sich gelegentlich am Abend- -oder Morgenhimmel zeigt, merkbar würden. - -Ob »leuchtende Nachtwolken«, d. h. ungewöhnlich silberglänzendes -Cirrusgewölk, das in außerordentlichen Höhen schwebt und mit dem es -auch irgend eine ganz aparte Bewandtnis zu haben scheint, sich gerade -jetzt wieder sehen ließen. - -Bei fast allen diesen Dingen kann auch jeder Laie registrieren helfen. - -Auch wenn es nicht wahrscheinlich ist, daß der Kometenschweif selber -diesmal vermehrtes Sternschnuppenmaterial liefert, so sollten doch auch -Sternschnuppen und größere meteorische Feuerkugeln mit größter Sorgfalt -nach Zeit und Ort aufgezeichnet werden, und es sollte das Material, -auch wenn es wirklich noch so geringfügig erscheint, einer Sternwarte -zugesandt werden. - -Arbeit, kleine Arbeit gilt es da mitzutun. Aber aus solcher Arbeit, -Stein um Stein und seien sie klein wie Meteorstäubchen, baut sich die -Forschung, -- nicht aus vergänglichen Sensationen. - -Ob ein vielleicht zu erwartender elektromagnetischer Kleinsturm auch -auf unsere Witterung einen bescheidenen Einfluß haben könnte? Ob -eine bestimmte jähe barometrische Luftdrucksänderung wenigstens ein -_schwacher_ Hilfsanlaß zu dem einen oder andern etwas intensiveren -lokalen Vulkanausbruch oder Erdbeben werden könnte? - -Anhalt haben wir gerade dafür _nicht_. - -Ein Einfluß jener elfjährigen Sonnenfleckenperiode auf unsere irdischen -Witterungsverhältnisse ist _bisher_ nicht sicher nachgewiesen. Daß -wir im ganzen heute auf eine Epoche stärkeren Vulkanismus wie (im -Zusammenhang mit vielleicht wieder einsetzender Gebirgsbildung) -stärkerer Erdbeben losgehen, ist an sich wahrscheinlich (daher -Martinique, Messina und so weiter), es fragt sich aber durchaus, ob -da der Barometerstand des Augenblicks wirklich im größeren Sinne -mitspielen kann, und abermals fragt sich, ob elektromagnetische -Erdstörungen nun wieder diesen Barometerstand beeinflussen. - -Schließlich: hier überall könnten wir nur lernen, und wir _wollen_ -lernen. Gibt die Kometenkrisis einen besonders heftigen Wettersturz, -so wäre das eine lehrreiche Tatsache. Wahrscheinlich nach dem bisher -Vorliegenden ist sie nicht, aber dieses »Vorliegende« ist stets nur ein -»Vorbericht«. Unfehlbar ist sein Votum nie. - -Ja: unfehlbar! - -Hier wollen wir natürlich nicht ins Übertriebene fallen. - -Alle Forschungsergebnisse bis heute sind nur ein Annäherungswert. - -Es kann schlechterdings Unbekanntes geben, das die Erde, das -Sonnensystem, die ganze Fixsternwelt in diesem Moment, da diese Zeile -gelesen wird, in unfaßbaren Hitzegraden zu Gas verflüchtigt. Es kann. -Die Forschung gibt ihre Argumente, zu mehr ist sie nicht verpflichtet. -Der Arzt kann einen Menschen untersuchen und für kerngesund erklären -und er kann im nächsten Moment am Herzschlag sterben. Die Erde kann im -Moment, da wir auf den Kometen warten, durch eine unzusammenhängende -Katastrophe, die von Alpha Zentauri über acht oder zehn Billionen -Meilen zu uns herübergreift, vernichtet werden. Jeder von uns kann -in Monte Carlo die Bank sprengen; damit zu rechnen ist aber nicht -empfehlenswert, obwohl diese Wahrscheinlichkeit sicherlich sehr -viel geringer ist, als daß eine Welt, die seit hundert und mehr -Jahrmillionen ohne kosmische Katastrophe sich glatt weiterentwickelt -hat, gerade uns Eintagsfliegen dieser lebenden Menschengeneration den -Gefallen tun sollte, unterzugehen. - - * * * * * - -Herr Professor Semmler zu Halle um 1770 betonte (es ist erzählt), -daß Kometen keinen direkten physischen Einfluß auf unsere Reiche, -Republiken und Regierungen hätten, daß es hingegen dem beschaulichen -Menschen frei stehe, sich bei ihnen das eine oder andere Erbauliche -auch ohne besonderen Zusammenhang ins Gedächtnis zu rufen. Der Mann hat -in einem Punkte recht. - -Wenn wir heute beinah etwas betrübt hinzufügen müssen, daß es auch -mit der neueren Sensation des Versengens, Vergiftens, Versalzens -und Bombardierens seitens des Kometenschweifs aller menschlichen -Voraussetzung nach nichts ist, so muß uns doch unbenommen bleiben, in -der kommenden Kometenstunde das eine oder andere zu denken, das zwar -keinerlei Zusammenhang mit dem Kometen da oben hat, aber an sich hübsch -und nützlich zu denken ist in allen ernsten und guten Stunden. - -Mögen wir ein Glas weihen in jenem Moment eben der rastlosen Arbeit, -wie sie auch in diesem Ringen des Forschergeistes um die Kometenfrage -so denkwürdig zum Ausdruck kommt. - -Schließlich ist es doch diese Arbeit selbst, die auch in die dunkelsten -Träume eines physikalischen Weltuntergangs den letzten Trost bringen -würde. - -Denken wir uns, daß ein solcher Untergang in unendlichen Fernen der -Zeit, in Billionen oder Trillionen von Jahren, einmal eintreten -könnte; nicht durch einen Kometen; aber vielleicht weil die Sonne in -ihrem Lauf endlich den ungeheuren Raum doch durchmessen hätte, der -sie heute von den nächsten Fixsternen trennt, und einen Zusammenstoß -dort erlebte. Wenn wir sehen, was menschliche Geistesarbeit heute -schon geleistet hat, so ließe sich, bei gleicher Weiterarbeit, wohl -die Frage aufwerfen, was für Intelligenzwesen in jener fernen Zeit -unsern Planeten oder unser ganzes System bewohnen würden, Wesen, die -aus uns geworden wären, wie wir einst aus Amöben des Urstrandes uns -heraufentwickelt haben, aber Wesen, deren Intelligenz und Technik so -hoch über unserer heutigen ständen, wie ein Mensch heute über der Amöbe -steht. Und es ließe sich fragen, ob diesen fernen Wesen ein solcher -Zusammenstoß noch gefährlich werden könnte; ob sie nicht wirklich -längst in realer Erfüllung jenes Wallaceschen Märchens vorher Mittel -und Wege gefunden hätten, sich, wie vor der Erkaltung dieser Sonne, so -auch vor ihrem berechneten Zusammenstoß irgend sonst wohin im All in -Sicherheit zu bringen. - -Der Gedanke läßt sich aber noch steigern. Sollte solche Möglichkeit -nicht gegeben sein oder sollte lange vorher schon die Schicksalsparze -den Sonnenfaden oder Erdenfaden abschneiden: auch dann hat die Idee der -rastlosen Arbeit etwas Befreiendes. - -Wohl wäre _unsere_ Arbeit zunächst zu Ende. Aber nicht die Arbeit der -Entwicklung. Aus dem eingestampften, vielleicht wieder zum Nebelfleck -verflüchtigten System würde neue rastlos wühlende Naturarbeit sich von -neuem stufenweise emporringen, wieder bis zu Leben, bis zu Intelligenz. -Und vielleicht würde dieses neue System auf sichereren Verträgen -inmitten einer abermals gereinigteren Auslese des Harmonischeren, -Passenderen, Angepaßteren beruhen und so eine längere Entwicklungsdauer -haben als unseres. - -Auch der wildeste Götterdämmerungstraum der Sage schloß immer wieder -mit diesem ganz fernen, ganz blassen, aber doch wieder lichteren Bilde. -Aus der Asche des Weltenbrandes stieg endlich, endlich doch wieder eine -grüne Wiese, wo neue Götter, neue Menschen, gereinigt von der alten -Schuld, die goldenen Kugeln wieder fanden und weiterspielten. Auch dem -Blick des Naturforschers müßten sich die goldenen Kugeln im All immer -wieder fügen aus jedem Zusammenbruch. - -Denn das Naturgesetz und die Logik der Werdearbeit stürben in keinem -dieser Brände mit. - -Und auch ihm bleibt der große Gedanke Darwins, auf alles Kosmische -erhöht, daß jeder Einsturz nur eine Stufe der Unvollkommenheit -beseitigt, herausreinigt aus der unablässig wachsenden -Allgemeinbalance, Allgemeinanpassung, Allgemeinharmonie. - -Sie werden aber nichts mehr von uns wissen, diese Kommenden, diese -Besseren, diese Geklärteren: so raunt der trübe Gedanke. Die jungen -Götter der Sage, die wieder mit neuen goldenen Kugeln spielen, -erzählen sich die Geschichte der alten Schuld, die im Weltenbrande -gesühnt wurde, als ein wunderbares Märchen. Von uns wird nie wieder -einer erzählen; von den eingestampften Opfern eines kosmischen -Fortschrittsexperiments. - -Vielleicht gibt es aber doch All-Träume, die selbst dem standhalten, -wenn auch wir zu träumen wagen. - -Im All geht in Wahrheit nichts verloren. Auch keine Form. Nichts, was -einmal war. Unser Bild wandert noch nach Äonen mit Lichtpost zu fernen -Sternen. Aber es lebt auch verborgen in allem folgenden fort. Wer die -Formel weiß, kann es ewig aus seinen Wirkungen wieder zusammensetzen. -Nur darum ist ja schon bei uns eigentlich Geschichte möglich. Darum -beleben sich die alten Ichthyosaurier wieder vor unserm Blick. -Geschichte ist der Triumph der geheimen Allgegenwart aller Dinge. - -Auch Sehnsucht nach Geschichte, nach Aufdecken, Wiederfinden der -Vergangenheit liegt aber von gewisser Stufe ab in aller Arbeit der -Natur. Intelligenz muß immer wieder hierher lenken. Nun denken wir uns -Intelligenz unendlich über unserer, die aus wenigen Formeln das ganze -Farbenbild der Vergangenheit wieder ablesen, wieder erwecken könnte. -Unendliche Zukunftsarbeit würde in diesem Sinne auch eine unendliche -Rückwärtsarbeit werden. Ein unendliches Wiederfinden aller abgerissenen -Fäden über noch so viel Weltenbrände hinaus. Was haben aber auch wir -eigentlich schon mehr als das in unserm individuellen Leben, jeder von -uns, innerhalb unserer eigenen Kultur: als ein rastloses Arbeiten im -Augenblick, in dem gerade bei uns die große Naturflamme lodert; und -ein Hörensagen von andern vor uns, die keiner mehr direkt sieht, eine -Geschichtstradition von früheren, toten Generationen, denen die Fackel -aus der müden Hand gesunken ist; das muß uns genügen und genügt uns -doch zu frohem Tagesschaffen. Ob die Nacht zwischen dir und diesem oder -jenem alten Forscher und Denker nun nicht bloß durch Menschengräber -und Kinderlachen, sondern wirklich durch Weltenstürze und neue goldene -Weltkugeln geht: was würde es ändern? - -Hinter allem aber (darauf weihe auch dein Glas, sei es nun wirklicher -Goldwein oder bloß Geistestrank) muß zuletzt doch das große -Naturgeheimnis bleiben, mit seinem dunkeln Auge, das immer gleichmäßig -auf uns weilt, das nie zuckt, was sich auch vollziehe. Es muß jeden -einzelnen von uns über kurz oder lang aufnehmen. Stellen wir ihm auch -die Menschheit anheim. _Wenn_ einer es je einmal zur Antwort bringt, -kann das auch nur in der Linie unendlicher rastloser Arbeit geschehen. -Dann löst diese Arbeit es aber rückwärts für uns alle mit. In diesem -dunkeln Auge des Geheimnisses finden wir uns alle wieder ... - -Das sind Gedanken, die jetzt mit dem Kometen wirklich nicht mehr zu tun -haben, als daß auch sie etwas durch Neptunsweiten schweifen. - -Bleiben wir näher. Sagen wir uns, daß dieses silberne Wölkchen da oben -nun abermals seine 76 Jahre von uns fern weilen wird, uns so lange aus -dem Gesichtskreise verlieren wird. - -Nehmen wir ihn als alten Menschenfreund und alten Menschenkenner, -diesen einsamen Weltenwanderer da droben, der schon so viel mit -uns durchgemacht hat, so viel Menschenglauben und Menschentand hat -zerschellen und immer doch (wir hoffen es) etwas saure Menschenarbeit -hat triumphieren sehen. Was wird er finden, wenn er nach seinen 76 -Jahren wiederkehrt? - -Ein Glas dem Problematischen, das doch noch in all unserer Wissenschaft -steckt. Ein Klang der einen großen Wahrheit, daß noch niemand ganz -recht hat; daß noch keine unserer Weltanschauungen ganz recht haben -_kann_; und daß zum _Glück_ noch keine ganz recht hat. Was wird er -finden? - -Wird unsere Naturforschung in 76 Jahren ganz zur äußerlichen Technik -geworden sein, die sich von allen _tiefsten_ Denkwerten abgelöst hat? -Oder wird sie den Anschluß gefunden haben, der für ihren höheren -Menschheitswert der entscheidende sein muß: an eine echte idealistische -Weltansicht? Oder ist das noch zu früh? - -Werden wir einen neuen Humanismus erhalten, in dem auch die -Naturforschung, die einst vergessen worden war, ihre Stätte findet, -nicht als verrohende Macht, sondern veredelt, geläutert vom -humanistischen Gedanken? - -Und wird dieser erweiterte, verklärte Humanismus nicht beschränkt -bleiben auf die Gelehrtenzelle, sondern eine wärmende Sonne werden für -das ganze Volk? - -Wird in 76 Jahren die Sternwarte, zu der wir jetzt wandern, um dieses -kleine unheimliche Silberfederchen, das da im eisigen Raum treibt, -anzustarren, eine ethische Erziehungsstätte sein? - -Es ist die letzte Strandwelle des alten Glaubens, daß der Komet etwas -prophezeien könne, was in solchen Fragen lebt. Er prophezeit aber -nichts. Nur die Kraft und die Tat und die Arbeit prophezeien. Als die -Menschheit _seine_ Wiederkehr prophezeite, da war sie bei der Arbeit, -da taten die Dinge einen Ruck, da wurden sie größer. - -Weltuntergang! Wir wollten trinken und küssen, alle Reserven auftrinken -und aufküssen. Es braucht keine Reserven mehr, morgen ist Weltfeiertag. - -Und nun soll das alles wieder nichts sein. - -Ja wäre es nicht eigentlich doch eine Wohltat gewesen, diese Stimmung -in der scheußlichen Langeweile unserer Zeit? - -Wir arbeiten so heillos viel, wir haben das Recht, das Arbeiten auch -einmal für einen Greuel zu erklären, zwischendurch. - -Nun will uns die grämliche Wissenschaft auch das wieder nicht erlauben. - -Im elenden Trott sollen wir wieder weiterschuften, immer mit kleinen -Sparrationen, wie Südpolfahrer; Vorsicht, morgen ist noch ein Tag und -die Woche hat noch fünf, hebt Reserven auf, Reserven für die Enkel und -Urenkel. - -Gewiß, auch das läßt sich sagen. Aber zuletzt ist es auch nur der -uralte Kometen-Pessimismus, der selbst damit nicht zufrieden ist, daß -die Welt _nicht_ untergeht ... - -Und schließlich glauben wir doch alle nicht daran, wir Menschen von -1910, mit unserer Kraft und unserer Sehnsucht. - -Nein. Laßt uns die heilige Kometenstunde (um denn endlich das darin zu -finden, was von je wirklich das Grundgegenteil aller Kometengedanken -gewesen ist) mit einem stillen Glas und vielleicht einem stillen Kuß -auf schöne Lippen dem ewigen Wunder des Gedankens, der Liebe und der -Schönheit weihen, dem unbesiegbaren Sonnenzauber dieser alten Welt, den -keine kalten Sterne jemals haben bedrohen können. - -Und dann ...? - -»Worauf«, spricht ein alter Chronikschreiber, der das letzte Wort haben -mag, (nachdem sie nämlich wieder einmal vergebens auf den Weltuntergang -gewartet hatten) »Worauf alle wieder an ihre Arbeit gingen, als wenn -garnichts geschehen wäre.« - - - - -Von _Wilhelm Bölsche_ erschien im gleichen Verlage - - -W. Bölsche, Das Liebesleben in der Natur. Eine Entwickelungsgeschichte -der Liebe. Stark vermehrte und umgearbeitete Ausgabe. 2 Bde. 30.-35. -Tausend. br. à M. 6.--, geb. à M. 7.50 - -_Neue Weltanschauung_: Das bekannteste Werk Bölsches erscheint -jetzt in einer neuen zweibändigen Ausgabe und zu einem wesentlich -_ermäßigten_ Preise, so daß es auch Kreisen zugänglich wird, denen -die dreibändige Ausgabe zu teuer war. Daß der Verfasser bei der -Neuausgabe alle Fortschritte der Wissenschaft berücksichtigt hat, -braucht kaum bemerkt zu werden. Im Mittelpunkt der ganzen Darstellung -steht der Grundgedanke, daß der Mensch mit seinem ganzen Wesen im -Tierreich wurzelt, daß er ein Teil desselben ist, sich aus ihm im Laufe -ungezählter Millionen Jahre historisch entwickelt hat. Der eigentliche -Gegenstand des Buches ist eine allgemeinverständliche Darstellung der -Zeugungs- und Entwickelungsverhältnisse im Tierreich mit Einschluß -des Menschen. Bölsche beschränkt sich dabei nicht darauf, aus der -umfangreichen Fachliteratur die einschlägigen Tatsachen herauszusuchen -und zusammenzustellen, sondern er betrachtet diese Tatsachen lediglich -als ein Gerüst, das seine oft weit ausgreifenden naturphilosophischen, -künstlerischen und ästhetischen Ausführungen stützen soll. Da, wo -mitunter -- nach Ansicht gewisser Leute -- sogar heikle Dinge berührt -werden mußten, läßt der Verfasser auch den Humor zur Geltung kommen. -Es ist gewiß keine leichte Aufgabe, für ein Laienpublikum eine solche -Entwicklungsgeschichte der Fortpflanzung zu schreiben, und gar ohne -Abbildungen. - - -W. Bölsche, Die Mittagsgöttin. Roman. 2 Bände. 4. Aufl. br. M. 7.--, -geb. M. 9.-- - -_Velhagen & Klasings Monatshefte_: Ein Werk, reich wie das Leben -selbst, vom frischesten Wirklichkeitshauch durchweht und doch -zugleich von hoher Idealität erfüllt, eine Weltanschauungsdichtung im -großen Stil. Humor und Tragik, Pathos und Pikanterie, Realistik und -Romantik, Zartes und Derbes in buntem Gemenge, in sprießender Fülle. -Charakterzeichnungen von einer Schärfe und Deutlichkeit in jeder Linie -und psychologisch so vertieft, daß sie den Vergleich mit keinen anderen -Gebilden der neueren Literatur zu scheuen haben. Und als Untergrund -ein Mosaik von Großstadt- und Landschaftsschilderungen, in denen sich -ebenso glänzend die Akribie des Naturforschers wie die Stimmungsgewalt -des Lyrikers offenbart. Die Farbenpracht dieser Schilderungen hat -etwas Berauschendes; nur hier und da wirkt die Überfülle des Details -ermüdend und verwirrend. Berlin und der Spreewald bilden den Schauplatz -des Romans; was diese packenden Gegensätze an Reiz und Inhalt bieten, -das hat der Dichter so gut wie ausgeschöpft. Inhaltlich führt der -Roman mitten in die Geisteskämpfe der Gegenwart. Seinen Stoff entnimmt -er dem spiritistischen Treiben unserer Tage, aber Bölsche erfaßt den -Gegenstand tief genug, um in dem Werke die gesamten Gegensätze des -heutigen Weltanschauungskampfes widerzuspiegeln. Und dieser Kampf -vollzieht sich nicht in einem Für und Wider von abstrakten Deduktionen, -sondern in der Seele einer bedeutenden Persönlichkeit, die ein -leidenschaftliches Streben nach Wahrheit erfüllt. - - - - -Essaybände von Wilhelm Bölsche - - -W. Bölsche, Naturgeheimnis. 8. Tausend. br. M. 5.--, geb. M. 6.50 - -_Weserzeitung_: Goethe und Haeckel -- wie oft hat Bölsche diese beiden -großen Pioniere schon in seiner eigenartigen geistreichen Weise -behandelt und auch im »Naturgeheimnis« bringt er sie wieder zusammen -und läßt uns den Gleichklang vernehmen, der durch das Leben und -Streben der beiden Forscher gegangen. Diesen volltönenden harmonischen -Gleichklang, der aus einer großen Wahrheit hervorschauerte und -ständig das Streben der beiden in wundervollen Rhythmen durchklang --- aus der »Grundwahrheit Goethes von der Einheit der Natur«. »Und -in dieser Einheit liegt alles, auch das Schöne«. Zu neuen Welten -sucht Bölsche neue Wege. In jenem selten gefundenen Gleichbesitz von -naturwissenschaftlicher und dichterischer Befähigung erschließen -sich ihm unendliche Weiten zu jenen fernen Weihnachtsinseln einer -glücklicheren Zukunft, wie in den »Visionen auf dem Palatin«, oder in -dem grandiosen »Gespräch mit der Peterskuppel«. Wie die Geheimnisse -ihn dort umstellen, dort »wo so unsagbar viel Menschensehnsucht -sich verblutet« und er sich dann durch alle die Weltirrungen und -Wirrungen hindurchfindet an der Hand der großen Weltlogik und der -Naturgesetzlichkeit. So weiht er schließlich die schönste Kuppel der -Erde »einer lichteren Zeit, freieren Menschen mit reinerem Sinn«, einer -ferneren Zeit, da die Forschung eine religiöse Tat und jeder echte -Forscher ein Priester sein wird. - - -W. Bölsche, Vom Bazillus zum Affenmenschen. 10. Tausend. br. M. 5.--, -geb. M. 6.-- - -_Aus dem Inhalt_: Bazillus-Gedanken -- Wenn der Komet kommt -- Das -Geheimnis des Südpols -- Die Urgeschichte des Magens -- Ein lebendes -Tier aus der Urwelt -- Der Affenmensch von Java -- Das Märchen des Mars. - -_Deutsche Rundschau_: Gleicht die wissenschaftliche Forschung dem Abbau -eines Bergwerkes mit edlen Metallen, so entspricht die Arbeit der -Popularisierung derjenigen der Hüttenwerke, in denen man das Metall -befreit von den umgebenden Gestein. Da ist es denn sehr erfreulich, -in Wilhelm Bölsche bei jener vermittelnden Arbeit einen Mann tätig zu -wissen, der als der Freund solcher Gelehrter wie Haeckel nicht nur -des Vertrauens, sondern als Publizist von seltenen Fähigkeiten auch -der Liebe seines Publikums jeder Zeit sicher ist. Der Titel deutet -an, in welcher Richtung sich die Ausführungen bewegen. Den Gedanken -einer natürlichen Entwicklung, die in ununterbrochener Arbeit die -höheren Arten langsam aus den niederen entstehen ließ, jenen großen -Gedanken, auf dem unsere gesamte moderne Naturwissenschaft basiert, -möchte auch das vorliegende Buch Wilhelm Bölsches einem weiteren Kreise -verständlich machen. Hier soll gezeigt werden, daß die ewigen Gesetze -des Werdens sich an kleinen und kleinsten Fällen ebensogut beobachten -lassen wie an den gewaltigsten. - - - - -Essaybände von Wilhelm Bölsche. Wille. Emerson - - -W. Bölsche, Hinter der Weltstadt. Friedrichshagener Gedanken zur -ästhetischen Kultur. 4. Taus. br. M. 5.--, geb. M. 6.-- - -_Deutsche Rundschau_: Dieser Band gesammelter Aufsätze und -Betrachtungen beschäftigt sich mit bedeutenden Männern und -Erscheinungen des 19. Jahrhunderts, in dem sichtlichen Bestreben, aus -der gesamten Natur- und Geisteswissenschaft dasjenige herauszustellen, -was für das 20. Jahrhundert noch fortwirkende und vielleicht neu -begründende Kraft haben dürfte. Das, worauf der Autor über ähnliche -Bestrebungen weg hinaus will, bezeichnet er als ästhetische Kultur. -Ein Zug von Nichtbefriedigtsein mit der Gegenwart, aber auch von -Unverzagtsein der Zukunft gegenüber geht durch die aus diesem Buche -zu uns sprechende Weltanschauung. Der Autor hat sich, wie er im -Vorwort erzählt, aus dem Lärm der Hauptstadt Berlin in die Ruhe -des weit draußen gelegenen Vorortes Friedrichshagen geflüchtet und -überschaut nun von da aus auf seine Weise die Erträge des abgelaufenen -Jahrhunderts. Er beginnt mit Novalis und endet die Reihe mit Fechner, -den er gleichsam als naturwissenschaftliche und naturphilosophische -Ergänzung des Dichters Novalis betrachtet. Dazwischen erscheinen -Fontane, Heine, die Gebrüder Hart, Gerhart Hauptmann, Herman Grimm und -die Ebner-Eschenbach. Seine März-Träumerei und der, wie mir scheint, -sehr bemerkenswerte Aufsatz über die Freien Universitäten zeigen -Bölsche in Ideen lebend, die weit verschieden von denen waren, welche -ein Teil der von ihm behandelten Männer vertrat. Reicher Inhalt und -anregende Kraft wohnen den »Friedrichshagener Gedanken« inne. - - -Bruno Wille, Offenbarungen des Wacholderbaums. Roman eines Allsehers. -5. Tausend. 2 Bände. br. M. 8.--, geb. M. 10.-- - -_Friedr. Paulsen_: In Goethe waren Philosophie und Poesie eins, ihn -verehrt darum auch unser Verfasser als seinen Schutzpatron. Ich -erblicke in dieser Dichtung ein Anzeichen, daß die neue Fechnersche -Naturphilosophie, wie sie mit der mathematischen Naturwissenschaft in -enger Beziehung steht, so auch mehr ein dauerndes Bündnis zwischen -Philosophie und Poesie bedeutet, als die alte, dem Namen nach -spekulative, dem Wesen nach logisch-schematische Naturphilosophie. - - -Ralph Waldo Emerson, Natur und Geist. 2. Tausend. br. M. 3.--, geb. -M. 4.-- - -_Pädagogisches Jahrbuch_: Emerson will, daß wir »uns die Freuden eines -ursprünglichen Verkehrs mit dem Universum sichern«, er möchte uns zum -inneren Schauen verhelfen, und das innere Auge für die Natur öffnen. -Überall wird hinter der Natur und durch die Natur der Geist, das -eigentlich Schöpferische, sichtbar. Mit reichem Tatsachenmaterial sucht -er die Zusammenhänge zwischen realen Dingen und menschlichen Gedanken, -die unmittelbare Abhängigkeit der urwüchsigen Sprache von der Natur, -die Umbildung der Lebenserscheinungen draußen zu Typen des inneren -Erlebens nachzuweisen. - - - - -Neue naturwissenschaftlich-philosophische Anschauungen - - -Georg Rothe, Die Wünschelrute. Historisch-theoretische Studie. br. -M. 2.--, geb. M. 2.80 - -Georg Rothe zeigt auf Grund historischer und wissenschaftlicher -Forschungen, daß das Phänomen der Wünschelrute nichts Übernatürliches -an sich hat, sondern lediglich ein Stück Natur ist, dessen Gebiet -infolge der ablehnenden Haltung der Schulwissenschaft noch -nicht genügend erforscht ist. Gleichwie der Hypnotismus heute -wissenschaftlich anerkannt und zu Heilzwecken verwendet wird, so sollte -auch die Wünschelrute den Physikern, Physiologen und Psychologen als -Untersuchungsobjekt geeignet erscheinen, um ihre sehr wesentlichen -Erfolge zu erklären und weiter ausnutzen zu können. Rothe gibt die -erste wissenschaftliche Erklärung. - - -Wilhelm Fließ, Vom Leben und vom Tod. Biologische Vorträge. br. -M. 2.--, geb. M. 3.-- - -Hans Schlieper, Der Rhythmus des Lebendigen. br. M. 2.50, geb. M. 3.50 - -Wilhelm Fließ hat auf rein wissenschaftlicher Grundlage zwei neue -Naturgesetze entdeckt, nämlich das Gesetz der zweifachen Periodizität, -sowie das der Doppelgeschlechtigkeit aller Menschen. Sie erklären -überzeugend, woher z. B. das konstante Verhältnis der Überzahl -männlicher Geburten kommt, sie weisen nach, warum Krankheitsbazillen -plötzlich erlöschen, z. B. bei Pest und Cholera. Fast klingt es wie -ein Märchen, die neue Entdeckung führt den Nachweis, daß die Geburten -innerhalb einer Familie in engem Zusammenhange mit den Todestagen der -Vorfahren stehen. Schlieper führt die Untersuchungen im Tierreich -weiter. - - -Maurice Maeterlinck, Die Intelligenz der Blumen. 3. Taus. br. M. 4.50, -geb. M. 5.50 - -_Über Land und Meer_: Der tief in die Geheimnisse der Natur eingeweihte -Dichter legt uns hier mit ebensoviel Liebe und Innigkeit wie Geist und -scharfer Beobachtungsgabe an einer Reihe der merkwürdigsten, erst in -unserer Zeit recht gewürdigten Tatsachen dar, welch ungeheures Maß von -Klugheit, Erfindungsgabe, List, Mut und andern seelischen Eigenschaften -in der ganzen Pflanzenwelt fortwährend gegen die zahlreichen -feindlichen Mächte aufgeboten und betätigt wird, um die Erhaltung der -einzelnen Arten durchzusetzen. Er zeigt uns, daß jede Blume »ihre Idee, -ihr System, ihre erworbene Erfahrung« hat und daß sie zuweilen irre -geht in ihren Bestrebungen, genau wie der menschliche Geist. - - -Maurice Maeterlinck, Das Leben der Bienen. 13. Tausend. br. M. 4.50, -geb. M. 5.50 - - -Gedruckt in der Spamerschen Buchdruckerei in Leipzig - - - - - Weitere Anmerkungen zur Transkription - - Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. - - Korrekturen: - - S. 21: Menschenlage → Menschenloge - sonst unsere {Menschenloge} im All schützen - - - - - -End of Project Gutenberg's Komet und Weltuntergang, by Wilhelm Bölsche - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK KOMET UND WELTUNTERGANG *** - -***** This file should be named 61928-0.txt or 61928-0.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/6/1/9/2/61928/ - -Produced by Jens Sadowski and the Online Distributed -Proofreading Team at https://www.pgdp.net (This book was -produced from images made available by the HathiTrust -Digital Library.) - - -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed. - -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United -States without permission and without paying copyright -royalties. 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INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the -trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone -providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in -accordance with this agreement, and any volunteers associated with the -production, promotion and distribution of Project Gutenberg-tm -electronic works, harmless from all liability, costs and expenses, -including legal fees, that arise directly or indirectly from any of -the following which you do or cause to occur: (a) distribution of this -or any Project Gutenberg-tm work, (b) alteration, modification, or -additions or deletions to any Project Gutenberg-tm work, and (c) any -Defect you cause. - -Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm - -Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of -electronic works in formats readable by the widest variety of -computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It -exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations -from people in all walks of life. - -Volunteers and financial support to provide volunteers with the -assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's -goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will -remain freely available for generations to come. In 2001, the Project -Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure -and permanent future for Project Gutenberg-tm and future -generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see -Sections 3 and 4 and the Foundation information page at -www.gutenberg.org Section 3. Information about the Project Gutenberg -Literary Archive Foundation - -The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit -501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the -state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal -Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification -number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by -U.S. federal laws and your state's laws. - -The Foundation's principal office is in Fairbanks, Alaska, with the -mailing address: PO Box 750175, Fairbanks, AK 99775, but its -volunteers and employees are scattered throughout numerous -locations. Its business office is located at 809 North 1500 West, Salt -Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up to -date contact information can be found at the Foundation's web site and -official page at www.gutenberg.org/contact - -For additional contact information: - - Dr. Gregory B. Newby - Chief Executive and Director - gbnewby@pglaf.org - -Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg -Literary Archive Foundation - -Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide -spread public support and donations to carry out its mission of -increasing the number of public domain and licensed works that can be -freely distributed in machine readable form accessible by the widest -array of equipment including outdated equipment. Many small donations -($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt -status with the IRS. - -The Foundation is committed to complying with the laws regulating -charities and charitable donations in all 50 states of the United -States. 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