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-Project Gutenberg's Warum und Weil. Physikalischer Teil., by Otto Ule
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and
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-whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms
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-this ebook.
-
-
-
-Title: Warum und Weil. Physikalischer Teil.
- Fragen und Antworten aus den wichtigsten Gebieten der
- gesammten Naturlehre.
-
-Author: Otto Ule
-
-Editor: L. Langhoff
-
-Release Date: April 19, 2020 [EBook #61873]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: UTF-8
-
-*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK WARUM UND WEIL. ***
-
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-
-Produced by The Online Distributed Proofreading Team at
-https://www.pgdp.net
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- Anmerkungen zur Transkription
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-
- Das Original ist in Fraktur gesetzt. Im Original gesperrter Text
- ist _so ausgezeichnet_. Im Original in Antiqua gesetzter Text ist
- ~so markiert~. Im Original fetter Text ist =so dargestellt=.
-
- Weitere Anmerkungen zur Transkription befinden sich am Ende des
- Buches.
-
-
-
-
- Otto Ule's
-
- WARUM UND WEIL.
-
- Fragen und Antworten
-
- aus den wichtigsten Gebieten
-
- der gesammten Naturlehre.
-
- Für Lehrer und Lernende in Schule und Haus methodisch
- zusammengestellt.
-
- Physikalischer Theil.
-
- Von
-
- ~Dr.~ =Otto Ule=.
-
- Mit 110 in den Text eingedruckten Holzschnitten.
-
- Vierte Auflage,
-
- nach dem Tode des Verfassers sorgfältig durchgesehen
-
- von
-
- F. Langhoff,
-
- Direktor der Königl. Gewerbeschule zu Potsdam.
-
- [Illustration]
-
- Berlin, 1877.
-
- Verlag von Karl J. Klemann.
-
-
-
-
-Uebersetzung in fremde Sprachen bleibt vorbehalten.
-
-
-Buchdruckerei von Gustav Schade (Otto Francke) in Berlin.
-
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-
-
-Vorwort.
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-
-Warum? Das ist die stehende Frage im Kindesmunde, die Eltern und
-Lehrern so viel Noth macht, und die man leider so häufig mit der
-Antwort zurückweist: Das verstehst Du noch nicht! oder: Das wirst
-Du später lernen! Es ist keineswegs, wie man meint, die Frage
-bloßer Neugier, sondern die Aeußerung des im Kinde erwachenden
-Schlußvermögens. Es ist die Frage, in welcher sich zuerst das Verlangen
-kundgiebt, die Gründe dessen zu erfahren, was man sieht und hört.
-Es ist aber auch nicht bloß eine kindliche Frage, sondern die Frage
-eines Jeden, der von den Erscheinungen zum Gesetze fortzuschreiten
-verlangt. Darum tritt sie auch nirgends so häufig und so berechtigt
-auf, als in derjenigen Wissenschaft, die es vorzugsweise mit den uns
-umgebenden Naturerscheinungen und mit der Erkenntniß ihres gesetzlichen
-Zusammenhanges zu thun hat: in der Naturlehre oder Physik. Die Physik
-besteht geradezu aus lauter »Warum«'s und »Weil«'s. Darum ist auch
-nirgends die Methode des Unterrichts so bestimmt vorgeschrieben, so
-gleichsam durch die Sache selbst gegeben, als hier. Wenn mit Recht
-darüber geklagt wird, daß der physikalische Unterricht in unseren
-Schulen zu wenig leiste, so liegt das einfach an der Verleugnung
-dieser naturgemäßen Methode. Man bleibt entweder bei dem bloßen
-Anschauungsunterricht stehen, der hier, wo es sich um einen inneren
-ursächlichen Zusammenhang handelt, völlig unfruchtbar bleiben muß;
-oder man geht gleich von den Gesetzen aus und sucht die Erscheinungen,
-statt sie zu erklären, nach der Schablone eines Systems zu ordnen.
-Man schafft in dem letzteren Falle nur ein Gedächtnißwerk, das in der
-Seele unverarbeitet bleibt und schwerlich befähigt, für jedes später
-auftauchende »Warum« auch sein »Weil« zu finden. Diese Erwägungen
-waren es, die mich zur Abfassung des vorliegenden Buches bestimmten.
-Ich habe darin eine Anzahl physikalischer »Warum«'s und »Weil«'s
-zusammengestellt, die den Lehrer beim Unterricht, wie denjenigen, der
-darauf angewiesen ist, sein eigener Lehrer aus Büchern zu werden,
-in den Stand setzen sollen, von den bekannten Erscheinungen aus zur
-Erkenntniß der wichtigsten Gesetze der Physik zu gelangen. Ich habe
-dabei vorzugsweise auf solche Erscheinungen Rücksicht genommen, mit
-denen der Lernende bereits völlig vertraut ist, oder die ihm mit
-Leichtigkeit ohne Hülfe besonders kostspieliger Apparate vorgeführt
-werden können. Selbstverständlich muß es immerhin dem Lehrer überlassen
-bleiben, je nach der Fassungskraft seiner Schüler, eine Auswahl unter
-den vorgeführten Fragen zu treffen. Ebenso wird es jedem Lehrer leicht
-sein, durch die Erscheinungen selbst, die er dem Lernenden vor Augen
-führt, noch andere vermittelnde oder weitergehende Fragen wach zu
-rufen. Wer dann, sei es als Lehrer oder als Lernender, das Bedürfniß
-eines eingehenderen und umfassenderen Studiums der Physik empfindet,
-den glaube ich auf meine (bei _Ernst Keil_ in Leipzig erschienene)
-»populäre Naturlehre« verweisen zu dürfen.
-
-Die großen Erfindungen der Gegenwart, die so tief in das Leben der
-Völker eingreifen, haben die Aufmerksamkeit auf die physikalische
-Wissenschaft, aus der sie hervorgingen, mehr als je zuvor gelenkt. Es
-ist kaum noch möglich, ohne Schaden und ohne Schande mit ihren Lehren
-völlig unbekannt zu bleiben. Selbst die Unterrichtsbehörden wagen
-nicht länger, dem physikalischen Unterricht seine gebührende Stellung
-in der Volksschule vorzuenthalten. Einem so anerkannten Bedürfniß
-gegenüber, glaubte ich, werde jeder Beitrag zu einer Erleichterung
-der physikalischen Belehrung willkommen sein, wenn er auch sonst
-nicht gerade Neues biete. Insbesondere hoffte ich mit dieser Schrift
-manchem Lehrer einen Dienst zu erweisen, indem ich ihn der Mühe und
-Schwierigkeit überhob, selbst die geeigneten Naturerscheinungen
-aufsuchen zu müssen, aus denen in methodischer Ordnung die wichtigsten
-Gesetze abgeleitet werden können. Ich hoffte aber auch den auf
-Selbstunterricht Angewiesenen mir zu Dank zu verpflichten, indem
-ich den von Zeit zu Zeit in ihm auftauchenden, aber vom Geräusch
-des Geschäftslebens übertäubten Fragen einen Ausdruck gab und ihm
-vielleicht dazu verhalf, sich besser als bisher in den ihn täglich
-umgebenden Erscheinungen zurecht zu finden und in ihren ursächlichen
-Zusammenhang einzudringen.
-
- _Halle a. S._, den 21. November 1867.
-
- ~Dr.~ Otto Ule.
-
-
-
-
-Vorwort zur vierten Auflage.
-
-
-Der hochgeachtete Verfasser des vorliegenden, originellen, vom großen
-Publikum nach seinem Werthe und seiner Bedeutung richtig geschätzten,
-mit freudigem Dank entgegengenommenen physikalischen Fragebüchleins
-ist leider durch ein herbes Mißgeschick am 6. August 1876 aus diesem
-Leben abberufen worden; sein Name und seine Werke werden fortleben,
-weil beide an eine hervorragend befähigte edle Persönlichkeit sich
-knüpfen. --
-
-Auf Wunsch des Herrn Verlegers habe ich nach dem Tode des Verfassers
-es unternommen, die vierte Auflage des physikalischen Theils von Ule's
-»Warum und Weil« zu bearbeiten. Fragen und Antworten waren indeß
-selbstverständlich so correct, daß ich wenig oder gar nichts daran
-zu ändern hatte; ich kann nur sagen, daß ich das Buch bei genauer
-Durchsicht lieb gewonnen und in seiner Bedeutung als Volks- und
-Schulbuch schätzen gelernt habe. Nichtsdestoweniger haben sich Stellen
-gefunden, wo ich auf Grund neuerer Forschungen Aenderungen und Zusätze
-vornehmen konnte. Zu einer wesentlichen Vermehrung des Stoffs schien
-mir ein Bedürfniß nicht vorhanden zu sein, und so möge denn diese
-vierte Auflage die alten Freunde sich erhalten und neue sich erwerben.
-
-Die selbstständige Bearbeitung des chemischen Theils habe ich
-gleichfalls übernommen, und wird derselbe, wenn nicht unvorhergesehene
-Störungen eintreten, Ende dieses Jahres dem Publikum übergeben werden
-können.
-
- _Potsdam_, den 25. Mai 1877.
-
- F. Langhoff.
-
-
-
-
-Einleitung.
-
-
-Die _Physik_ oder _Naturlehre_ ist die Lehre von den
-_Naturerscheinungen_ oder von den Veränderungen in der Körperwelt und
-deren Zuständen, so weit sie nicht die innere stoffliche Natur der
-Körper betreffen. Man kann aber auch die Physik als die Lehre von den
-_Bewegungen_ bezeichnen, da sich alle Naturerscheinungen auf Bewegungen
-zurückführen lassen, die freilich selbst nicht immer wahrnehmbar sind,
-sondern erst durch ihre Wirkungen erkannt werden können.
-
-Aufgabe der Physik ist, die Naturerscheinungen zu _erklären_, d. h. sie
-auf allgemeine Naturgesetze und Naturkräfte zurückzuführen.
-
-_Naturgesetz_ ist der einfache Ausdruck für die allgemeinen
-Bedingungen, unter welchen eine Naturerscheinung erfahrungsmäßig
-erfolgen muß. _Naturkraft_ ist der Ausdruck für die letzte, keineswegs
-immer bekannte Ursache, auf welche eine Naturerscheinung zurückgeführt
-werden kann. Ein Naturgesetz, das sich nur auf eine beschränkte Anzahl
-von Erfahrungen stützt und die Nothwendigkeit einer Erscheinung nur für
-gewisse Umstände ausdrückt, ist nur eine vermuthete Wahrheit oder eine
-_Hypothese_.
-
-
-
-
-Allgemeine Eigenschaften der Körper.
-
-
-Allgemeine Eigenschaften der Körper nennt man diejenigen Eigenschaften,
-welche durch den Begriff der Körperlichkeit oder Raumerfüllung bedingt
-sind und daher allen Körpern unter allen Umständen gemeinsam zukommen.
-
-
-
-
-Ausdehnung.
-
-
-Jeder Körper nimmt einen Raum ein oder ist _ausgedehnt_. Die Größe des
-von einem Körper eingenommenen Raumes nennt man sein _Volumen_ oder
-seinen _Rauminhalt_, die Gesammtheit der körperlichen Theile, welche
-diesen Raum erfüllen, seine _Masse_, die Art seiner Begrenzung seine
-_Gestalt_. Ist die Gestalt eine regelmäßige, von lauter ebenen Flächen
-begrenzte, so nennt man den Körper einen _Krystall_.
-
-Die Ausdehnung eines Körpers wird nach drei Dimensionen gemessen,
-nach Länge, Breite und Höhe oder Dicke. Das Längenmaß oder die
-Einheit bei Vergleichung verschiedener Längen wurde früher gewöhnlich
-vom menschlichen Körper hergenommen. Fuß, Elle, Spanne, Schritt
-waren solche Maße, die aber in den verschiedenen Ländern von sehr
-verschiedener Länge waren. Jetzt dient ziemlich allgemein bei allen
-gebildeten Nationen als Längenmaß das zur Zeit der französischen
-Revolution im Jahre 1793 vom Nationalconvent eingeführte _Meter_,
-welches dem zehnmillionsten Theile des Erdquadranten gleich ist. Seine
-decimalen Theile heißen Decimeter, Centimeter, Millimeter, seine
-decimalen Vielfache Dekameter, Hektometer, Kilometer. Ein Meter ist
-= 3,1862 alte preußische Fuß. Flächen werden durch das Quadratmeter,
-Körper oder Hohlräume durch das Kubikmeter und dessen decimale Theile
-und Vielfache gemessen. Ein Kubikdecimeter wird auch ein Liter genannt.
-Die Länge der Chausseen, Eisenbahnen und Kanäle wird nach Kilometern
-gemessen; 7½ Kilometer bilden eine deutsche oder geographische Meile.
-Die Grundstücke in den Städten werden nach Quadratmetern gemessen und
-verkauft, früher nach Quadratruthen; 1 Quadratmeter hat 10,15 alte
-preußische Quadratfuß; die Quadratruthe enthält 14,18 Quadratmeter.
-Acker, Wiesen und Waldflächen wurden früher nach Magdeburger Morgen
-berechnet, heute nach _Hektaren_; eine Hektare ist in runder Zahl 4
-Morgen groß (genau 3,9166). Ein Are ist gleich 100 Quadratmeter oder
-rund 7 Quadratruthen, 1 Hektare gleich 100 Are. Holz, Wasser, Leuchtgas
-und andere umfangreiche Materialien berechnet man nach Kubikmetern,
-wovon jeder einzelne 32,34 alte preußische Kubikfuße enthält.
-
-
-
-
-Undurchdringlichkeit.
-
-
- Undurchdringlichkeit ist diejenige allgemeine Eigenschaft der
- Körper, vermöge deren in dem Raume, in welchem sich schon ein
- Körper befindet, nicht zugleich noch ein anderer Körper sein
- kann. So kann ein Raum, welcher Luft enthält, nicht zugleich
- auch Wasser enthalten. Soll daher ein Körper in den Raum eines
- andern treten, so muß er denselben zuvor daraus verdrängen.
- Diese Undurchdringlichkeit ist es besonders, durch welche wir
- von dem Vorhandensein der Körper außer uns belehrt werden, da
- dieselben auch dem Eindringen unseres eignen Körpers, etwa
- unseres tastenden Fingers, Widerstand entgegensetzen.
-
-=1. Warum= fließt ein bis an den Rand mit Wasser gefülltes Glas über,
-wenn man den Finger oder einen andern Gegenstand hineintaucht?
-
-=Weil= der Finger keineswegs das Wasser durchdringt, sondern es nur
-zwingt aus dem Raume zu entweichen, den er selbst einnehmen will. Die
-Menge des überfließenden Wassers mißt darum genau denselben Rauminhalt
-oder das Volumen des eingetauchten Körpers. Dies gilt auch für
-pulverförmige Körper, wie Sand etc.
-
-[Illustration: Fig. 1.]
-
-=2. Warum= dringt das Wasser nur wenig in ein leeres Glas ein, das
-man lothrecht auf eine Wasserfläche aufsetzt und dann in das Wasser
-niederdrückt?
-
-=Weil= die in dem Glase enthaltene Luft in dem Raume, den sie einnimmt,
-nicht zugleich einen andern Körper zulassen kann, ohne daraus verdrängt
-zu werden. Ein anderer Raum, in den sie übergehen könnte, ist aber
-nicht vorhanden, und sie muß daher ihren Raum beibehalten und das
-Wasser verhindern, in denselben einzudringen. Ein Stückchen Kork,
-das unter einem solchen Glase auf dem Wasser schwimmt, geht mit dem
-Glase bis zum Boden des Gefäßes hinab und steigt beim Herausziehen des
-Glases wieder empor, ohne daß es benetzt wird. Wenn man das Glas unter
-das Wasser drückt, so dringt allerdings etwas Wasser in das Glas ein,
-aber nicht weil die Luft darin vernichtet ist, sondern weil sie etwas
-zusammengedrückt ist.
-
-=3. Warum= kann eine Taucherglocke bis auf den Grund des Meeres
-gelassen werden, ohne sich ganz mit Wasser anzufüllen?
-
-=Weil= ebenfalls die in ihr enthaltene Luft als ein Körper dem
-eindringenden Wasser Widerstand leistet, und obwohl sie durch dasselbe
-etwas zusammengedrückt, d. h. auf einen kleineren Raum beschränkt wird,
-doch nicht völlig verdrängt werden kann, da kein Raum vorhanden ist,
-der die ausgetriebene Luft aufnehmen könnte. Diese Zusammendrückung
-der Luft empfindet der Taucher an dem unangenehmen Druck auf die
-Athmungsorgane, die Blutgefäße und das Trommelfell im Ohre.
-
-=4. Warum= läuft Wasser, das in einen den Hals einer leeren Flasche
-luftdicht schließenden Trichter gegossen wird, nicht in die Flasche
-hinein?
-
-=Weil= die in der Flasche enthaltene Luft, die in keinen andern Raum
-entweichen kann, dem Wasser den Eingang verwehrt. Kann die Luft
-entweichen, wie es der Fall ist, wenn der Trichter lose in den Hals der
-Flasche gefügt wird, so läuft das Wasser hinein.
-
-=5. Warum= pfeifen aus Gewehren oder Kanonen abgeschossene Kugeln auf
-ihrem Wege durch die Luft?
-
-=Weil= die Luft beim Eindringen derselben in den Raum, den sie
-einnimmt, nach allen Seiten ausweicht, und da die Kugeln mit
-außerordentlicher Geschwindigkeit und Kraft sich fortbewegen, durch
-das schnelle und gewaltsam erzwungene Ausweichen der Luft eine heftige
-Erschütterung derselben bewirkt wird, die sich bis zu unserm Ohre
-fortpflanzt und hier als ein Pfeifen empfunden wird. Dies erklärt
-uns auch das Knallen einer sehr schnell durch die Luft geschwungenen
-Peitsche.
-
-
-
-
-Porosität.
-
-
- Porosität ist diejenige allgemeine Eigenschaft aller Körper,
- vermöge deren die Theile eines Körpers nicht den ganzen Raum,
- den er einnimmt, ausfüllen, sondern Räume zwischen sich lassen,
- die oft mit andern Körpern, wie Luft, Wasser und dergleichen,
- angefüllt sind. Oft sind diese Zwischenräume dem Auge nicht
- sichtbar; bei einigen Körpern können sie aber doch mit bloßen
- Augen wahrgenommen werden, z. B. bei dem Schwamme. Dichte
- Körper sind daher solche, welche kleine, hingegen lockere oder
- poröse solche, welche große Poren haben. Zu ersterer Art von
- Körpern gehören die Metalle, zu letzterer Kork, Schwamm, Holz,
- Papier u. s. w.
-
-=6. Warum= ist ein trockener Schwamm so klein, während er, in Wasser
-getaucht, bedeutend anschwillt?
-
-=Weil= der Schwamm außerordentlich große Poren oder Höhlungen
-enthält, die im trocknen Zustande zusammenfallen, während sie von dem
-eindringenden Wasser erfüllt und ihre Wände weiter auseinander gerückt
-werden.
-
-=7. Warum= wird frisch aufgetragene Schrift nicht ausgelöscht, wenn man
-ein Löschblatt darauf legt?
-
-=Weil= die flüssige Dinte in die Poren des Löschpapiers, da dasselbe
-sehr porös ist, sogleich eindringen kann, und auf diese Weise der
-Schrift die überflüssige Dinte entzogen wird, während bei einem
-weniger porösen Papiere oder einem solchen, dessen Poren durch einen
-Leimüberzug verschlossen oder gar von Oel erfüllt sind, wenn man es auf
-die Schrift legen wollte, dieses Eindringen verhindert werden und die
-überflüssige Dinte daher sowohl auf dem beschriebenen als dem darauf
-gelegten Papiere sich ausbreiten würde.
-
-=8. Warum= steigen aus frischem Brunnenwasser, wenn es erwärmt wird,
-Luftblasen auf, die sich an den inneren Wänden eines Glases oft als
-perlartige Bläschen ansetzen?
-
-=Weil= auch das Wasser Poren oder Zwischenräume enthält, die von Luft
-erfüllt sind, diese Luft aber, wenn sie erwärmt wird, sich in einen
-größeren Raum auszudehnen strebt, und da sie die Poren selbst nicht
-erweitern kann, diese verläßt und sich nach der Oberfläche des Wassers
-empordrängt. Dabei vereinigen sich mehrere der benachbarten kleinen
-Luftbläschen und bilden so die größeren, uns sichtbar werdenden Perlen.
-Dasselbe findet auch statt, wenn man den gewöhnlich auf der Oberfläche
-des Wassers ruhenden Druck der Luft verringert, wie dies unter der
-Glocke einer Luftpumpe durch die Verdünnung der Luft geschieht.
-
-=9. Warum= schnappen Goldfischchen so ängstlich nach Luft, wenn das
-Wasser in dem gläsernen Behälter seit längerer Zeit nicht erneut wurde?
-
-=Weil= in dem Wasser Luft enthalten ist, welche für die Athmung der
-Fische unentbehrlich ist, und weil diese Luft endlich verbraucht wird,
-wenn man sie nicht auf andere Weise ersetzt. Man braucht dazu nicht
-gerade das Wasser zu erneuern, sondern kann auch Luft von unten durch
-ein Gebläse in das Wasser hineinpressen, oder sie durch einen kleinen
-Springbrunnen zuführen, dessen herabfallende Tröpfchen hinreichend Luft
-mit sich fortreißen, oder endlich Pflanzen in das Wasser setzen, die
-durch ihre Lebensthätigkeit grade diejenige Luft ausscheiden, welche
-für die Athmung der Thiere nothwendig ist.
-
-=10. Warum= quellen oft Thüren, Tischplatten oder andere hölzerne
-Geräthschaften bei feuchtem Wetter oder in feuchten Zimmern auf, so daß
-die Thüren nicht schließen und die Tischplatten sich werfen?
-
-=Weil= die Wände der Poren des Holzes, wenn dasselbe ganz trocken ist,
-zusammenfallen und sich einander nähern, aber bei eindringender Nässe,
-welche durch feuchtes Wetter oder ein feuchtes Zimmer dargeboten wird,
-sich wieder erweitern und auf diese Weise auch das Holz auseinander
-dehnen.
-
-=11. Warum= wird die Wäsche, welche wir am Körper tragen, schmutzig,
-ungeachtet sie durch darüber gezogene Kleidungsstücke gegen das
-Schmutzigwerden von außen geschützt ist?
-
-=Weil= die Gewebe unsres Körpers, wie alle thierischen Gewebe, Poren
-haben, durch welche Flüssigkeiten und Gase von innen nach außen
-dringen, die sich dann in den Geweben unsrer Wäsche verdichten und hier
-die durch die äußere Kleidung eindringenden Staubtheilchen festhalten.
-Die meisten dieser Flüssigkeiten werden in unsrer Haut durch besondere
-Drüsenorgane, die Schweiß- und Talgdrüsen, abgesondert, deren Ausgänge
-man uneigentlich Poren nennt. Diese Poren sind so zahlreich, daß man an
-manchen Stellen, z. B. in der Hohlhand 400 zählt und ihre Gesammtzahl
-auf der Haut eines Erwachsenen auf 2381000 schätzt.
-
-=12. Warum= kann man Quecksilber durch einen ledernen Beutel
-hindurchdrücken?
-
-=Weil= das Leder zahlreiche Poren hat und das Quecksilber, wie das
-Wasser, wegen seiner flüssigen Beschaffenheit, der Gewalt des Druckes
-nur dadurch ausweichen kann, daß es sich durch die Poren des ledernen
-Beutels hindurchdrängt. Man kann auch selbst durch Buchsbaumholz
-Quecksilber treiben, wenn man ein kleines Gefäß von Buchsbaumholz an
-eine lange Glasröhre kittet und diese dann mit Quecksilber füllt. Ist
-die Röhre lang genug, so reicht schon der eigene Druck des Quecksilbers
-aus, dasselbe als feinen Regen durch das Holz zu treiben. Aber sogar
-durch Gold und andere Metalle kann man Flüssigkeiten hindurchpressen.
-Wenn man eine mit Wasser gefüllte Kugel aus dünnem Golde einem
-starken Druck aussetzt, so dringt das Wasser in zarten Thautröpfchen
-hindurch[1]. Auch das Gold hat also Poren, obgleich es für eines der
-dichtesten Metalle gilt. Am wenigsten porös scheint das Glas zu sein,
-da es auch beim stärksten Drucke weder Wasser noch Luft durchläßt.
-
- [1] Dieser Versuch wurde zuerst im Jahre 1661 in Florenz
- ausgeführt.
-
-=13. Warum= ist es gut, Fässer, in welchen Bier aufbewahrt werden soll,
-im Innern mit Pech zu überziehen?
-
-=Weil= die in dem Bier enthaltene und sich beständig neu entwickelnde
-Kohlensäure sonst durch die Poren des Holzes, auch des dicksten
-Eichenholzes, entweichen und das Bier dadurch schal werden würde, das
-Pech aber als ein sehr wenig poröser Körper die Kohlensäure an diesem
-Entweichen verhindert.
-
-=14. Warum= wird ein Bogen Papier, der auf ein Reißbrett gespannt
-werden soll, zuvor befeuchtet?
-
-=Weil= die in die Poren des Papiers eindringende Flüssigkeit ihm eine
-größere Ausdehnung nach allen Seiten giebt, während das Papier nach
-dem Abtrocknen auf dem Reißbrette zu seiner ursprünglichen Größe
-zurückkehrt und daher sehr glatt auf dem Brett ausgespannt bleibt, was
-der Zweck des Befeuchtens ist.
-
-=15. Warum= laufen hölzerne Gefäße, die völlig ausgetrocknet sind, wenn
-Wasser in dieselben gegossen wird?
-
-=Weil= die Zwischenräume zwischen den Dauben sich erweitert haben,
-indem beim völligen Austrocknen die Poren des Holzes enger werden
-und die Dauben sich daher zusammenziehen. Wird dagegen Wasser in die
-Gefäße gegossen, so werden die Poren wieder damit angefüllt, erweitern
-sich daher wieder, und die Dauben dehnen sich nun wieder der Breite
-nach aus, so daß die Zwischenräume zwischen ihnen verschwinden und die
-Gefäße aufhören müssen zu laufen.
-
-=16. Warum= kann ein Felsenstück durch dünne Keile aus gut gedörrtem
-Holze, welche man in Oeffnungen desselben getrieben hat, gespalten
-werden, wenn man die Keile öfter mit Wasser begießt?
-
-=Weil= das Wasser, wenn es in die in Folge des Austrocknens verengten
-Poren des Holzes eindringt, diese erweitert und dadurch das ganze
-Holz seiner Dicke nach ausdehnt, so daß es in seinem Bestreben, einen
-größeren Raum einzunehmen, eine gewaltige Kraft erlangt, die selbst ein
-Felsenstück auseinander zu treiben im Stande ist.
-
-=17. Warum= krümmt sich Holz, dessen eine Seite naß gemacht ist,
-während die andere Seite über Feuer gehalten wird?
-
-=Weil= die Poren des Holzes auf derjenigen Seite, auf welcher die Hitze
-wirkt, sich durch Austrocknen verengen und die Theilchen des Holzes
-daher hier näher zusammenrücken, während auf der andern Seite die Poren
-wegen der Feuchtigkeit, die sie aufnehmen, sich erweitern und daher
-auch die Holztheilchen weiter auseinander treiben. Die Folge davon ist,
-daß sich das Holz nach derjenigen Seite zu krümmt, welche der Hitze
-ausgesetzt war. Dies geschieht z. B. bei Faßdauben, welche dadurch ihre
-gekrümmte Gestalt erhalten.
-
-=18. Warum= läßt sich ein Faß auseinander sprengen, wenn es mit
-trockenen Erbsen angefüllt wird und diese dann mit Wasser begossen
-werden?
-
-=Weil= die Erbsen das Wasser in ihre Poren aufnehmen und dadurch an
-Umfang zunehmen. Da dies bei jeder einzelnen der Fall ist, so muß die
-ganze Menge der Erbsen einen beträchtlich größeren Raum als vorher
-einnehmen. Ist nun das Faß fest zugemacht, so verschaffen sich die
-aufgequollenen Erbsen den erforderlichen Raum dadurch, daß sie dasselbe
-auseinander sprengen, da im Innern des Fasses selbst dieser Raum nicht
-vorhanden ist.
-
-=19. Warum= erhält man, wenn man eine Kanne Weingeist und eine Kanne
-Wasser zusammen in ein Gefäß gießt, weniger als zwei Kannen Flüssigkeit?
-
-=Weil= auch die Flüssigkeiten Poren enthalten, und jede Flüssigkeit in
-die Poren der andern eindringt, so daß sie nun vereinigt weniger Raum
-einnehmen als vorher von einander abgesondert. Aehnliches zeigt sich
-auch bei Metallen, wenn sie zusammengeschmolzen werden. So nimmt das
-Messing einen geringeren Raum ein, als das Kupfer und das Zink, aus
-deren Zusammenschmelzung es entstand. Daß Metalle Poren haben, geht
-schon daraus hervor, daß sie durch Hämmern, Prägen etc. verdichtet
-werden können.
-
-
-
-
-Theilbarkeit.
-
-
- Theilbarkeit ist diejenige Eigenschaft der Körper, vermöge
- deren sich dieselben in kleinere Theile zerlegen lassen. Für
- unsere beschränkten Sinne und unsere ebenso beschränkten
- Werkzeuge hat diese Theilbarkeit indeß ihre Grenze. Einen
- besonders hohen Grad der Theilbarkeit zeigen manche Metalle.
- Bei den bekannten Goldfäden, die zu Spitzengeweben benutzt
- werden, und die aus einer vergoldeten Silberstange ausgezogen
- worden sind, beträgt die Dicke des Goldüberzugs nur den
- 345000sten Theil einer Linie oder den 153000sten Theil
- eines Millimeters. Die feinste _künstliche_ Theilung haben
- _Fraunhofer_ und _Nobert_ ausgeführt, indem sie auf einem
- Glastäfelchen die pariser Linie in 5000, selbst bis in 8000
- gleiche Theile theilten. Die feinsten Theilungen vollzieht
- aber die _Natur_, die selbst Thiere geschaffen hat, von denen
- 225 Millionen auf einen Kubikcentimeter gehen, und die doch
- noch ihre Organe haben. Besonders interessant und wichtig
- sind die Kieselpanzer der Diatomaceen, z. B. von ~Pleurosigma
- angulatum~, ~Amphipleura pellucida~; dieselben zeigen parallele
- Streifungen von solcher Feinheit, daß je 2 benachbarte
- Streifen bis zu 1/5000 Millimeter von einander entfernt sind!
- Diese mikroskopisch kleinen Thierchen mit ihrer scharfen und
- feinen Zeichnung dienen als sogenannte Probeobjekte für die
- Werthbestimmung der Mikroskope.
-
-=20. Warum= kann man mit einigen Pfunden Kreide eine ganze Wand
-anstreichen?
-
-=Weil= die Kreide durch Zermahlen außerordentlich fein zertheilt
-werden kann, die durch Wasser in einen Brei verwandelte Kreide sich
-wieder in einzelne Tropfen theilt, und jeder Tropfen sich wieder über
-eine große Fläche ausbreiten läßt, das Wasser aber endlich bei der
-Verdunstung in so kleine Theilchen übergeht, daß sie von der Luft
-unsichtbar hinweggenommen werden und nur die feinvertheilte Kreide auf
-der Wandfläche zurücklassen.
-
-=21. Warum= läßt sich vermittelst eines Körnchens Karmin eine ganze
-Tonne Wasser roth färben?
-
-=Weil= sich der Karmin im Wasser in eine ungeheure Menge kleiner
-Theilchen wegen seiner großen Theilbarkeit trennt, so daß jedes
-kleinste Theilchen Wasser ein solches Karmintheilchen in sich aufnimmt
-und dadurch ein rothes Aussehen erhält. Ein Körnchen Karmin färbt
-mehr als 100000 Wassertropfen. Ebenso ist in der schwarzen Dinte der
-Farbestoff nicht in einem aufgelösten Zustande enthalten, sondern er
-befindet sich blos sehr fein vertheilt in der Flüssigkeit.
-
-=22. Warum= verbreitet sich der Geruch einer einzigen Räucherkerze
-durch einen großen Saal?
-
-=Weil= bei dem Verbrennen der Räucherkerze die riechenden Theilchen in
-einem höchst fein zertheilten Zustande alle Räume des großen Saales
-erfüllen. Noch theilbarer ist der Moschus, von dem ein Körnchen
-jahrelang ein Zimmer mit seinem Geruche erfüllen kann. Aller Geruch
-beruht auf der feinen Vertheilung von Riechstoffen. Meilenweit
-verräth sich daher die Nähe der Gewürzinseln dem Seefahrer durch die
-Riechstoffe, mit denen sie die Luft erfüllen.
-
-
-
-
-Cohäsion.
-
-
- Cohäsion ist der Zusammenhang der einzelnen Theile eines
- Körpers, und die Kraft, durch welche sie zusammengehalten
- werden oder einander anziehen, ist die Cohäsionskraft. Sollen
- Theile eines Körpers von dem Ganzen oder unter sich getrennt
- werden, so muß diese Cohäsionskraft überwunden werden, und
- der größere oder geringere Widerstand, welchen sie dabei
- leisten, ist daher das Maß ihrer Cohäsionskraft. In Betreff
- des Widerstandes, welchen die Körper der Trennung ihrer Theile
- entgegensetzen, zeigen sie ein sehr verschiedenes Verhalten.
- Bei manchen Körpern hängen sie mit solcher Kraft zusammen, daß
- sie sich nur schwer von einander trennen oder über einander
- verschieben lassen. Bei diesen Körpern vereinigen sich auch
- nach erfolgter Trennung die Theile nicht wieder zu einem
- Ganzen; die Cohäsionskraft wirkt also hier in unmeßbar kleiner
- Entfernung. Diese Körper nennt man _feste_ Körper. Bei andern
- lassen sich die Theile sehr leicht von einander trennen und
- über einander verschieben, und sie vereinigen sich auch nach
- geschehener Trennung, wenn man sie zusammenbringt, wieder zu
- einer zusammenhängenden Masse. Diese nennt man _flüssige_
- Körper. Von diesen aber bilden wieder die einen, wenn sie
- sich selbst überlassen sind, kleine kugelförmige Massen
- oder Tropfen, während die andern das Bestreben zeigen, sich
- nach allen Seiten auszudehnen. Die ersteren heißen deshalb
- _tropfbare_ Flüssigkeiten, die letzteren _ausdehnsame_ oder
- _luftförmige_ Körper. Diese drei Zustände der Festigkeit,
- Tropfbarkeit und Ausdehnsamkeit oder Luftförmigkeit nennt man
- _Aggregatzustände_ der Körper.
-
- Die Kraft, mit welcher die Theilchen der Körper zusammenhängen,
- ist theils von der Art ihres Nebeneinanderseins, theils von
- der Wärme abhängig, und zwar von der letztern in der Weise,
- daß sie um so schwächer erscheint, je größer die Wärme ist.
- Ein und derselbe Körper kann daher auch unter verschiedenen
- Wärmeverhältnissen alle drei Aggregatzustände durchlaufen, z.
- B. das flüssige Wasser auch als festes Eis und als luftförmiger
- Dampf erscheinen.
-
- Der Widerstand, welchen die festen Körper der Lostrennung
- einzelner Theile entgegenstellen, wird _Härte_ genannt. Der
- Mineraloge _Mohs_ bildete 10 Härtestufen und bestimmte für jede
- Stufe ein die Härte dieser Stufe besitzendes Mineral. Talk,
- Steinsalz, Kalkspath, Flußspath, Apatit, Feldspath, Quarz,
- Topas, Korund und Diamant repräsentiren diese 10 Härtestufen,
- und zwar besitzt der Diamant die Härte 10, Talk die Härte 1;
- der Diamant ist also der härteste unter allen festen Körpern.
- Unter den Metallen ist Stahl das härteste; es erreicht die
- Härtestufe 7, Blei das weichste mit der Härtestufe 1.
-
-=23. Warum= haften die Bruchstücke einer zerbrochenen Siegellackstange
-nicht wieder fest an einander, wenn man sie auch noch so genau in die
-frühere Lage bringt, und warum vereinigen sich diese Bruchstücke doch
-wieder so leicht mit einander, wenn man sie an ihren Enden schmilzt?
-
-=Weil= die Cohäsionskraft, die allein den festen Zusammenhang der
-einzelnen Theile eines Körpers bedingt, nur in unmeßbar kleiner
-Entfernung wirkt, und wir natürlich die Bruchstücke eines festen
-Körpers nicht in so nahe Berührung bringen können, während zwischen
-Flüssigkeiten eine solche Berührung sehr leicht herzustellen ist.
-
-=24. Warum= muß man Flüssigkeiten in Gefäßen bewahren?
-
-=Weil= die Cohäsionskraft in Flüssigkeiten sehr schwach ist und
-schon die Schwere hinreicht, den Zusammenhang ihrer Theile aufzuheben
-und sie zum Auseinanderfließen zu veranlassen. Nur bei sehr kleinen
-Flüssigkeitsmassen, die sich bei der Verdichtung von Dämpfen bilden,
-ist die innere Zusammenhangskraft stark genug, die Schwere zu
-überwinden. Solche kleine Massen, in denen die Theilchen nur durch
-innere Kraft zusammengehalten werden, nehmen daher Kugelgestalt an
-und bilden Tropfen. So fällt der Regen in Tropfen; so ist aber auch
-die Erde, die ihre Kugelgestalt nur ihrem früheren flüssigen Zustande
-verdankt, in Wahrheit ein Tropfen im Weltraum.
-
-=25. Warum= läßt sich Holz nur der Länge nach spalten?
-
-=Weil= die Theilchen des Holzes in der Längsrichtung der Fasern
-dichter an einander gelagert sind und die Cohäsionskraft daher
-zwischen ihnen weit kräftiger wirkt, als in jeder andern Richtung. Den
-allergrößten Widerstand werden die Holztheilchen darum einer Trennung
-entgegensetzen, welche diese Fasern der Länge nach zerreißen will. Der
-Quere nach vermag man das Holz daher nur zu durchsägen.
-
-=26. Warum= zerspringt ein Glastropfen, den man heißflüssig in kaltes
-Wasser fallen ließ, wenn man nach dem Erkalten auch nur die Spitze des
-daran befindlichen Glasfadens abbricht, förmlich zu Pulver?
-
-=Weil= die Theilchen des Glases sich wegen der allzuraschen Abkühlung
-nicht naturgemäß anordnen und lagern konnten, die äußern namentlich
-einander nicht so nahe kommen konnten als die inneren, die länger im
-Zustande des Flüssigseins blieben, und weil deshalb eine unnatürliche
-Spannung zwischen den inneren und äußeren Theilchen besteht, die eine
-Zertrümmerung des ganzen Glastropfens herbeiführen muß, sobald nur die
-äußerste, allein noch den Zusammenhang haltende Oberflächenschicht
-desselben irgendwo unterbrochen wird.
-
-=27. Warum= ist ein gezogener Metalldraht fester als ein gegossener
-Metallfaden?
-
-=Weil= die Cohäsionskraft um so kräftiger wirkt, je mehr die Theilchen
-eines Körpers einander genähert werden. Wenn aber, wie es beim
-Drahtziehen geschieht, ein Metall gezwungen wird, durch sehr enge
-Oeffnungen hindurchzugehen, so werden seine Theilchen namentlich an
-der Oberfläche einander gewaltsam genähert. Ganz dasselbe ist auch
-beim Hämmern und Walzen der Fall, und geschmiedetes Eisen ist daher
-fast 3mal so fest als gegossenes, gewalztes Silber doppelt so fest als
-gewöhnliches. Auch ein Zwirnsfaden wird durch Bestreichen mit Wachs
-fester, weil er eine dichtere Oberfläche erhält.
-
-=28. Warum= halten Stricke, die aus feineren Fäden bestehen, besser als
-solche, die aus gröberen Fäden zusammengedreht sind?
-
-=Weil= in solchen feinen Fäden die Theilchen viel näher aneinander
-liegen, als sie in groben Fäden durch Drehen einander genähert werden
-können. Darum halten auch getheerte Stricke weniger fest, weil die
-einzelnen Fäden wegen des dazwischen befindlichen Theers einander nicht
-mehr so nahe sind als vorher.
-
-=29. Warum= wendet man bei Hängebrücken lieber Drahtseile als gegossene
-oder selbst geschmiedete Eisenstangen an?
-
-=Weil= Eisendraht wegen seiner dichteren Oberfläche eine viel größere
-Festigkeit besitzt als gegossenes oder geschmiedetes Eisen, und man den
-Stangen daher eine viel größere Dicke geben müßte, als den aus Drähten
-geflochtenen Seilen. Statt der 4 kaum 30 Centimeter dicken Seile,
-welche die 256 Meter lange Riesenbrücke über den Niagara tragen, würden
-wenigstens 8 ebenso starke Ketten aus Eisenstäben erforderlich sein.
-Auch die Natur verfährt ähnlich, wo es auf große Festigkeit ankommt.
-Der zarte Faden, an welchem die schwere Kreuzspinne herabhängt, würde
-nicht die Haltbarkeit besitzen, wenn er nicht aus einer ungeheuren
-Anzahl von äußerst dünnen Fäden zusammengesetzt wäre, welche die
-Spinne, indem sie sie aus ihren Spinnwarzen herauszieht, mit ihren
-Hinterfüßen zusammenklebt.
-
-=30. Warum= erhalten Tücher und Zeuge durch das Walken eine so
-bedeutende Festigkeit?
-
-=Weil= durch das Walken die Fäden und Fasern der Zeuge einander mehr
-genähert werden und die Cohäsionskraft zwischen ihnen um so stärker zu
-wirken und das Ganze um so besser zusammen zu halten vermag.
-
-=31. Warum= bildet Oel größere Tropfen als Wasser?
-
-=Weil= die Theilchen des Oels eine stärkere Zusammenhangskraft besitzen
-als die des Wassers und darum einen kräftigeren Widerstand gegen den
-Einfluß der Schwerkraft leisten, die das Auseinanderfließen der Tropfen
-bewirkt.
-
-=32. Warum= schwimmen Nähnadeln, besonders gebrauchte, also etwas
-fettige, die man behutsam auf die Oberfläche eines ruhigen Wassers
-legt, auf demselben, ohne unterzugehen?
-
-=Weil= die schwächer wirkende Schwerkraft der Nadel durch die stärker
-wirkenden Cohäsionskräfte der Wassertheilchen aufgehoben wird, und
-sie daher nicht den Zusammenhang der Wassertheilchen zu unterbrechen
-vermag. Die Nadel wird darum von dem Wasser getragen und macht nur
-eine kleine Vertiefung in seine Oberfläche, zum Beweis, daß ihre
-Schwere allerdings noch wirksam ist, aber nur auf die zunächst darunter
-liegenden Theilchen wirkt und zwar auch nicht stark genug, um sie von
-einander zu trennen. Aus demselben Grunde können Wasserspinnen und
-Wasserkäfer über die Oberfläche des Wassers laufen, ohne einzusinken.
-Ueberhaupt haben gerade an der Oberfläche einer Flüssigkeit die
-Theilchen ein stärkeres Bestreben zusammenzuhalten, als in ihrem
-Innern, weil sie dort nur von unten und von der Seite gezogen werden,
-während im Innern die Anziehung von allen Richtungen her wirkt. Deshalb
-kann man in ein bis zum Rande gefülltes Trinkglas mit einiger Vorsicht
-noch so viel Flüssigkeit nachgießen, daß sie eine Art runder Kappe
-bildet.
-
-=33. Warum= empfindet man einen fast ebenso heftigen Schmerz, wenn man
-mit der flachen Hand auf eine Wasserfläche schlägt, als wenn sie einen
-festen Körper getroffen hätte, während man keine solche Empfindung hat,
-wenn man die Hand langsam in das Wasser hineintaucht?
-
-=Weil= bei einem plötzlichen Schlage auf das Wasser die Wassertheilchen
-nicht Zeit haben, auszuweichen, sondern vielmehr eine der
-Flächenausdehnung der Hand entsprechende Wassermasse hinuntergedrückt
-wird. Da nun die unteren Wassertheilchen nicht einzeln, sondern
-gleichfalls in Masse widerstehen, indem auf sie der Druck gleichzeitig
-und mit gleicher Stärke erfolgt, so müssen die Wassertheilchen der
-Oberfläche dem weitern Eindringen der Hand eben denselben Widerstand
-entgegensetzen, wie ein fester Körper, auf den man mit der Hand
-schlägt. Taucht man dagegen die Hand langsam in das Wasser, so haben
-die darunter liegenden Wassertheile Zeit, zur Seite auszuweichen, um
-dadurch der eindringenden flachen Hand Platz zu machen.
-
-
-
-
-Adhäsion.
-
-
- Adhäsion ist die zwischen den Oberflächen verschiedener Körper
- wirkende Anziehung, vermöge welcher Körper aneinander haften.
- Sie wirkt stets nur bei unmittelbarer Berührung oder doch nur
- in sehr kleinen Entfernungen. Die Kraft aber, mit welcher ein
- Körper an einem andern anhängt, ist nicht blos von der Stärke
- der Adhäsionskraft, sondern auch von dem Verhältniß derselben
- zur Cohäsionskraft des einen wie des andern Körpers abhängig.
- -- Die Zahl der Adhäsionserscheinungen ist sehr groß; es
- haften (adhäriren) feste Körper an festen, flüssige an festen,
- luftförmige an festen, flüssige an flüssigen und luftförmige
- an flüssigen. Das Adhäriren der Gase an anderen Körpern wird
- leicht übersehen, ist aber nichtsdestoweniger von großer
- Bedeutung. Man bezeichnet das Haften der Gase und Dämpfe an
- anderen Stoffen, namentlich an pulverförmigen und flüssigen,
- auch mit dem Worte _Absorption der Gase_.
-
-=34. Warum= lassen sich zwei glatt geschliffene Metallplatten, welche
-man über einanderlegt und fest zusammendrückt, nur schwer wieder von
-einander trennen?
-
-=Weil= wegen der glatten Flächen die Theilchen beider Platten einander
-so nahe berühren, daß ihre gegenseitige Anziehung oder Adhäsion in
-Wirksamkeit treten kann. Eine Kupfer- und eine Silberplatte, die man
-über einander legt, lassen sich durch Walzen so innig mit einander
-vereinigen, daß sie ein untrennbares Ganzes bilden. Darauf beruht das
-Plattiren unedler Metalle. Spiegelplatten, mit ihren polirten Flächen
-auf einander gelegt, haften oft so fest aneinander, daß sie nicht mehr
-ohne Gefahr des Zerbrechens getrennt werden können. Verhindert man aber
-durch einen noch so dünnen Körper, etwa ein zwischengelegtes zartes
-Papier, die unmittelbare Berührung der Theilchen, so verschwindet die
-Adhäsion, und die Platten haften nicht aneinander.
-
-=35. Warum= lassen sich zwei Glastafeln, die vorher befeuchtet und dann
-auf einander gelegt wurden, nur äußerst schwer wieder von einander
-trennen?
-
-=Weil= die zwar mit bloßen Augen nicht bemerkbaren, doch
-dessenungeachtet noch vorhandenen Vertiefungen der Glasplatten von der
-Flüssigkeit ausgefüllt werden und dadurch eine Berührung der Theilchen
-und eine anziehende Wirkung derselben auf einander möglich machen. Die
-Adhäsionskraft wirkt dabei zunächst auf die Flüssigkeitstheilchen und
-durch diese auf die Glastheilchen.
-
-=36. Warum= hält zusammengekleistertes oder geleimtes Papier so fest
-zusammen?
-
-=Weil= die durch den Kleister oder den Leim ausgeglichenen Unebenheiten
-des Papiers der Wirkung der Adhäsion kein Hinderniß mehr entgegensetzen
-und ihr vielmehr gestatten, zunächst auf den Kleister und durch
-diesen auf die Papiertheilchen zu wirken, und zwar um so mehr, als
-durch Verdunstung die Feuchtigkeit ausgetrieben wird, und in Folge
-dessen die Poren des Kleisters sich zusammenziehen und dadurch auch
-die Papierflächen einander noch näher bringen. Natürlich wirkt auch
-die Cohäsion zwischen den Theilchen des Leims mit, und bei schlechtem
-Leim haften deshalb die geleimten Flächen nach dem Trocknen desselben
-nicht mehr fest. Auf derselben Wirkung der Adhäsion beruht auch das
-Kitten, Löthen, Verzinnen, Vergolden, selbst das Anstreichen, Malen und
-Schreiben, sowie das Haften des Staubes an den Wänden und der Decke des
-Zimmers. Wenn man eine Glasplatte mit Leim bestreicht, so wirkt oft die
-Adhäsion so stark, daß Stücke aus dem Glase herausgerissen werden, wenn
-der Leim beim Austrocknen sich zusammenzieht.
-
-=37. Warum= wird die Hand naß, wenn man sie in Wasser taucht?
-
-=Weil= die zwischen dem Wasser und der Hand wirkende Adhäsionskraft
-stärker ist, als die Cohäsion des Wassers, und die Theilchen des
-Wassers daher stärker von der Hand angezogen werden, als sie einander
-selbst anziehen.
-
-=38. Warum= hängt sich Quecksilber nicht an die Hand an, wenn man sie
-in dasselbe taucht?
-
-=Weil= die Cohäsionskraft des Quecksilbers stärker ist, als die
-zwischen dem Quecksilber und der Hand wirkende Adhäsion, und die
-Theilchen des Quecksilbers daher einander stärker anziehen, als sie
-von der hineingetauchten Hand angezogen werden. Dagegen legt sich
-Quecksilber an Zinn an, weil die Adhäsionskraft zwischen Quecksilber
-und Zinn die Cohäsion des Quecksilbers überwiegt.
-
-=39. Warum= zieht man die Hand trocken aus dem Wasser, wenn man
-dieselbe vorher in Bärlappsamen, Hexenmehl genannt (die staubartigen
-Keimkörner des Bärlapps oder Lycopodium's), eingetaucht hatte?
-
-=Weil= der Bärlappsamen die Berührung zwischen der Hand und dem
-Wasser verhindert und dadurch die Adhäsionskraft Beider nicht zur
-Wirkung kommen läßt, so daß die Anziehung der Wassertheilchen unter
-sich ungeschwächt bleibt. Die Adhäsionskraft zwischen dem Wasser
-und dem Bärlappsamen ist aber viel zu gering, um eine Trennung der
-Wassertheilchen durch Aufhebung ihrer Cohäsion zu bewirken.
-
-=40. Warum= wird ein mit Fett bestrichener Glasstab vom Wasser nicht
-benetzt?
-
-=Weil= zwischen Wasser und Fett keine merkliche Anziehung besteht, und
-die dünne Fettschicht die Anziehung zwischen dem Glas und dem Wasser
-verhindert, so daß die Cohäsion das Wasser zusammenhält.
-
-=41. Warum= läuft ein Theil des Wassers, welches aus einem Gefäße
-ausgegossen wird, sehr oft an den äußeren Wänden des Gefäßes herab?
-
-=Weil= die ausgegossenen Wassertheilchen, welche an den äußern
-Wänden des Gefäßes zunächst herausfallen, durch dieselben angezogen
-werden und daher ihre Bewegung nach abwärts an den äußeren Wänden
-desselben fortsetzen. Will man dies vermeiden, so muß die Flüssigkeit
-so ausgegossen werden, daß alle Theile derselben weit genug von den
-äußeren Wänden entfernt herabfallen, so daß die Adhäsion nicht mehr
-darauf wirken kann. Um dies zu erleichtern, werden an den Gefäßen oft
-Ausgußschnäbel angebracht; auch legt man runde Glasstäbe an den Rand
-der Gefäße und Ausgußschnäbel und gießt an ihnen herab die Flüssigkeit
-aus. Bei Gläsern und Flaschen _ohne_ Ausgußschnäbel erreicht man diesen
-Zweck dadurch, daß man die Ränder dieser Gefäße mit Fett bestreicht
-und so die Anziehung zwischen den Wänden und der Flüssigkeit aufhebt.
-Quecksilber kann man aus gläsernen und porzellanenen Gefäßen auch
-_ohne_ Ausgußschnabel ausgießen, da keine Adhäsion zwischen Glas und
-Quecksilber besteht.
-
-=42. Warum= fließt ein Tropfen Wasser, den man auf einen Tisch fallen
-läßt, so auseinander, daß er platt wird?
-
-=Weil= der Tisch gleichfalls die Theilchen des Wassers stärker anzieht,
-als sie einander selbst zusammenhalten. Ist dagegen der Tisch mit
-Bärlappsamen bestreut, so rollt ein darauf fallender Tropfen kugelrund
-darauf hin, weil die Berührung zwischen den Wassertheilchen und der
-Tischplatte jetzt verhindert ist.
-
-=43. Warum= rollt ein Tropfen Quecksilber, der auf einen Tisch fällt,
-kugelrund darauf hin, ohne platt zu werden wie ein Tropfen Wasser?
-
-=Weil= die Theilchen des Quecksilbers stärkere Anziehung gegen einander
-als gegen den Tisch haben und, da diese nach allen Seiten gleichmäßig
-wirkt, die runde Gestalt des Tropfens behaupten müssen.
-
-=44. Warum= bleibt ein auf ein Brett gefallener kleiner Wassertropfen
-bei Umkehrung des Brettes an demselben hängen?
-
-=Weil= die Adhäsionskraft, mit welcher der Tropfen an dem Brette
-haftet, stärker ist als die Schwerkraft, welche ihn nach unten und von
-dem Brette hinweg zu ziehen strebt.
-
-=45. Warum= fällt ein auf ein Brett gefallener Quecksilbertropfen bei
-Umwendung des Brettes herunter?
-
-=Weil= zwischen dem Quecksilber und dem Holze keine merkliche
-Adhäsionskraft besteht, und die Schwerkraft daher nicht gehindert wird,
-den Tropfen vom Brette loszureißen und zum Falle zu bringen.
-
-=46. Warum= bleibt ein kleiner Quecksilbertropfen auf einer Zinnplatte
-hängen, wenn man sie umkehrt?
-
-=Weil= die Adhäsionskraft zwischen Zinn und Quecksilber stärker
-wirkt, als die Schwerkraft. Ist der Tropfen zu groß, so bleibt an der
-Zinnplatte nach dem Umkehren so viel von dem Tropfen hängen, als die
-vereinte Wirkung der Adhäsionskraft und der in den kleinsten Theilchen
-des Quecksilbers wirkenden Cohäsionskraft zu tragen vermag; das Uebrige
-folgt der Schwerkraft und fällt daher ab. Ebenso ist es auch bei einem
-zu großen Wassertropfen auf einem Brette.
-
-=47. Warum= bleiben weit mehr Wassertheilchen an einem Seile hängen,
-wenn man es sehr schnell aus dem Wasser herauszieht, als bei einem
-langsamen Herausziehen?
-
-=Weil= bei einem langsamen Herausziehen des Seiles aus dem Wasser die
-Theile desselben langsamer sich von dem Wasser entfernen und daher die
-Cohäsionskräfte des Wassers wegen der längeren Dauer der Berührung
-mit den verschiedenen Theilchen des Seiles das Uebergewicht über die
-Adhäsionskräfte des Seiles gewinnen und die Wassertheilchen dadurch
-festhalten, während bei schnellerem Herausziehen des Seiles wegen
-der schnelleren Entfernung desselben von den Wassertheilchen die
-Adhäsionskräfte des Seiles das Uebergewicht über die Cohäsionskräfte
-des Wassers erhalten.
-
-=48. Warum= werden Figuren, die wir mit dem Finger auf eine
-Fensterscheibe zeichnen, wenn wir darauf hauchen, sichtbar?
-
-=Weil= unsere Finger beständig mit einer äußerst feinen Fettschicht
-bedeckt sind, die vermöge der Adhäsion an den Stellen des Glases, über
-welche wir hinfahren, haften bleibt, und dadurch die Feuchtigkeit des
-Hauchs verhindert, sich hier niederzuschlagen. Daß aber auch das Glas
-selbst gewöhnlich mit einer feinen Schicht und zwar von verdichteten
-Dünsten oder Gasen bedeckt ist, die in Folge der Adhäsionskraft, die
-zwischen dem Glase und diesen Luftarten wirksam ist, angezogen und
-festgehalten werden, können wir sehen, wenn wir eine Glasscheibe
-mit einem Papier, in welches wir eine Figur ausgeschnitten haben,
-bedecken, dann darauf hauchen, und wenn wir das Papier weggenommen
-haben und der Hauch von dem Glase verschwunden ist, abermals darauf
-hauchen. Es erscheint dann der Hauch nur auf den Stellen, welche vom
-Papier unbedeckt gewesen waren, und wir sehen also die ausgeschnittene
-Figur auf dem Glase. Beim Verdunsten des zuerst niedergeschlagenen
-Hauches war nämlich die verdichtete Gasschicht an diesen Stellen mit
-hinweggenommen worden, und auf dem reinen Glase konnte sich daher
-der Hauch leichter niederschlagen, als auf dem bereits mit einer
-Dunstschicht bedeckten.
-
-
-
-
-Haarröhrchenanziehung.
-
-
- Haarröhrchen sind kleine Röhren, die so enge sind, daß man nur
- ein Haar hindurchziehen kann. Wenn man sie in Flüssigkeiten
- taucht, so zeigen sich verschiedene Erscheinungen, je
- nachdem ihre Wände von der Flüssigkeit benetzt werden oder
- nicht, je nachdem also die Adhäsion zwischen der Flüssigkeit
- und den Röhrenwänden, oder die Cohäsion der Flüssigkeit
- überwiegt. In dem ersteren Falle steht die Flüssigkeit in den
- Röhren stets höher, in dem letzteren Falle stets tiefer als
- außerhalb. Die Benetzung findet nur statt, wenn die Anziehung
- des festen Körpers gegen den flüssigen die Anziehung der
- Flüssigkeitstheilchen untereinander überwiegt.
-
-[Illustration: Fig. 2.]
-
-=49. Warum= ist die Oberfläche des Wassers in einem Glase hohl oder
-concav?
-
-=Weil= die Adhäsionskraft zwischen den Wänden des Glases und dem Wasser
-stärker ist als die Cohäsionskraft des Wassers, diese Adhäsionskraft
-aber nur auf die zunächst liegenden Wassertheilchen wirken kann, so daß
-nur diese sich an den Wänden heraufziehen, während in der Mitte die
-Oberfläche des Wassers vertieft bleibt.
-
-[Illustration: Fig. 3.]
-
-=50. Warum= ist die Oberfläche des Quecksilbers in einem Glase
-kugelförmig erhaben oder convex?
-
-=Weil= die Cohäsionskraft des Quecksilbers stärker ist als seine
-Adhäsion gegen die Wände des Glases, seine Theilchen daher der ersten
-Kraft folgen und sich, ähnlich wie bei dem Tropfen, nach der Mitte zu
-anhäufen und so eine kugelförmig erhabene Oberfläche bilden.
-
-=51. Warum= ist die Oberfläche des Quecksilbers in einem zinnernen
-Becher concav?
-
-=Weil= die Adhäsionskraft zwischen dem Quecksilber und dem Zinn stärker
-ist als die Cohäsion des Quecksilbers, so daß die zunächst liegenden
-Theilchen desselben die Cohäsion überwinden und sich an den Wänden des
-Bechers hinaufziehen.
-
-=52. Warum= ist die Oberfläche des Wassers in einem Glase convex, wenn
-man dasselbe inwendig mit Talg bestreicht und dann noch mit Hexenmehl
-belegt?
-
-=Weil= die Adhäsionskraft zwischen dem Wasser und dem Glase durch das
-Hexenmehl verhindert ist zu wirken, und darum die Cohäsion des Wassers
-in voller Kraft bleibt und seine Theilchen zwingt, sich gegen die Mitte
-anzuhäufen.
-
-=53. Warum= ist die Oberfläche des Wassers in einem bis an den Rand
-vollgefüllten Glase convex?
-
-=Weil= die Adhäsionskraft zwischen Glas und Wasser hier nicht mehr
-wirken kann, da über der Wasserfläche kein Glas mehr vorhanden ist, so
-daß also die Wassertheilchen ganz ungehindert der Cohäsionskraft folgen
-und sich gegen die Mitte anhäufen können.
-
-[Illustration: Fig. 4.]
-
-=54. Warum= steigt in den Haarröhrchen, wenn sie senkrecht in Wasser
-getaucht werden, das Wasser in die Höhe?
-
-=Weil= das in ein solches Haarröhrchen eingedrungene Wasser zunächst
-von der innern Wand des Röhrchens angezogen und an ihr emporgehoben
-wird, so daß es ursprünglich zwar eine concave Oberfläche hat, die sich
-aber, da wegen der durch die Enge der Röhren veranlaßten Annäherung
-der kleinsten Theilchen des Wassers die Cohäsionskraft des letzteren
-ungehindert wirken kann, wieder ausfüllt und dadurch eben (horizontal)
-wird, worauf die Adhäsionskraft des Glases wieder eine concave und die
-Cohäsionskraft wieder eine ebene Fläche herstellt und so fort, bis das
-Gleichgewicht zwischen der gehobenen Wassersäule und den anziehenden
-Kräften hergestellt ist. Je enger ein solches Röhrchen ist, desto höher
-muß nothwendig das Wasser in demselben steigen, da die Cohäsionskraft
-um eben so viel stärker wirken kann.
-
-[Illustration: Fig. 5.]
-
-=55. Warum= steht das Quecksilber in den Haarröhrchen nicht höher,
-sondern sogar bedeutend tiefer als in dem Gefäße mit Quecksilber, in
-welches man sie gestellt hat?
-
-=Weil= die Adhäsionskraft zwischen dem Quecksilber und dem Glase so
-schwach ist, daß sie durch die Cohäsionskraft des Quecksilbers völlig
-aufgehoben wird, so daß diese Cohäsion die Quecksilbertheilchen
-hindert, in das enge Röhrchen einzudringen.
-
-=56. Warum= steigt das Wasser zwischen zwei mit ihren Flächen an
-einander gelegten Glastafeln höher auf, als es in dem Gefäße steht, in
-das man sie gestellt hat?
-
-=Weil= auch in diesem Falle die Adhäsion zwischen Glas und Wasser die
-nächsten Wassertheilchen an dem Glase emporzieht, und das Bestreben der
-Cohäsion, die entstandene Vertiefung der Oberfläche auszugleichen, das
-Nachfolgen weiterer Wassertheilchen veranlaßt.
-
-=57. Warum= wird Löschpapier, das man in Wasser taucht, auch an
-denjenigen Stellen nach und nach feucht, die sich außerhalb des Wassers
-befinden?
-
-=Weil= die Poren des Löschpapiers gleichsam nur eine unzählige Menge
-unregelmäßig zusammengehäufter Haarröhrchen sind, und die Flüssigkeit
-daher in diesen ebenso wie in den Haarröhrchen aufsteigen muß. Dasselbe
-findet auch bei andern porösen Körpern statt, bei Zucker, Holz,
-Sandstein; auch ein Haufen Sand oder Asche wird auf einem feuchten
-Boden sehr bald bis zum Gipfel von Feuchtigkeit durchdrungen.
-
-=58. Warum= bleiben Stahlwaaren, in Kohlenpulver verpackt, blank, und
-warum werden Eier und Fleisch durch Kohlenpulver frisch erhalten?
-
-=Weil= das Kohlenpulver eine außerordentliche Porosität besitzt, und
-seine feinen Haarröhrchen alle Feuchtigkeit aufsaugen und sie so
-verhindern, die Stahlwaaren oder Eier zu verderben.
-
-=59. Warum= brennt eine Lampe fort, wenn auch nur wenig Oel in dem
-Behälter vorhanden ist?
-
-=Weil= auch der Docht der Lampe eine Menge feiner Haarröhrchen enthält,
-durch welche sich das Oel hinaufzieht und so der Flamme die zum Brennen
-nöthige Nahrung darbietet. Da nun die Wirkung der Haarröhrchenanziehung
-eine ununterbrochene ist, so steigt auch das in dem Oelbehälter
-befindliche Oel unausgesetzt aufwärts, bis es gänzlich verzehrt ist.
-
-=60. Warum= verkürzen sich die Stricke, wenn sie naß werden?
-
-=Weil= die Hanffasern in ihren Haarröhrchen die Feuchtigkeit aufsaugen
-und dadurch anschwellen, die dicker werdenden Fäden aber nun sich
-zurückdrehen. Die Kraft, welche durch diese Verkürzung der Stricke
-ausgeübt wird, ist so außerordentlich groß, daß in Rom ein Obelisk von
-9000 Centner Gewicht, den man mit allen Maschinen nicht aufzurichten
-vermocht hatte, allein durch die feucht gewordenen Taue, die ihn
-hielten, emporgezogen wurde.
-
-=61. Warum= kann man sich mit einem seidenen Taschentuch nicht so gut
-den Schweiß trocknen als mit einem leinenen?
-
-=Weil= die Seidenfaser zwar auch Haarröhrchen besitzt, diese aber wegen
-der geringen Adhäsion, die zwischen Seide und Wasser besteht, nur wenig
-Feuchtigkeit aufsaugen. Baumwollene Taschentücher nehmen den Schweiß
-noch besser auf als leinene.
-
-=62. Warum= läßt sich Quecksilber in Beuteln aus Flor forttragen, ohne
-daß es durch die von den Fäden gebildeten Zwischenräume hindurchfällt?
-
-=Weil= die Cohäsionskraft des Quecksilbers stärker wirkt als die
-Adhäsionskraft der Fäden, und sich daher das Quecksilber nicht an die
-Fäden des Flors anlegt, sondern, durch die Cohäsion zusammengehalten,
-als ganze Masse von den Fäden des Flors getragen wird. Berührt man aber
-mit der unteren Seite des Flors einen Quecksilberspiegel, so fließt
-das Quecksilber sofort durch den Flor, weil nun die Cohäsion durch die
-Anziehung des Quecksilberspiegels überwunden wird.
-
-[Illustration: Fig. 6.]
-
-=63. Warum= fahren zwei Korkkügelchen, welche auf Wasser schwimmen,
-sobald sie einander nahe kommen, auf einmal schnell an einander?
-
-=Weil= an dem Umfange beider Korkkügelchen in Folge der Adhäsion das
-Wasser etwas höher steht, als die übrige Oberfläche des Wassers, und
-zwischen den Kügelchen daher, wenn sie sich einander nähern, eine hohle
-Wasserfläche entsteht, so daß die Wassertheilchen, indem sie diese
-vermöge ihrer Anziehung auszufüllen suchen, zusammenfließen und die
-Kügelchen mit sich fortreißen. Ein Korkkügelchen und ein Wachskügelchen
-aber, die man auf dem Wasser schwimmen läßt, ziehen einander nicht an,
-sondern stoßen sich ab, weil das Wachskügelchen, das bekanntlich vom
-Wasser nicht benetzt wird, von einer Senkung des Wassers umgeben ist
-und daher bei der Annäherung an das Korkkügelchen von der erhöhten
-Wasserumgebung des Letzteren wie auf einer schiefen Ebene herabrollt.
-
-[Illustration: Fig. 7.]
-
-=64. Warum= bewegen sich kleine Körper, wie z. B. Holzspänchen,
-Korkkügelchen und dergleichen, wenn sie sich der Wand des Gefäßes
-nähern, schneller nach derselben zu, als sie sich in der Mitte des
-Gefäßes bewegten?
-
-=Weil= vermöge der Adhäsion das Wasser sowohl an der Wand des Gesäßes
-als an dem Umfange der kleinen schwimmenden Körperchen höher steht, als
-die Oberfläche des übrigen Wassers in dem Gefäße, so daß sich zwischen
-der Wand und dem Kügelchen bei der Annäherung desselben eine hohle
-Fläche bildet, zu deren Ausfüllung die Wassertheilchen zusammenfließen
-und dabei das Kügelchen mit sich fortreißen.
-
-
-
-
-Trägheit.
-
-
- In der Natur kann keine Veränderung in dem Zustande der
- Dinge vorgehen, ohne daß sie durch eine besondere Ursache
- oder Kraft veranlaßt wird. Diese Eigenschaft der Körper, den
- Zustand, in welchem sie sich gerade befinden, unverändert
- beizubehalten, oder vielmehr ihr Unvermögen, den Zustand der
- Ruhe oder Bewegung von selbst zu verändern, bezeichnet man
- als Beharrungsvermögen oder Trägheit. Ist ein Körper in Ruhe,
- so ist eine Kraft nöthig, um ihn in Bewegung zu setzen; ist
- er in Bewegung, so ist eine Kraft nöthig, um ihn zur Ruhe zu
- bringen. Ein Körper, der einmal in Bewegung ist, wird ohne
- Einwirkung äußerer Kräfte seine Bewegung mit unveränderter
- Geschwindigkeit und in unveränderter Richtung fortsetzen, bis
- sie durch äußere Hindernisse aufgehoben wird. Solche äußere
- Hindernisse der Bewegung sind insbesondere die Schwere des sich
- bewegenden Körpers, die Reibung an der Fläche, auf welcher er
- sich bewegt, der Widerstand der Luft und der Stoß gegen ihm
- entgegenstehende oder sich ihm entgegen bewegende andere Körper.
-
-=65. Warum= wird mit der größten Anstrengung ein sehr schwer beladener,
-ruhig stehender Wagen von den Pferden fortgezogen, während er, einmal
-in Bewegung gesetzt, mit viel geringerer Anstrengung fortbewegt wird?
-
-=Weil= zunächst die Trägheit der Last und des Wagens überwunden werden
-muß, während später, wenn der Wagen einmal in Bewegung ist, die Pferde
-nichts weiter zu thun haben, als die seiner Bewegung entgegenstehenden
-Hindernisse zu überwinden, namentlich die Reibung auf dem unebenen
-Boden.
-
-=66. Warum= bleibt die Betriebswelle einer Dampfmaschine noch in
-Bewegung, wenn dem Dampfe der Zugang in den Dampfcylinder bereits
-abgeschnitten ist?
-
-=Weil= das Schwungrad der Maschine, in welchem eine bedeutende
-lebendige Kraft gleichsam aufgespeichert liegt, seine Bewegung noch
-fortsetzt und ebenso die mit demselben fest verbundene Betriebswelle.
-Die Bewegung dauert so lange fort, bis die Kraft des Schwungrades durch
-die entgegenwirkenden Reibungswiderstände vernichtet ist.
-
-=67. Warum= bekommen Personen, die sich in einem schnell fahrenden
-Wagen befinden, wenn dieser plötzlich anhält, einen Ruck vorwärts?
-
-=Weil= sie in der ihnen vom Wagen mitgetheilten Bewegung auch dann noch
-beharren, wenn der Wagen still steht. Sie würden sogar noch weiter
-vorwärts geworfen werden, wenn nicht die Reibung auf dem Wagensitze
-und die Muskelkraft ihrer Beine, auf die sie ihren Körper zum Theil
-stützen, diese vorwärtsgehende Bewegung hemmte. In einem ruhenden Wagen
-sitzende Personen dagegen werden, wenn die Pferde plötzlich anziehen,
-rückwärts geworfen, weil sie an dem Orte zu beharren streben, an
-welchem sie waren.
-
-=68. Warum= schlagen Kanonen- oder Flintenkugeln, die aus großer
-Nähe durch eine Fensterscheibe hindurchgeschossen werden, nur ein
-kreisrundes Loch in das Glas von fast demselben Durchmesser wie die
-Kugel, ohne die Fensterscheibe zu zersplittern?
-
-=Weil=, wenn Theile eines Körpers durch eine heftige, ungemein schnell
-wirkende Kraft aus dem Zustande der Ruhe in den der Bewegung versetzt
-werden, wie dies bei einer aus der Nähe abgeschossenen Flinten-
-oder Kanonenkugel geschieht, die übrigen Theile des Körpers nicht
-nur in Ruhe bleiben, sondern auch vermöge ihrer Trägheit ohne alle
-Beschädigung für sie den Zusammenhang aufgeben, in dem sie mit den
-losgerissenen Theilen standen. Bei einem langsameren Schlage der Kugel
-gegen eine Fensterscheibe würde auch die Umgebung zertrümmert werden,
-da die Bewegung dann Zeit hätte, sich von den getroffenen Theilen auch
-den benachbarten mitzutheilen.
-
-=69. Warum= muß man aus einem in schneller Bewegung befindlichen Wagen
-oder Fuhrwerke mit dem Gesicht nach den Pferden gewendet hinausspringen?
-
-=Weil= beim Berühren des Erdbodens mit den Füßen der Oberkörper nach
-vorn fällt und man _sieht_, wohin man fällt; man hat die Arme zur Hülfe
-frei. Springt man verkehrt, so fällt man rücklings leicht auf den
-Hinterkopf, was sehr gefährliche Wirkungen, selbst den Tod, zur Folge
-haben kann. Springt man richtig und neigt dabei den Oberkörper leicht
-nach hinten, so, steht man beim Berühren des Erdbodens mit den Füßen
-senkrecht, und die Gefahr ist in der Hauptsache vermieden.
-
-=70. Warum= fällt ein Geldstück, welches auf einem Kartenblatt genau
-über der Mündung einer Flasche liegt, in diese hinein, wenn man mit dem
-Finger das Kartenblatt rasch in horizontaler Richtung fortschnellt?
-
-=Weil= das Geldstück wegen seines Beharrungsvermögens an der Bewegung
-des Kartenblattes keinen Theil nimmt, wenn die Bewegung schnell und
-heftig genug ist, um die Reibung, vermöge deren das Geldstück sonst an
-dem Kartenblatt haftet, zu überwinden. Wird daher das Kartenblatt nur
-langsam weggeführt, so bleibt das Geldstück darauf liegen.
-
-=71. Warum= kann man einen Mauerstein in der Hand zerschlagen, ohne den
-Schlag des Hammers sehr zu empfinden?
-
-=Weil= die durch den Schlag des Hammers bewirkte Erschütterung sich
-nur den der getroffenen Stelle zunächstliegenden Theilen mittheilt, die
-übrigen Theile des Steins aber in ihrer Ruhe beharren, und so auch die
-Hand darunter von ihnen nicht erschüttert wird. Deshalb ist es auch
-kein großes Kunststück, wenn ein sogenannter Herkules auf einem Ambos,
-der auf seiner Brust liegt, hämmern läßt, wenn die Schläge nur schnell
-geführt werden, und der Hammer immer schnell wieder zurückgezogen wird.
-
-=72. Warum= ist es so gefährlich, in den Lauf eines geladenen Gewehres
-Sand gerathen zu lassen?
-
-=Weil= das beim Losschießen sich durch die Explosion des Pulvers
-entwickelnde Gas sich viel zu schnell ausdehnt, als daß sich die
-Bewegung der untersten Sandtheile den oberen mittheilen könnte, und
-das in seiner Ausdehnung gehemmte Gas daher den Lauf sprengt. Deshalb
-braucht man beim Sprengen von Felsen auch nur das Pulver im Bohrloch
-mit lockerem Sand zu bedecken, und doch wirkt die Gewalt der Explosion
-nach allen Seiten hin.
-
-=73. Warum= müssen dauerhafte Brücken eine große Masse haben?
-
-=Weil= eine um so größere Kraft dazu gehört, einen Körper in Bewegung
-zu setzen, je größer seine Masse ist. Die mit großer Geschwindigkeit
-über eine Brücke fahrenden, oder mit einer schweren Last sich über
-dieselbe bewegenden Wagen vermögen nur den Stellen der Brücke, auf
-welchen sie fahren, eine Erschütterung mitzutheilen, die aber durch
-den Widerstand einer bedeutenden Menge ruhender Theile, welche der
-Bewegung widerstehen, bald aufhört weiter fortgepflanzt zu werden
-und daher eine große Menge von Theilen der Brücke nicht erreicht.
-Starke Erschütterungen bringen freilich Wirkungen hervor, die der
-Dauerhaftigkeit einer Brücke sehr nachtheilig sind.
-
-=74. Warum= kann man den lose gewordenen Stiel eines Hammers oder einer
-Axt dadurch wieder befestigen, daß man denselben umgekehrt gegen einen
-harten Gegenstand aufstößt?
-
-=Weil= durch den heftigen Stoß nur die Bewegung des Hammers, nicht aber
-die des losen Eisenstücks plötzlich gehemmt wird, so daß also der Stiel
-weiter in das hinabgleitende Eisenstück eindringt.
-
-=75. Warum= kann man eine verstopfte Röhre oft dadurch wieder öffnen,
-daß man gewaltsam an das eine Ende derselben schlägt?
-
-=Weil= die durch das heftige Schlagen an die Röhre bewirkte
-Erschütterung derselben sich dem sie verstopfenden Körper mittheilt und
-ihn aus dem Zustande der Ruhe in den der Bewegung versetzt, wodurch er
-allmählich bis an die Oeffnung der Röhre gebracht wird. Dies wird um so
-eher geschehen können, wenn es nicht _ein_ Körper ist, sondern mehrere,
-die sich zusammengehäuft haben.
-
-
-
-
-Elasticität.
-
-
- Nicht nur als Ganzes wollen die Körper ihren Zustand
- beibehalten, sondern auch ihre einzelnen Theile widerstreben
- einer Veränderung ihrer Lage. Diejenige Eigenschaft eines
- Körpers, vermöge welcher seine Theile, wenn sie aus ihrer
- Lage gebracht sind, genau wieder in dieselbe zurückkehren,
- sobald die störende Kraft zu wirken aufgehört hat, nennt man
- Elasticität. Vollkommen findet diese Rückkehr der Theilchen
- in ihre frühere Lage nur dann statt, wenn ihre Verschiebung
- gewisse Grenzen nicht überschritten hat. Solche Körper,
- welche diese Eigenschaft in hohem Grade besitzen, wie Stahl,
- Elfenbein, Gummi, nennt man elastische; solche, welche diese
- Eigenschaft gar nicht, oder in kaum merkbarem Grade besitzen,
- wie Blei, Wachs, Thon, nennt man unelastische Körper. Solche
- Körper, bei denen eine größere Kraft nöthig ist, um überhaupt
- eine Verschiebung der Theilchen hervorzubringen, wie Stahl und
- Elfenbein, heißen hart; solche, bei denen eine geringe Kraft
- die Verschiebung bewirkt, wie Gummi oder Thon, heißen weiche
- Körper; solche, die -- sobald die Verschiebung ihrer Theilchen
- die Elasticitätsgrenze überschritten hat, -- ihren Zusammenhang
- verlieren und zerbrechen, wie das Glas, werden spröde genannt;
- solche endlich, deren Theilchen jenseits der Elasticitätsgrenze
- nur eine andere Lage annehmen, ohne den Zusammenhang zu
- verlieren, wie Metalle, heißen dehnbar.
-
-=76. Warum= wird ein von einer Armbrust geschossener Bolzen bis zu
-ansehnlicher Entfernung fortgetrieben?
-
-=Weil= die stark ausgedehnte elastische Schnur, deren Kraft durch das
-gekrümmte elastische Holz, an dessen beiden Enden die Schnur befestigt
-ist, noch verstärkt wird, sobald sie durch den Drücker frei gemacht
-wird, mit aller Kraft in ihre vorige Lage wieder zurücktritt und daher
-auf ihrem Wege den unmittelbar vor ihr liegenden Bolzen mit großer
-Gewalt forttreibt.
-
-=77. Warum= bekommt eine Billardkugel, welche auf eine recht eben
-und glatt geschliffene Marmortafel herabfällt, die man an einer
-Oellampe schwarz anlaufen ließ, einen ziemlich großen schwarzen Fleck,
-während sie an der aufstoßenden Stelle nur einen Fleck von der Größe
-eines Stecknadelknopfes bekommt, wenn man sie mit der Hand auf die
-Marmorplatte stößt?
-
-=Weil= die Kugel, wenn sie auf die Marmorplatte herabfällt, wegen der
-Gewalt des Stoßes an der auffallenden Stelle platt gedrückt wird, und
-mit dieser ganzen Fläche die Platte berührt, nachher jedoch wegen ihrer
-Elasticität sogleich wieder in ihre runde Gestalt zurückkehrt. Wird
-dagegen die Kugel blos mit der Hand auf die Platte gedrückt, ist also
-keine Kraft vorhanden, welche die Lage der Theilchen verschiebt, so
-berührt sie dieselbe blos in einem einzigen Punkt und zeigt sich daher
-auch nur an diesem schwarz.
-
-=78. Warum= springt eine mit Luft angefüllte Schweinsblase, welche man
-mit Gewalt etwas platt drückt, sogleich wieder in ihre vorige Gestalt
-zurück, sobald man zu drücken aufhört?
-
-=Weil= die darin enthaltene Luft dem Drucke zwar nachgiebt und sich
-in einen engeren Raum zusammenzieht, sobald aber der Druck nachläßt,
-vermöge ihrer Elasticität wieder in den Raum zurückkehrt, den sie
-vorher einnahm, und daher die zusammengedrückte Blase wieder ausspannt.
-
-=79. Warum= fliegt ein Gummiball, mit einer Ballkeule geschlagen,
-weiter als ein unelastischer Stein?
-
-=Weil= die von dem Schlage getroffenen Theile des elastischen Balles
-soweit nachgeben, bis die Rückwirkung der Elasticität der stoßenden
-Kraft gleich ist, der Ball also durch das Zurückspringen der gewichenen
-Theile in ihre ursprüngliche Lage den ganzen Stoß erhält, während
-bei dem unelastischen Steine die Wirkung des Stoßes sich nicht allen
-Theilen mittheilt, ein großer Theil der Wirkung des Stoßes also an der
-Ballkeule verloren geht.
-
-
-
-
-Schwerkraft.
-
-
- Alle Körper auf der Erde sind schwer, d. h. sie werden von der
- Erde angezogen oder haben das Bestreben, sich dem Mittelpunkte
- der Erde zu nähern, und fallen, wenn sie nicht durch eine
- andere Kraft daran gehindert werden. Eine Wirkung dieser
- Anziehungskraft der Erde, die man ihre Schwerkraft nennt, ist
- der Druck, welchen jeder Körper auf eine Unterlage, die ihn am
- Fallen hindert, also etwa auf unsere Hand, wenn wir ihn in der
- Hand halten, ausübt, und diesen Druck nennt man das Gewicht
- des Körpers. Die Gewichte verschiedener Körper vergleichen,
- heißt sie _wägen_. Als Einheit für diese Vergleichung dient
- jetzt allgemein das Gewicht eines Kubikcentimeters destillirten
- Wassers oder das Gramm; die decimalen Theile desselben
- heißen Decigramm, Centigramm, Milligramm (1/1000 Gramm), die
- decimalen Vielfachen sind Dekagramm, Hektogramm, Kilogramm. Ein
- Kilogramm, kurz 1 Kilo, ist gleich 2 Pfund, 50 Kilo bilden 1
- Centner.
-
-=80. Warum= ist ein auf dem Tische liegender großer Quecksilbertropfen
-nie ganz kugelrund?
-
-=Weil= bei einem großen Quecksilbertropfen der Cohäsionskraft, --
-welche seine Theilchen zusammenhält und, da sie von allen Seiten
-gleichmäßig wirkt, sie zwingt, die Kugelgestalt anzunehmen, -- die
-Schwerkraft entgegenwirkt und jene zwar nicht völlig aufhebt, aber
-doch schwächt, so daß die Theilchen, ohne sich zu trennen, dem Zuge
-der Schwere nach unten folgend, von der Kugelgestalt abweichen
-müssen. Bei größeren Flüssigkeitsmassen bewirkt diese Schwere das
-Auseinanderfließen zur Ebene.
-
-=81. Warum= wird eine Schnur, an der ein Bleigewicht hängt, straff
-gezogen?
-
-=Weil= das Bleigewicht, wie jeder andere Körper, durch die Schwerkraft
-nach dem Mittelpunkte der Erde gezogen wird, die Schnur jedoch dasselbe
-hindert, diesem Bestreben zu folgen, so daß es nur mit der Kraft, die
-seinem Drucke oder Gewichte gleich ist, die Schnur straff zu spannen
-vermag. Dadurch bezeichnet es aber zugleich die Richtung, in welcher
-die Schwerkraft wirkt, und in welcher daher auch Mauern, die nicht
-fallen sollen, aufgerichtet werden müssen. Darauf beruht der Gebrauch
-des Bleiloths der Maurer. Diese Richtung des Bleiloths nennt man die
-senk- oder lothrechte oder auch verticale.
-
-=82. Warum= fällt ein Stein, den wir in der Hand halten, sobald wir ihn
-loslassen, auf die Erde?
-
-=Weil= unsere Hand für den Stein nur das Hinderniß war, dem Zuge der
-Schwerkraft zu folgen, und er nach Beseitigung des Hindernisses nun
-von der Wirkung dieser Kraft so lange getrieben wird, bis er auf dem
-Erdboden abermals einen Widerstand findet. Je tiefer er fällt, um so
-schneller wird seine Bewegung, da die Schwerkraft nicht _einmal_,
-sondern beständig in jedem Augenblick auf ihn wirkt und daher mit jedem
-Augenblick seine Bewegung beschleunigt.
-
-=83. Warum= schießen Wagen von einer Anhöhe mit solcher Geschwindigkeit
-herab, wenn sie nicht gehemmt werden?
-
-=Weil= auf der schiefen Ebene, wie sie eine solche Anhöhe darstellt,
-ein Körper nur zum Theil gegen das Herabfallen geschützt ist, und es
-nur einer geringen Kraft bedarf, um den Widerstand zu überwinden, durch
-den er vom Herabfallen abgehalten wird. Wenn daher auch die Pferde den
-einmal in Bewegung gesetzten Wagen nicht weiter zögen, so würde er
-schon durch die eigene Schwerkraft herabgetrieben werden, und zwar mit
-zunehmender Geschwindigkeit. Daher müssen die Pferde, sobald der Wagen
-auf einer abschüssigen Ebene in Bewegung gesetzt ist, statt ihn zu
-ziehen, ihn vielmehr mit aller Kraft zurückhalten.
-
-=84. Warum= fallen leichte Körper, wie Flaumfedern, Papierstückchen u.
-s. w. so langsam zur Erde?
-
-=Weil= die auch bei diesen Körpern wirkende Schwerkraft sie zwar nach
-der Erde herabtreibt, der Druck aber, den sie wegen der geringen Menge
-von materiellen Theilchen ausüben, die in einen für ihre Schwere
-ziemlich großen Raum ausgedehnt sind, durch den Gegendruck der Luft,
-durch welche sie fallen, zum Theil aufgehoben wird. Die Schwerkraft
-wirkt daher nicht mit voller Stärke. Im luftleeren Raume dagegen fallen
-alle Körper, Blei wie Federn, gleich schnell.
-
-=85. Warum= drückt ein in eine Wagschale gelegtes Gewicht dieselbe
-nieder?
-
-=Weil= das Gewicht vermöge seiner Schwerkraft einen der Menge seiner
-materiellen Theilchen entsprechenden Druck auf die Wagschale ausübt,
-die es hindert, dem Gesetze der Schwere zu folgen. Es muß daher durch
-diesen Druck die Wagschale so weit herabsinken, bis sie unterstützt
-wird. Legt man dagegen in die andere Wagschale einen Körper, der eben
-so schwer ist, als das Gewicht, so treten die beiden Wagschalen wieder
-ins Gleichgewicht.
-
-=86. Warum= wiegt ein Maaß Quecksilber viel mehr als ein Maaß Wasser
-und ein Kubikcentimeter Blei mehr als ein Kubikcentimeter Holz?
-
-=Weil= in dem Quecksilber und in dem Blei mehr Masse in denselben
-Raum zusammengedrängt ist, oder die Massentheilchen darin dichter an
-einander liegen, als in dem Wasser und im Holz. Man sagt daher auch,
-Blei und Quecksilber haben eine größere eigenthümliche Dichtigkeit oder
-ein größeres eigenthümliches oder spezifisches Gewicht als Holz und
-Wasser, oder Quecksilber sei specifisch schwerer als Wasser.
-
-
-
-
-Der Schwerpunkt.
-
-
- In jedem Körper giebt es einen Punkt, dessen alleinige
- Unterstützung ausreicht, ihn am Fallen zu hindern. Diesen Punkt
- nennt man den Schwerpunkt. Er liegt stets so, daß um ihn nach
- allen Seiten hin die Massentheilchen des Körpers gleichmäßig
- vertheilt sind. In einer Kugel liegt er daher im Mittelpunkt,
- in einer Walze in der Mitte der Axe. Bei andern Körpern kann
- man ihn dadurch finden, daß man sie an zwei verschiedenen
- Stellen an einem Faden aufhängt. Der Schwerpunkt liegt dann
- jedesmal in der Richtung des Fadens, und der Durchschnittspunkt
- der beiden Linien giebt dann genau die Lage des Schwerpunkts
- an. Die senkrechte Linie vom Schwerpunkt zum Boden nennt man
- die Richtungslinie der Schwere oder die Schwerlinie. Ein Körper
- befindet sich in der Ruhe oder im Gleichgewicht, wenn er in
- der Richtung dieser Schwerlinie unterstützt oder befestigt
- ist. Man unterscheidet ein indifferentes, ein stabiles und ein
- labiles Gleichgewicht. Im indifferenten Gleichgewicht befindet
- sich ein Körper, wenn er in seinem Schwerpunkt selbst befestigt
- ist, wie ein Rad, das sich um seine Axe dreht. Ein stabiles
- Gleichgewicht findet statt, wenn ein Körper oberhalb seines
- Schwerpunktes befestigt, also wenn er aufgehängt ist. Der
- Körper findet dann seine Ruhe stets, sobald sein Schwerpunkt
- sich senkrecht unter seinem Aufhängepunkte befindet. Das
- labile Gleichgewicht tritt ein, wenn der Stützpunkt tiefer als
- der Schwerpunkt liegt, wie beim Balanciren auf einer Spitze.
- Die Ruhe kann dann nur gesichert werden, wenn man den Körper
- in mindestens drei Punkten unterstützt, zwischen denen die
- Schwerlinie hindurchgeht.
-
-[Illustration: Fig. 8.]
-
-=87. Warum= rollt eine Kugel, welche man auf eine abschüssige Fläche
-legt, sogleich hinunter? (Fig. 8.)
-
-=Weil= bei einer Kugel, die eine Ebene, auf der sie liegt, nur in
-einem Punkt berührt, die Richtungslinie der Schwere diesen Punkt nicht
-mehr trifft, wenn die Kugel auf einer schiefen Ebene liegt, so daß der
-Schwerpunkt der Kugel also nicht unterstützt ist und sie herabfallen
-muß.
-
-=88. Warum= neigen wir uns vorwärts, wenn wir einen Berg hinaufsteigen?
-
-=Weil= wir dadurch die Richtungslinie der Schwere zwischen unseren
-Füßen behalten, und wir nur unter dieser Bedingung fest stehen können.
-Denn der Schwerpunkt unseres Körpers liegt bei uns im Unterleibe, und
-die Schwerlinie fällt daher zwischen unsere Beine, wenn wir uns auf
-einer wagerechten Ebene befinden, hinter uns jedoch, wenn wir uns auf
-einer schiefen Ebene mit dem Gesichte nach dem Gipfel zu befinden.
-Wir müssen uns daher vorwärts beugen, wenn wir eine schiefe Ebene
-hinaufsteigen, um die Schwerlinie wieder zwischen unsere Füße zu
-bringen.
-
-=89. Warum= müssen wir uns rückwärts beugen, wenn wir einen Berg
-hinabsteigen?
-
-=Weil= wir dadurch, daß wir uns beim Herabsteigen rückwärts beugen, die
-Schwerlinie zwischen unsere Beine bringen, die bei grader Haltung vor
-uns liegen würde, so daß also unser Schwerpunkt in dieser Haltung nicht
-unterstützt wäre und wir fallen müßten.
-
-[Illustration: Fig. 9.]
-
-=90. Warum= müssen Leute, welche vor sich eine Last tragen, sich
-rückwärts beugen?
-
-=Weil= der Schwerpunkt des Körpers durch die vorn hängende Last
-verschoben und weiter nach vorwärts gerückt wird, so daß also auch die
-Schwerlinie nach vorn fallen würde. Durch Rückwärtsbeugung aber wird
-die Schwerlinie wieder zwischen die Beine gebracht. (Fig. 9.)
-
-[Illustration: Fig. 10.]
-
-=91. Warum= müssen Leute, welche eine Last auf dem Rücken tragen, sich
-vorwärts beugen?
-
-=Weil= durch die Last auf dem Rücken die Lage des Schwerpunktes in dem
-menschlichen Körper gleichfalls verändert wird, und er weiter rückwärts
-zu liegen kommt. Die Schwerlinie würde daher bei grader Haltung nach
-hinten fallen. Um dies zu verhindern, wird der Oberkörper nach vorn
-gebeugt. (Fig. 10.)
-
-[Illustration: Fig. 11.]
-
-=92. Warum= muß ein Mensch, der eine Last in der rechten Hand trägt,
-sich nach der linken Seite zu beugen?
-
-=Weil= sein Schwerpunkt durch die Last in der rechten Hand weiter nach
-der rechten Seite zu rückt, und daher die Schwerlinie über sein rechtes
-Bein hinausfallen würde. Um den Schwerpunkt wieder weiter nach links
-und die Schwerlinie zwischen seine Beine zu bringen, muß er sich zur
-linken Seite beugen. (Fig. 11.)
-
-=93. Warum= stehen wir nicht fest, wenn wir blos auf einem Beine stehen?
-
-=Weil= wir in diesem Falle den Körper nach dem Fuße hin, auf dem wir
-stehen, beugen müssen, damit die Schwerlinie unsers Körpers gerade
-unter diesen Fuß trifft. Da aber schon eine geringe Veränderung
-unserer Haltung unsern Schwerpunkt verrücken und bei einer so geringen
-Unterstützungsfläche der Unterstützung berauben kann, so gehört eine
-große Kraftanstrengung dazu, um uns auf einem Fuße stehend zu erhalten.
-Es ist daher auch nicht möglich, auf einem Beine zu stehen, wenn man
-dasselbe dicht an eine lothrechte Wand stellen soll, da die Schwerlinie
-dann nicht mehr in dieses Bein gelegt werden kann.
-
-=94. Warum= können wir einen vor uns auf dem Boden liegenden
-Gegenstand nicht aufheben, ohne uns in den Hüften zu biegen?
-
-=Weil= durch die Vorwärtsneigung des Oberkörpers der Schwerpunkt so
-weit nach vorn verschoben werden würde, daß wir fallen müßten, wenn wir
-nicht gleichzeitig durch die Hüftbiegung einen Theil des Körpers wieder
-nach rückwärts streckten.
-
-=95. Warum= schleudern die meisten Menschen beim Gehen abwechselnd mit
-beiden Armen?
-
-=Weil= unser Gehen eigentlich nur ein fortgesetztes Fallen auf den
-jedesmal vorausgesetzten Fuß ist und dabei die Schwerlinie immer
-vorwärts abwechselnd nach rechts und links gelegt wird, diese Verlegung
-der Schwerlinie aber durch das abwechselnde Schleudern mit den Armen
-erleichtert wird. Ohne dieses Schleudern würde die Haltung des Körpers
-eine viel schwankendere sein und eher eine Ermüdung herbeiführen.
-
-[Illustration: Fig. 12.]
-
-=96. Warum= fällt ein hoher Gegenstand in derselben geneigten Stellung
-leichter um als ein niedriger?
-
-=Weil= ein Körper in schiefer Stellung nur so lange fest steht, als
-seine Schwerlinie noch in seine Grundfläche fällt, diese Schwerlinie
-aber um so leichter über die Grundfläche hinausgerückt wird, je höher
-der Körper ist, und je höher darum sein Schwerpunkt liegt. Darum pflegt
-man Schiffe mit Ballast zu versehen, damit ihr Schwerpunkt möglichst
-tief liege. Eben darum giebt man auch Gegenständen, die fest stehen
-sollen, wie Lampen, Leuchtern etc., einen schweren Fuß.
-
-=97. Warum= steht ein sogenannter Taumelbecher sofort wieder auf, wenn
-man ihn auf den Tisch zu legen versucht?
-
-=Weil= ein solcher Becher einen sehr dicken, halbkugelförmigen Boden
-hat, so daß der Schwerpunkt in diesem liegt, und die Schwerlinie daher
-bei horizontaler Lage des Bechers nicht in der Linie, in welcher der
-Becher unterstützt ist, sondern seitwärts hervortritt, und der Becher
-dadurch gezwungen wird, auch nach dieser Richtung hin wieder seine
-Unterstützung zu suchen, also aufzustehen. Dasselbe gilt auch von den
-mit bleiernen Füßen versehenen Stehaufmännchen aus Holundermark.
-
-=98. Warum= schwebt ein Münzstück sehr leicht auf einer Nadelspitze,
-wenn man auf dasselbe einen Kork stellt und in diesen von
-entgegengesetzten Seiten zwei abwärts geneigte Gabeln steckt?
-
-=Weil= durch das Gewicht der Gabeln der Schwerpunkt unter die
-Nadelspitze verlegt wird, das Münzstück also gar nicht fallen kann,
-wie man auch seine Lage verändern möge, da es gleichsam im Stützpunkt
-aufgehängt ist.
-
-=99. Warum= fällt ein Kreisel, so lange er sich rasch dreht, nicht um,
-während er doch im ruhenden Zustande nicht auf seiner Spitze stehen
-kann?
-
-=Weil= der Schwerpunkt des Kreisels, der im ruhenden Zustande
-allerdings nicht genügend unterstützt ist, durch die rasche Drehung
-(Schwungkraft) in jedem Augenblick seinen Ort ändert, so daß der
-Kreisel, wenn er nach einer Seite hin fallen will, im nächsten
-Augenblick schon nach der andern Seite gezogen wird. Durch dieses
-beständige Entgegenwirken der Kräfte (Schwerkraft und Schwungkraft)
-wird er im Gleichgewicht erhalten und bleibt aufrecht. Aus demselben
-Grunde ist es auch leicht, einen in schnelle Drehung versetzten Teller
-auf einer Degenspitze zu balanciren.
-
-
-
-
-Gleichgewicht und Bewegung fester Körper.
-
-
- Kein ruhender Körper kommt durch sich selbst in Bewegung; es
- bedarf dazu einer bewegenden Ursache, einer Kraft. Wenn mehrere
- Kräfte in ihren gegenseitigen Wirkungen sich vollständig
- aufheben, so sagt man, sie halten sich das Gleichgewicht. Das
- Gleichgewicht findet statt, wenn zwei genau gleiche Kräfte
- nach entgegengesetzten Richtungen wirken. Wenn eine Kraft auf
- einen Körper wirkt, so bewegt er sich nur in der Richtung
- dieser Kraft, und seine Bewegung ist eine gradlinige. Wenn auf
- einen bewegten Körper in jedem Augenblick eine andere Kraft
- einwirkt, so verändert er in jedem Augenblicke seine Richtung,
- und seine Bewegung wird eine krummlinige. Eine solche in jedem
- Augenblick wirkende Kraft ist die Schwere, und geworfene Körper
- beschreiben daher krummlinige Bahnen. Durchläuft ein Körper in
- gleichen Zeiten immer gleiche Räume, so ist seine Bewegung eine
- gleichförmige. Durchläuft er in gleichen Zeiten verschiedene
- Räume, so ist seine Bewegung eine ungleichförmige, und zwar
- eine beschleunigte oder verzögerte, je nachdem die in gleichen
- Zeiten durchlaufenen Räume zu- oder abnehmen. Ein fallender
- Körper hat eine beschleunigte, ein aufwärts geworfener Körper
- eine verzögerte Bewegung. Das Verhältniß zwischen der Länge des
- Weges und der Zeit, in welcher er zurückgelegt wird, nennt man
- die Geschwindigkeit der Bewegung. Von zwei bewegten Körpern hat
- derjenige die größere Geschwindigkeit, welcher in derselben
- Zeit den größeren Weg zurücklegt. Die Wirkung eines bewegten
- Körpers hängt sowohl von der Masse desselben als von der
- Geschwindigkeit seiner Bewegung ab; sie entspricht dem Produkt
- aus der Masse und der Geschwindigkeit.
-
-=100. Warum= bringt eine mit der Hand geworfene Kugel eine viel
-geringere Wirkung hervor, als eine aus der Büchse geschossene?
-
-=Weil= die geworfene Kugel sich mit einer viel geringeren
-Geschwindigkeit bewegt, als die geschossene, die Wirkung eines bewegten
-Körpers aber nicht blos von der Masse desselben, sondern auch von
-seiner Geschwindigkeit abhängt.
-
-=101. Warum= ist man trotz aller Anstrengung nicht im Stande, einen
-Korkpfropfen ebenso weit zu werfen, wie einen gleich großen Stein?
-
-=Weil= der Kork, auch wenn wir ihm dieselbe Geschwindigkeit geben wie
-dem Stein, doch nicht dieselbe Wirkung auf die widerstehende Luft
-ausüben kann, da diese Wirkung außer von der Geschwindigkeit auch
-von der Masse des bewegten Körpers abhängt, die Masse des Korks aber
-eine außerordentlich geringe gegen die Masse des Steins ist. Die
-Bewegung des Korks wird daher viel früher durch den Widerstand der Luft
-aufgehoben als die Bewegung des Steins.
-
-[Illustration: Fig. 13.]
-
-=102. Warum= gelangt ein Kahn, der zugleich vom Strom und von einem von
-der Seite her wehenden Winde getrieben wird, in schräger Richtung über
-einen Fluß?
-
-=Weil= ein Körper, auf welchen gleichzeitig zwei Kräfte in
-verschiedenen Richtungen wirken, weder der Richtung der einen noch
-derjenigen der andern Kraft folgen kann, sondern eine mittlere Richtung
-einschlagen muß. Der Kahn gelangt genau an dieselbe Stelle des andern
-Ufers, an welche er gelangt wäre, wenn er zuerst nur von der Kraft
-der Strömung (von ~a~ nach ~b~) und dann nur von der Kraft des Windes
-(von ~b~ nach ~d~) getrieben worden wäre. Er hat also die Mittellinie
-oder Diagonale eines Parallelogramms durchlaufen, dessen Seiten die
-beiden auf ihn wirkenden Kräfte ihrer Stärke wie ihrer Richtung nach
-vorstellen. Er hat sich also so bewegt, als ob er von einer einzigen
-Kraft, welche diese Diagonale vorstellt, getrieben wäre. Dieses
-Gesetz, welches allgemein die Bewegung eines von zwei verschieden
-gerichteten Kräften bewegten Körpers bestimmt, nennt man das Gesetz des
-Parallelogramms der Kräfte.
-
-[Illustration: Fig. 14.]
-
-=103. Warum= wird ein Schiff auch von einem Seitenwinde, der seine
-schief gestellten Segel trifft, vorwärts getrieben?
-
-=Weil= der Stoß des Windes (~fe~), wenn er schief auf die Segelfläche
-(~cd~) trifft, gleichsam in zwei Kräfte zerlegt wird, von denen die
-eine (~eh~) längs der Fläche des Segels wirkt, also nutzlos bleibt, die
-andere (~ge~) aber senkrecht gegen das Segel trifft, also zur Wirkung
-kommt. Wegen der schiefen Stellung des Segels kann aber auch diese
-letztere Kraft für die Bewegung des Schiffes selbst nicht ihre volle
-Wirkung ausüben, wird vielmehr wieder gleichsam in zwei Seitenkräfte
-zerlegt, von denen die eine (~ei~) das Schiff in der Richtung des Kiels
-vorwärts treibt, die andere (~ek~) es seitwärts drängt. Da nun das
-Schiff so gebaut ist, daß es in der Richtung nach vorn vom Wasser einen
-möglichst geringen, in der Richtung nach seitwärts einen möglichst
-großen Widerstand erfährt, und da das Steuerruder diese Stellung des
-Rumpfes behauptet, so folgt das Schiff dem Stoße des Windes nach vorn
-möglichst vollständig, dem Stoße nach der Seite aber nur in sehr
-geringem Grade.
-
-=104. Warum= steigt ein Papierdrache, den ein Knabe am Faden gegen den
-Wind zieht, in die Höhe, obwohl er doch als schwerer Körper zu Boden
-fallen sollte?
-
-=Weil= auch hier der Stoß der Luft wegen der schiefen Stellung des
-Drachen zerlegt wird und nur einen Theil seiner Kraft in einer auf die
-Fläche des Drachen senkrechten Richtung wirksam machen kann, dieser
-abgelenkte Stoß aber sich wieder mit dem Zuge des Fadens verbindet und
-so eine von dem Faden weg nach oben strebende Bewegung hervorbringt.
-
-[Illustration: Fig. 15.]
-
-=105. Warum= kann der Auflader vermittelst der Schrotleiter ein
-schweres Faß auf den Wagen bringen, das er sonst nicht zu heben vermag?
-
-=Weil= das Fallbestreben eines Körpers auf der schiefen Ebene, wie sie
-die Schrotleiter darstellt, nicht mehr dem ganzen Gewichte des Körpers
-entspricht, der Druck desselben vielmehr in zwei Kräfte zerlegt wird,
-in eine senkrecht auf die Ebene wirkende (~ad~), welche aber durch
-den Widerstand der Ebene aufgehoben wird, und in eine mit der Ebene
-parallel wirkende (~ae~), welche allein noch überwunden werden muß,
-wenn der Körper aufwärts bewegt werden soll. Diese noch zu überwindende
-Kraft ist aber selbstverständlich viel kleiner als das Gewicht des
-schweren Fasses und steht zu diesem in demselben Verhältniß, wie die
-Höhe der schiefen Ebene (~AC~), d. h. hier die Höhe des Wagens zu der
-Länge derselben (~AB~), d. h. hier die Länge der Schrotleiter.
-
-[Illustration: Fig. 16.]
-
-=106. Warum= kann der Holzhauer mit Hülfe des Keils die großen Klötze
-leichter spalten als mit der Axt?
-
-=Weil= auch der Keil nach zwei Seiten eine schiefe Ebene darbietet,
-und daher die Widerstände, welche das Holz dem Eindringen des Keils
-entgegensetzt, an den schiefen Flächen desselben eine Theilung
-erfahren, und zwar jeder in eine senkrecht nach oben gerichtete Kraft
-(~eg~) und in eine andere (~dg~ und ~fg~) senkrecht auf die Richtung,
-in welcher der Keil eindringt, zerlegt wird. Die letzteren beiden aber
-heben einander auf als gleich und entgegengesetzt gerichtet, so daß nur
-die nach oben wirkenden Kräfte übrig bleiben, um den Keil aus dem Spalt
-hinauszutreiben. Nur diese hat der Schlag des Hammers auf den Keil zu
-überwinden. Sie sind aber kleiner als die ursprünglichen Widerstände
-selbst und verhalten sich zu diesen wie der halbe Rücken zur
-Seitenfläche des Keils. Auch die Axt, wie jedes schneidende Werkzeug
-ist zwar ein Keil, aber mit schmälerem Rücken. Sie dringt darum zwar
-leichter in das Holz ein, erfährt aber einen stärkeren Druck durch die
-Widerstände des Holzes von der Seite her. Deshalb bedient man sich
-zum Spalten von Scheitholz einer Axt, deren Schneide einen ziemlich
-stumpfen Keil bildet, zum Kleinhauen aber einer Axt mit sehr spitzem
-Keile.
-
-=107. Warum= kann man einen Balken eines Hauses, der sich etwas gesenkt
-hat, wieder heben, wenn man einen Keil darunter treibt?
-
-=Weil= dieser Keil nur eine bewegliche schiefe Ebene ist, und der
-Balken, wenn er an seiner Fläche gleichsam hinaufgeschoben wird, mit
-einem um so geringeren Theile seines Gewichtes widersteht, je flacher
-der Keil ist.
-
-=108. Warum= führt man Wege in vielen Windungen auf hohe und steile
-Berge?
-
-=Weil= man durch diese Windungen die Steilheit des Weges vermindert,
-da der gewundene Weg gleichsam nur eine bedeutend verlängerte schiefe
-Ebene darstellt, deren Neigung um ebenso viel kleiner ist, dieselbe
-Last aber eine um so geringere Kraft zur Aufwärtsbewegung erfordert,
-je geringer die Neigung der Ebene ist. An Arbeit wird allerdings dabei
-nichts erspart; denn was an Kraft gewonnen wird, geht am Wege verloren.
-Die Last muß vielleicht 8 oder 10mal so weit fortbewegt werden, als die
-Höhe des Berges, zu der sie gehoben wird, beträgt.
-
-[Illustration: Fig. 17.]
-
-=109. Warum= kann man mit Hülfe der Schraube bei der Buchdrucker- oder
-Weinpresse einen so starken Druck ausüben?
-
-[Illustration: Fig. 18.]
-
-=Weil= eine Schraube nichts Anderes ist, als eine um einen Cylinder
-gewundene schiefe Ebene, und ein gegen diese geleisteter Widerstand
-theilweise wirkungslos an der schiefen Ebene abgleitet, so daß eine
-auf die Schraube wirkende Kraft einem weit größeren Gegendrucke das
-Gleichgewicht halten kann. Bei der Schraube verhält sich die Kraft zu
-dem Widerstande oder der Last, der sie das Gleichgewicht zu halten
-vermag, wie die Höhe des Schraubenganges zu dem Umfange der Spindel.
-Hat also eine solche Schraube einen Durchmesser von 1 Centimeter, und
-ist jeder Schraubengang 1 Millimeter hoch, so vermag sie mit einem
-Kraftaufwande von nur 1 Pfund einen Druck von 31½ Pfunden auszuüben. Um
-die Reibung zu vermindern, welche die Wirkung der Schraube schwächen
-muß, pflegt man sie sich in einer Schraubenmutter bewegen zu lassen,
-d. h. in einem hohlen Cylinder, an dessen innerer Fläche sich genau
-dieselbe schiefe Ebene, vertieft oder eingeschnitten, hinaufwindet.
-Man kann auch die Schraubenspindel fest machen und die Schraubenmutter
-sich daran auf und nieder bewegen lassen. Darauf beruhen die
-Buchbinderpresse und die Kartenpresse. Man kann natürlich auch die
-Schraube benutzen, um schwere Lasten zu heben, freilich wird bei jedem
-Umgang der Schraube die Last nur um die Höhe des Schraubenganges
-gehoben werden.
-
-=110. Warum= kann man mit dem Pfropfenzieher den Kork aus einer Flasche
-ziehen?
-
-=Weil= der Pfropfenzieher ein schraubenförmig gewundener Keil ist,
-dessen Keilform das Eindringen in den Kork erleichtert, dessen
-Schraubenform aber die Reibung beim Aufwärtsziehen so vergrößert, daß
-der Kork an dem Propfenzieher hängen bleibt.
-
-=111. Warum= kann man mit Hülfe einer vom Dampfe getriebenen Schraube
-ein Schiff bewegen?
-
-=Weil=, wenn die Schraube umgedreht wird, sie mit ihrer schiefen Fläche
-einen Stoß gegen das Wasser ausübt, dessen Wirkung, wenn sie auch wegen
-der schiefen Richtung des Stoßes zum Theil seitwärts verloren geht,
-doch stark genug ist, um durch den Widerstand, den die Wassermasse
-diesem Stoße entgegensetzt, das Schiff vorwärts zu treiben.
-
-[Illustration: Fig. 19.]
-
-=112. Warum= wird die Schraube häufig zu feinen Messungen, namentlich
-zur Messung sehr dünner Gegenstände benutzt, wo alle anderen
-Meßinstrumente nicht mehr ausreichen?
-
-=Weil= jede ganze Umdrehung der Schraube auch eine Hebung oder Senkung
-ihrer Spindel um die Höhe ihres Schraubenganges bewirkt, und wenn man
-sie mit einer Scheibe versieht, die an ihrem Umfange mit einer feinen
-Theilung versehen ist, auch jede Umdrehung um einen Theilstrich eine
-Hebung oder Senkung um einen entsprechenden Theil dieser Höhe bewirken
-muß. Ist der Rand der Scheibe z. B. in 100 Theile getheilt, und zählt
-die Schraube auf jeden Centimeter 100 Schraubengänge, so entspricht
-jede Drehung der Scheibe um einen Theilstrich einer Hebung oder
-Senkung der Spindel um 1/10000 Centimeter. Ruht die Schraubenmutter
-also mittelst dreier stählerner Füße auf einer geschliffenen
-Glasplatte, und legt man einen dünnen Gegenstand unter ihre Spindel und
-dreht die Scheibe, bis die Spindel den Gegenstand berührt, so kann man
-an der Größe der Drehung die Dicke des Gegenstandes messen.
-
-[Illustration: Fig. 20.]
-
-=113. Warum= kann ein Arbeiter mit Hülfe eines einfachen Hebebaumes
-einen viele Centner schweren Ballen bewegen?
-
-=Weil= dieser Hebebaum ein sogenannter Hebel und zwar ein zweiarmiger
-Hebel ist, dessen Stützpunkt ein dem zu hebenden Ballen möglichst nahe
-untergeschobener Klotz oder Stein ist, und an welchem eine Kraft um
-so mehr leistet, in je weiterer Entfernung vom Stützpunkt sie wirkt.
-Indem der Mann den Hebebaum an einem Ende niederdrückt, um am anderen
-Ende die Last zu heben, dreht er die Stange um ihren Stützpunkt (~c~).
-Das entferntere Ende beschreibt dabei einen größeren Bogen als das
-nähere, und zwar einen genau so viel größeren, als die Entfernung des
-Angriffspunktes vom Stützpunkt (~ac~) größer ist, als die Entfernung
-der Last vom Stützpunkt (~cb~). Die Leistung einer Kraft oder eine
-Arbeit wird aber gemessen durch das Produkt aus dem zu überwindenden
-Widerstande und dem zurückgelegten Wege. Um so viel kleiner der Weg, um
-so größer kann also der Widerstand oder die zu hebende Last sein. Am
-Hebel halten sich also Kraft und Last das Gleichgewicht, wenn sie sich
-umgekehrt wie die Abstände ihrer Angriffspunkte vom Stützpunkt oder,
-wenn man diese Abstände Hebelarme nennt, umgekehrt wie die Hebelarme
-verhalten. Ist der Hebebaum 2 Meter lang und der Klotz ¼ Meter vom
-Ballen untergeschoben, so kann der Arbeiter diesen Ballen mit einem
-Kraftaufwande von 50 Pfund in Bewegung setzen, wenn derselbe auch 4
-Centner wöge.
-
-[Illustration: Fig. 21.]
-
-=114. Warum= müssen die beiden Arme einer Wage genau gleich lang sein?
-
-=Weil= bei der Wage zwei gleiche Gewichte einander das Gleichgewicht
-halten sollen, die Wage aber ein zweiarmiger Hebel ist, an welchem
-zwei gleiche Gewichte nur dann im Gleichgewicht sein können, wenn
-sie auch in gleichem Abstande vom Drehpunkt wirken. Wären die Arme
-der Wage ungleich, so würde schon ein kleines Gewicht am längeren
-Arme hinreichen, einem größeren am kürzeren Arme das Gleichgewicht zu
-halten. Gleichwohl kann man auch auf einer unrichtigen Wage richtig
-wägen. Man legt nämlich zuerst auf die eine Schale der Wage den zu
-wägenden Körper, auf die andere so viele Gewichte oder Schrotkörner,
-als nöthig sind, um das Gleichgewicht herzustellen, nimmt dann
-den Körper selbst weg und ersetzt ihn durch Gewichte. Die Größe
-dieser letzteren bestimmt das Gewicht des Körpers. Man nennt dieses
-Verfahren Tariren. In Haushaltungen bedient man sich jetzt häufig der
-sogenannten _Roberval_'schen Tafelwage (Fig. 21), die den Vorzug großer
-Bequemlichkeit hat, wenn sie auch keine sehr genauen Wägungen zuläßt.
-Bei dieser stehen die Schalen über dem Wagebalken, der gewöhnlich in
-einem Kasten verborgen ist. Die Träger der Schalen ruhen auf scharfen
-Schneiden (~C~ und ~D~) des Wagebalkens, sind aber zugleich unten durch
-ein Querstück (~AB~) beweglich verbunden, das sich um einen festen
-Stift (~Q~) dreht, der genau senkrecht unter dem Aufhängepunkte (~O~)
-des Wagebalkens steht. Dadurch sind die Träger gezwungen, bei den
-Schwankungen der Wage stets in senkrechter Stellung zu bleiben.
-
-[Illustration: Fig. 22.]
-
-=115. Warum= kann man bei der Schnellwage mit demselben Gewichte
-verschiedene Lasten wägen?
-
-=Weil= die Schnellwage (Fig. 22) ein ungleicharmiger Hebel ist, an
-dessen längerem Arme das Gewicht verschoben wird, welches daher in
-verschiedenen Abständen vom Drehpunkt auch verschiedenen Lasten am
-kürzeren Arme das Gleichgewicht halten muß. Ist der längere Arm mit
-Theilstrichen versehen, deren Abstände der Länge des kürzeren Armes
-gleich sind, so wird das Laufgewicht am 2ten Theilstrich der 2fachen,
-am 3ten der 3fachen, am 10ten der 10fachen Last am kurzen Arme das
-Gleichgewicht halten.
-
-[Illustration: Fig. 23.]
-
-Bequemer und genauer ist die Brückenwage oder Decimalwage (Fig. 23),
-welche auf einer Verbindung von zwei einarmigen und einem zweiarmigen
-Hebel beruht. Bei dieser wird die Last nicht aufgehängt, sondern auf
-eine sogenannte Brücke (~ac~) gelegt, welche an einem Ende mittelst
-einer Stange (~ch~) an den Wagebalken gehängt ist, und zwar in einem
-Abstand vom Drehpunkte (~o~) desselben, der genau 1/10 von dem Abstande
-(~og~) ist, in welchem die Wagschale mit dem zur Wägung dienenden
-Gewichte hängt. Das andere Ende der Brücke ruht auf einem einarmigen
-Hebel (~de~), welcher mittelst einer Stange (~df~) ebenfalls an den
-Wagebalken gehängt ist. Die Aufhängepunkte an dem Wagebalken und die
-Stützpunkte der beiden einarmigen Hebel sind so gewählt, daß zwischen
-~ho~ und ~fo~ genau dasselbe Verhältniß besteht wie zwischen ~me~ und
-~de~. Die Folge davon ist, daß die ganze Wirkung der Last in dem Punkt
-~c~ vereinigt ist, gerade als ob die ganze Last an der Zugstange ~ch~
-angehängt wäre. Da sie also hier an einem Hebelarme wirkt, der an Länge
-von dem Hebelarme, an welchem das Gewicht hängt, um das Zehnfache
-übertroffen wird, so wird ihr auch durch 1/10 ihres Gewichts das
-Gleichgewicht gehalten. Ein Gewicht von 1 Pfund wägt an dieser Wage
-also eine Last von 10 Pfund.
-
-[Illustration: Fig. 24.]
-
-=116. Warum= hebt man eine auf einer Schiebkarre liegende Last leichter
-auf, als wenn man sie vom Boden aufheben soll?
-
-=Weil= auch die Schiebkarre ein Hebel ist und zwar ein sogenannter
-einarmiger, dessen Stützpunkt am Ende desselben in der Axe des Rades
-liegt, und bei dem die Last dem Stützpunkt möglichst nahe angebracht
-ist, während die hebende Kraft am äußersten Ende wirkt. Auch hier
-beschreiben Last und Kraft bei der Drehung des Hebels in dem Maße
-verschiedene Bogen, als ihre Abstände vom Stützpunkt verschieden sind.
-Auch hier hält also die Kraft einer Last das Gleichgewicht, wenn ihr
-Verhältniß zu einander das umgekehrte der entsprechenden Hebelarme ist.
-
-[Illustration: Fig. 25.]
-
-=117. Warum= darf man eine Last nicht in die Mitte einer Tragstange
-hängen, welche zwei Menschen auf ihren Schultern oder in den Händen
-zwischen sich tragen, wenn diese Träger nicht gleich an Kraft sind, der
-eine etwa ein Knabe, der andere ein Mann ist?
-
-=Weil= jeder dieser Träger an einem einarmigen Hebel trägt, dessen
-Stützpunkt auf der Schulter oder in der Hand des Andern liegt, und weil
-also die schwächere Kraft gegen die stärkere im Nachtheil sein würde,
-wenn sie nicht in einer größeren Entfernung von der Last als jene
-anzugreifen hätte. Wenn der Mann anderthalb mal so stark ist als der
-Knabe, so muß an einer 2½ Meter langen Stange die Last 1 Meter von dem
-Manne, 1½ Meter von dem Knaben entfernt hängen, wenn die Kraft beider
-in gleichem Verhältniß in Anspruch genommen werden soll.
-
-=118. Warum= sind an Kaffeemühlen, Kaffeetrommeln, Schleifsteinen,
-Drehorgeln etc. besondere Handhaben oder Kurbeln zum Drehen angebracht?
-
-=Weil= diese Kurbeln nichts anderes als Hebel sind, an deren äußerstem
-Ende die Kraft der Hand wirkt, während sich die Last am Anfang einer
-Welle von kleinem Durchmesser, also sehr nahe am Drehpunkt befindet,
-und weil daher zur Bewegung oder Umdrehung dieser Last grade so
-viel weniger Kraft erforderlich ist, als die Länge der Kurbel den
-Durchmesser der Welle übertrifft.
-
-[Illustration: Fig. 26.]
-
-=119. Warum= kann man mit Hülfe der Winde viel leichter einen Eimer
-voll Wasser aus einem Schöpfbrunnen ziehen als mit der Hand?
-
-=Weil= die Winde ebenfalls ein Hebel ist, an dessen längerem Arme,
-der Kurbel oder den Speichen eines Rades, die Kraft wirkt, während an
-dem kürzeren Arme die heraufziehende Last wirkt. An Arbeit wird dabei
-nichts gespart; denn was an Kraft gewonnen wird, geht an Weg und Zeit
-verloren. Um so viel die Kraft kleiner ist als die Last, um so viel ist
-der Kreis, welchen die Hand an der langen Kurbel beschreibt, größer als
-der Umfang der Welle, um welche sich das Seil mit der daran hängenden
-Last aufwindet. Die Arbeit ist nur anders eingerichtet und gleichsam
-vertheilt, so daß sie mit geringeren Kraftmitteln ausgeführt werden
-kann.
-
-=120. Warum= müssen die Wagen Räder haben, und warum fährt man nicht
-auch ohne Schnee mit Schlitten?
-
-=Weil= das Rad, indem es nur mit wenigen Punkten den Boden berührt,
-die der Fortbewegung entgegenwirkende Reibung am Boden bedeutend
-vermindert, was bei Schnee nicht nöthig ist, da dieser theils die
-Unebenheiten des Weges ausgleicht, theils durch die Glätte, die er
-in Folge des Druckes annimmt, nur geringe Reibung verursacht; weil
-aber auch zugleich jedes Rad wie ein Hebel wirkt, da die Zugkraft der
-Pferde an dem Umfange der Räder wirkt, während die Last an der Axe den
-Widerstand leistet. Die Last, welche die Pferde zu überwinden haben,
-ist übrigens nicht eigentlich das Gewicht des Wagens und seiner Ladung,
-da dieses von dem Boden getragen wird, sondern die Reibung an der Axe,
-welche freilich nicht blos durch die Unebenheiten des Bodens, sondern
-auch durch das Gewicht des Wagens vermehrt wird.
-
-=121. Warum= werden Dampfwagenzüge auf Eisenbahnen im Winter oft durch
-Glatteis aufgehalten?
-
-=Weil= bei der Locomotive keineswegs eine ähnliche Zugkraft vorhanden
-ist, wie bei dem vom Pferde gezogenen Wagen, die Räder vielmehr nur
-eine umdrehende Bewegung erhalten und diese in eine Fortbewegung nur
-durch den Reibungswiderstand verwandelt wird, welchen die Räder in
-ihrer Umdrehung an den Schienen finden. Ist dieser Reibungswiderstand
-daher durch Glatteis vermindert, so fehlt auch jeder Stoß zur
-Fortbewegung und die Räder drehen sich nur um sich selbst.
-
-[Illustration: Fig. 28.]
-
-=122. Warum= pflegt man zum Emporziehen der Balken auf neu errichtete
-Gebäude sich eines Flaschenzuges (Fig. 28) statt eines einfachen Seiles
-zu bedienen?
-
-[Illustration: Fig. 27.]
-
-=Weil= ein solcher Flaschenzug aus mehreren Paaren fester und
-beweglicher Rollen besteht, und jedes solches Rollenpaar wie ein
-Hebel wirkt und dadurch die Hebung der Last erleichtert. Sowohl
-der oben befestigte Kloben, als der unten mit der Last verbundene
-bewegliche enthält nämlich 3 oder mehr Rollen, um welche abwechselnd
-das Seil geschlungen ist, an dem die Last gezogen werden soll. Eine
-bewegliche Rolle (Fig. 27) aber, wie sie jede der in dem untern Kloben
-befindlichen Rollen darstellt, ist gleichsam ein einarmiger Hebel, in
-dessen Mitte (~c~) die Last hängt, während die ziehende Kraft an dem
-einen Ende (~b~), der Stützpunkt am andern Ende (~a~) sich befindet.
-Jede solche Rolle gestattet also die Last mit dem halben Kraftaufwande
-zu heben. Sind demnach 3 solcher Rollen vorhanden, so wird nur der 6ste
-Theil der Kraft nöthig sein, die Last zu heben. Allerdings entspricht
-auch hier der Verminderung der Kraft eine Verlängerung des Weges. Für
-jeden Meter, um den die Last gehoben wird, muß jedes der 6 Seile,
-welche die Rollen umschlingen, sich um 1 Meter verkürzen, das Seil
-also, an welchem das Pferd zieht, sich um 6 Meter verlängern, und das
-Pferd die Last 6 Meter weit ziehen.
-
-
-
-
-Fall, Pendel und Centralbewegung.
-
-
- Die Bewegung eines fallenden Körpers ist eine gleichmäßig
- beschleunigte, da die Schwerkraft der Erde in jedem
- Augenblicke gleichmäßig auf den bewegten Körper fortwirkt. Die
- Geschwindigkeit eines fallenden Körpers nimmt daher in gleichem
- Verhältnisse mit der Dauer des Falles zu. Der von dem fallenden
- Körper durchlaufene Raum wächst aber in größerem Verhältniß,
- da mit der von Moment zu Moment wachsenden Geschwindigkeit
- er auch immer größere Räume durchfallen muß. In der ersten
- Sekunde fällt ein Körper erfahrungsmäßig durch 4,905 Meter
- oder 15-5/8 preußische Fuß. In 2 Sekunden durchfällt er den
- 4fachen, in 3 Sekunden den 9fachen Raum etc. Ueberhaupt wächst
- der durchfallene Weg wie das Quadrat der Zeit. Die am Ende der
- ersten Sekunde erlangte Geschwindigkeit ist so groß, daß damit
- das Doppelte des in der ersten Sekunde zurückgelegten Weges
- durchlaufen werden würde. Ebenso verhält es sich am Ende jeder
- folgenden Sekunde. Die Endgeschwindigkeit beträgt also nach
- der ersten Sekunde 2 × 4,905 = 9,81 Meter oder 31¼ preußische
- Fuß, nach der zweiten Sekunde 2mal, nach der dritten Sekunde
- 3mal 9,81 Meter etc. Diese Gesetze des Falles, die vollkommen
- freilich nur für den Fall im luftleeren Raume gelten, sind
- zuerst von _Galilei_ im Jahre 1602 aufgefunden und nachgewiesen
- worden.
-
- Ein geworfener Körper folgt gleichfalls den Gesetzen des
- Falles. Aber seine Bewegung setzt sich aus der gleichförmigen
- Bewegung, welche ihm durch den Stoß ertheilt wird, und der
- beschleunigten Bewegung des Falles zusammen. Der Weg des
- geworfenen Körpers ist darum immer eine krumme Linie, eine
- sogenannte Parabel.
-
- Auch die Bewegung eines Pendels oder die Schwingung eines
- an einem Faden aufgehängten schweren Körpers ist nur eine
- Fallbewegung. Die Dauer der Schwingungen eines Pendels ist
- daher nicht von der Natur des Stoffes, aus welchem es besteht,
- auch nicht von der Weite der Schwingungsbogen, sondern nur
- von der Länge des Pendels abhängig. Ein 4mal längeres Pendel
- schwingt 2mal, ein 9mal längeres 3mal langsamer.
-
- Wird ein Körper an einem Faden geschwungen oder durch irgend
- eine Kraft beständig nach einem Punkte gezogen und zugleich
- durch einen Stoß nach einer andern Richtung fortgetrieben,
- so wird der Körper gezwungen, eine krummlinige Bahn zu
- durchlaufen, und zwar ist diese Bahn eine kreisförmige, wenn
- die anziehende Kraft stets gleichmäßig wirkt, da der Körper
- immer in der gleichen Entfernung von dem anziehenden Punkte
- gehalten wird. Hört die anziehende Kraft zu wirken auf, oder
- wird sie von der forttreibenden Kraft überwunden, läßt man
- also den Faden los, oder zerreißt er, so fliegt der Körper
- fort und zwar in einer Richtung, welche senkrecht zur Richtung
- des Fadens im Augenblicke des Zerreißens ist. Man nennt diese
- Bewegung Centralbewegung, die anziehende Kraft Ziehkraft
- oder Centripetalkraft, die forttreibende Fliehkraft, auch
- Schwungkraft oder Centrifugalkraft. Im Großen zeigen uns diese
- Centralbewegung die Erde und die Planeten in ihrer Bewegung um
- eine Axe, wie in ihrer Bahnbewegung um die Sonne.
-
-=123. Warum= kann in tiefen Schächten das Herabfallen eines kleinen
-Steines gefährlich werden?
-
-=Weil= die Geschwindigkeit des fallenden Steines unter dem Einfluß der
-beschleunigenden Kraft der Schwere beständig wächst und bei bedeutender
-Fallhöhe eine solche Gewalt erlangen kann, daß der Stein trotz seiner
-geringen Masse zerschmetternd wirkt. Fällt ein Stein durch einen 300
-Meter tiefen Schacht, so hat er schließlich eine Geschwindigkeit von
-ca. 76 Metern in der Sekunde erlangt, die doppelt so groß ist, als die
-des heftigsten Orkans.
-
-=124. Warum= muß man den Lauf einer Büchse nicht auf das Ziel selbst,
-sondern auf einen etwas höher gelegenen Punkt richten, wenn man aus
-weiter Entfernung schießt und das Ziel treffen will?
-
-=Weil= die abgeschossene Kugel niemals in grader Linie fortfliegt,
-sondern, da beständig die Zugkraft der Schwere auf sie wirkt,
-allmählich in einem Bogen sich zur Erde herabsenkt. Eine Büchsenkugel,
-die mit etwa 470 Meter Geschwindigkeit den Lauf verläßt, fällt auf eine
-Schußweite von 48 Meter, die sie in 1/10 Sekunde durchfliegt, etwa um 4
-Centimeter. Auf einen um ebenso viel über dem Ziel liegenden Punkt muß
-daher auch visirt werden.
-
-=125. Warum= bedient man sich ganz allgemein des Pendels zur Regelung
-der Uhren?
-
-=Weil= wegen der unveränderlichen Größe der Schwere an demselben Orte
-der Erde die Schwingungen desselben Pendels in genau gleichen Zeiten
-geschehen und diese gleichdauernden Schwingungen auf die Bewegung
-des Räderwerks übertragen werden. Diese Uebertragung geschieht durch
-einen an der Pendelstange befestigten Doppelhaken, die sogenannte
-Hemmung, dessen Spitze abwechselnd in die Zähne eines Rades eingreifen
-und dadurch bewirken, daß das Rad erst nach jeder vollendeten
-Pendelschwingung um einen Zahn weiterrücken kann. Die Benutzung dieses
-Pendels zur Regelung der Uhren rührt von dem holländischen Physiker
-_Huyghens_ her, der im Jahre 1658 die erste Pendeluhr herstellte.
-
-=126. Warum= pflegt eine Pendeluhr im Sommer nachzugehen?
-
-=Weil= das Pendel in Folge der Ausdehnung durch die Wärme sich etwas
-verlängert, das längere Pendel aber langsamer schwingt, und darum auch
-der Gang des ganzen Uhrwerks, der durch die Pendelschwingungen regulirt
-wird, ein langsamerer werden muß.
-
-=127. Warum= muß man das Pendel einer Berliner Uhr am Aequator
-verkürzen, wenn die Uhr richtig gehen soll?
-
-=Weil= die Geschwindigkeit der Pendelschwingungen von der Schwerkraft
-der Erde abhängt, die Schwerkraft aber wegen der Anschwellung der Erde
-am Aequator hier schwächer wirkt als unter höheren Breiten, und die
-Schwingungen des Pendels darum auch langsamer sein müssen. Damit sie
-wieder schneller und den bei uns stattfindenden gleich werden, muß also
-das Pendel etwas gekürzt werden. Ein Secundenpendel, d. h. ein Pendel,
-das genau in jeder Sekunde eine Schwingung macht, hat bei uns (unter
-52½ Grad Breite) eine Länge von 0,994 Meter, am Aequator aber eine
-Länge von 0,991 Meter.
-
-=128. Warum= wird ein Ball, den man an einen Faden bindet und,
-nachdem man ihn schnell im Kreise geschwungen, losläßt, viel weiter
-geschleudert, als wenn man ihn mit der Hand wirft?
-
-=Weil= auf den am Faden geschwungenen Ball die Fliehkraft wirkt, die
-bei dem Wurfe mit der Hand nicht thätig ist, und weil diese Fliehkraft
-mit der Länge des Fadens und der Geschwindigkeit des Umschwungs wächst.
-
-=129. Warum= spritzen die Räder eines schnell fahrenden Wagens?
-
-=Weil= durch den schnellen Umschwung der Räder Fliehkraft erzeugt wird,
-welche am stärksten am Umfange der Räder wirkt und hier die Adhäsion
-der damit in Berührung kommenden Körper, wie der Wassertheilchen oder
-des Straßenkoths, überwindet und diese Körper darum fortschleudert.
-Auf derselben Erscheinung beruhen auch die verschiedenen
-Centrifugalmaschinen, deren man sich zum Trocknen der Wäsche, zum
-Ausschleudern des Honigs aus den Wachsscheiben, oder in Zuckerfabriken
-zum Reinigen des Zuckers vom anhängenden Syrup bedient. Es sind im
-Wesentlichen siebförmig durchlöcherte Trommeln, durch deren Oeffnungen
-in Folge eines heftigen Umschwungs die Flüssigkeiten ausgeschleudert
-werden, während die festen Körper -- die Wäsche, das Wachs, die
-Zuckerkrystalle -- zurückbleiben.
-
-=130. Warum= fließt aus einem mit Wasser gefüllten Glase, das man
-in einen Reifen stellt, das Wasser nicht aus, wenn man diesen Reifen
-schnell im Kreise schwingt, obgleich dabei die Oeffnung des Glases nach
-unten gekehrt wird?
-
-=Weil= die durch den Umschwung erzeugte Fliehkraft, die das Wasser
-im Glase nach außen, also gegen den Boden des Glases treibt, der
-Schwerkraft entgegenwirkt, und diese bei hinreichender Geschwindigkeit
-des Umschwungs völlig überwunden wird. Man hat sogar sogenannte
-Centrifugalfahrbahnen eingerichtet, welche einen senkrecht stehenden
-Kreis bilden, so daß die darauf fahrenden Personen mit dem Kopf nach
-unten zu stehen kommen. Der Wagen mit der darin sitzenden Person geht
-zuerst in einer sehr steilen Bahn abwärts, bevor er in die Kreisbahn
-kommt, damit er hinreichende Schwungkraft erlange. Denn je größer die
-Geschwindigkeit, desto eher überwiegt die Centrifugalkraft das Gewicht
-des Wagens und der darin sitzenden Person, und desto sicherer und
-gefahrloser ist die Fahrt.
-
-=131. Warum= muß ein Dampfwagenzug bei starken Krümmungen der Bahn
-langsam fahren?
-
-=Weil= mit der Geschwindigkeit die Schwungkraft wachsen würde, die
-ein sich in solcher Krümmung bewegender Zug erlangt, und weil diese
-Schwungkraft den Zug aus den Schienen schleudern würde, Um den
-Wirkungen der Schwungkraft entgegenzutreten, legt man indeß an solchen
-Krümmungen die äußere Schiene etwas höher als die innere und zwar um so
-mehr, je stärker die Krümmung ist.
-
-=132. Warum= flacht sich auf der Töpferscheibe eine weiche Thonkugel zu
-einer Scheibe ab?
-
-=Weil= durch die schnelle Umdrehung der Töpferscheibe alle Theilchen
-der Thonkugel das Bestreben erhalten, sich nach außen zu entfernen,
-und sie auch, wenn ihre Zusammenhangskraft nicht groß genug wäre,
-hinweggeschleudert werden würden. Durch das Zusammenwirken der
-Schwungkraft und der Cohäsionskraft werden die Theilchen gezwungen,
-eine abgeplattete Kugel zu bilden, die bei großer Schnelligkeit der
-Umdrehung fast die Form einer Scheibe annimmt. Auch die abgeplattete
-Kugelgestalt unserer Erde wird einem früheren Flüssigkeitszustande
-derselben und der Einwirkung der Axendrehung zugeschrieben.
-
-
-
-
-Gleichgewicht und Bewegung flüssiger Körper.
-
-
- Die flüssigen Körper unterscheiden sich von den festen
- durch die größere Verschiebbarkeit ihrer Theile. Sie können
- niemals wie diese eine ihnen eigenthümliche Gestalt besitzen,
- sondern müssen die Form des Gefäßes annehmen, von welchem sie
- eingeschlossen sind. Nur sehr kleine Flüssigkeitsmassen zeigen
- das Bestreben, die Kugelform anzunehmen, und bilden Tropfen.
- Größere Flüssigkeitsmassen stellen an ihrer Oberfläche eine
- wagerechte Ebene dar.
-
-[Illustration: Fig. 29.]
-
-=133. Warum= steht Wasser oder irgend eine andere Flüssigkeit in zwei
-Gefäßen gleich hoch, wenn diese so mit einander verbunden sind, daß die
-Flüssigkeit frei aus dem einen in das andere treten kann?
-
-=Weil= der Druck des Wassers in dem einen Gefäße genau so groß sein
-muß, als der Druck des Wassers in dem andern, und dies nicht anders
-der Fall sein kann, als wenn das Wasser in Beiden gleich hoch steht.
-Da nämlich das Wasser, wie jeder andere Körper, das Bestreben hat, zu
-fallen, bis es am weiteren Fallen gehindert wird, so würde, wenn das
-Wasser in dem einen Gefäße höher stünde als in dem andern, Ersteres
-auf das in der Verbindungsröhre befindliche Wasser einen größeren
-Druck ausüben als das Wasser in dem andern Gefäße, in welchem es
-niedriger stünde. Die Folge davon würde sein, daß das Wasser in dem
-ersteren Gefäße so lange Wasser aus der Verbindungsröhre in das andere
-Gefäß drängen würde, bis der Druck des Wassers in beiden Gefäßen auf
-das Wasser in der Verbindungsröhre gleich wäre, d. h. das Wasser in
-beiden Gefäßen gleich hoch stünde. So verbundene Gefäße nennt man
-communicirende Gefäße (oder Röhren).
-
-[Illustration: Fig. 30.]
-
-=134. Warum= springt das Wasser aus der kürzeren von zwei
-communicirenden Röhren heraus, wenn der Stand des Wassers in der
-längeren höher als die kürzere Röhre ist?
-
-=Weil= das Gleichgewicht des Wassers nicht hergestellt ist, so lange
-das Wasser in der einen Röhre höher steht als in der anderen, und
-der Druck des Wassers in der längeren Röhre daher so lange aus der
-Verbindungsröhre in die kürzere drängen muß, bis es in beiden gleich
-hoch steht. Da nun aber die Höhe der kürzeren Röhre nicht ausreicht,
-um das Wasser zu fassen, so muß es nothwendig oben herausspringen
-und zwar, wenn die Reibung an den Wänden der Röhre, an den Rändern
-der Ausflußöffnung und der Widerstand der Luft nicht hinderlich
-wären, genau so hoch, daß die Höhe des Wasserstrahles der Höhe des
-Wasserstandes in der längeren Röhre gleichkäme.
-
-=135. Warum= springt das Wasser aus den sogenannten Springbrunnen so
-hoch empor?
-
-=Weil= auch Springbrunnen nur communicirende Röhren sind, die
-das Wasser aus höher gelegenen Behältern der tiefer gelegenen
-Springbrunnenöffnung zuführen, und daher der Druck der gesammten
-Wassermasse, welche sich über dem Niveau dieser Oeffnung befindet, das
-Wasser hinaustreibt.
-
-=136. Warum= kann man ein mit Wasser angefülltes, gehörig
-verschlossenes Faß, in das man eine 6 bis 9 Meter lange Röhre
-festkittet, und zwar so, daß sie mit dem Wasser im Fasse in Verbindung
-steht, sprengen, sobald man in diese Röhre Wasser hineingießt?
-
-=Weil= der durch das Wasser in der Röhre auf das im Fasse befindliche
-Wasser verursachte Druck sich nicht nur den Wassertheilchen mittheilt,
-die unmittelbar unter der Röhre liegen, sondern durch dieselben sich
-auch gleichmäßig nach allen Richtungen auf alle darunter und daneben
-befindlichen Theilchen fortpflanzt. Da nun das Wasser im Fasse keinen
-Raum findet, wohin es, durch den Druck des Wassers der Röhre gedrängt,
-ausweichen könnte, so muß es auf die Wände des Fasses drücken und
-diese, wenn sie nicht stark genug sind, auseinandertreiben.
-
-=137. Warum= zerspringen Flaschen, wenn sie mit Wasser oder Wein bis an
-den Rand gefüllt sind, und man dann einen Kork auf die Mündung aussetzt
-und mit einem leichten Schlage einzutreiben versucht?
-
-=Weil= auch ein von außen geübter Druck nach allen Richtungen durch
-die ganze Flüssigkeitsmasse sich fortpflanzt und daher auch auf die
-Wände der Flasche wirkt, die ihrer Zerbrechlichkeit wegen einem solchen
-Schlage nicht widerstehen können. Man muß daher beim Füllen von
-Weinflaschen die Vorsicht üben, stets eine zollhohe Luftschicht über
-dem Weine zu lassen, durch deren leichte Zusammendrückbarkeit jede
-Gefahr beseitigt wird.
-
-[Illustration: Fig. 31.]
-
-=138. Warum= kann ein mit Wasser gefüllter Cylinder dadurch in drehende
-Bewegung versetzt werden, daß man unten in der Nähe des Bodens mehrere
-Röhren anbringt, die sämmtlich nach derselben Seite hin umgebogen sind,
-und durch welche das Wasser ausfließt?
-
-=Weil=, wenn das Wasser aus einer solchen umgebogenen Röhre ausfließt,
-es nur auf die gegenüberstehende Wand einen Seitendruck ausübt, und
-das Gefäß daher, wenn es beweglich ist, nach dieser Richtung hin
-ausweichen muß. Da der Druck des ausfließenden Wassers bei allen diesen
-Röhren nach derselben Richtung wirkt, so muß eine Drehung des Gefäßes
-erfolgen. Darauf beruht das sogen. _Segner_'sche Wasserrad. (Fig. 31.)
-
-[Illustration: Fig. 32.]
-
-=139. Warum= ist der Druck des Wassers auf den Boden in zwei Gefäßen,
-von denen das eine sich nach oben erweitert, das andere nach oben
-verengt, doch völlig gleich, wenn beide eine gleichgroße Bodenfläche
-haben und in beiden das Wasser gleich hoch steht? (Fig. 32.)
-
-[Illustration: Fig. 33.]
-
-=Weil= bei der Verschiebbarkeit der Flüssigkeitstheilchen jedes
-Theilchen nicht blos nach unten, sondern auch nach allen Seiten drückt,
-jedes Theilchen an der Bodenfläche daher den gleichen Druck erleiden
-muß, und der Gesammtdruck auf die Bodenfläche darum nicht von der
-Menge der vorhandenen Flüssigkeit, sondern nur von der Höhe derselben
-und von der Größe der Bodenfläche abhängen kann. Der Druck auf den
-Boden eines Gefäßes ist also unter allen Umständen dem Gewicht einer
-Flüssigkeitssäule gleich, welche den Boden zur Grundfläche und die Höhe
-des Flüssigkeitsspiegels zur Höhe hat. Daraus geht hervor, daß man
-mit einer kleinen Wassermasse einen bedeutend größeren Druck ausüben
-kann, als das Gewicht der Wassermasse beträgt. Man macht davon bei
-der _Real_'schen Presse (Fig. 33) zum Auspressen von Pflanzensäften
-Gebrauch, indem man in ein oben verschlossenes starkwandiges Gefäß eine
-sehr dünne Röhre einkittet, und diese mit Wasser füllt. Der Druck ist
-dabei so stark, als ob das Gefäß selbst die ganze Höhe der Röhre hätte
-und mit Wasser gefüllt wäre.
-
-=140. Warum= werden leere Flaschen, die man in bedeutende Meerestiefe
-hinabsenkt, zerdrückt oder mit Wasser gefüllt?
-
-=Weil= nicht blos der Boden und die Seitenwände eines Gefäßes, sondern
-auch jede Stelle im Innern der Flüssigkeit einen Druck erleidet
-und zwar einen Druck, welcher dem Gewichte der darüber stehenden
-Flüssigkeitssäule gleich ist. Jeder Körper, der an Stelle der
-Flüssigkeitstheilchen einen Raum im Innern der Flüssigkeit einnimmt,
-erleidet also denselben Druck, und dieser wird in einer Meerestiefe
-von 400 Metern, wenn man das Gewicht eines Kubikdecimeters Wasser zu
-2 Pfund annimmt, auf jeden Quadratmeter Fläche 800000 Pfund betragen.
-Natürlich kann eine Flasche einem solchen Drucke nicht widerstehen,
-sondern wird entweder zerdrückt, oder es wird der Pfropfen, durch den
-sie verschlossen ist, in dieselbe hineingetrieben. Wegen dieses Druckes
-können auch Thiere in großen Meerestiefen nicht mehr leben.
-
-[Illustration: Fig. 34.]
-
-=141. Warum= kann man vermittelst einer hydraulischen Presse bei
-Anwendung einer sehr mäßigen Kraft einen ungeheuren Druck ausüben?
-
-=Weil= sich der Druck, der hier auf eine Flüssigkeitssäule von geringem
-Durchmesser ausgeübt wird, durch eine communicirende Röhre auf eine
-Flüssigkeitssäule von sehr bedeutendem Querschnitt fortpflanzt und
-die Oberfläche derselben nun einen Druck erleidet, der gerade so groß
-ist, als ob jeder Theil derselben dem ursprünglichen Druck ausgesetzt
-gewesen wäre. Diese hydraulische Presse (Fig. 34) besteht nämlich aus
-zwei Cylindern von sehr verschiedenen Querschnitten, welche durch ein
-Rohr mit einander verbunden sind, und in welchen sich Kolben auf und
-nieder bewegen lassen. Der kleinere Cylinder hat die Einrichtung einer
-Druckpumpe, und durch das Spiel seines Kolbens wird Wasser in den
-hohlen Raum des andern Cylinders getrieben, das nun hier den Kolben
-desselben in die Höhe schiebt. In demselben Verhältniß, in welchem der
-Querschnitt des Druckkolbens von der untern Fläche des Preßkolbens
-übertroffen wird, in demselben Verhältniß wird auch die Kraft, mit
-welcher man den Druckkolben niederdrückt, von der Kraft übertroffen,
-mit welcher der Preßkolben gehoben wird. Beträgt z. B. der Querschnitt
-des Druckkolbens 1 □Centimeter, der des Preßkolbens 100 □Centimeter,
-und wendet man zum Niederdrücken des Druckkolbens eine Kraft von 50
-Pfund an, so wird zunächst der Druck, den der Druckkolben erfährt, da
-er durch Vermittelung eines Hebels ausgeübt wird, beispielsweise um das
-6fache vermehrt, und die Fläche des Preßkolbens erleidet also einen
-Druck von 100 × 300 Pfund oder 30000 Pfund. Bekanntlich werden solche
-Pressen besonders zum Pressen von Tuch und Papier, zum Auspressen
-von Oelsamen und zum Heben und Fortschieben großer Lasten angewandt.
-(Hydraulische Aufzüge!)
-
-=142. Warum= sinken manche Körper im Wasser unter, während andere auf
-demselben schwimmen und nur mit Gewalt in dasselbe hineingedrückt
-werden können?
-
-=Weil= ein Körper im Wasser nur dann dem Drucke des Wassers das
-Gleichgewicht halten kann, wenn sein Gewicht dem einer Wassermenge von
-gleichem Rauminhalt oder Volumen gleich ist. Körper, deren Gewicht
-größer ist, als das Gewicht des gleichen Volumens Wasser, oder die
-specifisch schwerer sind als das Wasser, müssen untersinken, da der
-Gegendruck des Wassers ihnen nicht widerstehen kann. Körper aber, deren
-Gewicht geringer ist, als das der gleichen Raummenge Wasser, oder die
-specifisch leichter sind, schwimmen auf demselben, weil ihr Druck
-geringer ist als der Gegendruck des Wassers.
-
-=143. Warum= tritt das Oel, auf welches man Wasser oder eine andere
-Flüssigkeit gießt, auf die Oberfläche des Wassers oder der Flüssigkeit
-und schwimmt oben auf?
-
-=Weil= Oel weniger wiegt als eine gleich große Menge Wasser, oder mit
-anderen Worten, weil Oel ein geringeres specifisches Gewicht hat als
-Wasser, und daher das auf das Oel gegossene Wasser, weil es von dem
-Oele nicht getragen werden kann, auf den Boden des Gefäßes sinken
-muß. Es folgt zugleich daraus, daß, wenn mehrere Flüssigkeiten, z. B.
-drei, zusammengegossen würden, die specifisch schwerste zu unterst,
-die specifisch leichteste oben auf, die Flüssigkeit von mittlerem
-specifischen Gewichte aber sich in der Mitte zwischen Beiden lagern
-würde.
-
-=144. Warum= schwimmt eine dünne hohle Metallkugel auf dem Wasser?
-
-=Weil= ein Volumen Wasser, das dem Inhalte der Kugel gleich kommt,
-mehr wiegt als die hohle Metallkugel, und sie daher nur so weit in
-das Wasser einsinken kann, bis das Gewicht des dadurch aus der Stelle
-getriebenen Wassers dem der Metallkugel gleich ist. Würde dagegen die
-Metallkugel zusammengedrückt, so würde sie, da sie nun einen bedeutend
-kleinern Raum einnähme, und das Metall selbst specifisch schwerer ist
-als das Wasser, sogleich im Wasser untersinken.
-
-=145. Warum= sinken Glasflaschen, die mit Wasser angefüllt sind, im
-Wasser unter?
-
-=Weil= sie in diesem Falle specifisch schwerer als das Wasser sind,
-da zwar das Wasser im Wasser nicht wiegt, das Glas aber, woraus die
-Flaschen bestehen, specifisch schwerer als Wasser ist. Leere Flaschen
-schwimmen nur deshalb auf dem Wasser, weil sie mit Luft gefüllt
-sind, und ein ihrem Umfange gleiches Volumen Wasser schwerer ist
-als die Glasmasse der Flaschen und die von ihnen Umschlossene Luft
-zusammengenommen.
-
-=146. Warum= kommen Ertrunkene, die einige Tage unter dem Wasser
-gelegen haben, auf die Oberfläche desselben?
-
-=Weil= während dieser Zeit wegen eintretender Fäulniß ihr Körper
-aufschwillt und, da dieses Aufschwellen nur von Luftarten herrührt,
-welche sich durch die Verwesung entwickeln, an specifischem Gewichte
-abnimmt. Im lebenden Zustande ist aber schon der Körper der meisten
-Menschen etwas leichter als das Wasser, und nur beim Ertrinken ist er
-in Folge des eingedrungenen Wassers etwas schwerer geworden. Durch die
-in seinem Innern entwickelten Luftarten muß er daher wieder leichter
-geworden sein als das Wasser und deswegen auf die Oberfläche gehoben
-werden.
-
-=147. Warum= schwimmt das Eis auf dem Wasser?
-
-=Weil= das Eis specifisch leichter als das Wasser ist und daher in
-demselben nicht untersinken kann. Das Wasser hat nämlich die besondere
-Eigenthümlichkeit, daß es beim Festwerden oder Erstarren, statt, wie
-die meisten anderen Körper, sich zusammenzuziehen und dichter zu
-werden, sich ausdehnt. Eine bestimmte Menge Wasser nimmt als Eis einen
-um 1/13 größeren Raum ein. Eis ist also specifisch leichter als Wasser.
-
-=148. Warum= schwimmen Schiffe mit Lasten, die so schwer sind, daß sie,
-für sich allein in das Wasser geworfen, sogleich untersinken würden,
-auf demselben?
-
-=Weil= ein Volumen Wasser, das dem Umfange oder Volumen eines Schiffes
-gleich kommt, mehr wiegt als das Schiff mit allen darin befindlichen
-Lasten, da die große Menge der Luft, welche die Wände des Schiffes
-umschließen, wegen der großen specifischen Leichtigkeit derselben das
-Gewicht der schwereren Lasten mehr als ausgleicht. Der Druck, den das
-Schiff vermöge seiner Schwere auf das Wasser ausübt, vermag daher nicht
-den Gegendruck des Wassers völlig aufzuheben; das Schiff sinkt deshalb
-nur so weit in das Wasser ein, bis es eine seinem Gewichte gleiche
-Menge Wasser aus der Stelle getrieben hat.
-
-=149. Warum= schwimmen Menschen ohne alle Anstrengung auf dem Wasser,
-wenn sie unter den Armen über der Brust große mit Luft gefüllte Blasen
-befestigen?
-
-=Weil= diese mit Luft angefüllten Blasen, welche bei weitem specifisch
-leichter als das Wasser sind, bewirken, daß der ganze Umfang des
-Menschen und der Blasen zusammengenommen weniger wiegt, als eine
-Wassermenge von gleichem Umfange; so daß der Mensch also nicht
-untersinken kann, sondern auf der Oberfläche des Wassers bleibt. Gürtel
-oder Jacken aus Kork bewirken dasselbe.
-
-=150. Warum= fällt auf den Boden der Gefäße, worin manche Flüssigkeiten
-enthalten sind, ein Satz nieder, wenn man sie einige Zeit ruhig stehen
-läßt?
-
-=Weil= die in der Flüssigkeit enthaltenen kleinen festen Körperchen
-ungeachtet ihrer Kleinheit ein größeres specifisches Gewicht haben als
-das Wasser, und daher der Schwerkraft folgend zu Boden sinken, wenn
-nicht der Druck des Wassers durch einen hinzutretenden anderweitigen
-Druck vermehrt wird, der die kleinen Körperchen schwimmend erhält.
-Ein solcher anderweitiger Druck wird aber durch Schütteln, Kochen
-und überhaupt durch jede innere Bewegung der Wassermasse verursacht,
-da die kleinen Körperchen vermöge ihrer Kleinheit von den bewegten
-Wassertheilchen mit fortgerissen und so am Untersinken verhindert
-werden.
-
-=151. Warum= tauchen manche Körper, die auf dem Wasser schwimmen,
-tiefer ein als andere, Eichenholz z. B. tiefer als Fichtenholz?
-
-=Weil= die einen ein größeres specifisches Gewicht als die anderen
-haben, schwerere Körper aber bei gleichem Raumumfang eine größere
-Menge Wasser aus der Stelle treiben müssen, wenn ihrem Drucke das
-Gleichgewicht gehalten werden soll. Ein auf dem Wasser schwimmender
-Körper taucht nämlich stets so tief ein, daß das Gewicht des durch den
-eingetauchten Theil verdrängten Wassers genau dem ganzen Gewichte des
-Körpers gleich ist.
-
-=152. Warum= sinken Schiffe im Flußwasser tiefer ein, als im Meerwasser?
-
-=Weil= das Meerwasser wegen seines Salzgehaltes specifisch schwerer als
-das Flußwasser ist. Da nun feste Körper, die auf dem Wasser schwimmen,
-immer so viel Wasser aus der Stelle treiben, als sie selbst wiegen,
-so braucht natürlich nur eine geringere Menge von Meerwasser aus der
-Stelle verdrängt zu werden als von Flußwasser, um doch das gleiche
-Gewicht zu erhalten. Wird aber weniger Wasser aus der Stelle getrieben,
-so kann das Schiff auch nicht so tief einsinken, als in dem Falle, wenn
-eine größere Menge Wasser aus der Stelle getrieben wird.
-
-=153. Warum= schwimmt ein Hühnerei in starkem Salzwasser, während es in
-süßem Wasser untersinkt?
-
-=Weil= starkes Salzwasser specifisch schwerer als ein Hühnerei, süßes
-Wasser aber specifisch leichter als dasselbe ist, der Druck daher, den
-das Hühnerei auf das Salzwasser ausübt, durch den Gegendruck desselben
-überwältigt wird, so daß es nicht untersinken kann. Im süßen Wasser
-dagegen kann das Ei seiner Schwerkraft ungehindert folgen und sinkt
-deswegen zu Boden, indem sein Druck den Gegendruck des süßen Wassers
-überwindet. Es ergiebt sich zugleich hieraus, daß Salzwasser specifisch
-schwerer als süßes Wasser sein muß.
-
-=154. Warum= steigt das Wasser in einem Gefäße, wenn ein Pfund
-Eisen hineingethan wird, höher, als wenn ein Pfund Blei in dasselbe
-hineingelegt wird?
-
-=Weil= ein Pfund Eisen einen größeren Raumumfang oder ein größeres
-Volumen hat als ein Pfund Blei, und es daher auch mehr Wasser aus der
-Stelle treiben muß als das Blei, das Wasser also im ersteren Falle im
-Gefäße höher steigen muß als im letzteren.
-
-=155. Warum= ist der Branntwein desto besser, je tiefer die
-Branntweinwage in denselben einsinkt, während das Bier desto besser
-ist, je weniger tief die Bierwage in dasselbe einsinkt?
-
-=Weil= der Branntwein desto besser ist, je geringeres specifisches
-Gewicht er hat, was dann der Fall ist, wenn er mehr specifisch
-leichteren Alkohol und weniger specifisch schwereres Wasser enthält;
-weil das Bier aber desto besser ist, je größer sein specifisches
-Gewicht ist, was dann stattfindet, wenn dasselbe mit mehr Malz bereitet
-wurde, also mehr Gummi und Zucker enthält. Ein fester Körper sinkt
-aber um so tiefer in eine Flüssigkeit ein, je geringer das specifische
-Gewicht derselben ist.
-
-=156. Warum= ist das Gewicht der Körper im Wasser leichter als
-außerhalb desselben?
-
-=Weil= alle Körper im Wasser so viel an Gewicht verlieren, als das
-Wasser wiegt, welches sie aus der Stelle treiben, oder mit andern
-Worten, so viel als das Wasser wiegt, dessen Menge hinreichen würde,
-den Raum dieser Körper einzunehmen. Man bezeichnet dieses Gesetz mit
-dem Namen des Archimedischen Prinzips, weil es von _Archimedes_ in
-Sicilien (220 vor Christo) zuerst angewandt sein soll.
-
-=157. Warum= vermag ein Hund einen untergesunkenen Menschen wieder auf
-die Oberfläche des Wassers zurückzubringen und ihn im Wasser bis an das
-Ufer zu schleppen?
-
-=Weil= der Mensch, wie jeder andere Körper, im Wasser an seinem
-Gewichte verliert, und zwar so viel, als ein seinem Körperumfange
-gleiches Volumen Wasser wiegt. Da der Mensch aber meist sogar etwas
-specifisch leichter, selten wenig specifisch schwerer als das Wasser
-ist, so bleibt von seinem Gewichte im Wasser auch im ungünstigsten
-Falle nur so wenig übrig, daß ein Hund es leicht tragen und aus der
-Tiefe emporziehen kann.
-
-=158. Warum= kann ein Hund einen schweren Stein wohl vom Grunde des
-Wassers heraufholen, muß ihn aber über der Oberfläche fallen lassen?
-
-=Weil= der Stein im Wasser so viel weniger wiegt, als das Gewicht des
-von ihm verdrängten Wassers beträgt, er außerhalb desselben aber wieder
-mit seinem ganzen Gewichte drückt.
-
-=159. Warum= vermag man einen in Wasser getauchten Eimer mit dem
-kleinen Finger bis an die Oberfläche des Wassers zu ziehen?
-
-=Weil= ein mit Wasser angefüllter Eimer im Wasser noch leichter ist,
-als ein leerer Eimer außerhalb desselben, da das Gewicht des im Eimer
-befindlichen Wassers durch den Gegendruck des umgebenden Wassers
-aufgehoben wird, also nur noch das Gewicht des Holzes übrig bleibt,
-welches aber bekanntlich geringer ist, als das des Wassers und daher
-vom Wasser getragen wird. Der gefüllte Eimer bietet daher im Wasser gar
-keine Last dar, und es ist beim Aufziehen desselben nur der Widerstand
-der darüber befindlichen Wassertheilchen zu überwinden.
-
-=160. Warum= erhält sich der Mensch auf der Oberfläche des Wassers,
-wenn er mit den Händen oder Füßen gewisse Bewegungen macht, d. h.
-schwimmt?
-
-=Weil= durch die künstlichen Schwimmbewegungen, die in einem Stoß der
-Füße und der flachen Hände gegen das Wasser bestehen, ein hinreichender
-Gegendruck gegen das Wasser geübt wird, um den schon an sich das Wasser
-gar nicht oder wenig an specifischer Schwere übertreffenden Körper
-am Tiefersinken zu verhindern. Da die meisten Menschen 1/9 bis 1/10
-leichter als Flußwasser zu sein pflegen, so können sie auch ruhig auf
-dem Rücken im Wasser liegend, mit über dem Kopf zusammengeschlagenen
-Armen und gespreizten Beinen, ohne die geringste Bewegung sich auf
-der Oberfläche des Wassers erhalten. In jeder andern Lage würde
-freilich das Gesicht unter das Wasser tauchen und dadurch die Athmung
-verhindert werden, wenn nicht durch die Schwimmbewegungen der Kopf
-wieder darüber gehoben würde. Beine, Arme und Kopf haben das größte
-Gewicht unter allen Körpertheilen, wie überhaupt die Knochenmasse das
-Gewicht vermehrt, während die Fettmasse es vermindert; weshalb auch
-fette Menschen leichter schwimmen als magere. Das geringste Gewicht
-hat die Brust wegen der Höhlung, die sie umschließt. Jedes Ein- und
-Ausathmen ist mit einer abwechselnden Erweiterung und Verengung der
-Brusthöhle verbunden und bedingt darum auch ein abwechselndes Heben
-und Sinken des Körpers im Wasser. Die meisten Menschen würden, wenn
-sie in das Wasser fallen, nur bis zur Nase einsinken und darum durch
-Zurücklegen des Kopfes leicht im Stande sein, Mund und Nase über dem
-Wasser zu erhalten, wenn sie nicht in besinnungsloser Angst gewöhnlich
-selbst ihre Rettung dadurch vereitelten, daß sie die Arme über das
-Wasser emporstrecken und so den Kopf zwingen, zur Wiederherstellung des
-Gleichgewichts unterzutauchen.
-
-=161. Warum= können die Fische sich nach Belieben im Wasser auf- und
-abwärts bewegen?
-
-=Weil= sie im Innern ihres Leibes eine lufterfüllte Schwimmblase haben,
-welche sie durch eine Rippenbewegung willkürlich zusammendrücken oder
-erweitern können. Durch Zusammendrücken der Schwimmblase erlangen sie
-aber ein größeres specifisches Gewicht und bewegen sich darum abwärts.
-Durch Erweiterung der Schwimmblase werden sie specifisch leichter und
-bewegen sich deshalb aufwärts. Die Flossen des Fisches unterstützen
-diese Bewegung noch, indem sie mit ihren breiten Flächen den Fisch
-gleichsam nach oben oder unten oder seitwärts fortschnellen.
-
-
-
-
-Gleichgewicht und Bewegung luftförmiger Körper.
-
-
- Die Luft hat die allgemeinen Eigenschaften aller Körper. Sie
- nimmt für sich einen Raum ein und behauptet denselben, so lange
- sie nicht entweichen kann. Sie ist daher ein Körper, obgleich
- sie ihrer Durchsichtigkeit wegen von unseren Augen nicht
- wahrgenommen wird. Als Körper ist sie auch schwer und übt auf
- andere Körper einen Druck aus, der sogar unter Umständen sehr
- bedeutend werden kann.
-
- Von den festen und flüssigen Körpern unterscheidet sich
- die Luft wesentlich durch das Bestreben ihrer Theilchen,
- sich immer weiter von einander zu entfernen oder einander
- abzustoßen. Die Luft kann daher niemals, wie ein flüssiger
- Körper, einen abgeschlossenen Raum nur theilweis erfüllen,
- sondern dehnt sich aus, wenn der Raum erweitert wird, und
- zieht sich zusammen, wenn der Raum verengt wird. Dieselbe
- Luftmenge kann daher jeden, den größten wie den kleinsten Raum
- ganz erfüllen. Ist sie zusammengedrückt worden, so nimmt sie,
- sobald der Druck aufhört, den vorigen Raum wieder ein. Dieses
- wichtige Ausdehnungsvermögen der Luft, das man auch Spannkraft
- oder Elasticität nennt, bewirkt manche Abweichungen von den
- Gesetzen des Gleichgewichts und der Bewegung, welche für feste
- und flüssige Körper gelten. Es giebt mehrere Luftarten, die
- sich sowohl durch Dichtigkeit, Farbe, Geruch, als durch ihr
- Verhalten gegen andere Körper unterscheiden. Die atmosphärische
- Luft, welche uns umgiebt, ist im Wesentlichen ein Gemenge
- von zwei Luftarten, die man Sauerstoff und Stickstoff nennt;
- verhältnißmäßig geringe Mengen von Wasserdampf und Kohlensäure
- gehören indeß gleichfalls zu den nothwendigen Bestandtheilen
- unserer Atmosphäre.
-
-=162. Warum= haben wir, wenn wir die flache Hand hin und her bewegen,
-das Gefühl eines Windes?
-
-=Weil= wir durch die Hin- und Herbewegung der Hand einen Körper,
-welcher uns allenthalben umgiebt, in Bewegung setzen und aus seinem
-Raume verdrängen. Dieser Körper ist die Luft, und das Gefühl des Windes
-rührt von der bewegten Luft her; denn Wind ist nichts anderes als
-bewegte Luft.
-
-=163. Warum= wird ein größeres Stück Papier, das wir an dem einen Ende
-anfassen, wenn wir es schnell seiner Fläche nach vorwärts bewegen,
-zumal im Anfange der Bewegung sich an dem anderen nicht festgehaltenen
-Ende zurückschlagen?
-
-=Weil= die uns umgebende Luft an dem andern nicht festgehaltenen Ende
-dem Papier einen Widerstand entgegensetzt, der dasselbe in seiner
-Bewegung hindert. Da es aber mit dem vorwärts bewegten festgehaltenen
-Ende im Zusammenhange steht, so muß es der Bewegung desselben zwar
-folgen, vermag es aber erst etwas später zu thun, nachdem es die
-widerstehende Luft aus ihrer Stelle verdrängt hat.
-
-=164. Warum= füllt sich ein Trinkglas, das wir umgestülpt in's Wasser
-eintauchen und darin niederdrücken, nicht mit Wasser?
-
-=Weil= Luft in dem Glase vorhanden ist, welche das Wasser nicht
-eindringen läßt. Wäre in dem Glase durchaus kein Körper enthalten,
-so müßte das Wasser in dem Glase so hoch steigen, als es außerhalb
-desselben steht. Da dies nicht der Fall ist, so muß ein Körper darin
-vorhanden sein, der die allgemeine Eigenschaft aller Körper, die wir
-Undurchdringlichkeit nennen, besitzt, und dieser Körper ist die Luft.
-
-=165. Warum= lassen sich mit Luft gefüllte Blasen, wenn sie gut
-zugebunden sind, mit der größten Mühe nur wenig zusammendrücken?
-
-=Weil= die darin enthaltene Luft dem äußern Druck einen um so
-kräftigeren Widerstand entgegensetzt, als sie keinen Raum findet,
-wohin sie entweichen kann. Nur wenn der äußere Druck stärker ist,
-als der Druck der inneren Luft, wird sie in einen kleineren Raum
-zusammengedrängt, nimmt jedoch sofort den vorigen größeren Raum wieder
-ein, sobald der Druck nachläßt. Der heftige Widerstand, den wir beim
-Drücken auf die zugebundene Blase fühlen, ist ein weiterer Beweis für
-die Körperlichkeit der Luft, die wir freilich nicht sehen, wenn wir die
-Blase öffnen.
-
-=166. Warum= fühlen wir, wenn wir ein umgestürztes Glas in das Wasser
-tauchen, einen gewissen Widerstand?
-
-=Weil= die in dem Glase eingesperrte Luft, durch das entgegenstehende
-Wasser zusammengedrückt, vermöge ihrer Spannkraft wieder in einen
-größeren Raum sich auszubreiten strebt und daher dem auf das Glas mit
-der Hand verursachten Drucke einen andern auf die innere Bodenfläche
-ausgeübten Druck entgegenstellt, der das Glas nach entgegengesetzter
-Richtung treibt.
-
-=167. Warum= werden Windmühlen durch den Wind in Bewegung gesetzt?
-
-=Weil= der Wind, welcher nichts anderes als bewegte Luft ist, einen
-Stoß auf die Flächen des Flügels ausübt, welcher gerade so wirkt wie
-der Stoß des Wassers, wenn es auf die Schaufeln eines Mühlrades fällt.
-Bei ganz ruhiger Luft können sich daher die Windmühlen nicht bewegen.
-
-=168. Warum= drehen bei den Feuerwerken die Feuerräder sich um?
-
-=Weil= die durch Verbrennung des Pulversatzes sich bildenden erhitzten
-und darum stark ausgedehnten Luftarten, indem sie mit Heftigkeit
-aus dem vorderen Theile der Hülse, welche das Pulver einschließt,
-ausströmen, rückwärts einen heftigen Druck auf diese Hülse ausüben
-und sie, da sie an einer drehbaren Scheibe befestigt ist, nach der
-entgegengesetzten Richtung sich zu drehen zwingen. Der Stoß der
-ausströmenden Luftarten oder Gase auf die vorn in Ruhe befindliche
-und dem Beharrungsgesetze unterworfene Luft unterstützt die Bewegung
-nach rückwärts. Die Erscheinung ist dieselbe wie die des Segner'schen
-Wasserrades (Fr. 138), nur daß dort ausströmendes Wasser, hier
-ausströmende Luft den Rückstoß bewirkt.
-
-=169. Warum= steigen Raketen in die Höhe?
-
-=Weil= die nach unten ausströmenden erhitzten Luftarten oder Gase
-durch ihre Rückwirkung die Rakete aufwärts treiben. Der lange Stab,
-welcher an der Rakete befestigt ist, bewirkt durch sein Gewicht, daß
-die Mündung der Rakete immer nach unten gerichtet ist, die Ausströmung
-der Gase also auch immer nach unten geschieht, der Druck derselben aber
-nach oben wirkt.
-
-=170. Warum= springen Kanonen beim Abfeuern zurück?
-
-=Weil= die durch Entzündung des Schießpulvers entwickelten Gase wegen
-ihrer Elasticität einen Druck nach allen Seiten hin üben, und dieser
-Druck, so lange noch die Kugel im Rohre ist, von allen Seiten durch
-den entgegengesetzten gleichen Druck aufgehoben wird, sobald die Kugel
-aber das Rohr verlassen hat, von der Mündung des Rohres her kein Druck
-mehr erfolgen kann, der einseitige Druck auf den hintern Verschluß des
-Rohres also als Rückstoß übrig bleibt. Dieser Rückschlag kann sehr
-bedeutend sein, trotzdem der Stoß durch die große Masse der Kanone
-vertheilt wird.
-
-=171. Warum= schlägt ein gewöhnliches Steinschloß- oder
-Percussionsgewehr, das beim Losdrücken an die Backe gehalten wird, mit
-einiger Heftigkeit an die Backe an?
-
-=Weil= der Druck der sich mit Heftigkeit ausdehnenden, durch
-Verbrennung des Pulvers entwickelten Luft von der Seite, wo sich das
-Zündloch befindet, keinen Gegendruck mehr erhält, und deshalb als
-einseitiger Stoß nach der entgegengesetzten Seite wirksam werden muß.
-Bei Hinterladungsgewehren kann daher kein Anschlagen zur Seite, sondern
-nur ein Rückstoß stattfinden.
-
-
-
-
-Druck und Schwere der Luft.
-
-
-[Illustration: Fig. 35.]
-
- Das Instrument, durch welches der Druck der Luft gemessen
- wird, heißt Barometer, wohl auch im gemeinen Leben Wetterglas.
- Es besteht in einer gläsernen Röhre, deren oberes Ende
- zugeschmolzen ist, während das untere Ende derselben gewöhnlich
- umgebogen ist und in ein kugelförmiges oder birnförmiges Gefäß
- ausläuft, welches offen ist. Diese Röhre, welche etwas über 28
- Zoll oder 760 Millimeter lang sein muß, wird mit Quecksilber
- angefüllt, nachdem jedoch so viel als möglich zuvor die
- Luft daraus entfernt worden ist. Ebenso müssen zuvor alle
- Lufttheilchen aus dem Quecksilber durch Kochen ausgetrieben
- werden. Doch muß man bei diesem Auskochen vorsichtig zu
- Werke gehen, daß nicht etwa die Glasröhre zerbricht und das
- Quecksilber in das Feuer läuft, da die dann entstehenden
- Quecksilberdämpfe giftig und beim Einathmen lebensgefährlich
- sind. -- Da der Druck der Luft sehr veränderlich, bald größer,
- bald geringer ist, so wird auch die Höhe der Quecksilbersäule
- in dem längeren Schenkel der Röhre bald höher, bald niedriger
- sein. Man kann daher schließen: je höher die Quecksilbersäule
- in dem längeren Schenkel steht, desto größer muß der Druck
- der Luft sein; je niedriger dagegen die Quecksilbersäule in
- dem längeren Schenkel steht, desto geringer muß der Druck
- der Luft sein. Je höher ferner die Quecksilbersäule in dem
- längeren Schenkel steht, desto weniger Quecksilber ist in dem
- kugelförmigen Gefäße des kleinen Schenkels; dagegen ist desto
- mehr Quecksilber darin, je niedriger die Quecksilbersäule in
- dem längeren Schenkel steht. Auch muß man bedenken, daß das
- Quecksilber in dem unteren Stücke des längeren Schenkels,
- welches dem kleineren Schenkel der Röhre gleich ist, durch das
- in dem letzteren Schenkel befindliche Quecksilber getragen
- wird, und daß daher die Quecksilbersäule, welche durch den
- Luftdruck gehalten wird, erst von diesem Theile des längeren
- Schenkels anfängt. An dem oberen Ende des längeren Schenkels
- ist eine Skala angebracht, an der man beobachten kann, wie weit
- das Quecksilber gestiegen oder gefallen ist. Dieses Instrument
- heißt darum auch Wetterglas, weil es zugleich bevorstehende
- Aenderungen des Wetters andeutet. Der Grund davon liegt darin,
- daß die mit Feuchtigkeit erfüllte warme, also leichtere Luft
- einen geringeren Druck ausübt, als völlig trockne und kalte,
- also schwerere Luft; weswegen im ersteren Falle das Barometer
- fällt, während es im letzteren steigt. Dazu kommt, daß der
- Wechsel der Luftströmung gewöhnlich in den oberen Regionen
- früher als in den unteren eintritt, und indem derselbe den
- Luftdruck vermehrt oder vermindert, das Barometer schon steigt
- oder fällt, ehe noch die Drehung der Windfahne eine Aenderung
- des in den unteren Regionen herrschenden Windes angezeigt hat
- und ein Witterungswechsel eingetreten ist. Das Steigen des
- Quecksilbers im Barometer zeigt daher in der Regel schönes
- Wetter an, während das Fallen desselben Regenwetter ankündigt.
- -- Der Druck der Luft wurde zuerst von _Torricelli_, einem
- Schüler _Galilei's_, im Jahre 1643 entdeckt und durch einen
- Versuch nachgewiesen, aus welchem sich später das Barometer
- entwickelte.
-
-=172. Warum= fällt das Quecksilber in dem Barometer, das wir beim
-Ersteigen eines Berges bei uns führen?
-
-=Weil=, je weiter wir uns von dem Meeresspiegel entfernen, oder je
-höher wir steigen, eine desto kürzere und darum leichtere Luftsäule
-auf das Quecksilber des Barometers drückt und dieses daher, seiner
-Schwerkraft folgend, etwas herabsinken muß. Auf dem Brocken steht die
-Quecksilbersäule im Barometer nur 640 Millimeter, auf dem Montblanc
-sogar nur 330 Millimeter hoch, während sie am Meeresspiegel 760
-Millimeter hoch steht. Man kann daher auch das Barometer benutzen, um
-Bergeshöhen zu messen. Jeder Millimeter, um den das Barometer fällt,
-entspricht in den unteren Regionen einer Höhe von 10½ Meter.
-
-=173. Warum= fällt das Quecksilber im Barometer bei feuchtem Wetter?
-
-=Weil= die Luft um so stärkeren Druck ausübt und um so elastischer
-ist, je vollkommener luftartig die mit ihr gemischten Dünste sind, der
-Luftdruck dagegen um so geringer, die Luft um so weniger elastisch
-ist, je mehr wässriger Natur ihre Dünste werden, wie es bei feuchtem
-Wetter der Fall ist. Der geringere Luftdruck bewirkt daher, daß die
-Quecksilbersäule im Barometer bei feuchtem Wetter fällt.
-
-=174. Warum= steigt das Wasser in Pumpen nicht höher als 32 Fuß oder 10
-Meter empor?
-
-=Weil= durch den Druck der äußeren Luft, welcher das Wasser in den
-luftleeren Raum der Pumpenröhre hineindrängt, nur eine Wassersäule
-gehoben werden kann, die dem Drucke der Luft das Gleichgewicht hält.
-Das ist aber eine Wassersäule von 32 Fuß oder 10 Meter Höhe. Von dem
-14mal schwereren Quecksilber vermag darum nur eine Säule von dem 14ten
-Theile dieser Höhe, also von 28 Zoll oder 760 Millimeter Höhe, durch
-den Druck der atmosphärischen Luft getragen zu werden.
-
-=175. Warum= behält eine mit Wasser angefüllte Flasche, die man blos
-mit der Mündung in's Wasser taucht, während der übrige Theil derselben
-über die Oberfläche desselben hervorragt, ihr ganzes darin befindliches
-Wasser?
-
-=Weil= der Druck der atmosphärischen Luft auf die Oberfläche des
-Wassers, in das man die Mündung der Flasche getaucht hat, so groß ist,
-daß das in der Flasche befindliche Wasser durch diesen Druck getragen
-wird; der Druck der atmosphärischen Luft vermag ja sogar, wie wir
-gesehen haben, eine Wassersäule von 32 Fuß oder 10 Meter Höhe zu tragen.
-
-[Illustration: Fig. 36.]
-
-=176. Warum= bleibt das Wasser in einem Glase, auf dessen Rand man ein
-Stück steifes Papier drückt, wenn man die eine Hand auf das Papier
-legt, das Glas mit der andern umdreht, und darauf die auf das Papier
-gelegte Hand wegzieht?
-
-=Weil= der Druck der atmosphärischen Luft das im Glase befindliche
-Wasser trägt, dem Drucke der Luft von unten aber kein Luftdruck auf
-die Oberfläche des Wassers entgegenwirkt, wodurch der Druck von unten
-aufgehoben würde. Das Papierblatt dient nur dazu, zu verhindern, daß
-das Wasser und die drückende Luft sich gegenseitig ausweichen, die Luft
-in dem Wasser emporsteigen und das Wasser an Stelle der ausweichenden
-Luft herabsinken kann. Zieht man daher das Papier unter dem Glase
-hinweg, so stürzt das Wasser sogleich wegen des geringen Zusammenhanges
-seiner Theilchen heraus.
-
-=177. Warum= läuft keine Flüssigkeit aus einem Fasse beim Oeffnen des
-Hahnes heraus, wenn das Spundloch oben durch den Spund verschlossen ist?
-
-=Weil= der Druck der Luft auf die Oeffnung des Hahnes das Herausströmen
-der Flüssigkeit hindert, so lange der Verschluß des oberen Spundlochs
-der Luft nicht gestattet, auf die Oberfläche der Flüssigkeit zu drücken
-und dadurch den unteren Luftdruck aufzuheben. Würde dagegen das
-Spundloch geöffnet, so würde die Flüssigkeit zum Hahne herausströmen,
-da in diesem Falle die Luft von oben eben so stark drückte als von
-unten.
-
-[Illustration: Fig. 37.]
-
-=178. Warum= strömt Wasser aus einem Brunnen heraus, wenn wir pumpen?
-
-=Weil= durch das Herausziehen der Pumpenstange ein luftleerer Raum
-in dem unteren Theile der Brunnenröhre zwischen dem Kolben an der
-Stange und der Wasserfläche entsteht, und daher durch den Druck der
-Luft auf die Oberfläche des Wassers Letzteres in die Brunnenröhre
-hineingetrieben wird, indem es das unten befindliche Ventil öffnet.
-Wird daher die Pumpenstange wieder hinuntergedrückt, so kann, da das
-untere Ventil durch den Druck wieder verschlossen wird, das in die
-Röhre eingedrungene Wasser nicht wieder auf diesem Wege entweichen; es
-ist daher genöthigt, das Ventil des Kolbens zu öffnen und so zu der
-Seitenröhre des Brunnens auszuströmen.
-
-=179. Warum= können wir in beengender Kleidung nicht recht kräftig
-Athem holen?
-
-=Weil= wir beim Athmen nur dadurch Luft in unsere Lungen bringen, daß
-wir den Brustkasten mit Hülfe der Brustmuskeln erweitern und dadurch
-einen luftverdünnten Raum in den Lungen herstellen, in welchen die
-äußere Luft hineinströmt. Beim Ausathmen verengen wir den Brustkasten
-und drücken die Lungen zusammen, so daß die verdichtete Luft durch
-die Luftröhre nach außen tritt. Bei enger Kleidung sind aber unsere
-Brustmuskeln verhindert, den Brustkasten gehörig zu erweitern. Da
-nun von der Athmung die Versorgung unseres Körpers mit ernährendem
-Blute abhängt, so begreift man wohl, wie schädlich beengende Kleider,
-namentlich Schnürleiber für die Gesundheit sein müssen.
-
-=180. Warum= fließt beim Trinken die Flüssigkeit in unsern Mund hinein?
-
-=Weil= die Luft auf die Oberfläche des Getränkes drückt, während durch
-Erweiterung des Brustkastens und der Lungen in diesen und in unserer
-Mundhöhle ein luftverdünnter Raum gebildet wird. Es wirkt daher dem
-äußern auf die Oberfläche des Getränkes wirkenden Luftdrucke kein
-jenem das Gleichgewicht haltender Druck der inneren verdünnten Luft
-entgegen, so daß durch den äußeren Luftdruck das Getränk in unsern
-Mund hineingetrieben wird.
-
-[Illustration: Fig. 38.]
-
-=181. Warum= kann man mit einem Stechheber Wein aus einem Fasse heben?
-
-=Weil= der Stechheber, wenn er in das Faß getaucht wird, sich zwar mit
-Wein füllt, so lange die obere Oeffnung frei ist, der Luftdruck also
-oben und unten gleichmäßig wirkt, der Wein dagegen nicht ausfließen
-kann, wenn man den Stechheber herausnimmt, nachdem man die obere
-Oeffnung desselben mit dem Finger verschlossen hat. In dem letzteren
-Falle ist nämlich der Luftdruck von oben her nicht vorhanden, und die
-Luft trägt daher die Flüssigkeitssäule in dem Stechheber, auf die sie
-nur von unten drückt.
-
-[Illustration: Fig. 39.]
-
-=182. Warum= kann man vermittelst eines Hebers Flüssigkeiten aus einem
-Gefäß in ein anderes überfüllen?
-
-=Weil=, während der kürzere Schenkel des Hebers sich in der Flüssigkeit
-befindet und aus dem längeren mit dem Munde die Luft zum Theil
-herausgezogen wird, ein luftverdünnter Raum im Heber entsteht, in
-welchen der Druck der Luft auf die Oberfläche der Flüssigkeit Letztere
-hineintreibt, worauf dann die Flüssigkeit in dem längeren Schenkel
-herabfällt und nach Belieben in ein Gefäß hineingelassen werden kann.
-Jedoch darf der kürzere Schenkel des Hebers nicht über 32 Fuß oder
-10 Meter lang sein, da der Druck der atmosphärischen Luft nur eine
-Wassersäule von dieser Höhe trägt. Auch muß der kürzere Schenkel des
-Hebers sich in der Flüssigkeit selbst, nicht blos im Gefäße befinden.
-
-=183. Warum= fühlt der Mensch den Druck nicht, welchen die umgebende
-Luft auf ihn äußert?
-
-=Weil= dieser Druck von allen Seiten gleichförmig ist und ihm
-das Gleichgewicht durch die in den Höhlen unseres Körpers
-befindliche Luft gehalten wird, die sich vermöge ihrer Elasticität
-mit ebenso großer Kraft auszudehnen strebt, als sie durch die
-äußere Luft zusammengedrückt wird. Der Druck der Luft beträgt auf
-jeden Quadratcentimeter ungefähr 2-1/15 Pfund, da so viel eine
-Quecksilbersäule von 760 Millimeter Höhe und 1 Quadratcentimeter
-Grundfläche, die einer Luftsäule von derselben Grundfläche das
-Gleichgewicht hält, wiegt. Der ganze Luftdruck beträgt daher bei
-einem erwachsenen Menschen, welcher eine Oberfläche von ungefähr 1½
-Quadratmeter dem Drucke der Luft darbietet, über 30000 Pfund. Drückte
-die Luft auf den Menschen nur von _einer_ Seite, so würde es für ihn
-unmöglich sein, sich nach dieser Seite hin zu bewegen.
-
-=184. Warum= spritzt oft aus den Poren unserer Haut, besonders aus
-Lippen und Nasenöffnungen, Blut heraus, wenn wir sehr hohe Berge
-erstiegen haben?
-
-=Weil= die Luftsäule, welche auf unsern Körper drückt, auf den Bergen
-nicht so hoch ist, wie in der Ebene, und daher einen geringeren Druck
-auf denselben ausübt, wodurch aber auch der Gegendruck vermindert
-wird, welcher bisher der dichten Luft im Innern unseres Körpers das
-Gleichgewicht hielt. Diese innere Luft dehnt sich daher gewaltsam
-aus und sprengt die kleinen Blutgefäße, aus denen nun das Blut
-hervorspritzt.
-
-=185. Warum= ermüden Reisende auf hohen Bergen und selbst bei
-Wanderungen über sehr hochgelegene Ebenen leichter als in der Tiefebene?
-
-=Weil= wir beim Gehen nicht das ganze Gewicht unserer Arme und Beine
-zu heben haben, sondern die atmosphärische Luft sie uns tragen
-hilft, diese aber auf hohen Bergen viel weniger dicht ist und darum
-auch viel weniger zu tragen vermag als unten in der Ebene. Die Arm-
-und Beinknochen befinden sich nämlich mit ihren halbkugelförmig
-abgerundeten Enden (Köpfen) in ebenso ausgetieften Höhlungen
-(Pfannen) anderer Knochen; der Zwischenraum zwischen ihnen ist
-aber äußerlich durch mehrere luftdicht anschließende Häute von der
-atmosphärischen Luft abgesperrt, so daß diese die Gliedmaßen an den
-Körper andrückt. Wenn man daher an einem menschlichen Leichnam alle
-Muskeln durchschneidet, welche das Gelenk am Becken umgeben, so fällt
-das herabhängende Bein doch nicht ab. Sobald man aber die Pfanne des
-Beckenknochens durchbohrt, so daß die äußere Luft in den inneren
-Zwischenraum dringen kann, fällt das Bein sofort ab.
-
-=186. Warum= fühlen wir oft bei übermäßiger Hitze, oder kurz vor
-heftigen Stürmen, solche Schwere, Müdigkeit und Unbehaglichkeit in den
-Gliedern?
-
-=Weil= die durch Wärme oder andere Ursachen stark verdünnte und darum
-leichtere Luft, zumal wenn sie mit Feuchtigkeit erfüllt ist, nicht in
-der gewöhnlichen Stärke auf uns drückt und darum die in unserm Körper
-befindliche Luft nicht im Gleichgewicht erhält, letztere daher, indem
-sie bei ihrem Bestreben, sich auszudehnen, einen Druck auf Gefäße und
-Nerven ausübt, unserer Empfindung Unannehmlichkeiten verursacht.
-
-=187. Warum= strömt aus einer gut zugestöpselten, mit Luft in der Ebene
-angefüllten Flasche die Luft mit einiger Heftigkeit aus, wenn wir sie
-auf einem sehr hohen Berge öffnen?
-
-=Weil= die untere Luft, welche die ganze darüber stehende Luftsäule zu
-tragen hat, eine größere Dichtigkeit besitzt, als die obere, und darum
-auch einen größeren Druck als diese ausübt. Daher strömt die erstere so
-lange aus, bis das Gleichgewicht mit der letzteren hergestellt ist.
-
-=188. Warum= zerbrechen zuweilen flache mit Flechtwerk bedeckte
-Glasflaschen, deren sich Reisende zu bedienen pflegen, während aus
-denselben getrunken wird?
-
-=Weil= die mit Flüssigkeit zuvor angefüllte Flasche, sobald ein Theil
-ihres Inhalts durch das Trinken daraus entfernt wird, am untern Theile
-einen luftleeren Raum darbietet, und daher dem Drucke der äußern Luft
-auf die flachen Seiten des Glases kein Druck von innen das Gegengewicht
-hält, so daß das schwache Glas dem äußeren Drucke nachgiebt und
-zerbricht.
-
-[Illustration: Fig. 40.]
-
-=189. Warum= werden zwei hohle Halbkugeln, die an einander passen und
-luftdicht oder hermetisch verschlossen sind, wenn vermittelst einer
-Luftpumpe die Luft aus dem hohlen Raume derselben entfernt wird, so
-fest an einander gedrückt, daß kein Mensch im Stande ist, sie zu
-trennen?
-
-=Weil= die äußere Luft mit ihrem ganzen Gewichte auf die Halbkugeln
-drückt, während keine innere Luft diesem Drucke das Gegengewicht hält.
-Da der Druck der äußeren Luft auf jeden Quadratcentimeter 2-1/15 Pfund
-beträgt, so muß der auf die ganze Oberfläche der Kugel ausgeübte
-Druck, selbst bei einem nicht bedeutenden Umfange derselben, bis auf
-mehrere Centner steigen. Läßt man durch eine kleine Oeffnung Luft
-hineindringen, so wird der Gegendruck von innen wieder hergestellt,
-und die Halbkugeln lassen sich mit Leichtigkeit von einander trennen.
-Diese Halbkugeln werden auch die Magdeburger Halbkugeln genannt, weil
-_Otto von Guericke_, Bürgermeister von Magdeburg, sie im Jahre 1654
-zuerst anwandte, um auf dem Reichstage zu Regensburg vor dem Kaiser und
-den Reichsfürsten die Wirkungen der von ihm im Jahre 1650 erfundenen
-Luftpumpe zu zeigen; 16 Pferde waren erst im Stande, die Halbkugeln
-auseinander zu reißen, die nur eine Magdeburger Elle im Durchmesser
-hatten. Der Druck der Luft, welcher sie zusammenpreßte, kam etwa dem
-Gewichte von 6800 Pfund gleich.
-
-=190. Warum= schwillt eine Blase, in der eine kleine Menge Luft
-enthalten ist, in einem dicht verschlossenen, durch die Luftpumpe
-luftleer gemachten Raume an?
-
-=Weil= zugleich mit der Dichtigkeit der die Blase umgebenden Luft beim
-Auspumpen sich auch der Druck auf die Blase von Außen vermindert, und
-daher die innere Luft, durch keinen Gegendruck mehr gehindert, die
-Blase auftreibt, indem sich diese innere Luft in einen größeren Raum
-auszudehnen strebt.
-
-=191. Warum= zerbricht eine zugestöpselte, mit Luft angefüllte Flasche
-von dünnem Glase in einem luftleeren Raume?
-
-=Weil= durch das Auspumpen der Luft der Gegendruck aufgehoben ist,
-den die äußere Luft dem Drucke der in der Flasche enthaltenen Luft
-entgegensetzt, und letztere daher, indem sie sich weiter auszudehnen
-strebt, das Glas auseinander treibt.
-
-=192. Warum= entledigt sich ein Ei, in das man an seinem spitzen Ende
-ein kleines Loch macht, seines Inhalts, wenn es mit dem spitzen Ende
-nach unten in einen luftverdünnten Raum gebracht wird?
-
-=Weil= das Ei an seinem oberen runden Ende zwischen der Schaale und
-der lederartigen Haut etwas Luft enthält, bei Verdünnung der äußeren
-Luft daher die sich ausdehnende innere Luft den Inhalt des Eies durch
-die Oeffnung hinaustreibt. Bringt man das Ei wieder in die gewöhnliche
-atmosphärische Luft, so treibt der Druck derselben den Inhalt wieder
-zurück.
-
-=193. Warum= erhält ein eingeschrumpfter Apfel im luftleeren Raume
-wieder die Rundung und Glätte des frischen?
-
-=Weil=, bei aufgehobenem Gegendruck der äußeren Luft, die innere, unter
-der Schale des Apfels befindliche Luft sich ausdehnt und daher die
-Schale auftreibt, so daß die eingeschrumpfte Gestalt des Apfels sich
-wieder in eine volle verwandelt.
-
-=194. Warum= schwillt ein Frosch an, wenn er sich unter einer gläsernen
-Glocke befindet, aus der man die Luft zum Theil ausgepumpt hat?
-
-=Weil= beim Mangel an äußerer Luft, die auf die Oberfläche des Frosches
-drückt, die zwischen den Häuten des Frosches befindliche Luft sich
-ausdehnt und die Häute auseinander treibt, indem der äußere Gegendruck,
-welcher dem inneren Drucke das Gegengewicht hielt, bei der Entfernung
-der äußeren Luft aufgehört hat. Der Frosch kehrt erst wieder nach
-Zulassung der Luft in seine vorige Gestalt zurück.
-
-[Illustration: Fig. 41.]
-
-=195. Warum= wird eine gläserne Glocke, die man auf den Teller einer
-Luftpumpe setzt, wenn man nur ein wenig von der darin enthaltenen Luft
-auspumpt, so fest an den Teller angedrückt, daß man durchaus nicht im
-Stande ist, sie wegzunehmen?
-
-=Weil= die äußere Luft auf den oberen Theil der Glocke drückt und zwar
-mit der Kraft einer Quecksilbersäule von 760 Millimeter Höhe, deren
-Grundfläche dem Umfang der Glocke gleich ist, oder was einerlei ist,
-mit der Kraft einer Wassersäule von 10 Meter Höhe und der gleichen
-Grundfläche, während keine oder doch nur eine sehr verdünnte Luft von
-innen dem äußeren Drucke das Gleichgewicht halten kann. Die Folge wird
-also sein, daß die Glocke mit einer dem Gewichte der Quecksilbersäule
-gleichen Kraft auf den Teller der Luftpumpe aufgedrückt wird, so
-daß man sie nicht davon wegnehmen kann. Bei einer Glocke von nur 15
-Centimeter Durchmesser würde der Druck der Luft 365 Pfund betragen.
-
-=196. Warum= wird, wenn man einen oben und unten offenen Cylinder oben
-mit einer genau anschließenden Blase bedeckt, die man an den Cylinder
-fest bindet, und ihn mit dem unteren Ende auf den Teller der Luftpumpe
-stellt, sobald man nur ein wenig Luft aus dem Cylinder ausgepumpt hat,
-sogleich die darüber gedeckte Blase zersprengt?
-
-=Weil=, wie im vorigen Falle, nach Entfernung der Luft aus dem Cylinder
-die äußere Luft mit der eben angegebenen Kraft auf die Blase drückt,
-welche den Cylinder oben verschließt, die Blase aber diesem Drucke
-nicht widerstehen kann (da von innen kein Luftdruck dem äußeren
-entgegenwirkt und ihn aufhebt) und daher zerspringt. Daß eine gläserne
-Glocke den Druck aushalten kann, hat seinen Grund in dem gewölbten
-Baue des oberen Theiles derselben, der ein Zersprengen derselben
-unmöglich macht. Gebrauchte man dagegen ein Glas mit flachem Boden, so
-würde dieser, wenn er nicht sehr stark wäre, auch durch den Luftdruck
-zersprengt werden.
-
-=197. Warum= kann der Heber im luftleeren Raume nicht fließen?
-
-=Weil= in einem Raume, in welchem keine Luft sich befindet, auch kein
-Druck auf die Oberfläche der Flüssigkeit stattfinden kann, durch den
-dieselbe in den Heber hineingetrieben würde. In der gewöhnlichen uns
-umgebenden Luft ist dieser Druck, wie wir gesehen haben, gleich dem
-Gewicht einer Wassersäule von 10 Meter Höhe und einer der Oberfläche,
-auf welche die Luft drückt, gleichen Grundfläche. Auch in einem
-luftverdünnten Raume kann daher dieser Druck schon so gering sein, daß
-er das Wasser nicht in den Heber treibt, dieser also nicht fließt.
-
-=198. Warum= verlieren Selterswasser, Bier und Champagner ihren
-angenehmen Geschmack, wenn sie unter die Glocke der Luftpumpe gebracht
-werden, und dann die Luft aus der Glocke ausgepumpt wird?
-
-=Weil= das, was diesen Getränken den angenehmen Geschmack ertheilt,
-die Kohlensäure oder das kohlensaure Gas, in dem luftverdünnten Raume
-der Glocke aus ihnen entweicht und aufsteigt, da kein Druck der
-atmosphärischen Luft dem Drucke dieser Gasart mehr das Gleichgewicht
-hält. Diese Getränke müssen daher durch den Verlust dieses Gases
-den angenehmen Geschmack verlieren. In dem Champagner und Bier wird
-dieses Gas durch Gährung erzeugt, dem Selterswasser aber wird es durch
-den gewaltigen Druck einverleibt, den die Gesteinschichten ausüben,
-welche das Wasser unter der Erde durchdringen muß, um als Quelle an
-die Oberfläche zu treten. Bei künstlichen Selters- und Sodawassern
-wird das kohlensaure Gas durch künstlichen Druck entweder vermittelst
-einer Druckpumpe oder durch den eigenen Druck des Gases in einem
-abgeschlossenen Raume mit dem Wasser vermischt.
-
-=199. Warum= fallen in einem gläsernen, hohen Cylinder, aus welchem die
-Luft ausgepumpt wurde, ein Geldstück und eine Flaumfeder mit gleicher
-Geschwindigkeit herab?
-
-=Weil= bei allen Körpern, sie mögen von einer Art sein, von welcher
-sie wollen, die Schwerkraft, welche sie nach dem Mittelpunkte der
-Erde zieht, völlig gleich ist, folglich auch die Geschwindigkeit
-der Bewegung, in welche sie durch diese Kraft versetzt werden,
-völlig die gleiche sein muß. Wenn nun aber der Erfahrung zufolge
-unter gewöhnlichen Verhältnissen ein Geldstück und eine Flaumfeder
-mit ungleicher Geschwindigkeit, und zwar das erstere geschwinder,
-die letztere langsamer, zur Erde fallen, so liegt der Grund in der
-umgebenden Luft, welche durch ihren Widerstand die Flaumfeder nur
-langsam auf die Erde fallen läßt. Da nun unter einer ausgepumpten
-Glocke keine Luft vorhanden ist, so kann sie die Flaumfeder nicht
-hindern, mit gleicher Geschwindigkeit wie das Geldstück herabzufallen.
-
-=200. Warum= haben die Körper im luftleeren Raume ein (freilich nur
-sehr wenig) größeres Gewicht als im lufterfüllten?
-
-=Weil= die Körper im lufterfüllten Raume so viel an Gewicht verlieren,
-als die Luft wiegt, welche den Raum, den die Körper einnehmen, erfüllen
-würde, da ebensoviel von dem Gewichte des Körpers, als die von ihm aus
-der Stelle getriebene Luft wiegt, von der umgebenden Luft getragen
-wird. Haben daher die Körper eine sehr geringe Dichtigkeit, so ist
-dieser Gewichtsverlust sehr bemerkbar, während derselbe bei Körpern
-von größerer Dichtigkeit im Verhältniß zur Schwere derselben nur sehr
-gering sein kann. Daher muß ein Pfund Wolle im lufterfüllten Raume
-merklich mehr an Gewicht verlieren, als ein Pfund Eisen, da Ersteres
-einen viel größeren Raum einnimmt als Letzteres.
-
-=201. Warum= spritzt, wenn Wein durch einen Trichter in eine Flasche
-gegossen wird, derselbe zuweilen heraus, ohne die Flasche anzufüllen?
-
-=Weil= die in der Flasche enthaltene Luft, wenn der Trichter genau
-in den Hals der Flasche paßt und daher keinen Ausweg läßt, durch den
-diese Luft entweichen kann, durch den bereits hineingegossenen Wein in
-einen kleineren Raum zusammengedrängt wird, daher vermöge der durch
-ihre größere Dichtigkeit vermehrten Spannkraft sich durch die Mündung
-des Trichters drängt und auf diese Weise die in demselben enthaltene
-Flüssigkeit heraustreibt.
-
-=202. Warum= berstet oft die Eisdecke eines Gewässers in kalten Wintern
-mit einem sehr starken Knalle?
-
-=Weil= die zwischen dem Eise und dem Wasser enthaltene atmosphärische
-Luft, durch die zunehmende Dicke des Eises zusammengedrückt, zuletzt
-eine solche Dichtigkeit erhält und vermöge derselben einen solchen
-Druck auf das darüber befindliche Eis ausübt, daß Letzteres endlich
-der Gewalt weichen muß und berstet. Da dies nicht ohne heftige
-Erschütterung der das Eis umgebenden äußeren Luft geschehen kann, so
-erfolgt ein Knall, wie dies auch beim Losschießen eines Gewehres oder
-einer Kanone der Fall ist.
-
-=203. Warum= bläst oft der Wind mit solcher Heftigkeit, daß er Bäume
-ausreißt und Häuser abdeckt?
-
-=Weil= die Luft, namentlich in Folge verschiedener Erwärmung, oft an
-einem Theile der Erdoberfläche von anderer Dichtigkeit ist als an dem
-anderen, die dichtere Luft daher vermöge ihrer größeren Spannkraft in
-die minder dichte Luft hineinströmt und zwar bisweilen mit solcher
-Heftigkeit, daß sie ihren Weg durch große Verwüstungen bezeichnet. Der
-Wind ist also nur eine Bewegung der Luft in Folge eines verschiedenen
-Druckes der Luft in verschiedenen Gegenden, und der größere Druck ist
-es, welcher einen Stoß auf die der Bewegung Widerstand leistenden
-Gegenstände ausübt und sie zu Boden wirft oder mit fortreißt.
-
-[Illustration: Fig. 42.]
-
-=204. Warum= springt aus einer sogenannten Knallbüchse, einem
-gewöhnlichen Spielzeuge für Kinder, ein an dem einen Ende in derselben
-befindlicher Pfropfen mit einem heftigen Knalle heraus, sobald man an
-dem anderen Ende den genau anschließenden Stempel der Knallbüchse, oder
-durch denselben einen zweiten dicht anschließenden Pfropfen in dieselbe
-hineintreibt?
-
-=Weil= die Luft zwischen dem luftdicht schließenden Stempel und dem
-ebenso luftdicht schließenden Pfropfen durch den hineingetriebenen
-Stempel so sehr verdichtet wird, daß sie sich wieder mit der äußeren
-Luft in Gleichgewicht zu setzen sucht, und daher in ihrem Bestreben,
-sich in einen größeren Raum auszudehnen, den Pfropfen mit Gewalt und
-unter heftigem Knalle heraustreibt.
-
-=205. Warum= wird eine Kugel aus einer sogenannten Windbüchse mit
-solcher Gewalt fortgetrieben, daß selbst Menschen dadurch getödtet
-werden können?
-
-=Weil= in dem hinteren metallenen Behälter der Windbüchse, der die Form
-eines Flintenkolbens besitzt, zuvor mit Hülfe einer Druckpumpe die Luft
-sehr stark zusammengepreßt ist und daher sich mit einer sehr großen
-Spannkraft auszudehnen strebt. Wenn nun ein Ventil, vor dem die Kugel
-unmittelbar liegt, geöffnet wird, so stürzt die Luft, ihrer großen
-Spannkraft wegen, heraus und schleudert die Kugel mit großer Heftigkeit
-fort. Ein bedeutender Knall kann dabei nicht erfolgen, weil bei der
-Windbüchse vor und hinter der Kugel während des Abschießens verdichtete
-Luft vorhanden ist, während beim Feuergewehr durch die Abkühlung der
-Pulvergase sich ein sehr stark luftverdünnter Raum bildet, in welchen
-die umgebende atmosphärische Luft mit großer Heftigkeit stürzt, wodurch
-eben der Knall entsteht.
-
-[Illustration: Fig. 43.]
-
-=206. Warum= springt aus dem sogenannten _Heronsballe_ Wasser heraus,
-wenn man zuvor Luft hineingeblasen hat?
-
-=Weil=, wenn der Glaskolben oder die Glaskugel, woraus der Heronsball
-besteht, soweit mit Wasser angefüllt ist, daß die luftdicht in den
-oberen Theil derselben eingekittete gläserne Röhre mit ihrem unteren
-Ende unter Wasser steht, die hineingeblasene Luft durch das Wasser in
-dem Gefäße empor steigt, sich in den über dem Wasser befindlichen,
-mit Luft erfüllten Raum begiebt und dadurch diese Luft verdichtet, so
-daß diese innere Luft nunmehr eine größere Dichtigkeit und Spannkraft
-besitzt als die äußere, und mit so großer Heftigkeit auf die Oberfläche
-des Wassers drückt, daß dasselbe durch die Röhre in einem Strahl
-herausgetrieben wird. Dies wird so lange geschehen, bis die innere Luft
-sich in einen größeren Raum wieder ausgedehnt hat, und dadurch das
-Gleichgewicht zwischen der äußeren und inneren Luft wieder hergestellt
-worden ist. -- Der Heronsball hat seinen Namen von dem griechischen
-Gelehrten _Heron_, der um das Jahr 250 v. Chr. zu Alexandrien lebte und
-bereits die Erscheinungen des Hebers kannte und den Windkessel erfand.
-
-[Illustration: Fig. 44.]
-
-=207. Warum= spritzt das Wasser bei einer Feuerspritze in einem
-ununterbrochenen Strahle haushoch empor?
-
-=Weil= die Luft in dem sogenannten Windkessel, durch den Druck des
-Wassers, welches mit Hülfe zweier Druckpumpen in den Windkessel
-getrieben wird, gewaltsam zusammengepreßt, das Wasser in das nahe am
-Boden mündende Steigrohr hineintreibt. Da aber dieses Steigrohr anfangs
-gleichfalls durch einen Hahn verschlossen ist, das Wasser also durch
-dieses auch nicht entweichen kann, so wird die Luft in dem oberen
-Theile des Windkessels durch das neu eintretende Wasser mehr und mehr
-zusammengedrückt und erreicht endlich eine solche Spannkraft, daß, wenn
-der Hahn geöffnet wird, sie das Wasser in einem hohen Strahle durch
-das Steigrohr und den Spritzenschlauch hinaustreibt. Die Feuerspritze
-besteht also eigentlich aus einem großen Heronsball, in welchen zwei
-Druckpumpen abwechselnd das Wasser hineintreiben.
-
-=208. Warum= steigen kleine, aus Goldschlägerhaut oder aus Collodium
-verfertigte Ballons in die Höhe, wenn sie mit Leuchtgas oder mit
-Wasserstoffgas gefüllt sind?
-
-=Weil= jeder in der Luft befindliche Körper so viel an Gewicht
-verliert, als die durch ihn verdrängte Luftmasse wiegt, ein Körper
-also, der, wie das Wasserstoffgas, viel weniger wiegt, als die gleiche
-Raummenge Luft, die durch ihn verdrängt wird, ebenso in der Luft
-schwimmen muß, wie ein Stück Holz oder eine lufterfüllte Blase im
-Wasser schwimmt. Wasserstoff ist 14½mal leichter als atmosphärische
-Luft, Leuchtgas 2½mal so leicht. Ein mit solchem Gase gefüllter
-Ballon muß so hoch steigen, bis die Luft, in welche er gelangt,
-ebenfalls nicht dichter ist als das Gas, welches ihn erfüllt. Ein
-mit Wasserstoffgas gefüllter Ballon steigt darum höher als ein mit
-Leuchtgas gefüllter.
-
-=209. Warum= steigt ein Luftballon, unter dessen unterer Oeffnung man
-ein Stroh- oder Spiritusfeuer angezündet hat?
-
-=Weil= die Luft im Innern des Ballons durch das Feuer erwärmt und
-ausgedehnt wird, diese ausgedehnte und verdünnte Luft aber leichter
-ist, als die den Ballon umgebende atmosphärische Luft, so daß die den
-Ballon erfüllende Luft sammt der taffetnen Hülle und selbst sammt der
-darangehängten Gondel und den etwa darin befindlichen Personen weniger
-wiegt als die Luftmenge, welche er aus der Stelle drängt. Den ersten
-solcher mit erwärmter Luft gefüllten Luftballons ließen die Gebrüder
-_Montgolfier_ am 5. Juni 1783 zu Annonai in Frankreich steigen. Den
-ersten mit Wasserstoffgas gefüllten Luftballon ließ _Charles_ am
-27. August 1783 zu Paris aufsteigen. Man nennt deshalb auch die mit
-erwärmter Luft gefüllten Ballons Montgolfieren, die mit Wasserstoff
-gefüllten Charlieren. Der Erste, der es wagte, mit einem Luftballon
-aufzusteigen, war _Pilâtre de Rozier_, der schon am 15. October 1783
-mit Hülfe einer Montgolfiere sich bis zu 26 Meter Höhe erhob. Die
-größte Höhe wurde wohl von dem berühmten Physiker _Gay-Lussac_, der
-sich im Jahre 1804 bis zu 6550 Meter, und von dem neueren Luftschiffer
-_Green_, der sich bis zu 8460 Meter erhob, erreicht. Neuerdings sollen
-sogar Höhen von 10--11000 Metern erreicht worden sein (Glaisher und
-Coxwell am 17. Juli 1862).
-
-
-
-
-Chemische und physiologische Wirkungen der Luft.
-
-
- Die atmosphärische Luft, welche uns umgiebt, ist im
- Wesentlichen ein Gemenge von zwei verschiedenen Luftarten, die
- man Sauerstoff und Stickstoff nennt, und zwar besteht sie zu
- 4/5 aus Stickstoff und zu 1/5 aus Sauerstoff. Genauer sind in
- je 100 Litern Luft 79 Liter Stickstoff und 21 Liter Sauerstoff
- enthalten. Außerdem befinden sich aber auch in der Atmosphäre
- stets eine gewisse Menge Wasserdampf und eine geringe Menge
- Kohlensäure, die sich durch die Verbrennung aus Kohle und
- Sauerstoff, durch Athmung und den Verwesungsprozeß bildet.
- Alle Verbrennung besteht nämlich in der Verbindung brennbarer
- Körper mit Sauerstoff. Zum Zustandekommen einer Verbrennung ist
- gewöhnlich eine gewisse Wärme nöthig. Jede lebhafte Verbrennung
- ist mit Wärme- und Lichtentwicklung verbunden. Der Sauerstoff
- ist aber nicht blos nothwendig zur Erhaltung der Verbrennung,
- sondern auch zur Unterhaltung der Athmung. Das athmende Thier
- und der athmende Mensch nehmen Sauerstoff in ihre Lungen auf.
- Dieser Sauerstoff kommt hier mit dem Blute in Berührung und
- verbindet sich zum Theil mit dem Kohlenstoff desselben zur
- Kohlensäure, die dann ausgeathmet wird. Der Sauerstoff wird
- deshalb auch Lebensluft genannt im Gegensatz zur Stickluft
- oder dem Stickstoffgas, in welchem kein Thier athmen oder
- leben kann. Daß die großen Mengen von Kohlensäure, welche
- durch Verbrennung und Athmung beständig erzeugt werden, die
- atmosphärische Luft nicht verderben, sogar ihren Gehalt an
- Kohlensäure überhaupt nicht vermehren, liegt größtentheils
- daran, daß die Pflanzen die Kohlensäure aufnehmen und dafür
- unter dem Einfluß des Lichtes Sauerstoff aushauchen.
-
-=210. Warum= kann eine Kerze nicht fortbrennen, die man unter die
-Glocke einer Luftpumpe bringt, wenn man die Luft aus der Glocke
-auspumpt?
-
-=Weil= nach dem Auspumpen der Luft in der Glocke überhaupt keine
-Luft, also auch kein Sauerstoff mehr vorhanden ist, mit welchem ein
-brennbarer Körper sich verbinden könnte, alle Verbrennung aber, also
-auch die der Kerze, nur in einer Verbindung mit Sauerstoff besteht.
-
-=211. Warum= bedecken sich kupferne Dächer und Statuen aus Bronce im
-Laufe der Jahre mit einem grünen Ueberzuge?
-
-=Weil= die in der Luft enthaltene Kohlensäure, ferner der Sauerstoff
-und Wasserdampf derselben, ein großes Vereinigungsbestreben (chemische
-Affinität) zu fast allen Metallen haben. Das Dach und die Statue
-bedecken sich deßhalb allmählich mit einer dünnen Schicht von
-kohlensaurem Kupfer, welche man mit dem Namen »grüne Patina« bezeichnet.
-
-=212. Warum= erlischt ein Licht, das wir auf einem Korkstückchen auf
-Wasser schwimmen lassen, sehr bald, wenn wir eine Glasglocke so darüber
-stellen, daß das Wasser ringsum den Eintritt der Luft verhindert?
-
-=Weil= das brennende Licht sehr bald den in dem abgeschlossenen
-Raume vorhandenen Sauerstoff verzehrt, neue Luft und also auch neuer
-Sauerstoff aber durch das Wasser nicht hinzutreten kann, und die Flamme
-daher endlich keine Nahrung mehr findet. Nach dem Erlöschen des Lichtes
-steigt das Wasser in der Glasglocke etwas in die Höhe, steht also darin
-etwas höher als außerhalb, weil die durch das Verbrennen erzeugte
-Kohlensäure zum Theil von dem Wasser verschluckt wird, und das Wasser
-nun die Stelle des von der Flamme verzehrten Sauerstoffs einnehmen muß.
-Allerdings ist noch Luft in der Glasglocke vorhanden, aber diese Luft
-ist Stickstoff, der die Flamme nicht zu ernähren vermag.
-
-=213. Warum= raucht eine Lampe, wenn man den Cylinder abnimmt, und ein
-Ofen, wenn er keinen Zug hat?
-
-=Weil= in beiden Fällen nicht Sauerstoff genug der Flamme zugeführt
-wird, der Kohlenstoff daher nicht vollständig verbrennen kann und
-sich nun unverbrannt ausscheidet. Der Rauch ist nichts anders als ein
-Gemisch der durch die unvollständige Verbrennung erzeugten Luftarten
-mit unverbranntem Kohlenstoff.
-
-=214. Warum= kann in einem Keller, in welchem sich Wein im Zustande der
-Gährung befindet, kein Licht fortbrennen?
-
-=Weil= sich bei der Gährung dieselbe Luftart entwickelt, die auch bei
-der Verbrennung des Kohlenstoffs entsteht, und weil diese Luftart,
-die sogenannte Kohlensäure, nicht fähig ist, diese Verbrennung zu
-unterhalten.
-
-=215. Warum= wird ein Feuer durch Wind noch mehr angefacht?
-
-=Weil= der Wind als bewegte Luft dem Feuer beständig neuen Sauerstoff
-zuführt und dieses dadurch immer neue Nahrung gewinnt, während im
-ruhigen Zustande die Luft in der Umgebung des Feuers allmählich
-ihres Sauerstoffs beraubt wird und daher zur Unterhaltung des Feuers
-nicht mehr beitragen kann. Das Fortbrennen des Feuers wird daher nur
-ermöglicht durch ein beständiges Zuströmen frischer Luft, welche an die
-Stelle der verbrauchten tritt.
-
-=216. Warum= wird ein Feuer durch Blasen angefacht?
-
-=Weil= der durch das Blasen dem Feuer zugeführte dichtere Luftstrom
-mehr Sauerstoff enthält, als gewöhnliche atmosphärische Luft, und daher
-auch das Verbrennen noch mehr befördert, so daß die Flamme dadurch
-lebhafter wird.
-
-=217. Warum= erhöht ein Strom kalter Luft, besonders aus einem
-Blasebalge, auf weißglühendes Eisen gerichtet, die Hitze desselben so,
-daß es zu schmelzen beginnt?
-
-=Weil= durch den Blasebalg die ohnehin schon dichtere kalte Luft sehr
-zusammengepreßt wird und wegen ihrer großen Dichtigkeit daher auch eine
-sehr große Menge Sauerstoff dem glühenden Eisen zuführt, so daß dies
-durch die Hitze der lebhafteren Verbrennung zum Schmelzen gebracht wird.
-
-=218. Warum= erlischt das Feuer in einem Schornsteine sogleich, wenn
-derselbe oben durch einen nassen Sack zugedeckt wird?
-
-=Weil= zum Verbrennen durchaus Luft erforderlich ist, welche Sauerstoff
-enthält, wie die atmosphärische Luft. Da sich nun der Sauerstoff der
-Luft beim Verbrennen beständig mit dem verbrennenden Körper verbindet,
-so muß zur Unterhaltung des Feuers immerfort neue Luft hinzutreten.
-Bei Zudeckung des Schornsteins vermag aber die verdorbene Luft nach
-oben nicht zu entweichen und daher auch von unten nicht frische Luft
-zuzuströmen; dem Feuer fehlt es also endlich an Nahrung, und es
-erlischt.
-
-=219. Warum= erlischt das Feuer in einem Schornsteine, wenn man im
-unteren Theile desselben Schwefel verbrennt?
-
-=Weil= bei der Verbrennung des Schwefels eine Luftart, die sogenannte
-schweflige Säure, erzeugt wird, die natürlich selbst nicht mehr die
-Verbrennung unterhalten kann, die aber vermöge ihrer großen Schwere
-den unteren Theil des Schornsteins erfüllt und daher keine neue
-atmosphärische Luft von unten hinzutreten läßt, welche der Flamme neue
-Nahrung zuführen könnte. Da aber auch von oben keine frische Luft
-zutreten kann, weil dort die durch die Verbrennung ihres Sauerstoffs
-beraubte und durch die Wärme ausgedehnte Luft gewaltsam ausströmt, so
-muß das Feuer im Schornstein, seiner Nahrung völlig beraubt, allmählich
-erlöschen.
-
-=220. Warum= erlischt das Feuer bisweilen in einem brennenden Zimmer
-von selbst, wenn Thüren und Fenster desselben dicht verschlossen
-gehalten werden?
-
-=Weil=, obgleich die äußere Luft wegen der Ritzen in den Thüren
-und Fenstern zwar einigen Zutritt zu dem Zimmer hat, doch bei
-verschlossenen Thüren und Fenstern nicht genug frische Luft eindringen
-kann, um die Verbrennung auf die Dauer zu unterhalten. Soll ein Feuer
-fortbrennen, so muß die dasselbe umgebende Luft, welche bereits ihren
-Sauerstoff an die Flamme abgegeben hat und daher zum Verbrennen nicht
-mehr tauglich ist, beständig durch frisch zuströmende sauerstoffhaltige
-Luft ersetzt werden. Soll aber ein Feuer erlöschen, so muß man dasselbe
-gegen das Hinzutreten frischer Luft absperren. Brennende Keller löscht
-man daher am besten, indem man ihre Oeffnungen durch nasse Säcke oder
-nassen Sand oder selbst Mist verschließt. Brennendes Fett oder Oel
-wird durch Ueberdecken mit einem festen Körper, selbst mit Sägespähnen
-gelöscht.
-
-=221. Warum= sterben Thiere in einem luftleeren Raume?
-
-=Weil= zur Erhaltung ihres Lebens durchaus das Einathmen
-sauerstoffhaltiger Luft erforderlich ist und es in einem luftleeren
-Raume, da überhaupt keine Luft vorhanden ist, natürlich auch an dem
-nothwendigen Sauerstoff fehlt. Die Thiere kommen um, gerade wie ein
-Feuer erlischt, dem die zur Unterhaltung des Verbrennens erforderliche
-sauerstoffhaltige Luft nicht zugeführt wird. Wo daher kein Licht
-brennen kann, da kann auch kein Thier leben, mag nun der Grund darin
-liegen, daß die anwesende Luft keinen Sauerstoff enthält, oder daß
-überhaupt gar keine Luft vorhanden ist.
-
-=222. Warum= muß eine auf den Grund des Meeres gelassene Taucherglocke
-von Zeit zu Zeit wieder heraufgezogen werden, damit der darin
-befindliche Mensch fortleben kann?
-
-=Weil= die in der Taucherglocke enthaltene atmosphärische Luft durch
-das Athmen denjenigen Bestandtheil verliert, welcher allein zum
-Fortbestehen des Lebens nothwendig ist, nämlich den Sauerstoff, der
-übrig bleibende Theil, der Stickstoff, aber so wenig wie die von dem
-Menschen ausgeathmete Luft, die Kohlensäure, zum Einathmen tauglich
-ist. Bei den neueren Tauchapparaten pflegt man deshalb den darin am
-Meeresgrunde arbeitenden Menschen durch Druckpumpen in Schläuchen
-beständig frische Luft zuzuführen.
-
-=223. Warum= sterben oft viele Menschen, wenn eine große Menge
-derselben in einem engen, verschlossenen Raume zusammengesperrt wird?
-
-=Weil= die von den Menschen eingeathmete Luft ihren Sauerstoff in den
-Lungen an das Blut abgiebt, beim Ausathmen dagegen nur Kohlensäure
-und Stickstoff von den Lungen wieder ausgestoßen werden, diese beiden
-Luftarten aber nicht zur Athmung und zur weiteren Unterhaltung des
-Lebens tauglich sind. Befinden sich daher viele Menschen in einem
-engen, abgeschlossenen Raume, so wird der Sauerstoff der Luft, da keine
-frische Luft zutreten kann, sehr bald durch das Athmen erschöpft, und
-die Menschen müssen ersticken aus Mangel an sauerstoffhaltiger Luft.
-
-=224. Warum= ist es lebensgefährlich, sich in Keller zu wagen, worin
-Wein oder Bier sich im Zustande der Gährung befinden?
-
-=Weil= die beim Gähren sich entwickelnde Luftart, die Kohlensäure,
-nicht zum Athmen tauglich ist und daher, wenn sie eingeathmet wird, die
-Lebensthätigkeit, welche eine beständige Verjüngung des Blutes durch
-Sauerstoff erfordert, nicht mehr zu erhalten vermag.
-
-=225. Warum= kommen oft Menschen um, die in lange verschlossen gewesene
-Bergwerksgruben, Brunnen oder Kloaken hinabsteigen?
-
-=Weil= in solchen Oertlichkeiten sich Luftarten entwickeln, die
-nicht zum Einathmen tauglich und für die Lungen oft geradezu giftig
-sind. In Brunnen und Bergwerken ist es gewöhnlich die Kohlensäure,
-die sich dort erzeugt und wegen ihrer großen specifischen Schwere
-am Boden lagert. In Abtrittsgruben und Kloaken ist es das noch
-gefährlichere Schwefelwasserstoffgas, welches die Erstickung bewirkt.
-In Steinkohlengruben entwickelt sich oft auch das sogenannte Grubengas
-oder Kohlenwasserstoffgas, das ebensowenig für die Athmung tauglich
-ist, das sich aber auch sehr leicht an der Lampe des Bergmanns
-entzündet und dadurch furchtbare Explosionen veranlaßt. Um sich vor
-der Gefahr des Erstickens in Brunnen, Kellern und Abtrittsgruben zu
-schützen, ist es nothwendig, daß man vor dem Hinabsteigen sich von dem
-Vorhandensein schädlicher Gase überzeugt. Man lasse daher eine an einer
-Leine befestigte Laterne hinab, in welcher ein Licht brennt. Verlöscht
-dieses, so sind sicher Luftarten vorhanden, die auch für die Athmung
-schädlich sind. Um dann die Luft in diesen Räumen zu reinigen, kann
-man hineinschießen oder brennende Strohbündel hineinwerfen und dadurch
-eine Bewegung der Luft hervorrufen. Noch besser aber ist es, Chlorkalk
-oder gebrannten Kalk oder Lappen, die mit Kalkmilch oder Salmiakgeist
-getränkt sind, hinabzuwerfen, weil dadurch die schädlichen Luftarten
-zerstört oder, indem sie sich mit dem Kalk oder Salmiakgeist verbinden,
-unschädlich gemacht werden.
-
-=226. Warum= kommen sehr oft Menschen um, die sich in einer geheizten
-Stube schlafen legen, wenn sie nach dem Abbrennen des Feuers die
-Ofenklappe zu früh zugedreht haben?
-
-=Weil= die glimmenden Kohlen, wenn die Luft von ihnen abgesperrt ist,
-nicht mehr genug Sauerstoff finden, um vollkommen zu verbrennen, und
-dann eine eigenthümliche Luftart entwickeln, die man im gemeinen Leben
-als Kohlendampf bezeichnet, die aber im Wesentlichen eine Verbindung
-der Kohle mit einer geringeren Menge von Sauerstoff ist, als in der
-Kohlensäure vorhanden ist. Diese Luftart oder das Kohlenoxydgas kann
-nun nicht mehr durch den Schornstein entweichen, dringt daher in das
-Zimmer und wird von der schlafenden Person eingeathmet. Sie wirkt
-aber, eingeathmet, in den Lungen giftig und todbringend. Dasselbe
-giftige Gas entsteht auch in Kohlenbecken, weil die über den glimmenden
-Kohlen liegende Asche den Zutritt der Luft erschwert. Es ist daher auch
-gefährlich, Kohlenbecken in Zimmern, namentlich während der Nacht,
-stehen zu lassen.
-
-
-
-
-Vom Schalle.
-
-
- Schall ist die Wirkung der Erschütterung der Theilchen
- eines Körpers, welche sich durch die Luft unserem Hörorgan
- mittheilt. Die Bewegung, auf welcher der Schall beruht, ist
- eine eigenthümlich zitternde oder schwingende. Man kann diese
- Schwingungen bisweilen sehen und fühlen. Man sieht sie in
- dem Schwirren einer tönenden Saite oder in dem Hüpfen des
- Sandes auf dem Resonanzboden eines Klaviers, während dies
- gespielt wird. Man fühlt sie, wenn man an eine etwas große
- Glocke schlägt und dann leise die Fingerspitze an ihren Rand
- legt; man fühlt dann deutlich, daß der entstandene Schall von
- einem inneren Erzittern der äußerlich ganz in Ruhe bleibenden
- Glocke begleitet ist. Daß aber auch in der Luft solche
- Schwingungen stattfinden, davon überzeugt uns das Zerspringen
- der Fensterscheiben durch den Knall einer in der Nähe
- losgeschossenen Kanone, sowie das Erzittern der Fenster und der
- Thüren während eines heftigen Donnerschlages. Je nachdem der
- Schall auf einer einmaligen, plötzlichen, oder auf einer sich
- wiederholenden und andauernden Erschütterung beruht, und je
- nachdem die Schallschwingungen regelmäßig oder unregelmäßig,
- gleichartig oder ungleichartig auf einander folgen,
- unterscheiden wir zwischen einem Knall, einem Geräusch, einem
- Ton oder Klang. Eine einmalige, sehr heftige Erschütterung
- der Luft, der keine andere nachfolgt, ist ein Knall. Viele,
- aber ungleichartig und unregelmäßig auf einander folgende
- Schallschwingungen erzeugen ein Geräusch oder einen Lärm,
- und zwar je nach der Empfindung unseres Ohres ein Rauschen,
- Brausen, Rollen, Klirren, Knarren, Rasseln etc. Gleichartige
- Schwingungen, die mit einer gewissen Regelmäßigkeit und mit
- einer bestimmten Geschwindigkeit einander folgen, empfinden wir
- als Ton oder Klang.
-
-=227. Warum= vernehmen wir einen Schall, wenn wir mit einem Stocke
-gegen einen Stein schlagen?
-
-=Weil= durch das Anschlagen des Stockes gegen den Stein zunächst die
-Theile desselben, welche der Schlag trifft, heftig erschüttert werden,
-und diese Erschütterung den nächsten Theilchen mitgetheilt wird und
-so fort. Da nun der Körper von Luft umgeben ist, so werden auch die
-dem erschütterten Körper zunächst liegenden Lufttheilchen gleichfalls
-erschüttert, und diese Erschütterung pflanzt sich immer weiter fort,
-bis sie diejenigen Lufttheilchen erreicht, die unsern Gehörwerkzeugen
-zunächst sind, und in diesen daher die Empfindung des Schalles erregt.
-
-[Illustration: Fig. 45.]
-
-=228. Warum= vernehmen wir einen Knall, wenn wir mit einer Peitsche
-heftig durch die Luft fahren?
-
-=Weil= durch die heftige Bewegung der Peitsche eine Menge Luft
-plötzlich aus ihrer Lage gedrängt wird, und in Folge dessen abwechselnd
-verdichtete und verdünnte Luftschichten entstehen, ähnlich wie in einer
-größeren Wassermasse, in welcher wir eine kleine Menge Wasser plötzlich
-aus ihrer Lage drängen, indem wir z. B. einen Stein hineinwerfen,
-abwechselnde Wasserberge und Wasserthäler entstehen. Der Stein
-drängt nämlich das Wasser nach allen Seiten, und da das Wasser nicht
-zusammendrückbar ist, so muß rings um den Stein sich eine Erhöhung
-bilden. Diese fließt nach außen und nach innen ab, und die abfließende
-Wassermenge veranlaßt auf der zunächstliegenden Fläche die Entstehung
-einer neuen ringförmigen Erhöhung und scheint so nach außen, sich
-immer mehr erweiternd, fortzuschreiten. Ein ähnlicher Vorgang muß auch
-in der Luft eintreten, wenn der Schlag der Peitsche die plötzliche
-Verschiebung einer Luftmenge bewirkt, nur mit dem Unterschiede, daß
-die Luft zusammendrückbar ist und daher, statt der Wellenberge und
-Wellenthäler, sich ringsum kugelförmig verbreitende verdichtete und
-verdünnte Luftschichten entstehen müssen.
-
-=229. Warum= hört man den Wecker eines Uhrwerks unter der Glocke einer
-Luftpumpe nicht mehr, wenn die Luft ausgepumpt ist?
-
-=Weil= die Schwingungen der Weckerglocke durch die Luft fortgepflanzt
-und unserem Ohre mitgetheilt werden müssen, wenn wir sie als Schall
-empfinden sollen. Wenn aber die Luft fehlt, so können die Schwingungen
-sich auch nicht von dem schallenden Körper weiter verbreiten.
-
-=230. Warum= hören wir einen Schall in der Nähe stärker als in der
-Ferne?
-
-=Weil= die Schallwellen sich wie Hohlkugeln um den schallenden Körper
-ausbreiten, jede Bewegung aber an Stärke in demselben Verhältniß
-abnehmen muß, in welchem die Fläche wächst, über welche sie sich
-ausbreitet. Eine Schallwelle breitet sich in der doppelten Entfernung
-auf eine 4mal so große Fläche aus, und die Erschütterung, die
-sie bewirkt, kann nur noch ¼ so stark sein, als in der einfachen
-Entfernung. Von der Stärke der Erschütterung hängt aber die Wirkung des
-Schalles auf unser Gehörorgan ab; wir hören darum den Schall in der
-doppelten Entfernung auch nur ¼mal so stark.
-
-=231. Warum= geben einige Körper beim Anschlagen einen stärkeren Schall
-als andere?
-
-=Weil= die Körper verschiedene Elasticität und Dichtigkeit besitzen,
-sehr elastische Körper aber eine heftigere Erschütterung der Theilchen
-und weitere Schwingungen zulassen, als weniger elastische, und in
-dichteren Körpern mehr Masse in Schwingungen versetzt wird, als in
-weniger dichten. Von der Erschütterung der Theilchen eines Körpers
-hängt aber die Erschütterung der Luft und von dieser die Wirkung auf
-unser Gehörorgan ab. Sehr weiche Körper, namentlich Flüssigkeiten, sind
-darum nicht geeignet, einen Schall zu erzeugen.
-
-=232. Warum= sieht man aus einiger Entfernung die Axt des Holzhauers
-früher niederfallen, als man den Schlag hört?
-
-=Weil=, wie jede Bewegung eine gewisse Zeit erfordert, so auch eine
-gewisse Zeit vergehen muß, ehe der Schall von seinem Entstehungsorte
-durch die Luft sich bis zu unserm Ohre fortpflanzt. In der Luft
-beträgt die Geschwindigkeit, mit welcher sich der Schall fortpflanzt,
-ungefähr 1060 Fuß oder 333 Meter in der Secunde. Aus der Zeit, welche
-zwischen dem Lichtblitz beim Abschießen einer Kanone und dem Eintreffen
-des Schalles, oder zwischen Blitz und Donner bei einem Gewitter
-verstreicht, kann man auf die Entfernung der Kanone oder des Gewitters
-schließen.
-
-=233. Warum= hört man das Läuten der Glocken oder andere Arten des
-Schalles in gleicher Entfernung, bald stärker, bald schwächer?
-
-=Weil= die Luft bald mehr, bald weniger geeignet ist, die
-Erschütterungen fortzupflanzen, da sie bald eine größere, bald eine
-geringere Dichtigkeit und Elasticität besitzt. Je dichter die Luft
-ist, desto besser leitet sie den Schall. In der dünnen Luft hoher
-Alpengipfel hört man darum den Knall einer Pistole kaum stärker
-als einen kräftigen Handschlag. Im Winter, wo die Luft kälter und
-darum auch dichter ist, hört man den Schall stärker und in weiterer
-Entfernung als im Sommer. Im Sommer wirkt zugleich der Pflanzenwuchs
-der Verbreitung der Schallwellen hemmend entgegen. In der Nacht wird
-ein Schall deutlicher vernommen als am Tage, nicht bloß, weil am Tage
-noch ein mannigfach verworrenes Geräusch die Empfindlichkeit des Ohres
-abstumpft, sondern auch weil am Tage das Aufsteigen der wärmeren Luft
-der Verbreitung der Schallwellen hinderlich wird. Ein der Richtung
-der sich fortpflanzenden Schallwellen entgegen wehender Wind hält sie
-ebenfalls auf, während ein in derselben Richtung wehender Wind die
-Geschwindigkeit der Schallfortpflanzung vergrößert. Regentropfen und
-Schneeflocken unterbrechen und stören vielfach die Schallwellen, und
-man vernimmt darum bei Regen und Schneefall das Läuten einer Glocke
-nicht, das man bei heiterem Wetter sehr deutlich hört.
-
-=234. Warum= hört man entfernten Kanonendonner besser, wenn man das Ohr
-auf die Erde legt?
-
-=Weil= der Erdboden den Schall mit größerer Geschwindigkeit
-fortpflanzt, als die Luft. Ueberhaupt leiten die meisten festen Körper
-und selbst Flüssigkeiten den Schall mit größerer Geschwindigkeit
-fort, als die Luft. So ist die Geschwindigkeit des Schalles in Eisen
-16-2/3, in Tannenholz 18, in Wasser 4½mal so groß als in der Luft.
-Wenn man eine Taschenuhr auf das Ende eines sehr langen Balkens legt,
-so kann man das Ticken derselben noch hören, wenn man das Ohr an das
-andere Ende des Balkens anlegt. Dagegen wird die Fortpflanzung des
-Schalles durch ungleichartige und vielfach unterbrochene Körper stark
-gestört. Namentlich lockere Körper, wie Tuch, Pelz, Wolle, Baumwolle,
-Federn, Sägespähne, sind zur Fortleitung des Schalles wenig geeignet
-und schwächen ihn beträchtlich, weil in ihnen der Schall beständig
-aus einer festeren Schicht in eine eingeschlossene Luftschicht und
-umgekehrt übergehen muß und dabei jedesmal gestört wird. Mit Champagner
-oder Selterwasser gefüllte Gläser klingen daher nicht. Durch wollene
-Decken oder Strohmatten, die man vor Fenster und Thüren hängt, kann man
-das Geräusch der Straße von einem Zimmer fern halten.
-
-=235. Warum= hallen einzelne Silben oder auch wohl ganze Wörter
-zuweilen mehrfach wieder, wenn sie einer Felswand oder der Mauer eines
-Gebäudes gegenüber in einer gewissen Entfernung laut ausgesprochen
-werden?
-
-=Weil= die durch das Aussprechen der Silben oder Wörter verursachten
-Erschütterungen oder Schallwellen der Luft, wenn sie in ihrem
-Fortschreiten gegen die Felswand oder Mauer treffen, von dieser
-zurückgeworfen werden und daher den Schall nach derselben Gegend
-wieder hinsenden, woher er kam, gerade wie ein elastischer Ball von
-einer Wand zurückprallt. Da unser Ohr in einer Secunde höchstens 9--10
-Silben zu unterscheiden vermag, in 1/10 Secunde der Schall aber 33-1/3
-Meter durchläuft, hin und zurück also nur 16-2/3 Meter durchlaufen
-kann, so muß eine Wand mindestens 16-2/3 Meter von uns entfernt sein,
-wenn wir den Nachhall einer ausgesprochenen Silbe oder ihr Echo noch
-deutlich unterscheiden sollen. In einem kleineren Raume, etwa zwischen
-den Wänden eines Zimmers, verschmilzt der Nachhall mit dem Schall
-und verstärkt diesen nur. Soll der Nachhall von 2, 3 und mehr Silben
-deutlich vernommen werden, so muß die den Schall zurückwerfende Wand
-2, 3 oder mehrmal 16-2/3 Meter von uns entfernt sein. Soll eine Silbe
-oder ein Schall überhaupt mehrfach wiederhallen, also ein mehrmaliges
-Echo stattfinden, so muß die Zurückwerfung durch mehrere Wände
-geschehen, die entweder gleichlaufend sich gegenüberstehen oder an
-einander anstoßen. Dies ist z. B. an dem Lurleyfelsen bei Oberwesel am
-Rhein, bei den Adersbacher Felsen in Böhmen und auf dem Königsplatz in
-Kassel der Fall. Eines der berühmtesten Echos ist das beim Schlosse
-Simonetta bei Mailand, das den Schall eines Pistolenschusses 40--50mal
-wiederholt. Bei Musiksälen, Theatern etc. ist es eine der schwierigsten
-Aufgaben der Baukunst, den störenden Nachhall zu beseitigen; das
-geeignetste Mittel dazu scheint die möglichst reiche Gliederung der
-Wände zu sein.
-
-[Illustration: Fig. 46.]
-
-=236. Warum= kann man sich noch auf sehr weite Entfernungen vernehmlich
-machen, wenn man in ein Sprachrohr hineinspricht oder ruft?
-
-=Weil= wegen der kegelförmigen Gestalt des Sprachrohrs die gegen die
-inneren Wände desselben treffenden Schallwellen, nachdem sie mehrmals
-zurückgeworfen worden sind, endlich fast alle eine und dieselbe
-Richtung erhalten und, indem sie fast gleichlaufend austreten, auf
-dem langen Wege durch die freie Luft zusammengehalten werden. Ein
-Höhrrohr ist ein umgekehrtes kleines Sprachrohr, dessen Trichter eine
-große Menge von Schallwellen aufnimmt, die in dem engeren Schallrohr
-zusammengedrängt werden und so verdichtet in das Ohr gelangen, auf
-welches sie darum einen stärkeren Eindruck machen. Da der Schall
-überhaupt nur wenig von seiner Stärke einbüßt, wenn er sich in einer
-begrenzten Luftmasse ausbreitet, so können auch sogenannte Schall-
-oder Communicationsröhren, d. h. beliebig lange, 4--5 Centimeter weite
-Blech- oder Kautschukröhren, in die man hineinspricht, dazu dienen,
-sich auf größere Entfernungen verständlich zu machen. Man findet darum
-solche Röhren in Fabriken oft durch mehrere Stockwerke hindurch. Aus
-demselben Grunde pflanzen auch Kamine, Gasleitungen, Heizungsröhren den
-Schall in auffallender Weise fort, und in Gefängnissen sind sie oft zu
-Verständigungen unter den Gefangenen benutzt worden.
-
-=237. Warum= wird der Ton einer Stimmgabel auffallend stärker, wenn man
-sie auf irgend einen festen Körper, z. B. auf eine Tischplatte aufsetzt?
-
-=Weil= ein fester Körper, wie die Tischplatte, besonders wenn er in
-unmittelbarer Berührung mit dem schallenden Körper steht, selbst in
-ähnliche Schwingungen geräth und diese dann auch der Luft mittheilt,
-dadurch also den Ton des schallenden Körpers verstärkt. Auf diesem
-Mitschwingen oder Mittönen beruht auch der Resonanzboden des Klaviers,
-der Violine u. s. w.
-
-[Illustration:
-
- ~a~) Ohrmuschel.
- ~b~) Gehörgang.
- ~c~) Trommelfell.
- ~d~) }
- ~e~) } Gehörknöchelchen.
- ~f~) }
- ~g~) Vorhof.
- ~h~) Bogengänge.
- ~i~) Schnecke.
-
-Fig. 47.]
-
-=238. Warum= können taubgeborne oder an gewissen Krankheiten des Ohres
-leidende Personen nicht hören?
-
-=Weil= die durch das Sprechen erschütterte Luft zwar ebenfalls diese
-Erschütterungen bis zu ihrem Ohre fortpflanzt, sie hier aber wegen des
-krankhaften Zustandes des Ohres dem Gehörnerv nicht mehr mitgetheilt
-werden können. Dies ist besonders der Fall, wenn der Gehörnerv selbst
-unempfindlich ist, oder wenn das sogenannte Labyrinth fehlt, durch
-dessen Flüssigkeit die Schallschwingungen dem Gehörnerv mitgetheilt
-werden. Unser Ohr ist ein sehr künstlich gebauter Apparat zur Aufnahme
-von Schallschwingungen. Das äußere Ohr sammelt und leitet mittelst
-der durch vielfache Windungen eine große Oberfläche darbietenden
-Ohrmuschel (~a~) die Schallschwingungen in den Gehörgang (~b~), einen
-etwa 1 Zoll langen Kanal im Schläfenbein. Der Gehörgang ist hinten
-durch das Trommelfell (~c~) geschlossen, mit welchem das mittlere
-Ohr oder die Paukenhöhle beginnt, die durch die Eustachische Röhre
-mit der Rachenhöhle, also auch mit der äußeren Luft in Verbindung
-steht. In der Paukenhöhle liegen die Gehörknöchelchen, durch welche
-die Schallschwingungen, welche mittelst des Trommelfells denselben
-mitgetheilt werden, nach den Gesetzen der Resonanz eine größere Stärke
-erhalten. Durch den Verlust des Trommelfells und der Knöchelchen ist
-darum das Gehör nicht aufgehoben, sondern nur bedeutend geschwächt. Die
-Paukenhöhle ist von dem inneren Ohre, dem sogenannten Labyrinth, einer
-Höhlung im Felsenbein, durch eine knöcherne Scheidewand getrennt, in
-welcher zwei mit Haut überzogene Oeffnungen, das runde und das ovale
-Fensterchen, eine Verbindung mit der Paukenhöhle herstellen. Durch
-das ovale Fensterchen theilen sich die Schallschwingungen dem Wasser
-mit, welches das ganze Labyrinth erfüllt, und das sich schwingend
-vor- und zurückbewegen kann, weil das runde Fensterchen, mit welchem
-das Labyrinth endigt, auszuweichen vermag. Das Labyrinth selbst
-besteht wieder aus dem Vorhof (~g~), den drei Bogengängen (~h~) und
-der Schnecke (~i~), in denen sich die Zweige des Gehörnervs mannigfach
-verbreiten. In der Erkrankung dieses Theils liegt also die größte
-Gefahr für die Empfindlichkeit des Gehörs.
-
-=239. Warum= giebt eine dickere Violinsaite einen tieferen Ton als eine
-dünnere, und warum giebt dieselbe Saite einen höheren Ton, wenn sie
-stärker gespannt wird, oder wenn man sie verkürzt?
-
-=Weil= die Höhe eines Tones von der Zahl der Schallwellen abhängt,
-welche in einer Secunde in unser Ohr gelangen und von demselben
-empfunden werden, der Ton einer Saite also um so höher ist, je
-schneller sie schwingt, oder je mehr Schwingungen sie in derselben
-Zeit macht, eine Saite aber um so mehr Schwingungen macht, je dünner,
-je kürzer oder je mehr angespannt sie ist. Eine Saite, welche die
-Octave giebt, macht doppelt so viele Schwingungen in der Secunde,
-als eine Saite, welche den Grundton giebt. Im Allgemeinen beginnt
-unsere Tonempfindung erst bei 30 bis 40 Schwingungen in der Secunde
-und hört bei 5000, höchstens 9000 Schwingungen auf; besonders geübte
-und feinfühlende Ohren hören nach _Helmholtz_ noch Töne von 76000
-Schwingungen in der Sekunde. In der Musik kommt es aber weniger auf
-die absolute Höhe der Töne als auf ihre Verhältnisse oder Intervalle
-an. Die einfachsten Intervalle bilden diejenigen Töne, welche 2, 3, 4,
-5 ... mal so viel Schwingungen machen, als ein anderer Ton, den man
-den Grundton nennt, also die harmonischen Obertöne des Grundtons. Die
-nächsteinfachen Verhältnisse sind die von 3 : 2 und von 5 : 4, und
-solche Töne, welche 3/2 oder 5/4 mal so viel Schwingungen machen, als
-der Grundton, nennt man die Quinte und die Terz des Grundtons. Auch
-die Töne, welche 4/3 und 5/3 mal so viel Schwingungen als der Grundton
-enthalten, die Quarte und die Sexte, klingen noch befriedigend mit
-dem Grundton zusammen. Solche Töne, welche zusammen einen angenehmen
-Eindruck auf das Gehör machen, nennt man consonirend, und ihren
-Zusammenklang selbst Consonanz. Töne, deren Schwingungszahlenverhältniß
-zum Grundton nicht mehr einfach ist, bilden Dissonanzen.
-
-=240. Warum= giebt eine längere Pfeife einen tieferen Ton als eine
-kürzere?
-
-=Weil= es in jeder Pfeife die durch das Einströmen eines schmalen
-Luftstroms hervorgebrachte schwingende Bewegung der eingeschlossenen
-Luftsäule ist, welche den Ton erzeugt, und weil die Höhe dieses Tones
-von der Zahl der in einer Secunde gemachten Schwingungen abhängt, diese
-aber im umgekehrten Verhältniß zur Länge der Pfeife steht. Wenn, wie
-bei der Flöte, die Wände einer Pfeife mit Oeffnungen versehen sind,
-welche geöffnet und geschlossen werden können, so ist die erste nicht
-geschlossene Oeffnung als das Ende der Pfeife anzusehen und die Höhe
-des Tones dem Abstande der Oeffnung vom Mundloch entsprechend. Man
-begreift daher, wie sich durch Oeffnen und Schließen der Seitenlöcher
-der Ton erhöhen und erniedrigen läßt.
-
-[Illustration: Fig. 48.]
-
-=241. Warum= kann man eine ausgeschnittene Gänsegurgel noch zum Tönen
-bringen, wenn man hineinbläst?
-
-=Weil= das in der Gurgel liegende Stimmorgan der Gans, wie der meisten
-Thiere und auch des Menschen, eigentlich eine Pfeife ist, in welcher
-der Ton durch die Schwingungen zweier elastischer Bänder erzeugt wird,
-die zwischen sich nur eine schmale Spalte, die Stimmritze, für den
-durchgehenden Luftstrom freilassen. Das Stimmorgan hat die meiste
-Aehnlichkeit mit einer sogenannten Zungenpfeife, wie wir sie in der
-Kindertrompete kennen, bei welcher der eingeblasene Luftstrom ein
-elastisches Blättchen in Bewegung setzt, welches seine schwingende
-Bewegung dann der in der Pfeife eingeschlossenen Luftsäule mittheilt.
-Bei dem Stimmorgan des Menschen bildet die Lunge nur den Blasebalg,
-die Luftröhre das Windrohr, während der Kehlkopf das eigentliche
-Instrument ist, das in seinem obersten Theile die tönende Zunge
-enthält, und Rachen und Mund nur als Schallbecher dienen. Der Kehlkopf
-besteht aus dem obersten Ringe der Luftröhre oder dem Ringknorpel, dem
-Schildknorpel oder Adamsapfel und den zwei durch Muskeln beweglichen
-Gießkannenknorpeln. Die Schleimhaut der Luftröhre geht in dem Kehlkopf
-in ein sehr elastisches Gewebe über, das von der Vorderkante des
-Schildknorpels sich in zwei halbkreisförmigen Abtheilungen, die man
-Stimmbänder nennt, nach hinten zu den Gießkannenknorpeln zieht.
-Bei gewöhnlichem Athmen liegen diese beiden Häute schlaff über
-einander und schließen den Zwischenraum, so daß das Athmen nur durch
-eine schmale Fortsetzung dieses Zwischenraums zwischen den zwei
-Gießkannenknorpeln, die Athemritze, geschieht. Bei der Tonbildung
-dagegen schließt sich die Athemritze, die Stimmbänder werden straff
-gespannt und ihre Ränder liegen fest aneinander, so daß nur ein feiner,
-grader Spalt, die Stimmritze, übrig bleibt. Indem der Luftstrom durch
-diese hindurchgeht, versetzt er die Stimmbänder in Schwingungen, welche
-sich auf die Luftsäule in der Rachen- und Mundhöhle übertragen. Die
-Höhe des Tons hängt also hauptsächlich von der Spannung und der Länge
-der Stimmbänder ab.
-
-
-
-
-Von der Wärme.
-
-
- Unter Wärme verstehen wir bald das Gefühl, welches wir bei der
- Berührung gewisser Körper empfinden, bald die Ursache dieses
- Gefühles oder den Zustand der Körper selbst, welche diese
- Empfindung in uns hervorrufen. Gewöhnlich spricht man von der
- Wärme, wie von einem Stoffe, der von den Körpern ausströmt,
- fortgeleitet wird, die Körper durchdringt etc., und früher hat
- man auch wirklich einen solchen Wärmestoff angenommen, der
- freilich keine einzige Eigenschaft des Stoffes, namentlich
- keine Schwere besitzt. Das Wesen der Wärme kann man daher
- nur in einer Bewegung sehen, und zwar in einer schwingenden
- oder Wellenbewegung. Nur darüber streitet man noch, ob sie
- eine Bewegung der kleinsten Körpertheilchen selbst, oder eine
- Bewegung eines feinen, alle Körper durchdringenden Stoffes,
- des sogenannten Aethers sei. Die wichtigsten Quellen der
- Wärme sind die Sonnenstrahlen, Reibung, Druck und chemische
- Prozesse, namentlich die Verbrennung; ferner Elektricität und
- Magnetismus. Kälte ist nur Mangel an Wärme. Die Temperatur
- eines Körpers ist der Grad seiner Erwärmung.
-
-=242. Warum= springen Funken ab, wenn man mit einem Stahl an einen
-Feuerstein schlägt?
-
-=Weil= durch das heftige Anschlagen des Stahles gegen den harten
-Feuerstein kleine Stahlstückchen abspringen, die in Folge der durch
-die Reibung erzeugten Hitze glühend werden und, wenn sie auf Schwamm
-oder Zunder fallen, diesen entzünden. Wenn man die Funken auf weißes
-Papier fallen läßt und sie dann durch ein Vergrößerungsglas betrachtet,
-kann man deutlich die geschmolzenen Stahlstückchen erkennen. Auch vom
-eisernen Huf eines auf gepflasterter Straße galoppirenden Pferdes sieht
-man Abends glühende Theilchen umhersprühen. Wenn man zwei Kieselsteine
-heftig an einander schlägt, werden ebenfalls glühende Steinstückchen
-losgerissen. Ueberhaupt wird durch Reibung und starken Druck Wärme
-erzeugt. Ein Hammer erwärmt sich bei längerem Gebrauch, und der Schmied
-kann einen Nagel durch geschicktes Hämmern glühend machen.
-
-=243. Warum= müssen die Achsen der Wagenräder geschmiert werden?
-
-=Weil= bei der Umdrehung der Räder um die Achsen eine heftige Reibung
-stattfindet und durch diese Reibung bedeutende Wärme erzeugt werden
-würde, die sich bis zur Entzündung der Achsen steigern könnte, wenn die
-Reibung nicht durch eine dazwischen gebrachte Flüssigkeit, namentlich
-ein geschmeidiges Oel oder Fett, vermindert würde.
-
-=244. Warum= verbrennt man sich die Hände, wenn man sich schnell an
-einem Seile herabläßt?
-
-=Weil= beim schnellen Herabgleiten an einem Seile eine heftige Reibung
-zwischen den Händen und dem Seile stattfindet, und durch diese Reibung
-Wärme erzeugt wird, die sich zu einem solchen Grade steigern kann, daß
-sie nicht blos die Empfindung des Verbrennens, sondern auch wirkliche
-Brandwunden an den Händen verursacht. Die Reibung und die dadurch
-erzeugte Erwärmung ist um so heftiger, je schneller das Herabgleiten
-geschieht, und je größer die Strecke ist, durch die man sich herabläßt.
-
-=245. Warum= wird frisch gebrannter Kalk heiß, wenn man ihn beim
-Löschen mit Wasser besprengt?
-
-=Weil= das Wasser sich mit dem Kalk zu einem neuen Körper, dem
-gelöschten Kalk, chemisch verbindet, und diese chemische Verbindung
-Wärme erzeugt. Daß der Kalk das Wasser aufgenommen hat, läßt sich
-durch seine Gewichtszunahme beweisen. Das Wasser ist dabei zugleich
-verdichtet und fest geworden; denn der neue Körper ist staubig trocken.
-Daß auch bei andern chemischen Verbindungen Wärme erzeugt wird, kann
-man erfahren, wenn man Schwefelsäure mit Wasser mischt. Darum darf man,
-wenn man sich mit Schwefelsäure beschüttet hat, dieselbe nicht sogleich
-mit Wasser abwaschen, sondern muß sie vorher mit Wolle oder Papier
-abtrocknen. Auch unsere eigene Körperwärme ist ein Erzeugniß chemischer
-Prozesse, die durch unsere Athmung vermittelt werden. Jede Verbrennung,
-die Hauptquelle unserer künstlichen Wärme, ist ein chemischer Prozeß.
-
-=246. Warum= geräth feuchtes Heu häufig in Brand?
-
-=Weil= in solchen feuchten Pflanzenstoffen allmählich eine Gährung
-eintritt, welche die Pflanzenstoffe in eine schwarze, kohlenreiche
-Masse verwandelt, in Folge dieser Gährung und Fäulniß aber diese Stoffe
-sich erhitzen und dabei zugleich eine Menge von Kohlenwasserstoffgas
-entwickeln, das in der porösen Masse sehr verdichtet wird. Da nun
-Heu und ähnliche Pflanzenstoffe zugleich sehr schlechte Wärmeleiter
-sind, d. h. die erzeugte Wärme nicht leicht abgeben, so kann sich
-diese in ihrem Innern bis zu einem Grade steigern, bei welchem die
-Entzündung der Stoffe möglich ist. Kann endlich frische Luft, also
-Sauerstoff, hinzutreten, so muß die Entzündung erfolgen, da die
-beiden Bedingungen der Verbrennung erfüllt sind: die zur Entzündung
-erforderliche Temperatur und der freie Zutritt sauerstoffhaltiger
-Luft. Wie feuchtes Heu, so können sich auch feuchte Sägespäne, Kleie,
-Getreide, Dünger von selbst entzünden. Große Massen von gemahlenem
-Kaffee und Cichorien, wenn sie dicht verpackt sind, ebenso große Massen
-gepulverter Kohle, sind feuergefährlich, weil sie ihrer Porosität wegen
-Luftarten einsaugen und in sich verdichten, durch diese Verdichtung
-aber Wärme erzeugt wird. Fest zusammengepackte gefettete Wolle, fettige
-Putzlappen, gepreßte wollene Tücher, die noch nicht durch das Walken
-ihres Fettes beraubt sind, gefirnißte, fest auf einander gelegte Zeuge
-erhitzen sich gleichfalls, da sie beim Trocknen Sauerstoff aufnehmen
-und in sich verdichten.
-
-=247. Warum= wird durch den Hauch aus dem Munde oder durch den Wind ein
-Licht ausgelöscht?
-
-=Weil= der brennende Theil des Lichtes durch den daran streichenden
-kalten Luftstrom bis unter diejenige Temperatur abgekühlt wird, bei
-welcher das Verbrennen allein noch möglich ist. Denn zum Verbrennen
-eines Körpers gehört nicht nur ein freier Zutritt der Luft, sondern
-auch ein gewisser Grad der Temperatur, der bei den verschiedenen
-Körpern sehr verschieden, bei einigen, wie beim Phosphor, sehr niedrig,
-bei andern, wie bei Holz, Kohlen, Coaks und den meisten Schwermetallen,
-aber sehr hoch ist.
-
-=248. Warum= haben metallene Thee- und Kaffeekannen gewöhnlich hölzerne
-Handgriffe?
-
-=Weil= das Metall ein zu guter Wärmeleiter ist und daher die Wärme
-einer in das Gefäß gebrachten heißen Flüssigkeit sehr schnell und in
-hohem Grade annimmt, während das Holz, als schlechter Wärmeleiter, die
-Wärme nur in geringem Grade und sehr langsam annimmt, so daß uns ein
-hölzerner Handgriff gestattet, die mit heißer Flüssigkeit gefüllte
-Theekanne in die Hand zu nehmen. -- Man nennt nämlich diejenigen
-Körper, welche die Wärme sehr gut aufnehmen und schnell fortleiten,
-gute Wärmeleiter, die entgegengesetzten schlechte Wärmeleiter. Die
-besten Wärmeleiter sind die Metalle, die schlechtesten Luft, Asche,
-Federn, Wolle, überhaupt Haare.
-
-=249. Warum= kann man einen Draht nicht lange in die Lichtflamme
-halten, ohne sich zu verbrennen, während man doch einen Fidibus ohne
-Gefahr bis an die Finger abbrennen lassen kann?
-
-=Weil= das Metall ein sehr guter Wärmeleiter ist, und die durch die
-Flamme erhitzten Theilchen des Drahtes daher ihre Wärme sehr bald den
-nächsten, sie berührenden Theilchen mittheilen, so daß diese Wärme sehr
-schnell bis zu dem in unserer Hand befindlichen Ende gelangt; während
-in dem Papier, als einem sehr schlechten Wärmeleiter, die Wärme sich
-sehr langsam von Theilchen zu Theilchen verbreitet, so daß sie noch
-nicht zu unserer Hand gelangt ist, wenn die Flamme schon nahe daran ist.
-
-=250. Warum= verbrennt man sich leicht die Hand, wenn man dieselbe an
-eine Säge hält, mit der soeben längere Zeit gesägt worden ist?
-
-=Weil= durch die starke Reibung beim Sägen eine bedeutende Wärmemenge
-erzeugt wird, das Holz aber ein schlechter, das Metall dagegen ein
-guter Wärmeleiter ist, und letzteres daher den größten Theil der
-erzeugten Wärme in sich aufnimmt. Aehnliches findet überall statt, wo
-ein metallener Gegenstand an einem hölzernen oder überhaupt an einem
-schlechten Wärmeleiter gerieben wird. Wenn man eine Kupfermünze auf
-dem Fußboden oder auf einem Stück Tuch reibt, so wird sie so heiß, daß
-man die Finger wegziehen muß, während der Fußboden oder das Tuch nicht
-merklich erhitzt ist.
-
-=251. Warum= kann man, wenn man sich die Hand mit Asche bestreut, eine
-glühende Kohle hineinlegen, ohne daß man sich verbrennt?
-
-=Weil= die Asche, als ein äußerst schlechter Wärmeleiter, nur sehr
-langsam die Wärme der Kohle aufnimmt und ebenso langsam an die Hand
-abgiebt. Eben darum geben auch Oefen, in denen sich viel Asche
-befindet, weniger Wärme ab, weil diese die Wärme des Feuers nur
-wenig annimmt und in sehr geringem Grade fortleitet. Aus demselben
-Grunde schützt man auch Gegenstände vor dem Verbrennen, indem man
-die Zwischenräume zwischen den Doppelwänden der eisernen feuerfesten
-Schränke mit Asche füllt. Auch Dampfröhren und Dampfkessel werden
-zweckmäßig mit einem Mantel umgeben, dessen Füllung aus Asche, Lehm und
-Haaren besteht, weil diese schlechtleitenden Stoffe das Entweichen der
-Wärme verhindern.
-
-=252. Warum= können Schmiede glühende Kohlen auf ihre Hand legen und
-sie einige Zeit darauf liegen lassen, ohne eine unangenehme Empfindung
-zu haben?
-
-=Weil= die Hände dieser Leute gewöhnlich in Folge ihrer schweren Arbeit
-an ihrer inneren Fläche mit einer harten hornartigen Haut überzogen
-sind, das Horn aber als ein sehr schlechter Wärmeleiter nur langsam die
-Hitze der glühenden Kohle zum empfindlichen Fleisch durchdringen läßt.
-
-=253. Warum= machen eiserne Oefen die Zimmer wärmer, mindestens
-schneller warm, als thönerne?
-
-=Weil= Eisen ein besserer Wärmeleiter ist als Thon. Da nun das in dem
-Ofen angezündete Feuer seine Wärme demselben mittheilt, und diese
-Mittheilung desto schneller und in einem desto höhern Grade erfolgt,
-aus je besseren Wärmeleitern der Ofen besteht, so muß ein eiserner Ofen
-die Wärme schneller und in höherem Grade annehmen, als ein thönerner.
-Ersterer wird aber aus demselben Grunde auch die erhaltene Wärme
-schneller an die Luft des Zimmers abgeben und es daher wärmer machen;
-freilich wird er auch wieder schneller erkalten, als letzterer.
-
-=254. Warum= giebt ein Ofen weniger Wärme von sich, wenn der Aufsatz
-desselben voll Ruß ist?
-
-=Weil= der Ruß ein schlechter Wärmeleiter ist, die Wärme also nur
-schwer annimmt und eben so schwer wieder an andere Körper abgiebt.
-Bei der Erwärmung der Zimmer durch Oefen hängt aber alles davon ab,
-daß die den Letzteren durch das Feuer mitgetheilte Wärme sich der
-Luft des Zimmers mittheilt. Da nun dem Ofen wegen der geringeren
-Wärmeleitungsfähigkeit des Rußes nur sehr langsam Wärme mitgetheilt
-wird, so kann er auch das Zimmer nur wenig erwärmen.
-
-=255. Warum= werden Oefen gewöhnlich mit mehreren Zügen versehen?
-
-=Weil= die erhitzte Luft im Innern des Ofens desto mehr Wärme
-mittheilen kann, je mehr sie Flächen findet, an die sie dieselbe
-abgeben kann. Je mehr Züge aber ein Ofen hat, desto mehr bietet er
-Flächen im Innern. Die heiße Luft im Ofen kann daher nicht durch den
-Schornstein entweichen, ohne zuvor den größten Theil ihrer Wärme
-verloren zu haben, die durch Vermittlung der Ofenwände dem Zimmer zu
-Gute gekommen ist.
-
-=256. Warum= brennt ein Räucherkerzchen, auf ein hölzernes Brett
-gesetzt, ganz aus, aber nicht, wenn man es auf eine Metallplatte stellt?
-
-=Weil=, wenn man das Räucherkerzchen auf eine Metallplatte stellt,
-diese, als ein guter Wärmeleiter, dem brennenden Räucherkerzchen
-schnell seine Wärme entzieht, so daß es verlöschen muß, weil ihm
-zuletzt eine der zum Verbrennen nothwendigen Bedingungen, nämlich der
-erforderliche Temperaturgrad, fehlt. Das hölzerne Brett ist dagegen ein
-schlechter Wärmeleiter und entzieht daher dem Räucherkerzchen auch nur
-sehr wenig Wärme, so daß es ungehindert ausbrennen kann.
-
-=257. Warum= schützt uns im kalten Winter das Pelzwerk gegen die Kälte?
-
-=Weil= das Pelzwerk, als einer der schlechtesten Wärmeleiter, nur sehr
-langsam die Wärme annimmt und ebenso nur sehr wenig weiter leitet,
-darum also auch die natürliche Wärme unserem Körper nicht entzieht.
-Der Pelz wärmt nicht darum, weil er etwa selbst Wärme enthielte,
-sondern nur darum, weil er unsere natürliche Körperwärme verhindert zu
-entweichen.
-
-=258. Warum= giebt man Eisgruben hölzerne, mit Stroh bedeckte Wände und
-Strohdächer?
-
-=Weil= hölzerne, mit Stroh bedeckte Wände, sowie Strohdächer sehr
-schlechte Wärmeleiter sind und darum die Wärme der äußeren Luft und
-der Sonnenstrahlen nur sehr langsam annehmen und in das Innere des
-Eiskellers fortleiten. Statt der Strohwände kann man solche Eisbehälter
-auch mit einer Kohlen- oder Aschenschicht umgeben, die ein noch
-schlechterer Wärmeleiter ist.
-
-=259. Warum= halten Strohdächer im Sommer kühl, im Winter warm?
-
-=Weil= sie als schlechte Wärmeleiter im Sommer die äußere Wärme nur
-langsam und in geringem Grade annehmen, und der von ihnen geschützte
-Raum also auch nicht so erhitzt werden kann, als unter anderen Dächern;
-während sie im Winter wieder weniger von der inneren Wärme des Hauses
-in die äußere kalte Luft ableiten. Unter Zink- oder Bleidächern ist
-es im Sommer sehr heiß, im Winter sehr kalt, weil Metalle zu gute
-Wärmeleiter sind.
-
-=260. Warum= baut man in sehr kalten Gegenden die Häuser nicht aus
-Stein, sondern aus Holz?
-
-=Weil= Holz, als schlechter Wärmeleiter, die innere Wärme des Hauses
-nur langsam in die äußere Luft ableitet, Stein als besserer Wärmeleiter
-aber viel schneller die inneren Räume ihrer Wärme beraubt. Sogar Eis
-ist ein schlechterer Wärmeleiter als Stein, und die Eskimos bauen
-daher ihre Winterwohnungen zum Schutze gegen die Kälte aus Eis. Auch
-die Mitglieder der Nordpolexpeditionen, die in jenen eisigen Regionen
-überwintern, umgeben ihr Schiff im Winter mit mächtigen Mauern von Eis
-und Schnee.
-
-=261. Warum= werden im Winter die Zimmer wärmer erhalten, wenn man
-dieselben durch Doppelfenster verwahrt?
-
-=Weil= die zwischen gut schließenden Doppelfenstern abgesperrte ruhige
-Luftschicht, als ein sehr schlechter Wärmeleiter, die Wärme des Zimmers
-nicht nach außen entweichen läßt. Unsere geheizten Zimmer werden im
-Winter nur darum allmählich kalt, weil ihre Wärme sich mit der äußeren
-kalten Luft allmählich ausgleicht, und zwar theils dadurch, daß Wände
-und Fensterscheiben die Wärme nach außen mittheilen, theils dadurch,
-daß die schwerere kalte Luft durch die Ritzen der Thüren und Fenster in
-das Zimmer eindringt und die wärmere Luft verdrängt.
-
-=262. Warum= halten weite Kleider wärmer, als enganschließende?
-
-=Weil= die abgesperrte Luftschicht zwischen dem Körper und der
-Bekleidung als ein sehr schlechter Wärmeleiter die natürliche
-Körperwärme am Entweichen verhindert. Daß Federbetten wärmer halten
-als wollene Decken, liegt auch mehr an der von ihnen eingeschlossenen
-Luftschicht, als an der geringeren Leitungsfähigkeit der Federn oder
-gar an der Dicke der Betten.
-
-=263. Warum= erfrieren die Saaten nicht, wenn sie mit Schnee bedeckt
-sind?
-
-=Weil= der Schnee an sich als schlechter Wärmeleiter, noch mehr aber
-durch die große Menge der in seinen Zwischenräumen eingeschlossenen
-Luft eine hinreichende Wärmemenge in dem Boden zurückhält und
-andererseits dem Einwirken der kalten Luft auf den Boden hinreichend
-wehrt, um die Saaten vor dem Erfrieren zu schützen.
-
-=264. Warum= frieren wir in einem Bade von 15° R., während wir uns doch
-in einer Luft von 15° Wärme sehr behaglich fühlen?
-
-=Weil= das Wasser ein weit besserer Wärmeleiter ist als die Luft und
-daher unserem Körper sehr schnell Wärme entzieht, ein Wärmeverlust
-unsers Körpers uns aber das Gefühl des Frierens erzeugt.
-
-=264~a~. Warum= scheinen manche Körper uns beim Anfühlen kälter zu sein
-als andere?
-
-=Weil= bei der Berührung gute Wärmeleiter unserer Hand einen Theil
-ihrer natürlichen Wärme entziehen und dadurch die Empfindung von Kälte
-in derselben erzeugen, während schlechte Wärmeleiter nur sehr wenig
-von der Wärme der Hand annehmen und ihr daher ihre natürliche Wärme
-lassen, so daß kein Gefühl von Kälte in derselben entstehen kann.
-Metalle fühlen sich daher gewöhnlich kälter an als Holz oder gar Wolle.
-Sind aber gute und schlechte Wärmeleiter bis zu einem gewissen Grade
-gleich stark erwärmt worden, etwa durch die heißen Sonnenstrahlen im
-Sommer oder durch die Wärme eines Ofens, so fühlen sich auch die guten
-Wärmeleiter heißer an als die schlechten, weil erstere ihre Wärme sehr
-schnell an die Hand abgeben, letztere nicht. An metallenen Thürgriffen
-können wir uns an heißen Sommertagen fast verbrennen, während Wolle
-kaum merklich warm erscheint.
-
-=265. Warum= können Juwelenhändler bisweilen durch bloßes Anfühlen
-ächte Steine von unächten unterscheiden?
-
-=Weil= Edelsteine bessere Wärmeleiter als unächte Steine sind, die
-gewöhnlich aus Glas bestehen, die ersteren daher beim Anfühlen der Hand
-etwas schneller die Wärme entziehen und das Gefühl von Kälte erzeugen,
-als die letzteren. Doch dürfte jedenfalls eine große Uebung dazu
-gehören, um auf diese Weise mit Sicherheit ächte und unächte Steine zu
-unterscheiden, da der Unterschied in der Wärmeleitung nur ein geringer
-ist. Besser erkennt man die verschiedene Wärmeleitung durch Anhauchen.
-Edelsteine nehmen den Hauch oder Wasserniederschlag nicht nur schwerer
-an, weil sie als bessere Wärmeleiter schneller warm werden, sondern
-verlieren ihn auch schneller.
-
-=266. Warum= werden wir von einem kalten Winde so durchkältet?
-
-=Weil= die kalte Luft unserem Körper auf dem Wege der Mittheilung seine
-natürliche Wärme entzieht und, da bei einem Winde immer neue kalte
-Lufttheilchen an unsern Körper herandringen, diese Entziehung der Wärme
-um so schneller erfolgt. Da der Wind unsere Kleider durchdringt, so
-hebt er auch den Schutz auf, den diese Kleider uns theils als schlechte
-Wärmeleiter, theils durch die eingeschlossene ruhige Luftschicht
-gewähren. An einem Wintertage wird uns darum auch die Kälte weit
-empfindlicher bei windigem Wetter, als bei Windstille, obgleich das
-Thermometer denselben Kältegrad anzeigt.
-
-=267. Warum= wird ein Zimmer erwärmt, in dessen Ofen man Feuer gemacht
-hat?
-
-=Weil= der Ofen die ihm durch das Feuer mitgetheilte Wärme nicht bloß
-der ihn unmittelbar umgebenden Luftschicht mittheilt, sondern sie auch
-in das ganze Zimmer ausstrahlt. Daß die Wärme sich nicht blos durch
-Mittheilung oder Leitung von Lufttheilchen zu Lufttheilchen, sondern
-auch durch Strahlung verbreitet, sehen wir daraus, daß sich das Gefühl
-der Wärme sofort vermindert, wenn wir einen Schirm zwischen uns und den
-Ofen bringen, der die strahlende Wärme von uns abhält. Auch die Sonne
-strahlt ihre Wärme aus, und die Luft wird daher durch diese strahlende
-Wärme wenig erwärmt, wie es uns die Kälte in großen Höhen beweist.
-Ueberhaupt strahlen alle Körper ihre Wärme gegen minder warme aus.
-Daher kommt es, daß die Gegenstände in einem Zimmer allmählich ihre
-Wärme so ausgleichen, daß sie dieselbe Temperatur zeigen.
-
-=268. Warum= werden am Spalier gezogene Früchte gewöhnlich früher reif
-als freistehend gezogene?
-
-=Weil= die Früchte am Spalier nicht bloß unmittelbar die Wärme der
-Sonnenstrahlen empfangen, wie die freistehenden, sondern überdies noch
-durch die von der Mauer zurückgeworfenen Strahlen erwärmt werden.
-Wärmestrahlen werden ebenso zurückgeworfen wie Schallwellen.
-
-=269. Warum= kann man mit einem Brennglas Papier entzünden, wenn man
-die Sonnenstrahlen senkrecht hindurchgehen läßt?
-
-=Weil= die erwärmenden Sonnenstrahlen, wenn sie durch das Brennglas
-(eine auf beiden Seiten gewölbt oder convex geschliffene Glasplatte)
-hindurchgehen, so in ihrer Richtung verändert werden, daß sie alle in
-einem Punkte zusammentreffen und hier durch ihre vereinigte Wirkung
-eine Hitze hervorbringen, die stark genug ist, Papier oder andere
-leicht brennbare Gegenstände zu entzünden.
-
-=270. Warum= empfinden wir im Sommer die Hitze in schwarzen Kleidern
-mehr als in weißen?
-
-=Weil= schwarze Kleider, wie überhaupt dunkelfarbige Körper, die von
-der Sonne ausstrahlende Wärme leichter aufnehmen als weiße Kleider
-oder überhaupt hellfarbige Körper, welche die Wärmestrahlen vielmehr
-zurückwerfen. Hellfarbige Sommerkleider schützen uns daher vor der
-Wirkung der Sonnenwärme. Dagegen wählt man zur Winterkleidung im Zimmer
-besser dunkle Stoffe, welche die vom Ofen ausgestrahlte Wärme leichter
-aufnehmen und dem Körper zuführen. Ebenso schmilzt mit Staub bedeckter
-Schnee leichter als völlig reiner Schnee, und werden dunkle Mauern mehr
-erwärmt als weiße.
-
-=271. Warum= kocht das Wasser in einem neuen Kessel nicht so schnell
-wie in einem alten, mit Ruß bedeckten?
-
-=Weil= der neue Kessel blank ist, und die Wärme von blanken und hellen
-Flächen stärker zurückgeworfen wird als von rauhen und dunklen.
-Der neue Kessel wird auch nicht so schnell erwärmt und kann daher
-auch nicht so viel Wärme an das Wasser abgeben. Darum erwärmen auch
-schwarze eiserne Oefen mit vielen Verzierungen und rauhe dunkelfarbige
-Kachelöfen die Zimmer leichter als helle und polirte Oefen.
-
-=272. Warum= halten sich Speisen in glasirten Porzellangefäßen länger
-warm, als in rauhen oder gar berußten irdenen Gefäßen?
-
-=Weil= rauhe Körper zwar die Wärme von außen leichter aufnehmen und
-gleichsam einsaugen, aber die eigene Wärme dafür auch wieder schneller
-ausstrahlen. Darum heizen zwar rauhe und dunkle Oefen besser, aber
-helle und glasirte Oefen halten sich länger warm.
-
-=273. Warum= ist es gewöhnlich gegen Morgen kälter als mitten in der
-Nacht?
-
-=Weil= der Erdboden die am Tage durch die Sonnenstrahlen empfangene
-Wärme in der Nacht allmählich wieder gegen den kalten Himmelsraum
-ausstrahlt, gegen Morgen daher der Wärmeverlust größer sein muß als
-in der Nacht. Ein dunkler und mit Pflanzen bedeckter Boden strahlt
-natürlich auch wieder mehr Wärme aus als ein heller und kahler Boden.
-Am stärksten ist die Wärmestrahlung des Bodens unter den Wendekreisen,
-und wegen dieser bedeutenden Abkühlung ist es dort lebensgefährlich,
-eine Nacht im Freien zu schlafen.
-
-[Illustration: Fig. 49.]
-
-=274. Warum= pflegt man bei bedecktem Himmel keine Nachtfröste zu
-befürchten?
-
-=Weil= die vom Erdboden ausstrahlende Wärme von den Wolkenschichten zur
-Erde zurückgeworfen wird, so daß eine starke Abkühlung des Bodens und
-der unteren Luftschichten nicht statt finden kann. In sehr heiteren
-Nächten sucht man daher in Weinbergen oft die Weinstöcke vor dem Frost
-durch angezündete qualmende Feuer zu schützen, deren Rauchwolken
-in ähnlicher Weise wie die Wolken wirken. Auch die Tannenzweige
-oder Rohr- und Strohmatten, welche Gärtner über zarte Pflanzen
-ausspannen, gewähren nur dadurch Schutz, daß sie eine Rückstrahlung der
-ausgestrahlten Wärme bewirken.
-
-=275. Warum= läßt sich Wasser schwerer erwärmen als Oel, warum behält
-es aber auch dafür seine Wärme länger als Oel?
-
-=Weil= das Wasser eine größere Fähigkeit hat, Wärme in sich aufzunehmen
-als das Oel, und darum auch einer größeren Wärmemenge bedarf, um
-denselben Temperaturgrad zu erreichen, ebenso aber auch viel mehr
-Wärme abgeben muß, um auf denselben Temperaturgrad herabzusinken.
-Man nennt diese verschiedene Fähigkeit der Körper, Wärme zu binden,
-Wärmecapacität. So ist die Wärmecapacität des Eisens doppelt so groß
-als die des Zinnes, und Zinn läßt sich darum zwar schneller erwärmen
-als Eisen, erkaltet aber auch schneller. Ferner ist die Wärmecapacität
-des Wassers fast 4mal so groß als die des Erdbodens, und es erklärt
-sich daraus, daß der Erdboden viel schneller von den Sonnenstrahlen
-erwärmt wird, aber auch ebensoviel schneller durch kalte Winde
-und nächtliche Ausstrahlung seine Wärme verliert, als die großen
-Wasserflächen der Erde.
-
-=276. Warum= wird weniger Schnee durch ein Pfund Blei geschmolzen, das
-man auf 80° R. erhitzt hat, als durch ein Pfund Wasser von derselben
-Temperatur?
-
-=Weil= das Blei eine bedeutend geringere Wärmecapacität besitzt als das
-Wasser, daher eine bedeutend größere Menge Blei als Wasser erforderlich
-ist, um dieselbe Wärmemenge aufzunehmen oder wieder abzugeben. 1 Pfund
-Blei von 80° R. würde nur etwas über 18 Gramm Schnee zu schmelzen im
-Stande sein, während 1 Pfund Wasser von 80° R. fast 630 Gramm Schnee
-schmelzen würde. Deshalb wird auch 1 Pfund Wasser von 0° durch 1 Pfund
-Blei von 80° R. nur auf 2½° R. erwärmt, während 1 Pfund Wasser von 0°,
-welches man mit 1 Pfund Wasser von 80° R. mischt, eine Temperatur von
-40° annimmt.
-
-
-
-
-Ausdehnung der Körper durch Wärme.
-
-
- Die wichtigste Wirkung der Wärme ist die Ausdehnung. Alle
- Körper dehnen sich in der Wärme aus und ziehen sich in der
- Kälte zusammen. Wenn indeß feuchter Thon in der Hitze sich
- zusammenzieht oder schwindet, so ist das nur eine scheinbare
- Ausnahme, da er durch die Hitze das Wasser verliert, welches
- ihm seine größere Ausdehnung gab. Nur das Wasser macht eine
- wirkliche Ausnahme. Bei einer Temperatur von 3° R. hat es
- seine größte Dichtigkeit; von da ab dehnt es sich sowohl bei
- weiterer Erwärmung als bei weiterer Abkühlung immerfort aus. Im
- Augenblicke des Gefrierens besitzt es etwa dieselbe Ausdehnung,
- wie bei der Temperatur von 6½° R. Auch beim Gefrieren
- dehnt sich das Wasser aus; das Eis hat also ein geringeres
- specifisches Gewicht als das Wasser oder ist leichter als
- dasselbe und schwimmt daher auf dem Wasser.
-
- [Illustration: Fig. 50.]
-
- Die Ausdehnung der Körper durch die Wärme wird zur Messung der
- Wärme benutzt, und zwar bedient man sich dazu besonders solcher
- Körper, welche sich durch eine gewisse Gleichförmigkeit der
- Ausdehnung auszeichnen, vor Allem des Quecksilbers, aber auch
- des Weingeistes, der Luft und bisweilen sogar der Metalle.
- Das gewöhnlichste Instrument zur Messung der Wärme ist das
- Thermometer. Es besteht aus einer engen gläsernen Röhre, welche
- unten in eine Kugel ausläuft. Diese Röhre wird mit Quecksilber
- oder Weingeist gefüllt und, nachdem durch Erhitzen die Luft
- ausgetrieben ist, oben zugeschmolzen. An dieser Röhre befindet
- sich eine Gradeintheilung oder Skala. Auf dieser wird zunächst
- der Punkt bestimmt, bis zu welchem das Quecksilber in der
- Röhre sich bei der Temperatur des siedenden Wassers ausdehnt,
- ebenso derjenige Punkt, an welchem das Quecksilber bei der
- Temperatur des gefrierenden Wassers steht. Der erstere heißt
- der Siedepunkt, der letztere der Eispunkt oder Gefrierpunkt.
- Der Zwischenraum zwischen beiden Punkten wird bei dem
- _Réaumur_'schen Thermometer in 80, bei dem _Celsius_'schen in
- 100 gleiche Theile oder Grade eingetheilt. Der Gefrierpunkt ist
- zugleich der Nullpunkt. Bei dem _Fahrenheit_'schen Thermometer
- wird der Nullpunkt durch eine Temperatur bezeichnet, welche
- durch eine künstliche Kältemischung von Schnee und Salmiak
- erzeugt wird. Dieser künstliche Eispunkt liegt 14-2/9
- _Réaumur_'sche Grade tiefer als der natürliche Gefrierpunkt.
- Der Zwischenraum zwischen diesem künstlichen Eispunkt und dem
- Siedepunkt ist beim _Fahrenheit_'schen Thermometer in 212
- Grade eingetheilt. Der natürliche Gefrierpunkt liegt also
- hier bei 32 Grad. -- Das erste Thermometer soll der Holländer
- _Cornelius Drebbel_ gegen das Jahr 1630 erfunden haben; doch
- war es noch sehr unvollkommen und maß die Temperatur nur durch
- die Ausdehnung der Luft, welche das Steigen und Fallen einer
- rothgefärbten Flüssigkeit im untern Theile der Röhre bewirkte.
- Die gegenwärtige Einrichtung erhielt das Thermometer erst durch
- die Akademie von Florenz, die zuerst eine Füllung mit Weingeist
- anwandte. Die jetzigen festen Punkte wurden von _Fahrenheit_ in
- Danzig (1709) und _Réaumur_ (1730) eingeführt. Der Gebrauch des
- Quecksilbers für das Thermometer rührt von _Fahrenheit_ (1714),
- die hunderttheilige Skala von _Celsius_ in Upsala (1742) her.
-
-=277. Warum= läßt sich ein eiserner Topf, den man kalt gerade noch
-durch eine Ofenthür schieben konnte, wenn er heiß geworden, nicht
-wieder herausziehen?
-
-=Weil= das Eisen sich durch die Wirkung der Wärme ausgedehnt, der heiße
-Topf daher einen weit größeren Inhalt und größere Höhe angenommen hat
-als vorher. Aus demselben Grunde füllen Plättbolzen rothglühend die
-Plätteisen fast ganz aus, während sie kalt sich darin hin und her
-schütteln ließen.
-
-=278. Warum= legt der Schmied den eisernen Wagenreif glühend um das Rad?
-
-=Weil= der eiserne Reif im glühenden Zustande ausgedehnt ist und, wenn
-er so an das Rad befestigt wird, sich beim Erkalten zusammenziehen und
-daher fest an das Rad anschließen muß. Dagegen schlägt der Schmied
-die Nägel kalt in das heiße Eisen, weil sie, heiß eingeschlagen, nach
-dem Erkalten ihren Raum nicht mehr ganz ausfüllen und daher leicht
-herausfallen würden.
-
-=279. Warum= zerspringt ein Glas, wenn man plötzlich heißes Wasser
-hineingießt, oder wenn man es auf einen heißen Ofen setzt?
-
-=Weil= das Glas in Folge der Erwärmung sich ausdehnt, diese Ausdehnung
-aber eine sehr ungleichmäßige ist, da der Boden des Glases beim
-Hineingießen heißen Wassers oder bei der Erwärmung des Glases von unten
-stärker und schneller erwärmt wird als die Seitenwände. Da das Glas
-aber ein sehr spröder Körper ist, dessen Theile starke Verschiebungen
-nicht ertragen, so muß es zerspringen. Wenn man ein Glas auf einen
-heißen Ofen stellt, so kann man es vor dem Springen dadurch schützen,
-daß man ein Blatt Papier unterlegt, da das Papier als schlechter
-Wärmeleiter die zu schnelle Mittheilung der Ofenwärme an den Boden des
-Glases verhindert.
-
-=280. Warum= bekommen Steinplatten, die durch eiserne Klammern
-zusammengehalten sind, bei strenger Kälte nicht selten Risse?
-
-=Weil= die eisernen Klammern sich in der Kälte stark zusammenziehen
-und, wenn sie sehr fest eingelassen sind und daher keinen Spielraum
-haben, die Steinplatten mit sich ziehen und gewaltsam zerreißen.
-
-=281. Warum= darf man bei Zinkbedachung die Platten nicht
-zusammenlöthen oder nieten?
-
-=Weil= die Zinkplatten in der Wärme sich ausdehnen, wenn sie aber an
-einander befestigt sind, in Folge ihrer Ausdehnung sich verwerfen
-und krümmen müssen. Ihre Zusammenziehung in der Kälte würde sogar
-ihre Zerreißung zur Folge haben. Man pflegt daher diese Platten nur
-zu falzen, d. h. mit den umgebogenen Rändern an einander zu haken,
-damit sie sich ungehindert ausdehnen und zusammenziehen können.
-Eisenbahnschienen, die so dicht an einander gelegt sind, daß sie mit
-ihren Enden an einander stoßen, krümmen oder werfen sich gleichfalls in
-der Hitze.
-
-[Illustration: Fig. 51.]
-
-=282. Warum= pflegt man bei sehr feinen Pendeluhren die Pendelstange
-aus verschiedenen, zum Theil an einander gelötheten Metallstäben
-zusammenzusetzen? (Fig. 51.)
-
-=Weil= in Folge der Ausdehnung durch die Wärme die Pendelstange bald
-verlängert, bald verkürzt werden würde, von der Länge des Pendels aber
-die Dauer der Schwingungen abhängt; weil es jedoch bei der Anwendung
-verschiedener Metalle durch ihre verschiedene Ausdehnung möglich wird,
-die Verschiebungen des Schwingungsmittelpunkts so auszugleichen, daß
-das Pendel beständig eine gleiche Länge behauptet. Man nennt eine
-solche Einrichtung eine Compensation. Gewöhnlich benutzt man dazu eine
-Verbindung von Zink- und Stahlstäben, deren Ausdehnungen bei gleicher
-Temperaturerhöhung sich nahezu wie 18 : 7 verhalten. Die Pendelstange
-trägt dann an ihrem oberen Theile ein stählernes Querstück, an dessen
-Enden zwei Stahlstäbe (~e~) befestigt sind, die unten wieder an zwei
-Querstücken mit zwei aufwärts gerichteten Zinkstäben (~z~) verbunden
-sind, an deren oberem Querstück die eigentliche stählerne Pendelstange
-(~E~) hängt. Wenn sich nun diese mittlere Pendelstange durch die Wärme
-nach unten verlängert, dehnen sich die Zinkstäbe gleichzeitig fast
-dreimal so stark aus und heben das Querstück, an welchem sie befestigt
-sind, und damit auch die Pendelstange wieder nach oben. Damit aber
-diese Hebung nicht zu groß werde, dehnen sich wieder die seitlichen
-Stahlstäbe nach unten aus, und es ist leicht zu begreifen, daß bei
-richtig gewählter Länge dieser Stäbe die Hebungen und Senkungen
-derselben in Folge der Wärme in ihren Wirkungen einander völlig
-vernichten können. Auch bei der Unruhe der Taschenuhren wendet man
-bisweilen eine solche Compensation an, indem man den Schwungring aus
-feinen Stahl- und Messinglamellen zusammensetzt.
-
-=283. Warum= springen Gefäße, in denen Wasser gefriert?
-
-=Weil= das Wasser sich beim Gefrieren sehr stark ausdehnt, während
-das Gefäß sich nicht erweitert, das gefrorene Wasser aber als fester
-Körper sich nicht mehr durch Ausfließen einen größeren Raum verschaffen
-kann und daher die Wände des Gefäßes sprengen muß. Die Kraft des
-gefrierenden Wassers in Folge seiner Ausdehnung ist so groß, daß es
-selbst Felsen und eiserne Bomben sprengt.
-
-=284. Warum= frieren unsere stehenden Gewässer (Teiche und Seen) nicht
-bis auf den Grund aus?
-
-=Weil= das Wasser, wenn es sich bis zu 3° R. abgekühlt hat, seine
-größte Dichtigkeit besitzt, also am schwersten ist, bei weiterer
-Abkühlung daher leichter wird, so daß sich das kältere Wasser an die
-Oberfläche lagert und gefriert und nun eine schützende Eisdecke über
-dem Wasser bildet, welche ein zu weites Eindringen der Kälte in die
-Tiefe verhindert. Besäße das Wasser diese Eigenthümlichkeit nicht,
-nähme seine Dichtigkeit vielmehr bis zum Gefrierpunkte zu, so würden
-allerdings diese Gewässer völlig ausfrieren. Es würde dann die oberste
-abgekühlte und schwerer gewordene Wasserschicht zu Boden sinken, und
-dieses Auf- und Absteigen des Wassers würde fortdauern, bis die ganze
-Wassermasse auf den Gefrierpunkt erkaltet wäre. So hat aber dieses Auf-
-und Niedersteigen des Wassers bereits ein Ende, sobald die Wassermasse
-auf 3° R. erkaltet ist, und das Gefrieren kann daher nur an der
-Oberfläche stattfinden.
-
-=285. Warum= laufen Gefäße über, die mit einer Flüssigkeit bis nahe an
-den Rand gefüllt sind, sobald sie erwärmt werden?
-
-=Weil= die Flüssigkeit in Folge der Wärme sich ausdehnt und, da das
-Gefäß ihr nicht gestattet, einen größeren Raum einzunehmen, über den
-Rand desselben hinausgetrieben wird. Nimmt man das Gefäß vom Feuer, so
-sinkt die sich abkühlende Flüssigkeit wieder, weil sie sich in einen
-kleineren Raum zusammenzieht.
-
-=286. Warum= steigt das Thermometer in der Wärme und fällt in der Kälte?
-
-=Weil= das in der Röhre des Thermometers enthaltene Quecksilber,
-wie jeder andere Körper, sich bei zunehmender Wärme ausdehnt, bei
-abnehmender Wärme zusammenzieht und daher im ersteren Falle einen
-größeren, im letzteren einen kleineren Raum einnimmt. Wenn aber das
-Quecksilber in der Wärme einen größeren Raum einnimmt, so muß es auch
-in einer engen Röhre höher stehen. Andere Flüssigkeiten thun zwar
-dasselbe, doch ist ihre Ausdehnung bei verschiedenen Temperaturgraden
-nicht eine so gleichmäßige, wie die des Quecksilbers.
-
-=287. Warum= springen Kastanien, wenn man sie nicht vorher
-aufgeschlitzt hat, mit einem heftigen Knalle auf, sobald sie auf
-glühende Kohlen oder heiße Asche gelegt werden?
-
-=Weil= die unter der Schale eingesperrte Luft, durch die Hitze
-ausgedehnt, sich einen Ausgang zu bahnen strebt und daher die Schale,
-die sie daran hindert, gewaltsam sprengt. War dagegen die Schale vorher
-aufgeschlitzt, so kann die ausgedehnte Luft ungehindert entweichen.
-
-=288. Warum= springen Feuerfunken mit heftigem Knistern von brennenden
-Holzscheiten weg?
-
-=Weil= die in den Poren des Holzes enthaltene Luft, durch die Hitze
-stark ausgedehnt, mit Heftigkeit herausdringt und Theilchen des Holzes,
-die ihr den Weg versperren, fortschleudert.
-
-=289. Warum= schwillt eine fest zugebundene, jedoch äußerst schlaffe
-und viele Falten enthaltende Blase auf und wird ganz straff, wenn wir
-sie auf einen warmen Ofen legen?
-
-=Weil= die in der Blase enthaltene Luft durch die Wärme des Ofens
-so stark ausgedehnt wird, daß sie den ganzen, ihr durch die
-zusammengebundene Blase gebotenen Raum auszufüllen sucht. Die Blase muß
-darum dem durch die ausgedehnte Luft ausgeübten Drucke nachgeben und
-sich ausspannen.
-
-=290. Warum= haftet ein Trinkglas mit gut geschliffenem Rande, das man
-eine Zeit lang über eine Lichtflamme gehalten und dann schnell mit der
-Oeffnung auf die Hand gestellt hat, so fest auf derselben, daß es sich
-nur mit Mühe wieder abreißen läßt?
-
-=Weil= durch die Hitze der Lichtflamme die in dem Glase befindliche
-Luft ausgedehnt und zum Theil ausgetrieben, die darin zurückgebliebene
-Luft daher sehr verdünnt ist, so daß der Druck der äußeren dichteren
-Luft auf das Glas nun stärker ist als der Gegendruck der inneren
-Luft. Da die Hand den Zutritt der äußeren Luft verhindert, so muß man
-diesen ganzen äußeren Luftdruck überwinden, um das Glas loszureißen.
-In ähnlicher Weise werden auch die Schröpfköpfe (gewöhnlich kleine
-Glasglocken) über einer Flamme erwärmt und dann schnell auf die Haut
-gestülpt, damit, wenn die verdünnte Luft in ihnen erkaltet und sich
-zusammenzieht, ein leerer Raum entsteht und in Folge dessen das Blut
-aus den zuvor in die Haut gemachten Einschnitten gesogen wird.
-
-=291. Warum= steigt der Rauch eines angezündeten Feuers in die Höhe?
-
-=Weil= die das Feuer umgebende Luft durch die Hitze ausgedehnt und
-verdünnt wird und daher wegen ihrer größeren Leichtigkeit aufwärts
-steigt, wobei sie den Rauch mit sich fortreißt, obgleich derselbe
-Bestandtheile enthält, wie die feinen Kohlentheilchen, die specifisch
-schwerer sind als die Luft.
-
-=292. Warum= ist es an der Decke eines geheizten Zimmers immer wärmer,
-als auf dem Fußboden desselben?
-
-=Weil= die erwärmte Luft zugleich ausgedehnt und darum specifisch
-leichter geworden ist als die kältere und darum dichtere Luft, sich
-deshalb auch über derselben lagern und so den oberen Theil des Zimmers
-einnehmen muß, während die kältere Luft den unteren Raum erfüllt. Zwei
-verschieden warme, also verschieden dichte Luftschichten verhalten sich
-ebenso wie zwei Flüssigkeiten von verschiedenem specifischen Gewicht,
-die man in ein Gefäß zusammenschüttet; die leichtere Luftschicht lagert
-sich über der schwereren.
-
-[Illustration: Fig. 52.]
-
-=293. Warum= dreht sich eine kleine aus Papier verfertigte Schlange,
-wenn man sie auf die Spitze eines Drahtes oder einer Stricknadel hängt,
-die unten in ein Brettchen oder einen Kork befestigt ist, und sie dann
-in die Nähe des geheizten Ofens oder über eine Lichtflamme hält?
-
-=Weil= die Luft in der Nähe des Ofens oder der Lichtflamme durch
-die Wärme ausgedehnt wird und darum beständig emporsteigt, dieser
-aufsteigende Luftstrom aber auf die leicht bewegliche Papierschlange
-stößt und sie nun ebenso in eine drehende Bewegung versetzt, wie der
-Wind die Windmühlenflügel dreht.
-
-[Illustration: Fig. 53.]
-
-=294. Warum= brennt eine Lampe besser, wenn sie mit einem Cylinder
-versehen ist, als ohne einen solchen?
-
-=Weil= durch die in dem Cylinder aufsteigende erwärmte Luft ein Luftzug
-entsteht, durch welchen der Flamme von unten her beständig neue kalte
-Luft zugeführt wird, welche durch ihren Sauerstoff die Verbrennung
-fördert. Die in dem Cylinder enthaltene erwärmte und darum ausgedehnte
-Luft bildet nämlich eine Luftsäule von geringerem specifischem
-Gewicht, die aber äußerlich ringsum von einer gleichhohen Luftsäule
-umgeben ist, welche wegen ihrer niedrigeren Temperatur ein größeres
-specifisches Gewicht hat. Wegen der allseitigen Fortpflanzung des
-Luftdrucks übt diese äußere Luftsäule von unten her einen Druck auf
-die im Cylinder befindliche Luft aus, strömt unten ein und treibt die
-erwärmte Luft in die Höhe. Je höher der Cylinder, desto größer ist
-auch der Druck der äußeren Luftsäule und desto lebhafter der Luftzug.
-Was der Cylinder bei den Lampen, ist der Schornstein bei unsern Oefen
-und Feuerungen aller Art. Große Feuerungen in Fabriken brauchen
-darum auch sehr hohe Schornsteine. Zu weite Schornsteine bringen
-nicht hinreichenden Zug hervor, da die große, von ihnen umschlossene
-Luftmasse zu schwach erwärmt wird und darum der Unterschied zwischen
-ihrem specifischen Gewicht und dem der äußeren Luft zu unbedeutend ist.
-Zu enge Schornsteine haben den Nachtheil, daß die hindurchziehende
-Luftmasse nicht hinreicht zur Unterhaltung des Feuers.
-
-=295. Warum= wird die Flamme eines brennenden Lichtes, welches man oben
-an die geöffnete Thür eines geheizten Zimmers hält, lebhaft nach außen
-geblasen, während sie nach innen hineingeweht wird, wenn man das Licht
-unten nahe am Fußboden an die geöffnete Thür bringt?
-
-=Weil= bei geöffneter Thür die äußere kalte und darum dichtere Luft
-vermöge ihres größeren specifischen Gewichts unten in den erwärmten
-Raum eintritt, sich darin bis zur gegenüberliegenden Wand ausbreitet
-und dadurch einen Theil der erwärmten, also ausgedehnten und darum
-leichteren Zimmerluft emportreibt und längs der Decke zur oberen
-Thüröffnung hinausschiebt. In jedem geheizten Zimmer, in welches durch
-irgend eine Oeffnung von außen her die kältere Luft eintreten kann,
-findet also ein beständiger Kreislauf der Luft statt, indem die Luft
-unten der erwärmten Stelle zuströmt, oben von ihr hinwegzieht. Dieser
-Kreislauf ist für bewohnte Räume sehr wichtig, da er einen beständigen
-Ersatz der verbrauchten und für die Athmung untauglich gewordenen Luft
-durch frische bewirkt.
-
-=296. Warum= weht an Meeresküsten regelmäßig am Tage der Wind vom Meere
-her, in der Nacht dagegen vom Lande gegen das Meer hin?
-
-=Weil= das Land am Tage stärker erwärmt wird als das Meer, die stärker
-erwärmte Luft über dem Lande daher aufwärts steigt, und die kühlere,
-dichtere Seeluft nun nach dem Lande strömen muß, um das Gleichgewicht
-herzustellen; während in der Nacht das Land sich vermöge seiner
-stärkeren Ausstrahlung schneller abkühlt als das Meer, und die Luft
-daher umgekehrt über dem Meere wärmer und leichter ist und in Folge
-dessen aufsteigt, die kältere und schwerere Landluft aber nun dem Meere
-zuströmen muß. Einen ähnlichen Wechsel der Luftströmungen beobachtet
-man auch in den meisten Gebirgsgegenden, namentlich am Ausgange großer
-Thäler. Die Sonne erwärmt nämlich am Tage die Berge mehr als die
-Ebenen, in welche die Thäler münden, und die erwärmte Luft steigt auf,
-während die kühlere Luft aus der Ebene einströmt. In der Nacht dagegen
-kühlen sich die Berge stärker ab als die Ebenen, und die kältere Luft
-strömt von den Bergen herab. Auf solchen Unterschieden der Erwärmung
-beruht auch das Entstehen der Winde im Großen. Die in den Polargegenden
-erkaltete schwere Luft strömt gegen die erwärmten Gegenden des
-Aequators hin, während die erwärmte Luft von hier aufsteigt und
-gegen die Pole hinströmt. Dabei verändert die Umdrehung der Erde
-ihre Richtung; die kalten Polarströme bleiben etwas nach Westen
-zurück, während die warmen Aequatorialströme nach Osten voraneilen.
-Jene verursachen die bekannten Nordost- und Südostpassate, diese die
-Südwest- und Nordwestwinde.
-
-=297. Warum= kocht das Wasser in einem Topfe leichter, wenn man ihn
-_über_ ein Feuer stellt, als wenn man ihn _an_ ein Feuer stellt?
-
-=Weil= das Wasser als schlechter Wärmeleiter nur langsam die Wärme von
-Theilchen zu Theilchen mittheilen kann, in einem Topfe, der am Feuer
-steht, daher das Wasser am Boden noch lau geblieben sein kann, während
-es an der Oberfläche fast kocht. Wenn aber das Wasser von unten her
-erwärmt wird, so steigen die erwärmten und darum leichter gewordenen
-Wassertheilchen aufwärts, während die kälteren und schwereren
-hinabsinken und nun gleichfalls erwärmt werden können. Es entsteht
-daher eine Kreisbewegung der Flüssigkeit, welche die gleichmäßige
-Erwärmung der ganzen Wassermasse herbeiführt.
-
-
-
-
-Die Veränderung der Aggregatzustände der Körper durch die Wärme.
-
-
- Eine wichtige Wirkung der Wärme ist die Veränderung der
- Aggregatzustände der Körper. Feste Körper werden durch die
- Wärme in flüssige, flüssige Körper in luftförmige verwandelt.
- Das Uebergehen aus dem festen in den flüssigen Zustand nennt
- man Schmelzen, das Uebergehen aus dem flüssigen in den
- luftförmigen Zustand Sieden oder Kochen. Diese Uebergänge
- finden bei jedem Körper bei ganz bestimmten Temperaturen
- statt, die man ihren Schmelzpunkt und ihren Siedepunkt nennt.
- Wenn man einen schmelzbaren Körper erhitzt, so steigt seine
- Temperatur so lange, bis er seinen Schmelzpunkt erreicht
- hat; dann aber bleibt dieselbe unverändert, bis er ganz
- flüssig geworden ist. Weil nun die während des Schmelzens
- zuströmende Wärme keine Temperaturerhöhung bewirkt, so sagt
- man: diese Wärme wird _gebunden_. Wenn der flüssige Körper in
- Folge der Temperaturerniedrigung wieder fest wird, so wird
- die beim Flüssigwerden gebundene Wärme wieder _frei_. Auch
- beim Sieden wird Wärme gebunden, die bei der Rückkehr in den
- flüssigen Zustand wieder frei wird. Wenn eine Flüssigkeit in
- den luftförmigen Zustand übergeht, so bildet sie den _Dampf_.
- Die Dampfbildung findet aber nicht allein bei der Temperatur
- des Siedepunktes statt, welche allerdings nothwendig ist,
- wenn die ganze Masse einer Flüssigkeit bis in ihr Inneres
- luftförmig werden soll, sondern sie geht an der mit der Luft
- in Berührung stehenden Oberfläche auch bei jeder Temperatur
- vor sich. Eine solche Dampfbildung bei niedriger Temperatur
- nennt man _Verdunstung_. Der Dampf hat, wie jede Luftart, das
- Bestreben, sich auszudehnen, und dieses Bestreben nennt man
- seine Spannkraft oder Expansion. Die Spannkraft des Dampfes ist
- um so größer, je größer seine Dichtigkeit ist, oder je stärker
- er bei derselben Dichtigkeit erwärmt wird.
-
-=298. Warum= kann man Blei über einer Lampe schmelzen, Eisen aber nicht?
-
-=Weil= jeder Körper, um zu schmelzen, d. h. um aus dem festen in den
-flüssigen Zustand überzugehen, einer ganz bestimmten Temperatur bedarf,
-das Eisen aber eine weit höhere Temperatur, nämlich mindestens 1200°
-R., erfordert als das Blei, das schon bei 267° R. schmilzt. Die Flamme
-einer Lampe vermag aber eine so hohe Temperatur, die dem Schmelzpunkte
-des Eisens entspricht, nicht zu gewähren, da die darin stattfindende
-Verbrennung nicht bedeutend genug ist, und überdies die umgebende Luft
-einen großen Theil der Wärme entführt. -- Jedes Metall hat seinen
-bestimmten Schmelzpunkt; das Kupfer schmilzt bei 840°, das Silber
-bei 800°, das Zinn bei 188° R. Es giebt sogar eine Metallmischung,
-aus 2 Theilen Wismuth, 1 Theil Blei und 1 Theil Zinn bereitet, die
-schon unter der Temperatur des siedenden Wassers, nämlich bei 75° R.
-schmilzt. Manche Körper sind schon bei sehr niederen Temperaturen
-flüssig, der Schwefel bei 88°, das Wachs bei 49°, das Eis bei 0°,
-und Terpentinöl kann sogar bis -8°, Quecksilber bis -31° R. erkältet
-werden, ohne den flüssigen Zustand zu verlieren.
-
-=299. Warum= bleibt im Frühjahr die Luft kühl, so lange noch Eis und
-Schnee schmelzen?
-
-=Weil= beim Schmelzen des Eises, wie beim Schmelzen jedes Körpers
-überhaupt, Wärme verbraucht oder gebunden wird, diese Wärme aber der
-Luft entzogen werden muß, deren Temperatur dadurch erniedrigt wird. Daß
-beim Schmelzen Wärme gebunden wird, davon kann man sich überzeugen,
-wenn man neben einander auf einen heißen Ofen einen Topf mit 1 Pfund
-Schnee und einen anderen mit 1 Pfund Schneewasser von 0° Temperatur
-stellt. Sobald der Schnee vollständig geschmolzen ist, wird man die
-Temperatur des entstandenen Wassers nur zu 0° finden, während in dem
-anderen Topfe das Wasser sich in derselben Zeit auf 64° R. erhöht hat.
-Da aber beide Töpfe die Wärme vom Ofen empfangen haben, so müssen die
-in dem einen Topfe fehlenden 64° Wärme in dem Schneewasser stecken,
-also von dem schmelzenden Schnee verschluckt oder gebunden worden sein.
-
-=300. Warum= gefriert im warmen Zimmer ein zinnerner Teller an den
-Tisch fest, wenn man Wasser auf den Tisch gießt, den Teller darauf
-setzt und Schnee oder gestoßenes Eis mit Kochsalz gemischt auf den
-Teller legt?
-
-=Weil= durch den schmelzenden Schnee auch das Kochsalz gelöst oder in
-den flüssigen Zustand übergeführt wird, das Kochsalz aber, wie jeder
-Körper, wenn er aus dem festen in den flüssigen Zustand übergeht,
-Wärme dazu verbraucht, die er, wie man sagt, bindet, und die er seiner
-Umgebung entziehen muß. Da nun der zinnerne Teller ein sehr guter
-Wärmeleiter ist, so erstreckt sich diese Wärmeentziehung auch auf das
-Wasser unter dem Teller. Durch die Wärmeentziehung wird aber Kälte
-hervorgebracht, und in Folge dieser Kälte gefriert das Wasser unter
-dem Teller. Eine noch weit stärkere Kälte als durch diese Mischung
-von Salz und Schnee kann man durch eine Mischung von 6 Theilen
-Glaubersalz und 4 Theilen Salzsäure, oder von 5 Theilen Salmiak, 5
-Theilen Salpeter und 10 Theilen Wasser bewirken. Eine außerordentliche
-Temperaturerniedrigung bis zu -24° R. kann man durch eine Mischung von
-Schnee mit verdünnter Schwefelsäure erreichen, auch durch Mischen von 3
-Theilen krystallisirtem Chlorcalcium und 2 Theilen Schnee oder Eis.
-
-=301. Warum= pflegt im Winter die Kälte bei Schneefall gelinder zu
-werden?
-
-=Weil= bei der Schneebildung, also bei dem Uebergange des in der Luft
-enthaltenen Wassers in den festen Zustand, wie beim Uebergange jedes
-flüssigen Körpers in den festen Zustand, diejenige Wärmemenge wieder
-frei wird, welche beim Schmelzen des festen Körpers gebunden wurde.
-Deshalb kann man auch wohl zarte Pflanzen gegen Nachtfröste schützen,
-wenn man Wasser in flachen Gefäßen in ihre Nähe stellt und gefrieren
-läßt. Die beim Gefrieren des Wassers frei werdende Wärme schützt die
-Pflanzen.
-
-=302. Warum= thauen gefrorene Kartoffeln auf, wenn man sie in kaltes
-Wasser legt?
-
-=Weil= das Wasser, auch wenn es eiskalt ist, noch Wärme abgeben muß,
-um zu gefrieren, und die beim Gefrieren des Wassers frei werdende
-Wärme von den Kartoffeln aufgenommen wird und das Aufthauen derselben
-bewirkt. Ebenso thaut auch eine Flasche mit gefrorenem Wein auf, wenn
-man sie in eiskaltes Wasser stellt, während sich die Flasche äußerlich
-mit Eis überzieht. Hier kommt noch dazu, daß der Wein eines noch viel
-höheren Kältegrades zum Gefrieren bedarf, als das Wasser, und daher dem
-Wasser noch weit mehr Wärme entzieht.
-
-=303. Warum= trocknet feuchte Wäsche an der Luft?
-
-=Weil= das Wasser, welches in der feuchten Wäsche vertheilt ist,
-mit der Luft in Berührung verdunstet, die feuchtgewordene Luft aber
-beständig durch neue trockne Luftschichten ersetzt wird, und daher
-immer neue Luft mit dem verdunstenden Wasser in Berührung kommt. Da
-dieser Wechsel der Luftschichten am schnellsten bei bewegter Luft
-geschieht, so trocknet Wäsche auch im Winde am schnellsten.
-
-=304. Warum= hängt man die Wäsche zum Trocknen auf?
-
-=Weil= die Verdunstung nur an der Oberfläche vor sich geht, also um so
-schneller erfolgen muß, eine je größere Oberfläche der Luft dargeboten
-wird. Zusammengelegte Wäsche kann nur sehr langsam trocknen, weil die
-Feuchtigkeit erst allmählich an die Oberfläche treten kann, nachdem an
-dieser die vorhandene Feuchtigkeit verdunstet ist.
-
-=305. Warum= trocknet die Wäsche an feuchten Herbsttagen oft gar nicht?
-
-=Weil= an solchen Tagen die Luft selbst schon Wasserdampf enthält und
-zwar bisweilen so viel, daß sie keinen mehr aufnehmen kann. Die Luft
-kann nämlich bei einer bestimmten Temperatur nur eine ganz bestimmte
-Menge von Wasserdampf in sich aufnehmen. Enthält sie diese Menge, so
-ist sie gesättigt. In trockner Luft trocknet daher die Wäsche auch
-besser als in feuchter. Ebenso trocknet sie auch besser in warmer Luft
-als in kalter, da die warme Luft mehr Wasserdampf aufnehmen kann als
-die kalte, also nicht so schnell gesättigt wird. Daß aber selbst bei
-großer Kälte noch eine Verdunstung stattfindet, sehen wir daran, daß
-Wäsche auch bei Frost trocknet, namentlich, wenn die Luft zugleich sehr
-trocken ist.
-
-=306. Warum= wird die Luft an heißen Sommertagen durch Regen abgekühlt?
-
-=Weil= die Regentropfen in der warmen Luft, besonders aber an dem
-warmen Erdboden und den warmen Gegenständen, mit denen sie in Berührung
-kommen, verdunsten, bei dieser Verdunstung aber Wärme binden und diese
-Wärme nun der umgebenden Luft entziehen, die dadurch abgekühlt wird.
-
-=307. Warum= wird das Feuer durch Wasser gelöscht?
-
-=Weil= das Wasser in der Hitze des Feuers verdampft, dabei aber Wärme
-bindet und diese dem brennenden Körper entzieht, dessen Temperatur
-dadurch bis zu einem Grade erniedrigt wird, bei welchem eine
-Verbrennung nicht mehr fortbestehen kann.
-
-=308. Warum= brennt nasses Holz schwerer und giebt auch beim Verbrennen
-weniger Wärme als trockenes?
-
-=Weil= die Feuchtigkeit des nassen Holzes in Folge der Erhitzung in
-Dampf verwandelt wird, dabei aber ein Theil der Wärme, welche zur
-Entzündung des Holzes dienen soll, verbraucht wird, indem diese von dem
-Dampfe, in welchen die Flüssigkeit sich verwandelt, gebunden wird. Das
-Holz kann erst dann anbrennen, wenn keine Verdampfung mehr stattfindet,
-und die ganze Wärme zu seiner Entzündung verwandt wird. Nasses Holz
-erfordert also einen höheren Hitzegrad, um auf diejenige Temperatur zu
-gelangen, bei welcher eine Verbrennung möglich ist. Nasses Holz giebt
-auch beim Verbrennen weniger Wärme als trockenes, weil auch während des
-Verbrennens beständig Feuchtigkeit verdampft und die dazu erforderliche
-Wärme der das Feuer umgebenden Luft entzogen wird.
-
-=309. Warum= kann man im heißesten Sommer Flaschen Wein dadurch kühl
-erhalten, daß man nasse Tücher darum schlägt?
-
-=Weil= die Feuchtigkeit der nassen Tücher in der Hitze verdunstet und
-zu diesem Uebergang in die Dampfform einer gewissen Wärmemenge bedarf,
-die sie ihrer nächsten Umgebung, also der Flasche und durch diese
-auch dem Wein entzieht. Man muß freilich die Tücher immer wieder aufs
-Neue befeuchten, wenn das Wasser aus ihnen verdunstet ist, damit die
-Verdunstung und die damit verbundene Abkühlung beständig fortdauert.
-Noch stärker ist die Abkühlung, welche verdunstender Aether bewirkt.
-Gießt man auf die mit Baumwolle umwickelte Kugel eines Thermometers
-Aether, so sinkt das Quecksilber darin von +12° auf -12° R.
-
-=310. Warum= erhalten sich Flüssigkeiten in porösen Gefäßen selbst im
-heißesten Sommer sehr kühl?
-
-=Weil= die Flüssigkeit, welche durch die Poren des Gefäßes dringt, die
-äußere Oberfläche desselben beständig feucht erhält, diese Feuchtigkeit
-aber in der äußeren warmen Luft beständig verdunstet, und, indem sie
-dabei Wärme verbraucht, die sie der Flüssigkeit im Gefäße entzieht,
-diese von allen Seiten beständig abkühlt. In Spanien und andern heißen
-Ländern bedient man sich der sogenannten Alcarazza's zur Kühlung des
-Wassers. Es sind dies sehr poröse Thongefäße, die mit Wasser gefüllt,
-dem freien Luftzug ausgesetzt, aufgehängt werden.
-
-=311. Warum= kann der Mensch einen bedeutenden Hitzegrad aushalten?
-
-=Weil= der Mensch bei großer Hitze am ganzen Körper mit Schweiß bedeckt
-wird, welcher aus den Poren seiner Haut hervordringt, dieser Schweiß
-aber in Folge der großen Wärme verdunstet und bei dieser Verdunstung
-bedeutende Wärmemengen bindet, die er der Haut entzieht. Durch diese
-Wärmeentziehung wird aber eine Abkühlung der Haut bewirkt. Daher
-empfinden wir die Hitze weit weniger unangenehm und drückend in sehr
-trockener Luft, als in sehr feuchter, weil die letztere schon so viel
-Wasserdampf enthält, daß sie keinen neuen mehr aufnehmen kann, dadurch
-aber die rasche Verdunstung des Schweißes verhindert und uns so des
-Gefühls der Abkühlung beraubt.
-
-=312. Warum= hat man selbst an heißen Tagen, wenn man aus dem Bade
-steigt, ein so auffallendes Gefühl von Kälte?
-
-=Weil= das dem Körper anhängende Wasser sogleich zu verdunsten beginnt
-und, da es dabei Wärme bindet, diese Wärme dem Körper entzieht. Da
-aber wegen der Vertheilung des Wassers über eine so große Fläche diese
-Verdunstung mit großer Schnelligkeit erfolgt, so hat der Körper nicht
-Zeit, von innen heraus die der Haut entzogene Wärme wieder zu ersetzen.
-
-=313. Warum= erkältet man sich leicht, wenn man seine naß gewordenen
-Kleider anbehält?
-
-=Weil= die Feuchtigkeit der Kleider, um in Dampf verwandelt zu
-werden, sehr viel Wärme aufnehmen muß und diese dem menschlichen
-Körper entzieht. Man empfindet diesen Wärmeverlust zunächst als
-Kälte; er hat aber oft weit nachtheiligere Folgen durch die Störungen
-der Hautthätigkeit, die er veranlaßt, und die zu Entzündungs- und
-anderen Krankheiten führen können. Man kann sich vor der Erkältung
-in naß gewordenen Kleidern, die man nicht ablegen kann, nur dadurch
-einigermaßen schützen, daß man sich recht lebhaft bewegt, damit durch
-den in Folge der Anstrengung erzeugten Ueberschuß von Wärme der durch
-die Verdunstung erlittene Verlust an Körperwärme wieder ersetzt wird.
-
-=313~a~.= Warum kann man den Feuchtigkeitsgehalt der Luft aus
-dem Unterschied im Stande zweier Thermometer erkennen, wenn die
-Quecksilberkugel des einen mit Musselin umwickelt ist, der in ein
-darunter stehendes Gefäß mit Wasser taucht und dadurch beständig feucht
-erhalten wird?
-
-=Weil= die Verdunstung des Wassers um so schneller erfolgt und darum
-auch eine um so stärkere Abkühlung der Thermometerkugel und ein um so
-stärkeres Sinken des befeuchteten Thermometers bewirkt, je trockener
-die Luft ist. Aus dem verschiedenen Stande des trocknen und des
-angefeuchteten Thermometers kann man also auf den Feuchtigkeitsgehalt
-der Luft schließen. Beide Thermometer stehen gleich hoch und zeigen
-dann zugleich die Temperatur des Thaupunktes (Frage 323) an, wenn
-die Luft ganz mit Dämpfen gesättigt ist, also keine Verdunstung mehr
-stattfinden kann. Eine solche Verbindung eines trocknen und eines
-angefeuchteten Thermometers nennt man deshalb _Psychrometer_.
-
-=314. Warum= kann man in einem kleinen Glaskolben, den man unten mit
-etwas Watte umwickelt, auf die man von Zeit zu Zeit Schwefeläther
-tröpfelt, Wasser in Eis verwandeln, wenn man das Kölbchen rasch hin und
-her bewegt?
-
-=Weil= der Schwefeläther bekanntlich sehr schnell verdunstet, und diese
-Verdunstung noch durch die beständige Bewegung beschleunigt wird, bei
-jeder Verdunstung aber Wärme gebunden und also der Umgebung entzogen
-wird. Diese Wärme kann aber hier nur dem Wasser in dem Glaskölbchen
-entzogen werden, und dies muß daher, wenn die Verdunstungskälte groß
-genug war, gefrieren. Hat man einen Draht in das Wasser gestellt, so
-findet man ihn beim Herausnehmen mit feinen Eisnadeln bedeckt.
-
-=315. Warum= gefriert Wasser in einem kleinen Schälchen unter der
-Glocke einer Luftpumpe, wenn man ein anderes kleines Schälchen mit
-Schwefeläther darüber stellt?
-
-=Weil= die Verdunstung des Schwefeläthers, die schon in der
-gewöhnlichen atmosphärischen Luft ziemlich stark ist, durch
-das fortwährende Auspumpen der bereits gebildeten Aetherdämpfe
-außerordentlich befördert wird, dadurch aber auch weit mehr Wärme
-gebunden oder eine weit größere Verdunstungskälte erzeugt werden muß,
-die das Wasser sehr schnell in Eis verwandelt.
-
-=316. Warum= kann man mitten im heißen Sommer mit Hülfe künstlicher
-Eismaschinen große Massen von Eis erzeugen?
-
-=Weil= in solchen Eismaschinen zuvor stark verdichtetes Ammoniak einer
-sehr lebhaften Verdunstung unterworfen wird und dabei große Mengen von
-Wärme bindet, die es dem Wasser, das sich in demselben Raum mit ihm
-befindet, entzieht. Das Ammoniakgas besitzt nämlich die Eigenschaft,
-von kaltem Wasser in großen Mengen verschluckt zu werden, während
-warmes Wasser nur geringe Mengen davon festhalten kann. Erhitzt man
-daher in einem verschlossenen Gefäße gewöhnliches Ammoniakwasser
-(sogenannten Salmiakspiritus), so wird das Ammoniakgas frei, und da
-sich beständig neue Gasmengen entwickeln, die nicht entweichen können,
-so entsteht allmählich ein ungeheurer Druck im Innern des Gefäßes. Läßt
-man dieses stark zusammengepreßte Gas dann in ein von kaltem Wasser
-umgebenes Kühlrohr einströmen, so wird es darin sogar flüssig. Läßt man
-dieses flüssige Ammoniak nun in einen geräumigen Behälter ausströmen,
-so verdampft es, und kommt diesem Dampfe zugleich ein feiner Regen
-kühlen Wassers entgegen, so wird das Gas mit großer Begierde von dem
-Wasser verschluckt, der dadurch entstehende luftverdünnte Raum aber
-zugleich die Veranlassung immer neuer und schnellerer Verdunstung des
-Ammoniaks. Die durch diese Verdunstung bewirkte Kälte oder vielmehr
-Wärmeentziehung ist die Ursache des Gefrierens des Wassers in den
-in diesem Raume aufgestellten Gefäßen. In ähnlicher Weise wird auch
-das Kohlensäuregas, nachdem es zuvor durch starken Druck in eine
-Flüssigkeit verwandelt worden, beim Ausströmen an die Luft in Folge der
-heftigen Verdunstung in einen schneeähnlichen festen Körper verwandelt.
-
-=317. Warum= kann das Niederschlagen des Rauches bei stiller Luft als
-Vorbote von Regenwetter gelten?
-
-=Weil= die unverbrannten Kohlentheilchen, die mit dem Rauch
-emporsteigen, die Eigenschaft haben, Wasserdampf einzusaugen. Wenn
-also viel Wasserdampf in der Luft über dem Schornstein vorhanden ist,
-so nehmen ihn die Kohlentheilchen auf, verdichten ihn in sich, werden
-dadurch schwerer und fallen so zu Boden; auch steigt der Rauch in der
-warmen und feuchten Luft der Regen bringenden Süd-West- und Westwinde
-nicht so schnell und lebhaft empor als in der Luft der dichteren
-Nord-, Nordost- und Ostwinde. Auch manche Salze haben die Eigenschaft,
-Wasserdampf aus der Luft aufzunehmen. Pottasche zerfließt in Folge
-dessen; Kochsalz wird nur sehr feucht.
-
-=318. Warum= dehnen sich manche Körper, namentlich Haare und
-Darmsaiten, in feuchter Luft aus?
-
-=Weil= diese Körper eine große Neigung besitzen, Wasserdampf aus der
-Luft einzusaugen und in ihren Poren zu verdichten, womit natürlich
-eine Vergrößerung ihres Volumens verbunden sein muß. Man nennt solche
-Körper hygroskopische. Besonders ausgezeichnet durch diese Eigenschaft
-sind Haare, Darmsaiten und Fischbein. Daß die Haare sich bei feuchtem
-Wetter verlängern, wissen diejenigen Damen, welche Locken tragen.
-Da aber solche Körper die Feuchtigkeit der Luft anzeigen, ehe sie
-noch auf andere Weise erkennbar wird, so benutzt man sie auch zu
-Feuchtigkeitsmessern oder Hygrometern. Ein solches Instrument ist das
-bekannte Wetterhäuschen, das man oft als Wetterprophet an den Fenstern
-anbringt. In demselben ist an einer Darmsaite ein Stäbchen aufgehängt,
-auf dessen einer Seite ein Mann mit einer Gießkanne, auf dessen anderer
-Seite eine Frau mit einem Regenschirm steht. Bei feuchtem Wetter dreht
-sich die Saite auf, verlängert sich und bringt die Frau zum Vorschein.
-Bei trockner Luft dreht sich die Saite wieder zusammen, und nun tritt
-der Mann aus der Thür des Häuschens. Auch die lange, schraubenartig
-gewundene Granne der Frucht des Reiherschnabels (~Erodium~) ist
-sehr empfindlich gegen Feuchtigkeit. Befestigt man dieselbe in dem
-Mittelpunkte eines Kreises, so dreht sie sich, indem sie sich bei
-feuchter Luft mehr aufwickelt, bei trockner Luft mehr zusammenzieht.
-
-=319. Warum= werden unsere Kleider feucht, wenn wir an schönen
-Frühlings- oder Herbstabenden spazieren gehen?
-
-=Weil= die in der Luft enthaltenen Wasserdämpfe in Folge der am Abend
-eintretenden starken Abkühlung der Luft sich wieder verdichten und nun
-in sehr feinen Tropfen auf unsere Kleider niederschlagen.
-
-=320. Warum= müssen Röhren, durch welche Wasserdämpfe an irgend einen
-Ort geleitet werden sollen, aus schlechten Wärmeleitern bestehen und am
-besten helle und polirte Oberflächen haben?
-
-=Weil= gute Wärmeleiter den Wasserdämpfen zu viel Wärme durch Leitung,
-rauhe und dunkle Röhren aber zu viel Wärme durch Strahlung entziehen
-und die Temperatur der Dämpfe daher so weit erniedrigen würden, daß
-ein Theil derselben gar nicht mehr als Dampf bestehen könnte, sondern,
-ehe er noch an den Ort seiner Bestimmung gelangt wäre, in die tropfbar
-flüssige Form zurückkehren müßte. Will man dagegen durch Dampf
-heizen, so muß man ihn umgekehrt durch Röhren leiten, die aus guten
-Wärmeleitern bestehen und rauhe und dunkle Oberflächen haben. Denn in
-diesem Falle soll eben die Wärme dem Dampfe möglichst schnell entzogen
-werden, um dem Raume, durch den er geleitet wird, zu Gute zu kommen.
-
-=321. Warum= beschlagen unsere Fensterscheiben, wenn die Luft draußen
-sich abkühlt?
-
-=Weil= die in unserer Zimmerluft beständig enthaltenen Wasserdämpfe,
-wenn sie mit den durch die äußere Luft abgekühlten Fensterscheiben
-in Berührung kommen, selbst so weit abgekühlt werden, daß sie in
-den tropfbaren Zustand zurückkehren und sich an die Fensterscheiben
-absetzen.
-
-=322. Warum= belegen sich beim Winterfroste die Fensterscheiben,
-vornehmlich bewohnter Zimmer, mit Eis?
-
-=Weil= die in bewohnten Zimmern reichlich vorhandenen Wasserdämpfe
-in Berührung mit den von außen erkalteten Fensterscheiben verdichtet
-werden und sich in tropfbarer Form darauf niederschlagen, sofort aber
-auch gefrieren müssen, wenn die Temperatur der Fensterscheiben unter
-dem Gefrierpunkt ist.
-
-=323. Warum= sind die Pflanzen besonders nach schönen Frühlings- oder
-Herbstnächten am Morgen mit Wassertropfen bedeckt?
-
-=Weil= der Erdboden in der Nacht sich in Folge der Wärmestrahlung
-stark abkühlt, dadurch aber auch die dem Erdboden nahen Luftschichten
-abgekühlt und damit unfähig werden müssen, die Wasserdämpfe, mit
-denen sie gemischt sind, luftförmig zu erhalten. Die Wasserdämpfe
-verdichten sich daher und scheiden sich in Form von Tropfen an den
-Gegenständen ab. Da aber das Strahlungsvermögen dieser Gegenstände
-ein sehr verschiedenes und darum auch ihre Abkühlung eine ungleiche
-ist, besonders rauhe Gegenstände ihre Wärme schneller ausstrahlen
-als glatte, so scheiden sich auch die verdichteten Wasserdämpfe in
-verschiedenem Maße an ihnen ab. Pflanzen, besonders die Spitzen der
-Blätter und Halme, erkalten mehr als Erde und Steine, diese wieder
-mehr als Metalle; daher finden sich besonders Gras und Blätter am
-Morgen mit Wassertropfen bedeckt. Diesen nächtlichen Niederschlag des
-Wasserdampfes der Luft nennt man Thau. Die Stärke desselben ist nicht
-bloß abhängig von dem Grade der Temperaturerniedigung, sondern auch von
-dem Wasserdampfgehalt der Luft. Denn die Verdichtung des Wasserdampfes
-beginnt erst bei derjenigen Temperatur, für welche die Luft mit
-dem vorhandenen Wasserdampf gerade gesättigt ist. Diese Temperatur
-nennt man den Thaupunkt. Dieser liegt aber um so tiefer, je weniger
-Wasserdampf die Luft enthält. Den Thaupunkt kann man bestimmen, wenn
-man ein Thermometer in ein Glas mit Wasser stellt und dann allmählich
-so lange kaltes Wasser zugießt, bis die Außenseite des Glases mit einem
-feinen Thau beschlägt. Die Temperatur, bei welcher dies geschieht, ist
-der Thaupunkt. Ist die Luftwärme etwa 16° und erfolgt das Beschlagen
-des Glases bei 10°, so muß die Luft auch bis auf 10° erkalten, wenn
-eine Thaubildung eintreten soll.
-
-=324. Warum= fällt bei bewölktem Himmel kein Thau?
-
-=Weil= die Wolken eine Rückstrahlung der Wärme veranlassen und dadurch
-die Abkühlung des Bodens verhindern. Darum pflegt es auch unter
-laubreichen Bäumen und unter Zelten selbst in heiteren sehr thaureichen
-Nächten nicht zu thauen.
-
-=325. Warum= bemerkt man nach schönen, aber sehr windigen Nächten
-keinen Thau?
-
-=Weil= bei windigem Wetter fortwährend die an den Gegenständen
-erkalteten Luftschichten wieder entführt und durch wärmere ersetzt
-werden, die den Gegenständen wieder Wärme mittheilen, so daß diese
-nicht bis zum Thaupunkt erkältet werden können.
-
-=326. Warum= werden Felder und Wiesen in schönen Herbstnächten oft mit
-Reif bedeckt?
-
-=Weil= durch die starke Wärmeausstrahlung in den längerwerdenden
-Nächten des Spätherbstes oft die Temperatur des Erdbodens bis unter den
-Gefrierpunkt erniedrigt wird, und die sich verdichtenden Wasserdämpfe
-sich daher nicht als kleine Wassertropfen, sondern nur als Eis an den
-erkalteten Gegenständen absetzen können. Reif ist gefrorener Thau und
-besteht aus feinen Eisnadeln.
-
-=327. Warum= sieht man in der Kälte den ausgehauchten Athem?
-
-=Weil= dem durch das Athmen ausgestoßenen Wasserdampf durch die äußere
-kalte Luft Wärme entzogen und der Wasserdampf dadurch verdichtet wird.
-Wasserdampf an sich ist völlig durchsichtig, also unsichtbar; er wird
-erst sichtbar, wenn er anfängt wieder flüssig zu werden. Er erscheint
-dann als Nebel.
-
-=328. Warum= bilden sich besonders im Herbst und Winter so oft Nebel?
-
-=Weil= von den länger warm bleibenden Wasserflächen und aus dem
-feuchten Erdboden dann noch beständig Dämpfe aufsteigen, welche
-aber die kältere oder wasserdampfreichere Atmosphäre nicht mehr
-aufzunehmen vermag, und die sich daher nun verdichten müssen. Dieser
-sich verdichtende Wasserdampf nimmt zuerst die Gestalt außerordentlich
-kleiner hohler Wasserbläschen an, die an einander gehäuft nicht
-mehr durchsichtig sind, wie fein gemahlenes Glas auch nicht mehr
-durchsichtig ist. Die Wasserbläschen des Nebels werden eine Zeit lang
-von der Luft getragen, sinken dann aber nieder. Fallen sie auf wärmeres
-Erdreich oder Wasser -- wie ja im Herbst und zu Zeiten im Winter
-Erdreich und Wasser wärmer zu sein pflegen als die Luft, -- so steigen
-sie wieder als Dampf auf und verdichten sich wieder zu Nebel. Auf
-diesem Wechsel von Vergehen und Entstehen beruht die anhaltende Dauer
-mancher Herbst- und Winternebel.
-
-[Illustration: Fig. 54.]
-
-=329. Warum= entsteht aus den Wolken Regen?
-
-=Weil= die Wolken nichts anderes als Nebel in höheren Luftschichten
-sind, und weil, wenn sie sich in tiefere Luftschichten herabsenken,
-die bereits mit Wasserdampf fast gesättigt sind, oder wenn sie mit
-kälteren Luftschichten in Berührung kommen, ihre Wasserbläschen
-zusammenfließen, schwerer werden und nun in Tropfengestalt herabfallen.
-Die Tropfen sind um so kleiner, je näher die Wolken der Erde sind,
-um so größer, aus je größeren Höhen sie fallen, da sie auf ihrem
-Wege, vermöge ihrer niedrigen Temperatur, die Wasserdünste der
-Luftschichten verdichten, durch welche sie hindurchfallen, und sich
-dadurch vergrößern. In Luftschichten, deren Temperatur unter dem
-Gefrierpunkt liegt, verwandeln sich die verdichteten Wasserdünste nicht
-in Tropfen, sondern in feine Eisnadeln, die sich zu Schneeflocken (Fig.
-54) zusammensetzen. Die besonders im Frühling fallenden Graupelkörner
-entstehen wohl in ähnlicher Weise wie der Schnee und bestehen nur aus
-fest zusammengeballten Eisnadeln. Ueber die Entstehung des Hagels
-ist man noch nicht völlig im Klaren. Die beste Erklärung scheint
-diejenige zu sein, welche _Nöllner_ gegeben hat. Danach können die
-Nebelbläschen, welche Wolken bilden, bis unter den Gefrierpunkt
-erkalten, ohne daß ein Erstarren derselben eintritt, wie Aehnliches vom
-tropfbar flüssigen Wasser nachgewiesen ist. Das Gefrieren erfolgt erst,
-aber dann auch plötzlich und in großem Umfange, wenn die erkalteten
-Bläschen heftig erschüttert werden. Befindet sich also eine so tief
-erkaltete Wolkenschicht in der Luft, und fallen auf diese aus einer
-höheren Wolkenschicht Graupelkörner, so schlägt sich auf ihnen der
-Bläschendampf als Wasser nieder, das augenblicklich gefriert. Auf diese
-Weise wird allerdings die oft so massenhafte Eisbildung in ganz kurzer
-Zeit begreiflich.
-
-Das Ansehen der Wolken selbst ist, je nachdem sie höher oder tiefer
-schweben, mehr oder weniger dicht sind, und je nach ihrer Beleuchtung
-sehr mannigfaltig. Man unterscheidet Federwolken, die sich besonders
-zuerst nach vollkommen heiterem Wetter am blauen Himmel bilden,
-Schichtwolken, die sich in wagerechten Streifen über den Himmel ziehen
-und vorzugsweise schön bei Sonnenuntergang erscheinen, Haufenwolken,
-die sich namentlich im Sommer zeigen, und Regenwolken, die aus
-Haufenwolken entstehen, aber unregelmäßige Formen annehmen und große
-Dichtigkeit erlangen.
-
-=330. Warum= sehen wir bisweilen bei völlig heiterem Himmel und ruhiger
-Luft sich plötzlich Wolken bilden und ein andres Mal wieder die Wolken
-ebenso plötzlich verschwinden?
-
-=Weil= die Luft zwar Wasserdämpfe genug aufgelöst enthalten kann, die
-sich aber bei der herrschenden Temperatur nicht verdichten können,
-bei einer plötzlich eintretenden Abkühlung der Luft jedoch, etwa in
-Folge einer kälteren Luftströmung, sich plötzlich zu Wasserbläschen
-verdichten und Wolken bilden müssen; während andererseits eine
-vorhandene Wolke, wenn sie sich etwa in eine wärmere Luftschicht
-hinabläßt, oder wenn ein wärmerer Luftstrom sie trifft, sich wieder
-in unsichtbaren Wasserdampf auflösen muß. Das Vermögen der Luft,
-Wasserdämpfe in sich aufzunehmen -- ihr Sättigungsvermögen -- ändert
-sich je mit ihrer Temperatur.
-
-=331. Warum= kocht Wasser und jede andere Flüssigkeit ein, wenn man sie
-längere Zeit kochen läßt?
-
-=Weil= das Wasser und überhaupt jede Flüssigkeit beim Kochen sich in
-Dampf verwandelt, und dieser Dampf vermöge seines geringen specifischen
-Gewichts in die Luft aufsteigt und sich mit ihr vermischt, die
-Flüssigkeit also durch dieses beständige Entweichen ihrer Theile in
-Luftgestalt endlich völlig verschwinden muß. Sie existirt zwar noch,
-aber nicht mehr als Flüssigkeit und nicht mehr in dem Gefäße. War
-aber mit dem Wasser ein anderer Körper vermischt oder vielmehr darin
-aufgelöst, wie etwa Salz, der nicht in Dampf übergehen kann, so bleibt
-dieser nach dem Kochen zurück.
-
-=332. Warum= siedet Wasser erst bei einer Temperatur von 80° R.?
-
-=Weil= die Wasserdämpfe, welche sich zwar auch bei niedrigerer
-Temperatur entwickeln, dem Drucke der äußeren atmosphärischen Luft
-erst dann widerstehen können, wenn sie eine Spannkraft erlangt haben,
-welche derjenigen der atmosphärischen Luft gleich ist, was erst bei
-einer Temperatur von 80° R. geschieht. Wenn man daher Wasser über einem
-Feuer erhitzt, so entwickeln sich sehr bald, namentlich am Boden,
-kleine Dampfbläschen, die aber unter dem Drucke des Wassers und dem
-auf diesem lastenden Drucke der Atmosphäre sich wieder verdichten und
-tropfbar flüssig werden. Erst bei 80° R. haben die sich im Innern des
-Wassers entwickelnden Dämpfe eine Spannkraft erlangt, welche dem Drucke
-der Umgebung das Gleichgewicht hält. Die Spannkraft des beim Sieden
-des Wassers, wie überhaupt beim Sieden jeder Flüssigkeit entstehenden
-Dampfes ist also genau dem Drucke der Atmosphäre gleich oder vermag
-eine Quecksilbersäule von 760 Millimeter Höhe zu tragen. Verdunstung
-und Sieden unterscheiden sich dadurch, daß bei der Verdunstung an
-der Oberfläche einer Flüssigkeit sich Dämpfe von geringer Spannkraft
-bilden, die sich unmittelbar mit der Luft vermischen, während bei dem
-Sieden Dämpfe von großer Spannkraft im Innern der Flüssigkeit entstehen.
-
-=333. Warum= kann Wasser in einem bleiernen oder zinnernen Gefäße zum
-Sieden gebracht werden, ohne daß das Metall zum Schmelzen kommt?
-
-=Weil= das Gefäß die vom Feuer ihm mitgetheilte Wärme an das darin
-befindliche Wasser abgiebt, dieses aber nie eine höhere Temperatur als
-80° R. annehmen kann, alle übrige Wärme, die es empfängt, vielmehr zu
-seiner Verwandlung in Dampf verwendet. Das Gefäß kann also selbst auch
-keine höhere Temperatur als 80° annehmen, so lange noch Wasser darin
-ist, das ihm seine überschüssige Wärme abnimmt. Es kann darum auch
-nicht schmelzen, da der Schmelzpunkt des Zinnes erst bei 188°, der des
-Bleies sogar bei 267° R. liegt. Aus demselben Grunde kann man sogar
-Wasser in einem kleinen Gefäße aus Papier über einer Lichtflamme zum
-Sieden bringen, ohne daß das Papier anbrennt. Das Papier ist zwar ein
-schlechter Wärmeleiter, aber wenn es hinreichend dünn ist, leitet es
-doch schnell genug die von der Flamme empfangene Wärme in das Wasser
-über, so daß seine Temperatur nicht über 80° R. steigen kann, eine
-Temperatur, bei der es sich noch nicht entzündet.
-
-=334. Warum= verdampfen Wassertropfen, die man auf eine rothglühende
-Metallplatte fallen läßt, nicht, sondern sammeln sich wie Quecksilber
-auf Glas und gerathen in eine drehende Bewegung, ohne zu kochen?
-
-=Weil= das glühende Metall vom Wasser nicht benetzt wird, Vielmehr
-eine Dampfschicht die gegenseitige Berührung beider verhindert, so
-daß auch ein merklicher Uebergang der Wärme vom Metall zum Wasser
-nicht stattfinden kann. Erst bei abnehmender Hitze stellt sich die
-Berührung wieder her, und darum erfolgt dann eine plötzliche heftige
-Dampfbildung. Man nennt diese Erscheinung den _Leidenfrost_'schen
-Tropfen, weil sie zuerst von _Leidenfrost_ im Jahre 1756 beobachtet
-wurde. Daß die Flüssigkeit bei dieser Erscheinung die Tropfenform
-annimmt, erklärt sich daraus, daß durch die hohe Temperatur die
-Adhäsion vernichtet ist und die Cohäsion der Flüssigkeit daher zur
-vollen Wirkung kommt. Auch große Flüssigkeitsmassen kann man in
-diesen Zustand versetzen, den man deshalb auch den sphäroidalen
-nennt. Sie verdampfen nicht, sondern behaupten eine Temperatur, die
-etwas unter ihrem Siedepunkte liegt. Läßt man flüssige schweflige
-Säure, deren Siedepunkt 10° unter Null liegt, in eine glühende Schale
-tropfen, und fügt dann einige Tropfen Wasser hinzu, so gefriert dies
-augenblicklich zu Eis. Mit diesen Erscheinungen hängt wohl auch die
-merkwürdige Thatsache zusammen, daß Arbeiter in Gießereien ihre Hand
-in geschmolzenes Eisen tauchen können, ohne sie zu verbrennen. Eine
-Dampfschicht, welche durch die Feuchtigkeit der Haut gebildet wird,
-verhindert die unmittelbare Berührung mit dem geschmolzenen Metall und
-darum auch den Uebergang der Wärme.
-
-=335. Warum= kann man Zinn in einem Gefäß mit Wasser über dem stärksten
-Feuer nicht schmelzen?
-
-=Weil= das Wasser beim Kochen alle ihm vom Feuer zugeführte Wärme zur
-Dampfbildung verwendet und daher selbst keine höhere Temperatur als
-die von 80° R. annimmt, weshalb aber auch das Zinn in dem kochenden
-Wasser nicht über 80° R. erhitzt werden und somit auch nicht
-seinen Schmelzpunkt, der erst bei 188° R. liegt, erreichen kann. Es
-giebt freilich, wie bereits erwähnt (Fr. 298), Metallgemische oder
-Metalllegirungen, die schon im siedenden Wasser schmelzen, weil ihr
-Schmelzpunkt noch unter dem Siedepunkte des Wassers liegt.
-
-=336. Warum= werden sehr fette oder in Fett gekochte Speisen schneller
-weich als sehr magere und im bloßen Wasser gekochte?
-
-=Weil= Fette einen weit höheren Siedepunkt als das Wasser haben und
-daher auch eine weit höhere Temperatur annehmen können, so daß auch
-die Speisen, die in ihnen gekocht werden, eine größere Wärmemenge
-empfangen. Sehr mageres Fleisch, wie Wildfleisch, wird darum auch beim
-Braten langsamer gar als sehr fettes Fleisch.
-
-=337. Warum= wird sehr dünner und schlechter Branntwein durch
-Destilliren stärker?
-
-=Weil= der Weingeist (Spiritus) oder Alkohol schon bei einer
-niedrigeren Temperatur flüchtig oder in Dampf verwandelt wird als das
-Wasser, das Destilliren aber darin besteht, daß man den aus Wasser
-und Weingeist bestehenden Branntwein erst in Dampf verwandelt und
-die Dämpfe dann durch Abkühlung wieder zu tropfbarer Flüssigkeit
-verdichtet. Bei der Destillation wird also mehr Weingeist als Wasser
-flüchtig, und die verdichtete Flüssigkeit muß dann auch mehr Weingeist
-als vorher enthalten. Der Gehalt an Weingeist aber bestimmt die Stärke
-des Branntweines.
-
-[Illustration: Fig. 55.]
-
-=338. Warum= kann man in einem _Papin_'schen Topfe (Fig. 55) selbst
-Knochen zu einem Brei zerkochen?
-
-=Weil= in einem solchen Topfe, dessen Deckel luftdicht festgeschraubt
-ist, die Dämpfe nicht entweichen können und durch ihren heftigen Druck
-auf das Wasser den Siedepunkt desselben bedeutend erhöhen, so daß das
-kochende Wasser in dem Topfe eine weit höhere Temperatur annimmt, als
-das an der Luft unter dem gewöhnlichen Druck der Atmosphäre kochende.
-Wenn die eingeschlossenen Dämpfe nämlich weiter erhitzt werden, so
-wächst ihr Bestreben, sich auszudehnen, oder ihre Spannkraft, immer
-mehr. Sie üben darum nach allen Seiten, also auch auf das Wasser
-einen hohen Druck aus und machen dadurch das weitere Aufsteigen von
-Dampfblasen, also das weitere Sieden unmöglich, bis die Temperatur
-des Wassers selbst so hoch gesteigert ist, daß die sich entwickelnden
-Dämpfe dieselbe Spannkraft haben, wie die bereits vorhandenen, welche
-den Druck ausüben. Wegen des heftigen Druckes der gespannten Dämpfe
-in einem solchen Topfe muß derselbe auch sehr starke Wände aus Eisen
-oder Messing haben, und zugleich der Deckel mit einem sogenannten
-Sicherheitsventil versehen sein, welches die Dämpfe bei einem gewissen
-Grade der Spannung öffnen, und durch welches sie dann entweichen
-können. Sonst würde man Gefahr laufen, daß der Topf durch den innern
-Druck gewaltsam zersprengt wird.
-
-=339. Warum= kommt warmes Wasser, das unter die Glocke der Luftpumpe
-gebracht wird, bei fortgesetztem Auspumpen der Luft in's Sieden?
-
-=Weil= durch das Auspumpen der Luft die Luft unter der Glocke verdünnt
-und dadurch auch der Luftdruck vermindert wird, welcher auf dem Wasser
-ruht, so daß die Dämpfe, die sich im Innern desselben bilden, einer
-geringeren Spannkraft bedürfen, um diesem Luftdruck zu widerstehen, um
-also die Erscheinung hervorzurufen, die wir Sieden nennen. Da aber die
-Spannkraft des Dampfes von der Temperatur abhängt, so reicht auch eine
-geringere Temperatur hin, um das Wasser unter der Glocke der Luftpumpe
-zum Sieden zu bringen.
-
-=340. Warum= siedet Schwefeläther schon bei gewöhnlicher Temperatur,
-ja sogar bei 0 Grad unter der Glocke der Luftpumpe, nachdem die Luft
-ausgepumpt worden ist?
-
-=Weil= der Schwefeläther schon bei gewöhnlichem Luftdruck einen sehr
-niedrigen Siedepunkt hat, nämlich bereits bei 28½° R. siedet, seine
-Dämpfe also bei derselben Temperatur eine größere Spannkraft haben
-müssen, als die des Wassers, im luftleeren Raume daher auch eine weit
-niedrigere Temperatur hinreicht, damit seine Dämpfe den äußeren Druck
-überwinden und so die Erscheinung des Siedens herbeiführen.
-
-[Illustration: Fig. 56.]
-
-=341. Warum= kann man Wasser in dem sogenannten Wasserhammer oder
-Pulshammer (Fig. 56) durch die bloße Wärme der Hand zum Sieden bringen?
-
-=Weil= das durch die Hand erwärmte Glas hinreichend genug Wärme an
-das in dem Pulshammer befindliche Wasser abgiebt, um dasselbe in dem
-luftleeren Raume, der sich darüber befindet, zum Sieden zu bringen.
-Der Pulshammer besteht nämlich aus zwei durch eine Röhre verbundenen
-gläsernen Kugeln, in deren einer Wasser vor dem Zuschmelzen des ganzen
-Apparates bis zum Sieden erhitzt war. Das Innere des Pulshammers
-enthält also nur Wasserdampf, und der Druck desselben auf das Wasser
-ist bei gewöhnlicher Temperatur ein so geringer, daß schon die
-geringste Erwärmung des Wassers hinreicht, Dämpfe zu erzeugen, deren
-Spannkraft diesen Druck überwindet.
-
-=342. Warum= siedet Wasser auf hohen Bergen bei einem geringeren
-Wärmegrad als in der Ebene?
-
-=Weil= auf hohen Bergen der Luftdruck ein weit niedrigerer ist als in
-der Ebene, die Wasserdämpfe daher auch einer geringeren Spannkraft
-bedürfen, um diesen Druck zu besiegen, und um diese geringere
-Spannkraft hervorzubringen, wieder eine geringere Wärme nöthig ist. Auf
-der Hochebene von Quito in Südamerika kocht daher das Wasser schon bei
-72° R., auf dem Montblanc sogar bei 68° R. Auf solchen hohen Bergen
-kann man daher auch Fleisch in offenen Gefäßen nicht weich kochen.
--- Man kann diese verschiedenen Siedetemperaturen des Wassers auch
-benutzen, um die Höhen der Berge zu messen.
-
-=343. Warum= wird der Deckel eines am Feuer stehenden Gefäßes, in dem
-sich siedendes Wasser befindet, mit einiger Gewalt in die Höhe gehoben
-oder abgeworfen?
-
-=Weil= die sich beim Sieden entwickelnden Wasserdämpfe vermöge ihrer
-Spannkraft einen bedeutenden Druck nach allen Seiten hin ausüben,
-dieser Druck aber zunächst nur gegen den Deckel wirksam werden kann,
-der von oben her der Ausdehnung der Dämpfe Widerstand leistet. Wäre der
-Deckel fest verschlossen, so würde die mit der Temperatur wachsende
-Spannkraft der Wasserdämpfe endlich das ganze Gefäß zersprengen.
-
-[Illustration: Fig. 57.]
-
-=344. Warum= wird der luftdicht schließende Kolben in einem Glasgefäß,
-das etwas Wasser enthält, gewaltsam in die Höhe getrieben, wenn man
-dies Wasser über einer Lampe erhitzt, und warum wird dieser Kolben von
-selbst wieder abwärts getrieben, sobald man das Gefäß in kaltes Wasser
-taucht?
-
-=Weil= die durch die Wärme sich entwickelnden Dämpfe wegen ihrer
-Spannkraft sich ausdehnen und den Kolben, der sie abschließt, aufwärts
-treiben, durch die Abkühlung im kalten Wasser aber sich wieder
-verdichten, dadurch einen luftverdünnten Raum erzeugen und nun dem
-äußeren Luftdruck, der auf die obere Seite des Kolbens wirkt, keinen
-Widerstand mehr entgegensetzen können, so daß dieser den Kolben wieder
-abwärts treibt.
-
-=345. Warum= kann man mit Hülfe des Wasserdampfes große Maschinen in
-Bewegung setzen?
-
-=Weil= eingeschlossener Wasserdampf eine sehr bedeutende Spannkraft
-besitzt, die dadurch wirksam gemacht werden kann, daß man auf der
-anderen Seite des Körpers, welchen der Dampf in Bewegung setzen soll,
-einen luftverdünnten oder luftleeren Raum herstellt.
-
-Die einfachste Einrichtung einer Dampfmaschine wurde schon im Jahre
-1690 von _Papin_ in Marburg ersonnen und entsprach im Wesentlichen
-der oben (Fr. 344) besprochenen Vorrichtung, bei welcher Wasser in
-einem Glasgefäß abwechselnd erhitzt und wieder abgekühlt wird. Dieser
-Gedanke kam jedoch nie zur Ausführung. Wirklich hergestellt wurde die
-erste Dampfmaschine von dem Engländer _Thomas Savery_ im Jahre 1698.
-Dieser vermied den von _Papin_ vorgeschlagenen Kolben und suchte das
-Wasser selbst durch Dampf zu heben. Seine Maschine bestand daher
-aus einem Dampfkessel, in welchem der Dampf hergestellt wurde, und
-einem zum Theil mit Wasser gefüllten Behälter, in welchen der Dampf
-einströmte. Mit diesem Behälter stand ein Saugrohr in Verbindung,
-welches in das Wasser hinabreichte, das gehoben werden sollte, während
-an der entgegengesetzten Seite sich ein Steigrohr befand, um das
-Wasser aufwärts zu führen. Beide Röhren waren mit Ventilen versehen.
-Sobald der Dampf in den Behälter einströmte, wurde durch den Druck
-desselben das Ventil der Saugröhre geschlossen und das im Behälter
-befindliche Wasser durch das Steigrohr hinaufgetrieben. Wurde dann
-der Behälter durch darüber fließendes kaltes Wasser abgekühlt, so
-verdichtete sich der Dampf, es entstand ein luftleerer Raum, und
-während der Druck des Wassers das Ventil des Steigrohrs schloß, wurde
-durch den Druck der Atmosphäre das Wasser durch das Saugrohr in den
-Behälter emporgetrieben. Die große Spannung des Dampfes aber, welche
-diese Maschine erforderte, und der dadurch bedingte Aufwand von
-Brennmaterial ließen diese Maschine wenig in Gebrauch kommen, und schon
-nach einigen Jahren (1705) wurde sie durch die glänzende Erfindung
-zweier Handwerker, des Schlossers _Newcomen_ und des Glasers _Cowley_,
-gänzlich verdrängt. Diese kehrten zu dem _Papin_'schen Gedanken der
-Anwendung eines Kolbens zurück, ließen aber den Dampf nicht in dem
-Cylinder selbst, sondern in einem besondern Dampfkessel erzeugen, und
-die Verdichtung der Dämpfe nicht durch Abkühlung der Wände von außen,
-sondern durch Einspritzen kalten Wassers bewirken. Die _Newcomen_'sche
-Maschine besteht daher aus einem Dampfkessel, in welchem der Dampf
-erzeugt wird, und einem durch ein enges Rohr damit verbundenen
-Cylinder, in welchem sich ein Kolben luftdicht auf und nieder bewegt.
-Sobald der Dampf in diesen Cylinder eingetreten ist und den Kolben
-aufwärts getrieben hat, wird durch einen Hahn die Verbindung mit dem
-Kessel geschlossen und ein zweiter Hahn geöffnet, durch welchen ein
-Strahl kalten Wassers in den Cylinder eingespritzt wird. Die Dämpfe
-werden dadurch verdichtet, und der von außen auf den Kolben wirkende
-Druck der atmosphärischen Luft treibt ihn nun nieder. Um den Auf- und
-Niedergang des Kolbens in den Auf- Und Niedergang einer Pumpenstange
-zu verwandeln, ist der Kolben mittelst einer Kette an den Arm eines
-Balanciers gehängt, der auf einer Mauer ruht, und an dessen anderm
-Arme ebenfalls mittelst einer Kette die Pumpenstange hängt. Durch den
-Niedergang des Kolbens wird die Pumpenstange gehoben, während sie beim
-Aufgange des Kolbens durch ihr eigenes Gewicht wieder niedergezogen
-wird. Die Regulirung der Hähne wurde durch die sinnreiche Erfindung
-eines Knaben, Namens _Potter_, im Jahre 1713 vermittelst einfacher
-Hebelvorrichtungen ebenfalls dem Balancier übertragen.
-
-[Illustration: Fig. 58.]
-
-Bei solchen Maschinen, wie die _Newcomen_'sche, spielt der Dampf
-nur eine untergeordnete Rolle. Die eigentliche bewegende Kraft ist
-der Luftdruck, der den Kolben niederdrückt und die Pumpenstange
-emportreibt. Man nennt sie deshalb auch _atmosphärische_ Maschinen,
-und weil sie nur während des Kolbenniederganges eine Arbeit verrichten,
-_einfach wirkende_ Maschinen. Erst mehr als ein halbes Jahrhundert
-später beginnt die Entwicklung der Dampfmaschine zu ihrer heutigen
-glänzenden Höhe durch den Mechaniker _James Watt_ in Glasgow. Schon
-im Jahre 1765 beseitigte er den bisherigen Uebelstand eines zu großen
-Dampfverbrauchs dadurch, daß er die Verdichtung des Dampfes nicht mehr
-in dem Dampfcylinder selbst, sondern in einem besonderen Raume, dem
-Condensator, geschehen ließ, der mit dem Dampfcylinder durch ein mit
-einem Hahne versehenes Rohr beliebig in Verbindung gesetzt werden
-kann. Die wichtigste Verbesserung aber begann er mit dem Jahre 1769,
-indem er den Niedergang des Kolbens nicht mehr durch den äußeren
-Luftdruck bewirken, sondern die ganze Thätigkeit der Maschine durch
-die Spannkraft des Dampfes hervorbringen ließ. Er verwandelte also
-die atmosphärische Maschine in eine wirkliche Dampfmaschine und die
-einfach wirkende in die _doppelt wirkende_, d. h. beim Aufgang wie beim
-Niedergang des Kolbens Arbeit leistende Maschine. Diese Verbesserung
-ist darum so wichtig, weil sie erst die Dampfmaschine für alle die
-mannigfachen und kunstreichen Arbeiten befähigt hat, die wir sie heute
-verrichten sehen.
-
-[Illustration: Fig. 59.]
-
-[Illustration: Fig. 60.]
-
-Um die Aufwärtsbewegung des Kolbens durch den Dampfdruck bewirken zu
-lassen, wurde zunächst der Dampfcylinder auch oben geschlossen und dann
-eine Einrichtung geschaffen, die es möglich machte, den Cylinderraum
-oberhalb wie unterhalb des Kolbens abwechselnd mit dem Dampfkessel
-und mit dem Condensator in Verbindung zu setzen. Diese Einrichtung
-war der sogenannte Vierwegehahn, d. h. ein Hahn mit zwei von einander
-unabhängigen Durchbohrungen, durch welche er von vier an ihm mündenden
-Röhren abwechselnd je zwei mit einander in Verbindung setzen kann.
-Jetzt dient statt desselben das Schieberventil (Fig. 59 u. 60). Es ist
-ein viereckiger Kasten, in welchen der Dampf aus dem Kessel zunächst
-eintreten muß, und in welchen zugleich die Kanäle münden, die den
-Dampf einerseits zum Condensator, andererseits zum obern und untern
-Cylinderraum leiten sollen. In diesem Kasten bewegt sich ein Schieber
-auf und nieder, welcher so eingerichtet ist, daß er abwechselnd den
-zum obern und dann wieder den zum untern Cylinderraum führenden Kanal
-absperrt und dafür den Weg zum Condensator frei läßt. Hat also der
-Kolben seine höchste Stellung erlangt, so treten die Dämpfe aus dem
-Kessel durch den Kasten in den obern Cylinderraum ein und treiben den
-Kolben abwärts (Fig. 59). Gleichzeitig ist den Dämpfen des unteren
-Raumes durch das Rohr ~a~ der Weg in den Condensator geöffnet, in
-welchem sie verdichtet werden. Ist der Kolben unten angelangt, so
-treten in Folge der veränderten Schieberstellung die Dämpfe aus dem
-Kessel in den Raum unter dem Kolben und treiben diesen aufwärts (Fig.
-60), während die Dämpfe oberhalb des Kolbens zum Condensator entweichen.
-
-Die Bewegung des Kolbens wird nun durch die Kolbenstange auf den
-Balancier übertragen. Da aber die auf- und niedergehende Kolbenstange
-eine senkrechte gradlinige Bewegung hat, während das Ende des
-Balanciers, wie das Ende eines Wagebalkens, offenbar einen Kreisbogen
-beschreibt, so ist die Kolbenstange nicht unmittelbar an den Balancier,
-sondern erst vermittelst des sogenannten _Watt_'schen Parallelogramms
-befestigt. Dieses besteht aus zwei gleich langen Stangen, die am
-Balancier aufgehängt und unten durch eine dritte Stange verbunden sind,
-und zwar so, daß sie sich sämmtlich an ihren Verbindungsstellen um
-Charniere drehen können. An der vom Ende des Balanciers herabhängenden
-Stange ist unten, gleichfalls drehbar, die Kolbenstange befestigt,
-während eine vierte, am Maschinengestell befestigte Stange mit der
-zweiten vom Balancier herabhängenden Stange verbunden ist. Wird nun der
-Balancier durch den auf- und niedergehenden Kolben in Bewegung gesetzt,
-so verschieben sich die das Parallelogramm bildenden Stangen so gegen
-einander, daß der Endpunkt desselben, an welchem die Kolbenstange
-befestigt ist, sich in grader Linie auf- und abwärts bewegt.
-
-Um die hin- und herschwingende Bewegung dieses Balanciers in die
-rotirende Bewegung einer Welle zu verwandeln, wandte _Watt_ den
-einfachen, vom Spinnrad und Schleifstein her Jedem bekannten
-Mechanismus der Kurbel und Treibstange an. Die Treibstange oder, wie
-sie bei der Dampfmaschine heißt, die Pleuelstange ~P~ (Fig. 58) ist am
-Ende des Balanciers drehbar aufgehängt und umfaßt mit ihrem untern
-Ende den Zapfen der Kurbel, die an der zu drehenden Welle befestigt
-ist. Die Drehung der Welle kann zunächst freilich keine gleichförmige
-sein. Schon die Ungleichheiten in der Bewegung des Kolbens, wie in der
-Wirkung des Dampfdrucks, bedingen eine ungleichförmige Geschwindigkeit,
-und noch mehr bedingt diese die Stellung der Treibstange zur Kurbel
-selbst. So oft nämlich die Kurbel ihren höchsten oder tiefsten Stand
-erreicht, fällt ihre Richtung mit der Treibstange zusammen, und diese
-kann natürlich in solchen Augenblicken gar nicht auf die Umdrehung der
-Kurbel wirken. Daß die Maschine in diesen sogenannten todten Punkten
-der Kurbel nicht zum Stillstehen kommt, liegt nur an der Trägheit,
-welche die einzelnen Maschinentheile ihre Bewegung fortsetzen läßt. In
-einer Vermehrung dieser Trägheit fand darum auch _Watt_ das Mittel, die
-Ungleichheiten in der Bewegung der Maschine auszugleichen. Dies Mittel
-besteht in dem Schwungrade, einem großen Rade von bedeutendem Gewicht,
-das auf der Kurbelwelle befestigt ist und mit dieser sich umdreht, um
-vermöge seiner Trägheit gleichsam in Momenten des Ueberflusses Arbeit
-aufzusammeln und sie in Momenten des Mangels wieder abzugeben.
-
-[Illustration: Fig. 61.]
-
-Endlich blieb zur Vervollkommnung der Dampfmaschine noch übrig,
-auch die Unregelmäßigkeiten zu beseitigen, welche theils durch
-Aenderungen in der Dampfspannung in Folge von Unregelmäßigkeiten in
-der Unterhaltung des Feuers und Zufuhr des Wassers, theils durch
-Veränderungen der Widerstände, welche der Kolbendruck überwinden soll,
-um mancherlei Arbeiten zu verrichten, veranlaßt werden. Vermittelst
-einer überaus sinnreichen Einrichtung, der sogenannten Drosselklappe,
-in Verbindung mit dem Centrifugal-Regulator (Fig. 61), wird auch diese
-Aufgabe von der Maschine selbst gelöst. Die Drosselklappe ist eine
-gewöhnliche Klappe (~K~), die in dem Rohre, das den Dampf vom Kessel
-zum Cylinder führt, angebracht ist. Ist sie völlig geöffnet, so strömt
-der Dampf ungehindert in den Cylinder; je mehr sie geschlossen wird,
-desto mehr wird auch die Menge des einströmenden Dampfes vermindert.
-Die Regulirung dieser Klappe ist dem Centrifugal-Regulator übertragen.
-Er besteht aus zwei durch eine Welle (~A~) gesteckten und um einen
-Zapfen (~C~) drehbaren Hebeln (~B~), die unten mit metallenen Kugeln
-(~D~) von bedeutendem Gewichte beschwert sind. Mit diesen sind an
-ihren oberen Enden, um Zapfen drehbar, zwei kleinere Stangen (~E~)
-verbunden, die oben an einer Hülse (~F~) befestigt sind, welche an
-der Axe der Welle auf und nieder gleiten kann. Sobald die Welle rasch
-gedreht wird, fahren die schweren Kugeln vermöge ihrer Centrifugalkraft
-auseinander und ziehen dadurch die Hülse herab. An dieser Hülse aber
-ist ein zweiarmiger Hebel (~G~) befestigt, welcher durch eine Stange
-(~I~) den kleinen Hebel bewegt, der die Drosselklappe dreht. Durch
-das Herabgleiten der Hülse wird also die Drosselklappe mehr und mehr
-geschlossen. Bewegt sich die Welle dagegen langsamer, so sinken die
-Kugeln etwas herab, rücken dadurch die Hülse mehr hinauf, und der von
-dieser abhängige Hebel öffnet die Klappe mehr. Man sieht also, daß, so
-oft sich der Gang der Maschine aus irgend einer Ursache beschleunigt,
-sei es, weil die von ihr zu überwindenden Widerstände abnehmen, oder
-weil die Dampfspannung im Kessel wächst, die Kugeln des Regulators
-auseinander fahren, die Drosselklappe mehr zudrehen und dadurch den
-Dampfzufluß _vermindern_; daß aber, so oft die Geschwindigkeit der
-Maschine aus andern Gründen sich verlangsamt, die zusammenfallenden
-Kugeln des Regulators die Drosselklappe mehr öffnen und dadurch den
-Dampfzufluß _vermehren_.
-
-So ist die Dampfmaschine das wunderbare Werk geworden, als das sie
-heute dasteht. Sie verrichtet nicht allein die ihr aufgetragene
-mannigfaltige Arbeit, sondern regelt auch selbst ihren Gang als ihr
-eigener Wärter. Sie bewegt selbst durch Hebelstangen die Steuerung,
-d. h. sie öffnet und schließt die Ventile, welche den Dampf in die
-Räume des Cylinders vertheilen und zum Condensator leiten. Sie bewegt
-selbst die Pumpen, die Kaltwasserpumpe sowohl, welche dem Condensator
-das zur Verdichtung der Dämpfe nöthige kalte Wasser zuführt, als die
-sogenannte Luft- oder Warmwasserpumpe, welche das condensirte Wasser
-und die in dem Condensator sich anhäufende Luft entfernt, als endlich
-die Speisepumpe, welche den Kessel mit frischem Wasser versorgt.
-
-[Illustration: Fig. 62.]
-
-=346. Warum= hat die Locomotive weder Balancier noch Schwungrad, wie
-andere Dampfmaschinen?
-
-=Weil= die Locomotive (Fig. 62) einerseits eine sogenannte
-Hochdruckmaschine ist, d. h. mit Dämpfen von hoher Spannung arbeitet,
-deshalb aber schon der gewöhnliche Druck der Atmosphäre auf der einen
-Seite des Kolbens einen genügenden Unterschied der beiderseitigen
-Druckkräfte zuläßt, eine Condensirung der Dämpfe also und eine
-Regelung der dadurch bedingten Pumpen und Ventile durch den Balancier
-überflüssig wird, und weil andrerseits die Locomotive auch eine
-gekuppelte Maschine ist, d. h. aus zwei so mit einander verbundenen
-Maschinen besteht, daß die Kurbeln derselben einander unterstützen und
-zur Gleichförmigkeit der Bewegung eines Schwungrades nicht bedürfen.
-
-Man unterscheidet nämlich Niederdruck- und Hochdruckmaschinen, d.
-h. solche, bei welchen Dämpfe angewandt werden, deren Spannung die
-der gewöhnlichen atmosphärischen Luft nur um weniges, höchstens das
-1¼--1½fache übertrifft, und solche, bei denen die Dampfspannung
-das 3--6fache des gewöhnlichen Atmosphärendrucks beträgt. Bei der
-Niederdruckmaschine läßt sich der Dampf nur dadurch wirksam machen, daß
-man auf der entgegengesetzten Seite des Kolbens einen luftverdünnten
-Raum erzeugt, also die Dämpfe verdichtet. Bei der Hochdruckmaschine
-ist diese Dampfverdichtung nicht nöthig, darum kann der ganze Bau
-ein viel einfacherer sein. Die Pleuelstange wird hier unmittelbar
-mit der Kolbenstange verbunden, und die gradlinige Bewegung der
-letzteren einfach durch zwei Leisten, die sogenannten Gradführungen,
-bewirkt, zwischen denen die Kolbenstange hin und her gleitet. Die
-Bewegung der einzigen Pumpe, die noch erforderlich ist, der
-Speisepumpe, und der wenigen Ventile, nämlich des Schieberventils und
-der Drosselklappe, geht unmittelbar von der Kurbelwelle aus und wird
-durch excentrische Scheiben vermittelt, die an der Welle befestigt
-sind. Bei gekuppelten Maschinen, wie sie die Locomotive gleichfalls
-darstellt, sind überdies zwei Maschinen so mit einander verbunden,
-daß sie auf eine gemeinschaftliche Kurbelwelle wirken und zwar in der
-Weise, daß die beiden Kurbeln einen rechten Winkel mit einander bilden,
-daß also jedesmal, wenn die eine Kurbel sich in einem ihrer todten
-Punkte befindet, die andere gleichzeitig in ihre günstigste Stellung
-eingetreten ist. Zur Ueberwindung der todten Punkte bedarf es also hier
-eines Schwungrades nicht.
-
-Die erste Hochdruckmaschine ist von _Oliver Evans_ in Philadelphia
-hergestellt worden, der sie bereits im Jahre 1800 zur Bewegung eines
-Wagens benutzte. Die erste Locomotive wurde von dem englischen
-Ingenieur _George Stephenson_ im Jahre 1814 gebaut.
-
-Die Schiffsmaschine ist eine gekuppelte Niederdruckmaschine. Das erste
-mit Schaufelrädern versehene Dampfschiff wurde von _Robert Fulton_ in
-Newyork im Jahre 1807, das erste Schraubendampfschiff von _Ericson_ und
-_Smith_ im Jahre 1839 in Amerika gebaut.
-
-=347. Warum= muß der Kessel einer Dampfmaschine mit einem
-Sicherheitsventil versehen sein?
-
-=Weil= in dem völlig verschlossenen Kessel die Dämpfe sich anhäufen
-und dadurch eine so bedeutende Spannkraft erlangen würden, daß sie den
-Kessel gewaltsam zersprengen müßten, was durch das Sicherheitsventil
-verhindert wird, da dieses sich bei einem bestimmten Drucke der Dämpfe
-öffnet und diese so lange ausströmen läßt, bis derjenige Druck wieder
-hergestellt ist, bei welchem man eine Gefahr des Zerspringens nicht
-mehr zu fürchten hat.
-
-
-
-
-Das Licht.
-
-
- Wenn wir die Gegenstände sehen, so beruht dies auf einer
- Empfindung gewisser Nerven unserer Sehwerkzeuge oder Augen.
- Die Ursache dieser Empfindung aber nennen wir Licht. Nach der
- älteren Ansicht besteht dies Licht aus einer sehr feinen
- Materie, einem Lichtstoff, der von den leuchtenden Körpern
- ausgesendet wird und die Augennerven trifft. Dieser Stoff soll
- unwägbar sein, überhaupt aller wesentlichen Eigenschaften
- der Körperlichkeit entbehren und nur durch seine Wirkung
- wahrnehmbar sein. Nach der jetzt allgemein geltenden Ansicht
- beruht das Licht auf einer wellenförmigen oder schwingenden
- Bewegung, welche, ähnlich der Bewegung des Schalles und der
- Wärme, von dem leuchtenden Körper ausgeht und, sich durch unser
- Auge dem Sehnerv mittheilend, hier die Empfindung des Sehens
- bewirkt. Als Träger dieser Bewegung nimmt man einen äußerst
- feinen elastischen Stoff -- den Aether -- an, der den ganzen
- Weltraum und alle Körper durchdringt.
-
- Quellen des Lichtes sind alle selbstleuchtenden Körper,
- insbesondere die Sonne und die Fixsterne, ferner glühende und
- verbrennende Körper, wie die Flammen unserer Kerzen und Lampen,
- endlich einige sogenannte phosphorescirende Körper, namentlich
- faulende Thier- und Pflanzenstoffe, aber auch lebende Thiere,
- wie die Johanniswürmchen und die kleinen, das Meeresleuchten
- veranlassenden Seethierchen. Eine besondere Quelle des Lichtes
- werden wir in der Electricität kennen lernen. Sternschnuppen
- und Feuerkugeln sind höchst wahrscheinlich kleine Weltkörper,
- welche wie die Planeten um die Sonne kreisen und, in den
- Anziehungskreis der Erde gerathen, herabfallen. Sie sind
- an sich dunkel, wie die Planeten und Kometen, und erglühen
- erst in Folge des Widerstandes, den sie in der Erdatmosphäre
- erfahren. Für ihre Weltkörper-Natur spricht das Herabfallen von
- Meteorsteinen beim Zerplatzen von Feuerkugeln, und besonders
- die periodische Wiederkehr von Sternschnuppenschwärmen in den
- Nächten vom 10. August und vom 12. bis 14. November.
-
- Irrlichter sind kleine Flämmchen, die bisweilen in sumpfigen
- Gegenden erscheinen, die aber noch viel zu wenig beobachtet
- sind, um über ihr Wesen völlig entscheiden zu können. Man hält
- sie für ein phosphorhaltiges Wasserstoffgas, das als Flamme
- verbrennt, sobald es aus dem Wasser aufsteigend in die Luft
- übergeht.
-
- Das Licht, das von einem leuchtenden Punkte ausgeht, verbreitet
- sich nach allen Richtungen und zwar in graden Linien. Diese
- graden Lichtlinien nennen wir Lichtstrahlen. Das Licht pflanzt
- sich mit außerordentlicher Geschwindigkeit fort, indem es
- in einer Sekunde 40,257 geogr. Meilen (= 300000 Kilom.)
- zurücklegt. Es durchläuft also den Raum von der Sonne zur Erde
- (fast 150 Mill. Kilom.) in 8 Minuten 13 Sekunden, und seine
- Geschwindigkeit übertrifft die des Schalles um das 900000fache.
-
- Treffen Lichtstrahlen auf ihrem Wege auf nicht leuchtende oder
- dunkle Körper, so werden sie entweder _zurückgeworfen_ oder
- _durchgelassen_. Dunkle Körper werden uns dadurch sichtbar,
- daß die von ihnen zurückgeworfenen Lichtstrahlen in unser Auge
- gelangen. Läßt ein Körper mehr oder weniger Licht durch sich
- hindurchgehen, so nennen wir ihn _durchsichtig_ oder auch
- nur _durchscheinend_. Läßt er gar kein Licht durch, wirft er
- vielmehr alles Licht zurück, so heißt er _undurchsichtig_.
- Wenn Lichtstrahlen aus einem durchsichtigen Körper in einen
- andern übergehen, der aber eine andere Dichtigkeit besitzt,
- so werden sie von ihrem Wege abgelenkt oder, wie man sagt,
- _gebrochen_. Ebenso werden Lichtstrahlen von ihrem gradlinigen
- Wege abgelenkt, wenn sie an den Rändern von undurchsichtigen
- Körpern vorübergehen. Man nennt diese Ablenkung die _Beugung_
- des Lichts.
-
-=348. Warum= sehen wir den Blitz eines in einer gewissen Entfernung
-abgeschossenen Gewehres, ehe wir den Knall hören?
-
-=Weil= das Licht eine weit größere Geschwindigkeit als der Schall
-besitzt. Beide beruhen zwar auf Bewegungen, die gleichzeitig von dem
-Gegenstande ausgehen, der die Erscheinungen hervorruft, also von
-dem entzündeten Pulver des Gewehrs. Beide Bewegungen müssen sich
-auch bis zu uns fortpflanzen, um von unserm Ohr und Auge empfunden
-zu werden. Aber der Schall pflanzt sich nur langsam fort, während
-die Geschwindigkeit des Lichtes so groß ist, daß sie für irdische
-Entfernungen nur mit den künstlichsten Mitteln gemessen werden kann.
-Für eine Strecke von 300 Metern braucht der Schall fast eine Sekunde,
-das Licht aber nur den millionsten Theil einer Sekunde.
-
-[Illustration: Fig. 63.]
-
-=349. Warum= können wir in der Nähe einer Kerzenflamme die Schrift
-eines Buches lesen, in einiger Entfernung aber nicht?
-
-=Weil= die Stärke der Beleuchtung, wie überhaupt jeder Wirkung, die
-sich von einem Punkte aus gleichmäßig nach allen Seiten verbreitet, mit
-der Entfernung abnimmt, und zwar in demselben Verhältniß, in welchem
-die Fläche wächst, über welche sie sich verbreitet. In der doppelten
-Entfernung ist die Fläche, welche die gesammte Lichtmenge empfängt,
-4mal, in der dreifachen Entfernung 9mal so groß, und es empfängt darum
-eine Fläche von bestimmter Größe, etwa ein Blatt Papier, von dem wir
-lesen wollen, in der dreifachen Entfernung auch nur ein 9mal geringeres
-Licht, erscheint uns also 9mal weniger hell.
-
-=350. Warum= sehen wir durch die Scheiben unserer Fenster die draußen
-befindlichen Gegenstände?
-
-=Weil= die Glasscheiben durchsichtig sind, d. h. das von den draußen
-befindlichen Gegenständen kommende Licht ungehindert durch sich
-hindurch zu unserm Auge gelangen lassen. Vollkommen durchsichtig ist
-aber auch das Glas nicht; sehr dicke Glasplatten halten vielmehr einen
-großen Theil des Lichtes zurück und lassen uns darum die Gegenstände
-nur undeutlich erkennen. Ebenso sind Luft und Wasser nicht vollkommen
-durchsichtig. In tiefen Seen kann man nicht bis auf den Grund
-sehen, wenn auch das Wasser noch so klar ist. Wäre die Luft völlig
-durchsichtig, so würde uns der Himmel nicht blau, sondern schwarz
-erscheinen, und wir würden jeden, auch den fernsten Gegenstand sehen,
-sobald er nur im Bereich unserer Augen wäre.
-
-=351. Warum= sehen wir dunkle, d. h. nicht selbstleuchtende Körper,
-wenn sie beleuchtet werden, und sich in unserm Gesichtskreise befinden?
-
-=Weil= alle Körper die auf ihre Oberfläche fallenden Lichtstrahlen
-anderer selbstleuchtender Körper zurückwerfen, und diese
-zurückgeworfenen Lichtstrahlen in unser Auge gelangen und hier den
-Eindruck eines Bildes des beleuchteten Körpers erzeugen. Nur wenn ein
-anderer undurchsichtiger Körper den beleuchteten Gegenstand bedeckt, d.
-h. zwischen ihn und unser Auge tritt, können wir ihn nicht sehen, weil
-der verdeckende Körper keinen der zurückgeworfenen Lichtstrahlen in
-unser Auge gelangen läßt.
-
-[Illustration: Fig. 64.]
-
-=352. Warum= wirft ein undurchsichtiger Körper, wenn er beleuchtet
-wird, einen Schatten hinter sich?
-
-=Weil= der undurchsichtige Körper den sich nur in grader Linie
-bewegenden Lichtstrahlen den Weg versperrt und sie daher verhindert,
-in den hinter ihm befindlichen Raum zu gelangen, so daß dieser
-Raum unbeleuchtet bleibt und dunkel erscheint. Den unbeleuchteten
-Raum hinter einem beleuchteten und undurchsichtigen Körper nennen
-wir Schatten. Die Lage des Schattens ist abhängig von der Lage des
-leuchtenden und des schattengebenden Körpers. Er bewegt sich, wenn
-sich einer dieser Körper bewegt, und ist um so kleiner, je größer
-die Entfernung zwischen beiden, und je senkrechter das Licht auf den
-schattengebenden Körper fällt. Die Gestalt des Schattens ist nur von
-der Gestalt und Lage des schattengebenden Körpers abhängig. Daher
-erscheint der Schatten einer Kugel auf einer gegen die Lichtstrahlen
-senkrechten Fläche stets kreisrund. Solche runde Schatten werfen auch
-die nicht selbstleuchtenden Himmelskörper hinter sich, und es erklären
-sich daraus die Sonnen- und Mondfinsternisse. Bei den letzteren
-befindet sich der Mond im Schatten der Erde, bei den ersteren die Erde
-im Schatten des Mondes. Wenn der leuchtende Körper größer ist als der
-beleuchtete, so ist der eigentliche Schatten oder der Kernschatten,
-welcher gar kein Licht empfängt, noch von einem weniger dunklen Raume,
-dem Halbschatten, umgeben, welcher nur von einem Theile des leuchtenden
-Körpers Licht erhält. Bei einer partialen Sonnenfinsterniß steht die
-Erde nur im Halbschatten des Mondes.
-
-=353. Warum= sehen wir im Spiegel unser Bild?
-
-=Weil= die von der dem Spiegel zugewandten Seite unseres Körpers
-zurückgeworfenen Lichtstrahlen, wenn sie auf den Spiegel fallen, durch
-das durchsichtige Glas hindurchgehen, von der dahinter befindlichen
-undurchsichtigen Belegung (Folie) aber wieder zurückgeworfen werden
-und gerade so in unser Auge gelangen, als ob sie von einem hinter dem
-Spiegel befindlichen, uns gleichen Bilde ausgegangen wären.
-
-[Illustration: Fig. 65.]
-
-=354. Warum= sehen wir das Bild eines Gegenstandes in einem Spiegel
-genau so weit _hinter_ demselben, als der Gegenstand sich _vor_
-demselben befindet?
-
-=Weil= alle Lichtstrahlen, welche von einem leuchtenden Punkte
-ausgehen, von einer Spiegelfläche genau unter demselben Winkel
-zurückgeworfen werden, unter welchem sie auffallen, diese
-zurückgeworfenen Strahlen aber darum auch in ihrer Verlängerung sich in
-einem Punkte vereinigen müssen, der genau so weit hinter dem Spiegel
-liegt, als der leuchtende Punkt vor demselben. Die zurückgeworfenen
-Strahlen, welche in das Auge gelangen, machen daher auf dasselbe den
-Eindruck, als ob sie von jenem Vereinigungspunkte hinter dem Spiegel
-herkämen, da es gewohnt ist, die Ursache der Lichtempfindung in
-der Richtung der Lichtstrahlen zu suchen. Diesen Vereinigungspunkt
-der zurückgeworfenen Lichtstrahlen nennt man daher das Bild des
-leuchtenden Punktes. Jeder Punkt eines Gegenstandes aber erzeugt sein
-Bild hinter dem Spiegel und zwar in derselben Entfernung, in welcher
-er vor demselben sich befindet. Alle Punkte zusammen bilden aber die
-Oberfläche des gespiegelten Gegenstandes und alle diesen Punkten
-entsprechenden Bilder das Gesammtbild desselben. Dieses Gesammtbild
-des Gegenstandes muß also auch genau in derselben Entfernung hinter
-dem Spiegel erscheinen, in welcher der Gegenstand vor demselben sich
-befindet. Ebenso ist es in Gestalt und Größe demselben gleich.
-
-[Illustration: Fig. 66.]
-
-=355. Warum= sind dünne Glasspiegel besser als dicke?
-
-=Weil= nicht blos die hintere Belegung, sondern auch die vordere Fläche
-des Glases spiegelt, besonders wenn man schief darauf sieht, und daher
-doppelte Bilder entstehen, die einander verwirren und das Gesammtbild
-undeutlich machen. Der Abstand dieser doppelten Bilder von einander
-muß natürlich stets der doppelten Dicke des Glases gleich sein. Je
-dicker das Glas, desto deutlicher werden die doppelten Bilder und desto
-störender wirken sie. Die besten Spiegel sind daher Metallspiegel, da
-diese nur einfache Bilder geben können.
-
-=356. Warum= können wir eine vollkommen gute Spiegelfläche gar nicht
-sehen?
-
-=Weil= alles Licht, welches eine Spiegelfläche empfängt, so
-zurückgeworfen wird, daß sich die von jedem Punkte des beleuchtenden
-Körpers ausgehenden Strahlen wieder in einem Punkte hinter der
-Spiegelfläche schneiden, wir also nur _hinter_ der Spiegelfläche
-leuchtende Punkte, nämlich die Bilder der beleuchtenden Punkte und
-nicht die Spiegelfläche selbst sehen.
-
-=357. Warum= geben nichtpolirte, wenn auch ebene Körper keine
-Spiegelbilder?
-
-=Weil= eine solche nichtpolirte Ebene eine Menge kleiner Unebenheiten
-besitzt, welche die von einem Punkte ausgehenden Strahlen unregelmäßig
-zurückwerfen müssen, so daß sie sich nicht wieder in einem Punkte
-hinter der ebenen Fläche vereinigen, also auch kein Bild des Punktes
-erzeugen können. Statt des Bildes des beleuchtenden Gegenstandes sehen
-wir vielmehr die beleuchtete Fläche selbst. Da nämlich jeder Punkt der
-Fläche von unendlich vielen leuchtenden Punkten Licht erhält und dieses
-zurückwirft, so müssen auch von jedem Punkte der Fläche unendlich viele
-Strahlen nach allen Richtungen ausgehen, so daß wir jeden Punkt der
-Fläche sehen. Solches unregelmäßig zurückgeworfene Licht, welches uns
-die nichtpolirten oder nicht spiegelnden Flächen sichtbar macht, nennt
-man auch zerstreutes Licht.
-
-[Illustration: Fig. 67.]
-
-=358. Warum= werden in einem Guckkasten die am Boden desselben
-liegenden Bilder aufrecht gesehen? (Fig. 67.)
-
-=Weil= diese Bilder, ehe sie durch das Vergrößerungsglas zum Auge
-gelangen, erst von einem unter 45° geneigten Spiegel zurückgeworfen,
-und deshalb alle Punkte desselben von dem Auge genau so weit hinter den
-Spiegel verlegt werden, als sie sich vor demselben befinden. Die von
-den Endpunkten des Pfeils ~AB~ ausgehenden Lichtstrahlen, welche den
-Spiegel in ~x~ und ~s~ treffen, werden so zurückgeworfen, daß das Auge
-den Pfeil in ~ab~ zu sehen glaubt.
-
-=359. Warum= sieht man in einer sogenannten Spiegelkammer einen
-einzelnen Gegenstand, etwa einen Schwan, ringsum hundertfach
-vervielfältigt?
-
-=Weil= diese Spiegelkammer aus parallelen Spiegeln besteht, deren
-jeder das Spiegelbild des andern wiederspiegelt und dies mit jedem
-Spiegelbilde so lange wiederholt, bis die geschwächte Helligkeit die
-Wahrnehmung der Bilder verhindert.
-
-[Illustration: Fig. 68.]
-
-=360. Warum= erblickt man in einem Kaleidoskop so schöne, beim
-Schütteln des Instruments sich beständig verändernde sternförmige
-Gruppirungen? (Fig. 68.)
-
-=Weil= am Ende der Röhre des Kaleidoskops zwei unter einem gewissen
-Winkel gegen einander geneigte Spiegel befestigt sind, und die
-dazwischen befindlichen kleinen Gegenstände, etwa Moos- und
-Glasstückchen, von diesen wiederholt gespiegelt werden, und zwar so
-oft, daß, unter Mitrechnung der Gegenstände selbst, genau so viel
-Bilder erscheinen, als der Neigungswinkel der Spiegel in 360° enthalten
-ist. Beträgt der Neigungswinkel 45°, so sieht man 8 Bilder, und zwar
-symmetrisch gruppirt.
-
-[Illustration: Fig. 69.]
-
-=361. Warum= kann man mit Hülfe eines Hohlspiegels, den man gegen die
-Sonne richtet, brennbare Körper entzünden?
-
-=Weil= ein Hohlspiegel, d. h. ein an seiner inneren Fläche polirtes
-Stück einer Kugelschale, alle auf ihn fallenden Licht- und
-Wärmestrahlen der Sonne so zurückwirft, daß sie sich in einem Punkte
-vor dem Spiegel vereinigen und hier natürlich eine erhöhte Wärmewirkung
-äußern. Doch geschieht dies nur dann, wenn die Lichtstrahlen
-untereinander parallel auffallen, wie es bei den Sonnenstrahlen, der
-ungeheuren Entfernung der Sonne wegen, der Fall ist, und wenn sie
-zugleich in der Richtung der Axe des Hohlspiegels, d. h. senkrecht auf
-die Mitte desselben einfallen. Der Punkt, in welchem die Vereinigung
-der Strahlen und ihre erhöhte Wärmewirkung stattfindet, heißt der
-_Brennpunkt_. Er liegt bei einem kugelförmig gekrümmten Spiegel in der
-Achse und zwar in der Mitte zwischen dem Mittelpunkt der Kugel und
-dem Mittelpunkt des Spiegels. Sein Abstand von dem Spiegel heißt die
-_Brennweite_.
-
-=362. Warum= pflegt man Laternen und namentlich Wandleuchter mit
-Blenden zu versehen?
-
-=Weil= man beabsichtigt, die sonst von der Flamme nach allen Richtungen
-hin auseinander fahrenden Lichtstrahlen nach einer bestimmten Richtung
-zusammenzuhalten, die Blenden aber, die nichts anderes als Hohlspiegel
-sind, ebensowohl alle parallel mit der Achse auffallenden Lichtstrahlen
-im Brennpunkt vereinigen, als auch umgekehrt alle aus dem Brennpunkt
-herkommenden Strahlen parallel mit der Achse zurückwerfen. Die Flamme
-muß sich also bei solchen Laternen oder Wandleuchtern stets genau im
-Brennpunkt des Hohlspiegels oder der Blende befinden, wenn alle ihre
-Lichtstrahlen in einer bestimmten Richtung zusammengehalten werden und
-so den Zweck einer erhöhten Beleuchtung erfüllen sollen.
-
-[Illustration: Fig. 70.]
-
-=363. Warum= erscheinen bei Hohlspiegeln die Bilder der Gegenstände
-nicht immer hinter dem Spiegel, wie bei ebenen Spiegeln?
-
-=Weil= auch in einem Hohlspiegel das Bild eines leuchtenden Punktes
--- und darum auch eines Gegenstandes -- nur dadurch entstehen kann,
-daß die von dem leuchtenden Punkte ausgehenden Strahlen vom Spiegel
-zurückgeworfen, und die zurückgeworfenen Strahlen in einem Punkte
-vereinigt werden, diese Vereinigung aber bei dem Hohlspiegel stets
-vor dem Spiegel stattfindet, sobald der leuchtende Punkt weiter
-als der Brennpunkt des Spiegels entfernt ist. Während also bei dem
-ebenen Spiegel das Bild nur darum hinter dem Spiegel erscheint, weil
-das Auge, indem es die zurückgeworfenen Strahlen verfolgt, ihre
-Vereinigung hinter den Spiegel zu versetzen gezwungen ist, kommt hier
-das Bild wirklich vor dem Spiegel, also im unmittelbaren Bereich
-des Auges zu Stande. Ein solches Bild schwebt gleichsam in der Luft
-und kann wirklich sichtbar gemacht werden, wenn man es auf einer
-durchscheinenden matten Glasscheibe, oder Oelpapier, oder selbst Rauch-
-oder Nebelwolken auffängt. Bei sehr großen Hohlspiegeln zeigen sich
-die Bilder selbst ganz frei in der Luft und werden daher von Gauklern
-häufig zu Geistererscheinungen benutzt. Diese Bilder sind stets
-verkehrt, weil die von den oberen Theilen des Gegenstandes kommenden
-Lichtstrahlen vom Spiegel nach unten, die von den unteren Theilen
-kommenden nach oben zurückgeworfen werden. Sie sind ferner bei größerer
-Entfernung des Gegenstandes verkleinert, bei größerer Nähe vergrößert
-und erscheinen im ersteren Falle näher, im letzteren Falle entfernter.
-Nur wenn ein Gegenstand sich zwischen dem Spiegel und seinem Brennpunkt
-befindet, sieht man sein Bild hinter dem Spiegel und zwar aufrecht, wie
-beim ebenen Spiegel, aber zugleich vergrößert in Folge der Krümmung der
-spiegelnden Fläche.
-
-=364. Warum= zeigen die spiegelnden Glaskugeln in Gärten zwar stets ein
-aufrechtes, aber zugleich verkleinertes Bild der Umgebung?
-
-=Weil= die von einem Gegenstande auf solche spiegelnde Glaskugeln, wie
-überhaupt auf erhaben gekrümmte Spiegelflächen fallenden Lichtstrahlen,
-wenn sie zurückgeworfen werden, auseinander gehen und sich zwar auch
-hinter dem Spiegel, aber weit schneller vereinigen müssen, als bei
-einem ebenen Spiegel. Die Bilder erscheinen wegen dieser früheren
-Vereinigung der zurückgeworfenen Lichtstrahlen kleiner als die
-Gegenstände, und zwar um so kleiner, je weiter die Gegenstände entfernt
-sind. Da die Gegenstände einer Landschaft aber sehr verschiedene
-Entfernungen haben, so erscheinen auch ihre Bilder sehr verschieden
-verkleinert, und das Gesammtbild einer Landschaft auf einer solchen
-Glaskugel ist darum stets ein verzerrtes.
-
-[Illustration: Fig. 71.]
-
-=365. Warum= erscheinen klare Gewässer, deren Grund man sehen kann,
-weniger tief, als sie wirklich sind?
-
-=Weil= die Lichtstrahlen, wenn sie aus dem Wasser in die Luft, also
-in ein Mittel von ganz verschiedener Dichtigkeit übergehen, von ihrem
-Wege abgelenkt werden und so in unser Auge gelangen, als ob sie von
-ganz anderen, höher gelegenen Punkten herkämen. Da wir aber gewohnt
-sind, die Körper uns da zu denken, von wo ihre Lichtstrahlen herkommen,
-so erscheint uns der Grund des Wassers höher, als er wirklich ist.
-Darum scheinen auch Fische in klarem Wasser der Oberfläche näher zu
-schwimmen, als wirklich der Fall ist. Ebenso scheint ein Geldstück auf
-dem Boden eines Glases gehoben zu werden, wenn wir Wasser in das Glas
-gießen. (Fig. 71.)
-
-[Illustration: Fig. 72.]
-
-=366. Warum= scheint ein Stab, den wir zum Theil in Wasser tauchen, z.
-B. ein schräg in das Wasser gestemmtes Ruder, gebrochen zu sein?
-
-=Weil= wir nur den außerhalb des Wassers befindlichen Theil des Stabes
-da sehen, wo er sich wirklich befindet, die von dem unter das Wasser
-getauchten Theile zurückgeworfenen Lichtstrahlen aber beim Uebergange
-in die Luft abgelenkt oder, wie man sagt, gebrochen werden und uns
-daher diesen Theil des Stabes an einem andern Orte, und zwar etwas
-höher erscheinen lassen, als er sich wirklich befindet. Der Stab kann
-von uns also nicht mehr als gradliniger gesehen werden, sondern muß an
-der Grenze zwischen Wasser und Luft geknickt oder gebrochen erscheinen.
-
-[Illustration: Fig. 73.]
-
-=367. Warum= sehen wir die Sonne bei ihrem Aufgang, noch ehe sie
-wirklich über den Horizont aufgetaucht ist?
-
-[Illustration: Fig. 74.]
-
-=Weil= die Sonnenstrahlen, wenn sie durch unsere Atmosphäre gehen, aus
-den dünneren Schichten der obern Regionen in immer dichtere der unteren
-übergehen und dabei aus ihrer ursprünglichen Richtung abgelenkt oder
-gebrochen werden, so daß wir die Sonne nicht mehr an ihrem wahren Orte,
-sondern an einem anderen und zwar, wie wir sogleich sehen werden, höher
-gelegenen Orte, auf welchen die Richtung der in unser Auge gelangenden
-Lichtstrahlen hinweist, erblicken müssen. Wenn nämlich Lichtstrahlen
-aus einem dichteren Mittel in ein dünneres, also aus Wasser in Luft
-übergehen, so werden sie noch mehr von der senkrechten Richtung
-abgelenkt, oder, wie man sagt, _vom_ Einfallsloth _hinweg_ gebrochen
-(Fig. 74). Wenn sie aber von einem dünneren Mittel in ein dichteres,
-also etwa aus dünneren Luftschichten in dichtere übergehen, so werden
-sie dem Einfallsloth genähert oder _zum_ Einfallsloth gebrochen. Das
-Letztere findet nun bei der aufgehenden Sonne statt. Ihre Strahlen
-gelangen daher weniger schräg in unser Auge, als sie in die Atmosphäre
-gelangt sind, lassen also die Sonne an einem höheren Orte erscheinen,
-als sie wirklich sich befindet, und machen sie uns sogar sichtbar, wenn
-sie noch unter dem Horizonte steht.
-
-=368. Warum= scheinen die Gegenstände zu zittern, wenn wir sie über ein
-von der Sonne stark erwärmtes Dach hinweg sehen?
-
-=Weil= in Folge der Erhitzung ungleich dichte Luftschichten über dem
-Dache entstehen, die in Folge dessen in Bewegung gerathen, so daß die
-Lichtstrahlen, welche durch sie hindurchgehen, bald mehr, bald weniger
-gebrochen werden, und daher in beständig wechselnden Richtungen in
-unser Auge gelangen, welches nun die Gegenstände selbst beständig ihren
-Ort wechseln sieht und dadurch den Eindruck des Zitterns erhält.
-
-=369. Warum= sehen wir die Fixsterne funkeln, während die Planeten ein
-ruhiges Licht behaupten?
-
-=Weil= bei dem außerordentlich kleinen scheinbaren Durchmesser der
-Fixsterne schon die geringste Veränderung in der Strahlenbrechung, wie
-sie nothwendig mit der beständigen Bewegung dichterer und dünnerer
-Luftschichten in der Atmosphäre verbunden ist, eine scheinbare
-Veränderung ihres Orts, also ein Hin- und Herschwanken bewirkt. Die
-Planeten aber behalten ihr ruhiges, klares Licht, weil ihr scheinbarer
-Durchmesser größer ist, als die stärkste Veränderung, welche der
-augenblickliche Wechsel in der Strahlenbrechung zu bewirken vermag.
-
-[Illustration: Fig. 75.]
-
-=370. Warum= erscheint ein leeres Probirgläschen, das wir schief in
-ein Glas Wasser tauchen, nicht mehr durchsichtig, sondern gleichsam
-metallisch glänzend, als ob Quecksilber darin wäre, wenn wir von oben
-her darauf blicken?
-
-=Weil= die Lichtstrahlen, wenn sie sehr schief auf die Grenzfläche
-zweier verschieden dichten Mittel auffallen, nicht mehr gebrochen,
-sondern zurückgeworfen werden. Dasjenige Mittel also, durch welches
-die Lichtstrahlen nicht mehr hindurchgehen, hier das lufterfüllte
-Probirgläschen, erscheint nicht mehr durchsichtig, sondern spiegelnd.
-Aus demselben Grunde sieht man auch kleine Luftbläschen im Wasser oft
-als glänzende, fast undurchsichtige Perlen, und ebenso werden durch
-diese Spiegelung Sprünge in Gläsern sichtbar gemacht. Man nennt diese
-Erscheinung die vollkommene Zurückwerfung oder totale Reflexion.
-
-=371. Warum= ist der Schnee undurchsichtig, während doch die kleinen
-Eiskrystalle, aus denen er besteht, für sich so vollkommen durchsichtig
-sind?
-
-=Weil= das Licht beim Durchgange durch die vielen lufterfüllten
-Zwischenräume, welche sich zwischen den einzelnen Schneekrystallen
-befinden, eine Schwächung erleidet, so daß die auf den Schnee
-auffallenden Lichtstrahlen nicht durch den Schnee hindurchgehen,
-sondern zurückgeworfen werden. Sie erleiden an der Grenzfläche zwischen
-Luft und Wasser jene totale Reflexion. Aus demselben Grunde wird auch
-der Schaum schleimiger Flüssigkeiten und das Pulver zermahlenen Glases
-undurchsichtig. Wenn man aber Wasser auf Schnee oder Glaspulver gießt,
-so wird die Durchsichtigkeit wieder hergestellt. Das Wasser tritt dann
-an die Stelle der das Licht aufhaltenden Luftbläschen, und das Licht
-kann nun ungeschwächt von den Körpertheilchen zur Flüssigkeit und
-von dieser wieder zu den Körpertheilchen übergehen. Papier wird aus
-demselben Grunde durchscheinend, wenn es mit Oel getränkt wird.
-
-[Illustration: Fig. 76.]
-
-=372. Warum= sehen wir durch eine ebene Glasscheibe, etwa eine
-Fensterscheibe, die Gegenstände nicht gebrochen und auch nicht merklich
-verschoben oder verzerrt?
-
-=Weil= die Lichtstrahlen zwar beim Durchgange durch das Glas gebrochen
-werden, beim Austritt in die Luft aber eine zweite Brechung im
-entgegengesetzten Sinne erleiden, so daß die ablenkende Wirkung der
-ersten Brechung durch die zweite wieder aufgehoben wird. Gerade soviel
-als die Lichtstrahlen beim Uebergange aus dem dünneren Mittel in das
-dichtere (aus der Luft in das Glas) zum Einfallsloth gebrochen werden,
-gerade soviel werden sie beim Eintritt aus dem dichteren Mittel in das
-dünnere (aus dem Glase in die Luft) wieder vom Einfallsloth abgelenkt.
-Die austretenden Lichtstrahlen sind also den einfallenden parallel, und
-die einzige Wirkung der Glasscheibe ist daher eine geringe Verschiebung
-des Ortes, an welchem man den Gegenstand erblickt, die aber nur bei
-sehr dicken Scheiben und nur, wenn man sehr schief hindurchsieht,
-bemerkbar werden kann.
-
-[Illustration: Fig. 77.]
-
-=373. Warum= sieht man durch ein dreiseitiges Glasprisma die
-Gegenstände nicht an ihrem wirklichen Orte, sondern bedeutend höher
-oder tiefer?
-
-=Weil= der Weg, den ein gebrochener Lichtstrahl nimmt, von dem Winkel
-abhängig ist, unter welchem er auf die Grenzfläche zweier verschiedener
-Mittel trifft, und der aus- und eintretende Strahl daher auch nur
-dann parallel sein können, wenn die Grenzflächen, an welchen der
-Strahl aus- und eintritt, parallel sind. Wenn sie daher gegen einander
-geneigt sind, wie bei einem dreiseitigen Prisma, so muß der austretende
-Lichtstrahl eine ganz andere Richtung haben als der eintretende, und
-zwar muß er nach oben abgelenkt sein, wenn die Kante des Prisma's nach
-unten gerichtet ist, und umgekehrt nach unten, wenn die Kante des
-Prisma's sich oberwärts befindet. Man sieht daher einen Gegenstand, den
-man durch ein solches Prisma betrachtet, tiefer, als er sich wirklich
-befindet, wenn die Kante oder der sogenannte brechende Winkel des
-Prisma's nach unten gerichtet ist, und höher, als sein wirklicher Ort,
-bei entgegengesetzter Haltung des Prisma's.
-
-[Illustration: Fig. 78.]
-
-=374. Warum= nennt man erhabene, d. h. nach beiden Seiten mit erhaben
-gekrümmten Oberflächen versehene Gläser oder Linsen auch Brenngläser?
-
-=Weil= die Lichtstrahlen bei ihrem Eintritt in eine solche Linse und
-beim Austritt aus derselben eine Brechung erleiden und zwar eine
-solche, daß alle mit der Achse der Linse (d. h. mit der durch ihre
-Mitte gehenden, senkrecht auf ihre gekrümmten Flächen gerichteten
-Linie) parallel eintretenden Lichtstrahlen nach ihrem Austritt
-in einen Punkt vereinigt werden. Da mit den Lichtstrahlen aber
-auch die Wärmestrahlen diese Brechung erleiden, so wird in jenem
-Vereinigungspunkt eine solche Hitze erzeugt, daß brennbare Körper
-entzündet werden. Man nennt darum auch diesen Punkt den Brennpunkt und
-seinen Abstand von der Linse die Brennweite. Da umgekehrt die aus dem
-Brennpunkte kommenden Lichtstrahlen durch die Linse so gebrochen werden
-müssen, daß sie nach ihrem Austritt sämmtlich in paralleler Richtung
-fortgehen, so wendet man solche Linsen auch statt der Hohlspiegel,
-namentlich auf Leuchtthürmen, an, um das von einer im Brennpunkt
-stehenden Lampe kommende Licht nach einer Richtung hin zusammen zu
-halten.
-
-[Illustration: Fig. 79.]
-
-=375. Warum= sieht man von einem Gegenstande, den man durch eine
-erhabene Linse oder ein Brennglas betrachtet, ein entfernteres und
-zugleich vergrößertes Bild?
-
-=Weil= die Lichtstrahlen, die von einem leuchtenden Punkte kommen, bei
-ihrem Durchgange durch eine erhabene Linse einander genähert werden,
-für das Auge also aus einer weiteren Entfernung zu kommen scheinen
-müssen, da das Auge das Bild des Punktes dahin versetzt, wo sich die zu
-ihm gelangenden Strahlen vereinigen. Zugleich muß aber auch das Bild
-des ganzen Gegenstandes dem Auge vergrößert erscheinen, weil die von
-seinen äußersten Punkten kommenden Lichtstrahlen durch die Brechung
-ebenfalls genähert werden, also einen größeren Winkel mit einander
-bilden und darum auch dem gesehenen Bilde einen größeren Durchmesser
-geben. Diese Vergrößerung findet indeß nur statt, wenn der Gegenstand
-sich der Linse sehr nahe befindet, und zwar innerhalb der Brennweite
-derselben. Ist er weiter entfernt, so vereinigen sich seine Strahlen
-jenseits der Linse und erzeugen dort ein Bild.
-
-[Illustration: Fig. 80.]
-
-=376. Warum= wird von einem entfernten Gegenstande durch eine erhabene
-Glaslinse ein verkleinertes und verkehrtes Bild erzeugt, wenn man auf
-der anderen Seite der Linse ein Blatt Papier entgegenhält?
-
-=Weil= die von einem entfernten Punkte kommenden Lichtstrahlen bei
-ihrem Durchgange durch die Linse einander genähert werden und daher in
-geringerer Entfernung hinter der Linse zur Vereinigung kommen, dadurch
-aber ein Bild des Gegenstandes erzeugen, das um so kleiner sein muß, je
-weiter der Gegenstand entfernt ist, und je näher am Brennpunkte darum
-das Bild erzeugt wird. Da die von den oberen Theilen des Gegenstandes
-kommenden Strahlen durch die Linse nach unten, die von den unteren
-kommenden Strahlen nach oben abgelenkt werden, so muß dies Bild ein
-verkehrtes sein. Dies Bild ist aber ein wirkliches, auf einem Blatt
-Papier sichtbar zu machendes, nicht blos ein solches, das das Auge sich
-erzeugt, indem es die Lichtstrahlen rückwärts bis zu ihrer Vereinigung
-verfolgt.
-
-[Illustration: Fig. 81.]
-
-=377. Warum= erscheinen, durch ein Hohlglas betrachtet, alle
-Gegenstände zwar aufrecht, aber verkleinert und genähert?
-
-=Weil= durch ein Hohlglas, d. h. eine nach beiden Seiten hohlgekrümmte
-Linse, die von einem leuchtenden Punkte kommenden Lichtstrahlen so
-gebrochen werden, daß sie noch weiter auseinandergehen, als vor ihrer
-Brechung, so daß das Auge also ihre Vereinigung und damit den Ort
-ihres Ursprungs näher suchen muß, als der wirklich leuchtende Punkt
-sich befindet, und der Gegenstand selbst ihm darum auch kleiner
-erscheinen muß, als er in Wirklichkeit ist.
-
-[Illustration: Fig. 82.]
-
-=378. Warum= bedienen sich angehende Maler gern einer ~Camera obscura~
-(Fig. 82), um Landschaften zu zeichnen?
-
-=Weil= durch die erhabene Glaslinse dieses Apparates von entfernten
-Gegenständen, also von einer Landschaft, in der Nähe des Brennpunktes
-der Linse ein kleines Bild erzeugt wird, das auf einen unter 45°
-geneigten Spiegel fällt und von diesem vollkommen treu auf eine
-mattgeschliffene Glasplatte zurückgeworfen wird, auf welcher sich
-die Umrisse desselben leicht nachzeichnen lassen. Die inneren Wände
-des Kastens sind geschwärzt, und die Oeffnung über der Glasscheibe
-ist durch einen Deckel vor dem Eindringen fremden, störenden Lichtes
-geschützt. Man nennt deshalb den Apparat ~Camera obscura~ oder
-Dunkelkammer. Er dient auch dem Photographen, um Bilder auf Platten
-zu erzeugen, die für die chemischen Wirkungen des Lichts empfindlich
-gemacht sind, und auf denen sie dann durch ein chemisches Verfahren
-dauernd gemacht werden. Die ~Camera obscura~ ist schon im Jahre 1558
-von dem Italiener _Porta_ erfunden.
-
-[Illustration: Fig. 83.]
-
-=379. Warum= erscheint uns ein Gegenstand um so kleiner, je entfernter
-er ist?
-
-=Weil= wir die Größe eines Gegenstandes nach der Größe seines
-Gesichtswinkels, d. h. desjenigen Winkels beurtheilen, welchen die
-von den beiden äußersten Grenzpunkten eines Gegenstandes kommenden
-Strahlen im Auge bilden. Dieser Gesichtswinkel hängt aber nicht blos
-von der wirklichen Größe des Gegenstandes, sondern auch von seiner
-Entfernung ab; er ist um so kleiner, je entfernter der Gegenstand ist.
-Deshalb kann auch ein großer, aber ferner Gegenstand (~cd~) durch einen
-kleinen, aber nahen (~ab~) völlig verdeckt werden. Mit der Hand können
-wir einen entfernten Baum, sogar ganze Weltkörper, wie die Fixsterne,
-verdecken.
-
-=380. Warum= scheinen uns im Winter in einer Schneelandschaft ferne
-Gegenstände näher zu sein als im Sommer?
-
-=Weil= die hellere Beleuchtung in Folge der starken Zurückstrahlung
-des Lichtes durch den Schnee uns über die Entfernung täuscht. Unser
-Urtheil über Entfernungen wird nämlich besonders durch die Helligkeit
-und Deutlichkeit des gesehenen Gegenstandes bestimmt. Darum halten wir
-auch eine entfernte Feuersbrunst in der Nacht leicht für zu nahe; denn
-das Feuer leuchtet in der Nacht stärker als am Tage.
-
-=381. Warum= erscheint uns das Himmelsgewölbe gleichsam wie
-herabgedrückt?
-
-=Weil= die über uns befindlichen Luftschichten durchsichtiger und
-heller sind, als die am Horizonte, und weil zugleich zwischen Himmel
-und Erde nichts ist, wonach sich die Entfernung abmessen ließe. Unser
-Urtheil über Entfernungen wird nämlich auch durch die zwischen uns und
-dem Gegenstande befindlichen Dinge bestimmt. Auf einer baumlosen Ebene
-erscheinen uns alle Gegenstände näher, als auf einer unebenen, hier
-und da mit Bäumen und Häusern besetzten oder von Hügeln und Wäldern
-unterbrochenen Fläche. Auch Höhen pflegen wir deshalb zu niedrig zu
-schätzen.
-
-=382. Warum= erscheinen uns Sonne und Mond bei ihrem Auf- und
-Untergange größer als sonst?
-
-=Weil= sie in Folge der Schwächung ihres Lichtes durch die dichteren
-Luftschichten der unteren Atmosphäre weniger hell als in größerer Höhe
-erscheinen, und weil wir zugleich bei ihrem Auf- und Untergange die
-zwischen ihnen und uns befindlichen vielen Gegenstände auf dem Erdboden
-wahrnehmen, und wir dadurch verleitet werden, sie für entfernter und
-darum für größer zu halten als sonst.
-
-=383. Warum= sehen wir mit beiden Augen die Gegenstände nicht doppelt?
-
-=Weil= jedes Auge einen leuchtenden Punkt an dem Orte sucht, auf
-welchen die Richtung der von dem leuchtenden Punkte kommenden Strahlen
-hinweist, beide Augen aber das Bild des gesehenen Gegenstandes auf
-ähnlich gelegenen Stellen der empfindlichen Nervenhaut des Auges oder
-der Netzhaut empfangen, beide Eindrücke darum auch als ähnliche oder
-gleiche empfunden werden müssen. Fällt das Bild eines Gegenstandes
-nicht in beiden Augen auf ähnliche Stellen der Netzhaut, in dem einen
-etwa auf die linke, in dem andern auf die rechte Seite derselben, so
-sind auch die Eindrücke desselben Körpers auf beide Augen verschieden,
-und wir sehen denselben doppelt. Davon kann man sich leicht überzeugen,
-wenn man zwei Finger aufrecht in einiger Entfernung hinter einander
-vor das Gesicht hält. Richtet man dann beide Augen aufmerksam auf den
-nächsten Finger, so fällt sein Bild in beiden Augen auf die Mitte der
-Netzhaut, und man sieht ihn einfach; das Bild des entfernten Fingers
-aber liegt in dem rechten Auge links, in dem linken rechts von der
-Mitte der Netzhaut, und man sieht ihn daher doppelt. Fixirt man
-umgekehrt den entfernten Finger, so erscheint dieser einfach und der
-nähere doppelt.
-
-=384. Warum= erblickt man einen leuchtenden Kreis, wenn man eine
-glühende Kohle im Dunkeln schnell im Kreise herumschwingt?
-
-=Weil= ein auf die Netzhaut gemachter Lichteindruck nicht plötzlich
-aufhört, sondern noch einige Zeit fortdauert, ehe er ganz erlischt,
-mehrere Lichteindrücke daher, die so schnell auf einander folgen, daß
-der vorangehende noch fortdauert, wenn der nachfolgende hinzukommt, in
-eine einzige Wahrnehmung zusammenfließen und von dem Auge gleichzeitig
-empfunden werden müssen.
-
-[Illustration: Fig. 84.
-
-~a~) Harte Haut; ~b~) durchsichtige Hornhaut; ~c~) Aderhaut;
-~d~) Netzhaut; ~e~) wässerige Feuchtigkeit; ~f~) Linse; ~g~)
-Glasfeuchtigkeit.]
-
-=385. Warum= sieht ein gesundes Auge nahe und ferne Gegenstände gleich
-deutlich?
-
-=Weil= das Auge die Eigenschaft besitzt, seine Gestalt zu ändern und
-der Entfernung der Gegenstände anzupassen, d. h. sich so einzurichten,
-daß sowohl die von nahen als die von fernen Gegenständen kommenden
-Lichtstrahlen sich genau auf der empfindlichen Netzhaut vereinigen
-und also ein deutliches Bild erzeugen. Das Auge besteht nämlich
-aus mehreren durchsichtigen Häuten und Flüssigkeiten. Der ganze
-kugelförmige Augapfel ist äußerlich von einer harten Hornhaut umgeben,
-die nur in ihrem vorderen Theile durchsichtig ist. Ein durchsichtiger,
-linsenförmiger, d. h. nach beiden Seiten erhaben gekrümmter Körper,
-die sogenannte Krystalllinse, theilt das Innere des Augapfels in
-zwei Kammern. Die Innenwand der hinteren Kammer ist von der Aderhaut
-und darüber von der Netzhaut bekleidet, in welcher sich der Sehnerv
-ausbreitet. Den inneren Raum dieser Kammer erfüllt die durchsichtige
-Glasfeuchtigkeit, den der vorderen die ebenso durchsichtige wässerige
-Feuchtigkeit. Durch diese Häute und Flüssigkeiten -- die vordere stark
-gekrümmte Hornhaut, die wässerige Feuchtigkeit, die Krystalllinse
-und die Glasfeuchtigkeit -- müssen alle Lichtstrahlen hindurchgehen,
-ehe sie von den Nerven der Netzhaut empfunden werden. Bei diesem
-Durchgange erleiden sie natürlich eine Brechung und werden zu einem
-kleinen Bilde vereinigt. Dieses Bild kann aber nur deutlich sein,
-wenn es auf der Netzhaut entsteht. Nun wissen wir, daß die durch ein
-erhabenes Linsenglas -- wie das Auge und namentlich die Krystalllinse
-desselben im Wesentlichen ist -- entworfenen Bilder keinesweges alle
-die gleiche Entfernung von der Linse haben. Das Bild eines entfernten
-Gegenstandes entsteht vielmehr der Linse sehr nahe, während das Bild
-eines nahen Gegenstandes weiter von ihr entfernt erscheint. Durch die
-Krystalllinse würden daher nur in einer bestimmten Entfernung vom Auge
-befindliche Körper genau auf der Netzhaut abgebildet werden, die Bilder
-entfernterer Gegenstände aber vor die Netzhaut, die Bilder näherer
-Gegenstände hinter die Netzhaut fallen und daher auch kein deutliches
-Sehen möglich machen. Die Eigenschaft des Auges, sich der Entfernung
-der Gegenstände anzupassen, beruht also auf einer Formveränderung
-seiner brechenden Bestandtheile. Bei Betrachtung naher Gegenstände
-wölbt es sich mehr und entfernt dadurch zugleich die Krystalllinse mehr
-von der Netzhaut, so daß die Bilder nicht mehr hinter, sondern auf die
-Netzhaut fallen. Bei Betrachtung ferner Gegenstände verflacht sich das
-Auge und nähert die Linse der Netzhaut, so daß die Bilder nicht vor,
-sondern auf die Netzhaut fallen. So ist in beiden Fällen ein deutliches
-Sehen möglich.
-
-[Illustration: Fig. 85.]
-
-=386. Warum= sehen weitsichtige Personen ohne Brille nahe Gegenstände
-sehr undeutlich?
-
-=Weil= ihre Augen in Folge des Alters oder der Gewöhnung die Fähigkeit
-verloren haben, sich für ein Sehen in der Nähe passend zu ändern,
-die von nahen Gegenständen kommenden Lichtstrahlen darum durch ihre
-Krystalllinse nicht stark genug gebrochen werden und deshalb schon
-vor ihrer Vereinigung auf die Netzhaut treffen, hier also von jedem
-Punkte des Gegenstandes ein Bild erzeugen, das nicht wieder ein Punkt,
-sondern ein kleiner Kreis ist, der mit eben solchen benachbarten
-Kreisen verschwimmt und so eine Undeutlichkeit des Gesammtbildes des
-Gegenstandes veranlaßt. Weitsichtige können sich daher beim Sehen naher
-Gegenstände nur durch eine Brille helfen, und zwar durch eine solche
-mit erhabenen Gläsern, die eine stärkere Brechung der Lichtstrahlen und
-eine frühere Annäherung derselben bewirken, so daß ihre Vereinigung
-auf der Netzhaut geschieht und hier deutliche Bilder erzeugt werden.
-
-[Illustration: Fig. 86.]
-
-=387. Warum= sehen manche Menschen entfernte Gegenstände nicht oder
-sehr undeutlich, während sie doch gut in der Nähe sehen?
-
-=Weil= die Augen solcher Menschen, die man Kurzsichtige nennt, durch
-Gewöhnung die Fähigkeit verloren haben, sich für ein Sehen in die Ferne
-einzurichten, und ihre Krystalllinse und Hornhaut zu stark gekrümmt
-ist, so daß die hindurchgehenden Lichtstrahlen ferner Gegenstände
-zu stark gebrochen werden, sich bereits vor der Netzhaut vereinigen
-und auf diese erst wieder auseinandergehend auffallen, so daß auf
-derselben wieder die Bilder von Punkten nicht als Punkte, sondern als
-Kreise erscheinen. Ein deutliches Sehen in die Ferne wird solchen
-Kurzsichtigen nur durch Brillen mit Hohlgläsern möglich, durch welche
-ein Auseinanderlaufen der Lichtstrahlen bewirkt wird, so daß die zu
-starke Brechung in der Krystalllinse nun ihre Vereinigung auf der
-Netzhaut nicht mehr verhindern kann.
-
-[Illustration: Fig. 87.]
-
-=388. Warum= werden uns durch eine Lupe oder ein Mikroskop Gegenstände
-deutlich sichtbar gemacht, die wir ihrer Kleinheit wegen mit bloßen
-Augen nicht sehen können?
-
-[Illustration: Fig. 88.]
-
-=Weil= die Lupe uns gestattet, den kleinen Gegenstand in großer Nähe zu
-betrachten, dieser aber um so größer erscheint, je näher er dem Auge,
-und je größer sein Sehwinkel ist. Das Auge vermag nämlich nicht in
-beliebiger Nähe deutlich zu sehen. Die geringste Weite des deutlichen
-Sehens beträgt für ein gesundes Auge etwa 21 Centimeter; von näher
-gebrachten Gegenständen vermögen sich die Strahlen nicht mehr auf der
-Netzhaut zu einem deutlichen Bilde zu vereinigen. Die Lupe ist nun
-eine erhabene Linse, welche von einem Gegenstande, der sich innerhalb
-ihrer Brennweite, d. h. zwischen ihr und dem Brennpunkt befindet, ein
-entferntes Bild erzeugt (Fig. 87). Hält man daher eine solche Lupe
-vor das Auge, so kann man es einrichten, daß das Bild des dahinter
-befindlichen Gegenstandes genau in der Weite des deutlichen Sehens
-erscheint. Je kleiner die Brennweite der Linse ist, desto näher muß
-der kleine Gegenstand derselben gebracht werden, wenn sein Bild in
-derselben Entfernung erscheinen soll. Je näher aber der Gegenstand dem
-Auge rückt, um so größer wird sein Sehwinkel, und um so mehr erscheint
-er vergrößert. Eine erhabene Linse vergrößert daher um so mehr, je
-kleiner ihre Brennweite ist. Eine Lupe vergrößert überhaupt so viel
-mal, als ihre Brennweite in der Sehweite des Auges enthalten ist. Bei
-dem zusammengesetzten Mikroskop (Fig. 88) wird das von einer Linse (der
-Objektiv-Linse, ~AB~) in der Nähe des Auges erzeugte Bild (~b~) durch
-eine zweite Linse (das Ocular, ~CD~) betrachtet, und der Gegenstand
-erscheint daher noch stärker vergrößert, weil schon das Bild, welches
-man durch die Lupe betrachtet, vergrößert ist. Das Mikroskop wurde
-zu Anfang des 17. Jahrhunderts von dem Holländer _Zacharias Janssen_
-erfunden.
-
-=389. Warum= sieht man durch ein Fernrohr Sterne am Himmel, wo das
-bloße Auge kaum einen Lichtschimmer gewahrt?
-
-=Weil= die von dem fernen Stern kommenden Lichtstrahlen, die durch
-Zerstreuung für das bloße Auge zu sehr geschwächt sind, in dem Fernrohr
-durch eine convexe Linse gesammelt werden, und das dadurch erzeugte
-Bild des Sternes dann durch eine zweite Convexlinse für das Auge in
-die deutliche Sehweite gerückt wird. Jedes Fernrohr besteht also aus
-zwei Linsen, der Objectivlinse, welche das Bild des fernen Gegenstandes
-erzeugt, und der Ocularlinse, durch welche das Auge das Bild in der
-deutlichen Sehweite betrachtet. Die Vergrößerung, welche ein Fernrohr
-bewirkt, ist um so stärker, je größer die Brennweite des Objectivs und
-je kleiner die des Oculars ist. Statt der convexen Ocularlinse kann
-man auch eine biconcave oder auf beiden Seiten hohl geschliffene Linse
-anwenden. Statt der Objectivlinsen, die sich von bedeutender Größe,
-wie sie zu starken Vergrößerungen erforderlich sind, nicht leicht
-fehlerfrei herstellen lassen, kann man auch große metallene Hohlspiegel
-benutzen. Die mit Linsen versehenen Fernröhre nennt man dioptrische,
-die mit Spiegeln versehenen katoptrische oder Spiegelteleskope. Man
-unterscheidet daher:
-
-[Illustration: Fig. 89.]
-
-1) das astronomische oder _Kepler_'sche Fernrohr (Fig. 89) mit
-zwei convexen Linsen, von welchem sich das terrestrische, zur
-Betrachtung irdischer Gegenstände bestimmte Fernrohr nur durch
-eine _dritte_ Convexlinse unterscheidet, die zwischen Ocular und
-Objectiv eingeschoben ist, um das im astronomischen Fernrohr verkehrt
-erscheinende Bild in die natürliche Lage umzukehren;
-
-[Illustration: Fig. 90.]
-
-2) das holländische oder _Galilei_'sche Fernrohr (Fig. 90) mit convexer
-Objectiv- und concaver Ocularlinse;
-
-[Illustration: Fig. 91.]
-
-3) das Spiegelteleskop, in welchem das durch den Hohlspiegel erzeugte
-Bild von einem kleinen Planspiegel aufgefangen und durch die --
-entweder, wie bei dem _Newton_'schen Teleskop (Fig. 91), in einer
-Seitenöffnung des Rohrs, oder, wie bei dem _Gregory_'schen, in der
-Mitte des Hohlspiegels selbst befindliche -- Ocularlinse betrachtet
-wird. Bei dem großen _Herschel_'schen Teleskop, dessen Spiegel 1¼
-Meter Durchmesser und 12½ Meter Brennweite hatte, und das eine
-7000malige Vergrößerung zuließ, wurde das vom Hohlspiegel erzeugte Bild
-unmittelbar durch das Ocular betrachtet. Das berühmte Teleskop des Lord
-_Rosse_ bei Dublin hat sogar einen Spiegel von 1-7/8 Meter Durchmesser
-und 15½ Meter Brennweite.
-
-Das Fernrohr wurde um das Jahr 1603 von dem Holländer _Hans Lippershey_
-und kurz darauf (1610) von _Galilei_ erfunden. Das erste astronomische
-Fernrohr wurde von _Kepler_ 1611 construirt. Das erste Spiegelteleskop
-rührt von _James Gregory_ in England (1663) her.
-
-[Illustration: Fig. 92.]
-
-=390. Warum= sehen wir nur mit beiden Augen die Dinge als wirkliche
-Körper, und warum können wir das täuschendste Bild doch von einem
-Körper unterscheiden?
-
-=Weil= wir von einem Körper in jedem Auge ein anderes Netzhautbild
-erhalten, mit dem linken Auge nämlich mehr von den linksliegenden
-Theilen desselben, mit dem rechten mehr von den rechtsliegenden sehen,
-unser Urtheil sich aber auf die Zusammenfassung dieser verschiedenen
-gleichzeitigen Eindrücke stützt, wenn es die Vorstellung der
-Körperlichkeit gewinnt. Auch das beste Gemälde kann immer nur den
-Eindruck einer Fläche gewähren. In dem Stereoskop ist dagegen der
-natürliche Vorgang des Sehens nachgeahmt. Zwei von etwas verschiedenen
-Standpunkten aufgenommene Zeichnungen oder Photographien eines
-Gegenstandes oder einer Landschaft werden neben einander gelegt und
-durch Linsengläser betrachtet, die so angebracht sind, daß sich ihre
-Achsen in der deutlichen Sehweite schneiden, und die beiden Ansichten
-des Gegenstandes für beide Augen darum zusammenfallen. Bei unserem
-gewöhnlichen Stereoskop (Fig. 92) sind die Gläser, durch welche die
-beiden Augen blicken, die keilförmigen Hälften einer durchgeschnittenen
-Sammellinse. Tritt ein Lichtstrahl ~aa´~ in eines dieser Gläser ein,
-so wird er gebrochen und gelangt in der Richtung ~a´´ L~ in das Auge,
-das darum auch den Gegenstand der Lichtempfindung, den Punkt ~a~, in
-die Verlängerung dieser Richtung, in die Linie ~LL´~, verlegt. Dasselbe
-gilt auch für den vom Punkte ~b~ ausgehenden Lichtstrahl, dessen Bild
-vom andern Auge in der Richtung ~RR´~ gesehen wird. Die Bilder der
-Punkte ~a~ und ~b~ werden also zugleich in den Linien ~LL´~ und ~RR´~
-gesehen und fallen darum in ihrem Schnittpunkte ~c~ zusammen. Sind nun
-~a~ und ~b~ zwei um die natürliche Entfernung der Augen von einander
-abstehende Punkte zweier gleichen Zeichnungen, so wird dies auch von
-allen ähnlichen Punktpaaren, also von den ganzen Zeichnungen gelten,
-und auch diese müssen zusammenfallen. Auch die inneren Flächen ~G~ und
-_G´_ der Seitenwände des Stereoskops werden dabei nach ~s~ und ~s´~
-verschoben, und ebenso wird die Fläche ~r~ der Scheidewand bei ~r´~,
-die Fläche ~l~ bei ~l´~ gesehen, so daß also ~r´~ mit ~s~ und ~l´~ mit
-~s´~ zusammenfallen.
-
-[Illustration: Fig. 93.]
-
-Es bedarf auch nicht immer des Stereoskops, um durch zwei für jedes
-der beiden Augen besonders entworfene Zeichnungen den Eindruck der
-Körperlichkeit zu gewinnen. Bei kleinen Zeichnungen gelingt dies schon
-mit den bloßen Augen. Man bringe z. B. die beistehenden, den beiden
-Augen entsprechenden Zeichnungen eines Würfels (Fig. 93) in die Weite
-des deutlichen Sehens und richte dann fest und ruhig den Blick auf
-dieselben oder noch besser auf den sie trennenden Zwischenraum, und man
-wird die Bilder bald zusammenrücken sehen und den Anblick des Körpers
-erhalten. Noch leichter gelingt es, wenn man einen Pappstreifen oder
-ein Brett senkrecht zwischen die Zeichnungen setzt und so mit jedem
-Auge nur eine Zeichnung fixirt.
-
-Das Stereoskop ist von dem Engländer _Wheatstone_ im Jahre 1838
-erfunden und von _Brewster_ verbessert worden.
-
-
-
-
-Die Farben.
-
-
- Wie wir Schallwellen von verschiedener Geschwindigkeit als
- verschiedene Töne empfinden, so empfinden wir Lichtwellen von
- verschiedener Geschwindigkeit als Farben. Die am schnellsten
- schwingenden Lichtwellen erscheinen uns als violette Strahlen,
- die am langsamsten schwingenden als rothe Strahlen. Die
- Schnelligkeit der Schwingungen, auf welchen das Licht beruht,
- ist aber eine bei weitem größere, als die Schnelligkeit der
- Schallschwingungen. Während der tiefste hörbare Ton etwa
- 8, der höchste 24000 Doppel-Schwingungen (oder 16 resp.
- 48000 einfachen Schwingungen) in der Secunde entspricht,
- wird das rothe Licht durch Schwingungen erzeugt, deren 450
- Billionen in der Secunde erfolgen, das violette Licht sogar
- durch 800 Billionen Schwingungen in der Secunde. Wegen der
- verschiedenen Schwingungsgeschwindigkeit müssen daher auch
- die verschiedenfarbigen Lichtstrahlen verschieden gebrochen
- werden. Die rascher schwingenden, also die violetten Strahlen
- müssen beim Durchgange durch brechende Mittel mehr abgelenkt
- werden, als die langsamer schwingenden, also die rothen
- Strahlen. Deswegen kann das weiße Sonnenlicht, welches alle
- verschiedenfarbigen Strahlen gemischt enthält, durch Brechung
- in seine einzelnen Farben zerlegt werden.
-
-[Illustration: Fig. 94.]
-
-=391. Warum= sehen wir ein prachtvolles buntes Farbenbild, wenn die
-Sonne durch ein Glas Wasser hindurchscheint, oder noch besser, wenn wir
-das Sonnenlicht durch ein dreiseitiges Glasprisma hindurchgehen lassen,
-besonders in einem dunkeln Zimmer, in welches nur wenige Sonnenstrahlen
-durch eine kleine Oeffnung eintreten können?
-
-=Weil= die Sonnenstrahlen beim Durchgange durch das Wasser oder durch
-das Glasprisma gebrochen und zwar, wenn die Kante des Prisma's nach
-unten gekehrt ist, nach oben abgelenkt werden, zugleich aber, da sie
-verschieden brechbar sind, auch eine verschiedene Ablenkung erfahren
-und so in dem Bilde nicht mehr über, sondern neben einander erscheinen.
-Die verschieden brechbaren Strahlen des Sonnenlichtes sind also
-durch das Prisma getrennt oder zerstreut und erscheinen für sich als
-besondere Farben: die violettem als die am stärksten brechbaren, zu
-oberst, dann die blauen, die grünen, die gelben, die orangefarbigen
-und endlich, als die am wenigsten brechbaren, die rothen. Wäre das
-Licht einfach, so würde es auch beim Durchgange durch ein Prisma ein
-kleines rundes Sonnenbild zeigen, nur an einer etwas höheren Stelle
-der Wand, als wir es ohne das Prisma sehen. Daß dies prismatische
-Farbenbild oder das Spectrum, wie man es auch nennt, aber nicht blos
-an einer höheren Stelle, sondern auch in die Länge gezogen erscheint,
-ist ein Beweis, daß das weiße Sonnenlicht aus verschiedenen Strahlen
-besteht, deren jeder eine andere Brechung durch das Prisma erfährt. Daß
-wirklich die Farben nur durch eine Trennung der verschieden brechbaren
-Strahlen erzeugt werden, geht daraus hervor, daß, wenn man alle diese
-farbigen Strahlen wieder durch ein zweites, entgegengesetzt, also
-mit der Kante nach oben gekehrtes Prisma durchgehen läßt, welches
-deren Vereinigung bewirkt, das Bild wieder weiß erscheint. Natürlich
-muß diese Farbenzerstreuung überall eintreten, wo das Licht durch
-durchsichtige Körper, seien es feste oder flüssige hindurchgeht,
-sobald diese nicht von parallelen ebenen Flächen begrenzt werden, also
-auch beim Durchgange durch ein Glas Wasser oder durch eine Glaslinse.
-Das Farbenbild, welches die Glaslinse erzeugt, wird natürlich ein
-ringförmiges sein müssen.
-
-Der berühmte englische Physiker _Newton_ war es, der im Jahre 1666
-zuerst die Farbenzerstreuung durch Versuche nachwies und aus der
-verschiedenen Brechbarkeit der farbigen Strahlen erklärte.
-
-=392. Warum= erblicken wir beim Durchsehen durch gute Fernröhre
-keine farbigen Ränder, obgleich das Licht doch auch durch Glaslinsen
-hindurchgeht?
-
-=Weil= die Linsen in solchen Fernröhren keine gewöhnlichen, sondern
-sogenannte achromatische Linsen sind, die aus zwei Glaslinsen
-zusammengesetzt sind, einer erhabenen aus Crownglas und einer Hohllinse
-aus Flintglas, welche in dieser Verbindung die Farbenzerstreuung völlig
-aufheben, die Brechung aber, auf welcher die Erzeugung des Bildes im
-Fernrohr beruht, bestehen lassen. Das Crownglas bricht nämlich das
-Licht fast ebenso stark, wie das bleihaltige Flintglas, zerstreut aber
-die Farben in viel geringerem Maße. Das durch ein Crownglas-Prisma
-erzeugte Farbenbild erscheint also ziemlich an derselben Stelle,
-wie das durch ein Flintglas-Prisma erzeugte, ist aber weniger in
-die Länge gezogen. Verbindet man zwei Prismen von Crownglas und
-Flintglas so, daß ihre brechenden Winkel eine entgegengesetzte Lage
-haben, so erleidet der hindurchgehende Lichtstrahl entgegengesetzte
-Brechungen und entgegengesetzte Farbenzerstreuungen. Giebt man dem
-Crownglasprisma einen genügend größeren brechenden Winkel, so wird die
-Farbenzerstreuung ganz aufgehoben, die Brechung aber nur zum Theil.
-Ein solches zusammengesetztes Prisma hat also die Wirkung eines
-einfachen mit kleinerem brechenden Winkel, ohne farbige Erscheinungen
-hervorzurufen. Ganz dasselbe, was von Prismen gilt, muß aber auch
-von Linsen gelten, da ein Lichtstrahl beim Durchgang durch eine
-erhabene und eine Hohllinse gleichfalls entgegengesetzte Brechung und
-Farbenzerstreuung erleidet.
-
-Die Erfindung dieser für Fernröhre und Mikroskope außerordentlich
-wichtigen achromatischen Linsen rührt von dem Engländer _Dollond_
-(1757) her.
-
-=393. Warum= funkeln Thautropfen in der Morgensonne oft in den
-prachtvollsten Farben?
-
-=Weil= die Thautropfen die durchgehenden Sonnenstrahlen stark brechen,
-jeder Thautropfen aber bei einer bestimmten Stellung des Auges ihm
-nur eine einzige Art farbiger Strahlen zusendet, während die übrigen
-farbigen Strahlen so weit von dieser Richtung abweichen, daß sie
-an dem Auge unbemerkt vorübergehen. Unter den vielen von der Sonne
-beleuchteten Thautropfen erscheint also der eine dem Auge grün, der
-andere niedriger befindliche violett, der dritte darüber roth, und so
-bieten sich dem Auge die verschiedensten Farben dar, die mit jedem
-Schritte wechseln müssen, da für jede andere Stellung des Auges jeder
-Tropfen andersfarbige Lichtstrahlen ihm zusendet.
-
-[Illustration: Fig. 95.]
-
-=394. Warum= bildet sich ein farbiger Regenbogen, wenn die
-Sonnenstrahlen eine regnende Wolke treffen, die der Sonne gegenüber
-steht?
-
-=Weil= die Sonnenstrahlen beim Eintritt in die Regentropfen gebrochen,
-von ihrer dunkeln Hinterwand zurückgeworfen und bei ihrem Austritt
-aus den Tropfen nochmals gebrochen und in farbige Strahlen zertheilt
-werden, die in unser Auge gelangen, wenn wir so stehen, daß wir die
-regnende Wolke vor uns, die Sonne im Rücken haben. Jeder Tropfen
-sendet, wie der Thautropfen im Grase, bei einer bestimmten Stellung
-des Auges ihm nur eine einzige Art farbiger Strahlen zu. In einer
-umfangreichen Regenwolke finden sich aber Tropfen genug über einander,
-um zusammen alle Regenbogenfarben zu zeigen. Von den höchsten Tropfen
-kommen nur die untersten rothen Strahlen ins Auge, während die übrigen
-daran vorbeigehen. Dagegen erscheinen die untersten Tropfen violett,
-weil die übrigen, die blauen, grünen, gelben und rothen Strahlen das
-Auge nicht treffen.
-
-=395. Warum= hat der Regenbogen immer die Gestalt eines Kreisbogens?
-
-=Weil= diejenigen Regentropfen, welche sich in derselben Farbe
-darstellen lassen, offenbar gegen die Sonne und gegen das Auge
-des Beobachters die gleiche Lage haben müssen, alle austretenden
-rothen Strahlen also mit den Sonnenstrahlen denselben Winkel bilden
-müssen, wenn nicht mit dem Winkel sich auch die Farbe ändern soll,
-alle austretenden Strahlen aber zugleich die Richtung nach dem Auge
-haben müssen, um wahrgenommen zu werden, eine solche Lage endlich
-überhaupt nur die in einem Kreise liegenden Tropfen haben können.
-Jeder Beobachter sieht daher immer nur seinen eigenen Regenbogen, und
-eine von der Sonne durch das Auge des Beobachters gezogene grade Linie
-trifft stets den Mittelpunkt des Kreises, dessen Theil der Regenbogen
-ist. Eben deshalb hängt auch die Größe des Regenbogens vom Stande der
-Sonne ab. Er bildet bei Sonnenauf- und Untergang einen vollständigen
-Halbkreis und ist ein um so kleineres Stück des Kreises, je höher die
-Sonne steht. Um Mittag sehen wir daher überhaupt keinen Regenbogen.
-
-[Illustration: Fig. 96.]
-
-=396. Warum= nehmen wir gewöhnlich über dem Hauptregenbogen noch einen
-Nebenregenbogen wahr, der weniger lebhaft gefärbt ist, und in welchem
-die Farben in umgekehrter Folge geordnet sind?
-
-=Weil= die Sonnenstrahlen in höher gelegenen Regentropfen bisweilen
-eine zweimalige Brechung und eine zweimalige Zurückwerfung erleiden,
-so daß der am wenigsten abgelenkte Strahl der rothe ist und hier die
-oberste Stelle einnimmt, während beim Hauptregenbogen die obersten
-Strahlen, die aus jedem Tropfen kommen, violett sind. Von den obersten
-Tropfen kommen aber auch hier die untersten, also die violetten, von
-den untersten Tropfen die obersten Strahlen, die rothen, in das Auge.
-Die Farben erscheinen also in der umgekehrten Ordnung; und daß sie
-minder lebhaft sind, liegt an der Schwächung, welche das Licht durch
-die zweimalige Zurückwerfung erleidet.
-
-=397. Warum= zeigen uns die meisten Körper in der Natur eigenthümliche
-Farben?
-
-=Weil= alle nichtleuchtenden Körper uns nur dadurch sichtbar werden,
-daß sie das auf sie fallende Licht zurückwerfen und in unser Auge
-senden, die meisten Körper aber die Eigenschaft haben, das auf sie
-fallende Licht an ihrer Oberfläche zu zersetzen und nur eine bestimmte
-Art des farbigen Lichtes zurückzuwerfen, alle übrigen Farbenstrahlen
-aber zu verschlucken. Rothe Körper werfen nur rothes, blaue nur blaues
-Licht zurück.
-
-=398. Warum= erscheinen uns manche Körper weiß, andere dagegen schwarz?
-
-=Weil= jene die Eigenschaft haben, das weiße Sonnenlicht unzersetzt
-zurückzuwerfen, diese dagegen fast gar kein Licht zurückwerfen und
-darum lichtlos erscheinen. Schneeflächen blenden darum außerordentlich,
-da sie kein Licht verschlucken, also fast alles auffallende Licht auch
-wieder in das Auge gelangen lassen.
-
-=399. Warum= können wir bei Lampen- oder Kerzenlicht manche Farben,
-namentlich grüne oder blaue, so schwer unterscheiden?
-
-=Weil= unsere Lampen- und Kerzenflammen vorzugsweise gelb gefärbt sind
-und wenig blaues und grünes Licht enthalten, ein Körper aber nur das
-Licht zurückstrahlen kann, welches er empfängt. Ein blauer Körper hat
-aber die Eigenschaft, nur blaues Licht zurückzuwerfen, alles übrige zu
-verschlucken. Empfängt er darum kein blaues Licht von der beleuchtenden
-Flamme, so kann er überhaupt kein Licht zurückwerfen. Er erscheint
-darum nur grau. Ebenso geht es aber dem grünen Körper. Beide senden
-bei Kerzenbeleuchtung zu wenig Licht zurück, um ihre Farben deutlich
-hervortreten zu lassen. Am besten können wir uns davon überzeugen, wenn
-wir den Docht einer Spiritusflamme mit Salz einreiben. Die Flamme
-derselben verbreitet dann fast nur gelbes Licht, und alle nicht gelb
-oder weiß gefärbten Körper erscheinen in dieser Beleuchtung schmutzig
-grau oder bei dunklerer Färbung fast schwarz.
-
-=400. Warum= sehen wir, wenn wir ein Band von lebhaft rother Farbe
-auf ein weißes Blatt Papier legen und dasselbe einige Zeit aufmerksam
-betrachten, nach dem Wegnehmen desselben an seiner Stelle das Papier
-grün?
-
-=Weil= die Netzhaut unseres Auges durch den längere Zeit anhaltenden
-Reiz des rothen Lichtes an Empfindlichkeit für dasselbe verloren
-hat, und der Eindruck der übrigen farbigen, von der weißen Fläche
-ausgehenden Strahlen nun um so lebhafter hervortritt, diese aber beim
-Fehlen der rothen Farbe uns als grün erscheinen. Grün ist nämlich
-die complementäre oder Ergänzungsfarbe zu Roth. Wenn man sämmtliche
-farbige Strahlen des prismatischen Farbenbildes durch eine Sammellinse
-vereinigt und nur die rothen Strahlen durch einen vorgesetzten Schirm
-ausschließt, so erhält man nicht ein weißes, sondern ein grünes Bild.
-Andre complementäre Farben sind Orange und Blau, Gelb und Violett.
-
-Die erwähnte Erscheinung eines grünen Nachbildes von einem längere
-Zeit betrachteten rothen Bande nennt man eine physiologische
-Farbenerscheinung. Auf einer solchen beruhen auch die bläulichen
-Schatten, welche erscheinen, wenn ein Zimmer gleichzeitig durch das
-weiße Mondlicht und durch das gelbliche Licht einer Kerze erhellt wird.
-
-=401. Warum= sieht der heitere Himmel blau aus?
-
-=Weil= die Luft der Atmosphäre keineswegs völlig durchsichtig ist,
-sondern einen Theil des Sonnenlichts und zwar vorzugsweise die blauen
-Strahlen zurückwirft. Sonst würde der Himmel uns schwarz erscheinen,
-und wir würden am Tage die Sterne sehen. Wirklich sieht man auch
-in sehr bedeutenden Höhen den Himmel über sich dunkler. Nur die zu
-Nebelbläschen verdichteten Wasserdämpfe bleichen bisweilen das Blau des
-Himmels. Daher zeigt der Himmel bei uns das reinste Blau nach einem
-Regen, wenn die Wasserdämpfe aus der Luft niedergeschlagen sind. Ebenso
-ist der Himmel in südlichen Gegenden tiefer blau gefärbt als bei uns,
-weil die Luft dort dunstfreier ist.
-
-=402. Warum= erscheint der Himmel bei Sonnenauf- und Untergang
-geröthet?
-
-=Weil= bei Sonnenauf- und Untergang der Wasserdampf in der Luft sich zu
-Nebelbläschen zu verdichten beginnt, und diese die Eigenschaft haben,
-nur die orangerothen Strahlen des Sonnenlichtes hindurchzulassen. Am
-prachtvollsten erscheint das Abendroth, wenn sich die Wasserdämpfe
-erst in Folge der gegen Sonnenuntergang eintretenden Abkühlung des
-Erdbodens zu verdichten beginnen, und die Sonnenstrahlen dann wegen
-der tiefstehenden Sonne einen weiten Weg durch die entstehenden
-Nebelbläschen zurückzulegen haben. Enthielt dagegen die Atmosphäre
-schon zu viel Dämpfe, so daß sie sich vor Sonnenuntergang zu Nebeln
-verdichteten, so zeigt sich nur ein mattes gelbes Abendroth, und man
-hält dies mit Recht für einen Verboten baldigen Regens. Am Morgen
-dagegen können die Dämpfe in der Regel erst aufsteigen, wenn die Sonne
-bereits eine Zeit lang gewirkt hat. Die Sonne steht dann schon hoch,
-und ihre Strahlen haben einen kürzeren Weg durch die von Nebelbläschen
-erfüllten Schichten. Das Morgenroth ist daher weniger lebhaft als das
-Abendroth. Nur wenn die Atmosphäre bereits so dampfreich war, daß
-die Dämpfe trotz der aufgehenden Sonne in Nebelform übergingen, wird
-ein prachtvolles Morgenroth wahrgenommen, das ebenso ein Vorbote von
-Regenwetter ist, wie das matte Abendroth.
-
-=403. Warum= ist das kleine runde Sonnenbild, das ein Lichtstrahl, der
-durch eine sehr kleine Oeffnung in ein dunkles Zimmer tritt, auf einem
-weißen Blatt Papier erzeugt, größer als die Oeffnung selbst?
-
-=Weil= das Licht beim Durchgang durch die Oeffnung an den Rändern
-derselben eine Ablenkung erfährt, die man Beugung nennt, und diese
-abgelenkten Lichtstrahlen daher einen größeren Raum beleuchten müssen,
-als von den in grader Linie fortgehenden Lichtstrahlen getroffen wird.
-Die Lichtstrahlen sind nämlich Wellen oder Schwingungen, die beim
-Vorübergehen an Rändern, ebenso wie die Wasserwellen, neue Wellen
-erzeugen.
-
-=404. Warum= zeigt die Perlmutter ein so prächtiges Farbenspiel?
-
-=Weil= die Oberfläche der Perlmutter von zahlreichen, äußerst feinen
-Furchen durchzogen ist, und das Licht beim Hindurchgehen durch diese
-Furchen gebeugt wird, die durch die Beugung entstandenen Lichtwellen
-aber sich mit den von der Oberfläche zurückgeworfenen kreuzen und daher
-theils verstärken, theils schwächen. Diese Verstärkung oder Schwächung
-kann aber nur eine Vermehrung oder Verminderung der Geschwindigkeit
-sein, mit welcher die Aethertheilchen in den Lichtwellen schwingen.
-Nun sind mit verschiedener Geschwindigkeit schwingende Aetherwellen
-verschiedene Farben, grade wie mit verschiedener Geschwindigkeit
-schwingende Luftwellen verschiedene Töne sind. Aehnliche
-Farbenerscheinungen zeigen aus dieser Ursache auch die Flügel vieler
-Insekten, und man kann sie künstlich hervorrufen, wenn man durch ein
-feingewebtes Band nach einer Lichtflamme oder nach der Sonne sieht.
-
-=405. Warum= spielen Seifenblasen in so wundervollen Farben?
-
-=Weil= das Licht sowohl von der äußeren als von der inneren Fläche
-der dünnen Seifenwasserschicht, welche die Seifenblase umschließt,
-zurückgeworfen wird, die zurückgeworfenen Lichtwellen aber einander
-begegnen und darum verstärken oder schwächen, also verschiedene Farben
-hervorrufen. Da die Dicke der dünnen Seifenwasserschicht sich beständig
-ändert, so sind es auch beständig andere Lichtwellen, die von der
-innern Fläche zurückgeworfen werden, und darum müssen auch die durch
-sie erzeugten Farben beständig wechseln. Auf diesem Zusammentreffen
-verschiedener Lichtwellen, die, wie zusammentreffende Wasserwellen
-höhere oder flachere Wellenberge erzeugen, so sich zu schnelleren oder
-langsameren Schwingungen vereinigen, beruhen die Farbenerscheinungen
-aller dünnen Blättchen, namentlich auch das bunte Anlaufen des Stahls,
-das durch eine die Oberfläche desselben überziehende dünne Oxydschicht
-bewirkt wird.
-
-
-
-
-Magnetismus und Electricität.
-
-
- Unter _Magnetismus_ versteht man die Eigenschaft gewisser
- Körper, Eisen anzuziehen. Diejenigen Körper, welche diese
- Anziehung oder magnetische Kraft schon im natürlichen Zustande
- äußern, wie der in der Erde vorkommende Magneteisenstein,
- heißen _natürliche Magnete_; diejenigen hingegen, welche erst
- durch eine künstliche Behandlung diese Kraft erlangen, werden
- _künstliche Magnete_ genannt. Zur Erzeugung künstlicher Magnete
- eignet sich am besten der Stahl. Der Magnet zeigt nicht an
- seiner ganzen Oberfläche die Eigenschaft, Eisen anzuziehen,
- in gleichem Maße, sondern vorzugsweise an zwei einander
- entgegengesetzten Stellen, die man seine _Pole_ nennt. Nähert
- man den Pol eines Magneten einem andern Magneten, so zieht
- er den einen Pol desselben an, stößt aber den andern ab. Da
- die Erde selber ein großer Magnet ist, dessen Pole nahezu mit
- ihren astronomischen Polen zusammenfallen, so wirkt auch sie
- anziehend und abstoßend auf die Pole eines Magneten. Jeder
- freischwebende Magnetstab (Magnetnadel) nimmt daher eine
- bestimmte Lage an und zwar so, daß die eine Spitze nach Norden,
- die andere nach Süden hinweist. Den nach Norden gerichteten Pol
- eines Magneten nennt man darum seinen _Nordpol_, den anderen
- seinen _Südpol_.
-
- Manche Körper, besonders Harz, Glas, Schwefel, Hartgummi
- (Ebonit), erlangen durch Reiben die Fähigkeit, leichte Körper,
- wie Papierschnitzel, Kügelchen aus Kork oder Hollundermark,
- in einiger Entfernung anzuziehen. Man nennt sie dann
- electrisch und bezeichnet als Ursache dieser Anziehung die
- _Electricität_. Diese electrische Anziehung unterscheidet
- sich von der magnetischen dadurch, daß auf dieselbe sofort
- eine Abstoßung folgt, was bei jener nicht stattfindet. Die
- Electricität wird durch Berührung anderen Körpern mitgetheilt;
- aber während manche Körper in diesem Falle nur an der berührten
- Stelle electrisch werden, verbreitet sich die Electricität
- bei anderen sogleich über die ganze Oberfläche. Man nennt
- daher die letzteren _gute Leiter_, die ersteren _schlechte_
- oder _Nichtleiter_ der Electricität. Seide, Glas, Harz sind
- Nichtleiter, Metalle gute Leiter der Electricität. Nicht alle
- Körper erhalten durch Reiben dieselbe Electricität. Berührt man
- zwei an Seidenfäden aufgehängte Kügelchen aus Hollundermark mit
- einem durch Reiben electrisch gemachten Glasstab, so werden
- sie selbst electrisch und stoßen nun einander ab. Macht man
- zwei andere Kügelchen durch Berührung mit einer geriebenen
- Siegellackstange electrisch, so stoßen sie ebenfalls einander
- ab. Nähert man aber eines der durch den Glasstab electrisch
- gemachten Kügelchen einem der durch die Siegellackstange
- electrisch gemachten, so ziehen sie einander lebhaft an. Sie
- haben also beide eine andere, und zwar eine entgegengesetzte
- Electricität empfangen, und man bezeichnet diese beiden Arten
- von Electricität als _Glas-_ und _Harz-Electricität_, oder als
- positive und negative. Körper, die gleichnamig electrisch oder,
- wie man sagt, mit gleichnamiger Electricität _geladen_ sind,
- stoßen einander ab; Körper, die ungleichnamige Electricität
- enthalten, ziehen einander an.
-
- Außer durch Reibung wird auch durch andere Ursachen
- Electricität in den Körpern erregt, namentlich durch
- gegenseitige Berührung verschiedenartiger Körper, besonders
- verschiedener Metalle, und durch chemische Vorgänge. Die durch
- Berührung erzeugte Electricität nennt man auch nach ihren
- Entdeckern _galvanische_ oder _volta_'ische Electricität,
- während man ihre Erscheinung unter dem Namen des _Galvanismus_
- zusammenfaßt. Wenn zwei Metalle durch Berührung electrisch
- werden, so zeigt das eine positive, das andre negative
- Electricität. Ein und dasselbe Metall wird bald positiv,
- bald negativ electrisch, je nachdem es mit dem einen oder
- anderen Metall in Berührung kommt. Man kann daher alle Metalle
- so in eine Reihe ordnen, daß jedes mit jedem vorangehenden
- negativ, mit jedem folgenden positiv electrisch wird. Unter
- den bekannteren Metallen ist das am stärksten positive das
- Zink; dann folgen Blei, Zinn, Eisen, Kupfer, Silber, Gold,
- Platin; der am meisten negative Körper ist die Kohle. Je
- weiter zwei Metalle in dieser Reihe auseinander stehen,
- um so kräftiger ist der Gegensatz der von ihnen erregten
- Electricitäten oder ihre _electrische Spannung_. Zink und
- Platin sind also eine kräftigere Electricitätsquelle als Zink
- und Kupfer; aber Zink und Kohle bilden eine noch kräftigere.
- Von der Stärke der electrischen Spannung hängt auch die Wirkung
- der Electricität ab, die immer auf einer Ausgleichung der
- electrischen Gegensätze beruht. Diese Ausgleichung erfolgt
- _entweder_ unmittelbar durch Annäherung eines entgegengesetzt
- electrischen Körpers und äußert sich dann in Erscheinungen der
- Anziehung und Abstoßung, in Durchbohrung und Zertrümmerung
- nichtleitender Körper, und in überspringenden Funken; _oder_
- sie erfolgt durch Vermittelung eines leitenden Körpers, durch
- welchen sich die Electricität gleichsam von einem Pole zum
- andern bewegt. Diese Bewegung nennt man einen _electrischen
- Strom_ und bezeichnet den vom positiven zum negativen Pole oder
- vom Zink zum Kupfer gerichteten Strom als den _positiven_, den
- entgegengesetzten als _negativen Strom_. Die Wirkungen dieses
- Stromes sind theils physikalische, theils chemische, theils
- physiologische. Er erzeugt Licht und Wärme, wie dies theils
- die überspringenden Funken, theils das Erglühen und Schmelzen
- selbst unter anderen Umständen sehr schwer schmelzbarer Stoffe
- beweisen. Er zerfetzt ferner chemische Verbindungen, und es ist
- bekanntlich mit seiner Hülfe zuerst gelungen, das Wasser in
- seine Bestandtheile, Wasserstoff und Sauerstoff, zu zerlegen.
- Er bringt heftige Erschütterungen, sogenannte _Schläge_, im
- thierischen und menschlichen Körper hervor. Er erzeugt endlich
- magnetische Wirkungen, indem er einerseits unmagnetisches Eisen
- in Magnete verwandelt, andererseits frei beweglichen Magneten
- eine bestimmte Richtung anweist. Auf diesen Wirkungen der
- electrischen Ströme beruhen daher auch die meisten Anwendungen
- der Electricität.
-
-[Illustration: Fig. 97.]
-
-=406. Warum= wird ein Eisenstab, den man mit dem Pole eines Magneten in
-Berührung bringt, selbst magnetisch und zieht ebenfalls wieder Eisen an?
-
-=Weil= in jedem Eisen von Natur bereits Magnetismus vorhanden ist,
-die beiden Gegensätze desselben, der Nord- und Südmagnetismus, aber
-einander darin das Gleichgewicht halten, bis durch Annäherung eines
-Magnetpoles der eine dieser Magnetismen beschäftigt und der andere
-dadurch frei und wirksam gemacht wird. Durch die Nähe oder Berührung
-eines Magneten werden also im Eisen die natürlichen Magnetismen
-vertheilt. War es der Südpol eines Magneten, welcher genähert wird,
-so beschäftigt dieser den Nordmagnetismus des Eisens, und der
-Südmagnetismus des Eisens wird am entgegengesetzten Ende desselben
-wirksam. Das Eisen vermag daher, wenn es magnetisch geworden ist,
-auch wieder anderes Eisen, das ihm genähert wird, magnetisch zu
-machen. An den Pol eines Magneten hängen sich oft ganze Ketten von
-Eisenfeilspähnen an, und ebenso kann man mehrere Schlüssel oder Nägel
-an einander hängen. Diese vertheilende Wirkung übt der Magnet selbst
-durch andere Körper hindurch. Auf einem Blatt Papier oder einem Brett
-liegende Eisenfeilspähne werden durch einen darunter gehaltenen
-Magneten bewegt.
-
-[Illustration: Fig. 98.]
-
-=407. Warum= giebt ein Magnet, wenn man ihn in der Mitte durchbricht,
-zwei ganze Magnete?
-
-=Weil= in einem Magneten die beiden magnetischen Kräfte nicht so von
-einander getrennt sind, daß in der einen Hälfte aller Nordmagnetismus,
-in der anderen aller Südmagnetismus angesammelt wäre, sondern vielmehr
-in jedem Theilchen des Magnets beide Magnetismen vorhanden und nur so
-getrennt sind, daß in allen Theilchen der südliche Magnetismus nach
-der einen, der nördliche nach der andern Seite hin liegt. So lange die
-Theilchen einander berühren, heben Nord- und Südmagnetismus an der
-Berührungsstelle einander auf. Sobald sie getrennt werden, treten auch
-an ihren Enden die Gegensätze wieder hervor. Man kann daher einen
-Magneten in beliebige Stücke zerbrechen, von denen jedes wieder seinen
-Nord- und Südpol zeigen wird.
-
-=408. Warum= kann man einen Stahlstab durch Bestreichen mit einem
-Magneten dauernd magnetisch machen, während weiches Eisen seine
-magnetische Kraft sehr schnell wieder verliert?
-
-=Weil= der Stahl der Trennung beider Magnetismen zwar einen weit
-kräftigeren Widerstand entgegensetzt, als weiches Eisen, aber auch
-ebenso hartnäckig der Wiedervereinigung beider Magnetismen widerstrebt,
-wenn die Trennung einmal eingetreten ist. Da der Stahl also sehr schwer
-magnetisch wird und die magnetische Vertheilung also nur nach und nach,
-und nur an den Stellen erfolgt, welche von dem Magneten berührt werden,
-so muß man den Magneten wiederholt mit allen Stellen des Stahlstabes in
-Berührung bringen, wenn er magnetisch werden soll. Dies geschieht am
-besten, wenn man ihn mit dem Magneten mehrmals streicht und zwar so,
-daß man die eine Hälfte des Stahlstabes von der Mitte aus stets mit dem
-Nordpol, die andere stets mit dem Südpol des Magneten streicht. Auf
-diese Weise erhält man künstliche Magnete.
-
-[Illustration: Fig. 99.]
-
-=409. Warum= giebt man künstlichen Magneten gern die Form eines
-Hufeisens?
-
-=Weil= bei so geformten Magneten die beiden Pole sich neben einander
-befinden und darum mit vereinter Kraft auf ein Stück weiches Eisen
-wirken, das man an diese Pole anlegt. An dieses weiche Eisen oder den
-sogenannten _Anker_ kann man Gewichte anhängen und danach die Tragkraft
-des Magneten bemessen. Noch mehr kann man die Wirkung verstärken,
-wenn man mehrere Magnete mit ihren gleichnamigen Polen aufeinander
-legt und durch eine Hülse verbindet. Jeder einzelne Magnet wirkt dann
-vertheilend auf die anderen. Alle zusammen besitzen darum eine größere
-Tragkraft als alle einzelnen.
-
-[Illustration: Fig. 100.]
-
-=410. Warum= neigt sich eine in ihrem Schwerpunkt aufgehängte
-horizontal schwebende Stahlnadel, wenn sie magnetisirt worden ist,
-sofort mit dem einen Ende gegen den Boden?
-
-=Weil= die Erde selbst ein großer Magnet ist und gegen ihren Nordpol
-Südmagnetismus, gegen ihren Südpol Nordmagnetismus besitzt, der
-Südmagnetismus der Erde aber den Nordpol der Magnetnadel anziehen muß.
-Diejenigen Punkte der Erde, an welchen sich die Magnetnadel genau
-senkrecht stellt, nennt man ihre magnetischen Pole. Sie fallen nicht
-mit den geographischen Polen zusammen. Der magnetische Nordpol liegt
-vielmehr im Norden Amerika's auf Boothia Felix unter 73° 35´ n. Br.
-und 95° 39´ w. L. von Greenwich, der magnetische Südpol im südlichen
-Eismeer, etwa unter 72° 35´ s. Br. und 152° 30´ ö. L. von Greenwich.
-Den ersteren fand Capitän _James Roß_ im Jahre 1831, dem letzteren
-näherte er sich im Jahre 1841 bis auf wenige Grade. Je mehr man sich
-von diesen Polen entfernt, um so weniger neigt sich die Magnetnadel,
-weil sie um so weniger angezogen wird. Da die magnetischen Pole nicht
-mit den geographischen zusammenfallen, so weist die Magnetnadel auch
-nicht überall auf den Nordpol hin, hat vielmehr an verschiedenen
-Orten der Erde eine verschiedene Abweichung von dieser Richtung. Wenn
-man sich daher der Magnetnadel in dem Compaß oder der Boussole zur
-Auffindung der Himmelsgegenden bedienen will, so muß man die Größe
-dieser Abweichung oder Declination für jeden Ort kennen. Bei uns
-beträgt diese Abweichung gegenwärtig etwa 12° nach Westen. Sie ist
-aber auch mit der Zeit veränderlich. Für Berlin war sie im Jahre 1717
-10½° westlich, 1785 und 1805 18°, 1836 nur 17°, ist also gegenwärtig
-wieder in Abnahme begriffen. Auch die Neigung der Magnetnadel gegen den
-Horizont oder die Inclination ist an den verschiedenen Orten der Erde
-eine sehr verschiedene. In Berlin bildet sie einen Winkel von 67° mit
-dem Horizont. Im Jahre 1805 betrug die Neigung der Nadel für Berlin
-sogar 69° 53´; sie ist also gegenwärtig gleichfalls in der Abnahme
-begriffen. Der Gebrauch des Compaß ist den Chinesen wahrscheinlich
-schon anderthalb Jahrtausende früher bekannt gewesen, als den
-europäischen Völkern, die ihn erst im 13. Jahrhundert aus dem Orient
-kennen lernten.
-
-=411. Warum= finden sich in Schlosser- und Schmiedewerkstätten häufig
-stählerne Werkzeuge, welche Eisenfeilspähne anziehen?
-
-=Weil= Stahl- und Eisenstäbe, wenn sie senkrecht oder vielmehr in
-einer Richtung aufgehängt oder aufgestellt sind, welche der Neigung
-einer freibeweglichen Magnetnadel entspricht, durch den Einfluß des
-Erdmagnetismus zu Magneten werden. Für gewöhnlich verlieren sie
-zwar diese magnetische Eigenschaft in anderer Lage wieder; durch
-heftige Erschütterungen aber, namentlich Hammerschläge, werden sie zu
-bleibenden Magneten gemacht.
-
-=412. Warum= werden Papierschnitzel von einem Glasstab oder einer
-Siegellackstange, die man mit einem wollenen Lappen oder einem
-Katzenfell gerieben hat, angezogen?
-
-=Weil= der Siegellack und der Glasstab durch das Reiben electrisch
-werden. Eigentlich können alle Körper durch Reiben electrisch gemacht
-werden, aber sie verlieren ihre Electricität sofort wieder, da die
-Hand, mit welcher man sie hält, dieselbe ableitet. Versieht man aber
-einen Metallstab mit einer Handhabe von Glas oder Harz, so wird er
-wirklich durch Reiben electrisch und zieht Papierschnitzel an.
-
-Schon die alten Griechen kannten diese electrische Anziehung wenigstens
-an einem Körper, dem Bernstein, und von der griechischen Benennung
-desselben, Electron, ist auch der Name Electricität abgeleitet worden.
-Erst um das Jahr 1600 wurde die electrische Anziehung auch anderer
-Körper von dem Engländer _Gilbert_ entdeckt.
-
-=413. Warum= verliert eine durch Reiben electrisch gemachte
-Siegellackstange allmählich ihre ganze Electricität, wenn man ihr
-wiederholt ein an einem leinenen Faden hängendes Korkkügelchen nähert,
-obgleich das Korkkügelchen nach der Entfernung keine electrische
-Eigenschaft zeigt?
-
-=Weil= das Korkkügelchen allerdings jedesmal, wenn es die
-Siegellackstange berührt, Electricität von derselben annimmt, diese
-aber durch den Faden in die Hand und den menschlichen Körper und
-endlich in den Erdboden abgeleitet wird. Daß das Korkkügelchen nach
-der Entfernung von der Siegellackstange immer wieder unelectrisch
-geworden ist, geht schon daraus hervor, daß es immer wieder von
-derselben angezogen wird. Der leinene Faden ist also ein guter Leiter
-der Electricität, ebenso der menschliche Körper und der Erdboden;
-ein Metallfaden würde ein noch besserer Leiter sein. Der Unterschied
-zwischen guten und schlechten Leitern der Electricität oder zwischen
-electrischen Leitern und Nichtleitern wurde zuerst von dem Engländer
-_Gray_ 1729 erkannt.
-
-=414. Warum= wird ein an einem seidenen Faden aufgehängtes
-Korkkügelchen zuerst von einer geriebenen Siegellackstange angezogen,
-nach der Berührung mit derselben aber abgestoßen?
-
-=Weil= dem Korkkügelchen bei Berührung mit der electrisirten
-Siegellackstange die Electricität derselben mitgetheilt und diese
-durch den seidenen Faden, der ein Nichtleiter der Electricität ist,
-nicht abgeleitet wird, die beiden gleich electrischen Körper aber
-einander abstoßen müssen. Berührt man aber nach jeder Abstoßung das
-Korkkügelchen mit dem Finger, so wird seine Electricität abgeleitet,
-und es kann als unelectrisch von der Siegellackstange wieder angezogen
-werden.
-
-=415. Warum= hüpfen kleine leichte Markkügelchen (am besten aus dem
-Mark der Sonnenblume gemacht) auf einem Tische auf und nieder, wenn man
-ein durch Erwärmung und Reiben mit Gummi electrisch gemachtes Stück
-Papier darüber hält?
-
-=Weil= die Kügelchen zuerst als unelectrisch von dem Papier angezogen,
-dann, an demselben electrisch geworden, wieder abgestoßen werden, auf
-die Tischplatte fallen, hier die Electricität durch Ableitung verlieren
-und wieder angezogen werden. Auch feiner Sand geräth in eine solche
-Bewegung, wenn man das geriebene Papierblatt darüber hält, und erzeugt
-beim Anschlagen an das Papier ein Geräusch wie feiner Regen.
-
-=416. Warum= verlieren zwei Korkkügelchen, von denen das eine durch
-eine geriebene Siegellackstange, das andere durch einen geriebenen
-Glasstab electrisirt ist, ihre Electricität vollständig, sobald man sie
-mit einander in Berührung bringt?
-
-=Weil= die beiden Korkkügelchen entgegengesetzte Electricitäten
-besitzen, das eine durch die Siegellackstange Harzelectricität oder
-negative, das andere durch den Glasstab Glaselectricität oder positive
-Electricität angenommen hat, und diese beiden Electricitäten bei der
-Berührung der beiden Korkkügelchen sich mit einander vereinigen
-und einander in ihren Wirkungen aufheben. Sie erscheinen darum
-nach der Berührung als nichtelectrische Körper. Das Vorhandensein
-entgegengesetzter Electricitäten wurde zuerst von dem Franzosen _du
-Fay_ im Jahre 1733 entdeckt.
-
-[Illustration: Fig. 101.]
-
-=417. Warum= werden überhaupt nichtelectrische Körper von electrischen
-angezogen und zwar schon aus beträchtlicher Entfernung?
-
-=Weil= die in jedem Körper von Natur vorhandenen beiden
-entgegengesetzten Electricitäten, die sich aber in gebundenem
-Zustande befinden und darum unwirksam sind, durch die Annäherung
-eines electrischen Körpers getrennt oder vertheilt werden, und der
-electrische Körper nun die ungleichartige Electricität des nicht
-electrischen anzieht, um sich mit ihr auszugleichen. Ist eine
-Siegellackstange durch Reiben electrisch gemacht, so enthält sie
-_freie_ negative Electricität. Nähert man ihr ein an einem Seidenfaden
-aufgehängtes Korkkügelchen, so werden in letzterem die bisher
-_gebundenen_ Electricitäten vertheilt, und die positive begiebt sich
-auf die der Siegellackstange zugewandte Seite, die negative auf die
-entgegengesetzte. Berührt das Korkkügelchen die Siegellackstange,
-so vereinigen sich die beiden entgegengesetzten Electricitäten, und
-es bleibt nur freie negative Electricität in dem Kügelchen zurück.
-Berührt man vorher das Kügelchen mit dem Finger, so wird die negative
-Electricität abgeleitet, und die zurückbleibende positive Electricität
-des Kügelchens strebt um so heftiger sich mit der negativen der
-Siegellackstange zu vereinigen; das Kügelchen wird aber nach dieser
-Vereinigung wieder unelectrisch. Alle electrische Anziehung beruht
-also nur auf dem Bestreben entgegengesetzter Electricitäten, sich
-auszugleichen. Dieses Bestreben nennt man auch electrische _Spannung_.
-
-=418. Warum= sehen wir bisweilen, namentlich im Dunkeln, Funken
-überspringen, wenn wir den Fingerknöchel einer stark geriebenen
-Siegellackstange nähern?
-
-=Weil=, wenn die electrische Spannung so groß ist, daß die
-entgegengesetzten Electricitäten, um sich zu vereinigen, die zwischen
-ihnen befindliche Luftschicht durchbrechen, ihre Vereinigung von einer
-Wärme- und Lichtentwicklung begleitet ist, welche die Erscheinung eines
-Funkens bewirkt. Der electrische Funke ist daher immer das Zeichen
-einer _wirklichen_ Ausgleichung der getrennten Electricitäten, während
-Anziehung und Abstoßung nur ein _Streben_ zur Ausgleichung bezeichnen.
-
-[Illustration: Fig. 102.]
-
-=419. Warum= kann man kleine Electricitätsmengen, die sich durch
-gewöhnliche Anziehungserscheinungen nicht mehr verrathen, doch noch mit
-Hülfe eines sogenannten Electroskops erkennen? (Fig. 102.)
-
-=Weil= bei Annäherung eines electrischen Körpers an die Kugel eines
-Electroskops die Electricität in dieser und in den durch einen Draht
-damit verbundenen beiden Strohhälmchen oder Goldblättchen vertheilt
-wird, die gleichnamige Electricität daher in die äußersten Spitzen der
-feinen Blättchen flieht, und diese nun in Folge der abstoßenden Wirkung
-auseinander fahren müssen. Um jeden störenden Luftzug fern zu halten,
-sind die Blättchen gewöhnlich in ein Glas eingeschlossen. Man kann das
-Electroskop auch benutzen, um die Art der Electricität zu erkennen,
-welche ein Körper besitzt. Berührt man nämlich die Kugel desselben
-mit einem Körper, dessen electrischen Zustand man genau kennt, z. B.
-mit einer geriebenen Harzstange, so behält das Electroskop auch nach
-Entfernung dieses Körpers die ihm mitgetheilte Electricität. Nähert man
-dann der Kugel einen Körper, dessen electrischen Zustand man prüfen
-will, so werden die Blättchen noch weiter auseinanderfahren, wenn der
-zu prüfende Körper die gleiche Electricität, sich aber nähern oder
-gänzlich zusammenfallen, wenn er die entgegengesetzte Electricität
-besitzt.
-
-[Illustration: Fig. 103.]
-
-=420. Warum= kann man einem Electrophor, wenn er einmal electrisch
-gemacht ist, noch nach Wochen und Monaten Funken entziehen?
-
-=Weil= in dem Electrophor die beiden entgegengesetzten Electricitäten
-gebunden sind und daher nicht fortströmen können, aber sofort wieder
-frei werden, wenn man den Deckel desselben aufhebt. Der von _Volta_
-in Padua im Jahre 1775 erfundene Electrophor (Fig. 103) besteht
-nämlich aus einem Harzkuchen (~b~), der in eine metallene Form (~c~)
-gegossen ist, und einem metallenen Deckel (~a~), der mit nichtleitenden
-seidenen Schnüren, oder einem nichtleitenden gläsernen Handgriff
-versehen ist. Durch Schlagen mit einem Fuchsschwanz oder Katzenpelz
-wird der Harzkuchen negativ electrisch. Setzt man dann vermittelst
-eines nichtleitenden Handgriffs den Deckel darauf, so wird in diesem
-eine electrische Vertheilung bewirkt, die positive Electricität
-von der negativen des Harzkuchens angezogen oder gebunden, die
-negative abgestoßen und an der oberen Fläche des Deckels angehäuft.
-Berührt man den Deckel daher mit einem Finger, so wird alle negative
-Electricität daraus abgeleitet, und der Deckel enthält nur noch
-positive Electricität, die aber durch die negative des Harzkuchens
-gebunden ist. Hebt man dann den Deckel ab, so wird seine positive
-Electricität frei. Berührt man dann gleichzeitig mit einem Finger den
-Deckel, mit einem andern Finger den Harzkuchen, so verbinden sich beide
-freie Electricitäten wieder, und man sieht einen Funken überspringen
-und empfindet zugleich einen Schlag in den Fingern. So lange also der
-Deckel auf dem Harzkuchen liegt, sind die Electricitäten gebunden, und
-sie werden erst frei, wenn man den Deckel aufhebt, gleichviel nach
-welcher Zeitdauer es geschieht.
-
-[Illustration: Fig. 104.]
-
-=421. Warum= fühlt man eine so heftige Erschütterung, wenn man eine mit
-Electricität geladene sogenannte _electrische Flasche_ oder _Leydener
-Flasche_ in die Hand nimmt und mit der anderen Hand den Kopf derselben
-berührt?
-
-[Illustration: Fig. 105.]
-
-=Weil= in einer solchen Flasche bedeutende Mengen entgegengesetzter
-Electricitäten angehäuft sind, die einander gebunden halten, so
-lange sie durch das Glas getrennt sind, die sich aber mit großer
-Heftigkeit vereinigen, sobald sie den Weg durch einen gutleitenden
-Körper nehmen können, und wenn dies der menschliche Körper ist, eine
-heftige Nervenerschütterung in demselben veranlassen müssen. Eine
-electrische Flasche (Fig. 104) ist ein gewöhnliches cylinderförmiges
-Glas, das außen und innen mit Zinnfolie (Stanniol) belegt ist, doch so,
-daß oben ein Rand von 2--4 Centimeter Breite freibleibt. Zur inneren
-Belegung führt ein Metallstab, der oben in eine Kugel endet. Man
-ladet diese Flasche mit Electricität, indem man sie in die eine Hand
-nimmt, mit der anderen den Deckel des Electrophors aufhebt, nachdem
-man ihn zuvor mit dem Finger berührt hat, ihn dem Knopf der Flasche
-nähert und einen Funken überspringen läßt, dann den Electrophordeckel
-wieder auf den Harzkuchen legt, wieder mit dem Finger berührt, wieder
-aufhebt und dem Knopf der Flasche nähert. Bei jedesmaliger Berührung
-des Knopfes wird durch den Electrophordeckel der inneren Belegung der
-Flasche positive Electricität mitgetheilt, die dann durch das Glas
-vertheilend auf die Electricitäten in der äußeren Belegung wirkt, die
-negative Electricität anzieht, die positive abstößt. Hält man die
-Flasche in der Hand, berührt man also die äußere Belegung, so wird
-alle positive Electricität aus derselben in den Erdboden abgeleitet.
-Wiederholt man das Verfahren, so sammelt sich in der äußeren Belegung
-negative Electricität an, die sich aber nicht entfernen kann, weil
-sie durch die positive Electricität der inneren Belegung gebunden
-wird. Berührt man aber mit der einen Hand die äußere Belegung, mit der
-anderen den Knopf, der mit der inneren Belegung in Verbindung steht,
-so stellt man eine leitende Verbindung zwischen beiden Belegungen
-her, und die beiden Electricitäten können sich dann vereinigen, indem
-sie ihren Weg durch den menschlichen Körper nehmen. Es können auch
-mehrere Personen eine solche leitende Verbindung herstellen, wenn
-dieselben einander an den Händen anfassen, die erste dann die äußere
-Belegung der Flasche und die letzte den Knopf derselben berührt. Sie
-empfinden dann alle zugleich die Erschütterung oder den electrischen
-Schlag. Dieser Schlag kann noch mehr verstärkt werden, wenn man
-mehrere electrische Flaschen so mit einander verbindet, daß ihre
-äußeren Belegungen durch die Stanniolbelegung des Brettes, auf dem sie
-stehen, in leitender Verbindung mit einander sind, während zugleich
-ihre inneren Belegungen durch einen von Knopf zu Knopf gehenden
-Draht in Zusammenhang stehen. Man nennt eine solche Einrichtung eine
-_electrische Batterie_. Will man eine Flasche oder eine Batterie
-entladen, ohne den Erschütterungsschlag zu empfinden, so bedient
-man sich dazu eines sogenannten _Ausladers_ (Fig. 105), d. h. eines
-gebogenen Drahtes, der an beiden Enden in Metallkugeln ausläuft und
-in der Mitte mit einem gläsernen, also nichtleitenden Griff versehen
-ist. Die beiden Electricitäten nehmen dann ihren Weg durch diesen
-Draht, ohne den menschlichen Körper zu berühren. -- Die Wirkung des
-electrischen Schlages ist bei starken Batterien so groß, daß feine
-Goldblättchen oder dünne Metalldrähte, durch welche man den Schlag
-hindurchleitet, geschmolzen oder verflüchtigt, dünne Brettchen oder
-Glasscheiben durchbohrt, leicht brennbare Körper entzündet werden. Die
-ersten Versuche mit der electrischen Flasche wurden von dem Domherrn v.
-_Kleist_ in Kammin in Pommern im Jahre 1745 und ein halbes Jahr später
-von _Cunaeus_ in Leyden angestellt. Man nennt deshalb die Flasche auch
-bald Kleist'sche, bald Leydener Flasche.
-
-[Illustration: Fig. 106.]
-
-=422. Warum= ist ein sogenannter Condensator für schwache
-Electricitäten noch viel empfindlicher, als ein gewöhnliches
-Electroskop? (Fig. 106.)
-
-=Weil= der Condensator statt der Kugel des Electroskops mit einer
-sorgfältig abgeschliffenen Metallplatte versehen ist, die oben mit
-einer ganz dünnen Firnißschicht überzogen ist, und wenn nun eine zweite
-ähnliche, aber mit gläsernem Griff versehene Platte, die zuvor mit dem
-zu prüfenden schwachelectrischen Körper berührt wurde, darauf gesetzt
-wird, die dieser mitgetheilte Electricität die entgegengesetzte in der
-unteren Platte anziehen, diese aber wieder anziehend und bindend auf
-die Electricität der oberen Platte wirken muß, dadurch aber weit mehr
-Electricität aus dem berührenden Körper in die Platte übergeht, als
-sonst geschehen würde. Es geschieht also beim Condensator ganz dasselbe
-wie bei der Leydener Flasche, da die trennende Firnißschicht hier die
-Stelle des Glases vertritt. Der Condensator wurde von _Volta_ im Jahre
-1782 erfunden.
-
-=423. Warum= erhält man weit kräftigere Funken, wenn man den Finger
-dem Conductor einer Electrisirmaschine, als wenn man ihn der Scheibe
-derselben nähert?
-
-=Weil= die gläserne Scheibe der Electrisirmaschine als schlechter
-Leiter die Electricität nur von der nächsten Stelle abgiebt, während
-der metallische Conductor als guter Leiter alle in ihm vorhandene
-Electricität auf einmal abgiebt. Eine Electrisirmaschine besteht
-gewöhnlich aus einem gläsernen Cylinder oder besser einer runden
-Scheibe aus starkem Spiegelglas, die durch eine Kurbel um eine Achse
-gedreht wird und sich dabei an dem sogenannten Reibzeug reibt, das aus
-zwei Lederkissen besteht, die mit einem Amalgam von Zinn, Zink und
-Quecksilber bestrichen sind. Der Conductor ist eine hohle Messingkugel,
-welche auf einem gläsernen Fuße steht, und ist dazu bestimmt,
-vermittelst besonderer mit Spitzen versehener Saugarme die in der
-Glasscheibe durch Reiben erzeugte positive Electricität aufzunehmen.
-Auch am Reibzeuge befindet sich gewöhnlich ein Conductor, welcher die
-negative Electricität desselben aufnimmt. Natürlich muß man die eine
-Electricität in den Boden ableiten, wenn man die andere im Conductor
-sammeln will. Nähert man dem Conductor einen anderen leitenden Körper,
-so springen Funken über, die bei großen Maschinen mehrere Zoll lang
-sein können. Ebenso kann man aber auch die Electricität des Conductors
-auf eine Leydener Flasche überführen und diese dadurch laden. --
-Die ersten wirklichen Electrisirmaschinen mit Reiber, Reibzeug und
-Conductor wurden um das Jahr 1744 von den deutschen Physikern _Hausen_
-und _Winkler_ in Leipzig, _Bose_ in Wittenberg u. A. angefertigt.
-
-=424. Warum= kann man aus dem Körper eines Menschen, der auf einem
-sogenannten _Isolirschemel_, d. h. einem Schemel mit gläsernen Beinen,
-steht und zugleich den Conductor einer in Thätigkeit gesetzten
-Electrisirmaschine berührt, Funken ziehen?
-
-=Weil= die gläsernen Füße jede Ableitung der aus dem Conductor in den
-menschlichen Körper überströmenden Electricität verhindern, dieser
-also gleichsam zu einem Theile des Conductors gemacht wird und alle
-Eigenschaften desselben theilen muß.
-
-=425. Warum= kann man einem Conductor keine Funken mehr entlocken, wenn
-man eine metallische Spitze daran angebracht hat?
-
-=Weil= alle Theile einer und derselben Electricität sich nach dem
-Gesetze der Abstoßung von einander zu entfernen streben, alle in den
-Conductor übergehende Electricität daher sich in der Spitze anzuhäufen
-strebt und, da ihr die Luft hier nur einen geringen Widerstand leistet,
-in diese ausströmt. Man kann dieses Ausströmen der Electricität
-empfinden, wenn man die flache Hand über die Spitze hält; sie erzeugt
-nämlich hier, indem sie die umgebende Luft abstößt, einen Luftzug, den
-sogenannten electrischen Wind. Im Dunkeln sieht man sie auch in Form
-eines Strahlenbüschels ausströmen, doch nur, wenn die ausströmende
-Electricität positiv ist, dagegen in Form eines kleinen leuchtenden
-Sterns, wenn sie negativ ist. Wegen dieses Ausströmens der Electricität
-muß man bei der Electrisirmaschine Alles vermeiden, was dasselbe
-begünstigt, also Spitzen und scharfe Kanten, sowie eine Umgebung
-feuchter Luft. Daher dürfen nicht zu viele Menschen bei Versuchen mit
-der Electrisirmaschine anwesend sein. Am trockensten pflegt die Luft im
-Winter in geheizten Zimmern zu sein.
-
-=426. Warum= ist es gefährlich, sich während eines Gewitters unter
-einen hohen Baum zu stellen?
-
-=Weil= das Gewitter eine electrische Erscheinung im Großen ist,
-die gewöhnlich auf einer Ausgleichung mit entgegengesetzten
-Electricitäten geladener Wolken beruht, bei welcher bisweilen aber
-auch eine Ausgleichung zwischen der Electricität einer Wolke und
-der entgegengesetzten des Erdbodens und zwar vorzugsweise der der
-Wolke zunächst gelegenen, also höchsten Gegenstände des Erdbodens
-stattfindet, die man Einschlagen nennt, und die oft mit furchtbaren
-Zerstörungen verbunden ist. Wenn nämlich eine mit positiver
-Electricität geladene Wolke sich gegen den Erdboden herabgesenkt hat,
-so strömt die entgegengesetzte Electricität nach dem Gesetze der
-Vertheilung in die der Wolke am nächsten gelegenen Gegenstände, und
-beide Electricitäten vereinigen sich endlich in dem einschlagenden
-Blitze, indem sie den Zwischenraum der Luft durchbrechen. Natürlich
-folgt die irdische Electricität, wenn sie der Wolke, um sich mit
-ihrer entgegengesetzten Electricität zu vereinigen, entgegenströmt,
-vorzugsweise den guten Leitern, zu denen besonders Metalle, Wasser,
-feuchter Boden, aber auch saftreiche Bäume gehören. Nichtleiter,
-die sie auf ihrem Wege findet, werden gewaltsam durchbrochen und
-zerschmettert. Da das Holz des Baumes nur ein mittelmäßiger Leiter ist,
-so wird auch der Baum meist vom Blitze zerschmettert. Metalle, durch
-welche die Entladung hindurchgeht, werden oft geschmolzen, leicht
-brennbare Körper entzündet, Thiere und Menschen getödtet oder gelähmt.
-
-=427. Warum= schützen Blitzableiter auf Gebäuden vor den gefährlichen
-Wirkungen des Blitzes?
-
-=Weil= die hoch über das Gebäude emporragende eiserne Auffangestange
-des Blitzableiters, vermöge der bekannten Wirkung der Spitzen, der
-electrischen Wolke beständig die entgegengesetzte Electricität des
-Erdbodens zuleitet und dadurch ihre Electricität entweder aufhebt oder
-doch sehr verringert. Selbst wenn die aus der Spitze ausströmende
-Electricität nicht im Stande ist, das Einschlagen des Blitzes aus der
-zu schnell sich nähernden Wolke zu hindern, so wird doch der Blitz
-vorzugsweise die hohe Stange des Blitzableiters treffen und, da diese
-außerhalb am Gebäude herunter in den feuchten Erdboden geführt ist,
-seinen Weg diesen guten Leiter entlang nehmen und das Gebäude selbst
-unberührt lassen. Allerdings schützt der Blitzableiter ein Gebäude
-ringsum nur etwa auf eine Entfernung, welche der doppelten Höhe der
-Auffangestange über die höchsten Theile des Hauses gleich ist. Erfinder
-des Blitzableiters ist der berühmte Amerikaner _Franklin_, der auch
-zuerst durch einen mit Hülfe eines aufsteigenden Papierdrachens
-angestellten Versuch im Juni 1752 die electrische Natur des Gewitters
-nachwies.
-
-=428. Warum= vernimmt man beim Einschlagen des Blitzes in der Nähe nur
-einen einfachen Donnerschlag ohne nachfolgendes Rollen?
-
-=Weil= der Donner nur durch die Schwingungen der vom Blitz
-durchbrochenen und erschütterten Luftmassen entsteht, diese
-Luftschwingungen aber, wenn die Wolke sich nahe über uns befindet,
-sämmtlich fast in dem gleichen Augenblick unser Ohr treffen müssen,
-während, wenn der Blitz von Wolke zu Wolke, von Wasserbläschen zu
-Wasserbläschen überspringt, also einen weiten Weg durchläuft, die durch
-die einzelnen überspringenden Blitze erzeugten Luftschwingungen erst
-allmählich je nach der Entfernung in unser Ohr kommen und darum als
-eine Reihe von Donnerschlägen, als ein Rollen empfunden werden.
-
-=429. Warum= beschreibt der Blitz gewöhnlich eine Zickzacklinie?
-
-=Weil= der Blitz, indem er von Wasserbläschen zu Wasserbläschen
-überspringt, beständig durch plötzliche Erhitzung die Luft aus der
-Stelle treibt und darum vor sich her verdichtet, die dichtere Luft aber
-die Electricität nun weniger gut leitet, und der Blitz so veranlaßt
-wird, immer wieder vom graden Wege abzugehen und sich seitwärts in
-weniger dichter, also besser leitender Luft einen Ausweg zu suchen.
-
-=430. Warum= ziehen die meisten Gewitter bei uns gegen den Wind?
-
-=Weil= die meisten Gewitter bei uns entstehen, wenn in unserer
-Atmosphäre ein herrschender Aequatorialstrom von unten her durch die
-schwerere kältere Luft eines Polarstromes verdrängt wird, also wenn die
-Windfahne sich von West durch Nordwest nach Nord dreht. Die Gewitter
-ziehen daher mit nördlichem Winde auf, nachdem vorher südliche Winde
-geweht hatten. Sie machen uns dadurch den eingetretenen Windwechsel
-erkennbar, der eine Ursache, aber nicht eine Folge der Gewitter ist.
-Solche Gewitter kühlen auch das Wetter ab, weil die kälteren Nordwinde
-mit ihnen zur Herrschaft gelangen.
-
-=431. Warum= sieht man bisweilen während eines Gewitters die Spitzen
-von hohen Gegenständen, namentlich von Thürmen, Schiffsmasten, hohen
-Bäumen, leuchten?
-
-=Weil= die in Folge der Einwirkung electrischer Wolken an der
-Oberfläche der Erde angehäufte Electricität aus solchen hervorragenden,
-in Spitzen auslaufenden Gegenständen fortwährend ausströmt und dann in
-der Dunkelheit als Lichtbüschel erscheint. Man nennt diese Erscheinung
-das _St. Elmsfeuer_ und beobachtet sie häufiger bei heftigen Stürmen
-und Wintergewittern als bei Sommergewittern. Sie zeigt sich auf freiem
-Felde oft auch an Gesträuch, an den Ohren und Mähnen der Pferde, selbst
-an den Fingerspitzen.
-
-Als _Wetterleuchten_ bezeichnen wir den aufflackernden, oft sehr
-hellen Lichtschein, der ohne allen Donner besonders an heißen
-Sommerabenden, selbst ohne vorangegangenes Gewitter und oft an ganz
-wolkenfreiem Horizont erscheint. Es mag zum Theil von Gewittern
-herrühren, die allzu entfernt sind, als daß wir den Donner zu vernehmen
-vermöchten, zum Theil aber auch durch den Widerschein solcher Blitze
-am Himmel entstehen, welche von Wolken unter dem Horizont ausgehen.
-Bisweilen dürfte aber diese Erklärung nicht ausreichen, und an das
-freiwillige Ausströmen der Electricität aus starken geladenen Wolken
-zu denken sein, wie es auch beim stark geladenen Conductor einer
-Electrisirmaschine erfolgt, wenn kein leitender Gegenstand innerhalb
-der Schlagweite vorhanden ist.
-
-Das _Nordlicht_ oder vielmehr _Polarlicht_, weil es auch in
-Südpolarländern am südlichen Horizonte auftritt, ist eine besonders
-in Polargegenden häufige Lichterscheinung, die mit dem Ausströmen der
-Electricität im Dunkeln einige Aehnlichkeit hat und unzweifelhaft
-mit dem Erdmagnetismus in Verbindung steht, da sie unregelmäßige
-Schwankungen oder Störungen der Magnetnadel oft auf weite Strecken
-hin und schon am Tage vor ihrer Sichtbarkeit bewirkt. Das Nordlicht
-erscheint am Himmel als ein hellleuchtender, ein dunkleres Segment
-umschließender, weißer Lichtbogen, dessen Mittelpunkt ungefähr im
-magnetischen Meridian liegt. Von dem hellen Lichtbogen, der abwechselnd
-auch in gelbe, rothe und violette Farben spielt, fahren von Zeit zu
-Zeit nach allen Richtungen weiße und rothe Lichtbüschel aus, die sich
-bis zum Zenith und über dasselbe hinaus erstrecken und mit dunkeln
-Streifen wechseln, bisweilen sich auch im Zenith zur sogenannten
-Krone vereinigen. Als Ursache des Nordlichts nimmt man die Erzeugung
-von electrischen Strömen in Folge der Achsendrehung der gleichsam
-einen großen Magneten darstellenden Erde an, wie sie bei rotirenden
-künstlichen Magneten von _Faraday_ nachgewiesen wurde.
-
-=432. Warum= empfindet man einen sauren oder laugenhaften Geschmack,
-wenn man die Zungenspitze zwischen einen blanken Kupferstreifen und
-einen blanken Zinkstreifen bringt und dann beide Metallstreifen
-außerhalb vor dem Munde in Berührung mit einander setzt?
-
-=Weil= zwei verschiedene Metalle bei gegenseitiger Berührung einander
-electrisch erregen, und diese Electricität, wenn sie auch so schwach
-ist, daß sie sonst nicht bemerkt werden kann, doch wenigstens durch
-ihre Wirkung auf die Geschmacksnerven sich bemerklich macht. Der
-Geschmack ist sauer, wenn das Kupfer auf der Zunge liegt, laugenhaft,
-wenn das Kupfer unter der Zunge liegt. Auch auf die Gesichtsnerven
-macht die Electricität einen Eindruck. Legt man einen Kupferstreifen
-an das rechte, einen Zinkstreifen an das linke Zahnfleisch der oberen
-Kinnlade, und bringt man dann die vorderen Enden der Metallstreifen
-mit einander in Berührung, so empfindet man vor den Augen einen
-vorübergehenden Lichtschimmer. Man nennt diese durch Berührung
-verschiedener Metalle erzeugte Electricität Berührungs- oder
-galvanische Electricität. Daß wirklich Electricität dabei im Spiele
-ist, kann man erkennen, wenn man zwei mit isolirenden Glasgriffen
-versehene Metallplatten, die eine aus Kupfer, die andere aus Zink, mit
-ihren geschliffenen Flächen aufeinander legt und nach der Trennung jede
-derselben am Condensator prüft. Das Auseinanderfahren der Goldblättchen
-beweist dann ihre electrische Eigenschaft. Diese Berührungselectricität
-wurde zuerst von _Galvani_ in Bologna im Jahre 1786 entdeckt, aber erst
-von _Volta_ in Pavia im Jahre 1800 richtig erkannt.
-
-[Illustration: Fig. 107.]
-
-=433. Warum= erhält man eine weit stärkere electrische Wirkung, wenn
-man eine Kupfer- und eine Zinkplatte, ohne daß sie einander berühren,
-in eine gesäuerte Flüssigkeit taucht und dann an ihren hervorragenden
-Enden durch einen Metalldraht leitend verbindet, als wenn man sie
-trocken an einander legt?
-
-[Illustration: Fig. 108.]
-
-=Weil= die Metalle in Berührung mit Flüssigkeiten, namentlich
-gesäuerten, kräftiger electrisch erregt werden, als bei gegenseitiger
-Berührung. Taucht man eine Zinkplatte in eine gesäuerte Flüssigkeit,
-so wird das Zink negativ, die Flüssigkeit positiv electrisch. Taucht
-man auch eine Kupferplatte ein, so nimmt diese als guter Leiter
-die positive Electricität der Flüssigkeit auf, und verbindet man
-beide Platten durch einen Kupferdraht, so erfolgt durch diesen die
-Wiedervereinigung der getrennten Electricitäten. Da aber das Zink mit
-der Flüssigkeit in Berührung bleibt, so werden beide in demselben
-Augenblicke wieder electrisch, die positive Electricität strömt wieder
-vom Kupfer zum Zink. So besteht eine immerwährende Erregung und
-Ausgleichung der Electricitäten, und dadurch unterscheidet sich diese
-galvanische Electricität wesentlich von der Reibungselectricität, bei
-welcher immer nur augenblickliche Ausgleichungen möglich sind. Man
-nennt daher auch diese fortdauernde Bewegung einen electrischen Strom
-und sagt, daß der positive Strom vom Kupfer zum Zink gerichtet sei.
-Die Einrichtung selbst nennt man eine einfache galvanische Kette,
-oder ein galvanisches Element (Fig. 107). Man kann aber auch mehrere
-solcher Elemente zusammensetzen, indem man die Zinkplatte des ersten
-Elements mit der Kupferplatte des zweiten, die Zinkplatte des zweiten
-Elements mit der Kupferplatte des dritten etc. durch einen Kupferdraht
-leitend verbindet. Eine solche zusammengesetzte Kette nennt man eine
-galvanische _Batterie_. Die äußersten unverbundenen Glieder derselben
-heißen ihre Pole und zwar die äußerste Kupferplatte der positive Pol,
-die äußerste Zinkplatte der negative Pol. Verbindet man diese Pole
-durch einen Leitungsdraht, so geht der (positive) electrische Strom vom
-Kupfer zum Zink. Man nennt in diesem Falle die Kette _geschlossen_,
-während sie _geöffnet_ heißt, wenn kein Leitungsdraht die Pole
-verbindet. Die einfachste und älteste Form einer galvanischen Batterie
-ist die voltaische Säule (Fig. 108), die aus übereinandergeschichteten
-Zink- und Kupferplatten besteht, welche durch angefeuchtete Tuch- oder
-Pappscheiben von einander getrennt sind. Sie wurde zuerst von _Volta_
-in Pavia im Jahre 1800 construirt.
-
-=434. Warum= verlieren solche galvanische Ketten sehr bald ihre
-Wirksamkeit?
-
-=Weil= sowohl die Platten als die Säuren chemische Veränderungen
-erleiden, welche die electrische Bewegung schwächen. Dauernde oder
-constante galvanische Ketten erhält man, wenn man die beiden Metalle in
-verschiedene Flüssigkeiten taucht, die nur durch eine poröse Wand von
-einander getrennt sind, also einander berühren und darum gleichfalls
-electrisch erregen. Zu den wirksamsten solcher Ketten gehören die
-_Grove_'sche und die _Bunsen_'sche. Erstere besteht aus Zink und
-Platina. Das Platinablech befindet sich in einer mit Salpetersäure
-gefüllten Thonzelle, die Zinkplatte in einem größeren, mit verdünnter
-Schwefelsäure gefüllten Gefäß. In dieses letztere wird die poröse
-Thonzelle getaucht, so daß also die beiden Säuren nur durch die poröse
-Scheidewand getrennt sind. Bei der _Bunsen_'schen Batterie wird statt
-des Platina's ein massiver Kohlencylinder angewandt. In neuerer
-Zeit hat auch die _Smee_'sche Kette eine sehr verbreitete Anwendung
-gefunden. Sie besteht aus Zink, Silber und verdünnter Schwefelsäure.
-Das Silberblech ist aber mit einem Ueberzug von sehr fein zertheiltem
-Platin, sogenanntem Platinmohr, versehen, welcher den Zweck hat, das
-die Wirkung schwächende Anhängen der sich bildenden Wasserstoffbläschen
-zu verhindern, indem er demselben feine Spitzen darbietet. Um beide
-Seiten der Silberplatte wirksam zu machen, ist jeder Seite derselben
-eine Zinkplatte gegenübergestellt; beide Zinkplatten sind aber unter
-sich zu einem Element verbunden. Solche constante Ketten bringen sehr
-kräftige Wirkungen hervor, die im Allgemeinen denjenigen gleichen,
-welche der Funken der electrischen Flasche erzeugt. Besonders stark
-sind ihre Licht- und Wärmewirkungen.
-
-=435. Warum= kann man aus großer Entfernung eine Mine entzünden, wenn
-man von dem einen Pole einer galvanischen Batterie einen Leitungsdraht
-bis zum Pulver leitet und hier durch einen sehr feinen Eisendraht
-mit einem zweiten Leitungsdraht verbindet, der zum anderen Pole der
-Batterie zurückkehrt?
-
-=Weil= in demselben Augenblicke, in welchem der zweite Leitungsdraht
-den Pol der Batterie berührt, die Kette geschlossen ist, der
-electrische Strom daher den ganzen Leitungsdraht durchläuft und den
-eingeschalteten dünnen Eisendraht glühend macht, so daß dieser das
-Pulver entzündet. Die Länge des Weges ist für den Strom kein Hinderniß,
-da er die größten Strecken in fast unmeßbarer Zeit durchläuft.
-
-=436. Warum= wird ein Eisenstab, den man in eine Auflösung von
-Kupfervitriol eintaucht, sehr bald mit metallischem Kupfer überzogen,
-wenn man gleichzeitig einen Kupferstab eintaucht und durch Drähte den
-letzteren mit dem positiven, den Eisenstab mit dem negativen Pole einer
-galvanischen Kette verbindet?
-
-=Weil= der electrische Strom, welcher durch die beiden Metalle in
-Berührung mit der Flüssigkeit erregt wird, den Kupfervitriol chemisch
-zersetzt und metallisches Kupfer daraus abscheidet, welches sich an
-dem negativen Pole, also an dem Eisen absetzt. Auf dieser Zersetzung
-metallischer Salzlösungen durch den electrischen Strom beruht die
-_Galvanoplastik_, d. h. die Kunst, plastische Gegenstände, wie
-Münzen, Gypsabdrücke, Holzschnitte, Kupferstiche etc., in Kupfer
-treu nachzubilden. Gewöhnlich bedient man sich dazu eines weiten
-Glasgefäßes, in welches vermittelst eines Drahtringes ein kurzer, unten
-nur durch eine Thierblase geschlossener Glascylinder eingehängt wird.
-In dem größeren Gefäße befindet sich die Kupfervitriollösung, in dem
-kleineren verdünnte Schwefelsäure. Dann wird ein starker Zinkstreifen
-mit einem Kupferstreifen zusammengelöthet und so gebogen, daß der
-Zinkstreifen in das engere Gefäß hinabhängt, während der Kupferstreifen
-in das weitere, mit der Vitriollösung gefüllte taucht und grade unter
-dem Boden des engeren Gefäßes eine wagerechte Fläche bildet, auf welche
-die in Kupfer nachzubildende Form gelegt werden kann. Diese Form
-verschafft man sich durch einen Abguß in Wachs oder Stearin, dessen
-Oberfläche man dann mit feinem Graphit- oder Broncepulver bepinselt und
-dadurch leitend macht. Der Strom, der hier zwischen Zink und Kupfer
-durch beide Flüssigkeiten erregt wird, ist nur schwach, genügt aber,
-die Vitriollösung zu zersetzen und im Laufe einiger Tage den Abdruck
-mit einer dicken Kupferschicht zu überziehen, welche genau der Form des
-Abdrucks entspricht. Auch die galvanische Vergoldung und Versilberung
-geschieht in ähnlicher Weise. Die Galvanoplastik wurde von _Jacobi_ in
-Dorpat und von _Spencer_ in England im Jahre 1838 fast gleichzeitig
-erfunden.
-
-=437. Warum= wird Eisen durch einen Zinküberzug vor dem Rosten bewahrt?
-
-=Weil= Zink und Eisen eine galvanische Kette bilden, in welcher Zink
-das positive, Eisen das negative Metall darstellt. Wenn durch diese
-galvanische Kette in Berührung mit Feuchtigkeit das Wasser zersetzt
-wird, so scheidet sich der Sauerstoff desselben stets am positiven
-Pole, also hier am Zink, aus, während das Eisen davon befreit bleibt.
-Da aber dieser Sauerstoff die Ursache des Rostens des Eisens ist, so
-muß das Eisen in Gegenwart von Zink rein bleiben. In Verbindung mit
-Kupfer würde das Entgegengesetzte stattfinden; das Eisen würde dann
-das positive Metall sein, und an diesem also der Sauerstoff sich
-ausscheiden. Daher rosten eiserne Nägel in kupfernen Bedachungen sehr
-leicht.
-
-=438. Warum= wird eine Magnetnadel in der Nähe electrischer Ströme zur
-Ortsbestimmung unbrauchbar?
-
-=Weil= eine frei bewegliche Magnetnadel durch einen electrischen Strom
-aus ihrer Nordrichtung abgelenkt wird, und zwar nach Osten, wenn der
-Strom über der Nadel von Norden nach Süden, -- nach Westen, wenn er
-unter der Nadel von Norden nach Süden geht; ebenso nach Westen, wenn
-der Strom über der Nadel von Süden nach Norden, -- nach Osten, wenn
-er unter der Nadel von Süden nach Norden geht. Denkt man sich in den
-vom electrischen Strome durchlaufenen Leitungsdraht eine menschliche
-Figur so eingeschaltet, daß der positive Strom von den Füßen nach dem
-Kopfe geht, und das Gesicht der Figur nach der Nadel gewendet ist,
-so wird die Magnetnadel immer so abgelenkt, daß ihr Nordende sich
-nach links, ihr Südende nach rechts wendet. Diese Ablenkung ist so
-empfindlich, daß man sie benutzt, um sehr schwache electrische Ströme
-nachzuweisen. Man verstärkt zu dem Zwecke die Wirkung des Stromes auf
-die Magnetnadel, indem man den Leitungsdraht in vielen Windungen über
-und unter der Nadel herumführt. Man nennt eine solche Vorrichtung
-einen _Multiplicator_. Die Einwirkung des electrischen Stromes auf
-die Magnetnadel wurde von _Oersted_ in Kopenhagen im Jahre 1820
-entdeckt, und noch in demselben Jahre erfand _Schweigger_ in Halle den
-Multiplicator.
-
-[Illustration: Fig. 109.]
-
-=439. Warum= erhält ein Stab aus weichem, nicht magnetischem Eisen die
-Eigenschaft Eisen anzuziehen, wenn man einen mit Seide übersponnenen
-Kupferdraht um denselben windet, und die Enden des Drahts mit den Polen
-einer galvanischen Kette verbindet?
-
-=Weil= der weiche Eisenstab wirklich durch den ihn umkreisenden
-electrischen Strom in einen Magneten verwandelt wird. Man nennt diesen
-Magneten einen _Electromagneten_. Durch sehr kräftige electrische
-Ströme kann man daher auch sehr kräftige Electromagnete erzeugen,
-die mehrere Centner zu tragen vermögen. Weiches Eisen wird aber nur
-vorübergehend durch den electrischen Strom magnetisch gemacht; es
-verliert seinen Magnetismus, sobald der electrische Strom aufhört. Ein
-Stahlstab aber behält seinen Magnetismus dauernd.
-
-=440. Warum= stellt sich bei den electrischen Telegraphen der Zeiger
-auf der entfernten Station immer genau auf denselben Buchstaben, auf
-welchen der Zeiger der Anfangsstation gerückt wird?
-
-=Weil= durch die Bewegung des Zeigers auf der ersten Station bei
-Berührung eines Buchstaben zugleich eine galvanische Kette geschlossen
-und also ein electrischer Strom durch den langen Leitungsdraht zur
-entfernten Station geführt wird, hier aber dieser Strom einen kleinen
-Electromagneten magnetisch macht und ihn dadurch veranlaßt, einen
-Anker anzuziehen und durch diesen wieder einen kleinen Hebel zu
-bewegen, der endlich in ein Zahnrad eingreift und dies sammt dem daran
-befindlichen Zeiger um einen Zahn forttreibt. Sobald der Zeiger auf der
-ersten Station den Buchstaben oder vielmehr den damit in Verbindung
-stehenden kleinen Stift verläßt, wird die galvanische Kette geöffnet,
-der electrische Strom also unterbrochen, und der Electromagnet auf der
-anderen Station seines Magnetismus beraubt, so daß der Anker wieder
-fällt, und das Zahnrad mit dem Zeiger still steht. Das Wesen des
-electrischen Telegraphen beruht also einmal auf der außerordentlichen
-Geschwindigkeit des electrischen Stromes, die auf 150000 bis 450000
-Kilometer in der Secunde geschätzt wird; dann auf der Leitungsfähigkeit
-der Metalle und des Erdbodens, da der Strom von der einen Station zur
-zweiten durch einen Kupfer- oder starken Eisendraht geleitet wird,
-von jeder der beiden Stationen aber in die Erde als Leiter abströmt;
-endlich auf der Möglichkeit, in jeder Entfernung vermittelst des durch
-eine Drahtspirale geleiteten electrischen Stromes ein Eisenstück nach
-Belieben magnetisch zu machen und ihm diese Eigenschaft wieder beliebig
-zu nehmen.
-
-[Illustration: Fig. 110.]
-
-Je nach der Art, in welcher die Zeichen gegeben werden, unterscheidet
-man _Nadel-Telegraphen_, _Zeiger-Telegraphen_, _Druck-_ oder
-_Schreib-Telegraphen_ und _Copir-Telegraphen_. Der oben beschriebene
-ist der _Zeiger-Telegraph_. Bei dem _Nadel-Telegraphen_ werden die
-Zeichen zum Theil durch die Bewegungen einer oder zweier Magnetnadeln
-gegeben, die an ihrem Ende mit einem Stifte versehen sind, der in einen
-Farbennapf taucht und auf einem vorübergleitenden Papiere die Spuren
-der Nadelbewegung als schwarze Punkte hinterläßt. Durch bestimmte
-Gruppen dieser Punkte werden die verschiedenen Buchstaben bezeichnet;
-andererseits genügt auch schon das abwechselnde Ausschlagen der
-Magnetnadel nach links und rechts, um eine Zeichensprache daraus zu
-bilden. Der seit 1866 in regelmäßigem Betriebe befindliche atlantische
-Telegraph ist gleichfalls ein Nadel-Telegraph. Der _Schreib-_ oder
-_Druck-Telegraph_ (Fig. 110) bewirkt das Aufschreiben der aus der Ferne
-mitgetheilten Zeichen in noch vollkommnerer Weise. Derselbe besteht in
-der Hauptsache aus einem aufrechtstehenden, kräftigen Electromagneten,
-an dessen Anker das Ende eines Hebels befestigt ist, dessen anderes
-Ende einen kleinen stumpfen Stahlstift trägt. Sobald dieser Hebel
-durch den Electromagneten angezogen wird, drückt sein Stahlstift auf
-einen Streifen Papier, welcher durch ein Räderwerk gleichmäßig unter
-einer Walze hingezogen wird. Wird der Strom unterbrochen, so hört
-auch die Anziehung des Electromagneten auf, und eine Feder zieht
-dann den Hebelarm und den Stahlstift von dem Papiere wieder zurück.
-Je nachdem der Strom also für einen Augenblick oder für längere Zeit
-geschlossen ist, entstehen eingedrückte Punkte oder Striche auf dem
-Papier und durch die verschiedenen Verbindungen dieser Punkte und
-Striche lassen sich dann alle Buchstaben des Alphabets darstellen.
-Bei dem _Copir-Telegraphen_ wird sogar die Handschrift selbst wieder
-gegeben und es können selbst ganze Zeichnungen und Situations-Pläne
-telegraphirt werden. Man benutzt nämlich hierbei die farbigen
-Niederschläge, welche gewisse chemische Substanzen bei der Zersetzung
-durch den electrischen Strom geben. Eine rotirende Walze wird mit
-einem in dieser Weise chemisch präparirten Papier bedeckt. Wird nun
-während der Umdrehung der Walze vermittelst einer Feder ein Stift
-beständig gegen das Papier gedrückt, so beschreibt dieser Stift, so
-lange ein electrischer Strom durch ihn hindurch zur Walze geht, auf dem
-Papier einen farbigen, braunen oder blauen Strich. Läßt man zugleich
-die Walze nach jeder Umdrehung sich etwa um ½ Millimeter seitwärts
-verschieben, so wird das ganze Papier allmählich mit schraffirten
-Linien bedeckt. Jede Unterbrechung des Stromes hat natürlich auch
-eine Lücke in diesen Linien zur Folge, und wenn diese Unterbrechungen
-der Form von Buchstaben entsprechen, so erhält man eine weiße Schrift
-auf schraffirtem Grunde. Um solche Unterbrechungen zu bewirken, stellt
-man auf der Station, von welcher die Mittheilung ausgeht, eine völlig
-gleiche und sich gleichbewegende Walze auf, deren Achse mit der
-Batterie verbunden ist. Ueber diese Walze aber legt man ein Papier,
-auf welches die Depesche mit firnißhaltiger Schwärze gedruckt oder
-geschrieben ist. Die Spitze des einen Leitungsdrahts ruht ebenso auf
-diesem Papier, wie die Spitze des anderen auf dem chemischen Papiere
-der andern Station, so daß der electrische Strom durch beide Papiere
-gehen muß. Der Firniß aber unterbricht als Nichtleiter den Strom, so
-oft der Draht während der Umdrehung der Walze auf ein Schriftzeichen
-trifft. Drehen sich also beide Walzen mit gleicher Geschwindigkeit, so
-müssen, da auch die Unterbrechungen des Stromes auf beiden Stationen
-gleichzeitig geschehen, die Lücken auf dem chemischen Papiere dieselbe
-Schrift bilden, welche mit der firnißhaltigen Schwärze auf das Blatt
-der entfernten Station geschrieben war.
-
-Auf einer ganz ähnlichen Einrichtung, wie die electrischen Telegraphen,
-beruhen auch die _electrischen Uhren_, bei welchen durch die
-Pendelschläge einer Normaluhr ein electrischer Strom geöffnet und
-geschlossen und dadurch der Anker eines Electromagneten in Bewegung
-gesetzt wird, der dann in das Getriebe einer Uhr eingreift und dieses
-in Bewegung setzt.
-
-Der erste Gedanke einer electrischen Telegraphie rührt wohl von
-_Sömmering_ her, der bereits im Jahre 1808 die Berührungselectricität
-dazu zu benutzen versuchte. Als die Erfinder wirklich brauchbarer
-electrischer Telegraphen müssen aber die Professoren _Gauß_ und
-_Weber_ gelten, welche im Jahre 1833 zwischen der Sternwarte und
-dem physikalischen Kabinet in Göttingen die erste telegraphische
-Verbindung dieser Art herstellten. _Steinheil_ in München führte im
-Jahre 1838 einen neuen glänzenden Fortschritt dieser Erfindung herbei,
-indem er die Leitungsfähigkeit des Erdbodens benutzte, um den einen
-Leitungsdraht zu ersparen. _Wheatstone_ in England führte im Jahre 1840
-den ersten Zeigertelegraphen aus, der durch _Siemens_ und _Halske_ in
-Berlin glänzende Verbesserungen erhielt. Der Amerikaner _Morse_ (1837)
-ist der Erfinder des Schreib- und Druck-Telegraphen. Gegenwärtig
-umspannt das Drahtnetz des electrischen Telegraphen bereits die ganze
-Erde. Durch Drähte, die in isolirende Kabel eingeschlossen sind, werden
-selbst unter dem Meere hinweg Continente mit einander telegraphisch
-verbunden. -- Kaum dürfte irgend eine andere Erfindung so tief in das
-geistige wie materielle Leben der Völker eingegriffen haben, als diese,
-die den Gedanken mit Blitzesschnelle von Land zu Land über Meere und
-Wüsten hinweg zu tragen gelehrt hat.
-
-
-
-
-Inhalt.
-
-
- Seite
-
- _Einleitung_ 1
-
- Allgemeine Eigenschaften der Körper 2
-
- Ausdehnung 2
-
- Undurchdringlichkeit (Frage 1--5) 3
-
- Porosität (Frage 6--19) 5
-
- Theilbarkeit (Frage 20--22) 9
-
- Cohäsion (Frage 23--33) 10
-
- Adhäsion (Frage 34--48) 15
-
- Haarröhrchenanziehung (Frage 49--64) 19
-
- Trägheit (Frage 65--75) 23
-
- Elasticität (Frage 76--79) 27
-
- Schwerkraft (Frage 80--86) 28
-
- Der Schwerpunkt (Frage 87--99) 31
-
- Gleichgewicht und Bewegung fester Körper (Frage 100--122) 35
-
- Fall, Pendel und Centralbewegung (Frage 123--132) 46
-
- Gleichgewicht und Bewegung flüssiger Körper (Frage 133--161) 51
-
- Gleichgewicht und Bewegung luftförmiger Körper (Frage 162--171) 61
-
- Druck und Schwere der Luft (Frage 172--209) 65
-
- Chemische und physiologische Wirkungen der Luft
- (Frage 210--226) 79
-
- Vom Schalle (Frage 227--241) 85
-
- Von der Wärme (Frage 242--276) 94
-
- Ausdehnung der Körper durch Wärme (Frage 277--297) 105
-
- Die Veränderung der Aggregatzustände der Körper durch die
- Wärme (Frage 298--347) 114
-
- Das Licht (Frage 348--390) 141
-
- Die Farben (Frage 391--405) 167
-
- Magnetismus und Electricität (Frage 406--440) 175
-
-
-
-
-Nachweis der wichtigsten Figuren.
-
-
- Seite
-
- _Roberval_'sche Tafelwage 42
-
- Schnellwage 42
-
- Brückenwage 43
-
- Hydraulische Presse 54
-
- Barometer 65
-
- Druckpumpe 68
-
- Feuerspritze 78
-
- Das Ohr des Menschen 91
-
- Das Stimmorgan 93
-
- Thermometer 106
-
- _Watt_'s doppelt wirkende Dampfmaschine 134
-
- Locomotive 140
-
- Das Auge des Menschen 160
-
- Electroskop 184
-
- Leydener Flasche 186
-
- Condensator 187
-
- Galvanische Batterie 194
-
- _Morse_'s Schreib- und Drucktelegraph 198
-
-
-
-
- Im Spätherbst d. J. erscheint:
-
- Otto Ule's
-
- Warum und Weil.
-
- Chemischer Theil.
-
- Von
-
- F. Langhoff,
-
- Direktor der Königl. Gewerbeschule zu Potsdam.
-
- Mit in den Text eingedruckten Holzschnitten.
-
- Format und Ausstattung wie die des physikal. Theils,
- Umfang 150 bis 180 Seiten,
- Preis 2 M. bis 2 M. 50 Pf.
-
- Berlin, 1877. Verlag von Karl J. Klemann.
-
-
-
-
-Bei =Karl J. Klemann= in =Berlin= ist erschienen und durch alle
-Buchhandlungen zu beziehen:
-
-
-Physik
-
-für
-
-Elementar- und Mittelschulen.
-
-Die Ergebnisse des Unterrichts
-
-zur
-
-Wiederholung und Einübung
-
-für Schüler
-
-systematisch geordnet
-
-von
-
-~Dr.~ W. Simon.
-
-Mit 111 in den Text eingedruckten Holzschnitten.
-
-Zweite verbesserte Auflage.
-
-1876. Kartonnirt. Preis 80 Pf.
-
-Der =ganz ungewöhnlich= billige Preis -- =80 Pf. für ein sauber
-ausgestattetes, kartonnirtes Buch mit Hundert und elf Holzschnitten= --
-erleichtert die Einführung in Volksschulen.
-
-Die erste Auflage (1874) war in 15 Monaten vergriffen, und bald nach
-ihrem Erscheinen enthielt _Diesterwegs Wegweiser_ (III. 3., S. 187) ein
-Urtheil, worin es heißt:
-
- »_Die zahlreichen, sorgfältigen Holzschnitte unterstützen das
- Memoriren und die Klarheit und Sicherheit in der Auffassung
- der Erscheinungen und Gesetze zweifellos in der nachhaltigsten
- Weise; das geschickt abgefaßte Buch befriedigt ein wahrhaftes
- Bedürfniß._«
-
-
-
-
- Weitere Anmerkungen zur Transkription
-
-
- Offensichtliche Fehler wurden stillschweigende korrigiert. Die
- Werbeseite am Buchanfang wurde ans Ende verschoben.
-
-
-
-
-
-End of Project Gutenberg's Warum und Weil. Physikalischer Teil., by Otto Ule
-
-*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK WARUM UND WEIL. ***
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