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If you are not located in the United States, you'll -have to check the laws of the country where you are located before using -this ebook. - - - -Title: Riesen und Drachen der Vorzeit - Geschichte der Erde, Dritter Teil - -Author: Rudolf Bommeli - -Release Date: April 16, 2020 [EBook #61850] - -Language: German - -Character set encoding: UTF-8 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK RIESEN UND DRACHEN DER VORZEIT *** - - - - -Produced by the Online Distributed Proofreading Team at -https://www.pgdp.net - - - - - - - #################################################################### - - Anmerkungen zur Transkription - - Der vorliegende Text wurde anhand der 1921 erschienenen Buchausgabe - so weit wie möglich originalgetreu wiedergegeben. Typographische - Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Ungewöhnliche und heute - nicht mehr gebräuchliche Schreibweisen sowie Schreibvarianten - bleiben gegenüber dem Original unverändert, sofern der Sinn des - Texts dadurch nicht beeinträchtigt wird. - - Die gedruckte Fassung wurde in Frakturschrift gesetzt. Besondere - Schriftschnitte wurden mit Hilfe der folgenden Sonderzeichen - gekennzeichnet: - - Fettdruck: =Gleichheitszeichen= - gesperrt: +Pluszeichen+ - Antiqua: ~Tilden~ - - #################################################################### - - - - - Geschichte der Erde - - Dritter Teil - - Riesen und Drachen - der Vorzeit - - Von - R. Bommeli - - * - Mit zwei Farbentafeln - und 32 Illustrationen - - Zweite Auflage - * - - Stuttgart 1921 Berlin - J. H. W. Dietz Nachfolger | Buchhandlung Vorwärts - G. m. b. H. | G. m. b. H. - - - - - Alle Rechte vorbehalten - - - Druck von J. H. W. Dietz Nachf. G. m. b. H. in Stuttgart - - - - -Inhalts-Verzeichnis. - - - Seite - - =Aus alten Mären= 5 - - =Allerlei Könige= 8 - - =Amphibien oder Lurche= 13 - - =Kriechtiere= (Reptilien oder Saurier) 18 - Alte Krokodilier 18 - Schlangen- oder Langhalsdrachen 22 - Fischdrachen 25 - Schreckdrachen 29 - Lindwürmer (Zanklodon und Greßlyosaurus) 31 - Iguanodonten 33 - Amerikanische Größen 36 - Diplodokus 41 - Panzer- und Horndrachen 43 - Afrikaner 46 - Buschklepper 52 - Maasechsen oder Seeschlangen 53 - Vogeleidechsen oder Flugdrachen 54 - - =Vögel= 57 - Untergang der alten Herrscher und Aufstieg der neuen Klasse 57 - Ur- und Kreidevögel 58 - Befiederte Giganten 63 - - =Säugetiere= 68 - Einiges über Ursprung und Entwicklung 68 - Wale 71 - Zahnarme (Riesenfaultiere und Riesenpanzertiere) 73 - Huftiere 79 - Rüsseltiere 89 - - - - -Bilder-Verzeichnis. - - - Seite - - 1. Schädel und Zahn vom Mastodonsaurus 14 - - 2. ~Andrias Scheuchzeri~ (Scheuchzers Riesensalamander) 16 - - 3. Belodon oder Neckarsaurier 19 - - 4. Gangeskrokodil 20 - - 5. Nothosaurus 22 - - 6. Skelett des Plesiosaurus 23 - - 7. Plesiosaurus, rekonstruiert 24 - - 8. Ichthyosaurus (Fischdrache) 26 - - 9. Skelett des Iguanodon 34 - - 10. Brontozoumfährte mit sogenannten versteinerten Regentropfen 35 - - 11. Brontosaurus 38 - - 12. Diplodokus 40 - - 13. Dach- oder Panzerdrache 42 - - 14. Dreihorndrache 44 - - 15. Schädel eines Wolfsauriers aus dem südafrikanischen Trias 47 - - 16. Dickschnäbelige Flugechse 56 - - 17. Urvogel von Eichstädt. Im Mineralogischen Museum in Berlin 60 - - 18. Hesperornis (Königsvogel) 62 - - 19. Brontornis und Hadrosaurus 65 - - 20. Walfisch der heutigen Zeit 71 - - 21. Lebendes Faultier 74 - - 22. Skelett des Riesenfaultiers 75 - - 23. Lebendes Gürteltier 78 - - 24. Ausgestorbenes Riesengürteltier 79 - - 25. Schädel des Dinozeras 82 - - 26. Irischer Riesenhirsch 85 - - 27. Skelett des Höhlenbären 87 - - 28. Schädel des Machairodus 88 - - 29. Dinotherium 90 - - 30. Mastodon 91 - - 31. Mammut 93 - - 32. Die Umgebung von Zürich in der Eiszeit 95 - - - =Farbige Tafeln=: Juralandschaft Seite 17, Kreidelandschaft Seite 49. - - - - -Aus alten Mären. - - -Es ist eine weitverbreitete Meinung, daß der Mensch in früheren Zeiten -nicht nur viel gesünder und langlebiger, sondern auch viel größer und -stärker gewesen und daß unser Geschlecht überhaupt in absteigender -Linie begriffen sei. Zahllose Sagen berichten von Riesen und -Riesenvölkern, im Vergleich zu denen wir allerdings nur als verkümmerte -Zwerge, als Liliputaner erscheinen. Je weiter wir in der Geschichte -zurückschreiten, desto gewaltiger, gottähnlicher ist die „Krone der -Schöpfung“, und am gewaltigsten ist naturgemäß das Stammelternpaar. -Nach arabischen Überlieferungen hat dasselbe die Größe von Dattelpalmen -erreicht, und dessen Gräber, die unweit der Hafenstadt Dschidda -am Roten Meere den „Gläubigen“ gezeigt werden, sollen tatsächlich -auf gigantischen Wuchs schließen lassen. Zu Anfang des achtzehnten -Jahrhunderts nahm sich ein französischer Gelehrter, Henrien, in -verdienstlicher Weise die Mühe, hierüber eine wissenschaftliche -Untersuchung anzustellen, und fand durch Berechnung, daß Adam 38,5 -Meter und dessen schönere Hälfte 37 Meter gemessen habe. Dergleichen -Titanen wurden aber in der Folge immer seltener und verschwanden bald -gänzlich. Ajax, der „hervorragendste“ Griechenheld im Trojanischen -Kriege (zwölftes Jahrhundert vor Christo), der alle um Haupt und -Schultern überragte, erreichte bloß 10 Ellen (6 Meter) und der berühmte -Goliath gar nur 6 Ellen und eine Hand. Immerhin wird berichtet, daß die -alten Helvetier sowie die Zimbern und Teutonen zu Cäsars Zeiten immer -noch durchweg 5 Meter hoch gewesen seien. Für den imposanten Wuchs der -Zimbern zeugt das Skelett des Herzogs Teutoboch, eines Heerführers, -der von dem römischen Feldherrn Marius Anno 101 vor Christo geschlagen -wurde. Ein französischer Chirurg namens Mazurier wollte seinen -Mitbürgern weismachen, daß er dessen „Grab“ gefunden habe. Dieses soll -9 Meter lang gewesen sein. Nach den Behauptungen des phantasievollen -Wundarztes hatte das noch ziemlich gut erhaltene Skelett 7½ Meter (!) -Länge, die Schulterbreite betrug 3 und der Durchmesser des Schädels -1½ Meter. Da kann es eigentlich nicht wundernehmen, wenn auch die -Tierwelt mit allerlei Extravaganzen aufmarschierte. In allen Landen -wimmelte es von scheußlichen Lindwürmern und Drachen, die zu bezwingen -eine besonders rühmliche Aufgabe „preiswerter“ Helden und kühner Recken -war. Nicht nur die Dichter von Heldengesängen, auch wir Schulkinder -hielten die Drachentöter in besonderen Ehren, und heute noch lesen wir -von den Taten eines Herkules, des hörnenen Siegfried und Struthans von -Winkelried mit großem Vergnügen. - -Die +eigentlichen Drachen+ waren geflügelt und besaßen einen -Schlangenleib, manche hatten Löwenfüße und Löwenhäupter, andere -Adlerklauen und Adlerköpfe. Sie konnten Feuer speien und ihr Blick, -ihr Geifer und ihr Blut waren tödlich, ihre Ausdünstungen bewirkten -Gewitter und pestilenzialische Krankheiten und entvölkerten ganze -Gegenden. - - „Und horch, eine Märe durchkreiset das Land: - Nidwalden verheeret ein Drache! - Es drohet dem Ländchen ein gräßliches Los, - Schon decken das einsame traurige Moos - Die Knochen von Menschen und Tieren.“ - -Die +Lindwürmer+ dachte man sich flügellos und bald mehr schlangen-, -bald mehr krokodilähnlich (Tatzelwürmer); sie waren häufig die Behüter -kostbarer Schätze. Die größten unter ihnen konnten durch ihre heftigen -Bewegungen, zumal durch wildes Schlagen mit dem Schwanze Erdbeben -erregen. Nach der persischen Göttersage schuf Ahriman, der Gott des -Bösen und der Finsternis, den Drachen Dahaka, der die Welt verwüsten -sollte. Bei den nordischen Germanen spielte die vom Höllengott Loke und -der Riesin Angoboda gezeugte Midgardschlange eine ähnliche Rolle. Sie -reichte um den ganzen Erdkreis herum und erzeugte Ebbe und Flut. Beim -Weltuntergang kämpft sie gegen die Götter und wird vom Wettergott Thor -mit dem Wunderhammer Miölnir erschlagen; der siegreiche Gott ertrinkt -aber in den Giftströmen, die sie über ihn ergießt. Besser bekannt -- -wenigstens dem Namen nach -- ist die gemeine große Seeschlange, welche -regelmäßig jedes Jahr zu ganz bestimmter Zeit auftaucht, um dann wieder -spurlos zu verschwinden. - -Das alte, heil’ge, ewige Meer beherbergt eine Menge fabelhafter -Ungetüme, außer riesigen Fischen, Walen und Seeschlangen besonders -kolossale Kraken oder Polypen, Verwandte des gewöhnlichen -Tintenfisches. Der dänische Bischof Pontoppidan (gestorben 1765) -berichtet von einem Riesenpolypen, welcher eine halbe Wegstunde -Durchmesser hatte und Hügel und Seen trug. Auf seinem Rücken konnte -ein Regiment Soldaten exerzieren. Seine Arme waren stärker als die -Mastbäume der größten Schiffe. - -Ich kann hier nicht untersuchen, wie und wodurch all die Mären von -Riesen und Drachen entstanden sind, ich denke mir, daß ihnen gar -mancherlei Ursachen zugrunde liegen werden. Viele sind wohl lediglich -der „Lust am Fabulieren“ geschuldet, sie sind Erfindungen der -Phantasie oder stellen starke Übertreibungen von wirklich Geschautem -dar, wobei durch Überlieferung, Zusätze und Ausschmückungen eben ein -phantastisches Fabelwesen entstand wie Pontoppidans Riesenpolyp. -Von Seefahrern und Entdeckungsreisenden wurden wohl auch manche -Fabeleien erfunden, um sich ein großes Ansehen zu geben oder um -allfällige Konkurrenten abzuschrecken. Bei der großen Unwissenheit in -naturwissenschaftlichen Dingen und dem krassen Aberglauben früherer -Zeiten war es ein leichtes, den Mitmenschen die größten Bären -aufzubinden. - -Etwas anderes ist es mit den Riesen und Ungeheuern der alten -Göttersagen (Mythen), dieselben sind wohl durchweg Personifikationen -von Naturkräften und Naturereignissen: Kälte, Hitze, Sturm, Erdbeben, -Fruchtbarkeit, Überschwemmungen, Toben des Meeres, Epidemien usw. -Sodann haben wohl auch die Funde großer Knochen zu mancherlei -Fabeleien Anlaß gegeben, besonders die ziemlich häufigen und gut -erhaltenen Skelettreste von Mammut- und Mastodonelefanten, Flußpferden, -Nashörnern, Riesenhirschen, Walfischen. Die angeblichen Skelette des -Helden Ajax und des Königs Teutoboch bestanden höchstwahrscheinlich -aus Knochen ausgestorbener Riesentiere. Mit diesen wird sich das -vorliegende Bändchen befassen; es ist also ein kurzer Auszug oder -wenn wir wollen eine Sammlung von Stichproben aus der Lehre von den -ausgestorbenen Geschöpfen (Paläontologie), wobei einige Kenntnisse der -geologischen Perioden und Formationen vonnöten sind, was der Leser im -zweiten Bändchen unserer Geschichte der Erde: +Die Weltalter+, Nr. 21 -der „Kleinen Bibliothek“, findet. - - - - -Allerlei Könige. - - -Die Frage, ob die Lebewesen der Vorzeit die heutigen an Körpergröße, -Stärke und Lebensdauer weit überragt haben, ist immer noch nicht -erledigt, denn die Antwort ist nicht so leicht und einfach, daß -sie sich mit Ja oder Nein abtun ließe. Der Leser mag sich gleich -selber davon überzeugen. In den ältesten Schichtgesteinen, in den -Urtonschiefern, Grauwackensandsteinen, Schiefertonen des Algonkium -und Kambrium fehlt die Pflanzenwelt fast gänzlich, und es hat den -Anschein, als ob damals nur Tange und verwandte Gewächse existiert -hätten. Nun mögen unter diesen wohl auch Riesenformen gewesen sein, -gibt es doch in den heutigen Meeren solche von 200 bis 300 Meter Länge -(Birnentang); aber höhere, holzige Pflanzen nach Art unserer Bäume -gab es wohl noch nicht. Die Pflanzenwelt hat „klein“ angefangen und -Jahrmillionen hindurch nur aus Algen und moosartigen Formen bestanden; -erst in der Silurperiode hat sie es zu größeren Landpflanzen und erst -in der sogenannten Steinkohlenzeit zu üppiger Entwicklung gebracht. -Nun war das Festland mit großen Wäldern bedeckt, und diese bestanden -aus den berühmten Siegel- und Schuppenbäumen, Riesenschachtelbäumen -(Kalamiten) und Baumfarnen. (Siehe Geschichte der Erde, zweiter Teil, -Seite 35 ff.[1]) Das waren nun freilich gewaltige Riesen, denn die -heutigen Vettern der Siegel- und Schuppenbäume, die Bärlappgewächse -und Moosfarne, sind kleine, unscheinbare, schwächliche Pflänzchen, -von deren Dasein die meisten Menschen nicht einmal eine Ahnung haben, -und die Nachkommen der Riesenschachtelbäume sind die Schachtelhalme -oder „Katzenschwänze“, deren stattlichste einheimische Art unter -dem Namen Zinnkraut bekannt ist. Das möchte in der Tat zum Gedanken -verleiten, daß die Pflanzenwelt wenigstens zur Steinkohlenzeit viel -großartiger und üppiger als heute gewesen, daß die Natur damals -größere Lebenskraft besessen und daß seitdem ein gewaltiger Rückgang, -eine Verarmung und Verkrüppelung, eine Degeneration stattgefunden -habe. Das wäre indessen entschieden ein Trugschluß. Wir dürfen -nicht vergessen, daß die seltsamen Bäume des Steinkohlensumpfes die -größten und höchstentwickelten Gewächse jener Zeit waren und daß -sie von der heutigen Baumwelt sowohl hinsichtlich der Größe als -auch in bezug auf anatomischen Bau, Zahl und Mannigfaltigkeit der -Arten und Lebenserscheinungen -- sie tragen zum Beispiel Blüten und -Samen, jene nicht -- weit in Schatten gestellt werden. Nach jenen -Steinkohlenpflanzen kamen die Blütenpflanzen: die Nadelhölzer, die -Palmen, die verschiedenartigen Laubbäume und all die wundervollen -Blumen, also kein Niedergang, sondern ein gewaltiger Aufstieg. Aber -dieser Aufstieg vollzog sich in verwickelten Kurven und hatte eben den -Untergang der meisten alten Formen zur Folge, was bei jedem Fortschritt -zutage tritt, weshalb ja die Anhänger des Alten den Fortschritt so -fürchten und hassen, sie wissen oder ahnen wenigstens: das ist ihr -Tod. So sehen wir denn, daß zu jedem Zeitalter, in jeder Periode -irgendeine Klasse, Ordnung, Familie oder Gattung besonders hervorragt -und die anderen Zeitgenossen überragt, sie gewissermaßen beherrscht, -worauf wieder der Abstieg und meist völliges Aussterben erfolgt, -daher das Wort von den Königen und Herrscherdynastien des Tier- und -Pflanzenreiches. Nahmen im ältesten Altertum gewisse Tange den höchsten -Rang ein, so rückten später die Schuppen-, Siegel- und Schachtelbäume -an deren Stelle. Diese wurden im Mittelalter der Erde durch Zapfenfarne -(Farnpalmen) und Urnadelhölzer verdrängt, und hernach folgten die -modernen Nadelhölzer und Laubbäume. Es ist nicht wahrscheinlich, daß es -je gewaltigere Baumriesen gegeben hat als die heutigen Eichen, Ahorne, -Linden, Kastanien, Tannen, Fichten, Kiefern, Mammutbäume, Kokospalmen, -Affenbrotbäume, Gummibäume, Fieberheilbäume und Pfefferminzbäume, welch -letztere über 120 Meter hoch werden. - -Wie verhält sich’s nun mit den Tieren? Von ihren ältesten Vertretern -ist uns ebensowenig bekannt wie von den ältesten Pflanzen; doch kann -es keinem Zweifel unterliegen, daß auch die Tierwelt, die offenbar aus -einem Zweige der Urpflanzen, und zwar aus Uralgen hervorgegangen ist, -mit sehr einfachen und kleinen Formen, ähnlich den heutigen Urtieren, -angefangen hat. Ein pfenniggroßer Batzenstein (Nummulit) gilt da -schon als Koloß, denn er ist millionenmal größer als die kleinsten -Aufgußtierchen; das wäre so eine Art „Urkönig“. In den ältesten -versteinerungführenden Schichten treten uns keine Giganten entgegen; -alles ist noch zwerghaftes Kleingetier. Erst im Silur und Devon -treffen wir kraftstrotzende Gestalten: Riesenkrebse, Geradhörner und -Panzerfische. Zwar haben auch die seltsamen Lappenkrebse (Trilobiten, -siehe zweiter Teil, Seite 21 ff.) den Anspruch erhoben, als „Könige“ -zu gelten, und ihre größten Arten von 20 bis 30 Zentimeter Länge waren -verhältnismäßig recht stattliche Gesellen, die auch hinsichtlich -ihrer Organisation sicherlich ihre Zeitgenossen überragten, aber der -Seraphim und dessen Vettern (Pterygotus, Eurypterus, Stylonurus) -tragen den Namen +Riesenkrebse+ (Gigantostraken) doch mit größerem -Rechte, erreichten sie doch bis 2 Meter Länge. Niemals, weder vor- -noch nachher, haben sich Krebse zu dieser erstaunlichen Größe -emporgeschwungen. Aber es waren auch recht ungeschlachte Gesellen, die -im Kampf ums Dasein eine traurige Rolle spielten und bald von der Bühne -abtreten mußten, denn Großsein tut es nicht allein. - -Das gilt auch von den Geradhörnern, Vorfahren der heutigen -Tintenfische, die ebenfalls mehrere Meter lang wurden und mit -kegelförmiger gekammerter Schale versehen waren. Die heutigen -Tintenfische oder Kopffüßer, wie der wissenschaftliche Klassenname -lautet, weisen indes viel mächtigere Vertreter auf, gibt es doch in -unseren Ozeanen Tintenfische mit 10 Meter langen Fangarmen. - -Auch die Insekten, die uns zum erstenmal in der Steinkohlenformation -entgegentreten, haben ihre Riesen: gewaltige Schaben und Termiten -und phantastische Gespenstheuschrecken von 50 Zentimeter Länge, mit -wallnußgroßem Kopf und scharfem Schnabel. Aber diese „Insektenkönige“ -bilden keineswegs die Blüte ihrer Klasse, vielmehr einen bizarren -Auswuchs, dessen Gipfel bald abdorrte. Seinen höchsten Triumph feiert -der Insektentypus in den heutigen Käfern, Schmetterlingen, Wespen, -Bienen und Ameisen. - -Aber damit sind wir viele Jahrmillionen vorausgeeilt und müssen -nochmals zurück zum Altertum der Erdgeschichte, zum Zeitalter der -Riesenkrebse und Geradhörner. Derweil ist nämlich der rastlos -tätigen Natur die Schaffung eines neuen Typus gelungen, nämlich des -+Wirbeltiers+. Damit hat sie eine ganz neue Bahn betreten, die zu den -höchsten Höhen führte und eine fast unbegrenzte Entwicklungsfähigkeit -ermöglichte. Während die bisherigen Typen: Urtiere, Pflanzentiere, -Würmer, Sterntiere, Weichtiere und Gliederfüßer sich im tobenden -Kampfe ums Dasein dadurch zu schützen suchten, daß sie ihre Leiber -in ein äußeres Skelett, ein Gehäuse, eine Schale oder einen Panzer -steckten, probierten es die Wirbeltiere mit einem +inneren+ Skelett, -einem achsenständigen Knochenbau. Diese Entwicklung vollzog sich -aber nicht sprungweise, sondern tappend und unsicher in zahllosen, -bald fehlgeschlagenen, bald mit Erfolg gekrönten Versuchen. Die -ältesten Entwicklungsreihen waren nicht erhaltungsfähig und sind daher -unbekannt; doch unterliegt es keinem Zweifel, daß das Wirbeltier einem -uralten Zweig des wunderbar mannigfaltigen Wurmkreises entsprossen ist. -Noch heute existiert eine kleine, aber höchst merkwürdige Gruppe von -Meeresbewohnern, welche das Bindeglied zwischen den beiden jetzt so -weit auseinanderliegenden Tierkreisen bildet. Das sind die sogenannten -+Manteltierchen+, deren Jugendstadien direkt zum niedersten Wirbeltier, -dem berühmten +Lanzettfischchen+ hinüberleiten. - -Die ersten Wirbeltiere treten auf in der sogenannten +Silurformation+, -der dritten Hauptabteilung des Altertums der Erde (der paläozoischen -Ära). Es sind abenteuerlich gestaltete Wesen mit knorpeligem -Innenskelett und starkem Hautpanzer (Panzerköpfe, Schildköpfe und -Flügelfische, deren Bild der Leser in Nr. 21 der „Kleinen Bibliothek“, -Seite 34 und 35, findet). Die meisten Arten waren von kleiner Gestalt -und geringer Bewegungsfähigkeit, bei denen das Wirbeltierprinzip nicht -recht zur Geltung kommt. Aber die +Schreckensfische+ der +Devonzeit+ -(Dinichthys und Titanichthys) waren Riesen von 6 Meter Länge und -meterlangem Kopf. Indessen auch sie vermochten sich nicht lange zu -behaupten und starben noch in der Devonzeit aus. Dem Panzerfisch erging -es wie dem treulosen Knappen in Uhlands Ballade: „Und wie er rudert und -wie er ringt, der schwere Panzer ihn niederzwingt.“ - -Erfolgreicher waren die +Haie+, die sich des starren, hindernden -Panzers entledigten und die Haut nur mit zahnartigen Stacheln -schützten, dafür aber an Beweglichkeit, Furchtbarkeit des Gebisses und -Schärfe der Sinne eine solche Vollkommenheit erlangten, daß sie sich -zu Herren des Ozeans emporschwingen konnten; sie sind die „Könige“ -der Fischwelt geblieben bis auf unsere Tage. Leider eignet sich ihr -Körper nicht für den Versteinerungsprozeß, da ihr Skelett aus leicht -vergänglichem Knorpel besteht und nur Zähne und Flossenstacheln -verknöchert sind. Diese finden sich in manchen Gesteinschichten -geradezu massenhaft und lassen auf gewaltige Ungeheuer schließen. Der -+sägezähnige Riesenhai+ (~Carcharodon megalodon~) der Braunkohlenzeit, -ein Koloß mit 15 Zentimeter langen und ebenso breiten dreieckigen -Zähnen, mag seine heutigen Vettern an Größe noch übertroffen haben und -darf wohl den gewaltigsten aller Geschöpfe zugezählt werden. - - - [1] Die voraufgegangenen beiden Bändchen der +Geschichte der Erde+ - enthalten: Erster Teil, +Wie Berg und Tal entstehen+ (Nr. 15 der - „Kleinen Bibliothek“); zweiter Teil, +Die Weltalter+ (Nr. 21 der - „Kleinen Bibliothek“). - - - - -Amphibien oder Lurche. - - -Eidechse und Salamander ähneln sich derart, daß man beide für -Angehörige derselben Familie halten könnte, etwa wie Katze und -Tiger; allein das Studium ihres Körperbaus und ihrer Entwicklung hat -ergeben, daß sie zwei verschiedenen Klassen angehören und nicht näher -miteinander verwandt sind als Walfisch und Fledermaus. Die Salamander -bilden mit den Blindwühlen, Kiemenmolchen, Fröschen und Kröten die -Klasse der +Amphibien+, deren Junge echte Wassertiere und gleich -den Fischen mit Kiemen ausgerüstet sind. Manche behalten die Kiemen -zeitlebens, andere verlieren sie und atmen im erwachsenen Zustand -durch Lungen. Sie machen eine Verwandlung durch, was oft mit einer -auffallenden Änderung der ganzen Gestalt und Lebensweise verbunden ist -(Kaulquappe und Frosch). Doch gibt es auch Ausnahmen. - -Die Eidechsen, Blindschleichen, Schlangen, Krokodile und Schildkröten -stehen entschieden höher; sie atmen niemals durch Kiemen und machen -keine Verwandlung durch. Man hat sie daher von den echten Amphibien -getrennt und zur Klasse der +Kriechtiere+ oder +Reptilien+ vereinigt. - -Die heutigen Lurche sind eine heruntergekommene Gesellschaft und lassen -nicht mehr erkennen, welche bedeutende Rolle ihre Vorfahren gespielt -haben. Letztere standen in der Steinkohlenzeit an der Spitze der -gesamten Tierwelt und weisen achtunggebietende Vertreter auf. Da ist -einmal der +Kohlendrache+ (Anthrakosaurus), ein Riesenmolch von der -Größe des Nilkrokodils, aber breiter, schwerfälliger und plumper als -dieses, während der „+Echsenstammvater+“ oder Ursaurier (Archegosaurus) -von schlankerem Bau und höchstens 1,5 Meter Länge war. Eine fußlose -Form, +Dolichosoma+ (von ~dolichos~: lang und ~soma~: Leib), mit -langem, spitzigem, schmalem Kopf gleicht einer Riesenschlange. Sie -hatte aber keine Lunge wie die echten Schlangen, sondern Kiemen an -den Seiten des Halses und bewohnte die großen Sümpfe und Seen der -Steinkohlenperiode. Reste dieses sonderbaren Lurches wurden in England, -Irland und Böhmen, solche von verwandten Gattungen in Nordamerika -gefunden. - -Neben den genannten existierten zahlreiche kleinere Arten von der -Größe der heutigen Molche. Einige derselben scheinen mit Vorliebe in -Baumhöhlen gehaust zu haben, denn man findet ihre Skelette nicht selten -in hohlen Siegel- und Schuppenbäumen. - -[Illustration: Abb. 1. Schädel und Zahn vom Mastodonsaurus.] - -Ein gewaltiges Tier wurde in der schwäbischen Triasformation gefunden, -der +Zitzenzahndrache+ (~Mastodonsaurus giganteus~), wohl 4 Meter -lang, wovon reichlich ein Meter auf den Kopf entfällt. Das furchtbare -Gebiß mit 10 Zentimeter langen Eckzähnen deutet auf eine räuberische -Lebensweise. Sehr häufig findet man Fährten von dergleichen Amphibien, -ohne daß man feststellen könnte, von was für Arten dieselben -herrühren. Da die Abdrücke handförmig sind, so spricht man allgemein -von +Handtieren+. (Siehe Nr. 21 der „Kleinen Bibliothek“, Seite 7.) -Auffallend ist der Größenunterschied zwischen den vorderen und den -hinteren „Händen“. Jene Fährten sind dadurch zustande gekommen, daß die -betreffenden Tiere über feuchtes See- oder Meeresufer dahingeschritten -sind. Der sandige oder schlammige Lehm erhärtete hierauf; später -wurden die Fußtapfen bei steigender Flut ausgefüllt, und so entstand -ein Abguß der Fährten. - -Schon eine flüchtige Betrachtung ergibt, daß die alten (fossilen) -Amphibien von den heutigen in mancher Beziehung abweichen, und bei -genauer Untersuchung des Körperbaus wird das noch offensichtlicher. Die -jetzigen Lurche (Molche, Frösche) sind nackt, die alten tragen einen -Knochenplatten- oder Schuppenpanzer, weshalb sie +Panzerlurche+ genannt -werden. Sie stimmen also hierin mit den Reptilien oder Sauriern überein -(Eidechsen, Krokodile). Auch sonst haben sie große Verwandtschaft mit -letzteren, aber auch mit gewissen Knorpelfischen, vereinigen also die -Merkmale von drei heute scharf geschiedenen Wirbeltierklassen. Das -Skelett ist meist knorpelig oder nur teilweise verknöchert und die -Wirbel sind oft nur angedeutet, die Augenhöhlen meist groß und mit -einem brillenartigen Knochenring versehen. Auf der Stirn befand sich -ein unpaares drittes Auge, das bei den jüngeren Amphibien verkümmert, -aber immerhin noch nachweisbar ist. Selbst beim Menschen ist die -rudimentäre Anlage dieses unpaaren Auges als sogenannte Zirbeldrüse des -Gehirns vorhanden. - -Für die +Abstammung+ der Amphibien ist außer den angeführten -anatomischen und entwicklungsgeschichtlichen Tatsachen die Existenz -einer kleinen, aber interessanten Tiergruppe, die sich bis auf -unsere Tage erhalten hat, von hervorragender Bedeutung; das sind die -+Lurchfische+ oder +Doppelatmer+. Der berühmteste unter diesen ist -der +Barramundi+ (~Ceratodus~) Südaustraliens, ein walzenförmiges, -2 Meter langes Schuppentier, dessen steife, gleichfalls beschuppte -paarige Flossen als Schreitbeine benutzt werden können. Er besitzt -noch Kiemen für die Wasseratmung, hat aber die Schwimmblase in eine -Art Lunge umgewandelt, so daß er im Notfall direkt Luft einatmen kann. -Zwei verwandte Gattungen Südamerikas und Südafrikas können des Wassers -völlig entbehren. Wenn die Sümpfe und Bäche, in denen sie leben, -austrocknen, so stellen sie die Kiemenatmung ein und benutzen ihre -primitiven Lungen, das heißt die zelligen Schwimmblasen. Hier sehen -wir klar, welchen Weg die Natur gegangen ist, um aus flossentragenden -Wassertieren vierbeinige Landtiere zu schaffen. Es hat also in der -Vorzeit, wahrscheinlich in der Devonperiode, unter den Fischen eine -Scheidung stattgefunden; der größere Teil beharrte beim Wasserleben -und änderte daher die Organisation nicht mehr wesentlich; ein kleiner -Teil suchte sich dem Landleben anzupassen, und aus ihm gingen alle -höheren Wirbeltiere bis zur „Krone der Schöpfung“ hervor. Die heutigen -Lurch- oder Molchfische sind gewissermaßen lebende Petrefakten, die -letzten Überlebenden einer längst verschwundenen Klasse, die von den -Fischen zu den Amphibien und Reptilien und weiterhin zu den Säugetieren -und Vögeln hinüberführte. - -[Illustration: Abb. 2. ~Andrias Scheuchzeri~ (Scheuchzers -Riesensalamander).] - -Unter den +jüngeren+ fossilen Lurchen hat es nur eine einzige Art -zur Berühmtheit gebracht; damit verhält sich’s folgendermaßen: In -einem Steinbruch bei Öhningen am Untersee (Baden) fand man zahllose -Versteinerungen aus der Tertiär- oder Braunkohlenzeit, darunter auch -das Skelett eines ziemlich großen Wirbeltiers. Der alte Scheuchzer, -Stadtphysikus und Professor der Mathematik in Zürich (1672 bis 1733), -ein ausgezeichneter Gelehrter und trefflicher Naturforscher, dem aber -das Bestreben, die im Entstehen begriffene Erdgeschichte mit der Bibel -in Einklang zu bringen, einen bösen Streich spielte, glaubte darin -Schädel, Wirbelsäule und Arme eines jungen Menschen zu erkennen. Er -hielt es für eines jener „unglücklichen Adamskinder“, das in der -Sintflut umgekommen, und nannte es +~Homo diluvii testis~: Mensch, -Zeuge der Sintflut+. Ihm erschien es als „ein recht seltenes Denkmal -jenes verfluchten Menschengeschlechts der ersten Welt. Die Abbildung -gibt zu erkennen den umcreyß des Stirnbeins, die Augenleisen, das Loch -an der untern Augenleise, welches dem großen Nerven vom fünften Paar -den Durchpaß giebet, Überbleibsel des Gehirns, das Jochbein, etwas -übriges von der nasen, ein ziemlich stück von denen kauenden Mäußlein, -weiteres 16 Rückgrad-Wirbel und Anzeigen der Leber.“ Dazu dichtete ein -frommer Gottesmann das rührende Sprüchlein: - - Betrübtes Beingerüst von einem armen Sünder, - Erweich’ das steinern Herz der neuen Bosheitskinder. - -[Illustration: Juralandschaft. - -Tiere: Im Vordergrund Teleosaurus, Rhamphorhynchus, Pterodaktylus, -Archäopteryx. - -Im Hintergrund Fisch- und Schlangendrache, Brontosaurus. - -Pflanzen: Farne, Sagobäume, Schachtelhalme.] - -Dem wackeren Scheuchzer war es mit seiner Sintfluttheorie hauptsächlich -darum zu tun, den Zeitgenossen glaubhaft zu machen, daß die -Versteinerungen Überreste von wirklichen Tieren und Pflanzen und nicht -bloß sogenannte „Naturspiele“ oder durch allerlei geheimnisvolle -Zauberkräfte hervorgerufene „Zeichen“ seien. Auch war damals von der -voradamitischen Zeit und den geologischen Perioden und Formationen -noch nichts bekannt. Das hier abgebildete Skelett befindet sich in -der Züricher paläontologischen Sammlung und ist vom berühmten Cuvier -(sprich Küwieh, gestorben 1832 zu Paris) als +Riesensalamander+ -(~Salamandra gigantea~) bezeichnet worden. Das Tier weicht aber von -den eigentlichen Salamandern in wesentlichen Punkten ab und wurde von -Tschudi umgetauft in ~Andrias Scheuchzeri~, was soviel bedeutet als -Scheuchzers Menschenbild. In den Braunkohlen bei Bonn und in Böhmen -sind zwei kleinere Arten vorweltlicher Riesenmolche gefunden worden. -Der nächste lebende Verwandte des ~Andrias~ ist der +japanische -Riesensalamander+ (~Andrias japonicus~), der 90 Zentimeter lang wird -und dem Öhninger Riesen an Größe nur wenig nachsteht. Es ist ein -häßliches Geschöpf mit breitem, plattem Kopf, warziger schwärzlicher -Haut und plumpen Füßen, lebt mit Vorliebe in Gebirgsbächen und den -mit Wasser gefüllten Kratern erloschener Vulkane und nährt sich von -allerlei Wassertieren, frißt in der Not auch seinesgleichen auf. -Zahlreiche Tiergärten sind im Besitz lebender Exemplare. - - - - -Kriechtiere. - -(Reptilien oder Saurier.) - - -Das +Altertum+ der Erde (paläozoisches Weltalter, Algonkium bis Perm) -hat es in langsamer Entwicklung durch ungezählte Jahrmillionen hindurch -bis zum Amphibium -- zum Panzerlurch -- gebracht, und das war ein -großer Schritt; aber das +Mittelalter+ (Trias-, Jura- und Kreidezeit) -schuf drei neue Tierklassen: Reptilien, Vögel und Säugetiere, und -gesellte ihnen die moderne Pflanzenwelt mit echten Nadelhölzern und -dem Heer der höheren Blütenpflanzen. Zu erstaunlicher Entwicklung -sowohl in bezug auf Zahl und Mannigfaltigkeit als auch hinsichtlich der -Körpergröße brachten es die Saurier, und gar manche derselben erinnern -an die phantastischen Ungeheuer der Sage, weshalb sie häufig geradezu -als „Drachen“ bezeichnet werden. Dabei dürfen wir aber nicht vergessen, -daß sie lange vor dem Auftreten des Menschen, des ~homo sapiens~, samt -und sonders schon ausgestorben waren. Hätten jene Drachen sprechen -können, so würden sie, wie Quinet das ausdrückt, gesagt haben: „Wir -sind die Könige der Welt. Kein anderes Wesen erhebt sich bis zu uns. -Das Reptil ist die höchste, göttergleiche Gestalt; in ihm vollendet und -krönt die Natur ihr Werk.“ - -Die heutigen Reptilien mit ihren vier Ordnungen der Eidechsen, -Schlangen, Krokodile und Schildkröten bilden ein armseliges Häuflein -gegenüber ihren ausgestorbenen Vorfahren, welche mehr als ein Dutzend -Ordnungen mit annähernd siebzig Familien aufweisen, wobei in Betracht -zu ziehen ist, daß wir von der untergegangenen Tierwelt naturgemäß -nur einen verschwindend kleinen Teil kennen. Von dem großen Buch -der Erdgeschichte sind nur wenige Kapitel und von diesen oft nur -wenige Seiten oder gar nur einzelne schlecht erhaltene rätselhafte -Schriftzeichen auf uns gekommen. Im folgenden mögen einige der -berühmtesten Typen in Wort und soweit möglich auch im Bild dem Leser -vor Augen geführt werden. - - -Alte Krokodilier. - -[Illustration: Abb. 3. Belodon oder Neckarsaurier.] - -Gegen das Ende des Altertums (jüngste Steinkohlenperiode und Perm) -erscheinen Reptilien von eidechsenartiger Gestalt, aber sie haben -noch viele Merkmale mit Panzerlurchen gemein, besonders im Bau der -Wirbelsäule, der Glieder und der Zähne. Sie haben sich also aus -Uramphibien entwickelt, und zwar in der Weise, daß sie die Kiemenatmung -vollständig unterdrückten und ausschließlich mit Lungen atmeten, womit -eine Vervollkommnung des Blutkreislaufs, gänzliche Verknöcherung des -Skeletts und vollkommenere Entwicklung der Jungen im Ei, teilweise -sogar im Mutterleib nebenher ging. Zu achtunggebietender Entfaltung -bringen sie es in der Triaszeit. Eine der berühmtesten Formen ist -der +Pfeilzahn+ oder +Belodon+ (~belos~: Pfeil und ~odon~: Zahn), -von Professor Fraas +Nikrosaurus+, das heißt +Neckarsaurier+ oder -+Neckardrache+ getauft. Seine prachtvollen Überreste sind aus dem -schwäbischen Keuper,[2] und zwar aus dem sogenannten Stubensandstein -von Stuttgart zutage gefördert worden und nun im Stuttgarter -Naturalienkabinett aufgehoben. Der Neckarsaurier war, wie unsere -Abbildung veranschaulicht, ein sehr stattliches krokodilartiges Reptil -mit langgestreckter, wohlbezahnter Schnauze und kräftigem Panzer. Es -muß eine Länge von mehr als 6 Meter erreicht haben; der Kopf allein ist -zirka 1 Meter lang. Die Nasenlöcher sind nicht vorn an der Schnauze, -sondern weit oben in der Nähe der Augen, also wohl Spritzlöcher, wie -die heutigen Walfische sie haben. Das Tier war hierdurch instand -gesetzt, das beim Ergreifen der Beute eingedrungene Wasser durch die -Nasenlöcher zu entfernen, ohne die Kiefer aus dem Wasser bringen und -öffnen zu müssen. So sehr der Neckardrache aber auch an Krokodile -erinnert, so weicht er doch von diesen in manchen Merkmalen sehr -bedeutend ab. „Der erste Blick schon zeigt,“ sagt Fraas, „daß der -Keuper hier einen Saurier bietet, der mit keinem der lebenden sich -vergleichen läßt, so wenig er mit einem Saurier der Juraperiode stimmen -will. Von oben gesehen hat der Schädel einige entfernte Ähnlichkeit mit -den ostasiatischen Krokodilen, dem Gangesgavial und dem Krokodil von -Java, aber die Nasenlöcher, die bei diesen am Vorderrand der Schnauze -sind, fallen ins hintere Dritteil der Schädellänge. Auch von der Seite -gesehen ist kein Krokodil mit solcher Pferdenase bekannt. Andererseits -erinnert die Lage der Nase in der Augengegend an Eidechsen, dagegen -sind Eidechsen mit langen Schnauzen und schmalen Kiefern wieder -etwas Fremdartiges. Fast möchte man an Wale und Delphine denken. Die -Zähne stecken wie bei krokodilartigen Tieren in besonderen Höhlen -und ersetzen sich auf dieselbe Weise. Sie sind in Form und Größe -mannigfaltiger als bei jedem anderen bekannten Reptil, dabei die -Wurzel eher schwächer als die Krone. Der Zahl nach sind es 175 bis -180. Vorn stehen große kegelförmige Fangzähne, auf diese zunächst -kleinere und nach hinten wieder größere und flachere Kauzähne. Die -bikonkaven, das heißt auf beiden Seiten ausgehöhlten Wirbelkörper, der -zweite Halswirbel, ein Hakenschlüsselbein, das Darmbein erinnern an -die Warneidechsen (große 1,5 Meter lange Eidechsen, die hauptsächlich -in Afrika vorkommen), dagegen die Halsrippen, Rückenrippen, -Schwanzwirbelbogen und das Schulterblatt wieder an Krokodile. Der -Fuß stimmt wieder am meisten mit dem Gangeskrokodil, dem Gavial und -jurassischen Panzersauriern überein.“ - -[Illustration: Abb. 4. Gangeskrokodil.] - -Die auffallende Erscheinung, daß ein altes Lebewesen die Merkmale von -mehreren heute scharf getrennten Familien, Ordnungen oder gar Klassen -vereinigt, als wäre es aus Bruchstücken von solchen zusammengeflickt -worden, ist ganz allgemein und erklärt sich aus der Tatsache, daß -jeweils aus einer gewissen Stammform eine Menge Nebenstämme, Äste -und Zweige hervorgegangen sind. Nach dem alten Schöpfungsglauben war -hierfür keine vernünftige Erklärung möglich, und die älteren Forscher -standen der Erscheinung verständnislos gegenüber. - -Außer Württemberg haben auch Franken, Braunschweig und Nordamerika -Belodonten geliefert. Eine verwandte, viel kleinere, aber sehr -zierliche Gattung, nur etwa 1 Meter lang, ist der +Aëtosaurus+. Bei -Stuttgart wurden auf einer Steinplatte nicht weniger als zwei Dutzend -vollständige Individuen gefunden; das Prachtstück ist im Stuttgarter -Naturalienkabinett zu sehen. Im gemütlichen Schwabenland hat es einst -von Krokodilen und Drachen nur so gewimmelt, und wir werden noch des -öfteren darauf zu sprechen kommen. - -An dieser Stelle mag noch ein +Tatzelwurm+, der +Teleosaurus+, das -heißt der „vollkommene Drache“ erwähnt werden. (Siehe Juralandschaft, -das große Reptil im Vordergrund.) Er stand ungefähr in der Mitte -zwischen den Neckarsauriern und den heutigen Krokodilen, speziell dem -Gangesgavial, daher auch der seltsame Name, welcher besagt, daß er -mit der modernen Tierwelt vollkommen (~teleos~) übereinstimmt. Das -Tier wurde 5 bis 6 Meter lang, trug einen starken Rücken-, Brust- -und Bauchpanzer und hatte vier kräftige Pratzen, deren Zehen durch -Schwimmhäute verbunden waren. Die Vorderglieder waren nur halb so lang -als die hinteren und dienten wohl hauptsächlich, um sich damit am Ufer -emporzuschieben. Der Schädel endet in eine lange schmale Schnauze -mit vielen spitzigen, ungleich hoch und schief stehenden Zähnen. -(Siehe Tafel Juralandschaft.) Die Nahrung bestand wohl aus Fischen, -Tintenfischen, kleineren Lurchen und Reptilien, gelegentlich auch aus -Tangen. Die „Tatzelwürmer“ hielten sich vermutlich in seichten Buchten -auf und waren gute Schwimmer; auf dem Lande waren ihre Bewegungen -watschelnd und ungeschickt. Trotz ihrer „Vollkommenheit“, welche sie -fast zu modernen Geschöpfen macht, hatten sie doch auch reaktionäre -Rückfälle; ihre Wirbel waren nämlich denen der Uramphibien und Fische -ähnlich, steckten also gewissermaßen noch im Altertum drin, eine Folge -von erblicher Belastung. Wunderschöne versteinerte Exemplare findet man -in der Juraformation bei Holzmaden und Boll (Württemberg) und bei Banz -in Franken, auch in England und Frankreich. - - - [2] Die deutsche Triasformation zerfällt in drei Hauptteile, daher - der Name Trias, nämlich in Buntsandstein, Muschelkalk und Keuper. - - -Schlangen- oder Langhalsdrachen. - -[Illustration: Abb. 5. Nothosaurus.] - -Auf unserer Abbildung 5 gewahren wir ein seltsames Reptil mit -langem, schlankem Hals und weit aufgesperrtem Rachen -- es ist -ein +Nothosaurus+ (Bastardechse), ein Mittelding oder Bastard von -Schlangendrache und Urkrokodil, offenbar ein gefährlicher Seeräuber, -der sich aber auch am Strande leidlich gut bewegen konnte. Der -Schlangenhals, der mindestens 20 Wirbel zählt, befähigte ihn, die -Beute aus beträchtlicher Tiefe heraufzuholen. Der flache, eckige Kopf -birgt ein sehr kleines Gehirn, weist also von vornherein auf wenig -Intelligenz, aber die Sinnesorgane sind gut ausgebildet. Eines Panzers -bedurfte das Tier nicht; es vermochte sich mit Hilfe des scharfen -Gebisses und der großen Beweglichkeit des Halses gegen Feinde genügend -zu schützen. Daß es von ausgesprochenen Landtieren abstammt und sich -nur allmählich wieder ans Element seiner Urahnen -- der devonischen -Urmolche -- angepaßt, also in gewissem Sinne den umgekehrten -Entwicklungsgang der letzteren eingeschlagen hat, ist so gut wie -erwiesen. Man kennt nämlich auch kleinere Formen mit gewöhnlichen -Schreitbeinen und solche, die erst an den Vorderfüßen Schwimmhäute -haben. - -[Illustration: Abb. 6. Skelett des Plesiosaurus.] - -Die Nachkommen der Nothosaurier setzten die angefangene Entwicklung -fort und paßten sich immer besser ans Meerleben an. Dies führte zum -Typus der eigentlichen +Schlangendrachen+ oder +Plesiosaurier+. Das -sind höchst merkwürdige Tiergestalten. In England, wo die schönsten -Exemplare gefunden wurden, verglich man sie mit einer durch den -Körper einer Schildkröte gezogenen Riesenschlange, daher der Name. -Der auffallendste Körperteil ist der lange Schwanenhals, der bis 41 -Wirbel zählt. Beiläufig mag erwähnt werden, daß der Hals des Schwanes -23, der Giraffenhals bloß 7 Wirbel besitzt. Die Riesen unter den -Schlangendrachen hatten einen 4 bis 5 Meter langen Hals bei einer -Gesamtlänge von zirka 9 Meter. Auf demselben saß ein kegelförmiger, -verhältnismäßig kleiner Eidechsenkopf mit spitzen Krokodilszähnen. -Das Rumpfskelett ist sehr kräftig gebaut und läßt auf eine gewaltige -Muskulatur schließen. Irgendwelche Spuren von Bepanzerung sind nie -gefunden worden; der Körper war somit nackt und wohl nur mit einer -schlüpfrigen Lederhaut bedeckt, was für schnelles Schwimmen und Tauchen -von großem Vorteil war. Der nicht sehr lange, aber doch kräftige -Schwanz trug vermutlich eine Flosse, welche als Steuer diente. Die -Beine waren zu gewaltigen Paddeln umgewandelt, also ausschließlich -zum Rudern, nicht zum Gehen an Land eingerichtet. Die langen Finger -steckten in einer dicken Haut wie in einem Fausthandschuh, glichen -somit den Paddeln der Seeschildkröten; aber sie erreichten eine viel -bedeutendere Größe. - -[Illustration: Abb. 7. Plesiosaurus, rekonstruiert.] - -Die Schlangendrachen waren sicherlich höchst gefährliche Räuber, der -Schrecken des Meeres. Aus bescheidenen Anfängen in der Trias entwickeln -sie sich zu immer riesigeren Formen und sterben in der Kreidezeit -aus, so daß die heutige Tierwelt nichts Ähnliches aufweisen kann. Der -Plesiosaurus war sozusagen das Urbild eines schwimmenden Wirbeltiers -von höherer Organisation; was sich an ihm bewährt hat, finden wir -auch heute noch, aber auf viele getrennte Ordnungen verteilt. Die -Schädelmerkmale müssen wir bei den Krokodilen und Eidechsen, die Wirbel -bei den Fischen, den Brustkorb bei den Schildkröten suchen; den langen -Hals hat der Schwan geerbt, die Ruderfinnen und den Steuerschwanz -der Delphin; doch ist bei diesem der Schwanz zu einem wichtigeren -Schwimmorgan geworden. Man kann es bedauern, daß so interessante Sippen -wie die Schlangendrachen verschwunden sind, aber das ist der Welt -Lauf; alles ist vergänglich und muß Neuem Platz machen; wie wäre sonst -überhaupt Neues und Besseres und Schöneres möglich? - - -Fischdrachen. - -Ein Zeitgenosse und Konkurrent des Plesiosaurus ist der Ichthyosaurus -(von ~ichthys~: Fisch und ~saurus~: Echse), zum Scherz wohl auch das -„schwäbische Haustier“ genannt, denn der schwäbische „+schwarze+“ -+Jura+ birgt dessen versteinerte Reste in fabelhafter Zahl, als wären -sie dort förmlich gezüchtet worden. Offenbar lebten jene Seeräuber -scharenweise in sogenannten Schulen beisammen gleich den Walfischen, -Walrossen und Seehunden. Außer in Schwaben, das sieben Arten geliefert -hat, findet man sie in Bayern, Frankreich, England, Spitzbergen, -Nord- und Südamerika, Ostindien, Australien und Neuseeland. Die -untere Juraformation Englands (Lias) weist nicht weniger als 26 Arten -auf. Die Fischdrachen haben sich ans Wasserleben noch vollkommener -angepaßt als die Schlangendrachen und gleich den Walen, die eine -ähnliche Entwicklung durchgemacht haben, die Fischform angenommen. -Die ältesten Arten (Mixosaurus, Phalarodon usw.) sind von geringer -Größe und lassen erkennen, daß sie von landbewohnenden Panzermolchen -abstammen. Jahrmillionen hindurch waren die Fischdrachen neben den -verwandten Schlangendrachen die Beherrscher des Meeres, denn es waren -gar großschnauzige und gewalttätige Herren, erreichte doch die größte -Art, ~Ichthyosaurus ingens~, das heißt der Riesen-Fischdrache, 12 -Meter Länge, wovon fast ein Drittel auf den Kopf entfällt. In den -ungeheuren Kiefern steckten über 200 scharfe, spitze Zähne, und zwar -nicht in besonderen Höhlen, sondern in einer gemeinsamen Rinne des -Kieferknochens; sie wurden nur durch das Zahnfleisch aufrecht gehalten -und fielen nach dem Tode leicht aus. Eine solche Befestigung der Zähne -findet sich heute noch bei zwei Walfischarten. - -[Illustration: Abb. 8. Ichthyosaurus (Fischdrache).] - -Einen merkwürdigen Anblick bieten die Augen; sie sind von erstaunlicher -Größe -- wie Teller -- und geschützt durch einen aus zahlreichen -Platten bestehenden Knochenring. Wir dürfen wohl annehmen, daß dessen -Besitzer imstande war, auch in beträchtlicher Tiefe wie im Dunkel der -Nacht die Beute zu erspähen. Wie beim Neckarsaurier befinden sich -die Nasenlöcher im hinteren Teile der langen Schnauze, unmittelbar -vor dem Augenwinkel, und haben wohl als Spritzlöcher funktioniert, -was auf unserer Juratafel angedeutet ist. Wahrscheinlich waren die -Tiere imstande, lange unter Wasser zu verweilen, jedoch genötigt, -von Zeit zu Zeit an der Oberfläche zu erscheinen, um frische Luft -einzuatmen. Zum Unterschied von den Schlangendrachen ist der Hals -sehr kurz, kaum erkennbar. Die Wirbelsäule besteht aus zirka 150 -Wirbeln, welche ähnlich geformt sind wie jene der Fische. Die -Schwanzregion ist an einer gewissen Stelle häufig abgeknickt, was von -der großen schweren Ruderflosse, die sie zu tragen hatte, herrührt. -Die Glieder sind zu kräftigen Ruderflossen entwickelt und gleichen -äußerlich den Walfischfinnen. Außer paarigen Paddeln und der großen -Schwanzflosse besaßen die Tiere noch eine gewaltige Rückenflosse, die -in mehrere Lappen geteilt war und sich von der Mitte des Rückens bis -zum Schwanz hinzog. Bei dem auf Seite 26 abgebildeten Exemplar sind -merkwürdigerweise alle Flossen sehr schön erhalten, so daß man jetzt -nicht mehr auf bloße Vermutungen angewiesen ist. „Alles an diesem Tier -ist merkwürdig,“ schreibt O. Fraas; „von der Form eines Schwertwals, -besaß es die Schnauze eines Delphins, die Zähne eines Krokodils, den -Kopf einer Eidechse, die Wirbel eines Fisches, das Brustbein des -australischen Schnabeltiers und breite Ruderfüße eines Wals.“ Von einer -schützenden Körperbedeckung ist nichts zu entdecken, die Haut war -vollkommen nackt. - -Wie halbverdaute und unverdaute Reste in der Magengegend und die in -großer Menge vorhandenen Exkremente (Kotballen) beweisen, bestand die -Nahrung der Fischdrachen hauptsächlich aus Fischen und Kopffüßern -(Tintenschnecken, Ammoniten und Belemniten). Durch den Tintenbeutel der -letzteren ist oft der Mageninhalt dunkel gefärbt. Die versteinerten -Kotballen oder +Koprolithen+ zeigen stets mehr oder weniger deutliche -Spiralfurchen, was offenbar von einer spiralig gewundenen Hautfalte -des Mastdarms, der sogenannten Spiralklappe, herrührt. Dasselbe ist -von einigen Panzerlurchen bekannt. Unter der heutigen Tierwelt weisen -nur die interessanten Lurchfische, die Haie und Störe, alles sehr alte -Sippschaften, einen derartigen Apparat auf. Die Koprolithen, die durch -ihren Gehalt an Phosphorsäure sich als Dünger eignen, finden sich in -einzelnen Schichten des englischen Lias in solcher Menge, daß sie -bergmännisch abgebaut werden. Beim Anschleifen zeigen sie oft hübsche -Zeichnungen, so daß sie auch zur Herstellung von Knöpfen und Broschen -benutzt werden, gewiß eine höchst auffällige Verwendung von Exkrementen. - -Die Ichthyosaurier brachten die Jungen lebendig zur Welt, entgegen -allen Gewohnheiten der Reptilien. Man fand einige Weibchen in -„interessanten“ Umständen, die Jungen schön entwickelt und völlig -unversehrt hinter dem Magen, mit der Schnauze nach hinten gerichtet. -Bei einigen Funden gewinnt man den Eindruck, daß die Jungen -verschlungen worden seien, und es ist daher wahrscheinlich, daß die -nimmersatten Fresser dem Kannibalismus gehuldigt und ihr eigen Fleisch -und Blut nicht verschont haben. - -Vielleicht interessiert es den Leser, noch einiges zu hören über die -Gewinnung der Saurierleichen in Württemberg. Oskar Fraas schreibt -darüber: - - Da bekanntlich der Wissenschaft die Mittel immer fehlen, die - gerade nur in ihrem Interesse aufgewendet werden sollen, so muß - sie sich an sehr unwissenschaftliche Arbeiten anlehnen, in diesem - Falle an die Gewinnung von Bodenplatten für Hausfluren, Keller und - Viehställe, oder an die Industrie in Mörtel und Zement, oder gar - ans duftige Schieferöl. Die eine ruft in Schwaben, die andere in - Frankreich und England die Saurier wieder ins Leben. In Schwaben - sind es die Orte Holzmaden, Zell, Ohmden, Isingen, Boll, darin seit - Jahrhunderten die Plattenindustrie getrieben wird. Der Name von - +Boll+, des alten, schon von Bauhin[3] verherrlichten Badeortes, - ist dem Auslande der bekannteste. Auf einer Quadratrute Oberfläche - (eine Rute = 3 Meter) liegt durchschnittlich ein „Tierle“, - wie der Arbeiter die Saurier nennt. Da liegen sie in ihren - vieltausendjährigen Steinsärgen, vom Schiefer dicht umhüllt, nur - die rohen Umrisse erkennt man gleich den in Leinwand gewickelten - Mumien. Man sieht den Kopf durchblicken, die Wirbelsäule, die - Lage der Glieder, die ganze Länge des Tieres, und raschen Blickes - erkennt an dieser Form schon der Arbeiter, ob’s ein Tier ist - mit Flossen oder mit „Pratzen“ (das heißt ob Ichthyosaurus oder - Teleosaurus). Ist doch ein „Pratzentier“ ums Dreifache mehr wert - als eines mit Flossen. Aber nicht danach bloß richtet sich der - Preis: das Wichtigste ist, wie und wo das Tier liegt, ob im festen, - dauerhaften „Fleins“, was das Erwünschteste ist, ob es Schwefelkies - führt, was leider die schönsten Stücke oft unbrauchbar macht, und - namentlich, ob am Stück nichts fehlt, wenn die Platte durch das - Schrämen oder durch natürliche Abgänge entzweiging. Bis zu 100 - Gulden (210 Franken oder 168 Mark) wird für ein vollständiges - Tier bezahlt. Der Arbeiter tut keinen Schritt zum Verkauf des - Fundes, er stellt ihn ruhig zur Seite, weiß er doch, daß fast von - Woche zu Woche die Käufer kommen, die Unterhändler der Kabinette - und wissenschaftlichen Sammlungen. Kein Pferdehandel wird je - mit solchem Eifer abgeschlossen, mit solchem Aufgebot aller - Beredsamkeit und Entfaltung aller Künste und Kniffe, als der - Saurierhandel, und keiner erfordert neben genauer Kenntnis der - Stücke so viele Schlauheit, um nicht, da ohnehin die Katze im - Sacke gekauft wird, zu Schaden zu kommen. Kein Kauf endlich kommt - zustande, ohne daß der Käufer noch die besondere Verpflichtung - eingehen muß, mit verschiedenen Wein- und Mostflaschen dem - gefallenen Helden eine Totenfeier zu veranstalten. - - Noch steht aber das schwierigste Geschäft bevor, es gilt jetzt, - den Saurier zu „putzen“, das heißt ihn aus der Schieferhülle zu - lösen und seine alten Knochen ans Licht der Sonne zu bringen. Nur - Vertrauten darf solche Arbeit überlassen werden, eine unkundige - Hand „schindet“ das Tier. Monatelang dauert bei manchen die Arbeit, - denn mehr mit Grabstichel und Nadel, als mit Hammer und Meißel muß - das Gebirge (Gestein) vom Knochen genommen werden. Wer nicht selbst - schon den Grabstichel geführt hat, versteht nichts von den Freuden, - die den Kenner erfüllen, wenn er den Verlauf eines Knochens im - Schiefer verfolgt und jeden Tag ein Stückchen, schließlich das - harmonische Ganze des Tieres vor Augen legt. - - - [3] Johann Bauhin, geboren 1541 zu Basel, machte große Reisen durch - Europa, war ein vorzüglicher Botaniker, zuletzt Leibarzt des - Herzogs von Württemberg. - - -Schreckdrachen. - -Bei einer früheren Gelegenheit wurde darauf hingewiesen, daß die -Katastrophentheorie, wonach von Zeit zu Zeit alles Lebende vernichtet -und die Welt plötzlich umgestaltet worden, als überwunden gelte; -sie verträgt sich mit den Ergebnissen der neueren Forschung nicht -und steht im Widerspruch mit der gesamten modernen Weltanschauung. -Die Wissenschaft weist nach, daß seit den ältesten Zeiten eine -ununterbrochene Entwicklung stattgefunden hat und daß auch in der -Vorzeit dieselben Naturkräfte und -gesetze wirksam gewesen sind -wie heute. Wenn aber die Meinung aufkam, daß die Entwicklung stets -in derselben Weise und demselben Tempo vor sich gegangen wie in -unseren Tagen, so lag auch hierin wieder ein kleiner Irrtum. Wie -das Auftürmen von Falten- und Überschiebungsgebirgen, das Absinken -riesiger Erdschollen, das Hereinbrechen des Ozeans, der Wechsel -des Klimas periodisch erfolgte, unterbrochen durch lange Pausen, -so auch die Veränderungen in der Pflanzen- und Tierwelt. Es gibt -Zeiten verhältnismäßig großer Ruhe, wo die Welt fast stillzustehen -scheint, und wieder solche gewaltiger Bewegung, wo alles wankt und -ein allgemeiner Umsturz sich geltend macht. Das sind die großen -Epochen der Erdgeschichte, die sich mit jenen der Menschheits- -oder Kulturgeschichte vergleichen lassen. Im Gefolge der großen -Umwälzungen, die eine neue Periode einleiten, tauchen zahlreiche neue -Typen auf, während alte, die jenen nicht mehr die Stange halten können, -verschwinden oder doch die Herrschaft abgeben und sich aufs Altenteil -zurückziehen. Die Fortschrittler stürmen vorwärts und entwickeln -immer neue, immer gewaltigere Kräfte, bis auch ihre Zeit abgelaufen -ist. So erging es auch den +Schreckdrachen oder Dinosauriern+ (von -~deinos~ oder ~dinos~: schrecklich). Das war ein himmelstürmendes -Titanengeschlecht, eine Sippschaft von ebenso kolossalen wie seltsamen, -zum Teil geradezu fabelhaften Wesen, und diese Riesensippe endete mit -einer winzigen, unbedeutenden Art, die sich als lebendes Fossil bis -in unsere Tage hinübergerettet hat. Dieser „letzte Mohikaner“ ist die -+Brückeneidechse+ Neuseelands (~Hatteria~), bis vor kurzem ebenso -unbeachtet und unbekannt wie die uralten Molchfische der südlichen -Halbkugel, die überhaupt einer ganzen Reihe überlebter Typen noch eine -kümmerliche Existenz ermöglicht hat. Das meterlange Tier, das heute -sehr selten und offenbar im Aussterben begriffen ist, sieht äußerlich -einer gewöhnlichen Eidechse ähnlich, hat aber Fischwirbel gleich den -Fisch- und Schlangendrachen und auch sonst allerlei Merkmale, welche -nur bei den Uramphibien und Urreptilien vorkommen, steht also in -gewissen Beziehungen noch tiefer als die Schreckensechsen der Trias-, -Jura- und Kreideperiode. - -Die Schreckdrachen erinnern in Größe und Gestalt vielfach an die -Drachen der Sage, können aber diesen nicht als Vorbilder gedient haben, -da sie schon vor dem Auftreten des Menschen ausgestorben waren. Man -kennt heute zirka 50 Gattungen mit mehr als 100 Arten, und Jahr um -Jahr werden wieder neue erstaunliche Funde gemacht. Außer Europa haben -besonders Nordamerika und Ostafrika solche geliefert. Es sind darunter -Tiere, welche mehr als Elefantengröße haben, aber auch solche, die nur -die Größe einer Katze erreichen. Merkwürdigerweise zeigen manche im -Knochenbau entschiedene Annäherung an Vögel, woraus wohl geschlossen -werden darf, daß beide aus einer gemeinsamen Wurzel abstammen, die man -allerdings zur Stunde noch nicht kennt, die aber möglicherweise eines -Tages gefunden wird. Im folgenden mögen einige der wichtigsten und -interessantesten Gattungen dem Leser in Bild und Wort vor Augen geführt -werden. - - -Lindwürmer. - -Im zweiten Teil dieser Erdgeschichte wurde darauf hingewiesen, daß nach -der großen Steinkohlenperiode, während welcher Jahrmillionen hindurch -sehr gleichartige Zustände in bezug auf Verteilung von Land und -Meer, Klima, Pflanzen- und Tierwelt geherrscht haben, ein gewaltiger -Umschwung eingetreten sei. Auf der nördlichen Halbkugel fanden -großartige Erdverschiebungen statt; es bildeten sich tiefe Spalten, die -den schmelzflüssigen Massen in der Tiefe als Ausbruchspforten dienten -und Anlaß zur Bildung zahlloser Vulkane und vulkanischer Ergüsse gaben. -Niedriges Sumpfland wechselte mit Brackwasser- und Süßwasserseen, -neue Gebirge entstanden; dann wurde das Festland vielfach zur -Wüste und die salzigen Binnenmeere trockneten aus, so daß mächtige -Salzlager entstanden (Staßfurt bei Magdeburg und Sperenberg), die sich -besonders durch ihren Reichtum an Kalisalzen auszeichnen. Auf der -südlichen Halbkugel war derweil eine Eiszeit eingetreten und hatte den -verweichlichten Steinkohlenpflanzen den Garaus gemacht. Es entwickelte -sich in Anpassung an die neuen Zustände eine ganz neue Pflanzenwelt. -Dann brach der Ozean herein und lagerte über der Steinkohlen-, Perm- -und Buntsandsteinformation Meereskalk (Muschelkalk) ab. Aber auch -dieses Meer war nicht „ewig“; zumal im nördlichen und nordwestlichen -Teil Europas bewirkten bedeutende Bodenschwankungen ein langsames -Austrocknen desselben; an seine Stelle traten wieder Seen und Sümpfe, -und diese machten der Sand- und Lehmwüste Platz. Es entstehen die roten -Mergel und Tone, die grauen und roten Sandsteine (Silbersandstein und -Schilfsandstein Stuttgarts), die man als Keuper bezeichnet (oberste -Trias). Die Siegel- und Schuppenbäume sind verschwunden und ersetzt -durch allerlei Nadelhölzer, worunter manche mit breiten ledrigen -Blättern; die Farne sind teilweise verdrängt durch palmenähnliche -Sagobäume (Palmenfarne) und die Rohrbäume (Kalamiten und Kalamarien) -durch echte Schachtelhalme, welche jene an imposantem Wuchs bei -weitem nicht erreichen und furchtbar eintönige steife Dschungel von -armsdicken, 4 bis 6 Meter hohen Stangen bilden. Die Flüsse vermögen -sich meist nicht bis zum offenen Meer zu behaupten, sondern versiegen -im Wüstensand oder endigen in flachen Mulden, in sumpfigen Steppenseen, -die sich mit Schlamm und Sand füllen. Da und dort werden Flußläufe -durch vorrückende Wanderdünen zerschnitten und teilweise zugefüllt, -wodurch das Land am Unterlauf der Wasserzufuhr verlustig geht und -in einen großen Friedhof verwandelt wird. Alles Lebende geht dort -zugrunde, und der nächste Wüstensturm deckt die Leichen mit Sand und -Staub. So sah es zur Keuperzeit aus in der Heimat der triadischen -„Lindwürmer“, im Schwabenland. - -Im Süden Stuttgarts bei Degerloch fand man vor etlichen Jahrzehnten -die versteinerten Knochen eines seltsamen Ungeheuers, welchem der -hervorragende württembergische Geologe und Paläontologe Quenstedt den -Namen des „+schwäbischen Lindwurms+“ beilegte. Sein wissenschaftlicher -Name ist +Zanklodon+, nach den riesigen Greifzähnen, welche die Form -eines Winzermessers haben (~zagkle~ oder ~zankle~: Winzermesser und -~odon~: Zahn). Ein Oberschenkelknochen ist 75 Zentimeter lang und ein -Hinterfuß bedeckt eine Fläche von ¼ Quadratmeter. Das gewaltige Tier -erreichte insgesamt eine Länge von zirka 7 Meter. Die Vorderglieder -sind verhältnismäßig klein und konnten jedenfalls nicht zum Gehen -benutzt werden, dienten vielmehr als Greifhände; dagegen waren -Hinterglieder und Schwanz sehr kräftig entwickelt, woraus zu schließen -ist, daß dieser Lindwurm aufrecht auf den Hinterbeinen einherging. -Er erinnert so einigermaßen an ein Känguruh, war aber viel größer, -plumper und schwerfälliger als dieses und konnte trotz des muskulösen -Schwanzes keine großen Sprünge machen. Der Schwanz diente wohl als -Stütze in der Ruhelage und außerdem als Balancierstange. Die Zehen -waren mit ungeheuren Krallen bewaffnet, deren Hornsubstanz, weil -leicht verweslich, natürlich nicht mehr vorhanden ist. Der Kopf war -nicht sehr groß und mit einem scharfen Raubtiergebiß versehen. Die -Natur hat hier versucht, einen Zweifüßer zu schaffen, der nicht -mehr am Boden hinkriechen muß, sondern stolz erhobenen Hauptes -als geborener Herrscher dahinschreiten kann. Der Name +Reptil+ -- -Kriecher, Schleicher -- will hier nicht mehr recht passen, und doch -ist kein wesentlicher Unterschied zwischen diesen Lindwürmern und den -Neckarsauriern, die zur gleichen Zeit und in den gleichen Gegenden -lebten. - -Überreste eines nahen Verwandten, der zu Ehren seines Entdeckers den -Namen +Greßlyosaurus+ erhielt, fand man bei Liestal in Baselland. Der -unglückliche Greßly, ein vorzüglicher Geologe, verfiel in geistige -Umnachtung und wurde von der fixen Idee befallen, daß er in jenen -Lindwurm verwandelt worden sei. In Thüringen, Frankreich und Südafrika -stieß man ebenfalls auf Spuren derartiger Drachen; manche von ihnen -konnten noch nicht aufrecht gehen, sondern krochen nach alter Väter -Weise auf allen vieren. - - -Iguanodonten. - -[Illustration: Abb. 9. Skelett des Iguanodon.] - -Während die „schwäbischen Lindwürmer“ schon im Keuper wieder -verschwanden, haben sich ähnliche Formen viel länger erhalten und -sind erst in der Kreidezeit ausgestorben. Zu diesen gehören die -+Iguanodonten+, von denen man sich früher ganz falsche Vorstellungen -gemacht hat, da lange Zeit nur einzelne Knochen bekannt waren. Nun -besitzt man aber die vollständigen Skelette dieser Kreidedrachen. -Besonders Belgien hat prachtvolle Exemplare geliefert, und das -Paläontologische Museum in Brüssel besitzt etwa zwei Dutzend derselben. -Es macht einen nachhaltigen Eindruck, unter jenen vorweltlichen -Riesen umherzuwandeln. Gleich den Zanklodonten, denen sie an Größe -gleichkamen, schritten sie aufrecht einher, ihren Kopf, der mit dem -langen Hals einen rechten Winkel bildet, spähend bald links, bald -rechts wendend. Der Name bedeutet soviel wie die „Leguanzähnigen“. Man -fand nämlich zunächst nur einzelne Zähne, welche denen einer heutigen -Eidechse, des +Leguans+ -- +Iguana+ -- ähnlich sind. Die Leguane sind -abenteuerlich gestaltete 1½ Meter lange Rieseneidechsen Südamerikas -und Westindiens, welche sich auf dem Wasser ebenso gewandt bewegen -wie auf dem Erdboden und im Geäst der Bäume. Ihres wohlschmeckenden -Fleisches wegen werden sie von den Eingeborenen gejagt. Zu den -Kammeidechsen oder Leguanen gehört auch der Basilisk, etwas kleiner als -der gemeine Leguan, mit hohen Hautlappen auf Rücken und Schwanz. Nun -weiß man heute, daß die ausgestorbenen Iguanodonten mit den lebenden -Kammeidechsen nicht näher verwandt sind, aber der Name ist geblieben. -Die Bezahnung der Iguanodonten ist eine unvollständige, indem der -vordere Teil der Kiefer zahnlos und vermutlich mit einer Art hornigem -Schnabel versehen war. Die großen spatelförmigen Zähne sind am Rande -gekerbt und greifen scherenartig übereinander. Sie erscheinen fast -immer stark abgenutzt, waren also wohl zum Abbeißen und Kauen harter -Pflanzenstoffe, vielleicht zum Abweiden der Baumkronen eingerichtet. -Nebenbei mögen auch Schaltiere als Nahrung gedient haben. Jedenfalls -waren die Iguanodonten keine blutdürstigen Bestien, sondern langsame, -schwerfällige Geschöpfe. Daß ihre +geistigen+ Fähigkeiten gering -waren, geht schon aus der geringen Größe der Schädelhöhle hervor. Zur -Verteidigung dienten außer den Kiefern der große und ungemein kräftige -Schwanz und die Daumen der Vorderglieder, die je zu einem Sporn oder -natürlichen Dolch umgewandelt waren, der von den übrigen Fingern -senkrecht abstand. Lange Zeit hielt man diesen Sporn für einen zum -Schädel gehörigen Hornzapfen und zeichnete das Tier mit einem Horn. Wir -werden übrigens später eine verwandte Form kennen lernen, die wirklich -ein Horn getragen hat. Auffallend ist die Tatsache, daß die Hinterfüße -nur drei Zehen nebst einer verkümmerten vierten Zehe besitzen und im -anatomischen Bau mit denjenigen der großen Laufvögel eine gewisse -Übereinstimmung zeigen, so daß die Iguanodonten seinerzeit geradezu -als Ornithopoden, das heißt Vogelfüßer, bezeichnet worden sind. Ihre -Fährten, die auf Sandsteinplatten der Kreideformation zu Tausenden und -in allen Größen vorhanden sind, wurden denn auch anfangs für Fährten -von Riesenvögeln gehalten. (Siehe Abbildung 10, Brontozoumfährte). Daß -in der Tat nicht nur zufällige Ähnlichkeiten mit Vögeln bestehen, zeigt -die Übereinstimmung des Iguanodonfußes mit dem des Hühnchens im Ei. -Der Vogelembryo (Keim) hat zuerst Iguanodonfüße und erhält erst durch -Verkümmerung und teilweise Verschmelzung einzelner Knochen richtige -Vogelfüße. Freilich ist nicht daran zu denken, daß die Vögel etwa -von Iguanodonten, überhaupt von Dinosauriern abstammen, aber aller -Wahrscheinlichkeit nach haben die beiden Stämme eine gemeinsame Wurzel. -Die Trennung hat wohl schon in der Trias, wenn nicht bereits in der -Permperiode stattgefunden. Hier läßt uns die Überlieferung im Stich; -von der großen Chronik der Erdgeschichte fehlen einige Bände völlig. -Aber glückliche Funde können auch da in ungeahnter Weise Licht bringen. - -[Illustration: Abb. 10. Brontozoumfährte mit sogenannten versteinerten -Regentropfen.] - -Wie artenreich die Sippschaft der „Vogelfüßer“ gewesen, läßt sich -einigermaßen ahnen aus der großen Zahl und Mannigfaltigkeit der -Fährten, das heißt der Abdrücke, welche die verschollenen Saurier -auf dem feuchten Sand und Schlamm der Ufer zurückgelassen haben. An -der englischen Küste bei Hastings sowie in verschiedenen Gegenden -Deutschlands findet man Fußspuren von 20 bis 75 Zentimeter Größe, und -in Nordamerika sind dergleichen Funde noch häufiger. Manche Fährten -ergeben eine Schrittweite von 3 und 4 Meter, lassen also auf Tiere von -fabelhafter Größe schließen, aber wie dieselben ausgesehen, weiß zur -Stunde niemand zu sagen. - -Zum Schlusse dieses Kapitels mögen noch zwei wissenschaftlich -interessante Formen erwähnt werden: der +Kompsognathus+ und der -+Hadrosaurus+ (Trachodon), ersterer aus dem schwäbischen und -fränkischen Jura bekannt, ein sehr leicht gebautes, zierliches Tier von -Katzengröße, mit vogelähnlichem Schädel, langen schlanken Hinterbeinen, -dreizehigen Vogelfüßen und langem Schwanz; letzterer ein großer, 8 -bis 9 Meter langer Schreckdrache von der Gestalt eines Iguanodon, -jedoch mit seltsamem riesigem Entenschnabel und einem ebenso seltsamen -pflasterartigen Gebiß, das aus zirka 2000 kleinen Zähnen besteht. Man -fand ein solches Tier mit erhaltener Haut, die mit Schuppen bedeckt -war. Der Hadrosaurus stammt aus der obersten Kreide Amerikas. Von -beiden Gattungen sind europäische und amerikanische Vettern bekannt. -(Siehe Abbildung 19.) - - -Amerikanische Größen. - -Europa war zur Jurazeit fast ganz vom Meere bedeckt; nur einzelne -Inseln und uralte Gebirgsmassen erhoben sich über dasselbe. Hier war -somit zur Entfaltung einer großartigen Landfauna (Tierwelt) nicht -genug Raum vorhanden, und so kommt es, daß zwischen den Schreckdrachen -der Triaszeit und denjenigen der Kreideperiode eine große Lücke -besteht. Fast möchte man glauben, mit dem Ende der Keuperzeit sei eine -ungeheure Katastrophe, etwa eine allgemeine Sintflut hereingebrochen, -habe die ganze Tierwelt vernichtet, und nach vielen Hunderttausenden -von Jahren habe die Natur wieder von vorn angefangen. Allein jene -Überflutung fand nicht überall statt; in Nordamerika zum Beispiel blieb -auch während der auf die Trias folgenden Jurazeit ein ausgedehntes -Festland bestehen, und dort konnten sich die Landtiere der Keuperzeit -weiter entwickeln. In der unteren Kreide erreichten sie die höchste -Entfaltung. Von Nordamerika kamen denn auch vor Jahren wunderbare -Mären von fremdartigen Sauriern, die an Größe und Seltsamkeit der Form -alles bis dahin Bekannte in Schatten stellten. Skeptische Naturen -nahmen jene Berichte mit einem gewissen Mißtrauen entgegen, aber die -wissenschaftlichen Darstellungen namhafter Paläontologen und vor -allem die in den Museen aufgestellten Funde selber machten es zur -Gewißheit, daß man es nicht mit romantischen Übertreibungen einer -sensationslüsternen Presse zu tun habe. - -Der gewaltigste unter den amerikanischen Schreckdrachen scheint der -+Atlantosaurus+ gewesen zu sein, dessen Überreste im Staate Wyoming -am Ostabhang des Felsengebirges gefunden wurden. Der Name ist der -griechischen Göttersage entnommen. Der Riese Atlas, der Sohn eines -Götterriesen (Titanen) und einer Meergöttin, hatte sich mit seiner -ganzen Sippschaft gegen den Himmelvater Zeus empört, wurde aber -besiegt und dazu verurteilt, an den Grenzen der Erde, wo Tag und Nacht -zusammenkommen, nämlich an der jetzigen Meerenge von Gibraltar, den -Himmel zu tragen. Atlas bedeutet auch in der Tat soviel wie „Träger“. -Balkenträger an Gebäuden werden daher auch Atlanten genannt. Nach -einer anderen Sage war er Besitzer der berühmten Hesperidengärten, -einer Art Paradies in der Gegend des heutigen Marokko, und wurde vom -griechischen Halbgott Perseus wegen seiner Ungastlichkeit mit Hilfe -des Medusenhauptes zum Gebirge versteinert. Nach ihm wurde auch der -Atlantische Ozean benannt. - -Der +~Atlantosaurus immanis~+, das heißt der entsetzliche -Riesendrache, war ein Koloß von 30 Meter Länge bei 9 Meter Höhe. Diese -ungeheure Fleischmasse bewegte sich auf vier ungefähr gleich großen -säulenförmigen Beinen, die je fünf Zehen mit hufartigen Klauen besaßen -und nach Art der Eidechsenglieder gebaut waren. Die Oberschenkelknochen -sind annähernd 2½ Meter lang und an ihrem oberen Ende ½ Meter dick. -Es wird uns dies nicht wundernehmen, wenn wir bedenken, daß ja das -Tier, das sie zu tragen hatten, „die Größe eines ziemlich ansehnlichen -Hauses“ erreicht haben mußte. Ja, diese mächtigen Knochen hätten wohl -kaum ausgereicht, die enorme Last zu tragen und fortzuschleppen, -wenn nicht durch besondere Vorrichtungen das Gewicht des Körpers -herabgemindert worden wäre. Die Wirbel, von denen die größten einen -Meter Durchmesser besaßen, waren nämlich hohl und zu Lebzeiten des -Tieres wahrscheinlich mit Luft erfüllt, nur die Wirbel des dicken und -langen Schwanzes waren massiv. - -[Illustration: Abb. 11. Brontosaurus.] - -Nahe Verwandte des Atlantosaurus sind der +Barosaurus+ (der „Schwere“) -und der +Brontosaurus+. Ersterer ist in allen Skeletteilen bekannt; -er erreicht eine Länge von 20 Meter, sein Nackenwirbel einen -Durchmesser von reichlich einem Meter. Der Brontosaurus, ist ebenso -groß und besaß einen ungeheuer langen Plesiosaurushals mit 13 Wirbeln. -Wir geben nach einem vollständigen Skelett eine Rekonstruktion des -Tieres, wie es lebend etwa ausgesehen haben mag. Auch beim Brontosaurus -sind die Wirbel mit großen Luftkammern versehen, selbst die drei -ersten Schwanzwirbel besitzen solche. Als weiteres Merkmal verdient -hervorgehoben zu werden die im Verhältnis zum Körper winzige Größe -des Kopfes und der Gehirnhöhle. „Das Gehirn,“ sagt Neumayr, „ist so -außerordentlich klein, wie es im Verhältnis wohl bei keinem anderen -höheren Tier bis jetzt bekannt ist.“ - -Diese amerikanischen Riesen mußten somit höchst stumpfsinnige Geschöpfe -gewesen sein und tief unter den heutigen Beherrschern der Tierwelt -gestanden haben. Wir dürfen uns dieselben auch nicht vorstellen als -grimme, stets in Kampf und Krieg lebende Drachen, denn sie waren -Pflanzenfresser und mochten also wohl den damaligen Gewächsen, nicht -aber der Tierwelt verderblich gewesen sein. Der Brontosaurus oder -Donnerdrache (vom griechischen ~bronte~: Donner, ~brontogenes~: vom -Donner erzeugt) mochte ein Gewicht von zirka 380 Doppelzentner erreicht -haben, während dasjenige des Indischen Elefanten bloß 30 bis 40 -Doppelzentner beträgt. Ober- und Unterschenkel samt Fuß maßen 4 Meter, -die Dornfortsätze der Kreuzwirbel ½ Meter. Die wandelnde Fleischlawine -mag bis zum Rücken eine Höhe von 6 Meter, mit hoch gehobenem Kopf -9 Meter erreicht haben. (Die Angaben, wonach die größten Formen 12 -Meter hoch gewesen sein sollen, scheinen nicht vertrauenswürdig zu -sein.) Selbst die ausschweifendste Phantasie war nie imstande, sich -ein solches Biest auszudenken, und staunend fragt man sich, wie ein -solches „Reptil“ sich bewegen und ernähren konnte. Man denke sich -einen Donnerdrachen durch die Straßen einer Stadt dahinschreiten! Er -könnte bequem zu den Fenstern des dritten Stockes hineingucken, und die -Kronen der Bäume in den städtischen Anlagen böten ihm eine angenehme -Weide. Ein Ochse würde sich daneben fast wie ein Bauernhaus neben einem -Münster ausnehmen. Und welch ein Anblick müßte es gewesen sein, zu -sehen, wie der Koloß sich auf seinen stämmigen Hinterbeinen und dem -ungeheuren Schwanz erhob! Vielleicht haben sich die Tiere vorwiegend -im Wasser aufgehalten nach Art der Flußpferde, wobei die Pflanzenwelt -der Ufer abgeweidet und nebenbei allerlei Getier mit verschlungen -wurde. Da wie bei den Atlantosauriern die größeren Wirbel, die einen -Meter Durchmesser besaßen, Luftkammern hatten, wurde das spezifische -Gewicht beträchtlich herabgemindert. Der vierte Halswirbel ist größer -als der Schädel, und der Hohlraum der Kreuzbeinwirbel übertrifft die -Hirnhöhle um ein Mehrfaches, so daß es scheint, als hätten die Tiere -den Hauptteil ihres Zentralnervensystems nicht in den Kopf, sondern in -das Hinterteil verlegt. Mit den intellektuellen Anlagen muß es folglich -sehr schlimm bestellt gewesen sein. - -Die Gestaltungskraft der Natur hatte sich hier verrannt; durch -eine bloße Steigerung der Masse schuf sie etwas Unnatürliches und -verurteilte diese „Überriesen“ zu schnellem Untergang. Vielleicht -ward dieser beschleunigt durch einen Klimawechsel oder durch das -Überhandnehmen gefährlicher Raubtiere. - - -+Diplodokus.+ - -[Illustration: Abb. 12. Diplodokus.] - -Neben den plumpen, massigen Atlantosauriern, wozu auch der Brontosaurus -gerechnet wird, erscheint der Diplodokus (Doppelbalken) geradezu als -eine zierliche Form. Er entstammt den gleichen Fundorten wie die -vorigen und gehört gleichfalls der unteren Kreide an, dem sogenannten -Wealden, das heißt der „Wälderformation“. Diese hat insofern manche -Ähnlichkeit mit der Steinkohlen- und der Keuperformation, als die -damaligen Festländer mit großen Sümpfen und Moorwäldern bedeckt waren -und ein langandauernder Kampf zwischen Land und Meer herrschte. -Aus jener Zeit stammen zahlreiche Steinkohlenflöze, die allerdings -im allgemeinen von geringer Mächtigkeit sind, aber doch an manchen -Orten bergmännisch abgebaut werden, so am Osterwald, am Deister, in -Schaumburg und Bückeburg. Sie sind natürlich nicht aus den typischen -Steinkohlenpflanzen (Siegel- und Schuppenbäumen usw.) hervorgegangen, -denn jene existierten ja längst nicht mehr, sondern aus Pflanzen -der Jura- und der ältesten Kreidezeit, hauptsächlich aus Farnen, -Nadelhölzern und Sagobäumen (Zykadeen, Farnpalmen). Der Gattung -Diplodokus gehören Tiere von 16 bis 25 Meter Länge und 3 bis 4 -Meter Höhe an. In welcher Stellung sich dieselben bewegt haben, ist -noch nicht festgestellt und je nachdem gelangt man zu verschiedenen -Höhenangaben. Der 6 Meter lange Hals gleicht einer Riesenschlange -und trägt einen großen, 60 Zentimeter langen Kopf, der etwelche -Ähnlichkeit mit einem Pferdekopf hat, die Nasenlöcher befinden sich -jedoch weit hinten bei den Augen. Die Kiefer sind nur im vorderen -Teil bezahnt, die hinteren Zähne fehlen gänzlich; wir haben es also -weder mit einem Raubtiergebiß, noch mit dem eines Pflanzenfressers zu -tun. Die Zähne sind lang, dünn, stäbchenförmig und stehen ziemlich -weit auseinander, wie die Zähne eines Rechens. Der ungeheure Schwanz -zählt nicht weniger als 60 Wirbel. Es ist nicht leicht, sich die -Lebensweise dieses märchenhaften Drachen vorzustellen. Man hat daran -gedacht, daß er im Wasser nach Muscheln, Schnecken, Fischen, Krabben -und Lurchen grundelte, wobei die Zähne nicht zum Beißen, sondern als -Seiher dienten, also die gleiche Funktion ausübten wie das Fischbein -der Bartenwale. Das hat in der Tat viel Wahrscheinlichkeit für sich. -Die größte Art (~Diplodocus Carnegiei~) wurde vor einigen Jahren auf -Kosten des bekannten Stahlkönigs Carnegie ausgegraben und im Museum -zu Pittsburg aufgestellt. Das Berliner Museum besitzt einen Gipsabguß -davon, weitere befinden sich in Wien, Paris und London. Überreste nahe -verwandter Gattungen wurden in Südamerika, Frankreich und England -entdeckt. - -[Illustration: Abb. 13. Dach- oder Panzerdrache.] - -Einen hochinteressanten Fund machten vor kurzem die Gebrüder Sternberg -im westlichen Teil der Union, sie förderten den vollständigen Kadaver -eines Diplodokus mit erhaltener Hautbedeckung zutage. Das betreffende -Riesenvieh scheint durch einen Unglücksfall umgekommen und auf eine -Sandbank im Flusse geschwemmt worden zu sein. Dort wurde es zu einer -Mumie ausgetrocknet und durch gewaltige Schlammassen, die später zu -Tonschiefer erhärteten, zugedeckt. Die Haut ist mit seltsamen zarten -Schuppen gespickt. Der ganze Kadaver, der auf dem Rücken lag, bedeckte -eine Fläche von 12 Quadratmeter. - - -+Panzer- und Horndrachen.+ - -[Illustration: Abb. 14. Dreihorndrache, rechts oben ein Pteranodon.] - -Diese stehen den vorigen an Größe beträchtlich nach, sehen aber -dafür um so putziger, wirklich drachenhaft aus. Fast möchte man -wähnen, ein phantasievoller Fabulierkünstler des Mittelalters -hätte dieselben erfunden. +Die Panzerdrachen oder Dachdrachen+ -(+Stegosaurier+) waren plumpe Riesen von mindestens Elefantengröße, -jedoch weit beträchtlicherer Länge, nämlich bis zu 10 Meter! Sie -hatten wieder die Gewohnheit der alten Reptilien angenommen, das heißt -sich einen dicken Panzer angeschafft, also ein Rückfall auf eine -tiefere Entwicklungsstufe; denn das Hautskelett ist das ursprüngliche, -das älteste; erst verhältnismäßig spät machte sich das innere -Knochenskelett geltend, wodurch das erstere allmählich überflüssig -wurde, weil es die aufsteigende Entwicklung hinderte. Der Rückenpanzer, -der sich vom Kopf bis zur Schwanzspitze erstreckte, bildete ein -schützendes Dach aus starken, dicken Schilden und war überdies mit -einem ungeheuren Kamm versehen, der aus zwei Reihen aufrechtstehender -meterlanger Platten bestand. Am Ende des langen Schwanzes waren jene -Knochentafeln zu spitzigen halbmeterlangen Stacheln reduziert. Das war -zweifelsohne eine sehr gefährliche Waffe, und der Koloß konnte damit -furchtbare Schläge austeilen. Die Kehlgegend war durch einen besonderen -Knochenharnisch geschützt. Offenbar fehlte es zu jener Zeit (untere -Kreide) nicht an mächtigen Feinden. Die Glieder sind ungleich lang, und -zwar sind die vorderen wieder beträchtlich kürzer als die hinteren. -Die Zahl der Zehen betrug je fünf, jedoch waren bei den Hinterfüßen -die beiden äußeren verkümmert, so daß das Tier nur mit je drei Zehen -austrat. Dadurch entstanden sonderbare Fährten, die den Eindruck -erweckten, als seien zwei ganz verschiedene Tierarten (Herr und -Diener) stets miteinander oder vielmehr hintereinander auf dem nassen -Boden dahingewandelt. Der kleine Kopf mit einer Art Iguanodongebiß -endete in einen plumpen Schnabel, was dem gepanzerten Ungeheuer ein -besonders phantastisches Aussehen verschaffte. Besondere Erwähnung -verdient die Schädelhöhle; dieselbe ist nämlich sehr klein, so daß -nur ein winziges Gehirn in derselben Platz hatte. Der Rückenmarkkanal -im Kreuzbein ist wohl zehnmal so groß als die Hirnhöhle, so daß man -von einem „Kreuzbeinhirn“ gesprochen hat. Letzteres bestand aber -selbstverständlich nicht aus Hirnsubstanz, sondern aus Nerven für den -kolossalen Hinterkörper. - -Diese Panzerdrachen haben sich wohl durch eine geradezu beispiellose -Dummheit ausgezeichnet. Sie konnten wahrscheinlich gleich den -Iguanodonten aufgerichtet auf den Hinterbeinen einherschwanken, aber -ebensogut auf allen vieren davonstapfen. - -Ein ebenso wunderlicher Kauz, ein Vetter des vorigen, war der -+Dreihorndrache+ (+Trizeratops+), 8 bis 9 Meter lang, wovon 2 Meter -auf den spitzdreieckigen, vorn ebenfalls in einen Schnabel endigenden -Kopf entfallen. Dieser Schreckdrache, der also im Gegensatz zu seinem -mikrozephalen Vetter zu den „Großköpfen“ gehört, trug neben einem -meterlangen Horn über der Nase noch zwei seitliche hintere Hörner über -den Augen. Der Hinterkopf endete in einen knöchernen Nackenschirm, der -am Rande mit zackigen Knochenplatten besetzt war und wie eine große -Halskrause aussieht. Die Zähne deuten auf Pflanzennahrung und haben --- bei Reptilien etwas Unerhörtes -- zwei Wurzeln, was sonst nur bei -Säugetieren vorkommt. Auch die Glieder weisen gewisse Säugetiermerkmale -auf, die Zehen tragen nämlich große Hufe, wie diejenigen der Huftiere -(Schweine, Pferde, Wiederkäuer). Dazu der gehörnte Kopf, der an gewisse -Urhufer der Braunkohlenzeit gemahnt. - -Diese Säugetierähnlichkeit ist noch größer beim +Einhorndrachen+ -(+Monoklonius+) mit mächtigem, nach rückwärts gekrümmtem Horn, dem -+Zweihorndrachen+ (+Dizeratops+) und dem +Stierdrachen+ (+Torosaurus+), -alle der oberen Kreideformation Nordamerikas angehörend. Vereinzelte -Bruchstücke einer nahe verwandten Art wurden auch bei Wiener-Neustadt -gefunden. Dem winzigen Gehirn nach zu schließen, sind alle Horndrachen -sehr stumpfsinnige Geschöpfe gewesen. - - -Afrikaner. - -Nordamerika galt als das Paradies der Schreckdrachen, und seine -Reptilienwelt überragte alles bis anhin Bekannte. Da trat Afrika als -Konkurrent auf, und zwar -- wer hätte das für möglich gehalten? -- -mit Erfolg. Zunächst richtete die Südspitze des Schwarzen Erdteils -die Augen der Paläontologen auf sich. Dort -- in der sogenannten -Karrooformation -- entdeckte man nämlich eine Menge versteinerter -Knochen, welche von einer höchst seltsamen Tierwelt zeugten, die in -der Perm- und Triaszeit dort gehaust. Die einen jener Knochentrümmer -schienen einer besonderen Gruppe von Uramphibien (Wickelzähnern, -Panzerköpfen) anzugehören, andere waren entschieden reptilienhaft -und manche, besonders die Zähne, wiesen auf niedere Säugetiere hin. -Die Bezahnung ließ nämlich eine Gruppierung in Schneide-, Eck- und -Backenzähne erkennen. Sollte man es hier mit den Stammvätern der -höchststehenden Tierklasse zu tun haben? Sollte nun Licht in die -Dunkelheit ihrer Herkunft fallen? Die hochgespannten Erwartungen -der Forscher erfüllten sich nicht. Immerhin ist zu sagen, daß jene -Afrikaner höchst interessante Zwischenformen (Kollektiv- oder -Sammeltypen) und daß die berühmtesten unter ihnen, die +Theromorphen+, -das heißt die +Säugetierähnlichen+, offenbar Seitenzweige jenes -Hauptastes sind, dem die Ursäugetiere entstammen. Zwischen beiden -bestehen nicht bloß oberflächliche Ähnlichkeiten (Analogien), sondern -enge verwandtschaftliche Beziehungen. - -[Illustration: Abb. 15. Schädel eines Wolfsauriers aus der -südafrikanischen Trias. ~a.~ Oberkiefer. ~b.~ Unterkiefer.] - -Die „+Säugetierähnlichen+“ bewohnten übrigens nicht ausschließlich -Südafrika, sondern auch Amerika, Ostindien, Europa (Rußland, England, -Frankreich, Deutschland, Schweiz). Sie scheinen samt und sonders schon -in der Triaszeit ausgestorben zu sein; die heutige Tierwelt hat nichts -Gleichartiges. Man kennt zirka 100 Gattungen; ihre versteinerten -Skelette sind meist schlecht, oft nur in wenigen Knochenstücken -erhalten und dann schwer zu deuten. Unter den vielen Arten gibt es -Zwerge, die nur die Größe einer Ratte erreichen, aber auch einzelne -schwerfällige Riesen von Nashorngröße. Ich führe nur zwei Vertreter mit -Namen an, den +Wolfsaurier+ (+Lykosaurus+), ein Raubtier mit scharfem -Gebiß, und den plumpen +Pareiasaurus+ (+Backensaurier+), ein bizarres, -drei Meter langes Monstrum, ein „dackelhafter Bär“ auf kurzen, dicken, -geknickten Beinen, deren unglaublich dicke Zehen wahrscheinlich zum -Graben eingerichtet und mit großen Krallen versehen waren. Er hielt -sich wohl mit Vorliebe an der Küste auf und ernährte sich von allerlei -kleinem Getier, das er aus der Erde hervorscharrte. Der breite, kurze -Schädel war mit vielen Höckern und der Unterkiefer mit zapfenartigen -Auswüchsen geziert. Von einem ähnlichen Biest (Sklerosaurus) fand man -Überreste im Buntsandstein von Riehen bei Basel. Aber damit sind wir -mit Afrika und den Afrikanern noch keineswegs zu Ende. - -In den allerjüngsten Zeiten ging uns von dem rühmlich bekannten -Stuttgarter Geologen Fraas die unverhoffte Kunde zu, daß drüben in -Deutsch-Ostafrika sich ein Drachenfriedhof befinde, der mit den -amerikanischen Fundorten im Staate Wyoming in jeder Hinsicht den -Vergleich aushält. Dort ist nun eine reichsdeutsche Expedition seit -einigen Jahren beschäftigt, die wunderbaren Reste ausgestorbener -Tierriesen auszugraben und der wissenschaftlichen Untersuchung -zugänglich zu machen. Jene Gigantosaurier (Riesendrachen) scheinen -ihren amerikanischen Vettern, den Atlantosauriern, Zanklodonten, -Panzerdrachen usw. mindestens ebenbürtig zu sein. Wie in Wyoming -liegen die Knochen teilweise an der Oberfläche oder in geringer Tiefe, -aber deren Konservierung und Transport zur Meeresküste und von dort -nach Europa ist ein ebenso schwieriges wie kostspieliges Geschäft. -Das Berliner Museum hat bereits durch jene Funde eine erstaunliche -Bereicherung erfahren. - -Die Grabungen werden am Tendaguruhügel, nordwestlich von Lindi -vorgenommen, wobei benachbarte Negerstämme das Ausgraben und den -Transport besorgen. Die Arbeiten sind mit sehr großen Schwierigkeiten -verbunden. Fürs erste sind jene Gegenden mit fast undurchdringlichem -Gras- und Buschwald bewachsen und weit ab von Verkehrslinien, sodann -macht die Regenzeit jede Arbeit unmöglich, und im Sommer, wo gar kein -Regen fällt, hat man mit Hitze, Fiebern, Nahrungsmangel und einem Heer -bösartiger Insekten zu kämpfen, nicht zu rechnen mit den Überfällen von -Löwen, Leoparden und Schlangen. - -[Illustration: Kreidelandschaft. - -Tiere: Maassaurier, Kreidevögel (Ichthyornis), im Hintergrund ein -Iguanodon. - -Pflanzen: Zypressen, Palmen, Weiden.] - -Im ersten Jahre wurde mit 150 Arbeitern begonnen, im zweiten mit -200, und diese Zahl stieg allmählich auf 500. Es sind drei -übereinanderliegende Saurierschichten vorhanden, die verschiedenen -Zeiten, aber insgesamt der ältesten Kreideperiode angehören, somit -gleichaltrig sind wie die berühmten Kreideschichten in Nordamerika. -Welche Riesen (Gigantosaurier) zutage gefördert wurden, mag folgender -Vergleich zeigen: - - Ein Oberarmknochen des Diplodokus mißt 0,95 Meter - „ „ „ Gigantosaurus „ 2,10 „ - „ Halswirbel „ Diplodokus „ 0,65 „ - „ „ „ Gigantosaurus „ 1,2 „ - „ Schulterblatt „ Diplodokus „ 1 „ - „ „ „ Gigantosaurus „ 2 „ - Eine Rippe „ Diplodokus „ 1,86 „ - „ „ „ Gigantosaurus „ 2,5 „ - Der Hals „ Diplodokus „ 7 „ - „ „ „ Gigantosaurus „ 12 „ - -Neben einem solchen afrikanischen Riesendrachen erscheint der größte -lebende Bewohner Afrikas, der Elefant, tatsächlich als ein Zwerg. -Leider fand man bis jetzt niemals vollständige Skelette, sondern nur -einzelne Knochen, so daß es schwer hält, sich ein Bild vom ganzen Tier -zu machen. - -Über die afrikanischen Arbeiter, welche auf die 20 Fundstellen -verteilt waren, sind die Leiter der Expedition des Lobes voll. ~Dr.~ -Hennig berichtet darüber: „Wenn man auf der Ausreise von Aden ab das -schwarze Gesindel der Hafenstädte kennen lernt, so bildet sich ein -unter Umständen schon in der Heimat eingeflößtes schlechtes Vorurteil -in verstärktem Maße aus. Schon in Lindi, das dem großen Verkehrsweg -einigermaßen entrückt ist, herrschen wesentlich erfreulichere Zustände, -wie selbst Daressalam gegenüber nichtdeutschen Häfen ein günstigeres -Zeugnis ausgestellt werden kann. Im unberührten Lindi-Hinterland aber -sitzt eine Bevölkerung, die ich aufrichtig liebgewonnen habe. Am -wichtigsten und erstaunlichsten zugleich war die Anstelligkeit, mit der -sie nicht nur die ungewohnten Grabgeräte handhaben lernten, sondern -sehr bald sich auch in die feineren Präparationsarbeiten hineinfanden. -Bei den oft brüchigen Knochen in härterer Gesteinsumhüllung erforderte -die Präparation zweifellos Hingabe an die Arbeit, Sorgfalt, -Gewissenhaftigkeit. Bei dem Umfang, den das Werk bald annahm, war es -unmöglich, diesen Teil der Arbeit uns selbst vorzubehalten, ganz -abgesehen von der Bedenklichkeit des Unterfangens, sich als Europäer -der vollen Tagesglut im windgeschützten glühenden Schacht dauernd -auszusetzen. - -Wenn man wünschenswerte Eigenschaften im Neger nicht findet, so -liegt das in sehr, sehr vielen Fällen nicht am Objekt, sondern am -Sucher! Denn auch ohne fremde Erziehung, schon aus eigenem Wesen -heraus, weisen die Eingeborenen im Süden der Kolonien manchen sehr -sympathischen Zug auf. Der Grundton ihres Wesens ist Sorglosigkeit; -sie kann sich als Fatalismus, als Mangel an Voraussicht (zumal in -Verpflegungsfragen) äußern, sie gibt sich aber auch in jener heiteren -Gemütsart kund, die jederzeit zu Scherz und Spiel bereit und für Humor -überaus empfänglich ist, die auch über erlittenes Ungemach schnell -hinwegzuhelfen vermag. Ich habe gesehen, daß beim Abbrennen eines -Dorfes nach der unter Geschrei und Gezänk beendeten Löscharbeit sofort -die Aufräumungsarbeiten mit lustigem Gesang aufgenommen wurden. - -Endlich ist die Intelligenz keineswegs zu verachten. Und zwar -besteht nicht nur Empfänglichkeit für Neues und Ungewohntes, sondern -vielfach auch eine gewisse aktive Beweglichkeit, die den Dingen aus -eigenem Antrieb entgegengeht. Der erste Eindruck der Arbeiten bei der -umwohnenden Bevölkerung war natürlich eine Verwunderung darüber, daß -die Europäer etwas in ihrem armen Lande zu finden und auszunutzen -verstanden, was sie selbst nie beachtet noch zu verwenden gewußt -hatten. Es drangen zweifelnde Fragen bis zu uns, was denn wohl aus den -Funden gemacht werden könne; die einzigen Möglichkeiten, die ihnen -dabei vorschwebten, waren: Zaubermittel, Geld oder Tücher! Dann traten -doch aber bald auch tieferforschende Fragen auf, nach dem Namen und -Wesen des Tieres, nach der Herkunft solcher Reste und ihrem Alter, -nach der Lebensweise und dem Vorhandensein in der Gegenwart, ganz -vereinzelt wohl auch der staunende Gedanke: woher wissen die Weißen das -alles? Das letztere Problem hörte ich übrigens mit der ersichtlich voll -zufriedenstellenden Antwort lösen: ‚Die Europäer lernen so etwas in der -Schule.‘ ... Der Gedanke, daß dort, wo sie jetzt schafften und lebten, -einst Meer gewesen sei, daß zur Zeit, da diese Ungeheuer ihr Wesen -trieben, es noch keine Menschen gegeben habe, daß die versteinerten -Muscheln, Schnecken, Fische an Ort und Stelle im Wasser gestorben -seien, wo sie doch seit Menschengedenken nur Busch zu sehen gewohnt -waren, bereitete ihrer Vorstellungskraft keinerlei Schwierigkeiten.“ - -Über die ausgegrabene Saurierwelt selbst schreibt ~Dr.~ Hennig: „Die -ungeheure Größe einiger der ostafrikanischen Dinosaurier macht sie zu -den gewaltigsten überhaupt je bekannt gewordenen Landbewohnern der -Erde. Ist die Größe an sich auch ohne sonderliche wissenschaftliche -Bedeutung, so war sie doch selbst für Fachkreise eine Überraschung, -hauptsächlich aber für uns, die wir diese Giganten aus dem Erdreich -herausschälen durften. - -Erreichte nun der Oberarmknochen bei der größten Form mehr denn 2 -Meter, so mißt er bei der kleinsten nur wenige Zentimeter. Nicht -selten kam es vor, daß Skeletteile so verschieden gestalteter Wesen -durcheinanderlagen. Da war es dann natürlich nicht schwer, die -zusammengehörenden herauszufinden. Unangenehmer war es schon, wenn -viele beieinander gefundene Wirbel, Rippen, Beine Hoffnung auf ein -nahezu vollständiges Skelett erweckt hatten und dann etwa ein sich -einstellender dritter Oberschenkel von der Anwesenheit mindestens -zweier Individuen gleicher Größe zeugte. Am schwierigsten aber -gestaltete sich die Trennung in zwei Fällen, wo sich ganze Herden -von fünfzig und mehr Individuen kleinerer Art auf engem Raume -beisammenfanden. - -Wiederum an anderen Stellen gab es wahre Trümmerstätten, wo nur -die festeren Bein- und Flächenknochen verschiedenster Sorten in -Mengen angehäuft lagen. Viele Kadaver sind wohl eine Zeitlang im -Wasser umhergetrieben, ehe sie auf den Boden sanken oder strandeten -und nun erst endgültig eingebettet wurden. Dabei konnten leicht -einige Teile des Körpers abfaulen und weit entfernt zur Ablagerung -gelangen. Wie aber sind die riesigen Tiere in solchen Mengen in -ein Küstengewässer geraten? Man könnte etwa annehmen, ein flaches -Wattenmeer sei zur Ebbezeit auf weite Strecken hinaus trockengefallen -und jene Kolosse hätten den halbtrockenen Meeresboden nach Tangen und -kleinen Wassertieren abgesucht, die ihnen zur Nahrung dienten, die -rückströmende Flut habe ihnen dann in Unebenheiten des Strandes den -Rückweg abgeschnitten und vielen ein Grab bereitet. Es ließe sich auch -denken, daß bei dem Auf- und Niedersteigen des Küstengebiets kleinere -Inselpartien nach und nach abgescheuert und später samt den darauf -zusammengedrängten Bewohnern gänzlich verschlungen wurden.... Um über -derartige Möglichkeiten eine Entscheidung herbeizuführen, hätte es -geologischer Untersuchungen in weiterem Rahmen bedurft. Dafür gebrach -es uns in Ansehung der Hauptaufgabe leider an Zeit. - -Ein Bild läßt sich aber auch so gewinnen von dem wundersam -vielgestaltigen Leben, das sich hier am Rande des Kreidemeers -abgespielt haben muß. Da trotteten stumpfsinnig jene Ungeheuer mit -einem mehr als 12 Meter langen und bis 2 Meter dicken Hals, mit -Beingestellen, die alles gewohnte Maß übersteigen; da tummelte sich die -große und kleine Drachenbrut bis hinab zum winzigsten Eidechslein; da -zogen Herden gepanzerter Schreckgestalten daher, mit mächtigen Stacheln -auf Rücken und Schwanz; da eilten auch kleine, flinke Saurier, auf -den Hinterbeinen erhoben; da flogen andere durch die Luft; da gab es -neben fleischfressenden Räubern auch Giganten, die ihren Riesenleib -von Pflanzen und kleineren Seetieren ernährten.“ (Aus ~Dr.~ Hennig, Am -Tendaguru.) - -Der Leser möchte vielleicht gern wissen, welcher Zeitraum seit dem -Untergang jener riesenhaften und wunderbar mannigfaltigen Tierwelt -verflossen ist. Leider ist die Wissenschaft gegenwärtig noch nicht -imstande, darauf eine genaue Antwort zu geben; man muß sich mit bloßen -Schätzungen begnügen, und diese schwanken zwischen vier und zehn -Millionen Jahren. - - -Buschklepper. - -Als die gewaltigen Kolosse der Jura- und Kreideperiode -- die -stumpfsinnigen Atlantosauren, Brontosauren, Gigantosauren, -Zanklodonten, Iguanodonten, Panzerdrachen und hundert andere verwandte -Formen -- die damaligen Festländer bewohnten, die eine von den heutigen -ganz abweichende Gestalt und Ausdehnung hatten, mußten goldene Zeiten -für die Wegelagerer und Freibeuter sein. An solchen fehlte es in der -Tat nicht. Der größte unter allen scheint der +Tyrannosaurus+ gewesen -zu sein, dessen Skelett vor kurzem in Montana (Nordamerika) aufgefunden -und im New Yorker Naturhistorischen Museum aufgestellt worden ist. Er -wird als ein 12 Meter langes Biest mit meterlangen Kiefern und 6 bis 18 -Zentimeter langen Zähnen geschildert. Er war mit solcher Riesenkraft -und so furchtbaren Waffen ausgerüstet, daß er sich wohl an jeden -anderen Riesen heranwagen konnte. Seine Landsleute und Zeitgenossen, -der +Allosaurus+ und der +Lälaps+, stellten sich ihm würdig an -die Seite. Sie konnten zweifelsohne trotz ihrer Größe gewaltige -Sprünge ausführen, da Schwanz und Hinterbeine ungeheuer muskulös und -die größeren Knochen zudem hohl waren, wodurch das Körpergewicht -beträchtlich herabgemindert ward. Der +Nashorndrache+ (+~Ceratosaurus -nasicornis~+), beträchtlich kleiner und zierlicher, ist 4 bis 5 Meter -lang, hat kurze Vorderbeine mit vier Fingern und große Hinterbeine -mit drei Zehen. Auf der Nase trug das Tier ein großes Horn. Der -Nashorndrache mag große Ähnlichkeit mit dem Iguanodon besessen haben, -war aber schlanker, leichter und flinker als letzteres. - -Weit verbreitet war der +Megalosaurus+ (der Große), dessen Reste aus -Europa, Afrika, Ostindien, Australien und Südamerika bekannt sind. Er -erreichte 8 Meter Länge, sein Oberschenkel 1 Meter, das Schulterblatt -80 Zentimeter. Die 4 Zentimeter langen Zähne sind vorn und hinten -zugeschärft und fein gesägt. - - -Die Maasechsen oder Seeschlangen. - -Alljährlich um die Zeit der sauren Gurke pflegt die berühmte -Seeschlange aufzutauchen, die irgend ein forscher Kapitän in irgend -einem Gewässer gesehen haben will. Sie führt ein sehr kurzfristiges -Dasein, nicht in den Fluten des Ozeans, sondern im Blätterwald. -Etwas anderes war es mit den Seeschlangen der Kreidezeit; jene -machten wirklich die Meere unsicher; aber keines Menschen Auge hat -sie geschaut. Schon gewisse Meerkrokodile der Jurazeit sind von so -schlankem Bau, daß sie ein schlangenähnliches Aussehen haben, so der -schwäbische +Geosaurus+, der die Umformung des Schreitfußes zum Ruder -sehr schön erkennen läßt und uns zeigt, wie aus einem Landkrokodil ein -Seekrokodil geworden ist. Die +Maasechsen+ oder +Mosasaurier+ zeigen in -noch höherem Grade schlangenähnlichen Habitus. Es sind langgestreckte -Eidechsen mit Schwimmfüßen und großem Ruderschwanz. Die langen -kräftigen Kiefer zeigen ein starkes Raubtiergebiß. Man kennt über -fünfzig Arten, die sich auf Europa, Amerika und Australien verteilen. -Der Körper war mit Schuppen bedeckt. Ihre Entdeckung fällt in eine -sehr bewegte Zeit, nämlich ins Ende des achtzehnten Jahrhunderts. - -Die ersten Reste eines Maassauriers, nämlich bedeutende Teile eines -Schädels, wurden in einem Steinbruch bei Mastricht an der Maas -aufgefunden, woher denn auch diese Riesengattung den Namen erhalten -hat. Darüber wird berichtet: - - Ein ~Dr.~ Hoffmann ließ das Stück mit vieler Mühe und Kosten heben - und ausarbeiten. Der Fund machte Aufsehen und erregte den Neid des - Steinbruchbesitzers, des Domherrn Godin, der das Stück reklamierte, - und dem es auch vom Gericht zugesprochen wurde. Als im Jahre - 1795 die Truppen der französischen Republik das Fort St. Pierre - bombardierten, befahl der General, der um den wissenschaftlichen - Schatz im nahen Hause des Domherrn wußte, dasselbe zu schonen. - Dieser, nicht weniger um seinen Schatz besorgt als der General und - wenig erbaut von dessen rücksichtsvoller Aufmerksamkeit, ließ es - bei Nacht in der Stadt verstecken und hoffte so nach der Übergabe - des Platzes sein Stück zu retten. Vergeblich! Der Volksrepräsentant - Freycinet verstand hinter das Geheimnis des Geistlichen zu kommen - und ließ öffentlich den zweiten Entdeckern des Sauriers 600 - Flaschen Wein zusichern. Das wirkte unwiderstehlich; schon am - nächsten Morgen brachten zwölf Grenadiere im Triumph das Stück, um - ihren Lohn zu empfangen. - -Jener Maassaurier, zu Ehren des Entdeckers ~Mosasaurus Hoffmanni~ -getauft, mag eine Länge von 7 bis 8 Metern erreicht haben; es sind aber -seitdem Riesen von drei- und vierfacher Länge mit 1 bis 1½ Meter langen -Kiefern gefunden worden. (Die berühmten Riesenschlangen Südamerikas: -Abgottschlange oder Boa, Anakonda und Tigerschlange werden etwa 7 -Meter lang.) Daß die Maassaurier von Landeidechsen abstammen, ist -zweifellos, denn ältere Formen, die in Dalmatien gefunden wurden, haben -noch Schreitbeine und gleichen den Varanen, das sind Eidechsen von -erstaunlicher Größe. Vertreter derselben in der heutigen Lebewelt sind -die sogenannten Warneidechsen Afrikas, Südasiens und Australiens. Die -bekannteste Art ist die +Nileidechse+, 2 Meter lang, sehr räuberisch, -von den alten Ägyptern als Vertilgerin der Krokodileier und junger -Krokodile gefeiert. - - -Vogeleidechsen oder Flugdrachen. - -Die Reptilien des Mittelalters (Trias-, Jura-, Kreidezeit) begnügten -sich nicht damit, ihre Herrschaft zu Wasser und zu Land auszuüben, -sie dehnten dieselbe auch auf den Luftkreis aus gleich wie gewisse -Nachfahren des Alluviums (Gegenwart). Die „Kriecher“ begründen die Ära -der Aeronautik der Wirbeltiere, nachdem die Insekten das Problem schon -Jahrmillionen vorher gelöst hatten. Sollte man denken, daß aus der -Klasse der Neckarsaurier, Maassaurier, Fisch- und Schlangendrachen, -Atlantosaurier, Zanklodonten und Iguanodonten „+Segler der Lüfte+“ -hervorgegangen? Alle Flugdrachen besitzen einen vogelartigen Kopf mit -langen dünnen Kiefern, die vermutlich an den Spitzen mit Horn überzogen -waren, große Augen, ein überaus leichtes Skelett mit pneumatischen, -das heißt lufterfüllten Knochen und einem sonderbaren Flugapparat, den -wir bei keinem heutigen Flieger finden. Die Hinterfüße sind durchaus -reptilienhaft gebaut, mit vier bis fünf Zehen, die zweifelsohne -scharfe Krallen trugen. Die Vorderglieder haben je nach der Art drei -oder vier oder fünf Finger, von denen der äußerste, also der „kleine“ -ungeheuer lang, länger als der ganze Rumpf ist und die dünne, faltige -Flughaut trägt, woher denn auch die zuerst bekannte Gattung den Namen -„Flugfinger“, Pterodaktylus, erhalten hat. Wunderbarerweise ist eine -solche Flughaut als Abdruck auf dem Gestein erhalten; sie stimmt in -der Form mit einem Schwalben- oder Möwenflügel überein, hat also -offenbar einem guten Segler angehört. Es gibt aber auch Arten mit -breitem und kurzem Flügel, wahrscheinlich Strandbewohner, die sich -von allerlei kleinen Wassertieren ernährt haben. Sie mögen sich in -ihrer Ruhe reihenweise auf die Küstenfelsen gesetzt oder an die Bäume -angehakt haben; wenn dann die Ebbe eingetreten, werden sie in schrägem -Schwebeflug zum Strande herniedergeschwebt sein und die vom Meer -zurückgelassene krabbelnde und zappelnde Beute eingeheimst haben. - -Die +Schnabelschnauzen+ zeichneten sich durch besonders große Augen -aus, die wie bei den Fischdrachen durch einen Ring von Knochentäfelchen -geschützt waren (Räderaugen). Die spitzen, ungleich langen Zähne sitzen -in weiten Abständen in den Kiefern und sind nach vorn gerichtet. Der -lange Schwanz ist von einer Scheide aus verknöcherten Sehnen umgeben -und besitzt hinten eine flossenartige Verbreiterung. Mit seiner Hilfe -konnte sich der Drache in die Höhe schnellen, außerdem diente er als -Steuer. - -[Illustration: Abb. 16. Dickschnäbelige Flugechse (Pterodaktylus).] - -Der +Pterodaktylus+ hatte einen verkümmerten Schwanz und ziemlich -dicken Kopf, der in einem rechten Winkel auf der Wirbelsäule saß. -Manche Arten hatten nur die Größe eines Sperlings, andere die eines -Geiers. Während die einen noch eine ähnliche Bezahnung wie die -Schnabelschnauzen aufweisen, besitzen andere nur ganz winzige Zähnchen, -und eine dritte Gruppe ermangelt der Bezahnung völlig; dies ist auch -der Fall bei der Gattung +Pteranodon+, das heißt „+Zahnloser Flieger+“ -(griechisch ~pteron~: Flügel, ~pteros~: geflügelt, ~a~: kein, ~odon~: -Zahn). Damit erreichen die Flugechsen die höchste Ausbildung, denn -das ganze Tier ist sozusagen nur noch Flugapparat. Die papierdünnen -zahnlosen Kiefer bilden einen langen, sehr leichten Schnabel; der -Hinterkopf ist in einen ebenso leichten spornartigen Kamm ausgezogen; -alles übrige, Rumpf, Hinterglieder und Schwanz, ist sehr klein. -Diese Segler aus der oberen Kreideformation von Kansas (Nordamerika) -übertrafen die größten fliegenden Vögel, erreichten sie doch 6 bis 7 -Meter Spannweite (der Kondor 3 Meter). Der Pteranodon war zweifelsohne -ein wunderbarer Flieger und hat wohl den größten Teil seines Lebens -schwebend in der Luft zugebracht. Schade, daß dieser Wunderdrache -verschwunden ist. - - - - -Vögel. - - -Untergang der alten Herrscher und Aufstieg der neuen Klasse. - -Das Verschwinden der Riesengeschlechter der mittelalterlichen Saurier -ist verschiedenen Ursachen zuzuschreiben. Als solche haben wir in -erster Linie die Riesenhaftigkeit, die Plumpheit und Schwerfälligkeit, -die geringe Fortpflanzungsfähigkeit und den großen Futterbedarf -anzusehen. Es ist eine allgemein verbreitete Erscheinung, daß gerade -die Riesenformen, sowohl unter Pflanzen wie unter Tieren, sich am -schnellsten erschöpfen, während die kleineren Formen eine viel größere -Lebenskraft haben. Welches Land könnte auf die Dauer Herden von -Atlantosauriern, Brontosauriern, Gigantosauriern, Diplodoken usw. -ernähren? Die Riesenformen ersticken sozusagen unter ihrer eigenen -Last. Dabei sind sie von ihrer Umgebung weit mehr abhängig als die -Kleinen. Jede Schwankung des Klimas, womit zugleich ein Wechsel der -Pflanzenwelt verbunden ist, muß ihnen gefährlich werden, da sie durch -ihre einseitige Entwicklung jede Anpassungsfähigkeit verloren haben. -Wenn ein wasserreiches Land zur trockenen Steppe oder gar zur Wüste -ward, oder wenn es umgekehrt langsam sank und das Meer vordrang, so -gab’s für jene tappigen, schwer beweglichen Fleisch- und Knochenberge -kein Entrinnen mehr. Dazu kam aber noch, daß ihnen aus anderen -Klassen sehr gefährliche Konkurrenten erwachsen waren, den Fisch- -und Langhalsdrachen in furchtbaren Haien und Seesäugetieren, den -Landsauriern in den Landsäugetieren, den Flugdrachen in den Vögeln. -Diese letzteren mögen selbst manchen Vertretern der Dinosaurier -gefährlich geworden sein. Der Reptilientypus war einer besseren -Ausbildung, einer Steigerung der Organisation nicht mehr fähig, wohl -aber war dies beim Vogeltypus der Fall. Hier finden wir vor allem -eine scharfe Trennung und bessere Ausbildung des Blutkreislaufs. -Arterielles und venöses Blut mischen sich nirgends, und letzteres wird -durch intensive Sauerstoffzufuhr, das heißt bessere Atmung rascher -aufgefrischt. Es findet eine lebhaftere Verbrennung, infolgedessen -Steigerung der Bluttemperatur und der Lebensenergie statt; die -Verdauung wird eine viel raschere, der Stoffwechsel ein regerer; -das Gehirn erhält mehr Blut und die beiden Halbkugeln des Großhirns -erfahren bedeutende Förderung. Das leichte, luftige und zugleich warme -Federkleid sichert die Warmblütigkeit des Körpers noch beträchtlich -und verschafft dem Vogel die Unabhängigkeit von der Lufttemperatur und -dem Klimawechsel; die Kälte der Nacht, des Winters, des Hochgebirges, -des Pols, selbst der Eiszeit vermag ihm nichts mehr anzuhaben. Dazu -die sorgfältige Brutpflege, das Anlernen der Jungen und die höhere -Intelligenz, das alles mußte dieser neuen Klasse den Vorrang und den -endlichen Sieg verschaffen. - -Woher die Vögel eigentlich stammen? Die Frage ist noch offen. Man -könnte an die Flugdrachen denken, aber damit ist’s nichts; zwischen -beiden Gruppen gibt’s wohl mancherlei Ähnlichkeiten (Analogien), die -durch gleichartige Lebensweise bedingt sind wie zwischen Fisch und -Walfisch, aber keine Blutsverwandtschaft. So ist der Flugapparat eines -Flugfingers oder einer Schnabelschnauze anatomisch etwas ganz anderes -als ein Vogelflügel, wie auch der Flügel einer Fledermaus und der eines -Schmetterlings anatomisch und entwicklungsgeschichtlich miteinander -nicht zu vergleichen sind. Nun haben wir früher gehört, daß gewisse -Schreckdrachen -- Iguanodon und Verwandte -- im Bau der Hinterglieder -auffallend an große Laufvögel erinnern, weshalb sie den Namen der -Vogelfüßigen (Ornithopoden) erhalten haben. Das scheint darauf -hinzuweisen, daß wir in jener Gegend den Ursprungsort der Vögel zu -suchen haben. Beide so verschieden geartete Stämme haben offenbar eine -gemeinsame Wurzel, die bei den Urreptilien der älteren Triaszeit oder -der Permzeit zu suchen wäre. Das ist alles, was sich über den Ursprung -der Vögel sagen läßt. - - -Ur- und Kreidevögel. - -Daß Vögel sich im allgemeinen für den Versteinerungsprozeß schlecht -eignen, dürfte ohne weiteres klar sein, und es erscheint daher fast -wie ein Wunder, daß trotz alledem 400 bis 500 fossile Arten bekannt -sind, freilich teilweise in so dürftigen Resten, daß es oft geradezu -unmöglich ist, eine Artbestimmung vorzunehmen, weshalb auch die -bezüglichen Zahlenangaben sich in einem ziemlich weiten Spielraum -bewegen. Und wie gering sind obige Zahlen, wenn wir bedenken, daß sie -sich auf Jura-, Kreide-, Tertiär- und Eiszeit, also auf Millionen -Jahre verteilen, und wenn wir uns ferner vergegenwärtigen, daß heute -nicht weniger als 10000 Arten leben. Hieraus erhellt ohne weiteres, -wie lückenhaft die Stammesgeschichte der Vögel sein muß; aber gerade -deshalb ist jeder gute Fund, zumal aus älterer Zeit, von größtem -Interesse. - -Das war nun speziell der Fall beim ältesten Vogel, den man zur -Stunde kennt, dem +Erz- oder Urvogel+ der obersten Juraformation, -einem Zeitgenossen des Flugfingers (Pterodaktylus), Brontosaurus und -Kompsognathus. - -Im Jahre 1861 wurde im lithographischen Schiefer von Solnhofen (Bayern) -ein Fund gemacht, der die Naturforscher in die größte Aufregung -versetzte. Es handelte sich um das Skelett eines Tieres, das Federn -getragen und halb Reptil, halb Vogel gewesen zu sein schien. Kopf, Hals -und die meisten Teile des Rumpfes fehlten, dagegen waren Schultergürtel -und Becken, Vorder- und Hinterglieder sowie der lange Schwanz teils -ganz, teils in größeren Bruchstücken erhalten. Andreas Wagner, -damals Direktor der paläontologischen Sammlung in München, hielt das -Tier für ein richtiges Reptil und gab ihm den Namen +Gryphosaurus+, -+Greifsaurier+. Der Engländer Owen und andere erkannten aber in ihm -einen Vogel und nannten ihn +Archäopteryx+, was soviel wie +Urvogel+ -bedeutet. Das merkwürdige Geschöpf wurde um einen sehr hohen Preis -zum Kaufe angeboten und wanderte endlich für die Summe von 600 Pfund -Sterling (12000 Mark oder 15000 Franken) ins Britische Museum in London. - -Kaum hatten sich die Engländer des Vogels bemächtigt, so berichteten -die Zeitungen, das wunderbare Unikum von Solnhofen sei eine schlaue -Täuschung, ein Rhamphorhynchusskelett, dem man in kunstvoller Weise -Federn angeätzt oder eingraviert habe. Darob unverhohlene Schadenfreude -und großer Jubel bei allen denen, welchen die Entdeckung des Urvogels -ein Dorn im Auge gewesen war. Allein die Briten kehrten sich nicht -an dieses Geschrei, waren sie doch vollständig von der Echtheit des -„teuren“ Fossils überzeugt. Und der Urvogel hat wirklich gelebt. - -Im Jahre 1877 wurde bei Eichstätt, 3½ Stunden vom Fundort des ersten, -ein zweites Exemplar entdeckt, das weit vollständiger und schöner -erhalten war als das erste. Dieses wurde nach langen Unterhandlungen -vom Mineralogischen Museum der Universität Berlin um die Summe von -20000 Mark angekauft, nachdem zahlreiche andere Institute darauf -reflektiert, aber die nötige Summe nicht zusammengebracht hatten. - -[Illustration: Abb. 17. Urvogel von Eichstätt. Im Mineralogischen -Museum in Berlin.] - -Der Archäopteryx steht, wie wir nun mit voller Sicherheit wissen, den -Vögeln viel näher als den Reptilien; er ist etwa zu drei Vierteln -Vogel, zu einem Viertel Reptil; Ober- und Unterkiefer sind mit Zähnen -versehen, welche in besonderen Höhlen stecken, was bekanntlich bei -keinem lebenden Vogel vorkommt. Wohl aber sind mitunter bei jungen -Exemplaren, insbesondere bei Papageien, schwache Andeutungen von -Zähnen vorhanden. Die Wirbel sind auf beiden Seiten ausgehöhlt wie -bei tiefstehenden Amphibien und Reptilien, und die Rippen zeigen -gleichfalls Reptiliencharakter. Der Schwanz gleicht einigermaßen dem -einer Eidechse und besteht aus zwanzig langgestreckten Wirbeln. An -jedem Wirbel waren aber zwei Schwanzfedern befestigt. Bei den heutigen -Vögeln tritt nur im Embryonalleben ein längerer Schwanz auf, nachher -verwachsen die einzelnen Wirbel zu einem kurzen Stück, dessen Endglied -die steifen Steuerfedern trägt. (Der Archäopteryx stellt also einen -Sammel- und Embryonaltypus dar.) Auch die vorderen Glieder, welche zu -Flügeln verwandelt sind und lange Schwungfedern tragen, zeigen keine -so weitgehende Umbildung wie bei den heutigen Vögeln, indem die drei -Finger nicht miteinander verwachsen, sondern vollständig ausgebildet -und mit Krallen versehen sind, so daß sie möglicherweise auch zum Gehen -auf dem Boden, jedenfalls aber zum Festhalten an Bäumen verwendet -werden konnten (ein vierfüßiger Vogel!). Die hinteren Glieder waren -gleichfalls teilweise mit Federn bedeckt, und vielleicht fanden sich -solche auch am Halse, indem sie eine Art Krause bildeten; der übrige -Körper war wohl nackt. - -In keinem anderen Teil der Juraformation ist bis jetzt ein Vogel -gefunden worden und auch für den Fränkischen Jura ist’s nur ein -glücklicher Zufall. Übrigens mußten dort die Verhältnisse zur fossilen -Erhaltung von allerlei Getier sehr günstig sein. Zur jüngeren -Jurazeit befand sich dort ein Meer mit vielen Koralleninseln und -Korallenklippen. Zwischen den Korallenbauten befanden sich Lagunen, -das heißt stille, seichte Gewässer, auf deren Boden sich Kalkschlamm -und feinster Kalksand niederschlugen, woraus die Plattenkalke und -lithographischen Schiefer hervorgingen. Die Fluten schleuderten -zahlreiche Meertiere über die Riffe in die Lagunen, und Stürme trugen -vom nahen Festland mancherlei Landbewohner herzu. Der breiartige -Kalkschlamm hüllte die getöteten Wesen sofort ein und verhinderte deren -rasche Verwesung. Der durch häufige Winde vom Festland herübergewehte -Staub legte sich über die Kalkschicht und bildete eine tonige Lage, die -sogenannte Fäule, worauf sich das Spiel wiederholte. - -Der Urvogel, dessen Größe zwischen der einer Taube und eines Huhnes -schwankte, war sicherlich ein schlechter Flieger und konnte -sich mit manchem Flugdrachen nicht messen; aber er verkörperte -nichtsdestoweniger ein höheres Prinzip und trug wenigstens in seinen -Nachkommen den Sieg davon. - -[Illustration: Abb. 18. Hesperornis.] - -Beträchtlich zahlreicher sind Vogelfunde in der Kreideformation, und -Nordamerika (Kansas) hat deren mehrere in so prächtigem Zustande -geliefert, daß deren Skelette vollständig konstruiert werden konnten. -Ein bedeutsames Merkmal haben alle diese Vögel mit dem jurassischen -Urvogel gemeinsam, sie tragen nämlich in ihren Kiefern echte Zähne. -Unsere Abbildung führt uns eine amerikanische Art vor Augen, den -+Königsvogel+, ~Hesperornis regalis~ (von ~hesperis~: abendländisch, -~ornis~: Vogel und ~regalis~: königlich). Derselbe erreichte eine -bedeutende Größe, denn das Skelett mißt von der Schnabelspitze bis zum -Ende der Zehen nahezu 2 Meter. Die Flügelknochen und der bei guten -Fliegern stark vorspringende Kiel des Brustbeins sind verkümmert, -wohingegen die Beine kräftig entwickelt und zum Rudern eingerichtet -sind. Der Schwanz war breit und bestand aus zwölf Wirbeln, er zeigt -gleichfalls Anpassung ans Wasserleben. Hesperornis konnte nicht -fliegen, er zeigt mehrfach Anklänge an den heutigen Strauß, und der -amerikanische Paläontologe Marsh bezeichnet ihn daher „als einen -wasserbewohnenden, fleischfressenden Strauß“. Manche Skeletteile, so -das Becken, erinnern noch an Reptilien; auch der Schwanz zeigt eine für -Vögel ungewöhnlich große Zahl von Wirbeln. - -Außer dem ungeflügelten Hesperornis ist noch die Gattung +Ichthyornis+, -der +Fischvogel+, genauer bekannt. Auch dieser zeigt Anklänge an -niedere Wirbeltiere, und es sind zum Beispiel die Wirbelkörper an -beiden Seiten ausgehöhlt, was in der Jetztwelt nur bei den Fischen -und bei einigen Amphibien und Reptilien der Fall ist. Ichthyornis war -übrigens ein vorzüglicher Flieger, wie die Flügelknochen und das stark -gekielte Brustbein beweisen. Im ganzen sind aus der Kreide etwa 20 -Arten von Vögeln bekannt geworden. - - -Befiederte Giganten. - -Auch die Klasse der Vögel hatte ihre Heroenzeit, ihre Giganten und -Titanen. In Patagonien (Südamerika) entdeckte man in alttertiären -Schichten (ältere Braunkohlenzeit) die Reste eines ungeheuren Vogels, -+Brontornis+, das heißt +Donnervogel+ genannt. Derselbe erreichte die -Höhe von 4 Meter und ist wohl der größte aller lebenden und fossilen -Vögel. Die Mittelzehen waren etwa 30 Zentimeter (1 Fuß) lang und sehr -dick, die Nagelglieder 5,5 Zentimeter lang und 5 Zentimeter breit; das -ganze Bein hatte eine Länge von 162 Zentimeter. - -Etwas kleiner als dieser Riese der Riesen war die Gattung -+Phororhakos+, die sehr genau bekannt ist. Der Schädel der größten -Art ist 65 Zentimeter lang, also länger als der Kopf eines großen -Pferdes. Der hohe, seitlich stark zusammengedrückte Schnabel ist -hakenförmig gekrümmt wie bei den Raubvögeln. Die Flügel waren wie bei -Brontornis und bei den heutigen Straußen verkümmert, daher zum Fliegen -unbrauchbar. Wegen der großen, sehr stark gekrümmten Krallen waren -die patagonischen Riesenvögel wahrscheinlich auch zu Fuß schlecht -bestellt und jedenfalls keine so gewandten Läufer wie die lebenden -Strauße. Die Schädel zeigen oft Knochenwucherungen, die unzweifelhaft -von schweren Verletzungen herrühren. Vielleicht lieferten die Männchen -untereinander heftige Kämpfe um die Weibchen. Über die Art der -Ernährung wissen wir nichts Sicheres; es ist aber wahrscheinlich, daß -jene Riesen nach Art der Geier die Leichen gefallener größerer Tiere -verzehrten, vielleicht auch Jagd auf junge Reptilien machten (ähnlich -wie der Schuhschnabelvogel am Weißen Nil, welcher den jungen Krokodilen -nachstellt) oder gar ausgewachsene angriffen, wie unser Bild auf Seite -65 darstellt. Wir sehen dort im Vordergrund einen Donnervogel, der -einen Hadrosaurus angreift. Im Hintergrund erblicken wir rechts einen -zweiten Dinosaurier, links einen Phororhakos. Wie die neuesten Funde -wahrscheinlich machen, sind die iguanodonähnlichen Hadrosaurier erst in -der älteren Braunkohlenzeit gänzlich verschwunden. - -[Illustration: Abb. 19. Brontornis und Hadrosaurus.] - -Auch in der sogenannten Eiszeit, die der Braunkohlenzeit folgte und -der Gegenwart unmittelbar vorausging, waren die südlichen Teile der -Erde von zahlreichen Riesenvögeln bewohnt, so besonders Australien. -Wundervolle Reste solcher Riesenstrauße wurden auf Neuseeland gefunden. -Der +elefantenfüßige Schreckensvogel+ (~Dinornis elephantopus~) stand -an Größe dem patagonischen Donnervogel nicht viel nach und einige -Vettern desselben (man kennt heute 20 verschiedene Arten!) scheinen -ihm ebenbürtig gewesen zu sein. Die Riesenstrauße, die +Moas+ der -Neuseeländer, haben sich in einzelnen Arten bis in die Gegenwart -erhalten und sind allem Anschein nach erst im achtzehnten Jahrhundert -ausgestorben, besser gesagt, von den Eingeborenen ausgerottet worden. -Nach verschiedenen Berichten wurde noch in der zweiten Hälfte des -achtzehnten Jahrhunderts von europäischen Seefahrern auf Neuseeland ein -riesiger Vogel erblickt, der die Größe eines Moa besessen haben mag, -und die Heldenlieder der Eingeborenen erzählen noch von den Kämpfen mit -jenen Riesen. Ein alter Häuptling, der um die Mitte des neunzehnten -Jahrhunderts starb, behauptete, daß er in seiner Jugend noch Moafleisch -gegessen habe. Der ausgezeichnete Naturforscher Hochstetter, der uns -so viel Interessantes von der merkwürdigen Doppelinsel berichtet, -bringt die unter den dortigen Eingeborenen, den Maori, übliche -Menschenfresserei in Zusammenhang mit dem Verschwinden der Moas. Diese -müssen zur Zeit, als die Maori einwanderten, ungemein zahlreich gewesen -sein und die wichtigste Nahrungsquelle des Volkes gebildet haben, da -die Insel außerdem sehr wenig bot. Als die Moas ausgerottet waren, -kehrte die Not ein, die Menschen fingen an, aus Mangel an anderweitiger -genügender Nahrung sich gegenseitig aufzuzehren, und daher der -furchtbare Kannibalismus, dem erst durch die Einführung von Schweinen -und Kartoffeln durch die Europäer ernsthaft gesteuert werden konnte. - -Eine auffallende und mit allen Erfahrungen über die tierische -Bevölkerung isolierter Inseln im Widerspruch stehende Erscheinung -ist die große Individuen- und Artenzahl riesiger Laufvögel, die -sich auf einem so kleinen Gebiet wie Neuseeland anhäufen konnten. -Man hat deshalb angenommen, daß in jener Gegend vor kurzem noch -weit größere Festlandsmassen existiert hätten und durch teilweises -Versinken derselben die zahlreichen Arten auf die übriggebliebene Insel -zusammengedrängt worden seien. - -Auch auf Madagaskar hat man Reste eines Riesenvogels gefunden, unter -anderen eine große Zahl von Eiern, von denen eines dem Rauminhalt nach -etwa 150 Hühnereiern gleichkommt. Nach den Aussagen der Eingeborenen -soll jener Vogel heute noch existieren.[4] Das alles weist auf -ehemalige größere Landanhäufungen auf der südlichen Halbkugel, denn -niemals bringen isolierte Inseln so gewaltige Tiere hervor wie die -Moas und die madagassischen Riesenstrauße. - -Daß diese nicht fliegen konnten, ist wohl selbstverständlich; sie -scheinen aber nicht einmal gute Läufer gewesen zu sein. Da ist es -erklärlich, daß sie von den Insulanern ausgerottet wurden. Die Moas -zählt man zu den Scharrvögeln; sie sollen mit ihren ungemein kräftigen -Füßen die Erde nach allerlei Wurzeln aufgewühlt haben. Daneben -verzehrten sie wohl auch Reptilien und Insekten. - - - [4] Die Hoffnung, im Innern der Insel solche zu finden, ist indes - nicht in Erfüllung gegangen. - - - - -Säugetiere. - - -Einiges über Ursprung und Entwicklung. - -Endlich kommen wir zu jener Klasse, die sich zuletzt zu einer -glänzenden Höhe emporgeschwungen, die unbedingte Herrschaft über alle -anderen angetreten hat, diese Herrschaft zur Stunde weiter ausübt und -immer noch in aufsteigender Bewegung begriffen ist. Das gilt freilich -nur für einen beschränkten Teil der ganzen Klasse, speziell für die -eigentlichen „+Herren+“; andere gehen zurück und zahlreiche Formen sind -bereits ausgestorben. Für die Paläontologie kommen nur die letzteren -in Betracht, das sind zirka 1000 Arten, während man etwa 2000 lebende -zählt. Was sie im allgemeinen über alle anderen Tierklassen hinaushebt, -das ist die treffliche Brutpflege -- die Jungen werden mit der -Muttermilch ernährt -- und die beispiellose Entwicklung des Gehirns. -Über ihre Abstammung besteht noch keine Klarheit; doch ist es mehr als -wahrscheinlich, daß wir ihre Wurzeln bei den Reptilien, und zwar in der -Nähe der +Theromorphen+ (der Säugetierähnlichen), zu suchen haben, die -selber wieder von Panzerlurchen oder Wickelzähnern abstammen. - -Damit stimmt auch die Tatsache überein, daß die niedersten Säugetiere -der Gegenwart, die Kloakentiere Australiens: Schnabeltier und -Ameisenigel, die keine lebendigen Jungen zur Welt bringen, sondern -Eier legen, mancherlei reptilienhafte Züge aufweisen. Die Abzweigung -von den Theromorphen muß schon frühzeitig erfolgt sein, wahrscheinlich -in der älteren Triaszeit. In der Jura- und Kreideformation sind nur -wenige und recht dürftige Funde gemacht worden. Die einen scheinen -niedrigen Kloakentieren anzugehören, während andere unzweifelhaft von -Beuteltieren herrühren. Diese besitzen nämlich am Unterkieferwinkel -einen hakenförmigen Fortsatz, der den übrigen Säugern fehlt. Außerdem -haben die Weibchen in der Beckengegend zwei kleine Knochen, die als -Stütze für eine Hauttasche dienen, in welcher die hilflosen Jungen -längere Zeit herumgetragen werden. (Übrigens haben die Kloakentiere -ebenfalls Beutelknochen.) Während des Mittelalters (Trias, Jura, -Kreide) scheinen die Säuger von ganz untergeordneter Bedeutung -gewesen zu sein; erst in der Tertiärzeit treten sie in erstaunlicher -Machtfülle und Vollkommenheit auf den Plan. Eine so sprungweise, -gleichsam explosive Entwicklung erscheint aber sehr unnatürlich, und -somit ist die Vermutung wohl berechtigt, daß die Hauptentwicklung, das -heißt der Aufstieg von den Kloakentieren zu den Beuteltieren und von -diesen zu den modernen, höheren Ordnungen (Huftiere, Wale, Raubtiere, -Nagetiere, Affen usw.) in untergegangenen oder unzugänglichen oder doch -unerforschten Ländern stattgefunden hat. - -Die drei Unterklassen der Säuger können mit drei organisatorisch und -zeitlich weit auseinanderliegenden Wanderzügen verglichen werden. Die -erste Unterklasse (Kloakentiere), aus der jüngsten Trias stammend, -hat sehr geringe Spuren hinterlassen und konnte neben der alles -beherrschenden Saurierklasse nicht emporkommen. Hätten sich nicht -zufälliger- und glücklicherweise die obengenannten zwei Gattungen -der Ameisenigel und Schnabeltiere im weltabgeschiedenen Australien -erhalten, so wüßten wir von jener Tierwelt, die auf Jahrmillionen -zurückblicken kann, so gut wie nichts. Sie trugen wohl in sich den Keim -zur höheren Entwicklung, fanden aber keinen Ausweg aus dem Elend ihrer -Pariaskaste. - -Die zweite Unterklasse (Beuteltiere) unterschied sich von der ersten -beträchtlich. Die heute noch lebenden Beutler, die fast ausschließlich -Australien angehören, wo sie keine Konkurrenten hatten, sind nur ein -schwacher Abglanz ehemaliger Herrlichkeit. Vorzeiten waren sie fast -über die ganze Erde verbreitet, traten in zahlreichen Unterordnungen, -Familien, Gattungen und Arten auf und zählten wahre Riesen unter sich. -Zu letzteren gehört zum Beispiel der +Riesenwombat+ (+Diprotodon+), -ein Beutelnagetier von der Größe eines Nashorns. Mit seinen Nagezähnen -konnte es die größten Bäume fällen und deren Rinde abschälen. Ein -überlebender Vetter, der heutige gewöhnliche Wombat Neuhollands, -erreicht nur die Größe eines Dachses. Auch die ausgestorbenen -Känguruharten waren riesige Geschöpfe, neben denen sich die heutigen -Känguruhs, die größten überlebenden Beutler und die größten -einheimischen Säugetiere Australiens, geradezu kläglich ausnehmen. - -Gewisse Beuteltiere -- und zwar gerade die größten, wie Wombat und -Känguruh -- kommen niemals in nördlichen Ländern vor, sondern bleiben -auf die Südhalbkugel beschränkt, und auch die fossilen kleinen -nordischen Arten Europas und Nordamerikas sind nie zu hoher Bedeutung -gelangt und rasch wieder verschwunden. Daraus scheint hervorzugehen, -daß die Beuteltiere im Süden, vielleicht auf dem Südpolarkontinent -entstanden sind, womit die Tatsache vortrefflich harmoniert, daß -Australien und Südamerika, die so weit auseinanderliegen und schon seit -undenklichen Zeiten getrennt sind, ganz gleichartige Formen aufweisen; -denn beide standen nach ihrer Trennung noch mit dem Südpolarland im -Zusammenhang und also wenigstens mittelbar miteinander in Verbindung. -Natürlich müßte dabei vorausgesetzt werden, daß am Südpol ehedem ein -viel wärmeres Klima geherrscht, und dafür sind auch in der Tat genügend -Beweise vorhanden. - -Als die Beuteltiere nach Norden wanderten, stießen sie auf höhere -Säugetierordnungen, denen sie erliegen mußten. Jene höheren Säuger aus -dem Norden drangen überall sieghaft vor und rotteten die schwächeren, -das heißt schlechter organisierten aus. Letztere entgingen in -Australien nur durch die Isolierung der Landmassen dem Untergang, denn -das Meer setzte den Eroberern ein Ziel. - -In Südamerika drangen höhere, flinke und intelligente Säuger erst spät -vor und sind durch eine seltsame Verkettung von allerlei Umständen -teilweise wieder verschwunden, so daß sich die Beutler auch dort -länger, sogar bis in unsere Zeit erhalten konnten. Manches, wie zum -Beispiel das Verschwinden der großen Säuger in Südamerika, ist noch -rätselhaft, wie denn überhaupt auf diesem Gebiet noch unendlich vieles -zu erforschen und aufzuhellen ist. - -Die höheren Säugetiere, die sich von den niederen hauptsächlich dadurch -auszeichnen, daß ihre Jungen in reiferem Zustand geboren werden, -zerfallen in zahlreiche Ordnungen, die sehr verschiedene Stufen der -Entwicklung aufweisen. Gewöhnlich unterscheidet man zehn Ordnungen, -nämlich Waltiere, Zahnlose, Nagetiere, Fledermäuse, Raubtiere, -Klippdachse, Huftiere, Rüsseltiere, Halbaffen und Primaten, zu welch -letzteren die Affen und der Mensch gezählt werden. Wir müssen uns auch -hier auf einige wenige besonders hervorragende Größen beschränken. - - -Wale. - -Die größten Vertreter der Säugetiere und der Tierwelt überhaupt sind -die Walfische. Gewaltigere Riesen als diese hat es nie gegeben. -Leider scheinen sie rasch ihrem Untergang zuzutreiben, nicht infolge -natürlichen Zwanges, sondern lediglich wegen der unersättlichen -menschlichen Profitwut und barbarischen Rücksichtslosigkeit, die -nun einmal von der heute noch herrschenden Gesellschafts- und -Wirtschaftsordnung unzertrennlich sind. - -[Illustration: Abb. 20. Walfisch der heutigen Zeit.] - -Die Wale haben sich in so hohem Grade an das Wasser angepaßt, daß -sie außerhalb desselben nicht mehr leben können, obschon sie durch -Lungen atmen. Ein gestrandeter Walfisch ist unrettbar verloren. Da -sich zum Schwimmen die Fischform oder Torpedoform am besten bewährt -hat, so haben sie dieselbe ebenfalls angenommen und hierin sogar viele -Fische „überflügelt“. Die Vorderglieder sind zu handartigen Paddeln -reduziert und die Finger stecken in einer festen Haut wie in einem -Fausthandschuh. Sie dienen zur Steuerung und zur Herstellung der -Gleichgewichtslage. Die hinteren Glieder sind vollständig verkümmert, -da sie überflüssig geworden sind und nur hinderlich wären. Zur -Fortbewegung des kolossalen, ganz mit Fett und Öl durchtränkten Körpers -dient die wagrechte Schwanzflosse, die nach Art einer Schiffschraube -funktioniert, jedoch weit besser arbeitet als die besten Propeller -unserer Maschineningenieure. Bei den Bartenwalen (Grönlandswal, -Finnfisch) ist der Schwanz zugleich die einzige, aber furchtbare Waffe. - -Man könnte leicht auf die Vermutung gelangen, daß die Wale direkt -von Fischen oder von großen Meersauriern (etwa den berühmten -Fischdrachen) abstammen, mit welch letzteren sie viele Berührungspunkte -gemein haben. Wir wissen aber heute, daß davon nicht die Rede sein -kann; jene Übereinstimmungen sind lediglich durch die gleichartige -Lebensweise erzeugt worden; es sind „Analogien“ und keine Beweise von -Blutsverwandtschaft. Die Wale sind unzweifelhaft die Abkömmlinge von -Landtieren, wahrscheinlich von gepanzerten Urhuftieren, deren Vettern -die sogenannten Zahnlosen waren, von denen wir noch sprechen werden. -Die Abtrennung der Wale und ihre Anpassung ans Meer muß schon in der -Kreidezeit erfolgt sein, und in der Kreideformation müssen überhaupt -die Ahnen der heutigen höheren Säugetiere gesucht werden. - -Der älteste fossile Wal ist das +Zeuglodon+ (+Jochzahn+), so genannt, -weil die zweiwurzeligen Backenzähne die Form eines Joches haben, das -heißt aus zwei durch einen Querbalken verbundenen Teilen bestehen. -Das erste vollständige Skelett stammt aus Alabama im Süden der Union -und besaß angeblich eine Länge von 38 Meter -- man hatte nämlich die -Reste mehrerer Exemplare zusammengesetzt. Das +große Zeuglodon+, auch -+Basilosaurus+ (+Königsdrache+) getauft, erreichte eine Länge von 20 -Meter, während die größten unter den heutigen Walen nahezu 30 Meter -lang und 1500 Kilozentner schwer werden, das heißt das Gewicht von -zirka 200 Ochsen erreichen. Man kennt heute ein Dutzend Zeuglodonarten -aus Nordamerika, England, Ägypten und Australien. - -Die Zeuglodonten hatten einen schlanken, deutlich abgesetzten und -beweglichen Kopf mit scharfem Raubtiergebiß und besaßen noch nicht die -ausgesprochene Torpedoform wie die heutigen Wale. Sie lebten in der -älteren Tertiär- oder Braunkohlenperiode und verschwanden im mittleren -Tertiär (Molassezeit). - -Auch die +heutigen+ Wale kommen fossil vor, haben somit ein -beträchtliches Alter; jedenfalls existieren sie schon seit -Hunderttausenden von Jahren. Ihre Reste sind häufig, ganze Skelette -jedoch äußerst selten. Die schwammigen Knochen fallen nach dem Tode -des Tieres bald auseinander und sinken auf den Grund. In der Tiefe -hat aber das Wasser infolge hohen Druckes und wohl auch wegen seines -Säuregehaltes eine erhöhte Lösungsfähigkeit und löst dieselben auf, -wobei schließlich nur die überaus soliden und harten Ohrknochen -(Felsenbeine) übrigbleiben. Natürlich unterliegen auch die Skelette -der übrigen Tierarten demselben Schicksal, weshalb der Meeresgrund im -allgemeinen arm an gut erhaltenen Tierresten ist. - - -Zahnarme. - -(Riesenfaultiere und Riesenpanzertiere.) - -Die Wissenschaft bezeichnet sie auch als +Zahnlose+, +Edentaten+, aber -beide Ausdrücke sind gleich schlecht gewählt. Wohl gibt es darunter -zahnlose Geschöpfe, aber auch solche mit sehr vielen Zähnen; immerhin -steht das Gebiß auch bei diesen auf tiefer Entwicklungsstufe. Die -Zahnarmen bilden gleich den Walen eine in der Jetztwelt isolierte -Gruppe recht verschiedenartiger Geschöpfe, die weder unter sich noch -zu den übrigen +Haartieren+, wie die Säuger auch genannt werden, große -Verwandtschaft erkennen lassen. Gerade weil man die einzelnen Familien -nirgends gut unterbringen kann, hat man sie zu einer besonderen Ordnung -in einer Art Gerümpelsammlung zusammengeworfen. - -Besonderes Aufsehen erregten seinerzeit die Funde in der sogenannten -Pampasformation Südamerikas, der großen Lehmebene der Laplatastaaten -und Patagoniens. Zur Diluvialzeit, während welcher die Länder der -nördlichen gemäßigten und kalten Zone mit ungeheuren Eismassen -bedeckt waren, lebten dort im Süden riesenhafte +Faultiere+, welche -wie eine Wiederholung gewisser alter Riesensaurier erscheinen. In -intellektueller Hinsicht mögen sie auch jenen Drachen wenig überlegen -gewesen sein, wie sich denn überhaupt die Klasse der Säugetiere -keineswegs mit imponierenden Repräsentanten eingeführt hat. Die -Säugetiere haben Jahrmillionen gebraucht (Triaszeit bis Gegenwart), um -endlich das zu werden, was sie heute sind. - -[Illustration: Abb. 21. Lebendes Faultier.] - -Sehen wir uns nun jene südamerikanische Säugetierwelt genauer an. -Heute hausen dort zwerghafte Epigonen der alten Riesengeschlechter. -Die jetzigen Faultiere der dichten Urwälder Südamerikas (man -unterscheidet zweizehige und dreizehige, Unau und Ai) zeichnen sich -durch exemplarische Faulheit aus und tragen ihren Namen mit vollem -Recht. Diese „Baumsklaven“, wie sie ein Naturforscher bezeichnet hat, -sind zwar gewandte Klettertiere, die hierin vielfach an Affen erinnern, -aber sie machen von ihren Seiltänzerkünsten wenig Gebrauch und führen -in den Baumkronen des Urwaldes ein höchst langweiliges Stilleben. Mit -den großen Sichelkrallen haken sie sich an wagrechten Ästen und Zweigen -fest und bringen so Tage und Nächte unbeweglich zu, bis sie vom Hunger -oder der Liebe in gelinden Trab versetzt, das heißt veranlaßt werden, -aus ihrem vorsintflutlichen Phlegma herauszutreten und ihre Künste am -hohen Seile zu zeigen. Haben sie ihre spießbürgerlichen Extravaganzen -gesühnt, so setzen sie sich in einer passenden Astgabel fest und -halten ein gesundes Schläfchen, das acht und mehr Tage dauern kann, -denn ihr Wahlspruch lautet: Ruhe ist des Bürgers erste Pflicht. Wie -es scheint, können sie wochenlang ohne Nachteil fasten und besitzen -überhaupt eine unglaublich große Lebenszähigkeit. Die gräßlichsten -Verstümmelungen ertragen sie „mit der Ruhe eines Leichnams“, alles -Beweise, daß sie einer uralten Sippe angehören und sich nur durch -außergewöhnlich günstige Umstände in die Gegenwart herübergerettet -haben. Einen vortrefflichen Schutz gewährt ihre Behaarung, welche mit -dürrem Riedgras Ähnlichkeit hat und mit der Färbung der Baumäste gut -übereinstimmt, so daß ein ruhig herabhängendes oder sitzendes Tier im -Halbdunkel des Urwaldes äußerst schwer zu entdecken ist. - -[Illustration: Abb. 22. Skelett des Riesenfaultiers (Megatherium) aus -dem Pampasschlamm Argentiniens.] - -Sie erreichen ungefähr die Größe einer Wildkatze; ihre Vorfahren aber -wurden 3 Meter hoch und annähernd 5 Meter lang, standen somit an Größe -dem Elefanten nicht viel nach, übertrafen ihn aber noch an Plumpheit -des Knochenbaus. Die Oberschenkel waren mindestens halb so dick wie -lang und der Schwanz bildete einen mächtigen Stützpfeiler, fast in der -Art wie beim Iguanodon und verwandten Sauriern. Das unsäglich plumpe -+Megatherium+, das heißt Großtier, besaß in den mächtigen Kiefern -18 vierkantige Backenzähne, die auf grobe, harte Pflanzennahrung -hinweisen, und an den Zehen gewaltige Klauen zum Scharren. Alles -an diesem Urweltler geht ins Riesenhafte, ist auf Massenwirkung -berechnet, ausgenommen das Gehirn, welches von einer selbst für -Faultiere bejammernswerten Zwerghaftigkeit war. Es scheint, als habe -sich die Natur dieser erbärmlichen mißratenen Geschöpfe geschämt und -sie deshalb in den Orkus geworfen. Jedenfalls ist es verständlich, daß -die besser ausgerüsteten und intelligenteren Konkurrenten mit ihnen -leicht fertig wurden. Daß sie trotz alledem vom mittleren Tertiär -(Miozän) bis zum Ende der Eiszeit sich halten konnten, erscheint -fast wie ein Wunder. Über ihre Lebensweise weiß man nichts Gewisses, -nicht einmal, ob sie Wald- oder Steppentiere gewesen. Jedenfalls ist -so viel klar, daß sie nicht wie ihre zwerghaften Nachkommen im Geäst -der Bäume affenartig herumgeturnt haben. Man dachte sich, daß sie oft -nach Iguanodonart auf den Hinterbeinen, den kolossalen Schwanz als -Stütze benutzend, einhergeschwankt und das Laubwerk abgeweidet, wohl -auch kleinere Bäume einfach ausgegraben und deren Kronen verspeist -haben. Aber schon Darwin äußerte hierüber Zweifel, und neuere Forscher -haben die Ansicht geäußert, daß die Riesentiere ihre großen Klauen zum -Ausscharren von allerlei Wurzeln und Knollen benutzt und ihre Nahrung -in erster Linie dem Erdboden entnommen haben. Jedenfalls vertilgten -sie ansehnliche Quantitäten und waren nicht gerade wählerisch, konnten -wohl auch gleich ihren Nachfahren lange fasten. Daß sie auch sonst -nicht an großer Empfindsamkeit litten, beweist ein fossiler Schädel, -dessen Dach durch den Sturz eines Baumes oder den Tatzenschlag eines -Kollegen völlig zertrümmert, aber wieder hübsch zusammengeheilt war. -„Man muß wirklich staunen,“ sagt Neumayr, „daß ein warmblütiges Tier -eine solche Verletzung überleben konnte.“ Das auf Seite 75 abgebildete -Skelett ist dasjenige des +Großen Riesenfaultiers+, ~Megatherium -giganteum~ oder ~americanum~, von dem schon Anno 1789 in Argentinien -ein vollständiges Skelett ausgegraben und nach Madrid gebracht worden -war, wo es zu allerlei seltsamen Betrachtungen Anlaß gab. Aus dem -Diluvium von Argentinien, Brasilien, Chile, Ekuador, Zentralamerika und -den südlichen Vereinigten Staaten Nordamerikas sind außer der genannten -noch mehrere andere Arten und Gattungen bekannt geworden. - -Etwas kleiner, aber noch plumper als das ~Megatherium giganteum~ -war das +Mylodon+ (+Mahlzahn+), das gleichfalls in den „Katakomben -für ausgestorbene Ungeheuer“, in der Pampasformation Argentiniens, -außerdem aber auch in Nordamerika gefunden wird. Die Haut desselben, -von der sich Reste erhalten haben, ist mit kleinen Knochenkörperchen -vollgespickt, was darauf hinzuweisen scheint, daß die Stammeltern der -Riesenfaultiere einen Panzer aus Knochentafeln trugen. Das Becken des -Mylodon ist breiter und tiefer als selbst beim Elefanten, woraus zu -schließen ist, daß es einen sehr umfänglichen Verdauungsapparat besaß -und enormer Nahrungsmengen bedurfte; da mußten die Zähne freilich ein -leistungsfähiges Mühlwerk darstellen. - -Die in denselben Gebieten vorkommende Gattung +Megalonix+, auch in -Höhlen gefunden, zeichnet sich durch elliptische Backenzähne und -geradezu fabelhaft große Krallen aus, während das +Skelidotherium+ sich -durch die Dicke seiner Knochen hervortat. Das war, soweit bis jetzt -bekannt, das plumpste aller Landsäugetiere; der Oberschenkelknochen ist -beträchtlich dicker als lang. Es ist auf Südamerika beschränkt. - -Ein Vetter desselben, das +Grypotherium+, scheint stellenweise in -Höhlen gehaust zu haben. In einer dicken Mistlage am Boden einer -Höhle Patagoniens an der Meeresküste fand man Knochen und große -Hautstücke, die eingebettete Knochenkörner und lange, steife -gelbliche und rotbraune Haare erkennen ließen. Es gelang, die harten -Fellstücke aufzuweichen, worauf sich ein durchdringender Fäulnisgeruch -entwickelte, der eine Menge von Aasfliegen herbeilockte. Das -Interessanteste ist aber folgendes: „Die untersuchten Fellstücke waren -auf der Innenseite so sauber vom Fleische entblößt und abgeschabt, daß -sie nur von Menschen, nicht aber von Tieren abgebalgt sein können. -Von manchen Stücken kann man sagen, daß sie zugeschnitten sind, um -als Kleidungsstücke verwendet zu werden.“ Man fand in der erwähnten -Höhlenschicht auch aufgeschlagene Knochen sowie allerlei Steingeräte, -so daß die gleichzeitige Anwesenheit des Menschen als erwiesen gelten -darf. Kein Zweifel, der Urmensch hat das Grypotherium gejagt und dessen -Fleisch und Fell benutzt. Es wurde sogar die Vermutung geäußert, der -Eiszeitmensch habe mit jenem Riesenfaultier zusammengewohnt, das -heißt er habe es als eine Art Haustier gehalten. Über die Ernährung -besteht noch keine Übereinstimmung. Nach den einen Forschern weist der -Zahnbau auf weiche Kost: Laub und Kräuter, andere machen auf die großen -Scharrkrallen aufmerksam, welche doch wohl zum Ausgraben von Wurzeln -dienten; vielleicht wurden auch allerlei hervorgescharrte Insekten und -Würmer mit verspeist. - -Die +Gürteltiere+, niedrigstehende altertümliche Säuger Südamerikas, -besitzen einen aus Knochenplatten bestehenden Panzer und erinnern -damit an Schildkröten, denen sie auch hinsichtlich Langsamkeit und -Stumpfsinnigkeit ähneln. Die kleinste Art, der +Schildwurf+, auch -+Gürtelmaus+ genannt, wird nur spannenlang und führt nach Art der -Maulwürfe eine unterirdische Lebensweise, die größte Form, das heutige -Riesengürteltier, erreicht die Größe eines Schweines und hat in den -Kiefern zirka hundert stiftförmige Backenzähne. Alle sind im Besitz -von Sichelkrallen, mit denen sie Erdhöhlen graben und nach Insekten -und Würmern wühlen; sie sind übrigens Allesfresser und nehmen auch -Aas und Früchte an. In der Gefangenschaft werden sie meist mit -rohem Pferdefleisch, Brot und Milch ernährt. Ihr Fleisch soll sehr -schmackhaft sein, weshalb sie viele Feinde haben und immer seltener -werden. Bei Verfolgung kugeln sie sich zusammen oder graben sich mit -erstaunlicher Schnelligkeit in den Boden ein. - -[Illustration: Abb. 23. Lebendes Gürteltier.] - -Die +ausgestorbenen+ waren schwerfällige, unbehilfliche Riesen, so die -+Glyptodonten+, welche die Größe einer Kuh erreichten. Sie konnten -sich nicht zusammenkugeln, weil der Panzer starr war wie bei den -Schildkröten. Der Kopf war gleichfalls mit Knochenplatten geschützt und -der Schwanz steckte in einem dicken Knochenfutteral. Man kennt mehrere -Dutzend Arten solcher Panzertiere, deren Wohngebiet sich von Patagonien -bis zum südlichen Teile der nordamerikanischen Union erstreckte. -Interessant ist die Beobachtung, daß die großen Panzer derselben von -den Urmenschen als Aufbewahrungsstätten benutzt wurden. Die Knochen -sind herausgenommen, und häufig findet man im Innern bearbeitetes -Hirschgeweih, zertrümmerte Schädel, aufgeschlagene Röhrenknochen und -Zähne eines riesigen Urnagers, welche offenbar als Messer dienten. Wie -eine Überlieferung aus jener längst verflossenen Zeit klingt die Kunde, -daß heute noch im Staate San Paolo (Brasilien) Gürteltierpanzer als -Wiegen Verwendung finden. - - -Huftiere. - -Die Huftiere weisen einen großen Formenreichtum auf und machen im -ganzen durchaus den Eindruck von +modernen+ Geschöpfen, doch sind -darunter auch einige altertümliche Typen, nämlich die Nashörner, -Tapire und Flußpferde. Die alte Einteilung in Einhufer, Zweihufer und -Vielhufer hat sich als unnatürlich und daher unbrauchbar erwiesen, -denn sie steht mit der Entwicklung der Ordnung, soweit dieselbe zur -Stunde bekannt ist, im Widerspruch. Die aufgefundenen fossilen Huftiere -beweisen nämlich, daß der ganze Stamm in zwei nebeneinander her gehende -Zweige sich gabelte, in solche mit gerader und solche mit ungerader -Hufzahl. Zu den Paarhufern oder Paarzehern gehören die Schweine, -Flußpferde und Wiederkäuer, zu den Unpaarhufern die Tapire, Nashörner -und Pferde. - -[Illustration: Abb. 24. Ausgestorbenes Riesengürteltier.] - -Unter den ausgestorbenen Vorfahren derselben finden wir einige -originelle Gesellen, die wohl der Erwähnung wert sind. Besonders schöne -Funde wurden in Nordamerika gemacht, wo ähnlich den „Katakomben“ -der Pampasformation und den berühmten Saurierfriedhöfen förmliche -Knochenlager entdeckt worden sind. - -Im nordwestlichen Teil der Union sind Binnenseeablagerungen bekannt, -welche die erstaunliche Mächtigkeit von 10000 Fuß erreichen und -stellenweise einen ungeheuren Reichtum an seltsamen Säugetierresten -bergen. Besonders berühmt sind die ~Mauvaises Terres~ (schlechte Erde), -sprich mowäs tär, ein Wüstengebiet in Wyoming, wo Auswaschung und -Abtragung durch Wasser aus den Tertiärschichten die abenteuerlichsten -Formen, Klippen, Obelisken, Säulen, Burgruinen und dergleichen -herausmodelliert haben, so daß man glaubt, die Ruinen einer großen -Festung vor sich zu sehen. Dem Bericht einiger amerikanischer Geologen -entnehme ich folgendes: - - „Diese Region ist von der eigentümlichsten geologischen - Beschaffenheit, die wohl nirgends auf Erden ihresgleichen hat. - Die Karawane zog gegen Südwesten in den zwei ersten Tagen über - einförmige, leicht gewellte Ebenen, deren Boden mit Salpeter - geschwängert war. So weit das Auge reichte, sah man keinen - Baum oder Busch, wohl aber manchen blühenden Kaktus und in den - Niederungen sogenannte Milchpflanzen. Da und dort traf man eine - Kolonie von Präriehamstern, sonst kein lebendes Wesen in dieser - wasserarmen Gegend. Am sechsten Tage kamen die ~Mauvaises Terres~ - in Sicht, die einen wahrhaft überraschenden, unbegreiflichen - Anblick bieten. Im Hintergrund einer weit ausgedehnten Ebene fielen - die Strahlen der Abendsonne auf eine gewaltige Trümmerstadt, die - eben mit rosenfarbigem Lichte übergossen war. In ihr erhoben - sich Mauern und Bastionen, große Paläste mit mächtigen Kuppeln - und andere Bauten von wunderbaren, seltsamen Gestalten. Das - Ganze machte einen überwältigenden Eindruck, als über alle Maßen - phantastisch. In Abständen von verschiedener Entfernung erhoben - sich über dem schneeweißen Boden backsteinrötliche Burgen mit - Zinnen und Pyramiden, auf deren Spitzen die mächtigsten Blöcke - lagen, die scheinbar vom Winde hin und her geschaukelt wurden. - Mitten in diesem Chaos geologischer Ruinen erhebt sich, einem - Leuchtturm vergleichbar, eine bei 300 Fuß hohe Felsensäule. Der - Indianer nennt es die verwünschte Stadt, darin namentlich auch - ein großes Amphitheater auffällt, mit ockerfarbigen, ausgezackten - Mauern umgeben. Der Boden besteht vielfach aus einer dicken - Lage fossiler Knochen, von denen manche aufs vortrefflichste - erhalten sind, und an vielen Orten lag eine ganze Beinstätte von - Zähnen, zerbrochenen Kinnladen, Knochen und Wirbeln in Ton oder - fleischfarbigen Mergel eingebettet.“ - -Von der überaus individuen- und artenreichen Tierwelt mögen nur zwei -Formen Erwähnung finden, das +Koryphodon+ und das +Dinozeras+, -von welchen ersteres auch in Europa vorkommt, letzteres aber auf -Amerika beschränkt ist. Das +Koryphodon+ (der Name stammt von der -Beschaffenheit der Unterkieferzähne, ~koryphe~ heißt die Spitze) -vereinigt die Merkmale der verschiedenen Huftiere und wurde deshalb von -einigen als Stammvater derselben oder doch wenigstens als derjenige der -Elefanten betrachtet. Beides ist unmöglich, denn jene Ausgangs- oder -Urformen müssen schon in der Kreide gelebt haben. Wahrscheinlich bilden -sie einen Seitenzweig jener noch unbekannten Stammformen. Im höchsten -Grade auffallend ist der im Verhältnis zu heutigen Säugern geringe -Inhalt der Schädelkapsel. Der amerikanische Paläontologe Cope schildert -das Tier folgendermaßen: - - „Nach dem Skelett glich Koryphodon in der allgemeinen Erscheinung - wahrscheinlich einem Bären mehr als irgendeinem anderen lebenden - Tiere, nur mit dem Unterschied, daß seine Füße ganz wie die eines - Elefanten waren, und zu den Körperverhältnissen eines Bären müssen - wir noch einen Schweif von mittlerer Länge fügen. Ob sie behaart - waren, wissen wir nicht, denn von ihren Verwandten, den Elefanten, - sind einige behaart (Mammut), andere nackt. Der Scheitel war ohne - Zweifel kahl und mag bei alten Tieren nur mit einer dünnen Oberhaut - wie bei Krokodilen bedeckt gewesen sein, so daß sie dem Feinde eine - rauhe, undurchdringliche Stirne entgegenstellen konnten. In seinen - Bewegungen glich Koryphodon ohne Zweifel dem Elefanten mit seinem - schwankenden Paßgange. Als Ersatz für den Mangel an Geschwindigkeit - kann die furchtbare Bewaffnung mit mächtig vorspringenden Eckzähnen - gelten, welche namentlich im Oberkiefer stärker und länger waren - als bei Raubtieren. Die Größe der einzelnen Arten schwankt zwischen - derjenigen eines Ochsen und der eines Tapirs. Die Hauptnahrung von - Koryphodon war vermutlich vorwiegend pflanzlicher Natur, aber ohne - strenge Beschränkung auf ein bestimmtes Futter; ohne Zweifel waren - sie, wie die jetzigen Schweine, bis zu einem bedeutenden Grade - Allesfresser.“ - -Die Koryphodonten scheinen nur dem unteren Eozän anzugehören und schon -im Anfang der Tertiärzeit ausgestorben zu sein, jedoch nicht, ohne -würdige Nachkommen hinterlassen zu haben. Ihnen folgten nämlich die -Dinozeraten oder Schreckhörner (von ~deinos~ oder ~dinos~: schrecklich -und ~keras~: Horn), gewaltige, plumpe Kolosse, die im Fußbau mit den -Koryphodonten übereinstimmen und deren äußere Erscheinung zwischen -Elefant und Nashorn ungefähr die Mitte hielt. Nach dem einstimmigen -Urteil der Gelehrten gehören dieselben zu den absonderlichsten Typen, -die je gelebt haben. Ihre Reste kommen nur in den ~Mauvaises Terres~ -vor, dort aber in solcher Menge, daß der Amerikaner Marsh allein über -200 Exemplare in seiner Sammlung zusammenbrachte. Der am seltsamsten -geformte Körperteil beim Dinozeras ist der Schädel, ein Monstrum, „das -unter allen Tieren seinesgleichen nicht findet“. Der Unterkiefer trägt -einen breiten, abwärts gerichteten Fortsatz des Knochens, der fast wie -eine Axt aussieht. Im Oberkiefer fehlen die Schneidezähne, dafür sind -aber die Eckzähne zu gewaltigen Hauern vergrößert, welche wie beim -Walroß weit nach unten ragen. Auf der Oberseite des Schädels sitzen -drei Paar Knochenwülste, die von vorn nach hinten an Größe zunehmen und -höchstwahrscheinlich Hörner getragen haben, von denen die hinteren eine -kolossale Größe erreicht haben dürften. Ein Tier mit sechs Hörnern, das -ist etwas so Absonderliches, Ungeheuerliches, daß der Naturforscher -stutzt und nach einer anderen Deutung sucht. Man hat denn auch die -Hörner niemals gefunden; allein Horn ist sehr schlecht erhaltungsfähig -und findet sich selten fossil, und es scheint keine Möglichkeit -vorhanden, jene Stirnzapfen anders zu erklären. - -[Illustration: Abb. 25. Schädel des Dinozeras.] - -Als dritter im Bunde reiht sich den genannten würdig an das -+Titanotherium+ (Riesentier), auch +Brontotherium+, das heißt -+Donnertier+ genannt, ein Vetter der Nashörner. Hinsichtlich der -Gestalt mochte es zwischen Tapir und Rhinozeros die Mitte halten, stand -aber einem Elefanten an Größe wenig nach (4 Meter lang, 2,3 Meter -hoch). Der lange niedrige Schädel mit lächerlich kleiner Hirnhöhle -zeigt über den Nasenbeinen zwei stumpfe Knochenzapfen, die offenbar -große Hörner trugen. Das kräftige Gebiß und die dicken Beine, von denen -die vorderen vier, die hinteren drei Hufe trugen, scheinen dafür zu -sprechen, daß wir es hier mit einem sumpfbewohnenden Pflanzenfresser zu -tun haben. - -Die Sippe der Titanotherien war im älteren Tertiär (ältere -Braunkohlenformation) Nordamerikas sehr zahlreich vertreten; kennt man -doch zur Stunde nicht weniger als 15 verschiedene Gattungen mit zirka -20 Arten. Neben ihnen lebten zahlreiche Rhinozerosse -- man kennt über -50 Arten --, von denen die ältesten Formen noch keine Hörner hatten -und daher +Azeratherien+, das heißt +Ohnhorntiere+ getauft wurden; -allmählich wurden die Nasenbeine kräftiger und wurden gar durch eine -knöcherne Nasenscheidewand gestützt, um eine solide Unterlage für die -mächtigen Hörner zu bilden. Damit geht parallel eine Verlängerung des -Schädels und die Verkümmerung der Schneide- und Eckzähne, wie denn -stets die Änderung eines Organs diejenige eines anderen nach sich -zieht. (Die gleiche Entwicklung haben übrigens auch die Titanotherien -durchgemacht.) - -Die Nashörner (mit und ohne Horn) waren nicht nur sehr arten- und -individuenreich, sondern hatten auch eine sehr große Verbreitung; sie -bewohnten Nordamerika, Afrika, Europa und ganz Asien bis zum Eismeer. - -Die nordamerikanischen Fundstätten sind außer durch ihre zahlreichen -phantastischen Biester noch besonders berühmt durch die ans Wunderbare -grenzende Vollkommenheit der Entwicklungsreihen des +Pferdestammes+. -Sie haben die unbestreitbaren Beweise für die überraschende Tatsache -geliefert, daß unsere heutigen Einhufer (Pferd, Esel, Zebra) von -+fünfzehigen Tieren der älteren Braunkohlenzeit+ (Eozän) abstammen und -daß sie mit Nashorn und Tapir blutsverwandt sind. - -Als Ausgangspunkt des amerikanischen Stammbaums wird die Gattung -+Phenakodus+ genannt. Dieselbe lebte in der ältesten Tertiärzeit und -stellte einen ausgezeichneten Sammeltypus dar, indem das Skelett -typische Merkmale von Raubtieren, Elefanten und Huftieren in seltsamem -Gemisch vereinigt. Die Glieder endigen in fünf Zehen, von denen jedoch -die erste und fünfte den Boden nicht berühren. Die mittlere oder dritte -Zehe ist die stärkste und bildet den Hauptpfeiler des Fußes, worin ein -hervorstechendes Charakteristikum der Unpaarzeher liegt. Auf Phenakodus -folgt die Gattung +Eohippus+, die am Vorderfuß vier Zehen und von der -fünften nur noch einen verkümmerten Rest, am Hinterfuß dagegen bloß -drei Zehen besitzt. Von da leiten die Gattungen in schönster Weise bis -zu den heutigen Einhufern herauf: +Orohippus+, vorn mit vier Zehen, -wovon die eine stark zurücktritt; +Mesohippus+, etwa dem europäischen -Paläotherium entsprechend, mit drei Zehen, am Ende des Eozän; -+Miohippus+ (+Anchitherium+) im Miozän, gleichfalls mit drei Zehen; die -beiden letzten Gattungen noch mit schwachen Andeutungen (Rudimenten) -einer vierten Zehe; +Protohippus+ oder +Hippotherium+ im unteren -Pliozän, mit drei Zehen, nämlich der zweiten, dritten und vierten, -wovon nur die mittlere den Boden berührt; +Pliohippus+ und endlich das -+Pferd+, mit einer einzigen, sehr starken, nämlich nur mit der dritten -Zehe; erste und fünfte sind vollständig verschwunden, zweite und vierte -als die rudimentären Griffelbeine nur noch angedeutet. - -Einige Mittelformen sind schon frühzeitig auf den damals noch -vorhandenen Landbrücken nach Europa und Asien ausgewandert, so -besonders das +Paläotherium+, +Alttier+, das durch die klassischen -Untersuchungen des großen Cuvier Berühmtheit erlangt hat. -Merkwürdigerweise ist der Pferdestamm in seinem Ursprungsland, in -Amerika gänzlich ausgestorben, während er sich bei uns lebenskräftig -und entwicklungsfähig erhalten hat. Zur Zeit der Entdeckung der -„Neuen Welt“ besaß letztere nämlich keinerlei Einhufer; fast die -ganze riesenhafte, vielgestaltige und merkwürdige Säugetierwelt der -Braunkohlen- und der Eiszeit war verschwunden; die heutigen Pferde -Amerikas stammen von eingeführten europäischen ab. - -Die +Zweihufer+ (+Wiederkäuer+) haben ebenfalls eine lange -und interessante Geschichte hinter sich, doch weisen ihre -Entwicklungsreihen noch große Lücken auf. Indessen fördern die -Paläontologen, speziell diejenigen Nordamerikas, denen großartige -Hilfsmittel zu Gebote stehen, Jahr um Jahr neue überraschende Funde -zutage, so daß man fast mit Sicherheit voraussagen kann: in absehbarer -Zeit werden die fehlenden Glieder gefunden und die Abstammungsreihen -geschlossen sein. - -[Illustration: Abb. 26. Irischer Riesenhirsch.] - -Von den zahlreichen fossilen Wiederkäuern mag hier nur eine einzige -Art Erwähnung finden, nämlich der +irische Riesenhirsch+, dessen -Geweihenden über 3 Meter auseinander liegen. Besonders schön erhaltene -Skelette finden sich in den Torfmooren Irlands. Der Riesenhirsch lebte -noch mit dem Menschen zusammen; ja es ist sogar vermutet worden, -daß er in Deutschland erst im Mittelalter ausgestorben sei. Das -Nibelungenlied, dessen Entstehung ins zwölfte Jahrhundert angesetzt -wird, führt nämlich unter der Jagdbeute des „hörnenen Siegfried“ auch -einen „Schelch“ an, welchen Namen man von schelchen, das heißt schief -oder schwankend laufen, abgeleitet hat. Der schwankende Gang sollte -seine Ursache in der Schwere des Tieres und der Größe des Geweihs -haben. Die betreffende Stelle lautet: - - Drauf nun schlug er schiere einen Wisent und einen Elch, - Starker Ure viere und einen grimmen Schelch. - -Demgegenüber wird behauptet, daß der Schelch nichts anderes sei als der -männliche Elch (Elentier). - -Der Riesenhirsch ist in Europa offenbar schon am Ende der -Gletscherzeit, als sich die Steppen und Bergeshöhen wieder zu bewalden -begannen, ausgestorben; nur in Irland mit seinen ausgedehnten -Wiesenflächen und Mooren hat er sich noch etwas länger halten können. - -Den riesigen Pflanzenfressern der Diluvialzeit standen auch gewaltige -Fleischfresser gegenüber. Das häufigste Raubtier war der +Höhlenbär+, -größer als der Eisbär und der graue Bär Nordamerikas; er erreichte eine -Länge von 10 Fuß und eine Höhe von 4 bis 4½ Fuß. - -[Illustration: Abb. 27. Skelett des Höhlenbären.] - - „Wie heutzutage der Bär am liebsten in Höhlen und Felsklüften sich - aufhält,“ berichtet O. Fraas in seinem Werke „Vor der Sintflut“, - „so waren auch die Höhlen, die zur Diluvialzeit schon zugänglich - waren, der Wohnort dieser nächtlichen Räuber. Lange Zeiten - hindurch wohnten sie ausschließlich in den Höhlen, jedes andere - Tier als Eindringling zurückweisend. Lange Zeiten hindurch blühte - das Geschlecht; Jahrtausende verflossen, in denen eine Höhle die - Wiege und das Grab von Generationen war. Im Hohlenstein (auf der - Schwäbischen Alb) lagen auf einem Raum von wenigen Quadratklaftern - in einer Tiefe von 6 Fuß 110 Schädel, 275 Unterkiefer usw., kurz - eine Menge von Skelettstücken, die zum mindesten 400 Individuen - angehörten. Unter ihnen sind alle Altersstufen vertreten, alle - Knochen, alle Zähne, vom Milchzahn bis zu vollständig abgenutzten - Zahnstumpen, beide Geschlechter, dazu eine Reihe kranker und - verletzter Knochen. Die Knochenbrüche waren so häufig, daß man - zur Genüge ersehen konnte, wie der Höhlenbär zu jener Zeit schon - um seine Existenz zu kämpfen hatte, ob es gleich die Paradieszeit - der Räuber war. Wer dem Höhlenbär ohne Zweifel am meisten Rippen - einschlug und Knochen zerschmetterte, war wohl das Pferd, das, - der Menge von Knochen nach zu urteilen, die Lieblingsnahrung des - Meisters Petz bildete. Doch verschmähte er auch nicht Ochsen, Elen, - Hirsch, Schaf und Elefant, die zerbissen und abgenagt jetzt mit den - Knochen ihrer Sieger und Meister ruhig im Lehme liegen. Großartige - Höhlen und Grotten, die heutzutage durch ihren imposanten Anblick - überraschen, verschmähte er, ein kleiner Schlupf, ein sicherer - Winkel war ihm lieber, am liebsten Höhlen, deren Eingang gerade so - weit war, daß ein Individuum, mit dem Hinterteil voraus einfahrend, - den Gang ausfüllte. Das ist noch die Gewohnheit der Bären, daß - sie, hinter sich gehend, den Rücken gedeckt halten, um dem Feinde, - der allenfalls ihn verfolgte oder in einer Höhle angriffe, Zähne - und Tatzen weisen zu können. Fast an allen Bärenhöhlen kann man - deshalb da, wo der Schlupf sich verengt, eine Glättung und Politur - der Felsen wahrnehmen, beziehungsweise eine inkrustierte glatte - Schichte beobachten, die im Laufe der Zeit vom durchgezwängten - Bärenfell aufgetragen wurde, so etwa wie sich Felssteine glätten, - die, weil irgend von religiöser Bedeutung, den Küssen andächtiger - Gläubigen ausgesetzt sind.“ - -[Illustration: Abb. 28. Schädel des Machairodus.] - -In Italien, Frankreich und England tritt der Höhlenbär zurück vor der -+Höhlenhyäne+, die in Deutschland ziemlich selten ist. Hyäne und Bär -scheinen sich also gemieden zu haben. Wie die lebenden Verwandten, so -hatte die Höhlenhyäne die Gewohnheit, die Knochen der Beutetiere zu -zermalmen, wozu sie durch die Stärke ihres furchtbaren Gebisses und die -mächtige Entwicklung der Kaumuskulatur besonders befähigt war. Man wird -also schon aus der Art und Weise, in welcher die Knochen bearbeitet -sind, auf die Existenz der einen oder anderen Raubtiergattung schließen -können. - -Die +Katzenfamilie+ stellt mehrere Vertreter, darunter einen -+messerzähnigen Tiger+ (~Machairodus~), einen nahen Verwandten der -tertiären Machairodusarten, und den gewaltigen +Höhlenlöwen+, der über -einen großen Teil von Europa verbreitet, jedoch nicht in solcher Anzahl -vorhanden war wie Bär und Hyäne. In Spanien und Frankreich kommen zudem -zwei große Pantherarten vor, so daß Europa damals eine an Artenzahl -wie an Riesenhaftigkeit der Formen großartigere Raubtierfauna besaß -als irgend ein Kontinent heutzutage, selbst Afrika und Asien nicht -ausgenommen. - - -Rüsseltiere. - -Wer schon je vor dem Elefantenhaus eines Zoologischen Gartens -gestanden, wird den Eindruck empfunden haben, daß die Bewohner -desselben etwas durchaus Fremdartiges an sich haben, als würden sie aus -einer anderen Welt stammen. Sie scheinen zu den heutigen Säugetieren -nicht zu passen und bilden in der Tat eine seltsame isolierte Gruppe, -die sich in keiner der großen Hauptabteilungen unterbringen läßt, -weshalb man daraus eine besondere Ordnung gemacht hat, eben die der -+Rüsselträger+ oder +Proboszidier+. Das ist eine alte Sippschaft -mit einer berühmten Vergangenheit, ein wahrhaft aristokratischer -Stamm, dessen heutige Vertreter als wandelnde Petrefakten anzusehen -sind. Der älteste zurzeit bekannte Ahne lebte zu Beginn der Tertiär- -oder Braunkohlenzeit (Eozän) neben den Stammvätern der Wiederkäuer, -Pferde, Schweine, Nagetiere und Raubtiere. Zu jener Zeit existierten -die Alpen, der Jura, die Karpathen, der Himalaja und die Anden -noch nicht; an Stelle der Schweiz flutete das Meer, und in England -wuchsen Mammutbäume, Zimmet-, Lorbeer- und Feigenbäume, Fächer- und -Fiederpalmen. Jener Stammvater -- er wurde Möritherium getauft -- war -ein tapirähnlicher, keineswegs großer Bewohner Ägyptens, ohne Stoßzähne -und eigentlichen Rüssel; er vermittelt den Übergang zu den Seekühen. -Bei den Nachkommen werden die Schneidezähne zu mächtigen Hauern, und -der Rüssel, der infolgedessen seine Wühltätigkeit aufgeben konnte, -wurde zum Greiforgan. Der Stamm spaltet sich nun in mehrere Zweige, die -sich in verschiedener Richtung entwickeln und teilweise früh aussterben. - -[Illustration: Abb. 29. Dinotherium.] - -Zu den auffallendsten Typen der ganzen Gruppe gehört das -+Schreckenstier+ (+Dinotherium+), eines der größten aller Landtiere, -vermutlich ein Bewohner großer Flüsse und Sümpfe wie das Nilpferd. -Aus dem Eppelsheimer Sand des Mainzer Beckens ist ein vollständiger -Schädel bekannt geworden, der zirka 1 Meter lang und 60 Zentimeter -breit war; andere Funde in Württemberg, Frankreich und der Schweiz -lassen auf eine Schädellänge von 2 Meter bei 1 Meter Höhe schließen. -(Das Riesenschreckenstier [~Dinotherium gigantissimum~] besaß reichlich -5 Meter Länge bei 4½ Meter Rückenhöhe.) Abweichend von den Elefanten -hatten die Dinotherien im Oberkiefer keine Stoßzähne, wohl aber im -verlängerten, bogenförmig abwärts gekrümmten Unterkiefer. Vielleicht -dienten dieselben als eine Art Karst, um die Stauden am Ufer der -Gewässer auszuhacken. Die Schreckenstiere tauchen im mittleren Tertiär -auf und verschwinden am Ende desselben wieder. Mit ihnen wetteiferten -an Größe die +Mastodonten+, welche die ganze nördliche Halbkugel, -außerdem Südamerika und Afrika bewohnten. - -[Illustration: Abb. 30. Mastodon.] - -Beim +Altmastodon+ (Paläomastodon) waren die oberen Schneidezähne -säbelförmig und abwärts gerichtet, die unteren Stoßzähne als lange -Schaufeln entwickelt. Offenbar dienten sie zum Aufpflügen des Bodens, -woraus weiterhin geschlossen werden darf, daß diese Riesentiere keine -Sumpfbewohner mehr waren, sondern das Trockene vorzogen. Bei den -eigentlichen Mastodonten oder +Zitzenzähnern+, nach der Beschaffenheit -der Backenzähne so getauft, werden die oberen Stoßzähne und der Rüssel -immer länger, während die unteren Stoßzähne verkümmern und schließlich -ganz verschwinden. Die Backenzähne sind kleiner, aber zahlreicher als -beim Elefanten und, wie bereits erwähnt, mit zitzenförmigen Höckern -versehen. - -Mastodonreste finden sich in großer Zahl und in den verschiedensten -jungtertiären Gebieten, in der Schweizermolasse zum Beispiel bei -Elgg, Winterthur, Käpfnach und an anderen Orten, in Deutschland bei -Öhningen, auf der Rauhen Alb und bei Eppelsheim am Rhein (Mainzer -Becken), in Frankreich bei Sansans, bei Lyon usw. Bei Sansans im -südwestlichen Frankreich fand man neben einem prachtvollen Schädel -mit vier völlig erhaltenen Stoßzähnen die Knochenreste von Mäusen, -Maulwürfen, Igeln und Fledermäusen, Fischen, Reptilien und Vögeln, -ferner von Hunden, Katzen, Mardern, Hirschen und Antilopen, Tapiren, -Nashörnern und Schweinen, Elefanten und Affen bunt durcheinander -gewürfelt. Es wurde jene wunderbare, Fundstätte -- offenbar ein alter -Sumpf oder See, in welchen von Flüssen und Bächen Tierleichen aus der -ganzen Umgebung zusammengeschwemmt wurden -- vom unermüdlichen Lartet -zuerst auf eigene Kosten durchwühlt, bis die französische Regierung die -Forschungsarbeiten mit jährlichen Geldbeiträgen unterstützte, worauf -ein förmliches Bergwerk auf Petrefakten eröffnet werden konnte. - -Trotz der Häufigkeit der Mastodonreste sind vollständige Skelette -jedoch sehr selten; eines der schönsten ist dasjenige von Turin, -nach welchem die Rekonstruktion auf Seite 91 hergestellt ist. Die -Mastodonten treten in Europa im mittleren Tertiär auf und verschwinden -am Ende desselben; ihnen folgen die eigentlichen Elefanten; in Amerika -dagegen sind sie noch im Diluvium in großer Zahl vorhanden. Sie -bildeten dort eine wertvolle Jagdbeute des Urmenschen und sind offenbar -erst dessen Verfolgungen erlegen. Sie spielten dort dieselbe Rolle wie -in Europa und Asien die Mammute, auf die wir gleich zu sprechen kommen -werden. - -Während die Mastodonten überallhin wanderten, die damals noch -bestehenden Landbrücken zwischen Afrika und Europa, Indien und -den großen Sundainseln, Europa und Amerika benutzend und fast die -ganze Erdoberfläche sich unterwerfend, erfolgte in aller Stille die -Bildung einer neuen Gattung. Durch Änderung des Klimas und damit -der Pflanzenwelt erfolgte, wie es scheint in Indien, eine Änderung -im Gebiß. Die Backenzähne, auf saft- und fleischlose harte Nahrung -angewiesen, wurden breiter und falteten sich, wobei eine sehr -breite Mahlfläche entstand. Es kommen die ersten echten Elefanten, -die ebenfalls Wanderungen nach allen Seiten unternahmen und den -Zitzenzähnern schwere Konkurrenz machten. - -[Illustration: Abb. 31. Mammut.] - -Und was für Gestalten waren das! Der +Urelefant+ (+~Elephas antiquus~+) -hatte 5 Meter Rückenhöhe und 5 Meter lange Stoßzähne, übertraf noch -Dinotherium und Mastodon an Riesenhaftigkeit und gilt zur Stunde als -das größte aller Landsäugetiere. Aber der +Wanderelefant+ (~Elephas -nomadicus~) Ost- und Südasiens, der +Elefant des Südens+ (~Elephas -meridionalis~) Südeuropas, der +Kaiserelefant+ (~Elephas imperator~) -des südlichen Nordamerika, der +Kolumbuselefant+ (+Elephas Columbi+) -des mittleren Nordamerika und das +Mammut+ (~Elephas primigenius~) -Europas, Asiens und Amerikas standen dem Urelefant nur um ein Geringes -nach. Und da die Welt voller Gegensätze ist, so fehlten auch die -Zwerge nicht, die durch ein ungünstiges Geschick vom großen Kontinent -weggerissen und auf kleine Inseln gewissermaßen interniert wurden, -wobei sie verkümmerten. Auf Sizilien und Malta, Kreta und Zypern lebten -Elefanten, die nur die Größe eines Kalbes erreichten. - -Das berühmteste und bekannteste aller ausgestorbenen Rüsseltiere ist -das +Mammut-+ oder +Mammonttier+ (~Elephas primigenius~), dessen -riesige Zähne und Knochen zu unzähligen Sagen und zu den seltsamsten -gelehrten Disputationen Anlaß gegeben haben. Die Mammutreste wurden -bald für Gebeine irgendeines Heiligen, bald für solche von Riesen, -bald für „Figurensteine“ gehalten. Heute noch werden solche in -manchen Kirchen als Reliquien aufbewahrt, und im Jahre 1789 trugen -die Chorherren des heiligen Vinzent zu Valencia in Spanien den -Schenkelknochen eines Mammutelefanten bei Prozessionen herum, „um -durch diesen vermeintlichen Arm des Heiligen dem ausgedörrten Lande -Regen zu erflehen“. Item, wenn’s nur geholfen hat, wie Peter Hebel -zu sagen pflegte. Daß die im Jahre 1577 unweit der Stadt Luzern -ausgegrabenen Mammutknochen von einem Baseler Professor für „Gebeine -der +aufrührerischen gefallenen+ Engel“ erklärt und wie diese dann -„sorgfältig gesammelt und anständig begraben wurden“, wollen wir hier -nicht unerwähnt lassen. In der Michaeliskirche zu Hall am Kocher findet -sich, wie Jäger berichtet, ein riesiger Stoßzahn in eisernen Bändern -aufgehängt mit folgender Inschrift: - - Tausend sechshundert und fünf Jahr - Den dreyzehnten Februar ich gefunden war - Bey Neubronn in dem Hallischen Land - Am Bühler Fluß zur linken Hand - Sammt großen Knochen und lang Gebein, - Sag, Lieber, was Arth ich mag seyn. - -Das Mammut hat vorzugsweise den Norden bevölkert; am häufigsten muß -dasselbe in Sibirien gewesen sein, dort sind nämlich manche Schichten -von seinen Knochen ganz erfüllt. - -Neumayr sagt darüber: - - Es gibt wohl nichts, was dieses Verhältnis besser bezeichnen - könnte als der Umstand, daß etwa ein Drittel von allem Elfenbein, - welches in den Handel kommt, von den diluvialen Mammuten - Sibiriens herrührt; ja, selbst auf den so überaus unzugänglichen - neusibirischen Inseln, welche nördlich vom asiatischen Festland - unter etwa 75 Grad nördlicher Breite im Eismeer liegen, findet sich - das fossile Elfenbein in solcher Menge, daß lange Zeit hindurch die - Elfenbeinsammler die gefahrvolle Schlittenfahrt über das gefrorene - Meer wagten, um diese Schätze zu heben. - -[Illustration: Abb. 32. Die Umgebung von Zürich in der Eiszeit.] - -Eine derartige Erscheinung zu erklären, war nicht leicht, und eine -Lösung des Rätsels schien lange Zeit unmöglich. Man dachte zunächst -an eine gewaltige Überschwemmung -- Sintflut --, welche die Elefanten -aus dem südlichen Asien nach Sibirien geschwemmt haben sollte, allein -bei nur halbwegs ruhiger Überlegung mußte man die Unmöglichkeit einer -solchen Hypothese einsehen. Nun war noch ein zweiter Ausweg möglich: -Die gewaltigen Rüsseltiere konnten in Sibirien gelebt haben, dann -mußte aber das Klima ein ganz anderes, es mußte bis zum Polarkreis ein -gemäßigtes gewesen sein. Das war noch zur Braunkohlenzeit tatsächlich -der Fall, aber wir wissen nun auch, daß das Mammut zu einer Zeit in -Europa lebte, als dieses großenteils von Eismassen bedeckt war. Wie -ist aus diesem Labyrinth von Widersprüchen ein Ausweg möglich? Ein -paar glückliche Funde haben die Frage in ziemlich befriedigender Weise -gelöst. Aus dem gefrorenen Boden Sibiriens tauen nämlich gelegentlich -ganze Mammutleichen heraus, die durch das Eis in so wunderbarer Art -konserviert sind, daß das Fleisch von wilden Tieren gefressen werden -kann. Bei derartigen Funden stellte es sich nun heraus, daß der -Mammutelefant, abweichend von seinen heutigen Vettern in Afrika und -Ostindien, mit einem dichten Pelz bekleidet war, der vorn und auf dem -Rücken eine lange Mähne bildete, die wahrscheinlich bis auf die Knie -herniederhing. Es ist dies eines der schlagendsten Beispiele dafür, daß -aus dem Vorkommen einzelner Tiertypen niemals sichere Schlüsse auf das -Klima gezogen werden können, denn es ist nie ausgeschlossen, daß Tiere, -deren nächste Verwandte heute ausschließlich auf die Tropen beschränkt -sind, ehemals in einem gemäßigten oder selbst kalten Klima gelebt haben. - -Das erste samt allen Weichteilen erhaltene Mammut wurde im Jahre 1799 -im Lena-Eis (Sibirien) entdeckt, allein erst sieben Jahre später -vernahm der Naturforscher Adams davon, und als er an Ort und Stelle -kam, fand er nur noch das durch die Bänder zusammengehaltene Skelett, -einen Teil der Haut, ein Auge, einiges von den Eingeweiden und etwa -30 Pfund Haare, welche die Eisbären in den Boden getreten hatten; -alles übrige hatten die Raubtiere gefressen. Die kostbaren Reste -gelangten nach Petersburg und sind nun im dortigen Naturalienkabinett -aufgestellt. Seitdem sind mehrere eingefrorene, wohlkonservierte -Leichname nach vieltausendjähriger Ruhe aufgefunden worden. - -Man hat die Frage aufgeworfen, wovon denn die mächtigen Tiere, die eine -Länge von 5 Meter bei 3 Meter Höhe erreichten, im kalten Klima gelebt -haben. Auch darüber gaben die Funde genaue Antwort: Die Speisereste, -die zwischen den Zähnen und im Magen gefunden wurden, bestanden nämlich -der Hauptsache nach aus Zweigen von Nadelhölzern, wie sie heute noch in -Sibirien vorkommen. - - * * * * * - -Wir wollen uns jetzt von dem Leser, der uns freundlich gefolgt ist, -verabschieden. Die geschilderten wunderbaren Lebewesen muten an wie die -Darstellungen aus einem Märchen, und dennoch steht das Geschilderte mit -unauslöschlichen Zeichen in den Gesteinsschichten der Erde eingegraben. -Das, was wir boten, ist freilich nur ein Ausschnitt aus jener -gewaltigen Geschichte der Entwicklung, aber es wird doch das Lesen in -der Geschichte der Erde fördern, die zu einem Gemeingut aller werden -sollte. - - - - -Namen- und Sachregister. - - - Seite - - Abgottschlange 54 - - Adam und Eva 5 - - Aëtosaurus 21 - - Ajax 5 - - Algonkium 8 - - Allosaurus 53 - - Altmastodon 91 - - Alttier 84 - - Ameisenigel 68, 69 - - Anakonda 54 - - Andrias Scheuchzeri 16 - - Anthrakosaurus 13 - - Archäopteryx 59 - - Archegosaurus 13 - - Azeratherien 83 - - - Bären 86 - - Bärlappgewächse 8 - - Barosaurus 37 - - Barramundi 15 - - Bartenwale 72 - - Basilosaurus 72 - - Bastardechse 22 - - Batzensteine 9 - - Bauhin 28 - - Belodon 19 - - Beuteltiere 68, 69 - - Boll 28 - - Brontornis 63 - - Brontosaurus 37 - - Brontotherium 82 - - Brontozoum 35 - - Brückeneidechse 30 - - - Ceratodus 15 - - Ceratosaurus 53 - - Cuvier 17, 84 - - - Dachdrache 45 - - Devonzeit 11 - - Diluvialzeit 86 - - Dinichthys 11 - - Dinornis 64 - - Dinosaurier 30 ff. - - Dinotherium 89 - - Dinozeras 81 - - Diplodokus 41 - - Diprotodon 69 - - Dizeratops 46 - - Dolichosoma 13 - - Donnerdrache 39 - - Donnertier 82 - - Donnervogel 63 - - Doppelatmer 15 - - Drachen 6, 18 ff. - - Dreihorndrache 46 - - Dschidda 5 - - - Echsenstammvater 13 - - Edentaten 73 - - Eichstätt 60 - - Einhorndrache 46 - - Eiszeit 86 - - Elefanten 89 ff. - - Entwicklungsreihen 83, 89 - - Eohippus 84 - - Eozän 83, 89 - - Eurypterus 10 - - - Faultiere 73, 74 - - Fischdrache 25 - - Fische, fossile 11 - - Fischvögel 63 - - Flugdrachen 54 - - Flugfinger 55 - - Flugsaurier siehe Flugdrachen. - - - Geosaurus 53 - - Geradhorn 10 - - Gigantosaurier 48 - - Glyptodon 78 - - Greifsaurier siehe Urvogel. - - Greßlyosaurus 32 - - Grypotherium 77 - - Gürtelmaus 78 - - Gürteltiere 78 - - - Hadrosaurus 36, 64 - - Haifische 11 - - Handtier 14 - - Helvetier 5 - - Henrien 5 - - Hesperornis 63 - - Hippotherium 84 - - Höhlenbär 86 - - Höhlenhyäne 88 - - Höhlenlöwe 89 - - Huftiere, fossile 79 - - - Ichthyornis 63 - - Ichthyosaurus 25 - - Iguana siehe Leguan. - - Iguanodon 33 - - Insekten der Steinkohlenzeit 10 - - - Jochzahn 72 - - - Kaiserelefant 93 - - Kalamiten 8 - - Kambrium 8 - - Känguruh 69 - - Kloakentiere 68, 69 - - Kohlendrache 13 - - Kolumbuselefant 93 - - Kompsognathus 36 - - Königsdrache 72 - - Königsvogel 63 - - Koprolithen 27 - - Koryphodon 80 - - Kraken 6 - - Kreidevögel 63 - - Krokodile 18 - - - Lälaps 53 - - Langhalsdrachen 22 - - Lanzettfisch 11 - - Lappenkrebse 10 - - Leguan 33 - - Lindwürmer 6, 31 - - Lithographischer Schiefer 59 - - Lurchfische 15 - - - Maasechse 53 - - Machairodus 88 - - Mahlzahn 77 - - Mammut 93 - - Manteltiere 11 - - Mastodon 91 - - Mastodonsaurus 14 - - Mastricht 54 - - ~Mauvaises Terres~ 80 - - Mazurier 5 - - Megalonix 77 - - Megalosaurus 53 - - Megatherium 75 - - Mesohippus 84 - - Midgardschlange 6 - - Miohippus 84 - - Moa 66 - - Möritherium 89 - - Mosasaurier 53 - - Mylodon 77 - - - Nashorndrache 53 - - Nashörner 83 - - Neckardrache 19 - - Nikrosaurus siehe Neckardrache. - - Nileidechse 54 - - Nothosaurus 22 - - Nummulit 9 - - - Ohnhorntiere 83 - - Öhningen 16 - - Orohippus 84 - - - Paarhufer 79, 84 - - Paläotherium 84 - - Pampasformation 73 - - Panzerdrache 45 - - Panzerfische 11 - - Pareiasaurus 47 - - Pfeilzahn 19 - - Pferdestamm 83 - - Phenakodus 83 - - Phororhakos 64 - - Plesiosaurus 23 - - Pliohippus 84 - - Pontoppidan 7 - - Primaten 70 - - Protohippus 84 - - Pteranodon 56 - - Pterodaktylus 55 - - Pterygotus 10 - - - Reliquien 94 - - Rhamphorhynchusskelett 59 - - Rhinozeros 83 - - Riesen der Sage 5 - - Riesenfaultier 75 - - Riesengürteltier 78 - - Riesenhaie 12 - - Riesenhirsch 85 - - Riesenkänguruh 69 - - Riesenkraken 6, 10 - - Riesenkrebse 10 - - Riesenpanzertiere 78 - - Riesenpolypen 10 - - Riesensalamander 16 - - Riesenschlangen 54 - - Riesenschreckenstier 90 - - Riesenvögel 63 - - Riesenwombat 69 - - Rüsseltiere 89 - - - Salamander 13, 16 - - Sammeltypen 59, 81, 83 - - Säuger, fossile 72 ff. - - Schachtelhalme 8, 31 - - Scheuchzeri (Andrias) 16, 17 - - Schildwurf 78 - - Schlangendrachen 23 - - Schnabelschnauze 55 - - Schnabeltier 68, 69 - - Schreckdrachen 30 - - Schreckensfisch 11 - - Schreckenstier 89 - - Schreckhörner 81 - - Schreckvogel 64 - - Schwäbischer Lindwurm 32 - - Sintflutmensch 16 - - Skelidotherium 77 - - Sklerosaurus 48 - - Solnhofen 59 - - Stegosaurier 45 - - Steinkohlenformation 8 - - Stierdrache 46 - - - Tange 8 - - Teleosaurus 21 - - Tendaguru 48 - - Theromorphen 47, 68 - - Teutoboch 5 - - Tiger 88 - - Tintenfische 10 - - Titanotherium 82 - - Torosaurus 46 - - Trilobiten 10 - - Trizeratops 46 - - Tyrannosaurus 52 - - - Unpaarhufer 79 - - Ureidechse 13 - - Urelefant 93 - - Urfische 11 - - Urvogel 59 - - - Varane 54 - - Vogeleidechsen 54 - - Vögel, fossile 58 - - Vogelfüßer 35 - - Vögel und Reptilien 57 - - - Walfische 71 - - Wanderelefant 93 - - Wiederkäuer 84 - - Wolfsaurier 47 - - Wombat 69 - - Wyoming 80 - - - Zahnarme 73 - - Zanklodon 32 - - Zeuglodon 72 - - Zimbern 5 - - Zitzenzahnechse 14 - - Zitzenzähner 91 - - Zweihorndrache 46 - - Zweihufer 84 - - Zwergelefanten 94 - - - - -=Verlag von J. H. W. Dietz Nachf.= G. m. b. H. =in Stuttgart= - - -Wir empfehlen für die Jugend: - - -Die Geschichte der Erde - -Von =R. Bommeli=. - - -Erster Teil. - -Wie Berg und Tal entstehen. - -Kurzer Abriß der dynamischen Geologie. - -15. Bändchen der Kleinen Bibliothek. - - -Zweiter Teil. - -Die Weltalter. - -Kurze Charakteristik der geologischen Perioden und Formationen. - -21. Bändchen der Kleinen Bibliothek. - - -Dritter und letzter Teil. - -Riesen und Drachen der Vorzeit. - -27. Bändchen der Kleinen Bibliothek. - - -Sämtliche Bändchen sind reich illustriert und mit Farbentafeln -geschmückt. - -Preis eines jeden Bändchens kartoniert 8 Mark. - -Die Bändchen werden nur zusammen abgegeben. - - -Die Bakterien - -Eine Einführung in das Reich der Mikroorganismen. - -Von ~Dr.~ =Adolf Reitz=. - -10. Bändchen der Kleinen Bibliothek. - -Preis kartoniert 8 Mark. - - -Die Chemie im Alltag - -Von ~Dr.~ =Adolf Reitz=. - -19. Bändchen der Kleinen Bibliothek. - -Preis kartoniert 6 Mark. - - - - -=Verlag von J. H. W. Dietz Nachf.= G. m. b. H. =in Stuttgart= - - -Wir empfehlen für die Jugend: - - -Die Technik in der Urzeit - -und auf primitiven Kulturstufen. - -Begonnen von =Hannah Lewin-Dorsch=. - -Fortgesetzt und beendet von =Heinrich Cunow=. - -Komplett in drei Bändchen. - - -Erster Teil. - -Das Feuer. Der Wohnungsbau. - -18. Bändchen der Kleinen Bibliothek. - - -Zweiter Teil. - -Nahrungsbeschaffung und Ernährung. - -22. Bändchen der Kleinen Bibliothek. - - -Dritter und letzter Teil. - -Entstehung der Waffen. Körperschmuck. Die Technik der Bekleidung. - -24. Bändchen der Kleinen Bibliothek. - -Preis eines jeden Bändchens kartoniert 6 Mark. - -Die Bändchen werden nur zusammen abgegeben. - - -Aus alten Tagen - -Soziale Bilder aus der deutschen Vergangenheit - -von =Julius Deutsch=. - -16. Bändchen der Kleinen Bibliothek. - -Kartoniert 8 Mark. - - - - -=Verlag von J. H. W. Dietz Nachf.= G. m. b. H. =in Stuttgart= - - -Wir empfehlen: - - -Ein Rückblick - -aus dem Jahre 2000 auf das Jahr 1887 - -Von Edward Bellamy. - -+Übersetzt von Klara Zetkin.+ - -Vierte, durchgesehene Auflage. Preis kartoniert 8 Mark. - - -Kunde von Nirgendwo - -Ein utopischer Roman von =William Morris=. - -Herausgegeben von Wilhelm Liebknecht. - -Dritte, illustrierte Auflage. Preis kartoniert 8 Mark. - - -Die rote Feldpost unterm Sozialistengesetz. - -Mit einer Einleitung: Erinnerungen aus meinen Kinder-, Lehr- und -Wanderjahren. Von =J. Belli=. - -Preis kartoniert 8 Mark. - - -Gerd Wullenweber - -+Die Geschichte eines jungen Arbeiters.+ - -Von =Jürgen Brand=. - -Preis gebunden 8 Mark. - - -Das heilige Feuer - -Erzählungen, Aufsätze, Gedichte für die arbeitende Jugend. - -Von =Jürgen Brand=. - -Fünfte Auflage. Preis kartoniert 8 Mark. - - -Ein Lebensbild Ferdinand Lassalles - -Der Jugend erzählt von ~Dr.~ =Willy Cohn=. - -Preis kartoniert 6 Mark. - - - - -=Verlag von J. H. W. Dietz Nachf.= G. m. b. H. =in Stuttgart= - - -Wir empfehlen: - - -Entwicklungstheorie - -Darwins Lehre - -Gemeinverständlich dargestellt von - -Dr. S. Tschulok - -Privatdozent für Allgemeine Biologie an der Universität Zürich. - -Mit 49 Abbildungen im Text. - -VIII und 312 Seiten. Preis gebunden 25 Mark. - -Dieses Werk soll die seit längerer Zeit vergriffene =Darwinsche -Theorie= von =E. Aveling= ersetzen. Wir hoffen, daß die von einem -anerkannten Fachgelehrten verfaßte =Entwicklungstheorie= einem ebenso -großen Interesse begegnen wird, wie es seinerzeit bei dem Avelingschen -Buch der Fall war. - -Der Verfasser schreibt einleitend zu seiner Arbeit unter anderem: - -Im vorliegenden Werk ist der Versuch gemacht worden, die -Entwicklungsstheorie in einer Art und Weise darzustellen, die von -der bisher üblichen stark abweicht. Die Auffassung, die dieser neuen -Darstellung zugrunde liegt, ist vom Verfasser in der nur Fachmännern -zugänglichen wissenschaftlichen Literatur begründet worden. Die -Anforderungen, die an die Vorkenntnisse der Leser gestellt werden, sind -sehr bescheiden. Dagegen wird beim Leser der gute Wille vorausgesetzt, -etwas zu lernen. - -Die populäre Literatur hat die Mission, dem Leser aus den breiten -Volksschichten die Arbeitsweise und die Ergebnisse der Wissenschaft -in einem seinem Fassungsvermögen angepaßten Stil beizubringen. Aber -die populäre Literatur soll und kann nicht zum Schlaraffenland -werden, wo einem die gebratenen Tauben in den Mund fliegen. Wer etwas -lernen will, muß den festen Willen haben, sich durch die schwierige -Materie durchzuarbeiten. Und gerade das arbeitende Volk weiß es doch -am besten, daß alles, was Bestand haben soll, durch Arbeit errungen -werden muß. Man strebe also auch nicht nach einem „mühelosen“ Erwerb -wissenschaftlicher Anschauungen, sondern suche sich die Grundbegriffe -klarzumachen, mit denen die Wissenschaft arbeitet, und die Tatsachen, -von denen sie sich zu den weltumspannenden Gedanken erhebt. Dann -erst sind die erworbenen Anschauungen aus einer richtigen und festen -Grundlage aufgebaut. - - -Liebknechts - -Volksfremdwörterbuch - -Sechzehnte Auflage. - -Neu bearbeitet, berichtigt und vermehrt. Preis gebunden 30 Mark. - - - - - -End of Project Gutenberg's Riesen und Drachen der Vorzeit, by Rudolf Bommeli - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK RIESEN UND DRACHEN DER VORZEIT *** - -***** This file should be named 61850-0.txt or 61850-0.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/6/1/8/5/61850/ - -Produced by the Online Distributed Proofreading Team at -https://www.pgdp.net - - -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed. - -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United -States without permission and without paying copyright -royalties. 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