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Hälfte - -Author: Ludwig Reinhardt - -Release Date: April 7, 2020 [EBook #61775] - -Language: German - -Character set encoding: UTF-8 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK KULKTURGESCHICHTE DER NUTZPFLANZEN, 1 *** - - - - -Produced by Peter Becker, Reiner Ruf, the University of -Michigan and the Online Distributed Proofreading Team at -https://www.pgdp.net (This file was produced from images -generously made available by The Internet Archive) - - - - - - - #################################################################### - - Anmerkungen zur Transkription - - Der vorliegende Text wurde anhand der 1911 erschienenen Buchausgabe - so weit wie möglich originalgetreu wiedergegeben. Typographische - Fehler wurden stillschweigend korrigiert; Rechtschreibvarianten - wurden nicht vereinheitlicht, sofern die Verständlichkeit - des Textes dadurch nicht berührt wird. Fremdwörter und - Transliterationen (vorwiegend aus dem Griechischen) wurden weder - korrigiert noch vereinheitlicht. - - Die gedruckte Fassung wurde in einer Frakturschrift gesetzt, in - der die Großbuchstaben I und J identisch sind; die Auswahl in - der vorliegenden Ausgabe erfolgte daher mitunter willkürlich. - Im Sachregister wird nunmehr zwischen den Begriffen mit den - Anfangsbuchstaben I und J unterschieden, was im Original nicht - möglich war. - - Einige Bildtafeln enthalten mehrere Abbildungen. Das Verzeichnis - der Tafeln wurde der zweiten Hälfte dieses Bandes entnommen. - - Besondere Schriftschnitte wurden in der vorliegenden Fassung mit - den folgenden Sonderzeichen gekennzeichnet: - - fett: =Gleichheitszeichen= - gesperrt: +Pluszeichen+ - Antiqua: ~Tilden~ - - Das Caret-Symbol (^) steht vor hochgestellten Zeichen. - - #################################################################### - - - - - Kulturgeschichte der Nutzpflanzen - - - - - Die Erde und die Kultur - - Die Eroberung und Nutzbarmachung - der Erde durch den Menschen - - In Verbindung mit Fachgelehrten - gemeinverständlich dargestellt von - ~Dr.~ Ludwig Reinhardt - - Bd. IV~ in zwei Teilen - Kulturgeschichte der Nutzpflanzen - - München 1911 - +Verlag von Ernst Reinhardt+ - - - - - Kulturgeschichte der Nutzpflanzen - - von - - ~Dr.~ Ludwig Reinhardt - - Band IV, 1. Hälfte - - Mit 57 Abbildungen im Text und 90 Kunstdrucktafeln - - München 1911 - +Verlag von Ernst Reinhardt+ - - - - - Alle Rechte vorbehalten - - Roßberg’sche Buchdruckerei, Leipzig. - - - - -Vorwort. - - -Die emsige Forscherarbeit der letzten Jahrzehnte hat auf dem weiten -Gebiete der allgemeinen Kulturgeschichte eine Fülle von Material -zusammengetragen, das aber, dem Nichtfachmann unzugänglich, in -wissenschaftlichen Zeitschriften und Monographien verborgen war. Es -aus diesem Dornröschenschlaf zu erwecken und dem weiten Kreise der -Gebildeten zugänglich zu machen, war eine lockende Aufgabe, der ich -mich in Gemeinschaft mit dem Geographen und Nationalökonomen ~Dr.~ R. -+Hotz+ und anderen Fachgelehrten gern unterzogen habe. In gewissem -Sinne bildet es eine Ergänzung und Erweiterung des in gleichem Verlage -erschienenen Sammelwerkes „Vom Nebelfleck zum Menschen“; denn wenn dort -versucht wurde, die lange Geschichte der Menschwerdung zu schildern, so -soll in „+Die Erde und die Kultur+“ gezeigt werden, wie der Mensch im -Laufe der Jahrtausende die Erde erobert und seinen Zwecken dienstbar -gemacht hat. - -Die Gliederung des Gesamtwerkes ist die folgende: Band I: Die Erde und -ihr Wirtschaftsleben (von ~Dr.~ R. +Hotz+). Band II: Kulturgeschichte -des Menschen. Band III: Kulturgeschichte der Nutztiere. Band IV: -Kulturgeschichte der Nutzpflanzen. Jeder Band ist in sich abgeschlossen -und einzeln käuflich. Band IV ist soeben erschienen, Band I und III -erscheinen im Laufe des Jahres 1911, Band II im Sommer 1912, so daß -spätestens im Herbst des Jahres 1912 das ganze Werk vollständig sein -wird. - -In dem vorliegenden Doppelband „+Die Kulturgeschichte der -Nutzpflanzen+“ suchte ich das fortzusetzen, was einst der feinsinnige -Philologe Victor +Hehn+ für einen Teil der bekanntesten Kulturpflanzen -begonnen hatte: eine Geschichte ihrer Domestikation und ihrer Wanderung -über die Erde im Gefolge des Menschen zu geben. Ein Menschenalter -ist seit dem Erscheinen von Hehns Werk verflossen, manches hat sich -geändert, dazu habe ich den Gegenstand nach allen Seiten erweitert; -denn nicht nur die Kulturpflanzen sollen in dem Werke behandelt -werden, sondern die Nutzpflanzen im weitesten Sinne des Wortes. -Eine Fülle von Literatur war zu sichten und zu bearbeiten, fast zu -groß für die Arbeitskraft eines einzelnen Menschen. Ich habe mich -bemüht, allen wissenschaftlichen Ballast wegzulassen und durch -gründliches Quellenstudium das heute Sichergestellte in klaren Zügen -gemeinverständlich darzustellen. - -Besondere Sorgfalt wurde auf die Bilder verwendet, die auf -Kunstdrucktafeln, größtenteils nach noch unveröffentlichten -Photographien, dem Texte beigegeben werden. - -Allen Gelehrten, die mich in meiner Arbeit in zuvorkommender -Weise unterstützt haben, spreche ich auch an dieser Stelle meinen -verbindlichen Dank aus. - - +Basel+, im Oktober 1910. - - =~Dr.~ Ludwig Reinhardt.= - - - - -Inhalt des ersten Bandes. - - - 1. Die Getreidearten. 1. Der Weizen und seine Abarten 1 - - 2. Die Getreidearten. 2. Gerste, Roggen, Hafer, Hirse und - Buchweizen 26 - - 3. Die Getreidearten. Reis und Mais 52 - - 4. Die Fruchtbäume. 1. Teil 72 - - 5. Die Fruchtbäume. 2. Teil 155 - - 6. Die Agrumen 237 - - 7. Die Gemüsearten 256 - - 8. Eßbare Knollengewächse 349 - - 9. Die Ölgewächse 399 - - 10. Der Zucker 436 - - 11. Der Kaffee 454 - - 12. Der Tee 475 - - 13. Der Kakao 500 - - 14. Die Gewürze 516 - - 15. Die berauschenben Getränke 596 - - 16. Die betäubenden Pflanzenstoffe 647 - - 17. Der Tabak 665 - - 18. Die Gärungserreger 683 - - - - -Tafelverzeichnis des ersten Bandes. - - 1. Getreidearten 16 - - 2. Alter Pflug; Die Entwicklung des Pfluges 16 - - 3. Dreschen in Galiläa 16 - - 4. Dampfdreschmaschine 16 - - 5. Dampfpflug 32 - - 6. Dampfpflug 32 - - 7. Mohrenhirse; Buchweizen 48 - - 8. Reisfeld 48 - - 9. Singhalesen beim Pflügen 56 - - 10. Reisfelder; Pflanzen des Reises 56 - - 11. Entkernen des Reises; Dreschen des Reises 56 - - 12. Singhalesinnen b.Reisstampfen 56 - - 13. Maisscheune der Zulu 64 - - 14. Maismühle der Zulu 64 - - 15. Längsspalier von Birnen 81 - - 16. Kreuzspalier von Birnen 81 - - 17. Blühende Mandelbäume; Traubenernte 81 - - 18. Konservenfabrik in Lenzburg 81 - - 19. Maulbeerbäume; uralter Feigenbaum 129 - - 20. Alter Ölbaumhain in Arco 129 - - 21. Ölbaum in Antibes 152 - - 22. Olivenhain auf Capri; Dattelpalmen am Nil 152 - - 23. Dattelpalmen in Algier; Dattelernte in Algerien 168 - - 24. Kokospalme in Westafrika 168 - - 25. Ölpalme; Zuckerpalme 176 - - 26. Kokospalmen; verschiedene Palmen 176 - - 27. Arekanüsse; Sagopalmen 176 - - 28. Auf Arekapalmen kletternde Inder 176 - - 29. Talipotpalme 185 - - 30. Seychellenpalme; Victoria Regia 185 - - 31. Fächerpalme 192 - - 32. Bananenhain; Verladung von Bananen 192 - - 33. Mangobaum 201 - - 34. Brotfruchtbaum; Brotfrucht 201 - - 35. Zweig der Brotfrucht 201 - - 36. Baobab; Malaienwohnung 201 - - 37. Kolabäume 208 - - 38. Durian; Mangostane 208 - - 39. Ananas; Tamarindenallee 208 - - 40. Melonenbaum 208 - - 41. Tropisches Gewächshaus 216 - - 42. Fruchtladen auf Ceylon; Fruchtladen in Südindien 216 - - 43. Kastanienbäume; Alter Feigenbaum 232 - - 44. Johannisbrotbaum; Zitronenhain in Salo 232 - - 45. Japanische Küche 289 - - 46. Japanischer Gemüsehändler 289 - - 47. Artischockenpflanzung; Wassermelonen 337 - - 48. Kürbisbaum 337 - - 49. Japanische Bäuerin; Japanischer Bauer 352 - - 50. Papyrusdickicht; Maniokpflanzung 352 - - 51. Fufustampfen auf d. Goldküste; Yamsknollen auf Jamaika 368 - - 52. Yamsknollen; Frauen in Bonaberi 368 - - 53. Champignonkultur bei Paris; Champignonernte 392 - - 54. Verarbeitung von Champignons 392 - - 55. Schibutterbäume; Szenerie aus dem Urwald 416 - - 56. Rizinuspflanzung; Karnaubapalme 416 - - 57. Wildes Zuckerrohr 441 - - 58. Zuckerrohrernte; Zuckerrohrernte 441 - - 59. Liberiakaffee 465 - - 60. Liberiakaffee 465 - - 61. Pflücken der Teeblätter 480 - - 62. Pflücken der Teeblätter 480 - - 63. Singhalesinnen Tee verlesend 480 - - 64. Trocknen der Teeblätter 480 - - 65. Teestrauch 489 - - 66. Mateernte 489 - - 67. Kakaosaatbeete 512 - - 68. Junge Kakaopflanzung 512 - - 69. Kakaoernte 512 - - 70. Kakaobaum; Vanillestrauch 512 - - 71. Vanillepflanzung 520 - - 72. Pfefferrebe 520 - - 73. Wilder Hopfen; Hopfengarten 545 - - 74. Hopfenpflücker; gedörrter Hopfen 545 - - 75. Zimtbaum; Schälen des Zimtrohrs 577 - - 76. Muskatnüsse; Gewürznelkenbäume 577 - - 77. Hydraulische Kelter; Moderne Weinfässer 625 - - 78. Faune nach Rubens; Champagnerkellerei 625 - - 79. Kokapflanze; Pulquegewinnung 640 - - 80. Opiumraucher; Opuntie 640 - - 81. Blühender Tabak 672 - - 82. Anlage einer Tabakpflanzung 672 - - 83. Trockenscheune in einer Pflanzung 672 - - 84. Reifer Tabak; Trockenscheune (Inneres) 672 - - 85. Sortieren der Tabakblätter 680 - - 86. Fermentieren der Tabakblätter; Zigarettenfabrik 680 - - 87. Knetmaschinen 697 - - 88. Moderner Backraum 697 - - 89. Malztenne der Löwenbrauerei; Sudhaus der Löwenbrauerei 705 - - 90. Gärkeller der Löwenbrauerei, Lagerkeller der Löwenbrauerei 705 - - 91. Hofbräuhaus (außen) 705 - - 92. Hofbräuhaus (innen) 705 - - - - -I. - -Die Getreidearten - -Der Weizen und seine Abarten. - - -Die ältesten vom Menschen in Kultur genommenen Nutzpflanzen sind, -soweit wir dies heute zu beurteilen vermögen, +Weizen+ und +Gerste+, -die irgendwo in Vorder- oder Mittelasien, von fürsorgenden Frauen -gesammelt und gehegt, später auch angepflanzt, mit der Zeit durch -fortgesetzte Auslese zu Spendern besonders großer, mehlreicher -Körnerfrüchte gediehen. Diese wurden nicht nur ihnen und ihren Kindern, -sondern auch den zunächst ausschließlich von der Jagd und später, nach -der Zähmung und Aufzucht von Haustieren, von Viehzucht lebenden Männern -zu einer immer unentbehrlicheren Zukost zu der von diesen gelieferten -Fleischnahrung. - -Während der Mann der Urzeit mit seinen Sippengenossen der Jagd oblag, -suchte die Frau für sich und ihre Kinder, soweit sie nicht mehr von ihr -gestillt wurden, was damals in Analogie mit heute noch auf derselben -Kulturstufe lebenden Völkern zwei bis drei Jahre gedauert haben mag, -die für sie erreichbare, hauptsächlich aus Vegetabilien und kleinen -Tieren wie Würmern, Schnecken, Heuschrecken, Käfern, Raupen, Fröschen, -Eidechsen, Schlangen und dergleichen bestehende Nahrung. Mit dem -ziemlich langen Grabstock versehen, den sie als Universalwerkzeug und -Waffe stets bei sich führte, zog sie, von ihren Kindern begleitet, in -die Speise irgend welcher Art zur Stillung des stets regen Hungers -versprechende Nachbarschaft des jeweiligen Lagerplatzes, um hier alle -möglichen, ihr als nahrhaft bekannten Wurzeln, Früchte und Sämereien -zu sammeln und zugleich alle ihr dabei entgegentretenden kleineren -Tiere zu erbeuten. Was nicht sofort verzehrt wurde, wanderte als Vorrat -in die mitgeführte Felltasche und später in den aus Binsen oder Bast -geflochtenen Korb, um dann, roh oder schwach am Feuer geröstet, als -Speise zu dienen. Unbeweglich, wie sie durch die Mutterschaft geworden -war, zog sie notgedrungen das für sie erreichbare minderwertige -Kleinere dem begehrenswerteren Größeren vor. - -Der viel beweglichere Mann dagegen bevorzugte als Nahrung die -vorzugsweise in Schlingen und Fallgruben oder durch Anschleichen -und Hetzen von ihm erbeuteten größeren Tiere. Aber in dem Maße als -die Bevölkerung des Landes zunahm und der Wildreichtum durch die -unausgesetzten Jagden sich verminderte, nahm diese Nährpflanzen zur -Stillung des Hungers suchende Tätigkeit der Frau an Bedeutung stetsfort -zu. So kam sie in der Fürsorge für sich und ihre Kinder nach und nach -dazu, nicht bloß gewisse Reviere mit ihr allein bekannten Standorten -nahrhafter Pflanzen, deren Zahl für jene sehr wenig wählerischen -Menschen der Urzeit selbstverständlich unvergleichlich größer war, als -wir es uns heute vorstellen können, für sich zu reservieren, sondern -auch später in fürsorgender Arbeit selbst Samen dieser Nahrungspflanzen -auszustreuen, in der berechtigten Erwartung, hier einst mühelos für die -Ihrigen ernten zu können. - -[Illustration: Bild 1. - -Mit Steinkugel beschwerter Grabstock eines Buschmannweibes in der -Stellung, wie er zum Ausgraben von nahrhaften Wurzeln von ihr in den -Boden getrieben zu werden pflegt. - -(Stark verkleinert.)] - -Wir Kulturmenschen, die das gewohnheitsmäßige Erleben selbst der -außergewöhnlichsten Erscheinungen vollständig abgestumpft hat, so daß -wir dieselben als ganz selbstverständlich hinnehmen und gar nicht mehr -darüber nachdenken, übersehen gewöhnlich, welche außergewöhnliche -Begabung und Verstandesschärfe dazu erforderlich waren, bis ein Mensch, -und zwar ein armseliges, schwaches +Weib+, von der fürsorgenden -Mutterliebe getrieben, voll Hoffnung, dereinst hier ernten zu können, -die ersten Samenkörner einer Nährpflanze in die vorher von ihr mit dem -Grabstock gelockerte Erde streute. - -Den alten Griechen, welche den ersten Regungen menschlicher Gesittung -näher standen als wir, erschien ein planvolles Erdenken des Ackerbaues, -dem der primitivere Hackbau vorausging, als für menschliche -Verstandeskräfte vollkommen unerfaßlich und undenkbar. Deshalb -schrieben sie diese so überaus wertvolle, den Keim zu aller höheren -Gesittung überhaupt legende Erfindung einer Gottheit zu. Und so wie -sie dachten alle anderen Völker der Erde auf gleicher Erkenntnisstufe, -die alle diese so überaus folgenschwere Erfindung als Geschenk einer -Gottheit betrachteten und nicht als Produkt menschlichen Denkens -auffaßten. - -Mit dem ersten Pflanzenbau, den solchermaßen die fürsorgende -Mutterliebe einer intelligenten Frau der Urzeit in den Sinn gab, -selbst wenn er nur von Wanderhorden am Sommerlagerplatz armselig -genug betrieben wurde, waren alle künftigen Fortschritte der -Menschheitsentwicklung im Keime gegeben. Nicht nur hörte damit der -Mensch auf als Almosenempfänger in den Wild- und Wurzelgärten der Natur -von der Laune des Augenblicks und vom Zufall des Tages abzuhängen, -seine Zukunft wurde eine mehr und mehr gesicherte, von der ungewissen -Jagd unabhängige. - -Diese friedliche, ihr innerhalb des Familienverbandes eine zunehmende -Macht verleihende Tätigkeit der Frau führte sie früher schon auf eine -höhere Kulturstufe als den Mann, der lange nur als ein geduldetes -Anhängsel der +Mutterfamilie+ erschien; denn in der Haushaltung, die -das Weib der Urzeit mit ihren Kindern führte, war der Mann lange Zeit -nur eine Art Pensionär, der für die Gunst, von der Pflanzenspeise -mitessen zu dürfen, vom Ertrage seiner Jagd wenigstens etwas -beizusteuern hatte. - -Erst auf einer späteren Entwicklungsstufe der Menschheit wurde das -Weib, weil es schwächer war und sich nicht gegen solche Vergewaltigung -von seiten des Mannes zu wehren vermochte, von diesem als Sklavin und -Arbeitstier betrachtet. Für sich selbst zog er das süße Nichtstun vor -und bürdete alle Arbeit dem Weibe auf. Aber mit dem Überhandnehmen der -Volkszahl genügten die Frauenarme bald nicht mehr, um den zunächst -ausschließlich von diesen geübten Hackbau zur Fütterung der sich -mehrenden Stammesgenossen zu bewältigen, zumal ihnen alle sonstigen -Hausgeschäfte: das Kochen, das Weben der Kleidung, das Gerben der -Häute, das Formen und Brennen des Tons zu Geschirr, der Hausbau und -was sonst noch in den Bereich ihrer Pflichten fiel, oblagen. Und die -Zahl dieser weiblichen Arbeiten wurde mit der besseren Lebenshaltung -in zunehmendem Maße gesteigert, so daß die Frauenkraft mit dem besten -Willen allen an sie gestellten Forderungen nicht mehr genügen konnte. -Da galt es männliche Kraft zur Gewinnung der für die wachsende -Bevölkerung immer wichtiger werdenden Nährfrüchte zu gewinnen. Diese -aber leistete zunächst nicht der freie Mann, dem die Arbeit von jeher -als größter Schimpf galt, wie wir bei allen auf dieser Kulturstufe -verharrenden Menschheitsstämmen zu beobachten vermögen, sondern dazu -wurden die Kriegsgefangenen verwendet, die man bis dahin getötet, d. h. -den gefürchteten Geistern mächtiger Verstorbener, die sich allmählich -zu Gottheiten entwickelten, geopfert hatte, weil man nichts mit ihnen -anzufangen wußte. So erkannten die Stämme der jüngeren Steinzeit bald, -daß diese Tötung eine unbegreifliche Verschwendung gewesen war. Deshalb -wurde sie als unzweckmäßig abgeschafft und man begnügte sich als Opfer -für die siegverleihenden Mächte die Anführer oder nur wenige, durch das -Los bestimmte Männer aus der Zahl der Gefangenen zu schlachten. Die -übrigen blieben am Leben und mußten als Knechte den Acker bestellen und -alle schwere Arbeit verrichten. - -Noch intensiver vermochte man den Landbau zu betreiben, als zu diesen -unfreien Hörigen als ersten männlichen Arbeitern die Zugkraft des -zunächst bloß zur Milch- und Fleischgewinnung vom Manne gezüchteten -Rindes hinzukam, das den als Fortbildung der Hacke erfundenen einfachen -Hakenpflug zur Auflockerung des Bodens vor der Aussaat des Getreides -durch den zum Ackerfelde bestimmten Boden zu ziehen hatte. Besonders -ausgiebig konnte der durch Kastration dem menschlichen Willen -gefügiger gemachte Stier als Ochse den Pflug ziehen, und mit seiner -Mithilfe vermochte man immer größere Ländereien dem Anbaue der Nahrung -spendenden ältesten Nutzpflanzen dienstbar zu machen. - -In dem Maße als sich der äußere Betrieb des Feldbaues vervollkommnete, -verbesserte sich auch die Beschaffenheit der in menschliche Pflege -und Kulturauslese verbrachten Körnerfrüchte, die neben den eßbaren -Baumfrüchten und Wurzelknollen, welche aber erst später in Anbau -genommen werden konnten, als die ältesten Nutzpflanzen des Menschen zu -gelten haben. Schon auf der Stufe des umherziehenden Sammlers müssen -dem Menschen die in dichten Beständen beieinander wachsenden Grasarten -in erster Linie als Nahrungspflanzen aufgefallen sein. Mochten ihre -mehlreichen Samen auch nur klein sein, so ersetzten sie den Mangel -an Größe durch ihre leicht anzuhäufende große Zahl. Und als er zum -Aussäen der Getreidekörner übergegangen war, griff er unwillkürlich, -um eine größere Menge davon zusammenzubringen, nach den großen, in -möglichst kräftig aufgeschossenen Halmen befindlichen Samen. Schon -damit war der erste Schritt zur unbewußten Zuchtwahl getan, welche von -selbst weiterschritt, wenn auf dem zur Aussaat gewählten Feld unter den -ziemlich dicht nebeneinander aufschießenden Halmen im Ringen nach Luft -und Licht die kräftigeren Pflanzen die Oberhand gewannen, während die -schwächlicheren unterdrückt wurden und damit aus der Zucht ausschieden. - -Je nach den klimatischen Verhältnissen und der Beschaffenheit des -Bodens entwickelte sich die betreffende, in die Pflege des Menschen -genommene Pflanze nach verschiedenen Richtungen weiter. Dazu kam die -ihr innewohnende Variabilität oder Veränderungsfähigkeit, welche -plötzlich neue Eigenschaften in ihr zutage treten ließ. Diese -auffallenden abweichenden Formen suchte sich der Mensch, wenn sie -sich als für ihn nützlich erwiesen, besonders aus und vermehrte sie -durch getrennte Aussaat. So entwickelten sich unwillkürlich aus -einer und derselben Stammpflanze mit der Zeit die mannigfaltigsten -Kultursorten, die ihre Herkunft aus jener einen Art kaum glaublich -erscheinen ließ. Daher kommt es, daß alle seit längerer Zeit in der -Pflege und Kulturauslese des Menschen befindlichen Nutzgewächse eine -solch unübersehbare Mannigfaltigkeit von Formen aufweisen und in so -zahlreiche Unterarten mit allen Übergängen ineinander zerfallen, daß es -ganz unmöglich ist, sie alle zu scheiden. - -Die älteste vom Menschen in Pflege und Kulturauslese genommene -Getreideart war zweifellos neben der Gerste, die besonders in Europa -die erste Verbreitung besaß, der +Weizen+ (~Triticum vulgare~). Er -wurde irgendwo im westasiatischen Steppengebiet von einem heute -nicht mehr festzustellenden, zu Ansässigkeit und höherer Kultur -fortgeschrittenen Volke aus einem Wildlinge mit kleinen Samen zur -wichtigen Nährfrucht mit großen, mehlreichen Körnern erhoben. Der -gemeinsame Besitz dieser sicher schon vor mehr als 10000 Jahren in -menschliche Obhut und Pflege genommenen Grasart bei den ältesten -Kulturvölkern Westasiens und Ägyptens, wie auch bei den aus dem -Innern Asiens, den Oasen am Südrande des Tarimbeckens etwa im -vierten vorchristlichen Jahrtausend nach Osten gewanderten und als -bereits reine Ackerbauer in den fruchtbarsten, aus Löß, dem besten -Getreideboden, bestehenden Gegenden Nordchinas ansässig gewordenen -Chinesen ließen eine zentralasiatische Herkunft des Weizens annehmen. -So hat vor allem der Straßburger Botaniker H. Graf zu Solms-Laubach -eingehend dazutun versucht, daß die Wiege der Weizenkultur in -Zentralasien gesucht werden müsse, zu einer Zeit als die Wüste Gobi -noch vom Meere bedeckt war und die Chinesen und die westasiatischen -Kulturvölker noch näher beieinander wohnten. Als dann mit dem -Verschwinden des Meeres die Existenzbedingungen des Menschen in jenen -niederschlagsarmen Gegenden sich verschlimmerten, seien erstere nach -Osten und letztere nach Westen ausgewandert und hätten diese ihre -wichtige älteste Kulturpflanze mitgenommen. - -So schön nun diese Annahme klingt und so verlockend sie auch auf -den ersten Blick erscheint, so kann sie doch wohl kaum länger -aufrechterhalten werden, denn bisher ist noch nirgends in Zentralasien -wildwachsender Weizen angetroffen worden, wohl aber in Westasien. -Dort ist neuerdings mit großer Wahrscheinlichkeit in Persien und am -Antilibanon die wilde Stammform des Weizens mit kleinen Samenkörnern -und ziemlich brüchiger Spindel, alles Merkmalen, die auf ursprüngliche -Wildheit und nicht bloß Verwilderung schließen lassen, gefunden worden. -Zuletzt gelang es Aaronsohn im Jahre 1906, sie auch am Südostabhang -des Hermon im Westjordanlande, in Rosch Pinah und an den Ostabhängen -des Dschebel Safed und Kanaan in einigen voneinander abweichenden -Spielarten nachzuweisen, wobei allerdings die Möglichkeit nicht ganz -ausgeschlossen ist, daß wir es in diesem letzteren Falle mit seit -langer Zeit verwilderten einstigen Kulturformen des Menschen zu tun -haben. - -Jedenfalls sprechen alle uns bekannten geschichtlichen Tatsachen -dafür, daß die Weizenkultur ihren ältesten nachweisbaren Herd in -der durch ein reichverzweigtes Kanalnetz bewässerten und dadurch zu -einem äußerst fruchtbaren Lande gemachten Ebene des Zweistromlandes -zwischen Iran im Osten und Kleinasien im Westen hatte. Hier in -Mesopotamien, wo das uralaltaische Volk von Sumer und Akkad, d. h. -Süd- und Nordbabylonien das älteste für uns nachweisbare Kulturzentrum -schuf, das dann allmählich von den eingewanderten Semiten eingenommen -wurde, die jene Kultur völlig in sich aufnahmen und in eigenartiger -Weise weiterbildeten, war die ganze Lebenshaltung des Volkes auf -den im reich bevölkerten Lande intensiv betriebenen Weizenbau neben -der Kultur von Gerste und Hirse, wie auch Sesam als Fettspender, -gegründet. Der älteste griechische Geschichtschreiber Herodot, der -ums Jahr 460 v. Chr. das Land bereiste, war von den Getreidekulturen -Babyloniens so entzückt, daß er später bei der Beschreibung jenes -Landes sagte: „Assyrien ist so übermäßig fruchtbar, daß das -Getreide einen zweihundertfachen, ja in den besten Jahren einen -dreihundertfachen Ertrag gibt und daß die Blätter des Weizens und der -Gerste reichlich vier Finger breit werden, Hirse und Sesam aber sehen -dort aus wie Bäume.“ Wenn wir auch von der offenkundigen Übertreibung -dieses Berichterstatters absehen, so ist doch so viel sicher, daß -der Weizen dort außerordentlich üppig gedieh. Der große Schüler des -Aristoteles und nach dessen Tod im Jahre 322 Haupt der peripatetischen -Schule, Theophrastos (390-286 v. Chr.) in Athen, schreibt in seiner -Pflanzengeschichte: „In Babylonien ist man genötigt, den Weizen -nicht nur einmal, wie in anderen fruchtbaren Gegenden, sondern sogar -zweimal abzusicheln, zum drittenmal aber mit Schafen abzuweiden; erst -dann kann man ihn in den Halm wachsen lassen, weil er sonst zu üppig -in die Blätter treibt. Er gibt dort 50- bis 100fältigen Ertrag. Die -große Fruchtbarkeit erlangt der Boden Babyloniens durch Bewässerung.“ -Noch Berosos, ein Priester zu Babylon, der im dritten vorchristlichen -Jahrhundert drei Bücher über babylonische Geschichte in griechischer -Sprache schrieb, berichtet, daß der Weizen in der Gegend seines -Wohnortes wildwachsend angetroffen werde. - -Auch im ältesten Ägypten, dessen Kulturvolk auf eingehende -astronomische Kenntnisse gestützt einen schon sehr genau ausgerechneten -Kalender im Jahre 4241 v. Chr. einführte, also damals schon eine -staunenswerte Höhe der Kultur errungen hatte, erhielt der Weizen -den Vorrang vor der Gerste und wurde seit den ältesten für uns -nachweisbaren Dynastien in solcher Menge angepflanzt, daß die -Schriftsteller des Altertums die ganze fruchtbare Niederung am Delta -des Niltales mit einem einzigen, großen Weizenfelde verglichen. -Der Weizen hieß im Altägyptischen ~su~ und wurde wie der Spelt -~bôti~ und die Gerste ~ati~ in zwei Sorten, einer weißen und einer -roten, kultiviert. Seine Fruchtkörner finden sich fast regelmäßig -unter den Totenspeisen. Wie sie als Nährfrucht für die Lebenden -von der größten Bedeutung waren, so sollten sie auch die Geister -der Verstorbenen nicht entbehren. Die altägyptischen Grabdenkmäler -zeigen uns schon ganz deutlich begrannten und unbegrannten Weizen, -wie auch sämtliche Vorgänge beim Pflügen, Säen, Ernten, Dreschen -und Magazinieren des Getreides. Der Pflug aus der Pyramidenzeit, -d. h. dem Beginne des dritten vorchristlichen Jahrtausends war ein -gekrümmtes, vorn zugespitztes Holz von einem Baumast, an welchem, -durch Baststricke oder Weidengeflecht befestigt, sich die Deichsel -befand. Er wurde meist von Rindern und nur ausnahmsweise von vier -Männern zu Paaren gezogen. Die Kornfrucht wurde mit kurzen Sicheln -in Kniehöhe abgeschnitten, in Garben zusammengeschnürt und diese -auf Eseln nach der im Freien auf etwas erhöhter, dem Winde leicht -Zutritt gewährender Stelle errichteten Tenne gebracht, wo man sie -auflöste und über die Ähren Rinder oder Esel im Kreise herum trieb, -damit sie die Körner austräten. Währenddem wendete ein Arbeiter mit -einer Holzgabel die niedergetretenen Haufen um. Vermittelst der Worfel -wurde dann die Frucht von der Spreu geschieden, d. h. Männer warfen -die ausgetretene Masse mit Schaufeln in die Höhe, so daß der Wind die -Spreu wegfegte, während die schweren Körner zur Erde fielen. Vielfach -wurde die Tätigkeit des Windes durch Hin- und Herschwingen eines Wedels -unterstützt. Dann wurde das Getreide, nachdem es durch ein Rohrsieb -vom anhaftenden Staub und Unkrautsamen befreit worden war, in Säcke -geschaufelt und auf den Rücken der Arbeiter in die oben geöffneten, -hohen, runden Speicher getragen. In den staatlichen Magazinen wurde -das Getreide in größerer Menge für Zeiten der Not auf viele Jahre -hinaus aufgespeichert. Da der Weizen die Hauptkulturpflanze des -Niltales bildete, gehörte auch Weizengebäck zu den Hauptnahrungsmitteln -der alten Ägypter. Nachdem das Korn von den Frauen auf einfachen -Handmühlen gemahlen worden war, wurde es mit Wasser zu einem Teig -angemacht, der vielfach mit den nackten Füßen geknetet und zu den -verschiedensten Fladen und Kuchen verarbeitet wurde. Diese wurden dann -teils in heißer Asche, teils auf erhitzten Steinplatten, meist jedoch -in bienenkorbähnlichen, etwa 1 m hohen Backöfen, die innen geheizt -wurden und auf welche die fladenförmigen Brote außen angeklebt wurden, -gargebacken und in der Regel, um sie schmackhafter zu machen, mit -Sesamkörnern bestreut. Solches Weizenbrot galt im alten Ägypten als -das vornehmste Opferbrot. Die Weizenkultur war noch zur Römerzeit in -Ägypten so ausgedehnt, daß teilweise die Proletarier in Rom mit deren -Erträgnis gefüttert wurden. So wurden unter Kaiser Augustus allein -20 Millionen römischer ~modii~ (= 175 Millionen Liter) Weizen aus -Alexandrien nach Rom verschifft, und wenn auch dieser von Plinius in -seinem Bericht über die Güte der nach Rom gesandten Tributleistungen -der von den Römern unterjochten Völker dem italienischen, -böotischen und sizilischen Weizen nachgestellt wird, so ist dies -nur damit zu erklären, daß die Ägypter zu diesen Zwangslieferungen -begreiflicherweise nicht die besten Sorten Getreide genommen haben -werden. - -Auch in Syrien und Palästina war der Weizen als Getreidefrucht sehr -angesehen und wurde neben der Gerste viel kultiviert, wie schon -verschiedene diesbezügliche Stellen aus dem Alten Testamente dartun. -So wird in Jesaias, 25 gesagt, daß man Weizen und Gerste, wie auch -Spelt jegliches an seinen Ort säe und solches nach der Ernte durch -Darübertreiben von Rindern ausdresche. Dabei wurde als Tenne ein wenn -möglich erhöhter, dem Wind allseitig Zutritt gebender Ort gewählt. Nur -ausnahmsweise wurde eine in den anstehenden Fels gehauene Vertiefung, -in welcher man sonst die Trauben bei der Weinbereitung mit den Füßen -zertrat und die deshalb von Luther bei seiner Bibelübersetzung als -Kelter bezeichnet wurde, zum Dreschen benutzt, wie beispielsweise im -Buche der Richter 6, 11, wo der Engel des Herrn sich unter eine Eiche -zu Ophra setzte, „die war Joas, des Vaters der Efriter, und sein Sohn -Gideon (der Held und Heerführer -- Richter -- der Israeliten im 12. -Jahrhundert v. Chr., der sein Volk von der siebenjährigen Herrschaft -der Midianiter befreite) drosch Weizen in der Kelter, daß er flöhe vor -den Midianitern“. Und als der Engel seine Botschaft ausgerichtet hatte, -daß der Herr mit ihm sei und er die Midianiter schlagen werde wie einen -einzelnen Mann, hieß ihn Gideon warten, bis er ihm ein Speiseopfer -geleistet habe. „Und Gideon ging und schlachtete ein Ziegenböcklein und -nahm ein ~epha~ ungesäuertes Mehl (d. h. aus ungesäuertem Teig -gebackenes Fladenbrot) und legte (das gekochte) Fleisch in einen Korb -und tat die Brühe in einen Topf und brachte es zu ihm heraus unter die -Eiche und trat herzu. Da sprach der Engel Gottes: Nimm das Fleisch und -das Ungesäuerte und laß es auf dem Fels, der hier ist, und gieße die -Brühe aus. Und er tat also. Da reckte der Engel des Herrn den Stecken -aus, den er in der Hand hatte, und rührete mit der Spitze das Fleisch -und das ungesäuerte Mehl an. Und das Feuer fuhr aus dem Fels und -verzehrte das Fleisch und das ungesäuerte Mehl. Und der Engel des Herrn -verschwand aus seinen Augen.“ Da baute Gideon daselbst dem Herrn einen -Altar und hieß ihn: der Herr des Friedens. - -Sehr frühe schon in vorgeschichtlicher Zeit kam auch der Weizen mit -der Gerste und der Hirse wie zu den neolithischen Hackbauern Europas, -so auch nach Osten zu dem alten Kulturvolke der Chinesen, als sie noch -im Innern Asiens saßen. Bei ihrer, wie bereits bemerkt, in das vierte -vorchristliche Jahrtausend zu setzenden Auswanderung in die fruchtbaren -Gegenden Nordchinas waren sie schon längst im Besitze dieser wertvollen -Nährfrucht. In den chinesischen Annalen wird von einem Kaiser namens -Schen-nung berichtet, der ums Jahr 2800 v. Chr. lebte und anordnete, -daß bei einem alljährlich wiederkehrenden großen Feste in symbolischer -Handlung die fünf wichtigsten Kulturpflanzen der damaligen Zeit -ausgesät werden sollten. Unter ihnen befand sich neben der Gerste, dem -Reis, den Sojabohnen und der Hirse auch der Weizen. - -Die in den neolithischen Pfahlbauansiedlungen Mitteleuropas am -häufigsten neben der für Europa älteren Gerste angebaute Körnerfrucht -war nach den eingehenden Untersuchungen des verstorbenen Züricher -Botanikers Oswald Heer der kleinkörnige Pfahlbauweizen, eine heute -ausgestorbene Weizenart, welche durch ihre sehr kleinen Körner -anzeigt, daß diese Getreideart noch sehr wenig durch künstliche Zucht -und Auslese veredelt worden war. Daneben wurde der Emmer und das -Einkorn oder der Zwergweizen, zwei ebenfalls sehr wenig ausgiebige -Getreidearten, angepflanzt. Erst zu Beginn der Bronzezeit, etwa um -1800 v. Chr., wurde durch die regeren Handelsverbindungen mit den -östlichen Mittelmeerländern, die durch ihre großen, mehlreichen Samen -sich als hochgezüchtete Art ausweisende, ertragreiche ägyptische -Kulturvarietät, der sogenannte Mumienweizen -- so genannt, weil er -sich den altägyptischen Mumien mitgegeben findet -- zu den Hackbauern -Mitteleuropas gebracht. - -Auch bei den Griechen der homerischen Zeit war neben Gerste und Spelt -der Weizen das Hauptgetreide, dessen Körner auch den Pferden und -dem Federvieh, soweit solches schon in menschlicher Pflege stand, -verfüttert wurden. So wurden nach der Ilias die schnellfüßigen Rosse -des Diomedes und nach der Odyssee die zwanzig Gänse, die Penelope -auf ihrem Gute in Ithaka besaß, mit „lieblich schmeckendem Weizen“ -(~pyrós~) gefüttert. Und als Hektor zum Kampfe gegürtet aufbricht, -redet er, bevor er den zweiräderigen Schlachtwagen besteigt, seine -beiden Pferde an: „Wohlauf, ihr meine Rosse, zeigt euch dankbar für die -gute Pflege, die euch Andromache (seine Gattin) angedeihen ließ, indem -sie euch köstlichen Weizen und Wein vorsetzte, so oft ihr nach Futter -und Trank verlangtet.“ - -Von späteren griechischen Autoren schreibt Theophrast in seiner -Pflanzengeschichte zu Ende des vierten vorchristlichen Jahrhunderts: -„Es gibt viele Sorten von Weizen. Sie haben ihre Namen von ihrem -Vaterlande oder von anderen Dingen und unterscheiden sich in der -Farbe, Größe und Gestalt und anderen Eigenheiten der Körner, sind -auch an Wirkung und Nährkraft verschieden. Mancher Weizen wird im -Herbst, mancher dagegen im Frühjahr gesät. Es gibt auch eine Sorte, -die in drei, eine, die in zwei Monaten reif wird; auf Euböa soll er -von der Aussaat bis zur Reife nur 40 Tage brauchen. An Nährwert -sind manche Sorten so verschieden, daß Kämpfer, die in Böotien kaum -drei Pfund verzehren, deren fast fünf brauchen, wenn sie nach Athen -kommen. Der Grund solcher Verschiedenheit liegt im Boden und in der -Luft.“ Und Columella, ein aus Spanien nach Rom gekommener römischer -Ackerbauschriftsteller aus dem ersten Jahrhundert n. Chr., sagt in -seinem Buche über den Landbau: „Die wichtigsten und dem Menschen -nützlichsten Getreidearten sind Weizen (~triticum~) und Spelt (~semen -adoreum~, d. h. beim Opfer dargebrachter Samen; sein gewöhnlicher -Name war bei den Römern ~far~). Wir kennen mehrere Weizensorten; für -den Anbau eignet sich aber diejenige am besten, die ~robus~ genannt -wird, weil sie sich durch Gewicht und Glanz auszeichnet. Den zweiten -Rang nimmt der Siligoweizen ein; er gibt ein köstliches Brot, wiegt -aber leicht. Die dritte Sorte ist der Dreimonatsweizen; er ist bei den -Landleuten sehr beliebt, denn er hilft aus, wenn Regen, Überschwemmung -oder eine andere Ursache die zeitige Aussaat verhindert hat. Dieser -ist übrigens auch eine Siligosorte. Alle übrigen Weizenarten kann man -recht gut entbehren, es sei denn, daß man seine Freude daran hat, recht -vielerlei zu besitzen und zur Schau zu stellen.“ - -Columellas Zeitgenosse Plinius meint: „Der Weizen saugt das Land -am meisten aus. In verschiedenen Gegenden werden verschiedene -Getreidearten gebaut, und dieselbe Art führt auch nicht überall -denselben Namen. Die gemeinsten sind Spelt (~far~), früherhin auch -~adoreum~ genannt, ferner ~siligo~ -- wie der Spelt grannenlos -- und -Weizen. Siligo heißt eine zarte Weizensorte, sie ist weiß, kraftlos, -leicht und eignet sich für feuchten Boden. Jenseits der Alpen hält sie -sich nur im Lande der Allobroger und Meminer (keltischer Bergvölker -in der ~Gallia narbonensis~, d. h. Südostfrankreich), in den andern -geht sie nach zwei Jahren in Weizen über. Eine andere Weizenart, -~arinca~, wird in Gallien, jedoch auch in Italien angepflanzt; in -Ägypten, Syrien, Kilikien, Kleinasien und Griechenland dagegen -vorzugsweise ~zea~ (eine Art Spelt), ~olyra~ (eine Art Weizen) und -~tiphe~ (Einkorn). -- Ägypten liefert ein feines Weizenmehl, das -aber dem italienischen an Güte nachsteht.“ Später schreibt er, um -zu sagen, wie fruchtbar der Weizen sein könne: „In der byzakischen -Landschaft Afrikas (Algerien) gibt ein Maß ausgesäten Weizens bei der -Ernte 150 Maß zurück. Der dortige Prokurator hat dem Kaiser Augustus -eine Weizenstaude geschickt, welche aus +einem+ Korne gewachsen war, -sich aber in fast 400 Halme teilte. Das klingt kaum glaublich; aber -die darüber gewechselten Briefe sind noch vorhanden. Er hat auch dem -Nero eine Weizenstaude mit 360 Halmen aus +einem+ Korn geschickt. -Hundertfältigen Ertrag geben auch die Felder in Sizilien, Bätika -(die nach dem Flusse Baetis = Quadalquivir genannte südlichste, ganz -Andalusien umfassende Provinz Spaniens), Ägypten.“ - -Seit dem Altertum werden in Europa wie in allen Kulturländern die -verschiedensten Arten von begranntem oder unbegranntem Weizen angebaut, -auf deren Unterschiede wir hier nicht eintreten können. Es genüge -zu bemerken, daß heute jährlich etwa 90 Milliarden Kilogramm Weizen -geerntet werden. Dabei nimmt der Weizenbau immer noch gewaltig zu, -indem stetsfort neue Strecken Kulturlandes hierfür in Bearbeitung -genommen werden. Unter allen Zerealien bedarf der Weizen am meisten -Wärme; er verlangt nämlich eine mittlere Sommertemperatur von -+14° C. Gegenwärtig ist der Weizenbau über die ganze gemäßigte -und subtropische Zone der Alten und Neuen Welt verbreitet. In der -heißen Zone kann sein Anbau nur noch auf Bergen stattfinden, deren -Temperatur derjenigen unserer Gegenden entspricht. Am besten geeignet -zur Weizenkultur ist lehmhaltiger Kalkboden; doch ist auch lehmiger -Sandboden sehr gut dafür. Wenn zu viel Lehm vorhanden ist, ist der -Boden zu feucht und gibt einen nur geringen Ertrag an Samenkörnern. -Sonst nimmt es der Weizen nicht allzu genau mit der Bodenart. Er flieht -nur übermäßige Feuchtigkeit und verlangt kohlensauren Kalk, daneben -natürlich die unentbehrlichen Nährstoffe wie Stickstoff, phosphorsauren -Kalk und Alkalien. Um rationelle Getreidekultur zu betreiben, muß -also der Ackerbauer die natürliche und chemische Zusammensetzung des -Bodens, auf dem er Getreide pflanzen will, genau kennen und die Düngung -desselben dementsprechend regeln. Am besten ist dabei entschieden -der Stalldünger, der die Ackerkrume nicht nur chemisch, sondern auch -physikalisch verbessert. - -Außerdem ist es nötig, daß der Acker, auf dem der Weizen gedeihen soll, -sorgfältig von Unkraut gereinigt sei, weil dieses Kulturgewächs sich -leicht durch allerlei Unkraut verdrängen läßt. Aus diesem Grunde läßt -man zwischenhinein auf dem zur Weizenkultur verwendeten Boden eine -Kultur wie Runkelrüben oder Tabak wachsen, die das Unkraut vertilgt. -Überhaupt soll möglichster Fruchtwechsel geübt werden, damit der Boden -trotz der Düngung nicht einseitig ausgesogen werde. - -Die Entwicklung und das Reifen des Korns sind, was die Zeitdauer -betrifft, hauptsächlich vom Klima und von der Getreidesorte abhängig. -Das als Winterkorn bezeichnete Getreide wird in den nördlichen Gegenden -der gemäßigten Zone im Oktober, in den südlichen jedoch erst im -Dezember gesät. Das Sommerkorn dagegen kommt erst im März oder April -zur Aussaat. Für ein einigermaßen rauhes Klima kann als Grundregel -gelten, daß das Korn keine Spur von Wachstum zeigt, so lange die -Temperatur niedriger als + 6° C. ist, und daß es ungefähr drei Wochen -wachsen muß, bevor es der Winterkälte Widerstand zu leisten vermag. - -Um eine reiche Ernte zu erzielen, muß das Saatkorn völlig reif und -schwer sein, sich trocken anfühlen, leicht durch die Finger gleiten -und durch die Unkraut-Auslesemaschinen vom Unkraut befreit sein. -Um allfällige, dem unbewaffneten Auge unsichtbar an ihm haftende -Krankheitskeime, besonders des Getreiderostes und Stinkbrandes zu -entfernen, wird es zudem vor der Aussaat gekalkt oder geschwefelt; -letzteres ist die am meisten geübte, gründlichste und zugleich -billigste Methode. Dazu wird das Saatkorn in einem Bottich mit einer -Lösung von 300 g schwefelsaurem Kupfer auf 100 Liter Wasser gewaschen, -wobei die obenauf schwimmenden leichten Körner als zur Saat ungeeignet -entfernt werden. Bei dem nur auf kleineren Bauernhöfen geübten Kalken -wird das Korn mit einer aus 1,5 Liter ungelöschtem Kalk auf 100 Liter -Wasser hergestellten Kalkmilch begossen und dabei fortgesetzt mit -der Schaufel umgewendet, damit jedes einzelne Korn gut mit der Masse -imprägniert werde. - -Diese Vorsichtsmaßregel ist durchaus nötig, denn der Weizen wird wie -alle Kulturpflanzen von verschiedenen bösartigen Pilzkrankheiten -heimgesucht. Beim +Stinkbrand+ werden die Fruchtknoten mit einer stark -nach Heringslake riechenden, klebrig-schmierigen Sporenmasse erfüllt. -Kommen solche erkrankte Ähren unter das Getreide, und werden gemahlen, -so können große Mengen von Mehl vollständig unbrauchbar gemacht werden. -Noch verbreiteter und, wenn möglich, bösartiger ist der +Getreiderost+, -der alle Getreidearten heimsucht. Es bilden sich dabei an den Blättern -rötliche Flecken, die die Entwicklung der Pflanze hindern und nicht -bloß den Ertrag herabsetzen, sondern auch das Eingehen der erkrankten -Pflanze bewirken können. Rost kommt aus der germanischen Wurzel -~rud~, d. h. rot. Bei den Griechen hieß er ~erisýbē~ und bei den -Römern ~rubigo~ (von ~rubus~ rot). Aus Furcht vor dieser schlimmen -Getreidekrankheit opferten die letzteren sogar dem Gotte Rubigus und -feierten zur Abwendung der Krankheit am 25. April die Rubigalien. - -Schon den Bauern des Mittelalters war es aufgefallen, daß die -Rostkrankheit des Getreides sich immer nur da zeigte, wo in der Nähe -der Felder Berberitzensträucher standen. Obgleich durchaus kein Beweis -für diesen Zusammenhang erbracht werden konnte, war der Glaube daran -schon so tief gefestigt, daß häufig die Gerichte die Entfernung von -Berberitzensträuchern aus der Nähe von Getreidefeldern beantragten. -Erst vor verhältnismäßig kurzer Zeit wurde von der wissenschaftlichen -Forschung der untrügliche Beweis erbracht, daß die Praxis ganz richtig -erkannt hatte. Ein und derselbe Pilz (~Puccinia graminis~) bedarf zu -seinem Fortkommen des Wirtswechsels, indem er in der einen Generation -auf den Getreidehalmen und in der folgenden auf den Blättern der -Berberitze, wo er hellgelbe Pusteln verursacht, sich ansiedelt, um -endlos diesen Kreislauf aufs neue zu vollführen. Deshalb dürfen auch -absolut keine Berberitzensträucher in der Nähe von Getreidefeldern -geduldet werden. Dies sei nur nebenbei bemerkt, um begreiflich zu -machen, wie sehr eine Desinfektion des Saatkornes nötig ist. - -[Illustration: Bild 2. Weizenälchen (~Tylenchus scandens~), stark -vergrößert.] - -Von tierischen Parasiten des Weizens ist vor allem das +Weizenälchen+ -(~Tylenchus scandens~) zu nennen, welches das sogenannte Gichtigwerden -oder den +Faulbrand+ des Weizens verursacht und dadurch oft gewaltigen -Schaden anrichtet. Die jungen Älchen dringen in die Blütenähre ein -und bilden, ähnlich wie manche Insektenlarven Galläpfel, eine abnorme -Entwicklung des Korns, was man als Gicht oder Radenkorn bezeichnet. -Die Weibchen legen darein eine große Menge Eier und sterben, wie -auch die Männchen, ab. Aus den Eiern entwickeln sich geschlechtslose -Larven, die in Anabiose, eingetrocknet den staubigfaserigen Inhalt des -Gichtkorns bilden. Gelangt letzteres mit den gesunden Weizenkörnern -in den feuchten Ackerboden, so werden die winzigen Würmchen durch -Wasserzufuhr wieder lebendig, gelangen zu einer jungen Weizenpflanze, -kriechen an derselben hinauf, halten sich bei trockener Witterung in -den Blattscheiden ohne Bewegung und Lebenszeichen auf, suchen aber -bei einfallendem Regen mit dem Emporwachsen des Halmes immer weiter -nach oben zu kommen und gelangen so zu einer Zeit schon in die oberste -Blattscheide, da sich die Blüte zu bilden beginnt. In diese dringen sie -nun ein, wachsen zur Geschlechtsreife heran, paaren sich und pflanzen -sich fort, um den Kreislauf stets wieder aufs neue zu vollenden. -Bemerkenswert ist die außerordentliche Zählebigkeit der Weizenälchen, -die, wie mehrfache Versuche bewiesen, nach 20 und mehr Jahren völliger -Eintrockung bei Befeuchtung wieder aufleben. Naturgemäß tritt der -Faulbrand in nassen Jahren stärker auf als in trockenen. Der Landmann -muß sich gegen den Schädling dadurch schützen, daß er alle gichtigen -Körner des Weizens -- am besten durch Verbrennen -- vernichtet und -zum Säen nur gesundes, in einer halbprozentigen Kupfervitriollösung -gebeiztes Saatgut verwendet. - -So vorbereitet wird das Korn mit voller Hand, breitwürfig, wie man zu -sagen pflegt, auf den durch Pflügen und Eggen vorbereiteten Boden gesät -und durch nochmaliges Eggen möglichst in ihn hineingebracht; denn alle -an der Oberfläche liegen bleibenden Körner erliegen der Kälte oder der -Sonnenwärme, oder werden von den danach lüsternen Vögeln, besonders -Tauben, weggepickt. Viel besser als die Menschenhand besorgen dies -Geschäft die modernen Sämaschinen, die ausgezeichnet rasch und gut -arbeiten und über die Hälfte des Saatkorns ersparen, indem sie den -Samen gleich in die Erde versenken. - -Vierzehn Tage nach der Aussaat erscheinen die ersten Keime, so daß -der Ackerboden einen grünen Anflug erhält. Im Laufe des Frühjahrs und -Sommers wächst nun das Korn im Wechsel von Regen und Sonnenschein -heran, treibt seine Blüten, die durch den Wind mit dem reichlich -ausstäubenden Pollen befruchtet werden, und läßt den Samen reifen. -Sobald die Samenkörner so fest geworden sind, daß sie ohne große -Anstrengung durch den Nagel gerade noch einen Eindruck bekommen, -beginnt die Ernte, die in kleineren Betrieben noch von Hand, sonst -aber in zunehmendem Maße ebenfalls durch Maschinen besorgt wird. Durch -Maschinen wird es auch gedroschen, geworfelt, gesiebt und dabei die -Getreidekörner nach der Größe sortiert, während das Stroh automatisch -zu Bündeln vereinigt wird. Die Getreidesäcke werden in gut gelüfteten -Scheunen aufbewahrt -- in den Zentren des Getreidebaus benutzt man -dazu besondere Silos mit automatisch arbeitenden Elevatoren. Für den -menschlichen Gebrauch wird dann das Korn in den Mühlen gemahlen und -kommt als Mehl verschiedenster Sorte teils zum Bäcker, teils an die -Makkaroni- oder Schiffszwiebackfabrikanten oder wird sonstwie in den -einzelnen Haushaltungen zur Herstellung von allerlei Eßwaren verwendet. - -Jahrtausende hindurch haben unsere Ahnen der vorgeschichtlichen und -frühgeschichtlichen Zeit das zur Herstellung des Breies, der Grütze und -später auch des Fladenbrotes nötige, damals noch äußerst grobkörnige -und vielfach mit feinen Gesteinssplittern vermengte Mehl selbst -herstellen müssen. Zu diesem Zwecke wurde das meist kurz geschnittene -Korn durch die Hufe der darüber getriebenen Rinder, Ziegen oder Schafe -ausgetreten -- woher überhaupt die lateinische Bezeichnung des Weizens -~triticum~ (von ~tritare~ = austreten), d. h. das „Ausgetretene“ -herrührt -- und in Vorratsbehältern verschiedenster Gestalt aufbewahrt. -Daraus holten sich die Frauen jeweilen ihren täglichen Bedarf an Korn. -Wie heute noch im Orient, konnte man einst früh morgens noch vor dem -Morgengrauen das Reibegeräusch der primitiven steinernen Handmühlen in -den Siedlungen der Stein- und Bronzezeit hören, in denen die Frauen -das Mehl zur Herstellung des Breies oder der flachen, ungetriebenen -Brotfladen für das Frühstück herstellten. Es war dies die erste Arbeit -des Tages, soviel Korn als für die erste Mahlzeit der Hausgenossen -nötig war, zu Mehl zu mahlen. Deshalb heißt es in den Lobsprüchen eines -tugendsamen Weibes aus den Sprüchen Salomos (Kap. 31, Vers 15) von -„der Frau, die morgens früh aufsteht, wenn es noch Nacht ist, und die -Speise für ihren Mann, die Kinder und das Gesinde bereitet“, d. h. auf -der Handmühle das für den ersten Tagesbedarf erforderliche Korn zu Mehl -mahlt. - -[Illustration: Bild 3. Auf einer Handmühle Korn zu Mehl verreibende -Ägypterin. - -Statuette aus Kalkstein um 2600 v. Chr., jetzt im Alten Museum in -Berlin.] - -[Illustration: - - Tafel 1. - -1. Roggen, 2. blühendes Roggenährchen, 3. Spelt oder Dinkel, 4. -vierzeilige Gerste, 5. Emmer, 6. unbegrannter Weizen, 7. begrannter -Weizen, 8. reifes Ährchen von unbegranntem Weizen, 9. zweizeilige -Gerste, 10. Hafer, 11. Haferährchen in der Blüte, 12. sechszeilige -Gerste, 13. Ährchen der zweizeiligen Gerste.] - -[Illustration: - - Tafel 2. - - (Phot. von E. Reinhardt.) - -Holzpflug mit Metallspitze, wie er heute noch in Toskana verwendet -wird. Die gleiche Form war schon im Altertum üblich. Im Hintergrunde -Stützbäume für Weinreben.] - -[Illustration: Die Entwicklung des Pfluges, dargestellt in den Modellen -des Deutschen Museums in München (Phot. und Verlag von M. Stuffler).] - -Ursprünglich bestanden diese Handmühlen, die uns in großer Zahl in -den prähistorischen Museen entgegentreten, aus zwei losen Steinen, -einem kleineren, walzenförmigen, der auf einem größeren, flachen über -das zu mahlende Korn hin und her gerieben wurde. Später wurden zwei -annähernd gleich große Steine so zugehauen, daß der obere, an welchem -exzentrisch ein hölzerner Handgriff angebracht war, um den unteren -herumgedreht werden konnte, wie dies heute noch an den im Morgenlande -überall gebräuchlichen Hausmühlen zu sehen ist. Solche einfache -steinerne Handmühlen besaßen noch die deutschen Stämme zur Zeit -der Völkerwanderung. Gotisch hießen sie ~quairnus~, althochdeutsch -~quirn~ oder ~quern~. An letztere erinnern noch manche Eigennamen wie -Querner, Kerner, Körner, die also gleichbedeutend mit unserem Worte -Müller sind, und Ortsnamen wie Quirnfurt, Querfurt, Körnbach usw. Daß -aber ganze Orte nach der Handmühle ~quirn~ bezeichnet wurden, zeigt, -daß es im Mittelalter neben den kleineren auch größere Mühlen gab, wie -sie nicht in jedem Hause, nicht einmal an jedem Orte vorkamen, weil -sie sonst kein unterscheidendes Kennzeichen für die Benennung hätten -abgeben können. Wahrscheinlich wurden sie später so vergrößert, daß -sie durch Tiere getrieben wurden, was bei den Griechen und Römern der -späteren Zeit bereits allgemein üblich war. Aber mit dem Untergange -der hellenisch-römischen Kultur verfielen in den Bedrängnissen der -Völkerwanderungszeit diese bequemen Einrichtungen an den meisten Orten -und kamen außer Gebrauch. So benutzten die Germanenstämme des frühen -Mittelalters noch ausschließlich die kleinen Handmühlen. Erst nach -und nach kamen bei ihnen die von den Römern in den von ihrer Kultur -befruchteten Gebieten gebauten ~molinae~, d. h. meist schon durch -Wasser- statt Tierkraft getriebenen Mühlen auch in Germanien allmählich -in Aufnahme. Deren Anlage erheischte jedoch so viel Vorbereitungen, wie -Erwerb von Wasserrechten und Land, Stauung des Wassers, Einrichtung der -Wasserräder und der an sie gekuppelten Maschinen, daß diese „Mülinen“, -wie sie im späteren Mittelalter genannt wurden (franz. ~moulin~), -sich nur sehr langsam neben den allgemein gebräuchlichen Quirnsteinen -einbürgerten. - -[Illustration: - - Tafel 3. - - (~Copyright by Underwood & Underwood~.) - -Das Dreschen des Getreides in Galiläa. Die gleiche Art war schon im -Altertum üblich.] - -[Illustration: - - Tafel 4. - -Dampfdreschmaschine mit Strohselbstbinder der Maschinenfabrik Heinrich -Lanz in Mannheim. (Im Betrieb auf Gut Boldebuck in Mecklenburg.)] - -Die Wassermühlen waren übrigens durchaus keine römische Erfindung, -sondern dienten schon sehr früh im Orient zum Ersatze der menschlichen -oder tierischen Kraft bei der Mehlbereitung. Bereits Mithridates der -Große (132-66 v. Chr.), der im Jahre 88 von den Küstenländern am -Schwarzen Meere aus ganz Kleinasien eroberte und daselbst alle Römer, -etwa 80000 an der Zahl, ermorden ließ, besaß in seinem Reiche welche. -Es waren dies oberschlächtige Wasserräder, die früher bekannt waren und -dem Mühlenbetriebe dienten als die unterschlächtigen, von denen uns -erst der römische Kriegsingenieur unter Cäsar und Augustus, Vitruvius, -berichtet. Öffentliche Wassermühlen kamen in Rom erst zu Ende des 4. -Jahrhunderts n. Chr. unter den Kaisern Honorius und Arkadius auf, und -das älteste darauf bezügliche Gesetz aus dem Jahre 398 zeigt deutlich, -daß sie damals noch eine neue Einrichtung waren, die man durch -öffentlichen Schutz sichern mußte. Darauf bezügliche Befehle wurden -noch gegen das Ende des 5. Jahrhunderts von Kaiser Zeno erneuert. -Diese Mühlen lagen an den Kanälen, die Wasser nach Rom führten, und -konnten, da sie nur von wenig Wasser getrieben wurden, jedenfalls nur -verhältnismäßig geringe Kraft entwickeln. Als der Gotenkönig Vitiges im -Jahre 536 den Feldherrn des oströmischen Kaisers Justinian, Belisar, in -Rom belagerte und die 14 großen Wasserleitungen der Stadt verstopfen -ließ, geriet dieser in große Verlegenheit, nicht wegen Wassermangel -überhaupt -- denn dagegen sicherte ihn der Tiberstrom --, sondern wegen -Verlustes desjenigen Wassers, das die Mühlen trieb, die alle an diesen -Kanälen lagen. Pferde und Ochsen, die man zum Treiben der Mühlen hätte -gebrauchen können, fehlten den Einwohnern der belagerten Stadt. Da -geriet Belisar auf den Gedanken, die Mühlen auf im Tiber verankerte -Fahrzeuge zu bringen und sie vom Strome treiben zu lassen. Damit wurde -er zum Erfinder der Schiffsmühlen. Diese funktionierten ganz gut. -Und als die Belagerer starke Balken in den Strom warfen, um sie zu -zerstören, schützten sich die Belagerten durch vorgezogene Ketten. - -[Illustration: Bild 4 u. 5. Durch Arbeitssklaven oder wohl häufiger -durch ein Maultier getriebene Mühle aus Pompeji. (Nach Mau.) - -4. Die aus Lava gehauenen beiden Mahlsteine samt dem gemauerten -Unterteil ohne die zerfallenen Holzteile, die zum Bewegen des oberen -Steines um den festliegenden unteren dienten; 5. Querschnitt derselben -mit Rekonstruktion der Holzteile.] - -Vor der Erfindung der Wassermühlen war tierische oder menschliche Kraft -zum Treiben der Mühlen gebräuchlich. Bei der Unmenge von Sklaven, -über die man in Rom verfügte, besorgten diese lange Zeit hindurch das -Drehen der großen Mühlen, die aus zwei Steinen aus rauhem Trachyt -bestanden, wie man an den uns in Pompeji ziemlich zahlreich erhaltenen -Exemplaren sehen kann. Die Unterlage bildete ein kreisförmiger, großer -Stein mit erhöhtem Rand. In seiner Mitte ruhte ein am oberen Ende -wagerecht abgestutzter Kegel, aus dessen Mitte ein kurzer Eisenzapfen -hervorragte, der in eine entsprechende Höhlung einer eisernen Scheibe -am sogenannten Läufer paßte. Dieser Läufer war ein sanduhrförmiger -Doppeltrichter, in den oben das Getreide geschüttet wurde, um durch -vier Löcher, von welchen die Eisenscheibe durchbohrt war, zwischen -Bodenstein und Läufer zu geraten und beim Drehen des letzteren zermalmt -zu werden. Das fertig gemahlene Mehl wurde am Rande der Unterlage mit -der Hand hinweggenommen. - -Neben diesen moderneren Mühlen haben die Römer noch lange Zeit hindurch -ihr Getreide geröstet von Sklaven in Mörsern stampfen lassen. Vom -lateinischen ~pinsere~ stampfen nannte man die Leute, die dieses -Geschäft besorgten, ~pinsores~, später ~pistores~. Besonders wurde -dies mit dem alsbald zu besprechenden Spelt oder Dinkelweizen gemacht, -da damit die Hüllspelzen desselben leichter zu entfernen waren. -Verordnungen über die Mühlensklaven kommen noch unter dem Kaiser -Valentinian vor, der von 364-375 regierte. Erst unter dem 379 von -Gratian zum Mitregenten ernannten Theodosius dem Großen, der 395 in -Mailand starb, nachdem er sein Reich unter seine beiden Söhne Arkadius -und Honorius geteilt hatte, hörte man, wie uns Antonius berichtet, auf, -Sklaven zu halten und Mühlen von Menschen treiben zu lassen. - -Windmühlen waren im Altertum noch nicht im Gebrauch. Diese kamen -vielmehr erst um die Mitte des 11. Jahrhunderts in Deutschland auf. -Jahrhunderte hindurch blieb dann hier das Mühlenwesen auf der einmal -erreichten Stufe stehen, bis von den praktischen Nordamerikanern aus -ein mächtiger Anstoß zu Verbesserungen im Mühlenbetriebe erfolgte. -In Pennsylvanien und am Mississippi bestanden bereits zu Anfang des -vergangenen Jahrhunderts Mühlen, die die Leistungen der europäischen -Mühlen weit übertrafen, indem sie auf Großbetrieb eingerichtet waren. -Dazu kam die Anwendung der Dampfmaschine zuerst 1784 in England, dann -1825 in Deutschland, und zwar Magdeburg, und 1828 in Frankreich, so -daß von dieser Zeit an Dampfmühlen nach amerikanischem System rasche -Ausbreitung fanden. Vom Jahre 1834 an, da Sulzberger solche Neuerung -einführte, wandte man eiserne Walzen statt der Mühlsteine an, wodurch -das Mahlverfahren noch weiter gehoben wurde, bis zuletzt der höchste -Aufschwung durch die Erfindung von Porzellanwalzen im Jahre 1874 durch -den Züricher Wegmann erfolgte. - -Wie der Weizen das Hauptgetreide des klassischen Altertums war, so -ist er es heute noch bei allen romanischen Völkern, wie auch bei den -Engländern, die ihn Korn, wie wir den Roggen nennen. Man stellt daraus -das „weiße Gebäck“ dar. Die Körner sind entweder durch den reichen -Gehalt an einer als Kleber bezeichneten Eiweißart glasig oder durch -relativen Mangel daran in Verbindung mit Vorwiegen des Stärkemehls -mehlig. Keine von beiden Formen ist im Extrem zum Verbacken sehr -tauglich. Im ersteren Falle liefert er ein sehr festes Produkt, im -letzteren dagegen bäckt er wegen des mangelhaften Klebergehaltes -nur schlecht. Deshalb wird der rein mehlige Weizen besonders zur -Stärkefabrikation benutzt, während der kleberreiche speziell zur -Herstellung von Nudeln, Makkaroni und Grieß Verwendung findet. Die -Bedeutung vieler deutscher Seestädte, welche mit Getreide nach dem -Auslande handelten, wie Danzig und Königsberg, bestand vorzugsweise -darin, daß man dort Gemische unseres mehligen deutschen Weizens mit dem -glasigen russischen Weizen herstellte, wie sie von den verschiedenen -Absatzgebieten gewünscht wurden. - -Das Weizenstroh ist zwar kurz, aber doch wertvoll und wird meist -zu Häcksel verschnitten. Eine auf sehr schlechtem Boden in Toskana -gezogene Sorte liefert in ihren dünnen, festen Halmen das Material zu -den geschätzten florentiner Strohhüten. - -Von echten Weizenarten sind noch der +Zwerg+- oder +Binkelweizen+ -(~Triticum compactum~) und seine vorgeschichtliche Varietät, der -+Kugelweizen+ (~Triticum compactum globiforme~) zu nennen. Letzterer -wurde bereits in neolithischen Stationen in Bosnien, Ungarn, -Oberitalien und Süddeutschland gefunden und dehnte dann sein Gebiet -im Laufe der Bronzezeit bis nach Dänemark aus. Ersterer wurde, -wie verschiedene Funde beweisen, in der Schweiz von der jüngeren -Steinzeit bis in die römische Epoche ununterbrochen kultiviert. In -der Westschweiz baut man stellenweise den Zwergweizen heute noch an, -während der Kugelweizen sich in Schweden und Norwegen bis in die -Gegenwart erhielt und dort noch ziemlich verbreitet ist. Der +welsche -Weizen+ (~Triticum turgidum~) wurde bis jetzt nur in vorgeschichtlichen -Fundstellen Oberitaliens und der Schweiz gefunden, hat aber nie in -Europa eine größere Bedeutung erlangt. - -Viel wichtiger als diese mehr historisches Interesse beanspruchenden -Weizenarten sind die bespelzten Weizensorten, der +Spelt+, +Emmer+ und -+Einkorn+. Unter ihnen ist der +Spelt+ oder +Dinkelweizen+ (~Triticum -spelta~) weitaus der wichtigste. Olivier will ihn nebst Weizen 1807 in -Mesopotamien wildwachsend angetroffen haben. Doch wurde er zu keiner -Zeit weder in Babylonien, noch Ägypten angebaut. Auch im Sanskrit, -im Indischen und Persischen fehlt ein Name für ihn, während seine -europäischen Namen auf eine alte Kultur im östlichen Europa hindeuten. -Heute wird er vorzugsweise nur noch in Süddeutschland und der Schweiz, -dann in Südtirol und Nordspanien in größerem Umfange angebaut. Aber -auch hier, wie auch in Italien und Frankreich, wo er früher viel -angepflanzt wurde, ist er mehr und mehr auf den Aussterbeetat gesetzt -worden. Besonders sind es die alamannischen Stämme, die noch aus -alter Gewohnheit an der früher von ihnen als „Korn“ bezeichneten -Getreideart hängen. Seine Ähre gleicht derjenigen des gemeinen Weizens -in allen wesentlichen Punkten, abgesehen davon, daß die Ährchen etwas -weitläufiger an der Spindel verteilt sind. Nur insofern ist ein -durchgreifender Unterschied zu konstatieren, als die Ährenspindel bei -der Reife, als ursprüngliches Merkmal aller darin nicht durch Kultur -verbesserter Getreidearten, noch zerbrechlich ist und die Körner bei -der Reife von den Spelzen eingeschlossen bleiben und auch beim Dreschen -nicht wie beim Weizen ausfallen. Um das Speltkorn aus der Umhüllung -herauszuschälen, ist ein eigener Mahlprozeß, das sogenannte Schälen -oder Gerben erforderlich, das in den Mühlen in besonderen Gängen, den -„Gerbgängen“, vorgenommen wird. - -In der Kultur hat der Spelt immerhin gewisse Vorzüge vor dem gemeinen -Weizen, indem er geringe Ansprüche an Boden und Klima macht und seine -Körner vor dem Raube durch die Sperlinge und andere Vögel gesichert -sind, die oft große Teile der Weizenfelder verwüsten. Auch die -Festigkeit des Halmes ist beim Spelt eine höhere als beim Weizen, so -daß schwerer Gewitterregen das Getreide nicht so leicht knickt und zu -Boden schlägt. Wo aber ein guter Boden und ausreichende Sommerwärme -zur Verfügung stehen, da übertrifft bei rationeller Kultur der Ertrag -des Weizens denjenigen des Speltes beträchtlich, und das mag wohl der -Grund sein, weshalb der Anbau des Speltes auch in den Gebieten, wo er -alteingesessen ist, mehr und mehr zurückgeht. - -Das Speltkorn liefert ein gelbliches Brotmehl, das im allgemeinen -weniger geschätzt wird als das Weizenmehl. Als Handelsware trifft man -vielfach, besonders in Süddeutschland, den Speltgrieß an, der als -Einlage zu Suppen sehr beliebt ist. Zu demselben Zwecke wird der -gleichfalls vom Spelt gewonnene Grünkern verwendet, der die noch -unreifen Körner darstellt, die aus den gedörrten, unreifen Ähren durch -Schälen gewonnen werden. - -Die Heimat des Speltes ist vermutlich Südosteuropa, d. h. Südrußland -oder Westasien, jedenfalls ein Land mit kurzen Wintern und heißen -Sommern. Er ist ein typisches Wintergetreide, das im Herbst gesät und -im Frühsommer geerntet wird; als Sommerfrucht kommt er kaum je zur -Aussaat. Schon daß er eine solche Winterfrucht ist, beweist seine -Herkunft aus dem russisch-asiatischen Steppengebiet. Dort wird das -Getreide stets im Herbst gesät und im Frühjahr geerntet; auf diese -Weise entgeht es der alles versengenden sommerlichen Hitze. Denselben -Entwicklungsgang haben dort viele Gewächse, die ihn auch nach ihrer -Einwanderung in Gegenden ohne Sommerdürre wie die unserige bewahrt -haben, so die Trespenarten und andere Gräser, die bei uns im September -keimen, über Winter wachsen solange es nicht zu kalt ist, jedenfalls -nicht vom Froste groß leiden, im Juli ihre Früchte reifen lassen und -dann absterben. Diese Tatsache gibt uns einen willkommenen Fingerzeig, -weshalb und woher Winterfrucht in Gegenden wie bei uns aufkam, wo -sonst nur Sommerfrucht zu gedeihen und also auch heimisch zu sein -vermag. So hat auch das mittelländische Getreide, wie Volkart zuerst -darauf hinwies, bei seiner Wanderung nach Norden als Kulturpflanze die -Aussaat im Herbste beibehalten. Aus dem Wintergetreide entstanden dann -in hohen Lagen, die erst später besiedelt wurden, nach und nach auch -Sommergetreideformen; es ist dies ein Prozeß, den wir übrigens noch -heute beim Roggen zu verfolgen vermögen. - -A. de Candolle und Buschan geben das südöstliche Europa als die -Heimat der Speltkultur an, von wo aus sie nach Mittel- und Südeuropa -eingeführt worden wäre. Dies ist vom pflanzenbiologischen Standpunkte -aus sehr wohl möglich; ist doch, wie Hoops hervorhebt, auch der -Roggen, ebenfalls ursprünglich eine Winterfrucht, zweifellos in diesen -Gegenden zu Hause. Volkart dagegen meint, der Spelt sei ursprünglich -mediterraner Herkunft; dies wohl mit Unrecht. Auch der namhafte -Straßburger Botaniker H. Graf zu Solms-Laubach, der die Heimat des -Speltes wie die der anderen Hauptkulturformen des Weizenstammes nach -Zentralasien verlegt, dürfte im Irrtum sein, schon aus dem Grunde, daß -dieses Getreide, soweit wir bis jetzt wissen, weder in früherer noch in -neuerer Zeit in Zentral- und Ostasien kultiviert wurde. Weit eher noch -dürfte Westasien, diese uralte Wiege der menschlichen Kultur, der wir -so viele pflanzliche und tierische Erwerbungen, wie auch technische -und geistige Kulturgüter zu verdanken haben, als Heimat des Speltes in -Frage kommen. - -Schon im ältesten Ägypten wurde neben Weizen und Gerste auch Spelt -gepflanzt. Die alten Ägypter nannten ihn ~bôti~ und unterschieden von -ihm eine weiße und eine rote Sorte. Der Grieche Theophrast im vierten -vorchristlichen Jahrhundert nennt Spelt das alexandrinische Korn, -und der Römer Plinius im 1. Jahrhundert n. Chr. bemerkt, das aus ihm -bereitete Mehl sei feiner und weißer als gewöhnliches Weizenmehl, -obwohl es nach der Angabe seines Zeitgenossen, des griechischen Arztes -Dioskurides aus Kilikien, weniger Nährwert als Weizenbrot besitze -und leichter austrockne. In Ägypten selbst galt allerdings Speltmehl -für geringwertiger als Weizenmehl, denn nur das letztere ward zu den -Opferbroten verwendet. - -In Europa war der Spelt schon zur Bronzezeit nördlich der Alpen -bekannt und wurde von den an den Seeufern ansässigen Pfahlbauern der -frühen Metallzeit in ihren Hackfeldern am Lande angebaut. Ist nun -diese Tatsache durch Funde unwiderleglich bewiesen, so ist anzunehmen, -daß er damals sicher auch in Südfrankreich kultiviert wurde; denn -die alte Völkerverkehrsstraße vom Mittelmeer nach der Westschweiz, -wo wir die verkohlten Speltkörner in den Überresten der Pfahlbauten -der Bronzezeit finden, führte das Rhonetal aufwärts. Wahrscheinlich -war aber der Spelt zur Bronzezeit schon im ganzen Mittelmeergebiet -heimisch und dürften mit der Zeit Spuren einer solchen prähistorischen -Speltkultur auch bei Ausgrabungen in Italien zum Vorschein kommen. -Jedenfalls haben ihn später besonders die Römer als altgewohntes -Getreide kultiviert und ihn in der Folge innerhalb des ganzen von ihnen -beherrschten Reiches populär gemacht. Sie, die in der ältesten Zeit -ausschließlich von Spelt lebten und auch noch in späterer Zeit als -äußerst konservativ im Kulte dessen Körner, gewöhnlich geröstet, mit -Salz ihren Göttern als gebräuchlichstes Opfer darbrachten, waren die -Hauptträger der Speltkultur. Plinius bezeichnet ihn als die gemeinste -Kornfrucht Italiens und sagt, daß er in den Hülsen aufbewahrt werde, -da er sich nicht gut aus ihnen dreschen lasse. Varro, der fruchtbarste -und bedeutendste Gelehrte Roms (116-27 v. Chr.) gibt an, daß, wenn man -den in den Ähren aufbewahrten Spelt zu verspeisen beabsichtige, man ihn -im Winter vom Speicher hole, in Holzmörsern zur Enthülsung stampfe und -dann röste. - -Dieses von ihnen als ~far~ bezeichnete Getreide, das bei den Griechen, -die es kaum anpflanzten, ~zeiá~ oder ~zeá~ hieß, eine Bezeichnung, -die übrigens heute als Genusname dem aus Amerika zu uns gekommenen -Mais verliehen wurde, brachten die Römer nach Gallien, Germanien -und Britannien und empfahlen es den dortigen Völkern zum Anbau. Das -deutsche Dinkelgebiet hält sich genau innerhalb der Grenzen des -alten römischen Reiches. Ihre Nachfolger in der Hochschätzung des -Speltbaues waren dann später die Alamannen, die nach dem Verlassen -ihrer ostelbischen Heimat beim Einwandern ins römische Dekumatenland -ihn dort kennen lernten. Sie nannten dieses Getreide, das auch in -solchem Boden noch gedieh, in welchem der Weizen keinen guten Ertrag -mehr gab, ~spelta~, ein Wort, das dann den Römern im Laufe des 3. und -4. Jahrhunderts durch den Getreidehandel mit jenen geläufig wurde. Seit -jener Zeit ist bis auf den heutigen Tag die Speltkultur in Deutschland -vorzugsweise eine Eigentümlichkeit des schwäbischen Stammes geblieben, -an der dieser mit großer Zähigkeit festhielt, bis in neuerer Zeit die -Verdrängung desselben durch den profitableren Weizen auch hier nach und -nach überhand nahm. - -Noch ältere Bestandteile unseres Getreidebaues, die aber in noch -weit geringerem Grade als der Spelt kultiviert werden, sind die uns -schon bei den neolithischen Pfahlbauern Mitteleuropas vor 4000 bis -5000 Jahren begegnenden +Emmer+ und +Einkorn+. Erstere, mit dem Spelt -sehr nahe verwandte Weizenart (~Triticum dicoccum~) hat gleichfalls -eine zerbrechliche Ährenspindel und am Korn festsitzende Spelzen. -Während aber beim Spelt die Ährchen besonders locker an der Spindel -befestigt sind, stehen sie beim Emmer vielmehr dicht gedrängt. Wie beim -Emmer ist auch beim Einkorn (~Triticum monococcum~) die zweizeilig -ährchentragende Ähre stets begrannt; für gewöhnlich entwickelt sich -aber in jedem Ährchen nur eine einzige reife Frucht. - -Obschon diese Getreidearten von allen am genügsamsten sind und mit -überaus magerem Boden und rauher Lage vorlieb nehmen, werden sie aber -wegen ihres noch geringeren Ertrages heute bei uns in geringerem -Umfange als selbst der Spelt angepflanzt. In Deutschland sind sie -fast nur in Schwaben und Thüringen anzutreffen. Dagegen stehen sie in -Gebirgsgegenden Südeuropas, besonders in Spanien, Frankreich, Italien, -Serbien, ebenso in Kleinasien, Ägypten, Abessinien und Arabien immer -noch in Ehren. In Europa werden ihre Samenkörner wie diejenigen des -Speltes zur Gewinnung von Grünkern, Grieß und Stärkemehl benutzt. - -Das war in vorgeschichtlicher Zeit anders. Da war man noch nicht so -verwöhnt und anspruchsvoll wie heute und baute auch diese weniger -ergiebigen Getreidearten gerne. Von der neolithischen Zeit, besonders -aber von der Bronzezeit an, wurden sie nicht nur in Vorderasien und -Ägypten, sondern auch in den Mittelmeerländern und in Mitteleuropa -kultiviert. In Ägypten findet sich besonders der Emmer (altägyptisch -~emrai~ genannt) in den Grabbeigaben der ältesten Pharaonendynastien -und noch in der fünften Dynastie, die auf die Zeit der großen -Pyramidenerbauer folgte (2700-2550), wurden vielfach die Leichen in -Spreu von Emmer gelegt und die Grabkammer damit aufgefüllt. In den -Trümmern von Hissarlik-Troja fand Schliemann unter den verkohlten -Vegetabilien das Einkorn so massenhaft aufgespeichert, daß es damals -als Brotgetreide zweifellos die erste Stelle muß eingenommen haben. -Auch in Syrien und Palästina bildete es einst ein sehr wichtiges -Getreide. Es ist das im Alten Testament mehrfach erwähnte ~Kussémet~, -aus dem einst die Juden und ihre syrischen Nachbarn, wie später die -Araber ihr Brot bereiteten. Nach Indien scheint seine Kultur niemals -vorgedrungen zu sein. - -Eine wilde Stammform kennen wir bis jetzt nur von letzterem, dem -Einkorn, die in Mesopotamien, in Syrien am Antilibanon, in Kappadocien, -in Kleinasien und im Taurusgebiet, aber auch in Griechenland und -Serbien in wildem Zustande in der Form von ~Triticum aegilopoides~ -gefunden wird. - - - - -II. - -Die Getreidearten. - -Gerste, Roggen, Hafer, Hirse und Buchweizen. - - -Zeitlich ebenso früh wie der Weizen wurde von den Steinzeitvölkern die -+Gerste+ (~Hordeum vulgare~) angepflanzt, die die Hauptnährfrucht der -Indogermanen war und bei ihnen wenigstens in das 4. vorchristliche -Jahrtausend zurückreicht. In Europa scheint sie die älteste überhaupt -angepflanzte Getreideart gewesen zu sein, die in der frühneolithischen -Zeit ausschließlich angebaut wurde, bis schließlich von Osten her -aus Asien auch der Weizen hinzukam, den wir dann in der späteren -neolithischen Zeit neben der älteren Gerste als Brotfrucht antreffen. -Die Kulturgerste stammt von der von den Kaukasusländern bis Persien und -Beludschistan einerseits und Mesopotamien andererseits verbreiteten -wilden Gerste (~Hordeum spontaneum~) ab. Diese steht der zweizeiligen -Gerste am nächsten und unterscheidet sich von ihr fast nur durch -die brüchige Spindel der Ähre, die der Mensch mit der Zeit durch -entsprechende Kulturauslese in eine zum Zwecke der leichteren Ernte -notwendige zähe Spindel umwandelte. Bei dieser Kornfrucht sind -im Gegensatz zum Weizen und Roggen, bei welchen jeder Absatz der -Ährenspindel nur ein einziges Ährchen trägt, stets drei Ährchen -nebeneinander gestellt, um welche die Hüllspelzen eine Art Manschette -bilden. Sind nun sämtliche Ährchen voll ausgebildet, so erhält man -sechs Reihen derselben, die sich entweder deutlich voneinander abheben, -dann haben wir die sechszeilige Gerste vor uns, oder von denen -nur die Mittelzeile deutlich hervortritt, während die Nebenzeilen -ineinander fließen, wie bei der gemeinen, auch vierzeiligen Gerste. -Bleiben dagegen die seitlichen Ährchen unentwickelt, so resultiert die -zweizeilige Gerste. - -Von einer zweizeiligen Urform haben sich die vier- und sechszeiligen -Gerstearten schon in sehr früher vorgeschichtlicher Zeit ausgebildet; -denn letztere treten uns nicht bloß in den neolithischen -Pfahlbauten Mitteleuropas, sondern auch in den Grabbeigaben der -ältesten ägyptischen Dynastien aus dem vierten vorchristlichen -Jahrtausend entgegen. Ja, die sechszeilige Gerste war, in der Abart -~H. pyramidatum~ mit pyramidenförmig zugespitzten Ähren, im ganzen -Altertum bis in junge historische Zeiten hinein die gewöhnlichste -Kulturart, während die vierzeilige erst in neuerer Zeit wenigstens in -Europa größere Bedeutung erlangte. Heute ist letztere wohl hier die -verbreitetste Saatgerste. - -Neben dem allerdings viel häufiger angepflanzten Weizen finden wir -auch die Gerste, im Altägyptischen ~ati~ genannt und in einer weißen -und roten Sorte unterschieden, im Niltal schon zur Zeit der ältesten -Dynastien kultiviert. Doch scheint sich hier namentlich die arme -Bevölkerung damit ernährt zu haben und daraus hergestelltes Brot oder -Brei ihren Toten ins Grab mitgegeben zu haben. In den ungebrannten, -nur an der Sonne getrockneten Backsteinen der Stufenpyramide von -Daschur aus dem Ende des vierten vorchristlichen Jahrtausends -fanden sich außer langgeschnittenem Stroh, Unkraut und den Blättern -mehrerer Sumpfpflanzen Überreste der vierzeiligen und sechszeiligen -Gerste neben solchen von Weizen. Als Beigabe aus Gräbern des alten -Reiches kam in Sakkara eine Schale mit zertrümmerten Gerstenähren, -im Gräberfeld von Theben dagegen erhärtete Breiklumpen von grob -zerriebenen Gerstenkörnern zutage. Auch in Wandmalereien finden wir -Ähren dargestellt, die in äußerst schematischer Weise den Charakter der -Gerstenähre zeigen. - -Weiter nördlich und westlich finden wir in den neolithischen -Fundplätzen Kleinasiens und Süd- bis Mitteleuropas neben verkohlten -Überresten des Zwergweizens auch solche von Gerste, deren Körner -durch außerordentliche Kleinheit ausgezeichnet sind. Eine schon etwas -großkörnige Gerstenart finden wir in den schweizerischen Pfahlbauten, -in denen neben dem kleinen Pfahlbauweizen die kurze sechszeilige Gerste -nach den Untersuchungen von Oswald Heer weitaus das häufigste Getreide -war. Neben ihr wurde auch die dichte sechszeilige und die zweizeilige -Gerste angepflanzt, aber sehr viel seltener als die kurze sechszeilige -Gerste, die als das eigentliche Pfahlbaugetreide bezeichnet werden -kann. Jedenfalls nahm sie den weitaus größten Raum in den primitiv -genug mit der Holzhacke in gerodeten Waldlichtungen angelegten und -niemals gedüngten Hackfeldern der Pfahlbauern ein, die, sobald ihr -Ertrag durch Erschöpfung des Bodens nachließ, verlassen wurden, um auf -frisch gerodetem, jungfräulichem Boden durch neue ersetzt zu werden. - -Auch in den Überresten der jüngeren Steinzeit Nordeuropas wie in -denjenigen der ganzen Bronze- und Eisenzeit finden wir die Gerste -durch ganz Mitteleuropa von Ungarn bis Frankreich recht häufig. -Besonders im Norden hat sie sich in der Folge so gut eingebürgert, daß -sie beispielsweise in Schweden bis tief ins 15. Jahrhundert hinein -überhaupt das einzige dort angebaute Getreide war, während Roggen und -Weizen bis in die Mitte jenes Jahrhunderts als für jene Gegenden neue -und ungewöhnliche Getreidearten bezeichnet wurden. Kürzlich fand man, -wie schon früher wiederholt, in der Fundschicht einer dem 5. oder -6. Jahrhundert n. Chr. angehörenden Ansiedlung in der schwedischen -Provinz Östergötland einen kleinen halbkugeligen verkohlten Gegenstand, -der sich bei genauerer Untersuchung als ein grobgemahlenes, mit -Steinsplitterchen des Mahlsteines vermischtes vorgeschichtliches -Gerstenbrot erwies. - -Meist läßt sich allerdings an den vorgeschichtlichen Gerstenkörnern -nicht sicher bestimmen, welcher Art von Gerste sie angehören, und -auch die Schriftsteller des Altertums sprechen sich in der Regel -nicht deutlich genug über die Verschiedenheit der Gerstensorten aus. -Stets ist es die kurze sechszeilige Gerste, das Hauptgetreide der -Pfahlbauern, welche wir neben dem Weizen deutlich erkennbar auf den -griechischen Münzen abgebildet finden. Sie ist es, die wir auf den -ältesten, nur auf einer Seite geprägten Münzen aus dem 6. Jahrhundert -v. Chr. (Münzen der griechischen Stadt Metapontion am Meerbusen -von Tarent in Unteritalien) in Form einer prächtig ausgeführten, -langen, begrannten Ähre als das Symbol der ~pólis~, des städtischen -Gemeinwesens, abgebildet finden. Ein Vierdrachmenstück einer andern -griechischen Stadt, nämlich Leontinon auf Sizilien, aus dem fünften -vorchristlichen Jahrhundert zeigt um einen Löwenkopf herum vier -einzelne Körner derselben Getreideart. Zwei Münzen aus Skotussa und -Methydrion in Thessalien geben Abbildungen eines einzelnen Ährchens des -grannenlosen Winterweizens wieder, während ein Obolos von Orchomenos in -Böotien ein einzelnes Weizenkorn derjenigen Abart des gemeinen Weizens -zeigt, welche gegenwärtig als englischer Weizen bezeichnet und heute -noch vorzugsweise in den Mittelmeerländern angebaut wird. - -Auf einer zweiten Münze von Metapontion aus späterer Zeit als -die erstgenannte, sitzt auf der dichtgedrängten kurzen Ähre der -sechszeiligen Gerste eine Wanderheuschrecke, auf der Rückseite aber ist -Apollon mit dem Lorbeerzweig, der die Gerstenfelder vor der furchtbaren -Heuschreckenplage bewahrende Gott, dargestellt. Auf einer anderen -Münze aus dieser unteritalischen Stadt ist neben der Gerstenähre eine -Zwergmaus auf einem Gerstenblatte dargestellt und auf der Rückseite -Ceres, die Beschützerin der Gerstenfelder vor der Mäuseplage, in -deren Haar die Ähren derselben Gerstenart geflochten sind. „Selbst in -diese kleinen Ähren, wie in die fast ebenso kleinen auf campanischen -Münzen -- neben dem Pferdekopf --“ sagt der verstorbene Züricher -Botaniker Oswald Heer 1865, in einer Arbeit über die Pflanzen der -Pfahlbauten, „wußte der Künstler den Charakter der heiligen (kurzen, -sechszeiligen) Gerste zu legen, während auf modernen Münzen, so denen -der französischen Republik von 1848, kein Mensch zu unterscheiden -vermag, ob Gerste, oder Weizen, oder Roggen dargestellt sein soll.“ -Auf einer andern Münze von Metapontion ist der Sperling, dieser stete -Begleiter des Getreides, auf einer weiteren die Getreidemücke neben der -Gerstenähre deutlich erkennbar abgebildet. Daraus können wir schließen, -daß das Getreide schon damals unter denselben tierischen Feinden wie -heute zu leiden hatte. Wenn nun auch aus den metapontischen Münzen -nicht zu entscheiden ist, welche Art von Gerste gemeint sei, so zeigen -uns diejenigen von Leontinon nach der Gestalt der einzelnen Körner, -daß wir es hier mit der kleinen, kurzen, sechszeiligen Gerste zu tun -haben, wie sie schon von den neolithischen Pfahlbauern angebaut wurde, -die also der Urtypus der heiligen, auf den altgriechischen Silbermünzen -dargestellten Gerste ist. - -Die Griechen der homerischen Zeit, zu Ende des vorletzten Jahrtausends -v. Chr., übten schon längst den Anbau dieser Gerste neben demjenigen -von Weizen aus. In der Ilias und Odyssee ist neben dem Weizen (~pyrós~) -vielfach von der Gerste (~kri~), bei den späteren Griechen ~krithé~ -genannt, die Rede, die fast stets den schmückenden Beinamen „die weiße“ -(~leukón~) trägt. So werden in beiden Epen die Pferde mit Gerste und -~ólyra~, das ist eine Art Spelt, gefüttert. Dioskurides sagt uns -nämlich in seiner Arzneimittellehre, daß die ~ólyra~ zu derselben -Pflanzenart wie der Spelt (~zeiá~) gehöre, aber etwas weniger als -dieser nähre. Auch aus ihm werde Brot gebacken. Der eigentliche Spelt -(~zeiá~) kommt nicht in der Ilias, sondern nur in der jüngeren Odyssee -vor. Als der Atride Agamemnon, dem Sohn des Odysseus, Telemachos, bei -seinem Besuche in Mykene als übliches Gastgeschenk Pferde schenken -wollte, sagt dieser zu ihm: O Sohn des Atreus, willst du mir ein -Geschenk machen, so möge dies klein und wertvoll sein. Die Rosse, die -du mir schenken willst, möchte ich lieber nicht annehmen. Sie bleiben -besser bei dir, denn du herrschest über weite Gefilde, wo viel Klee -wächst und Weizen, Spelt (~zeiá~) und weiße Gerste; Ithaka dagegen ist -(weil gebirgig) nicht für Rosse passend, dagegen für Ziegen. - -In der Ilias wird „auf der Tenne die weiße Gerste leicht von den -Füßen der darüber getriebenen Ochsen ausgedroschen“, und im ganzen -griechischen Altertum galt die „weiße Gerste“ als besser als die -„rötliche Gerste“, wie schon Theophrast unterscheidet. Und der -griechische Arzt Dioskurides im 1. Jahrhundert n. Chr. sagt: „Die -Gerste ist am besten, wenn sie weiß und rein ist. Sie enthält zwar -weniger Nahrungsstoff als der Weizen, doch ernährt ein aus gerösteter -Gerste gekochter Trank (~ptisánē~, woraus bei den Römern z. B. Plinius -~tisana~, und daraus unsere Bezeichnung Tisane nicht nur für eine -Gerstenabkochung, sondern für jede durch Abkochen von Arzneistoffen -hergestellte Flüssigkeit wurde) doch stark, weil sich beim Kochen viele -Teile der Gerste ablösen. Man braucht übrigens die Gerste (auch als -Arznei) in verschiedenen Zubereitungen innerlich und äußerlich.“ - -Im ganzen Altertum war vornehmlich +geröstete Gerste+ ein -außerordentlich wichtiges und verbreitetes Nahrungsmittel; ja -sie dürfte überhaupt eine der frühesten, wenn nicht die früheste -Zubereitungsart des Getreides zur Nahrung des Menschen darstellen, -von der wir Kunde haben. So hat schon der vorhin genannte -Züricher Botaniker Oswald Heer zu Anfang der 1860er Jahre bei der -wissenschaftlichen Untersuchung der aus den schweizerischen Pfahlbauten -herrührenden Getreideüberreste festgestellt, daß in der neolithischen -und noch zur Metallzeit aus der Gerste keinerlei Brot hergestellt -wurde, sondern daß dieses so überaus häufig kultivierte Getreide, das, -wie gesagt, die wichtigste pflanzliche Nahrung jener vorgeschichtlichen -Mitteleuropäer bildete, stets nur geröstet gegessen worden sein muß. -Erst durch das Rösten wurden die Grannen und Hülsen der Gerste so -brüchig, daß sie leicht entfernt werden konnten. Dies ließ sich auf -keine andere Weise bewerkstelligen. Das ist auch der Grund, weshalb -die geröstete Gerste noch im ganzen Altertum eine so überaus wichtige -Rolle spielte, und, als sie die Menschen nicht mehr aßen, sie dieselbe -nach altgeheiligter Sitte noch ihren Verstorbenen in die unterirdische -Behausung als Totenspeise mitgaben und den Göttern opferten. - -Während also die Gerste von den Pfahlbauern stets geröstet gegessen -wurde, verfertigten sie aus den übrigen Getreidearten Brei und flaches, -nur 1,5-2,5 cm hohes, fladenartiges Brot, und zwar außer Weizen- -auch Hirsebrot, welch letzterem meist auch zerquetschte Weizenkörner -mit Leinsamen zur Erhöhung des Wohlgeschmacks beigemischt wurden. -Diese rundlichen Brotfladen der Pfahlbauern, von denen sich mehrere -Überreste bis auf unsere Tage erhielten, sind auf der oberen Seite -ganz unregelmäßig runzelig, auf der unteren Seite dagegen, wo sie -auf dem heißgemachten Stein auflagen, glatt und hohl. Die sonst kaum -zu schälende Gerste aber wurde durch Rösten genießbar gemacht und so -gegessen; aus ihr verfertigte man keinerlei Brot, sonst hätte man -Überreste davon finden müssen. Auch die ältesten Ägypter aßen die -Gerste geröstet und gaben sie geröstet ihren Toten zu deren Speisung -im Geisterlande mit, wie uns zahlreiche Gräberfunde kundtun. Auch bei -den alten Juden spielte die geröstete Gerste, ~kali~, d. h. Geröstetes -genannt, eine sehr wichtige Rolle neben dem aus Weizen und Spelt -gebackenen Brot, das auch bei ihnen gebräuchlich war. Die uns allen von -Jugend auf bekannte, idyllische Geschichte der Moabiterin Ruth, die -nach dem Tode ihres Mannes nach Bethlehem (d. h. Brotstadt) kam und -durch ihre Verheiratung mit Boas die Stammutter des Davidschen Hauses -wurde, spielt zur Zeit „da die Gerstenernte anfing.“ Auch ihr wurde -wie den anderen an der Einheimsung der Ernte Beteiligten ~kali~, also -geröstete Gerste verabreicht. Der junge David, der seines Vaters Herden -weidete, brachte seinen im Felde lagernden Brüdern Brot aus gerösteter -Gerste (~kali~), und auch dem vor Absalon fliehenden David, wird außer -Weizen, Gerste, Mehl, Saubohnen und Linsen, geröstete Gerste (~kali~), -gebracht, und auch von den Linsen wird ausdrücklich gesagt, daß sie -geröstet gewesen seien. - -Auch bei den Griechen der homerischen Zeit spielte die geröstete -Gerste, von ihnen ~álphiton~ genannt, eine wichtige Rolle und wurde, -wie in der Odyssee geschildert wird, in ledernen Schläuchen (meist -aus Ziegenfell) statt des Brotes auf die Reise mitgenommen. Auch -Odysseus Sohn Telemachos befiehlt, als er seine weite Reise nach Mykene -antreten will, der Dienerin Eurykleia (der „weithin Berühmten“) 20 Maß -~alphiton~, d. h. von den Hüllen befreite und grob gemahlene, geröstete -Gerste in wohlgenähte Lederschläuche zu tun, um sie zur Wegzehrung für -sich und seine Begleiter mitnehmen zu können. Stets wird in der Odyssee -beim feierlichen Opfer geröstete Gerste auf das zu schlachtende Rind -oder sonstiges Opfertier als Opfer an die Gottheit gestreut, und als -die Gefährten des Odysseus auf den Rat des Eurylochos frevelhafterweise -einige dem Sonnengotte gehörige Rinder schlachten und den Göttern -als Opfer darbringen wollten und es ihnen dazu an „weißer Gerste“ -gebrach, so bestreuten sie dieselben wenigstens mit Eichenblättern. -Als Nestor einen Ochsen schlachten wollte, brachte Aretos in einem -Becken Weihwasser herbei und hielt in der anderen Hand ein Körbchen -mit gerösteter Gerste. Da nahte auch Thrasymedes mit einer scharfen -Axt in den Händen, um den Ochsen niederzuschlagen, und so begann der -alte Nestor die feierliche Handlung, indem er seine Hände wusch und -geröstete Gerste auf das Tier streute. - -Noch in viel späterer Zeit bildete geröstete Gerste auch bei den -Griechen eine wichtige Nahrung des Menschen. So bestand noch in der -klassischen Zeit in Athen eine vom berühmten Gesetzgeber der Athener, -Solon (639-559 v. Chr.), einem der sieben Weisen, erlassene Verordnung, -wonach jede junge Frau bei ihrer Verheiratung ein ~phrýgetron~ -genanntes Gefäß zum Rösten der Gerste in den jungen Hausstand -mitzubringen hatte. Und als die Griechen sich nach und nach von -dieser altertümlichen Nahrung emanzipierten, durfte geröstete Gerste -wenigstens bei keinem Opfer fehlen. In den Traditionen des uralten -Kultes der Demeter (soviel als ~Gē-mḗtēr~, d. h. „Mutter Erde“ als -Hervorbringerin der Brotfrucht) auf Kreta wie in Eleusis bei Athen -galt die Gerste als das „älteste Korn“ und „geröstete Gerste“ als die -einst von den Ahnen gegessene wichtigste Speise aus dem Pflanzenreiche -als die unerläßliche Grundlage im Opferritual. Dabei wurde die meist -schwach geröstete Gerste, zwischen den Mahlsteinen enthülst und grob -zerkleinert, mit Wasser angerührt und allein oder mit Zutat von -Leinsamen oder Olivenöl gegessen. - -Noch der 79 n. Chr. beim Vesuvausbruch, der Pompeji und Herculaneum -verschüttete, als Befehlshaber der beim Kap Misenum, bei der -gleichnamigen Stadt stationierten Flotte umgekommene ältere Plinius -sagt in seiner Naturgeschichte: „Schrot (grobes Mehl) von gerösteter -Gerste (~polenta~) ziehen die Griechen dem aus anderem Getreide -hergestellten Schrote vor. Sie übergießen die Gerste mit Wasser, -trocknen sie eine Nacht hindurch, rösten sie am folgenden Tage und -schroten (~frangere~, d. h. brechen) sie auf der Mühle. Manche rösten -die Gerste stärker, besprengen sie dann nochmals mit Wasser und -trocknen sie wieder, bevor sie dieselbe auf die Mühle bringen. Zu -20 Pfund Gerste werden 3 Pfund Leinsamen, ½ Pfund Koriander und ein -~acetabulum~ (ein kleines, auf dem Ständer mit Essig und Öl stehendes -Salzschälchen) voll Salz genommen. Das alles wird geröstet und in der -Mühle mit der Gerste vermengt. -- In Italien wird die Gerste nicht -angefeuchtet, nur geröstet und dann zu feinem Mehl (~farina~, im -französischen ~farine~ noch erhalten) gemahlen (~molere~); man gibt -ihr dieselben Zusätze und fügt noch Rispenhirse (~milium~) bei. Die -Alten aßen Gerstenbrot; jetzt dient es fast nur noch zu Viehfutter; -dagegen wird eine Gerstenabkochung (~tisana~) für stärkend und heilsam -gehalten. Der berühmte Arzt Hippokrates (460 v. Chr. auf der Insel -Kos geboren, bereiste Griechenland, Kleinasien, Skythien, starb 364 -in Larissa in Thessalien, führte die Geheimnisse der Ärzteschule der -Asklepiaden ins Leben ein, begründete die Lehre von den Krisen und die -Diätetik) hat dieser Gerstenabkochung ein eigenes Buch (Schriftrolle) -gewidmet.“ - -[Illustration: - - Tafel 5. - -Moderner Dampfpflug von J. Kemna in Breslau, der eine Leistung von bis -zu 100 Morgen im Tag erzielt.] - -[Illustration: - - Tafel 6. - -Siebenschariger Dampfpflug von J. Kemna in Breslau, der eine -Arbeitsbreite von 2,5 m besitzt und mit einer Geschwindigkeit -von ca. 2,5 m in der Sekunde gezogen wird.] - -Wie bei den Griechen und Römern war ihrem ganzen Stamme, den ältesten -Indogermanen, die Gerste das „Korn“ schlechthin, dessen einzelne Körner -bei ihnen das kleinste Gewicht und Längenmaß bildeten. Wäre der Weizen -damals deren Hauptkornart gewesen, so wäre das Weizenkorn und nicht das -Gerstenkorn zu einem solchen Zwecke herangezogen worden. Nur bei einem -Zweige derselben, bei den Römern, wurde die Gerste sehr frühzeitig aus -ihrer Rolle als Hauptnahrungsmittel durch den von ihnen ~far~ genannten -Spelt verdrängt, und so diente bei ihnen tatsächlich das Speltkorn als -Maßeinheit. Doch wurde bei ihnen neben dem Spelt auch noch in späterer -Zeit die zweizeilige Gerste als Sommerfrucht, die sechszeilige Gerste -dagegen als Winterkorn gebaut. Die zweizeilige Gerste preist schon -der römische Ackerbauschriftsteller Columella im ersten christlichen -Jahrhundert wegen ihres Gewichts und der Weiße ihres Mehls. Heute ist -sie in einer großkörnigen Sorte die am meisten kultivierte Sommergerste -Mitteleuropas und Englands. In den gebirgigen Gegenden Oberbayerns -und der Schweiz geht sie mit dem Roggen bis zur obersten Grenze des -Getreidebaus. - -Irgendwo in Vorderasien ist die wild wachsende Gerste nicht nur -zur Kulturpflanze mit festerer Spindel, sondern auch mit größeren, -mehlreicheren Körnern und so allmählich ausgiebigerem Ertrage gezüchtet -worden und drang mit der Zeit von ihrer ältesten Anbaustätte, wo wir -sie jedenfalls schon vor mehr als 10000 Jahren als angepflanzt annehmen -dürfen, wie zu den Neolithikern der Mittelmeerländer, so auch östlich -nach China, wo sie uns auch schon sehr frühe, nämlich zu Beginn des -dritten vorchristlichen Jahrtausends, entgegentritt. - -Die Gerste erfordert für einen erfolgreichen Anbau einen ziemlich -guten Boden; hingegen macht sie in bezug auf die Sommerwärme nur -geringe Ansprüche und durchläuft ihren Entwicklungsgang von der Keimung -bis zur Kornreife in verhältnismäßig kurzer Zeit. Eine mittlere -Sommertemperatur von 8° C. genügt schon, um sie zur Reife zu bringen. -So geht ihr Anbau wie derjenige des Roggens bis zum Nordkap und in -den Alpen bis gegen 2000 m über Meer. Sie gedeiht noch im nördlichen -Schottland, auf den Orkney- und Faröerinseln, am Weißen Meer wie in -Nordamerika und Australien. In Nordeuropa mit Einschluß des nördlichen -Deutschlands, wo nach den neuesten Forschungen die Urheimat der -Indogermanen gelegen haben muß, ist sie von den ältesten Zeiten bis in -die Gegenwart die Hauptbrotfrucht geblieben, so daß sie dort noch heute -als „Korn“ schlechthin bezeichnet wird. - -In diesen nördlichen Ländern mit kurzem Sommer wird hauptsächlich -die vierzeilige Gerste als Sommerfrucht angebaut, da sie ihre -Vegetationszeit auf 90 Tage einzuschränken vermag. In Mitteleuropa und -der Schweiz dagegen wird die ertragreichere zweizeilige Gerste jener -in der Regel vorgezogen. Doch steht die produzierte Gerstenmenge fast -in allen Ländern hinter der Weizenmenge zurück; deshalb wird nur in -den nordischen Gebieten: Dänemark, Schweden, Norwegen und Finnland aus -klimatischen Gründen mehr Gerste als Weizen gebaut. Auf den britischen -Inseln ist der Ertrag der beiden Getreidearten annähernd gleich. Die -Hauptmasse der Gerstenproduktion kommt aus Rußland, an zweiter Stelle -müssen Deutschland und Österreich-Ungarn genannt werden, die ungefähr -gleiche Mengen davon hervorbringen. Von außereuropäischen Ländern -kommen als Gerstenproduzenten namentlich Nordamerika, Algerien und -Ägypten in Betracht. Auch in Chile und Australien wird ziemlich viel -Gerste gebaut. In wärmeren Gegenden, namentlich in Japan, pflanzt man -eine nackte Gerste, deren Früchte nicht von den Spelzen umschlossen -werden. Sie ist ein wichtiger Bestandteil der dort als Würze zum -Reis genossenen Shojusauce; zu dem Zwecke wird sie mit zerquetschten -Sojabohnen vermengt und die Masse, wie wir später kennen lernen werden, -durch Hinzufügen eines bestimmten Pilzes gären gelassen. - -Obschon das Mehl der Gerste zum Brotbacken weniger geeignet ist als -Weizen- und Roggenmehl, wird in den nördlichen Ländern wie Schottland, -Dänemark und Skandinavien dennoch das Brot meist daraus bereitet. Bei -uns in Mitteleuropa kommt der Gerste die größte Wichtigkeit für die -Malzgewinnung zur Bierbrauerei, sowie zur Herstellung von Malzzucker -und Malzextrakt zu. Man läßt zu diesem Zwecke die Früchte durch -Befeuchten mit Wasser keimen, bis sie etwa ein 5 mm langes -Würzelchen getrieben haben, wobei sich die Masse durch den dabei -entwickelten Lebensprozeß stark erwärmt. Ist durch die Mitwirkung eines -in den Samenkörnern enthaltenen, als Diastase bezeichneten Fermentes -bei der Keimung ein großer Teil der unlöslichen Stärke in löslichen -Zucker umgewandelt, so wird die Keimung durch starkes Erhitzen (Dörren) -unterbrochen, das Malz zur Extraktion des Zuckers gekocht und diese -Lösung zur Bierbereitung weiterhin in alkoholische Gärung gebracht. -Ein Zusatz von Hopfen gibt dann der Flüssigkeit den bittern Geschmack. -Außerdem wird die Gerste durch Abschälen zu Grütze, Grieß und Graupen -verarbeitet. Ferner dient sie als beliebtes Futtermittel für das -Federvieh, und geschrotet als Kraft- oder Mastfutter für größere -Haustiere. In Südeuropa werden auch die Pferde mit Gerste gefüttert. - -So alt der Anbau von Weizen und Gerste in Asien und Europa ist, so -jungen Datums ist hier die Kultur von +Roggen+ und +Hafer+. Diese -beiden Getreidearten haben weder die alten Babylonier, Ägypter, Inder -und Chinesen, noch die homerischen Griechen gekannt. Selbst die -Griechen der klassischen Zeit und die Römer haben deren Anbau als -Feldfrucht noch nicht geübt. Diese beiden Nährfrüchte, die in der -Gegenwart bei uns eine so große Bedeutung erlangt haben, sind, wie -auch die Bluthirse im Süden Osteuropas, von den Slawen zuerst als -Feldfrucht angepflanzt und veredelt worden, und zwar zu einer Zeit, als -sich bereits die griechischen und römischen Stämme von der arischen -Gesamtfamilie, zu der auch die Slawen gehörten, getrennt und im Süden -Europas gesonderte Wohnstätten bezogen hatten. Nur die germanischen -Stämme, welche länger wie jene mit den Slawen in Berührung blieben, -nahmen von diesen frühzeitig den Bau der beiden neuen Getreidearten an. - -Unter den angestammten Getreidearten der Alten Welt ist der +Roggen+ -(~Secale cereale~) mit dem Hafer entschieden der jüngste. Er kann -in Mitteleuropa erst in der Übergangsperiode von der Bronze- zur -Eisenzeit nachgewiesen werden. Den Pfahlbauten der Schweiz fehlte -er noch gänzlich, während er hier zur Römerzeit angebaut wurde, -wie mehrfache Funde und Angaben der Schriftsteller beweisen. In -Dänemark tritt er in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten auf; -doch findet er sich am allerhäufigsten in den frühmittelalterlichen -slawischen Niederlassungen. Die Slawen brachten ihn den finnischen -und germanischen Stämmen, bei denen er, die ältere Gerste überholend, -vielfach das Hauptbrotgetreide, das „Korn“ schlechthin, wurde. - -Die Heimat des Roggens ist in der sarmatischen Ebene in Südrußland -zu suchen, von wo aus sein Anbau nach Norden zu den eben genannten -Volksstämmen, sowie westwärts nach Thrakien gelangte. Zuerst erwähnt -ihn der ältere Plinius (23 n. Chr. in Como geboren und 79 als -Befehlshaber der Flotte bei Misenum beim Vesuvausbruch umgekommen) -als die Hauptbrotfrucht der keltischen Bevölkerung der Poebene; doch -hat dem vornehmen Römer das kräftige, daraus bereitete Brot, das -„Schwarzbrot“, so wenig als den verweichlichten Kulturnationen unserer -Zeit behagt. Er schreibt in seiner Naturgeschichte: „Der Roggen -(~secale~), den die Tauriner am Fuße der Alpen ~asia~ nennen, ist das -geringste Getreide, kann nur zur Stillung des Hungers dienen, gibt -übrigens viele Körner, hat einen dünnen Halm und liefert ein dunkles, -schweres Mehl. Um diesen Geschmack zu verbessern, mischt man ihm Spelt -bei; aber dennoch ist er dem Magen im höchsten Grade zuwider. Er wächst -in jedem Boden, trägt etwa hundertfältig und schont den Boden“ -- -was übrigens durchaus nicht der Fall ist. Auch der griechische Arzt -Galenos (131-200 n. Chr.), der uns das zweite bekannte Zeugnis über den -Roggen überliefert hat, kann sich mit ihm durchaus nicht befreunden. -Er sagt über ihn in seiner Schrift von den Eigenschaften der Speisen: -„Auf vielen Äckern Thrakiens und Makedoniens habe ich eine Getreideart -gesehen, die der Granne und dem ganzen Äußeren nach unserer asiatischen -~típhē~ (wahrscheinlich Einkorn) ähnlich war. Ich fragte die Leute -nach dem Namen, und sie antworteten, die ganze Pflanze wie auch der -bloße Samen heiße ~bríza~. Das daraus bereitete Brot riecht unangenehm -und ist schwarz.“ So wenig nun auch das Roggenbrot bei den Gebildeten -jener Zeit Anklang fand, so scheint sich doch die Roggenkultur -damals südwärts ausgedehnt zu haben; denn in einem diokletianischen -Erlaß aus dem Beginne des 4. Jahrhunderts wird der Roggen unter den -Getreidepflanzen an dritter Stelle gleich hinter Weizen und Gerste -genannt. - -In Oberitalien und den Alpengegenden wird er heute noch ziemlich -viel gepflanzt; doch ist sein Hauptverbreitungsgebiet Deutschland -und Westrußland, wo er das „Korn“ schlechthin genannt wird. In -diesen Ländern ist das schwarze Roggenbrot ein Hauptnahrungsmittel -der Landbevölkerung. Ist es auch etwas weniger nahrhaft als das aus -Weizenmehl hergestellte Weißbrot, so ist es dafür schmackhafter und -hält sich viel länger weich und genießbar als letzteres, das leicht -austrocknet und dadurch seinen Wohlgeschmack verliert. Enthält der -Weizen 64 Prozent Stärkemehl und gegen 13 Prozent Eiweißstoffe, so -enthält das Roggenkorn nur 60 Prozent Stärkemehl und 11 Prozent Eiweiß. -Außer zum Brotbacken wird der Roggen noch zum Branntweinbrennen -verwendet. Die Kleie, welche beim Mahlen des Roggenkorns als Abfall -zurückbleibt, dient, wie auch das ganze geschrotene Korn, als -Viehfutter; außerdem wird der Roggen als voluminöse Halmfrucht oft vor -seiner Reife als Grünfutter geschnitten und an das Vieh verfüttert. Das -Stroh findet als Häcksel und zur Einstreu für das Vieh, beim Dachdecken -und in der Papierfabrikation, ebenso zur Herstellung von Strohmatten, -Flaschenmuffen und ähnlichen Gebrauchsgegenständen Verwendung. - -Der Roggen stellt weit geringere Ansprüche an die Güte des Ackerbodens -und ist auch mit einer geringeren Sommerwärme zufrieden als der Weizen. -In Skandinavien gedeiht der Roggen selbst noch am Nordkap, und in den -Alpen steigt er so hoch hinauf als die höchsten Felder reichen. So -findet er sich bei Findelen im Kanton Wallis noch bei 2075 m und -bei Lü im Münstertal bei 1900 m Höhe neben der Gerste angebaut. -Er wird sowohl einjährig als Sommerroggen, als auch zweijährig als -Winterroggen angebaut, indem man die Saat frühzeitig im Herbst -anpflanzt und den Keimlingen dadurch Zeit zu reichlicher Bestockung -gewährt. Die Roggenähre ist in ihrer Zusammensetzung derjenigen des -Weizens sehr ähnlich, doch hüllen die beiden viel kleineren Hüllspelzen -nicht wie dort das ganze Ährchen ein. In jedem Ährchen entwickeln -sich nur zwei Blüten, so daß die reifen Körner in der Ähre in vier -Längsreihen angeordnet sind. - -Als einziger Rispenträger unter unseren Getreidegräsern kann der -+Hafer+ (~Avena sativa~) nicht leicht mit einer anderen Getreideart -verwechselt werden. Er stammt höchst wahrscheinlich vom Flughafer -(~Avena fatua~) ab, den noch die Römer nur als unbrauchbares -Feldunkraut kannten. Als Kulturform unterscheidet er sich von der -wilden Stammform hauptsächlich dadurch, daß, abgesehen von den -größeren Körnern, die Spindel der Ährchen nicht mehr so brüchig ist -und die Früchte deshalb nicht so leicht abfallen. Diese Veredelung -wurde gleichfalls durch zielbewußte Kulturauslese erreicht, und zwar -vermutlich in Südostrußland, in der kaspisch-kaukasischen Ebene oder -in dem daran angrenzenden turkestanischen Tiefland. Von hier drang er -schon in vorgeschichtlicher Zeit westwärts, wo wir ihn nördlich der -Alpen in den schweizerischen Pfahlbauten und in etwa gleichzeitigen -Landansiedelungen Deutschlands schon zur Bronzezeit antreffen. Hier -lernten ihn später die Römer als menschliches Nahrungsmittel kennen. -Sie staunten über das „barbarische Brotkorn“ der Germanen, wie sie es -nannten; denn sie sahen in dem Kulturhafer nur den ihnen als lästiges -Ackerunkraut bekannten Flughafer, den sie höchstens als Viehfutter und -Arzneimittel gelten ließen. - -Die Griechen der homerischen Zeit kannten den Hafer noch nicht. Der -erste griechische Schriftsteller, der ihn erwähnt, ist der Arzt -Dieuches aus dem Anfang des 4. Jahrhunderts v. Chr., der sagt, man -könne aus dessen Körnern einen Brei kochen, der leichter verdaulich -als der gewöhnlich genossene Gerstenbrei sei. Der ausgezeichnete -griechische Botaniker Theophrastos (371-286 v. Chr.) kennt ihn nur -als ein Ackerunkraut, ebenso der ältere Cato (234-149 v. Chr.), der -in seiner Schrift über den Landbau sagt, man müsse den Hafer beim -Hacken und Jäten des Getreides als lästiges Unkraut ausreißen. Auch -die römischen Dichter Vergil (70-19 v. Chr.) und Ovid (43 vor bis 17 -nach Chr.) kennen ihn nur als solches. Ersterer sagt in einer seiner -Eklogen, d. h. ausgewählten Gedichte: „Meine Felder liegen öde; da, wo -ich Gerste gesät, wächst der unglückselige Taumellolch (~lolium~) und -unfruchtbarer Hafer (~sterilis avena~)!“ Und in seiner Georgika, einem -Gedicht über den Landbau, klagt er: „Gar mancher sät zu früh, seine -Saat verdirbt und sein Feld trägt dann nichts als unnützen Hafer (~vana -avena~).“ - -Erst der römische Ackerbauschriftsteller Columella aus Spanien im 1. -Jahrhundert n. Chr. spricht von seiner Verwendung als Viehfutter: -„Hafer wird gesät, um grün oder als Heu verfüttert zu werden; man läßt -auch welchen stehen, um wieder Samen zu bekommen.“ Sein Zeitgenosse -Plinius (23-79 n. Chr.) meint: „Der Hafer (~avena~) ist ein unter -dem Getreide vorkommendes Unkraut und entsteht durch Entarten der -Gerste. Die germanischen Völker säen ihn und essen keinen anderen Brei -als Haferbrei.“ Der 131 n. Chr. in Pergamon in Kleinasien geborene -griechische Arzt Claudios Galenos, der zuerst in seiner Vaterstadt -und dann in Rom, wo er um 200 starb, die Heilkunst ausübte, schreibt -über den ~brómos~, was man bisher mit Hafer übersetzte, da Plinius -an einer Stelle die eßbaren Samen einer Getreideart so bezeichnet, -das aber wahrscheinlicher eine Wickenart bedeutet, da Galenos ihn -ausdrücklich als Hülsenfrucht bezeichnet: „Der ~brómos~ wird in großer -Menge in Asien angebaut, besonders in Mysien, das über Pergamon liegt. -Er dient als Futter für das Zugvieh; von Menschen wird nur zur Zeit -von Hungersnot daraus gebackenes Brot gegessen. Außer einer Hungersnot -wird er nur selten, und dann in Wasser gekocht und mit süßem Wein -oder eingekochtem Most oder Honigwasser gegessen. Er gibt nicht gar -viel Nahrung und das aus ihm bereitete Brot schmeckt nicht angenehm, -bekommt aber gut.“ Wenn wir nun auch diese Notiz nicht für den Hafer -verwenden können, so ist uns doch aus späterer Zeit der Anbau von Hafer -als Viehfutter wenigstens im oströmischen Reiche verbürgt. Als solcher -erscheint er zwar noch nicht als Getreide für den Menschen, wohl aber -unter den Futterkräutern fürs Vieh im bereits erwähnten Erlaß des -Kaisers Diokletian (239-313) und der Kirchenvater Hieronymus (340-420) -sagt an einer Stelle, der Hafer werde wie die Wicke von den weidenden -Tieren gefressen. So dient er auch heute noch in Norditalien wie in -Griechenland nur als Grünfutter, während als Pferdefutter allgemein -Gerste benutzt wird. - -[Illustration: Bild 6. Flugbrand des Getreides (~Ustilago segetum~). - -~a~ Vom Flugbrand befallener Hafer. - - Der Parasit dringt in die junge Haferpflanze ein und entwickelt - sich in derselben unsichtbar weiter, bis bei der Blütenbildung das - mitgewandelte Pilzmyzel in die jungen Fruchtknoten eindringt und - dort, reichlich ernährt, das ganze Korn zerstört, indem es ihn in - einen Haufen winzigster Brandsporen umwandelt. - -~b~ In Wasser keimende Brandspore bei 800facher Vergrößerung.] - -Das eigentliche Kulturgebiet des Hafers als Getreidefrucht des Menschen -ist das Europa nördlich der Alpen, so weit es nicht zu kalt für ihn -wird. Bezüglich seiner Ansprüche an die Beschaffenheit des Ackerbodens -ist er genügsamer als alle übrigen Getreidearten. Er kann ebensogut -auf geringem Sandboden, als auf schwerem Tonboden oder auf Moorboden -angebaut werden. Trotzdem ist seine geographische Verbreitung nicht -so groß als diejenige von Weizen und Gerste, weil sein Anbau ein -wärmeres Klima erfordert und er sich langsamer als jene entwickelt. -Im Norden erreicht seine Kultur den 70. Breitengrad nicht und in den -Alpen steigt er nicht über 1670 m Meereshöhe. Man baut ihn -als Sommergetreide mit früher Aussaat. Er leidet wie die übrigen -Getreidearten vornehmlich durch den Flugbrand, der in nassen Jahren -große Verheerungen anrichtet. - -Den meisten Hafer produzieren die Vereinigten Staaten von Nordamerika, -dann folgen Rußland und Deutschland mit Mengen, welche die -Weizenproduktion der betreffenden Länder noch weit übersteigen. Auch -Frankreich und Österreich liefern beträchtliche Mengen. Im Verhältnis -zur Größe des bebauten Landes ist die Haferproduktion in den nordischen -Ländern: Schweden, Norwegen, Dänemark, Schottland und Kanada besonders -groß; in Schweden liefert z. B. der Hafer mehr als die Hälfte alles -überhaupt gewonnenen Getreides. Dort und in Norwegen wird aus ihm ein -trockenes, jahrelang haltbares Fladengebäck, das Fladbrot -- eine Art -Zwieback -- verfertigt, das als Volksnahrung eine große Rolle spielt. -Auch in Schottland bäckt man aus dem Hafermehl harte, ungesäuerte -Kuchen. Das nationale Frühstücksessen der Schotten, Iren und vieler -Engländer aber ist die mit Milch gekochte Hafergrütze, der ~porridge~, -der vor dem Aufkommen des Kaffees auch bei uns in Süddeutschland und -der Schweiz als „Habermus“ als solches figurierte und neuerdings sich -glücklicherweise immer mehr als äußerst rationelles erstes tägliches -Essen einbürgert. Sonst wird der Hafer zu Schleimsuppen, Grütze, Grieß -und Brei verwandt, besonders aber an Pferde verfüttert. Haferstroh -dient wie dasjenige der übrigen Getreidearten in der Landwirtschaft als -Streu und wird zu Häcksel verschnitten. - -[Illustration: Bild 7. Rispenhirse (~Panicum miliaceum~). (Nach Hegi.)] - -Weiter sind die +Hirse+arten wichtige Getreidegräser. Diese ein- bis -zweiblütigen Rispengräser sind leicht daran zu erkennen, daß die Deck- -und Vorspelze hart und häufig glänzend sind. Eine der größten der -gegen 500 bekannten Arten ist die +Rispenhirse+ (~Panicum miliaceum~), -deren Stammform bisher unbekannt ist. Jedenfalls ist sie irgendwo in -Zentralasien zur Kulturpflanze erhoben worden und hat von da schon -sehr frühe ihren Eroberungszug über die ganze Alte Welt angetreten. -So gelangte sie schon in der neolithischen Zeit nach Mitteleuropa -und wurde hier von den Stämmen der jüngeren Steinzeit neben Gerste -und Weizen angepflanzt. In den neolithischen Pfahlbauten der Schweiz -finden wir die Hirsekörner so verquetscht und zu brotähnlichen Massen -verknetet, daß eine Bestimmung der Art nach den Körnern unmöglich ist. -Auch aus den antiken Schriftstellern werden wir nicht klug, welche -Hirseart von den von ihnen beschriebenen fremden Völkern verzehrt -wurde. Im ganzen scheint die Rispenhirse darunter verstanden worden -zu sein: doch ist daneben damals schon in Mitteleuropa eine zweite -Art nachweisbar. Es ist dies die +Kolbenhirse+ (~Panicum italicum~), -deren Stammform als ~Panicum viride~, ein durch die gemäßigte Zone -der alten Welt verbreitetes Unkraut bildet. Sie unterscheidet sich -von der kultivierten Form nur durch geringere Größe und das spontane -Abfallen der Fruchtähren bei der Reife. Auch diese Wildhirse scheint -in Innerasien zuerst als Getreide in die Pflege des Menschen genommen -worden zu sein und hat sich früh nach allen Richtungen verbreitet. -Schon ums Jahr 2800 v. Chr. treffen wir sie neben Weizen, Gerste, Reis -und Sojabohne in China angebaut. Noch früher muß sie in Nordindien -kultiviert worden sein, wo sie die Arier bei ihrer Einwanderung -als die gewöhnliche Brotfrucht der Eingeborenen überall angebaut -fanden. Doch verschmähten sie selbst zunächst dieses Korn, das ihnen -minderwertig erschien. Wie im Sanskrit treffen wir eine Bezeichnung -für sie im Altägyptischen, doch ist ihre Kultur weder im Niltal, noch -in Mesopotamien zu größerer Bedeutung gelangt, da hier offenbar schon -ältere Getreidearten so gut eingebürgert waren, daß sie sie nicht aus -ihrer herrschenden Stellung zu verdrängen vermochte. Dagegen war sie -von jeher bei den Negern in Afrika das Hauptgetreide. Wie der spätere -Plinius, sagt der um 25 n. Chr. verstorbene weitgereiste griechische -Geograph Strabon aus Amasia im Pontusgebiet: „In Äthiopien leben die -Leute (Neger) von Rispenhirse (~kénchros~) und von Gerste (~krithḗ~) -und machen aus beiden ihren Trank.“ Auch bei den Steppenvölkern -Südrußlands war die Hirse die wichtigste Nährfrucht. So sagt derselbe -Autor: „Das Tal des ins Schwarze Meer fließenden Thermodon ist feucht, -mit frischem Grün bedeckt, ernährt Herden von Rindern und Pferden und -die meisten Felder sind mit Kolbenhirse (~élymos~) und Rispenhirse -(~kénchros~) bestellt. Noch nie haben die Leute in diesem Tale -Hungersnot erlebt.“ Auch im Hochlande von Armenien fanden die Griechen -im Jahre 400 v. Chr. auf ihrem Rückzuge nach der unglücklichen Schlacht -von Kunaxa laut dem Berichte ihres Führers Xenophon, der ihn in seiner -Anabasis beschrieb, die Kolbenhirse (~élymos~) als Hauptgetreide -angepflanzt. - -Die ältesten Griechen bauten die Hirse nicht an. Nirgends wird sie in -den homerischen Epen erwähnt. Von den griechischen Schriftstellern -nennt sie zuerst Hesiod im achten vorchristlichen Jahrhundert, aber an -einer wahrscheinlich später eingeschobenen Stelle. Erst den späteren -Griechen war sie wohlbekannt, sowohl die Rispenhirse ~kénchros~, -als auch die Kolbenhirse ~élymos~ oder ~melínē~. Der griechische -Pflanzenkundige Theophrast (390-286 v. Chr.) erwähnt beide als Getreide -(~sítos~) und sagt, daß man sie im Sommer säe. Besonders die Spartaner -werden uns als Hirseesser bezeichnet; auch in Athen war der Hirsebrei -ein gewöhnliches Gericht. Doch urteilt der aus Anazarbos in Kilikien -gebürtige griechische Arzt Dioskurides um die Mitte des 1. Jahrhunderts -n. Chr. in seiner Arzneimittellehre: „Die Rispenhirse (~kénchros~) -hat, wenn sie in Brot verwandelt wird, weniger Nährkraft als anderes -Getreide. Als Brei wird sie arzneilich gebraucht, auch legt man sie -geröstet in Säckchen auf schmerzende Stellen. -- Die Kolbenhirse -(~élymos~) heißt auch ~melínē~; sie ist ein der Rispenhirse ähnliches -Getreide, wird ebenso zu Speise und Arznei gebraucht, hat aber weniger -Nährkraft als jene.“ - -Eine etwas größere Rolle als in Griechenland, wo sie im ganzen nur -geringe Bedeutung erlangte, spielte die Hirse bei den Volksstämmen -Italiens. Auch bei ihnen wurden beide Arten gepflanzt, die Rispenhirse -als ~milium~ und die Kolbenhirse als ~panicum~. Letzterer Name hängt -mit ~panis~ = Brot zusammen und beweist, daß das Mehl der Kolbenhirse, -wie schon bei den neolithischen Pfahlbauern, vorzugsweise zu -fladenartigem, nicht getriebenem Brot verbacken wurde, während man aus -dem gemahlenen Korn der Rispenhirse mit Vorliebe einen in der Regel -nur mit Wasser, ausnahmsweise mit Milch gekochten Brei herstellte. -In seiner Naturgeschichte sagt Plinius: „Die Rispenhirse (~milium~) -gedeiht vorzüglich in Kampanien, man kocht dort aus ihr einen weißen -Brei (~puls~) und bäckt aus ihr ein recht süßes Brot. Die sarmatischen -Völker (Nomadenvölker im Norden des Schwarzen Meeres, ein Teil der -Skythen) leben vorzugsweise von solchem Hirsebrei, mischen auch -rohes Mehl mit Pferdemilch oder mit Blut aus den Schenkeladern des -Pferdes und essen es so. Die Neger kennen keine andere Feldfrucht als -Rispenhirse und Gerste. -- Die Kolbenhirse (~panicum~) ist in ganz -Gallien gebräuchlich; in Italien pflanzt man sie in der Landschaft, die -der Po durchfließt, und mischt (gemahlene) Saubohnen hinzu, ohne welche -man dort überhaupt nichts zubereitet. Die pontischen Völker (besonders -in Kaukasien und dem nördlichen Kleinasien) ziehen die Kolbenhirse -jeder anderen Speise vor.“ Auch die iberischen Volksstämme bauten ihn -mit Vorliebe an. So sagt der überaus gelehrte Marcus Terentius Varro -(116-27 v. Chr.) in seiner Schrift über den Landbau: „In den Erdgruben, -die man in Spanien zur Aufbewahrung des Getreides anlegt, hält sich -die Rispenhirse (~milium~) mehr als 100 Jahre lang gut.“ Und der aus -Spanien stammende Ackerbauschriftsteller Columella im 1. Jahrhundert -n. Chr. schreibt: „Zum Getreide kann man auch die Kolbenhirse -(~panicum~) und die Rispenhirse (~milium~) rechnen. Sie verlangen einen -leichten, lockeren Boden und gedeihen selbst auf magerem Sand, wenn -er nur feucht ist und Regen darauf fällt; trockenen und tonigen Boden -scheuen sie. Vor dem Frühjahr darf man sie nicht säen, weil sie die -Wärme lieben; die beste Zeit der Aussaat ist Ende März. Die Aussaat ist -an sich wohlfeil, weil man dem Maß nach nicht viel streut; später macht -sich aber ein oftmaliges Behacken und Jäten nötig. Die Ernte geschieht, -bevor die Samen ausfallen, indem man die Samenrispen (~spicae~) mit -der Hand abpflückt. Man hängt sie alsdann in die Sonne, trocknet sie, -hebt sie dann auf dem Kornboden auf, und so halten sie sich länger -als anderes Getreide. Aus der Rispenhirse bereitet man Brot, das -sich gut essen läßt, solange es noch warm ist. Die Kolbenhirse wird -durch Stampfen (in Holzmörsern) von der Schale befreit und gibt dann, -besonders mit Milch gekocht, einen Brei, der nicht übel schmeckt. Die -Rispenhirse kann ebenso zu Brei gekocht werden.“ - -Trotzdem die Hirse bei den Volksstämmen Italiens gebaut wurde, -trat sie, gleich der Gerste, vor dem Spelt und später dem Weizen -zurück. Nur wenn die letzteren nicht gut gerieten, war man über jene -mindergeschätzten, aber ausgiebigeren Getreidearten froh. Speziell in -der Poebene und im südlichen Gallien wurden sie noch lange von den -dort wohnenden keltischen Stämmen bevorzugt. Als Cäsar die Hafenstadt -Massalia (das heutige Marseille) belagerte, ernährten sich die -Einwohner mit alter Hirse und verdorbener Gerste, die sie für derartige -Zeiten der Not aufgespeichert hatten. In ähnlicher Weise wurden noch zu -Anfang des 6. nachchristlichen Jahrhunderts während einer Hungersnot zu -Pavia und Tortona große Mengen von Hirse aus den städtischen Magazinen -zu sehr niedrigen Preisen an das Volk abgegeben, ein Beweis dafür, daß -der Hirsebau sich im keltischen Oberitalien auch unter römischer und -gotischer Herrschaft behauptete. - -Bis ins 18. Jahrhundert hinein war der Hirsebau in Mitteleuropa -ziemlich verbreitet, und bei unseren Vorfahren bildete der Hirsebrei -neben dem Hafermus die tägliche Morgenkost, die seither durch -Kaffee und Brot verdrängt wurde. Nur in Nordchina, Zentralasien und -Südrußland bildet diese Körnerfrucht heute noch eine der wichtigsten -Getreidearten, die als Brei und Kuchen von jedermann täglich genossen -wird. Vom Kaspischen Meer bis zur Donaumündung ist die Hirse sogar die -Hauptnährfrucht, und bis vor 50 Jahren war es in Südrußland allgemein -geübte Sitte, den Toten außer Brot und Branntwein einen Topf voll -Hirsebrei mit ins Grab zu geben. - -Tiefer nach Afrika hinein drang der Anbau dieser nordischen Hirsearten -niemals vor, da hier verschiedene einheimische Hirsearten bereits große -Bedeutung erlangt hatten. Unter ihnen ist vor allem die +Negerhirse+ -(~Pennisetum spicatum~) zu nennen, deren Heimat das tropische Afrika -ist. Von hier aus drang sie früh nach Ägypten und teilweise auch -Palästina vor, wo sie schon im Alten Testament als ~duchn~ genannt -wird, eine Bezeichnung, die heute noch bei den Arabern gebräuchlich -ist, während die Neger sie gewöhnlich ~mavele~ nennen. Sie wird 2 m -hoch und bildet walzenförmige Fruchtstände von über 30 cm Länge und -bis 4 cm Dicke, in denen die Körner sich dichtgedrängt finden. Das -daraus gewonnene feine Mehl wird, mit Wasser angemacht, zu einer -wohlschmeckenden Grütze gekocht, die in vielen Gegenden Afrikas die -Hauptnahrung der Eingeborenenbevölkerung bildet. - -Allerdings ist in diesem Kontinente eine andere Hirseart noch viel -beliebter und deshalb verbreiteter. Es ist dies die +Mohrenhirse+ oder -das +Neger+- bzw. +Kafferkorn+ (~Andropogon sorghum~), von den Arabern -~durra~, von den Negern jedoch meist ~mtamma~ genannt. Von ihr gibt es -eine Menge Varietäten, die 2-7 m hoch werden, bis 1 m lange und 7-10 cm -breite Blätter treiben und schließlich eine mehr oder weniger gedrängte -endständige Rispe hervorbringen, an denen die 4-5 mm langen und -3-4 mm breiten Früchte sitzen. Bei der wilden Urform, dem aleppischen -Bartgrase (~Andropogon halepense~), die über die wärmeren Gebiete der -ganzen Erde verbreitet ist und in manchen Gegenden an Wasserläufen -große Dickichte bildet, fallen die die Ährenpaare tragenden Ästchen des -Blütenstandes nach der Fruchtreife ab, während sie bei den Kulturformen -stets erhalten bleiben. Auch werden die Früchte der wilden Form ganz -und gar von den Hüllspelzen umhüllt, während dies nur bei einer -einzigen, noch wenig durch Kulturauslese veränderten Kulturform der -Fall ist. Die zahlreichen Kulturvarietäten unterscheiden sich nun -durch Gestalt, Größe und Farbe der Hüllspelzen, die von Schneeweiß zu -Gelb, Rot, Braun und Schwarz wechseln, wie auch durch die Gestaltung -der Rispe, die bald weitschweifig und flatterig wie bei der Stammform -ist, bald mehr oder weniger gedrängte, elliptische bis kugelige Kolben -bildet. - -Die Mohrenhirse nimmt mit trockenem, magerem Boden vorlieb und eignet -sich deshalb besser als irgend eine andere Pflanze zum Anbau in solchen -tropischen und halbtropischen Gegenden, wo auf eine kürzere Regenzeit -eine langanhaltende Trockenzeit folgt. Deshalb bildet sie nicht nur in -Afrika, wo sie heimisch ist und zuerst in Kultur genommen worden zu -sein scheint, sondern auch in Indien und China die Hauptbrotfrucht, -die in zahlreichen Spielarten gezogen wird. Aus ihrer Heimat Afrika -gelangte sie schon zur Zeit der ältesten Dynastien um die Mitte -des 4. vorchristlichen Jahrtausends nach Ägypten, wo sie neben den -älteren hier eingeführten Getreidearten als ~boti~ ziemlich häufig -gepflanzt wurde; wenigstens wird ihre Frucht ziemlich häufig unter -den Grabbeigaben gefunden, auch ist sie mehrfach deutlich erkennbar -an den Wänden der Grabkammern abgebildet worden. So findet sich auf -einem Wandgemälde im Grabe des Amenembe eine Ernteszene der Mohrenhirse -dargestellt. Die mannshohen, unten hellgrün und oben gelb mit rotem, -kolbenförmigen Fruchtstand gemalten Halme werden dabei aus dem Boden -gezogen, in Garben gebunden und nach der Tenne getragen, wo sie -vermittelst einer Hechel von ihren Körnern befreit werden. - -[Illustration: Bild 8. Die Mohrenhirse (~Andropogon sorghum~). Nach -Hegi.] - -Später drang die Mohrenhirse auch nach Westasien vor, ohne daß wir -allerdings geschichtliche Dokumente dafür besäßen. Noch heute wird sie -wie in Oberägypten, so in Palästina und Vorderasien ziemlich häufig -angebaut. In der Folge kam sie auch nach Indien, wo sie um die Wende -der christlichen Zeitrechnung bereits bekannt war, doch fehlt ein -Sanskritname für sie. Nach China soll sie angeblich im 4. Jahrhundert -nach Chr. als „Hirse aus dem Lande Shu“ eingeführt worden sein. -Heute nährt sich ein großer Teil der ¾ Milliarden Einwohner Indiens -und Chinas vorzugsweise von dieser Hirseart statt von Reis, wie man -gewöhnlich annimmt. - -In ihrer alten Heimat Afrika ist sie, wie schon der Name Mohrenhirse -oder Kafferkorn besagt, die weitaus wichtigste Getreidefrucht -geblieben, aus welcher nicht nur fladenartiges Brot und Brei, sondern -auch ein als ~merissa~ bezeichnetes, sehr beliebtes Bier hergestellt -wird. Zu dem Zwecke werden die Körner der Mohrenhirse zuerst in Wasser -aufgeweicht, sodann vorübergehend in die Erde vergraben, um das Keimen -derselben zu bewirken. Ist dies erreicht, so werden sie zu einem groben -Mehl zerstampft, in einem irdenen Topf gekocht und die durch Filtration -daraus gewonnene klare, zuckerhaltige Flüssigkeit in Kalabassen einer -langsamen Gärung unterzogen. Nach 1-2 Tagen ist das leicht berauschende -Getränk fertig. - -Die ältesten Griechen und Römer haben die Mohrenhirse nicht gekannt. -Der erste römische Autor, der uns von ihr berichtet, ist der 79 -n. Chr. beim Vesuvausbruch umgekommene ältere Plinius, der in seiner -Naturgeschichte schreibt: „Vor etwa zehn Jahren ist in Italien eine -aus Indien stammende Hirseart (~milium~) eingeführt worden, welche -dunkelfarbig und großkörnig ist und einen rohrartigen Halm hat. Sie -wird bis sieben Fuß hoch. Ihre Blütenrispe wird Mähne (~phoba~) -genannt; sie gibt von allen Getreidearten den höchsten Ertrag, -von einem einzigen Halme 3 Sextarien (= 1,54 Liter).“ Trotz ihres -außerordentlichen Ertrages fand sie aber in Italien damals nicht recht -Eingang, wahrscheinlich weil das dem Roggen ähnliche, schwärzliche -Mehl den verwöhnten Römern nicht behagte. Kein späterer Autor spricht -mehr von ihr, so daß wir annehmen müssen, daß sie bald wieder völlig -aus Italien verschwand. Erst durch die Araber wurde sie wieder in -die Mittelmeerländer eingeführt. So erwähnt sie aus Italien zuerst -wieder Petrus de Crescentiis ums Jahr 1300 unter dem Namen ~milica~. -Doch diente sie damals vorzugsweise als Viehfutter und nur in -Teuerungszeiten wurde das daraus gewonnene Mehl mit anderem gemischt -genossen. - -Einzig der Umstand, daß diese Getreideart sieben Monate zu ihrer -Entwicklung bedarf, hat es bewirkt, daß diese sonst so wertvolle, -ertragreiche Körnerfrucht nicht weiter nordwärts in Europa Verbreitung -fand. Ihre Nordgrenze findet sie hier in Südtirol, wo sie unter dem -Namen Sirch gepflanzt wird. Hier scheint aber diese Getreideart früher -allgemeiner angepflanzt worden zu sein, da bis vor kurzem der Grundzins -in diesem Korn bezahlt werden mußte. Von hier kommen auch meist die -abgeernteten und vermittelst metallener Kämme entkörnten Fruchtrispen, -die man bei uns sehr viel zur Anfertigung von Besen und groben Bürsten, -die man fälschlicherweise als Reisbesen oder Reisbürsten bezeichnet, -benutzt. - -In der Neuzeit hat sich die Mohrenhirse weitherum, so weit das Klima -warm genug für sie ist, verbreitet. Auch in Nordamerika wurde sie im -19. Jahrhundert vielfach angepflanzt, erwies sich aber empfindlicher -gegen nasse Kälte und bedarf einer höheren Sommerwärme zur Reifung -ihrer Samen als der dort einheimische Mais. Sie wird wie dieser, nur -noch enger gepflanzt, außerdem müssen die betreffenden Felder öfter -gejätet werden, da die jungen Pflänzchen der Mohrenhirse sich langsamer -als diejenigen des Maises entwickeln, weshalb sie in größerer Gefahr -sind, vom Unkraut unterdrückt zu werden. Später treiben sie nach dem -Abschneiden ein zweites Mal Halme, wodurch es möglich wird, nach einer -Grünfutterernte eine Körnerernte zu gewinnen, vorausgesetzt natürlich, -daß die klimatischen Verhältnisse es gestatten. - -Eine ebenfalls aus Afrika stammende Abart der Mohrenhirse ist die -+Zuckerhirse+ (~Andropogon saccharatus~), die höher wird als jene und -eine weitschweifige Rispe besitzt. Auch sie wird weitherum in Afrika -und anderen Tropenländern ihrer Samen wegen angebaut, die indessen -nicht so gut schmecken wie diejenigen der Mohrenhirse. Dafür enthalten -ihre Stengel ziemlich viel Zucker, der sich daraus gewinnen läßt. In -den weniger heißen Ländern, wo sie ihre Früchte nicht mehr reifen -läßt, dient sie als nahrhafte Futterpflanze. Auch sie gelangte aus -ihrer zentralafrikanischen Heimat frühe nach Ägypten und Vorderasien -und von da nach China, wo sie heute noch als Kao-liang, d. h. große -Hirse, eine weite Verbreitung besitzt. In letzterem Lande wird sie -erst zu Beginn der christlichen Zeitrechnung erwähnt, hat sich aber -dadurch die besondere Gunst der Bevölkerung erworben, daß sich aus dem -von ihr ausgepreßten Zuckersafte, der dort niemals zur Zuckergewinnung -benutzt wird, ein beliebtes alkoholhaltiges Getränk herstellen läßt. -Besonders in der Mandschurei ist dieser Kao-liang das gewöhnliche Korn -und wird dort in sehr ausgedehntem Maße gepflanzt. In den Berichten -aus dem japanisch-russischen Krieg konnte man genug von diesen hohen -Kao-liangkulturen lesen, die den Soldaten gute Deckung und willkommene -Fourage bot. Zur Gewinnung von Zucker wird dieses Getreidegras -neuerdings auch in Nordamerika in größerem Maßstab angepflanzt. - -Gleicherweise afrikanischen Ursprungs und hier seit sehr alter Zeit als -Getreide angepflanzt ist die +Negerhirse+ (~Pennisetum spicatum~) -- -nicht mit der Mohrenhirse zu verwechseln. - -Diese 1-2 m hohe Hirseart mit 8-10 cm langer und 2-4 cm dicker, -kolbiger Fruchtrispe spielt heute noch in ihrer Heimat als Nährfrucht -eine große Rolle und ist bei den Negerstämmen Zentralafrikas ein -Hauptgegenstand des Hackbaues. Im letzten vorgeschichtlichen -Jahrtausend muß sie auch nach Ägypten und von da später weiter nach -Vorderasien gekommen sein; denn zu Beginn des sechsten vorchristlichen -Jahrtausends erwähnt sie der jüdische Prophet Hesekiel unter dem Namen -~dochan~ als eine Getreideart Babyloniens, aus der man Brot bereite. -Dieser Ausdruck hat sich bis heute in der arabischen Bezeichnung -~duchn~ für Negerhirse erhalten. Sie wird ebenfalls im Orient, -besonders in Südarabien und in Indien angebaut, und aus ihren Samen -stellen die Araber ihren Kuskus genannten Fruchtbrei her, der, wenn -möglich, mit Hammelfett oder Hammelfleisch gekocht wird und so beliebt -ist, wie anderwärts der damit gekochte Reis. - -In höheren Gebirgslagen Abessiniens heimisch und daselbst im großen -unter dem Namen +Tef+ angebaut, ist eine Art von Liebesgras, -~Eragrostis abessinica~, die nur 0,5 m hoch wird. Die sehr kleinen, -kaum hirsekorngroßen, aber sehr zahlreichen Samen liefern der -gesamten Bevölkerung Abessiniens das allgemeinste und beliebteste -Brot, das gewöhnlich in eine gepfefferte Fleischsauce getaucht oder -mit Erbsenbrei, sonst auch nur mit Salz, Pfeffer und Butter gegessen -wird. Dieses Getreide wurde nach den zahlreichen auf uns gekommenen -Überresten einst im alten Ägypten häufig angebaut, wird aber dort nicht -mehr gepflanzt. Heute wird es nur noch in Abessinien bis zu 2200 m über -Meer in verschiedenen weißen, grünen und roten Spielarten kultiviert. -Die Ernte geschieht schon 3-4 Monate nach der Aussaat, was ein großer -Vorzug dieser Brotfrucht ist. - -[Illustration: - - Tafel 7. - -Mohrenhirse (~Andropogon sorghum~) in Deutsch-Ostafrika (nach Karsten & -Schenck, „Vegetationsbilder“).] - -Endlich ist noch eine rasenartig wachsende, durchschnittlich 1 m hoch -werdende Getreideart zu erwähnen, der +Korakan+ (~Eleusine coracana~), -der in Indien seine Heimat hat, aber heute außer dort besonders auch -im tropischen Afrika bei den Negervölkern als ~uimbi~ sehr viel zur -Gewinnung von Brot und Bier angepflanzt wird. Auch von ihr gibt es -eine Menge von Kulturformen, die sich in den verschiedenen Gegenden -ihres Kulturgebietes ausbildeten. In Ostafrika wird sie in höheren -Lagen, oft mit größerer Sorgfalt als es sonst zu geschehen pflegt, in -wohlbewässerten Feldern angebaut. - -[Illustration: - - (Nach Photographie von Apotheker Max Dietrich, Rietschen O. L.) - -Buchweizenfeld.] - -[Illustration: - - Tafel 8. - -Landschaft auf Sumatra mit als Sawahs bezeichneten Reisfeldern; rechts -unten befindet sich ein Wächterhäuschen. Im Hintergrund führt eine aus -Bambusrohr errichtete Brücke über den Fluß.] - -[Illustration: Bild 9. Der Buchweizen (~Fagopyrum esculentum~).] - -Außer den bisher betrachteten Grasarten, die bekanntlich alle monokotyl -sind, hat auch eine dikotyle Pflanze aus der nächsten Verwandtschaft -der Knöteriche, der +Buchweizen+ (~Fagopyrum esculentum~), ein -naher Verwandter von Sauerampfer und Rhabarber, einige Bedeutung -als Getreidefrucht erlangt. Mit zwei anderen Polygonumarten, deren -Kultur auf Zentralasien beschränkt blieb, hat er seine Heimat in der -nördlichen Mongolei und Mandschurei, dann um den Amur- und Baikalsee -herum, wo er heute noch wild gefunden wird. Er ist ein einjähriges, -bis 60 cm hoch werdendes Kraut, mit gestielten, herzförmigen Blättern, -weißen oder rötlichen Blüten und dreikantigen, glänzendbraunen Nüßchen, -die den Bucheckern ähnlich sind und deshalb diesem Getreide den Namen -Buchweizen verschafften. Er ist höchst anspruchslos in bezug auf den -Boden und wächst noch im magersten Sande. Dann hat er entsprechend -seiner asiatischen Heimat mit kurzen, warmen Sommern und langen, kalten -Wintern eine kurze Vegetationsperiode und empfiehlt sich durch seine -schmackhaften Früchte, während die Blüten eine gute Bienenweide liefern. - -Als Kornfrucht wird der Buchweizen besonders in Rußland viel -angepflanzt und daraus Grütze und Kuchen bereitet. Wer je jenes Land -bereist hat, dem werden die besonders zu Festzeiten in gewaltigen -Mengen verspeisten ~blini~, d. h. Pfannkuchen aus Buchweizenmehl, -aufgefallen sein, die in recht viel Butter dünn wie Papierblätter oder -auch dicker gebacken werden. Mit saurer Sahne und ausgelassener Butter -vorgesetzt, bilden sie einen Leckerbissen hocheleganter Diners wie der -einfachsten Bauernkost. Wer es vermag, leistet sich als Zukost dazu -geräucherten Lachs und Kaviar. - -Wie in ganz Rußland, so hängt heute noch auch in Norddeutschland der -gemeine Mann von alters her an seiner Grütze aus Buchweizen, dessen -Körner als Mastfutter denselben Wert wie Gerste und als Pferdefutter -einen größeren als Hafer besitzen. Da die Buchweizenkörner mit einer -sehr harten Schale umgeben sind, so müssen sie immer zuerst geschrotet -werden, bevor sie als Futter dienen. Gemahlen werden sie, meist mit -Weizenmehl vermischt, zu Brot verbacken. Auch als Grünfutter wird der -Buchweizen angebaut und dient sehr häufig als Gründünger. - -Im nördlichen China und in Japan wird er viel angebaut, erst seit -kurzem auch in Nordindien und auf Ceylon. Die alten Kulturvölker in -Vorderasien und am Mittelmeer kannten ihn nicht. Erst zu Ausgang des -Mittelalters kam er nach Europa. Seine früheste Erwähnung findet sich -im Zinsregister des mecklenburgischen Dorfes Gadebusch (bekannt durch -den Heldentod des Dichters Theodor Körner) vom Jahre 1436, und 1546 -gab Hieronymus Bock eine genaue Beschreibung der damals noch nicht -allgemein in Deutschland bekannten Pflanze. In Süddeutschland nennt -man ihn gewöhnlich Heidekorn, d. h. ein von den Heiden gekommenes -Getreide. Ein anderer deutscher Name ist Taterkorn, was so viel -bedeutet als Brotfrucht der Tataren. Jedenfalls haben diese den -Buchweizen nach Rußland übermittelt und hat Viktor Hehn Unrecht, wenn -er das seltsame, aus Nordindien stammende und erst im Jahre 1417 in -Mitteleuropa auftauchende Wandervolk der Zigeuner, das ums Jahr 1000 -aus seiner ursprünglichen Heimat zunächst nach Persien und Armenien -auswanderte, dann längere Zeit in Ländern griechischer Zunge, und -zwar wahrscheinlich Kleinasien, umherzog, in diesen Tatern erblickt. -Da diese ruhelos umherschweifenden Stämme keinen Ackerbau treiben, so -können sie auch unmöglich Verbreiter einer besonderen Kornart gewesen -sein, das zudem in ihrer ursprünglichen Heimat ganz unbekannt war. - -Während der Buchweizen im Norden über Rußland nach Deutschland kam, -scheinen ihn die Franzosen erst durch die Vermittlung der Araber -(Sarazenen) erhalten zu haben, da sie ihn als ~blé sarasin~ bezeichnen. -Die ums Jahr 1225 unter dem Drucke der Mongolen aus Zentralasien -nach Vorderasien ausgewanderten Türken werden diese Kornfrucht nach -Armenien gebracht haben, von wo aus sie bei der Ausdehnung der -Türkenherrschaft nach Kleinasien und in die Länder am östlichen -Mittelmeer gelangte. Durch die im späteren Mittelalter als Seeräuber -das ganze Mittelmeer unsicher machenden Araber, die gewöhnlich als -Sarazenen bezeichnet wurden, scheint der Buchweizen an die Gestade -des westlichen Mittelmeers verbreitet worden zu sein; daher rührt -wohl die französische Bezeichnung her. Zu Ende des 16. Jahrhunderts -bildete er schon ein ziemlich allgemeines Nahrungsmittel der Armen -in manchen Gegenden Frankreichs. Im 18. Jahrhundert wurde er durch -ganz Europa und seit dem 19. auch in Nordamerika kultiviert. Wie -in Norddeutschland und bei den Slawen ist er in manchen Tälern der -Ostalpen eine beliebte Brotfrucht, so besonders in Tirol, wo er Plent -heißt (aus dem Italienischen ~polenta~) und das aus seinem nahrhaften -Mehl hergestellte Gericht Sterz genannt wird. - -Kräftiger, dauerhafter und im Ertrag sicherer, wenn auch mit weniger -ausgiebigem, dickschaligem und nicht so wohlschmeckendem Korn, das -zudem auch leichter bei der Reife ausfällt, ist der aus Sibirien -stammende +tatarische Buchweizen+ (~Fagopyrum tataricum~). Er besitzt -wie der gemeine Buchweizen saftige, ästige, meist rotgefärbte Stengel -mit herzförmigen, gestielten Blättern, aber in schlaffe Trauben -geordnete grünliche Blüten und an den Kanten buchtig gezähnte Nüßchen. -Deutsche Botaniker brachten ihn im 18. Jahrhundert aus Sibirien, wo er -schon lange kultiviert wird, nach St. Petersburg, von wo aus er über -Europa verbreitet wurde. Da er aber ein bitteres und schwärzeres Mehl -als der gemeine Buchweizen liefert, wird er meistens nur zu Grünfutter -verwendet. - - - - -III. - -Die Getreidearten. - -Reis und Mais. - - -So wichtig die bisher von uns betrachteten Grasarten als Körnerfrüchte -für die Existenz des Menschen waren, so kann doch keine dieser -Nährpflanzen es an Bedeutung und weiter Verbreitung mit dem +Reis+ -(~Oryza sativa~) aufnehmen, von dem reichlich die Hälfte aller -Menschen, d. h. etwa 750 Millionen, mehr oder weniger lebt. Vor allem -sind es die Asiaten, die vorzugsweise oder fast ausschließlich von -ihm leben, indem sie seine in kochendem Wasser erweichten Körner fast -ohne Zutat, mit fettem Hammelfleisch als Pilau in Vorderasien, oder -mit allerlei scharfen Gewürzen und Fisch- oder Hühnerfleisch in Süd- -und Ostasien, verzehren. Aus gemahlenem Reis werden in Indien die -verschiedensten Speisen, auch Brot, zubereitet. In Ostasien, besonders -in Japan, werden die drei täglichen Mahlzeiten nach dem Worte für -gekochten Reis als Morgen-, Mittag- und Abendreis bezeichnet. In -Japan setzen arme Gebirgsbewohner, die sich mit Buchweizen, Gerste -und Weizen begnügen müssen, wenigstens Greisen, Kindern und Kranken -Reis als Speise vor. Während in China, Korea und Japan der Reis die -hauptsächlichste Körnerfrucht ist, heißt er in Indien und Hinterindien -das Getreide schlechtweg. - -Im tropischen Australien, durch ganz Südasien bis nach Westafrika kommt -in sumpfigen Gebieten, selbst in Gegenden, wo der Mensch ihn nicht -anbaut und auch nie angebaut hat, so daß ein Verwildern ausgeschlossen -ist, der wilde Reis vor, der sich nur darin vom langbegrannten -Kulturreis unterscheidet, daß seine Früchte nach dem Reifen abfallen, -eine Eigenschaft, die fast alle wilden Getreidearten im Gegensatz zu -den Kulturformen besitzen. Im oberen Niltale, wo er nach Schweinfurth -die Gewässer massenhaft bedeckt, werden die von den Eingeborenen -hochgeschätzten Früchte des wilden Reises aus dem Wasser geschöpft, -um als willkommene Speise zu dienen. Auch sonst überall werden seine -abfallenden Früchte von den auf der Stufe der Sammler lebenden -Naturvölkern regelmäßig gesammelt und nach leichter Röstung im Feuer, -wodurch der mehlige Inhalt der Körner aufquillt und so der Verdauung -leichter zugänglich gemacht wird, als beliebte Zukost zur tierischen -Nahrung gegessen. Ganz in derselben Weise wird in Nordamerika der in -seichten Gewässern, wie am Ufer der Seen und Ströme der Nordweststaaten -der Union und im südlichen Kanada wildwachsende +Tuscarora+- oder -+Wasserreis+ (~Zizania aquatica~), der 2-2,5 m hoch wird und eine -beliebte Nahrung für die Fische und Wasservögel bildet, auch von den -Indianern gesammelt und verspeist. Doch ist die Pflanze nicht wie der -Reis durch Veredlung zur Kulturpflanze erhoben worden, obwohl sie -dieselben guten Eigenschaften wie jener aufweist. - -Welches Volk den Reis zuerst in seine Pflege nahm und durch zielbewußte -Kulturauslese die große Brüchigkeit seiner Ährenspindel beseitigte, so -daß die Frucht am Halme geerntet zu werden vermochte, das können wir -nicht mehr feststellen. Nur das eine wissen wir, daß diese bedeutsame -Kulturtat irgendwo in Südasien geschah, und zwar wahrscheinlich -in Hinterindien. In Südchina finden wir dieses Getreide zuerst in -größerem Maßstabe angebaut. Schon im Jahre 2800 v. Chr. hat nach dem -altchinesischen Werke Schu-King der bereits erwähnte Kaiser Schen-nung -die fünf heiligen Erntegewächse, außer Hirse, Weizen, Gerste und -Sojabohnen auch den Reis als eines der wichtigsten Nahrungsmittel -des Menschen beim Frühjahrsfeste selbst gepflanzt, um durch diese -feierliche Handlung dem Volke die Wichtigkeit des Anbaues derselben -vor Augen zu führen. Im Jahre 2356 v. Chr. ließ dann der Kaiser Jao am -Jang-tse-Kiang ausgedehnte Bewässerungsanlagen zur Erleichterung der -Reiskultur anlegen und regelte durch bestimmte Gesetze die Verteilung -der Einkünfte von den Reisfeldern. Von China gelangte der Reisbau früh -schon nach Korea und Japan, wie er von Hinterindien aus nach Indien -gebracht wurde, um von da auch nach den Sundainseln und Philippinen, -wie auch nach Ceylon zu wandern. Auf der Insel Java soll der Legende -zufolge der Reis bereits im Jahre 1084 v. Chr. angepflanzt worden -sein. Aus Indien kam die Reiskultur während der ersten Hälfte des -letzten vorchristlichen Jahrtausends nach Persien, von da westwärts -in die durch ihren Wasserreichtum zu seinem Anbau sehr geeignete -Euphratniederung und erst spät in die Länder am Mittelmeer. Auf dieser -Wanderung veränderte sich die indische Sanskritbezeichnung dieser -Nährfrucht ~vrîhi~ in ~brizi~ der iranischen Sprachen, und, aus dem -Altpersischen entstellt, erhielten die Griechen ihre Benennung ~óryza~, -aus dem sich dann die verschiedenen neusprachlichen Benennungen, auch -das deutsche Reis, herausbildeten. - -Die alten Babylonier und Ägypter kannten dieses südasiatische Getreide -so wenig als die Juden des Alten Testaments. Erst durch die Feldzüge -Alexanders des Großen trat es in den Gesichtskreis der Kulturvölker am -Mittelmeer, nachdem manche weitgereiste Griechen, wie beispielsweise -Herodot, schon vorher unbestimmte Kunde von einer in Indien wachsenden -Pflanze erhalten hatten, deren Körner von der Größe eines Hirsekorns in -einer Hülse stecken, mit der letzteren gekocht und so gegessen werden. -Die erste sichere Nachricht über den Reis verdanken wir Aristobulos, -einem Begleiter Alexanders des Großen auf seinen Heerzügen in Asien von -334-324 v. Chr., der im hohen Alter eine Geschichte des ruhmreichen -Königs und seiner Feldzüge, verbunden mit einer Naturschilderung der -von jenem durchzogenen Länder verfaßte. Seine Schrift ist uns nicht -erhalten; aber der zur Zeit Cäsars und Augustus’ lebende griechische -Geschichtschreiber Diodoros aus Sizilien, daher Siculus genannt, teilt -uns folgenden Passus daraus mit: „Aristobulos sagt, der Reis (~óryza~) -stehe in Indien auf Beeten, die eingedämmt und mit Wasser bedeckt -sind. Die Höhe dieser Pflanze betrage vier Ellen; sie trage viele -Ähren und viele Körner, reife zur Zeit, da die Plejaden untergehen -und werde wie der Spelt durch Stampfen enthülst. Er wachse auch in -Baktriana, Babylonien, Susis und im unteren Syrien.“ Also nicht bloß -in Indien, sondern auch schon am oberen Oxus und in Vorderasien -wurde im 4. Jahrhundert v. Chr. diese wasserliebende Getreidepflanze -kultiviert. Auch des Aristobulos Zeitgenosse Theophrast (390-286), der -von Teilnehmern am berühmten Alexanderzuge diesbezügliche Mitteilung -erhielt, beschreibt uns die Nährpflanze ganz richtig: „Die Indier bauen -den sogenannten Reis (~óryzon~) in Menge an und kochen daraus Brei -(~hépsaina~). An sich sieht er dem Spelt (~zeiá~) ähnlich, enthülst -aber den Graupen (~chóndros~). Er ist leicht verdaulich (~éupeptos~). -Die Pflanze sieht dem Taumellolch (~aíra~) ähnlich, muß lange Zeit -hindurch im Wasser stehen, bildet aber keine Ähre, sondern eine Rispe -wie die Rispenhirse (~kénchros~) und die Kolbenhirse (~élymos~).“ -Selbst sein, wie auch vordem Alexanders des Großen Lehrer, Aristoteles, -der ein Jahr nach des letzteren unerwarteten Tod in Babylon, nämlich -322 in Chalkis auf Euböa starb, also von dem 327 erfolgten Eindringen -seines vormaligen Zöglings in Indien noch Kenntnis erhalten hatte, -berichtet in seiner Tiergeschichte von einem aus Reis gewonnenen Wein, -indem er sagt: „Wenn die Elefanten von einem eisernen Geschoß verwundet -sind, so gibt man ihnen Öl zu trinken; wollen sie dieses nicht, so gibt -man ihnen eine abgekochte Mischung von Öl und Reiswein (~oínos orýzas~, -also nach unserem Sprachgebrauch Arrak).“ Später erwähnt solchen auch -Strabon. Er sagt nämlich: „Die Indier sind sehr mäßig, trinken nur bei -Festen Wein, und dieser ist aus Reis gemacht statt aus Gerste. Ihre -Hauptspeise ist Reisbrei.“ Dieser Geschichtschreiber berichtet auch bei -der Erzählung der Kämpfe zwischen Eumenes und Seleukos, daß ersterer -wegen Getreidemangels seine Truppen in der persischen Hochebene mit -Reis, Sesam und Datteln ernährt habe, mit welchen Produkten jene Gegend -reich gesegnet sei! - -Der ums Jahr 200 n. Chr. in Alexandrien und Rom lebende griechische -Grammatiker Athenaios aus Naukratis in Ägypten schreibt in seinen 15 -Büchern ~Deipnosophistai~, die wichtige Nachrichten über Leben, Sitte, -Kunst und Wissenschaft der alten Griechen enthalten, daß Megasthenes, -der unter dem 281 von Ptolemaios Keraunos ermordeten König Seleukos -Nikator von Syrien Agent und als solcher in Indien gewesen war, in -seinem von Indien handelnden Buche berichtet, daß dort bei Gastmählern -einem jeden ein Tischchen vorgesetzt werde. Auf dieses werde eine -goldene (tatsächlich wie Gold aussehende Messingschüssel) Schüssel mit -gekochtem Reis gestellt und dazu noch allerlei gute Gaben gereicht. Von -der dazu damals schon gebräuchlichen scharfen Currysauce berichtet er -uns nicht, obschon er wohl selbst an solchem Mahle teilgenommen hat. - -Sehr merkwürdig ist, daß, nachdem die Griechen eine solche richtige -Vorstellung der Reispflanze gehabt hatten, der gelehrte Römer Plinius -der Ältere (23-79 n. Chr.) eine solch falsche Beschreibung derselben, -die nach ihm fleischige Blätter haben soll, in seiner Naturgeschichte -liefern konnte. Bei den Griechen und Römern war der Reis eine für -die bürgerliche Küche durchaus ungebräuchliche Speise, obschon er in -späterer Zeit, um die Wende der christlichen Zeitrechnung, infolge der -regen Handelsverbindungen mit dem Osten zu recht billigem Preise zu -haben war. Rät doch der Dichter Horaz (65-8 v. Chr.) in einer seiner -Satiren einem Geizigen: „Ist dein Magen leer, so fülle ihn noch mit -einem Reisbrei (~ptisanarium oryzae~, d. h. Abkochung von Reis), der -nicht teuer ist; für acht As (etwa 32 Pfennig) bekommst du eine -Portion, mit der du den Bauch gehörig füllen kannst.“ Selbst bei den -nach fremdländischen Erzeugnissen begierigen Reichen fand er keinen -rechten Beifall. Er wurde vielmehr von den griechischen Ärzten, die -zwar selbst keine sehr hohe Meinung von seiner Verdaulichkeit und -seinem Nährwerte hatten, hauptsächlich als Krankenspeise verordnet. So -nennt ihn Dioskurides im 1. Jahrhundert n. Chr. mäßig nahrhaft, und -Galenos im 2. Jahrhundert n. Chr. als schwerer verdaulich als Graupen -(~chóndros~), dabei weniger nahrhaft und nicht so wohlschmeckend wie -diese. - -Wie im Altertum blieb der Reis das ganze Mittelalter hindurch erst -recht eine Luxusnahrung der südeuropäischen Bevölkerung, die auch nur -spärlich als Leckerei in die Länder nördlich der Alpen gelangte, wo -diese Kornfrucht bis in unsere Zeit bei der großen Menge, namentlich -bei der ländlichen Bevölkerung, einen nur bei Krankheit oder als -Festspeise mit Milch, Mandeln und Zucker verspeisten Luxusartikel -bildete. Auch haben weder die Römer, noch die Byzantiner je den -Versuch gemacht, die Reispflanze im Abendlande selbst zu kultivieren. -Dies taten erst die Araber, die ihn zu Ende des 7. Jahrhunderts, als -sie erobernd nach Westen bis an die Gestade des Atlantischen Ozeans -vordrangen und den unterjochten Ländern ihre Kultur aufzwangen, aus -Syrien nach Ägypten und ganz Nordafrika, und im 8. Jahrhundert auch -nach Spanien und Sizilien brachten. Bei ihrem Bestreben, die von -ihnen gewonnenen Länder nach dem Abbilde derer, aus denen sie kamen, -einzurichten, führten sie überall, wohin sie erobernd gelangten, die -Reiskultur als diejenige ihres Lieblingskornes ein. Überall legten sie -Kanäle und Rieselfelder zur Anpflanzung dieser Sumpfpflanze an und -verhandelten den Überschuß ihrer Ernten an die umwohnenden christlichen -Völker. - -[Illustration: - - Tafel 9. - -Singhalesen auf Ceylon beim Pflügen eines unter Wasser gesetzten -Reisfeldes mit Hilfe von Büffeln.] - -[Illustration: - - Tafel 10. - -Unter Wasser gesetzte Felder mit angepflanztem Reis auf Sumatra. -Links auf einer Erhöhung die aus Palmblättern erbaute Hütte des die -Reispflanzungen bei der Fruchtreife hütenden Malaien. - -Das Pflanzen der Reissetzlinge in Japan.] - -Nach der Eroberung der maurischen Königreiche, deren letzten Rest, -Granada, Ferdinand V., der Katholische, von Aragon im Jahre -der Entdeckung Amerikas, 1492, gewann, gingen die ausgedehnten -arabischen Reisfelder in den Besitz des letzteren über. Und da -glücklicherweise keine religiösen Bedenken die Fortsetzung der Werke -der Ungläubigen verboten, wurde von der christlichen Bevölkerung -Spaniens auch der muhammedanische Reisbau übernommen. Und als zu -Anfang des 16. Jahrhunderts sich die spanische Macht in Neapel und -bald auch in Oberitalien festsetzte, wurde der Anbau des Reises auch -dahin verbracht und bald ebenfalls nach Südfrankreich ausgedehnt; -um so mehr, als er einträglicher war als die bisher hier gebaute -gewöhnliche Körnerfrucht. Bloß das dadurch bedingte Überhandnehmen -des Sumpffiebers, der Malaria, ließ in der Folge mehr und mehr eine -Einschränkung seines Anbaus durch die Obrigkeit aufkommen. So durften -die Reisfelder nicht zu nahe bei den menschlichen Wohnungen sein. - -[Illustration: - - Tafel 11. - -Das Entkernen des Reises in Japan. - -Das Dreschen zur Enthülsung des Reises in Japan.] - -[Illustration: - - Tafel 12. - -Singhalesinnen auf Ceylon mit einem zum Enthülsen des Reises dienenden -Holzstampfer, mit einer Worfel zum Säubern und einem Tonkrug zum Kochen -des enthülsten Reises.] - -Ziemlich spät erst gelangte die Reiskultur nach Nordamerika. Als -erster erhielt im Jahre 1647 der englische Gouverneur des Staates -Virginia, Sir William Berkeley, aus seiner Heimat einen halben Bushel, -d. h. 18 Liter Reissaat, die 16 Bushel, d. h. 576 Liter guten Reis -lieferten; jedoch währte es bis zum Jahre 1694, bis die Reiskultur in -Nordamerika als wirklich eingeführt gelten konnte. In diesem Jahre -lief ein holländisches Schiff, von Madagaskar kommend, den Hafen von -Charleston in Südkarolina an. Bei dieser Gelegenheit machte der Kapitän -dem Gouverneur Thomas Smith einen Besuch und schenkte ihm auf dessen -Bitte einen kleinen Sack Reissaat, den er zufällig an Bord hatte. Smith -wollte versuchen, auf einem sumpfigen Stück Land, das ihm gehörte, den -Reis anzupflanzen; und dieser Versuch fiel glänzend aus. Er war der -erste Anfang der blühenden Reiskultur in Südkarolina, das heute noch -das Renommee besitzt, den besten Reis zu pflanzen. Allerdings stammt -heute ein großer Teil dessen, was als Karolinareis im Handel verkauft -wird, aus Java. Schon im Jahre 1724 wurden etwa 18000 Faß Reis aus dem -Staate Karolina ausgeführt, doch blieben hier auch später Mais und -Weizen das wichtigste Nahrungskorn der Bevölkerung, während er in Asien -fast das ausschließliche Nahrungsmittel der Reis bauenden Bevölkerung -bildet. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts kam die Reiskultur auch nach -Brasilien, wo die Pflanze in der Folge teilweise verwilderte. - -Heute wird der Reis in allen Weltteilen gebaut, soweit die sommerliche -Hitze wenigstens vier Monate andauert und 29° C. erreicht, wenn auch -immer noch Südasien den Löwenanteil an seinem Anbau aufweist und drei -Viertel allen im Welthandel vorkommenden Reises von Bengalen und -Burma geliefert werden. Das Anbaugebiet, das nur von einigen Ländern -genau bekannt ist, kann man für die ganze Erde auf etwa 700000 qkm -abschätzen, eine Jahresernte auf 120 Milliarden kg und deren Wert auf -6000 Millionen Mark veranschlagen. Davon erntet Britisch-Ostindien -jährlich 25 Milliarden kg, von denen es 1700 Millionen kg jährlich -exportiert. Auf Java beträgt die Produktion etwa 3 Milliarden kg; -Kochinchina führt etwa 700 Millionen kg und Siam 500 Millionen kg aus. -Japan erntet etwa 3 Milliarden kg, die Vereinigten Staaten dagegen nur -64 Millionen kg, wovon 10 Millionen kg als Karolinareis zur Ausfuhr -gelangen. In Europa wird in der Poebene etwa 1 Milliarde kg Reis von -200000 Hektaren geerntet, dann kommt Spanien mit 20000 und Portugal mit -4000 Hektaren Reisland. Auch in Griechenland wird etwas Reis gebaut, -und sogar im Rhonetal in Frankreich. Doch ist diese Kultur nur von -geringer Bedeutung. - -Infolge der mehrtausendjährigen Kultur in den verschiedensten Klimaten -und Nährböden hat der Reis zahllose Varietäten gebildet, die sich gar -nicht überblicken lassen. Im Museum von Kalkutta findet man nicht -weniger als 1104 verschiedene Sorten Reis, die in Britisch-Indien -kultiviert werden; außerdem figurieren dort noch weitere 300 -verschiedene Arten Reis aus anderen Gegenden. Auf Ceylon allein sollen -161 verschiedene Arten Reis angepflanzt werden, und in Hinterindien, -China und Japan sollen mehr als 1400 Sorten desselben existieren. Alle -diese Arten sind aber nur Kulturvarietäten einer einzigen botanischen -Spezies, die von den Gelehrten eben ~Oryza sativa~ genannt wird. - -Bei der edelsten Sorte desselben bleiben die einzelnen Körner nach -dem Dämpfen getrennt und verkleben nicht, im Gegensatz zu dem außer -Stärkemehl einen hohen Gehalt an Amylodextrin besitzenden Klebreis, -dessen längliche, durch hellrote Farbe ausgezeichneten Körner beim -Garwerden zusammenkleben und bald in Brei übergehen. Doch kommt diese -letztere Sorte kaum je zu uns und wird dann vorzugsweise zu Backwerk -verwendet. Was wir als Reiskleister essen, ist nur der in der Küche -durch falsche Zubereitung verdorbene gute, nicht klebende Reis. Um -dieses herrliche Nahrungsmittel mit Genuß essen zu können, muß es in -der richtigen Weise zubereitet werden, was folgendermaßen geschieht: -Nach gründlicher Waschung wird die betreffende Menge Reis mit reichlich -Wasser aufs Feuer gesetzt und darin gekocht, bis er gar ist, d. h. -man nimmt von Zeit zu Zeit einzelne Körner desselben heraus und sucht -sie zwischen den Fingern zu zerdrücken. Sobald dies geschehen kann, -wird das Wasser abgegossen, der Reis gut durcheinander gemischt und -der betreffende Topf mit dem Deckel geschlossen, um den Inhalt noch -durch den heißen Dampf gar werden zu lassen. Solchermaßen zubereiteter -Reis wird nie klebrig oder gar kleisterig und ist erst das, was die -Reiskenner unter gut zubereitetem Reis bezeichnen, der als Bestandteil -der indisch-holländischen Reistafel oder nach indischer Art nur mit -Fleisch und Curry versetzt gegessen wird und eine Delikatesse ersten -Ranges ist, die einem den Speichel im Mund zusammenfließen macht, wenn -man nur daran denkt. - -Alle Reisarten, mögen sie von zwergigen oder hochwachsenden Sorten -stammen, begrannte und grannenlose Früchte mit kleinen oder großen -Körnern tragen, früh oder spät reifen, weiße, gelbe, rote, braune oder -schwarze, behaarte oder unbehaarte Früchte mit weichen oder harten -Körnern erzeugen, verlangen wenigstens eine periodische Bewässerung, -welche die Reiskultur treibenden Gegenden so stark versumpft und -in ihnen die Entstehung von Wechselfieber begünstigt, daß diese -Körnerfrucht beispielsweise in Italien nur in größerer Entfernung von -bewohnten Ortschaften gebaut werden darf. - -Schon an den Nährsalzen der Frucht erkennt man, daß der Reis von einer -Wasserpflanze stammt, die sich im Gegensatz zu den übrigen Körner- -oder gar Knollenfrüchten dem Leben auf dem Lande durchaus noch nicht -angepaßt hat. Wie alle Tiere, sind auch alle Pflanzen, die einst in -frühester Urzeit dem Meere als dem Ursprung alles Lebens entstiegen -und sich, von Luft statt Wasser umgeben und in Licht gebadet, dem -Leben am Lande anpaßten, ursprünglich, der salzigen Flut, in der sie -einst lebten, entsprechend, sehr kochsalz- und dadurch natronreich. -Die Pflanzen haben sich nun als sehr viel früher dem Leben am Lande -angepaßte und durch ihre Assimilation überhaupt erst den Tieren die -Existenz daselbst ermöglichende Lebewesen sehr viel mehr von ihrer -natronreichen Urheimat, dem Meere, emanzipiert und das Natron in ihren -Geweben durch das Alkalimetall des Erdbodens, das Kali, ersetzt, und -zwar um so weitgehender, je landfester sie wurden. Nun ist der Reis das -kaliärmste und dadurch das für die Nieren reizloseste Nahrungsmittel, -das wir kennen, das besonders allen Nierenkranken nicht warm genug kann -anempfohlen werden. Milch enthält schon 5mal, Mehlspeisen 6mal, Erbsen -12mal, Rindfleisch 19mal, Bohnen 21mal und Kartoffeln gar 26-28mal mehr -Kalisalze als der Reis. - -Trotz dieses großen Vorzuges spielt aber der Reis leider in -unserer Ernährung nicht die Rolle, die ihm gemäß seiner großen -Leichtverdaulichkeit und Nahrhaftigkeit zukommen sollte. In letzter -Zeit ist zwar darin eine erhebliche Besserung eingetreten; denn noch -vor hundert Jahren galt der Reis als Luxusartikel, den man höchstens -etwa bei festlichen Anlässen zu einer süßen Platte verwendete. -Damals war der jährliche Verbrauch nicht mehr als 100 g pro Kopf der -Bevölkerung Deutschlands, während er heute doch wenigstens auf 2,5 kg -jährlich für jeden Einwohner dieses Reiches gestiegen ist. Aber das ist -wahrhaftig nicht viel, im Vergleich mit der Unmenge von Kartoffeln, -die die Deutschen genießen. Der Engländer, der die Kartoffeln auch -nicht verschmäht, ißt dreimal mehr Reis als der Deutsche. Deutschland -führt jährlich Reis im Werte von 40-50 Millionen Mark ein, davon -verzehrt es aber nur für 30 Millionen Mark; der Rest wandert, meist als -Reisstärke, wieder nach dem Ausland. - -[Illustration: Bild 10. - -Der Reis (~Oryza sativa~). Nach Hegi.] - -Der Kulturreis ist wie alle Getreidearten eine einjährige Pflanze, -die auf einem durchschnittlich 1,2 m hohen, nicht sehr kräftigen, -hohlen Halme mit verhältnismäßig breiten, 30 cm langen, am Rande etwas -scharfen und an der Basis bewimperten Blättern eine endständige, -überhängende Rispe mit einblütigen Ährchen und 30-60, ja sogar 100 und -mehr Samenkörner entwickelt. Aus praktischen Gründen unterscheidet -man +Wasser+- und +Bergreis+, die abweichende Anforderungen an den -Boden stellen. Beide verlangen zu ihrer Entwicklung eine Wärme, wie -sie nur in der heißen Zone und in den wärmeren Gegenden der gemäßigten -Zone gefunden wird. Nur in Gegenden, in denen es ununterbrochen 4 -Monate hindurch heiß ist, gedeiht der Wasserreis, der zwar viel -Bodenfeuchtigkeit, aber keine allzugroße Luftfeuchtigkeit verlangt. -Überall da, wo in den Tropen während 10 Monaten eine ziemlich -gleichmäßige Temperatur herrscht, können 2 Jahresernten von demselben -Felde eingeheimst werden. Der Bergreis verträgt eine kühlere Temperatur -als der sonst ertragreichere und ausschließlich in den Welthandel -gelangende Wasserreis. Daher sehen wir in Südasien sein Anbaugebiet -im Gebirge aufwärtssteigend da beginnen, wo dasjenige des letzteren -aufhört. Es ist dies bei einer Erhebung von 1000 m der Fall. Von da bis -zu 1600 m Höhe liefert er sichere Erträge; denn sein Anbau wird in die -warme Jahreszeit verlegt und seine Entwicklung nimmt im Gegensatz zum -Wasserreis, der meist 5 bis 6 Monate zur Vollendung seines Wachstums -bedarf, nur 4 Monate in Anspruch. Unter 1000 m würde der Bergreis zwar -auch noch gedeihen, aber bei vorhandenen Wachstumsbedingungen wird der -Wasserreis vorgezogen, der mehr und bessere Frucht gibt. - -Ein leichter, etwas sandiger Boden in ebener Lage ist dem Bergreis -am förderlichsten, während der Wasserreis tonigen Boden mit schwach -sandiger Krume vorzieht. Ein Reisfeld darf nicht die geringste -Beschattung, weder von Bergen, noch Bäumen haben, sondern muß tagsüber -dem vollen Sonnenschein ausgesetzt sein. Da aller Reis in künstlich -unter Wasser gesetzten Feldern angepflanzt werden muß, legt man die -Reisfelder im gebirgigen Gelände terrassenförmig übereinander an, -indem man sie von oben herab der Reihe nach berieselt und durch Dämme -von etwa 60 cm Höhe mit Durchstichen voneinander trennt. Diese in -Indonesien als +Sawahs+ bezeichneten Reisfelder, die oft bis zu großer -Höhe ins Gebirge hinaufsteigen und zu oberst künstliche Teiche, die -sie speisen, tragen, folgen den Konturen der Berge und verleihen -dadurch der tropischen Landschaft, in der sonst das Wirken des Menschen -gegenüber der Fülle der Vegetation vollkommen verschwindet, ein -bestimmtes, als Zeichen menschlicher Tätigkeit angenehm berührendes -Gepräge. - -Infolge dieser starken Bewässerungsnotwendigkeit wird manchenorts, -namentlich in China und Japan, aber auch in Südungarn und Italien, -mit dem Reisbau zugleich Fischzucht verbunden, wobei die Fische, -gewöhnlich Karpfen, sich dadurch nützlich erweisen, daß sie die den -jungen Reispflanzen schädlichen Insektenlarven, Würmer und Schnecken -wegfressen. Müssen dann später die Reisfelder trocken gelegt werden, so -finden diese Fische ihre Zuflucht in den tiefen Abzugsgräben, die zu -diesem Zweck in den Reisfeldern angelegt sind. - -Nachdem die übrigens gut zu düngenden Felder bewässert sind, setzt man -die jungen Reispflanzen, die man vorher in einem Saatbeete gezogen hat -und etwa 30-40 Tage wachsen ließ, auf sie in gewissen Abständen über. -Sind die Stecklinge festgewachsen, so wird wieder Wasser ins Feld -geleitet und damit fortgefahren, bis die Pflanzen anfangen gelb zu -werden; dann läßt man das Wasser ab, um das Reifwerden der Körner zu -befördern. - -Beginnt der Reis reif zu werden, so gilt es die meist gewaltigen -Scharen von diebischen Reisvögeln und andere Körnerfresser, die sich -hungrig hinter das ihnen willkommene Futter hermachen wollen, durch -allerlei Scheuchapparate zu vertreiben. Ist er reif geworden, so -werden die Fruchtrispen kurz abgeschnitten und getrocknet, dann -- -soweit er nicht verkauft wird -- in Scheunen aufbewahrt, aus welchen -die Frauen den täglichen Bedarf holen und dreschen, d. h. gewöhnlich -in hölzernen Mörsern mit Holzkeulen stampfen, bis die Körner sich -aus den Spelzen lösen. Die leeren Ähren und das Stroh werden dann -mit der Hand entfernt und die enthülsten Körner auf einen Korbteller -geschüttet und geworfelt, wobei sich im Winde die Spreu von den Körnern -scheidet. Zuletzt wird der Reis zur Entfernung des ihn noch umgebenden -Silberhäutchens geschält, d. h. nochmals gestampft, was von den -wechselweise zustoßenden Frauen im Takte geschieht. Bei allen diesen -Manipulationen werden in den verschiedenen Ländern die verschiedensten -Gebräuche beobachtet, da dem Asiaten der Reis ein heiliges Gewächs ist, -bei dessen Behandlung alles leichtsinnige Lachen und Schwatzen verboten -ist. Nach Europa gelangt der Reis meist noch in den Hülsen; als solcher -heißt er in Südasien ~paddy~, in Amerika dagegen ~rough rice~, d. h. -rauher Reis. Bei uns wird er dann in besonderen Mühlen geschält und -außerdem poliert, indem die Körner in einen Zylinder geschüttet werden, -in welchem sich eine mit Wolle überzogene Rolle rasch dreht; dabei wird -durch einen kleinen Zusatz von Öl der gewünschte appetitliche Glanz zu -erhöhen gesucht. - -Vermöge seiner vorhin hervorgehobenen großen Leichtverdaulichkeit -in Verbindung mit hohem Nährwert ist der Reis besonders für die -Bewohner der Tropen, die leicht an Verdauungsstörungen und Leberleiden -erkranken, von der größten Bedeutung. Deshalb fühlen sie sich auch bei -dieser Kost so überaus wohl und genießen täglich gewaltige Portionen -davon, nämlich ungefähr 1 kg, indem sie ihn mit Zugabe von Gemüse, -allerlei scharfen Gewürzen und kleinen Mengen tierischer Nahrung, -besonders getrockneten Fischen genießen. Trotzdem sie jahraus, jahrein -täglich dreimal denselben Reis, auf dieselbe Weise bereitet, genießen, -entleidet er ihnen niemals. - -Aber auch alkoholische Getränke wissen sie aus ihm zu bereiten, indem -sie ihn zuerst zwölf Stunden in Wasser aufweichen, dann die Körner -kochen bis sie weich geworden sind, sie abkühlen und durch Hinzufügen -einer Hefe in alkoholische Gärung kommen lassen. Das so gewonnene, -leicht an Sherry erinnernde berauschende Getränk, das die Japaner -~sake~ nennen, wird in Fässer gefüllt, die ihrerseits wieder in einer -Strohhülle stecken. Das gewöhnlich 13 Prozent Alkohol enthaltende -Getränk gelangt in glasierten Ton- oder Porzellanflaschen in den Handel -und wird heiß aus winzigen Porzellantäßchen, und zwar beim Beginn der -Mahlzeit, getrunken. Auf ähnliche Weise erlangen die Chinesen aus -Reis, der mit verschiedenen Gewürzen versetzt wurde, einen ~samschu~ -genannten Branntwein, der etwa 36 Prozent Alkohol enthält. In Ostindien -dient gemälzter Reis zur Herstellung von Arrak, der sonst aus Melasse -bei der Gewinnung des Rohrzuckers, mancherorts, wie in Goa, auch aus -Palmensaft gemacht wird. Die Abfälle vom Polieren des Reises, bestehend -aus zerbrochenen Körnern und Schalenresten, wie auch der auf dem -Schiffstransport durch das Meerwasser zu Schaden gekommene Reis, der -als Nahrungsmittel nicht mehr zu verwenden ist, wird zu Stärkemehl -verarbeitet. Solches Reismehl, das reicher an Fett ist als der -geschälte Reis, ist ein sehr gutes Futter- und Mastmittel für Rindvieh. -Die meiste Reisstärke dient aber als Appretur, um Baumwollstoffe -schwerer und haltbarer erscheinen zu lassen, und geht auf diese Weise -wiederum nach Indien, das den Reis lieferte, zurück. Endlich ist auch -das Reisstroh ein sehr wertvolles Produkt, welches namentlich in der -Papierfabrikation und in der Korb- und Hutflechterei eine vielfache -Verwendung findet. - -Eine andere Grasart, die als Getreide für den Menschen eine ungemein -große Bedeutung erlangt hat, ist der +Mais+ (~Zea mais~). Sie ist die -einzige Körnerfrucht, mit der uns der amerikanische Kontinent beschenkt -hat. Nirgends mehr wird sie in wildem Zustande angetroffen; doch ist -es höchst wahrscheinlich, daß sie ursprünglich in Mexiko heimisch war -und dort zuerst von uns unbekannten, zu höherer Gesittung gelangten -Indianerstämmen in Zucht und Pflege genommen wurde; hat uns doch dieses -Land neuerdings eine zweite, wildwachsende Art der Gattung geliefert. - -Bei der Entdeckung Amerikas fanden die Spanier diese für die dortige -Bevölkerung wichtigste Nährfrucht überall im Lande, soweit es das -Klima zuließ, in Kultur. Alle Indianersprachen hatten eine Bezeichnung -für sie, und speziell die Inselkaraiben, die Tainos, mit denen es -Kolumbus und die Spanier zuerst zu tun hatten und die sie dann durch -schonungslose Ausbeutung und strengen Frondienst auf den von ihnen -angelegten Gütern im Laufe von etwa 50 Jahren zum Aussterben brachten, -nannten sie ~mahiz~, ein Ausdruck, den dann die Spanier annahmen -und später mit der Nutzpflanze in den europäischen Sprachgebrauch -einführten. Bei allen Indianerstämmen, von den Inkas Perus bis zu -den Moundbuilders in Nordamerika östlich vom Mississippi wurde der -Mais als Hauptnahrungsmittel nebst Bohnen, Kürbis und Tabak in -verschiedenen Varietäten gepflanzt. Und wie seine Samenkörner den -Lebenden als wichtigstes Nahrungsmittel dienten, so wurden sie den -Toten als Wegzehrung in ihre unterirdischen Behausungen mitgegeben. -Im alten Mexiko hieß die Göttin des Ackerbaus Cinteutl nach der -Bezeichnung für Mais ~cintli~ und erhielt, wie die Demeter bei den -Griechen, oder Ceres bei den Römern, die ersten Fruchtkolben der -Maisernte als Weihegabe. Zur Entfernung der harten Schalen kochten die -Azteken Mexikos die Maiskörner zuerst mit Ätzkalk, um sie dann auf -dem dreibeinigen Mahlstein mit einer steinernen Walze zu zerreiben -und die Masse, mit Wasser zu einem steifen Brei angemacht, in runden -Fladen (altmexikanisch ~tlaxcalli~, spanisch ~tortilla~) auf flachen -Tontellern über dem Feuer zu backen. An Knollenfrüchten wurden Batate, -Mandioka und Yams gebaut, während der spanische Pfeffer (~Capsicum~) -das beliebteste Gewürz bildete. Ähnlich war es im alten Peru. In den -Tempeln von Cusco, der Hauptstadt des peruanischen Reiches der Inka, -bereiteten die Sonnenjungfrauen das Maisbrot für die Opfer, wie die -Frauen in den Haushaltungen es für ihre Familienangehörigen bereiteten. -Außer den Kartoffeln, die im Lande selbst aus Wildlingen zur -Kulturpflanze erhoben wurden, war auch hier der Mais die Hauptnahrung -der Bevölkerung. Die Ketschua, die Träger der Inkakultur, hatten ihn -aus ihrer Urheimat im Norden, dem Gebiete von Quito, mitgebracht. In -den tropischen Anden gedieh er noch sehr gut in 1900 m Höhe und fand -sich auch an dem Titicacasee im Süden Perus bis 3900 m und mehr Höhe -angepflanzt. - -In Europa wurde der Mais zuerst in spanischen Gärten zu Anfang des 16. -Jahrhunderts gesät und kam dann bald auch als Rarität in manche Gärten -Mitteleuropas, ohne daß man wußte, daß die Pflanze aus der Neuen Welt -stamme. Zuerst wird die Pflanze in dem 1537 in Basel erschienenen -lateinischen Pflanzenwerke des Ruellius: ~De natura stirpium~ als aus -Griechenland oder Asien gekommenes „türkisches Getreide“ genannt; aber -die erste genauere Beschreibung derselben findet sich in dem 1543 -in Basel gedruckten deutschen Kräuterbuche des Tübinger Botanikers -Leonhard Fuchs. Auch nach ihm ist der Mais aus der Türkei gekommen, -wächst gerne und war damals schon in Deutschland ganz gemein. Erst -spätere Autoren, wie der Nürnberger Joh. Joachim Camerarius in seinem -1590 in Frankfurt a. M. erschienenen Kräuterbuch und der Regensburger -Apotheker J. Wilhelm Weinmann in seinem vierbändigen, von 1737-1745 -herausgegebenen Pflanzenatlas sprechen mit Text die Ansicht aus, der -Mais stamme aus Amerika. „Dieses Korn“, so schreibt der Erstgenannte, -„wird unbillich Türkisch genannt; denn es wächst nicht in Asia in -der Türkei, sondern in India, so gegen Mitternacht liegt, von -dannen man es zu uns gebracht und gewehnet. Die Indianer nennen dies -Korn in ihrer Sprache Maiz. Sie machen Gruben mit dem Pfahl und werfen -4-5 Körner hinein und machen es wieder zu, um es vor den Papageien -zu schützen. Die Samen werden vorher in Wasser gequellt. In wenigen -Tagen schießt es auf und ist in vier Monaten zeitig.“ Camerarius kennt -bereits vier Sorten desselben, darunter die buntscheckige. - -[Illustration: - - Tafel 13. - -(~Copyright by F. O. Koch.~) - -Maisscheune der Zulukaffern.] - -[Illustration: - - Tafel 14. - -Zulufrauen Mais mahlend. - -(~Copyright by F. O. Koch.~)] - -Erst im 17. Jahrhundert gelangte der Mais aus den Gärten, wo er -mehr als Zier-, denn als Nutzpflanze gehalten wurde, auf die Felder -und wurde hier auch in Europa als Getreidefrucht gezogen. Besonders -waren es die Venezianer, die ihn überall auf ihren Handelsreisen im -Orient verbreiteten. Der jetzt noch gebräuchliche Name „türkischer -Weizen“ soll wohl nur andeuten, daß der Mais aus weiter Ferne zu uns -gekommen sei, wie die englische Bezeichnung ~turkey~ für den ebenfalls -aus Mexiko zuerst nach Europa gelangten Truthahn. In den Pyrenäen -heißt er spanisches Korn und die Türken nennen ihn ägyptisches Korn, -die Deutschen aber Welschkorn. Durch die regen Handelsbeziehungen -der Europäer mit Asien gelangte dann der Mais schon während der -im Jahre 1644 zu Ende gegangenen Mingdynastie zu Anfang des 17. -Jahrhunderts nach China und bald darauf auch nach Japan. Heute wird er -in ausgedehntem Maße in Afrika bei den verschiedensten Negerstämmen -angebaut und ist wie in den Tropen und Subtropen, so auch in alle -Länder mit gemäßigtem Klima vorgedrungen, so daß man sagen kann, daß er -nächst dem Reis die größte Anzahl Menschen ernährt und als Riesenmais -und Bandmais, d. h. einer Abart mit weißgestreiften Blättern, auch als -Zierpflanze bei den Kulturvölkern der Erde Eingang gefunden hat. - -Der Mais, wie er uns heute in gegen 60 Varietäten entgegentritt, ist -ohne Zweifel eine schon erheblich veränderte Kulturform, von der -sich die Urform vermutlich durch verzweigte weibliche Blütenstände -unterschied. Als solche Rückschläge in die alte Form kommen auch -heute noch gelegentlich fingerartig geteilte Kolben vor. Er ist eine -Riesenform unter den Gräsern, die eine Höhe von 5-6 m erreichen kann -und mit großen, bis fast 2 m langen und 10 cm breiten Blättern versehen -ist. Je nördlicher er angebaut werden soll, um so niedriger zur Reife -gelangende Sorten muß man wählen, wenn man Korn von ihm zu ernten -beabsichtigt. Bei uns reift er meist nur in den wärmeren Jahren seine -Früchte; doch lohnt sein Anbau gleichwohl als nahrhaftes Grünfutter. -Dafür eignet sich auch noch für Mittel- und Norddeutschland der große -badische Mais von 2-2,5 m Höhe. In Oberitalien, Ungarn, Südfrankreich -und Spanien ist er wie im wärmeren Amerika fast das wichtigste -Volksnahrungsmittel geworden, indem aus seinem Mehle durch Kochen -mit Wasser eine in Italien als Polenta, an der unteren Donau jedoch -als Mamaliga bezeichnete Art Pudding hergestellt wird, von dem sich -Hunderttausende von Bauern und Arbeitern Tag für Tag ernähren. Ist aber -das Maismehl durch Feuchtwerden verdorben, indem sich ein bestimmter -Pilz darin angesiedelt hat, so wirkt die aus solchem hergestellte -Polenta giftig, so daß dann häufig Massenerkrankungen entstehen. Diese -in Italien als +Pellagra+ bezeichnete Vergiftung, deren Symptome -übrigens der durch den Genuß verdorbener Kicher- und Platterbsen -erzeugten, in Südeuropa und Nordafrika heimischen Erkrankung ähneln, -nimmt einen chronischen Verlauf mit alljährlichen, meist im Frühjahr -erfolgenden Nachschüben. Sie beginnt mit heftigen Magen- und -Darmstörungen und einem eigentümlichen Ausschlag, bei welchem die Haut -sich rötet, anschwillt und schließlich in Fetzen abgeht. Später treten -dann Nervenlähmungen und Verbiegungen der Gelenke als Folge einer -Rückenmarkserkrankung auf, desgleichen allgemeine Ernährungsstörungen, -geistige Verwirrung und schließlich geht der davon Betroffene an -Entkräftung zugrunde. Wegen dieses tückischen „Maidismus“, der -gelegentlich auch an Tieren, besonders an Pferden, beobachtet wird, ist -die Aufbewahrung der Maiskörner an einem trockenen, gut gelüfteten Orte -und die Verwendung unverdorbenen Mehles für die Ernährung des Volkes -von größter Bedeutung. - -[Illustration: Bild 11. Der Mais (~Zea mais~), bei ~a~ eine der -männlichen, am Scheitel der Pflanze befindlichen Blütenähren -vergrößert. (Nach Hegi.)] - -Für Tiere, namentlich das Federvieh, aber auch für Rinder und Schweine, -die gemästet werden sollen, gibt es kein besseres Nahrungsmittel als -den Mais, der noch mehr nährende Bestandteile als andere Getreidearten, -Weizen eingeschlossen, enthält. Es ist nur schade, daß die Keime ein Öl -enthalten, das dem Maismehl einen wenig angenehmen Geschmack verleiht. -Es kommt vor, daß selbst Pferde nach einiger Zeit einen Widerwillen -gegen Mais zeigen, namentlich wenn er ihnen als Mehl vorgesetzt wird. -Die aufgeweichten und geschroteten Körner scheinen aber den Tieren -weniger schnell zu widerstreben. - -Aber auch für den Menschen ist der Mais wegen seiner -Leichtverdaulichkeit besonders in Form des +Maizena+, eines fein -gemahlenen und entfetteten Maismehles, von größter Bedeutung und -eignet sich besonders für die Ernährung von Kindern, Schwachen und -Rekonvaleszenten. Nur für das Brotbacken ist er ungeeignet, da er -nicht aufgeht, sondern eine kompakte Masse bleibt. Wird ihm jedoch 25 -Prozent Weizenmehl hinzugesetzt, so verliert er diesen Fehler. Aus -einer solchen Mischung gebackenes Brot ist besonders in der Türkei sehr -beliebt. - -In den Vereinigten Staaten ißt man die jungen, unreifen Fruchtkolben, -geröstet oder in Salzwasser abgekocht, als schmackhaftes Gemüse, oder -die noch weichen Maiskörner werden, mit Streuzucker und Zimt oder -einem anderen Gewürz versetzt und zu Törtchen oder Kuchen verbacken, -verzehrt. Auch anderwärts werden die unreifen Früchte auf verschiedene -Weise zubereitet, auch eingemacht. Die Eingeborenen Südamerikas stellen -dagegen auf äußerst primitive Weise aus reifen Maiskörnern ein als -~chicha~ (sprich ~tschitscha~) bezeichnetes gegorenes Getränk dar, -das einst überall beliebt war, heute sich aber nur noch in Bolivien -besonderer Wertschätzung erfreut. Allerdings ist seine Bereitung wie -diejenige der Kawa der Südseeinsulaner keine für uns Europäer sehr -appetitliche, so daß man es begreift, daß mit dem Kulturfortschritt, -der auch in Südamerika seinen Einzug hält, dieses altväterliche -Getränk an Beliebtheit zusehends einbüßt. Es wird nämlich in der -Weise hergestellt, daß Frauen -- selten Männer -- die weichgekochten -Maiskörner kauen und dann in einen Behälter speien, worin der Speichel, -mit warmem Wasser verdünnt, das Stärkemehl des Mais in Dextrin und -Zucker verwandelt, deren Lösung durch die allgegenwärtigen Hefepilze -schließlich in alkoholische Gärung übergeführt wird. So war es noch -bis vor kurzem üblich, daß, wie man bei uns einem Gaste ein Glas -Limonade oder Wein vorsetzt, der Indianer dem bei ihm Einkehr -haltenden Fremdling einen Krug ~chicha mascada~, d. h. selbstgekaute -~chicha~ anbot, um ihm seine Freundschaft zu beweisen. In Mexiko wird -die ~chicha~ etwas appetitlicher aus Gerstenwasser und Maismehl unter -Zusatz von Ananasscheiben, welches man zusammen gären läßt, Zucker, -Nelken und Zimt bereitet. - -Die unreifen Maisstengel sind so reich an Zucker, daß man diesen daraus -fabrikmäßig zu gewinnen versucht hat. In Mexiko bereitet man durch -Gärung des zuckerreichen Saftes ein als ~pulque de mahiz~ bezeichnetes -berauschendes Getränk. Man entkörnt die Maiskolben von Hand, im großen -aber durch besondere Maschinen und benutzt die Spindeln als Brennstoff. -In Afrika dienen letztere wie bei uns das Klosetpapier und aus den -Körnern wird mit Vorliebe ein süßes, schwach alkoholhaltiges Bier -bereitet. Bei uns wird der Mais vielfach zu Stärkemehl und Spiritus -verarbeitet. Wenn die Körner nicht zu Mehl vermahlen und in Brei- -oder Kuchenform gegessen werden, so läßt man sie im Wasser aufquellen -und ißt sie geröstet, wobei sie aufspringen. Dermaßen behandelt und -mit Zucker bestreut, genießt man sie in Menge besonders auch in -den muhammedanischen Ländern. Die Hüllen der Fruchtkolben dienen -zum Polstern und Flechten und liefern ein wertvolles Material zur -Papierbereitung. In vielen Gegenden Amerikas dient auch ein daraus -herausgeschnittenes zartes Stück unmittelbar als Zigarettenumhüllung. -Die Malaien kochen diese Häutchen in einer Zuckerlösung und bringen sie -getrocknet als Zigarettenpapier in den Handel. - -Die Maiskultur bleibt sich überall ziemlich gleich und ist sehr -einfach, da man nach der Aussaat im wesentlichen nur dafür Sorge zu -tragen hat, daß das Unkraut nicht zu sehr überhand nimmt. Nachdem der -Boden gedüngt und tüchtig umgepflügt ist, werden in einem Abstande -von 25-40 cm Löcher in den Boden gemacht, mit je 3 bis 5 Samenkörnern -belegt und wiederum geschlossen. Der Mais wächst dann heran und bedarf -bis zur Reife 3½-4 Monate. Gegen das Ende der Vegetationsperiode bildet -sich dann oben an dem mit Zuckersaft gefüllten, nicht hohlen Stengel -ein Büschel männlicher Blüten, deren in großer Menge gebildete leichte -Pollen ausstäuben und durch den Wind auf die in den Achseln der Blätter -verborgenen, einzig ihre klebrigen Narben herausstreckenden weiblichen -Blüten übertragen werden. Nach der Befruchtung verwendet die Pflanze -allen in ihr angesammelten Zuckersaft, um die Samen mit Nährstoffen für -den Keimling zu füllen, und schließlich stirbt sie völlig ausgesogen -ab. Sie wird dann meist als Brennmaterial verwendet, wobei die so -erlangte Asche zur Düngung des Bodens dient. In den nichttropischen -Ländern, wo das Vieh nachts in die Ställe getrieben wird, benutzt -der Landmann den vertrockneten Mais auch als Streu für das Vieh. -Sonst bilden die Blätter und Halme (auch getrocknet) ein geschätztes -Viehfutter und die Scheiden der Kolben finden nach der Ernte für die -Papierfabrikation und als Zigarettenhüllen usw. vielfache Verwendung. -Man unterwirft sie auch einem einfachen Hechelprozesse und benutzt die -isolierten Fasern als Polstermaterial u. dgl. - -Infolge seines überaus kräftigen und ausgiebigen Wachstums, welches -ihn gegen äußere Einflüsse widerstandsfähig macht, wird der Mais -von relativ wenigen Schädlingen angegriffen. Am bekanntesten unter -denselben ist der Maisbrand, der aber selten eine wirklich bedrohliche -Form annimmt. Junge Maispflanzen tötet er, ältere schwächt er und regt -die von ihm befallenen Stellen des Stengels zu kropfigen Anschwellungen -an. Weniger bekannt ist die bisher nur auf Java beobachtete -Lijer-Krankheit, welche die jungen Pflanzen befällt und tötet und -wegen ihres epidemischen Charakters gefährlicher ist als die anderen -Krankheitsformen des Maises. Der Erreger dieser Krankheit ist ein -Peronospora-Pilz, dessen Sporen durch den Wind von Maisfeld zu Maisfeld -getragen werden und so rasch ausgedehnte Maiskulturen zum Absterben -bringen. Bekanntlich sind es auch Peronospora-Arten, die den von den -Landwirten so gefürchteten „falschen Mehltau“ der Reben und eine der -schlimmsten Kartoffelkrankheiten hervorrufen, wobei die von ihnen -befallenen Blätter zuerst wie Schimmel aussehende Flecken bekommen, die -sich rasch ausdehnen und das Blattgewebe zerstören, so daß die Blätter -sich bräunen. - -Auch wenn der Mais geerntet ist, sind seine Samenkörner allerlei -Schädlingen ausgesetzt. Besonders suchen sie kleine Kornwürmer -heim, die in vier Arten vorkommen und durch ihre riesige Vermehrung -ungeheuren Schaden anrichten können. Die Weibchen legen bis 6000 Eier, -von denen jedes auf ein Maiskorn geklebt wird. Nach 4-5 Tagen kriecht -daraus eine winzige Larve hervor, die sich in das Innere hineinbohrt, -um den Inhalt in etwa 14 Tagen zu verzehren. Dann puppt sie sich ein -und wird zum geflügelten Insekt, um nach der Paarung ihren Kreislauf -in derselben Weise zu vollenden. Am besten werden diese schädlichen -Insekten durch fortwährendes Umschaufeln des Maises verscheucht. In den -Schiffsräumen wird der Mais mit dem giftigen Claytongas desinfiziert, -mit welchem auch die Ratten und das andere Ungeziefer getötet werden. - -Der größte Teil des geernteten Maises wird in den Produktionsländern -selbst verbraucht. Erst in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts -begannen die Vereinigten Staaten von Nordamerika und die Republiken -Südamerikas, besonders Argentinien, ihn in zunehmendem Maße nach -Europa zu exportieren, wo er heute, obschon nahrhafter, um ein Drittel -billiger als Weizen zu haben ist. Deshalb wird vielfach das Weizenmehl -mit dem billigeren Maismehl „verfälscht“. Obschon das Maismehl zur -Hälfte aus reinem Stärkemehl besteht, eignet es sich wegen seiner -graugelben Farbe doch nicht zur Stärkefabrikation. Doch gewinnt man -aus den zum Keimen gebrachten Samen das zu etwa 20 Prozent in ihnen -enthaltene hellgelbe, nicht leicht ranzig werdende Maisöl, das nur -teilweise zur Vermengung mit den teueren Sorten von Tafelöl, der -Hauptsache nach jedoch in den Seifen- und Farbenfabriken verwendet -wird. Im vergangenen Jahr wurden nicht weniger als 160000 Hektoliter -desselben produziert. Die bei der Auspressung des Öls zurückbleibenden -Kuchen finden großen Absatz als Viehfutter. Daneben wird das -verzuckerte Stärkemehl des Maises, wenn auch bisher nur in beschränktem -Maße, zur Spiritusfabrikation verwendet, wobei als Nebenprodukt -ebenfalls etwas Maisöl gewonnen wird. - -In Argentinien nahm im vorletzten Jahre die Maiskultur gegen drei -Millionen Hektare in Anspruch und die Ernte wurde auf 3500 Millionen -kg geschätzt, während die Weizenernte 4500 Millionen kg betrug. In -Nordamerika macht die Maisernte nicht weniger als 75000 Millionen kg -aus. Die mit Mais bebaute Fläche beträgt in den Vereinigten Staaten -nicht weniger als 40 Millionen Hektar gegen 18 Millionen Hektar Weizen -und 74 Millionen Hektar gesamtes Getreideland. Der Hauptsitz der -Maiskultur, die natürlich im großen mit Maschinen der verschiedensten -Art betrieben wird, liegt in dem flachen, fruchtbaren Staate Kansas, -das von zahlreichen, in den Mississippi mündenden Flüssen und von -verschiedenen miteinander konkurrierenden Eisenbahnen durchzogen -wird. Dadurch besitzt jener Staat billige Transportwege nach der als -Hauptstapelplatz dafür dienenden Hafenstadt New Orleans. - -Wie in Spanien, Italien, Griechenland und den Balkanstaaten bildet auch -in zahlreichen Gegenden Afrikas der Mais eines der Hauptnahrungsmittel -der Eingeborenen. In den deutschen Kolonien wird er nur in Togo -und Ostafrika seit längerem angebaut. Togo führte im Jahre 1907 20 -Millionen kg im Werte von 1199000 Mark aus, während Ostafrika nur -für 21000 Mark exportierte. In der Regel wird er hier überall zweimal -geerntet. Nach Kamerun, Südwestafrika und den Südseeinseln ist er erst -in neuerer Zeit gelangt, doch bürgert er sich auch hier schon ein. Die -Regierung sucht möglichst solche Spielarten einzuführen, die sich dem -Klima und Boden anpassen und sichere Ernten liefern. - -Seinen Hauptbedarf an Mais bezieht Deutschland heute aus Nordamerika, -nämlich für 50397000 Mark, sodann aus Argentinien für 22951000 Mark. -Die gesamte Maiseinfuhr Deutschlands im Jahre 1906 hatte einen Wert von -112,7 Millionen Mark. - - - - -IV. - -Die Fruchtbäume. - - -Erster Teil. - - -Noch viel mehr als die Getreidearten, die verhältnismäßig rasch ihre -Vegetationsperiode vollenden und nach der Ernte den Menschen wieder -frei geben, binden ihn die Obstbäume an die Scholle. Diese wachsen -langsam und müssen lange gezogen, getränkt und vor Beschädigungen -durch den Sturm und Angriffe wilder Tiere beschützt werden, bis sie -- -dann aber auch jährlich ganze Menschenalter hindurch -- eßbare Früchte -liefern. Deshalb vermochte der vorgeschichtliche Mensch erst nachdem er -sein unstetes Leben ganz aufgegeben und für mehr oder weniger dauernd -festen Wohnsitz bezogen hatte, auch die für ihn wahrscheinlich die -älteste Nahrung spendenden Fruchtbäume in Kulturpflege zu nehmen und -ihre Früchte nach und nach durch zielbewußte Auslese der besten Sorten -zur Nachzucht zu vervollkommnen. - -Schon die Mitteleuropäer der jüngeren Steinzeit hatten außer -verschiedenen Getreidearten wenigstens eine Art von Obstbäumen in -Kulturpflege. Es waren dies +Apfel+bäume (~Pirus malus~), deren kleine, -fast nur aus Kerngehäuse mit wenig, wohl noch recht säuerlichem -Fruchtfleisch bestehenden Früchte sich verkohlt in den Überresten der -meist durch Brand untergegangenen Pfahldörfer am Rand der Schweizer -Seen vorfanden. Dank der konservierenden Moorerde, in der sie 5000 -Jahre und mehr lagen, sind sie noch so vorzüglich erhalten, daß wir -über diese älteste bei uns kultivierte Obstsorte recht gut unterrichtet -sind. Es war ein überaus kleinfrüchtiger, noch sehr wenig durch -Domestikation verbesserter Apfel, der neben dem Holzapfel des Waldes -in ziemlichen Mengen geerntet wurde und mit den Haselnüssen und den -Getreidearten als Vorrat für den Winter diente. Seltener ganz, meist -halbiert müssen die Früchte an der Sonne gedörrt worden sein, um sie -als willkommene Zukost zum Brot zu genießen. - -Dieser noch kaum durch Kultur veredelte kleine Apfel der neolithischen -Pfahlbauten war aber nicht etwa ein Abkömmling unseres wilden, -sogenannten Holzapfels, der sich durch völlige Kahlheit der Blätter -von allen Kulturformen unterscheidet, sondern gleichfalls wie die -übrigen Kulturgüter jener Menschen ein Import aus Westasien. Und zwar -scheinen vorzugsweise zwei Arten von Wildlingen durch Zuchtwahl und -Kreuzung zur Bildung der ältest nachweisbaren Äpfelsorten beigetragen -zu haben, nämlich einerseits der Strauchapfel (~Pirus pumila~) dem -man noch häufig im Kaukasus und den südlichen Altaigebirgen wild -wachsend begegnet, und andererseits eine Form aus Vorderasien, die -auch noch in Kleinasien vorkommt, der filzigblätterige Apfel (~Pirus -dasyphylla~). Dieser letztere gilt speziell als die Stammpflanze -unserer Reinetten. Als weitere wichtige Stammeltern unserer heute zu so -ansehnlicher Größe gediehenen und mit vorzüglichem, süßem bis saurem -Fruchtfleisch versehen, auch wegen ihrer Haltbarkeit sehr geschätzten -Speiseäpfel kommen noch der glattblätterige Apfel (~Pirus silvestris~) -aus Westasien und der pflaumenblätterige Apfel (~Pirus prunifolia~) -aus Mittelasien in Betracht. Letzterer, der in Nordchina, Südsibirien -und der Tatarei seine Heimat hat und durch seine gelben bis blutroten -Früchte ausgezeichnet ist, gilt als Stammform des Astrachaner Apfels -und des russischen Eisapfels. - -Der Kulturapfel, von dem heute über 600 verschiedene Arten bekannt -sind, bildet in seiner ältesten Heimat Westasien gelegentlich kleine -Wälder. Diese erstrecken sich nördlich von Kleinasien bis nach -Zentralasien hinein. Er gedeiht nur in einem mäßig warmen Klima und -konnte deshalb nicht allzuweit südlich vordringen. In kühleren Lagen -Syriens gedeiht er noch, aber kaum mehr in Ägypten. So hat er im Lande -der Pharaonen keinerlei Rolle gespielt und findet sich nirgends unter -den Obstarten abgebildet, auch haben sich keinerlei Überreste von -ihm in Gräbern gefunden. In den Hieroglyphentexten kommt nun einige -Male das Wort ~dappich~ für eine Frucht vor, die man nur als Apfel -deuten kann, um so mehr als der Apfel im Hebräischen ~tappuch~ und im -Arabischen ~taffach~ heißt. Nun muß der Apfelbaum zur Zeit der 19. -Dynastie (1350-1205 v. Chr.), also im neuen Reiche von Syrien her nach -Ägypten eingeführt worden sein; denn Tempelinschriften in Theben tun -uns kund, daß König Ramses II. (1292-1225), dessen wohlerhaltene -Mumie sich im Museum von Bulak bei Kairo befindet, Apfelbäume in -seinen Gärten im Delta pflanzen ließ. Und noch von Ramses III. der -20. Dynastie (1198-1167 v. Chr.) erfahren wir, daß er den Priestern -des großen Ammontempels in Theben nicht weniger als 848 Körbe voll -Äpfel als Opfergabe überreichen ließ. Aber was die königlichen Gärtner -zustande brachten, das konnte nicht dem gemeinen Volke gelingen. Und so -blieb der Apfelbaum dem ägyptischen Volke bis auf den heutigen Tag ein -Fremdling, da er dort infolge der andauernden übergroßen Wärme keine -Früchte mehr zeitigt. - -Aus denselben Gründen ist der Apfelbaum auch den Bewohnern Palästinas -mehr oder weniger fremd geblieben. Auch dort scheint er früher, so -lange das Klima infolge der reicheren Bewaldung kühler war, in den -höheren Lagen gut gediehen und auch Frucht getragen zu haben, wie wir -verschiedenen Stellen des Alten Testaments entnehmen können. Aber mit -dem Wärmer- und Trockenerwerden des Klimas war sein Schicksal in diesem -Lande besiegelt. Dagegen sagten ihm die klimatischen Verhältnisse -des gebirgigen Armenien und Kleinasien gut zu und so gedieh er hier -vortrefflich und verbreitete sich über das ganze Land. Von Kleinasien -her gelangte er schon gegen das Ende des vorletzten Jahrtausends -v. Chr. nach Griechenland, wo er ziemlich viel kultiviert wurde. Nicht -bloß in den homerischen Epen wird er erwähnt, sondern seine als -~mḗlon~ bezeichnete Frucht spielt auch im Mythos eine gewisse Rolle. -So galt der aus dem Orient -- angeblich Indien -- über Kleinasien -nach Griechenland gekommene Gott des Natursegens, Dionysos, wie als -Schöpfer des Weinstocks, so auch als derjenige des Apfelbaums, den -er der Liebesgöttin Aphrodite schenkte. Dadurch wurde der Apfel zum -Sinnbilde der Liebe. Aphrodite ihrerseits schenkte drei goldene Äpfel -dem Hippomenes, mit denen dieser die schnellfüßige Atalante zum -Weibe gewann. Eris aber erregte durch den goldenen Apfel, den sie -an der Hochzeit des Peleus und der Thetis unter die Gäste warf, die -Eifersucht der drei ersten Göttinnen, woher der Ausdruck Erisapfel im -Sinne von Zankapfel stammt. Eine ähnliche Rolle spielte der Apfel in -der bekannten Geschichte, in welcher Paris, der Sohn des trojanischen -Königs Priamos, unter denselben drei Göttinnen die Wahl zu treffen -hatte und ihn als Siegespreis der Schönsten derselben, Aphrodite, -darbot. Die goldenen Äpfel der Hesperiden aber hatte Gäa, die Mutter -Erde, der Hera bei der Vermählung derselben mit Zeus als Symbol der -Fruchtbarkeit geschenkt. Herakles holte sie im Lande der Hyperboräer, -wo sie von drei der Hesperiden und vom hundertköpfigen Drachen Ladon -bewacht wurden. - -Eine noch weitere Verbreitung als bei den Griechen fand die Kultur -des Apfelbaums bei den Römern, die die Frucht in Anlehnung an das -griechische ~mḗlon malum~ nannten. Schon der ältere Cato (234-149 -v. Chr.) meldet uns in seiner Schrift über den Landbau, daß die -Apfelbäume in Pflanzschulen gesät und später gepfropft würden. Um die -Mitte des ersten christlichen Jahrhunderts sagt der ältere Plinius -in seiner Naturgeschichte: „Es gibt sehr viele Sorten Äpfel, die man -alle mit verschiedenen Namen bezeichnet, und manche haben den Mann, -der sie erzeugte, andere ihre Heimat berühmt gemacht. Die sogenannten -appianischen Äpfel hat ein Mann namens Appius, aus der Familie des -Appius Claudius (der 312 v. Chr. Zensor war und die berühmte, von Rom -nach Capua führende, später bis Brundisium, dem heutigen Brindisi, -verlängerte, nach ihm benannte Straße anlegte) dadurch erzeugt, daß er -Äpfel auf Quittenstämme pfropfte. Sie haben den Geruch der Quitten. -Es gibt auch Äpfel, die blutrot sind, was davon herrührt, daß sie auf -einen Maulbeerstamm gepfropft wurden. (Natürlich sind diese Erklärungen -falsch.) Im allgemeinen röten sich die Äpfel auf der Sonnenseite. Aus -allen Apfelsorten bereitet man Wein. Die wilden Äpfel haben einen -sauern Geschmack und jeder saure Apfel ist imstande, durch seine Säure -die Schärfe eines Schwertes stumpf zu machen.“ - -Auch sein Zeitgenosse, der aus Spanien nach Rom gekommene -Ackerbauschriftsteller Columella sagt: „Es gibt sehr verschiedene -Sorten Äpfel; sie schmecken gut und befördern die Gesundheit.“ Und -der aus Pergamon gebürtige griechische Arzt Claudios Galenos (131-200 -n. Chr.) meint: „Unreife Äpfel sind zwar durchaus schädlich, reife -dagegen roh, gebraten und gekocht sehr gesund.“ Sie wurden gerne als -Wintervorrat aufbewahrt. Wie man dies zu tun habe, darüber schreibt -der überaus gelehrte und fruchtbare römische Schriftsteller Marcus -Terentius Varro (116-27 v. Chr.) in seiner Schrift über den Landbau: -„Die dauerhaften Apfelsorten wie beide Quittensorten (die Birnen- und -Apfelquitten) müssen an einem trockenen, kühlen Orte auf Spreu liegend -aufbewahrt werden. Beim Bau der Obstkammer (~oporotheca~, von den -Griechen entlehnt) muß von vornherein dafür besorgt sein, daß ihre -Fenster nach Norden stehen und daß der (kühle) Nordwind Einlaß habe; -jedoch müssen die Fenster für gewöhnlich mit Läden geschlossen sein, -weil allzuviel Wind das Obst austrocknet und welk macht. Man gibt auch -der Decke, den Wänden, dem Boden einen marmorartigen Überzug (von -Stuck), damit sie desto kühler sind. Manche richten die Obstkammer -so ein, daß sie darin speisen, und sich dabei an der Pracht der dort -lagernden Früchte ergötzen können. Es gibt freilich Leute in Rom, -die das Obst kaufen, statt es selbst zu ziehen, und schmücken damit -ihre Obstkammer; das sollte man nicht nachahmen. Die Äpfel legt man in -der Obstkammer auf Bretter oder auf Stroh oder auf Wollflocken, die -Granatäpfel in Fässer, die mit Sand gefüllt sind, die Quitten werden -schwebend aufgehängt, Birnen werden in (durch Kochen) eingedickten -Weinmost gelegt; Spierlingsfrüchte (+sorbum+ von ~Sorbus domestica~) -und Birnen werden auch zerschnitten und an der Sonne getrocknet, die -ersteren halten sich auch an jedem trockenen Orte lange frisch. Rüben -werden in Senf, Walnüsse in Sand gelegt.“ - -Der ältere Cato (234-149 v. Chr.) verlangt von der Wirtschafterin, -die das Hauswesen im Landhause (~villa~) besorgt und für alle -Bewohner derselben kocht, sie müsse viele Hühner und Eier im Vorrat -halten. „Ferner muß sie getrocknete Birnen, Spierlingsfrüchte, -Feigen, getrocknete Weinbeeren, in eingedicktem Most liegende -Spierlingsfrüchte, auch Birnen und Trauben in Fässern, ebenso Quitten -vorrätig haben. Sie muß Trauben haben, die in Weinmost, in Krügen und -in der Erde aufbewahrt werden. Außerdem muß sie frische pränestische -Nüsse im Krug unter der Erde, scantianische Äpfel in Fässern und -andere Obstarten, die man aufzubewahren pflegt, auch wilde, haben.“ -Außerdem verlangt er von ihr, sie müsse die Kunst Mehl und Schrot, die -damals noch von jeder Haushaltung selbst hergestellt wurden, zu machen -verstehen, dürfe keine Schwätzerin sein und sich mit den Nachbarinnen -umhertreiben, auch ohne Befehl des Hausherrn oder der Hausfrau nicht -opfern, solle reinlich sein und auch die Villa rein halten, täglich, -bevor sie zu Bett gehe, den Herd reinigen, an Festen den Herd bekränzen -und an diesen Tagen dem Hausgotte opfern. - -Von den in der späteren Kaiserzeit unterschiedenen 29 Äpfelsorten -gediehen die berühmtesten bei der Stadt Abella in Kampanien, die -jedenfalls hier eine sehr alte, schon von den Kelten betriebene -Äpfelkultur besaß; denn ihren Namen wird sie von der keltischen -Bezeichnung ~aball~ für Äpfel erhalten haben. Der römische -Ackerbauschriftsteller Palladius im 4. Jahrhundert n. Chr. sagt von den -Apfelbäumen: „Es gibt deren viele Sorten, und es wäre zu weitläufig, -sie aufzuzählen. Sie lieben einen kräftigen, fetten Boden, der nicht -durch Bewässerung, sondern von Natur feucht ist; besteht er aber aus -trockenem Sand oder Ton, so tut die Bewässerung gut. An kalten Orten -setzt man sie auf die Südseite der Berge. Man braucht die Erde um sie -weder durch Ackern, noch durch Graben aufzulockern; daher passen sie -gut auf Wiesen. Mist verlangen sie zwar nicht, nehmen ihn aber gerne -an, auch kann er mit Asche gemischt sein. Beim Beschneiden nimmt man -am besten nur was trocken oder falsch gewachsen ist weg. Der Apfelbaum -dauert nicht so viele Jahre wie der Birnbaum. Läßt er seine Äpfel vor -der Zeit der Reife fallen, so spaltet man eine Wurzel und keilt einen -Stein in den Spalt (natürlich ist dies Unsinn). Hängen die Äpfel in -zu großer Zahl am Baum, so nimmt man die schlechtesten weg (damit -sich die anderen umso schöner entwickeln). Die Zeit der Veredlung ist -der Februar und März. Apfelreiser gedeihen auf Apfel- und Birnbäumen, -Weißdorn, Pflaume, Spierling, Pfirsich, Platane, Pappel, Weide. -- Die -Äpfel, welche aufbewahrt werden sollen, müssen sorgfältig ausgelesen -werden. Man legt sie an einem dunkeln, windfreien Orte in abgesonderten -Haufen auf Stroh und teilt die Haufen oft. Manche schließen sie auch -in ausgepichte große Tonkrüge, deren Deckel mit Gips verstrichen wird, -oder hüllen sie in Ton oder bestreichen nur die Stiele mit Ton, oder -legen sie auf Hürden, die mit Spreu belegt sind, oder decken sie von -oben mit Stroh. Die sogenannten Kugeläpfel kann man ohne weiteres -ein ganzes Jahr aufbewahren. Manche Leute senken auch die in gut -ausgepichten und verpichten Gefäßen befindlichen Äpfel unter Wasser. -Andere nehmen die Äpfel einzeln vom Baum, tauchen ihre Stiele in -siedendes Pech, legen sie reihenweise auf die Gestelle und decken sie -mit Nußblättern. Viele legen sie zwischen Sägespäne von Pappel- oder -Tannenholz. Es ist bekannt, daß man die Äpfel so legen muß, daß der -Stiel unten ist, und daß man sie nicht eher anrühren darf, als bis man -sie braucht. Auch Wein und Essig wird aus Äpfeln wie Birnen gemacht.“ - -Die von ihnen in Italien angepflanzten besseren Äpfelsorten brachten -die Römer mit den übrigen von ihnen verbreiteten Obstsorten auch -über die Alpen nach Gallien und Germanien. Hier gab es zwar bereits -kultivierte Äpfel, aber doch noch nicht so feine Arten, wie sie die -Römer aus Italien mitbrachten, auch kannte man noch nicht die von jenen -geübten Methoden der Veredelung des Obstes durch Pfropfen. In allen -von den Römern beeinflußten romanischen und germanischen Sprachen -führen sowohl die Obstarten als auch die Ausdrücke für ihre Veredelung -(wie impfen, aus dem lateinischen ~impu(t)are~) ausnahmslos Namen, -die aus dem Lateinischen entlehnt sind. Nur +ein+ Obstname, nämlich -derjenige des Apfels, ist in den Sprachen Mitteleuropas nicht aus dem -Lateinischen entlehnt, sondern altes Erbgut der hier ansässigen Stämme. -Er lautet althochdeutsch ~apful~, nordisch ~appel~, urkeltisch ~aball~, -altslawisch ~jabluko~. Es ist deshalb anzunehmen, daß der Apfel, die -einzige Obstart, für die sich beim Eindringen der römischen Obstkultur -in den ersten Jahrhunderten nach Christus der altangestammte Name -in Germanien behauptete, hier schon in einer seit der Pfahlbauzeit -erhalten gebliebenen kultivierten, wenn auch minderwertigen Art -bekannt war, die sich allerdings ganz wesentlich vom römischen Apfel -unterschied. Er spielte in der Mythologie der alten Deutschen eine -nicht unbedeutende Rolle, indem er nach altgermanischer Vorstellung -als Symbol der Mutterbrust und der nährenden Liebe galt. In der -nordischen Mythologie sind Äpfel die Speise der Asen, des mächtigsten -Göttergeschlechts, das von den Riesen seinen Ursprung nahm. Iduna war -ihre Bewahrerin und sie besaßen die Kraft, den zu verjüngen, der sie aß. - -Überall da, wo nun die Römer nördlich der Alpen ihre Militärstationen -gründeten und Märkte anlegten, machten sie bald auch Versuche mit -der Anpflanzung südlicher Obstsorten, die ihnen für ihre gewohnte -bessere Lebensführung unentbehrlich waren. So wissen wir aus der -Naturgeschichte des älteren Plinius (23-79 n. Chr.), daß die Belgier -schon zu seiner Zeit eine besondere kernlose Art von Äpfeln zogen. -Im 6. Jahrhundert bedankt sich der romanisierte Franke Venantius -Fortunatus bei seinem Freunde und Landsmann Gregor von Tours -(eigentlich Georgius Florentius geheißen, um 540 in Clermont-Ferrand -geboren, von 573-594 Bischof von Tours) in einem uns erhaltenen -poetischen Billett für Äpfel und Apfelpfropfreiser, die dieser -ihm gesandt hatte. In Karls des Großen ~Capitulare de villis vel -curtis imperii~, d. h. seinen Verordnungen über die Einrichtung und -Bewirtschaftung der königlichen Domänen aus dem Jahre 812, durch die er -auf sein Volk vorbildlich wirken wollte und die für uns das wichtigste -Dokument der frühmittelalterlichen Garten- und Obstkultur sind, werden -frühe und späte, säuerliche und süße Sorten, auch Daueräpfel unter -den damals gebräuchlichen Bezeichnungen wie Gosmaringer, Geroldinger, -Crevedeller und Sperauker genannt. Diese Bezeichnungen stammen meist -von Orten Süddeutschlands, wo innerhalb des Dekumatenlandes sehr früh -die von den Römern eingeführte Apfelkultur in Blüte kam und wertvolle, -aus dem Süden stammende, Sorten kultiviert wurden. - -Ein ausgedehnter Raum sollte in den Meierhöfen zum Aufbewahren von -Obstsorten verschiedenster Art, besonders von Äpfeln, eingerichtet -sein. Als ein Obstgarten erscheint in der altsächsischen Dichtung -vom Heliand der Garten Getsemane. In ihm, den man sich möglichst -ungepflegt als einen mit Obstbäumen bestandenen Rasenplatz vorzustellen -hat, gab die Bauerndirne ihrem Geliebten ein Stelldichein und -fanden bei festlichen Anlässen die Lustbarkeiten statt. Den in ihm -befindlichen Obstbäumen wurde meist nur geringe oder gar keine Pflege -zuteil. Vorbildlich in der Obstkultur gingen vor allem die Klöster den -Bauern mit gutem Beispiel voran; denn im frühen Mittelalter waren sie -ganz besonders die Heger und Pfleger der von den Römern übernommenen -Kulturgüter, und wenn die Mönche auf ihren stetigen Wanderungen eine -neue Sorte entdeckten, so brachten sie dieselbe mit in ihr Kloster. -Und aus dem Klostergarten gelangten später Pfropfreiser davon in die -Gärten der benachbarten Dörfer. So berichtet uns der Geschichtschreiber -des Klosters Morimund, daß die Brüder, die auszogen, um eine neue -Kolonie zu gründen, Samen und Pflänzlinge von allen Sorten für den -Garten des neu zu gründenden Klosters mitnahmen. Die Mönche, welche -nach Altenkampen im Kölnischen gingen, nahmen die graue Reinette mit, -welche im Bassigny um Morimund häufig war. Von Altenkampen verpflanzten -sie andere Mönche desselben Ordens nach Walkenried, von dort nach -Pforte, von Pforte nach Leubus in Schlesien, von wo sie sich durch ganz -Schlesien verbreitete. So ist auch der Borsdorfer Apfel ein Produkt der -Cistersiensermönche von Pforte, den sie mit südländischen Pfropfreisern -auf dem für Obst- und Weinpflanzungen besonders geeigneten Ackerhofe -zu Borsendorf bei Dornburg an der Saale gezogen hatten. In demselben -Pforte wird zuerst im Jahre 1271 ein Obstgärtner als ~magister pomi~ -erwähnt. So verbreiteten sich durch die segensreiche Kulturtätigkeit -dieser Mönche diese edleren Obstsorten, die sie auch auf die Wildstämme -der umliegenden Bauernhöfe pfropften. Bald drang so statt der wilden -Kirschen, sauren Holzäpfel und Schlehen wohlschmeckendes Obst als -weitergeleitetes altes Erbe des römischen Kulturvolkes auch in die -entlegensten Gaue Germaniens vor. - -Was seither die vorzugsweise von Laien fortgeführte Veredelung aus -dieser westasiatischen Obstart gemacht hat, ist genugsam bekannt, so -daß wir nicht näher darauf einzugehen brauchen. Es genüge, hier zu -bemerken, daß nicht nur in ganz Europa, sondern auch in Nordamerika, -besonders Kalifornien, die Apfelkultur sich zu ganz außerordentlicher -Blüte entfaltet hat, so daß in einem Jahre schon über eine Milliarde -Kilogramm frischen Obstes von dort allein nach England eingeführt -wurde. Auch getrocknet, mit Zucker als Kompott oder zu Mus eingekocht -gelangen die Äpfel heute überall in den Handel, und aus ihnen wird -auch an vielen Orten ein angenehm säuerlicher, schwach alkoholhaltiger -Trank als sogenannter Äpfelwein hergestellt. - -Fast ebenso viele Formen wie von den Kulturäpfeln gibt es von den -kultivierten +Birnen+ (~Pirus communis~), deren Stammeltern ebenfalls -aus Westasien zu uns gelangten. Besonders waren es die orientalische -herzblätterige Birne (~Pirus cordata~) und die persische Birne (~Pirus -persica~), die miteinander und später auch mit unserer einheimischen -Holzbirne gekreuzt wurden und zu zahlreichen Varietäten Anlaß gaben. -Daher kommt es denn auch, daß weder die Äpfel- noch die Birnensorten -samenbeständig sind. Durch die Aussaat entstehen fast stets nur Bäume -mit ganz minderwertigen Früchten. Um nun die gewünschten edlen Früchte -zu erhalten, muß der Wildling veredelt werden, d. h. man schneidet -den oberen Teil desselben ab und schiebt in die Wundfläche zwischen -Rinde und Holz einen Zweig der guten Sorte, ein „Edelreis“. Nachdem -die betreffende Wundstelle gut verbunden und durch Aufstreichen von -Baumwachs luftdicht abgeschlossen ist, verwächst der Wildling mit -dem Edelreis; jener übernimmt die Ernährung des letzteren, das nun -austreibt und eine neue Krone bildet. - -[Illustration: - - Tafel 15. - -Längsspalier von Birnbäumen auf einer der Obstpflanzungen der -Konservenfabrik Lenzburg (Schweiz).] - -[Illustration: - - Tafel 16. - -Kreuzspalier von Birnbäumen auf einer der Obstpflanzungen der -Konservenfabrik Lenzburg (Schweiz).] - -Die Kultur der Birne ist wie diejenige des Apfels schon aus -klimatischen Gründen Syrien und Ägypten fremd, dagegen in Persien und -Armenien eine uralte. Über Kleinasien gelangte sie schon ebensofrüh -als diejenige des Apfels nach Griechenland, wo die Birne bei Homer -~ónchnē~, vom großen Pflanzenkundigen Theophrast daneben auch ~ápios~ -und bei den Griechen später ausschließlich ~ápios~ genannt wurde. -Außer der Insel Thasos war besonders auch der Peloponnes durch den -Reichtum an Birnen bekannt. Ja, nach der Angabe des um 200 n. Chr. -in Alexandrien lebenden Athenaios führte diese Halbinsel aus diesem -Grunde auch den Beinamen Apia, d. h. Birnenland. Nach Italien müssen -nach dem Funde des bronzezeitlichen Pfahlbaus von Baradello schon die -aus dem Norden des Balkans dahin wandernden Stämme des vorletzten -Jahrtausends v. Chr. den Birnbaum gebracht haben. In der Folge nahm -sein Anbau in Italien, wo die Birne ~pirum~ genannt wurde, immer -größere Ausdehnung an. In seiner Schrift über den Landbau sagt der -ältere Cato (234-149 v. Chr.): „Es gibt eine Menge Birnensorten, so -die volemische, anicianische, sementivische, tarentinische (von den -Griechen aus Tarent übernommen), Most- und Kürbisbirne und andere. Sie -werden gepflanzt und gepfropft.“ 200 Jahre später schreibt Plinius -in seiner Naturgeschichte: „Es gibt eine sehr große Menge von -Birnensorten. Roh sind sie sämtlich selbst für ganz gesunde Leute -schwer verdaulich und werden daher Kranken verboten. Auch die Waldbirne -wird getrocknet, um sie als Arznei zu gebrauchen.“ Sein Zeitgenosse, -der griechische Arzt Dioskurides, meint: „Alle Birnen (~ápios~), und -es gibt deren viele Sorten, haben zusammenziehende Kräfte. Verzehrt -man rohe Birnen nüchtern, so schaden sie leicht. Aus Birnen macht -man Birnenwein, wie man auch welchen aus Quitten, Spierlingen und -Johannisbrot macht. Alle diese Weine haben etwas Zusammenziehendes und -sind gesund.“ Nach dem ebenfalls um die Mitte des 1. Jahrhunderts -n. Chr. lebenden, aus Spanien nach Rom gekommenen Ackerbauschriftsteller -Columella wurden aus noch nicht ganz reifen Birnen und Äpfeln an der -Sonne gedörrte Schnitze hergestellt, die nebst getrockneten Feigen -einen sehr wichtigen Teil der Nahrung der ländlichen Bevölkerung -bildeten. Zur Mostgewinnung pflanzte man besondere Mostbirnen, und -feinere Birnen wurden in eingekochtem Most konserviert. Palladius im -4. Jahrhundert rät, die Birnbäume 30 Fuß auseinanderzusetzen, die Erde -aufzulockern und feucht zu halten, auch einmal jährlich zu düngen. -„Zweckmäßiger als aus Samen ist es, sie durch Pfropfen von Wildstämmen -zu gewinnen, und zwar pfropft man sie auf wilde Birnbäume, Apfelbäume -und, wie einige angeben, auch auf Mandel- und Granatbäume, Quitten und -Eschen (griechische Schriftsteller fügen dieser Liste die Maulbeerbäume -hinzu und sagen, daß die darauf gewachsenen Birnen rot werden). Will -man Birnen lange aufbewahren, so sucht man mit der Hand gepflückte, -ganz unbeschädigte, noch nicht völlig reife aus, tut sie in ein -ausgepichtes Gefäß, befestigt darauf den Deckel ganz dicht, legt es so -um, daß der Deckel nach unten kommt und vergräbt es an einer Stelle, um -die jahraus, jahrein Wasser fließt. Man hebt auch Birnen in Spreu und -Getreide auf.“ - -Neben der als ~ápios~ bezeichneten Kulturbirne wurden von den -Griechen die als ~áchras~ bezeichneten wilden Birnen gelegentlich -noch gesammelt und gegessen. In der Urzeit muß dies eine regelmäßige -Nahrung der Griechenstämme gewesen sein, wie das uralte Fest der -Achraden bei den Argivern beweist, und wie das aus dem Holz des wilden -Birnbaums geschnitzte Herabild zu Tiryns auf den wilden Birnbaum -als ersten Nährbaum der Tiryntier hinweist. Je weiter wir in der -Menschheitsgeschichte zurückgehen, desto ausschließlicher finden wir -den wilden Birnbaum mit seinen herben, wenig zum Genusse verlockenden -Früchten als Nahrungsspender. So wurden zur jüngeren Steinzeit, wie -uns die Funde in den Kulturschichten der Pfahlbaustationen von Wangen -und Robenhausen in der Schweiz beweisen, neben wilden Äpfeln auch wilde -Birnen gesammelt und, in Schnitze geschnitten und an der Sonne gedörrt, -als Wintervorrat aufgehoben. Die saftige Kulturbirne aber fehlte bis -ins erste Jahrhundert unserer Zeitrechnung in Mitteleuropa durchaus. -Sie gelangte im Gegensatz zum Apfel, der sich hier bereits seit dem -Ende des dritten vorchristlichen Jahrtausends kultiviert vorfand, erst -durch die Römer der Kaiserzeit in die Länder nördlich der Alpen. Zwar -wurden Samenkerne dieser Obstarten nicht im Wegwurf der römischen -Militärstationen gefunden, was bei der Kleinheit und Vergänglichkeit -derselben einigermaßen begreiflich ist. Wohl aber fanden sich die viel -größeren und sehr harten Steinkerne der bald zu besprechenden Pflaumen, -Mirabellen, Kirschpflaumen, Süß- und Sauerkirschen, Pfirsiche und -Aprikosen und die Schalen der Walnüsse und großen Haselnüsse, nicht -bloß in den ausgemauerten, sondern vornehmlich in den zahlreichen -mit Holz ausgekleideten Schachtbrunnen der Saalburg bei Homburg, die -nachweislich schon von den Römern selbst im 2. Jahrhundert n. Chr. -durch ausgemauerte Brunnen ersetzt und zugeschüttet wurden. Hier lagen -sie in einer Schlammschicht 5-10 m unter der Oberfläche. Daß sie etwa -erst in späteren Jahrhunderten in die Brunnen geworfen sein könnten, -ist unter diesen Umständen völlig ausgeschlossen, ganz abgesehen davon, -daß das Kastell unter Gallienus (260-268 n. Chr.) definitiv an die -Germanen verloren und von jenen eingeäschert und zerstört wurde und -seither keine menschliche Niederlassung mehr hier vorhanden war. Erst -einige Jahrhunderte später ist dann die Kulturbirne von den Germanen in -Pflege genommen worden, worauf die Bildung von althochdeutsch ~pira~, -später ~bira~ aus dem lateinischen ~pirum~ deutet. - -In dem aus dem Jahre 812 datierenden Verzeichnis der auf den Gütern -Karls des Großen zu haltenden Obstbäume figurieren neben den ~pomarii~, -den Apfelbäumen, auch die ~pirarii~, von denen ebenfalls mehrere -Sorten erwähnt werden, so süßere, frühreife und spätreife. Und der im -Jahre 849 verstorbene fränkische Mönch Walahfrid Strabo, ein großer -Gartenfreund, der es trotz seiner edlen Abkunft nicht verschmähte, -durch tüchtiges Zugreifen, wie er selbst sagt, sich die Hände schwielig -zu machen und zu bräunen, hat in einem lateinischen Gedichte „über -die Pflege der Gärten“ beschrieben, wie er in seinem Garten im Juli -Pfirsiche und im August Feigen, Pflaumen, Nüsse und große volemische -Birnen pflücke, von denen eine die ganze Hand ausfüllt. Zu den von -den Römern übernommenen Birnensorten sind dann durch die Bemühungen -der Klöster und später auch der Laien zahlreiche neue hinzugekommen. -So zählt Valerius Cordus in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts -mehr als 50 in Mitteldeutschland kultivierte Sorten auf, die sich -inzwischen, besonders durch die Bemühungen belgischer Obstzüchter, ganz -wesentlich vermehrt haben. - -Vom Obstbau der alten Kulturvölker haben wir nur eine geringe Kenntnis, -da ihre Schriftsteller von solch allgemein bekannten Dingen keine -Aufzeichnungen hinterließen. In Ägypten und Babylonien hat das Kernobst -keinerlei Rolle gespielt, wohl aber in dem durch seine Höhenlage -kühleren Persien, in welchem Lande schon zu den Zeiten des älteren -Kyros (um 550 v. Chr.) die Straßen, welche von der Hauptstadt nach -den Provinzen führten, mit Obstbäumen als nützlichen Schattenspendern -bepflanzt waren. Schon damals hatten die persischen Großkönige die -Gepflogenheit, bei feierlichen Anlässen Obstbäume mit eigener Hand zu -pflanzen, -- beides Sitten, die sich bis auf unsere Zeit erhalten haben. - -Schon sehr frühe drang der Obstbau aus Vorderasien über Kleinasien -zu den Griechen und später zu den Römern, die sich seiner mit Liebe -annahmen. Schon bei Homer finden wir die zwischen den Krautgärten -gelegenen Obstgärten der Vornehmen erwähnt, die in der Regel von -älteren Familienangehörigen besorgt wurden. So finden wir in der -Odyssee die Obhut der Obstbäume vorzugsweise Greisen anvertraut, die -niedergebückt im Garten pflanzten, gruben und beschnitten. So hat sich -auch der greise Laertes, Odysseus Vater, in seine Gärten zurückgezogen, -und sein Genosse hierin war der gealterte Sklave Dolios, den einst -Penelope von ihres Vaters Hause in dasjenige ihres Gatten Odysseus mit -hinübergebracht hatte. - -Der Baumgarten des Altertums war wie der Rebberg durch eine Mauer, -einen Graben oder einen Zaun, später auch durch eine lebende Hecke als -Privateigentum abgegrenzt. Wer nun diese Grenze nicht respektierte, -machte sich eines frevelhaften Einbruchs in fremdes Eigentum schuldig. -Wie schwer solche Vergehen bisweilen geahndet wurden, beweist uns -die von dem griechischen Geschichtsschreiber Apollodoros berichtete -Episode des Herrschers von Kalydon auf Kreta Oineus (d. h. Winzer), der -seinen eigenen Sohn Toxeus (d. h. den Schützen) tötete, weil dieser es -frevelhaft gewagt hatte, den Graben, der seinen Weinberg umschloß, zu -überspringen. - -Nach der Schilderung in der Odyssee trug Laertes bei seinen Arbeiten im -Obstgarten zum Schutz seiner Beine vor Beschädigungen durch die Dornen -ein Paar alter Beinschienen aus Leder und dazu einen geflickten Rock. -Der Garten war von einer Dornenhecke umgeben und enthielt wohlgepflegte -Apfel-, Birn-, Feigen- und Ölbäume. Ein hoher Birnbaum fiel besonders -auf; unter ihm stand Odysseus nach seiner Heimkehr, eine Weile mit der -Rührung kämpfend, da er seinen Vater in der Ferne beobachtet. Und als -er sich ihm zu erkennen gibt, erinnert er ihn an die Zeit der Kindheit, -als er ihm einst 13 Birnbäume, 10 Äpfelbäume, 40 Feigenbäume und 50 -Weinstöcke zu eigener Nutznießung schenkte. - -Die alten Römer nannten ihre Obstgärten nach den vorzugsweise darin -kultivierten Apfelbäumen ~pomarium~, während sie den Lustgarten -~hortus~, den Blumengarten ~floralium~ und den Küchengarten mit den -Gemüsen ~hortus pinguis~ oder ~rusticus~, d. h. den fetten oder -ländlichen Garten nannten. In den großen Obstgärten der Reichen waren -zugleich Magazine zum Aufbewahren von Obst, wie auch daran sich -anschließende bescheidene Wohnungen für die Gärtnerdienst tuenden -Sklaven vorhanden. Sonst wissen wir sehr wenig von ihnen, nur so viel, -daß in ihnen, wie wir bald sehen werden, schon eine ganze Menge aus dem -Osten importierter Fruchtbäume gediehen. - -Im Mittelalter waren, wie gesagt, die Klöster die Träger und -Überlieferer der altrömischen Kultur und ihrer Erzeugnisse. Sie -haben sich ein besonderes Verdienst um die Erhaltung und Ausbreitung -der von den Römern eingeführten Nutzpflanzen, besonders der aus dem -Süden importierten Obstbäume erworben. Selbstverständlich waren -die Klostergärten ebenso eingefriedigt wie diejenigen der Bauern. -In einem Weistum vom Jahre 1500 wird sogar vorgeschrieben, daß der -aus senkrechten Stöcken mit dazwischen geflochtenen Ruten oder -schräg aufgerichteten Brettern, von denen immer mehrere durch einen -senkrechten Pfahl gehalten wurden, hergestellte Zaun mannshoch sein -solle. Was dann noch an Hühnern und sonstigem Geflügel hinübersteige, -das dürfe der Bauer totschlagen. Nach den uns erhaltenen Zeichnungen -aber ist seine Höhe für gewöhnlich nicht mehr als 1 m gewesen. - -In diesen Gärten wurde nicht sehr streng zwischen Gemüse- und -Obstgarten unterschieden. Oftmals wird erwähnt, daß Bäume im -Kohlgarten gestanden haben. War ein besonderer Baum- oder Obstgarten -vorhanden, so waren darin nur wenige Sorten vertreten, und zwar -meist Äpfel und Birnen, seltener Steinobst oder gar Nüsse. Noch der -römische Geschichtsschreiber Tacitus (54-117 n. Chr.) hielt in seiner -ethnographischen Schilderung Germaniens dieses Land für schon zu kalt -zum Obstbau, nur für Getreidebau geeignet. Die Einwohner desselben, so -schrieb er, nährten sich von ganz einfachen Speisen wie wilden Äpfeln -und Beeren, frischem Wildbret und saurer Milch. - -Diese Lebensweise hat sich im Laufe des Mittelalters, als auch -Germanien das Erbe der altrömischen Kultur antrat, gründlich geändert. -Deutschland war nicht zu rauh für die Obstzucht; die Obstbäume gediehen -vielmehr ganz gut, soweit sie das gegenüber den Mittelmeerländern viel -rauhere Klima ertrugen. Und den Anstoß zu diesem Wechsel legten die -Römer selbst durch ihre Kolonisation, die die Schätze an wertvollen -Nutzpflanzen, die ihr Land durch den Import aus dem Morgenlande -aufwies, über den eisumgürteten Grenzwall der Alpen hinüber in die -durch ihren Reichtum an Wäldern und Sümpfen ausgezeichneten und -dadurch für die Römer zunächst nur abschreckenden Länder des Nordens -brachten. Auch Italien selbst war einst ein solch armes Waldland -gewesen, als es von den Italikern besiedelt wurde. Und als es durch -Rodung und nachfolgenden Ackerbau schon einigermaßen kultiviert war, -erschien es den älteren Griechen als ein Land, das im Vergleich schon -mit ihrem eigenen und noch viel mehr mit dem an Kultur viel weiter -fortgeschrittenen Orient einen nordischen, primitiven Charakter trug -und dessen Produktion in noch ziemlich später Zeit vorwiegend in Holz, -Vieh und Getreide bestand. Noch der im Jahre 286 v. Chr. in Athen -verstorbene Schüler des Aristoteles, Theophrastos von der Insel Lesbos, -der Begründer der antiken Pflanzenkunde, der eine uns noch erhaltene -„Naturgeschichte der Gewächse“ schrieb, rechnet Italien zu den wenigen -Ländern am Mittelmeer, wo noch Schiffsbauholz vorkommt. Und als der -prunkliebende König Hieron II. von Syrakus, der im Jahre 269 v. Chr. -nach einem entscheidenden Siege über die sogenannten Mamertiner in -seiner Vaterstadt zur Herrschaft gelangte, die er als tüchtiger Regent -und Bundesgenosse der Römer bis zu seinem Tode im Jahre 215 ausübte, -sich ein riesiges Getreideschiff baute, so fand sich nach dem Berichte -des um 200 n. Chr. in Alexandrien und Rom lebenden griechischen -Grammatikers Athenaios aus Naukratis in Ägypten nur im brettischen -Gebirge in Italien ein Baum, der als Hauptmast dienen konnte. Es war -dies im heutigen, aus Laricio-Kiefern bestehenden Nilawalde, der aber -damals auch mit Eichen oder Buchen untermischt gewesen sein muß, da -ein Sauhirt, der seine Herde zur Eichel- oder Bucheckernmast in den -Wald trieb, der Auffinder dieser damals schon bemerkenswerten Rarität -war. - -Von ungeheuren, unwirtlichen Wäldern auf der italischen Halbinsel -hören wir auch durch die römische Überlieferung. Den ciminischen -Wald beim heutigen Viterbo nördlich von Rom beschreibt der römische -Geschichtsschreiber Livius (59 v. bis 17 n. Chr.) unter dem Jahre 308 -v. Chr., also nach der Zeit Alexanders des Großen, als so schrecklich, -wie nur die später von den Römern betretenen Wälder Germaniens. Von -einem ähnlichen Grauen vor diesem entsetzlichen Waldgebiete muß auch -der im 2. Jahrhundert n. Chr. lebende römische Geschichtsschreiber -Florus erfaßt gewesen sein, der wie Livius eine Geschichte Roms von -der Gründung der Stadt bis zu Kaiser Augustus schrieb. Er berichtet, -daß damals der Prätor C. Manlius zu Anfang des von 218-201 v. Chr. -dauernden zweiten punischen Krieges zum Entsatze des von den Bojern, -einem teils in Oberitalien, teils zwischen Alpen und Donau seßhaften -keltischen Volksstamme, bedrängten Mutina (dem heutigen Modena) -herbeirückte, sein Heer in den unwegsamen Wäldern fast aufgerieben -wurde. Noch schlimmer erging es nach demselben Autor dem Prätor L. -Postumius in dem litanischen Wald, aus welchem von seinem ganzen Heere -nur wenige Mann den Ausweg fanden. - -Und dieses Waldland Italien, das ursprünglich außer Haselnüssen, -Holzäpfeln, Schlehen, Holzbirnen, Eicheln, Bucheckern und Waldbeeren -keinerlei eßbare Früchte trug, schildert uns der im Jahre 116 v. Chr. -geborene und 27 v. Chr. verstorbene bedeutendste Gelehrte Roms, Marcus -Terentius Varro, es sei dermaßen mit aus dem Morgenlande eingeführten -Fruchtbäumen besät, daß es wie ein großer Obstgarten erscheine! Edle -Äpfel und Birnen, Quitten und Mandeln, Kirschen, Pflaumen, Pfirsiche, -Feigen, Granaten, Oliven, Maulbeeren, Kastanien, Walnüsse, Pistazien -wurden zur römischen Kaiserzeit in Menge auf jener einst aller eßbaren -edleren Früchte mangelnden Halbinsel gezogen. - -Die Vermittler dieser Umwandlung, von deren Reichtum in der Folge ganz -Europa bis auf unsere Tage solch großen Nutzen zog, bildeten Sklaven -und Freigelassene aus Syrien, Kilikien und den verschiedenen Ländern -Kleinasiens. Nach den glücklich durchgeführten asiatischen Kriegen, die -eine Fülle Kriegsgefangener auf den römischen Markt brachten, wimmelte -Italien von ihnen lange vor dem großen römischen Sittenmaler Juvenalis -(47-130 n. Chr.), der sich in einer Satire beklagt, es sei so weit -gekommen, daß der syrische Fluß Orontes sich in den Tiber ergieße. -Er meint damit: Rom und seine Umgebung sei dermaßen von Syriern -überschwemmt, daß man sich an den Orontes versetzt glauben könne. Diese -syrischen Sklaven waren durch Arbeitsamkeit, Ausdauer und Ergebenheit -gegen ihre Herren ausgezeichnet. Schon der römische Komödiendichter -Plautus (254-184 v. Chr.) nennt sie das allergeduldigste Geschlecht -der Menschen. Dem Kriegshandwerke abgeneigt, waren sie als Träger -einer überaus alten Kultur aufs beste vertraut mit dem Aufziehen und -Pflegen von Pflanzen, besonders Obstbäumen, die sie durch sachkundige -Beschneidung und Düngung zu ergiebigster Fruchtbildung veranlaßten. -Aufs beste verstanden sie sich auf das Veredeln, dessen Methoden uns -schon von altgriechischen Autoren eingehend geschildert werden, von den -späteren römischen Schriftstellern über Obstbau nicht zu reden, die -sich sehr eingehend über diese Materie aussprechen. Sagt doch bereits -der ältere Plinius (23-79 n. Chr.): „In der Veredelung der Bäume haben -die Menschen schon längst das Höchste erreicht“, bemerkt aber dazu, -daß man eine Sünde begehen würde, alles auf gut Glück durcheinander -veredeln zu wollen; „denn Dornsträucher (~spina~) darf man nicht -pfropfen, weil sich sonst die Blitze nicht leicht sühnen lassen und -jeder Blitzschlag mit zwei-, drei- oder vierfacher Gewalt einschlägt, -wenn man zwei-, drei- oder vierfach veredelt hat.“ An einer anderen -Stelle meint derselbe Plinius: „Auf die Veredelung (~inserere~, d. h. -einsäen) mag wohl die Natur selbst den Menschen aufmerksam gemacht -haben, indem durch Vögel oder Winde öfter Samen auf Bäume gebracht -werden und auf diesen gedeihen. So habe ich z. B. einen Kirschbaum auf -einer Weide, eine Platane auf einem Lorbeer, einen Lorbeer auf einem -Kirschbaum und allerlei der Art gesehen. Auch Kerne, die von Dohlen als -Vorrat in Ritzen alter Mauern gesteckt werden, geben Veranlassung zu -dergleichen Erscheinungen.“ -- Das +Okulieren+ (~inoculatio~) besteht -darin, daß man von einem Baume ein Auge mit etwas Rinde abschneidet -und in einen anderen Baum einsetzt, von dem man ein eben solches Stück -Rinde weggeschnitten hat, Vergil (70-19 v. Chr.) lehrt auch, in dem -Knoten, auf dem eine Knospe sitzt, ein Loch zu machen und eine fremde -Knospe in dieses zu setzen. Beim +Pfropfen+ (~insitio~) schneidet man -den Stamm mit der Säge durch, glättet die Wunde mit der Hippe (dem -gekrümmten Rebmesser), schiebt das Pfropfreis zwischen Holz und Rinde, -wie es von altersher geschieht, oder spaltet den Stamm und setzt die -Reiser in den Spalt. Nach Cato (234-149 v. Chr.) soll man die Wunde -„mit einer Mischung von Ton, Kreide, Sand und Kuhmist verstreichen.“ - -Ein ungenannter Grieche der klassischen Zeit schreibt in den Geoponika, -einer ums Jahr 912 n. Chr. veranstalteten Sammlung von Auszügen aus -guten alten griechischen Schriften über Land- und Gartenwirtschaft: -„Es sind drei Arten der +Veredelung+ (~enkentrismós~ von ~kéntron~ -Gerte, Reis, also zu deutsch Reiseinfügung) im Gebrauch. Veredelt man -so, daß man den Stamm durchschneidet, von der Wunde aus einen Keil -zwischen Rinde und Holz treibt und in die so entstandene Höhlung das -Reis (~énthema~) einfügt, so nennt man dieses Verfahren ~emphyllismós~ -(von ~phýllon~ Blatt). Spaltet man aber den Stamm, nachdem er quer -durchschnitten ist, in der Mitte und setzt das Reis in den Spalt ein, -so heißt dieses Verfahren insbesondere ~enkentrismós~. - -In beiden Fällen der Veredelung muß man rasch zu Werke gehen, damit -weder die Wunde des Stammes, noch das Reis austrocknet. Die Reiser, -welche man einsetzt, müssen zweijährig sein und die Dicke eines -kleinen Fingers haben und sich in zwei oder drei Enden teilen; die -einjährigen wachsen zwar leicht an, sind aber unfruchtbar. (Im -Mittelalter dagegen verwendete man gleich heute, wie beifolgender -alter Holzschnitt zeigt, stets einjährige Edelreiser, die natürlich -vollkommen fruchtbar sind. Man schneidet sie im Winter, in der Zeit der -Knospenruhe, ab und bewahrt sie meist in feuchtem Sand, damit sie nicht -zu stark eintrocknen, und pfropft damit beim Trieb im Frühjahr.) Die -Reiser werden zehn oder mehr Tage vor der Veredelung von ihrem Baume -geschnitten und in einem gut zugedeckten Topfe aufbewahrt, damit sie -nicht zu sehr eintrocknen. Die Knospen müssen an ihnen noch geschlossen -sein, an dem zu veredelnden Baume aber eben aufbrechen wollen, wenn -man die Reiser einsetzt, und eben deswegen müssen die Reiser schon -vorher abgeschnitten sein. Es zeigt auch die Erfahrung, daß sie weit -leichter anwachsen, wenn sie nicht mehr frisch sind. Der Grund dieser -Erscheinung ist darin zu suchen, daß sie in ganz frischem Zustande, -weil voll Saft, auch dicker sind; würde man sie so einsetzen, so würden -sie in der ersten Zeit, ehe sie anwachsen, noch schwinden, wodurch -Ritze entstehen würden, in welche die Luft eindringen kann. -- Werden -Reiser in die Ferne verschickt, so tut man sie in einen Topf, dessen -Boden mit feuchtem Ton bedeckt ist. Man steckt sie in den Ton, schließt -den Topf und verstreicht gut alle Fugen am Deckel.“ - -Die Technik des Pfropfens war bei den alten Griechen und Römern zu -einer in der Jetztzeit kaum wieder erreichten Virtuosität ausgebildet. -Man glaubte damals, soweit man sich nicht durch abergläubische -Erwägungen, von denen Plinius eine erwähnt, bestimmen ließ, jedes -beliebige Reis auf jeden beliebigen Baum pfropfen zu können, und -erreichte damit auch in der Tat Erstaunliches. So will derselbe Plinius -einen Baum gesehen haben, der an seinen verschiedenen Ästen mehrere -Äpfel- und Birnensorten, Granaten, Feigen, Weintrauben, Oliven und -Nüsse zugleich trug; doch soll er nicht lange gelebt haben. Schon beim -römischen Dichter Vergilius Maro (70-19 v. Chr.) trägt die Platane -Äpfel, die Esche Birnen, der Erdbeerbaum Nüsse und die Ulme Eicheln, -und bei Palladius, um 380 n. Chr., ist in seinem Buche über den Landbau -kein Baum, von dem nicht ausgesagt würde, er könne die und die fremden -Früchte zu tragen gezwungen werden. - -[Illustration: Bild 12. Das Pfropfen der Obstbäume im Mittelalter mit -einjährigen Reisern. (Nach einem Baseler Holzschnitt von 1548.) - -Die mit Baumharz verstrichene Wunde ist noch vorsorglich mit einem -Leinwandlappen umbunden, was heute nicht mehr üblich ist und auch im -Altertum nicht angewendet wurde.] - -Über diese Virtuosität, die Natur zu vergewaltigen und zu mißbrauchen, -wie er sich ausdrückt, entsetzte sich zwar mancher, wie der biedere -Plinius, als über einen den Zorn der Götter wachrufenden Frevel. So -aberwitzig auch solche Künsteleien erscheinen mochten, so hatten sie -doch das Gute, die Mannigfaltigkeit und Vollkommenheit der einst in -Italien fremden, nun aber durch die regen Verbindungen mit dem an -Fruchtbaumsorten so reichen Orient hier eingebürgerten Früchte immer -weiter zu steigern. Wenn die römischen Aristokraten nach Ablauf ihres -Jahres aus Syrien oder einer anderen der an der Ostgrenze des Reiches -gelegenen Provinzen heimkehrten und manche angenehme Frucht, die dort -auf ihre Tafel gekommen war, nach Italien und auf ihre Villen zu -versetzen wünschten, so hatten sie in ihren syrischen, kleinasiatischen -und persischen Sklaven außerordentlich erfahrene und geschickte -Gärtner, die ihnen beim Großziehen und Veredeln der mitgebrachten -Pflanzenschätze behilflich waren und zur Belohnung dafür die goldene -Freiheit oder wenigstens eine gnädige, milde Behandlung erwarten -durften. - -So hat der Orient, dem wir die Gewinnung der meisten Fruchtsorten, -die Kaprifikation der Feige, die Füllung der Rosen, Violen und -anderer Blumen und die Hochzuchten zahlreicher Gemüsearten verdanken, -durch seine infolge Kriegsunglückes in den letzten vorchristlichen -Jahrhunderten nach dem Herrenlande Italien verbrachten gartenkundigen -Einwohner diese ihre neue Heimat aufs weitgehendste mit neuen -gärtnerischen Zuchtprodukten befruchtet. Und aus Italien brachten -die Römer die ihnen zu Hause liebgewordenen Fruchtarten in ihre -nördlichen und westlichen Provinzen, die sie damit beschenkten, indem -sie dieselben dort anpflanzten und heimisch werden ließen. So war es -mit den verschiedenen Äpfel- und Birnensorten, wie noch mit so mancher -anderen Fruchtart, mit der wir uns im folgenden zu beschäftigen haben, -der Fall. - -Welchen Fortschritt die Kultur dieser beiden so wichtigen Fruchtbäume -im Altertum gemacht hat, lehrt uns folgende von F. Unger aufgestellte -Zusammenstellung, die wir allerdings nicht belegen. So kannten - - Theophrast (um 300 v. Chr.) von Äpfeln 2, Birnen 3 Sorten, - Cato d. ältere (um 160 v. Chr.) „ „ 7, „ 6 „ - Plinius d. ältere (um 70 n. Chr.) „ „ 36, „ 41 „ - Palladius (um 380 n. Chr.) „ „ 37, „ 56 „ - -Diese sind dann in der Folge um mehr als das Dreißigfache vermehrt -worden, so daß man gegenwärtig von jeder Art über 1500 Spielarten -zählt, die sich durch Größe, Gestalt, Farbe, Konsistenz, Geschmack und -Zeit der Reife oft außerordentlich voneinander unterscheiden. - -Zu den durch die Vermittlung der Römer dem Europa nördlich der Alpen -verschafften Obstbäumen des Orients gehört auch die mit den Äpfeln nahe -verwandte +Quitte+ (~Cydonia vulgaris~), die heute noch in den Wäldern -des nördlichen Persien beim Kaspischen Meer, südlich vom Kaukasus -in Armenien und Kleinasien wildwachsend mit kleinen, unscheinbaren, -gelben Früchten gefunden wird. In ihrer Heimat ist sie schon im -zweiten vorchristlichen Jahrtausend von einem uns unbekannten Volke in -Pflege genommen und zu einer großfrüchtigen Kultursorte umgewandelt -worden. Dem babylonisch-ägyptischen Kulturkreise blieb auch dieser -Obstbaum fremd, schon weil er als die Kühle liebender Gebirgsbaum die -anhaltende Wärme der Niederungen nicht ertrug. Schon zu Beginn des -letzten christlichen Jahrtausends muß er westwärts gewandert und in -Kleinasien gepflanzt worden sein. Seine früheste urkundliche Erwähnung -findet er bei dem aus Lydien gebürtigen griechischen Dichter Alkman ums -Jahr 650 v. Chr. Dann nennt ihn ums Jahr 600 v. Chr. der griechische -Dichter Stesichoros aus Sizilien in seinem Stücke Helena und 50 Jahre -später der durch Schillers Ballade uns allen wohlbekannte Dichter -Ibykos aus Rhegion in Unteritalien. Also war diese Frucht und der -sie hervorbringende Baum schon im 7. vorchristlichen Jahrhundert den -Griechen allgemein bekannt. Sie bezeichneten ihn als ~mḗlon kydṓnion~, -d. h. kydonischen Apfel (woher der noch heute geltende botanische -Gattungsname ~Cydonia~ herrührt), weil sie ihn zunächst aus dem Gebiete -der Kydonen an der Nordwestküste Kretas bezogen. Dahin war er einst von -der karischen Südküste Kleinasiens als ein der Liebesgöttin heiliger -Fruchtbaum gelangt. Als dann die Griechen den Fruchtbaum in Pflege -nahmen, weihten sie seine von ihnen meist nur als „goldene Äpfel“ -bezeichneten Früchte gleichfalls ihrer Liebesgöttin Aphrodite und -benutzten sie als Geschenk bei Liebesspielen und als bräutliche Gabe. -Bei der Hochzeit trug die Griechin der alten Zeit die der Liebesgöttin -geweihte Quitte als Unterpfand einer glücklichen Ehe in der Hand und -brachte sie ihrem Gatten als Zeichen dafür, daß sie sich nunmehr dem -Dienste der Aphrodite weihe, ins Haus, eine Sitte, die der berühmte, -zu den sieben Weisen gerechnete Gesetzgeber der Athener, Solon (639 -bis 559 v. Chr.), zum offiziellen Hochzeitsritus erhob und die sich in -Attika im Laufe der Jahrhunderte durch allen Wechsel der Zeiten bis auf -den heutigen Tag erhielt. - -Die schön gelbe Frucht, die sich wegen ihrer Herbe roh nicht genießen -ließ, die aber mit Honig eingekocht eine von ihnen als Delikatesse -geschätzte, aromatisch duftende, feinschmeckende, ~mēlo~- oder -~kydōnomḗli~ genannte süße Speise lieferte, haben die Griechen schon -im Altertume sehr geschätzt. Die Hippokratiker bedienten sich ihrer -als Arznei gegen Durchfall. Gleichwohl scheint Viktor Hehn im Irrtum -zu sein, wenn er die goldenen Äpfel der griechischen Sage nicht als -idealisierte Äpfel, sondern als Quitten auffaßt, was ihm dann andere -kritiklos nachsprachen. Von den griechischen Kolonien Unteritaliens -gelangte dann die Quitte auch zu den Römern, die aus dem griechischen -~mḗlon kydṓnion~, d. h. kydonischer Apfel, ~malum cotoneum~ machten, -ein Ausdruck, aus welchem dann später das althochdeutsche Kutina -und schließlich das neuhochdeutsche Quitte hervorging, während die -Früchte heute noch im Italienischen ~mela cotogna~ heißen. Der aus -Spanien nach Rom gekommene Ackerbauschriftsteller Columella zählt drei -Sorten Quitten (~cydonium~) auf, nämlich ~struthium~, ~chrysomelinum~ -und ~musteum~, letzteres offenbar eine Mostquitte. Nach ihm kennt -Plinius um 75 n. Chr. schon sechs Sorten, die nicht nur als Genuß-, -sondern auch als Heilmittel verwendet wurden, nämlich eine goldgelbe, -gefurchte, ~chrysomelum~ genannte, eine ausgezeichnet riechende -weiße einheimische, eine ebenfalls geschätzte neapolitanische, eine -~strutheum~ genannte kleinere und noch wohlriechendere Spätsorte und -eine ~musteum~ (d. h. Mostquitte) genannte Frühsorte. Unter ihnen -sind sowohl Äpfel- als Birnenquitten zu verstehen, die schon Cato ums -Jahr 150 v. Chr. unterschied. Zur letzten von ihm erwähnten Sorte -bemerkt Plinius: „Die mulvianische Quitte ist dadurch entstanden, -daß die gewöhnliche Quitte (~cotoneum~) auf ~strutheum~ gepfropft -wurde. Sie ist die einzige Sorte, welche roh gegessen werden kann. -Alle Quittensorten sieht man jetzt in den Empfangszimmern der Männer -aufgestellt und vor die Bildsäulen der Nachtgottheiten gelegt. In den -Zäunen wachsen auch kleine, wilde Quitten von vortrefflichem Geruch.“ -Sein Zeitgenosse, der aus Kilikien gebürtige, in Rom tätige griechische -Arzt Dioskurides meint: „Die Quitten bekommen dem Magen gut, sind -gekocht milder als roh. Um Quittenwein zu machen, welcher ~kydonítēs~ -und ~mēlítēs~ heißt, läßt man zerstoßene Quitten 30 Tage lang in Most -und seiht diesen dann durch. Um ~mēlomḗli~, auch ~kydōnomḗli~ genannt, -zu bekommen, legt man Quitten, denen die Kerne genommen sind, in Honig. -Um dem Olivenöl den angenehmen Geruch der Quitten zu geben, legt man -Quitten so lange hinein, bis der Zweck erreicht ist.“ - -Schon der Grieche Theophrast im 4. vorchristlichen Jahrhundert -wußte, daß „wie aus den Samen der Kulturbirne (~ápios~) die elende -wilde Birne (~áchras~) und aus dem Samen des edlen Apfels eine -schlechte, saure Sorte gezogen werde, so zieht man aus der edlen -Quitte (~strúthion~) die wilde Quitte (~kydṓnion~).“ Und Palladius -im 4. Jahrhundert n. Chr. sagt, daß man die Quitten durch Pfropfen -vermehre: „Die Quittenbäume (~cydonius~) lieben einen kühlen, feuchten -Standort. Man pfropft am besten Quitten auf Quitten. Aber auf diesem -Baume gedeihen auch Pfropfreiser von Granaten, Spierlingen und allen -apfelähnlichen Früchten, welche sogar dadurch verbessert werden. Man -hebt die geernteten reifen Quitten auf verschiedene Art auf, und will -man sie in Honig legen, so zerschneidet man sie vorher mit einem Messer -aus Rohr oder Elfenbein in vier Stücke.“ - -Mit den übrigen Obstarten brachten die Römer auch den Quittenbaum -in die nördlichen Provinzen des Reichs, wo er sich auch nach dem -Untergange der Römerherrschaft erhielt, so daß er im Inventare der -Gärten Karls des Großen aus dem Jahre 812 als ~cotoniarius~ figuriert. -Bei der heiligen Hildegard, Äbtissin von Rupertsberg bei Bingen -(1098-1197), wird er als ~quotanus~, beim Dominikaner Albertus Magnus, -Graf von Bollstädt, einem der größten Gelehrten des Mittelalters -(1193-1280), als ~coctanus~ oder ~citonius~ erwähnt. Da aber seine -Früchte nur mit Honig oder später Zucker eingemacht genießbar sind, -hat er beim Volke keine besonders große Bedeutung erlangt. In Italien -werden übrigens noch jetzt wie zur Zeit des Plinius reife Quitten in -den Zimmern aufgestellt, um diese mit deren angenehmem Duft zu erfüllen. - -Durch die Vermittlung der Phönikier, die diesen Fruchtbaum überall -in den von ihnen gegründeten Kolonien anpflanzten, erhielten die -alten Griechen den +Granatapfel+ (~Punica granatum~). Dieser ist -in ganz Vorderasien, vom nordwestlichen Indien über Persien bis -Kleinasien, zu Hause, erscheint im wilden Zustande stets strauchartig -und besitzt nur kleine Früchte, die erst durch Kulturauslese zu -Faustgröße gediehen. Durch seine feuerroten Blüten und seine -rotwangigen, kernreichen Früchte mit säuerlichem Fruchtfleisch mußte -er frühe schon die Aufmerksamkeit des Menschen auf sich ziehen, -der ihn dann in seine Pflege nahm und ihn in Beziehungen zu seinem -Hauptgotte, dem Sonnengotte, brachte. Als Kultpflanze spielte er im -syrisch-phönikischen Gottesdienste eine wichtige Rolle und verbreitete -sich über das Gebiet der Westsemiten, bei denen er ~rimmôn~ genannt -wurde, als ~ahrmani~ nach Ägypten, wo wir ihm im neuen Reiche zuerst -begegnen. Die älteste Erwähnung desselben finden wir an der Wand der -Grabkammer des Schreibers Anna, der unter Thutmosis I. (1547-1501 -v. Chr.) starb. Hier wird er unter den Bäumen des Totengartens -erwähnt, unter denen der Geist des Verstorbenen wandelnd gedacht war. -Da jener Fürst Thutmosis den ersten Feldzug nach Syrien unternahm, -scheint die Granate als Folge desselben nach dem Niltale gekommen zu -sein. Die älteste Darstellung des Granatbaums stammt aus der Zeit -des erfolglosen Reformators der ägyptischen Staatsreligion Amenhotep -IV. am Ende der 18. Dynastie (1375-1358 v. Chr.) in einem Grabe bei -seiner damaligen Residenz, dem heutigen Teil el Amarna nördlich von -Theben, während die ältesten Granatfrüchte unter den Totenbeigaben -eines Grabes der 20. Dynastie zur Zeit Ramses IV. (1167-1148 v. Chr.) -aus der Totenstadt von Theben gefunden wurden. Diese Granatäpfel sind -kleiner und einfacher gebaut als die heutigen. Während nämlich letztere -meist 6-8 Fruchtfächer besitzen, haben die ersteren deren nur 4-6. -In späterer Zeit finden wir diesen Fruchtbaum auch auf Wandgemälden -und seine Früchte unter den Opfergaben ziemlich häufig abgebildet. -Aus seinen schön roten Blüten flocht man Girlanden, mit denen man die -mumifizierten Toten schmückte, und aus seinem säuerlichen Fruchtfleisch -stellte man eine Art Limonade her, die in den altägyptischen Texten -als ~schedech-it~ erwähnt wird. Diese Frucht war so beliebt, daß sich -die Juden auf ihrer Wüstenwanderung unter Moses, wie uns im Pentateuch -berichtet wird, nach den Granatäpfeln und Weintrauben Ägyptens -zurücksehnten. Und als sie sich ums Jahr 1250 v. Chr. Kanaan erobert -und im Lande häuslich niedergelassen hatten, wandten sie den im Lande -schon längst angebauten Granatbäumen große Sorgfalt zu; denn auch in -ihrem Kulte spielte bald die Blüte und die Frucht des Granatbaums eine -bedeutungsvolle Rolle. Ihre Priester mußten nämlich, wenn sie ins -Heiligtum eintraten, ein Kleid anhaben, an dessen Saum Granatäpfel -hingen. Auch der zu Beginn des letzten vorchristlichen Jahrtausends -unter ungeheurem Aufwand an Geld gebaute salomonische Tempel barg -in seinen zahlreichen Verzierungen häufig das Granatapfelmotiv, und -speziell die Säulen trugen Kapitäle in Form von aufgeschichteten -vergoldeten Granatäpfeln. Was die praktische Verwendung der säuerlichen -bis süßen Früchte anbetrifft, so wurden sie auch bei den Juden außer -als Speise in frischem Zustande zur Herstellung eines durstlöschenden -Saftes verwendet. So gab es im alten Palästina eine Ortschaft -Gath-rimmôn, was „Kelter des Granatapfels“ bedeutet. Bekannt ist ihre -Rolle in dem um 800 v. Chr. entstandenen Hohen Liede, wo es in Kap. -6, 6 von der Geliebten heißt: „Deine Wangen sind wie ein Ritz am -Granatapfel zwischen deinen Zöpfen“ und in Vers 10: „Ich ging hinab -in den Nußgarten, zu schauen die Sträucher am Bach, nachzusehen, ob -der Weinstock blühete, ob die Granatbäume grüneten,“ oder ebendort 4, -13: „Dein Gewächs ist wie ein Lustgarten von Granatbäumen mit edlen -Früchten.“ - -Auch in ganz Vorderasien muß der Granatapfel und ein aus seinem -sauersüßen Fruchtsafte hergestellter Trank beliebtes Genußmittel -gewesen, was uns die Stelle von Herodot verrät, daß der Perserkönig -Dareios I. (Sohn des Hystaspes, Großneffe des Kyros, der nach Kambyses -kinderlosem Absterben und der Ermordung des falschen Smerdis 521 -v. Chr. den Thron bestieg, bekanntlich 490 den Zug zur Unterjochung -Griechenlands unternahm, die an dem Siege der Griechen unter Miltiades -bei Marathon scheiterte, und 485 starb) diese Frucht nicht missen -mochte. - -Von Kleinasien aus, und zwar speziell aus Karien, kam der Granatapfel -ebenfalls in Verbindung mit religiösen Anschauungen zu den Griechen, -denen sein Kernreichtum ein Sinnbild der Fruchtbarkeit war, weshalb -sie ihn den chthonischen Gottheiten Demeter (= ~Gḗ mḗtēr~, d. h. -Mutter Erde) und Persephone weihten. Schon zu homerischer Zeit scheint -man den Granatbaum gekannt zu haben, da in der Odyssee neben Birn- -und Apfelbäumen auch Granatbäume (jonisch ~roiḗ~) in den Gärten -des Alkinoos und Laertes erwähnt werden. Der berühmteste Arzt des -Altertums, Hippokrates (460-364 v. Chr.), empfiehlt den Saft des -Granatapfels, in Attika ~roá~ genannt, als Labetrunk für Kranke, -besonders Fiebernde, und der Schüler des Aristoteles, Theophrast im -4. vorchristlichen Jahrhundert, schreibt, daß die Granatblüte auch -gefüllt vorkomme, so daß sich ihre Masse wie bei einer gefüllten Rose -ausbreitet. Über 400 Jahre später sagt Dioskurides: „Der Granatapfel -(~roá~) schmeckt gut, ist gesund, gibt aber sehr wenig Nahrung.“ - -Da die Römer diese Frucht nicht nach dem Griechischen nannten, sondern -als punischen Apfel (~malum punicum~) oder Granatapfel (~malum -granatum~, woraus das italienische ~melogranato~ oder ~granato~ -entstand) bezeichneten, muß die Bekanntschaft derselben durch die -Punier, d. h. Karthager, vermittelt worden sein, doch werden sie den -Baum selbst wohl zweifellos durch die Griechen Kampaniens erhalten -haben. Noch Plinius sagt: „Bei Karthago wachsen die besten Granatäpfel; -es gibt davon verschiedene Sorten. Ihr Genuß bekommt nicht sonderlich -gut. Die einzelnen Teile des Baumes gebraucht man als Heilmittel.“ -Und der ums Jahr 120 n. Chr. verstorbene witzige Epigrammdichter -Martialis schrieb einem Freunde bei Zusendung eines Körbchens mit -diesen Früchten: „Du erhältst keine kernlosen afrikanischen Granaten, -sondern inländische Früchte aus meinem Garten.“ Trotzdem das Klima von -Mittelitalien den Anbau des die Wärme liebenden Granatbaumes nicht -gerade günstig war, wurde er hier gepflanzt; doch wurden die viel -süßeren nordafrikanischen Sorten, die einst von den Phönikiern aus -Syrien eingeführt worden waren, den ziemlich saueren einheimischen -Sorten bei weitem vorgezogen. So besitzen wir noch ein Zeugnis aus -der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts, worin Flavianus Myrmecius in -einem kleinen Gedichte seinen Freund Rufus Festus Avienus bittet, er -möchte ihm, wenn sein Schiff aus Afrika komme, einige dort gewachsene -süße Granatäpfel senden. Sein eigener Garten trüge zwar auch solche, -aber sie seien sauer und herb und nicht den nektargleichen Früchten zu -vergleichen, wie sie die warme Sonne Afrikas hervorbringe. - -Wie bei den Griechen, die ihnen den Granatbaum übermittelten, erhielt -er auch bei den Römern eine gewisse sakrale Bedeutung. So trug nach -altem römischen Opferritual die das Abbild der römischen Matrone aus -der Urzeit darstellende Gattin des Oberpriesters auf dem Haupte einen -Granatbaumzweig, dessen Enden mit einem weißen Wollfaden verknüpft -waren, wie das Haupt ihres Mannes mit einem Ölzweig geschmückt war. - -Die aus der karthagischen Zeit übernommenen Granatbaumanpflanzungen -kultivierten die Römer in ihrer Provinz Afrika weiter und zogen eine -sehr süße, blutrote, scheinbar kernlose, d. h. sehr weichkernige Sorte, -die den Vandalen, die im Jahre 429 von Spanien aus unter Geiserich nach -Nordafrika einfielen und 439 hier ein ausgedehntes Reich gründeten, -besonders gemundet zu haben scheint. Auch die Araber ließen sich -seine Kultur angelegen sein und brachten ihn, als sie nach dem Siege -von Xeres de la Frontera 711 Südspanien besetzten, dahin. Hier wurde -diese Frucht in der Folge viel gezogen und die im 10. Jahrhundert von -den Mauren gegründete Stadt Granada erhielt von der Granate, deren -Abbild dann auch ins Stadtwappen überging, ihren Namen. Sonst ist die -arabische Bezeichnung der Frucht ~roma~. - -In den altbyzantinischen Geweben, die dann das Abendland nachahmte, -spielt das Granatapfelmuster eine große Rolle. Gern pflanzte man dort -wie im ganzen Abendlande den Strauch mit den hübschen Blüten in Kübel -und stellte ihn zur Einfassung von Treppen und zur Verzierung von -Altanen auf. Von dem spätgriechischen Namen der Blüte, ~balaústion~ -- -wohl auch einem orientalischen Fremdwort -- hat sich das italienische -~balaustro~ und davon ~balaustrata~ gebildet, woraus unser Balustrade -entstand. Vom säuerlichen, rotgefärbten Fruchtsafte stellt man die -Grenadine her, jenen Sirup, der mit Wasser verdünnt auf sehr angenehme -Weise den Durst löscht. Heute haben aber die Zitrone und die Orange dem -Granatapfel den Platz geraubt, den er bei den Alten einnahm. Doch noch -jetzt verknüpft das Volk in Griechenland, wo man die Pflanze häufig -verwildert antrifft, mit der Frucht die Vorstellung reichen Segens und -der unzählbaren Menge, und die feuerrote Blüte ist als Geschenk ein -Zeichen feuriger Liebe. Im Mittelalter aber diente allgemein wie in -Südeuropa, so auch bei uns eine Abkochung der Frucht als Fiebermittel, -bis die Chinarinde im 16. Jahrhundert aufkam und dieses ältere Mittel -verdrängte. - -Auch die +Mispel+ (~Mespilus germanica~) stammt aus dem Orient, und -zwar ist sie in Nordpersien zu Hause. Dieser Baum, dessen wenig -schmackhafte Früchte nur im überreifen, teigigen Zustande genießbar -sind und sich im allgemeinen in unserer verwöhnten Zeit keines -besonderen Ansehens erfreuen, kam frühzeitig nach Griechenland, wo er -schon von dem ums Jahr 700 v. Chr. auf der Insel Paros lebenden Dichter -Archilochos und später von Theophrastos aus Lesbos (390 bis 286 -v. Chr.) unter dem Namen ~méspilon~ erwähnt wird. In Italien war er -nach Plinius noch zur Zeit Catos, der im Jahre 149 v. Chr. starb, -unbekannt, gelangte aber nach dem makedonischen Kriege aus Makedonien -unter seinem griechischen Namen dahin. Plinius spricht mehrfach vom -~mespilus~, und Palladius im 4. Jahrhundert nach Chr. sagt: „Die -Mispeln gedeihen an warmen Orten gut, aber auch an kalten. Man zieht -sie aus Stecklingen, welche im März oder November in gut bearbeiteten -und gedüngten Boden eingesetzt werden. Der Baum wächst sehr langsam. -Man pfropft die Mispel im Februar auf Mispel- oder Birn- oder -Apfelstämmchen; dabei nimmt man das Reis von der Mitte des Stammes, -denn von der Spitze genommen taugt es nichts. Immer muß in den Spalt -gepfropft werden, denn beim Propfen in die Rinde gedeiht es nicht. Die -Früchte nimmt man vom Baume, ehe sie eßbar sind, denn sie bleiben auch -am Baume sehr lange hart. Man verwahrt sie in ausgepichten Töpfen oder -hängt sie einzeln auf, oder legt sie in eingedickten Most; auch legt -man sie so in Spreu, daß sie sich nicht berühren.“ - -Daß die Römer den Mispelbaum im südlichen Gallien bereits vorfanden, -beweist, daß er vermutlich von der griechischen Kolonie Massalia aus -in das Gebiet der Rhone gebracht wurde. Durch die Römer wurde er auch -in ihren nordischen Militärstationen angesiedelt. Im Mittelalter wurde -er in Frankreich und Deutschland so häufig angepflanzt, daß er heute -vielerorts verwildert auftritt, so daß noch Carl von Linné, der ihm den -Beinamen des „Deutschen“ gab, glaubte, er sei in Deutschland von jeher -heimisch gewesen. Auch er gehört als ~mespilarius~ zu den Bäumen, die -im ~Capitulare de villis~ und in zwei Garteninventaren aus der Zeit -Karls des Großen aus dem Anfange des 9. Jahrhunderts vorgeschrieben -werden. - -Viel besser als die „deutsche Mispel“ schmeckt die seit kaum hundert -Jahren in die Mittelmeerländer eingeführte +japanische Mispel+ -(~Eriobotrya japonica~), deren gelbe, angenehm säuerliche Früchte -von den Franzosen kurz ~nèfles~, d. h. Mispeln, genannt werden. Wer -an der Riviera oder in Algerien gereist ist, dem sind die im ersten -Frühjahre als erstes Obst reifenden Früchte, wie auch der dichtbelaubte -Baum mit seinen großen, oben glänzenden und unten dicht wollfilzigen, -lederartigen Blättern sehr wohl bekannt. Obschon wenig haltbar, -gelangen die Früchte, seit wir durch gute Zugsverbindungen nach der -Durchtunnelung der Alpen dem Süden gleichsam näher sind, immer häufiger -zu uns und werden jetzt regelmäßig in den Früchtehandlungen zum Kaufe -angeboten. Diesen Bürger Ostasiens brachte Sir Joseph Banks im Jahre -1778 aus Japan zuerst nach England, von wo er bald in die ihm mehr -zusagenden, weil wärmeren Länder am Mittelmeer gelangte. Doch gedeiht -er noch ganz gut an dem vor rauhen Winden geschützten Nordufer des -Genfersees. Auch in Chile wurde er zu Beginn des vorigen Jahrhunderts -eingeführt. Er hat sich dort so gut eingebürgert, daß seine Früchte in -jenem Lande wie in den Mittelmeerländern zum gemeinsten Obste gehören. - -Noch unschmackhafter als die faden Mispeln sind die gleichfalls -erst, wenn sie durch längeres Hängen am Baume teigig geworden sind, -genießbaren, mehligen Früchte des +Spierlings+ (~Sorbus domestica~), -der Kulturform der Eberesche (~Sorbus aucuparia~), die aber gleichwohl -schon im Altertum gerne gegessen wurden. Die sie liefernden Bäume -wurden schon von den alten Griechen und Römern kultiviert. Der -griechische Pflanzenkenner Theophrast im 4. Jahrhundert v. Chr. -beschreibt ausführlich den von ihm ~oía~ genannten Spierlingsbaum -und sagt: „Manche Spierlingsbäume tragen runde, andere längliche -Früchte, die sich auch durch den Geschmack unterscheiden; im -ganzen sind die runden wohlriechender und süßer. Sie sind leicht -dem Wurmstich ausgesetzt, wie auch die Bäume selbst, die am besten -an kalten, feuchten Stellen gedeihen.“ Palladius im 4. Jahrhundert -sagt. „Die Spierlingsbäume (~sorbus~) werden im April gepfropft, -und zwar auf andere Spierlingsbäume, auf Quitten und auf Weißdorn. -Man hebt die Früchte in irdenen, gut geschlossenen Gefäßen auf, -die man an einem trockenen, sonnigen Orte in die Erde gräbt; auch -zerschneidet man sie in Stücke und dörrt diese an der Sonne. Diese -Schnitzchen kocht man dann, wenn sie gegessen werden sollen. Man -hängt ferner die Früchte einzeln an einem schattigen, trockenen -Orte auf, soll auch Wein und Essig aus ihnen gemacht werden.“ -Nördlich der Alpen werden die Spierlingsbäume zuerst im ~Capitulare -de villis~ Karls des Großen von 812 und im Entwurf des St. Galler -Klostergartens vom Jahre 820 erwähnt. Seine im Hochsommer in großen -Trauben reifenden scharlachroten bis gelben Beeren, die besonders von -den Drosseln begierig gefressen werden, dienen, wie auch diejenigen -des Elsenbeerbaumes (~Sorbus torminalis~), vielfach zur Herstellung -eines würzig schmeckenden, starken Schnapses, der besonders gegen -Durchfall getrunken wird. Der Baum, der sie liefert, ist ursprünglich -in Südeuropa zu Hause und verdankt seine Überführung nach dem Norden -ebenfalls den Römern. Im Mittelalter wurde er wie die Mispel häufig -kultiviert. In Süddeutschland und Frankreich wird er noch jetzt -vielfach als Obstbaum gezogen, doch hat hier seine Kultur nie größere -Bedeutung erlangt, so wenig als diejenige des +Weißdorns+ (~Crataegus -oxyacantha~), dessen als +Rotdorn+ bezeichnete rotblühende Form als -prächtiger Baum überall gezüchtet wird. Seine roten, wenig fleischigen, -als +Mehlbeeren+ bezeichneten Früchte werden von den anspruchslosen -Kindern gern gegessen. Bloß einige neuerdings bei uns eingeführte -amerikanische Arten, wie ~Crataegus coccinea~ haben saftigere, auch von -den Erwachsenen gern genossene Früchte von der Größe einer Kirsche, -die auch wegen ihrer prächtigen, lebhaft roten Farbe ein Schmuck des -Baumes sind. Immerhin ist dieser bei uns einheimische Strauch, der -häufig in Wäldern der Gebirgsgegenden wild vorkommt, insofern für die -Obstbaumzucht von Bedeutung, als er als Unterlage zum Aufpfropfen -edler Birnensorten dient. Aber auch die leuchtend roten Scheinfrüchte -der einheimischen wilden und verwilderten Rosen, die +Hagebutten+, -bieten in ihrem fleischig gewordenen Blütenboden nach Entfernung der -ihn innen bedeckenden kleinen, weichen Haare und der eingeschlossenen -einsamigen, nußähnlichen Früchtchen mit Zucker gekocht ein durch -seinen Wohlgeschmack ausgezeichnetes Fruchtmus, das, als „Buttenmost“ -bezeichnet, geradezu einen Leckerbissen bildet, dessen einfache -Abkunft man ihm gar nicht anmerken würde. Aber auch roh bilden sie, -wenn ein Frost über sie gegangen ist und sie infolgedessen einen süßen -Geschmack erlangt haben, eine noch heute von den Kindern gern gegessene -Speise. Schon die Pfahlbauern müssen sie gesammelt und gegessen haben; -denn man fand die Samenkerne der Hundsrose in größerer Menge in den -spätneolithischen Pfahlbauten von Robenhausen und Moosseedorf. - -Zur Pfahlbauzeit war man ja in bezug auf die pflanzliche Nahrung -sehr wenig wählerisch, so hat man außer den Hagebutten auch die -schwarzen +Holunder+- und +Attichbeeren+ (von ~Sambucus nigra~ und -~S. ebulus~), dann die Wasser- und Buchnüsse, die Mehl- und anderen -Beeren wie Erdbeeren, Himbeeren, Brombeeren, Heidel- und Preißelbeeren, -die Haselnüsse, Holzäpfel und Holzbirnen, Schlehen und Wildkirschen -gesammelt und gegessen. Reste von der +Kornelkirsche+ (~Cornus mas~) -sind nicht unter jenem Wegwurfe gefunden worden, so daß der Strauch, -der sich im Frühjahr über und über mit gelben Blüten bedeckt und später -schön kirschrote, glänzende Steinfrüchte von pflaumenähnlicher Gestalt, -nur bedeutend kleiner und von säuerlichem Geschmack, reifen läßt, -damals noch nicht nördlich der Alpen vorkam. In den Pfahlbautenresten -von Castione bei Parma in Oberitalien sind seine Fruchtsteine dagegen -zahlreich gefunden worden. Im ganzen Altertum wurden seine Früchte -gegessen. In der Ilias und Odyssee werden sie als ~kranía~ erwähnt, -auch Theophrast spricht von ihnen. Da man im Altertume aus den geraden -Stämmchen Lanzenschäfte machte, nennt der römische Dichter Vergil die -Kornelle (~cornus~) gut zum Krieg. Plinius unterscheidet männliche -und weibliche Sträucher und findet nur das Holz der ersteren zu -Lanzenschäften geeignet, da es zu den härtesten Holzarten gehöre; das -des weiblichen aber sei schwammig. Was für eine Pflanze er unter der -letzteren Bezeichnung meint, läßt sich allerdings nicht sagen. Er sagt: -„Die Kornelkirschen werden zur Speise gezogen und der griechische Arzt -Dioskurides empfiehlt sie zum Einmachen.“ Wie solche Konserven bei den -alten Römern hergestellt wurden, teilt uns sein Zeitgenosse Columella -mit. Er sagt in seinem Buche über den Landbau: „Die Kornelkirschen, -welche wie Oliven gegessen werden, die Nagelpflaumen (eine gewisse -Sorte der Kulturpflaume), Haferpflaumen (auch Krieche von ~Prunus -insititia~, stammt wahrscheinlich aus dem Orient, ist dornig und -einem Schlehenbaume ähnlich, trägt ebensolche, nur doppelt so große -Früchte je nach den Kultursorten von dunkelblauer, rötlicher, gelber -oder grüner Farbe und säuerlichem Fruchtfleisch, weshalb sie schon im -Altertum in Südeuropa häufig angepflanzt wurde) und die verschiedenen -Sorten von Birnen und Pflaumen werden in folgender Weise eingemacht. -Man sammelt sie, wenn sie weder überreif, noch allzu unreif sind. -Sie werden einen Tag lang im Schatten getrocknet und dann mit einer -Mischung von gleichviel Essig und eingedicktem Most übergossen. Es ist -auch etwas Salz beizufügen, damit keine Würmchen oder andere Tierchen -in der Masse entstehen. Noch besser ist es übrigens ⅔ eingedickten -Most und nur ⅓ Essig zu nehmen. Die Birnen sammelt man, wenn sie der -Reife nahe sind, untersucht sie genau, ob sie keine Fehler oder Würmer -haben, legt sie in einen irdenen, ausgepichten Topf, gießt aus halb -eingetrockneten Trauben bereiteten Wein oder eingedickten Most darüber, -so daß der Topf voll und jede Birne mit der Flüssigkeit bedeckt ist, -verschließt den Topf mit einem Deckel und verstreicht den Ritz mit -Gips. Übrigens können die Birnen wie die Äpfel auch in Honig aufbewahrt -werden. Ich rate wenigstens so viele in Honig zu legen, daß sie für -Fälle vorrätig sind, in denen sie Kranken nützlich sein können. Mit -anders eingemachten darf man sie jedoch nicht mischen, sonst verdirbt -eines das andere. Sonst werden Äpfel und Birnen von recht süßem -Geschmack, die aber noch nicht ganz reif sein dürfen, mit einem aus -Rohr oder Knochen verfertigten Messer zerschnitten und an die Sonne -gelegt, bis sie eintrocknen. Hat man recht viel solcher gedörrter -Äpfel- und Birnenschnitzchen in Vorrat, so sind sie nebst getrockneten -Feigen ein sehr wichtiger Teil der ländlichen Nahrung für den Winter.“ -In Rußland werden die Kornelkirschen viel gegessen und auch mit Zucker -eingemacht. Auch bei den Türken bilden sie eine beliebte Speise und -werden unter dem griechischen Namen ~krania~ überall auf den Straßen -von Konstantinopel, Smyrna usw. von Händlern ausgeboten. Mit Wasser -verdünnt bildet ihr Saft ein angenehmes, Scherbet (vom arabischen -~scharab~ für Trank) genanntes Getränk. Ebenso werden die süßen -pflaumengroßen Früchte von ~Prunus ursina~, eines bedornten baumartigen -Strauchs Vorderasiens, der besonders am Antilibanon in Menge wild -wächst, wie auch diejenigen des kleinen, ganz der Erde angepreßten -Gebirgsstrauchs ~Prunus prostrata~, sehr gerne gesammelt und gegessen. - -Eine weit größere Rolle als diese doch recht bescheidenen, kaum -kultivierten Früchte spielen die zu den Rosenblütlern gehörenden -+Kirschen+ und +Pflaumen+. Diese sind in den edlen Kultursorten -erst in geschichtlicher Zeit nach Südeuropa und von da über die -Alpen nach Norden gelangt. Die vorgeschichtlichen Europäer kannten -als Steinobst einzig die herben, wenig schmackhaften Früchte der -+Vogelkirsche+ (~Prunus avium~), der +Traubenkirsche+ (~Prunus -padus~) und +Schlehe+ (~Prunus spinosa~). Reste von ihnen sind in den -neolithischen Pfahlbauten der Schweiz, Italiens und Österreichs und in -den verschiedensten bronzezeitlichen Stationen Mitteleuropas gefunden -worden. Auch die primitiveren Völker des Altertums sammelten sie noch, -um sich ihrer als Speise zu bedienen. Bei manchen Volksstämmen erfreute -sich die Traubenkirsche besonderer Beliebtheit. So berichtet uns der -griechische Geschichtsschreiber Herodot (484 v. Chr. in Halikarnassos -geboren und um 424 zu Thurii in Unteritalien gestorben) von den -Argippäern, „plattnasigen Leuten mit langem Kinn, die nördlich von den -Skythen am Fuße hoher Berge wohnen und eine eigene Sprache reden“, -- -man hat in ihnen wohl mit Recht die Vorfahren der heutigen Baschkiren -am Südende des Uralgebirges vermutet -- daß sie von den Früchten eines -~póntikon~ genannten feigenbaumgroßen Baumes leben, der saubohnengroße, -kernhaltige Früchte besitzt. „Die Argippäer schlagen die reifen Früchte -in Tücher, pressen eine dicke, schwarze Flüssigkeit heraus, welche -~aschy~ heißt. Diese genießen sie ohne Beimischung oder mit Milch. Aus -den Trebern machen sie Kuchen, welche ihre Speise sind.“ Dieses von -Herodot beschriebene Verfahren traf der deutsche Forscher Adolf Ermann, -wie er in seiner Reisebeschreibung durch Sibirien berichtet, noch bei -den heutigen Baschkiren, in deren Sprache sich merkwürdigerweise noch -derselbe Name für den Traubenkirschsaft wie vor mehr als 2000 Jahren, -nämlich ~atschui~, findet. Daraus dürfen wir mit Recht schließen, daß -Herodot unter dem ~póntikon~ den Traubenkirschbaum verstand. - -Auch die Früchte der in ganz Mittel- und Südeuropa wildwachsend -angetroffenen +Schlehe+ (~Prunus spinosa~) wurden trotz ihres herben -Geschmacks, der erst nachdem Frost auf sie eingewirkt hat etwas -angenehmer säuerlich wird, von den unverwöhnten Gaumen der Menschen -der Stein- und frühen Metallzeit gegessen und teilweise ein Mus -daraus gemacht, wie uns der ältere Cato aus der ersten Hälfte des -2. vorchristlichen Jahrhunderts von den Römern berichtet. Noch die -später heilig gesprochene Äbtissin Hildegard, Vorsteherin des Klosters -Rupertsberg bei Bingen (1098-1197), führt die Schlehe unter den -Obstbäumen ihrer Zeit an. Bis in die Neuzeit hinein war Schlehenmus -eine auf dem Lande beliebte Zukost zu Brot, auch wurde daraus eine -Art Schnaps gebrannt. In der Moldau-Wallachei werden die Schlehen roh -gegessen und auch getrocknet für den Winter aufbewahrt. Mit Traubenmost -zusammengestampft geben sie den roten, mandelartig schmeckenden -Schlehenwein. - -Die heutige Kulturform der +Süßkirsche+ (~Prunus avium~) ist zweifellos -im nördlichen Kleinasien von einer dortigen Art Vogelkirsche gezüchtet -worden. Der römische Naturkundige Plinius der Ältere berichtet um die -Mitte des 1. christlichen Jahrhunderts, daß die Kirsche ihren Namen -~kérasos~ von der gleichnamigen Stadt an der Südküste des Schwarzen -Meeres zwischen Sinope und Trapezunt erhielt, die im Jahre 68 v. Chr. -durch den römischen Feldherrn Lucius Licinius Lucullus zerstört wurde. -Dieser durch seinen Tafelluxus und seine Schlemmerei sprichwörtlich -gewordene vornehme Römer habe von dorther im Jahre 64 v. Chr. den -Kirschbaum bei seinem Triumph in Rom aufgeführt und so nach Italien -verpflanzt. Die Stelle in seiner Naturgeschichte lautet wörtlich -folgendermaßen: „Ehe Lucius Lucullus den Mithridates besiegt hatte, -wuchsen in Italien keine Kirschbäume (~cerasus~). Im Jahre 680 nach -Roms Erbauung brachte er den ersten aus dem Pontusgebiet nach Italien, -und er hat sich in weniger als 120 Jahren bis Britannien verbreitet.“ -Merkwürdigerweise erwähnt aber der griechische Geschichtschreiber -Plutarchos (50-120 n. Chr.) diese Tatsache in seinem „Leben des -Lucullus“ mit keinem Wort. Jedenfalls hat es schon lange vor -Lucullus kleine Süßkirschen in Italien gegeben, nur hat dieser Römer -eine besonders edle Sorte aus dem von ihm verwalteten Kleinasien -mitgebracht, wie auch Servius in einer Erläuterung zu Vergils Georgica -zur Tat des Lucullus hinzufügt: „Übrigens wuchsen in Italien schon -vor der Zeit des Lucullus Kirschen, aber harte.“ Jedenfalls müssen, -wie schon aus der griechischen Benennung dieser Frucht hervorgeht, zu -des Lucullus Zeit um die sinopische Kolonie Kerasos Edelkirschen von -besonderer Güte kultiviert worden sein, denn zweifellos erhielt jene -kleinasiatische Stadt ihren Namen von den in großer Zahl um sie herum -angepflanzten Edelkirschbäumen und nicht umgekehrt die Kirsche ihren -Namen von jener Stadt, wie die alten Autoren sagen. Übrigens sollen -nach Koch die Bewohner der pontischen Gebirge noch heute die Süßkirsche -mit dem Namen ~kirash~ bezeichnen. Derselbe Autor weist auch auf eine -Mitteilung des griechischen Arztes Dioskurides aus der Mitte des 1. -Jahrhunderts n. Chr. hin, wonach der pontische „Kerasia“-Baum Gummi -ausschwitze, eine Erscheinung, die ausschließlich der Süßkirsche und -niemals der Sauerkirsche zukommt. Dieser Kirschgummi soll nach den -Angaben dieses griechischen Arztes „ein gutes Mittel gegen den Husten -und überhaupt gesund sein“. - -Auf kleinasiatischem Boden, am Idagebirge und bei Milet, scheint man -veredelte Süßkirschen schon zur Zeit des Königs Lysimachos gekannt zu -haben, der 361-281 v. Chr. lebte, nach dem Tode Alexanders des Großen -als einer von dessen Feldherrn Thrakien zu einer selbständigen Satrapie -erhob und sich 306 mit den übrigen Diadochen den Königstitel beilegte. -Ja, schon Theophrastos und sein Zeitgenosse Diphilos von Siphnos aus -dem Ende des 4. vorchristlichen Jahrhunderts beschreiben den Kirschbaum -als einen in Griechenland bekannten und angebauten Fruchtbaum. Ersterer -sagt, man erkenne den Baum schon von weitem, er sei im ganzen nicht -sehr reich an Ästen, habe weiße, der Birnenblüte ähnliche Blüten und -rote Früchte so groß wie Saubohnen. Er wachse mit Linden zusammen -vorzüglich an Gewässern und schwitze einen Gummi aus. Daß Theophrast -ihn so ausführlich beschreibt, beweist, daß er für die meisten seiner -Landsleute noch etwas Neues war. - -Bei dem regen Verkehr der Griechen untereinander konnte es nicht -ausbleiben, daß der edle Süßkirschbaum früh in die griechischen -Kolonien nach Sizilien und Unteritalien gelangte. Doch wurde er von -hier erst verhältnismäßig spät an die Römer abgegeben. So nennt noch -der ältere Cato, der im Jahre 149 v. Chr. gestorbene unversöhnliche -Gegner Karthagos, in seinen Schriften über den Landbau die Kirsche als -Kulturgewächs überhaupt nicht, und der im Jahre 27 v. Chr. gestorbene -Varro, einer der gelehrtesten Männer Roms, gedenkt ihrer nur ein -einziges Mal, indem er sagt, daß der Kirschbaum (~cerasus~) zur Zeit -des kürzesten Tages gepfropft werde. Servius bezeugt, daß in Italien -schon vor der im Jahre 64 v. Chr. erfolgten Heimkehr des Lucullus -aus Kleinasien, wo er als Statthalter amtete, Kirschbäume gewachsen -seien, aber nur solche mit kleinen, harten Früchten. Demnach scheint -also der Feinschmecker Lucullus nur eine besonders großfrüchtige -und wohlschmeckende Kulturform der Süßkirsche in Mittelitalien -angesiedelt zu haben. Von hier aus verbreitete sich der Obstbaum durch -die Vermittlung der Römer nach Norden, so daß er also nach Plinius -schon 120 Jahre nach jener Kulturtat des reichen Lucullus bis nach -Britannien vorgedrungen war. Derselbe Plinius sagt fernerhin: „Es -werden verschiedene Sorten Kirschen gezogen, gute auch in Belgien -und am Rhein. Kürzlich ist durch Pfropfen auf Lorbeer eine Sorte -geschaffen worden, die ~laurea~ heißt, herb, aber nicht unangenehm -schmeckt. Der Kirschbaum liebt einen kühlen Standort, seine Früchte -reifen früh, man trocknet sie auch an der Sonne oder bewahrt sie wie -Oliven in Fässern auf. In Ägypten ist es ihm zu warm, so daß dort -der Kirschbaum selbst bei der größten Sorgfalt nicht gedeiht.“ Und -der römische Ackerbauschriftsteller Palladius im 4. Jahrhundert -n. Chr. schreibt: „Der Kirschbaum liebt einen kalten Standort, an einem -warmen bleibt er klein, einen heißen erträgt er gar nicht. Er liebt -Berge und Hügel. Junge wilde Kirschstämmchen versetzt man im Oktober -oder November in den Garten und veredelt sie anfangs Januar. Man sät -auch die Früchte und aus diesen kommen die Bäumchen äußerst schnell. -Ich habe auch selbst erlebt, daß Kirschzweige, die ich als Stützen in -Weingärten gesteckt hatte, schnell zu Bäumen heranwuchsen. Ich habe es -am besten befunden, zwischen Rinde und Holz zu pfropfen. Man pfropft -Kirschreiser auf Kirschbäume, Pflaumenbäume, Platanen; andere sagen -auch, man könne sie auf Pappeln pfropfen. Der Kirschbaum steht gern -einzeln, liebt das Behacken, verdirbt aber durch Mist. Martialis sagt, -wenn man Kirschen (~cerasum~) ohne Kern habe wolle, so müsse man den -Baum auf 2 Fuß zurückschneiden, dann bis zur Wurzel spalten, das Mark -ganz herauskratzen, beide Teile zusammenbinden und die Wunde mit Mist -verstreichen. Nach Jahresfrist ist die Wunde fest verwachsen. Nun wird -der Stamm mit Reisern, die noch keine Frucht getragen, gepfropft, und -diese tragen dann, wie Martialis versichert, kernlose Früchte. (Dies -ist natürlich Unsinn!) Kirschen werden nur aufbewahrt, wenn sie an der -Sonne getrocknet sind.“ Der römische Arzt Celsus meint: „Die Kirsche -ist dem Magen gesund,“ und sein griechischer Kollege Dioskurides sagt: -„Der Genuß frischer Kirschen (~kerásion~) hat andere Wirkung als der -getrockneter.“ - -Als aus dem Pontusgebiet, einer Gebirgsgegend mit kalten Wintern -stammend, fühlte sich dieser Fruchtbaum nördlich der Alpen offenbar -besonders wohl und zeitigte hier besonders wohlschmeckende Früchte, -die zudem den großen Vorzug besaßen, zu einer Zeit zu reifen, da die -übrigen Obstarten noch im Rückstande waren. In dem gleichmäßig milden -Italien hatte er eben diese für ihn günstigsten Verhältnisse nicht -gefunden. - -Jedenfalls haben sich unter den verschiedenen Kirschenarten, die von -den römischen Schriftstellern der Kaiserzeit erwähnt werden, auch -+saure Sorten+ befunden; denn auf zwei Wandgemälden in Pompeji sollen -nach dem Urteil gewiegter Kenner auch Darstellungen von Sauerkirschen -abgebildet sein. Weiterhin hat man, was noch viel mehr besagen will, -in dem Schachtbrunnen des befestigten Lagers der Saalburg bei Homburg -vor der Höhe unzweideutige Kerne der Sauerkirsche gefunden. Der sie -liefernde Baum, die +Sauerkirsche+ (~Prunus cerasus~), dürfte in -Transkaukasien, wo er heute noch wildwachsend angetroffen wird und wo -auch die Süßkirsche besonders üppig gedeiht, heimisch sein. Er scheint -eine Abart der Vogelkirsche von geringerer Größe und im Gegensatz zu -jener, die unterseits behaarte Blätter besitzt, mit völlig kahlen -Blättern zu sein, die auch viel leichter als jene Wurzelschößlinge -treibt. Diese Sauerkirsche kam etwas später als die Süßkirsche zu -den Griechen und Römern. Deren Einführung muß durchaus unbemerkt vor -sich gegangen sein; wenigstens erfahren wir nichts darüber von den -Schriftstellern des Altertums, die sonst alles Neue gewissenhaft -anzuführen pflegen. Süße und sauere Arten haben wir uns jedenfalls -auch unter den verschiedenerlei Sorten von Kirschbäumen (~ceresarii~) -zu denken, die im ~Capitulare de villis~ Karls des Großen angeführt -werden. Im Laufe des Mittelalters hat sich die Kirschenzucht in -Mitteleuropa intensiv entwickelt und spielt heute für viele Gegenden -eine bedeutende Rolle, indem die Früchte, soweit sie nicht frisch -gegessen werden, zur Bereitung einer trefflichen Konfitüre und eines -starken Schnapses, des Kirschwassers, in England ~cherry brandy~ -geheißen, benutzt werden. - -Mit der Frucht übernahmen die alten Deutschen auch die Bezeichnung -der Römer dafür; denn das deutsche Wort Kirsche ist so gut wie das -französische ~cerise~ und das englische ~cherry~ vom lateinischen -~cerasus~ abzuleiten. Zuerst hieß die Frucht Kerasbeere, dann -Kersbeere, Kerschbeere und schließlich einfach Kersche oder Kirsche. -Noch vielfach wird in Norddeutschland das aus dem Kersbeere entstandene -Kesber oder Kesper dafür gebraucht. Die Bezeichnung Wissel dagegen, -aus dem unser Weichsel wurde, scheint der alte vorrömische Name der -Deutschen für die einheimische Vogelkirsche zu sein, der dann speziell -auf die Sauerkirsche übertragen wurde. Die +Felsenkirsche+ oder der -+echte Weichsel+ (~Prunus mahaleb~) mit kleinen, blauschwarzen, -bitterlichen Früchten stammt aus Südosteuropa und dem Orient. -~Mahaleb~ ist die ursprüngliche arabische Bezeichnung des Gewächses, -das erst im 16. Jahrhundert nach Westeuropa kam und namentlich in -Frankreich rasch Verbreitung fand. Wegen des wahrscheinlich durch -einen Gehalt an Kumarin hervorgebrachten Wohlgeruchs seines Holzes -und namentlich seiner Rinde wird es zur Parfümierung von allerlei -Spezereien gebraucht, besonders aber zur Herstellung von wohlriechenden -Pfeifenrohren verwendet, indem namentlich im Elsaß und um Baden bei -Wien die Kultur des Weichsels, dessen Stockausschläge benützt werden, -im großen Maßstabe getrieben wird. - -Dem deutschen Schlehe, althochdeutsch ~slêha~, entspricht das slawische -~sliva~ in der Bedeutung von Pflaume, wie dem französischen ~crèque~ -das deutsche Krieche und das niederdeutsche Kreke nachgebildet sind. -Weit edler als die Schlehe ist die +Pflaume+, die bereits von den -Griechen der älteren Zeit als Obst gekannt und geschätzt war unter -der Bezeichnung ~kokkýmēlon~ (deren erste Hälfte wahrscheinlich ein -orientalisches Wort ist und kaum Kuckuck bedeutet). In einer der -Idyllen des aus Syrakus gebürtigen griechischen Dichters Theokrit, die -ums Jahr 280 v. Chr. verfaßt wurde, wird die Ankunft der Geliebten -so süß genannt wie der Frühling im Gegensatz zum Winter und die -Pflaume im Gegensatz zur Schlehe (~brábylon~). Der Begründer der -Botanik Theophrast im 4. vorchristlichen Jahrhundert spricht vom -Pflaumenbaum und vom Gummi, der aus ihm quillt und vielfach ärztliche -Verwendung fand. Neben der Bezeichnung ~kokkýmēlon~ kennt er auch den -Namen ~prúmnon~, unter welchem die Pflaume von den Griechen zu den -Römern gelangte, welche daraus ~prunum~ machten. Der berühmte, 131 -n. Chr. in Pergamon geborene und um 200 in Rom verstorbene griechische -Arzt Claudius Galenos berichtet, daß die Frucht des Pflaumenbaums -(~kokkymḗlea~) in Asien ~prúmnon~ heiße. Der Pflaumenbaum (~Prunus -insititia~) wächst in Südeuropa und durch Kleinasien bis zum Kaspischen -Meere wild und wurde, wie die Kulturschichten der neolithischen und -bronzezeitlichen Pfahlbauniederlassungen der Schweiz, Oberitaliens und -Österreichs beweisen, schon in früher vorgeschichtlicher Zeit durch -die regen Handelsbeziehungen mit dem Süden in Mitteleuropa eingeführt, -wo der Baum dann später, der menschlichen Aufsicht entwachsen, -verwilderte. Die großfrüchtige Kulturpflaume aber ist gleich der -Kirsche in den Ländern südlich vom Schwarzen Meer, in Armenien und -Transkaukasien, aus der dort heimischen Wildpflaume gezüchtet worden, -während die größere +Zwetsche+ (~Prunus domestica~) im Kaukasus und -nördlichen Persien heimisch ist. Die Kultur dieser Steinobstarten kam -etwa im 5. vorchristlichen Jahrhundert und diejenige der Pflaume etwas -später nach Syrien, wo sie besonders um die Stadt Damaskus in später -als besonders wohlschmeckend gerühmten Arten kultiviert wurde. Das -Wort Zwetsche soll nach Schmeller aus dem griechischen ~damáskenon~ -entstellt sein, eine Deutung, die jedenfalls falsch ist. Zu Beginn des -3. vorchristlichen Jahrhunderts, d. h. nach Eröffnung des Orients durch -Alexander den Großen, kamen diese Steinobstarten nach Griechenland und -über die süditalischen griechischen Pflanzstädte etwa zu Anfang des 2. -vorchristlichen Jahrhunderts unter dem griechischen Namen ~prúmnon~ zu -den Römern. Der ältere Cato (234-149 v. Chr.) nennt in seiner Schrift -über den Landbau den Pflaumenbaum nur einmal als einen in seiner -römischen Heimat wenig bekannten Obstbaum. Plinius dagegen behauptet, -daß alle Pflaumenarten erst nach Cato in Mittelitalien eingebürgert -worden seien. Jedenfalls wurden sie erst im augusteischen Zeitalter in -den Gärten der Römer häufiger gepflanzt, nachdem besonders die Krieche, -d. h. die runde, schwarzbraune Pflaume und die gelbe Mirabelle durch -die Kriegszüge des Pompejus in Westasien den Römern bekannt geworden -waren. Sie schätzten diese Früchte so, daß sie nach Plinius schon in -der zweiten Hälfte des 1. christlichen Jahrhunderts in den Gärten der -vornehmen Römer in großer Menge und zahlreichen Spielarten gezogen -wurden. Dieser Autor sagt in seiner Naturgeschichte: „Es gibt eine -ungeheure Schar von Pflaumen, bunte, schwarze, weiße und solche, die -man Gerstenpflaumen nennt, weil sie mit der Gerste reifen. Eine andere, -ebenso gefärbte Sorte, welche später reift und größer wird, heißt -Eselspflaume, weil sie sehr wohlfeil ist. Es gibt auch Pflaumen von -Onyxfarbe, aber beliebter sind die wachsgelben und purpurroten, von -den ausländischen die wegen ihres Wohlgeruchs geschätzte armenische -(unter letzterer ist zweifellos die Aprikose verstanden).“ Die mit der -Obstkultur vertrauten syrischen und kleinasiatischen Sklaven veredelten -auch diese Frucht immer mehr und pfropften die edle Pflaume sogar auf -den wilden Schlehdorn. So berichtet der Dichter Horaz (65-8 v. Chr.), -daß bei seinem Landhause Pflaumen auf Dornen wüchsen, und Plinius -meldet: „Merkwürdig sind die auf Walnußbäume gepfropften Pflaumen; sie -sehen aus wie Nüsse, schmecken aber wie Pflaumen und heißen Nußpflaumen -(~nuciprunum~). In Bätica (der nach dem Bätisflusse genannten, -Südspanien umfassenden altrömischen Provinz) pfropft man Pflaumen -auf Apfelbäume und auf Mandelbäume. Der Kern der letztgenannten ist -wie ein Mandelkern. Als beste Art gilt die Damaszenerpflaume; dieses -Erzeugnis Syriens, das seinen Namen von Damaskus hat, wächst auch seit -langer Zeit in Italien, wo sie jedoch einen größeren Kern und weniger -Fleisch hat, auch beim Trocknen keine Runzeln bekommt, weil ihr die -heimische Sonne fehlt.“ Nach dem griechischen Arzt Claudios Galenos -aus Pergamon (131-200 n. Chr.) ist die spanische Pflaume die beste -nach der Damaszener, und Palladius im 4. Jahrhundert n. Chr. gibt an, -daß die Pflaume im Januar am besten auf Pflaume gepfropft werde; man -könne sie auch auf Pfirsich-, Mandel- und Apfelbäume pfropfen, aber -die Früchte verlören dabei an Güte. „Die Pflaumen werden auf Hürden an -der Sonne getrocknet, auch taucht man frisch gepflückte Pflaumen in -siedendes Meer- oder Salzwasser und trocknet sie dann entweder in einem -Backofen oder an der Sonne.“ Der erwähnte Galenos sagt: „Die Pflaumen -(~kokkýmēlon~) werden fast alle bei der Reife süß, geben nicht viel -Nahrung, können im Vorrat getrocknet werden.“ Dioskurides meint, daß -die Pflaumen dem Magen nicht sehr gut bekommen, am besten noch die -getrockneten Damaszener Pflaumen. - -Gleich den übrigen Obstarten haben die Römer auch die Pflaumen und -Zwetschen nördlich von den Alpen angesiedelt. Diese Einführung der dort -vorher unbekannten Fruchtbäume nach dem Norden haben die Funde aus den -Schachtbrunnen der Saalburg und aus einem spätrömischen Pfahlbau bei -Fulda in Form von Steinkernen dieser Obstarten bestätigt. Wie aus dem -griechischen ~prúmnon~ das ~prunum~ der Römer entstand, so ging aus dem -Pluralis des Lateinischen ~pruna~ das althochdeutsche ~pfruma~ und aus -diesem schließlich ~pflume~, Pflaume hervor. Im ~Capitulare de villis~ -Karls des Großen aus dem Jahre 812 werden ~prunarii diversi generis~, -d. h. Pflaumenbäume verschiedener Sorten erwähnt, worunter wohl nicht -bloß Pflaumen-, sondern auch Zwetschenbäume in mehreren Spielarten zu -verstehen sind. - -Die großfrüchtige Zwetsche, die in Turkestan und im südlichen -Altaigebirge ihre Heimat hat, kam erst mit den Turkvölkern nach dem -Abendlande. Erst vor 400 Jahren wurde sie durch die massenhafte -Einfuhr der getrockneten Früchte aus Ungarn und Mähren, wohin sie -von der Türkei aus bald gelangte, bei uns bekannt. Auch die von der -in Turkestan und Vorderasien heimischen und in Persien angebauten -+Kirschpflaume+ (~Prunus cerasifera~) stammende Mirabelle -- die -~Myrobalane~ der älteren Botaniker -- kam erst in der zweiten Hälfte -des 16. Jahrhunderts in Mitteleuropa in Aufnahme. In Europa wird die -großfrüchtige Türkenzwetsche seit längerer Zeit besonders an der -unteren Donau im großen gezogen. Dort begegnet man, besonders in -Bosnien, ganzen Wäldern von Zwetschenbäumen, deren Früchte im Herbst -4-6 Wochen hindurch die Hauptnahrung der Bevölkerung bilden und in -gedörrtem Zustande massenhaft nach Europa und anderwärts ausgeführt -werden. Von dem überreichen Ertrag wird auch ein beliebter Branntwein, -Sliwowitza genannt (von ~sliva~, verwandt mit Schlehe, Zwetsche), -hergestellt, der in Unmengen im Lande selbst konsumiert und auch -exportiert wird. - -Im Laufe des Mittelalters ist in dem durch seine Obstbaumzucht -hervorragenden Frankreich außer anderen saftigen, süßen Spielarten -auch die +Reineclaude+ hervorgegangen, die einer nicht festgestellten -französischen Königin zu Ehren diesen Namen erhielt, wie heute noch -neue Varietäten von Obst oder Blumen gerne nach vornehmen Damen -genannt werden. Von Europa sind dann die verschiedenen Pflaumen- und -Zwetschenarten nach Nordamerika eingeführt worden, wo sie sich rasch -einbürgerten. Gleich allen anderen Obstarten werden sie besonders in -Kalifornien im großen gezüchtet und in eisgekühlten Eisenbahnwagen -überallhin durch die Vereinigten Staaten versandt, wo sie willige -Abnehmer finden. - -Edle Früchte hat der Mensch ferner in der armenischen Pflaume oder der -+Aprikose+ (~Prunus armeniaca~) und der persischen Pflaume oder dem -+Pfirsich+ (~Prunus persica~) -- früher nach Linné ~Amygdalus persica~, -d. h. persische Mandel genannt -- gewonnen. Beide Fruchtbäume stammen -aus dem Innern Asiens noch jenseits des Kirschen- und Pflaumenlandes, -und zwar die Aprikose aus dem östlichen Turkestan, der Dsungarei, -der südlichen Mandschurei und Nordchina und der Pfirsich (chinesisch -~tao~) aus Mittelchina, wo in den Gebirgen der Provinzen Schen-si -und Kan-su eine als ~Prunus davidiana~ bezeichnete sehr nahestehende -Art mit kleinen Früchten, die vielleicht die Stammpflanze des -Kulturpfirsichs ist, heute noch wildwachsend angetroffen wird. Das -Volk, das beide Fruchtarten zuerst in seine Pflege nahm, sind die -Chinesen. Aus den Berichten in den chinesischen Annalen wissen wir, -daß ihr Anbau in verschiedenen Varietäten bis ins 3. vorchristliche -Jahrtausend zurückreicht. Nur sehr langsam verbreitete sich ihre Kultur -west- und südwärts. Weder im Sanskrit noch im Hebräischen existiert -ein Name für diese Früchte. Den Ägyptern wurden beide erst in der -griechisch-römischen Periode bekannt. - -Wie die Forschungen des Sinologen Bretschneider die bis dahin in -Kleinasien gesuchte Heimat von Aprikose und Pfirsich nach Ostasien -verlegten, so haben sie uns auch einen Einblick in die Wanderung dieser -beiden Steinobstarten nach Westen verschafft. Wir wissen jetzt aus -chinesischen Annalen, daß im Jahre 128 v. Chr. der kühne chinesische -General Tschang-kiën bis zu den Ländern am Oxus und Jaxartes vordrang. -Seit diesem denkwürdigen Zuge entspann sich zwischen den Chinesen und -dem Volke der Ansi, in denen man mit großer Wahrscheinlichkeit die -Parther vermutet, ein lebhafter Handelsverkehr, der das ganze letzte -Jahrhundert v. Chr. andauerte. Dieser muß das Verbreitungsgebiet der -beiden Obstsorten westwärts ausgedehnt haben. Und die Ansi ihrerseits -besorgten den Austausch der aus China kommenden Waren mit den -angrenzenden Distrikten Vorderasiens, mit Persien und Mesopotamien. -Aus Persien gelangte dann der Pfirsichbaum und aus Armenien der -Aprikosenbaum nach der Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr., als die -römische Kaisermacht sich nach dem Untergange des Königs Mithridates -im Jahre 63 Armeniens und bald darauf auch Persiens bemächtigte, -zuerst nach dem Lande der Sieger, Italien. Hier nahmen nun die vorhin -erwähnten syrischen Sklaven der vornehmen Römer diese beiden neuen -Fruchtbäume in Pflege, und bald wurden sie auch nach Griechenland und -in die übrigen Provinzen des römischen Reiches gebracht. - -Dieser ihrer Geschichte gemäß weiß kein römischer Schriftsteller weder -der ausgehenden Republik, noch des augusteischen Zeitalters irgend -etwas vom Pfirsich. Erst auf einem Wandgemälde der im Jahre 79 n. Chr. -durch den bekannten Vulkanausbruch verschütteten Stadt Pompeji findet -sich eine bildliche Darstellung dieser Frucht, und der bei jener -Katastrophe als Befehlshaber der beim Kap Misenum stationierten -römischen Flotte umgekommene ältere Plinius berichtet, daß zu seiner -Zeit eine einzelne Frucht des Pfirsich (~persica~), der weder in -Italien, noch in Kleinasien und Griechenland heimisch, sondern aus -Persien nach Italien gebracht worden sei, mit 300 Sesterzien, das sind -nach unserem Gelde etwa 45 Mark, bezahlt wurde, so selten und kostbar -war sie damals noch. Man nannte sie nach dem Orte ihrer Herkunft -~persica mala~, d. h. persische Äpfel, auch ~persica~ allein, die -Aprikosen dagegen ~armeniaca mala~, d. h. armenische Äpfel. Aus dem -~persica~ der Römer hat sich dann später das ~pesca~ der Italiener, -das ~pêche~ der Franzosen und das Pfirsich der Deutschen gebildet. -Die ~armeniaca~ dagegen wurden später von den Römern in Anlehnung an -ihre Benennung im Griechischen ~prēkókkion~, die wir bei Dioskurides -und Galen finden, meist als ~praecoqua~ bezeichnet, eine Benennung, -die uns Palladius im 4. Jahrhundert n. Chr. noch anführt, indem er -berichtet, daß die sogenannten Aprikosen im Januar auf Pflaumen -gepfropft werden. Und zwar haben die Römer, wie uns Galen belehrt, -eine bessere Aprikosensorte mit der Bezeichnung ~praecoquum~ versehen, -während sie der geringeren die Benennung ~armeniacum~ beließen. Aus -dem ~praecoquum~ der Römer haben dann die Araber, die bei ihrem -Siegeszuge über Syrien und Nordafrika den Fruchtbaum kennen lernten, -ihr ~albarkuk~ (wobei ~al~ der Artikel ist) gebildet, und diesen -übernahmen dann die Italiener als sie in Sizilien und Unteritalien mit -der sarazenischen Kultur in Berührung kamen und den Fruchtbaum von -dorther kennen lernten. Wie die Italiener aus dem arabischen ~albarkuk~ -ihr ~albercocco~ bildeten, formten die Spanier, die die Bezeichnung -mit der Frucht den Mauren entlehnten, ihr ~albaricoque~, woraus das -französische ~abricot~ und aus diesem wiederum das deutsche Aprikose -wurde. - -Der griechische Arzt Galenos meint, der Pfirsich sei dem Magen nicht -sehr zuträglich, verdaue sich aber besser, wenn man ihn vor als nach -der Mahlzeit esse. Ein Jahrhundert vor ihm erklärten Dioskurides: -„Der Pfirsich ist eine gesunde Speise, wenn er gehörig reif ist,“ und -Plinius: „Der Pfirsich bekommt einem besser als die Pflaume und das -meiste andere Obst. Bei der Pfirsichsorte, die man ~duracinum~ (aus dem -Griechischen ~dōrakinón~ laut Geoponika) nennt, geht das Fleisch nicht -vom Kern.“ Diese allein läßt sich nach Palladius „auf verschiedene -Weise eine Zeit lang aufbewahren.“ Bei den gewöhnlichen Sorten war dies -nicht möglich; denn Gargilius Martialis klagt: „Man hat auf mancherlei -Weise versucht, Pfirsiche lange aufzubewahren, aber vergeblich.“ -Nach Palladius im 4. Jahrhundert n. Chr. kann man Pfirsichbäume aus -Kernen ziehen, die im November oder Januar mit der Spitze nach unten -in tief gegrabene Beete, je zwei Fuß voneinander gelegt werden, oder -auf Wildlinge pfropfen, und zwar auf Pfirsiche, Mandeln, Pflaumen -und Aprikosen. „Am besten werden die Früchte an warmen Stellen, auf -sandigem, feuchtem Boden. Wachsen die Bäume an kalten und windigen -Stellen, so gehen sie ein, wenn sie nicht vor Kälte und Wind geschützt -werden. Im Herbst wird die Erde um die Bäume aufgehackt und sie werden -mit ihren eigenen Blättern gedüngt. Um große Früchte zu bekommen, -begießt man den Baum zur Blütezeit 3 Tage lang mit Ziegenmilch.“ - - Tafel 17. - -[Illustration: - - (Phot. von E. Reinhardt.) - -Blühende Mandelbäume bei Assisi in Umbrien. - -Traubenernte in der Provence in Südfrankreich.] - - Tafel 18. - -[Illustration: Das Einmachen von Obst in der Konservenfabrik Lenzburg.] - -Wie rasch diese geschätzten Obstsorten durch die Römer nordwärts der -Alpen gebracht wurden beweist die Tatsache, daß bereits zu Columellas -Zeit gegen das Ende des 1. christlichen Jahrhunderts eine besondere -gallische Pfirsichsorte bekannt war. In den ältesten Schachtbrunnen -der Römer auf der Saalburg sind, wie bereits erwähnt, sowohl Aprikosen- -wie Pfirsichkerne gefunden worden. Auch im Pfahlwerk des Fuldatales -aus spätrömischer Zeit kamen 25 Pfirsichsteine zum Vorschein; wie -Vonderau berichtet, wurde ein Teil derselben einer Kulturschicht -entnommen, die auch mehrere Bruchstücke der glänzend-roten ~terra -sigillata~ enthielten. Pater de la Croix entdeckte beim Dorfe Sanxay -in Poitou einen kleinen Pfirsichkern in einer Mauer, die aus dem -2.-4. Jahrhundert n. Chr. stammen soll. Ein anderer Fund wurde aus -dem Pfahlwerk von Paladru im Departement Isère aus der Merowingerzeit -gemacht. Unter den ~persicarii diversi generis~, d. h. Pfirsichbäumen -verschiedener Art, die wir im Verzeichnis der Obstbäume aus den -Gärten Karls des Großen 812 erwähnt finden, werden sich jedenfalls -auch Aprikosen befunden haben, welche im Mittelalter teils zu den -Pfirsichen, teils zu den Pflaumen gerechnet wurden. Noch Albertus -Magnus (geb. 1193 in Schwaben, gest. 1280 in Köln), einer der größten -Gelehrten des Mittelalters, nennt den Pfirsich ~prunum persicum~ -und die Aprikose ~prunum armeniacum~, und die Botaniker des 16. -Jahrhunderts sahen die Aprikose meist als eine Pfirsichsorte an. - -Heute blüht die Kultur der Pfirsiche und Aprikosen außer um Paris, wo -besonders diejenigen von Montreuil berühmt sind, besonders im südlichen -Nordamerika, speziell in Kalifornien, das ganze Bahnzüge davon frisch -oder getrocknet nach den östlichen Vereinigten Staaten versendet. -Ebenso in Südamerika, speziell in Argentinien, wohin diese Obstbäume -durch die Jesuiten gelangten, werden sie im großen gezogen. Jetzt -finden wir in der Nähe der alten Niederlassungen der Spanier reiche -Bestände völlig wildwachsender Bäume, die von den Argentiniern nicht -bloß ihrer Früchte, sondern auch ihres Holzes wegen geschätzt werden. -Oft findet sich der rasch wachsende Baum mitten in den sonst baumlosen -Pampas des Holzes wegen ~kultiviert~. - -Auch in Chile spielen sie neben dem übrigen von Europa dorthin -importierten Obst eine große Rolle. Prof. Otto Bürger schreibt -darüber in seinem Buche: Acht Lehr- und Wanderjahre in Chile: „In der -Vorkordillere bilden Pfirsiche, süße und saure Kirschen -- ~cerezos~ -und ~guindos~ -- fruchtbeladene Haine. Nach der chilenischen Weihnacht -beginnt die Zeit ihrer Reife. Da sind die Verkaufsstände voll Kirschen, -~duraznos~ und ~priscos~ (verschiedene Sorten Pfirsiche), ~ciruelas~ -(Pflaumen) und Frühbirnen. Was umschließt allein das Wort ~durazno~ für -eine Fülle von Früchten, die sich durch Größe, Form, Farbe, Glätte, -Flaum, früheres oder späteres Reifen voneinander unterscheiden und -dementsprechend verschiedene Namen im Volke führen. Der Pfirsich oder -~durazno~ (offenkundig aus dem lateinischen ~duracinum~ abzuleiten) -ist seit der Eroberung in Chile heimisch (1541 wurden die nördlichsten -Provinzen durch die Spanier erobert, nachdem Diego de Almagro 1536 -von Peru aus zuerst dorthin vorgedrungen war) und war schon um die -Mitte des 18. Jahrhunderts der gemeinste Obstbaum. Eine grünlichgelbe -Sorte mit roten Wangen, bei welcher der Kern freiliegt, wird ~prisco~ -genannt. Die ~duraznos~ werden in Menge getrocknet und dann, wenn es -- -wie meistens -- mit dem Kern geschieht, als ~huesillos~ oder ohne ihn -als ~orejones~ bezeichnet und vom Volke mit ~mote~ (gekochten Weizen- -oder Maiskörnern) gegessen. Die ~ciruelas~ (Pflaumen) und ~damascos~ -(Aprikosen) sind ebenfalls schon lange in Chile heimisch und gedeihen -wie die ~duraznos~ am besten in Mittelchile, während die Feigenbäume --- ~las higueras~ --, die im Dezember die größeren und saftigeren -~brevas~ und im Herbste die kleineren und süßen ~higos~ liefern, im -Norden sogar noch besser vorwärts kommen. Die getrockneten Feigen -sind die der zweiten Ernte. Unter ~tunas~ versteht man die Früchte -eines ursprünglich auf den Antillen beheimateten Kaktus (~Opuntia -tuna~). Die ~nisperas~, d. h. Mispeln, sind die gelblichen, rundlichen -Früchte eines japanischen Baumes (~Eriobotrya japonica~), die in ihren -vollständigen, traubigen Fruchtständen gebrochen werden. Sie haben -einen säuerlichen Geschmack und sind ein wenig das Aschenbrödel unter -ihren Genossen. Der Spanier hat einen Spruch: - - „~Quien come nisperas~ Wer (japanische) Mispeln ißt - ~I bebe cerveza~ Und Bier trinkt - ~I beza a mujeres viejas,~ Und alte Weiber küßt, - ~Ni come, ni bebe, ni beza!~“ Der hat nicht gegessen, - getrunken, geküßt. - -Außerdem gibt es bräunlichgrüne Lucumafrüchte von der Größe eines -Apfels von einem aus Peru stammenden dichtbelaubten Sapotaceenbaume -(~Lucuma obovata~). Weiter gibt es in Chile eine wilde Art (~L. -valparadisea~), welche die feuchten und schattigen Schluchten der -Provinzen Aconcagua und Valparaiso bewohnt, deren viel kleinere Früchte -wohl süß, aber zugleich adstringierend schmecken und darum nicht -gegessen werden. Birnen und Äpfel liefert der Süden, vom Rio Biobio ab, -in wahren Prachtexemplaren; es gibt Birnen von einer Größe und süßen -Saftigkeit und Äpfel der verschiedensten Sorten von einer Feinheit -und Reinheit der Zeichnung und des Aromas, die unseren besten nicht -nachstehen. Aus gewissen Sorten wird seit alters Äpfelwein -- ~chicha -de manzana~ -- in vorzüglicher Qualität hergestellt, dessen Fabrikation -von den Deutschen der Provinz Valdivia ausgedehnt und vervollkommnet -wurde. - -Und was gibt es noch? Vor allem Trauben, schwarze und gold-grüne, die -ebenfalls wie die Wassermelonen mit rotem Fleisch -- ~sandias~ -- und -die gelben Melonen zu den Artikeln des Massenkonsums gezählt werden -dürfen, so beliebt und billig sind sie, dann Orangen -- ~las neranjas~ ---, die aber erst im September am wohlschmeckendsten werden, saure -und süße Limonen, Mandeln, Walnüsse und ~avellanos~, die chinesische -Haselnuß, die schwere Menge, und dann noch etwas echt Chilenisches, -~piñones~, die Samen der Araukarie des Südens. Ferner die einheimische -und europäische Erdbeere, die aus Brasilien oder Peru eingeführte -Ananas und Banane, ~platanos~ genannt, die ~chirimoya~ (~Anona -cherimolia~), eine Frucht von ganz apartem, wunderbarem Aroma, und die -~palta~ (~Persea gratissima~), welche den Lorbeergewächsen zugehört. -Diese reifen in den gegen das Meer hin offenen, warmen und feuchten, -gegen die trockenen, eisigen Winde der Hochkordillere geschützten -~Chacras Quillótas~.“ - -Welche Fülle von herrlichem Obst hat also nicht die Alte Welt der -Neuen zu ihren zahlreichen einheimischen Produkten hinzugegeben, die -auch sehr schätzenswert sind! Wir werden im folgenden Abschnitte -einige der wichtigsten unter denselben kennen lernen. Sonst sind außer -den +Guajaven+ (~Psidium pyriferum~) mit birnförmigen und dem nahe -verwandten ~Psidium pomiferum~ mit kugeligen, pflaumen- bis apfelgroßen -Früchten vom Ansehen der Orangen, unter deren lederartiger Schale ein -nach innen schön rosenrot gefärbtes, zartes Fruchtfleisch von Erd- -und Himbeergeschmack sich findet, die eirunde und über faustgroße -westindische +Anchojebirne+ (von ~Grias cauliflora~) zu nennen. Unsere -Kirschen vertreten im warmen Südamerika die vorzüglich in Guiana -heimische +Pitanga+ (von ~Eugenia michelii~) und die +Jabuticaba+ (von -~Eugenia cauliflora~). Die Frucht der letzteren von der Größe unserer -Herzkirsche hat unter der zarten, schwarzen Haut ein weißes, weiches, -sehr saftiges Fleisch mit 2-3 Kernen. Sie steht an Geschmack unseren -Kirschen nach, reift in Brasilien am Ende des Winters (September und -Oktober) und ist doppelt geschätzt, da sie zu der Zeit die einzige -Frucht bildet, welche frisch zu haben ist. Eine andere Frucht von -der Größe und Form unserer Pflaumen sind die +Ibametara-Arten+ (von -~Spondias myrobalanus~) u. a., die in Westindien und dem nördlichen -Südamerika wildwachsen und hier überall, wie auch anderwärts in den -Tropen, wohin alle diese Fruchtbäume verbracht wurden, vom Menschen -angepflanzt werden, weil er ihre wohlschmeckenden, süßen Früchte -überaus schätzt, Mus daraus bereitet und allerlei Getränke davon macht. - -Kehren wir nach diesem kurzen Abstecher nach Südamerika in unsere -Heimat zurück, so ist in bezug auf die Kultur der Pfirsiche und -Aprikosen zu bemerken, daß sie bei uns nur in südlichen Gegenden -oder an sonniger, geschützter Lage gut gedeihen, aber als Hochstämme -wohlschmeckendere Früchte denn als Spalierbäume liefern. Mit Vorliebe -zieht man sie in den ebenfalls sonnige Lage beanspruchenden Weingärten; -aber auch in den wärmeren Obstgärten gedeihen sie gut. Besonders -die sattroten, direkt dem Stamm aufsitzenden, vor den Blättern -erscheinenden Blüten des Pfirsichs verleihen durch ihre hübsche Färbung -zwischen dem weißen Blust des übrigen Kernobstes und den rosafarben -angehauchten Apfelblüten einem gemischten Obstgarten ein höchst -eigenartiges, manchmal geradezu bezauberndes Gepräge. - -Im Gegensatz zum Pfirsich, dessen saftige äußere Fruchtschale gegessen -wird, ißt man bei der verwandten +Mandel+ (~Amygdalus communis~) den -Samenkern, der in einer süßen und bitteren Abart vorkommt. Diejenigen -der letzteren Sorte enthalten in erheblicher Menge die giftige -Blausäure und sind deshalb, in größerer Menge genossen, auch dem -Menschen schädlich, während sie kleinen Tieren sicheren Tod bringen. -Sie dienen vorzugsweise zum Würzen der Speisen. Die süßen Mandeln -dagegen werden ihres Ölgehaltes wegen gegessen und allerlei Gebäck -und Mehlspeisen zugesetzt. Unter der samtig behaarten äußeren Haut, -welche zur Zeit der Reife in einem Längsspalt aufspringt, befinden -sich die in der Regel sehr harten, festen Schalen. Man kultiviert -aber auch Formen mit brüchigen Schalen, die Knack- oder Krachmandeln, -deren Samen wie Nüsse gegessen werden. Die Fruchtknoten aller Kirsch-, -Pflaumen- und Mandelarten, die bekanntlich mit dem Kernobst in die -Familie der Rosazeen gehören, enthalten zwei Samenanlagen, von denen -aber in der Regel nur eine zur Ausbildung gelangt; entwickeln sich -aber in den Knackmandeln beide, so entstehen solche Exemplare, die als -„Vielliebchen“ dienen. - -Der Mandelbaum wächst in Afghanistan, Turkestan, Persien wild und -kommt auch hier mit bittern und süßen Samen vor. Indien und Ostasien -ist er ursprünglich fremd; dort hat man auch keine einheimische -Bezeichnung für ihn. In den Schriften des Sanskrit wird er nicht -erwähnt, ebensowenig in der älteren chinesischen Literatur. Erst in -chinesischen Werken des 10. oder 11. Jahrhunderts wird er angeführt, -und zwar als „Baum aus den Ländern der Muhammedaner“. Er scheint also -durch die Handelsbeziehungen der Chinesen mit Baktrien als Tausch -gegen Aprikose und Pfirsich von dort her nach China gelangt zu sein. -Auch in den vorgeschichtlichen Niederlassungen Südeuropas hat man -nirgends Spuren von Mandeln gefunden. Aber in Persien begegnen wir -diesem Fruchtbaum sehr früh. Von dort gelangte er schon vor der -Mitte des letzten vorgeschichtlichen Jahrtausends nach Syrien und -Kleinasien und von da vor dem Ende des 5. Jahrhunderts v. Chr. nach -Griechenland. Seine Frucht wird als ~naxía amygdálē~, d. h. Mandel von -Naxos -- einer Insel der Cycladen, welche, weil in der Mitte zwischen -dem südlichen Kleinasien und Griechenland liegend, eine natürliche -Zwischenstation beim Übergang von Kleinasien nach Griechenland -bildet -- zuerst von Phrynichos, einem Dichter der älteren attischen -Komödie und Zeitgenossen des Aristophanes im 5. Jahrhundert v. Chr. -erwähnt. Bei den attischen Komödiendichtern des 4. vorchristlichen -Jahrhunderts ist seine Frucht als ~amygdálē~ schlechthin schon ganz -gewöhnlich. Von den Griechen lernten dann die Römer den Fruchtbaum -kennen. Noch gegen die Mitte des 2. Jahrhunderts v. Chr. kennt Cato in -Italien die Mandeln nur als fremde Importware unter der Bezeichnung -„griechische Nüsse“, als Beweis dafür, daß die Römer diese Früchte -durch Vermittlung der Griechen Unteritaliens erhalten hatten. Erst bei -Columella, einem römischen Ackerbauschriftsteller des 1. Jahrhunderts -n. Chr., ist der Mandelbaum unter der griechischen Bezeichnung -~amygdala~ auch in Mittelitalien heimisch, während seine Früchte immer -noch griechische Nüsse heißen. Die Bezeichnung ~amygdala amara~ und -~dulcia~, d. h. bittere und süße Mandeln, treten uns zum erstenmal -in der „Zusammenstellung der gebräuchlichsten Medikamente“ des -Scribonius Largus entgegen, die noch vor der Mitte des 1. christlichen -Jahrhunderts verfaßt wurde. Seither ist die Pflanze in ganz Italien -eingebürgert, und aus dem griechisch-lateinischen ~amygdale~ ist im -Laufe der Jahrhunderte das italienische ~mandorle~ und daraus unser -Mandel geworden. In allen Gärten stehen in Italien die Mandelbäumchen -im Februar und März im Schmucke ihrer schneeigen Blüten, bevor noch die -Blätter hervorgekommen sind. Ihre Früchte sind nicht bloß eine beliebte -Volksnahrung, sondern man gewinnt heute auch aus ihnen ein als sehr -mild geschätztes Öl, aus den bittern dagegen das in der Parfümerie -Verwendung findende Bittermandelöl und ein bei Husten reizmilderndes -blausäurehaltiges Wasser, das übrigens gleicherweise auch aus den -Kirschlorbeerblättern bereitet wird. - -Nördlich der Alpen ist der Mandelbaum, soweit er in den klimatisch -milderen Gegenden noch zu gedeihen vermag, erst in nachrömischer Zeit -naturalisiert worden. Bei den Ausgrabungen des römischen Militärlagers -der Saalburg bei Homburg vor der Höhe hat man keine Spur von Mandeln -gefunden, und der Fund einer Mandelschale in dem wahrscheinlich -spätrömischen Pfahlwerk im Tale der Fulda nördlich des Mains wird -von den maßgebenden Forschern mit einem Fragezeichen registriert. -Der althochdeutsche Name ~mandulae~ hat zwar gegenüber dem gelehrten -angelsächsischen ~amigdal~ einen entschieden volkstümlichen Anstrich, -er kann aber wegen des unverschobenen ~d~ frühestens im 8. Jahrhundert -aufgenommen worden sein. Im ~Capitulare de villis~ Karls des Großen vom -Jahre 812 und in dem nach dem Muster desselben abgefaßten Entwurfe zum -St. Galler Klostergarten vom Jahre 820 werden unter den zu pflanzenden -Bäumen auch ~amandalarii~, d. h. Mandelbäume aufgeführt, aber in den -Inventaren der kaiserlichen Gärten vom Jahre 812 fehlen sie. - -Der Mandelbaum, der in bezug auf Kälte noch empfindlicher ist als der -Pfirsichbaum, scheint also auch in der Karolingerzeit nur ausnahmsweise -und wohl nur in einigen besonders warmen Landesteilen gezogen worden -zu sein. Obwohl er gegenwärtig am Oberrhein und in der Rheinpfalz -recht gut gedeiht und seine Früchte reift, so pflegen wir doch auch -heute noch die Mandel zu den Südfrüchten zu zählen. Ähnlich war es im -Mittelalter. Die Mandeln, welche damals in Deutschland konsumiert und -zu medizinischen Zwecken verwendet wurden, stammten wohl größtenteils, -wie heute noch, aus Italien. Die Bewohner Nordfrankreichs dagegen -scheinen ihren Bedarf an Mandeln außer aus den südlichen Teilen des -eigenen Landes namentlich aus Spanien bezogen zu haben, wie die -Geschichte des altfranzösischen Namens ~almande~ vermuten läßt. - -Die nahe Verwandtschaft zwischen Mandel und Pfirsich spricht sich auch -darin aus, daß beide sehr leicht gekreuzt werden können und auch dann -noch reichlich Früchte tragen. Wie der Pfirsich seine rosenroten, -treibt auch die Mandel ihre weißen Blüten vor der Entfaltung der -Blätter, damit diese um so ausgiebiger von den Bienen befruchtet -werden. Wie in den Mittelmeerländern wird auch im Süden der Vereinigten -Staaten, besonders in Kalifornien, die Mandelkultur manchenorts im -großen getrieben. - -In den lichten Wäldern Transkaukasiens und Armeniens ist die wegen -ihrer süßen, saftigen Trauben so geschätzte +Weinrebe+ (~Vitis -vinifera~) zu Hause, wo sie heute noch wild, wenn auch mit kleinen -und wenig schmackhaften, etwas herben Früchten gefunden wird. Als -Schlingpflanze rankt sie sich wie bei uns die Waldrebe von Baum zu -Baum und klettert in die Wipfelregion ans Licht empor. Hier ist sie -wohl zuerst durch Kulturauslese veredelt und zur Kulturpflanze mit -großen, süßen Früchten gemacht worden. Doch ist Westasien nicht die -ausschließliche Heimat dieser Waldliane. Ihr Vorkommen reicht von -hier ostwärts bis in das gemäßigte Mittelasien hinein und westwärts -über ganz Südeuropa und einen Teil Mitteleuropas. Doch wurde sie -hier nirgends kultiviert, sondern, wie Funde aus Südfrankreich, der -Schweiz und Norditalien beweisen, wurden ihre Früchte schon zur -Steinzeit gelegentlich vom Menschen gesammelt und gegessen, wo wir -dann zur Seltenheit einmal ihre harten Samen unter dem Speiseabfall -seiner Niederlassungen finden. Immerhin sind manche Angaben über -das Wildvorkommen der Rebe in Süd- und Mitteleuropa mit Vorsicht -aufzunehmen, da diese Kulturpflanze in den Weinbau treibenden Ländern -leicht verwildert und dann als dort heimisch angesehen wird. So ist es -sehr zweifelhaft, ob die in Baden und im Elsaß gefundenen angeblich -wilden Reben wirklich ursprünglich wild wachsend oder nicht bloß seit -der Einführung des Weinstocks in diesen Gegenden verwildert sind, was -immerhin das wahrscheinlichste sein dürfte, da sonst wilde Reben in -Deutschland außerhalb der Weinbauregion noch nicht nachgewiesen werden -konnten. - -Der heute über die ganze Welt ausgedehnte Rebbau hat seinen Ursprung -in den Ländern südlich des Kaukasus und des Kaspisees genommen, -wo die wilde Rebe ganz besonders üppig gedeiht und den Menschen -geradezu zu ihrer Domestikation auffordert. Von Armenien kam er im -4. vorchristlichen Jahrtausend nach Babylonien, Syrien und Palästina -und läßt sich von der 5. Dynastie, d. h. seit 2700 v. Chr. an auch in -Ägypten nachweisen. Über Kleinasien und Griechenland wanderte er dann, -wie wir später bei der Besprechung des Weinbaus eingehender sehen -werden, nach Italien und von da nördlich der Alpen zu den gallischen -und rätischen Stämmen und zuletzt zu den Germanen. - -Alle Ausdrücke dieser Völker, die auf den Weinbau Bezug haben, sind dem -Lateinischen entnommen von ~vindemia~ (franz. ~vendange~) Wingert oder -Weinlese bis ~mustum~ (franz. ~moût~) Most und ~vinum~ (franz. ~vin~) -Wein. - -Sehr zahlreich sind die Anweisungen der antiken Ackerbauschriftsteller -über die beste Art des Rebbaus. Schon der im 8. Jahrhundert v. Chr. -lebende griechische Dichter Hesiod singt: „Wenn der Frühling beginnt -und die Schwalbe kommen will, dann mache dich ans Beschneiden der -Weinstöcke (~oínē~),“ und „wenn der Orion und der Sirius bis zur Mitte -des Himmels steigen, dann ist die Zeit da, in der du die Trauben -abschneiden und nach Hause bringen mußt.“ Varro und Columella berichten -eingehend über die Anlage des Weingartens (~vinea~) und die Behandlung -der Rebe (~vitis~). Letzterer meint: „Die Zahl der verschiedenen -Weinsorten ist so zahllos wie die Sandkörner der libyschen Wüste; denn -jede Gegend und fast jeder kleine Ort hat seine besonderen Sorten und -für diese besondere Namen. Manche haben auch ihren Namen geändert, -indem sie anderswohin versetzt wurden; manche haben in ihrer neuen -Heimat ihre Eigentümlichkeit verloren, so daß sie der Ursorte gar nicht -mehr ähnlich sind. Ganz richtig haben schon Cato und nach ihm Celsus -gesagt, man solle nur Weinsorten pflanzen, die in gutem Rufe stehen, -und solle sie nur in dem Falle behalten, daß sie sich als gut bewähren. -Für einen recht günstigen Standort müssen wir recht edle Sorten wählen, -für einen ungünstigen aber solche, die große Mengen von Trauben zu -geben pflegen.“ - -Wie von jeher die Orientalen, so waren auch die alten Griechen und -Römer große Liebhaber der Traube, die von ihnen als die edelste der -Früchte gepriesen wurde. Um solche möglichst lange essen zu können, -wurde sie frisch oder gedörrt und auf die mannigfaltigste Weise -konserviert aufbewahrt. Verschiedene solche Verfahren beschreibt -Columella. Von seinen zahlreichen Angaben über die Aufbewahrung von -Trauben wollen wir hier einige anführen: „Um Trauben (~uva~) ein Jahr -lang frisch zu erhalten, verpicht man ihren Stiel sogleich, wenn man -sie vom Stocke geschnitten hat. Dann füllt man ein neues irdenes Gefäß -mit recht trockener Spreu, die man durch Sieben vom Staube gereinigt -hat, und legt die Trauben darauf. Alsdann bedeckt man das Gefäß mit -einem andern, verpicht die Fuge mit Lehm, der mit Spreu vermischt -ist, stellt das Gefäß auf ein recht trockenes Gestell und bedeckt es -mit trockener Spreu. Eine andere Art, Trauben frisch zu erhalten, ist -folgende: In einen großen Tonkrug (~dolium~) wird eingedickter Most -gegossen, über diesen werden Stöcke in die Quere eingeklemmt, die -jedoch den Most nicht berühren dürfen. Auf diese Stöcke werden neue -irdene Schüsseln gesetzt und in diese die Trauben so gelegt, daß sie -einander nicht berühren. Dann werden die Deckel auf die Schüsseln -gelegt und verstrichen. Nächstdem setzt man neue Stöcke über den -Schüsseln ein und auf diese neue Schüsseln, und fährt so fort, bis das -ganze Faß voll ist. Endlich setzt man den Deckel auf, der gut gepicht -und inwendig tüchtig mit eingedicktem Most bestrichen wird, worauf man -die Fugen noch mit Asche verklebt. Andere tun eingedickten Most in das -Tongefäß, stemmen Stöcke hinein, hängen die Trauben an die Stöcke, so -daß sie den Most nicht berühren, legen den Deckel auf und verstreichen -ihn. Andere legen Trauben schichtweise in Gerstenkleie, oder Sägemehl -von Pappeln oder Tannen, oder Gipsmehl. Mein Onkel Marcus Columella -(zu Gades in Spanien) tat die Trauben in große Tonkrüge, die in- und -auswendig stark gepicht waren; sie durften einander nicht berühren und -von jeder war der Stiel in siedendes Pech getaucht. War der Deckel -aufgelegt und die Fuge mit Gips verstrichen, so wurde auch der Gips -noch tüchtig gepicht, so daß durchaus keine Feuchtigkeit eindringen -konnte. Nun wurden die Krüge in Quell- oder Brunnenwasser gestellt und -so mit einem Gewichte beschwert, daß sie ganz unter der Oberfläche -blieben. Auf solche Weise halten sich die Trauben vortrefflich, müssen -aber, wenn sie herausgenommen sind, gleich gegessen werden, weil sie -sonst sauer werden. Als allgemeine Regel muß noch die aufgestellt -werden, daß man Äpfel und Trauben nicht an demselben Orte aufbewahren -darf, ja daß der Geruch der Äpfel nicht einmal aus einiger Entfernung -die Trauben erreichen darf, denn er verdirbt sie.“ - -Häufig wurden auch Traubenbeeren und ganze Trauben an der Sonne -getrocknet (~uva passa~) und dann in Töpfen aufbewahrt. Vielfache -Verwendung fand in der griechischen und römischen Küche auch der durch -Kochen eingedickte Traubenmost (~defrutum~), wie auch der aus sauer -gewordenem Wein hergestellte Essig (~acetum~). - -Alle diese Produkte hat schon vorher der Orient gekannt und benützt. -So sind von der Traube gelöste, getrocknete Weinbeeren seit der Zeit -der Pyramidenerbauer, d. h. seit dem Beginne des 3. vorchristlichen -Jahrtausends, häufig als Wegzehrung den Toten mitgegeben worden und -finden sich teilweise so gut in den altägyptischen Gräbern erhalten, -daß sich der Zucker darin noch nachweisen läßt. - -Wie die Rebenkultur heute in Mitteleuropa betrieben wird, ist genugsam -bekannt, so daß wir nicht näher darauf einzugehen brauchen. Es -genüge hier zu bemerken, daß der Weinstock einer sorgfältigen Pflege -bedarf, viel Sonne und einen kalkreichen, steinigen, d. h. viel Wärme -verschluckenden Boden verlangt. Aber wenn auch alle diese Bedingungen -erfüllt sind, ist die Rebe, wie die Erfahrung gelehrt hat, nur dann -wirklich ertragreich und liefert wertvolle Trauben, wenn sie richtig -geschnitten wird. Die Fortpflanzung geschieht durch Stecklinge, die -meist mit drei Augen, d. h. Knospen zur Verwendung gelangen. Das -unterste derselben wird in die Erde gesteckt; die beiden andern treiben -aus und geben je nach der Kraft des Triebes mehr oder weniger lange -Schosse, die man im Herbst zurückschneidet, und zwar den oberen so, -daß 8-9 Augen bleiben, die anderen aber viel weiter zurück, so daß nur -zwei Augen bleiben. Jenes Reis ist das Tragholz für das nächste Jahr; -denn die an ihm befindlichen Augen entwickeln Triebe, welche nach dem -4. oder 5. Blatte Blüten erzeugen. Man läßt an diesen Trieben nur eine -bestimmte Zahl Blätter stehen, nach dem 2. oder 3. oberhalb der letzten -Blütentraube bricht man den Schoß ab, um nicht unnütz Nährstoffe nach -dem fernerhin nicht weiter brauchbaren Triebe gelangen zu lassen. Hat -das Tragholz, der sogenannte Schenkel, abgetragen, so schneidet man -dasselbe mit dem hakenförmig gekrümmten Rebmesser ab, das die Römer -der Kaiserzeit in Gallien und in den von den Legionären aus Gallien -und Hispanien am linken Rheinufer gepflanzten Rebbergen schon in -gleicher Weise besaßen wie wir heute noch, die wir ja einst die ganze -Rebkultur mit allen Geräten und diesbezüglichen Bezeichnungen von jenen -übernahmen. - -Während das Tragholz im Sommer seine Früchte an den Seitentrieben -zeitigte, entwickelte der oben erwähnte, kurz auf zwei Knospen -zurückgeschnittene „Zapfen“ aus demselben wieder zwei lange Triebe, die -man bis zum Herbste auswachsen läßt. Sie können eine sehr beträchtliche -Länge erreichen und bringen Blätter und in den Achseln derselben -Knospen hervor. Von ihnen treiben in demselben Jahre alle, ausgenommen -die obersten, in Form von schwachen Zweigen aus, die „Geize“ genannt -werden. Da diese im ersten Jahre überhaupt nicht zum Blühen kommen, -und auch im zweiten Jahre, wenn sie zu Tragholz werden, auch nur -schwächlich blühen würden, schneidet sie der Weinbauer weg, läßt ihnen -aber meist 2-3 Blätter. Diesen letzteren kommt nämlich eine doppelte -Bedeutung zu. Es entsteht nämlich neben dem Geize eine zweite Knospe, -die sich als eine Achselknospe aus dem untersten Schuppenblatte äußerst -kräftig entwickelt und einerseits zu ihrer Ernährung der beiden Blätter -des bei ihr stehenden Geizes bedarf, andererseits aber auch leicht zum -Austreiben käme, wenn man den Geiz bis zum Grunde entfernen würde. - -Im Herbst wird nun wieder an den beiden Schossen des Zapfens der -Schnitt in der Weise ausgeführt, daß der obere mit 8-10 Augen zum -Schenkel wird und im nächsten Jahre das Tragholz liefert; die untere -wird dagegen abermals zum Zapfen. An den in den Treibhäusern gezogenen -Reben schneidet man das Tragholz viel weiter zurück, so daß an dem bis -zu 15 Jahren tragfähigen Haupttrieb seitlich knorrige Stümpfe stehen -bleiben, aus denen dann eine neue Tragrebe gezogen wird. Hier läßt man -meist auch nur zwei Trauben zur Ausbildung gelangen. Durch Auspflücken -der zu reichlichen Beerenanlagen bringt man es dahin, daß die -bleibenden zuweilen eine ganz außergewöhnliche Größe erreichen. So hat -man in England durch die sorgfältigste Pflege und reichliche Düngung -Trauben von über 7,5 kg Schwere mit pflaumengroßen Früchten -gezogen, die jedenfalls diejenigen, die die Kundschafter der Juden aus -dem Lande Kanaan brachten, noch weit übertreffen. - -Noch jetzt ist jenes den Israeliten bei ihrem Zuge durch die Wüste -gelobte Land, Palästina, ein vorzügliches Weinland, wo die Kultur der -Rebe heute noch wohl in derselben Weise wie vor 4000 Jahren betrieben -wird. Die Weinberge sind meist auf hügeligem Gelände angelegt, weil die -terrassenförmig aufsteigenden Hänge dem Weinbau günstig sind und dieses -Terrain sich weniger für Getreidebau eignet. Doch ist auch viel flaches -Gebiet mit Reben bepflanzt und zahlreiche Namen von Ortschaften, die -heute keinen Rebbau mehr haben, weisen darauf hin, daß dies früher, vor -der dem Wein feindseligen muhammedanischen Invasion noch der Fall war. -Zum Schutze gegen Menschen und Tiere, unter welch letzteren besonders -die Füchse zu nennen sind, die sich bei der Traubenreife als ungebetene -Gäste zum Schmause einstellen, werden die Weinberge im Orient mit -1-2 m hohen trockenen Steinmauern, die noch mit Dornen bewehrt sein -können, oder mit lebenden Hecken von dem aus Amerika eingewanderten -Feigenkaktus umgeben. Mitten darin baut man aus losen, unbehauenen -Steinen einen 5-6 m hohen Turm, der oben eine von Laubwerk oder Matten -beschattete Hütte trägt, wo der Weinbauer bei der Traubenreife sein -Lager aufschlägt, um den Weinberg, den er von hier aus gut zu übersehen -vermag, Tag und Nacht zu überwachen. Da diese Hütten häufig erneuert -werden müssen, so erscheinen sie schon einem Hiob (27, 18) als Bild der -Vergänglichkeit. - -In den Weinbergen Palästinas werden nicht nur Reben, sondern auch -andere Fruchtträger, wie Feigen-, Aprikosen-, Pfirsich- Apfel-, -Birn-, Mandel-, Quitten- und Granatbäume gepflanzt, deren Früchte -verführerisch locken. Da bleibt dem Fellachen, d. h. Bauern, bei der -diebischen Natur seiner Volksgenossen nichts anderes übrig, als diese -Schätze sorgfältig zu bewachen; denn was er nicht hütet, erntet er -auch nicht. Schon die unreifen Trauben und Früchte überhaupt liebt der -Morgenländer wie unsere Kinder sehr, indem er sie entweder roh oder -mit Essig und reichlich Olivenöl angemacht als Salat ißt. So zieht der -Winzer bei der Fruchtreife mit Sack und Pack in die Weinbergshütte -hinaus, um hier mit seiner Familie so lange zu hausen -- das Kleinvieh -bringt er in den kühlen Nächten im dunkeln Raum des Wachtturmes unter -dem Turmabschluß, wo er Wache hält, unter --, bis alles aufgegessen -oder verkauft ist. - -Bei der Neuanlage eines Rebbergs werden die Stecklinge als etwa -1,3 m lange Ruten gewöhnlich Ende Februar in 50 cm tiefe und 20 cm -breite Gruben in 2-4 m allseitiger Entfernung versenkt. Eine solche -Neupflanzung trägt dann im dritten Jahre die ersten Trauben. In manchen -Gegenden, besonders in der Ebene, läßt man die Reben am Boden liegen, -in andern zieht man sie aufrecht an Fruchtbäumen irgend welcher Art -oder an Pfählen in die Höhe. Schon im Februar wird der Rebberg, -nachdem die Erde durch mehrmaligen Regenfall genügend erweicht ist, -mit dem schon von den Vorfahren vor einigen tausend Jahren gebrauchten -primitiven hölzernen Hakenpflug gepflügt oder, wo dieser nicht -hinkommen kann, mit der Hacke gelockert und die Reben bis auf wenige -kurze Ruten mit kräftigen Augen beschnitten. Im Laufe des Frühjahrs -wird das Land noch zwei- bis dreimal zur Beseitigung des Unkrauts und -zur Auflockerung des Bodens gepflügt oder behackt. Nach vollendeter -Traubenblüte entwickelt sich dann üppiges Laubwerk und es treiben bis -3 m lange Schößlinge, deren Spitzen nach Bedarf entfernt werden. - -Die Trauben, die in der Ebene schon im Juni, im Gebirge erst im Juli zu -reifen beginnen, erlangen nach ihrer Reife eine Länge von zwei Spannen -und ein Gewicht von 1,5 kg mit großen, feinhäutigen, saftigen Beeren. -Sie werden, weil den Einwohnern als rechtgläubigen Muhammedanern der -Genuß des Weines verboten ist, entweder an Ort und Stelle gegessen -oder auf den nächsten Markt zum Verkaufe gebracht, wo sie nicht mehr -als höchstens 8 Pfennige das Kilogramm kosten. Mancherorts wird der -Überschuß zu Rosinen, Traubenhonig und Traubenkuchen verarbeitet, -um als solche in den Handel gebracht zu werden; die Beeren mancher -nichtreifender Sorten dagegen werden zur Herstellung einer süßen -Limonade, wie sie sonst aus Zitronensaft bereitet wird, verwendet. - -Die zu Rosinen bestimmten Trauben werden korbweise in ein Gefäß mit -geklärtem Laugenwasser, dem etwas Öl beigegeben ist, getaucht und auf -einem geebneten Dörrplatz im Weinberg oder auf Matten ausgebreitet -10-15 Tage lang zum Dörren der Sonnenhitze ausgesetzt. Die Benetzung -mit Lauge und Öl hat den Zweck, daß die Rosinen schön weich und von -der Sonne nicht allzusehr verbrannt werden, sie zugleich auch einen -gewissen Glanz erhalten. Zuletzt werden sie von den Stielen abgelesen -und nach der Größe sortiert. - -Der Traubenhonig wird in der Weise gewonnen, daß der ausgepreßte -Traubensaft mit einer weichen Kalksteinmasse vermischt, umgerührt und -über Nacht stehen gelassen wird. Dabei verbindet sich die Weinsäure mit -dem Kalk zu einer unlöslichen Verbindung und wird bei diesem Vorgange -zugleich der aus Pektin bestehende, die Lösung trübende Pflanzenschleim -niedergeschlagen. Der so durch den Kalk geklärte und in seiner Herbe -gemilderte Saft wird dann abgeschöpft und bis zu Sirupdicke eingekocht. -100 Teile Trauben geben etwas mehr als 20 Teile Traubenhonig, der sehr -gern als Zukost zum Brot verspeist wird und pro Kilogramm nur 20-30 -Pfennige kostet. - -Die Traubenkuchen werden teilweise ähnlich wie der Traubenhonig -bereitet. Den durch den kohlensauren Kalk der Kalksteinmasse abgeklärte -und von der Säure befreite Traubensaft läßt man etwas einkochen und -rührt Mehl oder Gries und hernach Pinien- oder Kiefernsamen hinein. -Der so entstandene dicke Brei wird auf Tücher gestrichen, an der Sonne -getrocknet, um als dünne Fladen abgenommen und verspeist zu werden. 1 -kg kostet in Palästina etwa 1.50 bis 1.80 Mark. - -Auch die christlichen Araber produzieren wenig Wein, um so mehr aber -die in Palästina niedergelassenen Europäer, besonders die als höchst -wertvolle Erwerbung des Landes daselbst ihre Kolonien gründenden -Templer, die meist aus dem Schwabenlande stammen und das solide -deutsche Bauerntum nach dem Morgenlande verpflanzten. Der Palästinawein -ist ein sehr kräftiges Getränk von etwas herbem Geschmack. Weinkeltern -(vom lat. ~calcatura~), wie sie die Kanaaniter und Israeliten hatten -und wie man sie noch in manchen Weinbergen sieht, werden nicht mehr -benutzt. Es waren dies zwei in Felsen gehauene Becken, von denen das -größere, in welchem die Trauben mit den Füßen ausgetreten wurden, -etwa 4 m auf jeder Seite mißt. Dasselbe wurde gelegentlich auch zum -Ausdreschen von Getreide benützt. Sein flacher Boden neigt nach einer -Ecke, wo eine Rinne es mit dem kleineren, tiefer liegenden Becken zur -Aufnahme des Mostes (aus dem lateinischen ~mustum~) verbindet. Von -da aus wurde dieser in mit nach innen gekehrtem Fell gebildete und -mit Harz oder Pech verstrichene Schläuche aus Tierhaut gefaßt, oder -man goß ihn, wie die christlichen Araber noch immer tun, in irdene -Gefäße und leerte ihn nach der Gärung mit Zurücklassung der Hefe in -andere Gefäße. Der Araber, der alles Süße liebt, zeigt eine Vorliebe -für süßen und starken Wein, den er aus Trauben keltert, die 14 Tage -lang schön ausgebreitet in der Sonne lagen. Der daraus gepreßte Saft -ist süß, zugleich aber stark berauschend. Wenn die Araber Weinmost -lange aufbewahren wollen, so pflegen sie ihn zu kochen und dann erst in -Tonkrüge zu füllen, in die oben am Halse etwas Olivenöl als Verschluß -hinzugefügt wird. Das Weinbereitungsgeschäft vollzieht sich im -Morgenlande noch rascher als im Abendlande, da die zerdrückten Trauben -schon nach 6-12 Stunden in Gärung übergehen und also nicht lange stehen -bleiben dürfen. - -Weitere aus Asien zu uns gelangte Fruchtbäume sind die mit den Ulmen-, -Nessel- und Feigengewächsen verwandten +Maulbeerbäume+. Lange vor -dem aus Ostasien stammenden weißen ist der westasiatische +schwarze -Maulbeerbaum+ (~Morus nigra~) ins Mittelmeergebiet und von da aus nach -Mitteleuropa eingeführt worden. Seine ursprüngliche Heimat deckt sich -mit derjenigen der Kulturrebe und erstreckt sich vom Gebirgsland von -Armenien bis gegen Persien. Er erschien zu Ende des 6. vorchristlichen -Jahrhunderts in Griechenland und von da ein Jahrhundert später auch -in Italien. Schon der Dichter Aeschylos, der im Jahre 456 v. Chr. -in Sizilien starb, spricht in zweien seiner Tragödien von ~môra~ -(~plur~. von ~môron~), die später auf Maulbeeren bezogen wurden, aber -im gewöhnlichen Sprachgebrauch Brombeeren heißen. Im Volksgebrauch -sind nämlich die Maulbeeren wegen ihrer Gestalt und Färbung zunächst -als Brombeeren bezeichnet worden. Dem diese Früchte tragenden -Baum aber gaben die Griechen, weil er völlig verschieden von der -Brombeerstaude war, den Namen ~sykáminos~. Dies war aber eigentlich -ihre Bezeichnung für die +Sykomore+ oder den +Maulbeerfeigenbaum+ -(~Ficus sycomorus~), der ursprünglich in Ägypten zu Hause war, aber -früh in Westasien von Palästina, Syrien und Cypern bis nach Karien und -die Insel Rhodos angepflanzt wurde. Die Griechen lernten ihn dort auf -ihren Handelsfahrten kennen und bildeten aus dem syrischen Namen der -Früchte ~schikmim~, einem Pluralis, mit Anlehnung an die griechische -Bezeichnung für Feige ~sýkos~ ihr ~sykáminos~ als Namen für den Baum. - -Als nun der Maulbeerbaum bei seinem Vordringen nach Westen zu den -Griechen der kleinasiatischen Küste gelangte, nannten sie ihn wegen -der Ähnlichkeit der Blätter und seiner ganzen Gestalt mit der -Sykomore eben auch ~sykáminos~. Nicht nur in der Naturgeschichte -der Pflanzen des Theophrastos (390-286 v. Chr.), sondern noch bei -späteren Schriftstellern werden beide Bäume mit demselben Worte -bezeichnet. Der zur Zeit Cäsars und Augustus lebende griechische -Geschichtschreiber Diodoros aus Sizilien unterschied zuerst die beiden -Fruchtbäume, indem er erklärte, es gebe zwei Arten ~sykáminos~: -die eine trage brombeer-, die andere feigenähnliche Früchte. Zum -Unterschiede von der eigentlichen Brombeere (~môron~) nannte man die -Früchte der brombeerfrüchtigen ~sykáminos sykómōron~. So entstand -der jüngere Name des Maulbeerbaums ~sykómoros~, welcher bald als -vollkommen gleichbedeutend mit ~sykáminos~ gebraucht und auch auf den -ägyptischen ~sykáminos~, den Maulbeerfeigenbaum, ausgedehnt ward, der -davon heute noch Sykomore heißt. Das gemeine Volk aber blieb bei der -Bezeichnung ~môron~ (Brombeere) für Maulbeere und unter diesem Namen -kam die Frucht von den Griechen Unteritaliens zu den Römern, die den -Namen um so williger annahmen, als ~morum~ auch bei ihnen die von den -Griechen übernommene Benennung der Brombeere war. Später drang auch das -Wort ~sycomorus~ ein, das für Maulbeere und Brombeere gleicherweise -gebraucht wurde; da unterschied man die Maulbeere als Baumbrombeere -von der gewöhnlichen oder Waldbrombeere. Auch im Lateinischen des -Mittelalters hieß der Baum ~morus~ und die Frucht ~morum~ (~plur. -mora~). Unter diesem Namen wird er im ~Capitulare de villis~ und in -den beiden Garteninventaren Karls des Großen aus dem Jahre 812 und -im Entwurf zum St. Galler Klostergarten aus dem Jahre 820 unter den -anzupflanzenden Obstbäumen angeführt. - -Der Maulbeerbaum erreicht eine ansehnliche Größe und trägt ein dunkles -Laub, das im Frühling spät hervorbricht. Daher bezeichnet ihn Plinius -im 1. christlichen Jahrhundert als den weisesten unter den Bäumen, der -sich erst hervorwage, wenn kein Frühlingsfrost mehr zu fürchten sei. -Die süßsäuerlichen, dunkelroten Beeren munden erst, wenn sie völlig -reif sind, und müssen dann rasch verzehrt werden, da ihr Saft leicht -in saure Gärung übergeht. Man pflückt sie daher im Süden frühmorgens -und genießt oder verkauft sie, ehe die Hitze des Tages sie verdorben -hat, heute noch wie in alter Zeit, da der römische Dichter Horaz -im augusteischen Zeitalter solches in einem Gedichte aussprach. -Mit ihrem roten Safte bemalten sich üppige Weiber und lose Männer -beim Mummenschanz die Wangen und färbten vielfach auch ihren Wein -dunkelrot. Der als Zeitgenosse des Horaz um die Wende der christlichen -Zeitrechnung lebende, im Jahre 17 n. Chr. in der Verbannung in der -Stadt Tomi in der heutigen Dobrudscha am Westrande des Schwarzen Meeres -verstorbene römische Dichter Ovid erzählt uns im vierten Buche seiner -Metamorphosen, woher die rote Farbe der Maulbeeren stamme, nämlich vom -Blute des Pyramus, als dieser sich wegen seiner von einem Löwen getötet -geglaubten Geliebten Thisbe unter dem Maulbeerbaume den Tod gab. Es -ist dies eine durchaus kleinasiatische, auch bei anderen Pflanzen mit -rotsaftigen Früchten wiederkehrende Sage, die diesmal in Babylonien vor -sich gegangen sein soll, wohl als Erinnerung an die Herkunft des Baumes -aus dem fernen Osten. - -Plinius sagt vom Maulbeerbaum: „Die Gärtnerkunst hat an diesem Baum -nicht viel ausgerichtet, auch durch Veredeln nicht; doch zeigen sich -die Früchte an Größe verschieden.“ Nach Athenaios um 200 n. Chr. -labten sich an letzteren besonders die Kinder. In der Geoponika, -einer wahrscheinlich ums Jahr 912 n. Chr. veranstalteten Sammlung -von Auszügen aus alten griechischen Schriften über Land- und -Gartenwirtschaft, wird gesagt, daß man die Maulbeere auf Kastanie, -Speiseeiche, Apfel- und wilden Birnbaum, auf Terpentin-Pistazie, Ulme -und Silberpappel pfropfe; in letzterem Falle würden die Maulbeerfrüchte -weiß. - -Der +weiße Maulbeerbaum+ (~Morus alba~) war dem Altertum und dem -Mittelalter vollkommen fremd; denn erst im 15. Jahrhundert gelangte -dieser im zentralen und östlichen Asien heimische Baum von kleinerem -Wuchse, glatteren und zarteren Blättern als sein Schwesterbaum, die -schwarze Maulbeere, und süßen, etwas faden, weißen Früchten mit der -Einführung der ostasiatischen Seidenraupenkultur aus China nach -Südeuropa. Diesem Insekte behagen die viel rauheren und gröberen -Blätter des schwarzen Maulbeerbaumes nicht, und so führte man mit -seiner Zucht auch den ostasiatischen weißen Maulbeerbaum bei uns ein. -Überall in Norditalien und Südfrankreich, wo die Seidenraupenzucht -in großem Maßstabe betrieben wird, treffen wir diesen Baum in langen -Reihen angepflanzt an, um ihn seiner Blätter zu berauben, die jenem -Tiere verfüttert werden, damit es daraus groß werden und schließlich -seine Seidenhülle bei der Verpuppung spinnen könne. In Deutschland -bemühte sich besonders Friedrich der Große um die gewinnbringende -Zucht desselben und damit um die Anpflanzung des weißen Maulbeerbaums, -dessen Laub das einzige Futter ist, das den Seidenraupen gereicht -werden kann. Doch hatte er dabei nur geringen Erfolg, da das Klima zu -rauh für das Gedeihen jener Tiere ist. - -[Illustration: - - Tafel 19. - -Reihe von weißen Maulbeerbäumen, deren Blätter den Seidenraupen als -Futter dienen, im Kanton Tessin. - -Uralter Feigenbaum in Roscoff (Finisterre). Der Baum bedeckt eine -Fläche von 600 qm.] - -[Illustration: - - Tafel 20. - -Ein Hain alter Ölbäume bei Arco in Südtirol.] - -Nahe verwandt mit dem Maulbeerbaum ist, wie wir übrigens schon aus der -Ähnlichkeit der Maulbeeren und Maulbeerfeigen schließen können, der -+Feigenbaum+ (~Ficus carica~), der sehr gern wild in Felsspalten wächst -und von Nordwestindien bis in die Mittelmeerländer vorkommt. Verwildert -begegnet man ihm hier überall sehr häufig, aber wahrhaft wildwachsend -fand ihn Th. Kotschy an den Ufern des nördlichen Euphrat. Der Stamm ist -strauch- bis baumartig, kann bei einem Durchmesser von 40-50 cm bis -10 m hoch werden. Das Holz ist leicht und porös und hat ein schwammiges -Mark wie dasjenige des Holunders. Der Bast, die Blätter und Früchte -sind mit Milchgefäßen versehen. Die Frucht ist eine Scheinfrucht von -grünlicher, purpurroter, brauner oder fast schwarzer Farbe, innen -fleischig, gelb bis rot und besteht aus dem fleischig gewordenen, -urnenartig vertieften Fruchtboden, auf welchem -- von außen unsichtbar --- die winzigen Blüten und später die sehr kleinen Samen sitzen. In -Südeuropa gibt ein völlig ausgewachsener Feigenbaum jährlich etwa 100 -kg frische Feigen, die im getrockneten Zustande etwa 30 kg schwer -sind. Diese bilden in den südlichen Ländern ein Hauptnahrungsmittel -für Menschen und Tiere und werden frisch und gedörrt als gesundes -Obst gegessen. Infolge der mehrtausendjährigen Kultur gibt es eine -große Menge von Varietäten. Alle werden am besten durch Stecklinge -fortgepflanzt, durch Samen nur dann, wenn neue Spielarten gewonnen -werden sollen. - -Der Feigenbaum verlangt nasse Winter mit nur 2° C. Kälte und trockene -Sommer mit bis zu 55° C. in der Sonne, eine gegen Nord- und Ostwinde -geschützte Lage und sandigen Humusboden mit kalkigem Untergrund. Da nur -die jungen Zweige Früchte hervorbringen, werden die Spitzen der jungen -Triebe abgekneift, wenn sie etwa 12 cm lang sind, damit sie im nächsten -Jahre reichlich tragen. Ist die junge Pflanze 3 m hoch geworden, so -spitzt man sie ein, um ihr Wachstum in die Breite zu veranlassen. -Wächst ein Zweig zu üppig ins Holz, so drückt man seine Spitze gegen -das Ende hin mit dem Finger so zusammen, daß die weiche, saftige -Substanz dem Drucke nachgibt, wodurch das Längenwachstum aufhört und -der Saft in die Teile zurückgeht, in denen er notwendig ist. Dadurch -und durch das Biegen der Zweige in Bogen, die Spitze nach abwärts, -werden diese Teile sehr fruchtbar. Im Frühjahr müssen die Bäume -gedüngt werden; dabei werden sie bis über 100 Jahre alt. - -Irgendwo im semitischen Westasien ist der Feigenbaum in grauer Vorzeit -in Kulturpflege genommen worden, und zwar soll nach der Lautgestalt -der semitischen Bezeichnungen ~tinu~ für Feigenbaum und ~balasu~ für -Feige nach Lagarde im Wohngebiet des Bachrâstammes im südöstlichen -Arabien die engere Heimat der Kulturfeige sein, eine Annahme, -die der Straßburger Botaniker Graf H. von Solms-Laubach auch aus -naturgeschichtlichen Gründen für glaubhaft hält. Schon sehr früh wurde -der Feigenbaum in Syrien und Palästina heimisch und ließ hier eine -Fülle süßer Früchte reifen, die den Bewohnern eine wichtige Nahrung -lieferten. Das Alte Testament erwähnt ihn oft, namentlich in Verbindung -mit dem Weinstock. So bedeutete bei den Juden Palästinas die Redensart: -unter seinem Weinstock und Feigenbaum wohnen, so viel als ein ruhiges, -friedliches Dasein genießen. - -Als die Herrscher Ägyptens im mittleren Reich zu Beginn der 12. -Dynastie (2000-1788 v. Chr.) in regere Verbindung mit Syrien traten, -gelangte der Feigenbaum von dort nach dem Niltal, wo wir seine -Darstellung in einem Grabe eben jener 12. Dynastie in Beni Hassan -antreffen. Dort ist unter anderem eine Feigenernte dargestellt. -Auf einem niederen, seine Zweige weit ausstreckenden Feigenbaum, -dessen gelappte, blaugrüne Blätter sehr deutlich erkennbar wieder -gegeben sind, sehen wir drei durch ihre Körperfarbe als Hundsaffen -(~Cynocephalus ursinus~), die im uralten Ägypten besondere Verehrung -genossen, charakterisierte Affen, die sich die Feigen schmecken lassen, -während unter dem Baume ein Mann damit beschäftigt ist, die braungelben -Feigen von den Zweigen zu pflücken und sie in einen aus Papyrus -geflochtenen viereckigen Korb zu legen. Ein anderer ist eben im Begriff -seinen mit Tragriemen versehenen, ganz mit Feigen gefüllten Korb vom -Boden aufzuheben, um ihn von dannen zu tragen. Unter den Opferspenden -und als Grabbeigabe werden die Feigen nur selten angetroffen, doch -waren sie im Niltal eine wichtige Medizin und wurde aus ihnen eine -Art Wein hergestellt. Sie hießen im Ägyptischen ~dab~ und der sie -liefernde Feigenbaum ~nuhi net dab~, d. h. Feigensykomore. Auch bei -den Juden wurden übrigens die Feigen, die eine wichtige Volksnahrung -bildeten, medizinisch verwendet. So wird uns berichtet, daß Hiskias, -der König von Juda, der von 728-697 regierte und den Jahvekult -wiederherstellte, 701 von den Assyrern unter Sanherib hart bedrängt, -einen lebensgefährlichen Karbunkel bekam und von diesem durch den -Propheten Jesaias geheilt wurde, indem er durch ein Feigenpflaster die -Geschwulst zum Aufbrechen brachte. Noch Plinius berichtet, daß in Wein -gesottene Feigen das beste Mittel zum Reifwerdenlassen von Karbunkeln -und Furunkeln seien. - -[Illustration: Bild 13. - -Feigenernte im alten Ägypten. Grabgemälde in Beni Hassan. (Nach -Woenig.)] - -Von Syrien verbreitete sich die Feigenkultur früh nach Kleinasien, wo -später besonders in Karien eine so gute Sorte gezogen wurde, daß diese -in Menge exportiert wurde. Auch in Lydien galten die Feigen neben -dem Wein so sehr als die ersten Güter des Lebens, daß nach Herodot -diejenigen, die dem Könige Kroisos (Crösus) den Zug gegen den Perser -Kyros abrieten, sich darauf beriefen, jene Menschen tränken nicht -einmal Wein, sondern Wasser, und hätten auch keine Feigen zur Nahrung. -Das homerische Zeitalter Griechenlands zu Ende des 2. vorchristlichen -Jahrtausends kannte die westasiatische Feige noch nicht. An den -wenigen Stellen, an denen vom Feigenbaum die Rede ist, handelt es sich -unverkennbar um den als ~erineós~ bezeichneten wilden Feigenbaum, -der schon in vorhistorischer Zeit über das ganze Mittelmeergebiet -verbreitet war. So berichtet die Ilias von einem großen wilden -Feigenbaum, der vor Troja stand, und die Odyssee von einem solchen, -der über dem Strudel der Charybdis (bei Messina) sich erhob. Noch in -augusteischer Zeit berichtet der um 25 n. Chr. verstorbene, aus Amasia -in Pontos gebürtige griechische Geograph Strabon, daß zu seiner Zeit -bei Troja, wo der Simoïs und Skamander zusammenfließen, eine rauhe, -mit wilden Feigenbäumen besetzte Stelle sei, und damals noch der vom -Dichter Homeros erwähnte wilde Feigenbaum (~erineós~) gezeigt werde. -Nur in einer offenkundig ganz späten Stelle der an sich gegenüber -der Ilias ziemlich jüngeren Odyssee wird der süße Feigenbaum (~sykéē -glykerḗ~) als neben anderen Fruchtbäumen im Garten des Phäakenkönigs -Alkinoos stehend erwähnt. Diese Stelle wird allgemein als ein -Einschiebsel aus späterer Zeit aufgefaßt. Die Forschung hat sicher -festgestellt, daß die Griechen an der kleinasiatischen Küste erst -im 9. Jahrhundert v. Chr. mit dem von ihnen als ~sykḗ~ bezeichneten -Feigenbaume mit eßbaren Feigen, ~sýkoi~ genannt, von Osten her bekannt -wurden. Der im 8. Jahrhundert in Böotien lebende Dichter Hesiod kennt -diesen edlen Feigenbaum noch nicht; erst Archilochos ums Jahr 700 -v. Chr. erwähnt Feigen als Erzeugnis seiner Heimatinsel Paros. -In Attika soll die Personifikation der Frucht hervorbringenden -mütterlichen Erde, Demeter (eigentlich ~Gē mḗtēr~) den Feigenbaum -als Geschenk dem Phytalos, der sie gastlich aufnahm, aus der Erde -haben hervorsprießen lassen, wie bei anderer Gelegenheit Athene den -Ölbaum. Der griechische Geschichtschreiber Pausanias berichtet in -seiner zwischen 160 und 180 n. Chr. verfaßten Reisebeschreibung durch -Griechenland, er habe noch die Inschrift auf dem Grabe des Heroen -gelesen, die folgendermaßen lautete: - - Hier hat Phytalos einst, der Held, die hehre Demeter - Gastlich empfangen, und hier zuerst erschuf sie die Frucht ihm, - Die von dem Menschengeschlecht die heilige Feige genannt wird; - Seitdem schmückt des Phytalos Stamm nie alternde Ehre. - -Wein und Feigen wurden in Griechenland bald allgemeines -Lebensbedürfnis, das arm und reich gleichermaßen zum täglichen Mahle -verlangte. Wohl jeder Athener war, wie es Plato von sich aussagt, -~philósykos~, d. h. ein Feigenfreund. Neben Sikyon, der Gurkenstadt im -Peloponnes, nahe der Meerenge von Korinth, rühmte sich die Landschaft -Attika der besten Feigen; und wie stolz gerade die Athener auf dieses -Produkt ihrer Kulturen waren, lehrt die von einem aus ihrem Kreise -erfundene Sage, der mächtige Perserkönig Xerxes habe sich nach seiner -Niederlage gegen die griechische Flotte bei Salamis im Jahre 480 -v. Chr. bei jeder Mittagstafel durch ihm vorgesetzte attische Feigen -daran erinnern lassen, daß er das Land, in welchem sie wüchsen, noch -nicht sein nenne und jene Früchte, statt sie sich von den Einwohnern -als seinen Untertanen steuern zu lassen, als ausländische Ware kaufen -müsse. - -Mit der griechischen Kolonisation gelangte der Feigenbaum schon früh -auch nach Sizilien und Unteritalien. Von hier aus wurden dann die -Bewohner Mittelitaliens mit ihm bekannt und aus dem griechischen -~sýkos~ wurde das lateinische ~ficus~. Ja, er findet sich sogar in -die Sage von der Gründung Roms verflochten, indem die ausgesetzten -Zwillinge, Romulus und Remus, von der Wölfin unter dem ruminalischen -(von ~rumen~, Zitze) Feigenbaum sollen gesäugt worden sein. Es ist -ganz derselbe Zug der Sage, der den den Juden der späteren Zeit ganz -unentbehrlichen Feigenbaum in den Garten Eden, das Paradies, versetzen -ließ. - -Noch zur Zeit des Kaisers Tiberius wurden nach Plinius wie heute edle -Feigenarten direkt von Syrien nach Italien verpflanzt. Besonders -beliebt in Rom waren nach ihm die kaunischen, die überall auf den -Straßen der Weltstadt von fahrenden Obsthändlern ausgerufen wurden. -Diese kaunischen Feigen haben einmal dem Marcus Crassus, als er gegen -die Parther zu Felde ziehen und an Bord des Schiffes gehen wollte, -Verderben prophezeit, indem ein Feigenverkäufer kaunische Feigen mit -dem Geschrei: ~cavneas~ ausbot, worin die Worte ~cave ne eas~ „hüte -dich zu gehen!“ lagen. Es war dies im Jahre 53 v. Chr., als der wegen -seines ungeheuren Reichtums von 30 Millionen Mark mit dem Beinamen -~dives~, d. h. der Reiche belegte Triumvir (neben Cäsar und Pompejus) -sich als Prokonsul nach Syrien begab, um die Parther zu bekriegen, -wobei er bei Carrhae besiegt und dann hinterlistig getötet wurde. - -Derselbe Plinius berichtet, daß die Feigen so groß wie Birnen werden, -und daß man zu seiner Zeit nicht weniger als 29 verschiedene Sorten -derselben unterschieden habe, die in Italien angepflanzt wurden; doch -seien die besten Eßfeigen von den Römern aus Kleinasien und Nordafrika -bezogen worden. „Wo es Feigen von vorzüglicher Güte gibt,“ sagt er, -„da trocknet man sie an der Sonne und bewahrt sie in Kästchen auf. Die -Insel Ebusus (jetzt Iviza, die größte der Pityusen- oder Fichteninseln -bei den spanischen Balearen) liefert ausgezeichnete Ware, auch das Land -der Marruciner (in Latium). Wo sie in größerer Menge vorhanden sind, -füllt man große Fässer damit, wie in Asien; in der afrikanischen Stadt -Ruspina füllt man sie in kleinere. Getrocknete Feigen werden statt Brot -gegessen. Der Genuß frischer Feigen dagegen ist der Gesundheit nicht -zuträglich.“ Außer als beliebte Volksnahrung, die sie überall im Süden -bis auf den heutigen Tag geblieben sind, verwandte man sie auch zur -Essigbereitung. Der aus Gades (dem heutigen Cadix) in Spanien gebürtige -römische Ackerbauschriftsteller Columella im 1. Jahrhundert n. Chr. -rühmt solchen besonders. Er schreibt: „Es gibt Gegenden, die Mangel -an Wein und also auch an Essig haben. In solchen muß man die Feigen -so reif als möglich sammeln, namentlich, wenn schon Regen eingetreten -ist und sie von selbst vom Baume fallen. Man tut sie in große Töpfe -und läßt sie da gären. Ist die Gärung so weit vorgeschritten, daß die -Feigen sauer geworden sind, wird alle Flüssigkeit, die nun aus Essig -besteht, sorgsam geseiht und in ausgepichte, wohlriechende Gefäße -gegossen. Solcher Essig ist ausgezeichnet gut und scharf, und wird nie -trübe und schimmelig, wenn er nicht an einem feuchten Orte steht.“ - -Wie Plinius, meint auch sein Zeitgenosse, der aus Kilikien gebürtige -griechische Arzt Dioskurides: „Frische Feigen sind, wenn auch reif, -dem Magen schädlich, erregen Ausschlag und Schweiß, beschwichtigen -Durst und Hitze. Trocken sind sie nahrhaft, erwärmen auch, erregen -Durst, bekommen dem Magen gut.“ Die reifen Früchte müssen gleich nach -dem Abpflücken gegessen werden und dürfen nicht viel mit den Fingern -gedrückt werden; daher soll nach Plinius der ältere Cato, der im Jahre -149 v. Chr. verstorbene unversöhnliche Gegner des wieder aufblühenden -Karthago, im römischen Senat eine frühreife (~praecox~) Feige aus -Karthago vorgewiesen und gesagt haben: „Ich frage euch, wann glaubt -ihr, daß diese Frucht vom Baume gebrochen wurde?“ Wie nun alle sie als -frisch anerkannten, fuhr er fort: „So wisset denn, daß sie vorgestern -in Karthago gepflückt wurde; so nahe an unseren Mauern haben wir den -Feind, daher stimme ich für die Vernichtung desselben.“ Als er diese -Worte gesprochen -- fährt Plinius fort -- ward der Krieg gegen Karthago -beschlossen, welcher mit der Zerstörung jener Stadt endete. Jedenfalls -wird jenes fanatisch die gefürchtete Rivalin Roms hassende Original, -das als Zensor die altrömische Sittenstrenge und Einfachheit der -Lebensweise aufrecht zu erhalten bestrebt war, eine unreif in Karthago -gepflückte und erst unterwegs durch Liegen zum Reifen gebrachte Frucht -in der Kurie vorgezeigt haben, um die Kriegserklärung durchzudrücken. - -Gemäß der volkstümlichen Ansicht, die Dioskurides und Plinius -vertreten, daß nämlich frische Feigen der Gesundheit nicht zuträglich -seien, wohl aber getrocknete, wurden tatsächlich auch vorzugsweise -getrocknete Feigen gegessen. Nach Columella wurden sie in der Sonne -gedörrt und, in gut gepichte, weite Tonkrüge festgetreten und unten -und oben mit Fenchel bestreut, gut verschlossen an einem trockenen -Orte aufbewahrt. So erhielten sie sich sehr lange gut. „Andere suchen -die saftigsten frischen Feigen aus, teilen sie mit einem aus Rohr -verfertigten Messer oder mit den Fingern, lassen sie an der Sonne -einschrumpfen und kneten sie dann zur Mittagszeit, wenn sie von der -Sonne durchwärmt sind, nach Sitte der Afrikaner und Spanier zu Kuchen -zusammen, die Sterne, Blumen oder Brote darstellen, trocknen sie -dann vollends in der Sonne und legen sie endlich in Gefäße.“ Welche -Mengen dieser getrockneten Feigen gelegentlich von einzelnen verzehrt -wurden, läßt uns der Geschichtschreiber Julius Capitolinus ahnen, wenn -er schreibt: „Clodius Albinus, welcher von dem in Gallien stehenden -römischen Heere zum Kaiser ausgerufen wurde (als Gegenkaiser des -Septimius Severus, von dem er alsbald 196 n. Chr. bei Lyon geschlagen -wurde, wobei er umkam), war, wie Cordus in seinem Werke erzählt, -so gefräßig, daß man es kaum für möglich halten sollte. So z. B. -verzehrte er nüchtern 500 getrocknete Feigen von der Sorte, welche die -Griechen ~kallistruthia~ nennen, oder 100 kampanische Pfirsiche oder -10 hostiensische Melonen oder 20 Pfund lavikanische Trauben oder 100 -Feigendrosseln oder 400 Austern.“ - -Der gelehrte Varro (116-27 v. Chr.) schreibt: „Die Samen der Feigen -sind so klein, daß kaum Pflänzchen aus ihnen entstehen können. Man -pflanzt daher in der Baumschule (~seminarium~) lieber junge Reiser -von Feigenbäumen, als daß man Samen sät. Letzteren wendet man nur an, -wenn man keine frischen Reiser haben kann, wie z. B. dann, wenn man -sich ausländische Feigensorten will über das Meer kommen lassen. In -diesem Falle werden reife Feigen an Bindfäden gebunden, getrocknet, -verschickt und so in die Erde gelegt. Auf diese Weise sind die -Feigensorten, welche jenseits des Meeres heimisch sind, nach Italien -gekommen.“ Nach einem griechischen Schriftsteller der Geoponika wurde -die Feige auch auf Maulbeerbäume und Platanen gepfropft, und zwar -nicht bloß wie andere Bäume im Frühjahr, sondern auch im Sommer bis -zur Wintersonnenwende. Columella schreibt: „Den Feigenbaum darf man -bei Kälte nicht pflanzen. Er liebt sonnige, steinige und felsige -Stellen. Er gedeiht schnell, wenn man ihn in eine weite Grube setzt. -Alle Feigensorten werden, obgleich sie sich durch Geschmack und Ansehn -unterscheiden, auf einerlei Weise gepflanzt. An kalte Standorte, die im -Herbste wasserreich sind, bringt man Frühsorten, damit die Ernte vor -eintretendem Regen eingebracht werden kann. An warme Stellen pflanzt -man Spätsorten. Will man eine Frühsorte künstlich in eine Spätsorte -verwandeln, so bricht man die ersten Früchte, wenn sie noch klein sind, -ab, worauf der Baum andere treibt, welche dann erst im Winter reifen. -Zuweilen ist es nützlich, den Feigenbäumen, wenn das Laub bei ihnen -hervorbricht, die Spitzen abzuschneiden und hierdurch die Fruchtbarkeit -zu steigern. Jedenfalls bekommt es dem Baume sehr gut, wenn man ihm zur -Zeit, da die Blätter treiben, mit rotem Ton nebst dem Preßrückstand -von Oliven und Menschenkot, so weit seine Wurzeln reichen, begießt. -Dadurch werden die Feigen größer, fleischiger, besser.“ - -Schon in der römischen Kaiserzeit kamen die Feigen von der karischen -Küste Kleinasiens als eine besonders vorzügliche Sorte unter dem -Namen ~caricae~ nach Rom, obschon auch in Italien ganz gute Sorten -wuchsen. Feigen nebst Datteln und Honig bot man am Neujahrstage -den Göttern als Opfer und den Freunden als Geschenk dar. Schon im -Altertum wurde der Feigenbaum in Spanien und Nordafrika, wie auch im -südlichen Frankreich angepflanzt. Heute reicht sein Kulturgebiet von -der Bretagne bis zum Kap der guten Hoffnung. Nach China gelangte er -erst nach dem 8. Jahrhundert, in der Neuzeit nach Australien und bald -nach der Entdeckung des neuen Weltteils auch nach Amerika, wo er heute -besonders in Kalifornien im großen gezogen wird. In den eigentlichen -Tropen wächst der Feigenbaum zwar ganz gut, wenigstens da, wo das Klima -nicht zu feucht ist, jedoch erreichen seine Früchte daselbst nirgends -dieselbe Vollkommenheit wie in den Subtropen. - -Der Feigenbaum wird selten höher als 6 m. Überall im Orient wird -er meist in Gärten gezogen, die höchstens einigemal gehackt oder -umgepflügt werden. Man vermehrt ihn dort durch Ableger. Will man von -einem Baum eine andere Sorte Feigen erzielen, so schneidet man den -Stamm unmittelbar am Boden ab und vollzieht die Veredelung durch -Einsenken von Pfropfreisern in je einen Spalt. Die Edeltriebe können -schon im ersten Jahre über mannshoch werden und sogar einige Früchte -tragen. Zuerst kommen die Frühfeigen, die im April noch unreif mit Salz -als Delikatesse verspeist werden. Im Mai treiben die Sommerfeigen, die -Anfang Juni reifen und als schöne, große, grünhäutige, sehr saftige -Erstlinge auf den Markt kommen. Von Ende Juli bis November reifen die -verschiedenen anderen Sorten in ununterbrochener Reihenfolge, bis im -Dezember, wenn schon alle Blätter durch die Winterstürme weggefegt -sind, die letzten Spätfeigen gepflückt werden. Ein guter Teil der -Feigen wird in Palästina frisch verzehrt, ein bedeutend größerer aber -an der Sonne getrocknet. Wenn die Feigen eines Baumes infolge des -welk gewordenen Stieles schlaff herabhängen, so schüttelt man den -Baum, liest die abgefallenen Früchte zusammen und breitet sie auf -der Erde aus, um sie etliche Tage an der Sonne trocknen zu lassen. -Zur Aufbewahrung für den Winter werden sie in weithalsige Tonkrüge -fest zusammengepreßt, damit die Luft keinen Zutritt habe und sie sich -weich und gut erhalten. Getrocknete Feigen werden auch vermöge ihres -reichen Zuckergehaltes zur Schnapsfabrikation verwendet. In Gegenden, -in denen die Sonnenwärme nicht zum Dörren der Feigen genügt, werden -sie in besonderen Öfen getrocknet und gelangen dann in Kisten verpackt -zum Versand. Die sehr große, weißlichgelbe Smyrnafeige läßt sich sehr -gut dörren und gibt im Jahre zwei Ernten. Von ihr werden jährlich 35 -Millionen kg im Werte von 6,5 Millionen Mark ausgeführt. Viele Sorten -eignen sich jedoch nicht zum Trocknen und müssen roh verzehrt werden. -Besonders im Sommer halten sie sich nicht lange, sondern gehen bald in -Gärung über und sind dann an ihrem säuerlichen Geschmack erkenntlich. -Man bewahre sie deshalb auch getrocknet an einem möglichst kühlen Ort -auf, lasse sie in fester Verpackung und schütze sie vor dem Zutritt -der Luft. Der weiße Staub, der an der Oberfläche getrockneter Feigen -zu bemerken ist, rührt von ausgetretenem Traubenzucker her. In manchen -Gegenden Italiens überstreut man die Feigen mit Kastanienmehl, wodurch -ihnen Feuchtigkeit, aber auch Zucker entzogen wird. Vielfach wird auch -Mus aus den Feigen gemacht. In Spanien macht man daraus einen Käse, dem -man geschälte Mandeln, Haselnüsse, Pinien- und Pistaziennüsse, feine -Kräuter und Gewürze zusetzt. Getrocknet und braun geröstet liefern sie -den Feigenkaffee. - -Die Eßfeigenbäume sind die nur Fruchtblüten enthaltenden weiblichen -Feigenstöcke, während die nichtkultivierten männlichen Stöcke die -nichteßbaren +Bocksfeigen+ liefern. Letztere hießen im Altertum bei den -Griechen ~erinón~, bei den Römern ~caprificus~ und dienten damals schon -zur Befruchtung der in der Kultur zu eßbaren Früchten ausgebildeten -Früchte der weiblichen Pflanze. Diesen Vorgang nennt man Kaprifikation. -Damit hat es folgende Bewandtnis: Die als Bocksfeigen bezeichneten -Früchte der nicht durch Kultur veredelten männlichen Feigenbäume -stellen Urnen dar, die bloß an der Mündung männliche Pollenblüten, -sonst aber ausschließlich sogenannte Gallenblüten tragen. Letztere -sind von einer winzigen Inquiline oder Gallwespe, der +Feigenwespe+ -(~Blastophaga grossorum~) mit dem Legestachel angebohrte und mit je -einem Ei belegte Fruchtblüten, deren Fruchtknoten zur Galle wird, indem -die weiße, fußlose Larve des Insekts die ganze Samenanlage zu ihrem -Wachstume verbraucht. Wenn die kleinen Wespen herangewachsen sind, -verlassen sie die Gallen. Und zwar schlüpfen die flügellosen Männchen -zuerst aus, indem sie durch Zerbeißen der sie beherbergenden Galle ein -Loch in ihrer Kinderwiege zum Ausschlüpfen herstellen. Später tun dies -auch die beflügelten Weibchen, die alsbald von den Männchen noch in der -Urne der Bocksfeige befruchtet werden. Nun streben sie in die Weite. -Indem sie zu diesem Zwecke zur Urnenmündung emporklettern, beladen -sie sich am ganzen Körper mit dem Blütenstaub der dort gelegenen -Pollenblüten, den sie beim Aufsuchen neuer Urnen an die Narben der -der Befruchtung harrenden Fruchtblüten abstreifen. Sie suchen nämlich -ausschließlich diejenigen Urnen auf, die sich in einem jüngeren -Entwicklungsstadium befinden, um dort ihre Eier in die Fruchtknoten zu -legen. In die normalen Fruchtblüten der gewöhnlichen Feige können diese -Wespen keine Eier legen, da ihr Legestachel zu kurz ist, um bis an die -Fruchtknotenhöhle hinabgestoßen zu werden. Die dort hineingesenkten -Eier bleiben in einer für ihre Weiterentwicklung ungünstigen Stelle des -Griffels liegen und gehen zugrunde. Der dabei auf die Narben gebrachte -Pollen aber befruchtet diese Blüten, während der auf die Gallenblüten -gelangte wirkungslos bleibt, da deren Narben mehr oder weniger -verkümmert sind. Diese letzteren dagegen besitzen einen kurzen Griffel -und sind zur Aufnahme des Insekteneies vorzüglich geeignet. Sie bringen -nun auch die jungen Wespen hervor, welche jeweilen die Befruchtung der -Feigen zu übernehmen haben. - -[Illustration: Bild 14. 1 urnenförmiger Blütenstand der Eßfeige von -aus Gallen der nicht eßbaren Bocksfeige ausgeschlüpften winzigen -Feigenwespen besucht, 2 langgriffelige Fruchtblüte der Eßfeige, 3 die -aus einer kurzgriffeligen Fruchtblüte der Bocksfeige hervorgegangene -Galle, 4 aus einer solchen ausschlüpfende Feigenwespe, in 5 das Tier -ganz dargestellt.] - -Die Kaprifikation der Feige wird in der Weise vorgenommen, daß man -vom männlichen wilden Feigenbaume Zweige mit Feigen oder einzelne -Feigen abschneidet und sie oben in kultivierte weibliche Feigenbäume -hineinhängt. Aus den bald verwelkenden wilden Feigen sind dann die -Gallwespen gezwungen, auszukriechen und die zahmen Feigen aufzusuchen -und zu befruchten. Diese Kaprifikation ist eine Erfindung der -Semiten Arabiens und Syriens, die diese Methode mit der Feigenkultur -weiter verbreiteten, um dem Abfallen der weiblichen Eßfeigen infolge -Nichtbefruchtung zu wehren. So wurde sie auch von den alten Griechen -geübt. Schon der Vater der griechischen Geschichtschreibung Herodot -erwähnt sie im 5. vorchristlichen Jahrhundert. Drei Generationen -später schreibt der treffliche Pflanzenkenner Theophrastos in seiner -Pflanzenkunde darüber: „Dem Abfallen der Früchte des Feigenbaumes -(~sykḗ~) beugt man durch die Kaprifikation (~erinasmós~) vor. Man -hängt nämlich, wenn es geregnet hat, an den zahmen Baum wilde Feigen, -Bocksfeigen (~erineós~), aus denen Gallwespen (~psḗn~) hervorkommen, -welche in die zahmen Feigen von deren Außenende aus hineinkriechen. -Daß eine Frucht kaprifiziert ist, erkennt man daran, daß sie rot, bunt -und derb wird, während die nichtkaprifizierte weiß und kraftlos ist. -Übrigens fallen die Feigen ohne Kaprifikation nicht überall ab; in -Italien z. B. sollen sie hängen bleiben und deshalb wird dort jenes -künstliche Mittel nicht angewendet. Auch in den nördlichen Gegenden -und auf magerem Boden Griechenlands soll die Kaprifikation nicht -nötig sein, wie bei Phylakos im Gebiet von Megara und in manchen -Gegenden bei Korinth. Auch bei Wind, namentlich bei Nordwind, fallen -die Feigen leichter ab, besonders wenn sie in großer Menge vorhanden -sind, desgleichen werfen Frühsorten leichter ab als späte, weshalb man -letztere nicht kaprifiziert.“ - -Einen Sinn hat die Kaprifikation in der Gegenwart nur dann, wenn -man keimfähige Samen zur Vermehrung der Feigenbäume zu erhalten -begehrt. Da aber die Feigenbäume heute nicht mehr aus Samen, sondern -aus Stecklingen gezogen werden, ist die Kaprifikation eigentlich -überflüssig; denn im Laufe der Zeit und durch die Kultur begünstigt, -hat die Feige die Eigenschaft erworben, auch ohne Bestäubung durch -die Wespen saftig und süß zu werden. Doch wird sie gleichwohl an den -meisten Orten, namentlich in Unteritalien, Sizilien, Griechenland -und den griechischen Inseln, Kleinasien, Syrien, Tripolis, Algier, -Südspanien und Portugal noch immer ausgeführt, indem man glaubt, daß -sie das Abfallen der unreifen Feigen verhindere und eine frühere Reife -herbeiführe, sowie daß ein kaprifizierter Baum sehr viel mehr Feigen -trage, als ein nichtkaprifizierter. Die Kaprifikation unterbleibt -dagegen in Nord- und Mittelitalien, Tirol, Sardinien, Südfrankreich, -Nordspanien, Portugal, Ägypten, auf den Kanaren und den Azoren. Diese -eigentümliche Befruchtungsart durch speziell angepaßte kleine Wespen -finden wir übrigens bei allen Ficusarten, deren die Tropen eine Fülle -oft sehr großer, baumartiger Formen beherbergen. Aber nur noch die -Sykomore -- von den alten Griechen so, d. h. Feigenmaulbeerbaum genannt --- wird in Ägypten, wo ihre Früchte seit uralter Zeit ein beliebtes -Volksnahrungsmittel sind, kaprifiziert. - -Die +Sykomore+ (~Ficus sycomorus~), der Maulbeerfeigenbaum, ist ein -13-16 m hoher Baum Afrikas mit dickem Stamm und immergrünen, fast -herzförmig eirunden Blättern. Seine walnußgroßen, gelblichen Früchte -von angenehm süßem und gewürzhaftem, maulbeerähnlichem Geschmack treten -in Büscheln oft zu Hunderten unmittelbar aus dem Stamm und werden von -Menschen und Tieren sehr gerne gegessen. Um vollkommen reif zu werden, -sticht oder ritzt man sie einige Tage vor der Reife an, wobei ein -bitter schmeckender Saft abfließt. Der Baum liebt feuchten Boden und -wächst deshalb mit Vorliebe am Wasser. Das weiche, schwer verwesliche -Holz war im Niltal das wichtigste einheimische Werkholz, das zu -allerlei Geräten, besonders aber zur Herstellung der Mumiensärge diente. - -Infolge des mannigfachen Nutzens, den sie gewährte, begreifen wir die -Hochachtung, welche die Sykomore im alten Ägypten als der Isis und -Hathor, den Göttinnen der Fruchtbarkeit und Liebe, geweihter Baum -genoß. Sie hieß altägyptisch nuhi und galt als Typus eines Baumes, nach -welchem andere neu eingeführte genannt wurden, z. B. der Feigenbaum: -die Feigensykomore, der Weihrauchbaum: die Weihrauchsykomore, die -Terpentinpistazie: die Harzsykomore usw. Nicht bloß aß das Volk -seit den ältesten nachweisbaren Zeiten gerne seine gewöhnlich als -„Eselsfeigen“ bezeichneten Früchte, sondern opferte diese mit Vorliebe -den Toten. Den Ägyptern des alten Reiches war der Reichtum des -Nillandes an Sykomoren ein besonderer Stolz und sie fügten meist dem -Namen ihres Landes „~Kem~“, was „Schwarze Erde“, d. h. fruchtbares -Schwemmland des Nils, im Gegensatz zur sterilen gelben Wüste bedeutet, -zur Kennzeichnung der kultivierten, baumtragenden Niederung, das -Deutbild eines Baumes bei; und zwar war es die Sykomore, nach welcher -sie ihre Heimat auch das „Land des Nuhibaumes“ nannten, etwa wie sich -ein Teil Deutschlands das „Land der Eichen“ nennen kann. In ihrem -Schatten lebten die Lebenden und aßen ihre Früchte, die auch den Toten -die liebste Opfergabe war, so daß sich ganze Körbe davon getrocknet -in den Grabkammern fanden. Zweige und Blätter derselben dienten zum -Schmucke der Mumien, die in Särgen aus Sykomorenholz ruhten. Und nicht -nur stand als „Baum des Lebens“ nach dem Totenbuch der alten Ägypter -eine Sykomore am Eingang zum Reiche der Seelen, sondern im Laube -dieser Bäume dachte man sich die Geister der Verstorbenen mit Vorliebe -hausend. Darum ist es nach dem Zeugnis so vieler Steleninschriften der -heißeste Wunsch des Abgeschiedenen, unter einer Sykomore zu wohnen. -Deshalb pflegte man diese Bäume in eigenen Grabgärtchen, die wenn -möglich von Wasser aus dem Nilstrom umflossen waren, zu pflanzen. Noch -zur Zeit der 18. und 19. Dynastie, d. h. im neuen Reiche (von 1550 -bis 1200 v. Chr.), wünscht sich der Tote in stehender Formel: „Möge -meine Seele (~ka~) sitzen auf den Zweigen des Grabgartens, den ich -mir bereitet habe; möge ich mich erfrischen tagtäglich unter meiner -Sykomore.“ So war einst dem anspruchloseren Bewohner des Landes die -Sykomore auch im Diesseits ein „Baum des Lebens“, zugleich Obdach -gegen die sengende Hitze des Mittags und Nahrungsspenderin. Erst in -späterer Zeit nahm ihre Wertschätzung gegenüber anderen Fruchtspendern -ab und ihre Früchte, die Eselsfeigen, galten jüngeren Geschlechtern -für weniger schmackhaft. Dem gibt der jüdische Prophet Amos im 8. -vorchristlichen Jahrhundert Ausdruck, indem er zu König Amazia sagt, -daß jene Früchte nur noch die dürftige Nahrung der Kuhhirten bilden: -„Ich bin kein Prophet, noch eines Propheten Sohn, sondern ich bin ein -Kuhhirt, der Maulbeerfeigen ablieset.“ Auch bei den übrigen Völkern -des Altertums waren die Eselsfeigen wenig geschätzt. So schreibt der -griechische Geschichtschreiber Strabon: „In Ägypten gibt es einen -Maulbeerbaum (~sykáminos~), dessen Frucht ~sykómōron~ heißt; sie -ist einer Feige ähnlich, schmeckt aber nicht sonderlich gut.“ Und -Dioskurides beschreibt ihn, wie schon 300 Jahre vor ihm Theophrast, -sehr ausführlich: „Der ägyptische Maulbeerbaum (~sykáminos~), der, -wie dessen Frucht, auch ~sykómōron~ heißt, ist ein großer Baum, dem -Feigenbaum ähnlich, sehr saftreich, hat dem Maulbeerbaum (~mōréa~) -ähnliche Blätter und trägt drei- bis viermal des Jahres Früchte, die -aus dem Stamme selbst kommen. Sie sind denen des wilden Feigenbaums -ähnlich, haben aber keine Kerne und werden nur reif, wenn man sie mit -den Fingernägeln ritzt oder mit eisernen Nägeln kratzt. Die meisten -Bäume dieser Art wachsen in Karien, auch auf Rhodos, überhaupt an -Orten, welche arm an Weizen sind; sie geben dort einigen Schutz gegen -Hungersnot. Die Frucht gibt übrigens nur wenig Nahrung. Die Rinde des -Baumes verwundet man absichtlich, fängt den ausfließenden Milchsaft -mit einem Badeschwamm (~spóngos~) oder mit Wolle auf, trocknet ihn und -braucht ihn innerlich und äußerlich zu Heilzwecken.“ - -Wie das gemeine Volk im Niltal seit alters gerne die Sykomorenfrüchte, -trotz ihres etwas faden Geschmackes ißt, so schmausen südlicher -wohnende Eingeborenenstämme Afrikas die Früchte nahe verwandter Arten. -So wächst beispielsweise in Ostafrika eine besondere Maulbeerfeigenart, -die ~Ficus capensis~, deren Früchte in allen Ortschaften der -Landschaft Usambara auf den Markt kommen, aber an Wohlgeschmack -diejenigen der echten Sykomore lange nicht erreichen. Übrigens findet -man auch in Südpersien zwei wilde Feigenarten (~Ficus persica~ und -~Ficus iohannis~) mit haselnußgroßen, eßbaren Früchten, die von den -anspruchslosen Eingeborenen gerne gegessen werden. - -Wie der süßfrüchtige Feigenbaum ist auch der edle +Ölbaum+ (~Olea -europaea~) ein Gewächs des südlichen Vorderasiens, das in dieser seiner -eigentlichen Heimat von den dort wohnenden semitischen Volksstämmen -früh veredelt und durch Kulturauslese zu lohnendem Fruchtertrage an dem -für alle vorzugsweise von fettarmer Pflanzenkost, besonders Getreide, -lebenden Menschen so wertvollen Öle gebracht wurde. Die älteste Öl -liefernde Kulturpflanze der Menschheit scheint der +Sesam+ (~Sesamum -indicum~) gewesen zu sein, ein heute noch von Westafrika bis Japan -in umfangreichem Maße angebautes einjähriges Kraut mit schön hellrot -gefärbten, an den Fingerhut gemahnenden Blüten, das Indien zu seiner -Heimat hat. Hier wurde es zur Kulturpflanze erhoben und gelangte von -da schon sehr früh nach Babylonien, wo im Altertume alles Öl aus -Sesam bereitet wurde. In den erst später zu höherer Kultur gelangten -Ländern am Mittelmeer ist diese ältere Ölpflanze durch den jüngeren -Ölbaum verdrängt worden, der im nördlichen, nahe dem Meere gelegenen -Syrien oder Kilikien von den dort wohnenden Stämmen, vermutlich aus -der engeren Verwandtschaft der Chethiter, schon im 3. vorchristlichen -Jahrtausend zur Kulturpflanze erhoben wurde. Die wildwachsende Form mit -kleinen, nur mit einem sehr dünnen Fruchtfleisch umgebenen Früchten -findet sich seltener als Baum, meist als Strauch durch ganz Westasien -und wurde schon in vorgeschichtlicher Zeit durch Vögel, die seine -Früchte verzehrten, durch das ganze Mittelmeergebiet verbreitet. -Noch heute tritt er uns überall bis zu den Azoren und Kanaren in -den Macchien als +Oleaster+ entgegen. Wie die Feige gedeiht auch -der zur wertvollen Kulturpflanze erhobene edle Ölbaum am besten auf -Kalkboden in nicht zu großer Entfernung vom Meere. Schon sehr früh -hat er sich über ganz Syrien verbreitet. Jedenfalls war er überall in -Kanaan angepflanzt, als die Juden ums Jahr 1250 das Land eroberten, -und ihre späteren Herrscher, besonders David und Salomo, beförderten -dessen Anbau in jeder Weise. Das aus den Oliven gewonnene Öl wurde -von den Juden in der mannigfaltigsten Weise verwendet: zum Schmälzen -der Mehlspeisen, zum Opfer, zum Brennen in der Lampe und zum Salben -des Haupthaares und Körpers überhaupt. Es galt auch als wertvolles -Tausch- und Zahlmittel. So erfahren wir, daß König Salomo, der von 993 -bis 953 v. Chr. regierte, die am Tempelbau beschäftigten phönikischen -Arbeiter teilweise mit Olivenöl entlohnte. Den Überschuß ihrer -Ölproduktion verkauften die Juden nach den Zeugnissen der Bibel an -die Phönikier und nach dem reichen, stark bevölkerten Ägypten, das -allerdings schon längst eigene Ölbaumkulturen besaß. Der Begründer der -Botanik, Theophrastos im 4. vorchristlichen Jahrhundert, berichtet -von ausgedehntem Olivenbau in der Thebais, vermutlich den Oasen der -libyschen Wüste, wo der Baum heute noch vielfach gepflanzt wird, sagt -aber, daß auch das übrige Ägypten ein an Ölbäumen reiches Land sei. -Da sie aber einen trockenen Boden lieben, gedeihen diese aber hier -nur soweit, als die Überschwemmung von seiten des Niles fehlt. Aus -demselben Grunde fehlte der Ölbaum auch in den Niederungen von Euphrat -und Tigris, wo als Fettspender ausschließlich die Sesampflanze angebaut -wurde. - -Über Kleinasien gelangte der Ölbaum in der ersten Hälfte des 2. -vorchristlichen Jahrtausends zu den Griechenstämmen am Ägäischen Meer. -Während noch Hehn bestritt, daß in homerischer Zeit der Ölbaum in -Griechenland selbst angebaut wurde, und annahm, daß alles Olivenöl, -das damals vornehmlich zum Salben des Körpers von den Griechen -gebraucht wurde, als Importware durch die Phönikier aus Syrien gebracht -worden sei, wissen wir heute mit Sicherheit, daß der Ölbaum schon in -mykenischer Zeit um die Mitte des vorletzten Jahrtausends v. Chr. in -Griechenland selbst angebaut wurde. Nicht nur hat man auf mehreren -bildlichen Darstellungen aus jener Zeit unverkennbare Darstellungen -von Ölbäumen und in verschiedenen der Paläste Kretas und auf der Insel -Thera steinerne Ölmühlen aus mykenischer Zeit gefunden, sondern in den -Königsgräbern von Mykene fanden sich auch eine Anzahl Olivenkerne. Also -muß der Baum damals schon im Lande selbst kultiviert worden sein und -haben seine Früchte als Speise gedient. - -Was in den homerischen Epen als phönikischer Import angeführt wird, -war nicht sowohl reines, als parfümiertes Olivenöl, mit dem die Helden -nach dem Bade von den Mägden eingerieben wurden. Mit solch duftendem -Öle salbten sich nach Homer nicht nur die Menschen, sondern auch die -unsterblichen Götter, so Hera, die sich dem Zeus angenehm machen -wollte. In der Schatzkammer des Odysseus wie des Telemachos lag neben -Gold, Silber, Erz, Kleider und Wein auch Olivenöl (~élaion~). Wie -Telemachos nach dem Bade mit Öl gesalbt und mit schönen Kleidern -angetan wurde, „daß er aussah wie ein unsterblicher Gott“, salbte -Patroklos auch die Mähne seiner Streitrosse, wenn sie gewaschen -worden waren, mit Olivenöl. Desgleichen tat Achilleus mit den Mähnen -seiner Pferde, die als Söhne des Windgottes Zephyr unsterblich waren. -Und wie die liebreizende Aphrodite nach Homer auf Cypern, dem Orte -ihrer besonderen Verehrung, von den Chariten mit ambrosischem Öle -gesalbt wurde, dessen Duft, wenn es bewegt wurde, Himmel und Erde -durchdrang, so salbte sie damit auch den Leichnam ihres von Achilleus -gefällten Lieblings Hektor. Mit ihm reinigte Athene gleicherweise das -gramerfüllte Gesicht von Odysseus treuer Gattin Penelope während des -Schlafes, damit es bei ihr, die sich in Trauer um ihren verschollenen -Gemahl weder gewaschen noch gesalbt hatte, mit der unsterblichen -Schönheit leuchte, die die schönbekränzte Liebesgöttin umgibt, wenn sie -damit gesalbt zum lieblichen Reigen der Chariten geht. Aber nicht nur -das Olivenöl, auch das Holz des Ölbaums, und zwar des ~elaíē~ genannten -Kulturbaums, spielt in den homerischen Epen eine nicht unbedeutende -Rolle. Nicht nur standen im Garten des Phäakenkönigs Alkinoos reichlich -Frucht tragende Ölbäume, sondern aus Olivenholz waren die Keule des -Kyklopen Polyphem, der Stiel der Streitaxt des Peisandros und das -Bettgestell, das sich Odysseus in seiner Heimat Ithaka eigenhändig -gezimmert hatte, angefertigt. - -Um so merkwürdiger muß es uns erscheinen, daß Herodot berichtet, der -Ölbaum sei erst zur Zeit des attischen Gesetzgebers Solon (639-559 -v. Chr.) nach dem griechischen Festlande gebracht worden. Damals kann -nicht der Kulturölbaum an sich, sondern nur eine höher gezüchtete -Abart mit größeren Früchten nach Hellas gekommen sein. In der Tat -weisen die in mykenischen Fundschichten zutage getretenen Steinkerne -auf eine noch recht kleinfrüchtige Olivenart hin. Nach der attischen -Sage soll Athene selbst dem Könige Theseus auf der Burg den Ölbaum -geschaffen haben, und nach der Erzählung der Bewohner von Elis soll -ihn Herakles von den Hyperboräern im äußersten Nordwesten dorthin -gebracht haben. In zahlreichen griechischen Mythen ist vom Ölbaum die -Rede, und mit Zweigen von ihm bekränzte man nach uralter Sitte die -Sieger der Wettkämpfe in Olympia. Mit Vorliebe nahm man sie von den -Bäumen in den heiligen Bezirken, die teilweise ein sehr hohes Alter -aufwiesen. So stand auch auf dem Marktplatze der Stadt Megara, westlich -von Athen, ein uralter Ölbaum, dessen Jugend bis in die Heroenzeit -hinaufgereicht haben soll. Von solchen als heilig und unverletzlich -gehaltenen Ölbäumen ist auch in Athen die Rede. So waren im Garten der -Akademie solche der Athene geweihte und daher unantastbare Ölbäume, -die von dem alten, durch die Stadtgöttin selbst auf der Akropolis -einst hervorgezauberten und später nach der Verbrennung durch die -Perser im Jahre 481 v. Chr. durch Wurzelschößlinge verjüngten Baume -stammten und das Öl lieferten, von dem ein Krug voll beim gymnischen -Agon während des großen, von Peisistratos um 540 v. Chr. gestifteten -Panathenäenfestes den Siegespreis bildete. - -Über die Erschaffung des Ölbaums auf der Akropolis in Athen berichtet -uns ein ungenannter griechischer Autor, jedenfalls ein Athener, in -den Geoponika, dessen 9. Buch ausschließlich vom Ölbaume und seinen -Früchten handelt: „Anfänglich war die Erde ganz mit Wasser bedeckt. -Da tauchte zuerst Attika aus dem großen Meere hervor, und es entstand -ein Streit zwischen dem (Meergott) Poseidon und (der aus dem Haupte -des Zeus entsprungenen) Athene, nach wessen Namen die da zu gründende -Stadt benannt werden sollte. Zeus entschied, sie sollte dem gehören, -der ihr das beste Geschenk gäbe. Poseidon gab der Stadt einen Hafen -und Schiffswerften, Minerva aber schuf auf der Burg einen an Blüten -und Früchten reichen Ölbaum, bekränzte sich mit dessen Zweigen, ward -als Siegerin erklärt und nach ihrem Namen wurde die Stadt Athen -genannt. Infolge dieser Begebenheit werden die Sieger in öffentlichen -Wettkämpfen mit Ölzweigen bekränzt. Übrigens hat sich noch gefunden, -daß ein Ölblatt auch anderweitig gute Dienste leisten kann; schreibt -man nämlich darauf ~Athēná~ und bindet es um den Kopf, so -vergeht das Kopfweh.“ - -Schon zu Beginn des 6. vorchristlichen Jahrhunderts hatte der weise -Gesetzgeber Solon, der einer der sieben Weisen war, eingehende -Bestimmungen über den Oliven- und Feigenbau in Attika erlassen. -Nach ihm hat besonders Peisistratos sich den Anbau des nützlichen -Ölbaumes auf der kahlen und damals schon durch Entwaldung baumlosen -Landschaft Attikas angelegen sein lassen. Und als die Griechen ihre -Kolonisation nach Westen ausdehnten, nahmen sie selbstverständlich -den Anbau des Olivenbaums so gut als denjenigen des Weinstocks und -des Feigenbaums als für sie unentbehrliche Nutzpflanzen mit sich. So -bedeckten sich im Laufe des 7. und 6. vorchristlichen Jahrhunderts die -Gestade Siziliens und Süditaliens mit jenen Pflanzen. Plinius sagt, -daß nach Fenestella (der unter der Regierung des Kaisers Tiberius, die -von 14-37 n. Chr. währte, lebte) es zur Zeit des Lucius Tarquinius -Priscus (des 5. römischen Königs, eines Etruskers, der von 616-578 -regierte) in Italien, Spanien und Afrika noch keine kultivierten -Ölbäume gegeben habe. Erst unter der Regierung von dessen Sohn Lucius -Tarquinius Superbus (der seinen Schwager Servius Tullius stürzte, um -von 534-510 zu regieren) sei der erste Ölbaum nach Latium gekommen. -Von da verbreitete er sich dann allmählich nach Norden bis an den -Südabfall der Alpen, soweit ihm das Klima überhaupt vorzudringen -gestattete. Diese Periode des Aufblühens des römischen Gemeinwesens war -eine Zeit des lebhaftesten Verkehrs mit den griechischen Ansiedelungen -Campaniens. Daß nun Griechen die Vermittler der Ölbaumkultur bei den -Römern waren, beweisen schon die lateinischen Bezeichnungen ~oliva~ und -~oleum~ (Öl), die dem Griechischen ~elaíā~ und ~élaion~ entlehnt sind, -wie übrigens auch sämtliche auf die Ölbereitung bezüglichen Ausdrücke. -Schon im 1. Jahrhundert v. Chr. war Italien bis auf die Gegend nördlich -vom Apennin, deren Klima bis heute keinen Ölbau duldet, so reich an -Ölbäumen, daß es damals hierin allen übrigen Ländern am Mittelmeer den -Rang ablief. - -Der aus Spanien nach Rom gekommene römische Ackerbauschriftsteller -Columella schreibt in seinem Buche über den Landbau: „Von allen Bäumen -ist der Ölbaum dem Range nach der erste und erfordert dennoch den -geringsten Aufwand. Für gewöhnlich trägt er nur ein Jahr ums andere, -aber sein Fruchtertrag verdoppelt sich, wenn man ihn gut pflegt; -andererseits bringt er doch auch dann einigen Nutzen, wenn man ihn -viele Jahre hindurch vernachlässigt, und läßt sich durch bessere Pflege -innerhalb Jahresfrist wieder in guten Stand bringen. Es gibt viele -Olivensorten und im allgemeinen gilt bei ihnen die Regel, daß die -großen besser zum Verspeisen, die kleinen dagegen besser zur Gewinnung -von Öl sind. Große Hitze und große Kälte ist allen Sorten schädlich. -Man pflanzt daher in heißen Gegenden diese Bäume am besten an nach -Norden gelegenen Abhängen, in kälteren aber gegen Süden. Tiefe Täler -und hohe Berge passen nicht für sie, sondern mäßige Hügel, wie man -sie im Sabinerlande und im ganzen südlichen Spanien antrifft.“ Dann -gibt er ausführliche Anleitung über die Anlage von Ölbaumpflanzungen -(~olivetum~), auf die wir hier nicht näher eintreten wollen. - -Columellas Zeitgenosse Plinius berichtet, daß im 505. Jahre Roms (249 -v. Chr.) unter dem Konsulat des Appius Claudius und Lucius Iunius 2 -Pfund Olivenöl 10 Asse (über 5 Mark) kosteten, daß im Jahre 74 v. Chr. -dagegen 10 Pfund Olivenöl bloß 1 As (etwa 47 Pfennige) zu stehen -kam, und 22 Jahre später unter des Gnäus Pompejus drittem Konsulat -Italien einen solchen Überfluß daran besaß, daß noch welches in die -Provinzen ausgeführt werden konnte. Dazu bemerkt er: „Zur Zeit des -Hesiodus (im 8. Jahrhundert v. Chr.) muß man es mit der Olivenzucht -(in Griechenland) noch nicht weit gebracht haben; denn er behauptet, -niemand habe damals von seinen Ölbaumpflanzungen Nutzen gehabt. Jetzt -aber besitzt man für diese Bäume eigene Baumschulen und erntet schon -zwei Jahre, nachdem man sie aus ihnen herausgenommen hat, Früchte. -Es gibt verschiedene Sorten von Oliven. Vergil nennt sie ~orchites~, -~radius~ und ~posia~. Die Olivenernte folgt auf die Traubenernte und -die Behandlung des Öles ist anfangs schwieriger als diejenige des -Mostes. Je reifer die Olive (~bacca~, d. h. Beere), desto fetter ist -ihr Saft, aber desto schlechter schmeckt er. Die Zeit, in der Güte -und Menge des Öls am besten in ihr vereinigt sind, zu der man sie -also am liebsten erntet, ist die, da sie anfangen sich dunkel zu -färben, da die Römer sie ~drupa~, die Griechen ~drypetis~ nennen. Die -frühreifen Olivensorten erntet man gleich nach Beginn des Herbstes; -die dickschaligen läßt man bis zum März hängen, und mehrere von -diesen fangen nicht einmal vor dem 8. Februar an, eine dunkle Farbe -zu bekommen. Vom Baume genommene Oliven darf man nicht lange stehen -lassen, da jeder Verzug die Ölmasse in ihnen vermindert, dagegen die -Schleimmasse vermehrt. Frisches Öl ist zum Verspeisen am besten; wenn -es über ein Jahr alt ist, schmeckt es schlecht, was beim Weine nicht -der Fall ist. Außer dem Öl gewinnt man den Ölabgang (~amurca~), der zum -Düngen der Ölbäume, zum Einölen der Krüge, zum Tränken der Tenne, auf -welcher gedroschen werden soll, zum Bestreichen des Getreidespeichers, -um Holzwürmer und anderes Ungeziefer abzuhalten, und als Heilmittel gut -ist.“ - -Welche Bedeutung dem Olivenöl nicht bloß als Nahrungs- und -Beleuchtungsmittel, sondern vor allem auch zur Körperpflege bei den -Völkern des Altertums zukam, beweist der Ausspruch desselben Plinius, -der sagt: „Es gibt zwei Flüssigkeiten, welche dem menschlichen -Körper sehr willkommen sind; innerlich der Wein und äußerlich das -Olivenöl; beide stammen von Bäumen, aber der Wein ist jedenfalls -entbehrlicher als das Öl.“ Der griechische Philosoph Demokritos aus -Abdera in Thrakien (460-360 v. Chr.), der die Torheiten der Menschen -belächelte und das höchste Glück der Menschen in völlige Seelenruhe -setzte, erwiderte auf die Frage, wie man gesund bleiben und seine -Tage verlängern könne, mit der diätetischen Regel: „Innerlich Honig, -äußerlich Olivenöl.“ An einer anderen Stelle, an der er die Bedeutung -der Öleinreibung bespricht, meint Plinius: „Das Olivenöl hat die -Eigenschaft, in die Haut eingerieben den Körper zu erwärmen, gegen -Kälte zu schützen und die Hitze des Kopfes zu kühlen. Bei den Griechen -steht auf den für die Gymnastik bestimmten Plätzen Öl, mit dem sich -jeder umsonst salben darf. Auch der römische Staat erweist dem Ölbaum -hohe Ehre, indem sich die Ritterscharen am 15. Juli mit dessen Zweigen -bekränzen, was auch die siegreichen Feldherrn bei Ovationen tun.“ - -Wie schon in Griechenland ein Kranz aus Ölzweigen die höchste -Auszeichnung des bei den Wettkämpfen siegenden Volksgenossen -war, so trugen auch bei den Römern die im Felde gewesenen Diener -lorbeergeschmückter Feldherrn einen Kranz von Ölzweigen. Der Ölzweig -war den Alten überhaupt das Sinnbild des Friedens, und Besiegte, die um -Frieden zu bitten kamen, trugen Ölzweige in den Händen. Dies wurde dann -weiter auf den Frieden einer höheren Welt übertragen, wenn die frisch -aufgenommenen Mitglieder der samothrakischen Mysterien Ölzweige trugen, -oder wenn auf den Grabsteinen der ältesten Christen eine Taube mit dem -Ölzweig im Schnabel dargestellt wurde. Im Altertum müssen die Ölbäume -nur auf einem beschränkten Umkreis um die Ortschaften angepflanzt -worden sein, was aus dem lateinischen Sprichwort hervorgeht: ~extra -oleas vagari~, d. h. über die Ölbäume hinausschweifen, im Sinne von zu -weit gehen, übers Ziel schießen. - -Bei der großen Bedeutung des Olivenöls für die antike Welt, kann es -uns nicht wundern, daß von den Regierenden außer Brotkorn auch Öl dem -Proletariat der Stadt Rom umsonst gespendet wurde. So berichtet uns -Aelius Spartianus im Leben des Kaisers Septimius Severus, daß dieser -bei seinem Tode im Jahre 211 einen Getreidevorrat in der Hauptstadt -hinterließ, durch den der Bedarf auf sieben Jahre gedeckt war, so daß -täglich 75000 Scheffel (~modius~) verausgabt werden konnten -- es -ist dies eine Menge, die reichlich zur Ernährung von 600000 Menschen -hinreichte, so viele müssen also damals in Rom vom kaiserlichen -Getreide gelebt haben --, „von Olivenöl aber hinterließ er so ungeheure -Vorräte, daß sie auf fünf Jahre nicht bloß den Bedarf der Stadt Rom, -sondern für ganz Italien genügten“. Bei der gewaltigen Produktion -von Olivenöl ist es daher begreiflich, daß zur römischen Kaiserzeit -ziemlich große Mengen desselben, außer aus Italien, auch aus Istrien -und Dalmatien in die nördlich davon gelegenen Länder ausgeführt und -daselbst gegen Vieh, Häute und Sklaven ausgetauscht wurden. Von -Massalia, dem heutigen Marseille, aus, wohin die Griechen den Ölbaum -schon im Jahre 680 v. Chr. mit dem Weinstocke verpflanzt hatten, -rückte die Kultur dieser Nutzpflanzen in die durch ein warmes Klima -und Kalkboden besonders für den Ölbaum geeignete Provence vor, wo die -Ölbaumkultur bei der Eroberung durch die Römer bereits ausgedehnte -Verbreitung besaß. Unter der Römerherrschaft wurde sie über das ganze -südliche Gallien verbreitet. Im 7. Jahrhundert wird schon das Baumöl -von Burdigala (Bordeaux) erwähnt. - -Von dem Ertrage der Ölbaumpflanzungen, die sich der ganzen ligurischen -Küste entlang erhoben, wurden die Volksstämme des Hinterlandes, wie der -griechische Geschichtschreiber Strabon sagte, gegen Vieh, Häute und -Honig mit dem zum Brennen der Öllampen nötigen Öle versorgt. Es als -Fett zum Kochen zu benutzen, damit konnten sie sich zunächst so wenig -befreunden, wie die übrigen Barbaren, auch die Griechen und Römer, -als sie zuerst damit bekannt gemacht wurden. Auch konnte es nicht -fehlen, daß die Küstengebiete Spaniens, soweit sie sich zum Anbau des -Ölbaumes eignen, zur Zeit der römischen Herrschaft Ölbaumpflanzungen -erhielten, die bis heute so gedeihen, als wären sie von jeher dort -heimisch gewesen. Ebenso wurden die windgeschützten sonnigen Abhänge -der norditalienischen Seen mit diesem nützlichen Fruchtbaume aus dem -nördlichen Syrien bepflanzt, der auch ganz Nordafrika besiedelte -und seit dem 15. Jahrhundert auf den Kanarischen Inseln, seit dem -16. Jahrhundert am Kap, ebenso in Mexiko und Peru, wohin ihn 1560 -Antonio Ribero brachte, angebaut wird. Bald wurde er auch in Chile -und Kalifornien, das heute gewaltige Ölbaumplantagen aufweist, wie -auch in Australien heimisch. Er wird heute in etwa 40 Kulturvarietäten -angepflanzt, die aber leicht in die Urform zurückschlagen. An der -Nordgrenze seines Verbreitungsgebietes leidet er leicht durch Frost in -kalten Wintern. - -Die ganze Erscheinung des Ölbaumes mit den schmalen, oben mattgrünen, -unten silberiggrau schimmernden Blättern auf knorrigem Stamme -deutet auf seine Herkunft aus einem Klima mit längeren Perioden von -Trockenheit. Im wilden Zustande, als Oleaster, ist er strauchartig mit -verdornten Zweigspitzen und bildet undurchdringliche Dickichte, während -er durch Kultur zu einem 6-8 m hohen, dornlosen Baume wird, der ein -Alter bis zu 1000 Jahren erreicht. Er verlangt einen trockenen, vor -Wind geschützten Kalkboden und muß vom zweiten Jahre an reichlich mit -stickstoffhaltigem Dünger versehen werden. Die Vermehrung geschieht -am zuverlässigsten durch Samen, woraus Wildlinge hervorgehen, die wie -die ebenfalls zur Vermehrung benutzten Stecklinge und Wurzelauswüchse -im zweiten Jahre durch Pfropfen oder Okulieren veredelt werden -müssen. Am vorteilhaftesten ist die Niederstammzucht, wobei durch -regelmäßiges Abkneifen der Zweigspitzen und Auslichten der erschöpften -Tragzweige das Austreiben junger Fruchtzweige veranlaßt werden muß. Die -Tragbarkeit beginnt mit dem 7. Jahre, wird mit dem 10. Jahre lohnend -und erhält sich vom 40. bis zum 100. Jahr auf der Höhe. - -Im Mai oder Juni ist der Ölbaum über und über mit lieblich duftenden, -kleinen, gelblichweißen Blüten bedeckt, die an diejenigen unseres -Hartriegels (~Ligustrum vulgare~) erinnern, der auch in Wirklichkeit -ein naher Verwandter desselben ist. Die Frucht ist eine 4 cm -lange, pflaumenartige, dunkelviolette bis schwarze Steinbeere, die -vom November bis Ende Januar geerntet wird, und zwar beträgt die -durchschnittliche Ernte eines vollkräftigen Baumes zwischen 70 und -75 kg Früchte, die in ihrem grünlichweißen Fruchtfleisch zwischen -30 und 50 Prozent Öl enthalten. Das ursprünglichste Verfahren bei -der Olivenernte besteht darin, daß Männer auf die Bäume steigen -und die Oliven mit Stangen hinunterschlagen, die dann von Frauen -und Kindern am Boden gesammelt werden, wobei auch die schon früher -abgefallenen überreifen oder faulenden mit den guten zusammen kommen. -Begreiflicherweise ist das daraus gepreßte Öl nicht von besonders guter -Qualität. Will man feines Olivenöl gewinnen, so muß man die Oliven -einzeln vom Baume pflücken und alle minderwertigen beseitigen, auch die -Pressung möglichst beschleunigen, bevor diese irgendwelche Veränderung -erfahren haben. Das allerfeinste Öl gewinnt man bei schwacher Pressung, -wenn die Steinkerne der Früchte unzerdrückt bleiben. Es ist dies -das „Jungfernöl“, dessen geschätzteste Sorte aus Nizza und Lucca in -Oberitalien kommt. Doch wird im Großbetriebe kaum je so verfahren, -sondern die Pressung gleich bis zum Zermalmen der Kerne gesteigert. -Der so gewonnene Brei gelangt in Säcke, die kalt gepreßt werden. Das -abfließende Öl ist die nächstbeste Qualität, das Provenceröl, so -genannt, weil es am meisten in der Provence gewonnen wird. Aus den -Rückständen und den weniger guten Früchten macht man unter Anwendung -von Wärme das weniger gute, geringwertigere Baumöl, welches als -Brennöl und besonders zur Herstellung milder Seifen -- speziell der -Marseillerseife -- Verwendung findet. Heute wird das Olivenöl vielfach -durch den Zusatz von Erdnußöl verfälscht, das neuerdings in großer -Menge besonders nach Frankreich eingeführt wird. - -Als Nahrungs- und Heilmittel, wie auch in der Technik zum Ölen und -zur Herstellung von Seife, ebenso zur Salbung und letzten Ölung -der Katholiken spielt das Olivenöl eine bedeutende Rolle. Obschon -Südfrankreich etwa 26 Millionen kg davon hervorbringt und das übrige -Frankreich aus anderen Pflanzen über 80 Millionen kg Öl erzeugt, deckt -es damit seinen eigenen Bedarf noch nicht. Es führt deshalb noch -reichlich Olivenöl aus Süditalien ein. So soll das meiste Provenceöl -aus Apulien stammen. Es wird von Bari aus nach Nizza verschifft, wo -es als Provenceöl verkauft wird. Italien produziert 1,6 Millionen -Hektoliter Olivenöl im Werte von 200 Millionen Franken und führt davon -für 70 Millionen Franken aus. Spanien produziert 10,6 Millionen kg -Olivenöl und führt für etwa 12 Millionen Mark aus. Griechenland erntet -etwa 122 Millionen kg Oliven und führt für etwa 3 Millionen Mark -aus. Algier besitzt etwa 4 Millionen Ölbäume, und Tunis verschifft -durchschnittlich 3,5 Millionen kg Olivenöl im Jahre. Syrien erzeugt -etwa 7 Millionen kg Olivenöl. - -Wie seit dem frühesten Altertum, so ist heute noch der Ölbaum der -nützlichste Baum, ja geradezu das Wahrzeichen Syriens und Palästinas. -Fast jedes Dorf ist von einem Ölbaumhain umgeben, dessen Bäume außer -gelegentlichem Ausputzen der Zweige und Umpflügen des Landes, um -Atmungsluft leichter zu den Wurzeln gelangen zu lassen, keinerlei -Pflege bedarf. Unverwüstlich leben sie weiter und tragen jährlich ihre -Früchte, die den größten Reichtum des Landes bilden. Der Fellache, -d. h. Landmann, sagt: Der Weinstock sei eine ~sitt~, eine zärtliche -Dame und verlange Pflege und Aufmerksamkeit, der Feigenbaum sei eine -~fellacha~, eine abgehärtete Bäuerin, die schon bei wenig sorgfältiger -Behandlung gedeihe, der Ölbaum sei aber eine ~bedauije~, ein auch -in der Wildnis und bei absoluter Vernachlässigung noch arbeitsames -Beduinenweib. - -Der Ölbaum bedarf zu seinem Gedeihen einzig nur ein von anderen -Kulturen freies Land; er duldet nicht, daß man Weinreben oder -Feigenbäume dazwischen pflanzt. Diese Unduldsamkeit des Ölbaumes -erklärt uns, weshalb in der Bibel stets Weinstock und Feigenbaum, -aber nie Weinstock und Ölbaum nebeneinander genannt sind. Wie -unsere Obstarten wird er aus Wildlingen veredelt, aber nicht durch -Pfropfreiser, wie noch zur Zeit des Apostels Paulus, sondern durch -Okulieren. Selten zieht man die jungen Wildlinge aus Samen, da -es bei ihrem äußerst langsamen Wachstume zu lange ginge, bis sie -veredelungsfähig wären, und auch veredelt würden sie Jahre hindurch -unansehnliche Bäumchen bleiben. Es werden vielmehr die um den -knorrigen Wurzelstock der alten Bäume drängenden Schößlinge, deren -frische Jugendkraft dem alttestamentlichen Psalmendichter zu dem Bilde -Veranlassung gibt: „Deine Kinder sind wie Ölzweige um den Tisch herum,“ -als Ableger verwendet. Sobald sie einigermaßen erstarkt sind, werden -sie zur Zeit der Olivenblüte okuliert. Man schneidet am Wildling ein -rechteckiges Stück Rinde aus, überträgt ein von einem fingerdicken -Edelreis genommenes gleichgroßes Stück mit guten Augen auf den -Ausschnitt und verbindet die Veredelung auf eine Dauer von 12 Tagen mit -Bast. - -War die Veredelung von Erfolg begleitet, so löst man die veredelten -Stämmchen vermittelst einer Axt derart vom Mutterbaume los, daß man -ihnen ein klotzartiges Stück des Wurzelstocks beläßt. Hierauf schneidet -man ihre Edeltriebe ziemlich nahe der Verbindungsstelle ab, weil sie -im ersten Jahre, da sie selbständig Wurzel fassen, nicht genügend Saft -hätten, diese Triebe weiter zu entwickeln, und versetzt sie. Bereits -vom dritten Jahre an kann ein solcher Baum Früchte tragen. Will man -einen schon großen, wilden oder halbzahmen Ölbaum veredeln, so bringt -man an jedem Ast in Mannshöhe eine Veredelung an und trennt oberhalb -derselben in Form eines Ringes die Rinde bis auf das Holz los, damit -sich die Säfte des Baumes mehr dem Edelreise zuwenden. Im Herbst werden -dann nach der Ernte die Äste an der geringelten Stelle mit dem Beil -abgeschlagen; sie abzusägen würde, wie die Fellachen sagen, dem Baume -schaden. - - Tafel 21. - -[Illustration: Ein großer Ölbaum bei Antibes an der Riviera.] - - Tafel 22. - -[Illustration: Olivenhain auf Capri. - -Dattelpalmen an den Ufern des Nils in Ägypten.] - -Der Olivenertrag ist nur jedes zweite Jahr ein reichlicher, wobei ein -großer Baum etwa 120 kg Oliven ergibt, aus denen 25 Liter Öl gewonnen -werden kann. Bei der Ernte werden sehr viele Oliven roh verspeist, -andere eingemacht und der Rest zur Gewinnung von Öl verwendet, wobei -das beste und feinste Öl aus den unreifen Oliven gewonnen wird. Je -fleischiger nämlich die Olive wird, desto weniger und geringer ist -das Öl, das sie gibt. Die zur Ölbereitung bestimmten Beeren werden -zunächst auf dem flachen Dache oder am Boden ausgebreitet und dann -einige Zeit aufgehäuft, „damit sie“, wie der Fellache sagt, „in Gärung -geraten“. Hierauf kommen sie in die Ölpresse, die aus einem wagrechten, -kreisrunden Stein mit tellerartiger Vertiefung besteht, in welcher ein -aufrecht stehender Mühlstein durch ein Maultier oder einige Männer -im Kreise bewegt wird. Nachdem die Oliven von diesem Steine zu Brei -zermalmt sind, werden sie in einer der Weinkelter ähnlichen Presse -ausgepreßt, wobei das Öl in eine kleine, auszementierte Zisterne läuft -und aus dieser in Lederschläuche oder große irdene Gefäße gefüllt -wird. Ärmere Leute schütten die Oliven wie in der Vorzeit in die Mulde -eines Felsens und zerdrücken sie mit einem walzenförmigen Stein. -Die zermalmten Früchte werden in einem Kessel mit siedendem Wasser -übergossen, worauf das Öl oben zu schwimmen kommt und abgeschöpft wird. -Dieses Öl dient als Nahrung, als geschätzte Arznei, als Brennmaterial -zur Erhellung der Hütten während der langen Winternächte und zum Salben -des ganzen Körpers, wovon die Leute stark und kräftig zu werden glauben. - -Wie in allen Gegenden, in welchen der Ölbaum gedeiht, kann man sich -auch in Palästina eine Mahlzeit ohne Oliven kaum denken. Sie werden -meist in der Weise konserviert, daß man sie, nachdem ihr Fruchtfleisch -durch leichtes Klopfen mit einem Stein aufgerissen wurde, in -Salzwasser legt, oder man verbringt sie in große Strohkörbe, streut -Salz darauf, fügt zur Würze Zweige der Raute bei, bedeckt sie mit -Steinen, vermischt sie nach zehn Tagen mit Olivenöl und genießt sie, -auf solche Weise haltbar gemacht, das ganze Jahr hindurch. Dergleichen -Oliven und Olivenöl, das sich heute noch wie vor 3000 Jahren bei -der Witwe zu Sarepta im Kruge der ärmsten Bäuerin findet, sind mit -Weizenbrot, in Zeiten der Teuerung auch Gersten- und Durrabrot, die -Hauptnahrungsmittel der Bevölkerung. Das Olivenöl vertritt bei den -Bauern ganz die Stelle des Schmalzes und der Butter, die nur die -nomadisierenden herdenbesitzenden Beduinen gebrauchen, und wenn der -Landmann, der Fellache, seinen frisch aus dem Ofen kommenden Brotfladen -in etwas Öl eintauchen kann, so gilt ihm das als Leckerbissen. Alle -Orientalen, die es sich leisten können, lieben es, nicht bloß ihre -Salate und Gemüse, sondern überhaupt sämtliche Speisen förmlich in Öl -schwimmend zu genießen. - -Aus dem gelben, im Innern dunkel geaderten und gefleckten Holz, das -angenehm nach Öl duftet und eine hübsche Politur annimmt, werden in -manchen Gegenden Palästinas, besonders in Betlehem, allerlei hübsche -Gebrauchsgegenstände angefertigt, die von den Fremden gerne als -Andenken gekauft werden. - -Ein aus alten Stämmen schwitzendes, vanilleartig riechendes Gummiharz -dient in Italien zum Räuchern. Auch die Früchte des +amerikanischen -Ölbaums+ (~Olea americana~) in Carolina und Florida werden in ihrer -Heimat gegessen. Das überaus harte Holz der alten Bäume wird dort -als ~devil-wood~ vielfach bearbeitet. Seine Blüten sind beinahe so -wohlriechend wie diejenigen des in China, Cochinchina und Japan -wachsenden +wohlriechenden Ölbaums+ (~Olea fragrans~), eines etwa 2 m -hoch werdenden immergrünen Strauchs, dessen Blüten zur Parfümierung des -chinesischen Tees, wie ihn der Abendländer liebt, benutzt wird. - - - - -V. - -Die Fruchtbäume. - -Zweiter Teil. - - -Mit den im vorigen Abschnitte aufgezählten Fruchtbäumen ist das -Verzeichnis der der alten Kulturwelt geschenkten Gaben der Ceres noch -lange nicht erschöpft. Man denke zunächst nur an die große Schar von -köstliche Frucht tragenden Palmen, denen im Haushalte des Menschen die -allergrößte Bedeutung zukommt. Schon durch ihre äußere Erscheinung -bestimmen sie vielerorts den Charakter der Landschaft; denn in den -Tropen erreichen sie vielfach eine gewaltige Größe und genießen infolge -ihrer ungemein großen Nützlichkeit eine hohe Verehrung, ja mancherorts -geradezu göttliche Ehre. - -In Europa gibt es gegenwärtig nur eine einzige wildwachsende Palme, -die ganz unscheinbar ist und auch dem Menschen nur geringen Nutzen -gewährt. Es ist dies die +Zwergpalme+ (~Chamaerops humilis~), welche -in Südspanien, in Süditalien und in Griechenland an heißen, trockenen -Standorten Gestrüppe bildet. Besonders häufig aber ist sie im -trockenen, warmen Nordafrika, wo sie den europäischen Kolonisten das -größte Hindernis bei der Urbarmachung des Bodens bildet, indem ihre -über 1 m tief eindringenden Wurzeln darin ein undurchdringliches, kaum -zu beseitigendes Geflecht bilden, deren Ausrodung überaus mühevoll -und kostspielig ist. Ihr Stamm ist so niedrig, daß er oft kaum über -die Erde emporragt; er trägt eine Krone von fächerförmigen Blättern, -an deren Achseln die mit gelben, zweihäusigen Blüten besetzten -Blütenstände hervortreten. Die weiblichen erzeugen einsamige Beeren, -die eine gewisse Ähnlichkeit mit Oliven aufweisen. - -Die früher als lästiges Unkraut betrachtete Palme hat sich -als Nutzpflanze erwiesen, indem aus den Fasern ihrer Blätter -Polstermaterial für Matratzen und Kissen gewonnen wird, das gegenüber -den Pferdehaaren den Vorzug besitzt, 75 Prozent billiger zu sein und -nicht von Insekten angegriffen zu werden. Der Verkaufspreis der -Rohblätter am Gewinnungsorte in Algerien, wo die Pflanze am häufigsten -ausgebeutet wird, beträgt 2 Mark pro Zentner, und da ein fleißiger Mann -4 Zentner in einem Tage schneiden kann, so verdient er einen guten -Taglohn. Dies gilt in bezug auf die öffentlichen Ländereien Algeriens, -wo die Blätter der Zwergpalme von eingewanderten Spaniern, die -gleichzeitig Spartgras schneiden, und von Arabern abgeerntet werden, -während die Frauen und Kinder sie hecheln. Solche gehechelte Blätter -gelten 8-9 Mark pro Zentner und kommen seit 1845 in zunehmendem Maße -als „vegetabilisches Pferdehaar“ nach Europa, besonders Frankreich, -in den Handel. Außerdem werden die Blätter neuerdings auch zur -Papierfabrikation benutzt. - -Von dieser Zwergpalme erhielt die kleine Insel Palmaria bei Spezia -ihren Namen, da sie von ihr einst förmlich überwuchert war. Schon -der treffliche griechische Botaniker Theophrastos (350-286 v. Chr.) -unterschied sie deutlich von der +Dattelpalme+, obschon sie denselben -Namen trug. Er sagt, sie wachse häufig auf Kreta, aber noch mehr -auf Sizilien und aus ihren breiten Blättern würden Körbe und Matten -geflochten. Noch heute ist dies der Fall, außerdem verfertigt man -Kehrbesen aus ihnen, dreht Stricke daraus und ißt gelegentlich -die jungen Gipfeltriebe, Wurzeln und Früchte. Von dieser wenig -schmackhaften Kost ernährten sich nach dem Berichte des Cicero (106-43 -v. Chr.) in seiner zweiten Rede gegen Verres die Matrosen der an der -Küste Siziliens von ihrem Führer verlassenen Flotte. In einer Satire -des römischen Dichters Horaz (65-8 v. Chr.) ist von aus Blättern dieser -Palme verfertigten Kehrbesen die Rede, mit denen die Mosaikfußböden -gereinigt würden, und der zu Gades in Spanien geborene römische -Ackerbauschriftsteller Columella im 1. Jahrhundert n. Chr. spricht von -daraus verfertigten Palmmatten, mit denen sein Onkel zu Gades (Cadix) -in der das südliche Spanien umfassenden Provinz Baetica während der -größten Sommerhitze seine Weinreben bedecke. - -Die erste größere Palme, die uns an der Riviera durch ihre zierliche -Erscheinung erfreut, ist die +Dattelpalme+ (~Phoenix dactylifera~), -die hier als weit nach Norden vorgeschobener Vorposten des -sonnenreichen Südens erscheint und auch niemals Früchte zeitigt. -Durch ganz Nordafrika von Marokko und den Kanaren bis Syrien, Persien -und Arabien ist sie der heutigen muhammedanischen Bevölkerung eine -zum Lebensunterhalt völlig unentbehrliche Fruchtpflanze, deren -zierliche Kronen von Fiederblättern überall, wo sie auftauchen, -die menschlichen Ansiedelungen ankündigen. Ihre süßen, sehr -wohlschmeckenden und nahrhaften Früchte bilden das tägliche Brot und -zugleich den wichtigsten Handelsartikel der Araber, die sich ihren -Anbau sehr angelegen sein lassen. Sie gedeiht am besten zwischen -dem 19. und 35.° nördlicher Breite, und bedarf nach Norden zu einer -mittleren Jahreswärme von 21-23°, um genießbare Früchte zu zeitigen. -Sie verlangt Sandboden mit Grundwasser zu ihrem guten Gedeihen und -will ihren Blätterschopf in der Sonnenglut baden. Kein Sturm bricht -oder entwurzelt sie, da ihr Stamm von den verflochtenen Fasern der -Blattstiele umgeben wird und ihre zahlreichen, sehr tief reichenden, -zähen Wurzeln sie überaus fest im Boden verankern. Ihr 20-30 m, in -einzelnen Fällen sogar 40 m hoher Stamm trägt einen Schopf von 40 bis -80 Stück 2-3, ja 4 m langer, graugrüner Fiederblätter, die das Licht -durchlassen, so daß an ihrem Fuße noch Gemüse und kleinere Fruchtbäume -gedeihen. Zudem spenden sie willkommene Kühlung, indem die Blätter, -je stärker sie von der Sonne bestrahlt werden, um so mehr Wasser -verdunsten lassen, wobei Wärme gebunden wird. Meist bildet sich in -jedem Jahr nur ein neues Blatt, während ein altes abstirbt; dies -fällt nicht ab, wird aber bei den in Kultur befindlichen Bäumen von -Menschenhand entfernt. - -Die einzelnen Exemplare der Dattelpalme sind männlich oder weiblich -und bringen ihre Fruchtorgane in großen Rispen hervor. Jede Rispe -enthält beim männlichen Baum etwa 12000 Blüten, beim weiblichen -dagegen 100-200 Fruchtansätze. Dabei überträgt die Luftströmung den -Pollen von den hängenden Rispen des männlichen auf die Blütenstände -des weiblichen Baumes. Die Getrenntgeschlechtlichkeit dieser Pflanze, -deren weibliche Individuen die Datteln hervorbringen, war bereits den -alten Babyloniern, Ägyptern und Griechen bekannt, und sie wußten sehr -gut, daß Gruppen von vereinzelt stehenden weiblichen Bäumen nur dann -Frucht ansetzen, wenn stäubende männliche Blütenrispen in ihre Kronen -aufgehängt werden. - -Derselbe Prozeß der Auslese und Kultur, der aus einem Wildling den -edlen Ölbaum schuf, hat auch in Südwestasien in vorgeschichtlicher -Zeit die Dattelpalme geschaffen. Als die Stammpflanze derselben gilt -die wilde Dattelpalme (~Phoenix silvestris~), die noch heute in Iran -und dem wüstenhaften Vorderindien weit verbreitet gefunden wird, aber -kaum eßbare, kleine, herbe Früchte liefert. Als Ursprungsland der -Dattelkultur wird meist Südarabien angesehen, doch ist die älteste -für uns nachweisbare Stätte der Anpflanzung des veredelten Baumes -Babylonien, das Tiefland des Euphrat und Tigris, zu einer Zeit bevor -noch die semitische Einwanderung hier stattfand, die diesen Fruchtbaum -als höchst kostbares Kulturgut mit andern solchen Kulturgütern -übernahm. Schon die Siedelungen des altbabylonischen Volkes von Sumer -und Akkad waren, wie heute noch diejenigen der Araber, im Schatten der -Dattelpalmen errichtet. Ein uns erhaltener babylonischer Hymnus zählt -uns 360 Arten -- eine mystische astrologische Zahl, die bei diesen -abergläubigen Menschen eine große Rolle spielte -- von Nutzen dieses -Baumes auf, der bei den Assyrern, wie uns verschiedene Basreliefs auf -Alabaster beweisen, geradezu als heilig verehrt wurde. Der älteste -griechische Geschichtschreiber, Herodot, der ums Jahr 460 v. Chr. -Babylonien selbst bereiste, berichtet in seiner Geschichte des Orients -und Griechenlands, daß die Dattelpalme der einzige Baum sei, der in -den Ebenen Babyloniens gepflanzt werde und dort in ganzen Hainen -wachse. „Man sieht dort weder Ölbäume, noch Reben, noch Feigenbäume. -Nur Dattelpalmen wachsen überall und tragen Früchte, aus welchen man -Speisen, Wein und honigsüßen Saft gewinnt. Die Leute pflegen ihre -Palmen sehr gut und binden die Blütenrispen der männlichen Bäume in die -Krone der weiblichen, fruchttragenden, damit die Gallwespe (~psēn~) -von jenen auf diese übergehe und sie zur Reife bringe. Geschieht dies -nicht, so fallen die Früchte ab. Es tragen nämlich die männlichen -Dattelbäume in ihren Rispen Gallwespen wie die Feigenbäume.“ Diese -Behauptung, die kein anderer Schriftsteller des Altertums wiederholt, -war natürlich unrichtig, indem dies geschieht, damit der Wind die -Befruchtung vornehme. Er schloß nur aus der in seiner Heimat am -Feigenbaum geübten Sitte auf diese ihm sonst unerklärliche babylonische -Gepflogenheit, die später der große Schüler des Aristoteles, -Theophrastos (390-286), ganz richtig erklärt, indem er bemerkt, daß man -dies tue, um den Blütenstaub sicher auf die weiblichen Blüten gelangen -zu lassen. - -Herodot berichtet weiter: „Meistens führen sie (die Babylonier) Krüge -von Palmwein darauf“ -- nämlich auf ihren runden, gepichten Fahrzeugen, -auf denen sie den Euphrat hinunter nach Babylon fahren. Eingehender -berichtet uns der griechische Geschichtschreiber Xenophon, ein Schüler -des Sokrates (440-355 v. Chr.), über die von ihm in Babylonien -beobachteten Dattelpalmen. Als er im Jahre 400 die zehntausend Mann -griechischer Truppen, die dem jüngeren Kyros gegen dessen Bruder -Artaxerxes Mnemon zu Hilfe gezogen waren, nach der unglücklichen -Schlacht bei Kunaxa über das armenische Hochland nach der Südküste des -Schwarzen Meeres und von da weiter nach Byzanz führte, baute er, um -die breiten, brückenlosen Kanäle zu passieren, Brücken aus Palmstämmen -und quartierte dann seine Leute in Dörfern ein, in denen großer Vorrat -von Getreide, Dattelwein und Dattelessig war. „Die Datteln selbst, -welche dem Gesinde gegeben wurden, waren so wie diejenigen, welche -man in Griechenland sieht; diejenigen aber, die für die Herrschaft -bestimmt waren, besaßen eine wundervolle Schönheit und Größe. Der Farbe -nach waren sie dem Bernstein gleich. Auch wurden sie getrocknet zum -Verspeisen aufbewahrt. Aß man die getrockneten zum Trank, so schmeckten -sie zwar süß, bewirkten aber Kopfweh. Dort aßen die Soldaten auch zum -erstenmal das Hirn der Dattelpalme (~enképhalon tu phoínikos~). Sie -bewunderten das Aussehen und den eigentümlich angenehmen Geschmack -dieser Speise; aber sie bewirkte ebenfalls starkes Kopfweh. Übrigens -stirbt jede Palme ab, wenn ihr das Gehirn genommen wird.“ Und an einer -anderen Stelle schreibt er: „Sie (die Soldaten) fuhren dann auf ihnen -(den wasserdicht zusammengenähten und mit Heu ausgestopften Fellen, -die ihnen als Fahrzeuge dienten) hinüber (über den Euphrat) und holten -sich aus der Stadt (Charmande) aus Datteln hergestellten Palmwein und -Hirsebrot, dergleichen in der Gegend im Überfluß zu haben war.“ - -Auch der ältere Plinius sagt um die Mitte des 1. christlichen -Jahrhunderts, daß nicht nur der aus den in Wasser eingeweichten -Datteln gepreßte Dattelwein, sondern auch die frischen Datteln Kopfweh -verursachen, getrocknet weniger. Die Dattelpalme sei nach dem Weinstock -und Ölbaum der edelste Baum; man unterscheide viele Sorten, von denen -die sogenannten königlichen Datteln zu Babylon die berühmtesten -seien. Im Süden seien auch die Syagren (d. h. Wildschweindatteln) und -Margariden berühmt; letztere seien kurz, rund und weiß, weshalb sie -auch ihren Namen von der Perle (~margarita~) erhalten hätten. Nach -diesen seien die Sandaliden (d. h. Sandalendatteln) und Karyoten (d. -h. Nußdatteln)[A] die geschätztesten. Vorzugsweise sei Judäa durch -seine Dattelpalmen berühmt. Ihr Hauptwert bestehe in dem fetten Safte -mit weinartigem, süßem Honiggeschmack. Die weniger saftigen dortigen -Datteln heißen Nikolaen;[B] sie seien ungemein groß, so daß vier davon -zusammen die Länge einer Elle ausmachen. Weniger ansehnlich, aber im -Geschmack fast ebensogut wie die Karyoten seien die Adelphiden (d. -h. Geschwisterdatteln), während die dritte hierher gehörige Art, die -Pateten (d. h. zertreten aussehenden Datteln), zu viel Saft haben, -weswegen sie noch am Baume platzen und dann wie zertreten aussehen. -Eine mehr trockene Sorte seien die langen, schlanken Daktylen (die den -eigentlichen Dattelnamen tragen); „diese, die wir den Göttern weihen, -nennen die Juden, welche sich durch Verachtung der Götter auszeichnen, -Chydäen (d. h. Ausschuß).“ - -Daß dieser edle Fruchtbaum schon sehr früh von Babylonien nach Syrien -und Palästina gelangte, kann uns nicht überraschen. Allerdings gedieh -er in letzterem Lande in den höheren Lagen nicht mehr recht, so daß er -im Alten Testament keine nennenswerte Rolle als Fruchtbaum spielte. -Noch David, der zweite König von Israel, der Jerusalem zur Residenz -erhob und nach Sauls Fall 40 Jahre lang (1033-993 v. Chr.) den Thron -von Juda behauptete, zählt die Dattelpalme nicht unter den Bäumen -auf, die man in den Gärten pflanzen solle. Aber in den Ebenen und an -der Küste Syriens gedieh sie vortrefflich und war bald ein durchaus -unentbehrlicher Fruchtbaum, den auf ihren Küstenfahrten zu verbreiten -sich die schiffahrtkundigen Phönikier angelegen sein ließen. Sie -brachten ihn zuerst bei der Aussendung von Kolonien nach Nordafrika, wo -das von ihnen gegründete und später mit Rom rivalisierende Karthago die -Dattelpalme als Wappenbild auf ihre Münzen schlug. - -Durch die regen Verbindungen mit Syrien und Babylonien gelangte die -Dattelpalme schon zu Ende des 3. vorchristlichen Jahrtausends, etwa -gleichzeitig mit dem Feigenbaum, nach Ägypten, wo sie uns in den -Darstellungen an den Wänden der Gräber der 12. Dynastie, also zu Beginn -des mittleren Reiches unter der Bezeichnung ~bunnu~ oder ~phunnu~ zum -erstenmal als offenbar nicht mehr seltener Fruchtbaum entgegentritt. -So sehen wir in einer hübschen Darstellung des Grabes Nr. 2 zu Beni -Hassan, wie erwachsene Bäume dieser Art gefällt werden, was wohl -nicht der Fall gewesen wäre, wenn dies eine kostbare Neueinführung -gewesen wäre. In der Folge war die Dattelpalme ein in Ägypten viel -angepflanzter und neben der Dumpalme häufig dargestellter Baum, dessen -Früchte zahlreich unter den Totenbeigaben gefunden werden. Aus den -Stengeln der Fiederblätter -- altägyptisch ~bai~ genannt -- stellte -man Stöcke, Käfige und leichte Stühle her, während die Fiedern selbst --- altägyptisch ~utu~ -- zum Flechten von Matten, Körben, Sandalen und -dergleichen mehr dienten. Von den altägyptischen Ärzten wurden den -Kranken häufig Datteln zum Abführen verordnet. - -Neben der Dattelpalme wurde von den alten Ägyptern auch ein dem -Sonnengotte Ra geheiligter, besonders in der Sonnenstadt Heliopolis -verehrter adlerähnlicher Vogel, der sich alle 500 Jahre selbst -verbrennen und aus der Asche verjüngt auferstehen sollte, ebenfalls -~bunnu~ oder ~phunnu~ genannt. Nun besteht zweifellos zwischen diesen -beiden gleichgenannten Dingen irgend eine nicht mehr zu ergründende -sagenhafte Beziehung, die den Griechen durch Vermittlung phönikischer -Handelsleute zu Gehör kam. So nannten sie diesen mythischen Vogel -und die Dattelpalme aus ~phunnu~ verändert ~phoínix~ und gaben den -semitischen Kaufleuten von der Küste Syriens selbst diese Bezeichnung, -während später die Römer diesem Handelsvolke den sichtlich aus ~bunnu~ -abgeleiteten Namen ~puni~ oder ~poeni~ gaben. - -Dem homerischen Zeitalter war die Dattelpalme noch durchaus fremd. -Erst an einer Stelle der Odyssee, die nicht früher als aus dem 9. -vorchristlichen Jahrhundert stammen dürfte, wird in Worten höchster -Bewunderung von einer heiligen Palme auf der Insel Delos gesprochen, -mit der der vielgewanderte Dulder Odysseus die schlanke Tochter -des Königs der Phäaken, Nausikaa, vergleicht, die ihn nach seinem -Schiffbruch, als er nackt und ohne irgend welche Habe von den Wogen ans -Land geworfen wurde, freundlich aufnahm und zu ihrem Vater Alkinoos -geleitete. Es war das die einzige Palme, die er auf seinen weiten -Wanderungen sah; ja, er sagt von ihr, daß sonst nirgends auf Erden -ein solcher Baum wachse, als nur dort: „denn nicht trägt ein solches -Gewächs sonst irgend die Erde.“ - -Wenn schon die zierliche Gestalt des nicht Frucht tragenden Baumes -im Abendlande solches Entzücken erregte, so wird man begreifen, daß -im Morgenlande selbst, wo der Baum durch seine wohlschmeckenden, -nahrhaften Früchte dem Menschen ganz unentbehrlich ist, er als -Inbegriff der durch große Nützlichkeit hervorgehobenen Schönheit von -den Dichtern in den schönsten Bildern besungen wird. Wer denkt da -nicht an die Stelle im Hohen Lied des Alten Testaments, dem einzigen -uns erhaltenen, ums Jahr 800 v. Chr. entstandenen und ganz mit Unrecht -dem König Salomo zugeschriebenen Erzeugnis der weltlichen Lyrik der -Hebräer, da der Sänger seine Geliebte in begeisterten Worten beschreibt -und von ihr sagt: „Dein Wuchs gleicht der Palme und deine Brüste den -Datteltrauben“, dann an den Gebrauch der Israeliten und Vorderasiaten -überhaupt, ihre Töchter mit Vorliebe ~tamar~, d. h. Dattelpalme zu -heißen. - -Die athenische Sage berichtet, daß ihr mythischer König Theseus nach -der Überwindung des Minotaurus auf seiner Heimfahrt von Kreta auf -Delos gelandet sei und mit seinen Genossen zu Ehren des dort verehrten -Gottes Apollon ein Kampfspiel aufgeführt habe. Die Sieger seien dann -mit Zweigen jener berühmten Palme geschmückt worden, und seither sei -der Palmwedel das Symbol des Siegers und der Siegesfreude. Schon in -der Mitte des 7. vorchristlichen Jahrhunderts stiftete der Tyrann -Kypselos, der Herrscher der auf phönikischen Ursprung zurückgehenden -Stadt Korinth, eine eherne Palme als Weihgeschenk für den delphischen -Apollon, wie später auch die Athener nach ihrem Doppelsiege über die -Perser am Flusse Eurymedon im Jahre 466 v. Chr. Endlich prägten Ephesus -und andere Griechenstädte, so auf Kreta und Euböa, Palmen auf ihre -Münzen. - -Von den Griechen kam die Dattelpalme zu den Römern, die vorher bloß die -auf heißen Standorten Siziliens und Unteritaliens wachsende Zwergpalme -(~Chamaerops humilis~) gekannt hatten. Auch bei ihnen war der -Palmwedel das Abzeichen und der Preis des Siegers in den öffentlichen -Spielen wie bei den Triumphzügen, und mit ihm bestickten sie als -ganz besondere Auszeichnung die ~tunica palmata~, das kurzärmelige, -wollige Unterkleid, das die Männer unter der Toga trugen. Die ersten -Dattelpalmen auf italienischem Boden pflanzten die unteritalischen -Griechen um die dem Apollon geweihten Tempel und von ihnen drangen -sie mit der Zeit zu den Römern vor, von denen der Geschichtschreiber -Livius das erste Exemplar aus dem Jahre 291 v. Chr. aus dem Hain des -Apollo in der Hafenstadt Antium in Italien erwähnt. Aber erst im -letzten vorchristlichen Jahrhundert kamen die Früchte dieses Baumes -als Handelsartikel durch die Vermittlung der Griechen häufiger zu -den Römern unter der dem semitischen Worte dafür ~dachel~ entlehnten -griechischen Bezeichnung ~dáktyloi~, woraus das lateinische ~dactyli~ -und zuletzt unser deutsches Wort Dattel wurde. Daß nun die Griechen aus -dem von den Phönikiern gehörten Wort ~dachel dáktyloi~ machten, mag -wohl auf einer Ideenverbindung mit dem Worte Finger, was ~dáktylos~ -eigentlich bedeutete, beruhen, da diese Früchte entfernt fingerförmige -Gestalt besitzen. - -Da die Dattelpalme auf europäischem Boden keine süße Frucht trägt, sind -mit dem Untergang der antiken Welt auch die anmutigen hier gepflanzten -Exemplare, weil keine Früchte tragend, als nutzlos zugrunde gegangen. -Die Araber dagegen verbreiteten dieses ihr heimatliches Gewächs überall -hin, wo sie ihren Fuß setzten. So soll der Kalif Abdurrahman I. um -das Jahr 756 in einem Garten bei Cordova mit eigener Hand die erste -Dattelpalme auf spanischem Boden gesetzt haben, von der alle übrigen in -Spanien abstammen sollen. Oft soll er sie in sehnsüchtiger Erinnerung -an die arabische Heimat betrachtet haben. Die Sarazenen brachten den -Baum wiederum nach Sizilien und Süditalien, wo sich seiner in der Folge -die Christen bemächtigten, um die Blattwedel am Palmsonntage weihen zu -lassen und das Jahr über als Schmuck in ihren Wohnungen aufzubewahren. -Dieser Sitte verdankt Italien seinen größten Palmenhain, der sich bei -Bordighera zwischen San Remo und Ventimiglia unter fast 44° nördlicher -Breite befindet. Eßbare Früchte liefern sie natürlich hier nicht, dafür -aber müssen sie ihre Blattwedel opfern. Die Einwohner dieses Städtchens -haben das durch Gewohnheit geheiligte Vorrecht, zum Osterfest Palmen -nach Rom zu liefern, und diese Industrie schuf mit der Zeit die über -4000 Stämme zählende Palmenanpflanzung. Dieses Vorrecht verlieh Papst -Sixtus V. im Jahre 1586 der Familie Bresca als Belohnung dafür, daß -ein Glied dieser Familie, ein Schiffskapitän, in jenem Jahre, während -der Aufstellung des unter Kaiser Caligula 39 n. Chr. aus Heliopolis -in Ägypten nach Rom gebrachten und damals den vatikanischen Zirkus -schmückenden Obelisken auf dem Platz von St. Peter in Rom, als die -trockenen Taue zu versagen drohten, durch den rechtzeitigen Ruf: -„Wasser auf die Taue!“ dem die Aufstellung besorgenden Baumeister -Fontana aus schwerer Verlegenheit half. - -Den Palmwedel hat die christliche Kirche, wie so viele andere Symbole -der Bildersprache des Orients entnommen. Wie Palmenwedel bei den -Festen des Osiris in Ägypten, beim feierlichen Einzuge der Könige -in Jerusalem prangten, die Sieger in Olympia schmückten und die -Festgewänder römischer Imperatoren zierten, so bedient sich ihrer -heute noch die katholische Kirche in Erinnerung an den Einzug des -Christus (d. h. Messias) in die jüdische Hauptstadt. Bei der Feier des -Palmsonntags sollen sie nicht bloß ein Zeichen des Sieges des Urhebers -des Christentums, sondern zugleich ein Bild himmlischer Reinheit sein, -deren Beispiel jener gab. Damit nun die Palmwedel möglichst farblos -weiß bleiben, d. h. sich ohne Ausbildung des Blattgrüns entwickeln, -werden die Kronen vom Hochsommer an fest zusammengebunden, so daß die -innersten Blätter, vom Licht unberührt, vergeilen. Der Reisende, der um -diese Zeit die Riviera di Ponente besucht, sieht dann die Palmwipfel -in Form von riesigen Kugeln und begreift anfangs nicht, was diese -Verstümmelung des schönen Baumes bezweckt. Im Dunkeln gehalten, werden -solche Wedel auch schlank und lang. An ihren Enden laufen sie spitz aus -und bleiben biegsam und weich, so daß sie leicht in beliebige Formen -geflochten werden können. - -Aber auch das ältere Judentum benutzt noch die Palmwedel in Verbindung -von Myrte und Bachweide zum Feststrauß für das Laubhüttenfest, das -ursprünglich ein Erntefest war. Es verlor aber nach der Zerstreuung -der Juden, die sich in der Fremde dem Handel zuwandten, diese seine -Bedeutung und behielt nur die andere geschichtliche bei, eine -Erinnerung an den göttlichen Schutz während der Wüstenwanderung zu -sein, als ihre Vorfahren unter Mose in Hütten aus Palmzweigen wohnten. -Die Bestandteile dieses, bei jenem im Oktober gefeierten Feste zur -Aufstellung gelangenden Straußes mußten gewisse Bedingungen erfüllen, -so auch der Palmwedel, der für die Juden grün bleiben muß. Der Schopf -zu diesem Zwecke gehaltener Palmen wird in Bordighera weniger stark -zusammengebunden, so daß auch die jüngeren Blätter etwas Licht erhalten -und ergrünen können. Sie bleiben zugleich kürzer, schließen mit -stumpfer Spitze ab und werden härter als diejenigen für die Katholiken. - -Früher trug auch die Umgegend des kalabrischen Reggio und von -Palermo auf Sizilien ganze Palmenwaldungen, die aber als Nachlaß der -ungläubigen Sarazenen von den Christen zerstört wurden. Einzig in -Südspanien, bei Elche, befindet sich noch ein aus mohammedanischer -Zeit herrührender Palmenwald von etwa 60 000 Stämmen, der nicht -nur Blätter für fromme Gläubige liefert, sondern auch genießbare -Früchte zeitigt. An der Riviera wird neuerdings sehr häufig neben der -Dattelpalme die ihr sehr ähnliche kanarische Phönix gepflanzt, von ihr -nur durch gedrängteren, üppigeren Wuchs und kräftigere Blattentwicklung -verschieden. Ihre Blätter werden gleichfalls häufig zu der an der -Riviera blühenden Palmenflechterei benutzt. - -In den Oasen Nordafrikas und Westasiens ist die Dattelpalme das -wichtigste Kulturgewächs, ohne welches der Mensch hier nicht -existieren könnte. Hier treibt sie ihre Wurzeln sehr tief in den -Boden, bis die wasserführende Schicht erreicht ist, so daß sie ohne -künstliche Bewässerung üppig gedeiht. Alles an ihr wird von den armen -Oasenbewohnern verwertet. Die Früchte sind das fast ausschließliche -Nahrungsmittel, das roh, getrocknet oder gekocht täglich mehrmals -gegessen wird. In Körbe gepreßt oder in Sand gegraben, können sie bis -zwei Jahre aufbewahrt werden und verderben selbst in der brennendsten -Sonnenhitze nicht. Deshalb bilden Datteln auf den Karawanenreisen ein -unentbehrliches Proviantmittel. Der Stamm der Dattelpalme liefert -die Pfosten der Häuser, die Gerüste zu den Ziehbrunnen, die Bretter -zu Türen und das Werkzeugmaterial überhaupt. Die Blätter dienen zur -Bedachung der Hütten, die Rippen zur Einzäunung der Grundstücke wie -auch zu Wanderstäben; ihre Fiedern werden zu Sandalen und Körben -geflochten. Aus dem Fasergewebe der Blattansätze werden sehr haltbare -Stricke gedreht, die besonders widerstandsfähig gegen Salzwasser -sind und deshalb vielfach in der Schiffahrt Verwendung finden; die -Herzblätter der Stammspitze liefern den wohlschmeckenden Palmkohl und -durch Anzapfen des Stammes erhält man einen zuckerhaltigen Saft, der -vergoren einen berauschenden Wein liefert. Meist aber wird solcher -Dattelwein durch Gärenlassen von mit Wasser verdünntem Dattelhonig -gewonnen, der durch Auspressen der frischen Datteln erhalten wird. - -Die Fortpflanzung der Dattelpalme geschieht bisweilen durch die -Fruchtkerne, in denen das Nährgewebe für den Embryo in Form von -hornartig hartem Holzstoff angehäuft ist, das dann durch Fermente -gelöst und in Zucker verwandelt wird, um dem jungen Pflänzchen zum -Wachstume zu dienen. Am häufigsten aber wird dieser Fruchtbaum durch -Schößlinge vermehrt, die man im Herbste aus der unmittelbaren Nähe des -Mutterbaumes ausgräbt, verpflanzt und etwa drei Monate lang begießt, -von wo an sie sich selbst erhalten können. Nach sechs bis acht Jahren -beginnen diese die ersten Blüten zu treiben, aber erst vom 20. Jahre -an liefern sie volle Erträge, die bis zum 70. oder 80. Jahre andauern. -Von da an wird der Ertrag geringer, und etwa im Alter von 100 Jahren -sterben die Bäume ab. - -Stets werden die weiblichen Dattelpalmen in der Weise befruchtet, daß -man in ihre Rispen Teile eines stäubenden männlichen Blütenstandes -befestigt oder darüber schüttelt, damit der Pollen in reichen Mengen -auf erstere hinunterfalle. In einem Fruchtstande gelangen meist über -hundert Beeren zur Entwicklung, die dann im Herbste geerntet werden, -doch nicht gleichzeitig. Man pflückt nämlich diejenigen, die als -Vorrat aufbewahrt werden sollen, vor ihrer völligen Reife, um sie -an der Sonne ausreifen, zugleich aber auch trocken und fest werden -zu lassen. Die am Baume völlig reif gewordenen ißt man vorweg. Als -Durchschnittsernte rechnet man auf einen Baum einen Jahresertrag von 50 -kg, die an Ort und Stelle etwa drei Mark wert sind. - -Endlich hat die Dattelpalme auch in der Kunst eine wichtige Rolle -gespielt. Bei den alten Babyloniern gab ihr Stamm den Anlaß zur -Entstehung der später aus Stein nachgebildeten runden Säule, während -ihr Wipfel das in der babylonischen und assyrischen Kunst so beliebte -Motiv der Palmette gab, welches dann die Griechen aus dem Orient -übernahmen. In Ägypten dagegen wurden die Säulen aus Papyrus und Lotus -nachgeahmt; dadurch entstand die kanelierte Säule, die die Griechen -von dorther übernahmen und in ihrer dorischen und korinthischen Säule -weiter bildeten. Da sie ihnen aber nüchtern vorkam, wurde sie mit -den Blättern des im Mittelmeergebiet in mehreren Arten verbreiteten -Acanthus gekrönt, wodurch das korinthische Kapitäl entstand. Die -Voluten des ionischen Kapitäls dagegen sind wahrscheinlich den -gewundenen Gehäusen der Tonnenschnecken (~Dolium~) nachgebildet. So hat -die Dattelpalme den weitgehendsten Einfluß auf die allgemeine Kultur -des in ihrem Bereiche lebenden Volkes ausgeübt. - -Die im tropischen Afrika einheimische und namentlich an den Flußufern -sehr verbreitete +Ukindu+- oder +wilde Dattelpalme+ (~Phoenix -reclinata~) liefert ungenießbare, holzigtrockene Früchte, doch werden -die Fiedern der Blätter zu Flechtereien aller Art benutzt. Wichtiger -als sie ist die indische +Dattel-Zuckerpalme+ (~Phoenix silvestris~), -die nur 9 bis 13 m hoch wird und eine dichte, halbkugelige Krone aus -3 bis 5 m langen Fiederblättern trägt. Sie wird in ihrer Heimat, -besonders in Bengalen, seit unvordenklicher Zeit zur Gewinnung -von Palmenzucker kultiviert. Ende Oktober entfernt man an ihr die -unteren Blätter, die zum Flechten von Matten und Säcken für die -Zuckerverpackung oder als Brennmaterial dienen, und macht einige Tage -später an jener entblößten Stelle einen Einschnitt in den Stamm, -in welchen man ein gespaltenes Bambusröhrchen einsetzt, das den -aus der Wunde rieselnden süßen Saft in ein Gefäß leitet. Der Saft -fließt besonders nachts, und zwar um so stärker, je kühler sie ist. -Früh morgens geht der Eigentümer mit seinen Gehilfen von Baum zu -Baum, um den Saft zu sammeln und sofort an Ort und Stelle zu einem -~gur~ genannten Sirup zu kochen. Dieser wird meist verkauft und von -besonderen Zuckerkochern zu Palmenzucker eingedickt. Wenn der Saftfluß -nach etwa acht Tagen erschöpft ist, so läßt man die Wunde zuheilen und -versucht eine Woche später an einer anderen Stelle nach vorhergehendem -Schälen des Stammes weiteren Saft zu gewinnen. Ein vollkräftiger Baum -kann während der Erntezeit in 50 Nächten abgezapft werden und liefert -240 Sihr (= 100 Liter) süßen Saft, aus denen 24 Sihr (= 10 Liter) Sirup -eingekocht wird. Die Bäume werden aus Samen auf gutgedüngtem Boden -gezogen und werden nach Ablauf des fünften Lebensjahres zum erstenmal -angezapft. Die erste Ernte beträgt nur die Hälfte des Ertrags eines -vollkräftigen Baums. Durchschnittlich beträgt die Erntefähigkeit 40, -unter besonders günstigen Verhältnissen 45 bis 50 Jahre. - -Ganz außerordentliche Wichtigkeit kommt der Königin der Palmen, -der +Kokospalme+ (~Cocos nucifera~) zu, die überall in den Tropen -in der Nähe der Küsten schon seit sehr langer Zeit eine geradezu -unentbehrliche Nutzpflanze bildet. Da die übrigen 28 Arten der -Palmengattung ~Cocos~ im Küstengebiet von Mittelamerika heimisch sind, -muß auch sie, die man nirgends mehr wild findet, von dorther stammen, -wie zuerst Martius vermutete. Sie hat sich teils durch den Menschen, -der sie überall mit sich nahm, teils durch die Meeresströmungen über -den ganzen Tropengürtel verbreitet. Als ausgeprägte Strandpflanze, -von der man sagt, daß sie nur soweit gedeiht, als der Seewind sie -erreicht, sind nämlich ihre mächtigen, undeutlich dreikantigen Früchte -auf lange andauernden Transport durch die salzige Flut eingerichtet. -Zu diesem Zwecke haben sie eine 2 Finger dicke, außerordentlich zähe -und dauerhafte Faserhülle, die als Schwimmkörper dient; außerdem ist -der Keimling in eine steinharte Schale eingeschlossen, welche auch -nach allfälliger Auflösung der äußeren Faserhülle den zarten Keimling -vor der schädlichen Einwirkung des scharfen Meerwassers abhält. -Dieser Umstand erklärt es, weshalb die zierliche Palme, deren wehende -Blätterkronen einen der schönsten und charakteristischen Züge der -tropischen Landschaft bilden, sich auch ohne Zutun des Menschen als -vielfach einzigen Vertreter der Baumvegetation auf allen Koralleninseln -der Südsee angesiedelt hat. - -Ursprünglich ist die Kokospflanze eine ausschließliche Küstenpflanze. -Erst durch den Menschen wurde sie auch fern von der Küste angesiedelt. -Da, wo sie ihre Wurzeln ins Grundwasser tauchen kann, das auch salzig -sein darf, gedeiht sie nämlich auch fern von der Salzflut. So hat man -sie neuerdings nicht bloß in Indien und auf Ceylon, sondern auch in -Ostafrika bis 500 km vom Meere entfernt angesiedelt. Und sie kommt -hier so gut als an der Küste fort. Sie wird gewöhnlich nur etwa 20 m -hoch, kann aber gelegentlich 25 bis 30 m Höhe erreichen. Auf ihrem -von den vorherrschenden Winden meist etwas gekrümmten, schlanken, -geringelten Stamm von 30 bis 60 cm Durchmesser erhebt sich eine Krone -von 10-12 bis 5 m langen, gefiederten Blättern, deren unterseits -rinnenförmig ausgehöhlter Stiel am Grunde von einem zähen, braunen -Geflecht umgeben ist. Aus den Achseln der untersten Blätter kommen -die bis 1 m langen, zusammengedrückten Blütenscheiden hervor, welche -lange, vielfach verzweigte Kolben mit gelben männlichen und grünen -weiblichen Blüten umschließen. Aus letzteren gehen die 29 : 26 cm -messenden, blaß aschgrauen bis rötlichen Früchte hervor, die fast ein -Jahr zu ihrer Reife brauchen. Ein jeder Fruchtkolben, deren mehrere -gleichzeitig am Baume zu sehen sind, trägt 10 bis 30 Nüsse. So reifen -das Jahr über an einem Baume günstigenfalls bis 150 Nüsse; doch -rechnet man durchschnittlich nur auf einen Jahresertrag von 60 bis 80 -Nüssen per Baum in vier bis fünf Ernten. Die junge Nuß ist mit einer -milchigen Flüssigkeit, der Kokosmilch, erfüllt, die einen süßlichen, -etwas zusammenziehenden Geschmack besitzt und frisch ein angenehmes, -kühlendes Getränk bildet. Bei der Reife verdichtet sich diese milchige -Flüssigkeit in den äußeren Partien zu einem festen, weißen Kern, der -neben Eiweißstoffen besonders reichlich Fett enthält. In der Höhlung -dieses festen Teiles des Nährgewebes findet sich aber auch nach -der Reife noch ein flüssiger Teil als Milch, welche später bei der -Keimung zuerst zur Verwendung gelangt. Der kleine Keimling liegt im -festen Nährgewebe unterhalb des Keimlochs des nicht fehlgeschlagenen -Fruchtknotenfaches. - - Tafel 23. - -[Illustration: Dattelpalmen in Algier. - -Dattelernte in einer nordafrikanischen Oase.] - - Tafel 24. - -[Illustration: Fruchttragende Kokospalme in Westafrika mit einem Neger, -der im Begriffe ist sie zu besteigen, um Nüsse herunterzuholen.] - -In einem zusammenhängenden, dichten Besiedelungsgebiet wächst -die Kokospalme besonders in ganz Südasien, der indischen und -polynesischen Inselwelt in dichten Hainen und befriedigt die meisten -Lebensbedürfnisse der Eingeborenen, deren Existenz sich ohne sie -gar nicht mehr denken ließe. Keine andere Nutzpflanze läßt sich an -vielseitiger Verwendung auch nur annähernd mit ihr vergleichen. -Von ihr sagt ein indisches Sprichwort, daß sie 999 Nutzanwendungen -gewähre und die 1000. sei überhaupt noch nicht gefunden. Aus der Rinde -der Kokospalme gewinnt man den Kokosgummi, womit sich die Bewohner -von Tahiti und anderer Inseln der Südsee die Haare bestreichen, um -ihnen Halt zu geben. In Indien werden die äußeren, gerbstoffhaltigen -Teile des Stammes zum Gerben benutzt. Der vom 35. Jahre an stark -verholzende Stamm dient als oft einziges Nutzholz zum Bauen und zur -Herstellung der Möbel und verschiedensten Geräte. Zur Anfertigung -feiner Möbel wird er besonders viel nach England ausgeführt. Die -Blätter benutzt man zum Dachdecken, sowie zu Matten und anderen -Geflechten, wie besonders Hüten und Regenschirmen, die Blütenscheiden -und alten, ausgetrockneten Blätter zusammengerollt zu Fackeln, die -Mittelrippe zu Kämmen, die zusammengebundenen Blätter zu Besen. -Das junge Mark unter der Endknospe, das einen süßen, an Haselnuß -erinnernden Geschmack besitzt, wird wie die ganz jungen Blätter als -Gemüse, sogenannten Palmkohl, gegessen. Das Fasernetz am Grunde der -Blätter, noch mehr aber die faserige Hülle der Früchte dient zu -unverwüstlichen Tauen, Stricken und Geflechten, besonders Matten, -Teppichen und Läufern, aber auch zu Besen, Pinseln und Bürsten. Aus -den noch geschlossenen Blütenscheiden wird durch Umschnürung mit -jungen Kokosblättern und Anschneiden der Toddy genannte Palmwein und -aus diesem durch Destillation Arrak, durch Einkochen ein Sirup und -endlich ein sehr angenehm schmeckender brauner Zucker, der Palmzucker -(~tschakara~, mit dem Sanskritworte ~sackara~, von dem unser Zucker -abstammt, zusammenhängend), von dem über 110 Millionen kg jährlich -produziert werden, gewonnen. Der dünnmilchige Saft besonders der -unreifen Früchte dient als überaus angenehmes, erfrischendes Getränk, -während der wie Haselnuß schmeckende weiße Kern roh verspeist oder -zerrieben dem Curry und anderen Speisen hinzugefügt wird, auch preßt -man aus ihm das zu 68 Prozent in ihm enthaltene Öl in Form eines -weißen, dem Schweineschmalz ähnlichen, bloß etwas unangenehm riechenden -Fettes, das zum Schmälzen der Speisen, als Brenn- und Salböl dient, -zu welch letzterem Zwecke es vielfach mit Sandelholz parfümiert wird. -Besonders aber dient es wie das afrikanische Palmöl zur Herstellung von -Kerzen und Seifen. Kokosseife ist besonders bei Seeleuten sehr beliebt, -da sie die einzige ist, die auch im Meerwasser schäumt. 15 Nüsse geben -durchschnittlich 2 Liter Kokosnußfett. Die Preßrückstände geben ein -wertvolles Viehfutter. Die harte Schale liefert Gefäße und Löffel -und wird in Europa zu allerlei Drechslerwaren, namentlich Knöpfen, -verarbeitet. - -Welch ungeheure Werte der Mensch der Kokospalme verdankt, kann man sich -einigermaßen vorstellen, wenn man bedenkt, daß einzig die Insel Ceylon, -auf der die Europäer erst seit etwa 30 Jahren systematisch größere -Anpflanzungen dieser Palme vornahmen, aus ihren wenigstens 30 Millionen -Kokosbäumen jährlich einen Ertrag von rund 325 Millionen Mark bezieht, -während der Reis einen solchen von 112 Millionen Mark, der neuerdings -im großen Maßstabe gepflanzte Tee aber einen solchen von 100 Millionen -Mark liefert. Deshalb wird die Kokospalme auch in allen tropischen -Kolonien Deutschlands in Menge kultiviert. Die größten und wertvollsten -Bestände besitzen die Südseeinseln, wo sich neben den Kokoshainen -der Eingeborenen auch große, von Europäern angelegte Kokosplantagen -befinden. In Afrika wird sie in den Küstenstrichen fast nur von den -Eingeborenen kultiviert. Trotzdem haben die deutschen Kolonien im Jahre -1906 für 6¼ Millionen Mark der als Kopra bezeichneten getrockneten -Kokosnuß exportiert. Da die Gesamteinfuhr Deutschlands an Kopra in -demselben Jahre 16,9 Millionen Mark betrug, so ergibt sich, daß dieses -Land jetzt schon mehr als ein Drittel seines Koprabedarfes aus seinen -Kolonien zu decken vermag. - -Die Eingeborenen der Tropen pflanzen die Kokospalme gern in und -um ihre Dörfer an, meist nur in kleineren Beständen, seltener als -größere Pflanzungen. Diese werden in der Regel von den Europäern -angelegt. Die Kultur der Kokospalme ist eine höchst einfache. Die -Vermehrung geschieht ausschließlich durch die Früchte, welche man nach -der Ernte noch 3-4 Wochen lang ausreifen und ankeimen läßt, bevor -man sie zur Aussaat verwendet. Wenn der Keimling etwa 2 cm aus der -Frucht herausragt, werden die Nüsse ihrer Länge nach in Furchen eines -aus sandiger, reich mit Salz oder Asche gedüngter Erde bestehenden -Saatbeetes gelegt und lose mit Erde bedeckt. Nach 7 bis 9 Monaten -werden die jungen Palmen an ihren definitiven Bestimmungsort gebracht, -wobei man sie etwa 7 m auseinander pflanzt. Doch müssen sie noch -längere Zeit bei allzu großer Hitze beschattet, gegen das weidende Vieh -beschützt und regelmäßig mit Holzasche gedüngt werden. Nach dem ersten -Jahre fangen die Blätter an gefiedert zu werden, d. h. sie verlieren -ihre für das Jugendstadium charakteristische zusammenhängende Form. Am -Ende des zweiten Jahres haben sie am Grunde einen Durchmesser von 8 cm. -Im dritten Jahre nimmt der Fuß der Krone die Gestalt eines Hufeisens an -und der Stamm beginnt sich über die Erde zu erheben. Im vierten Jahre -hat er 12 und im fünften Jahre 24 Blätter. In den folgenden Jahren -setzt er noch weitere 12 Blätter an, damit ist seine Krone vollständig. -Nun wendet sich das Wachstum mehr auf den Umfang der Pflanze. Vom -siebenten oder achten Jahre an beginnt die Palme zu blühen und das -ganze Jahr hindurch Früchte zu zeitigen. Die volle Tragfähigkeit tritt -aber meist erst im zwölften Jahre ein und dauert bis zum sechzigsten -bis achtzigsten Jahre, dann nimmt der Ertrag ab, so daß der Baum -schließlich umgehauen und durch eine junge Kokos ersetzt wird. Doch -kann der Baum ein Alter von 90-100 Jahren erreichen. - -In bezug auf den Boden ist die Kokospalme nicht besonders wählerisch, -wenn sie nur genug Wasser, am liebsten brackiges hat. Am besten sagt -ihr ein tiefgründiger, humusreicher Lehm zu. Außer Wind, der ihr -überall an der Küste in reichem Maße zuteil wird, verlangt sie vor -allem reichen Sonnenschein. Luft und Licht sind zwei ihrer wichtigsten -Lebensbedingungen. Im Schatten verkümmert sie; daher finden wir niemals -Kokospalmen im geschlossenen Hochwalde. Im Halbschatten wächst sie -mangelhaft, bildet nur einen ganz dünnen Stamm und die wenigen Früchte, -die sie hier hervorbringt, sind klein und unansehnlich. - -Begreiflicherweise war dieses Tropengewächs, das sehr früh die -Gestade Indiens besiedelte, den älteren Kulturvölkern am Mittelmeer -unbekannt. Die erste Beschreibung von ihm gab unter den Griechen der -pflanzenkundige Aristotelesschüler Theophrast (390-286 v. Chr.) in -seiner Naturgeschichte der Gewächse nach dem Bericht, den er über die -Kokospalme durch Begleiter Alexanders des Großen auf dessen Zuge nach -Indien erhalten. Er nannte sie ~kúki~. Der ägyptische Großkaufmann -Kosmas aus Alexandrien, der ums Jahr 550 mit seinem Begleiter Menas -auf einer Handelsreise bis Südafrika und Indien gelangte und später -als Mönch seine Reise beschrieb, sah in den Küstengebieten Indiens, -der von ihm ~Taprobane~ genannten Insel Ceylon und auf den Malediven, -die er besuchte, in Menge die von ihm ~argéllion~ genannte Kokospalme; -es ist dies das ~nargil~ der Perser und Araber, das aus dem indischen -~narikela~ stammt. Er sagt, daß man den von ihr gewonnenen süßen, in -alkoholische Gärung übergehenden Saft ~konchusúra~ nenne. Nach ihm -hat der weitgereiste Venezianer Marco Polo mit seinem Vater Niccolò -und seinem Oheim Maffeo Polo 1293 und 1294 auf seiner Heimreise von -China über Indonesien und Indien die Kokospalme häufig gesehen und -in seinem während der Gefangenschaft bei den Genuesen diktierten -Bericht beschrieben. Er nennt sie nur den „Palmbaum mit den indischen -Nüssen“. Der Name Kokosnuß wurde erst nach des Portugiesen Magelhaens’ -Fahrten, der als erster Europäer die nach ihm benannte Meerenge -zwischen Patagonien durchfuhr und im November 1520 in den Stillen Ozean -gelangte, um am 27. April 1521 in einem Gefecht auf der Marianeninsel -Matan umzukommen, bei den Seeleuten bekannt. Nach Garcias und Klöden -soll er daher stammen, daß die portugiesischen Seeleute sie infolge -der Ähnlichkeit der drei Keimlöcher der inneren Frucht mit den beiden -Augen und der Nase einer Meerkatze (~macoco~) ~coco~ nannten. Die -Erforscher der malaiischen Inselwelt Rumphius und Thunberg im 17. -Jahrhundert nannten die Kokospalme nach der Bezeichnung der Amboinesen -Kulapa-Baum. Da sie im Sanskrit Indiens als ~narikela~ vorkommt, -muß sie dort schon vor 3-4000 Jahren bekannt gewesen sein. An der -Malabarküste wird sie als ~tenga~, d. h. Südfrucht bezeichnet, weil sie -von Süden her, speziell aus Ceylon, dort eingeführt wurde. Auf Tahiti -heißt sie ~ari~, wie sie auch von manchen Malaienstämmen genannt wird. -Jedenfalls hat sich diese von Martius als „wandelnde Seeuferpalme“ -bezeichnete Kulturpflanze, die unfruchtbar bleibt, wenn sie nicht vom -Menschen gepflegt wird, zunächst durch die Meeresströmungen, dann durch -den Menschen von der pazifischen Küste Mittelamerikas zuerst über ganz -Ozeanien und dann die südasiatische Inselwelt verbreitet und wurde erst -nach der Entdeckung Amerikas im Bereiche des Atlantischen Ozeans, in -Westafrika, an den Küsten Brasiliens und im Gebiete ganz Westindiens -angesiedelt. Dagegen fanden die ersten Spanier, die von Mexiko nach der -Küste des Stillen Ozeans hinabstiegen, sie reichlich auf der Westküste -Mexikos wie ganz Mittelamerikas angepflanzt. Neu-Kaledonien ist die -südlichste Insel, an deren Nordküste die Kokospalme noch gedeiht. -Ihre nördlichste Verbreitung aber hat sie auf den Sandwich-Inseln, -beinahe unter dem Wendekreis des Krebses, gefunden, wo sie aber infolge -ungenügender Sonnenwärme nur spärlich Früchte hervorbringt. Dort -genossen in vorchristlicher Zeit nur die Männer die Früchte, die den -Weibern ~tabu~ waren und nicht einmal von ihnen berührt werden durften, -bis einmal eine mutige Häuptlingsfrau, von ihrem Manne gegen die Rache -der Priester beschützt, dieses altgeheiligte Verbot übertrat und, da -sie von den Göttern für diesen Frevel nicht bestraft wurde, ihrem -Geschlecht das Recht zum Genuß der herrlichen Früchte verschaffte. - -Eine besonders für Westafrika sehr wichtige Palme ist die +Ölpalme+ -(~Elaeis guineensis~), deren Vorkommen auf das tropische Afrika -beschränkt ist. Von der Westküste, wo sie sich in einem breiten -Streifen vom Gambia- bis zum Kuanzafluß findet, dringt sie nordöstlich -bis zum Albertsee und südöstlich bis zum Nordende des Nyassasees vor. -Sie kommt also auch im ganzen Kongobecken vor, wird aber im wilden -Zustande nur verhältnismäßig selten angetroffen. Die einzige außer -ihr noch vorhandene Elaeis-Art, ~Elaeis melanococca~, die gleichfalls -rote, zur Gewinnung von Öl benützte Früchte besitzt, hat ihre Heimat im -tropischen Amerika, wo sie um Bahia, an der Mündung des Amazonenstroms, -in Guiana, Venezuela und auf dem Isthmus von Panama wild wächst. -Deshalb vermutet man, daß auch die westafrikanische Ölpalme im -Dorado der Palmen, dem nördlichen Südamerika und Mittelamerika, ihre -ursprüngliche Heimat hat, von der sie schon im Tertiär auf der damals -noch bestehenden Landbrücke nach Westafrika gelangte. - -Die westafrikanische Ölpalme ist ein sehr schönes Gewächs, gedeiht -aber nur dort, wo ein feuchtes, heißes Klima herrscht. Nur unter den -natürlichen Lebensbedingungen, im Walde, erreicht sie ihre normale -Höhe von 20 m, in der Kultur aber wird sie meist bloß 10-15 m hoch. -Ihr tief geringelter, mannsstarker Stamm schwillt vielfach über dem -Boden etwas an und ist unter den natürlichen Verhältnissen im obersten -Teil meist noch mit den Resten abgestorbener Blattstiele bedeckt. In -der Entfernung dieser, damit die Palme zum Herunterholen der reifen -Früchte bestiegen werden könne, beschränkt sich in der Regel die -ganze Pflege seitens der Eingeborenen. Die schöne Blattkrone besteht -aus 20-25 Wedeln bis zu 7 m Länge mit etwa 1 m langen Fiedern, die -sich aber schlecht zum Flechten eignen. In den Blattachseln des -Wipfels brechen die mit kätzchenartig angeordneten Blüten reichlich -besetzten Blütenstände hervor, die, wie bei den meisten Palmen, -getrennten Geschlechts sind, jedoch in der nämlichen Krone, nicht -auf verschiedenen Individuen sich entwickeln. Eine Palme bringt -während des Jahres durchschnittlich drei bis vier der massigen, nicht -herabhängenden Fruchtstände zur Reife. Sieben Monate nach der Blüte -reifen die Früchte heran. 600-800, ja bis 1500 an der Zahl finden sie -sich an einer riesigen, meist 20-30, gelegentlich bis 50 kg schweren -Traube, durch kurze Stacheln voneinander getrennt. Sie sitzen sehr fest -und sind wegen ihres gedrängten Wachstums unregelmäßig abgeplattet und -erscheinen fett glänzend, von hochgelber bis zinnoberroter Farbe. Am -Oberteile sind sie braunschwarz angelaufen. Zu äußerst bestehen sie -aus einer dünnen Lage eines fettreichen, faserigen Fleisches, das eine -dickschalige, steinharte, mit einem bläulich weißen Kerne versehene Nuß -umschließt. Etwa ein Drittel des Gewichtes der Fruchtstände wird von -den Früchten selbst gebildet. Deren ölhaltiges Fruchtfleisch bildet -eine Lieblingsnahrung der Affen und Papageien, aber auch des Menschen, -der es roh oder noch häufiger gekocht in Form der bei den Negern sehr -beliebten Palmölsuppe verzehrt. Besonders aber gewinnt er daraus -das für ihn so wichtige Palmöl, das ihm als Fettzusatz zu seiner an -Fett sonst so armen Pflanzenkost, außerdem aber zur Beleuchtung, zum -Einreiben des Körpers und als Arznei dient. - -Zur Ölgewinnung wird der ganze Fruchtstand der Ölpalme abgehauen, -sobald die Palmnüsse reif sind. Dann werden die einzelnen Früchte -ausgebrochen und deren äußeres Fleisch durch Kochen in Wasser oder -durch Liegenlassen an der Sonne erweicht. Darauf werden sie in Mörsern -gestampft, wobei sich das Fleisch vom Kern löst und zugleich das im -Fruchtfleisch enthaltene Öl heraustritt. Dieses schön orangerote, -wohlschmeckende Palmöl wird zum geringeren Teil von den Eingeborenen -selbst im Haushalt verwendet, zum größeren Teil jedoch an die -europäischen Faktoreien verkauft. Im tropischen Westafrika, wo die -Ölpalme manchenorts ausgedehnte Wälder bildet, wird es in solchen -Mengen erzeugt, daß es gegenwärtig den wichtigsten Handelsartikel -dieser Gegenden bildet. - -Aus den nach der Ölgewinnung übrigbleibenden bräunlichen, harten -Kernen wird das weiße Palmkernöl gewonnen, das sogar noch feiner und -wertvoller als das Palmöl ist. Dies wird von den Eingeborenen auf -sehr primitive Weise durch Aufklopfen der Kerne und Auspressen des -Samens gewonnen. Der weitaus größte Teil der Kerne gelangt aber in die -Faktoreien, um nach Europa gesandt zu werden, wo die Ölgewinnung aus -diesen vermittelst eigens dafür konstruierter Maschinen geschieht. -Die Abfälle bei der Ölbereitung, Palmkuchen genannt, geben ein -ausgezeichnetes Viehfutter. - -Der Nutzen der Ölpalme beschränkt sich aber nicht bloß auf die -ölreichen Früchte. Sie liefert nämlich außerdem in ihren stattlichen -Wedeln das Material zur Umzäunung von Gehöften und zu größeren -Fischereianlagen, sowie paarweise zur Herstellung leichter und -zäher Tragkörbe. Die starken Blattrippen dienen als geschätztes -Material für den Hausbau und zur Herstellung von Palisaden, aus den -Fiederblättern werden Körbe und viele andere Geräte geflochten und -aus den Rippen gute Besen hergestellt. Die außerordentlich festen -Gefäßbündel der Wedelstiele vertreten die Stelle von Darmsaiten bei -den Musikinstrumenten der Eingeborenen. Endlich wird aus der Ölpalme -der bei den Eingeborenen so beliebte, frischem Äpfelmost ähnliche, -anfangs süße, bald aber durch Hefegärung stark alkoholhaltige und dann -berauschende Palmwein gewonnen. Zur Erlangung kleinerer Mengen davon -schneidet man die männlichen Blütenstände ab, zu derjenigen größerer -Mengen jedoch wird die Palme mit axtartigen Werkzeugen gefällt, indem -man damit das ganze Wurzelwerk durchhaut. Nachdem die Stämme 1-2 -Wochen am Boden gelegen haben, schneidet man ihnen mit dem Buchmesser -die Wedel ab und höhlt da, wo das Mark in das Herzblatt ausläuft, von -oben aus ein ziemlich großes Loch in den Stamm, das mit einer kleinen -Öffnung bis auf die untere Seite desselben durchgeführt wird. Durch -dieses Loch wird eine dünne Holzröhre gesteckt, durch welche der Saft -tropfenweise in einen untergestellten Topf abläuft. Durch Schneiden und -Brennen wird das Loch täglich etwas erweitert, ein Vorgang, den die -Neger als das „Rufen des Palmweins“ bezeichnen. In den ersten 16 Tagen -fließt der süßeste Saft aus, dann wird der Ausfluß stärker, aber das -Produkt ist wässeriger. Nach höchstens 30 Tagen ist der Saftreichtum -des Stammes erschöpft. Dieser Palmwein wird von den Eingeborenen dem -von der Kokospalme gewonnenen vielfach vorgezogen. - -Bei dem großen Nutzen der Ölpalme für den Menschen kann es uns -nicht wundern, daß der dem Neger so unentbehrliche Fruchtbaum im -18. Jahrhundert durch westafrikanische Negersklaven nach Westindien -gebracht wurde, wo er in ähnlicher Weise wie in seiner Heimat -kultiviert wird. Am besten gedeiht er im lockeren Buschwald, wo auch -die Fruchtstände am größten werden. Sonst wächst er auch willig auf -trockenem und leichtem, wie auf feuchtem und schwerem Boden. Entweder -werden zuerst Stecklinge aus reifen Früchten gezogen und dann in -Abständen von etwa 2 m verpflanzt, oder die Früchte werden gleich in -entsprechenden Entfernungen in den Boden gesteckt. Der Baum braucht bis -zur vollen Entwicklung etwa 10 Jahre; dann fängt er an zu blühen und -Früchte zu tragen, was wenigstens bis zum 60. Jahre andauert. Da jedes -Jahr 3-7 Früchtbündel zur Reife gelangen, kann man im Durchschnitt -bei geregelter Kultur wohl auf 50 kg Früchte pro Baum rechnen. Da -nun 250 kg frischer Früchte 24,5 kg Öl im Fruchtfleisch und 32 kg -Kerne liefern, die ihrerseits etwa 15 kg Kernöl abgeben können, so -besteht also fast ⅙ des Fruchtgewichtes aus Öl. Da aber dieses nicht -restlos aus ihnen gewonnen werden kann, so ist die wirkliche Ausbeute -eine bedeutend geringere und beträgt oft nicht einmal die Hälfte des -tatsächlich Vorhandenen. So gewinnt der Neger mit seinen unvollkommenen -Verfahren aus 50 kg Früchten, die also die mittlere Jahresernte -einer Palme darstellen, bloß 2,94 kg Öl und 3,84 kg Kerne. Die -Fruchtfleischrückstände enthalten noch sehr viel brauchbares Fett, das -durch kräftigeres Pressen leicht zu gewinnen wäre. - -So lange die Ölpalmen jung sind, müssen sie namentlich gegen die Glut -der regelmäßig am Ende der Trockenzeit von den Negern angefachten -Steppenbrände geschützt werden. Haben sie aber eine gewisse Höhe -erreicht, so ertragen sie, ohne Schaden zu erleiden, sowohl die -Umschließung durch andere, sie überragende Gewächse, als auch -monatelange Überschwemmung ihres Standortes und die auflodernden -Flammen der Grasbrände. - -Im Zentrum der Palmenentwicklung, dem Waldgebiet des nördlichen -Südamerika, ist die +Weinpalme+ (~Raphia vinifera~) heimisch, die -außerdem in Brasilien und Westafrika verbreitet ist. Der Stamm erreicht -bloß 5-10 m Höhe, besitzt aber bis 15 m lange Blätter mit gewaltigen, -oft über 2 m langen Fiedern. Durch Abschneiden der sich entwickelnden -Blütenkolben werden große Mengen eines zuckerigen Saftes gewonnen, der -durch alkoholische Gärung einen ebenfalls viel genossenen Palmwein -liefert; dieser soll aber an Güte dem von anderen Palmen gewonnenen -nicht gleichkommen. In Südasien und Indonesien werden verschiedene -andere Palmen als Weinpalmen bezeichnet, da sie ebenfalls zur Bereitung -von Palmwein benutzt werden. - -Andere Palmengattungen liefern in ihren steinharten, weißen Früchten -einen wertvollen Ersatz für das durch die zunehmende Ausrottung der -Elefanten und die allmählich sich vermindernde Mammutelfenbeingewinnung -in Nordsibirien immer seltener und kostbarer werdende Elfenbein. -Es sind dies die von verschiedenen Palmenarten stammenden, als -„vegetabilisches Elfenbein“ auf den Markt gelangenden Steinnüsse. -Zuerst erlangten als solches die Nüsse der südamerikanischen -+Steinnußpalme+ (~Phytelephas macrocarpa~) Bedeutung, die seit dem -Jahre 1826 in zunehmender Menge in der Kulturwelt Verwendung finden -und deshalb einen der wichtigsten Handelsartikel des Staates Kolumbia -bilden. In ihrer Heimat, den Wäldern am Magdalenenstrom und dessen -Zuflüssen, werden sie von den Eingeborenen schon seit uralter Zeit zu -allerlei Schnitzereien verwendet. Zwei Spanier, Ruiz und Pavon, machten -bereits in einem 1798 erschienenen Werke die wissenschaftliche Welt auf -diese Palme und ihre Nüsse aufmerksam und gaben ihr den bis heute in -Geltung gebliebenen lateinischen Namen ~Phytelephas macrocarpa~, der -die großfrüchtige Pflanzenelfenbeinpalme bedeutet. - - Tafel 25. - -[Illustration: Ölpalmenhain in Westafrika. - -Ansicht eines sumatranischen Dorfes mit einer blühenden Zuckerpalme in -der Mitte und einem Bambustrieb rechts.] - - Tafel 26. - -[Illustration: Gruppe von Kokospalmen auf Java. - -Verschiedene Palmenarten auf Java.] - -Die Steinnußpalme ist auf Südamerika beschränkt, liebt feuchte -Standorte und steigt den Flußläufen entlang aus den Niederungen bis zu -1000 m Höhe. Sie wächst meist in Gruppen, selten in größeren Beständen. -Der höchstens 6 m hohe Stamm ist teils von seinem eigenen Gewicht, -teils von den Luftwurzeln auf den Boden gedrückt. Darin und in ihrem -ganzen übrigen Aussehen gleicht sie auffallend der vorhin erwähnten -südamerikanischen Ölpalme (~Elaeis melanococca~). Bei der nahe mit ihr -verwandten Steinnußpalme mit etwas kleineren Früchten (~Phytelephas -microcarpa~) ist die Stammbildung fast ganz unterdrückt, so daß sie -sich mit ihrem Wipfel nur wenig über den Boden erhebt. - - Tafel 27. - -[Illustration: Junger Singhalese auf Ceylon mit zwei Fruchtbündeln von -Arekanüssen und zwei Kakaofrüchten davor. - -Sagopalmen auf Celebes.] - - Tafel 28. - -[Illustration: Auf Arekapalmen kletternde Inder, die ihre Füße zum -besseren Kletternkönnen mit einem Tuch verbunden haben.] - -Die Bäume sind getrennt geschlechtig, und zwar sind die männlichen -Exemplare stärker und aufrechter als die weiblichen. In den Achseln -der riesigen Blätter entwickeln sich die Blütenstände, welche an den -weiblichen Palmen über kopfgroße, kugelige Sammelfrüchte bilden, -die aus je sechs oder mehr eng aneinander gepreßten, holzigen -Einzelfrüchten mit höckeriger Oberfläche bestehen, die wiederum vier -bis sechs hornige Samen in besonderen Fächern aufweisen. In diesen -20-60 g schweren, etwa hühnereigroßen Samen, den Steinnüssen, liegt -von einer schwarzbraunen Schale umgeben der weiße, sehr harte Kern, -bestehend aus einem von dickwandigen Steinzellen mit reichlich Eiweiß -und Öl im Innern gebildeten Nährgewebe, das selbst nach 24stündigem -Liegen im Wasser nicht wesentlich erweicht. Beim Keimen aber sieht man -diese steinharte Masse plötzlich weich werden, indem dabei Fermente -ausgeschieden werden, die dem Keimling den wie beim Dattelkern sehr -harten Reservevorrat lösen und ihn in Form von Traubenzucker für dessen -Wachstum zugänglich machen. In diesem Stadium läßt sich ein angenehm -schmeckendes, süßes Getränk aus ihnen gewinnen, das als solches, oder -erst gegoren, von den Eingeborenen genossen wird. Diese Keimung der -Samen erfolgt, wie Kulturversuche ergaben, sehr leicht an feuchten -Orten der Tropen, so daß für die Anzucht der Steinnußpalme keinerlei -Vorrichtungen wie Saatbeete erforderlich sind. - -Diese Palmnüsse bilden den wichtigsten Handelsartikel für die am -Meerbusen von Mexiko gelegenen Teile Südamerikas, und zwar sind -naturgemäß diejenigen Sorten am geschätztesten, deren Inneres dem -echten Elfenbein in Farbe und Tönung am nächsten kommt. Besonders -trifft dies bei der Sorte „Savanilla“ zu, deren gelblicher Kern -gebrauchtem Elfenbein auffallend ähnelt. Sie werden auf der Drehbank -bearbeitet und besonders in der Beinknopfindustrie in ungeheuren -Mengen verbraucht. Da sie sich gut färben lassen, verfertigt man auch -künstliche Korallen, Türkise usw. daraus. Die Abfälle werden zur -Darstellung von Pflanzenalbumen, einem speziell für Färbereizwecke -dienenden Eiweiß, leider aber auch zur Verfälschung von gepulverten -Gewürzen, die kaffeebraune Steinschale gepulvert zur weiteren -Verschlechterung von Kaffeesurrogaten verwendet. - -Seit dem Jahre 1876 werden in zunehmendem Maße auch Steinnüsse aus -Polynesien unter der Bezeichnung +Tahitinüsse+ bei uns eingeführt, die -genau dieselben Eigenschaften wie die südamerikanischen besitzen, sich -aber infolge ihrer ansehnlicheren Größe noch besser verwenden lassen. -Wie sich später herausstellte, stammen sie nicht von den Tahiti- -oder Gesellschaftsinseln, sondern von den weiter im Westen gelegenen -Karolinen, Salomons- und Fidschiinseln von drei verschiedenen Arten der -Palmengattung ~Coelococcus~, die auf den genannten Inseln in größeren -Beständen gedeihen und einen recht ansehnlichen Export herbeigeführt -haben. Im Gegensatz zu den südamerikanischen Steinnüssen enthalten sie -innerhalb der Steinzellen Kriställchen von oxalsaurem Kalk in der Öl- -und Eiweißschicht eingebettet, bedürfen daher zu ihrer Bearbeitung -eines besonders gehärteten Stahls. Sie dienen ebenfalls vorzugsweise -der Knopffabrikation; jährlich werden etwa 13 Millionen kg derselben -gegenüber 38 Millionen kg südamerikanischer Steinnüsse über Hamburg -eingeführt. - -Von großer Bedeutung für sämtliche Südasiaten und Indonesier ist die -ursprünglich in Südasien heimische +Arekapalme+ (~Areca catechu~), die -wegen ihrer diesen Menschen als Genußmittel unentbehrlichen Nüsse in -den Tropen daselbst häufig angepflanzt wird. Es ist dies eine wunderbar -zierliche Palme von 10-20 m Höhe mit dünnem, kerzengeradem, weißem -Stamm und einer Krone von dunkelgrünen Fiederblättern, deren einzelne -Fiedern etwas nach aufwärts gebogen sind, und leicht vom Winde bewegt -werden, so daß die bilderreiche indische Dichtung diese Palme mit einem -von der Gottheit in die Erde geschossenen Pfeile vergleicht, dessen -Kielfedern noch vom Fluge erzittern. Viele Europäer bezeichnen sie als -die anmutigste aller asiatischen Palmen, ja manche als die schönste -der Palmen überhaupt. Das Wichtigste und Wertvollste an ihr sind die -an einem nahezu 0,5 m langen Kolben erzeugten, im reifen Zustande -orangefarbenen Früchte von der Größe kleiner Hühnereier, die unter -einer glatten Außenhaut eine dicke, faserige Mittelschicht und unter -dieser eine gelbliche, dünne Schale besitzen, an welcher der Same -fest angewachsen ist. Letzterer ist sehr hart und enthält ein weißes, -von fast bis zum Zentrum eindringenden schwarzen Platten durchzogenes -Nährgewebe, das sehr reich an einem Katechu genannten Gerbstoff -ist, der als solcher daraus gewonnen und in großen Mengen ausgeführt -wird. Noch viel wichtiger aber ist ihr Gebrauch als Genußmittel der -Eingeborenen. Die Nuß ist nämlich ein wesentlicher Bestandteil des -„Betels“, der in ganz Süd- und Ostasien mit Leidenschaft von jedermann -gekaut wird. Man wickelt zu diesem Zwecke ein Stückchen derselben in -das Blatt des Betelpfeffers (~Piper betel~) ein, fügt etwas gelöschten -Kalk, dann Gambir und eventuell Gewürze wie beispielsweise Kardamomen -hinzu und kaut dies wie die Arbeiter und Matrosen bei uns den -Priemchentabak. Durch den Reiz dieses Gemisches werden große Mengen -eines roten Speichels ausgeschieden, der Zahnfleisch und Zähne rot -färbt und jene Betelkauer zu Virtuosen des Spuckens gemacht hat, die -darin höchstens durch die gumkauenden Yankees übertroffen werden. - -Die Arekapalme gedeiht sowohl in Meereshöhe, wo sie häufig im Verein -mit der Kokospalme gezüchtet wird, als auch in größeren Erhebungen, -wenn auch selten über 1000 m über Meer. Sie ist seit unvordenklicher -Zeit über ganz Südasien verbreitet und, da sie im wilden Zustande nicht -mehr vorzukommen scheint, ist es unmöglich, mit absoluter Sicherheit -ihre engere Heimat festzustellen. Doch kann kaum ein Zweifel darüber -bestehen, daß dies die Sundainseln sind. Zur Gewinnung der ihnen -geradezu unentbehrlichen Arekanüsse wird sie von den Eingeborenen -jeweilen in nur wenigen Exemplaren um ihre Wohnungen gepflanzt. Die -Früchte fallen erst nach der Vollreife von den Fruchtzapfen ab. Unter -besonders günstigen Umständen beträgt die Jahresproduktion einer Palme -800 Früchte, doch können durchschnittlich nicht mehr als 250-300 -angenommen werden. Die Tragbarkeit beginnt im fünften und endet -gewöhnlich im dreißigsten Jahre. Ausgedehnte Arekapalmenplantagen -gibt es auf Ceylon, das außer seinem eigenen großen Verbrauch etwa 13 -Millionen kg davon jährlich ausführt, dann besonders in Nordindien -und auf der Halbinsel Malakka. Neuerdings wird sie auch auf den -Philippinen, in Neuguinea, ganz Indonesien und Ostafrika für den Export -angepflanzt; denn für mehrere hundert Millionen Menschen ist ihr Genuß -zum Kauen ein geradezu unentbehrliches Reizmittel, dem sie so wenig als -die Gewohnheitsraucher dem Tabak entsagen würden. - -Die Betelnüsse werden gepflückt, bevor sie vollständig reif sind, -in dem Zustande nämlich, in welchem die unter der faserigen Hülle -liegende Schale noch nicht ganz verhärtet ist. Für die Beurteilung -ihrer Güte ist die Größe durchaus nicht maßgebend, sondern nur das -Aussehen des aufgeschnittenen Kerns. Wenn der weiche, markige Teil, -der den härteren roten Teil durchsetzt, eine bläuliche Schattierung -besitzt und der rote, gerbstoffhaltige Teil tiefrot ist, wird die Nuß -für erste Qualität erklärt. Wenn aber der markige Teil weiß ist und zu -sehr vorherrscht, was der Fall ist, wenn sie zu reif geworden ist, so -besitzt sie dann nicht mehr den gewünschten, stark zusammenziehenden -Geschmack und wird daher als geringwertig betrachtet. Meist werden -die Nüsse, nachdem sie von ihrer faserigen Hülle befreit wurden, mit -einem scharfen Messer halbiert und an der Sonne getrocknet. Manchmal -werden die Halbstücke vor dem Trocknen gekocht. Am geschätztesten ist -der Artikel, wenn er in folgender Weise hergestellt wurde. Die -- also -unreif -- geernteten Nüsse werden enthülst und in wenig Wasser gekocht. -Dabei entsteht eine rote, dicke, gallertige Brühe, die eingedampft und -getrocknet wird. Sie dient zum Einreiben der Nüsse, nachdem dieselben -in Stücke geschnitten und an der Sonne getrocknet wurden. Die Stücke -werden dadurch glänzend schwarz und in dieser Zubereitung als eine -Delikatesse ersten Ranges betrachtet. Auch ungeschnitten werden die -Nüsse zuweilen getrocknet, im übrigen aber nach demselben Verfahren -behandelt. Der Verbrauch an den Produktionsorten der Nüsse geschieht -häufig ohne jede Zubereitung oder nach einem kurzen Einweichen in -heißem Wasser. - -Die Kultur der Betelpalme erfolgt wie diejenige der Kokospalme. Oft -werden beide Palmen durcheinander auf demselben Grundstücke angebaut. -Die frischen Nüsse von bester Beschaffenheit werden in Saatbeeten in -Abständen von 20-30 cm zum Keimen gebracht. Wenn sie 1-1½ Jahre alt -sind, werden sie in der Hauptregenzeit auf ein Feld 3 m auseinander -ausgepflanzt, in welchem vorher Bananenstauden als Schattenspender -wachsen gelassen wurden. Später ist den Arekapalmen die volle -Sonnenbestrahlung sehr dienlich und man pflanzt sie sogar häufig als -Schattenspender für Kakao, Betelpfeffer und andere Nutzpflanzen. Wenn -auch ihre Krone voll der Sonne ausgesetzt sein soll, so liebt sie doch -einen Boden, der durch Beschattung frisch und kühl erhalten wird. In -Anbaugebieten dieser Palme mit langen Trockenzeiten ist eine mehrmalige -gründliche Bewässerung der Arekaanpflanzung während der Trockenzeit -nötig. - -Als Nahrungspflanze sehr wichtig für die Bewohner der Molukken und -von Neuguinea sind die verschiedenen ostindischen +Sagopalmen+, die -im Innern des Stammes eine große Menge Stärkemehl als Reservevorrat -aufspeichern, um am Ende ihres Lebens den mächtigen Blütenstand -aufzubauen und die Früchte reifen zu lassen. Die wichtigste derselben -ist die gesellig wachsende, 8-12 m Höhe bei einem Durchmesser von -0,6-1,5 m erreichende echte +Sagopalme+ (~Metroxylon rumphii~, nach -dem 1627 in Hanau geborenen und 1702 gestorbenen Rumphius benannt, der -lange auf der Insel Amboina lebte und diese Palme zuerst beschrieb). -Sie treibt im Alter von 10-12, ausnahmsweise auch 15 Jahren, -schwachrötliche Blüten in großer Menge an einer gewaltigen, die Palme -überragenden, endständigen, vielfach verzweigten Blütenrispe. Je mehr -die Früchte ihrer Reife entgegengehen, desto mehr schwindet natürlich -das Stärkemehl aus dem Stammkern, da es ja zur Fruchtbildung verwandt -wird. Sobald die pflaumengroßen, von einem gelbbraunen, glänzenden -Schuppenpanzer umgebenen trockenen Früchte reif sind, ist der -Stärkevorrat erschöpft, doch lebt der Baum noch einige Jahre weiter und -stirbt im 20. bis spätestens 25. Lebensjahre. - -Ganz ähnlich verhält es sich mit der ihr nahe verwandten ~Metroxylon -sagus~, die im Gegensatz zu der vorgenannten keine Dornen an den -den Blattstiel umgebenden Blattscheiden trägt. Diese +unbewehrte -Sagopalme+, wie man sie im Gegensatz zur vorgenannten dornigen nennen -könnte, birgt weniger und geringwertigeres Stärkemehl. Während erstere -mehr auf den Molukken und in Neuguinea wächst und neuerdings auch, -seitdem eine größere Nachfrage nach Sago vorhanden ist, anderwärts -angepflanzt wird, wird die dornige Sagopalme mehr im westlichen Teil -des malaiischen Archipels, namentlich auf Borneo, Sumatra und Java, -wild und kultiviert angetroffen und liefert weitaus den größten Teil -des von Singapur aus in den Welthandel gelangenden Sagos. - -Kurz bevor nun die Sagopalmen zu blühen beginnen, werden sie etwa -im 9. oder 10. Jahre zur Gewinnung des in ihnen in reicher Menge -angesammelten körnigen Stärkemehls gefällt und in 2-3 m lange Blöcke -zersägt, die sich leicht aufspalten lassen. Der dadurch freigelegte, -ziemlich feste Kern wird in großen Schollen losgebrochen und diese -werden in einem Troge zu grobem Mehl zerstampft. Dieses Mehl wird nun -zur Ausscheidung der Fasern mit Wasser vermischt und durch ein Sieb in -einen andern Trog gegossen. Nachdem sich das Stärkemehl auf dem Boden -niedergeschlagen hat und das Wasser abgelassen wurde, wird es in den -ersten Trog zurückgeschaufelt, mit Wasser vermischt und nochmals durch -das Sieb getrieben. Dieses Verfahren wird ein drittes und manchmal -noch ein viertes Mal wiederholt. Dann ist die Reinigung vollzogen und -das Stärkemehl für den Gebrauch für die Eingeborenen fertig, die sich -fladenartige, dünne Brote daraus herstellen und sie als Zukost zu ihren -Fischen oder anderer tierischer Kost essen. - -Zur Herstellung des +Sagos+ -- das Wort stammt aus dem Malaiischen und -heißt eigentlich ~sagu~, was „eßbares Mehl“ ohne nähere Bezeichnung -der Herkunft bedeutet -- wird das sich nach dem Schlämmen absetzende -Mehl, wenn halb getrocknet, zerstoßen und durch ruckweises Hin- und -Herschütteln in einem Tuche, das an zwei von der Decke des Schuppens, -in dem die Zubereitung stattfindet, herabhängenden Seilen befestigt -ist, zu kleinen, als „Perlen“ bezeichneten Kügelchen geformt. Die diese -Arbeit verrichtenden Leute müssen besonders geschickt sein, da von der -Art des Schüttelns die Größe der Sagokügelchen abhängt. Diese werden -dann durch Siebe mit verschiedenen Maschen gesondert, in heißen Schalen -unter beständigem Rühren schwach geröstet und dann, auf großen Öfen -ausgebreitet, bei mäßiger Hitze vollständig getrocknet. Der Sagoertrag -eines einzelnen Baumes schwankt je nach der Gründlichkeit der Gewinnung --- meist ist sie eine sehr oberflächliche -- zwischen 200 und 350 kg. -Die Gesamtmenge des jährlich von Singapur aus in den Handel gebrachten -Sagos wird auf 50 Millionen kg berechnet. Noch weit mehr konsumieren -die Eingeborenen, die zum großen Teil davon leben. - -Die Sagopalme wird besonders in sumpfigen Talgründen, den Wasserläufen -entlang, angepflanzt. Eine kräftige Sagopalme erzeugt 300-400 kg -Stärkemehl. Dabei erneuert sich die Anlage von selbst, indem man von -jedem Baum, nachdem er gefällt ist, einen Schößling treiben läßt, -der seine Stelle einnimmt. Dieser ist meist nach 8 bis 10 Jahren -schlagreif und verlangt keinerlei Pflege. Die ersten Sagoproben -brachte der weitgereiste Venezianer Marco Polo (1256-1323) 1295 nach -Venedig. Aber erst durch die Portugiesen kam die Ware seit dem 16. -Jahrhundert in den Handel. Da man aber in neuerer Zeit fand, daß Sago -nur ein reines Stärkemehl ist, so bereitet man aus dem Stärkemehl -der Kartoffel deutschen Sago, der denselben Nährwert besitzt. Jetzt -wird die Sagopalme außer in ihrer Heimat noch an vielen Orten der -Tropen, besonders auch in Westindien, kultiviert. In derselben Weise -werden auch verschiedene Verwandte des echten Sagobaumes ausgebeutet. -Ein minderwertiges, nicht in den Handel gelangendes Sago gewinnt man -übrigens auch aus dem Marke der kürzeren, plumpen Stämme verschiedener -+Farnpalmen+, deren einfach gefiederte, große, lederartige Blätter an -Stelle der eigentlichen Palmenwedel unter dem Namen Palmenzweige bei -Leichenfeierlichkeiten verwendet werden. - -Eine der berühmtesten Palmen ist die 20-25 m hohe fächerblättrige -ostindische +Talipotpalme+ (~Corypha umbraculifera~), die in den -feuchtesten Strichen Ceylons und des Festlandes wächst und zur -leichteren Wasserverdunstung gewaltige Blätter von 7-8 m Länge und -5-6 m Breite entwickelt. Unter einem solchen Blatte können zehn -Personen mit Leichtigkeit Platz und Schutz finden. So ist es nicht -zu verwundern, daß die Eingeborenen sich aus ihr sehr zweckmäßige -Sonnen- und Regenschirme herstellen, die sich die Vornehmen unter -ihnen, besonders die Häuptlinge, von ihren Dienern über den Kopf halten -lassen. Auch zum Decken der Häuser werden sie benutzt, während die -Blattknospen als Palmkohl gegessen werden und man aus dem Stamm eine -geringe Sorte Sago gewinnt. Jahrzehnte hindurch sammelt diese Palme -das nötige Nährmaterial, um am Ende ihres Lebens den außerordentlich -mächtigen, Tausende von weißen Blüten tragenden, reich verzweigten -Blütenstand hervorzubringen und dann, nach der Fruchtbildung, -abzusterben. Auf die in Längsstreifen gespaltenen Blätter ritzen -die Inder und Singhalesen mit eisernen Griffeln ihre Schrift ein. -Alle heiligen Schriften der Buddhisten Ceylons bestehen aus solchem -Schreibmaterial, das zu Büchern aufeinandergelegt und durch Schnüre -zusammengefaßt wird. Die Blattfasern dienen zu Stricken usw. Das weiche -Holz des Stammes wird kaum benutzt, dagegen dient das innere Mark -besonders in Zeiten der Not zur Gewinnung von Sago. Ähnlich, nur noch -vielseitiger, ist die Verwendung der nahe verwandten +Gebangpalme+ -(~Corypha gebanga~) der Sundainseln. Eine andere Verwandte, die -ebenfalls in Vorder- und Hinterindien heimische +Kitulpalme+ (~Caryota -urens~) liefert namentlich Fasern und durch Ausschneiden der sich zum -Auftrieb bereitenden Blütenstände einen süßen Saft in solcher Menge -- -bis über 50 Liter in 24 Stunden --, daß nicht nur Palmwein, sondern -durch Eindampfen auch bräunlicher Palmzucker (~tschakara~) daraus -gewonnen wird. - -Zur Palmweingewinnung von etwas geringerer Güte dient auch eine andere -Fächerpalme, die überall im feuchtwarmen Gebiete des tropischen Afrika -als +Delebpalme+ und in Südasien und der asiatischen Inselwelt in einer -wenig verschiedenen Abart als +Palmyrapalme+ (~Borassus flabellifer~) -gedeiht. Die stattliche, durchschnittlich 20 m Höhe erreichende Palme -ist in ihrer afrikanischen Abart dadurch ausgezeichnet, daß der -Stamm in seinem oberen Teile bauchig angeschwollen ist, was bei der -südasiatischen Form durchaus fehlt, indem der Stamm der letzteren -durchwegs zylindrisch ist und sich nach oben hin etwas verjüngt. -Sie ist wie die meisten Palmen von der größten Nützlichkeit für die -Eingeborenen, die alles an ihr benutzen. Neben der Kokospalme ist -sie, die von den Malaien ~lontar~ genannt wird und durch die ganze -indonesische Inselwelt bis Neuguinea vorkommt, die Hauptnutzpalme -besonders Ostindiens, und ein uraltes indisches Lobgedicht auf sie -zählt nicht weniger als 801 Nutzanwendungen von ihr auf. Sie ist für -Ostindien deshalb so bedeutsam, weil sie dem Menschen gerade dann -einen bedeutenden Teil seiner Nahrung liefert, wenn Reis und andere -Lebensmittel hoch im Preise stehen, die Produkte der Palmyrapalme aber -billig sind, da sie umsonst aus den Wäldern gewonnen werden können. Sie -wird auch eigens zur Nahrung kultiviert und die jungen Keime werden -als wohlschmeckendes Gemüse (Palmkohl) gern gegessen. Aus dem Marke -gewinnt man Sago. Die kokosnußähnlichen Früchte von der Größe eines -Kinderkopfes dienen Menschen und Vieh zur Nahrung. Sie werden roh und -geröstet gegessen und sind für Millionen Inder eine Hauptnahrung. - -Durch das Abschneiden der noch von den Scheiden umgebenen jungen -Kolben der männlichen Bäume wird der Toddy genannte Palmwein gewonnen. -Man beginnt von der Spitze her von diesen Kolben dünne Scheiben -abzuschneiden; dabei tritt ungefähr acht Tage nach dem ersten Schnitt -das Ausfließen des Saftes ein, welches so lange anhält, bis der ganze -Kolben weggeschnitten ist, was vier bis sechs Monate dauert. Man kann -daraus entnehmen, welche große Mengen süßen Palmsaftes auf diese Weise -gewonnen werden. Durch Einkochen desselben und Behandeln mit Kalk -wird brauner Palmzucker, von den Eingeborenen ~tschakara~ genannt, -hergestellt. - - Tafel 29. - -[Illustration: Blühende Talipotpalme auf Ceylon.] - - Tafel 30. - -[Illustration: Junge Seychellenpalme im botanischen Garten von -Buitenzorg auf Java. - -Vorn ~Victoria regia~ und hinten ein afrikanischer Leberwurstbaum -(~Kigelia africana~) im botanischen Garten von Buitenzorg auf Java.] - -In den jungen, noch nicht reifen Früchten ist das Nährgewebe der Samen -gallertartig weich und wohlschmeckend. Das harte, hornartige Nährgewebe -der reifen Frucht ist ebenfalls eßbar, wenn es durch Fermentwirkung -bei der Keimung weich geworden ist. Zu diesem Zwecke läßt man die -Samen ankeimen, indem man sie in lockere Erde gräbt. Meist jedoch wird -der keimende Samen seiner Entwicklung zum Keimpflänzchen überlassen; -wenn dieses dann die Größe einer kräftigen Mohrrübe erreicht hat, -liefert es in verschiedener Zubereitung eine schmackhafte Speise. -Namentlich die inneren, zarteren Teile des Keimpflänzchens, das -sogenannte Herz, werden wegen ihrer zarten Beschaffenheit zum Essen -bevorzugt. Die jungen, weißlichen Blätter dienen als Schreibmaterial, -während die älteren grünen Blätter in ähnlicher Weise wie diejenigen -der Fächerpalmen zu Matten, Körben, Säcken, Hüten, Fächern und zur -Bedeckung der Hütten benutzt werden. Das durch seine Härte und -Dauerhaftigkeit, besonders seine Widerstandskraft gegen die sonst -kaum eine pflanzliche Substanz verschonenden Termiten ausgezeichnete -Holz älterer Bäume dient zum Hausbau und wird als Tischlerholz zu -allen nur erdenkbaren Gegenständen verarbeitet. Aus den dunkelfarbigen -Rindenschichten älterer Bäume werden in Europa Spazierstöcke und -mancherlei Drechslerwaren verfertigt. Das Holz jüngerer Bäume dagegen, -das nur in den äußeren Teilen des Stammes sehr hart ist, wird, nachdem -man den weichen inneren Teil entfernt hat, zu Wasserröhren, Dachrinnen -usw. benutzt. Die Blattscheiden endlich liefern einen sehr wertvollen -Faserstoff, der als Borassus- oder Palmyrapiassave in den Handel kommt. - -Auch bei der in den Wäldern Ostafrikas, Ostindiens und Indonesiens -bis zu den Molukken heimischen +echten Zuckerpalme+ (~Arenga -saccharifera~), in Malabar Gomutipalme genannt, die 16-19 m hoch wird -und 6,5-8 m lange Blätter treibt, besteht der Hauptnutzen im süßen, -durch Abschneiden der jungen Blütenkolben, selten durch Einschnitte -in den Stamm in Menge gewonnenen Saft, den man zur Herstellung eines -stark berauschenden Palmweins, noch häufiger aber durch Einkochen zur -Gewinnung eines dunkeln Palmzuckers benutzt. Aus dem Mark bereitet -man eine Art Sago. Zwischen dem Ursprung der Blattstiele stehen -roßhaardicke schwarze Fasern, die als Gomutifasern oder Ejuh in den -Handel gelangen und zur Herstellung von Schnüren, Segeln, Ankertauen -und Besen verwendet werden. Ihre mit Zucker eingemachten unreifen -Früchte gelten in Cochinchina als Leckerbissen, aber das saftige -Fleisch der reifen Steinfrüchte ist so brennend, daß die Lippen -davon anschwellen. Auch das rote Fruchtfleisch der kastaniengroßen -Früchte der vorhin erwähnten, bis 16 m hohen ostindischen +Kitulpalme+ -(~Caryota urens~), mit bis 6,5 m langen doppeltgefiederten Blättern, -kann wegen des heftigen Brennens, das sie im Munde verursachen, in -reifem Zustande nicht genossen werden. - -Außerordentlich beliebt bei den Malaien und in wenigen Dörfern -Javas, Sumatras und Borneos fehlend, ist die +Salakpalme+ (~Zalacca -edulis~), eine stammlose, buschige Palme mit großen, stacheligen -Fiederblättern. Die Blätter dienen zum Dachdecken, und die mit einem -braunroten Schuppenpanzer umgebenen eiförmigen Früchte bergen drei von -einer weichen, weißen Fruchtmasse eingehüllte Samen. Deren angenehm -säuerliches, etwas zusammenhängendes Fruchtfleisch wird roh, mit Zucker -oder gekocht gegessen. Oft bezahlen die Malaien dafür sehr hohe Preise. - -Eine niedrige Schirmpalme, welche vielfach als Topfpflanze bei -uns kultiviert wird, ist die in China heimische und früh nach der -Insel Bourbon verpflanzte ~Livistona chinensis~, deren Früchte, die -+Latanenäpfel+, unter der dünnen sich leicht ablösenden Schale ein -schmackhaftes Fleisch enthalten. - -Eine der Hauptnahrungspflanzen der süd- und mittelamerikanischen -Indianer ist die bei einer Stammdicke von 13-21 cm 25-29 m hoch -werdende +Pupunhapalme+ (~Guilelmia speciosa~) mit 2-2,3 m langen -Blättern. Deren Früchte bilden gekocht und geröstet eine sehr -wichtige Speise der Eingeborenen, weshalb sie den Baum um ihre Hütten -anpflanzen. Aus den Samen wird auch Palmöl gewonnen. Dieser Fruchtbaum -der tropischen Waldgebiete Amerikas steht schon so lange in der Kultur -des Menschen, daß er nur noch durch Schößlinge fortgepflanzt werden -kann. - -Gleicherweise liefern die Früchte der auf dem Gebiet von -Britisch-Honduras große Wälder bildenden +Cohunepalme+ (~Attalea -cohune~) das dem Kokosnußöl bei weitem vorgezogene Cohuneöl, das -bei 24° C. gerinnt. Diese schöne Palme bringt nur +eine+ Ernte im -Jahre hervor, gewöhnlich aus 700-800 Früchten bestehend. Wenn die -Früchte von den Bäumen gefallen sind, werden sie gesammelt und in -sehr roher Weise zur Ölgewinnung benutzt. Ihre sehr harten Schalen -werden mit einem Stein aufgeschlagen und die Kerne in einen hölzernen -Mörser geworfen, in dem sie zerstoßen werden. Die dabei entstehende -Masse wird in Kesseln gekocht und das an die Oberfläche kommende Öl -abgeschöpft. In unreifem Zustande enthalten die Früchte eine kühle, -angenehm schmeckende Flüssigkeit, die sehr abführend wirkt. Hat sich -diese Flüssigkeit zu einem weichem Kern verdichtet, so wird derselbe -zerstoßen, mit wenig warmem Wasser übergossen und durch ein Tuch -geseiht. Die erhaltene milchige Flüssigkeit dient zur Vermischung mit -Kaffee und zur Herstellung einiger Gerichte. Aus dem süßen Safte der -Palme wird ein weinartiges Getränk bereitet. Die bis 9 m langen Blätter -mit 1 m langen Fiedern dienen zur Bedachung der Hütten. - -Auch aus den eßbaren Früchten der brasilischen ~Alfonsia oleifera~ und -noch mehr aus denjenigen der westindischen +Macahubapalme+ (~Acrocomia -sclerocarpa~) wird ein sehr wohlriechendes Öl gewonnen, das vielfach -zur Fabrikation von feinen Toilettenseifen Verwendung findet. Letztere -Palme ist 6-12 m hoch; ihr Stamm verdickt sich am Grunde etwas und -wird von 3-5 m langen, lebhaft grünen Blättern gekrönt, die mit -braunen Stacheln bewehrt sind. Die kugeligen, olivengrünen Früchte -von der Größe einer Aprikose enthalten einen sehr harten Kern, der -eine schöne Politur annimmt und deshalb vielfach von den Negern zu -Schmucksachen verarbeitet wird. Um das Öl zu erhalten, werden die Samen -leicht geröstet und in einer Mühle zu Brei zerrieben. Derselbe wird -schwach erwärmt, zu einem Viertel seines Gewichts mit kochendem Wasser -vermischt und in einen Sack gebracht, der zwischen zwei erwärmten -Eisenplatten gepreßt wird. Das erhaltene Öl reinigt man, indem man es -kocht und filtriert. Nach dieser Behandlung hat es die Beschaffenheit -von Butter, ist goldgelb gefärbt, riecht veilchenähnlich und besitzt -einen süßlichen Geschmack. Es dient meist als Speisefett und kommt auch -nach Europa. In verschlossenen Gefäßen läßt es sich lange aufbewahren. -Der Luft ausgesetzt, verliert es bald seine schöne gelbe Farbe und sein -angenehmes Aroma. - -In sumpfigen Niederungen des Amazonenstroms und sonst in Brasilien -wächst die bis 30 m hohe +Assaipalme+ (~Euterpe oleracea~), die -schlehenartige Früchte zeitigt. Diese werden, wenn reif, in irdene -Töpfe gelegt und mit warmem Wasser übergossen, das bald eine purpurne -Färbung annimmt. Nach einer Stunde wird der größte Teil des Wassers -abgegossen, etwas kaltes Wasser hinzugefügt und das inzwischen weich -gewordene Fruchtfleisch mit den Händen zerdrückt. Sind die grünlichen -Steine entfernt, so wird die rahmartige Flüssigkeit durch ein Sieb -getrieben und ist zum Genusse fertig. Als ~assai~ wird es überall in -den Ortschaften von Straßenverkäufern feilgeboten. Außerdem werden die -Blattknospen aus dem Innern der Blattscheiden gekocht als Gemüse oder -roh als Salat (Palmkohl) feingeschnitten und mit Öl und Essig gemischt -gegessen. Die Stämme dienen häufig zu Pfählen und Palisaden. - -Weiter ist die brasilische +Wein-+ oder +Mostpalme+ (~Oenocarpus -bacaba~), die in ihrer Heimat überall um die Wohnungen der Eingeborenen -angepflanzt wird, von Wichtigkeit, da die gekochten und gepreßten -Früchte viel süßes Öl zum Küchengebrauche und zum Brennen und außerdem -ein beliebtes weinartiges, von den Indianern ~bakaba~ genanntes Getränk -liefern. An Nützlichkeit wird sie noch von der in Nordbrasilien und im -Orinokogebiet heimischen +Moritzpalme+ -- nach dem 1665 gestorbenen -Prinzen Moritz von Nassau, einem Beförderer der Botanik so genannt --- (~Mauritia vinifera~) übertroffen, deren bis über 32 m hoher und -0,3-0,6 m dicker Stamm innen schwammig-weich ist und eine Art Sago -liefert, der in Scheiben geschnitten eine brotähnliche Speise gibt. -Fleisch und Kern der hühnereigroßen Früchte werden gegessen, der -durch Abschneiden der unentwickelten Blütenscheiden gewonnene süße -Saft liefert den betäubenden Palmwein der Guaraniindianer, während -die Oberhaut der Blätter vortreffliche Schnüre und Netze gibt und der -äußere Teil des Stammes als Nutzholz dient. Nach Alexander von Humboldt -ernährt diese Palme ausschließlich die im Mündungsgebiet des Orinoko -lebenden wilden Stämme der Guarani, welche sich Hängematten aus den -Blattstielen machen und dieselben zwischen den Stämmen ausspannen, -um in der Regenzeit, wenn das Mündungsgebiet des Flusses weithin -überschwemmt ist, ganz auf diesen Bäumen zu leben. - -Nicht weniger nützlich ist für die Eingeborenen Chiles die +chilenische -Palme+ (~Jubaea spectabilis~), die einzige Palme Chiles und die -südlichste Amerikas, die auf ein kleines Gebiet der Küstenkordillere -vom Meeresstrand bis 800 m Höhe beschränkt ist. Sie erreicht 25 bis -28 m Höhe bei einem Stammdurchmesser von 1-2 m. Diese dickste -aller Palmen der Erde besitzt eine Krone von 50-60 2,5 m langen -Fiederblättern. Sie blüht erst in einem Alter von 60 Jahren, und -zwar fällt der Beginn der Blütezeit in den Oktober, den chilenischen -Frühling. Dann platzt die Hülle, die den Blütenstand einschließt, mit -lautem Knall. Der darin geborgene fleischige Blütenkolben entfaltet -gegen hundert Zweige, die zugleich mit männlichen und weiblichen -strohgelben, etwas rötlichen Blüten besetzt sind. Aus den weiblichen -entwickeln sich walnußgroße, apfelgelbe Steinfrüchte, deren den Kern -umhüllendes Fruchtfleisch an den Geschmack der Mispel erinnert. Die -Samenkerne, ~coquitos~ genannt, von denen ein einziger Baum in einem -guten Jahr 10000 zur Reife bringt, dienen als Ersatz für Mandeln und -sind namentlich in Peru sehr begehrt. Wie von allen Palmen werden -auch von ihr alle Teile ausgenutzt. Aus den Fasern des Stammes wird -eine zur Bedachung der Häuser geeignete Pappe gemacht, aus den -Fiedern der Blätter verfertigt man Körbe und Flechtwerk aller Art, -oder zerschleißt sie zu Polsterungsmaterial, die Mittelrippen werden -nach Europa exportiert und dort zu Spazierstöcken verarbeitet, aus -dem Stamme jedoch, wobei die Palme geopfert wird, gewinnt man den zu -Konfitüren der häuslichen Küche unentbehrlichen Palmenhonig (~miel de -palma~). Bestellt man in einem Restaurant Chiles beispielsweise einen -Pfannkuchen, so fragt der Kellner, der ihn serviert: „mit Zucker oder -Palmenhonig?“ Der Chilene zieht letzteren vor, der sich alsdann aus -der angebohrten Blechbüchse in dünnem, aber zähem gelbbraunen Strahl -auf das Gebäck ergießt. Zur Gewinnung dieses Palmenhonigs werden die -in Mittelchile noch in größeren Beständen wachsenden Palmen bevor der -Frühlingstrieb erfolgt in der Weise an der Wurzel gefällt, daß sie noch -durch einen Teil des Stammes mit dem Erdreich in Verbindung bleiben. -Dann wird das oberste Stammende nach Entfernung der Krone gekappt -und ein Gefäß darunter gestellt. Während des 6-8 Monate andauernden -Ausflusses von süßem Saft liefert sie insgesamt 300-400 Liter -desselben. Dabei muß nur von Zeit zu Zeit für eine neue Schnittfläche -gesorgt werden, da sich die alte mit der Zeit verstopft. Der Saft wird -dann auf Sirupdicke eingekocht. Eine Palme liefert 60-100 Liter Honig. - -Im Innern Afrikas ist die +äthiopische Fächerpalme+ (~Borassus -aethiopum~), deren Stamm im zweiten Drittel angeschwollen ist, häufig -und wird auch teilweise von den Negern angepflanzt, da ihre kopfgroßen, -2-2,5 kg schweren Nüsse ihnen allgemein zur Nahrung dienen und -teilweise so wichtig sind wie die Datteln den Arabern. Auch die Triebe -der jungen Sämlinge werden roh gegessen. - -Verwandt mit ihr und der Deleb- beziehungsweise Palmyrapalme (~Borassus -flabellifer~) ist die im Westgebiet des Indischen Ozeans heimische -+Seychellenpalme+ (~Lodoicea seychellarum~). Sie selbst ist noch -nicht sehr lange bekannt, während ihre bis 40 cm langen und 10 bis -13 kg schweren, vortrefflich zum Schwimmen über weite Meeresstrecken -eingerichteten, seltsam zweilappigen Früchte, deren Nährgewebe wie -dasjenige der Kokosnüsse schmeckt und gerne verspeist wird, schon im -Mittelalter in Indien und Hinterindien bekannt waren. Aus unbekannter -Ferne fand man sie bisweilen am Strande der Küste Vorderindiens -oder der vorgelagerten Inselgruppe der Malediven angeschwemmt. Kein -Mensch wußte zu sagen, woher diese merkwürdigen Gebilde kamen, und -so bildete sich die Sage aus, daß sie als eine Zauberfrucht am -Grunde des Meeres wüchsen. Deshalb nannte man sie Meerkokosnüsse -oder Wundernüsse Salomos, auch maledivische Nüsse, weil sie zumeist -von den Malediven nach dem indischen Festland in den Handel kamen. -Auf den Malediven mußte jede solche entdeckte Nuß als Eigentum des -Fürsten bei Todesstrafe sofort diesem gebracht werden, der sie dann -verschenkte oder verkaufte. Ihrer großen Seltenheit und geheimnisvollen -Herkunft entsprechend galt sie als ganz außerordentlich wertvoll und -man schrieb ihr die wunderbarsten Wirkungen zu. Besonders die Malaien -ließen sich daraus kostbare, wundertätige Trinkgefäße schnitzen. 1602 -brachte der holländische Admiral Hermanson zuerst eine solche Nuß, die -er von einem indischen Fürsten geschenkt erhalten hatte, nach Europa, -wo ihr dieselben wunderbaren Kräfte wie in Indien zugeschrieben wurden. -Kaiser Rudolf II. (1552-1612) bezahlte für einen daraus geschnitzten -Becher, der als zauberkräftiger Talisman galt und heute noch in der -Schatzkammer des Kaiserhauses in Wien aufbewahrt wird, nicht weniger -als 4000 Goldgulden (im heutigen Werte von über 12000 Mark), eine -für die damalige Zeit ganz ungeheure Summe. Erst im Jahre 1769 wurde -gelegentlich einer vom Herzog von Praslin angeordneten Untersuchung -der Seychellengruppe auf einer winzig kleinen, nach Praslin benannten -Insel die Mutterpflanze in Gestalt der bis 40 m hohen Palme mit 7 m -langen und 4 m breiten Blattwedeln gefunden, und 1770 brachte ein -unternehmender französischer Kauffahrer diese Meernüsse in Menge -nach Kalkutta, wo er sehr gute Geschäfte damit machte. Später kamen -sie vielfach als Kuriosität in europäische Sammlungen. Daß die -Mutterpflanze getrenntgeschlechtig ist und nicht in dichten Beständen, -sondern zwischen den übrigen Urwaldbäumen zerstreut wächst, trägt nicht -wenig dazu bei, daß ihre Vermehrung nur überaus langsam fortschreitet. -Zudem brauchen die Früchte nicht weniger als sieben Jahre zum Reifen. -Erst ein Jahr nach dem Pflanzen derselben erscheint der Keimling, der -oft mehrere Meter unter der Bodenoberfläche dahinkriecht, bis er nach -oben hervorbricht. Bis ein Baum Blüten trägt, vergehen 30-40 Jahre. - -[Illustration: Bild 15. Nuß der Seychellenpalme (~Lodoicea -seychellarum~). Nach dem Original im Baseler botanischen Institut.] - -In Oberägypten häufig ist die 8-9,5 m hoch werdende +Dumpalme+ -(~Hyphaene thebaica~), eine der wenigen Palmen, deren Stamm -sich 3 bis 4mal gabelt. Sie kommt in verschiedenen Arten in ganz -Afrika vor. Die etwa die Größe und Form einer Birne erreichenden -bräunlichgelben, völlig glatten Früchte besitzen um die harten -Samen ein süßes, wohlschmeckendes Fruchtfleisch, das besonders die -Affen und Elefanten, aber auch die Menschen sehr lieben. In manchen -Gegenden, so beispielsweise im Ambolande, bilden die Früchte dieser -„Pfefferkuchenpalmen“ ein sehr wichtiges Nahrungsmittel. Auch in -Ägypten gelangen sie heute noch wie zur Zeit der ältesten Dynastien zum -Verkauf. Die alten Ägypter aßen sie mit Vorliebe und gaben sie ihren -Toten als Wegzehrung mit. So finden wir sie häufig als Grabbeigaben, -besonders der 12. Dynastie seit dem Beginne des vorletzten Jahrtausends -v. Chr. Die Dumpalme hieß bei den Ägyptern ~mama~ und deren Früchte -~kuku~. Aus den Blättern wurden Sandalen hergestellt, deren sich -mehrere erhielten, so eine im Museum in Florenz. - -Eine neuerdings auch bei uns eingeführte, äußerst wertvolle -Tropenfrucht sind die +Bananen+ oder +Paradiesfeigen+, auch +Pisang+ -genannt. Diese mit den Liliengewächsen verwandten Pflanzen stellen -die Riesen unter den Stauden dar, indem ihr krautiger, nach außen -ausschließlich von dicken Blattscheiden gebildeter Stamm 6 bis zu -10 m Höhe erreicht. Nur wenn die Pflanzen als Abschluß ihres Daseins -zur Blüte gelangen, durchwächst dann im Innern ein solider Körper als -sogenannter Krautstamm den Stengel. Die außerordentlich großen, 3-4 m -langen und 60-90 cm breiten, saftig grünen Blätter besitzen eine sehr -starke Mittelrippe, von der sich parallele Seitennerven abzweigen, -zwischen denen sie der Wind oft arg zerschlitzt. - -Die Bananenstaude bringt nur +ein+ Fruchtbüschel hervor, das aber -mit seinen Früchten 30-50 kg schwer wird und 60-100, bei einigen -Abarten bis 300 Einzelfrüchte enthält. Nachdem die Frucht gereift -ist, stirbt die Pflanze ab. Die Blüten brechen nach Beendigung des -Größenwachstums der Pflanze hervor und sitzen an einem bis 1,5 m -langen, meist hängenden Kolben, und zwar in 12-16 Ringen von je 15-20 -fruchtbaren weiblichen Blüten, von denen jede mit einem großen, roten, -blauen oder violetten Deckblatte umgeben ist. Diejenigen der oberen -Scheiden, die am weitesten herabhängen, sind männlich und fallen nach -dem Verblühen samt den Blätterscheiden ab, während der Achsenteil, an -dem sie befestigt waren, erhalten bleibt und auch später noch weit über -den reifen Fruchtstand hinausragt. Dann folgen einige unfruchtbare -Zwitterblüten und darunter erst die fruchtbaren weiblichen, die nach -der Befruchtung die 20-30 cm langen und 5-8 cm dicken, schön gelb bis -rot gefärbten, sechskantigen, nicht aufspringenden Früchte hervorgehen -lassen. Diese gurkenförmig länglichen, sichelförmig gekrümmten, -ursprünglich dreifächerigen, weichen Beeren weisen bei sämtlichen -kultivierten Sorten als Zeichen einer uralten Kultur, bei der alles -Gewicht auf die möglichst reiche Entwicklung des Fruchtfleisches -gelegt wurde, keinerlei Samen mehr auf, so daß diese Kulturpflanze -sich nur noch durch Stecklinge fortpflanzt. Bei der wildwachsenden -südasiatischen Stammpflanze sind sie gedrückt kugelig, während sie bei -den kultivierten Arten zugunsten des Fruchtfleisches unterdrückt wurden -und nur noch als dunkle Punkte zu erkennen sind. Die Bananenfrüchte -schmecken, wie sich ein jeder von uns wohl selbst zu überzeugen -vermochte, wie mehlige, sehr aromatische Birnen und besitzen einen -außerordentlich hohen Nährwert. - -Mit der vollständigen Entwicklung der Blüte hat das Wachstum der Banane -sein Ende erreicht, mit der Reife der Früchte stirbt der Schaft und -wird vom Menschen umgehauen, entwickelt aber neue Nebensprossen. Die -Lebensdauer beträgt je nach Boden, Klima und Eigenschaft der Spielart 9 -Monate bis 3 Jahre, ist aber unter günstigen Lebensverhältnissen meist -nicht länger als 12-14 Monate. Beträgt sie unter dem Äquator 9 Monate, -so nimmt dieser Zeitraum in demselben Verhältnisse zu, je weiter vom -Äquator entfernt die Kultur dieser Obstpflanze getrieben wird. - - Tafel 31. - -[Illustration: Die aus dem südlichen China stammende Fächerpalme -~Livistona chinensis~ mit Früchten in einem Garten in Kamerun. Die auch -als Latanenäpfel bezeichneten Früchte besitzen unter der dünnen, sich -leicht ablösenden Schale ein schmackhaftes Fleisch. Diese Palme wird -wie andere niedere Schirmpalmen häufig als Zimmerpflanze kultiviert.] - - Tafel 32. - -[Illustration: Bananenpflanzung auf Jamaika. - -Verladung von Bananen ins Schiff auf Jamaika.] - -Der +gemeine Pisang+ (~Musa paradisiaca~) hat einen schlankeren Wuchs, -schmalere Blätter und längere, aber weniger schmackhafte Früchte als -der +Bananenpisang+ oder die eigentliche +Banane+ (~Musa sapientum~). -Von beiden Arten gibt es sehr viele Varietäten (in Amerika allein -440), neben +Obstbananen+ auch solche, die sich nur zum Kochen und -Backen eignen. Man nennt diese +Mehlbananen+. Aus ihnen, die roh ein -herbes Fruchtfleisch aufweisen und nur gekocht schmecken, kann ein -Mehl erhalten werden, daß in einigen Gegenden Afrikas, z. B. am Albert -Edward Nyansa, ein wichtiges Nahrungsmittel bildet. Anderswo wird -aus den unreifen Bananen ein Mehl bereitet, aus dem man Bananenbrot -bäckt. In manchen Gebieten Afrikas ernährt sich die Bevölkerung beinahe -ausschließlich von Bananen, und auch in Mittel- und Südamerika wie -auch auf den Südseeinseln bilden sie roh, geröstet oder gekocht die -Hauptnahrung des Menschen. Aus dem Safte der sehr zuckerhaltigen -Obstbanane wird auch ein sehr angenehmes, kühlendes Getränk von -weinartigem Geschmack hergestellt, das frisch süß und moussierend -schmeckt, bei längerem Stehen jedoch säuerlich wird und durch -alkoholische Gärung stark berauschend wirkt. Um diesen Bananenwein -noch stärker und gehaltreicher zu machen, wird ihm vielfach, so in -Ostafrika, geröstetes Kafferkorn oder Durra (~Andropogon sorghum~) mit -Wasser beigefügt. Das Herz, d. h. das Mark des Stammes und die jungen -Schosse dienen in der mannigfaltigsten Zubereitung als beliebte Speise, -die saftigen Blattscheiden und der noch nicht erhärtete Wurzelstock -werden von den Negern gegessen und aus dem Schafte der Blätter, der als -Wasserreservoir dient, kann ein trinkbares Wasser herausgepreßt werden. -Im Süden Chinas werden die Blüten zu einem geschätzten Salat verwendet. -Die großen Blätter dienen zum Decken der Hütten, zu Sonnenschirmen, als -Teller zum Auftragen der Speisen und dergleichen. Einige Male langsam -durch die Glut eines gelinden Feuers hin- und hergezogen, werden sie -weich und geschmeidig wie Papier und dienen dann als ein vorzügliches, -wasserdichtes Packmaterial, in denen man beispielsweise die Tabake von -Manila versendet. Die Blattscheiden enthalten Fasern, die seit den -ältesten Zeiten zu Matten, Stricken und anderem Flechtwerk, sowie zu -Geweben und zu Zunder verwendet werden. Aus dem Schafte aber wird eine -Art Hanf bereitet, der auf den Philippinen von der dort zur Gewinnung -des sogenannten Manilahanfes in ausgedehntem Maßstabe gepflanzten -Faserbanane (~Musa textilis~), in Vorderindien und in Ozeanien, auch -von ~Musa sapientum~, auf den Antillen, in Guiana und Angola von ~Musa -paradisiaca~ und in Neusüdwales auf der vor kurzer Zeit aus Abessinien -dort eingeführten ~Musa ensete~ gewonnen wird. - -Da nun der Schaft der Banane nach der Bildung der Früchte allmählich -abstirbt, keimfähige Samen aber nicht ausgebildet werden, so beruht -die Erhaltung und Vermehrung der Art allein auf der Tätigkeit -des Wurzelstocks, der sich durch die reichliche Entwicklung von -Seitensprossen, sogenannten Schößlingen, auszeichnet. Hat eine -Banane Frucht getragen, so wird sie meist über der Wurzel abgehauen, -um das Mark derselben zum Essen zu verwenden. Von den während der -Entwicklung des Schaftes, bis die Fruchtbildung sich vollzogen hatte, -unterdrückten Schößlingen läßt man gewöhnlich nur zwei gegen das Ende -der Fruktifikation des Hauptstammes zur Weiterentwicklung gelangen und -schlägt dann den schwächeren mit dem ausgedienten Haupttrieb ab. Die -Vermehrung der Bananen erfolgt ausschließlich durch solche Schößlinge, -welche man in der Nähe ihrer Basis von der Mutterpflanze abschneidet -und in mit altem, gerottetem Mist gedüngte, etwa 30 cm tiefe -und ebenso breite Pflanzlöcher steckt, wo sie so weit mit Erde bedeckt -werden, daß nur etwa 5 cm des Schößlings frei herausragt. - -Die Banane stellt eine der schönsten und anmutigsten Pflanzenformen -dar, die neben den Palmen das Hauptmotiv jeder vom Menschen bewohnten -Tropenlandschaft bildet und überall um die Hütten der Eingeborenen -gepflanzt wird. Als ursprüngliche Küstenpflanze liebt sie die von der -Seeluft erreichte Niederung. Nicht als ob sie nur in der Nähe des -Meeres fortkäme; sie erreicht aber da ihre üppigste Entwicklung. Außer -Wärme und Feuchtigkeit, die um so größer sein müssen, je höher die -betreffende Spielart wird, verlangt sie einen geschützten Standort; -denn ihr schlimmster Feind ist der Wind, der ihre großen Blätter bis -auf die Mittelrippe in lauter schmale Streifen spaltet. Wenn nun -dieser Vorgang immer wieder, bei allen sich neu entwickelnden Blättern -wiederholt wird, so büßt die Staude sehr an der Fähigkeit ein, Früchte -zu erzeugen und verliert sie schließlich ganz. Wird ihr solcher Schaden -in erheblichem Maße vor der Blüte zuteil, so treibt sie überhaupt -keine Blüte; hat sich bereits ein Fruchtbündel angesetzt, so reift es -unvollkommen aus. Auch wird sie leicht vom Sturme geknickt. Deshalb -müssen da, wo nicht Bodenerhebungen Schutz gewähren, tiefwurzelnde -Bäume als Windbrecher gepflanzt werden. Der Boden muß reich an -Nährsalzen sein, und zwar sagt feuchter, tiefgründiger und humusreicher -Lehmboden der Pflanze am besten zu. Deshalb findet sich die Banane -vorzugsweise an den Flußläufen angepflanzt, wo sie zugleich die für sie -nötige Bodenfeuchtigkeit findet. In solcher Weise kultiviert, liefert -sie zwölf Monate nach dem Setzen eines Schößlings eine Fruchttraube von -30-40 kg Gewicht, die gelegentlich auch, wie gesagt, auf 50 kg steigen -kann. - -Die Kultur der Banane ist sehr einfach. Man pflanzt die Schößlinge 2 m -weit auseinander, am liebsten am Rande von sumpfigen Wassern. Ungefähr -8 Monate nach der Anpflanzung erscheint ein dunkelvioletter Knoten an -dem Punkt, wo sich die obersten Blätter trennen. Bald tritt er frei -aus seiner Umgebung hervor, an einem langen Stiele hängend, der sich -beugt unter dem Gewichte der inzwischen entwickelten, die Form eines -zugespitzten Eies aufweisenden Blütenhülle. Kaum zur vollen Größe -ausgebildet, öffnet sich ein Blatt dieses Blütenkolbens und rollt sich -bis zur Basis zurück, indem es eine Reihe von 5-6 Blüten dem Blicke -freilegt. Danach entfalten sich die übrigen Blätter der Blütenhülle -eins nach dem andern, bis schließlich 20-30 Blütenbündelchen aufgedeckt -sind, die alle an dem einen Stiele hängen. Wenn die Blätter der -Blütenhülle verwelken und abfallen, beginnen die Fruchtknoten zu -schwellen, und von da bis zu ihrer Reife vergehen 3-4 Monate. In dieser -Zeit wendet sich die Nahrungszufuhr der Pflanze auf die zahlreichen -Früchte, deren Haupternte vom Januar bis Mai stattfindet. Da aber die -Banane bereits lange vor der Blüte, wenn sie erst einige Meter hoch -ist, neue Schößlinge aus ihrem Wurzelstocke hervortrieb, von denen man -allerdings in geordneten Plantagen nur zwei stehen läßt, damit nicht -ein undurchdringlicher Wald entstehe, und diese später blühen und -Früchte zeitigen, so kommt es, daß man immer Blüten und Früchte auf -einer Bananenpflanzung findet. Einzig in den Gegenden, in denen eine -längere Trockenzeit herrscht, läßt die Fruchtreife in dieser Zeit nach, -so daß manchenorts die Tropenbewohner, die sich fast ausschließlich von -ihr ernähren, bisweilen kurze Zeit ohne Bananen sind, da sich diese -fleischigen Früchte nicht längere Zeit aufbewahren lassen, selbst wenn -man sie noch grün abschneidet. Weil sie leicht verderben und auch -viele Liebhaber unter der Tierwelt besitzen, so besonders Affen, dann -unter den Vögeln namentlich die prächtig gefärbten, bis 50 cm langen -Bananenfresser (~Musophagae~) und verwandte Arten, dann Eichhörnchen, -Fledermäuse, verschiedene Insekten und andere, werden die Früchte vor -der völligen Reife, wenn sie noch grüngelb sind, geerntet und die -Fruchttrauben unter Dach zur vollständigen Reife gebracht. Dabei färbt -sich die äußere Fruchtschale der Banane goldgelb, des gemeinen Pisang -purpurrot bis schwarz, wobei das Fruchtfleisch mehr und mehr erweicht -und sich die Stärke desselben ganz in Zucker verwandelt. Es gibt keine -andere Pflanze, die auf so kleinem Raum mehr Nahrungsstoff bietet als -die Banane, die auf derselben Grundfläche 3½mal mehr Nahrungsstoff als -die Kartoffel und 15mal mehr als der Weizen liefert. Dabei erneuern -sich die Stauden, die nur kurze Wurzeln besitzen, weshalb sie einzeln -stehend leicht vom Sturme zu Boden geworfen werden, aus dem Wurzelstock -60-80mal. In der glühenden Sonnenhitze und bei der größten Trockenheit -beschatten und befeuchten sie den Boden selbst und bewirken durch -die bedeutende nächtliche Wärmeausstrahlung ihrer riesigen Blätter -ein Sinken der Temperatur um 5° C., so daß sich infolgedessen der -Wasserdunst der Atmosphäre auf ihnen verdichtet, in großen Tropfen -zusammenfließt, am Schafte niedersickert und die Erde rings um die -Wurzeln anfeuchtet, als ob sie begossen sei. Nur den einen Nachteil -hat sie, eben als Folge ihrer außerordentlichen Leistungsfähigkeit, -daß sie den Boden in hohem Maße aussaugt. Deshalb schlägt man die -Pflanze nach der Ernte ihrer Fruchttraube nieder, zerschneidet sie in -Stücke und düngt damit den stehengebliebenen Wurzelstock mit den neuen -Töchterpflanzen. - -Die Banane ist wohl eine der ältesten Fruchtpflanzen, die der -innerhalb der Tropenzone aus der Tierheit hervorgegangene Mensch -in seine Pflege nahm, da sie sehr rasch wuchs und ihm mühelos -in kürzester Zeit reichen Ertrag brachte. Ihre Heimat ist die -südostasiatische Inselwelt, von wo aus sie ihrer vorzüglichen Früchte -wegen vom Menschen schon in vorgeschichtlicher Zeit fast über die -ganze Tropenwelt verbreitet wurde. Jedenfalls wurde sie bei der -Entdeckung Amerikas wenigstens auf der Westseite dieses Kontinents, -besonders in Mittelamerika und Peru, angepflanzt gefunden, was -bei der gelegentlichen Verschlagung malaiischer Schiffe an dieses -Gestade schließlich auch kein Wunder ist. Der Peruaner Garcilasso -de la Vega, ein Nachkomme der Inkas, der in den Jahren 1530-1568 -lebte, sagt in seinen spanisch geschriebenen ~Commentarios reales~ -ausdrücklich, daß zur Zeit der Inkas in den gemäßigten Regionen der -Mais, die Quinoapflanze, die Kartoffel, und in den heißen die Bananen -den Hauptbestandteil der Nahrung der Eingeborenen ausmachten. Noch -andere Autoren führt Alexander von Humboldt in seinem französisch -geschriebenen Buche „Neuspanien“ an und sagt selbst, daß an den -Ufern südamerikanischer Ströme bei Indianerstämmen, die in keinerlei -Beziehungen mit europäischen Niederlassungen gestanden haben, neben den -Maniok- auch Bananenpflanzungen anzutreffen gewesen seien. Auch hat der -amerikanische Geschichtsforscher Prescott alte Werke oder Handschriften -gesehen, denen zufolge die Bewohner von Tumbez an der Küste von Peru -dem dort 1531 landenden Pizarro Bananen als Gastgeschenk brachten. Wenn -nun auch nach diesen allerdings nicht absolut beweisenden Zeugnissen -die Banane in Amerika vor der Invasion der Spanier höchstens an -der Westküste jenes Kontinents zu finden war, so hat sie zur Zeit -der Entdeckung Amerikas sicher in Westindien und im nordöstlichen -Südamerika gefehlt. Dort wurde sie sehr früh von den Portugiesen -eingeführt, und zwar war es der Pater Thomas de Berlengas, der sie im -Jahre 1516 von den Kanarischen Inseln nach San Domingo brachte, von wo -sie auf die übrigen Antillen und später auch nach Brasilien gelangte, -so daß sie jetzt allenthalben zu finden und auch verwildert ist. - -Von der südostasiatischen Inselwelt verbreitete sich die Banane nach -allen Seiten und wurde schon längst auch im Indusgebiet angepflanzt, -als die Griechen im Heere Alexanders des Großen im Jahre 327 v. Chr. -das Pandschab durchzogen. Obschon deren Früchte dort allgemein als -Volksnahrung dienten, hielt sie Alexander für ungesund und verbot -sie seinen Soldaten zu essen. Später erwähnt Plinius die Banane -unter dem Namen ~pola~, doch wird ihre Frucht wegen ihrer großen -Verderblichkeit kaum je in den Bereich der Mittelmeerländer gekommen -sein. Dieses ~pola~ des Plinius ist das Sanskritwort ~pala~, das Frucht -bedeutet, aus dem auch das Wort Banane hervorging, während ~pisang~ -die malaiische Bezeichnung ist. ~Musa~ wurde dann die Pflanzengattung -von Linné nach der arabischen Bezeichnung ~muz~ für die Pflanze, die -sich schon im 13. Jahrhundert bei Ibn Baithar findet, genannt, und -zwar ~Musa sapientum~, weil die indischen Weisen (~sapientes~) von den -Früchten lebten und ~Musa paradisiaca~, weil sie im Paradiese stand. -Später hieß man sie auch Paradiesfeige oder Adamsapfel, weil sie nicht -nur feigenartig schmeckt, sondern weil sie auch für den Baum der -Erkenntnis des Guten und Bösen im Paradiese, von dem Eva dem Adam zu -essen gab, gehalten wurde. - -Überall in den Tropen sind die Bananenfrüchte ein sehr wichtiger -Handelsartikel, der nach und nach für die ganze Kulturwelt von -Bedeutung geworden ist; denn durch die rasch fahrenden Schiffe -der Gegenwart ist dieses kostbare Erzeugnis der Tropen auch den -Bewohnern der klimatisch gemäßigten Länder zugänglich gemacht -worden. Besonders wird sie in großen Mengen aus Mittelamerika nach -den so obstfreundlichen Vereinigten Staaten eingeführt. So sind von -Nordamerikanern, speziell Minor C. Keith in Costarica, allein 15000 -Hektar Land mit ~Musa~ bepflanzt worden, aus denen im Jahre 1908 -über 15 Millionen Bündel Bananenfrüchte von durchschnittlich 30 kg -Gewicht im Wert von beinahe 20 Millionen Mark geerntet und nach den -Vereinigten Staaten eingeführt wurden. Bei ihrer geringen Haltbarkeit -müssen sie, sobald sie reif sind, in mit Kühlvorrichtungen versehenen -Schiffen und Eisenbahnen rasch spediert werden und schmecken dann -unendlich viel besser als die unreifen Früchte, die wir bisher aus -Westindien erhielten. So sind sie in allen Schichten der Bevölkerung -der Vereinigten Staaten zu einem eigentlichen Volksnahrungsmittel -geworden, ein Beispiel, das in Europa Nachahmung verdiente, da sie -eine vortrefflich bekömmliche und wohlschmeckende Nahrung bilden. Um -den Schwierigkeiten des Transportes aus dem Wege zu gehen, wurden -sie in England zuerst getrocknet eingeführt. Seitdem aber die -Transportverhältnisse sich gebessert haben und man gelernt hat, diese -Früchte fast reif zu uns zu bringen, gelangen sie in immer größerer -Menge frisch nach Europa und finden hier immer mehr Anklang, so daß -sie im Begriffe sind, sich zu einem Welthandelsartikel wie die Orangen -aufzuschwingen. Hat doch Deutschland allein in den sieben ersten -Monaten des Jahres 1909 78 Millionen kg davon eingeführt. - -Bei uns wird die südchinesische +Zwergpalme+ (~Musa cavendishi~), wie -auch die kleinbleibende ~Musa coccinea~ in Warmhäusern kultiviert -und als Zimmerpflanze gehalten. Sie, wie auch die größte aller -Bananensorten, die ~Musa ensete~ aus Abessinien mit roten Blattstielen -und Hauptnerven, werden gleichfalls im Sommer auf Rasenrabatten allein -oder mit anderen Blattpflanzen, besonders ~Ricinus~ und ~Canna~ -zusammen angepflanzt. Diese ~enzeht~ der Abessinier ist die größte -aller Krautpflanzen überhaupt. Eine fünfjährige Pflanze im Palmenhause -zu Kew bei London hatte schon über 10 m Höhe und unten am Schaft 2 m -Umfang erreicht und besaß 6,5 m lange und 1 m breite Blätter. Wegen -dieser letzteren scheinen die alten Ägypter bereits die Pflanze -als Viehfutter kultiviert zu haben; denn es ist eine altägyptische -Darstellung bekannt, in welcher Nilpferde eine Bananenpflanzung -verwüsten. Durch Einschnitte in den mächtigen Schaft fließt ein -köstlich schmeckender Saft aus, der von den Abessiniern, mit Milch -und etwas Butter vermischt, sehr gerne gegessen wird. Das Innere des -Schaftes, wie auch die Schößlinge geben gekocht ein gutes Gemüse, das -von vielen ostafrikanischen Volksstämmen als wichtigste pflanzliche -Nahrung genossen wird. In ihrer Heimat trägt auch sie reichlich -Früchte, die wie alle anderen Bananensorten mit Vorliebe auch von den -Affen gegessen werden. Plündernd fallen sie in die Pflanzungen des -Menschen ein und schaden hauptsächlich dadurch, daß sie mehr verwüsten -als fressen. Auch den Maisfeldern sind sie sehr gefährlich, indem -sie beim Plündern der Maiskolben von Staude zu Staude springen und -natürlich jedesmal die Staude abbrechen. Die Abessinier sind, weil sie -keine Schrotgewehre zur Einschüchterung dieser frechen Diebe besitzen, -dieser Landplage gegenüber fast machtlos. Sie behelfen sich damit, daß -sie wie anderwärts die Bananentrauben abschneiden, bevor sie reif sind, -sie aber zum Nachreifen in die Erde vergraben; denn von dort stehlen -sie die Affen nicht. - -Eine andere, in Treibhäusern nicht selten angetroffene Art ist -der auf Madagaskar heimische „+Baum der Reisenden+“ (~Ravenala -madagascariensis~), der auf einem ebenfalls bis 10 m hohen, blattlosen -Stamm einen Schopf großer, zweizeilig gestellter, im Gegensatz zu den -eigentlichen Bananen gestielter Blätter trägt. Seinen Namen hat er -daher, daß die Reisenden auf jener großen, Afrika benachbarten Insel -die Blattstiele mit ihren hohlen Wanderstöcken anstechen, um das -herausfließende schmackhafte Wasser zu trinken. - -Wahrscheinlich auf der Halbinsel Malakka heimisch und von da im -gesamten tropischen Asien und auf der malaiischen Inselwelt kultiviert, -ist als eine der köstlichsten Tropenfrüchte die +Mangostane+ (~Garcinia -mangostana~) zu erwähnen. Sie wächst an einem 20-25 m hohen Baume mit -dicken, dunkelgrünen Blättern und ist eine fast kugelige Frucht von -5-7 cm Durchmesser, welche innerhalb einer dicken, weinroten Schale -ein schneeweißes, weiches, sehr süßes und aromatisches Fruchtfleisch -enthält, in welchem die Samen eingebettet sind. Das Fleisch ist als -Mantel des Samens zu deuten. - -Angenehm säuerliche Früchte von etwa 1 kg Gewicht, deren Saft -sowohl zur Würze an Speisen getan, als auch zu kühlenden Getränken -benutzt wird, besitzt die nahe Verwandte der Mangostane, ~Garcinia -pedunculata~, ein gegen 20 m hoher Baum in Bengalen. Die getrockneten -Früchte pflegt man mit Vorliebe auf Seereisen mitzunehmen. - -In Hinterindien, Südchina und dem malaiischen Archipel heimisch sind -die +Jambosen+ oder +Rosenäpfel+, auch Malaienäpfel genannt, die auf -6-12 m hohen, immergrünen Bäumen aus der Familie der Myrtengewächse -wachsen. ~Jambosa malaccensis~ trägt apfelgroße runde, rote, ~Jambosa -vulgaris~ dagegen, die noch auf den ostindischen Inseln wildwachsend -angetroffen wird, blaßgelbe, rosenrot angehauchte birnförmige, -rosenartig riechende Beerenfrüchte von der Konsistenz des Apfels, die -in einer weiten Höhle einen olivengroßen Kern bergen. Beide werden -ihres Wohlgeschmacks wegen in allen Tropengegenden, besonders den -Sandwich- und Fidschiinseln, neuerdings auch in Brasilien, auf den -Antillen und auf Madeira kultiviert. Ihre in Zucker eingemachten, -weinsäuerlich riechenden Blüten werden bei fieberhaften Krankheiten -verabreicht. - -Ähnliche birnförmige, wohlschmeckende Früchte wie letztgenannte Art -liefert die ebenfalls in Südindien heimische ~Jambosa macapa~, die auch -anderwärts, so besonders auf Mauritius, in mehreren Abarten kultiviert -wird. Dasselbe ist mit der in Südchina zur Kulturpflanze erhobenen -~Jambolifera pedunculata~ der Fall, deren schwarze, süße Früchte einen -nicht unwichtigen Handelsartikel bilden. - -In Südasien, besonders Indonesien, werden ebenfalls häufig ~Sandoricum -indicum~ wegen ihrer kleinen, orangeähnlichen Früchte und ~Dillenia -serrata~ und ~D. elliptica~ wegen ihrer über apfelgroßen, sauersüßen, -schleimigen Früchte, wie auch ~Erioglossum edule~ und ~Lansium -domesticum~ wegen ihrer Steinfrüchte angebaut. Besonders angenehm -schmeckt auch der große +Molukkenapfel+ (von ~Xanthochrymus dulcis~ und -~X. pictorius~). - -Ebenfalls in Südasien heimisch und von da über die ganze Tropenwelt -verbreitet ist der 10-15 m hohe +Mangobaum+ (~Mangifera indica~) mit -lederartigen, länglichen, ganzrandigen Blättern und wohlriechenden, -kleinen, weißen Blüten, deren nierenförmige, außen grüne bis gelbe, -in einem rötlichgelben, saftreichen, sauersüßen Fruchtfleisch einen -einzigen großen harten Samen umschließenden, ei- bis faustgroßen -Früchte, die Mangos, von vielen Europäern als die edelste der -Tropenfrüchte erklärt werden. Manche Kulturformen liefern noch größere -Früchte, die bis 1 kg schwer werden. Sie schmecken sehr süß, aromatisch -und durch ihren Gehalt an Zitronensäure erfrischend säuerlich. Allen -Sorten ist aber ein mehr oder weniger ausgesprochener Geschmack nach -Terpentin eigen, welcher manchem den Genuß verleidet. Damit sich dieser -verliere legt man die geschälte Frucht einige Zeit in Wasser. Auch die -Samen werden geröstet gegessen und schmecken dann wie Kastanien. Der -Mangobaum, der in Südindien und Ceylon noch wild gefunden wird, aber -als solcher nur kleine Früchte zeitigt, ist heute in vielen Varietäten -über die ganze Tropenwelt verbreitet und wird in einer besonders -wohlschmeckenden Sorte auch in Brasilien kultiviert. - -In Südasien heimisch, aber ebenfalls im ganzen Tropengürtel vielfach -kultiviert, ist der indische +Mandelbaum+ (~Terminalia catappa~), ein -großer Baum mit mächtiger Laubentwicklung mit abwechselnd gestellten, -gegen das Ende der Zweige zusammengehäuften, ganzrandigen, gestielten -Blättern, welche am Anfange der Trockenzeit schön rot werden, später -aber abfallen. Aus den in ährenartigen Infloreszenzen stehenden -kleinen, sitzenden Blüten entwickeln sich außen etwas fleischige, in -der Mitte zusammengedrückte Steinfrüchte, die in dem sehr harten Stein -einen wie Mandeln schmeckenden, länglich eirunden Samen einschließen, -der eine beliebte Speise bildet. - - Tafel 33. - -[Illustration: Ostindischer Mangobaum (~Mangifera indica~) in Rio -de Janeiro. (Nach einer in der Sammlung des botan. Instituts der -Universität Wien befindlichen Photogr. von M. Ferrez.)] - - Tafel 34. - -[Illustration: Ein junger Brotfruchtbaum in Westafrika. (~Artocarpus -incisa.~) - - - (~Copyright by F. O. Koch.~) - -Junge Früchte des Tschakfruchtbaumes (~Artocarpus integrifolia~).] - - Tafel 35. - -[Illustration: Ein Zweig des Brotfruchtbaumes mit jungen Früchten aus -Ceylon. (~Artocarpus incisa.~)] - - Tafel 36. - -[Illustration: Während der sommerlichen Trockenzeit entblätterte Baobab -oder Affenbrotfruchtbäume in der Steppe am unteren Kongo (nach Chun). - -Malaienwohnung auf Sumatra mit Melonenbaum.] - -Ebenso geschätzt ist der gleichfalls über die gesamten Tropen -verbreitete, wahrscheinlich in Ostindien heimische +Gombo+ oder -+Ochro+ (~Hibiscus esculentus~), eine baumartige Malvacee, deren -wohlschmeckende junge Früchte, besonders gekocht, sehr beliebt -sind. Ähnlich verhält es sich mit dem sehr nahe damit verwandten -+Moschushibiscus+ (~Hibiscus moschatus~), der ebenfalls in den -heißesten Gebieten Ostindiens heimisch ist und von da aus die weiteste -Verbreitung fand. Seine Samen besitzen einen zarten Bisamgeruch, der -sie auch für die Parfümerie Verwendung finden ließ. - -Einen, als die Europäer erschienen, in ganz Indonesien von Sumatra bis -zu den Markesasinseln angebauten Fruchtbaum stellt der +Brotfruchtbaum+ -(~Artocarpus incisa~) dar, der zu den Maulbeergewächsen gehört. Es -ist dies ein 13-17 m hoher, einen zähen, fadenziehenden Milchsaft -führender, einhäusiger Baum, mit 33-50 cm dickem Stamm und bis 1 m -langen, oft 50 cm breiten, derben, tiefeingeschnittenen Blättern. -Diese sind an den Schößlingen oft ganzrandig, an den Sprossen und -stärkeren Zweigen dagegen nur zwei- bis dreilappig, während sie sonst -bis neun Lappen aufweisen. Sie sind oben dunkelgrün, von gelblichen -Nerven durchzogen, fast ganz glatt, unten rauh, bleicher gefärbt und -mit hervortretenden Rippen. Beim Welken durchlaufen sie die ganze -Farbenreihe zwischen dunklem Grün und brennendem Rot. Das eine Ende ist -oft noch samtgrün, während die Mitte goldgelb leuchtet und das andere -Ende purpurn oder scharlachrot strahlt. Die männlichen Blütenstände -sind kätzchenartig gestellt und entspringen von den jungen Zweigen, -während die weiblichen eirund sind und aus den älteren Zweigen -hervorgehen. Die Frucht ist eine über kopfgroße, bis 2 kg schwere -Scheinfrucht mit einem saftigen, nahrhaften Fleisch, in der als Zeichen -sehr langer Kultur meist keine Samen mehr zur Ausbildung gelangen. In -Scheiben geschnitten und mit oder ohne Fett gebacken, schmecken sie wie -die besten Kartoffeln. Auch die Samen, falls welche vorhanden sind, ißt -man in heißer Asche geröstet wie Kastanien. Man zieht aber diejenigen -Kulturvarietäten, die keine Samen mehr erzeugen, den anderen vor, weil -ihre Fruchtstände saftiger sind und einen höheren Nährwert besitzen. -Die Südseeinsulaner ernähren sich zum größten Teile von den Früchten -dieser Pflanze, von der zwei bis drei Bäume für den ganzen Unterhalt -eines Menschen genügen sollen. Die Heimat des Brotfruchtbaums scheint -in Java und den Sundainseln zu liegen, wo der deutsche Naturforscher in -holländischen Diensten Rumphius (1627-1702) eine anscheinend wilde Form -desselben angetroffen haben soll. - -Der Brotfruchtbaum wird nur auf ungeschlechtlichem Wege durch -Schößlinge künstlich vermehrt. Er gedeiht im geeigneten Klima in -jedem Boden, selbst in solchem, der zu keiner anderen Kultur benutzt -werden kann. Der Baum bleibt 60 bis 70 Jahre lang tragbar; dabei -währt die Ernte 9 Monate lang, nämlich von November bis Juli, und -ist so außerordentlich ausgiebig, daß, wie der Weltumsegler James -Cook (1728-1779) sich ausspricht, „einer, der in seinem Leben 10 -Brotfruchtbäume gepflanzt hat, seine Pflicht gegen sein eigenes -und sein nachfolgendes Geschlecht ebenso vollständig und reichlich -erfüllt hat, als ein Einwohner unseres rauhen Himmelstrichs, der -sein ganzes Leben hindurch während der Kälte des Winters gepflügt, -in der Sommerhitze geerntet und nicht nur seine jetzige Haushaltung -mit Brot versorgt, sondern auch seinen Kindern etwas an barem Geld -kümmerlich erspart hat.“ Das roh nicht eßbare, mehlige Fleisch der -halbreifen, grünen Früchte wird geröstet, zu Brot verbacken und als Mus -gegessen. Das Backen geschieht in heißer Asche oder auf heißen Steinen, -seltener in Öfen. Dabei wird das Innere der Früchte beim Braten weiß -und weich wie Brotkrume, muß indessen gleich gegessen werden, da es -nach 24 Stunden musig und fad wird. Nur in Scheiben geschnitten und -getrocknet hält sich die Frucht zwei Jahre, kann so den Schiffszwieback -ersetzen und wird auch von den Spaniern als solcher gebraucht. Die -Schiffsmannschaften ziehen diese Nahrung dem Brote vor. Auf den -Südseeinseln benutzt man die unreife Brotfrucht auch zur Herstellung -eines sehr schmackhaften Muses, indem man sie nur wenig röstet, dann -von der Schale befreit, das Fruchtfleisch in kaltes Wasser bringt -und darauf zu Brei quirlt. Eine sehr schmackhafte Speise bereitet -man ferner aus der geöffneten unreifen Brotfrucht, indem man ihr die -Rinde und das Kernhaus nimmt und sie in einem Mörser tüchtig stampft. -Dann gießt man darauf die aus dem saftigen Kern einer reifen Kokosnuß -durch Versieben entstandene dicke Milch, die man durch kleine, aus -feinen Kokosfasern geflochtene Beutel preßt. Von den Europäern wird -die unreife Brotfrucht meist in dünne Scheiben geschnitten, in Butter -oder sonstigem Fett gebacken gegessen, was eine sehr feine Speise gibt, -die, wie mir eine Jugenderinnerung sagt, in bezug auf den Geschmack an -knusperig gebratene Kartoffeln erinnert. - -Ist die Mehrzahl der Brotfrüchte reif geworden, so findet die -Haupternte statt. Die reifen Früchte sind goldgelb, weich, inwendig -breiig, von widerlich süßem Geruch und Geschmack. Dieser Brei gilt -als ungesund und wird kaum gegessen. Dagegen verwendet man die feste -Rinde und das Kerngehäuse der geernteten Früchte, indem man sie in -Holzmörsern zu einer teigigen Masse zusammenstampft, die man in ~mahe~ -genannten Laiben, sorgfältig in Blätter und Bast gehüllt, jahrelang an -einem kühlen Orte aufbewahren kann, wobei sie durch längeres Lagern -noch an Güte gewinnen. Die Südseeinsulaner backen daraus nach Bedarf, -nachdem sie den Teig haben gären lassen, Kuchen von bernsteingelber -Farbe und etwas herbem, aber durchaus nicht unangenehmem Geschmack, der -feinem Weizenbrot oder -- nach Anson -- gebratenen Kartoffeln ähnlich -sein soll. Mit dem Saft von Orangen getränkt, soll das Brot süß wie -Apfelkuchen schmecken. Auch kann man den Brotfruchtteig wie Pudding -zubereiten. Von dieser aufbewahrten Brotmasse nähren sich die Insulaner -von August bis Oktober, während welcher Zeit der Brotfruchtbaum keine -Früchte trägt. - -Außer den Früchten liefert der Brotfruchtbaum noch andere nützliche -Produkte, so die Rinde zum Gerben und Färben, den Bast junger Zweige -zur Herstellung von ~tapa~ oder Rindenstoff, den Milchsaft zur -Herstellung von Vogelleim und Kitt; ein durch Einschnitte in den Stamm -gewonnenes Harz (das ~dammar selo~ der Malaien) kommt wie Kopallack -zur Herstellung von Firnis in den Handel. Das gelbe Holz benutzt man -zum Häuserbau, zur Gewinnung von Booten und Holzgeräten. Die Blätter -verwendet man wie starkes Papier zum Einwickeln von Gegenständen und -Aufbewahren von Lebensmitteln. Die halbverwelkten, bunten Blätter -werden von den Eingeborenen an der Mittelrippe aufgeschlitzt und als -Kopfbedeckung benutzt; sonst dienen sie auch als Tischtücher, Teller -und Servietten. Im tropischen Amerika wird der echte Brotfruchtbaum -wegen seiner schönen Belaubung mehr als Alleebaum, denn als Fruchtbaum -gepflanzt. - -Der erste Bericht vom Brotfruchtbaum datiert aus dem Jahre 1697 von -dem englischen Seefahrer William Dampier (1652-1715), der ihn in -Menge auf den Marianen oder Ladronen, d. h. Diebesinseln -- jetzt -bekanntlich deutsche Kolonie -- angepflanzt fand. Genauere Nachrichten -über diesen so nützlichen Fruchtbaum verdanken wir dem Reiseberichte -des deutschen Naturforschers Joh. Reinhold Forster (1729 bis 1798), der -mit seinem Vater den Kapitän James Cook auf seiner zweiten Reise um die -Welt von 1772 bis 1775 begleitete und später bis zu seinem Tode als -Botanikprofessor in Halle tätig war. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts -brachte Sonnerat den Brotfruchtbaum nach der Insel Mauritius. Später -wollte König Georg III., der 22jährig 1760 auf den englischen Thron -gelangte, den er bis zu seinem Tode 1820 behauptete, auf Wunsch der -englischen Kolonisten in Amerika ihn in Westindien einführen. In seinem -Auftrage gelang es nun dem englischen Kapitän Bligh (sprich Blei) 774 -junge Brotfruchtbäume einzuschiffen; allein die Expedition wurde durch -eine Meuterei der Mannschaft vereitelt. Erst die zweite Expedition -war von Erfolg begleitet. Von 1150 jungen Brotfruchtpflanzen überstand -ein großer Teil die Reise. 550 derselben wurden im Januar 1793 in St. -Vincent gelandet, die übrigen -- außer fünf für den Garten von Kew -bei London bestimmten -- kamen nach Jamaika. Die Hoffnung, durch die -Brotfruchtbäume ein neues Nahrungsmittel für die Sklaven in Amerika -zu erhalten, verwirklichte sich aber nur sehr unvollständig; denn -jene zogen der Brotfrucht die besser schmeckende Banane vor, die roh -zu genießen ist, sich ebenso leicht anpflanzen läßt und eher Früchte -trägt. Auch dem Südseeinsulaner ist es nicht angenehm, daß er die -Brotfrucht erst noch zubereiten muß, ehe er sie essen kann. „Daher -träumt er sich“ -- sagt Forster -- „auch in seinem Paradiese eine -Brotfrucht, die keiner Zubereitung bedarf und frisch vom Baume weg -gegessen werden kann.“ Bei der Geburt eines Kindes pflanzt er einen -Brotfruchtbaum, der für das Kind allein bestimmt ist. - -Auf dem indischen Festland, auf welches die Brotfrucht schon sehr -früh verpflanzt wurde, ist außer dem weichhaarigen Brotfruchtbaum -(~Artocarpus pubescens~) mit ebenfalls eßbaren Früchten, die noch weit -größere und äußerst wohlschmeckende Früchte reifen lassende Verwandte, -der nach der indischen Bezeichnung ~tschaka~ für die Frucht als -+Tschakfruchtbaum+ (~Artocarpus integrifolia~) zu Hause. Seine großen -Blätter sind ganzrandig und die bis 40 kg schweren Tschakfrüchte von -ebenfalls grüner Farbe besitzen innen ein außerordentlich aromatisch -schmeckendes, gelbes Fruchtfleisch, das Menschen und Tiere mit -Leidenschaft essen. Besonders die Rinder riechen die Früchte von -weitem und eilen herbei, um sich der von ihnen so geliebten Speise zu -bemächtigen; doch gönnt ihnen der Mensch gewöhnlich nur die Schale. -Der schon sehr lange domestizierte, in ganz Südindien, Ceylon und -Indonesien anzutreffende Baum scheint seine eigentliche Heimat an der -Malabarküste zu haben, wo er manchenorts noch wildwachsend angetroffen -wird. Im Jahre 1782 wurde er nach Jamaika, bald hernach nach Brasilien -und an die verschiedensten Orte der Tropen verpflanzt, wo er überall -wegen seiner aromatischen Früchte geschätzt wird. - -Vielleicht noch mehr als sie geschätzt, sowohl von den Europäern als -auch ganz besonders von den Eingeborenen, wird die im malaiischen -Archipel und auf der Halbinsel Malakka heimische, jetzt aber auch -vielfach in ganz Süd- und Südostasien kultivierte +Durianfrucht+. -Auch sie wird über kopfgroß, ist mit derben, kegelförmigen Stacheln -besetzt und wird so schwer, daß der Aufenthalt unter dem hochwipfligen -Baum zur Zeit der Fruchtreife geradezu lebensgefährlich ist. Teils -deswegen, teils auch weil den reifen Früchten von den gefräßigen -Flughunden als Lieblingsnahrung sehr nachgestellt wird, nimmt man sie -meist vor der vollsten Reife ab. Der Geschmack des weichen inneren -Fleisches der fünfklappigen Kapsel ist der einer stark mit Fruchtäther -gewürzten süßen Eierkreme, die geradezu berückend wirkt. Dabei hat sie -aber leider einen Beigeschmack und vor allem einen Duft, der zwischen -faulen Eiern und sehr stark riechenden Zwiebeln schwankt. Deshalb -können sich viele Europäer nicht dazu entschließen, sie auch nur zu -versuchen. Jedenfalls ist der Genuß des Durians wegen des unangenehmen -Geruchs in guter Gesellschaft verpönt und es darf demselben in den -Hotels, wie auch in den Geschäftsräumen der Kaufleute nur in einem -besonderen Raume nachgegangen werden. Der die Durianfrüchte liefernde -Baum (~Durio zibethinus~) gehört zu den Malvengewächsen und stellt -einen hohen Baum mit länglichen, ganzrandigen, lederigen Blättern dar. -Sein Hauptverbreitungsgebiet ist das südliche Asien mit Einschluß von -Indonesien. - -Mit dem Durian verwandt ist der durch seine massige Größe, besonders -des Stammes, der bis zu 10 m Durchmesser erreicht, ausgezeichnete, -in den Steppen Mittelafrikas häufig vorkommende +Affenbrotbaum+ -(~Adansonia digitata~). Seine sehr großen, einen Umfang von 60 cm -erreichenden weißen Blüten werden durch die den Kolibris ähnlichen -Nektarinen oder Honigvögel im Fluge bestäubt, die emsig die Blumen -besuchen, um den von ihnen gespendeten Honig zu naschen und die sich -daran gütlich tuenden kleinen Insekten zu haschen. Die Früchte sind -oben dicke und unten dünnere gurkenartige Körper, von oft mehr als -40 cm Länge und 10 cm Dicke, die unter der hellen Schale, in einem -säuerlichen Marke große, schwarze Samen enthalten. Beide sind eßbar und -werden von den Negerstämmen verzehrt, die auch den Bast des Stammes -seit uralter Zeit als wichtiges Bindematerial, namentlich auch zur -Anfertigung von Stricken und dünnen Seilen, benutzen. In neuerer Zeit -gelangt derselbe in größeren Mengen in den europäischen Handel und -dient vielfach auch zur Herstellung eines dem alten Büttenpapiere -ähnlichen Papieres. - -Noch beliebter als das Mark seiner Früchte ist dasjenige einer -australischen Art (~Adansonia gregorii~), welche der +Sauregurkenbaum+ -genannt wird. Da zur Zeit der völligen Fruchtreife in der Trockenzeit -die Blätter der Affenbrotbäume abgefallen sind, so bieten sie mit -ihren an sehr langen Stielen hängenden Früchten einen überaus -merkwürdigen Anblick dar. - -Ebenso große, gleichfalls mit einem säuerlichen Fruchtfleisch erfüllte, -an 2-2,5 m langen Stielen herabhängende Früchte besitzt der im -tropischen Westafrika bis zum Seengebiet verbreitete +Leberwurst-+ -oder +Fetischbaum+ (~Kigelia africana~), dessen in langen Trauben -herabhängende, sehr große, hellrötliche Blüten ebenfalls von den -Honigvögeln besucht und befruchtet werden. Seine Früchte dienen außer -zu Zauber mancherlei Art mit Vorliebe als Opfergaben an die als -Fetische verehrten Seelen der Verstorbenen; daher der Name Fetischbaum. -Östlich vom Seengebiet wird er nicht mehr im wilden Zustande -aufgefunden. Hier vertritt ihn die verwandte ~Kigelia aethiopica~. - -An der feuchtheißen Westküste des tropischen Afrika, von Oberguinea -(Sierra Leone) bis zur Kongomündung, wächst in den Küstenurwäldern -und landeinwärts bis 360 km von der Küste der +Kolabaum+ (~Cola -acuminata~). Es ist dies ein 10-18 m hohes Gewächs mit glänzenden, -lederartigen Blättern und getrenntgeschlechtigen, gelben Blüten, die in -Rispen wie beim Kakao oft unmittelbar aus dem Stamm oder aus älteren -Zweigen entstehen. Nach der Befruchtung bilden sich aus ihnen die aus -4-6 Kapseln bestehenden Früchte, die sternförmig um den Fruchtstiel -angeordnet sind. Jede Kapsel enthält bis zu sechs fast kastaniengroße, -etwa 30 g schwere rötlich-braune Samen. Letztere schmecken stark -bitter, besitzen aber einen Gehalt von 2,4 Prozent Koffein und 0,023 -Prozent Theobromin, wodurch sie anregend auf das Nervensystem und die -Muskulatur bei Ermüdung wirken. Deshalb werden sie eifrig von den -Negern gesammelt und gekaut, wie die Peruaner zu demselben Zwecke die -Blätter der Kokapflanze kauen. Auf ihren langen, oft Monate dauernden -Handelsreisen durch schwach bevölkerte Gebiete würden die Eingeborenen -ohne den Genuß der Kolanüsse nicht auskommen, der ihnen für lange -Zeit das Gefühl von Hunger und Durst unterdrückt und sie zugleich vor -Ermüdung schützt. - -Wegen dieser seiner hochgeschätzten Früchte wird der Kolabaum, wie -auch ein Verwandter, +Cola macrocarpa+, seit langem von den Negern -angepflanzt und werden seine Früchte, die Kola- oder Gurunüsse, als -gesuchter Handelsartikel weithin durch ganz Zentral- und Nordafrika -in Tausch gebracht. Denn außer den anregenden und die Müdigkeit -beseitigenden Stoffen enthalten sie in beträchtlicher Menge auch -wirkliche Nährstoffe, wie Eiweiß, Stärkemehl und Zucker. Den größten -Kolahandel betreibt das Hinterland der Goldküste, vor allem die -Landschaft Gondja. Von hier aus gelangen die Kolanüsse vor allem nach -dem Sudan, jedoch selten oder gar nicht nach Europa. In Deutsch-Togo -und Kamerun sind neuerdings auch von Europäern Kolapflanzungen angelegt -worden und die Ausfuhr der Kolanüsse, die im Jahre 1907 in Kamerun -schon einen Wert von 21000 Mark darstellte, dürfte in der Zukunft -bedeutend steigen, da sie in der Heilkunde eine zunehmende Wichtigkeit -erlangt haben. Man stellt daraus Kolapillen, Kolapastillen, Kolawein, -dann Tinkturen, Extrakte und Liköre her, die bei Nervenschwäche -und in der Rekonvaleszenz von Krankheit gute Dienste leisten, auch -für Sportsleute bei anstrengenden Kraftleistungen unentbehrlich -sind. Deshalb wird neuerdings die Einführung der Kolapräparate als -Stärkungsmittel bei der Armee zur Erlangung höchster Marschleistungen -versucht. Am besten wird die gemahlene Nuß dem Kakao beigemischt und -mit Gewürzen aller Art und Zucker zu einer Kolaschokolade verarbeitet. -Auf diese Weise bekommt man ein Anregungs- und Stärkungsmittel, das -zugleich ein Nahrungsmittel ersten Ranges darstellt, da es unmöglich -ist, in konzentrierterer Form als in ihr Nährstoffe auf engstem Raume -darzubieten. Als Kaffee-Ersatz eignen sich die Kolanüsse trotz ihres -hohen Koffeingehaltes, der sogar höher als selbst beim Kaffee ist, -nicht, da beim Rösten derselben etwa die Hälfte des Koffeins verloren -geht. - -Durch Negersklaven ist der Kolabaum zu Anfang des vorigen Jahrhunderts -auch nach Amerika verpflanzt worden. Dort wird er jetzt, besonders -auf den Antillen, vielfach und mit gutem Erfolge auch von den Weißen -angebaut. Der Baum liefert vom 8.-10. Jahre an volle Erträge, bestehend -in etwa 4000 Nüssen jährlich. Auf dieser Höhe des Ertrages hält er sich -bis zum 50. Jahre. Westindische Pflanzer sind der Ansicht, daß, wenn -der Preis der Kolanüsse nur die Hälfte des Kaffeepreises erreichen -würde, die Kolapflanzungen einträglicher als die Kaffeeplantagen wären. - -Ein anderer großer Baum des tropischen Westafrika, die Intsia africana, -liefert über 20 cm lange scharlachrote, bohnenartige Hülsen, deren -fleischige Samenmäntel namentlich von den Eingeborenen gerne gegessen -werden. Eine weitere baumartige Leguminose des tropischen Afrika, die -heute in der gesamten Tropenwelt kultiviert wird und sich daselbst -auch vielfach verwildert vorfindet, ist die +Tamarinde+ (~Tamarindus -indica~), die gleichfalls Hülsen, und zwar von 14 cm Länge, mit -angenehm säuerlichem Fruchtfleisch entwickelt. Dieses letztere ist sehr -erquickend und leicht verdaulich, wirkt aber schwach abführend und -wird daher auch als Arzneimittel -- meist in Form von Pastillen -- -verwendet. In Ostindien werden auch die übrigens wenig schmackhaften -Samen besonders in Zeiten der Not geröstet oder gekocht gegessen. - -Aus seiner engeren Heimat in Zentralafrika im Gebiet des oberen Nil -gelangte der Tamarindenbaum schon sehr früh ins obere Niltal und -wurde auch unter dem Namen ~nutem~, was „Schotenbaum“ im allgemeinen -bedeutet, von den alten Ägyptern kultiviert. Sein Fruchtmus wurde nach -dem Papyrus Ebers bereits als Abführmittel verwendet. Eine größere -Bedeutung erlangte er in Ostindien, wohin er in früher Vorzeit kam und -als geschätzter Frucht- und Schattenspender willkommen geheißen wurde. -Von dorther lernten die Araber seine Früchte kennen und gaben ihm den -Namen, den er in Europa besitzt; denn die arabischen Ärzte machten das -daraus hergestellte Fruchtmus als leichtes, angenehmes Abführmittel -zuerst im Abendlande unter der Bezeichnung Tamarinde bekannt. Letzteres -stammt aus dem Arabischen und ist aus ~tamr~ (hebräisch ~tamar~) -Dattelpalme und ~hindi~ indisch entstanden, bedeutet also indische -Dattel, offenbar infolge der Ähnlichkeit des Fruchtmuses beider -Pflanzen. Sie muß schon sehr früh nach Indien gekommen sein und wurde -dort als Schattenbaum in der Nähe der Häuser und den Straßen entlang -kultiviert, da sie schon in der alten Sanskritliteratur mehrere Namen -besitzt. Die Griechen und Römer kannten die Tamarinde und deren Mus -noch nicht. Als Amerika entdeckt wurde, folgte sie der Völkerwanderung -nach dem neuen Erdteil und wurde namentlich in Westindien willkommen -geheißen. Später verbreitete sie sich über die Südseeinseln, wo sie -zwar nicht überall, aber doch auf den größeren Eilanden hier und da -zu finden ist. Sie fehlt nur in wenigen tropischen Gegenden, und -zwar solchen, die weitab vom großen Verkehr liegen, wie Neuguinea -und im Innern Brasiliens. Überall ist sie der beliebteste Alleebaum, -der außer den Früchten, die gedörrt oder in Form von Mus besonders -aus Ost- und Westindien, wie auch Ekuador in den Handel kommen, auch -durch sein schweres Holz sehr nützlich ist. Infolge seiner schönen -Maserung und Farbe ist es für Möbel sehr geschätzt, dient aber auch -zur Herstellung von allerlei Werkzeugen und Stampfmörsern für Reis und -Ölfrüchte. In Form von Holzkohle ist es ein vorzügliches Rohmaterial -für Schießpulver. Die Tamarinde wird aus Samen gezogen und wächst auf -jedem Boden, ausgenommen sumpfigem. - - Tafel 37. - -[Illustration: - - (Nach Photogr. von W. Busse in „Karsten u. Schenck, - Vegetationsbilder“.) - -Im Vordergrund Kolabäume, dahinter Pandanus und Ölpalmen bei Mokundange -in Kamerun. Über den Wolken ist der kleine Kamerunberg sichtbar.] - - Tafel 38. - -[Illustration: Frucht des Durian (~Durio zibethinus~) auf Ceylon. - -Fruchtzweig der Mangostane (~Garcinia mangostana~). - -(Beide nach einer in der Sammlung des botan. Institutes der Universität -Wien befindlichen Photographie.)] - -Im tropischen Westafrika heimisch ist der 10-20 m große, durch eine -sehr reiche Fruchtentwicklung ausgezeichnete +Akeebaum+ (~Blighia -sapida~), dort Amejichian genannt. Auf einem Sklavenschiffe nach -Amerika gebracht, hat sich der Baum auf den westindischen Inseln und in -Venezuela unter dem Namen ~akee~ sehr verbreitet und wird heute seiner -Früchte wegen in großem Maße kultiviert; diese stellen mandelartige, -aber fast zur Hälfte von einem dicken, weißen Samenmantel umgebene -Bohnen dar. Zu dreien liegen sie in einer dreifächerigen, an ihrer -Spitze dreiklappig aufspringenden Kapsel. Ihr Samenmantel ist von -äußerstem Wohlgeschmack und wird im tropischen Amerika an Stelle von -Eierspeisen aufgetischt. - - Tafel 39. - -[Illustration: Ananaspflanzung auf Jamaika. - -Allee von Tamarindenbäumen in Surabaya auf Ostjava.] - - Tafel 40. - -[Illustration: Melonenbaum in Surabaya an der Nordküste der Insel Java.] - -Aus der Familie der Ebenholzgewächse liefern eine ganze Reihe von -Arten der Gattung der +Götterpflaumenbäume+ (~Diospyros~) in den -Tropen der alten und neuen Welt geschätzte Früchte und werden deshalb -vielfach angebaut. Der bekannteste darunter ist der in Japan heimische -+Kakibaum+ (~Diospyros kaki~), dessen orangengroße, prächtig gelb oder -rötlich gefärbte, angenehm süß schmeckende Beerenfrüchte das wichtigste -Obst in Japan und China darstellen. Neuerdings werden sie vielfach -auch in Italien angepflanzt, wo sie noch an den oberitalienischen -Seen gedeihen. Von dort gelangen sie als beliebtes Obst in unsere -Südfruchthandlungen. Wegen ihres reichen Gehaltes an Gerbstoff dürfen -sie nicht mit eisernen Messern geschnitten werden. Derselbe bedingt die -Verwendung ihres Saftes in Ostasien zum Dauerhaftmachen von Netzen und -Fischereigerät, von Packpapier und Anstrichfarben. - -Außer diesen Götterpflaumen ist in Ostasien auch der die +chinesischen+ -oder +japanischen Haselnüsse+ liefernde +Litschibaum+ (~Litchi -chinensis~) ein wichtiger Obstspender, der seiner äußerst angenehm -schmeckenden Nüsse wegen in vielen Varietäten kultiviert wird. Er -ist ein etwa 6 m hoher Baum aus der Familie der Sapindazeen oder -Seifenbaumgewächse mit zwei- bis dreijochig gefiederten, lanzettlichen, -oben glatten Blättern, gestielten Blüten in Rispen und 4 cm dicken, -eiförmigen, rotbraunen, mit zahlreichen annähernd sechseckigen Schilden -bedeckten Früchten, die in der Mitte je eine kurze Erhabenheit -tragen. Der braune Same ist vom saftreichen Samenmantel umhüllt. Der -ursprünglich in China und auf den Philippinen heimische Baum wird -nicht nur in ganz Ostasien, sondern auch in Westindien und anderen -Tropengebieten kultiviert. - -Im nördlichen Südamerika heimisch, wo sie noch zahlreich in einer -Form mit kleineren Früchten wildwachsend in den Küstengebieten -angetroffen wird, und von da noch vor der Entdeckung des neuen -Weltteils überall im tropischen Amerika angepflanzt, so daß sich -zahlreiche Kulturvarietäten ausbildeten, ist die +Ananas+ (~Ananassa -sativa~). Sie wird je nach den Sorten 0,5-1,25 m hoch und entwickelt -Früchte von 2-12 und sogar 15 kg Gewicht, letzteres aber nur bei sehr -sorgfältiger Kultur; wird diese vernachlässigt, so sinkt das Gewicht -von 2 auf 1 kg und von 12 auf 5 kg und noch weniger. Die Farbe der -Früchte ist purpur-, scharlach- oder schwarzrot, gelb, grün oder weiß -in den verschiedensten Schattierungen. Aus einer Rosette von 0,3-0,8 m -langen, steifen, gezähnten Blättern wächst ein kurzer Fruchtstengel -heraus, der in einen Blütenzapfen endigt und daher nur +eine+ Frucht -trägt. Aus ihrem brasilianischen Namen ~nana~ bildeten die Portugiesen -die Bezeichnung Ananas, während die Spanier sie wegen der Ähnlichkeit -der Frucht mit einem Pinienzapfen ~pinas~ nannten. Christoph Kolumbus -lernte sie auf seiner zweiten Reise im Jahre 1493 auf der westindischen -Insel Guadeloupe kennen. Alle Schriftsteller, die zuerst über Amerika -schrieben, erwähnen sie; so gibt der Spanier Hernandez de Oviedo in -seiner 1535 erschienenen Naturgeschichte Indiens die erste Beschreibung -und Abbildung der Pflanze und sagt, daß sie in den warmen Gegenden -von Tahiti und Mexiko wachse, und Geronimo Benzone meint in seiner -1568 erschienenen Geschichte der Neuen Welt, keine Frucht auf Gottes -Erdboden könne angenehmer sein als sie. Bei den Azteken hieß sie -~matzatli~. Die erste Ananas kam im Jahre 1514 nach Spanien. Als man -einmal eine solche Karl V. zu kosten geben wollte, mißtraute er der -Sache und wollte die Frucht durchaus nicht kosten. Im Jahre 1592 kam -die Pflanze nach Bengalen, bald darauf nach Südchina. Schon vorher -war sie durch die Portugiesen nach Java gelangt, wo sie 1599 bereits -eingebürgert war und von da aus gelegentlich auch nach Europa gebracht -wurde. Heute ist sie über die ganze Tropenwelt verbreitet. - -Die ersten Kulturversuche in Europa in Treibhäusern schlugen fehl, -bis zu Ende des 16. Jahrhunderts der holländische Kaufmann Le Cour im -Gewächshause seines Gartens zu Driehock bei Leiden die ersten eßbaren -Früchte erzielte. In Deutschland gewann Kaltschmidt in Breslau 1703 -die erste reife Frucht. Bald hernach hat sie in diesem Lande Wilh. -Weinmann in Wort und Bild beschrieben und populär gemacht, so daß -sie in der Folge mehrfach auch bei uns ihre überaus aromatischen -Früchte reifte, die roh mit Zucker genossen oder zu Bowlen verwendet -sehr geschätzt werden. Ihr Saft, der in den Tropen vielfach auch zu -Wein und Branntwein verarbeitet wird, enthält ein sehr wirksames, -Bromelin genanntes Ferment, das bei 40-50° C. Fleisch löst und es in ein -haltbares Pepton verwandelt. Deshalb benützen die Neger Westindiens -den Ananassaft gegen Diphtherie, wie die Amerikaner und nach ihnen die -Europäer den Saft der Früchte des gleich zu besprechenden Melonenbaums -zu demselben Zwecke anwandten. - -Die Früchte der wilden Ananas sind viel kleiner und bedeutend weniger -schmackhaft als die äußerst aromatischen kultivierten, die über 15 -Prozent Zucker enthalten und als Zeichen einer sehr alten Kultur meist -keine Samen mehr bilden. Nur eine weiße verwilderte Art in Ostindien -entwickelt in ihren Früchten noch welchen. Sie wird in mehreren -bezüglich Gestalt, Größe, Farbe und Geschmack der Früchte verschiedenen -Spielarten gezogen, von denen bei der Entdeckung Amerikas bereits drei -vorhanden waren. In Brasilien gedeiht sie am besten. In Peru wird aus -ihrem Safte ein sehr wohlschmeckendes weinartiges Getränk bereitet. Die -Vermehrung erfolgt nur auf vegetativem Wege entweder durch Schößlinge -des ausdauernden Wurzelstocks oder noch besser durch den aus der -fleischigen Fruchtachse vorsichtig herausgedrehten Blätterschopf, -den man einfach kurz vor der Regenzeit in den gut gedüngten Boden -steckt, worauf die Frucht nach einem Jahre geerntet werden kann. -Merkwürdigerweise geben die als Stecklinge gepflanzten Blätterschöpfe -der Früchte viel gewürzreichere und süßere Früchte als die aus den -Wurzelstöcken entstandenen Sprosse. Nur wenn letztere frühzeitig von -der Mutterpflanze losgelöst und sorgfältig angepflanzt werden, tragen -sie ebenfalls gute Früchte. Die Blätter enthalten ein sehr feines und -festes, als +Pitafaser+ bezeichnetes Gespinnstmaterial, derentwegen die -Pflanze jetzt ebenfalls umfangreich kultiviert wird, und zwar besonders -in Westindien und den Bahamainseln, die Millionen von Früchten nach -Nordamerika und Europa auf den Markt bringen. Da sie aber unreif -gepflückt werden müssen, um den Transport möglich zu machen, so haben -sie bei uns lange nicht das feine Aroma, das ihnen nur dann zukommt, -wenn sie vollreif geerntet werden können. - -Eine weitere, ebenfalls für das gesamte Tropengebiet von der größten -Bedeutung gewordene Obstpflanze des tropischen Amerikas ist der -+Papai+ oder +Melonenbaum+ (~Carica papaya~), ein naher Verwandter -der Passionsblumengewächse, den die Karaiben Westindiens ~ababai~ -nannten. Vor der Ankunft der Europäer wurde er in Brasilien, auf -den Antillen und besonders in Mexiko angepflanzt. Es ist dies ein -getrennt geschlechtlicher, 6-9 m hoher, schlanker, unverzweigter, fast -staudenartiger Baum, der ungemein schnell aus den Samen schießt, das -ganze Jahr hindurch blüht und Früchte trägt, aber schon im vierten -Jahre abstirbt. Der Stamm, dessen Holzkörper von einem gelben, bitteren -Milchsaft strotzt, trägt an der Spitze einen Schopf langgestielter, -handförmig gelappter Blätter. Zwischen diesen letzteren sind die -männlichen oder weiblichen halbfingerlangen, weißen Blüten angebracht, -von denen letztere nach der Befruchtung einfächerige, vielsamige, -fleischige Beeren von Form und Größe einer Melone hervorbringen, die -wegen ihres wohlschmeckenden, zuckerreichen Fruchtfleisches so beliebt -sind, daß der Baum kurze Zeit nach der Entdeckung Amerikas über das -ganze Tropengebiet verbreitet wurde. Das 2 cm dicke, fast butterartige, -etwas mehlige, rotgelbe, wohlschmeckende Fruchtfleisch bildet eine -Höhlung, deren innere Wand von zahlreichen braunen oder braun-grünen -Samen ausgekleidet wird, die wegen ihres starken Kressengeschmacks vor -dem Genusse der Früchte entfernt werden müssen. Doch sind letztere -heute durch Kulturauslese so weit verbessert worden, daß die besseren -Sorten vollständig samenlos geworden sind. Man ißt sie roh mit Zucker, -auch gekocht und eingemacht; die unreifen Früchte werden wie bei uns -die Gurken mit Salz und Essig eingemacht oder in Stücke geschnitten -wie Gemüse zubereitet. Der nicht bloß in den Früchten, sondern auch in -allen übrigen Teilen der Pflanze, besonders den Blättern, enthaltene -Milchsaft besitzt zu 50 Prozent ein pepsinartiges Ferment, das Eiweiß -verdaut. Es ist dies das Papain, das in neuerer Zeit statt Pepsin bei -Verdauungsschwäche gegeben wird, wie es eine Zeitlang bei Diphtherie -zur Auflösung der Membranen durch Bepinselung damit benützt wurde. -Überall dort, wo die Pflanze kultiviert wird, besonders in ihrer -Heimat, dem tropischem Amerika, setzt man frisch geschlachtetem und -sonst zähem Fleisch etwas Blätter oder Milchsaft des Melonenbaums beim -Kochen hinzu, wodurch es alsbald weich und leicht verdaulich wird. - -Wie bei vielen Kulturpflanzen ist auch die Stammpflanze des -Melonenbaums nicht bekannt. Sehr wahrscheinlich ist diese Nutzpflanze -ein Kreuzungsprodukt mehrerer Arten, die in den feuchten Gebirgstälern -des nördlichen Südamerikas und Mittelamerikas wild vorkommen. Es gibt -dort noch manche Formen, deren Früchte sogar ein bei weitem feineres -Aroma als diejenigen des gewöhnlichen Melonenbaums besitzen. Dahin -gehört z. B. die köstliche Chamburu der tieferen Lagen der Anden von -Ekuador. Von Brasilien bis Westindien ist der als Mamão bezeichnete -Melonenbaum ein sehr geschätzter Obstbaum, der von den Indianern und -zugewanderten Weißen und Schwarzen wie die Banane neben ihren Häusern -gezogen wird. Seine Übertragung nach Ostindien und der malaiischen -Inselwelt durch die Portugiesen muß schon im 16. Jahrhundert erfolgt -sein; bereits im Jahre 1626 kamen Samen von ihm aus Ostindien nach -Neapel. Seine weitere Verbreitung über die ganze Tropenwelt der Erde -erfolgte in den beiden letzten Jahrhunderten. - -Im tropischen Südamerika wie auch im gegenüberliegenden Teile -Westafrikas sind die gelben, roten oder schwarzen +Icacopflaumen+ (von -~Chrysobalanus icaco~) heimisch, die sowohl frisch, als eingemacht -trotz ihres etwas herben Beigeschmackes gerne von den Eingeborenen -und ansässigen Weißen gegessen werden. In Westindien hat der 19 -bis 22 m hohe, zu den Guttiferen gehörende +Mammeibaum+ (~Mammea -americana~) mit breit ausladender Krone seine Heimat, der wegen seiner -wohlschmeckenden, über faustgroßen, rötlichgelben Früchte ebenfalls -seinen Weg über das Tropengebiet beider Hemisphären fand. Sie, die -meist Mammeiäpfel genannt werden, obschon sie mit den Äpfeln nichts -zu tun haben, enthalten in einer dicken, bitter schmeckenden Rinde -ein goldgelbes, den Aprikosen ähnlich schmeckendes Fleisch und werden -deshalb überall, wo der Baum angepflanzt wird, roh oder als Marmelade -gerne gegessen. - -Ebenfalls in Westindien und im nördlichen Südamerika heimisch ist -die Sapotazee ~Lucuma mammosa~, ein Milchsaft führender Baum, der -eiförmige, an Geschmack den Bergamottbirnen ähnliche Früchte reifen -läßt, die als +Mammeizapote+ oder +surinamsche Mispeln+, in Peru als -Lucuma, in ganz Mittel- und Südamerika, wo der Baum häufig angepflanzt -wird, viel gegessen werden. Ein in denselben Gegenden wild wachsender -und auch häufig angebauter Baum ist der ihm sehr nahe verwandte -+Breiapfelbaum+ (~Achras sapota~), in seiner Heimat Zapota, von -den Spaniern dagegen ~nispero~, d. h. Mispel genannt, der eine der -bevorzugtesten Tropenfrüchte liefert, deren süßes, weiches Fleisch -von sehr angenehmem Geschmacke ist. Deshalb wird er auch sonst in -den heißesten Landstrichen der Erde allgemein kultiviert. Besondere -Wertschätzung genießen die 4 cm dicken Früchte bei den Brasiliern, die -aus ihm ein sehr wohlschmeckendes Mus bereiten, das auch exportiert -wird. Da die Fledermäuse sehr lüstern über sie herfallen, wenn sie zu -reifen beginnen, werden sie meist schon vor der Reife abgenommen, um -sie auf dem Lager nachreifen zu lassen. - -Derselben Familie der milchsaftführenden Sapotazeen, von denen uns -Artgenossen der malaiischen Inselwelt das wertvolle Guttapercha -liefern, gehört der +Sternapfelbaum+ (~Chrysophyllum cainito~) an, -dessen purpurrote, glatte, runde, süße Früchte ein von den Antillen -über das tropische Amerika und die übrige heiße Zone verbreitete -Delikatesse bilden. Der Lieferant dieses wohlschmeckenden Obstes -ist ein schöner Baum von 9-12 m Höhe mit großen, auf der Unterseite -goldglänzenden Blättern (daher auch der Name Goldblattbaum) und -kleinen purpurroten Blüten. Nicht minder beliebt ist der gleichfalls -in Westindien heimische +Marmeladeapfel+ (~Vitellaria mammosa~). -Nahe Verwandte haben sehr ölreiche Samen wie beispielsweise der -westafrikanische +Butterbaum+ (~Butyrospermum parkii~), der die später -zu besprechende Schibutter liefert. - -Ebenfalls in Westindien heimisch ist der +Acajoubaum+ (~Anacardium -occidentale~), der auch nach Brasilien und Westafrika verbreitet -wurde und besonders im Kongogebiet vielfach angepflanzt wird. Der -ziemlich hohe, mit umgekehrt eiförmigen Blättern bedeckte Baum erzeugt -Früchte, welche großen Bohnen gleichen. Sie sind dadurch ungemein -auffällig, daß ihr Stiel zur Zeit der Reife mächtig anschwillt und -einen etwa 8 cm langen, birnförmigen, fleischigen Körper bildet, -der süßsäuerlich schmeckt und als erfrischendes Obst gerne gegessen -wird. Die eigentliche Früchte kommen unter dem Namen „amerikanische -Elefantenläuse“ in den Handel. Sie enthalten einen sehr ölreichen, -geröstet eßbaren Samen, der aber von einer Schale umschlossen wird, -die in zahlreichen Höhlungen ein äußerst scharfes, an der Luft -schwarz werdendes Öl enthält. Von diesem auf der äußeren Haut leicht -Entzündungen und Blasen erzeugenden Reizstoffe macht man in der -Tierarzneikunde Gebrauch. - -Zu den Myrtengewächsen gehört die ursprünglich ebenfalls im -tropischen Amerika heimische und von da über den ganzen Tropengürtel -verbreitete +Guajave+ (~Psidium guajava~), deren bald birn-, bald mehr -apfelförmige, beerenartige, grüne oder gelbe Früchte von Pfirsichgröße -mit einem goldgelben bis rosenroten, süßsäuerlichen, angenehm -schmeckenden Fruchtfleisch erfüllt sind und sehr gerne teils roh, teils -gekocht als Kompott oder Marmelade gegessen werden. Auch wird ein -sehr geschätztes Gelee von ihnen gewonnen. Besonders eignet sich dazu -die Schale und das Innere der Frucht, das mit etwas lästigen kleinen -Kernen, wie bei den Johannisbeeren, erfüllt ist. Überall in den Städten -Südamerikas kauft man als dulce eingekochtes Guajavenmus, das, in -kleine Blechkisten gefüllt, allenthalben auf den Straßen der Städte -feilgeboten wird. - -Dieselbe Heimat wie die Guajaven haben die mit den Magnolien nahe -verwandten +Gewürz-+ oder +Zimtäpfel+ (~Anona squamosa~), die bis 2 -kg schwer werden und ein starkes, gewürziges Aroma besitzen. Obschon -sie einen stark zusammenziehenden Terpentingeschmack aufweisen, an -den sich der europäische Gaumen erst gewöhnen muß, steht dieses Obst -doch überall in hoher Gunst und wird etwa auch einmal in unseren -Delikateßläden angeboten. - -In die Familie der Lorbeergewächse endlich gehört ein hoher Fruchtbaum -mit schönen Lorbeerblättern, ~Persea gratissima~, der ursprünglich -gleichfalls im tropischen Amerika heimisch war und besonders von -den alten Mexikanern kultiviert wurde, jetzt aber überall in den -Tropen gezogen wird und selbst noch in Südspanien aushält. Die -olivengrüne, birnförmige Frucht erreicht eine Länge von 10 cm und -enthält ein weißes, sehr stark aromatisches, zucker- und fettreiches -Fruchtfleisch, das man allein, oder mit Kognak oder Sherry übergossen, -sehr gerne genießt. Bei den Mexikanern hieß die Frucht ~ahuaca~ oder -~aguacate~, daraus machte man Avagatobirne, endlich Advokaten- und -sogar Alligatorbirne. An diesem Beispiel sieht man wie merkwürdige -Verballhornisierungen einheimischer Bezeichnungen entstehen, wenn -fremde Zungen sie sich zurecht legen. - -Endlich sei noch als wichtiger Fruchtbaum Indonesiens und Polynesiens -der von den Kanaken auf Hawai (Sandwichinseln) ~ohia~, von den Malaien -Sumatras dagegen ~jambo~ genannte Baum mit apfelartigen Früchten -(~Metrosideros polymorpha~) genannt. - -Selbstverständlich gibt es außer den genannten Obstarten noch eine -Menge anderer, denen aber keine so große Bedeutung zukommt wie diesen. -Doch wird diese kurze Aufzählung der wichtigsten Tropenfrüchte genügen, -um zu zeigen, welche Fülle herrlicher Früchte das das Pflanzenleben -in hohem Maße begünstigende Sonnenlicht innerhalb der Wendekreise -hervorbringt. Wie überaus ärmlich ist dagegen die ursprünglich in -Europa heimische Fruchtvegetation, bevor sie durch den Import aus -Westasien in unvergleichlicher Weise bereichert wurde. Unser Kontinent -mit seinem niederschlagsreichen, mit Nebel und Winterkälte reichlich -bedachten Waldklima besaß in der Vorzeit außer den Beerenfrüchten -der Waldlichtungen wie Erdbeere, Brombeere, Himbeere, Heidelbeere, -Preiselbeere und Moosbeere, welch letztere in Sümpfen und Torfmooren -wächst, nur Holzapfel und Holzbirne, Schlehe und Vogelbeere, die faden -Früchte von Weiß- und Rotdorn, die Vogelkirschen und Haselnüsse. Auch -das waldbedeckte Italien und Griechenland, in das die Viehzucht und -Ackerbau treibenden Stämme der Italiker und Hellenen einzogen, barg -durchaus nicht mehr als diese hier aufgezählten ärmlichen Fruchtarten. -Alles andere, ohne das wir uns diese sonst klimatisch so bevorzugten -Landstriche gar nicht vorstellen können, hat noch vor dreitausend -Jahren und weniger jenen Gegenden vollkommen gefehlt. Da erntete man -nicht bloß zum Genusse der als Haustiere in eingehegten Plätzen um die -Hütten der Menschen gehaltenen Schweine, sondern auch für die Menschen -die eiweißreichen, aber herben Eicheln und die ölreichen Bucheckern, -die man zerrieben und mit Wasser angemacht zu Brot und Fladen buk. - -Niemand würde glauben, daß die Edelkastanien und Walnüsse, die heute -als selbstverständliche Produkte des warmen Südeuropas angesehen -werden, auch hier erst verhältnismäßig spät eingebürgerte Fremdlinge -sind. Wie die großen Haselnüsse als pontische Nüsse, gelangten auch -die Kastanien und Walnüsse als persische oder königliche Nüsse, -weil sie aus Lydien, also einer Gegend stammten, die dem persischen -Könige untertan war, nach Griechenland. Und als diese überseeischen -Schalenfrüchte, die in Säcken auf den Markt, z. B. von Athen, -gelangten, schon längst hier eingebürgert waren, schwankte noch -ihre Benennung so sehr, daß der populäre Name „Zeus-Eichel“, ~Diós -bálanos~, der in Griechenland meist die Kastanie bezeichnete, in -der entsprechenden lateinischen Form ~juglans~ (~Jovis glans~ = -Jupiterseichel) die Bedeutung Walnuß erhielt. - - Tafel 41. - -[Illustration: Melonenbäume, Kaffeestauden und andere Kulturpflanzen -der Tropen im Gewächshaus der deutschen Kolonialschule in Witzenhausen -a. d. Werra.] - - Tafel 42. - -[Illustration: Fruchtladen auf Ceylon mit einheimischen Früchten, an -der Schnur hängt eine Bananenstaude. - -Fruchtladen in Südindien, oben hängen Ananas und Bananen, rechts an die -Wand gelehnt ein Haufen Zuckerrohrstengel.] - -In ihrer nördlicheren Urheimat bezeichneten die Griechen mit dem Worte -~bálanos~, wie die Römer mit ~glans~, die einst auch dem Menschen zur -Nahrung dienende Eichel, von der noch der einer hochkultivierten Zeit -angehörende Plinius in seiner Naturgeschichte sagt: „Eicheln machen den -Reichtum vieler Völker aus. Bei Getreidemangel werden sie getrocknet, -gemahlen und zu Brot verbacken; in Spanien werden auch Eicheln zum -Nachtisch aufgetragen. In Asche gebraten schmecken sie besser.“ Damit -sind jedenfalls die Früchte der in Italien und auf der Iberischen -Halbinsel wachsenden Speiseeiche (~Quercus esculus~) gemeint, während -in Griechenland die Knoppereiche (~Quercus aegilops~) eine für -anspruchslose Menschen eßbare und noch jetzt vom Landvolk gegessene -Eichel hervorbringt. In der älteren Zeit wurden diese Eicheln nicht nur -in Zeiten des Getreidemangels, sondern regelmäßig gegessen. So sagt -der aus Askra in Böotien gebürtige griechische Dichter Hesiod im 8. -Jahrhundert v. Chr.: „Wo gerechte Menschen wohnen, da ist Hungersnot -unbekannt. Ihnen geben die Götter reichlichen Unterhalt, Eichen -(~drýs~), die mit Eicheln (~bálanos~) beladen sind, Honig, Schafe.“ -Und Herodot im 5. vorchristlichen Jahrhundert schreibt in seiner -Geschichte: „Nach dem Tode des (um 820 v. Chr. lebenden Königssohns, -der Sparta Gesetze gab und es dann verließ, ohne je wieder dahin -zurückzukehren) Lykurgos wurden die Spartaner bald mächtig, bekamen -Lust zu Eroberungen und fragten in Delphi an, ob sie wohl Arkadien -(nördlich von Lakonien, dessen Hauptstadt Sparta war) erobern könnten. -Die Pythia antwortete: ‚In Arkadien wohnen viel eichelverzehrende -Männer, die werden euch zurückschlagen.‘“ - -Als die Griechenstämme in Hellas einwanderten, übertrugen sie -begreiflicherweise das alte Wort ~bálanos~ (Eichel) auf verschiedene -neue Früchte, unter denen sich auch die wilde +Edelkastanie+ (~Castanea -esculenta~) befand. Dieser Baum ist in einer kleinfrüchtigen Form -in ganz Südeuropa heimisch und tritt uns auch weiter nördlich schon -in vorgeschichtlicher Zeit entgegen. So finden wir sein Holz in -Norditalien bei der Herstellung der bronzezeitlichen Pfahlbauten und -Terramaren verwendet, und in den verkohlten Überresten der Terramaren -der ältesten Eisenzeit aus dem Beginne des letzten vorchristlichen -Jahrtausends ließen sich seine Früchte ebenfalls nachweisen. Auch -auf der Iberischen Halbinsel reicht der Nachweis des Vorkommens von -Kastanien bis in die Übergangszeit von der Stein- zur Bronzezeit -zurück. Da nun die Früchte dieses Wildlings von den alten Griechen so -wenig als von der heutigen Bevölkerung Griechenlands gegessen wurden, -empfanden sie auch keinerlei Bedürfnis, diese Früchte mit besonderem -Namen zu belegen. Erst als großfrüchtige ausländische Sorten in -Griechenland aufkamen, mußte man unterscheidende Bezeichnungen für sie -schaffen. Dabei behalf man sich damit, daß man sie zunächst einfach -nach den Ländern ihrer Herkunft benannte. - -Noch der hochgebildete Xenophon, ein Schüler des Sokrates, kannte -keinen Namen für diese Früchte, als sie ihm im Hochlande von Armenien -zuerst unter die Augen kamen. Als er im Jahre 400 v. Chr. die -zehntausend Mann griechischer Soldtruppen, die dem jüngeren Kyros -gegen dessen Bruder Artaxerxes Mnemon zu Hilfe gezogen waren, nach -der unglücklichen Schlacht bei Kunaxa über das armenische Hochland -zum Schwarzen Meere und von da nach Byzanz zurückführte, fand er im -Lande der Mosynoiken bei Trapezunt „unter den Dächern der Häuser große -Vorräte von breiten Nüssen, welche durchaus keinen Einschnitt hatten. -Diese Früchte bildeten das wichtigste Nahrungsmittel der Einwohner -und wurden teils gekocht, teils zu Brot verbacken.“ Daß Xenophon bei -der Umschreibung der Kastanien als „breite Nüsse ohne Ritze“ an die -Walnüsse zum Vergleiche gedacht hat, ist offenkundig. Merkwürdig aber -bleibt unter allen Umständen die Tatsache, daß er kein besonderes Wort -für diese ihm fremdartig vorkommenden Früchte anzugeben weiß. - -Nach dem trefflichen Pflanzenkundigen Theophrast (390-286 v. Chr.) -scheint die einheimische Benennung der Kastanie Zeus-Eichel (~Diós -bálanos~) gewesen zu sein. Und als großfrüchtige Kastanien aus den -Ländern am Südrande des Schwarzen Meeres nach Griechenland importiert -wurden, erhielten sie die Bezeichnung Eicheln oder Nüsse aus Herakleia, -Sinope oder Paphlagonien, oder auch sardische Eicheln, nach Sardes, der -Hauptstadt von Lydien. Letztere Bezeichnung gebraucht beispielsweise -der aus Sinope stammende, als Dichter der neuattischen Komödie im -3. vorchristlichen Jahrhundert in Athen lebende Diphilos, der sagt: -„Die Eicheln von Sardes sind sehr nahrhaft und gesund, doch schwer zu -verdauen, namentlich in rohem Zustande“. Sein Zeitgenosse Nikander -bezeichnet sie zum erstenmal mit dem Namen, der ihnen später haften -bleiben sollte; er nennt sie nämlich „kastanische Nüsse“, doch wußte -niemand später anzugeben, wo das Land Kastanis liege. Heute wissen -wir, daß diese Bezeichnung gar nicht auf eine geographische, sondern -auf eine sprachliche Benennung zurückgeht, die dem Kastanienbaum -im Armenischen zukam. ~Kaskeni~ bedeutet nämlich im Armenischen -Kastanienbaum und ~kask~ Kastanie. Aus ersterem entstand dann die -griechische Bezeichnung „kastanische Nuß“ (~kastanaikón káryon~) -und später mit Weglassung des Wortes Nuß einfach ~kastánaion~ oder -~kástanon~. Letztere Bezeichnung treffen wir beispielsweise in dem -Buche des Atheners Mnesitheos, der nach dem um 200 n. Chr. lebenden -Athenaios sagt: „Die Kastanien (~kástanon~) heißen auch euböische -Nüsse; sie sind schwer zu verdauen, machen aber diejenigen, die sie gut -verdauen können, fett. Übrigens sind sie gleich anderen Nüssen gekocht -oder geröstet eine viel gesündere Speise als roh.“ - -[Illustration: Bild 16. Die Edelkastanie (~Castanea esculenta~). - -~a~ blühender Zweig mit oben männlichen und unten weiblichen Blüten an -den Blütenähren, ~b~ männliche, ~d~ weibliche Blüte; ~c~ drei weibliche -Blüten in einer Fruchthülle; ~e~ drei Samen in einer Fruchthülle, ~i~ -dieselben im Durchschnitt; ~f-h~ junge Kastanien. (Nach Hegi.)] - -Mit der Frucht übernahmen auch die Römer die Bezeichnung derselben von -den Griechen. Wann nun dieser Fruchtbaum nach Italien kam, läßt sich -nicht mehr sagen. Wahrscheinlich hat ihn der römische Komödiendichter -Plautus (254-184 v. Chr.), der die griechischen Stücke des eben -erwähnten Diphilos und seines älteren Rivalen Menandros (342-290 -v. Chr.) nachahmte, gekannt. Er spricht nämlich an einer Stelle von -einem das Dach beschattenden Baum, der eine „weiche Nuß“ (~mollescam -nucem~) trage. Nun kann darunter sowohl eine weichschalige, als eine -weich zu essende Nuß verstanden sein. Allem nach scheint aber ersteres -das wahrscheinlichere zu sein, so daß wir also darunter wohl die -Kastanie zu verstehen haben. Aber bei dem Mangel eines feststehenden -Namens kann wohl von einer allgemeinen Kultur dieser Bäume in Italien -vor dem Beginn des 2. vorchristlichen Jahrhunderts keine Rede sein. -Noch der ältere Cato (234-149 v. Chr.), der als Zensor die altrömische -Einfachheit in der Lebensweise und Sittenstrenge aufrechterhalten -wissen wollte, erwähnt in seiner sonst alle in Italien angepflanzten -Bäume anführenden Schrift über den Landbau die Kastanien so wenig als -Walnüsse und Mandeln, nur die von den Griechenstädten Süditaliens -nach Kampanien versetzten großen Haselnüsse, die den Griechen aus dem -Pontusgebiet zugekommen waren. - -Erst zu Ende der Republik tritt uns der Baum und die Frucht als -zweifellos in Italien heimisch entgegen. Unter der von den Griechen -übernommenen Bezeichnung „kastanische Nuß“ (~castanea nux~ oder kurz -~castanea~) erwähnt sie zuerst der römische Dichter Vergil (70-19 -v. Chr.), indem er an einer Stelle seiner Eklogen sagt „Ich will dir -Kastanien (~castanea nux~) und wachsgelbe Pflaumen (~prunum~) geben“ -und an einer andern: „Wir haben schmackhaftes Obst, auch weiche -Kastanien und Vorrat von Käse.“ Dann nennt der Dichter Ovid (43 vor bis -7 n. Chr.) diese Frucht, indem er von seiner Geliebten Amaryllis sagt: -„sie liebte Kastanien und Nüsse“. - -Der ältere Plinius (23-79 n. Chr.) sagt in seiner Naturgeschichte: -„Auch die Kastanien (~castanea~) werden Nüsse (~nux~) genannt, obschon -es passender wäre, sie Eicheln (~glans~) zu nennen. Sie sind mit -Stacheln besetzt, wozu sich bei den Eicheln nur der Ansatz findet. -Obgleich sie die Natur unter ihrer Stachelschale versteckt hat, sind -sie doch sehr häufig. Zuweilen stecken in einer einzigen Schale drei -Kerne. Die Haut, welche zwischen Schale und Kern liegt, verschlechtert, -wie bei den Nüssen, den Geschmack. Man verspeist sie lieber geröstet -als roh. Sie werden auch gemahlen und können dann ein Brot geben. -Ursprünglich sind sie in Sardes heimisch, und deswegen nennen sie -die Griechen auch sardische Eicheln; denn Zeus-Eicheln sind sie erst -später genannt worden, als sie durch gute Pflege veredelt waren. Jetzt -gibt es mehrere Arten von Kastanien; die tarentinischen sind flach, -die sogenannte ~balanitis~ ist runder, die ~pura~ geht leicht aus der -Schale, die ~salariana~ ist flach, die ~corelliana~ ist gut, ebenso -die von ihr gezogene ~eterejana~, doch stellt nur ihre rote Schale sie -über die dreikantigen, gemeinen schwarzen, welche auch Kochkastanien -(~coctiva~) heißen. Die besten Kastanien wachsen um Tarent und Neapel. -Bei den geringen Kastaniensorten zieht sich die Schale bis in den Kern; -sie sind daher schwer verdaulich und dienen nur zu Schweinefutter.“ - -Sein Zeitgenosse, der griechische Arzt Dioskurides, sagt in seiner -Arzneilehre: „Die Kastanie hat verschiedene Namen: sardische Eichel, -~lópimon~, ~kástanon~, auch ~móton~, Zeus-Eichel. Sie sind der Wirkung -nach den eßbaren Früchten der Eichenbäume ähnlich; besonders haben die -Häute zwischen Schale und Fleisch zusammenziehende Eigenschaften.“ -Zur Erklärung der Bezeichnungen corellianische und eterejanische -Kastanien schreibt derselbe Autor an einer andern Stelle: „Als eine -Merkwürdigkeit mag hier folgendes erwähnt werden: Der römische Ritter -Corellius, aus Ateste gebürtig, veredelte einmal im Neapolitanischen -einen Kastanienbaum mit dessen eigenem Reise, und aus diesem erwuchs -eine vortreffliche Kastaniensorte, die noch jetzt nach jenem Ritter -die corellianische heißt. Später veredelte sein Freigelassener namens -Eterejus diese Kastanie wieder, und nun zeigte sich der Unterschied, -daß die corellianische reichlichere, die eterejanische aber bessere -Früchte trug.“ - -In den ~Geoponika~ sagt ein griechischer Autor, daß die (schwarze) -Maulbeere auf Kastanie (~kástanon~) und Speiseeiche (~phagós~ von -~phageín~, essen) gepfropft werde. Und der zur Zeit Cäsars und -Augustus’ lebende griechische Geschichtschreiber Diodoros aus Sizilien, -daher Siculus zubenannt, schreibt in seinem Geschichtswerk: „In -Arabien wird gediegenes Gold in Stücken gefunden, welche die Größe -einer Kastanie (~káryon kastanaikón~) haben“, und an einer andern -Stelle: „Im Lande der Ichthyophagen (d. h. Fischesser, bei den Alten -zwei Völker, in Gedrosien und Arabien) wachsen viele Ölbäume, deren -Frucht einer Kastanie ähnlich ist.“ Der aus Spanien gebürtige römische -Ackerbauschriftsteller Columella im 1. Jahrhundert n. Chr. sagt: -„Der Kastanienbaum (~castanea~) ist der Steineiche (~robur~) ähnlich -und deswegen zu Pfählen für den Weinstock sehr brauchbar. Die Frucht -(~nux~, d. h. Nuß) wird im Herbst in zweimal gegrabenen Boden gesät -und keimt rasch. Neben jede steckt man einen kurzen Rohrstab, um -beim Jäten zu wissen, wo sie liegt. Sobald die Stämmchen zweijährig -sind, verpflanzt man so viele, daß die bleibenden je zwei Fuß -auseinanderstehen, damit sie einander nicht schaden. Die Samen werden -deswegen dichter gelegt, weil sie durch verschiedene Zufälle am Keimen -verhindert werden können, z. B. durch Trockenheit oder ein Übermaß von -Nässe, durch Mäuse und Maulwürfe.“ Und Palladius sagt im 4. Jahrhundert -n. Chr.: „Versetzt man Kastanienbäumchen (~castanea~), die irgendwo -von selber gewachsen sind, so gedeihen die so schlecht, daß man oft -zwei Jahre lang nicht weiß, ob sie am Leben bleiben oder nicht. Besser -als im November werden die Kastanien im Februar gesät, nachdem man -sie zuerst, im Schatten getrocknet und 30 Tage mit Flußsand bedeckt -hat stehen lassen und dann durch Werfen in kaltes Wasser geprüft hat, -welche untersinken und somit gut sind und welche schwimmen und damit -bekunden, daß sie krank sind. Wenn sie zweijährig sind, werden die -jungen Bäumchen versetzt. Wenn sie angewachsen sind, pfropft man sie, -und zwar, wie ich selbst probiert, im Monat März oder April in die -Rinde; doch kann man sie auch okulieren. Man pfropft Kastanien auf -Kastanien oder Weiden (~salix~). Doch reift in letzterem Falle die -Frucht später und schmeckt weniger angenehm. Man hebt die Kastanien in -Hürden auf, doch so, daß sie nicht aufeinander liegen, oder man legt -sie so einzeln in Kies, daß sie sich nicht berühren, oder man tut sie -in neue irdene Töpfe und vergräbt diese an einem ziemlich trockenen -Orte, oder man bewahrt sie in Körben auf, die luftdicht mit Lehm -bestrichen sind, oder unter feiner Gerstenspreu, oder in Behältern, die -dicht aus Binsen geflochten sind.“ - -Mit den gleich zu besprechenden Walnüssen kamen auch die Kastanien -in der römischen Kaiserzeit über die Alpen und daraus wurden in den -römischen Kolonien von den sich hier ansiedelnden Veteranen die -betreffenden Fruchtbäume gezogen. So fanden sich in den älteren, später -von den Soldaten selbst mit allerlei Wegwurf zugeschütteten Brunnen -des römischen Kastells auf der Saalburg zahlreiche Walnußschalen, und -bei Ausgrabungen in Mainz stieß man wiederholt auf Kastanien, welche -von der Beliebtheit dieser beiden Fruchtarten bei den Römern Kunde -geben. Venantius Fortunatus, der Freund und Landsmann des fränkischen -Bischofs Gregor von Tours in der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts -n. Chr. sandte seiner Freundin Radegunde ein Körbchen mit Kastanien, -das von einem poetischen, uns noch im Wortlaut erhaltenen Billette -begleitet war, worin er ihr als ländliche Gabe ~molles~ (d. h. weiche) -~castaneas~, „die der Baum auf dem Felde trug“ anbietet. Später -verordnete Karl der Große die Anpflanzung von ~castanearios~ in den -kaiserlichen Krongütern. Nach England kam dieser Baum erst am Anfang -des 16. Jahrhunderts. - -Die eßbare Kastanie geht weniger weit nach Norden als der Nußbaum. -In warmen Lagen Deutschlands, wie am Rhein, wurde er aber schon in -den ersten Jahrhunderten n. Chr. eingebürgert. Teilweise ist er hier -verwildert und hat sich so gut eingelebt, daß er beispielsweise auf -den Bergen um Heidelberg herum und an der Bergstraße geradezu zu einem -Charakterbaum der Landschaft wurde. Weder zur Römerzeit noch auch -später drang er nach Norddeutschland vor, wo es ihm zu rauh ist und er -keine Früchte mehr zeitigt, so daß er höchstens als Zierbaum gehalten -werden kann. Deshalb fehlt auch sein Name gänzlich in den Orts- und -Flurnamen Mittel- und Norddeutschlands. Nur in Italien, Südfrankreich, -Spanien, Korsika, Sardinien usw. bildet der edle Kastanienbaum ganze -Waldungen. So sehr sind seit der Römerzeit seine schmackhaften Früchte -in diesen Gebieten zur Volksnahrung geworden, daß man in Frankreich die -Trägheit der Korsen ihren Kastanien zuschrieb. In der Tat genügt einer -korsischen Familie der Besitz von zwei Dutzend Kastanienbäumen und -einer das ganze Jahr hindurch im Freien weidenden Ziegenherde, um alle -ihre Bedürfnisse zu decken. - -Nach der Eroberung Teneriffes durch die Spanier am Ende des 15. -Jahrhunderts wurde der Kastanienbaum auch auf diese Insel verpflanzt. -Auch hier bildet er ausgedehnte Waldungen und gedeiht so üppig wie -in seiner Heimat, dem nördlichen Kleinasien, wo Wutzer auf seiner -Orientreise nicht nur gewaltige Bäume der großen Haselnußart, sondern -auch Platanen und Kastanien sah, deren Größe ihn in Erstaunen versetzte. - -Die Früchte einer in Nordamerika vorkommenden Spielart des -Kastanienbaums finden dieselbe Verwendung wie diejenigen der -altweltlichen. Auch werden dort die der ~Castanea pumila~, der -~Chincapin~, gegessen. Ebenso hat China in der ~Castanea chinensis~ -und Indonesien in der ~Castanea argentea~ und ~Castanea tungurrut~ -einen Ersatz für unsere Eßkastanie. Übrigens gibt es in den Tropen der -ganzen Erde verschiedene Bäume, die den Kastanien an Wohlgeschmack -gleichkommende Früchte besitzen, die sowohl roh als geröstet gegessen -werden. Unter ihnen ist der wichtigste ~Bombax malabaricum~, ein -ungeheurer Baum Ostindiens mit süßen, angenehm schmeckenden Samen. -Auch die mehlreichen Samen von ~Carolinea princeps~ in Guiana und -dem übrigen nördlichen Südamerika und von ~Carolinea insignis~ auf -den Antillen schmecken geröstet wie Kastanien und werden, wie die -jungen Blätter und Blumen als Gemüse gern verspeist. Ähnlich schmecken -die süßen Samen von ~Melicocca bijuga~ und ~Cupania tomentosa~ in -Westindien. Ausgezeichnet süß, kastanienartig schmecken auch die -Samen des westafrikanischen Baumes ~Blighia sapida~, die samt dem -fleischigen, sie umgebenden Mantel gekocht und gebraten gern gegessen -werden. Durch Negersklaven wurde der Baum auch nach Westindien -gebracht, wo er öfter kultiviert angetroffen wird. Dasselbe ist -bei ~Laurus chloroxylon~ in Brasilien und bei ~Sloanea dentata~ im -nördlichen Südamerika der Fall. Auch der durch seine kindskopfgroßen -Früchte ausgezeichnete +Topfbaum+ (~Lecythis ollaria~) des tropischen -Amerika ist seiner kastanienartigen Samen wegen beliebt und wird, -wie auch mehrere andere ~Lecythis~-Arten mit ähnlichen Samen, häufig -angepflanzt. Endlich ist noch der australische Baum ~Castanospermum -australe~ zu nennen, dessen aus der Hülse gelösten kastaniengroßen -Samen wie Kastanien verspeist werden. - -Vom nordwestlichen Himalaja, Beludschistan und Afghanistan, wo er nach -Atchison von 2200 bis 2800 m Höhe gefunden wird, über Nordpersien bis -nach Kleinasien ist der +Walnußbaum+ (~Juglans regia~) heimisch, der -überall in seiner Heimat in größeren Beständen im Gebirge wächst und -den Anwohnern in seinen Nüssen eine willkommene Nahrung spendet. Zu den -Griechen kamen sie gleich den Kastanien unter der Bezeichnung persische -oder königliche Nüsse (aus dem bereits mitgeteilten Grunde, weil dort -im persischen Kleinasien ein König herrschte) oder als sinopische -Nüsse (~káryon~), weil sie auch von der Hafenstadt Sinope am Südrande -des Schwarzen Meeres in größeren Mengen nach Griechenland gebracht -wurden. Dem Namen nach sind sie also für uns nicht von den Kastanien -unterscheidbar. Wie die Kastanie wurde sie von den Griechen auch ~Diós -bálanos~, d. h. Zeus-Eichel genannt, unter welcher Bezeichnung sie -dann später durch Vermittlung der Griechen Süditaliens zu den Römern -kam, welche sie in derselben Weise ~juglans~ (zusammengezogen aus -~Jovis glans~, d. h. Jupiterseichel) nannten. Ihre ölreichen Kerne -scheinen sich bei den Griechen keiner besonderen Wertschätzung erfreut -zu haben; denn der griechische Arzt Dioskurides im 1. Jahrhundert -n. Chr. schreibt: „Die königlichen Nüsse (~káryon basilikón~), welche -bisweilen auch persische Nüsse genannt werden, sind schwer zu verdauen, -schaden dem Magen, erzeugen Galle, machen Kopfweh, sind namentlich bei -Husten zu vermeiden. Dagegen ist ihr Genuß Nüchternen, welche Erbrechen -bewirken wollen, nützlich. Mit Feigen und Raute vermischt gibt man sie -als Vorbeugungsmittel gegen Gift, vertreibt mit ihnen, wenn man sie -in Menge verzehrt, die Bandwürmer, benutzt sie noch sonst innerlich -und äußerlich, setzt auch die verkohlten Schalen und Kerne einigen -äußerlich anzuwendenden Mitteln bei. Aus den zerstampften Nüssen preßt -man Öl. Übrigens bekommen frische dem Magen weit besser als alte.“ -Sonst schweigen sich die griechischen Autoren über den Walnußbaum -aus. Wir wissen nur, daß die lakedämonischen Jungfrauen zur Zeit des -Einsammelns der Nüsse (~plur. kárya~) ein danach ~Kárya~ genanntes Fest -zu Ehren der ~Artemis karyátis~ feierten, und daß deshalb ~karyatízein~ -den bei diesem Feste abgehaltenen Tanz tanzen bedeutete. Danach heißen -Karyatiden die an einem solchen Nußfeste tanzenden Jungfrauen, die ein -attischer Bildhauer als Gebälkträgerinnen -- auch einfach Koren, d. h. -Mädchen genannt -- an der Südhalle des Erechtheions auf der Akropolis -in Athen in für alle Zeiten vorbildlicher Weise darstellte. - -Geschätzter als bei den Griechen waren die Walnüsse bei den Römern, -die den Walnußbaum ziemlich häufig angepflanzt zu haben scheinen. Der -überaus gelehrte Marcus Terentius Varro (116-27 v. Chr.) schreibt -über die Walnuß: „Diese herrliche, große Frucht heißt ~glans~, weil -sie in ihrer grünen Schale einer Eichel (~glans~) ähnlich sieht; -~juglans~ heißt sie von Jupiter (Stamm ~Jov~) und ~glans~. Sie heißt -auch Nuß (~nux~), weil sie den Körper schwarz färbt, wie die Nacht -(~nox~) die Luft.“ An einer anderen Stelle sagt er: „Hat man Walnüsse -(~nux juglans~), Datteln (~palmula~) und sabiner Feigen (~ficus~) -eingemacht, so schmecken sie um so besser, je eher man sie verzehrt; -denn die Dattel wird durch das Alter blaß, die Feige morsch, die -Walnuß trocken.“ Er hält aber dafür, daß die Nußbäume ihrer Umgebung -schädlich seien: „Neben einem Eichenwald gedeiht der Ölbaum schlecht, -neben Kohl (~olus~) der Weinstock, der sich sogar von jenem wegneigt; -auch die Walnußbäume (~juglans~) machen rings um sich her das Erdreich -unfruchtbar.“ - -Der berühmte Redner Cicero, der im Jahre 43 v. Chr. ermordet wurde, -sagt an einer Stelle seiner nach seinem Landgute Tuskulanum bei der -altlatinischen Stadt Tusculum im Sabinergebirge benannten Schrift: „Der -syrakusanische Tyrann Dionysius (der ältere, 431-367 v. Chr.) war so -mißtrauisch, daß er sich vor dem Rasiermesser fürchtete und sich den -Bart von seinen Töchtern mit glühenden Walnußschalen wegbrennen ließ.“ -Der 79 n. Chr. beim Vesuvausbruch umgekommene Plinius meint wie Varro: -„Der Schatten der Walnußbäume ist von großem und schädlichem Einfluß, -tötet gleich dem der Pinien, Rot- und Weißtannen alle anderen Pflanzen, -verursacht sogar dem Menschen Kopfweh.“ Und von seinen Früchten sagt -er: „Die Walnüsse (~nux juglans~) haben keinen großen Wert, obgleich -ihr Gebrauch bei Hochzeitsfeierlichkeiten eingeführt ist. Die Natur -hat diese Frucht dadurch ausgezeichnet, daß sie den in einer holzigen -Schale liegenden Kern noch in eine weiche Schale einschloß. Daß sie -von den Königen Persiens stammt, beweist der Umstand, daß sie bei den -Griechen königliche Nüsse (s. vor. Stelle bei seinem Zeitgenossen -Dioskurides) heißen; auch nennt man jetzt noch die beste Sorte -~persicon~ und ~basilicon~. Kopfnuß (~káryon~) heißt eine Sorte -wahrscheinlich deswegen, weil sie durch ihren starken Geruch Kopfweh -verursacht. Die gerbstoffreiche grüne Schale wird zum Färben der Wolle -benutzt, die ganz jungen Nüsse dienen zum Braunfärben der Haare. Im -Alter werden die Walnüsse ölig. Die Sorten unterscheiden sich nur nach -der Schale, welche fest oder zerbrechlich, dünn oder dick, in Fächer -geteilt oder einfach ist. Die Schale zerfällt in zwei Teile, der Kern -selbst ist durch Zwischenhäute vierteilig.“ - -Auch andere, besonders griechische Schriftsteller sprechen von der -Sitte, die sich bis heute in Griechenland erhielt, im Augenblicke da -die Neuvermählte das hochzeitliche Gemach betrat, Nüsse unter die Gäste -und Kinder zu streuen, damit Zeus-Jupiter, nach welchem die Nüsse -hießen, der jungen Frau Fruchtbarkeit schenken möge. So fordert der -römische Dichter Vergil (70-19 v. Chr.) in einer seiner Eklogen auf: -„Streuet Nüsse (~nuces~) dem Hochzeitspaar aus!“ Auch Ovid (43 v. bis -7 nach Chr.) spricht an zwei Stellen von Walnüssen, das eine Mal, da -er von seiner Geliebten Amaryllis (Pseudonym, nach der Bezeichnung der -schönen, von Vergil in seinen Hirtengedichten besungenen Hirtin oder -Nymphe gleichen Namens, der die „Glänzende“ bedeutet) sagt: sie liebte -Kastanien und Nüsse, und das andere Mal, da er von derselben meldet: -ihr fehlten weder Nüsse noch Mandeln. Palladius im 4. Jahrhundert -n. Chr. sagt von der Kultur des Walnußbaumes: „Die ~nux juglans~ -liebt feuchte, kühle, steinige Höhen, kommt aber auch an wärmeren -vor. Man zieht sie aus an der Sonne getrockneten Nüssen, die in der -Weise gepflanzt werden, daß man einen Stein oder Backstein unter sie -legt, damit sie keine einfache Pfahlwurzel, sondern geteilte Wurzeln -treiben. Die Bäumchen sollen alle 2 bis 3 Jahre versetzt werden, -dadurch gedeihen sie besser. Die Wurzeln dürfen dabei nicht beschnitten -werden; man bestreicht sie aber mit Rindermist, streut auch Asche in -die Grube. Man macht die Gruben recht tief und auch weit voneinander -entfernt, weil ein Walnußbaum selbst dem anderen durch seine Traufe -schadet. Man lockert die Erde rings um den Stamm zuweilen auf, damit -dieser im Alter nicht so leicht hohl wird. Ist er aber doch hohl -geworden, so haut man ihn von einer Seite bis zur Höhlung auf, damit -Sonne und Wind eindringen und die Fäulnis hemmen können. Werden die -Nüsse zu hart oder knotig, so muß man einen Schnitt rings in der -Rinde machen, um die schlechten Säfte abzuführen. Andere schneiden in -diesem Fall die Wurzelspitze ab, oder bohren ein Loch in die Wurzel -und schlagen einen Pflock von Buchsbaumholz hinein. Will man gemeine -Walnüsse in die tarentinische Sorte (mit weicher Schale) verwandeln, -so steckt man nur den von der harten Schale befreiten fleischigen -Kern, wickelt ihn aber zuvor zum Schutz gegen Ameisen in Wolle. Will -man einen schon tragenden Baum in einen tarentinischen verwandeln, -so begießt man ihn ein ganzes Jahr lang monatlich dreimal mit Lauge. -Die Reife der Nuß erkennt man daran, daß sich ihre äußere Schale -ablöst. Ihre Aufbewahrung geschieht entweder unter Spreu oder Sand -oder trockenen Walnußblättern oder in einem Kasten von Walnußholz oder -zwischen Küchenzwiebeln, denen sie zugleich den scharfen Geschmack -benehmen. Man kann nach Angabe vieler Gärtner Walnußreiser im Februar -auf Erdbeerbäume (~arbutus~) pfropfen, am besten in den Stamm, ebenso -auf Pflaumen- oder auf Walnußbäume.“ Dem fügt ein griechischer Autor in -der ~Geoponika~ bei: „Pfropfreiser des Walnußbaumes (~káryon~) wachsen -nicht leicht an, jedoch gelingt die Veredlung, wenn man sich nicht -gleich abschrecken läßt und sorgfältig zu Werke geht. Einige Gärtner -heben 2- und 3jährige Walnußbäumchen aus, pfropfen die Wurzeln und -setzen sie wieder ein.“ - -Mit den Kastanien brachten die Römer auch die Walnüsse über die Alpen -und pflanzten sie um ihre Militärstationen. So fanden sich auch im -Wegwurf der Saalburg zerbrochene Schalen von Walnüssen, die dort einst -von den Legionären oder deren Angehörigen verspeist wurden. So scheint -der Walnußbaum zuerst um die römischen Kastelle gewachsen zu sein, um -im Laufe von Jahrhunderten von da weiter ins Land hinauszugelangen. So -sind Ortsnamen, die mit Nuß- zusammenhängen, in der Rheingegend schon -in den ältesten auf uns gekommenen Urkunden nachweisbar, so der Flecken -Nußloch bei Heidelberg, der zuerst im Jahre 776 und das Dorf Nußbaum -bei Bretten in Baden, das zum ersten Male im Jahre 883/884 belegt ist. -Dazu kommen später Nußdorf (erster Beleg 1134), Nußbach bei Oberkirch -(1196), Nußbach bei Triberg (1284) und Nußbaum bei Mosbach (1335). Daß -der Baum in Gallien besonders intensiv kultiviert wurde beweist der -spätlateinische Name ~nux gallica~, dessen Reflex wir im deutschen -Walnuß und im englischen ~walnut~ haben. Die Anpflanzung des Nußbaums -wird sowohl im ~Capitulare de villis~ wie in den beiden uns erhaltenen -Garteninventaren Karls des Großen aus dem Beginne des 9. Jahrhunderts -angeordnet. In der Hünenburg bei Rinteln an der Weser aus dem 10. bis -11. Jahrhundert n. Chr. wurden Stücke von Walnußschalen gefunden. -Heute hat sich der Nußbaum überallhin, wo es ihm nicht zu kalt ist, -verbreitet und wird seiner ölreichen Nüsse, die ein sehr gutes Tafelöl -liefern, und seines sehr gesuchten Holzes wegen viel gepflanzt. - -Die +Haselnuß+ (~Corylus avellana~) ist fast in ganz Europa und in -Vorderasien heimisch. Hier war sie schon den Menschen der Steinzeit -ein beliebtes Nahrungsmittel und wir finden ihre zerbrochenen Schalen -im Wegwurfe der Pfahlbauern der jüngeren Stein- und der Bronzezeit. An -einzelnen Fundstellen finden sie sich zu ganzen Schichten angehäuft. -Erst die Griechen und hernach die Römer haben außer der einheimischen -wilden Art auch schon größere und feinere, kultivierte Arten gekannt, -so die +lombardische+ oder +Lambertsnuß+ (~Corylus tubulosa~) und die -+türkische Haselnuß+ (~Corylus colurna~). Der Erzeuger der ersteren -ist ein stattlicher Strauch, derjenige der letzteren dagegen ein Baum, -der in seinem Vaterlande, im Pontusgebiet bis Armenien, ganze Wälder -bildet. Beide kamen aus dem nördlichen Kleinasien über die Städte am -Pontus als ~kárya póntika~, d. h. pontische Nüsse, nach Griechenland, -von wo sie in die griechischen Kolonien Siziliens und Unteritaliens -gelangten. Hier wurden sie mit besonderer Vorliebe kultiviert, so daß -die bei der Stadt Abella in Campanien wachsende Haselnuß -- welche -der beiden vorhin genannten groß-kernigen Sorten es war, ist nicht -entschieden -- als ~nux abellana~ von den Römern, die deren Kultur von -den Griechen übernahmen, besonders geschätzt wurde. - -Durch die Römer wurden diese pontischen Haselnußrassen gleichzeitig -mit Walnuß und Kastanie in ihren transalpinen Provinzen eingeführt. -So fand man im Wegwurf in den Brunnen des römischen Feldlagers der -Saalburg nicht nur zahlreiche Schalen der gewöhnlichen Haselnuß, -sondern auch der großen Lamberts- und türkischen Haselnüsse. Auf Grund -dieser Funde dürfen wir annehmen, daß die ~avellanarii~, d. h. die -Haselnußstauden, die in den Gärten Karls des Großen gezogen wurden, -nicht sowohl einheimische, wilde, die ja sonst gar nicht besonders -angeführt worden wären, als vielmehr die lambertsche oder die türkische -Haselnuß waren. Im 16. Jahrhundert wurden dann echte türkische -Haselnüsse durch Valerius Cordus, der sie von einem ungarischen -Gesandten in Konstantinopel erhielt, direkt bei uns eingeführt und in -Gärten Mitteleuropas kultiviert. Allerdings erreicht sein Erzeuger bei -uns lange nicht die stattliche Größe, die er in seiner Heimat in den -Pontusländern aufweist. - -Solche haselnußartige Samen bieten sehr zahlreiche Pflanzen aller -möglichen Länder, unter denen wir nur die chilenische, brasilische, -westindische und nordamerikanische Haselnuß, die Waldmandel Westindiens -und verschiedener Waldbäume des nördlichen Südamerika mit teilweise -mandelartigem Aussehen nennen wollen. Die brasilischen Nüsse, von den -Einheimischen ~juvias~ genannt, sind vierkantige, braune Samen von der -Größe einer Walnuß mit ölreichem Kern, der wie Mandeln schmeckt. Der -sie hervorbringende stattliche Baum (~Bertholletia excelsa~) wächst -überall in den Wäldern von Guiana, Venezuela und Nordbrasilien und -wird zur Zeit der Samenreife stets von den Indianern aufgesucht, die -diese wohlschmeckenden Nüsse sehr lieben und viele Wochen hindurch -davon leben. Leider werden sie bald ranzig und lassen sich deshalb -nicht längere Zeit aufbewahren. Außerdem gibt es in denselben Gebieten -einen souari genannten hohen Baum (~Caryocar butyrosum~) und in -Ekuador einen nahen Verwandten desselben, den ~pequi~-Baum (~Caryocar -amygdaliferum~), die den Mandeln ähnliche ölreiche Samen aufweisen. - -Von geringerer Bedeutung, aber für uns wichtiger sind die -Pistaziennüsse und das Johannisbrot, die wir ebenfalls aus dem warmen -Süden erhalten. Ihre Erzeuger, die Pistazie und der Johannisbrotbaum, -ohne die wir uns die alten Kulturländer am Mittelmeer nicht mehr -vorstellen können, sind ebensowenig wie die früher betrachteten -Fruchtbäume hier heimisch, sondern erst in geschichtlicher Zeit vom -Menschen dort angesiedelt worden. Die +echte Pistazie+ (~Pistacia -vera~) hat ihre Heimat im südlichen Kaukasus, in Mesopotamien -und Syrien, wo sie stellenweise noch wild wachsend in größeren -Beständen angetroffen wird. Sie ist ein 6-9 m hoher Baum mit unpaarig -gefiederten, abfallenden Blättern, kurzen Blütenrispen und eiförmig -länglichen, 2,5-4 cm großen Steinfrüchten. Diese besitzen einen dünnen -Überzug von grünem, rot angehauchtem Fleisch und darunter unter -holziger Schale angenehm mandelartig schmeckende, haselnußgroße, -länglich dreikantige, grüne Kerne, die Pistazienmandeln oder syrischen -Nüßchen (ital. ~pistacchi~), die im Orient roh gegessen und zu allerlei -Backwerk, auch zur Gewinnung von Öl verwendet werden, das aber leicht -ranzig wird. Früher dienten sie auch als Heilmittel; jetzt werden sie -nur noch in der Küche, von Zuckerbäckern und Metzgern zum Würzen der -feineren Würste verwendet. - -In Babylonien ist die Pistazienkultur uralt und schon damals werden die -Früchte wie heute noch in Syrien und Ägypten eine Lieblingsnäscherei -der vornehmen Haremsdamen gewesen sein. Sie hießen im Assyrischen -~butnu~ und als ~botnim~ kamen sie nach Syrien und Palästina, wo sie -zur Zeit der jüdischen Erzväter bekannt waren. Als die Brüder Josephs, -von der Hungersnot gedrängt, zum zweitenmal nach Ägypten zogen, nahmen -sie als Geschenke an den Minister des Pharao, in dem sie ihren Bruder -nicht vermuteten, unter den erlesenen Landesfrüchten auch Pistazien -mit. Von da an hat man keine Nachricht mehr vom Vorhandensein dieses -Fruchtbaums in Syrien, bis nach der Erschließung Vorderasiens durch den -Zug Alexanders des Großen ums Jahr 330 v. Chr. die Griechen Kunde von -ihm erhielten. So berichtet Theophrast, der Schüler des Aristoteles: -„In Indien wächst ein Baum, der der Terebinthe ähnlich ist, dessen -Früchte aber wie Mandeln sind. Er soll auch in Baktrien wachsen; die -Früchte sollen besser als Mandeln schmecken und werden deshalb dort -lieber gebraucht als diese.“ Dieser Autor kennt noch keinerlei Namen -für diese Frucht. Ein solcher erscheint erst hundert Jahre später, zu -Ende des 3. vorchristlichen Jahrhunderts beim griechischen Dichter -Nikander, der schreibt: „Am wild brausenden indischen Strome Choaspes --- es ist dies der Fluß von Susa -- tragen die Äste der Pistazien -(~pistákia~) Früchte gleich Mandeln.“ Den Namen ~pistákion~, d. h. -Pistazie nennt wiederum hundert Jahre später der aus Apamea in Syrien -gebürtige Geschichtschreiber Poseidonios. Er sagt, daß in Arabien und -Syrien die sogenannte Pistazie wachse, deren grünliche Kerne zwar -den Pinienkernen an Geschmack nachstehen, aber einen angenehmen Duft -haben. In der Folge wird der Pistazienbaum mehrfach von medizinischen -Schriftstellern erwähnt, so vom griechischen Arzte Dioskurides, -der um die Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. eine reichhaltige -Arzneimittellehre verfaßte und darin über dessen Früchte schreibt: -„Die Pistaziennüsse (~pistákion~), welche in Syrien wachsen, sind -den Piniennüssen (~stróbilos~) ähnlich und bekommen dem Magen gut.“ -Ähnlich schreibt der im Jahre 131 n. Chr. in Pergamon geborene und ums -Jahr 200 in Rom verstorbene berühmte Arzt Galenos: „Die Pistaziennüsse -(~pistákion~) wachsen bei Alexandria in Ägypten, aber noch weit -häufiger bei der Stadt Berrhoea in Syrien. Sie geben wenig Nahrung, -sind aber gesund.“ - -Plinius nennt unter den Bäumen Syriens den, „der die bekannten -Pistaziennüsse (~pistacium~) trägt“ und berichtet, daß ihn der Römer -Lucius Vitellius -- nicht zu verwechseln mit dem nachmaligen Kaiser -Aulus Vitellius --, der zur Zeit des Tiberius zwischen den Jahren -20 und 30 n. Chr. Legat in Syrien war und von dorther allerlei -Gartenfrüchte und Obstbäume auf sein Landgut bei der Stadt Alba in -Mittelitalien verpflanzte, nach Italien, und Flaccus Pompejus, ein -römischer Ritter, der mit Vitellius Kriegsdienste tat, nach Spanien -brachte. In Mittelitalien wird aber jedenfalls das Klima zu rauh -für den empfindlichen medisch-persischen Baum gewesen sein; denn -noch in Kalabrien und auf Sizilien, wo ihn in der Folge die Römer -akklimatisierten, liefert er weniger schmackhafte Früchte als in seiner -orientalischen Heimat. - -Auch in Sizilien und Sardinien wuchs der Baum, von dem gewöhnlich -Edelreiser auf die im Mittelmeergebiet überall heimische -Terpentinpistazie gepfropft wurden. Noch im 4. Jahrhundert n. Chr. -berichtet uns Palladius, der selbst Güter auf der Insel Sardinien -besaß, vom Anbau dieses Fruchtbaumes. Aber die Kultur desselben -muß in den Stürmen, die die Völkerwanderung über Italien brachte, -vollständig außer Gebrauch gekommen sein, und es blieb den Arabern -vorbehalten, mit so manchen anderen asiatischen Kulturpflanzen wie -Dattelpalme, Mohrhirse, Safran und Zitrone auch die Pistazie wieder -an dafür geeigneten Orten am Mittelmeer, das sie ja um die Wende des -1. christlichen Jahrtausends völlig beherrschten, angesiedelt zu -haben. Seitdem sie die Pistazie wiederum in Sizilien und Süditalien -anpflanzten, blieb der Fruchtbaum bis auf den heutigen Tag in der -Kultur der sie in der Herrschaft ablösenden Christen, die die Früchte -gerne aßen und in der Küche verwandten. Am häufigsten trifft man bei -uns die sizilischen Pistazien; die tunesischen sind wegen ihrer schönen -grünen Farbe besonders geschätzt, während diejenigen Aleppos sehr groß -und gelb sind. - -Wie der Pistazienbaum wurde auch der +Johannisbrotbaum+ oder -+Caroubier+ (~Ceratonia siliqua~) erst durch die Araber in den -wärmeren Gegenden am Mittelmeer als Spender eines billigen -Volksnahrungsmittels angesiedelt. Dieser heute namentlich in den -östlichen Mittelmeerländern weit verbreitete Hülsenfrüchtler stellt -einen nicht sehr hohen, breitausladenden, schattenreichen Baum dar mit -paarig gefiederten, lederartigen Blättern. Sein bevorzugter Standort -sind die sonnendurchwärmten, felsigen Halden in der Nähe des Meeres, -die vor dem kalten Nordwind geschützt sind; denn dieses sonnenverwöhnte -Kind Vorderasiens liebt diesen durchaus nicht. Hier wächst er langsam, -trägt erst nach zwanzig Jahren, dauert aber jahrhundertelang aus. -Seine flachen, hornartig gekrümmten Schoten mit süßem, nahrhaftem -Fruchtfleisch, das innen glänzend dunkle, bohnenartige Samen birgt, -werden nicht nur mit Vorliebe von Schweinen, Pferden und Eseln, sondern -auch vom Menschen roh und geröstet oder gebacken überall im Orient -gegessen. Auch auf unsern Jahrmärkten erscheint das Johannisbrot -als geschätzter Leckerbissen mit der Süßholzwurzel und den schwarzen -Lakritzenstangen. Lakritz ist aus dem griechischen ~glykyrrhíza~, d. -h. Süßwurzel zusammengezogen, und erfreut hier besonders die Kinder. -Aus den als Karuben bezeichneten Fruchthülsen -- das Wort stammt aus -dem arabischen ~charrûb~ -- wird auch ein süßer, honigähnlicher Saft -gepreßt, der als ~keratomeli~, d. h. Hörnchenhonig im Morgenlande sehr -beliebt ist. Nach ihrer hörnchenartig gekrümmten Form nannten die -alten Griechen, die den Baum selbst nicht kannten, sondern nur die aus -dem Orient eingeführten Früchte gelegentlich auf dem Markt kauften, -die Johannisbrotschoten ~kerátia~ oder ~kerōnia~, d. h. Hörnchen und -glaubten irrtümlicherweise, sie kämen aus Ägypten. Erst der Schüler -von Aristoteles, Theophrastos (390-286 v. Chr.), versichert mit -Nachdruck, sie kämen nicht von dorther, sondern aus Syrien und Ionien; -denn zu seiner Zeit war der Karubenbaum bis Knidos im südwestlichen -Kleinasien und bis zur Insel Rhodos im Ägäischen Meere vorgedrungen. -Auch Strabon, der ums Jahr 25 n. Chr. verstorbene griechische Geograph -aus der kleinasiatischen Stadt Amasia südlich vom Schwarzen Meer, sagt, -er wachse nicht in Ägypten, sondern zugleich mit der Dattelpalme in -Äthiopien, wo er in Menge gedeihe. - -Seine eigentliche Heimat hat der Johannisbrotbaum in Syrien, wo er -mit anderen Fruchtbäumen und Nutzpflanzen vermutlich vom uralten -Volke der Chetiter in Kultur genommen und veredelt wurde. Einst, wie -jetzt, bildeten seine süßen Schoten dort und in Palästina eine gemeine -Speise. Johannes der Täufer soll sich während seines Aufenthalts -in der Wüste damit genährt haben, weshalb sie überhaupt den Namen -Johannisbrot erhielten. Noch den Reisenden neuerer Zeit wird der -angebliche Baum gezeigt, von dessen Früchten der Vorläufer des Messias -sein Leben während der Zurückgezogenheit in der Wüste gefristet -haben soll. Im Gleichnis vom verlorenen Sohn, das im 15. Kapitel des -Evangeliums nach Lukas berichtet wird, begehrt der verlorene Sohn, der -zum Schweinehirten herabgesunken ist, seinen Hunger mit den Hörnchen -(im Urtext ~apó tón keratión~, fälschlich von Luther, der die wahre -Bedeutung dieses Wortes nicht kannte, mit Treber übersetzt), die die -Schweine fraßen, zu stillen, aber niemand gab sie ihm. Diese Hörnchen -sind nichts anderes als das Johannisbrot. - - Tafel 43. - -[Illustration: Bäume mit eßbaren Kastanien am Vierwaldstättersee.] - -[Illustration: - - (Photographie von G. Kraskowits.) - -Gewöhnlicher Feigenbaum und Feigenopuntie auf der Insel Korfu.] - - Tafel 44. - -[Illustration: Johannisbrotbaum. - -(Nach einer Photogr. von L. Adamovic in „Karsten u. Schenck, -Vegetationsbilder“.) - -Zitronenhain bei Saló am Gardasee.] - -Auch die alten Ägypter kannten das Johannisbrot, das unter dem -Namen ~dscharudsch~ oder ~garuta~, d. h. Schote, aus Syrien zu -ihnen gebracht wurde. Man aß es hier trocken oder eingekocht und -bereitete daraus einen ~tarruku~ genannten süßen Trank. Auch als -Medizin wurde es viel angewandt. Unter den Totenbeigaben sind in -Kahun aus Gräbern der 12. Dynastie im mittleren Reich (2000-1788 -v. Chr.) Reste von Schoten des Johannisbrotbaumes, samt Fruchtkernen, -ebenso in solchen des ägyptisch-griechischen Gräberfeldes von Hawara -im Fajûm gefunden worden. Nach Unger findet sich Johannisbrot auch -auf einer altägyptischen Darstellung von Totenspeisen in einem Grabe -der 12. Dynastie abgebildet. Später wurde der Fruchtbaum in Ägypten -selbst angepflanzt. So fand Kotschy in einem Sarkophag neben einer -Mumie einen Stock, der sich bei mikroskopischer Untersuchung als vom -Johannisbrotbaum herrührend erwies. - -Die alten Griechen haben diesen Fruchtbaum noch nicht in ihrem Lande -gezogen. Sie brachten seine Früchte als Rückfracht aus dem Orient mit -und vermittelten ihre Kenntnis auch den Römern, die sie zunächst als -~siliquae graecae~, d. h. griechische Schoten, bezeichneten. Später -werden sie vielfach als syrische Schoten bezeichnet, als man erkannte, -daß sie aus Syrien stammten und nur durch die Griechen übermittelt -wurden. Dioskurides und Galenos rühmen diese Schoten als Speise -durchaus nicht. Ersterer sagt: „Das frische Johannisbrot (~kerátion~) -bekommt, wenn es genossen wird, schlecht; das getrocknete schmeckt -besser, besonders, wenn die Schalen und Kerne nicht mitgegessen -werden.“ Und letzterer meint: „Das Johannisbrot (~kerátion~) ist -keine gesunde Speise, kommt aus dem Morgenland, sollte aber nicht -von dort geholt werden.“ Also war noch zur Zeit des Arztes Galenos -gegen Ende des 2. nachchristlichen Jahrhunderts das Johannisbrot -durchaus nur Gegenstand der Einfuhr aus dem Orient und erst im 4. -Jahrhundert lehrt Palladius, der Verfasser eines noch im Mittelalter -viel benutzten Werkes über den Landbau, ausführlich wie der Baum -gepflanzt und veredelt werden soll, so daß man annehmen muß, daß er -damals auch in Italien selbst wuchs. Immerhin könnte diese Stelle ein -späteres Einschiebsel sein, da sie in einigen Handschriften fehlt und -der fleißige Benutzer des Palladius, Petrus Crescentius, über den Baum -schweigt. Wenn er nun auch damals jedenfalls in beschränkter Zahl in -Italien selbst kultiviert wurde, so war doch diese Produktion ohne -größere Bedeutung. - -Erst die Araber nahmen die mehr oder weniger verschwundene Kultur -dieses Fruchtbaumes wieder auf und verbreiteten ihn in Sizilien, -Süditalien, Spanien, wie in ganz Nordafrika im Bereiche ihrer -Herrschaft. Ihre Bezeichnung Charruben für die Früchte ist ins -Italienische ~carruba~, ins Spanische ~garroba~ -- oder mit dem -arabischen Artikel al davor als ~algarroba~ -- ins Portugiesische -~alfarroba~ und ins Französische ~caroube~ übergegangen, was an sich -schon mit Sicherheit beweist, daß sie diesen Ländern die Kenntnis -dieser Frucht vermittelten. Sie ihrerseits hatten von den Griechen -die als ~kerátia~ bezeichneten Bohnen der Johannisbrotschoten, die -sich durch eine auffallend übereinstimmende Größe auszeichnen, als -Gewichtseinheit angenommen und dies dem Abendlande übermittelt. So -dient uns heute noch das von ihnen als kleinstes Gewicht angenommene -Karat, d. h. eben die nach dem griechischen ~kerátion~ bezeichnete -Johannisbrotbohne als Gewichtseinheit für Gold, Diamanten und alle -Juwelen überhaupt, wie in Persien das Weizenkorn ~gändum~ als kleinste -Gewichtseinheit dient, und die nächst höhere die Kichererbse ~nukhûd~ -ist. Dabei ist 1 ~nukhûd~ = 4 ~gändum~. - -Seitdem die Araber den Johannisbrotbaum überallhin an den Gestaden des -Mittelmeers, soweit er gedeihen kann, angesiedelt haben, pflanzt man -ihn gerne auch als Schattenbaum zur Straßeneinfassung und inmitten -der Felder. Soll der Baum aber nicht bloß Schatten gewähren, sondern -auch reichlich Früchte tragen, so muß er von Zeit zu Zeit beschnitten -werden wie der Weinstock und der Ölbaum. Die nördliche Grenze seiner -Verbreitung fällt ungefähr mit derjenigen der Orangen und Zitronen -zusammen. In Kleinasien und Syrien wird er als Fruchtspender so -geschätzt, daß er geradezu göttliche Verehrung bei Muhammedanern und -Christen genießt. Er ist dem heiligen Georg geweiht, dem sagenhaften -kappadozischen Prinzen, der unter Diokletian (regierte von 284-313 -n. Chr.) als Märtyrer gestorben sein soll, nachdem er einst einen -Lindwurm besiegt hatte, der ein Mädchen zu verschlingen drohte. Schon -die Kreuzfahrer führten diesen streitbaren Heiligen symbolisch in -ihrem Panier und seither ist er der Schutzheilige aller Berittenen. -In Griechenland und im Orient überhaupt sind Georgskapellen unter -Johannisbrotbäumen häufig. - -Wie bei allen Kulturgewächsen haben sich auch bei ihm die -verschiedensten Varietäten gebildet, die sich durch Form, Größe, -geringere oder größere Süßigkeit und Haltbarkeit der Schoten -unterscheiden. Doch gilt im allgemeinen, daß je wärmer das Klima -ist, in welchem er wächst, er um so mehr Zucker in seinen Schoten zu -entwickeln vermag und um so süßer der aus ihnen ausgepreßte Honig wird. -In letzterem Falle werden die Preßrückstände den Schweinen vorgeworfen. -Auch das harte Holz wird geschätzt und die tanninhaltige Rinde dient -zum Gerben. Vom Orient aus wird das Johannisbrot bis tief nach Rußland -hinein und in die nordischen Länder exportiert, wo es als billiger -Leckerbissen auf keinem Volksmarkte fehlt. - -Eine eßbare, wohlschmeckende Kernfrucht bietet auch der in ganz -Indonesien, besonders den Molukken wild wachsende und auch angepflanzte -+Katappabaum+ (~Terminalia catappa~). Die Frucht, deretwegen der Baum -auch sonst in den Tropen, besonders auf den Antillen kultiviert wird, -hat Ähnlichkeit mit der Walnuß und enthält einen bis zwei mandelartige -Kerne. Ähnliche Samen bieten verschiedene andere Terminaliaarten in -Südindien, Ozeanien und Südamerika. Gleicherweise werden auf den Inseln -der Südsee die Kerne der Früchte von ~Inocarpus edulis~, ~Sterculia -balanghas~ und ~St. foetida~ als fast tägliche Speise gegessen. Ebenso -finden die ölreichen Samen zahlreicher Nadelholzgewächse als Speise der -Menschen Verwendung, so diejenigen verschiedener Kiefern und Fichten, -wie der +Zirbelkiefer+ (~Pinus cembra~), der +Fichte der Norfolkinsel+ -östlich von Australien, der als Ziergewächs bei uns in Töpfen gezogenen -~Araucaria excelsa~ und der +südamerikanischen Araukarie+ (~Araucaria -imbricata~). Dieser von den Indianern als ~pehuén~ bezeichnete -Nadelbaum ist diözisch, d. h. weist männliche und weibliche Exemplare -auf und bildet auf Sandboden lichte Bestände, die entfernt an unsere -Kiefernwälder erinnern. Sein Stamm bildet eine mächtige Säule von -bis zu 60 m Höhe, ist unten kahl und trägt oben einen schirmartigen -Wipfel, dessen herunterhängende Äste an den Spitzen wieder nach -aufwärts streben. Die Fruchtzapfen benötigen zwei Jahre zur Reife -und enthalten 100 bis 200 mehlige, ähnlich wie Kastanien schmeckende -Samen, die im Februar und März reifen. Um diese von den Spaniern, die -sie ebenfalls sehr lieben, ~piñones~ genannten, doppelt mandelgroßen -Nüsse zu erlangen, unternehmen die Indianer zur Zeit der Reife große -Wanderungen. Diese pflanzliche Speise ist für sie um so wichtiger, je -weiter sie von den Weißen entfernt wohnen und je schwerer sie sich von -jenen die gewöhnlichen Getreidearten durch Tausch gegen Wildpret und -Felle verschaffen können. Ein einziger Zapfen genügt für einen Indianer -zur Ernährung für einen Tag, wenn er noch etwas Fleisch zu sich nimmt. -Durch ihren reichen Ölgehalt sind sie nicht sehr leicht verdaulich und -lassen sich auch nicht längere Zeit hindurch aufbewahren. Doch bereiten -die Eingeborenen daraus ein Gebäck, das sich lange Zeit erhält. So -können sie die von ihnen sehr geschätzten Samen aufs weitgehendste -ausnützen. - -In den Mittelmeerländern finden besonders die +Piniennüsse+, gewöhnlich -Pignolen genannt, zahlreiche Liebhaber und kommen dort überall in -den Handel. Der Nüsse und des Holzes wegen wird die Pinie auch in -Südtirol kultiviert. Die Pinienzapfen reifen erst im vierten Jahre. -Zur Gewinnung der Nüsse werden besondere Sorten mit sehr dünner, -zerbrechlicher Schale gezogen, entsprechend den als Butternüsse -bezeichneten, weichschaligen Walnüssen und den weichschaligen -Bruchmandeln. So gewährt der berühmte Pinienwald bei Ravenna, die -Pineta, den Bewohnern reichlichen Gewinn durch die überallhin nach -Italien verschickten Samen, trotzdem die Bestände durch den kalten -Winter 1879-80 und durch einen Waldbrand stark gelitten haben. Sie -sind ziemlich groß, schmecken wie Mandeln und werden roh zu allerlei -Speisen und in Zucker eingemacht gegessen, auch zur Darstellung eines -fetten süßen Öles benutzt. Sie bilden auch für Griechenland, besonders -den Peloponnes, einen nicht unwichtigen Ausfuhrartikel. Schon der -Grieche Athenaios (um 200 n. Chr.) in Alexandrien erwähnt die Ausfuhr -der Piniennüsse von dort nach Ägypten. Dioskurides sagt von ihnen: -„Die Samen der Pinien (~pítys~) und Kiefern (~peúkē~) werden ~pityís~ -genannt. Sie befördern die Verdauung und erwärmen etwas, sind auch -für sich oder mit Honig gegen Husten und Brustübel nützlich.“ Sein -Zeitgenosse Plinius unterscheidet 4 Sorten der Piniennüsse (~pinea -nux~), deren eine, „die tarentinische, eine so dünne Schale besitzt, -daß man sie zwischen den Fingern zerbrechen kann. Sie werden deshalb -oft schon am Baume von den Vögeln gefressen.“ Er bemerkt, daß die -Tauriner (die jetzigen Piemontesen) die von der Schwarzkiefer -(~pinaster~ = ~Pinus laricio~) stammenden Samen, in Honig gekocht, als -treffliches Mittel gegen den Husten in den Handel bringen und meint -ferner: „Die Pinienkerne stillen den Durst und helfen gegen Magensäure -und Nierenleiden, heilen auch, mit Wasser gekocht, das Blutspucken. -Mit Wein oder einer Abkochung von Datteln getrunken, führen sie die -Galle ab. Gegen heftigeren Magenschmerz und Nierenübel mischt man -Gurkensamen und Portulaksaft hinzu.“ Palladius um 380 n. Chr. sagt: -„Die Pinienzapfen können reif oder überreif von den Bäumen genommen -werden, doch muß es geschehen, bevor sich die Zapfen öffnen. Die Kerne -lassen sich nur dann aufbewahren, wenn sie gut gereinigt und getrocknet -sind.“ Diese Bemerkung ist ganz richtig. Nur aus den Zapfen genommen -und sorgfältig getrocknet lassen sie sich einige Zeit aufbewahren. - - - - -VI. - -Die Agrumen. - - -Unter der Bezeichnung ~agrumi~ faßt der Italiener die verschiedenen -Vertreter der Gattung ~Citrus~, also die Zitronen, Orangen, -Mandarinen usw. zusammen. Die Kultur dieser in seinem Lande und -neuerdings auch bei uns so beliebten Früchte scheint uns untrennbar -mit dem Begriffe Italien oder Spanien zu sein. Seit Goethe in seinem -Mignonlied der Sehnsucht des Nordländers nach den sonnigen südlichen -Gestaden so treffenden Ausdruck gegeben hat, können wir uns das -glückliche warme Mittelmeergebiet nicht vorstellen ohne das satte -Grün dieser Fruchtbäume, ohne den würzigen Blütenduft der Zitronen -und das prächtige Gleißen der schimmernden „Goldorangen“. Dem ist -aber nicht immer so gewesen. Es sind vielmehr noch keine tausend -Jahre verstrichen, seitdem die ersten Vertreter dieser Produkte -ostasiatischer Kultur dem Fruchtbaumbestande Südeuropas durch die -damals das Mittelmeer beherrschenden Araber einverleibt wurden. - -Das Altertum hat diese Früchte durchaus nicht gekannt. Wohl kennen die -römischen Schriftsteller das Wort ~citrus~, mit dem sie aber einen -ganz anderen Begriff als wir verbanden. Die Bedeutung dieses Wortes -verstehen wir erst, wenn wir daran erinnert werden, daß sie dasselbe -wie so unendlich viele andere Kulturgüter und deren Bezeichnungen -den in bezug auf Gesittung weiter als sie fortgeschrittenen Griechen -verdankten. ~Citrus~ ist das romanisierte ~kédros~ der Griechen, das -mit dem Namen Zeder zusammenhängt. Darunter verstanden die Römer wie -die Griechen, von denen sie Wort und Begriff übernahmen, das duftende, -den Würmern widerstehende Holz verschiedener Nadelhölzer, besonders -Zedern-, Wacholder- und Lebensbaumarten, das zur Herstellung von -mottensicheren Truhen zur Aufbewahrung der ja vorzugsweise aus Wolle -hergestellten Kleider diente. Für die Römer der Kaiserzeit war es -wohl in erster Linie das schön gemaserte, wohlriechende weil öl- und -harzdurchtränkte Holz der nordafrikanischen Zypressenart ~Callitris -quadrivalvis~ -- die Produzentin des echten Sandarakharzes --, welche, -weil durch ihren starken Duft vor Motten schützend, zur Fabrikation -von solchen Kleiderkisten -- Schränke kannte man damals noch nicht -- -diente. - -Von den Griechen hatten sie vernommen, daß auch die starkduftenden, -im übrigen aber nicht eßbaren Früchte eines aus dem Orient bezogenen -Baumes vortrefflich zur Abwehr von Motten in den Kleiderkisten seien. -Es waren dies eiförmige, über faustgroße grüne bis gelbe Früchte -mit einer überaus dicken, reich mit ätherischen Ölen durchsetzten, -feinhöckerigen Schale, die wir im Deutschen als +Zedraten+ oder -+Zitronatzitronen+ bezeichnen, weil aus ihren würzigen, dicken Schalen -durch Kochen in Zucker das Zitronat hergestellt wird. Die Zedraten, von -den Italienern ~cedro~ genannt, sind weit größer als unsere bekannten -Zitronen und erreichen in runden, bis stark in die Länge gezogenen -Formen oft die Größe eines Menschenkopfes. Ihr Fruchtfleisch enthält -einen mäßig sauren Saft -- jedenfalls bedeutend weniger als bei der -Zitrone -- dem durch den Gehalt an Zitronensäure fäulniswidrige -Eigenschaften innewohnen. - -Diese Zedraten waren schon den alten Ägyptern als ~kitri~ und den -Hebräern zur Zeit des Moses als ~hadar~ bekannt. Der Baum scheint -zur Zeit der 18. Dynastie (1580-1350 v. Chr.) aus Südasien nach dem -Niltal gekommen zu sein, wo ihn später die Griechen kennen lernten. -Bei den letzteren galt die wenig schmackhafte, säuerliche Frucht der -Zedrate nicht nur als gutes Mittel um, in die Kleiderkisten gelegt, die -Motten davon fernzuhalten, sondern geradezu als ein äußerst wirksames -Gegengift. Nach ihrem Dafürhalten konnte, wer immer davon aß, in den -nächsten darauffolgenden Stunden nicht vergiftet werden. - -So empfahl der um 200 n. Chr. in Alexandrien und Rom lebende -griechische Grammatiker Athenaios aus Naukratis in Ägypten als bestes -Schutzmittel gegen Vergiftung eine in Honig gekochte Zedrate zu -essen. Wer morgens früh ein halbes Glas des daraus gepreßten Saftes -genieße, dem können den ganzen Tag über Gifte nichts anhaben. In -seiner 15 Bücher umfassenden Schrift „~Deipnosophistai~“, die wichtige -Nachrichten über Leben, Sitte, Kunst und Wissenschaft der alten -Griechen enthalten, schreibt er: „Daß der Kedrosapfel (~kedrómēlos~) -ein Mittel gegen Gift ist, weiß ich von meinem Landsmann, welcher -Statthalter von Ägypten war. Er hatte einige Verbrecher dazu -verurteilt, in dem zu Tierkämpfen bestimmten (Amphi-)Theater von -wilden Tieren getötet zu werden. Als diese dahin geführt wurden, -gab ihnen unterwegs eine mitleidige Frau einen Kedrosapfel, den sie -zufällig bei sich hatte. Die Leute aßen ihn, wurden gleich darauf den -wilden Bestien vorgeworfen und auch von Aspisschlangen gebissen, litten -aber gar nicht. Der Statthalter wunderte sich nicht wenig darüber; und, -wie er erfuhr, daß sie einen Kedrosapfel gegessen, ließ er am folgenden -Tage dem einen eine solche Frucht geben, dem anderen nicht. Jener blieb -gesund, dieser aber starb vom Schlangenbiß auf der Stelle. Dieser -Versuch wurde öfters, und immer mit demselben Erfolg wiederholt.“ -Diese Aspis der Griechen und Römer war, nebenbei bemerkt, die Ara, d. -h. Aufgerichtete der alten Ägypter, gräzisiert als „Uräus“-schlange -bezeichnet, die man als Sinnbild der Erhabenheit zu beiden Seiten der -Sonnenkugel des Gottes Ra über dem Portal der altägyptischen Tempel -eingemeißelt findet und deren Nachbildung der Pharao als zierendes -Abzeichen seiner Hoheit und Herrschergewalt an seinem Diadem über der -Stirne trug. Diese bis 2,25 m lange ägyptische Brillenschlange (~Naja -haje~) ist noch größer als ihre südasiatische Verwandte und wird von -jeher in Ägypten sehr gefürchtet. Wie heute noch die Gaukler auf den -Straßen vor allem Volke die so überaus gefürchtete, in Ledersäcken -verwahrte „Haje“ vorführen, so produzierten sich mit ihr schon Moses -und Aaron vor dem Pharao. Sie war es auch, mit der sich die berühmte -Buhlerin Kleopatra, Königin von Ägypten und nacheinander die Geliebte -von Julius Cäsar und Marcus Antonius, nach des letzteren Selbstmord -nach der verlorenen Seeschlacht von Aktium im Jahre 30 v. Chr. tötete, -um nicht von ihrem ihren Gunstbezeugungen unzugänglichen Überwinder -Octavianus Augustus im Triumph in Rom vorgeführt zu werden. Bevor -dieses so viele Männer mit ihren Verführungskünsten bestrickende Weib -in den Tod ging, ließ sie ihre vertrautesten Dienerinnen von solchen -Schlangen beißen, um zu sehen, welchen Effekt der gefährliche Biß auf -sie haben werde. - -Der +Zedratbaum+ (~Citrus decumana~), dessen oft fast nur aus Schale -bestehenden, bis 6 kg schweren Früchte eines saftigen Fruchtfleisches -in der Regel entbehren, ist ein 3-5 m hoher Baum mit stumpfen, -dunkelgrünen Blättern, die an breitgeflügeltem Stiele sitzen, und -weißen, wohlriechenden Blüten. Seine Heimat ist höchstwahrscheinlich -im malaiischen Archipel zu suchen, wo er heute noch in zahlreichen -Spielarten, auch solchen mit saftigem, säuerlichsüßem bis süßem -Fruchtfleisch kultiviert wird. Schon früh kam er nach Indien, -Hinterindien und China, in welch letzterem Lande er schon zu -Beginn des letzten vorchristlichen Jahrtausends unter dem Namen -yu gepflanzt wurde. Von Indien aus gelangte er nach der Mitte des -letzten vorchristlichen Jahrtausends nach Medien und Persien, wo -ihn die Griechen auf dem berühmten Zuge Alexanders des Großen ins -Innere Asiens von 334 bis 324 v. Chr., der ihnen überhaupt eine -Fülle neuer Naturprodukte aus dem Pflanzenreiche vermittelte, kennen -lernten. Der pflanzenkundige Theophrastos (390-286 v. Chr.), nach -Alexander selbst Schüler des großen Aristoteles, beschreibt diesen -Baum, den er jedenfalls nur von der Beschreibung der Teilnehmer am -Alexanderzuge kannte und nicht selbst sah, in seiner Pflanzengeschichte -folgendermaßen: „Medien und Persien erzeugt unter anderen -eigentümlichen Gewächsen auch den medischen oder persischen Apfel -(~mḗlon~). Das Blatt dieses Baumes sieht fast genau so aus wie das -der Andráchlē (~Arbutus andrachne~), auch hat der Baum Dornen wie der -Birnbaum (~ápios~) und der Weißdorn (~oxyákanthos~); sie sind glatt, -sehr spitzig und stark. Der Apfel wird nicht gegessen, allein er hat, -so wie auch das Blatt des Baumes, einen sehr angenehmen Geruch; und der -Apfel schützt Kleider, zwischen die er gelegt wird, vor Motten. Auch -dient er als Arznei. Der Baum, der am besten auf lockerem, feuchtem -Erdreich gedeiht, hat das ganze Jahr hindurch Früchte. Während man -reife abnimmt, sind auch unreife und Blüten daran vorhanden.“ - -Von den Griechen erhielten die Römer die Kenntnisse vom medischen -Apfel. Der römische Dichter Vergil (70-19 v. Chr.) nennt ihn in -Italien zuerst als „goldenen“ oder „Glücksapfel“. Er sagt von ihm in -seiner Georgica: „In Medien wächst der Glücksapfel (~felix malum~), -dessen Saft den jämmerlichen, lang anhaltenden Geschmack hat, aber -ein herrliches Mittel gegen verschlucktes Gift ist. Der Baum selbst -hat eine gewaltige Größe, sieht dem Lorbeer sehr ähnlich, riecht aber -ganz anders. Die Blätter werden von keinem Winde abgerissen; auch die -Blüte trotzt dem Sturm. Der Meder nimmt sie in den Mund, um dem Atem -Wohlgeruch zu geben, und Greise stärken mit ihr die schwach werdende -Brust.“ Man glaubte, wie verschiedene griechische Schriftsteller der -römischen Kaiserzeit berichten, in ihnen die Äpfel der Hesperiden vor -sich zu haben. Es waren dies der Sage nach die Töchter des Atlas und -der Hesperis, die mit dem Drachen Ladon die „goldenen Äpfel“ der Hera -im Garten der Götter im äußersten Westen des Okeanos bewachten, die -dann der berühmte Heros Herakles auf Geheiß des delphischen Gottes -Apollon im Dienste des Königs Eurystheus von Mykenä holte. - -Der gelehrte ältere Plinius (23-79 n. Chr.) schreibt in seiner -Naturgeschichte über ihn: „Aus dem Ausland stammt der medische -Apfelbaum, den man auch ~cedrus~ nennt; er trägt Früchte, die man gegen -Gifte braucht. Als Speise genießt man sie nicht, aber sie riechen -vortrefflich, und auch die dem Erdbeerbaum (~unedo~) gleichenden -Blätter, zwischen denen Dornen stehen, riechen. Dieser Geruch teilt -sich Kleidern, zwischen welche man die Früchte legt, mit und schützt -gegen Mottenfraß. Der Baum hat jederzeit Früchte, reife und unreife -zugleich. Man hat diese Bäume, weil sie so ausgezeichnete Arznei -liefern, in irdene Töpfe, welche Luftlöcher haben, gepflanzt und sie in -andere Länder zu versetzen gesucht; denn jung gedeihen sie bis jetzt -nur in Medien und Persien.“ An einer anderen Stelle nennt er die Frucht -Citrusapfel (~malum citreum~) und den Baum ~citrea~, spricht auch von -Citrusöl (~oleum citreum~), das von den Vornehmen bereits als Parfüm -gebraucht wurde. - -Sein Zeitgenosse, der aus Anazarbos in Kilikien gebürtige, um die -Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. in Rom praktizierende griechische -Arzt Dioskurides schreibt in seinem Buche über Arzneiwissenschaft: -„Allgemein bekannt ist der medische oder persische Apfel, auch -~kedrómēlon~, von den Römern ~kítrion~ (= ~citreum~) genannt. Der -Baum hat das ganze Jahr hindurch Früchte, und diese sind länglich, -runzlig, goldfarbig und haben einen starken, aber angenehmen Geruch. -Die Samen sind denen der Birne ähnlich. Man legt die Früchte in Wein -und braucht dann diesen gegen Gifte. Auch kocht man sie, und spült sich -mit der Abkochung den Mund aus, um ihn wohlriechend zu machen. Legt man -die Früchte in Kleiderkisten, so sollen keine Motten hineinkommen.“ -Und der im Jahre 131 n. Chr. in Pergamon geborene und um 200 in Rom -verstorbene griechische Arzt Galenos sagt: „Der auch ~kítrion~ genannte -medische Apfel besteht aus drei Teilen: dem sauren, der in der Mitte -liegt, dem fleischigen, der den sauren umgibt, und der wohlriechenden, -gewürzhaften Schale. Wird letztere in Menge genossen, so ist sie schwer -zu verdauen; kleingerieben und in geringer Menge stärkt sie dagegen die -Verdauung. Das saure, nicht eßbare Mittelstück legt man in Essig, um -diesen zu verstärken. Die fleischige Masse, die weder sauer noch scharf -ist, wird mit Essig und Fischsauce (~garum~) gegessen.“ - -Der bereits erwähnte Athenaios (um 200 n. Chr.) sagt: „Aus den Komikern -ersieht man, daß der Kedrosapfelbaum aus Asien nach Griechenland -versetzt wurde“ und an anderer Stelle: „Zur Zeit des Theophrast -und bis auf die Zeit unserer Großväter hat kein Mensch Kedrosäpfel -gegessen; sie wurden dagegen in Kleiderschränke gelegt.“ Zu seiner Zeit -wurde der, wie Plinius meldet, in Kübel aus gebranntem Ton in Medien -gepflanzte Zedratbaum wie zur Zeit Ludwigs XIV. und seiner Nachahmer -die Orangenbäume zur Zierde der Villen vornehmer Römer in deren Alleen -aufgestellt. Bald lernte man ihn aber auch im Lande selbst ziehen. So -beschreibt uns der Grieche Florentinus ums Jahr 218 n. Chr. die Kultur -der von ihm ~kítria~ genannten Bäume ganz in der Art der heute noch in -Italien betriebenen Agrumen, und fügt hinzu, daß reiche Leute sie auch -in freiem Lande an nach Süden gerichteten Wänden pflanzen und sie im -Winter zudecken, da sie vom Froste leicht eingehen. „Die Früchte werden -schwarz, wenn man Reiser des ~kítrion~-Baumes auf Apfelbäume, rot -dagegen, wenn man sie auf (schwarze) Maulbeerbäume pfropft; auch lassen -sie sich auf Granatbäume pfropfen.“ - -Fast zweihundert Jahre später gibt uns der noch im Mittelalter viel -gelesene römische Ackerbauschriftsteller Palladius ums Jahr 380 n. Chr. -ausführliche Kunde über die Kultur des Zedratbaums, dessen Früchte -teilweise schon einen süßen Saft in ihrem inneren Fruchtfleisch -entwickelt hatten. Er schreibt: „Im Monat März nimmt man die Vermehrung -des Citrusbaums (~citri arboris~) vor, und zwar auf vier verschiedene -Arten, nämlich durch Samen, Äste, Stecklinge und Keulen. (Hier -folgen die näheren Angaben über das Vorgehen dabei, die uns nicht -interessieren.) Man pfropft ihn auch an warmen Stellen im April, an -kalten im Mai nicht in die Rinde, sondern in den Stamm selbst, den -man über der Wurzel spaltet. Man kann auch Zedratreiser, wie einige -behaupten, auf Birn- und Maulbeerbäume pfropfen, aber man muß dann das -Propfreis dadurch schützen, daß man ein Körbchen oder Töpfchen darüber -stülpt. - -Der Citrusbaum liebt einen lockeren Boden, ein warmes Klima und -fortwährende Nässe. Am liebsten steht er an warmen, bewässerten, dem -Meere nahe gelegenen Stellen. Will man’s aber erzwingen, daß er in -einem kalten Klima wachsen soll, so muß er von Winden geschützt und -auf der Südseite stehen, muß auch den Winter über eine Umhüllung von -Stroh bekommen. Man glaubt, daß er auch besser gedeiht, wenn in seiner -Nähe Flaschenkürbisse (~cucurbita~) gepflanzt werden, deren Sprosse man -auch verbrennt, um eine dem Citrusbaum förderliche Asche zu bekommen. -Um größere Früchte zu erzielen, gräbt man die Erde um den Baum -fleißig um. Man darf aber an ihm, außer dürren Ästen, fast nie etwas -abschneiden. - -Martialis sagt, der Citrusbaum habe in Assyrien immerfort Früchte; -dieselbe Erfahrung habe ich in meinen in Sardinien und bei Neapel -gelegenen Gütern gemacht. Dort sind Boden und Luft lau und genügend -feucht. An den auf diesen Gütern stehenden Bäumen hängen immer unreife -Früchte, wenn reife abgenommen werden, und Blüten, während die unreifen -Früchte wachsen. Man sagt, das Mark der Citrusfrucht werde süß, wenn -man die zu pflanzenden Kerne drei Tage lang in Honigwasser oder in -Schafsmilch, was noch besser ist, aufweicht. Manche bohren im Monat -Februar unten in den Stamm ein schiefes Loch, das aber auf der andern -Seite nicht herauskommen darf. Aus diesem lassen sie Saft fließen, bis -die Früchte sich bilden, dann füllen sie das Loch mit Lehm aus und -behaupten, durch dieses Verfahren werde die Mitte der Citrusfrucht -süß. -- Die reife Frucht hält sich am Baume hängend fast das ganze -Jahr, und jedenfalls besser, als wenn man sie in Gefäße legt. Will man -sie pflücken und nachher längere Zeit aufbewahren, so nimmt man sie -in einer mondlosen Nacht in der Weise ab, daß noch ein beblättertes -Zweigstück bleibt, und legt jede so, daß sie die andern nicht berührt. -Manche Leute legen auch jede Citrusfrucht einzeln in ein besonderes -Gefäß, verstreichen den Deckel mit Gips und stellen die Gefäße an einen -schattigen Ort. Die meisten aber heben sie in Zederspänen (besonders -Spänen von Wacholder und Lebensbäumen) oder in Häckerling oder Spreu -auf.“ - -Was für Künsteleien die von den reichen Römern als Gärtner in ihren -Landhäusern mit Vorliebe gehaltenen syrischen Sklaven, die sich mit -der Pflege dieser empfindlichen Importbäume abgaben, gelegentlich an -solchen Früchten vornahmen, darüber berichtet uns Julius Africanus, -ein zur Zeit des Kaisers Alexander Severus (222-235 n. Chr.) lebender -Christ, der sagt: „Um zu bewirken, daß eine Citrusfrucht, ein Apfel, -eine Birne, ein Granatapfel usw. die Gestalt eines Tieres oder sonst -eines beliebigen Gegenstandes annehme, so umschließt man sie, wenn sie -die Hälfte ihres Wachstums erreicht haben, mit einer entsprechenden, -aus Gips oder Lehm geformten, in zwei Hälften geschnittenen, -getrockneten und in letzterem Falle im Töpferofen gebrannten Form.“ - -In den Wirren der Völkerwanderung ging dieser nutzlose Luxusbaum der -Römer, mit dem die germanischen Stämme nichts anzufangen wußten, in -Italien unter, wurde aber im späteren Mittelalter wieder aus dem Orient -hier eingeführt. Heute wird er wieder ziemlich viel unter dem Namen -~cedro~ in Italien kultiviert, um aus dem Wertvollsten an den Früchten, -der dicken, würzigen Schale, durch Einkochen in Zucker das +Zitronat+ -zu gewinnen, das einen für die Konditoreien begehrten Handelsartikel -bildet. Auch ein für die Parfümerien verwendbares ätherisches Öl läßt -sich daraus gewinnen. Noch mehr als in Italien wird aber der Zedratbaum -im westlichen Mittelmeergebiet und auf den Azoren angepflanzt, -obschon man neuerdings die Schalen einiger fruchtbarerer Spielarten -der Zitrone, oder besser gesagt Limone, vielfach zur Herstellung von -Zitronat verwendet. - -Diese Zedrat-Zitronen, die eigentlich allein den Namen Zitronen -verdienen und tatsächlich auch bei den meisten Völkern diesen Namen -führen -- nur die Deutschen und Franzosen nennen die Limonen Zitronen --- variieren außerordentlich in ihrer Form und viele Abänderungen -sind durch Pfropfen und Veredeln fixiert worden. So bekommt man neben -stark in die Länge gezogenen auch fast runde Zedraten zu sehen. -Manche Sorten erreichen eine gewaltige Größe und ein Gewicht von bis -10 kg. Eine solche besonders große, rundliche, durch stark höckerige -Schale und feinen Wohlgeruch ausgezeichnete Zedrate mit sehr saurem -Fruchtfleisch wird als +Adams-+ oder +Paradiesapfel+ bezeichnet, weil -sie im Mittelalter allgemein von Juden und Christen für die verbotene -Frucht des Paradieses gehalten wurde. Ganz abgesehen davon, daß -sich Adam, wenn wir seine Existenz zugeben, sehr wohl gehütet haben -würde, in eine solche saure, unschmackhafte Frucht zu beißen, da er -wohl bessere im Garten Eden zur Verfügung hatte, wissen wir heute -bestimmt, daß der hebräische Mythus unter dem Baum der Erkenntnis -des Guten und Bösen zweifellos die Dattelpalme verstand, die einer -der ältesten Fruchtbäume Babyloniens war, wo die Juden, von den -babylonischen Semiten beeinflußt, ihre Schöpfungssagen ausbildeten. -Und weil die auf fabelhafte Fruchtbarkeit des Paradieses hinweisende -großfrüchtige Zedrate heute noch neben dem Palmblatt und allerlei -Zweigen beim Laubhüttenfest -- ursprünglich einem Erntefest -- der -Juden Verwendung findet, wird sie vielfach aus Korfu, Palästina und -Marokko, wo sie die Araber mit Vorliebe anpflanzen, bei uns eingeführt -und kann bei vorgeschriebener Form einen sehr hohen Geldwert erlangen. -Die lithauische Jüdin Pauline Wengeroff schreibt im 1. Band ihrer -„Memoiren einer Großmutter -- Bilder aus der Kulturgeschichte der -Juden Rußlands im 19. Jahrhundert“ über diese von ihr als Eßrog -bezeichnete Frucht bei der Beschreibung des Versöhnungstages, des am -10. des Monats Tischri (September oder Oktober) gefeierten Fest- und -Fasttages der Juden: „Mein Vater ging gleich von der Synagoge fort, um -einen Eßrog (zitronenähnliche Frucht) und einen Lulow (Palmenblatt) -zu kaufen; und frohgelaunt kehrte er heim, wenn es ihm gelang, einen -völlig fehlerfreien Eßrog -- einen sogenannten ‚Mibuder‘ -- zu finden. -Ein solches Stück kostete im Jahre 1838 5-6 Rubel, da zu jener Zeit -der Transport der Früchte aus Palästina, wo sie nur in geringer -Zahl wuchsen, mit viel Schwierigkeiten und Gefahren verbunden war. -Nichtsdestoweniger erhielt jeder der jungen Männer unseres Hauses je -einen Eßrog für sich. Eine jede dieser wohlriechenden, prächtigen -Früchte wurde sorgfältig in weichen Hanf gebettet und in einem -Silbergefäß aufbewahrt. Diese Früchte werden im Verlaufe der acht -Feiertage des Laubhüttenfestes (~Sukkoth~) beim Morgengebet benützt. -Die Palmenblätter, Myrten und Weidenzweige, die der Vorschrift gemäß -dazu gehören, standen in einem großen, mit Wasser gefüllten irdenen -Krug. Und im Hause wurde es wieder hell und heiter. Man aß, trank, -lachte, plauderte nach Herzenslust.“ - -Manche andere Spielarten dieser großen Zedrate werden auch nur -gezüchtet, um ihre riesigen Früchte zur Schau zu stellen, wozu sie sich -schon deshalb besonders eignen, weil sie sich länger halten als alle -übrigen Früchte der Gattung ~Citrus~. Eine chinesische, den Europäern -übrigens wegen des faserigen Fleisches wenig mundende Varietät bildet -in ihrer Heimat einen Leckerbissen, den die Chinesen selbst in fremden -Ländern nicht missen mögen, weshalb diese Früchte überallhin, wo jene -sich niederlassen, nach Kalifornien, Hawai usw. exportiert werden. -Die Chinesen schälen die innere, weiße, widerlich bitter schmeckende -Schale mit größter Sorgfalt ab, um zum rötlichen, süßlich-sauren -Fruchtfleisch zu gelangen, das sie nicht nur roh, sondern auch in Form -von Mus und Gelee essen. Aus dem Saft bereiten sie ein erfrischendes -Getränk und die Schalen kandieren sie, ähnlich wie wir dies mit den -Pomeranzenschalen tun. Übrigens gibt es einige Spielarten, die auch dem -Europäer sehr wohl schmecken; vor allem gilt dies von der +Pompelmuse+ -von Batavia, einer wirklich köstlichen Frucht, die in Indonesien häufig -gezogen wird. - -Der Baum, der die leuchtend gelben +Zitronen+ zeitigt, die die -Italiener und Engländer mit Recht mit ihrem geschichtlichen Namen -als +Limonen+ bezeichnen, war den Mittelmeervölkern des Altertums -durchaus unbekannt, bis ihn die Araber im Laufe des 10. Jahrhunderts -in Palästina und Ägypten, sowie in ganz Nordafrika ansiedelten. Im 11. -Jahrhundert wurde er durch sie in Spanien, bald darauf auch in dem von -ihnen eroberten Sizilien angepflanzt, wo der Italiener Falcando im -Jahre 1260 besonders um Palermo herum diesen bevorzugten Schützling der -Araber in Menge kultiviert fand. Denn dieses Volk, dem der Koran den -Genuß alkoholhaltiger Getränke verbot, suchte sich am sauren, angenehm -erfrischenden und den Durst löschenden Safte der von ihnen als ~limûn~ -bezeichneten Zitronen, den sie mit gezuckertem Wasser vermischt als -bevorzugtes Getränk vor der Einführung des Kaffees tranken, schadlos zu -halten. Sie selbst hatten die Frucht eben als ~limûn~ von den Persern -erhalten, die wiederum sie aus Indien unter dem dort gebräuchlichen -Namen ~limu~ entlehnt hatten. Von den Arabern lernten die Italiener -die Frucht als ~limone~ und den daraus bereiteten beliebten Trank -als ~limonata~ kennen, woraus wir Deutsche unsere Limonade bildeten. -Kreuzfahrer und Handelsleute der italienischen Seestädte, vorzugsweise -Venedig, Pisa und Genua, brachten die Limone zuerst nach Europa, wo sie -nördlich der Alpen nicht unter dieser jüngeren Bezeichnung, sondern der -älteren, die auf der Bekanntschaft mit dem Zedrat-Citrus fußte, bekannt -wurde. Auch hier lernte man, als dann die Frucht häufiger aus Italien -dahin kam, wie im Orient den sauren Saft derselben und die aromatisch -duftende, an wohlriechendem ätherischen Öl reiche Schale als angenehme -Beigabe zu vielen Speisen schätzen und sie auch in Verbindung mit dem -zu gleicher Zeit bekannt werdenden Zucker zu Limonaden und Bowlen -verwenden. Auch als Medikament fand sie weithin Verbreitung; ist doch -ihr saurer Saft stark fäulnishemmend und demnach sehr günstig bei allen -Leiden, die mit Darmfäulnis zusammenhängen, wie ihr saurer Saft die -beim Fieber erhöhte Alkalescenz des Blutes herabsetzt. - -Die Heimat des +Zitronenbaumes+ (~Citrus medica var. limonum~) ist das -östliche Südasien von den mittleren Tälern am Südfuße des Himalaja über -Nordbirma nach dem südlichen China und Cochinchina. Noch heute wird er -von Gurwal bis Sikkim, in den Kasia- und Garrobergen wild wachsend in -oft größeren Beständen gefunden. Zur weit größere und edlere Früchte -zeitigenden Kulturpflanze wurde er wohl in Cochinchina erhoben, von -wo er allmählich nach China und Japan verpflanzt wurde. Über Indien -gelangte er etwa im 8. Jahrhundert n. Chr. nach Persien in den -Machtbereich der Araber, die ihn dort kennen lernten und allmählich in -dem ganzen von ihnen eroberten Gebiete ansiedelten. Von ihnen lernten -die Kreuzfahrer den Baum und dessen Früchte in Syrien und Palästina -kennen. Von solchen aus dem Morgenlande heimkehrenden Kreuzfahrern -ist er gegen das Ende des 11. Jahrhunderts an der Riviera angesiedelt -worden. Aber einen größeren Aufschwung nahm dessen Kultur erst vom 14. -Jahrhundert an, bis sie im 17. Jahrhundert durch das Populärwerden -der Limonade in Europa erst volle Bedeutung erlangte. Ums Jahr 1655, -da der 1602 in Pescina in den Abruzzen (Süditalien) geborene Kardinal -Jules Mazarin (eigentlich Mazarini, gestorben 1661) das Staatsruder -Frankreichs führte, traten in Paris, wie zuvor in Italien, die ersten -Limonadiers auf, um dort, wie bald hernach in den übrigen größeren -Städten Europas eine ähnliche Rolle wie die sie darin später ablösenden -Cafetiers zu spielen. - -Der Zitronenbaum ist ein strauchartiger kleiner Baum, der selten über -5 m Höhe hinausgeht, sehr empfindlich ist und schattige Standorte -bevorzugt. An sonnigen Standorten wächst er nur, wenn er sehr viel -Wasser zur Verfügung hat. Sein glattberindeter, aus einem sehr -feinen, gelben Holze bestehender Stamm trägt eine lichte Krone -glänzend grüner, kahler Blätter, die im Gegensatz zu denjenigen des -Zedrat- und Orangenbaums einen ungeflügelten Blattstiel besitzen. Die -weißen, außen etwas rötlich angelaufenen Blüten duften sehr stark und -sind wohlriechender, aber nicht so haftend als die ganz weißen der -Orange. Die uns allen von Jugend auf genugsam bekannten eiförmigen -gelben Früchte mit saftigem, saurem Fruchtfleisch werden zum Export -noch grün gepflückt, in einem „Fermentierhaus“ 2-3 Wochen lang bei -einer Temperatur von etwa 50° C. nachreifen gelassen, wobei die -Schale dünn und gelb wird, und dann noch längere Zeit bei niedriger -Temperatur gehalten, wonach sie sehr lange haltbar sind. Aus den -minder schönen und guten Früchten wird an deren Produktionsort der in -Küche und Haushaltung, weil gesunder als Weinessig, immer häufiger -Anwendung findende Zitronensaft gepreßt, der sich im Fruchtfleisch in -strahlenmäßig angeordneten, wasserhellen kleinen Beutelchen befindet, -während aus den Schalen das angenehm duftende Zitronen- oder Limonenöl -gewonnen wird, indem durch einen Nadelapparat die es umschließenden -Ölbehälter angestochen werden. Aus den Schalen der unreifen Zitronen -dagegen stellt man das Petitgrainöl her. Diese Substanzen kommen wie -die Zitrone selbst in bedeutenden Mengen in den Handel, so daß sie eine -sehr wichtige Einnahmequelle der Zitronenkultur treibenden Einwohner -Südeuropas bilden. Die wichtigsten Produktionsorte für Europa sind -außer dem Dorado hierfür, Sizilien, das allein jährlich über eine -Milliarde dieser Früchte exportiert, die Riviera di Ponente westlich -von Genua, dann Spanien, Portugal und Nordafrika. Dieselbe Rolle -spielen für das Gebiet der Vereinigten Staaten Florida und Kalifornien, -die heute immense Zitronenkulturen in Plantagenbetrieb aufweisen. - -Man macht heute ausgedehnten Gebrauch vom sauren Safte der Zitronen, -der schon im Kräuterbuch des kurfürstlich pfälzischen Leibarztes -Tabernämontanus nicht bloß „als wider die innerliche Faulung und -das Gifft sehr gut und kräftig“ gepriesen, sondern auch „gegen alle -Traurigkeit und Schwermüthigkeit des Hertzens und die Melancholey“ -angelegentlich empfohlen wird. Nach ihm widerstehe die Schale der -Frucht wie die Rinde dem Gift, daher solle man sie zur Zeit der Pest -„im Munde halten, auch einen Rauch damit machen“. Jedenfalls wirkt der -Zitronensaft, wie bereits bemerkt, antiseptisch, d. h. die Fäulnis im -Magen-Darmkanal herabsetzend und bei Mundfäule heilend. Daher ist er in -Verbindung mit dem Genusse frischer Gemüse das wirksamste Vorbeugungs- -und Bekämpfungsmittel des Skorbuts oder Scharbocks, der vormals -den Seefahrern zur Zeit der Segelschiffe auf ihren lange währenden -Meeresfahrten gewaltig zusetzte und bis zur Gegenwart der größte Feind -der Polarfahrer war. Bei allen Marinen der Erde besteht die Vorschrift, -der Mannschaft bei längerer Seefahrt Zitronen zum Genusse von deren -Saft zu verabreichen, weshalb wir diese südasiatische Frucht im -eisernen Bestand aller Schiffsvorräte finden. - -Auch die Symbolik hat sich mannigfach der Zitrone bemächtigt. Das -Aromatische, Erquickende und Belebende dieser Frucht hat sie vielfach -auch zum Sinnbild des Lebens, zum Abzeichen des Schutzes gegen alle dem -Leben feindlichen Einflüsse überhaupt gemacht. Daher schützt auch die -Zitrone nach altem Glauben, wie die etwas minder saure Zedrate, nicht -bloß gegen Gift, sondern auch vor Verzauberung und allen schädlichen -Einwirkungen der Geisterwelt auf Menschen und Tiere. Daher rührt ihre -mannigfache Verwendung als Gegenzauber beim gemeinen Volke im Süden -her und die damit zusammenhängende Sitte, daß die Leichenträger bei -Begräbnissen eine Zitrone in der Hand halten, wie auch einst die den -Scheiterhaufen besteigenden indischen Witwen diese Frucht als Abwehr -der finsteren Mächte mit sich auf ihrem Todesgange trugen. Diese -fürchterliche Sitte der Witwenverbrennung ist jetzt glücklicherweise -durch ein streng von den Engländern gehandhabtes Gesetz verboten. Sie -war übrigens der Ausfluß der absurden Lehre vom Karma, die ihrerseits -eine Folge der Wiederverkörperungslehre ist. Nach ihr ist eine jede -Witwe schuld an dem Tode ihres Gatten durch eine schwere Sünde, die -sie in einem früheren Leben begangen hat. Deshalb wird, selbst wenn -sie ein Kind sein sollte, das noch gar nicht mit dem ihr einst von -den Eltern angetrauten Manne zusammengelebt hat, jede Witwe in Indien -von den Angehörigen, die über den von ihr verursachten Todesfall in -der Familie aufs äußerste erzürnt sind, ihres Schmuckes beraubt, -muß zeit ihres Lebens in Trauergewandung gehen, wird verachtet und -oft genug mißhandelt. Man gönnt ihr kein freundliches Wort mehr und -Wiederverheiratung ist vollständig ausgeschlossen. Unter diesen -Umständen war es kein Wunder, daß viele Witwen den freiwilligen, ihr -als großes Verdienst angerechneten Tod durch Verbrennung mit der -Leiche des Gatten dem freudlosen, überaus leidvollen Leben, dem sie -entgegensahen, vorzogen. - -Eine Varietät der echten Limone oder Zitrone ist die +süße Limone+ oder -+Lumie+ mit süßem Fruchtfleisch, die hauptsächlich als Zierfrucht und -ihres ätherischen Öles wegen kultiviert wird. Ausschließlich in den -Tropen und nicht mehr im Mittelmeergebiet wächst die +Limonelle+ oder -+Zitronelle+, ein kleines, schmächtiges Bäumchen mit zierlichen, sehr -sauren, meist rundlichen Früchten, die eine glatte, grüne, bei der -Reife gelblich werdende dünne Schale besitzen. Im malaiischen Archipel -und in vielen anderen tropischen Gegenden ersetzen sie die Zitronen und -werden besonders in Westindien viel zur Herstellung von Limonellensaft -im großen kultiviert. - -Für uns noch viel wichtiger als die Zitrone, die mehr in der Küche -Verwendung findet, ist die +Orange+, die für Mitteleuropa und die -nördlichen Vereinigten Staaten bald eine der wichtigsten Obstarten -bildet, da sie seit den besseren Eisenbahnverbindungen in solchen -Mengen und zu einem so billigen Preise eingeführt wird, daß selbst der -Ärmste sich den Genuß dieser Frucht um einen geringen Preis leisten -kann. Sie ist für uns um so wertvoller, da sie gerade im Winter, wenn -das übrige Obst, soweit es nicht konserviert zu werden vermag, selten -ist, geerntet wird und überall zu haben ist. Diese süße Varietät -der Orange bezeichnet man gewöhnlich als +Apfelsine+, die bittere -dagegen, die nicht zu uns kommt, +Pomeranze+. Die zunächst nur für -die viel früher als die süße bei uns bekannt gewordene bittere Abart -aufgekommene Bezeichnung Orange, die nach der charakteristischen -ziegelroten Färbung der Früchte dann auch eine Farbenbezeichnung wurde, -ist auf das Sanskritwort ~nagrunga~ zurückzuführen, mit dem die alten -Inder diese rotschimmernde Frucht bezeichneten. Von ihnen erhielten -die Perser den Baum mit dem indischen Namen ~narungschi~ und gaben ihn -an die Araber weiter, die daraus das Wort ~naranschi~ bildeten. Daraus -formten die Byzantiner ~nerantzi~, die Italiener ~naranci~ und später -mit abgeschliffenem ~n~ ~aranci~, ~arangi~ und endlich die Franzosen -~orange~. Aus dem italienischen ~aranci~ bildete das mittelalterliche -Latein das Wort ~aurantium~ mit Bezugnahme auf den hineinspielenden -Begriff ~aurum~, Gold, wegen der wie Gold gleißenden Früchte. Die -botanischen Schriftsteller des 16. und 17. Jahrhunderts bezeichneten -die Früchte als ~poma aurantia~, woraus das deutsche Pomeranze und das -polnische ~pomarancza~ hervorging. - -Die chinesische Abstammung der verlockend gefärbten süßen Abart gibt -sich sehr deutlich in dem deutschen Worte Apfelsine zu erkennen, was -Apfel von Sina, d. h. China bedeutet. Und in der Tat gelangte die -süße Orange erst im Jahre 1548 aus Südchina durch die Vermittlung der -Portugiesen nach Portugal und von da nach Spanien und in die übrigen -Mittelmeerländer. Noch weist die italienische Bezeichnung derselben -~portogallo~ deutlich auf diese ihre Herkunft über Portugal hin. - -Daß die Portugiesen die Vermittler dieser und anderer chinesischer -Fruchtbäume waren, hängt ganz einfach damit zusammen, daß sie eben -zuerst jenes Land betraten und sich in einen Tauschhandel mit den -Bewohnern einließen. Das erste europäische Schiff, das in China, -und zwar im Jahre 1517 landete, war ein portugiesisches und die -Portugiesen waren es, die bereits 1557 die erste Niederlassung von -Europäern in China gründeten. Es ist dies Macao, ein befestigter Ort -auf einer Insel an der Mündung des Perlflusses in Südchina, welches der -Hauptstapelplatz des Handels mit China war, bis vor kaum mehr als 50 -Jahren die englische Niederlassung Hongkong es dann weit überflügelte. - -Wie der Apfelsinenbaum sich von Portugal aus an den Küsten des -Mittelmeeres bis tief nach Westasien hinein ausbreitete, um neben dem -Zitronenbaum in warmen, windgeschützten Lagen gepflanzt zu werden, da -die Frucht bald allgemeinen Beifall fand, so brachten ihn Portugiesen -und Spanier in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts auch nach -Amerika, wo er in den tropischen und subtropischen Gegenden wunderbar -gedieh und mit der Zeit überallhin in der Neuen Welt verbreitet wurde. - -Die ursprüngliche Heimat des +Orangenbaums+ (~Citrus aurantium s. -vulgaris~), ist das Gebirgsland südlich vom Himalaja über Birma -nach Südchina und Cochinchina, also dieselben Gegenden, die wir als -die Heimat des Zitronenbaumes angeführt haben. Wie der Zitronenbaum -wurde er wohl in Südchina zuerst in Kultur genommen und veredelt. Er -bildet stattlichere Bäume als jener, aber seine Blätter haben an den -Blattstielen herzförmige Flügel und seine rein weißen Blüten duften -weniger angenehm als diejenigen des Zitronenbaums. - -Wie der Zitronenbaum die mannigfaltigsten, in bezug auf Gestalt, -Farbe, Größe und Geschmack der Früchte abweichenden Kultursorten -hervorgebracht hat, ja, in der Limetta, die besonders an der -ostafrikanischen Küste vielfach angepflanzt wird, eine süßfrüchtige Art -besitzt, so hat sich auch der Orangenbaum in zahllose samenbeständige -Kulturvarietäten aufgelöst, von denen wir hier nur die süße, die wir -in allen Fruchtläden zu Gesicht bekommen, und die bittere besprechen -wollen. - -Die süße Abart (~Citrus aurantium chinense s. dulcis~) besitzt -schwach blaßgrüne, wenig aromatische Blätter. Die kugelige Frucht ist -orangefarbig, selten gelb und enthält unter einer meist dünnen Schale -ein schwach säuerliches, wohlschmeckendes, in den hochkultivierten -Sorten bereits kernlos gewordenes Fruchtfleisch. Der Baum ist wie die -anderen Citrusarten empfindlich gegen kalte Winde, deshalb zieht man -ihn wie den Zitronenbaum, mit dem er dieselben Gegenden als für den -Anbau geeignet teilt, soweit er solchen Winden ausgesetzt ist, in -Reihen, die durch dichte Hecken eng nebeneinander gepflanzter Zypressen -geschützt werden. Diese hohen Zypressenhecken fallen einem jeden auf, -der durch die Provence oder Algier reist. - -Von Genua bis Marseille findet man ihn an den geschützten Lagen -angepflanzt, dann besonders in Sizilien, Spanien, Portugal, Nordafrika; -in Nordamerika besitzen besonders Kalifornien und Florida gewaltige -Orangengärten. Erst in Sizilien und von da weiter südlich erreicht er -die Größe unseres Apfelbaums und liefert dann, gut gehalten, 600-800 -Früchte jährlich, während ein ausgewachsener Zitronenbaum bei voller -Kraftentfaltung sogar 1000-1100 Früchte in demselben Zeitraum liefert. -Man rechnet nach Theobald Fischer in den berühmten Zitronen- und -Orangengärten in der ~Conca d’oro~ bei Palermo einen durchschnittlichen -jährlichen Rohgewinn von 3000 Lire vom Hektar. Was das besagen will, -geht daraus hervor, daß die einträglichsten Gemüse- und Fruchtgärten -bei Paris es nur zu einem jährlichen Rohgewinn von 2500-2700 Franken -auf den Hektar bringen. Dies ist allerdings nicht zu vergleichen mit -dem Ertrage der Südfrüchte in Kalifornien, wo der Morgen, also etwas -mehr als ¼ Hektar bis 4000 Mark einträgt und eine 5 Morgen umfassende -Erdbeer- oder Obstplantage ein Einkommen von 7-10000 Mark abwirft. -Allerdings ist der Geldwert drüben bedeutend geringer als bei uns, so -daß wir einen entsprechenden Abzug machen müssen, um diese Verhältnisse -auf die unsrigen zu übertragen. - -Es gibt eine Unzahl von Apfelsinensorten, von denen aber nur einige -wenige zu uns gelangen, worunter außer der gewöhnlichen die immer -beliebter werdende Blutapfelsine (~var. sanguinea~) mit blutrot -gestreiftem oder ganz blutrotem, süßem Fruchtfleisch, ebenso die -doppelfrüchtige Orange, bei der jede Frucht in ihrem oberen Teile -sozusagen noch eine zweite enthält, ferner auch die violette Orange, -deren Blätter, Blüten und unreifen Früchte teilweise violett überhaucht -sind und welche, wie die kleine buchsbaumblättrige Orange nur als -Zierbaum gezüchtet wird. Die gleichfalls meist nur als Zierstrauch -dienende myrtenblättrige Orange besitzt mispelgroße Früchte, die -zuweilen auch wie die chinesische Bigaradie eingemacht werden. - -Viel länger im Mittelmeergebiet bekannt als die, wie gesagt, erst im -Jahre 1548 direkt von China nach Portugal eingewanderte süße Art, -ist die bittere, die stets im Mittelalter unter den ~poma aurantia~ -verstanden war. Die Äste und Zweige des Baumes sind mit Dornen besetzt, -die Blätter sind dick, tief dunkelgrün und riechen sehr aromatisch; -sie bilden die offizinellen Orangenblätter, die zur Herstellung eines -wohlschmeckenden Tees Verwendung finden. Aus ihnen und den jungen -Trieben wird ebenso wie aus den unreifen Früchten das als ~essence -de petit grain~ bezeichnete ätherische Öl gewonnen. Besonders reich -an dem Glykosid Hesperidin sind die jungen Früchte, die ebenfalls -als ~Aurantia immatura~ offizinell sind, d. h. in den Apotheken -und Drogerien gehalten werden. Aus den relativ großen, weißen, an -Wohlgeruch diejenigen des Apfelsinenbaums übertreffenden Blüten wird -in großen Mengen das ebenfalls für die Parfümerie wichtige Nafa- -oder Neroliöl -- auch Orangenöl genannt --, ebenso das Orangenwasser -gewonnen. Die kugeligen, tief orangeroten Früchte enthalten ein -bittersaures Fruchtfleisch, dessen Saft wie derjenige der Zitrone -zur Herstellung von Limonade dient, besonders aber zur Bereitung der -berühmten Orangenmarmelade benutzt wird. Zu diesem Zwecke werden -jährlich viele Schiffsladungen Sevillaorangen nach der schottischen -Stadt Dundee, wo dieses Genußmittel hauptsächlich bereitet wird, -importiert. Die sehr dicke, rauhe Schale von tiefer Orangefarbe kommt -als kandierte Pomeranzen- oder bittere Orangenschale oder auch einfach -getrocknet in den Handel. Sie ist die offizinelle Pomeranzenschale -und enthält bis zu 2,4 Prozent das angenehm riechende, aber bittere -Bigaradieöl. Sie wird vorzugsweise zur Bereitung von Likören -(Pomeranzenlikören, Curaçao, Kurfürstlichem Magenbitter aus Danzig -usw.), zur Würze von Weinen (Bischofessenz) und allerlei Konfitüren -benutzt. Da der Stamm des bitterfrüchtigen Orangenbaums sich als -besonders widerstandsfähig erwiesen hat, so benutzt man ihn auch häufig -als Unterlage, um auf ihn andere, weniger widerstandsfähige Citrusarten -aufzupfropfen. Eine Varietät des Pomeranzenbaums ist die chinesische -Bitterorange oder Bigaradie, die kleiner als die Sevillaorange und fast -kugelrund ist und häufig in Sirup eingemacht wird, zumal in Frankreich, -wo sie als ~bigaradier chinois~ in allen Delikatessenhandlungen der -Großstädte zu finden ist. - -Aus seiner südostasiatischen frühesten Kultur gelangte der bittere -Pomeranzenbaum sowohl nach Hinterindien und den Sundainseln, als über -Indien nach Persien. Seit dem Ende des 9. christlichen Jahrhunderts -ist er in Arabien nachweisbar. Die Araber verbreiteten ihn dann im -10. Jahrhundert nach Afrika und Spanien. Im Jahre 1002 finden wir ihn -auch in dem damals von den Arabern (Sarazenen) besetzten Sizilien -frisch eingeführt, wo er auch heute noch einen wesentlichen Bestandteil -der Agrumenplantagen bildet. Die Kreuzfahrer sahen ihn in Syrien und -Palästina und haben ihn wahrscheinlich mit dem Zitronenbaum an die -Riviera gebracht. - -In China und Japan wird die +japanische Zwergorange+, ~kumquat~ oder -~kinkan~ genannt, viel kultiviert. Es ist dies ein niedriger, gegen -Frost empfindlicher Strauch mit kleinen, schmalen Blättern, winzigen -Blüten und etwas über kirschgroßen, von einer sehr aromatischen Schale -bedeckten säuerlichen Früchten, die namentlich von Kindern, auch roh, -gegessen werden. Meist werden sie aber in Sirup eingemacht und gelten -als Delikatesse. In neuerer Zeit werden sie in dieser Zubereitung auch -exportiert. In Ostindien werden die Früchte einer anderen Citrusart, -~marmelo~ genannt, häufig gegessen und ebenfalls besonders gerne mit -Zucker eingekocht. Von ihnen rührt unsere Bezeichnung Marmelade her. -Aus den höchst aromatischen Fruchtschalen der erst seit dem Ende -des 17. Jahrhunderts bekannten +Bergamotte+ (~Citrus bergamea~) mit -blaßgelben Früchten und angenehm säuerlichem Fleisch, das aber für -gewöhnlich nicht gegessen wird, gewinnt man das für die Parfümerien -und die Apotheken sehr wichtige Bergamottöl, während die sehr kleinen -Früchte der myrtenblätterigen Abart (~Citrus myrtifolia~) in Zucker -eingekocht die beliebten „Chinois“ bilden. Wie für alle Agrumen, ist -auch für diese Sizilien der Hauptproduktionsort, das über 100000 kg -Bergamottöl und fast ebensoviel aus Pomeranzen gewonnenes Portugalöl -(vom italienischen ~portogallo~ für die bitterfrüchtige Pomeranze) -jährlich exportiert. Das Bergamottöl ist ein dünnflüssiges, angenehm -riechendes, bitter schmeckendes ätherisches Öl, welches bei längerem -Stehen einen gelben, festen Bodensatz, den Bergamottölkampfer, -ausscheidet. - -In Cochinchina und Südchina ist auch die +Mandarine+ (~Citrus nobilis~) -zu Hause, wo sie seit Urzeiten unter dem Namen ~kan~ kultiviert wird. -Sie ist heute noch in China und in Japan, in welch letzterem Lande sie -~mikan~ genannt wird, die vorzugsweise angebaute Orange, die hier den -Winter über in großer Menge und sehr billig zum Verkauf kommt. Der -Mandarinenbaum ist in allen Teilen kleiner als der Apfelsinenbaum und -durch einen buschigeren Wuchs ausgezeichnet. Die lanzettlichen, schwach -gekerbten Blättchen sitzen an kurzen, kaum geflügelten Blattstielen. -Die in Büscheln stehenden weißen Blüten liefern die bekannten, an den -Polen abgeflachten, kleinen, orangeroten, süßen Früchte, die jetzt -ebenfalls Gegenstand bedeutenden Exportes aus Italien und Spanien -geworden sind. Der Mandarinenbaum gedeiht an der Riviera sogar besser -als der Apfelsinenbaum. Wie gegen Frost, ist er auch gegen heiße, -trockene Winde empfindlich, die hier vollkommen fehlen. Aus seiner -ostasiatischen Heimat gelangte er ziemlich früh nach den Sundainseln, -wo er viel angebaut wird. Erst im Jahre 1828 ist er in Südeuropa -und 1848 in San Remo an der Riviera eingeführt worden. Wegen des -feinen, aber nicht jedermann zusagenden Geschmacks hat die Kultur -der Mandarine im Mittelmeergebiet in den letzten 30 Jahren einen -ganz außerordentlich großen Umfang angenommen und hat besonders im -westlichen Mittelmeergebiet, in Spanien, Algier, Malta, sowie auch noch -in der Provence und in Ligurien Fuß gefaßt. - -Ohne weiter auf verschiedene andere, namentlich in Ostindien -kultivierte Citrusarten mit oft ziemlich großen Früchten einzugehen, -die meist Varietäten der Zitrone sind, wollen wir hier noch einer durch -Veredelung festgehaltenen monströsen Zitronenform gedenken, welche -in Indien hervorging und als +buddhafingerige Zitrone+ beim dortigen -Volke zu allerlei abergläubigen Vorstellungen Veranlassung gab. Diese, -auch in manchen Gärten der Riviera gezogene Art ist eigentlich nichts -anderes als eine erblich gewordene Mißbildung, wie z. B. der Blumenkohl -und unter den Haustieren Mopse, Dachshunde usw. Sie beruht darauf, daß -die einzelnen Fruchtfächer statt zu einer runden Frucht vereinigt zu -bleiben, an ihren Enden frei hervorwachsen. Dadurch bekommt die Frucht -fünf Fortsätze, die entfernt an die vorgestreckten Finger einer Hand -erinnern. - -Noch merkwürdiger ist die ebenfalls bisweilen in den Gärten der -ligurischen Küste angetroffene +Bizzarria+, ein Citrusbaum, der -zugleich Orangen und Zitronen trägt, aber auch solche, welche die -Mitte zwischen jenen beiden Fruchtarten einhalten und solche, an -welchen einzelne Fächer das Aussehen von Orangen, andere wiederum -dasjenige von Zitronen besitzen. Ihre Entstehung ist bis jetzt nicht -endgültig aufgeklärt worden. Die einen halten sie für Bastarde, -während andere meinen, sie seien bei der Veredelung durch zufällige -Vermischung der Eigenschaften der Unterlage und des aufgepfropften -Edelreises entstanden. Sonst weisen die Bastarde im allgemeinen wohl -eine Verschmelzung der elterlichen Eigenschaften, aber kein getrenntes -Nebeneinander derselben wie in diesem Falle bei der Bizzarria auf. -Andererseits lehrt die Erfahrung, die wir täglich bei der Veredelung -unserer Obstbäume, der Rosen und sonstigen Gewächse machen, daß die -Unterlage ohne allen Einfluß auf das Edelreis bleibt, daß beide -vielmehr ihre besonderen Eigenschaften unvermischt beibehalten. - -Nun gibt es aber einen richtigen Bastard zwischen Orange und Zitrone, -die man als +süße Zitrone+ oder +Limette+ bezeichnet. Sie hat kleine -weiße Blüten, eine rundliche bis eiförmige Frucht und geflügelte -Blattstiele. Das süßliche, etwas aromatische Fruchtfleisch wird roh -oder gekocht gegessen und auch zum Einmachen verwendet. Da aber die -Frucht weder die vollen Eigenschaften der Zitrone, noch diejenigen der -Orange besitzt, hat sie keinen besonderen Wert und findet sich deshalb -nur selten angebaut. - - - - -VII. - -Die Gemüsearten. - - -Das Hackfeld, der Vorläufer des Ackerfeldes, auf dem die Körnerfrüchte -als Hauptnahrungsmittel aus dem Pflanzenreiche gezogen wurden, ist -so alt als die menschliche Kultur überhaupt; denn das ist ja das -Kennzeichen der letzteren, daß sich in ihr der Mensch freigemacht hat -von den Zufälligkeiten der Jagd und vorsorgend Nährfrüchte für kommende -schmale Tage zieht. Viel jünger als das Hackfeld ist der als +Garten+ -bezeichnete eingehegte Teil des in Kultur genommenen Bodens, der die -Gemüse genannten Nahrungspflanzen umschließt. Zum Begriff Garten -gehört nun durchaus nicht der Begriff des Zierlichen, den er erst -erlangte, als er zum Ziergarten wurde, sondern es ist das schlichte, -eingehegte Pflanzland beim Hause, im Gegensatz zum offenen Acker. Das -Wort steht begrifflich in enger Beziehung zum gotischen ~gairdan~ -umgürten, einhegen. Dies Pflanzland in nächster Nähe des Hauses lag mit -diesem zusammen in +einer+ Umzäunung, deshalb wurde bei den Germanen -der Völkerwanderungszeit ein Diebstahl aus demselben als Einbruch in -eingehegtes Gut schwerer bestraft als ein solcher aus dem Acker. - -Vom Gemüsegarten des Altertums ist uns im ganzen nur wenig bekannt; -doch lernen wir in einer auf uns gekommenen Schilderung die in ihm -gepflanzten Kräuter kennen. Es ist diejenige des Gärtchens eines -einfachen römischen Landmannes zur Zeit des Augustus, worin der Dichter -Vergil (78-19 v. Chr.), der berühmte Verfasser der Äneis, in einem -bukolischen, ~moretum~, d. h. „Mörsergericht“ benannten Gedicht sagt: - - „Hier war Kohl, hier kräftig die Arme ausstreckender Mangold, - Hier weitwuchernder Ampfer und heilsame Malven und Alant, - Hier die süßliche Möhre und buschige Häupter des Lauches, - Hier auch grünte einschläfernd der Mohn mit kalter Betäubung, - Auch der Salat grünte, der labend die edleren Schmäuse beschließt. - Häufig auch sproßte empor der Rettich mit fleischiger Wurzel, - Und schwer hing an kräftigem Stengel der gelbliche Kürbis.“ - -Ein griechischer Autor unbekannten Namens, in der ~Geoponika~ -genannten, ums Jahr 912 n. Chr. veranstalteten Sammlung von Auszügen -aus guten, alten Schriften über die Land- und Gartenwirtschaft gibt uns -wenigstens über die Anschauungen der Alten in betreff des Gemüsebaues -einen Begriff. Die Stelle ist wichtig genug, um hier wörtlich angeführt -zu werden. Er sagt: „Die Gärtnerei ist für das menschliche Leben von -der größten Wichtigkeit. Wer Gemüsegärtnerei treibt, hat darauf zu -sehen, daß der Samen gut, der Boden passend, Wasser und Mist vorhanden -sind. Aus gutem Samen zieht man gute Pflanzen; passender, fruchtbarer -Boden gibt Gedeihen; Wasser gibt dem Gemüse seine gehörige Größe; der -Mist macht die Erde mürbe, so daß sie das Wasser leichter aufnimmt und -den Wurzeln mitteilt. - -Zur Gärtnerei eignet sich vorzugsweise eine Erde, die weder sehr rauh -ist, noch im Sommer große Risse bekommt. Reiner Ton, der im Winter fest -zusammenfriert, im Sommer aber ganz austrocknet, tötet entweder das in -ihm Gepflanzte oder macht es schwach und dünn. Ein solches Erdreich -kann man kaum durch Beimischung von Dünger auflockern. Durch die -Sprünge, die es beim Eintrocknen im Sommer bekommt, wird es vollends -unbrauchbar. Ein allzurauher (sandiger) Boden kann weder die Pflanzen -ernähren, noch Wasser behalten. Um die Erde zu probieren, wäscht man -sie mit Wasser und hält sie für gut, wenn sie vielen, lockeren Schlamm -als Bodensatz gibt, dagegen für schlecht, wenn sie sich wie Wachs -kneten läßt. - -Den besten Dünger für Gemüse gibt jedenfalls die Asche; sie ist von -Natur warm und tötet die Erdflöhe, Würmer und ähnliche Tierchen. An -Güte folgt dann der Taubenmist, der ebenfalls die kleinen Tiere tötet -und in geringer Menge dasselbe leistet, was eine große Menge andern -Mistes. Manche ziehen den Eselsmist dem Taubenmist vor und behaupten, -er mache die Gemüse süßer. Ausgezeichnet gut ist jedenfalls auch der -Ziegenmist. Fehlt es an den eben besprochenen Mistarten, so kann man -auch andern brauchen; jedoch soll er, wenn möglich, nicht frisch sein, -weil er dann Gewürm erzeugt. Hat er ein Jahr gelegen und wurde er dabei -oft gewendet, so ist er gut.“ - -Dann gibt er ausführliche Anleitung zur Bearbeitung des Bodens und zum -Anlegen der Gartenbeete, die Palladius im 4. Jahrhundert n. Chr. 12 -Fuß lang und 6 Fuß breit zu machen empfiehlt. Letzterer Autor sagt: -um trockenen Boden regelmäßig bewässern zu können, umgebe man die -Beete mit schmalen Dämmen, die so eingerichtet sind, daß man von oben -her Wasser in sie einfließen lassen kann, das dann auf andere Beete -weiterfließt, sobald man den Damm unten öffnet. „Jede Aussaat soll bei -zunehmendem Mond, jede Ernte bei abnehmendem gemacht werden.“ Noch mehr -als heute spielte im Altertum der Aberglaube in der Bewirtschaftung -der Güter eine große Rolle. So rät Palladius gegen Nebel und Rost den -Garten durch Erzeugen von Rauch mit schwelendem Unkraut zu schützen. -„Um den Hagel abzuwehren, droht man dem Himmel mit blutigen Beilen, -oder umgibt den ganzen Garten mit Zaunrüben, oder schlägt eine Eule mit -ausgebreiteten Flügeln an, oder bestreicht die eisernen Gartenwerkzeuge -mit Bärenfett. Manche mischen auch Bärenfett mit Öl und bestreichen -damit die Sicheln und Hippen (gekrümmten Gartenmesser), wenn sie -damit schneiden wollen. Das muß ganz geheim gemacht werden, soll aber -dann so wirksam sein, daß dann kein Nebel und kein einziges Tier mehr -schadet; bleibt die Anwendung des Mittels nicht geheim, so verliert es -augenblicklich seine ganze Kraft. Ganze Weinberge schützt man gegen -Hagel, indem man in deren Mitte das Fell eines kleinen Seehunds über -einen kleinen Weinstock deckt. Alle Samen sollen in Gärten und Feldern -vor jedem Unheil sicher sein, wenn man sie vor der Aussaat mit dem Saft -der Wurzeln der Springgurke tränkt. Ebensogut geschützt dagegen sollen -sie sein, wenn man den Schädel einer Stute oder Eselin im Garten oder -im Felde aufstellt. Ein solcher Schädel soll Segen über alles bringen, -was er anguckt.“ Dasselbe Mittel wird auch in der ~Geoponika~ -als probat für das Gedeihen der Gartengewächse empfohlen, wie auch -das Beimengen von geschnittenem Wegdorn oder zerriebenem getrockneten -Bockshornklee (griechischem Heu) in das Wasser, mit dem man begießt. - -In ähnlicher Weise wie im Altertum wurde der frühmittelalterliche -Gemüsegarten gemäß den sehr geschätzten und von den Schreibkundigen -abgeschriebenen Anleitungen der alten Autoren besorgt. Auch die Anlage -desselben hatte man von den Römern übernommen, und zwar waren es vor -allem die Klöster, die den Völkern Mitteleuropas dieses alte Kulturerbe -übermittelten. Besonders waren es die Benediktinermönche, die eine -große Anzahl von den Römern übernommener Kulturpflanzen über die Alpen -brachten und im 8. und 9. Jahrhundert einen geregelten Gartenbau in -Deutschland einführten. Solche Benediktinermönche befanden sich auch -am Hofe Karls des Großen, dieses gewaltigen Mannes, der neben seinen -sonstigen bedeutenden Leistungen noch Zeit fand, den Garten und seine -Kultur zu fördern. In seinem berühmten ~Capitulare de villis~, -einer Ordnung für die Einrichtung der kaiserlichen Domänen, vom Jahre -812, schrieb er genau vor, welche Pflanzen auf seinen Hofgütern zu -halten seien, so daß wir uns ein ziemlich gutes Bild davon machen -können, wie es damals in diesen Gärten aussah, um so mehr, als auch -zwei Inventaraufnahmen seiner Hofgüter Asnapium und Treola erhalten -sind. Danach wuchsen in ihnen außer Apfel-, Birn-, Kirsch-, Pflaumen-, -Quitten-, Mispel-, Pfirsich-, Aprikosen-, Vogelbeer- und Maulbeerbäumen -und Gebüschen von großen welschen Haselnüssen allerlei Gewürzkräuter -und Gemüse wie Kohl, Mohrrüben, Saubohnen, Kohlrabi, Zwiebeln, -Knoblauch, Schnittlauch, Petersilie, Kerbel, Melde, Bohnenkraut, Dill, -Wiesen- und Gartenkümmel, Koriander, Thymian, Minze, Fenchel, Kresse, -Lattich, Endivie, Erbsen, Melonen, Gurken, Koloquinten, Mohn, Sellerie, -Senf, Anis, aber auch eine Menge heute nicht mehr gebräuchlicher -Heilkräuter, wie Fieberwurz, Haselwurz, Flöhkraut, Schlangenwurz, -Raute, Sadebaum, Frauenminze, Malve, Griechisch Heu, Springwurz, -Poley, Rosmarin, Meerzwiebel, Hauswurz, Salbei, Allermannsharnisch, -Liebstöckel, Meisterwurz und dergleichen mehr. Blumen, die hier -gezogen wurden, wie Rose, Lilie, Nelke, blaue Schwertlilie, Akelei, -Goldlack, Krokus und Päonie verdankten das zunächst nicht der Freude an -ihrer Schönheit, sondern der schon ihrem Dufte, mehr aber noch ihren -zerquetschten Blumenblättern beigelegten Heilwirkung, wie auch der -Krapp seines Färbevermögens wegen gezogen wurde. - -Aus dem Jahre 830 besitzen wir den allerdings nicht zur Ausführung -gelangten Bauriß des schon damals bedeutenden Klosters von St. -Gallen. In ihm werden drei Arten von Gärten unterschieden, nämlich -Obst-, Gemüse- und Arzneikräutergarten. Der Obst- oder Baumgarten -diente zugleich als Begräbnisplatz. Er ist als ein großes, mit Mauern -umgebenes viereckiges Feld gezeichnet, das auf der Seite der Klausur -mit einem einzigen Eingange versehen ist. Die fünf Reihen Gräber -gruppierten sich symmetrisch um das Kreuz in der Mitte und beherbergten -zwischen sich 15 Bäume. Wichtiger war der Gemüsegarten, der wohl zuerst -angelegt wurde, da die Mönche schon wegen der Forderung vegetabilischer -Kost zum Gemüsebau verpflichtet waren. Er lag südlich vom Baumgarten -und bildete ein in zweimal neun Parzellen eingeteiltes Rechteck, in -welchem 18 verschiedene Gemüsearten gezogen wurden. Viel kleiner war -der sich daran anschließende Arzneikräutergarten mit 16 kleinen Beeten, -der neben dem Spital für kranke Brüder lag, in welchem sich der als -Arzt amtende Klosterbruder aufhielt. - -Gehen wir nach dieser kurzen Übersicht über die nachweislich für uns -ältesten Gärten zu den ältesten in Europa kultivierten Gemüsen über, so -ist zunächst festzustellen, daß schon die spätneolithischen Pfahlbauern -an den Ufern der Schweizer Seen vor 4000 Jahren nach einzelnen -Samenfunden die Erbse in einer auffallend kleinen Form, ebenso Pastinak -und Mohrrüben pflanzten. Dazu kamen in der Bronzezeit die Linse in -einer kleinkörnigen Form, die sich zu Beginn der Eisenzeit auch in -Norddeutschland nachweisen läßt, und später die Saubohne. - -Beginnen wir eine eingehendere Würdigung der einzelnen Gemüsearten -mit der +Gartenerbse+ (~Pisum sativum~), deren Bekanntschaft in -Mitteleuropa eine schon sehr alte ist, wie auch die hier altererbte -Benennung beweist. Erbse kommt vom althochdeutschen ~araweiz~, das -mittelhochdeutsch ~erweiz~ lautet und zum neuhochdeutschen Erbse -wurde. Von den Germanenstämmen haben einzig die Angelsachsen den -einheimischen Namen ~earfe~ auf die Wicke übertragen und dafür das -lateinische Lehnwort ~pise~ (~von pisum~), neuenglisch ~pea~ für die -Erbse eingeführt. Die alten Griechen bezeichneten dieses Gemüse, -das sie allerdings nicht sehr viel angepflanzt zu haben scheinen, -in früherer Zeit als ~órobos~, in späterer jedoch meist als ~písos~ -oder ~píson~, woraus dann die Römer, als sie die Nutzpflanze von -ihnen kennen lernten, ~pisum~ machten. Dieses Gemüse muß schon in -früher Zeit in Italien populär gewesen sein, sonst hätte nicht das -plebejische römische Geschlecht der Calpurnier, aus welcher der große, -aus altpatrizischem Geschlechte stammende Julius Cäsar (100-44 v. Chr.) -seine Frau Calpurnia nahm, den Beinamen der Pisonen erhalten; denn -solche volkstümliche Beinamen können nur einer dem Volke altbekannten -Speise oder Feldfrucht entnommen worden sein. - -Zur Zeit des Theophrastos im 4. vorchristlichen Jahrhundert wurde diese -Pflanze überall in Griechenland angebaut. Ihre Kultur muß hier wie in -der Schweiz schon sehr alt sein, denn man hat verkohlte kleine Samen -von ihr schon in der mykenischen Niederlassung von Hissarlik, dem alten -Troja, gefunden. Auch im alten Ägypten wurde sie bereits angepflanzt -und muß nach den zahlreichen Funden von als Totenspeise mitgegebenen -Samen in Gräbern des mittleren Reiches, besonders der 12. Dynastie -(2000-1788 v. Chr.), wie auch der der griechisch-römischen Periode -angehörenden Nekropole von Hawara im Fajûm eine beliebte Speise gewesen -sein. Der ägyptische Name ist uns nicht überliefert worden, wohl aber -der koptische, der ~ti-lakonte~ lautet und auf eine Einwanderung aus -Westasien nach dem Niltal hinweist. - -Die Heimat dieser Kulturpflanze ist unbekannt, da sie nirgends mehr -in wildem Zustande gefunden wird. Manche Botaniker vermuten, daß sie -eine Kulturform der +grauen Erbse+ (~Pisum arvense~) sei, die durch -eckige, braun und graugrün gescheckte Samen ausgezeichnet ist. Diese -letzteren wurden weder in Pfahlbauten, noch in alten Gräbern gefunden, -doch will sie Unger in einem luftgetrockneten Backstein der aus der -Zeit der 5. Dynastie (um 2700 v. Chr.) stammenden Stufenpyramide von -Daschur gefunden haben. Sie wird im Orient und in Europa kultiviert -und findet sich wildwachsend in Hecken und Gebirgswäldern Nord- und -Mittelitaliens; in Griechenland und Syrien kommt sie außerhalb der -Kulturen nur verwildert vor. Da die wenigen aus Fundstellen der -neolithischen, Bronze- und Eisenperiode stammenden Erbsen, wie Buschan -gezeigt hat, eine allmähliche Größenzunahme erkennen lassen, je -jüngeren Alters sie sind, so ist es in der Tat höchst wahrscheinlich, -daß die Gartenerbse von der grauen Erbse (~Pisum arvense~) abstammt. - -In Griechenland wurde die Erbse sicher schon zur Zeit Homers angebaut. -Von Norditalien kam sie früh schon nach der Schweiz, wo sie zur -Bronzezeit ziemlich häufig um die Pfahlbauansiedelungen angepflanzt und -ihre Samen, wie wir aus den verkohlten Überresten ersehen, als Vorrat -für den Winter gesammelt wurden. Für Deutschland ist ihre Kultur mit -Sicherheit erst aus der Hallstattzeit zwischen 750 und 400 v. Chr. -nachgewiesen worden. Sie ist gegen Kälte und Trockenheit empfindlich -und dürfte ihre engere Heimat in Südeuropa haben, von wo aus sie in der -großkörnigeren Kulturform erst zu Beginn des Mittelalters nach Mittel- -und Nordeuropa gelangte. In den Verordnungen Karls des Großen, über die -in seinen Krongütern zu haltenden Pflanzen aus dem Jahre 812 wird sie -als ~pisum mauriscum~ zum Anbau empfohlen. Als die Angeln und Sachsen -vom Unterlauf von Weser und Elbe im 5. Jahrhundert -- zuerst der Sage -nach unter Hengist und Horsa im Jahre 449 -- nach England übersetzten -und sich dieses Land nach wiederholten Einwanderungen unterwarfen, war -ihnen die Erbse noch völlig unbekannt, weshalb sie später, als sie -damit bekannt wurden, das lateinische Lehnwort dafür übernahmen. Bei -Beginn der literarischen Überlieferung war sie in den altnordischen -Ländern bereits eingebürgert und wird im Jahre 1273 unter den Früchten -genannt, von denen dem Herkommen gemäß Zehnten an die Geistlichkeit -zu entrichten sind. Doch aß man von ihnen stets nur die ausgereiften, -getrockneten Samenkörner. Das Verspeisen der noch unreifen grünen -Körner, wie dies bei uns Sitte ist, scheint erst zu Anfang des 17. -Jahrhunderts von Holland aus verbreitet worden zu sein. Fuller, der -1660 die Gärten von Surrey im südöstlichen England beschrieb, bemerkt, -daß man grüne Erbsen kaum anderswo her als aus Holland bekommen könne. -Noch um die Mitte des 17. Jahrhunderts galten junge, grüne Erbsen in -Frankreich als ein teuerer Leckerbissen der Vornehmen. So erzählt -man vom Vater des großen Condé, daß er ums Jahr 1645 über hundert -alte Franken für einen Litron, d. h. 8/10 Liter dieses zarten Gemüses -bezahlt habe. In einer 1665 aufgeführten Komödie betitelt: ~La comédie -des coteaux ou des friands marquis~ erklärt eine der Hauptpersonen, -daß ihre Mittel ihr erst dann grüne Erbsen zu essen erlauben, wenn -dieselben nicht teuerer als für 100 Franken das Litron zu haben sein -werden. Zu demselben Preise handelte sie Heinrich I. von Bourbon, Prinz -von Condé (geb. 1552, focht mit Heinrich von Navarra an der Spitze der -Hugenotten, starb schon am 5. März 1588 vermutlich von seiner Gattin -vergiftet), der Vater des als Feldherrn berühmten großen Condé, auf dem -Markte für sich selbst ein. Noch zu Colberts Zeiten, der 1683 starb, -waren sie so teuer, daß in seiner 1695 erschienenen Biographie erzählt -wird, Feinschmecker hätten das Vergnügen, ein Litron junge Erbsen zu -essen, mit nicht weniger als 200 Franken erkauft. Im Jahre 1696 schrieb -Frau von Maintenon (eigentlich Françoise d’Aubigné, zuerst Erzieherin -der königlichen Kinder, dann die Geliebte und zuletzt, 1685 heimlich -getraut, die Gemahlin Ludwigs XIV.) in einem Briefe: „Hinsichtlich der -grünen Erbsen ist alles beim Alten. Seit vier Tagen sind unsere Prinzen -bloß auf dreierlei Dinge erpicht: sie wollen erstens grüne Erbsen -essen, dann freuen sie sich, welche gegessen zu haben und möchten -fernerhin am liebsten beständig welche essen.“ In einem andern Briefe -von ihr heißt es: „Das Erbsenthema dauert immer noch an; die Ungeduld -und das Vergnügen, sie zu verzehren, die Unersättlichkeit immer noch -mehr davon zu begehren, das sind die Hauptpunkte, über die der Hof seit -vier Tagen verhandelt.“ Noch um die Mitte des 18. Jahrhunderts ließ -die Marquise de Pompadour -- ursprünglich Jeanne Antoinette Poisson ---, die 1745 am Pariser Hofe erschien, um dann die Mätresse Ludwigs -XV. (1715-1774) zu werden und sich bei ihm unentbehrlich zu machen, -mehrfach durch den Polizeileutnant von Paris alle jungen, grünen Erbsen -der Hauptstadt aufkaufen, um damit als kostbarem Leckerbissen den König -bewirten zu können. Erst im Laufe des 19. Jahrhunderts wurden sie ein -so billiges Gemüse, daß sich alle Kreise der Bevölkerung dessen Genuß -zu leisten vermochten. - -Die Erbsen gedeihen fast in jedem nahrhaften, nicht frisch gedüngten -Boden, jedoch muß jedes Jahr mit dem Platze gewechselt werden. Sonst -lieben sie eine freie sonnige Lage und lockeres Erdreich. Im Gegensatz -zu den eigentlichen Erbsen, deren reife Samenkörner ausschließlich -gegessen werden, nennt man diejenigen Formen, von denen nur die -unreifen, grünen Samen verzehrt werden, +Ausmach+- oder +Pahlerbsen+, -während von den +Zuckererbsen+ die ganz jungen, zuckerreichen -Hülsen verspeist werden. Beide zerfallen in hohe Formen, die mit -Stecken gestützt werden müssen, und in niedrig bleibende Formen, die -solches nicht nötig haben, da sie bloß 20-30 cm hoch werden. Die -+Lupinenerbsen+ sind durch sehr große, nahe beieinander stehende -und dadurch viereckig gepreßte Samen ausgezeichnet. Einheimische -afrikanische Erbsen von einiger Bedeutung sind die +ägyptische+ und die -+abessinische Erbse+ (~P. jomardi~ und ~P. abessinicum~), die in ganz -Nordostafrika vielfach kultiviert werden. - -Schon in homerischer Zeit haben die Griechen die +Kichererbse+ -(~Cicer arietinum~) unter dem Namen ~erébinthos~ angepflanzt. Dieses -Wort steht nun in sprachlichem Zusammenhang mit dem althochdeutschen -~araweiz~ (Erbse), weshalb manche Autoren wie V. Hehn diese griechische -Bezeichnung für die Erbse in Anspruch nehmen, was aber jedenfalls -unrichtig ist, da schon der bedeutendste Botaniker Altgriechenlands, -Theophrast (390-286 v. Chr.), die Bezeichnung ~erébinthos~ bestimmt für -die Kichererbse und nicht für die gemeine Gartenerbse, die er ~órobos~ -nennt, braucht. Wegen der Ähnlichkeit ihrer am Ende etwas umgebogenen -Schoten mit einem Widdergehörn hieß sie später bei ihnen vielfach nur -~kríos~, was Widder bedeutet. Unter dieser Bezeichnung gelangte sie -zur Kenntnis der Römer, so daß der römische Ackerbauschriftsteller -Columella im 1. Jahrhundert n. Chr. sie als ~cicer~ bezeichnet, -~quod arietinum vocatur~, d. h. die Kichererbse, welche auch die -„Widderkopfähnliche“ genannt wird. Plinius sagt, sie habe etwas -Saftiges an sich und es gebe von ihr nach Größe, Farbe, Gestalt und -Geschmack der Samenkörner verschiedene Sorten. Ihre Hülsen seien im -Gegensatz zu den langen der übrigen Hülsenfrüchte rund. Der griechische -Arzt Galenos im 2. Jahrhundert n. Chr. sagt: „Die reifen Kichererbsen -(~erébinthos~) sind schwer zu schroten. Bei vielen Völkern werden sie -gekocht vom Menschen verzehrt; sie blähen, sind aber sehr nahrhaft. -Manche Leute essen sie auch, so lange sie noch jung und grün sind, was -auch bei den Saubohnen der Fall ist.“ - -Die Römer scheinen die Kichererbsen durch die süditalischen Griechen -kennen gelernt zu haben; denn ihre Bezeichnung dafür, nämlich cicer, -ist zweifellos aus dem griechischen ~kríos~ hervorgegangen, und hat -sich in wenig veränderter Form in allen romanischen Sprachen bis auf -den heutigen Tag erhalten. Ihre Heimat scheint südlich vom Kaukasus, in -Armenien und Persien zu suchen zu sein, von wo aus sie sich einerseits -nach Indien, wo wir sie sehr früh unter der Sanskritbezeichnung -~chennuka~ treffen, andererseits nach Syrien und Ägypten verbreitete, -ohne indessen in diesen Ländern eine größere Bedeutung für die -Volksernährung zu erlangen. Wahrscheinlich hat der Prophet Jesaias, der -seit 740 v. Chr. zu Jerusalem wirkte, unter der Bezeichnung ~ketsech~ -diese Hülsenfrucht verstanden. In homerischer Zeit war sie als -~erébinthos~ ein Volksnahrungsmittel wie aus einer Stelle im 13. Buche -der Ilias hervorgeht, wo sie neben der Saubohne genannt wird. Helenos, -der Sohn des Königs Priamos von Troja, hatte auf den Atriden Menelaos, -König von Sparta, Bruder des Agamemnon, des Fürsten des goldreichen -Mykene, und Gatte der Helena, die Paris, ein anderer Sohn des Priamos -ihm entführt hatte, wodurch überhaupt der Feldzug der Griechen gegen -die Feste Troja veranlaßt wurde, einen Pfeil abgeschossen, der aber von -der Rüstung des Helden absprang, „wie auf weiter Tenne im Wehen des -Windes die dunkeln Saubohnen (~kýamos~) und Kichererbsen (~erébinthos~) -von der Wurfschaufel springend fliegen“. - -Durch das ganze Altertum wurde die Kichererbse in den östlichen -Mittelmeerländern in ziemlicher Menge angebaut und war wie in -Vorderasien und Ägypten, so auch in Italien recht populär; leitet sich -doch der Familienname des bekannten römischen Redners zu Ende der -Republik Cicero (106-43 v. Chr.) von ihr ab. Wie Zwiebeln und Linsen -in Athen, bildeten Zwiebeln und Kichererbsen im alten Italien die -frugale Mahlzeit der ärmeren Volksklasse wie der römische Dichter Horaz -(65-8 v. Chr.) in einer seiner Satiren sagt; daher wurden auch bei -den seit dem Jahre 173 v. Chr. alljährlich vom 28. April bis 3. Mai -durch ausgelassene mimische Aufführungen und Zirkusspiele gefeierten -Feste der altitalischen Göttin der Blumen und des Frühlings Flora, das -zum erstenmal 238 v. Chr. als Floralien in größerem Maßstabe aber in -unregelmäßigen Intervallen gefeiert wurde, Saubohnen und Kichererbsen -unter das Volk ausgestreut, das sie mit Gelächter aufzufangen suchte. -Noch heute wird diese Fruchtpflanze in Italien viel angebaut und ihre -Samen werden als beliebte Volksspeise gegessen, ebenso in Spanien, -wo die Garbanzos das tägliche Gericht der niederen und mittleren -Volksklassen bilden. Auch in Südfrankreich, Griechenland, ganz -Nordafrika bis Ägypten, Ostindien und China werden sie viel angebaut -in Varietäten mit schwarzen, roten, gelben und weißgelben Samen. Sie -verlangen einen warmen, kräftigen, sandigen Boden und gedeihen noch gut -in Gegenden, wo Bohnen, Erbsen und Linsen vertrocknen. In Deutschland -werden sie -- und zwar gedeiht hier am besten die schwarzsamige Art --- hin und wieder als Kaffeesurrogat angebaut, auch eignen sie sich -gut zum Mästen des Federviehs. Das Kraut wird von den Pferden gerne -gefressen. Da ihr das Klima nicht warm genug ist, fristet sie aber bei -uns nur ein kümmerliches Dasein. - -Besser dagegen wächst hier die als deutsche Kichererbse oder -Kicherling, auch weiße Erve bezeichnete, aus Südeuropa stammende -+Saatplatterbse+ (~Lathyrus sativus~), die noch heute vielfach als -nahrhaftes Grünfutter gepflanzt wird, und deren Samen unreif und reif -wie Erbsen gegessen werden, aber weniger wohlschmeckend als diese -sind. Die Griechen nannten sie ~láthyros~ und die Römer ~cicercula~. -Theophrast sagt von ihr, sie leide leicht durch Würmer, und Columella -rät, sie, die der Erbse (~pisum~) ähnle, im Januar oder Februar -zu säen, und zwar auf guten Boden bei feuchtem Himmel. Sie sauge -von allen Hülsenfrüchten (~legumina~) den Boden am wenigsten aus, -entspreche aber selten der Erwartung, die man auf sie setze, weil -ihr zur Blütezeit Trockenheit und Südwind schaden, und diese träten -gerade oft dann ein, wenn sie in Blüte stehe. Heute noch wird sie im -gebirgigen Griechenland als ~lathuri~ und in Italien als ~cicerchia~ -zur Gewinnung der etwas bitteren Samen als Speise für die Menschen -angebaut. Ihr sehr nahe stehen die wie diese in den Mittelmeerländern -teilweise noch wildwachsend angetroffene +Kicherplatterbse+ (~Lathyrus -cicera~), die ~cicera~ der alten Römer mit rotvioletten Blüten und die -+Ocherplatterbse+ (~Lathyrus ochrus~), die ~óchros~ der Griechen und -~ervilia~ der Römer mit gelben Blüten, die heute noch in Südeuropa -fürs Vieh, seltener zur Gewinnung der Samen als Speise des Menschen -angepflanzt werden, weil sie bitter und schwer verdaulich sind. -Letztere heißt in Italien ~araco nero~. - -Kaum mehr angebaut wird die in den östlichen Mittelmeerländern -heimische +Erdplatterbse+ (~Lathyrus amphicarpus~), deren Blüten nach -der Befruchtung negativ heliotropisch werden und sich wie die der -Erdnuß in den Boden bohren, um hier zu reifen. Theophrast und Plinius -erwähnen sie als Kulturpflanze unter der Bezeichnung ~arachnida~. -Ihr nahe verwandt ist die als +Saubrot+ oder +Erdeichel+ bezeichnete -~Lathyrus tuberosus~, die an den Wurzeln haselnußgroße, außen schwarze, -innen weiße Knollen entwickelt, die süßlich schmecken, besonders nach -dem Kochen in Salzwasser wohlschmeckend wie Kastanien sind und einen -nach Rosen duftenden flüchtigen Stoff enthalten. Sie sind besonders bei -den Tataren als Speise beliebt. Die Schweine wühlen mit Vorliebe nach -ihnen, da sie dieselben leidenschaftlich gerne essen. Die Knollen von -~Lathyrus montanus~, die ähnlich schmecken, dienen in Hochschottland -als sehr beliebte Nahrung. Man trocknet sie, um sie als Proviant auf -die Reise mitzunehmen, und bereitet aus ihnen mit Hilfe von Wasser und -Hefe ein wohlschmeckendes geistiges Getränk. - -Von weiteren für den Menschen heute noch gelegentlich in Betracht -kommenden Hülsenfrüchten ist die im östlichen Mittelmeergebiet -heimische weiße +Lupine+ (~Lupinus albus~) mit weißen Blüten und -gelbweißen Samen zu nennen. Sie wurde im Altertum in Westasien, Ägypten -und den Mittelmeerländern nicht bloß als Grünfutter angepflanzt, -sondern deren Samen dienten auch ohne Teuerung als geschätzte Nahrung -und Arznei für Menschen und Tiere. Von Theophrast im 4. vorchristlichen -Jahrhundert an erwähnen sie alle sich mit Agrikultur beschäftigenden -Autoren und loben sie teilweise wegen ihres Wohlgeschmacks und ihrer -großen Nahrhaftigkeit. Von den Griechen erhielten sie die Römer, die -sie anbauten, um sie teils als Gründünger zu benutzen, teils die -mehlreichen, aber bittern Samen als Speise zu ernten. Sie wird heute -noch in Italien, wie im Orient kultiviert. Im 16. Jahrhundert baute -man sie am Rhein und im 18. Jahrhundert in Sachsen als Feigen- oder -Wolfsbohne an. Besonders zum Gründüngen ist sie wertvoll, das Vieh -aber verschmäht sowohl Blattwerk, als Samen derselben. Die +gemeine -Gartenlupine+ (~Lupinus hirsutus~) mit blauen oder purpurroten, auch -fleischfarbenen Blüten, die an allen Teilen weichhaarig ist, ist im -Mittelmeergebiet zu Hause und wurde bereits von den alten Griechen -kultiviert, deren Samen den ärmeren Volksgenossen als Nahrung dienten, -wie heute noch die an Kultur am weitesten zurückgebliebenen Bewohner -des Peloponnes, die die unzugänglichsten Landschaften Griechenlands -bewohnenden Mainoten, die ihre Häuser festungartig ohne Fenster -errichten und in ausgedehntem Maße der Blutrache huldigen, sie zur -Gewinnung der Samen als Speise anpflanzen. Sonst dient sie meist nur -noch als Viehfutter, da das Vieh Kraut und Samen der Gartenlupine -eifrig frißt. - -Ebenso häufig wird die gleichfalls aus den Mittelmeerländern stammende -+sizilische+ oder richtiger +ägyptische Lupine+ oder +Wolfsbohne+ -(~Lupinus termis~) in Südeuropa angebaut, die ebenfalls ziemlich -weichhaarig ist, weiße Blüten mit blauen Schiffchen hat und Samen -hervorbringt, welche denen der weißen Lupine gleichen, aber größer und -eckiger sind. Sie wurde besonders im alten Ägypten angebaut, wo die -Samen als Volksnahrung dienten und mit Vorliebe den Toten als Speise -in ihre unterirdische Behausung mitgegeben wurden. Von den Ägyptern -erhielten sie die Griechen, die sie als ~térmos~ bezeichneten, eine -Benennung, die aus Ägypten stammt und sich im arabischen ~termus~ bis -auf den heutigen Tag erhielt. Tatsächlich essen die Fellachen Ägyptens -noch heute gern ihre in Salzwasser gekochten und geschälten Samen. Auch -in Italien findet man sie noch ziemlich oft angepflanzt. Von dort kam -sie zu uns, wo sie zwar noch reiche Futtermassen gibt, aber ihre Samen -nicht mehr oder spät zur Reife bringt. Das Vieh liebt sie in hohem Maße. - -Ihr gegenüber bevorzugten die Kulturvölker des Altertums die -+Futterwicke+ (~Vicia sativa~), die sie nicht ausschließlich als -Grünfutter, wie wir, sondern gelegentlich auch noch als Speise für den -Menschen anpflanzten. Diese heute noch in den Mittelmeerländern wild -angetroffene Futterpflanze hieß bei den Griechen ~bíkion~ und bei den -Römern ~vicia~. Columella schreibt über sie: „Die Wicke wird, wenn -sie grün verfüttert werden soll, um die Herbst-Nachtgleiche gesät; -baut man sie aber der Samen wegen, so wird die Aussaat im Januar -vorgenommen. Man kann sie auf ungepflügten Boden säen, besser aber -ist es, vorher zu pflügen. Man sät morgens, jedoch nicht eher als bis -der Tau verschwunden ist; auch darf man nicht mehr säen, als was an -demselben Tage unter den Boden gebracht werden kann. Die geringste -nächtliche Feuchtigkeit verdirbt sie.“ Der griechische Arzt Galenos im -2. Jahrhundert n. Chr. sagt von ihr: „Die Wicke wird als Viehfutter -gebraucht, doch in Hungersnot auch von Menschen, besonders wenn sie -noch jung ist, gegessen, gibt aber eine schlechte Speise. Bei uns heißt -sie nur ~bíkion~, bei den Attikern auch ~árakos~.“ Heute heißt sie -in Griechenland ~bíkos~. Daß die Wicke als Nahrung für den Menschen -schon früh auch in Palästina -- wie wohl allgemein in Westasien und -Ägypten -- angebaut wurde, zeigt uns die Stelle beim Propheten Jesaias, -der seit 740 v. Chr. in Jerusalem wirkte. Da wird in Kap. 28, 27 vom -Ackermann gesagt, er säe Wicken aus wie Weizen, Gerste oder Spelt und -schlage nach der Ernte die Körner derselben mit einem Stecken aus, um -sie zur Speise zu gewinnen. - -Der Wicke sehr nahestehend ist die nach der altrömischen Bezeichnung -dafür ~ervum~ als +Erve+ bezeichnete ~Vicia ervilia~, die noch heute -allgemein in Griechenland unter dem Namen ~orobi~ oder ~robi~ als -Futter für das Rindvieh gepflanzt wird. Dieser Name zeigt noch deutlich -seine Abstammung aus dem altgriechischen ~órobos~ für Erbse. Sie diente -einst auch dem Menschen als Nahrung. Von ihr unterschied bereits der -pflanzenkundige Theophrast im 4. vorchristlichen Jahrhundert einige -Sorten nach Farbe und Geschmack der Samen. Der griechische Arzt -Dioskurides schreibt um die Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr., da sie -nur noch in Zeiten der Teuerung als menschliche Nahrung diente, von -ihr: „Die Erve (~órobos~) ist allgemein bekannt; ihr Genuß schadet -dem Menschen, mästet aber das Rindvieh.“ Sein Zeitgenosse Columella -aus dem südlichen Spanien meint: „Die Erve (~ervum~) bedarf einen -mageren Boden, der auch nicht feucht sein darf; sie wächst sonst zu -üppig und verdirbt. Man kann sie im Januar und Februar säen. Wird sie -im März gesät, so soll sie dann ein schädliches Futter für die Kühe -geben.“ Palladius im 4. Jahrhundert n. Chr., der Verfasser eines noch -im Mittelalter vielbenutzten Werkes über den Landbau, behauptet sogar, -die im März gesäte Erve (~ervum~) mache das Rindvieh toll. Diese -lateinische Bezeichnung ~ervum~ hängt zweifellos wie das griechische -~órobos~ sprachlich mit dem althochdeutschen ~araweiz~, aus dem dann -unser Wort Erbse hervorging, zusammen. - -Wie die Lupine, Wicke und Erve ist auch die +Linse+ (~Ervum lens~) -eine uralte Kulturpflanze, die im östlichen Mittelmeergebiet heimisch -ist und hier sehr früh schon in die menschliche Pflege gelangte und -dahin veredelt wurde, daß sie größere Samen produzierte. In Syrien -und Ägypten wird sie seit grauer Vorzeit vom Menschen angepflanzt. -So fanden sich zu einem Brei gekochte, aber noch teilweise deutlich -als solche erkennbare Linsen in Tonnäpfchen neben grobgemahlener, -gerösteter Gerste mehrfach unter den Grabbeigaben des mittleren -Reiches, speziell der 12. Dynastie (2000-1788 v. Chr.) in einer noch -heute in Ägypten kultivierten kleinsamigen Abart. Ferner tritt uns die -Linse in altägyptischen Inschriften entgegen, so auch auf dem berühmten -Gemälde aus dem Grabe Ramses III. der 20. Dynastie (1198-1167 v. Chr.) -in Theben, das uns einen Blick in die königliche Bäckerei tun läßt. -Dort bemerken wir unter anderem auch einen Diener, der vor dem Kessel -hockt und für die Bäcker Linsen kocht. Die Linsen befinden sich in zwei -neben ihm stehenden Körbchen. Noch in den späteren Zeiten der römischen -Herrschaft trieben die Ägypter im Delta, namentlich in Pelusium an -einer der Nilmündungen, einen lebhaften Handel mit Linsen, die auf -Segelschiffen weithin über die Küsten des östlichen Mittelmeeres -verfrachtet wurden. Noch in der Kaiserzeit wurden viel Linsen nebst -Getreide zur Fütterung der Proletariermassen der Hauptstadt nach -Italien gebracht. So wissen wir, daß das mächtige Transportschiff, -das im Jahre 39 n. Chr., zur Zeit des Kaisers Caligula (regierte von -37-41 n. Chr.), den ungeheuer schweren, 25,5 m langen Obelisken von -der Fassade des Tempels des Sonnengottes Re in Heliopolis nach Rom -brachte, als Ballast 120000 Scheffel Linsen aus Ägypten mitbrachte. -Dieser gewaltige Monolith aus Syenit mit heute unkenntlich gewordenen -Hieroglyphen wurde damals im vatikanischen Zirkus aufgestellt. Noch -steht auf seinem Sockel die Widmung an Augustus und Tiberius zu lesen. -Unter Papst Sixtus V. wurde er dann 1586 von seinem alten Standort bei -der Sakristei von St. Peter unter gewaltigen Schwierigkeiten in die -Mitte der Ellipse des Platzes vor der Peterskirche aufgestellt und -dabei festgestellt, daß das Gewicht dieses Kolosses 963537 römische -Pfund beträgt. Übrigens beweist die ganz unägyptische, dagegen sehr -stark semitisch anmutende ägyptische Bezeichnung ~arshana~ für Linsen, -daß diese Samenpflanze Ägypten ursprünglich fremd war und aus Westasien -ins Niltal gelangt sein muß. - -Auch bei den alten Juden dienten die Linsen bereits im 2. -vorchristlichen Jahrtausend als sehr beliebte Speise, wie die uns -allen von Jugend auf bekannte Geschichte Esaus, d. h. des Behaarten, -beweist, der als Sohn Isaaks und der Rebekka um ein Linsengericht sein -Erstgeburtsrecht an seinen nach ihm geborenen Zwillingsbruder Jakob -verkaufte. In dieser Erzählung des Alten Testaments wird die Farbe des -Linsengerichtes als rot bezeichnet, was darauf hinweist, daß jene Samen -vor dem Kochen nach gehörigem Aufweichen in Wasser enthülst wurden, -ein Brauch, der jetzt noch in Ägypten üblich ist und ihnen eine -rosenrote Farbe verleiht. Als David, der als zweiter König von Israel -nach Sauls Fall von 1033 v. Chr. 40 Jahre lang, bis 993 den Thron von -Juda behauptete, vor seinem aufrührerischen Sohne Absalom in die Wüste -östlich vom Jordan floh, da brachten seine Freunde ihm und seinen -Begleitern Weizen, Gerste, Mehl, geröstete Ähren, Saubohnen, +Linsen+, -Grütze, Honig, Butter, Käse, Schafe und Rinder, „denn sie dachten, das -Volk werde hungrig, müde und durstig sein in der Wüste“. Und als die -Philister sich versammelten, um gegen David zu ziehen, da „versammelten -sie sich zu einer Rotte und war daselbst ein Stück Acker voll Linsen. -Da trat Samna, der Sohn Hagas, des Harariters, mitten auf das Stück -und schlug die Philister und Gott gab ein großes Heil.“ Die hebräische -Bezeichnung ~adaschim~ für Linsen hat sich übrigens im arabischen -~adas~ oder ~ads~ bis auf den heutigen Tag erhalten. - -Da sie leichter verdaulich und zudem nahrhafter als die Erbsen sind, -wurden sie wie in ganz Vorderasien und im Nilland auch in Kleinasien -angepflanzt und als Volksnahrungsmittel gegessen. Dazu wurden sie -meist mit Öl und Knoblauch gekocht; bisweilen wurde auch in Zeiten -der Not eine Art Brot daraus gebacken. Reste derselben kleinsamigen -Abart der Linse wie in Ägypten fanden sich auch in der zweituntersten -spätneolithischen Schicht von Troja, dem heutigen Hissarlik, dann -in den bronzezeitlichen Ansiedelungen Ungarns, Norditaliens und der -Schweiz. Auch aus Fundstätten der Eisenperiode sind Überreste von -Linsen mehrfach zutage gefördert worden. Das vergleichende Studium -all dieser Funde führte nun Buschan zu dem Ergebnis, daß alle -vorgeschichtlichen Linsen weit kleiner sind, als die jetzt gebauten. -Dabei ist es ziemlich sicher, daß die kultivierte Linse von der auf -einigen Plätzen von Kleinasien bis Afghanistan häufig anzutreffenden -Feldlinse (~Lens schnittspahni~) abstammt. - -Nach den Angaben der Schriftsteller des Altertums war die Linse von -alters her ein Nahrungsmittel besonders der ärmeren Volksklassen; -in Zeiten der Not wurde ihr Mehl mit Gerstenmehl vermischt zu Brot -verbacken. Ihrer großen Bedeutung als Volksnahrungsmittel entsprechend -war ihr Anbau ein sehr ausgedehnter. Noch zur Römerzeit bildete sie -einen wichtigen Exportartikel des Landes. Auch die Griechen der älteren -Zeit bauten sie unter dem Namen ~phakós~ viel an und bezeichneten -das daraus bereitete Gericht ~phakḗ~, doch aß sie seit der Mitte des -5. vorchristlichen Jahrhunderts in Athen nur noch das niedere Volk. -Der Begüterte und Gebildete enthielt sich jedoch dieser gemeinen -Nährfrucht. In einer Komödie des attischen Dichters Aristophanes (geb. -um 455 v. Chr., trat 427 zuerst als Dichter auf und starb 387) heißt -es von einem Athener: „jetzt, da er reich geworden ist, mag er keine -Linsen mehr, während er früher, da er noch arm war, aß was ihm vorkam.“ -Und beim Lustspieldichter Phenecrates aus Athen, der um 440 bis 415 -v. Chr. dramatisch tätig war, ruft eine Person in einem Stücke: „Nur -keine Linsen! -- Wer Linsen ißt, riecht aus dem Munde.“ Die Römer -nannten sie ~lens~, was darauf hindeutet, daß sie diese Nährfrucht -schon vor ihrer Bekanntschaft mit den Griechen kannten, und bezogen sie -während der Kaiserzeit, wie wir bereits sahen, in großen Mengen aus -Ägypten. Der ältere Cato (234 bis 149 v. Chr.) lehrt in seinem Buche -über die Landwirtschaft, wie man Linsen zu säen habe und wie man sie -am besten mit Essig zubereite. Auch bei den Totenmählern setzte man -im alten Italien wie dem Verstorbenen, so auch den Lebenden Linsen -und Salz als geschätzte Speise vor. Durch die Vermittlung der Römer -lernten dann die Völker nördlich der Alpen, wie schon die hier heute -noch gebräuchlichen Bezeichnungen dafür beweisen, diese ihnen bis dahin -unbekannte Nährfrucht kennen. - -Wie einst im Altertum sind die Linsen heute noch den Beduinen -Palästinas, Mesopotamiens und Arabiens ein sehr wichtiges -Nahrungsmittel, weshalb sie außer in Westasien auch in ganz -Nordostafrika viel angebaut werden. Im Hochlande von Abessinien wird -übrigens eine besondere Varietät unserer Linse in verschiedenen Sorten -kultiviert und dient als beliebtes Volksnahrungsmittel. - -Die einzige in vorgeschichtlicher Zeit in Mittel- und Nordeuropa -angepflanzte +Bohne+ ist die +große+ oder +Saubohne+, auch +Puffbohne+ -genannt (~Vicia faba major~ und ~minor~) mit schwarzgefleckten weißen -Blüten, die heute in zahlreichen Varietäten kultiviert wird. Es war -dies die Bohne der alten Germanen, der ~kýamos~ der Griechen, die -~faba~ der Römer, nach der das berühmte Patriziergeschlecht der Fabier -genannt wurde, dessen Mitglieder, 306 an der Zahl, im Jahre 477 -v. Chr. im Kampf gegen die Bewohner von Veji bis auf einen einzigen, -in Rom zurückgebliebenen Knaben fielen. Allerdings besaß die Bohne bei -den Völkern des Altertums nicht solche Verbreitung und Beliebtheit wie -Erbse und Linse; aber bei manchen Völkern stand sie in um so höherem -Ansehen. Bei den Hebräern war die Saubohne nach dem Zeugnisse der -Bibel schon ums Jahr 1000 v. Chr. als Volksnahrungsmittel bekannt und -beliebt. Auch die alten Ägypter aßen sie. So haben sich in einem Grabe -des mittleren Reiches aus der 12. Dynastie (2000-1788 v. Chr.) in der -Totenstadt von Theben einige, gegenüber der heutigen etwas kleinere -Samen der Saubohne als Totenbeigabe gefunden. Immerhin erlangte -diese Nährfrucht keinerlei Bedeutung für das Land, so daß wir die an -sich falsche Behauptung des griechischen Geschichtschreibers Herodot -(484-424 v. Chr.), der ja selbst in Ägypten und Babylonien war und -dem wir ein Urteil in dieser Sache zuerkennen dürfen, einigermaßen -begreifen. Er schreibt nämlich: „Saubohnen pflanzt man aber nicht in -Ägypten, und die herauskommen, ißt man nicht so (wie bei uns -- also -roh, so lange die Samen noch unreif sind), noch speist man sie gekocht. -Die Priester ertragen nicht einmal ihren Anblick.“ Als Grund der -Verpönung mutmaßt Herodot die starken Blähungen, die sie verursachen. -Der griechische Schriftsteller Plutarch (50-120 n. Chr.) dagegen -sagt, die Saubohnen seien den ägyptischen Priestern verboten, weil -sie zu stark nähren. Das ist natürlich eine falsche Annahme dieses -Autoren. Wir werden bald erkennen, was der wirkliche Grund dieser -Speiseentsagung war. - -Bei den Griechenstämmen dagegen spielten die Saubohnen schon seit den -ältesten Zeiten eine nicht unwichtige Rolle als Nahrungsmittel. So -werden schon in der Ilias ~kýamoi melanochrōes~, d. h. schwarzsamige -Bohnen, die nichts anderes als Saubohnen waren, als Speise der Helden -erwähnt, und in den Trümmern von Troja sind reichliche verkohlte -Vorräte von Saubohnen gefunden worden, die heute noch nach Schliemann -eine der gewöhnlichsten Ackerfrüchte der Troas bilden. In Griechenland -und noch mehr in Italien war sie von jeher bis heute ein sehr -beliebtes Volksnahrungsmittel. Auf griechischem Boden tritt sie uns -vorgeschichtlich in einem bronzezeitlichen Fund aus Heraklea auf Kreta -entgegen. In Oberitalien ist sie sogar aus dem Ende der neolithischen -Zeit vor etwa 4000 Jahren nachgewiesen. Nördlich der Alpen läßt sie -sich, wie die Funde der Pfahlbauten des Bieler, Neuenburger und Murtner -Sees beweisen, erst in der Bronzezeit zwischen 1800 und 1500 v. Chr., -und in Norddeutschland erst zu Beginn der als Hallstattperiode -bezeichneten ersten Eisenzeit nach 750 v. Chr. nachweisen. Im -europäischen Norden haben wir Funde von Saubohnen bis jetzt erst aus -der Völkerwanderungszeit, doch beweist der gemeingermanische Bohnenname --- althochdeutsch ~bôna~ --, der nur dem Gotischen fehlt, daß ihr Anbau -bis in die vorgeschichtliche Zeit zurückreicht. Jedenfalls kannten sie -die Angeln und Sachsen vor ihrer Auswanderung nach England, wie die -angelsächsische Bezeichnung ~bean~, altnordisch ~bon~, althochdeutsch -~bôna~, mittelhochdeutsch ~bone~ für das neuhochdeutsche Wort Bohne -beweist. Wenn freilich der ältere Plinius, der von 45-52 n. Chr. in -der römischen Reiterei in Germanien diente und unter den Kaisern -Nero und Vespasian mehrere hohe Zivil- und Militärämter bekleidete, -in seiner Naturgeschichte berichtet, die römischen Soldaten hätten -die Nordseeinsel Burcana (vielleicht das heutige Borkum) wegen der -Menge der dort angeblich wild wachsenden Bohnen Fabaria genannt, und -wenn derselbe Autor an einer anderen Stelle eine weitere Nordseeinsel -mit dem augenscheinlich germanischen Namen Baunonia „Bohneninsel“ -erwähnt, so ist unter diesen wildwachsenden ~fabae~ oder Bohnen nach -de Candolle, Buchenau und Krause nicht die Saubohne, sondern eine -Erbsenart, ~Pisum maritimum~, zu verstehen, die heute noch massenhaft -auf den Dünen der Nordseeinseln wild wächst. - -Nach den eingehenden Untersuchungen von Buschan lassen sich unter den -seit der Bronzezeit kultivierten vorgeschichtlichen Bohnen wenigstens -zwei Abarten unterscheiden, nämlich eine kleinere, rundliche, die den -östlichen Fundstätten: Kleinasien, Griechenland, Ungarn und Schweiz -eigen ist, und eine längere, flache, die in Spanien, Südfrankreich -und Deutschland ausschließlich gefunden wird. In Oberitalien scheinen -beide zusammenzutreffen. Wahrscheinlich sind sie von entgegengesetzten -Richtungen ausgegangen, die kleinere, rundliche vom Orient und die -lange, flache von Westen. De Candolle hat diesen doppelten Ursprung -vermutet und seine Ansicht ist durch Buschans Untersuchungen bestätigt -und ergänzt worden. Die Heimat der ersteren ist in Südkaspien, -diejenige der letzteren dagegen in Spanien und Nordafrika zu suchen. -Beide Abarten, die unserer Sau- und Pferdebohne entsprechen, sind nahe -Verwandte der wilden Wicke, und zwar dürfte die Stammart der Form -mit längeren, flachen Bohnen ~Vicia narbonensis~ sein, eine in den -Mittelmeerländern und in Westasien bis nach dem Kaukasus, Nordpersien -und Mesopotamien hin wild wachsende Wickenart, die schon im Altertum -kultiviert wurde. Heute noch wird diese als schwarze Ackerbohne -bezeichnete Art in Frankreich und Italien, aber auch bei uns in -leichtem Boden als Viehfutter angebaut und gibt in mildem Klima einen -reichen Ertrag an Körnern. - -Die schwarzen Flecken in den weißen Blüten der Saubohne galten im -Altertum als Schriftzeichen des Todes; demgemäß galt die Pflanze -als Symbol des Todes. Deshalb durften die ägyptischen Priester -keine Saubohnen essen, während das Volk solche, im Altägyptischen -~arschan~ genannt, aß. Auch der 580 v. Chr. in Samos geborene große -griechische Philosoph Pythagoras der 529 nach Kroton in Unteritalien -übersiedelte, um der Gewaltherrschaft des Tyrannen Polykrates von -Samos zu entgehen, und hier einen später weit verbreiteten, durch die -ägyptische Geheimlehre weitgehend beeinflußten Bund stiftete, der -ethische und politische Zwecke verfolgte, verbot seinen Schülern den -Genuß von Saubohnen. Sonst wurden solche vornehmlich bei Totenmählern -und Trauerfesten als Speise aufgetragen. Auf dem heiligen Wege von -Athen nach Eleusis stand ein dem Bohnengott Kyamites geweihter Tempel, -in welchem das zu den dem Dienste der unterirdischen Mächte und des -Unsterblichkeitsglaubens gewidmeten Mysterien ausziehende Volk dem mit -dem Tod in Zusammenhang gebrachten Gotte Saubohnen als Todessymbole -opferte. Auch im alten Italien brachte man den Unterirdischen -Bohnenopfer dar, so warf der Hausvater an dem am 9., 11. und 13. Mai -gefeierten Feste der Lemurien zur Versöhnung der als schreckhafte, -übelwollende Spukgeister gedachten Lemuren oder bösen Geister -Verstorbener nachts schwarze Saubohnen über den Kopf hinter sich, um -sich und die Seinigen von deren Macht zu lösen; und am 21. April, an -welchem Tage der Sage nach die Stadt Rom gegründet worden sein soll, -besprengte man am Feste der altitalischen Hirtengöttin Pales -- deren -Name, nebenbei bemerkt, dem Worte ~palatium~ auf dem palatinischen -Hügel zugrunde liegt, woraus dann unsere Bezeichnung Palast -hervorging --, den Palilien, den Boden mit einem in Wasser getauchten -Lorbeerzweige, entzündete darauf ein Feuer mit Bohnenstroh und sprang -zur Entsühnung darüber, trieb auch seine Herdentiere hindurch, um sie -im kommenden Jahre vor Erkrankung und allem Bösen zu schützen. In Athen -dienten weiße und schwarze Bohnen, die als Ja und Nein galten, zur -Abstimmung. - -Auch bei anderen Völkern Europas, besonders bei den Germanen und -Slawen, wurden Saubohnen speziell zu Totenopfern gebraucht. Die -verschiedenen, auf die Saubohnen bezüglichen Zeugnisse der Inder, -Griechen, Römer, Germanen und Slawen hat nun L. von Schröder eingehend -geprüft und kam dabei zum sichergestellten Ergebnis, daß die Saubohnen -schon in der indogermanischen Urzeit als Speise für die Lebenden und -dann auch als Opfer für die Geister der Abgeschiedenen bekannt und -beliebt waren. Während sich dieser uralte Gebrauch bei den meisten -indogermanischen Stämmen mehr oder weniger verwischte, blieb er -besonders bei den in sakralen Dingen so überaus konservativen Römern in -der altertümlichen Form als nächtlicherweile mit abgewandtem Gesicht -dargebrachtes Opfer an die Geister der Verstorbenen erhalten. Das -altertümliche ist hier eben die scheue Abwehr dieser gefürchteten -Geister. Aber über die Indogermanen hinaus muß dieses Bohnenopfer -an die Totengeister in der Urzeit in der Alten Welt weit verbreitet -gewesen sein; denn auch die Ägypter und Vorderasiaten übten solches -einst, und daher rührt die Scheu der Lebenden, besonders wenn sie -priesterliche Funktionen ausübten, diese mehr und mehr als Totenspeise -geltende Frucht zu essen. Weil sie den Toten geopfert wurde, galt sie -eben vielen als unrein und ungeeignet als Speise der Lebenden. - -Bei den Indogermanen Südeuropas blieb die Saubohne aber auch für die -Lebenden späterhin die wichtige Speise, die sie den Vorfahren jener -Stämme seit grauer Vorzeit gewesen war. Zahlreiche Stellen aus den -Schriften des Altertums sprechen von ihr als geschätztem Nahrungsmittel -für Menschen und Tiere. Schon in Homers Ilias werden sie wie die -Kichererbsen auf der Tenne durch Worfeln gereinigt. Nach dem römischen -Ackerbauschriftsteller Columella im 1. Jahrhundert n. Chr. wurden -sie von Mitte November bis Ende Dezember auf recht fettem oder gut -gedüngtem Boden, am besten im Tale nach vorhergehendem Pflügen, wie -das Getreide gesät und dann geeggt, damit sie recht tief zu liegen -kamen. Er meint: „Die Saubohnen (~fabae~) erschöpfen das Land nicht so -sehr wie manche andere Frucht; jedenfalls gedeiht aber das Getreide -auf einem Acker, der brach gelegen hat, besser, als auf einem, der -jene Hülsenfrucht (~siliqua~) getragen hat. Das Ausdreschen der -Bohnen macht keine Schwierigkeit. Man legt eine mäßige Anzahl von -aufgelösten Bündeln an das eine Ende der Tenne, vier bis fünf Leute -treiben die Bündel mit den Füßen allmählich bis ans andere Ende und -schlagen sie dabei mit Stöcken. Sind sie ans Ende gelangt, so legen -sie das ausgedroschene Bohnenstroh auf einen Haufen; die Bohnen selbst -liegen auf der Tenne, und über diese werden auch die übrigen Bündel -hingetrieben und ausgedroschen. Um dann die Bohnen noch von der -Spreu zu sondern, bringt man sie auf einen Haufen, wirft sie mit der -Worfschaufel (aus Holz) weit weg, wobei die Spreu eher niederfällt -und sich dabei absondert.“ Wenig später als Columella schreibt der -ältere Plinius in seiner Naturgeschichte: „Unter den Hülsenfrüchten -nimmt die Saubohne (~faba~) den ersten Rang ein. Das aus ihnen -gewonnene Mehl heißt ~lomentum~ und vergrößert das Gewicht anderer -Mehlsorten, was auch die übrigen Hülsenfrüchte tun. Die Saubohne wird -vielfach für Menschen und Vieh als Nahrung gebraucht und deswegen -in den Handel gebracht. Bei den meisten Völkern wird sie unter das -Getreide, besonders die Kolbenhirse, gemischt. Nach alter Sitte -wird auch Saubohnenbrei bei Opfern verwendet. Übrigens glaubt man, -daß der Genuß der Saubohnen die Sinne abstumpft und Schlaflosigkeit -verursacht. Aus diesem Grunde hat Pythagoras ihren Genuß verboten, -oder, wie andere meinen, weil er glaubte, in ihnen stäken die Seelen -Verstorbener. Jedenfalls braucht man sie um dieses Glaubens willen bei -Leichenfeierlichkeiten (zum Totenschmause). Varro gibt an, der Priester -der Schutzgottheiten esse erstens deswegen keine Saubohnen, weil Seelen -in ihnen stecken, und zweitens, weil auf ihren Blüten Trauerbuchstaben -stehen. Es gilt übrigens als ein gutes Vorzeichen, wenn man vom Felde -eine Saubohne mit nach Hause bringt; deshalb wird sie auch ~referiva~ -genannt. Bei Versteigerungen steckt man sie ebenfalls zu sich, um einen -guten Kauf zu machen. Jedenfalls ist sie die einzige Feldfrucht, welche -sich bei zunehmendem Monde wieder füllt, wenn sie hohl genagt ist. -(Natürlich auch ein Aberglaube, der daran trotz ihrer hohen Bildung -so reichen Römer!) In Seewasser oder anderem gesalzenen Wasser kann -man sie nicht weich kochen. Man sät sie entweder im Herbste, oder im -Frühling; doch glauben die meisten Leute, die Herbstsaat gebe Hülsen -und Stengel, die das Vieh lieber frißt. Während der Blütezeit ist ihr -reichliche Bewässerung zuträglich, nachher aber nicht. In Mazedonien -und Thessalien pflügt man sie, sobald sie zu blühen begonnen hat, zur -Düngung unter.“ Der um 150 n. Chr. lebende römische Schriftsteller -Gellius sagt: „Der römische ~flamen dialis~ (Oberpriester des Jupiter) -darf weder eine Ziege, noch rohes Fleisch, noch Efeu, noch Saubohnen -berühren, noch auch deren Namen aussprechen.“ Der griechische Arzt -Dioskurides, im 1. Jahrhundert n. Chr., behauptet von der Saubohne -(~kýamos~), sie sei jung oder alt schwer zu essen, blähe, mache -schweren Atem und störe den Schlaf. Doch bekomme sie besser, wenn -man das erste Wasser beim Kochen weggieße. Das Mehl der Bohne werde -äußerlich als Heilmittel aufgelegt. Auch sein Volksgenosse und Kollege -Galenos im 2. Jahrhundert n. Chr. urteilt über sie, sie blähe, man -möge sie zubereiten wie man wolle. Man gebe sie als Brei gekocht oder -gebacken vornehmlich den Gladiatoren zu essen, da sie viel Fleisch -ansetze, das aber nicht fest, sondern mehr schwammig sei. Junge, grüne -Saubohnen essen manche Leute roh oder kochen sie mit Zusatz von Fett. -Auch als Pferdefutter waren sie neben der Gerste sehr beliebt. So -schreibt Columella: „Sind gesunde Pferde mager, so kommen sie schneller -durch gerösteten Weizen als durch Gerste zu Kräften. Auch gibt man -ihnen Wein zu trinken. Später geht man allmählich von dieser Fütterung -ab und gewöhnt sie an Saubohnen und reine Gerste.“ - -Trotz ihrer blähenden Wirkung war die Saubohne auch bei den Kelten und -Iberiern als Nährfrucht sehr verbreitet. Von der keltischen Bevölkerung -der Poebene sagt Plinius, daß sie, wie die übrigen Gallier, zum -Mehle der Kolbenhirse (~panicum~) stets auch Saubohnenmehl mischten. -Überhaupt werde dort nichts ohne Beigabe von Saubohnenmehl bereitet. -Diese Vorliebe hat sich lange erhalten. Auch die Germanen nahmen später -diese Nährfrucht von ihren Nachbarn an. So ist ihr Anbau durch das im -5. Jahrhundert in mittelalterlichem Latein aufgezeichnete Volksrecht -der salischen Franken und durch das Breviarium und das ~Capitulare -de villis~ Karls des Großen vom Jahre 812 genugsam bezeugt. Da in -letzterem von ~fabae majores~, d. h. größeren Saubohnen die Rede ist, -so waren damals offenbar neben diesen auch die kleineren in Kultur, -letztere vielleicht nur als Viehfutter, wie heute noch. Die größere -Art aber, die eigentliche Saubohne, dient noch jetzt in ganz Südeuropa -als beliebtes Volksnahrungsmittel und ihre unreifen Samen werden -gern roh mit Brot verspeist. Vom frühen Mittelalter an bildeten sie -mit den Erbsen und Linsen recht eigentlich eine Hauptnahrung weiter -Kreise der Bevölkerung Mitteleuropas. Alle drei Hülsenfrüchte wurden -in der christlichen Zeit mit der Einführung strenger Fasttage als -gebräuchlichste Fastenspeise besonders häufig kultiviert. - -Im Morgenlande dagegen waren die Saubohnen früh in Mißkredit geraten. -So vermieden es die alten Ägypter schon im letzten vorchristlichen -Jahrtausend, Saubohnen als nach ihrer Ansicht unreine Speise zu essen. -Sie zogen deren Samenkörnern diejenigen der in den Teichen massenhaft -gezogenen, aus dem fernen Indien zu ihnen gelangten blaublühenden -Lotosblume (~Nelumbium speciosum~) vor, die lange Zeit allgemein -als Nahrung dienten, so daß sie die Griechen und Römer geradezu als -ägyptische Bohnen (~fabae aegyptiacae~) bezeichneten. Als aber die -sie liefernde Pflanze eine immer größere Rolle im Kultus spielte und -damit zu einer heiligen gestempelt wurde, verboten die Priester auch -dem gemeinen Volke den Genuß dieser Speise, die sie selbst wegen der -Heiligkeit, die von ihnen der Erzeugerin der Samen beigemessen wurde, -schon längst mieden. Dieses Verbot war um so leichter durchzuführen, -als die alten Ägypter in den Samen der bereits erwähnten Wolfsbohne -(~Lupinus termis~) -- arabisch ~termus~ -- eine kräftige, heute -noch im Niltal vielfach angepflanzte Nahrung besaßen. Später wurden -dann in jenem Lande als wichtige Körnerfrucht die im tropischen -Afrika heimische Bohnenart mit schwarzgenabelten Samen, ~Dolichos -melanophthalmos~, eingeführt. - -Die alten Griechen dagegen lernten durch den Zug Alexanders des -Großen nach Indien im Jahre 327 v. Chr. eine damit verwandte niedere -Bohnenart kennen, von der sie Samen in ihre Heimat mitbrachten. Es -ist dies die heute noch in Ostindien im großen angebaute ~Dolichos -biflorus~, deren junge Hülsen und reife Samen als beliebte Nahrung -für Menschen und Tiere dienen. Ihre Blüten sind violett oder weiß, -die Samen dunkel gefärbt und werden nur von der vornehmsten Kaste der -Brahmanen als für sie, die Göttersöhne, unpassende Speise verschmäht. -Der ausgezeichnete Pflanzenkenner Theophrast, der nach Alexander dem -Großen Schüler des Aristoteles war, erwähnt sie unter der Bezeichnung -~dólichos~. Er schreibt über sie in seiner Pflanzengeschichte: „Die -~dólichos~ ist eine Hülsenfrucht; sie steigt hoch an Stangen empor und -trägt dann Früchte. Fehlt die Stange, so mißrät sie und überzieht sich -mit Mehltau.“ Der griechische Arzt Dioskurides um die Mitte des 1. -Jahrhunderts n. Chr. dagegen nennt sie ~phasíolos~ und sagt von ihr, -sie sei schwer zu verdauen, blähe, mache einen schweren Atem. Grün -gekocht bekomme sie besser. Als ~phasiolus~ tritt sie uns bei Plinius -entgegen, der in seiner Naturgeschichte angibt, man esse von ihr die -grünen Hülsen mit den Samen. Man könne sie in jedes beliebige Land -von Mitte Oktober bis Anfang November säen. Sind sie reif, so müssen -sie bald geerntet werden, da sonst die Samen leicht ausfallen und -dann verloren gehen. Sein Zeitgenosse Columella nennt sie ~faseolus~ -und sagt, man säe sie zur Zeit, da die Hirse geerntet werde, wenn -nämlich die Hülsen jung vom Menschen gegessen werden sollen. „Sollen -aber reife Samen gezogen werden, so sät man sie erst Ende Oktober oder -Anfang November. -- Wenn man Salat einmacht, so legt man auch ganze -grüne Bohnen (mit der Hülse: ~faseolus viridis integer~) dazwischen; -sie müssen vorher einen Tag und eine Nacht in Salzwasser geweicht -und dann wieder etwas getrocknet sein.“ Mit den Römern, die sie -ziemlich häufig gegessen zu haben scheinen, gelangte sie auch in die -Länder nördlich der Alpen, wo sie aber nicht gedeihen konnte, da es -ihr hier zu kalt war. Wenn wir daher im ~Capitulare de villis~ Karls -des Großen vom Jahre 812 neben den ~fabae majores~, den Saubohnen, -die uns von gleichzeitigen Geschichtschreibern als beliebte Speise -der Franken hingestellt werden, als weiteres Gemüse den ~faseolus~ -erwähnt finden, so kann dies kaum eine der durch ihr Wärmebedürfnis -ausgezeichneten Dolichosarten, wie sie noch in Italien gedieh, gewesen -sein, sondern war nach Körnicke vermutlich die rotblühende Felderbse -(~Pisum arvense~), von der wir sahen, daß sie schon im Altertum in -den Mittelmeerländern kultiviert wurde. Jedenfalls steht fest, daß -der Name ~phaseolus~ im Mittelalter auf die Erbse übertragen wurde. -Die Bezeichnung ~fasol~ (und das davon herrührende faseln) war in -Oberdeutschland bis zum Bekanntwerden der amerikanischen Gartenbohne, -ja noch bis ins 17. Jahrhundert hinein der allgemein angewandte -volkstümliche Name für Erbsen. Vom 16. Jahrhundert ging er dann auf -die damals neu eingeführte Gartenbohne über, begünstigt vom zufälligen -Gleichklang des amerikanischen Wortes ~frisol~ für letztere, woraus das -spanische ~frijol~ für Saubohne und ~fajol~ für Gartenbohne und daraus -endlich das neuhochdeutsche Fisole stammt. - -Unsere +gemeine Gartenbohne+ oder +Fisole+ -- italienisch ~fagiolo~ -und neugriechisch ~fasulia~ -- auch +Schminkbohne+ genannt, weil das -Mehl ihrer Samen die Haut glättet und deshalb als ein Bestandteil -der weißen Schminke benutzt wurde (~Phaseolus vulgaris~), die in 70 -Spielarten windend als Stangen-, Speck-, Kugel-, Eier- und Negerbohnen, -oder nicht windend als Busch-, Zwerg-, Zucker- oder Frühbohnen auf -dem Felde und im Garten der grünen, unreifen Hülsen und reifen Samen -halber kultiviert wird, stammt mit der von den Peruanern ebenfalls -als Gemüsefrucht gezogenen +Feuerbohne+ (~Phaseolus multiflorus~) -aus Südamerika und verdrängte nach ihrer Einführung durch die -Spanier mit ihren ertragreicheren und härteren, weißen Samen bald -die schwarzsamige Dolichosbohne Ostindiens aus Südeuropa. Diese -heute bei uns allgemein verbreiteten neuweltlichen Gartenbohnen -hat man nicht nur in Südamerika, in den Gräbern des Totenfeldes -von Ancon in Peru, sondern auch in Nordamerika als Grabbeigabe in -vorgeschichtlichen Gräbern gefunden, als Beweis dafür, daß dieses -Gemüse schon lange vor der Entdeckung Amerikas durch die Europäer aus -seiner südamerikanischen Heimat, wo sie zur Kulturpflanze erhoben -wurde, durch den ganzen Kontinent, und zwar in mehreren Spielarten, -die wir heute noch kultivieren, bis weit nach Norden verbreitet -worden war. Die großen botanischen Werke aus der zweiten Hälfte des -16. Jahrhunderts unterscheiden sehr wohl zwischen amerikanischen und -ägyptischen, d. h. also Dolichosbohnen. Der französische Arzt und -Botaniker Clusius (Charles de l’Ecluse, geb. 1525 zu Arras, war von -1571-1587 kaiserlicher Gartendirektor in Wien unter Maximilian II. und -von 1593 an Professor der Botanik in Leiden in den Niederlanden, wo er -1609 starb) sah die weißsamige Gartenbohne zuerst 1564 bei Gelegenheit -einer naturwissenschaftlichen Reise in Spanien und kurz darauf die -Feuerbohne mit grellroten Blüten und schmutzig rot oder violett und -schwarz marmorierten Samen in einem Kloster zu Lissabon. Dort erhielt -er auch Bohnensamen aus Brasilien zum Geschenk. Diesen brachte er nach -seiner Heimat Frankreich mit und ließ ihn hier wachsen. Die daraus -erzielten Samen schenkte er an seine Freunde weiter, die sie wiederum -in ihren Gärten pflanzten. So verbreiteten sich diese „welschen“ oder -„Stangenbohnen“ in den verschiedensten Arten immer weiter unter dem -Volke und wurden zu dem unentbehrlichen Gemüse, das sie heute sind; -doch ging die Kunde der Einführung der ersteren aus der Neuen Welt -später verloren, bis erst im 18. Jahrhundert diese Tatsache aufs neue -erkannt wurde. So war der Regensburger Apotheker J. Weinmann einer der -ersten, der in seinem vierbändigen, von 1737-1745 herausgegebenen, in -Kupfer gestochenen Pflanzenatlas mit erläuterndem Text die Ansicht -äußert, daß die Gartenbohnen wie der Mais aus Amerika stamme. Er -unterscheidet diese als amerikanische und brasilische Bohnen sehr -wohl von den vor der Entdeckung Amerikas einzig in Europa gepflanzten -ägyptischen Bohnen der Gattung Dolichos. - -Schon im 17. Jahrhundert waren diese amerikanischen Gartenbohnen so -volkstümlich, daß ihre Samen zu dem von den niederländischen Malern mit -Vorliebe dargestellten Bohnenfeste benutzt wurden. Dieses am 5. Januar -gefeierte „Bohnenkönigsfest“, in Frankreich unter der Bezeichnung „~Le -roi boit~“ bekannt, war ein Nachklang an die römischen Saturnalien, -einem der ältesten und volkstümlichsten italischen Feste, das in Rom -am 17. Dezember zu Ehren Saturns, des altitalischen Gottes der Saaten -und der Fruchtbarkeit überhaupt, gefeiert wurde. Dieses unter den -römischen Kaisern auf eine volle Woche ausgedehnte Fest bedeutete -eine sinnbildliche Rückkehr zu jenen glücklichen Zeiten, da unter -der Regierung des als Herrscher von Latium gedachten Gottes, den man -dem griechischen Gotte Chronos gleichstellte, nur Friede und Freude, -allgemeine Freiheit und Gleichheit unter den Menschen geherrscht haben -sollen. Daher wurden die Saturnalien mit ausgelassenem Jubel und -allgemeinem Schmausen begangen, an dem auch die Sklaven Anteil hatten. -Sie saßen mit ihren Herrn zu Tische und wurden von diesen zuerst -bedient, genossen überhaupt unbeschränkte Freiheit. Man beschenkte -sich gegenseitig mit allerhand Geschenken, besonders mit Wachskerzen -und kleinen Tonfiguren, wie sie die Kinder als Spielzeug gebrauchten, -eine Sitte, deren Nachhall in der christlichen Weihnachtsfeier nicht zu -verkennen ist. - -Auch in der römischen Armee wurde das Fest, aber in ihrer Weise -gefeiert. Durchs Los wurde ein König für die Festzeit bestimmt, dem -sich alle zu fügen hatten. Seine unbeschränkte Macht hatte aber bald -ein Ende, indem er am Ende der Saturnalien als Sühnopfer geschlachtet -wurde. Ein Zeichen, wie brutal diese Berufssoldaten, die ja für -Straßenbau und andere Werke der Kultur in den Provinzen zweifellos sehr -große Verdienste sich erwarben, im tiefsten Grunde waren. Später wurde -meist ein Verbrecher mit dieser zweifelhaften Würde bekleidet, indem -man ihm einige Tage vor der Hinrichtung diese letzte Freude gewährte. -Und als das römische Weltreich in den Wirren der Völkerwanderung -zugrunde gegangen war, hatte sich in Frankreich, England, in den -Niederlanden und am Rhein dieser aus der Zeit der römischen Besatzung -stammende, ursprünglich ernsthafte Brauch als scherzhaftes Volksfest -erhalten. Es fand am 5. Januar statt und der König des Tages wurde in -jeder Familie in der Weise gewählt, daß ein Königskuchen verspeist -wurde, in welchem eine Bohne hineingebacken war; wer diese in seinem -Stücke fand, war König und wählte sich eine Königin und einen Hofstaat, -der ihn auf alle erdenkliche Weise bedienen mußte. So oft der König -trank, mußte der ganze Kreis rufen: Der König trinkt! weshalb eben -dieses Fest in Frankreich nur „~le roi boit~“ genannt wurde. Wer -den Ruf unterließ, der mußte „zur Strafe trinken“, wie man sich in -Studentenkreisen ausdrückt „in die Kanne steigen“, oder etwas zahlen -oder ein Pfand geben, das nachher ausgelost wurde und damit wiederum -Gelegenheit zu neuen Lachereien und ausgelassenen Scherzen gab. Bei -dieser burlesken Feier wurde auch das berühmte, bisher allerdings in -einem zuverlässigen alten Texte noch nicht aufgefundene „Bohnenlied“ -gesungen, das mit Zweideutigkeiten so gepfeffert war, daß heute -noch das Sprichwort von einer allzustarken Zumutung sagt, es gehe -noch über das Bohnenlied. Daß solche ausgelassene häusliche Szenen -die derben, naturalistischen niederländischen Maler zur Wiedergabe -reizten, ist ja sehr wohl begreiflich. So haben flämische wie -holländische Maler, Katholiken wie Protestanten, wie Jakob Jordaens, -die beiden David Teniers, Jan Steen, Gabriel Metsu und wie sie alle -heißen, mit innerlichstem Vergnügen dieses lachende, mutwillige Fest -geschildert. Außer den Niederlanden kannten auch das von deutschen -Franken durchsetzte Nordfrankreich sowie England die Sitte sogut wie -in Deutschland die Rheingegend. „Diser Brauch der Künigreich, darinn -auch viel Buoberei geschicht, ist fürnehmlich gmein am Reinstrom“, sagt -im 16. Jahrhundert der bekannte süddeutsche, lange im Elsaß lebende -Sittenschilderer Sebastian Franck, der 1542 in Basel starb. - -Eine noch weit wichtigere Rolle, als bei uns die aus Südamerika -eingeführten Gartenbohnen, spielt in ganz Ostasien die +Sojabohne+ -(~Glycine hispida~) als eine überaus wichtige Kulturpflanze. Von -den vier in Asien und Afrika wachsenden Glycinearten kommt die -wahrscheinlich ihre Stammform bildende Art in China, Japan und den -Amurländern wild vor. Als solche ist sie viel kleiner und weniger -verzweigt als die Kulturpflanze, die sich in vielen Varietäten in -weiter Verbreitung in Asien, besonders in China und Japan vorfindet. -Sie ist eine einjährige Pflanze mit 0,5-1 m hohem, etwas windendem -Stengel, langgestielten, dreizähligen Blättern, die wie Stengel und -Zweige dicht rotbraun behaart sind, kurzgestielten Blütenträubchen -mit kleinen, unscheinbaren, blaßvioletten Blüten und sichelförmig -gekrümmten, trockenhäutigen, rötlich behaarten Hülsen mit 2-5 Samen. -Sie braucht zu ihrer Entwicklung viel Licht und hochgradige Wärme und -gedeiht außer in den Tropen nur in den Subtropen als Sommergewächs. -Für eine ergiebige Kultur verlangt sie trockenen, tiefgründigen, an -mineralischen Nährstoffen reichen Boden. Ein großer Vorzug derselben -besteht in einer bedeutenden Anpassungsfähigkeit an Boden und -Klima, in der Immunität gegen Schmarotzerpilze und nie versiegender -Fruchtbarkeit. Bei uns in Mitteleuropa hat sie begreiflicherweise -keine befriedigenden Resultate gegeben, da ihre Vegetationszeit selbst -im warmen Klima 130 Tage beträgt und daher die Samen hier nicht mehr -reifen. Diese letzteren sind rundlich, länglich oder nierenförmig, -gelblich, braunrot, grünlich oder schwarz. Ihr Nährwert ist gegenüber -den übrigen Hülsenfrüchten ein sehr hoher und durch hohen Fettgehalt -ausgezeichnet. In dem so überaus volkreichen China lebt ein großer -Teil der Bevölkerung von Sojagerichten, auch dient sie vielfach zur -Gewinnung von Speiseöl. Hier ist die Kultur der Sojabohne bereits seit -4700 Jahren nachzuweisen, indem Kaiser Schen-nung ums Jahr 2800 -v. Chr. solche neben den damals gebräuchlichen vier Getreidearten: -Reis, Gerste, Weizen und Hirse beim Frühlingsfeste zur Aufmunterung des -Volkes höchst eigenhändig pflanzte. Wie in China wird auch in Japan, -das ebensowenig Tiermilch produziert und deshalb keine Butter besitzt, -der aus ihnen gewonnene fettige Brei zum Schmelzen der Speisen benutzt -und die sehr eiweißreichen Sojagerichte dienen in diesem Lande bis zu -einem gewissen Grade als Ersatz des nur selten gegessenen Fleisches. -Besonders wertvoll sind die Sojabohnen den Japanern zur Herstellung -der von ihnen als große Delikatesse geschätzten Sojasauce +Shoju+, die -nicht nur in ganz Ost- und Südasien sehr beliebt ist, sondern auch -in Europa mehr und mehr Anerkennung findet; dient sie doch in erster -Linie zur Bereitung der berühmten englischen Worcestersauce, die ja in -vielen vornehmen Haushaltungen auch des Kontinentes gebraucht wird. Um -die Shojusauce zu bereiten werden gleiche Teile Sojabohnen und Weizen -genommen und 1-3 Teile Wasser hinzugefügt. Die Bohnen werden halbgar -gekocht, der Weizen geröstet und gemahlen, darauf wird alles gründlich -vermengt und etwas gedämpfter Reis mit Kulturen des Schimmelpilzes -~Aspergillus oryzae~ dazu getan. Das Ganze wird in Holzkästen drei Tage -lang einer Temperatur von +25° C. ausgesetzt, wobei sich die Masse -vollständig mit Schimmel bedeckt. Hierauf wird sie mit Hinzugabe von -1-6 Teilen Kochsalz in große Holzkübel getan, worin sie längerer Gärung -bei möglichst niedriger Temperatur überlassen wird. Der anfangs dicke, -graue Brei wird wiederholt umgerührt, wobei er allmählich flüssiger -wird und schließlich eine braune Farbe annimmt. Die Gärung dauert 2-5 -Jahre und das Produkt ist um so feiner, je länger sie bestanden hat. -Neben dem ziemlich dicken, tiefbraunen Shoju, von dem man wegen seiner -Stärke nur sehr wenig nehmen darf, wird in Japan noch ein anderes -Sojapräparat, ein weniger durchgreifend vergorener Brei, der +Miso+, -viel verwendet. Ebenfalls als Würzmittel dient der aus einem wässerigen -Auszuge der gekochten Sojabohnen durch Kochsalz gefällte +Tofu+. -Daneben werden verschiedene andere Präparate aus dieser Bohnenfrucht in -Verbindung mit Salz und meist auch gekochtem Reis von allen Schichten -der Bevölkerung Japans in großer Menge gegessen. Sehr beliebt und durch -Händler überall auf den Straßen der japanischen Städte feilgeboten sind -besonders süße Kuchen aus Sojabohnenmehl und ein aus gekochten und -zerquetschten Sojabohnen durch Gärung infolge Stehenlassens im Keller -erzeugter, mit Shojusauce gewürzter Käse. In Österreich dagegen werden -die Sojabohnen als beliebtes Kaffeesurrogat benutzt. - -Die wichtigste Bohnenart Ostindiens ist die +Mungobohne+ (~Phaseolus -mungo~), deren junge Sprossen ebenfalls rotbraun behaart sind. Die -sehr kleine, 4-5 cm lange Hülse enthält 10-15 grasgrüne Samen, die -kaum ein Drittel so groß wie Erbsen sind und einen deutlichen Nabel -aufweisen. Sie ist im Lande selbst heimisch und wächst im Himalaja -bei etwa 2000 m Höhe wild. Die ansehnliche Zahl von Spielarten und das -Vorhandensein von drei verschiedenen indischen Namen für sie beweisen -mit Sicherheit, daß diese Nährfrucht schon sehr lange in jenem Lande -gebaut wird. Sehr früh kam sie nach Ägypten und in die Länder am oberen -Nil, später auch nach Ostafrika, wo sie ebenfalls sehr geschätzt und -wie unsere Gartenbohnen zubereitet wird. Sonst ist die hauptsächlich -in Afrika gepflanzte Bohne die hochwindende +Helmbohne+ (~Dolichos -lablab~) mit sehr langgestielten Blütentrauben, die nach dem Verblühen -noch weiter wachsen. Die kahle, ziemlich flachgedrückte Hülse enthält -2-5 bohnengroße Samen, deren weißer Nabel fast die ganze Längsseite -derselben einnimmt und durch seine Form an die Raupen früherer -Soldatenhelme, wie sie namentlich in Bayern getragen wurden, erinnert. -Ursprünglich im tropischen Afrika heimisch, wird diese Pflanze jetzt -der jungen Hülsen und schwarzen oder braunen Samen wegen überall in -den Tropen und Subtropen als eine der wichtigsten Gemüsepflanzen -in vielen Varietäten kultiviert. Ebenfalls afrikanischen Ursprungs -scheint die nirgends mehr wild angetroffene +Lubiabohne+ (~Dolichos -lubia~) zu sein, die schon lange in der Nilgegend, ebenso in Syrien, -Persien und Indien angebaut wird. Im alten Ägypten war sie noch nicht -bekannt; jedenfalls hat sie sich erst im Laufe der letzten zwei -Jahrtausende nach Vorder- und Südasien verbreitet. Gleicherweise ist -der gelbblühende +indische Bohnenstrauch+ (~Cajanus indicus~), der -namentlich in Ostindien, aber auch in Italien und Südamerika fleißig -kultiviert wird, in Afrika heimisch. Er findet sich im tropischen Teile -des Kontinents bis nach Oberägypten hin wild, und wird heute noch in -Nubien und dem ägyptischen Sudan der Samen wegen angebaut, die nach -Form und Größe unseren Erbsen gleichen, aber nicht so wohlschmeckend -und zudem schwer verdaulich sind. Dieser Schmetterlingsblütler muß -bereits im alten Ägypten angebaut worden sein, da man unter den vorhin -mehrfach genannten Gräberfunden des mittleren Reiches in Theben aus der -Zeit der 12. Dynastie (2000-1788 v. Chr.) auch einen Samen von ihm fand. - -Die +mondförmige Bohne+ (~Phaseolus lunatus~) dagegen, die heute in -Afrika fast überall zwischen den Wendekreisen angebaut wird und sich -neuerdings über Indien nach China verbreitet hat, stammt zweifellos aus -Südamerika, wo sie ausschließlich in Zentralbrasilien und in der Region -des Amazonenstromes wild gefunden wird. Ihre Samen finden sich mehrfach -unter den Grabbeigaben des Totenfeldes von Ancon in Peru. Schon vor der -Ankunft der Europäer hatte sich diese Bohnenart in einer durch die -Kultur großfrüchtig gewordenen Form durch ganz Süd- und Zentralamerika -verbreitet und scheint dann durch portugiesische Sklavenhändler -zuerst nach der Guineaküste gebracht worden zu sein, von wo aus sie -sich mit der Zeit über ganz Afrika und später auch Süd- und Ostasien -verbreitete. Erst vor wenigen Jahrzehnten ist endlich die mit 30-40 cm -langen, hellgrünen Hülsen ausgestattete +Riesenbohne+ (~Phaseolus -sesquipedalis~), die ein ausgezeichnetes Gemüse liefert, aus ihrer -Heimat, dem tropischen Amerika, nach Südasien und Südeuropa gebracht -worden, wo sie sich zunehmender Beliebtheit erfreut. - -Im warmen Afrika heimisch, wo sie in Nubien, Kordofan, Sennar und -Abessinien wildwachsend angetroffen wird, ist der heute vielfach -zwischen den Wendekreisen, auch in der Türkei und in Griechenland, -besonders aber in Ostindien als Gemüsepflanze angebaute +eßbare -Eibisch+ (~Hibiscus esculentus~) oder die +Gombobohne+, auch ~ochro~, -von den Arabern ~bamia~, im Sudan ~weka~ genannt. Sie hat gelbe Blüten -und wird medizinisch wie unser Eibisch verwendet. Die ganz jungen -Früchte werden wie Kapern eingemacht, die alten bis 8 cm langen -fünfkantigen Samenkapseln dagegen werden unreif als wohlschmeckende -und nahrhafte Speise ganz gekocht oder man benutzt dazu nur die -unreifen, bohnenförmigen, grauen Samen, die viel Schleim enthalten -und teilweise den Speisen hinzugesetzt werden. Die reifen Bohnen -dagegen verwendet man zu einem beliebten, warm getrunkenen, wie Kaffee -bereiteten und deshalb auch als Gombokaffee bezeichneten Getränk. -Sie werden gebrannt, zerstoßen und mit heißem Wasser ausgezogen; die -dadurch entstandene kaffeeartige Brühe besitzt einen sehr angenehmen, -gewürzhaften Geschmack und wirkt nicht nervenerregend wie der arabische -Kaffee. Die Kultur der Pflanze ist in Ägypten eine sehr alte und findet -sich bereits in einem Grabe der 12. Dynastie (2000-1877 v. Chr.) in -Beni Hassan dargestellt. In von der Darstellung der Rebenkulturen -abweichenden Laubengängen, die dicht mit den rankenden Schossen -der Pflanze überzogen sind, sind drei Arbeiter mit dem Abpflücken -der charakteristisch dargestellten Schoten beschäftigt. Einer -derselben, der hockt, da ihm der niedere Bogengang nicht erlaubt sich -aufzurichten, wirft die Früchte in einen hohen Korb mit durchbrochenem -Geflecht. Der daneben in einem höheren Bogen ganz aufrecht stehende -zweite Arbeiter trägt in seiner Linken einen kleinen, viereckigen, -an zwei Schnüren getragenen Korb und langt mit der Rechten nach den -Früchten in das Gerank hinein. Der dritte bückt sich, um Nachsuche in -den Stauden zu halten, während ein vierter Arbeiter in zwei großen, -an einer Stange über der Schulter getragenen Körben die gepflückten -Früchte wegträgt. - -Im Mittelalter hat der arabische Gelehrte Abdul Abbas Enabati, der 1216 -Ägypten bereiste, den Gombo gut beschrieben, ebenso der Venezianer -Prosper Alpino (1553-1617), der ihn nach einem Aufenthalt in Ägypten -in seinem Werk über ägyptische Pflanzen genau abbildete und als -~Bamia moschata~ beschrieb. Ein naher Verwandter desselben ist der -+Bisameibisch+ (~Hibiscus abelmoschus~), der ebenfalls in Ägypten wie -überall in den Tropen, auch in Amerika, kultiviert wird. Es ist ein -2-3 m hoher, in Ostindien heimischer Strauch mit großen, gelben, -im Grunde dunkelroten Blüten. Seine erbsengroßen, nierenförmigen, -schwarzbraunen, in frischem Zustande stark nach Bisam (Moschus) -riechenden und bitterlich schmeckenden Samen mit erhabenen braunen -Rippen, die Bisam- oder Abelmoschuskörner, dienten früher als -krampfstillendes Mittel; jetzt werden sie nur noch zu Parfümerien, -besonders zur Herstellung des wohlriechenden zyprischen Haarpuders -verwendet. Früher benutzte man sie auch, namentlich in Frankreich, zur -Anfertigung von Rosenkränzen. Die Stengel dieses, wie besonders auch -des zu diesem Zwecke in Indien gepflanzten ~Hibiscus tetraphyllus~ -liefern juteartige Bastfasern, die als Bandakaifasern in den Handel -gelangen und in Nordamerika auch zur Papierfabrikation benutzt werden. - -Unter den Doldenblütlern sind +Pastinak+ und +Mohrrübe+ die ältesten -Gemüsepflanzen, deren durch Kultur fleischig gewordene Wurzeln, wie wir -sahen, schon vor mehr als 4000 Jahren von den neolithischen Pfahlbauern -an den Ufern der Schweizerseen gegessen wurden. Allerdings mögen sie in -jener Frühzeit noch recht bescheidene Speise dem hungernden Menschen, -der sie in Kultur nahm, geboten haben; denn diese allenthalben in -Europa und Nordasien wild wachsenden Pflanzen haben von Natur aus eine -magere, dünne Pfahlwurzel, da eine fleischige für sie zwecklos ist. -Sie sind einjährige Pflanzen, die blühen und Frucht tragen wollen. -Selbst durch reichliche Ernährung und sorgfältige Pflege sind sie -nicht dazu zu bringen, fleischige Wurzeln zu bilden; das tun sie nur -dann, wenn man sie nicht in einem Jahre ihre Vegetationszeit vollenden -läßt, so daß sie gezwungen werden zur Beendigung ihres Daseins, das -in der Fruchtbildung gipfelt, für das nächste Jahr Nahrungsstoffe -aufzuspeichern. Hierdurch erst schwellen die Wurzeln an und geben -eine schmackhafte Kost ab. Diesen Prozeß hat man mehrfach künstlich -studiert, so unter den ersten der gelehrte französische Landwirt -Vilmorins vom Jahre 1832 an. Er mochte es anstellen wie er wollte, -durch kein Mittel konnte er von ihm ausgesäte wilde Mohrrüben zur -Verdickung ihrer Wurzel durch Aufspeichern von Reservenahrungsstoffen -bringen. Erst als er sie gegen Ende Juni zum drittenmal säte, zu einer -Zeit also, da die Pflanzen statt der ihnen sonst zu Gebote stehenden -acht Monate nur deren zwei zu ihrem Wachstume zur Verfügung hatten, -bildeten nicht alle, aber einige wenige Exemplare Reservespeicher -durch Anschwellung ihrer sonst dünnen Pfahlwurzeln, um im kommenden -Jahre ihren in der Fruchtbildung gipfelnden Vegetationsprozeß zu Ende -zu führen. Auf diese Weise hat die Pflanze, die nur +ein+ Jahr leben -sollte, aber nicht vergehen wollte ohne Frucht getrieben zu haben, -sich die Möglichkeit geschaffen, doppelt so lange zu leben. Diese paar -sorgsam überwinterten Möhren beendeten ihren Vegetationsprozeß im -nächsten Jahre, und unter den von ihnen erzielten Sämlingen erwies sich -etwa ein Fünftel als getreue Erbinnen der mütterlichen Fähigkeiten. -Die schönsten, dickwurzeligsten unter ihnen wurden ausgesucht, um zur -Vermehrung verwendet zu werden. Schon in der vierten Generation war die -Gewohnheit, im ersten Jahre keine Frucht zu treiben, bei der Mehrzahl -der Nachkommen vorherrschend. Noch einige Generationen weiter, und der -Prozentsatz der Pflanzen, die nach alter Sitte im ersten Jahre blühten, -war fast gleich Null, und aus der wilden Möhre war eine Gemüsepflanze -geworden, die als zweijährige in allen Fällen reichen Reservestoff in -ihrer dick und fleischig gewordenen Wurzel aufspeicherte. - -Was in der Gegenwart das zielbewußte Experiment, das hat in der -Vergangenheit gelegentlich der Zufall gezeitigt. So sind vielfach -aus unschmackhaften Wildlingen vor Tausenden von Jahren schmackhafte -Gemüsepflanzen geworden. Unter ihnen hat der in manchen Gegenden -angebaute +Pastinak+ (~Pastinaca sativa~) eine weiße, der weißen -Varietät der gelben Rübe sehr ähnliche Wurzel. Durch ihren scharfen -Geruch und stark aromatischen Geschmack kann sie aber leicht von dieser -unterschieden werden. Ihre Stammform ist eine bei uns auf feuchten -Wiesen und an Flußufern häufig wild vorkommende einjährige Pflanze -mit gelben, stark aromatisch riechenden Blüten. Bei der zweijährigen -Kulturform, die 30-90 cm hoch wird, ist die Wurzel wie die der gelben -Rübe zu bedeutender Mächtigkeit gebracht worden. Sie kommt bei uns nur -vereinzelt auf den Markt und spielt fast mehr die Rolle eines Gewürzes, -als die eines selbständigen Gemüses, wie etwa die Petersilie. Sie -gedeiht am besten in tiefgründigem, lehmigem Boden und wurde wie bei -den Pfahlbauern der späteren neolithischen und Bronzezeit auch bei -den alten Ägyptern, die sie ~makmakchai~ nannten, angebaut; ebenso -bei den Griechen, die sie ~elaphobóskon~, d. h. Hirschfraß nannten. -Diese eigentümliche Bezeichnung erklärt uns der um die Mitte des 1. -Jahrhunderts n. Chr. lebende griechische Arzt Dioskurides, indem er -in seinem Arzneibuch schreibt: „Der Pastinak ist eine Doldenpflanze -mit zwei Finger breiten, sehr langen, zurückgebogenen und etwas rauhen -Blättern. Der Stamm hat mehrere Äste, die Dolden tragen, welche denen -des Dills ähnlich sind, gelbliche Blüten und Samen wie sie der Dill -hat. Die Wurzel ist etwa drei Finger breit lang, einen Finger dick, -weiß, süß, eßbar. Auch der junge, zarte Stamm wird als Gemüse gegessen. -Man sagt, die Hirsche fräßen die Pastinakwurzel als Schutzmittel gegen -Schlangenbiß und gibt deshalb zu gleichem Zwecke auch den Menschen -die Samen in Wein.“ Sein Zeitgenosse, der ältere Plinius, nennt auch -das ~elaphoboscon~, daneben aber auch ~pastinaca~, von dem er zwei -Arten erwähnt. Auch im Mittelalter wurde der Pastinak in Süd- und -Mitteleuropa angepflanzt. Noch vor hundert Jahren spielte er bei uns -eine ziemlich große Rolle als Gemüsepflanze, bis er durch den Anbau der -Kartoffel mehr und mehr eingeschränkt und in vielen Gegenden von jener -völlig verdrängt wurde, obschon er einige Vorteile vor der so häufig -gepflanzten Mohrrübe gewährt. Er liefert nämlich auf geeignetem Boden -höhere Erträge nahrhafteren Futters, seine Kultur ist leichter und sie -ist widerstandsfähiger gegen die Kälte und erträgt sogar im Freien -unsere strengen Winter. Die feineren Sorten werden nur für die Küche -gebaut und müssen frostfrei überwintert werden. Die Samen wurden früher -medizinisch benutzt. Eine nahe verwandte zweijährige Art, ~Pastinaka -sekakul~, die in Syrien und Ägypten heimisch ist, wird sehr viel im -Orient als wohlschmeckendes Wurzelgemüse angepflanzt. - - Tafel 45. - - -[Illustration: Japanische Küche, in welcher teilweise Wurzelgemüse -zubereitet werden.] - -[Illustration: - - Tafel 46. - -Japanische Gemüsehändler in Tokio.] - -Die +Mohrrübe+ oder +Möhre+, auch +gelbe Rübe+ genannt (~Daucus -carota~), stammt von einem bei uns auf trockenen Wiesen und an -Wegrändern häufig angetroffenen einjährigen Wildling, dessen dünne, -fadenförmige Wurzel von schwach aromatischem Geruch in der Kultur zu -einer dicken, fleischigen Pfahlwurzel wurde. Sie ist eine zweijährige, -30-60 cm hoch werdende Doldenpflanze, die in jedem gut zubereiteten, -dungkräftigen Boden, wenn er locker ist und eine sonnige Lage aufweist, -gedeiht. Bei Mangel an Kalksalzen im Boden sinkt der Zuckergehalt, -der bei der Speisemöhre durchschnittlich 1,58 Prozent beträgt. Bei -den Futtermöhren kommt es hauptsächlich auf großen Ertrag an. Als -Speisemöhren dienen die mit zarterer, zuckerreicher, aus Weiß rot oder -gelb gewordener fleischiger Wurzel, die sich bei den Frankfurter Möhren -allmählich zuspitzt, während sie bei den Pariser und Holländer Möhren, -die wir Karotten nennen, kurz und unten rundlich abgestumpft ist und -in ein feines Würzelchen ausläuft. Mit Trockenfutter gemengt, sind die -Mohrrüben ein sehr gedeihliches Futter für alle Haustiere und eignen -sich auch für die Mästung; auch das Kraut wird von den Rindern gern -gefressen. Der gelbrote Farbstoff heißt Karotin. Aus dem Safte bereitet -man einen Sirup, wie das süße Wurzelfleisch auch zu Kuchen verwendet -wird. Geröstet dient es als Kaffeesurrogat. Die Mohrrübe wurde wie die -gewöhnliche oder weiße Rübe nicht nur von den Griechen und Römern, -sondern auch von den germanischen Völkern vor ihrem Bekanntwerden mit -der römischen Kultur unter dem althochdeutschen Namen ~morha~ angebaut -und gern gegessen. Allerdings mögen die von ihnen kultivierten Sorten -keine besonderen Vorzüge vor denen anderer Völker gehabt haben. Wenn -nun Plinius berichtet, daß sich der Kaiser Tiberius, der von 14-37 -n. Chr. regierte, seine Mohrrüben alljährlich von Germanien kommen -ließ und der Rettich in Germanien die Größe „neugeborener Kinder“ -erreichte, so ist nicht etwa an einheimische Möhren und Rettiche zu -denken, die von den Germanen selbst kultiviert worden wären, sondern -handelt es sich dabei jedenfalls um eingeführte römische Sorten, die -in den Militärkolonien am Rhein gezogen wurden und unter dem kühleren -Himmel Germaniens besonders gut gediehen. Karl der Große empfahl sie -als ~carruca~ seinen Franken zur Kultur und ließ sie auf seinen Gütern -bauen. Erst im Mittelalter ist dann diese Gemüsepflanze in Mitteleuropa -recht heimisch geworden und wurde in großem Maße angepflanzt. Schon am -Anfang des 17. Jahrhunderts hatte man eine weiße und gelbe Varietät, -und seither sind zahlreiche neue Arten gezüchtet worden. - -Ebenso beliebt wie die Möhre war bei den alten Römern die -+Zuckerwurzel+ (~Sium sisarum~), die zu derselben Familie der -Umbelliferen wie jene gehört und in Ostasien, speziell China, -einheimisch sein soll. Jedenfalls gelangte sie von Asien zuerst nach -den Mittelmeerländern, wo sie im Altertum ziemlich häufig angebaut -worden zu sein scheint. Die Griechen nannten sie ~sísaron~ und die -Römer, die sie von jenen durch deren unteritalische Kolonien kennen -lernten, ~siser~. Der griechische Arzt Dioskurides sagt um die -Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr.: „Die Zuckerwurzel (~sísaron~) -ist allgemein bekannt. Die Wurzel schmeckt gekocht gut, bekommt -dem Magen vortrefflich und vermehrt den Appetit.“ Ein Zeitgenosse, -der Römer Columella, rät die Zuckerwurzel (~siser~) im August auf -tief umgegrabenen, gedüngten Boden zu säen und so wenig als möglich -zu versetzen, damit sie besser wachse. Und Plinius sagt in seiner -Naturgeschichte: „Die Zuckerwurzel (~siser~) hat Kaiser Tiberius -dadurch zu Ehren gebracht, daß er sie alle Jahre aus Germanien -kommen ließ. Gelduba heißt ein am Rhein gelegenes Kastell, bei dem -die Zuckerwurzel in bester Sorte wächst. Man ersieht daraus, daß sie -sich für kalte Länder eignet. Im Inneren der Wurzel befindet sich ein -Strang, den man bei gekochten herauszieht, der aber immer noch einen -großen Teil seiner Bitterkeit zurückläßt, die man jedoch durch Honig -dämpft und so in Wohlgeschmack verwandelt.“ Die infolge des großen -Zuckerreichtums von 4,5 Prozent sehr süße und zugleich gewürzhaft -schmeckende Wurzel wird heute noch als ~sisaro~ in Italien, wie auch -bei uns als schmackhaftes, nahrhaftes und leicht verdauliches Gemüse -angepflanzt. Sehr nahe mit ihr verwandt ist die ausschließlich in China -als Gemüse und geschätzte Arznei angepflanzte +Ninsiwurzel+ (~Siser -ninsing~), die früher als „indianische Kraftwurzel“ auch bei uns -offizinell war und für das beste Surrogat der kostbaren chinesischen -Ginsengwurzel (von der Umbellifere ~Panax ginseng~) galt, die in -den Gebirgen ihrer Heimat wächst und bei den Chinesen als eine der -geschätztesten Arzneipflanzen gilt und deshalb von Linné ~Panax~, -d. h. Allheilkraut genannt wurde. Die Chinesen verwenden sie gegen -Nervenschwäche, Erschöpfung und Schwächezustände aller Art; deshalb -wird sie von ihnen auch allen Arzneien als Panazee zugesetzt. 1610 kam -sie unter dem Namen ~Pentsao~ durch die Holländer nach Europa und wurde -auch hier häufig angewandt. Am meisten geschätzt wird der Ginseng der -Tartarei. - -Der mit den Kohlarten, den Rüben und dem Senf nahe verwandte +Rettich+ -(~Raphanus sativus~) ist, in gleicher Weise wie Pastinak, Möhre und -Zuckerwurzel aus einheimischen Wildlingen hervorgingen, aus dem als -Ackerunkraut bei uns häufigen Hederich (~Raphanus raphanistrum~) -hervorgegangen. Außer seiner fleischigen Wurzel ist er von ihm -eigentlich nur durch die gleichmäßig verlaufende, glatte Hülse -ausgezeichnet, die beim Hederich noch perlschnurartig eingeschnürt -ist. Diese Pflanze mit violetten Blüten und walzenrunden Hülsen mit -braunschwarzen, runden Samen ist wahrscheinlich in Westasien zwischen -dem armenischen Hochland und Syrien zur Kulturpflanze erhoben worden -und wird seit dem Altertum im ganzen Mittelmeergebiet in mehreren -Varietäten kultiviert. Er gedeiht besonders gut auf gedüngtem, -kalkhaltigem Boden und bedarf ziemlicher Wärme und reichlicher -Wasserzufuhr. Auf dem mit ihm bepflanzten Lande wechselt man meist mit -Salat und Sellerie ab. - -Vom +Gartenrettich+ (~Raphanus sativus rapiferus~) mit großer, -weißfleischiger, außen verschieden, weiß bis gelb und braun, -rötlich oder violett gefärbter Knollenwurzel von meist scharfem -Geschmack unterscheidet man zweijährigen +Winter-+ und einjährigen -+Sommerrettich+. Der erstere bildet die ursprüngliche Art, die erst im -nächstfolgenden Frühjahr zum Samentragen angepflanzt wird, wobei die -in der Wurzel aufgespeicherten Nährstoffe zur Blüten- und Samenbildung -aufgebraucht werden. Er hält sich auch den ganzen Winter hindurch, -während der aus ihm hervorgegangene Sommerrettich schon um Weihnachten -den Geschmack verliert. Die Wurzel verdankt ihren scharfen Geschmack -einem schwefelhaltigen ätherischen Öle. - -Weil er den Appetit und die Verdauung anregt, wurde der Gartenrettich -schon von den alten Ägyptern, die ihn ~nun~ nannten, angepflanzt. Der -älteste griechische Geschichtschreiber, Herodot von Halikarnassos, im -dorischen Teil der kleinasiatischen Küste zwischen Milet und Rhodos -(484-424 v. Chr.), der Ägypten und Vorderasien bereiste, meldet uns, -daß Rettiche neben Zwiebelgewächsen als Beikost den Fronarbeitern -beim Bau der Pyramide des Cheops (Chufu, um 2900 v. Chr.) in großer -Menge verabreicht wurden, wie noch zu seiner Zeit daran zu lesen -gewesen sei. Und der römische Naturkundige, der ältere Plinius (23-79 -n. Chr.), schreibt in seiner Naturgeschichte: „In Ägypten wird der -Rettich sehr geschätzt, weil man aus den Samen ein reichliches Öl -gewinnt. Wenn es die Umstände irgend gestatten, säen die Ägypter lieber -Rettiche als andere Früchte; denn sie ziehen davon mehr Gewinn als -vom Getreide und geben weniger Abgaben davon.“ Auf den altägyptischen -Denkmälern des mittleren Reiches, so in verschiedenen Gräbern der -12. Dynastie (2000-1788 v. Chr.) von Beni Hassan, finden wir ihn -abgebildet, entweder beblättert -- so in einem Korb mit Zwiebeln -- -oder unbeblättert. Letzteres ist bei einer Darstellung an den Wänden -des Tempels von Karnak der Fall, wo wir zwei deutlich als solche -charakterisierte Rettichwurzelknollen zwischen anderen Opfergaben -abgebildet finden. - -Bei den Griechen und Römern war dieses Knollengewächs als Zukost zu -Brot oder Fladen sehr beliebt. Die Griechen nannten ihn ~raphanís~ -und die Römer ~armoracea~, welch letztere Bezeichnung später -irrtümlicherweise von den älteren deutschen Botanikern auf den den -Alten nicht bekannten Meerrettich bezogen und deshalb diesem verliehen -wurde. Er wurde in mehreren Sorten in den Gärten gezogen. Schon der -griechische Pflanzenkundige Theophrast unterschied in der zweiten -Hälfte des 4. vorchristlichen Jahrhunderts vier Rettichsorten. Der -korinthische wachse am stärksten und bilde seine Wurzelknollen über -der Erde, statt wie die übrigen in derselben. Der liothasische, auch -thrakische genannt, sei am unempfindlichsten gegen die Winterkälte. -Der böotische aber schmecke am besten, er sei rund; der kleonäische -dagegen lang ausgezogen. Je glatter die Blätter, desto lieblicher, je -rauher aber, desto schärfer sei der Geschmack dieses Wurzelgemüses. Wie -der römische Naturforscher Plinius (23-79 n. Chr.), so sagt auch der -griechische Arzt Dioskurides (131-200 n. Chr.), daß die Wurzelknolle -des Rettichs mit Salz oder Essig verspeist werde, und daß arme Leute -auch das Kraut als Gemüse kochen. Nach Plinius soll der Rettichwurzel -durch das Kochen die Schärfe genommen werden. So werde sie milder und -könne wie Kohlrüben (~napus~) gegessen werden. Sein Saft, der ja noch -heute mit Zucker gegen Husten genommen wird, sei für die Brust heilsam. -Im Tempel zu Delphi habe man dem Apollo einen Rettich von Gold, -eine Runkelrübe von Silber und eine Rübe von Blei als Weihgeschenk -dargebracht. „Daraus sieht man, daß unser Feldherr Manius Curius nicht -in Delphi geboren ist, denn er saß, wie die Jahrbücher erzählen, an -seinem Herde und war damit beschäftigt, Rüben zu braten, als Gesandte -der Samniten kamen und ihm Gold boten, das er aber zurückwies.“ -Derselbe Autor sagt, der Grieche Moschion habe ein besonderes Werk über -den Rettich geschrieben. Er soll im Winter am gesündesten zu essen -sein und stoße weniger auf, wenn man hinterher reife Oliven esse. Der -Weinstock scheue sich vor dem Rettich und ziehe sich vor ihm zurück, -wenn er neben ihm stehe. Daß die Völker nördlich der Alpen den Rettich -von den Römern kennen lernten, beweist schon das deutsche Radi und -Radieschen wie Rettich, ebenso das französische ~radis~ und englische -~radish~, das vom lateinischen ~radix~ (Wurzel), der vulgär-römischen -Bezeichnung dieser Wurzelknolle, herrührt. Erst seit dem Mittelalter, -da Karl der Große sie auf seinen Gütern anpflanzen ließ, hat sie -bei den Germanen und später auch bei den Slawen weitere Verbreitung -gefunden. - -Außer dem Gartenrettich kannten die Kulturvölker am Mittelmeer wohl -bereits im Altertum die +Radieschen+ (~Raphanus sativus radicula~) -oder +Monatsrettiche+ mit kleiner, kugeliger oder rübenförmiger -Knollenwurzel und roter, violetter oder weißer Schale. Sie sind -einjährig und werden in mehreren Varietäten in Glashäusern, in -Mistbeeten oder im Freien gepflanzt. Diese stammen nicht vom -einheimischen Hederich, sondern von einer anderen, in Westasien -wildwachsenden Art. Aus Zentralasien dagegen stammt der +Ölrettich+ -(~Raphanus sativus oleiferus~) mit kleiner, holziger Wurzel, aber -ölreichen Samen, der der Stammform am nächsten steht und besonders in -China angepflanzt wird. Er liefert als Sommerfrucht fast denselben -Ertrag wie der Winterraps, nur erfordert die Kultur mehr Umsicht als -diejenige des Rübsens, ist aber sicherer. Das von ihm gewonnene Öl ist -nicht ganz so gut wie Rüböl; das Stroh ist härter als Rübsenstroh, -aber die Schoten sind als Viehfutter nahrhafter als jenes. Von solcher -Verwendung der Rettiche im alten Ägypten war bereits die Rede. Ein -ostasiatischer Ölrettich ist der in Japan heimische +geschwänzte -Rettich+ (~Rhaphanus caudatus~), der dort wegen seiner langen, -genießbaren und sehr wohlschmeckenden Samenschoten im großen angebaut -wird und teilweise auch schon in unseren Gärten Eingang gefunden hat. - -Ein ähnliches, schwefelhaltiges, ätherisches Öl wie die Rettiche -besitzt der +Meerrettich+ (~Cochlearia armoracea~), eine mit den -Rettichen sehr nahe verwandte, ausdauernde Kruzifere. Sie liebt -Lehmboden, wird 60-90 cm hoch, trägt weiße Blüten und elliptische -Schötchen; doch reifen an der Kulturform fast niemals Früchte. Sie -wird wegen des unterirdischen Wurzelstocks gezogen, der bei der wilden -Stammform wie auch bei der wiederum verwilderten Form nur dünn und -holzig ist, während er bei der Kulturform dick und fleischig wurde, -und ist in Ost- und Südrußland heimisch, wird aber verwildert durch -ganz Europa und neuerdings auch in Nordamerika an Flußufern gefunden. -Auf ihrer Wanderung nach Westen hat sie ihren russischen Namen Chren -weithin bewahrt; so findet er sich in allen slawischen Sprachen wieder. -Auch in Wien ist der Kren genannte Meerrettich gerade so populär wie -die saure Gurke in Berlin. Im westlichen Frankreich pflegte man ihn -früher ~moutarde des allemands~ zu nennen. Früher benutzte man ihn -auch arzneilich. Sein deutscher Name Meerrettich hat mit dem Meer -durchaus nichts zu tun und sollte Mährrettich, in der Bedeutung von -Pferderettich, geschrieben werden. Jedenfalls ist seine Ableitung durch -Verballhornung aus der mittellateinischen botanischen Bezeichnung -~armoracea~, wie sie von manchen Botanikern erklärt wird, durchaus -falsch. - -Von den Römern haben die Mitteleuropäer die +weiße Rübe+, auch -+Stoppelrübe+ -- weil sie meist im Herbst auf den Stoppeln gebaut -wird -- oder Turnips genannt (~Brassica rapa rapifera~), kennen -gelernt. Dabei wurde aus dem lateinischen ~rapa~ das althochdeutsche -~raba~ und ~ruoba~. Sie ging aus der wilden Rübe hervor, deren -ursprünglich spindelförmige, dünne Wurzel durch Kultur fleischig -wurde und eine mächtige Entfaltung erlangte, und bildete schon bei -den Römern neben der menschlichen Nahrung ein wichtiges Viehfutter. -Sie wurde nach Columella, dem in Gades in Spanien geborenen römischen -Ackerbauschriftsteller im 1. Jahrhundert n. Chr., zweimal im Jahr, und -zwar zu denselben Zeiten wie der Rettich, am besten aber im August, -gesät. Er sagt, sie gebe dem Menschen und dem Vieh Nahrung und werde -besonders in Gallien in bedeutender Menge als Viehfutter angebaut. Er -gibt genau an, wie sie in Salz eingemacht werden soll. Doch die beiden -Ärzte Galenos und Dioskurides sind, wie wir heute noch, der Ansicht, -daß sie sehr wenig nahrhaft sei und blähe. Ersterer sagt, man müsse -sie zweimal kochen, wenn sie einem gut bekommen soll. Karl der Große -empfahl sie den Franken zum Anbau. Bei allen Germanenstämmen spielte -sie das ganze Mittelalter hindurch eine wichtige Rolle neben dem als -~krût~, d. h. Kraut bezeichneten, ebenfalls mit Vorliebe in Salz -eingemachten Kohl. So neckt der Begründer der höfischen Dorfpoesie, -der Minnesänger Neidhart von Reuenthal, der zwischen 1210 und 1240 -dichtete, in einem uns erhaltenen Poem seine bäuerliche Geliebte mit -ihrer Vorliebe für Rüben. Mit ihrem Kraut klein gehackt, gedämpft -und mit Speck gekocht, waren sie als ~rüebekrût~ ein gebräuchliches -Klosteressen. Eine besonders wohlschmeckende Abart mit verhältnismäßig -langer, aber dünn bleibender Wurzel bilden die Teltower oder märkischen -Rüben, so genannt nach der Stadt Teltow in der Mark Brandenburg, in -deren Umgebung sie zuerst im großen gezüchtet wurden und die noch heute -Berlin und das Land weithin mit ihren Erzeugnissen versorgt. - -Von den Kulturvölkern des Altertums wurde auch die +Runkelrübe+ -(~beta~), von uns auch +Rübenmangold+ genannt (~Beta vulgaris~), nicht -nur vom Vieh, sondern auch von den Menschen gern gegessen. Sie ist im -Mittelmeergebiet und in Westasien heimisch und wurde, wie aus einer -Abbildung in einem Grabe der 12. Dynastie (2000-1788 v. Chr.) von Beni -Hassan bei Theben hervorgeht, in Ägypten schon zur Zeit des mittleren -Reiches kultiviert. Da sehen wir einen Mann im Lendenschurz, wie ihn -alle Arbeiter im Niltal damals trugen, ein großes, knolliges Gewächs -in Gestalt einer Runkelrübe zu einem Bündel von askalonischen Zwiebeln -auf ein großes Tragbrett legen. Heute noch wird sie in mehreren -Varietäten im Niltal kultiviert. Auch die Griechen und Römer bauten -sie als Gemüse an. Plinius sagt, man säe sie im Frühling und Herbst -und esse sie mit Linsen und Saubohnen, setze auch, um ihren matten -Geschmack zu verbessern, Senf hinzu. Die Ärzte hätten übrigens die -Meinung aufgestellt, sie sei weniger zuträglich als Kohl, und manche -wollten sie nicht essen und behaupteten, sie seien eine Speise, die nur -Starken gut bekomme. Sie wachse meist als aus der Erde hervorragende -Rübe und sei um so schöner, je breiter sie werde. Man könne sie dadurch -breit machen, daß man etwas Schweres auf sie legt, sobald sie anfängt -sich zu färben. In günstigem Boden wie bei Circeji könne sie zwei Fuß -breit werden. - -Die zweijährige Pflanze stammt bestimmt von einer an den Küsten -Europas bis nach der Nordsee verbreiteten Meldenart mit dünner -Pfahlwurzel, ~Beta maritima~, und bildet im ersten Jahr die Rübe -aus, die im September oder Oktober reift. Nur etwa 1 Prozent der -Pflanzen entwickelt wie die wilde Form schon im ersten Jahr einen -Stengel, treibt Blüten und reift den Samen, und zwar wird dieser -Rückfall in frühere Zustände nachgewiesenermaßen durch die Nachtfröste -des Frühjahrs ausgelöst. Die zur Samenzucht auserlesenen Rüben -werden im zweiten Jahre wieder ausgepflanzt, aber auch unter diesen -kommen Abweichungen vor, Trotzer, die im zweiten Jahre noch nicht -blühen und ein drittes Jahr leben möchten. Die meist aus dem Boden -hervorwachsenden Rüben gedeihen noch überall, wo Wintergetreide gebaut -werden kann. Die gewöhnlichste Vorfrucht vor ihrem Anbau ist gedüngtes -Wintergetreide oder Gerste, die Nachfrucht Sommergetreide oder -Hülsenfrüchte. Die eiweißreichsten Formen sind die Futterrunkelrüben, -die zuckerreichsten, deren Zuckergehalt man bis 10 und 18 Prozent -getrieben hat, sind die zur Rübenzuckerfabrikation verwendeten -Zuckerrüben und die mit dünner Schale, zartem Fleisch und purpurrotem -Saft versehenen Salatrunkeln oder roten Rüben, in Süddeutschland Rahnen -genannt, werden als Salatpflanzen kultiviert, um gekocht und in Essig -eingelegt oder frisch als Suppe -- in Norddeutschland als Betensuppe, -in Rußland als Borschtsch -- gegessen zu werden. In bezug auf Nährwert -stehen die Runkelrüben zu weißen Rüben wie 9 : 16, zu Kohlrüben wie -11 : 9 und zu Kartoffeln wie 40-46 : 20. - -Mit anderen kräftigen Futterarten zusammen geben sie ein -vortreffliches Mastfutter, haben aber leider wie alle hochkultivierten -Nutzpflanzen unter zahlreichen tierischen und namentlich pflanzlichen -Feinden zu leiden. Bei den Zuckerrüben tritt z. B. häufig ein als -Rübenmüdigkeit bezeichneter plötzlicher Stillstand im Wachstum ein, der -dadurch hervorgerufen wird, daß ein kleiner Fadenwurm, das Rübenälchen -(~Heterodera schachtii~ und ~H. radicicola~) an den Wurzelfasern der -Rüben saugt. Man bekämpft diese Krankheit durch mehrmaligen Anbau von -Fangpflanzen wie Rübsen und Raps, die man nach etwa vier Wochen, sobald -sich die Einwanderung der Fadenwürmer mikroskopisch nachweisen läßt, -durch Herauspflügen zerstört, wobei dann die Würmchen zum größten Teil -absterben. - -Die Runkelrübe wird auch als +Mangold+ oder +römischer Spinat+ -(~Beta cicla~) auf Blattsubstanz kultiviert; dabei hat sie eine -kaum fleischige Wurzel, aber stärker entwickelte Blattstiele von -grünweißer, gelber oder roter Farbe. Man genießt die Blätter als Spinat -und die fleischigen Blattstiele und mittelsten Blattrippen gedämpft -und an Süßbuttersauce wie Spargel. Schon die alten Griechen bauten -ihn, wie jetzt die Perser und Inder, als Gemüse an. Der attische -Lustspieldichter Aristophanes (455-387 v. Chr.) wirft dem großen -Euripides vor, seine Mutter sei eine Gemüsehändlerin gewesen und habe -Mangold auf den Markt gebracht. Die Römer kannten zwei Abarten davon. -Karl der Große empfahl auf seinen Gütern den Anbau von ~beta’s~. Von da -an verbreitete sich die Kultur des Mangolds nach und nach durch ganz -Europa und gelangte im 17. Jahrhundert auch nach Nordamerika. - -Durch eine ganz außerordentliche Fülle von Kulturformen, nämlich etwa -120, ist der +Gartenkohl+ (~Brassica oleracea~) ausgezeichnet, dessen -Stammpflanze, der Saatkohl, auf den felsigen Küsten Europas vom Strande -Norditaliens bis nach Helgoland und der dänischen Insel Laland, auch im -südlichen England und Irland wild wächst. Schon in vorgeschichtlicher -Zeit ist dieser Wildling von irgend welchen Küstenbewohnern Europas -angepflanzt und durch Kulturauslese zur Kulturpflanze erhoben worden, -wie die Stämme im Innern die Melde (~Chenopodium~) anpflanzten, so daß -schon zur jüngsten Steinzeit nicht bloß die Blätter, sondern auch die -Samen derselben, die nach dem Botaniker Oswald Heer zu den häufigsten -Vorkommnissen im neolithischen Pfahlbau von Robenhausen gehören, -gegessen wurden. Letzteres geschieht auch heute noch zu Zeiten von -Hungersnot in Südrußland als Ersatz für das fehlende Brot, indem die -Samen, zu einem Teig verbacken, gegessen werden. - -Die ältesten Ägypter haben den Kohl nicht gekannt. Erst die Griechen, -die sich seit dem 6. vorchristlichen Jahrhundert in einigen -Küstenstädten zu Handelszwecken niedergelassen hatten, brachten ihn -ins Land, wo er unter der griechischen Bezeichnung ~krámbē~ hie und da -angebaut wurde. So finden wir Überreste von ihm unter den Totenbeigaben -der griechisch-römischen Nekropole von Hawara im Fajûm. Die Griechen -scheinen den Kohl so hoch wie die Rüben geschätzt zu haben. Theophrast -im 4. vorchristlichen Jahrhundert unterscheidet drei Arten von Kohl: -den krausblätterigen, den glattblätterigen und den wilden, und der vier -Jahrhunderte nach ihm lebende griechische Arzt Dioskurides aus Kilikien -sagt: „Der Kohl ist gesünder, wenn er nur warm gemacht, als wenn er -eigentlich gekocht oder gar zweimal gekocht wird. Er wird auch als -Arznei zu mancherlei Kuren verwendet.“ - -In noch höherem Ansehen als bei den Griechen stand der Kohl bei den -Römern, bei denen er ~brassica~ hieß. Auch sie scheinen ihn wie die -Griechen mit Vorliebe roh gegessen zu haben. Schon der ältere Cato -(234-149 v. Chr.), der unversöhnliche Gegner des wiederaufblühenden -Karthago, preist ihn geradezu als das beste Gemüse. Er sagt von ihm: -„Der Kohl ist das allerbeste Gemüse. Iß ihn roh oder gekocht. Willst -du ihn roh essen, so tauche ihn in Essig; dann ist er der Verdauung -förderlich und gesund. Etwas Kohl mit Essig vor der Mahlzeit und wieder -etwas nach der Mahlzeit genossen, tut wohl. Gekochter Kohl dient mit -Zusätzen vielfach als Arznei. Als Speise für Kranke wird er erst eine -Zeitlang in Wasser gelegt, dann darin in einem Topfe tüchtig gekocht. -Darauf wird das Wasser abgegossen, Olivenöl, etwas Salz, Kreuzkümmel -und Mehl hinzugetan und wieder tüchtig gekocht.“ Mit diesem Kohlgemüse -behandelte er, wie jeder andere ~pater familias~ -- unter der Familie -wurden bei den alten Römern nicht bloß die Angehörigen, sondern auch -das aus leibeigenen Sklaven bestehende Gesinde verstanden -- der guten, -alten Zeit die Seinigen in Krankheitsfällen. - -Der aus Spanien um die Mitte des 1. christlichen Jahrhunderts nach -Rom gezogene Ackerbauschriftsteller Columella zählt den Kohl mit dem -Salat, der Kresse, der Zuckerwurzel, dem Pastinak, der Artischocke -und den Küchenkräutern Koriander, Kerbel, Dill zu den Gemüsen, die -sowohl im Herbst als im Frühjahr gesät werden können. Besser aber -sei es, dies im Frühjahr, und zwar im Februar zu tun. „Hat die junge -Kohlpflanze Blätter getrieben und soll versetzt werden, so bestreicht -man ihre Wurzel mit flüssigem Mist und legt drei Streifen von Seetang -darum, ehe man sie einpflanzt. Dadurch wird bewirkt, daß später die -Blätter beim Kochen, auch ohne Zusatz von Soda, grün bleiben. In kalten -Gegenden und in solchen, in denen es oft regnet, verpflanzt man den -Kohl am besten um die Mitte von April. Ist die Pflanze eingesetzt und -hat Wurzel gefaßt, so wächst sie um so kräftiger und bildet um so -größere Blätter und Sprosse, je öfter man sie behackt und bedüngt.“ - -Man schnitt vom Kohl den ganzen Sommer und Herbst über die Blätter -ab, um sie, roh oder gekocht, als Speise zu genießen. Als besonders -wohlschmeckend und zart galten nach Plinius (23-73 n. Chr.) die jungen -Sprosse. Dieser Gelehrte ist in seiner Naturgeschichte ungehalten -darüber, daß die Genußsucht unter seinen Landsleuten immer weitere -Kreise erfaßt habe und sie sich nicht mit den Speisen der biedern, -tapfern Vorfahren, vor allem auch mit dem Kohl, den jene mit Vorliebe -gegessen hätten, begnügen wollen. Er schreibt darüber: „Der Kohl, den -die Griechen nicht sonderlich schätzen, spielte bei den Römern eine -sehr bedeutende Rolle, und dessen medizinische Eigenschaften hielt Cato -für sehr wichtig. Man sät, pflanzt und schneidet ihn das ganze Jahr. -Nach dem Frühjahrsschnitt treibt er gleich wieder und diese Triebe sind -noch wohlschmeckender und zarter als die Blätter. -- Dem Schwelger -Apicius und dem von ihm verleiteten Prinzen Drusus (dem jüngeren Bruder -des Kaisers Tiberius, geboren 38 v. Chr., unterwarf im Jahre 15 -v. Chr. Rätien, drang in drei Feldzügen in den Jahren 12-9 v. Chr. vom -Rhein her tief nach Germanien ein und starb auf dem Rückzug infolge -eines Sturzes vom Pferd) schmeckte der Kohl nicht und deshalb bekam er -Vorwürfe von seinem Vater Tiberius Claudius Nero.“ - -Plinius, der uns solches berichtet, fährt dann fort: „Statt sich mit -der einfachen Lebensweise unserer Vorfahren zu begnügen und sich -aus den eigenen Gemüsegärten die für den Unterhalt nötige Speise zu -holen, hält man es jetzt für klüger, mit Gefahr des Schiffbruchs -und des Ertrinkens in die Tiefe des Meeres zu tauchen, um dort -Austern aufzusuchen, Geflügel jenseits des verrufenen Phasisflusses -zu holen (jetzt Rioni genannter Fluß in dem durch die Giftmischerin -Medea berüchtigten Kolchis, nach dem die giftige Herbstzeitlose -~Colchicum~ genannt wurde, während die hier gemeinten Vögel die von -dort bezogenen, nach dem Phasisflusse als ~phasiani sc. galli~, d. -h. Hühner von Phasis, genannten Fasanen sind) und anderes Geflügel -(nämlich Perlhühner, von den Römern ~numidae aves~, d. h. numidische -Vögel genannt) aus Numidien (etwa dem heutigen Algerien entsprechendes -Königreich, das seit 49 v. Chr. römische Provinz war) und von den -Gräbern der Neger, oder mit Raubtieren zu kämpfen und sich von -Bestien fressen zu lassen, die man zur Speise für andere Leute fangen -wollte (bezieht sich wohl auf die Bären, deren Fleisch auch die Römer -gern aßen). In unserer Zeit hat die Schwelgerei alles aufs äußerste -gesteigert: Der Reiche will bessere Früchte essen als der Arme, er -will Weine trinken, die wuchsen, ehe er lebte, er will von vielen -Feldfrüchten nur das Mark genießen, er will anderes Brot essen als -das Volk, und das Getreide wird in allen Schichten der Gesellschaft, -bis zum ganz gemeinen Mann hinab, verschieden zubereitet. Auch in -Gemüsen macht man einen Unterschied, selbst in solchen, die man für ein -As (Kupfergeld im Werte von 4 Pfennigen) kauft. Mancher Stengelkohl -(~caulis~) wird jetzt so groß gezogen, daß ihn der Mittelstand nicht -gebrauchen kann, weil er für seinen Tisch zu groß ist. Den Spargel -(~corruda~) läßt die Natur wild wachsen, damit ihn jeder nach Belieben -stechen kann. Jetzt aber stellt man künstlich gezogenen Spargel -(~asparagus~) zur Schau und in Ravenna wiegen drei Stück davon zusammen -ein Pfund. Solche Ungeheuer werden für den Bauch gezogen! Wollte jemand -dem Vieh verbieten, Disteln zu fressen, so klänge das sonderbar; es -gibt aber Disteln (gemeint sind die Artischocken), deren Genuß sich -für arme Leute von selbst verbietet, weil sie zu teuer sind. Selbst im -Wasser liegt ein Unterschied. Der Reiche trinkt im Sommer Schnee oder -Eis und läßt sich Dinge wohl schmecken, die den Gebirgen lästig sind.“ - -Von den verschiedenen, im alten Rom verzehrten Kohlsorten erwähnt -Plinius den Tritianer oder Stengelkohl, der stets bis zur Spitze mit -Erde behäufelt wurde, so daß sich am Strunk keine Blätter bildeten. -Weil man von ihm nur die zarten, weißen Stengel aß, hieß diese Sorte -insbesondere ~caulis~ (d. h. Stengel). Beim Cumaner schlossen die -Blätter den Strunk ein und es bildete sich ein breiter Kopf; besonders -große Köpfe (~caput~) bildete der aus dem aricischen Tale stammende -Lacuturrische, so genannt, weil dort ein See mit einem Turm am Ufer -steht. Der Aricische wuchs nicht hoch und hatte zahlreiche, zarte -Blätter; man hielt diese Sorte für die beste, weil sie neben jedem -Blatte besondere Sprosse ausbildete. Schlanker war der Pompejaner, -dessen Blätter schmäler waren und lockerer standen. Einen dünnen -Strunk und große Blätter von scharfem Geschmack besaß der Bruttische, -während diejenigen des Sabellischen wunderlich kraus waren. Die an der -Meeresküste wachsende Kohlart ~halmyridion~ (wohl der Meerkohl ~Crambe -maritima~) aber wurde besonders auf lange Meeresreisen mitgenommen, -weil er sich, in leere Ölkrüge möglichst luftdicht eingepreßt, sehr -lange grün erhielt. Alle diese Sorten Kohl wurden nach Plinius durch -einen Reif viel wohlschmeckender. - -Sauerkraut haben die alten Römer und Griechen noch nicht gekannt. -Bei ihnen konservierte man den Kohl auf andere Weise. Des Plinius -Zeitgenosse Columella berichtet uns darüber folgendes: „Gegen die -Zeit der Weinernte macht man verschiedene Kräuter ein, wie Portulak -und später Kohl, den einige auch zahme ~battis~ nennen. Diese Kräuter -werden sorgfältig gereinigt und im Schatten ausgebreitet. Am dritten -Tage wird Salz auf den Boden der Tonkrüge, in denen sie aufbewahrt -werden sollen, gestreut, dann wird jedes der genannten Kräuter für sich -hineingelegt, Essig darüber gegossen und Salz aufgestreut. Salzlake -darf man für diese Kräuter nicht in Anwendung bringen.“ - -So wenig als die Gartenmelde ist der Kohl von den germanischen -Stämmen des Altertums angepflanzt worden, sondern sie lernten ihn von -den Römern kennen, wobei sie aus dem lateinischen ~caulis~, d. h. -Stengel, ihre Bezeichnung Kohl für ihn bildeten. Besonders durch die -Vermittlung der Klostergärten ist dieses Gemüse im frühen Mittelalter -in den Ländern nördlich der Alpen populär gemacht worden, wobei von -den verschiedenen von den Römern übernommenen Kulturvarietäten des -Kohls besonders auch der Kopfkohl, althochdeutsch ~chapuz~ -- vom -mittellateinischen ~caputium~ (Kopf), mittelhochdeutsch ~kabez~ und -neuhochdeutsch ~kabis~ -- viel angebaut wurde. Das ganze Mittelalter -hindurch war er ein äußerst beliebtes Volksgericht, was schon dadurch -bezeugt wird, daß nach altem Brauch die Pflanzplätze für Gemüse einfach -nach der vorzugsweise angebauten Krautart Kohlgärten hießen. Ein -~Calendarium~ des 14. Jahrhunderts sagt, Kohl essen dürfe man das ganze -Jahr, nur im Dezember nicht, und ein Samländer, dem die preußischen -Ordensritter ihre Burg zu Balga zeigten und der sie dort Kohl essen -sah, riet seinen Landsleuten, die Ritter nicht anzugreifen; denn wer -könne einem Volke widerstehen, das so genügsam sei und Gras als Speise -verwende. - -Die von uns heute besonders angepflanzten Kohlsorten sind: 1. der -+Blattkohl+, der der Stammform am nächsten steht, mit flacher, von -ausgebreiteten Blättern gebildeter, selten etwas aufgerichteter -Rosette an hohem Stengel; 2. der +Winterkohl+ mit hohem Stengel und -flachen, mehr oder weniger zerschlitzten, krausen Blättern, die sich -nicht zu einem Kopfe schließen; 3. der +Rosenkohl+, der dem vorigen -an Wuchs ähnlich ist und ebenfalls einen hohen Stengel bildet, an -dessen Spitze sich ein halbgeschlossener Kopf mit blasigen Blättern -befindet; aus den Achseln der unteren Blätter aber, die beizeiten -abgestoßen werden, wachsen zu kleinen, dicht geschlossenen Köpfchen -werdende Seitenknospen hervor, die zu Winterbeginn ein feines Gemüse -abgeben. Vielfach werden die ausgerissenen Stengel mit Wurzelballen -an einem frostfreien Orte, mit Laub bedeckt, aufbewahrt, damit die -„Rosen“ bleicher und zarter werden; 4. der +Wirsing+ mit blasigen, -krausen Blättern, die sich zu einem Kopfe schließen. Diese Abart heißt -auch Welschkohl, weil sie zuerst in Südeuropa kultiviert wurde und -von dort wahrscheinlich erst im 17. Jahrhundert mit andern Gemüsen -bei uns eingeführt wurde; 5. der +Kopfkohl+ oder +Kabis+, schlechthin -als +Kraut+ bezeichnet, mit ebenfalls gedrängtem Wuchs, an dem nur -die äußeren Blätter locker auseinander treten, während die nun meist -völlig glatt gewordenen inneren einen festgeschlossenen Kopf bilden. -Man unterscheidet Früh- und Spätkraut, wie auch Weiß- und Rotkraut, bei -welch letzterem die gleichfalls zu einem runden Kopfe geschlossenen -Blätter durch einen intensiven Farbstoff rot bis violett gefärbt -sind. Während der Rotkohl dünn gehobelt als Gemüse gekocht und als -Salat mit Essig und Öl, Salz, Pfeffer und Senf roh gegessen wird, -wird der Weißkohl, wie auch das Filderkraut mit länglichem, weißem -Kopfe, gehobelt und, mit Salz und Dill oder Wacholderbeeren bestreut, -in Tonnen eingelegt, wobei sich eine durch den Milchsäurebazillus -eingeleitete Gärung vollzieht und +Sauerkraut+ entsteht. Dieses mit -Recht als Nationalspeise der Deutschen bezeichnete Gericht kam erst -im Mittelalter als eine Entlehnung von den Slawen, die heute noch die -Hauptsauerkrautesser sind, zu den Deutschen, die es bis heute noch -nicht recht an die Franzosen weiterzugeben vermochten. Wie der römische -Ackerbauschriftsteller Columella im 1. Jahrhundert n. Chr. angibt, -machten die Römer zwar auch Kohl ein, aber in ganzen Köpfen mit Salz -überstreut und Essig übergossen. Diese als ~compositum~ -- woraus dann -das mittelhochdeutsche ~kumpost~ hervorging bezeichnete Kohlkonserve -wurde als römisches Erbe in den Klöstern des frühen Mittelalters -hergestellt, fand aber keinen Eingang beim Volke. Erst das slawische -Verfahren der Sauerkrautbereitung hat dann wenigstens in Deutschland -allgemeine Verbreitung gefunden. - -Während wir das Sauerkraut nur als Gemüse zu Kartoffeln oder Erbsen -mit Schweinefleisch essen, verzehren es die Russen häufig in der -Suppe. Es ist ein Bestandteil der zwei russischen Nationalsuppen, -~Borschtsch~ und ~Schtschi~ genannt. Beides sind mit einem Stück -gekochtem Rindfleisch und viel Gemüse hergestellte Fleischbrühen. -Erstere enthält außer Weißkohl hauptsächlich rote Rüben und Tomaten, -die sie ganz rot färben, letztere dagegen vorzugsweise Spinat oder -Sauerampfer, die ihr eine grüne Farbe verleihen. Zu beiden wird in -verhältnismäßig großen Töpfen säuerlicher Rahm genossen. Überhaupt ist -der Kohl in der verschiedensten Zubereitung ein Hauptnahrungsmittel der -niederen Bevölkerung Rußlands wie bei uns die Kartoffel, und wird in -gewaltigen Mengen angepflanzt. Auch das Militär pflanzt seinen eigenen -Kohl; jede Truppeneinheit bekommt ihr besonderes Kulturfeld, und -diejenige Kompagnie, die den besten Kohl erzielt hat, wird vom Kommando -ausgezeichnet. - -Alles Kraut, auch das Sauerkraut, will nach schon altrömischer -Gewohnheit reichlich mit Fett, Speck oder Schmalz gekocht sein. -Wie einst in Italien und dann im Mittelalter bei uns sind heute -noch Kohlsuppen und Kohlgemüse durch ganz Europa in fast allen -Gesellschaftskreisen beliebt. Er ist auch ein Bestandteil des -englischen Nationalgerichtes, ~joint~ genannt, das in der Weise -hergestellt wird, daß man in derselben Pfanne Kartoffeln mit Spinat und -Kohl ohne Butter, aber mit Schaffleisch ohne Salzbeigabe kocht. - -Weiter haben wir 6. den +Kohlrabi+, bei dem auf Kosten und unter -ziemlicher Unterdrückung der Blattbildung sämtliche Nährstoffe -sich im stark verdickten, fleischigen Stengel ansammeln. Dadurch -ist der anfangs dünne Strunk zu einem fleischigen, grünen, weißen -oder rotvioletten Knollen angeschwollen, aus dem dann die Blätter -entspringen. Wie beim Früh- und Spätkraut gibt es auch bei ihm eine im -Herbst gesäte frühe Sorte, welche aber weniger fein ist als die späte, -im Frühjahr gesäte. Dieser wird als geschätztes Gemüse gekocht, dem man -die zarteren Blätter beifügt; 7. der +Blumenkohl+, dessen Blütenstand -zu einer fleischigen Masse entartet ist und weitaus das feinste Gemüse -aus der Kohlsippe liefert. Neuerdings wird er massenhaft aus Italien, -wo seine Kultur in der neueren Zeit sehr schwungvoll betrieben wird, -zur Winterszeit bei uns eingeführt; 8. der +Spargelkohl+, mit seinem -italienischen Namen auch ~Broccoli~ genannt. Er wurde, wie schon aus -dem Namen hervorgeht, aus dem Süden bei uns eingeführt. - -In West- und Südeuropa werden noch verschiedene andere Kohlarten -kultiviert, so der durch starke Verlängerung des Stengels -hervorgegangene +Baum-+ oder +Riesenkohl+, eine Abart, welche -Mannshöhe erreicht und hauptsächlich als Futtergemüse angebaut wird. -Von ihm werden jeweilen nur die Blätter abgebrochen und als beliebtes -Gemüse auch für den Menschen gekocht. In Portugal bilden seine Blätter -eine Hauptspeise der Bevölkerung, und auf der englischen Kanalinsel -Jersey, wo diese Kohlsorte 4-5,5 m hoch wird, macht man aus seinen -Stengeln, die sonst, getrocknet, höchstens als Brennmaterial Verwendung -finden, seit etwa 40 Jahren Spazierstöcke, die als Spezialität der -Insel gerne von den Fremden als Andenken mitgenommen werden. Auch im -ganzen Morgenland bis Persien und Abessinien wird allerlei Kohl zum -Teil in solch hohen Formen gepflanzt und von den Eingeborenen gerne -roh, mit Knoblauch oder Zwiebeln und Brot gegessen. - -In ihrer Verwandtschaft zu den Kohlgemüsen am nächsten stehend, aber -von einer anderen, gleichfalls wie der wilde Kohl im nordwestlichen -Deutschland noch teilweise wild, sonst aber allenthalben verwildert -vorkommenden Stammpflanze, dem Raps (~Brassica napus~) sich ableitend, -den wir unter den ölliefernden Pflanzen kennen lernen werden, ist die -als +Kohlrübe+ oder +Erdkohlrabi+ (~Brassica napobrassica~) bekannte -Rübe, deren gelbe Varietät ein beliebtes Speisegemüse bildet, während -die weiße meist nur als Viehfutter benutzt wird. Diese Rübe mit -ihren bis kindskopfgroß anschwellenden Wurzelknollen ist wohl die -anspruchsloseste von allen Gemüsesorten, da sie in äußerst exponierter -Lage und in jedem Boden, in welchem andere Kohlarten unmöglich mehr -fortkommen, noch gut gedeiht. - -Je primitiver der Kulturzustand eines Volkes ist, um so größer -ist die Auswahl der wildwachsenden Kräuter, deren saftige, grüne -Blätter gesammelt und, anfänglich roh, später, mit der Erfindung von -Kochgeschirren, in denen Wasser zum Sieden gebracht werden konnte, -auch gedämpft und mit Salz versetzt und so schmackhafter gemacht, -verspeist wurden. Um sich das mühsame Suchen nach dergleichen Speise, -wie auch nach eßbaren Wurzeln und Samen der verschiedensten Pflanzen -zu erleichtern, war es sehr naheliegend, daß hier und dort eine um -ihre eigene Ernährung und diejenige ihrer Kinder besorgte Frau, zu -deren Hauptbeschäftigung das Suchen von pflanzlicher Speise gehörte, -an nur ihr bekannten, leicht erreichbaren Orten solche durch Aussaat -anpflanzte und so den ersten Grund zum Hackbau legte. Durch Auswahl der -kräftigsten und die gewünschten Eigenschaften vorzugsweise aufweisenden -Exemplare zur jeweiligen Vermehrung durch Samen ergab sich dann von -selbst eine Kulturauslese, welche nach und nach zur Rassenverbesserung -führte. Wenn wir nun, wie vorhin erwähnt, solche Mengen von Meldesamen -in der über 4000 Jahre alten Kulturschicht des spätneolithischen -Pfahlbaues von Robenhausen im Kanton Zürich finden, so dürfen wir wohl -den naheliegenden Schluß daraus ziehen, daß das meiste desselben, -wenn nicht aller, aus kultivierter Melde und nicht von wildwachsender -gesammelt wurde, da ja jene Leute einen ausgedehnten Hackbau am Lande, -in der Nähe ihrer Pfahlbauansiedelungen, betrieben und verschiedene -Getreidearten und Lein, nebst Mohn, Erbse, Pastinak und Möhre -pflanzten, zu denen in der Bronzezeit die uns später in einer etwas -ergiebigeren Art mit größeren Samen bei den Kelten entgegentretende -Zwergsaubohne und kleine Feldlinse, beide damals noch mit äußerst -kleinen Samen, hinzukamen. - -Jedenfalls ist seit Urzeiten neben anderen saftigen Kräutern auch -die +Brennessel+ (~Urtica urens~ und ~dioica~) gesammelt und als -Gemüse verspeist worden, wie dies heute noch manchenorts auch bei uns -geschieht. So sagt schon der berühmte griechische Arzt Hippokrates (460 -bis 364 v. Chr.): „Die Nessel (~knídion~) gehört zu denjenigen Stoffen, -die den Leib reinigen.“ Theophrast im 4. Jahrhundert v. Chr. sagt: -„Will man Nesseln essen, so brüht man sie vorher ab.“ Der römische -Dichter Horaz (65-8 v. Chr.) schreibt in einer seiner Episteln: „Man -kann ganz einfach von Kräutern (~herba~) und Nesseln (~urtica~) -leben.“ Meist wurden sie gepfeffert genossen, wofür der unter Tiberius -lebende römische Feinschmecker M. Gabius Apicius in seinem berühmten -Kochbuch folgendes Rezept gab: „Man siede Nesseln, seihe das Wasser ab, -zerkleinere sie fein mit dem Wiegemesser und dämpfe das Gewiegte auf -heißer Asche mit Olivenöl, füge Fischsülze (~garum~) und gestoßenen -Pfeffer hinzu, verrühre die Mischung mit Zusatz von Eiern und bestreue -das Gericht mit Pfeffer.“ Plinius berichtet, daß die Brennessel zur -Blutreinigung genossen werde: „Die jungen Frühjahrstriebe gewähren -eine nicht unangenehme Nahrung, auf deren Gebrauch manche Leute -gewissenhaft halten, weil sie glauben, dadurch für das ganze Jahr jede -Krankheit abhalten zu können. Die Wurzel der Nessel bewirkt auch, -daß Fleisch, mit dem sie gekocht wird, zarter wird. Die Nessel dient -in sehr verschiedener Weise zu Heilzwecken, worüber namentlich der -(griechische) Naturforscher Phanias geschrieben hat. Ihr Samen muß zur -Erntezeit gesammelt werden, und man bezieht den besten von Alexandria.“ -Nesselsamen mit Pfeffer gekocht wurde nach Ovids ~ars amandi~ von -manchen Leuten als Aphrodisiakum genommen, auch wurde daraus, wie -Plinius berichtet, Öl gewonnen. Der 87 v. Chr. in Verona geborene und -57 in Rom gestorbene römische Dichter Catull schreibt in einem seiner -kleinen Gedichte: „Ich habe einen tüchtigen Schnupfen und Husten gehabt -und mich mit Basilie (~ocimum~) und Nessel kuriert.“ Der griechische -Arzt Galenos dagegen (geb. 131 n. Chr. in Pergamon, praktizierte -daselbst und dann in Rom, wo er um 200 starb) meint: „Die Brennessel -hat nur geringe Kräfte, wird aber von Leuten gegessen, die Hunger -haben, und bekommt ihnen gut.“ - -Noch im Mittelalter wurden die Blätter und Samen des wilden +Senfes+, -wie auch des +Sauerampfers+ (~Rumex acetosa~) bei uns gesammelt -und gegessen, wie wir heute noch die zarten, jungen Blätter des -+Löwenzahns+ (~Taraxacum officinale~) sammeln, um sie wie Spinat -gekocht oder als Salat angemacht zu verspeisen. Durch Kultur ist aus -dem wilden Sauerampfer eine langblätterige Varietät als +spanischer -Spinat+ und eine breitblätterige Varietät als +französischer Spinat+ -oder +Oseille+ hervorgegangen. Wurzel, Kraut und Früchte des -Sauerampfers wurden früher arzneilich verwendet, und heute noch dienen -die viel oxalsaures Kali enthaltenden Blätter als Zutat zu Suppen und -Gemüsen, wie auch als Salat. In den Klostergärten des Mittelalters -wurde der an grasreichen gedüngten Stellen der Alpweiden gefundene -+Alpensauerampfer+ (~Rumex alpinus~) kultiviert, um den fleischigen, -verzweigten Wurzelstock als Rhabarbersurrogat zu benutzen. Als -+englischen Spinat+ oder +Gartenampfer+ wird besonders in England -die 2 m hohe, zweijährige Ampferart ~Rumex patientia~ angebaut, die -in Mittel- und Südeuropa wild wächst. Unser +Spinat+ oder +Binetsch+ -(~Spinacia oleracea~) ist eine Meldenart, die im wilden Zustande -nicht mehr gefunden wird, doch, wie ihre nächsten Verwandten, aus -dem Hochlande von Iran stammen dürfte. Den Griechen und Römern war -sie unbekannt. Die Kultur des Spinats scheint am Ende des Altertums -unter dem Namen ~ispany~ in Persien aufgekommen zu sein und gelangte -dann einesteils als ~isfany~ nach Indien und unter dem chinesischen -Namen „persisches Kraut“ bis in die Mandschurei, anderenteils als -~isfanâdsch~ zu den Arabern, die ihn zuerst nach Europa, und zwar nach -Spanien brachten, von wo er sich als französisch ~épinards~, englisch -~spinage~, hochdeutsch Spinat und süddeutsch Binetsch weiter nach -Norden verbreitete. Jedenfalls war er bei uns noch im 16. Jahrhundert -neu und wenig bekannt. Man kultiviert ihn als im Frühjahr gepflanzten -Sommerspinat mit länglicheirunden Blättern und ungehörnten Früchten, -und als Winterspinat, der im Herbst gesät und im Frühjahr geschnitten -wird, mit spießförmigen, zweizähnigen Blättern und Früchten mit 2-4 -stachelartigen Hörnchen. Ersterer wird bevorzugt, weil er weniger -leicht in Samen schießt. Die Blätter liefern gedämpft und gehackt ein -sehr zartes, blutbildendes Gemüse, das gerne als Fastenspeise genossen -wird. Zu diesem Zwecke füllt man in Griechenland Gebäck mit Spinat und -einigen Gewürzkräutern, und in Frankreich verbäckt man den Samen zu -Brot. - -Als +neuseeländischer Spinat+ wird seit dem Jahre 1772 auch in Europa -eine dem Portulak verwandte, in Neuseeland, Australien und den -Norfolkinseln heimische, 1 m hohe ästige Eiskrautart (~Tetragonia -expansa~) mit eirunden Blättern, gelblichgrünen Blüten und -vierhörnigen, fest sitzenden Früchten kultiviert, die schon länger auch -in Südamerika und Japan gepflanzt wird. Als Nährpflanze viel wichtiger -ist der +Peruspinat+ oder die +Reismelde+ (~Chenopodium quinoa~), -eine unserem gemeinen Unkraut, der weißen Melde ähnliche, mehlig -bestäubte, gegen 1 m hohe Pflanze mit ovalen und eckigen Blättern, -in sehr ästigen Rispen vereinigten Blüten und gelblichweißen Samen. -Wegen letzteren, die in Wasser oder Milch abgekocht, in Breiform -oder auch zu Mehl gestampft und dann geröstet als ein schmackhaftes -und tägliches Nahrungsmittel an Stelle des Getreides im westlichen -Südamerika von Chile bis Mexiko gegessen werden, wird diese in Chile -und Peru noch in einer Höhe von 4000 m über Meer, wo Roggen und Gerste -nicht mehr gedeihen, angepflanzte Meldenart als das Hauptnahrungsmittel -neben den Kartoffeln geschätzt. Auch die Blätter geben, wie bei uns -Spinat und Gartenampfer, ein gutes Gemüse. Alexander von Humboldt, -der von 1799-1804 mit Bonpland Süd- und Mittelamerika bereiste, gab -die ersten Nachrichten über diese Kulturpflanze, deren Spielart -mit weißen Samen als die ergiebigste gilt und zum Anbau auch für -Norddeutschland paßt. Als +Erdbeerspinat+ wird die aus Südeuropa -stammende Blattmelde (~Chenopodium foliosum~) teils ihrer wie Spinat -benutzten Blätter, teils der zahlreichen, hochroten, erdbeerähnlichen, -aber fade schmeckenden Früchte wegen kultiviert. Die Beeren geben eine -wenig haltbare Farbe. In der Walachei schminken sich die Bauernweiber -mit ihnen. Wie die weiße und grüne Melde, deren Blätter auch bei uns -in manchen Gegenden als Gemüse gesammelt und, wie Spinat gekocht, -gegessen werden, Kulturpflanzen Ostindiens sind, so wird auch bei uns -die im nördlichen Europa bis Sibirien heimische, schon bei den Alten -als Speise verzehrte +Gartenmelde+ oder +wilder Spinat+ (~Atriplex -hortense~) mit herzförmig-dreieckigen, gezähnten, roten Blättern -stellenweise, so besonders in Frankreich als ~arroche~, angebaut. -Von ihrer strauchartigen Verwandten, der an den europäischen Küsten -wachsenden +Portulakmelde+ (~Atriplex portulacoides~), werden die -jungen Sprosse wie Kapern eingemacht, während die säuerlichsalzigen -Blätter und zarten Stengel der in Südeuropa heimischen +Meermelde+ -(~Atriplex halimus~) in England und Holland als Salat gegessen werden. -Die jungen Sprosse ersetzen in Portugal den Spargel. - -Seit sehr langer Zeit werden die fleischigen Blätter des über Asien, -Europa und Afrika verbreiteten und längst auch in die Neue Welt -verpflanzten +Portulaks+ (~Portulaca oleracea~) -- bei den Griechen -~andráchnē~, bei den Römern ~portulaca~ genannt -- roh als Salat -angemacht oder gekocht als Gemüse gegessen. Nach Columella wurden -sie wie der späte Kohl gegen die Zeit der Weinernte mit Salz und -Essig eingemacht. Sonst waren der Lattich (~lactuca~) und die Endivie -(~intubum~) die Hauptsalatkräuter der Römer, indem sie aus ihnen -mit Zuhilfenahme von Fleischbrühe, Olivenöl, Zwiebeln, Honig und -Essig ihren nach dem Essig (~acetum~) als ~acetarium~ bezeichneten -Salat herstellten. Im Mittelalter genoß man mit Salz, Essig und -Öl angemachten Salat vorzugsweise aus Lauch, Zwiebeln, Boretsch, -Pfefferminze und Petersilie. Heute werden die verschiedensten -Blattgemüse und Wurzeln dazu verwendet. Salat kommt vom italienischen -~salato~ gesalzen, woraus zunächst das französische ~salade~ und -daraus erst unser deutsches Salat wurde. Essig, Öl, Salz, Pfeffer und -Senf sind die Hauptingredienzien dazu, und zwar mische man das Öl -vor dem Essig mit den Blättern, damit der Saft infolge der fettigen -Umhüllung ganz in den pflanzlichen Teilen bleibe und das Fett den -Salat durchdringen könne. Ein altes Sprichwort sagt, der Salat solle -von einem Verschwender mit Öl, von einem Geizhals mit Essig, von einem -Weisen mit Gewürzen und Salz versehen und von einem Narren gemischt -werden, dann werde er recht sein. Die Römer der Kaiserzeit pflegten -ihr Abendessen mit Salat zu beginnen, während ihre Vorfahren zur Zeit -der Republik es mit ihm zu beschließen pflegten. Dazu wurde gewöhnlich -Lattich genommen, der im Rufe stand, den Schlaf zu befördern. Der -Geschichtschreiber Flavius Vopiscus berichtet uns von dem im Jahre 275 -75jährig vom Senate gewählten und schon im folgenden Jahre auf einem -Zuge gegen die Goten in Kleinasien von den Soldaten ermordeten Kaiser -Marcus Claudius Tacitus, er habe sehr mäßig getrunken und gespeist, -aber viel Salat gegessen, um sich einen recht sanften Schlaf zu -verschaffen. Desgleichen berichtet Suetonius vom Kaiser Augustus, daß -er, wenn er durstig war und doch kein Getränk zu sich nehmen wollte, -ein Stückchen Gurke oder von einer Lattichstaude in den Mund nahm, -um daran zu kauen. Einmal soll ihm die Klugheit seines Arztes Musa -das Leben gerettet haben, indem er ihm Salat verordnete, den ihm der -vorige Arzt Gajus Ämilius aus allzugroßer Ängstlichkeit verboten hatte. -Nach dieser Aufsehen erregenden Heilung des Staatsoberhauptes stieg -das Ansehen des Salates, wie Plinius uns berichtet, in Rom so hoch, -daß man sogar die Erfindung machte, ihn in mit Essig versetztem Honig -aufzubewahren, bis es wieder frischen gab. - -Durch die Römer kam dann der Salat in die Länder nördlich der Alpen -und wurde hier in der Folge sowohl in den Klostergärten, als auf den -Edelhöfen gepflanzt. Zuerst wird der Salat auf deutschem Gebiet in -Ekkehards Benediktionen aus dem Kloster St. Gallen, später dann auch -als Gericht höherer weltlicher Kreise erwähnt, allerdings mit dem -Hinzufügen, daß solche Speise auf die Dauer für Kraft und Aussehen -unvorteilhaft sei. Erst im 15. Jahrhundert wurde sein Genuß, besonders -in der Form von Lattich, in Mitteleuropa gemein, und zwar in der von -Italien her gebräuchlichen Weise, ihn, außer mit Essig zu versetzen, -mit Öl einzufetten. Genießt doch heute noch der Italiener mit Vorliebe -auch andere grüne Gemüse mit Öl übergossen. - -Der +Gartenlattich+ (~Lactuca sativa~) stammt von dem im gemäßigten und -südlichen Europa und in Westasien wachsenden wilden Lattich (~Lactuca -scariola~) und wurde schon im frühen Altertum als Salatpflanze gezogen, -so von den Persern zur Zeit des Königs Kambyses, des Sohnes von Kyros, -der diesem 529 v. Chr. folgte, 525 Ägypten eroberte und 522 auf dem -Rückzuge nach Persien starb. Die alten Griechen nannten ihn ~trídax~ -und bauten ihn in wenigstens drei Sorten an, die Römer hießen ihn nach -dem Milchsaft ~lac lactuca~ und pflanzten hauptsächlich vier Sorten: -den cäcilianischen Salat mit grünen bis roten, krausen Blättern, den -kappadozischen mit bleichen, kammförmig eingeschnittenen, dicken -Blättern, den weißen, sehr krausblätterigen aus der Provinz Bätica (dem -südlichen Spanien, nach dem Flusse Bätis so genannt) und aus der Nähe -der Stadt Gades (dem heutigen Cadix) und den zyprischen rötlichweißen -mit glatten, sehr zarten Blättern. Columella, der uns diese aufzählt, -berichtet uns zugleich, daß sie in der hier angegebenen Reihenfolge von -Januar bis April in gut gedüngten Boden gesät würden, reichlich Wasser -erhielten und durch Auflegen einer Scherbe auf den Wipfelsproß am -Aufschießen verhindert und gezwungen würden, mehr in die Breite als in -die Höhe zu wachsen. - -Aus den frühmittelalterlichen Klostergärten und den Gärten der -Vornehmen, besonders des mächtigen Frankenkönigs Karl, dem späteren -Kaiser, ging der Gartenlattich mit den anderen von den Römern -übernommenen Gemüsearten in die Gärten Mittel- und schließlich -auch Nordeuropas über und aus dem lateinischen ~lactuca~ wurde -das französische ~laitue~, das deutsche Lattich und das englische -~lettuce~. Und mit diesem Salatkraut wurde auch sein alter Begleiter, -der +Boretsch+ (~Borrago officinalis~) übernommen, der fortan keinem -Gemüsegarten fehlte. Diese aus Südeuropa und Kleinasien stammende -Pflanze mit borstenhaarigen Blättern, gewöhnlich dunkelblauen, in -manchen Varietäten aber himmelblauen, blaßroten und weißen Blüten -war schon im Altertum außer als Bienenweide auch als Heilmittel für -mancherlei Krankheit geschätzt, und schon die alten Griechen und Römer -fanden, daß ihre Blätter und Blüten, fein gewiegt, dem Lattichsalat -einen feinen, gurkenähnlichen Geschmack verleihen. Aus diesem Grunde -ist sie bis auf den heutigen Tag im ländlichen Garten in Ehren -geblieben. - -Heute unterscheiden wir drei Hauptarten von Lattich: 1. den -+Schnittsalat+ mit hell- oder dunkelgrünen, rotgefleckten oder -dunkelroten Blättern in offener Rosette, die man allmählich von innen -nach außen absticht. 2. den +Bindsalat+ oder +römischen Salat+ mit -länglichen, aufrechten, eine geschlossene Rosette bildenden Blättern, -die man zusammenbindet, um die inneren zu bleichen. Mit Recht findet -der als ~laitue~ bezeichnete französische Bindsalat durch die ganze -Kulturwelt rasche Verbreitung. 3. den +Kopfsalat+ mit breiten, blasig -aufgetriebenen, kopfförmig zusammenschließenden Blättern; dieser -wird am häufigsten gebaut und unter Strohmatten überwintert. Alle -diese Salatarten, die heute noch in Südeuropa die Lieblingsspeise -des gemeinen Mannes bilden, haben sich heute über die ganze Erde -verbreitet. Nach China gelangte der Lattich ums Jahr 600 n. Chr. aus -dem Westen. - -In derselben Weise wie der Salat wurde von den Griechen und Römern die -Endivie angepflanzt und, wie Plinius uns berichtet, über den Winter in -Krügen eingemacht und später gekocht, als ob sie frisch sei. Früher -nahm man an, daß sie aus Indien stamme, doch wissen wir jetzt, daß sie -von der im Mittelmeergebiet wild wachsenden ~Cichorium divaricatum~ -gewonnen wurde. Die +Endivie+ (~Cichorium endivia~) wird besonders -in der krausen Varietät häufig als Salatpflanze in den Gemüsegärten -kultiviert. Die breitblätterige Abart kommt dagegen unter dem Namen -Eskariol auf den Markt. Bei beiden werden wie beim Bindsalat die eine -lockere Rosette bildenden und meist zu einem Kopf zusammenschließenden -Blätter gewöhnlich zusammengebunden, um durch Lichtentzug gebleicht zu -werden. Dadurch schmecken sie ungemein zart; aber selbst die feinste -Pariser ~chicorée~ ist immer noch härter als Kopfsalat. - -Bei den Alten galt die überall in den Mittelmeerländern wildwachsende -Endivie, mit Essig vermischt gegessen, als dem Magen gesund und -allerlei Übel heilend. Plinius berichtet, daß die wildwachsende -Endivie in Ägypten ~cichorium~, die zahme dagegen, die kleiner und -saftiger sei, ~seris~ heiße. Die Magier behaupten, wer sich mit dem -Saft einer ganzen Zichorie und Olivenöl einreibe, der werde anmutiger -und erreiche seine Wünsche leichter. Deshalb nennen manche die Pflanze -auch ~chreston~ (d. h. brauchbar), andere ~pankration~ (d. h. alles -beherrschend), die wildwachsende heiße auch ~hedypnois~ (d. h. süßen -Schlaf bewirkend). Nach dem gelehrten Varro (116-27 v. Chr.) wurde die -Endivie für die Gänse gesät, die aber nicht darauf getrieben wurden, -weil sie die Blätter teils zertreten, teils so viel von ihnen fressen -würden, daß sie stürben. Man schneide deswegen die Blätter selbst für -die Tiere ab und gebe ihnen ihre richtige Portion davon. Und Palladius -im 4. christlichen Jahrhundert gibt an, daß man sie im Monat Oktober -säe; sie liebe einen lockeren, feuchten Boden und man weise ihr ein -ebenes Beet an, damit die Wurzeln nicht durch Regengüsse entblößt -würden. - -Sehr viel bitterer als die Endivie ist die gemeine +Zichorie+ -oder Wegwart (~Cichorium intybus~), eine, im Gegensatz zu jener -einjährigen, ausdauernde Pflanze mit kurzgestielten, blauen Blüten. -Sie findet sich wild in ganz Mittel- und Südeuropa, Nordafrika und dem -gemäßigten Asien, wurde aber, da sie häufig an Wegen und auf Feldern -auftritt, vielfach vom Menschen über die Grenzen ihres ursprünglichen -Vaterlandes hinaus verbreitet. Die jungen Blätter wurden schon von den -Griechen und Römern teils von wildwachsenden, teils aber auch schon -kultivierten Pflanzen als Gemüse und Salat benutzt. Columella sagt -um die Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr., daß sie, die er ~intybum~ -nennt, dem übersättigten Gaumen behage. Auch sein Zeitgenosse, der -ältere Plinius, spricht mehrfach von ihr und empfiehlt sie als gesunde -Speise. Heute pflanzt man zu diesem Zwecke den Brüsseler Witloof und -den französischen Kapuzinerbart, deren Wurzeln, in einem dunkeln -Keller in Pferdedünger eingepflanzt, farblose, äußerst zarte Blätter -treiben, die als Salat gegessen werden. Die lange, möhrenförmige, -ungemein bitter schmeckende Wurzel wird arzneilich benutzt und bildet, -mit Zucker eingemacht, die Hindläufte der Konditoren; namentlich -aber hat sie im letzten Jahrhundert als Kaffeesurrogat eine ungemein -große Bedeutung erlangt. Deshalb wird die Zichorie in Frankreich, -Belgien, Holland, Mittel- und Süddeutschland, Böhmen, Ungarn und -Rußland im großen angebaut. Die kultivierte Wurzel ist stärker als -die wild gewachsene, fleischig, mit verhältnismäßig breiter Rinde und -erreicht ein Gewicht von 200-400 g. Ende September, wenn die untersten -Blätter gelb werden und abzusterben beginnen, werden die Wurzeln, -die frisch auch als Beigabe zu Viehfutter verwendet werden, um den -Stoffwechsel anzuregen, geerntet, gewaschen, zerschnitten, getrocknet, -dann in eisernen Trommeln geröstet und gemahlen. Ein Zusatz von 1-5 -Prozent Sesam- oder Erdnußöl beim Rösten verbessert den Geschmack. -Das Zichorienmehl wird zuletzt in Dampftrommeln feucht gemacht, in -Pakete verpackt und kommt als +Zichorienkaffee+ in den Handel. Sein -Aroma erinnert entfernt an den Kaffee, doch entbehrt er natürlich der -auf das Nervensystem anregend wirkenden Bestandteile und wirkt bei -anhaltender Benutzung nachteilig auf die Verdauung. Er wird vielfach -mit Runkelrübenpreßlingen, Ziegelmehl, Ocker und Ton verfälscht. Schon -um die Mitte des 18. Jahrhunderts röstete man in Haushaltungen am -Nordrande des Harzes Zichorienwurzeln, um sie als Kaffeesurrogat zu -benutzen; um 1790 begannen Braunschweiger und Magdeburger Kaufleute -dieses Präparat für den Handel herzustellen. Es vermochte sich dann -besonders während der Kontinentalsperre bei der ärmeren Bevölkerung -einzubürgern, so daß immer mehr Fabriken errichtet wurden. Gegenwärtig -besitzt das Deutsche Reich über 100 und Europa 450 Zichorienfabriken. -Deutschland liefert für rund 9 Millionen Mark Rohstoffe und für 18 -Millionen Mark Fabrikate von Zichorie. - -Als weitere Salatkräuter sind die Kressearten zu nennen, die teilweise -schon von den alten Griechen und Römern angepflanzt und, wie der -griechische Arzt Dioskurides um die Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. -berichtet, mit Wasser, Salz und Milch gegessen wurden. Besonders die -+Gartenkresse+ (~Lepidium sativum~), die von Südeuropa und Nordafrika -bis Indien heimisch ist, wurde, wie heute noch, so schon im Altertum -in Ägypten kultiviert. Doch dürfte ihr Anbau dort nicht erheblich -über das 2. Jahrhundert v. Chr. hinausgehen. Den alten Alexandrinern -galt sie als leckeres, gewürzhaftes Gemüse, das als Salat gegessen -wurde. Auch von den Griechen der späteren Zeit wurde sie geschätzt. -Von den Römern wurde sie ~nasturcium~, d. h. Nasenquäler genannt, weil -ihre Schärfe bis in die Nase hinein verspürt werde. Sie scheint im -östlichen Mittelmeergebiet, vielleicht in Kleinasien, zur Kulturpflanze -erhoben worden zu sein und wird heute bei uns häufig kultiviert, um -als Salat und Beilage zu Fleisch und Gemüse zu dienen. Dabei hat -sie den Vorzug, außerordentlich rasch zu wachsen; auch wirken ihre -jungen Triebe anregend auf Appetit und Verdauung. Früher wurde sie -auch medizinisch benutzt, wie ihre Verwandte, das +Pfefferkraut+ -(~Lepidium latifolium~), die am Meeresstrand und an Salinen in Europa, -Mittelasien und Nordafrika wächst. Auch sie wird seit dem Mittelalter -in Gärten kultiviert, um die pfefferartig scharf brennenden Blätter -zu Saucen verwenden zu können. Die in Quellen, Bächen und Gräben mit -schlammigem Grund in ganz Europa, Nord- und Ostasien heimische, auch -nach Nordamerika übergeführte +Brunnenkresse+ (~Nasturtium officinale~) -wird bei uns vielfach kultiviert, um ihre durch den Gehalt an einem -ätherischen Öle rettichartig scharf schmeckenden Blätter als Salat -zu essen. Sie verlangt reines, leicht strömendes Wasser und wird vom -Oktober bis April geerntet. Später hört die Ausbeute auf, da dann -die Blütenbildung beginnt, in deren Verlauf die Blätter steif und -ungenießbar werden. Sie galt seit den ältesten Zeiten als heilkräftig -und stand daher als Zugemüse in hohem Ansehen. So erwähnt sie schon -die heilige Hildegard, Äbtissin des Klosters Rupertsberg bei Bingen, -als brunnencrassum besonders als Mittel gegen Fieber. Heute wird sie -im großen gezogen und gelangt in Menge auf den Markt, und zwar sind -die Hauptproduktionsorte Dreienbrunnen bei Erfurt und die Umgegend von -Paris. Um aber als Salat gegessen zu werden, soll sie mit Zitronensäure -statt Essig angemacht werden, da der Essig ihren charakteristischen -Geschmack beeinträchtigt. Endlich wird auch die aus Südamerika -eingeführte +Kapuzinerkresse+ (~Tropaeolum majus~), weil ähnlich scharf -schmeckend, als Salat gegessen, während ihre Blütenknospen und unreifen -Früchte, in Salz und Essig eingelegt, wie Kapern Verwendung finden. - -Eine beliebte Salatpflanze ist ferner der +Feldsalat+ oder das -+Rapünzchen+ (~Valerianella oliteria~), das in ganz Mittel- und -Südeuropa als Ackerunkraut wächst, aber, um zartere Pflänzchen zu -bekommen, auch im Gemüsegarten kultiviert wird, wo sie größer, kahler -wird und sich durch Selbstbesamung fortpflanzt. Sie gehört der den -Korbblütlern nahestehenden Familie der Baldriangewächse an und wird -im ersten Frühjahr gesammelt und auf den Markt gebracht. Dann der -+Sellerie+ oder +Eppich+ (~Apium graveolens~), dessen Stammpflanze -mit kleinen, etwas knollig verdickten Wurzeln fast in ganz Europa, -Westasien und Nordafrika an feuchten Orten in der Nähe der salzhaltigen -Meeresküste wild wächst. Bei den Griechen hieß er ~sélinon~, bei den -Römern dagegen ~apium~. Schon in Homers Odyssee wird erzählt, daß auf -der Insel der Kalypso die Wiesen mit Veilchen und Sellerie bedeckt -gewesen seien, so schön, daß sie selbst den Göttern wohlgefielen. Mit -Kränzen aus wildem Sellerie pflegten die Griechen ihre Grabmäler zu -schmücken und solchen auch bei den Leichenschmäusen zu verzehren. Nach -Plinius stimmten Chrysippos und Dionysios darin überein, daß es unrecht -sei, den Sellerie an Speisen zu tun, da er nur zum Leichenschmaus -gehöre. Er war den Göttern der Unterwelt geweiht und bezeichnete -im griechischen Volksglauben Trauer und Tränen. Der griechische -Geschichtschreiber Plutarch (50-120 n. Chr.) erzählt uns in seiner -Biographie des korinthischen Feldherrn Timoleon, der 343 v. Chr. die -Stadt Syrakus von ihrem Tyrannen Dionysios dem Jüngeren befreite und -340 die Karthager am Flusse Krimissos besiegte, daß ihm einst mit -seinem Heere Maulesel begegnet seien, die mit Sellerie beladen gewesen -seien. Das hielten die Soldaten für eine üble Vorbedeutung, weil es -Sitte war, die Denkmäler der Toten mit Sellerie zu bekränzen. Plinius -aber berichtet, daß man dem Sellerie in Achaja die Ehre erweise, mit -ihm diejenigen zu bekränzen, die in den heiligen Spielen zu Nemea -gesiegt haben. Auch bei den alten Römern galt er durch griechischen -Einfluß als Sinnbild des Todes und der Trauer. So hieß die Redensart -~apio indiget~, es gibt nur noch Eppich für ihn, so viel als es steht -schlimm mit ihm, er ist dem Tode nahe. Bei den heutigen Griechen -dagegen gilt er als glückbringend und wird nebst Knoblauch und Zwiebeln -in den Zimmern aufgehängt. - -Während der wilde Sellerie widerlich durchdringend riecht und eine fast -ungenießbar bittere Wurzel besitzt, ist ihr Geschmack beim kultivierten -Sellerie bedeutend gemildert. Das hohe Alter seiner Kultur erklärt uns -das Vorhandensein der so verschiedenen Kulturvarietäten. So pflanzt -man +Krautsellerie+ mit langgestielten, aufrecht stehenden Blättern -und kleiner Wurzel, +Bleich-+ oder +Stengelsellerie+ mit fleischigen, -zarten Blattstielen und +Knollensellerie+ mit kurzgestielten Blättern -und großer, rundlicher Wurzel, welche als Küchengewürz und Salat mit -Essig und Öl gegessen wird. In Zucker eingemacht, liefert sie mit -Weißwein ein der Ananasbowle täuschend ähnliches Getränk. Sie wirkt -reizend auf die harnabsondernden Organe und gilt als sexuell reizendes -Mittel. - -Die +Petersilie+ (~Petroselinum sativum~) ist eine zweijährige -Umbellifere der Mittelmeerländer, die vom Arzte Dioskurides unter dem -Namen ~petrosélinon~, d. h. Felsensellerie, als eine wildwachsende -Heilpflanze erwähnt wird, die dann auch die Römer unter derselben -Bezeichnung als Medikament verwendeten. Ob sie schon im Altertum -angebaut wurde, ist uns nicht bekannt; doch wird dies aus der römischen -Kaiserzeit wohl anzunehmen sein. Erst im ~Capitulare de villis~ Karls -des Großen vom Jahre 812 wird sie bestimmt unter den anzubauenden -Pflanzen erwähnt. Im 16. Jahrhundert wurde sie im Garten von Olivier de -Serres gezogen. Die englischen Gärtner erhielten sie nach dem Berichte -eines Zeitgenossen im Jahre 1548. Obgleich ihre Kultur weder ein hohes -Alter aufweist, noch von besonderer Wichtigkeit ist, so hat sie sich -doch bereits in zwei Rassen gespalten, eine Form mit krausen Blättern, -die als Suppengewürze dienen, und eine andere, deren fleischige Wurzel -gegessen wird. - -Aus dem gemäßigten Westasien scheint der +Gartenkörbel+ (~Scandix -cerefolium~) zu stammen, den die älteren griechischen Autoren nicht -erwähnen, gleichwohl aber gekannt haben müssen. Um die Mitte des -1. Jahrhunderts n. Chr. wird sie als Gemüsepflanze von Dioskurides -und Plinius unter der Bezeichnung ~cerefolium~ genannt. Sie wurde -angepflanzt und muß schon im 2. Jahrhundert v. Chr. von den Griechen zu -den Römern gelangt sein, um dann zunächst zu den Romanen zu gelangen, -die sie heute noch ~cerfeuil~ nennen. Viel wichtiger als sie war einst -das heute ganz aus unserem Gemüsegarten verschwundene +Myrrhenkraut+ -(~Smyrnium olus-atrum~), von der schon der Aristotelesschüler -Theophrastos als einer wichtigen medizinischen Pflanze unter dem -Namen ~hipposélinon~, d. h. Pferdesellerie spricht. Drei Jahrhunderte -später sagt Dioskurides von ihr, daß man ihre Blätter und Wurzeln als -Speise benütze. Als ~olus antrum~ wurde sie von den Römern kultiviert, -als ~olisatum~ befahl sie Karl der Große auf seinen Meierhöfen -anzupflanzen. Später wurde diese in den Mittelmeerländern wildwachsend -angetroffene Pflanze auch bei den Italienern des Mittelalters als -~macerone~ angebaut. Noch zu Ende des 18. Jahrhunderts kannte man in -Frankreich und England die Überlieferung, daß diese Pflanze einst -in den Gemüsegärten gehalten wurde, später aber wird sie nicht mehr -erwähnt. - -Ein von den älteren Griechen als köstlichste Beigabe jeder Speise -gehaltene Würzpflanze, die zugleich, noch mehr als alle vorgenannten -Kräuter, für eine kostbare Medizin galt, die alle Gifte aufhebe, -die bösartigsten Wunden heile, Blinde sehend und Greise jung mache, -war das +Silphium+, griechisch ~sílphion~. Es war eine in der -nordafrikanischen Landschaft Kyrene wildwachsende Doldenpflanze, -deren etwas knoblauchartig riechende Blätter und junge Sprosse als -feinstes Gemüse in ganzen Schiffsladungen nach Griechenland gebracht -wurden. Sie bildete den Reichtum des Landes von Kyrene, der ihren -Bewohnern großen Wohlstand brachte und als wichtigstes Landesprodukt -auf den dortigen Münzen abgebildet wurde. Der Silphionhandel ist uns -auch auf der berühmten Arkesilasschale im ~Cabinet des Médailles~ der -Nationalbibliothek in Paris abgebildet. Auf ihr sitzt an Deck eines -Schiffes, das bald absegeln und die kostbare Ware in die Fremde tragen -soll, Arkesilas, der König von Kyrene, auf einem Klappsessel, auf dem -bärtigen Kopfe einen spitzen Strohhut mit aufgebogenen Rändern und mit -einem langen, weißen Chiton und einem schwarzrot gestreiften Himation -bekleidet, dessen Bordüre eingewebte Stickerei trägt. Zu Füßen des -Königs, unter dem Sessel, liegt, um das Land Afrika anzudeuten, ein -Panther. Der König hält das Szepter in der Rechten und weist mit der -Linken nach der Wage, auf der das Silphion abgewogen wird, das in -Binsensäcken verpackt ist. Ein Mann scheint dem Könige zu melden: Es -besteht Gleichgewicht. Die große Wage ist an einer Rahe aufgehängt. -Ein als Silphiumarbeiter bezeichneter Mann legt das Silphium zurecht. -Neben ihm stehen zwei Korbträger, von denen einer sich umwendet und den -König frägt: Soll ich wegnehmen? Er fürchtet offenbar zu gut gewogen -zu haben. Darunter sehen wir unbärtige Matrosen unter der Aufsicht -eines Wächters die mit Silphium gefüllten Binsensäcke im Schiffsraum -aufeinander legen. Sogar die Jahreszeit der Handlung ist sehr sinnig -angedeutet. Es ist Spätherbst; denn über dem Schiffe sehen wir Zugvögel -dahinziehen, von denen sich einige, von der langen Meerfahrt erschöpft, -auf dem Takelwerk des Schiffes niederlassen wollen, aber von einem -zahmen Affen wenig liebenswürdig verscheucht werden. - -Alle Teile der kostbaren Silphionpflanze wurden von den danach -lüsternen Griechen verwendet. Die jungen Blütenschäfte wurden sowohl -roh als gekocht als Salat und Gemüse gegessen; der Stengel galt -als hochfeine Delikatesse, während die Blätter als Gemüse gekocht -wurden. Der eingedickte Saft von Stengel und Wurzel wurde als sehr -geschätztes Gewürz und Allheilmittel fast mit Gold aufgewogen; er -bildete das kostbare ~laserpitium~ der Römer. Schon unter dem Kaiser -Nero verschwand diese Pflanze mit ihren so geschätzten Produkten völlig -aus dem Handel, und trotz eingehenden Forschungen konnte bis heute -nicht ermittelt werden, welche Pflanze eigentlich unter dem Silphion -der Alten zu verstehen sei. Vielleicht, daß man später einmal in einem -entlegenen Gebiete des Innern von Barka in Tripolis diese spurlos -verschwundene, und nicht in Kultur genommene Silphionpflanze der -Alten findet. Ihr sehr ähnlich, aber nicht mit ihr identisch, ist die -+Teufelsdreckpflanze+ oder der +Stinkasant+ (~Ferula asa foetida~), der -seit Alexanders des Großen Zug nach Persien und Indien als „persisches -Silphion“ bekannt war und in gleicher Weise wie das seit dem 7. -vorchristlichen Jahrhundert verwendete echte afrikanische Silphion von -den Griechen und Römern benutzt wurde. Heute noch werden die einzelnen -Teile der Pflanze wie einst diejenigen der kyrenischen Art teils roh -als Salat, teils gekocht als Gemüse, speziell als Beigabe zu Fleisch, -der eingedickte Saft aber als Allheilmittel verwendet. Im Gegensatz -zum echten Silphion, das als wohlriechend bezeichnet wird, riecht -das persische widrig knoblauchartig. Von Persien bis China dient der -Stinkasant als hochgeschätzte Arznei und sein eingedickter Milchsaft -kommt noch heute in großer Menge als wertvolles Heilmittel zu uns nach -Europa und in alle Kulturländer der Erde. Über ihn und seine Geschichte -soll im Abschnitt über Heilpflanzen Genaueres mitgeteilt werden. - -Eine bei fast allen Völkern der Alten Welt seit grauer Vorzeit -überaus beliebte Würze und Zukost zur faden Brotnahrung sind -die meist im Innern Asiens heimischen Laucharten, deren scharfe -Zwiebeln von den ihre Herden hütenden Nomaden eifrig gesucht -und als Delikatesse gegessen werden. Sehr frühe sind diese -zentralasiatischen Zwiebelgewächse als geschätztes Zugemüse in -die alten Kulturländer Vorderasiens und am Nil eingeführt worden. -Soweit wir es zurückverfolgen können, waren Zwiebeln und Knoblauch -Bestandteile der allgemeinen Volksnahrung Ägyptens. Sie galten sogar -im Lande als heilig, so daß man bei ihnen schwur und die Priester und -Frommen aus Scheu sie nicht einmal zu berühren wagten. Während ihrer -Wüstenwanderung sehnten sich die Israeliten nach den Lauchgewächsen -des Niltals, wie 4. Mose 5, 11 gesagt wird: „Wir gedenken der Fische, -die wir in Ägypten umsonst aßen, und der Aggurmelonen, Wassermelonen -(~battichim~, von Luther irrtümlich mit Pfeben, d. h. Kürbisse -übersetzt), Lauch, Zwiebeln und Knoblauch.“ Diese alle wurden im -Niltal in Menge gepflanzt und von den Ägyptern gerne gegessen, wenn -wir auch, wie Wildemann zuerst schlagend nachwies, von der Wahrheit -der Herodotschen Angabe abstrahieren müssen, wonach beim Bau der -großen Pyramide des Cheops (um 2900 v. Chr.), wie auf derselben noch -zu seiner Zeit mit Hieroglyphen soll verzeichnet gewesen sein, allein -für die Rettich-, Zwiebel- und Knoblauchkost der Fronarbeiter 1600 -Silbertalente, d. h. über 7,5 Millionen Mark aufgewendet worden seien. - -Schon zur Zeit der ältesten ägyptischen Dynastie, die mit der -Thronbesteigung des Menes 3400 v. Chr. beginnt, waren die Zwiebeln und -Knoblauch im Pharaonenlande viel kultivierte Pflanzen, deren große -Wertschätzung als gesunde, schmackhafte Speise die ihr im ganzen Lande -gespendete Verehrung genugsam erklärt. Zwiebeln in überreicher Menge -gehörten in Ägypten zu den gebräuchlichsten Opfergaben. So finden wir -sie -- altägyptisch ~hudsch~ und ~badschar~ genannt, welch letzteres -mit dem hebräischen ~besel~ (Plural ~besalim~) zusammenhängt, aus -welch letzterem sich dann das arabische ~basal~ bildete -- mit dem -nicht minder geschätzten Knoblauch, altägyptisch ~schagin~, und der -Schalotte auf den Darstellungen an den Wänden der Totenkammern schon -des alten Reiches, teils in Füllhörnern steckend, teils in Bündeln -frei auf den Opfertischen liegend, teils zu glockenartigen Gebilden -zusammengebunden, sehr deutlich abgebildet. Die Zwiebeln in solcher -Glockenform den Göttern zu spenden war vielleicht ein Vorrecht der -durch das Tragen des Leopardenfells ausgezeichneten Priesterkaste. -Einen solchen opfernden Priester erblicken wir auf einem Grabgemälde -des mittleren Reiches in der Totenstadt Theben. Derselbe hält in -seiner linken das Weihrauchbecken und bringt mit seiner Rechten das -Trankopfer dar, indem er aus einem Gefäße geweihten Wein auf die unter -der Zwiebelglocke liegenden Früchte spendet. Der Genuß von Zwiebeln -und Knoblauch war zwar den Priestern selbst verboten, weil sie, wie -der griechische Schriftsteller Plutarch (50-120 n. Chr.) meint, den -Durst reizen. Als eigene Erklärung der Priester führt Plutarch dagegen -an, daß die Enthaltung vom Genusse der Zwiebelgewächse deshalb bei -ihnen geschehe, weil die Pflanze bei abnehmendem Monde wachse. Seiner -persönlichen Meinung gibt er Ausdruck, indem er hinzufügt: „In der -Tat schickt sich die Zwiebel weder für fastende Büßer, noch für die, -welche fröhliche Feste begehen: den ersteren erweckt sie Begierden und -den letzteren lockt sie Tränen ins Auge“. Doch galten die Zwiebeln wie -die übrigen Lauchgewächse den Alten als gesunde Speise und heilsam, -weil sie, wie Plinius erklärt, „die Verdauung befördern und Winde in -Bewegung setzen“. Dieser Autor kennt die Zwiebel ausschließlich als -Kulturgewächs; denn er sagt ausdrücklich in seiner Naturgeschichte: -„Wilde Zwiebeln gibt es nicht.“ Wie in Assyrien, Babylonien und ganz -Vorderasien wurden die Zwiebeln in verschiedenen Kulturrassen seit -den ältesten nachweisbaren Zeiten auch in Ägypten kultiviert und vom -Volke roh und gekocht in Menge gegessen. In einem Grabe des mittleren -Reiches in der Totenstadt von Theben finden wir auf einem Gemälde -die Zwiebelernte geschildert. Ein Gärtner zieht diese ansehnlichen -Knollengewächse aus den quadratischen Gemüsebeeten, in denen sie -kultiviert wurden, aus, um sie zu je vieren in Bündel zu binden. So -brachte man sie in Körben auf den Markt. Auf einem Relief in Sakkara -trägt eine, vermutlich aus dem Gemüsegarten heimkehrende dienende Frau -einen Korb mit Artischocken auf dem Kopfe und drei sehr langblättrige -Zwiebeln über die Schulter geschlagen. - -[Illustration: Bild 17. - -Zwiebeln (~Allium cepa~) als Opfergaben. Nach einem altägyptischen -Gemälde in Beni Hassan. (Aus Lepsius, Denkmäler.)] - -Diese ägyptischen Zwiebel- und Knoblaucharten, die heute noch in Menge -im Niltal wie im ganzen Morgenland gegessen werden, halten keinen -Vergleich mit den unsrigen, viel schärfer beißenden aus, so daß wir -sehr wohl die Sehnsucht der in der Wüste hungernden und durstenden -Juden nach dieser schmackhaften, saftigen Speise begreifen können. -Wie vor Jahrtausenden kommen sie noch jetzt in Menge auf den Markt -und können um geringes Geld selbst von den Ärmsten gekauft werden, um -als meist roh genossene Zukost zum Brote zu dienen. Die ägyptischen -Zwiebeln sind schneeweiß, besitzen namentlich jung äußerst zarte -Häute, sind ungemein mild und besitzen durchaus nicht die Schärfe und -den beißenden Geschmack, der unsere Zwiebelarten kennzeichnet. Auch -der dortige Knoblauch ist sehr mild schmeckend. Schon Plinius rühmt -den lieblichen, süßen Geschmack, den er in Ägypten und Palästina -besitze. Wie die Zwiebel fand er bei den alten Ägyptern in zahlreichen -Krankheitsfällen, selbst bei Zahnschmerzen, Verwendung. - -[Illustration: Bild 18. - -Gärtner, Zwiebeln zu Bündeln bindend. Nach einem altägyptischen Gemälde -in Beni Hassan. (Aus Lepsius, Denkmäler.)] - -Auch in späterer Zeit waren die Zwiebelgewächse in Vorderasien -höchst wichtige und beliebte Gemüse. So wird uns von griechischen -Schriftstellern berichtet, daß am persischen Hofe in Susa der Verbrauch -von Zwiebeln und Knoblauch an der Tafel des Großkönigs und seines -Gesindes ein gewaltiger war. So soll außer Kümmel, Silphion und anderen -Würzen ein Talent Gewicht (26,2 kg) Knoblauch und ein halbes Talent -Zwiebeln, letztere von der scharfen Art, als tägliches Bedürfnis -des Hofes angesetzt gewesen sein. Das hohe Alter der Zwiebeln als -Würzmittel bei den Völkern am Mittelmeer wird auch durch Homer bezeugt, -der sie schon unter dem Namen ~krómmyon~ kennt. In der Ilias heißen -sie Beiessen zum Mischtrank, den die schönlockige Hekamede dem durstig -aus der Schlacht heimgekehrten Nestor bereitet, und dieser Held läßt -(im 11. Gesange) seinen Gästen einen Tisch vorsetzen, auf dem sich -neben frischem Honig und Brot „aus heiligem Mehl“ eine eherne Schüssel -mit Zwiebeln (~krómmyon~) befand, „die zum Trunke trefflich munden“. -Dabei stand ein mit Wein gefüllter Krug, in welchen noch Ziegenkäse auf -einem Reibeisen gerieben und weißes Mehl darein gestreut war. In der -Odyssee trägt der weit gereiste Odysseus eine prächtige Tunika „fein -wie das Häutchen um die trockene Zwiebel“. Ebenso alt oder vielleicht -noch älter als diese homerischen Stellen ist vermutlich der Name einer -einst megarischen Ortschaft Krommyon, der jedenfalls von der dort in -besonderer Menge oder Güte angebauten Zwiebel abzuleiten ist. In ganz -Griechenland, wie später in Italien, waren die Zwiebelgewächse eine -sehr beliebte Volksnahrung; aber mit der steigenden Bildung schlug -bei den höheren Ständen die Vorliebe dafür in ihr Gegenteil um, und -Zwiebel- und Knoblauchgeruch verriet den Mann aus dem niedrigen -Volke. Wie der Lustspieldichter Aristophanes (455-387 v. Chr.) das -bäuerliche Zwiebelessen geißelt, so verwünscht der feinfühlende Horaz -(65-8 v. Chr.) den Knoblauch, den man künftig Verbrechern statt des -Schierlings geben möge! Vermöge ihres durchdringenden Geruches und -scharfen Geschmackes schrieb man den Zwiebelgewächsen im allgemeinen -auch abergläubische Heilkraft zu, besonders die Fähigkeit, bösen Zauber -zu brechen. Schon in der Odyssee wird die von den Menschen schwer, -von den Göttern aber leicht zu grabende Pflanze ~móly~ mit schwarzer -Knollenwurzel und milchweißer Blüte erwähnt, die dem Odysseus von -Hermes zum Schutze gegen den Zauber der Kirke gegeben wurde. Damit ist -jedenfalls ~Allium nigrum~ gemeint. - -Die +Sommerzwiebel+ oder +gemeine Zwiebel+ (~Allium cepa~) ist in -wildem Zustande nicht mehr bekannt; doch sind neuerdings durch kleinere -Dolden ausgezeichnete Wildlinge in Zentralasien gefunden worden, -die mit der Stammpflanze sehr nahe verwandt, ja vielleicht mit ihr -identisch sein dürften. Jedenfalls ist das innere Asien ihre Heimat, -von wo sie sich schon früh allseitig verbreitete. So wird sie im -Chinesischen durch einen einzigen Buchstaben (~tsung~) bezeichnet, -was nach Bretschneider auf ein sehr altes Vorkommen bei jenem Volke -hinweist und sehr wahrscheinlich macht, daß diese Pflanze in den einst -von ihnen vor ihrer im 3. Jahrtausend v. Chr. vor sich gegangenen -Wanderung nach Osten innegehabten Ursitzen in Oasen am Südrande des -Tarimbeckens zwischen Chotan und Lop-nor einheimisch war. Das Sanskrit -kennt für die Zwiebel die drei Namen: ~palandu~, ~latarka~ und -~sukandaka~, was auf Invasion der Würzpflanze auf verschiedenen Wegen -nach Altindien spricht. Wie von alters her wird die Zwiebel heute noch -in ganz Asien in zahlreichen Varietäten mit runden, plattrunden oder -birnförmigen Knollen angepflanzt. In bezug auf Geschmack gibt es alle -Abschattierungen von sehr scharfen bis ganz milden Sorten. Schon bei -den Mittelmeervölkern des Altertums wurden milde, süße und scharfe, -herbe Zwiebeln unterschieden. Erstere, die noch jetzt hauptsächlich -im Orient gezogen werden, lassen sich gut roh essen ohne irgendwie -die Tränendrüsen zu reizen. Sie dienten auch den Kulturvölkern am -Mittelmeer vorzugsweise als Volksnahrungsmittel, das bei den Griechen -und Römern in besonderen Abteilungen des Gemüsegartens, bei ersteren -~krommyónes~ (vom griechischen ~krómmyon~, Zwiebel), bei letzteren -~cepinae~ (vom lateinischen ~cepa~, Zwiebel) genannt, gepflanzt -wurde. Besondere fliegende Händler (griechisch ~krommyopóles~, -lateinisch ~ceparii~) boten in den Straßen der Städte diese Ware feil -und fanden guten Absatz. Schon der pflanzenkundige Theophrast im 4. -vorchristlichen Jahrhundert unterschied mehrere Zwiebelarten, die er -wie seine Zeitgenossen nach den Orten, von wo aus sie in den Handel -kamen, benannte, so sardische, knidische, samothrakische, sethamische -und askalonische Zwiebeln. Nach ihm war besonders die Insel Kimolos, -nördlich von Melos, das uns die berühmte Venus von Milo im Louvre in -Paris bescherte, durch ihre Zwiebelkulturen berühmt und erhielt daher -den Beinamen ~Krommyúsa~, d. h. Zwiebelinsel. - -Nicht minder beliebt als in Griechenland waren die Zwiebeln auf -der italischen Halbinsel, wo die Römer ausgedehnte Zwiebelgärten -besaßen. Als geschätzte Speise siedelten sie dieses Küchengemüse -auch in ihren Provinzen an. So brachten sie die Zwiebel als ~cepa~ -zu Beginn der christlichen Zeitrechnung auch in die Länder nördlich -der Alpen, speziell Germanien. Hier wurde sie aber erst zu Beginn des -Mittelalters beim Volke gebräuchlicher unter dem Namen Zwiebel oder -Bolle, was beides aus dem spätlateinischen ~cepulla~ (Diminutivum -von ~cepa~), wie das italienische ~cipolla~, entstand. Allerdings -schätzten die Deutschen dieses Gewächs viel weniger als die Romaioi im -oströmischen Reiche, bei denen beispielsweise an der kaiserlichen Tafel -in Byzanz der Zwiebelverbrauch so stark war, daß der langobardische -Bischof Liudprand von Cremona in Oberitalien, der Gesandte des -Deutschen Kaisers Ottos des Großen am Hofe Königs Nikephoros II. -(963-969), sich daran stieß. „Der Beherrscher der Griechen“, sagt er -in seinem Gesandtschaftsbericht vom Jahre 968, „trägt langes Haar, -Schleppkleider, weite Ärmel und eine Weiberhaube..., nährt sich von -Knoblauch, Zwiebeln und Lauch und säuft Badewasser (d. h. mit Wasser -verdünnten resinierten, d. h. geharzten Wein)“. Und ein anderes Mal: -„Er befahl mir zu seiner Mahlzeit zu kommen, die tüchtig nach Zwiebeln -und Knoblauch duftete und mit (Oliven-) Öl und Fischlake besudelt -war.“ Um dieselbe Zeit machte freilich ein Morgenländer, der Araber -Ibn Hauqual, der die Hauptstadt von Sizilien, Palermo, besuchte, den -Einwohnern dieser Stadt den Vorwurf, daß sie morgens und abends rohe -Zwiebeln äßen, wodurch ihr Gehirn verstört und ihre Sinne abgestumpft -würden. Man sehe das an ihrem Benehmen und an ihrem Aussehen. Sie -trinken lieber stehendes als laufendes Wasser, scheuen sich vor keiner -stinkenden Speise, sind schmutzig am Leibe, ihre Häuser sind unrein, in -den prächtigsten Wohnungen laufen die Hühner herum usw. - -Auch im Abendland werden eine Menge von Kulturvarietäten der Zwiebel -angepflanzt. Die bemerkenswertesten darunter sind die gewaltig -große, rötliche bis weiße, fast kugelige Madeirazwiebel von mildem, -süßem Geschmack, aber im Winter nicht haltbar und nur in wärmeren -Gegenden ihre volle Größe erreichend, und die leider ebenfalls nicht -haltbare Bellegarde von ovaler Form, oft von 50 cm Umfang und 1,5 kg -Gewicht, mit feinem, süßem Fleisch. In der ganzen Kulturwelt werden -die Zwiebeln als Küchengewürz benutzt, in Süd- und Osteuropa dagegen -roh oder geröstet wie Obst oder Gemüse gegessen. Sie enthalten ein -schwefelhaltiges ätherisches Öl und wirken dadurch in Übermaß reizend -auf den Magen, erzeugen übelriechende Atmung und Ausdünstung. Die -Vermehrung geschieht durch die sogenannten Steckzwiebeln, kleine -Zwiebelchen, die sich nach der Aussaat im ersten Jahre bilden und, im -zweiten Jahre ausgesetzt, die küchenfähige Zwiebel liefern. In Essig -eingemacht kommen sie unter dem Namen Perlzwiebeln in den Handel. - -Im ganzen milder als diese zweijährige gemeine oder Sommerzwiebel -schmeckt die ausdauernde +Winterzwiebel+ oder der +Röhrenlauch+ -(~Allium fistulosum~) mit mehreren länglichen, nebeneinander stehenden -Zwiebeln, sonst der vorigen ähnlich. Sie stammt aus dem südlichen -Sibirien, vom Altai bis nach Daurien, und kam erst am Ausgang des -Mittelalters über Rußland nach Europa. Im 16. Jahrhundert gab Dodoens -eine wenig kenntliche Abbildung von ihr. Weil sie sich sehr stark -vermehrt und winters im freien Lande aushält, wird sie in Gärten häufig -kultiviert; doch benutzt man meist nur die Blätter als Küchengewürz und -zum Füttern von jungen Truthühnern. - -Die +Schalotte+ (~Allium ascalonicum~) -- deutsch auch Aschlauch -- hat -ihren Namen von der Stadt Ascalon, wo sie früher viel gebaut wurde und -von wo aus sie durch Kreuzritter nach Europa gebracht wurde. Sie wird -nirgends mehr wild gefunden und scheint eine mit der gemeinen Zwiebel -verwandte Form zu sein, die schon im Altertum in Syrien, Palästina -und Kleinasien gepflanzt wurde. Die vorderasiatischen Semiten waren -von jeher wie heute noch die Juden große Zwiebelfreunde und pflanzten -und aßen sie in Menge. Ammianus Marcellinus erzählt uns aus dem Leben -des Kaisers Marcus Aurelius, daß, als er auf einer Reise nach Ägypten -im Jahre 175 n. Chr. durch Palästina kam, ihm der Gestank und Lärm -der Juden so lästig wurde, daß er schmerzlich ausgerufen haben soll: -„O Markomannen, Quaden und Sarmaten (es sind dies Stämme, die er vor -kurzem besiegt hatte), habe ich doch noch schlimmere Leute als ihr -seid gefunden!“ -- Noch heute werden die Zwiebelgewächse von den -Israeliten, wie auch von den Orientalen und Russen sehr geschätzt. Die -Schalotten haben pfriemenförmige und nicht aufgeblasene Blätter wie die -vorigen, sind ausdauernd und werden, da bei uns der Same nicht reift, -durch Brutzwiebeln fortgepflanzt. Die Zwiebeln mit äußeren braungelben -und inneren violetten Hüllen schmecken milder und feiner als die -gewöhnlichen Zwiebeln und werden als besseres Küchengewürz benutzt. Um -sie ein Jahr lang zu erhalten, dörrt man sie über dem Ofen. - -Der +Porree+ oder die +Welschzwiebel+ (~Allium porrum~) mit weißer, -rundlicher Zwiebel, fast ohne Nebenzwiebeln und hellpurpurroten, -statt wie bei der Schalotte violetten Blüten, ist eine Kulturform -des im Mittelmeer heimischen ~Allium ampeloprasum~, welche Art als -Sommerporree gepflanzt wird und pikanter als der gemeine Porree -schmeckt. Wie Zwiebeln und Knoblauch wurde der Porree schon im Altertum -in Gärten kultiviert und besonders im Orient sehr geschätzt. Die alten -Ägypter nannten ihn edsche und auch im Alten Testament wird er mehrfach -erwähnt. Bei den Griechen hieß er ~prasiás~, bei den Römern dagegen -~porrum~ und hatte nach Plinius bei letzteren besonders dadurch ein -hohes Ansehen erlangt, daß ihn Kaiser Nero seiner Stimme wegen in jedem -Monat an bestimmten Tagen mit Öl aß und dabei gar nichts anderes, nicht -einmal Brot, genoß. Derselbe Autor meldet, daß der römische Ritter -Mela, als er wegen schlechter Verwaltung seiner Provinz vor den Kaiser -Tiberius gefordert wurde, sich in der Verzweiflung damit vergiftete, -daß er soviel Porreesaft trank als drei Silberdenare wiegen. Er sei -dann auf der Stelle und ohne Schmerzen gestorben. Sonst galt der Porree -den Alten -- nach Dioskurides am besten gekocht, wobei das Wasser -zweimal abgegossen wurde, und dann in kaltes Wasser gelegt -- als -schleimlösendes Mittel bei Husten und wurde nach Columella, mit Öl und -Gersten- oder Weizenmehl vermischt, zu demselben Zwecke dem Rindvieh -gegeben. Der bissige Epigrammendichter Martial (40-120 n. Chr.), der -aus seiner spanischen Heimatstadt Bilbilis zur Zeit Neros nach Rom -kam und Schmeichler und Günstling der auf jenen folgenden Kaiser war, -rät einem Freunde: „Hast du stinkenden Porree gegessen, so schließe -wenigstens den Mund, wenn du jemand küssen willst.“ - -Wichtiger als er ist der +Knoblauch+ (~Allium sativum~), der in -der Dsungarei in Zentralasien heimisch ist und, wie wir bereits -feststellten, schon bei den ältesten Babyloniern und Ägyptern -gepflanzt wurde. Er ist ausdauernd, hat breitlineale, flache Blätter -und eine Blütendolde, in der zwischen zahlreichen Zwiebelchen wenige -weißlichrosenrote Blüten stehen, die keinen Samen entwickeln. Er -kommt bei uns verwildert vor und wird wie die vorigen am besten in -sandigem Boden kultiviert. Mit den Zwiebeln wurde er schon im hohen -Altertume bei den alten Kulturvölkern Vorderasiens und in Ägypten -angebaut. Im Sanskrit hieß er ~mahuschuda~, bei den Juden ~schumin~, -bei den Griechen ~skórodon~, bei den Römern ~allium~, das dann in -die verschiedenen Sprachen lateinischen Ursprungs überging, z. B. -italienisch ~aglio~, französisch ~ail~. Die Mitteleuropäer kannten ihn -schon bevor die Römer ihre Kultur über die Alpen brachten. Lauch ist -ein gemeingermanisches Wort, das vornehmlich Knoblauch bezeichnet, -der den Germanenstämmen eine beliebte Würze bildete. Beklagt sich -doch schon der byzantinische Gesandte Sidonius Apollinaris über den -üblen Geruch des germanischen Volkes der Burgunder vom vielen Lauch- -und Zwiebelnessen. Nach Plinius wurde er viel als Arznei angewandt, -besonders auf dem Lande. Esse man ihn ungekocht, so gebe er dem Atem -einen sehr unangenehmen Geruch. Der Schriftsteller Menandros behaupte -zwar, man könne dem Munde den Knoblauchgeruch nehmen, wenn man -geröstete Runkelrüben hernach kaue. Um ihn und die Küchenzwiebel lange -aufzubewahren, befeuchte man sie mit lauem Salzwasser oder hänge sie -eine Zeitlang zum Dörren über glühenden Kohlen auf; manche höben den -Knoblauch auch in Spreu auf. Auf den Feldern wachse wilder Knoblauch, -den man ~alum~ nenne. Man koche ihn und werfe ihn aus, wo Vögel der -Saat Schaden zufügen; diejenigen, welche davon fräßen, würden alsbald -betäubt, so daß man sie mit Händen greifen und unschädlich machen könne. - -Schon im Altertum aß das gemeine Volk in den Mittelmeerländern wie -noch heute gern den Knoblauch, der bei den Griechen und Römern -in besonderen, griechisch ~skorodṓnes~, lateinisch ~alliinae~ -genannten Abteilungen des Gemüsegartens gepflanzt und durch ambulante -Knoblauchhändler (griechisch ~skorodopṓles~, lateinisch ~alliarii~) -verkauft wurde. Noch in unseren Tagen lebt der arme Grieche oft -wochenlang vom Genusse des Knoblauchs. Die Geizigen gaben ihren -Sklaven Knoblauch zu essen, wie uns die Schriftsteller mehrfach -berichten, und eine ~skorodálmē~ genannte Brühe aus Knoblauch und Salz -gehörte zu den altgriechischen Volksgerichten. So beliebt er aber -beim ungebildeten, armen Volke war, so sehr wurde er wegen seines -starken Duftes von den gebildeten, vornehmen Kreisen verabscheut und -sein Geruch von ihnen durchaus verpönt. ~Allium olet~, der Knoblauch -stinkt, war eine Redensart, mit der ihn diese Kreise besonders im -reichen Rom abweisend kennzeichneten. In einer Komödie des lateinischen -Dichters Plautus (254-184 v. Chr.) wird ein Mann aus dem Volke mit -dem Ausruf angeschnauzt: „Mensch, schere dich zum Teufel, du stinkst -nach Knoblauch!“ Und Marcus Terentius Varro, der fruchtbarste und -bedeutendste Gelehrte Roms (116-27 v. Chr.) sagt in einer seiner -Schriften: „Unsere Väter und Urgroßväter waren recht brave Leute, -obgleich ihre Worte einen derben Knoblauch- und Zwiebelgeruch hatten.“ -Feinfühlige Römer der späteren Zeit entsetzten sich ob dieses -plebejischen Genußmittels; so läßt der Dichter Horaz (65-8 v. Chr.) -in einer seiner Epoden seinen Gönner Maecenas, den Freund des Kaisers -Augustus, der ihm sein Landgut Sabinum schenkte, wissen: „Du hast -mich, mein verehrter Gönner, Maecenas, mit einem Futter bewirtet, das -giftiger ist als Schierling und tödlicher als Vipernblut; du hast -mir Knoblauch zu essen gegeben, dieses Teufelszeug, das die harten -Eingeweide der Schnitter vielleicht verdauen können, das aber in -meinem Leibe wie ein wütendes Ungeheuer tobt, dieses Teufelsgift, mit -dem Medea einst den Jason so gräßlich beschmierte, daß selbst die -feuerschnaubenden Stiere sich nicht an ihn wagten. Wart, verehrter -Gönner, wenn du dir wieder so ein Knoblauchspäßchen mit mir erlaubst, -so werde ich meinerseits dir alles mögliche Unheil an den Hals -wünschen.“ - -Heute sind nur noch die Juden, wie auch die Russen und Türken besondere -Freunde des Knoblauchs, der sonst wegen seiner widerwärtigen, lange -anhaltenden Ausdünstung auch bei den Kulturvölkern des Abendlandes in -Verruf erklärt ist. Er wird in verschiedenen Varietäten kultiviert, -von denen der spanische Lauch und der Schlangenlauch die feinsten -sind. Letzterer liefert die Perlzwiebeln oder Rockambolen (aus -dem italienischen ~rocambole~), die stets nur durch Zwiebelbrut -fortgepflanzt werden können. Wie der Knoblauch wird auch der in -Südeuropa wild wachsende +Sandlauch+ (~Allium scorodoprasum~) -kultiviert und als Küchengewürz verwendet. Die Italiener nennen -ihn ~agliporro~. Der auch von uns vielfach benutzte +Schnittlauch+ -(~Allium schoenoprasum~) mit kleinen, weißen, länglichen, in Büscheln -beisammenstehenden Zwiebeln, einen Rasen bildenden hohlen Blättern -und wenig höheren Blütenschäften von rotvioletten Blüten wächst auf -Gebirgswiesen in ganz Europa bis nach dem südlichen Schweden, in -Sibirien bis nach Kamtschatka und auch in Nordamerika, da aber nur in -der Nähe der kanadischen Seen. Nach De Candolle steht die in den Alpen -vorkommende Form der angebauten am nächsten. Von den Alten wurde sie -nicht angepflanzt, höchstens etwa auf freiem Felde gesammelt und als -Medizin oder Küchengewürz verwendet. Erst im Mittelalter wurde sie zur -Kulturpflanze erhoben und wird heute auch in Norditalien als ~erba -cipollina~ gezogen. Die kleinen, dichtgedrängten Zwiebelchen setzen -einen umfangreichen Wurzelstock zusammen, dessen röhrenförmige Blätter -man wegen ihres angenehm würzigen Geschmacks abschneidet, um sie als -Würze in die Suppe zu tun oder dem Salat beizufügen. Nicht zu tief -abgeschnitten, wachsen sie bald wieder nach und bilden daher ein sehr -dankbares Gartengewächs. - -Schon von den alten Ägyptern, Griechen und Römern wurde der ~Spargel~ -(~Asparagus officinalis~) als geschätzte Gemüsepflanze gezogen. Diese -Pflanze, die von Spanien bis zur Dsungarei und vom Mittelmeer bis -Norwegen besonders an Flußufern wild wächst, treibt im Frühjahr aus -dem Wurzelstock fleischige, saftige, weißliche oder blaßrote bis -grünliche Sprosse, Pfeifen genannt. Diese verlängern sich über der Erde -in den reich verzweigten, grünen, bis 1,5 m hohen glatten Stengel, -an welchem im Herbste zahlreiche rote Beeren erscheinen. Nachdem -man anfänglich nur die saftigen Sprosse des wildwachsenden Spargels -gesammelt, wurde diese Pflanze früh aus der Wildnis in die Gärten -übernommen und durch Kultur veredelt. Dabei suchte man auf künstlichem -Wege durch Behäufeln mit Erde oder tiefes Setzen der Pflanzen die so -bleich bleibenden jungen Sproßspitzen möglichst lang und fleischig zu -erhalten und stach sie mit eigenen Spaten ab, sobald sie die Oberfläche -des Bodens erreichten. So treffen wir den Kulturspargel bereits unter -den Opfergaben im Grabe der Stufenpyramide von Sakkara aus der 5. -Dynastie (2750-2625 v. Chr.) abgebildet. Da liegen auf einem Tische -neben Feigen, Flaschenkürbissen und länglichen gerippten Aggurmelonen -dreifach gebundene Spargelbündel, damit der Verstorbene, der sie -im Leben gern aß, auch im Tode nicht entbehre. Auf einer anderen -Darstellung sind sogar die Blattschüppchen des sonst blattgrünfreien, -weißen Sprosses mit hellgrüner Farbe angedeutet. - -[Illustration: Bild 19. Ägyptische Opfergaben. - -Seitlich links und rechts oben und unten Flaschenkürbisse (~Lagenaria -vulgaris~), zwischen den beiden oberen eine Aggurmelone (~Cucumis -chate~); darüber ein Bündel Spargeln. - -(Nach Woenig.)] - -Bei den Griechen hieß der Spargel ~aspáragos~, d. h. der nicht -Gesäte, weil man ihn damals schon durch Stecklinge in den Gärten -fortpflanzte. Das ungebildete Volk in Griechenland glaubte nach dem -Berichte des Dioskurides durch Tragen eines Spargelsprosses als Amulett -unerwünschten Kindersegen fernhalten zu können; auch wurde er bei -mancherlei Krankheit als Heilmittel eingenommen. In seiner Schrift über -den Landbau gibt uns der ältere Cato (234-149 v. Chr.) ausführliche -Mitteilungen über seinen Anbau und rät als besten Dung für ihn den -Schafmist, da anderer Mist Unkraut erzeuge. Daß er so eingehend -über ihn spricht, beweist, daß diese von den wohllebenden Griechen -Unteritaliens eingeführte Kultur damals bei den Römern noch neu war. -Noch um die Mitte des 1. christlichen Jahrhunderts wurde nach Plinius -und Columella der wildwachsende Spargel, weil als Arznei wirksamer -als der gezähmte, gesammelt. Plinius sagt, den Spargel (~corruda~) -lasse die Natur wild wachsen, damit ihn jeder nach Belieben stechen -könne; jetzt aber stelle man künstlich gezogenen Spargel (~asparagus~) -zur Schau, von welchem der in Ravenna gezogene „gemästete“ so dick -werde, daß drei Stück zusammen ein Pfund wiegen (was für das Stück -115 g ausmacht). Sein Genuß solle dem Magen wohltun; auch genieße -man ihn bei Bauchweh mit einem Zusatz von römischem oder Kreuzkümmel -(~cuminum~), oder koche ihn mit Wein. Suetonius berichtet uns, daß der -Kaiser Augustus, wenn er sagen wollte, es müsse etwas schnell fertig -werden, er den Ausdruck zu gebrauchen pflegte: „schneller als Spargel -beim Kochen gar wird“. Wie diese Spargeln der Römer ausgesehen haben, -das lehren uns verschiedene Küchengegenstände darstellende Wandgemälde -in Pompeji, auf denen man solche in Bündel zusammengebunden neben -Zwiebeln, Rettichen, Rüben und einer Art kleiner Kürbisse abgebildet -findet. In Böotien pflegten einst Neuvermählte mit Kränzen aus -Spargelkraut geschmückt zu werden, wohl um anzudeuten, daß das Rohe -durch Kultur verfeinert werde, wie die Ehe und die Familie die Sitten -der Völker veredle. - -Wie schon das aus dem lateinischen ~asparagus~ abgeleitete Wort Spargel -beweist, haben die Römer den Spargelbau nach Gallien und Germanien -gebracht. Aber wegen seiner anspruchsvollen Kultur konnte er hier kein -allgemein gebräuchliches Gemüse werden, sondern blieb ein Luxusgemüse -der Vornehmen. Erst im 10. Jahrhundert hören wir überhaupt wieder etwas -vom Anbau des Edelspargels in Mitteleuropa. Doch begann er erst im 16. -Jahrhundert hier als Leckerei aufzukommen. So schreibt der deutsche -Geistliche Hieronymus Bock (nach der damaligen Sitte der Gelehrten in -Tragus latinisiert, 1498 bis 1554) in seinem 1539 erschienenen „New -Kreutterbuch“ vom Spargel als eines „gemeinen Sallats (einer mit Salz -angemachten Speise) der Walen (Welschen) und Hispanier, der nunmehr -auch, wie andere Leckerbißlein ins Teutschland kommen ist, ein lieblich -Speis für die Leckermäuler“. Sein Schüler Tabernaemontanus (nach -seinem Geburtsort Bergzabern so genannt, starb 1590 als Leibarzt des -Pfalzgrafen Johann Kasimir bei Rhein in Heidelberg) gibt in seinem erst -nach seinem Tode 1613 herausgegebenen Kräuterbuch, auf Cato gestützt, -Kulturanweisungen des Spargels, von dem er berichtet, daß er „im -Rheingau bei Weynhagen um denen feuchten Wiesen so überflüssig gezogen -wurde, datz mann ihn zur Spais genugsam bekommen könnte“. Er schreibt -seinem Genusse heilkräftige Wirkung auf die Nieren zu und beruft -sich dabei als Gewährsmann auf Serenus Sammonicus, den Leibarzt des -römischen Kaisers Caracalla (Sohn des Septimius Severus, bestieg 211 -23jährig mit seinem Bruder Geta, den er im Jahre darauf ermorden ließ, -den Thron und wurde 217 auf Anstiften des Macrinus bei Edessa selbst -ermordet), der Spargelköpfe in Wein bei Erkrankung der Nieren empfohlen -habe. Weil sie harntreibend wirken empfahl sie auch der Arzt Becher -1663 in seinem ~Parnassus medicinae~ als Stärkungsmittel der Nieren, -das sich auch für Leber und Milz nützlich erweise. - -Erst in der Neuzeit hat der Spargel als geschätztes feineres Gemüse in -weiteren Kreisen Verbreitung gefunden, und zwar nahmen zuerst einige -Städte am Mittellauf des Rheins, besonders Mainz, wo er heute noch -sehr viel und in besonderer Güte gezogen wird, seine Kultur auf. Von -da an drang sein Anbau ostwärts durch ganz Deutschland, so daß er hier -heute überall auch auf den Tisch der bürgerlichen Kreise gelangt, -während er früher nur den Vornehmen erreichbar war. Er wird in großen -Plantagen in mehreren Varietäten gepflanzt, und zwar am ausgedehntesten -um Braunschweig, Erfurt, Berlin, Lübeck, Ulm und Argenteuil bei -Paris, wo teilweise auch Riesenformen, die denjenigen von Ravenna in -römischer Zeit durchaus ebenbürtig sind, gezogen werden. Um Erfurt -herum sind weit über 2000 ha Land der Spargelkultur gewidmet. Da nun -ein Hektar durchschnittlich mit 25000 Pflanzen besetzt ist, von denen -jede einzelne ¼–½ kg Stangen liefert, so kann man sich einigermaßen -vorstellen, um welche Mengen dieses zarten, wohlschmeckenden Gemüses es -sich hier handelt. Dabei bezahlt der Importeur genannte Zwischenhändler -25-50 Mark, später wohl auch nur 15 Mark für 50 kg. Und er verkauft -sie wieder zu einem solchen Preise, daß auch der Minderbemittelte sich -gelegentlich diesen Leckerbissen verschaffen kann. - -Ein lockerer, durchlässiger, gut gedüngter Boden eignet sich am besten -zur Spargelkultur. Das Saatgut wird in Zwischenräumen von 30-35 cm -gestreut, um den Wurzeln Spielraum zu lassen. Die Zwischenräume werden -mit Kompost ausgefüllt. Nach 3-4 Wochen erscheinen die jungen Keime. -Nun werden die Schwächlinge unter ihnen ausgerodet und nur die als -„Klauen“ bezeichneten kräftigen Keimlinge, die starke Wurzeln ansetzen, -weiter gepflegt und mit gelegentlichen Düngergüssen gespeist. Nach -drei Jahren kann die erste, bescheidene Ernte gehalten werden, die -bis 25 Jahre hindurch alle Frühjahre wiederholt wird, wenn aus den -Klauen die „Pfeifen“ genannten jungen Sprosse ausbrechen und dem Lichte -entgegenstreben. Beim wilden Spargel, der nur wenige Zentimeter unter -der Erdoberfläche wurzelt, sind natürlich die Pfeifen dementsprechend -kurz. Beim kultivierten jedoch sitzt die Wurzel tiefer in der Erde, -auch wurde noch ein Erdhügel über sie geschichtet, der sich als Wall --- denn eine Wurzel liegt neben der anderen in kurzen Abständen -- -lang hinzieht, so daß die ganze Plantage aus Wällen und dazwischen -gelegenen Gräben besteht. So muß der junge Sproß erst einen langen Weg -durch das Erdreich zurücklegen, ehe er das Licht der Sonne erblickt. -Doch dazu läßt es der Züchter gar nicht kommen. Er sticht ihn ab, -bevor er zutage tritt. Denn nur solange der Sproß in der Erde steckt, -besitzt er eine zarte, weiße Farbe. Sobald die Sonne ihn trifft, -wird er violett und grün. Darum gehen die Spargelstecher morgens vor -Sonnenaufgang hinaus aufs Feld und spähen sorgsam nach den feinen -Rissen im Boden, die bekunden, daß hier ein Sproß durchbrechen will. -Dann graben sie ihn sorgfältig aus und schneiden oder brechen ihn -dicht an der Klaue ab. Der gestochene Spargel wird dann gewaschen und -in ausgemauerten Erdgruben aufbewahrt, wenn nicht gleich verpackt und -auf den Markt gebracht. Statt wie früher nur einige Wochen, dauert -die Stechzeit heute volle zwei Monate. Sehr viel Spargeln werden von -den Konservenfabriken, von denen Braunschweig allein über 30 mit mehr -als 3000 Arbeitern zählt, verarbeitet, indem sie, zuerst geschält und -einige Minuten in Wasser gekocht, in Büchsen mit schwach gesalzenem -Wasser übergossen, eingelötet und darin noch anderthalb Stunden in -kochendes Wasser gelegt werden. So halten sie sich jahrelang und -schmecken auch dem verwöhntesten Gaumen wie frische. So kann man sie -das ganze Jahr über zu so billigem Preise kaufen, daß heute die noch -in den 1870er Jahren mit großem Gewinn betriebene Spargeltreiberei in -Mistbeeten zwecklos geworden ist und nur noch aus alter Gewohnheit von -einigen Herrschaftsgärtnern betrieben wird. - -Die Spargelliebhaber, die ihn als Salat oder mit dicken Saucen -vorziehen, sind in der Minderheit. Die meisten lieben das Gericht, -wenn es in Salzwasser gekocht und mit brauner Butter übergossen wird, -so wie es schon John Gray im 17. Jahrhundert seinen Landsleuten, den -Engländern, empfahl: „Die Sprosse oder jungen Keime des Spargels, -leicht gekocht und mit Butter angerichtet, empfehlen sich dem Gaumen -durch köstlichen Geschmack und werden im Frühjahr unter den Speisen -hochgeschätzt.“ Doch, wenn auch in der Zubereitung des Spargels die -Ansichten zumeist ungeteilt sind, so gehen sie doch bei der Beurteilung -der einzelnen Qualitäten wesentlich auseinander. Denn nicht alle Völker -lieben gleich uns die weißen Spargelköpfe. In Frankreich, in Italien -und auch in Süddeutschland bevorzugt man den Spargel, dessen Köpfe -schon von der Sonne grün oder violett gefärbt wurden, da diese mehr -Asparagin angesammelt haben und einen strengeren Geschmack besitzen. -Neuerdings beginnen diese „französischen Spargelspitzen“, wie sie von -Argenteuil aus in Menge nach Paris und den anderen großen Städten -ausgeführt werden, sich auch bei uns einzubürgern. - -Bekanntlich verleiht der Spargel dem in größerer Menge abgesonderten -Harn einen eigentümlichen, an Veilchen erinnernden Geruch. Das feine, -zarte Laubwerk, aus welchem im Juli kleine, gelblichweiße Blüten -hervorschauen, um im Herbst erbsengroße, rote Beeren hervorgehen zu -lassen, dient zur Garnierung von Sträußen. Aus den kleinen, schwarzen -Samen, die für den Spargelzüchter als Aussaatgut von Wert sind, -wurde zur Zeit der von Napoleon I. im Jahre 1806 zur Schädigung des -englischen Handels verhängten Kontinentalsperre ein Kaffeesurrogat -hergestellt, das aber keinen besonders guten Geschmack gehabt haben -muß; denn man ging rasch nach der Aufhebung der Sperre wieder zur -anregenden Kaffeebohne zurück. Übrigens werden im Mittelmeergebiet auch -die ersten zarten Triebe mehrerer anderer Arten wie diejenigen des -gemeinen Spargels benutzt. - -Ein Genußmittel mehr der Reichen ist bei uns auch die +Artischocke+ -(~Cynara scolymus~), nach dem italienischen ~articiocco~ von uns so -genannt. Dieses ausdauernde, 1 m hohe Distelgewächs mit violetten -Blüten und großen, unterseits weißfilzigen Blättern stammt aus -Nordafrika. Nach dem griechischen, um 200 n. Chr. in Alexandria -lebenden Grammatiker Athenaios hatten die Soldaten des ägyptischen -Königs Ptolemaios Euergetes I., der von 247-221 regierte, in Libyen -eine Menge wilder ~kýnara~ gefunden und sich damit ernährt. Jener -König, der ein Schüler des großen Philosophen Aristarch war, sagt im -zweiten Buche seiner Schriften: „In der Gegend von Berenice in Libyen -ist der Fluß Lethon, in dessen Umgebung die bunte Distel (~kínara~) --- eine Art wilde Artischocke -- sehr häufig wächst. Alle Soldaten, -die ich bei mir hatte, sammelten sie, reinigten sie von den Stacheln, -verzehrten sie und boten auch mir davon an.“ - -Schon im alten Ägypten wurde sie häufig angepflanzt und findet sich in -der verschiedensten Weise an den Wänden der Grabkammern abgebildet. -In seinem Buch über „die Pflanzen im alten Ägypten“ schreibt Franz -Wönig: „Auf den Opfertischen, Fruchttabuletts und in den Gemüsekörben -fehlt der längliche, runde Blütenkopf der Artischocke nur selten. -Ich habe mir von altägyptischen Monumenten bisher 35 verschiedene -Modifikationen derselben kopieren können. Sie tritt ebenso oft in der -sorgsamsten Ausführung, wie im flüchtigen Umriß auf. Auf farbigen -Darstellungen erscheint der Kopf der Artischocke dunkelgrün oder -lebhaft grün koloriert; mehrfach sind auch die einzelnen Hüllblätter -noch besonders umrandet.“ Auch sehr große Formen müssen bereits damals -im Niltal gepflanzt worden sein, was uns des um 25 n. Chr. verstorbenen -griechischen Geographen Strabon Mitteilung, daß die Artischocken in -Maurusea (Nordafrika) zwölf Ellen hoch und zwei Handbreiten dick -werden, einigermaßen begreiflich erscheinen läßt; denn unter günstigen -Kulturbedingungen erreicht die Pflanze tatsächlich eine gewaltige Größe -und Stärke. - -[Illustration: Bild 20. Artischockenformen von altägyptischen -Wandmalereien. (Nach Woenig.)] - -Als ~skólymos~ kannten sie die Griechen und später als ~carduus~ -auch die Römer. Plinius nennt die Artischocke ausdrücklich eine -Speisepflanze der orientalischen Völker. Und durch Vermittelung des -Handels mit Ägypten muß dieses Gemüse auch zuerst nach Griechenland -gelangt sein, wo es neben der schon früher von ihnen als Gemüse -benutzten und ~kýnara~ genannten +bunten Distel+ (~Scolymus maculatus~) -angepflanzt wurde. Daß diese Überführung der Artischocke von Ägypten -nach Griechenland bereits vor dem 8. vorchristlichen Jahrhundert -erfolgte, beweist jenes überaus anmutige Gedicht des im 8. Jahrhundert -v. Chr. lebenden, aus Askra in Böotien gebürtigen griechischen Dichters -Hesiod, worin es heißt: „Sobald die Zeit der Getreideernte da ist, -wetze die Sicheln, wecke das Gesinde, verlaß die schattigen Sitze und -den Morgenschlaf. Eile, die Getreidefrucht nach Hause zu schaffen, -damit es dir nicht an Nahrung zum Lebensunterhalte fehle. Steh frühe -auf! denn die Morgenröte nimmt nur ein Drittel der Arbeit in Anspruch. -Die Morgenröte fördert jede Arbeit. Wenn die Artischocke (~skólymos~) -blüht, die Zikade auf den Bäumen ihren schwirrenden Gesang ertönen -läßt, die Zeit des arbeitsvollen Sommers da ist, die Hitze Kopf, -Glieder und Leib austrocknet, dann setze dich in eine schattige Höhle, -labe dich an Wein von Naxos, den du mit klarem Quellwasser mischest, an -Maza (d. h. einem aus in Wasser gekochtem Gerstenschrot oder Weizenmehl -hergestelltem Brei), Milch und gebratenem Rindfleisch und befiehl den -Knechten, die heilige Frucht der Demeter (d. h. Mutter Erde) auf der -gut geebneten Tenne im Luftzuge zu dreschen. Die ausgedroschenen und -geworfelten Körner miß sorgfältig ab und verwahre sie gut.“ Es müssen -die Artischocken, von denen hier die Rede ist, kultivierte Exemplare -gewesen sein; denn nach dem Begründer der Botanik, Theophrast, im 4. -vorchristlichen Jahrhundert, ist die von ihm als ~kaktos~ bezeichnete -wilde Verwandte der Artischocke nur in Sizilien und nicht in -Griechenland zu finden. - -Bei den Römern der Kaiserzeit bildeten die Artischocken eine Speise -der Reichen, für deren Zubereitung der unter Tiberius (der von 14 -bis 37 n. Chr. regierte) lebende römische Feinschmecker Apicius, der -Verfasser eines einst von den Vornehmen viel gebrauchten Kochbuches, -so viel Rezepte gab, daß er damit den Unwillen der weniger materiell -angelegten gebildeten Zeitgenossen hervorrief. Nach Plinius, der -uns solches überliefert hat, zog man dieses feine Gemüse besonders -bei Karthago in Nordafrika und Corduba (dem jetzigen Cordoba) in -Südspanien, wobei man auf einem kleinen Felde für 6000 Sesterzien -(etwa 900 Mark) Artischocken gewinnen konnte. Zugleich berichtete er -uns, daß sie in einer Mischung von Wasser und Honig mit Silphium und -Kreuzkümmel konserviert werden. Die fleischigen Hüllkelchblätter und -den Blütenboden der vor ihrer Entfaltung geernteten Blüten empfiehlt -auch der berühmte griechische Arzt Galenos in Rom in der zweiten -Hälfte des 2. christlichen Jahrhunderts, mit Koriander, Wein, Olivenöl -und der berühmten Fischsauce ~garum~ angemacht, zu essen. Der Römer -Palladius um 380 n. Chr., der Verfasser eines noch im Mittelalter -vielfach benutzten Werkes über den Landbau, empfiehlt den Samen der -Artischocke (~carduus~) im Februar oder März bei zunehmendem Mond -in ein schon vorbereitetes Beet, je einen halben Fuß voneinander, -mit der Spitze nach oben, nur bis zum ersten Fingergelenk in die -Erde zu stecken, nachdem man sie zuvor drei Tage lang mit Lorbeeröl, -Nardenöl, Opobalsamum (Mekkabalsam), Rosensaft und Mastixöl befeuchtet -und getrocknet habe. Durch letzteres Verfahren erhielten sie den -Wohlgeschmack der angewandten Mittel. Diese Pflanze liebe einen -gedüngten, lockeren Boden, sei aber in einem festen sicherer gegen -Maulwürfe und andere feindliche Tiere geschützt. Jedes Jahr trenne man -die jungen Triebe vom alten Stock und lasse ihnen dabei etwas Wurzel. -Die Blütenköpfe, deren Samen man zur Aussaat sammeln wolle, müsse -man mit einer Decke versehen, damit Sonne und Regen die Samen nicht -verderben; auch müsse man solchen Pflanzen alle jungen Triebe nehmen, -damit die zur Ausbildung kommenden Blütenköpfe recht groß würden. - -Während des Mittelalters haben die Völker Europas die Artischocke -als Gemüse nicht gekannt, während sie innerhalb des Bereiches der -Araberherrschaft kultiviert wurde. Sie kam dann mit den Sarazenen nach -Sizilien und Spanien. Von Süditalien drang sie um 1466 nach Florenz, -1473 nach Venedig, zu Anfang des 15. Jahrhunderts nach Frankreich -und später auch nach England vor. Heute wird diese Gemüsepflanze in -mehreren Varietäten kultiviert, und zwar am besten aus im Januar -in Töpfen gesäten Samen. Die an ihrer Basis samt dem Blütenboden -durch Kultur fleischig gewordenen Hüllblätter bilden namentlich in -Frankreich, wo die ~artichaut~ eine große Rolle spielt, in Fleischbrühe -gekocht oder in Öl gesotten ein geschätztes Gemüse. Auch sind sie in -Italien wie in den übrigen Mittelmeerländern ein beliebtes Gericht, -das überall zu billigem Preise zu haben ist und geradezu als ein -Volksnahrungsmittel bezeichnet werden darf. - -Eine sehr nahe Verwandte der echten Artischocke ist die +Cardone+ oder -+spanische Artischocke+ (~Cynara cardunculus~), die in Marokko und -den Küsten des östlichen Mittelmeerbeckens heimisch ist und dort von -den Arabern zur Kulturpflanze erhoben wurde. Sie ist der vorigen sehr -ähnlich, nur höher im Stengel und mit kleinen Blütenköpfen. Von ihr -werden die Herzblätter und markigen Stengel- und Blattstielteile in -verschiedener Zubereitung genossen. Um recht bleich und zart zu werden, -wird die Pflanze drei Wochen vor der Ernte mit Stroh umwickelt und -möglichst hoch behäufelt, so daß nur die Spitze derselben hervorschaut. -Dies geschieht im September. Die Kultur der Cardone kam noch später als -diejenige der Artischocke nach Mitteleuropa, welch letztere im 16. -Jahrhundert von Italien aus zuerst bei den Vornehmen aufkam und sich -mit der Zeit auch die Bürgerkreise eroberte. - -Ebenso jungen Datums ist die Kultur der +Schwarzwurzel+ (~Scorzonera -hispanica~), deren wissenschaftlicher botanischer Name auf eine -Herkunft von Spanien hindeutet. Sie wächst wild in ganz Süd- und -Mitteleuropa bis zum Kaukasus, wird 60-90 cm hoch, hat schmale -Blätter und goldgelbe Blüten. Ihre außen schwarze und innen weiße, -von Milchsaft wie die ganze Pflanze durchzogene Wurzel wurde früher -arzneilich benutzt, dient jedoch in der Gegenwart, im Herbste -des ersten oder zweiten Jahres herausgenommen, als schmackhaftes -Gemüse. Wegen ihrer geringen Ausgiebigkeit wird sie vorzugsweise von -den wohlhabenden Städtern konsumiert und ist auf dem Lande wenig -bekannt. In Gegenden, wo die Kultur des weißfrüchtigen Maulbeerbaums -Schwierigkeiten bereitet, werden die Blätter als Ersatzfutter für die -Seidenraupen verwendet. - -Gleichfalls erst seit der Neuzeit werden bei uns mehrere Kulturformen -des +Rhabarbers+ (~Rheum undulatum~ und ~rhaponticum~) der starken, -saftigen Blattstiele wegen als Küchengewächs angebaut und bilden, -besonders im April und Mai, wenn das Obst selten und teuer ist, einen -einträglichen Marktartikel. Von ihrer Oberhaut befreit bilden die -an der Basis roten Stengel, in Scheiben geschnitten und mit Zucker -gekocht, eine angenehm säuerliche Speise, die als Kompott oder Kuchen -gegessen wird, auch zur Füllung von Pasteten dient. Besonders in -England und Frankreich wird der Rhabarber in vielen Spielarten angebaut -und dient in ersterem Lande, wie auch in Schlesien, zur Weinbereitung. -Vielfach hält man ihn auch bloß seiner schönen, großen Blätter wegen -als Zierpflanze in Anlagen, ohne die Stengel zu verwerten. - -In Nordindien, in den Landschaften am Fuße des Himalaja, ist die -+gemeine Gurke+ (~Cucumis sativus~) heimisch, wo sie noch in ähnlichen, -aber bitterfrüchtigen Formen wildwachsend gefunden wird. Diese seit -wenigstens 3000 Jahren in Indien angebaute Pflanze wurde erst im 2. -Jahrhundert v. Chr., als Schan-kien von seiner Gesandtschaftsreise -nach Baktrien zurückgekehrt war, in China eingeführt. Weit früher -gelangte sie nach Westasien und in die Länder am Mittelmeer. In -Ägypten läßt sie sich unter dem Namen ~schupi~ schon in Grabbeigaben -des mittleren Reiches (12. Dynastie, 2000-1788 v. Chr.) in der -Nekropole von Kahun bei Theben und dem der griechisch-römischen Zeit -angehörenden Gräberfelde von Hawara im Fajûm nachweisen. Die Griechen -der homerischen Zeit kannten sie noch nicht; denn sie gelangte erst -ums Jahr 600 v. Chr. von Kleinasien nach Hellas, wo sie allerdings -bald weite Verbreitung fand. So veränderte das bei Korinth gelegene -Städtchen Mekone, d. h. Mohnstadt, seiner großen Gurkenanpflanzungen -wegen seinen Namen, der noch im 8. vorchristlichen Jahrhundert, -zu des Dichters Hesiod Zeit, der allein gebräuchliche war, nach -der griechischen Bezeichnung für Gurke ~síkyos~ in Sikyon, d. h. -Gurkenstadt. Auch bei den Römern, die die Gurken von den süditalischen -Griechen erhielten, war diese Gartenfrucht sehr beliebt. Plinius und -Columella geben an, daß sie, wenn sie an feuchten Orten gepflanzt -würden, keiner Pflege bedürfen. In Italien wüchsen grüne, sehr -kleine Arten, in den Provinzen dagegen sehr große, wachsgelbe und -dunkelfarbige. Sie suchten das Wasser auf, flöhen dagegen das Öl. -Kaiser Tiberius habe täglich Gurken (~cucumis~) gegessen; für ihn -wurden sie in gutgedüngten, in Glimmer gedeckten, auf Rädern fahrbaren -Behältern gezogen, die den Winter über bei sonnigem Wetter ins Freie, -bei Kälte aber in ein gewärmtes Haus gezogen wurden. Auf den Gedanken, -heizbare Kästen zu bauen, verfielen die kaiserlichen Hofgärtner noch -nicht. Die weniger wohlhabenden Römer mußten sich mit konservierten -Gurken begnügen. Zu diesem Zwecke legten sie dieselben in Heu, Sand -oder Salzwasser, worin sie sich nach Plinius fast bis zum Erscheinen -der neuen hielten. Diese Gurken des Altertums waren eine größere, jetzt -nicht mehr gebaute Art, die gedämpft mit Beigabe von Essig, Senf, -Kümmel, Sellerie und Pfeffer, aber auch in Honig eingemacht gegessen -wurde. In seinen zehn Büchern über Kochkunst (~de re coquinaria~) gibt -uns Apicius verschiedene Rezepte zu deren Zubereitung. - -Die heute von uns kultivierten Gurken kamen erst im frühen Mittelalter -von Byzanz aus, wo sie mit einem persisch-aramäischen Wort als -~anguria~ bezeichnet wurden, als ~agurka~ zu den Slawen, die heute noch -leidenschaftliche Verehrer der Gurken sind, und unter der Bezeichnung -Gurken im 17. Jahrhundert zu den Deutschen. Schon vor 200 Jahren wußten -die Lausitzer Wenden auch ohne Mistbeete die schönsten Gurken zu -ziehen und heute ist der Spreewald die Gurkenkammer von Berlin, wo man -nach slawischer Sitte in Salzwasser eingelegte „saure Gurken“ oder in -Essig, Meerrettichstückchen, Pfeffer und Senf eingemachte „Essig- oder -Senfgurken“ als billiges Volksnahrungsmittel überall zu essen bekommt. -Erstere schmecken durch Milchsäuregärung, wobei die in Salzwasser von -richtiger Beschaffenheit sich entwickelnden Milchsäurebazillen aus -dem Zucker der Gurke Milchsäure bilden, sauer, ohne daß auch nur ein -Tropfen Essig dazukommt. Heute sind die Gurken als äußerst beliebtes -Salatgemüse über alle Weltteile, soweit Europäer sich angesiedelt -haben, verbreitet. Von den zahlreichen, durch die Kultur entstandenen -Spielarten wird nur die Feldgurke im großen kultiviert. Sie verlangt -warme, sonnige Lage, einen gut gedüngten, humusreichen, lockeren, -gleichmäßig feuchten Boden. Zur Aussaat nimmt man 3-4jährigen Samen. -Man bestellt die Beete im April und sät, wenn die Nachtfröste vorbei -sind. Die Haupternte findet im August statt, wobei man vom Hektar etwa -100000 Stück erntet. Die Hauptproduktionsgebiete sind Holland, das -schon im April ganze Schiffsladungen von in Treibhäusern gezogenen -Gurken nach England sendet, dann Böhmen, Mähren, Ungarn, Rußland, in -Deutschland der Spreewald, dessen Hauptort Lübbenau allein jährlich -2 Millionen Stück produziert, Erfurt, Quedlinburg, Naumburg und Ulm. -Meist werden die unreifen Früchte, welche im Orient wohlschmeckender -sind und daselbst roh und ungeschält zur Speise dienen, als Salat und -auf mancherlei Weise eingemacht gegessen. - - Tafel 47. - -[Illustration: (Phot. von E. Reinhardt.) - -Artischockenpflanzung in der toskanischen Fruchtebene. - -Verladung von Wassermelonen in Chile.] - - Tafel 48. - -[Illustration: Aus Mittelamerika stammender Kalabassen- oder Kürbisbaum -in einem Garten in Kamerun.] - -Nach den Funden und Darstellungen auf den Denkmälern wurde im alten -Ägypten schon unter den ersten Dynastien die +ägyptische Gurke+ oder -+Aggurmelone+ (~Cucumis chate~) mit großer, länglicher Frucht, die -noch jetzt im Morgenlande allgemein kultiviert und frisch verzehrt -wird, neben der Wassermelone und dem Flaschenkürbis kultiviert. Diese -ägyptische Gurke, die außer in Südasien auch im tropischen Afrika -heimisch ist, wo sie von vielen Reisenden gesammelt wurde, ist eine -der wilden Stammform der Melone (~Cucumis melo~) sehr nahestehende, ja -vielleicht sogar mit ihr identische Art, die nach Schweinfurth von den -Ägyptern selbst zur Kulturpflanze erhoben wurde. Sie hieß altägyptisch -~kadi~, woraus die Araber ~katta~ und die Botaniker in Anlehnung an -das Arabische ~chate~ machten. Als die Israeliten unter Moses’ Führung -hungrig und durstig durch die wasserlose Wüste der Sinaihalbinsel -wanderten, gedachten sie sehnsüchtig der guten in Ägypten genossenen -Verpflegung, indem es im 4. Buch Moses 11, 5 heißt: „Wir gedenken -der Fische, die wir in Ägypten umsonst aßen, und der ~bischûim~ und -~battichim~ (von Luther fälschlicherweise mit Kürbis und Pfeben, d. -h. Feldkürbis übersetzt, heißt aber tatsächlich Aggurmelonen und -Wassermelonen), Lauch, Zwiebeln und Knoblauch.“ Diese beiden so überaus -saftige Früchte hervorbringenden Kürbisarten haben wir dem Weltteile -Afrika zu verdanken, und im alten Ägypten haben sie ihre erste -sorgfältige Zucht durch Kulturauslese erfahren. Wie sie heute noch -ein köstliches, hochgeschätztes Erzeugnis des Niltales bilden, muß es -schon zur Zeit der Pyramidenerbauer ein solches gewesen sein. Bald -nach der Überschwemmung des dem heißen, trockenen Lande eigentlich das -Leben spendenden und deshalb mit Recht einst göttlich verehrten Nils -schießen die Aggurmelonen und Wassermelonen in Ägypten üppig empor und -entwickeln ihre Früchte ungemein schnell, weshalb sie von den Frucht- -und Gemüsehändlern der ägyptischen Städte mit dem Rufe feilgeboten -werden: „Zart und frisch, und hat sich in der Nacht gestreckt!“ Auf -den Denkmälern des alten Ägyptens treten uns diese Melonen als häufig -angepflanzte und überall gern gegessene Früchte sehr häufig entgegen, -teils grün, teils gelb gemalt und vielfach braun oder rot umrissen, -bisweilen auch die Rippen durch braune Linien angedeutet. Sie fehlen -selten unter den Opfergaben und den bei Gesellschaften zur Erfrischung -gespendeten Speisen, welche die Diener auf Servierbrettern herumbieten, -damit sich jedermann nach Belieben davon bediene. Ihr Laub gehört -zu den pflanzlichen Resten in den Totenkammern, die zur einstigen -Schmückung des Sarkophags dienten. - -Die Aggurmelone, die bereits der in Padua als Botanikprofessor wirkende -und 1617 verstorbene Prosper Alpino in seinem 1592-1640 erschienenen -Buche unter dem heute noch gebräuchlichen Namen ~chate~ erwähnt -- -er sah sie bei seinem Aufenthalte im Niltale selbst dort wachsen --, -wird in Ägypten reif und unreif gegessen. Ihre länglichen, bis 40 cm -langen, gerippten Früchte sind grüner, weicher, süßer und verdaulicher -als diejenigen der gemeinen Gurke. Wenn sie auch nach Aussehen und -Geschmack der Gurke ähneln, so sind doch die Blätter und Blüten nicht -wie bei dieser, sondern wie bei der Melone, die ja eine sehr nahe Abart -derselben ist, gebildet. - -Wie die Aggur- und Wassermelone war auch die eigentliche +Melone+ -(~Cucumis melo~) den Griechen der homerischen wie auch der klassischen -Zeit vollkommen fremd. Von keinem griechischen Schriftsteller wird -deren honiggleiche Süßigkeit -- dient doch eingekochter Melonensaft -heute noch im Orient an Stelle des Zuckers zur Herstellung von -Limonaden und allerlei süßem Gebäck --, deren herrlicher Duft und der -köstliche Wohlgeschmack ihres goldgelben bis zartweißen Fleisches -hervorgehoben. Auch die römischen Schriftsteller wissen nichts von -einer solchen Frucht zu melden, die doch in einem Lande, in dem so -viele Feinschmecker lebten und in welchem alle irgendwie geschätzten -Früchte von den Dichtern besungen wurden, einmal hätte erwähnt werden -müssen. Wenn auch unsere süße Melone sicher fehlte, so lehren uns -doch einige Mosaikbilder und Wandgemälde aus den im Jahre 79 n. Chr. -verschütteten Städten Herkulanum und Pompeji und einige Stellen bei -Autoren, die von einem eßbaren Kürbisgewächs handeln, daß ein solches, -das griechisch ~pépōn~ oder ~mēlopépōn~ und lateinisch ~pepo~ oder -~melopepo~ genannt wurde, damals existiert haben muß. Schon der große -Hippokrates (460-364 v. Chr.) erwähnt in seiner Schrift über die Diät -den ~pépōn~ und nach ihm Plinius, Dioskurides und Galenos, aber kein -Schriftsteller rühmt sie als angenehm zu essen. Auch der griechische -Grammatiker Athenaios aus Naukratis in Ägypten, der um 200 n. Chr. -in Alexandrien und Rom lebte, spricht in seinen ~Deipnosophistae~, -die wichtige Nachrichten über Leben, Sitte, Kunst und Wissenschaft -der alten Griechen enthalten, von ihr, weiß aber nichts besonders -Rühmenswertes von der von ihm als Gurkenart bezeichneten ~síkyos -pépōn~ zu berichten. Auch Palladius gegen das Ende des 4. Jahrhunderts -spricht von einer ~melo~, deren Kerne im März zwei Fuß voneinander in -gutbearbeitetes, vorzugsweise sandiges Erdreich gelegt werden. „Vor -dem Legen werden die Samen drei Tage lang in Meth oder Milch geweicht, -dann erst getrocknet. Hierdurch bekommen die Früchte einen lieblichen -Geschmack. Wohlriechend werden sie, wenn sie viele Tage lang zwischen -trockenen Rosenblättern gelegen haben.“ - -Erst im 5. Jahrhundert der christlichen Zeitrechnung wird von den -antiken Schriftstellern eine kurzweg nach dem griechischen ~mḗlon~, d. -h. Apfel oder Quitte als ~melo~ bezeichnete Gartenfrucht erwähnt, die -wie Pfirsiche zu den Delicien, d. h. Köstlichkeiten gerechnet wurde. -Damals erst ist die +süße+ oder +Zuckermelone+, die weder Ägypten, noch -die Mittelmeerländer vorher gekannt hatten, ebenfalls aus Westasien -in das Abendland gekommen. Nach Westasien scheint sie aus Indien -gelangt zu sein; denn in letzterem Lande wird eine in bezug auf Blätter -und Blüten mit der kultivierten Melone durchaus übereinstimmende -Pflanze gefunden, deren Früchte meist nur die Größe einer Pflaume, -nur ausnahmsweise diejenige einer Orange erreichen. Oft besitzen sie -einen ausgesprochenen Geschmack und Geruch nach Melonen, oft aber -sind sie ganz geruchlos und schmecken fade. Aus ihrer nordindischen -Heimat gelangte sie etwa zu Beginn der christlichen Zeitrechnung -westwärts nach Afghanistan und Turkestan, wo sie erst ihre höchste -Vollkommenheit erreichte. Aus den Landschaften Turkestans kam sie dann -im 8. christlichen Jahrhundert zu den Chinesen. Da nun diese seit dem -2. Jahrhundert v. Chr., wie wir durch die Gesandtschaft von Schang-kien -wissen, mit dem alten Baktrien und Sogdiana in Verkehrsbeziehungen -standen, muß ihre Kultur vorher auf die südlichen Oasen von Buchara -beschränkt gewesen sein. Der weitgereiste Venezianer Marco Polo, der -sich von 1271-1295 in Zentral- und Ostasien aufhielt, sagt von der -Landschaft am Amu-darja (dem Oxus der Alten) um die Stadt Balch, daß -dort die besten Melonen der Welt wachsen. Man schneide sie rundherum -in Streifen, lasse sie an der Sonne trocknen und halte sie dann als -Handelsware überall im Lande feil. So gedörrt seien sie süßer als -Honig. Dasselbe rühmt der arabische Reisende Ibn Batuta, der von -1340-1350 Zentralasien und China bereiste, von den Melonen von Charism, -und der ungarische Orientalist Hermann Vambéry, der von 1863-1869 -als Derwisch verkleidet Persien und das Turkmenenland bereiste, von -denjenigen von Chiwa. Letzterer schreibt in seinem Buche: „Reisen -in Zentralasien“: „Für Melonen hat Chiwa keinen Rivalen, nicht nur -in Asien, sondern in der ganzen Welt. Kein Europäer kann sich einen -Begriff machen vom süßen, würzigen Wohlgeschmack dieser köstlichen -Frucht. Sie schmilzt im Munde, und mit Brot gegessen ist sie die -lieblichste und erquicklichste Speise, die die Natur bietet.“ Auch -Persien ist, wie alle Reisenden, die dieses Land besuchten, einstimmig -versichern, ein vorzügliches Melonenland, in welchem die feinsten -Sorten gezogen und in Unmengen auf den Markt gebracht werden. Es gibt -dort eine große Zahl von Varietäten, die oft von Dorf zu Dorf wechseln; -darunter einige von weitverbreitetem Ruhme, so süß, daß die Perser -darüber lachen, wenn man ihnen erzählt, daß man in Europa die Melonen -mit Zucker esse. Der berühmte Ägyptologe Heinrich Brugsch Pascha, -der 1883 Prinz Friedrich Karl von Preußen auf dessen Orientreise -begleitete und zweimal als Gesandtschaftsattaché Persien bereiste, -rühmt mit begeisterten Worten die Güte der überall in Persien zum Kaufe -angebotenen Melonen, deren vorzügliches Gedeihen er ganz wesentlich der -kräftigen Düngung mit Taubenmist zuschreibt. Überall im Orient sieht -man in den Ortschaften die aus mit der Mündung nach außen gekehrten -Tonkrügen aufgebauten Taubentürme, deren Bewohner als heilige Tiere -vor den Moscheen gefüttert werden und als einzigen Nutzen dem Menschen -ihren Mist gewähren, den dieser auch gerne als für ihn wertvolle Gabe -in Empfang nimmt, um ihn regelmäßig seinen Melonenkulturen zuzuführen. - -Die +Wassermelone+ (~Citrullus vulgaris~), im südlichen Rußland -+Arbuse+ oder nach der Benennung der heutigen Griechen ~angúrion~ -auch +Angurie+ genannt, ist im südlichen und mittleren tropischen -Afrika heimisch, wo die saftigen Früchte den Menschen und Tieren in -trockenen Gebieten als Labsal dienen. In ihrer Heimat überzieht die -Pflanze oft weithin die öden Länderstrecken, doch sind ihre ziemlich -kleinen Früchte bei sonst gleichem Aussehen der Stöcke das eine -Mal sehr bitter, das andere Mal ganz angenehm schmeckend. Selbst -die Eingeborenen, die sich ihrer als Nahrung bedienen, können nach -Livingstone diese Eigenschaft nicht nach äußeren Merkmalen feststellen, -sondern schlagen die Früchte erst mit einer Hacke an, um dann zu -untersuchen, ob der Saft des Fruchtfleisches angenehm oder bitter -schmeckt. Dieser Wildling hat durch Kulturpflege die großfrüchtige, -saftige Wassermelone aus sich hervorgehen lassen, die niemals mehr -bittere Eigenschaften zeigt. Sie kam sehr früh schon ins Niltal und -wurde, wie verschiedene Abbildungen an den Wänden der Grabkammern -beweisen, von den alten Ägyptern kultiviert, die sie ~banti~ nannten. -Die Juden sehnten sich auf ihrer Wüstenwanderung nach ihnen, die sie -~abattichim~ nannten. Schon damals muß sie in Syrien, Arabien und -selbst Indien, wo sie den Sanskritnamen ~chaya-pula~ führte, angebaut -worden sein. Die alten Griechen und Römer scheinen sie nicht gekannt zu -haben, da sie nirgends von den alten Autoren erwähnt wird. Dagegen fand -sie in Westasien weite Verbreitung. Aus Turkestan, wo sie im frühen -Mittelalter neben der Melone viel angepflanzt worden sein muß, gelangte -sie erst im 10. Jahrhundert n. Chr. nach China unter der Bezeichnung -~sikua~, was nach Bretschneider Melone des Westens bedeutet. Die -Araber, die sie in Anlehnung an das hebräische ~abattichim battich~ -nannten, verbreiteten sie über ganz Nordafrika bis nach Spanien, wo sie -seither als ~batteca~, woraus dann das französische ~pastèque~ wurde, -sehr viel, wie auch in ganz Südeuropa bis nach Rußland hinein angebaut -wird und im Sommer überall eine Hauptnahrung der ärmeren Volksklassen -bildet. Wer kennt nicht die köstlichen Gemälde des spanischen Malers -Bartolomé Estéban Murillo (1618-1682) mit den verlumpten Sevillaner -Gassenjungen, die sich neben der Weintraube die Wassermelone, von -der sie sich gierig große Stücke in den Mund schieben, schmecken -lassen. Von Spanien kam sie sehr bald nach Westindien und dem Festland -von Amerika, wo sie jetzt von Chile bis in die Vereinigten Staaten -in großem Umfange angebaut wird. Allerdings gelangt sie hier wie -anderwärts nur in den warmen Gebieten zu ihrer Vollkommenheit. Schon -bei uns ist es ihr zu kalt. Die 10-15 kg schweren, fast kugeligen, -dunkel- oder gellgrünen, in letzterem Falle weißlich gefleckten Früchte -haben zu äußerst ein ungenießbares, härtliches, weißes und darunter ein -weiches, saftiges, süßes, dunkel- bis hellrotes, seltener gelbes oder -weißes Fleisch, worin die schwarzen, gelben oder roten Samen liegen. In -ganz Südeuropa und im Orient dienen sie roh als beliebte Volksnahrung; -härtere Arten werden gekocht und, mit Mehl vermischt, gebacken -genossen. Im Orient und in allen wärmeren Ländern werden ihre Früchte, -obschon den Melonen an delikatem Geschmack weit nachstehend, recht -süß und wohlschmeckend, so daß sie sehr beliebt sind. Aus der Krim -werden sie in einer etwas faden, aber außerordentlich saftigen Abart -überallhin transportiert und unter dem Namen „Arbusen“ spottbillig -verkauft, so daß jedermann sich im Herbst ihren Genuß leisten kann. Bei -den Tataren und Kleinrussen, bei denen sie als Steppenpflanze besonders -gut gedeiht, werden sie zu allen Mahlzeiten gegessen, indem ihr überaus -saftiges Fleisch statt des Wassers zum Brote geschlürft wird. Auch aus -ihrem Safte kann, wie aus demjenigen der süßen Melone, Zucker gewonnen -werden. - -Bei ihrer großen Beliebtheit ist es sehr begreiflich, daß die Spanier -sie früh nach der Neuen Welt verpflanzten. In Peru und Chile, welch -letzteres im Norden schon 1541 von den Spaniern besetzt wurde, gedeihen -diese Früchte ausgezeichnet und sind eine wichtige Volksnahrung -geworden. So schreibt Prof. Otto Bürger in seinem Buche: Acht Lehr- und -Wanderjahre in Chile: „Von Januar bis März steht das Land im Zeichen -der Sandias und Melonen. Namentlich die Sandias, die Wassermelonen mit -dem roten Fleisch (~Citrullus vulgaris~), die auch in Südeuropa so -begehrt vom Volke sind, bilden für den Chilenen, ob hoch oder niedrig, -das Schönste des Jahres. Das gewöhnliche Volk und insbesondere der -~Róto~ (d. i. der Zerlumpte, die Kaste der armen Tagelöhner, in der das -indianische Blut noch am reinsten pulsiert und die die beharrlichsten -Trunkenbolde der Welt umfaßt), nährt sich in jener Zeit von kaum -etwas anderem. In den volkreichen Stadtvierteln entstehen zu dieser -Zeit besondere Baracken, in denen tagtäglich ganze Wagenladungen an -primitiven Tischen verzehrt werden. Das Stück kostet 15-50 Centavos (= -25,5-85 Pfennige), aber die teuersten besitzen eine kolossale Größe und -können von +einem+ nicht bezwungen werden. Billiger sind die gelben -Melonen (~Cucumis melo~), welche dem Ausländer mehr zusagen, und die er -~au naturel~ oder mit Zucker ißt, während sie der bessere Chilene am -leckersten mit Pfeffer und Salz findet.“ - -Außer der als ~pépōn~ bezeichneten Aggurmelone oder ägyptischen Gurke -haben die alten Griechen noch eine andere, als ~kolokýntē~ oder ~síkya -indikḗ~, d. h. indische Gurke bezeichnete Cucurbitazee gepflanzt, deren -kleine, wenig schmackhafte Früchte nur gekocht oder gebraten gegessen -wurden. Meist wird diese Frucht als Kürbis übersetzt, was indessen -durchaus unrichtig ist. Auch konnte sie nicht die +Koloquinte+ oder -+Bittergurke+ (~Citrullus colocynthis~) bedeuten, die im Orient und in -Nordafrika einheimisch ist, in Masse auf den trockenen Abhängen wild -wächst und einst den Straußen als Futter diente. Ihre faustgroße, runde -Frucht ist sehr bitter und wirkt abführend, wird aber gleichwohl von -den armen Tuaregstämmen in der Sahara, geröstet und auf den Handmühlen -vermahlen, verzehrt. Ähnlich ist die Wirkung der im Orient heimischen -+Prophetengurke+ (~Citrullus prophetarum~), so genannt, weil ihr -bitteres Mus dem Propheten Elias, mit Zusatz von geröstetem Mehl, als -Speise gedient haben soll. - -Der einzige Kürbis, den die Alten kannten, war der +Flaschenkürbis+ -(~Lagenaria vulgaris~), dessen Frucht in den Kulturen die -verschiedenartigsten Formen zeigt und durch die Härte seiner -Schale ausgezeichnet ist, so daß sie getrocknet und ausgehöhlt als -natürlicher Wasserbehälter benutzt werden kann. Charakteristisch für -sie ist auch die bei Kürbissen ziemlich seltene weiße Blüte. Ihr -Fruchtfleisch ist meist bitter, manchmal geradezu giftig, doch ist -es bei einigen Varietäten auch süß und schmackhaft. Seine Heimat -hat der Flaschenkürbis im mittleren Vorderindien, wo er heute noch -in den feuchten Wäldern von Malabar wildwachsend gefunden wird. -Ebenso hat man ihn auf den Molukken, in Abessinien und Ostafrika -wild in Felsengebieten entdeckt. Von diesen beiden Regionen der -alten Welt hat sich die Pflanze mit ursprünglich durchaus bitterem -Fruchtfleisch über alle Tropengebiete und gemäßigten Länder mit -genügender Sommerwärme ausgebreitet. Daß schon im Sanskrit der gemeine -Flaschenkürbis als ulavu von einer andern, ~kututumbi~ genannten -bitteren Art unterschieden wird, spricht für das hohe Alter seiner -Kultur. Im 1. Jahrhundert n. Chr. wird seiner in einem chinesischen -Werke von Tschong-tschi-tschu Erwähnung getan. In Ägypten tritt er -uns verhältnismäßig spät, nämlich erst im mittleren Reich zur Zeit -der 12. Dynastie (2000-1788 v. Chr.) entgegen, indem sich seine -Frucht, auch mehrfach ausgehöhlt als Behälter, unter den Totenbeigaben -vorfand. Doch hat seine Kultur dort, im Gegensatz zur Aggur- und -Wassermelone, keine große Bedeutung erlangt. Den älteren Griechen war -der Flaschenkürbis vollkommen fremd, ebenso den Römern zur Zeit der -Republik. Erst zur römischen Kaiserzeit im 1. Jahrhundert n. Chr. -beschreibt der römische, aus Spanien gebürtige Ackerbauschriftsteller -Columella verschiedene seiner Fruchtformen, welche als Behälter für -Flüssigkeiten aller Art, besonders Milch und Honig, und als Trinkgefäß -verwendet werden konnten, daneben aber auch den Jungen als eine Art -Schwimmblase zur Erlernung des Schwimmens dienten. Nach ihm spricht der -79 n. Chr. beim Vesuvausbruch umgekommene Plinius von ihr als einer -gurkenähnlichen Pflanze, die er ~cucurbita~ nennt. Er schreibt in -seiner Naturgeschichte darüber: „Den Gurken sind die Flaschenkürbisse -(~cucurbita~) ähnlich; wie jene scheuen sie die Kälte, lieben feuchten -Boden und Mist. Sie kriechen wie die Gurken mit ihren rankenden -Sprossen an rauhen Wänden hinauf bis aufs Dach, klettern überhaupt gern -in die Höhe, können sich aber nicht selbst tragen. Ihr Wachstum ist -sehr rasch, und man benutzt sie, um Zimmer mit ihnen auszukleiden oder -Lauben mit ihnen zu decken. Man hat zwei Sorten: bei der ersteren hängt -die schwere Frucht an einem dünnen Stiele, die letztere jedoch kriecht -an der Erde hin. Wie den Gurken gibt man auch den Flaschenkürbissen -allerlei Gestalten, vornehmlich in geflochtenen Formen, in die man -die jungen Früchte steckt. Sie nehmen dann beim Wachsen die Gestalt -der Form an und diese stellt gewöhnlich eine gewundene Schlange vor. -Läßt man sie freihängen, so hat man sie schon 9 Fuß lang werden sehen. -Ihre Anwendung ist verschieden. Beim Verspeisen wird die Schale -fortgeworfen. Sie gelten übrigens für eine gesunde und leichte Speise. -Die Kerne, welche an beiden Enden der Frucht liegen, geben lange -Früchte, die in der Mitte liegenden runde. (Natürlich ist dies eine -unsinnige Behauptung, wie Plinius deren nicht selten aufstellt.) Man -trocknet die Kerne im Schatten, weicht sie aber, wenn man sie pflanzen -will, zuerst in Wasser auf. Die längsten und dünnsten Früchte hat man -zum Verspeisen am liebsten. Diejenigen Flaschenkürbisse, deren Samen -man zur Aussaat gebrauchen will, schneidet man gewöhnlich erst mit -Eintritt des Winters ab, trocknet sie dann im Rauch und gebraucht -sie, um in ihrem hohlen Innern Sämereien, Wein und dergleichen -aufzubewahren. Man hat auch ein Verfahren erfunden, nach welchem man -die Flaschenkürbisse wie Gurken zum Verspeisen aufbewahren kann, so -daß sie sich fast bis zu der Zeit halten, da es wieder frische gibt. -Die Aufbewahrung geschieht in Salzbrühe. Man soll sie auch an einem -schattigen Orte in einer Grube, deren Boden mit Sand bedeckt ist, -aufbewahren können, indem man sie von oben mit trockenem Heu und dann -mit Erde zudeckt.“ - -In der Folge wurde der Flaschenkürbis überall in Südeuropa häufig -angepflanzt und fand nach der Entdeckung Amerikas auch im neuen -Kontinent, wohin ihn die Spanier zuerst brachten, überall willige -Aufnahme und rasche Verbreitung unter den Eingeborenen. Da man ihn -auch in manchen peruanischen Gräbern fand, glaubten einige Forscher, -er sei in Amerika zu Hause gewesen, was heute sicher als unrichtig -festgestellt wurde. Samen des Flaschenkürbisses stammen in Südamerika -stets nur aus Gräbern, die jüngeren Datums als das Jahr 1500 sind; denn -manche Gräberfelder wurden noch lange nach der Ankunft der Europäer auf -diesem Kontinente weiter benutzt. - -Als Behälter zur Aufnahme von Flüssigkeiten ist jedenfalls die -getrocknete und ausgehöhlte Kürbisschale, die man gewöhnlich als -+Kalabasse+ bezeichnet, uralt. Jedenfalls haben wir in ihr die -Urform des Gefäßes zu erblicken, die erst in sehr viel späterer -Zeit vom Menschen in gebranntem Ton nachgeahmt wurde. Wie nun der -Flaschenkürbis in der alten Welt dem Menschen einen natürlichen -Behälter darbot, benutzte der Mensch der neuen Welt zu demselben -Zwecke außer den getrockneten hohlen Schalen der einheimischen -Kürbisse, von denen alsbald zu reden sein wird, auch die ähnlich -beschaffenen Früchte des in Mittelamerika heimischen +Kalabassenbaums+ -(~Crescentia cucurbitana~), der in fünf verschiedenen Arten vorkommt. -Allgemein in Westindien, Südamerika und neuerdings auch in Westafrika -kultiviert wird die 6-9 m hohe ~Crescentia cujete~ mit gebüschelten, -lanzettförmigen Blättern, grünlichen, gelb und rot gescheckten Blüten -und großen, rundlichen, 30 cm im Durchmesser haltenden Früchten, die in -einer grünen, holzigen Rinde ein schwammig-saftiges, säuerlich-süßes -Mark mit den Samen beherbergen. Dieses Mark wird in Amerika arzneilich -benützt, aus der Fruchtschale, der eigentlichen Kalabasse, verfertigt -man oft mit Schnitzereien verzierte Gefäße, Schalen, Löffel usw. Das -Holz dagegen dient in der Möbeltischlerei. - -Wie der Flaschenkürbis in Südasien heimisch ist eine andere in ihren -Früchten technisch wichtige Kürbisart, nämlich der +Schwammkürbis+ -(~Luffa cylindrica~), der heute im ganzen Tropengebiet kultiviert -wird, auch nach Amerika gebracht wurde und dort verwilderte. Die -ziemlich großen, länglichen, glatten Früchte können besonders unreif -wie die Blätter gekocht genossen werden; wichtiger aber ist das in -den reifen Früchten erhärtende, stark ausgebildete Gefäßbündelnetz, -das den +vegetabilischen+ oder +Luffaschwamm+ liefert. In Wasser -erweichend dient er statt des tierischen Schwammes zum Reinigen und -Frottieren der Haut, dann zu Schuhsohlen, Badepantoffeln, Mützen, -Körbchen, Sattelunterlagen, Bilderrahmen und kommt zum Teil aus -Ägypten, besonders aber aus Japan in den Handel. Die unreifen Früchte -der gleicherweise in Südasien heimischen ~Luffa acutangula~, deren -Kultur sich heute über die ganzen Tropen erstreckt, werden wie Gurken -gegessen, die Wurzeln und Samen dagegen als Abführmittel benutzt. - -Sämtliche +echten Kürbisse+ dagegen sind in der Neuen Welt heimisch -und haben sich erst seit deren Entdeckung durch die Europäer, also -seit dem 16. Jahrhundert, über die Alte Welt verbreitet. Alle zehn -bekannten Arten sind im warmen Amerika, nördlich bis Kalifornien, zu -Hause, doch sind mehrere, so namentlich die drei einjährigen Arten, im -wilden Zustande noch nicht aufgefunden worden. Daß sie schon lange in -der Kultur des Menschen stehen, beweist die Tatsache, daß Samenkerne -verschiedener Arten als Totenbeigaben auf dem vorkolumbischen -altperuanischen Gräberfelde von Ancon gefunden wurden. Auch wurden in -ganz Amerika schon lange vor der Ankunft der Europäer verschiedene -Kürbisarten von den Indianern angebaut, die den dahin gelangenden -Weißen, wie auch den Botanikern in Europa, die sie später kennen -lernten, vollkommen neu waren. Dies wird uns von Acosta und anderen -Spaniern von Peru und Mittelamerika, von späteren Einwanderern auch -von Nordamerika bezeugt. Bis zum Lande der Huronen an den kanadischen -Seen gab es Kürbisse. Von den letzteren berichtet uns ein französischer -Reisender des 16. Jahrhunderts, daß sie in Menge „~les citrouilles du -pays~“ anpflanzten. Ein anderer gleichzeitiger Schriftsteller nennt die -„~citrouilles~“ des südlichen Kanada süß und verschieden von denjenigen -Europas. Sie seien so groß wie unsere Melonen und ihr Fleisch sei so -gelb wie Safran. - -Der +gemeine Kürbis+ (~Cucurbita pepo~) hat seine Heimat in Mexiko und -Texas, von wo aus er durch die Spanier sehr bald nach der Entdeckung -der Neuen Welt nach Spanien gebracht wurde, um sich von da rasch -ostwärts über Südeuropa zu verbreiten. Gleichzeitig mit dem Mais und -dem spanischen Pfeffer oder der Paprikapflanze finden wir ihn als -Novität in dem 1543 in Basel gedruckten Kräuterbuch des Leonhard Fuchs -sehr gut dargestellt mit zwei- bis dreiteiligen Ranken und rotgelben -Blüten. In Analogie mit dem als „türkisch Korn“ -- was wohl so viel -als von weither gekommen heißen soll -- bezeichneten Mais benennt -dieser Autor den Kürbis als „türkisch Cucumer, auch Meer-Cucumer -oder Zuccomarin“ und versichert, „daß er vor kurtzen jaren erst zu -uns gebracht worden, was man aus seinen Namen wohl mag abnehmen“. Im -Laufe des 16. Jahrhunderts hat sich dann diese Gartenfrucht rasch bei -uns eingebürgert, teils wegen ihres eßbaren Fruchtfleisches, teils -aber auch der schmackhaften Fruchtkerne wegen, auf welche nach einer -Bemerkung von M. Lobelius aus dem Jahre 1576 die Bauern sehr erpicht -waren. Die einjährige Pflanze mit liegenden, bis 10 m langen Stengeln, -dottergelben, einzelstehenden Blüten und kugeligen, oft sehr großen -Früchten mit weißem oder gelbem, genießbarem Fleisch wird in vielen -Varietäten kultiviert. Sie gedeiht, wo der Mais gedeiht, und liefert -bei gutem Anbau bis 60000 kg vom Hektar. Jede Pflanze soll nur acht -Früchte zur Reife bringen; sobald sie vier Nebenranken getrieben hat, -bricht man die Spitze der Hauptranke ab und nach dem Fruchtansatz -auch diejenigen der Nebenranken. In ganz Südeuropa dienen die Früchte -auf die mannigfaltigste Weise zubereitet der ärmeren Volksklasse -als geschätzter Zusatz zur Brotnahrung, sie bilden ferner ein -vortreffliches Mastfutter für Schweine, auch wird aus ihnen Branntwein -gewonnen. Aus den Samen läßt sich ein feines Speiseöl pressen. Zur -Herstellung von Kompott eignen sich besonders der +Markkürbis+ und -der nichtrankende +virginische Kürbis+. Zum Verspeisen sind auch der -+silbergraue+, der +melonengelbe+, der +Astrachan-+ und +Ohiokürbis+ zu -empfehlen. Der besonders in Südasien viel gepflanzte +Moschuskürbis+ -hat wohlschmeckende, melonenähnliche Früchte, deren Fleisch nach -Moschus duftet und schmeckt. Sehr zahlreich sind die +Zierkürbisse+, -von denen etwa zu nennen sind: der +Türkenbundkürbis+, mit grün, gelb -und rot gestreiften Früchten, der nichtrankende +Pastetenkürbis+, auch -Bischofsmütze genannt, mit flacher, am Stiel gewölbter, gelber, grüner -und orange mit weiß gestreifter Frucht, dann der +Mantelsackkürbis+ mit -dunkelgrüner, am Ende sackartig aufgetriebener Frucht, dessen Samen -mit solchen von anderen Arten in den altperuanischen Gräbern von Ancon -gefunden wurden, und viele andere Formen wie +Apfel-+, +Birnen-+, -+Zitronen-+, +Glocken-+, +Warzenkürbis+. Die weitaus größten Früchte -besitzt der +Riesenkürbis+. Sie werden 20-100 kg schwer, sind kugelig, -plattgedrückt oder gerippt und haben ein feineres, wohlschmeckenderes -Fleisch als die eigentlichen Zierkürbisse, deren Fleisch nicht gegessen -wird. - -Endlich hat uns Südamerika auch zwei als wertvolle Bereicherungen -unseres Gemüsegartens gepflanzte Nachtschattenarten geliefert, nämlich -den Liebesapfel oder die Tomate und die Eierpflanze oder Aubergine. Der -+Liebesapfel+ (~Lycopersicum esculentum~) mit übelriechenden, behaarten -Blättern, gelben Blüten, glänzend roten, gelbroten, gelben oder weißen -Früchten, heißt mit einer amerikanischen Bezeichnung +Tomate+. Der -große Baseler Botaniker Kaspar Bauhin (1560-1624) bezeichnet die Art -1596 als ~Tumatle Americanorum~, und die ersten von den Botanikern des -16. Jahrhunderts ihr beigelegten Namen wie „peruanischer Apfel“ lassen -vermuten, daß man sie aus Peru erhalten hatte. Jedenfalls wurde sie auf -dem südamerikanischen Festlande von den Eingeborenen früher angebaut -als auf den Antillen. Die Ausgangsform war eine ganz kleinblütige Art -mit kirschgroßen Früchten, die im Küstengebiet Perus heute noch wild -wachsend angetroffen wird. Heute wird die einjährige Pflanze in der -ganzen Kulturwelt, besonders in den englischen Kolonien, in Indien, -dann in Süd- und Mitteleuropa in vielen Varietäten angebaut und liefert -in ihren Früchten ein wohlschmeckendes und zuträgliches Gemüse, das -auch gerne roh als Salat gegessen wird. Um Neapel und Rom sieht man -ganze Felder mit dieser Frucht bepflanzt. Den Namen Liebesapfel -verdankt sie dem Glauben, daß die so schön gefärbte Frucht zärtliche -Gefühle erwecke. - -Die +Eierpflanze+ (~Solanum melongena~), von den Franzosen ~aubergine~ -genannt, mit 60 cm hohem, krautartigem Stengel, eirunden Blättern und -lilafarbigen, großen Blüten trägt ovale bis längliche, dunkelviolette, -gelbe oder weiße Früchte, denen man durch kochendes Wasser das in -ihnen enthaltene Narkotische entzieht. In Spanien, Südfrankreich, -Italien, der Wallachei und im Orient werden sie häufig auf Feldern -zum Küchengebrauche gezogen. Bei uns verwendet man sie vorzugsweise -als Zutat an Saucen, Suppen, Ragouts usw.; auch werden sie vielfach -gedünstet gegessen. - -Ein naher Verwandter, ~Solanum quitoense~, ein bis 2 m hoher -Halbstrauch aus Peru, trägt genießbare Früchte von der Größe und Farbe -einer kleinen Orange, die im ganzen westlichen Südamerika als Obst -beliebt sind und auch zur Herstellung von kühlenden Getränken dienen. -Weil sie vielfach um Quito, die Hauptstadt von Ekuador kultiviert -werden, nennt man sie meist +Orangen von Quito+. Neuerdings werden sie -auch in England gezogen. - -Von ~Solanum anthropophagorum~ endlich, der +Tomate der Kannibalen+, -einem auf den Fidschiinseln kultivierten, etwa 1,5 m hohen Halbstrauch, -wurden die tomatenähnlichen Beeren als Würze zu den einstigen -Menschenopferschmäusen gegessen, weshalb man diese Pflanze auch bei -jeder Bure, d. h. einem Opferplatz, wohin die Körper der Erschlagenen -gebracht wurden, um dort verzehrt zu werden, in kleinen Anpflanzungen -regelmäßig zog. Heute, da der Menschenfraß auf jenen Inseln abgeschafft -ist, dient sie als beliebte Würze zu allerlei Tierfleisch. In gleicher -Weise werden verschiedene andere Nachtschattenarten ihrer genießbaren -Früchte wegen in den Tropen kultiviert, so ~Solanum aethiopicum~ in -Afrika, ~Solanum edule~ in Guinea, ~Solanum macrocarpum~ auf Mauritius -und Madagaskar. - -Endlich wäre noch die derselben Familie der Nachtschatten angehörende -+Juden-+ oder +Blasenkirsche+ (~Physalis alkekengi~) zu nennen, die -aus dem Laubwalde Europas als Zier- und Nutzpflanze in die Gärten -übernommen wurde. Sie hat schmutzigweiße Blüten und kirschgroße, -glänzendrote Beeren, die von dem nach dem Verblühen sich stark -vergrößernden und zur Zeit der Fruchtreife als Schauapparat ebenfalls -lebhaft rot gefärbten Kelch tutenförmig umschlossen werden. Während -das Kraut giftig ist, sind die süßlich sauren Früchte eßbar. Sehr -viel wohlschmeckender aber als sie sind die in ihrer Heimat roh oder -eingemacht eine sehr beliebte Speise bildenden Früchte der peruanischen -Verwandten, ~Physalis edulis~, die jetzt in den tropischen und -subtropischen Gärten allgemein kultiviert wird. Ihre als Ananaskirschen -bezeichneten Früchte werden bisweilen auch zu uns gebracht und in den -Delikateßläden feilgehalten. - - - - -VIII. - -Eßbare Knollengewächse. - - -Außer den mancherlei Früchten waren wohl die stärkemehlreichen -Wurzelknollen, die keine Gifte oder sonst schädliche Stoffe enthielten, -die vom Menschen zur Stillung seines Hungers am meisten gesuchten -Pflanzenteile. Am Feuer geröstet, waren sie sehr wohl geeignet, seinen -stets regen Hunger zu stillen. Daß dabei die Menschen der Urzeit -keine Kostverächter waren und viele Wurzelknollen und andere Teile -von Pflanzen aßen, die wir heute zu essen verschmähen, das ist ganz -selbstverständlich. So verzehrten die Pfahlbauern Mitteleuropas zur -späteren Stein- und Bronzezeit nicht bloß die mehlreichen Früchte -der +Wassernüsse+ (~Trapa natans~), deren Schalen wir in ihren -Speiseabfällen finden, sondern wohl auch deren fleischige Wurzeln, die -heute noch viele Liebhaber unter den Naturvölkern finden. So werden -sie, wie die nach Kastanien schmeckenden Nüsse, geröstet, in Menge -selbst von den Bewohnern Kaschmirs, und in einer nahe verwandten Art -(~Trapa bicornis~) von den Chinesen, die sie in besonderen Teichen -kultivieren, als Speise namentlich der ärmeren Volksklasse gegessen. - -Den alten Ägyptern dienten zu demselben Zwecke die Wurzelknollen der -+Papyrusstaude+ und verschiedener +Seerosen+. Man aß sie roh, geröstet -oder gekocht und verwendete sie, zu Brei zerstoßen, wie die alten -Schriftsteller berichten, insbesondere zur Ernährung der Kinder, die -noch keine gröbere Kost ertragen konnten. An der in ihrer Gestalt und -Farbe unserer weißen Seerose ähnlichen +ägyptischen Lotospflanze+ -(~Nymphaea lotus~) und deren Schwester, der +himmelblauen Seerose+ -(~Nymphaea coerulea~), war aber nicht bloß der knollige Wurzelstock, -dessen angenehm süßlicher Geschmack gerühmt wird, als Speise geschätzt, -sondern auch die kleinen braunen, eiweißhaltigen Samen, die in einer -fächerreichen, kugeligen Frucht von schmutziggrüner Farbe liegen. Die -Lotospflanze hieß bei den alten Ägyptern ~suschin~, im Hebräischen --- daraus entlehnt -- ~schuschan~, eine Bezeichnung, welche später -auf die weiße Lilie überging und uns in dem Namen Susanna erhalten -ist. Noch heute heißt die weiße Lilie im Arabischen ~susan~. Auch bei -den ältesten Griechen wurde die weiße Lotos als Lilie (~leírion~) -bezeichnet. Der älteste griechische Geschichtschreiber, Herodot, der um -460 v. Chr. selbst in Ägypten war, berichtet darüber: „Die Früchte der -Lotospflanze (~lōtós~) aber schneiden sie (die Ägypter) ab und trocknen -sie an der Sonne. Hierauf zerstoßen sie die darin befindlichen Körner, -welche dem Mohn ähnlich sind, und bereiten sich mit Hilfe des Feuers -Brot daraus. Auch die Wurzel ist eßbar und schmeckt nicht übel; sie -ist rundlich und von der Größe einer Quitte.“ Nach ihm berichtet der -große, pflanzenkundige Schüler des Aristoteles, Theophrast (390-286 -v. Chr.): „Der Lotos wächst in Ägypten auf den Feldern, wenn sie der -Nil überschwemmt. Ihre weiße Blüte schließt sich bei Sonnenuntergang -und verbirgt die Frucht; bei Sonnenaufgang aber tritt sie wieder über -das Wasser und öffnet sich. Dies wiederholt sie bis die Frucht reif -ist und die Blumenblätter abgefallen sind. Die Frucht ist so groß wie -der größte Mohnkopf und ebenso in Fächer geteilt. In dieser liegt der -Same dicht und sieht so aus wie Hirsekorn (~kénchros~). Die Ägypter -legen die reifen Früchte in Haufen zusammen und lassen sie liegen, -bis die Schale gefault ist, worauf die Samen herausgenommen werden. -Diese trocknet man, zerstampft sie und bäckt Brot daraus. Die Wurzel -des Lotos heißt kórsion, ist rund, so wie eine Quitte, hat eine -schwärzliche Rinde wie die Kastanie. Das Innere ist weiß; gekocht oder -gebraten wird es wie Eidotter gegessen und ist sehr wohlschmeckend. Man -kann sie auch roh essen.“ - -Als dann um 500 v. Chr. von Persien her der rosenrot blühende +indische -Lotos+ (~Nelumbium speciosum~) im Niltal eingeführt und kultiviert -wurde, haben die Ägypter auch dessen olivenkerngroße, braune, in -Vertiefungen der der Brause einer Gießkanne ähnelnden Frucht steckenden -Samen und die mehlreichen Wurzelknollen gern gegessen. Der vorhin -erwähnte Herodot meint sie, wenn er sagt: „Neben dem Lotos haben die -Ägypter auch noch andere im Wasser wachsende Lilien, deren Frucht einer -Wespenwabe gleicht, worin Samen, so groß wie Olivenkerne, in Menge -sitzen; man ißt sie frisch und gedörrt.“ Diese Samen waren die ~kýamoi -aigýptioi~ oder ~fabae aegyptiacae~, d. h. ägyptischen Saubohnen der -griechischen und römischen Schriftsteller des Altertums, die eine -sehr beliebte Volksnahrung der alten Ägypter bildeten und nur von -den Priestern gemieden wurden, da die sie erzeugende Pflanze in den -Kult aufgenommen war und als heilig galt. Von dieser Pflanze, der -heiligen ~padma~ der Inder, die noch heute in ihrer Heimat Südasien, -besonders aber in China und Japan der mehlreichen Wurzelknolle und -der wohlschmeckenden Samen wegen in stehenden Gewässern viel gezogen -wird, schreibt Theophrast in seiner Pflanzenkunde: „Die ~kýamos~ -wächst in Sümpfen und stehenden Gewässern Ägyptens. Ihre Stämme -werden bis vier Ellen lang, sind fingersdick, krustenlos, haben aber -inwendig Scheidewände, welche quer durchgehen. Auf den Stämmen stehen -die Fruchtköpfe, die wie runde Wespennester aussehen und in jeder -Vertiefung eine etwas hervorragende saubohnenähnliche Frucht tragen. -Es sind in jeder Frucht gewöhnlich 30 Bohnen enthalten. Die Blume -ist doppelt so groß wie eine Mohnblume und tief rosa gefärbt. Die -Frucht steht über der Wasserfläche. Neben den Früchten kommen große -Blätter hervor, wie breitkrempige Hüte; ihre Stiele sehen aus wie -die der Früchte. Die Wurzel ist dicker als die des dicksten Schilfes -und hat ebensolche Scheidewände wie der Stamm. Sie wird roh, gekocht -und geröstet verzehrt. Die Pflanze wächst häufig wild, wird aber -auch gesät, indem man deren Samen in Ton wickelt und mit diesem ins -Wasser senkt. Wo die Pflanze einmal steht, da dauert sie sehr lange -aus. Die Wurzel ist stark, der Schilfwurzel ähnlich, aber dornig. -Deswegen vermeidet sie das Krokodil, weil es fürchtet, seine Augen -an den Dornen zu verletzen. Die Pflanze wächst auch in Syrien und -Kilikien, trägt dort aber keine reifen Früchte. Sie wächst auch bei -Torone in Chalchidike in einem mäßig großen See und in diesem bringt -sie ihre Frucht zur Reife.“ Später schreiben der aus Kilikien gebürtige -griechische Arzt Dioskurides um die Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. -und der um 200 n. Chr. in Alexandria und Rom lebende, aus Naukratis in -Ägypten stammende griechische Grammatiker Athenaios, daß der ~kýamos -aigýptios~ in Ägypten in reicher Fülle wachse, sich aber auch in Asien -und Kilikien in stehenden Gewässern finde. Die eßbaren Samen würden -auch ~kibórion~ genannt, während die Wurzel ~kolokásia~ genannt und -ebenfalls gegessen werde. - -Schon bei den ältesten Griechenstämmen war die durch unbestimmte -Berichte aus Ägypten beeinflußte Sage von den Lotophagen, d. h. -Lotosessern, sehr verbreitet. Läßt doch schon Homer in der Odyssee -seinen Helden Odysseus zu den Lotophagen, worunter wohl zweifelsohne -die Ägypter zu verstehen sind, gelangen und erzählt in phantasiereicher -Weise von der seltsamen Wirkung der Frucht: - - „Doch von den Lotophagen geschah nichts Leides den Männern - Unserer Schar; sie reichten vom Lotos ihnen zu kosten. - Wer des Lotos Gewächs nur kostete, süßer denn Honig, - Nicht an Mahnung zum Aufbruch dachte der, noch an die Rückkehr, - Sondern sie trachteten dort in der Lotophagen Gesellschaft - Lotos pflückend zu bleiben und abzusagen der Heimat; - Aber ich führt an die Schiffe die Weinenden wieder mit Zwang hin, - Zog sie in die geräumigen Schiffe und band sie fest an die Bänke; - Doch die andern ermahnt ich und trieb die werten Genossen - Schleunig hinwegzufliehn, in die hurtigen Schiffe sich rettend, - Daß nicht einer, vom Lotos gereizt, noch vergäße der Heimat. - Alle stiegen hinein auf die Ruderbänke sich setzend, - Saßen gereiht und schlugen die grauliche Woge mit Rudern.“ - -Nun kann aber dieser honigsüße Lotos Homers nicht die Frucht der -ägyptischen Lotosblume, die keineswegs süß ist, gewesen sein, sondern -war vermutlich diejenige des dem Judendorn nahe verwandten ~Zizyphus -lotos~, eines dort und in anderen Ländern am Mittelmeer wachsenden -Strauches mit längeren Dornen und größeren Früchten, die ein -gelblichweißes, mehliges Fruchtfleisch von schleimigem, sehr süßem, an -Datteln erinnerndem Geschmack besitzen und heute noch im Orient, wo der -Strauch wild wächst, gern von der einheimischen Bevölkerung gegessen -werden. - - Tafel 49. - -[Illustration: Japanische Bäuerin mit Wurzelgemüsen und Blumen. - -Japanischer Bauer mit Regenmantel aus Reisstroh.] - - Tafel 50. - -[Illustration: Papyrusdickicht am Flusse Anapo bei Syrakus. - -Fünf Monate alter Maniok oder Cassave (~Manihot utilissima~) in Buenga, -Westafrika.] - -Der +Papyrus+ (~Cyperus papyrus~) -- altägyptisch ha -- ist ein niemals -in schnellfließenden, tiefen Gewässern, sondern im seichten Wasser der -Strombuchten, am Rande der Seen und in Sümpfen wachsende, bis 5 m hohe -Grasart des tropischen Afrika, die einst in ganz Ägypten sehr häufig -war, heute aber nur noch in Nubien und den Ländern am Oberlaufe des -Nils wildwachsend in ausgedehnten Beständen angetroffen wird. Ihre -fleischige Grundachse ist ein Hauptnahrungsmittel der Flußpferde, die -sie mit ihren kräftigen, weit vorstehenden Schneidezähnen leicht aus -dem schlammigen Boden heben, um sie schmatzend zu verzehren. Ihrem -Beispiel folgten die Menschen. Wie heute noch die Stämme im oberen -Nilgebiet, so haben schon die alten Ägypter die saftige, mehlreiche, -aromatisch schmeckende Grundachse der Papyruspflanze, die erst im Alter -verholzt, roh und gekocht als beliebte, billige Speise gegessen. Auch -das untere Ende des saftreichen dreikantigen Stengels wurde von -ihnen, weil infolge des reichen Zuckergehaltes süß schmeckend, gern -wie anderwärts das Zuckerrohr gekaut, um den Saft auszusaugen. Schon -der Vater der griechischen Geschichtschreibung, Herodot (484 v. Chr. -in der kleinasiatischen Stadt Halikarnaß geboren, bereiste Ägypten und -Babylonien, war seit 456 wieder in Griechenland, ging dann 443 nach der -griechischen Pflanzstadt Thurii in Süditalien, wo er um 424 verstarb) -schreibt: „Die Bewohner des ägyptischen Marschlandes reißen den Papyrus -(~býblos~), der alljährlich nachwächst, aus dem Schlamm, schneiden -das Obere ab, um es sonst zu verwenden; das ellenlange Wurzelstück -dagegen essen oder verkaufen sie. Soll es recht gut schmecken, so -wird es zuvor in einem heißen Ofen geröstet und dann erst gegessen.“ -Eine ausführliche Beschreibung der Pflanze und ihres Nutzens gibt uns -der pflanzenkundige Theophrast (390-286 v. Chr.), der von ihr sagt: -„In Ägypten kommen zahlreiche Wasserpflanzen vor; dieselben sind im -allgemeinen süß und eßbar. Der ~pápyros~ wächst nicht in tiefem Wasser, -sondern nur etwa 2 Ellen oder auch weniger tief. An Dicke kommt die -Wurzel der Handwurzel eines starken Mannes gleich und dabei wird sie -über 10 Ellen lang. Sie tritt über den Boden hervor, schickt seitlich -viele dünne Wurzeln nach unten, nach oben aber dreikantige, bis 4 -Ellen hoch wachsende Stengel, die man insbesondere ~pápyros~ heißt. -Solche Stengel treibt die Wurzel überall in Menge. Diese sind zu -vielerlei brauchbar. Man macht aus ihnen Fahrzeuge, und aus dem Baste -(~bíblos~) werden Segel, Matten, Seile, Kleider und viele andere Dinge -geflochten. Im Ausland ist das daraus gewonnene Papier (~ta bíblia~) -allgemein bekannt. Für die Eingeborenen ist aber die Nahrung, die sie -aus dem ~pápyros~ ziehen, am wichtigsten. Sie kauen ihn roh, gekocht -und geröstet, verschlucken den Saft und speien das übrige aus. Die -(älteren) Wurzeln dienen statt Holz zum Brennen und zum Verfertigen -von allerlei Geräten.“ Fast dreihundert Jahre später schrieb der aus -Sizilien gebürtige griechische Geschichtschreiber Diodor, da er vom -häuslichen Leben und der Kinderpflege der Ägypter handelte, daß den -Eltern unglaublich wenig Kosten für die Ernährung der Kinder erwachsen, -„denn sie kochen ihnen die nächste beste einfache Speise; auch geben -sie ihnen von der Papyrusstaude den untern Teil zu essen, soweit man -ihn im Feuer rösten kann... Daher kostet ein Kind seinen Eltern, wenn -es erwachsen ist, im ganzen nicht über 20 Drachmen“ (etwa 12 Mark). - -Ein naher Verwandter des Papyrus ist das eßbare +Cypergras+ (~Cyperus -esculentus~), auch Erdmandel genannt, deren Knollen man auch -bisweilen mit anderen Pflanzenresten in den altägyptischen Sarkophagen -als beliebte Totenspeise findet. So fand man welche in Gräbern des -mittleren Reiches (2160-1788 v. Chr.) in Der el bahri bei Theben. -Die im Berliner ägyptischen Museum aufbewahrten sollen nach A. -Braun rundlicher und kleiner sein, als die heutigentags in Ägypten -kultivierten. Die Pflanze hieß bei den alten Ägyptern gaiu und die -Wurzelknolle ~schabin~. Der erste Grieche, der die Pflanze erwähnt, -ist Theophrast. Er sagt von ihr: „Die ~malinathállē~ wächst in der -Nähe der Flüsse Ägyptens auf sandigem Boden, ist rund von Gestalt, -an Größe der Mispel gleich, ohne Kern und ohne Schale. Aus dieser -Masse kommen Blätter wie beim Zypergras hervor. Die Leute sammeln die -Knollen und kochen sie in Gerstenbier; auf diese Weise werden sie sehr -süß. Sie werden auch allgemein zum Nachtisch gegessen.“ In ähnlicher -Weise drückt sich der ältere Plinius (23-79 n. Chr.) aus: „In Ägypten -wächst das ~anthalion~; es hat die Größe und Rundung einer Mispel, -weder Kern noch Schale, aber Blätter wie Zypergras. Es wird gegessen, -nachdem es durch Feuer zubereitet ist.“ Noch heute ist die Erdmandel -oder Chufa eine für die Völker Nordafrikas sehr wichtige und deshalb -allgemein angebaute Nährpflanze, deren Knollen überall in den Basaren, -auch in Ägypten und im Orient als ~hab el asis~, d. h. vorzügliche -Knolle, zu kaufen sind. Aus letzteren bereiten die Araber ein sehr -süßes, wohlschmeckendes Getränk, ~scherbet~ genannt (vom Arabischen -~schariba~ = trinken abzuleiten). Überall, wo die Araber einst -herrschten, wurde die Pflanze häufig angebaut, so auch in Sizilien -und Süditalien, und neuerdings wird sie wegen des süßen Geschmacks -ihrer nahrhaften Wurzelknolle auch in Süddeutschland und Österreich -kultiviert. Vielfach trifft man sie auch in Südasien und sogar in -Amerika an. Die stärkemehl-, öl- und zuckerreichen Wurzelknollen von -ausgezeichnetem mandelartigem Geschmack werden vielfach in den Handel -gebracht und dienen zur Gewinnung eines als Speiseöl sehr geschätzten -Öles. Da die Pflanze auch längere Trockenzeiten mit Leichtigkeit zu -überstehen vermag, so bilden ihre Knollen, die roh und gekocht in -der verschiedensten Zubereitung gegessen werden, in dem trockeneren -Südafrika eines der wichtigeren Nahrungsmittel, weshalb die Erdmandel -in vielen Teilen Afrikas, u. a. auch in Deutsch-Südwestafrika, angebaut -wird. - -Auch die nahrhaften Wurzeln verschiedener anderer Pflanzen wurden und -werden manchenorts vom Menschen gegessen. So bildeten die mehlhaltigen -Wurzelstöcke gewisser +Farnkräuter+ die fast ausschließliche -Pflanzennahrung der Maori Neuseelands vor ihrer Entdeckung durch -die Europäer. Sie waren um 1300 n. Chr. von Norden her auf dieses -Eiland eingewandert und bewohnten ausschließlich die Nordinsel, sich -hier vorzugsweise vom Fischfang und der Jagd ernährend. Noch als der -berühmte Seefahrer James Cook den Südwinter 1773 bei ihnen verbrachte, -hatten sie daran und am Fleische der gewaltigen, flügellosen Vögel, -die in zahlreichen Arten jene Insel bewohnten, genügend zu essen; -als aber letztere zu Beginn des 19. Jahrhunderts ausgerottet wurden -und die Eingeborenenbevölkerung sich so weit vermehrt hatte, daß die -Fleischnahrung als notwendige Zukost zur eiweißarmen Wurzelnahrung -im Innern, wo kein Fischfang möglich war, mangelte, da begannen die -Maori notgedrungen, sich gegenseitig aufzufressen, bis die Europäer -durch Einführung der Schweine als Eiweißnahrung und der Kartoffeln -an Stelle der viel geringwertigeren Farnwurzeln als Pflanzenkost der -chronischen auf dieser übervölkerten Insel herrschenden und zu den -Gräueln des Kannibalismus führenden Hungersnot ein Ende machten, worauf -der Menschenfraß von selbst aufhörte. Heute noch dienen allerlei -Farnwurzeln, namentlich von ~Pteris aquilina~, im Himalaja und in Japan -zur Ernährung des Menschen. - -Noch häufiger aber werden andere stärkemehlhaltige Wurzelstöcke als -Nahrung benutzt, so vor allem diejenigen der in der ganzen Inselwelt -des Stillen Ozeans und Südasiens heimischen +Tahitipfeilwurz+ (~Tacca -pinnatifida~), auf Tahiti und den benachbarten Inseln ~pia~ genannt. -Diese niedrige, ausdauernde Staude wird hier überall, wie auch in -Queensland, dem malaiischen Archipel, Indien, Südchina und der -Ostküste von Afrika um Sansibar herum wegen ihrer stärkemehlreichen -Wurzelknollen kultiviert, obgleich dieselben eine Schärfe besitzen, -welche selbst durch mehrmaliges Auswaschen nicht vollständig entfernt -werden kann. Von den Europäern wird sie deshalb gewöhnlich mit Essig -gegessen, der die Schärfe unterdrückt. In China und Cochinchina dienen -auch die gekochten Blattstiele zur Nahrung. Von dieser Pflanzenknolle -wird ein sehr geschätztes Stärkemehl gewonnen, das als ostindisches -~Arrowroot~, d. h. Wurzelmehl, in den Handel gelangt, meist aber an Ort -und Stelle verbraucht wird. Neuerdings wird diese Pfeilwurz mit bestem -Erfolg auch im Kamerungebiete und in Deutsch-Südwestafrika angebaut -und zur Gewinnung von Stärkemehl benutzt, das vielfach auch von den -Fidschi-, Samoa- und Sandwichinseln, wie auch von Neuguinea in den -Handel kommt. - -Sonst wird das Arrowroot des Handels meist aus Wurzelstöcken -verschiedener im tropischen Südamerika heimischer Pflanzen aus der -Familie der Marantazeen, einer Art Gewürzlilien, gewonnen. Dieses -Wurzelmehl gewannen die Indianer schon lange vor ihrer Bekanntschaft -mit den Europäern und nannten es ~aruruta~ (von ~aru~ Mehl und ~ruta~ -Wurzel), woraus die Engländer irreführenderweise ihr ~arrowroot~ -machten, was also „+Wurzelmehl+“ und nicht „Pfeilwurz“ bedeutet, wie -man glauben könnte. Das beste Stärkemehl liefert ~Maranta arundinacea~, -eine 2-3 m hohe Staude mit geradem, schlankem Stengel, langen, -ovallanzettlichen, unterseits etwas behaarten Blättern, kleinen weißen -Blüten, die in kurzen Ähren an den verzweigten Blütenständen erscheinen -und welchen Kapselfrüchte von der Größe der Johannisbeeren folgen. -Der fleischige Wurzelstock verzweigt sich im Boden; seine einzelnen -Glieder, „Finger“ genannt, werden 25 bis 45 cm lang, sind weiß und -müssen zur Zeit des Absterbens der Stengel, wenn sie am stärkereichsten -sind, geerntet werden. Wenn der Wurzelstock jung ist, enthält er nur -7-8 Prozent Stärkemehl, dann wächst der Gehalt allmählich und erreicht -im 10.-12. Monat, je nach der Gunst des Klimas, 25-26 Prozent. Die -abgeschnittenen Stauden dienen als Gründüngung, während die mit Hacken -ausgegrabenen Wurzelstöcke geschält, gewaschen, zwischen Walzen -zerquetscht und die Stärkemehlkörnchen auf feinen Sieben ausgeschlämmt -werden. Darauf folgt die Trocknung in großen, flachen Kupferpfannen, -in welche die Stärke mit neusilbernen Schöpflöffeln übertragen wird, -und darauf das Verpacken in Fässer oder noch besser in Zinnkisten. -Aus ihrer Heimat im tropischen Südamerika war die Pfeilwurz vor der -Ankunft der Europäer überall in Westindien verbreitet und wird schon -lange auch in Ostindien, Afrika und Australien im großen kultiviert. -Besonders in Süd- und Westafrika hat sich ihr Anbau in neuerer Zeit -sehr gehoben. Natal führt davon jährlich bis zu 300000 kg aus, wovon -das kg im Großhandel etwa 1 Mark kostet. Solches Arrowroot wird in -Westindien auch von ~Calathea allouya~ gewonnen, einer Pflanze mit -rundlichen, kleinen Knollen, die wie die Maranta von den Eingeborenen -Guianas und Westindiens häufig als Knollenpflanze bei den Häusern -angebaut wird. Dann wird aus verschiedenen Cannaarten, die mit Maranta -nahe verwandt sind und wie diese kultiviert werden, Arrowroot gewonnen, -das unter dem Beinamen Tulema (verdorben aus ~tous les mois~) bekannt -ist, ~Canna discolor~ aus Mittelamerika soll wenig, aber eine sehr gute -Sorte geben, die in Trinidad unter dem Namen ~Cannaroot~ in den Handel -kommt. Während die verschiedensten südamerikanischen Cannaarten, so -namentlich ~C. gigantea~ aus Brasilien und ~C. paniculata~ aus Peru, -zur Stärkemehlgewinnung angepflanzt werden, wird nur die ebenfalls -in Peru heimische ~Canna edulis~ in Süd- und Mittelamerika, wie seit -langer Zeit auch im östlichen Australien für den Export im großen -angebaut. In ihrer Heimat Peru heißt sie ~adeira~ und werden ihre -Knollen wie bei uns die Kartoffeln gegessen. Sie ist außerordentlich -zähe und genügsam an den Boden und wird im Gegensatz zur weißen -Arrowrootpflanze (~Maranta arundinacea~ mit der weißen Blüte), weil -sie scharlachrote Blüten und dunkelpurpurfarbene Früchte besitzt, die -rote Arrowrootpflanze genannt. In Queensland hat sie infolge ihrer -leichteren Erntebereitung, trotzdem ihr Produkt weit geringere Preise -erzielt, die Marantakultur schon fast ganz verdrängt. Sonst kommt die -meiste Cannastärke von St. Kitts in Westindien nach London auf den -Markt. - -Andere nennenswerte Arrowrootquellen sind einige Ingwerarten Ostindiens -aus der Gattung Curcuma, deren eine die als Gewürz gebrauchte Gelbwurz -liefert; die beste Sorte liefert ~Curcuma angustifolia~. Das daraus -gewonnene Stärkemehl wird meist auf den indischen Basaren unter -einheimischen Namen verkauft und kommt kaum in den europäischen Handel, -doch soll es vielfach zur Verfälschung des echten Arrowroots aus -~Maranta arundinacea~ gebraucht werden. In Westindien dient zu der -seltener vorkommenden Verfälschung derselben eine ihr ähnlich sehende -Stärke, die von verschiedenen Cycadeen oder Palmfarnen, besonders -~Zamia tenuis~, ~furfuracea~ und ~pumila~, gewonnen wird. Dem gleichen -Zwecke dienen die im Tieflande Mexikos wachsenden großen Samen des -Palmfarns ~Dioon edule~. In Chile ist ~Astroemeria pallida~ eine -Arrowrootquelle; das gewonnene Produkt dient aber nur dem einheimischen -Verbrauch. - -Eine als Nahrungsmittel außerordentlich wichtige Knollenfrucht -liefert die südamerikanische Wolfsmilchart ~Manihot utilissima~. -Dieses Wurzelgewächs wird in Westindien und den Vereinigten Staaten -+Cassava+, in Zentralamerika, Kolumbien, Venezuela, Peru, Ekuador und -Bolivien +Yuca+, in Brasilien, Argentinien und Paraguay aber +Mandioca+ -genannt. Und als +Maniok+ wird es auch von den Europäern in Amerika -gewöhnlich bezeichnet, während es die in Westafrika, wo es früh durch -südamerikanische Sklavenhändler eingeführt wurde, lebenden Weißen als -Cassada oder Stockyams bezeichnen. Besonders an der Küste Westafrikas, -wo es die Eweer Agbeli nennen, wird es neben dem ebenfalls aus -Südamerika eingeführten Mais als Hauptbrotfrucht gepflanzt. Man -unterscheidet in seiner Heimat bittern und süßen Maniok; der letztere -wird als ~Manihot aipi~ bezeichnet, ist mehr in Südbrasilien, Paraguay -und Nordargentinien zu Hause, hat lange Staubbeutel und ungeflügelte, -nur etwas eckige Kapseln, während ersterer dagegen mehr aus -Nordbrasilien, Guiana und Westindien stammt und kurze Staubbeutel und -breitgeflügelte Kapseln besitzt. Obschon der süße Maniok, namentlich -in kühleren Gegenden, besser gedeiht als der bittere, auch in bezug -auf den Boden weniger anspruchsvoll ist und kürzere Zeit, nämlich 8-10 -Monate, zur Reife gebraucht, wird er weniger als der bittere angebaut, -der reicheren Ertrag geben soll und dessen Knollen sich im Boden auch -besser halten sollen als die süßen. Sie sind größer als letztere und -nicht weißlich, sondern dunkel gefärbt. Die Pflanze gehört zu den -halbholzigen Sträuchern, der weißliche, spröde Stengel ist mit dickem -Mark gefüllt, mehrfach verästelt und wird 1,5-2 m, unter günstigen -Verhältnissen sogar 3 m hoch. Er ist schwach mit bläulichgrünen, -drei- bis siebenlappigen Blättern besetzt und trägt rispiggestellte -unscheinbare Blüten männlichen und weiblichen Geschlechts, aus welch -letzteren Kapselfrüchte hervorgehen. Die fleischigen Wurzeln stehen -in Büscheln beisammen und bilden den Dahlien- oder Georginenknollen -ähnliche, nur bedeutend größere und schwerere, außen meist rotbraun, -innen dagegen gelbweiß wie die Kartoffel gefärbte, fingerförmig -auseinanderstehende Knollen mit derber Schale. Meist erreichen sie -nur 30-45 cm Länge, können aber auch bis 70 cm Länge und ein Gewicht -von 4-5 kg erlangen. Sie enthalten gleich dem Strauche einen äußerst -giftigen Milchsaft, der schon wenige Minuten nach dem Genuß den Tod -herbeiführt. Durch Unkenntnis dieser Verhältnisse bei der ihnen bis -dahin unbekannten Knollenfrucht gingen zahlreiche der schwarzen, aus -Ostafrika mitgenommenen Suaheliträger auf dem letzten großen Zuge -Stanleys kongoaufwärts zum Entsatze von Emin Pascha an Vergiftung -zugrunde. Glücklicherweise läßt sich aber das Gift, das aus Blausäure -besteht, schon teilweise durch sorgfältiges und wiederholtes -Auswaschen, vollständig aber durch Rösten und Kochen entfernen. Die -Hitze verflüchtigt es so schnell, daß dünne Wurzelschnitten, einige -Stunden an der Sonne getrocknet, dem Vieh als Futter verabreicht werden -können, und sogar, falls sie völlig trocken sind, auch vom Menschen -gegessen werden dürfen. Vor ihrer Zubereitung raspelt und zerreibt -man die Knollen, preßt die Masse aus, wäscht sie wiederholt im Wasser -aus und drückt sie schließlich durch ein Bambusrohrgeflecht. Das -dabei Zurückbleibende ist das Mandiocamehl, in Südamerika meist nur -~farinha~, d. h. Mehl genannt, das, zu Brot oder Kuchen gebacken oder -mit Wasser zu Brei verrührt, in einem großen Teile Südamerikas für die -ärmere Bevölkerung das ist, was die Kartoffel für Irland. Aus dem durch -das Bambusgeflecht abgelaufenen Wasser schlägt sich reines Stärkemehl -nieder, das als +Tapioka+ (aus dem ~tipiok~ der Indianer entstanden), -Manioksago oder brasilianisches Arrowroot in den Handel gelangt und -als Kindermehl oder zu feinem Backwerk verwendet wird. Damit sich das -Mandiocamehl leichter zu Brot backen läßt, wird es in Amerika vielfach -mit Weizenmehl vermischt. Als Würze zu den etwas fade schmeckenden -Maniokklößen oder dem Tapiokabrei genießt man vielfach den mit Pfeffer -gekochten frischen Milchsaft der Pflanze, und sogar die Blätter werden -gekocht als Gemüse gegessen. Da die Kultur des Manioks eine äußerst -einfache ist, die Pflanze selbst mit geringem Boden vorlieb nimmt und -bei geringer Arbeit einen hohen Ertrag liefert, so ist es kein Wunder, -daß sie sich aus ihrem Stammland Brasilien, wo sieben verschiedene -Arten derselben angebaut werden, über ganz Südamerika, Mexiko und -die Antillen schon vor der Ankunft der Europäer verbreitet hatte. -Im 16. Jahrhundert kam sie durch die Portugiesen nach Westafrika, -wo sie sich mit der Zeit weithin verbreitete; später ward sie auch -nach Asien gebracht und wird da stellenweise angebaut, so besonders -auf der Halbinsel Malakka. Doch nimmt heute noch Brasilien weitaus -die erste Stelle in bezug auf den Export von Tapioka ein. Hat doch -dieses Land eine Jahresausfuhr von 15 Millionen kg im Wert von über -einer Million Mark, nach ihm kommt Singapur mit 12,4 Millionen kg. Die -deutschen Kolonialgebiete in Westafrika produzieren fast nur für den -Eigenbedarf, weil von seiten der Europäer bis jetzt keine Nachfrage -nach diesem Artikel besteht. Doch hat Togo immerhin im Jahre 1906 schon -250000 kg im Werte von fast 22000 Mark ausgeführt. Die Kultur ist so -überaus einfach und ergiebig, daß sie selbst dem arbeitsscheuen Neger -einleuchtet und sich von selbst bis nach Westafrika quer durch den -Kontinent ausbreitete. Sowohl in Deutsch-Ostafrika als auch namentlich -im portugiesischen Teile spielt sie heute eine große Rolle. Der Maniok, -der von den Deutschen Westafrikas im Gegensatz zum eigentlichen, wie -wir gleich sehen werden, rankenden Yams auch als Stockyams bezeichnet -wird, gedeiht am besten auf trockenem Sandboden, während er bei zu -großer Feuchtigkeit, z. B. im Gebirge, durch starken Giftgehalt -ausgezeichnet ist und dann mit der größten Vorsicht durch die vorhin -genannten Maßnahmen entgiftet werden muß. - -In seiner Heimat Brasilien, wie in Afrika und auf Malakka, wird der -Maniok in der denkbar einfachsten Weise angepflanzt, indem man ein -Stück Urwald mit Axt und Feuer lichtet und den Grund behackt. In -Abständen, die mit Rücksicht auf die Größe des sich entwickelnden -Strauches durchschnittlich 1,5-2 m betragen, werden etwa 30 cm lange -Stengelstücke, an denen in ausgiebigster Weise Knospen angelegt sind, -die in der folgenden Vegetationsperiode zur Entwicklung gelangt -wären, bis nahezu zur Hälfte schräg in den Boden gesteckt. Schon nach -2 bis 3 Wochen bemerkt man das Austreiben der Knospen, welche sich -dann sehr schnell entwickeln, so daß bereits nach sieben Monaten, -während welcher nur ein- bis zweimal zur Beseitigung des gröbsten -Unkrauts gehackt zu werden braucht, die Ernte der Knollen beginnen und -infolge der stetigen Entwicklung neuer Knollen mehrere Monate fast -ununterbrochen fortgesetzt werden kann. Dabei müssen die Knollen, -die sich an der Luft nicht gut halten, bis zu ihrem Verbrauche im -Boden belassen werden, worin sie sich ausgezeichnet konservieren. In -Westafrika wird der Maniok in ausgedehnten, meist sorgsam gehegten -Feldern bei den Negerdörfern gebaut, indem um jede Pflanze ein -Erdhaufen zusammengeharkt wird, welcher infolge der Belaubung der über -Mannesgröße erreichenden Stauden meist frei von Unkraut bleibt. Dabei -kann man auf einen Ernteertrag von 5 kg Knollen pro Pflanze rechnen mit -einem Mehlertrag von etwa 33 Prozent. Die anfänglich leeren Abstände -benützt man vielfach zum Anbau schnellwachsender Pflanzen wie Mais oder -Bergreis und legt häufig Mischkulturen von Maniok und Bananen an. Auch -der Maniok hat seine Feinde, von denen namentlich Raupen mitunter in -größeren Mengen an die Pflanze herangehen. Bedeutend mehr wird aber -die durch einen Fadenpilz hervorgerufene Kräuselkrankheit der jungen -Triebe gefürchtet. Einfallende Schwärme von Wanderheuschrecken können -durch Abfressen des für sie trotz der Giftigkeit unschädlichen Laubes -großen Schaden anrichten, ebenso Wildschweine und in Amerika Agutis -durch Wegfressen der Knollen trotz ihrer Bitterkeit. Die Blätter fallen -vielfach auch Hirschen und Antilopen zum Opfer. - -[Illustration: Bild 21. Die Batate oder süße Kartoffel (~Ipomaea -batatas~). Blühender Zweig und Wurzelknollen.] - -Eine andere uralte Kulturpflanze des tropischen Amerika ist die -+Batate+ oder +süße Kartoffel+ (~Ipomaea batatas~), die durchaus nicht -mit der gemeinen Kartoffel verwandt ist, sondern ein Windengewächs mit -eßbaren Wurzelknollen ist. Wegen der großen Ähnlichkeit der letzteren -mit den Kartoffelknollen in Verbindung mit deren ausgesprochen süßem -Geschmack wurden sie als süße Kartoffeln bezeichnet. Die Pflanze -ist ausdauernd, sie hat aus einer Wurzel mehrere lange, auf dem -Boden kriechende Stengel, langgestielte, breite, tiefeingeschnittene -Blätter, zu 3-4 an einem ebenfalls langen Stiele aus den Blattwinkeln -hervorbrechende große, purpurrote, rötliche oder weiße Trichterblüten -und entwickelt mehrere lange, walzen- oder spindelförmige, spitz -zulaufende, außen purpurrote, weiße oder gescheckte, inwendig aber -weiße, weiche mehlreiche Wurzelknollen, die im allgemeinen nur -ein Gewicht von 1-2 kg erreichen; doch sind solche von 6 kg keine -Seltenheit, und auf Java soll man sogar Knollen von 25 kg gezogen -haben. Obschon die Pflanze noch nirgends im wilden Zustande angetroffen -wurde, so ist doch höchst wahrscheinlich Brasilien ihre engere -Heimat, da dort verwandte wilde ~Ipomaea~-Arten angetroffen werden, -deren Knollen gleichfalls gegessen werden können. Seit den ältesten -Zeiten wird sie durch das ganze tropische Amerika von Paraguay und -Peru, in welch letzterem Lande sie ~apichu~ genannt wird und nach den -Gräberfunden von Ancon schon von den vorgeschichtlichen Indianerstämmen -angepflanzt wurde, bis Mexiko und den Antillen kultiviert, und zwar in -einer großen Zahl von Kulturvarietäten, die indessen nicht durchweg -beständig zu sein scheinen. Sie wurde im Jahre 1519 in Europa bekannt, -indem Pigafetta über ihre Kultur in Brasilien berichtete. Bald darauf -wurde sie in Spanien eingeführt und von dort und den Kanaren kam sie -noch vor der Kartoffel nach England. Wegen ihrer großen Vorzüge als -Nährfrucht verbreitete sie sich sehr rasch über die Alte Welt und -fand sich schon im 17. Jahrhundert in ausgedehntem Maße in Ostasien, -besonders China, angepflanzt. Man baut sie gegenwärtig außer sehr -allgemein in Amerika, wo sie sich den ganzen Süden der Vereinigten -Staaten erobert hat, in Nordafrika, Ostindien, China, Japan und dem -malaiischen Archipel an. Selbst in Südeuropa hat man sie einzubürgern -versucht; doch ist es ihr hier nicht warm genug, so daß sie nicht recht -zu gedeihen vermag. - -Die Kultur der Batate, deren Namen die Engländer als die ihnen von den -beiden Knollengewächsen zuerst bekannt gewordene als ~potatoe~ auf -die Kartoffel übertrugen, erfordert in den warmen Ländern sehr wenig -Arbeit. Sie wächst in jedem Boden, ist aber für ausgiebige Düngung -dankbar. Man steckt die Saatknollen, oder falls man Stecklinge erhalten -kann, meist diese in Abständen von 1 m in den Boden, nachdem der Boden -durch Hacken gelockert und das Unkraut als Gründüngung untergegraben -ist. Die beste Pflanzzeit ist in den Tropen die zweite Regenzeit oder, -falls nur eine existiert, die zweite Hälfte derselben; doch pflanzt -man meist während der ganzen Regenzeit, um stets frische Süßkartoffeln -zu haben. Meist setzt man sie als Zwischenfrucht auf Feldern, die zum -zweiten Male Mais tragen. Und zwar wählt man die Zeit, da der Mais -schon 30-40 cm hoch ist und als Schattenpflanze für die jungen Bataten -dienen kann. Nach zwei Monaten wird der Mais geerntet, nach fünf -Monaten aber die Bataten entweder ohne Zwischenfrucht, oder man sät -noch einmal Mais dazwischen. Andere Zwischenfrüchte, wie z. B. Bananen, -wählt man jetzt nicht mehr oder nur selten. Dadurch, daß die Stengel -der Bataten auf dem Erdboden kriechen und mit zahlreichen Blättern -versehen sind, unterdrücken sie die Entwicklung von Unkräutern. Man -braucht also nicht zu hacken, sondern kann den Boden fest lassen, -wodurch auch die Ausbildung großer und mehr runder Knollen begünstigt -wird. Bei der Ernte, welche etwa Anfang April beginnt, werden die -Knollen für den jedesmaligen Bedarf oder in gewissen, meist nicht sehr -großen Quantitäten mit möglichster Schonung der Pflanze herausgenommen. -Diese setzt dann fortwährend neue Knollen an, so daß die Felder oft -erst nach zwei bis drei Jahren erneuert werden. Nachher aber werden -die Blätter kleiner und die Knollen bleiben aus, so daß die Kulturen -frisch angelegt werden müssen. Die Ernte soll man möglichst nur bei -trockenem Wetter vornehmen. In vielen Fällen heben die Knollen zur -Zeit der Ernte, da das Laub gelb zu werden beginnt, die Erde empor und -lassen sich leicht auffinden und mit der Hacke ausgraben. Der Wert der -durch einen großen Reichtum an Stärkemehl und Milchsaft ausgezeichneten -Knollen wird durch ihre geringe Haltbarkeit beeinträchtigt, zumal in -einem feuchten Klima. Vor allem müssen sie in einem trockenen, luftigen -Raum aufbewahrt werden. Zu diesem Zwecke baut man gutgedeckte Scheuern, -worin sie aufgehängt oder, wie es die Neger meist machen, lose -aufeinander geschichtet werden. Man ißt sie aber meist bald nach der -Ernte und bereitet sie in derselben Weise wie die Kartoffeln zu, indem -man sie in Butter geröstet und als Puree oder Salat zubereitet ißt. -Sie sind sehr bekömmlich und nahrhaft, zart und von angenehmem, süßem -Geschmack, sind leichter verdaulich, stehen aber für unser Empfinden -in bezug auf Wohlgeschmack weit hinter den Kartoffeln zurück. Im Ofen -getrocknet oder in Zucker eingelegt, lassen sie sich auch konservieren; -auch benutzt man sie zur Gewinnung eines berauschenden Getränkes, das -in Westindien ~mobby~, bei den Portugiesen aber marmoda heißt. Die von -Würmern angefressenen, die leicht faulen, und die unreifen Knollen -können als Viehfutter verwendet werden. Als ebensolches dienen auch die -Blätter und Stengel; erstere werden bisweilen auch solange sie jung -sind wie Spinat gekocht vom Menschen gegessen, schmecken aber nicht -sehr gut. - -Unter der Bezeichnung +Yams+ oder +Igname+ werden seit uralter Zeit -verschiedene kletternde Knollenpflanzen aus der Gattung ~Dioscorea~ -(nach dem griechischen Arzte Dioskurides im 1. Jahrhundert n. Chr. so -genannt) im tropischen Amerika, in Afrika und Asien kultiviert, deren -wilde Stammformen meist nicht mehr zu finden sind. Von den zahllosen -Formen sind ~Dioscorea batatas~, ~sativa~ und ~alata~ die wichtigsten. -Unter ihnen hat die erstgenannte mit Sicherheit in China und dem -indo-malaiischen Gebiet ihre Heimat; hier wird sie in den ältesten auf -uns gekommenen Schriften mit einheimischen Namen erwähnt. Ferner hat -sich herausgestellt, daß der in Südamerika für sie gebräuchliche Name -Igname, der sich mit dem Gewächs weithin verbreitet hat und beinahe -ebenso oft gebraucht wird als die Bezeichnung ~Yams~, aus Westafrika -stammt und wahrscheinlich mit der Frucht durch Sklaven dahin gelangte. -Alle Yamsarten sind windende Pflanzen mit bis 6 m langem, dünnem, -hartem, vielfach noch mit Dornen ausgestattetem Stengel, spiral darum -herumlaufenden herzförmigen Blättern, getrennt geschlechtigen, -unscheinbaren grünen, der Johannisbeertraube ähnlichen Blüten, harten, -herzförmigen, ungenießbaren Früchten, 0,5-1 m und mehr langen, bis -10 kg schweren fleischigen Knollen mit dunkler Rinde und mehlreichem -Inhalt. Bei vielen sind letztere stark bitter oder geradezu giftig, -in welch letzterem Falle sie einen ekelhaften Geruch beim Kochen von -sich geben. Durch Wässern und längeres Kochen werden aber diese Stoffe -vollständig beseitigt, so daß sie dann eine sehr wohlschmeckende -Speise abgeben, die an Nährwert der Kartoffel gleichkommt. Sie werden -geschält, zerschnitten, weich gekocht, in Holzmörsern zerstampft und -der so entstandene dicke Brei mit Pfeffer und Öl gewürzt verzehrt. - -[Illustration: Bild 22. Der Yams (~Dioscorea batatas~). Ein rankender -Zweig und junge Wurzelknollen.] - -Der Yams verlangt einen guten, durchlässigen, humusreichen Boden, -weshalb er meist auf früherem Waldboden kultiviert wird, und ein -feuchtwarmes Klima. Als Saatgut dienen kleine Knollen, die vielfach -nicht unterirdisch, sondern an den Blattwinkeln entstehen. Solche -überirdische Knollen werden besonders von einigen afrikanischen -Yamssorten erzeugt, die speziell in Abessinien kultiviert werden -und überhaupt keine unterirdischen Knollen bilden. Je größer die -gepflanzten Knollen oder Knollenstücke sind, um so kräftigere -Schößlinge treiben sie aus und um so mehr Frucht setzen sie an. In -Abständen von 1 m häufelt man die Erde zu kleinen Hügelchen auf, -pflanzt die Knollen dort ein und steckt gleichzeitig bei jeder eine -Stange, die zwar nicht die Höhe, aber die Stärke einer Hopfenstange -haben muß. Sobald die Ranken einige Fuß lang sind, bindet man sie wie -Bohnenranken an. Im übrigen besteht die Pflege in mehrmaligem Jäten des -Unkrauts und Auflockern des Bodens, außerdem in wiederholtem Anhäufeln -nach Bedarf um die sich bildenden Knollen herum. Eine Zwischenfrucht -ist nicht zu empfehlen, höchstens etwa Mais oder Bataten, wobei dann -aber selbstverständlich größere Abstände nötig sind. - -Im ganzen wird der Yams von den Kolonisten nur selten feldbaumäßig -wie von den Eingeborenen angepflanzt, sondern nur zum Hausgebrauch -in Gärten den Zäunen entlang, oder zur Belaubung von Veranden gleich -den Zierkürbissen gezogen. Nach 9-11 Monaten sind die Knollen reif, -was man am Welken der Stengel merkt; man wartet aber, bis die Stengel -völlig abgestorben sind und ihre sämtlichen Nährstoffe in die Knollen -geschafft haben. Der Durchschnittsertrag darf auf 2-4 kg per Pflanze -gerechnet werden, was bei Abständen von 1 m 20-40000 kg pro Hektar -ergibt. Hat man schwächliche oder kleine Knollen zur Aussaat benutzt, -so braucht man mehrere Jahre zum Erzielen von großen Knollen; da -muß man mit 1 kg schweren Knollen zufrieden sein. Mittelstarke -Saatknollen geben Ernteknollen von 2-5 kg. Riesenknollen von 15-18 -kg sind ausnahmslos das Produkt des Wachstums mehrerer Jahre. Auf -den Fidschiinseln, wo die Yamskultur durch die Eingeborenen in hoher -Blüte steht, versteht man Knollen von 1,8 m Länge und 50 kg Gewicht zu -erzielen. Die Leute dort geben an, daß man zur Erzielung von so großen -Knollen einen harten, nicht bearbeiteten Boden brauche; auch bereitet -man den Pflanzen durch untergelegte Steine einen künstlichen Widerstand -und pflegt dabei zu sagen, der Yams müsse sich erst ärgern, um seine -ganze Kraft zu zeigen. Auch die Eingeborenen von Neuguinea vermögen -Riesenknollen von 40 kg Gewicht zu erzielen. - -In ganz Westafrika ist der Yams neben dem Maniok eine der wichtigsten -Nährpflanzen, ja geradezu die Kartoffel der Eingeborenen und der -dort lebenden Europäer. An der Küste gedeiht er nicht so gut wie im -Binnenlande; hier ist neben Mais der Cassava oder Stockyams genannte -Maniok die Hauptknollenfrucht, während die Knollen des gewöhnlichen -Yams in großen Mengen aus dem Innern eingeführt werden. Im Binnenlande, -in welchem der Yams zu Hause ist, wächst er dort am besten, wo am -Fuß der sanft ansteigenden Gebirgszüge und in den Tälern sich ein -guter, lockerer Humusboden abgelagert hat. Schon im Monat Februar, -zur Zeit des Harmattan und am liebsten nach dem Grasbrand, der den -Boden mit seiner fruchtbaren Asche düngt, begibt sich der schwarze -Yamsbauer in den Busch, um sich entweder auf dem eigenen Land oder -dem seiner Familie oder seines Stammes den Platz für die anzulegende -Pflanzung herzurichten, indem er mit seinem Buschmesser den Boden vom -niedrigen Gestrüpp, Buschwerk und Gras, falls der Brand letztere noch -nicht vernichtet hat, säubert. Palmen und größere Laubbäume bleiben -als wohltuende Schattenspender stehen, außerdem leitet er die rasch -wachsenden Yamslianen durch Palmrippen zu diesen Bäumen, an denen sie -dann ähnlich wie der Hopfen hoch hinaufranken. Zu dichte Baumgruppen -lichtet der Neger dadurch, daß er den einen oder andern Baum unten über -der Erde am Stamm abbrennt. Dadurch stirbt er ab, wird dürr und liefert -im kommenden Jahr gutes Brennholz für die Küche. Das abgehauene und -rasch dürr gewordene Gestrüpp wird nun auf Haufen gebracht und an Ort -und Stelle verbrannt. Dann werden in 1-1,5 m Abständen mit der Hacke -rundliche Erdhaufen in der Größe unserer Ameisenhügel gemacht und in -jeden solchen mit der Hand eine kleine Yamsknolle mit 1-2 Triebaugen -gepflanzt. Leicht mit Erde zugedeckt, treibt sie schon nach 2-3 Wochen -eine armlange Ranke, die nun einen Pfahl erhält. Ist ein Baum in der -Nähe, so erhält die Yamsranke nur eine Palmrippe der Ölpalme, die zwar -im Boden rasch morsch wird, aber nur dazu dienen soll, sie auf den -benachbarten Baum zu leiten. Die übrigen Pflanzen erhalten im Busch -gehauene, unten zugespitzte und in den Boden gesteckte Pfähle wie -unsere Bohnenstangen. Nun hat der Yamsbauer während der folgenden 6-8 -Monate bis zur Ernte den Boden mit der kurzen Hacke zu lockern und vom -Unkraut freizuhalten. Ist das Yamsfeld weit entfernt, so baut sich der -Neger dabei eine kleine Hütte, in der er mit den Seinigen haust. Für -die jungen Söhne pflanzt der Vater gewöhnlich eine Reihe von 20 bis -30 Yamsstöcken, deren Ertrag sie für sich verkaufen dürfen. Auch die -Frau bekommt 2-3 Reihen, etwa 60-80 Yamspflanzen, über deren Ertrag -sie frei verfügen kann. Ist der Mann gut zu ihr, so darf sie zwischen -den einzelnen Yamsreihen Tomaten, Fetri oder Kaschokeln, Pfeffer und -Zwiebeln pflanzen. Zu Anfang Oktober schneidet der Neger die Yamsranke -am Kopfe der Knolle in der Weise ab, daß noch eine dünne Scheibe an -ihr hängen bleibt, und pflanzt sie in denselben Hügel etwas abseits -gleichsam noch einmal. Die ausgewachsenen, armdicken, 30-50 cm langen -und bis 10 und 12,5 kg schweren, reifen Knollen werden vorläufig noch -im Boden belassen und nach Bedarf daraus entnommen. Bringt der Neger -mehrere Lasten Yams nach Hause, so werden die einzelnen Stücke an -einer schattigen, kühlen Ecke im Hof in die Erde gegraben, damit sie -frisch bleiben, und nach Bedarf in der Küche verbraucht. Die wieder -gepflanzte Ranke setzt bei günstiger Witterung 3, 4 und mehr kleine, -etwas verkrüppelte Knollen, ~teta~ genannt, an. Diese Knollen sind -nach 6 bis höchstens 8 Wochen reif und bilden die Saatfrucht für das -nächste Jahr. Ende November, wenn die Ranken dürr geworden sind, -werden die großen und kleinen Knollen geerntet. Diese Yamsernte ist der -willkommene Anlaß zu einem fröhlichen mit Schmaus, Trinkgelagen aus -Palmwein und Tanz gefeierten Fest. Für die westafrikanischen Neger, die -wir hier besonders im Auge haben, ist es zugleich das Neujahrsfest. -Lautes Freudengeschrei ertönt überall auf den Feldern und in den -Dörfern. Am Morgen opfern die Priester den Fetischen, in denen sie die -Geister ihrer Verstorbenen hausend wähnen, Yams mit Palmöl gemischt. -Man beschenkt sich gegenseitig mit Yams, und das Lieblingsgericht der -Neger, der „Fufu“, wird in großen Mengen aus der Frucht hergestellt -und verzehrt. Zu diesem Zwecke werden die Yamsknollen von den Weibern -auf denen sonst alle Arbeit ruht, geschält, zerkleinert und gekocht, -um dann zuletzt in einem mörserartig ausgehöhlten Holzblock mit -Holzstampfern zu Brei gestampft zu werden. Dieser Brei wird dann in -Form eines brotleibähnlichen Klumpens aufgetischt und, da er etwas -fade schmeckt, mit Palmöl- und Pfeffersuppe, die daneben gestellt -werden, gewürzt gegessen. Der Hausherr bekommt mit seinen Söhnen eine -besondere Schüssel, die Hausfrau mit ihren Töchtern desgleichen. Beim -Essen trennt jeder mit Zeige- und Mittelfinger ein Stück des Brotbreies -ab, drückt mit dem Daumen eine Vertiefung hinein und fährt mit dem -Stück durch die daneben stehende scharfe Sauce, um bei dieser Prozedur -möglichst viel davon in der eingedrückten Höhlung aufzufangen. Schnell, -ohne lange gekaut zu werden, wird der Bissen hinuntergeschluckt. Was -der Neger täglich an Yams gebraucht, holt er sich jeweilen vom Felde. -Sobald aber die Ranken dürr geworden sind, werden die Yamsknollen -ausgegraben und in das auf der Plantage aus dünnen Pfählen mit quer -daran festgebundenen Palmrippen errichtete und mit Palmblättern -gedeckte Yamshaus gebracht, wo sie möglichst trocken aufbewahrt werden -müssen. An den vier Innenwänden des überaus luftigen Yamshauses wird -jede Knolle vermittelst Schlingpflanzen festgebunden und hält sich -so 6-8 Monate, gröbere Sorten sogar 10-12 Monate lang, da die Luft -beständig Zutritt hat. Diese Eigenschaft ist von großer Bedeutung, da -er die einzige Frucht bildet, die im Lande aufbewahrt werden kann. -Mais, der zweimal im Jahre geerntet wird, ist schon nach kurzer -Zeit vom Kornwurm angegriffen, und die Wurzelknolle des Maniok oder -Stockyams hält sich ausgegraben höchstens drei Tage. Missionar Fies hat -die Namen von 42 Yamssorten aus Togo notiert und sagt, es gebe noch -weitere, denen aber keine große Bedeutung zukomme. Ist die Yamsernte -gut ausgefallen, so verkauft der Yamsbauer von den Früchten an die -Küstenneger oder auch an die Europäer, die ihn ebenfalls gerne essen; -denn der Handel mit dem verhältnismäßig hoch im Preise stehenden Yams -ist recht einträglich und dürfte in der wirtschaftlichen Entwicklung -der hier gelegenen deutschen Kolonien, besonders von Togo, eine -wichtige Stellung einnehmen. - -[Illustration: Bild 23. Der Taro (~Colocasia esculenta~). - -Die in der Erde ruhende Knollenwurzel ist nicht sichtbar.] - - Tafel 51. - -[Illustration: In Holzmörsern Yamsknollen zum Fufu genannten Brei -zerstampfende Frauen an der Goldküste in Westafrika. - -Neger mit Yamsknollen, Kokosnüssen und Bananen auf Jamaika.] - - Tafel 52. - -[Illustration: Yamsknollen, Ananas und Bananen in Kamerun. - -Frauen in Bonaberi, Kamerun, gekochte Yamsknollen stoßend, um Fufu -daraus zu bereiten.] - -Neben dem Yams spielen die Knollen eines in Polynesien +Taro+, -in Westafrika aber +Dinde+ genannten Aronsstabgewächses mit der -lateinischen Bezeichnung ~Colocasia antiquorum~, eine sehr wichtige -Rolle. Während der Regenzeit und der ersten Hälfte der Trockenzeit -ist er für die Polynesier und an der Küste lebenden Neger Westafrikas -sogar die wichtigste Feldfrucht. Auch im malaiischen Archipel, in -Ostasien bis Japan, in Indien, Südarabien, Ägypten und Ostafrika -ist die Tarokultur recht verbreitet, wenn sie auch fast nirgends -als Hauptkultur betrieben wird. Ebenso ist sie durch den Einfluß -der Araber nach Algerien und Südspanien gelangt, doch spielt sie -hier, wie auf den Kanaren, in Westafrika und in Amerika eine sehr -untergeordnete Rolle. Der Taro ist eine mehrjährige Pflanze mit -langgestielten, breiten Blättern in Herzform, einem kolbenförmigen, -von einer großen Scheide umgebenen Blütenstand von etwa 15 cm Länge -und einer bis kopfgroßen, rundlichen Wurzelknolle, neben welcher sich -am Wurzelhalse noch kleine Tochterknollen entwickeln. Je nach den -verschiedenen Arten, die sich schon äußerlich an der verschiedenen, -grünen oder violetten Färbung der Blattrippen und Stengel unterscheiden -lassen, sind die Knollen außen weiß, gelblich, rötlich oder violett, -innen aber stets weiß und recht stärkereich. Sie enthalten 2,5 Prozent -Eiweiß und 15 Prozent Stärke. Roh können sie nicht gegessen werden, -da sie einen scharfen Stoff enthalten, der aber schon beim Kochen und -Rösten in Asche oder auf heißen Steinen, welch letzteres Verfahren fast -ausschließlich in der Südsee geübt wird, verschwindet. Man genießt sie -in der verschiedensten Zubereitung wie unsere Kartoffeln, besonders -auch in Form von Taroschnitten geröstet, und ißt auch die Blätter, -nachdem man die starken Rippen von ihnen entfernt hat, gekocht als -Gemüse. - -Die Heimat des Taro ist Südasien, speziell Indien, von wo aus sich die -Nutzpflanze allseitig verbreitete, soweit der Mensch sie in Pflege -nahm. In China wird sie etwa seit dem 1. Jahrhundert n. Chr. erwähnt. -Die ersten europäischen Seefahrer trafen ihre Kultur bereits in Japan -und in ganz Ozeanien, bis zum nördlichen Teile Neuseelands vor. Bei -den Kulturvölkern Westasiens und des Mittelmeergebiets ist die Pflanze -im Altertum nicht heimisch geworden, nur im Niltal wurde sie etwa seit -der Mitte des letzten vorchristlichen Jahrtausends gepflanzt, wie uns -Theophrast berichtet. Die Beschreibung von Dioskurides und Plinius um -die Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. einer ägyptischen Knollenpflanze, -dürfte sich eher auf den indischen Lotos als auf sie beziehen. Aber im -Mittelalter wurde sie unter der arabischen Bezeichnung ~kolkâs~, woraus -dann von den abendländischen Gelehrten, insbesondere vom Venezianer -Prosper Alpino, der eine Reise nach Ägypten ausführte, wonach er ein -Buch über „ägyptische Pflanzen“ schrieb, und als Professor der Botanik -in Padua 1617 starb, die Bezeichnung ~colocasia~ entstand, im Niltal -häufig gepflanzt und breitete sich damals über Nubien und Sennar nach -Afrika aus. - -Die Kultur des Taro ist derjenigen des Yams ähnlich, nur daß man -natürlich, da sie keine Kletterpflanze ist, keiner Stangen bedarf. -Am besten eignet sich dazu sandiger Lehm, der recht feucht sein und -durch fleißiges Behacken locker gehalten werden muß. Das Wärmebedürfnis -der Pflanze ist kein besonders großes, vielmehr verlangt sie -außer reichlicher Wasserzufuhr Schatten, den man ihr meist durch -Dazwischenpflanzen von Bananen zuteil werden läßt. Andererseits benutzt -man sie wiederum vielfach und mit Erfolg zur Beschattung junger -Kaffee- und Kakaopflanzen. Die Vermehrung geschieht entweder durch -die Tochterknollen, die aber viel Zeit zur Entwicklung brauchen, oder -zweckmäßiger durch den oberen Teil der Knollen früherer Ernten, die in -Abständen von etwa 1 m gepflanzt werden. Die Güte und Zartheit des beim -Kochen eine gelbliche Farbe annehmenden und einen etwas schleimigen, -jedoch nicht unangenehmen Geschmack aufweisenden Fleisches der 0,5-2 -kg schweren Knollen hängt neben der Sorte, der Feuchtigkeit und dem -Boden, von der Sorgfalt der Bearbeitung ab. Namentlich muß das Feld von -Unkraut rein gehalten werden. Schon nach zwei Monaten sind die ersten -Knollen genießbar, nach fünf bis sechs Monaten haben die frühreifen -Sorten bereits ihre definitive Größe erreicht, die anderen werden -nach acht bis zwölf Monaten geerntet; länger darf man nicht warten, -da sonst die Knolle wieder austreibt. Die gleichfalls gut brauchbaren -Tochterknollen kann man aber schon vorher mit Vorsicht ausgraben, ohne -die Pflanze zu schädigen. Nur in Gegenden mit ausgeprägter Trockenzeit -welken die Blätter vollständig; man muß sich deshalb die Zeit des -Auspflanzens merken, um die Erntezeit nicht zu verpassen. Ein großer -Vorteil ist, daß die Knolle sich im Boden wenigstens einige Monate -hindurch hält, so daß man ernten kann je nach Bedarf; auch ist die Zahl -der Tochterknollen in gutem Boden eine sehr reiche, was die Vermehrung -sehr erleichtert. Nur einen Nachteil besitzt der Taro, daß er nämlich -in bezug auf Boden und Klima wählerisch ist und bedeutend weniger -Ertrag gibt als die meisten anderen, für den Anbau zur Verfügung -stehenden Knollengewächse. - -Außer dem Taro werden übrigens in Ostasien und Polynesien noch eine -Reihe anderer Aronsstabgewächse wegen ihrer mehlhaltigen Knollen -angebaut, so z. B. die 1 m hohe ~Alocasia macrorhiza~ mit noch größeren -Blättern, deren Knolle aber dem Taro an Güte nachsteht und zudem -einen außerordentlich scharfen, giftigen Saft enthält. Zur Entfernung -desselben muß sie lange eingeweicht und unter Erneuerung des Wassers -gekocht werden. Ferner werden in denselben Gegenden hier und da Arten -der Gattung ~Amorphophallus~ kultiviert, die aus einer mächtigen, oft -über 15 kg schweren Knolle nur ein einziges, bis 3 m hohes, riesiges, -mehrfach gelapptes Blatt erzeugen, nach dessen Absterben dann ein -ebenfalls sehr großer, kolbiger, mit dunkelvioletter Scheide umgebener -Blütenstand hervortreibt, der in der Vollblüte einen ekelhaften -Aasgeruch verbreitet. Die Schärfe der Knollen muß ebenfalls durch -mehrfaches Auswässern und längeres Kochen zerstört werden. In Japan -wird besonders ~Alocasia rivieri~ kultiviert, aus deren Knollen die -Japaner ein ~konniyak~ genanntes Stärkemehl gewinnen. Auf den Molukken -wird zuweilen die auch in wildem Zustande sehr gemeine ~Alocasia -campanulata~ gepflanzt. Andere Arten werden in Vorderindien und Afrika -benutzt, freilich aber nicht kultiviert. - -Den Taro vertreten im tropischen Amerika seit alter Zeit andere -Aronsstabgewächse der Gattung ~Xanthosoma~, die in Westindien +Taya+, -in Brasilien dagegen +Mangareto+ genannt werden. Wie der Maniok und -andere amerikanische Nutzpflanzen sind sie dann durch die Portugiesen -schon sehr früh nach Westafrika übergeführt worden, wo sie in manchen -Gegenden der Küste, z. B. in Kamerun, noch heute eine weit größere -Rolle spielen als der Taro. Von den asiatischen Arten unterscheiden -sich die Pflanzen leicht durch den milchigen Saft, während er beim Taro -durchsichtig ist. Die wichtigste Art ist ~Xanthosoma sagittifolium~, -die wegen ihrer weißen, ganz angenehm, wenn auch weniger gut als die -Kartoffel schmeckenden mehligen Knollen ~Mangareto branco~, d. h. -weiße Mangareto genannt wird. Die apfelgroße, als sehr schmackhaft -geltende Hauptknolle wird von einer Anzahl nur nußgroßer Tochterknollen -umgeben, die besser als die größeren schmecken. Die violette Taya hat -violette Blattstiele und grünviolette Blätter; eine andere Sorte wird -Bananentaya genannt. Die Touca besitzt viel kleinere und mehr graugrüne -Blätter; ihre besonders wohlschmeckenden Knollen sind innen gelb und -behalten die Farbe auch beim Kochen. Auch von diesen Pflanzen ißt man -die gekochten Blätter als Gemüse. - -Ein anderes amerikanisches Knollengewächs, das mühelos reiche -Ernten liefert, ist eine Kürbisart, die schon die Azteken in Mexiko -kultivierten. Sie nannten sie ~chayotli~, was „stacheliger Kürbis“ -heißt. Daraus wurde ihre heutige mexikanische Bezeichnung +Chayote+. -Ihre Verbreitung nach Westindien, wo sie +Chocho+ genannt wird, -wurde durch die Tatsache begünstigt, daß sie außer den mehlreichen -Wurzelknollen, die oft 10 kg schwer werden und äußerlich wie im -Geschmack der Yamswurzel gleichen, nur im frischen Zustande ein -bitteres, abführendes, durch Kochen in Wasser leicht zu beseitigendes -Prinzip enthalten, 10-15 cm lange, rauhhaarige, bleichgrüne oder -gelblichweiße Früchte liefern, welche große, eßbare Samen enthalten. -Letztere können roh kaum genossen werden, schmecken auch gekocht -recht fade, doch lassen sich aus ihnen durch Hinzufügen von Zucker -und Zitronensaft ausgezeichnete Marmeladen und Fruchtspeisen -herstellen. Sie vertragen auch gut den Export, nur muß man sich vor -Verletzung derselben hüten, da sie dann alsbald zu faulen beginnen. -Gute Sorten haben etwa Nußgeschmack und sind viel mehliger als der -Kürbis oder die Gurke. In Algier und auf Réunion hat man sie als -Gemüseobstpflanze eingeführt, auch findet man sie jetzt vielfach in -Ostindien angepflanzt. Wo sie sehr häufig ist, wie in Westindien, -dient die Frucht auch als Schweinefutter, aber wohl nirgends in so -ausgedehntem Maße wie in Jamaika, wo diese Pflanze eigens zum Zwecke -der Schweinemast angebaut wird. Die jungen, noch nicht beblätterten -Sprosse werden in Mexiko als Spargel gegessen und sollen ähnlich wie -dieser schmecken. In Paris und anderswo wird das leichte Fasergewebe -der Pflanze zur Herstellung von Damenhüten verwendet. Die Kultur -erfolgt wie bei einem gewöhnlichen Kürbis in sandiger Erde in Abständen -von 1 m in der einen und von 3 m in der andern Richtung durch Pflanzen -der der Frucht entnommenen Samen. Wenn nicht geduldet wird, daß das -Unkraut den Boden überwuchert, wachsen die Pflanzen außerordentlich -schnell und liefern noch in demselben Jahre eine Ernte ihrer großen, -grünen, stacheligen Früchte. Im nächsten Jahre kann eine Aberntung -von Wurzelknollen stattfinden; diese erzeugt nämlich Nachkommen, die -abgelöst werden können, ohne daß die Lebenstätigkeit der Pflanze -gestört wird. Zugleich kann abermals eine Ernte von Früchten -stattfinden. Diese Doppelernten können noch sechs bis sieben Jahre -wiederholt werden, wenigstens in Gegenden, wo kein Frost auftritt. Nach -Ablauf dieser Zeit ist aber die Pflanze erschöpft und muß durch Stecken -eines Sämlings neu gepflanzt werden. Da sie keinerlei Kulturarbeit -erfordert und sich innerhalb der heißen Zone leicht an Boden und Klima -anpaßt, verdient sie als äußerst nützliches Tropengewächs allgemeine -Beachtung und weitere Verbreitung. - -Das weitaus nützlichste Kulturgewächs aber, das der an Pflanzen -mit eßbaren Wurzelknollen so reiche Kontinent Amerika den Ländern -mit gemäßigtem Klima, so vor allem auch Europa schenkte, ist -die +Kartoffel+ (~Solanum tuberosum~). Bedenken wir, daß allein -Deutschland jährlich etwa 30 Milliarden kg Kartoffeln erzeugt und -zum weitaus größten Teil als Nährfrucht verbraucht, ferner daß in -diesem Lande ein volles Achtel des Ackerlandes auf den Anbau dieser -Knollenfrucht verwendet wird, so kann man schon daraus ermessen, welche -ungemein große Bedeutung dieser Amerikanerin allenthalben, wo Europäer -sich niedergelassen haben, zukommt. Sie stammt aus den gemäßigten -Gegenden des westlichen Südamerika, dem Gebiete der Anden von Chile -und Peru, und wurde daselbst seit ältester Zeit von den Eingeborenen -als Nahrungsmittel verwendet und im Laufe vieler Jahrhunderte durch -Kulturauslese zu der hochgezüchteten Knollenfrucht, wie sie den -Europäern bei der Entdeckung des Inkareiches entgegentrat, entwickelt. -Ihr Wert beruht ausschließlich in den stärkemehlreichen Knollen, die -keine Wurzelanschwellungen, sondern zu Reservestoffspeichern verdickte -unterirdische Stengel analog den Ausläufern der Erdbeerpflanze sind -und wie die übrigen Teile der Pflanze namentlich dicht unter der Haut -den Giftstoff Solanin enthalten, der allerdings bei den Kultursorten -ein sehr unbedeutender ist und leicht durch Kochen beseitigt wird. -Immerhin sind auch bei uns schon Vergiftungsfälle vorgekommen, so -namentlich, wenn zu junge, unzeitige Knollen mit der Schale gegessen -wurden. Die Blätter erzeugen das Stärkemehl, das in den unterirdischen, -verdickten Stengeln aufgespeichert wird. Im Gegensatz zu diesen blaß -bleibenden Trieben unter der Erde ergrünen die oberirdischen Triebe und -erzeugen außer den dunkelgrünen Blättern, welche mit Hilfe der Energie -der Sonnenstrahlen die Kohlensäure der Luft zerlegen, den Sauerstoff -ausatmen und den Kohlenstoff zurückbehalten, um ihn in Verbindung -mit den Bestandteilen des Wassers zum Aufbau der Stärkemehlkörnchen -zu verwenden, an ihrem Gipfel Dolden von weißen, rötlichen oder -violetten Blüten, je nachdem die Knollen weiße, rötliche oder -violette Schalen bilden. Die Frucht ist die bekannte grüne, zuweilen -weißliche, etwas über kirschgroße Beere, die viele Samen enthält. -Die Zucht aus Samen ist zur Bildung neuer Formen durch Kreuzung von -einer gewissen Bedeutung; doch wird sie für die Vermehrung der Pflanze -nicht verwendet, da die Knollen der daraus gezogenen Kartoffeln, wie -diejenigen der wild wachsenden Arten höchstens pflaumengroß werden. -Letztere sind erst durch langjährige Kultur dazu gebracht worden, viel -größere Knollen zu erzeugen, die man dann auf vegetativem Wege vermehrt. - -So wird die Kartoffel lediglich durch Knollen vermehrt, die, -sobald sie über eine bestimmte Größe hinausgehen, unbeschadet der -Wachstumsmöglichkeit in Stücke geschnitten werden können, an denen -dann die daran befindlichen Augen austreiben. Durch die Boden-, weniger -durch die Klimaverschiedenheit nimmt die Kartoffel unter auffallender -Vergrößerung mannigfaltigste Form, Farbe und Beschaffenheit an und -ändert sich der Ertrag und der Stärkemehlgehalt ihrer Knollen. Sie -gedeiht am besten in einem tiefgründigen, lockeren, etwas sandigen -Boden in warmer, sonniger Lage; in feuchtem Lehmboden oder in nassem -Moorboden verringert sich sowohl der Ertrag an Knollen, als auch ihr -Stärkemehlgehalt ganz bedeutend. Die Saatknollen wählt man im Herbst -aus und lagert sie sorgfältig. Im Frühjahr setzt man sie in Reihen. -Die Triebe entwickeln sich nun kranzförmig rings um die Mutterknolle -und werden in der Weise angehäufelt, daß in die Mitte derselben Erde -gebracht wird, so daß die unbedeckt bleibenden beblätterten Stengel -sich sternförmig nach außen niederbiegen und bei mehrmaligem Anhäufeln -ein flacher Erdhügel entsteht, in welchem sich die jungen Knollen -ausbilden. Die frühesten Sorten werden schon Mitte Juli reif, doch -erfolgt die Haupternte erst im September und Oktober, nachdem das -Kraut abgedorrt ist. Das Ausnehmen geschieht mit Hacke und Forke -(vom lateinischen ~furca~, Gabel), oder mit dem Pfluge. Die großen -Ansprüche, welche die Aussaat und die Ernte der Kartoffeln an die -menschliche Arbeitskraft stellen, haben neuerdings zur Erfindung -von besonderen Maschinen zum Legen und Ausgraben der Knollenfrüchte -geführt. Zur Erzielung gesunder und sehr großer Kartoffeln sollte jede -Saatknolle einen Wachsraum von 1 qm erhalten; doch begnügt man sich -meist mit einem bedeutend kleineren Raum. Durchschnittlich erntet man -pro Hektar 13000-18000 kg, doch können die Erträge unter günstigen -Umständen auf 20000-40000 steigen. Die Knollen sollen in trockenen, -kühlen Kellern aufbewahrt werden. Gleich nach der Ernte reifen sie -noch nach, wobei sie Kohlensäure abgeben und Wärme entwickeln, wie -alle Lebewesen überhaupt beim Lebensprozesse. Bald nimmt dann die -Lebenstätigkeit ab und ruht fast völlig, bis sie im Frühjahr neu -erwacht. Dies geschieht um so später, je kühler und trockener sie -lagern. Sie halten deshalb im Frühjahr auf einem luftigen Boden viel -länger ohne zu keimen als im Keller, und wenn sie auch einschrumpfen, -so werden sie durch Legen ins Wasser leicht wieder glatt. In den -austreibenden Keimen findet sich besonders der Giftstoff Solanin, -so daß diese sorgfältig vor dem Genusse der Knollen entfernt werden -müssen. Bis zum Frühjahr verlieren sie etwa 10-12 Prozent ihres -Gewichtes durch Atmung. Bei starken Kältegraden tritt ein Erfrieren -der Kartoffeln ein, wobei das Leben der Knollen getötet wird und sie -nach dem Auftauen infolge der Desorganisation sehr rasch faulen. Bei -geringen Kältegraden, schon bei +2-3° C., tritt ein Süßwerden der -Kartoffeln ein, was oft auch Erfrieren genannt wird. Die Ursache -liegt darin, daß bei derartigen Temperaturen die Knollen den aus -dem Stärkemehl sich bildenden Zucker nicht veratmen können und ihn -aufspeichern. Bewahrt man solche süßgewordene Kartoffeln mehrere Tage -bei Temperaturen von 10-16° C. auf, so verliert sich dieser unangenehme -Geschmack infolge Verbrennens des angesammelten Zuckers. Wird eine -Kartoffel gekocht, deren Reservevorrat noch intakt ist, dann quellen -die in ihr enthaltenen Stärkekörner durch Wasseraufnahme stark auf, -drücken mit großer Kraft gegen die Wände der Zellen, in denen sie -eingeschlossen sind, und bewirken dadurch, daß die Gänge und Spalten -zwischen den einzelnen Zellen und die Zellen selbst aufgerissen werden -bis zu ihrer völligen Trennung. Zu junge Knollen und solche, aus denen -im Frühjahr das Stärkemehl teilweise wieder verschwunden ist, indem -es zur Ernährung der austreibenden Knospen verwendet wurde, werden -begreiflicherweise nicht mehr „mehlig“. - -Die Kartoffel wird jetzt überall auf der bewohnten Erde kultiviert, -wo es ihr nicht zu warm oder zu kalt ist. In Europa geht sie bis zum -70° nördlicher Breite und in Deutschland bis zu 1000 m Meereshöhe; -im Kanton Bern findet sie sich noch bei 1400 m und im Kanton Wallis -am Simplon mit der Saubohne sogar bis zu 2000 m über Meer angebaut. -Die gegen 3000 kultivierten Spielarten werden nach der Form in -runde oder Lärchenkartoffeln, spitze oder Hornkartoffeln und lange -oder Nierenkartoffeln, nach der Reifezeit in frühe, mittelfrühe und -späte Kartoffeln, endlich nach der Verwendung in Speise-, Futter- -und Brennkartoffeln eingeteilt. Letztere werden vorzugsweise zur -Bereitung von Spiritus verwendet. Sie enthalten 9-25, im Mittel -18 Prozent Stärkemehl neben bloß 0,6-4,4, durchschnittlich 2,0 -Prozent Eiweißstoffen und rund 1 Prozent Gummi und Salzen, besonders -viel Kalisalzen. Indem nun diese Kalisalze nach dem Essen von -Kartoffeln ins Blut gelangen, entziehen sie der Chlornatrium-, d. -h. Kochsalzlösung des Blutes teilweise das Natron, das sich mit dem -Kali als dem stärkeren Alkali verbindet und als für den Körper nicht -weiter verwendbarer Stoff durch die Nieren ausgeschieden wird. Dieser -Kochsalzverlust muß nun durch Einnahme dieser Verbindung gedeckt -werden; deshalb schmeckt uns die Kartoffel nur mit Salz und mit -gesalzenen Speisen wie Heringen, die gleichzeitig das ihr fehlende -Eiweiß enthalten. Jedenfalls ist die Kartoffel weniger nahrhaft als das -Getreide, weil in ihr das Stärkemehl mit einer weit geringeren Menge -Eiweiß als in jenen verbunden ist. Unmöglich können wir mit ihr allein -auskommen, sondern müssen Fett durch Schmälzen und etwas Eiweiß in Form -von Hülsenfrüchten, Brot oder Fleisch dazu genießen. Dann ist sie eine -sehr gute Speise, die wir auch tatsächlich nicht mehr missen möchten. - -Diese Knollenfrucht wurde zuerst von den Indianern der chilenischen -Anden in Pflege genommen und nach und nach durch Kulturauslese zur -großknolligen, nahrhaften Nutzpflanze erhoben. Die noch jetzt zwar -nicht mehr auf dem Festlande, wohl aber auf der chilenischen Insel -Chiloe an steilen, felsigen, meist in der Nähe der Seeküste in -gemäßigter Lage wildwachsend angetroffene Kartoffelpflanze bringt nur -kleine, unschmackhafte, wässerige Knollen hervor und hat immer weiße, -und zwar im Gegensatz zur kultivierten, wohlriechende Blüten. Im alten -Kulturreiche der Inkas, das außer Peru auch Chile und Ekuador umfaßte, -wurde diese Nährfrucht, die, nach der Zahl der schon damals vorhandenen -Spielarten zu urteilen, schon seit Jahrtausenden in Kultur gestanden -haben muß, überall angepflanzt, als der vormalige Schweinehirt, dann -Soldat Francisco Pizarro mit einem Häuflein von Glücksrittern wie er -selbst, die Uneinigkeit im Hause der „Sonnensöhne“ klug benutzend, -durch Treulosigkeit, Verrat und unerhörte Grausamkeit das Land -im Jahre 1533 einnahm, um dann 1541 63jährig von seines Genossen -Almagros Sohn ermordet zu werden. Zuerst finden wir die Kartoffel in -einer im Jahre 1553 in Sevilla gedruckten Chronik Perus von Petrus -Ciça als trüffelartige Frucht erwähnt. Bald nach 1560 brachten die -Spanier sie in ihre Heimat nach Spanien, von wo aus sie nach Italien -gelangte. Hier nannte man sie nach ihrer Ähnlichkeit mit der Trüffel -~tartufulo~, d. h. Trüffel, woraus dann die Deutschen, als sie von -Italien her mit dem Knollengewächs bekannt wurden, ihre zu Anfang des -17. Jahrhunderts noch allgemein gebräuchliche Bezeichnung Tartuffel -bildeten, das später in Kartoffel umgeändert wurde. Der Erneuerer der -Botanik Clusius (eigentlich Charles de l’Ecluse, 1526 in Arras geboren, -war von 1573-1587 Hofbotaniker in Wien und von 1593 bis zu seinem 1609 -erfolgten Tode Professor der Pflanzenkunde in Leiden in Holland), -schreibt in seinem 1609 erschienenen Buch über ausländische Pflanzen, -dieses Knollengewächs sei in Italien sehr gemein; man genieße die als -~tartufoli~ bezeichneten Knollen wie die Rüben und den Pastinak zum -Fleisch, füttere aber damit vorzugsweise die Schweine. Die ersten -Kartoffeln erhielt jener Gelehrte zu Anfang des Jahres 1588 von einem -Freunde aus Belgien zugesandt. Damals war sie aber, durch die spanische -Herrschaft eingeführt, teilweise schon in Burgund in Kultur. - -Unabhängig von der Einführung durch die Spanier in die iberische -Halbinsel, von wo sie sich dann nach Italien und dem übrigen Südeuropa -verbreitete, gelangte die Kartoffel nach England. Und zwar herrschte im -18. und teilweise noch im 19. Jahrhundert bei den Gelehrten allgemein -die Ansicht, daß sie zuerst durch den Engländer Franz Drake nach -England eingeführt worden sei, von wo aus sie dann ihren Siegeszug -nach dem europäischen Kontinent angetreten habe. Deshalb wurde diesem -verdienten Manne 1853 ein Denkmal in der badischen Stadt Offenburg -gesetzt. Diese Annahme hat sich bei genauerer Untersuchung als durchaus -unrichtig erwiesen. Diesem Manne kommt nur das Verdienst zu, die -Batate oder süße Kartoffel nach Europa gebracht zu haben, wo es ihr -allerdings nur im Süden warm genug war, um zu gedeihen. So verbreitete -sie sich bald über die heißen Gegenden der Alten Welt, ohne den Völkern -Europas einen nennenswerten Nutzen zu bringen. Die Kartoffel dagegen -gelangte zuerst auf britisches Gebiet durch den Sklavenhändler Hawkins, -der sie bald nach 1565 aus Peru nach Irland brachte. Sie fand aber -in jenem Lande, das heute diese Knollenfrucht vor allen anderen der -Erde konsumiert, zunächst noch keine Beachtung. Im Jahre 1584 wurde -sie durch den Schiffskapitän Walter Raleigh aus Virginien abermals -nach Irland gebracht, wo er sie zunächst auf seinem Gute Yonghal -pflanzte; von dort aus kam sie nach Lancashire in England. Dann soll -Thomas Herriott 1586 ebenfalls Kartoffelknollen aus Virginien nach -England gebracht haben. Doch ist hierzu zu bemerken, daß die Kartoffel -in Virginien selbst im 16. Jahrhundert noch nicht kultiviert wurde, -sondern vermutlich auf dem Handelswege, wenn nicht durch Raub auf -einem Flibustierzuge in den Besitz der dort niedergelassenen Engländer -gelangte, um von diesen den Schiffskapitänen nach Europa mitgegeben -zu werden. Durch Franz Drake erhielt der Botaniker Gerard außer -Bataten auch einige Saatkartoffeln, die er 1596 in seinem Garten in -London anpflanzte. 1610 brachte Walter Raleigh abermals Kartoffeln aus -Nordamerika nach seiner Heimatinsel Irland. Hier aber fand sie immer -noch keine Aufnahme beim Volke, bis die Royal Society 1663 ihren Anbau -durch alle möglichen Mittel zu befördern suchte, um der hier infolge -von Mißernten des Getreides immer wieder auftretenden Hungersnot -zu steuern. Trotz allen Bemühungen von Privaten und gemeinnützigen -Gesellschaften, diese Nährfrucht im Lande einzuführen, wurde die -Kartoffel in England erst um die Mitte des 18. Jahrhunderts allgemeiner -bekannt. - -In Deutschland wurde die Kartoffel zuerst 1588 als Kuriosität in den -kaiserlichen Gärten von Frankfurt am Main und Wien durch den bereits -genannten Clusius unter der Bezeichnung ~Papas peruvianorum~ gepflanzt. -Erst der von einem Hugenotten aus Amiens in der Picardie stammende, -1560 in Basel geborene und hier 1624 als Stadtarzt und Professor für -Anatomie und Botanik verstorbene Kaspar Bauhin gab ihr im Jahre 1590 -den ihr bis auf den heutigen Tag verbliebenen wissenschaftlichen -Namen ~Solanum tuberosum~. In Frankreich kam die Kartoffel als große -ausländische Rarität 1616 auf die königliche Tafel, ein Jahr nachdem -der 1601 als Sohn Heinrichs IV. und der Maria von Medici geborene -Ludwig XIII. unter Vormundschaft seiner Mutter die Regierung seines -Reiches angetreten hatte, als sein Vater dem Anschlage des Mörders -Ravaillac erlegen war. Um 1630 scheint sie zuerst in Lothringen und -im Lyonnais angebaut worden zu sein; aber das ganze 16. Jahrhundert -hindurch wurde sie nur versuchsweise angepflanzt und spielte als -Nährmittel noch keinerlei Rollen. Noch unter Ludwig XIV. (1638 -geboren, regierte seit seines Vaters Tod am 14. Mai 1643, zuerst unter -Vormundschaft seiner Mutter Anna von Österreich und des Ministers Jules -Mazarin, dann nach des letzteren Tode 1661 selbständig bis zu seinem -1715 erfolgten Tode, sein Reich in völliger Zerrüttung hinterlassend) -war sie nur ein Leckerbissen der Vornehmen, von dem das gemeine Volk -nichts wissen mochte. Um sie nun bei der konservativ an ihrem Hirse- -und Haferbrei nebst Weizen- und Roggenbrot hängenden Landbevölkerung -einzuführen, soll ein findiger Apotheker folgende List angewandt -haben. Er versah mit Kartoffeln bestellte Felder mit Warnungstafeln, -auf denen allen, die es wagen sollten, die kostbaren Feldfrüchte zu -stehlen, empfindliche Strafen angedroht wurden. Durch diesen Kunstgriff -soll dann erzielt worden sein, was durch einfache Empfehlung nicht -erreicht werden konnte. Die Bauern der Umgegend stahlen die verbotene -Frucht und lernten sie so kennen. Der König -- es soll Ludwig XV. -gewesen sein --, die Königin und die Höflinge sollen sogar eine -Zeitlang die Kartoffelblüte im Knopfloche getragen haben, um diese -Knollenfrucht bei den Untertanen beliebt zu machen. Aber trotz allem -Liebeswerben beharrten die französischen Bauern bei der Ablehnung -der Kartoffel. Erst durch Parmentier, der sie in Deutschland kennen -gelernt hatte, fand sie bald nach 1770 zunächst im Osten des Landes -weitere Verbreitung. Als der Engländer Arthur Young kurz vor der großen -Revolution von 1791 das Land bereiste, war sie in weiten Gebieten, -namentlich in Westfrankreich, eine noch fast unbekannte Nährfrucht, -und unter hundert Bauern, meint er, hätten sich gewiß neunundneunzig -geweigert, sie auf irgendwelche Weise zubereitet auch nur in den Mund -zu nehmen. Hier wie anderswo trugen erst die Hungersnöte von 1793 und -1817 zur Überwindung des Vorurteils gegen die Amerikanerin das ihrige -bei, so daß sich die Bevölkerung nach und nach entschloß, sie bei sich -einzuführen. - -In Deutschland trugen die Nöte des Dreißigjährigen Krieges viel zur -Einführung der Kartoffel bei, so daß sie hier früher als in Frankreich -sich allgemeinerer Anerkennung erfreute. Schon um die Mitte des 17. -Jahrhunderts wurde sie in Baden, Franken, Sachsen, Braunschweig und -Westfalen gebaut. Friedrich II., der Große, der von 1740 bis 1786 -regierte, verbreitete durch Gewaltmaßregeln den Anbau der schon -1738 in Preußen eingeführten Kartoffel in Pommern und Schlesien. Im -Siebenjährigen Krieg, den er im Bunde mit England gegen Österreich, -Rußland, Frankreich, Schweden, Sachsen und die Mehrzahl der deutschen -Reichsstände von 1756-1763 führte, zeigte sich dann der Nutzen der -Einführung dieser Mehlfrucht, ohne welche die Not und das Elend im -Mißjahr 1770 noch viel größer geworden wären. Aber auch in Deutschland -begann erst nach Abschaffung der reinen Brache ums Jahr 1780 ihr -Anbau im großen. Als nach den Befreiungskriegen die wohlfeile Zeit -anbrach, begann man sie in umfangreichem Maße auch als Viehfutter und -zur Spiritusbrennerei zu verwenden. Um 1726 kam sie nach Schweden, um -1730 wurde sie bei Bern kultiviert und um 1760 war sie in den meisten -Ländern eine bekannte Frucht, die von 1770 an größere Verbreitung -in Böhmen und Ungarn fand. Nach Böhmen war sie von Brandenburg aus -gekommen, weshalb sie in jenem Lande heute noch Bramborg heißt. -Aber erst im 19. Jahrhundert wurde sie die beliebte und geradezu -unentbehrliche Speise, als welche sie uns heute entgegentritt. Auch -die russische Regierung wollte nicht zurückbleiben und ermunterte das -Volk zu deren Anbau durch das Aussetzen von Prämien. In Griechenland -verbreitete sich der Kartoffelbau erst, als der zum Könige des Landes -ernannte Prinz Otto von Bayern 1833 mit bayerischen Truppen in Nauplia -landete und die Verwaltung des Landes nach abendländischem Muster -organisierte. Die Engländer verpflanzten sie in alle ihre Kolonien; -schließlich fand sie auch im nördlichen China Aufnahme. Heute ist sie -über die ganze Kulturwelt verbreitet und schätzt man die Produktion in -Europa und den Vereinigten Staaten auf etwa 200 Milliarden kg, was eine -ganz respektable Zahl bedeutet. - -[Illustration: Bild 24 und 25. Der die Kartoffelkrankheit bewirkende -Pilz ~Phytophthora infestans~. - -~a~ ein von diesem Pilz befallenes Kartoffelblatt; ~b~ Schnitt -durch dasselbe mit den durch die Spaltöffnungen des Blattes zutage -tretenden Sporenbehälterträgern; ~c~ Reifer Sporenbehälter; ~d~ junger -Sporenbehälter mit sich zu Sporen teilenden Zellen; ~e~ freibewegliche -Sporen mit den die Bewegung vermittelnden Wimperfäden.] - -[Illustration: Bild 26. Der Koloradokäfer (~Doryphora decemlineata~). -~a~ erwachsener Käfer, ~b~ Eierhäufchen, ~c~ Larven in verschiedenen -Stadien, ~d~ Puppen.] - -Mit dem allgemeineren Anbau der Kartoffel stellten sich aber auch -verschiedene Krankheiten, wie sie mit Vorliebe die Kulturgewächse -heimsuchen, ein. So verursachte von 1845-1850 die von einem -Schmarotzerpilze aus der Familie der Peronosporeen (~Phytophthora -infestans~) hervorgerufene Kartoffelkrankheit verheerende Epidemien -in ganz Mitteleuropa. Vereinzelt war sie schon seit 1830, nach ihrer -Einschleppung aus Amerika, in Deutschland beobachtet worden, doch -erst seit dem regenreichen Sommer 1845, der zu ihrer Entwicklung sehr -günstig war, fand sie allgemeine Verbreitung. Seit dieser Zeit ist sie -nie mehr ganz verschwunden; doch ist die Wirkung des Pilzes offenbar -in den letzten Jahrzehnten eine schwächere geworden und verursacht -nur noch in sehr nassen Sommern größeren Schaden. Durch Infektion der -Knollen verursacht sie die Knollenfäule, die sich nur durch Verwendung -gesunder Knollen als Saatgut verhüten läßt. In neuerer Zeit hat man -mehrfach widerstandsfähigere Sorten mit dickeren Schalen gezüchtet, -die von der Krankheit weniger zu leiden haben. Von tierischen Feinden -schaden der Kartoffel namentlich Engerling, der Drahtwurm, die Raupen -der Nonne und Saateule, wie auch des Totenkopfes, endlich der nach -seiner Heimat, den Tälern des Koloradoflusses im nordamerikanischen -Felsengebirge, als Koloradokäfer bezeichnete Blattkäfer ~Doryphora -decemlineata~, der zuerst die Kartoffelernten der westlichen Staaten -Nordamerikas Jahre hindurch dermaßen vernichtete, daß man in vielen -Distrikten den Anbau der Kartoffeln ganz aufgab. Unaufhaltsam schritt -der Koloradokäfer seit 1859 nach dem Osten der Union vor, überall -permanente Kolonien gründend, und trat 1877 in der Nähe von Mühlheim -am Rhein und bei Torgau in Schlesien auf, ohne daß ermittelt werden -konnte, wie er dorthin gelangt war, obschon die meisten Staaten -Europas versucht hatten, durch ein im Frühjahr 1875 erlassenes Verbot -der Einfuhr amerikanischer Kartoffeln sich den lästigen Schmarotzer -vom Leibe zu halten. Dank dem sofortigen energischen Eingreifen der -preußischen Regierung vermochte die Gefahr in der Folge abgewendet zu -werden, wenn der Koloradokäfer auch 1888 nochmals bei Torgau, wo man -ihn vernichtet wähnte, in größerem Maße auftrat. - -Von anderen südamerikanischen Nachtschattenarten mit knolligen -Reservestoffspeichern ist noch die +Sumpfkartoffel+ (~Solanum -commersoni~) zu erwähnen, die in Argentinien und Uruguay heimisch -ist und am La Plata häufig neben der Kartoffel gezogen wird, da -sie mancherlei Vorzüge vor jener besitzt. Am besten gedeiht sie in -schwerem, nassem Lehmboden, wobei das gelbe, bisweilen grünliche -Fleisch seine ursprüngliche Bitterkeit mehr und mehr verliert. Als die -Europäer nach Südamerika vordrangen, war sie die in Brasilien, wo die -Kartoffel völlig unbekannt war, allein kultivierte Knollenfrucht aus -der Familie der Nachtschattengewächse. Später wurde sie hier durch die -eigentliche Kartoffel völlig zurückgedrängt. Auch in Europa hat sie -sich bis jetzt nicht einzubürgern vermocht. So werden besonders in -Frankreich fortgesetzt Versuche zu ihrer Akklimatisation gemacht, doch -hat es bis jetzt nicht glücken wollen, sie hier zur Reife zu bringen. -Im Jahre 1901 tauchte dort plötzlich in der Kultur des Gutsbesitzers -Labergerie in Verrières (Dep. Vienne) eine sehr ertragreiche und -gegen die gewöhnliche Kartoffelkrankheit widerstandsfähige Varietät -mit violettem Fruchtfleisch auf. Außerdem zeichnete sie sich dadurch -aus, daß sie auch in den Blattachseln sehr große Luftknollen erzeugte, -die bis 21 cm lang, 8 cm breit und 850 g schwer wurden. Fünf an einem -Bächlein gepflanzte Stöcke gaben 10 kg Knollen, ein anderer deren 2,5 -kg, darunter eine gegliederte Knolle von 1 kg Gewicht. Allerdings -zeigte diese vielversprechende violette Abart zahlreiche Rückschläge in -den gelben Urtypus. In Deutschland und Österreich waren die Ergebnisse -hauptsächlich wegen des Ausbleibens der Reife noch weniger günstige; -doch dürfte diese Kartoffel in einem warmen Klima vielversprechend -sein. Zudem ist sie leicht durch Kultur auf fruchtbarem Boden dahin zu -bringen, daß ihr Fruchtfleisch seine Bitterkeit verliert. - -Die Indianer der Anden von Peru und Bolivia, denen wir die für die -Kulturwelt so überaus wichtige Kartoffelkultur verdanken, bauen außer -der Kartoffel eine Reihe anderer Knollengewächse an, von denen dem -einen oder anderen vermutlich eine größere Zukunft beschieden sein -mag. Unter ihnen ist die von den Peruanern +Oca+ genannte ~Oxalis -tuberosa~ die wichtigste. Diese Verwandte des Sauerklees hat große, -gelbe, in langgestielten Dolden stehende Blüten mit am Rande gekerbten -Blumenblättern und je nach der Sorte längliche oder runde, bis 7 cm -lange, im allgemeinen unter Hühnereigröße bleibende außen weiße, gelbe, -rosafarbene oder rotviolette Knollen, die 10-12 Prozent Stärkemehl -enthalten, sich leicht kochen lassen und auch gut schmecken, aber -6-10 Tage der Sonnenwärme ausgesetzt werden müssen, um den ihnen -sonst innewohnenden säuerlichen Geschmack zu verlieren. Bei längerem -Aussetzen an die Sonne verlieren die Knollen einen Teil des Saftes und -bekommen einen deutlich süßen Geschmack. Durch Frost und Mazerieren -in stehendem Wasser bereiten sich die Peruaner eine Art Käse, Caya -genannt, der trotz seines ekelhaften, faulendem Fleisch ähnlichen -Geruches von den Eingeborenen sehr geschätzt wird. Die Vermehrung -geschieht durch Knollen, die man in Abständen von einem Meter einlegt; -die Ernte erfolgt im Herbst, wenn das Kraut durch Frost zerstört ist. -Die Knollen lassen sich an einem kühlen Ort oder in trockenem Sand gut -aufbewahren; auch kann man sie den Winter über in der Erde lassen. Ihre -Zubereitung geschieht wie bei der Kartoffel; meist werden sie geschält -und etwa 20 Minuten in Wasser gekocht mit Zusatz von etwas Soda, die -ihnen eine schöne Bernsteinfarbe gibt. Mit Pfeffer und Salz geben sie -ein angenehm schmeckendes, leicht verdauliches Gericht. Der Hauptvorzug -der Oca vor der Kartoffel besteht in ihrer Ergiebigkeit, die dadurch -außerordentlich gesteigert werden kann, daß man sie anhäufelt. Die -Blätter und Spitzen der Schößlinge können wie Sauerampfer als Gemüse -gekocht oder als Salat genossen werden. Sie ist seit längerer Zeit -in Mittelfrankreich eingeführt. Eine andere, aus Mexiko stammende -vielblätterige Sauerkleeart (~Oxalis esculenta~) hat rübenförmige -Knollen von 10-20 cm Länge und 2-5 cm Dicke. In Wasser mit Salz gekocht -sollen sie ähnlich wie gelbe Rüben schmecken; auch lassen sich die -Blüten als Salat und die Blätter wie Sauerampfer verwenden. Beide Arten -verdienen es, in den Bergregionen der Tropen angebaut zu werden. - -Auf der Hochebene der Anden Perus wird auch eine als +Maca+ bezeichnete -Art Kapuzinerkresse (~Tropaeolum tuberosum~) ihrer kastanienförmigen -Knollen wegen gepflanzt. Frisch soll sie wässerig und von fadem -Geschmack sein, doch wird sie von den Eingeborenen gerne gegessen -und deshalb viel angebaut. Ähnlich wie die Oca kann man auch sie -durch Besonnung und nachheriges Gefrierenlassen zum Süßwerden, zur -Einschrumpfung und zu jahrelanger Haltbarkeit bringen. Ebenso werden -in Chile die Knollen einiger Arten der Gattung ~Tropaeolum~ von den -Eingeborenen gegessen und teilweise angebaut. Wichtiger als diese ist -der +Ulluco+ (~Ullucus tuberosus~), eine Meldenart mit zarthäutigen, -je nach der Varietät außen weiß, rosa, rötlich, gelb, violett, innen -dagegen gelb bis grünlich gefärbten, länglichen oder runden Knollen, -die etwas kleiner sind als Kartoffeln. Die kletternden, überall Wurzeln -bildenden Stengel tragen langgestielte, herzförmige, glänzend-grüne, -dicke Blätter. Es gibt unter ihnen schlechtere und bessere Sorten; -letztere werden sehr gerühmt, schmecken aber in Wasser gekocht etwas -fade, weshalb man sie mit Pfeffer ißt. Auf solche Weise gewürzt munden -sie sehr und sollen an Güte den Ocas gleichkommen, sollen aber schwerer -verdaulich sein und sich frisch nur zwei Monate halten. Besonnt aber -und dem Frost ausgesetzt, sollen sie sich wie die vorigen über ein Jahr -aufbewahren lassen. Außerdem läßt sich das Kraut wie Spinat benutzen. -Die Ernte findet im Spätherbst statt, wenn das Kraut abgestorben ist, -und zwar ist die Ergiebigkeit eine ganz außerordentliche. So hat man -beispielsweise aus fünf ausgepflanzten Knollen in Gent und in Riga -nicht weniger als 2000 allerdings meist ziemlich kleine Knollen erzielt. - -In weit tieferen Lagen als die vorgenannten Knollengewächse gedeiht in -den Bergen von Venezuela und Kolumbien ein als +Arracacha+ bezeichnetes -Doldengewächs mit fast einem halben Meter langen, dreiteilig -gespaltenen Blättern und gelblichen oder dunkelvioletten Blüten. Die -Güte und der Nährwert der Knolle wird vielfach von den Reisenden -gerühmt. Sie wird wie die Kartoffel verwendet, auch Stärkemehl und ein -alkoholisches Getränk wird daraus gewonnen; doch wird die Pflanze kaum -je außerhalb ihrer Heimat angetroffen, da sie sich nicht sehr leicht -akklimatisiert. Eine dieser als ~Arracacia xanthorhiza~ genannten -Umbellifere nahe verwandte Art, ~Arracacia moschata~ wird in Mexiko -in ähnlicher Weise benutzt und ziemlich häufig angepflanzt. Auch sie -dürfte vor allen Dingen für solche Gebirgsgegenden in den Tropen in -Betracht kommen, wo die Kartoffel wegen zu großer Feuchtigkeit schlecht -gedeiht, während die vorher besprochenen Knollengewächse in besonders -hohen und trockenen Gebirgsgegenden der Tropen versucht werden sollten. - -Im östlichen Nordamerika dagegen ist ein anderes Knollengewächs -heimisch, das sich sehr wohl zum Anbau in kälteren Gegenden eignet -und auch in Mitteleuropa reiche Erträge liefert. Es ist dies der -+Erdapfel+ oder +Topinambur+ (~Helianthus tuberosus~), ein im Staate -Indiana wildwachsend gefundener Verwandter unserer Sonnenblume -(~Helianthus annuus~), der schon von den Indianern im Gebiet der -heutigen Vereinigten Staaten und von Kanada angepflanzt wurde. Er -hat einen 2,5-3,8 m hohen, blattreichen Stengel und gelbe, 8 bis 10 cm -im Durchmesser haltende Blütenköpfe, die bei uns nur in warmen -Herbsten zur Entwicklung gelangen. Zuerst kam er 1617 nach England -und ein Jahr später durch Lescarbot nach Frankreich, wo man ihn bald -darauf als ~topinambaux~ zu verkaufen anfing. Die Wilden aber nannten -ihn, wie letzterer Autor in seiner ~histoire de la nouvelle France~ -erzählt, ~chiqiuebi~. Der erste Europäer, der in Nordostamerika die -Bekanntschaft der ovalen, außen rötlichen, innen aber weißen, spitz -zulaufenden Knollen bei den Indianern machte, war der Engländer -Champlain, der im Jahre 1603 berichtet, daß die Eingeborenen diese -den Geschmack von Artischocken besitzenden Wurzeln anbauen. Auch der -Name Topinambur scheint aus der Sprache eines nordamerikanischen -Indianerstammes herzurühren. Die Pflanze gedeiht noch im schlechtesten -Boden und ist winterhart; ihr Ertrag kommt im allgemeinen demjenigen -der Kartoffel ziemlich nahe, dabei ist sie viel einfacher und billiger -zu pflanzen. In nahrhaftem Boden setzt eine Pflanze 4-5 kg sehr -nahrhafter, nach dem Kochen in Wasser angenehm süßlich schmeckender -Knollen an. Diese können im November geerntet und den Winter über in -trockenem Sand aufbewahrt werden; oder man kann sie auch im Boden -belassen und nach Bedarf herausnehmen, in welchem Falle sie mit Stroh -bedeckt werden, damit die Erde zur leichteren Entnahme frostfrei -bleibe. Trotz der großen Vorzüge hat die Pflanze, nachdem sie kurz nach -dem 1648 zu Ende gegangenen Dreißigjährigen Krieg nach Deutschland -eingeführt wurde, nur vorübergehend für den Menschen Bedeutung als -Nährpflanze erlangt und wurde im Laufe des 18. Jahrhunderts durch die -Kartoffel verdrängt. Noch dient sie in manchen Gegenden dem Menschen -zur Speise, doch wird sie bei uns fast nur noch als Viehfutter und zur -Spiritusgewinnung angepflanzt, obschon ihre Wurzelknollen einen sehr -angenehmen Artischockengeschmack besitzen und sehr nahrhaft sind. In -neuester Zeit bindet man den Flugsand mit Vorliebe mit Topinambur. - -Weit größere Bedeutung als er scheint eine andere nahe Verwandte -aus dem südlichen Nordamerika erlangen zu wollen. Es ist dies der -+~Helianthi~+, in seiner Heimat meist ~Salsifis~ genannt, ein -Kreuzungsprodukt von ~Helianthus doronicoides~ und ~decapetalus~, -das eine Pflanze von 3,5 m Höhe mit dunkelgrünem Laub und goldgelben -Blütenköpfchen darstellt. Das Kraut gibt ein vorzügliches Grünfutter -und die saftigen, verdickten Wurzeln bilden ein sehr schmackhaftes, -leichtverdauliches und dabei sehr nahrhaftes Gemüse, das mit der Zeit -noch große Bedeutung erlangen wird. Der Ertrag ist sehr bedeutend, -indem eine einzige Pflanze bis 9,5 kg Wurzelknollen ergibt. Ein -Hektar Land mit ~Helianthi~ bepflanzt bringt wenigstens 100000 kg -Knollen, also um die Hälfte mehr, als wenn die Fläche mit Kartoffeln -bepflanzt worden wäre. Man pflanzt ihn von November bis Ende April in -irgendwelchen gedüngten Boden. Ein einmaliges Behacken und Behäufeln -genügt. Gegen Mitte November beginnt die Ernte, sobald die Stengel -vertrocknet sind. Man kann aber auch die Knollen an Ort und Stelle im -Boden lassen, die Büschel abschneiden und die Oberfläche mit einer -guten Schicht Stroh bedecken, damit der Frost das Herausnehmen der -Knollen nicht erschwere. Die Pflanze widersteht der größten Hitze wie -der größten Kälte Nordamerikas und ist berufen, nicht als Ersatz der -Kartoffel, wohl aber als wichtiges, billiges Wintergemüse eine ungemein -bedeutende Rolle zu spielen. Sind die Knollen des ~Helianthi~ gegen das -Frühjahr hin geschrumpft, so genügt es, sie einige Stunden ins Wasser -zu legen, damit sie Aussehen und Geschmack von frischen erhalten. - -Dem östlichen Nordamerika, von Kanada bis Virginien, gehört eine dem -~Topinambur~ ähnliche Knollenwurzel von ~Apios tuberosa~ an. Dieselbe -soll wie Artischocken schmecken und wird stellenweise angepflanzt und -als Speise gegessen. Desgleichen finden ihre Samen Verwendung. Für die -Westküste Nordamerikas jenseits des Felsengebirges dient die mehlreiche -Wurzel von ~Lupinus littoralis~ denselben Zwecken. Am meisten wird -sie von den Bewohnern des Staates Kolumbia als Nahrung benutzt. Eine -dritte Leguminose, die +Batatenbohne+ (~Stizolobium tuberosum~) auf den -Antillen, zeichnet sich durch eine kindskopfgroße Knollenwurzel, eine -vierte, die +Rübenbohne+ (~Pachyrhizus angulatus~) auf den Philippinen -und Molukken, durch eine dicke, rübenartig schmeckende Wurzel aus. Sie -ist im ganzen tropischen Asien bekannt und wird teilweise angebaut. Von -der Batatenbohne dienen auch die Samen dem Menschen zur Nahrung. - -Im Orient werden die großen Zwiebeln von ~Crocus edulis~, zur Zeit, da -sie eben zu treiben beginnen, gern gegessen und kommen in Menge auf den -Markt. In ähnlicher Weise wird in der Türkei die Zwiebel des Safrans -roh oder gekocht verzehrt. Als Gemüsepflanze kommt für uns Europäer -neuerdings auch der in China und Japan heimische Knollenziest (~Stachys -tuberifera~) in Betracht, der ebenfalls sehr nahrhafte Wurzelknollen -bildet, die kastanienähnlich schmecken und sehr leicht verdaulich sind, -so daß sie sich besonders für Leute mit schwacher Verdauung eignen. -Die Pflanze wurde 1887 zuerst in Crosnes in Frankreich eingeführt, -gedeiht mit Leichtigkeit in einem durchlässigen, nahrhaften Boden und -leidet nicht durch Frost. Nach dem Absterben des Krautes können die -Knollen geerntet werden, doch läßt man sie gewöhnlich bis zum Gebrauch -im Boden, da sie sich außerhalb der Erde nicht lange halten. Ihr -Geschmack ist sehr fein; mit Vorliebe werden sie wie die vorigen mit -holländischer Sauce zubereitet. - -Berühmt durch äußersten Wohlgeschmack sind manche unterirdische -Knollenbildungen bei Pilzen. Von den in Europa wachsenden sind die -+Trüffeln+ die geschätztesten. Es sind dies die unter der Erde sich -bildenden fleischigen Fruchtkörper einiger Pilze aus der Familie der -Tuberazeen, deren als Mycel bezeichnetes feines Geflecht von weißen -Fäden sich spinnwebeartig im Waldboden ausbreitet und nach Art der -~Mykorrhiza~ in Symbiose mit den Wurzeln der verschiedensten Waldbäume -lebt. Vorzüglich gedeihen diese Pilze im humusreichen, kalkhaltigen -Boden um Eichen, Hain- und Rotbuchen, Kastanien und Haselnußsträucher. -Wird der Waldbestand abgeholzt, so verschwinden auch die Trüffeln; -wenn aber der Boden wieder mit Gehölz bewachsen ist, so erscheinen -sie alsbald aufs neue. Von den etwa 50 Arten in Europa ist die in den -Laubwäldern, besonders Eichenwaldungen, Südfrankreichs und Italiens, -selten auch in der Rheingegend vorkommende +schwarze Trüffel+ (~Tuber -melanosporum~) mit dunkelbrauner Oberfläche und schwärzlichen Adern -besser als die außen gleichgefärbte, innen aber mit schwärzlichgrauen -Adern durchzogene ~Tuber brumale~, die bis zu 1 kg schwer und dann über -faustgroß wird. Die meisten in den Handel kommenden Trüffeln haben -die Größe einer mittleren Kartoffel oder einer welschen Nuß, sind -kugelig und mit zahlreichen Wärzchen besetzt. Sie zeigen die Härte -einer Kartoffel und sind außen schwarzrötlich, innen dagegen hell- oder -dunkelviolett gefärbt. Am geschätztesten sind die von Périgueux in -Südfrankreich versandten sogenannten Périgordtrüffeln, die man durch zu -diesem Zwecke abgerichtete Hunde oder Schweine, die dem aromatischen -Geruch des Fruchtkörpers des Trüffelpilzes nachgehen und den Erdboden -an den Stellen, wo sich solche finden, aufzuwühlen beginnen, aufsucht. -Übrigens gibt es in Frankreich auch viele geübte Trüffelsucher, die -ohne weitere Hilfsmittel das Vorhandensein von Trüffeln an gewissen -Veränderungen, kleinen Spalten oder dergleichen, der Bodenoberfläche -erkennen. Sie liegen 2 bis 10 cm tief und geben den spezifischen -Geruch von sich, um allerlei Insekten und Würmer herbeizulocken, die -die winzigen Sporen, mit denen sie sich beim Fressen an der Trüffel -besudeln und die sie auch in ihrem Kote von sich geben, zu verbreiten -haben. - -[Illustration: Bild 27. Fruchtkörper einer Trüffel (~Tuber rufum~), -schwach vergrößert. Im Innern dunkle Scheidewände, an denen die -Sporenmasse ausreift.] - -Bei der in Südfrankreich betriebenen Trüffelkultur handelt es sich -nicht um die Aufzucht aus den Sporen, die bis vor kurzem nicht gelingen -wollte, sondern um Verbreitung und reichlichere Entwicklung bereits -im Boden befindlicher Mycelien durch die von ihnen bewohnten Wurzeln -lebender Bäume, besonders Eichen. Bei Aufzucht von solchen Sämlingen -aus Trüffelrevieren lassen sich schon nach zehn Jahren reichliche -Trüffelernten gewinnen. Erst in jüngster Zeit hat man regelrechte -Trüffelkulturen zustande gebracht, indem man die in Laboratorien -zum Keimen gebrachten Sporen der Trüffel mit Rübenschnitzeln oder -zerkleinerten Eicheln vermischte und die darin erzielten Mycelien, -d. h. Pilzfäden, mit der Beigabe von Rüben oder Eicheln in jungen -Eichenwäldern sorgfältig in den Boden eingrub, damit der Pilz die -Symbiose mit dem Wurzelgeflecht der Bäume eingehe. Solche Kulturen -lassen schon nach 4 bis 5 Jahren die erste ausgiebige Trüffelernte -gewinnen. Der französische Trüffelhandel datiert seit dem Jahre -1770 und erstreckt sich jetzt nicht bloß über Süd-, sondern auch -Mittelfrankreich. Am meisten dieses von den Feinschmeckern überaus -hochgeschätzten Leckerbissens erzeugt die Provence. Besonders berühmt -sind die Trüffelkulturen am Fuße des Mont Ventoux im Departement -Vaucluse, der bei allen Gebildeten durch die Schilderung bekannt ist, -die der berühmte italienische Dichter Francesco Petrarca von seiner im -Jahre 1336 mit seinem Bruder Gerardo unter großen Schwierigkeiten und -ohne Führer unternommenen Besteigung gab, als die Freude an pittoresker -Naturbetrachtung zum erstenmal bei den Menschen des Abendlandes zum -Durchbruch gelangte. Die Abhänge dieses Berges wurden seit 1858 neu -mit Eichen aufgeforstet, die nun eine reiche Trüffelernte abwerfen. -Seither kommt in der Stadt Apt im Departement Vaucluse jeden Winter -eine Trüffelernte von 15000 kg zu Markt. Der Ertrag dieser Knollenart -für ganz Frankreich läßt sich auch nicht annähernd abschätzen, doch -muß er ein ganz gewaltiger sein, wenn man bedenkt, daß die Ausfuhr -dieses Landes sich auf mehr als 1,5 Millionen kg im Werte von etwa 35 -Millionen Franken jährlich beziffert. - -[Illustration: Bild 28. Das Innere der Trüffel, sehr stark vergrößert. -Das Pilzmyzel endet in Fruchtschläuchen (~asci~), in denen je vier mit -stacheliger Hülle umgebene Sporen sich befinden. (Nach Tulasne.)] - -Das Trüffelsammeln, das heute berufsmäßig betrieben wird, war früher -ein Sport, dem viele große Herren mit Leidenschaft oblagen. Damals -beherrschten die vornehmen Dilettanten das Feld, das heute einen -lohnenden Beruf für viele bildet. Der Herzog Victor Amadeus II. -von Savoyen (1675-1730), der im Frieden von Utrecht 1713 außer dem -Königstitel die Insel Sizilien bekam, die er dann 1720 gegen die -Insel Sardinien vertauschte, hatte eine besondere Vorliebe für die -Trüffel„jagd“, wie sie von den Franzosen gern genannt wird. Sein -Sohn Karl Amadeus III., der von 1730 bis 1773 das Land regierte, -teilte diese Vorliebe und hielt sich ganze Meuten von Trüffelhunden -und erfahrenen Jagdgehilfen, mit denen er alljährlich mehrmals große -Trüffeljagden abhielt. Mit Vorliebe wurden solche den Gästen zu Ehren -abgehalten. Auch der Herzog von Cumberland war ein passionierter -Trüffeljäger, gleich Ludwig XV. und vielen deutschen und polnischen -Königen. Zu diesem Zwecke wurden an den Höfen des 18. Jahrhunderts -stets sorgfältig abgerichtete Trüffelhunde gehalten, deren erste -Exemplare ums Jahr 1720 von Burgund nach Deutschland kamen. - -In Deutschland kommt die schwarze Trüffel nur im wärmeren Südwesten, -besonders im Rheintal vor. Hier könnte sie mit Erfolg gezüchtet werden, -wodurch viel deutsches Geld, das für französische Trüffeln außer Land -geht, im Lande behalten werden könnte. Außer den beiden genannten -berühmtesten Trüffelarten werden aber noch verschiedene andere -gegessen, so die +weiße italienische Trüffel+ (~Tuber magnatum~) mit -hellbrauner, glatter Oberfläche und starkem knoblauchartigem Geruch, -dann ~Tuber aestivum~ und ~T. mesentericum~, deren Fruchtfleisch mit -hellbraunen Adern durchzogen ist, ferner die sogenannte +Holztrüffel+ -(~Tuber excavatum~ und ~T. rufum~), die alle am häufigsten in -Frankreich und in Italien, doch auch stellenweise in Deutschland -vorkommen. Eine der wichtigsten Arten für letzteres Land ist die -sogenannte +weiße deutsche Trüffel+ (~Choiromyces maeandriformis~) mit -etwa faustgroßen, außen blaßbraunen, innen weißen, mit wenigen dunkeln -Adern durchzogenen Knollen. Sie findet sich besonders in Schlesien -und Böhmen, außerdem in Oberitalien und England. Volkswirtschaftlich -von großer Bedeutung sind zwei in den Mittelmeerländern vorkommende -Arten, ~Terfezia leonis~ und ~T. boudieri~, die schon von den Römern -sehr geschätzt wurden und von ihnen in großer Menge aus Nordafrika und -später auch aus Syrien bezogen wurden. Hier überall schmarotzen diese -Pilze an den Wurzeln von Helianthemumarten. Von der nordafrikanischen -Bezeichnung ~terfez~ für sie ist nicht nur die wissenschaftliche -Bezeichnung ~Terfezia~, sondern wahrscheinlich auch die italienische -Benennung ~tartufi~ und daraus unser Trüffel wie auch Kartoffel (aus -dem Italienischen ~tartufoli~) abzuleiten. Diese Trüffelarten besitzen -ein sehr angenehmes Aroma und galten bei den Alten wie alle Trüffeln -überhaupt als die Sinnlichkeit anregendes Mittel. Sie wurden damals -schon gebraten oder mit Rotwein gekocht und mit Olivenöl genossen, -auch als Bestandteil von Pasteten, oder als Zusatz zu Fleischspeisen, -Brühen, Suppen usw. verwendet. An den Rändern der Sahara kommen -diese letztgenannten Arten in solchen Mengen vor und werden von -der Eingeborenenbevölkerung, besonders in Algerien, in derartigen -Quantitäten gesammelt, daß sie für jene fast ebenso wichtig ist als die -Kartoffeln für uns. Die Trüffeln müssen in luftigen Räumen aufbewahrt -werden und kommen in Fässern verpackt oder als Konserven oder in Wein -gekocht und dann in Öl eingemacht in den Handel. Frische Trüffeln -halten sich im Erd- oder Sandbett in guten Kellern bis 14 Tage und -länger. - -Den Trüffeln schließen sich naturgemäß, obschon sie keine -unterirdischen Knollen, sondern oberirdische Fruchtkörper in Form -von Hüten bilden, die verschiedenen andern +eßbaren Pilze+ an, die -im Gegensatz zum grünen Gemüse verhältnismäßig sehr reich an Eiweiß -sind, so daß man sie mit Recht als das Fleisch des Waldes bezeichnet -hat. Durch ihre Schmackhaftigkeit und ihr angenehmes Aroma haben sie -von jeher ihre Liebhaber besonders bei den Feinschmeckern gefunden, -wenn sich auch die große Menge des Volkes, aus Angst sich zu vergiften, -bis jetzt, sehr mit Unrecht, ablehnend dagegen verhielt; denn es -sind an wirklich giftigen Pilzen noch sehr wenig Menschen gestorben. -Diejenigen, die davon krank wurden, wurden es dadurch, daß sie im -Übermaß alte, bereits in Zersetzung übergegangene Pilze aßen. Solche -nachteilige Folgen können aber auch von andern überständigen und in zu -großen Mengen gegessenen Speisen hervorgerufen werden. - -Die Pilze verdienen es in der Tat, ein Volksnahrungsmittel zu werden, -da sie nicht nur herrlich schmecken, sondern auch recht nahrhaft sind. -Wenn sie auch zu neun Zehnteln aus Wasser bestehen, so ist doch ein -Viertel des verbleibenden Restes für den Menschen ausnutzbares Eiweiß, -so daß sie bei den steigenden Lebensmittelpreisen und der zunehmenden -Fleischteuerung gerade für die weniger Bemittelten einen willkommenen -Ersatz des Fleisches bilden. 1 kg frische Pilze enthält etwa ebensoviel -ausnutzbares Eiweiß als 100 g frisches Fleisch. Und zwar sind junge -Pilze nach den Untersuchungen von Kohlrausch und Lösecke eiweißreicher -als alte. So beträgt der Eiweißgehalt des getrockneten Hutes junger -Pilze nach Margiewicz beim Steinpilz 44,99 Prozent, beim Birkenröhrling -43,90, beim Rothautröhrling 40,91, beim Butterröhrling 40,74, beim -Filzröhrling 39,85, beim echten Reizker 38,12, beim Hallimasch 28,16, -beim echten Gelbling 27,77 Prozent. Zudem besitzen sie außer etwas -Fett und Kohlehydraten einen reichen Gehalt an Nährsalzen, besonders -phosphorsauren und Kaliverbindungen, so beim getrockneten Steinpilz, -als dem nährsalzreichsten, 19 Prozent, während im besten Ochsenfleisch -nur 17 Prozent davon enthalten sind. In frischem Zustande beträgt der -Nährsalzgehalt durchschnittlich ½-2 Prozent. Auf die Trockensubstanz -berechnet enthält an Nährsalzen der Steinpilz also 19 Prozent, der -Pflaumenrößling 15, der Nelkenschwindling 10,75, die Spitzmorchel 9,0, -der echte Gelbling 8,19, der Butterröhrling 6,38, der Traubenziegenbart -6,23, der Kuhröhrling 6,0, das Schafeuter 2,8 Prozent. Bei diesem -Nährwert lohnt es sich schon der Mühe, die zahlreichen eßbaren Pilze, -die der Wald umsonst bietet, und die der Mensch aus Unkenntnis -und Trägheit darin verfaulen läßt, zu sammeln, wobei das Suchen -dieser Pflanzen an sich schon Körper und Geist günstig beeinflußt. -Welche Freude bietet nicht eine solche Exkursion für alt und jung, -welcher Jubel schallt da nicht durch Wald und Feld, wenn sich die -verschiedensten Pilze an den dem Kenner wohlbekannten Standorten -finden, und wie schmecken zu Hause diese Schwämme, die man selbst -gesucht hat, weit besser als Markthallenware! Zudem lassen sie sich -durch Trocknen oder Sterilisieren oder Einmachen in Essig konservieren -und so jederzeit als schmackhafte Würze und Beilage verwenden. Um die -eßbaren von den giftigen Pilzen zu unterscheiden, gibt es zahlreiche -Pilzbüchlein mit schön kolorierten Tafeln, unter denen das vom -Kaiserlichen Gesundheitsamte in Berlin herausgegebene Pilzmerkblatt, -das zur Orientierung vollkommen genügt, schon für 10 Pfennige zu haben -ist. Hauptsächlich sollte es die Schule übernehmen, auf Ausflügen die -Jugend mit den eßbaren und nichteßbaren Pilzen bekanntzumachen. So -würde die übertriebene Furcht vor giftigen Pilzen durch Aufklärung -weiterer Volksmassen am ehesten zu beheben sein; denn es gibt -glücklicherweise nur verhältnismäßig wenig giftige Pilze, und diese -sind zudem von der Natur als solche deutlich gekennzeichnet, so daß man -sie mit einiger Übung leicht und untrüglich als solche herausfinden -kann. Die Hauptsache aber bleibt stets, daß die Pilze frisch und in -mehr jugendlichem Zustande gepflückt als Speise verwendet werden, -da alte, verdorbene Exemplare von eßbaren Sorten vielfach ebenso -schädlich als die eigentlich giftigen sind. Fast alle Pilzvergiftungen -lassen sich darauf zurückführen, daß solche verdorbene Pilze verspeist -wurden. Und wer im Volke sie nicht selbst essen mag, der sammle und -verkaufe sie und kaufe sich mit dem daraus erworbenen Gelde eine -ihm besser zusagende Speise. Die Armen ernähren sich auch nicht mit -Erdbeerschnitten, obgleich die Erdbeeren im Walde umsonst zu haben sind. - - Tafel 53. - -[Illustration: Champignonkultur der Konservenfabrik ~Amieux frères~ in -unterirdischen Gewölben bei Paris. - -Champignonernte für ~Amieux frères~ in Paris.] - - Tafel 54. - -[Illustration: Verarbeitung von Champignons in der Konservenfabrik -~Amieux frères~ in Paris.] - -Der geschätzteste der eßbaren Hutpilze und der einzige unter -ihnen, der im großen Maßstabe künstlich gezüchtet wird, ist der -+Feldblätterschwamm+ oder +Brachpilz+ (~Agaricus campestris~), besser -unter dem französischen Namen +Champignon+ bekannt. Er findet sich -vom Mai bis Oktober auf sandigen Waldwiesen und auf Weideplätzen, in -gedüngten Feldern und Obstgärten, in Weingärten und an Waldrändern in -Europa, Asien, Nordamerika und Nordafrika und bildet bis 10 cm breite, -weiße bis bräunliche fleischige Hüte. Eine besonders aromatische -Varietät wird vielfach in Kellern und andern dunkeln Räumen mit -möglichst gleichmäßiger Temperatur gezogen. Bei der Anlage solcher -Kulturen bringt man nicht zu alte käufliche Champignonbrutziegel aus -Pferde- und Kuhmist mit etwas Gartenerde, die mit den Myzelien des -Brachpilzes durchwachsen sind, in Beete von frischem, strohfreiem, -durch vorherige Behandlung nicht mehr gärungsfähigem Pferdemist, -die nach 3-4 Wochen etwa 3 cm hoch mit lockerer, sandiger Erde bedeckt -werden. Die Brutbeete werden durch öfteres Begießen feucht gehalten. -Dabei durchwuchert das Pilzfadengeflecht rasch das gesamte Nährsubstrat -und schreitet dann, nachdem es ihm seine Nährstoffe entzogen hat, zur -Bildung der Fruchtkörper. Wenn letztere nach 7-8 Wochen hervorbrechen, -werden sie, bevor sich der Hut zu sehr in die Breite entwickelt hat, -an der Stielbasis mit einem Messer abgeschnitten und auf den Markt -gebracht. Läßt der Ertrag nach einigen Wochen nach, so werden neue -Beete angelegt. Besonders um Paris herum wird die Champignonkultur -in den zahllosen unterirdischen Steinbrüchen mit ihrer gleichmäßigen -Wärme im großen betrieben und bildet für zahllose einfache Leute eine -lohnende Beschäftigung, die auch in Deutschland mit aller Energie -betrieben werden sollte; denn dieser vortreffliche Speisepilz wird in -der feinen Küche sehr viel verwendet und der aus ihm bereitete Extrakt -bildet ein vorzügliches Würzmittel für Suppen und Saucen. Schon die -römischen Feinschmecker schätzten seinen delikaten Geschmack sehr und -Kaiser Nero, dem es gewiß nicht an guten Bissen fehlte, soll ihn sogar -als Götterspeise bezeichnet haben. Bis in unsere Zeit gab es Gourmets, -besonders französische, die diesen beliebten Pilz gern eigenhändig -sammelten und zubereiteten. Franzosen waren es auch, die den Champignon -in deutsche Küchen einführten, namentlich vornehme Emigranten, die, -auf den Broterwerb angewiesen, sich in der Fremde nicht selten der -in ihrer Heimat hochkultivierten Kochkunst widmeten und dadurch -mitunter ein Vermögen erwarben. Die einfachste Art der Zubereitung -ist, ihn in frischer Butter zu dünsten und mit ein wenig Zitronensaft -zu beträufeln. Manche Leute behaupten, daß sein Aroma angenehmer -hervortrete, wenn man statt Butter Ochsenmark verwende. Auch in -Ausbackteig gebacken schmeckt er nicht übel, und wohl kaum ein anderer -Pilz findet so viel Verwendung wie er zu Saucen, Ragouts und Frikassees. - -Neben dem Champignon wird der +Steinpilz+ (~Boletus edulis~), in -Frankreich ~cèpe~ genannt, sehr geschätzt und kommt getrocknet in -Schnitzen und als Ölkonserve in den Handel. Ihn durch Aussäen von -Sporen auf Stellen im Walde zu übertragen, wo er bisher fehlte, ist -nicht gelungen, wohl aber bei der +Nußkraterelle+ (~Craterellus -nucleatus~), die im Aroma nur der Perigordtrüffel nachsteht. In Japan -wird ein außerordentlich schmackhafter Pilz (~Agaricus shitake~) in -großen Massen gezüchtet, indem seine Kultur für ganze Distrikte des -japanischen Waldes die einzige Art der Forstbenutzung bildet. Nach -dem Laubfall werden jüngere Stämme und armdicke Äste verschiedener -Laubholzarten gefällt, etwa 100 Tage im Walde liegen gelassen und -dann in meterlange Stöcke zersägt, die mit tiefen Einschnitten -versehen werden. Die an den Pilzkulturplätzen stets gegenwärtigen -Sporen des Schitakepilzes nisten sich in diese Wundstellen ein, das -sich entwickelnde Pilzmyzel verwandelt das Holz in eine weißliche, -brüchige Masse und schon im Herbst des ersten Jahres, besonders aber -im zweiten und in den folgenden vier Jahren nach der Infektion brechen -teils aus der Rinde, teils aus der Schnittwunde die Pilze hervor, -die merkwürdigerweise je größer, desto besser und teuerer sind. -Prof. Mayr hat versucht, den Schitakepilz bei uns einzuführen. Dabei -zeigte es sich, daß Buche, Hainbuche und Birke sich am besten zur -Aufzucht desselben eignen, daß jedoch die jungen Kulturen sehr unter -den einheimischen Pilzen, die sich an denselben Stellen ansiedeln, -und unter Schneckenfraß zu leiden haben. Doch sollen die Versuche -fortgesetzt werden. Jedenfalls wäre der Pilz geeignet, im Regenwalde -der tropischen und subtropischen Kolonien am Holze der wertlosen -Baumarten, die doch nur das Wachstum der wertvollen behindern, -gezüchtet zu werden. - -Schon die Römer der Kaiserzeit schätzten die Trüffel, die sie ~tuber~ -nannten, wie auch die verschiedenen anderen Speisepilze. Am höchsten -stand in ihrer Wertschätzung der in den Wäldern von ganz Italien -heimische und heute noch beim Volke als Speise beliebte +Kaiserling+ -(~Agaricus caesareus~), den sie ~boletus~ nannten. Er sieht dem -Fliegenschwamm ähnlich, weshalb verhängnisvolle Verwechslungen -vorkommen können. Plinius schreibt in seiner Naturgeschichte, daß er, -wie auch die +Steinpilze+ (~suillus~), zu seiner Zeit bei den Vornehmen -in Mode kam. Beide wachsen um die Wurzeln von Eichen, und zwar wachsen -die besten an denen der Stieleiche; „die unter Steineichen, Zypressen -und Pinien aber sind schädlich. Man ißt sie auf gut Glück und sie -bilden jedenfalls eine vortreffliche Speise, doch sind sie auch schon -zu entsetzlichen Verbrechen benutzt worden. So ist der Kaiser Tiberius -Claudius durch Gift ums Leben gekommen, das seine (zweite) Gemahlin -Agrippina unter ein Gericht Kaiserschwämme gemischt hatte.“ Der -Geschichtschreiber Suetonius (70-140 n. Chr.), der Geheimschreiber des -Kaisers Hadrian, sagt in seiner Biographie des 52 n. Chr. erst 43 Jahre -alt vergifteten Kaisers Claudius, dieser sei sehr gierig nach diesen -Schwämmen gewesen. Und in der Biographie Neros bemerkt er dazu: „Wenn -auch Kaiser Nero nicht an der Vergiftung seines Stiefvaters Claudius -geradezu schuld gewesen ist, so hat er doch jedenfalls darum gewußt: -Das leugnete er auch gar nicht und nannte die Kaiserlinge (~boletus~) --- denn in diesen war das Gift dem Claudius beigebracht worden -- eine -Speise für Götter.“ Und derselbe Autor sagt in seiner Biographie des -Tiberius: „Kaiser Tiberius gab dem Asellius Sabinus 200000 Sesterzien -(etwa 30000 Mark) für einen Dialog, worin der Kaiserling, die -Feigendrossel, die gewöhnliche Drossel und die Auster (als die feinsten -Leckerbissen) um den Vorrang stritten.“ Der Satiriker Martial (40-120 -n. Chr.) erwähnt in seinen Gedichten öfter den Kaiserling. In einem -Epigramm sagt er: „Ich begreife wahrhaftig nicht, Poeticus, wie du mich -zu Tische laden und dabei so grob sein kannst, mir Mießmuscheln, an -denen ich mir die Lippen zerschneide, Steinpilze (~suillus~), die für -die Schweine gehören, und eine im Käfig krepierte Elster vorzusetzen, -während du deinen Bauch mit gemästeten Austern, Kaiserlingen und zarten -Turteltauben anfüllst.“ In einem andern ruft er aus: „Bist du denn -verrückt, Caecilianus, daß du dich allein hinsetzest und Kaiserlinge -vor aller Welt issest (ohne mich zu solchem Mahle einzuladen)? -- Du -bist ein gefräßiges Leckermaul und ich wünsche dir einen Kaiserling in -den Hals, wie ihn Kaiser Claudius gegessen hat.“ Und in einem seiner -Xenien meint er von einem Schlemmer: „Silber, Gold und kostbare Kleider -entbehrt das Leckermaul leicht, aber Kaiserlinge wahrhaftig nicht.“ - -Der griechische Arzt Claudios Galenos (131-200 n. Chr.) bezeichnet -in seiner Schrift über die Eigenschaften der Nahrungsmittel die -Kaiserlinge, die auf allerlei Weise gewürzt gegessen werden, als -geschmacklos, aber jedenfalls als die unschädlichste Sorte Pilze: -„Nach ihnen folgen dem Range nach die +Champignons+ (~amanítai~). -Der Sicherheit wegen sollte man andere Pilze gar nicht anrühren, -denn es sind schon viele Leute durch sie vergiftet worden. Ich kenne -sogar jemand, der nach dem reichlichen Genuß nicht gehörig gekochter -Kaiserlinge (~bōlítēs~), die doch für ganz unschädlich gelten, schwere -Zufälle, Ohnmacht und kalten Schweiß bekam, und sich nicht eher -erholte, als bis er die Schwämme ausgespien hatte.“ Plinius empfiehlt -an dritter Stelle die +Steinpilze+ (~Boletus edulis~), von den Römern -~suillus~, d. h. Schweinepilz genannt. „Diese aber“, fährt er fort, -„werden am leichtesten zu Vergiftungsversuchen gebraucht. So sind vor -kurzer Zeit ganze Familien und ganze Tischgesellschaften damit ums -Leben gekommen, so Annaeus Serenus, Oberst bei der Garde Neros, so -Tribunen und Zenturionen. Wie ist es möglich, daß jemand sich nach -einer so gefährlichen Speise kann gelüsten lassen? - -Manche haben die Pilze nach den Bäumen, bei denen sie wachsen, als -eßbar oder giftig unterscheiden wollen; aber diese Unterscheidung kann -denen nicht helfen, die von fremden Leuten gesammelte Pilze kaufen. -Alle giftigen Pilze sehen bläulich aus, und sie sind für um so giftiger -zu halten, je ähnlicher der Saft des Baumes, bei dem er gewachsen, dem -des Feigenbaumes (also milchig) ist. - -In manchen Fällen können Pilze auch als Heilmittel gebraucht werden. So -hält Glaucias die Kaiserlinge für magenstärkend. Die Steinpilze werden, -mit einer Binse durchstochen, aufgehängt und getrocknet; so kommen sie -von Bithynien aus in den Handel. Sie werden gegessen um rheumatische -Entzündungen des Unterleibs zu heilen, dienen auch äußerlich gegen -Fehler der Haut. - -Ich will ferner noch einige allgemeine Bemerkungen über die -Zubereitung der Pilze geben, weil sie der einzige Leckerbissen sind, -den die vornehmen Leute eigenhändig zubereiten, wobei sie im voraus -in Erwartung des bevorstehenden Genusses ganz selig sind, und die -Pilze mit Elektron- (Silber und Gold gemischt) oder Silbermessern -zerschneiden. - -Schädlich sind diejenigen Pilze, die beim Kochen härter werden; -solche werden unschädlich, wenn man sie mit Zusatz von Soda tüchtig -durchkocht. Auch dadurch schützt man sich vor Vergiftung durch sie, daß -man sie mit Fleisch oder mit Birnenstielen kocht. Auch Birnen, welche -gleich nach den Pilzen gegessen werden, sind nützlich; ferner ist Essig -ein Mittel, das ihrem Gifte entgegenwirkt.“ - -Der Arzt Galenos rät gegen Pilzvergiftung Wermut oder Raute mit Essig -zu trinken und fährt fort: „Asklepiades gibt bei Pilzvergiftung rohen -Rettich in Menge zu essen und ungemischten Wein dazu zu trinken. -Ich aber habe in Mysien einen Mann kennen gelernt, der denjenigen, -die an Pilzvergiftung litten, Hühnermist eingab, und ich habe dann -selbst Versuche mit diesem Mittel angestellt, indem ich den Mist -fein zerrieb und in mit Wasser oder Honig gemischten Essig tat. -Die Patienten bekamen alsbald, nachdem sie die Mischung getrunken -hatten, Erbrechen und genasen sodann. Dabei ist zu beachten, daß der -Mist von freigehenden Hühnern weit wirksamer ist als derjenige von -eingesperrten.“ - -Auch die Trüffeln fanden bei den alten Griechen und Römern ihre -Liebhaber. So sagt Plinius von den Trüffeln (~tuber~), die Martial -in einem Epigramm an Wohlgeschmack nur den Kaiserlingen nachstehen -läßt: „Sie sollen nach heftigen, im Herbst eintretenden Regengüssen -und Gewittern entstehen. Ihre Entstehung und die Tatsache, daß sie -ganz ohne Wurzel wachsen, berechtigen, sie zu den wunderbaren Dingen -zu rechnen. Sie liegen ganz in der Erde ohne mit ihr in irgend einem -Zusammenhang zu stehen und ohne sie emporzutreiben. Sie haben eine -eigentümliche Rinde und finden sich meist in trockenem, sandigen Boden -unter Gebüsch. Sie erreichen die Größe einer Quitte und die Schwere -eines Pfundes. Es gibt zwei Arten derselben: eine sandige, welche den -Zähnen schadet, und eine reine. Übrigens unterscheidet man sie nach -ihrer braunroten oder schwarzen und inwendig weißen Farbe. Am höchsten -werden die afrikanischen geschätzt. Wie sie entstehen, und ob sie -Leben haben, weiß man nicht, wohl aber, daß sie zuletzt verfaulen. -Dem gewesenen Praetor Lartius Licinius, der zu Carthago in Spanien -(dem heutigen Cartagena) die Rechtspflege verwaltete, ist es, wie ich -weiß, vor wenigen Jahren passiert, daß er auf einen Denar, der in eine -Trüffel eingewachsen war, so biß, daß sich seine Vorderzähne schief -bogen, woraus man auf die Art und Weise, wie die Erde sich zu Trüffeln -ballt, schließen kann. Als sicher kann man es jedenfalls ansehen, daß -sie entstehen, aber auch als sicher, daß man sie nicht anpflanzen kann. - -Den Trüffeln ähnlich ist das Misy in der Provinz Cyrenaika (dem -heutigen Barka in Tripolis); es zeichnet sich durch lieblichen Geruch -und Geschmack aus, ist aber fleischiger; auch ist ihnen in Thracien -das ~iton~ und in Griechenland das ~geranion~ ähnlich. -- Bei Mytilenä -soll es nun Trüffeln geben, wenn Trüffelsamen durch Überschwemmung von -Tiarä, wo sie sehr häufig sind, herabkommt. In Kleinasien finden sich -die beliebtesten zu Lampsacus und Alopekonnesus, in Griechenland um -Elis.“ - -Endlich sagt der griechische Arzt Galenos, der einer der gesuchtesten -Ärzte Roms war und zur Zeit des Septimius Severus daselbst starb: „Die -Trüffel (~hýdron~) muß man zu den Wurzeln oder Knollen zählen. Sie -haben an sich wenig Geschmack, werden mit Gewürz gegessen, und sind -unschädlich.“ - -Wie in Europa, so finden übrigens auch überall anderwärts verschiedene -Pilze als geschätzte Nahrung des Menschen Verwendung, unter denen wir -wegen seiner außergewöhnlichen Größe nur den als ~indian potatoe~ -bezeichneten +Riesenpilz+ ~Lycoperdon solidum~ erwähnen wollen, der -überall in den Südstaaten der nordamerikanischen Union auf eben -abgeholztem Waldboden erscheint. Er erreicht ein Gewicht von 8-15 kg -und wurde von den Indianern gern verzehrt. Ebenso lebten einst die in -die Wälder flüchtenden Negersklaven fast gänzlich von ihm. - -Wie die Pilze sind auch viele Arten von +Seetang+ eine vom Menschen -gern gegessene, von der Natur gespendete Speise. So werden eine ganze -Anzahl derselben an den verschiedenen Küsten teils roh, teils gekocht -gegessen. Manche derselben enthalten außer knorpligem Schleim auch -ziemliche Mengen von Stärkemehl und Zucker. Ebenso verhält es sich -mit manchen +Flechten+, unter denen die +Mannaflechte+ (~Lecanora -esculenta~) die bekannteste ist. Sie wächst vorzugsweise in den -Steppen von Südrußland bis Zentralasien in großer Menge auf sonst -von Vegetation völlig entblößtem, lehmigem Boden oder nacktem Fels, -locker mit der Unterlage, auf der sie haftet, verbunden, ohne von ihr -Feuchtigkeit, sondern nur einige Nährsalze zu verlangen. Sie wird daher -durch Winde, die ja in diesen Steppen eine außerordentliche Gewalt -annehmen, leicht losgerissen, in Vertiefungen angesammelt, oder durch -heftige Stürme auch wohl in weitere Entfernungen getragen, wo sie dann -das höchst merkwürdige Phänomen des Mannaregens hervorbringt, das in -Kleinasien und Persien zu verschiedenen Malen und auch an anderen Orten -beobachtet wurde. Diese meist in haselnußgroßen Stücken gefundene -Flechte enthält außer Stärkemehl und Inulin über 23 Prozent Gallerte -und wird von den armen Steppenvölkern, vermahlen und zu Brot gebacken, -gern gegessen. Sie wurde fälschlicherweise von Ehrenberg für das Manna -der Bibel erklärt, das wir unter den Zuckerarten kennen lernen werden. - -Überall im Norden wird auch die als „isländisches Moos“ bezeichnete -+Renntierflechte+ (~Cetraria islandica~) als ein nach Entfernung des -ihr anhaftenden Bitterstoffes durchaus nicht zu verschmähende Nahrung -nicht nur für die Renntiere, die sich hauptsächlich von ihr ernähren, -sondern auch für den Menschen gegessen und teilweise ebenfalls zu Brot -verbacken. In den zirkumpolaren Gegenden, wo es mit der pflanzlichen -Nahrung sehr übel bestellt ist, nimmt der hungrige Mensch dankbar -solche Nahrung entgegen. Und wenn Eskimos ein Renntier erlegt haben, -ist ihnen der mit dieser Flechte erfüllte Renntiermagen ein sehr -geschätzter Leckerbissen, dessen Inhalt sie sorgfältig sammeln, um ihn -mit Blut vermischt für festliche Anlässe aufzubewahren, bei denen er -dann nur mit Herbeiziehung der allerbesten Freunde als eine Leckerei -ohnegleichen gegessen wird. Doch muß man schon ein genügsames Kind der -Arktis sein, um an einem solchen Kompott ein so großes Wohlgefallen zu -haben. - - - - -IX. - -Die Ölgewächse. - - -Hinsichtlich ihres Vermögens der Arbeitsleistung und Wärmebildung im -Körper stehen die Fette hoch über den Eiweißkörpern und Kohlehydraten, -d. h. den Stärkemehl und Zucker enthaltenden Nahrungsstoffen. Beträgt -der Verbrennungswert dieser letzteren, sowohl der Eiweißkörper als der -Kohlehydrate, 4,1 Wärmeeinheiten pro g, so beläuft sich dieser Betrag -beim Fett auf 9,3 Wärmeeinheiten pro g. Bei dieser mehr als doppelten -Nährkraft ist es kein Wunder, daß namentlich der in einem kalten Klima -lebende Mensch, der reichlich durch Ausstrahlung verloren gehende -Wärme zu ersetzen hat, mit Vorliebe fettreiche Speisen verzehrt, die -er, solange er auf der Jägerstufe lebte, in den Fettablagerungen der -von ihm erbeuteten Tiere fand. Noch heute klingt es in den Sagen -aller Nordvölker durch, welch große Bedeutung dem Nierenfett und dem -Knochenmark als vielbegehrtem Leckerbissen der Vorzeit zukam. Als -der Mensch sich zum Viehzüchter erhob, konnte er dieses instinktive -Bedürfnis nach Fett im fetten Fleische und dem Speck, später auch in -der aus der Milch gewonnenen Butter seiner Herdentiere befriedigen. - -Erst als er zum Hackbau sich erhob und infolgedessen notgedrungen -an die von ihm bearbeitete Scholle gebunden war, suchte er seinen -Fettbedarf aus dem Pflanzenreiche zu decken. Dieser war ein besonders -großer, da die mehlreichen Samen und Wurzelknollen, wie auch die grünen -von ihm verspeisten Pflanzenteile in der Regel auffallend arm an Fett -sind. Deshalb war er darauf angewiesen, seine Mehlspeisen zu schmälzen; -nur so schmeckten sie ihm. Wie heute noch unsere Landbevölkerung ihre -Schmarren und Knödel in Schmalz oder Butter bäckt und Butter oder -fetten Käse zum Brote genießt, so suchte die Hackbäuerin der Urzeit -unter den Pflanzen ihrer Umgebung instinktiv nach solchen, die Fett -in ihren Samen enthielten. Diese zerquetschte sie und genoß sie als -solche; auf einer höheren Stufe jedoch preßte sie das Fett aus ihnen -aus und benutzte es zum Schmälzen ihrer aus dem Mehl der verschiedenen -Getreidearten bereiteten Fladen und Breie. Um solche Fettspender stets -zur Hand und in größerer Menge zu haben, nahm sie solche in Hegung -und vermehrte dann durch Kulturauslese den Ertrag an dem gewünschten -Rohstoff. - -Einer der ältesten Ölspender der Menschheit ist der +Sesam+ (~Sesamum -indicum~), der seit sehr langer Zeit in Südasien, speziell Indien, -im großen kultiviert wird. Seine Heimat ist nach A. de Candolle -das östliche tropische Asien, insbesondere Indonesien, wo er -heute noch, beispielsweise auf Java, wild angetroffen wird. Der -Berliner Botaniker Ascherson dagegen hält unter Berücksichtigung -der pflanzengeographischen Ermittlungen Afrika für die Heimat der -Sesampflanze, da von den 12 Arten der Gattung ~Sesamum~ nicht weniger -als 10 diesem Erdteile angehören. Trotzdem scheint uns letztere -Annahme wenig wahrscheinlich. Jedenfalls läßt sich für uns ihre Kultur -zuerst in Indien nachweisen, wo der Engländer Watt in Behar und im -nordwestlichen Himalaja eine der Sesampflanze sehr nahestehende wilde -Art fand. Schon vor 3500 Jahren drang die Sesamkultur aus Indien in -die Euphratländer, wo nach Herodots Zeugnis alles Öl aus Sesamsamen -gewonnen wurde. Er schreibt darüber: „In Assyrien (und Babylonien) hat -man kein Olivenöl, dagegen gebraucht man dort das Öl, das man vom Sesam -(~sḗsamon~) gewinnt, der dort baumhoch wird.“ Nach Ägypten kam die -Kultur des Sesams erst während der Mitte des letzten vorchristlichen -Jahrtausends, wo ihn Theophrastos (390-286 v. Chr.) zuerst erwähnt. -Früher war er im Niltal vollständig unbekannt und wird weder im Kult, -noch auf den Denkmälern der alten Ägypter erwähnt; auch finden sich -in den Grabbeigaben keinerlei Spuren von ihm. Auch das Alte Testament -kennt ihn durchaus nicht, was doch der Fall sein müßte, wenn ihn die -Juden vor ihrem Auszuge in Ägypten kennen gelernt hätten. Auch nach -China kam er erst zu Beginn der christlichen Zeitrechnung; wenigstens -wird erst in einem Buche des 5. Jahrhunderts seiner Erwähnung getan. -Er heißt dort ~chi-ma~, während er im Sanskrit ~tila~, im Indischen -~gingils~, im Malaiischen ~widjin~ und im semitischen Vorderasien -~simsim~ hieß, woraus dann die Griechen ~sḗsamon~ machten. Die alten -Ägypter scheinen die Pflanze ~ake~ genannt zu haben, während sie -die Samen derselben ~schemschem~ hießen. Letzteres ist also die -ägyptisierte semitische Bezeichnung; demnach müssen es Semiten gewesen -sein, die diese Kulturpflanze in Ägypten einführten. Wie diese uralte -Kulturpflanze in der indischen Kultur eine wichtige Rolle spielt, so -tat sie es auch im frühen Mittelalter bei den Arabern, die sie ~semsem~ -nannten. Welche bedeutende Rolle sie bei jenen spielte, bekunden schon -die Märchen aus Tausend und Einer Nacht, wo das Wort Sesam als ~semsem~ -einen Zauberspruch zum Öffnen von Türen bildet. - -[Illustration: Bild 29. - -Der Sesam (~sesamum orientale~).] - -Heute bildet der Sesam eine sehr wichtige Nutzpflanze für China, -Japan, ganz Süd- und Vorderasien, Ost- und Westafrika und neuerdings -sogar Amerika; denn er hat sich fast das ganze Gebiet der Tropen -und Halbtropen erobert. Er ist ein einjähriges, aufrechtes Kraut -mit ungeteilten Blättern und einzeln in den Blattachseln stehenden, -rachenförmigen, hellroten Blüten. Ein blühendes Sesamfeld gewährt -einen sehr hübschen Anblick. Die reife Frucht ist eine längliche, -stumpf-vierkantige Kapsel, welche von der Spitze nach der Basis -aufspringt und in jedem Fache eine Anzahl etwa 3 mm langer und 1,5 mm -breiter, zu beiden Seiten abgeplatteter Samen von braunschwarzer, -rötlicher oder gelblicher Farbe trägt. Nach diesen Farbendifferenzen -des Samens, die als Beweis uralter Kulturvarietäten ins ferne Altertum -zurückgehen, unterscheidet man eine dunkle und eine helle Sesamsaat. -Letztere gibt ein besseres, erstere aber ein reichlicheres Öl von -gelber Farbe, fast ohne Geruch und von angenehm süßem Geschmack, das -die vorzügliche Eigenschaft besitzt, nicht leicht ranzig zu werden. Da -die Samen außer größeren Mengen Eiweiß durchschnittlich 56,8 Prozent -Öl besitzen, ist ihr Nährwert ein sehr großer, so daß sie in Form von -Mehl oder als daraus gewonnenes Öl und selbst als Ölkuchen die tägliche -Nahrung für die große Mehrzahl der indischen Bevölkerung bilden. - -Der Sesam gedeiht am besten in möglichst gleichmäßig warmem Klima auf -leichtem, lehmig-sandigem Boden. Sein Anbau erfordert keine große Mühe -und bringt in der Regel reiche Erträge. Die ganze Kultur der Pflanze -liegt in den Händen der Eingeborenen, die ihn vorzugsweise als Brotkorn -für ihren eigenen Bedarf bauen und nur aus dem Überschuß des Ertrages -Öl pressen, das sie meist verkaufen. Eine vorzügliche Sorte baut man in -Ägypten und Palästina an, wo aus Sesammehl die berühmte Fastenspeise -~chalba~, eine Art mit Zitronat und Honig versetzter Kuchen, bereitet -wird. Die grob zerstoßenen Samen dienen auch zur Herstellung eines -nahrhaften Breies, der selbst Europäern mundet, und das gewöhnliche -Brot, wie auch alle Kuchen, werden mit den ganzen Samen bestreut, so -wie man bei uns den Mohn- oder Kümmelsamen verwendet. Meist jedoch wird -auch hier das in ihnen enthaltene Öl ausgepreßt und im Haushalt als -Speiseöl und zur Beleuchtung verwendet, während die Preßkuchen Menschen -und Tieren als Nahrung dienen. - -Das Sesamöl ist von süßlichem, sehr angenehmem Geschmack, völlig -geruchlos und wird erst nach langer Zeit durch Aufnahme von Sauerstoff -aus der Luft ranzig. Da die Sesamsamen durchschnittlich 56 Prozent -desselben enthalten, ist der Ertrag daran ein sehr reichlicher. Doch -schwankt bei ihnen wie bei allen hier zur Besprechung gelangenden -andern Fettlieferanten der Fettgehalt je nach Klima und Kulturmethode; -auch ist die Ausbeute an Öl je nach der Gewinnungsmethode verschieden. -Stets werden die Samen zuerst in Stampfen oder neuerdings zwischen -Walzen zerquetscht und unter Zusatz von Wasser auf Filtergängen -gemahlen, um die Zellen, die das Öl enthalten, zu zerreißen. Aus den -tropischen oder subtropischen Produktionsländern gelangt der als -Überschuß der Ernte verkaufte Sesam meist als Samen nach Europa, -und zwar hauptsächlich nach Marseille, wo erst das Öl in großen -Pressen gewonnen wird, um dann bei der Kunstbutterbereitung, bei -der Seifenfabrikation und zum Verschneiden des Olivenöls Verwendung -zu finden. Die Rückstände, welche außer Fett noch 36 Prozent Eiweiß -enthalten, liefern ein sehr wertvolles Viehfutter. Ostindien führt -jährlich gegen 200 Millionen kg Sesamsamen und 13,5 Millionen kg -Sesamöl aus; Ost- und Westafrika exportiert etwa halb soviel. -Deutschlands Sesameinfuhr beträgt jährlich etwa 615 Millionen kg im -Werte von 15 Millionen Mark. - -In Indien, wie in ganz Südasien und Ozeanien stehen seit alter Zeit die -67 Prozent Fett enthaltenden +Kokosnüsse+ als beliebtes Speisefett -im Gebrauch. Das ölreiche, weiße Nährgewebe derselben ist für die -Eingeborenen ein wichtiges Nahrungsmittel, das feingerieben den -verschiedensten Mehlspeisen zugesetzt wird. Außerdem stellt es einen -wichtigen Handelsartikel dar, das sich seit der Mitte des vorigen -Jahrhunderts den europäischen Weltmarkt erobert hat. Hierzu wird es an -der Sonne getrocknet und heißt dann +Kopra+. Als solches kommt es nach -Europa, wo es in großen Kesseln erwärmt wird; das dabei ausgeschmolzene -Fett sammelt sich oben an und wird abgeschöpft. Es ist schön weiß -und schmeckt milde, hat aber einen unangenehmen Geruch, wird auch -leicht ranzig. Die moderne Technik hat es aber zustande gebracht, das -Kokosnußfett von seinen unangenehm riechenden Bestandteilen zu befreien -und ein Fett in den Handel zu bringen, das als sehr geschätzter, -billiger und sehr haltbarer Ersatz für tierische Fette unter dem Namen -+Kunerol+, +Palmin+ usw. sich mit Recht einer zunehmenden Verwendung -als Speisefett an Stelle oder gemischt mit Milchbutter erfreut. Der -weitaus größte Teil des Kokosnußfetts wird aber zur Herstellung -von Kerzen und Seifen verbraucht. Weil Kokosseife die einzige ist, -die auch im salzigen Meerwasser schäumt, ist sie besonders bei den -Seeleuten sehr beliebt. Die Gesamteinfuhr Deutschlands an Kopra beträgt -gegenwärtig etwa 18 Millionen Mark, wovon es jetzt schon über ein -Drittel aus seinen Kolonien decken kann. Weitaus am meisten liefert -Samoa im Werte von gegen 3 Millionen Mark. Aus 7000 Früchten erhält -man 1000 kg Kopra. Das Zerschneiden und Trocknen der Kokoskerne wurde -zuerst von den Franzosen in Ostafrika praktiziert und dann von einer -Hamburger Firma auch auf den Südseeinseln eingeführt. - -Für den europäischen Markt war früher und ist heute noch das +Olivenöl+ -das wichtigste Speise- und Brennfett. Aus den am besten mit der Hand -abgenommenen Oliven, die 56-70 Prozent Fett enthalten, wird bei -schwacher Pressung in der Kälte das gelbliche, süße, feine Speiseöl -gewonnen, während man bei stärkerem Druck und warmer Pressung das -gewöhnliche Öl gewinnt, das vielfach als Lampenöl Verwendung findet, -besonders aber bei der Seifenfabrikation benutzt wird. Dem guten -Olivenöl der Provence verdankt die Marseiller Seife ihren guten -Ruf, von der nach beiläufiger Schätzung jährlich 600000 Zentner -gewonnen werden. Die Preßrückstände werden schließlich noch mit -Wasser ausgekocht, wodurch allerdings nur geringwertige Ölsorten -gewonnen werden, die höchstens als Maschinenöl dienen können. Sie -sind trübe und werden in Knochenkohlefiltern geklärt. Aber selbst -aus ihren Rückständen läßt sich durch langsame Zersetzung in halb mit -Wasser gefüllten Zisternen, wobei sich alles noch vorhandene Öl auf -der Oberfläche der fürchterlich riechenden Flüssigkeit sammelt und -abgeschöpft wird, ein noch für Fabriken verwendbares Öl gewinnen. -Solches Öl ist auch das Tournantöl, das in der Türkischrotfärberei eine -große Rolle spielt. - -Noch wichtiger als die bisher genannten Öle ist das +Palmöl+, das -aus dem Fruchtfleisch der Ölpalme (~Elaeis guineensis~) gewonnen -wird. Es kann geradezu als das wichtigste aller Fettstoffe aus dem -Pflanzenreiche gelten, von dem Deutschland jährlich für gegen 40 -Millionen Mark einführt. Es dient hauptsächlich zur Seifen- und -Kerzenfabrikation, wird aber auch zur Herstellung von Kunstbutter -verwendet. Die Preßrückstände bilden ein beliebtes Viehfutter, aber -auch ein Verfälschungsmittel für Gewürze, namentlich für Pfeffer. - -Die Heimat der Ölpalme ist, wie wir sahen, das tropische Westafrika, -wo sie manchenorts weit sich erstreckende Wälder bildet. Eigentlich -angebaut wird sie selten; in der Regel beschränken sich die -Eingeborenen darauf, vor Beginn der Regenzeit die überflüssigen Wedel -mit dem Buschmesser zu entfernen und die ganze Krone durch Ausbrennen -von Ungeziefer zu reinigen. Sie haben dann nur zu ernten, aus den -Palmnüssen das Fruchtfleisch auszubrechen, dasselbe durch Kochen in -Wasser oder Liegenlassen in der Sonne zu erweichen und in Mörsern zu -zerstampfen, wobei das Öl heraustritt. Dasselbe ist orangegelb, hat -einen angenehmen Geschmack, riecht leicht nach Veilchenwurzel und hat -bei Zimmertemperatur Butterkonsistenz. Den Negern dient es allgemein -als Speisefett; doch wird es mit der Zeit weiß und ranzig. Den -Überschuß ihres Öles und die Palmkerne verkaufen sie an die Europäer, -die aus den letzteren in Europa vermittelst eigens dazu konstruierter -Maschinen das Palmkernöl gewinnen, das noch wertvoller als das Palmöl -aus dem Fruchtfleische der Palmnüsse ist. - -In Westafrika ist auch die +Schibutter+ beliebt, die aus den Samen des -im Sudan heimischen Schibaums (~Butyrospermum parkii~) gewonnen wird. -Hier findet sich der etwa 9 m hohe, zu den Sapotazeen gehörende Baum -von der Tracht eines Apfelbaums vorzugsweise an trockenen und steinigen -Orten von Senegambien bis zu den Ufern des Nils, meist im lichten -Buschwald. Der Stamm ist rauh, reich verästelt und hat eine breite, -aber nicht dichte Krone. Die langgestielten, ovalen, etwas lederigen, -in der Jugend mit rostfarbenem Filz bedeckten Blätter sind büschelartig -an den Enden der dicken Zweige zusammengedrängt. Die Blüten sind -kurzgestielt und haben ebenfalls einen rostfarbenen Filzbelag. Die -Früchte sind eirunde, einsamige, grüne Beeren, deren äußere Schicht von -einem weichen, wohlschmeckenden, gelben Fleische gebildet wird, das die -Eingeborenen gerne essen. Darunter liegt +ein+ glänzendbrauner Samen -von Taubeneigröße ohne Nährgewebe, aber mit ölreichen, fleischigen -Kotyledonen (Samenlappen), die die Schibutter liefern. Diese ist ein -hellgrünliches Fett von angenehmem Geruch und Geschmack, das nicht -leicht ranzig wird und von den Eingeborenen zum Backen und Kochen, zum -Einreiben des Körpers, zum Brennen in den Lampen usw. gebraucht wird. -In der europäischen Industrie dient sie zur Herstellung von Kerzen und -Seife. Hierzu ist sie so geeignet als das Palmöl, vor dem sie noch den -Vorzug hat, daß sie nicht gebleicht zu werden braucht. - -In den deutschen Kolonien Togo und Kamerun kommt der Schibaum überall -in den Steppen wild vor. Die Neger bauen ihn kaum an, weil die wilden -Bestände ihrem Bedarf vollständig genügen. Weil der Baum vorzugsweise -im Innern vorkommt und der Transport an die Küste durch Träger viel -zu teuer ist, lohnt sich der Absatz an die europäischen Faktoreien in -den meisten Fällen schlecht. Mit den besseren Transportmitteln und der -stärkeren Nachfrage würde sich auch das Angebot an Schinüssen steigern. -Auch würde der Anbau des Baumes den Eingeborenen keine Schwierigkeit -machen, zumal er mit dem schlechtesten Boden vorlieb nimmt und sehr -geringer Feuchtigkeit bedarf. Aus Togo werden etwa für 30000 Mark -Schifrüchte jährlich ausgeführt. Obwohl die Schibutter den Vorzug hat, -sich auch bei der Berührung mit Luft lange zu halten, ohne ranzig -zu werden, so eignet sie sich weniger für den Handel als die reifen -Früchte. Aus diesen gewinnen die Eingeborenen das Fett, indem sie die -Samen nach Entfernung der Schale in Wasser kochen und dann zerstampfen. -Das sich an der Oberfläche sammelnde Öl wird abgeschöpft und erkalten -gelassen. - -Ähnlich wie die Früchte des Schibutterbaumes werden diejenigen eines -im westafrikanischen Urwald wachsenden, ansehnlichen, 30-40 m hohen, -von den Duallas in Kamerun +~nyabi~+ genannten Baumes, den wir auf -beifolgender Tafel gefällt vorführen, verwendet. Derselbe besitzt -eine dicke Borke ähnlich der Eiche, darunter eine Milchsaft führende -Schicht, und ein außerordentlich hartes, rötliches Holz ähnlich dem -Mahagoni, nur noch feinporiger, das gerne als Werkholz benutzt wird, -obschon der bei der Bearbeitung desselben entwickelte Holzstaub die -Schleimhäute stark reizt. Die apfelgroßen, grünen Beerenfrüchte -enthalten drei kastanienartige, nur länglichere Samenkerne, die -bei der Reife in einem schleimigbreiigen Fruchtfleische liegen. Bei -der während der Regenzeit erfolgenden Reife sammeln die Neger die -abgefallenen Früchte, kochen sie in Wasser weich, drücken sie nach dem -Erkalten mit den Händen aus und sieden das so entstandene Mus dann -nochmals, wonach sie das weiße, gänseschmalzartige Fett abschöpfen. -Trotz seinem etwas eigentümlichen Beigeschmack wird es von den -Eingeborenen so gerne wie Palmöl als Speise zu ihrer sonst fettarmen -Pflanzenkost gegessen. - -Als weiteren Fettspender besitzt das tropische Westafrika den -+Butterfruchtbaum+ (~Pentadesma butyraceum~). Es ist dies ein hoher -Baum mit gegenständigen, großen, länglicheirunden Blättern, großen, -roten, einzelstehenden Blüten, aus denen fleischige Früchte von der -Größe kleiner Melonen hervorgehen. In ihnen liegen 4 cm lange und 3 cm -dicke rote Samen, aus deren fleischigen Kotyledonen die Eingeborenen -ein gelbes Fett gewinnen, das sie als Zusatz zu ihrem ~fufu~ genannten -Brei aus stärkemehlhaltigen Knollen sehr lieben. - -Fernerhin wachsen dort einige baumartige Sapotazeen mit gestielten, -lederartigen Blättern und eirunden Früchten, die als +Illipenüsse+ -von den Negern gesammelt werden, um aus den ölreichen, fleischigen -Kotyledonen ein ebenfalls geschätztes Speisefett zu gewinnen. Ebenso -finden sich dort baumartige Euphorbiazeen mit großen, langgestielten -Blättern und Steinfrüchten, die als +Osangilenüsse+ aus dem -Kamerungebiet in den Handel kommen. Aus diesen, die von den Deutschen -als Kerzennüsse bezeichnet werden, gewinnt man gleichfalls durch Kochen -der Samen mit fleischigen, ölreichen Samenlappen ein als Speisefett -geschätztes Öl. - -In den Küstenregionen des tropischen Westafrika, aber auch im Innern, -wächst stellenweise in größeren Mengen der zu den Leguminosen -gehörende +Owalabaum+ (~Pentaclethra macrophylla~) mit gelblichweißen -Blüten und 60-80 cm langen und 10 cm breiten Hülsen, deren verholzte -Klappen sich bei der Reife oft plötzlich und mit großer Gewalt -zurückrollen, so daß die 8-10 Samen mitunter weit fortgeschleudert -werden. Letztere sind 8 cm lang, 5 cm breit und 1 cm dick. Sie -haben eine glänzende holzige Samenschale, die sie befähigt, wenn -sie von den an der Küste befindlichen Bäumen aus ins Meer fallen, -unbeschadet der Keimkraft weite Reisen mit den Meeresströmungen zu -machen. So hat man an der norwegischen Küste wiederholt solche und -andere Hülsen tropischer Leguminosen angeschwemmt gefunden, die noch -vollkommen entwicklungsfähig waren. Die dicken Kotyledonen sind sehr -ölreich, enthalten außerdem über 30 Prozent Stickstoff, sind also -stickstoffreicher als unsere Hülsenfrüchte. Das daraus gepreßte Öl -eignet sich sehr gut für die Kerzen- und Seifenindustrie, und die -Preßrückstände liefern ein vorzügliches Viehfutter. Die Eingeborenen -benutzen sie als geschätztes Nahrungsmittel, das sie teils roh, teils -gekocht, teils zu einem sehr nahrhaften Brot gebacken genießen. - -Nicht minder beliebt ist das Dika-Brot, das besonders die Gabunneger -gerne essen. Es wird durch Einwirkung eines milden Feuers aus den -ebenfalls sehr ölreichen Samen des +Dikabaumes+ (~Irvingia gabunensis~) -hergestellt. Es ist dies ein bis 30 m hoher, breit ausladender Baum des -tropischen Westafrika mit langen Zweigen, welche erst nach den Enden zu -reichlicher verästelt sind und große lederartige Blätter tragen. Die -Frucht ist eine grüne, eirunde, ziemlich große Steinfrucht mit saftigem -Fruchtfleisch, in welchem die sehr eiweiß- und ölreichen Samen stecken. - -Große ölreiche Samen haben auch die bis 30 m hohen +Karapabäume+ -(~Carapa guianensis~), die die Küsten des tropischen Westafrika, -aber auch Guianas und der Karaiben bewohnen. Ihre Frucht ist eine -10 cm dicke, fünffächerige, kugelige, holzige, in jedem Fache 6-8 -kantige, kastaniengroße, braune Samen enthaltende Kapsel, welche sich -mit fünf Klappen öffnet. Die rundlichen Samen enthalten eine braune, -holzige Schale, welche sie befähigt, durch die Meeresströmungen -getrieben, unbeschadet der Keimkraft, weite Seereisen zu machen. -In ihren fleischigen Kotyledonen enthalten sie zu 60 Prozent ein -für die Industrie sehr wertvolles Öl, das Karapaöl, dessen große -Bitterkeit indessen eine Verwendung desselben bei der Bereitung von -Speisen ausschließt; doch ist es für die Seifenfabrikation sehr gut -geeignet. Gleichfalls in Guiana, wie auf den Antillen und an der -westafrikanischen Küste wächst ~Carapa procera~, das ein ähnliches -bitteres Öl liefert, das von den Negern hauptsächlich zu dem Zwecke -gewonnen wird, um ihre Körper zum Schutze gegen Insekten damit -einzuschmieren. ~Carapa moluccensis~ in Südasien dagegen liefert -ein Öl, das in der Seifenfabrikation verwendet wird. In Indien und -Ceylon betrachten die Eingeborenen dieses Öl als ein gutes Mittel -gegen Rheumatismus. Wie das westafrikanische Karapaöl dient dasjenige -der Samen eines eben dort heimischen rankenden Strauches ~Omphalea -diandra~, die bis zu 65 Prozent eines bernsteinfarbenen Öles enthalten, -den Negern zu mannigfacher Verwendung. - -Ein anderer Fettspender, der im tropischen Afrika weit verbreitet ist -und namentlich im Gebiet des oberen Niger und in Sierra Leone seit -längerer Zeit, in Togo dagegen erst neuerdings von den Eingeborenen -gepflanzt wird, ist ~Polygala butyracea~, ein Strauch von mehr -als 1 m Höhe mit rutenförmigen, behaarten Stengeln und langen, -schmalen, kurzbehaarten Blättern. Endständig entwickeln sich aus den -Blütentrauben Kapselfrüchte mit länglichen Samen, die 18 Prozent eines -bräunlichgelben, butterartigen Fettes enthalten, das einen angenehmen, -nußartigen Geschmack besitzt und die Speisen, denen es zugesetzt wird, -trefflich würzt. - -Ostafrika besitzt einen Ölspender im +Fettbaum+ (~Allanblackia -stuhlmanni~), einem von den Eingeborenen ~mkani~ genannten, über 20 m -hohen Baum mit lederartigen, glänzenden Blättern und 30 cm langen -goldgelben Früchten, von denen eine einzige 0,5 kg Fett liefert. Da -dasselbe sich für die Kerzen- und Seifenfabrikation wohl eignet, dürfte -dieser Baum einige Bedeutung erlangen, sobald bessere Verbindungen mit -dem Innern hergestellt sein werden. - -Wichtiger noch ist für das tropische Ostafrika eine riesige -Schlingpflanze, die sich an den Bäumen des Urwaldes emporrankt. Es ist -dies der +Kouëme+ oder +Talerkürbis+ (~Telfairia pedata~). Er bringt -30-50 cm lange und 15-20 cm breite, gelbe, gurkenartige Früchte hervor, -die unter einer faserigen Hülle eine erhebliche Zahl von in Längsreihen -angeordneten, dunkelbraunen, fast talergroßen, runden, auf beiden -Seiten abgeplatteten Samen bergen. Ihr Geschmack ist ein angenehmer, -mandelartiger; deshalb bilden sie in ähnlicher Weise wie bei uns die -Mandeln eine beliebte Speise, die roh, geröstet oder gekocht von den -Negern gegessen wird. Aber sie enthalten nicht bloß 59 Prozent eines -schmackhaften, leicht verdaulichen Fettes, sondern auch viel Eiweiß, -bilden also ein wertvolles Nahrungsmittel, das einst in größeren -Mengen ausgeführt werden wird, sobald die Eingeborenen sie häufiger -pflanzen und die Samen regelmäßig auf den Markt bringen werden. Zur -Zeit scheitert ihre Einführung in die europäische Industrie daran, daß -es noch keine Maschine zum Schälen der Samen gibt; und wiederum können -Schälmaschinen erst dann gebaut werden, wenn eine größere, dauernde -Anfuhr nach Europa gesichert ist. Übrigens existiert auch in Togo eine -verwandte Kürbisart mit ähnlichen Früchten. - -Südasien besitzt einen trefflichen Fettspender in der der Mangostane -verwandten ~Garcinia indica~, einem Baum mit hängenden Zweigen, -dunkelgrünen Blättern, apfelgroßen Früchten mit purpurrotem -Fruchtfleisch und nieren- oder halbmondförmigen Samen, aus denen man -die +Kokumbutter+ gewinnt, ein talgartiges, weißes, brüchiges Fett -von schwachem, nicht unangenehmem Geruch, das bei 35° C. schmilzt, -bei 24° C. erstarrt und zur Verfälschung der Schibutter, in England -auch zur Bereitung von Pomade dient. Ferner im +indischen Butterbaum+ -(~Illipe butyracea~), einem etwa 16 m hohen Baum mit behaarten, -verkehrt eiförmigen Blättern, hängenden, blaßgelben Blüten und -länglichen Beerenfrüchten. Er ist im Himalaja heimisch und wächst in -Ostindien auf Anhöhen. Seine Samen liefern die +Fulwabutter+, ein -talgartiges, angenehm riechendes und schmeckendes, weißes Fett, das -zur Herstellung von Seife, als Brennmaterial und auch zu medizinischen -Zwecken verwendet wird. Vor allem aber wird es von den Eingeborenen -als Speisefett geschätzt, das sich selbst im heißen Klima Indiens -monatelang unverändert erhält. Deshalb wird es im Lande selbst völlig -verbraucht, so daß es nicht im Handel erscheint. Auch die Preßkuchen -dienen dem Menschen als Nahrung. Der Saft der Blüten wird auf Zucker -verarbeitet. - -Auch die Samen von ~Illipe malabrorum~, dem +Gallertbaum+ auf Malabar -und Ceylon, liefern ein grünlichgelbes Speiseöl, das nicht leicht -ranzig wird. Seine weißen, fleischigen Blüten und die gelblichen, -dichtbehaarten, kugeligen Früchte werden gegessen. Der +Mahdukabaum+ -(~Illipe latifolia~) liefert in seinen Samen ein als +Mahwabutter+ -bezeichnetes Fett, das als Brenn- und Speiseöl, zur Herstellung von -Seife usw. verwendet wird. Die Preßkuchen dienen zur Betäubung der -Fische. Dieser Fettspender ist ein mäßig hoher Baum mit gelben, -wohlriechenden Blüten und mit 5 cm langen, eiförmigen, braunen -Früchten, der im gebirgigen Ostindien, besonders in Bengalen, wächst. -Seine Blüten verwelken nicht nach der Befruchtung, werden vielmehr -fleischig und speichern reichlich Zucker in den Blumenblättern auf, -um erst nach dem Fruchtansatz abzufallen. Sie schmecken wie Rosinen, -werden getrocknet und bilden eine wichtige Nahrung der Eingeborenen. -Ein Baum liefert bis 150 kg der süßen Blüten. Sie sind um so mehr -geschätzt, als sie mit großer Regelmäßigkeit auftreten und deshalb -bei Mißernten eine wichtige Ersatzspeise bilden. Man verarbeitet sie -auch auf Branntwein, der in Gudscherat und in Bengalen in großer Menge -verbraucht wird, frisch den Europäern aber verderblich sein soll. - -Den hier aufgezählten südasiatischen Fetten ähnlich ist in Südamerika -das gelbliche, frisch nach Muskatnußbutter riechende, aber bald -ranzig werdende +Virolafett+, das in der Kulturwelt zur Kerzen- und -Seifenfabrikation dient. Unendlich viel wichtiger als Fettspender -ist aber nicht nur für diesen Erdteil, sondern überhaupt die zur -Familie der Leguminosen gehörende +Erdnuß+ (~Arachis hypogaea~), -deren Heimat Südamerika, und zwar speziell Brasilien ist, von wo sie -sich noch vor dem Eintreffen der Weißen über das ganze tropische -Amerika verbreitete, nach der Entdeckung des Erdteils durch Kolumbus -bereits im 16. Jahrhundert nach Westafrika gelangte und sich bald -über den Tropengürtel der Erde ausdehnte. Der Spanier Oviedo, der -sich von 1513-1524 auf der Insel Kuba aufhielt, nennt sie zuerst in -seiner Chronik von Indien (also Amerika) vom Jahre 1547. Er sagt von -der Erdnuß, daß sie in den Gärten der Indianer gemein sei und von -ihnen ~mani~ genannt werde, ein Name, den sie übrigens auch jetzt -noch dort führt. Ausführlicher beschreibt sie der spanische Arzt -Nikolaus Monardes (1493-1578) in seinem erst nach seinem Tode 1579 in -Antwerpen gedruckten Werke über Indien. Er sagt darin, daß in Peru -eine merkwürdige Frucht ohne Wurzel und Stengel in der Erde wachse -gleich der Trüffel. Sie besitze mehrere Kerne, die, wenn die Früchte -trocken seien, in ihnen klappern wie die Mandel in ihrem Gehäuse. Die -Erdnuß bildet ein einjähriges, niedriges, sich am Boden ausbreitendes -Kraut, das mit magerem, selbst sandigem Boden zufrieden ist, der aber -durchaus einen bestimmten, wenn auch nicht sehr bedeutenden Kalkgehalt -besitzen muß. Bei völligem Mangel an Kalk bringt nämlich die Erdnuß, -wie eingehende Versuche unwiderlegbar bewiesen, ihre Früchte nicht zu -voller und ausgiebiger Entwicklung. - -Von dieser Nutzpflanze, die eine uralte Kulturform der in Brasilien -nicht seltenen ~Arachis prostrata~ zu bilden scheint, unterscheidet -man zwei Formen, welche aber nicht selten ineinander übergehen, -nämlich eine niederliegende und weniger behaarte, die vorzugsweise -in Afrika kultiviert wird, und eine aufrechte, etwas mehr behaarte, -die vornehmlich in Asien gepflanzt wird. Nach diesen ihren -Hauptkulturgebieten bezeichnet man sie auch als ~Arachis africana~ und -~A. asiatica~. - -[Illustration: Bild 30. Die Erdnuß (~Arachis hypogaea~).] - -Dieses in den größten Kulturformen bis 50 cm hoch werdende Kraut von -ausgebreitetem Wuchs mit behaarten Stengeln und Blättern trägt eine -Pfahlwurzel, welche an ihrem unteren Teile zahlreiche Nebenwurzeln -entwickelt. Diese sind meist mit Bakteroidenknöllchen gespickt, -jenen kleinen symbiontischen Laboratorien, in denen mit Hilfe der -von der Pflanze herbeigelockten und in der Wurzel angesiedelten -Stickstoffbakterien der sonst dem Gewächs unzugängliche Stickstoff -der Luft zu salpeter- und salpetrigsauren Salzen gebunden wird. Auf -diese Weise kann sich die Pflanze, wie die übrigen Leguminosen, die -alle diese Lebensgemeinschaft mit bestimmten, mit dieser Fähigkeit der -Stickstoffbindung ausgestatteten winzigen Bodenbakterien eingegangen -sind, selbst in dem an gebundenem Stickstoff ärmsten Boden ansiedeln -und darin vortrefflich gedeihen. Die Blätter sind abwechselnd gestellt -und tragen nur zwei Paare länglicheiförmiger Fiederblättchen. Aus den -Blattachseln entspringen kurze Ähren von 2-3 ziemlich großen, gelben -Schmetterlingsblüten. Nach deren Verblühen infolge eingetretener -Befruchtung streckt sich die bis dahin kaum entwickelte Blütenachse -allmählich zu einem 5-20 cm langen, an seinem Ende den Fruchtknoten -tragenden Stiel, wird, während er, so lange er die Blüte trug, positiv -heliotropisch war, d. h. dem Sonnenlichte zustrebte, damit die die -Befruchtung vollziehenden Insekten die Blüten leicht finden konnten, -auf einmal negativ heliotropisch, d. h. flieht das Licht und bohrt -sich mehr und mehr in die Erde ein, wo die Samen vor den Angriffen -lüsterner Tiere geschützt heranreifen. Die Frucht ist eine mit einem -Netz von stärkeren Längs- und schwächeren Querrippen bedeckte, ziemlich -dickwandige Hülse, die 1-4, meist jedoch 2 bohnengroße, ölige, süße -Samen mit dünner, spröder, weißlicher, rötlicher oder bräunlicher -Schale umschließt. In ihnen fehlt zwar das Nährgewebe, doch ist -der Nährstoffvorrat der jungen Pflanze in den dicken, fleischigen -Kotyledonen aufgespeichert. Ihr großer Gehalt an Fett, Eiweißstoffen, -Stärkemehl und Zucker (zusammen 80-85 Prozent des Gewichtes) verleiht -den Samen einen sehr großen Nährwert, weshalb sie überall in den -Tropen als Nahrungsmittel von den Eingeborenen sehr geschätzt werden. -Sie werden von ihnen geröstet, gekocht oder gemahlen und gebacken -gegessen. - -Diese von allen Menschenstämmen heißer Landstriche fleißig kultivierte -Nutzpflanze gedeiht als echte Tropenpflanze innerhalb des Tropengürtels -weitaus am ergiebigsten, kann aber auch noch in den Subtropen gebaut -werden. Sie gedeiht auch ohne große Feuchtigkeit auf sandigem Boden. -Das Pflanzen findet kurz vor oder bei Beginn der Regenzeit statt und -ist sehr einfach. Man macht nämlich in bestimmten Abständen kleine -Löcher in den Boden und legt in jedes zwei Samen. Nach 10-12 Tagen -erscheinen dann die jungen Keimlinge, die bald zu buschigen Pflanzen -aufwachsen. Der Raum zwischen den jungen Erdnußpflänzchen muß in der -Folge durch Jäten von Unkraut freigehalten werden. Bei der Ernte, die -in der Regel am Ende der auf die Regenzeit folgenden Trockenperiode -stattfindet, wenn sämtliche Blätter abgestorben sind, wird der Boden -leicht mit der Hacke oder einem anderen Gerät gelockert und die -mehr oder weniger vertrockneten Reste mit den anhängenden Früchten -vorsichtig ausgehoben. Diese bleiben nun zum Trocknen 14 Tage am -Boden liegen; dann erst werden sie abgepflückt und verwendet oder in -entsprechender Verpackung nach Europa gesendet. - -In neuerer Zeit werden die Erdnüsse, welche 38-55 Prozent eines dem -Olivenöl ähnlichen und demselben fast gleichwertigen fetten Öles -enthalten, zur Darstellung des Erdnußöles in großen Mengen auch nach -Europa gebracht, und zwar meist nach Marseille, wenig nach Deutschland. -Dort wird das Öl fabrikmäßig aus ihnen gewonnen. In erster Linie dient -es zur Seifebereitung; daneben findet ein großer Teil als Speiseöl -und bei der Schokoladefabrikation Verwendung, meist mit Olivenöl -vermischt, dessen etwas herber Geschmack durch das milde Erdnußöl -gemildert wird. Dieses gemischte Speiseöl kommt unter dem Namen -Oliven- oder +Tafelöl+ in den Handel. In der Regel werden die Erdnüsse -dreimal ausgepreßt. Die erste Pressung liefert das feinste Tafelöl, -die zweite Öl zur Seifenbereitung, die dritte Schmieröl. Die eiweiß- -und stärkemehlreichen Rückstände werden zu sogenannten Erdnußkuchen -geformt und in gleicher Weise wie die Kokosnuß-, Sesamkuchen usw. als -außerordentlich nahrhaftes Viehfutter in der Landwirtschaft verwendet. -Auch das Erdnußstroh wird vom Vieh sehr gern gefressen. Für die -Menschen aber sind in den Hülsen geröstete Erdnüsse ein beliebter -Leckerbissen, nach welchem besonders die Kinder sehr lüstern sind. Wie -in Nordamerika, wo sie ~peanuts~ heißen, werden sie auch bei uns in -zunehmendem Maße verzehrt. Außerdem finden sie, gemahlen und mit Zucker -und Gewürzen versetzt, zur Herstellung von Biskuits und Suppen von sehr -hohem Nährwert, die in ihrem Geschmack lebhaft an Bohnensuppe erinnern, -vielfache Verwendung. Auch würden sie sich sehr zur Vermischung mit -Schokolade eignen. - -Seinen Bedarf an Erdnüssen deckt der europäische Großhandel zum weitaus -größten Teil aus Westafrika, wo sie an der Küste vom Senegal bis -zum Kunene überall in ziemlicher Menge angepflanzt werden. Und zwar -liegt die gesamte Erdnußkultur bemerkenswerterweise in den Händen der -Eingeborenen, ist also ein Erzeugnis freiwilliger und selbständiger -Negerarbeit. Diese Leute sind also doch nicht ganz so faul, wie sie -in der Regel von den Europäern gescholten werden. Schon im Jahre -1902 betrug die westafrikanische Ausfuhr an Erdnüssen 160 Millionen -kg im Werte von 21,5 Millionen Mark. Daran beteiligt sich in erster -Linie Senegambien, wo die französische Kolonialregierung diesem -Erzeugnisse verstärkte Aufmerksamkeit zuwendet. In diesem Lande, -das nach Dr. Westermann schon im Jahre 1837 670000 kg ausführte, -betrug die Erdnußausfuhr im Jahre 1897 76 Millionen kg im Werte von -etwa 15 Millionen Mark. Sierra Leone verschifft jährlich 30000 kg, -Oberguinea etwa 10 Millionen kg (1840: 1200 kg). In Togo, Kamerun und -Deutsch-Ostafrika, wo der Anbau der Erdnuß seit langem bekannt ist und -ebenfalls ausschließlich von den Eingeborenen geübt wird, beträgt die -Ausfuhr zusammen jetzt schon etwa 3 Millionen kg im Werte von etwa -400000 Mark. Sie wird aber mit den Jahren bedeutend steigen, da die -Kultur dieser Nutzpflanze wegen der geringen Anbauschwierigkeiten und -der großen Ergiebigkeit auch hier einen gewaltigen Aufschwung zu nehmen -beginnt. - -Eine weitere ölreiche Hülsenfrucht, die ihre Samen ebenfalls erst in -der Erde reifen läßt, ist die +Erderbse+ (~Voandzia subterranea~). Es -ist dies ein im tropischen Afrika in umfangreichem Maße angebautes -einjähriges Kraut, das außer einer Pfahlwurzel weithin auf dem Boden -kriechende Verzweigungen des Stengels entwickelt. Es trägt kleeartige -dreiteilige Blätter und kurzgestielte einzelne Blüten, die nach der -Befruchtung sich dem Boden zuwenden und sich durch eine drehende -Bewegung der Blütenachse, unterstützt von rückwärts gerichteten -steifen Borsten, in denselben hineinbohren. Die in der Erde reifenden -Früchte sind kurze Hülsen mit in der Regel nur +einem+ Samen, der -länglich-kugelig, dunkelbraun oder gelblich, größer als eine Erbse ist -und reichlich Öl enthält. Besonders in Ostafrika, wo die Heimat der -Pflanze zu suchen ist, werden die Früchte gerne gegessen, kommen aber -nicht in nennenswerten Mengen zum Export. - -[Illustration: Bild 31. Die Erderbse (~Voandzia subterranea~). ~a~ -ganze Pflanze, ~b~ einzelne Frucht.] - -Afrika ist auch das Ursprungsland der +Rizinusstaude+ (~Ricinus -communis~), die an mehreren Orten, wie im Ambolande, am Kilimandjaro, -in Abessinien und Kordofan wildwachsend angetroffen wird und -stellenweise größere Bestände bildet. Diese wegen ihrer schönen -Erscheinung bei uns öfter in Gärten als Zierpflanze gezogene große, -einjährige Staude wird in Europa nur 2-2,5 m hoch, während sie in -ihrer Heimat bis 12 m Höhe erreicht. Ihre großen, handförmig gelappten -Blätter dienen in Bengalen als Futter des großen Eria-Seidenspinners -(~Saturnia cynthia~), der dort zur Gewinnung einer allerdings gelben -Seide gezogen wird. Die 16 Varietäten, die es von ihr gibt, weisen auf -eine uralte Kultur im Schwarzen Erdteil hin; und tatsächlich haben -schon die ältesten Ägypter sie angepflanzt. Sie hieß bei ihnen ~dekam~ -und der Same ~kiki~. Die alten Griechen nannten aber die Pflanze selbst -~kiki~ und sagten, daß die Ägypter daraus ein Brennöl herstellen. Schon -Herodot im 5. vorchristlichen Jahrhundert schreibt, daß die Ägypter -den Wunderbaum (~sillikýprion~), den sie ~kiki~ nennen, anpflanzen. -„Dieser trägt seine übelriechenden Früchte sehr reichlich. Sie werden -gesammelt, zerstampft, gepreßt, oder geröstet und dann gekocht. So -fließt das Öl aus, das ebenso gut wie Olivenöl in der Lampe brennt, -aber stark rußt.“ Der 400 Jahre später lebende griechische Geograph -Strabon sagt: „In Ägypten wird der ~kiki~ auf Feldern angebaut. Er -liefert Öl, das fast überall den Bauern zum Brennen und ärmeren Leuten, -sowohl Männern als Weibern, zum Salben dient.“ Und der griechische Arzt -Dioskurides im 1. Jahrhundert n. Chr. meint, das Kikiöl tauge nicht als -Speise, wohl aber als Brennöl und zum Herstellen von Pflastern. - -Zur Gewinnung von Brennöl hat sich die Pflanze vom Niltal über -Westasien nach Indien verbreitet. Bei den alten Juden hieß sie -~kikajon~, wie wir aus der Stelle beim Propheten Jonas lesen, der unter -Jerobeam II. von Israel, dem Sohn und Nachfolger des Joas (regierte von -790-749 v. Chr.), von Jahve den Auftrag erhielt, dem gottlosen Ninive -den Untergang anzudrohen, wenn es sich nicht bessere. Und als sich -die Bewohner tatsächlich zu Gott wandten und verschont blieben, ging -Jonas verdrossen aus der Stadt hinaus, „setzte sich gegen Morgen der -Stadt und machte sich daselbst eine Hütte; in deren Schatten setzte -er sich, bis er sähe, was der Stadt widerfahren würde. Gott der Herr -aber verschaffte ihm einen ~kikajon~ (von Luther fälschlich mit Kürbis -übersetzt) -- also eine Rizinusstaude --, der wuchs über Jonas, daß -er Schatten gab über sein Haupt. Und Jonas freute sich sehr über den -~kikajon~; aber der Herr sandte des Morgens, da die Morgenröte anbrach, -einen Wurm, der stach den ~kikajon~, daß er verdorrete.“ - -Heute wird die Rizinusstaude außer in Westafrika besonders in Süd- -und Ostasien, wie auch in Amerika in großer Menge zur Ölgewinnung -angebaut. Man sät sie meist als Zwischenfrucht zu Beginn der Regenzeit -und schneidet am Ende der Trockenzeit die Rispen, kurz bevor sich -die Fruchtkapseln öffnen, ab, um sie an der Sonne zu trocknen. -Dabei öffnen sie sich von selbst und lassen die ziemlich großen, -meist glänzendgrauen, mitunter auch schwarzen oder rotbraunen Samen -herausfallen. Diese sind innen weiß, öligfleischig, talgweich, -enthalten 52-55 Prozent des durch Pressung gewonnenen gelblichen, -dickflüssigen +Rizinus-+ oder +Kastoröls+, das bekanntlich ein mildes -Abführmittel ist, aber gleichwohl von den Chinesen vielfach als -Speiseöl benutzt wird. In Südasien wird es meist als Brennöl gebraucht, -da es ein helles, weißes Licht gibt. Sonst wird es vielfach zur -Herstellung von Kerzen und Seifen verwendet. Leider wird es an der Luft -leicht ranzig, so daß in Europa die Samen eingeführt werden, aus denen -hier erst das Öl gepreßt wird. Da aber die Rückstände das Ricin, ein -äußerst heftiges, das Blut zur Gerinnung bringendes Gift enthalten, -sind sie trotz ihres hohen Nährwertes als Viehfutter ungeeignet. - -Noch viel schärfer reizend wirkt auf die Darmschleimhaut das -+Krotonöl+, das aus den Früchten von ~Croton tiglium~, einem nur -4 bis 6 m hohen, in Indien heimischen Baum aus der Familie der -Wolfsmilchgewächse gewonnen wird. In seiner Heimat wird er als -Schattenspender für Kaffee-, Kakao-, Vanille- und Kardamompflanzen -oder zur Bildung von Hecken, die von allen Tieren streng gemieden -werden, angebaut. Von dem zähflüssigen gelben Öl genügt ein Tropfen -zur ausgiebigen Darmentleerung und, ebensoviel auf die Haut -gebracht, bewirkt Blasen. Ebenfalls, wenn auch schwächer abführend, -ist das tiefgelbe, zähflüssige +Purgiernußöl+, das von den Samen -der im nördlichen Südamerika heimischen ~Jatropha curcas~ stammt. -Als Heckenpflanze oder Stützpflanze für Vanille und Pfeffer wird -der Strauch jetzt in fast allen, tropischen Ländern gezüchtet, am -ausgedehntesten wohl auf den Kapverdischen Inseln, die jährlich bis 5 -Millionen kg Samen nach Europa ausführen, um hier das Öl zu pressen, -das ein vorzügliches Brennöl ist und auch als Schmieröl und in der -Seifenfabrikation befriedigt. - - Tafel 55. - -[Illustration: Schibutterbäume in der Steppe von Togo (nach -Photographie von W. Busse in „Karsten und Schenck, Vegetationsbilder“). - - (Phot. von Missionar Schkölziger.) - -Szenerie aus dem Urwald am Mongofluß bei Bombe in Kamerun. - -Im Vordergrund ist ein zur Gewinnung von Bauholz gefällter Naybibaum, -dessen Früchte zur Bereitung einer weißen Pflanzenbutter verwendet -werden. Dahinter befindet sich eine junge Ölpalme.] - - Tafel 56. - - (~Copyright by F. O. Koch.~) - -[Illustration: Rizinusplantage in Ostafrika. - -Karnaubapalme (~Copernicia cerifera~) in Brasilien (nach Photographie -von Ule in „Karsten und Schenck, Vegetationsbilder“).] - -Ein Öl, das zunehmende Bedeutung in der Industrie erlangt hat und -von dem Deutschland jährlich, zumeist aus Amerika, für 25 bis 30 -Millionen Mark einführt, ist das +Baumwollsamenöl+, das in China und -in Mittelasien schon seit Jahrhunderten in sehr primitiven Mühlen -gewonnen wird. Aus ägyptischem Baumwollsamen gepreßtes Öl wurde zuerst -1852 versuchsweise auf den europäischen Markt gebracht. Bis man auf -diese neue Verwendungsmöglichkeit aufmerksam wurde, bildeten die Samen -der Baumwollarten bei der Gewinnung des Spinnstoffes ein Nebenprodukt, -das lange Zeit als lästiger, wertloser Abfall angesehen und als -solcher verbrannt oder in den nächsten Fluß geschüttet wurde. So hat -der Mississippi Millionen Zentner davon in den Atlantischen Ozean -getragen. Heute ist dieses lästige Abfallsprodukt ein so wertvoller -Rohstoff geworden, daß die Samenernte und das daraus gewonnene Öl noch -lukrativer sind als die Baumwollernte selbst. Von einem 1 Hektar großen -Baumwollfeld kann man etwa 1000 kg Samen ernten, und da diese 20-25 -Prozent fettes Öl enthalten, so ist deren Ausbeute sehr beträchtlich. -Die Baumwollsamen werden in Ölmühlen gemahlen und das daraus gewonnene -Öl dient hauptsächlich zur Herstellung von Kunstbutter und Seife. Es -ist dickflüssig, trübe, von brauner bis schwarzbrauner Farbe, gereinigt -dagegen hellgelb und von angenehmem nußartigem Geschmack. Es findet -namentlich in Nordamerika als Speiseöl, aber auch zur Verfälschung -anderer wertvoller Speiseöle Verwendung. Das in den Vereinigten Staaten -unter dem Namen Olivenöl verkaufte Tafelöl besteht zu 90 Prozent -aus Baumwollsamenöl. Die Preßrückstände, die man heute schalen- und -haarefrei herzustellen vermag, bilden ein sehr wertvolles Kraftfutter -für das Vieh. - -Im Gegensatz zu den anfänglich besprochenen Fettstoffen, die nicht -trocknende Öle darstellen, sind die beiden letztgenannten, das Rizinus- -und Baumwollsamenöl, trocknende Öle, welche infolge des Besitzes von -Olëinsäure an der Luft zu einem durchsichtigen, harzartigen Körper -eintrocknen. Zu solchen gehören ferner das Lein-, Leindotter-, Mohn-, -Hanf-, Raps-, Rübsen-, Sonnenblumensamen-, Haselnuß-, Walnuß-, -Kürbissamenöl u. a. m. - -Die älteste in Europa nachweisbare, Fett liefernde Kulturpflanze ist -der +Lein+ oder +Flachs+, den schon die neolithischen Pfahlbauern -nicht bloß zur Gewinnung eines Faserstoffes, sondern vor allem -auch zum Verspeisen der ölreichen Samen anpflanzten, wie sie dies -gleicherweise mit dem Mohn taten, dessen Samen sich ebenfalls -in ihrer Hinterlassenschaft im moorigen Schlamm der seither -größtenteils verlandeten Seen an den Stellen vorfand, die einst -Pfahlbauansiedelungen trugen. Er wurde teils allein, teils mit anderen -Körnerfrüchten zusammen in Form von Brei oder Fladen verspeist. So -fand man in der Hinterlassenschaft des neolithischen Pfahlbaues von -Robenhausen im Kanton Zürich eine Art Flachskuchen in Form einer aus -Flachssamen zusammengesetzten dünnen Scheibe, außerdem Reste eines -Hirsebrotes, dem einzelne Weizenkörner und Flachssamen beigemengt -sind. Heute noch wird in Indien der Lein nur seiner ölreichen Samen -wegen angebaut, während seine Fasern keine Verwendung finden; auch in -Abessinien dient der Lein ausschließlich als Speisepflanze. Noch im -Altertum aßen die Mittelmeervölker seine Samen regelmäßig; deshalb -finden wir sie unter den Totenspeisen der Ägypter aus dem alten und -mittleren Reiche, also bis zur Mitte des vorletzten christlichen -Jahrtausends. Ebenso finden wir sie bei den alten Griechen zeitig als -beliebte Speise neben den Mohn- und Sesamkörnern; und zwar wurden -sie mit Vorliebe als Beimischung zu Hirsebrot verwandt oder für sich -als Brei, oftmals mit Honig vermengt, genossen. Urkundlich erwähnt -sie zuerst in solcher Zubereitung im 7. vorchristlichen Jahrhundert -der Dichter Alkman aus der Stadt Sardes in Kleinasien, der von süßen -Kuchen, aus Mohn-, Lein- und Sesamsamen spricht. Der griechische -Geschichtschreiber Thukydides berichtet, daß in dem 431-404 v. Chr. -zwischen der dorisch-spartanischen und der ionisch-attischen -Bundesgenossenschaft geführten sogenannten peloponnesischen Kriege, der -die Macht Athens brach, gleichzeitig aber ganz Griechenland schwächte, -Taucher der von den Athenern belagerten Inselstadt Sphakteria unter -dem Wasser in Schläuchen Mohnsaat in Honig und zerstoßene Leinsaat als -willkommene Speise zuführten. Auch in dem nördlich vom Po gelegenen -Oberitalien gab es nach Plinius um die Mitte des 1. Jahrhunderts -n. Chr. bei den dort wohnenden keltischen Stämmen eine sehr süße -ländliche Speise aus Leinsaat, die aber damals nur noch bei Opfern -Verwendung fand, von den Lebenden aber nicht mehr gegessen wurde. - -Während heute die meisten Länder den Lein als Gespinstpflanze bauen, -wird er außer in Indien und Abessinien nur noch in Ägypten und Rußland -vornehmlich der ölhaltigen Samen wegen kultiviert. Nur die guten, -ausgereiften Samen dienen in diesen Ländern zur Aussaat; die minder -guten oder unreifen dagegen werden zur Gewinnung eines als pflanzliches -Speisefett sehr geschätzten Öles benutzt, mit dem man in jenen Gegenden -wie auch manchenorts in Europa, z. B. in Böhmen, Schlesien, Thüringen -und wohl auch Brandenburg, das landesübliche Gebäck schmälzt. Die -Fruchtkapseln der Leinpflanzen enthalten je zehn eiförmige, glatte, -bräunliche Samen, die 31-35 Prozent eines aus indischen Produkten -hellgelben, aus nördlicheren dagegen bräunlichgelben Öles bergen, das -durch kaltes Pressen in feinerer Qualität als Speiseöl, durch warmes -Pressen dagegen in geringerer Qualität als Industrieöl gewonnen wird. -Doch müssen die Samen vorher 2 bis 6 Monate lagern, da das Öl sonst -trübe und schleimig wird. Das meist goldgelbe, dickflüssige, etwas -scharf, aber sonst angenehm schmeckende und riechende Öl wird an der -Luft durch Sauerstoffaufnahme leicht ranzig, heller und trocknet ein. -Bis auf 290° C. erhitzt, wird es zäher, trocknet leichter ein und -liefert den Firnis, der als schützender Überzug auf Holz und Eisen -gebraucht wird. Ganz besonders wird er mit Mennige verrieben zum -konservierenden Anstrich aller Eisenkonstruktionen an Brücken, Häusern, -Einhegungen usw. verwendet, da er mit jener eine äußerst fest haftende, -lange vor Rost schützende Vereinigung eingeht. Auf diesen ersten -Überzug wird dann in der Regel graue Ölfarbe aufgetragen. Auf höhere -Temperatur gebracht wird es noch konsistenter und als Buchdruckerfirnis -brauchbar. Auch zu wasserdichten Stoffen, besonders zu Linoleum, -wird es verwendet. Mit Schwefel zusammengeschmolzen, liefert es eine -plastische, erhärtende, aber brüchige Masse, die zur Verfälschung und -als sehr schlechter Ersatz für Kautschuk auf den Markt gelangt. Die -frischen Leinsamen werden bekanntlich in der Apotheke geführt, weil -sie in Wasser gekocht, wie die Quittensamen und andere, große Mengen -Schleim aus der obersten Samenschale abgeben, welcher zu Umschlägen und -als Breikissen gebraucht wird. Die nach dem Pressen zurückbleibenden -Reste endlich bilden als Lein- oder Ölkuchen ein vorzügliches -Viehfutter. - -Bis zum Mittelalter hat man die Samen dieser Ölpflanze zerquetscht -und gegessen. Erst nach der Zeit der Kreuzzüge begann man das Öl als -solches zu gewinnen und zu verwenden. Vorher hatte man in Deutschland -alles zu ritualen und Speisezwecken verwendete Öl für Kirchen und -Klöster in Form von Olivenöl aus dem Süden, aus den romanischen Ländern -als vielbegehrten Handelsartikel eingeführt. Dieser Import hörte dann -auf, und da das einheimische Öl billig zu stehen kam, fand es bald -ausgedehnte Verwendung. Dabei wurde seit dem 13. Jahrhundert neben -dem Leinsamen auch der 51-55 Prozent Öl enthaltende +Mohnsamen+ als -Fettspender gezogen, um aus letzterem das ~mâgöl~ zu gewinnen. Denn -~mâgo~ oder ~mâg~ hieß althochdeutsch der Gartenmohn, den schon Karl -der Große in den Verordnungen für seine Landgüter anzupflanzen befahl. -Auch der fränkische Mönch Walahfried Strabo empfahl um die Mitte des 9. -Jahrhunderts dessen Anbau in einem uns erhaltenen lateinischen Gedicht, -weil den Körnern schlafbringende Kraft innewohne. Zur Gewinnung der -ölreichen Samen haben schon die neolithischen Pfahlbauern eine der -Stammpflanze des Gartenmohns sehr nahe stehende Mohnart in ziemlicher -Menge angebaut. Dies beweist uns die große Menge von Mohnkörnern, die -sich in manchen ihrer einstigen Niederlassungen vorfanden. So kam in -Robenhausen, wo wir selbst schon vor 20 Jahren Ausgrabungen beiwohnten, -außer zahlreichen vereinzelten Sämchen ein Mohnkopf und ein ganzer -Kuchen aus verkohlten Mohnsamen zum Vorschein, der aus Tausenden -kleiner, zu einer Masse zusammengebackener Sämchen besteht. Es scheinen -also schon damals die Samen in Form von Mohnkuchen gegessen worden zu -sein. Aber ein Öl daraus zu pressen, verstand man damals wie noch lange -später nicht. Erst nach den Kreuzzügen kam solches in Mitteleuropa -auf, und im späteren Mittelalter trat dann die Erzeugung von Öl aus -Mohnsamen so sehr in den Vordergrund, daß man die Pflanze selbst -~mâgöl~ nannte. - -Heute ist in den weiten Gebieten, in denen Opium gewonnen wird, -der Mohnsamen ein wichtiges Nebenprodukt, und zwar gibt der weiße -Mohnsamen feineres Öl, während der blauschwarze einen reicheren -Ertrag daran liefert. Man gewinnt aus ihnen 60-80 Prozent eines -dünnflüssigen, klaren Öles. Und zwar finden auch hier zwei Pressungen -statt. Das erstemal wird der Samen kalt gepreßt. Dadurch gewinnt man -ein blaßgelbes Öl von angenehmem Geschmack und Geruch, das den großen -Vorteil hat, schwer ranzig zu werden; deshalb findet es vorzugsweise -als Speiseöl Verwendung. Bei der zweiten warmen Pressung erhält man das -dunkelgefärbte sogenannte rote Mohnöl, das unangenehm nach Leim riecht -und einen kratzenden Geschmack besitzt, weshalb man es nur industriell -verwendet. Besonders dient es zur Seifenfabrikation, aber auch zur -Herstellung von Firnis und Malerfarben, da es ebenfalls an der Luft -mit der Zeit eintrocknet. Zur Bereitung feiner Ölfarben benutzt man -lieber das Öl der 40 bis 70 Prozent davon enthaltenden +Walnußkerne+, -das ohne rissig zu werden trocknet. Auch als Speiseöl ist letzteres -vortrefflich und fand früher auch als Brennöl Verwendung, da es ein -schönes, helles Licht liefert. In derselben Weise werden bisweilen auch -die 60 Prozent Fett enthaltenden +Haselnüsse+ zur Ölgewinnung gepreßt. -Soweit der Haschisch im Orient als betäubendes Genußmittel Verwendung -fand, verzehrte man auch die 31-33 Prozent Öl enthaltenden Samen des -ihn liefernden +Hanfes+ als willkommene pflanzliche Fettspeise. Erst -sehr viel später fanden die zähen Fasern der Stengel dieser Pflanze -zu allerlei Gespinsten Verwendung, zu welchem Zwecke ausschließlich -der mittelasiatische Hanf aus dem Morgenlande in Europa eingeführt -wurde. Zuerst bauten ihn hier nach dem Berichte des griechischen -Geschichtschreibers Herodot die Skythen, aber noch nicht zur Verwendung -des Faserstoffs, wie ausdrücklich bemerkt wird, sondern als Genußmittel -an, um sich durch Verbrennen der Hanfsamen auf im Feuer heiß gemachten -Steinen in niederen, allseitig geschlossenen Zelten aus Wollfilzdecken -mit einem tragenden Gerüst aus Holzstangen zu betäuben. Die ölreichen -Samen jedoch werden sie kaum gegessen haben, da sie wohl aus der -Milch ihrer Herdentiere Butter gewannen, die sie zur Schmälzung ihrer -Mehlgerichte verwendeten. - -Viel wichtigere Ölpflanzen sind bei uns +Raps+ und +Rübsen+, die heute -fast in ganz Europa, besonders aber in Frankreich und Belgien viel -angepflanzt werden. Sie treten uns geschichtlich erst spät, und zwar -zuerst um Erfurt herum angebaut, entgegen, breiteten sich dann aber -auch am weitesten aus, da sie sich vorzüglich zum Brennen am Docht -eigneten. Aus diesem Grunde hielt man sie in der Vorzeit, bevor das -Petroleum als Beleuchtungsmittel aufkam, in hohen Ehren. Das Rapsöl -ist dickflüssiger als das olivenbraune Rüböl. Heute dienen sie weniger -als Brenn-, denn als Schmieröle, werden aber auch der Kunstbutter -zugesetzt, um sie salbenförmig, streichfähig zu machen. Bei dem -ungeheuren Bedarf der Seifen- und Schmierölindustrie genügen aber -die europäischen Kulturen nicht, vielmehr werden aus Ostindien große -Mengen davon importiert. Der Raps ist eine gelbe Kohlrübe, auch Erdrübe -genannt, die, weil man sie in Blüten schießen läßt, nur eine dünne und -holzige Pfahlwurzel hat; der Rübsen ist die dem Raps entsprechende Form -der weißen Rübe. Beide werden in zwei Formen gezogen, als im Herbste -gesäte und im folgenden Sommer zur Reife gelangende Winterform und -eine andere, im Frühjahr gesäte, die noch in demselben Jahre ihren -Vegetationszyklus vollendet. Dabei ist die Winterform ölreicher als die -Sommerform. So enthält der Sommerraps 35 Prozent, der Sommerrübsen 34 -Prozent Öl, während der Winterraps 37-39 Prozent und der Winterrübsen -35-38 Prozent desselben aufweist. Die Kultur dieser Fettspender ist in -vorgeschichtlicher Zeit von um die Nord- und Ostsee wohnenden Völkern -vorgenommen worden und hat sich im vorletzten vorgeschichtlichen -Jahrtausend nach Westasien und im letzten vorgeschichtlichen nach -Ostasien verbreitet. - -Ein anderer als Fettspender wichtiger Kreuzblütler ist der +Flachs+- -oder +Leindotter+ (~Camelina sativa~), eine 0,3-1 m hohe einjährige -Pflanze mit kleinen, gelben Blüten und länglichen, dottergelben, sehr -kleinen Samen, die 27-31 Prozent Fett enthalten. Diese im gemäßigten -Europa wie in Nordasien heimische Pflanze wird besonders in Belgien, -in den Niederlanden und in Süddeutschland als Ölpflanze angebaut. Sie -ist in ihrem Ertrage sicherer als der Sommerraps und der Sommerrübsen -und wird gern angebaut, wenn der Winterraps infolge zu intensiver -Kälte zugrunde ging. Dagegen saugt sie den Boden stärker aus und -ist weniger einträglich als jener. Das hellgelbe, fast geruch- und -geschmacklose aus den Samen gewonnene Öl dient als Speiseöl und zur -Seifenfabrikation; nur wird es leicht ranzig. - -Die weißen, grauen, gelben bis schwarzen Samen der aus Mexiko -stammenden +Sonnenblume+ enthalten etwa 32 Prozent klares, blaßgelbes, -geruchloses, angenehm schmeckendes Öl, das sich gut als Speiseöl -verwenden läßt, meist jedoch der Seifen- und Firnisfabrikation dient. -Als die Europäer in das atlantische Gebiet Nordamerikas gelangten, -fanden sie außer Mais, das als Hauptnährfrucht diente, Bohnen, Kürbis, -Tabak auch Sonnenblumen von den Indianern angepflanzt, deren Samen -man röstete und zu Mehl zerrieb. Bald nach der Entdeckung Amerikas -gelangte die Sonnenblume nach Europa und verbreitete sich allmählich -bis Südasien. Heute stammt das meiste in den Handel gelangende -Sonnenblumensamenöl aus Ungarn, Italien, dem südlichen Rußland und -Indien. - -Selbst die +Bucheckern+, die 15-28 Prozent Fett enthaltenden Früchte -der Rotbuche, werden in Thüringen, Hannover, am Rhein und in Frankreich -gepreßt und das hellgelbe, klare, mild schmeckende, fast geruchlose -Bucheckernöl daraus gewonnen. Kalt gepreßt liefert es ein gutes -Speiseöl und dient zur Fälschung des Mandelöls; heiß gepreßt dagegen -ist es bräunlich, dient als Brennöl und zur Seifenbereitung, wobei -es weiche, gelbliche, später grünlich werdende Seifen liefert. Die -Preßrückstände können nur an Schweine und Wiederkäuer, nicht aber an -Pferde verfüttert werden, da sie das giftige Cholin enthalten, gegen -das die ersteren unempfindlich sind, das aber Pferden schädlich wird. - -Reiche Buchensamenjahre, wie sie alle 8-10 Jahre vorkommen, liefern -unendliche Massen dieser köstlichen, billigsten Ölfrucht, die man -meist nutzlos im Walde verfaulen läßt, statt sie auszunützen. Am -ausgiebigsten sammelt man die Bucheckern durch Anschlagen stärkerer -Äste mit einem hölzernen Hammer, wobei die herabfallenden Früchte in -untergelegte Tücher aufgefangen werden. Die Herstellungskosten für -einen Liter Bucheckernöl, das als Back- und Salatöl meist allen anderen -Schmälzmitteln vorgezogen wird, stellen sich insgesamt auf höchstens -40 Pfennige. Die Aufbewahrung desselben geschieht am besten in großen, -gut verschlossenen Steinkrügen; auch empfiehlt es sich, dasselbe nach -Verlauf eines halben Jahres nochmals abzudampfen. Derart behandelt hält -es sich wenigstens drei Jahre lang ohne zu verderben. - -Die Früchte des zum Färben dienenden +Saflors+ (~Carthamus -tinctorius~), die 20 bis 30 Prozent eines sich besonders als Brennöl -eignenden Öles enthalten, und die der +Nigersaat+ (~Guizotia -abessinica~), einer Pflanze des tropischen Afrika, die 40-50 Prozent -enthalten, werden ebenfalls auf fettes Öl verarbeitet. Das Nigersaatöl -erinnert durch den Geschmack an Nußöl und findet besonders in -Ostindien, wo man den Wert dieses Öles schon lange schätzen gelernt -hat, bei der Zubereitung von Speisen vielfach Verwendung. Die Nigersaat -gedeiht sehr leicht auf jedem Boden und liefert schon vier Monate nach -der Aussaat reife Samen. Die Pflanze ist eine bis 1,5 m hohe, an ihren -oberen Teilen rauhhaarige, unten dagegen fast kahle Komposite mit -gegenständigen, schmalen, gezähnten Blättern und gelben Blüten, die -nach der Befruchtung durch Insekten etwa 5 mm lange und 3 mm breite, -glänzendschwarze Samen liefern. Da sie sehr eiweißreich sind, geben die -Preßrückstände ein außerordentlich nahrhaftes und deshalb gesuchtes -Futter. In ihrer Heimat, dem tropischen Afrika, hat dieser wichtige -Fettspender nicht die verdiente Kultur gefunden. Nur in Abessinien baut -man ihn in umfangreicherem Maße an. Besonders hat aber Ostindien den -Wert dieser Ölpflanze erkannt und kultiviert sie in Menge. Neuerdings -sollte ihr in Ostafrika, wo sie heimisch ist, vermehrte Aufmerksamkeit -geschenkt werden, da sie in ihren Samen einen wertvollen, viel nach -Europa eingeführten Handelsartikel bildet. - -Aus den Samen von ~Bactris minor~ wird auf Trinidad und Jamaika -ein gelbliches Fett mit Veilchenaroma und süßem Geschmack, die -+Macajabutter+, gewonnen und allgemein als Speisefett verwendet. -Sehr ergiebig sind die Samen von ~Litsea sebifera~, deren Fett der -Kerzenfabrikation dient. Die Früchte eines einzigen Baumes geben -genügend Material zur Herstellung von 500 Kerzen. Das +Rettichöl+ -wird in China wie das Sesamöl zur Bereitung der schwarzen Tusche zum -Schreiben verwendet; das +Senföl+ dagegen, das zu 22-29 Prozent in den -Senfsamen enthalten ist, dient in Indien als ausgezeichnetes Brennöl. -Heute wird der Senf in Indien nicht mehr als Gewürzpflanze, sondern -fast nur noch zur Gewinnung dieses Öls kultiviert. - -Ein sehr feines, geruch- und farbloses, süßliches Öl ist dasjenige -von ~Moringa oleifera~, das +Behenöl+, das für die Parfümerie und -Uhrenmacherei sehr geschätzt wird. Ebenfalls für die Kosmetik von -Bedeutung ist das +Mandelöl+, zu dessen Bereitung man süße und bittere -Mandeln mischt; doch enthalten die bitteren Mandeln weniger Öl, -nämlich nur 43-48 Prozent, als die süßen, die 50-55 Prozent davon -aufweisen. Da sie aber außerdem über 24 Prozent Eiweißkörper besitzen, -so liefern die nach der Pressung zurückbleibenden Preßkuchen ein sehr -gutes Viehfutter. Das Mandelöl ist hellgelb, geruchlos, angenehm -schmeckend, dünnflüssiger als Olivenöl, wird aber leicht ranzig. Es -kommt mit Mohn-, Nuß-, Pfirsichkern- und Aprikosenkernöl verfälscht -in den Handel. Letztere beiden Öle werden auch an und für sich von -Südfrankreich aus als „süßes Mandelöl“ verkauft. Echtes Mandelöl, das -in der Parfümerie und zur Fabrikation der sehr festen Mandelseife -verwendet wird, stammt fast nur aus England. - -In den bitteren Mandeln ist das Mandelöl an das Amygdalin gebunden, -einen Körper, der ihnen den bitteren Geschmack verleiht. Außerdem ist -darin ein Ferment, Emulsin genannt, enthalten, welches beim Verreiben -der bitteren Mandeln mit Wasser das Amygdalin in Traubenzucker, -Bittermandelöl und Blausäure spaltet. Da nun etwa 0,8 Prozent -der Verbindung Bittermandelöl-Blausäure in den bitteren Mandeln -enthalten ist, so ist es begreiflich, daß bittere Mandeln eine -giftige Wirkung äußern. Ein Dutzend derselben kann bei Erwachsenen -schon schwere Vergiftungen hervorrufen. Das Bittermandelöl wird in -der Likörfabrikation und Medizin, am häufigsten aber zum Parfümieren -billiger Seifen, z. B. der Kokosnußseifen, verwendet. Allerdings hat -hier der Mensch tätig eingegriffen und es der Natur gleichgetan, -indem er im synthetisch aus Benzol und Salpetersäure hergestellten -Nitrobenzol, auch Mirbanöl genannt, einen vollständigen Ersatz für -das Bittermandelöl als Parfümeriemittel schuf. Deshalb ist letzteres -in der gewerblichen Verwendung fast völlig durch das künstliche -Produkt verdrängt worden. Aus den süßen Mandeln dagegen wird die für -kosmetische Zwecke geschätzte Mandelkleie hergestellt. - -Ebenfalls in der Parfümerie, Pharmazie und Seifenfabrikation viel -verwendet wird die aus den Kakaobohnen gewonnene +Kakaobutter+, -die zu 52 Prozent in diesen enthalten ist. Sie wird in der Weise -aus ihnen ausgezogen, daß die gerösteten und geschälten Bohnen auf -etwa 80° C. erwärmt, in Zwilchsäcke gepackt und das Öl dann zwischen -warmen Preßplatten ausgequetscht und hernach filtriert wird. Es -ist weißlich, von mildem, angenehmem Geschmack und Geruch nach -Kakao und wird schwer ranzig. In gleicher Weise wird das Fett der -Muskatnüsse, die +Muskatbutter+, aus den zurückgestellten, kleinen, -schadhaften, feingemahlenen Nüssen durch Auspressen in erwärmtem -Zustande gewonnen. Die talgartige, rötlichbraune Masse wird dann in -Metallgefäßen erstarren gelassen und kommt in kleinen Würfeln in den -Handel. Sie riecht angenehm nach Muskatnuß und dient besonders der -Parfümfabrikation. - -Zur Kerzenfabrikation dient der +chinesische Talg+, das weiße bis -grünliche Fett der Samen des chinesischen Talgbaumes (~Sapium -sebiferum~), von welchem diese ganz umhüllt sind. Dieser Baum ist eine -kahle, in China und Japan heimische Euphorbiazee, die in diesen Ländern -seit alter Zeit kultiviert wird. Er wurde aber auch nach Ostindien -und allen wärmeren Ländern beider Erdhälften verpflanzt und gedeiht -meist sehr gut. Die in den Monaten November und Dezember gesammelten -Samen werden in große, mit Löchern versehene Holzzylinder gebracht und -mit heißem Wasserdampf behandelt, wobei der Talg abfließt, um nach -dem Erstarren noch einmal geschmolzen und filtriert zu werden. Er -bildet erstarrt mattweiße, brüchige Stücke, die in mächtigen Platten -von 40-50 kg Gewicht in den Handel gelangen und vornehmlich in der -Kerzenfabrikation Verwendung finden. Die zurückgebliebenen Samen, -deren Nährgewebe sehr ölreich ist, werden in Steinmörsern zerstampft, -mit Wasser erhitzt und gepreßt, wobei ein von den Chinesen ~fing-yu~ -genanntes flüssiges Fett erhalten wird, das man zur Firnisfabrikation -und als Brennöl benützt. - -Diesem chinesischen Talg ähnlich ist der in Ostindien durch Auskochen -der gerösteten und gemahlenen Samen der ~Vateria indica~ gewonnene -+Vateriatalg+, der zuerst gelblich, später aber farblos ist, ganz -angenehm schmeckt und riecht und in England zur Kerzenfabrikation dient. - -Sehr verbreitet ist im Pflanzenreich die Ausscheidung eines Überzuges -von +Wachs+ an Organen, besonders Blättern, bei denen die Verdunstung -herabgesetzt werden soll. Auch an Früchten ist gelegentlich dieser -Wachsüberzug zu finden, man denke nur an den leichten Wachsüberzug -unserer Pflaumen und Zwetschen, der sie wie bereift erscheinen läßt. -Allerdings ist in der Regel die Wachsausscheidung eine viel zu geringe, -als daß sie sich ausbeuten und technisch verwerten ließe. Nur ganz -ausnahmsweise ist dies der Fall, so bei der in Nordamerika heimischen -+Wachsgagel+ (~Myrica cerifera~). Es ist dies eine unserer, auf den -norddeutschen Heiden weit verbreiteten, stark riechenden Gagel (~Myrica -gale~) verwandte Art, deren erbsengroße, braune Früchte von einer -schneeweißen Wachskruste bedeckt sind. Kocht man die Beeren in Wasser, -so sinken sie unter und das Wachs sammelt sich an der Oberfläche der -Flüssigkeit als fettige Masse an, wird abgeschöpft und in flachen -Schüsseln erkalten gelassen. Ein Strauch gibt 10-15 kg Beeren mit etwa -25 Prozent dieses als +~Myrica~+- oder +Myrtenwachs+ bezeichneten -vegetabilischen Wachses. Es ist härter als Bienenwachs, geschmacklos, -von schwachem Balsamgeruch und wurde von den Indianern in Menge -verzehrt. Jetzt dient dieses Myrtlewachs, wie es die Amerikaner nennen, -zur Anfertigung von Kerzen, die nach dem Auslöschen einen angenehmen -Geruch verbreiten. Diesem ähnlich ist das von ~Myrica carolinensis~ -in Nordamerika, von ~Myrica carcassana~ in Neugranada und ~Myrica -quercifolia~, ~M. cordifolia~ und ~M. laciniata~ am Kap der Guten -Hoffnung durch ebenfalls Auskochen mit Wasser gewonnene grünliche, sehr -schwach balsamisch riechende vegetabilische Wachs, das wie Bienenwachs -benutzt und mit diesem vermengt verwendet wird. - -Auf dieselbe Art wird in China und Japan das sogenannte +Japanwachs+ -aus den Beeren des von Japan längs der Ostküste Asiens bis in den -Himalaja verbreiteten +Wachs-Sumachs+ (~Rhus succedanea~) gewonnen -und ebenfalls meist zu Kerzen verarbeitet. Auch die Beeren von ~Rhus -vernicifera~ und ~silvestris~ werden in gleicher Weise durch Auskochen -und Pressen zur Gewinnung von Wachs verarbeitet. Dieses ist blaßgelb, -nach längerem Liegen außen dunkelgelb bis bräunlich mit schneeweißem -Anflug. Es ist das für den Handel weitaus wichtigste Pflanzenwachs, -das seit dem Jahre 1854 in großen Mengen in Form zentnerschwerer -Blöcke oder Scheiben nach Europa und Amerika gelangt. Von ihm werden -in London allein jährlich mehr als 200000 kg umgesetzt. Es hat die -Eigentümlichkeit, beim Einschmelzen bis 30 Prozent Wasser aufzunehmen, -es wird daher auch oft mit Wasser verfälscht. In Japan wird es als -Ersatz für tierischen Talg und Bienenwachs, auch zum Aufpolieren von -gedrechselten Gegenständen aus Holz, bei uns dagegen hauptsächlich -für Wachsstreichhölzchen und Wachskerzen, überhaupt als Zusatz zu -Bienenwachs verwendet; es ist nämlich nur halb so teuer wie dieses. -Ein naher Verwandter des Wachs-Sumachs ist übrigens der giftige -+Firnis-Sumach+ (~Rhus vernicifera~), ein hoher Baum, aus dessen Stamm -durch Einschnitte der Firnis gewonnen wird, mit Hilfe dessen die -Japaner ihren so vortrefflichen, unverwüstlichen Lack herstellen, der -in einem späteren Abschnitte eingehender besprochen werden soll. - -Außerordentlich reich an einem wachsartigen Harz sind manche -+Balanophoren+, fleischige Wurzelschmarotzer der Tropen von -staudenartiger Tracht, die, weil sie des Blattgrüns und größerer -Blätter völlig entbehren, eher an Pilze als an hoch organisierte -Gewächse erinnern. Die getrockneten Pflanzen brennen angezündet mit -leuchtender Flamme, deshalb werden sie beispielsweise in Südamerika als -~siejas~ auf den Märkten verkauft und an kirchlichen Feiertagen wie -Kerzen verbrannt. Auf Java zerstößt man solche frische Balanophoren zu -Brei und bestreicht mit dieser Paste dünne Bambusstäbchen, welche als -Taschenkerzchen dienen. - -Technisch wichtiger ist das Wachs der +Wachspalme+ (~Ceroxylon -andicola~), die auf den Anden Südamerikas in den Staaten Columbien, -Ekuador und Neugranada in 2000-3000 m Höhe wächst. Sie besitzt einen -bis 75 m hohen, geringelten Stamm von mehr als 30 cm Durchmesser, der -in der halben Höhe anschwillt und von unten bis oben von einer etwa -6 mm starken Schicht blaßgelben, spröden Wachses bedeckt ist, das ihm -ein marmorartiges Aussehen verleiht. Obschon es zu ⅖ mit Harz vermischt -ist, wird es ziemlich wie Bienenwachs benutzt und neuerdings in großer -Menge in die verschiedenen Kulturländer, auch nach Europa, eingeführt. -Die gefiederten Blätter werden 6-7,5 m lang und sind oben dunkelgrün, -unten silberweiß. Das Wachs, das einen namhaften Handelsartikel bildet, -gewinnt man durch Abschaben der gefällten Stämme, von denen jeder -etwa 12 kg liefert. Mit Talg zusammengeschmolzen gibt es eine gute -Kerzenmasse, die aber gelb ist, weil dieses Baumwachs nicht gebleicht -werden kann. Das Holz ist sehr dauerhaft und wird besonders als Bauholz -geschätzt. Mit den Blättern deckt man, wie mit denjenigen der meisten -anderen Palmenarten, Dächer und benutzt sie zu allerlei Flechtwerk. - -Ebenfalls in Südamerika, aber im östlichsten Zipfel dieses Kontinents, -nämlich in den brasilischen Provinzen Ceara, Pernambuco und Rio -Grande besonders an Flußufern heimisch, ist die gleichfalls Wachs -liefernde +Karnaubapalme+ (~Copernicia cerifera~). Es ist dies ein -12-15 m hoher Baum, dessen blaugrüne, bereifte, bis 2 m langen Blätter -eine kugelrunde Krone bilden. Auf feuchtgründigem Boden bildet er -oft ansehnliche Bestände. Sein Holz ist sehr dauerhaft und wird als -Nutzholz verwendet, während die Blätter zu Bedachung der Hütten und als -Flechtmaterial dienen, auch einen starken Faserstoff zur Herstellung -der in jedem Hause statt der Betten gebräuchlichen Hängematten, von -Stricken usw. liefern. Die jüngeren derselben, die als Viehfutter -verwendet werden können, liefern ein strohgelbes Wachs, das beide -Blattflächen bedeckt. An der Oberseite der Blätter ist die Wachsschicht -dicker und sitzt loser, so daß sie sich beim Schütteln der Blätter in -Form kleiner Schuppen ablöst, an der Unterseite jedoch ist sie dünner -und sitzt fester, so daß man das betreffende Wachs nur durch Abschaben -gewinnen kann. Wenn die jungen Fächerblätter sich eben auszubreiten -beginnen, schneidet man sie vorsichtig ab, trocknet sie und klopft -sie so lange mit einem Stock, bis die Wachsschichten vollständig -abgefallen sind. Das so erhaltene grauweiße Pulver wird dann über einem -freien Feuer zusammengeschmolzen oder mit wenig Wasser in einem Topfe -gekocht. Nach einer anderen Methode taucht man die Blätter in heißes -Wasser und sammelt das auf der Oberfläche sich abscheidende flüssige -Wachs, um es in tönerne Formen zu gießen, in denen es zu etwa 2 kg -schweren Kuchen erstarrt. Dieses rohe Karnauba-Wachs ist schmutzig -gelblichgrün, stellenweise bräunlich, hart, spröde, geschmacklos und -wird -- früher ausschließlich in Europa, jetzt meist schon in Brasilien --- gereinigt und ist dann von blaßgrünlich-gelber Farbe, dichtem Gefüge -und sehr schwach aromatischem Geruch. Es wird seit dem Jahre 1852 in -zunehmendem Maße auch nach Europa ausgeführt, um hier zur Herstellung -von Siegellack, Kerzen, weichen Firnissen, als Schuhmacherwachs und -zum Glänzendmachen des Sohlleders verwendet zu werden. Es läßt sich so -wenig als das Wachs der Wachspalme künstlich bleichen, doch wird ihm -seine Sprödigkeit durch Beimengung von Talg oder Bienenwachs genommen. -Viele Menschen beschäftigen sich ausschließlich mit der Gewinnung -desselben. Jährlich werden etwa 2 Millionen kg exportiert und fast -ebensoviel im Lande selbst verbraucht. Aus den trockenen Blättern -flicht man Matten, die violetten, haselnußgroßen, bitteren Früchte -werden roh oder gekocht von den Indianern gegessen und deren geröstete -und gemahlene Kerne geben ein nahrhaftes Getränk als Ersatz des -Kaffees. Aus dem Marke des Stammes gewinnt man ein schmackhaftes Mehl -und die Blattknospen geben einen trefflichen Palmkohl. - -Außer als Nahrung haben die verschiedenen Fettkörper im Laufe der -Kulturentwicklung der Menschheit besonders zur Gewinnung von Seife -und Beleuchtungsmaterial eine große Bedeutung gewonnen. Die Seife ist -eine keltische Erfindung, bestehend aus einer Mischung von Fett mit -Asche, später mit Aschenlauge, und stellt chemisch betrachtet ein -Salz dar, in welchem alkalische Basen mit Fettsäuren verbunden sind. -Von den Alkalien werden sowohl Kali als Natron verwendet; zuerst -benutzte man sie zusammen, später aber, als man beide voneinander zu -scheiden vermochte, getrennt, wobei die Kaliseifen als eine weiche, -schmierige Masse, die Natronseifen jedoch in harter Form gewonnen -wurden. Die keltische Bezeichnung für die Seife ist ~saipo~, ein Wort, -das im Deutschen sich als Seife erhielt. Unter der Bezeichnung ~sapo~ -gelangte sie zu den Römern, die vorher, wie alle antiken Völker, außer -gefaultem Urin oder gewissen, Saponine oder Seifenstoff enthaltenden -Pflanzenabkochungen vor allem die Holzasche als natürliche Soda zum -Waschen benutzt hatten. Nach Plinius bereiteten die Gallier feste und -flüssige Seife aus Ziegentalg und Buchenasche und benutzten sie als -äußerliche Arznei und Haarverschönerungsmittel. Erst Galenos (131-200 -n. Chr.) spricht von der deutschen Seife, die als Reinigungsmittel -benutzt werde. Durch die Verwendung von gebranntem Kalk bei der -Herstellung der Aschenlauge wurden dann später bessere Seifen erzielt. -Nachdem die Seifensiederei aus einem in jedem Haushalt für sich -hergestellten Geschäft in den gewerblichen Betrieb übergegangen war, -scheint sie sich jahrhundertelang durch das ganze Mittelalter hindurch -ohne besondere Fortschritte erhalten zu haben. Schon im 9. Jahrhundert -hatte Massalia, das heutige Marseille, einen bedeutenden Seifenhandel, -und zwar diente dort vorzugsweise das Olivenöl als Fett bei der -Seifenbereitung. Ihm verdankt die Marseillerseife bis auf den heutigen -Tag ihren guten Ruf. Im 15. Jahrhundert lag der Seifenhandel besonders -in den Händen Venedigs, und im 17. Jahrhundert hatten Savona, Genua -neben Marseille die Führung darin. Eine mächtige Förderung erhielt die -Seifenindustrie seitdem der französische Chemiker Chevreul die Natur -der Fette und mithin das Wesen des Verseifungsprozesses kennen gelehrt, -andererseits die Entwicklung der Sodaindustrie einen mächtigen Anstoß -zur Verbesserung des Verfahrens der Seifengewinnung gegeben hatte. -Gegenwärtig wird aus Liverpool allein mehr Seife jährlich ausgeführt -als vor der Begründung der Sodaindustrie aus sämtlichen Häfen -Großbritanniens zusammengenommen. Weiterhin wurde die Seifenindustrie -durch die Einführung von Palmöl, Kokosöl, südamerikanischem und -australischem Tiertalg und nordamerikanischem Fichtenharz begünstigt. -Das Kokosöl gestattete die Herstellung der Leimseifen; es kam um 1830 -zuerst nach Deutschland und Douglas bereitete aus ihm auf kaltem -Wege die erste Kokosnußöl-Sodaseife für medizinische Zwecke. Heute -führt Deutschland rund 1,8 Millionen kg Seife ein und 10 Millionen -kg Seife aus. Was es selbst verbraucht, ist nicht anzugeben, doch -stellt dies eine sehr große Menge dieses heute völlig unentbehrlichen -Reinigungsmittels dar. - -Wie die Seifenbestandteile, das Öl und die Holzaschenlauge, so -entstammt auch alles Beleuchtungsmaterial direkt oder indirekt dem -Pflanzenreiche. Der älteste Lichtspender ist das flackernde Holz des -Herdfeuers, das seinen warmen Schein schon dem unstet nach tierischer -Beute umherschweifenden Höhlenbewohner der Urzeit, wie dem durch -Feldbau und Viehzucht ansässig gewordenen Neolithiker in seiner -bescheidenen Behausung erstrahlen ließ. Ihm folgte auf einer späteren -Stufe als spezifiziertes Beleuchtungsmittel der schräg in einen Ständer -aus unverbrennlichem Material, am besten aus Metall, sobald solches -bekannt und zu haben war, gesteckte Kienspan; denn schon sehr früh -wird der Mensch die Beobachtung gemacht haben, daß Holz um so leichter -und mit um so größerer Flamme brennt, je harzreicher es ist. Deshalb -suchte er bei den Nadelhölzern die harzreichsten Teile, das Wurzelwerk, -zur Beleuchtung zu erlangen. Die Kulturvölker des Altertums benutzten -daneben auch mit Pech und Wachs getränkte Flachsschnüre, und in -späterer Zeit in Pech getauchte oder mit Wachs überzogene getrocknete -Binsen oder Streifen von dürrem Papyrusmark. Auch Schilfrohr, dessen -Höhlung mit Fett ausgegossen war, diente als Vorläufer der Kerze. -Diese selbst scheint erst in der römischen Kaiserzeit als ~candela~ -- -das sich im französischen ~chandelle~ erhielt -- aufgekommen zu sein -und wurde schon damals sowohl aus Wachs, als aus Talg hergestellt und -demnach als ~cerea~ (von ~cera~ = Wachs) oder ~sebacea~ (aus ~sebum~ = -Talg) unterschieden. Man stellte sie in der Weise her, daß man dürre -Binsenstengel oder Streifen von Papyrusmark, später auch Flachsfäden -als Docht so oft in geschmolzenes Fett oder Wachs tauchte, bis die -Fetthülle im Verhältnis zum Kern eine ansehnliche Dicke erreicht -hatte. Besonders bei Leichenbegängnissen wurden bei den vornehmen -Griechen und Römern der späteren Zeit große Kerzen in den Dimensionen -unserer Kirchenlichter getragen, während im Haushalte besonders bei -festlichen Anlässen kleinere gebraucht wurden, die man in Leuchter der -verschiedensten Konstruktionen steckte. War der Lichtträger sehr hoch, -damit die dareingesteckten Kerzen weithin leuchteten, so hieß er (nach -~candela~ = Kerze) ~candelabrum~. - -In Deutschland wurde die Talgkerze erst im 9. Jahrhundert bekannt und -begann hier allmählich den bis dahin üblichen Kienspan zu verdrängen. -Wachskerzen dagegen kamen erst im 14. Jahrhundert in Gebrauch, waren -aber auch an Höfen reicher Fürsten immer noch etwas Kostbares, mit -dem man sehr sparsam umging. Im Laufe des 15. Jahrhunderts erst wurde -der Gebrauch von Wachskerzen durch die katholische Kirche immer mehr -gesteigert und dehnte sich im 16. Jahrhundert ins Fabelhafte aus; so -wurde beispielsweise zu Luthers Zeiten allein in der Schloßkirche zu -Wittenberg etwa 36000 Pfund Wachskerzen im Jahre als Opferspenden -verbrannt. Dieser mit dem Kult in Zusammenhang stehende Luxus blieb -aber auf die Gotteshäuser beschränkt; denn die Bürger und Bauern -begnügten sich in ihren Häusern mit den viel billigeren Talglichtern, -deren Herstellung die Hausfrau immer noch selbst besorgte. Im -November, wenn die Feldarbeit beendet war, begann wie für den -Mann die Drescharbeit in der Tenne, so für die Frau die Zeit des -„Lichtstippens“. Durch wiederholtes Eintauchen des aus Leinen und -später Baumwolle angefertigten Dochtes in geschmolzenen Talg wurden -die Lichter auf die gewöhnliche Dicke gebracht. Erst seit dem 17. -Jahrhundert wurden die Unschlittkerzen auf der Form gegossen, und zwar -dünnere für die Werktage und dickere für die Feiertage. - -Zu Anfang des 19. Jahrhunderts begann man den Talg durch Entfernung der -Ölsäure vermittelst Pressen härter zu machen und ihm das öligschmierige -Aussehen zu nehmen. 1823 erschienen die wichtigen Untersuchungen über -die Fette tierischen Ursprungs des französischen Chemikers Chevreul, -denen zufolge zwei Jahre später Cambacérès, der zuerst die geflochtenen -und außerdem chemisch mit Schwefelsäure zubereiteten Dochte in -Anwendung brachte, Kerzen aus Fettsäuren herzustellen versuchte; doch -waren diese braun, fühlten sich immer noch fettig an und verbreiteten -einen unangenehmen Geruch. Die ersten einigermaßen brauchbaren Kerzen -brachte ein Herr von Milly in Paris auf. Er war vormals Kammerherr -Karls X. gewesen, hatte aber durch die Julirevolution und die danach -folgende Abdankung des Königs 1830 seinen Posten verloren; deshalb -errichtete er, um sich eine neue Existenz zu gründen, zu Paris eine -kleine Fabrik zur Herstellung von Kerzen. Die erste Entdeckung, die -er machte, bezeichnete schon einen sehr erheblichen Fortschritt. An -Stelle der kaustischen Soda, die Chevreul und sein Teilhaber Gay-Lussac -zur Verseifung der Fette seit 1825 angewandt hatten, benutzte er -dazu den Ätzkalk und erhielt dadurch eine Kalkseife, aus der die -Fettsäuren zur Herstellung von Kerzen sich mit Hilfe der Schwefelsäure -leicht abscheiden ließen. Durch anfänglich kalte, im Verlaufe jedoch -gesteigerte und zuletzt warme Pressungen waren die bei gewöhnlicher -Temperatur festen Fettsäuren leicht von der Olëinsäure zu trennen. -Die aus den festen Fettsäuren, der Palmitin- und Stearinsäure (vom -griechischen ~stéar~ = Fett), die in der ersten Zeit als eine einzige -betrachtet und ihrer perlmutterartig glänzenden Krystalle wegen (nach -dem lateinischen ~margarita~ = Perle) Margarinsäure genannt wurden, -bis man auch sie voneinander zu scheiden vermochte, bereiteten Kerzen -hatten jedoch den einen Übelstand, daß der Masse ein kleiner Rest Kalk -beigemengt blieb, der sich beim Verbrennen in den Docht sog und dessen -Porosität verringerte. Auch darin schaffte Milly Abhilfe, indem er den -Docht statt wie nach Cambacérès mit Schwefelsäure mit Borsäure tränkte, -welche alle Aschenbestandteile zu winzigen, glasartigen Kügelchen -zusammenschmilzt. Ebenso begegnete er dem für die Kerzenfabrikation -fatalen Bestreben der nunmehr vorzugsweise zur Herstellung von Kerzen -verwendeten Stearinsäure zu kristallisieren und infolgedessen im Innern -der Formen Hohlräume zu bilden. Man hatte zwar in der arsenigen Säure -schon ein Mittel gegen diesen Umstand in Anwendung gebracht, doch war -dasselbe zu gesundheitsgefährlich, um sich auf die Dauer im Gebrauch -halten zu können. - -Milly fand zuerst, daß ein geringer Zusatz von Wachs zur Stearinsäure -eine gleichmäßige und durchgängig zusammenhängende Masse gebe. -Späterhin entdeckte er, daß die Stearinsäure nur kristallisiert, wenn -sie in sehr dünnflüssigem Zustande in die Formen gegossen wird, daß -sie aber ein völlig gleichmäßiges Gefüge erhält, wenn sie bei einer -Temperatur verarbeitet wird, die dem Schmelzpunkte so nahe liegt, daß -die Masse eben nur fließend erhalten wird. - -Solchergestalt verbesserte Stearinkerzen brachte Milly 1834 unter -dem Namen ~bougies de l’étoile~ in den Handel, doch waren sie in der -ersten Zeit ihres hohen Preises wegen mehr ein Luxusgegenstand für -Reiche als ein volkstümlicher Beleuchtungsartikel. Um sie zu einem -Gegenstand allgemeinen häuslichen Verbrauchs zu machen, bedurfte man -weiterer Verbesserungen in der Methode der Stearinfabrikation. Den -wesentlichsten Vorteil zog man aus der Entdeckung, daß die flüssige -Olëinsäure ein sehr wertvolles Material für die Seifenfabrikation sei, -das das Olivenöl sogar in vielen seiner Eigenschaften zu ersetzen -imstande ist. Durch Höherwertung des einen Bestandteils mußten aber die -anderen sich billiger gestalten, und diese wirtschaftliche Tatsache kam -der Stearinsäure zugute. Auch konnte man jetzt im festen Material dem -geflochtenen Docht eine so starke Drehung geben, daß sich die Spitze -desselben fortwährend nach außen drehte und so an der Peripherie der -Flamme stets genug Sauerstoff zur Verbrennung zu Asche fand. Im Jahre -1839 gab es allein in Paris neun Fabriken, die solche neue, immer -höheren Ansprüchen genügende Kerzen herstellten. Andere Länder blieben -nicht zurück, und ganz besonders gelangte diese neue Industrie in -Österreich zu großer Bedeutung. - -[Illustration: Bild 32. Lampe der Mammutjäger der frühen Nacheiszeit -aus einem roten Sandsteingeröll mit einer Art Griff, aus der Höhle -von La Mouthe in der Dordogne. Auf der Unterseite ist der Kopf eines -Steinbocks eingeritzt. (⅓ natürliche Größe.)] - -Als Beleuchtungsmittel noch viel gebräuchlicher als die Kerzen -waren seit dem frühesten Altertum die +Lampen+, in denen zuerst -tierisches, später auch pflanzliches Fett vermittelst eines aus -einem Holzsplitter oder noch besser aus irgend welchen getrockneten -Pflanzenfasern bestehenden Dochts verbrannt wurde. Die älteste Lampe -war ein ausgehöhlter Stein, und erst nach Erfindung der Töpferkunst -eine aus Ton gebrannte, zuerst offene und später, zum Schutze gegen -das Ausschütten und das Hineingelangen von Verunreinigungen mehr -oder weniger geschlossene kleine Schüssel. Solche Lampen, in denen -besser als fester tierischer Talg nach der Erlangung von ölspendenden -Kulturpflanzen flüssiges fettes Öl verbrannt wurde, besaßen schon -die ältesten Ägypter und Assyrer. Meist waren sie aus Ton gebrannt, -seltener aus Metall und nur ausnahmsweise aus Alabaster oder Glas -hergestellt. Sie bestanden aus einem runden oder ovalen Ölbehälter mit -einer meist in der Mitte gelegenen Öffnung zum Eingießen des Öles, -einer oder mehreren vorspringenden Tüllen für den Docht an der einen -und einem Griff oder Henkel an der anderen Seite. Von den einfachsten -bis zu den kunstvollsten, kostbarsten Formen waren alle Übergänge -vorhanden, darunter außer kleinen auch große, die bis zu 12 und mehr -Flammen nebeneinander brennen lassen konnten. Sie hingen an Ketten oder -standen wie die Kerzen auf einem bei den Römern ebenfalls ~candelabrum~ -genannten Träger. Aus der römischen Kaiserzeit haben uns, abgesehen -von den Funden in Pompeji, besonders die Gräber eine reiche Ausbeute -an Lampen geliefert, da es Sitte war, den Toten Lampen mitzugeben, die -eigens zu diesem Zwecke fabriziert wurden und nicht zu praktischem -Gebrauch geeignet waren. - -Die ersten Christen verzierten ihre Lampen mit christlichen Emblemen, -wie dem Christusmonogramm, dem Lamm, der Taube oder dem ein Lamm auf -seinem Rücken tragenden guten Hirten. Aus den beim Katakombenkultus -gebrauchten Lampen zum Aufhängen vermittelst Kette an der Decke oder -einem Holz- oder Metallarm entwickelte sich die während des ganzen -Mittelalters gebrauchte Hängelampe, die sowohl für Kultuszwecke in -christlichen Kirchen und muhammedanischen Moscheen, als auch für -Profanzwecke überall im Gebrauche stand. Das übliche Öl, das darin -verbrannt wurde, war in Europa meist Rüböl und der Docht ein massiver -Runddocht, während der Flachdocht erst 1783 durch Leger in Paris, -der hohle Docht 1789 durch den in Genf geborenen Techniker Argand in -London aufkam. Letzterer war auch der Erfinder des nach ihm benannten -Brenners mit doppeltem Luftzug, indem er den bis dahin über der Flamme -angebrachten blechernen Zugzylinder durch einen gläsernen ersetzte. - -Eine vollständige Umwälzung in der Lampenfabrikation brachte die -Einführung des +Petroleums+ hervor, für die Silliman in den Vereinigten -Staaten 1855 die erste Lampe konstruiert haben soll. Zwar hatte man -schon im Altertum gelegentlich Erdöl in Lampen gebrannt. So berichten -Dioskurides und Plinius um die Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. vom -Erdöl von Agrigent auf Sizilien, das als „sizilisches Öl“ in Lampen -gebrannt wurde. Auch das Erdöl der „Pechquelle“ bei Bechelbronn im -Unterelsaß, die schon 1498 erwähnt wird, soll im 16. Jahrhundert zum -Brennen in Ampeln benutzt worden sein. Im 19. Jahrhundert diente -das zu Amiano unweit Parma gefundene Erdöl zur Beleuchtung einiger -italienischer Städte, namentlich Genuas. Seit uralter Zeit betrachtete -man die mancherorts aus dem Boden hervorsickernde brennbare Flüssigkeit -mit heiliger Scheu und benutzte sie als geschätzte Medizin. Die -heiligen Feuer der Erdölgegend von Baku waren den Anhängern Zoroasters -ein Gegenstand religiöser Verehrung und sind es ihren Nachkommen, -den Parsen, bis auf den heutigen Tag geblieben. Weil ihre Priester -an den Orten, wo das „ewige Feuer“ brannte, die Versöhnung mit Gott -vermittelten, nannte man sie ~nephtar~, d. h. Versöhnungsorte, wovon -sich der Name Naphtha für Petroleum oder Erdöl ableitet. Erst vom -Jahre 1859 an datiert der Beginn der Petroleumbenutzung in weiteren -Kreisen, zuerst der Vereinigten Staaten, dann auch Europas und der -ganzen Kulturwelt. 20 Jahre später wurde die Petroleumlampe durch die -Konstruktion der Glühlampe von Edison entthront, die ganz wesentlich -zur Verbreitung des elektrischen Lichtes in den Haushaltungen beitrug. - - - - -X. - -Der Zucker. - - -Der älteste Süßstoff der Menschheit war der in hohlen Bäumen oder -Felsklüften von wilden Bienen gesammelte +Honig+. Erst sehr viel später -lernte der Mensch die mancherlei süßen Säfte, die das Pflanzenreich -hervorbringt, für sich verwenden. So wird er schon sehr früh -gelegentlich der Verletzung eines aufschießenden Triebes irgend einer -Palme beobachtet haben, daß nach einer solchen die Pflanze den zum -Aufbau des jungen Pflanzenleibes nötigen Nährsaft in Menge aus der -Wunde hervorträufeln läßt. Dieser schmeckt durch den darin enthaltenen -Traubenzucker süß und kann, durch Verdampfen des Wassers in einem -Gefäß eingedickt, als eine bräunliche, krümelige Masse oder, durch -Alkoholgärung in leicht schäumenden Most verwandelt, als eine Art Wein -genossen werden. Fast alle Palmen haben einen solchen süßen Saft, -den sie bei Verletzung des aufschießenden Triebes in Menge spenden. -So liefert eine einzige auf solche Weise behandelte Kokospalme im -Jahre mehr als 250 Liter Palmensaft, der ein Fünftel seines Gewichts -Zucker enthält. Eingedickt liefert er einen vortrefflich mundenden, -als ~schakara~ bezeichneten +Palmzucker+. Nächst der Kokospalme ist -die indische Dattelzuckerpalme eine für die Zuckergewinnung besonders -geschätzte Palmenart. Von ihr sollen jährlich über 65 Millionen kg -Zucker gewonnen werden, der meist in Indien selbst konsumiert wird. - -Eine natürliche Zuckerart, die statt Traubenzucker Mannit enthält, -ist das +Manna+, das den bei ihrer Wanderung durch die Wüste zu -verhungern drohenden Juden vom Himmel herabgefallen sein soll. Als für -sie unerwartete Himmelsgabe fanden sie es an einem Sommermorgen, als -ihr Hunger aufs höchste gestiegen war, unter den Tamariskenbüschen, -welche in den Tälern des Sinai, die sie durchzogen, heute noch in -Menge wachsen. Diese etwa 7 m hoch werdende Mannatamariske (~Tamarix -mannifera~) produziert diesen Süßstoff spontan nach dem Stiche -einer bestimmten kleinen Schildlaus (~Coccus manniparus~). Diese -Tamariskenart ist eine nahe Verwandte der fränkischen Tamariske, welche -aber nur am Sinai und im Steinigen Arabien, wo sie ganze Wälder bildet, -jene glänzendweißen, honigsüßen Tropfen in der heißesten Zeit, im Juni -und Juli, von den von der betreffenden Schildlaus angestochenen Zweigen -herabträufeln läßt. Nur vor Aufgang der Sonne aufgelesen sind sie von -der Kühle der Nacht noch in festem Zustand und werden seit Urzeiten von -den umwohnenden Araberstämmen in lederne Schläuche gesammelt und müssen -dann sofort an einem kühlen Ort aufbewahrt werden. Die Araber, welche -sie als man bezeichnen, woraus die Juden das Wort ~manna~ bildeten, -sammeln davon am Sinai jährlich etwa 250 kg und verzehren sie als ihren -bevorzugten Leckerbissen mit Brot. Sie sagen, er sei süßer als Honig -und geben ihn kaum je an Fremde ab. Nun sammeln auch die Mönche des St. -Katharinenklosters am Sinai davon in lederne Schläuche und benutzen -es als willkommenen Süßstoff teils selbst, teils verkaufen sie es für -teures Geld an die gläubigen Pilger, die den Sinai mit dem Serbal, dem -Berge der Gesetzgebung, besuchen. - -Im Orient und im Mittelmeergebiet wächst noch ein anderer natürlicher -Zuckerspender. Es ist dies die +Manna+- oder +Blütenesche+ (~Fraxinus -ornus~), deren bis armdicke Zweige durch den Stich der Mannazikade, am -häufigsten aber durch täglich wiederholte Kreuzschnitte oder mehrfache, -schief aufsteigende Einschnitte bis ins Holz angezapft werden, wonach -ein bräunlicher Saft hervorträufelt, der schon nach wenigen Stunden -durch Verdunstung zu einer weißlichen, kristallinischen Masse von sehr -süßem Geschmack erhärtet. Es ist dies der Mannazucker, der heute noch -namentlich in Sizilien und Kalabrien in Kulturgärten gewonnen wird und -in den Handel kommt, seitdem die Araber, die im Jahre 827 Besitz von -jener Insel ergriffen, den Eingeborenen jene natürliche Zuckergewinnung -durch Einschnitte auch an der gewöhnlichen Esche (~Fraxinus excelsior~) -lehrten. Die beste Sorte ist das Röhrenmanna, das von den dünneren -Zweigen gewonnen wird, während das von älteren Zweigen gesammelte -Manna weniger rein ist. Es besteht bis zu 60 Prozent aus Mannit, -einem zuckerähnlichen Körper, der kein Kohlehydrat ist und sich von -den echten Zuckerarten durch mehr Wasserstoff und die Unfähigkeit, -in alkoholische Gärung zu kommen, unterscheidet. Einen ähnlichen -natürlichen Zuckerspender, dessen Erzeugnis von den Eingeborenen -gerne gesammelt und gegessen wird, bildet der +australische Manna+- -oder +Zuckergummibaum+ (~Eucalyptus mannifera~), aus dessen Rinde und -Blättern Tröpfchen eines mannaartigen Saftes in reichlicher Menge -hervorquellen. Dieses Manna ist etwas schleimig, weniger süß als die -echte Manna der arabischen Tamariske und gelinde abführend. Es kommt in -manchen Gegenden in den Handel. - -Obschon außer diesen noch sehr zahlreiche Pflanzensäfte zuckerhaltig -sind und manchenorts zur Gewinnung von Zucker verwendet werden, kommen -nur wenige für den Betrieb im großen in Betracht. So hat man in -Nordamerika, und zwar in Louisiana schon zu Ende des 18. Jahrhunderts -begonnen, aus dem Safte des wildwachsenden +Zuckerahorns+ (~Acer -saccharinum~) Zucker zu gewinnen, und in Europa liefert der Spitzahorn -und Silberahorn ebenfalls Zuckersaft, der namentlich früher in größeren -Mengen gewonnen und auf Zucker verarbeitet wurde. Zu diesem Zwecke -bohrt man Ende Januar und im Februar 30-45 cm über der Erde an mehreren -Stellen schräg aufwärts gerichtete Bohrlöcher von 4 cm Tiefe in den -Stamm und steckt Röhrchen hinein, die den Saft in untergestellte Gefäße -leiten. Der Ausfluß des Saftes dauert für jeden Stamm fünf Tage, dann -vernarbt die Wunde. Nach vielen Versuchen ist diese Operation ohne -erkennbaren Nachteil für den Baum und kann bis Mitte März, bis sich -die Blätter entwickeln, ausgeübt werden. Der so erhaltene Saft ist -wasserklar und enthält bis 5 Prozent Zucker, so daß aus 20 kg Saft bis -1 kg Rohzucker gewonnen werden kann. In Amerika gibt ein Baum etwa -2,5-3 kg Zucker. In Ungarn lieferten 200 Bäume 39 kg sehr schönen -Rohzucker und dazu noch Sirup im Wert von etwa 12 kg Rohzucker. Als der -Rübenzucker noch nicht aufgekommen war, spielte diese Zuckergewinnung -eine wichtige Rolle. So erreichte die Ahornzuckerproduktion der -Vereinigten Staaten Nordamerikas im Jahre 1840 gegen 18 Millionen kg, -nahm aber seither bedeutend ab. In Kanada beträgt die Jahresproduktion -immer noch 3-3,5 Millionen kg und für das gesamte Nordamerika 5 -Millionen kg -- meist aus dem Steinahorn, im Westen auch aus dem -Weichahorn. Diese Bäume, die 30-40 m hoch werden, gedeihen am besten -auf fruchtbarem Ackerboden, sind meist durch den Wald in Gruppen -zerstreut, seltener bilden sie geschlossene Waldungen. Im Vorfrühling, -zur Zeit der kalten Nächte und der allmählich wärmer werdenden Tage, -dem sogenannten „Zuckerwetter“, beginnt der Saft in den Bäumen zu -steigen. Um diese Zeit trifft man die Vorbereitungen zur Zuckerernte. -Mit den nötigen Geräten beladen rücken die Zuckersieder zu zweien oder -dreien in die Wälder. Der eine bohrt die Bäume an und schafft immer -frischen Saft herbei, den der andere in einem großen Kessel einkocht. -Ist ein Dritter vorhanden, so besorgt der die kleinen Handreichungen, -schafft die nötigen Lebensmittel herbei und kocht. Nach zwei bis -drei Monaten kehren sie wieder zurück, häufig mit einem Ergebnis von -750-1000 kg Zucker, der, auf so kunstlose Art gewonnen, braun ist, aber -durch geringe Beimengungen von Apfelsäure einen so angenehmen Geschmack -aufweist, daß er höher geschätzt wird als der gewöhnliche weiße Zucker, -den man übrigens durch Raffinieren sehr leicht aus ihm gewinnen kann. - -In Frankreich stellte man zur Zeit der Kontinentalsperre aus dem -ausgepreßten Safte des +Mais+ Zucker her, wie einst in den Nordstaaten -Amerikas vor dem Bürgerkriege aus demjenigen des +Sorghum+ oder der -+Mohrenhirse+ (~Andropogon sorghum~), einer Art Bartgras. Durch den -aus dem letzteren gewonnenen Zucker wollte man dem aus dem Zuckerrohr -der Südstaaten hergestellten Konkurrenz machen und damit der Sklaverei -selbst einen Stoß versetzen. Man gewinnt daraus in der Tat einen -vortrefflichen Sirup und die Rückstände bilden ein ausgezeichnetes -Viehfutter; bloß die Gewinnung eines kristallisierten Zuckers stößt auf -Schwierigkeiten. Erst nach vollendeter Reife der Samen kann man fast -zwei Drittel des etwa 9 Prozent des Saftes betragenden Zuckergehalts -in kristallisiertem Zustand gewinnen. Doch ist dann der Stengel schon -stark verholzt und muß gebrüht werden, um als Viehfutter dienen zu -können. - -Viel rationeller ist es, den Saft des dem Sorghum nahe verwandten -~Zuckerrohrs~ und der +Zuckerhirse+ zur Gewinnung von Zucker zu -verarbeiten. Das taten denn auch seit wenigstens der Mitte des letzten -vorchristlichen Jahrhunderts die Hindus in Indien, wo die griechischen -Begleiter Alexanders des Großen nach dem Überschreiten des Indus im -Jahre 327 v. Chr. im Pandschab, d. h. Fünfstromland, wie gemeldet wird, -als erste Europäer „an festem Honig sich labten, der nicht von Bienen -stammte“. Immerhin kann diese gelbbraune Substanz auch Palmenzucker -gewesen sein. Jedenfalls ist dies die früheste Nachricht, die wir von -einer durch Eindampfen von süßen Pflanzensäften gewonnenen Zuckerart -besitzen. Der Schüler des bedeutenden Lehrers Alexanders des Großen, -Aristoteles, und nach dessen Tod im Jahre 322 Haupt der peripatetischen -Schule, zugleich der erste namhafte Botaniker, Theophrastos (390-286 -v. Chr.), berichtet als erster von einem „süßen Salz, das sich in -Indien von selbst aus einer rohrartigen Pflanze erzeuge“. Damit kann -nur der Rohrzucker gemeint sein. Nach ihm ist von den Schriftstellern -des Altertums, die das Zuckerrohr erwähnen, der bedeutendste Gelehrte -Roms, Marcus Terentius Varro (116-27 v. Chr.), zu nennen, der schreibt: -„In Indien wächst ein Rohr von mittlerer Baumhöhe, aus dessen zähen -Wurzeln man einen Saft preßt, der dem Honig an Süßigkeit gleichsteht.“ -Dann berichtet der Erzieher und Leiter des jugendlichen Nero, Lucius -Annaeus Seneca (2-65 n. Chr.), in seiner 84. Epistel: „In Indien soll -in den Blättern einer Rohrart ein Honig gefunden werden, der entweder -vom Taue jenes Himmels, oder aus dem süßen Safte des Rohres stammt.“ -Der um 25 n. Chr. verstorbene griechische Geograph Strabon aus Amasia -in Pontos meldet: „Megasthenes spricht von einem in Indien wachsenden -großen Rohr, welches süß ist, und er glaubt, diese Süßigkeit sei -die Folge der Sonnenhitze, welche den Saft der dortigen Pflanzen -einkoche. Er spricht auch von einem Rohr, das ohne Zutun der Bienen -Honig gibt.“ Der um die Mitte des 1. christlichen Jahrhunderts lebende -griechische Arzt Dioskurides aus Anazarbos in Kilikien erwähnt in -seiner reichhaltigen Arzneimittellehre: „Eine Art Honig, die man -~sáccharon~ nennt, findet sich in Indien und dem Glücklichen Arabien -auf Rohr. Die Masse sieht aus und kaut sich zwischen den Zähnen wie -Salz. Sie löst sich in Wasser auf und ist dem Magen, der Blase und den -Nieren gesund.“ Sein Zeitgenosse, der ältere Plinius, sagt: „Das beste -~sáccharon~ erzeugt Indien; es kommt aber auch in Arabien vor. Es ist -eine Art Honig, der sich in einer Rohrart sammelt, weiß wie Gummi ist, -zwischen den Zähnen bricht, höchstens in Stücken von Haselnußgröße -vorkommt und nur als Arznei dient.“ Der große Arzt Claudios Galenos -(geb. 131 in Pergamon, praktizierte daselbst, dann in Rom, wo er ums -Jahr 200 verstarb) meint: „Das sogenannte ~sacchar~, das aus Indien und -dem Glücklichen Arabien gebracht wird, ist, wie man sagt, eine sich an -Rohr findende verhärtete Masse, eine Art Honig, doch nicht so süß wie -unser Honig, hat jedoch ungefähr dieselben arzneilichen Eigenschaften, -bekommt aber dem Magen besser.“ Endlich schreibt der griechische -Kriegsschriftsteller Aelianus, der unter Trajan, der von 98-117 -regierte, lebte: „Das eigentliche Getränk der indischen Elefanten ist -Wasser; die für den Krieg bestimmten bekommen aber Wein, der nicht aus -Trauben, sondern aus Reis und einem Rohr bereitet ist.“ - - Tafel 57. - -[Illustration: - - (Nach Phot. von R. v Wettstein.) - -Verwildertes blühendes Zuckerrohr in Brasilien.] - - Tafel 58. - -[Illustration: Zuckerrohrernte auf Jamaika. - -Zuckerrohrernte auf den Antillen.] - -Alle diese auf uns gekommenen Mitteilungen des Altertums über den -indischen Rohrzucker, denen der Vollständigkeit wegen noch die Angabe -des zu Beginn des 2. christlichen Jahrhunderts lebenden Arztes Gallus -hinzuzufügen ist, daß man das indische Salz als kostbare Medizin bei -Krankheiten verwende, lassen mit großer Deutlichkeit erkennen, daß der -indische Rohrzucker noch in der römischen Kaiserzeit sehr selten und -deshalb teuer war, wohl als Arznei, aber keineswegs als alltäglich -gebrauchter Süßstoff Verwendung fand. Als solcher diente das alte -Süßungsmittel, der Honig, der noch das ganze Mittelalter hindurch bis -in die Neuzeit bei uns den gewöhnlichen Süßstoff zur Bereitung von -Kuchen und süßen Getränken bildete. Alle altertümlichen Gebäckarten, -wie Pfeffer- und Lebkuchen, Leckerli und Honigbrötchen enthalten stets -Honig statt Zucker. - -Das +Zuckerrohr+ (~Saccharum officinale~) ist eine unserem Schilfrohr -sehr ähnliche Grasart, deren Heimat Südasien, speziell die heiße -Niederung von Bengalen ist, jenes von den Schmelzwässern des -Himalaja reich bewässerte Land, das wegen seiner unerschöpflichen -Fruchtbarkeit von jeher als der Garten Indiens gepriesen wurde. Hier -wurde das Zuckerrohr ursprünglich, wie später in China, auf den -Philippinen und den Südseeinseln, als Nahrungspflanze gezogen und erst -nachträglich bloß zur Gewinnung des aus ihm gepreßten süßen Saftes -im großen kultiviert, und zwar ausschließlich durch Stecklinge, so -daß die Pflanze im Laufe der mehr als 3000 Jahre, während welcher -sie auf ungeschlechtlichem Wege vermehrt wird, die Fähigkeit, Samen -hervorzubringen, ganz eingebüßt hat. - -Aus Nordindien kam das Zuckerrohr gegen das Ende des 3. Jahrhunderts -n. Chr. nach China, und zwar im Jahre 286 als Tribut des Königreichs -Funam in Indien. Ein von 627-650 n. Chr. herrschender chinesischer -Kaiser entsandte dann einen Gelehrten nach der indischen Provinz Behar, -um dort die Zuckerfabrikation zu studieren. Zweihundert Jahre später -als nach China drang die Kultur des Zuckerrohrs nach Südpersien und -Arabien vor. In Persien wurde die indische Bezeichnung ~schakara~ (im -altindischen Sanskrit noch ~sarkura~) in ~schakar~, im Arabischen in -~sukkar~, als welches es sich mit dem zu a abgekürzten arabischen -Artikel al als ~azucar~ im Spanischen und Portugiesischen erhielt, -während es im Englischen zu ~sugar~, im Italienischen zu ~zucchero~, -im Deutschen zu Zucker und im Französischen zu ~sucre~ wurde. Das -griechische ~sáccharon~, das als ~saccharum~ ins Lateinische überging, -steht dem persisch-indischen ~schakara~ noch näher. - -Im 6. Jahrhundert n. Chr. war der Anbau des Zuckerrohrs von seinem -Ursprungsherde Indien westlich bis Gondisapur am persischen Meerbusen -vorgedrungen, wohin sich die Nestorianer geflüchtet hatten, als -das Konzil zu Ephesus im Jahre 431 ihre Lehre, wonach zwischen der -göttlichen und menschlichen Natur in Christus scharf zu unterscheiden -sei, für ketzerisch erklärt und ihr Haupt, den Patriarchen Nestorius -von Byzanz, abgesetzt und verbannt hatte. Sie führten dem Orient die -Keime klassischliterarischer und wissenschaftlich medizinischer Bildung -zu, namentlich auch die Anfangsgründe chemischer Kenntnisse. Die -durch rege Schiffahrt unterhaltenen Beziehungen der Stadt Gondisapur -zu Indien bewirkten zugleich, daß sich der Einfluß der indischen -Arzneilehre dort geltend machte und eine Akademie erblühte, die nicht -nur die Traditionen der griechischen Medizin und Naturwissenschaften -in sich aufnahm, sondern dieselben auch, mit den indischen Kenntnissen -befruchtet, wesentlich förderte. Hier wurde allem Anscheine nach die -Kunst der Zuckerraffinerie erfunden, wie der persische Name „~kand~“ -für den gereinigten Zucker -- in unserer Bezeichnung Zuckerkandel -beziehungsweise Kandiszucker noch zu erkennen -- vermuten läßt. - -In der Folge waren es die Araber, welche das Zuckerrohr in größeren -Mengen pflanzten, um Zucker daraus zu gewinnen. So soll der Kalif -Mostadi ben Villa von Bagdad bei den prunkvollen Festlichkeiten zu -Ehren seiner Vermählung im Jahre 1087 einen so großen Tafelaufsatz aus -Konfekt haben herstellen lassen, daß zu seinem Aufbau 5000 kg Zucker -nötig waren. Wenn auch dieser Bericht zweifellos eine von der blühenden -orientalischen Phantasie diktierte Übertreibung darstellt, so kann doch -schlechterdings nicht bezweifelt werden, daß die Araber den Zucker -schon in beträchtlicher Menge gewonnen haben müssen. Bei ihnen lernten -ihn die Abendländer auf ihren Kreuzzügen im Morgenlande kennen. So -meldet uns der Mönch Albertus Aquensis, daß die Kreuzfahrer im Gelobten -Lande aus Mangel an anderen Nahrungsmitteln „süßes, honigreiches -Schilfrohr“, das sie da und dort im Lande der Ungläubigen angepflanzt -fanden, also Zuckerrohr gekaut hätten, um dessen Saft zu schlürfen. -Nach Venedig gelangte der erste Zucker im Jahre 996 aus Alexandrien. -Dort soll er später aus seinem rohen Zustand, wie ihn die Araber -lieferten, in die heute noch gebräuchliche Kegelform des Zuckerhutes -gebracht worden sein. Durch die Vermittlung der venezianischen -Kaufleute wurde er dann nach der Zeit der Kreuzzüge auch im Abendlande -bekannt; aber auch hier fand er wie einst im Morgenlande vorzugsweise -nur ärztliche Verwendung als kostbares Heil- und Stärkungsmittel. Ja -er war noch zu Ende des 17. Jahrhunderts so teuer, daß man sich in -Deutschland nur in den vornehmsten Haushaltungen seiner bediente. - -Das Zuckerrohr selbst brachten die Araber im 8. Jahrhundert nach -Ägypten (766 wuchs es schon bei Assuan in Oberägypten), ganz Nordafrika -und sogar (714) nach Spanien und im 9. Jahrhundert nach Zypern, -Rhodus, Kreta, Malta, Sizilien und Kalabrien. In Sizilien blieb dessen -Kultur auch nach der Vertreibung der Araber bestehen. So schenkte -König Wilhelm II. von Sizilien dem Kloster St. Benedikt bei Palermo -im Jahre 1166 eine -- jedenfalls von den Arabern eingerichtete -- -Mühle zum Zerquetschen des Zuckerrohrs mit Privilegien, Arbeitern -und Zubehör. In Venedig, das in sehr regen Handelsbeziehungen mit -dem muhammedanischen Orient stand, lassen sich bereits im Jahre 1150 -Zuckerbäcker nachweisen. Die drei wichtigsten Produktionsländer des -Zuckers im Mittelalter waren Syrien, Ägypten und Zypern, von wo ihn die -Handelsschiffe der Venezianer holten, um ihn den Völkern Mitteleuropas -zu vermitteln. Die Bedeutung dieser Länder schwand erst als Vasco da -Gama im Jahre 1498 den direkten Weg nach Ostindien um das Kap der Guten -Hoffnung fand und der Zwischenhandel mit indischem Zucker und den -mancherlei im Abendlande so überaus beliebten Gewürzen in die Hände -der Portugiesen fiel. Damit war der dominierende handelspolitische -Einfluß Venedigs und damit seine Seemacht für immer gebrochen; an -Stelle des Mittelmeeres wurde der Atlantische Ozean der Schauplatz des -Weltverkehrs. - -Der portugiesische Prinz Heinrich der Seefahrer ließ das Zuckerrohr -im Jahre 1420 nach der damals neu entdeckten Insel Madeira schaffen; -von da gelangte es bald nach den Kanaren, wo in der Folge eine -besonders feine Sorte Zucker erzeugt wurde. Daher rührt die Bezeichnung -Kanarienzucker für die feinste Sorte. Von den kanarischen Inseln -verbrachte Kolumbus das Zuckerrohr auf seiner ersten Reise 1490, die -mit der Entdeckung des neuen Weltteils gekrönt wurde, nach San Domingo, -wo er es auf seiner zweiten Reise im Jahre 1495 gut gedeihend antraf. -Zu Beginn des 16. Jahrhunderts wurde es nach den übrigen westindischen -Inseln, 1531 durch die Jesuiten zugleich mit den dasselbe anbauenden -Negern nach Brasilien und 1553 durch Cortez nach Mexiko verbracht, wo -die Eingeborenen bereits aus Mais Zucker zu gewinnen verstanden. Im -ganzen tropischen Amerika, besonders auf den westindischen Inseln, -gedieh es in der Folge so gut, daß diese Länder, schon von 1570 an, -eine solche Menge Zucker auf den Weltmarkt brachten, daß Sizilien -seine Zuckerproduktion ums Jahr 1580 einzustellen begann, da es -gegen die überseeische Produktion in Amerika nicht mehr anzukämpfen -vermochte. Selbst Ostindien konnte nicht mehr mithalten und mußte -seine Zuckerproduktion verkleinern, da sein Zucker für Europa zu -teuer zu stehen kam. Diese gewaltige Zuckerproduktion, womit es alle -Konkurrenten aus dem Felde schlug, war Amerika nur durch die beständige -Zufuhr von Negersklaven aus Afrika ermöglicht, die hier als billiges -Arbeitsmaterial auf den Plantagen verwendet wurden. Länder, die zu -dieser Kultur freie Arbeiter anstellen mußten, konnten mit jenem Lande -nicht konkurrieren. - -Obschon alles heute gebaute Zuckerrohr von derselben Art abstammen -muß, sind im Laufe der Zeit unter den Einwirkungen des veränderten -Bodens und Klimas die mannigfaltigsten, hauptsächlich an Unterschieden -der Farbe des Stengels kenntliche Varietäten entstanden, die stets -nur durch Stecklinge vermehrt werden, wozu man meist die obersten, -ausnahmsweise auch die untersten Glieder mit 2-3 Augen des knotigen, -saftreichen, nicht hohlen Stengels verwendet. Daraus erwachsen Pflanzen -mit ausdauernden dicken, knotigen, dicht verschlungene Rasen bildenden -Wurzeln, 4-5, ganz ausnahmsweise bis 12 Stück 3-4, in seltenen Fällen -auch 6 m hoher und 3-5 cm dicker, runder, knotig gegliederter Halme mit -einem lockeren, zelligen, saftigen Mark, von einer dichten, festen, -glatten und glänzenden Oberhaut bedeckt, die in der Jugend mit einem -weißen Reif versehen ist. Oben sind die Halme hellgrün und durchlaufen -nach unten zu alle Nuancen durch Purpur bis zum welken Gelb bei der -Reife. Die Farbe ist bei den verschiedenen Spielarten bald grün, bald -gelb oder violett, bald purpurn oder verschiedenfarbig gestreift. -Die mit ihrer Basis an den Knoten den Halm 30 cm hoch scheidenartig -umfassenden Blätter sind 1,25-1,3 m lang, 6-7 cm breit, glatt, sehr -fein, aber scharf gezähnt mit einer breiten, weißlichen, auf dem Rücken -gewölbten Mittelrippe. In dem Maße wie der Halm wächst, dorren die -unteren Blätter ab, bis das Rohr zur Ernte reif ist. Dabei hat der -Stengel, der allein Verwendung findet, unten eine Dicke von 6 cm und -unter Umständen ein Gewicht von 10 kg und darüber erreicht. Er enthält -nur bis zu einer gewissen Höhe hinauf Zucker. Gipfel und Blätter bergen -zwar auch viel Saft, aber keinen süßen. - -Das Zuckerrohr wird schon so lange vom Menschen angepflanzt, daß -es wohl gelegentlich verwildert, wie auf einzelnen Inseln des -Großen Ozeans, aber nirgends mehr wild angetroffen wird. Am besten -gedeiht es in einem feuchtwarmen Klima mit verhältnismäßig hoher -Bodenfeuchtigkeit, die man zum Teil auch durch künstliche Bewässerung -erreichen kann. Der Boden muß, wie eingehende Versuche ergaben, neben -den Silikaten des Aluminiums und Kaliums namentlich Kalk enthalten, -der bei Fehlen durch Düngung, z. B. von Gips, ersetzt werden muß. In -solchen tief umgegrabenen, jungfräulichen oder gut gedüngten Boden -werden die Stecklinge in 1-1,25 m voneinander abstehenden Rinnen in -60-65 cm Abstand beinahe horizontal eingesteckt. Fällt nur spärlicher -Regen, so müssen sie sorgfältig begossen werden; ist dagegen ein -Überschuß von Feuchtigkeit vorhanden, so muß dieser durch die Rinnen -abgeleitet werden, damit dem Verfaulen der Stecklinge vorgebeugt werde. -Die Wurzeln beginnen sich rasch zu entwickeln und bald schießt der -erste Stengel empor; erst wenn dieser eine Höhe von 50 cm erreicht hat, -entwickeln sich noch 4-5 oder mehr Seitenstengel, die aber an Stärke -hinter dem Hauptstengel zurückstehen. - -Die Zuckerrohrpflanzung muß während des ersten Wachstums des Rohrs -durch Jäten des üppig wuchernden Unkrauts und durch Behäufeln der -Pflanze, um sie vor dem Austrocknen zu schützen, sorgfältig gepflegt -werden, bis die Blätter der Pflanze so hoch geworden sind, daß sie -genug Schatten werfen, um damit das Unkraut unterdrücken zu können. -Dann ist das Jäten nicht mehr nötig. Werden die Pflanzen größer, so -nimmt man ihnen ihre untersten Blätter, damit die Sonne bis zum Stengel -dringe und einen möglichst großen Zuckergehalt in ihm bewirken könne, -dann aber auch, um diese abgebrochenen, großen Blätter horizontal auf -den Boden unter die Pflanzen zu legen, damit wenn sie sich neigen -sollten, ihre Knoten nicht Wurzel schlagen können, wodurch das Rohr an -Zuckergehalt bedeutend verlieren würde. Nach etwa acht Monaten haben -die Rohrstengel ihre volle Größe erreicht. Von da an muß das Wetter -möglichst trocken sein, damit sich reichlich Zucker in den Stengeln -ansammle. - -Die Ernte beginnt +vor+ der Blütezeit, wenn sich das Rohr und die -mittleren stehen gebliebenen Blätter desselben gelb zu färben beginnen. -Die Blüten würden nach etwa zehn Monaten in Form von 60 cm langen, -buschartigen, aus sehr zahlreichen Einzelblütchen bestehenden Rispen -nur bei einigen wenigen kultivierten Zuckerrohrsorten zum Vorschein -kommen. Die meisten Sorten blühen aber überhaupt nicht mehr, da aus -technischen Gründen durch Jahrhunderte hindurch das Rohr vor der -Ausbildung der Blüte abgehauen wurde und sich die Pflanze so allmählich -daran gewöhnte, diese überhaupt nicht mehr zu bilden. Noch viel -seltener bringt sie Früchte hervor; diese sind vielmehr wie die Keimung -derselben erst in jüngster Zeit beobachtet worden. - -Beginnen die mittleren Blätter zu welken und schwellen die unteren, -besonders viel Zucker enthaltenden Stengelglieder von dem in ihnen -angehäuften Safte an, so wird das Zuckerrohr abgehauen. In Abteilungen -verteilt streifen die Arbeiter erst die Blätter von den Stengeln ab -und hauen dann mit großen, im romanischen Amerika ~machete~ genannten -Buschmessern das Rohr an der Wurzel ab, während andere die noch -unreifen Spitzen desselben abschneiden. Dann werden die Stengel, zu -Bündeln vereinigt, auf Maultierkarren nach dem Zuckerhause gebracht, wo -sie zuerst gewogen und der Zuckergehalt in ihnen bestimmt wird, damit -der Fabrikant berechnen könne, wieviel kristallisierbaren Zucker sie -liefern werden. Die Stengel des Zuckerrohrs enthalten nämlich gegen 90 -Prozent Saft und in diesen 18-20 Teile Rohrzucker. Von diesem letzteren -werden indessen höchstens 8-10 Prozent gewonnen, beinahe die Hälfte -desselben geht bei der mangelhaften Gewinnungsmethode verloren, gegen 6 -Prozent bleiben allein im Rohr zurück. - -[Illustration: Bild 33. Eine Zuckerfabrik im 16. Jahrhundert: Das -Ausquetschen des Zuckerrohrs. - -(Nach Piso und Marggraf, ~Historia nat. Brasiliae~. Elzevir. 1648.)] - -[Illustration: Bild 34. Eine Zuckerfabrik im 16. Jahrhundert. Das -Einsieden des aus dem Zuckerrohr gepreßten Saftes. - -(Nach Piso und Marggraf, ~Historia nat. Brasiliae~. Elzevir. 1648.)] - -In der Fabrik werden die Zuckerrohrstengel zunächst zwischen zwei -kannelierten Stahlwalzen -- früher bediente man sich dabei hölzerner -Walzen -- zerquetscht und vermittelst hydraulischer Pressen der Saft -ausgedrückt. Dieser letztere gelangt dann in mehrere, etwas tiefer -liegende offene Pfannen, in denen er durch Verdampfen des Wassers zu -Sirupkonsistenz eingedickt wird. Weil er wegen seines Eiweißgehaltes -leicht in Gärung übergeht und dann sauer wird, versetzt man ihn in -der Pfanne sofort mit etwas gelöschtem Kalk (2 kg auf 360 Liter -Saft). Während des starken Kochens steigen alle Unreinigkeiten mit -dem geronnenen Eiweiß als Schaum an die Oberfläche und werden mit -großen, flachen Kellen abgeschöpft. Ist der Saft so weit eingedickt, -daß er beim Abtröpfeln Fäden zieht, so wird er so rasch als möglich in -hölzerne Kühltröge geschöpft, wo er schnell zum braunen +Rohzucker+, -~Muscovado~ genannt, auskristallisiert. Im Filtrierzimmer stehen große -Fässer mit fein durchlöchertem Boden auf einem Gerüst über einem -Bassin. In diese Fässer wird nun die konzentrierte Rohzuckerlösung -gebracht und einige Zeit stehen gelassen. Dabei scheidet sich der -Zucker kristallinisch als bräunliche, krümelige Masse aus, und der -nicht kristallisierbare Teil wird zuletzt als bräunlicher Sirup, -+Melasse+ genannt, ablaufen gelassen. Nun hat man die Erfahrung -gemacht, daß je länger die Rohrzuckerlösung der Luft ausgesetzt bleibt, -um so weniger Zucker sich in Kristallform ausscheidet und um so mehr -flüssig bleibender Sirup sich bildet. Daher kam man auf die Neuerung, -den Zuckersaft in luftleer gepumpten Pfannen, sogenannten Vakuumpfannen -einzudicken. So bildet sich nur noch wenig Melasse, die dann durch -Zentrifugieren aus dem krümelig auskristallisierten Rohzucker entfernt -wird. Erfrorene und unreif geerntete Rohre geben viel Melasse. Aus -dieser Melasse, die auch beim Vakuumverfahren immer noch meist -über fünf Prozent des gesamten gewonnenen Zuckers beträgt, wird, -soweit er nicht als solcher in den Handel gelangt, um in den ärmeren -Haushaltungen an Stelle von Honig verwendet zu werden, durch Verdünnen -mit Wasser und Vergärenlassen +Rum+ gebrannt. Wird der Rohrzucker durch -Sieden und Läutern in mit feuchtem Ton bedeckten Gefäßen noch mehr -gereinigt, so heißt er +Kassonade+, +Farin+ oder +Farinzucker+, auch -+Mehl-+ oder +Puderzucker+. - -Dieser Zucker wird nun meist erst in Europa in besonderen -Zuckerraffinerien noch weiter geläutert und gereinigt und in weißen -+Hutzucker+ verwandelt. Die erste Raffination ergibt den Lumpenzucker -und die zweite den Melis, so genannt nach der Insel Melita-Malta, wo -die Araber einst Zuckerraffinerien besaßen und diese Methode übten. Der -feinste gereinigte Zucker heißt +Raffinade+ oder +Feinzucker+, dessen -beste Sorte der nach den gleichnamigen, einst durch ihre Zuckerkultur -ausgezeichneten Inseln genannte Kanarienzucker ist. +Kandiszucker+, der -nach dem persischen Worte ~kand~ für gereinigten Zucker so genannte -kristallisierte Zucker, wird dadurch erzeugt, daß man in eine stark -eingedickte Zuckerlösung, in welcher noch kein Zucker zur Ausscheidung -gelangte, Fäden hineinhängt, an denen der Zucker in vielseitigen -Prismen auskristallisiert. Da man beim Sieden des Zuckers sehr viel -Heizmaterial verbraucht, so verwendet man dazu die als +Bagasse+ -bezeichneten trockenen, holzigen Fasern des Zuckerrohrs, die nach der -Auspressung des Saftes als Abfall zurückbleiben. - -Die gesamte Rohrzuckerfabrikation der Welt wird auf 5 Milliarden kg -geschätzt, von denen Westindien und danach Niederländisch-Indien -und Hawai das meiste liefern. Es würde uns nun zu weit führen, hier -aufzuzählen, zu welch großer Bedeutung der Zucker, besonders nach der -Einführung von Kaffee, Tee und Schokolade, in der Kulturwelt gelangt -ist und wie er auch bei der Herstellung der mancherlei Gebäcke nach und -nach den früher hierfür ausschließlich verwendeten Honig verdrängte. -Noch im 17. Jahrhundert war er so teuer, daß alle weniger Bemittelten -sich mit Honig oder der als Abfall bei der Zuckerraffinerie gewonnenen -Melasse begnügen mußten. Da er sich nun nicht bloß als Genußmittel, -sondern als Nahrungsmittel von hohem Nährwert erwies, den sich -verschaffen zu können alle Volksschichten anstrebten, mußte es von -unseren Voreltern als eine große Kalamität empfunden werden, als zu -Beginn des vorigen Jahrhunderts durch die von Napoleon I. aufgebrachte -Kontinentalsperre alle Handelsverbindungen Englands und seiner -Kolonien mit dem europäischen Festlande lahmgelegt wurden und dadurch -die Einfuhr von Kolonialzucker ganz außerordentlich eingeschränkt -wurde. Mit den übrigen Kolonialwaren wurde der Zucker so teuer, daß -ein Pfund desselben 4 Mark kostete. Da suchte man notgedrungen aus -einheimischen zuckerhaltigen Pflanzen diesen Stoff zu gewinnen. Von -diesen erwies sich in der Folge die +Runkelrübe+ als das geeignetste -Ausgangsmaterial, auf deren Zuckergehalt zuerst der Chemiker Marggraf -in Berlin im Jahre 1747 aufmerksam gemacht hatte. Allerdings gewann -er aus den Rüben nur etwa 6 Prozent Zucker. Nach vielen vergeblichen -Versuchen, diesen Zuckergehalt der Rüben im großen auszubeuten, -gelang es erst in den 1820er Jahren, die +Rübenzucker+industrie mit -günstigem Erfolge zu betreiben und aus dem Safte der Runkelrüben, die -bald zu eigentlichen Zuckerrüben veredelt wurden, einen Zucker von -untadelhafter Beschaffenheit zu gewinnen. - -Den Grund zu dieser Neuerung legte im Jahre 1801 Marggrafs Schüler -Friedrich Karl Achard, der mit Unterstützung des Königs Friedrich -Wilhelms III. von Preußen, welcher die Bedeutung der einheimischen -Zuckererzeugung erkannt hatte, auf dem Gute Kunern bei Breslau in -Niederschlesien zuerst Runkelrüben zur Zuckergewinnung pflanzte und -eine Zuckerrübenfabrik errichtete, nachdem er schon 1796 auf seinem -Gute Kaulsdorf bei Berlin Rübenzucker hergestellt hatte. Doch betrug -die Ausbeute an Zucker zunächst nur 2-3 Prozent und die Fabrikation -hatte auch sonst mit den größten Schwierigkeiten zu kämpfen. Zu -Hilfe kam ihr nun die durch die Kontinentalsperre hervorgerufene -Zuckerteuerung. Ihr Verursacher, Kaiser Napoleon I., hatte selbst -einen Preis von einer Million Franken für die gelungene Darstellung -von Zucker aus inländischen Pflanzen ausgesetzt. Durch diese doppelte -Aussicht gereizt und durch den ungeheuren Eingangszoll auf Rohrzucker -begünstigt, der diesen, den man doch nicht entbehren mochte, ganz -fabelhaft verteuerte, lernte man trotz der geringen Ausbeute doch -nach und nach Nutzen ziehen. Von ganz wesentlichem Einflusse wurde -dabei die Entdeckung der günstigen Wirkung, welche der Zusatz von -Knochenkohle bei der Behandlung des Zuckersaftes auszuüben vermag. Die -französische Regierung, die selbst im Besitze von Kolonien war, welche -Rohrzucker, wenn auch in mäßigen Mengen, erzeugten, kam freilich in -Verlegenheit, ob sie hinsichtlich der Zuckerfabrikation die Kolonien -gegen das Mutterland oder das Mutterland gegen die Kolonien schützen -solle. Zuletzt aber behielt auch bei ihr die Verpflichtung zum Schutze -der einheimischen Rübenzuckerindustrie die Oberhand und diese hat -ihr die Begünstigung auch reichlich vergolten. So wurde Frankreich -neben Deutschland das erste Land, in welchem die Runkelrübe zur -Zuckergewinnung angepflanzt wurde. Seit dem Jahre 1811 besaß es eine -ansehnliche Zahl von Rübenzuckerfabriken, besonders nachdem Delessert -das Darstellungsverfahren von Zucker aus dem Rübensafte vervollkommnet -hatte. Aber nach Aufhebung der Kontinentalsperre gingen auch hier wie -in Deutschland die meisten Rübenzuckerfabriken ein. - -Erst vom Jahre 1820 datiert der neue Aufschwung und der schließlich -großartige Erfolg der Rübenzuckerindustrie, so daß heute in ganz Europa -von den Ufern der Garonne bis zum Ural zahlreiche Rübenzuckerfabriken -bestehen und selbst England angefangen hat, Rübenzucker herzustellen, -obschon gerade dieses Land alle Ursache hätte, dem Zucker seiner -Kolonien keine Konkurrenz zu machen. Seit dem Jahre 1850 bis heute -hat sich die Rübenzuckerindustrie mehr als verdreißigfacht, so daß -Mitteleuropa, speziell Deutschland, nicht bloß seinen eigenen Bedarf -deckt, sondern noch viel Zucker auszuführen vermag. Dabei liefert -der Rübenzucker ein Produkt, das dem besten Rohrzucker an Güte nicht -im mindesten nachsteht, und zwar benötigt man zur Herstellung von -1 Zentner Rohzucker durchschnittlich 12,5 Zentner Zuckerrüben. Es -ist dies eine heute durch Zucht spezialisierte, d. h. in bezug auf -Zuckergehalt bedeutend angereicherte Runkelrübe, welche am besten auf -gründlich gepflügtem und fleißig geeggtem, fettem, lehmigem Boden -gedeiht, der tüchtig gedüngt werden muß, da die Rüben demselben -reichlich Nährsalze entziehen. Im März wird die Zuckerrübe ausgesät. -Bald kommen die jungen Pflanzen zum Vorschein. Mehrmals muß nun zuerst -von Hand, dann mit der Hacke gejätet, dabei auch die zu eng stehenden -Pflänzchen ausgedünnt werden. Wenn die Rübe eine bestimmte Größe -erreicht hat, wird sie ein- oder zweimal behäufelt, wobei derjenige -Teil der Pfahlwurzel, der über die Erde hervorragt, mit Erde bedeckt -wird. Man hat nämlich durch zahlreiche Versuche festgestellt, daß das -Licht umgekehrt wie bei den Stengeln des Zuckerrohrs nachteilig für die -Zuckerbildung in der fleischigen Pfahlwurzel der Runkelrübe ist. Diese -nimmt nach und nach an Umfang zu und in demselben Maße wächst auch ihr -Zuckergehalt, der schließlich durch Kultur und fortwährende Auslese -der süßesten Sorten von ursprünglich 6 auf 14, ja sogar 18 und 20 -Prozent stieg. - -Gewöhnlich läßt man die Rüben nur mäßig groß werden. Sobald der -Zuckergehalt in ihrer Wurzel seinen Höhepunkt erreicht hat, werden sie -aus dem Boden gepflügt. Dann werden an ihnen die Blätter und die Krone -ausgeschnitten, damit die Zuckerrüben später nicht in den Speichern -weiterwachsen können, da dadurch ihr Zuckergehalt bald erschöpft werden -würde. Die Blätter werden meist auf dem Felde zurückgelassen, um als -Dünger zu dienen; nur in Jahren, in denen das Futter knapp ist, werden -sie als Viehfutter benutzt, obschon ihr Nährwert nur ein geringer ist. - -So zubereitet werden die Rüben auf dem Felde zu großen Haufen -aufgestapelt und mit Stroh und Erde bedeckt. Aus diesen Reservevorräten -holt man so viel in die Fabrik, als verarbeitet werden kann. Zuerst -werden die Rüben in einem Röhrenkomplex in fließendem Wasser gereinigt, -dann durch eine Maschine in einem zylindrischen Kasten in kleine -Stücke geschnitten und zu Brei zerrieben, der durch etwas Wasser -ausgelaugt und schließlich, in Tücher von grober Wolle eingeschlagen, -durch eine hydraulische Presse ausgedrückt wird. Der Saft wird dann -auf verschiedene Weise, zuletzt durch Passieren eines Filters mit -Knochenkohle, gereinigt und im Vakuumapparat vermittelst Dampf in -luftverdünnten Kesseln eingekocht. Ungefähr 85 Prozent von dem darin -eingedickten Saft besteht dann aus Zucker, der durch Zentrifugieren von -der Melasse getrennt wird. - -Der so gewonnene Zucker ist pulverförmig und muß gereinigt werden. Zu -diesem Zweck wird er von neuem in Wasser gelöst und, mit Knochenkohle -und Ochsenblut vermischt, in großen Kesseln gekocht. So raffiniert -wird der flüssige Zucker in Formen gegossen, in welchen eine langsame -Kristallisation stattfindet. Zuletzt werden die Formen in die -Schwitzkammern gebracht und die Melasse aus ihnen entleert; schließlich -gewinnt man reinen Zucker in Form von Kegeln oder Würfeln. Der -Preßrückstand der Zuckerrüben, die +Preßlinge+, dienen als Viehfutter. - -Die Rübenzuckerindustrie ist für unsere Landwirtschaft von allergrößter -Bedeutung geworden, weil durch sie dem Boden die höchste Rente -abgewonnen wird; sie hat auch einen starken Export namentlich nach den -Vereinigten Staaten hervorgerufen, der dem Lande viel Geld einbringt. -In Deutschland bestanden im Jahre 1908 358 Rübenzuckerfabriken, die -gegen 13000 Millionen kg Zuckerrüben verarbeiteten und daraus 2135 -Millionen kg Rohzucker gewannen. Damit steht dieses Land in der -Produktion des Rübenzuckers obenan. Ihm folgen der Reihe nach Rußland -mit 1470 Millionen kg, Österreich mit 1345 Millionen kg, Frankreich -mit 760 Millionen kg, Belgien mit 285 Millionen kg und endlich die -Niederlande mit 180 Millionen kg. Die Zuckerproduktion der ganzen -Welt im Betrage von etwa 11 Milliarden kg besteht zur größeren -Hälfte -- etwa 6 Milliarden kg -- aus Rübenzucker und zur kleineren --- 5 Milliarden kg -- aus Rohrzucker. Letzterer wird besonders auf -Kuba, der Perle der Antillen, gepflanzt, das im Jahre 1906/07 allein -1486 Millionen kg Zucker aus Zuckerrohr produzierte. Java erzeugte -im Jahre 1905 1039 Millionen kg; der Süden der Vereinigten Staaten -im gleichen Jahre 342000 kg und Hawai 370 Millionen kg. Weitere -wichtige Erzeugungsländer für Rohrzucker sind Mauritius, Ägypten, die -Philippinen und Portoriko mit je 100-200 Millionen kg Produktion; -ferner China und Indien, deren Ertrag sich jedoch nicht sicher -bestimmen läßt, da sie fast ausschließlich für den eigenen bedeutenden -Konsum arbeiten. - -Da das Zuckerrohr wie alle aus Stecklingen oder Pfropfreisern -auf vegetativem Wege vermehrten Pflanzen im Laufe der Zeit an -Widerstandskraft gegen äußere, schädliche Einflüsse eingebüßt hat, -so ist man bestrebt, es auch auf generativem Wege fortzupflanzen, um -dadurch weiterer Entartung desselben vorzubeugen. Zu diesem Zwecke -erforschte man genau, welche Kultursorten noch nicht so weit entartet -sind und noch normale Blüten entwickeln; dabei fanden sich bei keiner -mehr normale Verhältnisse. Selbst beim zucker- und blütenreichen -Cheribonrohr von Java waren die Pollenkörner zum größten Teile -vertrocknet, also völlig untauglich zur Bestäubung. Da benützte man zur -Befruchtung dieser noch nicht völlig in bezug auf Geschlechtsorgane -degenerierten Kultursorte den Pollen von zwei wilden Arten, dem -~Saccharum ciliatum~ und dem Kassurrohr und erzielte damit kräftige -Keimlinge, die teilweise noch eine weit größere Höhe erreichten als -ihre Muttervarietäten. Sie waren recht zuckerreich und wurden dann in -der gewöhnlichen Weise vegetativ fortgepflanzt, wobei sich die Mehrzahl -derselben sehr gut hielt. Daraus lassen sich gewiß mit der Zeit gute, -neue Kulturvarietäten entwickeln. - -Vor allem waren diese auf geschlechtlichem Wege erzeugten -Zuckerrohrarten absolut frei von der in Java als Sereh bezeichneten -und sehr gefürchteten Krankheit, die sich darin äußert, daß das Rohr -niedrig bleibt und keine großen Halme mehr treibt, dafür zahlreiche -Seitentriebe erzeugt, wodurch es einer Grassorte mit wohlriechender -Wurzel, dort ~sereh~ genannt (~Andropogon schoenanthus~) sehr ähnelt, -schließlich verkümmert und abstirbt. Diese Krankheit ist nicht auf -irgend welche infektiöse Keime zurückzuführen, sondern ist eine -erbliche Entartungserscheinung, die von Jahr zu Jahr stärker wird, wenn -die Stecklinge serehkranken Rohren entnommen werden. Dagegen hilft am -besten die Kultur von aus Samenpflanzen gezogenen Stecklingen. - -Von tierischen Schädlingen sind in Amerika besonders der -Zuckerrohrkäfer, dann der Zuckerrohrwickler, dessen Raupe sich -ebenfalls in das Zuckerrohr einbohrt, zwei Ameisenarten und die -Zuckerschildlaus einigermaßen gefürchtet. Außerdem werden die -mannigfachsten Pilzkrankheiten am Zuckerrohr beobachtet, so der Brand, -der rote und Blattrost, die Ananas- und Dongkellankrankheit, die -Gelbflecken-, Rotflecken-, Ring-, Augen- und Blattfleckenkrankheit der -Blätter und verschiedene andere, auf die wir hier nicht näher eingehen -können. - - - - -XI. - -Der Kaffee. - - -Es liegt in der menschlichen Natur das instinktive Bedürfnis, gewisse -Stoffe in sich aufzunehmen, die weder als Kraftquelle dienen, noch -als Ersatzmittel für verbrauchte Körperbestandteile eine Bedeutung -haben, wohl aber eine angenehm anregende Wirkung auf das Nervensystem -ausüben und etwa vorhandene Müdigkeit oder geistige Trägheit rasch -beseitigen. Durch diese Eigenschaften sind sie dem Menschen fast -ebenso unentbehrlich wie die Nahrungsstoffe geworden, mit denen er -den stetigen Stoffverlust beim Lebensprozesse ersetzt. Unter diesen -Genußmitteln ist, abgesehen vom Alkohol, der leider durch die ihm -innewohnende Verleitung zur Unmäßigkeit eine überaus verhängnisvolle -Rolle spielt, der vom Chemiker als dreifach methyliertes Xanthin -bezeichnete Körper, eine stickstofffreie, kristallisierbare Verbindung, -die man als Koffeïn bezeichnet, die weitaus wichtigste. - -Diesen durch keine besonderen Merkmale gekennzeichneten Stoff hat -der Mensch mit wunderbarem Scharfsinn überall in der ihn umgebenden -Pflanzenwelt herauszufinden vermocht, so die Araber in der Kaffeebohne, -die Chinesen im Tee, die Neger West- und Zentralafrikas in der -bitteren Kolanuß und im Mus der Dodoa, die Südafrikaner im Buschtee, -den Blättern einer Cyclopiaart, die Eingeborenen Südamerikas im Mate -oder Paraguaytee, der von den Blättern der paraguayschen Stechpalme -gewonnen wird, und in den Samen einer Guarana genannten brasilianischen -Schlingpflanze, endlich die Indianer Mittelamerikas im Kakao und -diejenigen Nordamerikas im Apalachentee, der aus den Blättern mehrerer -Stechpalmenarten, die um den mexikanischen Meerbusen wachsen, gewonnen -wird. Diese Erscheinung ist um so auffallender, als das Koffein sich -weder durch seinen Geruch, noch durch seinen Geschmack irgendwie -verraten kann, ebensowenig als das zweifach methylierte Xanthin, das -außer dem Koffeïn im Tee als Theophyllin und im Kakao und in der -Kolanuß als Theobromin vorhanden ist. - -In der Auffindung all dieser koffeïn- und theobrominhaltigen -Genußmittel offenbart sich ein erstaunlicher Scharfsinn der -Naturvölker. Das allermerkwürdigste ist aber, daß es dem Menschen -gelang, alle solche die Nerven anregenden und das Müdigkeitsgefühl -beseitigenden Substanzen enthaltende Pflanzen in der Natur aufzufinden, -und zwar in jeder Pflanze wiederum den an diesen Alkaloiden reichsten -Teil herauszubekommen und nur diesen zu verwenden! - -In den betreffenden Samen oder Blättern ist das Koffeïn, wie auch -die übrigen verwandten Stoffe, eine Art für die Pflanze nicht weiter -benutzbarer Ausscheidung, ein dem Harnstoff verwandtes Endprodukt des -Stoffwechsels, ähnlich wie die Purinkörper im Tierleibe, die hier -zu oft höchst bunter Färbung des Körpers, wie z. B. im mannigfachen -Gefieder der Vögel und in den Zeichnungen der Schmetterlinge und Käfer -Verwendung finden. Und zwar sind diese Stoffe in den betreffenden -Pflanzen in gerbsaurer, daher zunächst bitter schmeckender Verbindung -vorhanden. - -Würdigen wir zunächst das bei uns weitaus populärste Genußmittel aus -dieser Gruppe, den +Kaffee+, ohne den die Kulturmenschen der Gegenwart -sich das Leben gar nicht mehr vorstellen könnten. Wie ist eigentlich -der Mensch auf den Genuß dieses Getränkes verfallen? Niemand vermag uns -da eine zutreffende Antwort zu geben. - -In einer zu Ende des 17. Jahrhunderts in Rom geschriebenen Abhandlung -über den Kaffee berichtet uns der Italiener Fausto Naironi, daß im -Jahre 1440 ein Hirte aus dem Gallastamme in der Gebirgslandschaft -Kaffa im südlichen Abessinien, wo die Kaffeestaude dichte, buschartige -Bestände bildet, den Mönchen des benachbarten abessinischen Klosters -voller Erstaunen erzählt habe, daß seine Herde, statt wie gewöhnlich -zu schlafen, die ganze Nacht hindurch erregt herumgesprungen sei, -worauf die Mönche, welche der Ansicht waren, diese Erscheinung ließe -sich nur dadurch erklären, daß die Tiere ein besonders anregendes -Kraut gefressen hätten, bald feststellten, daß auf dem Platze, wo -die Herde geweidet hatte, eine große Anzahl von Sträuchern kürzlich -ihrer Blätter und Früchte beraubt worden waren. Sie sollen dann einige -Früchte dieser Sträucher, die nichts anderes waren als Kaffeesträucher, -gepflückt und an sich selbst die anregende Wirkung verspürt haben, so -daß sich von dieser Zeit an diejenigen Mönche, welche die Nacht im -Gebet verbringen mußten, mit dem Getränk, das sie durch Abkochen der -Früchte bereiteten, den Schlaf vertrieben. Dann soll diese Entdeckung -in weitere Kreise gedrungen und zur Kenntnis von ein paar arabischen -Kaufleuten gelangt sein, die sich sofort daran machten, dieses so -wichtige Produkt auszubeuten. - -Anders als diese abessinische Sage -- denn mit einer solchen, der dazu -noch alle Anzeichen höchster Unwahrscheinlichkeit anhaftet, haben wir -es zu tun -- lautet die Legende, die die Araber über die Entdeckung -der anregenden Wirkung der Kaffeepflanze erzählen. Diese ist dem -orientalischen Geschmacke entsprechend mit solchen phantastischen -Wundern ausgeschmückt, daß es nicht der Mühe lohnt, näher darauf -einzugehen. Auch sie schreibt in letzter Linie Hirten die Entdeckung -der eigentümlich anregenden und den Schlaf verscheuchenden Wirkung der -Produkte des Kaffeestrauches zu. - -Dem mag nun sein, wie ihm will, jedenfalls sind die Beeren des in -Afrika heimischen und dort in mehreren Arten noch wildwachsend -angetroffenen Kaffeestrauches im abessinischen Hochlande zuerst wegen -ihrer anregenden Wirkung auf das Nervensystem vom Menschen benutzt -worden. Bei den regen Handelsverbindungen mit Südarabien konnte es -nicht fehlen, daß das Genußmittel zu Anfang des 16. Jahrhunderts -dorthin gelangte, und zwar zuerst 1507 nach Aden und bald darauf auch -nach Mekka. Ein von Aden gebürtiger Mufti, d. h. Rechtsgelehrter, -Dhabani -- so erzählt der zu Anfang des 15. Jahrhunderts lebende -Rechtsgelehrte Scheik Abd-elkader Ansari -- sah auf einer Reise nach -Adjam an der Westküste des Roten Meeres seine Landsleute Kaffee -trinken, versuchte den Trank selbst und erfuhr dabei, daß er wach -erhält und den Schlaf vertreibt. Von diesem neuen Genußmittel brachte -er Bohnen in seine Heimat mit und verbreitete nach seiner Rückkehr -den daraus bereiteten Trank unter den Derwischen, einer Art Mönchen, -zur besseren Abhaltung der vorgeschriebenen Gebetstunden. Der Genuß -dieses Anregungsmittels griff aber bald um sich; denn er war der hier -ansässigen muhammedanischen Bevölkerung um so willkommener, als ihr -den Lehren des Korans zufolge der Genuß geistiger Getränke verboten -war. Allein wie alles Neue, so fand auch der Kaffee seine Gegner. Als -im Jahre 1511 ein neuer Statthalter, Khair Beg, nach Mekka kam, der -den aus den Kaffeebohnen bereiteten braunen Trank noch nicht kannte, -und die heiteren Kaffeegelage in den Höfen und unter den schattigen -Säulenhallen der Moscheen sah, ließ er die Leute, die diesen ihm -unbekannten Trank schlürften, auseinandertreiben. Dieses Getränk schien -ihm, weil aufregend, gegen die Satzungen des Korans zu verstoßen, und -so berief er eine Versammlung von Gelehrten, die über die Zulässigkeit -seines Genusses entscheiden sollten. Ihr präsidierten zwei Ärzte, -die Gebrüder Hakim Ani, und diese erklärten den Kaffee für „kalt und -trocken“ und deshalb verwerflich. Ihnen schloß sich die Mehrzahl der -Versammlung an, und so ward der Genuß von Kaffee verboten und die -Niederlagen desselben zerstört. Es wurde damals behauptet, daß die -Gesichter aller Kaffeetrinker einst am Tage des Gerichts noch schwärzer -erscheinen würden, als der Kaffeetopf, aus dem sie das Gift getrunken. -Wer immer des Genusses von Kaffee überführt wurde, den ließ man, -rückwärts auf einem Esel reitend und dem Spott der Menge preisgegeben, -durch die Straßen von Mekka führen. Der Statthalter berichtete über -diese seine Verordnung an den Sultan von Kairo als seinem Vorgesetzten, -der diese Verordnung guthieß. Aber da der Kaffee hier beim gemeinen -Volke wie bei den Gelehrten bereits Eingang gefunden hatte, mußte das -Dekret bald von ihm zurückgenommen und durften die Kaffeeschenken in -Mekka wieder eröffnet werden. Ja der neue Statthalter, selbst ein -eifriger Verehrer des Kaffees, scheute sich nicht, denselben öffentlich -in Gesellschaft seiner Gäste zu trinken. Diesem Beispiele folgten bald -auch andere ansehnliche Personen. - -Durch die in der muhammedanischen Welt vorgeschriebenen Wallfahrten -nach Mekka wurde der Kaffee bald in Ägypten und Syrien bekannt. So -lernte Sultan Selim I., der in den Jahren 1516 und 1517 Syrien, -Palästina und Ägypten eroberte, hier den Kaffee kennen. Doch ging es -bis zum Jahre 1554, bis zwei Kaufleute, Hakim von Aleppo und Schems -von Damaskus, die ersten Kaffeehäuser in Konstantinopel errichteten. -Das Geschäft scheint sehr gut gegangen zu sein; denn schon nach -drei Jahren kehrte Schems als reicher Mann nach Damaskus zurück. -Und der wohltätige Einfluß, den das äthiopische Getränk auf die -Geistestätigkeit der es Genießenden ausübte, hatte zur Folge, daß alle -möglichen Leute, besonders Gelehrte und Beamte, selbst Paschas, in -den Kaffeehäusern, die sich bald vermehrten, zusammenströmten, so daß -diese bald Mittelpunkte des geselligen Lebens wurden und als solche -~mektâb-i-irfân~, d. h. Schulen der Gebildeten, genannt wurden. Ja, -die muhammedanischen Priester fingen an sich zu beklagen, daß die -Moscheen immer weniger, dafür aber die Kaffeehäuser immer mehr besucht -würden. Sie erklärten, daß die Kaffeehäuser für das Heil der Seele -noch verderblicher seien als die Wirtshäuser. In einer Eingabe an den -Mufti gaben sie an, der Kaffee sei eine Art Kohle, und solche zu essen -habe der Prophet im Koran verboten. Und tatsächlich wurde der Kaffee -unter Sultan Murad II. verboten. Aber man wußte sich zu helfen und -trank ihn hinter verschlossenen Türen weiter, bis ein neuer Mufti nach -Konstantinopel kam und erklärte, der Kaffee sei keine Kohle, deshalb -könne er von jedem Muselmann getrunken werden. Infolgedessen wurden -die Kaffeehäuser wieder eröffnet und mehrten sich bald dermaßen, daß -der Großvezier sie als einträgliche Steuerobjekte auffaßte. So mußte -jeder Kaffeewirt täglich 1 Zechine (venezianisches Goldstück im Werte -von etwa 16 Mark) Steuer bezahlen und durfte gleichwohl nicht mehr -als 1 Asper (= 15 Pfennigen) für eine Tasse Kaffee verlangen. Der -Großvezier Köprili ließ während der Minderjährigkeit Muhammeds IV. die -Kaffeehäuser aufs neue schließen, als er sich überzeugt hatte, daß -in ihnen zu viel politisiert wurde. Aber trotz dieser Maßregel nahm -der nun einmal populär gewordene Kaffeeverbrauch in Konstantinopel -nicht ab, da man dieses Getränk überall auf den Plätzen und in den -Straßen feilbot. Als Köprilis Nachfolger ans Ruder kam, ließ er die -Kaffeehäuser unbehelligt. Aber aus der arabischen Literatur jener Zeit, -die ebensoviel Spott- als Lobgedichte auf den Kaffee enthält, kann man -deutlich erkennen, mit welch fortwährenden Kämpfen seine Verbreitung -allenthalben in muhammedanischen Ländern errungen wurde. - -Die erste Kunde von diesem braunen, das Nervensystem anregenden Getränk -brachte, soviel wir wissen, der den Orient bereisende Augsburger Arzt -Leonhard Rauwolf nach Deutschland. Er hatte ihn im Jahre 1573 in einem -Kaffeehaus in Aleppo kennen gelernt und berichtete darüber in seinem -1582 erschienenen Reisewerke, betitelt „Raiß in die Morgenländer“ -folgendes: „Die Türken haben in Halepo ein gut Getränke, welliches sie -hoch halten, Chaube von ihnen genannt, das ist gar nahe wie Dinten so -schwarz und ist in gebresten, sonderlich des Magens, gar dienstlich. -Dieses pflegens am Morgen fru, auch an offenen Orten, vor jedem -manigulich, ohne alles Abschuchen (Abscheu) zu trinken, aus jrdenen und -Porzellanischen tiefen Schälein so warm als sie’s könnden erleiden, -setzend offt an, thond aber kleinen trinklein und lassens gleich -weitter, wie sie neben einander im Kreiß sitzen, herumbgehen. Dieser -Trank ist bei Ihnen sehr gemain.“ - -Die erste Beschreibung der Kaffeepflanze gab dem Abendlande der -gelehrte Arzt und Botaniker Prosper Alpino, Professor zu Padua, in -seinem 1592 erschienenen lateinischen Buche über die Pflanzen Ägyptens. -Er hatte nämlich bei seinem Aufenthalte zum Studium der Flora des -Niltals im Garten eines vornehmen Türken in Kairo einen Kaffeestrauch -gesehen. Er bezeichnete den Strauch als ~arbor Bon cum fructu suo -Buna~. Rauwolf hatte den Strauch als ~Bunnu~ und Bellus, der 1596 Samen -der Kaffeepflanze an Clusius gesandt hatte, als ~Bunca~ bezeichnet. -Nun muß der Name ~bunnu~ oder ein diesem ähnlicher die ursprüngliche -Bezeichnung der Kaffeepflanze gewesen sein, die die Abessinier heute -noch ~bun~ nennen. Auch die Araber bezeichnen mit ~bun~ sowohl die -Kaffeepflanze als die Kaffeebohne, während sie den aus den gerösteten -Kaffeebohnen hergestellten Trank ~kahweh~ (sprich ~kachweh~) nennen. -Dieses alte arabische Wort ist nach dem Orientalisten A. Mez -ursprünglich die Bezeichnung für Wein, die dann auf den neuen Trank -übertragen wurde. Aus dieser arabischen Benennung ist unser Wort -Kaffee entstanden, das durchaus nicht von Kaffa, der abessinischen -Provinz als der Heimat des Kaffees, abzuleiten ist. Schon der vorhin -genannte Paduaner Botaniker Prosper Alpino, der auch eine allerdings -recht unvollkommene Abbildung der Kaffeepflanze veröffentlichte, gab -an, daß aus den Früchten ein ~caova~ genanntes Getränk bereitet werde, -das anregend auf die Geistestätigkeit und die Phantasie wirke. Auch -Bellus spricht in seinem Briefe an Clusius 1596, daß die Ägypter aus -den Samen des Kaffees, die sie zuerst über Feuer rösten und dann in -einem Holzmörser fein zerstoßen, das braune Getränk ~cave~ bereiten, -und 1615 schrieb der Italiener Pietro della Valle seinen Verwandten in -der Heimat von diesem von ihm als ~kawhe~ bezeichneten neuen Getränk, -es sei von schwarzer Farbe, wirke im Sommer kühlend, im Winter dagegen -erwärmend. - -Abgesehen vom türkischen, also noch durchaus zum Orient gehörenden -Konstantinopel, war die durch ihren immer noch regen Handel mit dem -muhammedanischen Morgenlande in Verbindung stehende Stadt Venedig -der erste abendländische Ort, in welchem Kaffee getrunken wurde. -Es war dies im Jahre 1624. Doch kamen erst 1642 größere Mengen -dieses Genußmittels nach Venedig, und 1645 wurde daselbst das erste -Kaffeehaus errichtet. Aber erst zu Ende des 17. Jahrhunderts kam das -den Muhammedanern entlehnte Getränk in den Städten Italiens wenigstens -bei den Vornehmen, die ihn zu bezahlen vermochten, in Mode und wurden -die Kaffeehäuser in Italien zahlreicher. Nach Frankreich kam der Kaffee -im Jahre 1644, und zwar nach Marseille, wo 1659 das erste Kaffeehaus -errichtet wurde. Auch in England führte sich der Kaffee rasch ein; -1650 bestand schon ein Kaffeehaus in Oxford, und 1652 eines in London. -In Paris ließ der Gelehrte Thevenot im Jahre 1658, kurz nach seiner -Rückkehr aus dem Orient, zum erstenmal bei einem Diner seinen Gästen -Kaffee als Nachtischgetränk vorsetzen; aber das fremdartige Getränk -mundete ihnen nicht, so daß eine Wiederholung des Versuches unterblieb. -Erst zu Ende der sechziger Jahre des 17. Jahrhunderts, unter Ludwig -XIV., wurde das Kaffeetrinken in Paris in den Kreisen der Vornehmen -durch Soliman Aga, den Gesandten Muhammeds III., einigermaßen populär. -Le Grand d’Aussy berichtet, daß jener Türke seinen Gästen den Kaffee -nach orientalischer Sitte servieren ließ. Es reichten ihn leibeigene -Diener in glänzenden Porzellantassen auf goldbefransten Servietten. -Die fremdartige Einrichtung der Zimmer, das Sitzen auf Diwans oder -Teppichen am Boden, die mit Hilfe eines Dolmetschers geführte -Unterhaltung interessierte besonders die Damen noch mehr als der -gereichte Kaffee. Überall wurde in Hofkreisen davon gesprochen, und -schließlich gingen alle Vornehmen zu dem interessanten Türken, um seine -merkwürdige Wohnung und seinen braunen Trank kennen zu lernen. Jeder, -der etwas auf sich hielt, wollte von letzterem gekostet haben. - -In Paris eröffnete im Jahre 1670 ein Armenier namens Pascal, der im -Dienste eines türkischen Arztes gestanden hatte, auf dem Quai de -l’Ecole das erste Pariser Kaffeehaus, das nach dem darin feilgebotenen -Getränke Café genannt wurde. Es war eine „~boutique~“ nach Art der -orientalischen, ohne irgend welche gefällige Ausstattung. Deshalb -gefiel es dem feineren Publikum, das damals allein Kaffee zu trinken -begann, durchaus nicht, und der Armenier machte recht schlechte -Geschäfte. Den Grund des Mißerfolges erkannte richtig der Sizilianer -Francesco Procopio, der sich in Paris durch die Einführung des -Gefrorenen einen Namen gemacht hatte. Er richtete gegenüber der alten -~Comédie française~ eine Schankwirtschaft ein, in welcher er außer -Kaffee auch Tee, Schokolade, Eis und verschiedene Liköre feilbot. Und -da sein Lokal hübsch ausgestattet und gefällig dekoriert war, fehlte -es ihm bald nicht an Gästen. Seine Erfolge ermutigten andere, solche -Erfrischungsorte zu eröffnen, so daß Paris schon im Jahre 1676 eine -große Zahl solcher Cafés aufwies. - -Da der Kaffeegenuß der um sich greifenden Trunksucht zu steuern schien, -begünstigte ihn Ludwig XIV. so sehr er konnte. Doch war er noch so -teuer, daß er nur für die Wohlhabenden erschwinglich war. So kostete -damals das Pfund Kaffeebohnen 140 alte Franken, und die Tasse 2 Sous -und 5 Deniers; dafür kann das Getränk freilich nicht sehr stark gewesen -sein, wenn der Kaffeeschenk auf seine Rechnung kommen wollte. Auch -galt sein Genuß nicht als ganz ungefährlich; die Marquise de Sévigné -rät darum ihrer Tochter, der Gräfin Grignan, in einem Briefe aus dem -Jahre 1680, dem Kaffee etwas Milch zuzusetzen, „um seine Schädlichkeit -zu mildern“. Im Jahre 1674 reichten die Frauen in London eine Petition -gegen den Kaffee als gesundheitsschädliche Neuerung ein, und 1675 -ließ Karl II. aus politischen Gründen die Kaffeehäuser, die sich -sehr rasch vermehrten und zu Sammelplätzen der Vornehmen, Gelehrten -und Politiker wurden, als „Brutstätten der Revolution“ in seinem -ganzen Reiche polizeilich schließen. Doch mußte er sein Verbot schon -nach wenigen Tagen zurückziehen, da er es nicht auf eine Revolte der -zahlreichen Liebhaber des Kaffees ankommen lassen wollte. Englische -Spottgedichte aus jener Zeit nennen den Kaffee einen „Kienrußsirup, -schwarzes Türkenblut, eine ekelerregende Abkochung aus alten Schuhen -und Stiefeln“ usw., vermochten aber mit allem Lächerlichmachen nicht, -seinen weiteren Siegeslauf durch die Welt aufzuhalten. - -Im Jahre 1680 ward das erste Kaffeehaus im Haag und 1683, nach der -Entsetzung von Wien, das erste solche in Österreichs Hauptstadt -errichtet. Hier war es ein gewisser Kolschitzky, dem als Belohnung für -den Mut, mit dem er sich als Türke verkleidet durch den Belagerungsring -hindurchgeschlichen hatte, um der durch Kara Mustapha aufs äußerste -bedrängten Stadt vom Nahen des Ersatzheeres unter Herzog Karl von -Lothringen Kunde zu bringen, die im verlassenen türkischen Lager -gefundenen Säcke mit Kaffee überlassen wurden, damit er den braunen -Trank bereite und ihn den Liebhabern desselben ausschenke. - -Nach Deutschland kam der Kaffee von Holland und Frankreich her um 1670. -Am Hofe des Großen Kurfürsten war er im Jahre 1675 im Gebrauch. Das -erste deutsche Kaffeehaus wurde 1679 in Hamburg von einem englischen -Kaufmann errichtet. Ihm folgten Leipzig 1684, Nürnberg und Regensburg -1686, Köln 1687, Stuttgart 1712, Augsburg 1713 und Berlin 1721. Um die -Mitte des 18. Jahrhunderts war der Kaffeegenuß an allen deutschen Höfen -und bei der wohlhabenden Bevölkerung ziemlich allgemein verbreitet -und die Kaffeebohnen bildeten einen wichtigen Handelsartikel für -Hamburg und Bremen. Aber auch in Europa ging die Einführung des -Kaffees nicht ohne Widerstand vor sich. Besonders die Ärzte bekämpften -vielfach seinen Genuß der gesundheitschädlichen Wirkungen wegen und -verbreiteten besonders die von Alpino aus dem Orient mitgebrachte -irrtümliche Ansicht, daß der Kaffee Unfruchtbarkeit im Gefolge habe. -Die Volkswirtschaftler eiferten in jener Blütezeit des Merkantilismus -dagegen, daß große Summen für den teuren Kaffee ins Ausland gingen. -Deshalb wurde sein Genuß vielfach durch die Regierungen verboten oder -durch hohe Zölle und Steuern nur für die Bemittelten möglich gemacht. -In Schweden wurde er im Jahre 1750 und in Hessen-Darmstadt 1766 -gänzlich verboten. Auch Friedrich der Große versuchte vergeblich seinen -Verbrauch einzuschränken. In dem Bestreben, Preußen wirtschaftlich -abzuschließen und das Geld im Lande zu behalten, hatte er besonders die -damals noch teueren Kolonialwaren mit hohen Zöllen belegt und suchte -sie zu monopolisieren. Am liebsten hätte er den Kaffee ganz verboten; -das Landvolk sollte sich nicht an ihn gewöhnen, „denn das ist mit die -Absicht“, antwortete er auf eine Beschwerde, „daß nicht so viel Geld -für Kaffee aus dem Lande gehen soll. Übrigens sind Seine Majestät -höchstselbst in der Jugend mit Biersuppe erzogen worden. Mithin können -die Leute ebensogut mit Biersuppe erzogen werden. Das ist viel gesünder -als der Kaffee.“ - -Wenn Friedrich der Große auch nicht so weit ging wie Landgraf -Friedrich von Hessen, der den Kaffee in seinem Lande bei 100 Talern -Strafe verbot, so wollte er die Sucht seiner Untertanen nach diesem -Genußmittel in andere Bahnen lenken. Zu diesem Zwecke wurden Marggraf -und einige andere Chemiker beauftragt, an Stelle des damals meist nur -in gebranntem Zustande von den Holländern bezogenen Kaffees Surrogate -zu schaffen, was zur Entstehung von Eichelkaffee, von Kaffee aus Gerste -und Roggen, ja selbst aus Rüben und Roßkastanien führte. Erst später, -nämlich um das Jahr 1790, kam der Zichorienkaffee auf, nachdem man -zuvor die gerösteten Wurzeln der Möhren, der Rüben und des Löwenzahns -als Kaffeesurrogate verwendet hatte. Aber alle diese Kaffeeersatzmittel -erfreuten sich durchaus nicht des Beifalls des Publikums, so daß -dieses nach wie vor lieber den sehr teueren echten Kaffee, der ihm -die gewünschte anregende Wirkung verschaffte, zu kaufen begehrte. Als -der König sah, daß er den Leuten den Kaffee nicht verbieten könne, so -wollte er wenigstens zugunsten des Fiskus ein gutes Geschäft damit -machen. So führte er im Jahre 1781 ein Kaffeemonopol in Preußen ein, -das die dem Bürgerstande angehörenden Konsumenten zwang, den gebrannten -Kaffee vom Staat, und zwar 24 Lot (= 408 g) zum Preise von einem Taler, -d. h. sechsmal so teuer als früher zu kaufen. Nur Adelige, Beamte und -Geistliche konnten Brennscheine erhalten, die ihnen erlaubten, den -billigeren rohen Bohnenkaffee zu kaufen und ihn selbst zu brennen. - -Im Laufe des 19. Jahrhunderts hat sich der Kaffee die ganze Kulturwelt -erobert und ist an Stelle der alten Breie von Hirse oder Hafer und -dicken Suppen zum eigentlichen Frühstücksgetränk geworden. Besonders in -Deutschland, das seiner Einführung so viel Widerstand entgegensetzte, -hat er geradezu eine Kulturmission erzielt, indem er ganz wesentlich -dazu beitrug, die noch bis zum Ende des 17. Jahrhunderts allgemein -gebräuchliche Unsitte, zu allen Tageszeiten Wein und Bier in großen -Mengen zu trinken, allmählich verdrängte und damit unwillkürlich -verfeinernd auf die Sitten der Bevölkerung einwirkte. Wir alle wissen, -daß der schwarze Trank die Nerventätigkeit und das Denken anregt, das -Unbehagen der Müdigkeit beseitigt und durch den ganzen Körper ein -wohliges Gefühl des Angeregtseins verbreitet. Außer dem Koffeïn, das -von 0,9-1,5 Prozent darin enthalten ist, wovon aber beim Rösten mehr -als die Hälfte verloren geht, haben wir im Kaffee einige Prozente -eines flüchtigen sogenannten empyreumatischen Öles, Koffeon genannt, -das sich durch das Rösten in den Bohnen entwickelt. Genießt man dieses -abdestillierte Öl in Substanz, so entstehen Schweiß, Schlaflosigkeit -und heftige Blutwallungen. Dieses Öl gibt dem Kaffee sein Aroma, -das aber durch die Beimischung eines in den feineren Sorten etwas -reichlicher vorhandenen zweiten Öles modifiziert wird. Dazu gesellen -sich Kaffeesäure, ziemlich viel Eiweiß, etwas Zucker und eine -Gerbsäure von besonderer Art, welche mit Eisenlösung einen grünlichen -statt wie sonst einen blauen Niederschlag gibt, dann etwas Fett und -Pflanzenschleim. - -Guter Kaffee muß nicht nur vollständig reif gepflückt werden, sondern -auch nachher noch im grünen Stadium den nötigen Reifungsprozeß -durchmachen, wodurch er erst den köstlichen Wohlgeschmack und das -herrliche Aroma gewinnt, das der Kulturmensch an ihm schätzt. Nicht -genügend durch Lagern gereifter Kaffee schmeckt rauh und gehaltlos. Um -nun das unserem Geruchs- und Geschmackssinn so angenehme flüchtige Öl -und andere Zersetzungsprodukte der Bohnen zu gewinnen, röstet man den -Kaffee nach vorherigem, kurzem Abspülen der Bohnen in Wasser, wobei -man sich auch davon überzeugen kann, ob sie gefärbt waren, am besten -in kugelartigen verschlossenen Gefäßen, wobei die Bohnen unablässig -in Bewegung gehalten werden müssen. Dabei soll jede Bohne durch und -durch, aber doch nicht zu stark geröstet werden. Das Rösten ist zu -beenden, wenn die Bohnen plötzlich aufschwellen, braunrot werden und -zu glänzen beginnen. Dann setzt man ihnen etwas Zucker zu, der von der -Hitze sofort schmilzt und sie mit einer das Aroma besser bewahrenden -Karamelhülle umgibt. Der Röstprozeß darf nun durchaus nicht zu lange -fortgesetzt werden. Bloß braunrot gerösteter Kaffee enthält mehr Aroma -als solcher, der kastanienbraun gefärbt oder gar durch Verkohlen -schwarzbraun geworden. Je länger das Rösten fortgesetzt wird, um so -mehr verlieren die Bohnen an Gewicht, nehmen dafür aber an Größe zu. -So verliert z. B. braunroter Kaffee 15 Prozent an Gewicht und nimmt -30 Prozent an Größe zu; schwarzbraun gebrannter verliert dagegen 25 -Prozent an Gewicht, gewinnt dagegen 50 Prozent an Umfang. Nach dem -Brennen soll der Kaffee durch Ausschütten auf eine kalte Platte rasch -abgekühlt werden, da um so mehr Aroma verloren geht und dabei ein -unangenehmer Beigeschmack entsteht, je länger die Bohnen ihre hohe -Temperatur behalten. Dann wird er fein gemahlen, wodurch das Ausziehen -der löslichen Stoffe mit kochendem Wasser erleichtert wird. - -Die gebrannte Bohne ist außerordentlich empfindlich gegen alles sie -Berührende und muß am besten in metallenen oder gläsernen Gefäßen -aufbewahrt werden. Man soll nur kleine Mengen aufs mal, dafür aber -recht oft rösten, da frisch gebrannter Kaffee das beste Getränk liefert -und außerdem das fette Öl in den zu lange aufbewahrten gerösteten -Bohnen leicht ranzig wird. Auch ist das Wasser, das zur Herstellung -des Kaffeeaufgusses verwendet wird, von großer Bedeutung. Je weniger -es erdige Bestandteile, vor allem Kalk, und dafür doppeltkohlensaures -Natron enthält, um so mehr löst es die Bestandteile des Kaffees und -nimmt sie in sich auf. Deshalb sind Badeorte mit Mineralwasser, z. B. -Karlsbad, wegen ihres vorzüglichen Kaffees berühmt. Dasselbe läßt sich -erreichen, wenn man dem Wasser vor dem Aufgießen etwa eine Messerspitze -voll doppeltkohlensaures Natron zusetzt. Auch das Kochen des Kaffees -muß vermieden werden, da er dabei den größten Teil seines Aromas -verliert. - - Tafel 59. - -[Illustration: Ernte von Liberiakaffee durch Malaiinnen auf einer -Plantage Sumatras.] - - Tafel 60. - -[Illustration: Sträucher von Liberiakaffee auf Sumatra. Die auf der -primitiven Leiter aus Bambusrohr stehende Malaiin zeigt die schweren, -schwarzen Fruchttrauben, die sie zu pflücken im Begriffe steht.] - -Um einen möglichst wohlschmeckenden Kaffee zu erzeugen, ist vor allem -auch die größte Sauberkeit bei der Zubereitung ein Haupterfordernis. -Besser als Filter aus Blech, die den Geschmack des durchlaufenden -heißen Wassers durch die Berührung mit Eisen sehr leicht verderben, -sind solche aus Porzellan, Email oder Flanell zu verwenden. Das -Wasser darf nicht mehr als 70° C. Wärme haben, da dann das feinste -Aroma erzielt wird und die weniger feinen Elemente des Kaffees -ungelöst bleiben. Am besten ist es, auf den im Filter befindlichen -zusammengedrückten, gemahlenen Kaffee zunächst eine kleine Menge -heißen Wassers zu schütten und etwas ziehen zu lassen. Eine größere -Menge würde die Löcher des Filters leicht verstopfen. Nachher gießt -man das übrige Wasser nach. Den Trank selbst genießt man mit Milch -und Zucker nach Belieben versetzt, am besten gleich nach seiner -Herstellung, warm. In einer Tasse Kaffee, die aus etwa 8 g Kaffeebohnen -bereitet wurde, findet sich dann 0,1 g Koffeïn. Gestützt auf diese -Feststellung läßt sich jeder Kaffee leicht auf seine Güte prüfen. Dies -tat kürzlich ~Dr.~ Strunk in Berlin und stellte dabei fest, daß man -den besten und stärksten Kaffee in den erstklassigen Hotels erhält, -denn in diesen wies die Tasse einen Gehalt von durchschnittlich 0,11 -Koffeïn auf, geht also noch über den Durchschnitt hinaus. Sogenannter -Mokkakaffee enthielt sogar 0,12 Koffeïn. Demgegenüber wird ein -sehr dünner Kaffee in der Berliner Volksküche verabreicht; dieser -enthält nämlich bloß 0,01 Koffeïn. Nicht viel besser ist der in den -Studentenwohnungen verabreichte; derselbe weist durchschnittlich 0,02 -Koffeïn auf. Er stellt also in bezug auf Koffeïnwirkung ein höchst -unschuldiges Getränk dar, das fürwahr keinerlei Schädigung auf das -Nervensystem ausüben dürfte. - -Der Kaffee regt, wie wir alle durch vielfache eigene Erfahrung wissen, -in hohem Maße das Nervensystem an, beseitigt die Müdigkeit, belebt die -Gedanken und Vorstellungen und beschleunigt die Blutzirkulation. Auch -kalt ist dünner Kaffee bei anstrengenden Touren und bei der Feldarbeit -sehr angenehm und erhöht die körperliche Leistungsfähigkeit im -Gegensatz zu den geistigen Getränken, die vielmehr erschlaffend wirken. -Nur für nervöse, reizbare, leicht an Herzklopfen und Schlaflosigkeit -leidende Personen ist er nicht zu empfehlen; auch wirkt ein Übermaß -desselben schädlich selbst für Gesunde. In solchen Fällen ist der -neuerdings in den Handel gelangende koffeïnfreie Kaffee oder irgend -eins der zahlreichen beim Volke beliebten Kaffeesurrogate zu empfehlen. - -Von den etwa 30 in Afrika wildwachsenden Arten des Kaffeestrauches -kommen nur zwei für die Kultur im großen in Betracht, nämlich der -sogenannte +echte+ oder +arabische Kaffee+ (~Coffea arabica~), der -aus dem südlichen Abessinien stammt, und der +Liberiakaffee+ (~Coffea -liberica~) -- so genannt nach dem Staate Liberia, wo er wild wächst -- -aus Westafrika. Der letztere ist derber, größer und breitästiger als -der arabische Kaffeestrauch. Er ist im Gegensatz zu ersterem, der eine -Gebirgspflanze darstellt und als solche bergige Lagen bevorzugt, eine -Tieflandpflanze, die in ihrer Heimat nicht höher als 140 m über den -Meeresspiegel steigt und ein feuchtwarmes Klima, sowie einen leichten, -etwas sandigen Boden liebt. Bis vor etwa 40 Jahren wurde ausschließlich -der arabische Kaffeestrauch kultiviert; da er aber der später noch zu -besprechenden Kaffeeblattkrankheit in hohem Maße ausgesetzt ist, wurde -seither auch der dagegen und anderen Parasiten gegenüber viel weniger -empfindliche liberische Kaffeestrauch besonders in den asiatischen und -afrikanischen Produktionsländern angebaut. - -Der arabische oder echte Kaffeebaum ist ein heute noch von Abessinien -und der Küste von Mozambique bis zum Victoriasee und bis Angola -wildwachsend angetroffener immergrüner Strauch von 5-6, selten 8 oder -9 m Höhe. Der schlanke Stamm ist mit grünlichgrauer, glatter Rinde -bedeckt und trägt viele dünne, wagerecht oder leicht abwärts geneigte -Zweige, die kurzgestielte, 6-10 cm lange und 3-4 cm breite, länglich -eiförmige, zugespitzte, glatte, oben glänzend dunkelgrüne, unten -blaßgrüne Blätter besitzen, aus deren Achseln 4-16 kurzgestielte, -sehr rasch verblühende, in Aussehen und Geruch den Jasminblüten -ähnliche weiße Blüten hervorbrechen und schließlich kirschengroße -Steinfrüchte mit schleimigem, süßem Fruchtfleisch zeitigen. Die -Blütezeit des arabischen Kaffeestrauches zieht sich durch drei Monate -hindurch, während der an der afrikanischen Westküste, besonders in -Liberia heimische, bis zu 16 m hochwerdende, großblätterige liberische -Kaffeestrauch fast das ganze Jahr hindurch blüht. Der letztere eignet -sich also seiner Herkunft nach viel besser für Niederungen bis -höchstens 200 m Seehöhe, wobei ihm das feuchte und warme Klima der -Küsten besonders zusagt, während ersterer als eine Gebirgspflanze erst -in Höhen, die über 200 m über dem Meeresspiegel liegen, gedeiht. - -Der Kaffeestrauch verlangt zu seinem Gedeihen einen guten, fruchtbaren -Boden und eine gleichmäßige Wärme und Feuchtigkeit, viel Luft und -Licht, in heißen Gegenden aber genügend Schatten, Schutz gegen Wind -und sorgfältige Reinhaltung des Bodens von Unkraut. Zuerst zieht -man junge Pflänzchen in Samenbeeten. Wenn diese etwa zweijährig -sind, setzt man sie auf die eigentlichen Felder aus, die in tieferen -Lagen Schattenbäume enthalten müssen, da ihnen hier die direkte -Sonnenbestrahlung schädlich ist. In höheren Lagen, bis 1500 m, -können solche fehlen. Im dritten oder vierten Jahr beginnen die -Pflanzen Blüten und Früchte zu tragen, liefern aber erst vom sechsten -oder achten Jahre an vollen Ertrag daran, der nach 20-30 Jahren -zurückzugehen pflegt; dann müssen die Sträucher durch neu angepflanzte -ersetzt werden. Ein Strauch liefert 2-3, nur ganz ausnahmsweise 5 oder -gar 6 kg handelsreinen Kaffee. - -Die Früchte des arabischen Kaffees sind erst dunkelgrüne, dann gelbe, -später dunkelkarmoisinrote, rundlich eiförmige Beeren von der Größe -kleiner Kirschen, während diejenigen des Liberiakaffees im reifen -Zustande blauschwarz und doppelt so groß als jene sind. In ihnen liegen -um ein saftiges, süßes Fruchtfleisch zwei von einer pergamentartigen, -glatten, strohfarbenen Hülle und darunter noch von einem silberfarbigen -Häutchen umgebene, innen flache und nach außen gewölbte Samen, deren -gelblichweißes Nährgewebe hornartig hart ist und keinerlei Stärke -enthält. Es kommt aber auch vor, daß gelegentlich nur eine Bohne -zur Entwicklung gelangt, die dann nicht innen abgeflacht, sondern -vollkommen rund und etwas größer als die gewöhnlichen Bohnen ist. -Es sind das die sogenannten männlichen Bohnen oder Perlbohnen, die -sorgfältig ausgesondert werden, weil sie höher im Preise stehen als -die gewöhnlichen Doppelbohnen. Als Perlkaffee bilden sie überhaupt die -teuerste Sorte Kaffee, die in den Handel gelangt, obschon diese ihre -hohe Bewertung nur ein Vorurteil ist. - -Die Ernte darf erst nach der vollständigen Reife der Früchte -vorgenommen werden und muß mit großer Sorgfalt geschehen, da nicht -sämtliche Früchte zu gleicher Zeit das Reifestadium erreichen, beim -Liberiakaffeebaum auch Blüten geschont werden müssen. Nach Eintritt der -Reife lassen die Araber die Früchte an den Bäumen, bis sie von selbst -abfallen oder leicht zu schütteln sind. Dieser Behandlungsweise werden -die vortrefflichen Eigenschaften des nach dem Ausfuhrhafen im südlichen -Arabien als Mokka bezeichneten Kaffees zugeschrieben. Doch, was wir als -Mokkakaffee genießen, ist meist eine auserlesene brasilianische Sorte -mit eigentümlich ellipsoiden Bohnen. Diesen brasilianischen Kaffee -sammelt man auch durch Schütteln des Baumes über einem weißen Laken, um -sie vor Schmutz, Sand und dergleichen zu schützen. In Gegenden jedoch, -wo es viel regnet, wie auf Java, ist dieses Verfahren nicht möglich, -da das Fleisch der Früchte schnell fault und die Früchte durch einen -kräftigen Regenfall zu Boden geschlagen werden. Deshalb sammelt man sie -dort sobald sie einigermaßen reif sind und verarbeitet sie weiter. In -Ostindien gelten diejenigen Kaffeebohnen als die besten, die aus dem -Kote von Schleichkatzen und Schakalen gesammelt werden, was allerdings -begreiflich ist, da diese Tiere nur die reifsten Beeren fressen und -deshalb die von ihnen unverdaut abgehenden Samen von besonderer Güte -sind. - -Früher trocknete man die abgelesenen Früchte auf der Erde und zerbrach -die äußeren Hüllen in Holzmörsern durch Handarbeit oder in einer -Art Mühle in Tierbetrieb, was auch jetzt noch teilweise geschieht. -In neuester Zeit und auf fortgeschrittenen Betrieben werden die -Früchte, um die Kaffeebohnen von dem sie einhüllenden Fleische zu -befreien, unmittelbar nach dem Pflücken in Maschinen zerquetscht und -auf ein Sieb gebracht, dessen Maschen gerade groß genug sind, um die -Bohnen durchzulassen, das Fruchtfleisch aber zurückzubehalten. Das -letztere findet als Dünger Verwendung. Die noch mit der Pergamenthülle -bedeckten Bohnen dagegen werden in den Gärraum gebracht, wo die an -ihnen haftenden Fruchtfleischreste einen Fäulnisprozeß durchmachen, -worauf sie sich durch Waschen leicht entfernen lassen. Nach dem Waschen -trocknet man sie an der Sonne, nach dem älteren System auf gemauerten -Tennen, nach dem neueren jedoch in großen, flachen Karren auf niedrigen -Rädern, die, auf Schienen laufend, des Nachts oder bei schlechtem -Wetter in einen langen Schuppen gerollt werden. Die Farbe der Bohnen -wird nur durch ihren Feuchtigkeitsgehalt bedingt. So sind die blauen -Bohnen feuchter als die grünen und die grünen wiederum feuchter als -die gelben, während ein langsames Trocknen bei feuchter Witterung dem -Kaffee eine bleierne Farbe verleiht. - -Bei dem trockenen Verfahren werden die Bohnen gleich nach dem Pflücken -durch Ausbreitung am Boden vermittelst der Sonnenwärme getrocknet, bis -man beim Umrühren der Früchte die Bohnen in ihren Hüllen rasseln hört. -Dann bringt man sie in Speicher, wo man sie beliebig lange aufbewahren -kann. Zur Entfernung der Pergamenthülle werden sie dann, wie der auf -nassem Wege vom Fruchtfleisch befreite Kaffee, in Mörsern mit langen -hölzernen Stampfern, in der Regel aber in Maschinen bearbeitet. -Auf solche Weise von den Hülsen befreit, werden sie nach der Größe -sortiert und poliert. Der Reinertrag an verkaufsfertigen Bohnen beträgt -durchschnittlich ein Fünftel des Gewichts der frischen Früchte. - -Neben der Hauptblüte des Kaffeebaumes gibt es eine Vor- und Nachblüte, -die aber weniger von Bedeutung sind; so handelt es sich gleichwohl um -eine Haupterntezeit, die auf Java alle 4-6 Monate stattfindet. Doch -wird auch hier in zunehmendem Maße der weniger empfindliche und rascher -wachsende liberische Kaffeestrauch, der stets Blüten und Früchte -nebeneinander trägt und deshalb eine periodische Ernte vollkommen -ausschließt, gepflanzt. Zur Aussaat werden jeweilen die schönsten und -größten Beeren ausgesucht, die von in der Fülle ihrer Kraft stehenden -Bäumen stammen, d. h. nicht zu jung und nicht zu alt sind. Da der Same -des Kaffees seine Keimkraft schnell verliert, bedient man sich, um ihn -in fern abliegende Gegenden zu verpflanzen, besser nicht der Samen, -sondern junger Pflänzchen, die in kleinen, mit Glas gedeckten Kisten -an Deck mit größter Behutsamkeit transportiert werden müssen. Beim -Anpflanzen werden sie gleich wie die aus Sämlingen an Ort und Stelle -gezogenen jungen Pflanzen unter dem Schutz von Schattenbäumen groß -gezogen. Häufig werden zwischen den Kaffeesträuchern, so lange diese -noch jung sind, auch andere Pflanzen angebaut, so in Brasilien Mais und -Bohnen, die gleichzeitig dazu bestimmt sind, die allzugrell scheinende -Sonne abzuhalten. Sobald jedoch die Kaffeepflanzen groß geworden sind -und anfangen Früchte zu tragen, müssen diese Zwischenpflanzen entfernt -werden, da sie dann den Ertrag verringern. Zwischen den Kaffeebäumen -muß das rasch emporwuchernde Unkraut regelmäßig entfernt werden, was -bei Großbetrieben durch besondere Maschinen geschieht. Dann muß die -Plantage auch gedüngt werden; besonders ist eine Zufuhr von Phosphor -vonnöten. Je tiefgründiger der Boden, um so mehr können sich die -Pfahlwurzeln entwickeln und um so älter werden die Bäumchen. Als -Gebirgspflanze gedeiht der arabische Kaffeestrauch am besten in Tälern -oder an Abhängen, wo er vor Winden geschützt ist. Am besten sagen ihm -Temperaturen zu, die zwischen 15 und 25° C. schwanken, und Regenmengen -zwischen 220 und 330 cm im Jahr. - -Aus Abessinien ist der echte Kaffeestrauch zuerst nach dem -südlichen Arabien gelangt, wo seine Kultur beschränkt blieb, bis -auf Veranlassung des Bürgermeisters von Amsterdam, Nikolas Witsen, -Direktor der holländischen Handelskompagnie, der Gouverneur von -Batavia, van Hoorn, im Jahre 1650 einige Kaffeebäumchen von Mekka -nach Batavia auf der Insel Java bringen ließ, die aber infolge -einer Überschwemmung wieder eingingen. Keinen besseren Erfolg hatte -die Sendung des holländischen Kommandanten von Malabar, Adrian van -Ommeren, vom Jahre 1696. Kurz darauf gelang es Hendrik Zwaardekron -diese Nutzpflanze dort einzubürgern. Sie wurde in großen Plantagen -angepflanzt, von deren Ertrag bald auch die Muhammedaner Westasiens -mit diesem Genußmittel versorgt werden konnten. Später wurde die -Kaffeekultur von den Holländern auch auf die anderen Sundainseln -und auf Ceylon ausgedehnt. Im Jahre 1710 wurden von Batavia aus -mehr als hundert junge Kaffeebäumchen nach Amsterdam gesandt, wo -sie im Treibhaus des Botanischen Gartens Unterkunft fanden. Eines -derselben erhielt im Jahre 1713 Ludwig XIV. durch den Direktor -des Amsterdamer Gartens Namens Pancras. Er ließ es im Garten von -Marly bei Paris sorgsam aufziehen, und nach ihm veröffentlichte dann -der Botanikprofessor am ~Jardin du roi~ in Paris, Antoine de -Jussieu, in den ~Mémoires de l’Academie des sciences~ eine genaue -Beschreibung der Pflanze. Ein anderes Exemplar gelangte von Amsterdam -nach Surinam, wo dann die Holländer die Kaffeekultur erfolgreich -einzubürgern vermochten. - -Von der einen Kaffeepflanze in Marly wurden Samen erzielt, die junge -Pflänzchen ergaben, von denen der vorgenannte Antoine de Jussieu -dem Schiffskapitän de Clieu d’Erchigny im Jahre 1721 drei Exemplare -mitgab, um sie nach der Insel Martinique zu bringen. Infolge großen -Wassermangels auf der langen Reise, die den Offizier zwang, die ihm -zugewiesene Wasserration zum größten Teile zur Erhaltung seiner -Pfleglinge zu verwenden und selbst Durst zu leiden, brachte er nur -+ein+ Exemplar lebend an den Bestimmungsort. Hier angepflanzt, mußte es -beständig von Sklaven bewacht werden, damit es nicht gestohlen werde. -Es gedieh vorzüglich und wurde die Stammpflanze aller westindischen -Kaffeebäume, deren Kultur sich in der Folge rasch über das tropische -Amerika verbreitete. - -Im Jahre 1725 pflanzte de la Motte-Aigron, der Gouverneur von Cayenne, -daselbst das erste Kaffeepflänzchen, das er sich verstohlenerweise bei -seinem Aufenthalt in Surinam zu verschaffen gewußt hatte. Von dort her -gelangte die Pflanze 1740 nach Brasilien. Im Jahre 1730 wurde die erste -Kaffeeplantage auf Guadeloupe und durch Nicholas Lewes desgleichen auf -Jamaika angelegt. Gegen das Ende des 18. Jahrhunderts wurden in Sumatra -die ersten Anbauversuche gemacht, die aber erst von 1819 an, als die -Insel unter holländische Herrschaft kam, Erfolg hatten. 1822 begann -der Kaffeebau auf Celebes und 1832 in Costarica, und zwar an letzterem -Orte durch den deutschen Kaufmann Wallerstein. Endlich kam der -Kaffeebau 1892 auch nach Deutsch-Ostafrika, wo er heute besonders in -der Landschaft Usambara blüht. Auch in Kamerun sind neuerdings größere -Anpflanzungen von Liberiakaffee gemacht worden. - -Der westindische Kaffee, der im 18. Jahrhundert, als er sich mit dem -Javakaffee in den Welthandel teilte, in hoher Blüte stand, ging im 19. -Jahrhundert infolge der Abschaffung der Sklaverei und fortwährender -politischer Umwälzungen so sehr zurück, daß man an seiner Stelle Tabak -und Zuckerrohr bevorzugte. In der Mitte des 19. Jahrhunderts lebte -sein Anbau jedoch in Mexiko und namentlich in Brasilien auf, in welch -letzterem Lande er allerdings schon seit 1808 für den Welthandel -zunehmende Bedeutung erlangt hatte. Früher noch kam er in Ostindien -auf, wo besonders Ceylon reiche Kaffeeplantagen besaß, bis im Jahre -1869 dort zuerst die durch einen Rostpilz, ~Hemileia vastatrix~, -hervorgerufene gefürchtetste Blattfleckenkrankheit des arabischen -Kaffeebaums ausbrach, die im Jahre 1875 dort und auf dem indischen -Festlande einen so verderblichen Charakter annahm, daß in der Folge -die Kaffeekultur in diesen Ländern fast ganz aufgegeben werden mußte -und durch den Anbau von Tee verdrängt wurde, soweit sie nicht durch -die Kultur des durch größere Samen ausgezeichneten, infolge seiner -größeren Robustheit mehr Widerstandskraft gegen den Pilz aufweisenden -Liberiakaffees ersetzt wurde. Dieser Pilz, der sich dann auch in den -Kaffeegärten Deutsch-Ostafrikas zeigte, hat dem Kaffeebau auf Ceylon -bis zum Jahre 1880, also in zehn Jahren, einen Schaden von über 300 -Millionen Mark verursacht und viele vorher vermögliche Pflanzer -ruiniert. - -[Illustration: Bild 35. Der Rostpilz des Kaffeestrauches (~Hemileia -vastatrix~). - -~a~ vom Rostpilz befallenes Blatt, ~b~ aus einer Spaltöffnung des -Blattes sich hervordrängende Dauersporen in Büscheln.] - -Dieser so verhängnisvolle Krankheitserreger, gegen den bis jetzt -kein sicheres Bekämpfungsmittel gefunden wurde, erzeugt ½–¾ cm -große orangegelbe Flecken an der Unterseite der Blätter der von ihm -befallenen Pflanze, indem sich hier aus den Spaltöffnungen des Blattes -zahlreiche Dauersporen in Büscheln hervordrängen, die abfallen und -allseitig ausstäuben. Sie sind so ungemein leicht, daß der leiseste -Lufthauch sie überallhin auf andere Blätter trägt, wo sie keimen und, -in das Zellgefüge der Blätter eindringend, die Krankheit verbreiten. -Der ganze Entwicklungsprozeß dauert nicht länger als einen Monat, -wodurch sich die schnelle Verbreitung der Seuche erklärt. Wenn viele -Blätter zu gleicher Zeit von der Krankheit befallen werden und -abfallen, so geht der Baum ein. In jedem Falle wird er aber durch -diese Infektion so stark in seinem Allgemeinbefinden angegriffen, -daß er mehrere Jahre hindurch einen ganz geringen Ertrag liefert. -Bordeauxbrühe und Tabakwasser töten zwar die Sporen der ~Hemileia~, -aber gegen das Umsichgreifen der Seuche schützt nur ein Radikalmittel -wie die Vernichtung aller von der Krankheit befallener Sträucher. -Besonders in Java, wo die Krankheit im Jahre 1876 zuerst auftrat, um -dann 1882 auf der ganzen Insel zu wüten, half man sich dadurch, daß -man die zarte arabische Kaffeepflanze durch die bedeutend kräftigere -Liberiakaffeepflanze ersetzte. Neuerdings wird dort wiederum erstere -als eine feinere Bohnensorte liefernde Pflanze vorgezogen, indem man -sie auf junge Sämlinge von Liberiakaffee pfropft, was recht gute -Resultate liefert, indem so der arabische Kaffeestrauch größere -Widerstandskraft gegen die Infektion erlangt. - -Die gewaltige Verbreitung, welche dieser Pilz in den 1870er Jahren -erreichte, ist namentlich darauf zurückzuführen, daß er von einer Abart -der arabischen Kaffeepflanze, der ~Coffea travancorensis~, die er -zuerst befiel, auf ~Coffea arabica~ überging und in der letzteren eine -neue, ihm zusagende Nährpflanze fand, in der er sich, von dem zu seiner -Entwicklung außerordentlich geeigneten feuchtwarmen Klima begünstigt, -in der ausgiebigsten Weise ausbreitete. Dies hat man in ähnlicher Weise -auch an anderen Rostpilzen beobachtet, daß ein Übergang von der einen -Pflanzenart auf eine andere nahe verwandte, besonders wenn diese durch -längere Kultur verzärtelt war, einem solchen Krankheitspilz besondere -Bösartigkeit verlieh, so daß er eine bis dahin unbekannte Ausdehnung -erlangte und eine in hohem Maße zerstörende Wirkung ausübte. Da die -Ansteckung mit der ~Hemileia~ in den ersten Stadien nur sehr schwach -zu erkennen ist, sollten für den Plantagenbetrieb niemals junge -Pflänzchen von auswärts bezogen werden, sondern zur Anpflanzung sollten -jeweilen nur in Bordeauxbrühe desinfizierte Samen verwendet werden, -bei denen man eine Garantie hat, daß die Übertragung des Schädlings -ausgeschlossen ist. - -In Ostafrika haben sich die Larven eines Bockkäfers, ~Herpetophyas -fasciatus~, als Schädlinge der Kaffeebäumchen erwiesen, in Westafrika -dagegen speziell beim Liberiakaffee ein Borkenkäfer, ~Apate -franciscea~. In Südamerika entstehen an den Kaffeesträuchern vielfach -Wurzelknoten durch die Invasion winziger Würmchen. Doch ist der dadurch -erwachsene Schaden bisher kein sehr großer gewesen. Endlich hat eine -Mottenlarve, ~Cemiostoma coffeellum~, in einigen Teilen Amerikas -wie auf der Insel San Domingo und in Brasilien große Verheerungen -angerichtet. - -Die Republik Costarica führt den Kaffeebaum als Wappenschild. - -Der Kaffeeverbrauch der Erde ist in beständigem Steigen begriffen. -Weitaus am meisten Kaffee wird in Amerika erzeugt und getrunken. Von -der jährlich auf der ganzen Erde hervorgebrachten Menge von gegen einer -Milliarde kg Kaffeebohnen erzeugt Brasilien gegen 700 Millionen kg und -das übrige Südamerika, namentlich Venezuela und Kolumbia, gegen 60 -Millionen kg. Zentralamerika baut ebenfalls viel Kaffee an und seine -Produktion beläuft sich auf etwa 100 Millionen kg. Gegenüber dieser -Kaffeeproduktion Amerikas ist die in Ostindien und Java geerntete -Kaffeemenge eine verschwindend kleine; sie beläuft sich nämlich auf -nur etwa 40 Millionen kg. Erzeugt nun Amerika den meisten Kaffee, so -liefert Abessinien, die Heimat dieser Kulturpflanze, immer noch den -besten Kaffee. Dieses äthiopische Produkt wird nach der Somaliküste -gebracht und dort von indischen Händlern aufgekauft. Aus der Landschaft -Yemen in Südarabien stammt der arabische Kaffee, von seinem früheren -Exporthafen auch Mokka genannt, der aber leider nicht zu uns kommt, -da er in Persien, Vorderasien und Ägypten aufgebraucht wird. Unser -gewöhnlicher „Mokka“ ist nichts als ausgesuchter kleinbohniger -Java- oder Ceylonkaffee, welche Produktionsorte mit Celebes, das -den rötlichgelben großbohnigen Menadokaffee liefert, den besten -zu uns gelangenden Kaffee erzeugen. In Frankreich wird besonders -der von Manila exportierte ausgezeichnete Kaffee der Philippinen -verbraucht. Hinter diesen südasiatischen Kaffeesorten steht der -brasilianische und an Qualität rangieren in letzter Linie derjenige -von Venezuela und Haiti. Meist zieht man hellgefärbte Sorten den -dunkeln vor. Großbohnige, in Größe und Farbe gleichmäßige Sorten geben -im allgemeinen die beste Garantie für völlige Reife, sorgfältige -Behandlung und Sortierung. - -Nach den Vereinigten Staaten, die jährlich gegen 500 Millionen kg -Kaffee verbrauchen, kommt Deutschland, das im letzten Jahre 189 -Millionen kg Kaffee im Werte von 162 Millionen Mark einführte. Auf -die Zahl der Einwohner berechnet verbraucht Holland weitaus am meisten -Kaffee, nämlich 5,8 kg pro Jahr und Kopf der Bevölkerung. Ihm folgen -die Vereinigten Staaten von Nordamerika mit 5,75 kg, Deutschland mit -3,12 kg, die Schweiz mit 2,98 kg, Frankreich mit 1,38 kg, England mit -0,45 kg und endlich Rußland mit 0,10 kg. Der Kaffeekonsum der beiden -letztgenannten Länder ist nur deshalb so klein, weil dort an seiner -Stelle um so mehr Tee getrunken wird. - -Zum Schluß sei noch erwähnt, daß Afrika außer dem Kaffeestrauch noch -eine andere anregende Nutzpflanze besitzt. Es ist dies der +Katstrauch+ -(~Catha edulis~), ein dem Pfaffenhütchen (~Evonymus europaeus~) sehr -nahe verwandter Strauch aus der Familie der Spindelbaumgewächse, der -von Abessinien bis zum Kaplande in gebirgigen Gegenden verbreitet ist -und unter anderem auch in Arabien kultiviert wird. Der Gebrauch der -Blätter des Katstrauchs als Genußmittel ist in Arabien und Abessinien -älter als derjenige der Kaffeebohnen. Sie werden gekaut und frisch oder -häufiger getrocknet zur Herstellung eines mit Honig versüßten Aufgusses -wie diejenigen des chinesischen Tees benutzt. Auch sie enthalten eine -das Nervensystem anregende Substanz, das ~Celastrin~, das ebenfalls -dazu dient, körperlich und geistig anzuregen, die Müdigkeit und den -Schlaf zu verscheuchen; im Übermaß aber soll es betäubend wirken. Nach -Europa gelangt dieses Genußmittel durchaus nicht, da hier Kaffee und -Tee vollkommen eingebürgert sind und dieses dagegen nicht aufzukommen -vermag. Der Reisende ~Dr.~ Roth sagt von ihm: „Die Sitte des Katkauens, -die ich in Yemen kennen lernte, gehört zu den einladendsten, der sich -der Araber beim Frühstück, zum Mittagessen und selbst in den heitern -Nächten hingibt. Man zieht zu letzterem Zwecke die kultivierte Pflanze -der wildwachsenden weit vor. Es wird bei den Wohlhabenderen damit viel -Luxus getrieben, und so wie man bei uns dem Fremden eine Tasse Tee oder -Kaffee anbietet, wird derselbe dort mit den grünen Zweigbündeln des Kat -beehrt. Die im Zimmer der Vornehmen umherliegenden entblätterten Zweige -sind der Maßstab der Wohlhabenheit und der Gastfreundschaft.“ Im Aufguß -mit heißem Wasser genossen, schmecken und wirken die Katblätter ähnlich -wie chinesischer Tee, der uns im nächsten Abschnitt beschäftigen soll. - - - - -XII. - -Der Tee. - - -Wie der Kaffee ostafrikanischen Ursprungs, so ist der Tee -ostasiatischer Herkunft, und zwar verdanken wir seine Verwendung als -Genußmittel dem uralten Volke der Chinesen, das ihn nach dem Berichte -alter Chroniken im 3. Jahrhundert unserer Zeitrechnung aus dem Süden -erhalten haben soll. Aber erst zu Beginn des 9. Jahrhunderts n. Chr. -kam der Teegenuß in China mehr in Aufnahme. Nach Japan wurde er durch -einige Priester eingeführt, die ihn in China kennen gelernt hatten; -aber erst im 15. Jahrhundert erreichte er in diesem Lande einen -größeren Umfang. - -Der Teestrauch, dessen dunkelgrüne, lederartige, glänzende Blätter -den Ostasiaten den ihnen unentbehrlichen, das Nervensystem anregenden -Trank spenden, gehört mit der ihm sehr nahe verwandten Camellia zu -den den Myrtengewächsen nahestehenden Ternströmiaceen (nach dem -Schweden C. Ternström so genannt, der China durchforschen wollte, -aber vor Erreichung seines Zweckes 1745 starb). Er hat seine Heimat -im gebirgigen südlichen Asien, wo er außer auf der südchinesischen -Insel Hainan in Assam und den südlich davon gelegenen Bergländern noch -heute im wilden Zustande gefunden wird. Die Gattung ~Thea~ umfaßt -16 in Hinterindien, China und Japan wild wachsende Arten, die man -in Eutheen mit gestielten, nickenden Blüten und nicht abfallenden -Kelchblättern und Camellien mit ungestielten, aufrechten Blüten und -abfallenden Kelchblättern einteilt. Zu letzteren gehört die ~Thea -japonica~, die als Zierpflanze bekannte und beliebte Camellie, -zu ersteren dagegen die ~Thea chinensis~, deren Blätter uns den -chinesischen Tee liefern. Sie kommt in zweierlei Arten vor, die ~Thea -chinensis~ im engeren Sinne, die, sich selbst überlassen, etwa 7-10 m -Höhe erreicht, als Kulturgewächs jedoch zum bequemeren Einsammeln der -Blätter kaum 1,5-2 m hoch gehalten wird, und die 10-15 m hohe ~Thea -assamica~, die fast doppelt so große, schneller reifende Blätter wie -jene besitzt und weniger zur Bildung von Blüten neigt, die -- statt -wie beim chinesischen Teestrauch zu 2-5 Stück -- einzeln aus den -Blattwinkeln hervorbrechen. Letztere beansprucht wärmere Lagen und -fruchtbareren Boden und verhält sich zum chinesischen Teestrauch wie -der liberische Kaffeebaum zum echten arabischen. Beide Pflanzenarten -und die davon abgeleiteten Kreuzungsprodukte, deren Blätter aber oft -an Aroma minderwertig sind, gedeihen in verschiedenen Klimaten und -auf verschiedenem Boden üppig und überdauern sogar ziemlich kalte -Winter, vorausgesetzt, daß sie warme Sommer haben, in denen sie ihre -Blättermasse reichlich zu entwickeln vermögen. Frost können sie nicht -ertragen und haben auch von der Trockenheit zu leiden. Am besten sagt -ihnen ein mäßig warmes, feuchtes Klima auf subtropischen Inseln und -Küsten, näher am Äquator dagegen in kühlerer Berglage in 1000-2000 m -Höhe zu. - -Die beiden Teearten sind buschig verzweigte, immergrüne Sträucher mit -wechselständigen, kurz gestielten, lanzettförmigen, gekerbten Blättern, -die wie die jüngsten Zweigspitzen nur in ihrer Jugend zum Wärmeschutz -seidig weiß behaart sind, während sie im entwickelten Zustande kahl und -lederartig erscheinen. Aus den Achseln der Blätter treten beim Assamtee -einzeln, beim chinesischen aber zu zweien bis fünfen, etwa den Umfang -eines Markstücks erreichende, schwach nach Jasmin riechende, weiße -Blüten hervor. Die kleinen Kelchblätter wie die Blumenblätter sind -in der Sechszahl vorhanden. Die über zweihundert Staubfäden sind am -Grunde verwachsen und der behaarte Fruchtknoten umschließt in jedem der -Fächer zwei hängende Samenanlagen. Die Frucht ist eine runde, gelbbraun -punktierte, dünnwandige, holzige Kapsel, die in drei aufspringenden -Fächern je einen kirschkerngroßen, glänzend braunen Samen mit -gelblicher Keimgrube birgt. - -Der Teestrauch gedeiht am besten in einem feuchtwarmen Klima in -sonniger Lage; deshalb werden die Teegärten mit Vorliebe an nach -Süden gerichteten Abhängen angelegt, weil sich dann kein Wasser an -den Wurzeln der Pflanzen ansammeln kann, was ihrem Wachstum schaden -würde. Sie bedürfen keiner Schattenbäume und gedeihen am besten -auf lockerem, festem Boden. Nachdem das Erdreich, auf welchem eine -Teeplantage angelegt werden soll, durch Pflügen oder Umgraben und Eggen -gehörig bearbeitet worden ist, wird es sofort bepflanzt. Ist der Boden -sehr mager, so muß er zuvor gedüngt werden, damit er reichen Ertrag -liefere; auch muß er ziemlich viel Kalk enthalten. In ihm wird nun -die Teepflanze in der Regel durch etwa einjährige Samen, die man in -Reihen 1,25 m voneinander entfernt zu zweien oder zu dreien in -den Boden legt, gewonnen. Der Samen keimt unter günstigen Umständen -nach fünf bis sechs Wochen und ein paar Wochen später kann man schon -Pflanzen von 10 cm Höhe haben. Weniger empfehlenswert ist die -Anzucht in besonderen Saatbeeten, da die Wurzeln der jungen Pflänzchen -außerordentlich empfindlich sind und beim Überführen in die definitiven -Standorte fast immer leiden, wodurch nicht unerhebliche Ausfälle -entstehen. Dabei legt man, um den Boden auszunützen, in den ersten zwei -oder drei Jahren Zwischenpflanzungen, am besten von Mais, an, welche -auch für genügende Beschattung der jungen Teepflanzen sorgen. - -Weil es dem Teestrauch ein Bedürfnis ist, dem Wind freien Durchtritt -zu gewähren, läßt man zwischen den einzelnen Exemplaren einen gewissen -Abstand; auch läßt man ihn nicht hoch aufschießen, sondern beschneidet -ihn immer wieder rücksichtslos, wie wir dies mit unseren Hecken tun, -damit er reichlich Seitenschosse erzeuge und zum dichten Busch werde. -Wenn der Teestrauch drei Jahre alt geworden ist, kann mit dem Pflücken -der Blätter begonnen werden. Gewöhnlich erntet man dieselben in China -dreimal im Jahre. Zuerst, Anfang März bis Mitte April, unmittelbar vor -der Regenzeit, pflückt man die ersten Frühlingsblätter, aus denen der -feinste Tee gewonnen wird. Nach der Regenzeit, Ende Mai oder Anfang -Juni, folgt die zweite, die sogenannte große Ernte, die qualitativ die -bedeutendste ist und zum großen Teil ins Ausland gesendet wird, aber -an Feinheit des Aromas der ersten Ernte nachsteht. Die dritte Ernte, -Ende Juli oder Anfangs August, ist wegen der groben, wenig aromatischen -Blätter recht minderwertig und wird daher in vielen Gegenden gänzlich -unterlassen, da die Erhaltung der betreffenden Blätter für das Gedeihen -des Strauches und somit auch für die Güte der ersten Ernte des nächsten -Jahres von großer Bedeutung ist. - -In der Regenzeit wird alles Pflücken der Blätter vermieden, weil es für -die Qualität des Tees nachteilig ist, solche zu pflücken, die vom Regen -naß sind; der Tee schmeckt nämlich dann flau. Auch das Äußere des Tees -wird durch die Feuchtigkeit benachteiligt, da feuchte Blätter sich bei -der Bearbeitung zu mehreren zusammenzurollen pflegen und dann nur mit -großer Mühe auseinandergebracht werden können. Früh morgens, wenn der -Tau der Nacht verdunstet ist, beginnt man mit dem Pflücken der Blätter -und fährt damit fort, bis man eine zur betreffenden Tagesverarbeitung -genügende Menge hat. Dabei müssen die Blätter vor ihrer vollen -Entwicklung geerntet werden, wenn sie eben im Begriffe sind, die -Blattflächen auseinanderzurollen. - -Wenn auch der Teestrauch bereits im Alter von drei bis fünf Jahren -beginnt, Erträge zu liefern, so erhält man erst vom zehnten Jahre -an Vollernten von 1 kg und mehr jährlich pro Strauch. Aber um diese -Zeit werden die Blätter oft schon groß und minderwertig, so daß man -sich, wie bei der Kultur der Rebe, damit behilft, den Strauch stark -bis auf einen oder wenige Zweige zu beschneiden, damit sich reichlich -junge Schosse bilden. Aber die Blätter dieser letzteren erreichen -nie die Güte, welche die ersten besaßen, so daß man es vorzieht, die -Bäumchen bereits nach dem zehnten Jahre zu entfernen und neue Aussaaten -vorzunehmen, wie dies z. B. auf Ceylon überall zu geschehen pflegt. - -Je jünger und zarter die geernteten Blätter sind, desto besseren Tee -liefern sie; doch ist erst in den ganz ausgewachsenen Blättern der -Höchstgehalt an Teeïn, das mit dem Koffeïn identisch ist, und den -übrigen, dem Tee seinen Wert verleihenden Substanzen, erreicht. Diese -sind im mittleren Blattgewebe enthalten. Auf einen Hektar Teepflanzung -rechnet man durchschnittlich eine Ernte von 3000 kg Teeblättern -jährlich. Aber auf den besten Teepflanzungen erntet man bis 10000 -kg pro Jahr. Beim Pflücken der Blätter, das meist Frauen und Kinder -besorgen, wird peinlichste Sauberkeit beobachtet. Die Pflückerinnen -müssen täglich baden und sich getrockneter Fische und anderer stark -riechender Speisen enthalten. Ja, die feinste Sorte aus den zartesten -Blättern der ersten Ernte, die in China den Kaiser- oder Blumentee -liefern, der kaum je in den Handel gelangt und vom Hofe selbst, der ihn -mit 600 Mark das kg bezahlt, aufgekauft wird, pflückt man sogar mit -Handschuhen. Damit beide Hände frei bleiben, tragen die Pflückerinnen -an einer Schnur um den Hals gehängt ein Körbchen auf der Brust, -ziehen mit der Linken einen Zweig an sich und brechen mit der Rechten -die Blätter am Stiel ab. Eine Person vermag täglich 6-7 kg Blätter -einzusammeln, die dann nach der Zubereitung zu Tee 75 Prozent ihres -Gewichts verlieren, so daß also 4 kg frische Blätter 1 kg Tee liefern. - -Je nach der weiteren Bearbeitung erhält man nun zwei ganz verschiedene -Sorten, den +schwarzen+ und den +grünen Tee+, die durchaus nicht, -wie man früher glaubte, von verschiedenen Pflanzen, sondern von -derselben stammen, nur durch verschiedene Behandlung der Blätter -erzielt werden. Der +grüne Tee+, wie ihn die Ostasiaten lieben, weil -er infolge weit geringerer Zersetzung kräftiger auf die Nerven als der -von uns bevorzugte schwarze Tee wirkt, wird in der Weise gewonnen, daß -die Blätter unmittelbar nach dem Einbringen „gedämpft“ werden, damit -sie ihre Farbe behalten, und schließlich eine Röstung erfahren. Zu -diesem Zwecke werden sie in Hürden aus Bambusstäben über Kessel mit -dampfendem Wasser gehalten oder in tiefen Pfannen bei starker Hitze -in ihrem eigenen Safte gedämpft, wobei sie unausgesetzt mit Stöcken -rasch umgerührt werden, bis sie beginnen rote Ränder zu zeigen. Dann -werden sie wie beim schwarzen Tee, nur in schnellerer Aufeinanderfolge, -mit den Händen gerollt und über Feuer geröstet. Durch dieses rasche -Trocknen wird dem Gerbstoff in den Blättern keine Zeit zum Oxydieren -gelassen, während gleichzeitig auch einer späteren chemischen -Zersetzung in der Masse vorgebeugt wird. Zum Schluß werden sie, nachdem -man ihnen noch die gewünschte blaugrüne Farbe, die nicht jeder Tee -annimmt, durch Bestäuben mit einer Mischung von Indigo, Curcuma und -Gips verliehen hat, vermittelst Sieben sortiert und die Ware nach -nochmaligem Rösten noch warm in mit Stanniol gefütterte Kisten verpackt. - -Der +schwarze Tee+, der weitaus die Hauptmenge des Fabrikats ausmacht, -da er vorzugsweise zum Export gelangt, wird ganz anders behandelt. -Zunächst läßt man die Blätter auf flachen Bambushürden 24 Stunden -und länger welken, wobei die Blätter unter allerlei chemischen -Veränderungen, die vorzugsweise in einem Freiwerden des Teeïns aus -seiner gerbsauren Verbindung und in einer Zunahme von löslichen -Stickstoffverbindungen bestehen, etwa 20-28 Prozent ihres Gewichtes -verlieren. Durch dieses Welken werden die Blätter zugleich für die -weitere Bearbeitung geeigneter gemacht. Da sie gerollt werden sollen, -wird dadurch das Austreten des Saftes bei jenem Prozesse vermindert und -bewirkt, daß sie sich später leichter rollen lassen und dabei weniger -leicht zerbrechen. Unmittelbar nach dem Welken werden die Blätter -20-30 Minuten lang auf Rolltischen mit den Händen gerollt. Die so -entstandenen Ballen werden auseinander gelöst, auf geflochtenen Tellern -ausgebreitet und mit feuchten Tüchern bedeckt, um das Austrocknen zu -verhüten und die Temperatur in der leicht gärenden Masse niedrig zu -halten. Diese Gärung findet durch ausschließlich im Teeblatte selbst -enthaltene Fermente statt, wobei durch das Freiwerden eines ätherischen -Öles das Aroma entsteht. Nach zwei bis drei Stunden ist dieser Prozeß -abgelaufen und dann hat sich die Blattmasse rotbraun verfärbt. Nun -werden die Blätter nochmals gerollt und danach getrocknet. Dieser -letztere Prozeß soll möglichst zuerst in der Sonne und dann in -Trockenmaschinen bei 100° C. geschehen. Danach folgt das durch Frauen -besorgte Verlesen oder das Sortieren durch Maschinen. Schließlich -wird der Tee nochmals in offenen Sieben über hellem Kohlenfeuer gut -getrocknet und erwärmt, um die absolute Luftfeuchtigkeit in der -Verpackung, welche beim Transport zur Schimmelbildung führen würde, -zu vermindern, sorgfältig in große, innen mit Stanniol ausgekleidete -Kisten verpackt und dann verlötet, damit er sein feines Aroma -möglichst unverändert behalte. Wie bei der Verpackung ist auch bei der -Aufbewahrung des Tees darauf zu achten, daß nicht riechende Stoffe -in der Nähe sind und die Ware nicht der Luft, dem Lichte und der -Feuchtigkeit ausgesetzt ist. Übrigens wird nur den besseren Teesorten -eine solch sorgfältige Behandlung zuteil. Für den Verbrauch im Inlande -werden die geringwertigen Blätter einfach an der Sonne getrocknet und -mit gefurchten Steinen gerollt. Der so gewonnene Tee hat ein angenehmes -Aroma, eine rötliche Farbe und einen süßlichen Geschmack, hält sich -aber nicht lang. - -China erzeugt sowohl schwarzen wie grünen Tee in großen Mengen, während -Japan nur grünen, Ceylon und Java nur schwarzen, Indien nur wenig -grünen Tee (für die mittelasiatischen Länder) produziert und nach -Europa und Amerika fast nur schwarzen Tee verschifft. Die besseren -Sorten des bei uns wenig beliebten grünen chinesischen Tees -- von -den Chinesen Lo-tscha genannt -- sind: der Kaiser- oder Blumentee, -der aus etwas größeren Blättern der ersten Ernte zu ziemlich großen -Körnchen gerollt wird; er wird vom kaiserlichen Hofhalt, den Mandarinen -und reichen Chinesen verbraucht. Dann der Chu-tscha oder Perltee, der -aus den Blättern der Knospen der ersten Ernte zu ganz feinen Körnern -gerollt wird; er wird aus Ning-po und Schang-hai besonders nach den -Vereinigten Staaten und Marokko ausgeführt, wo vielfach wie in Ostasien -der grüne chinesische Tee dem schwarzen bevorzugt wird. Drittens der -Hei-son, d. h. blühender Frühling, der aus den gekräuselten Blättern -der ersten Ernte gerollt und in zwei Qualitäten hergestellt wird. -Aus den Abfällen dieser Sorten wird endlich ein Twan-kai genannter -Ausschußtee hergestellt. - - Tafel 61. - -[Illustration: Singhalesin auf Ceylon beim Pflücken der Teeblätter, die -sie hinter sich in den Korb wirft.] - - Tafel 62. - -[Illustration: Singhalesinnen auf Ceylon beim Pflücken der Teeblätter -unter Aufsicht eines sich mit Schirm gegen die Sonnenstrahlen -schützenden Aufsehers.] - - Tafel 63. - -[Illustration: Singhalesinnen auf Ceylon, die von ihnen gepflückten -Teeblätter nach der Qualität verlesend.] - - Tafel 64. - -[Illustration: Das Trocknen der Teeblätter auf Hürden in Ceylon.] - -Der schwarze Tee Chinas wird in die beiden Gruppen +Oolong+ und +Bohea+ -geschieden. Oolong bedeutet grüner Drache; dieser Name rührt daher, -weil er von vielen gelblichgrünen Blättern durchsetzt ist. Die Oolongs -geben einen kräftigeren Aufguß von mehr gelber Farbe als die -Boheas, die wirklichen schwarzen Teesorten Chinas, die einen dunklen, -schwächeren Aufguß geben. Sie werden in fünf Sorten geschieden: Die -feinste Sorte wird von den Engländern ~caper~, von den Chinesen -aber He-chu-tscha, d. h. schwarzer Perlentee, genannt. Sie ist -rötlichschwarz, glänzend und besteht aus zu Perlen gerollten Blättern -und gibt einen dunkelrötlichen Aufguß von reichem Aroma. Dann folgt als -noch sehr feine Qualität der Peko (eigentlich ~pak-ho~, d. h. weißer -Flaum), der aus den zarten, gegen die Spitze hin mit weißen, seidigen -Haaren bedeckten Knospenblättern und frisch entfalteten Blättern meist -der ersten Ernte hergestellt wird. Die reichlich bei der Herstellung -dieses Tees abfallenden Haare geben mit behaarten jungen Knospenteilen -und älteren Blättern vermengt die Pekoblüten. Der Souchong (eigentlich -~sou-tschong~, d. i. kleine Sorte) wird aus den kleinen Knospenblättern -der zweiten Ernte gebildet, während der Pouchong (~pau-tschong~, d. h. -gefaltete Sorte) aus den gefalteten mittelgroßen Blättern der zweiten -Ernte besteht. Der viel Zeit für die Zubereitung erfordernde Congou -(eigentlich ~kong-fo~, d. h. mühevolle Sorte) -- von den Chinesen meist -nur ~hung-tscha~, d. h. roter Tee genannt -- besteht aus den 3-8 cm -langen, 1-3 cm breiten Blättern der zweiten Ernte. Von ihm werden noch -zwei besondere Sorten unterschieden, nämlich der Karawanentee, der -meist nach Rußland exportiert wird, und der Kaisow-Congou mit kleinen, -feingekräuselten Blättern, der vielfach von Kennern für die beste aller -Teesorten angesehen wird. - -Da in Japan die Ernte fast ununterbrochen stattfindet, treten in dem -vom grünen chinesischen und indischen weit an Güte übertroffenen -japanischen Tee keine so wesentlichen Unterschiede in der -Zusammensetzung je nach den einzelnen Ernten wie in China hervor. -Nichtsdestoweniger unterscheidet man Peko, welcher die kleinsten, -Souchong, welcher die mittleren, und Congou, welcher die größten -Blätter enthält. In seinen feinsten Sorten Uji, Kioto und Ogura -wird der japanische Tee in der Provinz Yamaschiro erzeugt. Die in -den benachbarten Landschaften Omi und Tamba gebauten Teesorten -sind geringwertiger, werden aber in den größten Mengen auf den -Markt gebracht. Der japanische Tee gibt einen hellfarbigen Aufguß -von eigentümlichem, reichem Geschmack und wirkt kräftig auf das -Nervensystem. - -Wie der Chinese den grünen Tee zur Erzielung der gewünschten schönen -blaßgrünen Farbe färbt, so parfümiert er sowohl den grünen, als auch -den schwarzen Tee durch vorübergehenden Zusatz wohlriechender Blumen, -um ihn so für den europäischen Konsumenten angenehmer zu gestalten. -Die zu letzterem Zwecke am meisten gebrauchten Blüten sind diejenigen -von Jasmin, Orangen, Nelken, Rosen, der Gardenie, der wohlriechenden -Aglaia, von ~Illicium amsatum~, ~Magnolia fuscata~, ~Chloranthus -conspicuus~ und besonders diejenigen des wohlriechenden Ölbaums (~Olea -fragrans~); ferner werden die Wurzeln von ~Iris florentina~ und das Öl -von ~Bixa orellana~ dazu verwendet. In Indien und Ceylon ist solches -Parfümieren des Tees verpönt. Und in der Tat, wer sich erst an den -Geschmack unparfümierten, reinen Tees gewöhnt hat, dem widersteht der -apothekenhafte Geschmack dessen, was als chinesischer Tee den Europäern -aufgetischt wird. - -Neben diesen beiden Hauptsorten, dem grünen und schwarzen Tee, gibt -es noch verschiedene andere, so besonders den für die Nomaden der -Mongolei, die Tibeter und Mongolenstämme Sibiriens und Rußlands, wie -die Kalmücken, zu einem eigentlichen Volksgetränk gewordenen und daher -als beliebtestes Tauschmittel dienenden +Backstein+- oder +Ziegeltee+. -Er wird aus Abfällen geringer Sorten, aus älteren, lederartigen -Teeblättern und anderen Blättern, namentlich von Weiden, mit Hilfe -von Reiswasser und Serum von Ochsen- und Schafblut zu viereckigen, -länglichen Tafeln von gegen 2 kg Gewicht zusammengepreßt und dann in -Öfen oder an der Luft getrocknet. Dieser Backsteintee macht auch das -schlechteste Wasser der Steppen trinkbar und wird vom Kaiser von China -seinen mongolischen Truppen als Sold verabreicht. Er muß beim Gebrauch -mit einem Hackmesser auseinandergeschlagen, in einem Holzmörser -zerstampft und darauf in Wasser gekocht werden, bis er auseinanderfällt -und weich genug ist, um mit Zusatz von meist ranziger Schaf- oder -Ziegenbutter und Salz weniger als Getränk, denn eine Art Gemüse, samba -genannt, verzehrt zu werden. - -Das Teetrinken ist in China und Japan eine in allen Volksschichten -gleichmäßig verbreitete Sitte, die mit Kunst zu üben den Knaben und -Mädchen durch besondere Lehrer gelehrt wird, wie unsere Kinder etwa -Tanzunterricht erhalten. Man brüht den Tee dort in kleinen, irdenen -Töpfen an, die desto wertvoller sind, je länger sie im Gebrauche stehen -und je mehr Absatz sich im Innern des Gefäßes niedergeschlagen hat. Der -Tee wird stets warm in kleinen Täßchen ohne Zucker und Milch getrunken. -Bestellt man in jenen Ländern in einem Teehaus, die dort die Rolle -unserer Wirtshäuser spielen, Tee, so wird in der Regel kein Teetopf -benutzt, sondern der Tee wird einfach in den Tassen abgebrüht, während -ein schüsselförmiger durchlochter Deckel verhütet, daß die Blätter beim -Trinken in den Mund geraten. - -Die vornehmen Chinesen pflegen eine durchlöcherte Kapsel aus Silber -oder Gold an einer kleinen Kette aus demselben Metall bei sich zu -führen, mit dem sie sich den Tee selbst bereiten, indem sie, falls -ihnen die Lust zu einem derartigen Genuß ankommt, die Kapsel mit Tee -füllen, und sie einige Minuten in eine Tasse mit heißem Wasser halten. - -Während die Chinesen und Japaner einen sehr schwachen Teeaufguß -trinken, lieben ihn die Engländer sehr stark und bevorzugen dabei -ihren Ceylontee. Weniger stark lieben ihn die Russen, bei denen er -ebenfalls zum eigentlichen Nationalgetränk wurde. Die ärmeren Klassen -der russischen Bevölkerung trinken den ganzen Tag hindurch Tee, aber -sehr stark verdünnt. In jedem Hause brodelt das Wasser im Samowar, -einem meist urnenförmig gestalteten, gewöhnlich durch glühende Kohlen -geheizten Kessel, dessen Wasser ausschließlich zur Teebereitung -verwendet wird. Man nimmt dafür nur wenig Teeblätter und gießt immer -wieder heißes Wasser auf die schon ausgelaugten Teeblätter. - -In den hohen Gesellschaftskreisen Rußlands wird wohl -- mit Ausnahme -derjenigen von China und Japan -- der beste Tee getrunken, den es gibt, -und zwar gewöhnlich ohne Zucker und Milch, dafür aber mit Zusatz von -einer Zitronenscheibe oder einigen Tropfen Zitronensaft, wodurch das -Aroma verstärkt werden soll. Nur die von Viehzucht lebenden Tataren -kochen ihn mit Milch unter Hinzufügen von etwas Salz. Im Norden -von Europa, wie in Deutschland und Frankreich, pflegt man vielfach -etwas Rum in den Tee zu tun. So dient er vor allem zur Bereitung -des Punsches. Das Wort Punsch stammt aus dem Indischen und bedeutet -ursprünglich das Zahlwort ~pandsch~, d. h. fünf (z. B. in der -wohlbekannten Bezeichnung Pandschab, d. h. Fünfstromland enthalten), -weil in dieses Getränk fünf Bestandteile eintreten, nämlich Wasser, -Zucker, Tee, Rum und Zitronensaft. - -Der von China, Ceylon oder sonstwoher importierte Tee wird stets -von den großen europäischen Importfirmen je nach dem Geschmacke -der betreffenden Abnehmer und Konsumenten gemischt. Durch eine -solche Vermischung verschiedener Sorten wird eine Ergänzung der -Eigenschaften derselben bewirkt und kann so besser jede persönliche -Geschmacksliebhaberei befriedigt werden, und zwar bei gleichzeitiger -Verbilligung infolge des Zusetzens leichter Sorten zu schweren. -Durch solche Vermischungen, die von den großen Teeimportfirmen als -Geschäftsgeheimnis sorgfältig gehütet werden, erhält das Publikum -ein billigeres und zugleich ein ihm besser zusagendes Getränk, als -wenn es eine reine Sorte genösse. In letzterem Falle müßte es, um -einen wirklich guten Tee zu bekommen, eine feine, teure Qualität -verwenden, die es jedoch so zu nehmen hätte, wie sie gerade ist, auch -wenn ihr diese oder jene Unvollkommenheit anhaftete. Die Vermischung -muß stets bei trockenem Wetter vorgenommen werden, und danach hat -der Tee mindestens 10 Tage unberührt zu lagern, bis er seine guten -Eigenschaften erlangt hat. Übrigens wird auch der Kaffee in ähnlicher -Weise vermischt in den Handel gebracht, wobei jedes größere Geschäft -seine bei den Kunden als beliebt erprobte Zusammensetzung vornimmt. - -Was den Teekonsum der Völker Europas anbetrifft, so steht England -weitaus an der Spitze mit gegen 3 kg pro Jahr und Kopf der Bevölkerung, -dann folgen Holland -- das daneben noch viel Kaffee verbraucht -- mit -0,6 kg und Rußland mit 0,5 kg. Weit weniger als diese verbrauchen die -Schweiz, nämlich 100 g, Deutschland 50 g und Frankreich nur 20 g, -ebenfalls pro Jahr und Kopf der Bevölkerung. Die Franzosen trinken -dafür als Frühstücksgetränk viel Schokolade, die in den letzten -Jahrzehnten in Paris geradezu ein Volksgetränk wurde. Doch erfreut sich -seit der letzten Weltausstellung auch der Tee in Paris zunehmender -Beliebtheit. - -Daß dieser letztere zum Lieblingsgetränk so vieler Nationen geworden -ist, verdankt er seinem Gehalt an einem ätherischen brenzlichen Öle, -das ihm das angenehme Aroma verleiht, und zwei Alkaloiden, die in -gleicher Weise wie jenes das Nervensystem angenehm anregen. Das dem Tee -seinen spezifischen Geruch verleihende ätherische Öl ist zitronengelb, -abscheidbar, erstarrt leicht, schwimmt auf dem Wasser und regt, in -reinem Zustande genossen, ungeheuer auf und verursacht in großen Gaben -selbst den Tod. Da es aber im grünen Tee nur zu 1 Prozent, im schwarzen -sogar nur ½ Prozent enthalten ist und seine Wirkung außerdem durch -die Gerbsäure herabgesetzt wird, so wirkt es bei mäßigem Genusse des -Tees bloß anregend und belebend auf das Nervensystem, erzeugt aber -im Übermaß Aufgeregtheit, Schlaflosigkeit und Eingenommenheit des -Kopfes. Ebenso wirkt das mit dem Koffeïn identische Alkaloid Teeïn -von bitterem Geschmack, das zu 0,8 bis 4,5 Prozent neben dem ihm sehr -nahe verwandten Theophyllin darin enthalten ist. Die Gerbsäure aber, -die im Tee zu 10-25 Prozent enthalten ist, verleiht ihm einen herben, -zusammenziehenden Geschmack und wirkt leicht stopfend auf die Gedärme. -Beim Erkalten des Teeaufgusses bewirkt die Ausscheidung von Gerbsäure -eine Trübung desselben. Damit nun der Tee nicht bitter werde, darf das -heiße Wasser nicht zu lange mit den Blättern in Berührung bleiben. Nach -längstens 10 Minuten sind die erwünschten Bestandteile der Teeblätter -extrahiert und dann soll die dieselben bergende Kapsel aus dem Aufguß -entfernt werden. - -Der angenehme Geschmack des Teeaufgusses wird durch das richtige -Verhältnis aller dieser Bestandteile zueinander bestimmt, und dieses -Verhältnis hängt ganz davon ab, wie das heiße Wasser verwendet wird. -Die Chinesen als die ersten Teekenner der Welt legen so großes Gewicht -auf die richtige Zubereitung dieses Getränkes, daß ausführliche -wissenschaftliche Werke darüber existieren. Über die Herstellung dieses -Getränkes sagt der chinesische Kaiser Kien-long in einem Gedicht: -„Setze über ein mäßiges Feuer ein Gefäß mit drei Füßen, dessen Farbe -und Form darauf deuten, daß es schon lange im Gebrauch ist. Fülle es -mit klarem Wasser von geschmolzenem Schnee. Laß dieses Wasser bis zu -dem Grade erwärmt werden, bei welchem der Fisch weiß und der Krebs -rot wird. Gieße dieses Wasser in eine Tasse auf feine Blätter einer -ausgewählten Teesorte, lasse es etwas stehen, bis die ersten Dämpfe, -welche eine dicke Wolke bilden, sich allmählich vermindern und nur -leichte Nebel auf der Oberfläche schweben. Trinke alsdann langsam -diesen köstlichen Trank, und du wirst kräftig gegen die fünf Sorgen -werden, welche gewöhnlich unser Gemüt beunruhigen. Man kann die süße -Ruhe, welche man einem so zubereiteten Getränke verdankt, schmecken, -fühlen, jedoch nicht beschreiben.“ - -Um einen guten Tee zu bereiten, muß das zum Anbrühen des Tees zu -verwendende Wasser weich sein, d. h. möglichst wenig Kalksalze -enthalten. Ist es hart, so muß ihm doppeltkohlensaures Natron, und -zwar eine Messerspitze voll pro Liter, zugesetzt werden. Das Wasser -soll kochen, aber nur ganz kurze Zeit, da es sonst schal wird. Bereits -gekochtes Wasser darf nicht ein zweites Mal gekocht und zum Teeaufguß -verwendet werden, da dann alle Gase aus ihm entwichen sind, die das -Aroma des Tees gut binden oder festhalten. Die Zubereitung muß in -einem Gefäß aus Porzellan oder gebranntem Ton vor sich gehen und darf -niemals in einem solchen aus Eisen geschehen, da die Gerbsäure das -letztere angreift. Das Gefäß wird vorher erwärmt, indem man es mit ein -wenig des eben zu sieden beginnenden Wassers ausspült, bevor man die -Teeblätter in einer Aluminium- oder Nickelkapsel hineintut, wenn man -nicht vorzieht, das an den in den Handel gelangenden chinesischen -und japanischen Teetöpfen befindliche Porzellan- oder Tonfilter zu -benutzen, das gleich nach dem Ausschänken der ersten Portion die -Blätter zurückhält und aus der Flüssigkeit heraushebt. 5-8 Minuten -nach der Hinzufügung des frisch siedenden Wassers wird die Kapsel mit -den Teeblättern herausgezogen. Indischer Tee darf nicht länger als 5 -Minuten ziehen, da er sonst widerlich bitter schmeckt. Feinschmecker -lassen den Tee sogar nur 3 Minuten ziehen, und das ist durchaus -genügend, um die wertvollen Bestandteile des Tees aus den Blättern -zu extrahieren. Läßt man die Teeblätter zu lange im Aufguß, so wird -der Tee durchaus verdorben, indem er sich durch einen Überschuß -von Gerbsäure und Gummi dunkel färbt, unangenehm bitter wird und -nicht nur an Aroma und Milde, sondern auch an Bekömmlichkeit stark -Einbuße erleidet. Durch zu langes Ausziehenlassen der Teeblätter -erhält man statt eines wohlschmeckenden, erquickenden Getränkes eine -unschmackhafte, durch den reichen Gerbsäuregehalt bittere und den -Verdauungsorganen nachteilige Brühe. Richtig zubereiteter Tee darf -nicht zu dunkel, sondern muß hellbraun sein mit sanftem, an Rosenduft -erinnerndem Aroma. Um diesen würzigen Duft zu kosten, darf er nicht -durch Beifügen von Vanille verdeckt werden, was entschieden als eine -Geschmacksverirrung zu bezeichnen ist. Die meisten Teeliebhaber trinken -dunkeln, meist zu lange an den Blättern gelassenen Tee mit viel Zucker -und Milch. Da ihm die brenzlichen, aromatischen Öle des Kaffees, die -auf den Magen ungünstig wirken, fehlen, so ist besonders für Personen -mit schwachem Magen der Teegenuß entschieden zuträglicher als der -Kaffeegenuß. Im übrigen wirkt er ähnlich anregend wie der Kaffeeaufguß -auf das Nervensystem, beseitigt die Müdigkeit und üble Laune, bringt -ein Gefühl allgemeiner Behaglichkeit und Heiterkeit des Geistes -hervor und unterdrückt eine leichte Berauschung und Schläfrigkeit. -Die Chinesen sagen von ihm: „Der Tee entfernt das Fett und läßt den -Menschen nicht schlafen; er spült Unreinlichkeiten fort, vertreibt -Schläfrigkeit, heilt Kopfweh und verhütet es.“ - -Die Verwendung des Tees als belebendes und anregendes Genußmittel ist -in China sehr alt. Eine japanische Sage meldet, daß ein im Jahre 519 -von Indien nach China gekommener buddhistischer Priester in frommem -Eifer das Gelübde tat, sich des Schlafes zu enthalten, um eine Zeitlang -anhaltend zu beten. Da ihn aber der Schlaf dennoch überwältigte, -schnitt er sich in heiligem Zorn zur Sühne seine Augenlider ab und warf -sie auf die Erde. Da geschah ein Wunder. Aus ihnen erwuchs plötzlich -die den Schlaf verscheuchende Teestaude, deren Blätter in ihrer Gestalt -und durch einen Besatz von Wimperhaaren die Form der abgeschnittenen -Augenlider nachahmen. So sinnig diese Sage auch erscheinen mag, so -ist sie schon in der Datierung grundfalsch; denn die Teepflanze ist -schon lange vor dem 6. Jahrhundert unserer Zeitrechnung in China als -Arznei- und Genußmittel benutzt worden. Bereits im Jahre 2700 v. Chr. -erwähnt das Buch ~Pent-sao~ den Teestrauch, und 500-600 v. Chr. im -„~Rya~“ desgleichen. Seine Blätter sollen um 150 v. Chr. zuerst zur -Herstellung eines als Getränk benutzten Aufgusses verwendet worden -sein. Im 4. Jahrhundert n. Chr. hat der Ausleger des letztgenannten -Werkes Einzelheiten über die Pflanze und den Gebrauch ihrer Blätter -zu Aufgüssen gegeben. Damals soll schon ein chinesischer Minister Tee -getrunken haben; aber erst im 6. Jahrhundert verschaffte sich der Tee -allgemeinen Eingang und wurde in China Nationalgetränk, angeblich -nachdem ein Leibarzt des Kaisers seinem Herrn das Kopfweh damit -vertrieben hatte. Jedenfalls war die Pflanze ums Jahr 600 n. Chr. in -ganz China als Genußmittel angebaut. Seiner Wertschätzung für dieses -Getränk soll der chinesische Kaiser Kien-long dadurch Ausdruck gegeben -haben, daß er einen von ihm auf einer Jagdpartie gedichteten Lobgesang -auf den Tee auf Porzellantassen schreiben ließ, die er zu kaiserlichen -Geschenken verwendete. Im Geschichtsbuche ~Kiang-mo~ wird gesagt, der -Kaiser Te-tsing habe im 14. Jahre seiner Regierung, d. h. 782 n. Chr., -einen Zoll auf Tee gelegt. Gegen das Ende des 9. Jahrhunderts berichtet -der arabische Reisende Abuzeid-el-Hazen, daß die Steuer auf Tee eine -der hauptsächlichsten Einnahmequellen des Kaisers von China sei. - -Im Jahre 810 brachten chinesische Priester den Teestrauch nach Japan, -wo seine Blätter bald in derselben Weise wie in China zum beliebten -Volksgetränk wurden. Von Ostasien aus verbreitete sich die Sitte -des Teetrinkens erst im 15. Jahrhundert nach Mittelasien, wo die -Tibeter bald große Liebhaber desselben wurden. Die Araber, die seit -dem 9. Jahrhundert in Handelsbeziehungen, hauptsächlich Seidenstoffe -betreffend, zu den Chinesen standen, beschrieben den Tee zuerst unter -der Bezeichnung ~tscha~. Im Chinesischen bedeutet ~tschai-yé~ junges -Blatt und daraus zusammengezogen ~tscha~ = Tee; dieses wird im Dialekt -von Kanton wie ~tschai~ ausgesprochen. Dieses Wort ist als ~tsja~ in -die Sprache der Japaner und als ~tschai~ in diejenige der Russen und -Portugiesen übergegangen. Die bei den übrigen europäischen Völkern -gebrauchten Namen Tee, ~thé~, ~té~, ~tea~ und das lateinische ~thea~ -stammen wahrscheinlich von dem im Dialekte Fo-kiens in Südchina -üblichen Worte ~tia~, das in A-moy ~tai~ und in Fu-tschan ~ta~ lautet. -Die älteste in Deutschland nachweisbare Bezeichnung für Tee stammt aus -dem Jahre 1657 und lautet ~herba schac~. - -Die erste Nachricht vom chinesischen Tee als Genußmittel der Ostasiaten -soll ums Jahr 1550 durch einen persischen Kaufmann dem Geographen -Ramusio in Venedig zu Ohren gekommen sein. Aber wie falsch die -Vorstellung der Abendländer von diesem Genußmittel der Ostasiaten -war, beweist die Mitteilung des Italieners Giovanni Botero aus dem -Jahre 1590, wonach die Chinesen eine Pflanze anbauten, aus der sie ein -angenehmes Getränk preßten, das sie an Stelle des Weines tränken. Damit -war natürlich der Tee gemeint, aber seine Gewinnung völlig unrichtig -geschildert, als Beweis dafür, daß man über seine Herstellung noch -völlig im unklaren war. Der Reisende Maffei erwähnt ihn ebenfalls in -seiner lateinisch geschriebenen Historie Indiens vom Jahre 1588; aber -erst im Jahre 1610 brachten die Holländer in Bantam von chinesischen -Kaufleuten gegen Salbeiblätter eingetauschten Tee mit nach Hause. 1638 -erhielt eine russische Gesandtschaft in der Mongolei als Gegengeschenk -für etliche Zobelfelle einige Pfund Tee, den sie nach ihrer Rückkehr -in Moskau nach chinesischer Sitte zubereiten ließ. Damit fand sie -ordentlichen Beifall, so daß sich die Reichen noch mehr dieses -neuartigen Genußmittels zu verschaffen suchten. - -Im Abendlande war der Portugiese Alvarez Semedo, der sich längere -Zeit in Makao aufgehalten hatte, der erste, der 1643 den chinesischen -Teestrauch beschrieb und über die Zubereitung der Blätter -berichtete. 1658 wurde die Pflanze von Piso in seinem Werke über -die Naturgeschichte und Medizin beider Indien deutlich erkennbar -abgebildet. Im Jahre 1712 gab dann der berühmte Reisende, Arzt und -Naturforscher Kämpfer nicht nur eine gute Zeichnung des Teestrauches, -sondern auch eine ausführliche Beschreibung der Teefabrikation -in China. 1763 erhielt Carl von Linné durch den schwedischen -Schiffskapitän Ekeberg lebende Teepflanzen für den botanischen Garten -in Upsala und führte die damals schon gebräuchliche Bezeichnung ~thea~ -in die wissenschaftliche Nomenklatur ein. - - Tafel 65. - -[Illustration: Zweige des Teestrauches (~Thea assamica~) mit Blättern, -Blüten und Früchten auf Ceylon.] - - Tafel 66. - -[Illustration: Eine Anhäufung von Matezweigen. Im Hintergrund Matebäume -(~Ilex paraguayensis~).] - -Die erste abendländische Gesellschaft, die dieses neue Genußmittel -in Europa einzuführen versuchte, war die holländisch-indische -Handelsgesellschaft. Bis zum Jahre 1630 war es ihr auch in ziemlichem -Umfange gelungen, den Teegenuß in Holland populär zu machen. Dabei -wurde sie ganz wesentlich durch die Lobpreisungen unterstützt, die -einige namhafte holländische Ärzte dem daraus bereiteten Getränke -zuteil werden ließen. So sollte er die Lebenskraft steigern, das -Gedächtnis stärken, alle seelischen Tätigkeiten erhöhen und das Blut -in ausgiebigster Weise verdünnen. Gegen Fieber mußte man Dutzende von -Tassen desselben trinken, was von sehr guter Wirkung sein sollte. - -Von Holland brachten die Lords Albington und Ossiro den Tee im Jahre -1660 zuerst nach England, und ihre Frauen servierten den Gästen -dieses neue Getränk und machten es in weiteren Kreisen Londons -bekannt. Bald darauf wurde es auch in einigen Londoner Trinkhäusern -als fremde Novität ausgeschänkt. Doch war der Tee noch im Jahre 1664 -in London etwas so überaus Seltenes, daß die englisch-ostindische -Handelsgesellschaft ihrer Königin ein sehr kostbares Geschenk mit zwei -Pfund Tee zu machen glaubte. Das Pfund Tee wurde damals in London zum -Preise von 65 Livres verkauft, obwohl es in Batavia nur 3-4 Livres -kostete. Daraus kann man entnehmen, welch enormen Gewinn die Holländer -durch den Import des Tees nach Europa machten. - -Trotz dieses hohen Preises und der starken Besteuerung, die auf dem Tee -lastete, war das Teetrinken in England ums Jahr 1700 schon allgemein -verbreitet, wenn auch gegen diese Neuerung, gleichwie gegen den Genuß -von Kaffee und Schokolade von manchen Leuten energisch zu Felde gezogen -wurde. So bezeichnete ein französischer Gelehrter, Patin, den Tee als -„~l’impertinente nouveauté du siècle~“, d. h. die unverschämte Neuheit -des Jahrhunderts. Nach dem im Jahre 1782 erschienenen Buche von Le -Grand d’Aussy über die Geschichte des Privatlebens der Franzosen war -nämlich der Tee im Jahre 1636 in Paris bekannt geworden und bald zu -Ansehen gelangt, weil ihn der Kanzler Séguier unter seinen besonderen -Schutz nahm. In Holland gab man ihm ums Jahr 1670 den Spottnamen -„Heuwasser“. Trotz diesen und zahlreichen anderen Angriffen behagte -aber doch das neue, zweifellos angenehm schmeckende und anregende -Getränk den Vornehmen, die sich dasselbe zu kaufen vermochten, zumal -damals auch der Rohrzucker in größerer Menge aus den in den Tropen -gelegenen Kolonien in Europa eingeführt wurde und als nötige Würze -den Geschmack desselben für die abendländischen Zungen bedeutend -verbesserte. - -Von Autoren, die den Tee rühmten, sind Molinari 1672, Albino 1684, -Pechlin 1684, Blankaert 1686 und Blegna 1697 zu nennen. Der Mann -aber, der trotz den zahlreichen Anfeindungen das neue Getränk am -nachhaltigsten lobte und am meisten für seine Verbreitung tat, war -der im Jahre 1618 zu Alkmar geborene und als Leibarzt des Kurfürsten -von Brandenburg im Jahre 1686 verstorbene holländische Arzt ~Dr.~ -Cornelis Dekker, besser bekannt unter dem Beinamen Bontekoe, der -davon herrührte, daß an der elterlichen Wohnung in Alkmar ein mit -einer bunten Kuh bemaltes Aushängeschild befestigt war. Dieser danach -gewöhnlich als Cornelis Bontekoe bezeichnete Holländer studierte in -Leiden und lebte nach beendigtem Studium im Haag, später in Amsterdam, -Hamburg und zuletzt in Berlin, wo er als Arzt ständig mit seinen -Kollegen in Streit lebte. Nur dem Schutze seines fürstlichen Patienten -und Gönners verdankte er seine große Popularität, die auch seinen -Werken zuteil wurde. Er war ein Anhänger der Lehre, daß das Blut des -Menschen schon zur Vorbeugung, besonders aber bei bereits entstandener -Krankheit, verdünnt werden müsse; dazu empfahl er in einer 1667 -erschienenen, bald auch ins Französische und Lateinische übersetzten -Abhandlung besonders den Genuß von Tee, aber auch von Kaffee und -Schokolade. In Deutschland machte er den Tee zuerst ums Jahr 1657 am -Hofe des Großen Kurfürsten bekannt. Trotz mancher Übertreibungen und -zahlreicher Irrtümer über die Wirkung des Tees, deren sich Bontekoe -schuldig machte, ist nicht zu leugnen, daß er mit seiner Propaganda -für den Genuß desselben viel Gutes stiftete, sei es auch nur insofern, -als ihm das große Verdienst gebührt, als Erster den Kampf gegen den -übermäßigen Genuß alkoholhaltiger Getränke, die er durch Tee, Kaffee -und Schokolade ersetzt wissen wollte, aufgenommen zu haben. Und obschon -Generationen nach ihm dieser Kampf gänzlich ruhte und erst in unserer -Zeit mit größerer Energie wieder aufgenommen wurde, ist doch die Arbeit -von Cornelis Bontekoe nicht vergeblich gewesen; denn sie legte den Keim -zu der glücklicherweise immer weitere Kreise in ihren Bann ziehenden -Bewegung, die dahin zielt, geistige Getränke als für das Wohlergehen -des einzelnen Menschen wie des ganzen Volkes überaus nachteilige -und die größte soziale Gefahr in sich bergende Genußmittel immer -mehr zu unterdrücken und durch die viel harmloseren und hygienisch -ratsameren Getränke Tee, Kaffee und Schokolade, die durchaus keine so -allgemeingefährlichen Gifte wie die alkoholischen Getränke sind, zu -ersetzen. - -Nach Bontekoe hat der holländische Arzt ~Dr.~ Steven Blankaert am -nachhaltigsten für die Empfehlung dieses neuen Genußmittels gewirkt. -In seinem 1686 erschienenen Werke über den Gebrauch und Mißbrauch -des Tees empfiehlt er dieses Getränk sehr, warnt aber zugleich -vor dem Übermaß desselben. Daß nun zunächst kein Mißbrauch mit -diesem Genußmittel getrieben wurde, dafür sorgte schon der teure -Preis, den man dafür bezahlen mußte, solange er das Monopol der -holländisch-indischen Handelsgesellschaft war und zudem vom Fiskus -hoch besteuert wurde. Der Tee war so teuer als der Kaffee und deshalb -nur für die Wohlhabenden erschwinglich. So steht beispielsweise in -einer Verordnung der Stadt Nimwegen in Geldern, daß für jedes Pfund -rohe Kaffeebohnen eine Abgabe von 8 Stuiver (etwa 60 Pfennigen), für -jedes Pfund gebrannte Bohnen oder Kaffeepulver aber 11 Stuiver und -Tee sogar ein Gulden an den Pächter der Akzise zu entrichten sei. Die -Wirte der Kaffeehäuser, von denen es schon damals eine ganze Anzahl -gab, wurden noch stärker besteuert, indem sie für rohen Kaffee 12 und -für gebrannten Kaffee oder Kaffeepulver 16 Stuiver bezahlen mußten. Und -damit das geliebte Getränk rein zu haben sei, wurden alle Kaffeehändler -und Schenker, die den Kaffee verfälschten, mit einer Strafe von 100 -Gulden bedroht. Nach Sonnenuntergang durfte kein Kaffee mehr gebrannt -werden und das „Stampfen“ und „Präparieren“ des Kaffees durfte nur im -Laden geschehen. Kaffeemühlen kannte man damals noch nicht, die Bohnen -wurden wie heute noch bei den Arabern in Mörsern zerstampft, und daher -kommt es, daß auch wir noch von Kaffeepulver an Stelle von gemahlenem -Kaffee sprechen. Ähnliche Bestimmungen wie für den Kaffee gab es für -den Tee. - -Die Ausfuhr von Kaffee und Tee wurden durch die Verordnung von -denselben Bestimmungen betroffen, wie sie heutzutage für den Export -von Spirituosen existieren. Kein Händler durfte Kaffee oder Tee aus -dem Distrikt des einen Akzisenpächters in den eines anderen bringen, -ohne mit einem Schein des Akzisenpächters, aus dessen Distrikt die Ware -ausgeführt wurde, versehen zu sein. Dieser Schein mußte außer dem Namen -des Exporteurs einen Vermerk über die Menge des Kaffees oder Tees, eine -Angabe, womit die Ware möglicherweise vermischt war, ob der Kaffee -gebrannt oder ungebrannt war und schließlich die Angabe des Ortes, nach -welchem sie ausgeführt werden sollte, enthalten. - -Von der Mitte des 17. Jahrhunderts an wurde der chinesische Tee auch -in Deutschland zuerst als ~herba theae~ in den Apotheken geführt, so -1657 in der Taxe von Nordhausen, 1662 in derjenigen von Liegnitz, -1662 in derjenigen von Ulm. Im 18. Jahrhundert begannen ihn die -vornehmeren Leute als Genußmittel zu trinken und erst vom Beginne des -19. Jahrhunderts an bürgerte er sich hier auch beim Mittelstande ein, -erlangte aber bei weitem nicht die Popularität des Kaffees. Noch im -Jahre 1815 kostete eine Tasse Tee in Paris 1,25 Franken, während eine -Tasse Kakao mit 1 Franken und eine Tasse Kaffee mit 80 Centimes bezahlt -wurde. Daraus kann man sich einen Begriff über die damals anderwärts -bezahlten Preise machen. Diese hohen Preise wurden aber hauptsächlich -dadurch bedingt, daß der Fiskus dieses Genußmittel in weitgehendem -Maße besteuerte und zu einer ergiebigen Einnahmequelle machte. Durch -dieses ungerechtfertigte Vorgehen wurde beim Volke, das an diesem -Genußmittel bald Gefallen fand, viel böses Blut erregt. Manchenorts kam -es sogar zu Auflehnungen gegen die Regierung. So führte der Unwille -gegen die von England auch den Kolonien auferlegte hohe Teesteuer in -Nordamerika zum bekannten Teesturm, bei welchem einige kühne Bostoner -Bürger am 26. Februar 1773 eine Ladung von 18000 Pfund englischen Tees -ins Meer warfen. Diese Revolte war der Ausgangspunkt der Lostrennung -des englischen Nordamerika von seinem Mutterlande und der Bildung der -Vereinigten Staaten von Nordamerika. So hat Englands kurzsichtige -Krämerpolitik ihm damals seine reichste Kolonie entfremdet und der -Tee spielte eine geradezu weltgeschichtliche Rolle, wie sie sonst nur -wenigen pflanzlichen Erzeugnissen beschieden war. - -Bis zur ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts versah China die ganze -Welt mit Tee. Heute noch ist China das Land, das die ausgedehntesten -Teegärten der Welt besitzt und im Shan-Lande zwischen Birma und Tonking -den besten, am chinesischen Hofe gebrauchten Tee hervorbringt. Den -Mittelpunkt der Teeproduktion bildet die nördlich von Jün-nan tief im -Innern, am Oberlauf des Jang-tse-kiang oder blauen Flusses gelegene, -bergige Provinz Sze-tschwan, wo besonders die große Stadt Tschöng-fu -den Export betreibt. Dort gedeiht der Teestrauch zwischen 40° und 27° -nördlicher Breite meist in Höhenlagen von 500 m und mehr. Außerdem -wird er in den Provinzen Kuan-tung, Fu-kian, Kiang-si, Tschi-kiang und -Ngan-hui kultiviert, und zwar entweder in zerstreuten Büschen oder in -Reihen zwischen den Feldern, besonders Reisfeldern, auf den mehr oder -weniger hohen Dämmen. Den durch Samen fortgepflanzten Tee stutzt man im -dritten Jahre auf etwa 60 cm und sammelt von da an die neu entwickelten -Blätter, um Tee daraus zu bereiten. Von dort ging die Teeausfuhr nach -Europa lange Zeit auf dem Landwege über Kiachta und Maimatschin nach -Nischni-Nowgorod und St. Petersburg. Noch heute genießt der russische -Karawanentee einen hohen Ruf, da er schon wegen der hohen Spesen des -weiten Transportes nur aus Blättern von bester Qualität hergestellt -wird. Später ging er größtenteils auf dem Seewege nach Europa, gelangt -aber seit der Erbauung der transsibirischen Bahn meist wiederum auf dem -Landwege dahin. - -In Japan trifft man die besten Teeplantagen von 30° bis 25° nördlicher -Breite. Die allerbeste Teesorte in Japan liefert die Landschaft -Udsi, westlich von Kioto, in der Nähe des Meeres gelegen. Sie ist -ausschließlich für die Familie des Kaisers bestimmt und kommt -ebensowenig wie der sogenannte chinesische Kaisertee je in die Hände -von Europäern. - -In den letzten Jahrzehnten ist die Teekultur in die verschiedensten -warmen Länder ausgedehnt worden, so zuerst auf Java, wo sie im -Jahre 1826 eingeführt wurde, dann 1827 in Bengalen und 1835 in -der sieben Jahre zuvor den Birmesen abgenommenen Provinz Assam am -Südfuße des Himalaja. Hier hatte der englische Botaniker Bruce die -als ~Thea assamica~ bezeichnete wilde Teepflanze entdeckt. Das gab -die Veranlassung, daß die Regierung 1835 die ersten Teepflanzungen -anlegen ließ, die 1839 an die damals gegründete Assam Tea Company -abgetreten wurden. Man kultivierte zunächst die einheimische Pflanze, -hatte aber erst vom Jahre 1851 an Erfolg, als man dieses an den Schutz -des feuchtwarmen Urwaldes gewöhnte Gewächs, das sich als zu zart für -die Kultur in offenen Gärten erwies, mit der chinesischen Teepflanze -kreuzte. Damit erzielte man so schöne Kulturen, daß ein wildes -Spekulationsfieber ausbrach, das 1865 seinen Höhepunkt erreichte. -Noch 1888 lieferte Assam zwei Drittel des in Indien erzeugten Tees. -Der Assamteestrauch hat größere, statt 12 bis 22 cm lange, außerdem -deutlicher zugespitzte Blätter als der chinesische, die der Textur -nach dünner und heller sind. Diese werden reichlicher erzeugt und -bleiben auch länger weich als diejenigen des chinesischen Teestrauches. -Überhaupt ist dieser Wildling noch nicht so abgehärtet wie der schon so -lange in Kultur befindliche chinesische Teestrauch, ist besonders gegen -Trockenheit und Frost empfindlicher als dieser. Diese nachteiligen -Eigenschaften wurden durch die Kreuzung beider zum größten Teile -behoben; doch läßt sich noch kein definitives Urteil über deren Wert -fällen. - -Bald nach der Einführung des Teeanbaus in Assam wurde er auch in -den weiter westlich gelegenen Südabhängen des Himalaja, besonders -um Dardschiling, dann in den Nilgeris oder Blauen Bergen hinter der -Malabarküste und endlich auch in Ceylon eingeführt. 1842 begannen -die ersten Versuche der Teekultur in Ceylon; aber erst nach 1873 -wurde die Kultur in immer größerem Maße eingeführt als Ersatz des -durch die Laubkrankheit des arabischen Kaffeestrauchs zugrunde -gerichteten Kaffeebaus. Diese gebirgige, für den Anbau des Teestrauches -außerordentlich günstig beschaffene Insel brachte dann in kurzer -Zeit mehr Tee auf den europäischen Markt als das doppelt so große -Java. Übrigens wird auf Ceylon, wie in ganz Indien und auf Java -ausschließlich die widerstandskräftigere Kreuzung der ~Thea chinensis~ -mit der ~Thea assamica~ angepflanzt, der einen recht kräftigen und -gehaltvollen Tee liefert; doch erreicht dieser nicht das feine Aroma -des chinesischen Tees. - -Auch in Brasilien wurden schon im Jahre 1810 in der Gegend von Rio de -Janeiro Versuche mit der Teekultur angestellt, aber der Anbau in der -Folge wieder aufgegeben, da die Blätter dort entschieden von ihrem -Aroma einbüßten und zudem die dortige Bevölkerung dem einheimischen, -gleichfalls koffeïnhaltigen Mate oder Paraguaytee den Vorzug gab. -Im Jahre 1828 ist dann auch in Kalifornien, 1848 in Südkarolina und -Tenessee und 1859 in Australien der Tee probeweise angebaut worden; -seine Kultur ist dann aber ebenfalls wegen zunehmender Verschlechterung -der hier erzeugten Qualität wieder aufgegeben worden. Bessere Resultate -erzielte man in Natal und besonders im Kaukasus, wo sich die russische -Regierung viel von der Zukunft dieser Kultur verspricht. - -Die Gesamtproduktion von Tee läßt sich nicht schätzen, da China und -Japan gewaltige Mengen davon selbst verbrauchen. In den Welthandel -gelangen jährlich über 2 Milliarden kg, von denen 760 Millionen kg aus -China und Japan, 720 Millionen kg aus Britisch-Indien, 560 Millionen -kg aus Ceylon und 5,5 Millionen kg aus Java ausgeführt werden. Noch im -Jahre 1820 erhielten Europa und Nordamerika zusammen ausschließlich -aus China 16 Millionen kg, von denen ¾ auf England entfielen. Heute -konsumiert Deutschland jährlich etwa 4 Millionen kg im Werte von -beinahe 8 Millionen Mark. Das macht jährlich pro Kopf ⅙ kg Tee. -Wichtigere Konsumenten sind Holland mit ½ kg, dann Rußland mit 1 kg -und England mit 2-2½ kg Teeverbrauch pro Kopf und Jahr. Hauptteemarkt -Europas ist London, dann folgen Hamburg, Bremen, Marseille und Odessa. - -Wie seit langer Zeit die Ostasiaten und neuerdings auch Russen und -Engländer ihren Tee außerordentlich lieben, so sind die Einwohner -von Paraguay, Argentinien, Südbrasilien, Chile, Peru und Bolivia -leidenschaftliche Trinker von +Mate+, den sie den ganzen Tag über -genießen. Mate bedeutet das Gefäß, in welchem der Aufguß der -betreffenden Blätter getrunken wird, und dieser Name ging schließlich -auf das Getränk selbst, sowie auf die dasselbe liefernde Pflanze über. -Die Spanier bezeichnen den Matetee als ~yerba mate~ und die Portugiesen -als ~erva mate~. Beide Wörter stammen vom lateinischen ~herba~ Kraut, -und ~yerba~ oder ~erva~ nennt das Volk gemeinhin den Trank, der vom -Ärmsten wie vom Reichsten getrunken und dem Gaste als erster Willkomm -dargeboten wird. Förmlich -- wie nun einmal der Südamerikaner, ob -Indianer oder Abkömmling der spanischen Eroberer ist -- wird derselbe -nie versäumen, dem Hausherrn ein Kompliment bezüglich der Güte seiner -~yerba~ zu machen, und die Gespräche über gute oder weniger gute -~yerba~ nehmen oft einen beträchtlichen Raum in der sonst einförmigen -Unterhaltung dieser ~caballeros~ ein. - -[Illustration: Bild 36. Blätter und Blütenknospen von ~Ilex -paraguayensis~, des wichtigsten Mate liefernden Strauches in -natürlicher Größe. (Nach Neger und Vanino, Der Paraguay-Tee).] - -[Illustration: Bild 37. ~a~ das ~bombilla~ genannte Saugrohr, das in -das Gefäß ~b~, die ~calabaza~, gesteckt wird, um den Mate zu schlürfen. - -(Nach Neger und Vanino, Der Paraguay-Tee.)] - -Der in seiner Wirkung dem chinesischen Tee ähnliche, wenn auch -weniger Koffeïn -- nämlich nur 0,5 bis 1 Prozent statt wie jener -1,5-3, ja 4 Prozent zu besitzen -- und auch weniger ätherisches Öl -enthaltende und etwas herb schmeckende +Paraguaytee+ wird von einer -großen, Sträucher bis kleine Bäume bildenden Stechpalmenart (~Ilex -paraguayensis~) ohne stachelspitzig gebuchtete Blätter und zahlreichen -nahe damit verwandten Arten gewonnen, die von Südbrasilien durch -Paraguay und Uruguay bis zu den Kordilleren Argentiniens in gebirgigen -Gegenden wild wachsen. Auf einem kurzen Stamm aus sprödem, leicht -faulendem Holz befindet sich eine ziemlich dichte, schön gewölbte -Krone von 5 cm langen, lanzettlichen, an den Rändern leicht gezackten, -immergrünen Blättern. Aus kleinen, weißlichen, im Oktober und November -erscheinenden Zwitterblüten, die aber durch Abort auf verschiedenen -Pflanzen zweihäusig sich entwickeln, so daß die einen nur weibliche -Stempelblüten, die anderen nur männliche Staubgefäßblüten tragen, -bilden sich dunkelviolette Kapseln, welche die sehr harten Samenkerne -enthalten. Die Matebäume treten einzeln und in Gruppen, untermischt mit -subtropischen und tropischen Gewächsen auf. Von den als „~mineros~“ -bezeichneten Arbeitern, vielfach Indianern, werden die wildwachsenden -Bäume beschnitten, indem sie erst größere Äste und von diesen die -Zweige abhauen, die dann mit den daran befindlichen Blättern durch -Ziehen durch ein nicht rauchendes Feuer zum Welken gebracht werden, -worauf man sie auf einem hölzernen Gerüst über einem mäßigen Feuer -röstet. Dann bleiben sie eine kurze Zeit auf einem Haufen liegen, -um zu schwitzen, d. h. fermentieren. Hierauf werden sie nochmals in -Schuppen schnell über Feuer getrocknet, bis selbst die Zweige dürr -geworden sind. Endlich werden sie auf einer Tenne ausgebreitet, die -Blätter abgestreift und in Holzmörsern zerstampft, neuerdings aber -in eigenen Yerbamühlen zwischen Walzen zerkleinert und liefern so -den in Segeltuchsäcken oder Lederballen in den Handel gelangenden -Matetee. Aufgüsse desselben werden nicht nur in den Gegenden, in -denen der Strauch vorkommt, sondern auch in Chile, Peru und Bolivia -als Nationalgetränk von jedermann täglich genossen. Dies geschieht in -der Weise, daß man auf die nie verlöschende Glut des Herdes schnell -einige Zweige oder in manchen sehr holzarmen Gegenden trockene -Fladen von Lamaexkrementen oder polsterförmige Klumpen einer Llareta -genannten Umbellifere legt und darüber ein Gefäß mit Wasser erhitzt. -So viel pulverisierte Mateblätter als man zwischen zwei Fingern halten -kann, werden in eine mate genannten Kalabasse -- eine ausgehöhlte -Kürbisschale von eigentümlicher Gestalt -- getan, heißes Wasser -darauf gegossen und möglichst heiß getrunken, indem man den Aufguß -ohne Zuckerzusatz mit einem ~bombilla~ genannten, unten blasenförmig -erweiterten, rings geschlossenen, siebartig durchbrochenen Röhrchen, -meist aus Silber, aufsaugt. Dadurch wird wie beim chinesischen Tee das -Nervensystem angenehm angeregt. Fortgesetzter unmäßiger Genuß des Mate -soll Magenreizung und Nervenzerrüttung herbeiführen. Gewöhnlich gießt -man den ersten Aufguß, der wohl infolge der Zubereitung der Mateblätter -am Feuer etwas rauchig schmeckt, nach kurzem Verweilen an den Blättern -weg und kann dann durch Nachfüllen mit Wasser dieselbe Portion -wenigstens dreimal ausziehen lassen. - -Schon die vorgeschichtlichen Peruaner liebten den Mate und gaben ihren -Toten als Speise im Geisterreich Mateblätter mit, die sich ziemlich -häufig in den Gräbern des Totenfeldes von Ancon in Peru als Grabbeigabe -vorfinden. Zur Zeit der spanischen Eroberung war er außer bei den -peruanischen Inkastämmen, von denen das Gräberfeld von Ancon herrührt, -auch bei den Guaranis und anderen Indianerstämmen in hohem Ansehen. -Es ist dies ein Beweis dafür, welch weitreichender Tauschverkehr -unter den Indianerstämmen Südamerikas schon lange vor der Ankunft der -Europäer bestand; denn der Matestrauch hat seine Heimat nur in den -Niederungen im Bereiche des La Platastromes und seine Blätter wurden -von dort über die hohen, beschwerlichen Andenpässe nach Peru, Chile und -Bolivia auf viele Tausende von Kilometern Entfernung als geschätzte -Tauschware transportiert. Zur Zeit der theokratisch-patriarchalischen -Jesuitenherrschaft in Paraguay von 1608-1768 übernahmen die weißen -Patres von ihren Schützlingen, den Indianern, den Mate, dessen -gute Eigenschaften sie bald erkannten, so daß sie ihn dem damals -schon in Amerika angebauten Kaffee vorzogen. Sie verstanden es, den -Ilexbaum zu pflanzen und besaßen ausgedehnte Kulturen davon, eine -Kulturerrungenschaft, die mit ihrer Vertreibung verloren ging. Spätere -Anbauversuche schlugen fehl, und erst ganz neuerdings ist es zuerst dem -Deutschen Friedrich Neumann auf der Kolonie Nueva Germania in Paraguay -gelungen, den Samen, der notorisch seine volle Keimfähigkeit erst -erlangt, wenn er einen Vogelmagen passiert hat, keimfähig zu machen, -indem er ihn mit Maiskörnern vermischt Hühnern verfütterte. In die -humusreiche Walderde ausgestreut, keimten nun die aus den Exkrementen -ausgewaschenen Samen, aber die Hühner, deren Magen die Samen passiert -hatten, kränkelten davon und starben schließlich. Diese nur einseitig -befriedigenden Resultate veranlaßten einen anderen Deutschen namens -Jürgens ein zweckmäßigeres Verfahren zur Erzielung keimfähiger Samen -zu entdecken. Nach zahlreichen Versuchen fand er, daß die Einwirkung -von reiner rauchender Salzsäure während drei Minuten mit nachfolgendem -gehörigen Auswaschen der Samen bis der letzte Rest von Säuregeschmack -aus dem Waschwasser verschwunden ist, sehr befriedigende Resultate -liefert. Die in besonderen Saatkästen ausgesäten Samen beginnen, recht -feucht erhalten, nach 1½-2 Monaten zu keimen und werden, wenn sie -30-50 cm hoch geworden sind im Juli und August in Reihen mit -3,5 m Abständen nach allen Richtungen ins Freie gepflanzt. Als -Schattenpflanzen benutzt man dazwischen gesäten Mais, bis die Bäumchen -erstarkt sind. Im dritten Jahre nach dem Anpflanzen werden die -inzwischen 1,5-2 m hoch gewordenen Bäumchen etwas zurückgeschnitten, -damit sie mehr Buschform annehmen. Von da an kann man jedes Jahr die -allmählich heranwachsenden Bäume etwas auslichten und deren Zweige zur -Gewinnung von Mate benutzen. Alle 3 Jahre kann eine ausgiebige Ernte -erfolgen. - -Da durch den bis jetzt üblichen Raubbau die Bestände wildwachsender -Matepflanzen schon bedenklich gelichtet sind, andererseits der -Matekonsum in Südamerika von Jahr zu Jahr zunimmt und noch mehr -wachsen wird, wenn -- wie voraussichtlich -- der Mategenuß auch -in anderen Ländern als Südamerika allgemein geworden sein wird, -so hat die Matekultur eine sehr große Zukunft. Bis jetzt gibt es -Matekulturen nur in Nueva Germania in Paraguay und am Rio Pardo in -Brasilien, welche 4 Jahre nach dem Umsetzen der Keimlinge eine Ernte -von 4-6 kg trockener Yerba pro Strauch ergaben. Eine solche läßt -sich alle drei Jahre vornehmen. Die als Yerbales bezeichneten wilden -Matebestände Paraguays umfassen etwa 1460000 ha und waren vormals -Staatseigentum, bis sie nach dem Kriege von 1864-1869 vom Staate teils -verpachtet, teils verkauft wurden. Die Ernte dauert vom Dezember bis -August, weil zu dieser Zeit das Laub der Matesträucher am dichtesten -ist, und wird, wie gesagt, meist von Indianern unter Aufsicht von -weißen Aufsehern vorgenommen. Neuerdings wurde der Matetee, der in -Südamerika täglich von über 20 Millionen Menschen genossen wird, und -schon im 18. Jahrhundert als +Jesuitentee+ in den Handel gelangte, -auch in Nordamerika, England und der Schweiz eingeführt, hat aber -hier, obschon er weit billiger ist als der chinesische oder indische -Tee und ganz angenehm schmeckt, gleichwohl bisher nur sehr geringen -Beifall gefunden. Die Gesamterzeugung von Mate beträgt in Paraguay, -Argentinien und Südbrasilien jährlich etwa 100 Millionen kg, die, wenn -wir auch nur einen Ausfuhrpreis von 56 Pfennigen pro kg rechnen -- -tatsächlich beträgt der Preis im Kleinverkauf bis 2,50 Mark pro kg --, -einen Gesamtwert von über 56 Millionen Mark repräsentieren. Gegenüber -der jährlichen Kaffeeproduktion der Welt von gegen 1000 Millionen kg -und von Tee im Betrag von 2000 Millionen kg ist dies ja wenig; doch hat -der Mateverbrauch in Südamerika in letzter Zeit riesig zugenommen, denn -noch im Jahre 1726 betrug die Mateproduktion erst 625000 kg. Im Jahre -1780 stieg sie bereits auf 2,5 Millionen kg und 1855 auf 7,5 Millionen -kg. - -Endlich wird noch aus den getrockneten, lederartigen Blättern einer in -den Urwäldern der Insel Bourbon als Überpflanze auf Bäumen wachsende -Orchidee, ~Angraecum fragrans~, ein als +Fahantee+ bezeichneter Aufguß -bereitet, der pur oder mit Zucker versüßt wie Tee getrunken wird. -Dieser Tee entbehrt aber durchaus der belebenden Eigenschaften, wie -sie chinesischer Tee und Mate besitzen, und ist nur eine unschuldige, -aber angenehm zu trinkende Lösung des den Wohlgeruch des Waldmeisters, -des Ruchgrases und der Tonkabohne bedingenden Riechstoffes Kumarin, -der allerdings in größeren Mengen Kopfschmerzen verursacht. Dieses -Genußmittel hat sich nicht über seine engere Heimat verbreitet. - - - - -XIII. - -Der Kakao. - - -Weitläufig verwandt mit dem Teestrauch ist der zu den Sterculiazeen -gehörende +Kakaobaum+ (~Theobroma cacao~), dessen Heimat das tropische -Amerika vom 23° nördlicher bis zum 20° südlicher Breite ist. -Lebensbedingung für ihn ist ein warmes, feuchtes Waldklima. Der wilde -Kakao, der von Südmexiko bis nach dem Staate Bahia in den Vereinigten -Staaten von Brasilien im Urwalde wild gefunden wird, liefert -minderwertige, äußerst herbe und bittere Samen in kleineren Früchten -als dies bei dem schon von den Indianern in vorgeschichtlicher Zeit in -Kultur genommenen, veredelten Baume der Fall ist. Gleichwohl werden -sie heute noch von den Indianern gesammelt und auf den Markt gebracht, -während sie das sie einhüllende angenehm süßsäuerliche, saftige -Fruchtfleisch als willkommene Nahrung selbst genießen. - -Der Kakaobaum ist in seinem natürlichen Zustand ein etwa 10 bis 14 m -hoch werdender immergrüner Baum von 25-30 cm Stammdurchmesser mit -ausgebreiteter Krone. Gewöhnlich läßt man ihn aber nur 3-8 m hoch -werden. Die zimtbraune, ziemlich dicke Rinde liegt um einen porösen, -leicht rosa gefärbten Holzkörper. Der Stamm trägt eine Menge meist -schlanker Äste, an denen die kurzgestielten, länglich ovalen, spitz -zulaufenden, 20-35 cm langen Blätter sitzen. Jung sind sie pfirsichrot, -werden aber, nachdem sie sich entwickelt haben, glänzend dunkelgrün; an -der Unterseite sind sie matter gefärbt und leicht behaart. - -Der Baum treibt das ganze Jahr hindurch Blüten und Früchte, die aus dem -Stamm und den älteren Zweigen unmittelbar hervorsprießen, was bei der -Größe und Schwere der letzteren eine äußerst zweckmäßige, ja notwendige -Einrichtung ist, da die schwächeren, dünneren Zweige solcher Belastung -nicht gewachsen wären und brechen würden. Die Stellen, an denen sie -erscheinen, entsprechen den Blattachseln; nur wird dieser Sachverhalt -durch den Abfall der Blätter verwischt. - -Die Blüten brechen in Büscheln hervor und sind ziemlich langgestielt. -Über fünf rosenroten, lanzettlichen Kelchblättern finden sich -ebensoviel kappenförmige, zitronengelbe, rötlich geaderte -Blumenblätter. Von den zehn pfirsichroten Staubblättern erzeugen nur -fünf Pollen in je vier gesonderten Pollenfächern. Der Fruchtknoten -ist fünffächerig und umschließt mehrere zweireihig angelegte -Samenanlagen. Die Frucht ist eine kurzgestielte rotgelbe Beere, die -einer zugespitzten, von zehn stumpfen Längsrippen durchzogenen, -12-20 cm langen und 6-10 cm dicken Gurke gleicht, welche in einer -derben, bald holzig werdenden Schale in einem saftigen, farblosen -Fleisch 40-60 blaßrote, in fünf Längsreihen angeordnete mandelförmige, -aber dickere Samen umschließt. Sie sind von einer dünnen, wenn trocken -brüchigen Samenschale umgeben und bestehen ausschließlich aus dem -derbfleischigen Keimlinge, in dessen Kotyledonen das Nährgewebe sich -findet. In frischem Zustande schmecken sie, besonders bei der besten -Sorte von Soconusko, sehr herb und bitter. Man nimmt ihnen diese übeln -Eigenschaften durch eine besondere Zubereitung, von der bald die Rede -sein soll. - -In den windgeschützten Tälern des tropischen Amerika, deren weicher, -humusreicher Boden von großen und kleinen Wasserströmen feucht -erhalten wird, trägt der Kakaobaum an den Flußufern das ganze Jahr -hindurch Blüten und Früchte nebeneinander. Dort wird er auch mit -Vorliebe in der durch Kultur veredelten Form vom Menschen angebaut. -Als Waldbaum, der nicht besonders fest im Boden wurzelt, muß er -namentlich Schutz vor starken Winden haben, die nicht bloß die Früchte -vor ihrer Reife abschlagen, sondern auch die Bäume entwurzeln. So warf -auf der Insel Martinique ein Orkan mit +einem+ Stoß alle Kakaobäume -der sehr umfangreichen Pflanzungen um. Deshalb errichtet man die -Kakaopflanzungen mit Vorliebe in windgeschützten Tälern oder zwischen -Waldstreifen als Windbrechern. - -Wie der wilde Kakaobaum als Waldbaum gewöhnlich im Schatten größerer -Bäume wächst, so muß man auch dem veredelten Kakaobaum in der Kultur -Schattenbäume beigeben. So lange er jung ist, dienen meist Bananen als -solche, später gibt man ihm in Amerika den Korallenbaum (~Erythrina -corallodendron~) der deshalb von den Spaniern „Mutter des Kakaobaumes“ -genannt wird. Dieser ist hierzu auch durch die geringen Ansprüche, die -er an den Boden stellt, sehr geeignet. Da nun den Kakaobäumen schon -durch die Schattenbäume viel Licht weggenommen wird, darf man nicht -zu dicht pflanzen, was zur Folge hat, daß eine Kakaoplantage stets -einen bedeutenden Raum beansprucht. Man rechnet vier- bis sechshundert -Kakaobäume auf einen Hektar Land. - -Es gibt wohl kein landwirtschaftliches Produkt, dessen Kultur -mehr Mühe, Ausdauer und Unkosten verursacht, als der Kakao; aber -andererseits gibt es auch wenig Produkte, die, wenn sie gut -einschlagen, größeren Gewinn bringen, als er, da die Erträge von Jahr -zu Jahr verblüffend steigen. Vor allem verlangt der Kakaobaum zu seinem -Gedeihen einen lockeren, tiefgründigen, an Kalk und Phosphorsäure -reichen Boden, am besten Urwaldboden. Ferner muß ihm eine gleichmäßige -Temperatur von 24-28° C. und reichlich Feuchtigkeit zuteil werden, die -aber wieder nicht in der Form heftiger Güsse auf ihn fallen darf, weil -solche die Früchte beschädigen. Grundwasser muß durchaus vermieden -werden, auch sind die tierischen Schädlinge, namentlich die Termiten -und Schnecken, von ihm abzuhalten. Sodann muß der Boden reingehalten -und das überflüssige Holz abgeschnitten werden. - -In solchen für seine Kultur geeigneten Boden wird der Samen der -Kakaobäume entweder direkt gesetzt, oder noch besser in weitmaschigen, -mit Moos ausgefütterten und Erde gefüllten Binsenkörben ausgesät, die -dann später, wenn die jungen Pflänzchen genügend erstarkt sind, direkt -in den Boden der Plantagen eingesetzt werden, da die Wurzeln aus ihnen -ungehindert in die Erde einzudringen vermögen. Gleichzeitig bieten -diese Pflanzkörbe in der ersten Zeit einen sehr wertvollen Schutz gegen -die Termiten, die gefährlichsten Feinde der jungen Kakaopflänzchen. -Die Sämlinge in Saatbeeten zu ziehen, ist durchaus unratsam, da deren -Wurzeln noch empfindlicher gegen äußere Eingriffe als selbst diejenigen -der Kaffeebäumchen sind. - -Wenn die Sämlinge 8-10 Monate alt geworden sind, werden sie in 3,5-6 m -allseitigem Abstand eingepflanzt, während die definitiven Schattenbäume -in 12 m Abstand gepflanzt werden. Den jungen Kakaopflanzen spenden -zuerst Mais und später Bananen den nötigen Schatten. Wenn sie eine Höhe -von etwa 1 m erlangt haben, werden sie beschnitten. Man nimmt ihnen -alle Seitenschosse bis auf die drei oder vier obersten, damit sie eine -breite Krone ausbilden. Auch beim spätern Wachstum verhindert man das -in die Höhe Wachsen derselben, indem man sie nur 3 bis höchstens 8 m -hoch werden läßt, damit das Pflücken der Früchte bequemer vor sich -gehen könne. - -Schon nach vier Jahren trägt der Baum die ersten Blüten und Früchte, -aber erst nach zwölf Jahren beginnt er seine ausgiebigste Entwicklung -zu erreichen. Von da an nimmt seine Fruchtbarkeit progressiv steigend -bis zum 25. oder 30. Jahre zu, um dann langsam abzunehmen; doch -kann der Baum bis zu seinem 50. Jahr Früchte tragen. Der Ertrag ist -den Jahren nach verschieden, auch wechselt er bei den verschiedenen -Bäumen. Alleinstehende Bäume produzieren am stärksten. Sie können -300-400 Früchte tragen, doch rechnet man bei einer größeren Pflanzung -durchschnittlich nicht mehr als 25 Früchte pro Baum jährlich, die -1 kg trockenen Kakao ergeben, weil das Trocknen der Bohnen einen -Gewichtsverlust von 30-40 Prozent zur Folge hat. - -Die, wie gesagt, das ganze Jahr hindurch reifenden Früchte brauchen -vom Beginn ihrer Entwicklung bis zu ihrer Vollreife eine Zeit von vier -Monaten. Man erntet sie auch das ganze Jahr hindurch, doch finden die -Haupternten in Brasilien im Februar und Juli, in Mexiko im März und -April, in Westafrika im Oktober und November statt. Die Früchte müssen -mit größter Vorsicht teils von Hand, teils durch lange Stöcke, an deren -Ende ein Messer befestigt ist, von Stamm und Zweigen gepflückt werden, -damit die Blüten der kommenden Ernte dabei nicht Schaden leiden. Die -Reife der Früchte verrät sich durch die rotgelbe Farbe und den dumpfen -Ton, den sie beim Beklopfen geben als Zeichen dafür, daß sich der Same -von seiner Hülle gelöst hat. - -Bei der Ernte werden die Früchte zum Nachreifen 3-4 Tage auf einen -Haufen gelegt, und zwar am besten in der Faktorei, nicht aber im -Freien, wo sie dem Ungeziefer und der Witterung schutzlos preisgegeben -sind. Während dieser Zeit soll bereits, begünstigt durch das umgebende -Fruchtmus, die Gärung der Bohnen beginnen. Darauf werden sie durch -Aufschlagen aufeinander oder auf einen harten Gegenstand „gebrochen“ -oder mit einem stumpfen Messer in der Mitte quer aufgeschnitten, -wobei aber die mandelförmigen, im frischen Zustande weißen bis -rosenroten Samen, eben die Kakaobohnen, nicht zerquetscht oder -angeschnitten werden dürfen. Die Haufen leerer Fruchtschalen läßt man -in Verwesung übergehen und benützt sie als Düngemittel, da sie nicht -unerhebliche Mengen von dem für den Kakaobaum so wichtigen Kalk und von -Phosphorsäure enthalten. Auch das Fruchtmus wird unbegreiflicherweise -fortgeworfen, trotzdem es sich sehr gut zur Bereitung von Gelees und -Likören eignen würde. Benützten doch die Indianer am Orinoko, wie -Alexander von Humboldt mitteilt, nur das Fruchtmus und warfen alles -übrige, auch die bitteren Kerne fort. Und heute noch verwenden die -ärmeren Leute in Amerika die Fruchtschalen des Kakaos zur Herstellung -eines ganz angenehm schmeckenden Tees. - -Bei der auf niedriger Stufe stehenden Kultur werden die Kakaobohnen -einfach getrocknet und zusammengepackt. Derartige Samen, die man im -Handel als „ungerotteten“ Kakao bezeichnet, haben einen bitteren, -herben Geschmack und sind zur Schokoladebereitung durchaus ungeeignet. -Sie finden nur bei der Fabrikation des entölten Kakaos Verwendung. -Für die Schokoladefabrikation müssen die Bohnen noch einer weiteren -Behandlung unterworfen werden. Zu diesem Zwecke werden sie in Körben -nach dem Fermentierhaus gebracht, wo sie auf einem hölzernen, mit -Löchern zum Ablaufen des Fruchtsaftes versehenen Boden möglichst -luftdicht auf einem Haufen, der alle 12 Stunden durcheinander -geschaufelt wird, vergären müssen; es ist dies ein sehr wichtiger -Prozeß, von dessen umsichtiger Leitung vor allem die Güte der Ware -abhängt. Die Fermentation, bei der es sich höchst wahrscheinlich -um eine Milchsäuregärung handelt, soll nämlich in erster Linie den -Geschmack der Kakaobohnen verbessern. Nach 3-4 Tagen werden die -Bohnen an der Sonne oder bei künstlicher Hitze getrocknet, wobei sie -alle Viertelstunden gekehrt werden müssen. Zum Schluß werden sie in -großen Trommeln mit fein gemahlener roter Erde herumgedreht, wobei sie -behufs einer besseren Konservierung außen an den Schalen rot gefärbt -werden. Der innere Teil bleibt von der Färbung unberührt. Durch dieses -Färben wird nicht bloß die sehr wichtige völlige Austrocknung der -Bohnen begünstigt, sondern erfahrungsgemäß auch das sonst so schnell -erfolgende Schimmeln derselben verhindert. Die „gerotteten“ Kakaobohnen -sind innen rotbraun, lassen sich durch einen leichten Druck mit dem -Finger von der sie umgebenden Schale lösen und zeigen einen angenehmen, -ölig milden Geschmack, der mit einem eigentümlichen süßlichen -Nachgeschmack verbunden ist. Das volle Aroma erhalten sie aber erst -nach einer bestimmten Lagerzeit, so daß der geerntete Kakao in der -Regel erst nach einem Jahre verkäuflich wird. Dabei gelangt er teils in -Ballen, teils in Fässern in den Handel. - -Den meisten Kakao erzeugt Südamerika, und zwar speziell Ekuador, das -beinahe ein Drittel der Gesamtproduktion liefert, dann Trinidad, -während man in Venezuela, wo die Kakaopflanzungen sehr gut gediehen, -in neuester Zeit der Kaffeekultur den Vorzug gab. Mexiko, das die -berühmte Soconuscobohne liefert, führt wegen des starken eigenen -Gebrauchs wenig Kakao aus. Aus Brasilien kommen mehr minderwertige -Sorten, während die besten Sorten aus Carácas und Trinidad in den -Handel gelangen. Diese haben beinahe einen doppelt so hohen Wert als -die geringeren Sorten von Ekuador und San Thomé. Der Kakao von Surinam -steht an Wert ungefähr in der Mitte zwischen jenen. Aus den deutschen -Kolonien sind der Samoa- und Neuguineakakao weitaus die besten und -werden so hoch bezahlt wie der Carácaskakao, während der Plantagenkakao -von Kamerun und Togo ungefähr demjenigen von San Thomé gleichgeschätzt -wird. Doch ist dort die Kakaokultur in starkem Aufblühen begriffen -und verspricht zu einem der bedeutendsten Produktionsorte für dieses -wichtige Kolonialprodukt berufen zu sein. Derjenige der Philippinen, -wohin der Baum schon im Jahre 1670 verpflanzt wurde, ist wie derjenige -von Ceylon mittlerer Qualität. - -Von Kakao kommen jährlich etwa 32 Millionen kg in den Welthandel. -Die Gesamtproduktion ist natürlich viel höher, läßt sich aber nicht -schätzen, da diese Frucht auch in den Produktionsländern reiche -Verwendung findet. Deutschland verbraucht jährlich für über 41 -Millionen Mark Kakaobohnen und führt aus seinen Kolonien, besonders -Kamerun, dann Samoa und Togo, für gegen 3 Millionen Mark aus; doch -glaubt man in den nächsten Jahren das 3- bis 5fache dieser Summe zu -erreichen. Hauptmärkte für Kakao sind London, Havre, Amsterdam, Hamburg -und Bordeaux. - -Der Kakao ist nicht nur ein köstliches Genußmittel, sondern zugleich -auch ein sehr wertvolles Nahrungsmittel. Er besteht nämlich zur Hälfte, -d. h. 52 Prozent, aus einem mild schmeckenden, butterartigen Fett, -der Kakaobutter, die vielfach, um die Verdaulichkeit des Kakaos für -schwache Magen zu erhöhen, in hydraulischen Pressen abgepreßt wird, -um an die Zuckerbäckereien, Parfümerien und Apotheken abgegeben zu -werden. An letzterem Orte wird sie, da sie nur sehr schwer ranzig -wird, zu feineren Pomaden, Stuhlzäpfchen und allerlei kosmetischen -Mitteln verarbeitet. Außerdem enthält sie 20 Prozent Eiweiß, 10 Prozent -Stärkemehl, 6 Prozent Wasser, 1,5 Prozent Zucker, 2 Prozent Zellulose -oder Zellstoff, 4 Prozent Kakaofarbstoff, 3 Prozent Nährsalze und 1,5 -Prozent Theobromin, d. i. zweifach methyliertes Xanthin, das in seiner -Wirkung auf die Muskeln und das Zentralnervensystem etwas weniger -anregend als das Koffeïn oder Teeïn, d. h. dreifach methyliertes -Xanthin ist. Im Kakao sind auch noch Spuren von Koffeïn zu finden, doch -sind die Mengen desselben in den im wärmeren Südamerika zur Bereitung -der als Genußmittel sehr beliebten dunkelbraunen +Guaranapaste+ -dienenden Samen der ~Paullinia sorbilis~, eines mit rankenden -Zweigen kletternden Strauches, neben dem Theobromin sehr viel größer. -Zu der leicht belebenden Wirkung des Kakaos trägt auch noch das -ätherische Öl bei, das beim Rösten der Bohnen entsteht und dem Kakao -sein spezifisches Aroma verleiht. - -In den heißen Niederungen des östlichen Mexiko, speziell auf der -Halbinsel Yucatan und südlich davon bis nach Guatemala hinein, ist wohl -von einem der Mayastämme die wilde Kakaopflanze in Kultur genommen und -zur wertvollen Nutzpflanze des Menschen erhoben worden. Wenigstens -ist die Bezeichnung ~cacau~ ein Mayawort, das dann die benachbarten -Stämme Mexikos mit den Früchten und bald auch mit dem Fruchtbaum selbst -übernahmen, um ihm weitgehendste Pflege angedeihen zu lassen; denn sie -schätzten als für sie vornehmstes Genußmittel neben dem berauschenden -Pulque, der nur Männern von einem gewissen Alter an zu trinken -gestattet war, in hohem Maße die das Nervensystem anregende Wirkung der -Kakaobohne, die sie in der heute noch üblichen Weise rotteten, dann -rösteten und fein zerstoßen mit heißem Wasser und Maismehl angerührt -als ~choco latl~, d. h. Kakaowasser, genossen. Von diesem Worte stammt -unsere Bezeichnung Schokolade ab. Zum Versüßen der etwas bitteren -Brühe benutzten sie ausschließlich Honig und versetzten sie außerdem -gerne mit allerlei Gewürz, vor allem auch Vanille. Um die Masse zu -konservieren, wurden die zerriebenen, gerösteten Kakaobohnen zu Tafeln -und Blöcken gepreßt, denen man jeweilen die zur Herstellung des Trankes -nötige Menge entnahm. Das geringere Volk, dem dieses Getränk zu teuer -war, begnügte sich mit einem Aufguß der Schalen oder dem zerstoßenen -Fruchtfleisch der Kakaofrucht mit Maismehl und Pfeffer. - -Als der spanische Abenteurer Fernando Cortez, von Velasquez, dem -Statthalter von Kuba, mit 11 Schiffen 670 Mann und 14 Geschützen -zur Eroberung von Mexiko ausgesandt, im Sommer 1519 in dieses Land -eindrang und es für den König von Spanien eroberte, fand er darin eine -ausgedehnte Kultur des Kakaobaumes in wohlgepflegten Plantagen vor. Die -Eingeborenen betrachteten ihn als eine für sie sehr wichtige Nahrung -spendende Pflanze und schrieben ihm und seinen Früchten gleichzeitig -auch wundertätige Eigenschaften zu. Ähnlich wie im Mittelalter der -Pfeffer in Europa, dienten die Kakaobohnen nicht nur in Mexiko, sondern -in ganz Mittelamerika als landläufige Münze, wobei tausend Stück -ungefähr den Wert von 2,80 Mark hatten. Cortez schrieb darüber an -Kaiser Karl V.: „Diese Samenkörner sind im ganzen Lande so geschätzt, -daß man sie als Münze gebraucht und auf dem Markt und allerorten seine -Einkäufe damit bezahlt.“ Auch die Steuern an den Herrscher wurden -darin entrichtet. So bezahlte die Stadt Tobasco jährlich 16 Millionen -Kakaobohnen an den Kaiser Montezuma, in dessen Staatsschatz bei der -Eroberung Mexikos die Spanier nicht weniger als 2½ Millionen Pfund -solcher Bohnen vorfanden. Übrigens dienen die Kakaobohnen heute noch in -einem großen Teil Südamerikas als landläufige Scheidemünze. Dabei sind -72 Bohnen = 43 Pfennigen. - -Eine alte mexikanische Legende erzählt, Quezalcoatl habe aus dem -Lande, in welchem die ersten Söhne der Sonne wohnten, den Samen -des Kakaobaumes (~cacaohoaguahuitl~) auf die Erde gebracht, um -den Menschen eine angenehme Speise zu verschaffen, die auch von -den Göttern geschätzt wurde. Vielleicht hat der Schwede +Carl von -Linné+ diese Legende gekannt. Wenn dies aber nicht der Fall war, so -war er wenigstens selbst so entzückt von diesem Getränke, daß er -die Schokolade 1769 in den „~Amoenitates academicae~“, d. h. den -Akademischen Vergnügungen, eingehend behandelte und dem Kakaobaum den -Namen ~Theobroma~, d. h. Götterspeise ~cacao~, gab. Andere seiner -gelehrten Zeitgenossen verabscheuten aber aus Vorurteil dieses ihnen -unbekannte neue Getränk; ja die Botaniker Clusius (Charles d’Ecluse) -und Benzoni fanden dasselbe -- wohl weil ohne Zucker genossen -- nur -für die Schweine genießbar. Der fein gebildete Franzose Le Grand -d’Aussy bezeichnete noch im Jahre 1782 die Schokolade als eine recht -unschmackhafte Brühe „~une bouillie assez dégoutante~“. - -Die Spanier, welche die Schokolade (~chocolatl~) am Hofe des Kaisers -Montezuma kennen gelernt hatten, brachten die erste Kunde davon nach -Europa. In seinen Berichten an Kaiser Karl V. berichtet Cortez, „daß -eine einzige Tasse von diesem kostbaren Getränk genüge, um einen -Mann auf einem Tagemarsch frisch zu erhalten“. Dieser gewalttätige -Mann zwang sie seinen Soldaten, die auf dem Eroberungszuge nach dem -Hochlande von Mexiko die größten Strapazen durchzumachen hatten, -geradezu auf, und diese lernten dieses Getränk bald schätzen. Schon im -Jahre 1520 sandten sie Kakaobohnen zur Herstellung der Schokolade nach -dem Mutterlande, hielten aber die Art der Gewinnung derselben geheim. -Allgemein bekannt wurde die Fabrikation erst im Jahre 1606 durch den -Florentiner Antonio Carletti, der während seines Aufenthaltes auf den -westindischen Inseln die Herstellung und den Gebrauch des Kakaos und -der Schokolade kennen gelernt hatte. Die Ausfuhr der Kakaobohnen war -aber nur der Regierung gestattet, bis im Jahre 1728 König Philipp V. -von Spanien das Monopol des Kakaoverkaufs in allen Ländern an eine zu -diesem Zwecke gebildete internationale Gesellschaft verkaufte. - -Als die Spanier im Jahre 1519 unter Fernando Cortez in Mexiko -eindrangen, war der Anbau der Kakaopflanze und der Genuß ihres in -Wasser verrührten gerösteten Samenpulvers nicht bloß auf dieses Land -beschränkt, sondern auch als eine seit Jahrhunderten betriebene Kultur -in ganz Zentralamerika, Kolumbien, Venezuela, Guiana, Ekuador, Peru, -dem nördlichen Brasilien und einem Teil der westindischen Inseln -verbreitet. Allerdings übernahmen die spanischen Einwanderer zunächst -in Mexiko die Sitte des Kakaotrinkens von den Eingeborenen. Bald -frönten ihm in ganz Mittelamerika die vornehmen Damen in solcher -Weise, daß sie sich dieses Getränk von Dienerinnen sogar in die Kirche -nachtragen ließen. Als ein Bischof in Mexiko wagte, gegen diese Unsitte -aufzutreten, besuchten die erzürnten Schönen seine Kirche nicht mehr, -um ihren Kakao in der Kirche eines weniger strengen Priesters weiter -trinken zu können. Durch die mancherlei Beziehungen mit Westindien und -Mittelamerika wurde das Kakaotrinken bald auch in Spanien populär. -Von jenem Lande, in welchem die ersten europäischen Fabriken zur -Verarbeitung der Kakaobohnen entstanden, und das heute noch das am -meisten Kakao verzehrende Land Europas ist, kam die als Schokolade -bezeichnete gezuckerte Kakaobrühe zuerst an den eng mit Spanien -liierten Wiener Hof, von wo aus er 1615 durch Anna von Österreich, -die Gemahlin Ludwig XIII., an den Pariser Hof gelangte. Zu einiger -Geltung kam sie aber erst im Jahre 1661, unter dem Einfluß von Maria -Theresia von Spanien, der Gemahlin Ludwigs XIV., die sich aber -- -wie die Herzogin von Montpensier in ihren Memoiren angibt -- noch -versteckte, um ihre Schokolade zu trinken. Der Genuß derselben mußte -also damals selbst am Hofe Frankreichs noch als etwas Ungewohntes oder -gar Verpöntes angesehen worden sein. Indessen schon 1671 konnte die -Freifrau von Sévigné an ihre Tochter, die Gräfin Grignan, schreiben: -„~Vous ne vous portez pas bien, le chocolat vous remettra~.“ Freilich -mußte damals die Schokolade als Heilmittel ihre Wirkung versagt haben; -denn in einem späteren Briefe wird sie als „~source des vapeurs~“, d. -h. Ursache von Blutandrang gegen den Kopf -- ~et des palpitations~ -(also Herzklopfen) -- angegeben. - -In Paris erhielt zuerst ein abgedankter Offizier namens Chaillon die -alleinige Erlaubnis, Schokolade auszuschänken. Er fand auch guten -Zuspruch von der Bürgerschaft, die dieses höfische Getränk gerne -kostete. So machte er glänzende Geschäfte und konnte sich schon nach -wenigen Jahren in den Ruhestand zurückziehen. Doch ging die Einführung -dieses neuen Genußmittels auch in Frankreich nicht ohne Angriffe von -den verschiedensten Seiten ab. Zunächst leisteten gewisse Kreise, so -besonders die Geistlichen, diesem von ihnen vielfach als „Erzeugnis -des Bösen“ bezeichneten neuen Getränk energischen Widerstand. Ja, in -einem Schreiben an den Bischof von Cleve im Jahre 1572 bezeichnete der -Italiener Benzoni dieses Getränk sogar als „Schweinefutter“. Allmählich -aber begannen ihn manche Ärzte gutzuheißen. So verteidigte ein Pariser -Arzt, namens Bachot, 1684 vor der dortigen Fakultät eine These, in -welcher er gut zubereitete und gesüßte Schokolade als eine der edelsten -Erfindungen pries, die weit mehr als Nektar und Ambrosia würdig sei, -die Speise der Götter zu bilden. Doch war sie durch ihren hohen Preis -zunächst nur ein Genußmittel der Reichen. Erst als im Jahre 1776 unter -der Regierung Ludwigs XVI. die erste Schokoladefabrik in Frankreich -errichtet wurde, die das Monopol für den Verkauf bekam und ihren Kakao -aus den französischen Kolonien bezog, begann der Schokoladekonsum in -Frankreich allgemeiner zu werden. - -Der vorhin genannte Florentiner Antonio Carletti, der die Schokolade in -Westindien kennen gelernt hatte, führte sie ums Jahr 1607 in Italien -ein und machte die Verarbeitung der Kakaobohnen in jenem Lande bekannt. -Von Italien aus verbreitete sich diese Kenntnis allmählich über ganz -Mittel- und Nordeuropa. - -Ums Jahr 1625 begann sich die Schokolade in England und annähernd -gleichzeitig auch in Holland einzubürgern. Die erste Schokoladefabrik -wurde in England im Jahre 1657 errichtet; gleichzeitig entstanden -in London auch sogenannte Schokoladehäuser im Stil unserer heutigen -Kaffeehäuser. In Deutschland wurde die Schokolade durch das Buch des -bereits bei der Besprechung des Tees erwähnten holländischen Leibarztes -des Großen Kurfürsten, ~Dr.~ Kornelis Bontekoe, betitelt: „Traktat über -Gewürz, Tee, Kaffee, Schokolade, 1679“, bekannt. Er brachte ihn zuerst -nach Berlin mit. Später verbot dann Friedrich der Große die Einfuhr -von Schokolade in ganz Preußen und beauftragte den Chemiker Markgraf, -der Ähnliches schon für den Kaffee versucht hatte, ein Surrogat -derselben herzustellen, wozu er Lindenblüten benutzte. Da aber dieses -Ersatzmittel begreiflicherweise sehr wenig Anklang fand, so behauptete -sich auch hier in der Folge die Schokolade so gut als Kaffee und Tee, -die in Preußen unter Friedrich dem Großen ebenfalls durch Erzeugnisse -des eigenen Landes ersetzt werden sollten. - -Die erste deutsche Schokoladefabrik wurde vom Fürsten Wilhelm von -Schaumburg-Lippe im Jahre 1756 in Steinhude errichtet, und als Arbeiter -wurden mit der Verarbeitung der Kakaobohnen vertraute Portugiesen -dahin berufen. Seither hat dieses Produkt in allen Kulturländern -immer mehr Aufnahme gefunden und sein Konsum wächst zusehends, und -zwar wird es nicht mehr nur als Leckerei genossen, sondern bildet wie -ursprünglich in Spanien und den Kreolenstaaten Südamerikas mehr und -mehr ein nahrhaftes und gesundes Volksgetränk. In Frankreich herrscht -in den besser situierten Kreisen bereits allgemein der Brauch, morgens -zum Frühstück Schokolade zu trinken, und auch in Deutschland hat -dieses wertvolle Geschenk der Tropen durchaus erfolgreich den Kampf -mit dem leider nur allzusehr eingebürgerten Bier aufgenommen. Auch -hier wird der Genuß der Schokolade als nahrhaftes und wohlschmeckendes -Frühstücksgetränk immer allgemeiner. Außerdem wächst überall der Genuß -der Speiseschokolade in sehr starkem Maße. Während noch in der Mitte -des vorigen Jahrhunderts der Kakaoverbrauch in Deutschland nur etwa 0,5 -Millionen kg jährlich betrug, stieg er langsam auf 2 Millionen kg im -Jahre 1870, dann auf 5 Millionen kg bis 1890, auf 15 Millionen kg bis -1900 und erreichte in den Jahren 1906 und 1908 bereits je 35 Millionen -kg; außerdem wurden an fertigen Präparaten 671200 kg holländisches -Kakaopulver und 1061400 kg Schweizer Schokolade eingeführt. Nur Amerika -verbraucht mehr Kakao als Deutschland, das allein etwa 200 Kakao- und -Schokoladenfabriken besitzt. Zu diesen heute vom Deutschen Reiche -verbrauchten 40 Millionen kg lieferten seine tropischen Kolonien erst -etwa 2 Millionen kg Kakao im Jahr, während die Weltproduktion an -Kakaobohnen, soweit sie in den Handel gelangen, rund 150 Millionen kg -beträgt. Da aber die Gesamtkakaoindustrie bereits 145 Millionen kg -beansprucht, so ist die Kakaokultur für die tropischen Kolonien, die -sich dafür eignen, sehr aussichtsreich. - -Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts geschah die Fabrikation der -Schokolade ausschließlich durch Handarbeit, indem die gerösteten Bohnen -in einem metallenen Mörser zu Pulver zerstoßen und die so erhaltene -Masse mit Zucker und mancherlei Gewürz, besonders Vanille, aber -vielfach auch Zimt und Nelkenpulver vermischt, zu einem Teig geknetet -wurde, den man in irgend einer Form trocknen ließ. Seit im Jahre 1778 -der Franzose Doret die erste Maschine zum Mahlen der Kakaobohnen -konstruierte, ist die Technik der dafür gebrauchten Maschinen immer -mehr verbessert worden. Dabei werden die durch Schütteln in einem -Sieb und durch strömende Luft zur Entfernung des Staubes gereinigten -Kakaobohnen auf einem zweiten Sieb in drei Gruppen gleicher Größe -geschieden, damit sie bei dem nun folgenden Röstprozesse gleichmäßig -gar werden, was bei verschiedener Größe derselben nicht zu erreichen -wäre, da die kleinen Bohnen dabei vor den großen gar würden. - -Das Rösten bezweckt das eigentliche Aroma und den Geschmack der Bohnen -hervorzurufen und zugleich das Stärkemehl teilweise in leichter in -Wasser lösliches Dextrin zu verwandeln. Ferner werden dadurch die in -ihnen enthaltenen Bitterstoffe durch Zersetzung entfernt und außerdem -durch das damit verbundene Austrocknen die Schalen leichter lösbar und -die Bohnen geeigneter zum Vermahlen gemacht. Dieser Prozeß findet in -großen, um ihre Achse rotierenden Trommeln statt, wobei die Temperatur -lange nicht so hoch wie beim Brennen der Kaffeebohnen zu sein braucht. -Sie darf überhaupt eine solche von 130-140° C. nicht überschreiten; -erfahrene Arbeiter wissen am Aussehen der Bohnen genau den richtigen -Zeitpunkt zu treffen, wann die Röstung unterbrochen werden muß. Damit -kein Aroma verloren gehe und die Samenschalen sich leichter von den -Bohnen lösen, müssen die gerösteten Bohnen möglichst schnell aus den -Trommeln entfernt und abgekühlt werden, was dadurch geschieht, daß man -vermittelst eines Ventilators einen kalten Luftstrom auf die heiße -Masse richtet. Dann werden die Kakaobohnen in besonderen Maschinen -gebrochen und die leichten Samenhülsen, die etwa 12 Prozent des Samens -ausmachen, durch einen Ventilator weggeblasen und dienen als Abfall zur -Feuerung. - -Die gebrochenen Kakaobohnen werden nun zwischen rotierenden Granit-, -oder neuerdings Porzellanwalzen, welche weit besser sind, gemahlen, -mit Zucker vermischt und zum Schluß die Gewürze, wie Vanille und -verschiedene ätherische Öle zur Aromatisierung beigefügt. Die durch -Erwärmen auf 35-40° C. geschmolzene Masse wird zuerst flach gewalzt -und in gleiche Teile von gewünschtem Gewicht zerschnitten, die -dann mit der Hand in Blechformen hineingedrückt werden. Wenn die -Schokoladetafeln völlig erkaltet sind, nimmt man sie aus den Formen -und verpackt sie möglichst sorgfältig in Staniol und darüber Papier -eingewickelt und versendet sie in Kisten. So, luftdicht verpackt, -können sie jahrelang aufbewahrt werden. In jüngster Zeit kommt von der -in der Herstellung von fester Eßschokolade für die ganze Kulturwelt -tonangebenden Schweiz aus immer mehr die Beigabe von Milch in die -Schokoladenmasse, wie sie die Firma Cailler in Broyes in den Freiburger -Alpen zuerst einführte, auf. Es ist dies eine äußerst glückliche von -zahlreichen anderen Schokoladefabriken sofort aufgegriffene Neuerung, -die den Wohlgeschmack und Nährwert der Eßschokolade noch bedeutend -erhöht und sie so zart macht, daß sie auf der Zunge förmlich wie -Butter zerschmilzt. Auch andere Fett- und Eiweißspender lassen sich -in sie verarbeiten; besonders scheint das Erdnußmehl als Beigabe zu -Schokolade eine große Zukunft zu haben. Auch Bananenmus ist sehr -zweckmäßig. Überhaupt stehen wir erst ganz am Anfang einer rationellen -Kakaoverwertung für den menschlichen Konsum und es lassen sich heute -alle Kombinationsmöglichkeiten dieses hervorragenden Genußmittels -überhaupt noch nicht übersehen. - -Das eine ist jedenfalls heute schon ganz sicher, daß die Eßschokolade -bei den jetzigen, als billig zu bezeichnenden Preisen in Anbetracht -ihres überaus hohen Nährwerts nicht bloß eine Delikatesse oder -Leckerei, sondern ein wichtiges Nahrungsmittel darstellt. Sie ist -überhaupt das beste Verproviantierungsmittel für die Schule, für -Ausflüge und anstrengende Touren aller Art, bei denen Herz und -Muskeln ein großes Maß von Arbeit zugemutet wird. Es ist nämlich -kaum möglich in anderer Form bei gleich geringem Volumen und Gewicht -gleich viel Nahrungsstoff in Verbindung mit einem die Muskeln und das -Nervensystem zu erhöhter Arbeitsleistung anregenden Reizmittel, wie -solches die Schokolade im Theobromin in angenehmster Form darbietet, -mit sich zu führen. Und wem die Süße nicht behagt, der esse dazu, wie -dies jedermann tun sollte, Brot und so wird auch ihm die Schokolade -vortrefflich munden. - - Tafel 67. - -[Illustration: Frisch angelegte Saatbeete für Kakao mit Schutzdächern -gegen zu intensive Sonnenbestrahlung in Kamerun. - -Junge Kakaopflanzen kurz vor der Verpflanzung in Kamerun.] - - Tafel 68. - -[Illustration: Junge Kakaopflanzung in Kamerun mit Bananen als -Schattenbäumen.] - -Als Frühstücksgetränk verdient die Schokolade entschieden den Vorzug -vor dem bei uns bereits eingebürgerten Kaffee. Früher wurde sie -durch Aufkochen von Eßschokolade gewonnen, bis der Holländer C. J. -van Houten (1801-1887) ein Verfahren fand, durch Entfernung des -überschüssigen Fettes aus den Kakaobohnen ein Kakaopulver herzustellen, -aus dem in einfacher Weise ein schmackhaftes, auch für schwache Magen -leicht verdauliches Getränk hergestellt zu werden vermochte. Damit -sich dieses Kakaopulver nach dem Übergießen mit kochendem Wasser -möglichst ohne Satzbildung in der Flüssigkeit verteile, wurde -es nach dem Entfetten mit Alkalien behandelt. Dabei wird bis zu drei -Prozent Pottasche in die Masse hineingebracht, was von manchen Ärzten -als bedenklich für die Gesundheit beanstandet wird. Doch kann dies -jedenfalls nicht sehr schädlich sein, erhöht aber die Annehmlichkeit -des Trinkens bedeutend, indem sich ohne diese Beimischung die Masse -nur schwer im Wasser verteilt erhalten läßt und rasch einen starken -Bodensatz bildet, der durch Umrühren wieder in Suspension gebracht -werden müßte. - - Tafel 69. - -[Illustration: Kakaoernte in Kamerun.] - - Tafel 70. - -[Illustration: Ein Kakaobaum mit Früchten in allen Stadien der -Entwicklung in Kamerun. - -Ein Vanillestrauch mit halbreifen Schoten in Kamerun.] - -Eigentliche Ersatzmittel für Schokolade und Kakao sind nicht bekannt -geworden, während man für den Kaffee mehrere, und für den Tee viele -versucht hat. Neuere Reisende erzählen von einem schokoladeähnlichen -Getränk im Innern Afrikas, das besonders im westlichen Sudan allgemein -im Gebrauch ist. Man gewinnt es aus dem Mus der zerstoßenen Früchte der -dort +~Dodoa~+ genannten ~Parkia africana~, das man in kleine Kuchen -formt und in dieser Gestalt weithin als Tauschobjekt in den Handel -bringt; besonders werden sie von der muhammedanischen Bevölkerung des -Sudans gern gegessen. Durch Auflösen in heißem Wasser gewinnt man -daraus ein angenehm schmeckendes und gleichzeitig anregendes Getränk. -Aber diese Kuchen kommen ebensowenig nach Europa als die bereits -erwähnte +Guaranapaste+ aus den durch einen Gehalt von 2,6-3 Prozent -Koffeïn und daneben etwas Theobromin gleichfalls anregend auf das -Nervensystem wirkenden getrockneten Samen von ~Paullinia cupana~, die -als brasilianischer Kakao von den Indianern an Stelle des echten Kakaos -genossen wird. - -Die Guaranapflanze ist ein in Nord- und Westbrasilien und Südvenezuela -heimischer Kletterstrauch aus der Familie der Sapindazeen oder -Seifenbaumgewächse. Sie wurde zuerst von Alexander von Humboldt -und Bonpland auf ihrer berühmten, von 1799-1804 ausgeführten Reise -am Orinoko gefunden und 1821 von Knuth beschrieben. Der Strauch -ist identisch mit der 1826 vom Botaniker Martius am Amazonenstrom -entdeckten ~Paullinia sorbilis~, wird aber nach der älteren Bezeichnung -~cupana~ genannt. ~Guaraná~ oder ~uaraná~ bedeutet in der Tupisprache -Schlingpflanze. Diese Bezeichnung übernahmen dann die Europäer von -den Indianern und bezeichneten damit den Schlingstrauch und sein -Produkt. Die Guaranapflanze klettert ohne Ranken vermöge ihrer -spreizenden Äste an den Waldbäumen in die Höhe. Die aus fünf eiförmigen -Fiederblättchen bestehenden Blätter sitzen an einem 8 cm langen Stiel. -Die unscheinbaren, kleinen, weißen Blüten stehen in den Blattachsen -in Rispen und sind kurz gestielt; aus ihnen gehen langgestielte, -haselnußgroße, mit drei Klappen aufbrechende Kapselfrüchte hervor, -die meist nur einen, fast kugeligen, dunkelbraunen, der Roßkastanie -ähnlichen Samen von 1-1,3 cm Durchmesser und 0,5-0,8 g Gewicht -bergen. Darin liegt unter einer dünnen Schale der weiße Keimling ohne -Nährgewebe, aber mit großen, halbkugeligen, im trockenen Zustande -schwer trennbaren, stärkemehlreichen Keimblättern. Neben dieser echten -Guaranapflanze gibt es in denselben Gegenden Brasiliens noch zwei -andere, ähnliche Guaranaarten, von denen die eine kleinere Blätter und -bittere Früchte als die echte hat und nur im Falle der Not von den -Indianern gesammelt wird. - -Die echte Guaranapflanze wird in manchen Gegenden Brasiliens kultiviert -und meist durch Stecklinge, seltener aus Samen gezogen. Man zieht -sie an Stützen wie die Weinrebe, nur weiter auseinander. Im 3. oder -4. Jahre trägt sie schon Früchte, und von dieser Zeit an wird sie -jährlich in derselben Weise wie die Rebe beschnitten. Im Juli blüht -sie und im November werden die Früchte reif. Eine gut behandelte -Pflanze trägt über 40 Jahre hindurch durchschnittlich 2 kg Früchte -jährlich. Diese werden nach der Ernte zuerst in Wasser gelegt, um die -holzige Fruchthülle leichter entfernen zu können. Dann werden die Samen -am Feuer getrocknet und sorgfältig geröstet, in großen Holzmörsern -mit Stößern aus hartem Holz zerstampft und daraus mit Zusatz von -etwas kaltem Wasser ein feiner Teig gemacht, der in Brotlaib- oder -Wurstgestalt geformt und erst an der Sonne, hernach am Ofen getrocknet -wird. Wenn die Masse ganz fest und fast steinhart geworden ist, -wird sie als ~uaraná~ in den Handel gebracht. Sie ist braun, von -bitterem, etwas zusammenziehendem, schwach säuerlichem Geschmack -und riecht ähnlich wie gerösteter Kaffee. Im Innern Brasiliens und -im nordwestlichen Bolivien ist die Guaranapaste ein sehr wichtiger -Handelsartikel, den man dort in derselben Weise benötigt, wie den -Kaffee an der Küste. Dabei ist er sehr billig, indem 1 kg nur 1,50 -Mark kostet. Er wird in derselben Weise wie Schokolade mit Wasser -bereitet unter Hinzufügen von Zucker nach Bedarf und Neigung. Zuerst -wird mit einer Raspel die für den jeweiligen Gebrauch nötige Menge von -der Paste abgefeilt und mit einem silbernen Löffel in einen Becher mit -Wasser verrührt und dann genossen. Die Eingeborenen können wohl ohne -Fleisch und Mehl, niemals aber, vom reichsten Bürger bis zum ärmsten -Hirten, ohne den geliebten Uaranátrank sein, der mit Recht von manchen -Reisenden als „brasilianischer Kakao“ bezeichnet wird. Vielfach wird -die pulverisierte Paste mit Maniokmehl zusammengestampft, zu kleinen -Broten geformt und am Feuer gebacken. Mit der Guarana, die wie der -Kakao nicht nur ein Genußmittel, sondern vermöge ihres hohen Nährwertes -ein Nahrungsmittel ist, vermögen die Indianer längere Zeit zu leben, -ohne abzumagern, und sehen dabei so gesund und kräftig aus, als ob sie -mit Fleisch genährt würden. - -Nach Europa gelangte die Guaranapaste zuerst im Jahre 1817 von Rio de -Janeiro aus, indem ein französischer Gesandtschaftsoffizier dieselbe an -Cadet nach Paris sandte. 1826 wurde vom Bruder des vorhin erwähnten, -Südamerika bereisenden Martius der wirksame Stoff daraus isoliert -und als Guaranin bezeichnet; doch erkannte man 1840, daß dieser mit -dem Koffeïn identisch ist. Durch den Koffeïngehalt wirkt die Guarana -vorzüglich bei Migräne und Neuralgien und wird deshalb in der ganzen -Kulturwelt dagegen genommen. Da sie den Blutdruck steigert und damit -die Harnabsonderung vermehrt, wirkt sie auch bei Herz- und Nierenleiden -günstig. In größeren Dosen übt sie durch ihren reichen Gerbstoffgehalt -eine adstringierende Wirkung und wird deshalb wie in ihrer Heimat, so -auch bei uns gegen Abführen angewandt. Aus den Früchten ziehen die -Indianer einen schönen gelben Farbstoff aus, den sie zum Bemalen des -Gesichtes verwenden. - - - - -XIV. - -Die Gewürze. - - -Die meisten Speisen, die der Mensch genießt, sind an sich geschmacklos, -da die einzelnen Bestandteile derselben, sowohl das Stärkemehl, als -das Eiweiß und Fett an sich keinen Geschmack oder Geruch besitzen. Nun -aber ist nicht bloß der liebliche Duft, sondern vor allem der angenehme -Geschmack einer Speise für deren Bekömmlichkeit von allergrößter -Bedeutung; denn dadurch erst werden die Verdauungssäfte in ausgiebiger -Menge zur Absonderung gebracht, so daß diese auch recht verdaut werden -kann. Deshalb haben alle Völker der Erde, soweit sie zum Hackbau und zu -einem unbesorgteren Lebensgenusse gelangten, allerlei wohlriechende und -angenehme oder scharfschmeckende Pflanzen ihrer Umgebung zur Würzung -ihrer sonst fade schmeckenden Nahrung verwendet. Je mehr nun die -Völker ihre Produkte untereinander austauschten, um so mannigfaltiger -wurde die Auswahl derselben. Und gerade die heißen Landstriche der -Erde, in denen das Pflanzenwachstum weitaus am energischsten erfolgt -und die stärksten Würzen und kräftigsten Gifte und Heilstoffe erzeugt -werden, lieferten die wirksamsten derselben. Die hier wohnenden Völker -verkauften von ihrem Überfluß an die in klimatisch weniger begünstigten -Gegenden Lebenden. So sind wir Europäer auch hierin in erster Linie den -Tropen tributpflichtig geworden. Und wenn auch die Zeiten längst dahin -sind, in denen man die fremdländischen Gewürze mit Gold und Silber -aufwog, und eine ganz unbegreifliche, heute vollständig verschwundene -Sucht nach schweren Gewürzen die Völker ergriffen hatte, so sind es -doch noch ziemlich bedeutende Summen, die jährlich für fremdländische -Gewürze ausgegeben werden. So hat z. B. Deutschland im Jahre 1908 -für rund 14 Millionen Mark allerlei Gewürze aus dem Ausland bezogen. -Obenan steht unter ihnen noch immer der Pfeffer, von dem für 5661000 -Mark bezogen wurde, ferner für 340000 Mark Paprika, so daß also das -deutsche Volk für das Pfeffern seiner Speisen gegen 6 Millionen Mark -ans Ausland bezahlt hat. Nächst dem Pfeffer kommen die Gewürznelken, -von denen Deutschland für 1,5 Millionen kaufte, dann Zimt für 3,5 -Millionen Mark und Muskatnüsse für 1,2 Millionen Mark. Trotz des -künstlichen Vanillins wurden 90000 kg Vanilleschoten für 1260000 Mark -bezogen, ferner aus Südeuropa und Kleinasien 28200 kg Safran, wofür -1692000 Mark bezahlt wurden. Dieses ist weitaus das teuerste aller -Gewürze; denn in der Reichsstatistik für das Jahr 1907 wurde ein -Kilogramm davon mit 60 Mark bewertet; nächst ihm kommt, wenn auch erst -in weitem Abstande, die Vanille, von der das Kilogramm mit 14 Mark -bezahlt wurde. - -Beginnen wir unsere Betrachtung mit diesem zweifellos feinsten und -aromatischsten aller Gewürze, der +Vanille+, deren Bekanntschaft uns -die Spanier nach der Entdeckung der Neuen Welt zuerst vermittelten. -In der Literatur Mitteleuropas erwähnt sie zuerst der französische -Botaniker Clusius (Charles de l’Ecluse, geb. 1526, von 1593 bis zu -seinem 1609 erfolgten Tode Professor der Botanik in Leiden) in einem -1605 erschienenen Werke. Wo er dieses Produkt zuerst kennen lernte, -ist nicht ersichtlich, doch muß es durch spanisch-österreichische -Vermittlung geschehen sein. Die Spanier lernten die Vanille im Bereiche -der Kakaokultur in Mexiko zuerst kennen, wo sie im östlichen Teile -des Landes ihre älteste Heimat hat. Wie wir dies heute noch bei der -Bereitung des Kakaos tun, würzten die bei ihrer Entdeckung durch die -Europäer zu recht hoher Kultur fortgeschrittenen Azteken, die Einwohner -Mexikos, ihre Schokolade, ~chocolatl~ genannt, mit der von ihnen als -~tlilxochitl~ bezeichneten Vanille, während die Spanier in der Folge -das einheimische Wort ~vaynilla~, d. h. Schötchen, für dieses ihnen -neue Gewürz in Aufnahme brachten. Im Jahre 1510 brachten sie es zum -erstenmal nach Europa, und zwar nach Spanien. - -Die in den Handel gelangenden Vanilleschoten sind bekanntlich die auf -besondere Weise zubereiteten Früchte einer Orchidee, bei denen manche -Arten, wie beispielsweise die auf den Alpenwiesen wachsende Männertreu -(~Nigritella~), denselben auf der Anwesenheit des Vanillins beruhenden -Duft in den Blüten aufweisen. Von dieser über 7000 Arten umfassenden -Familie der Orchideen, die nur in 1,5 Prozent in Europa heimisch sind, -dagegen vorzugsweise die feuchten Gebirgstäler des äquatorialen und -subtropischen Amerika, wie auch Indiens und Hinterindiens bewohnen -und darin, wie beispielsweise in den Anden, bis beinahe 3300 m -emporsteigen, sind viele auf der Borke von Bäumen hoch oben auf deren -Geäst lebende Epiphyten oder Überpflanzen, die vielfach fälschlich als -Schmarotzer bezeichnet werden, was sie durchaus nicht sind, da sie sich -selbständig ernähren, ohne je ihre Wirte anzuzapfen. - -Die Vanillepflanze (~Vanilla planifolia~) ist kein solcher -„hochgeborener“ Baumbewohner, sondern wie sämtliche bei uns wachsenden -Orchideen ein ursprünglich bodenständiger Erdbewohner, der sich an ihm -Stütze gewährenden Bäumen und Sträuchern emporrankt, um dann später -durch Absterben der Erdwurzeln die Verbindung mit dem Boden zu lösen -und eine durch Luftwurzeln aus der Atmosphäre lebende Überpflanze zu -werden. Diese Kletterpflanze besitzt einen runden, fingerdicken, sehr -lang werdenden, tiefgrünen Stengel, der große, dunkelgrüne, fleischige -Blätter und ihnen gegenüber je eine als Haft- und Nährorgan zugleich -dienende, blattgrünfreie und deshalb weißliche Luftwurzel, die oft -bis zur Erde herabreicht. Aus den Blattwinkeln treten die großen, -traubenförmig gestellten, gelblich- bis weißgrünen, in der Mitte etwas -aufgeblasenen, wohlriechenden Blüten hervor, die nur einen Tag geöffnet -bleiben und nach der Befruchtung durch ein bestimmtes Insekt 20-30 cm -lange, dreikantige, mit einer großen Zahl überaus kleiner, schwarzer -Samenkörner gefüllte Schotenfrüchte hervorgehen lassen. - -Bevor diese völlig reif sind, d. h. wenn die vorher grünen eben gelb zu -werden beginnen, werden sie gepflückt oder abgeschnitten. Zu letzterem -Zwecke sind die Arbeiter mit einer langstieligen Schere und einem mit -Blättern ausgelegten Körbchen versehen. In diesem Zustande sind sie -noch geruchlos. Ihr feines Aroma entwickelt sich erst beim Trocknen, -das möglichst rasch zu geschehen hat. Bevor sie dieser Prozedur -unterworfen werden, taucht man sie einige Sekunden in kochendes -Wasser, um die ihnen anhaftenden Insekteneier zu vernichten und die -Entwicklung des Wohlgeruchs zu befördern. Hierauf werden die danach -tiefbraun gefärbten Früchte zuerst auf Gitterrosten erhitzt, dann an -der Sonne getrocknet und noch warm in Blechkasten gelegt, in denen -sie völlig austrocknen, wobei sie drei Viertel ihres ursprünglichen -Gewichtes verlieren. Darin bleiben sie etwa drei Monate liegen, bis sie -ihr volles Aroma entwickelt haben und durch Ausschwitzung mit feinen, -weißen Kristallnadeln aus Vanillin bedeckt sind. Dabei werden sie öfter -untersucht und diejenigen Schoten, die zu feucht sind und infolgedessen -in Gärung übergehen könnten, entfernt. Schließlich bindet man sie in -Bündel von je 50 Stück zusammen und bringt diese, in Zinnbüchsen, die -etwa 5 kg Vanille enthalten, eingelötet, in den Handel. - -Ihren Wert erhalten die Vanilleschoten durch das bis zu 4 Prozent -in ihnen enthaltene, äußerst wohlriechende Vanillin, das eines der -am häufigsten benutzten feineren Gewürze darstellt. Außer in ihrem -Heimatlande Mexiko, wo die Vanille besonders in der Umgebung der -Stadt Oaxaca gezogen wird, kultiviert man sie heute an vielen Orten -der Tropen. So wurde sie wegen des hohen Preises der Schoten, von -denen 1821 1 Pfund 120 Mark und 1860 1 Pfund in Holland 22,50 Mark -kostete, von den Holländern 1819 nach Java eingeführt, gedieh dort -auch ganz gut, blühte reichlich, brachte aber keine Früchte hervor. Da -erkannte der Direktor des Versuchsgartens in Buitenzorg, Theysmann, -daß die Schuld nur der mangelnden Befruchtung der Blüten zukomme, -da eben an diesem neuen Standorte die bestimmten, in der Heimat die -Pollenübertragung vollziehenden Insekten fehlten. Sobald man diesem -Mangel durch künstliche Befruchtung der Blüten abhalf, indem man den zu -winzigen Kölbchen, den Pollinien, verwachsenen Blütenstaub mit Hilfe -von zugespitzten Bambusstäbchen auf die Narbe der Blüten übertrug, -hatte man einen vollen Erfolg. Alle Blüten müssen gleich am Morgen, -an dem sie aufgegangen sind, befruchtet werden, und zwar kann ein -flinker Arbeiter an einem Morgen 1000 Blüten bestäuben. Wenige Tage -danach kann man bereits diejenigen Blüten auslichten, die keine Früchte -ansetzen. Einen Monat nach der Blütenbefruchtung erreichen die Früchte -schon ihre endgültige Größe, bedürfen aber zu ihrer völligen Reife -noch weiterer fünf Monate, und zwar werden die der Sonne ausgesetzten -Schoten die besten. Die Ernte findet auf der nördlichen Erdhälfte von -Dezember bis Februar, auf der südlichen dagegen von Juni bis August -statt. Dabei rechnet man im Durchschnitt auf einen Ertrag von 100-200 -kg marktfertiger Ware auf den Hektar. Seit Anfang der 1860er Jahre hat -man die Vanillekultur besonders intensiv auf den französischen Inseln -Réunion und Bourbon betrieben, die heute weitaus am meisten Vanille -exportieren, nämlich jährlich etwa 100000 kg. An zweiter Stelle kommen -die gebirgigen Seychellen-Inseln, auf denen diese Kulturpflanze im -Jahre 1868 eingeführt wurde. Doch lohnt die Kultur dieser Nutzpflanze -nicht mehr die Kosten, da der Wert der Vanille im Laufe des vergangenen -Jahrhunderts von 240 Mark auf 8-10 Mark für das Kilogramm sank. Zu -diesem gewaltigen Preisabschlag trug besonders die neuerdings gelungene -künstliche Herstellung des Vanillins bei, das man jetzt im großen -aus dem im Kambium (Bastmantel) der Nadelhölzer enthaltenen Glykosid -Koniferin gewinnt. Dabei leisten 10 g künstlich erzeugtes Vanillin so -viel wie 500 g feinste Bourbonvanille. Dieses Gewürz wird im Haushalt -und in der Konditorei viel gebraucht, sollte aber von reizbaren, -schwachnervigen Menschen recht mäßig oder gar nicht angewendet werden, -da es in größeren Mengen zu stark erregt und erhitzt. So meidet man im -heißen Amerika den Genuß der Vanille aus diesen Gründen fast ganz. - -Die Vanillekultur ist verhältnismäßig sehr einfach. Sie wird meist -in unvollständig gelichteten Wäldern betrieben, in welchen man die -jüngeren Bäume als Schattenspender und zugleich Stützen für die -kletternde Orchidee stehen läßt. Da der wie bei allen Orchideen sehr -kleine Same bei der Kulturpflanze meist nicht mehr keimfähig ist, -verwendet man für die Vermehrung derselben meist Stecklinge von 1 m -Länge mit 3-4 Blättern, die 15-20 cm tief in die Erde gesteckt und -darin möglichst fest gedrückt werden, während die Spitze an einer -Stütze befestigt wird. Im dritten Jahre beginnt die Pflanze Früchte -zu entwickeln, die man aber zur Schonung der Pflanze nicht alle -befruchtet. Dieselben erreichen vom vierten bis zum achten Jahre ihre -höchste Vollkommenheit; doch bleibt die Staude bis zum zwanzigsten -Jahre tragfähig. - -Die Vanillepflanze gedeiht nur in tropischen Gebieten mit möglichst -gleichmäßiger Wärme, ohne größere Temperaturschwankungen und -ausgiebiger Feuchtigkeit der Luft und des Bodens. Als Waldpflanze -erträgt sie keinen Wind, selbst dann, wenn er warm ist, deshalb schützt -man sie durch 4-5 m hohe heckenartige Umfriedigungen davor, oder indem -man sie im Schatten von Schutzbäumen (meist Banane oder Kalabassenbaum) -oder an Spalieren von ansehnlicher Höhe zieht, die ebenfalls den -nötigen Schatten gewähren müssen und aus diesem Grunde nicht von Osten -nach Westen gezogen werden dürfen. An diesen können nicht nur die -Zweige in der zweckentsprechenden Weise auseinander gebreitet werden, -sondern lassen sich alle Vorteile erzielen, welche man bei der Kultur -solcher kletternder Pflanzen erstrebt. Die in ihrer Heimat im Urwalde -wachsende Vanille wird meistens nicht reif, da die Affen eine besondere -Vorliebe für diese schmackhaften Schoten haben und dafür sorgen, daß -diese nicht in menschliche Hände geraten. - - Tafel 71. - -[Illustration: Eine Vanillepflanzung im Botanischen Garten von Viktoria -in Kamerun.] - - Tafel 72. - -[Illustration: An Stützbäumen emporrankende Pfefferreben auf Sumatra.] - -Neuerdings hat man in den deutschen Kolonialgebieten mit bestem -Erfolg den Anbau dieser Kulturpflanze eingeführt und wird hier mit -der Zeit einen ansehnlichen Teil der gegen 330000 kg betragenden -Gesamtproduktion der Erde gewinnen, so daß das Deutsche Reich seinen -Bedarf von etwa 41000 kg im Werte von 1 Million Mark daraus zu -bestreiten vermag. - -Ebenfalls eine an Bäumen emporrankende Kletterpflanze ist die in -Südasien heimische +Pfefferrebe+ (~Piper nigrum~), die sowohl den -schwarzen, als auch den weißen Pfeffer liefert. Ihr holziger, bis -2 cm im Durchmesser haltender Stamm steigt an den sich ihm zur Stütze -darbietenden Bäumen 6-7 m empor, indem er sich durch Luftwurzeln an -sie anklammert. Die herzförmigen, mit langer Träufelspitze versehenen, -etwas lederigen Blätter stehen an ziemlich langen Stielen spiralförmig -am Stamme. Denselben gegenüber brechen die ährenartigen Blütenstände -hervor, die nach der Befruchtung rote, mit einer dünnen Lage von -Fruchtfleisch umgebene Beeren liefern. Dieselben enthalten unter einer -innen braunroten, mit dem scharfen Piperin, einer gelben öligharzigen -Substanz, erfüllten Samenschale, die in einem reichen, mehligen -Nährgewebe liegenden, gleichfalls durch jenen scharfen Stoff vor dem -Gefressenwerden durch unberufene Tiere geschützten Samen. - -Ihre Heimat hat die Pfefferrebe in den Wäldern der Malabarküste, -wo sich die Eingeborenen ihrer hübschen roten Früchte jedenfalls -schon im zweiten vorchristlichen Jahrtausend zur Würze ihrer an sich -etwas faden Reisnahrung bedienten. Denn gerade in den Tropen mit -ihrem erschlaffenden, warmen Klima besteht überall das unumgängliche -Bedürfnis nach scharfen Gewürzen als Zukost zur an sich wenig die -Geschmacksnerven reizenden Kost aus stärkemehlreichen Samen, Früchten -oder Wurzelknollen. Schon in den altindischen Epen ist vom Pfeffer -die Rede, welcher neben dem Salz als Würze der Speisen bezeichnet -wird. Wahrscheinlich bedeutet das Wort Malabar -- aus ~malichabar~ -entstanden -- „Pfefferland“; denn im Sanskrit, der ausgestorbenen -Sprache Altindiens, ist ~malicha~ die ursprüngliche Bezeichnung für den -Pfeffer, während bar im Arabischen Land bedeutet. Dieser Name ihres -Landes ist übrigens den Eingeborenen von Malabar fremd; sie nennen es -vielmehr Malajálam, was Hügelland, oder Kéralam, was Kokosnußland heißt. - -Von den Wäldern von Malabar, wo die Eingeborenen die Pfefferrebe -an Waldrändern an Stützbäumen oder, der leichteren Ernte wegen, an -Spalieren ziehen, hat sich der Anbau dieser Kulturpflanze besonders -nach der Halbinsel Malakka und dem benachbarten malaiischen Archipel -gewandt. Nicht mehr wie noch im Mittelalter in Indien, sondern hier -wird heute der meiste Pfeffer erzeugt. Der Hauptausfuhrhafen dafür -ist Singapur. Von den über 30 Millionen kg Pfeffer, die jährlich auf -den Weltmarkt gelangen, entfällt reichlich die Hälfte auf Sumatra, an -dessen Ostküste besonders dieses so geschätzte Gewürz erzeugt wird. -Neuerdings ist die Pfefferkultur auch auf Neuguinea, Westafrika und -Westindien ausgedehnt worden. - -Sie wird ursprünglich in der Weise betrieben, daß man einen oder -mehrere Stecklinge von 30 cm Länge, meist Ranken, am Fuße eines -Baumes am Waldsaum oder einer Waldlichtung pflanzt und den gleichen -Vorgang bei allen benachbarten Bäumen wiederholt. Neuerdings aber -legt man regelrechte Plantagen an, indem man die Stecklinge an 3-4 m -hohen Stangen hinaufranken läßt. Schon nach zwei Jahren haben sie -rings um die Stütze einen dichten, grünen Mantel gebildet, im dritten -beginnen sich die Früchte zu zeigen und im vierten tritt die volle -Ertragsfähigkeit ein. Diese erreicht vom siebenten bis neunten Jahre -ihre Höhe, indem jede Pflanze bis zu 35 Fruchtähren mit je 20-30 -Früchten hervorbringt, so daß die einzelne Pflanze nicht selten 3,5 -kg Beeren liefert. Nach 15 Jahren vermindert sich der Ertrag und die -Pflanzungen müssen erneuert werden. - -Zwischen Blüte- und Fruchtzeit verlaufen jeweilen drei Monate, so daß -im Jahre drei Ernten möglich sind. Meist erntet man aber nur zweimal -jährlich, zuerst von Dezember bis Februar und dann von Mai bis Juli. -Die Ernte nimmt ihren Anfang, wenn sich die Beeren zu röten beginnen -und währt mehrere Monate, da nicht alle Beeren gleichzeitig sich -röten. Um +schwarzen Pfeffer+ zu erhalten, sammelt man die Beeren vor -ihrer Reife, d. h. wenn die untersten Früchte sich zu röten beginnen, -läßt sie an der Sonne trocknen und sortiert sie je nach der Größe. Um -+weißen Pfeffer+ zu erhalten, läßt man die Beeren völlig reif werden, -legt sie 2-3 Tage in Wasser und entfernt dann die durch leichte Gärung -weich gewordene äußere Fruchthülle teils durch Reiben zwischen den -Händen oder Stampfen mit den Füßen, teils durch kaffeetrommelartige -Rotationsapparate, die an mehreren Stellen siebartig durchbrochen sind, -um die vom fleischigen Mantel befreiten Fruchtkörner hindurchtreten -zu lassen. Gereinigt und je nach ihrem Reifegrad sortiert, werden sie -in Ballen verpackt und kommen so in den Handel. Der Pfeffer verdankt -seinen scharfen Geschmack einem darin zu 1 Prozent enthaltenen -ätherischen Öl und dem bis zu 9 Prozent vorhandenen Piperin, das bei -Magenschwäche anregend auf die Absonderung der Verdauungssäfte wirkt. - -Die Pfefferrebe ist ein echtes Tropengewächs, das außerhalb des engeren -Tropengürtels nirgends gedeiht. Als ursprüngliche Waldpflanze verlangt -sie wie die Vanille eine ziemliche Luft- und Bodenfeuchtigkeit nebst -Halbschatten. Wo diese Bedingungen erfüllt sind, bietet ihr Anbau -keinerlei Schwierigkeiten. - -Wie die heutigen Hindus ihn mit Kardamomen, Ingwer, Kurkuma oder -Gelbwurzel und anderen Ingredienzen mit Zuhilfenahme von Kokosnußmilch -zur Herstellung ihrer als Curry (sprich Körri) bezeichneten scharfen -gelben Brühe benützen, mit welcher sie ihren dreimal täglich genossenen -gedämpften Reis, dem sie, wenn möglich, etwas getrockneten Fisch -zusetzen, würzen, so taten es schon ihre Vorfahren vor 3000 und mehr -Jahren. In den Veden finden wir außer der Bezeichnung ~malicha~ für -den schwarzen Pfeffer auch die Benennung ~pippali~ für den bald zu -besprechenden langen Pfeffer, der schärfer als jener ist. Da nun -die Hindus schon in der ersten Hälfte des letzten vorchristlichen -Jahrtausends ihre Fahrten bis zum Persischen Meerbusen und zum Roten -Meere ausdehnten, so kann es kein Wunder sein, daß die Kulturvölker -des Orients beide Arten schon früh kennen lernten. Zuerst erhielten -die Perser dieses Gewürz. Sie übertrugen wohl aus Mißverständnis den -indischen Namen ~pippali~ für den langen Pfeffer auf den schwarzen -Pfeffer, und da sie kein l in ihrer Sprache besitzen, machten sie -daraus ~pippari~. Die Griechen, denen sie die Kenntnis und den Gebrauch -dieses starken Gewürzes übermittelten, machten daraus ~péperi~, und -zwar bezeichneten sie den langen Pfeffer als ~péperi makrón~ (d. h. den -großen Pfeffer) im Gegensatz zum gewöhnlichen Pfeffer, den sie einfach -~péperi~ nannten. Die Römer lernten ihn von den Griechen kennen und -machten aus ~péperi piper~, dabei bezeichneten sie den langen Pfeffer -als ~piper longum~. Vom lateinischen ~piper~ entwickelte sich dann das -~pepper~, ~pfeffer~ und ~poivre~ der europäischen Sprachen. - -Die erste Kenntnis vom Pfeffer erhielten die Griechen durch den dem -Abendlande eine neue Welt eröffnenden Siegeszug Alexanders des Großen -durch ganz Vorderasien bis nach Indien, das er im Jahre 327 v. Chr. -betrat. Nach Besiegung des indischen Königs Poros am Hydaspes (dem -heutigen Flusse Dschelam im Pandschab) durchzog der makedonische -König das Fünfströmeland (Pandschab), ward aber endlich durch die -Unzufriedenheit seines Heeres zur Rückkehr gezwungen, die er zu -Lande durch Gedrosien (Beludschistan) bewerkstelligte, während sein -Unterfeldherr Nearchos die Flotte nach dem Persischen Meerbusen -führte. Die erste genauere Kunde von diesem indischen Gewürz gibt uns -der Schüler von Alexanders Lehrer Aristoteles und nach dessen Tod -Haupt der peripatetischen Schule in Athen, Theophrastos (gestorben 286 -v. Chr.). Dieser vortreffliche Pflanzenkenner unterscheidet bereits -schwarzen und langen Pfeffer. Erst der griechische Arzt Dioskurides -nennt in seiner reichhaltigen, um die Mitte des ersten christlichen -Jahrhunderts verfaßten Arzneimittellehre auch den weißen Pfeffer. -Sein Zeitgenosse, der ältere Plinius, teilt uns sogar die damals -geltenden Preisnotierungen für die verschiedenen Pfeffersorten mit. -Nach ihm kostete der lange Pfeffer, der sich als der schärfste aller -Pfefferarten bis weit ins Mittelalter hinein besonderer Wertschätzung -erfreute, 15 Denare (= etwa 9 Mark) das Pfund, während der schwarze zu -4 (= 2,40 Mark) und der weiße zu 7 Denaren (= 4,20 Mark) das Pfund zu -haben waren. Dem fügt er bei: „Es ist sonderbar, daß sich der Pfeffer -(~piper~) beliebt gemacht hat. Andere Dinge empfehlen sich durch -Süßigkeit, wieder andere durch Schönheit; der Pfeffer aber konnte -nur durch seinen scharfen Geschmack und dadurch gefallen, daß er aus -Indien kommt. Dort wächst er wild; bei uns wird er für Gold und Silber -gekauft. Verfälscht wird er mit Wacholderbeeren, die merkwürdigerweise -ihm im Geschmack ähneln; auch in bezug auf Gewicht wird er auf -mancherlei Weise durch beschwerende Zusätze gefälscht.“ - -Um Pfeffer, Zimt, Ingwer und die anderen so hochgeschätzten Gewürze -Indiens, die zu hohen Preisen guten Absatz fanden, nach dem Römerreiche -zu bringen, bestand damals ein reger Handel mit dem gepriesenen -Gewürzlande Indien, den zumeist wie in der Vorzeit die Bewohner -der Landschaft Jemen in Südarabien, dem „Glücklichen Arabien“ -der Alten, als den schon durch die geographische Lage gegebenen -Zwischenhändlern übermittelten. Doch fuhren damals die römischen -Schiffe mit griechischer Bemannung aus Alexandrien durch den bereits -von den alten Pharaonen angelegten Südwasserkanal nicht nur bis zum -Stapelplatz ~Arabia felix~, sondern teilweise selbst bis nach Indien. -Der um 100 n. Chr. zu Nikomedia in Bithynien geborene und unter Kaiser -Marcus Aurelius um 170 verstorbene griechische Schriftsteller Flavius -Arrianus, der 136 unter Hadrian Präfekt von Kappadokien war, schreibt: -„Nach der Handelsstadt Nelekynda am südwestlichen Ufer Indiens kommen -viele Schiffe, weil dort vortrefflicher Pfeffer (~péperi~) in Menge zu -haben ist“, und sein schon ums Jahr 25 n. Chr. verstorbener Landsmann -Strabon, der weit in der Welt herumgekommen war, berichtet: „Früher -wagten sich kaum zwanzig Schiff aus dem Arabischen Meerbusen (dem -Roten Meere) hinaus; jetzt aber segeln große Flotten nach Indien und -bis ans äußerste Ende von Äthiopien (Afrika) und bringen die teuersten -Waren nach Ägypten, von wo sie wieder nach allen Ländern ausgeführt -werden. In Alexandreia ist die Hauptniederlage für jene Waren; denn die -Lage dieser Stadt ist für den Handel äußerst günstig.“ Dort unterlag -der Pfeffer wie die übrigen Gewürze und Kostbarkeiten Indiens und -Äthiopiens -- wie wir aus einem Berichte aus dem Jahre 176 n. Chr. -wissen -- einem römischen Durchgangszoll. Die vornehmen Griechen und -Römer der Kaiserzeit benützten ihn als Medizin, wie auch zu allerlei -Würze von Speise und Trank. Schon durch seine ferne Heimat und den -nicht für jedermann erschwinglichen Preis bildete er eine kostbare -Ware, mit deren Anwendung man gerne prunkte. So lernten ihn die -deutschen Barbaren kennen und schätzen. Von dem Gotenkönig Alarich wird -uns berichtet, daß, als er mit seinem Heere im Jahre 408 Rom belagerte, -er sich erst zur Aufhebung der Belagerung verstand, nachdem ihm die -Römer 5000 Pfund Gold, 30 000 Pfund Silber, 4000 seidene Kleider, 3000 -Pfund Pfeffer und andere Kostbarkeiten entrichtet hatten. - -Der erste Abendländer, der die Pfefferpflanze in ihrer Heimat wachsen -sah und später beschrieb, war der griechische Großkaufmann Kosmas -aus Alexandrien in Ägypten, ein Zeitgenosse des oströmischen Kaisers -Justinian I., der sich bekanntlich vom Bauer zum Basileus (König) -emporgeschwungen hatte und von 527-565 n. Chr. regierte. Mit einem -gewissen Menas hatte dieser Kosmas ums Jahr 540 eine Handelsreise -nach Indien und Ostafrika unternommen und später, als er mit jenem, -dem Zuge ihrer Zeit folgend, der bösen Welt entsagte, um das -engelgleiche Gewand anzuziehen, d. h. Mönch zu werden, schrieb er in -seiner Vaterstadt, dem lebenslustigen, reichen Alexandreia, wo er -predigend umherzog, einen uns erhaltenen Bericht über seine Reise, -der von musterhafter Gewissenhaftigkeit zeugt. Er gibt uns darin -eine ausführliche Beschreibung der von den Alten Taprobane genannten -Insel Ceylon, „jenseits dem Pfefferlande und indischen Meere“. Nach -seiner denkwürdigen Fahrt nach Indien, die damals noch als etwas ganz -Außergewöhnliches galt, erhielt dann dieser Mönch Kosmas von seinen -Zeitgenossen den Beinamen Indikopleustes, d. h. Indienfahrer. - -Nach ihm war der Venezianer Marco Polo der erste Europäer, von dem -wir wissen, daß er die indische Pfefferrebe in ihrer Heimat wachsen -sah. Er war mit seinem Vater Niccolo und seinem Onkel Maffio Polo, -auf deren zweiter ostasiatischen Reise, die 1271 angetreten wurde, -nach China gekommen, wo er 17 Jahre blieb, um zuletzt ein hoher -chinesischer Beamter zu werden und als solcher das ganze Reich, außer -den beiden südlichen Provinzen Kwang-si und Kwan-tung kennen lernte, -auch Osttibet, Jün-nan und Nordbirma bereiste. Im Jahre 1292 traten -die Poli die Rückreise zu Schiff über Südasien an und besuchten bei -dieser Gelegenheit Hinterindien, Borneo, Sumatra, Ceylon, das westliche -Vorderindien, den Persischen Meerbusen, Nordpersien, Armenien und -Kleinasien. Auf dieser drei Jahre dauernden Rückreise, von der sie 1295 -nach Venedig zurückkehrten, lernten sie auch Südasien so gut kennen, -daß sie während des ganzen Mittelalters die besten Kenner dieses -Kontinents blieben, außer etwa dem Araber Ibn Batûta (1302-1377), -der ebenfalls Vorderasien und China besuchte, aber sich nur kurz in -diesen Ländern aufhielt. Seinen Reisebericht diktierte Marco Polo -1298 in genuesischer Gefangenschaft, in die er während eines Krieges -zwischen Venedig und Genua geraten war. Das Buch wurde in mehrere -Sprachen übertragen und war im Abendlande bald so bekannt, daß es -zu den gelesensten Schriften des späteren Mittelalters gehörte. -Durch die glänzenden Schilderungen des fabelhaften Reichtums und der -ungeheuren Ausdehnung der Städte Ostasiens blendete es die Völker -des Abendlandes, die gar zu gerne jene vielbeneideten Länder kennen -gelernt oder noch lieber für sich gewonnen hätten. Deshalb trugen -Marco Polos Berichte über das goldreiche Ostasien und die Gewürzländer -Südasiens ganz wesentlich zu der zwei Jahrhunderte später erfolgten -Entdeckung Amerikas bei; denn der im Dienste des spanischen Königs -Ferdinands V., des Katholischen, am 3. August 1492 vom Hafen Palos mit -drei kleinen Caravellen mit 120 Mann Besatzung nach Westen segelnde -Genuese Cristophoro Colombi (Kolumbus) wollte nicht einen neuen -Weltteil entdecken, sondern das Gewürzland Indien und das goldreiche -Zipangu (Japan), den Pfefferstapelplatz Zaiton (Tsi-uen-tschou an der -Fokienstraße) und das reiche Quinsay (Hang-tschou-fu) entdecken. Und -nicht nur an jenem denkwürdigen 12. Oktober 1492, als er auf der Insel -Guanahani (jetzt Watlings Island) landete, sondern bis zu seinem 1526 -erfolgten Tode hat Kolumbus dem Glauben gelebt, Indien aufgefunden -zu haben, dessen wertvolle Produkte es nun aufzufinden und mit gutem -Gewinn in Europa zu verkaufen galt. - -Die nächste Folge der Reisen der Poli war die Ausbreitung des -Christentums in China, der die in religiöser Beziehung völlig -indifferente Mongolendynastie keine Hindernisse in den Weg legte. -Erst als 1368 durch die Revolution des echten Chinesentums gegen die -mongolische Dynastie der Yuen die usurpatorische mongolische Herrschaft -in China zusammenbrach und die christenfeindliche Dynastie der Ming -ihre Herrschaft antrat, blieb der Osten Asiens für das Abendland -wieder völlig in Dunkel gehüllt. Als einziger Europäer gelangte im 15. -Jahrhundert der Italiener Nicolo Conti, ein Venezianer und Kaufmann -wie Marco Polo, nach Indien, Ceylon und Birma, und zwar nachdem -er seinen christlichen Glauben abgelegt und den Islam angenommen -hatte. Infolgedessen vermochte er auch ungestraft Vorderindien zu -durchkreuzen, Hinterindien zu besuchen und sich sogar auf Sumatra und -Java längere Zeit aufzuhalten. Auch er sah die Pfefferrebe in ihrer -Heimat wachsen. Die nächsten Europäer, denen dies wieder beschieden -war und die dann den direkten Seeweg nach Indien fanden, waren die -Portugiesen, die, wie wir bald sehen werden, unter der Führung des -kühnen Seefahrers Vasco da Gama am 23. Mai 1498 in Kalikut an der -Malabarküste, mitten im Zentrum der damaligen Pfefferkultur, landeten, -um dann den Handel mit diesem über alles geschätzten Gewürz an sich zu -reißen. - -Den Pfefferhandel in seine Hände zu bekommen, wollte damals etwas -heißen, und es war der größten Opfer wert, dieses Monopol den Arabern -und Venezianern zu entreißen; denn im Mittelalter steigerte und -verallgemeinerte sich der Gebrauch dieses Gewürzes so unsinnig, daß -die Krämer wie im alten Rom geradezu piperarii, d. h. Pfefferhändler -genannt wurden. In der Bezeichnung Pfeffersäcke, die sich für die -Kaufleute bis zur Gegenwart erhielt, liegt noch heute ein Beigeschmack -großen Reichtums. Der Pfeffer war das ganze Mittelalter hindurch -im ganzen Abendlande ein überaus gesuchter Handelsartikel, mit -dem man wie in der römischen Kaiserzeit Speise und Trank, sogar -das süße Gebäck, wie beispielsweise die mancherlei Pfefferkuchen, -würzte. Das Urteil über eine Mahlzeit hing damals geradezu von der -Pfefferbeigabe ab; so lautet eine häufig wiederkehrende Wendung in -den mittelalterlichen Beschreibungen von Festmahlzeiten: „Daz ezzen -was guot, wile wole gepfefferôt.“ Diese uns heute ganz unbegreifliche -Vorliebe für Pfeffer und alle scharfen Gewürze überhaupt kann man sich -nur dadurch erklären, daß eben unsere Altvordern wie heute noch die -Bauernbevölkerung sehr fette Speisen aßen und die Zugabe der scharfen -Gewürze die Verdaulichkeit dieser schweren Speisen durch Reizung der -Verdauungsdrüsen förderte. - -Wie Zimt, Gewürznelken und Muskatnuß, wie wir bald sehen werden, in -der holländischen Geschichte von der allergrößten Bedeutung waren, -so spielte der ostindische Pfeffer eine sehr wichtige Rolle in der -Geschichte Venedigs während des späteren Mittelalters. Damals war -jene Stadt an der Adria der Mittelpunkt des Handels zwischen Europa -und Asien und hatte etwa 3000 Kauffahrteischiffe von allerdings meist -nur 10-100 und nur ganz ausnahmsweise bis 700 Tonnen (zu 1000 kg) -Ladefähigkeit im Mittelmeere schwimmen. Diese segelten teilweise bis -nach den Niederlanden, speziell Brügge, das damals neben Augsburg und -Nürnberg die wichtigste Handelsstadt nördlich der Alpen war, um die -kostbaren Produkte des Morgenlandes dem Abendlande zu vermitteln. Die -Marine Venedigs war die größte des Mittelalters und besaß zur Zeit -ihrer höchsten Blüte im 14. Jahrhundert 25-30000 Köpfe Bemannung. -Nach ihr kam diejenige von Genua, dessen Hauptbedeutung im westlichen -Mittelmeer lag. Während Pisas Blüte bereits gegen das Ende des 13. -Jahrhunderts zu welken begann, hob sich Florenz allmählich, um dessen -Erbe anzutreten. Nachdem es 1421 von Genua die Hafenstadt Livorno -gekauft hatte, konnte es als drittwichtigste Seestadt jener Zeit -gelten. Namentlich tat sich Florenz in Herstellung von Wollgeweben, -Seidenstoffen, Gold- und Silberbrokat hervor. Schon um 1338 gab es in -jener Stadt 200 Tuchwebereien, die jährlich 80000 Stück Tuch lieferten. -Den Handel unterstützte ein vorzüglich eingerichtetes Bankwesen, das -sich über alle wichtigeren mitteleuropäischen Städte ausdehnte. - -Solche einheimische Industrie besaß nun Venedig allerdings nicht; -es war vor allem Seehafen und vermittelte den Kulturvölkern des -Abendlandes die Produkte des Morgenlandes. Unter diesen war der -Pfeffer Indiens, den indische Schiffer an die Gestade des Roten Meeres -und arabische Karawanen von da den Venezianern an ihre Schiffe in -Syrien und Ägypten brachten, weitaus der wichtigste Handelsartikel. -Ja, man kann sagen, daß Venedig in erster Linie am Pfeffer, als dem -damals begehrtesten Gewürze Indiens, reich geworden ist. Deshalb lag -ihm mit besonderer Rücksicht auf dieses Gewürz alles daran, sich das -Rote Meer und Ägypten offen zu halten. Unmengen von Pfeffer wurden -im ~fondaco dei tedeschi~ in Venedig an die Agenten der reichen -Handelsherren von Augsburg und Nürnberg verkauft und auf den Rücken von -Maultieren über die Alpen nach Deutschland gebracht, wo er geradezu -die Bedeutung eines überall gangbaren Zahlmittels erlangte. Im 13. und -14. Jahrhundert nahm er entschieden den ersten Rang unter sämtlichen -Gewürzen ein; er stand so hoch im Preise, daß ärmere Leute von dem -regelmäßigen Gebrauche desselben absehen mußten und die Bezeichnung -„~cher comme poivre~“ sprichwörtlich wurde. Damals waren einige Pfund -Pfeffer ein geradezu fürstliches Geschenk. - -Der sehnliche Wunsch, die so begehrten teuren Gewürze Indiens, außer -Pfeffer auch Gewürznelken, Zimt, Muskatnuß und Ingwer, auf direktem -Wege, ohne den arabischen und venezianischen Zwischenhandel, billiger -zu beziehen, trieb die Spanier und Portugiesen in erster Linie dazu -an, den direkten Wasserweg nach Ostindien durch Umschiffung Afrikas -zu finden. Und als dies dem portugiesischen Kapitän Vasco da Gama als -erstem gelang, indem er am 20. Mai 1498 in Kalikut an der Malabarküste -landete, um dann im August 1499 nach Lissabon zurückzukehren, brachte -er schon damals eine reiche Ladung indischer Gewürze mit heim. Da an -der Ware 600 Prozent verdient wurden, brach er 1502 mit 20 Schiffen -abermals nach dem Pfefferlande auf. Bei dieser Gelegenheit gründete -er Kolonien auf Mosambik und Sofala an der ostafrikanischen Küste und -kehrte 1503 mit 13 reich beladenen Schiffen, die mit nicht weniger als -5 Millionen kg Gewürz aus dem Hafen von Kalikut an der Malabarküste -ausliefen, nach Portugal zurück. Diese Ladung repräsentierte natürlich -einen ungeheuren Wert und brachte den Portugiesen zum großen Ärger der -in ihrer Haupteinnahmequelle bedrohten Venezianer ungeheuren Gewinn. -Deshalb ward Vasco da Gama 1524 von König Johann III. (inzwischen -war Emanuel I., unter dem der Seeweg nach Ostindien gefunden und das -portugiesisch-ostindische Kolonialreich begründet, dann im Jahre 1500 -durch Cabral auch Brasilien entdeckt und in Besitz genommen worden war, -1521 gestorben) abermals mit 16 Schiffen nach Indien gesandt, kam aber -von dieser letzten Reise nicht mehr zurück, indem er am 24. Dezember -1524 55jährig in Kotschin an der Malabarküste starb. Er hat wie kein -anderer Portugiese seinem Vaterlande die größten Dienste geleistet -und ihm ganz wesentlich zum Höhepunkt seiner Blüte verholfen, den es -zu Beginn des 16. Jahrhunderts erklomm. Damals war Lissabon die erste -Handelsstadt Europas und verdiente an den indischen Gewürzen riesige -Summen. Aber schon unter Johann III. (gestorben 1557) sank das Reich -infolge seiner klerikalen Politik (Inquisition, Judenverfolgungen, -Einfluß der Jesuiten) und mußte seine Macht und bald auch seine -wichtigsten indischen Kolonien an die protestantischen Niederländer -abtreten. - -Von dem Momente an, da die Gewürze Indiens auf dem Wasserwege direkt -nach Europa gebracht wurden, sank nun natürlich die Bedeutung Venedigs -als Hauptvermittlerin des Gewürzhandels sehr bald dahin und dafür -nahm die Hansa als Zwischenhändlerin der von Portugal eingeführten -indischen Gewürze nach Mittel- und Nordeuropa ihren Aufschwung und -machte sehr gute Geschäfte, bis die Holländer nach Besetzung der -wichtigsten portugiesischen Gewürzländer in Indien diesen Handel für -sich in Anspruch nahmen. Da sie die indischen Gewürze als ihr Monopol -ansahen und die Preise selbst bestimmten, so erhöhten sie den von den -Portugiesen gemachten Gewinn von 600 Prozent auf 1000 Prozent. Ein -solch gutes Geschäft ließen sich aber die Engländer nicht entgehen -und jagten den Holländern bei der ersten besten Gelegenheit die -Pfefferküste ab und verdrängten sie ganz aus Indien. - -Merkwürdigerweise war man aber in Europa sehr skeptisch gegen diesen -ums Kap der Guten Hoffnung dahin gebrachten Pfeffer gesinnt, wie heute -noch die Hausfrauen die natürliche Vanille und andere Rohprodukte dem -künstlich hergestellten Vanillin als angeblich besser bevorzugen. Im -Jahre 1518 verbot sogar der Rat von Bonn den Verkauf solchen um Afrika -herum statt über Alexandrien und Venedig importierten Pfeffers. Nach -und nach sah man aber das Unberechtigte solchen Vorurteils ein und -benutzte ihn bald ausschließlich, weil er begreiflicherweise bedeutend -billiger zu stehen kam als der durch den arabischen Zwischenhandel -gegangene venezianische. Trotzdem aber der Pfeffer mit der Zeit -sehr billig wurde, nahm mit der Verfeinerung des Geschmackes seine -Verwendung mehr und mehr ab und ist heute auf ein Minimum gesunken. - -Während des Altertums und Mittelalters waren noch einige andere -Pfefferarten bei uns im Gebrauch, so vor allem der schon von den -alten Griechen und Römern überaus geschätzte +lange Pfeffer+ (~Piper -longum~), von dem wir bereits berichteten, daß er, weil schärfer, von -jenen viel teurer als der weiße und schwarze Pfeffer bezahlt wurde. Aus -demselben Grunde, weil schärfer und beißender als der schwarze Pfeffer, -ist er auch heute noch in Asien viel beliebter als in Europa. Diese -wohl im östlichen Teil des malaiischen Archipels einheimische holzige -Kletterpflanze hat länglichovale Blätter und ihre Einzelfrüchte stehen -nicht frei an der Spindel wie diejenigen des schwarzen Pfeffers, -sondern so dicht gedrängt, daß sie beim Reifen zu einer festen Masse -zusammenwachsen. Diese Pfefferart wird auf den malaiischen Inseln, -wie auch in Vorderindien viel angebaut. So gesucht sie im Altertume -und teilweise noch im Mittelalter im Abendlande war, so gelangt sie -jetzt nur ganz ausnahmsweise in den europäischen Handel. Früher waren -auch ihre in Indien noch heute viel gebrauchten Wurzelstöcke als -„Pfefferwurzeln“ bei uns offizinell. Sie enthalten zahlreiche Ölzellen, -welche ihnen einen scharfen, aromatischen Geschmack verleihen. - -Auch der einst in Europa als Gewürz viel gebrauchte +Cubebenpfeffer+ -ist heute bei uns nur noch als Medikament für Entzündungen der Harnwege -und Harnblase in den Apotheken zu finden. Er stammt von einem bis 6 m -hohen, rankenden, zweihäusigen Strauch (~Piper cubeba~), dessen Heimat -Südasien, besonders Sumatra, Java und Südborneo ist. Außer hier wird -er aber auch in Westindien kultiviert. Und zwar wird er nur selten -für sich allein gepflanzt; in der Regel dient er als Zwischenpflanze -auf Kaffeeplantagen, wobei er an den Schattenbäumen zu einer recht -stattlichen Entwicklung gelangt. Seine Fruchtähren sind etwas länger -als diejenigen des schwarzen Pfeffers, die Beeren ungefähr von gleicher -Größe, aber die Früchte sitzen anfangs dicht an der Ährenspindel -und verschmälern sich erst später an ihrer Basis stielartig. Diese -Stiele sind daher nicht wie sonst von der Frucht abgegliedert. Die -Früchte, welche einen kampferartigen Geruch besitzen, schmecken weniger -scharf, als durchaus gewürzhaft und enthalten sowohl in der mittleren -Fruchtschicht als auch in der Samenschale Kristallgruppen von Cubebin, -die an der gleichen Stelle auftreten wie das Piperin in der Samenschale -von ~Piper nigrum~ und ~longum~. Sie wirken in kleinen Dosen wie -Pfeffer, regen den Appetit etwas an und befördern die Verdauung, stören -aber beide bei länger fortgesetzter Verwendung. Der Name Cubeben stammt -aus dem Hindustanischen. Sie waren in der indischen Volksmedizin schon -längst in Gebrauch, als der Orient sie auf dem Wege des Handels kennen -lernte. Die arabischen Ärzte erwähnen sie als indisches Gewürz. Von -ihnen lernte das Abendland diese Droge kennen, die vom 13. Jahrhundert -an einen namhaften Handelsartikel für Europa bildete, den vornehmlich -die Venezianer und Genuesen ihm vermittelten. Er diente hier aber -ausschließlich als ein kostbares Gewürz. Erst zu Anfang des 19. -Jahrhunderts lernten englische Offiziere auf Java von den Eingeborenen -die vorhin genannte medizinische Anwendung der Cubeben kennen, und -seit 1818 bedient man sich ihrer in Europa als Medikament, nachdem sie -als Gewürz hier schon längst außer Gebrauch gekommen waren. - -Von der größten Bedeutung für die Südasiaten und deshalb in großen -Mengen angepflanzt ist der +Betelpfeffer+ (~Piper betle~). Ursprünglich -im malaiischen Archipel zu Hause, hat er sich heute über ganz -Indien, Hinterindien und Indonesien verbreitet. Hier werden seine -ovalen, brennend gewürzhaft schmeckenden Blätter, die scharfe, die -Speichelabsonderung anregende Stoffe enthalten, zum Betelkauen -verwendet, dem jedermann, Mann und Frau, alt und jung, frönt. Zu diesem -Zwecke wird ein Blatt mit Kalkmilch (aus mit Wasser abgelöschtem -gebranntem Kalk) bestrichen und darauf eine dünne, in Wasser gekochte -Querscheibe der eiförmigen Arekanuß nebst Catechu oder Gambir gelegt. -Das ganze wird zusammengerollt und dient als solches zum Kauen. Durch -den Zusatz von Kalkmilch erhält der Speichel eine gelbrote Farbe, -welche sich auch den Zähnen der Betelkauer mitteilt. Päckchen von 20-30 -solcherweise präparierter und zusammengebundener Betelpfefferblätter -werden überall in Südasien zum Verkauf ausgelegt wie bei uns die -Zigarren. Der dabei zur Anwendung gelangende Catechu ist ein Extrakt -aus dem Holze der Catechuakazie und Gambir eine Abkochung der Blätter -und jungen Triebe von ~Uncaria gambir~; beide sind sehr reich an -Gerbstoff und wirken zusammenziehend auf die Schleimhaut des Mundes. - -Der sogenannte +japanische Pfeffer+ entstammt einem in Japan, Korea -und Nordchina heimischen Strauche aus der Familie der Rutazeen -(~Xantophyllum piperitum~), der in zwei Klappen aufspringende Früchte -von der Größe des schwarzen Pfeffers hervorbringt, als dessen Ersatz -sie dienen. Der auch als ~Kumba~ bezeichnete +Negerpfeffer+ stammt von -einem im tropischen Westafrika häufigen Baume (~Xylopia aethiopica~) -aus der Familie der Anonazeen. Es sind die schotenartig aussehenden, -4-5 cm langen, kaum 0,5 cm dicken, walzenförmigen, meist etwas -gekrümmten, im trockenen Zustande schwarzen Früchte dieses Baumes, die -wegen ihrer Schärfe von manchen Negerstämmen mit Vorliebe zum Würzen -ihrer Speisen verwendet werden. Andere Arten der Gattung kommen in -Ostafrika und Amerika vor und werden dort vielfach auch zum Würzen -verwendet. Als +Tasmaniapfeffer+ werden in Tasmanien die Früchte des -dort und im südöstlichen Australien im Gebirge wildwachsenden, 3-4 m -hohen Strauches ~Drimys aromatica~ aus der Familie der Magnoliazeen -zum Würzen verwendet, da sie ebenfalls einen beißenden, gewürzhaften -Geschmack besitzen. - -Viel wichtiger als diese, die nur eine sehr beschränkte lokale -Verwendung finden, ist der in Zentralamerika heimische +rote -spanische Pfeffer+, auch +Paprika+ genannt, von ~Capsicum annuum~, -der durch die Spanier nach Europa gelangte und daher die Bezeichnung -spanischer Pfeffer erhielt. Wie der indische Pfeffer den Hindus und -Malaien, so dient er den dortigen Indianern als beliebte Zukost zu -ihrer sonst faden Breinahrung. Diese zu deutsch Beißbeere genannte -Nachtschattenart hat sich durch lange fortgesetzte Kultur in eine große -Menge von Spielarten gespalten, deren aufgeblasene Beerenfrüchte von -Rot bis Gelb und Dunkelviolett schwanken. Sie enthalten das scharfe, -beißende Capsicin, das vor allem zu Zugpflastern bei Rheumatismus -Verwendung findet. Der +gelbe spanische Pfeffer+ (~Capsicum luteum~), -der jetzt besonders in Ostindien gepflanzt wird und als ~piment de -Mozambique~ in den Handel kommt, liefert die schärfsten Sorten, die -für europäische Zungen geradezu ungenießbar sind und bei den nicht an -deren Genuß Gewöhnten eine Schwellung von Zunge und Lippen bewirken. -Sehr scharf ist auch der rote +Cayennepfeffer+, von ~Capsicum crassum~, -~minimum~, ~baccatum~ usw., deren Früchte getrocknet und zerkleinert, -oft noch mit Salz und Weizenmehl vermischt, in den Handel kommen. -Der +Quittenpfeffer+ (~Capsicum cydoniforme~), der ~pellpepper~ der -Engländer und ~poivron~ der Franzosen, erzeugt dagegen saftige Früchte, -die fast keine Schärfe besitzen und deshalb roh oder eingemacht wie -Obst gegessen werden können. Zwischen beiden Arten liegen zahlreiche -Mittelsorten, auf die wir hier nicht näher eingehen können. In Europa -wird der Paprika besonders von denjenigen Volksstämmen bevorzugt, -die wie z. B. die Serben und Magyaren, gern rohe Gehirne von Kälbern -und Schafen verspeisen. Bekannt ist seine Verwendung zum ungarischen -Nationalgericht, dem ~Guljasch~, und zu den von den Engländern -geliebten ~mixed pickles~ und der Worchestersauce. - -Ähnlich wie Paprika wird von uns auch mehr als Reizmittel zu dem an -sich keinen ausgesprochenen Geschmack besitzenden Fleisch der +Senf+ -oder +Mostrich+ genossen, den schon die alten Griechen und Römer in -ähnlicher Weise benutzten. Aus der lateinischen Bezeichnung ~sinapis~ -ist überhaupt das deutsche Senf entstanden, da die Römer seine -Bereitung und Anwendung in die Länder nördlich der Alpen brachten. -Gotisch heißt er ~sinap~, angelsächsisch ~senep~, althochdeutsch -~senaf~, mittelhochdeutsch ~senef~ und neuhochdeutsch ~senf~. Im -~Capitulare de villis~ Karls des Großen aus dem Jahre 812 erscheint er -als ~sinape~ unter den anzubauenden Pflanzen. Im 13. Jahrhundert finden -wir das Kraut in England im großen angebaut und dort, wie auf dem -europäischen Festland, zur Senfbereitung verwendet. Unser Speisesenf -wird von den beiden, den Kohl- und Rübenarten sehr nahe verwandten -Kreuzblütlern, dem +schwarzen+ und dem +weißen Senf+ (~Sinapis nigra~ -und ~alba~) gewonnen, deren Heimat das südliche Europa, Nordafrika -und Westasien ist. In Kleinasien oder Griechenland scheint die wilde -Art, welche ursprünglich nur ein Ackerunkraut war, vom Menschen zuerst -zur Würze verwendet und später auch angepflanzt worden zu sein. Noch -im Mittelalter wurden vom Senfkraut nicht bloß die Samen verwertet, -sondern auch die Blätter als Gemüse genossen. Die Griechen nannten die -Senfpflanze ~sínēpi~, ~sínapi~ oder ~nápy~ -- dabei ist die Silbe ~si~ -ein Augmentativum, um die Schärfe des Senfs noch mehr hervorzuheben --- gleicherweise die Römer, die sie von ersteren kennen lernten, -~sinapi~. Sie pflanzten sie in ihren Gemüsegärten an. Theophrast im -3. Jahrhundert v. Chr. und Palladius im 4. Jahrhundert n. Chr. geben -uns eine Anleitung zu ihrer Kultur und sagen, daß sie im Herbst gesät -werde. Columella um die Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr., der sie auch -im Frühjahr zu säen rät, gibt uns das erste Rezept zur Herstellung -von Speisesenf. Er sagt: „Den sorgfältig gereinigten Samen läßt man -zwei Stunden im Wasser aufweichen und stößt ihn dann, mit den Händen -herausgenommen und ausgedrückt, in einem neuen, wohlgereinigten Mörser -klein. Darauf zieht man die ganze zerriebene Masse in der Mitte des -Mörsers zusammen, drückt sie fest, legt einige glühende Kohlen darauf, -gießt mit Soda versetztes Wasser darüber, wodurch der bittere Geschmack -beseitigt wird, läßt sodann das Wasser wieder abfließen, gießt weißen -scharfen Essig hinzu, rührt die Masse um und seiht sie durch. Die so -gewonnene Flüssigkeit ist vorzüglich zum Einmachen der Rüben dienlich.“ -Sie wurde aber auch als Würze zu Fleischspeisen genossen. Palladius im -4. Jahrhundert n. Chr. rät, Senfsamen mit Honig, Olivenöl und Essig zu -mischen. - -Heute wird die Senfpflanze, die der Kaiser Diokletian 301 n. Chr. -in einem Edikt anführt, nicht bloß in ganz Europa, sondern auch -in Nordamerika und Indien viel angepflanzt. Der schwarze Senf -hat eigentlich braune, kleine, kugelige Samen, der weiße dagegen -hellfarbige, viel größere, etwa fünfmal so schwere. Dazu kommt -noch eine dem schwarzen Senf ähnliche Abart mit besonders scharf -schmeckenden Samen, der besonders bei Sarepta am unteren Laufe der -Wolga in Südrußland von den dort angesiedelten württembergischen -Kolonisten angepflanzt wird und als Sareptasenf bezeichnet wird. Sie -kommt bei uns im Handel nur sehr selten vor, dagegen ist das daraus -bereitete Senfmehl ein bei uns als „englischer“ oder „russischer“ Senf -viel verwendeter Artikel. - -Außer Eiweißkörpern und Öl enthalten die Samen des weißen Senfes -das kompliziert zusammengesetzte Sinalbin und ein Ferment Myrosin, -das die Eigenschaft besitzt, das Sinalbin bei Gegenwart von Wasser -chemisch zu zerlegen, so daß neben Zucker und anderen Stoffen daraus -das Sinalbinsenföl entsteht, ein geruchloses, gelbes, scharfes Öl, das -blasenziehend wirkt, weshalb der weiße Senf pulverisiert zu den lokal -starke Hautreize ausübenden Senfpflastern verwendet wird. Die Samen -des schwarzen Senfes enthalten ebenfalls Myrosin, wenn auch bedeutend -weniger als die des weißen -- weshalb es behufs besserer Ausbeute an -Senföl zweckmäßig ist, den weißen und schwarzen Senf zu mischen --, -dabei aber einen andern, ebenfalls durch Myrosin spaltbaren Körper, aus -dem das farblose, gleicherweise auf der Zunge brennende, durchdringend -scharf riechende Allylsenföl entsteht. - -Die Bereitung des Speisesenfes ist nach den Ländern sehr verschieden. -Am meisten wird er wohl in dem alle solche scharfen Würzen liebenden -England hergestellt und genossen. Zu diesem Zwecke werden die Senfsamen -zerrieben und das zu 30 Prozent in ihnen enthaltene Senföl, das ein -vorzügliches Brennöl liefert, abgepreßt. Das Senfmehl wird dann -gewöhnlich mit Essig und Zucker angerührt. In Mitteleuropa nahm man im -Mittelalter meist jungen Wein, sogenannten Most (aus der lateinischen -Bezeichnung ~mustum~ hervorgegangen). Aus der Bezeichnung ~mustum -ardeum~, d. h. scharfer Most, der in den Klöstern zuerst aufkam, -entstand dann das französische ~moutarde~ und das norddeutsche -Mostrich, während die Westfalen und Rheinländer Mostard und Mostert -sagen. Noch der 1590 als Leibarzt des Kurfürsten Johann Kasimir bei -Rhein in Heidelberg verstorbene, nach seinem Geburtsort Bergzabern -Tabernaemontanus genannte Elsässer Arzt sagt uns in seinem Kräuterbuch, -daß der Speisesenf aus zerstoßenen Senfsamen und Most hergestellt -werde. Heute sind in England am geschätztesten der weiße Senf von -Cambridge und der schwarze von Yorkshire, die in den großen englischen -Senffabriken fast ausschließlich zur Verarbeitung gelangen. - -Wie Senf wird zur Würzung der Saucen, die besonders den faden -Fischspeisen beigegeben werden, auch das Produkt eines anderen -Kreuzblütlers verwendet. Es sind dies die +Kapern+. Sie bestehen -aus den noch im Knospenzustande gepflückten und mit Salz in Essig -eingemachten Blüten des dornigen Kapernstrauches (~Capparis spinosa~), -die sich später weiß oder rötlich entfaltet hätten. Der bis meterhohe -Strauch ist im Mittelmeergebiet heimisch, wo er seine Zweige mit -Vorliebe an grell von der Sonne beschienenen Felsen herabhängen läßt. -Er wird deshalb der leichteren Erreichbarkeit wegen vielfach in seiner -Heimat angepflanzt. Als Surrogat dafür werden häufig die Blütenknospen -der aus Südamerika stammenden Kapuzinerkresse (~Tropaeolum -majus~) und des einheimischen Ginsters (~Spartium scoparium~), -ebenso in Norddeutschland die allerdings weniger wohlschmeckenden -Blütenknospen der überall an stehenden Gewässern und Quellen häufigen -Sumpfdotterblume (~Caltha palustris~) und die kleineren des im -Frühjahr überall häufigen, durch seine gelben Blüten auffallenden -Scharbockkrautes (~Ficaria ranunculoides~) eingemacht und gegessen. - -Zu ähnlichem Zwecke dient der ebenfalls schon von den Alten als -Würze gebrauchte +Lorbeer+ in seinen aromatisch duftenden Blättern -und Früchten. Die an ausgiebigeren Gewürzen arme mittelalterliche -Küche bediente sich dazu der Sprosse stark duftender einheimischer -Lippenblütler wie +Bohnenkraut+, +Thymian+, +Salbei+, +Pfefferminze+, -+Melisse+ und +Majoran+, dann des +Rosmarins+ und +Lavendels+, durch -einen reichen Gehalt an ätherischen Ölen reicher Halbsträucher der -Felsenheide des Mittelmeergebiets -- italienisch ~machia~, französisch -~maquis~ genannt -- deren blaue beziehungsweise violette Lippenblüten -mit den daran haftenden aromatisch riechenden Blättern und Zweigen im -Altertum viel zum Winden von Kränzen benutzt wurden, mit denen man -die Bildsäulen der Laren, der wohlwollenden, schützenden Geister der -abgeschiedenen Vorfahren, schmückte. Deren Bilder wurden ursprünglich -am häuslichen Herd in einem besonderen, als ~lararium~ bezeichneten -Schrein aufbewahrt, später aber wurden diese Schutzgötter des Hauses -auch in Gärten und auf Straßen in Hermen verehrt. - -Die beiden letztgenannten, durch ein wohlriechendes Öl ausgezeichneten -strauchartigen Lippenblütler Rosmarin und Lavendel empfahl schon Karl -der Große in seinen Vorschriften zur Bepflanzung der Gärten seiner -Landhäuser vom Jahre 812 und trug so wesentlich dazu bei, diese -Fremdlinge aus Italien auch nördlich der Alpen heimisch werden zu -lassen, wo sie dann keinem besseren Küchengarten des Mittelalters -fehlten, so wenig als das ebenso wohlriechende einjährige Kraut -+Basilikum+ mit hellgrünen, kleinen Blättern und weißen Lippenblüten -mit weit vorgestreckter Unterlippe, das durch die Vermittlung der -Muhammedaner aus seiner Heimat Indien nach Europa gelangte und -besonders bei den Serben und allen Südslawen überhaupt eine große Rolle -im Volksleben spielt. Jedem Leser der serbischen Volkslieder wird es -auffallen, welch große Bedeutung dem Kraute Basilikum beigelegt wird. - -Noch viel wichtiger als diese heute fast ganz außer Gebrauch -gekommenen volkstümlichen Gewürze war für die mittelalterliche Küche -der ~Safran~, die aromatisch riechenden, dunkelgelben Narben des im -Orient heimischen ~Crocus sativus~, der vornehmeren Verwandten des -bescheidenen europäischen Frühlingskrokus (~Crocus vernalis~). Diese -weißblühende, kleine Lilienart ist ein Kind der sich von Kleinasien -bis Persien erstreckenden vorderasiatischen Steppe, wo sie zuerst -irgendwo ihrer duftenden, leuchtendgelben Narben wegen in menschliche -Pflege genommen wurde. Im Orient wurde der Safran seit Urzeiten -verwendet und spielte in der ältesten persischen und indischen Medizin -wegen seiner stark erregenden Wirkung als Arzneimittel, dann als -Gewürz und Färbemittel, eine sehr große Rolle. König Salomo und Homer -erwähnen ihn, der berühmte griechische Arzt Hippokrates verwendete -ihn und im ganzen Altertum galt er als König der Pflanzen. Für die -Morgenländer bildete er einen sehr wichtigen Handelsartikel, mit dem -wohl die schiffahrtkundigen Phönikier die Griechen zuerst bekannt -machten. Der bedeutendste Pflanzenkenner des Altertums, Theophrastos -von Lesbos (390-286 v. Chr.), unterscheidet in seiner uns erhaltenen -Pflanzengeschichte sehr wohl den duftenden ~Crocus sativus~ des -Morgenlandes von dem duftlosen, weißen Frühlingskrokus Attikas und -hebt den aus Nordafrika stammenden cyrenäischen Safran als besonders -gut hervor. Sonst galt sowohl bei den Griechen, als auch den Römern, -zu denen erstere den ~krókos~ gebracht hatten, der kilikische aus dem -südöstlichen Asien als der edelste. - -In seiner Schrift über den Landbau schreibt der aus Spanien nach -Rom gekommene Columella um die Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr.: -„Mysien, Lydien, Apulien, Kampanien sind durch ihr herrliches Getreide -berühmt; der Tmolus (ein Gebirg Lydiens) und Korykus (eine Hafenstadt -Kilikiens) durch Safran (~crocus~), Judaea und Arabien durch kostbare -Wohlgerüche. Übrigens werden jetzt sogar in Rom Zimtkassien- und -Weihrauchbäume gezogen, auch sieht man ganze Gärten mit Myrrhen und -Safran bestellt. Hierin liegt ein Beweis, daß Italien ein Land ist, -in welchem bei gehöriger Pflege die Gewächse fast aller Erdstriche -gedeihen können.“ -- An einer anderen Stelle sagt dieser Autor: „In -den Gärten suchen die Bienen Nahrung an den weißen Lilien, auch -pflanzt man für sie (im Februar) Zwiebelknollen von korykischem und -sizilischem Safran.“ Sein Zeitgenosse, der aus Kilikien stammende -griechische Arzt Dioskurides schreibt: „Der beste Safran (~krókos~) -ist der korykische aus Sizilien, der zweite an Güte ist derjenige, -welcher auf dem Olymp in Lykien wächst, der drittbeste kommt aus Aegae -in Aeolien; der aus Kyrenaika (östlich von Tripolis) und aus Sizilien -ist schwächer, obgleich saftreich und leicht auszupressen; er täuscht -daher viele. Zum arzneilichen Gebrauch hat derjenige den Vorzug, der -ziemlich lang, frisch und gut gefärbt ist, beim Reiben gut riecht, beim -Befeuchten die Hände färbt, nicht verschimmelt ist und etwas scharf -schmeckt.“ Er führt dann die verschiedenen Verfälschungen und deren -Erkennungszeichen an und sagt, Thessalos behaupte, der Safran sei das -einzige wirklich gut riechende Ding. Plinius hält den wild wachsenden -Safran für den besten und sagt, in Italien bringe der Safranbau keinen -Vorteil. Dann fährt er fort: „Der angepflanzte Safran (~crocus~) wird -breiter, größer, glänzender, ist aber weit schwächer und artet überall -aus. Mucianus gibt an, man verpflanze in Lykien den Safran im 7. oder -8. Jahre auf einen bearbeiteten Boden, und so werde der Ausartung -vorgebeugt. Zu Kränzen braucht man den Safran nirgends, denn seine -Blätter sind fast haardünn. Dagegen ist Safran ein herrlicher Zusatz -zu Wein, insbesondere zu süßem. Gerieben dient er dazu, die Theater -mit Wohlgeruch zu erfüllen. Die Ernte fällt in die Zeit des kürzesten -Tages, und das Trocknen geschieht im Schatten. Man bewahrt ihn in -hölzernen Büchsen auf. Er dient als Arznei, hat auch die Eigenschaft, -daß man nach seinem Genusse vom Wein nicht trunken werden kann, und -daß selbst ein Kranz davon die Berauschung verhindert. Diese Blume hat -schon in Homers Zeiten in Ehren gestanden.“ - -Die Vornehmen des kaiserlichen Rom trieben einen gewaltigen Luxus -sowohl mit dem Safran, den sie außer als Arznei auch zur Würze von -Speisen und Getränken benutzten, als auch mit den wohlriechenden -Blüten des orientalischen Krokus. Wenn schon zur Zeit der Republik -der Dichter Lucretius Carus (98-55 v. Chr.) den Gebrauch kennt, die -Sitze der Aristokratie im Theater mit wohlriechendem Safranwasser -zu besprengen, und nach dem römischen Geschichtschreiber Sallustius -Crispus (86-35 v. Chr.) Metellus Pius durch ein Gastmahl gefeiert -wurde, bei dem der Speisesaal wie ein Tempel drapiert und der Boden mit -duftenden Krokusblüten bestreut war, so ist nicht zu verwundern, daß -der Luxus damit zur Kaiserzeit keine Grenzen mehr kannte. So wurden -zur Zeit des Kaisers Hadrian, der, nach Trajans Tod im Jahre 117 -von seinem Heere in Syrien zum Kaiser ausgerufen, bis 138 regierte, -die Statuen im Theater mit duftender Safranessenz gesalbt und sogar -hohle Erzstatuen mit feinen Poren dermaßen eingerichtet, daß solches -Parfüm daraus nach Belieben hervorquoll. So schreibt Senecas Neffe -Lucanus (geb. 39 n. Chr. zu Corduba in Spanien, wurde Quästor und -Augur zu Rom und entleibte sich 65, als er wegen Beteiligung an der -Pisonischen Verschwörung gegen Nero zum Tode verurteilt wurde) in -einem Pharsalia betitelten Gedichtbuch: „In Afrika war ein junger -Römer von der Schlange Hämorrhois gebissen worden, da drang aus seiner -Haut Blut hervor, gleich wie mit Safran parfümiertes Wasser aus den -Poren hervorgepreßt wird, mit denen man künstlich die ganze Oberfläche -hohler Bildsäulen durchbohrt hat.“ Und Petronius berichtet in einer -seiner Satiren: „Bei einem Gastmahl war die Veranstaltung getroffen, -daß aus jedem Kuchen und jedem Obst bei der geringsten Berührung -flüssig gemachter Safran floß.“ Damals war der Safrangeruch einer der -beliebtesten Parfüms der vornehmen Griechen und Römer. Von Kaiser -Hadrian berichtet sein Biograph Aelius Spartianus ferner: „Kaiser -Hadrianus teilte zu Ehren seiner Schwiegermutter Gewürze (~aroma~) -unter das Volk aus und ließ zu Ehren (seines Vorgängers im Imperium) -des Trajanus (wohlriechenden) Balsam und (in Wasser oder Wein gelösten) -Safran die Stufen des Theaters herunterfließen.“ Der Geschichtschreiber -Aelius Lampridius schreibt vom Kaiser Heliogabalus, der 218 wie Hadrian -in Syrien auf Anstiften seiner Großmutter Julia Maesa von den Legionen -17jährig zum Kaiser ausgerufen wurde und den orgiastischen Dienst -seines syrischen Gottes Elagabalus, dessen Oberpriester er zu Emesa -war und nach dem er sich nannte (denn eigentlich hieß er Valerius -Avitus Bassianus), in Rom einführte, bis er schon 222 von seiner -Leibgarde, den Prätorianern ermordet wurde, er habe seine Betten und -bei Gastmählern die Polster, auf denen seine Gäste zu Tische lagen, -mit Safran wie mit Blumenblättern von Rosen oder Lilien, Veilchen, -Hyazinthen und Narzissen füllen lassen und habe nur in Bassins -gebadet, dessen Wasser mit wohlriechenden Essenzen, besonders Safran, -wohlriechend gemacht worden war. - -Außer als Parfüm war der Safran bei den alten Griechen und Römern -besonders auch als Medikament geschätzt, das im Rufe stand, gegen die -verschiedensten Übel helfen zu können. Wenig Rezepte wurden damals -von den Ärzten der Vornehmen, meist Griechen, verschrieben, in denen -dieser Bestandteil fehlte. Diesem Beispiele folgten ihre geistigen -Erben, die byzantinischen und arabischen Ärzte. Und als durch die -Kreuzzüge das Abendland in engere Berührung mit dem ihm an Kultur -überlegenen Morgenlande kam, gelangte die hohe Wertschätzung des -Safrans als Gewürz und Heilmittel auch dahin. Diese Tatsache beweist -schon die im Abendlande geläufig gewordene Bezeichnung Safran, die aus -dem arabischen ~za’fran~ herrührt -- aus ~zahafaran~ abgekürzt --, ein -Wort, das seinerseits mit dem arabischen asfar gelbsein zusammenhängt. - -Wie im Orient, der damals die Erzeugung und den Handel mit Safran -ausschließlich in den Händen hatte, wurde der Safran trotz seines -überaus hohen Preises auch im Abendlande als ein wichtiges Arzneimittel -und eines der hervorragendsten Gewürze überaus geschätzt. Vielfach -hieß -- wie beispielsweise in Basel -- die Zunft der Krämer nach -ihrem kostbarsten Handelsartikel im frühen Mittelalter die Zunft -zum Safran, und als ihr Gildeabzeichen figuriert die stilisierte -dreigespaltene Narbe dieses Liliengewächses, die ihrem Aussehen nach -der heraldischen Lilie der Bourbonen in Frankreich sehr nahe kommt. -Seitdem die Kreuzfahrer im 11. Jahrhundert die Pflanze nach dem -Abendlande brachten, wird sie in Italien und Südfrankreich angebaut. -Viel früher noch wurde der Safran in Spanien, wohin die Araber schon -im 10. Jahrhundert seine Kultur brachten, angepflanzt. Dieses Land -hat das ganze Mittelalter hindurch bis in die Gegenwart fast ganz -Europa mit seinem Produkte versorgt und besitzt heute noch besonders -in der durch den Ritter Don Quichote als dessen Heimat bei uns -bekannt gewordenen Landschaft Mancha, südlich von Madrid, ausgedehnte -Safranpflanzungen. Im 15. und 16. Jahrhundert war der Safranbau auch -in Mitteleuropa von Belang, ging aber hier mit dem Zurückgehen von -dessen Wertschätzung fast ganz ein. Kleinere Mengen davon werden nur -noch in Niederösterreich, dann bei Orleans, ziemlich viel dagegen in -Südfrankreich gewonnen. Letzteres liefert 2-4000 kg jährlich, -während die Produktion von Spanien 45000 kg beträgt. - -Die Safrankultur erfolgt in der Weise, daß man die zwiebelartigen -Knollen, die übrigens auf der Balkanhalbinsel roh und gebraten als -beliebte Speise gegessen werden, in Abständen von 8-10 cm in 20 cm -auseinanderstehenden Reihen setzt. Bei der Blüte im Frühling werden -die orangeroten Narben meist von Frauen und Kindern gepflückt und -noch an demselben Tage über einem leichten Kohlenfeuer getrocknet. -Man erhält dadurch ein gesättigt rotbraunes, loses Haufenwerk sich -fettig anfühlender Fäden, die stark aromatisch, fast betäubend riechen, -gewürzhaft bittersüß schmecken und gekaut den Speichel intensiv gelb -färben. Die Masse zieht sehr leicht Feuchtigkeit aus der Luft an -und enthält außer Safrangelb von außerordentlichem Färbungsvermögen -ein gelbes, dickflüssiges, schweres, ätherisches Öl, das Safranöl, -von brennendem Geschmack und dem charakteristischen Safrangeruch. -Gegenwärtig schwankt der Preis des Safrans je nach der Ernte zwischen -32 und 160 Mark das kg. Dieser hohe Preis wird erklärlich, wenn man -erwägt, daß die Narben von 70000-80000 Blüten gepflückt werden müssen, -um 1 kg Safran zu ergeben. Er verlockt aber auch dazu, den Safran -zu verfälschen, indem man ihm pulverisierte Blüten des Saflors, der -Arnika, der Ringelblume, der Granate, dann gefärbte Kollodiumfäden -zufügt und ihn mit Baryt und Gips beschwert. Auch werden bereits -extrahierte Narben gefärbt und als ungebrauchte Ware verkauft. -Jedenfalls ist es sehr zu raten, ihn nicht in gemahlenem Zustande als -Pulver zu kaufen, da dann Verfälschungen leichter zu erkennen sind. - -Schon die medizinischen Schriftsteller des Altertums beklagen sich über -solche Betrügereien an diesem kostbaren Stoffe. Der ältere Plinius -meint, daß überhaupt keine andere Ware so sehr gefälscht werde als -gerade er. Deshalb war während des ganzen Mittelalters der Handel mit -Safran scharf kontrolliert. So bestand im Jahre 1374 ein besonderes -~officio dello zafferano~ zur Überwachung des Safranhandels in -Venedig, und in anderen großen Städten waren ähnliche Kontrollstellen -vorhanden, so in Augsburg und Nürnberg, wo im 15. Jahrhundert strenge -Polizeigesetze diesem Handelsartikel besondere Aufmerksamkeit -schenkten. Die Strafe für Safranfälschung bestand darin, daß solche -Betrüger lebendig samt ihrer verfälschten Ware verbrannt wurden. -Solchen Tod erlitten 1449 Jobst Friedenkem, 1456 Hanns Kölbell und -Lienhard Frey, „weil sie gefälschten Safran für gut verkauft“. Die -Else Pragerin, die den beiden letztgenannten „darzugeholfen“, wurde -lebendig begraben. In demselben Jahre 1456 wurden in Zofingen in der -Schweiz zwei Bürger wegen Fälschung des Safrans und anderer Gewürze -lebendig verbrannt samt einer Frau, welche ihnen dabei behilflich -gewesen war. Noch 1499 wurden dem Hannsen Bock in Nürnberg wegen -„betrüglicher Arznei“ beide Augen ausgestochen. Später begnügte man -sich bei der Verfälschung des Safrans und anderer solcher Drogen -damit, diese öffentlich durch den Scharfrichter verbrennen zu lassen -und dem Schuldigen eine sehr hohe Geldstrafe aufzuerlegen. Noch ein -Erlaß Heinrichs II. von Frankreich (Sohn Franz I. und Claudias, Tochter -Ludwigs XII., seit 1533 mit Katharina von Medici vermählt, regierte -von 1547 bis zu seinem den 10. Juli 1559 infolge einer Augenverletzung -bei einem Tournier erfolgten Tode) bedrohte die Safranfälscher mit -energischer körperlicher Züchtigung, und auf dem Reichstage in -Augsburg 1551 wurde sogar ein für das ganze Deutsche Reich gültiges -Polizeigesetz gegen „geschmierten“ Safran erlassen. Neuerdings wird -als billiger Ersatz des echten Safrans der +Kapsafran+ in den Handel -gebracht, er besteht aus den getrockneten Blüten einer Skrofulariazee -vom Kap, ~Lyperia crocea~, die annähernd Geruch, Geschmack und -Färbungsvermögen des Safrans besitzen. - -Von weiteren europäischen Gewürzen von größerer Bedeutung, die zugleich -eine wichtige Rolle als Arzneimittel spielten, haben wir zunächst -den +Hopfen+ (~Humulus lupulus~) zu nennen, der schon den Griechen -und Römern zu Heilzwecken diente. Die Griechen nannten ihn das -wildwachsende (~ágrion~) ~kléma~, die Römer dagegen nach Plinius ~lupus -salictarius~, d. h. Weidenwolf, weil er andere Pflanzen umschlingt -und ihnen Schaden zufügt. Gebraucht wurden damals schon wie heute -hauptsächlich die tannenzapfenähnlichen Fruchtähren, die am Grunde mit -goldgelben, körnerartigen Drüschen besetzt sind, welche der Pflanze -den eigentümlichen Geruch und den gewürzhaftbittern Geschmack geben. -Außer einer geringen Menge einer narkotisch wirkenden Substanz, um -dessen Willen der Hopfen in England wie Opium geraucht wurde und noch -geraucht wird, enthält das aus den Drüsenkörnern bestehende, getrocknet -rötlichgelbe Hopfenmehl der reifen Früchte ein aromatisches Öl, ferner -das Hopfenbitter, das dem Biere den bitterlichen Geschmack verleiht und -Hopfenharze, welche die Entwicklung der Milchsäurebakterien verhindern, -die die Güte des Bieres beeinträchtigen. Zugleich fällen die Gerbstoffe -des Hopfens die Eiweißstoffe des Malzes aus der Würze und wirken so -konservierend auf das Bier. Aus diesen Gründen wird der Hopfen seit -dem frühen Mittelalter dem Biere als Würze zugesetzt und hat als -solche eine sehr große Bedeutung erlangt, so daß er in bedeutendem Maße -angebaut wird. - -[Illustration: Bild 38. Um eine Stütze sich windender Hopfensproß -(von ~Humulus lupulus~) mit ambosartigen Klimmhaken zum Festhalten, -von denen ein einzelner, abgelöster links bei stärkerer Vergrößerung -dargestellt ist.] - -Die ersten europäischen Hopfengärten werden in einer Urkunde Pipins -des Kurzen vom Jahre 768 erwähnt. In der Folge legten sich besonders -die Klöster auf den Hopfenbau, da sie dieses Würzmittels bei der -Bierbereitung bedurften. Erst als das Bierbrauen in die Hände -der Bürgerlichen gelangte, pflanzte man auch in Laienkreisen den -Hopfen, der bis dahin von den Bauern meist nur von den wilden oder -verwilderten, in ganz Europa in Hecken und Gebüschen, besonders an -Flußufern wachsenden Exemplaren gesammelt wurde. Im Gegensatz zu diesem -wilden Hopfen, der noch häufig zur Fälschung des guten mitbenutzt wird, -ist der kultivierte heute durch Kulturauslese sehr viel gehaltreicher -geworden, weshalb er allein in den Handel kommt. Da die Hopfenpflanze -getrenntgeschlechtig ist, werden selbstverständlich nur weibliche -Pflanzen angebaut, deren Fruchtstände dann im Herbste geerntet werden. -Der Hopfen ist eine ausdauernde Pflanze, die zumeist 15-20 Jahre -aushält, bis sie wiederum frisch aus Samen gezogen wird. Er wird an -hohen Stangen oder Drahtgerüsten gezogen, von denen er im Herbste -herabgerissen wird, um zu Hause vorsichtig die Früchte abzupflücken, -die auf den geräumigen mehrstöckigen Speichern der Hopfenbauern in -Horden getrocknet werden, was in 4-5 Tagen geschehen ist. Dabei müssen -sie häufig gewendet werden. Unterbleibt dies, so wird der Haufen rot -und dadurch minderwertig, oft beinahe ganz wertlos. Die Hopfenfrüchte -müssen reichlich gelbes Hopfenmehl aufweisen und ein reines, würziges, -knoblauch- oder käseartiges Aroma besitzen. Nach dem Verkauf werden -sie gut getrocknet und, vielfach geschwefelt, damit möglichst wenig -Luft daran bleibt, in Ballen von 2 m Länge und 0,75 m Breite von -65-100 kg Gewicht zusammengepreßt. Da sich der Hopfen schlecht hält, -wird er am besten an einem kühlen Orte in Metallkisten aufbewahrt. -Andere Konservierungsmethoden, wie das Besprengen mit Alkohol haben -sich nicht bewährt; dagegen werden vielfach, so besonders in Amerika, -Hopfenextrakte verwendet. Doch vermögen sie nicht alle Eigenschaften -des Hopfens zu ersetzen. Die Stengel des Hopfens werden in nördlichen -Ländern zu Stricken, Matten, Säcken und anderen groben Geweben, sonst -in der Papierfabrikation, die Blätter als Viehfutter und die jungen -Schößlinge als Gemüse verwendet. Von der Welternte des Hopfens von -106,95 Millionen kg im Jahre 1908 entfallen 30 Prozent auf Deutschland, -das besonders in Franken, Schwaben, Baden und Elsaß in ausgedehntem -Maße Hopfen pflanzt. An zweiter Stelle steht England, doch suchen die -Vereinigten Staaten von Nordamerika den alten Kulturländern auch hierin -den Vorrang streitig zu machen. - -Seit dem Altertum sind verschiedene Arten der Gattung ~Artemisia~, -+Beifuß+, mehr als Arznei, denn als Gewürz bekannt und geschätzt. -~Artemisía~ nannten sie die Griechen -- von ~artemḗs~ gesund -- weil -sie deren Gebrauch für die Gesundheit förderlich hielten. Unter ihnen -war speziell der +Wermut+ (~Artemisia absinthium~), ein 0,6 bis 1,25 m -hohes, stark aromatisch, aber widerlich riechendes, überall an -Zäunen und unbebauten Plätzen wachsendes Kraut mit feingefiederten, -ursprünglich weißgrauen Blättern und gelben Blüten, sehr beliebt. -Die Griechen nannten die Pflanze ~apsínthion~ und danach die Römer -~absinthium~. Von ihr schreibt der griechische Arzt Dioskurides: „Das -~apsínthion~ (von den Deutschen Wermut genannt, nach ~werm-uot~, d. -h. wärmende Wurzel wegen der erhitzenden Eigenschaft dieser Pflanze) -ist äußerst bitter, es ist allgemein bekannt. Die beste wächst im -Pontosgebiet und in Kappadokien auf dem Taurusgebirge. Sie erwärmt, -zieht zusammen, befördert die Verdauung und ist in vielen Fällen -ein wichtiges Heilmittel. Man versetzt auch die schwarze Tinte zum -Schreiben mit Wermut, weil sich dann die Mäuse nicht daran wagen.“ Und -Plinius schreibt in seiner Naturgeschichte: „Es gibt mehrere Arten von -Wermut (~absinthium~, auch ~apsinthium~ geschrieben); die sogenannte -santonische kommt aus einer Landschaft Galliens (die Santonen waren -Kelten und wohnten in Aquitanien), die pontische aus dem Pontus, wo -sich (wie er Theophrast nachschreibt) die Schafe damit mästen, aber -davon (Theophrast sagt vorsichtig: wie einige sagen, was Plinius -wegläßt) die Galle verlieren. Die pontische Wermut ist die beste, -weil bitterer als die italische, hat aber ein süßes Mark. Dieses -äußerst nützliche Kraut ist allgemein bekannt und zu sehr vielen -Heilzwecken im Gebrauch. Es wird auch bei den Latinischen Festen in Rom -verwendet, wo vierspännige Wagen am Capitolium um die Wette fahren. -Wer da den Sieg errungen hat, trinkt Wermut, wahrscheinlich weil -unsere Vorfahren geglaubt haben, Gesundheit sei eine recht ehrenwerte -Belohnung.“ - - Tafel 73. - -[Illustration: Wild wachsender Hopfen aus Bayern. - -Hopfengarten der Kgl. Akademie in Weihenstephan (Bayern).] - - Tafel 74. - -[Illustration: Hopfenpflücker in der Holledau, Bayern (meist böhmische -Wanderarbeiter). - -Gedörrte und zum Versand bereite Hopfenfruchtähren.] - -Dieses bitterste aller Kräuter mußte nach der uns erhaltenen Verordnung -über die auf den Krongütern zu haltenden Nutzpflanzen aus dem Jahre 812 -auch in den Gärten der Meierhöfe Karls des Großen angepflanzt werden -und spielte das ganze Mittelalter hindurch als ~wermuota~ eine wichtige -Rolle als Heilmittel. Noch heute ist es als solches beim Volk in hohem -Ansehen und wird zu bitterem Tee und Magentropfen, zur Herstellung von -Wermutbier und Wermutlikören viel benutzt. Bekannt ist die Liebhaberei -der Franzosen zum angeblich erregenden, tatsächlich aber den Magen -reizenden Absinth, dessen Herstellung und Verkauf glücklicherweise -neuerdings in der Schweiz, wo besonders die Welschen bedeutende -Konsumenten desselben waren, verboten wurde. - -Im Altertum wurde schon bei den Ägyptern und später bei den Griechen -und Römern auch der +baumartige Beifuß+ (~Artemisia arborea~) -angebaut und zur Herstellung von Arzneien aller Art, besonders -Wermutwein benutzt. Als der Heilgöttin Isis geweiht, trugen die -Priester derselben, wie uns Plinius berichtet, deren Zweige, die er -~absinthium~ nennt, bei den öffentlichen Umzügen feierlich vor sich -her. Auch in Europa dienen heute noch Wermutzweige, so wie der gemeine -Beifuß und andere stark riechende Kräuter zum Weihbunde, d. h. zu den -Kräutern, welche in katholischen Kirchen auf Maria-Himmelfahrt oder -Maria-Krautweihe (den 15. August) vom Priester geweiht werden. Es ist -dies ein direkt durch römische Vermittelung vom Isiskulte herrührender -Gebrauch; denn Isis mit dem Horusknäbchen auf dem Arm ist das -unmittelbare Vorbild der Gottesmutter Maria mit dem Jesuskinde. - -Nicht minder berühmt war seit dem Altertum der halbstrauchartige, -in den Mittelmeerländern wild wachsende +Eberreis+ (~Artemisia -abrotanum~), den man häufig zu duftenden Kränzen, besonders aber als -Arznei verwendete. Schon Theophrast erwähnt ihn als ~abrótonon~ und -sagt, er werde zu Kränzen gebraucht, während ihn Dioskurides als -Heilmittel nennt und beifügt, er wachse häufig in Kappadokien, dem -asiatischen Galatien und in Syrien. Auch wurde er zur Herstellung -eines mit ihm und anderen Gewürzen bereiteten (Oliven-) Öls verwendet. -Und der aus Spanien im 1. Jahrhundert n. Chr. nach Rom gekommene -Ackerbauschriftsteller Columella meint: „Das Bauchweh verliert sich -beim Haarvieh, vornehmlich bei Maultieren und Pferden, augenblicklich, -wenn es schwimmende Enten sieht (!); als Arznei tut ihm aber ein Trank -von zarten Lorbeerblättern und Eberreis (~abrotanum~) sehr wohl.“ Es -wird jetzt noch in den Mittelmeerländern häufig in den Küchengärten -angepflanzt und heißt bei den Neugriechen ~pikróthanos~ und bei den -Italienern ~abrotano~. - -Der +gemeine Beifuß+ (~Artemisia vulgaris~) wird ebenfalls kultiviert, -weil sein Kraut als Küchengewürz und die Wurzel als krampfstillendes -und schweißtreibendes Mittel dient. Ehemals wurde letztere als -Zaubermittel und Vorbeugungsmittel gegen das Ermüden an die Füße -gelegt; daher der Name Beifuß. Ein Büschel dieses Krautes hängen -die Landleute gerne in den Wohnstuben als „Fliegenkraut“ auf, weil -sich die Fliegen abends gern in Menge daran setzen und dann leichter -gefangen und getötet werden können. Die unmittelbar vor dem Aufblühen -gesammelten Blütenköpfe des in der Kirgisensteppe und südlich davon -wild wachsenden, neuerdings aber in zunehmendem Maße angepflanzten -+Wurmbeifußes+ (~Artemisia cina~) liefern eines der bekanntesten -Wurmmittel, die zur Abtreibung von Spulwürmern und Pfriemenschwänzen -(~Oxyuris~) dienenden +Zitwer+- oder +Wurmsamen+, deren bitterer -Extraktivstoff das Santonin bildet, das neuerdings statt der -Wurmsamenlatwerge in Zucker- oder Schokoladezeltchen als Wurmmittel -gegeben wird. - -Noch weiter östlich in Asien, nämlich in der Mongolei heimisch ist -der +Dragonbeifuß+ (~Artemisia dracunculus~), das französische -~estragon~, das als geschätztes Küchengewürz in Mitteleuropa seit -alter Zeit kultiviert wird. Die blühenden Stengelspitzen riechen -angenehm gewürzhaft, schmecken bitterlich und dienen zur Bereitung des -Estragonessigs. Dragon kommt vom lateinischen ~draco~, Drache, Schlange -(~dracunculus~ heißt kleiner Drache) und wurde der Pflanze von den -mittelalterlichen Ärzten gegeben, weil nach Plinius das Tragen dieser -Pflanze vor dem Gebissenwerden durch Giftschlangen schütze. - -Ein anderes viel verwendetes einheimisches Gewürz ist der +gemeine -Kümmel+, die getrockneten Früchte der zweijährigen Kümmelpflanze -(~Carum carvi~) aus der Familie der Umbelliferen, die im mittleren und -nördlichen Europa bis zur Birkengrenze auf guten, trockenen Wiesen -wild wächst. Sie ist die älteste in Europa nachweisbar als Gewürz -verwendete Pflanze, da im neolithischen Pfahlbau von Robenhausen aus -dem dritten vorchristlichen Jahrtausend verkohlte Samenkörner von ihr -zutage traten. Jedenfalls aber wird sie damals noch nicht vom Menschen -angepflanzt worden sein, da ihm die Wildlinge genug Samen boten. Doch -ist diese Gewürzpflanze in Vorderasien schon sehr früh kultiviert -worden, wie wir aus einer Stelle des seit 740 v. Chr. unter den Königen -Usias, Jothan, Ahas und Hiskias zu Jerusalem wirkenden Propheten -Jesaias in Kap. 28, 25 entnehmen, wo es vom Ackermann heißt: „er streut -Wicken und wirft Kümmel, er säet Weizen und Gerste, jegliches, wo er -es haben will, und Spelt an seinen Ort,“ und in Vers 27: „denn man -drischet die Wicken nicht mit Eggen und läßt auch nicht ein Wagenrad -über den Kümmel gehen, sondern die Wicken schlägt man aus mit einem -Stabe und den Kümmel mit einem Stecken“. - -In größeren Mengen wird der Kümmel seit dem Mittelalter in Holland, -bei Halle, Erfurt, Hamburg, Nürnberg, Ostpreußen, Tirol, Norwegen, -Schweden, Finnland und Rußland auf Feldern kultiviert. Man sät ihn -während der Baumblüte in Reihen auf kalkhaltigen, warmen, trockenen -Boden, im Herbst schneidet man das Kraut bis zum Herzblatt ab und -verbraucht es als Viehfutter. Im folgenden Jahr blüht der Kümmel im -Mai und muß geschnitten werden, sobald die oberste Fruchtdolde zu -reifen beginnt und die übrigen noch grüne, aber entwickelte Früchte -haben. Man bindet ihn in kleine Bündel und trocknet ihn. Der Same -enthält viel ätherisches Öl, schmeckt beißend gewürzhaft und wird -den verschiedensten Speisen als Gewürz zugesetzt. Aus ihnen wird -durch Destillation auch das ätherische Kümmelöl gewonnen, das in der -Branntweinindustrie ausgedehnte Verwendung findet. Den besten Kümmel -liefert Holland, der dort schon in fränkischer Zeit kultiviert wurde. -Er wird in den mittelalterlichen Arzneibüchern als beliebtes Heilmittel -oft genannt; so pries ihn als solches schon im 12. Jahrhundert die -heilige Hildegard, Äbtissin des Klosters Rupertsberg bei Bingen, die -auch die erste Nachricht von der Verwendung des Hopfens als Bierwürze -gab. In den städtischen Spezereitaxen wird Kümmel zuerst 1304 in -Brügge, dann in der Mitte des 15. Jahrhunderts in Danzig angeführt. Die -Wurzelknollen des in Westdeutschland nicht seltenen +knolligen Kümmels+ -(~Carum bulbocastanum~), auch Erdkastanie genannt, werden manchenorts, -besonders in der Walachei und Moldau gegessen. - -Statt unseres Kümmels gebrauchten die alten Griechen und Römer als -Arznei und Gewürz die Samen des bei ihnen angebauten, in den östlichen -Mittelmeerländern wild wachsenden +römischen+ oder +Kreuzkümmels+ -(~Cuminum cyminum~). Dieses heute auf Sizilien und Malta, wie auch -in Ostindien häufig angebaute einjährige Doldengewächs mit weißen -oder rötlichen Blüten besitzt doppelt so lange Früchte wie diejenigen -unseres Kümmels von stark aromatischem, unangenehmem, entfernt an -Fenchel erinnerndem Geruch und scharf bitterlichem Geschmack. Sie -enthalten ein ätherisches Öl von hellgelber Farbe und durchdringend -kümmelartigem Geruch, welches als römisches Kümmelöl bei der Bereitung -„magenstärkender“ Liköre verwendet wird. - -Im ganzen Altertum war er wie in den Mittelmeerländern heute noch als -Küchengewürz und Arznei geschätzt. Er hieß bei den alten Ägyptern -~tapnen~, einem Worte, dem man häufig in dem medizinischen Papyri -begegnet. Daneben bedienten sie sich auch einer semitischen Bezeichnung -~kamnini~, die mit dem hebräischen ~kammôn~ zusammenhängt. Seine Samen -befanden sich mehrfach unter den Totenbeigaben in den altägyptischen -Gräbern. Die Griechen nannten ihn ~kýminon~ und danach die Römer, -die ihn durch jene kennen lernten, ~cyminum~. Dioskurides sagt von -ihm: „Das ~kýminon~ schmeckt gut, vorzüglich das äthiopische, das -Hippokrates (460-364 v. Chr.) das königliche nennt; nach ihm folgt -an Güte das ägyptische und dann die übrigen Sorten. Es wächst im -asiatischen Galatien, in Kilikien, bei Tarent und an mehreren anderen -Orten. Es dient als Gewürz und Heilmittel.“ Theophrast schreibt: „Das -~kýminon~ trägt schmale, gestrichelte Samen in reichlicher Menge; es -wird für die Küche angepflanzt und dabei vorgeschrieben, daß man bei -der Aussaat fluchen und schimpfen soll.“ (Damit wollte man die bösen -Geister vertreiben, die dem Wachstume der Saat schaden konnten.) Eine -Abart dieses Kümmels nennt Dioskurides ~káros~ und fügt hinzu: „er -ist ein kleiner, allbekannter Same, der ein gutes Gewürz gibt; auch -die Wurzel wird zur Speise gekocht“. Diesen Kümmel nannten die Römer -nach den Griechen careum; so sagt Columella: „Das ~careum~ dient als -Gewürz,“ und Plinius: „Der ~careum~ (= Kümmel) stammt aus dem Auslande -und hat seinen Namen von seinem Vaterlande Karien. Man benützt ihn -vorzugsweise für die Küche; er gedeiht in jedem Boden, der beste kommt -jedoch aus Karien und nächstdem aus Phrygien.“ - -Als Arznei gegen Blähungen und beliebtes Gewürz ist unter den -Doldenblütlern ferner der +gemeine Fenchel+ (~Foeniculum vulgare~) -mit ausdauerndem, 1-2 m hohem Stengel zu nennen. Er wächst von den -Azoren bis Persien und Kurdistan, von Nordafrika bis Ungarn wild und -wird stellenweise in Deutschland, Südfrankreich, Galizien, Rumänien, -Indien, China und Japan kultiviert. Die jungen Pflanzen werden auf -Saatbeeten gezogen und im Juli versetzt, wie der Kümmel behandelt -und im Herbste geschnitten. In kälteren Gegenden werden die Wurzeln -für den Winter gedeckt. Die Samen können zwei- bis dreimal geerntet -werden. Das Kraut dient als Viehfutter, während die durch das -ätherische Fenchelöl angenehm aromatisch riechenden und gewürzhaft -süßlich schmeckenden Früchte als Küchengewürz zum Einmachen von -Gurken usw., auch als Appetit anregendes Mittel angewendet werden. -Mit pulverisierten Sennesblättern und Süßholzwurzeln zusammen bilden -sie einen Hauptbestandteil des leicht abführenden „Brustpulvers“. Wie -anderswo Kümmel, bäckt man in Thüringen und Tirol Fenchel ins Brot. - -Der +römische Fenchel+ ist eine Abart des ~Foeniculum dulce~, die in -Südfrankreich, Italien und auf Malta angepflanzt wird. Er schmeckt -etwas süßer und milder, sonst wie voriger. Auch die Früchte des in den -Mittelmeerländern wildwachsenden +beißenden Fenchels+ (~Foeniculum -piperitum~) werden als Gewürz benutzt. - -Seit den ältesten Zeiten diente der Fenchel den Chinesen, Indern, -Ägyptern und den Völkern am Mittelmeer als Arznei und Küchengewürz. Als -~schamari hout~ findet er sich mehrfach in den medizinischen Papyri -angeführt. Auch bei den Griechen und Römern wurde er als Küchengewürz -und Arznei verwendet. Schon Theophrast im 4. Jahrhundert v. Chr. -erwähnt den Fenchel als ~márathron~ und Dioskurides sagt von ihm vier -Jahrhunderte später: „Vom Fenchel (~márathron~) wird das Kraut oder -der Samen gegessen, um die Milch zu vermehren. Der letztere bekommt -dem Magen gut. Man zieht aus der Pflanze und deren Samen den Saft, -um ihn für schwache Augen zu verwenden.“ Noch hundert Jahre später -schreibt der Arzt Galenos aus Pergamon: „Der Fenchel (~márathron~) -wächst wild, wird aber auch angesät, und nicht bloß als Gewürz, sondern -auch als Speise benutzt, zu welchem Zwecke man die Pflanze fürs ganze -Jahr in Essig oder eine Mischung von Essig und Salzwasser legt.“ Wie -ein griechischer Schriftsteller in der ~Geoponika~, sagt gleicherweise -der aus Spanien stammende Römer Columella: „Beim Einmachen der Oliven -dient Fenchelsamen als Gewürz.“ Die Römer nannten ihn ~foeniculum~. -Plinius schreibt von ihm: „Die Schlange bekommt im Winter eine neue -Haut und streift die alte mit Hilfe des Fenchels (~foeniculum~) ab. -Den Menschen dient der Fenchel als Gewürz, auch wird er zur Stärkung -schwacher Augen gebraucht, worauf man durch die Beobachtung gekommen -ist, daß ihn die Schlangen zu diesem Zwecke verwenden.“ Und Palladius -im 4. Jahrhundert n. Chr. schreibt: „Man sät den Fenchel (~foeniculum~) -im Februar auf einer sonnigen und etwas steinigen Stelle.“ Später -erfahren wir, daß Karl der Große dessen Anbau gleich demjenigen der -übrigen Doldengewächse mit würzhaft schmeckenden Samen auf seinen -Gütern anordnete. Im Mittelalter wurde er allgemein noch mehr als Anis -geschätzt. - -Dem Fenchel sehr ähnlich ist der +gemeine Dill+, auch +Gurkenkraut+ -genannt (~Anethum graveolens~), der seit dem Altertume in derselben -Weise wie jener verwendet wird. Er findet sich bereits in den -altägyptischen Texten als ammisi erwähnt und wurde nach dem -medizinischen Papyrus Ebers hauptsächlich gegen Kopfweh verordnet. -Er wächst noch heute in Ägypten und in Südeuropa wild. Die Griechen -nannten ihn wegen seines starken Geruches ~ánēthon~. Dioskurides sagt, -daß man die Dolde und den Samen desselben verwende, um die Verdauung -zu verbessern und die Milchabsonderung zu steigern; zu viel und zu -oft genossen schwäche er jedoch. Palladius schreibt: „Man sät den -Dill (~anethum~) im Februar. Er verträgt jedes Klima, doch ist ihm -das mäßig warme am liebsten. Man darf ihn nicht dicht säen. Manche -decken den Samen gar nicht mit Erde, weil sie glauben, kein Vogel gehe -daran. Fehlt es an Regen, so begießt man ihn.“ Die Römer brachten -dieses Gewürz über die Alpen, und Karl der Große ließ es in seinen -Gärten anpflanzen. Seither fehlt es nicht mehr in den Küchengärten -Mitteleuropas. Noch heute wird das junge Kraut, besonders aber die -Dolden mit den reifen Früchten wegen des kräftigen Geschmacks und -Geruchs als Küchengewürz, zum Einmachen von Sauerkraut, Gurken u. dgl. -benutzt. Das ätherische Öl wurde früher wie dasjenige des Anis gegen -krampfartige Unterleibsbeschwerden angewendet. - -Ebenso alt ist in den Mittelmeerländern die Kultur des +Korianders+ -(~Coriandrum sativum~), dessen Früchte ebenfalls erst durch die -Römer in Mitteleuropa bekannt wurden. Diese heute noch im Orient, in -Südeuropa und auch bei uns hier und da als Sommergewächs angebaute -und dann auch verwilderte Gewürzpflanze stammt aus Westasien, wird -30-60 cm hoch und trägt kugelige, braungelbe Früchte, die eigentümlich -angenehm und mildaromatisch riechen, mit schwachem, an Wanzen -erinnernden Beigeruch, der sich vor der Reife weit stärker, auch -am Kraut zeigt. Daher der Name, vom griechischen ~kóris~ Wanze, im -Deutschen Wanzenkraut lautend. Die Samen dienen als Küchengewürz, -zu Backwerk aller Art, Likören und wurden früher auch abführenden -Arzneien zugesetzt. Das frische Kraut soll betäubend wirken. Seine -Samen wurden von jeher als Gewürz und Arznei verwendet. Sie finden -sich schon in altägyptischen Gräbern. Die ärztlichen Papyri nennen -den Koriander mehrfach als ~unschi~ und erwähnen auch eine asiatische -Sorte desselben. Er wurde vielfach als Arznei gebraucht und seine Samen -dienten nach den hieroglyphischen Aufzeichnungen dazu, den Wein noch -berauschender zu machen. Auch die hebräischen und Sanskritschriften -kennen ihn. Theophrast und Dioskurides erwähnen ihn als ~koríannon~; -letzterer sagt, man nenne ihn auch ~kórion~, er sei allgemein bekannt -und werde äußerlich und innerlich zu Heilzwecken verwendet. Als -~coriandrum~ kam er zu den Römern. Plinius schreibt von ihm: „Den -Koriander findet man nicht wild; der beste kommt aus Ägypten. Er -dient als Arznei, auch rät Marcus Varro (116-27 v. Chr.), Fleisch im -Sommer mit Essig, worin sich zerstoßener Koriander und Kreuzkümmel -befinden, vor Fäulnis zu schützen.“ Sein Zeitgenosse Columella rät, -ihn im Frühjahr und Herbst auf gedüngten Boden zu säen. Karl der Große -ließ ihn auf seinen Krongütern anpflanzen, doch finden wir ihn in -Mitteleuropa erst wieder im 16. Jahrhundert erwähnt. - -Ebenfalls ein einjähriger Doldenblütler ist der ursprünglich in -Ägypten, Kleinasien und auf den griechischen Inseln heimische +gemeine -Anis+ (~Pimpinella anisum~), der schon im Altertum kultiviert wurde, -um die angenehm, eigentümlich riechenden, süßaromatisch schmeckenden -Samen als Gewürz und Arznei zu verwenden. Dioskurides schreibt von -ihm: „Der Anis (~ánison~) ist als Gewürz und Arznei gesund. Der beste -ist frisch, voll, ohne Staub, hat einen starken Geruch. Dem kretischen -gibt man den Vorzug, ihm zunächst steht der ägyptische.“ Durch die -Griechen wurden die Römer damit bekannt gemacht. Plinius sagt von -ihm: „Der Anis (~anisum~) gehört zu den Speisen, welche Pythagoras -(aus Samos, siedelte 529 v. Chr. nach Kroton in Unteritalien über, wo -er als Gründer und Mittelpunkt des weit verbreiteten pythagoräischen -Bundes wirkte) besonders empfohlen hat, und zwar sowohl roh als -gekocht. Jedenfalls ist er, grün und getrocknet, an allen Speisen, die -gewürzt werden, gut. Er wird auch an die Bodenrinde der Brote getan. -Er gibt dem Atem einen guten Geruch, dem Gesicht ein jugendlicheres -Ansehen und erleichtert schwere Träume, wenn man ihn so über dem -Kopfkissen aufhängt, daß der Schlafende ihn riecht. Er bewirkt auch -tüchtige Eßlust; so hat man ihn denn auch wegen seiner vortrefflichen -Eigenschaften den Unübertrefflichen (~anicatum~) genannt.“ Sein -Zeitgenosse Columella gibt an: „Ägyptischer Anis dient als Gewürz beim -Einmachen der Oliven“, und Palladius im 4. Jahrhundert n. Chr. rät, ihn -im Februar oder März auf gut bearbeiteten, gedüngten Boden zu säen. -Durch die Römer wurden die Länder nördlich der Alpen mit ihm bekannt. -Heute wird er als sehr wichtiges Gewürz fast in allen Erdteilen -angebaut, so besonders in Deutschland, Böhmen, Mähren, Rußland, -Skandinavien, Holland, Frankreich, Spanien, Bulgarien, Syrien, Indien -und Chile. Er wird als Küchengewürz besonders zu Backwerk benutzt und -das daraus destillierte Anisöl wird zu Likören, speziell der Anisette, -verwendet. In Norddeutschland kocht man häufig Borsdorfer Äpfel mit -Anis. Sein Geruch ist den Tauben sehr angenehm, weshalb man sie mit -demselben leicht wieder auf den Schlag nach Hause lockt. Im Handel wird -der Anissamen zuweilen mit demjenigen des giftigen Schierlings (~Conium -maculatum~), dem sie sehr ähnlich sehen, vermischt, wodurch schon -wiederholt Vergiftungsfälle vorkamen. - -An Geruch, Geschmack und Wirkung dem gemeinen Anis sehr ähnlich ist -der +echte Sternanis+, der von einem 6-8 m hohen, immergrünen, in -China, Japan und den Philippinen heimischen Baum aus der Familie -der Magnoliazeen (~Illicium anisatum~) gewonnen wird. Er wächst -vorzugsweise in den hohen Gebirgen von Jün-nan in Südwestchina, -wo er auch kultiviert wird und besitzt ziemlich große lederartige -Blätter, blaßgrünlichweiße Blüten und sternförmige, matt-graubraune -Kapselfrüchte von angenehm süß aromatischem, eigentlich mehr an -Fenchel als Anis erinnerndem Geschmack. In ihrer Heimat werden sie -schon lange als Heilmittel und Gewürz verwendet und wurden 1588 von -Sir Thomas Cavendish von den Philippinen zuerst nach Europa, und -zwar nach London gebracht; doch haben sie erst die Holländer als -Medikament und bei der Teezubereitung verwendet. Heute bilden sie -eine überaus wichtige Droge des Weltmarktes, da sie 5 Prozent des -farblosen ätherischen Anisöles enthalten und zu dessen Darstellung -benutzt werden. Letzteres ist namentlich für die Likörfabrikation ganz -unentbehrlich. Von diesem Baume kommt auch das Holz als Anisholz in -den Handel; es wird vielfach von Tischlern und Drechslern verarbeitet. -Dem echten Sternanis sehr ähnlich sehen die Früchte des +unechten -Sternanis+ aus, die von einem als ~Illicium religiosum~ bezeichneten, -weil um die buddhistischen Tempel in Japan angebauten und dort Sikimmi -genannten, dem echten Sternanisbaume nahe verwandten immergrünen Baume -stammen. Sie sind giftig und sind nur daran zu erkennen, daß sie nicht -wie jene nach Anis, sondern aromatisch nach Kardamomen oder Kampfer -riechen und zuerst sauer, dann bitter schmecken. Bisweilen werden sie -zur Verfälschung des echten Sternanis benutzt, wodurch wiederholt -Vergiftungsfälle vorkamen. - -Neben Anis, Fenchel, Dill, Kümmel und Koriander war im Mittelalter -auch die durch einen reichen Gehalt an ätherischen Ölen aromatisch -duftende +Raute+ (~Ruta graveolens~) ein im Abendland sehr beliebtes, -in allen Bauerngärten angetroffenes Gewürz. Für Indien sehr wichtig -dagegen waren schon im Altertum wie heute die ebenfalls durch einen -reichen Gehalt an ätherischem Öl, das ihnen einen kampferartigen Geruch -und Geschmack verleiht, äußerst aromatisch schmeckenden +Kardamomen+, -die im Leben des gewürzeliebenden Südasiaten eine wichtige Rolle -spielen. Durch den Handel mit Indien wurden die Bewohner Westasiens -und schließlich auch die Mittelmeervölker mit ihnen bekannt. Der -griechische Arzt Dioskurides schreibt über dieses Gewürz, das den -reichen Griechen und Römern vornehmlich als Arznei diente: „Das beste -~kardámōmon~ wird über Komagene (nordöstlichste Provinz Syriens, -zwischen dem Euphrat und Amanosgebirge), Armenien und dem Bosporus -nach Italien gebracht, stammt aber aus Indien und Arabien. Man gibt -demjenigen den Vorzug, das nicht leicht bricht, voll und geschlossen -ist, einen angreifenden Geruch und einen scharfen, etwas bitteren -Geschmack hat. Es erwärmt und dient als Arznei.“ Sein Zeitgenosse -Plinius sagt: „Das ~cardamomum~ besteht aus länglichrunden Samen und -wird in Arabien gesammelt. Man unterscheidet davon drei Arten: eine -sehr grüne und fette mit scharfen Kanten, schwer zerreiblich, was man -vorzüglich schätzt. Die zweite Art ist rötlichweiß, eine dritte ist -kürzer und dunkler gefärbt; noch schlechter ist die gefleckte, leicht -zerreibliche, schwach riechende. Der Geruch des echten ~cardamomum~ -muß demjenigen des ~costus~ gleichkommen. Diese Sorte wächst auch in -Medien. Das Pfund kostet 3 Denare (= 1.80 Mark).“ Im 6. Jahrhundert -n. Chr. erwähnt der römische Arzt Alexander Trallianus die Kardamomen, -dann 1154 der weitgereiste Araber Edrisi als Produkt Ceylons; 1259 -waren sie in Köln zu haben. 1563 unterscheidet der Portugiese Garcia da -Orta eine Malabar- und eine Ceylonsorte. Auch der nach seiner Herkunft -von Bergzabern bei Straßburg als Tabernaemontanus bezeichnete Arzt am -kurfürstlichen Hofe von Heidelberg führt 1584 die Kardamomen in seinem -Arzneibuche an. - -Noch heute kommen unter der Bezeichnung Kardamomen die Samen -verschiedener Arten ausdauernder Stauden aus der Familie der -Scitamineen oder Gewürzlilien in den Handel, um als Arznei, Gewürz und -zugleich zur Herstellung von Parfüm zu dienen. Weitaus die wichtigste -derselben, die in Deutschland und den anderen Kulturstaaten offizinell -ist, stammt von der echten +Kardamome+ (~Elatteria cardamomum var. -minor~), einer in den feuchten Bergwäldern Malabars an der südlichen -Westküste Indiens einheimischen Ingwerverwandten mit 2-3 m hohen -Stengeln, 40-75 cm langen, lanzettlichen Blättern und knolligen, -dichtgeringelten Wurzelstöcken. In den sich nach der Blüte bildenden -langen, dreifächerigen, gelben Kapseln finden sich 4 bis 5 mm lange, -braune, etwas eckige, rauhe Samen, die ihren würzigen Geschmack -einem flüchtigen, frisch in Wasser destilliert farblosen ätherischen -Öl, dem Kardamomöl, verdanken. Die Pflanze, die in ihrer Heimat an -Stellen abgeforsteter Wälder zahlreich aus dem Boden sprießt, wird -besonders in Malabar, aber auch in Ceylon, Cochinchina, Siam, Jamaika, -Deutsch-Ostafrika und anderen Orten des engeren Tropengürtels im -großen angebaut. Es geschieht dies teils durch Wurzelteilung, teils --- was die Regel ist -- durch Samen, die in ziemlichen Abständen in -lockeren, humusreichen Boden gepflanzt werden. In einem Jahre sind -die Pflänzchen 30-40 cm hoch, geben im dritten Jahre die erste kleine -und im vierten Jahre eine Vollernte; dabei bleiben sie etwa sechs -Jahre tragbar. Vor der völligen Reife, wenn die grünen Kapseln in gelb -überzugehen beginnen, werden sie einzeln mit Scheren abgeschnitten und -zum Nachreifen zunächst einige Tage in einem Magazin auf Haufen gelegt. -Dann trocknet man sie vorsichtig in der Sonne, drischt die Samen -heraus und bringt sie zum Versand. Als Durchschnittsertrag rechnet man -an den Hauptproduktionsorten in Südwestindien und auf Ceylon 200 kg -marktfertige Ware auf das Hektar, ein Ergebnis, das unter günstigen -Verhältnissen und bei sorgsamer Pflege oft um die Hälfte und mehr -überschritten wird. - -Von einer größeren, in Ceylon heimischen Kardamomart (~Elatteria -cardamomum var. major~) werden gelbrote, eckige, rauhe Samen von -eigentümlichem, starkem Geruch gewonnen und in kleinen Posten -nach England exportiert. In Siam, auf Sumatra, Java und einigen -anderen malaiischen Inseln wächst ~Amomum cardamomum~ mit vielen -keilförmigen Samen in Kapseln, die etwas kleiner als Kirschen sind. -Sie werden fast ausschließlich nach Südfrankreich exportiert. Als -Bastardkardamom kommen etwas stachlige, kleine Kapseln von Bangkok aus -in den Handel; auf Java dagegen ist der Javakardamom heimisch, der -von geringer Qualität ist. Besser ist der Nepal- und Bengalkardamom. -Wenig gekannt ist der auf Madagaskar an sumpfigen Standorten -wachsende schmalblätterige Kardamom. Sehr nahe verwandt damit ist der -Kamerunkardamom, der neuerdings nach Hamburg auf den Markt gebracht -wird und ein außerordentlich feines, wohlriechendes ätherisches Öl -liefert, kaum aber als Gewürz gebraucht wird. Eine andere äußerst -aromatische, nicht pfefferartig schmeckende Art ist der abessinische -Kardamom, der aber kaum nach Europa gelangt. - -Mit schwachem Aroma, aber scharf beißend dagegen ist der Samen der in -Westafrika wachsenden ~Cardamomum malagetta~ mit rauher, brauner Schale -und weißlichem Kern, der als +Paradies+- oder +Guineakörner+ oder -+Malagettapfeffer+ in den Handel kommt. Die Pflanze, die von Oberguinea -bis Kamerun wild wächst, wird von den Negern vielfach angebaut, so daß -sie einem Distrikte den Namen Pfefferküste eintrug. Sie ist dann von -den als Sklaven dahingebrachten Negern auch in Westindien eingeführt -worden und wird dort häufig kultiviert. Auch sie besitzt einen -krautartigen Stengel mit schmalen, schilfartigen Blättern und einem -kurzgestielten Blütenschaft, der am Ende einen Schopf von prächtigen, -rosenroten, großen, an unsere Cannablüten erinnernden Blüten trägt. Die -Samen dieser Pflanze, die in England häufig dazu verwendet werden, dem -Brandy und Whisky einen schärferen Geschmack zu erteilen, wie ihn die -mit abgestumpften Geschmacksnerven ausgestatteten Gewohnheitstrinker -lieben, sind dem Neger Westafrikas für seinen faden, aus den -Wurzelknollen des Yams verfertigten, kleisterartigen Mehlbrei, genannt -~fufu~, ebenso unentbehrlich, wie der schwarze Pfeffer dem Hindu für -seine tägliche Reiskost. - -Wie die Afrikaner bereiten sich die Inder ihre scharfe Pfeffersauce -mit den verschiedensten Zutaten zum schwarzen Pfeffer, so namentlich -auch mit der +echten+ oder +langen Kurkuma+ oder +Gelbwurzel+ -- auch -+gelber Ingwer+ genannt -- (~Curcuma longa~), einer nahen Verwandten -der Kardamomen, die im Hindustani Indiens ~haldi~, bei den Arabern -dagegen ~kurkum~ heißt, woraus sich unsere Bezeichnung Kurkuma bildete. -In Indien wird sie vielfach als Arznei, dann als Würze zu fast allen -Speisen, besonders aber als wichtiger Bestandteil des berühmten -Currypulvers verwendet. Schon im Altertum gelangte sie von dort aus mit -den Kardamomen zu den Kulturvölkern am Mittelmeer. Der griechische Arzt -Dioskurides sagt von ihr: „Es gibt eine Art Cypergras (~kýpeiros~), das -in Indien wächst, dem Ingwer ähnlich ist, aber beim Kauen safrangelb -wird und bitter schmeckt. Streicht man es auf ein behaartes Muttermal, -so gehen die Haare daselbst aus.“ Wie im Altertum hat die Kurkuma auch -im Mittelalter als Arznei bei den arabischen Ärzten eine gewisse Rolle -gespielt. Von Indien aus erstreckte sich damals der Handel mit ihr so -weit, als die arabische Herrschaft reichte. Ihre ursprüngliche Heimat -ist wahrscheinlich Hinterindien und der malaiische Archipel; doch ist -sie sehr früh nach Vorderindien gelangt, wo sie jetzt weit mehr als -anderswo kultiviert wird. Hingegen wächst in Vorderindien neben einer -Reihe Arten, die keinen Farbstoff enthalten, auch eine Art wild, die -einen gelben Farbstoff liefert, der allerdings weit weniger schön ist -und nur noch selten benutzt wird, sich aber für manche Zwecke, wie -z. B. zur Herstellung eines künstlichen Goldlacks, besser eignet wie -die gewöhnliche Kurkuma. Es ist dies die +runde Kurkuma+ (~Curcuma -aromatica~) mit birnförmigem Wurzelstock von 3-5 cm Länge und daran -befindlichen fingerdicken Ausläufern, die in Längsschnitten in den -Handel gelangt, aber kaum nach Europa kommt. - -Von der vorhin genannten echten oder langen Kurkuma -- lang genannt, -weil sich der im Durchschnitt orangebraune Wurzelstock in eine Anzahl -mannsfingerdicker und -langer Seitentriebe verästelt -- gibt es mehrere -Spielarten, die nach ihren Produktionsländern benannt werden. Die -chinesische, die vorzugsweise auf der Insel Formosa erzeugt wird, gilt -für die beste, dann folgen an Güte diejenigen von Bengalen und Pegu, -die sich beide durch eine intensive Färbung auszeichnen. Auch die Sorte -von Madras wird als eine feine Qualität betrachtet, während diejenige -von Java wegen ihrer matten Farbe nur geringe Preise erzielt. Als die -geringwertigsten gelten diejenigen von Bombay und Scinde. Die Pflanze -treibt hohe, mit 30 cm langen, breit lanzettlichen Blättern besetzte -Schäfte, die in einen Blütenstand von dichtsitzenden, rahmgelben -Blüten enden, die von schön violett gefärbten Schaublättern überragt -werden. Da aber in der Kultur seit undenklicher Zeit die Blütentriebe -als nutzlose Kraftverschwendung der Pflanze ausgebrochen werden, so -hat sie die Fähigkeit, keimbare Früchte zu erzeugen, mit der Zeit -ganz eingebüßt, so daß sie jetzt ausschließlich durch Wurzelknollen -vermehrt wird. Diese werden in fruchtbaren, von Überschwemmungen -verschonten Boden in Abständen von 60 cm nach jeder Richtung im -April und Mai gepflanzt und im Dezember geerntet, wobei man als -Durchschnittserträgnis 5000 kg vom Hektar annimmt. Die Wurzelstücke -werden zunächst in heißes Wasser getaucht, um ihre Keimkraft zu -zerstören, dann 3-4 Tage an der Sonne getrocknet und schließlich in -Säcke verpackt. - -Noch wichtiger und auch bei uns bekannter als sie ist ihr naher -Verwandter, der +Ingwer+ (~Zingiber officinale~), dessen etwa -daumendicke und in frischem Zustand fleischige Wurzelstöcke, die -2,2 Prozent eines hellgelben ätherischen Öles und ein brennend -schmeckendes Harz enthalten, wegen ihres aromatischen Geruches und -feurig gewürzhaften Geschmackes seit den ältesten Zeiten in ihrer -Heimat Ostindien als Medizin und Gewürz verwendet werden. Im Sanskrit -heißt er ~sringavera~. Früh schon wurde er durch den Handel nach Westen -gebracht und gelangte um die Wende der christlichen Zeitrechnung durch -das Rote Meer zu den Griechen und Römern, die ihn nach der arabischen -Bezeichnung ~zindschebil~, d. h. Wurzel von Zindschi, ~zingiberi~ -nannten und als kostbares Gewürz und Medikament schätzten. Der -griechische Arzt Dioskurides, um die Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr., -sagt in seiner Arzneikunde von ihm: „Der Ingwer (~zingíberis~) ist ein -eigentümliches Gewächs, das im troglodytischen Arabien sehr häufig -wächst. Das frische Kraut wird gekocht zu vielen Dingen, wie bei uns -die Raute (~pḗganon~) gebraucht, indem man es zu Tränken und gekochten -Speisen mischt. Die Wurzeln sind klein wie beim Cypergras (~kýpeiros~), -weißlich, wohlriechend und von pfefferartigem Geschmack. Man wählt zum -Gebrauch die nicht von Würmern zerfressenen Wurzeln. Weil sie leicht -verderben, werden sie eingemacht und in irdenen Gefäßen nach Italien -gebracht; sie sind dann zum Verspeisen fertig und werden samt ihrer -Brühe verbraucht. Der Ingwer erwärmt, befördert die Verdauung, ist dem -Magen gesund; er wird auch Gegengiften zugesetzt und hat in seiner -Wirkung Ähnlichkeit mit dem Pfeffer.“ Auch Plinius sagt in seiner -Naturgeschichte: „Der Ingwer, den man ~zimpiberi~ oder ~zingiberi~ -nennt, hat einen pfefferartigen Geschmack, wächst in Arabien und bei -den Troglodyten. Das Pfund kostet 6 Denare (= 3.60 Mark).“ - -Das Ansehen des Ingwers wuchs im Abendlande noch bedeutend im Laufe -des Mittelalters, da er als eine der begehrtesten Spezereien des -Levantehandels durch die Vermittlung der Araber und Venezianer auf -den europäischen Markt gebracht wurde. Aus Italien kam er im 9. -Jahrhundert zuerst nach Deutschland und im 10. Jahrhundert nach -England. Scribonius Largus nennt ihn ~gingiber~ und die heilige -Hildegard von Rupertsberg bei Bingen im 12. Jahrhundert ~ingeber~. -Später ist er als ~imber~ allgemein bekannt und besonders auch von den -Ärzten angewandt. Er war damals als Gewürz und Arznei so angesehen, -daß in manchen Städten, wie beispielsweise in Basel, die Gasse der -Gewürzkrämer nach ihm als einem der wichtigsten Repräsentanten der von -jenen geführten Drogen einfach „Imbergasse“ hieß, eine Bezeichnung, -die sich hier bis auf den heutigen Tag erhielt. Immerhin wurde sein -übermäßiger Genuß von manchen gerügt. So sagt der württembergische -Dichter Bebel (1475-1516) von einem Bürgermädchen: „Wein und Gewürze, -Zimt, Pfeffer und Ingwer haben ihr Blut verdorben --“. - -Die erste direkte Nachricht über die lebende Pflanze stammt vom -weitgereisten Venezianer Marco Polo (1256-1323), der 1295 aus China -nach seiner Vaterstadt zurückkehrte und später seine Erlebnisse und -Beobachtungen zusammenstellte. Um dieselbe Zeit beschrieb sie ein -anderer Italiener, Pegolotti, der 1292 bis nach Indien gelangte. Der -Spanier Mendoza brachte den Ingwer zu Anfang des 16. Jahrhunderts nach -Westindien, und schon 1547 sollen von dort, speziell von Jamaika, 1,1 -Millionen kg exportiert worden sein. 1585 begann die Ausfuhr von San -Domingo und 1654 diejenige von Barbados nach Spanien. Noch heute wird -er in Westindien im großen angebaut; doch ist sein Hauptproduktionsland -nach wie vor seine alte Heimat Ostindien geblieben, wo er in ungeheurem -Maße verbraucht wird und an Wichtigkeit als Gewürz dem Pfeffer nur -wenig nachsteht. Er gilt dort als beinahe so notwendig als das tägliche -Brot, da man glaubt, die innern Organe des menschlichen Körpers -könnten ohne seine Mitwirkung ihre Tätigkeit nicht ausüben. Trotz dem -ungeheuren eigenen Verbrauche führt Ostindien noch jährlich über 5 -Millionen kg Ingwer im Werte von 5 Millionen Mark hauptsächlich nach -England und seine Kolonien aus, wo er vorzugsweise zur Herstellung -des beliebten ~ginger-ale~, d. h. des Ingwerbieres, verwendet wird. -Cochinchina führt jährlich 4 Millionen kg Ingwer aus und China, das -selbst sehr viel davon konsumiert, beinahe ebensoviel, und zwar meist -mit Zucker eingemacht. Auch Jamaika und Sierra Leone exportieren große -Mengen. Auch in Afrika wird er vielfach von den Eingeborenen angebaut -und gedeiht vorzüglich. - -[Illustration: Bild 39. Der Ingwer (~Zingiber officinale~).] - -Der Ingwer verlangt neben ausgiebiger Sonnenwärme vor allem große -Luftfeuchtigkeit, kann aber keine allzugroße Nässe des Bodens ertragen. -Am besten gedeiht er auf lockerem, sandigem, nahrhaftem Lehmboden. -Hier wird er in derselben Weise wie die Kurkuma ausschließlich -durch Wurzelstöcke vermehrt, die zu diesem Zwecke in kleine Stücke -zerschnitten werden. Jedes mit Augen versehene Stück liefert ein neues -Exemplar der 1-2 m hohen Pflanze mit zwei Reihen langer, schilfartiger, -schmaler Blätter und kleinen, weißen, rotgestreiften oder -gelblichweißen und dann violett gefleckten Blüten, die aber infolge der -viele Jahrhunderte umfassenden, ausschließlich auf ungeschlechtigem -Wege durch Wurzelknollenableger bewirkten Fortpflanzung die Fähigkeit, -keimfähigen Samen hervorzubringen, vollständig eingebüßt haben. -Die Saatknollen werden im März in Abständen von 30 cm in den meist -gutgedüngten Boden gesteckt und liefern nach 9-10 Monaten, während -welcher Zeit sie von Unkraut rein gehalten werden müssen, eine -reichliche Ernte, die gleich wie bei den Kartoffeln erfolgt. Sobald die -Stengel vollständig verwelkt sind, werden die Wurzelstöcke ausgegraben -oder ausgepflügt, gereinigt und in Wasser gründlich gewaschen. Um -+schwarzen Ingwer+ zu bereiten, der seine Schale behält, werden sie -dann durch Kochen während einer Viertelstunde in Wasser ihrer Keimkraft -beraubt und abgetötet, dann in der Sonne vollständig getrocknet und -sind so versandfähig. Um aber +weißen Ingwer+ herzustellen, sucht -man aus den gewaschenen Wurzelstöcken die schönsten aus und schabt -mit einem Messer die dunkle Schale vollständig ab. Dabei werden alle -Auswüchse und dunkeln Stellen ausgeschnitten. Nach wiederholtem -Waschen in kaltem Wasser werden diese nunmehr weiß aussehenden -Ingwerknollen an der Sonne getrocknet, wobei sie, der schützenden -Schale beraubt, von selbst absterben. Der +gezuckerte Ingwer+, eine -beliebte Delikatesse, die in steigendem Maße nach Europa importiert -wird, wird aus den noch weichen, halbreifen Wurzelstöcken gewonnen, -kurz bevor die Blütenstengel austreiben. Diese werden nach sorgfältiger -Reinigung in lauwarmem Wasser mit heißem Wasser übergossen und dann -so lange gesotten, bis sie leicht mit einer Gabel durchstochen werden -können. Dann werden sie einen Tag in kaltes Wasser gelegt, mit einem -Messer geschabt, wiederum 2 bis 3 Tage in täglich erneutes frisches -Wasser getan und mit kochendem Sirup von 1 kg Zucker auf 2 Liter -Wasser zweimal in einem Zwischenraum von 2 Tagen übergossen, dann -auf Schüsseln oder Hürden gelegt und wie Zitronat getrocknet und -verpackt. In Indien und China kommt diese auf der Zunge etwas beißende -Spezerei seit sehr langer Zeit als beliebter Leckerbissen in mit -Bambus umflochtenen irdenen Töpfen in den Handel und gelangte wohl in -ähnlicher Verpackung schon zur römischen Kaiserzeit -- wie wir von -Dioskurides erfuhren -- nach Italien, wo allerdings nur die Reichen -seinem Genusse als sehr teure Arznei frönen konnten. - -Eine andere Ingwerart Ostasiens, aus der nach dem als Botanikprofessor -1617 in Padua gestorbenen Italiener Prosper Alpini ~Alpinia~ genannten -Gattung der Liliazeen ist der +Galgant+ (~Alpinia officinarum~), dessen -bis 1 m langer und bis 2 cm dicker braunroter, angenehm gewürzhaft -riechender, aber ingwerartig scharf brennender Wurzelstock in 5-10 cm -lange Stücke geschnitten heute noch bei uns als aromatisches Mittel -zu Likören, Essig usw. dient. Seine ursprüngliche Heimat scheint an -der Süd- und Ostküste der chinesischen Insel Hainan zu liegen, wo die -Pflanze einzig wild angetroffen wird; doch wurde sie schon im Altertum -außer dort auch auf der gegenüberliegenden Halbinsel Leitschou und den -benachbarten Küsten, ebenso in Siam angepflanzt und in ganz China als -beliebtes Gewürz verhandelt. Auch in Indien wurde sie neben den vorhin -genannten Ingwerarten benutzt und erscheint im ~Ayur veda Susrutas~ -als ~kula yoga~. Ob die alten Griechen und Römer diese Droge schon -kannten, ist höchst fraglich, wennschon einige Forscher -- wohl mit -Unrecht -- vermuten, der ~Cyperus babylonicus~ des Plinius sei unser -Galgant gewesen. Erst die arabischen Ärzte des früheren Mittelalters, -von denen der berühmte Razes (eigentlich Muhammed Ibn Zakkaria ar-Râzi, -lebte von 850-923 und stellte unter dem zweiten Kalifen aus dem -Stamme der Abbasiden, Mansur in Bagdad, das Gesamtgebiet der Medizin -dar), dann der ihm ebenbürtige, etwas jüngere Avicenna (eigentlich -Ibn Sina, 980-1037, der Verfasser eines Kanons der Medizin, der -wie der 9. Band des Werkes von Râzi bis ins 16. Jahrhundert an den -europäischen Hochschulen Gegenstand medizinischer Vorlesungen war), -ferner Alkindi und andere den Galgant als geschätztes Heilmittel -anführen, machten ihn im Abendlande bekannt. Der arabische Geograph -Ibn Khurdadbah im 9. und der sarazenische Reisende Edrisi aus Sizilien -im 12. Jahrhundert berichten über seine Einfuhr. Der bis nach Ostasien -gedrungene Venezianer Marco Polo, der die erste Kunde von der nach -ihm ~zipangu~ (verdorben aus dem chinesischen ~dschi-pon-kwo~, d. h. -Sonnenursprungsland, oder einfach ~Dschi-pon~, woraus die Japaner -~Nippon~ als die gebräuchliche Bezeichnung ihres Landes machten) -genannten und als sehr goldreich geschilderten „chinesischen Inselwelt“ -Japan nach Europa brachte, schreibt nach seiner 1295 erfolgten Rückkehr -in seine Vaterstadt über den Anbau der Pflanze in China. Außer dieser -kleineren Galgantsorte kannte er bereits eine größere, aus Java -stammende, von ~Alpinia galanga~, mit doppelt so dickem, bis 4 cm -starkem, heller gefärbtem und weniger aromatischem Wurzelstock, die im -europäischen Handel nur wenig angetroffen wird. Auch der Portugiese -Garcia da Orta in Goa erwähnte 1563 diese beiden Sorten, eine kleinere -aus China und eine größere aus Java. Ähnliches berichten Acosta und -Linschotten. Die erste gute Abbildung veröffentlichte der Deutsche in -holländischen Diensten Rumphius im Jahre 1754. - -Der von den 4-5-, besser aber 10jährigen Pflanzen gewonnene und an der -Luft getrocknete Wurzelstock des Galgants wurde etwa gegen das Ende des -8. Jahrhunderts durch arabische Vermittlung als arzneilich geschätzte -Pflanze in Deutschland bekannt. Der um die Mitte des 9. Jahrhunderts -lebende Bischof Salomo III. von Konstanz erwähnt in einem Formelbuche -den Galgant als ~calanganum~. Die heilige Hildegard, Äbtissin des -Klosters Rupertsberg bei Bingen im 12. Jahrhundert, behandelt die -~galgan~ benannte Wurzel ausführlich als Heilmittel. Die erste -Erwähnung des daraus gewonnenen ätherischen Öles findet sich in der -Arzneitaxe der Stadt Frankfurt am Main vom Jahre 1587. Erst 1870 wurde -durch den Engländer Fletcher Hancé durch das Auffinden der Stammpflanze -der kleinen Sorte die früher allgemein geltende Annahme berichtigt, daß -beide Sorten von demselben Gewächs abstammen. Die Bezeichnung Galgant -soll nach ihm aus dem chinesischen ~liang-kiang~ stammen, was so viel -bedeutet als „feiner oder milder Ingwer“. Hieraus wurde die arabische -Benennung ~khulendjan~ bzw. ~khalangian~ und aus letzterem unser -~galanga~. - -Neben dem Galgant spielte auch der von den Deutschen als +Kostwurz+ -bezeichnete +~Costus~+ besonders als Magenmittel im Mittelalter eine -große Rolle. Die Droge stammt von einer 1,5-2 m hohen Ingwerart -Ostindiens (~Costus speciosus~) mit großen, schönen, rötlichweißen wie -mit einem rostfarbigen Reif bestreuten Blüten, deren Wurzelstock aber -schärfer und bitterer schmeckt als derjenige des Ingwers. Schon im -Altertum wurde er neben dem Ingwer viel als Würze und Medizin in die -Kulturländer Vorderasiens und am Mittelmeer gebracht. Schon Theophrast -erwähnt ihn unter dem Namen ~kóstos~ als Gewürz. ~Dioskurides~ sagt: -„Der beste ~kóstos~ kommt aus Arabien, ist weiß, leicht und riecht -stark, aber angenehm. Ihm folgt an Güte der indische, der auch leicht, -aber dunkelfarbig ist. Die dritte Sorte ist der syrische, der schwer, -buchsbaumgelb und von stechendem Geruch ist. Man gebraucht ihn als -Arznei. Er wird auch durch Beimischung der stärksten Wurzeln des -Alants von Kommagene (in Syrien) verfälscht.“ In seiner Beschreibung -der Umschiffung des Roten Meeres sagt der griechische Schriftsteller -Arrianus im 2. Jahrhundert n. Chr., daß von Minnagara am Ausfluß des -Indus und der südöstlich davon gelegenen Hafenstadt Barygaza ~kóstos~ -in den Handel gebracht werde. Im Mittelalter befaßten sich besonders -die Araber mit dem Zwischenhandel der in Menge nach Europa gebrachten -Droge, die heute für uns nur noch historisches Interesse besitzt. - -Heute noch von einiger Bedeutung als Gewürz und Heilmittel ist dagegen -die +Kalmuswurzel+, die in derselben Weise wie der Ingwer kandiert -besonders in Persien und Arabien als äußerst beliebtes Konfekt gegessen -wird. Seit dem frühen Altertum wird der bitter aromatische Wurzelstock -des gegenwärtig überall bei uns an den Ufern der Weiher verwildert -angetroffenen Kalmus (~Acarus calamus~), in derselben Weise wie der -Ingwer mit Honig oder später Zucker eingemacht, aus Asien importiert. -Die Heimat dieser Wasserpflanze ist nach den neueren Untersuchungen -zweifellos Südostasien. Die Kalmuspflanze wird nämlich einzig in -Südchina und Hinterindien fruktifizierend angetroffen. Am Fuße des -Himalaja und von da an westlich setzt sie keinerlei Früchte mehr an -und pflanzt sich nur auf ungeschlechtigem Wege durch Wurzelausläufer -fort. Die wohlriechende aromatische Kalmuswurzel ist eines der -ältesten Gewürze und Heilmittel der südasiatischen Völker. Unter der -Sanskritbezeichnung ~vacha~ spielte sie in der altindischen Medizin -wie später in derjenigen des Morgenlandes eine große Rolle als die -Verdauung beförderndes und die Geschlechtstätigkeit anregendes Mittel. -Durch den morgenländischen Zwischenhandel gelangte die Droge als Arznei -zu den Babyloniern, Ägyptern, Juden und älteren Griechen, denen allen -jedoch die Pflanze selbst, von der sie herrührte, völlig unbekannt -blieb. Im alten Ägypten treffen wir die Kalmuswurzel unter der -Bezeichnung ~kanna~ oder heiliges Rohr, auch phönikisches Rohr, da die -Phönikier ihnen auf dem Handelswege diese orientalische Ware geliefert -zu haben scheinen. Sie wird in fast allen in den hieroglyphischen -Texten uns erhaltenen Parfümrezepten und in zahlreichen Arzneirezepten -erwähnt, ebenso gebrauchten sie die Juden unter demselben Namen -~kanna~; so wird sie schon in der von Jahve Mose um 1280 v. Chr. am -Sinai gegebenen Vorschrift zum heiligen Salböl erwähnt, das aus den -edelsten Myrrhen und Kassie zu 500 Sekel und Zimt und Kalmus zu 250 -Sekel in einem Hin Olivenöl vermischt werden sollte. Damit sollte -die Bundeslade und sollten alle heiligen Geräte samt der Stiftshütte -gesalbt werden. - -Noch der große Pflanzenkenner Theophrast sagt zu Beginn des 3. -vorchristlichen Jahrhunderts von ihrer Herkunft: „Der Kalmus -(~kálamos~, gleichbedeutend mit Schilf) wächst jenseits des Libanon -in einem großen Sumpf und erfüllt, wenn er trocken ist, die Luft mit -Wohlgeruch.“ Zu jener Zeit hatten die Griechen bei Gelegenheit von -Alexanders des Großen Siegeszug nach dem fernen Osten die damals -bereits in Westasien angesiedelte Pflanze kennen gelernt. Der aus -Kilikien gebürtige griechische Arzt Dioskurides und der römische -Naturforscher Plinius, die beide um die Mitte des 1. Jahrhunderts -n. Chr. lebten, kennen näher bei Europa gelegene Fundorte der Pflanze -als Syrien. Ersterer weiß einen Standort derselben in Kleinasien und -letzterer außer in Galatien auch auf Kreta. Plinius fügt dem hinzu: -„Der meiste Kalmus (~acoron~) wächst in Kolchis, sowohl am Flusse -Phasis, als auch überall in den Gewässern. Frisch hat die Wurzel -mehr Kraft als alt. Die kretische ist weißer als die pontische. Man -schneidet sie in fingerlange Stücke und trocknet sie im Schatten“, -und Dioskurides sagt, daß der aromatische ~kálamos~ Blätter wie die -Schwertlilie (~íris~) habe und daß der wohlriechende den Magen erwärme -und gegen viele innere Leiden gut sei. - -Erst ums Jahr 1557 wurde der Kalmus in Mitteleuropa eingeführt. Die -erste Beschreibung und Abbildung der Pflanze, die er ~acorum~ nannte, -gab in einem 1565 erschienenen Buche der italienische Botaniker -Pierandrea Matheoli. Dieser hielt sich von 1554-1577 in Prag auf und -erhielt eine getrocknete Kalmuspflanze vom Gesandten des deutschen -Kaisers Ferdinand I. am türkischen Hofe in Konstantinopel, Ghislenius -Busbequius, die dieser in einem großen See bei Nicomedia in Bithynien -gesammelt hatte. Bald darauf wurde die Pflanze von dem damals als -Hofbotaniker in Wien lebenden Clusius (Charles de l’Ecluse), der sie -1574 aus Konstantinopel lebend erhalten hatte und in der Kaiserstadt -an der Donau kultivierte, an die verschiedenen botanischen Gärten -Mitteleuropas versandt und verbreitete sich von da aus überallhin, um -bald, der menschlichen Pflege sich entziehend, zu verwildern. Im Jahre -1588 gab Camerarius an, daß ~Acorus~ erst seit einigen Jahren in die -Gärten eingeführt sei, jedoch häufig in Lithauen und den pontischen -Ländern wachse. 1611 wird in der dritten Auflage seines Kräuterbuchs -von demselben Autor Pontus, Galatien und Kolchien als das Vaterland -der Pflanze angegeben. 1590 verpflanzte Kaspar Bauhins Sohn Johann -die Kalmuspflanze von Basel nach Montbéliard, und 1591 verbreitete -sie Sebitz bei Straßburg. Seitdem die Pflanze in Mitteleuropa gedieh, -machte man einen Unterschied zwischen asiatischer und europäischer -Kalmuswurzel. Erst am Ende des 17. Jahrhunderts erkannte man, daß die -Wurzel der bei uns wachsenden Pflanze der asiatischen gleichwertig -sei. Die erste gute Abbildung der Pflanze lieferte Rheede in seinem -von 1678 bis 1703 erschienenen ~Hortus malabaricus~. 1697 wird in der -Apothekertaxe des Rates von Halberstadt neben dem indischen Kalmus -auch der einheimische, und zwar beide zu gleichen Preisen, angeführt. -Das ätherische Öl findet sich zuerst 1582 in der Taxe der Stadt -Frankfurt am Main erwähnt. Heute findet sich der Kalmus nicht bloß in -ganz Europa, sondern auch in Nordamerika, wo er im 18. Jahrhundert -eingeführt wurde, wildwachsend und bringt überall seine zwitterigen -Blüten, niemals aber Früchte hervor. Diese rasche Verbreitung der -Pflanze hängt mit den offizinellen Eigenschaften ihrer Wurzel zusammen, -die noch von der heutigen Medizin gewürdigt werden. Sie enthält -außer ätherischem Öl einen Bitterstoff und zwei Alkaloide (Calamin -und Cholin) und wird außer als Magenmittel auch zur Likörfabrikation -verwendet. - -[Illustration: Bild 40. Blütenzweig des echten Zimtbaums (~Cinnamomum -ceylanicum~).] - -Eine sehr viel wichtigere Arzneidroge und sehr geschätztes Gewürz -Südasiens, das heute noch eine große Bedeutung für Europa hat, ist -der +Zimt+, der von einer in den Bergwäldern Ceylons heimischen -Lorbeerart gewonnen wird. Der Zimtbaum (~Cinnamomum ceylanicum~) ist -ein in der Wildnis, wo er nicht beschnitten wird, 6-10 m Höhe und -einen Stammdurchmesser von 45-52 cm erreichender immergrüner Baum von -unregelmäßigem Wuchs, dessen knotige Äste sich wagerecht ausbreiten. In -den Zimtgärten baut man ihn als 3-4 m hohen Strauch, weil die dünnen -Zweige der Sträucher einen feineren Zimt geben als die starken Äste -der Bäume. Die glatte Rinde ist außen graubraun, innen gelblichrot; -an jungen Schößlingen ist sie manchmal grün oder gelbgefleckt. Die -glatten, lederartigen, dunkelgrünen Blätter sind eiförmig, 10-15 cm -lang, stumpf zugespitzt und von fünf Hauptadern durchzogen. Bei ihrer -Entfaltung sind sie rot angehaucht, färben sich dann gelb, olivengrün -und schließlich dunkelgrün. Die in Rispen geordneten Blüten sind außen -seidenhaarig, weißlich und innen gelbgrün gefärbt und strömen zur -Blütezeit im Januar und Februar einen schwachen, nicht allen Menschen -angenehmen Geruch aus. Die Früchte sind einsamige, in reifem Zustande -braune Beeren mit einem dünnen Überzug von Fruchtfleisch. - -Der Baum ist in allen seinen Teilen nützlich. Aus den Wurzeln kann -Kampfer gewonnen werden, das Holz nimmt eine schöne Politur an und -wird viel in der Tischlerei verwendet. Aus den Blättern, die wie -Gewürznelken schmecken und einen aromatischen Geruch ausströmen, wenn -sie zerquetscht worden, wird ein geschätztes Parfüm destilliert; ein -weniger beliebtes Parfüm liefern die Blüten. Durch Auskochen kann -aus den Früchten Pflanzentalg gewonnen werden. Die Rinde dient als -geschätzte Arznei und Gewürz. Aus den Schößlingen endlich werden -Spazierstöcke verfertigt. - -In seiner Heimat Ceylon wurde der Zimt bis zum Jahre 1770 -ausschließlich von wildwachsenden Bäumen gewonnen. Seitdem wird er -durch Samen oder Stecklinge in Plantagen kultiviert, die jährlich -behackt und sorgfältig von Unkraut freigehalten werden. Dadurch wird -eine viel bessere Qualität als die von Wildlingen erzielt; doch eignet -sich zu seiner Kultur nur ein 20 km breiter Küstenstreifen im Südwesten -der Insel bis zu 500 m Meereshöhe. Die Anbauversuche in anderen -Tropengebieten haben vielfach fehlgeschlagen; nur das Kamerungebiet -scheint in einer Höhe von 500-1000 m günstige Verhältnisse darzubieten. -Am besten geeignet zu seiner Kultur ist sandiger, mit Humus -vermischter, kieselsäurereicher Boden; nur auf ihm erzeugt er eine -hellfarbige, dünne, aromatische Rinde. Wie anderer, besonders zu fetter -und zu nasser Boden, so beeinträchtigt auch zu üppiges, ebenso ein -kümmerliches Wachstum die Qualität der Rinde, die dann dunkler, dick -und arm an Aroma wird. Meist geschieht der Anbau des rascheren Ertrages -wegen durch Stecklinge, die man 3 m weit auseinander in Reihen, -zwischen denen Gänge hindurchführen, pflanzt. Den jungen Sträuchern ist -eine leichte Beschattung nötig. Haben die Stämmchen nach 3-4 Jahren -eine Länge von gegen 3 m erreicht, so werden sie 10-15 cm über dem -Boden abgeschnitten. Diese Erstlingsernte steht an Menge erheblich und -auch an Güte etwas den folgenden Ernten nach. Aus dem Stumpf treibt -nun bald eine ganze Anzahl von Schößlingen aus, von denen man aber nur -vier bis sechs sich entwickeln läßt. Nach 1½-2 Jahren werden auch diese -geerntet, sobald die grünlichgraue Farbe der Rinde beginnt, einen -bräunlichen Ton anzunehmen. Die Arbeiter in den Zimtplantagen haben -auch sonst noch allerlei Merkmale, an denen sie den richtigen Zeitpunkt -der Ernte erkennen. Zweimal im Jahr, jedesmal nach der Regenzeit, wenn -der Saftumlauf in den Zimtbäumen den höchsten Grad erreicht hat, werden -die Pflanzungen besichtigt und ihre reifen Schößlinge ausgehauen. In -Ceylon sind Mai-Juni und Oktober-November die beiden Erntemonate für -Zimt, und zwar wird dem Mai der Vorzug gegeben, weil die Schößlinge -dann saftreicher sind und sich infolgedessen leichter schälen lassen. - -Mit einem Haumesser bewaffnet durchsuchen die Arbeiter die -Zimtpflanzung nach reifen Schößlingen, die ungefähr 1,5 cm Durchmesser -besitzen. Bevor solche abgeschlagen werden, ritzt man die Rinde an -einer Stelle mit dem Fingernagel, um zu sehen, ob sie sich leicht vom -Holz löst. Bleibt die Rinde zäh am Holz hängen, so wird der betreffende -Schößling geschont, bis er, wenn möglich, das nächste Mal ein -befriedigenderes Resultat liefert, oder, falls dies nicht der Fall und -der richtige Zeitpunkt der Ernte überschritten ist, dennoch abgehauen -und als alte Rinde in die Destillerie gegeben wird. - -Jeder Arbeiter schneidet soviel Stücke ab, als er in einem Bündel zu -tragen vermag. Dann werden die abgehauenen Schößlinge in der Plantage -selbst von den Blättern und kleinen Zweigen befreit und nach einem -Schuppen gebracht, wo sie in der Weise geschält werden, daß in ihre -Rinde zwei Längsschnitte an einander gegenüberstehenden Stellen und -außerdem in Abständen von 30-50 cm einige Rundschnitte gemacht werden. -Mit Hilfe eines kleinen, sichelförmigen Messers, das zwischen Holz -und Rinde geschoben wird, geht dann das Schälen leicht von statten. -Bleibt die Rinde an einer Stelle hängen, so reibt man sie an der -betreffenden Stelle auf der Außenseite mit dem Messerstiel so lange, -bis sie sich löst. Mehrere der Rindenstücke werden dann ineinander -gesteckt, diese Ruten dann zu dicken Bündeln zusammengeschnürt, diese -auf Haufen gelegt und mit Tüchern bedeckt, um wenigstens 24 Stunden -so zu verbleiben. Dadurch tritt eine Art Gärung ein, welche das -Abschaben der geruch- und geschmacklosen äußeren Rindenschicht oder -Borke sehr erleichtert. Dieses Abschaben geschieht vermittelst des -vorhin erwähnten gekrümmten Messers. Dabei werden die Rindenstücke -mit der Innenseite auf einen glatten Stab gelegt, der eine solche -Dicke hat, daß das Rindenstück glatt auf ihm aufliegen kann. Diese -Arbeit erfordert viel Geschicklichkeit und Übung; denn, wenn ein Rest -von Borke zurückbleibt, gewinnt der Zimt einen bitteren Geschmack. -Andererseits dürfen keine Löcher in die Rinde geschabt werden, trotzdem -sie oft auf nur ¼ mm Dicke gebracht werden muß. Nachdem die geschabten -Stücke oberflächlich getrocknet sind, werden sie zu etwa 1 m langen -Ruten zusammengesteckt (lateinisch ~canella~ Röhrchen genannt, weshalb -der Zimt die Bezeichnung Kaneel erhielt), oben und unten auf die -richtige Länge geschnitten, auf Regalen getrocknet, wobei sich die -einzelnen Rindenstücke zur Form eines Zylinders zusammenrollen und -die Rute einige Festigkeit erhält. Zuletzt wird der Zimt sortiert -und zur Verschiffung in ungefähr 45 kg schwere Ballen verpackt. Die -minderwertige Rinde und aller Abfall, bisweilen sogar die Blätter, -wandern in die Destillerie, um das als Heilmittel wichtige Zimtöl -daraus zu gewinnen. In Ceylon, dessen Zimtkulturen fast den gesamten -Zimtbedarf der Erde decken, rechnet man auf das Hektar etwa 180 kg -marktfertigen Zimt; doch kann dieser Betrag bei sorgfältiger Pflege -und Erntebereitung erheblich überschritten werden. Der Ceylonzimt -ist weitaus der beste, da der ceylonische Zimtbaum bei der Kultur in -anderen Ländern überall ausartet. Der nach dem Verschiffungshafen -Tellichery an der Malabarküste genannte südindische Zimt ist auch sehr -gut. Zweiter Güte ist der javanische und dritter der amerikanische Zimt -aus Französisch-Guiana und Brasilien. Bis jetzt haben die Anbauversuche -dieses Gewürzbaumes weder in Kamerun, noch in Deutsch-Ostafrika, wo er -ganz gut gedeiht, nennenswerte Erträge gebracht. - -Die ceylonischen Zimtgärten nehmen ungefähr 13500 Hektare ein, und -liefern jährlich etwa 900000 kg Zimt im Werte von 9 Millionen Mark. -Von der Ausfuhr gehen 80-90 Prozent nach England. Cochinchina baut -nordwestlich der Stadt Taifu etwa 150000 kg Zimtrinde, die meist -die Chinesen an sich ziehen. Im ganzen dürfte die jährliche Ernte -echten Zimts 1,5 Millionen kg nicht überschreiten. Feiner Ceylonzimt -wird in London durchschnittlich mit 2 Schilling (2 Mark) das Pfund -bezahlt, während Zimt anderer Herkunft nur 10 Pence (0,85 Mark) gilt. -Kassienzimt ist um vier Fünftel billiger als Ceylonzimt. - -Dieser letztere, meist nur +Kassia+ genannt, stammt von verschiedenen, -dem echten Zimtbaum sehr ähnlichen, nur etwas größer und kräftiger -werdenden Verwandten derselben Gattung ~Cinnamomum~, die in -Hinterindien und Südchina wild wachsen und dort, wie auch in -Ostindien und dem malaiischen Archipel, neuerdings auch in Süd- und -Mittelamerika kultiviert werden. Die häufigst angepflanzte Art ist -~Cinnamomum cassia~. Dieser Baum wird in derselben Weise, nur nicht -so sorgfältig wie der echte Zimt kultiviert. Er findet sich außer -in Cochinchina besonders in den südchinesischen Provinzen Kuang-si, -Kuang-tung und Kuei-tschou angepflanzt. Von hier stammt weitaus der -größte Teil der als chinesischer Zimt bezeichneten Kassia, den die -Kulturländer verbrauchen. Nächstdem kommt Bengalen und Malabar in -Britisch-Indien und Java und Sumatra in Holländisch-Indien. Gute Kassia -ist ein billigerer Ersatz des teuren, echten Ceylonzimts und wird -häufig unter dessen Namen in den Handel gebracht. Sie ist dicker und -kräftiger als Zimt, bricht kürzer, schmeckt beißender und ist ärmer an -Aroma. Diese Unterschiede verschwinden um so mehr, je feiner die Kassia -und je geringer der Zimt ist. Besonders in gemahlenem Zustand wird -Kassia sehr häufig als Zimt verkauft, oder kommt mit Zimt vermischt als -reiner Zimt in den Handel. Die +Kassiablüten+ haben einige Ähnlichkeit -mit den Gewürznelken, sind nur etwas kleiner. Sie stellen die in der -Sonne getrockneten, ganz jungen Früchte des besonders in Südjapan -kultivierten ~Cinnamomum dulce~ bald nach dem Verblühen der Blüten -dar und werden gleicherweise wie die Rinde als Arznei und Gewürze -verwendet. Als Zimtnägelein standen sie im Mittelalter hoch im Preise -und wurden besonders zur Herstellung des als Hippokras bezeichneten -Würzweins benutzt. Die Kultur und Ernte der Zimtkassia ist ganz analog -derjenigen des echten Zimts. - -Die Kassia wird seit Urzeiten vom alten Kulturvolke der Chinesen -als geschätzte Arznei und Würze verwendet. Schon in einem auf den -chinesischen Kaiser Schen-nung ums Jahr 2800 v. Chr. zurückgeführten -Kräuterbuche wird sie unter dem Namen ~kwai~ angeführt, der sich in -China unverändert bis heute für Zimt erhalten hat. Sie ist es auch, -welche unter dem heute noch gebräuchlichen Namen ~kasia~ neben dem -echten Zimt schon im frühen Altertum auf dem Seewege an die Küsten -des Roten Meeres gebracht und von dort aus an die Kulturvölker im -Bereiche des östlichen Mittelmeerbeckens weiter verhandelt wurde. In -einem uralten, an der Wand des Laboratoriums des Tempels von Edfu (18. -Dynastie 1580-1350 v. Chr.) in Hieroglyphen eingemeißelten Rezept zu -heiligem Räucherwerk wird Zimt als ~kainamaa~ aufgeführt. Und als die -unternehmende Tochter und Erbin des ägyptischen Königs Thutmosis I., -Hatschepsut, die mit ihrem Halbbruder Thutmosis II. verheiratet war -und nach dessen Tode von 1516-1481 v. Chr. selbständig über Ägypten -herrschte, im 9. Jahre ihrer Regierung eine Expedition von fünf -Schiffen nach dem Lande Punt (Südarabien) sandte, brachte diese außer -Weihrauch, Gold und Elfenbein auch Zimt in größerer Menge nach der -Residenz Theben mit. Da nun im Lande Punt kein Zimt wuchs, müssen ihn -indische Handelsschiffe dahin gebracht haben. - -Zu Ende des zweiten vorchristlichen Jahrtausends war der Zimt als -kostbarer Handelsartikel Vorderasiens auch den Juden und den Phönikiern -unter dem Namen ~kinnamon~ bekannt. So lesen wir in dem zur Zeit der -israelitischen Könige, deren drei erste Saul (1055 bis 1033 v. Chr.), -David (1033-993) und Salomo (993-953) waren, verfaßten Pentateuch im -2. Mose 30, 22 u. f. welche Wertschätzung dieses ferne Produkt Indiens -bei den ältesten Juden besaß. Dort heißt es: „Und der Herr (Jahve) -redete mit Mose (am Sinai um 1280 v. Chr.) und sprach: Nimm zu dir die -besten Spezereien 500 (Sekel) und Zimt halb soviel, nämlich 250, und -Kalmus auch 250, und Kassia 500 nach dem Sekel des Heiligtums und Öl -vom Ölbaum 1 Hin, und mache ein heiliges Salböl nach der Apothekerkunst -und salbe damit die Hütte des Stifts und die Lade des Zeugnisses, -den Tisch mit all seinem Geräte, den Leuchter mit seinem Geräte, den -Räucheraltar, den Brandopferaltar mit all seinem Geräte und das Handfaß -mit seinem Fuß; und sollst sie also weihen, daß sie das Allerheiligste -seien, denn wer sie anrühren will, der soll geweiht sein. Und sollst -mit den Kindern Israels reden und sprechen: Dieses Öl soll mir eine -heilige Salbe sein bei euren Nachkommen. Auf Menschen soll es nicht -gegossen werden, du sollst auch seinesgleichen nicht machen; denn es -ist heilig, darum soll’s euch heilig sein. Wer ein solches (Öl) machet -oder einem andern davon gibt, der soll von seinem Volk ausgerottet -werden.“ - -Dann findet sich der Zimt in der den Sprüchen Salomos nachgeahmten -„Weisheit Jesu, des Sohnes Sirach“, die ein gelehrter jüdischer -Priester von angesehener Lebensstellung ums Jahr 180 v. Chr. in -Alexandrien in griechischer Sprache verfaßte, und in der im Jahre 68 -auf 69 n. Chr. in Ephesus ebenfalls griechisch abgefaßten Offenbarung -des Johannes erwähnt, und zwar in letzterer Schrift dort, wo von den -Waren die Rede ist, die die Kaufleute Babylons verkaufen: Silber, -Gold, Edelstein, Perlen, Seide, Purpur und Scharlach, Zimt, Weihrauch, -Thymian, Salben, Wein, Öl, Weizen, Vieh usw. - -Phönikische Kaufleute brachten den Zimt unter der von ihnen dafür -gebrauchten Bezeichnung kinnamon zu den Griechen und müssen -ihnen dabei recht abenteuerliche Geschichten über dessen Herkunft -und Gewinnung erzählt haben; denn gleich der erste griechische -Schriftsteller, der diese kostbare, als Gewürz und Arznei -gleich hochgeschätzte Droge erwähnt, der Vater der griechischen -Geschichtschreibung Herodot (484 bis 424 v. Chr.), der selbst Ägypten, -Syrien und Babylonien bereiste, schreibt über ihn: „Die Araber sind -nicht imstande anzugeben, in welchem Lande der Zimt (~kinnámōmon~) -wächst, doch vermuten einige, er wachse in den Ländern, in denen -Dionysos (der angeblich aus Indien stammende, über Kleinasien nach -Griechenland gekommene orientalische Gott des Natursegens und der -bei seinen Festen zum Ausdruck kommenden ausgelassenen Lebensfreude) -erzogen worden. Große Vögel brächten die Späne herbei, welche die -Phönikier ~kinnámōmon~ nennen, welchen Namen wir von ihnen entlehnt -haben. Die Vögel trügen den Zimt in ihre an unzugängliche Felsen -gebauten Nester. Um ihn nun von da zu bekommen, legten die Araber große -Stücke Fleisch von krepierten Rindern, Eseln usw. unter die Felsen -und versteckten sich dann. Die Vögel trügen die Fleischstücke in ihre -Nester und überlüden sich so damit den Magen, daß sie herunterstürzten, -worauf der Zimt gesammelt und nach den anderen Ländern hin verhandelt -würde.“ - -Noch Aristoteles (384-322 v. Chr.), seit 343 Lehrer Alexanders des -Großen, -- sein Vater Nikomachos war in Stagira in Makedonien Leibarzt -und Vertrauter des Königs Amyntas II. von Makedonien gewesen -- meldet -uns solche zu seiner Zeit herum gebotene und geglaubte Märchen, indem -er in seiner Naturgeschichte sagt: „Das Zimtvögelchen soll in den -Gegenden, wo es heimisch ist, Zimt zusammentragen und sein Nest daraus -auf den Zweigen hoher Bäume bauen. Die Bewohner des Landes sollen es -von da mit Pfeilen, deren Spitze von Blei ist, herabschießen und so -den Zimt gewinnen.“ Sein Schüler Theophrast (390-286 v. Chr.) weiß -uns, nachdem inzwischen Alexander der Große seinen Zug nach Indien -ausgeführt hatte, schon Positiveres über den Zimt, wie auch über Kassia -zu berichten. Er schreibt in seiner Pflanzengeschichte: „Über Zimt -(~kinnámōmon~) und Kassia (~kasia~) berichtet man folgendes: Beide -sollen Sträucher von unbedeutender Höhe, dabei dem Keuschbaum (~ágnos~, -~Vitex agnus castus~) ähnlich sein und viele holzige Zweige haben. Wenn -man den ganzen Zimtbaum fällt, so soll man ihn in fünf Teile teilen. -Die jungen Triebe sollen den besten Zimt geben und man schneidet davon -Stücke eine Spanne lang oder wenig länger. Was darunter folgt gibt -die zweite Sorte und wird kürzer geschnitten; dann folgt die dritte -und vierte Sorte. Die letzte Sorte ist der Wurzel am nächsten und die -schlechteste; denn da ist wenig Rinde. Überhaupt wird nur die letztere -gebraucht, nicht das Holz. Deswegen sind eben die Zweige am besten; -denn sie haben die meiste Rinde. - -Andere behaupten ebenfalls, es seien Sträucher, aber es gebe eine -weiße und schwarze Sorte. Es geht auch die Sage, daß sie in Schluchten -wachsen, worin viele Schlangen leben, deren Biß tödlich ist. In diese -Schluchten gehe man zum Sammeln des Zimts mit geschützten Händen und -Füßen. Das Gewonnene teile man in drei Teile, bestimme den einen für -den Sonnengott und entscheide durch das Los, welchen er bekommen solle. -Gehen die Leute fort, so soll der dem Sonnengott zuteil gewordene Zimt -sogleich verbrennen. Das ist aber natürlich nur Fabel. - -Von der Kassia sagt man, sie habe dickere Ruten, deren Rinde man -nicht abschälen könne. Deswegen verfahre man, da man auch von ihr nur -die Rinde will, folgendermaßen: Man schneidet die Ruten in Stücke, -welche zwei Finger lang oder etwas länger sind. Diese näht man in eine -frische, abgezogene Tierhaut; dann erzeugten sich aus der Fäulnis der -Haut und des Holzes Würmer, die das Holz wegfräßen, die Rinde aber -wegen ihres scharfen Geruches und ihrer Bitterkeit nicht anrühren.“ - -Um 50 v. Chr. berichtet uns der griechische Geschichtschreiber Diodoros -aus Sizilien in seinem Geschichtswerk: „In Arabien wachsen Costus, -Kassia, Zimt und andere Herrlichkeiten in solcher Menge, daß man dort -Dinge, die man bei uns nur sparsam auf die Altäre der Götter legt, zum -Heizen der Kochherde verwendet, und daß Dinge, die man anderwärts nur -in kleinen Proben sieht, dort als Streu für die Leute gebraucht werden. -Namentlich wächst in Arabien der sogenannte Zimt, ein ausgezeichnet -nützlicher Stoff, nebst Gummi und wohlriechendem Terpentin in -unermeßlichem Überfluß.“ - -Auch der 25 n. Chr. gestorbene griechische Geograph Strabon, der weite -Reisen durch das Römerreich machte, war noch im Wahn befangen, daß -das Glückliche Arabien, das doch nur den Zimt und die anderen Gewürze -von Indien her bezog, solchen selbst hervorbringe. Er sagt in seinem -Geographiebuch: „Im arabischen Gewürzland soll Weihrauch und Myrrhe -von Bäumen, Kassia aber von Sträuchern gewonnen werden, die meiste -Kassia jedoch, wie manche behaupten, aus Indien. Es wächst in diesem -Gewürzland auch Zimt und Narde; den meisten Wein gewinnt man dort -von Palmen.“ Und an einer anderen Stelle schreibt er: „Daß der Nil -zu der Zeit schwelle, wo das oberhalb Ägyptens liegende Negerland -von Platzregen überschwemmt wird, hat man von Leuten erfahren, die -im Arabischen Meerbusen bis zum Zimtlande geschifft sind, oder von -solchen, die von den Ptolemäern auf die Elefantenjagd ausgesandt -wurden.“ - -Der um die Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. lebende griechische Arzt -Dioskurides zählt verschiedene Sorten Zimt und deren Eigenschaften auf -und meint, die beste müsse eigentümlich wohlriechen und scharf, fast -beißend und erhitzend schmecken. Er werde als Arznei, als Parfüm für -Salben und sonst zu gar mancherlei Zwecken gebraucht. Sein Zeitgenosse -Plinius, der 79 n. Chr. beim Vesuvausbruch umkam, war schon besser -als seine griechischen Vorgänger unterrichtet. Er schreibt in seiner -Naturgeschichte: „Zimt (~cinnamomum~) und Kassia (~casia~) trägt -Arabien nicht. Übrigens haben die alten Schriftsteller und namentlich -Herodot über den Zimt allerlei Fabeln berichtet, so z. B. daß er in -der Heimat des Bacchus von unzugänglichen Felsen und Bäumen aus dem -Neste des Vogels Phönix teils durch das Gewicht hineingetragenen -Fleisches herabgestürzt, teils mit Pfeilen herabgeschossen werde. -Ferner müsse man an den dortigen Sümpfen, um die Kassia zu gewinnen, -gegen die Krallen gräßlicher Fledermäuse und gegen geflügelte Schlangen -kämpfen. Das sind nun lauter Fabeln, durch die man den Preis der -Ware zu steigern suchte. Es schließt sich an die genannte Sage noch -eine zweite, daß nämlich durch die Hitze der südlichen Sonne auf der -ganzen Halbinsel ein unbeschreiblicher Wohlgeruch erzeugt werde, in -welchem sich die Würze und Balsamdüfte so vieler Pflanzen vereinten, -daß z. B. die Flotte Alexanders des Großen auf hohem Meere die Nähe -Arabiens zuerst durch den Geruch entdeckt habe. Lauter Erdichtung! -Denn Zimt und Kassia wachsen im Lande derjenigen Neger, welche mit den -Troglodyten verwandt sind. Die Troglodyten kaufen den Zimt von ihren -Nachbarn und verhandeln ihn weithin übers Meer auf Flößen, welche weder -durch Steuerruder gelenkt, noch durch Ruder oder Segel in Bewegung -gesetzt, ja nicht einmal durch den Verstand der Menschen regiert -werden, sondern nur auf gut Glück drauflos fahren. Sie gehen übrigens -Mitte Winters in See, zur Zeit da vorzüglich Südostwinde wehen. Diese -treiben sie geradewegs durch die Meerbusen hin, und nach der Fahrt um -das Vorgebirge führt sie der Westsüdwest in den Hafen der Gebaniter, -welcher Ocilia heißt. So kaufen denn die Gebaniter vorzugsweise den -Zimt auf und sagen, die Zimtverkäufer kämen in fünf Jahren kaum -einmal und viele von ihnen verunglückten. Für den Zimt tauschen die -Troglodyten Glas- und Bronzewaren, Kleider, Spangen und Geschmeide ein. - -Der Zimtstrauch wird höchstens 2 Ellen, mindestens aber 1 Hand hoch -und sieht wie vertrocknet aus. So lange er grün ist, hat er keinen -Wohlgeruch; er hat Blätter wie der Dosten (~origanum~), steht gerne -trocken, wächst bei starkem Regen schlecht, verträgt den Schnitt gut. -Er wächst in Ebenen, aber zwischen dichtem Dornengebüsch, so daß man -ihm schwer beikommt. Die Ernte wird nur vorgenommen, wenn ein Gott es -erlaubt, welchen die Eingeborenen Assabinus nennen, manche aber für -den Jupiter halten. Die Erlaubnis zur Ernte gibt der Gott nur gegen -ein Opfer von 44 Rindern, Ziegen und Widdern. Vor Aufgang der Sonne -und nach deren Untergang darf nicht geschnitten werden. Der Priester -des Gottes teilt die Zweige mit einer Lanze, sondert den Anteil des -Gottes aus; das übrige verpackt der Kaufmann. Nach anderen Angaben -bekommt jener Gott ein Drittel, ein anderes die Sonne, ein Drittel der -Kaufmann. Über die drei Teile soll zweimal gelost werden; der Anteil -der Sonne soll von selbst in Flammen aufgehen. Am höchsten im Preise -stehen die Zweigenden, welche in Stücke von Handlänge geschnitten sind; -für geringer gelten die hinter jenen stehenden, kürzer geschnittenen -Stücke. Am wenigsten werden die der Wurzel zunächst stehenden Teile -geschätzt; denn sie haben am wenigsten Rinde, und gerade in der Rinde -liegt der Wert. Das Holz des Zimtstrauchs wird verachtet, weil es -scharf und nach Dosten riecht. Man nennt es ~xylocinnamomum~ und -bezahlt das Pfund mit 10 Denaren (6 Mark). - -Manche unterscheiden eine hellere und eine dunklere Sorte von Zimt. -Früher gab man ersterer den Vorzug; jetzt gilt die dunkle und sogar die -gefleckte für besser. Am sichersten kann man den Zimt für gut erklären, -wenn er nicht rauh ist und wenn gegeneinander geriebene Stücke nur -langsam zerbröckeln. Weiche oder mit loser Oberhaut überzogene Stücke -achtet man gar nicht. Den Preis des Zimts bestimmt einzig der König der -Gebaniter. Das Pfund galt sonst 1000 Denare (600 Mark). Jetzt ist er -um die Hälfte im Preise gestiegen, weil die Barbaren, wie man erzählt, -ganze Wälder abgebrannt haben; aus welchem Grunde weiß man nicht -sicher. Es gibt auch Schriftsteller, welche behaupten, daß die Südwinde -im Zimtlande so heiß wehen, daß sie im Sommer die Wälder versengen. - -Kaiser Vespasian (geb. 9 n. Chr., wurde 69 nach Othos Sturz von seinen -Legionen zum Kaiser ausgerufen, bestieg den Thron, nachdem sein -Legat Antonius Primus den Kaiser Vitellius gestürzt hatte, schloß 71 -den Janustempel, starb 79) ist der erste gewesen, welcher in allen -Tempeln des Kapitols und im Friedenstempel in Gold gefaßte Zimtkränze -aufhing. Ich habe auch eine sehr schwere Wurzel des Zimtstrauches -im Palatinischen Tempel gesehen, den Augusta (dritte Gemahlin des -Augustus, 38 v. Chr. von Tiberius Claudius Nero geschieden, übte großen -Einfluß auf Augustus aus, sicherte ihrem Sohne Tiberius die Nachfolge -durch Wegräumung mehrerer Glieder des julischen Geschlechts, hieß -eigentlich Livia Drusilla, erhielt aber 14 n. Chr. im Todesjahre des -Augustus den Namen Julia Augusta, d. h. „die erhabene Julia“, starb 29) -ihrem Gemahl Augustus erbaut hat. Die Wurzel lag auf einer goldenen -Schale. Jahr für Jahr drangen Tropfen aus ihr hervor und verhärteten, -bis der Tempel von einer Feuersbrunst verzehrt wurde.“ Weiter berichtet -Plinius: - -„Auch die Kassia ist ein Strauch, der auf Ebenen neben dem Zimte -wächst, auf Bergen aber stärkere Triebe bildet. Die Schale ist dünn, -bildet keine eigentliche Rinde und wird um so höher geschätzt, je -zarter sie ist, was sich beim Zimt gerade umgekehrt verhält. Der -Strauch wird 3 Ellen hoch und hat 3 verschiedene Farben. Schlägt er -aus, so ist er einen Fuß hoch weiß, einen halben Fuß höher rot, weiter -hinauf dunkelfarbig. Dieser Teil wird am höchsten geschätzt, der rote -geringer, der weiße gar nicht. Am wertvollsten ist die frische Kassia, -welche einen sanften Geruch und mehr einen brennenden, als allmählich -erwärmenden und sanft beißenden Geschmack hat, an Farbe purpurbraun, -an Gewicht leicht ist und kurze, nicht zerbrechliche Röhrchen bildet. -Man nennt diese Sorte mit einem ausländischen Namen lada, eine andere -heißt von ihrem balsamischen Geruch ~balsamodes~; sie ist aber bitter, -wird mehr von Ärzten gebraucht, wie die dunkelfarbige zu Salben. Keine -andere Ware hat so verschiedene Preise. So kostet das Pfund bester -Kassia 50 Denare (30 Mark), geringere nur 5 Denare (3 Mark).“ - -Neben Zimt und Kassia hat übrigens schon das Altertum aus Indien die -wohlriechenden Blätter und wohl auch die Rinde einer von uns als -+Mutterzimt+ (~Cassia tamala~) bezeichneten Kassienart bezogen, die -als ~malabáthron~ bei den Griechen und Römern als kostbares Parfüm -sehr beliebt waren. Aus ihnen wurde auch eine viel begehrte Salbe -hergestellt, die an Beliebtheit fast die berühmte indische Nardensalbe -erreichte. Der griechische Schriftsteller Arrianus, der im Jahre 136 -unter Hadrian Präfekt von Kappadokien war und unter Mark Aurel starb, -sagt in seinem Bericht über die Umschiffung des Roten Meeres, daß -viele Schiffe nach dem am Südwestufer Indiens gelegenen Handelsplatz -Nelecynda fahren, weil dort Pfeffer und ~malabáthron~ in Menge und -besonderer Güte zu haben seien. - -Wie diese kostbaren Gewürze vom Persischen Golf nach Babylonien -gelangten, so wurden sie über das Rote Meer und Alexandrien nach den -Mittelmeerländern ausgeführt. Und als später die Droge durch die -Wirren der Völkerwanderung immer seltener und unerschwinglicher wurde, -bedienten sich besonders die Ärzte ihrer als wertvolle Arznei. So -ging durch sie das lateinische ~cinnamomum~ ins mittelhochdeutsche -~cinment~, weiter Zimmet und schließlich das neuhochdeutsche Zimt über. -Ein großer Teil der Ware muß aber zu Beginn des Mittelalters aus China -bezogen worden sein, welche Tatsache allein uns den bei den Persern und -Arabern üblichen Ausdruck dar ~Chini~ (Holz von China) für Zimt und -Kassia erklärlich macht. Später nannten die Venezianer und Portugiesen -den Zimt wie jede aromatische Rinde ~canella~, welcher Ausdruck dann -als ~canelle~ ins Französische überging. - -Die Zimtwälder um Kolombo auf Ceylon werden erst im Jahre 1340 von -dem 1302 in Tanger geborenen, bis China und Südasien vorgedrungenen -arabischen Reisenden Ibn Batuta erwähnt, der 1352 auch Timbuktu -besuchte und 1377 in Fes starb. Im Jahre 1444 beschrieb der -venezianische Kaufmann Nicolo Conto die Zimtbäume der von ihm als -Saillana bezeichneten Insel Ceylon, teilte aber nichts über die -Ausfuhr des Gewürzes mit. Erst der Portugiese Lorenzo da Almeida, der -im Hafen von Point de Galle Schiffe mit Zimt und Elefanten verladen -sah, berichtete darüber eingehend im Jahre 1505. Die Portugiesen, die -sich an der Küste Ceylons niederließen, legten zunächst auf diesen -Handelsartikel keinen großen Wert, wurden aber bald eines anderen -belehrt. So unterschied bereits 1536 Garcia da Orta den Zimt von Ceylon -von demjenigen der Philippinen und Java; der erstere war damals 40mal -teurer als die letzteren, im Jahre 1644 aber nur noch 5mal teurer. -Im Jahre 1546 erfahren wir aus einem Briefe des Florentiners Filippo -Sassetti an Franzesco I. di Medici, daß die Zweige regelmäßig alle drei -Jahre geschält würden. Zur Erlangung von Stockausschlägen wurden die -Bäume einfach gekappt. Dies und das Einsammeln der Rinde der wilden -Bestände, die vorzugsweise durch eine Drossel vermehrt wurden, welche -die reifen Beeren verzehrte und die unverdaulichen Samen in noch völlig -keimfähigem Zustande von sich gab, besorgten Angehörige einer -besonderen Kaste, die Chalias oder Zimtschäler. - - Tafel 75. - -[Illustration: - - (~Copyright by F. O. Koch.~) - -Zimtbaum auf Ceylon. - - (~Copyright by F. O. Koch.~) - -Das Schälen der Zimtrinde.] - - Tafel 76. - -[Illustration: Muskatnüsse. - -(Nach Photographie von H. Schenck in „Karsten u. Schenck, -Vegetationsbilder“.) - -Gewürznelkenbäume (~Caryophyllus aromaticus~) auf Zanzibar. - -(Nach Photographie von Busse in „Karsten u. Schenck, -Vegetationsbilder.“)] - -Bis zur Ansiedelung der Portugiesen, die seit 1505 einen regelmäßigen -Verkehr mit der Insel unterhielten, war der Zimthandel ein -einträgliches Monopol der einheimischen Könige, deren Geschlecht aus -Nordindien stammte und seit 543 v. Chr. die Singalesen beherrschte. -Als die Portugiesen sich der Küste Ceylons im Jahre 1580 bemächtigten, -legten sie den Herrschern im Innern einen Tribut von 125000 kg Zimt -auf und versprachen ihnen dafür die Hilfe Portugals. Bald aber machten -sie sich so verhaßt, daß der König von Kandy die Holländer gegen -sie zu Hilfe rief. Diesen hatte schon Philipp II. den Handel mit -Lissabon untersagt; so versuchten sie, sich den Zimt auf direktem -Wege zu verschaffen. Im Jahre 1596 kamen die ersten wohlbewaffneten -holländischen Handelsschiffe in den Indischen Ozean und 1632 begann -die Verdrängung der Portugiesen von Ceylon, die 1658 eine vollständige -und dauernde war. Sofort erhoben die Holländer den Zimt zu ihrem -ausschließlichen Monopol. Die arme Kaste der Chalias oder Zimtschäler -wurde schwer bedrückt. Jedes Mitglied derselben mußte vom 12. Jahre -an einen Pingo, d. h. 28 kg Zimtrinde während einer Ernte abliefern -und im Laufe der Jahre stieg die Menge sogar auf 303 kg! Die -Gegenleistung bestand in Befreiung von Steuern und kleinen Rationen an -Reis. Begreiflicherweise suchten die Chalias sich dieser unwürdigen -Behandlung durch Flucht in die Berge zu entziehen. Dafür mußten die -Zurückbleibenden um so anstrengender arbeiten. Niemand sonst durfte -Zimtbäume pflanzen oder Zimt schälen. Jeder Grundbesitzer mußte es dem -holländischen Beamten melden, wenn er auf seinem Grund und Boden eine -Zimtpflanze entdeckt hatte. Verheimlichung wurde sehr strenge, unter -Umständen mit dem Tode bestraft. Die kleinsten Veruntreuungen beim -Einsammeln der Rinde brachten Täter wie Hehler unerbittlich den Tod. - -Ein Jahrhundert lang zogen die Holländer aus dem Zimtmonopol einen -reichen Gewinn, der manchmal 7 Millionen Mark im Jahre überstieg. Die -meisten Zimtbäume befanden sich auf dem Gebiete des Königs von Kandy. -Wenn dieser aber feindselig auftrat, sank die Einnahme bedeutend und -brachte nur etwa 1 Million Mark ein. Um sich nun von den Launen dieses -Herrschers unabhängig zu machen, schlug ein Einnehmer des Distrikts -Kolombo namens de Koke dem holländischen Gouverneur Falk im Jahre 1765 -vor, den Zimtbaum auf eigenem Gebiete zu pflanzen. Anfangs wies der -Große Rat in Batavia diesen Vorschlag zurück; doch waren die Vorteile -zu verlockend, so daß man sich endlich zu einer Einwilligung verstand. -Die Ausführung war indessen nicht leicht. Die Häuptlinge behaupteten, -daß kultivierter Zimt minderwertig sei; auf ihr Betreiben hin -widersetzten sich dieser Neuerung auch die Eingeborenen. Schließlich -drang die holländische Regierung mit ihren Forderungen doch durch, aber -die Eingeborenen suchten den Kulturen insgeheim zu schaden, indem sie -dieselben mit heißem Wasser begossen oder anderweitig die Pflänzlinge -zu ruinieren suchten. Nur drakonische Strenge sicherte das Unternehmen. -So wurde jedes Zerstören von jungen Pflanzen mit Abhauen der rechten -Hand bestraft. Bald versuchten die Holländer mit etwa 200000 kg -Zimtrinde, die sie aus den eigenen Kulturen gewannen, den gesamten -europäischen Bedarf zu decken, ohne Bezüge der Ernte aus dem Königreich -Kandy im Innern der Insel machen zu müssen. Dabei sorgten sie durch -gewaltsame Mittel dafür, daß die hohen Preise dieser Droge nicht etwa -durch Überproduktion herabgedrückt wurden. Vor allem beschränkten sie -die Kulturbäume auf eine bestimmte Anzahl und ließen in gesegneten -Jahren stets einen Teil der zu reichlichen Ernte ins Meer werfen oder -verbrennen. Auch im Mutterlande räumte man, um eine Preisdrückerei zu -verunmöglichen, im Übermaß sich ansammelnde Vorräte durch Verbrennen -hinweg; lieber sollte die Arbeit ganz umsonst gewesen sein, als daß man -sich selbst seinen Volksgenossen gegenüber zu einer Verbilligung der -Ware herabließ. So berichtet der Franzose Beaumaré, er sei im Juni 1760 -Augenzeuge davon gewesen, wie man beim Admiralitätsgebäude in Amsterdam -zwei Tage nacheinander -- abgesehen von Muskatnuß -- für zusammen -etwa 16 Millionen Livres Zimt verbrannt habe, was einen köstlichen -Wohlgeruch über das ganze Land verbreitete. - -Im Kriege mit den Holländern besetzten die nach den Zimtgärten jener -lüsternen Engländer 1795 Ceylon, das ihnen 1802 im Frieden von Amiens -regelrecht abgetreten wurde. Sie fanden die Zimtkulturen im blühendsten -Zustande und nutzten sie als Erben der alten Machthaber in derselben -Weise wie jene aus. Die englisch-ostindische Handelsgesellschaft -übernahm das höchst einträgliche Monopol und führte es im Sinne der -Holländer weiter. Der erste Gouverneur, North, erließ sogar eine -Verordnung, durch welche nicht nur Neuanlagen verboten wurden, sondern -auch die bereits bestehende Anzahl der Zimtgärten eine Einschränkung -erfuhr. 1815 kam nach Beseitigung des bis dahin noch regierenden -Eingeborenenfürsten die ganze Insel unter die Administration der -englischen Krone, die das Zimtmonopol bis 1833 aufrechterhielt, dann -aber aufgeben mußte, da der Zimtbaum inzwischen durch die Holländer -auf Sumatra, Java und Borneo und durch die Franzosen auf Isle de -France (dem heutigen Mauritius), Bourbon und in Cayenne angesiedelt -worden war, ohne allerdings dort das vorzügliche Produkt wie in Ceylon -zu geben, das heute mit seiner höchst aromatischen Rinde noch immer -den Weltmarkt beherrscht. Wenn nun auch die englische Regierung das -Zimtmonopol notgedrungen aufheben mußte, so belegte sie dafür den -Zimt 1833 mit einem sehr hohen Zoll von 200 Prozent; erst im Jahre -1853 wurde dieser aufgehoben und der Zimtbaum und der Handel mit -dessen Rinde freigegeben, worauf sich die Zimtgärten auf der Insel -wieder vermehrten. Doch haben neuerdings andere Kulturen den Zimt auf -Ceylon zurückgedrängt, so daß China, das schon zu Anfang des vorigen -Jahrhunderts durch Anbau von Zimt und Kassia im großen England scharfe -Konkurrenz gemacht hatte, jetzt den meisten Zimt liefert. - -Erst in der Gegenwart ist diese Droge, die früher in der Arzneikunde -und feinen Küche eine sehr viel wichtigere Rolle spielte als heute, -billig und damit jedermann zugänglich geworden. Noch im späten -Mittelalter war dies nicht der Fall. Es sei hier nur an jene mehrfach -von Malern geschilderte Begebenheit erinnert, da Kaiser Karl V., „in -dessen Reich die Sonne nicht unterging,“ im Frühling 1530, von Italien -zurückkehrend, den in den Grafenstand erhobenen reichen Kaufherrn Jakob -Fugger in Augsburg besuchte. Dieser damals reichste Mann Deutschlands -hatte dem trotz seines gewaltigen Länderbesitzes und seiner reichen -Einnahmen nur zu oft in Geldnöten steckenden Kaiser gegen Schuldschein -eine sehr bedeutende Summe geliehen. Als dieser sich bei seinem Besuche -entschuldigte, daß er dem Kaufmanne das Geld noch nicht zurückerstattet -habe, fröstelte ihn und er begann über den Unterschied des deutschen -und italienischen Klimas zu sprechen. Da brachte der reiche Jakob -Fugger einige Bündel der überaus kostbaren indischen Zimtrinde herbei, -legte sie in den Kamin, des Kaisers Schuldschein darauf und zündete das -an. Das war in den Augen der Zeitgenossen nicht nur ein fürstliches -Geschenk, sondern die größte Ehre, die er dem Kaiser erweisen konnte; -denn damals kostete ein Lot (15 g) Zimt etwa 10 Mark. - -[Illustration: Bild 41. - -Blütenzweig und Frucht eines weiblichen Muskatnußbaums (~Myristica -fragrans~).] - -Viel mehr geschätzt als heute war im Mittelalter neben Pfeffer und -Zimt auch die +Muskatnuß+, die von einem den Zimtbäumen weitläufig -verwandten, 10-15 m hohen, immergrünen, in allen seinen Teilen stark -aromatisch riechenden Baume (~Myristica fragrans~) stammt. Er wuchs -ursprünglich wild auf den Bandainseln in den Molukken und einem Kranz -darum gelegener kleiner Inseln. Heute existiert er jedoch nur noch -als Kulturform. Die sehr große Krone sitzt auf einem bis 70 cm dicken -Stamme, dessen schmutzig olivengrüne Rinde und rötliches Mark einen -Saft besitzen, der durch Berührung mit der Luft rot wird. Es gibt von -ihm männliche und weibliche Bäume, die an den reich verästelten Zweigen -bis 10 cm lange, länglicheiförmige, dunkelgrüne, glatte, lederige, -kurzgestielte Blätter tragen und aus den Blattwinkeln die unscheinbaren -Blüten hervorbrechen lassen. Die männlichen Blüten bilden Rispchen -mit einfacher weißer Blütenhülle, während die gelblichen weiblichen -einzeln stehen und innerhalb der etwas kleineren, dreizähnigen Hülle -einen einfächerigen Fruchtknoten besitzen, der eine einzige Samenanlage -umschließt. Die äußerlich einigermaßen einem Pfirsich ähnliche Frucht -ist eine kugelige, zuerst grüne, dann leuchtend ockergelbe, hängende -Beere von 3-7,5 cm Durchmesser, deren äußeres Fruchtfleisch sich bei -der Vollreife spaltet und den fleischigen, in längliche Lappen sich -teilenden, karminroten Samenmantel erblicken läßt, der den nußartigen -Samen umschließt und, getrocknet, wobei er allerdings seine schöne -Farbe einbüßt und goldgelb wird, als +Macis+ oder +Muskatblüte+ in -den Handel gelangt. Der darunter liegende nußartige Samen besitzt -unter einer dünnen, harten, holzigen Schale einen Kern, der getrocknet -die bekannte Muskatnuß bildet, die außer einem ätherischen Öl, dem -Muskatnußöl, ein Fett, die Muskatnußbutter enthält, die ausgepreßt -werden kann. Die Muskatnuß zeigt auf ihrer Oberfläche die Furchen, -die von den Lappen des Samenmantels hervorgebracht werden, und die -marmorierte Zeichnung in ihrem Innern rührt davon her, daß das -Nährgewebe des Samens tief zerklüftet ist; und gerade in diesen -Klüften befindet sich in einer bräunlichen Substanz das aromatische -Muskatnußöl, nebst der Butter, die zusammen 33 Prozent ihres Gewichtes -ausmachen. Sie werden durch Pressen der erwärmten Samen in Form einer -bräunlichen, stark muskatnußartig riechenden Masse gewonnen, die häufig -in den Apotheken Verwendung findet. - -Nächst einer gleichmäßigen, hohen Temperatur verlangt der Muskatnußbaum -viel Feuchtigkeit im Boden und in der Luft und eine nährstoffreiche, -lockere Erde, wie sie der durch Verwitterung von trachytischer Lava und -vulkanischem Sande entstandene sandiglehmige, humusreiche Boden seiner -Heimat aufweist. Er verleugnet niemals seine Waldbaumnatur, indem er -sein ganzes Leben in der wasserdampfgeschwängerten Luft des Urwaldes, -oder wenigstens im Schatten von Nachbarbäumen stehen will. Auf den -Bandainseln gibt man ihm durchwegs den hohen gemeinen Canarienbaum -(~Canarium commune~) als schattenspendenden Gesellschafter. Dieser -ist auf den Molukken heimisch, seine Fruchtkerne werden wie süße -Mandeln gegessen und sein Harz dient zur Herstellung von Fackeln. Der -Muskatnußbaum wird in von Bananen beschatteten Beeten, die sorgfältig -von Unkraut und Ungeziefer rein gehalten werden müssen, aus den Samen -gezogen und, wenn er 0,8-1,0 m hoch geworden ist, in Abständen von -6-8 m an seinen bleibenden Standort versetzt, an welchem durch -vorheriges Pflanzen jener größeren Schattenbäume für die Abhaltung -allzu großen Sonnenbrandes gesorgt wurde. Dabei pflanzt man auf 20 -weibliche Bäume, die ja einzig Frucht tragen, einen männlichen, der zu -deren Befruchtung dient. Die weitere Pflege und das Beschneiden des -Baumes, das nicht allzu ausgiebig erfolgen darf, da er sehr empfindlich -gegen Verwundungen ist, geschieht vollständig wie beim Kakaobaum. Bei -guter Pflege wird der Muskatnußbaum im achten Jahre tragbar, erreicht -aber erst im 14. bis 16. Jahre seine Vollkraft, die er ungefähr 30 -Jahre lang bewahrt. Dann geht er seiner Erschöpfung entgegen, deren -rascherer oder kürzerer Verlauf von der Behandlung abhängt. Wenn -dieselbe mustergültig ist, kann der Baum seine Tragfähigkeit auf 80 und -sogar 90 Jahre ausdehnen. Gut gehaltene Bäume liefern mit Leichtigkeit -1500 bis 2000 Nüsse jährlich, doch rechnet man beim Plantagenbau meist -nicht mehr als 2,5 kg getrockneter Nüsse und ein Viertel dieses -Betrages für Macis. - -Von der Blüte bis zur Reife der Früchte vergehen neun Monate. Wenn -nun auch das Blühen und Fruchttragen unabhängig von der Jahreszeit -beständig vor sich geht, so spricht man gleichwohl von zwei bis drei -Erntezeiten im Jahr, weil sich innerhalb derselben die Reife am meisten -häuft und man es nicht für lohnend hält, unausgesetzt einzelne reife -Früchte zu ernten. Daher läßt man, soweit es angängig ist, die Früchte -hängen, bis sie in Massen abgenommen werden können. Dies geschieht, -wenn die äußere Schale berstet, im April (beste Qualität), Juli (größte -Menge) und November. Zur möglichsten Schonung der tragenden Zweige -werden die Früchte mittels langer Bambusstangen, an denen vorn ein -Körbchen nebst Haken befestigt ist, gepflückt und zunächst ihres gelben -Fruchtfleisches beraubt, was -- weil die Hülle geborsten ist -- leicht -mit den Händen ausgeführt werden kann. Dieses Fruchtfleisch wird von -den Eingeborenen gegessen und gelangt eingemacht auch nach Europa; doch -wird es in den Plantagen meist weggeworfen. Die von der Macis umgebenen -Nüsse werden in Tragkörben nach Hause gebracht, daselbst der rote -Samenmantel behutsam abgestreift, an der Sonne getrocknet und dabei -mehrfach mit den nackten Füßen platt gestampft, bis er schließlich -dünn und gelb erscheint. Die Kerne dagegen werden ein bis zwei Monate -lang in einem Trockenhaus, in dessen Mitte ein offenes, rauchendes -Feuer unterhalten wird, bei schwacher Hitze getrocknet, indem man sie -jeden zweiten oder dritten Tag vermittelst platter Holzrechen umwendet. -Wenn sie soweit trocken sind, daß die Nuß in der Schale rasselt, wird -letztere mit einem Holzhammer aufgeschlagen und hernach die Muskatnüsse -ausgesiebt. Dann werden letztere mit den Händen sortiert, als Schutz -gegen Insektenfraß mit gepulvertem Kalk eingerieben und, sorgfältig in -Fässern verpackt, in den Handel gebracht. Früher wurden sie von den -Holländern extra eine Zeitlang in einem Kalkwasserbad liegen gelassen, -um in erster Linie ihre Keimfähigkeit zu zerstören und dadurch eine -Weiterverbreitung des Baumes zu verhindern, was wegen des von ihnen -ausgeübten Monopols sehr wichtig war. Doch weiß man jetzt, daß diese -Maßregel vollständig überflüssig ist und das Trocknen der geschälten -Nüsse allein schon genügt, um ihre Keimkraft zu vernichten. Die kleinen -und schadhaften Muskatnüsse werden jetzt gleichfalls meist nach Europa -exportiert, um in Fabriken gemahlen und, in Säcke gefüllt und in -warmem Zustande einer kräftigen Pressung ausgesetzt, das bräunliche, -aromatisch riechende Fett abzugeben, das als Muskatnußbutter in den -Handel gelangt. - -Die alten Griechen und Römer scheinen die Muskatnüsse nicht gekannt -zu haben. Eine angebliche Erwähnung durch den griechischen, um die -Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. in Rom lebenden Arzt Dioskurides -ist unsicher. Die erste sichere Nachricht von ihnen findet sich -beim byzantinischen Arzte Aëtios um die Mitte des 6. Jahrhunderts. -Die Araber dagegen kannten sie im 9. Jahrhundert sehr gut, und der -gelehrte arabische Arzt Avicenna, eigentlich Ibn Sina aus Bochara -(980-1037), der Leibarzt mehrerer Sultane, spricht von ihnen als einer -gebräuchlichen indischen Droge. Die später heilig gesprochene Äbtissin -Hildegard im Kloster Rupertsberg bei Bingen (1098-1197) berichtet, daß -man zu ihrer Zeit die Muskatnüsse als kostbares Gewürz benutzte und -sogar davon ins Bier rieb. Diese Sitte blieb das ganze Mittelalter -hindurch gebräuchlich. Der byzantinische Hofarzt Joannes Aktuarius -in Konstantinopel erwähnt die Muskatnuß zu Ende des 12. Jahrhunderts -als ~nux unguentaria~, ~quam myristicam appellant~, d. h. die zur -Bereitung von Salben benützte Nuß, welche man ~myristica~ (griech. zum -Salben gehörig) nennt. Das ganze Mittelalter hindurch genoß man die -Muskatnuß, den verschiedensten Speisen beigemischt, als magenstärkendes -Mittel. Vielfach diente sie auch zu aromatischen Räucherungen, wie -z. B. bei der Krönung Heinrichs VI. im April 1191 in Rom, wo als -solche Balsama neben Weihrauch und Ambra auch die ~myristica~ genannt -wird. Albertus Magnus (1193-1280) schildert Muscata als einen sehr -schönen, lorbeerblätterigen Baum Indiens, dessen Blüte die Macis sein -sollte. 1158 treffen wir ~nuces muscatarum~ aus Alexandrien unter den -Handelsartikeln der Genuesen und 1180 befinden sich Muskatnüsse unter -den in Akkon im südlichen Syrien eingeführten indischen Spezereien. In -einem Festspiel zu Treviso 1214 warf man Muskatnüsse unter die Menge, -und 1228 wurde in Marseille auf die Einfuhr derselben und der Macis -bereits ein Zoll gelegt. Dieselbe Maßregel wurde 1380 von der Stadt -Brügge getroffen, in welcher die Einfuhr dieser Handelsware schon -ballenweise erfolgte. - -Vom 12. Jahrhundert an werden die ~nuces moschatae~, d. h. nach Moschus -riechenden Nüsse, woraus unsere deutsche Bezeichnung Muskatnüsse -hervorging, in jeder abendländischen Aufzählung von Heilmitteln und -Gewürzen genannt; dabei findet sich vielfach die Bemerkung, daß sie -aus Indien eingeführt werden. Bald nach der Entdeckung des Seeweges -nach Ostindien um das Kap der Guten Hoffnung durch den portugiesischen -Schiffskapitän Vasco da Gama 1498 sahen auch schon die ersten Europäer, -und zwar Portugiesen, ums Jahr 1504 die ersten Muskatnußbäume auf -den Bandainseln. Dort trieben die einheimischen Fürsten einen -schwunghaften Handel mit den in den westlichen Kulturländern -vielbegehrten Muskatnüssen. Namentlich waren die Sultane von Ternate -und Tidor, zweier kleiner Inseln an der Westküste von Dschilolo in der -ostmalaiischen Inselwelt, wegen ihres durch den Handel mit jenen Nüssen -erworbenen großen Reichtums und ihrer dadurch bedingten königlichen -Prunkentfaltung berühmt. So gibt uns der englische Seefahrer Sir -Francis Drake (1540-1596), der bei einer Reise um die Erde 1579, also -bereits nach der Vertreibung der Portugiesen, Ternate besuchte, eine -eingehende Schilderung der dort entfalteten Pracht. Er schreibt. „Über -dem König wurde ein sehr kostbarer Baldachin von getriebener Goldarbeit -getragen, und zwölf Lanzenträger waren seine Beschützer. Vom Gürtel -bis auf den Boden waren alle Kleider von Gold und prächtig verziert. -In seinen Kopfputz waren verschiedene über einen Zoll breite Ringe -geflochtenen Goldes eingewebt, was ihm ein fürstliches Aussehen gab -und der Form nach einer Krone glich. Um den Hals trug er eine Kette -aus gediegenem Gold mit sehr großen Gliedern, zweimal herumgelegt. An -seiner Linken blitzten ein Diamant, ein Smaragd, ein Rubin und ein -Türkis und an seiner Rechten in einem Ringe ein dicker tadelloser -Türkis und in einem anderen viele Diamanten von geringerer Größe.“ - -Mit Waffengewalt setzten sich nun die Portugiesen zu Beginn des -16. Jahrhunderts auf den solch kostbares Gewürz hervorbringenden -Bandainseln fest und erhoben die Erzeugung und den Handel mit dieser -Droge zu ihrem Monopol. Fast ein Jahrhundert lang besaßen sie es -und übermittelten ausschließlich den Völkern des Abendlandes die -so geschätzten Muskatnüsse, Gewürznelken und den Zimt, was ihnen -reichen Gewinn brachte. Erst 1605 vertrieben sie die nach dem blutigen -Kampfe gegen die spanischen Habsburger als seefahrende Nation -erstarkten Holländer von den Gewürzinseln und erhoben den Handel -mit den obgenannten Gewürzen zu ihrem ausschließlichen Monopol, -das sie mit äußerster Strenge handhabten. Sie beschränkten die -Kultur des Muskatnußbaumes auf die Inseln Banda und Amboina, deren -Bevölkerung, soweit sie nicht geflüchtet war, zu Sklaven gemacht und -ihr Grundbesitz unter die holländischen Ansiedler verteilt wurde. -Diese mußten ihr ganzes Gelände mit Muskatnußbäumen bepflanzen und -die Ernten zu festgesetzten Preisen an die Regierung, d. h. an die -niederländisch-ostindische Kompagnie verkaufen. Diese machte natürlich -ausgezeichnete Geschäfte und geriet erst in den 1790er Jahren, als das -Monopol durchbrochen war, in Bedrängnis, so daß der holländische Staat -selbst jene Gewürzinseln in Regie nahm. - -Da nun aber die auf den Molukken zahlreich vorkommenden, teilweise -bunt gefiederten Tauben aus der Gattung ~Myristicivora~, d. h. -Mußkatnußfresser, sich vorzugsweise von den Früchten des Muskatnußbaums -ernähren und dabei nicht selten die reife Frucht mit dem für sie -allein verdaulichen Fruchtfleisch verschlucken und mit dem Kote die -Nuß mit unverminderter Keimkraft wieder von sich geben, so konnten -sie es nicht verhindern, daß hin und wieder auf benachbarten Inseln -auf solche Weise verschleppte Muskatnußbäume auftauchten. Wer nun von -Eingeborenen das Vorhandensein solcher Bäume auf unerlaubtem Gebiete -verheimlichte und durch den Verkauf der Nüsse das von der holländischen -Handelsgesellschaft für sich in Anspruch genommene Gewürzmonopol zu -durchbrechen versuchte, der wurde erbarmungslos von den holländischen -Beamten mit dem Tode bestraft. - -Um den Preis nicht zu drücken, sammelte man in Holland ungeheure -Vorräte der verschiedenen Gewürze in den Vorratshäusern der -holländisch-ostindischen Kompagnie an. Wurden diese mit der Zeit zu -groß, so verbrannte man lieber große Mengen davon, als daß man sie -billiger ans Volk abgab. So erzählt uns der Holländer Valmont de -Bornare, daß er Augenzeuge davon gewesen sei, wie einmal in Amsterdam -drei große Schuppen voll Muskatnüsse, von denen jeder hingereicht -hätte, mit seinem Inhalt eine Kirche zu füllen, verbrannt wurden. Nach -dem Brande habe das müßig zuschauende Volk förmlich in der durch die -große Hitze ausgeschmolzenen Muskatnußbutter gewatet. Aber niemand -durfte bei schwerer Strafe eine Nuß oder einen Tropfen Öl nehmen. Der -Franzose Beaumaré sah noch am 10. Juni 1760 in Amsterdam in der Nähe -des Admiralitätsgebäudes für 8 Millionen Livres Muskatnüsse verbrennen, -und der Engländer Wilkocks erzählt, wie er durchgereist sei, habe man -just bei Middelburg in Zeeland solche Mengen Gewürznelken, Zimt und -Muskatnüsse verbrannt, daß die Luft viele Meilen im Umkreise von dem -aromatischen Dufte erfüllt gewesen sei. - -Von den Bandainseln brachten die Franzosen geheimerweise den -Muskatnußbaum zugleich mit dem Gewürznelkenbaum im Jahre 1770 nach -Isle de France (dem heutigen Mauritius) und Bourbon und 1773 nach -Cayenne. Auf der erstgenannten Insel wurde dann die vom französischen -Statthalter Poivre eingeführte Kultur durch den Deutschen Josef Huber -bedeutend gehoben. Derselbe hatte nämlich zuerst ermittelt, daß -ein einziger männlicher Muskatnußbaum zur Befruchtung von hundert -weiblichen vollständig ausreiche. Er ließ deshalb die überflüssigen -männlichen Bäume stutzen und Zweige von weiblichen Bäumen auf sie -pfropfen, ein Verfahren, an das die Holländer nie gedacht hatten. -Im Jahre 1796 nahmen die Engländer den Holländern die für sie als -praktische Geschäftsleute so begehrenswerten Molukken ab und siedelten -den Baum auf dem damals ebenfalls von ihnen besetzten Sumatra und 1798 -auch in Singapur, Penang und Bengalen an. Obschon sie jene Inseln bald -wieder ihren früheren Eigentümern zurückgeben mußten, so war doch -damit endgültig das so lange eifrig gehütete holländische Monopol -durchbrochen, so daß der Preis der Muskatnüsse, von denen das Pfund -1790 noch 20 alte holländische Gulden gekostet hatte, wie auch der -übrigen indischen Gewürze nun auf einen für jedermann erschwinglichen -Preis sank. Infolge davon wurde ihre bis dahin mehr auf die Apotheken -beschränkte Verwendung als Arznei eine allgemeine und fanden sie bald -als beliebtes Gewürz selbst der ärmeren Klasse Eingang. Welche große -Bedeutung noch vor kaum mehr als drei Menschenaltern wie den übrigen -indischen Gewürzen, so speziell der Muskatnuß zugeschrieben wurde, -beweist die Tatsache, daß der Arzt Paullini ein 876seitiges Buch über -sie und ihre Wirkung auf den Menschen schrieb. - -Heute ist die übermäßig hohe Schätzung all dieser Gewürze auf -ein sehr bescheidenes Maß zurückgegangen. Der Muskatnuß- wie der -Gewürznelkenbaum dürfen zwar auf allen den Holländern gehörenden -Inseln angepflanzt werden, aber die Früchte dürfen nur an die -holländische Handelsgesellschaft zu einem bestimmten, sehr niedrigen -Preise verkauft werden. Dafür stellt die Regierung den holländischen -Pflanzern Sträflinge zur Verfügung, die den Plantagenbau und die Ernte -besorgen. Außer in ganz Holländisch-Indien wird der Muskatnußbaum -heute auch auf der Halbinsel von Malakka, ebenso in beschränktem -Maße in Südindien, auf Reunion, in Brasilien, Guiana und Westindien -kultiviert. Doch liefern heute noch die Molukken die beste Sorte und -bringen damit den Holländern, die nach wie vor den Haupthandel mit -diesem Gewürz in Händen haben, viel Geld ein. Zwei Fünftel der gesamten -Weltproduktion stammen von den drei kleinen, insgesamt nur 44 qkm -großen Inseln Groß-Banda, Neira und Ay, die Pflanzungen von 3000-30000 -Muskatnußbäumen aufweisen und jährlich von etwa 400000 tragenden -Bäumen durchschnittlich 600000 kg Muskatnüsse und 150000 kg Macis nach -Java bringen, von wo aus sie mit noch weiteren 100000 kg dort erzeugter -Muskatnüsse in den Handel gelangen. England allein führt aus Malakka -und Südindien etwa 400000 kg Muskatnüsse und rund 40000 kg Macis aus. -Europa kauft vorzugsweise die Muskatnüsse, Nordamerika dagegen die -Macis, die dort höher geschätzt wird. - -In neuerer Zeit gelangen noch einige andere Arten von Muskatnüssen -als Ersatz der echten in den Handel. So wachsen in den nördlichen -Molukken, auf den Inseln Batjan, Tidor und Halmahera, zwei der -echten Muskatnuß sehr nahe verwandte Arten (~Myristica speciosa~ und -~succedanea~) wild, deren Nüsse gleichfalls gesammelt werden und billig -in den Handel kommen. Diese werden ebensowenig kultiviert als der -+Onin-Muskatnußbaum+ (~Myristica schefferi~), der wild im westlichen, -holländischen Teil von Neu-Guinea wächst und sehr wohlriechende Früchte -liefert. Wichtiger als diese ist eine andere Muskatnußart, die in nicht -unbedeutenden Mengen mit dem Namen +lange+ oder +Papua-Muskatnuß+ auf -den Markt gebracht wird. Sie ist länger als die gewöhnliche Muskatnuß -und stammt vom silberblätterigen Muskatnußbaum (~Myristica argentea~), -einem ebenfalls im westlichen holländischen Teil von Neu-Guinea wild -wachsenden, dem gemeinen Muskatnußbaum sehr nahe verwandten Baume. -Dieser wird ebenfalls nicht kultiviert, sondern in wildem Zustande -abgeerntet, weshalb es auch möglich ist, seine Früchte billig auf den -Markt zu bringen; doch stehen sie den echten Muskatnüssen an Qualität -durchaus nach. Leider hat man im deutschen Teile von Neu-Guinea, wo -ebenfalls mehrere wilde Muskatnußarten vorkommen, bisher keine einzige -dauernd aromatische und daher für den Handel brauchbare Nuß gefunden. - -Der Name Muskatnuß wird auch für die Früchte einiger Bäume angewandt, -die ganz anderen Pflanzengattungen angehören, so namentlich für die -+Kalabassen-Muskatnuß+ von Westafrika, die die Frucht eines zur -Familie der Anonazeen gehörenden Baumes, ~Monodora myristica~, eines -entfernten Verwandten der echten Muskatnußbäume, bildet und seit dem -18. Jahrhundert auch auf Jamaika kultiviert wird, wohin sie durch -westafrikanische Negersklaven gelangte. Von Lorbeergewächsarten stammen -die +brasilianische+, +guianische+ und +madagassische Muskatnuß+, -von Bäumen aus der Familie der Monimiazeen die +peruanische+ und -+australische Muskatnuß+, von Nadelhölzern endlich die nach Terpentin -riechende +kalifornische+ und +Floridamuskatnuß+. Diese teilweise in -Form und Struktur ihrer Früchte einige Ähnlichkeit mit der echten -Muskatnuß aufweisenden Früchte riechen wohl auch aromatisch, sind -aber im übrigen grundverschieden von jener, so daß sie nicht mit ihr -konkurrieren können. - -[Illustration: Bild 42. Blütenzweig eines Gewürznelkenbaums -(~Caryophyllus aromaticus~).] - -Als Fälschungsmittel der echten Macis gelangt von Bombay aus -der schön rote, aber durchaus nicht aromatische Samenmantel des -Malabarmuskatnußbaums (~Myristica malabarica~) häufig in den Handel, -während die vom silberblätterigen Muskatnußbaum Neu-Guineas stammenden -sogenannten Macisschalen zwar wohlriechend, aber unansehnlich braun -gefärbt sind und daher sehr niedrig im Preise stehen. - -Als letzte der vier von der Kulturwelt des Abendlandes während der -vergangenen Jahrhunderte übermäßig geschätzten und infolge davon für -die gesamte Handelspolitik jener Zeit höchst bedeutsamen indischen -Gewürze sind außer Pfeffer, Zimt und Muskatnüsse auch noch die -+Gewürznelken+ zu nennen. Gleich dem Muskatnußbaum ist auch der -Gewürznelkenbaum (~Caryophyllus aromaticus~) ein 10-12 m hoher, -immergrüner Baum der Molukken aus der Familie der Myrtengewächse. -Sein 30-55 cm dicker Stamm mit glänzender, glatter Rinde spaltet sich -schon in 1,3-1,6 m Höhe in einige gleichstarke Äste, die sich reich -verzweigen und eine schöne, kegelförmige Krone bilden. Doch läßt -man den Baum in den Pflanzungen meist nicht höher als 5 m werden, -damit seine Blüten leichter geerntet werden können. Die länglich -ovalen, langgestielten Blätter sind lederartig, mit zahlreichen -kleinen Öldrüsen versehen, und laufen spitz aus. Die in Trugdolden -stehenden Blüten sind klein, aber zahlreich, anfänglich grün, voll -entwickelt jedoch karminrot. Auch die Blütenknospen sind rot. Die -Früchte sind 2 cm lange und 1 cm breite Beeren von dunkelroter bis -dunkelvioletter Farbe, die meist einen, seltener zwei länglichrundliche -Samen umschließen. Letztere kommen getrocknet unter der Bezeichnung -+Gewürznelkenmutter+ in den Handel. Weit aromatischer als sie sind -jedoch die Blütenknospen, die, sobald sie sich hellrot zu färben -beginnen, geerntet werden und, getrocknet, die Gewürznelken bilden. Sie -bestehen aus einem etwa 1 cm langen, zylindrischen Blütenkelch, der in -vier etwas ausgebogenen Zipfeln endet und als halbkugelige Bekrönung -die an ihrer Spitze verwachsenen, bei der Blüte als zusammenhängende -Kappe abgestoßenen vier Blumenblätter trägt. Nach ihrer nagelförmigen -Gestalt nannte man sie im Mittelalter (wie die Nelken) Nägelein, woraus -sich dann im Neuhochdeutschen die Bezeichnung Nelke ausbildete. Sie -enthalten ein als Nelkenöl bezeichnetes ätherisches Öl, das zu allerlei -pharmazeutischen Produkten und zum Mikroskopieren gebraucht wird. - -Der Gewürznelkenbaum ist weniger wählerisch in bezug auf den Boden und -nimmt auch mit etwas weniger Luft- und Bodenfeuchtigkeit vorlieb als -der Muskatnußbaum. Auch genügt ihm eine spärlichere Beschattung als -jenem; in späterem Alter bedarf er einer solchen überhaupt nicht mehr. -Nur die jungen Pflänzchen müssen vor zu ausgiebiger Sonnenbestrahlung -geschützt werden, wozu Bananen und Rizinusstauden dienen. Wie der -Muskatnußbaum, so verliert auch er rasch die Keimfähigkeit seines -Samens. Daher dürfen zur Aussaat nur ganz frische Samen verwendet -werden. An ihrem definitiven Standort werden die in Saatbeeten -gewonnenen jungen Bäume auf sehr fruchtbarem Boden 9, auf geringem -Boden dagegen 6 m auseinander gepflanzt. Der Boden muß namentlich -während der Erntezeit im September von Unkraut gesäubert werden. Da die -Nelkenbäume als Waldbäume nicht sehr widerstandsfähig gegen heftige -Winde sind, so pflanzt man am Rande der Gewürznelkenplantagen und -hin und wieder in Reihen quer durch die Pflanzungen als Windbrecher -Kokospalmen und Mangobäume, die beide dieselben Ansprüche an Boden -und Klima stellen wie die Gewürznelkenbäume. Ihre erste Ernte geben -die Gewürznelkenbäume vom 5. Jahre an und tragen während 10 bis 15 -Jahren, wobei man von jedem Baum einen jährlichen Ertrag von 2,5-5 kg -getrockneter Nelken rechnen darf. Die Ernte beginnt, sobald sich die -Knospen voll entwickelt haben und sich hellrot zu färben beginnen. Die -auf leichten Bambusleitern vor dem Aufbrechen mit der Hand gepflückten -Blütenknospen werden, auf Matten dünn ausgebreitet, an der Sonne, -seltener auf engmaschigen Bambushorden in einem Trockenhaus durch -Einwirkung eines schwachen, rauchenden Feuers getrocknet, wobei sie -wiederholt umgewendet werden. Dabei nehmen sie eine dunkelbraune Farbe -an. Schließlich werden sie gesiebt und gelangen, in Säcke oder Kisten -verpackt, in den Handel. - -Dem alten Kulturvolke der Chinesen waren die Gewürznelken schon im 3. -Jahrhundert v. Chr. bekannt und dienten ihnen teilweise als Kaumittel. -In die Mittelmeerländer gelangten sie erst in der römischen Kaiserzeit, -und zwar ist Plinius der erste römische Autor, der sie erwähnt. In -einem Zolltarif Alexandriens im 2. Jahrhundert n. Chr. werden sie -angeführt und von Aëtios, Alexander Trallianus und Paulus Aegineta, -griechischen Ärzten des 6. und 7. Jahrhunderts, erwähnt. Sie wurden -damals durch malaiische Schiffer nach der von den Griechen und Römern -Taprobane genannten Insel Ceylon gebracht und von dort durch indische -Kauffahrteifahrer in die Häfen des Roten Meeres verfrachtet, um dann -von Alexandrien aus als äußerst kostbare Arznei in den abendländischen -Handel zu gelangen. - -Von Ceylon und dem Gewürznelkenhandel berichtet als erster Abendländer, -der uns einen Bericht über seine Reise dorthin hinterließ, der -griechisch-ägyptische Großkaufmann Kosmas Indikopleustes (d. h. der -Indienfahrer) aus Alexandrien -- ein Zeitgenosse des oströmischen -Kaisers Justinianus I. (483-565) --, der mit einem ebenfalls später -Mönch gewordenen Genossen die weite Reise machte. Er schreibt -darüber: „Taprobane ist eine große Insel im Ozean jenseits des -Pfefferlandes (Malabarküste Indiens), welche die Indier Sielediva -(richtig Sihaladipa, d. h. Löweninsel, später von den Persern und -Arabern in Serendib verdorben), die Hellenen (älteren Griechen) -Taprobane nennen. Dort findet man den Edelstein Hyakinthos (d. h. -Saphir und Rubin). Diese große Insel, sagen ihre Bewohner, habe 300 -Gaudia (= 900 römische Meilen) Länge und ebensoviel Breite. Zwei -Könige beherrschen sie, welche sich aber gegenseitig befehden. Einer -hat das Land der Hyazinthen (das zentrale Bergland) inne, der andere -besitzt den übrigen Teil der Insel, in welchem das ~emporion~ (der -Handelsplatz) und der Hafen liegen. Dort an dieser Insel sammeln -sich viele Schiffe aus ganz Indien und Äthiopien, weil sie in die -Mitte der Länder gestellt ist und gleichfalls viele Schiffe nach -allen Weltrichtungen entsendet; namentlich aus den dahinterliegenden -Gewässern, so von Tzinitza (China) und anderen Stapelplätzen bringen -sie Metaxin (Seide), Aloë (Aloëholz zum Räuchern), +Gewürznelken+ und -Tzandana (Sandelholz) zum Austausch; auch noch andere Waren jener -Gegenden, die sie zu den Völkern des vorderen Meeres bringen, nämlich -nach Male (Mahe in Malabar), wo der Pfeffer wächst, und nach Kalliana -(bei Bombay), wo Erz gewonnen wird und Sesamholz (?) und was Gewebe -zur Kleidung gibt; denn auch diese Stadt ist ein großer Handelsplatz. -Auch mit Sind, wo es Moschus, Bibergeil und Narden gibt, verkehrt diese -Insel, ebenso mit Persien, dem Glücklichen Arabien und Adule (Zeila -in Massaua in der italienischen Kolonie Erythräa am Roten Meer). Von -diesen Handelsplätzen tauscht sie wiederum Waren ein, welche sie nach -dem hinteren Indien führt, zugleich die Ausfuhr der eigenen Produkte -besorgend.“ - -In Deutschland erwähnt die Gewürznelken zuerst die heilige Hildegard, -Äbtissin von Rupertsberg (1098-1179) als ~nelchin~. Der erste Europäer, -der die Stammpflanze sah, war der venezianische Reisende Marco Polo, -der sie 1272 auf den Sundainseln wachsen sah. Im Mittelalter besorgten -die Araber den Zwischenhandel mit den Indern und lieferten die -Gewürznelken mit Zimt und Pfeffer den Venezianern, die diese Gewürze -ihrerseits wieder den Völkern Europas vermittelten und reichen Gewinn -aus diesem Handel zogen. Erst als der Weg nach den Gewürzländern um -Afrika herum von den Portugiesen erschlossen war, rissen sie das -höchst einträgliche Gewürzmonopol an sich. Wie Spanien etwa 300 Jahre -lang, bis zum Beginn des vorigen Jahrhunderts, den Handel mit ihren -reich mit Pflanzenschätzen und teilweise auch Gold ausgestatteten -amerikanischen Kolonien für sich beanspruchte, taten es gleicherweise -ihre Konkurrenten, die Portugiesen, in Ostindien und der malaiischen -Inselwelt, die sie 1524 in Beschlag nahmen. Von 1529 an mußten alle -aus Ostindien zurückkehrenden Schiffe ihre Rückfracht ausschließlich -in der Casa da India in Lissabon löschen und mehr wie einmal ordnete -der König, der sich den stolzen Titel „Herr des indischen Handels“ -beilegte -- wie später sein Nachfolger, die holländisch-ostindische -Handelskompagnie -- die Vernichtung der kostbaren indischen Gewürze -an, wenn deren Vorräte zu sehr anschwollen und die Preise zu drücken -drohten. Erst im Jahre 1599 sprengten die inzwischen in der Seefahrt -erstarkten Holländer diese von den Portugiesen ausgeübte Ozeansperre. -Nach der Eroberung der von den Portugiesen nicht mehr zu haltenden -Molukken im Jahre 1621 übernahm die holländisch-ostindische Kompagnie -das Gewürzmonopol, das sie bis zum Jahre 1796 zu behaupten vermochte. -Während dieser ganzen Zeit bestimmte sie den Preis der vielbegehrten -Gewürze. Das äußerst gewinnbringende Monopol wurde, so gut es ging, -auch von den Engländern während deren Okkupation von Holländisch-Indien -in den Jahren 1796-1802 und 1810-1816 aufrechterhalten. Als dann die -Gewürzinseln im letztgenannten Jahre definitiv an Holland zurückfielen, -nützte diesen das, wie auch die Zwangskultur, bis 1873 theoretisch -festgehaltene Monopol für Gewürznelken und Muskatnuß nur noch wenig. -Wie in der Sage der Lindwurm seinen Schatz in der Höhle, so hüteten die -Holländer ihre von den zu Sklaven gemachten Eingeborenen kultivierten -Gewürznelkenbäume auf den Inseln Amboina und Saparna, nachdem sie alle -anderen als die von ihnen dort beaufsichtigten Gewürznelkenbäume auf -sämtlichen Inseln der Molukken zerstört hatten. Auf ihren Streifzügen -durch die Nachbarinseln, die zu dem Zwecke unternommen wurden, um alle -aus durch Vögel oder Menschen verschleppten Samen hervorgegangenen -Gewürznelkenbäume zu vernichten, vollführten die rohen von der -holländisch-ostindischen Kompagnie dazu angestellten Soldaten die -unerhörtesten Grausamkeiten gegen die armen Eingeborenen, die dem Baume -fast abgöttische Verehrung erwiesen. Sie nannten ihn einen König unter -den Gewürzpflanzen und führten Gewürznelken als wirksames Mittel gegen -Zauberei bei sich, was bis auf den heutigen Tag der Fall ist. Ja, -Vornehme tragen sie als auszeichnenden Schmuck in Unterlippe, Nase und -Ohren. - -Das so eifrig von den Holländern gehütete Gewürzmonopol erlitt den -ersten Stoß als es 1770 dem französischen Statthalter von Isle de -France (dem heutigen Mauritius) Poivre gelang, ungeachtet der auf die -Ausführung der Bäume gesetzten Todesstrafe durch eine auf zwei kleinen -Schiffen nach deren Erlangung ausgesandte Expedition sich aus Samen -kleine Pflänzchen des Gewürznelken- und Muskatnußbaumes zu verschaffen. -Die schlauen Franzosen überlisteten die Holländer und vermochten auch -mit ihren beiden Schiffen der Verfolgung des ihnen nachgesandten -Geschwaders zu entgehen. Sie brachten den Gewürznelkenbaum zuerst nach -Isle de France, dann auf die Seychellen, Réunion und Bourbon, von wo er -1773 nach Cayenne und den übrigen westindischen Besitzungen Frankreichs -gelangte, wo er gleichfalls gut gedieh. Von der Insel Isle de France, -die die Engländer 1810 von den Franzosen eroberten, um sie nach der -Bezeichnung der vorher die Insel innehabenden Holländer, die sie nach -dem Statthalter der Niederlande Prinz Moritz von Oranien (1567-1625) -benannt hatten, wiederum Mauritius zu heißen, verbrachten ihn die -Engländer nach der Halbinsel Malakka und den von ihnen vorübergehend -besetzten Inseln Java und Sumatra. Auch wurde er auf Sansibar und -Pemba, wo die Kultur 1793 durch den Araber Harameh ben Saleh von -Mauritius aus eingeführt wurde, und an anderen Orten mit solch gutem -Erfolge verpflanzt, daß mit der Zeit die Gewürznelkenproduktion -der Molukken ganz in den Hintergrund gedrängt zu werden vermochte. -Gegenwärtig ist die wichtigste Bezugsquelle der Gewürznelken -Sansibar mit der Nachbarinsel Pemba, obgleich in den 1860er Jahren -ein gewaltiger Sturm -- eine sonst dort verhältnismäßig selten zu -beobachtende Naturerscheinung -- fast alle Gewürznelkenbäume zerstörte -und auch die Qualität der hier gewonnenen Gewürznelken keineswegs als -die beste gilt. Die feinste Sorte liefert immer noch Amboina, deren -Menge aber zu gering ist, als daß sie auf dem Weltmarkte eine große -Rolle zu spielen vermöchte. - -Als +Nelkenzimt+ (~Cassia caryophyllata~) werden nelkenartig riechende -Rinden verschiedener Bäume bezeichnet, so z. B. der indischen -~Sizygium caryophyllatum~, der westindischen ~Pimenta acris~, -beides Myrtengewächsen, sowie des brasilianischen ~Dicypellium -caryophyllatum~, eines dem Zimt näher verwandten Baumes aus der Familie -der Lorbeergewächse. Doch haben diese Rinden nur eine lokale Bedeutung -und gelangen kaum in den Welthandel. Dafür aber liefert ein naher -Verwandter des Gewürznelkenbaums das +Piment+ (vom mittellateinischen -~pigmentum~ Farbstoff) oder den +Nelkenpfeffer+, dessen Geschmack und -Geruch allerdings weniger an Pfeffer als an Gewürznelken erinnert. -Feinschmecker wollen erkennen, daß das Piment den Geruch und Geschmack -von Gewürznelken, Pfeffer, Zimt, kurz von allen Gewürzen in sich -vereinige. Das gab Veranlassung zur Bezeichnung ~allspice~, d. h. -Allgewürz, unter welchem Namen ihn die Engländer als ein äußerst -beliebtes Gewürz ihrer westindischen Kolonie Jamaika viel verwenden. -Die Welt ist darauf angewiesen, ihren Bedarf an Piment von dieser Insel -zu beziehen, weshalb man ihn vielfach auch +Jamaikapfeffer+ bezeichnet. -Nur dort in seiner engeren Heimat Jamaika und einigen Nachbarinseln -erzeugt der Pimentbaum das volle Aroma seiner Früchte. Wild kommt er -nur auf Kalksteinhügeln in der Nähe des Meeres vor, wird aber schon -lange im großen angepflanzt. Er ist aber so empfindlich für Boden -und Klima, daß es nicht einmal gelang, seine Kultur in nennenswertem -Umfange auf den nördlichen westindischen Inseln einzuführen. - -Der Pimentbaum (~Pimenta officinalis~) ist ein immergrüner, -breitästiger, im Wuchse dem Apfelbaum ähnlicher Baum, der in Westindien -häufig zur Anpflanzung von Alleen benutzt wird. Alle Teile des Baumes, -besonders die unreifen Früchte, besitzen einen starken, feurigen, aber -angenehmen aromatischen Geschmack. Die nahezu weiße Rinde des 10-12 m -hohen Baumes, deren äußerste Schicht er alljährlich abwirft, ist ebenso -aromatisch wie die 10 cm langen tiefgrünen, glänzenden, länglich -ovalen, etwas lederigen Blätter. Aus den Blattwinkeln und Zweigspitzen -treten Rispen von zahlreichen, kleinen, weißen, starkduftenden -Blüten. In Westindien blühen die Bäume gewöhnlich zweimal im Jahre; -aber nur die Blüten, die im April und Mai erscheinen, sind fruchtbar -und erzeugen erbsengroße, kugelige, zweisamige Früchte von bei der -Reife purpurroter Farbe. Sie enthalten dann ein süßes, kleberiges -Fruchtfleisch, aus welchem allerdings das feine Aroma zum größten -Teil verschwunden ist, das während ihres unreifen Zustandes so stark -hervortrat. Sie werden deshalb unreif grün geerntet, sobald sie die -Größe von Pfefferkörnern erlangt haben, und dann an der Sonne oder in -Darröfen getrocknet, wobei sie eine gelbbraune Farbe annehmen. Ein -vollkräftiger Baum liefert bis zu 60 kg grüner oder 40 kg getrockneter -Früchte, die ein dem Gewürznelkenöl sehr ähnliches und auch als Ersatz -desselben verwendetes ätherisches Öl enthalten. - -Das allgemein als Küchengewürz verwendete Piment wird zuerst von -Clusius (Charles de l’Ecluse, 1526 zu Arras in Nordfrankreich geboren -und 1609 als Professor der Botanik zu Leiden in den Niederlanden -gestorben) erwähnt. Der Pimentbaum wird vorzugsweise auf der Nordseite -der Insel Jamaika, neuerdings aber auch in anderen Tropengebieten, so -seit dem 17. Jahrhundert in Ostindien kultiviert, doch liefert er, -wie gesagt, nur in seiner engeren Heimat die besten, gewürzreichsten -Früchte. - - - - -XV. - -Die berauschenden Getränke. - - -Es scheint dem Menschen das tiefgehende Bedürfnis inne zu wohnen, sich -bisweilen zu berauschen. Diese eigentümliche Neigung teilt er übrigens -mit der Tierwelt, die sich gerne, wo sie nur kann, über sich ihr -darbietende alkoholhaltige Getränke hermacht, um sich daran in einen -Rauschzustand zu versetzen. Wenn beispielsweise eine Eiche oder sonst -ein Baum infolge irgendwelcher Verletzung blutet und der austretende -Zuckersaft durch das Hinzutreten der allgegenwärtigen Hefepilze in -alkoholische Gärung gerät, so kommen die Hirschkäfer von weit und -breit angeflogen und feiern mit solcher Ausdauer ein Gelage, daß sie -oft dutzendweise völlig beduselt am Fuße des Baumes herumliegen. An -blutenden Birken mit gärendem Safte findet man stets eine Menge von -Trauermänteln, Hornissen, Fliegen und anderen Insekten, die durch ihr -absonderliches Benehmen erkennen lassen, daß ihnen die gefährliche -Flüssigkeit das Unterscheidungsvermögen geraubt hat. Gleicherweise -hat man Bienen an wässerigem und dann rasch in alkoholische Gärung -übergegangenem Honigtau sich dermaßen berauschen gesehen, daß sie den -Heimweg nicht mehr fanden und, betrunken, auf den betreffenden Bäumen -übernachteten. Wie Affen kann man bekanntlich auch Pferde und Hunde -leicht an geistige Getränke gewöhnen, so daß sie eine förmliche Sucht -danach bekommen, und selbst an frei lebenden Säugetieren, wie z. B. an -Eichhörnchen, die sich an gegorenem Eichensafte berauschten, lassen -sich derartige Neigungen beobachten. - -Allerdings war es für den Menschen im Naturzustande äußerst schwierig, -sich solche Stoffe zu verschaffen, die ihn in einen derartigen Zustand -der Berauschung brachten. Beim zufälligen Genusse giftiger Pflanzen -lernte er diesen wohl zuerst kennen und suchte ihn gelegentlich später -freiwillig zu erneuern. So ist vielleicht die Tollkirsche einst bei -den Steinzeitvölkern Europas in der Weise gebraucht worden, wie heute -noch der Fliegenschwamm bei den ostsibirischen Mongolenstämmen. Wenn -diese auf niederer Kulturstufe stehenden Menschen ein Fest zu feiern -wünschen, so genießen sie eine Abkochung des giftigen Fliegenschwammes, -den sie in den Wäldern sammeln und trocknen, um ihn für solche -Gelegenheiten aufzubewahren. Dieser bringt sie in einen rauschartigen -Zustand, so daß sie taumeln und wie betrunken hinfallen. Den Weibern, -die nüchtern bleiben, da sie nichts von diesem Berauschungstranke -genießen dürfen, fällt dann die Aufgabe zu, die betreffenden Ehegatten -aufzulesen und sie unbeschädigt nach Hause zu bringen, wo sie ihren -schweren Rausch ausschlafen können. Um nun diesen mit schweren Träumen -und Delirien verbundenen Rauschzustand möglichst lange auszudehnen, -trinken jene Leute, aus dem Dusel erwachend, immer wieder ihren eigenen -Urin, in dem das Gift aus dem Körper ausgeschieden wird, bis endlich -nach mehrtägiger Vergiftung die Ernüchterung erfolgt. - -Was für verschiedene Pflanzengifte die ältesten Menschen Europas zu -solchem Rausche verwandten, das steht völlig dahin. Nur das eine -wissen wir, daß der +berauschende Honigtrank+ mit der Zeit die anderen -weniger angenehmen Berauschungsmittel verdrängte und sich in späterer -vorgeschichtlicher Zeit allgemeiner Beliebtheit erfreute. Auch hier -führte der Zufall zur Entdeckung dieses Betäubungsmittels der Urzeit. -Überall sammelt der Mensch auf niederer Kulturstufe mit Vorliebe den -leckeren Honig wilder Bienen, den er, weil dessen starke Süße in -konzentrierter Form in größerer Menge seinem Geschmacke widerstand, in -Wasser verdünnt genoß. Blieb eine solche Honiglösung in einer als Gefäß -benützten dürren Kürbisschale oder sonst welchem Naturgefäß einige -Tage hindurch stehen, so begann sie durch spontane alkoholische Gärung -infolge von Hineingelangen der allgegenwärtigen Hefepilze berauschend -zu wirken. Als man diese Erfahrung gemacht hatte, stellte man -absichtlich in Wasser stark verdünnten Honig beiseite, um sich daraus -das älteste alkoholische Getränk, den +Met+, als sehr geschätztes -Berauschungsmittel zu bereiten. - -Diesen Honigtrank liebten schon die Indogermanen, als sie zu Ende -der Steinzeit noch als +ein+ Volk in Norddeutschland hausten. Wie -im Sanskrit ~mádhu~ Honig und Honigtrank bedeutet, so bedeutet im -Griechischen ~méthy~ der berauschende Trank schlechthin und ~méthē~ die -Trunkenheit. Im Deutschen benutzen wir dafür das Wort Met, das wie -das altslawische ~medu~ sowohl Honig als den daraus bereiteten Trank -bedeutet. Den ältesten nachweisbaren Germanen war der aus Wildhonig -bereitete Met das beliebte Festgetränk, das noch in der Edda als die -Menschen und Götter gleicherweise erfreuend häufig genannt wird. -In einer der ältesten schriftlichen Aufzeichnungen aus Hellas, dem -orphischen Fragment 49, gibt die personifizierte Nacht dem Zeus den -Rat, den Vater Kronos, der seinerseits bereits seinen Vater Uranos -(d. h. Himmel) entthront und seine sämtlichen Kinder außer Zeus -verschlungen hatte, wenn er „honigberauscht“ unter den Eichen liege, -zu binden und zu entmannen. Es war also auch bei den Griechen, die -schon sehr früh mit dem Wein bekanntgemacht wurden, die Urzeit als -mettrinkend gedacht. Und noch in der klassischen Zeit Griechenlands -waren die in Südrußland wohnenden Skythen, wie die in Mitteleuropa -hausenden Barbaren den Griechen als Mettrinker bekannt. Bei diesen -letzteren, die uns später als Germanen entgegentreten, war es bis -ins Mittelalter hinein Pflicht des Häuptlings und Fürsten, seine -Dienstmannen, wie seine Gäste, reichlich mit diesem beliebten Getränk -zu bewirten. - -Die Herstellung dieses Nationalgetränkes der Deutschen, wie Europäer -der Urzeit überhaupt, war bis in die merowingische Zeit einfach genug. -Man sott das Honigwasser, um die spätere Gärung zu beschleunigen, -und stellte es dann in offenen Gefäßen zur Ausgärung hin. Von der -Merowingerzeit an liebte man es mit würzigen Kräutern, besonders -Salbei, zu versetzen und etwas Hefe hinzuzufügen, welch letztere -nach erfolgter Wirkung wieder abgeschieden wurde. Erst im 12. -Jahrhundert hat dann das höfische Leben das bis dahin noch allgemein -herrschende Ansehen des Metes in Mitteleuropa zugunsten von Bier -und Wein herabgedrückt, bis derselbe schließlich in ganz Süd- und -Mitteldeutschland mit dem Ende des 15. Jahrhunderts völlig außer -Gebrauch kam. Nur in Norddeutschland, speziell Westfalen, und in -Rußland hat er sich als beliebtes Volksgetränk bis auf unsere Zeit -erhalten. - -Etwas jüngeren Datums, wenn auch schon sehr lange im Gebrauch, ist das -+Bier+. Wie der aus Wildhonig bereitete Met vorzugsweise das Getränk -des Jägers und Viehzüchters war, so war das Bier das Getränk des -seßhaften Ackerbauers, das den Besitz von Getreide zu dessen Bereitung -voraussetzt. Nach der Ernte und zu sonstigen Festzeiten wurde dann -das, was man davon entbehren zu können glaubte, zur Herstellung dieses -beliebten Trankes verwendet, das damals noch, wie auch der Met, so -schwach an Alkoholgehalt war, daß erst größere Mengen davon berauschend -wirkten. - -Das Bier wurde in der Weise hergestellt, daß man das Getreide erst -einweichte, bis die einzelnen Körner zu keimen begannen und aus dem -Stärkemehl derselben durch Fermentwirkung Zucker entstanden war. Dann -erst wurden die erweichten Körner auf der Handmühle zerquetscht und -an der Sonne oder, wie das Obst, auf einer Hürde über dem Herdfeuer -gedörrt, damit bei dem darauffolgenden Kochen kein Brei, sondern -ein zuckerreicher Extrakt entstehe. Die durch Kochen ausgezogene -Zuckerlösung wurde durch Hinzufügen des hefehaltigen Restes des -letztgebrauten Bieres zum größten Teil zu Alkohol vergoren und damit -war das Bier zum Trinken fertig. - -Altgermanisch nannte man das Getränk ~alu~, was zweifellos mit ~alan~ -groß, kräftig werden zusammenhängt, indem man ihm, wie dies noch in -geschichtlicher Zeit geschah, kräftigende Eigenschaften zuschrieb. -Daher heißt das Bier heute noch in Skandinavien und Dänemark Öl, wie -in England aus dem angelsächsischen ~ealu~ (altsächsisch ~alo~) ~ale~. -Bei den Engländern heißt ~alehouse~ das Bierhaus. Ein weit jüngerer -Name ist bei den Germanenstämmen das althochdeutsche ~bior~, aus -dem unsere Bezeichnung Bier sich ableitet, das durchaus nichts mit -dem lateinischen ~bibere~ trinken zu tun hat, wie manche Etymologen -fälschlicherweise heute noch annehmen. - -[Illustration: Bild 43. Betrunkene Herren werden nach einem Gelage von -ihren Dienern heimgetragen. - -Altägyptisches Wandgemälde in Beni Hassan bei Theben. (Nach Woenig.)] - -Alle möglichen Getreidearten dienten und dienen heute noch den -verschiedenen primitiven Völkern zur Herstellung von Bier, das zum Teil -schon vor der Begründung des Ackerbaus aus wildwachsenden Getreidearten -und vor der Erfindung der Töpferei durch Erhitzen mit darein geworfenen -heißen Steinen bereitet wurde, wie letzteres beispielsweise bei den -Letten bis zum Ende des 18. Jahrhunderts noch der Fall war. Erst mit -der Zeit traf man hierin eine Auswahl des Besseren und schließlich des -Besten. Wie anderswo Hirsebier, so trank man noch im 12. Jahrhundert in -Deutschland Hafer-, Weizen- und Gerstenbier. Wo aber schon frühzeitig -vorzugsweise oder allein Gerstenbier genannt wird, so ist eben auch -nur diese in Europa älteste Anbaufrucht die ursprünglich dazu benützte -gewesen. Solchen Gerstentrank brauten schon die ältesten für uns -nachweisbaren Ägypter. Sie nannten es ~haki~ und ließen zu seiner -Herstellung, wie auch wir heute noch tun, die Gerstenkörner keimen -und gewannen so aus dem Malz eine Zuckerlösung, die durch Hefegärung -einen mäßigen Gehalt an Alkohol aufwies. Jedenfalls tranken sie dieses -Erzeugnis gerne neben dem später aufgekommenen Wein. So mahnt der -Schreiber Ani (ums Jahr 1000 v. Chr.) seinen Sohn Chunsuhotep nach -einem auf uns gekommenen Papyrus: „Versitz nicht im Bierhaus die -Zeit, und Übles vom Nächsten darfst du auch im Rausche nicht reden... -Leicht fällst du zu Boden und brichst dir die Glieder, und keiner -reicht dir die Hand zur Hilfe. Sieh deine Genossen, sie trinken und -sagen. Geh heim, der du genug getrunken!...“ In einem in den Papyri -Sallier und Anastasi uns erhaltenen Briefwechsel zwischen mehreren -Schreibern rügt Kakabu das leichtsinnige Leben seines Kollegen Anana -mit folgenden Worten: „Es ist mir gesagt worden, du verlassest das -Schrifttum, du sehnst dich nach Lustbarkeiten, du gehest von Kneipe -zu Kneipe. Der Biergeruch, wohin führt er? Man meide den Biergeruch, -da er die Leute herunterbringt und ihren Geist benachteiligt.“ Trotz -aller weiser Mahnungen muß es aber in Ägypten oft recht toll zugegangen -sein und mancher schwere Rausch mit nachfolgendem Katzenjammer hat -altägyptische Gelage beschlossen; denn gleich dem viel älteren Herodot, -der ums Jahr 460 v. Chr. Ägypten bereiste, meldet uns der griechische -Geschichtschreiber Diodoros aus Sizilien, der in der zweiten Hälfte des -letzten vorchristlichen Jahrhunderts seine „Historische Bibliothek“ -in 40 Büchern schrieb, daß das von den Ägyptern aus Gerste gebraute, -als ~zýthos~ bezeichnete Bier sie so lustig mache, als ob sie Wein -getrunken hätten. Und wir finden auch tatsächlich in den bildlichen -Darstellungen an den Grabwänden drastische Beispiele für die Wirkung -dieses Gerstensaftes. In Beni Hassan sehen wir zwei Sklaven ihren Herrn -als „Bierleiche“ davontragen, und eine zweite Leiche folgt hinterher. -In einem Wandgemälde des Gräberfeldes von Theben ist eine ägyptische -Dame so mit Bier gefüllt, daß sie den Überschuß des aufgenommenen -Getränks erbricht. Besonders ausgelassen muß es nach Herodot an den -großen Festen zugegangen sein, an denen bis tief in die Nacht zu Ehren -der zu feiernden Gottheit getrunken wurde. Die auf uns gekommenen -griechischen Papyrusurkunden lehren uns, daß aber auch noch in späterer -Zeit, als schon reichlich Wein gekeltert wurde, allenthalben in Ägypten -viel Bier gebraut und getrunken wurde. Unter den prunkliebenden -Ptolemäerkönigen war die Bierbrauerei sogar ein königliches Monopol, -was gewiß nicht der Fall gewesen wäre, wenn der Ertrag aus diesem -Gewerbe nicht sehr erklecklich gewesen wäre. - -Ebensolche Biertrinker wie die Ägypter waren die nichtarischen -Urbewohner Spaniens und Italiens, die Iberer und Ligurer, ebenso die -arischen Stämme der Phrygier, Thrakier und Armenier. So sagt der um 25 -n. Chr. verstorbene griechische Geograph Strabon: „Die Ligurer wohnen -an der Südseite der Alpen, leben großenteils von der Milch ihrer Herden -und trinken (bei Festlichkeiten) Gerstenbier (~kríthinon póma~).“ -Ebenso an einer anderen Stelle: „Die Lusitanier (im heutigen Portugal) -trinken Bier und nur selten Wein; statt des Öls gebrauchen sie Butter. -Bei Trinkgelagen tanzen sie nach dem Takt der Flöte oder Trompete und -springen dabei in die Höhe.“ Plinius dagegen sagt: „In Spanien braut -man sogar ein Bier, das sich lange hält.“ Viel früher, nämlich schon -ums Jahr 700 v. Chr., berichtet uns der Grieche Archilochos, daß die -Phrygier und Thrakier aus Gerste und dem Würzkraut ~konýzē~ ein als -~brýton~ bezeichnetes Bier brauen und trinken. Ein anderer Grieche, -Xenophon aus Athen, ein Schüler Platons, der im Jahre 400 v. Chr. -als Vierzigjähriger die zehntausend Mann griechische Truppen, welche -dem jüngeren Kyros gegen dessen Bruder Artaxerxes Mnemon zu Hilfe -gezogen und geschlagen worden waren, durch das gebirgige Armenien ans -Schwarze Meer und nach Byzanz führte, um sie von da aus zu Schiff nach -Griechenland, ihrer Heimat, befördern zu lassen, berichtet in seinem -über jenen strapaziösen Rückzug geschriebenen Bericht, der jedem -Griechisch lernenden Schüler bekannten Anábasis, daß seine Leute, -vom Karduchischen Gebirge kommend, in Dörfern rasteten, wo sie außer -anderen Vorräten auch mit „Gerstenwein“ gefüllte Gefäße fanden. In -ihnen habe noch die Gerste herumgeschwommen; zum Trinken aus diesem -Gemisch dienten Rohrhalme, durch die man die Flüssigkeit einsog, ohne -die darin befindlichen Gerstenkörner in den Mund zu bekommen. Das -Getränk sei stark und berauschend gewesen, wenn man es nicht durch -Zusatz von Wasser verdünnte; im übrigen aber hätten alle, die sich -daran gewöhnten, diesem den weintrinkenden Griechen sonderbaren Tranke -Geschmack abgewonnen. - -Auch von den alten Illyriern wird uns gemeldet, daß sie ein als -~sabaja~ oder ~sabajun~ bezeichnetes Bier tranken, und von den -Pannoniern berichtet uns Priscus, als er sie im Jahre 448 n. Chr. -gelegentlich einer Gesandtschaftsreise besuchte, daß sie aus Gerste -ein als ~camum~ bezeichnetes Getränk bereiteten. Den weitaus ältesten -Bericht über das Vorkommen von Bier bei den Mitteleuropäern verdanken -wir aber dem unternehmenden griechischen Kaufmanne Pytheas aus -Massalia, dem heutigen Marseille, der zu Ende des 4. vorchristlichen -Jahrhunderts auf seiner Fahrt um die Ostküste Europas nach dem -Bernstein liefernden Norddeutschland bis in die Nordsee vordrang -und uns von den dort lebenden Stämmen berichtet, daß sie kaum -Gartengewächse und Haustiere besäßen, sich aber, außer von Kräutern, -Beeren und Wurzeln, von angebauter Hirse nährten, aus der sie ein -Getränk brauten, das neben dem aus Honig erzeugten -- also dem Met -- -im Gebrauch sei. - -Dann berichtet der griechische Geschichtschreiber Diodoros aus Sizilien -von den Germanen, daß sie ein meist aus Gerste gebrautes Bier trinken. -Nach ihm sagt der römische Historiker Tacitus in seiner bekannten -Schrift über Germanien: „Das Getränk der Germanen wird aus Gerste und -anderem Getreide gebraut und ist weinartig. Die am Rheinufer Wohnenden -kaufen auch Wein. Sie trinken so gierig, daß man sie ebensogut durch -Lieferung berauschender Getränke, wie durch Waffengewalt überwinden -kann.“ Schon im Altertum muß die Freude am Bier- wie am älteren -Metgenuß allen Germanenstämmen gemeinsam gewesen sein und kein Fest -wurde ohne Gelage gefeiert, an welchem diese Getränke reichlich -getrunken wurden. So erfreuen sich auch in der Edda alle Götter daran, -und der Meergott Ägir ist zugleich auch himmlischer Braumeister in -Walhalla. Er besitzt -- als Symbolisierung des Meeresbeckens, dessen -Gott er ist -- einen Riesenkessel und alljährlich einmal ladet er alle -Asen zu einer feierlichen Kneiperei ein. Aber in derselben Sammlung von -altnordischen Volksliedern, die als ältere Edda im 12. Jahrhundert auf -Island vorgenommen und niedergeschrieben wurde, wird doch auch schon -vor den schädlichen Folgen des Trinkens solcher berauschender Getränke -gewarnt. So stammt aus Odins, des Göttervaters Sprüchen, der Ausspruch, -daß zu reichlicher Met- und Biergenuß „der Sterblichen Stamme“ nichts -tauge. Vor allzu schlimmen Wirkungen sollte das Legen der „Bierrune“ -oder das Tragen der Wurzel des Zauberlauches (~Allium victoralis~) -als Amulett schützen. Damals war das Trinken von Bruderschaft, das -nicht mehr wie in der Urzeit mit Blut, sondern nur mit Met oder Bier -vorgenommen wurde, eine heilige Handlung, die gegenseitiges Eintreten -bis zum Tode bedeutete. - -Selbstverständlich war das ganze Altertum und frühe Mittelalter -hindurch die Bereitung des Bieres, wie auch des älteren Metes, für -die kleinen Haushaltungen der Vorzeit Sache der Hausfrau, die das -Kochen und alle übrigen Hausgeschäfte besorgte. Wie der Met war auch -das Bier nicht nur Gesellschafts-, sondern auch Opfertrank. Als der -heilige Columbanus ums Jahr 600 zu den Alamannen kam, da opferten diese -dem Wodan noch regelmäßig Met oder Bier, indem sie ihm den ersten -Ausguß weihten und den Rest zu seinen Ehren tranken. Später wurde -der Zins an die Kirchen und Klöster vielfach in Form von Bier -- in -Norddeutschland Met -- bezahlt. Der römische Naturforscher Plinius der -Ältere berichtet, daß das Bier in Spanien ~caelia~ oder ~cerea~, im -keltischen Gallien dagegen ~cervisia~ genannt und in beiden Ländern -aus verschiedenen Getreidearten gebraut werde. Doch scheint es den -an den Genuß von Wein gewöhnten Römern nicht gemundet zu haben. Auch -Kaiser Julian der Abtrünnige, der es, als er während der Mitte des 4. -Jahrhunderts in Gallien weilte, hier versuchte, spottet darüber in -einem uns noch erhaltenen Gedicht. - -Diese Kelten Galliens haben das Bier, wie auch den auch von ihnen -daneben noch häufig getrunkenen Met, zuerst in aus meist eichenen -Dauben hergestellten Holzbottichen bereitet und dann in aus demselben -Material hergestellten Fässern mit einer kleinen, oberen Öffnung -kurze Zeit aufbewahrt und transportiert. Bis dahin waren bei den -Römern und Griechen, wie bei den übrigen Kulturvölkern der alten Welt, -große Tonkrüge (griechisch ~píthos~, lateinisch ~dolium~) im Gebrauch -gewesen, und diese Neuerung nahmen die umwohnenden Völker als sehr -zweckmäßig bald an. So treten uns in den Darstellungen der römischen -Denkmäler des 3. Jahrhunderts n. Chr. in der Moselgegend Kufe und -Holzfaß der Kelten auch für Bereitung, Aufbewahrung und Transport von -Wein von seiten der Römer entgegen. - -Jedenfalls würde das rohe „Gegorene“, das die Kelten und Germanen -in ihren Grubenwohnungen oder sonstigen primitiven Behausungen bis -ins Mittelalter hinein tranken, uns heutigen, so überaus verwöhnten -Europäern sehr wenig munden; denn, abgesehen von allem anderen, ist -die Bierbereitung mit Zusatz von +Hopfen+ als Würze erst nach der -Zeit der Völkerwanderung aufgekommen. Zwar war es -- wie wir sahen --- schon bei manchen der verschiedenen bierbereitenden Völker des -Altertums gebräuchlich gewesen, dem Biere noch irgend ein würziges -Kraut oder herbe Eichenrinde zur Verbesserung des sonst etwas süßlichen -Geschmackes dem einfachen Malzauszuge beizufügen; aber Hopfen befand -sich sicher nicht darunter, obschon er damals in ganz Mitteleuropa -wildwachsend angetroffen wurde und durch seine aromatisch-bitteren -Fruchtähren schon früh auffallen mußte und jedenfalls auch als -Heilmittel diente. - -Der Zusatz von Hopfen zu Bier, um den Gerstentrank würziger und -heilkräftiger, zugleich aber auch haltbarer zu gestalten, verdanken -wir nach den eingehenden Untersuchungen von Kobert wohl zuerst -finnisch-ugrischen Stämmen. Bei Finnen, Letten und Esthen finden wir -bereits in alten Traditionen und Sagen die Kenntnis und Anwendung -gehopften Bieres. So wird auch in ihrem Nationalepos Kalewala, das -jahrhundertelang durch mündliche Überlieferung erhalten wurde, bis -es Lönnrot sammelte und geordnet herausgab, der Hopfen als Bierwürze -genannt. Von diesen Stämmen der Ostsee drang die Sitte, das Bier -mit Hopfen zu würzen, langsam westlich vor. Zwischen der Zeit des -Abzuges der Angeln und Sachsen von der unteren Weser und Elbe nach -England im Jahre 449 und dem Aufkommen der Karolinger als Hausmeier -im Frankenreiche der Merowinger im 7. Jahrhundert muß dieser Gebrauch -nach Westeuropa gelangt sein. Zuerst tritt er uns in nordgallischen -Klöstern um die Mitte des 8. Jahrhunderts entgegen, und es klingt -wie eine verdunkelte Erinnerung an die Einführung einer solch -wichtigen Neuerung, wenn seit dem Mittelalter die Sage ging, daß in -der Landschaft Brabant ein König Gambrinus das Würzen des Bieres mit -Hopfen erfunden habe. Nun wissen wir aus den mittelalterlichen Urkunden -jener Gegend, daß die besonders in den Klöstern amtierenden Bierbrauer -mittellateinisch ~cambarii~ und ihre Werkstatt, das Brauhaus, ~camba~ -hieß. Aus diesem ~cambarius~ hat die geschäftige Legende einen König -Gambrinus gemacht; aber dieser Erfinder des gehopften Bieres trug keine -Krone, sondern den geschorenen Scheitel und die wollene Kutte eines -Mönchs. Und bei den engen Verbindungen der Klöster untereinander ist es -nicht zu verwundern, daß das Hopfenbier mehr und mehr in Aufnahme kam -und das weniger schmackhafte und haltbare ungehopfte Bier allmählich -verdrängte. - -Die erste nachweisbare Erwähnung einer Hopfenpflanzung befindet sich -unter der Bezeichnung ~humularia~ in einer Schenkung Pippins des -Kleinen, des Sohnes Karl Martells und Vaters Karls des Großen, aus -dem Jahre seines Todes 768; vierhundert Jahre später war die heilige -Hildegard, Äbtissin des Klosters Rupertsberg bei Bingen (1098-1197), -der erste Autor, der den Hopfen als würzenden Zusatz zu Bier nennt. Zu -ihrer Zeit pflanzte man schon ziemlich Hopfen in Bayern, Franken und -Niedersachsen, aber erst im 14. Jahrhundert wurde die Kultur dieser -Pflanze in Deutschland von größerer Bedeutung. Während des ganzen -Mittelalters trank man in den Klöstern Europas viel Bier in mancherlei -Sorten wie Gersten-, Weizen- und Haferbier; das letztere scheint nach -den Aufzeichnungen des Klosters St. Gallen im 10. Jahrhundert das -gewöhnliche Alltagsgetränk der Mönche gewesen zu sein, und erstere -müssen mehr Festgetränke gebildet haben. In den Klöstern, wohin die -leibeigenen Bauern den Zehnten ihres Gewinnes an Vieh und Frucht -abzugeben hatten, lernte das Volk dieses Getränk kennen und schätzen. -So bildeten sich mit der Zeit in Dörfern und Städten öffentliche -Bierbrauereien, deren Erzeugnisse teilweise weithin Ruf erlangten. - -Neben dem Hopfen dienten damals noch alle möglichen anderen -Pflanzenstoffe als Bierwürze, so besonders die Blätter von Esche, -Porsch, Rosmarin und Myrte. So zählt das Hausbuch von Colerus aus dem -16. Jahrhundert an „medizinalischen Bieren“ auf: Rosen-, Wermut-, -Salbei-, Beifuß-, Polei-, Isop-, Rosmarin-, Wolgemut-, Nelken-, -Lavendel-, Lorbeer-, Melissen-, Kirsch-, Haselwurz-, Eichel-, -Schlehen-, Himbeeren- und Hirschzungenbier. Auch von einem Honigbier -melden uns bereits die Konzilienbeschlüsse von Worms aus dem Jahre 868 -und Tribur 895. - -Je mehr nun das Trinken des gehopften Bieres aus den Klöstern in die -Laienkreise überging und besonders unter der Bürgerschaft der Städte -Aufnahme fand, um so mehr suchte die Obrigkeit seine Herstellung -zu regeln. So enthalten bereits die Königsurkunden der Merowinger -Bestimmungen über Herstellung, Aufbewahrung und Verkauf von Bier. Nach -ihnen erließen die Karolinger und die verschiedensten Herrscher des -Mittelalters Verordnungen über die Fabrikation und den Ausschank dieses -wichtigen Volksgetränkes. In den freien Reichsstädten wirkte jeweilen -der Rat in diesem Sinne und schrieb vielfach die dazu zu verwendenden -Rohstoffe vor. So ließ beispielsweise eine Verordnung der freien -Reichsstadt Nürnberg vom Jahre 1290 einzig den Gebrauch der Gerste zur -Bereitung von Bier zu und verbot Dinkel, Weizen, Roggen und Hafer dazu -zu nehmen. Im 14. Jahrhundert taten sich die Bierbrauer in den Städten -zu Zünften zusammen und wählten den mythischen König Gambrinus von -Brabant zu ihrem Schutzpatron. - -Während des späteren Mittelalters wurde das Bier wenigstens in -Süddeutschland mehr und mehr von dem als vornehmer geltenden Weine -verdrängt, bis später das haltbarere, nach besseren Braumethoden -bereitete norddeutsche Bier das verlorene Terrain wieder einigermaßen -eroberte. So hatte im 16. Jahrhundert das Einbeckerbier, das auch -Luther mit Vorliebe trank, einen besonderen Ruf und wurde weithin -versandt. Nach ihm wird das heutige Bockbier genannt. Im Jahre 1591 -wurde das Münchener Hofbräuhaus eröffnet, und erst vom 17. Jahrhundert -an wandte sich die bis dahin Rebbau treibende und Wein trinkende -Bevölkerung Bayerns wiederum dem Biere zu. Lagerbier braut man in -Deutschland seit dem 13. Jahrhundert. 1492 erfand Christian Mumme in -Braunschweig das nach ihm benannte Bier, das später selbst nach Indien -exportiert wurde, und 1738 kam die Gose, ein obergäriges Bier, aus -dem Dessauischen nach Eutritzsch im Sächsischen. Hier erzeugte eine -einzige Brauerei 30000 Hektoliter jährlich und versorgte mit seinem -Erzeugnis das benachbarte Leipzig. Im Jahre 1541 wurde in Nürnberg das -erste Weißbier gebraut. Sonst war das Weizenbier besonders in England -beliebt, das während des ganzen 15. Jahrhunderts von dort viel nach -Hamburg ausgeführt wurde. 1526 begann man es in Hamburg selbst zu -brauen, ebenso seit 1572 in Berlin, wo es sich zum heutigen Weißbier -entwickelte. - -In England war die Anwendung des Hopfens beim Brauen von Bier bis ins -15. Jahrhundert verboten. Noch im 17. Jahrhundert erhob die Bevölkerung -von London beim Parlament Beschwerde „gegen zwei der größten Übelstände -ihrer Zeit“ -- gegen den Steinkohlengebrauch, dessen Rauch die Luft -verpeste, und gegen den Hopfenzusatz zum Biere, weil dadurch der -angenehm süßliche Geschmack dieses Getränkes verdorben werde. Ale und -Porter werden in England seit kaum mehr als hundert Jahren gebraut. -Ersteres wurde vom Braumeister Harwood erfunden und ist hell, wird -wenig gekocht, aber stark gehopft, letzteres dagegen ist dunkel und -wird durch langes Kochen aus stark gedörrtem, dunkelm Malz gewonnen, -ist daher recht vollmundig. Beide enthalten bis 8 und 9 Prozent -Alkohol, während das gewöhnliche Bier nicht mehr als 3 bis höchstens 5 -Prozent dieses Stoffes enthält. - -Noch heute steht Europa unter den biererzeugenden Erdteilen mit -etwa 203 Millionen Hektolitern Jahreserzeugnis weitaus an erster -Stelle; dann folgen die Vereinigten Staaten von Nordamerika mit 65 -Millionen Hektolitern, Australien mit 2,5 Millionen, Südamerika mit -1,5 Millionen, Asien mit 0,6 Millionen und Afrika mit 0,15 Millionen -Hektolitern. Von den europäischen Staaten überragt das Deutsche Reich -bei einer jährlichen Produktion von annähernd 74 Millionen Hektolitern -Bier -- also mehr als einem Drittel der Weltproduktion (!) -- die -übrigen Staaten bedeutend. Ihm folgen Großbritannien und Irland mit -58 Millionen Hektolitern, Österreich-Ungarn mit 22 Millionen, Belgien -mit 16,5 Millionen, Frankreich mit 14,5 Millionen, Rußland mit 6,6 -Millionen, Schweden mit 3,3 Millionen, die Schweiz mit 2,6 Millionen, -Dänemark und die Niederlande mit je 2,5 Millionen Hektolitern jährlich. -Von den 74 Millionen Hektolitern Jahresproduktion des Deutschen Reiches -entfallen auf Norddeutschland 47 Millionen, auf Süddeutschland 27 -Millionen, davon auf Bayern 18,4 Millionen Hektoliter. Wenn nun auch -Deutschland das meiste Bier erzeugt, so konsumiert es gleichwohl -nicht am meisten, sondern kommt darin, auf den Kopf der Bevölkerung -berechnet, erst an dritter Stelle. Mit einem gewaltigen Vorsprung -marschieren Belgien mit 222 Litern, dann England mit 146 Litern -Bierverbrauch pro Kopf der Bevölkerung jährlich. Deutschland mit 119 -Litern folgen Dänemark mit 93 Litern, die Vereinigten Staaten von -Amerika mit 76 Litern, die Schweiz mit 65 Litern, Schweden mit 52 -Litern, Österreich-Ungarn mit 41 Litern, Frankreich mit 34 Litern, -Norwegen mit 14, Rußland mit 5, Spanien mit 1,3 und Italien mit 1 Liter. - -Bei den Völkern des klimatisch gesegneten Mittelmeergebietes hat von -jeher der +Wein+ den Vorzug vor dem Biere erhalten, wenn letzteres -überhaupt gebräuchlich war und die Bevölkerung nicht etwa noch am -altertümlicheren Mete hing. Wie den Syrern und Kleinasiaten galt -auch den Griechen der Wein als weitaus das edelste aller gegorenen -Getränke. Schon in homerischer Zeit, d. h. vor dem Jahre 1000 v. Chr., -stand er bei den Völkern um das Ägäische Meer in allgemeinem Gebrauch -und wird als eine natürliche Gabe des Landes vorausgesetzt. Brot, -Wein und Kleider waren für die Menschen jener Zeit die drei ersten -Lebensbedürfnisse. In der Ilias wird besonders Phrygien durch das -kennzeichnende Beiwort ~ampeloéssa~, d. h. das rebenbepflanzte, -bezeichnet, und auf dem ehernen runden Schilde des Achilleus soll unter -anderem auch eine Weinlese dargestellt gewesen sein. In der Odyssee -werden die Gärten des Alkinoos, des Königs der Phäaken, wie auch des -Odysseus als durch eine Fülle von Trauben ausgezeichnet geschildert. -In seiner Heimat auf der Insel Ithaka besaß letzterer, nach den -Mitteilungen im Epos, selbst ausgedehnte Rebberge, von deren Ertrag -die Hirten und selbst ihre Unterknechte den Wein tranken. Und als -Odysseus nach seinen langen Irrfahrten in seine Heimat zurückkehrte, -wurde er von seinem getreuen „göttlichen“ Schweinehirten Eumaios mit -Ferkelbraten und Wein bewirtet. - -Eine Menge alter Landschafts- und Städtenamen des alten Griechenland -sind vom Wein und vom Rebbau abgeleitet oder führen den kennzeichnenden -Beinamen der rebenreichen als Beweis dafür, wie populär die Kultur -dieser Nutzpflanze in diesem Lande schon in sehr früher Zeit war. Auch -in späterer Zeit waren besonders reich an Rebbergen die kleinasiatische -Küste des Ägäischen Meeres und das dahinter gelegene Land, besonders -Mysien, von wo, wie Herodot berichtet, die Kunst der Weinbereitung -in grauer Vorzeit zuerst zu den wilden Thrakern, den Verehrern des -Kriegsgottes Ares, gelangte. - -Die edle +Weinrebe+ (~Vitis vinifera~) war ursprünglich nicht in diesen -Gegenden heimisch, sondern sie gelangte, wie der Gott des Weines und -des Natursegens überhaupt, Dionysos, dem der ferne Orient, ja Indien, -die Heimat sein sollte, aus Westasien dahin, wo sie in den ausgedehnten -Waldungen zwischen Kaukasus, Ararat und Taurus heute noch wildwachsend -gefunden wird. Dort schlingt sie ihre aus einem bis armdick werdenden -Stamme hervorsprossenden Zweige lianenartig von Baumkrone zu Baumkrone -und läßt ihre im Naturzustande kleinen und etwas herben Trauben reifen, -die der Mensch im Laufe der Jahrhunderte durch Kulturauslese größer, -saftiger und süßer gestaltete. Dies geschah wohl zuerst irgendwo in -ihrer Heimat im Berglande Armenien. Die Bezeichnung Wein, wie auch das -lateinische ~vitis~ = Rebe scheint zur urindogermanischen Wurzel ~uei~ -oder ~ui~ „sich winden“ zu gehören. Nach S. Schraders einleuchtender -Vermutung wurzelt der Name speziell im Armenischen, von wo er sich -einerseits zu den Westsemiten, andererseits über Kleinasien zu den -Balkanvölkern und von da zu den Griechen verbreitete. So ist aus dem -älteren ~uainio~ einesteils das semitische ~jáin~ und arabische ~wain~, -andernteils das phrygische ~uaina~, daraus das griechische ~oinos~ -und zuletzt das lateinische ~vinum~ entstanden, aus welchem dann die -verschiedenen heutigen europäischen Bezeichnungen dieses Getränkes -hervorgingen. - -Wenn wir nun auch offenkundig den indogermanischen Stämmen -Vorderasiens die Verbreitung des Namens Wein verdanken, so muß doch -die Kultur des Weinstocks älter sein als sie und ist zweifellos einem -vorarischen Volke zu verdanken, das aber jedenfalls kein semitisches -war. Charakteristischerweise nennt auch die biblische Überlieferung -keinen Semiten, sondern den gemeinsamen Ahnherrn der Semiten, Hamiten -und Japhetiten als ersten Weinbauern. Es ist dies bekanntlich Noah, der -sich nach der großen Flut (Sintflut, d. h. allgemeine Flut) am Fuße -des Berges Ararat, unweit des armenischen Hochlandes, niedergelassen -haben soll. Hier nahm er den Weinstock in Pflege und trank von dessen -vergorenem Safte. „Noah aber fing an, ward ein Bauer und pflanzte -Weinberge. Und da er vom Wein trank, ward er trunken und lag in der -Hütte nackt.“ Da sah nun sein jüngster Sohn Ham seines Vaters Scham -und sprach davon zu seinen beiden Brüdern draußen. „Da nahmen Sem und -Japhet ein Gewand, legten es auf ihre beiden Schultern und gingen -rücklings hinzu und deckten ihres Vaters Scham zu; und ihr Gesicht -war abgewandt, damit sie ihres Vaters Scham nicht sahen. Als nun Noah -erwachte von seinem Wein und erfuhr, was ihm sein kleiner Sohn getan -hatte, so verfluchte er ihn und sprach: er sei ein Knecht aller Knechte -unter seinen Brüdern.“ 1. Mose 9, 20-23. Auch später gehörte der -Wein bei seinen Nachkommen zu den Bedürfnissen des Lebens. Als Jakob -Isaak segnete, sprach er: „Gott gebe dir vom Tau des Himmels und der -Fettigkeit der Erde und Korn und Wein die Fülle.“ - -Nach ihrer eigenen Geschichtserzählung fanden die Juden den Rebstock -als längst eingeführte Kulturpflanze in Palästina vor, als sie ums Jahr -1250 v. Chr. dieses Land eroberten. Es sei hier nur an die Kundschafter -erinnert, die Moses aussandte, und die dann mit Trauben von seltener -Größe beladen aus dem Lande Kanaan zurückkehrten. Dort heißt es -wörtlich: „Und sie kamen bis an den Bach Eskol und schnitten daselbst -eine Rebe ab mit +einer+ Traube und ließen sie zwei an einem Stecken -tragen, dazu auch Granatäpfel und Feigen.“ 4. Mose 13, 24. Ferner an -die Verheißung Jahves, die er seinem Volke durch Mose kundtun ließ: -„Denn der Herr, dein Gott, führet dich in ein gutes Land, worinnen -Bäche, Brunnen und Seen sind, die an den Bergen und durch Auen fließen, -ein Land, da Weizen, Gerste, Weinstöcke, Öl-, Feigen- und Granatbäume -darinnen sind, da es Öl und Honig gibt, ein Land, da du Brot genug zu -essen hast und dir nichts mangelt.“ 5. Mose 8, 7 u. 8. - -Solange sie selbst noch nomadische Viehzüchter waren, hatten sie -für Milch und Honig als die für sie begehrenswertesten Nahrungs- und -Genußmittel geschwärmt und sich auf ihrem Zuge durch die Wüste einen -Wohnsitz gewünscht, der ihnen solche Herrlichkeiten in Fülle böte. -Da entdeckten sie in diesem ihnen von ihrem Gotte Jahve durch Moses -gelobten Lande die großbeerigen Trauben und die daraus gepreßten -Vorräte von Wein, den die älteren unter ihnen von Ägypten her kannten -und den sie auf ihrer langen Wüstenwanderung gewiß bitter entbehrt -hatten. Sie fuhren nun fort, die eroberten Rebberge zu kultivieren -und wiederum selbst, wie einst im Lande Gosen, Wein zu keltern und in -großen Tonkrügen mit Ölabschluß oder in Schläuchen aufzubewahren, wie -solches sie und ihre Vorfahren schon in Ägypten getan hatten. Denn im -Niltale war schon zu Ende des 4. vorchristlichen Jahrtausends neben dem -älteren Gerstenbier auch der Wein als Genußmittel bekannt, der, wie -die Wandmalereien in den Grüften der Vornehmen jener Zeit bekunden, -aus im Lande selbst gezogenen Reben gekeltert wurde. Zwar berichtet -der griechische Geschichtschreiber Herodot, der um 460 v. Chr. selbst -in Ägypten war, Ägypten besitze keine Weinstöcke und bringe keinen -Wein hervor; auch sollte derselbe nach demselben Gewährsmann dort -weder getrunken, noch zum Opfer verwendet worden sein. Aber das war -zweifellos eine unrichtige Beobachtung des Griechen, der wohl nicht -sehr weit im Lande herumkam und dort das gemeine Volk nur Gerstenbier -trinken sah. - -Die zahllosen Darstellungen an den Grabwänden der altägyptischen -Totenstädte und das Bild der Weinrebe, ihrer Kultur und Ernte in den -ältesten Monumenten und Papyrustexten tun uns aufs unzweideutigste -kund, daß die Rebe bereits zu Beginn des 3. vorchristlichen -Jahrtausends in ausgedehntem Maße in Ägypten kultiviert wurde. Die -Rebe und die reife Traube hießen im Altägyptischen ~aruri~, der Wein -~arp~, während die unreifen Beeren ~gangani~ und die von den Trauben -gelesenen und an der Sonne getrockneten Beeren, die auch mit Vorliebe -den Toten mitgegeben wurden, ~ashep~ genannt wurden. Solche getrocknete -Weinbeeren haben sich häufig in den altägyptischen Gräbern gefunden -und wurden auch zu Opfern verwendet. Herodot berichtet uns, daß man -dem beim Opfer an die Isis verbrannten Stier außer Weihrauch, Myrrhen, -Honig und Feigen auch solche getrocknete Weinbeeren in den Bauch tat. - -Schon durch eine der ältesten hieroglyphischen Inschriften erfahren wir -von Amten, dem Oberjägermeister des Königs Snofru aus der 3. Dynastie -(um 2900 v. Chr.), daß er inmitten eines großartigen Parkes einen -Weingarten anlegte und daraus sehr viel Wein gewann. Bereits im alten -Reiche (2980-2475 v. Chr.) werden nach den Inschriften vier Sorten Wein -angeführt und nach Farbe und Ursprungsort als schwarzer, roter, weißer -und nördlicher (aus dem Delta) bezeichnet. Aus dem Papyrus Harris I. -erfahren wir, daß Ramses III. aus der 20. Dynastie (1200-1090 v. Chr.) -nicht nur in Ober- und Unterägypten, sondern auch in den verschiedenen -Oasen westlich vom Niltal Weingärten „ohne Zahl“ anlegen ließ, und -namentlich dem berühmten Weinberg ~Ka-en-kêmet~, der den ausgedehnten -Gartenanlagen des großen Ammontempels in Theben angehörte, seine -besondere Fürsorge widmete. - -Bis in die Ptolemäerzeit lassen sich die Spuren einer fleißigen -Kultur der Weinrebe in Ägypten verfolgen. Die meisten Weingärten -lagen im arsinoitischen Nomos (Gau), dem heutigen Fajûm, und im -Delta. So waren bei den Griechen und Römern verschiedene Weinsorten -aus jenen Gegenden sehr berühmt, so der mareotische, plinthinische, -taniotische, sebennitische, selonnytische, ekboladische und der von -Koptos und Anthylla. Man zog die Rebe an Spalieren, in Lauben oder -an Stangen. In den Wandgemälden sind die Rebstöcke rotbraun, das -Laub grün und die Trauben meist dunkelblau, seltener blaßrot oder -blaßviolett dargestellt. Auf einem der Gemälde in der Totenstadt -Theben begießt einer der Winzer die Stöcke des Weingartens; zwei -andere pflücken Trauben, noch andere tragen sie in großen Körben von -dannen und ein Knabe verscheucht mit einer Holzklapper die daran zu -naschen versuchenden Vögel. -- Die Trauben wurden durch Austreten -mit den Füßen in Holzkufen gekeltert und der ausgepreßte Saft floß -seitlich durch einen mit Hahn verschließbaren Auslauf in die daneben -gestellten Bottiche. Um den ausgetretenen Beeren die letzten Saftreste -zu entnehmen, tat man sie in grobe Leintücher oder Bastmatten und -drehte an den beiden Enden, an denen zur größeren Kraftentfaltung -Holzstäbe staken. Der dabei ausfließende Saft wurde in großen, nach -unten spitz auslaufenden Tongefäßen aufgefangen. Auf Grabgemälden in -Beni Hassan und an andern Orten finden wir sowohl Männer als Frauen -mit solchem Auspressen der Beeren beschäftigt. Zuletzt wurde der Most -filtriert und in große, oft mehr als 1,5 m hohe Tonkrüge geleert, darin -mit Deckeln verschlossen, versiegelt, von den Schreibern notiert und -in den Vorratskammern entweder auf besondere Holzgestelle oder den -Wänden entlang in langen Reihen nebeneinander aufgestellt. An diesen -umfangreichen, teilweise zweihenkeligen Tonkrügen von sehr gefälliger -Amphorenform wurde dann zum Schluß die Aufschrift ~arp~, d. h. Wein -angebracht. Wo verschiedene Sorten nebeneinander zur Aufbewahrung -gelangten, war genau notiert, ob sie ~abs arp~, d. h. Weißwein, ~tesr -arp~, d. h. Rotwein oder sonst eine Marke enthielten, damit keine -Verwechslung möglich war. Zum täglichen Bedarfe entnahm man ihn durch -Ansaugen vermittelst langer Heber und mischte ihn nach Belieben mit -andern Weinsorten oder Wasser. So sehen wir auf einer Darstellung -der Gräberstadt von Theben einen Schenken vermittelst dreier Heber -aus Metall Wein aus drei verschiedenen kleinen Krügen, die auf einem -Gestell von drei übereinander gereihten Lagen von je vier Krügen ruhen, -entnehmen, um sie in einer auf einem Taburett stehenden flachen, -zweihenkeligen Schale zu mischen und den Gästen beim Mahle als Trank zu -reichen. - -Most und Wein scheinen den alten Ägyptern vortrefflich gemundet zu -haben. An einer Wand des großen Tempels zu Edfu ist der König mit -einem Becher in der Hand dargestellt und die erläuternde Inschrift -lautet: „Man tat Weinbeeren in das Wasser, davon trinkend sprach der -König...“ In manchen altägyptischen Gedichten wird der Wein als „Seife -der Sorge“ bezeichnet, und im „Liede des Harfners“ aus dem Grabe des -altthebanischen Königs Entufe heißt es ermahnend: „Mit strahlendem -Gesicht feiere einen frohen Tag und ruhe nicht an ihm; denn niemand -nimmt seine Güter mit sich und niemand kehret wieder, der dahingegangen -ist.“ Und daß man sich trotz des so weitgehenden Totenkultes die -Freude am vollen Lebensgenuß nicht nehmen ließ, das zeigen die häufig -zur Darstellung gelangten Trinkgemälde an den Wänden altägyptischer -Gräber. Andere weisen die Folgen solcher Trinkgelage auf. So tragen -in einem Grabgemälde von Beni Hassan zwei Sklaven ihren sinnlos -betrunkenen Herrn an Kopf und Füßen gefaßt von einem Trinkgelage heim. -Ihnen folgen drei andere, über deren Köpfen regungslos ausgestreckt -der Körper seines Kumpanen liegt. Der erste der Diener hält mit der -einen Hand das schwer herabhängende Haupt des Gebieters. Neben Gelagen -von Männern der obersten Gesellschaftskreise finden wir auch solche -von Damen dargestellt. So führt uns ein Wandgemälde zu El kab in -eine mit Lotosblüten geschmückte zahlreiche Damengesellschaft. Der -Knabe, welcher die munteren Schönen bedient, reicht einer derselben -eine flache, mit Wein gefüllte Trinkschale und spricht: „Trinke bis -zum Rausche und feiere einen guten Tag; merke auf die Worte deiner -Nachbarin. Werde nicht müde.“ Einer andern Dame braucht diese -Aufforderung nicht erst gesagt zu werden. Sie ruft dem kleinen Diener -zu: „Reiche mir 18 Becher mit Wein. Siehe, ich sehne mich nach einem -Rausche! Die Stätte, an der ich weile, ist von Stroh!“ Aus solchen und -andern Äußerungen des ägyptischen Volksgeistes ersieht man, daß man -damals selbst an der Stätte des Todes den derben Humor nicht scheute. - -Auf einem Grabgemälde der Totenstadt Thebens werden bei einem Gelage -mehrere Weinsorten gemischt und wir sehen zur Entnahme des Weines -mehrere lange Heber in Funktion, deren einer vom Diener eben an den -Mund gesetzt wird, um durch Ansaugen die Luft darin zu verdünnen und -den Inhalt eines Kruges zum Herausfließen zu bringen. An den großen -Festen zu Ehren der Götter floß der Wein in Strömen, so besonders -bei der Techu(d. h. Volltrink)feier und an dem bacchanalischen -Bubastisfeste, das man mit großen Opfern, Schwelgereien und sehr -ausgelassenen, uns sittenlos vorkommenden Aufführungen beging und an -welchem, wie Herodot berichtet, an einem Tage mehr Wein getrunken -wurde, als während des ganzen übrigen Jahres zusammengenommen. - -In den langen an den Tempelwänden verzeichneten Geschenklisten der -Pharaonen bilden unter den liegenden Gütern auch Weinberge und -Baumgärten, wie auch Krüge mit Wein eine nicht unbedeutende Rolle. So -schenkte nach dem Papyrus Harris Ramses VII. (um 1100 v. Chr.) den -Tempeln Ober- und Unterägyptens insgesamt 514 Weinberge und Baumgärten, -und während seiner 31jährigen Regierungszeit wurden von ihm 28080 -Krüge Wein für die Priester außer 228380 Krügen Rebensaft für die -Opferfonds gestiftet. Gaben an Wein nebst Brot, Kuchen und Fleisch -von Haustieren, besonders Gänsen, fehlten keinem Opfer, sei es an die -Himmlischen, sei es an die Geister vornehmer Verstorbener. Solchen -Totenopfern verdanken wir auch die Reste von Weintrauben, die mehrfach -in Form von zusammengeschrumpften schwärzlichen Rosinen von holziger -Beschaffenheit, teilweise noch mit dem bläulichen Wachsüberzug bedeckt, -auf uns gekommen sind. In manchen derselben konnte noch der einst beim -Trocknen ausgeschiedene Traubenzucker nachgewiesen werden. - -Wie der Weinbau bereits zu Ende des 4. vorchristlichen Jahrtausends aus -dem mesopotamischen Hochlande über Mesopotamien und Syrien nach Ägypten -gelangt war, so wanderte er etwas später durch ganz Kleinasien, und -gelangte schließlich an die Ostküste und auf die Inseln des Ägäischen -Meeres, wo er um die Mitte des 2. vorchristlichen Jahrtausends bereits -eingeführt war. Auch die Mykenäer pflanzten schon Reben, wie uns die -Traubenkerne beweisen, die in den Ruinen der mykenischen Burgen von -Tiryns im Peloponnes und von Troja am Hellespont aus dem 16. und 15. -vorchristlichen Jahrhundert gefunden wurden. Immerhin beweist uns -ihre auffallende Kleinheit, daß die damals von ihnen gepflanzte Rebe -noch recht kleinbeerig und wenig durch Kultur veredelt war. Dasselbe -beweisen auch die Reihen mächtiger, von den Griechen ~pithoi~ genannter -Vorratskrüge aus gebranntem Ton in den Palästen von Knosos und anderer -Herrensitze aus mykenischer Zeit auf der Insel Kreta, die außer für -Getreide und Öl jedenfalls auch ganz besonders zur Aufbewahrung von -Wein gedient haben werden. - -Die Kultur der Rebe scheint auf zwei verschiedenen Wegen nach -Griechenland gelangt zu sein. Der eine, ältere ging, wie erwähnt, über -Kleinasien und Thrakien, von woher die Griechen den Weinbau und den -damit zusammenhängenden Dionysoskult erhalten haben wollen. Von solchen -Reben an der thrakischen Küste bereiteten Wein tranken nach Homer die -Griechen bei der Belagerung Trojas, die ihn nach den Angaben in der -Ilias beim Genusse nicht weniger als zwanzigfach mit Wasser verdünnt -genossen. Der andere, jüngere Weg führte der Südküste Kleinasiens -entlang über die Inseln Kreta, Naxos und Chios, die ebenfalls mit dem -Dionysoskult in engerer Verbindung standen, nach dem griechischen -Festlande. Auf diesem letzteren scheinen die schiffahrtkundigen -Phönikier in erster Linie die Vermittler gewesen zu sein. - -Besonders berühmt war im alten Griechenland der pramnische Wein -vom Berge Pramne auf der Insel Ikaros und der maroneische von der -thrakischen Küste, dann diejenigen der Inseln Lesbos, Kos und Thrasos. -Doch würden sie wahrscheinlich unseren Beifall nicht ganz gefunden -haben, da man sie nach uralter Sitte durch Zusatz von Harz der -Aleppokiefer (~Pinus maritima~) haltbar zu machen suchte; deshalb -bildet ein Tannenzapfen den Knauf des rebenumwundenen Thyrsosstabes, -den die Bacchanten am Feste des Gottes Dionysos mit Weinlaub bekränzt -schwangen. - -Schon bei den Griechen haben sich eine Menge Sitten und Gebräuche -an die geselligen, mit Weingelagen einhergehenden Zusammenkünfte -geknüpft. Das Präsidium besaß der ~symposiárchos~, der die Sitzung -leitete und das Zutrinken bewachte. Den ersten Schluck brachte man -dem Weingotte Dionysos selbst dar, den zweiten dem Göttervater Zeus, -den dritten der Gesundheit und den vierten dem Götterboten Hermes, -dem Herrn der Nacht, dem Spender des Schlafes und der süßen Träume. -Dabei bekränzte man sich mit Weinlaub und Rosen und erfreute sich -dabei der vollkommensten Redefreiheit, die denn auch bei dem witzigen, -geistreichen Volke gehörig ausgenutzt wurde. - -Mit der ausgedehnten griechischen Koloniengründung kam der Weinstock -und sein Anbau sehr früh auch nach Sizilien und Unteritalien und von da -in der Folge zu den damals noch auf Mittelitalien beschränkten Römern, -die aus dem Akkusativ des griechischen ~oínon~ den Namen ~vinum~ für -Wein bildeten. Bevor die Römer durch die unteritalischen Griechen -mit diesem Getränke bekannt gemacht wurden, kannten sie als Getränk -außer Wasser nur die Milch der Herdentiere, welche auch die ältesten -uns bekannt gewordenen Opfersatzungen dieses Volkes den Göttern zu -opfern geboten. Wenn auch nicht besonders angeführt, wird auch Met bei -festlichen Anlässen getrunken worden sein, Bier dagegen fehlte. Während -aber noch Romulus den Göttern Milch als das vornehmste Getränk opferte, -verbot schon Numa Pompilius, der zweite König von Rom, der von 715-672 -v. Chr. geherrscht haben soll, bei den Totenfeiern den Holzstoß, -auf dem die Leichen verbrannt wurden, mit dem aus Großgriechenland -importierten Wein zu besprengen. - -In Unteritalien gedieh die Rebe so üppig, daß schon Herodot im 5. -vorchristlichen Jahrhundert diesem Lande die Bezeichnung Oinótria, -d. h. Land der Weinpfähle gab, weil hier die Weinstöcke an Pfählen -gezogen wurden, im Gegensatz zu den Landschaften, wo sie an Bäumen -emporwuchsen, wie in Etrurien und Campanien, dem Gebiete des alten -Kulturvolkes der Etrusker oder Tusker, oder ohne Stütze kurz und -niedrig gehalten wurden, wie im südlichen Gallien und Spanien, wohin -die Rebe vielleicht schon durch die handeltreibenden und ebenfalls -noch vor den Griechenstämmen Kolonien gründenden Phönikier gelangte. -In Latium, wo die Rebenkultur erst im Jahre 180 v. Chr. soll in -Aufnahme gekommen sein, untersagten die früheren römischen Gesetze -Frauen überhaupt und Männern vor dem 25. Jahre Wein zu genießen. -Später aber war man darin viel nachsichtiger, wie dies bei den -Griechen Sitte war. Zu Ende der Republik werden uns in Mittelitalien -die Landschaften Campanien und Picenum als besonders weinreich -geschildert. Auch in die Gegenden um die Pomündungen muß der Weinstock -mit dem griechischen Seeverkehr schon früh gekommen sein, so weit -der niedrige, leicht Überschwemmungen ausgesetzte Boden diese Kultur -gestattete. Mit Recht verwundert sich der im letzten vorchristlichen -Jahrhundert in Italien lebende griechische Geograph Strabon über das -merkwürdige Zusammentreffen der dortigen Sümpfe mit überaus reichem -Weinbau. Tatsächlich war der Wein zur römischen Kaiserzeit in Ravenna -wohlfeiler als Wasser, so daß der ums Jahr 102 n. Chr. verstorbene -bissige römische Dichter Martialis in einem bekannten Epigramm meinte, -er möchte daselbst lieber eine Zisterne mit Wasser als einen Weinberg -besitzen, und sich beklagt, ein betrügerischer Schankwirt jener Stadt -habe ihm einst reinen Wein, statt den von ihm verlangten mit Wasser -vermischten verkauft. - -Es galt nämlich sowohl bei den Griechen, als auch bei den Römern -der früheren Zeit für unfein und war deshalb verpönt, den Wein, -weil ziemlich stark, pur zu trinken. Man verdünnte ihn deshalb -stets reichlich mit Wasser. Erst in späterer Zeit, als die Sitten -üppiger wurden, begann man vielfach unverdünnten Wein zu trinken. -Dabei kühlte man den Wein auf Eis, versetzte ihn gerne mit Gewürzen -und fing an nach alten Jahrgängen zu trachten. Bei den prunkvollen -Gastmählern der Vornehmen Roms mußte schon acht- bis zehnjähriger Wein -aufgetischt werden, um geschätzt zu werden. Aber noch viel älteren, -selbst zweihundertjährigen Wein gab es damals. So mundete dem im -größten Luxus aufgewachsenen Kaiser Caligula, der von 37 bis 41 -n. Chr. regierte, vornehmlich Wein vom Jahre 121 v. Chr., dem besten -Jahrgange, den Italien jemals erlebt hatte. Dieser vor allen geschätzte -Wein wurde der opimische genannt, weil damals Opimius Konsul war. Es -war dies übrigens das verhängnisvolle Jahr, in welchem der letzte der -Gracchen, Gajus, wegen der mit seinem Bruder Tiberius veranlaßten -Äckerverteilungen zugunsten der ärmeren Bürger, einen gewaltsamen -Tod fand. Selbstverständlich war das kein billiger Wein; denn nach -dem Berichte des älteren Plinius kam eine Amphore solchen Weines auf -mehr als 240000 Mark zu stehen. Da nun die Amphore 20 Liter faßte, so -kostete also der Liter dieses berühmten opimischen Weines nicht weniger -als 12000 Mark. Ein Genuß, den sich allerdings nur die Allerreichsten -der reichen Römer leisten konnten. Daß es aber damals überhaupt so alte -Jahrgänge gab, beweist, daß man sich also im Altertum weit besser auf -die Konservierung von Wein verstand als im modernen Italien, dessen -Weine kaum eine einjährige Aufbewahrung zulassen. Zu solchem Zwecke -versetzte man ihn mit dem Harz der Strandkiefer, mit Gips oder Ton, -auch Marmor- und Kalkstaub -- letzteres, um ihm die Säure zu nehmen ---, oder man kochte ihn ein, vielfach mit Zusatz von wohlriechenden -Kräutern. Der ältere Plinius rühmt speziell das Anmachen des Weins mit -Seewasser als für den Magen besonders heilsam. - -Hatte zunächst in der alten Kulturwelt Griechenland lange Zeit hindurch -ein Monopol mit seinen Weinen ausgeübt, so übernahm ein solches mit -dem Beginne der christlichen Zeitrechnung das durch die römische -Weltherrschaft mächtig gewordene Italien. Zur Zeit des älteren -Plinius um die Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. gehörten von den 80 -berühmtesten Weinlagen der damaligen Kulturwelt mehr als zwei Drittel -der italienischen Halbinsel an, die durch diesen ihren Reichtum den -Sieg über die Pflanzenschätze aller Länder davontrug mit alleiniger -Ausnahme der Gewürzpflanzenländer. „Es ist aber,“ fährt Plinius fort, -„wenn der Weinstock in Blüte steht, kein Duft lieblicher als seiner.“ -Der Dichter Horaz, den Maecenas, der Freund des Kaisers Augustus, -protegierte und dem er ein Gütchen im Sabinerlande schenkte -- woher -das Wort Mäcen die Bedeutung von Beschützer und Gönner der Künste und -Wissenschaften erhielt --, hat in seinen Gedichten, die von allen -gebildeten Römern gelesen wurden, dem Falernerwein vom ~ager Falernus~ -im nordwestlichen Campanien, dessen vorzüglichste Marke der Massiker -war, eine Reklame gemacht, die dem wirklichen Werte des Weines durchaus -nicht entsprach. Nach allgemeinem Urteil des Gourmets des alten Rom war -der Cäcuber an der Küste besser; doch verschwand er zu ihrem Leidwesen, -als Kaiser Nero zwischen Bajä und Ostia einen Kanal graben ließ. Als -Tischwein zog Kaiser Augustus allen andern denjenigen von Setia vor, -den auch seine Nachfolger auf dem Throne der Cäsaren begünstigten „weil -die Erfahrung lehrte, daß man von diesem Wein keine üblen Folgen zu -befürchten hat“. Livia dagegen, die Gattin des Augustus, schrieb ihre -körperliche Frische, die sie bis zu ihrem 86. Lebensjahre bewahrte, dem -Umstande zu, daß sie sich täglich an Pucinerwein erlabte. Man rühmte -im alten Rom auch die Vorzüge des Weines von Surrentum (dem heutigen -Sorrent bei Neapel); doch erklärte Kaiser Tiberius diesen Wein für -einen ganz gemeinen Essig, der seinen Ruf nur der bezahlten Lobpreisung -einer Ärzteklique verdanke. Außer dem Surrentiner und Cäcuber erklärte -Columella den Massiker und Albaner für die edelsten Weine der damaligen -Welt. Der erstere wuchs in der Nähe Neapels, der letztere dagegen in -der Nähe Roms. Julius Cäsar soll der erste gewesen sein, der seinen -Gästen zu einer Mahlzeit vier verschiedene Weine vorsetzte. Seit jener -Zeit wollte jeder reiche Römer einen wohlassortierten Weinkeller -besitzen und suchte einer den andern mit feinen Marken zu überbieten, -für die teilweise, wie wir beim alten opimischen Wein sahen, fabelhafte -Preise bezahlt wurden. - -Wie zu Ende der Republik Italien geradezu ein Weinland geworden -war, das Wein ausführte, aber Getreide einführte, so gedieh die von -kleinasiatischen Griechen schon im 7. vorchristlichen Jahrhundert nach -Spanien gebrachte Rebe auch in diesem Lande vortrefflich. Nach Plinius -war der hispanische Wein auch in Rom sehr beliebt, ebenso der aus dem -südlichen Gallien stammende. Um ihn haltbarer zu machen, pflegte man -die Tonkrüge, in denen man ihn aufbewahrte, nach orientalischer und -griechischer Sitte in Rauchkammern zu räuchern oder mit Terpentin -oder Mastix zu versetzen. Solchem Weine würden wir heute ebenso wenig -Geschmack abgewinnen, als solchem der mit Meerwasser versetzt war, wie -dies besonders in Kleinasien und Griechenland geschah, ein Verfahren, -das Plinius als für den Magen heilsam bezeichnete. Auch die uralte -Sitte, den Wein in innen geharzten Ziegenschläuchen zu transportieren, -würde kaum unsern Beifall gefunden haben, da er dadurch einen -widerlichen, bockigen Beigeschmack erhielt. - -In Frankreich, dem heute vorzugsweise Weinbau treibenden Lande, hat um -die altgriechische Kolonie Massalia herum, der erste Rebberg gestanden. -Hierher brachten, wenn nicht schon die Phönikier, so jedenfalls die -Phokäer ums Jahr 600 v. Chr. die Rebe. Jedenfalls war die Art ihres -Anbaues, die aus der griechischen Mutterstadt in Kleinasien -- etwas -nördlich von Smyrna gelegen -- mitgebrachte ohne Stützen und Pfähle. -Von jener ältesten Pflanzstätte des Weinbaues in Gallien verbreitete -sich diese Kultur längs der Küste, zunächst um die befestigten -Ansiedelungen herum. Und bald waren die umwohnenden Ligurer auf dieses -neue, wohlschmeckende Genußmittel erpicht, das sie im Tauschhandel -gegen die Rohprodukte ihres Landes, hauptsächlich um Vieh, Häute und -Getreide erstanden. Aber nur die Wohlhabenden konnten sich diesen Luxus -gestatten, während die Ärmeren notgedrungen bei ihrem altgewohnten -Gerstenbier verblieben. - -Von der Küste drang nun der Wein und seine Kultur, wie auch -gleichzeitig diejenige des ebenfalls von den Griechen angebauten -Ölbaumes, zunächst dem Rhonetal folgend, immer weiter ins Innere -Galliens vor, so daß die Römer, die nicht bloß ein Krieger-, sondern -auch ein höchst eigennütziges Kaufmannsvolk waren, bald für ihre -Ausfuhr an Wein und Öl in jenes Land zu fürchten begannen und den -von ihnen besiegten transalpinen Galliern die Enthaltung von Öl- und -Weinbau als Friedensbedingung auferlegten. Die Folge davon war, daß -immer noch eine starke Einfuhr von italischem Wein über das inzwischen -von den Römern unterjochte Massalia stattfand, als nach den Siegen über -die Allobroger und Arverner die Gegend zwischen Pyrenäen, Cevennen und -Alpen zur römischen Provinz ~Gallia narbonensis~ erhoben wurde. Als -dann Cäsar um die Mitte des letzten vorchristlichen Jahrhunderts das -ganze übrige Gallien bis zur Nordsee und zum Rhein eroberte, drang mit -der römischen Kultur auch der Weinbau immer mehr nach Norden und Westen -vor. - -So war schon zu Ende des 1. christlichen Jahrhunderts nicht nur das -südliche Gallien im Gebiete der Rhone und Garonne, sondern auch das -nördliche im Bereiche der Saône und Mosel ein eigentliches Weinland -mit besonderen Trauben- und Weinsorten, welch letztere nicht nur bei -den Germanenstämmen, sondern vielfach auch in Italien selbst Anklang -fanden und in ziemlichen Mengen dahin exportiert wurden, obschon sie -durch künstliche Behandlung mit Harz zur besseren Haltbarkeit einen -nach unseren Begriffen jedenfalls nicht sehr angenehmen Geschmack -danach besaßen. Solche anerkannt gute gallische Weine waren nach dem -älteren Plinius diejenigen der ~Gallia narbonensis~, die schon Cäsar -rühmte, dann diejenigen der Bituriger (die Vorläufer des heutigen -Bordeauxweines), der arvernische (der Auvergne) und der bäternanische -(von Frontignac). - -Um nun den italienischen Weinbau gegen die Konkurrenz hauptsächlich der -gallischen Weine zu schützen, erließ Kaiser Domitian, der von 81-96 -n. Chr. regierte, eine Verordnung zur Einschränkung der Weinkultur in -den Provinzen; zugleich ließ er die Hälfte der gallischen Weinberge -zerstören. Erst Kaiser Probus, der von 276-282 die Herrschaft inne -hatte, hob im Jahre 280 diese Verfügung für Gallien, Spanien und -Britannien auf und ließ in Gallien, Pannonien und Mösien zu den alten -zahlreiche neue Rebberge anlegen. Unter Aurelian und den Antoninen -wurde die ~Côte d’or~ in Westfrankreich mit Reben bepflanzt, woher die -Weine jener Gegend noch heute nach den Römern ~Romané~ heißen. - -Vom 2. nachchristlichen Jahrhundert an war die Moselgegend ein Zentrum -des Weinbaus im nördlichen Gallien, das das Erzeugnis seiner Reben in -Holzfässern, wie uns verschiedene Abbildungen aus römischen Denkmälern -jener Zeit lehren, auf Schiffen und Wagen weithin ausführte. Es war -dies gegenüber den sonst von den Römern gebrauchten tönernen Gefäßen, -den Dolien und Amphoren, in denen der Wein durch eine Schicht Olivenöl, -wie heute noch der Chianti, von der atmosphärischen Luft abgeschlossen -wurde, eine wichtige Neuerung, die seinem Transport in entferntere -Gegenden sehr zugute kam. Im 4. Jahrhundert entwirft uns der römische -Dichter Ausonius von Burdigala (Bordeaux) in seinem Gedichte Mosella -ein malerisches Bild von den rebenbepflanzten Hügeln der Moselgegend, -die ihn an die Umgebung seiner Heimat Bordeaux erinnern; sie trugen in -theaterartig ansteigendem Aufbau bis zum obersten Gipfel hinauf die -grünenden Ranken und süßen Früchte. Noch Venantius Fortunatus in der -zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts stellt dem in Wogen rauschenden -Rhein die traubenreiche Mosel gegenüber. Von Trier bis Koblenz scheinen -damals alle besseren, sonnigen Lagen mit Rebbergen bestanden gewesen zu -sein. - -Unter den merowingischen Königen, die auf ein gutes und reichliches -Weinlager hielten und Naturlieferung von Wein als Steuer forderten, -wie uns der fränkische Geschichtschreiber Gregor von Tours (540-594) -berichtet -- so setzte König Chilperich fest, daß jeder Besitzer von -Grund und Boden eine Amphora Weines auf jede ~aripennis~ Land gebe --, -griff der Weinbau im nördlichen Gallien immer weiter um sich. Seit dem -6. und 7. Jahrhundert haben wir zerstreute Zeugnisse dafür, die mit den -Zeiten der Karolinger immer häufiger werden. So meldet Gregor von Tours -von Bischöfen, wie z. B. Nicetius von Lyon, und Herzögen, wie Chrodin -von Dijon, daß sie mit Anlegen und Verbessern von Weinbergen dem Volke -als leuchtendes Beispiel vorangingen. Das salische Gesetz schützte -solche bereits durch Strafbestimmungen und setzte für die Winzer, wie -für andere kunstfertige unfreie Diener, auch ein höheres Wergeld fest. - -Von der Moselgegend erhielten wohl die Germanen zuerst den römischen -Wein und damit auch den lateinischen Namen dafür, der althochdeutsch -~vîn~ lautet und männlich ist, wie dies hier in Gallien der Fall war, -in dessen Sprachgebrauch das Neutrum früh verloren ging. Aber erst -nach dem Untergange der Römerherrschaft empfingen sie auch die Rebe -und alle Gerätschaften und Bezeichnungen, die die Römer für deren -Kultur besessen hatten. Vor allem aber diente ihnen die aus eichenen -Dauben hergestellte Kufe (~cupa~) und das Faß keltischen Ursprungs bei -der Weinbereitung. Solche Behälter sind aber, wie die Erfahrung der -Weinbauern lehrte, um so besser, je älter sie sind. Frisch hergestellt -sind sie nicht gut zu gebrauchen; sie müssen vielmehr zur ausgiebigen -Auslaugung der löslichen Bestandteile des Holzes, die dem Wein sehr -schlecht bekommen, zunächst ein halbes Dutzend mal mit kaltem Wasser, -das man geraume Zeit in ihnen stehen läßt, behandelt und dann ebenso -oft mit heißem Wasser ausgebrüht werden. Aber auch dann wird kein -guter Edelwein in solchen frischen Fässern aufbewahrt, sondern eine -minderwertige Sorte, mit der sich das Holz sättigen kann, wodurch es -erst die Fähigkeit verliert, noch irgend welche lösliche Bestandteile -an den in ihnen lagernden Wein abzugeben. - -Form und Bestandteile, die das von den Kelten Galliens übernommene Faß -beim römischen Weinbau an der Mosel besaß, sind ihm später geblieben, -als der Weinbau und die Kunst der Weinbereitung in Gärkellern zunächst -von den Klöstern übernommen wurde. In ihnen blühte demgemäß auch die -Böttcherei. Der unter Abt Gozbert zwischen 816 und 832 angefertigte -Grundriß des Klosters von St. Gallen zeigt im Bier- und Weinhaus -große und kleine Fässer, die auf starken Balkenlagen liegen, und -der 973 verstorbene St. Galler Mönch Ekkehard I., der Verfasser -des auf alte deutsche Heldenlieder zurückgehenden, in lateinischen -Hexametern geschriebenen Walthariliedes und Onkel des aus Scheffels -Roman bekannten Ekkehard II., redet von einem Ordensbruder, der mit -geschwungener Axt die Reifen aus Weidenholz vom Fasse lösen wollte. -Aber unbequem waren diese alten Fässer insofern, als sie nur eine obere -Öffnung zum Ein- und Ausfüllen besaßen. Erst allmählich sah man ein, -daß es praktischer sei, auch dem Faßboden an seiner vorderen, unteren -Stelle eine kleine Öffnung zum Abfüllen zu geben. Dieses Loch wurde -mit einem Holzzapfen geschlossen. Erst im 15. Jahrhundert wurde zum -Ablassen eine hölzerne Röhre mit drehbarem Hahn gebräuchlich, eine -Vorrichtung, die sich ohne große Änderung bis heute erhielt. Für die -Leistungen der Böttcherei im 16. Jahrhundert, um dies hier noch zu -erwähnen, reden gewisse Riesenfässer, von denen das 1591 unter Kurfürst -Johann Kasimir erbaute große Faß auf der Burg in Heidelberg den größten -Ruhm erlangte. Der Kurfürst Karl Ludwig ließ 1664 ein neues Faß -aufstellen, das dann Karl Theodor 1751 durch das jetzt noch vorhandene -221726 Liter haltende berühmte Faß ersetzte. - -Kehren wir nach dieser kurzen Abschweifung technischer Art zur -Einführung des Weinbaus in Deutschland zurück, so muß hier bemerkt -werden, daß ein solcher auf deutschem Boden im Rheintal zunächst nur -in der Umgebung der römischen Kastelle und späteren Pfalzen von Bingen -bis Sinzig am linken Ufer des Stromes betrieben wurde. Gregor von -Tours bezeugt uns zum Jahre 589 Weinberge bei Zabern und eine Urkunde -von 613 Weinbau um Straßburg. Später berichtet Venantius Fortunatus -von ausgedehnten Weinbergen bei Andernach, die auf dem rechten -Rheinufer gelegen haben müssen. Der Mönch Regino hebt im Jahre 885 -Koblenz, Andernach und Sinzig als Stapelplätze für den einheimischen -Wein hervor. Später waren Regensburg, Nürnberg, Bacharach und Köln -bedeutende Weinhandelsplätze. - -[Illustration: Bild 44. Treten der Trauben mit den nackten Füßen und -Weinkelter. Nach einem Baseler Holzschnitt von 1548.] - -Schon im letzten vorchristlichen Jahrhundert war der Weinbau nach dem -Veltlin und Südtirol vorgedrungen. Die dort gekelterten rätischen Weine -waren nach dem Dichter Vergil, der ihnen nur den Falerner vorzog, -das Lieblingsgetränk des Kaisers Augustus. Kaiser Probus, der von -276-282 regierte, ließ griechische Reben nach Pannonien, Syrmien und -in die Südtäler der Karpathen bringen und dort anpflanzen. Von Rätien -wanderte die Rebe nach Noricum und Pannonien. In Noricum, südlich -der Donaulinie, erbaute sich der heilige Severin im 5. Jahrhundert -an einem entlegenen Orte, bei den Weinbergen genannt, eine Zelle, in -welcher er als Klausner lebte. Nördlich der Donau sind die ersten -Weinberge im 7. Jahrhundert bezeugt. Bis zum 10. Jahrhundert hatten -sie in Bayern eine ziemlich große Ausdehnung erlangt. Im Laufe des 8. -Jahrhunderts bürgerte sich der Weinbau im württembergischen Unterland -um Heilbronn ein, und im 9. Jahrhundert finden wir ihn in Franken -um die alte Bischofsstadt Würzburg, ebenso in Böhmen und Mähren -verbreitet. Im 10. Jahrhundert war er über Hessen nach Thüringen, wo -ihn im Hildesheimischen besonders der kunstsinnige Bischof Bernwart -begünstigte, und gegen Ende desselben bis in die Gebiete von Werra, -Saale und Unstrut vorgedrungen. Urkunden vom Jahre 973 melden uns an -letzteren Orten von Weinbergen. Im 11. Jahrhundert gelangte der Weinbau -nach Schlesien, Brandenburg und Pommern und im 12. durch die Ritter des -deutschen Ordens sogar nach Holstein und Ostpreußen, wo er allerdings -bald wieder als unrentabel aufgegeben wurde. - -Erst im 10. und 11. Jahrhundert wurden nach den auf uns gekommenen -Urkunden die heute so berühmte Weinsorten liefernden Steilgehänge -am rechten Rheinufer zwischen Mainz und Bingen mit Terrassenbau für -die Rebenkultur in Angriff genommen. Von solchen darauf gewonnenen -Weinen wird besonders der Deidesheimer, Heppenheimer, Rüdesheimer, -Asmannshauser und Niersteiner hervorgehoben. Von Elsässerweinen, die -im Mittelalter sich in Deutschland besonderer Wertschätzung erfreuten, -wird von einem St. Galler Mönche der Sigoltsheimer als stark und -anfeuernd gerühmt. In der Förderung des Weinbaus gingen überall die -Klöster als Haupterben der altrömischen Kultur den Laienkreisen voran; -es geschah dies schon aus dem Grunde, weil sie den Wein zu rituellen -Zwecken benutzten. Da sie ihn zum Abendmahle nötig hatten, ließen sie -sich dessen Anbau überall, wo sie Fuß faßten, angelegen sein. Ihnen -folgten dann zunächst die großen Grundherren, die es vorzogen, den -Wein durch ihre Hörigen selbst zu erzeugen, statt ihn wie bisher zu -teurem Preise aus Gallien zu beziehen; und erst viel später begannen -auch Bürger der Städte wie Bauern, die sich bis dahin an Met und Bier -erlabt hatten, sich in geeigneten Lagen eigene Rebberge anzulegen, um -bei festlichen Anlässen wie die Vornehmen Wein trinken zu können; denn -bis dahin hatten sie schon wegen der hohen Transportkosten nicht daran -denken können, es hierin jenen gleich zu tun. - -Aber dieses deutsche Eigengewächs war in den meisten Fällen recht herb -und sauer, im Gegensatz zum feuerigen, milden, ausländischen Weine. -Deshalb pflegte man solches das ganze Mittelalter hindurch durch -Zusatz von allerlei würzigen Kräutern trinkbarer zu machen. Als solche -aromatische Zusätze nennen uns schon die altrömischen Schriftsteller, -so Columella im ersten nachchristlichen Jahrhundert, Wermut, Isop, -Stabwurz, Thymian, Fenchel, Polei und Myrte. Im Mittelalter dagegen -sind Wermut, Rosmarin, Salbei, Alant, Lavendel, Pimpernell, Fenchel, -Pfeffer- und Frauenminze die gebräuchlichsten. Im Jahre 854 rät der -Mönch Wandalbertus, Diakon der Benediktinerabtei Prüm in der Eifel, -ein Rheinländer von Geburt, in einem kürzlich von ihm aufgefundenen -lateinischen Gedicht über den Kreislauf der Jahreszeiten „den herben -Wein mit duftigen Kräutern zu versetzen, die die Fluren zu allerlei -Arznei hervorsprießen lassen und sich damit im voraus gegen die -Giftkräutlein der tückischen Stiefmütter zu sichern“. So hat man das -ganze Mittelalter hindurch solchen +Kräuterwein+ als beliebten -Gesundheitstrank getrunken. Welche Wertschätzung derselbe genoß, zeigt -der Refrain eines einst viel gesungenen mittelalterlichen Trinkliedes, -der folgendermaßen lautet: - - „Er setzt das gleslein für sein mund, krauseminte, er trank es ausz - bisz auf den grund, salveie, poleie, die blümlein an der heiden, - krauseminte!“ - -Seit uralter Zeit war es im Orient, wo man Wohlgerüche auch in Speisen -überaus hochschätzte, Sitte gewesen, den Wein mit Würzkräutern und -duftigen Blüten zu versetzen. Die gebräuchlichsten solcher Zusätze, um -ihn zu parfümieren, waren Mastix und Myrrhen; später fanden besonders -Gewürznelken und Pfeffer Verwendung, die wie den römischen Zungen des -Altertums, so auch den deutschen des Mittelalters durch ihre Stärke -vornehmlich zusagten. - -Die vornehmen Römer der Kaiserzeit ließen bei ihren Gastmählern die -von ihnen bevorzugten alten Jahrgänge des Falerners und Cäcubers -durch Rosenfilter gießen, um ihm den von ihnen so geschätzten Duft -nach jenen Blüten zu geben, wie im Orient mit Rosen parfümierter -Sirup und andere Süßigkeit von alters her beliebt waren. Und wenn die -vornehmen Römer und Griechen bei ihren Gelagen begannen berauscht zu -werden, so entblätterten sie den ihr Haupt schmückenden Rosenkranz, -um die wohlriechenden Rosenblätter in den Wein zu schütten. Mit den -aus Indien bezogenen Gewürzen bereiteten sie den ~vinum pigmentatum~ -oder ~claratum~. Diese letztere Bezeichnung führte er von der Klärung -her, die man ihm zum Schlusse angedeihen ließ, um ihm ein recht -appetitliches Aussehen zu geben. - - Tafel 77. - -[Illustration: Hydraulische Kelter zum Pressen des Weines. - -Moderne Weinfässer aus Zement mit Glaswänden. - -(Weingut Dürkheim der Weinhandlung Heinrich Eckel & Cie. in München.)] - - Tafel 78. - -[Illustration: Faune im Geleite des Weingottes Bacchus. - -(Nach einem Gemälde von P. P. Rubens in der alten Pinakothek in -München.) - -Degorgieren des Champagners.] - -Einen womöglich noch köstlicheren Blütennektar bereiteten sich die -Muhammedaner im Scherbet (vom arabischen ~scharab~ Trank so genannt), -den sie durch Abkochen von Rosen-, Veilchen-, Zitronen- und anderen -wohlriechenden Blüten in mit säuerlichem Limonensaft versetztem -Zuckerwasser bereiteten. Schon Muhammed hat einen solchen aus Honig und -wohlriechenden Blüten hergestellten Trank über alle anderen Genüsse -gestellt. Da er seinen Anhängern den Genuß des Weines als entnervend -verboten hatte, so hielten sie sich gern an dergleichen aromatische -süße Tränke, die bis heute in allen dem Islam verfallenen Ländern in -der verschiedensten Weise bereitet werden. - -Überall, wo die Muhammedaner sich zu Herren des Landes aufwarfen, -konnte naturgemäß ein Produkt nicht mehr gedeihen, dessen Genuß das -Gesetz der Eroberer den Gesunden aufs strengste untersagte und nur -Kranken in mäßiger Menge als Arznei gestattete. So ging nicht nur in -Vorderasien, der Wiege der Rebenzucht und Weinkultur, sondern auch -in Nordafrika, Spanien und Sizilien der Weinbau nach dem Eindringen -der Araber stark zurück. Manche fanatische Kalifen duldeten seinen -Anbau überhaupt nicht. So befahl auch in Spanien Hakim II. den größten -Teil der Weinberge auszurotten; bloß etwa ein Drittel derselben ließ -er stehen zum Genusse ihrer Früchte als reife Trauben, frisch oder -getrocknet, oder zu Traubenhonig eingekocht, was zu genießen der -Prophet erlaubt hatte. - -Was dem Islam in Spanien nicht ganz gelang, wie die heutigen Malaga- -und Xeresweine beweisen, das setzte er im gegenüberliegenden Marokko -durch. Die atlantische Küste des letztgenannten Landes war im Altertum -ein berühmter und ergiebiger Weinbezirk, dem die Rebe schon von den -Phönikiern zugetragen wurde. Dort lag das Vorgebirge Ampelusia, d. h. -Rebenkap (das heutige Kap Spartel), und die uralte Stadt Lix, die auf -ihren punischen und punisch-römischen Münzen die Traube als Wahrzeichen -führte. Noch im frühen Mittelalter, bei der Ankunft der Araber, muß -eine blühende Rebenkultur hier bestanden haben, da die an Stelle des -alten Lix gegründete muhammedanische Stadt den Namen El Araisch, d. h. -zum Weinberg, erhielt. Jetzt trägt das überaus fruchtbare Land infolge -der arabischen Herrschaft fast keine Weinpflanzungen mehr; nur unter -einigen unabhängig gebliebenen Stämmen der Küste konnte der altgewohnte -Trank nicht abgeschafft werden und ist deshalb einiger Rebbau zu finden. - -Das heutige Griechenland, das einst vorzügliche Weine produzierte, -erzeugt mit wenigen Ausnahmen nur schlechten Wein. Der Ruhm der -Weine von Chios, Lesbos und Thasos ist längst dahin, und der nach -Harz schmeckende Resinato, über den schon der langobardische -Bischof Liutbrant von Cremona auf seiner Gesandtschaftsreise nach -Konstantinopel im Jahre 968 klagte, ist ein sehr schlechter Ersatz -dafür. Auch die heute daselbst angepflanzten +Korinthen+ -- so genannt, -weil sie von Korinth aus exportiert werden -- scheinen nur eine durch -Degeneration entstandene Varietät der Weintraube zu sein. Sie sollen -ursprünglich von der Insel Naxos gekommen und nicht vor dem Jahre 1600 -in Morea bekannt gewesen sein. Heute sind sie wiederum gänzlich von -Naxos verschwunden und werden ausschließlich in Patras, auf Zante und -Kephalonia gepflanzt, von wo jährlich etwa 100 Millionen kg ausgeführt -werden. - -Nur an zwei Punkten hat am Ausgang des Mittelalters die Hand des -Menschen den Bezirk der Rebe wirklich erweitert, nämlich auf -Madeira und den Kanarischen Inseln. Auf der ersteren Insel ließ -schon der portugiesische Prinz Heinrich der Seefahrer am Ende des -15. Jahrhunderts Rebenschößlinge vom Peloponnes und von der Insel -Kreta bringen, nach Teneriffe aber verpflanzte der Spanier Alonzo de -Lungo gegen das Jahr 1507 Weinstöcke von Madeira. Der dort also aus -griechischen Reben gewonnene Wein wurde in der Folge recht berühmt und -besonders von den auf weiten Bezirken der Erde angesessenen Engländern -gern getrunken, die auch die starken Weine der pyrenäischen Halbinsel, -den nach dem Exporthafen Xeres benannten Sherry und den nach dem -Einschiffungsorte Oporto geheißenen Portwein bevorzugen, wie sie auch -die starken Schnäpse und scharfgewürzten Biere -- man denke nur an das -Ingwerbier -- lieben. - -Nach Ungarn waren italienische Reben unter König Stephan im 11. -Jahrhundert gelangt. Aus ihnen erwuchs dann der Tokayerwein, der seine -volle Berühmtheit allerdings erst vom Ende des 15. Jahrhunderts und -besonders seit 1560 erhielt, als man begann Ausbruch aus den dortigen -Reben herzustellen. Von diesen ungarischen, wie auch griechischen -und syrischen Reben brachten französische Ritter aus den Kreuzzügen -Ableger in ihre Heimat mit, um die einheimischen Sorten damit zu -veredeln. Denn als zu Beginn des 2. christlichen Jahrtausends das -Abendland durch die Kreuzzüge regere Verbindungen mit dem Morgenlande -anknüpfte, kam begreiflicherweise die Kenntnis und damit auch die -Wertschätzung der von den Christen in Palästina gezogenen starken, -edlen Weine nach Europa. Diese wurden bald von den Vornehmen, die -sich solch teuren Trunk leisten konnten, bevorzugt, bis schließlich -auch diese Gebiete wiederum von den Muhammedanern besetzt wurden, -wodurch der morgenländische Weinbau rasch ein Ende nahm. Damit hörte -auch der Import der palästinensischen Edelweine nach dem Abendlande -auf. Dafür bezog man, solange die muhammedanische Invasion dahin noch -nicht stattgefunden hatte, den griechischen Wein, der nach der Gegend -von Malvasia auf Morea Malvasier genannt wurde, oder als ~kipper~-, -auch ~ciperwîn~ von Zypern stammte. Besonders letzterer wurde so sehr -geschätzt, daß Gedichte der mystischen Richtung ihn selbst die Seligen -im Himmel trinken ließen. Den Charakter eines südlichen Weines trägt -auch der aus Ungarn, der unter dem Namen ~osterwîn~ nach Deutschland -verführt wurde. - -Als diese beliebten Süßweine nicht mehr zu bekommen waren, begann -die Christenheit als Ersatz dafür die bis dahin üblichen +Würzweine+ -mit Honig zu süßen und an Stelle der schwachwürzenden einheimischen -Kräuter die starken Gewürze Indiens zu verwenden, die die Venezianer -mit ihren Schiffen aus dem Morgenlande, speziell Ägypten, holten und -den Abendländern teuer verkauften. Von da brachten Säumer die kostbare -Ware über die Alpen nach den reichen deutschen Städten, wo diese -Gewürze trotz ihrer hohen Preise rasch Absatz fanden. Man benutzte -sie zur Herstellung von allerlei „~gepîmenteten wînen~“ -- aus ~vina -pigmentata~ verdeutscht -- wie die Würzweine damals hießen, deren Feuer -dadurch gehoben werden sollte. - -Im 14. und 15. Jahrhundert erfreute sich der als ~clarêt~ bezeichnete -Würzwein besonderer Hochschätzung. In französischen Klöstern war er -zuerst aufgekommen und hatte mit der mittellateinischen Benennung -~claretum~ -- aus ~vinum claratum~, d. h. geklärter Wein -- in -deutschen Klöstern und dann auch in Laienkreisen gute Aufnahme -gefunden. Er wurde in der Weise hergestellt, daß man Pfeffer, Zimt, -Gewürznelken, Kardamomen und Ingwer pulverisiert in Beutelchen in den -mit Honig versüßten und, war es Weißwein, mit Safran vielfach gefärbten -Wein hing und bis zum völligen Ausgelaugtwerden und Abklären darin -beließ. So gewann der Trank, wie man hervorhob, die Stärke und den Reiz -des Weines, die Würze und den Duft der Spezereien und die Milde und -Süße des Honigs. Eine halbe Verdeutschung ist das mittelhochdeutsche -~clârtrank~, während das völlig deutsche Wort ~lûtertrank~ eine seit -dem 12. Jahrhundert in Deutschland zuerst aufgekommene Art mit Honig -gesüßten Würzweins von unbestimmter Zusammensetzung bezeichnete. Lange -gingen die beiden Ausdrücke ~clarêt~ und ~lûtertrank~ nebeneinander -für zwei verschiedene Begriffe, obwohl es sich dabei nur um durch die -Verschiedenheit der verwendeten Gewürze entstandene Spielarten eines -und desselben Stoffes handelte, bis schließlich keine Unterscheidung -mehr bei ihnen gemacht werden konnte. - -Wahrscheinlich spielte die Farbe des Weines dabei keinerlei Rolle, -und Claret wie Lautertrank konnten ebenso von rotem, wie von weißem -Weine gemacht werden. Oft erscheint in den Schilderungen der -mittelalterlichen Gastmähler der ~lûtertrank~ hinter dem wîn genannt, -und gleichsam als Steigerung hervorgehoben. Jedenfalls war er oder der -~clarêt~ der Ehrentrunk, der bei festlichen Anlässen vornehmen Gästen -offiziell reichlich gespendet wurde. Für den gemeinen Mann und für -einfache Verhältnisse waren solche Luxusgetränke nicht bestimmt. So -verbot beispielsweise der Rat zu Magdeburg im Jahre 1505 bei einfachen -Verlöbnissen, ebenso beim Kirchgange der Braut ~clarêt~ zu schenken als -zu kostbar. - -Eine besondere Sorte solchen Würzweins aus Rotwein bildete der -+Sinopel+, der bei manchen Dichtern, wenn auch nicht häufig, erwähnt -wird; so z. B. wenn gesagt wird: (sie genossen) „den ~lûtertrank~ -und daz ~clarêt~, darzuo den roten ~sinopel~“. Im deutschen Epos -Parzival wird dieser rote Sinopel im heiligen Gral wie sonst der das -Blut Christi versinnbildlichende Rotwein beim Abendmahl der Christen -reichlich gespendet. Der Name rührt vom lateinischen ~cinnabaris~, -mittellateinisch ~cinnobris~, deutsch Zinnober her von seiner schön -hellroten Farbe, die an das von den alten Römern ~cinnabaris~ genannte -rote Drachenblut von der Insel Sokotra erinnerte. Das Wort hat also -nichts mit der von uns Zinnober genannten Quecksilberverbindung zu -tun, wie man ohne genaue Kenntnis der Drogenkunde der Völker des -Altertums glauben könnte, sondern bezieht sich auf die rote Lösung -von Drachenblut, mit der das Getränk Ähnlichkeit hatte. Die daneben -angetroffene Form ~siropel~ nimmt Bezug auf die Süßigkeit und knüpft an -~siropel~ im Sinne von Sirup an, das seinerseits vom arabischen Worte -~scharab~ für Trank abzuleiten ist. - -Ein anderer ebenfalls aus Rotwein hergestellter Würzwein des -Mittelalters war der heute noch mancherorts bei festlichen Anlässen, -in Basel z. B. an Sylvester und Neujahr, aufgetischte +Hippokras+, -der seiner vermeintlichen heilkräftigen Wirkung wegen nach dem -angesehensten Arzte des Altertums, dem Vater der Heilkunde, Hippokrates -so genannt wurde. Der englische Dichter Shakespeare erwähnt ihn -mehrfach in seinen Dramen, und noch im 18. Jahrhundert war er auf der -französischen Tafel allgemein verbreitet. Auch er ist als ~hypocras~ -wie der ~clarêt~ eine französische Erfindung, obschon der deutsche Arzt -Brunfelsz in seinem 1532 erschienenen Spiegel der Arzneikunde erklärt: -„Dieser tranck heißt Ipocras, wann Hypocras (gemeint ist natürlich -Hippokrates) hat in seer genützt (benutzt), und auch selbst erfunden.“ -Man bereitete ihn in der Weise, daß man Rotwein in einer Terrine mit -Zucker, Zimt, Pfeffer, Gewürznelken, Muskatblüte, Ingwer und Schnitzen -des Reinetteapfels versetzte und diese Mischung einige Tage stehen -ließ, dann das Ganze seihte, klärte und in Flaschen abfüllte. Als -eine besonders feine Abart kam im 18. Jahrhundert in Frankreich der -~hypocras parfumé~ auf, dem außer geriebenen Mandeln besonders Bisam -(Moschus) und Ambra zugesetzt wurde. Auch dieser fand in Deutschland -bald Aufnahme und ein märkischer Chronist des 16. Jahrhunderts findet -ihn „recht anmutig und schleckerhaft“. - -Neben dem Hippokras wurden eine Menge +medizinische Weine+ getrunken, -die meist nach ihrer Wirkung auf ein bestimmtes Organ oder einen -kranken Körperteil benannt wurden. So empfahl ein Gemminger Arzt, -mayster Thoman Rüsz, im Jahre 1479 der Gräfin Margarete von Württemberg -gegen ihr Milzleiden einen wahrscheinlich von ihm selbst bereiteten -Milzwein, dessen Zusammensetzung allerdings in dem uns erhaltenen -Briefe nicht angegeben wird. Wir wissen nur aus den Arzneibüchern, daß -die mannigfaltigsten Kräuter dazu verwendet wurden, so vornehmlich -je nach der beabsichtigten Wirkung Johanniskraut oder Boretsch oder -Augentrost, Salbei oder Isop. - -Solchen Würzwein trank man wie den Wein überhaupt je nach Geschmack -und Bedürfnis warm oder kalt. Ersteren bevorzugte man in Fällen von -Krankheit und bei Kälte. So berichtet uns Gregor von Tours vom Jahre -590, daß sich Wächter einer Stadt Frankreichs im Winter an einem -offenen Feuer Glühwein bereiteten und sich daran berauschten; und von -Ludwig I., dem Frommen, dem dritten Sohne Karls des Großen von seiner -dritten Gemahlin Hildegard, berichtet uns sein Biograph, daß er sich -noch kurz vor seinem Tode im Jahre 840 bei Mainz einen Schluck warmen -Weines zur Stärkung geben ließ. - -Die starken und kräftig schmeckenden gewürzten Weine unserer Vorfahren -sind heute außer Mode gekommen, bis auf den +Glühwein+ und die -verschiedenen Arten von +Bowlen+. Zu ersterem wird der Wein gewärmt, -mit Gewürznelken, Zimt und einem Zitronschnitz versehen, getrunken; -bei letzteren verwendet man mit Wasser oder Schwarztee verdünnte -gezuckerte Weine, denen durch duftende Früchte wie Erdbeeren, -Pfirsich, Ananas oder wohlriechende Kräuter wie Waldmeister mit Zusatz -von einigen Apfelsinenscheiben (Maitrank) oder Schalen bitterer -Pomeranzen (Bischof) ein angenehmes Aroma verliehen wird. In England -ist von solchen Getränken besonders der ~claret cup~ beliebt, der aus -Rotwein besteht, in den man grüne Gurkenscheiben geschnitten hat. Von -allgemeiner Wertschätzung ist der +Wermutwein+, der dadurch gewonnen -wird, daß man dem gärenden Moste Wermutkraut zusetzt, wodurch er einen -etwas herben Beigeschmack erhält, den viele lieben. Am bekanntesten ist -der norditalische ~Vermut di Torino~. - -Außer dem Traubenwein, der nur den Wohlhabenden zugänglich war, und -auch von diesen nur bei festlichen Anlässen genossen wurde, trank -man von alters her durch ganz Europa die verschiedensten +Obst+- und -+Beerenweine+. Die Äpfel und Birnen, die man nicht frisch oder gedörrt -aufzubewahren vermochte, wurden im überreifen, weichen Zustande -gekeltert und +Most+ aus ihnen gewonnen, der angenehm schmeckte, durch -seinen geringen Alkoholgehalt kaum berauschte und durch seinen Reichtum -an Pflanzensäuren, besonders Apfelsäure, angenehm durstlöschend wirkte, -was besonders in der Sommerhitze von Vorteil war. Im Notfalle mußten -Holzäpfel und Holzbirnen zur Herstellung solchen Trankes dienen; selbst -aus den sauren Schlehen gewann man einen wegen seiner heilkräftigen -Wirkung beliebten ~slêhentranc~. Der aus Kirschen hergestellte -~kerswîn~ und der aus Quitten gewonnene ~kütenwîn~ wurden besonders -Kranken als Labetrunk gespendet. Reiche Leute taten sich an solchen -Obstweinen gütlich, die mit Honig gesüßt und auf verschiedene Weise -gewürzt waren. - -Schon zur Merowingerzeit war ein Getränk aus zerquetschten wilden -Maulbeeren, worunter auch Brombeeren verstanden sind, beliebt, deren -Saft in einem gepichten Faß mit Honig und, nach Belieben, mit würzigen -Kräutern versetzt wurde. Ein offenbar romanischer Schreiber des 9. -Jahrhunderts gibt uns ausführliche Vorschriften über die Zubereitung -dieses als ~vinum moratum~ oder ~moraz~ bezeichneten Getränkes, das -sich namentlich in den Klöstern besonderer Beliebtheit erfreute. -Anfänglich nur aus Beerensaft bereitet, wurde er dann an den Höfen des -Mittelalters in der Weise gewonnen, daß man Maulbeeren beziehungsweise -Brombeeren in Wein ansetzte. Auch die Verwendung von Heidel- und -Preiselbeeren, wie auch Johannisbeeren für einen gegorenen Haustrunk -ist uralt. Schon das ~Capitulare de villis~ Karls des Großen aus dem -Beginne des 9. Jahrhunderts hat eine sorgfältigere Bereitung des -Beerenweins im Auge, wie es auch das Stampfen der Weintrauben mit -den nackten Füßen als unappetitlich verbot, was allerdings durchaus -fruchtlos blieb, da diese Sitte nach wie vor geübt wurde und sich -teilweise bis in die Gegenwart erhielt. - -Die Erzeugung von +gebranntem Wein+ kam in Europa erst im 13. -Jahrhundert auf, und zwar durch die Vermittlung arabischer Ärzte, die -ein Destillat aus Wein und seinen Häuten und Trebern schon seit dem -10. Jahrhundert kannten und als ~al kehal~, d. h. das Feine, Edle --- woraus dann unser Wort Alkohol wurde -- zu äußerlichem Gebrauche -bei Erkrankungen aller Art, besonders bei Gicht, verwendeten. -Die Kunst des Brennens gehört dem Orient an, wo sie zuerst im 9. -Jahrhundert in Persien, dann auch in Syrien, Kleinasien und den -Inseln des griechischen Archipels zur Gewinnung des wohlriechenden -ätherischen Rosenöles geübt wurde. Stets haben ja die Morgenländer -eine leidenschaftliche Vorliebe für Wohlgerüche gehabt, und da kann -es uns nicht wundern, daß sie Mittel und Wege suchten, den Blumenduft -zu konzentrieren. Dies gelang ihnen zuerst mit den Rosen, deren -Blumenblätter sie mit Wasser angemacht in einem geschlossenen Kessel -mit einem schnabelförmigen, langen Abzugsrohr erhitzten, um die Dämpfe -mit dem wohlriechenden ätherischen Rosenöl durch Abkühlung in einem -andern damit verbundenen Gefäß sich niederschlagen zu lassen. Ein -solches Destillat lernte man bald auch aus anderen duftenden Blumen und -Pflanzenstoffen aller Art gewinnen, die dann alle als äußere Heilmittel -wie auch der Weingeist zum Einreiben gegen mancherlei Krankheit sehr -geschätzt waren. - -Als dann die Abendländer zur Zeit der späteren Kreuzzüge mit der -morgenländischen Methode des Destillierens bekannt wurden und diese -Kunst selbständig zu üben begannen, wurden aus sehr zahlreichen -Pflanzen alkoholische Wässer für Heilzwecke gebrannt. Diese Kunst -übten zunächst Laien, bis die später aufkommenden Apotheker sich ihrer -bemächtigten und sie technisch weiter ausbildeten. Sie erst begannen zu -Heilzwecken den gebrannten Wein als ~aqua vitae~, d. h. Lebenswasser, -in größeren Mengen unter das Publikum zu bringen. Während er vorher -nur äußerlich gebraucht wurde, begann man ihn im 14. Jahrhundert den -Kranken auch innerlich zu geben. Erst im 15. Jahrhundert begannen ihn -auch Gesunde angeblich „zur Erhaltung einer festen Gesundheit“ zu -trinken, und zwar „alle Morgen einen Löffel voll“; „wer dies tue“, -sagt uns ein Bericht des 16. Jahrhunderts, der „werde nimmer krank“. -Leider fand diese Sitte zum Zwecke der Vorbeugung gegen Krankheit nur -zu rasch Aufnahme bei den besser Situierten, die sich dieses teure -~aquavit~ oder ~aqua ardens~, weil es beim Hinunterschlucken brannte, -als Genußmittel leisten konnten. Schon zu Ende des 15. Jahrhunderts -und mehr noch im 16. Jahrhundert erließen die Räte mancher Städte, -wie z. B. als eine der frühesten Nürnberg 1496, die Verordnung, daß -man ~gebrant wîn~ weder Feiertags noch Alltags auf Straßen oder vor -Häusern feilhalten dürfe. Erst der dreißigjährige Krieg (1618-1648), -der so namenloses Elend über Deutschland brachte und zu allgemeiner -Sittenverwilderung führte, hat das Schnapstrinken, wie auch das -Rauchen, in weiteren Kreisen populär gemacht. Die zügellose Soldateska -tat sich damit groß, und in der allgemeinen Not der Zeit begannen -Bürgersmann und Bauer diese leidige Sitte nachzuahmen. Dabei fanden sie -bald genug Geschmack daran. - -Auch in der Folgezeit waren es stets die Kriege mit der sich daran -knüpfenden Verrohung und Verwilderung der Sitten, welche wie die -Unmäßigkeit im Genusse geistiger Getränke überhaupt, so auch speziell -dem Schnapstrinken gewaltigen Vorschub leisteten. So waren es besonders -der Siebenjährige Krieg (1756-1763) und danach die napoleonischen -Feldzüge, welche diese für das Volkstum überaus verderbliche Unsitte -in hohem Maße förderten. Zugleich damit wurden die Verfahren zur -Herstellung konzentrierter geistiger Getränke immer mehr vervollkommnet -und besonders auch billige Rohmaterialien wie Korn und Kartoffeln zu -deren Gewinnung verwendet, wodurch der Preis natürlich mehr und mehr -sank, so daß selbst die Ärmsten sich für wenige Pfennige den Genuß von -Schnaps gestatten konnten. Die Folge davon war die „Branntweinpest“, -die besonders im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts eine bedenkliche -Verbreitung fand. Sie veranlaßte die erste antialkoholische Bewegung, -welche recht schöne Früchte zu zeitigen begann, als die Revolution von -1848 einsetzte und ihren verdankenswerten Bestrebungen ein vorzeitiges -Ende machte. - -In der Folge nahm der Mißbrauch geistiger Getränke wieder bedeutend zu -und erreichte eine beängstigende Höhe als die moderne Temperenzbewegung -einsetzte und den Alkohol in jeder Form als Plasmagift feststellte, das -den Einzelnen wie auch seine Nachkommen vom Mutterleibe an zugrunde -richtet, die größten sozialen Schäden hervorruft und geradezu den -Kulturfortschritt bedroht. Ist es nicht eine geradezu beunruhigende -Tatsache, zu vernehmen, daß die Bevölkerung des Deutschen Reiches -nicht weniger als drei Milliarden Mark jährlich für den Kauf geistiger -Getränke ausgibt. Das macht pro Kopf, selbst die keine geistigen -Getränke zu sich nehmenden Säuglinge und Kinder mitgerechnet, +60 Mark -jährlich+. Es ist dies ein ungeheurer Luxus, der im Begriffe ist, die -bedenklichsten Folgen zu zeitigen! Gibt doch das deutsche Volk in -demselben Zeitraum eines Jahres nur wenig mehr, nämlich 3060 Millionen -Mark, für das wichtigste Lebensmittel, nämlich für Getreide, Brot, Mehl -und Backwaren einschließlich der Kartoffeln aus. - -Unter diesen 3000 Millionen Mark, die das deutsche Volk jährlich für -geistige Getränke ausgibt, fallen fast zwei Drittel auf das Bier. -Der Bierkonsum hat durch alle Schichten der Bevölkerung eine solche -Ausdehnung erlangt, daß er trotz seines verhältnismäßig schwachen -Alkoholgehaltes die schlimmste Geißel des neu angetretenen Jahrhunderts -zu werden verspricht. Sein Konsum hat sich in den letzten 40 Jahren bei -uns geradezu vervierfacht und beträgt heute schon über 140 Liter auf -den Kopf der Bevölkerung jährlich. Davon entfällt mehr als das Doppelte -dieser Zahl an jeden Einwohner der eigentlichen Bierländer wie München, -wo das Bierherz und die Biernieren sehr gewöhnliche Erscheinungen der -Krankenhäuser sind. - -Es ist durch sorgfältige statistische Erhebungen nachgewiesen, daß -heute im Deutschen Reiche nicht weniger als 1/15 des Ackerbodens -allein für die Gewinnung der Rohprodukte zur Bereitung alkoholhaltiger -Getränke verwendet wird, und daß jeder sechzehnte arbeitsfähige -Deutsche für die Erzeugung und den Vertrieb geistiger Getränke -arbeitet. Alle diese Leute erhöhen nicht im geringsten den -Volkswohlstand, sondern untergraben ihn vielmehr direkt, indem sie -unter vorzugsweiser Bereicherung des Großkapitals der Verarmung und -geistigen wie körperlichen Zerrüttung der großen Massen des Volkes den -denkbar größten Vorschub leisten, die Kranken- und Armenhäuser, die -Gefängnisse und Irrenanstalten füllen helfen und eine Unzahl sozialer -Übel heraufbeschwören. - -Heute trinkt man nicht mehr die leichten, nicht haltbaren Biere, -wie dies unsere Vorfahren taten, die höchstens 2 Prozent Alkohol -enthalten, sondern solches von durchschnittlich 4,5 Prozent bis zum -schweren Exportbier mit 8 Prozent Alkohol. Diese nähern sich sehr dem -Wein, der zwischen 9 und 15 Prozent Alkohol enthält, während die mit -Branntweinzusatz haltbar gemachten Südweine bis 22 und 24 Prozent -Alkoholgehalt steigen können und allmählich zu den Likören führen, -die 30 und mehr Prozent daran enthalten. Diese +Liköre+ werden in der -verschiedensten Stärke und Zusammensetzung aus entfuseltem Branntwein -mit Zusatz von Zucker, der ihm den milden, öligen Charakter verleihen -soll, aromatischen Pflanzenextrakten und Wasser in verschiedener Menge -hergestellt und, mit den verlockendsten Phantasienamen versehen, -zum Kaufe angeboten. Diese führen unmittelbar zu den eigentlichen -Schnäpsen, deren schwerste bis zu 70 Prozent Alkohol enthalten und -ätzend wie Feuerwasser den Schlund hinabgleiten. - -Von dem im Deutschen Reiche erzeugten Branntwein kommen abzüglich -des exportierten durchschnittlich etwa 12 Liter auf den Kopf der -Bevölkerung. Nicht weniger als 78 Prozent desselben werden aus -Kartoffeln, 16 Prozent aus Getreide, 3 Prozent aus Melasse, 2 Prozent -aus Wein, Weinhefe und Trebern und nur 1 Prozent aus Obst und -Obsttrebern hergestellt. Für die Gewinnung des gemeinen +Spiritus+, -der auch für die technische Verwertung große Bedeutung erlangt hat, -ist heute die stärkemehlreiche Kartoffel das wichtigste Rohmaterial, -wie sie auch im Speisezettel von uns Mitteleuropäern eine dominierende -Rolle spielt. - -Da der muhammedanischen Welt der Genuß geistiger Getränke von ihrem -Propheten verboten wurde, benützt sie die Trauben, soweit sie -dieselben nicht frisch genießt, durch Einkochen von deren süßen -Saft zur Herstellung von Sirup und verwendet sie auch getrocknet -in Form von Rosinen. In Asien ist die Traubenkultur besonders in -Persien verbreitet, wo die einheimische Kischmischtraube, aber auch -die südspanische Malagatraube gezogen wird. Dort wird außer dem -Schire genannten Traubensirup auch ein von den weniger strenge an -den Satzungen Muhammeds hängenden Persern genossener würziger Wein -hergestellt, der als Wein von Schiras oft genug von den Dichtern -besungen wurde. Außerordentlich alt ist die Rebenkultur auch in -Ostasien, wo das sehr früh zu namhafter Kultur emporgestiegene -mongolische Volk der Chinesen außer dem jetzt dort einzig noch -gebräuchlichen Reisbranntwein schon vor 4000 Jahren den Wein kannte -und die heute noch in Nordchina wildwachsende Rebe mit herrlichen -Trauben zu dessen Herstellung fleißig anpflanzte. Am Wein labten -sich damals nicht nur die Menschen, sondern er diente wie im Orient -und bei Griechen und Römern gleicherweise als Opfertrank für die zu -ehrende Gottheit. Doch wurde später seine Gewinnung und Benutzung von -einsichtsvollen Regenten verboten, und auf ihre strenge Weisung hin -mußten die Weingärten unerbittlich ausgerodet werden. Auch als zur -Zeit der römischen Kaiser die von Seidenhändlern aus Westasien nach -China mitgebrachte Rebe angebaut und Wein daraus zu bereiten versucht -wurde, untersagte die Regierung dieses Beginnen abermals. So vermochte -der Weinbau selbst im nördlichen China, wo er sehr gute Bedingungen -fände, bis heute nicht aufzukommen. Doch haben seit 1890 Europäer -kalifornische und österreichische Reben in Tschifu in der Provinz -Schan-tung eingeführt, und auch die fortschrittlich gesinnte Regierung -von Japan hat seit 1880 sehr gut gedeihende Versuchsweinpflanzungen mit -französischen, deutschen und österreichischen Reben eingerichtet. - -[Illustration: Bild 45. Die Reblaus (~Phylloxera vastatrix~). - -~a~ geflügelte Reblaus (Geschlechtstier), ~b~ Wurzellaus von unten, -~c~ Wurzellaus, an der Wurzel saugend; ~d~ Eier; ~e~ durch Saugen -der Reblaus entstandene krankhafte Anschwellungen an den Wurzeln der -Weinrebe.] - -Am Kap der Guten Hoffnung, von wo heute ein vorzüglicher Wein in großen -Mengen exportiert wird, begründeten französische Hugenotten im Jahre -1685 den Weinbau. In Nordamerika schlug 1620 ein Versuch, aus der -wilden Rebe Virginiens Wein zu bereiten, fehl. So mußte der Wein aus -Europa für die Liebhaber desselben in der Neuen Welt eingeführt werden, -bis Schweizer Kolonisten ums Jahr 1800 aus der einheimischen Fuchsrebe -(~Vitis labrusca~) einigermaßen trinkbaren Rotwein herstellten. Festen -Fuß faßte der Weinbau in den Vereinigten Staaten aber erst seit dem -Jahre 1821, als Adlum die der Fuchsrebe nahe verwandte, ebenfalls -rotbeerige +Catawbarebe+ vom Flusse Potomac nach Washington brachte. -Heute sind sie in vielen Varietäten im Norden der Vereinigten Staaten -zur Weinbereitung kultiviert, während im Süden der Union die mehr die -Wärme liebende +Büffelrebe+ (~Vitis rotundifolia~) gezüchtet wird. -Da diese amerikanischen Reben noch nicht durch Jahrtausende alte -Kultur verzärtelt sind, erweisen sie sich viel widerstandsfähiger -gegen die Reblaus, jene bei uns so überaus gefürchtete Wurzellaus -des Weinstocks (~Phylloxera vastatrix~), welche in Frankreich fast -sämtliche weinbautreibende Departements heimsuchte und seit ihrem -Auftreten im Jahre 1869 bis heute jenem Lande einen Schaden von über 20 -Milliarden Franken brachte. In Deutschland trat dieser Schädling zuerst -im Jahre 1874 auf, zeigte sich im Jahre 1881 im Ahrtal und hat von da -aus dank seiner unglaublichen Fruchtbarkeit -- die Nachkommenschaft -eines einzigen Tieres beziffert sich nämlich im Laufe eines Sommers -nach Millionen -- in der Folge auch andere Gebiete ergriffen, so daß -man sich zu den strengsten Gegenmaßregeln verpflichtet sah. Vor allem -begann man in den von der Reblaus am meisten heimgesuchten Gegenden -die dagegen bedeutend widerstandsfähigeren amerikanischen Reben als -Unterlagen für die europäischen zu benützen. - -In den Vereinigten Staaten, die nun auch die besseren europäischen -Rebensorten besitzen, entwickelte sich der Weinbau am günstigsten -im Staate Ohio, bis in den letzten Jahren Kalifornien wie in der -Anpflanzung sämtlicher Obstarten, so auch im Anbau von Reben den -größten Vorsprung gewann. Endlich kam die Rebenkultur im Jahre -1862 auch nach Australien, wo sie heute schon eine ganz erhebliche -Ausdehnung besitzt. - -Was nun die Weinerzeugung in den verschiedenen Weinbauländern betrifft, -so steht Italien mit 52 Millionen Hektolitern jährlichem Ertrag obenan, -ihm folgt Frankreich auf dem Fuße nach, dessen Durchschnittsertrag -der letzten zehn Jahre 49 Millionen Hektoliter betrug. Im Jahre 1908 -hat Frankreich 60 Millionen Hektoliter Wein hervorgebracht. (Außerdem -wird in diesem Land eine Milliarde Hektoliter Kunstwein gebraut und -konsumieren das Departement du Nord 300 Liter Bier und das Departement -Calvados 350 Liter Apfelwein, auf den Kopf der Bevölkerung berechnet.) -An dritter Stelle steht Spanien mit einer Produktion von 21 Millionen -Hektoliter Wein pro Jahr. In weitem Absatz folgt an vierter Stelle -Algerien mit 8,6 Millionen Hektolitern. Nach ihm kommen Portugal mit -4,5 Millionen, Österreich mit 3,5 Millionen, Ungarn mit 3,1 Millionen, -Rußland und Rumänien mit je 2,6 Millionen, Bulgarien und Chile mit -je 2,1 Millionen, Deutschland mit 1,9 Millionen, die Vereinigten -Staaten von Nordamerika mit 1,6 Millionen, die Türkei und Cypern mit -1,5 Millionen, Argentinien mit 1,3 Millionen, Griechenland mit 1,5 -Millionen und endlich die Schweiz mit 0,9 Millionen Hektolitern als -durchschnittlichem Jahresertrag an Wein. Dabei beträgt der mittlere -Weinverbrauch auf den Kopf der Bevölkerung in Litern jährlich: in -Spanien 115, Griechenland 109,5, Bulgarien 104,2 Portugal 95,6, Italien -95,2, Frankreich 94,4, Schweiz 60,7, Rumänien 51,6, Österreich-Ungarn -22,1, Türkei 20,3, Deutsches Reich 5,7, Rußland 3,3, Belgien 3,2, -Holland 2,2, Vereinigte Staaten 1,9, Großbritannien 1,7, Dänemark 1,2, -Norwegen 0,9 und Schweden 0,5. - -Dieselbe Rolle, die die Rebe als Lieferantin eines berauschenden -Getränkes bei den Kulturvölkern der Alten Welt spielt, kommt bei -denen der Neuen Welt dem in alkoholische Gärung gebrachten zuckerigen -Saft der Agave zu. Wie die Kakteen sind die zu den Amaryllisgewächsen -gehörenden +Agaven+ ausschließlich in Amerika zu Hause und wachsen -dort in etwa 80 Arten in den regenarmen Steppen im südlichsten -Teile Nordamerikas, besonders aber in Mexiko und teilweise noch -im Andengebiet Südamerikas. Die wichtigste unter ihnen ist die in -Mittel- und im nördlichsten Südamerika heimische ~Agave americana~, -in Mexiko ~maguey~, weiter im Süden ~metl~ genannt. Bei uns wird -sie fälschlicherweise wegen einer gewissen Ähnlichkeit mit der -afrikanischen Lilienart Aloë, deren bitteres Harz als Abführmittel -vielfach bei allen Kulturvölkern der Erde Verwendung findet, auch Aloë -genannt, und zwar im Gegensatz zu jener +hundertjährigen Aloë+, weil es -bei uns viele Jahrzehnte gehen kann, bis sie zur Blüte gelangt und mit -der Fruchtreife ihre Vegetationsperiode abschließt, ein Ziel, das sie -in ihrer heißen, fast regenlosen Heimat, wo die Sonne das ganze Jahr -hindurch mit ungeschwächter Kraft scheint, in wenigen Jahren erreicht. -Am kurzen Stamm sitzt eine Rosette von 1-3 m langen, am Grunde oft -über 40 cm breiten und bis 30 cm dicken, graugrünen, dorniggezähnten, -fleischigen Blättern, deren inneres Gewebe als Nahrungs- und zugleich -Wasserreservoir dient. Hat die Pflanze genug Reservematerial erworben -und in ihren Blättern aufgespeichert, was in ihrer tropischen Heimat im -Alter von 6-10 Jahren, in unsern Gewächshäusern jedoch erst nach 40-60 -Jahren der Fall ist, so treibt sie einen an der Basis über armdicken, -bis 10 m hohen Blütenschaft, der oben kandelaberartig viele Hunderte -von einschließlich der Staubgefäße 12-13 cm langen, gelbgrünen Blüten -aufweist. Nach Befruchtung derselben durch bestimmte Immen reifen -die dattelartigen Früchte heran, wonach die Pflanze, die dabei all -ihre Vorräte erschöpft hat, abstirbt, nachdem sie noch zahlreiche -Wurzelschößlinge hervorgetrieben hat, die man auch neben dem Samen zur -Vermehrung verwendet. - -Die Magueypflanze wurde schon von den alten Mexikanern zur Gewinnung -eines berauschenden Getränkes in Plantagen angebaut, wie dies heute -noch in jenem Lande geschieht. Sobald sie ihren Blütenschaft zu treiben -beginnt, schneidet man ihr die Gipfelknospe heraus und vertieft die -Wunde zu einer schüsselförmigen Mulde von 30 bis 50 cm Durchmesser. -Diese füllt sich 1-6 Monate lang täglich mit dem für die Blüten- und -Fruchtbildung bestimmten zuckerreichen Saft in der Menge von 4-5, ja -bei kräftigen Pflanzen 7 Litern im Tag, so daß eine Pflanze nach und -nach bis 1100 Liter Zuckersaft liefert. Täglich wird dieser vermittels -eines langen, hohlen Kürbisses durch Aufsaugen gesammelt und in lederne -Schläuche gefüllt, in denen man ihn vergären läßt. Er liefert dann, auf -Flaschen gezogen, ein stark moussierendes, erfrischendes, aber leicht -berauschendes Getränk, das in Farbe und Geschmack an Berliner Weißbier -erinnert und das Nationalgetränk der Mexikaner bildet, die unglaubliche -Mengen davon vertilgen. Bei den alten Azteken hieß er ~oktli~, die -heutigen Bewohner Mexikos dagegen nennen ihn +Pulque+ (sprich pulke). -Überall im Lande gibt es sogenannte Pulquerias, d. h. Lokale, die -ihn frisch aus den Lederschläuchen, in denen er vergor, ausschänken. -Es sind meist nur offene Schuppen, die gleichzeitig als Tanzböden -dienen, in denen das vom Pulque animierte Volk seine Feste feiert. -Aus dem Pulque wird durch Destillation ein als ~tequila~ bezeichneter -Branntwein gewonnen, während mit Wasser und Zucker vermischter -Agavensaft nach kurzer Gärung den leichten, nur wenig berauschenden -~tepache~ liefert. - -Durch Röstung des zuckerreichen Gewebes der treibenden Knospe -und der jungen Blätter und nachherige Gärung erhält man den sehr -alkoholreichen ~mescal~. Schon die alten Mexikaner liebten den Pulque -leidenschaftlich, aber dessen Genuß war vorsorglich nur bei hohen -Festen oder bei harter Arbeit den Männern vom 30. Jahre an gestattet. -Die jüngeren Leute und Frauen mußten sich mit dem aus Maismehl mit -Zusatz von etwas Honig und teilweise Kakao bereiteten Bier begnügen. -Außer dem beliebten Getränk lieferte ihnen die Agave in ihren äußerst -zugfesten Fasern, welche die fleischigen Blätter durchziehen und auf -höchst einfache Weise gewonnen wurden, Bindfaden und Stricke, wie -auch das Rohmaterial für Kleidungsstoffe und Papier. Die saftigen -Blätter wurden und werden heute noch als Gemüse gegessen, dienen -teilweise auch zum Dachdecken, während die starken Dornen als Nägel -oder zu Pfeilspitzen und die dürren Blütenschäfte als Lanzenstangen -benutzt wurden. Wie einst, so wird auch die Wurzel heute noch -arzneilich verwendet, und zwar besonders gegen die Syphilis, die schon -in vorkolumbischer Zeit stark im Lande verbreitet war, wie wir auch -aus mexikanischen und peruanischen Gesichtsurnen mit den typischen -Erscheinungen der tertiären Lues entnehmen können. Die Begleiter des -Kolumbus müssen diese Krankheit nach Europa gebracht haben, wo sie -kaum vorhanden war, jedenfalls keine nennenswerten Erscheinungen bot. -Kolumbus landete am 15. März 1493 in Südspanien nach der Entdeckung -des neuen Weltteils, den er aber bis zu seinem Tode nicht als solchen -erkannte, sondern für Indien ansah. Und seine Matrosen verbreiteten -alsbald die Krankheit, die, von den laxen Sitten und der mangelhaften -Reinlichkeit der damaligen Zeit begünstigt, in den Jahren 1494 und -1495 als neue Krankheit besonders in dem von Karl VIII. von Frankreich -geführten Heere stark auftrat und durch die heimkehrende Soldateska -eine gewaltige Ausdehnung durch ganz Europa fand, so daß sie von den -höchsten bis zu den niedersten Schichten der Gesellschaft zahlreiche -Opfer forderte. - -Erst lange nach der Lustseuche, nämlich im Jahre 1561, kam auch die -Agave durch die Spanier aus Mexiko nach Spanien und von da nach dem -übrigen Südeuropa, wo sie sich überall, wie auch durch ganz Nordafrika, -so leicht verbreitete, so daß sie heute eine Charakterpflanze der -Mittelmeerländer geworden ist. Auch in Mittel- und Nordeuropa wird -sie vielfach in großen Kübeln zur Zierde gezogen, muß aber in -trockenen, frostfreien Räumen überwintert werden. Aber nicht nur in -den Mittelmeerländern, über alle tropischen und subtropischen Gegenden -hat sich die Agave verbreitet und wird vorzugsweise als Heckenpflanze -und zur Befestigung von Flußsand angebaut. Überall ist sie mit einer -anderen Amerikanerin, der +Opuntie+ oder dem +Feigenkaktus+ (~Opuntia -ficus indica~) vergesellschaftet, die beide aus demselben Lande stammen -und infolgedessen dieselben Lebensbedürfnisse aufweisen. - -Die Opuntien sind wie alle Kakteen amerikanischen Ursprungs und wurden -ihrer schmackhaften Früchte wegen schon von den Mexikanern angepflanzt. -Mit den Agaven repräsentieren die Kakteen die Sukkulenten, d. h. mit -den Nährstoffen auch Wasser, an Schleim gebunden, in ihren Geweben -aufspeichernde Pflanzen, wie solche in den trockenen Gegenden der -Alten Welt, speziell Südafrikas, die Euphorbiazeen darstellen, die -teilweise den Kakteen sehr ähnliche Formen aufweisen. - -Die eigentümlichen Gestalten der Kakteen und Agaven erregten bei den -im Gefolge des Fernando Cortez im Jahre 1549 670 Mann stark mit 15 -Geschützen zur Eroberung des Landes auf die trockene Hochebene von -Mexiko hinaufsteigenden Spaniern um so mehr Aufsehen, als sie bis -dahin noch keinerlei Art aus der Familie der Sukkulenten gesehen -hatten. Schon im Berichte des Mönches Hernandez, der die Eroberung des -alten Kulturlandes auf der Hochebene von Anahuac mit der 2282 m über -Meer gelegenen Hauptstadt der Azteken, Tenochtitlan -- dem heutigen -Mexiko -- schildert, werden die Opuntien noch mehr als die Agaven mit -Ausdrücken des höchsten Erstaunens erwähnt. Auf jener Hochebene, wo -diese Kaktusart ihre Heimat hat, unterschied jener Mönch schon neun -verschiedene, kultivierte Opuntienarten, von denen die +baumartige -Feigendistel+, auch +indischer Feigenbaum+ genannt (~Opuntia ficus -indica~) mit 50 cm langen und 30 cm breiten Gliedern wegen ihrer -wohlschmeckenden Früchte wohl am häufigsten angepflanzt wurde. Sie -war damals schon als willkommener Obstspender über ganz Mittel- und -Südamerika verbreitet und gelangte in der Folge nach allen warmen -Ländern der Erde. - -Von den 150 Opuntienarten, die in allen Ländern Amerikas heimisch -sind, wo überhaupt Kakteen gedeihen, und zwar meist in gebirgigen -Gegenden mit heißem, trockenem Klima vorkommen, ist bald auch die -+gemeine Fackeldistel+ (~Opuntia vulgaris~) mit kürzeren Gliedern -und zitronengelben Blüten von den Spaniern aus den südwestlichen -Vereinigten Staaten nach den Ländern am Mittelmeer gebracht worden, -wo sie jetzt neben der Agave ebenfalls als Charakterpflanze der -Landschaft auftritt. Wie jene ist sie, sich selbst überlassen, überall -verwildert und überzieht nun mit ihren stacheligen Stengelgliedern -die unfruchtbarsten Felswände und Steingründe und bietet in ihren -Früchten monatelang ein geschätztes Nahrungs- und Erfrischungsmittel -für das Volk wie in ihrer Heimat. Weil sie im Geschmack ähnlich wie -Feigen sind, haben sie den Opuntien, die sie erzeugen, die Bezeichnung -Feigenkaktus oder indischer Feigenbaum eingetragen. Da sie über und -über mit feinen Stacheln mit Widerhaken versehen sind, die sich -ungemein leicht bei der leisesten Berührung in Finger und Lippen -beziehungsweise Zunge einbohren, müssen sie zuvor sorgfältig geschält -werden. Die Stengelglieder frißt das Vieh und die ganze Pflanze dient -mit Vorliebe zu Einzäunungen. In ihrer Heimat, den trockensten -Gegenden von Nordmexiko und Texas, sind sie als nahrhaftes Futter -und Wasserspender für das Vieh ungemein wichtig, so daß sich die -Verbindungswege durch die steinigen Wüsten danach richten, wo die -meisten Exemplare dieser Pflanzenart wachsen. - - Tafel 79. - -[Illustration: - - (~Copyright by F. O. Koch.~) - -Ein beinahe ausgewachsener Kokastrauch. - -Indianer auf dem Hochlande von Anahuac in Mexiko bei der Gewinnung -des Zuckersaftes einer am Blühen verhinderten Magueipflanze (~Agave -americana~) zur Bereitung von Pulque.] - - Tafel 80. - -[Illustration: - - (~Copyright by Underwood & Underwood.~) - -Opiumrauchende Perser - -Fruchtbeladener Feigenkaktus (~Opuntia ficus indica~) auf dem Hochlande -von Anahuac in Mexiko. (Nach Photogr. von ~Dr.~ H. Roß.)] - -In seinem lateinischen Buche über die Gärten Deutschlands vom Jahre -1561 erwähnt der Züricher Naturforscher Konrad Gesner zum erstenmal -die Fackeldistel als Bürgerin Europas unter der Bezeichnung ~ficus -indica~, d. h. indische Feige. Sie muß damals in Spanien, Nordafrika -und Süditalien schon ziemlich häufig gewesen sein und hat sich seither, -wie die Agave, nördlich bis Bozen verbreitet. Seit etwa 50 Jahren -ist sie besonders in Neusüdwales und Queensland, wohin sie ihrer -Früchte wegen wie in die übrigen Länder der Tropen und Subtropen vom -Menschen verbracht wurde, dermaßen verwildert, daß sie Tausende von -Quadratkilometern Land für die Kulturen des Menschen entzogen und -wertlos gemacht hat. Alle Verteidigungsmaßregeln gegen ihr Überwuchern -blieben erfolglos. - -Neuerdings ist es dem berühmten kalifornischen Pflanzenzüchter Luther -Burbank in Santa Rosa, der in seinen kostspieligen Versuchen teilweise -durch den in Schottland niedergelassenen einstigen nordamerikanischen -Stahlkönig Carnegie finanziell unterstützt wurde, gelungen, eine völlig -stachellose, großstengelige und überaus saftige Abart der Opuntie -zu züchten, die äußerst leicht durch Ableger sich fortpflanzt -- es -genügt dazu, einfach ein Stückchen der fleischigen Stengel in den -Boden zu stecken, wo es ohne weiteres anwächst -- und sowohl durch -die Stengelglieder, als auch durch die sehr wohlschmeckenden und -nahrhaften feigengroßen Früchte ein geradezu unschätzbar wertvolles -Geschenk für alle wasserarmen, wüstenhaften Gegenden, in denen sich der -Mensch niederläßt und durch künstliche Berieselung mit Hilfe von durch -Dämme gestautem Wasser sich Existenzbedingungen schafft, zu werden -verspricht. Im Jahre 1909 ist dieses einzigartige Züchtungsprodukt -des „Zauberers von Santa Rosa“ (wie Burbank von seinen Landsleuten -mit Vorliebe genannt wird), das so reiche Ernten wie kaum eine andere -Pflanze liefert, zum erstenmal in den Handel gelangt. Sein Anbau soll -sich nach dem hauptsächlichen Mitarbeiter von Burbank, ~Dr.~ Doud, auch -im südlichen Deutschland in wärmeren Lagen rentieren. Dabei soll die -Pflanze eine Durchschnittsernte von 50000 bis 75000 kg auf den Acre -(= 40,5 Ar) ergeben. Die Stengelglieder bilden ein wohlschmeckendes, -nahrhaftes Gemüse für Menschen und Tiere, das gekocht und roh, auch -als Salat, gegessen werden kann, und die ebenfalls stachellosen, -rötlichen Früchte sollen von unvergleichlichem Wohlgeschmack sein. - -Wir können die Besprechung dieser für die künftige Besiedelung von -Wüstengegenden durch den Menschen eine geradezu unabsehbare Bedeutung -aufweisende Opuntie nicht verlassen, ohne hier noch kurz zu erwähnen, -daß die Opuntien zuerst unter dem mexikanischen Namen tuna in Spanien -bekannt wurden und von da, wie De Candolle meint, von den durch -Ferdinand V., den Katholischen, nach der Eroberung des letzten Restes -maurischer Herrschaft, nämlich Granadas 1492, vertriebenen Arabern -- -tatsächlich aber erst später in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts -durch die Spanier selbst -- nach Nordafrika verbracht wurden, wo sie -unter dem Namen „Feigen der Christen“ allgemeine Verbreitung fanden. -Die Bezeichnung ~Opuntia tuna~ kommt heute einer baumartigen Verwandten -der ~Opuntia ficus indica~ mit roten Blüten zu, die in Mexiko und -in den Anden des nördlichen Südamerika wild wächst und neben der -~Opuntia pseudotuna~ mit roten Stengelgliedern und gelben Blüten und -dem Nopalkaktus (~Nopalea coccinellifera~) in Mexiko, der, nebenbei -bemerkt, im Wappen dieses Landes figuriert, früher als Weidepflanzen -für die einst zur Gewinnung von Karmin, das heute auf chemischem Wege -hergestellt wird, gezüchteten Cochenilleschildläuse diente. Dabei zog -man besonders solche Arten vor, die keine Stacheln trugen, weil man -sich in diesen Gebüschen beim Ablesen der den vormals sehr wichtigen -Farbstoff liefernden Tiere ungehinderter bewegen konnte. Besonders -blühte die Cochenillekultur zuletzt auf den Kanarischen Inseln, bis ihr -durch die Entwicklung der Teerfarbenindustrie ein jähes Ende bereitet -wurde. Auch die Früchte der birnförmigen, fleischigen Tunaopuntien sind -eßbar und werden in der Heimat der Pflanzen von der Bevölkerung sehr -gern verzehrt. - -Zum Schluß sind hier der Vollständigkeit wegen noch zwei Arten -berauschender Getränke kurz zu erwähnen, denen eine gewisse Bedeutung -nicht abzusprechen ist. Das eine ist der in ganz Polynesien, besonders -den Samoa-, Sandwich- und Freundschaftsinseln beliebte +Kawa+, der von -der fleischigen Wurzel einer Pfefferart gewonnen wird. Es ist dies -der +Kawapfeffer+ (~Piper methysticum~), ein 2 m hoher Strauch mit -langgestielten, eiförmigen Blättern und dicker, fleischiger Wurzel. -Aus dieser letzteren wird der betäubende Trank in der Weise gewonnen, -daß Frauen und Jungfrauen in Scheiben geschnittene Stücke derselben -gehörig zerkauen und in Gefäße spucken, worin die Masse, mit Wasser -übergossen, eine kurze Zeit liegen bleibt, bis das Stärkemehl mit -Hilfe des diastatischen Speichelferments in Zucker und dieser durch -die allgegenwärtigen Hefepilze in Alkohol übergeführt worden ist. Der -wichtigste betäubende Stoff darin ist aber ein der Wurzel innewohnender -Stoff, der in besonderer Weise auf das Zentralnervensystem einwirkt, -indem der Trinker bei ausgiebigem Kawagenuß bei vollem Bewußtsein -die Herrschaft über seine Glieder verliert. Der in Polynesien wild -wachsende Kawapfeffer wird als geschätztes Genußmittel auch von -den Eingeborenen angepflanzt. So hat die deutsche Insel Samoa im -vergangenen Jahr nicht bloß ihren eigenen Bedarf gedeckt, sondern -auch noch 16900 kg im Werte von 25400 Mark nach den Nachbarinseln -auszuführen vermocht. - -Wer in Samoa, der Perle der Südsee und wohl dem schönsten Stückchen -des ganzen deutschen Kolonialbesitzes reist, der darf überall, -wohin er kommt, bei der unbegrenzten Gastfreundschaft der Samoaner -der besten Aufnahme gewiß sein. In jedem Dorf ist eine Taupo -genannte Ehrenjungfrau vorhanden, der als Repräsentantin des -Dorfes die Unterbringung und Bewirtung des Fremden obliegt. Mit -untergeschlagenen Beinen läßt sich der Besucher auf den mit Matten -belegten Boden der sauberen, offenen Hütte nieder. Die Dorfältesten -folgen diesem Beispiel, und es beginnt die zeremonielle Bereitung -des Nationalgetränkes. Die Taupo, manchmal zusammen mit anderen -Mädchen, speit die durch längeres Kauen zerkleinerte Kawawurzel in -eine flache, auf mehreren Füßen ruhende Holzschüssel, gießt aus einer -hohlen Kokosnuß Wasser hinzu, läßt das Ganze etwas stehen, zieht zum -Schluß den ausgelaugten Brei zur Entfernung der holzigen Bestandteile -durch ein Bastsieb und die Bowle ist fertig. Lautes Klatschen des -Hausherrn zeigt die Fertigstellung der Kawa an. Die Taupo reicht den -Becher mit dem graugrünen, von den einen wie Pfefferminztee, von -andern wie Seifenwasser schmeckend angegebenen Getränk dem Gaste, -dessen Name verkündet wird und der ihn mit dem samoanischen Prosit -„~Manuia~“ leert und der Taupo zurückgibt. Das Trinkgefäß macht dann -die Runde bei allen Anwesenden, genau in der Reihenfolge ihrer Würde -und ihres Alters. Während des Rundtranks werden zahlreiche Reden -gehalten. Der Gast wird von den hervorragendsten Anwesenden begrüßt. -Man dankt ihm in wohlgesetzter Rede für seinen Besuch und bittet um -seine Freundschaft. Nach dem Bewillkommnungstrank werden die Speisen -aufgetragen: Bananen, Yams, Taro, Fische, Muscheln, Kokosnüsse, Hühner -und eventuell Schweine. Alles, auch das Obdach für die Nacht, soll der -Gast mit dem Wirte teilen. In derselben Hütte schläft auch die Taupo; -aber sie ist Tag und Nacht von zwei älteren Ehrendamen bewacht, die -auf ihre Reinheit acht haben. Denn im Gegensatz zu den gewöhnlichen -Mädchen Samoas, die sich in ihrem ledigen Stande alles erlauben dürfen, -ohne an Ansehen zu verlieren, muß die Taupo unantastbar bleiben, um -später die Frau irgend eines angesehenen Häuptlings zu werden. Wie zur -Begrüßung des Gastes spielen die Taupo und die Kawa bei allen Festen, -Versammlungen und sonstigen offiziellen Anlässen eine höchst wichtige -Rolle im samoanischen Leben. - -Das andere berauschende Getränk gehört der Geschichte an und spielte -einst beim asiatischen Zweige der Indogermanen eine große Rolle. Es -ist dies der +Somatrank+ der alten Inder oder der +Haoma+ der alten -Perser. Von keinem berauschenden Getränke reichen die Urkunden so -weit zurück, keins ist durch seinen Gebrauch in ein so mystisches -Dunkel gehüllt und keins ist je höher gepriesen worden, als dieser -heilige, nicht nur belebende und beseligende, sondern Menschen und -Göttern Kraft und Gesundheit spendende Trank, mit dem auch Indra -- -in der ältesten Zeit, von der wir hier sprechen, der oberste Gott der -Inder, der Schöpfer und Erhalter der Welt, der später zum Haupt der -niederen Götter wurde -- sich zum Kampfe gegen die Dämonen stärkte. -Nach den geschichtlichen Überlieferungen und den Angaben des Sâma-Veda -war dieser Somatrank eine Art Met, der aus einer in Gärung gebrachten -Honiglösung mit Zusatz von Gersten- oder anderem Mehl und Milch oder -Molken hergestellt wurde, wozu höchst sparsam als Würze der Saft einer -mit großer Sorgfalt in mondhellen Nächten auf Bergeshöhen gesammelten -Staude hinzugefügt wurde. Die blattlosen oder entblätterten Stengel -der als ~Soma-lata~ bezeichneten Somapflanze wurden dann unter dem -Gesange bestimmter Hymnen mit Steinen zerquetscht und ausgepreßt, um -den so hochgeschätzten Saft dem Gemisch von Gerstenmehl und Milch in -vergorener Honiglösung zu spenden. Sicheres über diese Pflanze wissen -wir nur so viel, daß sie auf dem Gebirge wuchs und Milchsaft führte. - -Wie hoch die arischen Inder der vorgeschichtlichen Zeit ihren -heiligen Somatrank als Labung für Menschen und Götter priesen, mögen -folgende Stellen aus dem Sâma-Veda dartun: „Wir jauchzen dir zu, du -ausgepreßter Soma, dir, dem gerstengemischten Somatrank! Gar köstlich -schmeckend und von Milch strotzend, gehst du erhebend honigsüßer -Glanzstrahl. Du gehst, o Reiniger, unaufhaltsam strömend für Indra, -o Soma, ringsum flutbesprengt. -- Den schönen, gottersehnten Trank, -in Flut gereinigt und von Männern gepreßt, würzen mit Milch die Kühe. --- Wie Vögel sitzen um dich her beim milchgekochten Met, dem süßen, -die Indra preisen. Ihm gebührt der milchgemachte Göttertrank. -- Wir -denken dein, Falbrossiger. (Damit ist Indra gemeint.) Im Opfer gedenke -unseres Lobgesangs in des Soma Rausch. -- Sprengt ringsum den Soma, -das wichtigste Opfer, das wir mit Steinen gepreßt haben. Diesen haben -wir, mit Gerste wie mit Milch ihn mischend, versüßt, o Indra, an diesem -Feste. -- Freue dich des kuhgemischten Trankes!“ - -Wie er im alten Indien bei keinem Opfer fehlte, so wurde bei den -alten Persern kein Gebet gesprochen, ohne ihn genossen zu haben. Von -ihm sollten sich die Götter ernähren. Der um 25 n. Chr. verstorbene -griechische Geograph Strabon aus Amasia in Pontos berichtet, daß -bei jedem Hause in Persien eine Haomapflanzung und in jedem Hause -ein Holzmörser mit Keule zum Stampfen und Auspressen des Saftes ein -unerläßliches, heiliges Gerät sei, welches gleich dem Feuer und dem -Bündel von Myrtenzweigen vor Entweihung geschützt werden müsse. Wie -in Indien so geschah auch in Persien die Bereitung des Haomatrankes -unter Lobgesängen und liturgischen Gebeten. Der in Rom als Lehrer der -Philosophie lebende griechische Schriftsteller Plutarchos (50-120 -n. Chr.) beschreibt die Zubereitung des von ihm als Omomi (= Haomi) -bezeichneten Getränkes. Nach ihm wurde dazu der Saft einer in Armenien -und Medien wachsenden, dem Weinstocke ähnlichen Pflanze mit knotigen -Stengeln, Blättern wie Jasmin, Blüten wie Levkoje, traubenförmigen -Samen, duftend und von bitterem Geschmack genommen. Vielleicht ist der -auf assyrischen Bildwerken, in denen der König mit erhobener Schale -ein Trinkopfer darbringt, dargestellte, in seltsam verschlungener -Figur den heiligen Baum, die Dattelpalme, umrankende Gewächs, das -uns auch anderweitig auf Skulpturen, von geflügelten, adlerköpfigen -Gottheiten adorierend umstanden, entgegentritt, nichts anderes als -die Haoma der Alten. Und zwar glaubte man bis in die neueste Zeit -zwei nahe miteinander verwandte, in Indien und Persien einheimische -milchsaftführende Calotropisarten, die noch wildwachsend angetroffen -werden, für die heilige Somapflanze ansehen zu dürfen. Kürzlich hat -jedoch Joseph Bornmüller festgestellt, daß die indischen Parsen, die -die altiranischen Religionsgebräuche bis in die Gegenwart bewahrten, -zu ihren gottesdienstlichen Handlungen die auf felsigen Standorten -wachsende sehr ästige, blattlose und äußerlich einem Schachtelhalme -ähnliche Strauchart ~Ephedra vulgaris~ aus Persien beziehen. Man darf -also diese als die heilige Haomapflanze der Perser ansehen, die von -jeher als identisch mit der Somapflanze der Inder galt. Der aus ihr -ausgepreßte Saft, der später zum Gotte Soma erhoben wurde, erhielt -später bei den Ariern dieselbe Bedeutung wie der Wein im christlichen -Abendmahle. - -Übrigens wird noch heute der Saft gewisser Calotropisarten von manchen -Stämmen des Sudans dem Hirsebrei zugesetzt, während andererseits manche -Tatarenstämme ihren aus Pferde- und Kamelmilch bereiteten Getränken -gern narkotische Säfte von Kräutern hinzufügen. Bei den alten Ariern -wird eben jenes ältere Genußmittel mit der Zeit durch bessere, jüngere -verdrängt worden sein, wodurch es bald in völlige Vergessenheit geriet, -bis auf die streng an den Gebräuchen ihrer Vorfahren hängenden Parsen, -von denen ja heute noch wie vor Tausenden von Jahren das Feuer als eine -Gottheit verehrt wird. - - - - -XVI. - -Die betäubenden Pflanzenstoffe. - - -Ähnlich wie die geistigen Getränke, aber noch in weit stärkerem -Maße die Gehirntätigkeit in besonderer, vielfach krankhafter Weise -beeinflussend wirken andere narkotische Pflanzenstoffe, denen wir -nunmehr unsere Aufmerksamkeit zuzuwenden haben. Bei der ungeheuer -wichtigen Rolle, die die hierher gehörenden Drogen spielen, sind die -sie erzeugenden Pflanzen von der größten kulturgeschichtlichen und -wirtschaftlichen Bedeutung. Denn, wie wir bereits zu Beginn des vorigen -Abschnitts sahen, sind die narkotischen Gifte dem Menschen vielfach -unersetzliche Genußmittel, die er sich schon auf niedriger Kulturstufe -unbedingt zu verschaffen sucht. Kein Volk der Erde ist so armselig -und primitiv, daß es nicht im Besitze irgend eines Mittels wäre, -dessen Genuß den Geist in einen Rauschzustand zu versetzen vermag. Und -zwar ist die Erlangung eines solchen Rauschmittels den Naturvölkern -vielfach wichtiger als der Besitz von Nahrung spendenden Pflanzen. So -bauen manche von Viehzucht lebende Negerstämme Tabak an, pflanzen aber -daneben keinerlei Getreide. - -Unter diesen „Sorgenlösern“, die den Menschengeist in künstliche -Ekstase, d. h. in einen Zustand des Entrücktseins in andere Welten -versetzen, spielt der +Haschisch+ eine sehr wichtige Rolle. Sind doch -nicht weniger als etwa 250 Millionen Menschen in Asien und Afrika -Haschischesser oder Haschischraucher. Mit Vorliebe wird er in Konfekt -genossen, wie ja die Orientalen meist das Süße lieben. Dieser Haschisch -besteht aus einer ein ätherisches Öl, Harze und verschiedene Glykoside -enthaltenden Ausscheidung der in Ostindien heimischen und von dort sehr -früh schon in Persien eingeführten +Hanfpflanze+ (~Cannabis indica~). -Schon bei uns riecht diese mit dem Hopfen aufs engste verwandte, in -weiblichen und männlichen Exemplaren auftretende Krautart aromatisch -und betäubend. In noch viel höherem Maße ist dies in warmen Gegenden, -speziell im heißen Indien der Fall, wo sie allein ein gelblichgrünes, -aromatisch riechendes Gummiharz aus den Stengeln und namentlich den -Blütenständen ausscheidet. Dieses wird gesammelt, indem Arbeiter, in -der Regel nackt, nur ausnahmsweise mit einem Lederanzuge bekleidet, -durch die Hanffelder streifen. Dabei klebt ihnen die vom Hanf -ausgeschiedene harzige Masse an. Diese wird dann mit stumpfen Messern -abgeschabt und zu einem dem Opium ähnlichen Teig zusammengeknetet. -Wie dieses wird es in besonderen kleinen Pfeifen geraucht oder als -grünliches Extrakt mit allerlei meist parfümierten Kuchen, sogenannten -Fröhlichkeitskuchen, und in Form von Konfekt genossen. Die Wirkung des -Haschisch ist derjenigen des Tabaks ähnlich, nur viel stärker, indem er -rasch betäubt und Delirien erzeugt. - -[Illustration: Bild 46. ~a~ blühender Sproß des weiblichen Hanfs -(~Cannabis indica~); ~b~, ~c~ einzelne Blüte, vergrößert; ~d~ Samen -von außen; ~e~ Durchschnitt durch denselben; ~f~ Harzdrüse, sehr stark -vergrößert. (Nach Hegi.)] - -Besonders reich an diesem narkotischen, harzigen Gifte sind die -weiblichen Blütenstände, die deshalb auch getrocknet als solche -geraucht oder zur Extraktion von Haschisch verwendet werden. Von -der Anwendung des getrockneten Krautes, namentlich der weiblichen -Blütenstände als den am narkotischen Stoffe reichsten Teilen, zum -Rauchen wie Tabak, um eine beglückende Betäubung an sich hervorzurufen, -rührt der Name der Droge her; denn ~haschîsch~ heißt persisch das -Kraut. In Indien unterscheidet man zwei Sorten desselben: ~bhang~ -oder ~siddhi~, die zur Blütezeit entnommenen, zerkleinerten Blätter, -die mit Wasser oder Milch, Zucker nebst schwarzem Pfeffer und anderem -Gewürz zu einer grünen Flüssigkeit zerrieben werden, und ~gânjâ~, -die getrockneten, jungen, weiblichen Blütentriebe, die, dem Tabak -beigemischt, in der Wasserpfeife geraucht werden. Letzterer gilt als -viel kräftiger und wird deshalb auch viel teuerer bezahlt. Während von -ersterem etwa 30 g für den daran Gewöhnten genommen werden müssen, -genügen von letzterem viel kleinere Mengen, um eine ausgiebige Wirkung -zu erzielen. In anderen Ländern bindet man die wirksamen Bestandteile -an Butter, mischt diese mit Gewürzen und formt aus der Masse Pillen, -die als beliebtes ~hadschi~ eingenommen werden. - -Nächst Indien ist Persien das Hauptland der Erzeugung und des -Verbrauches von Haschisch. Hier ist, wie in Indien, die Kultur des -Hanfes als Rauschmittel uralt, und die altpersische Sprache bezeichnet -die Trunkenheit mit einem Worte (~banga~), das im Sanskrit Hanf -bedeutet. Von Persien drang die Hanfkultur früh schon westwärts vor -und gelangte schon um die Mitte des 2. vorgeschichtlichen Jahrtausends -nach Südrußland zu den Viehzucht treibenden Skythen. Der im Jahre 484 -v. Chr. geborene griechische Geschichtschreiber Herodot nennt uns -den Hanf als Betäubungsmittel dieses Volkes. Nach ihm streuten die -Skythen, um sich zu betäuben, Hanfkörner auf glühend gemachte Steine, -die auf den Boden von kleinen Schwitzbadhütten gebracht worden waren, -und atmeten den so entstehenden Qualm ein. Dadurch wurden sie in einen -solchen Rausch versetzt, daß sie aus lauter Behagen laut brüllten. -Auch bei den Thrakern war sein Gebrauch damals schon üblich; außerdem -benutzten sie die Fasern des Hanfstengels, um Stoff daraus zu weben. -Beides war den Griechen, die die Pflanze noch nicht kannten, neu. -Ebenso bauten die Kelten bereits den Hanf an, um sich seiner sowohl als -narkotisches Genußmittel, als auch als Gespinstpflanze zu bedienen. Als -der König Hieron II. von Syrakus, der von 269-215 v. Chr. regierte, -ein ungeheures Prachtschiff baute, zu dessen Herstellung er aus allen -Ländern am Mittelmeer das Beste in seiner Art kommen ließ, wurden Hanf -zu Tauen und Pech von den Kelten des unteren Rhonetales im südlichen -Gallien bezogen. Also muß die Hanfkultur damals schon bei ihnen in -hoher Blüte gestanden haben. Von den römischen Schriftstellern ist der -ums Jahr 100 v. Chr. lebende Satiriker Lucilius der erste, der den Hanf -als Gespinstpflanze erwähnt und Plinius der ältere (23-79 n. Chr.) -berichtet in seiner Naturgeschichte, daß der Hanf um die Ortschaft -Reate im Sabinerlande Baumeshöhe erreiche. - -Die alten Juden und Ägypter kannten den Hanf noch nicht. Erst die -Araber, die sich seiner vorzugsweise als Berauschungsmittel bedienten, -brachten dessen Kultur im Nilland, wie in Nordafrika in Blüte. Aber -noch am Ende des 18. Jahrhunderts wurde diese Pflanze nur zur Gewinnung -von Haschisch gepflanzt, der heute einen sehr großen Teil seiner -Anhänger in Afrika zählt. Als neuartige Gespinstpflanze erwähnt den -Hanf zum erstenmal in Palästina die jüdische Gesetzessammlung des -Mischna. - -In geringen Dosen genossen bewirkt der Haschisch ein nicht -endenwollendes Lachen, zugleich wird die Phantasie mächtig angeregt -und entzückende Bilder ziehen am geistigen Auge vorüber. Die -Ideenverkettung wird durch ihn beschleunigt, die Sinneseindrücke -werden lebhafter und die Sexualsphäre wird erregt. Etwas größere Dosen -rufen ein traumhaftes Glückseligkeitsgefühl hervor, es entsteht ein -Gefühl der Körperlosigkeit, der für den Berauschten das Vorhandensein -von Raum und Zeit ausschließt. Noch größere Dosen lösen berückende -farbige Visionen aus, bewirken aber auch Delirien und Tobsuchtsanfälle. -Der Genuß dieses Mittels ist am größten bevor dessen Gebrauch zur -Gewohnheit wird. Sobald aber letzteres der Fall wird, stellen sich -hochgradige Schädigungen des Nervensystems und aller Körperorgane ein, -die eine zunehmende Melancholie mit fortschreitender Verblödung des -Geistes und körperlichem Verfall bewirken, bis schließlich der Tod -durch Schlaganfall oder Lähmung eintritt. Dieser durch Haschischgenuß -hervorgerufene Zustand einer Ekstase spielt bei manchen religiösen -Sekten des Morgenlandes eine große Rolle. Am bekanntesten unter ihnen -ist die heute nur noch in einigen hundert Familien im Libanongebirge -hausende Sekte der Assassinen, die von einem schiitischen Muhammedaner, -Hassan aus Chorasan, im Jahre 1090 gegründet wurde, indem er zunächst -eine Anzahl persischer Jünglinge um sich sammelte, die er durch -Haschischgenuß ihm völlig ergeben und zu willenlosen Werkzeugen seiner -fanatischen Ideen machte. Zur Zeit der Kreuzzüge waren die Assassinen -als Meuchelmörder von den Christen sehr gefürchtet. Die Burg Kahf im -Libanon war die Residenz ihres Häuptlings, des Scheich ul dschebel, -d. h. Oberhaupt des Gebirges, von den Europäern nur der „Alte vom -Berge“ genannt. In Syrien von den Machthabern namentlich im 12. und -13. Jahrhundert mißbraucht, sanken sie nach und nach zu gewöhnlichen -Meuchelmördern herab, die für Geld jedem dienten, so daß seither bei -den Romanen ~assassin~ so viel als Meuchelmörder bedeutet. - -Bei uns sind alkoholhaltige Getränke die häufigsten, aber auch die -ärmlichsten Erreger der künstlichen Ekstase. Dazu dient im Orient, -dem der Alkohol nach dem Gebote des Propheten Muhammed in jeder Form -versagt blieb, außer dem Haschisch auch das +Opium+. Es ist dies -bekanntlich der eingetrocknete Milchsaft des +Schlafmohns+ (~Papaver -somniferum~), der ein Abkömmling des in den Mittelmeerländern, -besonders Kleinasien, heimischen ~Papaver setigerum~ ist, der sich -durch borstig behaarte Kelchblätter und Stengel von der kultivierten -Art unterscheidet. Dieser wilden Urform stand, nach der Beschaffenheit -der uns erhalten gebliebenen Samenkörner zu urteilen, noch der Mohn -sehr nahe, den die neolithischen Pfahlbauern der Schweiz in ihren wenig -sorgsam mit der Hacke bearbeiteten kleinen Feldern an den Seeufern -pflanzten. Wie andere vorgeschichtliche Völker werden sie sich der -Samen vorzugsweise als Ölspender, daneben aber auch noch als Heilmittel -zur Betäubung von Schmerzen bedient haben, wie dies heute noch bei der -Bauernbevölkerung auf dem Lande geschieht. - -Bei den alten Griechen waren die jene Samenkörner bergenden -Fruchtkapseln des Mohns die sinnbildlichen Attribute des Schlafgottes -Morpheus. Also müssen sie schon früh die betäubende Wirkung dieser -Samen und überhaupt der ganzen Pflanze gekannt haben. Doch bauten auch -die Griechen der ältesten Zeit den Mohn nicht zur Opiumgewinnung, -sondern zur Ernte seiner ölreichen Samen, wie heute noch die -mitteleuropäische Bauernbevölkerung, an. Daneben mögen gelegentlich -die schmerzlindernden Eigenschaften der verschiedenen Produkte der -Pflanze benutzt worden sein; aber das waren große Ausnahmen. Der Mohn -war ihnen eine Ölpflanze. Zu diesem Zwecke muß er schon wenigstens -im 9. vorchristlichen Jahrhundert von Kleinasien her in Griechenland -eingeführt worden sein; denn der im 8. vorchristlichen Jahrhundert -in Böotien lebende Dichter Hesiod nennt uns in seiner Theogonie eine -Ortschaft Mēkṓne, d. h. Mohnstadt, wohl von der dort besonders intensiv -betriebenen Mohnkultur herrührend. Diese unweit von Korinth gelegene -Ortschaft wurde dann später infolge ihrer ausgedehnten Gurkenkultur -in Sikyon, d. h. Gurkenstadt umgetauft, als welche sie uns in -geschichtlicher Zeit entgegentritt. - -Es ist bemerkenswert, daß noch Hippokrates von Kos, der von 460-364 -v. Chr. lebende größte griechische Arzt, das Opium nicht kannte, -wenn er auch den Milchsaft opós der Blätter und Früchte als -Linderungsmittel bei Schmerzen anwandte. Auch der Schüler des großen -Aristoteles, Theophrastos (390-286 v. Chr.), kannte so wenig als die -Hippokratiker das Opium, und wo er von ~mēkóneion~ spricht, meint -er damit den betäubenden Milchsaft einer Wolfsmilchart (~Euphorbia -peplus~). Erst im 3. vorchristlichen Jahrhundert scheint in -Griechenland die Verwendung des durch Ritzen der unreifen Fruchtkapsel -des Mohns gewonnenen Milchsafts als Arzneimittel aufgekommen zu sein. -Wenigstens sind Diokles von Karystos und Herakleides von Tarent die -ersten griechischen Ärzte, von denen berichtet wird, daß sie diese -Droge zur Schmerzlinderung anwandten. - -Das von der griechischen Bezeichnung dafür, nämlich ~opós~ Milchsaft, -abgeleitete ~ópion~ übernahmen dann die Römer mit der Droge, deren -Kenntnis ihnen die bei ihnen ihre Tätigkeit ausübenden griechischen -Ärzte vermittelten. Zu Beginn der römischen Kaiserzeit wurde außer -in Kleinasien besonders auch in Ägypten, später auch in Spanien und -Nordafrika Opium gewonnen, wie wir von den damaligen Schriftstellern -vernehmen. Zu Beginn des Mittelalters kam dann das Opium im Abendlande -fast ganz außer Gebrauch, während es die arabischen Ärzte noch -teilweise anwandten. Dafür wurden Abkochungen der Mohnkapseln, die für -weniger gefährlich galten, benutzt. Erst im späteren Mittelalter kam -das Opium im Abendlande wieder zur Benutzung, worüber das Nähere im -Abschnitt über die Heilpflanzen mitgeteilt werden soll. - -Für jetzt genüge die Feststellung der Tatsache, daß, wie schon im -Altertum, so noch heute Kleinasien das beste Opium erzeugt. Dort wird -die Kultur des Schlafmohns und die Gewinnung des Opiums aus dessen -unreifen Fruchtkapseln in folgender Weise betrieben. Die einjährige -Pflanze mit den hübschen, weiß bis violett gefärbten Blüten wird nach -den Herbstregen in drei Perioden vom September bis März ausgesät, um -so den Wechselfällen des Klimas zu begegnen und die Arbeitskräfte -während einer längeren Periode auszunützen. Auf dem gut gedüngten -Boden wächst die Pflanze rasch heran, erreicht die Höhe von 1 m und -erzeugt durch reiche Verästelung 5-30 Blüten. Etwa 6-7 Tage nach dem -Abfallen der Blumenblätter bekommen die jungen, grünen Fruchtkapseln -einen bläulichweißen Anflug und sind zur Opiumernte recht. Nun muß die -Arbeit in 8-10 Tagen vollendet werden, da sie später keinen Milchsaft -mehr austreten lassen. Die Opiumgewinnung geschieht in der Weise, daß -die grünen Fruchtkapseln in den Nachmittagsstunden mit einem Messer, -dessen Klinge bis auf die Spitze mit Bindfaden umwickelt ist, mit -mehreren wagrechten Schnitten angeritzt werden. Der dabei aus den -Wunden austretende weiße Milchsaft gerinnt rasch an der Luft und nimmt -eine gelbrötliche und zuletzt bräunliche Farbe an. Am folgenden Morgen -wird er mit dem Messer vorsichtig abgelöst und auf ein Mohnblatt -abgestrichen. Ist eine größere Masse beisammen, so knetet man daraus -Kuchen von etwa 600 g Gewicht, die man in Mohnblätter einschlägt -und im Schatten gut trocknen läßt, damit sie nicht später auf dem -Transport faulen. Damit die Opiumbrote nicht zusammenkleben, werden -sie durch dazwischen gestreute trockene Rumex- oder Sauerampferfrüchte -getrennt. So werden sie in kleine Säcke und diese ihrerseits wieder -in Körbe gepackt, die nach Smyrna oder Konstantinopel ausgeführt -werden. Durchschnittlich produziert Kleinasien jährlich 400000 kg -Opium. Doch unterliegen Erzeugung, Ausfuhr und Preis desselben starken -Schwankungen, da der Ertrag der Fruchtkapseln an Milchsaft nach den -Jahrgängen sehr ungleich ist. Je reifer die Frucht wird, eine um so -geringere Saftmenge liefert sie. Doch hindert das Anschneiden der -Milchsaftröhren in den Kapseln, die nach dem Abfallen der Blumenblätter -prall gefüllt sind, die Früchte nicht am völligen Reifwerden; sie -fallen nur etwas kleiner aus. Die Samen werden dann nach deren Reife -geerntet und aus ihnen das Mohnöl als gutes Speisefett gewonnen. - -Nach der Frühjahrsernte wird auf demselben Felde nach abermaliger -reichlicher Düngung eine zweite Mohnkultur angelegt und im Herbste -geerntet, und zwar erzeugt die Herbsternte den größten Teil des -Ertrages. Nach Flückiger liefert eine Mohnkapsel in Kleinasien in ein -bis drei Schnitten ungefähr 0,02 g Opium. Dabei ist es von Wichtigkeit, -die Schnitte nicht zu tief zu machen und die Kapselwandung nicht zu -durchschneiden, da sich sonst ein Teil des Milchsaftes ins Innere der -Kapsel ergießt und für die Opiumgewinnung verloren geht. Auch würden -derart geschädigte Kapseln keine Samen mehr reifen lassen. Zwischen dem -Einschneiden, wozu in Persien und Indien besondere Messer mit bis zu -fünf Klingen benutzt werden, und dem Sammeln des gebräunten Milchsaftes -dürfen nicht mehr als 24 Stunden verstreichen. Die getrockneten -Opiumkuchen sehen im Bruche zimtbraun aus, riechen stark narkotisch -und schmecken bitter. Vielfach werden sie mit Mohnkapselpulver, Mehl, -Aprikosen- und Feigenzusätzen, auch mit verschiedenen Gummiarten -verfälscht. Außerdem wird auch besseres mit schlechterem Opium -gemischt, um den medizinisch geforderten Morphingehalt von 10-20 -Prozent aus dem gewöhnlich mehr davon enthaltenden Opium zu gewinnen. - -Auch in Persien wird viel Opium erzeugt, das zum größten Teile im Lande -selbst verbraucht wird, und zwar in Kuchen und Konfekt gegessen, nicht -wie in China geraucht wird. Von der jährlichen Gesamtproduktion von -Opium im Betrage von 23 Millionen kg erzeugt China 14 Millionen kg und -Britisch-Ostindien 5,5 Millionen kg. Das Opium und seine Verwendung als -Mittel zur Betäubung von Schmerzen und, unabhängig davon, zur Erlangung -eines Zustandes von Entrücktsein, gelangte im frühen Mittelalter von -Kleinasien nach Osten, wo es die haschischrauchenden Perser und Araber -als ~afiun~ freudig aufnahmen und im 8. Jahrhundert weiter zu den -Hindus gelangen ließen, die diese Droge als wertvolle Bereicherung -ihres Arzneischatzes gern entgegennahmen. Durch die Inder, die dann -bald auch die Mohnkultur selbst bei sich einführten, gelangte das -Opium nach Hinterindien und in die malaiische Inselwelt und von da im -Laufe des 10. Jahrhunderts als ~o-pién~ oder ~o-fu-yung~ nach China, -wo es später eine außerordentliche Bedeutung erlangen sollte. Die -frühesten Nachrichten über die Versendung indischen Opiums nach China -verdanken wir dem Portugiesen Odoardo Barbosa, der bald nach Auffinden -des Seeweges nach Ostindien nach Kalikut an der Malabarküste fuhr, um -dort die Produkte Indiens an der Quelle einzuhandeln. Im Jahre 1516 -berichtete er über die Erlebnisse seiner Reise und bemerkt, daß er -außer kleinasiatischem zweierlei Arten indischen Opiums auf dem Markte -von Kalikut vorfand. In demselben Jahre 1516 nennt der portugiesische -Apotheker Pires Opium aus Cambaia und solches aus Cous, der heutigen -Landschaft Kus Bahar im nordöstlichen Bengalen. - -Die Sitte, Opium zu rauchen, erhielten die Chinesen aus Formosa, und -die Bewohner dieser Insel sollen ihr Opium aus Java bezogen haben. -Schon im 11. Jahrhundert soll in China selbst Mohn zur Gewinnung -von Opium angebaut worden sein, aber er wurde ausschließlich für -medizinische Zwecke verwendet. Im ~Pen-tsao-kung-mu~, einem zwischen -1552 und 1578 verfaßten chinesischen Kräuterbuche, wird die Gewinnung -des Opiums und seine Verwendung, aber nur eine solche als Medikament, -beschrieben. In den Jahren 1589 und 1615 wird das Opium in chinesischen -Arzneitarifen angeführt. Erst gegen das Ende des 17. Jahrhunderts kam -das Opiumrauchen in weiteren Kreisen der Bevölkerung in China auf, -wogegen 1729 von der Regierung aus ein strenges Verbot erlassen wurde. -Trotzdem erlosch diese Unsitte nicht, sondern blühte im geheimen -weiter und wurde bald wieder offenkundig betrieben. Die chinesische -Regierung, welche die unheilvolle, entnervende Wirkung dieser -Leidenschaft sehr wohl erkannte und ihr nach Möglichkeit entgegentrat, -verbot in den Jahren 1799 und 1800 das Opiumrauchen abermals im ganzen -Reiche aufs strengste und untersagte im Jahre 1820 auch die Einfuhr -des Stoffes. Diese Maßregel traf aber in erster Linie die ostindische -Handelskompagnie, die Opium in großen Mengen nach China importierte. -Um nun den für sie äußerst gewinnbringenden Handel nicht zu verlieren, -organisierte sie einen lebhaften Schmuggel dorthin. Die fortgesetzten -Reibereien zwischen China, das den Opium nicht zulassen, und England, -das um jeden Preis sein einträgliches Geschäft fortsetzen wollte, -führten endlich im Jahre 1841 den berüchtigten Opiumkrieg herbei, -durch dessen für England siegreiche Beendigung im Jahre 1842 durch -den Vertrag von Nan-king China zwar nicht offiziell der Einfuhr des -Opiums geöffnet wurde, doch aller von Indien gelieferter Opium in den -chinesischen Vertragshäfen zur Einfuhr zugelassen werden mußte. - -Infolge zunehmender Feindseligkeiten, die der üppiger als je -emporblühende Opiumschmuggel nach China hervorrief, kam es im Jahre -1856 zu weiteren Feindseligkeiten und zu einer Intervention, wonach -China 1860 die Einfuhr von Opium in sein Reich völlig freigeben mußte. -Seither machten die Engländer mit ihrer Opiumausfuhr von Indien nach -China famose Geschäfte, obschon China selbst eine Menge davon erzeugte, -so daß allein die Provinzen Sze-tschwan und Yün-nan die Produktion -Indiens darin übertreffen sollen. Zu den 14 Millionen kg, die im -Lande selbst geerntet werden, liefert Ostindien noch über 5 Millionen -kg, dazu noch Persien und Kleinasien, dessen Produkte als ~kinni~, -d. h. goldener Kot, besonders geschätzt werden, eine unbestimmte -Menge. Das Hauptgebiet der indischen Opiumgewinnung ist Bengalen in -Nordindien am Mittellaufe des Ganges um die Städte Bihar und Benares, -wo über eine Million Bauern sich mit Mohnbau beschäftigen. Schon unter -den muhammedanischen Herrschern Indiens war der Anbau von Mohn zur -Gewinnung von Opium ein Monopol derselben, das diesen viel eintrug. -Durch den Sieg des englischen Generals Clives bei Plassey im Jahre -1757 kamen die Besitzungen des Großmoguls und damit das Opiummonopol -in die Hände der Engländer. Mit dem Jahre 1773 begann dann der -indisch-chinesische Opiumhandel der englisch-ostindischen Kompagnie, -den vorher die Portugiesen von Goa und die Holländer von Java aus -betrieben hatten. Da nun in Indien die Opiumgewinnung heute noch ein -Monopol der englischen Regierung ist, sind im ganzen Gebiete englische -Beamte angestellt, die sämtliche Vorgänge von der Pflanzung des Mohns -bis zur Ablieferung des fertigen Rohprodukts aufs strengste überwachen. -Die indischen Bauern sammeln den Milchsaft in irdenen Gefäßen, um ihn -an die Faktoreien der Regierung abzuliefern, wo er genau geprüft, -durchknetet und zu Kugeln von etwa 15 cm Durchmesser und 1,5 kg Gewicht -geformt wird. Diese werden auf Hürden getrocknet und, von einer dicken -Hülle von Mohnblumenblättern umgeben, in Kisten verpackt. - -Das Opiummonopol soll der Regierung des britischen Indien früher -einen Reinertrag von 160 Millionen Mark jährlich gebracht haben. -Doch hat diese sich unter dem Druck der öffentlichen Meinung dazu -verstehen müssen, ihre Ausfuhr nach China in letzter Zeit immer mehr -einzuschränken. Die chinesische Regierung hat nämlich im Jahre 1906 für -das ganze Reich ein Gesetz erlassen, wonach von 1916 an kein Opium mehr -geraucht oder sonstwie genossen werden darf; nur Männer über 60 Jahren, -von denen man annimmt, daß sie dieser Gewohnheit nicht mehr entsagen -können, dürfen seinem Genusse bis zu ihrem Tode in gewohnter Weise -frönen. - -Hier in China hat nämlich der Opiumgenuß allmählich ganz entsetzliche -Dimensionen angenommen, so daß dieser kaiserliche Erlaß höchst -notwendig war, sollte nicht die ganze Bevölkerung zugrunde gerichtet -werden. So berichtet ~Dr.~ Thwing, Sekretär des Kongresses, der durch -die Initiative des ehemaligen Präsidenten der Vereinigten Staaten, -Theodor Roosevelt, gegen das Laster des Opiumgenusses am 1. Februar -1910 in Shang-hai eröffnet wurde, daß für fünf Provinzen Chinas -genauere statistische Angaben vorliegen, wonach in ihnen auf eine -Bevölkerung von 58 Millionen Einwohner zwischen 20 und 80 Prozent -Opium rauchen und daß das dafür ausgegebene Geld 800 Millionen Mark -jährlich überschreitet. Und der englische Pfarrer Gregg berichtet, daß -in China jährlich eine halbe Million Menschen infolge Opiumvergiftung -zugrunde gehen. In manchen Provinzen dieses gewaltigen Reiches, wie -beispielsweise in Yün-nan, huldigt sozusagen jeder Erwachsene, vom -Mandarinen und Gelehrten bis hinab zum einfachsten Handwerker und Bauer -abends nach getaner Arbeit diesem Genusse. Alle Landleute pflanzen für -ihren Bedarf einen kleinen Acker voll Schlafmohn neben ihrem Hause und -bereiten sich den Opium selbst. Sie formen davon Kügelchen, die sie -in einen Pfeifenkopf mit winziger Höhlung bringen, dann in liegender -Stellung mit Hilfe einer glühenden Kohle zur Verdampfung bringen und -den Dampf rasch einatmen. So werden die Opiumdämpfe durch die Lungen -ins Blut gebracht. - -Dem energischen Vorgehen der chinesischen Regierung gegen dieses -volkszerrüttende Laster des Opiumrauchens, dem dank dem durch den -Opiumkrieg von 1841 China auferlegten Zwang heute noch über 120 -Millionen frönen, steht die 1842 festgelegte Klausel des Vertrages -von Nang-king mit England entgegen, wonach die ganze von Indien -gelieferte Opiumproduktion in den chinesischen Häfen zugelassen werden -muß. Nun haben die chinesischen Staatsmänner sich sowohl mit der -englisch-indischen Behörde in Kalkutta, als auch mit der englischen -Kolonie in Hong-kong, die zumeist das von Indien nach China gelieferte -Opium unter die Bewohner des Landes bringt, in Verbindung gesetzt, um -eine starke Verminderung der noch immer jährlich gelieferten 46000 -Kisten mit diesem Gift gegen Konzessionen auf anderen Gebieten zu -erzielen. Hoffentlich gelingt es den chinesischen Staatsmännern bald, -den der Engländer unwürdigen Vertrag ganz aufzuheben und damit zu einem -schon längst von ihnen erstrebten absoluten Einfuhrverbot zu gelangen. - -In neuester Zeit hat die chinesische Regierung in jeder Stadt eine -bedeutende Zahl von Opiumkneipen geschlossen, in größeren 1000 bis 7000 -solcher. Man hat berechnet, daß auf diese Weise im ganzen Reich gegen 2 -Millionen Häusern das Recht des Opiumvertriebes genommen wurde. Ferner -ist der Anbau des Mohns in sämtlichen Provinzen Chinas verboten worden. -Dies hat für viel kleine Landbesitzer, für die die Opiumkultur die -Haupteinnahme bildete, eine schwere Krise herbeigeführt und zahllose -Existenzen sind dadurch ruiniert worden. Doch sollen die ausgedehnten, -bisher zur Mohnproduktion benutzten Ländereien für den Getreidebau -verwendet und damit der angerichtete ökonomische Schaden wieder gut -gemacht werden. Endlich ist allen Persönlichkeiten, die irgend welche -öffentliche Stellung bekleiden, der Opiumgenuß absolut verboten worden. -Dieser Befehl betrifft in jeder Provinz mehr als tausend Funktionäre, -die mit ihrer Enthaltsamkeit vorbildlich auf den Rest der Bevölkerung -wirken sollen. - -Alle diese von jedem rechtlich denkenden Menschen nur zu billigenden -Maßnahmen werden von der Regierung mit der größten Strenge -durchgeführt, vor allem in der Provinz Pe-tschi-li, in der die -Hauptstadt Pe-king liegt. Die erzielten Resultate reden schon heute -eine deutliche Sprache; und ist erst einmal der Einfuhr indischen -Opiums der Riegel geschoben, so dürften die Tage des Opiummißbrauchs im -Reiche der Mitte bald gezählt sein. - -Bei den ganz unleugbaren schädlichen Wirkungen des gewohnheitsmäßigen -Opiumgenusses auf den menschlichen Organismus wirkt es geradezu -lächerlich, wenn jüngst eine von der englischen Regierung in Belang -in Bengalen eingesetzte, aus englischen, von der Regierung selbst -besoldeten Ärzten bestehende Kommission durch eingehende Studien zu -dem Resultat gekommen sein will, daß dieser gewohnheitsmäßige Genuß -vielmehr nur gute, die Leistungsfähigkeit der Betreffenden effektiv -erhöhende Wirkungen ausübe. Was macht nicht alles dieses christlich -sich gebärdende Krämervolk, das ja sonst unbestreitbar große Verdienste -um die Kolonisation ausgedehnter Länder der Erde sich erworben hat, um -ein gutes Geschäft zu machen und die außerordentlich hohen Gehälter -seiner höheren Beamten in Indien bezahlen zu können! Wenn es nur recht -verdienen kann, ist es skrupellos bis zum Exzeß. Auf denselben Dampfern -bringt es die Missionare und ganze Schiffsladungen von in England -hergestellten Götzenbildern nach Indien, und zwingt andererseits -Hunderttausende von Eingeborenen in Bengalen das China so verhaßte, -schädliche Opium zu erzeugen. Wenn auch Millionen der gelben Zopfträger -schmählich daran zugrunde gehen, das läßt die fühllosen Krämerseelen -kalt. Wenn nur ein gutes Geschäft für sie dabei abfällt. - -Außer in China wird zurzeit wohl in Persien am meisten Opium geraucht. -Kaum sind es vierzig Jahre her, daß dieses Laster in jenem Lande -Eingang fand, und schon wird es in allen Städten in Menge geraucht, -nicht nur im geheimen in den Häusern, sondern öffentlich auf den -Basaren und Straßen. Ebenso sehr wie die Männer sind die Frauen dem -Opiumgenuß ergeben, dem sie daheim frönen, während ihre kleinen Kinder -neben ihnen liegen oder in ihrer Nähe sitzen und spielen. Oft sind -schon halbwüchsige Jungen an dieses Gift gewöhnt. Nun hat seit Beginn -des Jahres 1910 auch hier die neue Bakhtiari-Regierung den Kampf gegen -das Opium aufgenommen, indem Beamte unter militärischer Eskorte ohne -vorherige Warnung in die Karawansereien, Kaufläden, Kaffeehäuser usw. -eindrangen und die Herausgabe des Opiums erzwangen. Dieses Gift wird -nun in allen Ortschaften in besonderen Zentralniederlagen zu einem -höheren Preise an solche verkauft, die bis jetzt nicht ohne solches -Stimulans sein können und den hohen Preis desselben nicht scheuen. -Nach einigen Monaten soll der Preis dafür noch mehr erhöht werden, -bis schließlich die Leute gezwungen sind, es als Genußmittel ganz -aufzugeben. Allerdings umgehen viele Perser das Rauchverbot einfach -dadurch, daß sie das Opium essen, da es so in kleineren Dosen dieselbe -Wirkung wie das Opiumrauchen in größeren Dosen ausübt. - -Aber auch wir Europäer haben unsere, immer weitere Kreise der -Gebildeten erfassende Opiumseuche. Statt dieses Gift zu rauchen, -wie die Chinesen, treiben es die diesem Laster frönenden Europäer -noch viel raffinierter, indem sie sich seit der Einführung der -sogenannten Pravazspritze in die Medizin in den 1870er Jahren das -wirksamste Alkaloid dieser Droge, das nach dem griechischen Schlafgotte -Morpheus genannte Morphin, in wässeriger Lösung unter die Haut -spritzen, von wo es rasch in den Kreislauf gelangt und seine den -Betreffenden bald unentbehrliche Giftwirkung ausübt. Dieses Morphin -war die erste Pflanzenbase, wissenschaftlich Alkaloid genannt, die -vom deutschen Apotheker Sertürner in Hameln (Hannover) 1805 aus dem -Opium gewonnen wurde. Zur fabrikmäßigen Morphingewinnung wird bei uns -hauptsächlich das über Smyrna verschiffte kleinasiatische Produkt -als das morphinreichste und daneben, als ihm sehr nahe kommend, das -in Makedonien, wo ebenfalls ausgedehnte Mohnkulturen angelegt sind, -gewonnene Opium verarbeitet. - -So unschätzbare Dienste dieses in wässeriger Lösung eingespritzte -Morphin in der Hand des gewissenhaften Arztes der leidenden Menschheit -leistet, so schlimm wird sein gewohnheitsmäßiger Gebrauch bei den -an den Genuß dieses Betäubungsmittel Gewöhnten. Mit allen anderen -gewohnheitsmäßig genossenen Giften wie Alkohol, Nikotin, Haschisch, -Kokain usw. teilt es die verhängnisvolle Eigenschaft, daß der -betreffende Organismus sich mit der Zeit daran gewöhnt, weshalb die -Dosis zur Erreichung der gewollten Wirkung immer mehr gesteigert werden -muß. Dadurch wird der Organismus des Morphin- wie des Opiumsüchtigen -immer mehr vergiftet und die Gesundheit vollständig untergraben. Durch -dieses Narkotikum wird man scheinbar der irdischen Schwere enthoben, -man glaubt zu schweben. Während die Glieder wie gelähmt erscheinen, -wird die Denktätigkeit subjektiv erleichtert und angeregt. Traumartig -ziehen die wunderbarsten Bilder vor der Seele vorbei; besonders stellen -sich buntwechselnde Architekturvisionen ein, bis man schließlich mit -schwerem Kopf in elender Verfassung aus der Exstase aufwacht. Dieses -Gefühl des Katzenjammers wird am raschesten durch die Einverleibung -einer neuen Dose beseitigt. So gelangt man unwillkürlich in einen -unmäßigen Gebrauch des Giftes, das schließlich den Charakter verdirbt -und die Gesundheit vollkommen untergräbt. Die Folgen des Lasters -sind völlige Zerrüttung der Verdauung und dadurch bedingte starke -Abmagerung, Gliederzittern, Schlaflosigkeit und schließlich Verblödung -des Geistes. - -Ein Abgehen vom Opium- beziehungsweise Morphingebrauch ist ganz -außerordentlich schwierig und nur vermittelst Anstaltsbehandlung mit -Erfolg durchzuführen, da bei den an das Gift Gewöhnten jegliche Energie -gelähmt ist und die besten Vorsätze, dasselbe zu lassen, vollständig -in die Brüche gehen. Zudem muß bei der Entwöhnung von diesem Gifte -vor allem eine absolute Enthaltung von allen geistigen Getränken, die -ebenfalls den Willen zur Durchführung der Morphinabstinenz lähmen, -durchgeführt werden, sonst ist eine Heilung von diesem Laster auch -bei der Anstaltsbehandlung nicht möglich, da die Betreffenden zu -Hause sofort wieder rückfällig werden. Besonders ausgedehnt ist der -Morphinismus in den Kreisen der Ärzte und Apotheker, denen das Mittel -jederzeit zu Gebote steht und die deshalb leicht der Verführung zu -dessen Gebrauch, der stets in Kürze einen Mißbrauch nach sich zieht, -erliegen. Daneben sind es vor allem die Kreise der Intellektuellen in -den großen Städten, die der Versuchung unterliegen und vielfach diesem -für sie bald unentbehrlichen Laster frönen. Weist doch die Stadt Paris -allein über 50000 Morphinisten auf. Da auch bei diesen die beruhigende, -anregende und beglückende Wirkung des gewohnheitsmäßig unter die Haut -eingespritzten Giftes nur anhält, wenn die Menge regelmäßig um etwas -gesteigert wird, so gelangen diese Unglücklichen zu enormen Tagesdosen, -die nicht daran Gewöhnten sicheren Tod bringen würden. Infolge ihres -Lasters verlieren die Morphinisten alle ihre ethischen Gefühle bald -vollständig, betrügen, lügen und stehlen, vorerst bloß, um sich das -unentbehrliche, so heiß ersehnte Gift zu verschaffen, dann aber auch -sonst aus dabei erworbener Perversität. - -Außer dem Morphinismus zieht aber auch das ostasiatische Laster des -Opiumrauchens mehr und mehr bei den Europäern ein. Überall, wohin -die Chinesen aus ihrer übervölkerten Heimat auswanderten, brachten -sie die Unsitte des Opiumrauchens mit, die heute nicht bloß in -allen malaiischen Hafenplätzen, sondern auch in Kalifornien häufig -angetroffen wird. Aus dem Westen der Union hat sie sich bald über -die größeren Städte, besonders die Hafenstädte, verbreitet. Schon im -Jahre 1889 zählte Neuyork 10000 Opiumraucher. Von dort drang das -Opiumrauchen nach England und die englischen Kolonien vor, wo ihm -besonders in den Hafenstädten gefrönt wird. Denn überall sind es in -erster Linie die Matrosen, die sich auf ihren Reisen nach dem Osten -diese Unsitte in den von Chinesen bevölkerten Städten angewöhnen -und zu Hause nicht davon lassen können. In Frankreich gehören dazu -vielfach auch Soldaten, die in Tonking dienten. So sind nicht bloß -die Hafenstädte, besonders Marseille und Toulon, seit über 25 Jahren -in zunehmendem Maße vom Laster des Opiumrauchens verseucht, sondern -auch die größeren Städte wie Bordeaux, Lyon und vornehmlich Paris. In -Marseille allein soll nach zuverlässiger Quelle täglich für über 1000 -Franken Opium von Weißen geraucht werden. Auf diese von den Chinesen -übernommene Unsitte hat der englische Romanschriftsteller Charles -Dickens zuerst durch einen seiner Romane die Augen der Welt gelenkt. - -Neben dem Opiumrauchen ist in ganz Asien und auch in England das -Laster des Opiumessens, der sog. Opiophagie, sehr verbreitet, wobei -man gewöhnlich die in den Apotheken vorrätig gehaltene Opiumtinktur -genießt. Auch von ihr müssen schließlich horrende Mengen eingenommen -werden, um die gewünschte Wirkung zu erzielen. Während die einfache -Dosis der Opiumtinktur für medizinische Zwecke 15 bis höchstens 20 -Tropfen beträgt, gelangt ein Opiumesser mit der Zeit bis zu 8000 -Tropfen täglich, was jeden nicht daran Gewöhnten natürlich sofort -umbringen würde. So weit brachte es auch der begabte französische -Schriftsteller Thomas de Quincey, der 1821 seine Memoiren als -„Bekenntnisse eines Opiumessers“ herausgab. Höchst merkwürdig ist es, -daß von solchen Opiophagen sehr starke Dosen des äußerst giftigen -Sublimats nicht bloß ertragen, sondern auch dem Opium absichtlich -zugesetzt werden, wenn dessen Wirkung zu versagen beginnt. - -Während die Alte Welt Haschisch und Opium als Mittel einer künstlichen -Ekstase benutzte, wandte man in Südamerika schon lange vor der -Entdeckung durch die Spanier zu solchem Zwecke die Blätter einer der -Leinpflanze sehr nahe verwandten Rotholzart, des +Koka+strauches -(~Erythroxylon coca~), an. Schon ums Jahr 1499 erfuhren die Spanier, -daß die Indianer des Andengebiets, speziell in Peru, die Blätter dieser -Pflanze, teils ohne Zusatz, teils mit dem aus gebrannten Muschelschalen -gewonnenen Kalk oder der Asche des als wichtige Nährfrucht -angepflanzten ~Chenopodium quinoa~ kauten und dadurch in bezug auf ihr -Nervensystem angeregt und befähigt wurden, außerordentliche Strapazen -bei den beschwerlichen Gängen über das Gebirge zu ertragen. Daß diese -Sitte schon recht alt gewesen sein muß, erwiesen die Funde auf dem -Gräberfelde von Ancon und anderer Orte in Peru, wo man sehr häufig -den in Hockstellung in Säcke eingebundenen Mumien der alten Inkas als -Totenbeigabe mitgegebene kleine Umhängetaschen mit Kokablättern findet. -Auch berichten die spanischen Geschichtschreiber zur Zeit der Eroberung -Perus durch Francisco Pizarro 1532-1533, daß die Inkas bei ihren -heiligen Götterfesten sich damit berauschten und auch die Menschen, die -sie dabei opferten, teilweise damit betäubten. - -Der 1,5 +m+ hoch werdende Kokastrauch wächst wild in hochgelegenen, -milden, feuchten Bergwäldern in Peru, Ekuador und besonders Bolivia, -wo auch heute die größten Kokagärten, ~cocales~, sich finden. Sie -erstrecken sich vorzugsweise an den östlichen Abhängen der Anden -in einer Höhe von 1000-2000 m über dem Meer, und reichen heute vom -nördlichen Chile über Bolivien bis zur Sierra nevada da Santa Martha in -Kolumbien und geben einen jährlichen Ertrag von über 30 Millionen kg, -was bei dem geringen Gewichte der getrockneten Blätter eine ungeheure -Menge bedeutet. Die Blätter des Kokastrauches sind wechselständig, -5-8 cm lang, 3-4 cm breit, lanzettlich bis eiförmig, ganzrandig, -kahl, lederartig, oberseits olivengrün, unterseits gelblich graugrün. -Sie besitzen zuerst zarte grünliche, später hornartig und braun -werdende Nebenblätter und einen besonders an der Unterseite stark -hervortretenden Mittelnerv, zu dessen Seiten zwei zarte Längslinien -als Druckmarken der bei der Knospenanlage umgeschlagenen Blattränder -verlaufen. Sie riechen und schmecken wie Tee, besitzen aber einen -bittern Nachgeschmack. Am höchsten wird die bolivianische Ware -geschätzt, dann kommt die peruanische und an dritter Stelle erst -diejenige von Ekuador. - -Bei der großen Bedeutung, die der Kokastrauch neuerdings für die -Medizin erlangt hat, wird er, um so mehr, als er sehr leicht auch in -andern Gegenden wächst, in zunehmendem Maße in den verschiedensten -Gebieten der Tropen, besonders in einigen Teilen des englischen -Kolonialreiches in Indien und auf Ceylon, außerdem auch auf Java -kultiviert. Seine Fortpflanzung geschieht am besten durch Samen, die -kurz vor der Regenzeit, dem besten Zeitpunkt für die Aussaat, geerntet -werden. Die Samen werden auf ein humusreiches, gut durchgearbeitetes -Beet gesät, das reichlich bewässert und durch ein Schutzdach aus Matten -vor den grellen Sonnenstrahlen beschützt wird. Wenn die Sämlinge 15 cm -hoch sind, wird letzteres entfernt. Bei Eintritt der nächsten -Regenzeit werden die dann etwa 30-50 cm hohen Pflänzchen auf fetten, -etwas trockenen Boden, der häufig durch Hacken gelockert und von -Unkraut gereinigt werden muß, in Reihen verpflanzt und Mais dazwischen -gesät, um ihnen den nötigen Schatten zu spenden und den Boden feucht zu -erhalten. 1½ Jahre nach dem Verpflanzen können zum erstenmal Blätter, -die nur etwa zu zwei Dritteln entfernt werden dürfen, geerntet werden. -Und zwar pflückt man nur reife Blätter, die man an ihrem Stich ins -Gelbliche erkennt. Sie müssen bei trockenem Wetter gesammelt werden, -da sie sehr dem Verderben durch Feuchtigkeit ausgesetzt sind. Kommen -sie in den Regen, so ist die ganze Ernte verdorben. Alle 2-3 Monate -wiederholen sich die Ernten bis zum 40. Jahre. Die geernteten Blätter -werden auf einer wärmeaufsaugenden schwarzen Unterlage aus Wolltuch -oder Schiefer, die zuvor gehörig von der Sonne durchwärmt wurde, -getrocknet und dann in Säcke aus Wolltuch zu Ballen von etwa 25 kg -Inhalt fest zusammengestopft, um das Eindringen von Feuchtigkeit zu -verhindern. Da die Blätter durch chemische Umsetzungen beim Transport -bis zu 50 Prozent ihres Gehaltes an Kokain verlieren, so müssen sie -möglichst schnell verschickt und verarbeitet werden. Die Indianer -halten die Kokablätter schon nach 5 Monaten für unschmackhaft und nach -7 Monaten für völlig wertlos. Deshalb wird ein großer Teil der Blätter -gleich an Ort und Stelle auf Kokain, das höchstens bis zu 1 Prozent in -ihnen enthalten ist, verarbeitet. 1 kg Blätter liefern dabei 2 g Kokain. - -Die europäischen Ärzte wurden auf dieses das Nervensystem hochgradig -anregende Genußmittel, das über 8 Millionen Eingeborener Südamerikas -regelmäßig genießen, wobei der durchschnittliche Tagesbedarf -an Blättern 60-80 g beträgt, erst aufmerksam gemacht, als die -österreichische Weltumseglung der „Navarra“ ansehnliche Mengen -dieser Blätter zur Prüfung der darin enthaltenen Stoffe nach Europa -brachte. Das darin schon 1855 von Gädicke nachgewiesene, von ihm -Erythroxylin und erst 1860 von Nieman Kokain bezeichnete Alkaloid -wurde erst 1884 durch Freund und Koller als unempfindlich machendes -Mittel in den Arzneischatz eingeführt. Seither datiert auch der -Beginn des Mißbrauchs dieses als Arznei unschätzbaren Mittels. Wie -es äußerlich, in wässeriger Lösung auf die Schleimhäute gebracht, -dieselben sehr bald völlig unempfindlich macht und ein Abblassen -derselben durch Zusammenziehung der Blutgefäße bewirkt, regt es -innerlich schon in kleinen Mengen die seelischen und motorischen -Zentren der Großhirnrinde an und beschleunigt die Herztätigkeit. -Als Mittel zur geistigen und körperlichen Anregung, zur Erzeugung -einer künstlichen Ekstase, wozu es von den Europäern wie das Morphin -mit der Pravazspritze unter die Haut gebracht wird, um rasch in die -Blutzirkulation aufgenommen zu werden, erzeugt es wie die andern, -vorhin besprochenen Berauschungsmittel in kurzer Zeit die Sucht nach -dem täglichen Gebrauch und zunehmender Steigerung der Dosen. Also -ist es völlig ungeeignet etwa als Ersatz des Morphins, wie man es -anfangs anwenden zu können glaubte. Zudem treten die schlimmen Folgen -noch rascher als bei jenem ein. Die Persönlichkeit des chronischen -Kokainisten wird vollständig vernichtet. Er ist zu keiner anhaltenden -Arbeit mehr fähig, wird mehr und mehr gedankenschwach und vergeßlich, -seine moralischen Gefühle schwinden, Wahnideen stellen sich ein, es -tritt Schlaflosigkeit, Abmagerung und zunehmender Verfall des Körpers -auf, bis schließlich der Tod an Entkräftung erfolgt. Häufig sind -dabei Kokainpsychosen mit dem Gefühle, als ob es unter der Haut von -Ungeziefer wimmle, in Verbindung mit erschreckenden Bildern. Da in -den letzten Jahren ein zunehmender Mißbrauch mit diesem für Augen-, -Nasen- und Kehlkopfheilkunde, wie auch für die in der chirurgischen -Praxis äußerst wichtige Infiltrationsanästhesie der Haut bisher -unentbehrlichen Alkaloid stattfindet, ist davor von ärztlicher Seite -sehr zu warnen. Ebenso vor dem Einnehmen von Äther und Chloroform, die -an Stelle des keinen genügenden Reiz mehr auf sie ausübenden Alkohols -von manchen Lebemenschen männlichen und weiblichen Geschlechts in den -großen Städten eingenommen werden. - - - - -XVII. - -Der Tabak. - - -Der Tabak als Genußmittel ist bekanntlich amerikanischen Ursprungs. -Die Indianer haben diese narkotische Pflanze schon lange vor der -Entdeckung Amerikas beinahe in ihrem ganzen Kontinent angebaut, um -die getrockneten Blätter derselben auf die verschiedenste Weise als -Genußmittel zu gebrauchen. Auf den westindischen Inseln, auf denen -Kolumbus zuerst landete, wurden sie fest zusammengerollt in ein dürres -Maisblatt gewickelt und am einen Ende angezündet wie Zigarren geraucht. -Diese Rauchrolle nannten die Indianer auf Befragen der Spanier -~tabaco~, woher sich der Name Tabak ableitet, der aber später auf das -Kraut selbst übertragen wurde. - -Die Indianer behaupteten, dieses narkotische Kraut vom großen Geist -selbst erhalten zu haben und hielten es für heilig; deshalb kreiste -bei ihren Zusammenkünften die Friedenspfeife als ein Symbol des -Gottesfriedens, der dann unter ihnen herrschen sollte. Ursprünglich -werden die dürren Blätter der Tabakstaude mit anderen getrockneten -Kräutern zum Regenzauber gebraucht worden sein, indem man mit den in -die Luft geblasenen Rauchwolken befruchtendes Naß für die vor Dürre -schmachtende Vegetation, vor allem die nahrungspendenden Anpflanzungen -des Menschen aus den dadurch vermeintlich gebildeten Regenwolken -zaubern wollte, wie es heute noch die Primitiven in den verschiedensten -Ländern tun. - -Zu solchem Regenzauber und zu ähnlichen Manipulationen haben auch -die Völker der Alten Welt in vorgeschichtlicher und geschichtlicher -Zeit die verschiedensten einheimischen Kräuter aus regelrechten, -teilweise aus Metall, und zwar meist Bronze, gegossenen und uns in -solchem dauerhaften Material erhalten gebliebenen Pfeifen geraucht. -Dabei entdeckte man sehr bald, daß der Rauch gewisser Pflanzen eine -narkotische Wirkung auf den Menschen ausübe. So betäubten sich bereits -die alten Babylonier durch Verbrennen von dürrem Hanf in Becken und -Einsaugen des dabei entstehenden Dampfes durch hohles Schilfrohr. -Von verschiedenen Barbarenstämmen Europas wird berichtet, daß sie -getrockneten Huflattich rauchten oder durch Rohrpfeifen den Rauch des -Cypergrases (einer ~kýpeiros~ genannten Binsenart) einsogen. Das sollte -ihnen nach Apollodoros (um 140 v. Chr.) Kraft und Widerstandsfähigkeit -verleihen. Ebenso ließen sich die Priester der alten Gallier und -Germanen durch das Einatmen von Dampf von verbranntem Hanf zum Zwecke -der Weissagung in Ekstase bringen, wie die Pythia in Delphi durch -das Kauen von Lorbeerblättern und das Einatmen betäubender, aus der -Erde hervordringender Dämpfe, über die der Dreifuß, auf dem sie saß, -gestellt war, gleichfalls in einem Zustande von narkotischer Verzückung -den Willen der Gottheit zu ergründen suchte. - -Während die Völker der Alten Welt durch das Einatmen solchen Rauches -die narkotische Wirkung mancher Kräuter entdeckten, kamen diejenigen -der Neuen Welt auf die Entdeckung des Tabakes als Betäubungsmittel. In -welcher Gegend Amerikas dies geschah, läßt sich nicht mehr bestimmen; -doch scheint der Süden Nordamerikas und Mittelamerika der älteste Herd -des Tabakgenusses gewesen zu sein. Von da verbreitete sich derselbe -nach Süden und Norden, so daß diese der Alten Welt fehlende narkotische -Pflanze lange vor der Ankunft der Europäer von Chile bis Kanada von den -Indianern angebaut wurde, um als Zauber- und Genußmittel zu dienen. -Einzig im Gebiet des La Platastromes, in Uruguay und Paraguay wurde -der Tabak in keinerlei Weise gebraucht. Sonst bedienten sich seiner -alle amerikanischen Völker in irgend welcher Form, und zwar meist nur -die Männer, denen dieses Genußmittel auf ihren ausgedehnten Kriegs- -und Jagdzügen erlaubte, Hunger und Durst längere Zeit als ohne ihn zu -ertragen. Bei den zivilisierteren Stämmen, wie den Azteken Mexikos, -diente er als verfeinertes Reizmittel, dem sich die Männer nach -getaner Arbeit gerne hingaben. Alle feierlichen gottesdienstlichen -oder politischen Handlungen gingen bei diesen Völkern stets nur unter -dem Genusse von Tabak vor sich. Bei den nordamerikanischen Indianern -(von denen wir die beste Kunde haben), waren die Rauchgeräte heilige -Geräte, wie das Rauchen selbst eine Kulthandlung war, die bei keiner -religiösen Zeremonie fehlen durfte. An die symbolische, aus den -Indianergeschichten genugsam bekannte Friedenspfeife wurde bereits -erinnert. Und solche heilige Tabakspfeifen oder Calumets haben schon -die längst ausgestorbenen Vorläufer der nordamerikanischen Indianer -besessen, die Erbauer der gewaltigen Erdwälle und Grabhügel vielfach -in Tierform, die in den Tälern des Mississippi und seiner östlichen -Nebenflüsse, besonders des Ohio, dann aber auch in den Golfstaaten -in besonders dichter Menge gefunden werden und nach denen man sie in -der Wissenschaft mit einem englischen Worte als die Moundbuilders -bezeichnet. Sie müssen kulturell ziemlich hoch gestanden haben, da sie -mit vereinten Kräften vermittelst der höchst primitiven ihnen zu Gebote -stehenden Werkzeuge solche teilweise enorme Erdanhäufungen durchführen -konnten, deren Tierform mit Sicherheit beweist, daß sie dem heute noch -in jenem Kontinente so hoch ausgebildeten Totemismus huldigten. In -einem solchen Mound im Ohiotale hat man neben kalt geschmiedeten, d. -h. durch Hämmern mit Steinen gewonnenen Werkzeugen und Schmucksachen -aus Kupfer nicht weniger als 200 Tabakspfeifen gefunden, weshalb er -heute die Bezeichnung ~pipe-mound~ führt. Die in ihm, wie auch in -anderen solchen Grab- und Kulthügeln gefundenen Pfeifen sind alle, wie -auch derjenigen der späteren nordamerikanischen Indianer, aus einem -bestimmten, nur an einer einzigen Stelle im Staate Minnesota gefundenen -roten Pfeifenstein geschnitzt. Dieser wird nach dem amerikanischen -Maler und Ethnographen George Catlin (1796-1874), dem die Siouxindianer -als erstem Weißen nach Überwindung großer Schwierigkeiten den -Besuch des betreffenden Steinbruchs im Jahre 1832 erlaubten, in der -Wissenschaft als Catlinit bezeichnet. Dieser Stein ist dicht, aber -nicht sehr hart, so daß er sich mit dem Feuersteinmesser schneiden -läßt, und besteht hauptsächlich aus Kieselsäure und Tonerde mit einer -Beimischung von Eisen, das ihm die schöne rote Farbe verleiht. Beim -Polieren erhält er einen matten Glanz und erscheint dann blutrot. -Diese eine Fundstelle des Pfeifensteins war ein geheiligter, neutraler -Ort, wo sich die Indianer das nötige Material zur Herstellung ihrer -Tabakspfeifen entweder selbst holten oder von befreundeten Stämmen -eintauschten. Hier soll einst in grauer Vorzeit der „Große Geist“ die -verschiedenen indianischen Völkerschaften versammelt und sie in der -Anfertigung der Friedenspfeife unterwiesen haben, welchen Vorgang -der amerikanische Dichter Longfellow in seinem „Sang von Hiawatha“ -beschrieb und dadurch in weiteren Kreisen bekannt machte. Erst zu -Beginn des 19. Jahrhunderts haben sich die Sioux oder Dakotas die -Herrschaft über den heiligen Steinbruch angemaßt, den sie noch heute -behaupten. - -Wie die Moundbuilders und späteren nordamerikanischen Indianer haben -auch manche mittelamerikanischen Völker den Tabak aus solchen aus -weichem Stein geschnitzten Pfeifen geraucht, so unter den Mayastämmen -die Tarasken auf der mexikanischen Halbinsel von Yucatan, in deren -Skulpturen an den Tempeln wir diesem heiligen Gerät ebenfalls -begegnen. Sonst wurde bei den Mayas der Tabak in die feinen Hüllen -der Maiskolben eingewickelt unter der Bezeichnung ~zicar~, woraus -dann unsere Bezeichnung Zigarre entstand, geraucht, daneben auch zur -Erzielung von Rauschzuständen, in welchen man mit den Abgeschiedenen in -Verbindung treten zu können glaubte, gekaut und der mit dem betäubenden -Saft versetzte Speichel hinuntergeschluckt. Die südamerikanischen -Indianer dagegen kannten die Pfeife nicht, rauchten auch kaum -„Zigarren“, bildeten dafür aber das Schnupfen zu wahrer Virtuosität -aus. Sie benutzten dazu vielfach überhaupt keinen Tabak, sondern ein -wohlriechendes Pulver von unbekannter Zusammensetzung, das sie sich -gegenseitig durch hohle Röhrenknochen von Vögeln einbliesen. Auch die -Karaibenstämme der großen Antillen, deren Bezeichnungen für Mais, -Tabakrolle und Hängematte (~mahiz~, ~tabaco~ und ~hamaca~, aus welch -letzterem Wort das englische ~hammock~ und das deutsche „Hangmatte“ -hervorging) mit den betreffenden Gegenständen in den Sprachschatz der -europäischen Völker übergingen, schnupften die zu Pulver zerriebenen -Tabakblätter; rauchten sie aber außerdem in Maiskolbenhüllen -eingewickelt. In solcher Weise rauchend traf der Genuese Christoforo -Colombi, besser unter dem Namen Kolumbus bekannt, die ersten -westindischen Indianer auf der Insel Guanahani (heute Watling-Island), -als er am 12. Oktober 1492 mit seinen drei mit spanischen Matrosen -bemannten Caravellen in Indien, wie er zeitlebens glaubte, landete. -Er starb ja bekanntlich ohne die geringste Ahnung davon zu haben, -eine neue Welt entdeckt zu haben. Und wie ihm und seinen Begleitern -das gefundene Land das ersehnte Gewürzland Indien war, so waren deren -Bewohner für sie Indiani, d. h. Indier, woraus die Bezeichnung Indianer -hervorging. Diese Indianer aus dem Volke der Aruak, die dort noch -nicht von den Karaiben verdrängt worden waren, rauchten sämtlich in -die dürren, feinen Hüllen von Maiskolben eingewickelte getrocknete -Tabaksblätter und nannten diese Rauchrollen ~tabaco~, eine Bezeichnung, -die, wie gesagt, erst nachträglich auf das Rauchkraut selbst überging. - -Nach der zweiten Expedition, die Kolumbus nach „Indien“ unternahm, -blieb der ihn begleitende Mönch Romano Pane auf Haiti zurück, und von -ihm stammt aus dem Jahre 1496 die erste Beschreibung der Tabakpflanze -und die Schilderung der Rauchsitten der Indianer. Er erzählt, daß die -Indianer die getrockneten Blätter jenes Krautes aufgerollt in den Mund -nahmen, an der Spitze anzündeten und den eingezogenen Rauch aus dem -Munde bliesen, „um damit die lästigen Moskitos zu vertreiben,“ wie -er meinte. Außerdem erfuhr er, daß das Kraut auch als Arznei gegen -mancherlei Leiden verwendet werde. Gleich ihm schrieb der Missionar -Petrus Martyr in einer im Jahre 1532 erschienenen Schrift der Pflanze -auch Heilkräfte zu. - -Die Spanier befreundeten sich bald mit der den Indianern abgelauschten -Sitte des Rauchens und begannen zuerst auf der Insel San Domingo Tabak -zu bauen. Bald folgten die Portugiesen in Brasilien und die Engländer -in Virginien ihrem Beispiel. Gonzalo Hernandes de Ovieda y Valdes, -der Statthalter von San Domingo, gab die erste genaue Beschreibung -der Pflanze; die ersten Samen der Pflanze aber brachte der Spanier -Hernandez Boncalo aus Toledo, der von König Philipp II. mit einer -Studie über die Pflanzenwelt Amerikas beauftragt war, mit in sein -Vaterland, wo, wie Nikolaus Monardes, ein berühmter spanischer Arzt -und Botaniker in seinem 1571 zu Sevilla gedruckten Buche über „Indien“ -schreibt, die Tabakpflanze wohl ihrer schönen roten Blüten, nicht aber -ihrer betäubenden Eigenschaften wegen in einigen Gärten angepflanzt -wurde. So ward sie halb als Wunderkraut, halb als Arzneipflanze zuerst -in Spanien in Gärten gezogen. An das Rauchen ihrer getrockneten Blätter -dachte zunächst noch niemand. - -Im Jahre 1560 brachte der französische Gesandte am königlichen Hofe in -Lissabon, Jean Nicot de Viblemain aus Lyon, Tabaksamen aus dem Garten -des portugiesischen Königs nach Frankreich mit, wo er ihn in seinem -eigenen Garten aussäte und daraus wiederum frischen Samen gewann. -Gleichzeitig gab er auch welchen an den Hof Franz II. ab, wobei er das -daraus hervorwachsende Kraut als gutes Betäubungsmittel gegen Schmerzen -aller Art rühmte. Ihm zu Ehren hat dann der französische Botaniker -Dalechamps in seiner im Jahre 1586 erschienenen ~Historia plantarum~ -die Pflanze als ~herba Nicotiana~, d. h. Nicotsches Kraut bezeichnet, -und dieser Name hat sich dann in der von Karl von Linné aufgestellten -botanischen Bezeichnung ~Nicotiana tabacum~ bis auf den heutigen Tag -erhalten. - -Die Sitte des Tabakrauchens kam erst ums Jahr 1570 durch spanische -Matrosen aus Westindien nach Spanien und wurde 1586 durch englische -Kolonisten aus Virginien auch nach England eingeführt. Als nämlich -der englische Schiffskapitän Walter Raleigh 1584 die zu Ehren der -jungfräulichen Königin Elisabeth Virginia genannte Kolonie gründete, -fand er das Rauchen, wie den Tabakbau bei den dortigen Eingeborenen -allgemein verbreitet. Während der Regierungszeiten Karls IX., Heinrichs -III. und Heinrichs IV. (1560-1610) kam dann das Tabakrauchen auch in -Frankreich als betäubendes Linderungsmittel besonders bei Zahnschmerzen -auf, und zwar wurde das Kraut damals aus einer Rohrpfeife mit -Metallknopf geraucht, wie sie Nicot aus Portugal mitgebracht hatte. -Erst unter der Regierung Ludwigs XIII. (1610-1643) kam das Rauchen -als Selbstzweck, auch ohne als Linderungsmittel bei Schmerzen zu -dienen, in Aufnahme, obschon viele Ärzte und Gelehrte gegen diese -„abscheuliche“ Unsitte mit allen Mitteln des Spottes zu Felde zogen. -Besonders in England wurde diese neue Mode heftig bekämpft, und König -Jakob I., Sohn der Maria Stuart, der von 1603-1625 regierte, war -selbst ein so heftiger Gegner derselben, daß er eine Schrift unter dem -Titel Misokapnos, d. h. Rauchfeind, dagegen verfaßte und zu beweisen -versuchte, daß das Tabakrauchen ein wahres Höllenwerk sei: „Erstens,“ -sagt er darin, „ist es ein Rauch, und das sind nach dem Worte der -Bibel alle Eitelkeiten der Welt. Zweitens ergötzt es die, welche es -treiben, gleich andern Lüsten, welche den Menschen unfähig machen -ihnen zu entsagen. Drittens macht es trunken und toll im Kopfe; so tun -es auch die Eitelkeiten der Welt. Viertens, wer raucht, der sagt, er -könne es nicht lassen, er sei wie behext; gerade so ist es mit allen -weltlichen Lüsten. Fünftens, das Tabakrauchen ist der Hölle gleich -in seinem Wesen; denn es ist ein stinkendes, ekelhaftes Ding.“ Der -König schließt mit folgender Ermahnung an das englische Volk: „Wenn -endlich, o Bürger, noch Scham in euch ist, so gebt jenen heillosen -Gebrauch auf, der der Schande entsprungen, aus Irrtum aufgenommen, -durch Torheit verbreitet worden ist, durch den Gottes Zorn gereizt, -des Körpers Gesundheit zerstört, das Hauswesen zerrüttet, das Volk im -Vaterlande herabgewürdigt und auswärts verächtlich gemacht wird; einen -Gebrauch, der unangenehm in der Nase, dem Gehirn nachteilig, den Lungen -verderblich und, wenn ich es recht sagen soll, durch die schwarzen -Rauchwolken dem Höllendampfe vollkommen gleicht.“ - -Der Nachfolger Jakobs I., der schließlich vom Parlament hingerichtete -König Karl I. (1625-1649), sah die Tabakfrage nüchterner und -praktischer an; er wollte dieses Laster, wenn es sich nicht -ausrotten ließ, finanziell ausbeuten und machte den Handel damit zum -Staatsmonopol. Er ließ es sich wenig kümmern, ob die Leidenschaft nach -diesem neuen Genußmittel, die nahezu sein ganzes Volk ergriffen hatte, -sündhaft sei oder nicht -- wenn sich nur die Staatskassen, die auch die -seinigen waren, füllten! - -Gleicherweise wurde auch in Frankreich, wo diese neue Sitte von England -aus Fuß zu fassen begann, von der Regierung dagegen agitiert. So -scheute man sich anfänglich öffentlich zu rauchen, deshalb entstanden -in den wichtigsten Städten Frankreichs, vor allem in Paris, besondere, -als ~tabagies~ bezeichnete Lokale für die Freunde des Tabakrauchens. -Ähnlich war es in den Städten Deutschlands, in denen dieser Name -bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts allgemein für öffentliche Lokale -gebraucht wurde. Noch bis zum Jahre 1848 wurde das Rauchen auf offener -Straße in den meisten Ländern Europas verboten. In Frankreich fand -das Rauchen bald solche Verbreitung, daß man sich nicht scheute, -diesem Vergnügen auch in der Öffentlichkeit zu huldigen. Und zwar nahm -merkwürdigerweise der Bürgerstand und die Bauersame vor dem Adel diese -Mode an, so daß es der Staat bald für gut befand, die Einfuhr des -Tabaks ebenfalls zu besteuern, was für ihn eine reiche Einnahmequelle -wurde. Ludwig XIII. (1610-1643) ließ gegen den Willen seines Leibarztes -Tabak unter das Kriegsvolk verteilen, und Ludwig XIV. (1643-1715) -befahl sogar während seines Krieges mit Holland im Jahre 1672, daß -sich jeder Soldat mit Rauchgerätschaften zu versehen habe. Bei den -höheren Ständen Frankreichs konnte sich das Rauchen zunächst nicht -recht einbürgern; dafür kam aber bei ihnen das Schnupfen auf, und der -Besitz einer kunstvoll verzierten Schnupftabaksdose wurde bald zu einem -wichtigen Requisit der Vornehmen, das ihnen allerdings die Bürgerlichen -bald genug nachahmten. - -Die heute nur noch von manchen älteren Leuten geübte Sitte des -Tabakschnupfens verbreitete sich im 18. Jahrhundert durch alle -Volksschichten. Sie wurde zuerst in Frankreich unter Franz II. -(1559-60), und zwar von Spanien her eingeführt, das zu jener Zeit -die erste Schnupftabakfabrik in Europa erhielt, die Frankreich den -„Spaniol“ lieferte. Im Jahre 1636 führten spanische Geistliche -das Tabakschnupfen in Rom ein, was indessen den Papst Urban III. -so erboste, daß er eine Bannbulle gegen diese spanische Unsitte -erließ, die erst 1724 aufgehoben wurde. 1657 gab die Republik -Venedig die Fabrikation und den Verschleiß des Schnupftabaks auf -ihrem Territorialgebiete in Pacht. Das Tabakkauen indessen ist eine -europäische Erfindung, die durch die Matrosen aufkam und heute noch -unter diesen die meisten Anhänger zählt. - -Gegen das Ende des 16. Jahrhunderts war das Rauchen bereits in Spanien, -Portugal, England und Holland durchaus populär. Nach Deutschland kam -die erste Tabakpflanze als Heilkraut 1565 aus Frankreich durch Occo -in Augsburg, und fünf Jahre später, 1570, gelangte sie ebenfalls aus -Frankreich nach Holland. Der holländische Arzt ~Dr.~ William van der -Meer in Delft schrieb ums Jahr 1590, daß er damals in Leiden englische -und französische Studenten zuerst habe rauchen gesehen. Sie rauchten -den Tabak aus irdenen Pfeifen, trotz der Warnung der ärztlichen -Fakultät, daß ihre Gehirne davon schwarz werden würden. Im Anfang des -17. Jahrhunderts begann dann der Gebrauch des Tabaks in den unteren -Ständen des holländischen Volkes allgemein zu werden. Das Kraut wurde -zunächst in großen Mengen aus Westindien eingeführt, bis man im Jahre -1615 es in Holland selbst zu pflanzen begann. So „trank“ bald jedermann -Tabak aus Gipspfeifen; selbst minderjährige Kinder taten es, trotz -immer wiederkehrender Proteste besonders der Theologen und Ärzte, -die zum größten Teil von diesem „teuflischen Kraute“ nichts wissen -wollten. 1617 wurde der erste Tabak in England, 1620 im Elsaß, 1625 in -Lothringen und seit der Mitte des 17. Jahrhunderts auch in Deutschland -gebaut, und zwar zuerst in Baden, wohin er vom Elsaß her über den Rhein -gelangt war. - - Tafel 81. - -[Illustration: Blühende Stauden und ein einzelnes Blatt des auf Sumatra -kultivierten Tabaks (~Nicotiana tabacum~).] - - Tafel 82. - -[Illustration: Das Anlegen einer Tabakpflanzung im Urwalde Sumatras. -Das Astholz ist verbrannt und dient als Dünger, während die Stämme zum -Verfaulen liegenbleiben. Um die Wohnung des Plantagenbesitzers sind als -Schattenbäume verschiedene Zuckerpalmen stehengeblieben.] - -Nächst Holland war es besonders England, das die Sitte des Rauchens -rasch aufnahm. Durch englische Hilfstruppen, welche im Jahre 1620 -nach Böhmen marschierten, wurde sie nach Deutschland gebracht, dessen -Bevölkerung sich ebenfalls verhältnismäßig rasch damit befreundete, -obschon auch hier Staat und Kirche das neue Luxus- und Genußmittel zu -bekämpfen suchten. Doch predigten die Moralisten umsonst gegen den -„holländischen Rauch“. Besonders dehnte sich dessen Gebrauch in der -Pfalz aus, wo 1622 englische und holländische Hilfstruppen sich längere -Zeit aufhielten und das Rauchen populär machten. Seit 1659 wurde zuerst -zu Suhl im Hennebergischen, dann seit 1679 in der Mark Brandenburg und -seit 1697 in der Pfalz und in Hessen Tabak angepflanzt. Im Laufe des -Dreißigjährigen Krieges, der von 1618-1648 dauerte, kam dann durch -den Einfluß der Soldateska und der verwilderten Sitten das Rauchen -in Deutschland allgemeiner auf. Seit jener Zeit half kein Verbot und -keine Strafe mehr gegen die überhandnehmende Unsitte. Dabei wurde der -Tabakbau immer weiter östlich gebracht, und zwar waren es die -Pfälzer, die nach der auf Befehl Ludwigs XIV. durch den französischen -General Graf von Mélac 1689 vorgenommenen Verwüstung ihrer Heimat -auswanderten und dabei den Tabakbau nach Thüringen, Sachsen und -Brandenburg brachten. Die Regierungen erblickten fortan im Tabakbau -eine ergiebige Finanzquelle und belegten den Konsum dieses neuen -Genußmittels mit hohen Steuern. - - Tafel 83. - -[Illustration: Tabakplantage auf Sumatra. Links Malaie mit flachem -Korb zum Einsammeln der Tabakblätter, dahinter Trockenscheuer, rechts -Transport der getrockneten Blätter in die Fermentierscheune.] - - Tafel 84. - -[Illustration: Reifer Tabak und Saatpflanzen desselben auf Sumatra. - -Blick in eine voll Tabakblätter hängende Trockenscheune auf Sumatra.] - -Manche Fürsten haben dann in der Folge diesem narkotischen Kraute -selbst gehuldigt. So führte der sonst so zeremonielle Kurfürst -Friedrich III., seit 1701 König Friedrich I. von Preußen (1688-1713), -Tabaksgesellschaften bei Hofe ein und ließ sogar von einem Künstler -das Bild einer solchen Zusammenkunft malen, bei welcher seine -Gemahlin Sophie Charlotte selbst dem Fürsten die lange holländische -Pfeife anzündet. Mit weniger Prunk, aber mehr Behagen widmete sich -Friedrich Wilhelm I. (1713-1740) seinem bekannten Tabakskollegium, in -welchem beim Bierkrug und bei langen holländischen Tonpfeifen derbe -Wachtstubenwitze und dick aufgetragene Schwänke erzählt und belacht -wurden. Die lustige Person, eine Art Hofnarr, in diesem Tabakskollegium -war jener vom Könige zum Freiherrn und spöttischerweise zum Präsidenten -der Akademie der Wissenschaften erhobene gelehrte Charlatan J. P. -von Gundling, der sich in der Trunkenheit bei Eimbecker Bier und -holländischem Tabak zu vielen derben Späßen mißbrauchen lassen mußte. -Sein Nachfolger Friedrich der Große (1740 bis 1786), der daran als -Kronprinz auch teilnahm, rauchte zwar nicht, schnupfte aber dafür nach -vornehmer französischer Sitte, der er eifrig anhing. - -Wie England und Deutschland nahm auch Dänemark den Tabaksgenuß rasch -auf, während in der Schweiz die Obrigkeit denselben zunächst, wenn -auch umsonst, bekämpfte. Im Jahre 1661 erließ die Stadt Bern strenge -Verordnungen gegen den Gebrauch des Tabaks. Auch in der Türkei hatte -das Tabakrauchen, das 1605 zuerst in Konstantinopel auskam, anfänglich -große Schwierigkeiten zu überwinden, da die Muftis (Rechtsgelehrten) -erklärten, dieser neue Gebrauch widerspreche den Vorschriften des -Korans. Wer beim Tabakrauchen erwischt wurde, dem bohrte man als -abschreckendes Mittel das Pfeifenrohr quer durch die Nase. Doch selbst -diese grausame Strafe fruchtete nichts gegen die überhandnehmende -Rauchsitte, so daß Sultan Murad IV. im Jahre 1630 bestimmte, daß jeder, -der des Tabakrauchens überwiesen werden könne, geköpft werden solle. -Dadurch bewirkte er allerdings, daß die geängstigte Bevölkerung sich -notgedrungen vom Rauchen abwandte, dafür aber dem nicht verbotenen -Schnupfen des Tabaks huldigte. Sobald aber unter seinem Nachfolger -das Rauchverbot nicht mehr so streng gehandhabt wurde, kam auch das -Rauchen wieder auf und hat sich seither dermaßen bei den Osmanen -eingebürgert, daß bald der Türke mit seinem Tschibuk symbolisch auf -den Ladenschildern der Tabakverkäufer im Abendlande sich präsentierte. -Tabakrauchend und kaffeeschlürfend mit übereinandergeschlagenen Beinen -auf seinem Teppich zu sitzen und sich stundenlang dem träumerischen -Zustande des Kef hinzugeben, das ist heute das Paradies der Türken auf -Erden. - -Ähnlich grausam wie in der Türkei ging man in Rußland gegen die neu -aufkommende Sitte des Tabakrauchens vor. Zar Feodorowitsch Romanow -bestimmte im Jahre 1641, daß, wer auch seiner Untertanen beim -Tabakrauchen betroffen werde, ohne weiteres getötet oder ihm wenigstens -die Nase abgeschnitten werden solle. Obschon diese strenge Maßregel -auch oft genug in die Tat umgesetzt wurde, ließ sich das russische Volk -so wenig als das türkische davon abbringen, schließlich doch diese -Unsitte anzunehmen. Erst Feodorowitschs Enkel, Peter der Große, dem -die Engländer 15000 Pfund Sterling (= 300000 Mark) anboten für die -Erlaubnis, den Tabak in Rußland einführen zu dürfen, willigte in diesen -wenig rühmlichen Handel ein, obwohl der Tabakverkauf vom russischen -Patriarchen verboten war und das Rauchen noch immer von der Kirche als -sündhaft und unrein verdammt wurde. Ja, dieser rohe Monarch versprach -den Engländern gegen solch reiche Bezahlung, dem Patriarchen selbst -das Rauchen beizubringen. Ob ihm solches gelang, wird allerdings nicht -berichtet; jedenfalls aber steht die eine Tatsache fest, daß bald -auch das heilige Rußland mit Hilfe der profitgierigen Engländer dem -Rauchteufel erlag, und heute wird in jenem Lande so gut wie in der -Türkei und in der Schweiz von vornehm und gering, selbst von vielen -Frauen dieser indianischen Unsitte gehuldigt. - -Nach Japan brachten die Portugiesen schon im Jahre 1605 den Tabak, -der sich von hier aus ebenso schnell über ganz Ost- und Südasien -verbreitete. Obschon auch hier, so in Japan bereits 1612, von der -Obrigkeit sehr strenge Gesetze dagegen erlassen wurden, fand die -Sitte des Rauchens bald beim Volke Eingang. Ebenso war es unter den -europäischen Kolonisten in Nordamerika der Fall, wo noch im Jahre -1650 ein Rauchverbot, allerdings auch hier umsonst, erlassen wurde. -Aller Warnung zum Trotz fand das giftige Kraut seine Liebhaber, die -sich so an dasselbe gewöhnten, daß sie nicht mehr von ihm lassen -konnten. Auch heute noch fällt es dem daran Gewöhnten leichter, den -Genuß geistiger Getränke zu lassen, als sich das Rauchen abzugewöhnen. -Diese Leidenschaft beherrscht eben den Menschen ganz so wie der -gewohnheitsmäßige Genuß anderer narkotischer Mittel wie Opium, Morphin, -Kokain und dergleichen. - -Es sei hier noch kurz bemerkt, daß bei allen Nationen das Rauchen -zuerst aus Pfeifen erfolgte und größtenteils noch heute so geübt wird. -Auch in Deutschland hat man im 18. Jahrhundert noch ausschließlich -aus Pfeifen geraucht. Nur reiche Leute konnten sich’s leisten, als -etwas Seltenes und Kostbares eine aus Holland, England oder Amerika -eingeführte Zigarre zu rauchen. Als diese Ausnahmen sich mehrten, -kam ein Hamburger, der in Spanien das Zigarrenmachen erlernt hatte, -im Jahre 1788 auf den Gedanken, in Hamburg eine Zigarrenfabrik zu -errichten. Doch hatte er zunächst keinerlei Erfolg. Er mußte seine -Zigarren verschenken, um seine Landsleute auf das Fabrikat aufmerksam -zu machen und ihnen die Überzeugung beizubringen, daß auch in -Deutschland hergestellte Zigarren gut schmeckten. Als trotz seiner -Bemühungen das fremdländische Fabrikat den Vorzug behielt, nahm er -seine Zuflucht zu einem Betrug, indem er seine Zigarren nach Kuxhaven -sandte, dort auf Schiffe verladen ließ, die aus Amerika kamen, und sie -dann als echte amerikanische in Hamburg in Empfang nahm. Als diese nun -zu billigen Preisen verkauft wurden, befreundete man sich mit ihnen und -rauchte später, als die Sache an den Tag kam, auch das einheimische -Fabrikat. So wurde nach und nach das Zigarrenrauchen in Deutschland -eingeführt. - -Die +echte+ oder +gemeine Tabakstaude+ (~Nicotiana tabacum~) gehört mit -den Petunien, dem Stechapfel, dem Bilsenkraut, der weißen, besonders -am Abend stark duftenden Trompetenblume (~Datura suaveolens~), der -Tollkirsche, der Paprikapflanze, der Tomate, der Eierpflanze (franz. -~aubergine~, ~Solanum melongena~), dem Bittersüß und der Kartoffel in -die Familie der Nachtschattengewächse, deren Mitglieder meist durch -irgend ein Gift vor dem Gefressenwerden durch Tiere geschützt sind. -Sie ist ein einjähriges, bis 2 m hoch werdendes, aufrechtes Kraut, -das allseitig mit einfachen und drüsigen Haaren besetzt ist. Die -frisch unangenehm, betäubend riechenden und scharf bitter schmeckenden -Blätter sind länglichoval, ganzrandig und langzugespitzt. Sie sind oben -dunkel- und unten hellgrün. Jede Pflanze hat deren etwa 10 bis 20, von -denen die untersten bis 50 cm lang und 10-15 cm breit werden. Die -mit trichterförmiger, rötlicher Blumenkrone und fünfzähnigem, grünem -Kelche versehenen Blüten stehen in Rispen und erzeugen befruchtet eine -zweiklappige Kapsel mit zahlreichen, außerordentlich kleinen, eirunden -Samen, die außer Eiweißkörpern ziemliche Mengen eines Öles enthalten, -das in Südrußland ausgepreßt und zu Beleuchtungszwecken verwendet wird. - -Der Stengel der Tabakpflanze ist während der ersten Periode des -Wachstums mit einem klebrigen Marke gefüllt und bricht sehr -leicht; später wird er holzig und besitzt ein ziemlich großes -Widerstandsvermögen gegen Bruch, was für die Kultur von großer -Wichtigkeit ist. Der runde Stengel verzweigt sich bei üppigem Wachstum -nur oben; zuweilen bilden sich aber für die Kultur sehr lästige -Seitenschosse in den Achseln der Blätter, die fast nicht oder nur -mit Aufopferung des Blattes, aus dessen Achsel sie entsprangen, zu -entfernen sind. Sobald die Pflanze sich ihrer Reife nähert, wird ihre -Lebenskraft hauptsächlich dazu verbraucht, Wurzelschosse zu treiben, -die alsbald entfernt werden, um die zu erntenden Blätter rascher zur -Reife zu bringen und ihnen auch eine heilere Farbe zu verleihen. - -Ist die Tabakpflanze auch im wärmeren Amerika heimisch, so kann sie -gleichwohl an den meisten Orten der Erde gezogen werden; indessen -gibt sie nur in beschränkten Breiten bessere Produkte. Die dicken -und schweren Blätter, die sich schon bei uns entwickeln, sind nur -minderwertige Ware und die Pflanzen der höheren Breiten sind nicht -mehr zum genußreichen Rauchen zu verwenden. Aber auch in viel wärmeren -Gegenden gibt der Tabak nicht durchaus gleichwertige Blätter. Den -berühmtesten Tabak liefert Kuba, wo indessen, wie überhaupt auf allen -westindischen Inseln mit Ausnahme von Portoriko, die Tabakkultur -zugunsten der Kultur des Zuckerrohrs mehr und mehr abnimmt. Der -berühmte Havannatabak wird auf einer kleinen Strecke der Westküste, der -~vuelta abaja~, d. h. dem „niedrigen Land“ gebaut, das sich in 110 km -Länge und 30 km Breite als der beste Tabakboden der Welt zwischen dem -Gebirge im Norden und dem Meere im Süden erstreckt. Aller verfügbarer -Boden ist hier für die Tabakkultur verwendet, die in Plantagen von -etwa 13 Hektar Ausdehnung betrieben wird, auf der 20-30 Mann, Farbige -und Weiße, arbeiten. Der Tabak wird während des sogenannten Winters -gebaut, da der geringere Regenfall und der verminderte Sonnenschein, -sowie die gegen 10° C., gegenüber dem übrigen Teil des Jahres niedrigere -Temperatur günstig auf die Entwicklung des Aromas der Tabakblätter, -des Ruhms von Havanna, einwirken. Fast der ganze Ertrag wird in den -Fabriken von Havanna verarbeitet, die in der Regel jedes Jahr den -Ertrag derselben Plantage aufkaufen, wodurch sie in der Lage sind, ein -Produkt von möglichst gleicher Qualität zu liefern. Nirgends trifft man -so viel verschiedene Sorten Tabak wie in Havanna, wodurch natürlich -der Einkauf der Rohtabake sehr erschwert wird. Die am meisten dort -geschätzten werden noch ziemlich feucht geraucht, in einem solchen -Zustande, daß sie sich um sich selbst drehen und über den Finger biegen -lassen, ohne zu brechen. Manche Sorten haben im Fabrikationsorte -Havanna selbst einen Preis bis zu zwei Mark und darüber das Stück. - -Andere berühmte Lagen sind in Brasilien, in Florida, auf Sumatra, -hauptsächlich im Distrikt von Deli und auf Neu-Guinea. Diese Tabake -sind besonders deshalb wertvoll, weil sie vorzügliche Deckblätter -geben, die dünn und dennoch fest wie Handschuhleder sind. Große -Mengen von Tabak werden auch in Mexiko, in den Staaten Maryland, -Virginia und Kentucky gebaut, obschon die letzteren, weil zu schwer, -nur minderklassig sind. In Europa erzeugt Ungarn große Mengen für -den österreichischen Bedarf. Vortrefflich ist auch der auf der -Balkanhalbinsel gezogene Tabak, an den sich die kleinasiatischen -Sorten anschließen. Hier wird auch eine andere Art, der mit -kleineren, runden Blättern und gelbgrünen, kürzeren Blüten versehene -sogenannte +Bauerntabak+ (~Nicotiana rustica~) angebaut, der einen -ganz ausgezeichneten dünnblätterigen Tabak liefert; dieser kommt als -türkischer Tabak in den Handel und wird nur, sehr fein geschnitten, -zu Zigarettentabaken verarbeitet. Besonders in Ägypten nimmt die -Zigarettenindustrie in Kairo und Alexandria ständig zu. - -Die Tabakpflanze stellt sehr hohe Anforderungen an die Nährkraft des -Bodens, indem ihre grünen Teile, besonders die Blätter, ungemein -reich an mineralischen Bestandteilen sind; außerdem enthalten sie -die starken narkotischen Gifte Nikotin und Nikotianin, auf deren -Einverleibung im wesentlichen die Wirkung des Rauchens beruht. Durch -jene Gifte wird wohl das Nervensystem etwas beruhigt, das Empfinden und -Wollen angeregt, aber als ungünstige Nebenwirkung die Herztätigkeit -beschleunigt und der Blutdruck erhöht. Das Schnupfen des Tabaks ruft -weit weniger Allgemeinerscheinungen hervor, weil die bald eintretende -Verdickung der Nasenschleimhaut die Aufsaugung des Nikotins verhindert. - -Der Tabak gehört also mit dem Alkohol zu den zweifellos schädlichen -Genußmitteln. Je besser die Sorte, um so geringer sind die -Giftwirkungen, da geringe Tabaksorten reicher an Nikotin zu sein -pflegen als die feinen. Dieselbe Beschaffenheit des Bodens und Klimas, -die die Bildung dieses Giftes begünstigt, wirkt zugleich ungünstig -auf die Entwicklung des Aromas. Deshalb ist eine stark nikotinhaltige -Tabakpflanze gleichzeitig weniger aromatisch, wie z. B. die Virginia -mit gegen 6 Prozent Nikotin, während ein geringer Nikotingehalt von -nur 2 Prozent, wie bei der Havanna, Hand in Hand mit der stärksten -Ausbildung des Aromas geht. Je größer der Abstand der Pflanzen -untereinander ist, je weniger Blätter ihnen gelassen werden, je höher -die Blätter am Stengel sitzen und je später sie gepflückt werden, desto -größer ist im allgemeinen ihr Nikotingehalt und desto geringer ihr -Aroma. Da nun ein möglichst geringer Nikotingehalt und ein möglichst -feines Aroma zu erstreben sind, müssen alle die Zunahme des Nikotins -begünstigenden Faktoren vermieden werden. Die Luft soll feucht sein und -die Pflanze soll zunächst viel Regen erhalten, bis sich die Blätter -zu entwickeln beginnen; dann schaden allerdings starke Regengüsse, -indem die Blätter ein geringes Aroma und unerwünscht dicke Blattnerven -bekommen, sich auch weniger günstig beim Trocknen und Gären verhalten. - -Da stehendes Wasser dem Tabak sehr nachteilig ist, so muß der Boden, -auf dem Tabak gepflanzt werden soll, leicht durchlässig sein und darf -nicht im Überschwemmungsgebiet der Flüsse liegen. Am geeignetsten -ist etwas welliges Terrain. Kalk darf darin nur in geringen Mengen -enthalten sein, dagegen ist Kalireichtum günstig, da erfahrungsgemäß -die Güte des Tabaks durch einen hohen Gehalt an diesem Alkali bedingt -wird. Stickstoff- und Chlorreichtum vermindern die Brennbarkeit des -Tabaks und setzen sein Aroma herab. Das Gedeihen eines guten Tabaks ist -also unabhängig von Düngungsmitteln, im Gegensatz zu anderen Pflanzen, -z. B. Getreide und Gemüse. Ähnlich wie beim Weinbau bedingt die -Örtlichkeit zu einem großen Teil den Erfolg. Aber auch in der besten -Lage sind nicht alle Blätter einer Tabakpflanze von derselben Güte, -sondern die der Mitte des Stengels entnommenen sind, was Brennbarkeit -und Aroma anlangt, die besten; deshalb werden sie als „Bestgut“ -bezeichnet. - -Der erfolgreiche Anbau des Tabaks verlangt große Sorgfalt und Pflege. -Die Anzucht im Großbetriebe erfolgt in besonderen Saatbeeten, die -sowohl gegen übermäßige Sonnenbestrahlung als auch gegen die heftigen -Regengüsse, wie sie bekanntlich in den Tropen häufig sind, geschützt -werden müssen. Deshalb bedeckt man sie mit auf Stangen von 1-1,5 m Höhe -befestigten schrägen Dächern, die den Durchgang der nötigen Luft nicht -behindern. Nach drei Wochen werden die Keimpflänzchen möglichst schnell -an ihren definitiven Standort überführt und hier etwa zwei Wochen -lang, bis sie erstarkt sind, zum Schutze gegen Witterungseinflüsse mit -dütenförmigen Holzmützen bedeckt. - -Nach etwa 75 Tagen ist die Pflanze ausgewachsen und wird geerntet, -wobei seltener die reifen Blätter, sondern meist die ganzen Pflanzen -abgeschnitten, in Bündel gebunden und entweder an der freien Luft oder -durch Feuerwärme in Trockenhäusern getrocknet werden. Sie verlieren -dabei ihren Stärkegehalt und erlangen die gewünschte braune Farbe. -Dann werden die Blätter vom Stengel abgebrochen -- wenn sie es nicht -schon waren -- und dabei zugleich nach ihrer Qualität sortiert, um -dann abermals zu Bündeln vereinigt und in geschlossenen Räumen zu -großen Haufen, sogenannten Stöcken, aufeinander geschichtet zu werden, -die 100-800 Zentner Tabakblätter umfassen. Hier machen sie eine von -besonderen Bakterien hervorgerufene Gärung durch, wobei diejenigen -aromatischen Verbindungen entstehen, durch welche der fertige Tabak -beim Rauchen den angenehmen Geruch und Geschmack erhält, weicher zum -Bearbeiten wird und gleichmäßiger gefärbt erscheint. Zugleich wird -der Gehalt an dem äußerst giftigen Nikotin um etwa 30 Prozent der -ursprünglich vorhandenen Menge desselben herabgesetzt. Dabei tritt -in einem feuchten Klima ein „Schwitzen“ genanntes Austreten eines -klebrigen Stoffes auf, was in einem trockenen dagegen unterbleibt. Den -Beginn der Gärung (Fermentation) erkennt man an einer Wärmezunahme, -welche im Innern des Stockes am bedeutendsten ist und daselbst bis -50° C. und mehr steigen kann. Sobald dies eingetreten ist, nimmt man die -Bündel auseinander und baut aus ihnen einen neuen Stock auf, in welchem -die bisher im Innern befindlichen Bündel an die Außenseiten gelegt -werden. Derartige Umlagerungen werden wiederholt vorgenommen, damit -jedes Bündel in annähernd gleicher Stärke fermentiert wird. - -Ist dies geschehen, so werden die Stöcke je nach Sorten, Klima und -Witterungsverhältnissen entweder ganz auseinander genommen, um -weiter verarbeitet zu werden, oder abermals in kleineren Partien -zusammengelegt, wobei noch eine zweite Fermentation stattfindet. -Näheres über die Einzelheiten bei diesem Vorgang findet sich im -Abschnitt über die Gärungserreger. Nach der Fermentation werden die -Blätter gelüftet, getrocknet und schließlich in Fässer verpackt, um -in die Tabakmanufakturen zu gelangen, wo die schlechteren Sorten oft -noch zur weiteren Herabsetzung des Nikotingehaltes ausgelaugt und zur -Verstärkung des Aromas „gesaucet“, d. h. mit verschiedenen, meist -opiumhaltigen Brühen behandelt werden. Für Deutschland ist Bremen -ein Haupthandelsort für Tabak. Dort gibt es die größten Tabak- und -Zigarrenfabriken Europas. - -Während heute überall in den Tabak produzierenden Ländern der rötlich -blühende echte oder gemeine Tabak gebaut wird, pflanzt man im Orient, -sowie in Nordafrika den nur 1 m Höhe erreichenden, gelblich blühenden -+Bauern+- oder +türkischen Tabak+ (~Nicotiana rustica~), der in Mexiko -seine Heimat hat. Wir sahen bereits, daß er den türkischen oder -Latakiatabak liefert. Die Kultur ist dieselbe wie beim echten Tabak, -und an ihm werden, gleicherweise wie bei jenem, gelegentlich eine Reihe -von durch winzige Spaltpilze hervorgerufene Krankheiten beobachtet, -unter denen der sogenannte „Spickel“, sowie der Blattfleckenrost und -eine dritte Blattfleckenkrankheit die wichtigsten sind. - -Entsprechend dem großen Verbrauch des Tabaks ist sein Anbau ein ganz -bedeutender und beträgt auf der ganzen Erde wenigstens 550 Millionen -kg, wovon auf die Vereinigten Staaten von Nordamerika 225 Millionen -kg, auf Britisch-Ostindien 172 Millionen kg und auf Deutschland 40 -Millionen kg entfallen. Außerdem führte Deutschland im Jahre 1906 für -120 Millionen Mark unbearbeitete Tabakblätter ein. Auf den Kopf der -Bevölkerung kommen daselbst jährlich fast 2 kg Tabak. - -Was nun endlich die Verarbeitung des Tabaks betrifft, so beginnt man -beim Rauchtabak mit einer genauen Sortierung der Blätter nach der -Farbe, wobei man die Blätter mischt, um die gewünschte Qualität zu -bekommen. Darauf werden die Blätter angefeuchtet, um ihnen die nötige -Elastizität zu erteilen, und zwischen Walzen gepreßt, auf Rollen -gesponnen oder sofort geschnitten. Bei der Zigarrenfabrikation wird zum -Innenblatt eine geringere Qualität, zum Deckblatt dagegen eine bessere, -vielfach mit hellen Flecken versehene, genommen. Letztere entstehen -in der Natur durch Tautropfen, die den Sonnenstrahlen als Brennglas -dienen; dem Publikum zuliebe werden sie vielfach auch künstlich durch -Einwirkung von Salpetersäure erzeugt. Das Schneiden der Deckblätter -erfordert viel Übung und ein gutes Auge, da man trachten muß, aus einem -Blatt so viel Deckblätter wie möglich herauszuschneiden. Das Ganze -wird dann durch Maschinen gerollt. Danach werden die Zigarren an -der Sonne oder am Ofen getrocknet, je nach Farbe und Sauberkeit des -Deckblatts sortiert und in Kistchen verpackt. - -[Illustration: - - Tafel 85. - -Das Sortieren der Tabakblätter nach Länge und Farbe auf einer -Tabakplantage Sumatras.] - - Tafel 86. - -[Illustration: Die zum Fermentieren in Haufen gelegten Tabakblätter auf -einer Tabakplantage Sumatras. - -Blick in einen Arbeitsraum der Zigarettenfabrik Leopold Engelhardt in -Bremen.] - -Die Zigarren müssen an einem trocknen Orte aufbewahrt werden, da sie -sonst leicht schimmeln. Im allgemeinen werden sie durch das Aufbewahren -besser, erstens, weil sie dabei vollkommen trocken werden, und -zweitens, weil in ihnen eine leichte Nachgärung stattfindet. Nach einer -bestimmten Zeit verliert aber die Zigarre wieder an Güte, weil sie -brüchig wird und das Aroma sich wieder verflüchtigt. - -Die früher meist vom Raucher selbst gedrehten Zigaretten werden jetzt -meist mit Maschinen hergestellt. Zur Fabrikation des Zigarettenpapiers -werden gewöhnlich sehr feine leinene Lumpen verwendet, die sorgfältig -gereinigt werden. Statt des Papiers werden manchmal auch die -allerfeinsten Tabakblätter als Hülle verwendet. Diese sogenannten -Zigarillos haben vor den übrigen Zigaretten den Vorzug, daß bei ihnen -der unangenehme Papiergeschmack wegfällt. - -Bei der Herstellung von Kautabaken werden die Blätter mit Salz, Sirup, -Zucker, Rum, Salmiak, dem Fruchtfleisch der Tamarinde, Anis, Gummi, -Dextrin, allerlei ätherischen Ölen usw. versetzt; dem Schnupftabak -setzt man meist nur Salmiak und Pottasche zu. Für die Fabrikation -des letzteren wählt man die schwärzesten Tabaksorten und von diesen -die dicksten und fleischigsten Blätter von nicht zu heller Farbe. -Nachdem die Blätter einen Gärungsprozeß von verschieden langer Dauer -durchgemacht und die betreffenden Zusätze erhalten haben, werden sie an -der Luft getrocknet, geschnitten und fein gestampft oder in Mühlen fein -gemahlen. Dann wird der Schnupftabak gesiebt, parfümiert und verpackt. - -Die ersten Rauch- und Schnupftabakfabriken in Deutschland entstanden -in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, die ersten Zigarrenfabriken -in Hamburg und Bremen gegen das Ende des 18. und den Beginn des 19. -Jahrhunderts. Die Stadt Bremen besaß 1851 bereits 281 Fabriken mit -5300 Arbeitern. In Sachsen entstand die erste Zigarrenfabrik 1825, in -Baden 1843. Als in den Jahren 1852 und 1854 Braunschweig und Hannover -dem Zollverein beitraten, wurden die hanseatischen Fabriken in das -Zollinland verlegt und in Hamburg und Bremen nur noch die besten Sorten -hergestellt. Seit der Mitte der 1860er Jahre wurden die Tabakfabriken -mehr und mehr aus den großen Städten auf das Land und in die kleineren -Städte verlegt. - -Begreiflicherweise hat der Fiskus einen so allgemein beliebten -Luxusartikel ausgiebig besteuert. So bildet die Tabaksteuer eine -bedeutende Einnahmequelle aller Kulturstaaten. Einige Regierungen, -wie in Europa Österreich-Ungarn, Frankreich, Italien, Spanien, -Portugal, Serbien und Rumänien, haben sich sogar das Monopol auf die -Tabakindustrie und den Tabakverkauf reserviert, um auf diese Weise -einen möglichst großen Profit aus dem Tabak zu ziehen. In England, -Rußland und der Türkei steht der Tabak unter staatlicher Aufsicht; in -den übrigen Ländern dagegen ist er frei. - - - - -XVIII. - -Die Gärungserreger. - - -Außer den größeren und kleineren Nutzgewächsen, die jeder zu sehen -imstande ist, gibt es solche von mikroskopischer Kleinheit, über -deren Vorhandensein, Lebensweise und Bedeutung wir erst seit wenigen -Jahrzehnten unterrichtet sind. Schon sehr lange kannte und verwandte -man zwar die verschiedenen Gärungen, ohne auch nur die mindeste Ahnung -davon zu haben, daß sie durch lebende Wesen, durch dem unbewaffneten -Auge unsichtbare winzige, einzeilige Pilze bewirkt werden. Schon im -Jahre 1680 hatte zwar der Holländer Leeuwenhoek beim Betrachten von -Hefe unter dem kurz vorher vom Middelburger Brillenmacher Zacharias -Jansen erfundenen Mikroskop die Hefezellen als winzige Kügelchen -erkannt und beschrieben, aber weder er noch andere seiner Zeitgenossen, -die dasselbe beobachteten, wußten irgend etwas von einem Zusammenhange -dieser winzigen Kügelchen mit der Gärung, die ihnen ein völlig -unerklärlicher Prozeß war. Bald hernach, nämlich schon im Jahre 1697 -hat zwar als erster der deutsche Chemiker Stahl eine Erklärung des -Wesens der Gärung zu geben versucht, indem er dabei in innerer Bewegung -begriffene Körperchen annahm, die diese Bewegung dann auf jene Körper -übertragen, die dadurch der Gärung unterliegen und durch sie verändert -werden. - -Mit dem Aufkommen der Wissenschaft der Chemie vermutete man beim -Gärungsprozesse einen bis dahin unbekannten chemischen Prozeß, dem man -auf die verschiedenste Weise beizukommen versuchte. Das Rätsel ließ -sich aber nicht lösen, so sehr man sich auch alle Mühe gab, dahinter -zu kommen. Vor allem suchten die hervorragenden Chemiker Frankreichs, -so Lavoisier, Dumas und Gay-Lussac, die bei der Gärung erzeugten -Zersetzungsprodukte festzustellen, ohne sich über die für sie noch -immer unergründliche Ursache derselben weitere Gedanken zu machen. Erst -im Jahre 1837 gelang es ganz unabhängig voneinander dem Deutschen -Theodor Schwann und dem Franzosen Cagniard-Latour die winzigen, nur -bei sehr starker Vergrößerung deutlicher sichtbaren Kügelchen, die -schon Leeuwenhoek beobachtet, aber nicht zu deuten gewußt hatte, als -einzeilige Lebewesen aus der Pflanzengattung der Pilze festzustellen -und in ihnen die Urheber der Gärung zu vermuten. Als dritter im Bunde -kam dann noch der Deutsche Kützing hinzu, der seine wesentlichsten -Feststellungen schon einige Jahre vorher gemacht hatte, aber seine -Beobachtungen erst nach der Veröffentlichung der Arbeiten der beiden -vorgenannten Forscher veröffentlichte. - -Diese überaus wichtige Entdeckung von der belebten Natur der Hefe wurde -von den damals tonangebenden Chemikern, dem Schweden Berzelius und -den Deutschen Liebig und Wöhler, nicht nur nicht anerkannt, sondern -geradezu ins Lächerliche gezogen. Die Idee, daß lebende Keime und nicht -chemische Vorgänge der Gärung zugrunde liegen, wurde von ihnen und von -zahlreichen anderen leidenschaftlich bekämpft, bis nach zwanzigjährigem -Zweifel an dieser Tatsache der große Louis Pasteur 1857 die Entdeckung -Schwanns und seiner beiden Genossen mit aller Sicherheit bestätigte -und außer Frage stellte, daß alle Gärungen durch winzige Pilze bedingt -werden, deren Lebensprozeß jene chemisch festzustellenden Veränderungen -der von ihnen befallenen Massen auslöst, indem die Gärungserreger -bestimmte Fermente als chemische Produkte ausscheiden, die dann -losgelöst von den Zellen jene Veränderungen bewirken. - -Dem Münchener Hygieniker Eduard Buchner gelang es als erstem nicht -nur das Ferment der Alkoholgärung in den Hefezellen selbst zu finden, -sondern es auch nach Zerstörung der Zellwände vermittelst Zerreibens -mit scharfem Sande und nachherigem Auspressen unter hohem Drucke in -einer hydraulischen Presse und Filtrieren durch Porzellanfilter, die -keine lebende Hefezelle hindurchlassen, zu isolieren und in feste Form -zu bringen, in der sie lange Zeit haltbar ist. Er wies auch nach, daß -es durch gewisse Gifte, wie beispielsweise Aceton, gelingt, die Hefe -mit Vermeidung einer vorhergehenden Schädigung der Zelle zu töten, ohne -daß das in der Zelle befindliche Ferment seine Wirksamkeit eingebüßt -hätte. Wie er zu zeigen vermochte, geht im allgemeinen das Ferment beim -Absterben während des Todeskampfes zugrunde. Nur bei Anwendung von -momentan tötenden Giften bleibt das Ferment in voller Wirksamkeit in -der Zelle erhalten, so daß sich auch auf diese Weise eine sogenannte -„Dauerhefe“ gewinnen läßt, die das Aussehen und die Wirksamkeit der -lebenden hat, obschon die Zellen, die sie erzeugten, tot sind und sich -nicht mehr wie sonst beim Gärungsprozesse weiter vermehren. - -[Illustration: Bild 47 und 48. Hefen. - -I. Gewöhnliche Bierhefe (Kulturhefe, ~Saccharomyces cerevisiae~). ~a~ -Hefezellen mit Sporen im Innern, ~b~ Hefezellen in Sprossung. - -II. Verschiedene sogenannte Wilde Hefen. ~a~ Hefezellen mit Sporen im -Innern, ~b~ Sprossende Hefezellen. - -(Originalzeichnung von Dr. Schnegg in Weihenstephan.)] - -Die +Hefepilze+ gehören seit den grundlegenden Untersuchungen von -Reeß im Jahre 1870 zu den Askomyzeten oder Schlauchpilzen, so -genannt, weil sie ihre als Endosporen bezeichneten Fruchtkörper -in Schläuchen bilden. Diese sind bei den einzelligen, sich für -gewöhnlich durch Sprossung vermehrenden und, nur bei Aufhebung der -Möglichkeit weiterzuleben, solche Sporen als äußerst widerstandsfähige -Dauerzustände hervorbringenden Hefepilzen kurz. Von ihrer Fähigkeit, -den Traubenzucker beispielsweise des Mostes in fast genau gleiche Teile -von Kohlensäure und Äthylalkohol zu spalten, nennt man sie nach Meyer -auch Saccharomyzeten oder Zuckerpilze. Von ihnen gibt es eine Unzahl -von Rassen, Varietäten und Spielarten, die wir erst nach Entdeckung -des Verfahrens der Reinkultur von Mikroben durch Robert Koch zu -Ende der achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts durch die überaus -mühevollen Untersuchungen des Dänen Emil Christian Hansen unterscheiden -lernten. Diese Neuerung ist für die Industrie von der weitgehendsten -Bedeutung, weil die verschiedenen Spielarten der Hefe durchaus nicht -alle gleich gut und für die Technik zu gebrauchen sind. Seit langem -weiß man, daß unter Umständen auch echte Hefen sich als unangenehme -und schädliche Gäste beim Gärungsprozesse einfinden können und durch -ihre Tätigkeit die Güte des Gärproduktes erheblich beeinträchtigen, -ja geradezu verderben können. Infolgedessen hat man vor allem in der -Bierbrauerei danach gestrebt, die einmal für gut befundenen Hefen -in ihrer Eigenart zu erhalten und sie frei von Verunreinigung durch -unerwünschte wilde Hefearten, wie sie sich überall in der Natur -vorfinden, weiter zu züchten. Erst durch die Arbeiten von Hansen sind -wir in den Stand gesetzt, aus einer einzigen Zelle der guten Hefe -eine immer gleichbleibende gute Rasse zu züchten, die mit Sicherheit -gute Gärprodukte liefert. Dadurch wurde die ganze Brauindustrie -revolutioniert, und auch bei der Weinbereitung und Brennerei fangen -Reinhefen an, eine immer größere Rolle zu spielen. - -Die Hefepilze, deren für die technische Verwertung beste Sorten wie die -Bierhefepilze (~Saccharomyces cerevisiae~ und der etwas kleinere ~S. -ellipsoideus~) kugelig bis eirund und nur ausnahmsweise wurstförmig -langgestreckt sind wie der Pasteursche Zuckerpilz (~Saccharomyces -pasteurianus~), siedeln sich entweder am Boden der von ihnen zu -vergärenden Flüssigkeiten an wie die Unterhefen, oder sie verteilen -sich in der ganzen Flüssigkeit, können sich aber auch schließlich unter -gewissen Bedingungen als Haut auf der Oberfläche der gärenden Lösung -sammeln. Dies geschieht bei den echten Hefen besonders bei reichlicher -Luftzufuhr. Es gibt aber einige langgestreckte Schlauchpilze, bei denen -diese Wuchsform die Regel ist, wie beispielsweise bei dem sich auf Bier -und Wein ansiedelnden Kahmpilz (~Saccharomyces mycoderma~), der die -Gärfähigkeit überhaupt eingebüßt hat und den Zucker der Nährlösung, in -der er lebt, direkt in Kohlensäure und Wasser spaltet, wodurch er dem -Gärgewerbe schädlich wird. - -Da den Hefepilzen als Schmarotzern das Chlorophyll oder Blattgrün -fehlt, können sie ihren Körper nicht wie die Pflanzen aus unorganischen -Stoffen aufbauen, sondern bedürfen dazu wie die Tiere komplizierter -zusammengesetzter, von mit Chlorophyll ausgestatteten Pflanzen im -Sonnenlichte aufgebauter „organischer“ Nährstoffe, die sich ihnen in -den in der Natur weitverbreiteten Zuckerlösungen darbieten. Diese -enthalten daneben stets auch etwas Eiweiß oder Abbauprodukte desselben, -sogenannte Aminosäuren, denen sie ihren Stickstoffbedarf entnehmen, -und Salze mit Kalium, Magnesium, Eisen, Phosphor und Schwefel, die zu -ihrem Gedeihen durchaus erforderlich sind. Daraus folgt, wie Pasteur -zuerst feststellte, daß die Hefe in reinen Zuckerlösungen nicht gärt, -sondern aus Mangel an stickstoffhaltigen Nahrungsmitteln und Nährsalzen -sehr bald zugrunde geht. In einer ihr zusagenden und für ihr Gedeihen -erforderlichen Nährlösung müssen aber durchaus alle jene Stoffe -enthalten sein, die zum Lebensprozesse der Zellen, zu ihrem Wachstum -und ihrer Vermehrung notwendig sind. - -Eine besonders wichtige Rolle im Stoffwechsel der Hefepilze und -infolgedessen beim Vorgang der Gärung spielt der Sauerstoff, der ja -für den Lebensprozeß jeder Zelle und jedes Organismus überhaupt, sei -es Pflanze oder Tier, ein völlig unentbehrlicher Stoff ist, da nur er -die Oxydation, d. h. die Verbrennung in den Geweben ermöglicht, die die -Quelle aller Leistungen in den lebenden Körpern bildet. So verbrennen -auch die Hefepilze den ihnen in der Nährlösung dargebotenen Kohlenstoff -zu Kohlensäure wie es jeder lebende Organismus tut. Es geht also immer -ein Teil des von ihnen zersetzten Zuckers für die Umsetzung in Alkohol -verloren und wird damit die Ausbeute der Gärung bis zu einem gewissen -Grade beeinträchtigt. Pasteur, dem wir die grundlegenden Untersuchungen -über den Lebensprozeß der Hefepilze verdanken, behauptete, daß die Hefe -nur dann gäre, wenn ihr die Luft abgeschnitten werde. Bei genügender -Zufuhr von Sauerstoff habe die Hefe einen Stoffwechsel wie andere -Pilze, indem sie ausschließlich den dargebotenen Zucker verbrenne; -sobald aber der Sauerstoff fehle, müsse sie den Zucker, den sie nicht -mehr direkt verbrennen kann, durch Gärung, zu der Sauerstoff nicht -nötig ist, umsetzen, um ihn zu einer Energiequelle zu gestalten. - -Über diese Pasteursche Theorie, wonach die Gärung ein Leben der Hefe -ohne Luft sei, wurde lange Zeit hindurch aufs heftigste gestritten, bis -man schließlich erkannte, daß diese Annahme falsch war und Hefe bei -Anwesenheit von Sauerstoff ebensogut gärt wie bei Abschluß desselben. -Daß andererseits der Sauerstoff zum Leben und zur Vermehrung der Hefe -absolut nötig sei, darüber hatte schon Pasteur keinen Zweifel gehabt. -Von seiner Theorie blieben an Tatsachen nur zwei übrig, nämlich -erstens, daß ganz junge Hefe bei reichlichem Luftzutritt tatsächlich -schlecht gärt, weil sie sich zu üppig entwickelt, und zweitens, daß -auch unter günstigeren Bedingungen bei Luftzutritt die einzelnen -Hefezellen etwas weniger Alkohol liefern als bei Abschluß der Luft. -Aber andererseits wird die Vermehrung der Zellen durch den Zutritt von -Luft so sehr gesteigert, daß trotz dieser verminderten Leistung der -Einzelzelle die Gesamtausbeute bei Anwesenheit von Luft besser ist als -bei Fehlen derselben. - -Nun hat besonders Stoklasa in Prag nachgewiesen, daß die Fähigkeit, -bei Luftabschluß alkoholbildende Fermente zu erzeugen, nicht nur -verschiedenen Pilzen, speziell Schimmelpilzen aus der Gattung Mucor, -die ebenfalls gären, wenn auch schwächer als Hefe, zukommt, sondern -sich auch bei Rüben, Kartoffeln usw. nachweisen läßt. Diese Fähigkeit -scheint also eine weitverbreitete Eigenschaft der lebenden Substanz -zu sein. Dann wäre die einzige Besonderheit der echten Hefepilze nur -noch die, daß sie diese Tätigkeit auch bei Anwesenheit von Sauerstoff -fortsetzen. Wir dürfen also annehmen, daß diese sich aus Pilzen -entwickelten, die die Fähigkeit, gelegentlich auch bei Luftabschluß -Zucker zu spalten und Alkohol und Kohlensäure daraus zu bilden, in -weitgehendem Maße ausbildeten. Während aber diese Fähigkeit bei allen -weniger weit in diesem Prozesse vorgeschrittenen Pilzen, z. B. den -Mucorarten, bei Luftanwesenheit verschwand, ging die Anpassung an ein -solches Vermögen bei den Hefepilzen so weit, daß die Fähigkeit der -Spaltung von Zucker in Alkohol und Kohlensäure auch bei Anwesenheit von -Luft weiterbestand. - -Die Bedeutung der Gärung für die Hefe selbst ist demnach die, daß -sie ihren Energiebedarf ohne Anwesenheit von Sauerstoff decken kann. -An Stelle der richtigen Verbrennung der Nährstoffe, wie sie sonst -bei allen Lebewesen, besonders den nichtgärenden Pilzen und Tieren, -herrscht, tritt hier als Energiequelle die einfache Aufspaltung ohne -Sauerstoff. Auf diese Weise rückt Pasteurs Theorie in ein ganz anderes -Licht. Die Gärung der Hefe ist zwar nicht an sich ein Leben ohne Luft, -wohl aber gewährleistet die Bildung dieses Fermentes der Zelle ein -Leben ohne Luft. Das ist zwar etwas sehr Ähnliches, aber es besteht -doch der wichtige Unterschied, daß die Hefepilze dieses Mittel auch -dann noch anwenden, wenn sie es nicht gerade brauchen, wenn ihnen also -Sauerstoff zur Verfügung steht. - -Schließlich gehen die Hefepilze in ihrem eigenen Produkte, dem Alkohol, -wenn er in einer bestimmten Konzentration in der von ihnen besiedelten -Nährlösung gebildet ist, zugrunde. Ihre Empfindlichkeit dagegen ist -eine ziemlich große; denn durchschnittlich erlischt die Gärung, sobald -der Gehalt an Alkohol 12-15 Prozent erreicht hat. Den geringsten -Alkoholgehalt ertragen Obstwein- und Bierhefen, einen mittleren -Weinhefen; nur manche Südweinhefen vertragen eine Alkoholanreicherung -bis zu 18 Prozent und Brennereihefen bis 20 Prozent; einzig die -japanische Sakehefe, die ein starkes Reisbier mit weinigem Charakter -erzeugt, soll sogar bei 24 Prozent Alkoholgehalt noch gären. Dieses -wechselnde Verhalten der Hefen gegen den von ihnen gebildeten Alkohol -zeigt ihre überaus große Veränderlichkeit gegen die verschiedensten -Einflüsse, was ihrer technischen Verwendung in hohem Maße zugute -kommt. Je nach dem Zwecke, den der Gärtechniker verfolgt, kann er -die verschiedenartigsten Hefen in Anwendung bringen; und diese in -möglichster Vollkommenheit zu züchten, ist seine vornehmste Aufgabe. - -Die beiden wichtigsten Funktionen der Hefe sind die +Vermehrung+, die -mit intensivem Sauerstoffverbrauch einhergeht, und die +Gärung+. Rasch -wachsende Hefen gären schlecht, langsam wachsende dagegen gut. Diesen -beiden Endzuständen entsprechen zwei Typen: einerseits die sehr rasch -wachsende, wie man sagt „geile“ +Lufthefe+, die zu Bäckereizwecken -verwendet wird. Ihr darin nahe kommt die schnell vergärende -Brennereihefe, die aber im Gegensatz zu jener eine hohe Temperatur -verlangt. Und andererseits die äußerst langsam wachsende, „faule“, aber -sehr ausgiebig vergärende bayerische untergärige Bierhefe, die aber -dazu im Gegensatz zur vorigen einer niederen Temperatur bedarf. - -Auch gegen den Zuckergehalt ist die Resistenz der verschiedenen -Hefearten eine sehr wechselnde. Die meisten können schon bei 40 bis -50 Prozent Zucker nicht mehr vergären, andere, die schwere Süßweine -bilden, können noch 60 Prozent und darüber vertragen. - -Neben der Zymase, welche die Gärkraft der einzelnen Heferassen bedingt, -enthalten alle Hefen noch andere Fermente, die auf verschiedene -Kohlehydrate spaltend wirken, mit dem Endziel, sie alle in vergärbaren -Zucker zu verwandeln. Bei den meisten sind nur diejenigen Fermente in -wirksamer Menge vorhanden, die die höheren Zuckerarten spalten, nämlich -die Maltase, die Malzzucker in Traubenzucker, und die Invertase, die -Rohrzucker in Traubenzucker und Fruchtzucker überführt. Spärlicher -sind die bisher auch weniger eingehend studierten Fermente, die die -Dextrine angreifen, und nur bei wenigen sind solche vorhanden, die den -Milchzucker einerseits und die Stärke andererseits angreifen. Letztere -Eigenschaft kommt besonders der tonkinesischen Hefe zu, die einen Pilz -(~Amylomyces rouxii~) enthält. - -Schon lange unterscheidet man in der Praxis der Gärtechnik zwischen -+wilden Hefen+ und den +Kulturhefen+. Solche „wilde Hefen“ sind heute -noch in den allermeisten Fällen die Weinhefen. In der Urzeit aber, -bevor sich der Mensch weitergehende Erfahrung in der Gärtechnik -erworben und besondere Verfahren zur Gewinnung möglichst vollkommener -Produkte eingeschlagen hatte, war jede Gärung durch wilde Hefen -bedingt. Man überließ einfach die zuckerhaltigen Pflanzensäfte sich -selbst; dabei trat dann von selbst durch Ansiedelung und rasches -Wachstum von frei herumschwärmenden, wilden Keimen die Gärung ein, -die der Mensch nach seinen Wünschen zu leiten und, wenn nötig, zu -unterbrechen versuchte. - -Die Lebensweise dieser wilden Hefen hat Hansen zuerst an ~Sacharomyces -apiculatus~ erforscht. Was von ihr gilt, das wird mit geringen -Änderungen auch für die anderen Hefearten Geltung haben. Den Sommer -hindurch sind überall Hefekeime im Staub vorhanden, die dann vom -Wind an verletzte Früchte irgend welcher Art verweht werden, wo -sie vortrefflich gedeihen und sich rasch vermehren. Zur Zeit der -Fruchtreife im Herbst sind sie besonders in Obst- und Weingärten -in ungeheurer Zahl vorhanden und gelangen mit den Früchten in den -gekelterten Most, in welchem sie die alkoholische Gärung verursachen. -Mit dem Regen und Wind und den herabfallenden, verderbenden Früchten -gelangen sie in den Boden, wo man sie bis zu 40 cm Tiefe nachgewiesen -hat. Hier überwintern sie, soweit sie als dickhäutige Dauerformen -vor dem Eingehen infolge von Kälte und Trockenheit geschützt sind, -um mit dem Frühjahre von neuem ihr Dasein an allerlei austretenden -Pflanzensäften und faulenden Massen fortzusetzen und mit dem Wind und -den zahllosen Insekten auf die sich bildenden Blattmassen und jungen -Früchte verschleppt zu werden, wo sie sich nach Möglichkeit, soweit -es ihnen gelingt, Nahrung zu erhalten, vermehren und immer weiter -ausbreiten, bis sie im Herbst abermals eine Hauptverbreitung erlangt -haben. - -Aus ihnen hat dann der Mensch unwillkürlich im Laufe der Zeit besondere -Kulturrassen entwickelt, indem er mit Vorliebe gute Hefereste zur -Fermentierung der neuen zu vergärenden Nährlösung verwandte. So -hatten beispielsweise die Braumeister schon lange gemerkt, daß es -zweckmäßig ist, die Hefen, die einmal ein gutes Bier geliefert hatten, -sich nach Möglichkeit zu erhalten, und die große Geheimniskrämerei, -die lange Zeit die Kunst edles Bier zu brauen umgab, beruhte nicht -zum mindesten auf solchen alten Rezepten zur Erhaltung des „Zeuges“. -Indessen war dies alles reine Empirie, und Fehlschläge blieben dabei -nicht aus. So war trotz aller Sorgfalt das Brauen guten Bieres stets -eine Sache des Zufalls. Erst durch die planmäßigen Arbeiten Hansens -ist dies anders geworden, indem er zuverlässige Verfahren angab, -um jeweilen erstklassige Kulturen von Hefe zu erlangen und nach -Belieben weiter zu züchten. So ist man imstande, immer gleichmäßig -gute Heferassen, ohne Beimischung unerwünschter fremder Elemente -oder eine Degeneration befürchten zu müssen, in Anwendung zu ziehen -und damit stets sicheren Erfolg zu haben. Und hat man auf diese -Weise eine größere Menge einer vollkommen einheitlichen, weil aus -einer einzigen Zelle hervorgegangenen Hefe gewonnen, so kann man mit -dieser Gewöhnungsversuche an bestimmte, nach besonderen Richtungen -abgeänderter Nährböden machen, um damit neue, zu speziellen Zwecken -dienende Varietäten zu gewinnen. - -Neben dieser „Einzellmethode“, die stets die klassische sein wird, -genügt für zahlreiche Zwecke auch ein anderes Verfahren, das man -als die „natürliche Reinzucht“ bezeichnet. Es beruht auf der -Erfahrungstatsache, daß eine Hefe, die in größerer Menge auf einen ihr -gut zusagenden Nährboden und unter günstigen Temperaturverhältnissen -eingesät wird, sehr bald alle anderen Organismen in solch energischer -Weise überwuchert, daß sie beinahe allein zurückbleibt. So kann man -beispielsweise untergärige gute Bierhefe von Beimengungen einerseits -obergäriger, andererseits kleiner, wilder Hefen dadurch trennen, daß -man bei 8-10° C. gären läßt, unter Bedingungen, die nur der gewünschten -Hefe günstige Verhältnisse zum Fortkommen gewähren. So kann man durch -Züchten auf mehrere Prozent Alkohol enthaltenden Nährböden aus einem -Gemisch von Brennereihefe und Unterhefe die letztere herausschaffen usw. - -Wenden wir uns nach dieser allgemeinen Orientierung zu den wichtigsten -Nutzanwendungen der Hefegärung, unter denen an erster Stelle die -+Brotbereitung+ steht. In der Urzeit wurden die nahrhaften Samen der -wilden Grasarten und später diejenigen der aus ihrer Zahl zu immer -großkörnigeren Getreidearten gezüchteten Spezies gleich nach dem -Sammeln, solange sie noch nicht durch Eintrocknen hart geworden waren, -oder wenn dies wie bei den Vorräten der Fall war, nach vorhergehendem -kurzen Einweichen in Wasser, roh, oder noch häufiger durch Rösten -auf heißen Steinen schmackhafter gemacht, gegessen. Solch geröstetes -Getreide hat sich mit dessen natürlicher Würze, dem Salz, im äußerst -konservativem Kultus bei manchen Völkern, wie den Römern, als die -älteste Art von Opferspeise pflanzlicher Natur an die Gottheit bis in -die Spätzeit erhalten. - -Als man aber mit dem Aufkommen des Hackbaus in neolithischer Zeit -Vorräte von Getreidekörnern anlegte, die stark austrockneten, war es -geboten, die hartgewordenen Körner ohne Aufweichen in Wasser zwischen -Steinen zu zermalmen. So kamen die immer zweckmäßiger gestaltenen -Mahlsteine als die primitivsten Mühlen der Menschheit auf. Anfänglich -geschah dieses Mahlen noch äußerst roh und ungenügend; so finden wir -in den als Vorläufer des Brotes mit Zuhilfenahme von Wasser bereiteten -Fladen der neolithischen Pfahlbauern der Schweiz ohne irgend welche -Poren neben abgeriebenen kleinsten Steinpartikeln, die beim Kauen -förmlich geknirscht haben müssen, noch halbe und ganze Getreidekörner -als Zeichen der sehr lässigen, wenig sorgfältigen Arbeit der solche -Speise bereitenden Frauen. Da man nun irdene Gefäße besaß, die man -immer besser durch gründlicheres Brennen zu härten verstand, so zog -man diesen unschmackhaften, trockenen Fladen bald allgemein den durch -Einrühren des grob zerkleinerten Getreidekorns in Wasser hergestellten -+Mehlbrei+ vor, der noch zu Anfang der christlichen Zeitrechnung -bei unseren germanischen Vorfahren an Stelle des ihnen unbekannten -getriebenen Brotes als Hauptnahrungsmittel gegessen wurde. Auch bei den -Kulturvölkern des Altertums, so besonders bei den in allem konservativ -gesinnten Römern, war er, von ihnen ~puls~ genannt, während ihn -die Griechen als ~maza~ bezeichneten, bis in ihre Blütezeit hinein -gebräuchlich. So sagt der ältere Plinius in seiner Naturgeschichte: -„Die Römer haben lange Zeit von Brei (~puls~) und nicht von Brot -(~panis~) gelebt; daher nennt man auch jetzt noch dasjenige, das -man zum Brote ißt, ~pulmentarium~. Ein Bissen solchen Breies hieß -~offa~, wie man z. B. aus Ennius (dem von 239 bis 168 v. Chr. lebenden -römischen Dichter) ersieht. Noch jetzt wird an Festen, die aus alter -Zeit stammen, namentlich an Geburtstagen, solcher Brei bereitet, den -man ~puls fritilla~ (gebackenen Mehlbrei) nennt.“ An einer anderen -Stelle gibt er an, daß man in Kampanien aus gemeiner Hirse (~milium~) -weißen ~puls~ und wohlschmeckendes Brot bereite. Und der unter Nero -aus Bilbilis in Spanien nach Rom gekommene, um 120 n. Chr. gestorbene -Epigrammendichter Martialis, ein Schmeichling und Günstling der -Kaiser, schrieb in einem uns erhaltenen Gedichte: „Komm zu mir, lieber -Turanius, und nimm vorlieb mit einem Würstchen (~botellus~), das auf -schneeweißem ~puls~ (Brei) liegt.“ Auch der römische Geschichtschreiber -im 1. Jahrhundert n. Chr. Valerius Maximus versichert: „Die alten Römer -lebten sehr mäßig, genossen mehr Brei (~puls~) als Brot (~panis~). -Von ihnen stammt auch der Gebrauch des Opferschrots, welches aus -geröstetem Spelt mit Zusatz von Salz besteht und womit man die (als -Opfer verbrannten) Eingeweide bestreut (während das Fleisch von den -Opfernden zu Ehren der Gottheit selbst verspeist wurde). Die jungen -Hühner (~pullus~), welche wahrsagen, werden mit ~puls~ gefüttert.“ -Sonst wurden als Opferkuchen (~libum~) aus solchem Brei mit Zusatz -von einem Ei hergestellte und auf der heißen Herdstelle unter einer -Schüssel, wie uns der ältere Cato berichtet, langsam gebackene -Fladen hergestellt. Und Plutarch erzählt vom spartanischen Feldherrn -Pausanias, der mit Aristeides die Perser bei Platää (479 v. Chr.) -besiegte und später (467), des verräterischen Einverständnisses -mit ihnen beschuldigt, im Tempel der Athene in Sparta, wohin er -sich geflüchtet, durch Hunger umkam, er habe nach der Schlacht bei -Platää, wie er die mit Leckerbissen besetzten persischen Tafeln sah, -ausgerufen: „Wahrhaftig, die Perser sind merkwürdige Leckermäuler! -Sie haben vielerlei und verspüren doch ein Gelüste nach unserem Brei -(~maza~).“ - -Aus solchem frischen, ungesäuerten Mehlbrei durch Backen auf heißen -Steinen oder in der heißen Asche des Herdes hergestellte Fladen -bildeten das älteste +Brot+, dessen Herstellung in das hohe Altertum -zurückreicht. Wie bei den neolithischen Pfahlbauern war es, wohl in -etwas verfeinerter Form, zur mykenischen Zeit und auch noch bei Homer -gebräuchlich. So heißt es in der den homerischen Epen nachgedichteten -Aeneis des römischen Dichters Vergilius Maro (70-19 v. Chr.), das -Brot habe zuerst als Teller für die Zuspeise gedient und sei dann -selbst gegessen worden. Noch heute lebt die ländliche Bevölkerung -Vorderasiens, Ägyptens und Abessiniens von derartigem altertümlichem, -dichtem Brot, während die in bezug auf Kultur weiter vorgeschrittene -städtische Bevölkerung mehr modernes, gesäuertes, getriebenes Brot -genießt. - -Die Erfindung des viel schmackhafteren und leichter verdaulichen -+gesäuerten Brotes+ schreibt man gemeinhin den Ägyptern zu, doch kann -sie ebensogut irgendwo in Vorderasien, wo die Rebe kultiviert wurde, -gemacht worden sein. Nach den alten Autoren bediente man sich nämlich -zum Lockern des Teiges durch Gärung dreitägigen Weinmostes, den man -mit Mehl mischte, wodurch die Hefekolonie haltbar gemacht wurde. -Besonders Hirse- und Weizenmehl wurde dazu verwendet, wie uns Plinius -berichtet. Solcher Gärstoff (~fermentum~) wurde nach ihm nur zur Zeit -der Weinlese bereitet und damit das zu backende Brot fermentiert. Und -jedesmal wurde beim Backen ein Stück des mit Hefe versetzten Teiges -aufbewahrt, um es das nächste Mal zum Treiben des frischen Teiges zu -verwenden. Durch diesen Hefezusatz wird nämlich eine alkoholische -Gärung mit Bildung von Kohlensäure bewirkt, das den sonst kleistrigen -Kuchen porös und so leichter durchbackbar macht. Heute benutzt man -dazu die sogenannten Bierhefen -- auch als Preßhefen bezeichnet -- -die jetzt meist in besonderen Betrieben eigens gezüchtet werden. -Es sind schnellwachsende, möglichst gut durchlüftete Hefen, die nur -eine geringe Gärkraft besitzen. Diese reine Hefegärung wird vor allem -bei der Herstellung des Weißbrotes und der verschiedenen Kuchen -verwendet. Dagegen dient zur Bereitung des bäuerlichen Schwarzbrotes -der sogenannte Sauerteig, in welchem sich außer der Hefe noch -Milchsäurebildner und andere Bakterien finden. Ein besonders wichtiger -Pilz der Sauerteiggärung scheint das genauer bekannte ~Bacterium -levans~ zu sein, das neben Kohlensäure auch Wasserstoff bildet. Auch -Essigsäurekeime und unlösliches Eiweiß in lösliche Peptone verwandelnde -Bakterien sind im Sauerteige vorhanden. Auch wird durch die gebildeten -Säuren der Kleber des Mehles gelöst, wodurch letzteres die Eigenschaft -annimmt, sich beim Backen rasch dunkel zu färben, wodurch erst das mit -Sauerteig bereitete Brot eine dunklere Farbe als das mit Hefe bereitete -erhält. - -Der Zweck, den diese Gärungserreger im Teige erfüllen, ist dreierlei -Art. Erstens wird durch sie die Stärke zum Teil gespalten und in Zucker -verwandelt, der von den Hefen dann teilweise zu Kohlensäure und Alkohol -weitergespalten wird, teilweise verbleibt er aber auch unangetastet -als solcher und verleiht dem Gebäck einen schwach süßen Geschmack. -Zweitens wird durch die Gasbildung der Teig stark aufgelockert, so -daß er beim Backen nicht zu einem zähen, schwerverdaulichen Kuchen -wird. Und drittens wird speziell dem Schwarzbrote der gewünschte -säuerliche Geschmack verliehen. Die spezifischen Erreger der Brotgärung -werden in der Praxis immer von einem Teig auf den andern übertragen. -Hat dann der „Vorteig“ eine Weile unter dem Einflusse der Gärung -gestanden, so wird er mit der Gesamtmenge vermischt und dann tüchtig -durchgeknetet. Darin, daß dies sehr sorgfältig und in der richtigen -Mengenverteilung geschieht, liegt die Kunst des Bäckers nicht weniger, -wie in der richtigen Leitung des Backprozesses, bei welchem die im -Teig entstandene Kohlensäure und der Alkohol zu entweichen suchen, -dies aber wegen der zähen Beschaffenheit desselben nur langsam und -unvollständig tun können, wobei sie ihn stark lockern und ihm eine -schwammige Beschaffenheit verleihen. Bei Herstellung eines Brotes von 5 -kg entstehen etwa 25 g Alkohol, und Graham hat berechnet, daß allein in -London bei der Brotbereitung jährlich etwa 13 Millionen Liter Alkohol -in die Luft entweichen. Versuche, denselben zu gewinnen, sind bisher -erfolglos geblieben. Frisches Brot enthält noch immer 0,3 und altes -noch 0,1 Prozent Alkohol. Durch dieses Treiben vor dem Backen, das bei -einer Temperatur zwischen 250 und 300° C. vorgenommen wird, wobei nur -die Rinde 150-180° warm wird und eine oberflächliche Karamelbildung -erfährt, wird das Brot leichter zerkaubar, bietet den Verdauungssäften -eine größere Oberfläche zum Angriffe dar und wird infolgedessen -auch besser im Darme ausgenutzt als das feste, kleisterartige -Nahrungsmittel, das früher vor der Erfindung des Treibens als Brot -gegessen wurde. - -Der Verlauf der Vorgänge im Innern des Brotes ist beim Backen ungefähr -folgender: Bei der zunächst noch immer andauernden Gärung bildet sich -bis 42° C. Kohlensäure, welche den Teig auftreibt; dann stirbt die Hefe -ab. Etwas längere Zeit bleiben die Bakterien am Leben; aber auch die -widerstandsfähigsten derselben, die Milchsäurebakterien, stellen noch -vor 75° ihre Tätigkeit ein und gehen bald zugrunde. Alle krankmachenden -Bakterien werden nach den Untersuchungen Ballands während des Backens -getötet, während der das Schleimigwerden des Brotes bewirkende -~Bacillus mesentericus vulgaris~ auch die Backtemperatur überdauert. -Durch die Backhitze verliert der Kleber seine Elastizität und die -Fähigkeit zu quellen und gibt dadurch dem Brot seine feste Gestalt. -Die Stärkekörnchen quellen in der heißen Flüssigkeit, verkleistern -dann und bilden lösliche Stärke. Dies ist ungemein wichtig, da die -Verdaulichkeit derselben eine ungleich größere ist, als die der -rohen Stärke. Ein Teil der Stärke geht bei der Hitze in Dextrin -beziehungsweise Gummi über, besonders in der Rinde. Einen diätetisch -wichtigen Vorgang beim Backen bildet das Abtöten der Gärungserreger. -Würde dies nicht geschehen, so würden sie auch nach Entfernung des -Brotes aus dem Ofen ihre Tätigkeit fortsetzen, das Gebäck weiter -verändern und selbst nach dessen Genuß im Verdauungskanal des Menschen -Gärungserscheinungen hervorrufen. - -Um nun die beim Gären entstehenden Verluste an organischer Substanz, -die die Mikroorganismen für sich verbrauchen, zu umgehen, hat man -sich vielfach bemüht, die Lockerung des Mehlteiges durch Kohlensäure -aus mineralischen Salzen zu bewirken. Justus v. Liebig berechnete -seinerzeit, daß man bei Vermeidung der Verluste an organischer Substanz -in Deutschland täglich allein gegen 200000 Pfund Brot gewinnen könnte. -Deshalb schlug er vor, dem Teige kohlensaures Natron und Salzsäure -zuzusetzen, deren Mischung Kohlensäure entwickelt. Denselben Zweck -verfolgt die Zugabe des Horsford-Liebigschen Backpulvers, das aus -saurem phosphorsaurem Kalk und doppeltkohlensaurem Natron mit Stärke -vermengt besteht. Zurzeit finden sich eine ganze Reihe von Backpulvern -im Handel, bei welchen die Kohlensäurequelle stets dieselbe ist. - -Großen Beifall haben diese Neuerungen allerdings nicht gefunden, zum -Teil wohl wegen des eigentümlichen Geschmackes, den sie der Backware -verleihen, zum Teil auch aus dem Grunde, weil es eine Neuerung war, der -das Bäckergewerbe überhaupt recht wenig zugetan ist. Kurz sei noch das -Treibeverfahren des englischen Arztes Dauglish erwähnt, der vorschlug, -die Kohlensäure, der man zur Auflockerung bedarf, in einem besondern -Apparate zu entwickeln, dann in Wasser einzupressen, letzteres in -einem geschlossenen Behälter innig mit dem Mehle zu einem Teig zu -mengen, diesen portionenweise austreten zu lassen und zu verbacken. Ein -Vorzug dieser Methode ist die absolute Sauberkeit; jedoch soll auch -die Schmackhaftigkeit eine geringere sein. Dieses ~aereted bread~ wird -besonders in England hergestellt. - -Das Brot ist noch heute, wie bei den alten Kulturvölkern am Mittelmeer -vor 2000 und mehr Jahren, bei allen Nationen der gemäßigten Zone neben -der Kartoffel das wichtigste Nahrungsmittel für jedermann, für alt und -jung, für reich und arm, für hoch und niedrig. Es bildet die Grundlage -unserer ganzen Ernährung. Morgens, mittags und abends findet es sich -auf dem Tische; es begleitet den Arbeiter bei seinem Tagewerke, das -Kind zur Schule, den Reisenden auf seinen Wanderungen. Obgleich täglich -genossen, ist es stets in gleichem Maße begehrt und beliebt. Nie -entleidet es uns, obschon wir es immer wieder essen. Alle unsere Arbeit -gipfelt in der Beschaffung des „täglichen Brotes“ als des notwendigsten -Existenzmittels. „Gib uns heute unser tägliches Brot!“ lehrte -Christus die Seinen zu Gott beten, und ~panem et circenses~ „Brot und -Zirkusspiele!“ verlangte der von den Machthabern verwöhnte Pöbel in -Rom. Schon Platon, der große Schüler des Sokrates (439-347 v. Chr.), -legte seinem Idealstaate die Brotnahrung zugrunde, indem er sagt: „Die -Hauptnahrung der Republikaner soll aus Gerstenschrot und Weizenmehl -bestehen, welche mit Wasser vermengt gekocht und gebacken werden, so -daß ein tüchtiger Brei (~máza~) und Brot (~ártos~) entsteht und beides -in Körben oder auf reinen Blättern aufgetragen werden kann.“ - - Tafel 87. - -[Illustration: Elektrisch getriebene Knetmaschinen in einer größeren, -modern eingerichteten Bäckerei. - -(Eingerichtet von Werner & Pfleiderer in Cannstatt.)] - - Tafel 88. - -[Illustration: Backraum einer größeren Bäckerei mit Dampfbacköfen. - -(Eingerichtet von Werner & Pfleiderer in Cannstatt.)] - -Der jüdische Erzvater Abraham (um 2000 v. Chr.) kannte durch Gärung -getriebenes Brot noch nicht. Seine Nachkommen scheinen es erst in -Ägypten kennen gelernt zu haben, wo das Herstellen von Brot aus -Hefe und Sauerteig schon lange geübt wurde und, wie uns die alten -Grabdenkmäler lehren, vielerlei Brot und Gebäck hergestellt wurde. -Nur fiel es den später nach Ägypten gekommenen Griechen, so Herodot -und Strabon, auf, daß die Ägypter zwar den Lehm mit den Händen, -den Brotteig aber mit den Füßen kneten. Tatsächlich sehen wir auch -in einem großen Gemälde im Grabe Ramses’ III. aus der 20. Dynastie -(1198-1167 v. Chr.) zu Theben dargestellt, wie einst in der königlichen -Hofbäckerei das Brot auf diese Weise mit den Füßen geknetet wurde. Die -als ~er-aeiks~, d. h. Brotmacher, bezeichneten Knechte sind eifrig -an der Arbeit. Neben einem Korb mit gärendem Teig sind zwei junge -Bäckerknechte eben damit beschäftigt, in einem Holztrog die schon -gesäuerte Masse mit den Füßen zu kneten. Lustig scheinen sie dabei in -der zähen Masse herumzuspringen und, um das Gleichgewicht zu halten, -den Schwerpunkt ihres Körpers durch Holzstäbe zu unterstützen. Sonst -aber ist auf den bildlichen Darstellungen das Kneten des Brotteiges -mit den Füßen die Ausnahme und dasjenige mit den Händen die Regel. -Meist geschieht solches in schüsselartigen Körben oder auf flachen, auf -dem Tisch oder am Boden befindlichen Steinen. Bisweilen begegnen wir -abgeschrägten Knetsteinen, auf denen Teigballen von den davor hockenden -Arbeitern hin- und hergerollt werden. Auf einem weiteren Gemälde aus -dem Grabe Ramses’ III. tragen Knaben dem Teigformer in Krügen Wasser -und Teig herbei und dieser ist eifrig beschäftigt, einem vor ihm auf -dem Knetstein des Tisches liegenden Teigballen Gestalt zu geben. Rechts -davon schneidet ein Bäckerknecht den gerollten Teig in Streifen, -ein anderer bildet Ringel daraus, welche Spiralform aufweisen und -unserem Schneckengebäck ähneln. Hinter ihnen reinigt ein Arbeiter den -ausgebrannten Backofen von der Asche, während ein anderer Bäckergeselle -die garen Brote von der Außenseite eines andern Ofens abnimmt, auf -dessen Außenseite noch ein einziger runder Fladen zum Garwerden klebt. - -Der altägyptische Backofen war etwa 1 m hoch, aus Lehm gebaut und -glich einem auf den Kopf gestellten bodenlosen Steinkruge. In seinem -Innern wurde ein Holzfeuer angezündet, dessen Flammen auf dem soeben -erwähnten Bilde über den Rand emporschlagen. Wenn er dann hinlänglich -erhitzt war, klebte man die flachen Brote außen hin und ließ sie -gar backen. Die ärmere Bevölkerung buk ihre Fladenbrote einfach auf -erhitzten Steinplatten oder in der heißen Asche. Auf der anschaulichen -Darstellung der Hofbäckerei Ramses’ III. ist abgebildet, wie einer -der Bäckerjungen die eben geformten runden, gelben Brote in einem -flachen Korbe dem Ofen zuträgt und zwei andere bereit sind, ihm die -Last abzunehmen; ein vierter bestreut das Gebäck mit einem Gewürz, -das vermutlich aus Sesamkörnern besteht. Endlich sehen wir einen -Bäckerknecht in einem sehr großen, flachen Korbe das fertiggestellte -Brot wegtragen, um es vermutlich dem in Inschriften erwähnten -„Wohnungsvorsteher“ zu bringen. Aus der Zeit des Aufenthaltes der -Juden in Ägypten -- also um 1300 v. Chr. -- stammt der in Paris -aufbewahrte Papyrus Rollin, in welchem des „Chefs der königlichen -Bäckerei“ Erwähnung getan wird, durch welchen allein 114064 Brote -in das königliche Magazin geliefert wurden. Derselbe gibt zugleich -auch genauen Aufschluß über Ämter und Verpflichtungen der Hofbäcker, -über die ihnen gelieferten Mehlmengen und wie sie beim Backen und -Brotverteilen vorgehen sollen. - -[Illustration: Bild 49. Verschiedene Formen altägyptischer Brote. (Nach -Woenig.)] - -Die altägyptischen Brote waren nicht über daumendicke, runde, ovale, -halbkugelige, dreieckige oder stumpfkantig viereckige Fladen mit -teilweise erhabenem Rand und mancherlei Verzierung wie Strichen, -Punkten, Bogen und Streifen. Letztere wurden, wie aus den Reliefs -deutlich hervorgeht, besonders aufgesetzt. Neben den fladenförmigen -finden sich ausnahmsweise auch kegelförmige Brote. Auf den Gemälden -sind sie weiß (mit Mehl bestreut), hellgelb oder gelbbraun gemalt. -Feineres Gebäck wurde auch zu allerlei Figuren, wie Sternchen, -Scheiben, Dreiecken, Triangeln, Cymbeln, Blumen, Ochsen, Kühen, -Kälbern, Schafen, Gänsen, Fischen usw. geformt; denn Gebäck in Tierform -wurde in Ermangelung von Opfertieren von den Armen den Göttern und -Verstorbenen dargebracht. - -Nach Form und Güte unterschied man eine große Zahl verschiedener -Brotsorten, die in den Hieroglypheninschriften gewissenhaft vermerkt -wurden. So wird uns darin von Brotsorten das ~ak~, ~pes~, ~pesen~ und -~pesennu~ genannt. Das ~ak~ war in späterer Zeit der vergöttlichten -Prinzessin Berenike geweiht, führte einen besonderen Stempel und -stand als Geschenk für die Frauen der Priester hoch in Ehren. Eine -gewöhnliche Art hieß ~sens~, und das oben erwähnte spiralige Gebäck war -unter dem Namen ~uten-t~ beliebt. Außer den zahlreichen einheimischen -Brotsorten wurden dann besonders im neuen Reich (1580 bis 1205 -v. Chr.) auch allerlei Backwerke aus Syrien, Kleinasien und -Mesopotamien importiert. So wird in den Inschriften als Speise für -die Götter das syrische Kamhbrot genannt; auch das Keleschet- und -Arupusabrot waren ausländische Produkte. - -Interessante Aufschlüsse über die Brotarten und den gewaltigen -Brotkonsum des mit äußerst zahlreichem Gefolge reisenden Pharao liefern -auch einige Verproviantierungslisten, die dem Reisemarschall diktiert -wurden, wenn sich der königliche Hof auf Reisen begab. So erfahren -wir aus dem Briefwechsel des Schreibers Eunana mit seinem früheren -Lehrer und Vorgesetzten Kagabu, daß eine Stadt durch den Reisemarschall -strenge Order erhielt, für die Durchreise seiner Majestät bereit zu -halten: 16000 Stück gute Brote, und zwar in sechs Sorten, 13200 Stück -von andern Brotsorten, 4000 Stück Kuchen von allerlei Art usw. usw. - -In dem aus der Zeit Ramses’ III. herrührenden großen Festkalender, der -an der südlichen Außenwand des Tempels von Medinet-Habu die riesige -Fläche von 62 m Länge und 4 m Breite einnimmt, wird bezüglich des -Apetfestes ein Extrageschenk für die Priesterschaft erwähnt und genau -berechnet, welche Mengen von Aanebnebgebäck, Hakgetränk, süßem und -frischem Rak- und Ukgetränk an den Tempel geliefert werden sollen; denn -Brot gehörte nicht nur zu den Hauptabgaben an die Tempel, sondern es -bildete auch in verschiedener Form und Güte einen Hauptbestandteil der -Opfer. Und wo wir auf den bemalten Flächen der Grab- und Tempelwände -Gabentische abgebildet finden, sehen wir zwischen dem bunten -Allerlei des Dargebotenen die flachen Brote oft in mehrfachen Lagen -übereinander abgebildet. Die alten Ägypter verstanden es auch, durch -testamentarische Verfügung in Form langer Opferlisten zur Speisung -ihres ~ka~ (Seele) auch für kommende Zeiten zu sorgen, und es ist -geradezu erstaunlich, was für Mengen von Brot, Kuchen, Krügen mit Wein -und Bier, Öl, Weihrauch und „Tausenden von allen guten, reinen und -süßen Dingen“ ein vornehmer Ägypter als stehende Totengabe für sich -beanspruchte. So steht schon in den Gräbern des alten Reichs, während -welcher Zeit auch die Lebenden viel bescheidener als zu derjenigen des -seine Herrschaft bis weit nach Vorderasien und Äthiopien erstreckenden -neuen Reichs lebten, daß sich der Tote für das Leben in den westlichen -Gefilden 10 verschiedene Arten Fleisch, 5 Arten Geflügel, 16 Arten -von Brot und Kuchen, 5 Arten Wein, 4 Arten Bier, 11 verschiedenerlei -Früchte, außerdem alle Arten von Süßigkeiten und viele andere Dinge -wünsche. - -Auch die alten Kulturvölker des Orients aßen die verschiedensten Sorten -von getriebenem oder gesäuertem Brot. Nur an gewissen Festen wurde -etwa als Erinnerung an die Vorzeit das damals übliche ungesäuerte -Brot verspeist. So untersagte der in einem vornehmen ägyptischen -Hause erzogene Jude Moses seinen Volksgenossen, als er sie um 1280 -v. Chr. aus Ägypten führte, den Genuß gesäuerten Brotes beim Passahfest, -ein Gebot, das bis auf den heutigen Tag von den Angehörigen jenes -Volkes befolgt wird. Bei dem mannigfaltigen Verkehr mit dem an Kultur -weit älteren Orient kann es uns nicht wundern, daß das getriebene -Brot schon sehr früh den Griechen bekannt wurde. In Athen galt der -aus dem Morgenlande über Kleinasien und Thrakien mit der Gabe des -Weinbaus nach Griechenland gekommene Gott des Natursegens, Dionysos, -als der Erfinder des Brotbackens und wurde darob hochgefeiert. An -seinem Feste, den Dionysien, wurden ihm zu Ehren große Schaubrote in -Prozession herumgetragen. Die Griechen der späteren Zeit scheinen -die Kunst des Backens wesentlich verfeinert zu haben. Aus den -verschiedenen Getreidearten, besonders aber aus Weizenmehl, stellten -sie mit Zuhilfenahme von Öl, Milch, Käse, Wein, Honig und Eiern die -mannigfaltigsten Arten von Backwerk her. - -Von Griechenland kam dann die Brotbäckerei über die süditalischen -Kolonien zu den Römern nach Mittelitalien, die den griechischen Wald- -und Weidegott Pan als Erfinder der Kunst des Brotbackens feierten. -Nach ihm sollen sie das Brot ~panis~ (im italienischen ~pane~ und -französischen ~pain~ bis heute erhalten) genannt haben. Erst im Jahre -170 v. Chr. wurde der Gebrauch des Backofens, dessen sich die Griechen -schon lange vorher bedient hatten, in Latium bekannt, während man -vorher das neben dem Brei gegessene Brot auf heißgemachten Steinen oder -in der heißen Asche zu backen pflegte, und zwar jede Haushaltung für -ihren eigenen Bedarf. Damals bildete sich in Rom das Bäckerhandwerk -aus, und zwar wurden die Bäcker nach der Tätigkeit des Stampfens -des gerösteten Getreides ~pistores~ genannt. So schreibt der ältere -Plinius in seiner Naturgeschichte: „Bäcker (~pistores~) hat es in -Rom bis zum Kriege gegen Perseus (den König von Makedonien, der 168 -von Lucius Ämilius Paullus bei Pydna geschlagen wurde und 166 als -Gefangener in Alba in Mittelitalien starb), also bis zum Jahre 580 -nach Erbauung der Stadt nicht gegeben. Die Römer bereiteten sich ihr -Brot selbst, und dies Geschäft lag insbesondere den Weibern ob, was -noch jetzt bei den meisten Völkerschaften Sitte ist. Für Leckermäuler -pflegten Köche (~coqui~), die man aus den Garküchen mietete, das -Brot zu bereiten. Damals nannte man nur die Leute, die das Getreide -stampften, ~pistores~, nicht die Bäcker. Von den von ihnen gebrauchten -Werkzeugen sind die aus Pferdehaar geflochtenen Siebe (~cribra~) -in Gallien erfunden, die Mehl- und Staubbeutel (~excussoria~ und -~pollinaria~) aus Leinengewebe in Spanien, die aus Papyrus und Binsen -dagegen in Ägypten.“ Weiterhin sagt er: „Es scheint mir überflüssig, -die verschiedenen Arten von Brot (~panis~) ausführlich zu besprechen. -Manches davon hat seinen Namen von der Fleischspeise, die man dazu -ißt, z. B. das Austerbrot, anderes von seinem Wohlgeschmack, wie das -Kuchenbrot, anderes von der Schnelligkeit der Zubereitung, wie das -Schnellbrot, oder von der Art, wie es gebacken wird, wie das Ofen- oder -Topf- oder Pfannenbrot. Vor nicht gar langer Zeit haben wir auch durch -die Parther eine Brotsorte kennen gelernt, welche parthisches oder -Wasserbrot genannt wird, weil seine feinen, schwammartigen Höhlungen -Wasser einsaugen. Es gibt auch Völker, die Butter in den Brotteig -kneten. Den Picentinern verdanken wir das Graupenbrot. Neun Tage läßt -man die Graupen (~alica~) weichen; am zehnten knetet man die Masse mit -dem Saft getrockneter Trauben zur Gestalt eines Kuchens und bäckt sie -im Backofen (~furnus~) in Töpfen (~ollae~), die im Ofen platzen sollen. -Solches Graupenbrot verzehrt man nur, nachdem es eingeweicht ist, -was gewöhnlich in süßer Milch geschieht. -- Als noch Gerstenbrot im -Gebrauch war, wurde es durch Zutat von Erbsen und Kichererbsen gesäuert -und zwei Pfund davon genügten für fünf halbe Scheffel (~modius~, dieser -war das größte römische Maß für trockene Dinge und maß 8,75 Liter). -Jetzt gewinnt man das Gärungsmittel (~fermentum~) aus dem Brotmehl -selbst. Man knetet es nämlich, ehe Salz hinzukommt, kocht es dann wie -Brei (~puls~) ab und läßt es nachher stehen, bis es sauer wird. Noch -gewöhnlicher ist es aber, vom jedesmaligen Backen Teig aufzuheben und -ihn beim folgenden Backen als Sauerteig zu verwenden.“ - -Unerschöpflich ist besonders der biedere ältere Cato (234-149 v.Chr.) -in der Angabe der verschiedensten Rezepte für Brei, Fladen, Kuchen -und Brot aus allen möglichen Ingredienzen, unter denen Eier, Käse, -besonders Schafkäse, Honig, Anis, Kreuzkümmel, Mohnsamen und Schmalz -oder Olivenöl eine große Rolle spielen. Es würde uns aber zu weit -führen näher darauf einzugehen; es genüge hier zu bemerken, daß in -Pompeji die Backöfen allemal mit den Mühlen in einem Hause gefunden -wurden und wie die unsrigen aus einer stark ummauerten Höhlung -bestehen, welche unten wagrecht und eben, oben aber halbkreisförmig -gewölbt ist. Auch Brote haben sich noch darin gefunden, die kreisrund, -1 Fuß im Durchmesser, 15 cm hoch sind. Durch vom Mittelpunkt -ausstrahlende Schnitte sind sie in acht gleiche Teile geteilt, und -tragen vielfach mit einem Stempel den Namen des Bäckers in erhabener -Schrift aufgedruckt. Schon zur Zeit von Augustus gab es in Rom über -300 öffentliche Bäckereien; doch stellten damals noch die meisten -Haushaltungen ihr Brot selbst her. - -Von den nördlicheren Völkern lernten die Gallier zuerst das Brot -kennen, das sie als erste mit Bierhefe trieben. Bei den Germanen kam -es erst zu Beginn des Mittelalters allgemein in Gebrauch. Vorher genoß -man statt seiner einen Brei oder eine zu einer zähen, teigartigen Masse -gar gesottene Mischung von Mehl und Wasser oder Milch, die in Stücke -gerupft und, in etwas Schmalz oder Butter gebraten, genossen wurde. -In Schweden kannte das Volk noch im 16. Jahrhundert kein anderes Brot -als ungegorene, dichte, harte Fladen, die aus Wasser und Mehl geknetet -und gedörrt waren. Erst seit dem 18. Jahrhundert fand das Weizenbrot -in Mitteleuropa außerordentliche Verbreitung. Teigknetmaschinen wurden -zuerst 1787 in Wien und Holland probiert, dann kamen sie 1789 in Genua -auf; aber weitere Verbreitung fanden sie erst seit 1810, da Lambert in -Paris eine brauchbare Konstruktion angab, die später in verbesserter -Gestalt durch Fontaine 1839 mit gutem Erfolg angewandt wurde. - -In engstem Zusammenhange mit dem Backen des Brotes stand das Brauen -des +Bieres+, wie schon die Tatsache beweist, daß der Mehlbrei, aus -dem einst Brot und Bier bereitet wurde, im Althochdeutschen ~brôt~ -und seine Bereitung ~briuwan~ hieß, aus welch letzterem Wort dann -brauen wurde. Den einst innigen Zusammenhang beider Tätigkeiten -beweist auch der Umstand, daß man heute noch in Nubien, manchen Orts -in Ostasien und zum Teil in Rußland das Bier aus zuvor verbackenem -Getreide, also Brot, bereitet. Dieses aus einem Brei gerösteter oder -verbackener Getreidekörner, der einfach der Gärung durch wilde Hefen -überlassen wurde und in dem natürlich auch zahlreiche Bakterien -ihr Wesen trieben, gewonnene Urbier, das wir uns süßlichsauer und -recht trübe vorzustellen haben, muß für unsere verwöhnten Zungen -sehr fade geschmeckt haben, weshalb die verschiedensten Würzen zu -seiner Geschmacksverbesserung zu Hilfe genommen wurden. So werden im -Sudan und in Kordofan dem aus den Samen der ~Penicillaria hirsuta~, -einer Verwandten der Negerhirse, hergestellten Bier Zweige einer -scharfen Wolfsmilchart ~Callotropis procera~ zugesetzt, wie man in -Norddeutschland, Dänemark und Skandinavien noch 1477 durch Zusatz der -zerquetschten Beeren von Sumpfmyrte (~Myrica gale~) und Wacholder das -Gruten- oder Gruysenbier bereitete. In Nordamerika erhielt man durch -Zusatz der Schößlinge der Schierlingstanne das Sprossenbier. In Island -und Irland wurden die Samen der wilden Mohrrübe als Bierwürze benutzt, -bis schließlich der Hopfen alle solchen verdrängte und heute in der -ganzen Kulturwelt ausschließlich zur Verwendung gelangt. - -Wie aus dem mit Wasser verdünnten Honig durch einfaches Stehenlassen -mit Hilfe der hineingelangten allgegenwärtigen Hefepilze der Met als -das älteste der berauschenden Getränke entstand, so wurden allerlei -zuckerhaltige Pflanzensäfte wie Palm-, Agaven- und Obstsaft und -von tierischen die Milch auf dieselbe Weise zur Herstellung von -berauschenden Getränken, nach denen die Menschheit seit Urzeiten als -beliebtes Genußmittel lüstern ist, verwendet. Bald lernte man auch, -daß mehlhaltige Stoffe durch Einwirkenlassen von Speichel gärfähig -werden und zur Bereitung von Bier dienen können. So hat man jedenfalls -schon vor der Einführung des Hackbaus aus mehlhaltigen Samen von -allerlei Wildgräsern und später gepflanzten Gräsern, vielfach nach -vorhergehendem Aufkochen in Wasser, so lange man keine gebrannten Töpfe -besaß mit Hilfe darein geworfener Steine durch sogenanntes Steinkochen, -wie solches bei den Letten bis zum Ende des 18. Jahrhunderts und in -Kärnten zum Teil heute noch bei der Herstellung von Steinbier üblich -ist, durch Kauen im Munde und nachheriges Ausspucken in Gefäße, worin -die Masse eine Zeitlang zur Fermentwirkung sich selbst überlassen -blieb, die ältesten Bierarten hergestellt. So wird heute noch die -Kawa der Südsee aus der Wurzel des Kawapfeffers, das Reisbier auf -Formosa, das Maisbier in Peru und Bolivia und ein in Argentinien bei -den Eingeborenen beliebtes Bier aus den Früchten einer Leguminose -hergestellt. Auch im nördlichen Europa muß einst ein solches Bier -bereitet worden sein, wie wir aus der Sage des Gottes Kwasir entnehmen -können, den die Asen und Wanen (Fruchtbarkeit spendende vergöttlichte -Naturkräfte) bei ihrem Friedensschlusse aus ihrem gemeinsamen Speichel -erschufen. Bei dieser recht urwüchsigen Bierbereitung verzuckerte der -Speichel das Stärkemehl und lieferte so eine gärungsfähige Zuckerlösung. - -Appetitlicher nach unsern Begriffen ist es, worauf man später erst -verfiel, das stärkemehlhaltige Getreidekorn keimen zu lassen, wobei der -Embryo das Diastase genannte Ferment bildet, um die Stärke in löslichen -und damit für ihn assimilierbaren Zucker zu verwandeln. Dieses jüngere -Verfahren benützen wir bis auf den heutigen Tag in der Brautechnik. -So läßt der Bierbrauer die Gerste, die heute fast ausschließlich zur -Verwendung gelangt, keimen, bis sich reichlich Diastase gebildet hat -und durch teilweise Umwandlung der Stärke in Zucker das süßschmeckende -Malz entstanden ist. Dann wird die Keimung durch Trocknen und Erhitzen -unterbrochen, das Malz „gedarrt“. Je nach der Temperatur, die beim -Darren zur Anwendung gelangt, nimmt es dabei eine hellgelbe bis -dunkelgelbe Farbe an, die nachher für die Farbe des Bieres bestimmend -ist, und gleichzeitig bilden sich bei höherem Erhitzen aromatische -brenzliche Stoffe, die sogenannten Karamelstoffe, die auch für den -Biergeschmack wichtig sind. Die Darrtemperatur kann bei den ganz -dunkeln, karamelreichen Bieren, wie z. B. beim Kulmbacher, bis gegen -100° C. betragen. - - Tafel 89. - -[Illustration: Malztenne der Löwenbrauerei in München. - -Sudhaus der Löwenbrauerei in München.] - - Tafel 90. - -[Illustration: Gärkeller der Löwenbrauerei in München. Aus den -gefüllten, oben offenen Bottichen quillt der Schaum der gärenden -Flüssigkeit hervor. - -Lagerkeller der Löwenbrauerei in München.] - -Dann wird das Malz zerkleinert, und durch Hinzugießen von Wasser -werden aus ihm die löslichen Bestandteile mit Einschluß der Diastase -herausgezogen, extrahiert wie der technische Ausdruck lautet. Bei auf -etwa 50° C. erhöhter Temperatur beginnt nun die Wirkung der Diastase -auf die noch unverzuckerte Stärke, welche in Malzzucker und Dextrine -übergeführt wird. Bei längerer Einwirkung werden dann auch die Dextrine -allmählich angegriffen. Von der Leitung dieses Maischprozesses, bei dem -die Diastasewirkung jederzeit durch Aufkochen unterbrochen werden kann, -hängt es also ab, ob man ein „vollmundiges“ Bier mit reichlicherem -oder ein „weinig schmeckendes“ Bier mit geringerem Dextringehalt haben -will. Ersteres lieben wir Deutschen, während die Engländer letzteres -bevorzugen. Dementsprechend wird in Deutschland die Maische meist nach -dem Kochverfahren hergestellt, d. h. die Masse bald aufgekocht und dann -wieder ungekochte neue Maische hinzugefügt, während sie in England -überhaupt ohne Aufkochen nur bei höherer Temperatur bereitet wird. Die -Maische wird hierauf von den festen Rückständen, den Trebern, befreit -und dann noch mit dem Hopfen zusammen einige Stunden gekocht. Nach -dem Absieben der Hopfenreste und der ausgeschiedenen Eiweißstoffe -wird sie in offenen Kühlschiffen oder neuerdings auch in besonderen -Apparaten gekühlt und dann zum Einleiten der Gärung in die Gärbottiche -übergeführt. Dieser Prozeß interessiert uns hier hauptsächlich. - - Tafel 91. - -[Illustration: Das Hofbräuhaus in München.] - - Tafel 92. - -[Illustration: Im Hof des Hofbräuhauses in München.] - -Das ältere Verfahren bei der Herstellung von Bier ist die Obergärung, -die viel schneller verläuft und keine besondere Kühlhaltung verlangt, -dabei also bald trinkbares, billiges Bier liefert, das aber den -Nachteil besitzt, nicht so haltbar zu sein und meist durch Infektion -mit anderen Pilzen einen säuerlichen Geschmack aufzuweisen. Dieser -Gärprozeß, der bei einer Temperatur zwischen 15 und 25° C. erfolgt, -wobei die Hefe oben schwimmt und erst nach der Gärung teilweise nach -unten sinkt, wie man vom Weißbier her weiß, ist viel schwerer vor -Störungen zu schützen, die Qualität des Bieres also nicht leicht -gleichmäßig zu erhalten. Die Hauptgärung dauert nur wenige Tage; -dann wird die Nachgärung, die noch sehr lebhaft ist, auf den Fässern -eingeleitet. Ja bisweilen wird nach alter Vätersitte die ganze Gärung -gleich auf dem Faß eingeleitet und beendet. - -Da solches Bier nicht leicht gleichmäßig zu erhalten ist und sich -außerdem nicht zum längeren Aufbewahren, also zum Lagerbier eignet, ist -diese obergärige Methode neuerdings ganz gegenüber der Untergärung, die -diese Nachteile nicht besitzt, in den Hintergrund getreten. Diese kann -nur im Winter oder in künstlich gekühlten Räumen vor sich gehen, da sie -bei einer Temperatur von 5-6° C. verläuft. Bei ihr setzt sich die Hefe, -sobald sie nicht mehr durch die entstehende Kohlensäure aufgewirbelt -wird, sobald also die Gärung etwas nachläßt, im Gegensatz zu der in der -Flüssigkeit schwebend bleibenden Oberhefe fest am Boden des Gefäßes ab. -Bei diesem Verfahren, dem alle deutschen Biere mit Ausnahme einiger -Spezialitäten, wie beispielsweise das Berliner Weißbier, die Leipziger -Gose und das Lichtenhainer Bier, unterworfen werden, wird die Würze, -sobald sie auf die erforderliche niedrige Temperatur abgekühlt worden -ist, in den Gärbottichen mit Reinzuchthefe in reichlicher Menge -- -etwa ½ Liter dickflüssiger Hefe auf einen Hektoliter Bier -- versetzt -und mit Krücken gut durchgerührt. Bei der nun erfolgenden Hauptgärung -bedeckt sich die Oberfläche zuerst mit einem feinen und dann mit einem -immer dicker werdenden bräunlichen Schaum, der neben Hefezellen aus -ausgeschiedenen eiweißartigen und schleimigen Stoffen besteht. Da durch -die chemischen Umsetzungen während der Gärung die Temperatur stark -steigt, so muß dauernd für gute Kühlung Sorge getragen werden, damit -nicht eine Erwärmung über 11° bei dunklen und 9,5° bei hellen Bieren -eintritt. Allmählich läßt die stürmische Gärung nach, die Hefe sinkt -allmählich zu Boden und damit klärt sich die Flüssigkeit, die nun zur -Nachgärung in die Lagerfässer übergepumpt wird. Will man die Nachgärung -beschleunigen, so nimmt man viel Hefe mit, dann ist aber das Bier nicht -zu langem Lagern geeignet. Im Lagerkeller, dessen Temperatur nur etwa -1° C. betragen soll, ruht nun das „Jungbier“ 3-6 Wochen, wenn es zu -baldigem Ausschank bestimmt ist, und mehrere Monate, wenn es als Lager- -oder Sommerbier dienen soll. Dabei geht die Gärung langsam weiter -ihren Gang, es bildet sich reichlich Kohlensäure, die ihm den angenehm -prickelnden Geschmack verleiht, und der anfänglich noch scharfe -Vorgeschmack wird in einen immer wohlschmeckenderen umgewandelt, der -die Güte des reifen Bieres ausmacht. Mit der Vollendung der Nachgärung -ist das Bier völlig klar geworden, indem die Hefe am Boden liegt, -und wird, nachdem es zum Überfluß noch filtriert worden, in die -Transportfässer gefüllt und zum Verkauf gebracht. - -Erst die technische Entwicklung der neuesten Zeit hat dieses -gleichmäßig gute, äußerst haltbare untergärige Bier zu brauen -ermöglicht, während das früher gebraute Bier sehr ungleich ausfiel, -weniger gut schmeckte, auch schwächer alkoholhaltig war und sich nur -kurze Zeit hielt, d. h. bald sauer wurde und in Essiggärung verfiel, -wenn es nicht durch Kahm-, Schimmel- und Spaltpilze verdarb. So -hat sich aus der bescheidenen Bierbrauerei der alten Ägypter, die -diese Erfindung ihrem obersten Gott Osiris zuschrieben, meist Gerste -zum Mälzen verwandten und an Stelle des ihnen unbekannten Hopfens -Safran und andere Pflanzenstoffe als Würze verwandten, im Laufe der -Jahrhunderte das kapitalkräftige moderne Braugewerbe entwickelt, -das eine enorme Ausdehnung erlangt hat. Welche volkswirtschaftliche -Bedeutung die Brauindustrie speziell in Deutschland besitzt kann man -ermessen, wenn man bedenkt, daß der Kaufwert der Braumaterialien in -diesem Lande bereits im Jahre 1900 etwa 400 Millionen Mark betrug, von -denen als nutzbare Abfallstoffe der Landwirtschaft zirka 50 Millionen -zurückgegeben wurden. Der Herstellungswert betrug gegen 900 Millionen -Mark. Demgegenüber war die Steinkohlenproduktion Deutschlands nur 800 -Millionen und waren sämtliche Hüttenerzeugnisse 700 Millionen Mark -wert. Die Rübenzuckerindustrie verbraucht sogar nur für 225 Millionen -Mark Rüben und liefert etwa für 30 Millionen Mark Material an die -Landwirtschaft zurück. - -Neben den echten Bieren, die also mit Zusatz von Hopfen gebraut -werden, erzeugt man da und dort noch eine Menge dem Urbier nahe -stehender säuerlicher Biere, unter denen der +Kwaß+, das russische -Nationalgetränk, in Europa das wichtigste ist. Es wird aus -allerlei Getreidearten, aus Mehl, Malz, aber auch aus Brot und -Zwieback hergestellt, die zuerst gekocht und dann einer spontanen -Milchsäuregärung überlassen werden, der sich eine geringfügige -alkoholische Gärung hinzugesellt. Daraus resultiert ein säuerliches, -moussierendes Getränk mit einem Alkoholgehalt von weniger als 1 Prozent --- während unsere Biere meist etwa 4 Prozent davon enthalten --, das -in Unmengen von allen Bevölkerungsschichten Rußlands vertilgt wird. -Früher war es viel weiter verbreitet und wurde auch von den Arabern im -Mittelalter hergestellt, wofür Kobert, der ihm eine ganze Monographie -gewidmet hat, eine Menge Belege vorbringt. - -Ihm ähnlich sind die säuerlichen Biere, die wir als +Hirsebiere+ -nicht nur bei den Rumänen, sondern bei fast allen afrikanischen -Stämmen finden. Häufig findet man in ihnen eine bestimmte Hefe, den -~Schizosaccharomyces pombe~, der seinen letzteren Namen von einer -weitverbreiteten Abart dieser Negerbiere führt. Auch an manchen -Früchten haften bestimmte Hefearten in Gemeinschaft mit Bakterien, die -zur Erzeugung alkoholischer Getränke benutzt werden. So stellt man -in England vielfach aus Zuckerwasser und Ingwerwurzel mit Zusatz von -gewissen Früchten, die den Hefenpilz ~Saccharomyces piriformis~ neben -Bakterien enthalten, das moussierende +Ingwerbier+ her. - -Von großem Interesse, weil ein bedeutendes Gewerbe darstellend, -ist die Herstellung des hellgelben, sherryähnlichen japanischen -Nationalgetränks +Saké+, das heiß in kleinen Porzellanschälchen -getrunken wird. Nach seiner Gewinnung aus Reis ist es zu den -bierähnlichen Getränken zu rechnen, nach seinem schließlich erzeugten -Charakter und seinem hohen Gehalt von 12-18 Prozent Alkohol hat es -mehr Verwandtschaft mit den Südweinen. Die Bereitung des Saké ist eine -uralte Kunst der Japaner, die sich in vier Teilprozesse gliedert. -Zuerst wird die spezielle Hefe, die Koji bereitet, indem gekochter -Reis mit sporenhaltigen Kolonien des Reisschimmelpilzes (~Aspergyllus -oryzae~) angesetzt wird, die zu diesem Zwecke in unvollkommener -Reinkultur immer weiter gezüchtet werden. Dieser Pilz enthält eine -kräftige Diastase, die die Stärke des Reises in gärfähigen Zucker -verwandelt, daneben noch andere Schimmelpilze, Bakterien und eine -echte Hefe. Dann wird der Moto, die eigentliche Maische, wiederum aus -gedämpftem Reis bereitet und ihm die Koji zugeführt. Es tritt nun in -der Masse eine Milchsäure- und Alkoholgärung ein. Indem zu diesem -Gemisch wieder gekochter Reis und Koji hinzugefügt werden, folgt die -Hauptgärung, bis schließlich der Prozeß nach fünf Wochen abgelaufen -ist. Nun wird die Flüssigkeit abgepreßt, geklärt und ist zum Konsum -fertig. Die Alkoholgärung wird durch wilde Hefen vollzogen. Der ganze -Prozeß, der rein empirisch nach alten Rezepten vorgenommen wird, ist -noch wenig geklärt, obschon die in Europa gebildeten japanischen -Gelehrten auch hier an der Arbeit sind. - -Die Bereitung des +Weines+ geht noch in der alten Weise vor sich, wie -sie schon im alten Ägypten betrieben wurde, indem man den gekelterten -Most durch die an den Weinbeeren selbst sitzenden wilden Hefen gären -läßt. Nur ganz schüchtern machen sich Bestrebungen geltend, auch -diesen Vorgang durch Hinzufügen von reingezüchteten Hefen edler -Abstammung zielbewußt zu leiten. Da der ausgepreßte Traubensaft ein -außerordentlich günstiger Nährboden nicht nur für diese Hefe-, sondern -auch für die zahllosen darein geratenden Schimmelpilze und Bakterien -ist, muß die Hauptarbeit der Weinbereitung darin bestehen, die durch -letztere hervorgerufene abnorme Gärung zu verhindern nicht nur durch -peinlichste Sauberkeit in allen Dingen, sondern vor allem dadurch, -daß man für eine kräftig wachsende Hefe sorgt, die selbst der ärgste -Feind jener mit ihr zu konkurrieren versuchender Pilze ist. Durch die -kräftige Entwicklung der Weinhefe werden sie rasch überwuchert und in -ihrer Entwicklung gehemmt. - -Mit Recht vertraut der Winzer im allgemeinen der Güte der an den -Traubenbeeren, besonders der durch Insekten oder sonstwie verletzten -wuchernden natürlichen Hefepilze, von denen an denselben Trauben auch -immer dieselben Rassen vorzugsweise sitzen, so daß man von vornherein -auf ein bestimmtes Gärungsprodukt rechnen darf. Um eine kräftige -Entwicklung derselben zu erzielen, setzt man bei hoher Temperatur, -etwa 28° C. an, und zwar in offenen Bottichen, die gehörig durchlüftet -werden. Nach Ablauf der ersten, stürmischen Gärung bringt man den -jungen Wein in die Gärfässer, die durch Ventile so verschlossen sind, -daß zwar die sich entwickelnde Kohlensäure leicht entweichen, aber -keine äußere Luft mit ihren Keimen hinzutreten kann. Die Gärung wird -bei 15-20° C. so lange fortgesetzt, bis sich nur noch spärliche Blasen -von Kohlensäure entwickeln. Nun beginnt die wichtigste Tätigkeit, die -Kellerbehandlung, die den Wein zur Reife bringen soll. Bei ihr muß um -so mehr auf peinlichste Sauberkeit Bedacht genommen werden, da nun -die Hefe ihr energisches Wachstum eingestellt hat und infolgedessen -die Spaltpilze leichter neben ihr aufkommen könnten. Um letzteres zu -vermeiden, werden die Fässer nicht bloß gründlich gereinigt, sondern -auch durch Verbrennen von Schwefelfäden in ihnen alle Keime zerstört. - -In dem in sie übergeführten Wein wird der Zucker sehr langsam weiter -gespalten und nur eine sehr geringe Menge bleibt unversehrt. Ein -Teil der Kohlensäure bleibt im Wein und gibt ihm seinen prickelnden -Geschmack. Vor allem bilden sich aber jetzt langsam die für den Wein -charakteristischen Bukettstoffe aus, die die Nase und Zunge des -Genießenden besser würdigen können als die Analyse des Chemikers, -für den sie infolge ihrer minimalen Menge kaum greifbar sind. So -gehen unter dem Einfluß des durch die feinen Poren der Fässer -hindurchdringenden Sauerstoffs diese eigentümlichen Umwandlungen vor -sich, die den Wein edel und alt machen. Sie erstrecken sich über viele -Jahre, bis schließlich der Höhepunkt der Reife erreicht ist; dann aber -geht der Wein wieder zurück, er wird überreif und die Bukettstoffe -verlieren allmählich ihre Qualität. Wie lange das dauert, hängt von -den verschiedensten Umständen ab. Manche Weine sind schon nach wenigen -Jahren fertig; andere vertragen die Entwicklung mehrerer Menschenalter -und werden immer besser, wie namentlich einige zuckerreiche Südweine, -vor allem der Tokayer, bei dessen Herstellung den frischen Trauben -möglichst viel getrocknete Beeren derselben Sorte hinzugefügt werden, -um ihn recht süß zu bekommen. - -Im Fasse senkt sich nun die Hefe nach Aufhören ihrer Vermehrung langsam -zu Boden und reißt die noch vorhandenen festen Bestandteile wie -Kalksalze, Farbstoffe usw. mit. Durch dieses Absitzen erst erlangt der -Wein seine volle Klarheit. Zu diesem Zwecke wird er öfter in frische -Fässer umgefüllt, wobei der Bodensatz zurückbleibt. Um diesen Prozeß -zu beschleunigen, verwendet man eine Reihe von Mitteln, wie besonders -Hausenblase oder Gelatine, die eine Fällung bewirken und so alles im -Weine Schwebende zu Boden reißen. Nur Rotweine kann man wegen des -Verlustes an Farbstoff nicht auf diese Weise klären; man begnügt sich -bei ihnen mit dem Filtrieren. - -Ist so unter sorgsamer Pflege und bei Vermeidung der Spaltpilzinvasion -der Wein reif geworden, so wird er, wenn er von guter Qualität ist, -in Flaschen gezogen und entwickelt sich hier in ähnlicher Weise, -aber äußerst langsam weiter. Dieser Prozeß kann durch Steigerung der -Temperatur im betreffenden Keller bis auf 40° C. beschleunigt werden. -Geringe Weine dagegen vertragen das Altern nicht. - -Zur Herstellung der vollmundigen, kräftigen +Südweine+ läßt man die -Trauben am Stocke trocknen und dickt dann den daraus erhaltenen Most -noch über dem Feuer ein. Dabei brennen sie stets etwas an, was ihnen -den sie auszeichnenden leicht brenzlichen Geschmack verleiht, der -besonders beim Malaga hervortritt. Beim Portwein wird die Gärung -mitten drin durch Zusatz von Alkohol unterbrochen und zur Erhöhung der -Farbe noch Holundermark hinzugesetzt. Ganz ähnlich werden die Weine -von Madeira, Marsala, von den Kanaren und vom Kap der Guten Hoffnung -hergestellt. Andere, wie der Zyperwein, erhalten noch eine Würze -von Quittensaft und Gewürzen aller Art und werden dann noch einer -Räucherungsprozedur unterworfen. So werden sie schließlich einem Likör -ähnlicher als einem Wein. - -Die meist zu sauren +Obstweine+ werden wie die sauren Traubenweine -gallisiert, d. h. man verzichtet auf die direkte Abstumpfung -der überschüssigen Säure, sondern mildert sie durch Zusatz von -Zuckerwasser, wobei das Volumen bedeutend erhöht wird. Die -+Schaumweine+, die man fälschlicherweise Sekt nennt, da letzteres -historisch wie dem Sinne nach gerade das Gegenteil, nämlich einen -schweren, feurigen Südwein bedeutet, werden aus besonders geeigneten -leichten, bukettarmen Weinen durch eine spezielle Gärung in der Flasche -gewonnen. Zu ihrer Herstellung wird der geklärte, flaschenreife Wein -mit reichlich Rohrzucker -- 2,5-3 kg per Hektoliter -- und bestimmten, -sehr kräftigen Hefen zur weiteren Gärung in festverschlossenen Flaschen -angesetzt. Sobald sich der Zuckergehalt darin erheblich vermindert -hat und der Alkoholgehalt so hoch gestiegen ist, daß die Hefe nicht -mehr gären kann, beginnt sie sich abzusetzen, ein Prozeß, der durch -Rütteln an der Flasche systematisch gefördert wird, bis schließlich -in den umgekehrt aufgestellten Flaschen sich die Hefe auf den Korken -ansammelt und der Wein klar wird. Dann wird die Flasche geöffnet und -die Hefe herausgeschleudert, wie man sagt „degorgiert“. Nun setzt man -ihm den sogenannten Likör, bestehend in feinem Kognak mit Zucker und -besonderen, von jeder Fabrik geheim gehaltenen aromatischen Zusätzen -zu, verschließt die Flasche wieder und läßt sie noch einige Zeit -lagern, bis der Wein völlig reif geworden ist. Die Kraft des Schäumens -richtet sich nach der Menge Rohrzucker, und zwar erzeugen 4,5 g davon -per Flasche 1 Atmosphäre Druck. Bei guten Schaumweinen beträgt der -Druck gewöhnlich 4-5 Atmosphären; mehr wie 8 Atmosphären halten die -Flaschen nicht aus. - -Die Herstellung der +Branntweine+ war den alten Kulturvölkern durchaus -unbekannt. Sie kam erst etwa mit dem 8. Jahrhundert mit dem Aufblühen -der chemischen und alchimistischen Wissenschaft unter den Arabern -auf, und der Arzt Gabir Ibn Hajjan, in Europa Geber genannt, gilt als -der Entdecker des Alkohols, dessen Name ja arabischen Ursprungs ist. -Als diese Neuerung im Abendlande bekannt wurde, bemächtigten sich vor -allem die Klöster derselben und begannen bald einen schwunghaften -Branntweinhandel. Im 14. Jahrhundert war Italien das Hauptexportland -des zunächst nur als Medikament verwendeten Schnapses, der aber bald -auch als Genußmittel solchen Beifall fand, daß schon ein Jahrhundert -später der Steuerfiskus in Deutschland das Getränk mit einer -Verbrauchsabgabe belegte. Damals wurde von stärkemehlreichen Früchten -fast ausschließlich das Korn zu Branntwein verarbeitet, und zwar bald -in solchem Maße, daß die Regierung die Herstellung des Kornschnapses -an manchen Orten ganz verbot, weil ein allzugroßer Teil der köstlichen -Brotfrucht dadurch ihrem eigentlichen Zweck entzogen wurde. Erst im -18. Jahrhundert kam die Verwendung der Kartoffel als Rohfrucht für die -Schnapsbrennerei auf und 1750 soll zu Monsheim in der Pfalz die erste -Kartoffelbrennerei errichtet worden sein. Jetzt wird vorzugsweise diese -Nährfrucht dazu verwendet, und zwar zur Herstellung von fuselölfreiem -Reinspiritus, der dann technisch als solcher verwendet oder mit Beigabe -von aromatischen Essenzen zu den mannigfaltigsten Schnäpsen verarbeitet -wird. - -Die Kartoffeln werden zur Überführung der Stärke in Kleister gekocht -und, da sie nur sehr wenig Diastase zur Umwandlung des letzteren in -Zucker haben, bei einer möglichst hohen Temperatur von 45-50° C. mit -Malz versetzt. Nachdem die Verzuckerung der Stärke stattgefunden -hat, setzt man die Maische, wie wir dies bei der Bierbereitung -beschrieben haben, zur Gärung an, die bei 25° C. verläuft und nur etwa -drei Tage dauern darf. Und zwar verwendet man dazu nicht mehr wie -früher Bierhefen, sondern speziell die zu diesem Zwecke in besonderen -Anstalten in großen Mengen in Reinkultur gezüchteten obergärigen, -stark gelüfteten Brennereihefen. Ist nun durch Gärung der Zucker -der Maische zum größten Teil in Alkohol (und Kohlensäure, welche -entweicht) übergeführt, so wird das Gemisch im Destillierapparat mit -Dampf erhitzt, und der mit Wasserdämpfen und einigen Beimengungen in -gasförmigen Zustand übergehende Alkohol wird durch Kühlung wieder zu -einer Flüssigkeit verdichtet. - -Meist wird in den Brennereien nur ein Rohspiritus dargestellt, der dann -zur weiteren Reinigung in die Raffinerien wandert. In diesen wird -durch nochmalige Destillation der Äthylalkohol mit nur 4-8 Prozent -Wasser als rektifizierter Spiritus gewonnen, wobei die schwerer -flüchtigen höheren Alkohole (besonders Amylalkohol), die sogenannten -Fuselöle, in der Destillierblase zurückbleiben. Letztere haben einen -durchdringenden Geruch und sind sehr giftig. Früher glaubte man, daß -sie durch die Tätigkeit irgend welcher Spaltpilze entstehen, und -beschrieb sogar einige solche Pilze, welche sie erzeugen sollten. Doch -ist neuerdings durch die eingehenden Untersuchungen von F. Ehrlich mit -Sicherheit erwiesen worden, daß sie Produkte der Hefen sind und durch -Umwandlung aus den Eiweißstoffen der Maische und ihren Abbauprodukten -entstehen. Da sie zur Herstellung schwertrocknender Öle und in der -Fabrikation künstlicher Riechstoffe verwendet werden, so hat die -Industrie selbst ein Interesse daran, sie möglichst vollständig aus dem -Weingeist, dessen Wert sie herabsetzen, zu entfernen. - -Der reinste rektifizierte Spiritus wird als +Weinsprit+ bezeichnet -und wird vor allem in der Likörfabrikation verwendet. Die weniger -guten Marken, die aber auch noch so gut wie rein sind, dienen in der -Kraftindustrie und werden, da sie einer weit geringeren Steuer als -der zu Genußzwecken des Menschen verwendete Spiritus unterliegen, -durch Hinzufügen von Holzgeist und Pyridin denaturiert, um ihnen einen -widerlichen Geschmack und Geruch zu geben. Welch gewaltige Bedeutung -die Brennerei in der Volkswirtschaft besitzt, beweist die Tatsache, daß -in Deutschland allein aus 3 Milliarden kg Kartoffeln gegen 4 Millionen -Hektoliter Spiritus jährlich erzeugt werden, von denen 2½ Millionen -getrunken werden und der Rest zu gewerblichen Zwecken verbraucht -wird. Die Branntweinsteuer bringt dem Reiche jährlich 150 Millionen -Mark ein, und nur etwa für 6 Millionen Mark kommt zur Ausfuhr. Leider -hat die ausgedehnte Verwendung des Weingeistes als Kraftquelle noch -keine befriedigende Lösung gefunden, wenn er auch schon in großer -Menge bei der Industrie als Beleuchtungsmittel und zum Treiben kleiner -Motoren Verwendung findet. Speziell zum Treiben der Automobilmotoren -vermag er noch nicht das Benzin zu verdrängen. Hoffentlich aber wird -diese Neuerung nicht mehr lange auf sich warten lassen, da es aus -volkshygienischen Gründen höchst wünschenswert wäre, wenn der in -solchen Massen produzierte Schnaps statt vom Menschen getrunken, dem -er ein überaus schlimmer Feind ist, als Kraftquelle eine ausgedehntere -Verwendung finden könnte, und so dem Volke nützlich, statt wie bisher -verderblich sein würde. - -In seiner Sucht nach starken Berauschungsmitteln hat der Mensch, -seitdem ihm die Kenntnis der Alkoholdestillation zuteil wurde, aus -allen möglichen zuckerigen oder in Zucker überzuführenden Stoffen -vermittelst wilder Hefen Alkohol gewonnen und Schnaps daraus -gebrannt, so nicht bloß aus Melasse, Roggen und Mais, sondern auch -aus Wurzeln wie Enzian, Früchten wie Holunder- und Vogelbeeren, -Kirschen und Zwetschen mit Einschluß deren ausgeklopfter Kerne, aus -Heferückständen, Trebern, Trestern usw. Unter diesen nehmen vor allem -die Getreideschnäpse, der +Kornbranntwein+, eine wichtige Stellung ein. -So wird das angloamerikanische Nationalgetränk, der Whisky in seinen -verschiedenen Spielarten bald aus Roggen-, bald aus Gerstenmalz mit -Hinzufügung von gekeimtem Mais hergestellt, während der in Ostindien, -besonders auf Java bereitete +Arrak+ aus Reis unter Zusatz von Melasse -und Palmwein gebrannt wird. In Westindien, speziell Jamaika, wird -dagegen aus den bei der Bereitung von Zucker aus Zuckerrohr abfallenden -Produkten der +Rum+ bereitet, der seinen eigentümlichen Geschmack -dem Vorhandensein von freien Säuren, wie Ameisen- und Buttersäure, -und deren Estern verdankt. Als vornehmster aller Branntweine gilt -der nach dem Zentrum seiner Bereitung, der westfranzösischen Stadt -gleichen Namens, als +Cognac+ bezeichnete Branntwein, der ein Destillat -aus Wein, meist Rotwein, ist und nur durch jahrelanges Lagern in -Fässern aus bestimmtem Eichenholz seine schöne Farbe und seinen -charakteristischen Geschmack erhält. Alle diese Schnäpse zeigen frisch -den brennenden Spritgeschmack, der erst durch möglichst langes Liegen -im Faß durch bisher noch nicht ganz erforschte chemische Vorgänge den -erwünschten zartmilden Geschmack erhält. Meist handelt es sich wohl -dabei um Oxydationsprozesse, indem Sauerstoff durch die feinen Poren -der Fässer hindurchtritt und die scharf schmeckenden Stoffe in milde -verändert. Dafür spricht vor allem, daß man den Vorgang des Alterns -durch Imprägnierung mit Sauerstoff beschleunigen kann. Dies ist ein -großes kaufmännisches Problem, da gerade durch das lange Lagern die -edlen Branntweine sehr verteuert werden. Indessen ist ein wirklich -gutes Mittel zum künstlichen Altmachen noch nicht gefunden worden. -Besonders lange Zeit brauchen die Branntweine, die man in der Flasche -alt werden läßt, weil sie wasserklar gewünscht werden, wie z. B. -Kirschwasser; denn aus dem Holz der Fässer nehmen die Destillate stets -Farbstoffe auf. Diese Branntweine müssen viele Jahre liegen, bis sie -wirklich reif geworden sind. - -In der unüberwindlichen Sehnsucht nach berauschenden Getränken sind -die Nomadenvölker dazu gekommen, aus der Milch, dem einzigen ihnen -zu Gebote stehenden zuckerhaltigen Nährmittel, sich welches zu -bereiten. Das bekannteste dieser alkoholischen Getränke aus Milch -ist der +Kefir+, der in den Bergländern des nördlichen Kaukasus seit -undenklicher Zeit ein Hauptgenußmittel ist. Er ist ein säuerliches, -sehr wohlschmeckendes Getränk mit geringem Alkohol- und größerem -Milchsäuregehalt, das wegen seiner Leichtverdaulichkeit jetzt auch in -den Kulturländern vielfach hergestellt und als diätetisches Mittel -verordnet wird. Die meisten wilden Hefen vermögen nun nicht aus dem -Milchzucker die gärungsfähigen Kohlehydrate freizumachen. Nur einige -wenige, wie z. B. ~Saccharomyces fragilis~ im Käse, sind dazu imstande, -und solche in Kultur genommene Arten verwenden die tierzüchtenden -Nomaden zu dieser Fermentation. Doch sind dabei stets noch Spaltpilze -tätig, die mitgezüchtet werden und noch besser als die Hefen den für -letztere meist unangreifbaren Milchzucker spalten und zugleich eine -Milchsäuregärung bewirken. So haben wir in dem aus Schaf-, Ziegen- -und Kuhmilch hergestellten Kefir, dessen Fermentorganismen in gelben -Körnern in den Handel kommen, außer der Kefirhefe (~Saccharomyces -kefir~) zwei Kettenkokken und einen Bazillus, die, der Milch -beigemischt und mit derselben in geschlossenen Gefäßen aufbewahrt, in -drei Tagen das Getränk entstehen lassen, das „Wonnetrank“ bedeutet, als -Zeichen dafür, wie sehr ihn diese kaukasischen Bergstämme lieben. - -Ganz ähnlich wird seit uralter Zeit in der südrussischen Steppe von -den dort wohnenden Nomaden aus Milch, auch Stutenmilch, der +Kumys+ -gewonnen, dessen Name von dem bereits von Xenophon (um 440 v. Chr. -in Athen geboren und 355 in der Verbannung aus seiner Vaterstadt in -Korinth gestorben) erwähnten Volke der Kumanen stammen soll, von denen -es dann 1215 die Tataren bei ihrer Besitzergreifung dieser Länder -übernahmen. Jedenfalls war es unter ihnen schon allgemein bekannt, als -sie der Gesandte Ludwigs des Heiligen, Wilhelm Rubruck, im Jahre 1253 -besuchte. Auch der um 1459 in Nürnberg geborene und 1507 in Lissabon -verstorbene Seefahrer und Geograph Martin Behaim, der, nach seiner -ersten Entdeckungsreise als Begleiter des Diego Câo 1490 in seine -Vaterstadt zurückgekehrt, den noch daselbst verwahrten großen Globus -anfertigte, kannte ein Chumis genanntes, bei den Tataren Südrußlands -hergestelltes Getränk, das heute gelegentlich auch in der Kulturwelt -Verwendung findet. Die Erreger der echten Kumysgärung sind noch -unbekannt, stecken aber in den Schläuchen, in denen Kumys gegoren hatte -und in die stets wieder Milch zur neuen Fermentation gegossen wird. Das -Getränk ist dem Kefir in Geschmack und Wirkung ähnlich. - -Die Vereinigung von Hefen mit Bakterien haben wir auch in den -säuerlichen, schwach alkoholhaltigen Milchprodukten, der armenischen -Nationalspeise +Mazun+, dem +Leben+ der Ägypter und dem +Yoghurt+ der -Bulgaren, was alles „saure Milch“ heißt. Letzterer ist gleicherweise -wie der Kefir als geschätztes diätetisches Präparat bei uns -beliebt geworden, seitdem einer der Leiter des berühmten Instituts -Pasteur in Paris, Prof. Elias Metschnikoff, die Aufmerksamkeit der -wissenschaftlichen Welt auf ihn lenkte und ihn geradezu als Mittel zur -Verlängerung des menschlichen Lebens erklärte, da die ihn vorzugsweise -essende bulgarische Bevölkerung einen auffallend hohen Prozentsatz -sehr alter Leute aufweist. In ihm sind nun keine Hefen, wohl aber -ein Gemisch von drei Spaltpilzen, einem Ketten-, einem Doppelkokkus -und einem als Majabazillus bezeichneten langen Stäbchen von geringer -Beweglichkeit als die Gärungserreger nachgewiesen und in Kulturen -zur Herstellung dieses die Darmfäulnis herabsetzenden diätetischen -Präparates gezüchtet worden. - -Endlich haben wir bei den Kalmücken auch einen als +Arakà+ -bezeichneten, aus Milch hergestellten Branntwein, der zwar nur -einen sehr schwachen Alkoholgehalt, dafür aber einen reichen Gehalt -an flüchtigen Fettsäuren bei der Destillation empfängt, so daß er -schauderhaft nach ranzigem Fette schmeckt, was aber nicht hindert, daß -sich seine Erzeuger mit Wohlbehagen damit berauschen. - -Seit uralter Zeit beobachtete man, daß alkoholhaltige Flüssigkeiten -bei längerem Stehen an der Luft ihren weinigen Geschmack verlieren und -sauer werden. Diese Säure, von den Römern ~acetum~, von den Deutschen -danach +Essig+ genannt, benutzte man sehr früh als Würze von Speisen, -besonders Salaten. Über die Ursache dieser Veränderung, die man bei -der Wein- und Bierbereitung als unliebsame Bildung fürchtete, war man -ebenso wie über diejenige der weinigen Gärung vollkommen im unklaren, -bis der berühmte Begründer der neueren Chemie, der 1743 in Paris -geborene und am 8. Mai 1794 daselbst guillotinierte Lavoisier die -Notwendigkeit der Sauerstoffzufuhr bei diesem Prozesse erkannte und -ihn folgerichtig als Oxydation des Alkohols zu Essigsäure auffaßte. -Erst der Jenaer Professor der Chemie Döbereiner (1780-1849) gab in den -1830er Jahren die genauere Formel desselben an. Als man bald darauf -erkannte, daß die Überführung von Alkohol in Essigsäure auch durch -fein verteiltes Platin bewirkt werden kann, glaubten die Anhänger der -chemischen Theorie der Gärung, vor allem Liebig, die Bildung von Essig -sei dadurch als ein rein chemischer Prozeß erwiesen. Dem traten aber -die Anhänger der biologischen Auffassung entgegen und es erhob sich -derselbe Streit wie bei der Hefegärung. Schließlich blieben auch hier -die letzteren Sieger. Wenn nun auch Kützing selbst vor Schwann die -Bakterien der Essiggärung gesehen und beschrieben hatte, so verdanken -wir doch Pasteur die grundlegenden Arbeiten über deren Eigenschaften -und Lebensgewohnheiten und das Vermögen, sie in beinaher Reinkultur zu -züchten. Es sind verschiedene Pilze der Gattung ~Bacterium~, die nur -in einem Sauerstoff enthaltenden Medium gedeihen, auch organisches, -stickstoffhaltiges Material zu ihrer Entwicklung brauchen und dann -auf der Decke der zu vergärenden Flüssigkeit ein Geflecht von langen -Fäden bilden. Nach der praktischen Bedeutung unterscheidet man vier -Hauptgruppen, nämlich die Schnellessigbakterien, die vor allem -technische Verwendung finden, dann diejenigen des Weines, des Bieres -und der Maische. Außer bei diesen speziellen Essigkeimen finden wir die -Fähigkeit, Essigsäure als Nebenprodukt zu bilden, bei sehr zahlreichen -anderen Mikroben, so daß sie in geringer Menge bei fast allen Gärungen -zu finden ist. - -[Illustration: Bild 50-52. - -I. Essigsäurebakterien: ~a~ kettenförmig angeordnete Bakterien aus -einer Hautvegetation, ~b~ einzelne Essigbakterien (Kurzstäbchen), ~c~ -fadenförmige Essigbakterien in kettenförmige Kurzstäbchen zerfallend. - -II. Milchsäurebakterien: ~a~ Kurzstäbchen aus Milch, ~b~ Langstäbchen -aus Bier. - -III. Buttersäurebakterien: ~a~ unbewegliche Buttersäurebakterien -(Langstäbchen), ~b~ bewegliche Buttersäurebakterien (Spindelform). Nach -~Dr.~ Schnegg.] - -Der eigentliche Vorgang der Essigbildung ist als eine Fermentwirkung -erkannt worden. Insofern behielt Liebig in gewissem Sinne mit seiner -chemischen Anschauung recht, wie wir dies bei der Alkoholgärung -schilderten. Die Gärung ist nicht als ein reiner Lebensprozeß der -Bakterien aufzufassen, sondern die lebenden Keime spielen nur eine -indirekte Rolle als Erzeuger des Ferments. Den Beweis dafür zu liefern -versuchte ebenfalls Buchner, der Entdecker der Zymase, der in den toten -Leibern der Essigbakterien ein Ferment auffand, das ganz analog der -Zymase, die die Zuckerarten in Alkohol und Kohlensäure spaltet, die -Überführung von Alkohol in Essigsäure vollzieht. - -Zu einer rationellen Essigfabrikation gehört vor allem die Zufuhr von -möglichst viel Luft, deren Sauerstoff den Essigbakterien die Oxydation -des Alkohols ermöglicht. Früher stellte man den Essig ausschließlich -nach dem von der Natur gegebenen Beispiele aus Bier oder noch häufiger -aus Wein dar, wobei sich ein dicker Pelz von Essigsäurebakterien über -der Flüssigkeit bildet. Jetzt aber verwendet man dazu den in großen -Mengen zur Verfügung stehenden Reinsprit, den man nach dem 1823 von -Schützenbach erfundenen Schnellessigverfahren mit Wasser verdünnt -in hohen Fässern mit siebartig durchlöchertem Boden sehr langsam -über mit Essig durchfeuchtete Buchenholzspäne tropfen läßt. Das oben -einfließende Gemisch von etwa 10 Litern Alkohol, 40 Litern gewöhnlichem -Essig und 120 Litern Wasser, dem man etwas Mehlauszug oder dergleichen -als Nährboden für die Pilze zugesetzt hat, wird dabei oxydiert und -fließt als essigreichere Flüssigkeit unten ab, die dann noch ein -zweites oder drittes Faß passiert bis sie zu reinem Essig geworden -ist. Neuerdings bestrebt man sich, nach dem Vorgange von Henneberg, -Reinkulturen von Essigbakterien zur Imprägnierung der Holzspäne zu -verwenden. - -Volkswirtschaftlich von ziemlicher Bedeutung sind auch die -+Milchsäurebakterien+, die den Milchzucker der Milch in Milchsäure -vergären, wobei das Kaseïn, der wichtigste Eiweißstoff der Milch, sich -in fester Form ausscheidet. Die Gewinnung der süßen Milch kann aber -auch durch das meist aus Kälbermagen gewonnene Labferment bewirkt -werden, wobei sofort das Kaseïn in einer Verbindung mit Kalk ausfällt. -Bei der sauren Gärung scheidet sich dagegen das Kaseïn in freier -Form, nicht an Kalk gebunden, aus. Bei der Gewinnung von +Butter+ -aus dem abgeschiedenen Milchfett, dem Rahm, kann man die Vereinigung -der Fettkügelchen durch Schütteln erzielen, wobei die sogenannte -Süßrahmbutter entsteht, oder man läßt eine milchsaure Gärung des Rahms -vorhergehen. Bei letzterem Prozeß, der nicht nur viel leichter als der -erstgenannte vonstatten geht, sondern auch eine weit größere Ausbeute -liefert und deshalb vorzugsweise angewandt wird, überließ man den -Rahm ursprünglich einfach der Gärung durch von selbst hineingekommene -Bakterien, wobei die Säuerung meist schon in 18-24 Stunden eintritt; -später verwendete man dazu ganz einfach die bazillenhaltige Buttermilch -gut geratener Butter, um in einer kleinen Menge Rahm die Gärung in Gang -zu bringen. Falls diese gut war, infizierte man mit dieser Kultur, dem -„Sauer“, den ganzen Rahm. Als dann aber die Reinzucht von Bakterien -im Braugewerbe ihre Triumphe feierte, kam man bald darauf, dieselben -Methoden auch beim Buttern zur Anwendung zu bringen und kultivierte -eine Reihe von Bakterien aus guten Sauern in sterilisierter Milch, mit -denen man vorzügliche Erfolge hatte. Um ein einwandfreies Material -zu erlangen, sterilisierte man bald auch den Rahm und erzielte damit -unter Anwendung von Reinzuchtmikroben ein hygienisch einwandfreies, -von Zufälligkeiten unabhängiges Produkt. Natürlich machte man bei -diesen Studien auch allerlei Erfahrungen, so diejenige, daß nicht -alle in Reinkultur erhaltenen Milchsäurebakterien der Butter den -gewünschten guten Geschmack verleihen, daß es darunter auch solche -gibt, die ihr geradezu ein unangenehmes Aroma verleihen. Es sind -dies also ganz ähnliche Verhältnisse wie bei der Weingärung, bei der -gewisse Bukettstoffe auch auf Rechnung der betreffenden Gärungserreger -kommen. Man züchtet nun Reinkulturen mit verschiedenen Aromastoffen, -wie sie gerade die Konsumenten verlangen. Doch hat sich neuerdings -herausgestellt, daß das Aroma überhaupt nicht bloß vom Ausgangsmaterial -und der Milchsäuregärung abhängt, sondern durch die Anwesenheit von -manchen anderen Bakterien, vielleicht auch Hefen, bedingt wird, so daß -Mischungen solcher die besten Resultate liefern. - -Schon in uralter Zeit sind die viehzüchtenden Nomaden auf die Bereitung -von Butter und Käse verfallen. So haben die Indier sicher schon um -1500 v. Chr. die +Butter+ gekannt, nicht aber die ältesten Juden, -deren ~chemah~ einen anderen Stoff darstellen soll. Überhaupt blieb -dieses Produkt im ganzen Bereiche der Ölbaumzucht ein fast unbekanntes, -nur etwa zu medizinischen Zwecken gewonnenes, das neben dem Olivenöl -nicht aufzukommen vermochte. Die nördlich davon hausenden Völker -aber schätzten die Butter, mit der sie sich vorzugsweise den Körper -eingerieben zu haben scheinen, während ihnen Schmalz und Schmer als -gebräuchlichste Beigabe zu den Mehlspeisen dienten. Wie den Römern -die Keltiberier und Germanen durch ihre Wertschätzung der Butter -auffielen, so waren den Griechen ihre thrakischen Nachbarn und die -weiter nördlich als Nomaden umherstreifenden Skythen, welch letztere -auch aus der Pferdemilch das begehrte Fett gewannen, als „Butteresser“ -merkwürdig. Der weitgereiste griechische Geschichtschreiber Herodot -(484-424 v. Chr.) kennt noch keinen besondern Namen für Butter, sondern -umschreibt ihn durch das „was sich absetzt“, während sein etwas -jüngerer Landsmann, der berühmte Arzt Hippokrates (460 bis 364 -v. Chr.), der auch Skythien und Libyen bereiste, hiefür die Bezeichnung -~bútyron~ anwendet, die als ~butyrum~ zu den Römern und schließlich -als Butter zu den Deutschen kam, deren ursprüngliches Wort hiefür -~anc~ (im süddeutschen ~anke~ noch erhalten) war. Im Mittelalter war -die Buttergewinnung namentlich in der Viehzucht treibenden Schweiz -ein wichtiges Gewerbe. Aus dem Jahre 1549 ist uns von dem Züricher -Konrad Gesner eine ausführliche Beschreibung der schweizerischen -Alpwirtschaft erhalten; noch genauere Aufschlüsse gibt uns 1705 -sein Landsmann Scheuchzer. Sonst spielte die Butter als Genußmittel -noch keinerlei Rolle in Mitteleuropa, da bis ins 16. Jahrhundert -ausschließlich Schmalz zum Kochen verwendet wurde. Erst von etwa 1560 -an wurde der „Butterschmalz“ in größerer Menge in der Küche benutzt -und fand im Laufe des 17. Jahrhunderts im feineren Haushalt mehr und -mehr Aufnahme. An Stelle der bis dahin üblichen Morgensuppe traten -schon in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts in Nachahmung der -vornehmen französischen Sitte in den reicheren Familien Kakao, Kaffee -oder Tee mit feinem Gebäck und Butter, was dann mit der Zeit auch die -Bürgerlichen bei sich einführten. Aber erst im 19. Jahrhundert hat -sich die mit der Milchwirtschaft zusammenhängende Buttergewinnung über -die ganze Erde verbreitet und ist neben der Käsebereitung eines der -wichtigsten landwirtschaftlichen Gewerbe, das viele Millionen jährlich -umsetzt. Führt doch England allein alle Jahre für 380 Millionen Mark -davon ein. - -Noch wichtiger ist der +Käse+, dessen Bereitung die Nachahmung eines -Naturvorgangs ist. Indem der primitive Viehzüchter die geronnene Milch, -für die er augenblicklich keine Verwendung besaß, nicht verkommen -lassen wollte, suchte er den aus ihr gepreßten Käsestoff durch Zugabe -von Salz zu konservieren. So finden wir den Käse schon in sehr alten -Urkunden erwähnt, ja er scheint im allgemeinen sogar noch älter als die -Butter zu sein. Bei Homer spielt er schon eine große Rolle, auch die -alten Ägypter und Juden kannten ihn, ebenso die Griechen und Römer. -Der römische Ackerbauschriftsteller Columella im 1. Jahrhundert n. Chr. -gibt uns eine ausführliche Beschreibung seiner Bereitung, die im -wesentlichen nicht von der auch heute noch gebräuchlichen abweicht. Wie -er, so unterschied auch der ältere Plinius bereits viele Sorten von -Käse (~caseus~), unter denen die Schaf- und Ziegenkäse bei den Römern -die gebräuchlichsten waren. Damals begnügten sich die vornehmen Römer, -die „Herren der Welt“ als Feinschmecker schon lange nicht mehr mit den -Käsearten, die ihnen die heimische Landwirtschaft bescherte, sondern -importierten die wohlschmeckenden Sorten von überall her, besonders -aus dem rätischen Alpenlande und aus manchen Gegenden des südlichen -und mittleren Frankreich, die noch gegenwärtig durch ihre vorzüglichen -Produkte bekannt sind. - -Heute ist die Käsebereitung über die ganze Erde verbreitet und der -Käse ist ein Großhandelsprodukt geworden, das in manchen delikaten -Spezialprodukten geradezu Weltruf wie gewisse Edelweine erlangt hat. -Überall, wo viel Milch produziert wird, die infolge erschwerter Abfuhr -wie auf den Alpen oder sonst von den Verkehrsstraßen abgelegenen -Gegenden nicht anders verwertet werden kann, wird Käse bereitet, und -zwar beträgt die Ausbeute von 100 kg Milch 12-15 kg weichen Fettkäses -wie Brie oder Camembert, 9-11 kg Weichkäses, 7-9 kg Hartkäses, 5-8 -kg halbfetten und 4-6 kg mageren Hartkäses. Viel öfter als die -Milch einfach der Säuerung zu überlassen, bringt man sie durch -das Labferment zum Gerinnen, wobei die als Parakaseïn bezeichnete -Verbindung des Eiweißkörpers Kaseïn mit Kalk ausfällt. Da man es bei -der natürlichen Gerinnung der Milch durch die Milchsäurebakterien -mit dem Kaseïn zu tun hat, so ist also schon der Grundstoff bei der -Bereitung von Sauermilch- und von Labkäse ein verschiedener. Ferner -hat man es bei der Käsereifung in der Hand, den Grundstoff noch in -anderer Weise verschieden zu gestalten und dadurch nach Belieben Hart- -oder Weichkäse zu erzeugen. Läßt man nämlich die Gerinnung durch -das Labferment bei niedriger Temperatur langsam vor sich gehen, so -schließt die ausfallende Masse noch eine Menge Flüssigkeit ein, wird -davon schwammig und bleibt weich. Geschieht dagegen die Labgerinnung -sehr rasch, unterstützt von stärkerem Erwärmen, so scheidet sich der -Gerinnungskuchen in kompakter Form ab, enthält weniger Flüssigkeit -und wird hart. Selbstverständlich gibt es alle Übergänge von den -härtesten Käsen wie Parmesan über die mittelharten wie Emmentaler -bis zu den allerweichsten wie Brie und Camembert. Ferner ergibt sich -natürlicherweise ein Unterschied, ob man den Käse aus Magermilch oder -Fettmilch, aus Kuh-, Ziegen- oder Schafmilch herstellt. Aber auch der -Verlauf der Entwicklung bei der weiteren Behandlung ist von großem -Einfluß. Denn Hartkäse reifen durchaus anders als Weichkäse. Alle diese -Momente bringen es mit sich, daß es so viele verschiedene Arten von -Käse als Landstriche gibt. Gerade wie beim Wein die Beschaffenheit der -Traube den einen, und die Gärung den andern Faktor darstellt, so ist -es auch beim Käse; den einen Faktor bildet der Rohkäse, den andern die -Mikroben und die Behandlung bei der Reifung. - -Daß die Käsereifung ein Gärungsvorgang im weiteren Sinne des Wortes -darstellt, hat zuerst der Breslauer Botaniker Ferdinand Cohn erkannt. -Seither ist dieser Vorgang eifrig studiert worden, nicht nur aus -wissenschaftlichem, sondern vor allem auch aus praktischem Interesse, -um durch Reinzüchtung guter Bakterien die Käserei auf rationelle -Grundlage zu stellen und die Produzenten vor Mißgriffen und Schäden zu -bewahren. - -In jedem Käse haben wir eine äußerst komplizierte Anhäufung von -Bakterien, die in jedem verschieden sind und sich gegenseitig fördern -oder stören können. Sie spalten teilweise das Kaseïn, vergären den -Milchzucker in Milchsäure und bilden aus dieser und aus dem Eiweiß -Buttersäure und ähnliche fette Säuren. Ferner wird das Fett der Milch -gespalten und dabei werden spezifische Geruchs- und Geschmacksstoffe -erzeugt, die dem Käse sein spezifisches Aroma verleihen. Außer -Bakterien finden sich aber auch noch Hefen und Schimmelpilze im Käse; -letztere sind sogar bei der Reifung einiger Käse unentbehrlich; ja, in -dem nach einem Dorf im französischen Departement Aveyron im westlichen -Südfrankreich als Roquefort bezeichneten berühmten weichen Käse aus -Milch von Kurzschwanzschafen werden sie sogar, und zwar eine „edle“ -Spielart des grünen Pinselschimmels (~Penicillium glaucum~), künstlich -zugesetzt und vermehren sich darin zu ganzen Nestern, die an ihrer -grünlichen Farbe zu erkennen sind. - -Bei den Hartkäsen beginnt nach einer unbedeutenden ersten Phase der -Eiweißspaltung durch die Fermente zunächst eine allerdings nicht sehr -erhebliche Milchsäuregärung. Neben ihr und nach ihrem Ablauf beginnen -die eiweißabbauenden, sogenannten peptonisierenden Bakterien ihre -Tätigkeit, wobei sie durch die Milchsäure etwas in Schranken gehalten -werden, damit nicht eine übermäßige Zerspaltung des Eiweißes und -eine richtige Fäulnis durch die echten Fäulnisbakterien eintrete. -Diese unter Ausschluß von Sauerstoff vor sich gehende Gärung findet -in der ganzen Käsemasse gleichmäßig statt. In den Abbaustoffen des -Eiweißes finden wieder andere Bakterien, wie vor allem der ~Bacillus -nobilis~, günstige Wachstumsbedingungen und bilden neben Milchsäure die -charakteristisch riechende Buttersäure und die anderen Aromastoffe. -Ferner siedeln sich Schimmel- und andere Pilze an. So wird durch das -Ineinandergreifen der verschiedensten Mikroben eine Umwandlung der -geschmacklosen Rohstoffe bewirkt, die schließlich den reifen Käse mit -seinem spezifischen Wohlgeschmack hervorgehen lassen. - -Anders verläuft die Reifung bei den Weichkäsen. Zugleich mit der Molke -enthalten sie viel mehr Milchzucker. Die infolgedessen sehr energisch -vor sich gehende Milchsäuregärung verhindert im Innern des Rohkäses -die Entwicklung aller anderen Keime. Alle diese Käse bleiben deshalb -anfänglich im Innern weiß, unvergoren und sauer, wie der Rohstoff, -aus dem sie bereitet werden. Nur von außen beginnen allmählich die -peptonisierenden Bakterien ihr Werk; so reift der Käse von außen nach -innen, bis er „durch“ ist. Dabei sind Pilze nötig, die die störende -Milchsäure verzehren, und dies tun vor allem die Schimmelpilze, die -dadurch den eiweißspaltenden und hernach wieder anderen Bakterien -Existenzbedingungen schaffen. Schimmelpilze bedürfen aber zu ihrem -Gedeihen unbedingt freien Sauerstoffs, und deshalb siedeln sie sich nur -außen herum an. - -Ein gutes Beispiel für die Beteiligung von Schimmelpilzen an der -Reifung von Weichkäse bietet der Briekäse aus der Landschaft Brie -im nördlichen Frankreich zwischen Seine und Marne, der immer mit -einer dicken Schicht davon überzogen ist. Der Pilz ist ein naher -Verwandter des für den vorhin genannten Roquefort maßgebenden -grünen Pinselschimmels, nämlich ~Penicillium album~. In der für die -Herstellung des nordholländischen runden, innen schön gelben und außen -durch Orlean hübsch rotgefärbten Edamer Käses verwandten „langen Wei“, -einer fadenziehenden Molke, spielt ein Oidium eine wichtige Rolle. -Es stellt diese Flüssigkeit wenn nicht eine Reinkultur, so doch eine -sehr gute Kultur eines für die betreffende Käsereifung sehr wichtigen -Pilzes dar und bietet eines der wenigen Beispiele einer seit langem -geübten absichtlichen Beeinflussung des Reifungsvorganges von Käse. Ein -anderes stellt der bereits erwähnte Zusatz von ~Penicillium glaucum~ -zum Roquefortkäse dar. Um nun dem Schimmelpilz ein von Bakterien -ungestörtes Wachstum zu verschaffen, wird der ganze Prozeß anders, vor -allem bei sehr niedriger Temperatur, in Felsenhöhlen, durchgeführt, und -um dem Pilz den für ihn unentbehrlichen Sauerstoff zuzuführen, wird der -Käse mit langen Nadeln durchbohrt und werden so Luftlöcher erzeugt. - -Die wissenschaftliche Heranzüchtung +reiner Pilzkulturen für die -Käsereifung+ hat diesen alten Praktiken kaum neue an die Seite zu -stellen gewußt. Anfänge zu einer systematischen Benutzung edler -Käsebakterien sind allerdings bereits gemacht worden, doch begnügt man -sich in der Regel, heute wie vor Tausenden von Jahren mit der Gärung, -wie sie die natürliche Flora der betreffenden Käse mit sich bringt. Die -Bakterien gelangen aus der Luft und durch Verunreinigungen in die Milch -und wachsen dann im Käsekeller aus. Dabei bleibt vieles dem Zufall -überlassen, so daß es kein Wunder ist, daß auch dem geübten Käser -trotz aller aufgewandten Mühe und Sorgfalt manche Reifung mißlingt, -wenn sich Bakterien im Käse einnisten, die unerwünschte Gärungen -darin bewirken, so daß das Produkt bitter, fleckig, allzu faulig und -mit Gasblasen durchsetzt usw. wird. Wenn nun auch die uralte Empirie -meist mit überraschender Sicherheit die besten Bedingungen erkannt -hat, die solche fast unvermeidliche Nebengärungen auf ein Mindestmaß -beschränken, so wird auch das Käsegewerbe einmal dazu gelangen, von -sterilen Rohstoffen auszugehen und diesen die spezifischen Keime in -Reinkultur zuzusetzen, um stets ein mit Sicherheit tadelloses Produkt -zu erzielen, wie wir solches in idealer Weise bei der Bierbrauerei -verwirklicht sehen. - -Übrigens werden in manchen Gegenden dem Käse auch gewisse aromatisch -riechende Kräuter beigemischt und dadurch Kräuterkäse erzeugt. Dies ist -besonders in Griechenland und im Orient der Fall, ebenso bei uns in -manchen Alpengegenden, so vor allem im Kanton Glarus in der Schweiz, -wo durch Beigabe von feinpulverisiertem getrocknetem Bisamhonigklee -(~Melilotus coerulea~), der aus Nordafrika stammt und dort angebaut -wird, der nach ihm duftende und durch ihn grünlich gefärbte -+Schabzieger+ hergestellt wird, der weithin exportiert wird. Diese -Käsesorte muß schon sehr lange dort fabriziert werden; denn sie wird -schon im 13. Jahrhundert als gebräuchliches Landesprodukt erwähnt. - -Wie nun verschiedene Bakterienarten bei der Reifung des Hartkäses -und dazu noch gewisse Schimmelpilze bei derjenigen des Weichkäses -eine wichtige Rolle spielen, so tun es andere bei der Erzielung -anderer Nahrungsmittel. So haben wir die Kultur eines Schimmelpilzes, -des ~Aspergillus oryzae~, bei der Bereitung des japanischen -Nationalgetränkes Saké kennen gelernt. Dieser Pilz enthält ein sehr -kräftiges diastatisches Ferment, die sogenannte Takadiastase, die -Stärke energisch spaltet und in Zucker überführt. Bei der Sakébereitung -werden dann die Zuckerstoffe durch Saccharomyceten, die der Kojihefe -beigemengt sind, vergoren. Seit alters her aber macht man von demselben -Schimmelpilz in Japan noch eine andere, wirtschaftlich mindestens -ebenso wichtige Anwendung, nämlich zur Bereitung der dem Japaner -unentbehrlichen Würzmittel des Shoju und des Miso, die beide aus den -Sojabohnen, einer der Hauptkulturpflanzen Japans gewonnen werden. Da -diese Hülsenfrüchte selbst in gekochtem Zustande schwer verdaulich -sind, wird durch Beigabe solcher ebenfalls aus ihnen bereiteter Würze -die Absonderung der Verdauungssäfte zu ihrer leichteren Bewältigung -angeregt. Die Sojasauce Shoju wird, wie wir bereits früher mitteilten, -aus halbgar gekochten Sojabohnen mit Beigabe von geröstetem Weizenmehl -und Salz in der Weise gewonnen, daß man die auf gedämpftem Reis -gezüchteten Kulturen des ~Aspergillus oryzae~ hinzufügt. Nachdem der -Pilz drei Tage hindurch sich gründlich in dem Gemisch vermehrt und -dasselbe ganz durchwuchert hat, wird Salzwasser hinzugegeben und -die Masse in großen Holzkübeln bei möglichst geringer Temperatur -viele Monate, ja bis zu fünf Jahren, einer Gärung unterworfen, bei -der auch verschiedene andere Pilze als der vorhin genannte, so ein -milchsäurebildendes Bakterium und ein alkoholbildender Hefepilz -(~Saccharomyces soya~), eine wichtige Rolle spielen. Der Hauptvorgang -dabei ist eine weitgehende Aufspaltung sowohl der Kohlehydrate der -Samen wie ihrer Eiweißsubstanzen durch die Fermente des Schimmelpilzes. -Es finden sich tatsächlich in der schließlich resultierenden, ziemlich -dickflüssigen, braunen Shojusauce nur noch die Abbaustoffe der -Eiweißkörper, in ähnlicher Weise wie sie im Liebigschen Fleischextrakt -vorhanden sind. Sie geben ihm vorzugsweise den aromatischen Geschmack -und die die Absonderung der Verdauungssäfte anregende Wirkung der schon -durch den sehr hohen Kochsalzgehalt von etwa 15 Prozent sehr starken -Würze zu der an sich reizlosen, vorzugsweise aus Reis oder Sojabohnen -mit getrockneten Fischen bestehenden Kost der Japaner. Der Verbrauch -dieses neuerdings in der ganzen Kulturwelt Eingang findenden und -den wichtigsten Bestandteil der berühmten englischen Worcestersauce -bildenden Shoju beträgt in Japan rund 6 Liter auf den Kopf der -Bevölkerung. - -Ebenfalls mit Hilfe der Kojihefe wird der dem Shoju ähnliche +Miso+ aus -einem Brei von gekochten Sojabohnen gewonnen; nur ist er ein weniger -durchgreifend vergorenes Produkt, das mehr unveränderte Stoffe enthält -und ebenfalls in sehr großen Mengen, etwa 30 Millionen kg jährlich, -in Japan verbraucht wird. Die in China gleichfalls viel gebrauchte -Sojasauce wird in etwas anderer Weise hergestellt. Man benutzt dazu -andere Varietäten der Sojabohne, die, gekocht und mit Blättern einer -Eibischart (~Hibiscus~) bedeckt, einige Tage sich selbst überlassen -werden, wobei sich dann spontan der als ~Aspergillus wentii~ bekannt -gewordene Schimmelpilz ansiedelt. Man läßt den Pilz sich nur kurze Zeit -in der Masse entwickeln, so daß nur eine sehr oberflächliche Gärung -eintritt, kocht dann auf und versetzt sie mit Sternanis und allerlei -aromatischen Kräutern. Eine eigentliche Zucht dieses Pilzes findet also -nicht statt. - -Bei uns und in der ganzen von Europäern beeinflußten Kulturwelt sehr -wichtig und deshalb von volkswirtschaftlich großer Bedeutung sind die -vornehmlich durch die +Milchsäurebakterien+ hervorgerufenen sauren -Gärungen von Futtermitteln und Gemüsen, um sie haltbar zu machen -und ihnen gleichzeitig einen bestimmten Wohlgeschmack und größere -Verdaulichkeit zu verleihen. Dieses Verfahren der +Säuregärung+ als -sehr wirksames und bequemes Konservierungsverfahren für allerlei -sonst wenig haltbare Pflanzenprodukte ist von Osten, von den Slawen -zu uns nach Mitteleuropa gekommen. Die Slawen ihrerseits lernten sie -vermutlich von den Tataren kennen, welche die Milchsäuregärung von -der beim Aufbewahren gerinnenden Milch reichlich kennen zu lernen -Gelegenheit hatten. Noch heute spielen diese Konservierungsmethoden -in Rußland eine ganz andere Rolle in der Wirtschaft als bei uns. -Meist sind diese Verfahren noch Eigentum der Hausfrau und dann -wissenschaftlich noch wenig untersucht, zum Teil aber wie die -Sauerkraut- und Gurkengärung zu großen Industrien geworden und dann -etwas besser erforscht. - -Ob es sich nun um Gras, Klee oder Rübenschnitzel zum Zwecke von -Bereitung von „+Sauerfutter+“ oder um Einlegen von Kraut, Gurken und -anderen Früchten zur Herstellung von +Sauerkraut+, +sauren Gurken+ usw. -handelt, die Hauptsache bleibt immer dieselbe: die Pflanzenteile werden -in größeren oder kleineren Stücken, mit oder ohne Wasser, mit oder ohne -Kochsalz, gekocht oder roh, fest zusammengepreßt und einer von selbst -einsetzenden, ganz oder fast ganz unter Luftabschluß vor sich gehenden -Gärung überlassen. Sobald dann die Pflanzenteile, meist infolge von -Luftmangel abgestorben sind, beginnen die daran haftenden Bakterien, -Hefen, Schimmel- und andere Pilze unabhängig voneinander ihr Werk. -Die mannigfaltigsten Zersetzungen, Eiweißzerfall, Gasgärung aus der -Zellulose, Alkoholgärung, Buttersäure-, Milchsäure- und andere Gärungen -gehen vor sich, bis schließlich wie so häufig, die Milchsäurebakterien -in dem Gemisch von winzigen Lebewesen Sieger bleiben und durch -zunehmende Bildung von Milchsäure, die dem ganzen Produkt den Stempel -der Säuerung aufdrückt, die anderen Organismen zurückdrängen. An -diese auf die vielseitige Vorgärung folgende Hauptgärung schließt sich -als dritter Akt die Nachgärung an, bei welcher die Milchsäurebildner, -zum Teil unter der Wirkung der von ihnen selbst gebildeten Säure -zurückgehen und die Hefen, Schimmelpilze und Oidien aufkommen. Alle -diese sind Säureverzehrer; als solche bringen sie die Milchsäure -langsam zum Schwinden und verleihen außerdem dem Gärgemisch besondere, -mehr oder weniger angenehme aromatische Stoffe, die den Geschmack -dementsprechend verändern. Geht der Prozeß weiter, so werden durch -das Verschwinden der Milchsäure wieder anderen Mikroben günstige -Existenzbedingungen geschaffen, und so können eiweißzerstörende -Fäulnispilze zur Entwicklung gelangen, die schließlich eine eigentlich -faulige Gärung bewirken und so die Konserve völlig für Mensch und Tier -ungenießbar machen. Dann geht das Produkt für den Konsum verloren. -Sache des Herstellers ist es also, die Vorgänge zu geeigneter Zeit -zu unterbrechen und es nicht zu einer eigentlichen Fäulnis kommen zu -lassen. - -Diese großen Züge des Gärungsprozesses erfahren im ganzen nur -unwesentliche Veränderungen durch die mancherlei technischen -Abänderungen. Wurde das Leben der Pflanze durch Abkochen getötet, -so gehen zwar dabei viele der ihr anhaftenden Keime zugrunde, stets -aber bleiben die Sporen der die Milchsäuregärung erregenden Mikroben -erhalten, die dann beim späteren Auswachsen rasch eine solche -saure Gärung bewirken. Wird viel Kochsalz hinzugesetzt, das den -Hauptzweck hat, durch Wasseranziehung den Saft aus den Pflanzenzellen -herauszuziehen und diese zur besseren Konservierung zu durchdringen, -so wird damit auch gleichzeitig der Erfolg erreicht, daß gewisse -Organismen, die diesen Gehalt an Kochsalz nicht ertragen können, -ausgeschaltet werden. Wieder andere Bedingungen schafft es, wenn man -gar keine oder etwas Luft zuläßt, ob man die Gärung bei sehr hoher -oder niedriger Temperatur vor sich gehen läßt, beziehungsweise ob man -die starke Selbsterhitzung, die gewöhnlich als ein Zeichen der Gärung -eintritt, duldet oder vielmehr für Abkühlung sorgt. - -Am besten ist die Gärung des Sauerkrautes studiert. Der zerschnittene -Kohl wird roh ohne Wasser, aber mit 0,5-2 Prozent Salz und etwas -Gewürzen eingestampft, festgepreßt und so unter Luftabschluß einige -Wochen vergoren. Bei der sonst ähnlichen Darstellung des russischen -Schtschi wird dagegen die Luft nicht völlig abgeschlossen. Die erste -Zersetzung, die sogenannte Schaumgärung, erfolgt vorwiegend durch -Hefepilze; dann folgt eine ziemlich reine Milchsäuregärung, bei der -sich keine flüchtigen Säuren bilden und die von der Temperatur ziemlich -unabhängig ist. Hierauf beginnt, und zwar meistens von außen her, das -Abnehmen der Säure unter dem Einfluß der nie fehlenden Kahmpilze der -Gattung ~Mycoderma~, die sehr viel Sauerstoff verbrauchen und hier wie -anderswo, z. B. beim Wein, leicht eine faulige Zersetzung bewirken. Es -muß deshalb ihr Dringen in die Tiefe durch hermetischen Luftabschluß -verhindert werden, soll nicht das Sauerkraut ungenießbar werden. - -Ähnlich verhält sich der Prozeß bei den sauren Gurken; nur wirken -hier bei der starken anfänglichen Schaumgärung auch Mitglieder der -artenreichen Gruppe des ~Bacterium coli~ (d. h. Dickdarmbakterium, -so genannt, weil er als Fäulniserreger im Dickdarm eine große Rolle -spielt) mit. Wenn dann nicht bald eine kräftige Milchsäuregärung -einsetzt, so werden die Gurken schlaff, schmecken matt und gehen leicht -in Fäulnis über. Gegen diese gefürchteten Milchgärungen ist der Zusatz -von etwa 4 Prozent Kochsalz ein viel angewandtes Mittel. Auch wird -Zufuhr von Traubenzucker empfohlen, um die Milchsäurebildung durch den -dem Colibazillus nahe verwandten Milchsäurebazillus recht kräftig in -Gang zu bringen. - -Auch sonst spielen Gärungserreger bei der Gewinnung der verschiedensten -Pflanzenprodukte eine große Rolle. So erhitzt sich nicht ganz trocken -eingefahrenes Heu oder Emd durch solche bis zur Selbstentzündung, was -schon sehr viele Brände und großen Schaden verursachte. Sehr wichtig -ist ihre Tätigkeit bei der Gewinnung der Rohprodukte für die Spinnerei -wie Flachs, Hanf, Jute, Manilahanf und ähnliche Stoffe, die gerottet -werden müssen, um die einzelnen Bastfasern voneinander zu trennen. Die -letztere verbindende Kittsubstanz besteht vorwiegend aus Pektinstoffen, -d. h. komplexen Kohlehydraten, ähnlich, aber aus anderen Zuckerarten -zusammengesetzt wie die Zellulose oder der Holzstoff der Pflanzenfasern -und am nächsten mit den Pflanzenschleimen verwandt. Indem man diese -bastliefernden Pflanzen zum Rotten in Bündeln in Teiche oder Gruben -mit Wasser versenkt, und mit Steinen beschwert, werden in ihnen zuerst -die Eiweißstoffe von den allgegenwärtigen Mikroben aufgezehrt und -verfaulen, die Kohlehydrate gehen in Milch- und Buttersäure über usw. -In dem Maße als das Nährmaterial für diese Pilze verschwindet, treten -sie zurück, um denjenigen Platz zu machen, die, wie die Granulobakter- -und Clostridiumarten die für jene unbrauchbaren Pektinstoffe durch ein -von ihnen ausgeschiedenes Ferment, die Pektinase, in die entsprechenden -Zuckerarten spalten und für sich verwenden. Seit dem Jahre 1852 -wurde diese Erkenntnis von einigen Technikern ausgesprochen und dann -experimentell bestätigt. Seit einigen Jahren suchte man auch Gewinn -daraus zu ziehen, indem man Rohzuchten aus den Abfallwässern künstlich -den Rotten zusetzte, um die Wirkung zu beschleunigen. Indessen hat die -Verwendung wirklicher Reinkulturen, wie solcher des Granulobakter, noch -keine besonders günstigen Erfolge gebracht; anscheinend muß eine Art -Symbiose mit anderen Mikroben bestehen, die erst gute Resultate beim -Rotten erzielt. Man begnügt sich in der Praxis meist damit, die Rotte -so zu leiten, daß die Bedingungen für den Granulobakter und die übrigen -Pektinvergärer recht günstige werden. Dazu führt man die Gärung bei -relativ hoher Temperatur von etwa 25 bis 35° C. durch und wechselt das -Wasser öfter, um die Milchsäurebazillen usw. immer wieder zu entfernen. -Indem allen anderen Keimen allmählich die Nährstoffe ausgehen, erhält -man schließlich eine Reinkultur der +Pektinvergärer+. - -Viel langsamer als diese Wasserrotte geht die Land- oder Taurotte vor -sich, bei welcher der Flachs oder andere solche Faserpflanzen auf -Wiesen ausgebreitet und der Befeuchtung durch Regen und Tau überlassen -bleiben. Bei diesem Vorgange sind es weniger die pektinvergärenden -Spaltpilze als höhere Pilze, namentlich Schimmelpilze der Gattung -~Mucor~ und Fadenpilze, welche durch Ausscheidung von Pektinase die -Pektinstoffe in Zucker auflösen, den sie für sich verbrauchen, dabei -aber auch die Zellulose angreifen, also die Fasern selbst beschädigen. -Neuerdings ist die moderne Industrie bestrebt, überhaupt die Tätigkeit -von Mikroben beim Gewinnen der Faserstoffe auszuschalten und die -Pektinstoffe durch erhitzten Wasserdampf oder auch Alkalien zu spalten. - -Auch bei der Verarbeitung der Häute zu Leder spielen die -verschiedensten Mikroorganismen eine wichtige Rolle. Damit die rohen -Häute nicht von den die Eiweißstoffe derselben lösenden Fäulniserregern -aufgelöst und verdorben werden, trocknet man sie oder entzieht -ihnen das Wasser durch Kochsalz, Glaubersalz oder Gips. Neuerdings -sterilisiert man sie auch mit Formalin. Um die solchermaßen getrocknet -versandten Häute zu verarbeiten und die Haare aus ihnen zu entfernen, -kommen sie in die sogenannten Weichen, wobei die äußerste Schicht -von den gewöhnlichsten Fäulniserregern, den Proteusarten, zerstört -wird und die Haare ausfallen. Durch Halten der Felle bei niedriger -Temperatur, die 12° C. nicht überschreiten soll, sucht man zu verhüten, -daß die Fäulnis nicht zu weit greife und die eigentliche Haut verdorben -werde. Neuerdings aber ersetzt man diesen etwas gefährlichen Prozeß -der Bakterienwirkung durch chemische Mittel, indem man die Häute der -Einwirkung von Schwefelalkalien und ähnlichen Enthaarungsmitteln -aussetzt. - -Die so enthaarten Häute werden dann gewaschen, um den Kalk aus ihnen -zu entfernen. Dabei greifen allerlei Bakterien die Plasmasubstanz -derselben an, was man bei manchen Häuten, die zu weichem Leder, -wie Oberleder, verarbeitet werden sollen, nicht ungern sieht. -Bei Kernleder, welchem solches schädlich ist, sucht man, um dem -entgegenzuwirken, das Auswaschen durch fleißiges Bewegen der Häute zu -beschleunigen und setzt, um den Kalk schneller zu beseitigen, etwas -Säure hinzu. - -Dann folgt das Beizen, wozu man von alters her die aus Exkrementen -von Vögeln oder Hunden bereiteten +Mistbeizen+ benutzt. Manche -Naturvölker, wie die Eskimos, verwenden dazu faulenden Urin, den sie -zu diesem Zwecke sorgfältig in ihren Hütten sammeln und aufbewahren, -was allerdings den Aufenthalt in ihren Behausungen für die Europäer -wegen des damit verbundenen üblen Geruches nicht gerade angenehm -macht. Solche von Bakterien wimmelnden Mistbeizen dienen vor allem zur -Bereitung von weichen und geschmeidigen Ledersorten. Die Bakterien -dieser Beizen, unter denen Fäulnispilze und Säurebildner die Hauptrolle -spielen, sollen die Plasmasubstanz der Häute auflockern und den -Kalk vollständig ausziehen. Nun haben natürlich solche Beizen, ganz -abgesehen von ihrem scheußlichen Gestank, noch den großen Übelstand, -daß die unkontrollierbaren Bakteriengemenge unter Umständen durch -zu weitgehende Wirkung den Häuten schweren Schaden zufügen. Man ist -deshalb wie in anderen Gärungsindustrien, so auch in dieser dazu -geschritten, sie durch künstlich gezüchtete Nutzbakterien zu ersetzen. -Der erste Schritt dazu war die Züchtung der Gesamtkeime des Hundekotes -auf künstlichen, mit Fleischbrühe versetzten Nährböden, wobei man -wenigstens ein einigermaßen einheitliches, beständiges Mittel in die -Hände bekam. Man hat aber weiterhin auch schon eigentliche Reinkulturen -erhalten, so eine von einem ~Bacterium erodiens~, die als Erodin in den -Handel gelangt und von den Fachleuten günstig beurteilt wird. - -Neben der Mistbeize benutzt man bei gewissen Ledersorten, z. B. -Handschuhleder, das vornehmlich aus Häuten junger Ziegen bereitet -wird, noch die +Kleienbeize+, in der ebenfalls ein bestimmter -Gärungserreger, der Kleiebazillus, die Hauptrolle spielt. Er erzeugt -eine Gasgärung, durch welche die Fasern des Leders gelockert werden. -Auch bei dieser Art von Beizung treten oft durch Milchsäure- und -Buttersäuregärung Schädigungen der Leder ein, oder es entsteht eine -solche durch Fäulnis oder durch eine eigenartige Schleimbildung, die -dem Leder dauernd den Glanz raubt und durch den großen ~Bacillus -megatherium~ verursacht wird. Bisweilen verwendet man +kombinierte -Beizen+, in denen Mist und Kleie gleichzeitig gären; in ihnen spielt -der Heubazillus (~Bacillus subtilis~) eine günstige Rolle. - -Ist die Beizung vollendet, so kommen die Häute in die Gerbbrühen, -in denen wiederum ausgedehnte Gärprozesse vor sich gehen, da sich -darin trotz des reichen Gerbstoffgehaltes alle möglichen Bazillen -in sehr lebenskräftiger Verfassung vorfinden. Dabei haben auch -die Fäulnisbakterien ihre praktische Bedeutung, indem sie neben -der Lockerung des Gefüges der Haut aus den Eiweißkörpern etwas -lösliche Stickstoffsubstanzen abspalten, die nun den eigentlichen -Gärungsorganismen zur Nahrung dienen können. Neben einer geringen -Alkoholgärung durch Hefen bilden sich auch allerlei Säuren, besonders -Milch- und Essigsäure, die die Hautfasern zur Schwellung bringen, wobei -sie sich besonders reich mit Gerbstoff vollsaugen, also sehr energisch -gegerbt werden. - -Auch das fertige Leder ist beim Lagern der Wirkung von allerlei -Mikroorganismen ausgesetzt, die eine Zerstörung durch Stockflecke -oder Vermoderung bewirken. Bei weichen Ledern kommt es zu einem -„Dumpfwerden“ oder einer Verschleimung, einem Prozesse, der mit -starker Erwärmung verbunden ist und in mäßigen Grenzen absichtlich -herbeigeführt wird, weil das Leder dadurch leichter festgestampft -werden kann und sich auch besser färben läßt. Natürlich muß dieser -Prozeß sorgsam überwacht werden, weil er sonst zu einer weitgehenden -Verschleimung des Leders und damit verbundener geringer Haltbarkeit -führt. - -[Illustration: Bild 53-57. Sporenträger verschiedener Schimmelarten. - -(Originalzeichnung von ~Dr.~ Schnegg in Weihenstephan.) - -I. Traubenschimmel (~Botrytis~), II. Pinselschimmel (~Penicillium~), -III. Kopfschimmel (~Mucor~), IV. Kolbenschimmel (~Aspergillus~), V. -Tännchenschimmel (~Thamnidium~).] - -Auch die für die Veredelung des Tabaks unbedingt notwendige -Fermentation der nach der Trocknung auf einen Haufen zusammengepackten -Tabakblätter wird durch mehrere hintereinander arbeitende Bakterien, -die man isoliert hat, bewirkt. Dabei steigt die Temperatur auf 50° C. -und mehr und stellt sich in einem feuchten Klima das „Schwitzen“ -ein, das aber in einem trockenen unterbleibt. Dabei wird im Haufen -zuerst der Sauerstoff verbraucht, es verschwinden der lösliche Zucker -und einige Eiweißspaltprodukte, vor allem das Asparagin. Durch -chemische Umsetzungen verschwindet dann bei Sauerstoffabschluß auch -ein Teil -- etwa 30 Prozent -- des giftigen Nikotins und entwickeln -sich außer Buttersäure (nicht aber Milchsäure) die chemisch noch -völlig unbekannten Aromastoffe. Auf die Hauptfermentation folgt -teils vor, teils erst nach der Verpackung des Tabaks in Fässer eine -langsame Nachgärung, zu deren Einleitung er häufig durch Besprengen -mit zuckerhaltigen Saucen vorbereitet wird. Auch der Schnupftabak wird -vergoren, wobei die Temperatur so hoch steigt, daß die meisten Mikroben -darin absterben. Die dabei stattfindenden chemischen Umsetzungen sind -ebensowenig bekannt als diejenigen bei der Reifung des Kautabaks, bei -welcher ebenfalls Mikroben tätig sind. - -Ganz ungeheuer wichtig sind die Umsetzungen zahlloser Mikroorganismen -bei den verschiedensten Prozessen der Landwirtschaft. Der lockere -Boden ist bis ziemlich tief hinab mit unvorstellbaren Mengen der -verschiedensten Bakterien erfüllt, die sehr zahlreiche Umsetzungen -bewirken, wodurch den höheren Pflanzen erst die Existenz ermöglicht -wird. Aus Ammoniak und Ammoniumsalzen oxydieren die durch die -Ausbildung von herumschwärmenden beweglichen Keimen charakterisierten -Nitrosomonaden Nitrite oder salpetrigsaure Salze, die von den -unbeweglichen Nitromonaden weiter mit Sauerstoff zu Nitraten oder -salpetersauren Salzen verbunden werden, die dann den Pflanzen als -Stickstoffquelle dienen. Alle in den Boden gelangenden organischen -Substanzen, seien es Ausscheidungen oder Leichen von Tieren und -Pflanzen, werden von den verschiedensten Bakterien immer weiter -gespalten und schließlich in einfache Verbindungen aufgelöst, die dann -von den Pflanzen als ihre Nahrung aufgenommen zu werden vermögen. -Neben solchen, die die Umsetzungen des Stickstoffs besorgen, haben wir -welche, die den Hauptanteil am Zerfall der Kohlenstoffverbindungen -haben und dahin arbeiten, daß die Kohlensäure wieder in den Kreislauf -der Natur zurückgegeben wird. Gleichzeitig werden bei diesen -Zerfallprozessen die wertvollen Aschenbestandteile, die fest in der -organischen Materie gebunden sind, herausgelöst und dadurch als -Nährsalze für die Pflanzen verfügbar. - -Manche Bakterien, wie beispielsweise das mit den Buttersäurebazillen -verwandte ~Clostridium pasteurianum~, das für gewöhnlich anaerob, d. -h. ohne des Sauerstoffs der Luft zu bedürfen, lebt, aber auch bei -Gegenwart von sauerstoffliebenden Bakterien bei Anwesenheit von Luft -fortkommt, assimilieren den freien Stickstoff der Luft und führen -ihn in lösliche Verbindungen über. Diese Eigenschaft, die für die -Pflanzenwelt mit ihren beschränkten Stickstoffquellen von der größten -Bedeutung ist, kommt auch den Fadenpilzen zu, die sich mit grünen -Algenzellen zu Flechten vergesellschaften, wie auch den in den Wurzeln -der Leguminosen oder Schmetterlingsblütler in Symbiose mit diesen -lebenden Knöllchenbakterien. Es kann hier nicht der Ort sein, auf die -komplizierten, sich gegenseitig in die Arme arbeitenden Vereinigungen -der winzigsten, dem gewöhnlichen Auge vollkommen unsichtbaren Lebewesen -miteinander und mit den höheren Pflanzen einzugehen. Ich habe dies -an anderer Stelle getan und verweise die sich dafür Interessierenden -auf den achten Abschnitt des früher von mir erschienenen Buches: -+Das Leben der Erde+,[C] in welchem im achten Abschnitte, betitelt -Pflanzengenossenschaften, von Seite 561-586 diese wichtigen Symbiosen -und ihre Bedeutung für den Kreislauf des Stoffes in der Natur eingehend -besprochen wurden. - - - - -Sachregister. - - - ~Abella~, 76. - - Acajoubaum, 214. - - ~Achras sapota~, 213. - - ~Adansonia digitata~, 205. - - Affenbrotbaum, 205. - - ~Agave americana~, 637. - - Aggurmelone, 336. - - Akeebaum, 208. - - ~Allium cepa etc.~, 320. - - ~Amygdalus communis~, 116. - - Ananas, 210. - - ~Andropogon sorghum~, 44, 439. - - -- ~saccharatus~, 47, 439. - - Anis, 551. - - ~Anona squamosa~, 215. - - Apfel, 72. - - Aprikose, 110. - - ~Araucaria imbricata~, 235. - - ~Areca catechu~, 178. - - Arekapalme, 178. - - ~Arenga saccharifera~, 185. - - Arrowroot, 355. - - ~Artemisia absinthium etc.~, 544. - - Artischocke, 330. - - ~Artocarpus incisa~, 201. - - -- ~integrifolia~, 204. - - ~Asparagus~, 326. - - Assaipalme, 187. - - ~Avena sativa~, 37. - - - Backsteintee, 482. - - Bakterien, 730. - - Banane, 191. - - Batate, 360. - - Baum der Reisenden, 198. - - Baumwollöl, 417. - - Bergamotte, 253. - - ~Beta vulgaris~, 294. - - Betelnüsse, 179. - - Betelpfeffer, 532. - - Bier, 598, 686. - - Bierhefe, 686. - - Binkelweizen, 20. - - Birne, 80. - - Blumenkohl, 304. - - Bohne, 271. - - Bohnenkönig, 280. - - Bordighera, 163. - - Branntwein, 712. - - ~Brassica oleracea~, 296. - - Breiapfelbaum, 213. - - Brennessel, 304. - - Brotbereitung, 691. - - Brotfruchtbaum, 201. - - Buchweizen, 49. - - ~Butyrospermum parkii~, 404. - - - ~Cannabis indica~, 647. - - ~Caryophyllus aromaticus~, 588. - - Cassave, 357. - - ~Castanea esculenta~, 217. - - ~Ceratonia siliqua~, 231. - - ~Ceroxylon~, 427. - - ~Chamaerops humilis~, 155. - - Champignon, 392. - - ~Cicer arietinum~, 263. - - ~Cinnamomum ceylanicum~, 565. - - ~Citrullus vulgaris~, 339. - - ~Citrus aurantium~, 251. - - -- ~bergamea~, 253. - - -- ~decumana~, 239. - - -- ~medica~, 246. - - -- ~nobilis~, 254. - - ~Cocos nucifera~, 167. - - ~Coffea arabica~, 465. - - Cohunepalme, 186. - - ~Cola acuminata~, 206. - - ~Colocasia~, 368. - - ~Copernicia cerifera~, 428. - - ~Cornus mas~, 100. - - ~Corylus avellana~, 228. - - ~Crocus sativus~, 537. - - Cubebenpfeffer, 531. - - ~Cucumis chate~, 336. - - -- ~melo~, 337. - - -- ~sativus~, 334. - - ~Cucurbita pepo~, 345. - - ~Curcuma longa~, 555. - - ~Cydonia vulgaris~, 91. - - - Dattelpalme, 156. - - -- wilde, 166. - - ~Daucus carota~, 288. - - Demeter, 32. - - Dill, 550. - - Dinkelweizen, 21. - - Dioscorea, 363. - - Diospyros, 209. - - Dumpalme, 190. - - Durian, 205. - - - Eberesche, 98. - - Eibisch, 285. - - Eichel, 216. - - Einkorn, 21, 24. - - ~Elaeis guineensis~, 172. - - ~Elatteria cardamomum~, 554. - - ~Eleusine coracana~, 48. - - Emmer, 26, 24. - - Endivie, 310. - - Erderbse, 414. - - ~Eriobotrya japonica~, 98. - - ~Ervum lens~, 269. - - Essig, 716. - - - ~Fagopyrum esculentum~, 49. - - Fahantee, 499. - - Faulbrand, 15. - - Feigenbaum, 129. - - Feigenkaktus, 639. - - Feigenwespe, 137. - - Fenchel, 549. - - Fettbaum, 408. - - ~Ficus carica~, 129. - - -- ~sycomorus~, 140. - - Fisole, 279. - - Flaschenkürbis, 342. - - Flechten, 398. - - ~Foeniculum vulgare~, 548. - - Futterwicke, 267. - - - Galgant, 566. - - ~Garcinia mangostana~, 199. - - Gartenerbse, 260. - - Gärung, 683. - - Gerben, 729. - - Gerste, 26. - - Getreiderost, 13. - - Gewürzapfel, 215. - - Gewürze, 516. - - Gewürznelken, 588. - - ~Glycine hispida~, 282. - - Götterpflaume, 209. - - Granatapfel, 93. - - Guajave, 115, 214. - - Guaranapaste, 513. - - Gurke, 334, 725. - - - Hafer, 37. - - Hagebutten, 99. - - Handmühle, 16. - - Hanf, indischer, 647. - - Haschisch, 647. - - Haselnuß, 228. - - Hefepilze, 685. - - ~Hemileia vastatrix~, 471. - - Hibiscus, 285. - - Hirse, 40. - - Holunder, 100. - - Honig, 436, 597. - - Hopfen, 542, 604. - - ~Hordeum vulgare~, 26. - - ~Humulus lupulus~, 542. - - ~Hyphaene thebaica~, 190. - - - ~Ilex paraguayensis~, 495. - - Ingwer, 555, 557. - - Icacopflaume, 213. - - ~Ipomaea batatas~, 360. - - Italien als Waldland, 85. - - - ~Jambosa malaccensis~, 199. - - Johannisbrotbaum, 231. - - ~Jubaea spectabilis~, 188. - - ~Juglans regia~, 224. - - - Kaffee, 454. - - Kakao, 500. - - Kakaobutter, 425. - - Kakibaum, 209. - - Kalabassenbaum, 344. - - Kalmuswurzel, 563. - - Kapern, 536. - - Kaprifikation, 138. - - Kardamomen, 553. - - Karnaubapalme, 428. - - Kartoffel, 372. - - Kartoffelkrankheiten, 380. - - Käse, 719. - - Kassia, 568. - - Kastanie, 216. - - Katappabaum, 235. - - Katstrauch, 474. - - Kawa, 642. - - Kelter, 125. - - Kerzen, 431. - - Kichererbse, 263. - - ~Kigelia africana~, 206. - - Kirsche, 103. - - Kitulpalme, 183. - - Knoblauch, 318. - - Kohl, 297. - - Kohlrabi, 302. - - Kokastrauch, 662. - - Kokospalme, 167. - - Kolabaum, 206. - - Kolbenhirse, 41. - - Koloradokäfer, 381. - - Korakan, 48. - - Körbelkraut, 314. - - Koriander, 550. - - Korinthen, 626. - - Kornelkirsche, 166. - - Kostwurz, 562. - - Kresse, 312. - - Krotonöl, 416. - - Kugelweizen, 20. - - Kümmel, 546. - - Kumys, 714. - - Kürbis, 345. - - Kurkuma, 556. - - - ~Lagenaria vulgaris~, 342. - - Lampen, 434. - - Lattich, 308. - - Lauch, 316. - - Leberwurstbaum, 206. - - Liberiakaffee, 465. - - Linse, 268. - - ~Lodoicea seychellarum~, 189. - - Lotos, 350. - - Luffa, 344. - - Lupine, 267. - - - Macahubapalme, 186. - - Macis, 582. - - Mais, 63. - - Mammeibaum, 213. - - Mandel, 116. - - -- indische, 200. - - Mandelöl, 424. - - Mangobaum, 200. - - Mangold, 296. - - Mangostane, 199. - - Manihot, 357. - - Mannaflechte, 398. - - Mannaesche, 437. - - Mate, 495. - - Maulbeerbaum, schwarzer, 126. - - -- weißer, 128. - - Maulbeerfeige, 126. - - ~Mauritia vinifera~, 188. - - Meerrettich, 293. - - Melone, 337. - - ~Mespilus germanica~, 97. - - Met, 597, 703. - - ~Metroxylon rumphii~, 181. - - Mirabelle, 109. - - Milchsäure, 717. - - Mispel, 97. - - -- japanische, 98. - - Mohn, 651. - - Mohnöl, 419. - - Mohrenhirse, 44, 439. - - Mohrrübe, 286. - - Morphin, 660. - - ~Morus nigra~, 126. - - -- ~alba~, 128. - - Moschushibiscus, 201. - - Mühlen, 17. - - Mumienweizen, 10. - - Mungobohne, 283. - - ~Musa paradisiaca~, 192. - - Muskatnuß, 579. - - ~Myristica fragrans~, 580. - - - Negerhirse, 44, 48. - - Nelkenzimt, 593. - - ~Nelumbium speciosum~, 350. - - - Okulieren, 87. - - Ölbaum, 142. - - Ölpalme, 172. - - ~Oenocarpus bacaba~, 187. - - ~Olea americana~, 153. - - -- ~europaea~, 142. - - Olive, 142. - - Olivenöl, 147. - - Opium, 651. - - Opuntie, 639. - - Orange, 250. - - ~Oryza sativa~, 52. - - - Palmyrapalme, 183. - - Palmzucker, 183. - - ~Panicum italicum~, 41. - - -- ~miliaceum~, 40. - - Papai, 211. - - ~Papaver somniferum~, 651. - - Paprika, 533. - - Papyrus, 352. - - Paraguaytee, 495. - - Pastinak, 286. - - Pellagra, 66. - - ~Pennisetum spicatum~, 44. - - Petersilie, 314. - - Petroleum, 434. - - Pfefferrebe, 521. - - Pflaume, 107. - - Pfropfen, 87. - - ~Phaseolus vulgaris~, 279. - - -- ~lunatus~, 284. - - -- ~mungo~, 283. - - ~Phoenix dactylifera~, 156. - - ~Phylloxera vastatrix~, 636. - - ~Phytelephas macrocarpa~, 176. - - Pimentbaum, 594. - - ~Pimpinella anisum~, 551. - - Piniennüsse, 236. - - ~Piper betle~, 532. - - -- ~cubeba~, 531. - - -- ~nigrum~, 521. - - ~Pirus communis~, 80. - - -- ~malus~, 72. - - Pisang, 191. - - Pistazie, 229. - - ~Pisum arvense~, 261. - - -- ~sativum~, 260. - - Porree, 322. - - Prunus-Arten, 102 ff. - - ~Psidium guajava~, 214. - - ~Pulque~, 638. - - -- ~de mahiz~, 68. - - ~Punica granatum~, 93. - - - Quitte, 91. - - - Radieschen, 292. - - ~Raphanus sativus~, 290. - - ~Raphia vinifera~, 176. - - Raps, 421. - - Reblaus, 635. - - Reineclaude, 110. - - Reis, 52. - - Rettich, 290. - - Rispenhirse, 40. - - Rizinus, 415. - - Roggen, 35. - - Rosenäpfel, 199. - - Rosinen, 125. - - Rostpilz (des Kaffees), 471. - - Rotdorn, 99. - - Rübe, gelbe, 288. - - -- weiße, 294. - - Rübenzucker, 449. - - Runkelrübe, 449. - - - ~Saccharum officinale~, 441. - - Safran, 537. - - Sagopalme, 180. - - ~Sambucus nigra~, 100. - - Saubohne, 271. - - Sauerkirsche, 106. - - Sauerkraut, 301, 725. - - Sawah, 61. - - Schalotte, 322. - - Scherbet, 101. - - Schibutter, 404. - - Schimmel, 722. - - Schlehe, 102. - - Schokolade, 507. - - ~Secale cereale~, 35. - - Seife, 429. - - Sellerie, 313. - - Senf, 534. - - Sesam, 400. - - Seychellenpalme, 189. - - Shoju, 283. - - Silphium, 315. - - ~Sinapis alba~, 534. - - -- ~nigra~, 534. - - Sojabohne, 282. - - ~Solanum tuberosum~, 372. - - Somatrank, 644. - - ~Sorbus aucuparia~, 98. - - -- ~domestica~, 98. - - Sorghum, 44, 439. - - Spargel, 326. - - Spelt, 20. - - Spierling, 98. - - Spinat, 306. - - Stearin, 432. - - Steinnußpalme, 176. - - Steinpilz, 394. - - Sternanis, 552. - - Sternapfelbaum, 214. - - Stinkbrand, 13. - - Sumach, 426. - - Süßkirsche, 103. - - Sykomore, 126, 140. - - - Tabak, 665. - - Tahitinüsse, 178. - - Talipotpalme, 183. - - Tamarinde, 207. - - ~Tamarix mannifera~, 437. - - Tapioka, 359. - - Taro, 368. - - Tee, 475. - - Tef, 48. - - ~Theobroma cacao~, 500. - - Tomate, 347. - - Traube, 124. - - ~Triticum dicoccum~, 24. - - -- ~spelta~, 21. - - -- ~vulgare~, 5. - - Trüffel, 387. - - Tschakfruchtbaum, 204. - - Tuscarora-Reis, 53. - - ~Tylenchus scandens~, 14. - - - Vanille, 517. - - Vicia, 268. - - ~Vitis vinifera~, 118. - - ~Voandzia~, 414. - - - Wachspalme, 427. - - Wald, 85. - - Walnuß, 224. - - Wassermelone, 339. - - Weichselkirsche, 106. - - Wein, 607. - - Weinpalme, 176, 187. - - Weinbereitung, 708. - - Weinrebe, 118. - - Weißdorn, 99. - - Weizen, 5. - - Weizenälchen, 14. - - Wermut, 544. - - Würzweine, 627. - - - Yams, 363. - - - ~Zea mais~, 63. - - Zichorie, 310. - - Zimt, 565. - - Zitronatzitrone, 238. - - Zitrone, 245, 246. - - ~Zingiber officinale~, 557. - - Zuckerahorn, 438. - - Zuckerhirse, 47, 439. - - Zuckerpalme, 185. - - Zuckerrohr, 441. - - Zuckerwurzel, 289. - - Zwergpalme, 155, 198. - - Zwergweizen, 20. - - Zwetsche, 107. - - Zwiebel, 317, 320. - - - - -Verlag von Ernst Reinhardt in München - -Auf der Weltausstellung 1910 in Brüssel mit dem „Großen Preis“ -ausgezeichnet - 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II: =Das Leben der Erde.= Mit 380 Abbildungen, 21 Tafeln, 2 - Stammbäumen und farbigem Titelbild nach Aquarell von Prof. +Ernst - Haeckel+. 650 Seiten Gr.-8^o. In elegantem Leinwandband =Preis M. - 8.50=. - - +Inhaltsverzeichnis+: - - I. Das Leben und seine Entstehung. II. Die Entfaltung des Lebens. - III. Die Erscheinungen des Lebens. IV. Die Funktionen des Lebens. - V. Die Entwicklung des Lebens. VI. Die Ausbildung der Tiere. - VII. Die Ausbildung der Pflanzen. VIII. Das Ende des Lebens. - IX. Der Schutz des Lebens. X. Die Abstammungslehre. XI. Über - Symbiose. XII. Vergesellschaftungen von Tieren und Pflanzen. XIII. - Pflanzengenossenschaften. XIV. Schmarotzertum. - - - Bd. III: =Die Geschichte des Lebens der Erde.= Mit 424 - Abbildungen, 18 Tafeln, 7 Stammbäumen und farbigem Titelbild von - L. +Müller-Mainz+. 560 Seiten Gr.-8^o. In elegantem Leinwandband. - =Preis M. 8.50=. - - +Inhaltsverzeichnis+: - - I. Einführung in die Palaeontologie. II. Die ältesten - fossilführenden Ablagerungen. III. Die frühpalaeozoischen - Organismen. IV. Die Tierentwicklung während der Silurzeit. V. Die - Entfaltung der höchsten Weichtiere. VI. Die ersten Besiedler des - Festlandes. VII. Das Aufkommen der Wirbeltiere. VIII. Die Devon- - und Kohlenformation. IX. Das Zeitalter der Amphibien. X. Die - Triasformation. XI. Die Juraformation. XII. Die Kreideformation. - XIII. Die Tertiärformation. XIV. Das Pleistocän. - - - Bd. IV: =Der Mensch zur Eiszeit in Europa und seine - Kulturentwicklung bis zum Ende der Steinzeit.= 2. +stark - verbesserte und vermehrte Auflage+ (3.-7. Tausend). Mit 535 - Abbildungen, 20 Volltafeln und farbigem Umschlag von +A. Thomann+. - 950 Seiten Gr.-8^o. In elegantem Leinwandband =Preis M. 12=.--. - - +Inhaltsverzeichnis+: - - I. Der Mensch zur Tertiärzeit. II. Die Eiszeit und ihre - geologischen Wirkungen. III. Der Mensch während der ersten - Zwischeneiszeiten. IV. Der Mensch der letzten Zwischeneiszeit. V. - Der Mensch der frühen Nacheiszeit. VI. Die Übergangsperiode von - der älteren zur jüngeren Steinzeit. VII. Die jüngere Steinzeit - und ihre materiellen Kulturerwerbungen. VIII. Die Germanen als - Träger der megalithischen Kultur. IX. Die Entwicklung der geistigen - Kultur am Ende der Steinzeit. X. Steinzeitmenschen der Gegenwart. - XI. Niederschläge aus alter Zeit in Sitten und Anschauungen der - geschichtlichen Europäer. - - -Urteile der Presse: - - =Geologisches Zentralblatt=: „Unstreitig das Beste, was über diesen - Gegenstand vorhanden ist.“ - - =Frankfurter Zeitung=: „Das Buch ist das beste - allgemeinverständliche Werk, welches unsere Erde und ihre - Geschichte behandelt. Seit Neumayrs Zeiten ist keine so - sympathische Behandlung des spröden Stoffes mehr erschienen. - Besonders Volksbibliotheken werden einen großen Leserkreis mit - den Reinhardtschen Büchern anlocken können, und wenn erst das - dritte Buch des Verfassers erschienen sein wird, auf welches - ich mich schon jetzt freue, dann werden wir eine populäre - Entwicklungsgeschichte der Erde und des Lebens besitzen, die für - jeden nachdenkenden Menschen eine Quelle des Genusses und der - Freude sein wird.“ - - =Die Zeit=: „Ein angenehm geschriebenes Werk... eine - empfehlenswerte, anschauliche Darstellung, die auch die Lücken - unseres Wissens nicht allzusehr verschließt -- bekanntlich eine - Hauptgefahr für populäre Werke.“ - - =Gaea=: „Die vorzügliche wissenschaftliche und doch interessante - Form der Darstellung werden demselben zahlreiche Freunde erwerben.“ - - =Allgemeine Zeitung=: „Ein die weitesten Kreise interessierender - Stoff, fesselnde, leicht verständliche Schreibweise, gepaart mit - hohem wissenschaftlichem Ernst und umfassendem Wissen sind die - charakteristischen Merkmale des Werkes, mit dem uns ~Dr.~ L. - Reinhardt beschert hat. Er hat es verstanden, die in zahlreichen - Zeitschriften und Monographien zerstreuten Ergebnisse der Forschung - zu einem überzeugenden einheitlichen Bilde streng kritisch zu - vereinigen.“ - - - - -Fußnoten: - -[A] Letztere bezeichnet der berühmte griechische Arzt Claudius Galenos -(geb. 131 n. Chr. in Pergamon, praktizierte daselbst, dann in Rom, wo -er ums Jahr 200 starb) als weich, saftig, süß; von ihnen wachsen die -besten Sorten in Syrien bei Jericho. - -[B] Diesen Namen erklärt uns später der ums Jahr 200 n. Chr. in -Alexandrien und Rom lebende griechische Grammatiker Athenaios aus -Naukratis in Ägypten im 14. Buch seines Werkes, Deipnosophistai, indem -er schreibt: „Die Datteln, welche jetzt den Namen Nikolaen tragen und -aus Syrien kommen, haben diesen Namen dem Kaiser Augustus zu verdanken. -Er aß sie nämlich außerordentlich gern, und sie wurden ihm von seinem -Freunde Nikolaos, der aus Damaskus stammte, regelmäßig zugeschickt. -Dieser Nikolaos war ein stoischer Philosoph und schrieb ein dickes -Geschichtswerk.“ - -[C] Es ist dies der zweite Band der in demselben Verlage erschienenen -vierbändigen gemeinverständlichen Entwicklungsgeschichte des -Naturganzen nach den neuesten Forschungsergebnissen: +Vom Nebelfleck -zum Menschen+, betitelt: +Das Leben der Erde+, mit 380 Abbildungen und -21 Vollbildern, München 1908. - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Kulturgeschichte der Nutzpflanzen, -Band IV, 1. Hälfte, by Ludwig Reinhardt - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK KULKTURGESCHICHTE DER NUTZPFLANZEN, 1 *** - -***** This file should be named 61775-0.txt or 61775-0.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/6/1/7/7/61775/ - -Produced by Peter Becker, Reiner Ruf, the University of -Michigan and the Online Distributed Proofreading Team at -https://www.pgdp.net (This file was produced from images -generously made available by The Internet Archive) - -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed. - -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United -States without permission and without paying copyright -royalties. 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