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-The Project Gutenberg EBook of Ein Diwan, by Jehuda Halevi
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and most
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-
-Title: Ein Diwan
-
-Author: Jehuda Halevi
-
-Translator: Emil Bernhard
-
-Release Date: February 6, 2020 [EBook #61327]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: ISO-8859-1
-
-*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK EIN DIWAN ***
-
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-
-Produced by Jens Sadowski and the Online Distributed
-Proofreading Team at http://www.pgdp.net. This book was
-produced from images made available by the HathiTrust
-Digital Library.
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- JEHUDA HALEVI
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- EIN DIWAN
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- Übertragen und mit einem Lebensbild
- versehen von Emil Bernhard
-
- ERICH REISS VERLAG / BERLIN
- 1921
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- DIE DICHTUNGEN
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- I. Gott:
- Du Quell des wahren Lebens 10
- Wenn die Sterne sich entzünden 10
- Du, Seele, willst ins Vaterhaus 11
- Mein Leib und Leben 12
- Um sein Antlitz alle Frommen flehen 14
- Gottes Hand wird dich beschatten 15
- Zu dir steht all mein Sehnen 15
- Hin nach meines Lebens Quelle 18
- Wenn du allein des Herren harrst 19
- Halt, o Herz! Wer darf sich wagen 20
- Knechte der Zeit: -- Knechte der Knechte! 22
- Tag und Nacht will ich den Herren loben! 22
- Jugend ist wie leichte Flocken 23
- Mein Gott, ich will dich ehren 24
- Bevor du mich geschaffen 27
- Ruhig, ruhig, liebe Seele! 28
-
- II. Israel:
- Wahrheit, ich liebe dich aus ganzer Kraft 30
- Sonn' und Mond im Wechsel der Geschlechter 30
- Sei stark und harre deiner Zeit! 31
- Seit du das Heim der Liebe bist 32
- Entfessle deine rechte Hand 32
- In deinem Lichte schläft aller Glanz 33
- In deinem Haus zu ruhen 34
- Fauler, wirst du nicht erröten? 35
- Es blieben die Wunder, die herrlichen, fort 36
-
- III. Liebe:
- Ofra wäscht ihre Kleider 40
- Ich wiegt' auf dem Schoße 40
- Was drängt ihr mich also 40
-
- Abschiedsverse:
- Mein Lieb, wir müssen uns schicken 41
- Gedenke der Tage liebender Lust 42
- Ein Meer von Tränen zwischen uns rollt 42
- Ach, daß ich einst in dunklen Grabesräumen 42
- Du hast einen Mord begangen 42
- Willst du wirklich meinen Tod? 43
- All' meine Tränen blieben 43
- Zwischen Bittre, zwischen Süße 44
- Aller Reichtum dieser Welt 44
- Der Frauen Ehre ist ihr edles Tun 44
- Viel tausend Garben stehen 44
- Unter deinen leichten Füßen 45
- Deine Stimme hör' ich nimmer 45
- Mein Herz wird bitter 45
- Wach doch auf aus deiner Ruh 45
- Wie die Sonne über Sphären schreitet 46
-
- Zum Ruhme der Braut:
- Das Silber läßt sich gründen 46
- Was wendet sie sich allerwärts 46
- Dein Gesicht voll Rosen eine Küste 47
- Wie zwei Abendwölfe fahren 47
- Keine Nacht besteht vor ihrem Lichte 47
- Zeigte Liebchen mir die Wangen 48
- Liebe Sänger, singt den Trauten 48
- Was geht noch auf die Sonne 51
- Mög' des Paares holder Bund 52
-
- IV. Freundschaft:
- Fein sänftlich, Freund, bin nicht von Erz 54
- Sehnt sich deine Seele noch 54
- Viele schon in meinem Herzen schufen 56
- Wir kennen Abschied, dich von alten Tagen 57
- Ist's der Myrrhe zartes Düften? 61
- Dieser Schlummer möge währen 61
- Trank die Erde wie ein Kindlein 62
-
- V. Leben, Leiden, Dichten:
- Eine Taube schluchzt vom Zweige 68
- Sie besuchten mich im Traume 72
- Und als nun alle war mein Gold 73
- Siehe, Menschensohn, siehe 73
- Kann dich Reichtum locken, Herz? 73
- Freue dich vor deinem Nächsten 74
- Weh der Kunde, die im Ohre gellt 74
- Du meinst, das Dichten sei mir ein Beruf? 75
- Nimm dieses Lied aus deines Freundes Hand! 75
- Seh' ich, wie Narren 76
- Augen auf, mein Liebster traut 76
- Zwei Rätsel 76
-
- VI. Zion:
- Zion, willst du nimmer wieder (Zionide) 80
- Im Orient ist mein Herz, im Okzident 85
- Komm mit mir gen Zoan 85
- Es war ein Tag so sehnsuchtsvoll 86
-
- VII. Das Meer:
- Der Sturm 88
- Holder Zephyr, deiner Lüfte 93
- Kommt die große Flut mit einem Mal? 95
-
- VIII. Letzte Tage:
- In Aegypten 98
- Hat die Zeit das Kleid des Leides 98
- Wollt ihr Liebes mir vergelten 99
- Dein Wunder geht durch alle Zeit 100
-
- Jehuda Halevi, seine Zeit, sein Leben und sein Schaffen 101
-
- Quellennachweis 139
-
-
-
-
- I.
- GOTT
-
-
-
- Du Quell des wahren Lebens,
- Wie lauf' ich nicht nach dir?
- Hab' alles aufgegeben;
- Das irre, wirre Leben,
- Was ist es mir?
-
- Nur dich, nur dich zu schauen,
- Sehnt meine Seele sich:
- Vor dir nur will ich beben,
- Kenn' keine Kraft im Leben
- Als deine, Herr, als dich.
-
- Könnt' ich im Traum dich finden,
- Wie gerne schlief ich ein:
- Wollt nimmer auferstehen,
- Nein, schlafen, träumen, sehen --
- Und stille sein.
-
- Könnt' dich im Herzen schauen
- Dein armes Erdenkind: --
- Hätt' ich dich nur da drinnen,
- So jauchzte all mein Sinnen
- Und gerne wär' ich blind!
-
-
-
- Wenn die Sterne sich entzünden,
- Spür' ich wieder Sommertage:
- Gartenpracht in Waldesgründen,
- Paukenschlag und Flötenklage.
-
- Wieder kehrt zum Arm die Spange,
- Goldener Ring, er kehrt zum Ohre,
- Gottes Haus, daß es empfange,
- Oeffnet meinem Haus die Tore.
-
- Alle meine Pforten münden
- Wieder ein in seine Pforte,
- Und aus tiefsten Herzensgründen
- Kehr' ich heim zu meinem Horte.
-
- Ach, da läßt denn meine Seele
- Jubelnd seinen Namen klingen: --
- Und sein Ruhm in meiner Kehle,
- Und mein Mund beginnt zu singen!
-
-
- AN DIE SEELE
-
- Du, Seele, willst ins Vaterhaus,
- Im Traume schwingst du dich zur Höhe:
- Kein Traum nimmt dir dein tiefes Wehe,
- Dein Heimweh aus der Brust heraus.
-
- Der Traum vergeht, dir bleibt die Qual,
- Die Liebesqual, ihn zu erflehen
- Und dennoch fern ihm zu vergehen,
- Weil sich verhüllt sein heller Strahl.
-
- Und doch vergehst du nicht zum Tod,
- Allein zum freudigen Erheben,
- Denn nicht zum eitlen Wahn, -- zum Streben
- Sandt' in die Welt dich sein Gebot.
-
- Du gingst und brachst im Lebensgang
- Der Weisheit Siegel auf und Quellen,
- Und tief hinab in ihre Wellen
- Dein durstig heißes Auge sank.
-
- Und sank hinab und sog sich ein
- Die Weisheit, die du dir erkoren,
- Und der du hundertmal geschworen:
- -- »Ich laß dich nicht! Ich bleibe dein!«
-
-
-
- All meine Gebeine sprechen:
- _Herr, wer ist wie du?_
-
- Mein Leib und Leben
- Das stammt von dir,
- Durch dich sich regen
- Die Glieder mir;
- Mit Herzensgaben,
- Mit Lied und Sang
- Sie zu dir dringen
- Und opfernd bringen
- Sie meinen Dank.
-
- Es kam die Seele
- Aus deiner Hand,
- Der Wimper Leuchten
- Aus deinem Land;
- Aus deinem Rätsel
- Mein Sinnen quoll,
- Vor mir als Zeichen
- Stehst ohne Gleichen
- Du wundervoll.
-
- Wenn meine Liebe
- Dich ruft im Schmerz,
- Dich findet sicher
- Mein tiefstes Herz.
- Doch jedes Sinnen
- An dir sich bricht:
- Der Brust Gedanken,
- Der Träume Schwanken
- Ermißt dich nicht.
-
- Für uns bereitet
- Ein Banner steht,
- Dem, der dich sucht
- Ein Wimpel weht.
- Du bist den Treuen
- Nimmer versteckt,
- Nur, ach, die Sünde
- Mit dunkler Binde
- Das Auge deckt.
-
- Was ich erdichtet,
- Hast du erschaut
- Vom Tage, da du
- Meine Säulen erbaut;
- Du bist's, der mir
- Das Herz bezwingt:
- Dunkelstes Achten,
- Geheimstes Trachten
- Nicht zu dir dringt.
-
-
-
- Um sein Antlitz alle Frommen flehen,
- Alle wollen seine Gnade sehen,
- Seiner Liebe jungen Regenguß;
- Ist er selbst auch in den fernsten Weiten,
- Steht uns seine Liebe doch zur Seiten,
- Seiner großen Werke Ueberfluß.
-
- All sein Licht zu sehn, sind alle trunken;
- Aber finden sie den kleinsten Funken,
- Zittert schon ihr armes Herze ganz.
- Müssen seinem Reiche sich ergeben,
- Seinen Namen müssen sie erheben,
- Und in diesem Namen selig leben, --
- Selig preisen seinen Glanz.
-
-
-
- Gottes Hand wird dich beschatten,
- Wird dir Decke sein und Hülle,
- Wenn in Redlichkeit und Stille
- Du dich birgst in seinem Schatten.
-
- Nimmer wird dein Fuß ermatten,
- Deine Hand bleibt stark hinieden:
- Suche, Seele, nur den Frieden,
- Frieden wird er dir erstatten.
-
-
-
- Zu dir steht all mein Sehnen,
- Wenn auch die Lippe schweigt:
- Nur einmal möcht' ich werben
- Um deine Gunst und sterben,
- Wenn sie sich mir geneigt.
-
- Nimm meinen Geist zu Händen:
- Ich schliefe fröhlich ein!
- Ach, ohne dich mein Leben
- Ist Tod, doch du kannst geben:
- Mein Tod wird Leben sein!
-
- Nur weiß ich nicht zu beten,
- Wie ich wohl beten soll:
- Lehr' mich, wie man dich findet!
- Wenn mich die Torheit bindet,
- Erlös' mich gnadenvoll!
-
- Lehr' mich, das Haupt zu beugen,
- Solang mein Herz es faßt:
- Verwirf mich nicht auf Erden,
- Damit ich nicht muß werden
- Mir selber eine Last!
-
- Damit der Tag nicht komme,
- Wo alles auf mich drückt,
- Und gegen alles Trutzen
- Mein Herz sich ohne Nutzen
- Nun bücken muß und bückt!
-
- Daß mein Gebein dann welkte
- Und trüg' mich nimmer fort,
- Und ich dann wandern müßte
- Zu einer andern Küste,
- Zu meiner Väter Ort. --
-
- Ein armer Wandrer wall' ich
- Hin übers Erdenrund.
- Bin fremd auf allen Steigen,
- Mein ganzes Erb' und Eigen
- Liegt drunten in dem Grund.
-
- Bis jetzt sorgt meine Jugend
- Noch für ihr Erdenteil:
- Wann endlich kommt der Morgen,
- Da meine Seele sorgen
- Wird für ihr Seelenheil?
-
- Die irdische Beschwerde,
- Die Gott ins Herz mir gab,
- Mich so in Ketten brachte,
- Daß nie ans Ende dachte
- Mein Herz und übers Grab.
-
- Wie kann sein Knecht ich heißen,
- Ich, aller Lüste Knecht?
- Wie kann ich höher streben?
- Schon morgen muß ich leben
- Mit Bruder Wurms Geschlecht.
-
- Kann ich denn Festtags lachen?
- Weiß ich, was morgen ist?
- Der Tag, die Nacht, die Stunde
- Verfolgen mich wie Hunde
- Und fällen mich mit List.
-
- Mein Geist verweht im Winde,
- Mein Leib fällt in den Sand:
- Ich muß es schweigend tragen,
- Die Triebe selber jagen
- Mich ja ins Totenland! --
-
- Was bleibt mir noch im Leben
- Als deine Gunst allein?
- Willst du mein Teil nicht bleiben,
- Was soll ich hier noch treiben?
- Wo wird mein Teil dann sein?
-
- Ich hab' nicht gute Werke,
- Ganz nackt und bloß ich bin:
- Nur dein gerechter Willen
- Kann wie ein Mantel hüllen
- Den makelvollen Sinn.
-
- Was soll ich noch erbitten
- Von dir, mein einz'ger Hort? --
- Was soll ich noch erwähnen?
- Zu dir steht all mein Sehnen:
- Das ist mein letztes Wort.
-
-
-
- Hin nach meines Lebens Quelle
- Immer mich mein Sehnen trage,
- Bis mich an des Grabes Schwelle
- Niederlegen meine Tage.
-
- Möcht' die Seele weise werden!
- Heut noch hascht sie nach dem Winde:
- Und ist doch mein All auf Erden,
- Priesterteil und Angebinde.
-
- Möcht' mein Herz sich wach erweisen,
- Fröhlich auf das Ende sehen:
- Jener Tag mag Schlummer heißen,
- Doch er ist ein Auferstehen;
-
- Jener Tag nach meinen Toden,
- Wo er richtet meine Fehle,
- Wo er meinen Geist und Odem
- Zieht in seine ew'ge Seele.
-
-
-
- Wenn du allein des Herren harrst,
- Was ängsten dich die Zeiten?
- Lebt er in deiner heißen Brust,
- All irdisch Leid, all irdisch Lust,
- Was kann es dir bedeuten? ...
-
- Doch nein, du liegst im dunklen Grab
- Und willst es nicht erkennen,
- Du liegst in deiner Sinne Nacht
- Und kannst -- kein Licht im finstern Schacht --
- Nicht Gut und Böse trennen.
-
- Es kommt der Tod: So wähle doch
- Des wahren Weges Breite!
- Ach, Seele, geh doch geradezu,
- Was irrst und läufst und taumelst du
- Zur recht' und linken Seite?
-
- Die Wahrheit wähle! Tu es, tu's!
- Denk, wie die Zeiten lügen!
- Laß dich nicht irren dort und hie,
- Betrüge sie, betrüge sie,
- Bevor sie dich betrügen.
-
- Ach, gute Seele, siehe zu,
- Ein Künft'ges zu erwerben:
- Gib alles hin mit leichtem Mut,
- Gib hin den Erben all dein Gut,
- Und werde selbst zum Erben!
-
-
-
- Halt, o Herz! Wer darf sich wagen
- In des Herzenwägers Haus?
- Hüte dich, den Blick zu tragen
- In sein dunkles Reich hinaus.
- Wagtest du das frevle Abenteuer,
- Griffe dich ein flammenwildes Feuer.
-
- Lasse ab, dir zu erzwingen
- Seiner Rätsel dunkle Welt,
- Denn du hast kein Recht, zu dringen
- In die Tiefe, die ihn hält:
- Fort mit dir aus seinen ew'gen Hallen,
- Denn du darfst nicht unter Engeln wallen!
-
- Ihm befiehl du deine Wege,
- Daß er dir zur Seite bleibt,
- Ihm vertraue deine Stege,
- Wenn es dich ins Irre treibt!
- Mag dich Lust betören, Leid berühren:
- Er wird dich im rechten Gleise führen.
-
- Walle nicht die ird'schen Ziele,
- Gottes Zielen walle zu!
- Fürsten sind auf Erden viele,
- Doch nur einem diene du!
- Alle andern sind nur Knechtesknechte,
- Ihre Launen bleiben ihre Mächte.
-
- Einer nur, ein Ruhmesreicher,
- Nimmt dich an die ew'ge Brust,
- Trägt dich, ach, in wunderweicher
- Vaterhand zur höchsten Lust:
- Lerne eitlem Freundesrat entsagen,
- Lasse dich in seinem Lichte tragen!
-
- Er sei: deiner ersten Ernte
- Erste Frucht, dein höchstes Fest!
- Wenn die letzte sich entfernte,
- Dann sei er der letzte Rest:
- Deine Reue werde zum Altare,
- Werde deiner Sinne Flammenbahre!
-
- Jedem ist er ein Berater,
- Der in seiner Nähe wacht,
- Aber dem auch bleibt er Vater,
- Der die letzte Reise macht.
- Frage nicht und lass dich nicht verführen,
- Lausche still an seinen letzten Türen!
-
- Was er spricht, muß sich erfüllen,
- Sei's zum Leben oder Tod,
- So wie einst auf seinen Willen
- Kam das erste Morgenrot:
- Und er sprach: -- und alle Schatten scheuchten!
- Und er sah: -- es war ein herrlich Leuchten!
-
-
-
- Knechte der Zeit: -- Knechte der Knechte!
- Aber der Freie, der einzig rechte,
- -- Auch ein Knecht -- dienet dem Herrn.
-
- Wähle sich jeder sein Teil!
- Mein Teil aber und Heil
- -- Spricht mein Herz -- bleibet der Herr.
-
-
-
- Tag und Nacht will ich den Herren loben!
- Seiner Gnade Antlitz ließ er leuchten,
- Fenster brach er aus an Himmelswänden,
- Sonnen gab er, die uns Strahlen spenden,
- Strahlen, die die Finsternisse scheuchten.
-
- Doch er gab mir mehr: Von seinem Glanze
- Gab er mir, ich hab es froh genommen;
- Durfte seines Geistes Regen spüren,
- Ließ mich gern auf lichten Wegen führen,
- Wegen, die vom Sinaï gekommen.
-
- So war sein Gesetz in meinem Munde,
- Daß mich Honig seine Worte deuchten;
- Und in seiner Lehre lichten Flammen
- Jauchzte ich die ganze Welt zusammen: --
- -- Brüder, seht, wie meine Augen leuchten!
-
-
-
- Jugend ist wie leichte Flocken,
- Bald verweht vom ersten Wind;
- Sieh auf deine schwarzen Locken!
- Hast du es noch nicht vernommen?
- Weiße Boten angekommen:
- Und du schläfst, mein Weltenkind?
-
- Vöglein schüttelt sich am Morgen
- Von dem nächt'gen Silbertau;
- Also schüttle ird'sche Sorgen,
- Liebe Seele, dir vom Flügel,
- Steige über Strom und Hügel
- Lerchengleich ins Himmelblau.
-
- Freiheit wirst du droben finden
- Von dem Brausestrom der Tage:
- Liebe Seele, darum jage
- Hinter Gottes Spuren dicht,
- Und im stillen Kreis von allen
- Seelen, die zum Herren wallen,
- Walle hin zum ew'gen Licht.
-
-
-
- Mein Gott, ich will dich ehren
- Und dein gerechtes Tun:
- Nur einmal braucht' ich hören
- Und glaube alles nun.
- Nicht fragen und erproben
- Will dich dein Erdensohn:
- Du großer Bildner droben,
- Darf meistern dich der Ton?
-
- Ich hab' dich manche Stunden
- Gesucht an manchem Ort,
- Ich habe dich gefunden
- Als Burg und Felsenhort.
- Du, der in klarem Feuer
- Dies Erdentum erhellt
- Und unverhüllt vom Schleier
- Durchstrahlt die schöne Welt.
-
- Sieh, alle Himmel preisen
- Dein Licht und deine Pracht,
- Da sie in ihren Kreisen
- Sich beugen deiner Macht;
- Die Engel, die da schweben
- Durch Feuer und durch Flut,
- Sie jauchzen und erheben
- Zu dir die heil'ge Glut.
-
- Zu dir, der alles führet,
- All diese Welten trägt,
- Und keinen Arm doch rühret
- Und keine Hand bewegt!
- Du, dessen Wunderwalten
- Die Höh' und Tiefe hält
- Und heiliger Gestalten
- Geheimnisvolle Welt.
-
- Wer kündet uns das Weben,
- Das alle Wolken treibt?
- Das tiefverhüllte Leben,
- Das ewig droben bleibt?
- Und doch will er sich neigen
- Dem Kinde dieser Welt
- Und läßt sein Leuchten steigen
- Hinab aufs Erdenzelt.
-
- Und läßt vor Seheraugen
- Sein ganzes Bild erstehn;
- Sonst mochte nie ihm taugen,
- Daß Menschen ihn ersehn.
- Was nie sich wollt' gestalten,
- Sein Bildnis oder Maß, --
- In königlichem Walten
- Prophetenauge sah's.
-
- Die ungezählten Werke,
- Wer zählt sie alle vor?
- Heil dem, der seine Stärke
- Zu gründen sich erkor!
- Heil dem, der all sein Hoffen
- Auf ihn allein gelegt,
- Ihn, der die Welt so offen
- In seinen Armen trägt!
-
- Heil, wer mit heil'gem Bangen
- Ihn fürchtet und bekennt
- Und dankbar im Empfangen
- Sein Recht auch Recht benennt!
- Wirkt er für seines Knechtes
- Glück und Gedeihen doch:
- Es kommt ein Tag des Rechtes
- Dem großen Gotte noch!
-
- O zittre du und denke
- Und lerne wachsam sein:
- In dein Geheimnis senke
- Dein ganzes Sinnen ein!
- Woher bist du gekommen?
- Wo ist dein Grund gelegt!
- Wer hat dich einst genommen?
- Wer hegt dich und bewegt? --
-
- Schau hin auf Gott und sende
- Die wache Seele aus,
- Doch strecke deine Hände
- Du nimmer nach ihm aus!
- Du kannst doch nimmer finden
- Sein Ende und Beginn,
- Und nie wirst du ergründen
- Den rätselhaften Sinn.
-
-
-
- Bevor du mich geschaffen,
- Hast du mich schon gekannt,
- Ich weiß, du wirst mich halten,
- Solang dein Geist wird walten
- In meiner Seele Land.
-
- Kann gehn ich, wenn dein Winken
- Mich an die Stelle zwängt?
- Kann ich denn bleiben stille,
- Wenn mich dein heil'ger Wille
- Mit Mächten vorwärts drängt?
-
- Was kann ich denn noch sagen?
- Mein Denken ist bei dir:
- Was ist denn all mein Wandeln,
- Was ist mein Tun und Handeln,
- Bist du nicht über mir?
-
- Ich kann dich ja nur suchen;
- Und du: -- Zur Gnadenzeit
- Erhöre mich in Milde,
- Und mach zu einem Schilde
- Mir deine Huld bereit!
-
- Erwecke mich am Morgen
- Und mache mich recht wach,
- Daß ich in frohen Weisen
- Hinwalle, hochzupreisen
- Dich unter deinem Dach!
-
-
-
- Ruhig, ruhig, liebe Seele!
- Wende dich zu Gottes Throne:
- Ird'sche Throne lasse liegen;
- Bist du erst emporgestiegen,
- Stiegest du zu ew'gem Lohne.
-
- Seele, gib dem Herrn die Ehre,
- Beuge dich ihm froh und gern:
- Droben unter Göttersöhnen
- Singe mit in Jubeltönen
- Deinem hochgelobten Herrn!
-
-
-
-
- II.
- ISRAEL
-
-
-
- Wahrheit, ich liebe dich aus ganzer Kraft
- Und tief aus meines Herzens Leidenschaft.
-
- Dich liebt mein jubelnd aufgetaner Mund,
- Dich meiner Brust geheimnisvollster Grund.
-
- Du bist mit mir, wie kann ich einsam sein?
- Du leitest mich, wie wandle ich allein?
-
- Du bist mein Licht, wie könnte ich verblinken?
- Und du mein Stab, wie könnt' ich niedersinken?
-
- Sie haben mich geschmäht, doch keiner wußte,
- Daß Schmach um dich mir Ehre werden mußte.
-
- Quell meines Lebens du, mein Leben lang
- Gilt dir mein Preis, mein Lied, mein Sang!
-
-
-
- Sonn' und Mond im Wechsel der Geschlechter,
- Tag und Nacht als ewge Wächter,
- So steht ewig Jakobs Same;
- Gottes Linke mag sie lassen,
- Gottes Rechte wird sie fassen:
- Ewges Volk, das ist und bleibt ihr Name.
-
- Ach, was fürchten sie und zagen
- In den schlimm und schlimmern Tagen,
- Daß ihr Herz am Zweifel bricht: --
- Glaubt an euer ewiges Bestehen,
- Allsolang nicht Tag und Nacht vergehen,
- Allsolang vergeht ihr selber nicht!
-
-
-
- Sei stark und harre deiner Zeit!
- Was drängst du so, noch ist sie weit,
- Was soll das wilde Bangen?
- O bebe nicht und sei ein Held!
- Und singe, siehst du doch mein Zelt
- Bei deinen Zelten prangen!
-
- Und wenn sie spotten, du sei still!
- Und wenn du hörest ihr Gebrüll,
- Laß es dich nicht bewegen:
- Führ' deine Herde sanft dahin,
- Ich bin dein Gott, es ist mein Sinn,
- Das Joch dir aufzulegen.
-
- Ich bin es auch, der dich erhört,
- Und der den Balsam dir beschert,
- Da deine Wunden brennen.
- Auch dank ich dir, wie du mich liebst,
- Daß du mir all dein Sehnen gibst,
- Erlöser mich zu nennen.
-
- Doch eile nicht und dränge nicht,
- Da du den Arm im Strafgericht
- Mir siehst gewaltig werden.
- Und dem, der ird'sche Herren preist,
- Dem sage, was du selber weißt:
- Gott ist mein Herr auf Erden!
-
-
-
- Seit du das Heim der Liebe bist,
- Kehrt meine Liebe bei dir ein,
- Und meiner Feinde Drang und List
- Soll deinetwegen süß mir sein:
- Sie mögen mich nur schrecken!
-
- Sie lernten deinen Grimm von dir,
- Sie jagten den, den du verjagt: --
- Soll ich sie hassen denn dafür,
- Der selbst sich nicht zu lieben wagt,
- Da du ihn nicht mehr liebest?
-
- Bis einst verwunden alle Qual,
- Vorüber aller Stürme Macht,
- Und du dem Volke deiner Wahl,
- Das du erlöst aus mancher Nacht,
- Erlösung wieder sendest.
-
-
-
- Entfessle deine rechte Hand
- Und sende sie hinab ins Land,
- Daß sie dein Volk erfasse!
- Ist sie zu kurz? Beherrscht denn dich
- Das Schicksal ebenso wie mich
- Und alle auf der Gasse?
-
- Die Sonne braust in ew'gem Kreis,
- Es steht der Mond auf dein Geheiß.
- Dein Wort ist ihre Klammer.
- Dein Wort nur ihre Ketten bricht,
- Und all ihr Gold- und Silberlicht
- Es ruht in deiner Kammer.
-
- Da stehen sie in deinem Schein,
- Die Sterne all, und harren dein,
- Das sie dein Wille richte!
- Und fühlen tief und fühlen ganz:
- Von deinem Glanze ist ihr Glanz,
- Ihr Licht von deinem Lichte.
-
-
-
- In deinem Lichte schläft aller Glanz:
- Dein Volk auf finstern Wegen reist,
- Und ihrem Sehnen, lang gehegt,
- Der Frevel in die Ferse beißt.
- Doch still: Darüber leuchtet rein
- Wie Sonnenglanz im Morgenschein
- Das schönste Licht.
-
- O Vater, um ihr wildes Haupt
- Schling' einen Schleier silberklar,
- Und statt des armen Bettelkleids
- Reich ihnen einen Purpur dar.
- Gieß aus dein Licht zum zweitenmal
- Wie einst am ersten Tag den Strahl:
- Es werde Licht!
-
- Hoch dein Panier den Wankenden!
- Dein Engel schreite nun voran
- Und lege den Erlösten bloß
- Zum Siegeszug die freie Bahn!
- O segne sie der Gnaden voll,
- Doch in Verdammnis sinken soll
- Des Lichtes Feind!
-
- So wie ein Knecht nach Schatten lechzt,
- Lechzt Israel: Erlös' es nun!
- Und ruf' ihm zu: Wie lange noch
- Willst du im düstern Hause ruhn?
- Sag' an, wie lang? Sag' an, wie weit?
- Auf, leuchte! Denn es kommt die Zeit:
- Dein Leuchten kommt!
-
-
-
- In deinem Haus zu ruhen,
- Gibt es wohl süßre Rast
- Dem Volk, in dessen Reihen
- Du deine Ruhe hast?
-
- Du, der auf Weltenhöhen
- So unermeßlich thront
- Und doch im Herz des Armen
- Und des Gebeugten wohnt:
-
- Dich faßt nicht Himmelshöhe,
- Die dich zu fassen wähnt,
- Und wenn sie bis zum Horeb
- Die ewgen Kreise dehnt.
-
- Dein Weg, der ist so nahe
- Und doch so fernehin:
- Und alles, was du bildest,
- Hat seinen Zweck und Sinn.
-
- Selbst meiner Seele Trachten,
- Das sendet mir mein Hort,
- Und wenn die Lippe redet,
- So ist's ein Gotteswort.
-
-
-
- Fauler, wirst du nicht erröten?
- Schläfst bis in den Tag hinein?
- Hörst du nicht aus tiefsten Nöten
- Fremde Völker zu ihm schrein?
-
- Schon mit ganzem Herzen dienen
- Ihm, die nie ihn noch gekannt:
- Und die ihm die Liebsten schienen,
- Die verstecken sich im Land?
-
- Auf, schon tagt es fern im Osten,
- Auf, du Schläfer, aus der Ruh!
- Fremde stehen auf dem Posten,
- Und da träumest du? --
-
-
-
- Es blieben die Wunder, die herrlichen, fort,
- Gott Elijahus, wo ist dein Ort?
- Wir hörten dein Wort, wir schrieen empor,
- Schon tausend Jahre ist taub dein Ohr: --
- Gott Elijahus, wo bist du?
-
- Schloß Elijahu des Himmels Trauf',
- Riß Elijahu den Himmel auf:
- Wasser und Feuer fiel von den Höh'n,
- Karmel und Kison haben's gesehn:
- Gott Elijahus, wo bist du?
-
- Sprach Elijahu zum Krügelein,
- Setzte er quellenden Segen darein;
- Ließ er den Toten vom Bette stehn:
- Wer hat es gehört? Wer hat es gesehn? --
- Gott Elijahus, wo bist du?
-
- Spritzt' Elijahu in feindliche Reih'n
- Flammendes Feuer und Funken hinein,
- Sechs Wochen fastet' er Tag und Nacht, --
- Dann haben die Raben ihm Brot gebracht: --
- Gott Elijahus, wo bist du?
-
- Fuhr Elijahu im Sturme auf,
- Feurig raste der Räder Lauf:
- »Vater, Vater!« Elisa schrie,
- Elijahu war fort, man sah ihn nie: --
- Gott Elijahus, wo bist du?
-
- Elisa blieb und ging fürbaß,
- Er ging durch den Jordan und wurde nicht naß.
- Die Männer sahen's und staunten da:
- Elisa wie Elijahu geschah. --
- Gott Elijahus, wo bist du?
-
- Elijahu ist fort, doch -- -- wir sind da,
- Dulden und leiden ferne und nah;
- Versprochene Zeichen neben uns stehn: --
- Wann werden wir deine Wunder sehn?
- Gott Elijahus, wo bist du?
-
-
-
-
- III.
- LIEBE
-
-
-
- Ofra wäscht ihre Kleider
- In meiner Tränen Flut,
- Ofra trocknet die Kleider
- An ihres Auges Glut.
-
- Ofra braucht keine Bronnen
- Bei meines Auges Quell,
- Ofra braucht keine Sonnen,
- Denn ihr Auge ist hell.
-
-
-
- Ich wiegt' auf dem Schoße
- Den Liebsten so schön,
- Da sah er sein Bildchen
- Im Auge mir stehn.
-
- Der Schelm! Sieh, da küßt' er
- Mein Auge so wild:
- Mein Auge nicht küßt' er,
- Er küßte sein Bild.
-
-
-
- Das Mädchen spricht:
- Was drängt ihr mich also,
- Ihr Frager, ihr flinken,
- Im Meere der Liebe
- Da sollt' ich versinken.
-
- Da trat seine Sohle
- Zum donnernden Strande: --
- Da ging ich im Meere,
- Als ging ich im Lande.
-
- Der Knabe spricht:
- Im Garten der Schönheit
- Erwarbst du ein Land,
- Das grenzenlos reicht
- Bis zum ewigen Strand.
-
- Und wolltest die Sterne
- Zum Schmucke du han,
- Sie sprängen dir gerne
- Von himmlischer Bahn.
-
-
- ABSCHIEDSVERSE
-
-
- 1
-
- Mein Lieb, wir müssen uns schicken,
- Nun scheid' ich aus dem Tal:
- Laß dir ins Auge blicken
- Zum allerletzten Mal!
-
- Ich fürcht', ich kann nicht zwingen
- Das Herz in sein Revier:
- Heraus wird es mir springen
- Und laufen hinter dir.
-
-
- 2
-
- Gedenke der Tage liebender Lust,
- Und ich will denken der Nächte:
- Wie du mir ziehst durch die träumende Brust,
- Auch ich, auch ich
- Durch deine Träume möchte.
-
-
- 3
-
- Ein Meer von Tränen zwischen uns rollt,
- Ich kann nicht hinübereilen;
- Doch wenn deine Liebe herüber wollt',
- -- Die Wogen würden sich teilen.
-
-
- 4
-
- Ach, daß ich einst in dunklen Grabesräumen
- Den Ton des Glöckleins über mir erlauschte,
- Das leise klingt an deinen Kleidersäumen!
-
- Ach, daß ich noch im Tode mich berauschte,
- Wenn du mich grüßt und fragst in meinen Träumen,
- Und ich dann Gruß und Frage mit dir tauschte!
-
-
- 5
-
- Du hast einen Mord begangen,
- Darum verklag' ich dich:
- Deine roten Lippen und Wangen
- Die sollen zeugen für mich!
-
- Deine roten Lippen und Wangen,
- Was sind sie denn so rot? --
- Nun mußt du schweigen und bangen:
- Mein Blut auf deinen Wangen,
- Das zeugt von meinem Tod.
-
-
- 6
-
- Willst du wirklich meinen Tod?
- Ach, ich bete nur um Leben,
- Um es jung und frisch und rot
- Deinen Jahren zuzugeben.
-
- Ach, du raubtest mir die Ruh'
- Meiner Nächte, süße Fraue!
- Leg' sie dir auf deine Braue:
- Schlummre, schlummre du!
-
-
- 7
-
- All' meine Tränen blieben
- Im Feuer deiner Lust,
- All' deine Tränen zerrieben
- Die Steine in meiner Brust.
-
- Durch Feuer und Wasser zusammen
- Schritt mein zitterndes Herz:
- Das waren deine Flammen,
- Das war mein weinender Schmerz.
-
-
- 8
-
- Zwischen Bittre, zwischen Süße
- Muß mein Herz sich jetzt bequemen:
- Honig sind mir deine Küsse,
- Bitter ist das Abschiednehmen!
-
-
- 9
-
- Aller Reichtum dieser Welt
- Ist mir eitel Trug,
- Deiner Lippen rote Schnur,
- Deiner Lenden Gürtel nur
- Wäre mir genug.
-
- All mein süßer Honig fließt
- Dort, wo ich dich küßte,
- Meiner Narde sich ergießt,
- Alle meine Myrrhe sprießt
- Rund um deine Brüste.
-
-
- 10
-
- Der Frauen Ehre ist ihr edles Tun,
- Doch alles Tun veredelt sich durch dich.
-
-
- 11
-
- Viel tausend Garben stehen
- Wohl in der Liebe Tal:
- Vor deiner Garbe beugen,
- Vor deiner Garbe neigen
- Sich alle allzumal.
-
-
- 12
-
- Unter deinen leichten Füßen
- Heimlich süße Keime sprießen,
- Balsamknospe, Myrrhenblüt':
- Möchte doch mein Leben glücken
- Nur so lange, bis ich pflücken,
- Sehen kann, wie alles blüht.
-
-
- 13
-
- Deine Stimme hör' ich nimmer,
- Aber leise hör' ich immer
- Klingen wie ein fernes Grüßen
- In den Tiefen meiner Seele
- Deine Kettchen an den Füßen.
-
-
- 14
-
- Mein Herz wird bitter,
- Da es gedenkt: --
- Noch hängt ja, hängt
- An den Lippen die Süße,
- Noch fühl' ich die Küsse,
- Die du mir geschenkt. --
-
-
-
- Wach doch auf aus deiner Ruh;
- Daß ich mich an deinem Bilde labe!
- Träumest du von Küssen, süßer Knabe? --
- Ich kann Träume deuten, du!
-
-
-
- Wie die Sonne über Sphären schreitet,
- Herrschst du in der Welt mit Kraft und Mut:
- Deine Augen wilde Pfeile schießen,
- Männerherzen Ströme Blutes fließen:
- Mädchen, deine Pfeile treffen gut.
-
- Wilde Blumen stehn in deinem Garten,
- Rote Blumen, die das Pflücken wert:
- Doch du stelltest zu des Gartens Schutze,
- An die Pforte stelltest du zum Trutze
- Hin das zuckende, das Flammenschwert.
-
-
- ZUM RUHME DER BRAUT
-
-
- I
-
- Das Silber läßt sich gründen
- Im Schachte des Gesteins,
- Wer aber wollte finden
- Ein Liebchen so wie meins?
-
- Wie Städte fest verbündet
- Mit Mauern und Gestämm:
- Wie Tirza hochgegründet
- Und wie Jerusalem!
-
-
- II
-
- Was wendet sie sich allerwärts,
- Zu suchen ein Gezelt,
- Da doch mein großes, weites Herz
- Das Tor ihr offen hält?
-
-
- III
-
- Dein Gesicht voll Rosen eine Küste:
- Meine Augen knicken sie;
- Aepfel der Granate deine Brüste:
- Meine Hände pflücken sie.
- Hoch auf deinem Lippenpaare
- Lodern wilde Feuerschlangen:
- Meiner Küsse Feuerzangen
- Reißen sie mir vom Altare.
-
-
- IV
-
- Wie zwei Abendwölfe fahren
- Aus des Waldes dunklen Nächten,
- Also steigen aus den Haaren
- Dir zwei rabenschwarze Flechten.
-
- Doch da ist ein Licht, ein schnelles,
- Von der Wange eingedrungen,
- Und dein Antlitz steht wie helles
- Morgenlicht in Dämmerungen.
-
-
- V
-
- Keine Nacht besteht vor ihrem Lichte,
- Und ihr Licht erlöscht in keinem Dunkeln:
- Leuchtet es im Tagesangesichte,
- Wächst es an zu siebenfachem Funkeln.
-
-
-
- Zeigte Liebchen mir die Wangen,
- -- Mitternächt'ge Stunde war's --:
- Um die zarten Schläfen hangen
- Tief die Schleier ihres Haars.
-
- Von Rubinen hell umgossen
- Ihre frohe Wange war,
- Und vom klarsten Licht umflossen
- Schien die dunkle Locke gar.
-
- Wie die Sonne, wenn im holden
- Morgenstrahl die Flamme loht: --
- Dunkle Wolken werden golden,
- Dunkle Wolken werden rot.
-
-
-
- Liebe Sänger, singt den Trauten
- Holde Lieder zu den Lauten
- In dem schönsten Wechselsang!
- Singet den verhüllten Blicken,
- Die verstohlen schaun und nicken
- Durch des Fensters Seidenhang.
-
- Sie, die Keuschen hinter Gittern,
- Die da lernten von den Müttern
- Rein zu halten Herz und Leib;
- Und die doch mit Pfeilen spielen,
- Kindlich mit dem Bogen zielen
- Ahnungslosen Zeitvertreib.
-
- Weh, geschossen und getroffen!
- Klaffend steht die Wunde offen:
- Ach, sie ahnten keinen Harm;
- Sie, die nie an Schwerter rührten
- Und als einz'ge Waffe führten
- Ihren Alabasterarm.
-
- Sie, die Schwachen, Müden, Süßen,
- Die das Kettlein an den Füßen,
- Allzu schwer das Ringlein drückt;
- Deren Auge bei den Lasten
- Ihrer seidnen Wimperquasten
- Kaum ein stiller Aufschlag glückt.
-
- Aber wenn es einmal blicken
- Und empor zur Sonne schicken
- Seine heißen Flammen wollt',
- Schwarz verbrennen in der Ferne
- Würd' an diesem Feuersterne
- All der Sonne rotes Gold.
-
- »Werde Licht!« so spricht die Wange,
- »Werde Nacht!« die Lockenschlange
- Dieser holdgeliebten Schar.
- Ihre weißen Kleider hüllet
- Licht der Liebe, Nacht erfüllet,
- Leidesnacht ihr dunkles Haar.
-
- O ihr Leuchten meines Lebens,
- Ist mein Herz nicht eures Schwebens
- Firmamentisch Himmelszelt?
- Rollt ihr nicht in ew'gen Gleisen
- Und in immer neuen Kreisen
- Durch dies Herze, diese Welt?
-
- Ach, ihr zarten, freudereichen,
- Traubenschwerem Weine gleichen,
- Wie er Zweig und Wurzel trägt!
- Ach, ihr Lippen, Schönheitsboten,
- Wie ihr eure doppelt roten
- Polster um die Perlen legt!
-
- Zürne, Herze, nicht den Kecken,
- Wenn gar ihres Auges Necken
- Falsch aus falschem Fenster schaut:
- Diese Aepfel, wie sie hangen,
- Diese Lilien auf den Wangen
- Sind ein süßes Heilekraut.
-
- Sieh den Wuchs gleich einer Palme,
- Der gleich windbewegtem Halme
- Lieblich seine Hüften wiegt!
- Jedes Herze, mußt du wissen,
- Kaum gefangen, schon zerrissen
- Blutend ihr zu Füßen liegt.
-
- Soll man sie nun schuldig sprechen,
- Da sie nur, um sich zu rächen,
- Gegen unsre Herzen gehn?
- Für die Blumen, die wir Frechen
- Täglich von den Beeten brechen,
- Die in Wangenblüte stehn?
-
- Auf, zum Richter will ich schreiten:
- Seine Schwingen, seine weiten,
- Sind der Weisheit Schutz und Hort.
- Er, der über Tod und Leben
- Richtet, soll die Antwort geben:
- Still, er kündet Gottes Wort! -- --
- -- -- -- --
-
-
-
- Was geht noch auf die Sonne,
- Was leuchtet sie uns noch?
- Der Mädchen Allerschönste
- Verdunkelte sie doch.
-
- Magst, Sonne, du erröten
- Vor ihrem holden Glanz,
- Mag aus den Bahnen treten
- Der Sterne lichter Kranz!
-
- Was braucht die süße Taube
- Noch eure hohe Welt? --
- Sie macht die Myrtenlaube
- Sich selbst zum Himmelszelt.
-
-
- ZUR HOCHZEIT
-
- Mög' des Paares holder Bund
- Israel zum Segen frommen!
- Tu' das nächste Jahr uns kund,
- Daß ein neuer Stern entglommen.
-
- Daß in ihren Tagen dann
- Froh man meinem Volke kündet: --
- Des Erlösers Leuchte hat
- Gott dir angezündet.
-
-
-
-
- IV.
- FREUNDSCHAFT
-
-
-
- Fein sänftlich, Freund, bin nicht von Erz;
- Zürnst du noch lang, so bricht mein Herz.
-
- Bist du nicht Arzt? Was willst du noch?
- Unheilbar Weh, du heilst es doch!
-
- Trink Milch und Wein von meinem Mund,
- Um Wein und Milch mach' mich gesund.
-
- Mein ganzes Herz ist dir bestimmt:
- Greif zu, eh es ein andrer nimmt!
-
-
-
- »Sehnt sich deine Seele noch
- Nach der Jugend Borden,
- Da die dunkle Locke doch
- Lang schon weiß geworden?
- Soll das Leben für den Rest
- Dich noch lachen lehren,
- Da es reichlich dir entpreßt
- Bitterste der Zähren?
-
- Täglich gibst den Scheidebrief
- Du der Welt im Schmerze,
- Aber täglich widerrief
- Ihn dein schwaches Herze.
- Ob sie dir ins Antlitz spie
- Und verwarf dein Minnen,
- Stets durch neue Gaben sie
- Willst du dir gewinnen.
-
- Schon die weiße Taube küßt
- Dir den müden Scheitel;
- Fort der Rabe, und noch ist
- Jugend dir nicht eitel?
- Sag', wer soll die arme Brust
- Wieder dir verjüngen,
- Wird die lang verwehte Lust
- Noch einmal gelingen?
-
- Wer soll wieder deinem Fuß
- Güldne Kettlein geben,
- Deine Hand zum Freudengruß
- Auf die Zimbel heben?« -- --
- -- So fragt mancher, aber bloß,
- Wer das Aug' nie kannte,
- Das vom Westen, sonnengroß,
- Mir sein Leuchten sandte.
-
- Diese Sonne wird mich nicht,
- Nimmermehr versengen,
- Wird als Schmuck ihr Strahlenlicht
- Um den Hals mir hängen,
- Auge, auch dem Vollmond nicht
- Gleichst du, fühlt der Dichter:
- Der verliert sein mattes Licht,
- Du wirst immer lichter.
-
- Hast mir auch zurückgebracht
- Helle Jugendträume,
- Die ich weit und fern gedacht
- Längst in alle Räume.
- Und weil so dein heller Strahl
- Sprach ein neues »Werde!«
- Kann ich lieben noch einmal
- Diese schöne Erde.
-
-
-
- Viele schon in meinem Herzen schufen
- Sich ein Heim: -- Du sollst der Beste sein;
- Wird mein Herz dereinst die Freunde rufen,
- Sein Berufener bist du allein.
-
- Wenn ich über aller Sterne Schimmer
- Dann das Herz erhebe zu dem Firn,
- Find' ich überm hohen Himmel immer
- Höher noch und stolzer deine Stirn.
-
- Dehnend dann, um deine Kraft zu fassen,
- Dieses Herze weit und weiter dringt,
- Bis es grenzenlos dahingelassen
- Rauschend aus der Erdensphäre springt.
-
- Staune nicht, ob meines Herzens Schoße,
- Daß du ihn so tief, so groß empfandst:
- Mich laß staunen, daß du dieses große,
- Dieses Herze so erfüllen kannst.
-
-
- ABSCHIED
-
-
- 1
-
- Wir kennen Abschied, dich von alten Tagen:
- Kein Strom so alt als wie der Strom der Tränen,
- Und Unrecht ist's, die Zeiten anzuklagen: --
-
- Weh denen, die sie schlimm und schuldig wähnen!
- Kein Falsch ist droben bei dem höchsten Wesen,
- Die Sphären laufen nach gerechten Plänen.
-
- Auch ist schon alles einmal dagewesen,
- Die Hand des Herrn hat einmal nur geschrieben,
- Und neues ist hienieden nicht zu lesen;
-
- Wo seines Siegelringes Spur geblieben,
- Da blieb es, wie es war, und alles Neue
- Ist alt aus alter Zeit heraufgetrieben;
-
- Man küßt sich nur, daß man sich wieder scheue;
- Daß Völker sich aus einem Volk gebären,
- Brach man in alten Zeiten sich die Treue;
-
- Und wenn nicht jene alten Zeiten wären,
- Da sich die Menschen trennten ohne Reue,
- Die Welt wär' menschenleer und öd' geblieben.
-
-
- 2
-
- Und andre Dinge gibt's in diesem Leben,
- Der eine nennt sie gut, der andre schlecht,
- Fülle ist hier, doch Dürre liegt daneben;
-
- Der eine hat dem Leben abgeschworen
- Und wird zum Fluche gleich die Arme heben,
- Dem Tage fluchen, der ihn einst geboren.
-
- Demselben Tag, den andre wieder preisen,
- Und dessen Stunden ewig unverloren
- Hinrinnen ihm in lieblich frohen Gleisen.
-
- Den jungen Lippen und den lebensroten,
- Zu Honig werden ihnen alle Speisen,
- Den Kranken wird im Honig Gift geboten;
-
- Dem Kummervollen leuchten keine Sonnen,
- Sein Aug' schaut nie des Lichtes Wunderboten,
- Und alle Helligkeit ist ihm verronnen; --
-
- Mein Auge auch versank in dunklen Nächten,
- Aus seinem Grunde brachen heiße Bronnen,
- Als heute schied der Freund von meiner Rechten.
-
-
- 3
-
- Ihm rann der Weisheit Quell vom roten Munde,
- Es ruhte Gold in seiner Seele Schächten
- Und Edelstein im allertiefsten Grunde.
-
- Als ungezäumt noch seine Rosse standen,
- Saßen wir Herz an Herz im trauten Bunde
- Und froh in friedevollen Menschenlanden.
-
- Zwei Mütter haben uns dem Licht gegeben,
- Und doch wie Brüder uns die Menschen fanden,
- Denn Liebe einte uns zum Zwillingsleben.
-
- Auf grünem Hügel hat sie uns geboren,
- Wir lagen an den Brüsten süßer Reben,
- Als Wiege ward uns holder Duft erkoren. --
-
- Nun denk' ich dein auf ödem Hügelland,
- Das gestern, da es dich noch nicht verloren,
- In Blumenbeeten und in Düften stand;
-
- Nun hängen heiße Tränentropfen nieder
- Von meiner Wimper schwer benetztem Rand,
- Und jede Träne hängt im Blute wieder:
-
- Du bist dahin! -- Nun stehn auf deinen Wegen
- Wohl andre, singen auch wohl Friedenslieder,
- Doch weiß ich, wie sie Krieg im Herzen hegen.
-
- O fort mit ihnen! Ihre Zähne nagen
- An ekler Speise, während Mannaregen
- Und Süße einst auf deinen Lippen lagen.
-
-
- 4
-
- Grimm und Glut den übermüt'gen Narren,
- Die sich selbst für zehnmal weise halten
- All in ihres Geistes dürren Sparren;
-
- Ihre Götzen sind in ihren Hirnen
- Reinster Glaube, doch als Zauber galten
- Immer meines Glaubens klare Stirnen.
-
- Wie sie sä'n und ernten ihre Gaben!
- Wie sie jauchzen zu des Himmels Firnen,
- Wenn sie leeres Stroh gedroschen haben!
-
- Hört mich, Freunde, Neues will ich künden:
- Meine Perlen will ich tief vergraben,
- Lichter hab ich, die sie wiederfinden.
-
- Aber wenn die Narren zu mir kommen:
- »Zeig'uns doch den Schatz in deinen Gründen!« --
- Eine Antwort soll allein mir frommen: --
-
- Vor die Säue nimmer kommt mein Gold,
- In die Wüste -- habt ihr wohl vernommen? --
- Niemals meiner Wolke Regen rollt!
-
- Fort mit euch! Ich brauche nicht die Zeiten!
- Ach, als wenn die Seele brauchen sollt'
- Ihres Leibes eitle Nichtigkeiten!
-
- _Ihr_ braucht _mich_, der Leib die Seele immer:
- Halte er sie fest! Zum Sternenschimmer
- Wird sie sonst, er selbst zur Tiefe gleiten!
-
-
-
- Ist's der Myrrhe zartes Düften?
- Oder Duft vom süßen Moste?
- Oder ist es in den Lüften
- Myrtenduft auf leisem Oste?
-
- Sind es Tränen, die ich schaue,
- Tränen auf verliebten Wangen?
- Oder ist's im Morgentaue
- Rosenkelches Silberprangen?
-
- Ist's die Laute im Verstecke,
- Die ich leise spielen höre?
- Oder hinter jener Hecke
- Sind's die Nachtigallenchöre? --
-
- Oder ist das alles nur,
- All die Töne, all die Lichter,
- Des Erinnerns süße Spur
- An den weitberühmten Dichter? -- --
- -- -- -- -- -- -- --
-
-
- AN AARON BEN ZION ALAMANI
-
- Dieser Schlummer möge währen,
- Diese Träume mögen glücken:
- Zu dem Fürsten will ich wallen,
- Dem sich meine Garben bücken.
-
- Dessen Gaben hochzupreisen,
- Mund und Herz und Seele singen,
- Und aus dessen Liederquellen
- Meine eignen Lieder springen.
-
- Denn von seinen Lieblichkeiten
- Sind die meinen nur entwendet:
- Zürn' er nicht, daß all mein Sinnen
- Sich in ihm erschöpft und endet.
-
-
-
- Trank die Erde wie ein Kindlein
- Gestern noch an Wolkenbrüsten
- Winternaß auf allen Hügeln;
-
- Eingeschlossen manches Stündlein
- Träumte sie von Liebeslüsten
- Wie ein Bräutchen hinter Riegeln.
-
- * * * * *
-
- Kühle Riegel keuschen Eises;
- Doch die Träume alle flogen
- Zu dem nächtlich süßen Spiele;
-
- Aber als mit eins ein leises
- Frühlingswehen kam gezogen,
- War ihr Träumen schon am Ziele.
-
- * * * * *
-
- Güldner Beete zarten Schimmer
- Legt sie an und Blütendecken,
- Buntgewirkt und buntgerändert --
-
- Wie ein hübsches Frauenzimmer
- Täglich unter Scherz und Necken
- Neu sich kleidet und bebändert.
-
- * * * * *
-
- Täglich andre Farben, Blüten:
- Wie ein Mädchen, ein geküßtes,
- Blaß und rot im Liebeswallen.
-
- Farben, wie sie niemals glühten:
- Wie gestohlner Schimmer ist es
- Aus den ew'gen Sternenhallen.
-
- * * * * *
-
- Kommt zum Garten mit dem Weine,
- Laßt uns seine Gluten nippen,
- Die entflammt am Liebesglühen:
-
- Schneekühl in des Kelches Scheine
- Läßt er hinter roten Lippen
- Erst die große Flamme sprühen.
-
- * * * * *
-
- Aus der Nächte dunkler Halle
- Steigt empor die goldne Sonne:
- So der Wein aus seinen Krügen. --
-
- Her die blitzenden Kristalle!
- Schenkt ihn ein, den Saft der Wonne!
- Trinken wir in vollen Zügen! --
-
- * * * * *
-
- Wandelnd nun im kühlen Schatten
- Sehen wir im Sommerregen
- Tränen auf der Erde Wangen;
-
- Doch es freuen sich die Matten
- Dieser Perlen allerwegen,
- Die vom goldnen Halsband sprangen;
-
- * * * * *
-
- Freuen sich am Duft des Weines,
- An der Schwalbe, an der Taube,
- Die im Busche gurrt und flattert,
-
- Wie ein Mägdelein, ein feines,
- Hinterm Vorhang in der Laube
- Heimlich kichert, leise schnattert.
-
- * * * * *
-
- Aber meine Seele wittert,
- Ob vielleicht in Morgenlüften
- Duft vom fernen Freunde schwebe;
-
- Und im Wind die Myrte zittert,
- Gibt dem Wind ihr zartes Düften,
- Daß dem Freund er's weitergebe.
-
- * * * * *
-
- Und die Vögel singen tausend
- Lieder, und die Palmen mächtig
- Rauschend ihre Zweige schwingen:
-
- Hört mein Trauter, wie das brausend
- Anhebt, und sich alles prächtig
- Müht, ihm meinen Gruß zu bringen? -- --
- -- -- -- -- -- -- --
-
-
-
-
- V.
- LEBEN, LEIDEN, DICHTEN
-
-
-
- Eine Taube schluchzt vom Zweige: --
- Wird mir bitter weh zumute,
- Denn ich finde ihre Schmerzen
- In mir selber, und mein Schicksal
- Ist dem ihren zu vergleichen.
- Weint sie übers Heimatnestlein,
- Wein' ich meines armen Volkes;
- Weint sie über Scheiden, Meiden,
- Meiner Brüder in der Ferne
- Muß ich stöhnen; aber wenn sie
- Schluchzt um ihre jungen Tage,
- Heb' ich selber an die Klage
- Ueber aller Welt Vergehen.
-
- Abgehaun sind meine Zweige,
- Meine Wurzeln ausgerissen,
- Wie man ihr die Flügel stutzte;
- Allenthalben böse Fallen
- Drohen meines Schrittes Eile
- Wie die Sprenkel ihren Füßen;
- Und den Jäger muß ich fürchten,
- Wie sie selbst die flinken Pfeile.
-
- Wahrlich, Pfeile schnellt das Leben:
- Scheibe ward ich ihren Schützen,
- Und sie treffen in mein Blut
- Und vergießen meine Galle,
- Und in meine Wunden alle
- Werfen sie mir Gift und Glut.
- Stützte mich der Adel nicht
- Meiner unerschrocknen Seele,
- Wär' ich tot in dieser Fremde,
- Diesem Lande, dessen Tage
- Nächte sind und Todesschatten.
-
- Aber sie, die edle Seele,
- Steigt mir wie das helle Funkeln
- Einer Sonne, die nicht wendet,
- Nie sich neigt zum Abenddunkeln.
- Soll ich mich vor Menschen fürchten,
- Da in mir das stärkste Leben
- Solcher Seele ist, vor deren
- Mächten alle Mächte beben?
- Soll ich vor der Sorge zagen,
- Da ich aus der Weisheit Schächten
- Kann mir Diamanten schlagen?
- Hungre ich, sie reicht mir Früchte,
- Quellen meinem Durste springen;
- Einsam kann ich nimmer heißen,
- Da mir ihre Harfen klingen:
- Und mit Freunden Rede tauschen
- Brauch' ich nicht, kann ich nur lauschen
- Ihrer Worte weisem Singen.
- Sieh, in meines Griffel Schreiben
- Lebt mir Lautenspiel und Harfe,
- Und der Weisheit Schriften bleiben
- Gärtlein mir und Paradies.
-
- Redet nur zur Welt, zur schlimmen:
- Mag sie tun, was ihr gefällt;
- Härter doch als ihre Dornen,
- Stärker ist mein starkes Herz.
- Darf ich ihre Weine kosten,
- Will ich auch die Hefen nippen,
- Besseres verlang ich nicht.
- Denn erprobt ist meine Seele:
- Alle gift'gen Bitternisse
- Werden Honig meinen Lippen.
-
- Mag die Welt in harte Ketten
- Zehnmal alle Seelen zwingen,
- Zehnmal meine Seele retten
- Will ich aus den Eisenringen;
- Auf zu einem neuen Leben
- Will ich aus der Knechtschaft dringen,
- Will mich rein und frei entheben
- Ihrem trümmerreichen Sturz.
-
- Ihre Schönheit lockt mich nicht:
- Mag sie ihre Lichter stellen
- Flammend vor mein Angesicht,
- Ihre Säle, ihre hellen,
- Mögen andere berücken,
- Mir sind's Gräber, die ersticken;
- Ihren Reichtum, ihren Schimmer
- Laß ich gerne, so wie immer
- Gern die Seele läßt den Leib.
-
- Hat sie sich nicht selbst geschändet,
- Und ich sollte sie erheben?
- Da im Kote sie geendet,
- Zögre ich, sie hinzugeben?
- Schlecht geschlungen ist die Krone,
- Die aus ihrer Hand entlehnte,
- Und erröten unterm Hohne
- Müssen alle, die sie krönte.
-
- Doch es lebt in mir ein Glaube,
- Den ich nimmer lassen werde,
- Und ein Bund, den nimmer brechen
- Meine starke Seele wird.
-
- Auf ein Leuchten will ich blicken,
- Aus der Hand voll Glanz und Schimmer:
- O wer weiß, sie kann noch immer
- Ihre Morgenröte schicken!
- Tragen will ich, alles tragen,
- Meinen Kummer unterjochen;
- Denn ein einzig starkes Nu:
- Und die Kette ist gebrochen!
- Wecken wird mich meine Stunde,
- Meines Jammers jüngstes Tagen:
- Und so harre ich der Kunde,
- Gönne meinen Wimpern nimmer,
- Daß sich ihnen Schlummer böte,
- Immer an der Morgenröte
- Wimpern lasse ich sie hängen:
- Seelen, die sich selbst erheben,
- Seelen, die in Hoffnung leben,
- Gott wird ihre Tore sprengen!
-
-
-
- Sie besuchten mich im Traume,
- Wollten trösten, wollten laben;
- Doch versiegelt und vergraben
- Blieb ihr Trost im dunklen Raume.
-
- Und von allen ihren Lehren
- Hatt' ich nichts als Herzensdarben,
- Sah bei ihnen volle Garben
- Und bei mir die dürren Aehren.
-
- Ich von allen meinen Lieben
- Bin allein in meiner Kammer
- Heimgesucht von allem Jammer
- Aller Nöte Kind geblieben. -- --
-
- Was noch kann die Zeit mir geben?
- Such' ich, was ich nie erworben? --
- Ach, ich bin schon längst gestorben,
- Und ich hab' kein Recht zu leben!
-
-
-
- Und als nun alle war mein Gold,
- Hat sich der Freund davongetrollt.
- Ich lief ihm nach: O hab' Geduld!
- Was zürnst du mir?
- Was schuld ich dir?
- Da rief er lachend: Deine Schuld
- Ist klar:
- Bist du nicht arm? --
-
-
-
- Siehe, Menschensohn, siehe:
- Alles ist Tand!
- Ziehe aus, ja, ziehe
- Die bunten Kleider der Freude,
- Schlag um die Schultern das Trauergewand!
- Das wird zerfallen,
- Und wie's zerfällt,
- So du:
- Das ist von allen
- Den Mühn der Welt
- Dein letzter Teil --
- Die Ruh'!
-
-
-
- Kann dich Reichtum locken, Herz?
- Jagst du nach dem Glücke?
- Kennst du nicht der Zeiten Trug,
- All die falsche Tücke?
-
- Wer sich lange Schleppen macht,
- Kürzt sich seine Schritte,
- Strauchelt bei der schönsten Pracht
- Auf des Weges Mitte.
-
- Liegt denn nicht die schlimme Zeit
- Deinem Auge offen?
- Und du hoffst? -- O folge mir:
- Höre auf zu hoffen!
-
-
-
- Freue dich vor deinem Nächsten,
- Ueble Laune lasse schwinden,
- Und du wirst das Herz der Weisen
- Und den Rat der Klugen finden!
-
- Sei nicht schlecht und sei nicht dumm,
- Auch nicht allzusehr gerecht,
- Und erreichen wirst du alles,
- Was dein Herz sich wünschen möcht.
-
-
-
- Weh der Kunde, die im Ohre gellt: --
- Keine Wahrheit gibt's in dieser Welt,
- Dieser schlimmen Welt der falschen Wagen:
-
- Wenn ein Mann schon mit ihr leben will,
- Sie zur Gattin sich erheben will,
- Muß er sich mit einer Dirne plagen!
-
-
-
- Du meinst, das Dichten sei mir ein Beruf? --
- Lebendig faßt dein gutes Wort mich an;
- Doch sag' ich: Nein! Was je mir Freude schuf,
- War nur der Tropfen, der vom Eimer rann.
-
- Das Naschwerk nur, das ich am Herde fand,
- Das liebte ich, das hab' ich mir erwählt,
- Doch zu des Geistes Kränzen, die ich wand,
- Hab' ich mein leichtes Dichten nie gezählt.
-
- Und ist die Weisheit wie ein Meer so weit,
- Mein Lied ist nur der Schaum, der drüber weht:
- Nicht Mauern will ich türmen als Poet,
- Mein leichtes Ziel ist: Liebenswürdigkeit.
-
-
-
- Nimm dieses Lied aus deines Freundes Hand! --
- Zur letzten Reihe stellte ihn das Leben;
- Und als es endlich seine Reihe fand,
- War alles Glück der Welt schon längst vergeben.
-
- Auch er gehört zu der Berufenen Schar,
- Hat niemand seinen Namen auch geschrieben:
- Und wenn er selbst der Edelste nicht war,
- Er ist im Kreis der Edlen doch geblieben.
-
-
-
- Seh' ich, wie Narren
- Sich glücklich preisen,
- Seh' ich die Weisen
- Hungern und harren: --
- Schnell möcht' ich laufen,
- Den Verstand versaufen!
-
-
- BECHERSPRUCH
-
- Augen auf, mein Liebster traut,
- Was im Kelche blinkt:
- Schaue, eh' der Nachbar schaut!
- Trinke, eh' er trinkt!
-
-
- ZWEI RÄTSEL
-
-
- I
-
- Die Stirne von Eisen,
- Daß Brüder sich schieden;
- Die Zunge zu preisen:
- Sie macht wieder Frieden.
-
- (_Die Wage._)
-
-
- II
-
- 's ist ein Gefäß von ungemeßnen Tiefen,
- Doch faßt die kleinste Hand es gut;
- Und dennoch kann die Hand nicht prüfen,
- So nah sie kommt, was in ihm ruht.
-
- (_Der Handspiegel._)
-
-
-
-
- VI.
- ZION
-
-
-
- Zion, willst du nimmer wieder
- Die verbannten Kinder grüßen,
- Sie, die letzten deiner Herde,
- Die dich immer wieder grüßen?
- Osten, Westen, Süden, Norden,
- Alle Nähen, alle Weiten --
- Horch, von allen fernsten Borden
- Grüßt es dich:
- Höre sie, Zion!
- Höre auch mich!
-
- Armer Gefangener ich,
- Ich mit meinem Sehnen,
- Hermonstau meine Tränen!
- Hermonstau? -- O wären sie's nur,
- Daß ihrer Tropfen Spur
- Deine ewigen Höhen benetze!
-
- Ich aber, ein Tier der Wüste,
- Kann nur heulen ob deinem Falle;
- Nur, wenn im Traume die Zukunft mich grüßte:
- Heimwallende Scharen -- zum Liedeshalle
- Meine Schmerzen alle,
- Zur jubelnden Harfe waren.
-
- Um Bethel stöhnt mein Herz,
- Um Peniël muß ich weinen,
- Um Machanaïm und die reinen
- Stätten alter Gottesschau!
-
- Dort ließ der Herr sich finden
- Und wohnte im lichten Flor,
- Dort ließ dein Schöpfer münden
- Deine Tore ins schimmernde Wolkentor
- Hoch oben in ewiger Ferne:
- Und war deine Fackel und Leuchte und Licht,
- Und Sonne und Mond, sie leuchteten nicht,
- Und ach, wie bleichten die Sterne!
- Sein ewiger Geist ergoß sich dort
- Auf herrliche Kinder der Wahl:
- O könnte an jenem heiligen Ort
- Auch meine Seele immerfort
- Ergießen ihre Qual!
- O Königshaus! O Gottesthron!
- Wie darf ein Knecht und Knechtessohn
- Auf Heldenthronen prahlen?
-
- Könnte ich wandern über die Stellen,
- Wo der Herr sich so herrlich gezeigt,
- Wo er in Flammen sich, strahlenden, hellen,
- Deinen Priestern und Sehern geneigt!
- Flügel, wer gibt mir mächtige Flügel,
- Daß ich mich schwänge zum Lande der Lust,
- In eure Risse, ihr zackigen Hügel,
- Trüge die Risse der leidenden Brust.
- Oh, dann stürzte ich jubelnd nieder,
- Meine Arme griffen das Land,
- Streicheln würd' ich die Steine, die kalten,
- Schmeichelnd würd' ich dich fassen und halten --
-
- Du, der Heimat glühender Sand!
- Wie erst, stünd' ich dort an den Grüften,
- Die mir künden der Väter Gruß,
- Könnte durchwandern in Hebrons Lüften
- Stolzeste Gräber mein zagender Fuß!
- Oh, dann schritt' ich durch deinen Garten,
- Ginge waldüber nach Gilead,
- An deinen Bergen und Felsenwarten
- Staunt' ich die durstige Seele mir satt.
- Hor, Abarim, o ewige Wonnen!
- Mose und Aaron, begrabene Sonnen,
- Leuchten und Lehrer, wo finde ich euch?
-
- Seelenlabe sind deine Lüfte,
- O du hochgesegnetes Land,
- Deine Ströme sind Honigdüfte,
- Myrrhe spendet dein wirbelnder Sand.
- Doch das süßeste Sehnen für immer
- Bleibt bei deinen Hallen stehn,
- Zion, über deine Trümmer
- Möchte ich nackt und barfuß gehn:
- Sehen, wo die heilige Lade
- Am geheimsten Orte stand,
- Wo im stolzesten Flügelrade
- Man die goldenen Engel fand!
-
- Herunter das Haar vom lockigen Haupt,
- Herunter dir von der Stirne geraubt
- Des Reifes goldene Bande!
-
- Fluch dem Geschicke, Fluch der Zeit,
- Die heilige Häupter so schmählich entweiht
- In schmacherfülltem Lande!
-
- Essen und Trinken, wie kann es mir munden?
- Deine Löwen seh' ich zerbissen von Hunden,
- Deine Aare zerrissen von gierigen Raben --
- Licht des Tages, wie kannst du mich laben?
-
- Ha, du Becher des Grams,
- Fort mit dir, lasse mich los!
- Angefüllt ist meines Leibes Schoß
- Schon längst mit bitteren Gallen!
- Um Israel hob ich den Kelch zum Mund,
- Um Juda leert' ich ihn bis zum Grund,
- Kein Tropfen der Hefe gefallen!
-
- Zion, Zion, du Krone der Zeit,
- Schönheit und Liebe sind dein Kleid,
- So hältst du die Kinder gefangen;
- Sie lachen mit dir zur Lachenszeit,
- Sie stöhnen um dein bitteres Leid,
- Um dein Ende tropfen die Wangen.
-
- Sie schmachten aus Kerkersnöten empor,
- Sie neigen sich deinem ewigen Tor,
- Wenn ihre Gebete trauern.
- Deine irrenden Herden allzumal,
- Verjagt vom Berg ins dunkle Tal,
- Ach, sehn nur deine Mauern!
- Sie klammern sich fest an deinen Saum,
- Und hoch in den schwankenden Wipfelraum
- Deiner Palmen greifen die Hände: --
- O Sehnsucht sonder Ende!
- Wohlan, wer will sich messen?
- Ha, Patros, Schinear,
- Wagt ihr's?
- Habt ihr vergessen,
- Vergessen ganz und gar
- Das heilige Zionpriesterkleid?
- O über eure Nichtigkeit,
- Und eure morsche Größe!
-
- Nein, neben dich kann niemand treten,
- Kein König kommt den deinen gleich:
- Was sind die Allerweltspropheten
- Vor deinem heil'gen Priesterreich?
- Ach, alles stürzt von seinen Thronen,
- Es sinkt der falschen Götter Recht,
- Doch ewig bleiben deine Kronen,
- Dein Schatz ins tausendste Geschlecht!
- Du Gottessehnsucht, Menschensehnen! --
- Wem deine Mauer wieder Heimat bot,
- Heil ihm, und wer durch Sehnsuchtstränen
- Erblickt dein ew'ges Morgenrot!
- Dein Morgenrot, da alle Wolken fallen,
- Und hundertfacher Glanz vom Himmel bricht,
- Da deine Kinder jauchzend heimwärts wallen,
- Und in des Jauchzens Heil und Widerhallen
- Aufstrahlt dein altes königliches Licht! --
-
-
-
- Im Orient ist mein Herz, im Okzident,
- Am letzten Saum, verträume ich die Stunden.
- Kann Trank und Speise, noch so süß, mir munden?
- Kann ich Gelübde, kann ich Schwüre halten,
- Solange Zion liegt in Roms Gewalten?
- Läßt mich Arabien nicht im Kerker kümmern?
- Und was ist Spaniens reichste Flur,
- Was ist sie vor dem Staube nur
- Auf Zions, -- Zions Trümmern? --
-
-
-
- Komm mit mir gen Zoan,
- Zum Schilfmeer und Horeb;
- Wandeln will ich nach Silo,
- Zu gesunkenen Tempels Trümmern.
- Wo die Lade einst zog,
- Da will ich ziehen,
- Wo sie begraben ist,
- Da will ich knien;
- Küssen den Staub
- Süßer als Seim,
- Schauen die Auen,
- Die schönen, daheim,
- Schauen das öde,
- Vergessene Nest; --
- Oh, wenn ihr wüßtet:
- Die Täublein zerstoben,
- Rabenbrut nistet
- Dort oben.
-
-
-
- Es war ein Tag so sehnsuchtsvoll,
- Und kam mich doch ein Zittern an:
- Nach Zion mir die Sehnsucht schwoll,
- Da gabest du mir liebevoll
- Ermutigung, Berater!
-
- Und gabst mir deinen Namen her,
- Als Stab daran zu wallen;
- Nun schreit' ich hin, doch ist es mir,
- Als müßt' ich Schritt um Schritt vor dir
- In meine Kniee fallen.
-
-
-
-
- VII.
- DAS MEER
-
-
- DER STURM
-
-
- 1
-
- In Wolkenräumen
- Dort richtet er,
- Der Gnaden Säume
- Wallen aufs Meer.
-
- Der Mensch alleine,
- Wenn Gott ihm fehlt,
- Dient er dem Scheine
- Vom Trug beseelt.
-
- Aus Alltagsgrüften
- Steht froh er auf,
- Eilt übers Meer
- Den Heldenlauf.
-
- Doch ach, in Banden
- Der Schuld gefällt,
- Muß östlich landen,
- Wer westlich hält.
-
- Und er gesteht:
- Nicht seine Kraft
- Weist ihm den Weg
- Der Wanderschaft.
-
- Dann muß verzagen
- Das arme Herz
- Und klagen und fragen
- In Angst und Schmerz:
-
- Vor dir, dem Einen,
- Wo soll ich ziehn?
- Wohin vor deinem
- Geiste fliehn?
-
-
- 2
-
- Wie donnernde Räder rasen die Wogen
- In mächtigem Sturz übers brausende Meer,
- Es finstert der Himmel, von Wolken umzogen,
- Es schäumen die Fluten dahin und daher.
-
- Da hebt sich der Abgrund und steigt in die Lüfte,
- Sein Brüllen bis hoch an die Wolken hallt,
- Es kochen die Tiefen, es schreien die Grüfte,
- Und keiner bändigt die tolle Gewalt.
-
- Es sinken die Helden! die Stürme zerjagen
- Zu Bergen und Tälern den donnernden Schlund:
- Turmhoch das Schiff in die Lüfte getragen
- Saust es hinab in den gähnenden Grund.
-
- Da suchen die Augen nach Schiffern und Knechten: --
- O schweige mir, Herz, und hoffe auf ihn,
- Der einst uns an Moses gewaltiger Rechten
- Durch Schlünde des Meeres ließ ruhevoll ziehn.
-
- So ruf' ich ihn an, den Herrn aller Herren!
- Und fürchte nur eins: Meiner Sünden Gewalt.
- Ach, wenn sie nur jetzt nicht den Weg mir versperren,
- Nur jetzt nicht mein Jammern, mein Flehen verhallt!
-
-
- 3
-
- Ha, das Meer! Wie rast es wieder!
- Ha, der Ost! Wie schmettert er nieder
- Mächtig den stolzen zedernen Mast!
- Schüttet herab den Sturm seiner Grimme,
- Daß sich der Nacken der Stolzen krümme,
- Und der Schiffsherr zitternd erblaßt.
-
- Kraftlos hängen dem Maste die Schwingen,
- Kann sie nicht heben, weiter zu dringen,
- Feuerlos siedet die Flut im Föhn.
- O wie verzweifeln die Herzen und stöhnen,
- Da sie die Ruderer hilflos frönen
- Und die Ruder sinken sehn.
-
- Armer Schiffsherr, Steuermann schlechter,
- Dumme Ruderer, blinde Wächter,
- Wo, wo ist nun euer Mut?
- Trunken tanzt das Schiff im Winde
- Und verschleudert an die Gründe
- Alle euch als feiles Gut.
-
- Seht, schon regt der Leviathan die Flossen,
- Kommt durchs tosende Meer geschossen,
- Ruft wie ein Bräut'gam die Gäste zum Schmaus;
- Und das Weltmeer mit gierigem Munde
- Schlingt seine Beute zum untersten Grunde: --
- Alles verloren, alles aus!
-
-
- 4
-
- Nun schmachtet nach den Höhen
- Zu dir mein Augenpaar
- Und bringet dir mein Flehen
- Als ernste Gabe dar.
-
- Nun zittr' ich meiner Zeiten
- Und bebe, wo ich bin,
- Wie Jona muß ich breiten
- Die Arme nach dir hin.
-
- Laß mich ans Schilfmeer denken
- Und träumen immerzu,
- Laß mich die Sehnsucht senken
- Im Liede nun zur Ruh!
-
- Der Jordanwunderzeiten
- Erfreu' sich meine Brust,
- Das Herze mag sich weiten
- Als wie von Edens Lust;
-
- Bis es zu ihm getragen,
- Der Bitteres versüßt,
- Und der des Grimmes Tagen
- Als Tag der Hilfe grüßt.
-
- Ja, meine Augen hellen
- Zu ihm sich himmelan:
- Er legt durch Meer und Wellen
- Uns eine sichre Bahn.
-
- Und endlich auch sein Toben
- Uns Menschenkindern frommt,
- Da Winter uns und Sommer
- Aus seinem Odem kommt.
-
-
- 5
-
- So hat er seinen Zorn gewandt
- Vom niedern Sohne seiner Magd,
- Befreite aus dem Totenland
- Die arme Seele, die verzagt.
-
- Nun eilen schon die goldnen Höhn
- Hernieder auf den wilden Grund
- Und bringen den erregten Seen
- Hinab den schönsten Friedensbund.
-
- Da schweigt denn ganz der Schreckenslaut,
- Es ruht wie Oel das wilde Meer,
- Und keiner bebt und keinem graut,
- Und Freudenstimme rings umher.
-
- An die verzagten Herzen dringt
- Der Liebe Engelstimme schon,
- Ihr Schreiten aus den Höhen klingt,
- Ein tief geheimnisvoller Ton.
-
- So wird die Botschaft ausgesandt
- Dem Volk, das lang im Joche rang,
- Und das so hart des Drängers Hand,
- Des Leides Faust in Ketten zwang.
-
- Du wildbewegtes Volk der Wahl,
- Du gleichst dem Schiff in Sturmesnot,
- Doch naht gewiß auch dir einmal
- Das liederweckende Gebot:
-
- Heraus, heraus aus finstrer Nacht,
- O liebes Kind, zum Sonnenfirn,
- Sieh, Gottes himmelhohe Pracht
- Strahlt herrlich über deiner Stirn.
-
-
-
- Holder Zephyr, deiner Lüfte
- Schwingen tragen Nardendüfte,
- Duft vom Apfelblütenstrauß!
- Wo des Krämers Würzen liegen,
- Dort begann dein frisches Fliegen,
- Nimmer in des Sturmes Haus.
-
- Schwalbenflügel schwingst du leise,
- Freiheit lautet deine Weise,
- Myrrhen streust du hin und her.
- Ach, wie freuen sich die Scharen,
- Die auf lockrer Planke fahren
- Mit dir übers weite Meer.
-
- Laß das Schiff nicht aus der Rechten,
- Nicht am Tage, nicht in Nächten,
- Brich durchs Meer ihm seine Bahn!
- Banne fest die tiefen Gründe,
- Bis, die Ruhstatt deiner Winde,
- Gottes heil'ge Berge nahn!
-
- Schilt den Ost, den Meeresstürmer,
- Flutenkocher, Wogentürmer:
- Hab' ich denn noch freie Bahn?
- Ich Gefangner von Gewalten,
- Die noch jetzt im Zaum gehalten,
- Losgerissen schon mir nahn?
-
- Das Geheimnis meiner Flehen
- Bleibt bei Gottes Händen stehen,
- Der es mir verborgen hält:
- Er, der Höchste, schuf die Höhen,
- Er hat auch der Winde Wehen
- Heute gnädig mir bestellt.
-
-
-
- Kommt die große Flut mit einem Mal?
- Läßt kein Land sich schauen in der Runde?
- Mensch und Tier und Vogel flohn die Stunde:
- Ist's das Ende? Kommt die Todesqual?
-
- Säh' ich einen Berg, ein Tal allein,
- Würde meine Seele ruhig werden,
- Und ein wüstes Fleckchen dieser Erden,
- Würde jetzt mir süße Labe sein.
-
- Ach, die Augen gehen um im Kreise:
- Nichts als Himmel, Flut, des Schiffes Knochen,
- Der Leviathan macht die Tiefe kochen,
- Und die Wellen schaun wie wilde Greise.
-
- Und das Meer verbirgt uns in den Wogen
- Wie der Räuber sein gestohlenes Gut: -- -- --
- Mag es rasen! Fröhlich ist mein Mut:
- Näher kommt die Heimat schon gezogen!
-
-
-
-
- VIII.
- LETZTE TAGE
-
-
- IN ÄGYPTEN
-
- Die Städte sieh und sieh den Strand,
- Wo einst ihr heimisch wart:
- So ehre auch das fremde Land
- Und tritt es nicht zu hart.
-
- Mach deine Sohle sanft und weich,
- Die durch die Straßen geht,
- Denn einst durch dieser Straßen Reich
- Schritt Gottes Majestät.
-
- Er neigte sich an Tür und Tor
- Nach deinem Bundesblut,
- Und jeder sah's: Er schritt euch vor
- In Wolke und in Glut.
-
- Aus dieses Landes Felsen kam
- Dein Bundeshort heraus,
- Und deine Quadern, alter Stamm,
- Die waren hier zu Haus!
-
-
-
- Hat die Zeit das Kleid des Leides
- Ausgezogen und das Kleid des
- Lachens endlich angelegt?
- Sieh die Welt im Byssuskleide
- Hingelehnt in Gold und Seide,
- Wie sie ihre Glieder regt!
-
- Sieh am Strome das Gefilde,
- Das mit Gozens schönem Schilde
- Seine bunten Ufer hüllt;
- Und der Steppe Blumenbeete
- Und die alten Trümmerstädte,
- Die ein goldnes Leuchten füllt;
-
- Und am Strand die süßen Frauen,
- Gleich Gazellen anzuschauen,
- Nur nicht so geschwind zu Fuß:
- Denn an ihren Armen hängen
- Spangen, und den Schritt beengen
- Güldner Ketten Klingegruß.
-
- Ach, schon ist das Herz gefangen,
- Und des Alters bleiche Wangen
- Sind vergessen auf der Flur:
- In Aegyptens Paradiese,
- An dem Strome, auf der Wiese,
- Denk ich meiner Jugend nur!
-
-
- TODESAHNEN
-
- Wollt ihr Liebes mir vergelten,
- Sendet meinem Herrn mich zu!
- Eh' ich unter seinem Zelte
- Glücklich nicht das meine stellte,
- Find' ich Armer keine Ruh'.
-
- Haltet mich nicht auf zu eilen,
- Da mich schon die Angst erfaßt:
- Unter seinem Flügel weilen
- Und der Väter Ruhe teilen
- Bleibt doch meine einz'ge Rast.
-
-
-
- Dein Wunder geht durch alle Zeit
- Und kündet uns, was Väter sahn:
- Des Stromes Wasser wurde Blut,
- Da war kein Spruch, kein Zauber gut,
- Dein Name hat's getan!
-
- Dein Name und der Wunderstab,
- Den legtest du in Moses Hand:
- O führ' auch meinen frommen Mut,
- -- Das geht so schnell, das geht so gut --
- In deiner Wunder Land.
-
-
-
-
- JEHUDA HALEVI,
- seine Zeit, sein Leben und sein Schaffen
-
-
- von
- Emil Bernhard
-
-
- I
-
-Das Land Spanien breitet nach Süden seine Arme aus. Durch die
-Geradlinigkeit des Pyrenäenrückens von Europa getrennt, vermag es keinen
-regeren Verkehr mit den Völkern nördlich des Gebirges zu erzeugen, zumal
-die Stämme, welche am Fuße der bergigen Mauer wohnen, jenseits und
-diesseits einander zu ähnlich sind, um durch gegenseitige Bekanntschaft
-angeregt und bereichert zu werden. Darum wendet Spanien dem übrigen
-Europa den Rücken zu. Wie es aber im Norden verriegelt ist, so hält es
-im Süden die Tore offen. Während bis zum Guadalquivir hinab sich jenes
-weite zusammenhängende Hochland der iberischen Meseta erstreckt, das ein
-echt kontinentales Klima extremer Sommer- und Wintertemperaturen
-aufweist, beginnt nach Osten, Süden und Südwesten hin ein ganz anderes
-und wundervolles Bild. Ein Armausbreiten in der Tat: Als wenn das ganze
-Land in Liebe sich ergösse, treibt es die volle Herrlichkeit des Südens
-hervor. Es ist die Sonne der Mittelmeerländer, die hier scheint, ihre
-Blume ist es, die hier blüht, ihr Regen, der hier rauscht. Hier haben
-wir die wilden Gewitter, die im Nu kommen, und im Nu vergehen, den
-feinen Sonnenregen zurücklassend über der perlenbesäten Flur. Hier
-wandeln wir durch die lichten Wälder, die Maquidickichte, die Huertas
-und Vegas, jene herrlichen Gartenoasen, von Bächen durchrauscht hierhin
-und dorthin, wo die Granate flammt, und der Apfelbaum schimmert in der
-lichten Pracht seiner Blüten. Hier rauschen die Morgen- und Abendwinde
-über taubedeckte Täler und künden die Nacht an, die nirgends emporsteigt
-wie hier, so träumerisch erhaben, so schlummernd wach, so einsam und so
-beredt. Das ist das Land Andalusien, von dem der alte arabische Dichter
-einst sang: »Da es emportauchte aus des Meeres Flut, ward es wie eine
-Perle aus der Muschel gehoben. Da erbebten die Wogen vor Entzücken, als
-sie sich legten wie eine Kette um seinen Hals. Darum lächeln noch immer
-in ihm wonneerbebende Blüten, darum schmettern in ihm die Nachtigallen
-auf lauschenden Zweigen. Hier ist die Heimat meiner Lust. Weh mir, wenn
-ich je sie verlassen müßte! Hier nur ist ein Garten, die ganze Welt eine
-Wüste.« Und als der unglückliche Emir von Sevilla, Al Motamid, im fernen
-Marokko eingekerkert saß und seine wundervollen Elegien sang, da bebte
-die Schönheit Andalusiens durch sein Lied: »O wie gerne möchte ich
-wissen, ob ich meinen Garten und meinen See wiedersehen werde in jenem
-stolzen Lande, wo die Oliven grünen, wo die Tauben girren, wo die Vögel
-ihr liebliches Gezwitscher ertönen lassen.«
-
-
- II
-
-Das Land Spanien breitet seine Arme nach Süden aus. Und der Süden
-stürzte in seine Arme. Nachdem die Halbinsel manche ethnische Revolution
-erlebt hatte, nachdem Kelten, Karthager, Phönizier, Römer, Vandalen
-schwere Erschütterungen über sie gebracht hatten, erhob sich im Anfang
-des achten Jahrhunderts die ganze, junge, unberührte Gewalt der
-Atlasländer und ergoß den heißen Strom ihrer Stämme übers Meer in die
-herrlich blühenden Fluren Andalusiens und weiter bis in den Norden
-hinein. Der Orient vermählte sich dem Okzident und brachte ihm als
-Morgengabe eine neue, kaum hundertjährige Kultur mit, die, eingepflanzt
-in die bunten Gärten Südspaniens, eine herrliche Blütezeit erlebte.
-
-Nach der machtvollen Regierung der Ommajaden, vor allem der
-fünfzigjährigen des glänzenden Abderrahmân III. (912-961), der in der
-Millionenstadt Cordova, ein zweiter Salomo, alle Pracht und Bildung der
-Welt um sich sammelte, ward die arabische Herrschaft zwar bald durch
-lange Bürgerkriege in viele kleine Staaten zerschlagen, die Kultur aber
-erhielt sich in ihrer vollen, zauberhaften Schönheit. Im Gegenteil: Die
-Kleinstaaterei diente noch ihrer Förderung. All die Emire von Sevilla,
-Cordova, Granada, Malaga, Murcia waren zu schwach, als daß sie ihren
-Ehrgeiz in großen kriegerischen Unternehmungen befriedigen konnten. So
-suchten sie sich den Ruhm ihrer Vorgänger als Förderer und Pfleger der
-Künste und Wissenschaften zu erhalten und zu mehren. Und nie hat in
-einem Lande die Dichtkunst so geblüht wie in Andalusien.
-
-Es war, als hätte diese gesegnete Erde nur darauf gewartet, von den
-Sohlen der freien, sangesfrohen Wüstensöhne, den Hütern der lauteren
-Sprache, den Schatzmeistern des reinen Arabisch berührt zu werden, um zu
-ewigen Jubeltönen zu erwachen. Da begann die Laute zu klingen vor den
-Balkonen in der Nacht zu feinen arabischen Sequidillas zum Lobe der
-Schönen: -- »Zum Monde blickte ich, o Geliebte, und seinen Strahlen. Da
-nahm er einen Schleier und verhüllte sich: Er schämte sich, o Geliebte,
-als er dein holdes Antlitz sah. Deine Schönheit überwand ihn, er mußte
-sich verbergen.« -- Da tanzte und sang das Volk auf der Silberwiese von
-Sevilla, am grünen Ufer des Guadalquivir; sie warfen sich freundliche
-Worte in gereimter Rede zu, und hin und wider scholl das Lachen; und
-verkleidet unter ihnen wandelten die Fürsten und Prinzen und
-verlustierten sich im süßen Nichtstun. In der wundervollen Landschaft
-Silves hatte jeder Bauer das Talent, zu improvisieren. Wie sollte er
-auch nicht: Silves war die Perle in der silbernen Muschel Andalusiens.
-Als der genannte Al Motamid seinen Freund Ibn Ammâr als Statthalter nach
-Silves sandte, da brach er in Erinnerung an seine dort verlebten
-Jugendtage aus dem Stegreif in die Verse aus: -- »Ach, wie oft haben
-dort die jungen, weißen und braunen Mädchen mir das Herz mit ihren süßen
-Blicken durchbohrt, als ob ihre Augen Dolche wären oder Lanzen! Und
-welche Nächte habe ich in jenem Tale am Ufer des Flusses mit der schönen
-Sängerin zugebracht, deren Armband dem zunehmenden Monde glich! Sie
-machte mich trunken durch Blicke, trunken durch Wein, trunken durch ihre
-Küsse!«
-
-Wer singen und dichten konnte, war im schönen Andalusien nimmer
-verloren. Der Verbrecher, der zum Tode geführt wurde, konnte sich noch
-am Fuße seines Galgens befreien, wenn er einige anmutige Schmeichelworte
-in gereimter Rede zu sprechen vermochte. Der Bettler, der heute am
-Straßenrande lag, konnte morgen Wesir sein, wenn er, vom Emir in Versen
-angesprochen, in Versen antworten konnte. So wurde Ibn Ammâr von Al
-Motamid aus dem Staube erhoben, so hat derselbe Fürst auf der Gasse von
-Sevilla seine süße I'timâd, die Sklavin Romaikija, gefunden, das
-reizende Spielzeug seines Lebens bis zum Tage, da er nach Agmât wandern
-mußte in den Kerker seines Feindes.
-
-Hand in Hand mit dieser tiefen Liebe zur Dichtung, dem höchsten Stolz
-des feingesitteten Andalusiers, ging die Pflege der Wissenschaften.
-Ueberall im Lande, in Cordova, Sevilla, Toledo, Valenzia, Almeriga,
-Malaga, Jaen, wuchsen islamische Akademien empor, denen umfangreiche
-Bibliotheken angegliedert waren, aufgesucht von den lernbegierigen
-Jünglingen der ganzen arabischen Welt. Hier wurde Philosophie,
-Grammatik, Lexikographie, Medizin gelehrt, und wie die andalusischen
-Jünglinge hinauszogen bis nach Bagdad, um die großen Lehrer des Islams
-zu hören, so kamen sie auch aus Syrien und dem Irak nach Cordova, um
-Schüler berühmter Meister genannt zu werden.
-
-Dieses heiße Streben nach Bildung und Gesittung erhielt aber seinen
-höchsten Glanz durch die unerhörte Pracht, den maßlosen Reichtum, der
-sich in Städten wie Cordova, Sevilla, Toledo entfaltete. Bis in die
-dunkle Klause sächsischer Klöster drang die Kunde von diesem Reichtum:
--- »O Cordova, die helle Zierde der Welt, die junge, herrliche Stadt,
-stolz auf ihre Wehrkraft, berühmt durch ihre Wonnen, strahlend im
-Vollbesitz aller Dinge!« sang die Nonne Hroswitha von Gondersheim. In
-der Tat, man kann sich heute kaum eine Vorstellung von dem Zauber
-machen, der damals diese Stadt erfüllte. Wer sie besuchte, mußte erst
-einen dichten Kranz marmorner Sommerpaläste durchwandern, die aus dem
-von Tausenden von Olivenbäumen bekränzten Ufer des in goldgrünen Wellen
-hinströmenden Guadalquivir emporragten und schon um das Jahr 950
-achtundzwanzig Vorstädte bildeten. Kam er dann in die Stadt selbst mit
-ihren 113000 Häusern, 300 Bädern und 3000 Moscheen und betrat gar die
-große Moschee mit ihren »1300 Riesensäulen unter der gewaltigen Kuppel«,
-so mochte er sich schon dem Eindruck dieser stolzen Größe beugen, wenn
-ihm nicht schon vorher die Herrlichkeit dieser Welt überkommen war, da
-er die berühmte Brücke Abderrahmâns über den Guadalquivir, das Werk
-seines Lebens, zagend überschritten hatte. Aehnlich wirkte das lachende
-Sevilla mit seinen belebten Gassen inmitten der fruchtbaren Ebene, in
-der es lag, ähnlich das nördliche Toledo, das auf der natürlichen Feste
-eines hochragenden Felsens am Ufer des gelben Tajo gegründet war,
-Toledo, in dem Orient und Okzident am frühesten in innige Verbindung
-traten. Hier strömte das bildungsfähige Abendland zusammen, um in die
-Geheimnisse arabischer Weisheit einzudringen, hier bildeten sich schon
-im zwölften Jahrhundert förmliche Uebersetzungsschulen, welche die
-aristotelische Philosophie im arabischen Gewande der lernbegierigen
-Christenheit vermittelten.
-
-Der Orient war es, der hier den blühenden Baum in den Garten des
-Okzidents gepflanzt hat. Er hat die Schönheit Andalusiens erst
-geschaffen. Die Schönheit der natürlichen ebenso wie der geistigen
-Kultur. Die Hände der Wüstensöhne hatten das ganze Land mit Kanälen und
-Wasserwerken durchzogen und dem Boden seine Fruchtbarkeit abgerungen,
-ihr Lied und Sang, ihr Denken und Forschen war es, was auch die Menschen
-des Landes eroberte. Es war eine starke Besitzergreifung. So stark, daß
-durch die Vermählung von Land und Menschen bald ein neues Volk geboren
-war, eine jungfräuliche Nation mit neuem, bald im ganzen Orient
-berühmtem Namen: -- El Andalus.
-
-
- III
-
-An der Wende dieses glücklichen und reichen Zeitalters, in den letzten
-Strahlen seiner untergehenden Sonne, wurde zu Toledo um das Jahr 1083
-Jehuda ben Samuel ben Samuel Halevi, oder, wie er arabisch hieß, Abul
-Hasan Allâwi, geboren. Die Familie, der er entstammte, war unbekannt,
-aber nicht arm. Wenn er auch im zartesten Alter die Belagerung Toledos
-(1085) und die Judenverfolgung in derselben Stadt (1090) erlebt hat,
-scheint doch seine Jugend glücklich gewesen zu sein, um so glücklicher,
-als er aller Wahrscheinlichkeit nach das einzige Kind seiner Eltern war.
-Bald aber entwöhnte ihn das rauhe Schicksal dieser »Milch der
-Jugendtage«. Der Vater muß frühzeitig gestorben sein. Er ließ den Knaben
-mit der Mutter zurück, welche seine ersten bitteren Enttäuschungen noch
-miterleben mußte.
-
-Nach der Sitte der Zeit wurde der Knabe mit den schwarzen Locken und den
-dunklen feurigen Augen, die über braunen, gesunden Wangen leuchteten,
-früh in die Sprache und Lehre seiner Väter eingeweiht. Mit dreizehn
-Jahren sprach und schrieb er ein vollendetes Hebräisch und war
-gleichzeitig tief in die Kenntnis der arabischen Literatur wie der
-ganzen Zeitkultur eingedrungen. Er hat also seine erste Jugend, obgleich
-im christlichen Spanien, doch an der Grenze der mohammedanischen Kultur
-zugebracht. Dort hat er die arabische Kasside singen gelernt, das
-Preisgedicht, die poetische Epistel, sowie die kunstvollen Gürtel- und
-Kettenlieder, die damals in Spanien aufkamen.
-
-Um jene Zeit erfüllte der Name Abû Harûn Mose ibn Esras, des religiösen
-Dichters, die jüdische Welt Spaniens. Dieser kaum mehr als
-fünfundzwanzig Jahre alte Dichter lebte wie die meisten Ibn Esras in
-Granada, jener Stadt im Süden Spaniens, die damals so viel Juden hatte,
-daß man sie schlechthin die »Stadt der Juden« nannte. Da erhielt er
-eines Tages aus dem fernen Norden eine poetische Epistel. Von der Hand
-eines Kindes. Und las. Und war erschüttert. Dann setzte er sich nieder
-und schrieb die Antwort:
-
- Ein Kind noch jung, ein Knabe zart,
- Will Geistesfelsen rücken?
- Stößt Helden in den Staub hinab
- Und läßt als rot und weißer Knab'
- Schon volle Blüten blicken?
-
- So ist's: Vom Norden strahlt er auf
- Und füllt mit Licht die Auen.
- Die ganze Weite ist erhellt,
- Noch höher als das Sternenzelt
- Könnt seine Hand ihr schauen.
-
-Mose ibn Esra hat das Verdienst, Jehuda Halevi »entdeckt« zu haben. Er
-tat es im guten Sinne des Wortes. Er gewann eine vollständige Herrschaft
-über den jungen Dichter, der sich ihm mit ganzer überschwenglicher Seele
-hingab. Der junge Jehuda war eine zarte, deutlich feminine Natur. Bei
-einem ausgesprochen genialen Selbstbewußtsein war er die Demut selbst
-vor seinen Freunden, die er fast immer überschätzte. Er vergötterte sie.
-Er dichtete ihnen die Eigenschaften an, die ihm selber fehlten. Oft
-erzürnte er sich mit ihnen, immer aber war er derjenige, der um
-Verzeihung bat. Es ist rührend zu sehen, wie häufig er in seinen
-Episteln an die erzürnten Freunde nach einer Schuld sucht, die nicht
-vorhanden ist. Von keinem aber ließ er sich so beherrschen, wie von Mose
-ibn Esra. Als er sich schon dem Gipfel seines Ruhmes nähert, fühlt er
-sich noch als sein Jünger. Wenn er dem Meister seine Verse schickt, ist
-es ihm, als schickte er Boten an den Gesalbten Gottes, den König. Und er
-läßt sie zum Könige sprechen:
-
- Herr, o trage unsre Last,
- Laß uns selbst nicht Sünde tragen,
- Wenn in unbeholfner Hast
- Wir dein Lob zu singen wagen.
-
- Was wir bringen, ist ja noch
- Keine Blüte, Knospe eben,
- Aber einstmals soll es doch
- Hier auch Frucht und Blüte geben.
-
-Mose ibn Esra war ihm der, welcher berufen war, ihn zu läutern, »das
-Gold zu scheiden von seiner Schlacke«. Er war ihm dichterisches und
-menschliches Ideal, das Urbild der Demut und Selbstbeherrschung. Welch
-trauriger Irrtum: Mose ibn Esra führte ein wilderes, zerfahreneres Leben
-als Jehuda Halevi, dem aller Jammer, dessen sein Leben voll war, von
-einem herrlichen Frohgemüt übersonnt war, während der andere an seinen
-eigenen Launen zerschellte.
-
-Am Ende des Lebens entfremdeten sich die Freunde, wofür die Schuld wohl
-eher in Mose ibn Esra zu suchen sein wird, den der strahlende Ruhm des
-Jüngeren seinem Charakter nach kränken mußte. Als er 1138 starb, sang
-ihm Halevi dennoch das Grablied: -- »Mose, Mose, mein Bruder, Licht
-meines Mondes, meine Sonne, meine Leuchte, meines Glanzes Quell von
-alten Tagen her!« --
-
-
- IV
-
-Vom Norden her sandte Jehuda Halevi seine ersten Verse nach dem schönen
-Granada. Dann aber kam er selbst nach dem Süden. Warum? -- Wir wissen es
-nicht. So klar uns der Lebens- und Stimmungsgehalt der nun folgenden
-Epoche ist, so dunkel und tatsachenarm ist sie. Um 1100, also mit
-ungefähr siebzehn Jahren, befand sich der Dichter schon im Süden
-Spaniens, und zwar zunächst im Südwesten. Die allgemein verbreitete
-Annahme, daß er die Hochschule des berühmtesten jüdischen Gesetzlehrers
-jener Zeit, Isak Alfasi, in Lucena besucht habe, ist nichts als eine
-leere Vermutung, die sich auf die Tatsache stützt, daß er beim Tode
-Alfasis (1103) sechs Zeilen schrieb und die Einsetzung des jungen, ihm
-befreundeten Josef ibn Migasch in den erledigten Lehrstuhl dieses
-Meisters in einem Hymnus feierte. Jehuda Halevi zeigt in allen seinen
-Werken keineswegs mehr, eher weniger als die talmudische
-Durchschnittsbildung seiner Zeit. Vielmehr ist anzunehmen, daß dem
-herangewachsenen Jüngling die einfache materielle Sorge nach dem an
-Existenzmöglichkeiten reicheren Süden trieb. Mit seiner Ankunft in
-Andalusien beginnt eine Zeit der Kämpfe und Irrfahrten für ihn. Von
-Stadt zu Stadt wanderte er, ohne einen festen Halt zu gewinnen. Der
-Kampf um den Bissen Brot jagte ihn durchs Land. Sevilla, Granada,
-Guadix, Malaga, Lucena waren die Städte, in denen er sich aufhielt, doch
-immer nur kurze Zeit. Den Arztberuf, dem er später oblag, scheint er
-hier noch nicht ausgeübt zu haben. Vielmehr lebte er allem Anschein nach
-von seiner Feder. Er dichtete Hochzeitslieder und erhielt Honorare
-dafür. Er besang die Koryphäen seiner Zeit, die ihm ihrerseits
-Ehrensolde übersandten, oder ihn, wie es Sitte war, in ihrem Hause
-wohnen, an ihrem Tische essen ließen. Zeitweise ging es ihm so
-erbärmlich, daß er an reiche Leute Bettelgedichte richten mußte, um sein
-Leben zu fristen. Es war nur zu verständlich, daß sich in dieser Zeit
-seiner im tiefsten Grunde heiteren und lebensfrohen Seele recht oft die
-verzweifeltsten Stimmungen bemächtigten. Er fühlte sich von allen
-verlassen und es war ihm, als hätte sich die ganze Welt gegen ihn
-verschworen. Einsam und verwaist nannte er sich. Dabei wuchs natürlich
-sein Bedürfnis nach Freundschaft, noch mehr aber seine Empfindlichkeit.
-So geriet er immer tiefer in eine Stimmung hinein, welche der
-Kulturstimmung jener Zeit ähnlich war: Weltschmerz und Lebensverachtung.
-
-
- V
-
-Auf die Epoche des Glanzes war in Andalusien eine Epoche der tiefsten
-Erniedrigung gefolgt. Der Stern des Islam war im Verblassen. Vom Norden
-her bohrte das Königreich Kastilien seinen Stachel den Mauren immer
-tiefer ins Fleisch. Nachdem Ferdinand (1037-1067) gestorben war, bestieg
-sein Sohn Alfons VI. den Thron von Kastilien. Dieser übernahm den Kampf
-gegen den Islam als heiliges Vermächtnis von seinem Vater, und es gelang
-ihm infolge der Zersplitterung des mohammedanischen Spaniens, die
-kleinen Territorialfürsten Andalusiens zum Tribut zu zwingen. 1085 wagte
-er den ersten großen Vorstoß, dem der wichtigste Verteidigungspunkt der
-Mauren, der Turm am Tore Andalusiens, Toledo, zum Opfer fiel. Ganz
-Südspanien erbebte unter diesem Schlage. Die Verwirrung und Angst wuchs
-von Tag zu Tag. Da tat der Emir von Sevilla, der schon mehrfach genannte
-Al Motamid, den verhängnisvollsten Schritt, den er überhaupt tun konnte.
-Er rief den in Nordafrika regierenden Almoraviden Jussuf ibn Taschfîn
-mit seinen Berberscharen zu Hilfe. Dieser kam und erfocht gegen die
-Christen in der furchtbaren Schlacht von Sallaka (1086) einen vollen
-Sieg. Der Süden schien gerettet. Nach der Schlacht ließ Jussuf aus den
-gefallenen Christenleibern einen Riesenturm aufschichten, von dessen
-Spitze der Muezzin nach allen vier Winden ausrufen mußte, daß es keinen
-Gott gebe außer Allah: lâ allâh ill' allâh. Trotzdem blieb der Sieg
-unausgenutzt, und als Jussuf nach Nordafrika zurückgekehrt war, stand
-alles wie vorher. Wieder stieg die Not aufs Höchste. Da erschien Motamid
-selbst in Nordafrika, um Jussuf persönlich zu veranlassen, noch einmal
-der Retter zu sein. Jussuf kam. Aber er ging nicht wieder, ohne sich
-seinen Lohn genommen zu haben. Er machte dem Zaunkönigtum in Andalusien
-mit einem Schlage ein Ende, Granada und Malaga fielen, dann Cordova und
-Carmona. Al Motamid mit seinen Söhnen wehrte sich tapfer. Aber es half
-ihm nichts. Er mußte den schrecklichen Tod seiner Söhne erleben, um
-schließlich in den Kerker zu Adschmât zu wandern, wo er nach vier Jahren
-schwerer innerer Leiden, gebrochen an Leib und Herzen, seine königliche
-Dichterseele aushauchte. Das war im Jahre 1095.
-
-Jussuf ibn Taschfîn hatte Andalusien unterworfen. Geholfen aber hatten
-ihm dabei nicht nur seine wilden Berbern, sondern auch als
-unversöhnlichste Truppe die orthodoxen Gelehrten des Islam, die Fakîhs.
-Sie begannen jetzt das Regiment zu führen. An Stelle der früheren
-Schönheit und Leichtigkeit des Lebens machte sich der bigotte Geist
-dieser orthodoxen Emporkömmlinge breit. Frömmelei und Beterei
-vernichteten alle Blüten der früheren Freiheit. Die graziöse Geste der
-Lebensfreude wurde erstickt in dem Buchstabenknäuel des koranischen
-Gesetzes. Ketzerriecherei und Angebertum schlossen den fröhlich
-leichtsinnigen Mund des gebildeten Volkes. Als gar Jussuf das Zeitliche
-gesegnet hatte (1106), und sein bigotter, unbedeutender Sohn Alî an
-seine Stelle trat, stieg die innere Not Andalusiens auf den Gipfel.
-Niemand fühlte sich im Lande wohl außer den Fakîhs und dem Pöbel. Die
-Philosophen schwiegen, denn Philosophie war verpönt. Die Freigeisterei
-wurde verfolgt. In den Städten spielten die brutalen, unsauberen Berbern
-die Hauptrolle. Die Dichter, noch vor zwanzig Jahren die Lieblinge des
-Volkes, gerieten in tiefste Armut. Sie hatten keine Beschützer mehr. Wer
-von ihnen nichts auf sich hielt, lief den Fakîhs nach und sang ihr Lob,
-um von ihnen Geld zu erhalten. Die Spekulation auf die Eitelkeit dieser
-frommen Leute war auch richtig, aber sie bezahlten schlecht, und wer
-seine Kunst in Ehren hielt, mochte sie nicht besingen. Ibn Bakî, einer
-der begabtesten Dichter, welche Andalusien überhaupt hatte, irrte wie
-ein Landstreicher von Stadt zu Stadt.
-
-Es ist kein Wunder, daß unter diesen Umständen der bessere Teil der
-andalusischen Bevölkerung in dumpfe Verzweiflung geriet. Die meisten von
-ihnen hatten die schönen Tage der Freiheit noch gesehen. Um so tiefer
-deuchte ihnen jetzt ihr Fall. Es war alles so schnell gekommen. Was
-früher unten war, war jetzt oben, die Verachtetsten waren die
-Mächtigsten geworden. So wurde dem Volke damals mehr denn je das
-Wechselspiel des Lebens klar. Und da der Druck immer unleidlicher wurde,
-so kam es, daß im Lande die alten Lebenswerte entwertet wurden, und die
-Sehnsucht nach etwas Neuem, Höherem erwachte.
-
-
- VI
-
-So war in Andalusien der Boden beackert für die Saat eines neuen
-Wissens, das gerade damals in Spanien seinen Einzug hielt. Es war die
-Inbrunst des Persers Al Gazzâlî, welche den Samen auswarf. Dieser
-wundersame Mann, der im Jahre 1059 in dem kleinen zu Tus gehörigen
-Städtchen Gazzâlah geboren ward, war nach mannigfachem Suchen und
-Forschen an allem irre geworden, was seine Zeit ihm bot. Die islamische
-Theologie, die an der Schale haftend ihre ganze Kraft an kalten
-Rechtsfragen halb und ganz ritueller Natur vergeudete, ekelte ihn an.
-Die Philosophie, die im Geiste die vollkommenste Macht gefunden zu haben
-glaubte, befriedigte ihn nicht, sondern brachte ihn nach langem Studium
-zu verzweifelter Skepsis. Hier wie dort erfror ihm die Seele. Die
-Spekulation war ebenso kalt wie die Dogmatik. Dies wird ihm zum
-schwersten Kampfe seines Lebens. Tiefe religiöse Erschütterungen machen
-ihn an Leib und Seele siech. So erfolgt im Jahre 1095 sein
-aufsehenerregender Abgang von der Bagdader Akademie, an der er ein
-bedeutendes Lehramt innehatte. Er ging, um sich ganz dem beschaulich
-einsamen Leben eines Sûfî[1] hinzugeben. Aus dieser Einsamkeit heraus,
-die im Jahre 1111 mit seinem Tode endete, predigte er der Welt seine
-neue Lehre.
-
-Es ist eine tiefe, inbrünstige und leidenschaftliche Religion, die er
-vom Menschen verlangt. Eine Religion, in deren Mittelpunkt die Seele
-steht. Sie ist die Macht aller Mächte. Aber diese Macht ist gebunden,
-gebunden in des Leibes irdischer Leidenschaft. Zwei Welten gibt es, el
-mulk und el malkût, die Welt des Sichtbaren und des Unsichtbaren. Zwei
-Tore hat die Seele den Welten entsprechend: Das Tor nach außen und das
-Tor nach innen. Glaube aber nicht, daß du das Tor nach innen wirst
-öffnen können, wenn du den Riegel des Leibes nicht zu sprengen vermagst.
-Befreie dich vom Leibe, vom irdischen Hang, so wird dein inneres Auge
-schauen, was nie dein äußeres sah. So wird der Aufstieg nach el malkût
-gelingen, und Auge in Auge wirst du schauen den Herrn. Ewig aber wird er
-dir verborgen sein, wenn du nicht zur Reue dringen kannst, wenn dein
-Herz des Irdischen sich nicht zu entschlagen vermag. Ein Kelch ist dein
-Herz: Solange der noch voll Wasser ist, hat er für den Wein keinen
-Platz. Laß das Wasser auslaufen, o Herz! Die Liebe wird es vollbringen,
-deine Liebe zu Gott. Die Welt ist ein Kerker, der dich hindert, den ewig
-Geliebten zu schaun. In der Stunde des Todes springt der Kerker auf, die
-Fesseln fallen, du bist bei deinem Geliebten. Und vorher nicht? Erst der
-Tod ist das Erwachen? Ruhig, Seele! Du kannst das Erwachen vorwegnehmen.
-Läutere dich durch die gute Tat. Sie ist die Brücke, die hinüberführt zu
-el malkût. Reue und Zerknirschung, Andacht und Inbrunst, Versenkung und
-Kasteiung tragen dich zu ihm, dem Einzigen, den du suchst. Mit Schleiern
-bedeckt ist heute deine Seele, so du aber Gott deine Inbrunst gibst, so
-wird er einen Schleier nach dem anderen von dir nehmen, bis du ihm nahe
-bist, ihn im klarsten Lichte zu schaun wie einst die Propheten. Dann
-hast du den Frieden. --
-
-Es war die Religion seines Lebens, die Gazzâlî lehrte. Es war nur
-natürlich, daß sie wirkte wie das Leben. Als das berühmte Buch des
-Philosophen über »die Belebung der Religionswissenschaften« nach
-Andalusien kam, rief es eine ungeheure Aufregung hervor. Während die
-ernsteren Geister, die unter dem Drucke der almoravidischen Fakîhs
-seelisch zugrunde gingen, das Erlösende der Lehre nur zu tief verspürt
-haben mögen, entfesselte sie bei den Theologen helle Wut. Obwohl das
-Buch keineswegs heterodox war, fühlten diese doch, daß der Geist ihnen
-im innersten fremd war. So verketzerten sie das Buch und setzten durch,
-daß es nicht bloß in Cordova und allen anderen Städten des Reiches
-verbrannt, sondern sogar der Besitz eines Exemplars bei Todesstrafe
-verboten wurde.
-
-
- VII
-
-Damals lernte auch Jehuda Halevi die Schriften Gazzâlîs kennen. Das
-wurde ihm Ereignis. Was alle damals bewegte, mußte auch ihn bewegen. Ja,
-mußte ihn tiefer bewegen als alle, weil er Jude war und doppeltes Leid
-trug. Mit dem Eindringen der Almoraviden in Spanien hatte für die Juden
-eine schlimme Zeit begonnen. Während ihre Edlen früher an den heiteren
-Höfen von Malaga, Sevilla und Cordova hohe Stellungen einnahmen, und das
-Volk unter ihrem Schutze ein freies Leben führen durfte, so daß auch in
-seiner Mitte Kunst und Wissenschaft blühten, lösten jetzt Verfolgungen,
-Erpressungen und fanatische Bekehrungsversuche einander ab. Jehuda
-Halevi litt entsetzlich. Der von König Jussuf an den Juden Lucenas
-geübte Gewaltstreich (1107), der vielfache Frauenraub berberischer
-Horden, die Ermordung seines Freundes Salomo ibn Farusal (1108), warfen
-dunkle Schatten in sein Gemüt. Dazu kam sein damals auf den Gipfel
-gestiegenes persönliches Elend: Hunger, vielfach erfahrener Undank, das
-Bewußtsein, andere minder Befähigte erfolgreich, sich selbst aber immer
-»in des Lebens letzter Reihe« zu sehen, all das wirkte zusammen, seine
-Lebensanschauung bestimmend zu gestalten. Was war ihm das Leben? --
-Ewige Versagung. Was war ihm die Welt? -- Eitel Schaum.
-
-So kam er zu Stunden tiefster Verzweiflung, die ihn an sein Leben mit
-der letzten Frage herantreten ließen. Ein ergreifendes Zeugnis solcher
-Stunden blieb uns in jenem herrlichen Gedicht aufbewahrt, in dem er im
-Traume die tröstenden Freunde zu sich kommen sieht. Was soll ihm ihr
-Trost? Muß er nicht bei ihnen volle Garben und bei sich die ewig dürren
-Halme sehen?
-
- Ich von allen meinen Lieben
- Bin allein in meiner Kammer
- Heimgesucht von allem Jammer,
- Aller Nöte Kind geblieben.
-
- Was noch kann die Zeit mir geben?
- Such' ich, was ich _nie_ erworben? --
- Ach, ich bin schon längst gestorben,
- Und ich hab' kein Recht zu leben!
-
-Daß der junge Dichter solchen Stimmungen anheimfallen konnte, zeugt von
-der tiefen seelischen Not, die ihn oftmals gedrückt haben muß. Diese Not
-muß um so tiefer vorgestellt werden, als er von Natur eine glückhelle
-Seele war. Der geringste Sonnenstrahl, der in sein Elend fiel, half ihm
-über ewige Nächte hinweg. Wie leicht wäre er zufrieden gewesen! Er war
-kein Weltfeind, und nichts war ihm fremder als Menschenmäkelei. Gern
-hätte er mit der Welt in Frieden gelebt. Aber immer wieder mußte er ihr
-Dirnentum erkennen:
-
- Wenn ein Mann schon mit ihr leben will,
- Sie zur Gattin sich erheben will,
- Muß er sich mit einer Dirne plagen.
-
-So kam er schließlich dahin, daß er sich vollständig zu verlieren drohte
-und an das Glück nicht einmal zu glauben vermochte, wenn es an seinem
-Halse lag. Es kamen frohe Stunden, Stunden der Liebe, der Freundschaft,
-der Anerkennung, der materiellen Sicherheit. Da wußte er sie nicht zu
-genießen: »Nur wenn es mir schlecht geht, bin ich stark,« so klagt er,
-»und zittere, wenn mir das Glück lächelt; denn morgen wird es nicht mehr
-sein.« Oft war er nahe daran, seinen Jammer zu vergessen und sich des
-Heute zu freuen, das so schön war und so voll Trostes, da traf es ihn
-plötzlich wie ein Stich in die Brust: Alles Lüge, alles Lüge! »Die Welt
-will mich einlullen, ihr Elend zu vergessen. Fast gelingt es ihr. Aber
-ich kenne ihr schlimmes Tun, ich kenne es.« Sein ursprünglich heiteres
-Gemüt war verdunkelt. Seine Seele war müde geworden.
-
-Und doch sollte die Verzweiflung ihn nicht haben. In seiner schlimmsten
-Zeit scheint es gewesen zu sein, als ihm die Persönlichkeit Gazzâlîs
-entgegentrat und ihm den Rückweg zu sich selber zeigte. Hier war einer,
-der all das für verachtenswert erklärte, was ihm selbst, Jehuda Halevi,
-versagt war, all das für ewigen Reichtum, was er bei sich trug. Einer,
-der die Eitelkeit alles Irdischen, die Hohlheit des Lebens, die
-Nichtigkeit des Denkens an sich selber erlebt hatte. Und dem aus dem
-Chaos der Triebe, Wünsche, Sehnsuchten, aus den Trümmern, die er, selbst
-geschlagen, nur ein einziges Wertvolles sich gesondert hatte, ein
-Diamant unter den Scherben seines Lebens: Die Seele. Die Seele, die aus
-Gott kam, zu Gott will, in Gott ist. Jehuda Halevi fand sich in Gazzâlî
-wieder. Der brachte ihm den Sieg über sich selbst, die Begründung seiner
-Religion fürs ganze Leben. Der Einfluß ist unverkennbar. Jene
-geheimnisvollen Lieder Jehuda Halevis an die Seele sind ein tiefgehender
-Beweis. Es ist dieselbe vibrierende Stimme, die aus ihnen und dem
-religiösen Bekenntnis des arabischen Meisters spricht. Das Leben ein
-Traum, ein Erwachen der Tod, aber die hingegebene Seele findet den Weg
-zu ihm schon vor dem Tode, vermag sich selbst die Pforten aufzubrechen,
-den Kelch sich zu füllen aus dem Brunnen der Ewigkeiten. O Seele, du
-liegst im Sarge deiner Sinne, du moderst bei Lebzeiten, wenn du die Welt
-nicht zu verachten vermagst. Wirf hin, was du hast, so hast du ewigen
-Reichtum. Laß hinter dir die Erde, steig empor zu ihm, zu seinem Throne,
-siehe, er kommt dir entgegen, sein Geheimstes vermagst du zu schauen:
-
- Wer kündet uns das Weben,
- Das alle Wolken treibt,
- Das tief verhüllte Leben,
- Das ewig droben bleibt?
- Und doch will er sich neigen
- Dem Kinde dieser Welt
- Und läßt sein Leuchten steigen
- Hinab aufs Erdenzelt.
-
- Und läßt vor Seheraugen
- Sein ganzes Bild erstehn;
- Sonst mochte nie ihm taugen
- Daß Menschen ihn ersehn.
- Was nie sich wollt' gestalten,
- Sein Bildnis oder Maß, --
- In königlichem Walten
- Prophetenauge sah's.
-
-Das ist echt Gazzâlîsche Inbrunst. Es verkennen, hieße blind sein.
-Daraus folgt aber gleichzeitig, daß all diese zahlreichen Lieder aus der
-Zeit nach 1108 stammen, in welchem Jahre ungefähr die Werke Gazzâlîs in
-Spanien bekannt wurden. Wahrscheinlich sogar wurden sie erst nach 1120
-gedichtet. Die religiöse Reife, die aus ihnen spricht, beweist, daß
-unser Dichter die Jahre seines Irrens hinter sich hat, daß er mit sich
-selbst im Reinen ist, daß er weiß, wo die Wurzeln seiner Kraft liegen.
-Gazzâlî war Jehuda Halevis Wegführer geworden und blieb es bis an sein
-Lebensende. Al Chazârî, das philosophische Werk Halevis, mit dem er sein
-Leben beschloß, zeigt denselben Haß gegen die Spekulation, dieselbe
-Verachtung plappernder Gottesverehrung, denselben Glauben an die
-prophetische Schau des »inneren Auges«, wie Gazzâlî ihn gelehrt hatte.
---
-
-Aber noch eines war es, was Jehuda Halevi über Wasser hielt: Das war das
-naive Selbstbewußtsein, die köstliche Gabe des Genies. Er fühlte sich
-als »Siegelring seiner Zeit« berufen, ihr den Stempel aufzudrücken. Zwar
-hatte sie ihn fortgeworfen, aber er blieb doch das Siegel. Er war »der
-Riese, der sich unter Zwerge beugen muß«, aber doch Riese blieb. Er war
-»der Löwe unter den Dichtern«, den es ekelt zu dichten, weil im Weinberg
-der Poesie »sich die Füchse breit machen«.
-
-Und was war ihm sein Dichten? Nicht ein Beruf, aber eine Berufung. Er
-dichtete nicht, wie der Schuster schustert. Er glaubte an die Intuition
-alles dichterischen Schaffens. Ihm war das Höchste »der Tropfen, der vom
-Eimer rann«. Der Schaum über dem Meere. Das Meer der Weisheit krönt sich
-mit dem Schaum der Poesie. Es spricht durch den Schaum, und ihm war es
-prophetische Sprache. Oft klagt er, »daß er keine Vision erfassen
-könne«, ein anderes Mal überwältigen ihn die Verse, »ohne daß der
-Gedanke sie rief«. Dann wieder redet er sie an: »Wie seid ihr müde, ihr
-Verse, ihr meiner Gedanken Flügel wie so lahm? Zur falschen Stunde seid
-ihr immer gekommen, jetzt zur rechten schweiget ihr.« Als er einst mit
-den Freunden beim Gastmahle saß, forderten sie ihn auf, zu
-improvisieren. Er aber weigerte sich. Da wurden die Freunde immer
-fröhlicher, tranken und jauchzten ihm zu, bis er, vom Weine bezwungen,
-begeistert aufsprang und zu deklamieren begann: -- ein echt
-orientalisches Bild: Hafis in der Schenke. Jehuda Halevi dichtete, wenn
-er nicht anders konnte. Die Verse waren ihm unbändige Füllen, die sich
-oft »in seinen Zaum nicht schicken wollten«, manchmal aber plötzlich in
-seinem Zügel waren und den Taumelnden mit sich rissen. Er war ein echter
-Prophet der Dichterwelt. Und als Prophet fühlte er sich. In seinem Werke
-Al Chazârî spottet er derer, welche der Dialektik bedürfen, um ins
-Innere der Natur zu dringen. Sie sind ihm wie Dichter, die Silben
-zählen. »Der Schwachkopf braucht Dialektik, dem von der Natur zur
-Gottesschau Begnadeten fällt eines frommen Wortes Funken ins Herz, und
-schon steht seine Seele im Licht.«
-
-Wenn Jehuda Halevi so sprach, sprach er von sich selbst. Dieses
-Selbstbewußtsein aber lehrte ihn schätzen, was er hatte, und verachten,
-was ihm versagt war. Sein war der bessere Teil: --
-
- Und sie fragen: Kannst du leben
- Ohne Bruder freudevoll? --
- Ja, ich kann's: aus eigner Seele
- Stets mir meine Freude quoll!
-
-Und ebenso lernte er den Pöbel hassen, den gebildeten Pöbel vor allem,
-lernte es, »seine Perlen zu vergraben«, zu sorgen, daß »seines Goldes
-kein Ring in den Rüssel eines Schweines komme«. Dieser Haß gegen die
-Welt blieb ihm bis an sein Lebensende. Er hat seiner Zeit nie ganz
-vergeben können, was sie an ihm gesündigt hat. Noch in seinen letzten
-Tagen klagte er über die Menschen, die gerade die Besten immer leiden
-lassen, über die Fürsten, die mit ihrem Golde sein Gottesgnadentum
-anzutasten wagten.
-
-Trotzdem entwand er sich von Jahr zu Jahr mehr der Verbitterung, die
-seine jungen Tage vergällt hatte. Seine frohe Religiosität blieb
-Siegerin. Er hörte auf, zu hoffen auf das, was die Menschen Glück
-nannten, und nichts blieb als der triumphierende Stolz des Dichters auf
-sein gnadenreiches Leben. Was waren alle Schätze der Erde neben seinem
-Reichtum, alle Pfeile des Neides und Hasses gegenüber seiner göttlich
-gefeiten Brust:
-
- Sprechet nur zur Welt, zur schlimmen:
- Mag sie tun, was ihr gefällt,
- Härter doch als ihre Dornen,
- Stärker ist mein starkes Herz.
- Darf ich ihre Weine kosten,
- Will ich auch die Hefen nippen,
- Besseres verlang' ich nicht;
- Denn erprobt ist meine Seele:
- Alle gift'gen Bitternisse
- Werden. Honig meinen Lippen.
-
-Das ist der ganze Jehuda Halevi. Was konnten Hunger, Verkennung, Neid,
-Haß, Erniedrigung ihm anhaben?
-
- Immer an der Morgenröte
- Laß ich meine Wimper hängen:
- Seelen, die sich selbst erheben,
- Seelen, die in Hoffnung leben,
- Gott wird ihre Tore sprengen! --
-
-So endete sein Selbstbewußtsein dennoch wieder dort, wo seine Demut
-endete: -- In Gott.
-
-
- VIII
-
-Jehuda Halevi war zum Manne gereift. Die Zeit der Irrfahrten war
-vorüber. Die Kämpfe freilich noch nicht. Noch manchen Sturm mußte seine
-Seele ertragen. Um das Jahr 1120 finden wir ihn in Sevilla wieder, wo er
-zum erstenmal eine Art Heimat gefunden zu haben scheint. Hier wird es
-wohl auch gewesen sein, daß er jene Frau heiratete, von der wir nichts
-wissen, als daß sie ihm eine einzige Tochter schenkte und daß sie vor
-ihm starb. Selbst ihr Name ist uns unbekannt. Hier schloß er auch die
-Freundschaft mit dem erheblich jüngeren Abul Hasan Meîr ibn Kammiâl, der
--- wahrscheinlich 1121 -- an den Hof des Almoraviden Alî als Leibarzt
-berufen wurde. Er scheint Jehuda Halevi materiell unterstützt zu haben.
-Die Freundschaft zu ihm aber hat dem Dichter auch einen inneren Halt
-gewährt. Er fühlte sich nämlich in Sevilla durchaus nicht wohl. Er
-scheint damals aus sich herausgegangen zu sein, um für seine religiöse
-Ueberzeugung, die ja dem Judentum seiner Zeit ebenso fremd war wie
-Gazzâlîs Lehre der islamischen Theologie, Anhänger zu gewinnen. Es
-gelang ihm nicht, seine Stammesgenossen zu der Tiefe und Innigkeit
-seines Glaubens zu bekehren. Sie plapperten weiter ihre Gebete an der
-Wand stehend »wie die Ochsen an der Krippe«. Man nahm ihm sogar übel,
-daß er ein anderes Judentum wollte als die anderen, und sprach ihm die
-Berechtigung ab, mitzureden, indem man ihn auf seine materielle Notlage
-hinwies. Was unterstand der arme Teufel sich, die reichen Juden aus den
-Palästen Sevillas zu meistern? -- So entlud sich sein ganzer Zorn über
-das dickfellige Protzentum dieser Menschen, die nur »den Baum mit den
-Aepfeln aus Gold als Baum der Erkenntnis anerkennen wollten«. Damals
-gewährte ihm der Umgang mit dem jungen, hochbegabten Kamniâl eine große
-Beruhigung. Es war eine innige Freundschaft, welche die beiden verband,
-in der allerdings Jehuda Halevi, obgleich erheblich älter als Ibn
-Kamniâl, wie immer der beherrschte Teil war.
-
-Viel mehr können wir aus den Tagen von Sevilla freilich nicht erzählen.
-Auch dauerten sie nicht allzulange. Wir schätzen die Zeit seines
-dortigen Aufenthalts auf ungefähr fünf Jahre. Danach weist uns eine
-verwischte Spur auf ein kurzes Verweilen in Cordova hin, wo er den Tod
-des Rabbi Baruch ben Isak Albalia (st. 1125) erlebt zu haben scheint.
-Dann finden wir den bereits grau werdenden Dichter in Granada. Aber auch
-dort hielt er es nicht aus, sondern verließ schließlich Andalusien ganz
-und zog nach dem Norden in die Heimat zurück, von der er ausgezogen:
-Toledo.
-
-
- IX
-
-Was ihn zu diesem Schritte veranlaßte, ist zweifelhaft. Möglich, daß ihn
-der 1126 erfolgte Regierungsantritt des Königs Alfonso VII. Raimundez
-von Kastilien dazu bewog. Dieser war den Juden freundlich gesonnen.
-Seitdem er gar den edlen Jehuda Hanassi ibn Esra mit einem hohen
-Staatsamte betraut hatte (1129), wurde Kastilien für die Juden geradezu
-ein Asyl. Die Zeit, in der Jehuda Halevi nach Toledo kam, würde nach
-dieser Auffassung um 1130 anzusetzen sein, was mit seinen übrigen
-Lebensverhältnissen in Einklang stehen würde. Jehuda Halevi ließ sich in
-Toledo als Arzt nieder und entfaltete bald eine große Tätigkeit. Zu groß
-für ihn. Er fühlte sich nach kurzer Zeit als ein Knecht seines Berufes.
-Zudem empfand er die Nichtigkeit seines Wissens und Könnens, klagte über
-die Wertlosigkeit seiner Kunst und über die Dummheit der Leute, die zu
-jeder möglichen und unmöglichen Stunde zu ihm gelaufen kamen, um Heilung
-zu verlangen, und brutal wurden, wenn er nicht heilen konnte. Trotzdem
-war er ein besserer Arzt, als er selber glaubte. Die natürliche
-Behandlung, die er anwandte, indem er das Hauptgewicht auf die Hygiene,
-auf Luft und Licht, Essen und Trinken, Bewegung und Ruhe, Schlafen und
-Wachen legte, verschaffte ihm viel Vertrauen. Und wenn ihm die
-angestrengte Tätigkeit auch lästig war, so hat sie ihm doch aller
-Wahrscheinlichkeit nach das gebracht, was ihm immer gefehlt hatte, die
-materielle Sorglosigkeit. Als er einige Jahre später nach dem Süden
-zurückkehrt, ist er ein unabhängiger Mann.
-
-
- X
-
-Um 1135 wird es gewesen sein, daß Jehuda Halevi über die Brücke von
-Cordova schritt, um nie wieder diese Stadt zu verlassen bis zu dem
-Augenblicke, wo er seine Wallfahrt nach Palästina antrat.
-
-Cordova! Dieser Name bedeutet die letzte und reichste Epoche im Leben
-Jehuda Halevis. Eine glückliche Epoche. Wohl war er äußerlich ein
-alternder Mann geworden, als er seinen Einzug in die herrliche Stadt
-Andalusiens hielt. Aber er selber wollte es nicht wahr haben. Denn er
-fühlte sich jung wie am ersten Tag. Die schwarze Locke war ergraut, aber
-darunter blühten frische, jugendliche Züge, und es war seine Eitelkeit,
-auf den anmutigen Gegensatz zwischen dem weißen Haar und den braunen vom
-Barte umrahmten Wangen hinzuweisen. Die Unstetheit seines Lebens hatte
-ihn nicht beugen können. Spät war die Ruhe gekommen, aber nun war sie da
-und trug herrliche Blüten und Früchte.
-
-Cordova! Hier lernte er kennen, was Ruhm heißt. »Ganz Israel bekennt
-sich zu dir,« rief ein Freund ihm zu. Und selbst konnte er von sich
-sprechen: »Jehuda Sohn Samuels! Enkel Samuels! Sein Zelt ist bekannt von
-den Enden Edoms bis zum Flachlande, von Kastilien bis Andalusien.« Man
-hörte auf ihn. Es sammelten sich Schüler um ihn, die er »als seines
-Gartens Blumen« liebte und pflegte, und die mit Andacht am Munde des
-Meisters hingen, der ihnen seine Religion predigte und den Glauben
-seines Lebens.
-
-Von vielen umworben, gewährte er doch nur wenigen das Glück seiner
-Freundschaft. 1138 wurde Joseph ibn Zadîk Dajan[2] von Cordova. Er war
-es, der unserem Dichter am nächsten stand, in seinem Hause weilte er am
-liebsten, ihm Ehrenlieder weihend, die auf den Gastereien Ibn Zadîks
-vorgetragen wurden. Aber auch ein spätes Familienglück erblühte ihm
-noch. Er konnte seine Tochter verheiraten und wiegte noch ein
-Enkelsöhnlein auf den Knien, das denselben Namen trug wie er.
-
-Im Scheine dieses abendlichen Glückes setzte sich Jehuda Halevi noch
-einmal nieder, um in einem umfangreichen Werke die letzten Schlüsse
-seines Lebens zu ziehen. Das ist die philosophische Schrift Al Chazârî,
-»das Buch des Argumentes und Beweises zur Verteidigung des verachteten
-Glaubens«. Als er im Jahre 1140 dieses Werk begann, da sollte es eine
-Streitschrift werden, eine Streitschrift gegen die Feinde von außen und
-die Feinde von innen. Seine weithin hallende Stimme sollte vom Ruhme
-Israels zeugen. Als er es beschloß, war es viel mehr geworden: Das
-persönlichste Bekenntnis seines Lebens. Und schreibend war er selbst ein
-anderer geworden.
-
-Al Chazârî ist ein philosophisches Werk, geschrieben von einem Verächter
-der Philosophie, das sagt alles. Ein Werk des Verstandes, in
-Leidenschaft begonnen und vollendet, ein Werk des Beweises, dessen
-Argumente allein in seinem Pathos liegen. Dem kritischen Geiste hält es
-nicht stand, aber dennoch ist es stärker als er; um so viel stärker, wie
-Jeremia stärker ist als Aristoteles. Al Chazârî ist das Werk eines
-Dichters. Schon die Form ist eine dichterische: Der Dialog. Der König
-der Chazaren ringt um die Wahrheit. Eine Stimme war im Traume über ihn
-gekommen: »Dein Wille gefällt mir, doch nicht die Tat!« Da geht er, die
-Tat zu suchen. Aber er findet sie nicht. Der Philosoph, der Christ, der
-Muslim lassen ihn im Dunkel. Schließlich kommt er zum Juden, den er
-verachtet. Der lehrt ihn die Tat. Lehrt ihn die realste aller
-Religionen, das unmittelbarste Wissen von Gott: Offenbarung. Offenbarung
-ist das A und das O dieses Werkes. Und seine verschwiegene Predigt ist,
-daß Offenbarung gesucht und erkämpft werden muß und -- kann. Wohl hat
-die arme Zeit nichts als Ueberlieferung, die Tradition von Mund zu Mund,
-die ihr die Wahrheit aller göttlichen Offenbarungen verbürgt. Aber diese
-Ueberlieferung ist selbst Offenbarung, weil es die Ueberlieferung der
-Adelsmenschen dieser Welt ist, die Ueberlieferung derer, die am Fuß der
-Himmelsleiter stehen. Es ist das Kleinod Gottes, Israel, das die
-Gottesschau der Sechsmalhunderttausend kündet. Wer redet da? Wer wagt es
-zu zweifeln? Weh dem, der die Kette zerreißt, die uns mit den
-Jahrtausenden rückwärts verknüpft! --
-
-Werden wir noch einmal Gott schauen? Ist es möglich, zu ihm zu dringen?
-Wer trägt uns zu seinem Throne? -- Der denkende Geist? Nimmermehr.
-Tausendmal heiler als das Auge der Spekulation ist das Auge der
-Prophetie. Wer beweisen will, geht in die Irre. -- Die Selbstkasteiung?
-Allein wird sie uns niemals Gott näher bringen. Eines muß hinzukommen:
-Die gute Tat. Sie ist die Kraft, die uns helfen wird. Nur durch Gottes
-Wort kommt man zu Gott. Sein Gebot ist die Brücke, die zu ihm führt. --
---
-
-
- XI
-
-Das Werk Jehuda Halevis näherte sich seinem Ende. Der Dichter fühlte,
-daß er seine Seele ausgeblutet hatte in dieses Werk. Es war die Predigt
-seines Lebens, die er der Mitwelt bot. Der Adelsmantel, den er Israel
-umhängt, trägt das Wappen seines eigenen Adels, des eigenen Wertes
-Bewußtsein ließ ihn das Kleinodentum Jakobs künden. Und das Gefühl des
-eigenen Prophetentums war es, was ihn als höchste Stufe die Stufe der
-Prophetie predigen ließ. Er wußte, was Offenbarung war. So konnte er von
-Offenbarung sprechen und sprach vom eigenen Leben. Und doch, obgleich er
-sich so für einen von Gott mit der tiefsten Schau Begnadigten hielt,
-doch wuchs sein Werk über ihn hinaus. Er hatte seinem Geschlecht den Weg
-zu Gott zeigen wollen. Am Ende fühlte er, wie fern er selbst noch von
-ihm war, wie unvollkommen sein Tun. Ein kleines Geschlecht war es, dem
-seine Rede gegolten hatte, aber er selbst war dieses Geschlechtes Knecht
-gewesen ein Leben lang. Um ihre Gnade hatte er geworben, ihr Lob war ihm
-Lebensbedürfnis gewesen, wie süß war der sauer erkämpfte Ruhm. So
-erwuchs ihm die erschütternde Gewißheit, daß seine Lehre mit seinem
-Leben nicht stimmte. Und die Unruhe, die sein ganzes Leben erfüllt
-hatte, kam wieder über ihn. Ein Suchen entzündete sich in seiner Seele.
-Eine Zeit schwerer Kämpfe folgte, aus denen heraus sich ein Entschluß
-läuterte, der alle seine Freunde in Schrecken setzte und sie fast an
-seinem Verstande zweifeln ließ: Jehuda Halevi wollte Spanien für immer
-verlassen und nach Palästina wandern. Er wollte sterben für seine Welt,
-sterben für seine Familie, sterben für seine Freunde, um das wahre Leben
-zu gewinnen. Der Gedanke, daß nur die vollkommene Tat zu Gott führe,
-brannte ihm die Seele. Er mußte dorthin, wo allein die Taten vollkommen
-werden konnten, ins heilige Land der Väter. Dort allein war die letzte
-Erfüllung des göttlichen Wortes möglich. Dort war das Tor, »das von der
-Erde in den Himmel führt«, dort die Jakobsleiter zur höchsten Schar.
-Dort würde er Gott schauen Auge in Auge, dessen war er sicher.
-
-Vergebens waren die Warnungen der Freunde, die eine schwere Enttäuschung
-für den Dichter voraussahen. Oft gelang es ihnen fast, ihn wankend zu
-machen. Es kamen Augenblicke der Angst und des Zweifels für ihn. Immer
-aber gewann der eine süße Gedanke in ihm die Uebermacht: »Zion, Zion, du
-Krone der Zeit!« Lächelnd sah er das Ziel vor Augen. Es war ihm
-unentrinnbare Selbstverständlichkeit geworden.
-
-Der Entschluß war gefaßt. Der Tag der Abreise kam. Da sammelten sich die
-wenigen Freunde in Cordova zum letzten Male. Es bildete sich eine kleine
-Gefolgschaft um ihn, die bereit war, mit ihm zu ziehen. Josef ibn Zadîk
-sandte ihm eine reiche Abschiedsgabe, die er mit folgenden, die Größe
-und den Charakter Jehuda Halevis tief kennzeichnenden Worten begleitete:
-
- Armut schließt uns unsre Rechte;
- Darum, was die Seele möchte,
- Reicht sie leider dir nicht dar:
- Wie belohnen wir dein Künden,
- Juda, der uns armen Blinden
- Ein so großer Künder war?
-
- Liedesvater, sag' mir, zeugte
- Dich der Dichterkönig? Säugte
- Selig einst Deborah dich?
- Seelen jagst du, nicht mit Schlingen,
- Nein, in deiner Liebe fingen
- All die frohen Herzen sich.
-
- Deine Lippen sind so süße,
- Deine Reden Heldengrüße,
- Klar dein Wort und mannazart;
- Löwe und Gazelle scheinen
- Herrlich sich in dir zu einen:
- Kraft und Schwäche hold gepaart.
-
-Dankerfüllt sang Jehuda Halevi noch einmal den Ruhm des Freundes. Dann
-umarmte er zum letzten Male die geliebten Schüler, die Tochter, den
-kleinen Jehuda, um sich plötzlich loszureißen und die Tore Cordovas
-durchschreitend dem Süden zuzueilen, wo das Schiff ihn erwartete, das
-ihn zu den Bergen der Heimat tragen sollte. Schon zu lange hatte er
-gezaudert. Deshalb konnte es ihm jetzt nicht schnell genug gehen. Wohl
-wußte er, daß in Granada ihn Freunde erwarteten, die ihn das letzte Mal
-sehen wollten. Aber die Angst, aufgehalten zu werden, veranlaßte ihn,
-die schöne Granatenstadt gar nicht zu berühren.
-
- Es steht der Libanon vor mir,
- Da darf ich nicht »Granaten« pflücken:
- So will es meiner Sünden Zahl,
- Die Frevel so, die allzumal
- Auf meine Seele drücken.
-
-
- XII
-
-So kam er zum Meere, das ihm nicht unbekannt war. Oft hatte er an seinem
-Strande gesessen und mit den Kieseln gespielt oder den Wellen gelauscht,
-die kamen und gingen wie ein unterwürfiges Heer, die Hand des Königs zu
-küssen. Jetzt sollte er sich diesem Heere anvertrauen. Zagend betrat er
-die Planke des Schiffes und sah sich bald von brutalem Schiffsvolk
-umgeben, das prahlend die Klugen verachtet und nur den Schwimmer
-schätzt.
-
-Die Reise war zunächst von günstigen Winden begleitet. Dann aber kamen
-stürmische Tage, an denen der Dichter unter der Seekrankheit litt.
-Gleichzeitig verfolgte ihn die Angst vor Piraten, und auch die
-Schiffsleute flößten ihm Mißtrauen ein. Trotz alledem aber brachten ihm
-die Tage auf dem Meere Augenblicke der höchsten dichterischen
-Offenbarungen. Ob der Sturm ihn umbrauste oder der Sternenhimmel der
-Mitternacht in die spiegelnden Fluten sank, seine Augen waren weit
-geöffnet, aus dem Brunnen der ewigen Erhabenheiten zu trinken. Er hat
-die Natur des Weltmeeres ausgeschöpft, wie sie sich nur ausschöpfen
-läßt. Die Woge sprach zu ihm, aber was sie sprach, war wieder nur und
-konnte nur eines sein: -- Gott.
-
-Das Schiff war seinem Ziele nahe. Da brach -- es war im September des
-Jahres 1141 -- eines Tages ein stürmischer Ostwind los, der das Schiff
-nicht vorwärts ließ, vielmehr es zwang, rückwärts segelnd im Hafen
-Alexandrias vor Anker zu gehen. Bitterer Unmut erfaßte Jehuda Halevi.
-Aber es half ihm nichts, er mußte an Land. Doch nahm er sich vor, sobald
-als die Stürme nachließen, wieder in See zu gehen.
-
-Kaum jedoch hatte sich unter den Juden Alexandrias die Kunde verbreitet,
-daß der gefeierte Dichter des Abendlandes in der Stadt sei, als sie
-herbeiströmten, ihn zu sehen und mit den ausgesuchtesten Ehren zu
-überhäufen. Der reichste Jude der Stadt, der Arzt und Rabbi Aaron ben
-Zion ibn Alamânî, zog ihn in seinen Palast. Dieser Palast allein schon
-wirkte auf den überraschten Dichter überwältigend. Da ging man über
-goldbedeckte Quadern, stieg in die Gärten hinab und wandelte zwischen
-blühenden Narden und Cyprusblumen an duftenden Springbrunnen vorüber zu
-den Myrtenlauben, in deren Zweigen die Nachtigallen sangen, während
-gurrende Tauben die Wege bedeckten. Alamânî veranstaltete für den
-Dichter rauschende Festlichkeiten, auf denen ihm die Edelsten
-Alexandrias in ausgelassenem Jubel huldigten, trinkend und singend und
-ihm selbst zum Singen begeisternd. Jehuda Halevi war bezwungen. So viel
-Liebe hatte er sich nicht träumen lassen. Er konnte nicht anders: er
-mußte diese Stunde genießen und blieb. So hatte ihn das Erdentum wieder
-umfangen, da er sich ihm längst enthoben wähnte. Ein später
-Liebesfrühling wird dem fast Sechzigjährigen beschert. Mit
-anakreontischer Freude singt er von reizenden Abenteuern unter den
-Fenstern der Schönen.
-
-Dann aber kommt wieder die Wirrnis über ihn, und die Sehnsucht nach Zion
-erwacht von neuem. Die Sabbathe verhüllen ihm ihre Weihe, er kann nicht
-wahrhaft froh werden, er fühlt, daß er sich selber untreu geworden ist.
-So sehnt er sich, aus Alexandria fortzukommen. Eines Tages trifft aus
-Damiette ein Bote des Abû Sa'îd Chalfon Halevi ein, der ihm einen Brief
-von dem Fürsten der ägyptischen Juden, dem Nagid Abû Mansûr Samuel ibn
-Chananjah, überbringt. Jehuda Halevi wird eingeladen, nach Kairo zu
-kommen, um sich im Palaste des Fürsten seiner Gastfreundschaft zu
-erfreuen. Sofort sagt er zu und meldet gleichzeitig seinen Besuch in
-Damiette für später an. Er hofft, der Fürst wird ihm helfen, bald zum
-Ziele seiner Sehnsucht zu gelangen. Nachdem er in Alexandria noch einige
-Einkäufe erledigt hat, fährt er nach Kairo. Der Eindruck, den der
-glänzende Hofstaat des Nagid auf ihn macht, ist noch größer als der, den
-er in Alexandria gehabt hat, und übertrifft alle seine Erwartungen. Wenn
-er den Fürsten in seiner Staatskarosse unter den Klängen rauschender
-Musik und von Soldaten begleitet ausfahren sieht, muß er an Josef in
-Aegypten denken. Solche Macht eines Juden hatte er in Spanien nie
-gesehen. Samuel spielte in der Tat am Hofe des fatimidischen Sultans Al
-Hafis eine bedeutsame Rolle und konnte dadurch seinen jüdischen Brüdern
-eine starke Stütze sein.
-
-Er empfängt unseren Dichter mit den höchsten Ehren, und als Jehuda
-seinen Palast betritt, fühlt er, daß er in ein Haus der Liebe und Freude
-getreten ist. Hier wird das ruhebedürftige Herz zur Ruhe kommen. Ein
-Fest folgt nun wieder dem anderen. Es ist, als wenn Aegypten ihn
-entschädigen will für die vielen Jahre der Entbehrung und Verkennung.
-Aber wieder kommen die Gedanken an das letzte Ziel und trüben die
-Freude. Wieder ergreift ihn die Unrast und treibt ihn weiter. Wenige
-Tage vor dem Chanukafest verläßt er plötzlich Kairo, um nach der
-Hafenstadt Damiette zu fahren, von wo aus er mit Hilfe des bereits
-genannten Abû Sa'îd Chalfon Halevi endlich ans Ziel zu gelangen hofft.
-In Damiette verweilt er genau vierzehn Tage bis zum elften des Monats
-Tebet. Hier wird er tief von der paradiesischen Natur Aegyptens
-ergriffen, die dem Dichter ihre ganze Blütenpracht enthüllt. Noch einmal
-tritt die Jugend vor seine Augen, alte Träume steigen empor, Träume der
-Liebe und Freundschaft. Abû Sa'îd versucht ihn zurückzuhalten, wie es
-jeder in Aegypten versucht hat. Man hatte ihn durch rauschende Feste von
-dem Ziele seiner Sehnsucht ablenken wollen, das so schön war und doch
-mit Enttäuschung enden mußte. Schließlich aber muß der Freund doch
-nachgeben, und am Tage nach dem Fasten des Tebet besteigt Abul Hasan
-Jehuda Halevi die Barke auf dem Nil, um weiter zu fahren: stromaufwärts
-oder stromabwärts? Wir wissen es nicht. Mit diesem Tage schließt für uns
-das Leben Jehuda Halevis. Schließt mit einer Frage: Hat er das Ziel
-seiner Sehnsucht erreicht? Ist er, wie die Sage erzählt, im Tore
-Jerusalems von dem Rosse eines daherjagenden Sarazenen zerstampft
-worden? Oder hat man ihn irgendwo im ägyptischen Sande verscharrt? --
-
-Wir wissen nichts von seinem Ende. Wissen nur, daß er mitten im Jubel
-der ägyptischen Tage vom Tode redete, vom Grabe, das vor ihm liege, und
-vom Greisentum, das nun nicht mehr zu verheimlichen sei. Und wenn es
-wahr ist, daß Todesahnen des Sterbens Anfang ist, so trug er den Keim
-des Todes schon damals in sich, da er mit zitternder Hand dem Fürsten
-Samuel die flehenden, von geheimer Angst erfüllten Worte schrieb, mit
-denen wir sein Leben beschließen wollen:
-
- Wollt ihr Liebes mir vergelten,
- Sendet meinem Herrn mich zu:
- Eh' ich unter seinem Zelte
- Glücklich nicht das meine stellte,
- Find' ich keine Ruh'.
-
- Haltet mich nicht auf zu eilen,
- Da mich schon die Angst erfaßt:
- Unter seinem Flügel weilen
- Und der Väter Ruhe teilen
- Bleibt doch meine einz'ge Rast.
-
-
- XIII
-
-Es bleibt noch übrig, ein kurzes Wort über die Dichtungen Jehuda Halevis
-zu sagen. Wer sie genießen will, muß es lernen, sich auf die kurze Zeit
-seines Genießens aller abendländischen Traditionen zu entschlagen.
-Dieser Dichter ist ein Orientale. Der Orientale dichtet nicht wie der
-Abendländer. Er weiß nicht, was das heißt: Kunstwerk. Er fängt an zu
-singen, sorglos, wie er enden wird. Die orientalische Dichtung hat etwas
-Sprudelndes, geheimnisvoll Bewegliches. Hier fehlt alle Konzeption und
-Komposition. Nirgends spürt man die bauende Hand, nirgends die Energie
-zügelhaltenden Künstlertums. Das singt und musiziert wie die Vögel im
-Walde, endlos jubilierend. Daher die erstaunliche Fruchtbarkeit dieser
-Poeten aus dem Lande der Morgensonne. Ihre Lieder zählen immer nach
-Tausenden.
-
-Es ist der tiefe Unterschied zwischen Morgen- und Abendland, der sich
-hier kundtut. Der Abendländer ist induktiver, der Morgenländer
-intuitiver veranlagt. Dieser schaut, jener sinnt. Hier Prophet, dort
-Denker. Der Orientale hängt am Einzelnen, springt über zum Anderen,
-flüchtet zum Dritten, eines aber bleibt ihm ewig verhüllt: Das Ganze.
-Die Dinge sind beieinander, nicht ineinander. Das ist kein Vorteil, aber
-auch nicht immer ein Nachteil. Wo es so liegt, wird die Historie zwar
-leicht anekdotisch, die Dichtung geistreich. Aber es bleibt dafür alles
-ursprünglich, nichts erstarrt in der Form, nichts erfriert in der
-Methode.
-
-Man kann den orientalischen Geist am besten an der Sprache studieren. Im
-Semitischen wird koordiniert, nicht subordiniert. Es gibt kaum eine
-Syntax. Die feinen Nüancen unserer Rede sind unmöglich, oder besser
-gesagt: sie sind teils verborgener, teils umständlicher als bei uns.
-Woraus die unendliche Schwierigkeit für den Uebersetzer entspringt. Der
-Uebersetzer muß in den Geist der semitischen Sprachen soweit
-eingedrungen sein, daß er die verborgenen Nüancen des Beieinander zu
-spüren vermag. Denn seine Aufgabe ist es, das Koordinierte zu
-subordinieren, ohne die zartesten Töne zu verwischen. Ist dies gelungen,
-so wird der Okzidentale den Orientalen begreifen. --
-
-Jehuda Halevi ist ein Kind zweier Kulturen, der arabisch-andalusischen
-und der jüdischen. Obgleich all seine Dichtungen in klassischem
-Hebräisch geschrieben sind, ist er doch in seinen profanen Gesängen der
-echte arabische Rhapsode. So sehr, daß er als Repräsentant der
-arabischen Dichtung gelten kann: Dieselbe Glut der Farben, derselbe
-Strom wechselnder Bilder, dieselbe Ungebundenheit der Sprache, dieselbe
-Gewagtheit sinnlichen Schauens und dieselbe Grazie hinfließender, ewig
-wandelbarer Stimmungen. Man spürt das Pathos und die Deklamation. Die
-Lieder der Liebe und die Episteln der Freundschaft sind es vor allem,
-die Form und Inhalt nach bei Jehuda Halevi echt arabisch sind. Das
-Kommen und Gehen im Traume, das geheime Wandeln der Seele auf den Pfaden
-der Liebe, das Suchen nach den verwehten Spuren auf der Freundschaft
-Trümmern, die Klage um Scheiden und Meiden, die in tausend Tränen
-zerrinnt, der Ueberschwang der Sehnsucht, die Uebertreibung des Lobes,
-alles so leicht, so bunt, so redselig ausfließend bis auf den letzten
-Tropfen, so echt -- arabisch.
-
-Am größten aber ist Jehuda Halevi zweifellos in seiner religiösen
-Dichtung. Dort treffen sich die beiden Welten in ihm. Die Ungebundenheit
-des Arabers findet hier einen Zügel: Den jüdischen Geist. Dieser Geist,
-obgleich ebenfalls orientalisch, hat es doch zu einer Aesthetik
-gebracht. Palästina war der einzige Punkt im Morgenlande, wo echtes
-Künstlertum wuchs: ein Künstlertum des Lebens. Die Harmonie des
-Einheitsgedankens im All, die Akkorde der Völker in der Weltgeschichte,
-die Zentralität Israels, des Kleinods, das waren mächtig ordnende und
-bauende Gedanken. Und vor allem: Für Jehuda Halevi war es lebendiges
-Leben. Darum offenbart sich nirgends so wie in seiner religiösen Poesie
-sein Künstlertum. Hier ist er auch der Moderne am verwandtesten:
-Ueberall geschlossene Reihen, abgetönte Stimmungen, harmonische
-Steigerungen und Lösungen. Die Poesie der Andeutung, die ohne höchste
-Einheit des künstlerischen Bewußtseins nicht zu erreichen ist, finden
-wir hier in wunderbar zarter Vollendung. Die geheimsten Wirkungen
-moderner Stimmungen werden hier ausgelöst. Bedenken wir, daß der Dichter
-dem Zeitalter der deutschen Minnesänger angehört, so müssen wir geradezu
-erstaunen über die Differenziertheit seiner Empfindungen. Sie wird
-verständlich, wenn wir erwägen, daß er in seinem Lande das Kind einer
-blühenden Hochkultur gewesen ist.
-
-So bewundern und verehren wir in ihm zweierlei zu gleicher Zeit: Die
-ursprünglichste Natur einer verschwendenden Dichterseele und die höchste
-Geisteszucht eines zwei Kulturen in sich vereinenden Genies. Damit hat
-die Dichtergröße Jehuda Halevis ihren Namen erhalten.
-
-Nun aber möge er selbst zu euch sprechen, in all seiner Schwere und all
-seiner Grazie. Vielleicht daß er Seelen findet, die mit seiner Seele
-klingen. Dem, der ihn übersetzt hat, ist er Offenbarung geworden. Wer
-ihn aber immer lesen mag, er stehe still vor ihm. Hier ist heiliger
-Boden: Ecce poeta.
-
-[1] Eine Art von Derwischen, die ein Leben in Kontemplation führen.
-
-[2] Dajan ist der jüdische Gemeinderichter.
-
-
-
-
- QUELLENNACHWEIS
-
-
-Nach zwölfjähriger, immer wieder neu aufgenommener Arbeit läßt der
-Uebersetzer diesen Diwan erscheinen. Die hier gebotenen Uebertragungen
-sind ursprünglich mehr oder weniger freie Nachdichtungen gewesen. Erst
-allmählich erwachte in dem Uebersetzer aus dem Interesse, sich von dem
-mittelalterlichen Sänger Anregungen zu seinem eigenen Schaffen geben zu
-lassen, das Interesse, diesem Sänger selbst zum Rechte zu verhelfen.
-Dieses Interesse stieg mit der wachsenden Erkenntnis, daß alles bisher
-an Uebersetzungen Gebotene ohne Ausnahme ungenügend war. Von den
-Schwierigkeiten, die freilich solcher Uebersetzung von Versen aus einer
-semitischen in eine indogermanische Sprache entgegenstehen, war bereits
-am Ende der biographischen Darstellung die Rede. Es bleibt der
-Oeffentlichkeit überlassen zu beurteilen, wieweit diesmal das
-Erforderliche geleistet worden ist.
-
-Neben der Uebersetzung hat der Uebersetzer sich vor allem die
-sorgfältige Auswahl der Gedichte angelegen sein lassen. Sein Bestreben
-war, den Dichter in seinem ganzen Können zu zeigen, aber alle
-Wiederholung des nach der Sitte orientalischer Barden sich nur zu oft
-Wiederholenden möglichst zu vermeiden. Die Auswahl, die wir bieten,
-zeigt in Wirklichkeit den ganzen Dichter.
-
-Das Nachwort macht zum ersten Male den Versuch, das uns fast gänzlich
-unbekannte Leben Jehuda Halevis aus seinen Gedichten neu zu
-konstruieren. Die Art der Veröffentlichung verbot dabei, den ganzen
-wissenschaftlichen Apparat mit erscheinen zu lassen. Hier am Schluss nur
-soll der Quellennachweis folgen: Die hauptsächlich von uns benutzte
-Ausgabe ist die von Dr. H. Brody, Divân des Abû-l-Hasan Jehuda ha-Levi,
-Berlin 1894, 1896-97, 1903 in zwei Bänden mit Anmerkungen und Kommentar.
-Leider ist diese klassische Ausgabe noch immer nicht vollständig
-erschienen. Wir mußten deshalb ergänzend noch folgende ältere Ausgaben
-heranziehen: 1. Diwân des Rabbi Jehuda ha-Levi, herausgegeben von S. D.
-Luzatto, Lyck 1864, eine ausgezeichnete, aber nur 86 Stücke lediglich
-religiösen Inhalts umfassende Ausgabe. 2. Rabbi Jehuda ha-Levi von
-Abraham Elia Harkavy, Warschau 1893, eine ganz unselbständige und
-textlich unzureichende Arbeit.
-
-Wir zitieren nach den Herausgebern.
-
-
-1. _Gott_: Du Quell des wahren Lebens ... liqrath m.qor chajê emeth
-arûçâ: Brody II, S. 296, Nr. 75 (in die 2. pers. sing. übertragen).
-
-Wenn die Sterne sich entzünden ... j'îrûn kokhbhê nishpi: Luzatto Nr.
-37, S. 15 a.
-
-Du Seele willst ins Vaterhaus ... nêfesh l.bêth âw thikhs.fâ gam
-kâl.thâ: Brody II, S. 306, Nr. 89 (in die 2. pers. sing. übertragen).
-
-Mein Leib und Leben ... jiçrî wîçûrâj: Luzatto Nr. 71, S. 29 a.
-
-Um sein Antlitz alle Frommen flehen ... jchallu pnê êl chaj chasîdâw
-w.jishalu: Luzatto Nr. 24, S. 11 a.
-
-Gottes Hand wird dich beschatten ... çêl j.dê êl j.hî lokh machase:
-Luzatto Nr. 35, S. 14 b.
-
-Zu dir steht all mein Sehnen ... 'adonaj negd.kha kol ta'awâthi: Luzatto
-Nr. 52, S. 18 b.
-
-Hin nach meines Lebens Quelle ... ligrath m.qôr chajaj 'etên m.ghamâthî:
-Luzatto Nr. 56, S. 21 a.
-
-Wenn du allein des Herren harrst ... 'im l'elohâjikh l.bhad tochîlî:
-Brody II, S. 248, Nr. 27.
-
-Halt, o Herz! Wer darf sich wagen ... libî 'amôd kî mî b.sôd: Brody II,
-S. 218, Nr. 8.
-
-Knechte der Zeit: -- Knechte der Knechte ... 'abhdê z.mân 'abhdê
-'abhâdim hêm: Brody II, S. 300, Nr. 83.
-
-Tag und Nacht will ich den Herren loben ... jômâm wâlailâ hallêl
-la'adônay: Luzatto Nr. 34, S. 14 b.
-
-Jugend ist wie leichte Flocken ... j.shênâth b.chêq jaldûth l.mâtay
-tishkh.bhî: Luzatto Nr. 42, S. 16 a.
-
-Mein Gott, ich will dich ehren ... joh shimkhâ: Luzatto Nr. 65, S. 24 a.
-
-Bevor du mich geschaffen ... j.dâ'tânî b.terem tiçrênî: Luzatto Nr. 30,
-S. 13 a.
-
-Ruhig, ruhig, liebe Seele ... shûbhî j.chîdâ el m.nûchêkh: Brody II, S.
-217, Nr. 5.
-
-
-2. _Israel_: Wahrheit, ich liebe dich aus ganzer Kraft ... b.khol m.ôdî:
-Brody II, S. 221, Nr. 10.
-
-Sonn' und Mond im Wechsel der Geschlechter ... shemesh w.jarêach l'olâm
-shêr.thû: Brody II, S. 307, Nr. 90.
-
-Sei stark und harre deiner Zeit ... je'emaç l.bhabhêkh umô'adekh
-jachali: Luzatto Nr. 27, S. 12 a.
-
-Seit du das Heim der Liebe bist ... mê'âz m'ôn ha'âhabha hajîtha:
-Luzatto Nr. 58, S. 21 b.
-
-Entfessle deine rechte Hand ... j.mîn 'uzzkhâ êl w.jad ezrêkhâ: Luzatto
-Nr. 17, S. 7 b.
-
-In deinem Licht schläft aller Glanz ... jachad b.'orkhâ êl nâ'ôr nir'ê
-'ôr: Luzatto Nr. 700, S. 28 b (mit Auslassung der letzten Strophe).
-
-In deinem Haus zu ruhen ... jâfê w.tobh le'chôz b.bhêthâkh machanê:
-Luzatto Nr. 31, S. 13 a.
-
-Fauler, wirst du nicht erröten ... 'âçêl halô thebhôsh w.thikâlêm: Brody
-II, S. 272, Nr. 50.
-
-Es blieben die Wunder, die herrlichen, fort ... 'ôthôthênû hithmahmâhû:
-Luzatto Nr. 80, S. 36 b.
-
-
-3. _Liebe_: Ofra wäscht ihre Kleider ... Ofra th.khabês 'et b.gâdêhâ:
-Brody II, S. 12, Nr. 7.
-
-Ich wiegt auf dem Schoße ... jôm shishatihû 'alê bhirkhâj: Brody II, S.
-16, Nr. 13.
-
-Was drängt ihr mich also ... shô'alîm biglâlî mâ tish'alû: Brody II, S.
-24, Nr. 22, Vers 11-18.
-
-
-_Abschiedsverse_: mâ lokh çbhija timn.î çirâjikh: Brody II, S. 7 ff.
-
-V. 5-8, 10-11, 13-16, 17-20, 21-24, 25-28, 29-32, 33-34, 49-52, 61-62,
-63-64, 67-68 und 57-58.
-
-Wach doch auf aus deiner Ruh' ... ûrâ j.dîdî mitnûmâthêkha: Brody II, S.
-20, Nr. 19.
-
-Wie die Sonne über Sphären schreitet ... hinnê kashemesh galgal
-dôrêkheth: Brody II, S. 45, Nr. 45 (in die 2. pers. sing. übertragen).
-
-
-_Zum Ruhme der Braut_: Jônâ âl 'afîqê mâjim: Brody II, S. 53, Nr. 53.
-
-V. 3-6, 7-10, 23-26, 27-30, 35-38.
-
-Zeigte Liebchen mir die Wangen ... lêl gill.thâ êlâj çbhijâ na'arâ:
-Brody II, S. 20, Nr. 18.
-
-Liebe Sänger, singt den Trauten ... j.fê qôl qadd.mû khinnôr l. jâfôth:
-Brody I, S. 99, Nr. 70, Vers 1-38: Einleitung zu einer poetischen
-Epistel an R. Aaaron ben Zion Al-amâni (ca. 1141).
-
-Was geht noch auf die Sonne ... mâ ta'alê shemesh umâ tofî'a: Brody II,
-S. 19, Nr. 16.
-
-Mög' des Paares holder Bund ... ubâm jisraêl jithbârakh: Brody II, S.
-44, Nr. 43, Vers 17-19.
-
-
-4. _Freundschaft_: Fein sänftlich, Freund, bin nicht von Erz ... l'at
-lî: Brody I, S. 11, Nr. 9.
-
-Sehnt sich deine Seele noch ... ha 'ôd l. jaldûth: Brody I, S. 129, Nr.
-89. Einleitung der Epistel an Abul Hasan b. Moril.
-
-Viele schon in meinem Herzen schufen ... b. libbî sôd: Brody I, S. 3,
-Nr. 3.
-
-Abschied: j.dâ'nûkhâ n.dôd: Brody I, S. 154, Nr. 101.
-
-Ist's der Myrrhe zartes Düften ... ha rê'ach môr: Brody I, S. 58, Nr.
-43, Vers 1-8. Einleitung einer Epistel an Mose b. Esra.
-
-Dieser Schlummer möge währen ... 'ashraj: Brody I, S. 157, Nr. 117.
-
-Trank die Erde wie ein Kindlein ... 'ereç k. jaldâ: Brody I, S. 82, Nr.
-60, Vers 1-38. Einleitung eines Preisgedichtes auf R. Isak Hajathôm.
-
-
-5. _Leben, Leiden, Dichten_: Eine Taube schluchzt vom Zweige ... jônâ
-th.kannên: Brody I, S. 164, Nr. 110.
-
-Sie besuchten mich im Traume ... j.'îdunî b.nê jâmîm chalômôth: Brody
-II, S. 318, Nr. 110, Vers 1-8, 17-18.
-
-Und als nun alle war mein Gold ... jôm nâd z.hâbhî: Harkavy II, S. 74,
-Nr. 5.
-
-Siehe Menschensohn, siehe ... r'ê shôkhên thêwêl r.'ê: Harkavy II, S.
-74, Nr. 4.
-
-Kann dich Reichtum locken, Herz? ... l.bhâbhî mâ th.raddêf: Brody II, S.
-289, Nr. 61.
-
-Freue dich vor deinem Nächsten ... s.mach bifnê chabhêrêkhâ: Brody II,
-S. 311, Nr. 95.
-
-Weh der Kunde, die im Ohre gellt ... hoh 'al sh.mû'â çâlalâ loh ôzen:
-Brody II, S. 291, Nr. 66.
-
-Du meinst, das Dichten sei mir ein Beruf ... shâlôm l. bath: Brody I, S.
-18, Nr. 14, Vers 45-56.
-
-Nimm dieses Lied aus deines Freundes Hand ... hê lâkh prî shîr: Brody I,
-S. 140, Nr. 94, Vers 73-78.
-
-Seh' ich, wie Narren ... bir'ôth libbî likhsîl jifrôç: Brody II, S. 297,
-Nr. 76.
-
-Becherspruch ... j.fê mar'ê p.qach 'ajin: Brody II, S. 312, Nr. 98.
-
-Zwei Rätsel ... 1. k.lî mêkhil ... (Der Spiegel): Brody II, S. 195, Nr.
-5.
-
-2. b.lijâ'al w.jârî.ach m.dânîm (Die Wage): Brody II, S. 199, Nr. 15.
-
-
-6. _Zion_: Zion, willst du immer wieder ... çijôn halô thish'alî: Brody
-II, S. 155, Nr. 2 (Die berühmte Zionide des Dichters).
-
-Im Orient ist mein Herz ... libbî b. mizrâch w. 'anôkhi b.sôf ma'arâbh:
-Brody II, S. 155, Nr. 1.
-
-Komm' mit mir gen Zoan ... n.tê bî 'elê ço'an: Brody II, S. 183, Nr. 21.
-
-Es war ein Tag so sehnsuchtsvoll ... jôm nikhsfâ nafshî l. bhêth
-hawâ'ad: Brody II, S. 167, Nr. 7.
-
-
-7. _Das Meer_: Der Sturm ... jô'êç umêqîm: Brody II, S. 176, Nr. 17.
-
-Holder Zephyr, deiner Lüfte ... zê rûchakhâ çad ma'arâbh râqûach: Brody
-II, S. 171, Nr. 12.
-
-Kommt die große Flut mit einem Mal? ... habâ mabbul w. sâm têbhêl
-charâbhâ: Brody II, S. 169, Nr. 10.
-
-
-8. _Letzte Tage_ (1141): In Aegypten ... b. miçrâjim: Brody II, S. 180,
-Nr. 18.
-
-Hat die Zeit das Kleid des Lebens ... hafâshat hazz.mân: Brody I, S.
-112, Nr. 78, Vers 1-16 (Einleitung einer Epistel aus Damiette).
-
-Wollt ihr Liebes mir vergelten ... im r.çôn nafsh.khem l.mal'ôth r.çônî:
-Brody I, S. 211.
-
-Dein Wunder geht durch alle Zeit ... 'elôhaj pil'akhâ dôr dôr j.ruchash:
-Luzatto Nr. 47, S. 17 b.
-
-
- Druck von Mänicke und Jahn in Rudolstadt
-
-
- Anmerkungen zur Transkription
-
-Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigert. Weitere
-Änderungen sind hier aufgeführt (vorher/nachher):
-
- [S. 115]:
- ... zu el makût. Reue und Zerknirschung, Andacht ...
- ... zu el malkût. Reue und Zerknirschung, Andacht ...
-
- [S. 142]:
- ... Liebe Sänger, singt den Trauten ... j. fê qôl qadd.mû ...
- ... Liebe Sänger, singt den Trauten ... j.fê qôl qadd.mû ...
-
- [S. 143]:
- ... Becherspruch ... j.fè mar'ê p.qach 'ajin: Brody II, ...
- ... Becherspruch ... j.fê mar'ê p.qach 'ajin: Brody II, ...
-
-
-
-
-
-
-End of the Project Gutenberg EBook of Ein Diwan, by Jehuda Halevi
-
-*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK EIN DIWAN ***
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-LIMITED TO WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.
-
-1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied
-warranties or the exclusion or limitation of certain types of
-damages. If any disclaimer or limitation set forth in this agreement
-violates the law of the state applicable to this agreement, the
-agreement shall be interpreted to make the maximum disclaimer or
-limitation permitted by the applicable state law. The invalidity or
-unenforceability of any provision of this agreement shall not void the
-remaining provisions.
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-1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
-trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
-providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in
-accordance with this agreement, and any volunteers associated with the
-production, promotion and distribution of Project Gutenberg-tm
-electronic works, harmless from all liability, costs and expenses,
-including legal fees, that arise directly or indirectly from any of
-the following which you do or cause to occur: (a) distribution of this
-or any Project Gutenberg-tm work, (b) alteration, modification, or
-additions or deletions to any Project Gutenberg-tm work, and (c) any
-Defect you cause.
-
-Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
-
-Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
-electronic works in formats readable by the widest variety of
-computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It
-exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations
-from people in all walks of life.
-
-Volunteers and financial support to provide volunteers with the
-assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
-goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
-remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
-Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
-and permanent future for Project Gutenberg-tm and future
-generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see
-Sections 3 and 4 and the Foundation information page at
-www.gutenberg.org
-
-
-
-Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
-
-The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
-501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
-state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
-Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
-number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by
-U.S. federal laws and your state's laws.
-
-The Foundation's principal office is in Fairbanks, Alaska, with the
-mailing address: PO Box 750175, Fairbanks, AK 99775, but its
-volunteers and employees are scattered throughout numerous
-locations. Its business office is located at 809 North 1500 West, Salt
-Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up to
-date contact information can be found at the Foundation's web site and
-official page at www.gutenberg.org/contact
-
-For additional contact information:
-
- Dr. Gregory B. Newby
- Chief Executive and Director
- gbnewby@pglaf.org
-
-Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
-Literary Archive Foundation
-
-Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
-spread public support and donations to carry out its mission of
-increasing the number of public domain and licensed works that can be
-freely distributed in machine readable form accessible by the widest
-array of equipment including outdated equipment. Many small donations
-($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
-status with the IRS.
-
-The Foundation is committed to complying with the laws regulating
-charities and charitable donations in all 50 states of the United
-States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
-considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
-with these requirements. We do not solicit donations in locations
-where we have not received written confirmation of compliance. To SEND
-DONATIONS or determine the status of compliance for any particular
-state visit www.gutenberg.org/donate
-
-While we cannot and do not solicit contributions from states where we
-have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
-against accepting unsolicited donations from donors in such states who
-approach us with offers to donate.
-
-International donations are gratefully accepted, but we cannot make
-any statements concerning tax treatment of donations received from
-outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
-
-Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
-methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
-ways including checks, online payments and credit card donations. To
-donate, please visit: www.gutenberg.org/donate
-
-Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic works.
-
-Professor Michael S. Hart was the originator of the Project
-Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be
-freely shared with anyone. For forty years, he produced and
-distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of
-volunteer support.
-
-Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
-editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in
-the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not
-necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper
-edition.
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-Most people start at our Web site which has the main PG search
-facility: www.gutenberg.org
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-This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
-including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
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