summaryrefslogtreecommitdiff
diff options
context:
space:
mode:
authornfenwick <nfenwick@pglaf.org>2025-01-27 22:06:41 -0800
committernfenwick <nfenwick@pglaf.org>2025-01-27 22:06:41 -0800
commitd90e91fd4c3c0131148e9d7008f53ad79f383b06 (patch)
tree30315cd6cfa15201f74ba6fc01f3f9bf47d7feb5
parentf60e5a258c90d714f3ddab8de411c6630addb0b7 (diff)
NormalizeHEADmain
-rw-r--r--.gitattributes4
-rw-r--r--LICENSE.txt11
-rw-r--r--README.md2
-rw-r--r--old/61327-8.txt4277
-rw-r--r--old/61327-8.zipbin62716 -> 0 bytes
-rw-r--r--old/61327-h.zipbin88282 -> 0 bytes
-rw-r--r--old/61327-h/61327-h.htm6636
-rw-r--r--old/61327-h/images/cover.jpgbin17450 -> 0 bytes
8 files changed, 17 insertions, 10913 deletions
diff --git a/.gitattributes b/.gitattributes
new file mode 100644
index 0000000..d7b82bc
--- /dev/null
+++ b/.gitattributes
@@ -0,0 +1,4 @@
+*.txt text eol=lf
+*.htm text eol=lf
+*.html text eol=lf
+*.md text eol=lf
diff --git a/LICENSE.txt b/LICENSE.txt
new file mode 100644
index 0000000..6312041
--- /dev/null
+++ b/LICENSE.txt
@@ -0,0 +1,11 @@
+This eBook, including all associated images, markup, improvements,
+metadata, and any other content or labor, has been confirmed to be
+in the PUBLIC DOMAIN IN THE UNITED STATES.
+
+Procedures for determining public domain status are described in
+the "Copyright How-To" at https://www.gutenberg.org.
+
+No investigation has been made concerning possible copyrights in
+jurisdictions other than the United States. Anyone seeking to utilize
+this eBook outside of the United States should confirm copyright
+status under the laws that apply to them.
diff --git a/README.md b/README.md
new file mode 100644
index 0000000..85d928c
--- /dev/null
+++ b/README.md
@@ -0,0 +1,2 @@
+Project Gutenberg (https://www.gutenberg.org) public repository for
+eBook #61327 (https://www.gutenberg.org/ebooks/61327)
diff --git a/old/61327-8.txt b/old/61327-8.txt
deleted file mode 100644
index 58c83d3..0000000
--- a/old/61327-8.txt
+++ /dev/null
@@ -1,4277 +0,0 @@
-The Project Gutenberg EBook of Ein Diwan, by Jehuda Halevi
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and most
-other parts of the world at no cost and with almost no restrictions
-whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of
-the Project Gutenberg License included with this eBook or online at
-www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you'll have
-to check the laws of the country where you are located before using this ebook.
-
-Title: Ein Diwan
-
-Author: Jehuda Halevi
-
-Translator: Emil Bernhard
-
-Release Date: February 6, 2020 [EBook #61327]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: ISO-8859-1
-
-*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK EIN DIWAN ***
-
-
-
-
-Produced by Jens Sadowski and the Online Distributed
-Proofreading Team at http://www.pgdp.net. This book was
-produced from images made available by the HathiTrust
-Digital Library.
-
-
-
-
-
-
- JEHUDA HALEVI
-
-
-
-
- EIN DIWAN
-
-
-
-
- Übertragen und mit einem Lebensbild
- versehen von Emil Bernhard
-
- ERICH REISS VERLAG / BERLIN
- 1921
-
-
-
-
- DIE DICHTUNGEN
-
-
-
- I. Gott:
- Du Quell des wahren Lebens 10
- Wenn die Sterne sich entzünden 10
- Du, Seele, willst ins Vaterhaus 11
- Mein Leib und Leben 12
- Um sein Antlitz alle Frommen flehen 14
- Gottes Hand wird dich beschatten 15
- Zu dir steht all mein Sehnen 15
- Hin nach meines Lebens Quelle 18
- Wenn du allein des Herren harrst 19
- Halt, o Herz! Wer darf sich wagen 20
- Knechte der Zeit: -- Knechte der Knechte! 22
- Tag und Nacht will ich den Herren loben! 22
- Jugend ist wie leichte Flocken 23
- Mein Gott, ich will dich ehren 24
- Bevor du mich geschaffen 27
- Ruhig, ruhig, liebe Seele! 28
-
- II. Israel:
- Wahrheit, ich liebe dich aus ganzer Kraft 30
- Sonn' und Mond im Wechsel der Geschlechter 30
- Sei stark und harre deiner Zeit! 31
- Seit du das Heim der Liebe bist 32
- Entfessle deine rechte Hand 32
- In deinem Lichte schläft aller Glanz 33
- In deinem Haus zu ruhen 34
- Fauler, wirst du nicht erröten? 35
- Es blieben die Wunder, die herrlichen, fort 36
-
- III. Liebe:
- Ofra wäscht ihre Kleider 40
- Ich wiegt' auf dem Schoße 40
- Was drängt ihr mich also 40
-
- Abschiedsverse:
- Mein Lieb, wir müssen uns schicken 41
- Gedenke der Tage liebender Lust 42
- Ein Meer von Tränen zwischen uns rollt 42
- Ach, daß ich einst in dunklen Grabesräumen 42
- Du hast einen Mord begangen 42
- Willst du wirklich meinen Tod? 43
- All' meine Tränen blieben 43
- Zwischen Bittre, zwischen Süße 44
- Aller Reichtum dieser Welt 44
- Der Frauen Ehre ist ihr edles Tun 44
- Viel tausend Garben stehen 44
- Unter deinen leichten Füßen 45
- Deine Stimme hör' ich nimmer 45
- Mein Herz wird bitter 45
- Wach doch auf aus deiner Ruh 45
- Wie die Sonne über Sphären schreitet 46
-
- Zum Ruhme der Braut:
- Das Silber läßt sich gründen 46
- Was wendet sie sich allerwärts 46
- Dein Gesicht voll Rosen eine Küste 47
- Wie zwei Abendwölfe fahren 47
- Keine Nacht besteht vor ihrem Lichte 47
- Zeigte Liebchen mir die Wangen 48
- Liebe Sänger, singt den Trauten 48
- Was geht noch auf die Sonne 51
- Mög' des Paares holder Bund 52
-
- IV. Freundschaft:
- Fein sänftlich, Freund, bin nicht von Erz 54
- Sehnt sich deine Seele noch 54
- Viele schon in meinem Herzen schufen 56
- Wir kennen Abschied, dich von alten Tagen 57
- Ist's der Myrrhe zartes Düften? 61
- Dieser Schlummer möge währen 61
- Trank die Erde wie ein Kindlein 62
-
- V. Leben, Leiden, Dichten:
- Eine Taube schluchzt vom Zweige 68
- Sie besuchten mich im Traume 72
- Und als nun alle war mein Gold 73
- Siehe, Menschensohn, siehe 73
- Kann dich Reichtum locken, Herz? 73
- Freue dich vor deinem Nächsten 74
- Weh der Kunde, die im Ohre gellt 74
- Du meinst, das Dichten sei mir ein Beruf? 75
- Nimm dieses Lied aus deines Freundes Hand! 75
- Seh' ich, wie Narren 76
- Augen auf, mein Liebster traut 76
- Zwei Rätsel 76
-
- VI. Zion:
- Zion, willst du nimmer wieder (Zionide) 80
- Im Orient ist mein Herz, im Okzident 85
- Komm mit mir gen Zoan 85
- Es war ein Tag so sehnsuchtsvoll 86
-
- VII. Das Meer:
- Der Sturm 88
- Holder Zephyr, deiner Lüfte 93
- Kommt die große Flut mit einem Mal? 95
-
- VIII. Letzte Tage:
- In Aegypten 98
- Hat die Zeit das Kleid des Leides 98
- Wollt ihr Liebes mir vergelten 99
- Dein Wunder geht durch alle Zeit 100
-
- Jehuda Halevi, seine Zeit, sein Leben und sein Schaffen 101
-
- Quellennachweis 139
-
-
-
-
- I.
- GOTT
-
-
-
- Du Quell des wahren Lebens,
- Wie lauf' ich nicht nach dir?
- Hab' alles aufgegeben;
- Das irre, wirre Leben,
- Was ist es mir?
-
- Nur dich, nur dich zu schauen,
- Sehnt meine Seele sich:
- Vor dir nur will ich beben,
- Kenn' keine Kraft im Leben
- Als deine, Herr, als dich.
-
- Könnt' ich im Traum dich finden,
- Wie gerne schlief ich ein:
- Wollt nimmer auferstehen,
- Nein, schlafen, träumen, sehen --
- Und stille sein.
-
- Könnt' dich im Herzen schauen
- Dein armes Erdenkind: --
- Hätt' ich dich nur da drinnen,
- So jauchzte all mein Sinnen
- Und gerne wär' ich blind!
-
-
-
- Wenn die Sterne sich entzünden,
- Spür' ich wieder Sommertage:
- Gartenpracht in Waldesgründen,
- Paukenschlag und Flötenklage.
-
- Wieder kehrt zum Arm die Spange,
- Goldener Ring, er kehrt zum Ohre,
- Gottes Haus, daß es empfange,
- Oeffnet meinem Haus die Tore.
-
- Alle meine Pforten münden
- Wieder ein in seine Pforte,
- Und aus tiefsten Herzensgründen
- Kehr' ich heim zu meinem Horte.
-
- Ach, da läßt denn meine Seele
- Jubelnd seinen Namen klingen: --
- Und sein Ruhm in meiner Kehle,
- Und mein Mund beginnt zu singen!
-
-
- AN DIE SEELE
-
- Du, Seele, willst ins Vaterhaus,
- Im Traume schwingst du dich zur Höhe:
- Kein Traum nimmt dir dein tiefes Wehe,
- Dein Heimweh aus der Brust heraus.
-
- Der Traum vergeht, dir bleibt die Qual,
- Die Liebesqual, ihn zu erflehen
- Und dennoch fern ihm zu vergehen,
- Weil sich verhüllt sein heller Strahl.
-
- Und doch vergehst du nicht zum Tod,
- Allein zum freudigen Erheben,
- Denn nicht zum eitlen Wahn, -- zum Streben
- Sandt' in die Welt dich sein Gebot.
-
- Du gingst und brachst im Lebensgang
- Der Weisheit Siegel auf und Quellen,
- Und tief hinab in ihre Wellen
- Dein durstig heißes Auge sank.
-
- Und sank hinab und sog sich ein
- Die Weisheit, die du dir erkoren,
- Und der du hundertmal geschworen:
- -- »Ich laß dich nicht! Ich bleibe dein!«
-
-
-
- All meine Gebeine sprechen:
- _Herr, wer ist wie du?_
-
- Mein Leib und Leben
- Das stammt von dir,
- Durch dich sich regen
- Die Glieder mir;
- Mit Herzensgaben,
- Mit Lied und Sang
- Sie zu dir dringen
- Und opfernd bringen
- Sie meinen Dank.
-
- Es kam die Seele
- Aus deiner Hand,
- Der Wimper Leuchten
- Aus deinem Land;
- Aus deinem Rätsel
- Mein Sinnen quoll,
- Vor mir als Zeichen
- Stehst ohne Gleichen
- Du wundervoll.
-
- Wenn meine Liebe
- Dich ruft im Schmerz,
- Dich findet sicher
- Mein tiefstes Herz.
- Doch jedes Sinnen
- An dir sich bricht:
- Der Brust Gedanken,
- Der Träume Schwanken
- Ermißt dich nicht.
-
- Für uns bereitet
- Ein Banner steht,
- Dem, der dich sucht
- Ein Wimpel weht.
- Du bist den Treuen
- Nimmer versteckt,
- Nur, ach, die Sünde
- Mit dunkler Binde
- Das Auge deckt.
-
- Was ich erdichtet,
- Hast du erschaut
- Vom Tage, da du
- Meine Säulen erbaut;
- Du bist's, der mir
- Das Herz bezwingt:
- Dunkelstes Achten,
- Geheimstes Trachten
- Nicht zu dir dringt.
-
-
-
- Um sein Antlitz alle Frommen flehen,
- Alle wollen seine Gnade sehen,
- Seiner Liebe jungen Regenguß;
- Ist er selbst auch in den fernsten Weiten,
- Steht uns seine Liebe doch zur Seiten,
- Seiner großen Werke Ueberfluß.
-
- All sein Licht zu sehn, sind alle trunken;
- Aber finden sie den kleinsten Funken,
- Zittert schon ihr armes Herze ganz.
- Müssen seinem Reiche sich ergeben,
- Seinen Namen müssen sie erheben,
- Und in diesem Namen selig leben, --
- Selig preisen seinen Glanz.
-
-
-
- Gottes Hand wird dich beschatten,
- Wird dir Decke sein und Hülle,
- Wenn in Redlichkeit und Stille
- Du dich birgst in seinem Schatten.
-
- Nimmer wird dein Fuß ermatten,
- Deine Hand bleibt stark hinieden:
- Suche, Seele, nur den Frieden,
- Frieden wird er dir erstatten.
-
-
-
- Zu dir steht all mein Sehnen,
- Wenn auch die Lippe schweigt:
- Nur einmal möcht' ich werben
- Um deine Gunst und sterben,
- Wenn sie sich mir geneigt.
-
- Nimm meinen Geist zu Händen:
- Ich schliefe fröhlich ein!
- Ach, ohne dich mein Leben
- Ist Tod, doch du kannst geben:
- Mein Tod wird Leben sein!
-
- Nur weiß ich nicht zu beten,
- Wie ich wohl beten soll:
- Lehr' mich, wie man dich findet!
- Wenn mich die Torheit bindet,
- Erlös' mich gnadenvoll!
-
- Lehr' mich, das Haupt zu beugen,
- Solang mein Herz es faßt:
- Verwirf mich nicht auf Erden,
- Damit ich nicht muß werden
- Mir selber eine Last!
-
- Damit der Tag nicht komme,
- Wo alles auf mich drückt,
- Und gegen alles Trutzen
- Mein Herz sich ohne Nutzen
- Nun bücken muß und bückt!
-
- Daß mein Gebein dann welkte
- Und trüg' mich nimmer fort,
- Und ich dann wandern müßte
- Zu einer andern Küste,
- Zu meiner Väter Ort. --
-
- Ein armer Wandrer wall' ich
- Hin übers Erdenrund.
- Bin fremd auf allen Steigen,
- Mein ganzes Erb' und Eigen
- Liegt drunten in dem Grund.
-
- Bis jetzt sorgt meine Jugend
- Noch für ihr Erdenteil:
- Wann endlich kommt der Morgen,
- Da meine Seele sorgen
- Wird für ihr Seelenheil?
-
- Die irdische Beschwerde,
- Die Gott ins Herz mir gab,
- Mich so in Ketten brachte,
- Daß nie ans Ende dachte
- Mein Herz und übers Grab.
-
- Wie kann sein Knecht ich heißen,
- Ich, aller Lüste Knecht?
- Wie kann ich höher streben?
- Schon morgen muß ich leben
- Mit Bruder Wurms Geschlecht.
-
- Kann ich denn Festtags lachen?
- Weiß ich, was morgen ist?
- Der Tag, die Nacht, die Stunde
- Verfolgen mich wie Hunde
- Und fällen mich mit List.
-
- Mein Geist verweht im Winde,
- Mein Leib fällt in den Sand:
- Ich muß es schweigend tragen,
- Die Triebe selber jagen
- Mich ja ins Totenland! --
-
- Was bleibt mir noch im Leben
- Als deine Gunst allein?
- Willst du mein Teil nicht bleiben,
- Was soll ich hier noch treiben?
- Wo wird mein Teil dann sein?
-
- Ich hab' nicht gute Werke,
- Ganz nackt und bloß ich bin:
- Nur dein gerechter Willen
- Kann wie ein Mantel hüllen
- Den makelvollen Sinn.
-
- Was soll ich noch erbitten
- Von dir, mein einz'ger Hort? --
- Was soll ich noch erwähnen?
- Zu dir steht all mein Sehnen:
- Das ist mein letztes Wort.
-
-
-
- Hin nach meines Lebens Quelle
- Immer mich mein Sehnen trage,
- Bis mich an des Grabes Schwelle
- Niederlegen meine Tage.
-
- Möcht' die Seele weise werden!
- Heut noch hascht sie nach dem Winde:
- Und ist doch mein All auf Erden,
- Priesterteil und Angebinde.
-
- Möcht' mein Herz sich wach erweisen,
- Fröhlich auf das Ende sehen:
- Jener Tag mag Schlummer heißen,
- Doch er ist ein Auferstehen;
-
- Jener Tag nach meinen Toden,
- Wo er richtet meine Fehle,
- Wo er meinen Geist und Odem
- Zieht in seine ew'ge Seele.
-
-
-
- Wenn du allein des Herren harrst,
- Was ängsten dich die Zeiten?
- Lebt er in deiner heißen Brust,
- All irdisch Leid, all irdisch Lust,
- Was kann es dir bedeuten? ...
-
- Doch nein, du liegst im dunklen Grab
- Und willst es nicht erkennen,
- Du liegst in deiner Sinne Nacht
- Und kannst -- kein Licht im finstern Schacht --
- Nicht Gut und Böse trennen.
-
- Es kommt der Tod: So wähle doch
- Des wahren Weges Breite!
- Ach, Seele, geh doch geradezu,
- Was irrst und läufst und taumelst du
- Zur recht' und linken Seite?
-
- Die Wahrheit wähle! Tu es, tu's!
- Denk, wie die Zeiten lügen!
- Laß dich nicht irren dort und hie,
- Betrüge sie, betrüge sie,
- Bevor sie dich betrügen.
-
- Ach, gute Seele, siehe zu,
- Ein Künft'ges zu erwerben:
- Gib alles hin mit leichtem Mut,
- Gib hin den Erben all dein Gut,
- Und werde selbst zum Erben!
-
-
-
- Halt, o Herz! Wer darf sich wagen
- In des Herzenwägers Haus?
- Hüte dich, den Blick zu tragen
- In sein dunkles Reich hinaus.
- Wagtest du das frevle Abenteuer,
- Griffe dich ein flammenwildes Feuer.
-
- Lasse ab, dir zu erzwingen
- Seiner Rätsel dunkle Welt,
- Denn du hast kein Recht, zu dringen
- In die Tiefe, die ihn hält:
- Fort mit dir aus seinen ew'gen Hallen,
- Denn du darfst nicht unter Engeln wallen!
-
- Ihm befiehl du deine Wege,
- Daß er dir zur Seite bleibt,
- Ihm vertraue deine Stege,
- Wenn es dich ins Irre treibt!
- Mag dich Lust betören, Leid berühren:
- Er wird dich im rechten Gleise führen.
-
- Walle nicht die ird'schen Ziele,
- Gottes Zielen walle zu!
- Fürsten sind auf Erden viele,
- Doch nur einem diene du!
- Alle andern sind nur Knechtesknechte,
- Ihre Launen bleiben ihre Mächte.
-
- Einer nur, ein Ruhmesreicher,
- Nimmt dich an die ew'ge Brust,
- Trägt dich, ach, in wunderweicher
- Vaterhand zur höchsten Lust:
- Lerne eitlem Freundesrat entsagen,
- Lasse dich in seinem Lichte tragen!
-
- Er sei: deiner ersten Ernte
- Erste Frucht, dein höchstes Fest!
- Wenn die letzte sich entfernte,
- Dann sei er der letzte Rest:
- Deine Reue werde zum Altare,
- Werde deiner Sinne Flammenbahre!
-
- Jedem ist er ein Berater,
- Der in seiner Nähe wacht,
- Aber dem auch bleibt er Vater,
- Der die letzte Reise macht.
- Frage nicht und lass dich nicht verführen,
- Lausche still an seinen letzten Türen!
-
- Was er spricht, muß sich erfüllen,
- Sei's zum Leben oder Tod,
- So wie einst auf seinen Willen
- Kam das erste Morgenrot:
- Und er sprach: -- und alle Schatten scheuchten!
- Und er sah: -- es war ein herrlich Leuchten!
-
-
-
- Knechte der Zeit: -- Knechte der Knechte!
- Aber der Freie, der einzig rechte,
- -- Auch ein Knecht -- dienet dem Herrn.
-
- Wähle sich jeder sein Teil!
- Mein Teil aber und Heil
- -- Spricht mein Herz -- bleibet der Herr.
-
-
-
- Tag und Nacht will ich den Herren loben!
- Seiner Gnade Antlitz ließ er leuchten,
- Fenster brach er aus an Himmelswänden,
- Sonnen gab er, die uns Strahlen spenden,
- Strahlen, die die Finsternisse scheuchten.
-
- Doch er gab mir mehr: Von seinem Glanze
- Gab er mir, ich hab es froh genommen;
- Durfte seines Geistes Regen spüren,
- Ließ mich gern auf lichten Wegen führen,
- Wegen, die vom Sinaï gekommen.
-
- So war sein Gesetz in meinem Munde,
- Daß mich Honig seine Worte deuchten;
- Und in seiner Lehre lichten Flammen
- Jauchzte ich die ganze Welt zusammen: --
- -- Brüder, seht, wie meine Augen leuchten!
-
-
-
- Jugend ist wie leichte Flocken,
- Bald verweht vom ersten Wind;
- Sieh auf deine schwarzen Locken!
- Hast du es noch nicht vernommen?
- Weiße Boten angekommen:
- Und du schläfst, mein Weltenkind?
-
- Vöglein schüttelt sich am Morgen
- Von dem nächt'gen Silbertau;
- Also schüttle ird'sche Sorgen,
- Liebe Seele, dir vom Flügel,
- Steige über Strom und Hügel
- Lerchengleich ins Himmelblau.
-
- Freiheit wirst du droben finden
- Von dem Brausestrom der Tage:
- Liebe Seele, darum jage
- Hinter Gottes Spuren dicht,
- Und im stillen Kreis von allen
- Seelen, die zum Herren wallen,
- Walle hin zum ew'gen Licht.
-
-
-
- Mein Gott, ich will dich ehren
- Und dein gerechtes Tun:
- Nur einmal braucht' ich hören
- Und glaube alles nun.
- Nicht fragen und erproben
- Will dich dein Erdensohn:
- Du großer Bildner droben,
- Darf meistern dich der Ton?
-
- Ich hab' dich manche Stunden
- Gesucht an manchem Ort,
- Ich habe dich gefunden
- Als Burg und Felsenhort.
- Du, der in klarem Feuer
- Dies Erdentum erhellt
- Und unverhüllt vom Schleier
- Durchstrahlt die schöne Welt.
-
- Sieh, alle Himmel preisen
- Dein Licht und deine Pracht,
- Da sie in ihren Kreisen
- Sich beugen deiner Macht;
- Die Engel, die da schweben
- Durch Feuer und durch Flut,
- Sie jauchzen und erheben
- Zu dir die heil'ge Glut.
-
- Zu dir, der alles führet,
- All diese Welten trägt,
- Und keinen Arm doch rühret
- Und keine Hand bewegt!
- Du, dessen Wunderwalten
- Die Höh' und Tiefe hält
- Und heiliger Gestalten
- Geheimnisvolle Welt.
-
- Wer kündet uns das Weben,
- Das alle Wolken treibt?
- Das tiefverhüllte Leben,
- Das ewig droben bleibt?
- Und doch will er sich neigen
- Dem Kinde dieser Welt
- Und läßt sein Leuchten steigen
- Hinab aufs Erdenzelt.
-
- Und läßt vor Seheraugen
- Sein ganzes Bild erstehn;
- Sonst mochte nie ihm taugen,
- Daß Menschen ihn ersehn.
- Was nie sich wollt' gestalten,
- Sein Bildnis oder Maß, --
- In königlichem Walten
- Prophetenauge sah's.
-
- Die ungezählten Werke,
- Wer zählt sie alle vor?
- Heil dem, der seine Stärke
- Zu gründen sich erkor!
- Heil dem, der all sein Hoffen
- Auf ihn allein gelegt,
- Ihn, der die Welt so offen
- In seinen Armen trägt!
-
- Heil, wer mit heil'gem Bangen
- Ihn fürchtet und bekennt
- Und dankbar im Empfangen
- Sein Recht auch Recht benennt!
- Wirkt er für seines Knechtes
- Glück und Gedeihen doch:
- Es kommt ein Tag des Rechtes
- Dem großen Gotte noch!
-
- O zittre du und denke
- Und lerne wachsam sein:
- In dein Geheimnis senke
- Dein ganzes Sinnen ein!
- Woher bist du gekommen?
- Wo ist dein Grund gelegt!
- Wer hat dich einst genommen?
- Wer hegt dich und bewegt? --
-
- Schau hin auf Gott und sende
- Die wache Seele aus,
- Doch strecke deine Hände
- Du nimmer nach ihm aus!
- Du kannst doch nimmer finden
- Sein Ende und Beginn,
- Und nie wirst du ergründen
- Den rätselhaften Sinn.
-
-
-
- Bevor du mich geschaffen,
- Hast du mich schon gekannt,
- Ich weiß, du wirst mich halten,
- Solang dein Geist wird walten
- In meiner Seele Land.
-
- Kann gehn ich, wenn dein Winken
- Mich an die Stelle zwängt?
- Kann ich denn bleiben stille,
- Wenn mich dein heil'ger Wille
- Mit Mächten vorwärts drängt?
-
- Was kann ich denn noch sagen?
- Mein Denken ist bei dir:
- Was ist denn all mein Wandeln,
- Was ist mein Tun und Handeln,
- Bist du nicht über mir?
-
- Ich kann dich ja nur suchen;
- Und du: -- Zur Gnadenzeit
- Erhöre mich in Milde,
- Und mach zu einem Schilde
- Mir deine Huld bereit!
-
- Erwecke mich am Morgen
- Und mache mich recht wach,
- Daß ich in frohen Weisen
- Hinwalle, hochzupreisen
- Dich unter deinem Dach!
-
-
-
- Ruhig, ruhig, liebe Seele!
- Wende dich zu Gottes Throne:
- Ird'sche Throne lasse liegen;
- Bist du erst emporgestiegen,
- Stiegest du zu ew'gem Lohne.
-
- Seele, gib dem Herrn die Ehre,
- Beuge dich ihm froh und gern:
- Droben unter Göttersöhnen
- Singe mit in Jubeltönen
- Deinem hochgelobten Herrn!
-
-
-
-
- II.
- ISRAEL
-
-
-
- Wahrheit, ich liebe dich aus ganzer Kraft
- Und tief aus meines Herzens Leidenschaft.
-
- Dich liebt mein jubelnd aufgetaner Mund,
- Dich meiner Brust geheimnisvollster Grund.
-
- Du bist mit mir, wie kann ich einsam sein?
- Du leitest mich, wie wandle ich allein?
-
- Du bist mein Licht, wie könnte ich verblinken?
- Und du mein Stab, wie könnt' ich niedersinken?
-
- Sie haben mich geschmäht, doch keiner wußte,
- Daß Schmach um dich mir Ehre werden mußte.
-
- Quell meines Lebens du, mein Leben lang
- Gilt dir mein Preis, mein Lied, mein Sang!
-
-
-
- Sonn' und Mond im Wechsel der Geschlechter,
- Tag und Nacht als ewge Wächter,
- So steht ewig Jakobs Same;
- Gottes Linke mag sie lassen,
- Gottes Rechte wird sie fassen:
- Ewges Volk, das ist und bleibt ihr Name.
-
- Ach, was fürchten sie und zagen
- In den schlimm und schlimmern Tagen,
- Daß ihr Herz am Zweifel bricht: --
- Glaubt an euer ewiges Bestehen,
- Allsolang nicht Tag und Nacht vergehen,
- Allsolang vergeht ihr selber nicht!
-
-
-
- Sei stark und harre deiner Zeit!
- Was drängst du so, noch ist sie weit,
- Was soll das wilde Bangen?
- O bebe nicht und sei ein Held!
- Und singe, siehst du doch mein Zelt
- Bei deinen Zelten prangen!
-
- Und wenn sie spotten, du sei still!
- Und wenn du hörest ihr Gebrüll,
- Laß es dich nicht bewegen:
- Führ' deine Herde sanft dahin,
- Ich bin dein Gott, es ist mein Sinn,
- Das Joch dir aufzulegen.
-
- Ich bin es auch, der dich erhört,
- Und der den Balsam dir beschert,
- Da deine Wunden brennen.
- Auch dank ich dir, wie du mich liebst,
- Daß du mir all dein Sehnen gibst,
- Erlöser mich zu nennen.
-
- Doch eile nicht und dränge nicht,
- Da du den Arm im Strafgericht
- Mir siehst gewaltig werden.
- Und dem, der ird'sche Herren preist,
- Dem sage, was du selber weißt:
- Gott ist mein Herr auf Erden!
-
-
-
- Seit du das Heim der Liebe bist,
- Kehrt meine Liebe bei dir ein,
- Und meiner Feinde Drang und List
- Soll deinetwegen süß mir sein:
- Sie mögen mich nur schrecken!
-
- Sie lernten deinen Grimm von dir,
- Sie jagten den, den du verjagt: --
- Soll ich sie hassen denn dafür,
- Der selbst sich nicht zu lieben wagt,
- Da du ihn nicht mehr liebest?
-
- Bis einst verwunden alle Qual,
- Vorüber aller Stürme Macht,
- Und du dem Volke deiner Wahl,
- Das du erlöst aus mancher Nacht,
- Erlösung wieder sendest.
-
-
-
- Entfessle deine rechte Hand
- Und sende sie hinab ins Land,
- Daß sie dein Volk erfasse!
- Ist sie zu kurz? Beherrscht denn dich
- Das Schicksal ebenso wie mich
- Und alle auf der Gasse?
-
- Die Sonne braust in ew'gem Kreis,
- Es steht der Mond auf dein Geheiß.
- Dein Wort ist ihre Klammer.
- Dein Wort nur ihre Ketten bricht,
- Und all ihr Gold- und Silberlicht
- Es ruht in deiner Kammer.
-
- Da stehen sie in deinem Schein,
- Die Sterne all, und harren dein,
- Das sie dein Wille richte!
- Und fühlen tief und fühlen ganz:
- Von deinem Glanze ist ihr Glanz,
- Ihr Licht von deinem Lichte.
-
-
-
- In deinem Lichte schläft aller Glanz:
- Dein Volk auf finstern Wegen reist,
- Und ihrem Sehnen, lang gehegt,
- Der Frevel in die Ferse beißt.
- Doch still: Darüber leuchtet rein
- Wie Sonnenglanz im Morgenschein
- Das schönste Licht.
-
- O Vater, um ihr wildes Haupt
- Schling' einen Schleier silberklar,
- Und statt des armen Bettelkleids
- Reich ihnen einen Purpur dar.
- Gieß aus dein Licht zum zweitenmal
- Wie einst am ersten Tag den Strahl:
- Es werde Licht!
-
- Hoch dein Panier den Wankenden!
- Dein Engel schreite nun voran
- Und lege den Erlösten bloß
- Zum Siegeszug die freie Bahn!
- O segne sie der Gnaden voll,
- Doch in Verdammnis sinken soll
- Des Lichtes Feind!
-
- So wie ein Knecht nach Schatten lechzt,
- Lechzt Israel: Erlös' es nun!
- Und ruf' ihm zu: Wie lange noch
- Willst du im düstern Hause ruhn?
- Sag' an, wie lang? Sag' an, wie weit?
- Auf, leuchte! Denn es kommt die Zeit:
- Dein Leuchten kommt!
-
-
-
- In deinem Haus zu ruhen,
- Gibt es wohl süßre Rast
- Dem Volk, in dessen Reihen
- Du deine Ruhe hast?
-
- Du, der auf Weltenhöhen
- So unermeßlich thront
- Und doch im Herz des Armen
- Und des Gebeugten wohnt:
-
- Dich faßt nicht Himmelshöhe,
- Die dich zu fassen wähnt,
- Und wenn sie bis zum Horeb
- Die ewgen Kreise dehnt.
-
- Dein Weg, der ist so nahe
- Und doch so fernehin:
- Und alles, was du bildest,
- Hat seinen Zweck und Sinn.
-
- Selbst meiner Seele Trachten,
- Das sendet mir mein Hort,
- Und wenn die Lippe redet,
- So ist's ein Gotteswort.
-
-
-
- Fauler, wirst du nicht erröten?
- Schläfst bis in den Tag hinein?
- Hörst du nicht aus tiefsten Nöten
- Fremde Völker zu ihm schrein?
-
- Schon mit ganzem Herzen dienen
- Ihm, die nie ihn noch gekannt:
- Und die ihm die Liebsten schienen,
- Die verstecken sich im Land?
-
- Auf, schon tagt es fern im Osten,
- Auf, du Schläfer, aus der Ruh!
- Fremde stehen auf dem Posten,
- Und da träumest du? --
-
-
-
- Es blieben die Wunder, die herrlichen, fort,
- Gott Elijahus, wo ist dein Ort?
- Wir hörten dein Wort, wir schrieen empor,
- Schon tausend Jahre ist taub dein Ohr: --
- Gott Elijahus, wo bist du?
-
- Schloß Elijahu des Himmels Trauf',
- Riß Elijahu den Himmel auf:
- Wasser und Feuer fiel von den Höh'n,
- Karmel und Kison haben's gesehn:
- Gott Elijahus, wo bist du?
-
- Sprach Elijahu zum Krügelein,
- Setzte er quellenden Segen darein;
- Ließ er den Toten vom Bette stehn:
- Wer hat es gehört? Wer hat es gesehn? --
- Gott Elijahus, wo bist du?
-
- Spritzt' Elijahu in feindliche Reih'n
- Flammendes Feuer und Funken hinein,
- Sechs Wochen fastet' er Tag und Nacht, --
- Dann haben die Raben ihm Brot gebracht: --
- Gott Elijahus, wo bist du?
-
- Fuhr Elijahu im Sturme auf,
- Feurig raste der Räder Lauf:
- »Vater, Vater!« Elisa schrie,
- Elijahu war fort, man sah ihn nie: --
- Gott Elijahus, wo bist du?
-
- Elisa blieb und ging fürbaß,
- Er ging durch den Jordan und wurde nicht naß.
- Die Männer sahen's und staunten da:
- Elisa wie Elijahu geschah. --
- Gott Elijahus, wo bist du?
-
- Elijahu ist fort, doch -- -- wir sind da,
- Dulden und leiden ferne und nah;
- Versprochene Zeichen neben uns stehn: --
- Wann werden wir deine Wunder sehn?
- Gott Elijahus, wo bist du?
-
-
-
-
- III.
- LIEBE
-
-
-
- Ofra wäscht ihre Kleider
- In meiner Tränen Flut,
- Ofra trocknet die Kleider
- An ihres Auges Glut.
-
- Ofra braucht keine Bronnen
- Bei meines Auges Quell,
- Ofra braucht keine Sonnen,
- Denn ihr Auge ist hell.
-
-
-
- Ich wiegt' auf dem Schoße
- Den Liebsten so schön,
- Da sah er sein Bildchen
- Im Auge mir stehn.
-
- Der Schelm! Sieh, da küßt' er
- Mein Auge so wild:
- Mein Auge nicht küßt' er,
- Er küßte sein Bild.
-
-
-
- Das Mädchen spricht:
- Was drängt ihr mich also,
- Ihr Frager, ihr flinken,
- Im Meere der Liebe
- Da sollt' ich versinken.
-
- Da trat seine Sohle
- Zum donnernden Strande: --
- Da ging ich im Meere,
- Als ging ich im Lande.
-
- Der Knabe spricht:
- Im Garten der Schönheit
- Erwarbst du ein Land,
- Das grenzenlos reicht
- Bis zum ewigen Strand.
-
- Und wolltest die Sterne
- Zum Schmucke du han,
- Sie sprängen dir gerne
- Von himmlischer Bahn.
-
-
- ABSCHIEDSVERSE
-
-
- 1
-
- Mein Lieb, wir müssen uns schicken,
- Nun scheid' ich aus dem Tal:
- Laß dir ins Auge blicken
- Zum allerletzten Mal!
-
- Ich fürcht', ich kann nicht zwingen
- Das Herz in sein Revier:
- Heraus wird es mir springen
- Und laufen hinter dir.
-
-
- 2
-
- Gedenke der Tage liebender Lust,
- Und ich will denken der Nächte:
- Wie du mir ziehst durch die träumende Brust,
- Auch ich, auch ich
- Durch deine Träume möchte.
-
-
- 3
-
- Ein Meer von Tränen zwischen uns rollt,
- Ich kann nicht hinübereilen;
- Doch wenn deine Liebe herüber wollt',
- -- Die Wogen würden sich teilen.
-
-
- 4
-
- Ach, daß ich einst in dunklen Grabesräumen
- Den Ton des Glöckleins über mir erlauschte,
- Das leise klingt an deinen Kleidersäumen!
-
- Ach, daß ich noch im Tode mich berauschte,
- Wenn du mich grüßt und fragst in meinen Träumen,
- Und ich dann Gruß und Frage mit dir tauschte!
-
-
- 5
-
- Du hast einen Mord begangen,
- Darum verklag' ich dich:
- Deine roten Lippen und Wangen
- Die sollen zeugen für mich!
-
- Deine roten Lippen und Wangen,
- Was sind sie denn so rot? --
- Nun mußt du schweigen und bangen:
- Mein Blut auf deinen Wangen,
- Das zeugt von meinem Tod.
-
-
- 6
-
- Willst du wirklich meinen Tod?
- Ach, ich bete nur um Leben,
- Um es jung und frisch und rot
- Deinen Jahren zuzugeben.
-
- Ach, du raubtest mir die Ruh'
- Meiner Nächte, süße Fraue!
- Leg' sie dir auf deine Braue:
- Schlummre, schlummre du!
-
-
- 7
-
- All' meine Tränen blieben
- Im Feuer deiner Lust,
- All' deine Tränen zerrieben
- Die Steine in meiner Brust.
-
- Durch Feuer und Wasser zusammen
- Schritt mein zitterndes Herz:
- Das waren deine Flammen,
- Das war mein weinender Schmerz.
-
-
- 8
-
- Zwischen Bittre, zwischen Süße
- Muß mein Herz sich jetzt bequemen:
- Honig sind mir deine Küsse,
- Bitter ist das Abschiednehmen!
-
-
- 9
-
- Aller Reichtum dieser Welt
- Ist mir eitel Trug,
- Deiner Lippen rote Schnur,
- Deiner Lenden Gürtel nur
- Wäre mir genug.
-
- All mein süßer Honig fließt
- Dort, wo ich dich küßte,
- Meiner Narde sich ergießt,
- Alle meine Myrrhe sprießt
- Rund um deine Brüste.
-
-
- 10
-
- Der Frauen Ehre ist ihr edles Tun,
- Doch alles Tun veredelt sich durch dich.
-
-
- 11
-
- Viel tausend Garben stehen
- Wohl in der Liebe Tal:
- Vor deiner Garbe beugen,
- Vor deiner Garbe neigen
- Sich alle allzumal.
-
-
- 12
-
- Unter deinen leichten Füßen
- Heimlich süße Keime sprießen,
- Balsamknospe, Myrrhenblüt':
- Möchte doch mein Leben glücken
- Nur so lange, bis ich pflücken,
- Sehen kann, wie alles blüht.
-
-
- 13
-
- Deine Stimme hör' ich nimmer,
- Aber leise hör' ich immer
- Klingen wie ein fernes Grüßen
- In den Tiefen meiner Seele
- Deine Kettchen an den Füßen.
-
-
- 14
-
- Mein Herz wird bitter,
- Da es gedenkt: --
- Noch hängt ja, hängt
- An den Lippen die Süße,
- Noch fühl' ich die Küsse,
- Die du mir geschenkt. --
-
-
-
- Wach doch auf aus deiner Ruh;
- Daß ich mich an deinem Bilde labe!
- Träumest du von Küssen, süßer Knabe? --
- Ich kann Träume deuten, du!
-
-
-
- Wie die Sonne über Sphären schreitet,
- Herrschst du in der Welt mit Kraft und Mut:
- Deine Augen wilde Pfeile schießen,
- Männerherzen Ströme Blutes fließen:
- Mädchen, deine Pfeile treffen gut.
-
- Wilde Blumen stehn in deinem Garten,
- Rote Blumen, die das Pflücken wert:
- Doch du stelltest zu des Gartens Schutze,
- An die Pforte stelltest du zum Trutze
- Hin das zuckende, das Flammenschwert.
-
-
- ZUM RUHME DER BRAUT
-
-
- I
-
- Das Silber läßt sich gründen
- Im Schachte des Gesteins,
- Wer aber wollte finden
- Ein Liebchen so wie meins?
-
- Wie Städte fest verbündet
- Mit Mauern und Gestämm:
- Wie Tirza hochgegründet
- Und wie Jerusalem!
-
-
- II
-
- Was wendet sie sich allerwärts,
- Zu suchen ein Gezelt,
- Da doch mein großes, weites Herz
- Das Tor ihr offen hält?
-
-
- III
-
- Dein Gesicht voll Rosen eine Küste:
- Meine Augen knicken sie;
- Aepfel der Granate deine Brüste:
- Meine Hände pflücken sie.
- Hoch auf deinem Lippenpaare
- Lodern wilde Feuerschlangen:
- Meiner Küsse Feuerzangen
- Reißen sie mir vom Altare.
-
-
- IV
-
- Wie zwei Abendwölfe fahren
- Aus des Waldes dunklen Nächten,
- Also steigen aus den Haaren
- Dir zwei rabenschwarze Flechten.
-
- Doch da ist ein Licht, ein schnelles,
- Von der Wange eingedrungen,
- Und dein Antlitz steht wie helles
- Morgenlicht in Dämmerungen.
-
-
- V
-
- Keine Nacht besteht vor ihrem Lichte,
- Und ihr Licht erlöscht in keinem Dunkeln:
- Leuchtet es im Tagesangesichte,
- Wächst es an zu siebenfachem Funkeln.
-
-
-
- Zeigte Liebchen mir die Wangen,
- -- Mitternächt'ge Stunde war's --:
- Um die zarten Schläfen hangen
- Tief die Schleier ihres Haars.
-
- Von Rubinen hell umgossen
- Ihre frohe Wange war,
- Und vom klarsten Licht umflossen
- Schien die dunkle Locke gar.
-
- Wie die Sonne, wenn im holden
- Morgenstrahl die Flamme loht: --
- Dunkle Wolken werden golden,
- Dunkle Wolken werden rot.
-
-
-
- Liebe Sänger, singt den Trauten
- Holde Lieder zu den Lauten
- In dem schönsten Wechselsang!
- Singet den verhüllten Blicken,
- Die verstohlen schaun und nicken
- Durch des Fensters Seidenhang.
-
- Sie, die Keuschen hinter Gittern,
- Die da lernten von den Müttern
- Rein zu halten Herz und Leib;
- Und die doch mit Pfeilen spielen,
- Kindlich mit dem Bogen zielen
- Ahnungslosen Zeitvertreib.
-
- Weh, geschossen und getroffen!
- Klaffend steht die Wunde offen:
- Ach, sie ahnten keinen Harm;
- Sie, die nie an Schwerter rührten
- Und als einz'ge Waffe führten
- Ihren Alabasterarm.
-
- Sie, die Schwachen, Müden, Süßen,
- Die das Kettlein an den Füßen,
- Allzu schwer das Ringlein drückt;
- Deren Auge bei den Lasten
- Ihrer seidnen Wimperquasten
- Kaum ein stiller Aufschlag glückt.
-
- Aber wenn es einmal blicken
- Und empor zur Sonne schicken
- Seine heißen Flammen wollt',
- Schwarz verbrennen in der Ferne
- Würd' an diesem Feuersterne
- All der Sonne rotes Gold.
-
- »Werde Licht!« so spricht die Wange,
- »Werde Nacht!« die Lockenschlange
- Dieser holdgeliebten Schar.
- Ihre weißen Kleider hüllet
- Licht der Liebe, Nacht erfüllet,
- Leidesnacht ihr dunkles Haar.
-
- O ihr Leuchten meines Lebens,
- Ist mein Herz nicht eures Schwebens
- Firmamentisch Himmelszelt?
- Rollt ihr nicht in ew'gen Gleisen
- Und in immer neuen Kreisen
- Durch dies Herze, diese Welt?
-
- Ach, ihr zarten, freudereichen,
- Traubenschwerem Weine gleichen,
- Wie er Zweig und Wurzel trägt!
- Ach, ihr Lippen, Schönheitsboten,
- Wie ihr eure doppelt roten
- Polster um die Perlen legt!
-
- Zürne, Herze, nicht den Kecken,
- Wenn gar ihres Auges Necken
- Falsch aus falschem Fenster schaut:
- Diese Aepfel, wie sie hangen,
- Diese Lilien auf den Wangen
- Sind ein süßes Heilekraut.
-
- Sieh den Wuchs gleich einer Palme,
- Der gleich windbewegtem Halme
- Lieblich seine Hüften wiegt!
- Jedes Herze, mußt du wissen,
- Kaum gefangen, schon zerrissen
- Blutend ihr zu Füßen liegt.
-
- Soll man sie nun schuldig sprechen,
- Da sie nur, um sich zu rächen,
- Gegen unsre Herzen gehn?
- Für die Blumen, die wir Frechen
- Täglich von den Beeten brechen,
- Die in Wangenblüte stehn?
-
- Auf, zum Richter will ich schreiten:
- Seine Schwingen, seine weiten,
- Sind der Weisheit Schutz und Hort.
- Er, der über Tod und Leben
- Richtet, soll die Antwort geben:
- Still, er kündet Gottes Wort! -- --
- -- -- -- --
-
-
-
- Was geht noch auf die Sonne,
- Was leuchtet sie uns noch?
- Der Mädchen Allerschönste
- Verdunkelte sie doch.
-
- Magst, Sonne, du erröten
- Vor ihrem holden Glanz,
- Mag aus den Bahnen treten
- Der Sterne lichter Kranz!
-
- Was braucht die süße Taube
- Noch eure hohe Welt? --
- Sie macht die Myrtenlaube
- Sich selbst zum Himmelszelt.
-
-
- ZUR HOCHZEIT
-
- Mög' des Paares holder Bund
- Israel zum Segen frommen!
- Tu' das nächste Jahr uns kund,
- Daß ein neuer Stern entglommen.
-
- Daß in ihren Tagen dann
- Froh man meinem Volke kündet: --
- Des Erlösers Leuchte hat
- Gott dir angezündet.
-
-
-
-
- IV.
- FREUNDSCHAFT
-
-
-
- Fein sänftlich, Freund, bin nicht von Erz;
- Zürnst du noch lang, so bricht mein Herz.
-
- Bist du nicht Arzt? Was willst du noch?
- Unheilbar Weh, du heilst es doch!
-
- Trink Milch und Wein von meinem Mund,
- Um Wein und Milch mach' mich gesund.
-
- Mein ganzes Herz ist dir bestimmt:
- Greif zu, eh es ein andrer nimmt!
-
-
-
- »Sehnt sich deine Seele noch
- Nach der Jugend Borden,
- Da die dunkle Locke doch
- Lang schon weiß geworden?
- Soll das Leben für den Rest
- Dich noch lachen lehren,
- Da es reichlich dir entpreßt
- Bitterste der Zähren?
-
- Täglich gibst den Scheidebrief
- Du der Welt im Schmerze,
- Aber täglich widerrief
- Ihn dein schwaches Herze.
- Ob sie dir ins Antlitz spie
- Und verwarf dein Minnen,
- Stets durch neue Gaben sie
- Willst du dir gewinnen.
-
- Schon die weiße Taube küßt
- Dir den müden Scheitel;
- Fort der Rabe, und noch ist
- Jugend dir nicht eitel?
- Sag', wer soll die arme Brust
- Wieder dir verjüngen,
- Wird die lang verwehte Lust
- Noch einmal gelingen?
-
- Wer soll wieder deinem Fuß
- Güldne Kettlein geben,
- Deine Hand zum Freudengruß
- Auf die Zimbel heben?« -- --
- -- So fragt mancher, aber bloß,
- Wer das Aug' nie kannte,
- Das vom Westen, sonnengroß,
- Mir sein Leuchten sandte.
-
- Diese Sonne wird mich nicht,
- Nimmermehr versengen,
- Wird als Schmuck ihr Strahlenlicht
- Um den Hals mir hängen,
- Auge, auch dem Vollmond nicht
- Gleichst du, fühlt der Dichter:
- Der verliert sein mattes Licht,
- Du wirst immer lichter.
-
- Hast mir auch zurückgebracht
- Helle Jugendträume,
- Die ich weit und fern gedacht
- Längst in alle Räume.
- Und weil so dein heller Strahl
- Sprach ein neues »Werde!«
- Kann ich lieben noch einmal
- Diese schöne Erde.
-
-
-
- Viele schon in meinem Herzen schufen
- Sich ein Heim: -- Du sollst der Beste sein;
- Wird mein Herz dereinst die Freunde rufen,
- Sein Berufener bist du allein.
-
- Wenn ich über aller Sterne Schimmer
- Dann das Herz erhebe zu dem Firn,
- Find' ich überm hohen Himmel immer
- Höher noch und stolzer deine Stirn.
-
- Dehnend dann, um deine Kraft zu fassen,
- Dieses Herze weit und weiter dringt,
- Bis es grenzenlos dahingelassen
- Rauschend aus der Erdensphäre springt.
-
- Staune nicht, ob meines Herzens Schoße,
- Daß du ihn so tief, so groß empfandst:
- Mich laß staunen, daß du dieses große,
- Dieses Herze so erfüllen kannst.
-
-
- ABSCHIED
-
-
- 1
-
- Wir kennen Abschied, dich von alten Tagen:
- Kein Strom so alt als wie der Strom der Tränen,
- Und Unrecht ist's, die Zeiten anzuklagen: --
-
- Weh denen, die sie schlimm und schuldig wähnen!
- Kein Falsch ist droben bei dem höchsten Wesen,
- Die Sphären laufen nach gerechten Plänen.
-
- Auch ist schon alles einmal dagewesen,
- Die Hand des Herrn hat einmal nur geschrieben,
- Und neues ist hienieden nicht zu lesen;
-
- Wo seines Siegelringes Spur geblieben,
- Da blieb es, wie es war, und alles Neue
- Ist alt aus alter Zeit heraufgetrieben;
-
- Man küßt sich nur, daß man sich wieder scheue;
- Daß Völker sich aus einem Volk gebären,
- Brach man in alten Zeiten sich die Treue;
-
- Und wenn nicht jene alten Zeiten wären,
- Da sich die Menschen trennten ohne Reue,
- Die Welt wär' menschenleer und öd' geblieben.
-
-
- 2
-
- Und andre Dinge gibt's in diesem Leben,
- Der eine nennt sie gut, der andre schlecht,
- Fülle ist hier, doch Dürre liegt daneben;
-
- Der eine hat dem Leben abgeschworen
- Und wird zum Fluche gleich die Arme heben,
- Dem Tage fluchen, der ihn einst geboren.
-
- Demselben Tag, den andre wieder preisen,
- Und dessen Stunden ewig unverloren
- Hinrinnen ihm in lieblich frohen Gleisen.
-
- Den jungen Lippen und den lebensroten,
- Zu Honig werden ihnen alle Speisen,
- Den Kranken wird im Honig Gift geboten;
-
- Dem Kummervollen leuchten keine Sonnen,
- Sein Aug' schaut nie des Lichtes Wunderboten,
- Und alle Helligkeit ist ihm verronnen; --
-
- Mein Auge auch versank in dunklen Nächten,
- Aus seinem Grunde brachen heiße Bronnen,
- Als heute schied der Freund von meiner Rechten.
-
-
- 3
-
- Ihm rann der Weisheit Quell vom roten Munde,
- Es ruhte Gold in seiner Seele Schächten
- Und Edelstein im allertiefsten Grunde.
-
- Als ungezäumt noch seine Rosse standen,
- Saßen wir Herz an Herz im trauten Bunde
- Und froh in friedevollen Menschenlanden.
-
- Zwei Mütter haben uns dem Licht gegeben,
- Und doch wie Brüder uns die Menschen fanden,
- Denn Liebe einte uns zum Zwillingsleben.
-
- Auf grünem Hügel hat sie uns geboren,
- Wir lagen an den Brüsten süßer Reben,
- Als Wiege ward uns holder Duft erkoren. --
-
- Nun denk' ich dein auf ödem Hügelland,
- Das gestern, da es dich noch nicht verloren,
- In Blumenbeeten und in Düften stand;
-
- Nun hängen heiße Tränentropfen nieder
- Von meiner Wimper schwer benetztem Rand,
- Und jede Träne hängt im Blute wieder:
-
- Du bist dahin! -- Nun stehn auf deinen Wegen
- Wohl andre, singen auch wohl Friedenslieder,
- Doch weiß ich, wie sie Krieg im Herzen hegen.
-
- O fort mit ihnen! Ihre Zähne nagen
- An ekler Speise, während Mannaregen
- Und Süße einst auf deinen Lippen lagen.
-
-
- 4
-
- Grimm und Glut den übermüt'gen Narren,
- Die sich selbst für zehnmal weise halten
- All in ihres Geistes dürren Sparren;
-
- Ihre Götzen sind in ihren Hirnen
- Reinster Glaube, doch als Zauber galten
- Immer meines Glaubens klare Stirnen.
-
- Wie sie sä'n und ernten ihre Gaben!
- Wie sie jauchzen zu des Himmels Firnen,
- Wenn sie leeres Stroh gedroschen haben!
-
- Hört mich, Freunde, Neues will ich künden:
- Meine Perlen will ich tief vergraben,
- Lichter hab ich, die sie wiederfinden.
-
- Aber wenn die Narren zu mir kommen:
- »Zeig'uns doch den Schatz in deinen Gründen!« --
- Eine Antwort soll allein mir frommen: --
-
- Vor die Säue nimmer kommt mein Gold,
- In die Wüste -- habt ihr wohl vernommen? --
- Niemals meiner Wolke Regen rollt!
-
- Fort mit euch! Ich brauche nicht die Zeiten!
- Ach, als wenn die Seele brauchen sollt'
- Ihres Leibes eitle Nichtigkeiten!
-
- _Ihr_ braucht _mich_, der Leib die Seele immer:
- Halte er sie fest! Zum Sternenschimmer
- Wird sie sonst, er selbst zur Tiefe gleiten!
-
-
-
- Ist's der Myrrhe zartes Düften?
- Oder Duft vom süßen Moste?
- Oder ist es in den Lüften
- Myrtenduft auf leisem Oste?
-
- Sind es Tränen, die ich schaue,
- Tränen auf verliebten Wangen?
- Oder ist's im Morgentaue
- Rosenkelches Silberprangen?
-
- Ist's die Laute im Verstecke,
- Die ich leise spielen höre?
- Oder hinter jener Hecke
- Sind's die Nachtigallenchöre? --
-
- Oder ist das alles nur,
- All die Töne, all die Lichter,
- Des Erinnerns süße Spur
- An den weitberühmten Dichter? -- --
- -- -- -- -- -- -- --
-
-
- AN AARON BEN ZION ALAMANI
-
- Dieser Schlummer möge währen,
- Diese Träume mögen glücken:
- Zu dem Fürsten will ich wallen,
- Dem sich meine Garben bücken.
-
- Dessen Gaben hochzupreisen,
- Mund und Herz und Seele singen,
- Und aus dessen Liederquellen
- Meine eignen Lieder springen.
-
- Denn von seinen Lieblichkeiten
- Sind die meinen nur entwendet:
- Zürn' er nicht, daß all mein Sinnen
- Sich in ihm erschöpft und endet.
-
-
-
- Trank die Erde wie ein Kindlein
- Gestern noch an Wolkenbrüsten
- Winternaß auf allen Hügeln;
-
- Eingeschlossen manches Stündlein
- Träumte sie von Liebeslüsten
- Wie ein Bräutchen hinter Riegeln.
-
- * * * * *
-
- Kühle Riegel keuschen Eises;
- Doch die Träume alle flogen
- Zu dem nächtlich süßen Spiele;
-
- Aber als mit eins ein leises
- Frühlingswehen kam gezogen,
- War ihr Träumen schon am Ziele.
-
- * * * * *
-
- Güldner Beete zarten Schimmer
- Legt sie an und Blütendecken,
- Buntgewirkt und buntgerändert --
-
- Wie ein hübsches Frauenzimmer
- Täglich unter Scherz und Necken
- Neu sich kleidet und bebändert.
-
- * * * * *
-
- Täglich andre Farben, Blüten:
- Wie ein Mädchen, ein geküßtes,
- Blaß und rot im Liebeswallen.
-
- Farben, wie sie niemals glühten:
- Wie gestohlner Schimmer ist es
- Aus den ew'gen Sternenhallen.
-
- * * * * *
-
- Kommt zum Garten mit dem Weine,
- Laßt uns seine Gluten nippen,
- Die entflammt am Liebesglühen:
-
- Schneekühl in des Kelches Scheine
- Läßt er hinter roten Lippen
- Erst die große Flamme sprühen.
-
- * * * * *
-
- Aus der Nächte dunkler Halle
- Steigt empor die goldne Sonne:
- So der Wein aus seinen Krügen. --
-
- Her die blitzenden Kristalle!
- Schenkt ihn ein, den Saft der Wonne!
- Trinken wir in vollen Zügen! --
-
- * * * * *
-
- Wandelnd nun im kühlen Schatten
- Sehen wir im Sommerregen
- Tränen auf der Erde Wangen;
-
- Doch es freuen sich die Matten
- Dieser Perlen allerwegen,
- Die vom goldnen Halsband sprangen;
-
- * * * * *
-
- Freuen sich am Duft des Weines,
- An der Schwalbe, an der Taube,
- Die im Busche gurrt und flattert,
-
- Wie ein Mägdelein, ein feines,
- Hinterm Vorhang in der Laube
- Heimlich kichert, leise schnattert.
-
- * * * * *
-
- Aber meine Seele wittert,
- Ob vielleicht in Morgenlüften
- Duft vom fernen Freunde schwebe;
-
- Und im Wind die Myrte zittert,
- Gibt dem Wind ihr zartes Düften,
- Daß dem Freund er's weitergebe.
-
- * * * * *
-
- Und die Vögel singen tausend
- Lieder, und die Palmen mächtig
- Rauschend ihre Zweige schwingen:
-
- Hört mein Trauter, wie das brausend
- Anhebt, und sich alles prächtig
- Müht, ihm meinen Gruß zu bringen? -- --
- -- -- -- -- -- -- --
-
-
-
-
- V.
- LEBEN, LEIDEN, DICHTEN
-
-
-
- Eine Taube schluchzt vom Zweige: --
- Wird mir bitter weh zumute,
- Denn ich finde ihre Schmerzen
- In mir selber, und mein Schicksal
- Ist dem ihren zu vergleichen.
- Weint sie übers Heimatnestlein,
- Wein' ich meines armen Volkes;
- Weint sie über Scheiden, Meiden,
- Meiner Brüder in der Ferne
- Muß ich stöhnen; aber wenn sie
- Schluchzt um ihre jungen Tage,
- Heb' ich selber an die Klage
- Ueber aller Welt Vergehen.
-
- Abgehaun sind meine Zweige,
- Meine Wurzeln ausgerissen,
- Wie man ihr die Flügel stutzte;
- Allenthalben böse Fallen
- Drohen meines Schrittes Eile
- Wie die Sprenkel ihren Füßen;
- Und den Jäger muß ich fürchten,
- Wie sie selbst die flinken Pfeile.
-
- Wahrlich, Pfeile schnellt das Leben:
- Scheibe ward ich ihren Schützen,
- Und sie treffen in mein Blut
- Und vergießen meine Galle,
- Und in meine Wunden alle
- Werfen sie mir Gift und Glut.
- Stützte mich der Adel nicht
- Meiner unerschrocknen Seele,
- Wär' ich tot in dieser Fremde,
- Diesem Lande, dessen Tage
- Nächte sind und Todesschatten.
-
- Aber sie, die edle Seele,
- Steigt mir wie das helle Funkeln
- Einer Sonne, die nicht wendet,
- Nie sich neigt zum Abenddunkeln.
- Soll ich mich vor Menschen fürchten,
- Da in mir das stärkste Leben
- Solcher Seele ist, vor deren
- Mächten alle Mächte beben?
- Soll ich vor der Sorge zagen,
- Da ich aus der Weisheit Schächten
- Kann mir Diamanten schlagen?
- Hungre ich, sie reicht mir Früchte,
- Quellen meinem Durste springen;
- Einsam kann ich nimmer heißen,
- Da mir ihre Harfen klingen:
- Und mit Freunden Rede tauschen
- Brauch' ich nicht, kann ich nur lauschen
- Ihrer Worte weisem Singen.
- Sieh, in meines Griffel Schreiben
- Lebt mir Lautenspiel und Harfe,
- Und der Weisheit Schriften bleiben
- Gärtlein mir und Paradies.
-
- Redet nur zur Welt, zur schlimmen:
- Mag sie tun, was ihr gefällt;
- Härter doch als ihre Dornen,
- Stärker ist mein starkes Herz.
- Darf ich ihre Weine kosten,
- Will ich auch die Hefen nippen,
- Besseres verlang ich nicht.
- Denn erprobt ist meine Seele:
- Alle gift'gen Bitternisse
- Werden Honig meinen Lippen.
-
- Mag die Welt in harte Ketten
- Zehnmal alle Seelen zwingen,
- Zehnmal meine Seele retten
- Will ich aus den Eisenringen;
- Auf zu einem neuen Leben
- Will ich aus der Knechtschaft dringen,
- Will mich rein und frei entheben
- Ihrem trümmerreichen Sturz.
-
- Ihre Schönheit lockt mich nicht:
- Mag sie ihre Lichter stellen
- Flammend vor mein Angesicht,
- Ihre Säle, ihre hellen,
- Mögen andere berücken,
- Mir sind's Gräber, die ersticken;
- Ihren Reichtum, ihren Schimmer
- Laß ich gerne, so wie immer
- Gern die Seele läßt den Leib.
-
- Hat sie sich nicht selbst geschändet,
- Und ich sollte sie erheben?
- Da im Kote sie geendet,
- Zögre ich, sie hinzugeben?
- Schlecht geschlungen ist die Krone,
- Die aus ihrer Hand entlehnte,
- Und erröten unterm Hohne
- Müssen alle, die sie krönte.
-
- Doch es lebt in mir ein Glaube,
- Den ich nimmer lassen werde,
- Und ein Bund, den nimmer brechen
- Meine starke Seele wird.
-
- Auf ein Leuchten will ich blicken,
- Aus der Hand voll Glanz und Schimmer:
- O wer weiß, sie kann noch immer
- Ihre Morgenröte schicken!
- Tragen will ich, alles tragen,
- Meinen Kummer unterjochen;
- Denn ein einzig starkes Nu:
- Und die Kette ist gebrochen!
- Wecken wird mich meine Stunde,
- Meines Jammers jüngstes Tagen:
- Und so harre ich der Kunde,
- Gönne meinen Wimpern nimmer,
- Daß sich ihnen Schlummer böte,
- Immer an der Morgenröte
- Wimpern lasse ich sie hängen:
- Seelen, die sich selbst erheben,
- Seelen, die in Hoffnung leben,
- Gott wird ihre Tore sprengen!
-
-
-
- Sie besuchten mich im Traume,
- Wollten trösten, wollten laben;
- Doch versiegelt und vergraben
- Blieb ihr Trost im dunklen Raume.
-
- Und von allen ihren Lehren
- Hatt' ich nichts als Herzensdarben,
- Sah bei ihnen volle Garben
- Und bei mir die dürren Aehren.
-
- Ich von allen meinen Lieben
- Bin allein in meiner Kammer
- Heimgesucht von allem Jammer
- Aller Nöte Kind geblieben. -- --
-
- Was noch kann die Zeit mir geben?
- Such' ich, was ich nie erworben? --
- Ach, ich bin schon längst gestorben,
- Und ich hab' kein Recht zu leben!
-
-
-
- Und als nun alle war mein Gold,
- Hat sich der Freund davongetrollt.
- Ich lief ihm nach: O hab' Geduld!
- Was zürnst du mir?
- Was schuld ich dir?
- Da rief er lachend: Deine Schuld
- Ist klar:
- Bist du nicht arm? --
-
-
-
- Siehe, Menschensohn, siehe:
- Alles ist Tand!
- Ziehe aus, ja, ziehe
- Die bunten Kleider der Freude,
- Schlag um die Schultern das Trauergewand!
- Das wird zerfallen,
- Und wie's zerfällt,
- So du:
- Das ist von allen
- Den Mühn der Welt
- Dein letzter Teil --
- Die Ruh'!
-
-
-
- Kann dich Reichtum locken, Herz?
- Jagst du nach dem Glücke?
- Kennst du nicht der Zeiten Trug,
- All die falsche Tücke?
-
- Wer sich lange Schleppen macht,
- Kürzt sich seine Schritte,
- Strauchelt bei der schönsten Pracht
- Auf des Weges Mitte.
-
- Liegt denn nicht die schlimme Zeit
- Deinem Auge offen?
- Und du hoffst? -- O folge mir:
- Höre auf zu hoffen!
-
-
-
- Freue dich vor deinem Nächsten,
- Ueble Laune lasse schwinden,
- Und du wirst das Herz der Weisen
- Und den Rat der Klugen finden!
-
- Sei nicht schlecht und sei nicht dumm,
- Auch nicht allzusehr gerecht,
- Und erreichen wirst du alles,
- Was dein Herz sich wünschen möcht.
-
-
-
- Weh der Kunde, die im Ohre gellt: --
- Keine Wahrheit gibt's in dieser Welt,
- Dieser schlimmen Welt der falschen Wagen:
-
- Wenn ein Mann schon mit ihr leben will,
- Sie zur Gattin sich erheben will,
- Muß er sich mit einer Dirne plagen!
-
-
-
- Du meinst, das Dichten sei mir ein Beruf? --
- Lebendig faßt dein gutes Wort mich an;
- Doch sag' ich: Nein! Was je mir Freude schuf,
- War nur der Tropfen, der vom Eimer rann.
-
- Das Naschwerk nur, das ich am Herde fand,
- Das liebte ich, das hab' ich mir erwählt,
- Doch zu des Geistes Kränzen, die ich wand,
- Hab' ich mein leichtes Dichten nie gezählt.
-
- Und ist die Weisheit wie ein Meer so weit,
- Mein Lied ist nur der Schaum, der drüber weht:
- Nicht Mauern will ich türmen als Poet,
- Mein leichtes Ziel ist: Liebenswürdigkeit.
-
-
-
- Nimm dieses Lied aus deines Freundes Hand! --
- Zur letzten Reihe stellte ihn das Leben;
- Und als es endlich seine Reihe fand,
- War alles Glück der Welt schon längst vergeben.
-
- Auch er gehört zu der Berufenen Schar,
- Hat niemand seinen Namen auch geschrieben:
- Und wenn er selbst der Edelste nicht war,
- Er ist im Kreis der Edlen doch geblieben.
-
-
-
- Seh' ich, wie Narren
- Sich glücklich preisen,
- Seh' ich die Weisen
- Hungern und harren: --
- Schnell möcht' ich laufen,
- Den Verstand versaufen!
-
-
- BECHERSPRUCH
-
- Augen auf, mein Liebster traut,
- Was im Kelche blinkt:
- Schaue, eh' der Nachbar schaut!
- Trinke, eh' er trinkt!
-
-
- ZWEI RÄTSEL
-
-
- I
-
- Die Stirne von Eisen,
- Daß Brüder sich schieden;
- Die Zunge zu preisen:
- Sie macht wieder Frieden.
-
- (_Die Wage._)
-
-
- II
-
- 's ist ein Gefäß von ungemeßnen Tiefen,
- Doch faßt die kleinste Hand es gut;
- Und dennoch kann die Hand nicht prüfen,
- So nah sie kommt, was in ihm ruht.
-
- (_Der Handspiegel._)
-
-
-
-
- VI.
- ZION
-
-
-
- Zion, willst du nimmer wieder
- Die verbannten Kinder grüßen,
- Sie, die letzten deiner Herde,
- Die dich immer wieder grüßen?
- Osten, Westen, Süden, Norden,
- Alle Nähen, alle Weiten --
- Horch, von allen fernsten Borden
- Grüßt es dich:
- Höre sie, Zion!
- Höre auch mich!
-
- Armer Gefangener ich,
- Ich mit meinem Sehnen,
- Hermonstau meine Tränen!
- Hermonstau? -- O wären sie's nur,
- Daß ihrer Tropfen Spur
- Deine ewigen Höhen benetze!
-
- Ich aber, ein Tier der Wüste,
- Kann nur heulen ob deinem Falle;
- Nur, wenn im Traume die Zukunft mich grüßte:
- Heimwallende Scharen -- zum Liedeshalle
- Meine Schmerzen alle,
- Zur jubelnden Harfe waren.
-
- Um Bethel stöhnt mein Herz,
- Um Peniël muß ich weinen,
- Um Machanaïm und die reinen
- Stätten alter Gottesschau!
-
- Dort ließ der Herr sich finden
- Und wohnte im lichten Flor,
- Dort ließ dein Schöpfer münden
- Deine Tore ins schimmernde Wolkentor
- Hoch oben in ewiger Ferne:
- Und war deine Fackel und Leuchte und Licht,
- Und Sonne und Mond, sie leuchteten nicht,
- Und ach, wie bleichten die Sterne!
- Sein ewiger Geist ergoß sich dort
- Auf herrliche Kinder der Wahl:
- O könnte an jenem heiligen Ort
- Auch meine Seele immerfort
- Ergießen ihre Qual!
- O Königshaus! O Gottesthron!
- Wie darf ein Knecht und Knechtessohn
- Auf Heldenthronen prahlen?
-
- Könnte ich wandern über die Stellen,
- Wo der Herr sich so herrlich gezeigt,
- Wo er in Flammen sich, strahlenden, hellen,
- Deinen Priestern und Sehern geneigt!
- Flügel, wer gibt mir mächtige Flügel,
- Daß ich mich schwänge zum Lande der Lust,
- In eure Risse, ihr zackigen Hügel,
- Trüge die Risse der leidenden Brust.
- Oh, dann stürzte ich jubelnd nieder,
- Meine Arme griffen das Land,
- Streicheln würd' ich die Steine, die kalten,
- Schmeichelnd würd' ich dich fassen und halten --
-
- Du, der Heimat glühender Sand!
- Wie erst, stünd' ich dort an den Grüften,
- Die mir künden der Väter Gruß,
- Könnte durchwandern in Hebrons Lüften
- Stolzeste Gräber mein zagender Fuß!
- Oh, dann schritt' ich durch deinen Garten,
- Ginge waldüber nach Gilead,
- An deinen Bergen und Felsenwarten
- Staunt' ich die durstige Seele mir satt.
- Hor, Abarim, o ewige Wonnen!
- Mose und Aaron, begrabene Sonnen,
- Leuchten und Lehrer, wo finde ich euch?
-
- Seelenlabe sind deine Lüfte,
- O du hochgesegnetes Land,
- Deine Ströme sind Honigdüfte,
- Myrrhe spendet dein wirbelnder Sand.
- Doch das süßeste Sehnen für immer
- Bleibt bei deinen Hallen stehn,
- Zion, über deine Trümmer
- Möchte ich nackt und barfuß gehn:
- Sehen, wo die heilige Lade
- Am geheimsten Orte stand,
- Wo im stolzesten Flügelrade
- Man die goldenen Engel fand!
-
- Herunter das Haar vom lockigen Haupt,
- Herunter dir von der Stirne geraubt
- Des Reifes goldene Bande!
-
- Fluch dem Geschicke, Fluch der Zeit,
- Die heilige Häupter so schmählich entweiht
- In schmacherfülltem Lande!
-
- Essen und Trinken, wie kann es mir munden?
- Deine Löwen seh' ich zerbissen von Hunden,
- Deine Aare zerrissen von gierigen Raben --
- Licht des Tages, wie kannst du mich laben?
-
- Ha, du Becher des Grams,
- Fort mit dir, lasse mich los!
- Angefüllt ist meines Leibes Schoß
- Schon längst mit bitteren Gallen!
- Um Israel hob ich den Kelch zum Mund,
- Um Juda leert' ich ihn bis zum Grund,
- Kein Tropfen der Hefe gefallen!
-
- Zion, Zion, du Krone der Zeit,
- Schönheit und Liebe sind dein Kleid,
- So hältst du die Kinder gefangen;
- Sie lachen mit dir zur Lachenszeit,
- Sie stöhnen um dein bitteres Leid,
- Um dein Ende tropfen die Wangen.
-
- Sie schmachten aus Kerkersnöten empor,
- Sie neigen sich deinem ewigen Tor,
- Wenn ihre Gebete trauern.
- Deine irrenden Herden allzumal,
- Verjagt vom Berg ins dunkle Tal,
- Ach, sehn nur deine Mauern!
- Sie klammern sich fest an deinen Saum,
- Und hoch in den schwankenden Wipfelraum
- Deiner Palmen greifen die Hände: --
- O Sehnsucht sonder Ende!
- Wohlan, wer will sich messen?
- Ha, Patros, Schinear,
- Wagt ihr's?
- Habt ihr vergessen,
- Vergessen ganz und gar
- Das heilige Zionpriesterkleid?
- O über eure Nichtigkeit,
- Und eure morsche Größe!
-
- Nein, neben dich kann niemand treten,
- Kein König kommt den deinen gleich:
- Was sind die Allerweltspropheten
- Vor deinem heil'gen Priesterreich?
- Ach, alles stürzt von seinen Thronen,
- Es sinkt der falschen Götter Recht,
- Doch ewig bleiben deine Kronen,
- Dein Schatz ins tausendste Geschlecht!
- Du Gottessehnsucht, Menschensehnen! --
- Wem deine Mauer wieder Heimat bot,
- Heil ihm, und wer durch Sehnsuchtstränen
- Erblickt dein ew'ges Morgenrot!
- Dein Morgenrot, da alle Wolken fallen,
- Und hundertfacher Glanz vom Himmel bricht,
- Da deine Kinder jauchzend heimwärts wallen,
- Und in des Jauchzens Heil und Widerhallen
- Aufstrahlt dein altes königliches Licht! --
-
-
-
- Im Orient ist mein Herz, im Okzident,
- Am letzten Saum, verträume ich die Stunden.
- Kann Trank und Speise, noch so süß, mir munden?
- Kann ich Gelübde, kann ich Schwüre halten,
- Solange Zion liegt in Roms Gewalten?
- Läßt mich Arabien nicht im Kerker kümmern?
- Und was ist Spaniens reichste Flur,
- Was ist sie vor dem Staube nur
- Auf Zions, -- Zions Trümmern? --
-
-
-
- Komm mit mir gen Zoan,
- Zum Schilfmeer und Horeb;
- Wandeln will ich nach Silo,
- Zu gesunkenen Tempels Trümmern.
- Wo die Lade einst zog,
- Da will ich ziehen,
- Wo sie begraben ist,
- Da will ich knien;
- Küssen den Staub
- Süßer als Seim,
- Schauen die Auen,
- Die schönen, daheim,
- Schauen das öde,
- Vergessene Nest; --
- Oh, wenn ihr wüßtet:
- Die Täublein zerstoben,
- Rabenbrut nistet
- Dort oben.
-
-
-
- Es war ein Tag so sehnsuchtsvoll,
- Und kam mich doch ein Zittern an:
- Nach Zion mir die Sehnsucht schwoll,
- Da gabest du mir liebevoll
- Ermutigung, Berater!
-
- Und gabst mir deinen Namen her,
- Als Stab daran zu wallen;
- Nun schreit' ich hin, doch ist es mir,
- Als müßt' ich Schritt um Schritt vor dir
- In meine Kniee fallen.
-
-
-
-
- VII.
- DAS MEER
-
-
- DER STURM
-
-
- 1
-
- In Wolkenräumen
- Dort richtet er,
- Der Gnaden Säume
- Wallen aufs Meer.
-
- Der Mensch alleine,
- Wenn Gott ihm fehlt,
- Dient er dem Scheine
- Vom Trug beseelt.
-
- Aus Alltagsgrüften
- Steht froh er auf,
- Eilt übers Meer
- Den Heldenlauf.
-
- Doch ach, in Banden
- Der Schuld gefällt,
- Muß östlich landen,
- Wer westlich hält.
-
- Und er gesteht:
- Nicht seine Kraft
- Weist ihm den Weg
- Der Wanderschaft.
-
- Dann muß verzagen
- Das arme Herz
- Und klagen und fragen
- In Angst und Schmerz:
-
- Vor dir, dem Einen,
- Wo soll ich ziehn?
- Wohin vor deinem
- Geiste fliehn?
-
-
- 2
-
- Wie donnernde Räder rasen die Wogen
- In mächtigem Sturz übers brausende Meer,
- Es finstert der Himmel, von Wolken umzogen,
- Es schäumen die Fluten dahin und daher.
-
- Da hebt sich der Abgrund und steigt in die Lüfte,
- Sein Brüllen bis hoch an die Wolken hallt,
- Es kochen die Tiefen, es schreien die Grüfte,
- Und keiner bändigt die tolle Gewalt.
-
- Es sinken die Helden! die Stürme zerjagen
- Zu Bergen und Tälern den donnernden Schlund:
- Turmhoch das Schiff in die Lüfte getragen
- Saust es hinab in den gähnenden Grund.
-
- Da suchen die Augen nach Schiffern und Knechten: --
- O schweige mir, Herz, und hoffe auf ihn,
- Der einst uns an Moses gewaltiger Rechten
- Durch Schlünde des Meeres ließ ruhevoll ziehn.
-
- So ruf' ich ihn an, den Herrn aller Herren!
- Und fürchte nur eins: Meiner Sünden Gewalt.
- Ach, wenn sie nur jetzt nicht den Weg mir versperren,
- Nur jetzt nicht mein Jammern, mein Flehen verhallt!
-
-
- 3
-
- Ha, das Meer! Wie rast es wieder!
- Ha, der Ost! Wie schmettert er nieder
- Mächtig den stolzen zedernen Mast!
- Schüttet herab den Sturm seiner Grimme,
- Daß sich der Nacken der Stolzen krümme,
- Und der Schiffsherr zitternd erblaßt.
-
- Kraftlos hängen dem Maste die Schwingen,
- Kann sie nicht heben, weiter zu dringen,
- Feuerlos siedet die Flut im Föhn.
- O wie verzweifeln die Herzen und stöhnen,
- Da sie die Ruderer hilflos frönen
- Und die Ruder sinken sehn.
-
- Armer Schiffsherr, Steuermann schlechter,
- Dumme Ruderer, blinde Wächter,
- Wo, wo ist nun euer Mut?
- Trunken tanzt das Schiff im Winde
- Und verschleudert an die Gründe
- Alle euch als feiles Gut.
-
- Seht, schon regt der Leviathan die Flossen,
- Kommt durchs tosende Meer geschossen,
- Ruft wie ein Bräut'gam die Gäste zum Schmaus;
- Und das Weltmeer mit gierigem Munde
- Schlingt seine Beute zum untersten Grunde: --
- Alles verloren, alles aus!
-
-
- 4
-
- Nun schmachtet nach den Höhen
- Zu dir mein Augenpaar
- Und bringet dir mein Flehen
- Als ernste Gabe dar.
-
- Nun zittr' ich meiner Zeiten
- Und bebe, wo ich bin,
- Wie Jona muß ich breiten
- Die Arme nach dir hin.
-
- Laß mich ans Schilfmeer denken
- Und träumen immerzu,
- Laß mich die Sehnsucht senken
- Im Liede nun zur Ruh!
-
- Der Jordanwunderzeiten
- Erfreu' sich meine Brust,
- Das Herze mag sich weiten
- Als wie von Edens Lust;
-
- Bis es zu ihm getragen,
- Der Bitteres versüßt,
- Und der des Grimmes Tagen
- Als Tag der Hilfe grüßt.
-
- Ja, meine Augen hellen
- Zu ihm sich himmelan:
- Er legt durch Meer und Wellen
- Uns eine sichre Bahn.
-
- Und endlich auch sein Toben
- Uns Menschenkindern frommt,
- Da Winter uns und Sommer
- Aus seinem Odem kommt.
-
-
- 5
-
- So hat er seinen Zorn gewandt
- Vom niedern Sohne seiner Magd,
- Befreite aus dem Totenland
- Die arme Seele, die verzagt.
-
- Nun eilen schon die goldnen Höhn
- Hernieder auf den wilden Grund
- Und bringen den erregten Seen
- Hinab den schönsten Friedensbund.
-
- Da schweigt denn ganz der Schreckenslaut,
- Es ruht wie Oel das wilde Meer,
- Und keiner bebt und keinem graut,
- Und Freudenstimme rings umher.
-
- An die verzagten Herzen dringt
- Der Liebe Engelstimme schon,
- Ihr Schreiten aus den Höhen klingt,
- Ein tief geheimnisvoller Ton.
-
- So wird die Botschaft ausgesandt
- Dem Volk, das lang im Joche rang,
- Und das so hart des Drängers Hand,
- Des Leides Faust in Ketten zwang.
-
- Du wildbewegtes Volk der Wahl,
- Du gleichst dem Schiff in Sturmesnot,
- Doch naht gewiß auch dir einmal
- Das liederweckende Gebot:
-
- Heraus, heraus aus finstrer Nacht,
- O liebes Kind, zum Sonnenfirn,
- Sieh, Gottes himmelhohe Pracht
- Strahlt herrlich über deiner Stirn.
-
-
-
- Holder Zephyr, deiner Lüfte
- Schwingen tragen Nardendüfte,
- Duft vom Apfelblütenstrauß!
- Wo des Krämers Würzen liegen,
- Dort begann dein frisches Fliegen,
- Nimmer in des Sturmes Haus.
-
- Schwalbenflügel schwingst du leise,
- Freiheit lautet deine Weise,
- Myrrhen streust du hin und her.
- Ach, wie freuen sich die Scharen,
- Die auf lockrer Planke fahren
- Mit dir übers weite Meer.
-
- Laß das Schiff nicht aus der Rechten,
- Nicht am Tage, nicht in Nächten,
- Brich durchs Meer ihm seine Bahn!
- Banne fest die tiefen Gründe,
- Bis, die Ruhstatt deiner Winde,
- Gottes heil'ge Berge nahn!
-
- Schilt den Ost, den Meeresstürmer,
- Flutenkocher, Wogentürmer:
- Hab' ich denn noch freie Bahn?
- Ich Gefangner von Gewalten,
- Die noch jetzt im Zaum gehalten,
- Losgerissen schon mir nahn?
-
- Das Geheimnis meiner Flehen
- Bleibt bei Gottes Händen stehen,
- Der es mir verborgen hält:
- Er, der Höchste, schuf die Höhen,
- Er hat auch der Winde Wehen
- Heute gnädig mir bestellt.
-
-
-
- Kommt die große Flut mit einem Mal?
- Läßt kein Land sich schauen in der Runde?
- Mensch und Tier und Vogel flohn die Stunde:
- Ist's das Ende? Kommt die Todesqual?
-
- Säh' ich einen Berg, ein Tal allein,
- Würde meine Seele ruhig werden,
- Und ein wüstes Fleckchen dieser Erden,
- Würde jetzt mir süße Labe sein.
-
- Ach, die Augen gehen um im Kreise:
- Nichts als Himmel, Flut, des Schiffes Knochen,
- Der Leviathan macht die Tiefe kochen,
- Und die Wellen schaun wie wilde Greise.
-
- Und das Meer verbirgt uns in den Wogen
- Wie der Räuber sein gestohlenes Gut: -- -- --
- Mag es rasen! Fröhlich ist mein Mut:
- Näher kommt die Heimat schon gezogen!
-
-
-
-
- VIII.
- LETZTE TAGE
-
-
- IN ÄGYPTEN
-
- Die Städte sieh und sieh den Strand,
- Wo einst ihr heimisch wart:
- So ehre auch das fremde Land
- Und tritt es nicht zu hart.
-
- Mach deine Sohle sanft und weich,
- Die durch die Straßen geht,
- Denn einst durch dieser Straßen Reich
- Schritt Gottes Majestät.
-
- Er neigte sich an Tür und Tor
- Nach deinem Bundesblut,
- Und jeder sah's: Er schritt euch vor
- In Wolke und in Glut.
-
- Aus dieses Landes Felsen kam
- Dein Bundeshort heraus,
- Und deine Quadern, alter Stamm,
- Die waren hier zu Haus!
-
-
-
- Hat die Zeit das Kleid des Leides
- Ausgezogen und das Kleid des
- Lachens endlich angelegt?
- Sieh die Welt im Byssuskleide
- Hingelehnt in Gold und Seide,
- Wie sie ihre Glieder regt!
-
- Sieh am Strome das Gefilde,
- Das mit Gozens schönem Schilde
- Seine bunten Ufer hüllt;
- Und der Steppe Blumenbeete
- Und die alten Trümmerstädte,
- Die ein goldnes Leuchten füllt;
-
- Und am Strand die süßen Frauen,
- Gleich Gazellen anzuschauen,
- Nur nicht so geschwind zu Fuß:
- Denn an ihren Armen hängen
- Spangen, und den Schritt beengen
- Güldner Ketten Klingegruß.
-
- Ach, schon ist das Herz gefangen,
- Und des Alters bleiche Wangen
- Sind vergessen auf der Flur:
- In Aegyptens Paradiese,
- An dem Strome, auf der Wiese,
- Denk ich meiner Jugend nur!
-
-
- TODESAHNEN
-
- Wollt ihr Liebes mir vergelten,
- Sendet meinem Herrn mich zu!
- Eh' ich unter seinem Zelte
- Glücklich nicht das meine stellte,
- Find' ich Armer keine Ruh'.
-
- Haltet mich nicht auf zu eilen,
- Da mich schon die Angst erfaßt:
- Unter seinem Flügel weilen
- Und der Väter Ruhe teilen
- Bleibt doch meine einz'ge Rast.
-
-
-
- Dein Wunder geht durch alle Zeit
- Und kündet uns, was Väter sahn:
- Des Stromes Wasser wurde Blut,
- Da war kein Spruch, kein Zauber gut,
- Dein Name hat's getan!
-
- Dein Name und der Wunderstab,
- Den legtest du in Moses Hand:
- O führ' auch meinen frommen Mut,
- -- Das geht so schnell, das geht so gut --
- In deiner Wunder Land.
-
-
-
-
- JEHUDA HALEVI,
- seine Zeit, sein Leben und sein Schaffen
-
-
- von
- Emil Bernhard
-
-
- I
-
-Das Land Spanien breitet nach Süden seine Arme aus. Durch die
-Geradlinigkeit des Pyrenäenrückens von Europa getrennt, vermag es keinen
-regeren Verkehr mit den Völkern nördlich des Gebirges zu erzeugen, zumal
-die Stämme, welche am Fuße der bergigen Mauer wohnen, jenseits und
-diesseits einander zu ähnlich sind, um durch gegenseitige Bekanntschaft
-angeregt und bereichert zu werden. Darum wendet Spanien dem übrigen
-Europa den Rücken zu. Wie es aber im Norden verriegelt ist, so hält es
-im Süden die Tore offen. Während bis zum Guadalquivir hinab sich jenes
-weite zusammenhängende Hochland der iberischen Meseta erstreckt, das ein
-echt kontinentales Klima extremer Sommer- und Wintertemperaturen
-aufweist, beginnt nach Osten, Süden und Südwesten hin ein ganz anderes
-und wundervolles Bild. Ein Armausbreiten in der Tat: Als wenn das ganze
-Land in Liebe sich ergösse, treibt es die volle Herrlichkeit des Südens
-hervor. Es ist die Sonne der Mittelmeerländer, die hier scheint, ihre
-Blume ist es, die hier blüht, ihr Regen, der hier rauscht. Hier haben
-wir die wilden Gewitter, die im Nu kommen, und im Nu vergehen, den
-feinen Sonnenregen zurücklassend über der perlenbesäten Flur. Hier
-wandeln wir durch die lichten Wälder, die Maquidickichte, die Huertas
-und Vegas, jene herrlichen Gartenoasen, von Bächen durchrauscht hierhin
-und dorthin, wo die Granate flammt, und der Apfelbaum schimmert in der
-lichten Pracht seiner Blüten. Hier rauschen die Morgen- und Abendwinde
-über taubedeckte Täler und künden die Nacht an, die nirgends emporsteigt
-wie hier, so träumerisch erhaben, so schlummernd wach, so einsam und so
-beredt. Das ist das Land Andalusien, von dem der alte arabische Dichter
-einst sang: »Da es emportauchte aus des Meeres Flut, ward es wie eine
-Perle aus der Muschel gehoben. Da erbebten die Wogen vor Entzücken, als
-sie sich legten wie eine Kette um seinen Hals. Darum lächeln noch immer
-in ihm wonneerbebende Blüten, darum schmettern in ihm die Nachtigallen
-auf lauschenden Zweigen. Hier ist die Heimat meiner Lust. Weh mir, wenn
-ich je sie verlassen müßte! Hier nur ist ein Garten, die ganze Welt eine
-Wüste.« Und als der unglückliche Emir von Sevilla, Al Motamid, im fernen
-Marokko eingekerkert saß und seine wundervollen Elegien sang, da bebte
-die Schönheit Andalusiens durch sein Lied: »O wie gerne möchte ich
-wissen, ob ich meinen Garten und meinen See wiedersehen werde in jenem
-stolzen Lande, wo die Oliven grünen, wo die Tauben girren, wo die Vögel
-ihr liebliches Gezwitscher ertönen lassen.«
-
-
- II
-
-Das Land Spanien breitet seine Arme nach Süden aus. Und der Süden
-stürzte in seine Arme. Nachdem die Halbinsel manche ethnische Revolution
-erlebt hatte, nachdem Kelten, Karthager, Phönizier, Römer, Vandalen
-schwere Erschütterungen über sie gebracht hatten, erhob sich im Anfang
-des achten Jahrhunderts die ganze, junge, unberührte Gewalt der
-Atlasländer und ergoß den heißen Strom ihrer Stämme übers Meer in die
-herrlich blühenden Fluren Andalusiens und weiter bis in den Norden
-hinein. Der Orient vermählte sich dem Okzident und brachte ihm als
-Morgengabe eine neue, kaum hundertjährige Kultur mit, die, eingepflanzt
-in die bunten Gärten Südspaniens, eine herrliche Blütezeit erlebte.
-
-Nach der machtvollen Regierung der Ommajaden, vor allem der
-fünfzigjährigen des glänzenden Abderrahmân III. (912-961), der in der
-Millionenstadt Cordova, ein zweiter Salomo, alle Pracht und Bildung der
-Welt um sich sammelte, ward die arabische Herrschaft zwar bald durch
-lange Bürgerkriege in viele kleine Staaten zerschlagen, die Kultur aber
-erhielt sich in ihrer vollen, zauberhaften Schönheit. Im Gegenteil: Die
-Kleinstaaterei diente noch ihrer Förderung. All die Emire von Sevilla,
-Cordova, Granada, Malaga, Murcia waren zu schwach, als daß sie ihren
-Ehrgeiz in großen kriegerischen Unternehmungen befriedigen konnten. So
-suchten sie sich den Ruhm ihrer Vorgänger als Förderer und Pfleger der
-Künste und Wissenschaften zu erhalten und zu mehren. Und nie hat in
-einem Lande die Dichtkunst so geblüht wie in Andalusien.
-
-Es war, als hätte diese gesegnete Erde nur darauf gewartet, von den
-Sohlen der freien, sangesfrohen Wüstensöhne, den Hütern der lauteren
-Sprache, den Schatzmeistern des reinen Arabisch berührt zu werden, um zu
-ewigen Jubeltönen zu erwachen. Da begann die Laute zu klingen vor den
-Balkonen in der Nacht zu feinen arabischen Sequidillas zum Lobe der
-Schönen: -- »Zum Monde blickte ich, o Geliebte, und seinen Strahlen. Da
-nahm er einen Schleier und verhüllte sich: Er schämte sich, o Geliebte,
-als er dein holdes Antlitz sah. Deine Schönheit überwand ihn, er mußte
-sich verbergen.« -- Da tanzte und sang das Volk auf der Silberwiese von
-Sevilla, am grünen Ufer des Guadalquivir; sie warfen sich freundliche
-Worte in gereimter Rede zu, und hin und wider scholl das Lachen; und
-verkleidet unter ihnen wandelten die Fürsten und Prinzen und
-verlustierten sich im süßen Nichtstun. In der wundervollen Landschaft
-Silves hatte jeder Bauer das Talent, zu improvisieren. Wie sollte er
-auch nicht: Silves war die Perle in der silbernen Muschel Andalusiens.
-Als der genannte Al Motamid seinen Freund Ibn Ammâr als Statthalter nach
-Silves sandte, da brach er in Erinnerung an seine dort verlebten
-Jugendtage aus dem Stegreif in die Verse aus: -- »Ach, wie oft haben
-dort die jungen, weißen und braunen Mädchen mir das Herz mit ihren süßen
-Blicken durchbohrt, als ob ihre Augen Dolche wären oder Lanzen! Und
-welche Nächte habe ich in jenem Tale am Ufer des Flusses mit der schönen
-Sängerin zugebracht, deren Armband dem zunehmenden Monde glich! Sie
-machte mich trunken durch Blicke, trunken durch Wein, trunken durch ihre
-Küsse!«
-
-Wer singen und dichten konnte, war im schönen Andalusien nimmer
-verloren. Der Verbrecher, der zum Tode geführt wurde, konnte sich noch
-am Fuße seines Galgens befreien, wenn er einige anmutige Schmeichelworte
-in gereimter Rede zu sprechen vermochte. Der Bettler, der heute am
-Straßenrande lag, konnte morgen Wesir sein, wenn er, vom Emir in Versen
-angesprochen, in Versen antworten konnte. So wurde Ibn Ammâr von Al
-Motamid aus dem Staube erhoben, so hat derselbe Fürst auf der Gasse von
-Sevilla seine süße I'timâd, die Sklavin Romaikija, gefunden, das
-reizende Spielzeug seines Lebens bis zum Tage, da er nach Agmât wandern
-mußte in den Kerker seines Feindes.
-
-Hand in Hand mit dieser tiefen Liebe zur Dichtung, dem höchsten Stolz
-des feingesitteten Andalusiers, ging die Pflege der Wissenschaften.
-Ueberall im Lande, in Cordova, Sevilla, Toledo, Valenzia, Almeriga,
-Malaga, Jaen, wuchsen islamische Akademien empor, denen umfangreiche
-Bibliotheken angegliedert waren, aufgesucht von den lernbegierigen
-Jünglingen der ganzen arabischen Welt. Hier wurde Philosophie,
-Grammatik, Lexikographie, Medizin gelehrt, und wie die andalusischen
-Jünglinge hinauszogen bis nach Bagdad, um die großen Lehrer des Islams
-zu hören, so kamen sie auch aus Syrien und dem Irak nach Cordova, um
-Schüler berühmter Meister genannt zu werden.
-
-Dieses heiße Streben nach Bildung und Gesittung erhielt aber seinen
-höchsten Glanz durch die unerhörte Pracht, den maßlosen Reichtum, der
-sich in Städten wie Cordova, Sevilla, Toledo entfaltete. Bis in die
-dunkle Klause sächsischer Klöster drang die Kunde von diesem Reichtum:
--- »O Cordova, die helle Zierde der Welt, die junge, herrliche Stadt,
-stolz auf ihre Wehrkraft, berühmt durch ihre Wonnen, strahlend im
-Vollbesitz aller Dinge!« sang die Nonne Hroswitha von Gondersheim. In
-der Tat, man kann sich heute kaum eine Vorstellung von dem Zauber
-machen, der damals diese Stadt erfüllte. Wer sie besuchte, mußte erst
-einen dichten Kranz marmorner Sommerpaläste durchwandern, die aus dem
-von Tausenden von Olivenbäumen bekränzten Ufer des in goldgrünen Wellen
-hinströmenden Guadalquivir emporragten und schon um das Jahr 950
-achtundzwanzig Vorstädte bildeten. Kam er dann in die Stadt selbst mit
-ihren 113000 Häusern, 300 Bädern und 3000 Moscheen und betrat gar die
-große Moschee mit ihren »1300 Riesensäulen unter der gewaltigen Kuppel«,
-so mochte er sich schon dem Eindruck dieser stolzen Größe beugen, wenn
-ihm nicht schon vorher die Herrlichkeit dieser Welt überkommen war, da
-er die berühmte Brücke Abderrahmâns über den Guadalquivir, das Werk
-seines Lebens, zagend überschritten hatte. Aehnlich wirkte das lachende
-Sevilla mit seinen belebten Gassen inmitten der fruchtbaren Ebene, in
-der es lag, ähnlich das nördliche Toledo, das auf der natürlichen Feste
-eines hochragenden Felsens am Ufer des gelben Tajo gegründet war,
-Toledo, in dem Orient und Okzident am frühesten in innige Verbindung
-traten. Hier strömte das bildungsfähige Abendland zusammen, um in die
-Geheimnisse arabischer Weisheit einzudringen, hier bildeten sich schon
-im zwölften Jahrhundert förmliche Uebersetzungsschulen, welche die
-aristotelische Philosophie im arabischen Gewande der lernbegierigen
-Christenheit vermittelten.
-
-Der Orient war es, der hier den blühenden Baum in den Garten des
-Okzidents gepflanzt hat. Er hat die Schönheit Andalusiens erst
-geschaffen. Die Schönheit der natürlichen ebenso wie der geistigen
-Kultur. Die Hände der Wüstensöhne hatten das ganze Land mit Kanälen und
-Wasserwerken durchzogen und dem Boden seine Fruchtbarkeit abgerungen,
-ihr Lied und Sang, ihr Denken und Forschen war es, was auch die Menschen
-des Landes eroberte. Es war eine starke Besitzergreifung. So stark, daß
-durch die Vermählung von Land und Menschen bald ein neues Volk geboren
-war, eine jungfräuliche Nation mit neuem, bald im ganzen Orient
-berühmtem Namen: -- El Andalus.
-
-
- III
-
-An der Wende dieses glücklichen und reichen Zeitalters, in den letzten
-Strahlen seiner untergehenden Sonne, wurde zu Toledo um das Jahr 1083
-Jehuda ben Samuel ben Samuel Halevi, oder, wie er arabisch hieß, Abul
-Hasan Allâwi, geboren. Die Familie, der er entstammte, war unbekannt,
-aber nicht arm. Wenn er auch im zartesten Alter die Belagerung Toledos
-(1085) und die Judenverfolgung in derselben Stadt (1090) erlebt hat,
-scheint doch seine Jugend glücklich gewesen zu sein, um so glücklicher,
-als er aller Wahrscheinlichkeit nach das einzige Kind seiner Eltern war.
-Bald aber entwöhnte ihn das rauhe Schicksal dieser »Milch der
-Jugendtage«. Der Vater muß frühzeitig gestorben sein. Er ließ den Knaben
-mit der Mutter zurück, welche seine ersten bitteren Enttäuschungen noch
-miterleben mußte.
-
-Nach der Sitte der Zeit wurde der Knabe mit den schwarzen Locken und den
-dunklen feurigen Augen, die über braunen, gesunden Wangen leuchteten,
-früh in die Sprache und Lehre seiner Väter eingeweiht. Mit dreizehn
-Jahren sprach und schrieb er ein vollendetes Hebräisch und war
-gleichzeitig tief in die Kenntnis der arabischen Literatur wie der
-ganzen Zeitkultur eingedrungen. Er hat also seine erste Jugend, obgleich
-im christlichen Spanien, doch an der Grenze der mohammedanischen Kultur
-zugebracht. Dort hat er die arabische Kasside singen gelernt, das
-Preisgedicht, die poetische Epistel, sowie die kunstvollen Gürtel- und
-Kettenlieder, die damals in Spanien aufkamen.
-
-Um jene Zeit erfüllte der Name Abû Harûn Mose ibn Esras, des religiösen
-Dichters, die jüdische Welt Spaniens. Dieser kaum mehr als
-fünfundzwanzig Jahre alte Dichter lebte wie die meisten Ibn Esras in
-Granada, jener Stadt im Süden Spaniens, die damals so viel Juden hatte,
-daß man sie schlechthin die »Stadt der Juden« nannte. Da erhielt er
-eines Tages aus dem fernen Norden eine poetische Epistel. Von der Hand
-eines Kindes. Und las. Und war erschüttert. Dann setzte er sich nieder
-und schrieb die Antwort:
-
- Ein Kind noch jung, ein Knabe zart,
- Will Geistesfelsen rücken?
- Stößt Helden in den Staub hinab
- Und läßt als rot und weißer Knab'
- Schon volle Blüten blicken?
-
- So ist's: Vom Norden strahlt er auf
- Und füllt mit Licht die Auen.
- Die ganze Weite ist erhellt,
- Noch höher als das Sternenzelt
- Könnt seine Hand ihr schauen.
-
-Mose ibn Esra hat das Verdienst, Jehuda Halevi »entdeckt« zu haben. Er
-tat es im guten Sinne des Wortes. Er gewann eine vollständige Herrschaft
-über den jungen Dichter, der sich ihm mit ganzer überschwenglicher Seele
-hingab. Der junge Jehuda war eine zarte, deutlich feminine Natur. Bei
-einem ausgesprochen genialen Selbstbewußtsein war er die Demut selbst
-vor seinen Freunden, die er fast immer überschätzte. Er vergötterte sie.
-Er dichtete ihnen die Eigenschaften an, die ihm selber fehlten. Oft
-erzürnte er sich mit ihnen, immer aber war er derjenige, der um
-Verzeihung bat. Es ist rührend zu sehen, wie häufig er in seinen
-Episteln an die erzürnten Freunde nach einer Schuld sucht, die nicht
-vorhanden ist. Von keinem aber ließ er sich so beherrschen, wie von Mose
-ibn Esra. Als er sich schon dem Gipfel seines Ruhmes nähert, fühlt er
-sich noch als sein Jünger. Wenn er dem Meister seine Verse schickt, ist
-es ihm, als schickte er Boten an den Gesalbten Gottes, den König. Und er
-läßt sie zum Könige sprechen:
-
- Herr, o trage unsre Last,
- Laß uns selbst nicht Sünde tragen,
- Wenn in unbeholfner Hast
- Wir dein Lob zu singen wagen.
-
- Was wir bringen, ist ja noch
- Keine Blüte, Knospe eben,
- Aber einstmals soll es doch
- Hier auch Frucht und Blüte geben.
-
-Mose ibn Esra war ihm der, welcher berufen war, ihn zu läutern, »das
-Gold zu scheiden von seiner Schlacke«. Er war ihm dichterisches und
-menschliches Ideal, das Urbild der Demut und Selbstbeherrschung. Welch
-trauriger Irrtum: Mose ibn Esra führte ein wilderes, zerfahreneres Leben
-als Jehuda Halevi, dem aller Jammer, dessen sein Leben voll war, von
-einem herrlichen Frohgemüt übersonnt war, während der andere an seinen
-eigenen Launen zerschellte.
-
-Am Ende des Lebens entfremdeten sich die Freunde, wofür die Schuld wohl
-eher in Mose ibn Esra zu suchen sein wird, den der strahlende Ruhm des
-Jüngeren seinem Charakter nach kränken mußte. Als er 1138 starb, sang
-ihm Halevi dennoch das Grablied: -- »Mose, Mose, mein Bruder, Licht
-meines Mondes, meine Sonne, meine Leuchte, meines Glanzes Quell von
-alten Tagen her!« --
-
-
- IV
-
-Vom Norden her sandte Jehuda Halevi seine ersten Verse nach dem schönen
-Granada. Dann aber kam er selbst nach dem Süden. Warum? -- Wir wissen es
-nicht. So klar uns der Lebens- und Stimmungsgehalt der nun folgenden
-Epoche ist, so dunkel und tatsachenarm ist sie. Um 1100, also mit
-ungefähr siebzehn Jahren, befand sich der Dichter schon im Süden
-Spaniens, und zwar zunächst im Südwesten. Die allgemein verbreitete
-Annahme, daß er die Hochschule des berühmtesten jüdischen Gesetzlehrers
-jener Zeit, Isak Alfasi, in Lucena besucht habe, ist nichts als eine
-leere Vermutung, die sich auf die Tatsache stützt, daß er beim Tode
-Alfasis (1103) sechs Zeilen schrieb und die Einsetzung des jungen, ihm
-befreundeten Josef ibn Migasch in den erledigten Lehrstuhl dieses
-Meisters in einem Hymnus feierte. Jehuda Halevi zeigt in allen seinen
-Werken keineswegs mehr, eher weniger als die talmudische
-Durchschnittsbildung seiner Zeit. Vielmehr ist anzunehmen, daß dem
-herangewachsenen Jüngling die einfache materielle Sorge nach dem an
-Existenzmöglichkeiten reicheren Süden trieb. Mit seiner Ankunft in
-Andalusien beginnt eine Zeit der Kämpfe und Irrfahrten für ihn. Von
-Stadt zu Stadt wanderte er, ohne einen festen Halt zu gewinnen. Der
-Kampf um den Bissen Brot jagte ihn durchs Land. Sevilla, Granada,
-Guadix, Malaga, Lucena waren die Städte, in denen er sich aufhielt, doch
-immer nur kurze Zeit. Den Arztberuf, dem er später oblag, scheint er
-hier noch nicht ausgeübt zu haben. Vielmehr lebte er allem Anschein nach
-von seiner Feder. Er dichtete Hochzeitslieder und erhielt Honorare
-dafür. Er besang die Koryphäen seiner Zeit, die ihm ihrerseits
-Ehrensolde übersandten, oder ihn, wie es Sitte war, in ihrem Hause
-wohnen, an ihrem Tische essen ließen. Zeitweise ging es ihm so
-erbärmlich, daß er an reiche Leute Bettelgedichte richten mußte, um sein
-Leben zu fristen. Es war nur zu verständlich, daß sich in dieser Zeit
-seiner im tiefsten Grunde heiteren und lebensfrohen Seele recht oft die
-verzweifeltsten Stimmungen bemächtigten. Er fühlte sich von allen
-verlassen und es war ihm, als hätte sich die ganze Welt gegen ihn
-verschworen. Einsam und verwaist nannte er sich. Dabei wuchs natürlich
-sein Bedürfnis nach Freundschaft, noch mehr aber seine Empfindlichkeit.
-So geriet er immer tiefer in eine Stimmung hinein, welche der
-Kulturstimmung jener Zeit ähnlich war: Weltschmerz und Lebensverachtung.
-
-
- V
-
-Auf die Epoche des Glanzes war in Andalusien eine Epoche der tiefsten
-Erniedrigung gefolgt. Der Stern des Islam war im Verblassen. Vom Norden
-her bohrte das Königreich Kastilien seinen Stachel den Mauren immer
-tiefer ins Fleisch. Nachdem Ferdinand (1037-1067) gestorben war, bestieg
-sein Sohn Alfons VI. den Thron von Kastilien. Dieser übernahm den Kampf
-gegen den Islam als heiliges Vermächtnis von seinem Vater, und es gelang
-ihm infolge der Zersplitterung des mohammedanischen Spaniens, die
-kleinen Territorialfürsten Andalusiens zum Tribut zu zwingen. 1085 wagte
-er den ersten großen Vorstoß, dem der wichtigste Verteidigungspunkt der
-Mauren, der Turm am Tore Andalusiens, Toledo, zum Opfer fiel. Ganz
-Südspanien erbebte unter diesem Schlage. Die Verwirrung und Angst wuchs
-von Tag zu Tag. Da tat der Emir von Sevilla, der schon mehrfach genannte
-Al Motamid, den verhängnisvollsten Schritt, den er überhaupt tun konnte.
-Er rief den in Nordafrika regierenden Almoraviden Jussuf ibn Taschfîn
-mit seinen Berberscharen zu Hilfe. Dieser kam und erfocht gegen die
-Christen in der furchtbaren Schlacht von Sallaka (1086) einen vollen
-Sieg. Der Süden schien gerettet. Nach der Schlacht ließ Jussuf aus den
-gefallenen Christenleibern einen Riesenturm aufschichten, von dessen
-Spitze der Muezzin nach allen vier Winden ausrufen mußte, daß es keinen
-Gott gebe außer Allah: lâ allâh ill' allâh. Trotzdem blieb der Sieg
-unausgenutzt, und als Jussuf nach Nordafrika zurückgekehrt war, stand
-alles wie vorher. Wieder stieg die Not aufs Höchste. Da erschien Motamid
-selbst in Nordafrika, um Jussuf persönlich zu veranlassen, noch einmal
-der Retter zu sein. Jussuf kam. Aber er ging nicht wieder, ohne sich
-seinen Lohn genommen zu haben. Er machte dem Zaunkönigtum in Andalusien
-mit einem Schlage ein Ende, Granada und Malaga fielen, dann Cordova und
-Carmona. Al Motamid mit seinen Söhnen wehrte sich tapfer. Aber es half
-ihm nichts. Er mußte den schrecklichen Tod seiner Söhne erleben, um
-schließlich in den Kerker zu Adschmât zu wandern, wo er nach vier Jahren
-schwerer innerer Leiden, gebrochen an Leib und Herzen, seine königliche
-Dichterseele aushauchte. Das war im Jahre 1095.
-
-Jussuf ibn Taschfîn hatte Andalusien unterworfen. Geholfen aber hatten
-ihm dabei nicht nur seine wilden Berbern, sondern auch als
-unversöhnlichste Truppe die orthodoxen Gelehrten des Islam, die Fakîhs.
-Sie begannen jetzt das Regiment zu führen. An Stelle der früheren
-Schönheit und Leichtigkeit des Lebens machte sich der bigotte Geist
-dieser orthodoxen Emporkömmlinge breit. Frömmelei und Beterei
-vernichteten alle Blüten der früheren Freiheit. Die graziöse Geste der
-Lebensfreude wurde erstickt in dem Buchstabenknäuel des koranischen
-Gesetzes. Ketzerriecherei und Angebertum schlossen den fröhlich
-leichtsinnigen Mund des gebildeten Volkes. Als gar Jussuf das Zeitliche
-gesegnet hatte (1106), und sein bigotter, unbedeutender Sohn Alî an
-seine Stelle trat, stieg die innere Not Andalusiens auf den Gipfel.
-Niemand fühlte sich im Lande wohl außer den Fakîhs und dem Pöbel. Die
-Philosophen schwiegen, denn Philosophie war verpönt. Die Freigeisterei
-wurde verfolgt. In den Städten spielten die brutalen, unsauberen Berbern
-die Hauptrolle. Die Dichter, noch vor zwanzig Jahren die Lieblinge des
-Volkes, gerieten in tiefste Armut. Sie hatten keine Beschützer mehr. Wer
-von ihnen nichts auf sich hielt, lief den Fakîhs nach und sang ihr Lob,
-um von ihnen Geld zu erhalten. Die Spekulation auf die Eitelkeit dieser
-frommen Leute war auch richtig, aber sie bezahlten schlecht, und wer
-seine Kunst in Ehren hielt, mochte sie nicht besingen. Ibn Bakî, einer
-der begabtesten Dichter, welche Andalusien überhaupt hatte, irrte wie
-ein Landstreicher von Stadt zu Stadt.
-
-Es ist kein Wunder, daß unter diesen Umständen der bessere Teil der
-andalusischen Bevölkerung in dumpfe Verzweiflung geriet. Die meisten von
-ihnen hatten die schönen Tage der Freiheit noch gesehen. Um so tiefer
-deuchte ihnen jetzt ihr Fall. Es war alles so schnell gekommen. Was
-früher unten war, war jetzt oben, die Verachtetsten waren die
-Mächtigsten geworden. So wurde dem Volke damals mehr denn je das
-Wechselspiel des Lebens klar. Und da der Druck immer unleidlicher wurde,
-so kam es, daß im Lande die alten Lebenswerte entwertet wurden, und die
-Sehnsucht nach etwas Neuem, Höherem erwachte.
-
-
- VI
-
-So war in Andalusien der Boden beackert für die Saat eines neuen
-Wissens, das gerade damals in Spanien seinen Einzug hielt. Es war die
-Inbrunst des Persers Al Gazzâlî, welche den Samen auswarf. Dieser
-wundersame Mann, der im Jahre 1059 in dem kleinen zu Tus gehörigen
-Städtchen Gazzâlah geboren ward, war nach mannigfachem Suchen und
-Forschen an allem irre geworden, was seine Zeit ihm bot. Die islamische
-Theologie, die an der Schale haftend ihre ganze Kraft an kalten
-Rechtsfragen halb und ganz ritueller Natur vergeudete, ekelte ihn an.
-Die Philosophie, die im Geiste die vollkommenste Macht gefunden zu haben
-glaubte, befriedigte ihn nicht, sondern brachte ihn nach langem Studium
-zu verzweifelter Skepsis. Hier wie dort erfror ihm die Seele. Die
-Spekulation war ebenso kalt wie die Dogmatik. Dies wird ihm zum
-schwersten Kampfe seines Lebens. Tiefe religiöse Erschütterungen machen
-ihn an Leib und Seele siech. So erfolgt im Jahre 1095 sein
-aufsehenerregender Abgang von der Bagdader Akademie, an der er ein
-bedeutendes Lehramt innehatte. Er ging, um sich ganz dem beschaulich
-einsamen Leben eines Sûfî[1] hinzugeben. Aus dieser Einsamkeit heraus,
-die im Jahre 1111 mit seinem Tode endete, predigte er der Welt seine
-neue Lehre.
-
-Es ist eine tiefe, inbrünstige und leidenschaftliche Religion, die er
-vom Menschen verlangt. Eine Religion, in deren Mittelpunkt die Seele
-steht. Sie ist die Macht aller Mächte. Aber diese Macht ist gebunden,
-gebunden in des Leibes irdischer Leidenschaft. Zwei Welten gibt es, el
-mulk und el malkût, die Welt des Sichtbaren und des Unsichtbaren. Zwei
-Tore hat die Seele den Welten entsprechend: Das Tor nach außen und das
-Tor nach innen. Glaube aber nicht, daß du das Tor nach innen wirst
-öffnen können, wenn du den Riegel des Leibes nicht zu sprengen vermagst.
-Befreie dich vom Leibe, vom irdischen Hang, so wird dein inneres Auge
-schauen, was nie dein äußeres sah. So wird der Aufstieg nach el malkût
-gelingen, und Auge in Auge wirst du schauen den Herrn. Ewig aber wird er
-dir verborgen sein, wenn du nicht zur Reue dringen kannst, wenn dein
-Herz des Irdischen sich nicht zu entschlagen vermag. Ein Kelch ist dein
-Herz: Solange der noch voll Wasser ist, hat er für den Wein keinen
-Platz. Laß das Wasser auslaufen, o Herz! Die Liebe wird es vollbringen,
-deine Liebe zu Gott. Die Welt ist ein Kerker, der dich hindert, den ewig
-Geliebten zu schaun. In der Stunde des Todes springt der Kerker auf, die
-Fesseln fallen, du bist bei deinem Geliebten. Und vorher nicht? Erst der
-Tod ist das Erwachen? Ruhig, Seele! Du kannst das Erwachen vorwegnehmen.
-Läutere dich durch die gute Tat. Sie ist die Brücke, die hinüberführt zu
-el malkût. Reue und Zerknirschung, Andacht und Inbrunst, Versenkung und
-Kasteiung tragen dich zu ihm, dem Einzigen, den du suchst. Mit Schleiern
-bedeckt ist heute deine Seele, so du aber Gott deine Inbrunst gibst, so
-wird er einen Schleier nach dem anderen von dir nehmen, bis du ihm nahe
-bist, ihn im klarsten Lichte zu schaun wie einst die Propheten. Dann
-hast du den Frieden. --
-
-Es war die Religion seines Lebens, die Gazzâlî lehrte. Es war nur
-natürlich, daß sie wirkte wie das Leben. Als das berühmte Buch des
-Philosophen über »die Belebung der Religionswissenschaften« nach
-Andalusien kam, rief es eine ungeheure Aufregung hervor. Während die
-ernsteren Geister, die unter dem Drucke der almoravidischen Fakîhs
-seelisch zugrunde gingen, das Erlösende der Lehre nur zu tief verspürt
-haben mögen, entfesselte sie bei den Theologen helle Wut. Obwohl das
-Buch keineswegs heterodox war, fühlten diese doch, daß der Geist ihnen
-im innersten fremd war. So verketzerten sie das Buch und setzten durch,
-daß es nicht bloß in Cordova und allen anderen Städten des Reiches
-verbrannt, sondern sogar der Besitz eines Exemplars bei Todesstrafe
-verboten wurde.
-
-
- VII
-
-Damals lernte auch Jehuda Halevi die Schriften Gazzâlîs kennen. Das
-wurde ihm Ereignis. Was alle damals bewegte, mußte auch ihn bewegen. Ja,
-mußte ihn tiefer bewegen als alle, weil er Jude war und doppeltes Leid
-trug. Mit dem Eindringen der Almoraviden in Spanien hatte für die Juden
-eine schlimme Zeit begonnen. Während ihre Edlen früher an den heiteren
-Höfen von Malaga, Sevilla und Cordova hohe Stellungen einnahmen, und das
-Volk unter ihrem Schutze ein freies Leben führen durfte, so daß auch in
-seiner Mitte Kunst und Wissenschaft blühten, lösten jetzt Verfolgungen,
-Erpressungen und fanatische Bekehrungsversuche einander ab. Jehuda
-Halevi litt entsetzlich. Der von König Jussuf an den Juden Lucenas
-geübte Gewaltstreich (1107), der vielfache Frauenraub berberischer
-Horden, die Ermordung seines Freundes Salomo ibn Farusal (1108), warfen
-dunkle Schatten in sein Gemüt. Dazu kam sein damals auf den Gipfel
-gestiegenes persönliches Elend: Hunger, vielfach erfahrener Undank, das
-Bewußtsein, andere minder Befähigte erfolgreich, sich selbst aber immer
-»in des Lebens letzter Reihe« zu sehen, all das wirkte zusammen, seine
-Lebensanschauung bestimmend zu gestalten. Was war ihm das Leben? --
-Ewige Versagung. Was war ihm die Welt? -- Eitel Schaum.
-
-So kam er zu Stunden tiefster Verzweiflung, die ihn an sein Leben mit
-der letzten Frage herantreten ließen. Ein ergreifendes Zeugnis solcher
-Stunden blieb uns in jenem herrlichen Gedicht aufbewahrt, in dem er im
-Traume die tröstenden Freunde zu sich kommen sieht. Was soll ihm ihr
-Trost? Muß er nicht bei ihnen volle Garben und bei sich die ewig dürren
-Halme sehen?
-
- Ich von allen meinen Lieben
- Bin allein in meiner Kammer
- Heimgesucht von allem Jammer,
- Aller Nöte Kind geblieben.
-
- Was noch kann die Zeit mir geben?
- Such' ich, was ich _nie_ erworben? --
- Ach, ich bin schon längst gestorben,
- Und ich hab' kein Recht zu leben!
-
-Daß der junge Dichter solchen Stimmungen anheimfallen konnte, zeugt von
-der tiefen seelischen Not, die ihn oftmals gedrückt haben muß. Diese Not
-muß um so tiefer vorgestellt werden, als er von Natur eine glückhelle
-Seele war. Der geringste Sonnenstrahl, der in sein Elend fiel, half ihm
-über ewige Nächte hinweg. Wie leicht wäre er zufrieden gewesen! Er war
-kein Weltfeind, und nichts war ihm fremder als Menschenmäkelei. Gern
-hätte er mit der Welt in Frieden gelebt. Aber immer wieder mußte er ihr
-Dirnentum erkennen:
-
- Wenn ein Mann schon mit ihr leben will,
- Sie zur Gattin sich erheben will,
- Muß er sich mit einer Dirne plagen.
-
-So kam er schließlich dahin, daß er sich vollständig zu verlieren drohte
-und an das Glück nicht einmal zu glauben vermochte, wenn es an seinem
-Halse lag. Es kamen frohe Stunden, Stunden der Liebe, der Freundschaft,
-der Anerkennung, der materiellen Sicherheit. Da wußte er sie nicht zu
-genießen: »Nur wenn es mir schlecht geht, bin ich stark,« so klagt er,
-»und zittere, wenn mir das Glück lächelt; denn morgen wird es nicht mehr
-sein.« Oft war er nahe daran, seinen Jammer zu vergessen und sich des
-Heute zu freuen, das so schön war und so voll Trostes, da traf es ihn
-plötzlich wie ein Stich in die Brust: Alles Lüge, alles Lüge! »Die Welt
-will mich einlullen, ihr Elend zu vergessen. Fast gelingt es ihr. Aber
-ich kenne ihr schlimmes Tun, ich kenne es.« Sein ursprünglich heiteres
-Gemüt war verdunkelt. Seine Seele war müde geworden.
-
-Und doch sollte die Verzweiflung ihn nicht haben. In seiner schlimmsten
-Zeit scheint es gewesen zu sein, als ihm die Persönlichkeit Gazzâlîs
-entgegentrat und ihm den Rückweg zu sich selber zeigte. Hier war einer,
-der all das für verachtenswert erklärte, was ihm selbst, Jehuda Halevi,
-versagt war, all das für ewigen Reichtum, was er bei sich trug. Einer,
-der die Eitelkeit alles Irdischen, die Hohlheit des Lebens, die
-Nichtigkeit des Denkens an sich selber erlebt hatte. Und dem aus dem
-Chaos der Triebe, Wünsche, Sehnsuchten, aus den Trümmern, die er, selbst
-geschlagen, nur ein einziges Wertvolles sich gesondert hatte, ein
-Diamant unter den Scherben seines Lebens: Die Seele. Die Seele, die aus
-Gott kam, zu Gott will, in Gott ist. Jehuda Halevi fand sich in Gazzâlî
-wieder. Der brachte ihm den Sieg über sich selbst, die Begründung seiner
-Religion fürs ganze Leben. Der Einfluß ist unverkennbar. Jene
-geheimnisvollen Lieder Jehuda Halevis an die Seele sind ein tiefgehender
-Beweis. Es ist dieselbe vibrierende Stimme, die aus ihnen und dem
-religiösen Bekenntnis des arabischen Meisters spricht. Das Leben ein
-Traum, ein Erwachen der Tod, aber die hingegebene Seele findet den Weg
-zu ihm schon vor dem Tode, vermag sich selbst die Pforten aufzubrechen,
-den Kelch sich zu füllen aus dem Brunnen der Ewigkeiten. O Seele, du
-liegst im Sarge deiner Sinne, du moderst bei Lebzeiten, wenn du die Welt
-nicht zu verachten vermagst. Wirf hin, was du hast, so hast du ewigen
-Reichtum. Laß hinter dir die Erde, steig empor zu ihm, zu seinem Throne,
-siehe, er kommt dir entgegen, sein Geheimstes vermagst du zu schauen:
-
- Wer kündet uns das Weben,
- Das alle Wolken treibt,
- Das tief verhüllte Leben,
- Das ewig droben bleibt?
- Und doch will er sich neigen
- Dem Kinde dieser Welt
- Und läßt sein Leuchten steigen
- Hinab aufs Erdenzelt.
-
- Und läßt vor Seheraugen
- Sein ganzes Bild erstehn;
- Sonst mochte nie ihm taugen
- Daß Menschen ihn ersehn.
- Was nie sich wollt' gestalten,
- Sein Bildnis oder Maß, --
- In königlichem Walten
- Prophetenauge sah's.
-
-Das ist echt Gazzâlîsche Inbrunst. Es verkennen, hieße blind sein.
-Daraus folgt aber gleichzeitig, daß all diese zahlreichen Lieder aus der
-Zeit nach 1108 stammen, in welchem Jahre ungefähr die Werke Gazzâlîs in
-Spanien bekannt wurden. Wahrscheinlich sogar wurden sie erst nach 1120
-gedichtet. Die religiöse Reife, die aus ihnen spricht, beweist, daß
-unser Dichter die Jahre seines Irrens hinter sich hat, daß er mit sich
-selbst im Reinen ist, daß er weiß, wo die Wurzeln seiner Kraft liegen.
-Gazzâlî war Jehuda Halevis Wegführer geworden und blieb es bis an sein
-Lebensende. Al Chazârî, das philosophische Werk Halevis, mit dem er sein
-Leben beschloß, zeigt denselben Haß gegen die Spekulation, dieselbe
-Verachtung plappernder Gottesverehrung, denselben Glauben an die
-prophetische Schau des »inneren Auges«, wie Gazzâlî ihn gelehrt hatte.
---
-
-Aber noch eines war es, was Jehuda Halevi über Wasser hielt: Das war das
-naive Selbstbewußtsein, die köstliche Gabe des Genies. Er fühlte sich
-als »Siegelring seiner Zeit« berufen, ihr den Stempel aufzudrücken. Zwar
-hatte sie ihn fortgeworfen, aber er blieb doch das Siegel. Er war »der
-Riese, der sich unter Zwerge beugen muß«, aber doch Riese blieb. Er war
-»der Löwe unter den Dichtern«, den es ekelt zu dichten, weil im Weinberg
-der Poesie »sich die Füchse breit machen«.
-
-Und was war ihm sein Dichten? Nicht ein Beruf, aber eine Berufung. Er
-dichtete nicht, wie der Schuster schustert. Er glaubte an die Intuition
-alles dichterischen Schaffens. Ihm war das Höchste »der Tropfen, der vom
-Eimer rann«. Der Schaum über dem Meere. Das Meer der Weisheit krönt sich
-mit dem Schaum der Poesie. Es spricht durch den Schaum, und ihm war es
-prophetische Sprache. Oft klagt er, »daß er keine Vision erfassen
-könne«, ein anderes Mal überwältigen ihn die Verse, »ohne daß der
-Gedanke sie rief«. Dann wieder redet er sie an: »Wie seid ihr müde, ihr
-Verse, ihr meiner Gedanken Flügel wie so lahm? Zur falschen Stunde seid
-ihr immer gekommen, jetzt zur rechten schweiget ihr.« Als er einst mit
-den Freunden beim Gastmahle saß, forderten sie ihn auf, zu
-improvisieren. Er aber weigerte sich. Da wurden die Freunde immer
-fröhlicher, tranken und jauchzten ihm zu, bis er, vom Weine bezwungen,
-begeistert aufsprang und zu deklamieren begann: -- ein echt
-orientalisches Bild: Hafis in der Schenke. Jehuda Halevi dichtete, wenn
-er nicht anders konnte. Die Verse waren ihm unbändige Füllen, die sich
-oft »in seinen Zaum nicht schicken wollten«, manchmal aber plötzlich in
-seinem Zügel waren und den Taumelnden mit sich rissen. Er war ein echter
-Prophet der Dichterwelt. Und als Prophet fühlte er sich. In seinem Werke
-Al Chazârî spottet er derer, welche der Dialektik bedürfen, um ins
-Innere der Natur zu dringen. Sie sind ihm wie Dichter, die Silben
-zählen. »Der Schwachkopf braucht Dialektik, dem von der Natur zur
-Gottesschau Begnadeten fällt eines frommen Wortes Funken ins Herz, und
-schon steht seine Seele im Licht.«
-
-Wenn Jehuda Halevi so sprach, sprach er von sich selbst. Dieses
-Selbstbewußtsein aber lehrte ihn schätzen, was er hatte, und verachten,
-was ihm versagt war. Sein war der bessere Teil: --
-
- Und sie fragen: Kannst du leben
- Ohne Bruder freudevoll? --
- Ja, ich kann's: aus eigner Seele
- Stets mir meine Freude quoll!
-
-Und ebenso lernte er den Pöbel hassen, den gebildeten Pöbel vor allem,
-lernte es, »seine Perlen zu vergraben«, zu sorgen, daß »seines Goldes
-kein Ring in den Rüssel eines Schweines komme«. Dieser Haß gegen die
-Welt blieb ihm bis an sein Lebensende. Er hat seiner Zeit nie ganz
-vergeben können, was sie an ihm gesündigt hat. Noch in seinen letzten
-Tagen klagte er über die Menschen, die gerade die Besten immer leiden
-lassen, über die Fürsten, die mit ihrem Golde sein Gottesgnadentum
-anzutasten wagten.
-
-Trotzdem entwand er sich von Jahr zu Jahr mehr der Verbitterung, die
-seine jungen Tage vergällt hatte. Seine frohe Religiosität blieb
-Siegerin. Er hörte auf, zu hoffen auf das, was die Menschen Glück
-nannten, und nichts blieb als der triumphierende Stolz des Dichters auf
-sein gnadenreiches Leben. Was waren alle Schätze der Erde neben seinem
-Reichtum, alle Pfeile des Neides und Hasses gegenüber seiner göttlich
-gefeiten Brust:
-
- Sprechet nur zur Welt, zur schlimmen:
- Mag sie tun, was ihr gefällt,
- Härter doch als ihre Dornen,
- Stärker ist mein starkes Herz.
- Darf ich ihre Weine kosten,
- Will ich auch die Hefen nippen,
- Besseres verlang' ich nicht;
- Denn erprobt ist meine Seele:
- Alle gift'gen Bitternisse
- Werden. Honig meinen Lippen.
-
-Das ist der ganze Jehuda Halevi. Was konnten Hunger, Verkennung, Neid,
-Haß, Erniedrigung ihm anhaben?
-
- Immer an der Morgenröte
- Laß ich meine Wimper hängen:
- Seelen, die sich selbst erheben,
- Seelen, die in Hoffnung leben,
- Gott wird ihre Tore sprengen! --
-
-So endete sein Selbstbewußtsein dennoch wieder dort, wo seine Demut
-endete: -- In Gott.
-
-
- VIII
-
-Jehuda Halevi war zum Manne gereift. Die Zeit der Irrfahrten war
-vorüber. Die Kämpfe freilich noch nicht. Noch manchen Sturm mußte seine
-Seele ertragen. Um das Jahr 1120 finden wir ihn in Sevilla wieder, wo er
-zum erstenmal eine Art Heimat gefunden zu haben scheint. Hier wird es
-wohl auch gewesen sein, daß er jene Frau heiratete, von der wir nichts
-wissen, als daß sie ihm eine einzige Tochter schenkte und daß sie vor
-ihm starb. Selbst ihr Name ist uns unbekannt. Hier schloß er auch die
-Freundschaft mit dem erheblich jüngeren Abul Hasan Meîr ibn Kammiâl, der
--- wahrscheinlich 1121 -- an den Hof des Almoraviden Alî als Leibarzt
-berufen wurde. Er scheint Jehuda Halevi materiell unterstützt zu haben.
-Die Freundschaft zu ihm aber hat dem Dichter auch einen inneren Halt
-gewährt. Er fühlte sich nämlich in Sevilla durchaus nicht wohl. Er
-scheint damals aus sich herausgegangen zu sein, um für seine religiöse
-Ueberzeugung, die ja dem Judentum seiner Zeit ebenso fremd war wie
-Gazzâlîs Lehre der islamischen Theologie, Anhänger zu gewinnen. Es
-gelang ihm nicht, seine Stammesgenossen zu der Tiefe und Innigkeit
-seines Glaubens zu bekehren. Sie plapperten weiter ihre Gebete an der
-Wand stehend »wie die Ochsen an der Krippe«. Man nahm ihm sogar übel,
-daß er ein anderes Judentum wollte als die anderen, und sprach ihm die
-Berechtigung ab, mitzureden, indem man ihn auf seine materielle Notlage
-hinwies. Was unterstand der arme Teufel sich, die reichen Juden aus den
-Palästen Sevillas zu meistern? -- So entlud sich sein ganzer Zorn über
-das dickfellige Protzentum dieser Menschen, die nur »den Baum mit den
-Aepfeln aus Gold als Baum der Erkenntnis anerkennen wollten«. Damals
-gewährte ihm der Umgang mit dem jungen, hochbegabten Kamniâl eine große
-Beruhigung. Es war eine innige Freundschaft, welche die beiden verband,
-in der allerdings Jehuda Halevi, obgleich erheblich älter als Ibn
-Kamniâl, wie immer der beherrschte Teil war.
-
-Viel mehr können wir aus den Tagen von Sevilla freilich nicht erzählen.
-Auch dauerten sie nicht allzulange. Wir schätzen die Zeit seines
-dortigen Aufenthalts auf ungefähr fünf Jahre. Danach weist uns eine
-verwischte Spur auf ein kurzes Verweilen in Cordova hin, wo er den Tod
-des Rabbi Baruch ben Isak Albalia (st. 1125) erlebt zu haben scheint.
-Dann finden wir den bereits grau werdenden Dichter in Granada. Aber auch
-dort hielt er es nicht aus, sondern verließ schließlich Andalusien ganz
-und zog nach dem Norden in die Heimat zurück, von der er ausgezogen:
-Toledo.
-
-
- IX
-
-Was ihn zu diesem Schritte veranlaßte, ist zweifelhaft. Möglich, daß ihn
-der 1126 erfolgte Regierungsantritt des Königs Alfonso VII. Raimundez
-von Kastilien dazu bewog. Dieser war den Juden freundlich gesonnen.
-Seitdem er gar den edlen Jehuda Hanassi ibn Esra mit einem hohen
-Staatsamte betraut hatte (1129), wurde Kastilien für die Juden geradezu
-ein Asyl. Die Zeit, in der Jehuda Halevi nach Toledo kam, würde nach
-dieser Auffassung um 1130 anzusetzen sein, was mit seinen übrigen
-Lebensverhältnissen in Einklang stehen würde. Jehuda Halevi ließ sich in
-Toledo als Arzt nieder und entfaltete bald eine große Tätigkeit. Zu groß
-für ihn. Er fühlte sich nach kurzer Zeit als ein Knecht seines Berufes.
-Zudem empfand er die Nichtigkeit seines Wissens und Könnens, klagte über
-die Wertlosigkeit seiner Kunst und über die Dummheit der Leute, die zu
-jeder möglichen und unmöglichen Stunde zu ihm gelaufen kamen, um Heilung
-zu verlangen, und brutal wurden, wenn er nicht heilen konnte. Trotzdem
-war er ein besserer Arzt, als er selber glaubte. Die natürliche
-Behandlung, die er anwandte, indem er das Hauptgewicht auf die Hygiene,
-auf Luft und Licht, Essen und Trinken, Bewegung und Ruhe, Schlafen und
-Wachen legte, verschaffte ihm viel Vertrauen. Und wenn ihm die
-angestrengte Tätigkeit auch lästig war, so hat sie ihm doch aller
-Wahrscheinlichkeit nach das gebracht, was ihm immer gefehlt hatte, die
-materielle Sorglosigkeit. Als er einige Jahre später nach dem Süden
-zurückkehrt, ist er ein unabhängiger Mann.
-
-
- X
-
-Um 1135 wird es gewesen sein, daß Jehuda Halevi über die Brücke von
-Cordova schritt, um nie wieder diese Stadt zu verlassen bis zu dem
-Augenblicke, wo er seine Wallfahrt nach Palästina antrat.
-
-Cordova! Dieser Name bedeutet die letzte und reichste Epoche im Leben
-Jehuda Halevis. Eine glückliche Epoche. Wohl war er äußerlich ein
-alternder Mann geworden, als er seinen Einzug in die herrliche Stadt
-Andalusiens hielt. Aber er selber wollte es nicht wahr haben. Denn er
-fühlte sich jung wie am ersten Tag. Die schwarze Locke war ergraut, aber
-darunter blühten frische, jugendliche Züge, und es war seine Eitelkeit,
-auf den anmutigen Gegensatz zwischen dem weißen Haar und den braunen vom
-Barte umrahmten Wangen hinzuweisen. Die Unstetheit seines Lebens hatte
-ihn nicht beugen können. Spät war die Ruhe gekommen, aber nun war sie da
-und trug herrliche Blüten und Früchte.
-
-Cordova! Hier lernte er kennen, was Ruhm heißt. »Ganz Israel bekennt
-sich zu dir,« rief ein Freund ihm zu. Und selbst konnte er von sich
-sprechen: »Jehuda Sohn Samuels! Enkel Samuels! Sein Zelt ist bekannt von
-den Enden Edoms bis zum Flachlande, von Kastilien bis Andalusien.« Man
-hörte auf ihn. Es sammelten sich Schüler um ihn, die er »als seines
-Gartens Blumen« liebte und pflegte, und die mit Andacht am Munde des
-Meisters hingen, der ihnen seine Religion predigte und den Glauben
-seines Lebens.
-
-Von vielen umworben, gewährte er doch nur wenigen das Glück seiner
-Freundschaft. 1138 wurde Joseph ibn Zadîk Dajan[2] von Cordova. Er war
-es, der unserem Dichter am nächsten stand, in seinem Hause weilte er am
-liebsten, ihm Ehrenlieder weihend, die auf den Gastereien Ibn Zadîks
-vorgetragen wurden. Aber auch ein spätes Familienglück erblühte ihm
-noch. Er konnte seine Tochter verheiraten und wiegte noch ein
-Enkelsöhnlein auf den Knien, das denselben Namen trug wie er.
-
-Im Scheine dieses abendlichen Glückes setzte sich Jehuda Halevi noch
-einmal nieder, um in einem umfangreichen Werke die letzten Schlüsse
-seines Lebens zu ziehen. Das ist die philosophische Schrift Al Chazârî,
-»das Buch des Argumentes und Beweises zur Verteidigung des verachteten
-Glaubens«. Als er im Jahre 1140 dieses Werk begann, da sollte es eine
-Streitschrift werden, eine Streitschrift gegen die Feinde von außen und
-die Feinde von innen. Seine weithin hallende Stimme sollte vom Ruhme
-Israels zeugen. Als er es beschloß, war es viel mehr geworden: Das
-persönlichste Bekenntnis seines Lebens. Und schreibend war er selbst ein
-anderer geworden.
-
-Al Chazârî ist ein philosophisches Werk, geschrieben von einem Verächter
-der Philosophie, das sagt alles. Ein Werk des Verstandes, in
-Leidenschaft begonnen und vollendet, ein Werk des Beweises, dessen
-Argumente allein in seinem Pathos liegen. Dem kritischen Geiste hält es
-nicht stand, aber dennoch ist es stärker als er; um so viel stärker, wie
-Jeremia stärker ist als Aristoteles. Al Chazârî ist das Werk eines
-Dichters. Schon die Form ist eine dichterische: Der Dialog. Der König
-der Chazaren ringt um die Wahrheit. Eine Stimme war im Traume über ihn
-gekommen: »Dein Wille gefällt mir, doch nicht die Tat!« Da geht er, die
-Tat zu suchen. Aber er findet sie nicht. Der Philosoph, der Christ, der
-Muslim lassen ihn im Dunkel. Schließlich kommt er zum Juden, den er
-verachtet. Der lehrt ihn die Tat. Lehrt ihn die realste aller
-Religionen, das unmittelbarste Wissen von Gott: Offenbarung. Offenbarung
-ist das A und das O dieses Werkes. Und seine verschwiegene Predigt ist,
-daß Offenbarung gesucht und erkämpft werden muß und -- kann. Wohl hat
-die arme Zeit nichts als Ueberlieferung, die Tradition von Mund zu Mund,
-die ihr die Wahrheit aller göttlichen Offenbarungen verbürgt. Aber diese
-Ueberlieferung ist selbst Offenbarung, weil es die Ueberlieferung der
-Adelsmenschen dieser Welt ist, die Ueberlieferung derer, die am Fuß der
-Himmelsleiter stehen. Es ist das Kleinod Gottes, Israel, das die
-Gottesschau der Sechsmalhunderttausend kündet. Wer redet da? Wer wagt es
-zu zweifeln? Weh dem, der die Kette zerreißt, die uns mit den
-Jahrtausenden rückwärts verknüpft! --
-
-Werden wir noch einmal Gott schauen? Ist es möglich, zu ihm zu dringen?
-Wer trägt uns zu seinem Throne? -- Der denkende Geist? Nimmermehr.
-Tausendmal heiler als das Auge der Spekulation ist das Auge der
-Prophetie. Wer beweisen will, geht in die Irre. -- Die Selbstkasteiung?
-Allein wird sie uns niemals Gott näher bringen. Eines muß hinzukommen:
-Die gute Tat. Sie ist die Kraft, die uns helfen wird. Nur durch Gottes
-Wort kommt man zu Gott. Sein Gebot ist die Brücke, die zu ihm führt. --
---
-
-
- XI
-
-Das Werk Jehuda Halevis näherte sich seinem Ende. Der Dichter fühlte,
-daß er seine Seele ausgeblutet hatte in dieses Werk. Es war die Predigt
-seines Lebens, die er der Mitwelt bot. Der Adelsmantel, den er Israel
-umhängt, trägt das Wappen seines eigenen Adels, des eigenen Wertes
-Bewußtsein ließ ihn das Kleinodentum Jakobs künden. Und das Gefühl des
-eigenen Prophetentums war es, was ihn als höchste Stufe die Stufe der
-Prophetie predigen ließ. Er wußte, was Offenbarung war. So konnte er von
-Offenbarung sprechen und sprach vom eigenen Leben. Und doch, obgleich er
-sich so für einen von Gott mit der tiefsten Schau Begnadigten hielt,
-doch wuchs sein Werk über ihn hinaus. Er hatte seinem Geschlecht den Weg
-zu Gott zeigen wollen. Am Ende fühlte er, wie fern er selbst noch von
-ihm war, wie unvollkommen sein Tun. Ein kleines Geschlecht war es, dem
-seine Rede gegolten hatte, aber er selbst war dieses Geschlechtes Knecht
-gewesen ein Leben lang. Um ihre Gnade hatte er geworben, ihr Lob war ihm
-Lebensbedürfnis gewesen, wie süß war der sauer erkämpfte Ruhm. So
-erwuchs ihm die erschütternde Gewißheit, daß seine Lehre mit seinem
-Leben nicht stimmte. Und die Unruhe, die sein ganzes Leben erfüllt
-hatte, kam wieder über ihn. Ein Suchen entzündete sich in seiner Seele.
-Eine Zeit schwerer Kämpfe folgte, aus denen heraus sich ein Entschluß
-läuterte, der alle seine Freunde in Schrecken setzte und sie fast an
-seinem Verstande zweifeln ließ: Jehuda Halevi wollte Spanien für immer
-verlassen und nach Palästina wandern. Er wollte sterben für seine Welt,
-sterben für seine Familie, sterben für seine Freunde, um das wahre Leben
-zu gewinnen. Der Gedanke, daß nur die vollkommene Tat zu Gott führe,
-brannte ihm die Seele. Er mußte dorthin, wo allein die Taten vollkommen
-werden konnten, ins heilige Land der Väter. Dort allein war die letzte
-Erfüllung des göttlichen Wortes möglich. Dort war das Tor, »das von der
-Erde in den Himmel führt«, dort die Jakobsleiter zur höchsten Schar.
-Dort würde er Gott schauen Auge in Auge, dessen war er sicher.
-
-Vergebens waren die Warnungen der Freunde, die eine schwere Enttäuschung
-für den Dichter voraussahen. Oft gelang es ihnen fast, ihn wankend zu
-machen. Es kamen Augenblicke der Angst und des Zweifels für ihn. Immer
-aber gewann der eine süße Gedanke in ihm die Uebermacht: »Zion, Zion, du
-Krone der Zeit!« Lächelnd sah er das Ziel vor Augen. Es war ihm
-unentrinnbare Selbstverständlichkeit geworden.
-
-Der Entschluß war gefaßt. Der Tag der Abreise kam. Da sammelten sich die
-wenigen Freunde in Cordova zum letzten Male. Es bildete sich eine kleine
-Gefolgschaft um ihn, die bereit war, mit ihm zu ziehen. Josef ibn Zadîk
-sandte ihm eine reiche Abschiedsgabe, die er mit folgenden, die Größe
-und den Charakter Jehuda Halevis tief kennzeichnenden Worten begleitete:
-
- Armut schließt uns unsre Rechte;
- Darum, was die Seele möchte,
- Reicht sie leider dir nicht dar:
- Wie belohnen wir dein Künden,
- Juda, der uns armen Blinden
- Ein so großer Künder war?
-
- Liedesvater, sag' mir, zeugte
- Dich der Dichterkönig? Säugte
- Selig einst Deborah dich?
- Seelen jagst du, nicht mit Schlingen,
- Nein, in deiner Liebe fingen
- All die frohen Herzen sich.
-
- Deine Lippen sind so süße,
- Deine Reden Heldengrüße,
- Klar dein Wort und mannazart;
- Löwe und Gazelle scheinen
- Herrlich sich in dir zu einen:
- Kraft und Schwäche hold gepaart.
-
-Dankerfüllt sang Jehuda Halevi noch einmal den Ruhm des Freundes. Dann
-umarmte er zum letzten Male die geliebten Schüler, die Tochter, den
-kleinen Jehuda, um sich plötzlich loszureißen und die Tore Cordovas
-durchschreitend dem Süden zuzueilen, wo das Schiff ihn erwartete, das
-ihn zu den Bergen der Heimat tragen sollte. Schon zu lange hatte er
-gezaudert. Deshalb konnte es ihm jetzt nicht schnell genug gehen. Wohl
-wußte er, daß in Granada ihn Freunde erwarteten, die ihn das letzte Mal
-sehen wollten. Aber die Angst, aufgehalten zu werden, veranlaßte ihn,
-die schöne Granatenstadt gar nicht zu berühren.
-
- Es steht der Libanon vor mir,
- Da darf ich nicht »Granaten« pflücken:
- So will es meiner Sünden Zahl,
- Die Frevel so, die allzumal
- Auf meine Seele drücken.
-
-
- XII
-
-So kam er zum Meere, das ihm nicht unbekannt war. Oft hatte er an seinem
-Strande gesessen und mit den Kieseln gespielt oder den Wellen gelauscht,
-die kamen und gingen wie ein unterwürfiges Heer, die Hand des Königs zu
-küssen. Jetzt sollte er sich diesem Heere anvertrauen. Zagend betrat er
-die Planke des Schiffes und sah sich bald von brutalem Schiffsvolk
-umgeben, das prahlend die Klugen verachtet und nur den Schwimmer
-schätzt.
-
-Die Reise war zunächst von günstigen Winden begleitet. Dann aber kamen
-stürmische Tage, an denen der Dichter unter der Seekrankheit litt.
-Gleichzeitig verfolgte ihn die Angst vor Piraten, und auch die
-Schiffsleute flößten ihm Mißtrauen ein. Trotz alledem aber brachten ihm
-die Tage auf dem Meere Augenblicke der höchsten dichterischen
-Offenbarungen. Ob der Sturm ihn umbrauste oder der Sternenhimmel der
-Mitternacht in die spiegelnden Fluten sank, seine Augen waren weit
-geöffnet, aus dem Brunnen der ewigen Erhabenheiten zu trinken. Er hat
-die Natur des Weltmeeres ausgeschöpft, wie sie sich nur ausschöpfen
-läßt. Die Woge sprach zu ihm, aber was sie sprach, war wieder nur und
-konnte nur eines sein: -- Gott.
-
-Das Schiff war seinem Ziele nahe. Da brach -- es war im September des
-Jahres 1141 -- eines Tages ein stürmischer Ostwind los, der das Schiff
-nicht vorwärts ließ, vielmehr es zwang, rückwärts segelnd im Hafen
-Alexandrias vor Anker zu gehen. Bitterer Unmut erfaßte Jehuda Halevi.
-Aber es half ihm nichts, er mußte an Land. Doch nahm er sich vor, sobald
-als die Stürme nachließen, wieder in See zu gehen.
-
-Kaum jedoch hatte sich unter den Juden Alexandrias die Kunde verbreitet,
-daß der gefeierte Dichter des Abendlandes in der Stadt sei, als sie
-herbeiströmten, ihn zu sehen und mit den ausgesuchtesten Ehren zu
-überhäufen. Der reichste Jude der Stadt, der Arzt und Rabbi Aaron ben
-Zion ibn Alamânî, zog ihn in seinen Palast. Dieser Palast allein schon
-wirkte auf den überraschten Dichter überwältigend. Da ging man über
-goldbedeckte Quadern, stieg in die Gärten hinab und wandelte zwischen
-blühenden Narden und Cyprusblumen an duftenden Springbrunnen vorüber zu
-den Myrtenlauben, in deren Zweigen die Nachtigallen sangen, während
-gurrende Tauben die Wege bedeckten. Alamânî veranstaltete für den
-Dichter rauschende Festlichkeiten, auf denen ihm die Edelsten
-Alexandrias in ausgelassenem Jubel huldigten, trinkend und singend und
-ihm selbst zum Singen begeisternd. Jehuda Halevi war bezwungen. So viel
-Liebe hatte er sich nicht träumen lassen. Er konnte nicht anders: er
-mußte diese Stunde genießen und blieb. So hatte ihn das Erdentum wieder
-umfangen, da er sich ihm längst enthoben wähnte. Ein später
-Liebesfrühling wird dem fast Sechzigjährigen beschert. Mit
-anakreontischer Freude singt er von reizenden Abenteuern unter den
-Fenstern der Schönen.
-
-Dann aber kommt wieder die Wirrnis über ihn, und die Sehnsucht nach Zion
-erwacht von neuem. Die Sabbathe verhüllen ihm ihre Weihe, er kann nicht
-wahrhaft froh werden, er fühlt, daß er sich selber untreu geworden ist.
-So sehnt er sich, aus Alexandria fortzukommen. Eines Tages trifft aus
-Damiette ein Bote des Abû Sa'îd Chalfon Halevi ein, der ihm einen Brief
-von dem Fürsten der ägyptischen Juden, dem Nagid Abû Mansûr Samuel ibn
-Chananjah, überbringt. Jehuda Halevi wird eingeladen, nach Kairo zu
-kommen, um sich im Palaste des Fürsten seiner Gastfreundschaft zu
-erfreuen. Sofort sagt er zu und meldet gleichzeitig seinen Besuch in
-Damiette für später an. Er hofft, der Fürst wird ihm helfen, bald zum
-Ziele seiner Sehnsucht zu gelangen. Nachdem er in Alexandria noch einige
-Einkäufe erledigt hat, fährt er nach Kairo. Der Eindruck, den der
-glänzende Hofstaat des Nagid auf ihn macht, ist noch größer als der, den
-er in Alexandria gehabt hat, und übertrifft alle seine Erwartungen. Wenn
-er den Fürsten in seiner Staatskarosse unter den Klängen rauschender
-Musik und von Soldaten begleitet ausfahren sieht, muß er an Josef in
-Aegypten denken. Solche Macht eines Juden hatte er in Spanien nie
-gesehen. Samuel spielte in der Tat am Hofe des fatimidischen Sultans Al
-Hafis eine bedeutsame Rolle und konnte dadurch seinen jüdischen Brüdern
-eine starke Stütze sein.
-
-Er empfängt unseren Dichter mit den höchsten Ehren, und als Jehuda
-seinen Palast betritt, fühlt er, daß er in ein Haus der Liebe und Freude
-getreten ist. Hier wird das ruhebedürftige Herz zur Ruhe kommen. Ein
-Fest folgt nun wieder dem anderen. Es ist, als wenn Aegypten ihn
-entschädigen will für die vielen Jahre der Entbehrung und Verkennung.
-Aber wieder kommen die Gedanken an das letzte Ziel und trüben die
-Freude. Wieder ergreift ihn die Unrast und treibt ihn weiter. Wenige
-Tage vor dem Chanukafest verläßt er plötzlich Kairo, um nach der
-Hafenstadt Damiette zu fahren, von wo aus er mit Hilfe des bereits
-genannten Abû Sa'îd Chalfon Halevi endlich ans Ziel zu gelangen hofft.
-In Damiette verweilt er genau vierzehn Tage bis zum elften des Monats
-Tebet. Hier wird er tief von der paradiesischen Natur Aegyptens
-ergriffen, die dem Dichter ihre ganze Blütenpracht enthüllt. Noch einmal
-tritt die Jugend vor seine Augen, alte Träume steigen empor, Träume der
-Liebe und Freundschaft. Abû Sa'îd versucht ihn zurückzuhalten, wie es
-jeder in Aegypten versucht hat. Man hatte ihn durch rauschende Feste von
-dem Ziele seiner Sehnsucht ablenken wollen, das so schön war und doch
-mit Enttäuschung enden mußte. Schließlich aber muß der Freund doch
-nachgeben, und am Tage nach dem Fasten des Tebet besteigt Abul Hasan
-Jehuda Halevi die Barke auf dem Nil, um weiter zu fahren: stromaufwärts
-oder stromabwärts? Wir wissen es nicht. Mit diesem Tage schließt für uns
-das Leben Jehuda Halevis. Schließt mit einer Frage: Hat er das Ziel
-seiner Sehnsucht erreicht? Ist er, wie die Sage erzählt, im Tore
-Jerusalems von dem Rosse eines daherjagenden Sarazenen zerstampft
-worden? Oder hat man ihn irgendwo im ägyptischen Sande verscharrt? --
-
-Wir wissen nichts von seinem Ende. Wissen nur, daß er mitten im Jubel
-der ägyptischen Tage vom Tode redete, vom Grabe, das vor ihm liege, und
-vom Greisentum, das nun nicht mehr zu verheimlichen sei. Und wenn es
-wahr ist, daß Todesahnen des Sterbens Anfang ist, so trug er den Keim
-des Todes schon damals in sich, da er mit zitternder Hand dem Fürsten
-Samuel die flehenden, von geheimer Angst erfüllten Worte schrieb, mit
-denen wir sein Leben beschließen wollen:
-
- Wollt ihr Liebes mir vergelten,
- Sendet meinem Herrn mich zu:
- Eh' ich unter seinem Zelte
- Glücklich nicht das meine stellte,
- Find' ich keine Ruh'.
-
- Haltet mich nicht auf zu eilen,
- Da mich schon die Angst erfaßt:
- Unter seinem Flügel weilen
- Und der Väter Ruhe teilen
- Bleibt doch meine einz'ge Rast.
-
-
- XIII
-
-Es bleibt noch übrig, ein kurzes Wort über die Dichtungen Jehuda Halevis
-zu sagen. Wer sie genießen will, muß es lernen, sich auf die kurze Zeit
-seines Genießens aller abendländischen Traditionen zu entschlagen.
-Dieser Dichter ist ein Orientale. Der Orientale dichtet nicht wie der
-Abendländer. Er weiß nicht, was das heißt: Kunstwerk. Er fängt an zu
-singen, sorglos, wie er enden wird. Die orientalische Dichtung hat etwas
-Sprudelndes, geheimnisvoll Bewegliches. Hier fehlt alle Konzeption und
-Komposition. Nirgends spürt man die bauende Hand, nirgends die Energie
-zügelhaltenden Künstlertums. Das singt und musiziert wie die Vögel im
-Walde, endlos jubilierend. Daher die erstaunliche Fruchtbarkeit dieser
-Poeten aus dem Lande der Morgensonne. Ihre Lieder zählen immer nach
-Tausenden.
-
-Es ist der tiefe Unterschied zwischen Morgen- und Abendland, der sich
-hier kundtut. Der Abendländer ist induktiver, der Morgenländer
-intuitiver veranlagt. Dieser schaut, jener sinnt. Hier Prophet, dort
-Denker. Der Orientale hängt am Einzelnen, springt über zum Anderen,
-flüchtet zum Dritten, eines aber bleibt ihm ewig verhüllt: Das Ganze.
-Die Dinge sind beieinander, nicht ineinander. Das ist kein Vorteil, aber
-auch nicht immer ein Nachteil. Wo es so liegt, wird die Historie zwar
-leicht anekdotisch, die Dichtung geistreich. Aber es bleibt dafür alles
-ursprünglich, nichts erstarrt in der Form, nichts erfriert in der
-Methode.
-
-Man kann den orientalischen Geist am besten an der Sprache studieren. Im
-Semitischen wird koordiniert, nicht subordiniert. Es gibt kaum eine
-Syntax. Die feinen Nüancen unserer Rede sind unmöglich, oder besser
-gesagt: sie sind teils verborgener, teils umständlicher als bei uns.
-Woraus die unendliche Schwierigkeit für den Uebersetzer entspringt. Der
-Uebersetzer muß in den Geist der semitischen Sprachen soweit
-eingedrungen sein, daß er die verborgenen Nüancen des Beieinander zu
-spüren vermag. Denn seine Aufgabe ist es, das Koordinierte zu
-subordinieren, ohne die zartesten Töne zu verwischen. Ist dies gelungen,
-so wird der Okzidentale den Orientalen begreifen. --
-
-Jehuda Halevi ist ein Kind zweier Kulturen, der arabisch-andalusischen
-und der jüdischen. Obgleich all seine Dichtungen in klassischem
-Hebräisch geschrieben sind, ist er doch in seinen profanen Gesängen der
-echte arabische Rhapsode. So sehr, daß er als Repräsentant der
-arabischen Dichtung gelten kann: Dieselbe Glut der Farben, derselbe
-Strom wechselnder Bilder, dieselbe Ungebundenheit der Sprache, dieselbe
-Gewagtheit sinnlichen Schauens und dieselbe Grazie hinfließender, ewig
-wandelbarer Stimmungen. Man spürt das Pathos und die Deklamation. Die
-Lieder der Liebe und die Episteln der Freundschaft sind es vor allem,
-die Form und Inhalt nach bei Jehuda Halevi echt arabisch sind. Das
-Kommen und Gehen im Traume, das geheime Wandeln der Seele auf den Pfaden
-der Liebe, das Suchen nach den verwehten Spuren auf der Freundschaft
-Trümmern, die Klage um Scheiden und Meiden, die in tausend Tränen
-zerrinnt, der Ueberschwang der Sehnsucht, die Uebertreibung des Lobes,
-alles so leicht, so bunt, so redselig ausfließend bis auf den letzten
-Tropfen, so echt -- arabisch.
-
-Am größten aber ist Jehuda Halevi zweifellos in seiner religiösen
-Dichtung. Dort treffen sich die beiden Welten in ihm. Die Ungebundenheit
-des Arabers findet hier einen Zügel: Den jüdischen Geist. Dieser Geist,
-obgleich ebenfalls orientalisch, hat es doch zu einer Aesthetik
-gebracht. Palästina war der einzige Punkt im Morgenlande, wo echtes
-Künstlertum wuchs: ein Künstlertum des Lebens. Die Harmonie des
-Einheitsgedankens im All, die Akkorde der Völker in der Weltgeschichte,
-die Zentralität Israels, des Kleinods, das waren mächtig ordnende und
-bauende Gedanken. Und vor allem: Für Jehuda Halevi war es lebendiges
-Leben. Darum offenbart sich nirgends so wie in seiner religiösen Poesie
-sein Künstlertum. Hier ist er auch der Moderne am verwandtesten:
-Ueberall geschlossene Reihen, abgetönte Stimmungen, harmonische
-Steigerungen und Lösungen. Die Poesie der Andeutung, die ohne höchste
-Einheit des künstlerischen Bewußtseins nicht zu erreichen ist, finden
-wir hier in wunderbar zarter Vollendung. Die geheimsten Wirkungen
-moderner Stimmungen werden hier ausgelöst. Bedenken wir, daß der Dichter
-dem Zeitalter der deutschen Minnesänger angehört, so müssen wir geradezu
-erstaunen über die Differenziertheit seiner Empfindungen. Sie wird
-verständlich, wenn wir erwägen, daß er in seinem Lande das Kind einer
-blühenden Hochkultur gewesen ist.
-
-So bewundern und verehren wir in ihm zweierlei zu gleicher Zeit: Die
-ursprünglichste Natur einer verschwendenden Dichterseele und die höchste
-Geisteszucht eines zwei Kulturen in sich vereinenden Genies. Damit hat
-die Dichtergröße Jehuda Halevis ihren Namen erhalten.
-
-Nun aber möge er selbst zu euch sprechen, in all seiner Schwere und all
-seiner Grazie. Vielleicht daß er Seelen findet, die mit seiner Seele
-klingen. Dem, der ihn übersetzt hat, ist er Offenbarung geworden. Wer
-ihn aber immer lesen mag, er stehe still vor ihm. Hier ist heiliger
-Boden: Ecce poeta.
-
-[1] Eine Art von Derwischen, die ein Leben in Kontemplation führen.
-
-[2] Dajan ist der jüdische Gemeinderichter.
-
-
-
-
- QUELLENNACHWEIS
-
-
-Nach zwölfjähriger, immer wieder neu aufgenommener Arbeit läßt der
-Uebersetzer diesen Diwan erscheinen. Die hier gebotenen Uebertragungen
-sind ursprünglich mehr oder weniger freie Nachdichtungen gewesen. Erst
-allmählich erwachte in dem Uebersetzer aus dem Interesse, sich von dem
-mittelalterlichen Sänger Anregungen zu seinem eigenen Schaffen geben zu
-lassen, das Interesse, diesem Sänger selbst zum Rechte zu verhelfen.
-Dieses Interesse stieg mit der wachsenden Erkenntnis, daß alles bisher
-an Uebersetzungen Gebotene ohne Ausnahme ungenügend war. Von den
-Schwierigkeiten, die freilich solcher Uebersetzung von Versen aus einer
-semitischen in eine indogermanische Sprache entgegenstehen, war bereits
-am Ende der biographischen Darstellung die Rede. Es bleibt der
-Oeffentlichkeit überlassen zu beurteilen, wieweit diesmal das
-Erforderliche geleistet worden ist.
-
-Neben der Uebersetzung hat der Uebersetzer sich vor allem die
-sorgfältige Auswahl der Gedichte angelegen sein lassen. Sein Bestreben
-war, den Dichter in seinem ganzen Können zu zeigen, aber alle
-Wiederholung des nach der Sitte orientalischer Barden sich nur zu oft
-Wiederholenden möglichst zu vermeiden. Die Auswahl, die wir bieten,
-zeigt in Wirklichkeit den ganzen Dichter.
-
-Das Nachwort macht zum ersten Male den Versuch, das uns fast gänzlich
-unbekannte Leben Jehuda Halevis aus seinen Gedichten neu zu
-konstruieren. Die Art der Veröffentlichung verbot dabei, den ganzen
-wissenschaftlichen Apparat mit erscheinen zu lassen. Hier am Schluss nur
-soll der Quellennachweis folgen: Die hauptsächlich von uns benutzte
-Ausgabe ist die von Dr. H. Brody, Divân des Abû-l-Hasan Jehuda ha-Levi,
-Berlin 1894, 1896-97, 1903 in zwei Bänden mit Anmerkungen und Kommentar.
-Leider ist diese klassische Ausgabe noch immer nicht vollständig
-erschienen. Wir mußten deshalb ergänzend noch folgende ältere Ausgaben
-heranziehen: 1. Diwân des Rabbi Jehuda ha-Levi, herausgegeben von S. D.
-Luzatto, Lyck 1864, eine ausgezeichnete, aber nur 86 Stücke lediglich
-religiösen Inhalts umfassende Ausgabe. 2. Rabbi Jehuda ha-Levi von
-Abraham Elia Harkavy, Warschau 1893, eine ganz unselbständige und
-textlich unzureichende Arbeit.
-
-Wir zitieren nach den Herausgebern.
-
-
-1. _Gott_: Du Quell des wahren Lebens ... liqrath m.qor chajê emeth
-arûçâ: Brody II, S. 296, Nr. 75 (in die 2. pers. sing. übertragen).
-
-Wenn die Sterne sich entzünden ... j'îrûn kokhbhê nishpi: Luzatto Nr.
-37, S. 15 a.
-
-Du Seele willst ins Vaterhaus ... nêfesh l.bêth âw thikhs.fâ gam
-kâl.thâ: Brody II, S. 306, Nr. 89 (in die 2. pers. sing. übertragen).
-
-Mein Leib und Leben ... jiçrî wîçûrâj: Luzatto Nr. 71, S. 29 a.
-
-Um sein Antlitz alle Frommen flehen ... jchallu pnê êl chaj chasîdâw
-w.jishalu: Luzatto Nr. 24, S. 11 a.
-
-Gottes Hand wird dich beschatten ... çêl j.dê êl j.hî lokh machase:
-Luzatto Nr. 35, S. 14 b.
-
-Zu dir steht all mein Sehnen ... 'adonaj negd.kha kol ta'awâthi: Luzatto
-Nr. 52, S. 18 b.
-
-Hin nach meines Lebens Quelle ... ligrath m.qôr chajaj 'etên m.ghamâthî:
-Luzatto Nr. 56, S. 21 a.
-
-Wenn du allein des Herren harrst ... 'im l'elohâjikh l.bhad tochîlî:
-Brody II, S. 248, Nr. 27.
-
-Halt, o Herz! Wer darf sich wagen ... libî 'amôd kî mî b.sôd: Brody II,
-S. 218, Nr. 8.
-
-Knechte der Zeit: -- Knechte der Knechte ... 'abhdê z.mân 'abhdê
-'abhâdim hêm: Brody II, S. 300, Nr. 83.
-
-Tag und Nacht will ich den Herren loben ... jômâm wâlailâ hallêl
-la'adônay: Luzatto Nr. 34, S. 14 b.
-
-Jugend ist wie leichte Flocken ... j.shênâth b.chêq jaldûth l.mâtay
-tishkh.bhî: Luzatto Nr. 42, S. 16 a.
-
-Mein Gott, ich will dich ehren ... joh shimkhâ: Luzatto Nr. 65, S. 24 a.
-
-Bevor du mich geschaffen ... j.dâ'tânî b.terem tiçrênî: Luzatto Nr. 30,
-S. 13 a.
-
-Ruhig, ruhig, liebe Seele ... shûbhî j.chîdâ el m.nûchêkh: Brody II, S.
-217, Nr. 5.
-
-
-2. _Israel_: Wahrheit, ich liebe dich aus ganzer Kraft ... b.khol m.ôdî:
-Brody II, S. 221, Nr. 10.
-
-Sonn' und Mond im Wechsel der Geschlechter ... shemesh w.jarêach l'olâm
-shêr.thû: Brody II, S. 307, Nr. 90.
-
-Sei stark und harre deiner Zeit ... je'emaç l.bhabhêkh umô'adekh
-jachali: Luzatto Nr. 27, S. 12 a.
-
-Seit du das Heim der Liebe bist ... mê'âz m'ôn ha'âhabha hajîtha:
-Luzatto Nr. 58, S. 21 b.
-
-Entfessle deine rechte Hand ... j.mîn 'uzzkhâ êl w.jad ezrêkhâ: Luzatto
-Nr. 17, S. 7 b.
-
-In deinem Licht schläft aller Glanz ... jachad b.'orkhâ êl nâ'ôr nir'ê
-'ôr: Luzatto Nr. 700, S. 28 b (mit Auslassung der letzten Strophe).
-
-In deinem Haus zu ruhen ... jâfê w.tobh le'chôz b.bhêthâkh machanê:
-Luzatto Nr. 31, S. 13 a.
-
-Fauler, wirst du nicht erröten ... 'âçêl halô thebhôsh w.thikâlêm: Brody
-II, S. 272, Nr. 50.
-
-Es blieben die Wunder, die herrlichen, fort ... 'ôthôthênû hithmahmâhû:
-Luzatto Nr. 80, S. 36 b.
-
-
-3. _Liebe_: Ofra wäscht ihre Kleider ... Ofra th.khabês 'et b.gâdêhâ:
-Brody II, S. 12, Nr. 7.
-
-Ich wiegt auf dem Schoße ... jôm shishatihû 'alê bhirkhâj: Brody II, S.
-16, Nr. 13.
-
-Was drängt ihr mich also ... shô'alîm biglâlî mâ tish'alû: Brody II, S.
-24, Nr. 22, Vers 11-18.
-
-
-_Abschiedsverse_: mâ lokh çbhija timn.î çirâjikh: Brody II, S. 7 ff.
-
-V. 5-8, 10-11, 13-16, 17-20, 21-24, 25-28, 29-32, 33-34, 49-52, 61-62,
-63-64, 67-68 und 57-58.
-
-Wach doch auf aus deiner Ruh' ... ûrâ j.dîdî mitnûmâthêkha: Brody II, S.
-20, Nr. 19.
-
-Wie die Sonne über Sphären schreitet ... hinnê kashemesh galgal
-dôrêkheth: Brody II, S. 45, Nr. 45 (in die 2. pers. sing. übertragen).
-
-
-_Zum Ruhme der Braut_: Jônâ âl 'afîqê mâjim: Brody II, S. 53, Nr. 53.
-
-V. 3-6, 7-10, 23-26, 27-30, 35-38.
-
-Zeigte Liebchen mir die Wangen ... lêl gill.thâ êlâj çbhijâ na'arâ:
-Brody II, S. 20, Nr. 18.
-
-Liebe Sänger, singt den Trauten ... j.fê qôl qadd.mû khinnôr l. jâfôth:
-Brody I, S. 99, Nr. 70, Vers 1-38: Einleitung zu einer poetischen
-Epistel an R. Aaaron ben Zion Al-amâni (ca. 1141).
-
-Was geht noch auf die Sonne ... mâ ta'alê shemesh umâ tofî'a: Brody II,
-S. 19, Nr. 16.
-
-Mög' des Paares holder Bund ... ubâm jisraêl jithbârakh: Brody II, S.
-44, Nr. 43, Vers 17-19.
-
-
-4. _Freundschaft_: Fein sänftlich, Freund, bin nicht von Erz ... l'at
-lî: Brody I, S. 11, Nr. 9.
-
-Sehnt sich deine Seele noch ... ha 'ôd l. jaldûth: Brody I, S. 129, Nr.
-89. Einleitung der Epistel an Abul Hasan b. Moril.
-
-Viele schon in meinem Herzen schufen ... b. libbî sôd: Brody I, S. 3,
-Nr. 3.
-
-Abschied: j.dâ'nûkhâ n.dôd: Brody I, S. 154, Nr. 101.
-
-Ist's der Myrrhe zartes Düften ... ha rê'ach môr: Brody I, S. 58, Nr.
-43, Vers 1-8. Einleitung einer Epistel an Mose b. Esra.
-
-Dieser Schlummer möge währen ... 'ashraj: Brody I, S. 157, Nr. 117.
-
-Trank die Erde wie ein Kindlein ... 'ereç k. jaldâ: Brody I, S. 82, Nr.
-60, Vers 1-38. Einleitung eines Preisgedichtes auf R. Isak Hajathôm.
-
-
-5. _Leben, Leiden, Dichten_: Eine Taube schluchzt vom Zweige ... jônâ
-th.kannên: Brody I, S. 164, Nr. 110.
-
-Sie besuchten mich im Traume ... j.'îdunî b.nê jâmîm chalômôth: Brody
-II, S. 318, Nr. 110, Vers 1-8, 17-18.
-
-Und als nun alle war mein Gold ... jôm nâd z.hâbhî: Harkavy II, S. 74,
-Nr. 5.
-
-Siehe Menschensohn, siehe ... r'ê shôkhên thêwêl r.'ê: Harkavy II, S.
-74, Nr. 4.
-
-Kann dich Reichtum locken, Herz? ... l.bhâbhî mâ th.raddêf: Brody II, S.
-289, Nr. 61.
-
-Freue dich vor deinem Nächsten ... s.mach bifnê chabhêrêkhâ: Brody II,
-S. 311, Nr. 95.
-
-Weh der Kunde, die im Ohre gellt ... hoh 'al sh.mû'â çâlalâ loh ôzen:
-Brody II, S. 291, Nr. 66.
-
-Du meinst, das Dichten sei mir ein Beruf ... shâlôm l. bath: Brody I, S.
-18, Nr. 14, Vers 45-56.
-
-Nimm dieses Lied aus deines Freundes Hand ... hê lâkh prî shîr: Brody I,
-S. 140, Nr. 94, Vers 73-78.
-
-Seh' ich, wie Narren ... bir'ôth libbî likhsîl jifrôç: Brody II, S. 297,
-Nr. 76.
-
-Becherspruch ... j.fê mar'ê p.qach 'ajin: Brody II, S. 312, Nr. 98.
-
-Zwei Rätsel ... 1. k.lî mêkhil ... (Der Spiegel): Brody II, S. 195, Nr.
-5.
-
-2. b.lijâ'al w.jârî.ach m.dânîm (Die Wage): Brody II, S. 199, Nr. 15.
-
-
-6. _Zion_: Zion, willst du immer wieder ... çijôn halô thish'alî: Brody
-II, S. 155, Nr. 2 (Die berühmte Zionide des Dichters).
-
-Im Orient ist mein Herz ... libbî b. mizrâch w. 'anôkhi b.sôf ma'arâbh:
-Brody II, S. 155, Nr. 1.
-
-Komm' mit mir gen Zoan ... n.tê bî 'elê ço'an: Brody II, S. 183, Nr. 21.
-
-Es war ein Tag so sehnsuchtsvoll ... jôm nikhsfâ nafshî l. bhêth
-hawâ'ad: Brody II, S. 167, Nr. 7.
-
-
-7. _Das Meer_: Der Sturm ... jô'êç umêqîm: Brody II, S. 176, Nr. 17.
-
-Holder Zephyr, deiner Lüfte ... zê rûchakhâ çad ma'arâbh râqûach: Brody
-II, S. 171, Nr. 12.
-
-Kommt die große Flut mit einem Mal? ... habâ mabbul w. sâm têbhêl
-charâbhâ: Brody II, S. 169, Nr. 10.
-
-
-8. _Letzte Tage_ (1141): In Aegypten ... b. miçrâjim: Brody II, S. 180,
-Nr. 18.
-
-Hat die Zeit das Kleid des Lebens ... hafâshat hazz.mân: Brody I, S.
-112, Nr. 78, Vers 1-16 (Einleitung einer Epistel aus Damiette).
-
-Wollt ihr Liebes mir vergelten ... im r.çôn nafsh.khem l.mal'ôth r.çônî:
-Brody I, S. 211.
-
-Dein Wunder geht durch alle Zeit ... 'elôhaj pil'akhâ dôr dôr j.ruchash:
-Luzatto Nr. 47, S. 17 b.
-
-
- Druck von Mänicke und Jahn in Rudolstadt
-
-
- Anmerkungen zur Transkription
-
-Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigert. Weitere
-Änderungen sind hier aufgeführt (vorher/nachher):
-
- [S. 115]:
- ... zu el makût. Reue und Zerknirschung, Andacht ...
- ... zu el malkût. Reue und Zerknirschung, Andacht ...
-
- [S. 142]:
- ... Liebe Sänger, singt den Trauten ... j. fê qôl qadd.mû ...
- ... Liebe Sänger, singt den Trauten ... j.fê qôl qadd.mû ...
-
- [S. 143]:
- ... Becherspruch ... j.fè mar'ê p.qach 'ajin: Brody II, ...
- ... Becherspruch ... j.fê mar'ê p.qach 'ajin: Brody II, ...
-
-
-
-
-
-
-End of the Project Gutenberg EBook of Ein Diwan, by Jehuda Halevi
-
-*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK EIN DIWAN ***
-
-***** This file should be named 61327-8.txt or 61327-8.zip *****
-This and all associated files of various formats will be found in:
- http://www.gutenberg.org/6/1/3/2/61327/
-
-Produced by Jens Sadowski and the Online Distributed
-Proofreading Team at http://www.pgdp.net. This book was
-produced from images made available by the HathiTrust
-Digital Library.
-
-Updated editions will replace the previous one--the old editions will
-be renamed.
-
-Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright
-law means that no one owns a United States copyright in these works,
-so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United
-States without permission and without paying copyright
-royalties. Special rules, set forth in the General Terms of Use part
-of this license, apply to copying and distributing Project
-Gutenberg-tm electronic works to protect the PROJECT GUTENBERG-tm
-concept and trademark. Project Gutenberg is a registered trademark,
-and may not be used if you charge for the eBooks, unless you receive
-specific permission. If you do not charge anything for copies of this
-eBook, complying with the rules is very easy. You may use this eBook
-for nearly any purpose such as creation of derivative works, reports,
-performances and research. They may be modified and printed and given
-away--you may do practically ANYTHING in the United States with eBooks
-not protected by U.S. copyright law. Redistribution is subject to the
-trademark license, especially commercial redistribution.
-
-START: FULL LICENSE
-
-THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE
-PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK
-
-To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free
-distribution of electronic works, by using or distributing this work
-(or any other work associated in any way with the phrase "Project
-Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full
-Project Gutenberg-tm License available with this file or online at
-www.gutenberg.org/license.
-
-Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project
-Gutenberg-tm electronic works
-
-1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm
-electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to
-and accept all the terms of this license and intellectual property
-(trademark/copyright) agreement. If you do not agree to abide by all
-the terms of this agreement, you must cease using and return or
-destroy all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your
-possession. If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a
-Project Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound
-by the terms of this agreement, you may obtain a refund from the
-person or entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph
-1.E.8.
-
-1.B. "Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be
-used on or associated in any way with an electronic work by people who
-agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few
-things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
-even without complying with the full terms of this agreement. See
-paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project
-Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this
-agreement and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm
-electronic works. See paragraph 1.E below.
-
-1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the
-Foundation" or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection
-of Project Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual
-works in the collection are in the public domain in the United
-States. If an individual work is unprotected by copyright law in the
-United States and you are located in the United States, we do not
-claim a right to prevent you from copying, distributing, performing,
-displaying or creating derivative works based on the work as long as
-all references to Project Gutenberg are removed. Of course, we hope
-that you will support the Project Gutenberg-tm mission of promoting
-free access to electronic works by freely sharing Project Gutenberg-tm
-works in compliance with the terms of this agreement for keeping the
-Project Gutenberg-tm name associated with the work. You can easily
-comply with the terms of this agreement by keeping this work in the
-same format with its attached full Project Gutenberg-tm License when
-you share it without charge with others.
-
-1.D. The copyright laws of the place where you are located also govern
-what you can do with this work. Copyright laws in most countries are
-in a constant state of change. If you are outside the United States,
-check the laws of your country in addition to the terms of this
-agreement before downloading, copying, displaying, performing,
-distributing or creating derivative works based on this work or any
-other Project Gutenberg-tm work. The Foundation makes no
-representations concerning the copyright status of any work in any
-country outside the United States.
-
-1.E. Unless you have removed all references to Project Gutenberg:
-
-1.E.1. The following sentence, with active links to, or other
-immediate access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear
-prominently whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work
-on which the phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the
-phrase "Project Gutenberg" is associated) is accessed, displayed,
-performed, viewed, copied or distributed:
-
- This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and
- most other parts of the world at no cost and with almost no
- restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it
- under the terms of the Project Gutenberg License included with this
- eBook or online at www.gutenberg.org. If you are not located in the
- United States, you'll have to check the laws of the country where you
- are located before using this ebook.
-
-1.E.2. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is
-derived from texts not protected by U.S. copyright law (does not
-contain a notice indicating that it is posted with permission of the
-copyright holder), the work can be copied and distributed to anyone in
-the United States without paying any fees or charges. If you are
-redistributing or providing access to a work with the phrase "Project
-Gutenberg" associated with or appearing on the work, you must comply
-either with the requirements of paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 or
-obtain permission for the use of the work and the Project Gutenberg-tm
-trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or 1.E.9.
-
-1.E.3. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted
-with the permission of the copyright holder, your use and distribution
-must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any
-additional terms imposed by the copyright holder. Additional terms
-will be linked to the Project Gutenberg-tm License for all works
-posted with the permission of the copyright holder found at the
-beginning of this work.
-
-1.E.4. Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm
-License terms from this work, or any files containing a part of this
-work or any other work associated with Project Gutenberg-tm.
-
-1.E.5. Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this
-electronic work, or any part of this electronic work, without
-prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with
-active links or immediate access to the full terms of the Project
-Gutenberg-tm License.
-
-1.E.6. You may convert to and distribute this work in any binary,
-compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including
-any word processing or hypertext form. However, if you provide access
-to or distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format
-other than "Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official
-version posted on the official Project Gutenberg-tm web site
-(www.gutenberg.org), you must, at no additional cost, fee or expense
-to the user, provide a copy, a means of exporting a copy, or a means
-of obtaining a copy upon request, of the work in its original "Plain
-Vanilla ASCII" or other form. Any alternate format must include the
-full Project Gutenberg-tm License as specified in paragraph 1.E.1.
-
-1.E.7. Do not charge a fee for access to, viewing, displaying,
-performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works
-unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9.
-
-1.E.8. You may charge a reasonable fee for copies of or providing
-access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works
-provided that
-
-* You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from
- the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method
- you already use to calculate your applicable taxes. The fee is owed
- to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he has
- agreed to donate royalties under this paragraph to the Project
- Gutenberg Literary Archive Foundation. Royalty payments must be paid
- within 60 days following each date on which you prepare (or are
- legally required to prepare) your periodic tax returns. Royalty
- payments should be clearly marked as such and sent to the Project
- Gutenberg Literary Archive Foundation at the address specified in
- Section 4, "Information about donations to the Project Gutenberg
- Literary Archive Foundation."
-
-* You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
- you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he
- does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm
- License. You must require such a user to return or destroy all
- copies of the works possessed in a physical medium and discontinue
- all use of and all access to other copies of Project Gutenberg-tm
- works.
-
-* You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of
- any money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
- electronic work is discovered and reported to you within 90 days of
- receipt of the work.
-
-* You comply with all other terms of this agreement for free
- distribution of Project Gutenberg-tm works.
-
-1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project
-Gutenberg-tm electronic work or group of works on different terms than
-are set forth in this agreement, you must obtain permission in writing
-from both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and The
-Project Gutenberg Trademark LLC, the owner of the Project Gutenberg-tm
-trademark. Contact the Foundation as set forth in Section 3 below.
-
-1.F.
-
-1.F.1. Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
-effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
-works not protected by U.S. copyright law in creating the Project
-Gutenberg-tm collection. Despite these efforts, Project Gutenberg-tm
-electronic works, and the medium on which they may be stored, may
-contain "Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate
-or corrupt data, transcription errors, a copyright or other
-intellectual property infringement, a defective or damaged disk or
-other medium, a computer virus, or computer codes that damage or
-cannot be read by your equipment.
-
-1.F.2. LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right
-of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
-Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
-Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project
-Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all
-liability to you for damages, costs and expenses, including legal
-fees. YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT
-LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
-PROVIDED IN PARAGRAPH 1.F.3. YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE
-TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE
-LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
-INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
-DAMAGE.
-
-1.F.3. LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a
-defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can
-receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a
-written explanation to the person you received the work from. If you
-received the work on a physical medium, you must return the medium
-with your written explanation. The person or entity that provided you
-with the defective work may elect to provide a replacement copy in
-lieu of a refund. If you received the work electronically, the person
-or entity providing it to you may choose to give you a second
-opportunity to receive the work electronically in lieu of a refund. If
-the second copy is also defective, you may demand a refund in writing
-without further opportunities to fix the problem.
-
-1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth
-in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS', WITH NO
-OTHER WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT
-LIMITED TO WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.
-
-1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied
-warranties or the exclusion or limitation of certain types of
-damages. If any disclaimer or limitation set forth in this agreement
-violates the law of the state applicable to this agreement, the
-agreement shall be interpreted to make the maximum disclaimer or
-limitation permitted by the applicable state law. The invalidity or
-unenforceability of any provision of this agreement shall not void the
-remaining provisions.
-
-1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
-trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
-providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in
-accordance with this agreement, and any volunteers associated with the
-production, promotion and distribution of Project Gutenberg-tm
-electronic works, harmless from all liability, costs and expenses,
-including legal fees, that arise directly or indirectly from any of
-the following which you do or cause to occur: (a) distribution of this
-or any Project Gutenberg-tm work, (b) alteration, modification, or
-additions or deletions to any Project Gutenberg-tm work, and (c) any
-Defect you cause.
-
-Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
-
-Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
-electronic works in formats readable by the widest variety of
-computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It
-exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations
-from people in all walks of life.
-
-Volunteers and financial support to provide volunteers with the
-assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
-goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
-remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
-Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
-and permanent future for Project Gutenberg-tm and future
-generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see
-Sections 3 and 4 and the Foundation information page at
-www.gutenberg.org
-
-
-
-Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
-
-The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
-501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
-state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
-Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
-number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by
-U.S. federal laws and your state's laws.
-
-The Foundation's principal office is in Fairbanks, Alaska, with the
-mailing address: PO Box 750175, Fairbanks, AK 99775, but its
-volunteers and employees are scattered throughout numerous
-locations. Its business office is located at 809 North 1500 West, Salt
-Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up to
-date contact information can be found at the Foundation's web site and
-official page at www.gutenberg.org/contact
-
-For additional contact information:
-
- Dr. Gregory B. Newby
- Chief Executive and Director
- gbnewby@pglaf.org
-
-Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
-Literary Archive Foundation
-
-Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
-spread public support and donations to carry out its mission of
-increasing the number of public domain and licensed works that can be
-freely distributed in machine readable form accessible by the widest
-array of equipment including outdated equipment. Many small donations
-($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
-status with the IRS.
-
-The Foundation is committed to complying with the laws regulating
-charities and charitable donations in all 50 states of the United
-States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
-considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
-with these requirements. We do not solicit donations in locations
-where we have not received written confirmation of compliance. To SEND
-DONATIONS or determine the status of compliance for any particular
-state visit www.gutenberg.org/donate
-
-While we cannot and do not solicit contributions from states where we
-have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
-against accepting unsolicited donations from donors in such states who
-approach us with offers to donate.
-
-International donations are gratefully accepted, but we cannot make
-any statements concerning tax treatment of donations received from
-outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
-
-Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
-methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
-ways including checks, online payments and credit card donations. To
-donate, please visit: www.gutenberg.org/donate
-
-Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic works.
-
-Professor Michael S. Hart was the originator of the Project
-Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be
-freely shared with anyone. For forty years, he produced and
-distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of
-volunteer support.
-
-Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
-editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in
-the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not
-necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper
-edition.
-
-Most people start at our Web site which has the main PG search
-facility: www.gutenberg.org
-
-This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
-including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
-subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.
-
diff --git a/old/61327-8.zip b/old/61327-8.zip
deleted file mode 100644
index ab3e4bd..0000000
--- a/old/61327-8.zip
+++ /dev/null
Binary files differ
diff --git a/old/61327-h.zip b/old/61327-h.zip
deleted file mode 100644
index 1637210..0000000
--- a/old/61327-h.zip
+++ /dev/null
Binary files differ
diff --git a/old/61327-h/61327-h.htm b/old/61327-h/61327-h.htm
deleted file mode 100644
index 20b6535..0000000
--- a/old/61327-h/61327-h.htm
+++ /dev/null
@@ -1,6636 +0,0 @@
-<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD XHTML 1.0 Strict//EN"
-"http://www.w3.org/TR/xhtml1/DTD/xhtml1-strict.dtd">
-<html xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml" lang="de" xml:lang="de">
-<head>
-<meta http-equiv="Content-Type" content="text/html;charset=iso-8859-1" />
-<title>The Project Gutenberg eBook of Ein Diwan, by Jehuda Halevi</title>
- <link rel="coverpage" href="images/cover.jpg" />
- <!-- TITLE="Ein Diwan" -->
- <!-- AUTHOR="Jehuda Halevi" -->
- <!-- TRANSLATOR="Emil Bernhard" -->
- <!-- LANGUAGE="de" -->
- <!-- PUBLISHER="Erich Reiß, Berlin" -->
- <!-- DATE="1921" -->
- <!-- COVER="images/cover.jpg" -->
-
-<style type='text/css'>
-
-body { margin-left:15%; margin-right:15%; }
-
-div.frontmatter { page-break-before:always; }
-div.frontmatter .aut { text-indent:0; text-align:center;
- font-size:2em; font-weight:bold; margin-top:1em; }
-div.frontmatter h1.title { text-indent:0; text-align:center;
- font-size:2em; font-weight:bold;
- margin-top:0; margin-bottom:4em; }
-div.frontmatter .trn { text-indent:0; text-align:center; font-size:0.8em; margin-bottom:1em; }
-div.frontmatter .pub { text-indent:0; text-align:center; }
-div.frontmatter .pub .line1{ border-top:2px solid black; padding-top:0.5em; }
-.printer { text-indent:0; text-align:center; font-size:0.8em;
- margin:4em; }
-
-div.chapter{ page-break-before:always; }
-h2 { text-indent:0; text-align:center; margin-top:2em; margin-bottom:1em; }
-h2.afterword .line2 { font-size:0.8em; }
-h3 { text-indent:0; text-align:center; margin-top:1em; margin-bottom:0; }
-h4 { text-indent:0; text-align:center; margin-top:1em; margin-bottom:0; }
-
-p { margin:0; text-align:justify; text-indent:1em; }
-p.first { text-indent:0; }
-p.noindent { text-indent:0; }
-p.aut { text-indent:0; text-align:center; font-weight:bold; }
-div.sources p { text-indent:0; margin-left:2em; }
-div.sources p.sect { text-indent:-2em; }
-div.sources p.sect2 { text-indent:-1em; }
-
-hr.delim { border:0; border-top:2px solid black; width:10%; margin-left:45%; }
-
-hr.footnotes { border:0; border-top:2px solid black; width:20%; margin-left:0;
- margin-top:1em; }
-p.footnote { margin:1em; margin-bottom:0; text-indent:0; font-size:0.8em; }
-
-.tb { text-indent:0; text-align:center; margin:1em; }
-.pbb { page-break-before:always; }
-
-.underline { text-decoration: underline; }
-.hidden { display:none; }
-
-/* poetry */
-div.poem-container { text-align:center; }
-div.poem-container div.poem { display:inline-block; }
-div.stanza { text-align:left; text-indent:0; margin-top:1em; margin-bottom:1em; }
-.stanza .verse { text-align:left; text-indent:-2em; margin-left:2em; }
-.stanza .verse2 { text-align:left; text-indent:-2em; margin-left:4em; }
-.stanza .verse4 { text-align:left; text-indent:-2em; margin-left:6em; }
-.stanza.epi .verse { text-align:right; text-indent:0; margin-right:0; }
-.stanza.attr .verse { text-align:right; text-indent:0; margin-right:1em; }
-
-/* TOC */
-div.table { text-align:center; }
-table { margin-left:auto; margin-right:auto; border-collapse:collapse; }
-table td { padding-left:0em; padding-right:0em; vertical-align:top; text-align:left; }
-table.toc td { font-size:0.8em; }
-table.toc td.col1 { padding-right:0.5em; text-align:right; }
-table.toc td.col_page { padding-left:1em; text-align:right; width:2em; }
-table.toc tr.p td { padding-top:0.5em; padding-bottom:0.5em; font-size:1em; }
-table.toc tr.p td.col2 { font-style:italic; }
-table.toc tr.c td { padding-top:0.5em; font-size:1em; font-style:italic; }
-table.toc tr.e td { padding-top:0.5em; }
-table.toc tr.i td.col2 { padding-left:1em; }
-
-a:link { text-decoration: none; color: rgb(10%,30%,60%); }
-a:visited { text-decoration: none; color: rgb(10%,30%,60%); }
-a:hover { text-decoration: underline; }
-a:active { text-decoration: underline; }
-
-/* Transcriber's note */
-.trnote { font-size:0.8em; line-height:1.2em; background-color: #ccc;
- color: #000; border: black 1px dotted; margin: 2em; padding: 1em;
- page-break-before:always; margin-top:3em; }
-.trnote p { text-indent:0; margin-bottom:1em; }
-.trnote ul { margin-left: 0; padding-left: 0; }
-.trnote li { text-align: left; margin-bottom: 0.5em; margin-left: 1em; }
-.trnote ul li { list-style-type: square; }
-.trnote .transnote { text-indent:0; text-align:center; font-weight:bold; }
-
-/* page numbers */
-a[title].pagenum { position: absolute; right: 1%; }
-a[title].pagenum:after { content: attr(title); color: gray; background-color: inherit;
- letter-spacing: 0; text-indent: 0; text-align: right; font-style: normal;
- font-variant: normal; font-weight: normal; font-size: x-small;
- border: 1px solid silver; padding: 1px 4px 1px 4px;
- display: inline; }
-
-@media handheld {
- body { margin-left:0; margin-right:0; }
- div.poem-container div.poem { display:block; margin-left:2em; }
- a.pagenum { display:none; }
- a.pagenum:after { display:none; }
-}
-
-</style>
-</head>
-
-<body>
-
-
-<pre>
-
-The Project Gutenberg EBook of Ein Diwan, by Jehuda Halevi
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and most
-other parts of the world at no cost and with almost no restrictions
-whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of
-the Project Gutenberg License included with this eBook or online at
-www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you'll have
-to check the laws of the country where you are located before using this ebook.
-
-Title: Ein Diwan
-
-Author: Jehuda Halevi
-
-Translator: Emil Bernhard
-
-Release Date: February 6, 2020 [EBook #61327]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: ISO-8859-1
-
-*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK EIN DIWAN ***
-
-
-
-
-Produced by Jens Sadowski and the Online Distributed
-Proofreading Team at http://www.pgdp.net. This book was
-produced from images made available by the HathiTrust
-Digital Library.
-
-
-
-
-
-
-</pre>
-
-
-<div class="frontmatter chapter">
-<p class="aut">
-JEHUDA HALEVI
-</p>
-
-<h1 class="title">
-EIN DIWAN
-</h1>
-
-<p class="trn">
-Übertragen und mit einem Lebensbild<br />
-versehen von Emil Bernhard
-</p>
-
-<p class="pub">
-<span class="line1">ERICH REISS VERLAG / BERLIN</span><br />
-<span class="line2">1921</span>
-</p>
-
-</div>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="toc" id="chapter-0-1">
-<a id="page-5" class="pagenum" title="5"></a>
-DIE DICHTUNGEN
-</h2>
-
-</div>
-
-<div class="table">
-<table class="toc" summary="TOC">
-<tbody>
- <tr class="p">
- <td class="col1">I.</td>
- <td class="col2">Gott:</td>
- <td class="col_page">&nbsp;</td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">&nbsp;</td>
- <td class="col2">Du Quell des wahren Lebens</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-10">10</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">&nbsp;</td>
- <td class="col2">Wenn die Sterne sich entzünden</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-10">10</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">&nbsp;</td>
- <td class="col2">Du, Seele, willst ins Vaterhaus</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-11">11</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">&nbsp;</td>
- <td class="col2">Mein Leib und Leben</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-12">12</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">&nbsp;</td>
- <td class="col2">Um sein Antlitz alle Frommen flehen</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-14">14</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">&nbsp;</td>
- <td class="col2">Gottes Hand wird dich beschatten</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-15">15</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">&nbsp;</td>
- <td class="col2">Zu dir steht all mein Sehnen</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-15">15</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">&nbsp;</td>
- <td class="col2">Hin nach meines Lebens Quelle</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-18">18</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">&nbsp;</td>
- <td class="col2">Wenn du allein des Herren harrst</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-19">19</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">&nbsp;</td>
- <td class="col2">Halt, o Herz! Wer darf sich wagen</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-20">20</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">&nbsp;</td>
- <td class="col2">Knechte der Zeit: &ndash; Knechte der Knechte!</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-22">22</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">&nbsp;</td>
- <td class="col2">Tag und Nacht will ich den Herren loben!</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-22">22</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">&nbsp;</td>
- <td class="col2">Jugend ist wie leichte Flocken</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-23">23</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">&nbsp;</td>
- <td class="col2">Mein Gott, ich will dich ehren</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-24">24</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">&nbsp;</td>
- <td class="col2">Bevor du mich geschaffen</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-27">27</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">&nbsp;</td>
- <td class="col2">Ruhig, ruhig, liebe Seele!</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-28">28</a></td>
- </tr>
- <tr class="p">
- <td class="col1">II.</td>
- <td class="col2">Israel:</td>
- <td class="col_page">&nbsp;</td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">&nbsp;</td>
- <td class="col2">Wahrheit, ich liebe dich aus ganzer Kraft</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-30">30</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">&nbsp;</td>
- <td class="col2">Sonn&rsquo; und Mond im Wechsel der Geschlechter</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-30">30</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">&nbsp;</td>
- <td class="col2">Sei stark und harre deiner Zeit!</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-31">31</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">&nbsp;</td>
- <td class="col2">Seit du das Heim der Liebe bist</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-32">32</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">&nbsp;</td>
- <td class="col2">Entfessle deine rechte Hand</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-32">32</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">&nbsp;</td>
- <td class="col2">In deinem Lichte schläft aller Glanz</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-33">33</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">&nbsp;</td>
- <td class="col2">In deinem Haus zu ruhen</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-34">34</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">&nbsp;</td>
- <td class="col2">Fauler, wirst du nicht erröten?</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-35">35</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">&nbsp;</td>
- <td class="col2">Es blieben die Wunder, die herrlichen, fort</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-36">36</a></td>
- </tr>
- <tr class="p">
- <td class="col1">III.</td>
- <td class="col2">Liebe:</td>
- <td class="col_page">&nbsp;</td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">&nbsp;</td>
- <td class="col2">Ofra wäscht ihre Kleider</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-40">40</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">&nbsp;</td>
- <td class="col2">Ich wiegt&rsquo; auf dem Schoße</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-40">40</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">&nbsp;</td>
- <td class="col2">Was drängt ihr mich also</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-40">40</a></td>
- </tr>
- <tr class="c">
- <td class="col1"><a id="page-6" class="pagenum" title="6"></a>&nbsp;</td>
- <td class="col2">Abschiedsverse:</td>
- <td class="col_page">&nbsp;</td>
- </tr>
- <tr class="i">
- <td class="col1">&nbsp;</td>
- <td class="col2">Mein Lieb, wir müssen uns schicken</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-41">41</a></td>
- </tr>
- <tr class="i">
- <td class="col1">&nbsp;</td>
- <td class="col2">Gedenke der Tage liebender Lust</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-42">42</a></td>
- </tr>
- <tr class="i">
- <td class="col1">&nbsp;</td>
- <td class="col2">Ein Meer von Tränen zwischen uns rollt</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-42">42</a></td>
- </tr>
- <tr class="i">
- <td class="col1">&nbsp;</td>
- <td class="col2">Ach, daß ich einst in dunklen Grabesräumen</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-42">42</a></td>
- </tr>
- <tr class="i">
- <td class="col1">&nbsp;</td>
- <td class="col2">Du hast einen Mord begangen</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-42">42</a></td>
- </tr>
- <tr class="i">
- <td class="col1">&nbsp;</td>
- <td class="col2">Willst du wirklich meinen Tod?</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-43">43</a></td>
- </tr>
- <tr class="i">
- <td class="col1">&nbsp;</td>
- <td class="col2">All&rsquo; meine Tränen blieben</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-43">43</a></td>
- </tr>
- <tr class="i">
- <td class="col1">&nbsp;</td>
- <td class="col2">Zwischen Bittre, zwischen Süße</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-44">44</a></td>
- </tr>
- <tr class="i">
- <td class="col1">&nbsp;</td>
- <td class="col2">Aller Reichtum dieser Welt</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-44">44</a></td>
- </tr>
- <tr class="i">
- <td class="col1">&nbsp;</td>
- <td class="col2">Der Frauen Ehre ist ihr edles Tun</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-44">44</a></td>
- </tr>
- <tr class="i">
- <td class="col1">&nbsp;</td>
- <td class="col2">Viel tausend Garben stehen</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-44">44</a></td>
- </tr>
- <tr class="i">
- <td class="col1">&nbsp;</td>
- <td class="col2">Unter deinen leichten Füßen</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-45">45</a></td>
- </tr>
- <tr class="i">
- <td class="col1">&nbsp;</td>
- <td class="col2">Deine Stimme hör&rsquo; ich nimmer</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-45">45</a></td>
- </tr>
- <tr class="i">
- <td class="col1">&nbsp;</td>
- <td class="col2">Mein Herz wird bitter</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-45">45</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">&nbsp;</td>
- <td class="col2">Wach doch auf aus deiner Ruh</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-45">45</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">&nbsp;</td>
- <td class="col2">Wie die Sonne über Sphären schreitet</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-46">46</a></td>
- </tr>
- <tr class="c">
- <td class="col1">&nbsp;</td>
- <td class="col2">Zum Ruhme der Braut:</td>
- <td class="col_page">&nbsp;</td>
- </tr>
- <tr class="i">
- <td class="col1">&nbsp;</td>
- <td class="col2">Das Silber läßt sich gründen</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-46">46</a></td>
- </tr>
- <tr class="i">
- <td class="col1">&nbsp;</td>
- <td class="col2">Was wendet sie sich allerwärts</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-46">46</a></td>
- </tr>
- <tr class="i">
- <td class="col1">&nbsp;</td>
- <td class="col2">Dein Gesicht voll Rosen eine Küste</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-47">47</a></td>
- </tr>
- <tr class="i">
- <td class="col1">&nbsp;</td>
- <td class="col2">Wie zwei Abendwölfe fahren</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-47">47</a></td>
- </tr>
- <tr class="i">
- <td class="col1">&nbsp;</td>
- <td class="col2">Keine Nacht besteht vor ihrem Lichte</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-47">47</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">&nbsp;</td>
- <td class="col2">Zeigte Liebchen mir die Wangen</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-48">48</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">&nbsp;</td>
- <td class="col2">Liebe Sänger, singt den Trauten</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-48">48</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">&nbsp;</td>
- <td class="col2">Was geht noch auf die Sonne</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-51">51</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">&nbsp;</td>
- <td class="col2">Mög&rsquo; des Paares holder Bund</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-52">52</a></td>
- </tr>
- <tr class="p">
- <td class="col1">IV.</td>
- <td class="col2">Freundschaft:</td>
- <td class="col_page">&nbsp;</td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">&nbsp;</td>
- <td class="col2">Fein sänftlich, Freund, bin nicht von Erz</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-54">54</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">&nbsp;</td>
- <td class="col2">Sehnt sich deine Seele noch</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-54">54</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">&nbsp;</td>
- <td class="col2">Viele schon in meinem Herzen schufen</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-56">56</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">&nbsp;</td>
- <td class="col2">Wir kennen Abschied, dich von alten Tagen</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-57">57</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">&nbsp;</td>
- <td class="col2">Ist&rsquo;s der Myrrhe zartes Düften?</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-61">61</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1"><a id="page-7" class="pagenum" title="7"></a>&nbsp;</td>
- <td class="col2">Dieser Schlummer möge währen</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-61">61</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">&nbsp;</td>
- <td class="col2">Trank die Erde wie ein Kindlein</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-62">62</a></td>
- </tr>
- <tr class="p">
- <td class="col1">V.</td>
- <td class="col2">Leben, Leiden, Dichten:</td>
- <td class="col_page">&nbsp;</td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">&nbsp;</td>
- <td class="col2">Eine Taube schluchzt vom Zweige</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-68">68</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">&nbsp;</td>
- <td class="col2">Sie besuchten mich im Traume</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-72">72</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">&nbsp;</td>
- <td class="col2">Und als nun alle war mein Gold</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-73">73</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">&nbsp;</td>
- <td class="col2">Siehe, Menschensohn, siehe</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-73">73</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">&nbsp;</td>
- <td class="col2">Kann dich Reichtum locken, Herz?</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-73">73</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">&nbsp;</td>
- <td class="col2">Freue dich vor deinem Nächsten</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-74">74</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">&nbsp;</td>
- <td class="col2">Weh der Kunde, die im Ohre gellt</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-74">74</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">&nbsp;</td>
- <td class="col2">Du meinst, das Dichten sei mir ein Beruf?</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-75">75</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">&nbsp;</td>
- <td class="col2">Nimm dieses Lied aus deines Freundes Hand!</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-75">75</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">&nbsp;</td>
- <td class="col2">Seh&rsquo; ich, wie Narren</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-76">76</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">&nbsp;</td>
- <td class="col2">Augen auf, mein Liebster traut</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-76">76</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">&nbsp;</td>
- <td class="col2">Zwei Rätsel</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-76">76</a></td>
- </tr>
- <tr class="p">
- <td class="col1">VI.</td>
- <td class="col2">Zion:</td>
- <td class="col_page">&nbsp;</td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">&nbsp;</td>
- <td class="col2">Zion, willst du nimmer wieder (Zionide)</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-80">80</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">&nbsp;</td>
- <td class="col2">Im Orient ist mein Herz, im Okzident</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-85">85</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">&nbsp;</td>
- <td class="col2">Komm mit mir gen Zoan</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-85">85</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">&nbsp;</td>
- <td class="col2">Es war ein Tag so sehnsuchtsvoll</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-86">86</a></td>
- </tr>
- <tr class="p">
- <td class="col1">VII.</td>
- <td class="col2">Das Meer:</td>
- <td class="col_page">&nbsp;</td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">&nbsp;</td>
- <td class="col2">Der Sturm</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-88">88</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">&nbsp;</td>
- <td class="col2">Holder Zephyr, deiner Lüfte</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-93">93</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">&nbsp;</td>
- <td class="col2">Kommt die große Flut mit einem Mal?</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-95">95</a></td>
- </tr>
- <tr class="p">
- <td class="col1">VIII.</td>
- <td class="col2">Letzte Tage:</td>
- <td class="col_page">&nbsp;</td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">&nbsp;</td>
- <td class="col2">In Aegypten</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-98">98</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">&nbsp;</td>
- <td class="col2">Hat die Zeit das Kleid des Leides</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-98">98</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">&nbsp;</td>
- <td class="col2">Wollt ihr Liebes mir vergelten</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-99">99</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">&nbsp;</td>
- <td class="col2">Dein Wunder geht durch alle Zeit</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-100">100</a></td>
- </tr>
- <tr class="e">
- <td class="col1">&nbsp;</td>
- <td class="col2">Jehuda Halevi, seine Zeit, sein Leben und sein Schaffen</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-101">101</a></td>
- </tr>
- <tr class="e">
- <td class="col1">&nbsp;</td>
- <td class="col2">Quellennachweis</td>
- <td class="col_page"><a href="#page-139">139</a></td>
- </tr>
-</tbody>
-</table>
-</div>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="part" id="chapter-0-2">
-<a id="page-9" class="pagenum" title="9"></a>
-I.<br />
-GOTT
-</h2>
-
-</div>
-
-<h3 class="lyric blank" id="subchap-0-2-1" title="Du Quell des wahren Lebens">
-<a id="page-10" class="pagenum" title="10"></a>
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Du Quell des wahren Lebens,</p>
- <p class="verse">Wie lauf&rsquo; ich nicht nach dir?</p>
- <p class="verse">Hab&rsquo; alles aufgegeben;</p>
- <p class="verse">Das irre, wirre Leben,</p>
- <p class="verse">Was ist es mir?</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Nur dich, nur dich zu schauen,</p>
- <p class="verse">Sehnt meine Seele sich:</p>
- <p class="verse">Vor dir nur will ich beben,</p>
- <p class="verse">Kenn&rsquo; keine Kraft im Leben</p>
- <p class="verse">Als deine, Herr, als dich.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Könnt&rsquo; ich im Traum dich finden,</p>
- <p class="verse">Wie gerne schlief ich ein:</p>
- <p class="verse">Wollt nimmer auferstehen,</p>
- <p class="verse">Nein, schlafen, träumen, sehen &ndash;</p>
- <p class="verse">Und stille sein.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Könnt&rsquo; dich im Herzen schauen</p>
- <p class="verse">Dein armes Erdenkind: &ndash;</p>
- <p class="verse">Hätt&rsquo; ich dich nur da drinnen,</p>
- <p class="verse">So jauchzte all mein Sinnen</p>
- <p class="verse">Und gerne wär&rsquo; ich blind!</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<hr class="delim" />
-
-<h3 class="lyric blank" id="subchap-0-2-2" title="Wenn die Sterne sich entzünden">
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wenn die Sterne sich entzünden,</p>
- <p class="verse">Spür&rsquo; ich wieder Sommertage:</p>
- <p class="verse">Gartenpracht in Waldesgründen,</p>
- <p class="verse">Paukenschlag und Flötenklage.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-11" class="pagenum" title="11"></a>
- <p class="verse">Wieder kehrt zum Arm die Spange,</p>
- <p class="verse">Goldener Ring, er kehrt zum Ohre,</p>
- <p class="verse">Gottes Haus, daß es empfange,</p>
- <p class="verse">Oeffnet meinem Haus die Tore.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Alle meine Pforten münden</p>
- <p class="verse">Wieder ein in seine Pforte,</p>
- <p class="verse">Und aus tiefsten Herzensgründen</p>
- <p class="verse">Kehr&rsquo; ich heim zu meinem Horte.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Ach, da läßt denn meine Seele</p>
- <p class="verse">Jubelnd seinen Namen klingen: &ndash;</p>
- <p class="verse">Und sein Ruhm in meiner Kehle,</p>
- <p class="verse">Und mein Mund beginnt zu singen!</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<hr class="delim" />
-
-<h3 class="lyric blank" id="subchap-0-2-3" title="Du, Seele, willst ins Vaterhaus">
-AN DIE SEELE
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Du, Seele, willst ins Vaterhaus,</p>
- <p class="verse">Im Traume schwingst du dich zur Höhe:</p>
- <p class="verse">Kein Traum nimmt dir dein tiefes Wehe,</p>
- <p class="verse">Dein Heimweh aus der Brust heraus.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Der Traum vergeht, dir bleibt die Qual,</p>
- <p class="verse">Die Liebesqual, ihn zu erflehen</p>
- <p class="verse">Und dennoch fern ihm zu vergehen,</p>
- <p class="verse">Weil sich verhüllt sein heller Strahl.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-12" class="pagenum" title="12"></a>
- <p class="verse">Und doch vergehst du nicht zum Tod,</p>
- <p class="verse">Allein zum freudigen Erheben,</p>
- <p class="verse">Denn nicht zum eitlen Wahn, &ndash; zum Streben</p>
- <p class="verse">Sandt&rsquo; in die Welt dich sein Gebot.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Du gingst und brachst im Lebensgang</p>
- <p class="verse">Der Weisheit Siegel auf und Quellen,</p>
- <p class="verse">Und tief hinab in ihre Wellen</p>
- <p class="verse">Dein durstig heißes Auge sank.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Und sank hinab und sog sich ein</p>
- <p class="verse">Die Weisheit, die du dir erkoren,</p>
- <p class="verse">Und der du hundertmal geschworen:</p>
- <p class="verse">&ndash; &bdquo;Ich laß dich nicht! Ich bleibe dein!&ldquo;</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<hr class="delim" />
-
-<h3 class="lyric blank" id="subchap-0-2-4" title="Mein Leib und Leben">
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza epi">
- <p class="verse">All meine Gebeine sprechen:</p>
- <p class="verse"><i>Herr, wer ist wie du?</i></p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Mein Leib und Leben</p>
- <p class="verse">Das stammt von dir,</p>
- <p class="verse">Durch dich sich regen</p>
- <p class="verse">Die Glieder mir;</p>
- <p class="verse">Mit Herzensgaben,</p>
- <p class="verse">Mit Lied und Sang</p>
- <p class="verse">Sie zu dir dringen</p>
- <p class="verse">Und opfernd bringen</p>
- <p class="verse">Sie meinen Dank.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-13" class="pagenum" title="13"></a>
- <p class="verse">Es kam die Seele</p>
- <p class="verse">Aus deiner Hand,</p>
- <p class="verse">Der Wimper Leuchten</p>
- <p class="verse">Aus deinem Land;</p>
- <p class="verse">Aus deinem Rätsel</p>
- <p class="verse">Mein Sinnen quoll,</p>
- <p class="verse">Vor mir als Zeichen</p>
- <p class="verse">Stehst ohne Gleichen</p>
- <p class="verse">Du wundervoll.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wenn meine Liebe</p>
- <p class="verse">Dich ruft im Schmerz,</p>
- <p class="verse">Dich findet sicher</p>
- <p class="verse">Mein tiefstes Herz.</p>
- <p class="verse">Doch jedes Sinnen</p>
- <p class="verse">An dir sich bricht:</p>
- <p class="verse">Der Brust Gedanken,</p>
- <p class="verse">Der Träume Schwanken</p>
- <p class="verse">Ermißt dich nicht.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Für uns bereitet</p>
- <p class="verse">Ein Banner steht,</p>
- <p class="verse">Dem, der dich sucht</p>
- <p class="verse">Ein Wimpel weht.</p>
- <p class="verse">Du bist den Treuen</p>
- <p class="verse">Nimmer versteckt,</p>
- <p class="verse">Nur, ach, die Sünde</p>
- <p class="verse">Mit dunkler Binde</p>
- <p class="verse">Das Auge deckt.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-14" class="pagenum" title="14"></a>
- <p class="verse">Was ich erdichtet,</p>
- <p class="verse">Hast du erschaut</p>
- <p class="verse">Vom Tage, da du</p>
- <p class="verse">Meine Säulen erbaut;</p>
- <p class="verse">Du bist&rsquo;s, der mir</p>
- <p class="verse">Das Herz bezwingt:</p>
- <p class="verse">Dunkelstes Achten,</p>
- <p class="verse">Geheimstes Trachten</p>
- <p class="verse">Nicht zu dir dringt.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<hr class="delim" />
-
-<h3 class="lyric blank" id="subchap-0-2-5" title="Um sein Antlitz alle Frommen flehen">
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Um sein Antlitz alle Frommen flehen,</p>
- <p class="verse">Alle wollen seine Gnade sehen,</p>
- <p class="verse">Seiner Liebe jungen Regenguß;</p>
- <p class="verse">Ist er selbst auch in den fernsten Weiten,</p>
- <p class="verse">Steht uns seine Liebe doch zur Seiten,</p>
- <p class="verse">Seiner großen Werke Ueberfluß.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">All sein Licht zu sehn, sind alle trunken;</p>
- <p class="verse">Aber finden sie den kleinsten Funken,</p>
- <p class="verse">Zittert schon ihr armes Herze ganz.</p>
- <p class="verse">Müssen seinem Reiche sich ergeben,</p>
- <p class="verse">Seinen Namen müssen sie erheben,</p>
- <p class="verse">Und in diesem Namen selig leben, &ndash;</p>
- <p class="verse">Selig preisen seinen Glanz.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<hr class="delim" />
-
-<h3 class="lyric blank" id="subchap-0-2-6" title="Gottes Hand wird dich beschatten">
-<a id="page-15" class="pagenum" title="15"></a>
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Gottes Hand wird dich beschatten,</p>
- <p class="verse">Wird dir Decke sein und Hülle,</p>
- <p class="verse">Wenn in Redlichkeit und Stille</p>
- <p class="verse">Du dich birgst in seinem Schatten.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Nimmer wird dein Fuß ermatten,</p>
- <p class="verse">Deine Hand bleibt stark hinieden:</p>
- <p class="verse">Suche, Seele, nur den Frieden,</p>
- <p class="verse">Frieden wird er dir erstatten.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<hr class="delim" />
-
-<h3 class="lyric blank" id="subchap-0-2-7" title="Zu dir steht all mein Sehnen">
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Zu dir steht all mein Sehnen,</p>
- <p class="verse">Wenn auch die Lippe schweigt:</p>
- <p class="verse">Nur einmal möcht&rsquo; ich werben</p>
- <p class="verse">Um deine Gunst und sterben,</p>
- <p class="verse">Wenn sie sich mir geneigt.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Nimm meinen Geist zu Händen:</p>
- <p class="verse">Ich schliefe fröhlich ein!</p>
- <p class="verse">Ach, ohne dich mein Leben</p>
- <p class="verse">Ist Tod, doch du kannst geben:</p>
- <p class="verse">Mein Tod wird Leben sein!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Nur weiß ich nicht zu beten,</p>
- <p class="verse">Wie ich wohl beten soll:</p>
- <p class="verse">Lehr&rsquo; mich, wie man dich findet!</p>
- <p class="verse">Wenn mich die Torheit bindet,</p>
- <p class="verse">Erlös&rsquo; mich gnadenvoll!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-16" class="pagenum" title="16"></a>
- <p class="verse">Lehr&rsquo; mich, das Haupt zu beugen,</p>
- <p class="verse">Solang mein Herz es faßt:</p>
- <p class="verse">Verwirf mich nicht auf Erden,</p>
- <p class="verse">Damit ich nicht muß werden</p>
- <p class="verse">Mir selber eine Last!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Damit der Tag nicht komme,</p>
- <p class="verse">Wo alles auf mich drückt,</p>
- <p class="verse">Und gegen alles Trutzen</p>
- <p class="verse">Mein Herz sich ohne Nutzen</p>
- <p class="verse">Nun bücken muß und bückt!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Daß mein Gebein dann welkte</p>
- <p class="verse">Und trüg&rsquo; mich nimmer fort,</p>
- <p class="verse">Und ich dann wandern müßte</p>
- <p class="verse">Zu einer andern Küste,</p>
- <p class="verse">Zu meiner Väter Ort. &ndash;</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Ein armer Wandrer wall&rsquo; ich</p>
- <p class="verse">Hin übers Erdenrund.</p>
- <p class="verse">Bin fremd auf allen Steigen,</p>
- <p class="verse">Mein ganzes Erb&rsquo; und Eigen</p>
- <p class="verse">Liegt drunten in dem Grund.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Bis jetzt sorgt meine Jugend</p>
- <p class="verse">Noch für ihr Erdenteil:</p>
- <p class="verse">Wann endlich kommt der Morgen,</p>
- <p class="verse">Da meine Seele sorgen</p>
- <p class="verse">Wird für ihr Seelenheil?</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-17" class="pagenum" title="17"></a>
- <p class="verse">Die irdische Beschwerde,</p>
- <p class="verse">Die Gott ins Herz mir gab,</p>
- <p class="verse">Mich so in Ketten brachte,</p>
- <p class="verse">Daß nie ans Ende dachte</p>
- <p class="verse">Mein Herz und übers Grab.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wie kann sein Knecht ich heißen,</p>
- <p class="verse">Ich, aller Lüste Knecht?</p>
- <p class="verse">Wie kann ich höher streben?</p>
- <p class="verse">Schon morgen muß ich leben</p>
- <p class="verse">Mit Bruder Wurms Geschlecht.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Kann ich denn Festtags lachen?</p>
- <p class="verse">Weiß ich, was morgen ist?</p>
- <p class="verse">Der Tag, die Nacht, die Stunde</p>
- <p class="verse">Verfolgen mich wie Hunde</p>
- <p class="verse">Und fällen mich mit List.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Mein Geist verweht im Winde,</p>
- <p class="verse">Mein Leib fällt in den Sand:</p>
- <p class="verse">Ich muß es schweigend tragen,</p>
- <p class="verse">Die Triebe selber jagen</p>
- <p class="verse">Mich ja ins Totenland! &ndash;</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Was bleibt mir noch im Leben</p>
- <p class="verse">Als deine Gunst allein?</p>
- <p class="verse">Willst du mein Teil nicht bleiben,</p>
- <p class="verse">Was soll ich hier noch treiben?</p>
- <p class="verse">Wo wird mein Teil dann sein?</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-18" class="pagenum" title="18"></a>
- <p class="verse">Ich hab&rsquo; nicht gute Werke,</p>
- <p class="verse">Ganz nackt und bloß ich bin:</p>
- <p class="verse">Nur dein gerechter Willen</p>
- <p class="verse">Kann wie ein Mantel hüllen</p>
- <p class="verse">Den makelvollen Sinn.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Was soll ich noch erbitten</p>
- <p class="verse">Von dir, mein einz&rsquo;ger Hort? &ndash;</p>
- <p class="verse">Was soll ich noch erwähnen?</p>
- <p class="verse">Zu dir steht all mein Sehnen:</p>
- <p class="verse">Das ist mein letztes Wort.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<hr class="delim" />
-
-<h3 class="lyric blank" id="subchap-0-2-8" title="Hin nach meines Lebens Quelle">
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Hin nach meines Lebens Quelle</p>
- <p class="verse">Immer mich mein Sehnen trage,</p>
- <p class="verse">Bis mich an des Grabes Schwelle</p>
- <p class="verse">Niederlegen meine Tage.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Möcht&rsquo; die Seele weise werden!</p>
- <p class="verse">Heut noch hascht sie nach dem Winde:</p>
- <p class="verse">Und ist doch mein All auf Erden,</p>
- <p class="verse">Priesterteil und Angebinde.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Möcht&rsquo; mein Herz sich wach erweisen,</p>
- <p class="verse">Fröhlich auf das Ende sehen:</p>
- <p class="verse">Jener Tag mag Schlummer heißen,</p>
- <p class="verse">Doch er ist ein Auferstehen;</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-19" class="pagenum" title="19"></a>
- <p class="verse">Jener Tag nach meinen Toden,</p>
- <p class="verse">Wo er richtet meine Fehle,</p>
- <p class="verse">Wo er meinen Geist und Odem</p>
- <p class="verse">Zieht in seine ew&rsquo;ge Seele.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<hr class="delim" />
-
-<h3 class="lyric blank" id="subchap-0-2-9" title="Wenn du allein des Herren harrst">
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wenn du allein des Herren harrst,</p>
- <p class="verse">Was ängsten dich die Zeiten?</p>
- <p class="verse">Lebt er in deiner heißen Brust,</p>
- <p class="verse">All irdisch Leid, all irdisch Lust,</p>
- <p class="verse">Was kann es dir bedeuten? ...</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Doch nein, du liegst im dunklen Grab</p>
- <p class="verse">Und willst es nicht erkennen,</p>
- <p class="verse">Du liegst in deiner Sinne Nacht</p>
- <p class="verse">Und kannst &ndash; kein Licht im finstern Schacht &ndash;</p>
- <p class="verse">Nicht Gut und Böse trennen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Es kommt der Tod: So wähle doch</p>
- <p class="verse">Des wahren Weges Breite!</p>
- <p class="verse">Ach, Seele, geh doch geradezu,</p>
- <p class="verse">Was irrst und läufst und taumelst du</p>
- <p class="verse">Zur recht&rsquo; und linken Seite?</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Die Wahrheit wähle! Tu es, tu&rsquo;s!</p>
- <p class="verse">Denk, wie die Zeiten lügen!</p>
- <p class="verse">Laß dich nicht irren dort und hie,</p>
- <p class="verse">Betrüge sie, betrüge sie,</p>
- <p class="verse">Bevor sie dich betrügen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-20" class="pagenum" title="20"></a>
- <p class="verse">Ach, gute Seele, siehe zu,</p>
- <p class="verse">Ein Künft&rsquo;ges zu erwerben:</p>
- <p class="verse">Gib alles hin mit leichtem Mut,</p>
- <p class="verse">Gib hin den Erben all dein Gut,</p>
- <p class="verse">Und werde selbst zum Erben!</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<hr class="delim" />
-
-<h3 class="lyric blank" id="subchap-0-2-10" title="Halt, o Herz! Wer darf sich wagen">
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Halt, o Herz! Wer darf sich wagen</p>
- <p class="verse">In des Herzenwägers Haus?</p>
- <p class="verse">Hüte dich, den Blick zu tragen</p>
- <p class="verse">In sein dunkles Reich hinaus.</p>
- <p class="verse">Wagtest du das frevle Abenteuer,</p>
- <p class="verse">Griffe dich ein flammenwildes Feuer.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Lasse ab, dir zu erzwingen</p>
- <p class="verse">Seiner Rätsel dunkle Welt,</p>
- <p class="verse">Denn du hast kein Recht, zu dringen</p>
- <p class="verse">In die Tiefe, die ihn hält:</p>
- <p class="verse">Fort mit dir aus seinen ew&rsquo;gen Hallen,</p>
- <p class="verse">Denn du darfst nicht unter Engeln wallen!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Ihm befiehl du deine Wege,</p>
- <p class="verse">Daß er dir zur Seite bleibt,</p>
- <p class="verse">Ihm vertraue deine Stege,</p>
- <p class="verse">Wenn es dich ins Irre treibt!</p>
- <p class="verse">Mag dich Lust betören, Leid berühren:</p>
- <p class="verse">Er wird dich im rechten Gleise führen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-21" class="pagenum" title="21"></a>
- <p class="verse">Walle nicht die ird&rsquo;schen Ziele,</p>
- <p class="verse">Gottes Zielen walle zu!</p>
- <p class="verse">Fürsten sind auf Erden viele,</p>
- <p class="verse">Doch nur einem diene du!</p>
- <p class="verse">Alle andern sind nur Knechtesknechte,</p>
- <p class="verse">Ihre Launen bleiben ihre Mächte.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Einer nur, ein Ruhmesreicher,</p>
- <p class="verse">Nimmt dich an die ew&rsquo;ge Brust,</p>
- <p class="verse">Trägt dich, ach, in wunderweicher</p>
- <p class="verse">Vaterhand zur höchsten Lust:</p>
- <p class="verse">Lerne eitlem Freundesrat entsagen,</p>
- <p class="verse">Lasse dich in seinem Lichte tragen!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Er sei: deiner ersten Ernte</p>
- <p class="verse">Erste Frucht, dein höchstes Fest!</p>
- <p class="verse">Wenn die letzte sich entfernte,</p>
- <p class="verse">Dann sei er der letzte Rest:</p>
- <p class="verse">Deine Reue werde zum Altare,</p>
- <p class="verse">Werde deiner Sinne Flammenbahre!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Jedem ist er ein Berater,</p>
- <p class="verse">Der in seiner Nähe wacht,</p>
- <p class="verse">Aber dem auch bleibt er Vater,</p>
- <p class="verse">Der die letzte Reise macht.</p>
- <p class="verse">Frage nicht und lass dich nicht verführen,</p>
- <p class="verse">Lausche still an seinen letzten Türen!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Was er spricht, muß sich erfüllen,</p>
- <p class="verse">Sei&rsquo;s zum Leben oder Tod,</p>
-<a id="page-22" class="pagenum" title="22"></a>
- <p class="verse">So wie einst auf seinen Willen</p>
- <p class="verse">Kam das erste Morgenrot:</p>
- <p class="verse">Und er sprach: &ndash; und alle Schatten scheuchten!</p>
- <p class="verse">Und er sah: &ndash; es war ein herrlich Leuchten!</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<hr class="delim" />
-
-<h3 class="lyric blank" id="subchap-0-2-11" title="Knechte der Zeit: - Knechte der Knechte!">
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Knechte der Zeit: &ndash; Knechte der Knechte!</p>
- <p class="verse">Aber der Freie, der einzig rechte,</p>
- <p class="verse">&ndash; Auch ein Knecht &ndash; dienet dem Herrn.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wähle sich jeder sein Teil!</p>
- <p class="verse">Mein Teil aber und Heil</p>
- <p class="verse">&ndash; Spricht mein Herz &ndash; bleibet der Herr.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<hr class="delim" />
-
-<h3 class="lyric blank" id="subchap-0-2-12" title="Tag und Nacht will ich den Herren loben!">
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Tag und Nacht will ich den Herren loben!</p>
- <p class="verse">Seiner Gnade Antlitz ließ er leuchten,</p>
- <p class="verse">Fenster brach er aus an Himmelswänden,</p>
- <p class="verse">Sonnen gab er, die uns Strahlen spenden,</p>
- <p class="verse">Strahlen, die die Finsternisse scheuchten.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Doch er gab mir mehr: Von seinem Glanze</p>
- <p class="verse">Gab er mir, ich hab es froh genommen;</p>
- <p class="verse">Durfte seines Geistes Regen spüren,</p>
- <p class="verse">Ließ mich gern auf lichten Wegen führen,</p>
- <p class="verse">Wegen, die vom Sinaï gekommen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-23" class="pagenum" title="23"></a>
- <p class="verse">So war sein Gesetz in meinem Munde,</p>
- <p class="verse">Daß mich Honig seine Worte deuchten;</p>
- <p class="verse">Und in seiner Lehre lichten Flammen</p>
- <p class="verse">Jauchzte ich die ganze Welt zusammen: &ndash;</p>
- <p class="verse">&ndash; Brüder, seht, wie meine Augen leuchten!</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<hr class="delim" />
-
-<h3 class="lyric blank" id="subchap-0-2-13" title="Jugend ist wie leichte Flocken">
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Jugend ist wie leichte Flocken,</p>
- <p class="verse">Bald verweht vom ersten Wind;</p>
- <p class="verse">Sieh auf deine schwarzen Locken!</p>
- <p class="verse">Hast du es noch nicht vernommen?</p>
- <p class="verse">Weiße Boten angekommen:</p>
- <p class="verse">Und du schläfst, mein Weltenkind?</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Vöglein schüttelt sich am Morgen</p>
- <p class="verse">Von dem nächt&rsquo;gen Silbertau;</p>
- <p class="verse">Also schüttle ird&rsquo;sche Sorgen,</p>
- <p class="verse">Liebe Seele, dir vom Flügel,</p>
- <p class="verse">Steige über Strom und Hügel</p>
- <p class="verse">Lerchengleich ins Himmelblau.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Freiheit wirst du droben finden</p>
- <p class="verse">Von dem Brausestrom der Tage:</p>
- <p class="verse">Liebe Seele, darum jage</p>
- <p class="verse">Hinter Gottes Spuren dicht,</p>
- <p class="verse">Und im stillen Kreis von allen</p>
- <p class="verse">Seelen, die zum Herren wallen,</p>
- <p class="verse">Walle hin zum ew&rsquo;gen Licht.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<hr class="delim" />
-
-<h3 class="lyric blank" id="subchap-0-2-14" title="Mein Gott, ich will dich ehren">
-<a id="page-24" class="pagenum" title="24"></a>
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Mein Gott, ich will dich ehren</p>
- <p class="verse">Und dein gerechtes Tun:</p>
- <p class="verse">Nur einmal braucht&rsquo; ich hören</p>
- <p class="verse">Und glaube alles nun.</p>
- <p class="verse">Nicht fragen und erproben</p>
- <p class="verse">Will dich dein Erdensohn:</p>
- <p class="verse">Du großer Bildner droben,</p>
- <p class="verse">Darf meistern dich der Ton?</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Ich hab&rsquo; dich manche Stunden</p>
- <p class="verse">Gesucht an manchem Ort,</p>
- <p class="verse">Ich habe dich gefunden</p>
- <p class="verse">Als Burg und Felsenhort.</p>
- <p class="verse">Du, der in klarem Feuer</p>
- <p class="verse">Dies Erdentum erhellt</p>
- <p class="verse">Und unverhüllt vom Schleier</p>
- <p class="verse">Durchstrahlt die schöne Welt.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Sieh, alle Himmel preisen</p>
- <p class="verse">Dein Licht und deine Pracht,</p>
- <p class="verse">Da sie in ihren Kreisen</p>
- <p class="verse">Sich beugen deiner Macht;</p>
- <p class="verse">Die Engel, die da schweben</p>
- <p class="verse">Durch Feuer und durch Flut,</p>
- <p class="verse">Sie jauchzen und erheben</p>
- <p class="verse">Zu dir die heil&rsquo;ge Glut.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Zu dir, der alles führet,</p>
- <p class="verse">All diese Welten trägt,</p>
-<a id="page-25" class="pagenum" title="25"></a>
- <p class="verse">Und keinen Arm doch rühret</p>
- <p class="verse">Und keine Hand bewegt!</p>
- <p class="verse">Du, dessen Wunderwalten</p>
- <p class="verse">Die Höh&rsquo; und Tiefe hält</p>
- <p class="verse">Und heiliger Gestalten</p>
- <p class="verse">Geheimnisvolle Welt.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wer kündet uns das Weben,</p>
- <p class="verse">Das alle Wolken treibt?</p>
- <p class="verse">Das tiefverhüllte Leben,</p>
- <p class="verse">Das ewig droben bleibt?</p>
- <p class="verse">Und doch will er sich neigen</p>
- <p class="verse">Dem Kinde dieser Welt</p>
- <p class="verse">Und läßt sein Leuchten steigen</p>
- <p class="verse">Hinab aufs Erdenzelt.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Und läßt vor Seheraugen</p>
- <p class="verse">Sein ganzes Bild erstehn;</p>
- <p class="verse">Sonst mochte nie ihm taugen,</p>
- <p class="verse">Daß Menschen ihn ersehn.</p>
- <p class="verse">Was nie sich wollt&rsquo; gestalten,</p>
- <p class="verse">Sein Bildnis oder Maß, &ndash;</p>
- <p class="verse">In königlichem Walten</p>
- <p class="verse">Prophetenauge sah&rsquo;s.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Die ungezählten Werke,</p>
- <p class="verse">Wer zählt sie alle vor?</p>
- <p class="verse">Heil dem, der seine Stärke</p>
- <p class="verse">Zu gründen sich erkor!</p>
-<a id="page-26" class="pagenum" title="26"></a>
- <p class="verse">Heil dem, der all sein Hoffen</p>
- <p class="verse">Auf ihn allein gelegt,</p>
- <p class="verse">Ihn, der die Welt so offen</p>
- <p class="verse">In seinen Armen trägt!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Heil, wer mit heil&rsquo;gem Bangen</p>
- <p class="verse">Ihn fürchtet und bekennt</p>
- <p class="verse">Und dankbar im Empfangen</p>
- <p class="verse">Sein Recht auch Recht benennt!</p>
- <p class="verse">Wirkt er für seines Knechtes</p>
- <p class="verse">Glück und Gedeihen doch:</p>
- <p class="verse">Es kommt ein Tag des Rechtes</p>
- <p class="verse">Dem großen Gotte noch!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">O zittre du und denke</p>
- <p class="verse">Und lerne wachsam sein:</p>
- <p class="verse">In dein Geheimnis senke</p>
- <p class="verse">Dein ganzes Sinnen ein!</p>
- <p class="verse">Woher bist du gekommen?</p>
- <p class="verse">Wo ist dein Grund gelegt!</p>
- <p class="verse">Wer hat dich einst genommen?</p>
- <p class="verse">Wer hegt dich und bewegt? &ndash;</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Schau hin auf Gott und sende</p>
- <p class="verse">Die wache Seele aus,</p>
- <p class="verse">Doch strecke deine Hände</p>
- <p class="verse">Du nimmer nach ihm aus!</p>
- <p class="verse">Du kannst doch nimmer finden</p>
- <p class="verse">Sein Ende und Beginn,</p>
-<a id="page-27" class="pagenum" title="27"></a>
- <p class="verse">Und nie wirst du ergründen</p>
- <p class="verse">Den rätselhaften Sinn.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<hr class="delim" />
-
-<h3 class="lyric blank" id="subchap-0-2-15" title="Bevor du mich geschaffen">
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Bevor du mich geschaffen,</p>
- <p class="verse">Hast du mich schon gekannt,</p>
- <p class="verse">Ich weiß, du wirst mich halten,</p>
- <p class="verse">Solang dein Geist wird walten</p>
- <p class="verse">In meiner Seele Land.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Kann gehn ich, wenn dein Winken</p>
- <p class="verse">Mich an die Stelle zwängt?</p>
- <p class="verse">Kann ich denn bleiben stille,</p>
- <p class="verse">Wenn mich dein heil&rsquo;ger Wille</p>
- <p class="verse">Mit Mächten vorwärts drängt?</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Was kann ich denn noch sagen?</p>
- <p class="verse">Mein Denken ist bei dir:</p>
- <p class="verse">Was ist denn all mein Wandeln,</p>
- <p class="verse">Was ist mein Tun und Handeln,</p>
- <p class="verse">Bist du nicht über mir?</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Ich kann dich ja nur suchen;</p>
- <p class="verse">Und du: &ndash; Zur Gnadenzeit</p>
- <p class="verse">Erhöre mich in Milde,</p>
- <p class="verse">Und mach zu einem Schilde</p>
- <p class="verse">Mir deine Huld bereit!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-28" class="pagenum" title="28"></a>
- <p class="verse">Erwecke mich am Morgen</p>
- <p class="verse">Und mache mich recht wach,</p>
- <p class="verse">Daß ich in frohen Weisen</p>
- <p class="verse">Hinwalle, hochzupreisen</p>
- <p class="verse">Dich unter deinem Dach!</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<hr class="delim" />
-
-<h3 class="lyric blank" id="subchap-0-2-16" title="Ruhig, ruhig, liebe Seele!">
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Ruhig, ruhig, liebe Seele!</p>
- <p class="verse">Wende dich zu Gottes Throne:</p>
- <p class="verse">Ird&rsquo;sche Throne lasse liegen;</p>
- <p class="verse">Bist du erst emporgestiegen,</p>
- <p class="verse">Stiegest du zu ew&rsquo;gem Lohne.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Seele, gib dem Herrn die Ehre,</p>
- <p class="verse">Beuge dich ihm froh und gern:</p>
- <p class="verse">Droben unter Göttersöhnen</p>
- <p class="verse">Singe mit in Jubeltönen</p>
- <p class="verse">Deinem hochgelobten Herrn!</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="part" id="chapter-0-3">
-<a id="page-29" class="pagenum" title="29"></a>
-II.<br />
-ISRAEL
-</h2>
-
-</div>
-
-<h3 class="lyric blank" id="subchap-0-3-1" title="Wahrheit, ich liebe dich aus ganzer Kraft">
-<a id="page-30" class="pagenum" title="30"></a>
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wahrheit, ich liebe dich aus ganzer Kraft</p>
- <p class="verse">Und tief aus meines Herzens Leidenschaft.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Dich liebt mein jubelnd aufgetaner Mund,</p>
- <p class="verse">Dich meiner Brust geheimnisvollster Grund.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Du bist mit mir, wie kann ich einsam sein?</p>
- <p class="verse">Du leitest mich, wie wandle ich allein?</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Du bist mein Licht, wie könnte ich verblinken?</p>
- <p class="verse">Und du mein Stab, wie könnt&rsquo; ich niedersinken?</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Sie haben mich geschmäht, doch keiner wußte,</p>
- <p class="verse">Daß Schmach um dich mir Ehre werden mußte.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Quell meines Lebens du, mein Leben lang</p>
- <p class="verse">Gilt dir mein Preis, mein Lied, mein Sang!</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<hr class="delim" />
-
-<h3 class="lyric blank" id="subchap-0-3-2" title="Sonn' und Mond im Wechsel der Geschlechter">
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Sonn&rsquo; und Mond im Wechsel der Geschlechter,</p>
- <p class="verse">Tag und Nacht als ewge Wächter,</p>
- <p class="verse">So steht ewig Jakobs Same;</p>
- <p class="verse">Gottes Linke mag sie lassen,</p>
- <p class="verse">Gottes Rechte wird sie fassen:</p>
- <p class="verse">Ewges Volk, das ist und bleibt ihr Name.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Ach, was fürchten sie und zagen</p>
- <p class="verse">In den schlimm und schlimmern Tagen,</p>
-<a id="page-31" class="pagenum" title="31"></a>
- <p class="verse">Daß ihr Herz am Zweifel bricht: &ndash;</p>
- <p class="verse">Glaubt an euer ewiges Bestehen,</p>
- <p class="verse">Allsolang nicht Tag und Nacht vergehen,</p>
- <p class="verse">Allsolang vergeht ihr selber nicht!</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<hr class="delim" />
-
-<h3 class="lyric blank" id="subchap-0-3-3" title="Sei stark und harre deiner Zeit!">
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Sei stark und harre deiner Zeit!</p>
- <p class="verse">Was drängst du so, noch ist sie weit,</p>
- <p class="verse">Was soll das wilde Bangen?</p>
- <p class="verse">O bebe nicht und sei ein Held!</p>
- <p class="verse">Und singe, siehst du doch mein Zelt</p>
- <p class="verse">Bei deinen Zelten prangen!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Und wenn sie spotten, du sei still!</p>
- <p class="verse">Und wenn du hörest ihr Gebrüll,</p>
- <p class="verse">Laß es dich nicht bewegen:</p>
- <p class="verse">Führ&rsquo; deine Herde sanft dahin,</p>
- <p class="verse">Ich bin dein Gott, es ist mein Sinn,</p>
- <p class="verse">Das Joch dir aufzulegen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Ich bin es auch, der dich erhört,</p>
- <p class="verse">Und der den Balsam dir beschert,</p>
- <p class="verse">Da deine Wunden brennen.</p>
- <p class="verse">Auch dank ich dir, wie du mich liebst,</p>
- <p class="verse">Daß du mir all dein Sehnen gibst,</p>
- <p class="verse">Erlöser mich zu nennen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Doch eile nicht und dränge nicht,</p>
-<a id="page-32" class="pagenum" title="32"></a>
- <p class="verse">Da du den Arm im Strafgericht</p>
- <p class="verse">Mir siehst gewaltig werden.</p>
- <p class="verse">Und dem, der ird&rsquo;sche Herren preist,</p>
- <p class="verse">Dem sage, was du selber weißt:</p>
- <p class="verse">Gott ist mein Herr auf Erden!</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<hr class="delim" />
-
-<h3 class="lyric blank" id="subchap-0-3-4" title="Seit du das Heim der Liebe bist">
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Seit du das Heim der Liebe bist,</p>
- <p class="verse">Kehrt meine Liebe bei dir ein,</p>
- <p class="verse">Und meiner Feinde Drang und List</p>
- <p class="verse">Soll deinetwegen süß mir sein:</p>
- <p class="verse">Sie mögen mich nur schrecken!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Sie lernten deinen Grimm von dir,</p>
- <p class="verse">Sie jagten den, den du verjagt: &ndash;</p>
- <p class="verse">Soll ich sie hassen denn dafür,</p>
- <p class="verse">Der selbst sich nicht zu lieben wagt,</p>
- <p class="verse">Da du ihn nicht mehr liebest?</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Bis einst verwunden alle Qual,</p>
- <p class="verse">Vorüber aller Stürme Macht,</p>
- <p class="verse">Und du dem Volke deiner Wahl,</p>
- <p class="verse">Das du erlöst aus mancher Nacht,</p>
- <p class="verse">Erlösung wieder sendest.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<hr class="delim" />
-
-<h3 class="lyric blank" id="subchap-0-3-5" title="Entfessle deine rechte Hand">
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Entfessle deine rechte Hand</p>
- <p class="verse">Und sende sie hinab ins Land,</p>
-<a id="page-33" class="pagenum" title="33"></a>
- <p class="verse">Daß sie dein Volk erfasse!</p>
- <p class="verse">Ist sie zu kurz? Beherrscht denn dich</p>
- <p class="verse">Das Schicksal ebenso wie mich</p>
- <p class="verse">Und alle auf der Gasse?</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Die Sonne braust in ew&rsquo;gem Kreis,</p>
- <p class="verse">Es steht der Mond auf dein Geheiß.</p>
- <p class="verse">Dein Wort ist ihre Klammer.</p>
- <p class="verse">Dein Wort nur ihre Ketten bricht,</p>
- <p class="verse">Und all ihr Gold- und Silberlicht</p>
- <p class="verse">Es ruht in deiner Kammer.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Da stehen sie in deinem Schein,</p>
- <p class="verse">Die Sterne all, und harren dein,</p>
- <p class="verse">Das sie dein Wille richte!</p>
- <p class="verse">Und fühlen tief und fühlen ganz:</p>
- <p class="verse">Von deinem Glanze ist ihr Glanz,</p>
- <p class="verse">Ihr Licht von deinem Lichte.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<hr class="delim" />
-
-<h3 class="lyric blank" id="subchap-0-3-6" title="In deinem Lichte schläft aller Glanz">
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">In deinem Lichte schläft aller Glanz:</p>
- <p class="verse">Dein Volk auf finstern Wegen reist,</p>
- <p class="verse">Und ihrem Sehnen, lang gehegt,</p>
- <p class="verse">Der Frevel in die Ferse beißt.</p>
- <p class="verse">Doch still: Darüber leuchtet rein</p>
- <p class="verse">Wie Sonnenglanz im Morgenschein</p>
- <p class="verse2">Das schönste Licht.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-34" class="pagenum" title="34"></a>
- <p class="verse">O Vater, um ihr wildes Haupt</p>
- <p class="verse">Schling&rsquo; einen Schleier silberklar,</p>
- <p class="verse">Und statt des armen Bettelkleids</p>
- <p class="verse">Reich ihnen einen Purpur dar.</p>
- <p class="verse">Gieß aus dein Licht zum zweitenmal</p>
- <p class="verse">Wie einst am ersten Tag den Strahl:</p>
- <p class="verse2">Es werde Licht!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Hoch dein Panier den Wankenden!</p>
- <p class="verse">Dein Engel schreite nun voran</p>
- <p class="verse">Und lege den Erlösten bloß</p>
- <p class="verse">Zum Siegeszug die freie Bahn!</p>
- <p class="verse">O segne sie der Gnaden voll,</p>
- <p class="verse">Doch in Verdammnis sinken soll</p>
- <p class="verse2">Des Lichtes Feind!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">So wie ein Knecht nach Schatten lechzt,</p>
- <p class="verse">Lechzt Israel: Erlös&rsquo; es nun!</p>
- <p class="verse">Und ruf&rsquo; ihm zu: Wie lange noch</p>
- <p class="verse">Willst du im düstern Hause ruhn?</p>
- <p class="verse">Sag&rsquo; an, wie lang? Sag&rsquo; an, wie weit?</p>
- <p class="verse">Auf, leuchte! Denn es kommt die Zeit:</p>
- <p class="verse2">Dein Leuchten kommt!</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<hr class="delim" />
-
-<h3 class="lyric blank" id="subchap-0-3-7" title="In deinem Haus zu ruhen">
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">In deinem Haus zu ruhen,</p>
- <p class="verse">Gibt es wohl süßre Rast</p>
- <p class="verse">Dem Volk, in dessen Reihen</p>
- <p class="verse">Du deine Ruhe hast?</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-35" class="pagenum" title="35"></a>
- <p class="verse">Du, der auf Weltenhöhen</p>
- <p class="verse">So unermeßlich thront</p>
- <p class="verse">Und doch im Herz des Armen</p>
- <p class="verse">Und des Gebeugten wohnt:</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Dich faßt nicht Himmelshöhe,</p>
- <p class="verse">Die dich zu fassen wähnt,</p>
- <p class="verse">Und wenn sie bis zum Horeb</p>
- <p class="verse">Die ewgen Kreise dehnt.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Dein Weg, der ist so nahe</p>
- <p class="verse">Und doch so fernehin:</p>
- <p class="verse">Und alles, was du bildest,</p>
- <p class="verse">Hat seinen Zweck und Sinn.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Selbst meiner Seele Trachten,</p>
- <p class="verse">Das sendet mir mein Hort,</p>
- <p class="verse">Und wenn die Lippe redet,</p>
- <p class="verse">So ist&rsquo;s ein Gotteswort.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<hr class="delim" />
-
-<h3 class="lyric blank" id="subchap-0-3-8" title="Fauler, wirst du nicht erröten?">
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Fauler, wirst du nicht erröten?</p>
- <p class="verse">Schläfst bis in den Tag hinein?</p>
- <p class="verse">Hörst du nicht aus tiefsten Nöten</p>
- <p class="verse">Fremde Völker zu ihm schrein?</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Schon mit ganzem Herzen dienen</p>
- <p class="verse">Ihm, die nie ihn noch gekannt:</p>
-<a id="page-36" class="pagenum" title="36"></a>
- <p class="verse">Und die ihm die Liebsten schienen,</p>
- <p class="verse">Die verstecken sich im Land?</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Auf, schon tagt es fern im Osten,</p>
- <p class="verse">Auf, du Schläfer, aus der Ruh!</p>
- <p class="verse">Fremde stehen auf dem Posten,</p>
- <p class="verse">Und da träumest du? &ndash;</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<hr class="delim" />
-
-<h3 class="lyric blank" id="subchap-0-3-9" title="Es blieben die Wunder, die herrlichen, fort">
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Es blieben die Wunder, die herrlichen, fort,</p>
- <p class="verse">Gott Elijahus, wo ist dein Ort?</p>
- <p class="verse">Wir hörten dein Wort, wir schrieen empor,</p>
- <p class="verse">Schon tausend Jahre ist taub dein Ohr: &ndash;</p>
- <p class="verse4">Gott Elijahus, wo bist du?</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Schloß Elijahu des Himmels Trauf&rsquo;,</p>
- <p class="verse">Riß Elijahu den Himmel auf:</p>
- <p class="verse">Wasser und Feuer fiel von den Höh&rsquo;n,</p>
- <p class="verse">Karmel und Kison haben&rsquo;s gesehn:</p>
- <p class="verse4">Gott Elijahus, wo bist du?</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Sprach Elijahu zum Krügelein,</p>
- <p class="verse">Setzte er quellenden Segen darein;</p>
- <p class="verse">Ließ er den Toten vom Bette stehn:</p>
- <p class="verse">Wer hat es gehört? Wer hat es gesehn? &ndash;</p>
- <p class="verse4">Gott Elijahus, wo bist du?</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Spritzt&rsquo; Elijahu in feindliche Reih&rsquo;n</p>
- <p class="verse">Flammendes Feuer und Funken hinein,</p>
-<a id="page-37" class="pagenum" title="37"></a>
- <p class="verse">Sechs Wochen fastet&rsquo; er Tag und Nacht, &ndash;</p>
- <p class="verse">Dann haben die Raben ihm Brot gebracht: &ndash;</p>
- <p class="verse4">Gott Elijahus, wo bist du?</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Fuhr Elijahu im Sturme auf,</p>
- <p class="verse">Feurig raste der Räder Lauf:</p>
- <p class="verse">&bdquo;Vater, Vater!&ldquo; Elisa schrie,</p>
- <p class="verse">Elijahu war fort, man sah ihn nie: &ndash;</p>
- <p class="verse4">Gott Elijahus, wo bist du?</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Elisa blieb und ging fürbaß,</p>
- <p class="verse">Er ging durch den Jordan und wurde nicht naß.</p>
- <p class="verse">Die Männer sahen&rsquo;s und staunten da:</p>
- <p class="verse">Elisa wie Elijahu geschah. &ndash;</p>
- <p class="verse4">Gott Elijahus, wo bist du?</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Elijahu ist fort, doch &ndash; &ndash; wir sind da,</p>
- <p class="verse">Dulden und leiden ferne und nah;</p>
- <p class="verse">Versprochene Zeichen neben uns stehn: &ndash;</p>
- <p class="verse">Wann werden wir deine Wunder sehn?</p>
- <p class="verse4">Gott Elijahus, wo bist du?</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="part" id="chapter-0-4">
-<a id="page-39" class="pagenum" title="39"></a>
-III.<br />
-LIEBE
-</h2>
-
-</div>
-
-<h3 class="lyric blank" id="subchap-0-4-1" title="Ofra wäscht ihre Kleider">
-<a id="page-40" class="pagenum" title="40"></a>
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Ofra wäscht ihre Kleider</p>
- <p class="verse">In meiner Tränen Flut,</p>
- <p class="verse">Ofra trocknet die Kleider</p>
- <p class="verse">An ihres Auges Glut.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Ofra braucht keine Bronnen</p>
- <p class="verse">Bei meines Auges Quell,</p>
- <p class="verse">Ofra braucht keine Sonnen,</p>
- <p class="verse">Denn ihr Auge ist hell.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<hr class="delim" />
-
-<h3 class="lyric blank" id="subchap-0-4-2" title="Ich wiegt' auf dem Schoße">
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Ich wiegt&rsquo; auf dem Schoße</p>
- <p class="verse">Den Liebsten so schön,</p>
- <p class="verse">Da sah er sein Bildchen</p>
- <p class="verse">Im Auge mir stehn.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Der Schelm! Sieh, da küßt&rsquo; er</p>
- <p class="verse">Mein Auge so wild:</p>
- <p class="verse">Mein Auge nicht küßt&rsquo; er,</p>
- <p class="verse">Er küßte sein Bild.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<hr class="delim" />
-
-<h3 class="lyric blank" id="subchap-0-4-3" title="Was drängt ihr mich also">
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse2">Das Mädchen spricht:</p>
- <p class="verse">Was drängt ihr mich also,</p>
- <p class="verse">Ihr Frager, ihr flinken,</p>
- <p class="verse">Im Meere der Liebe</p>
- <p class="verse">Da sollt&rsquo; ich versinken.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-41" class="pagenum" title="41"></a>
- <p class="verse">Da trat seine Sohle</p>
- <p class="verse">Zum donnernden Strande: &ndash;</p>
- <p class="verse">Da ging ich im Meere,</p>
- <p class="verse">Als ging ich im Lande.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse2">Der Knabe spricht:</p>
- <p class="verse">Im Garten der Schönheit</p>
- <p class="verse">Erwarbst du ein Land,</p>
- <p class="verse">Das grenzenlos reicht</p>
- <p class="verse">Bis zum ewigen Strand.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Und wolltest die Sterne</p>
- <p class="verse">Zum Schmucke du han,</p>
- <p class="verse">Sie sprängen dir gerne</p>
- <p class="verse">Von himmlischer Bahn.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<hr class="delim" />
-
-<h3 class="cycle" id="subchap-0-4-4">
-ABSCHIEDSVERSE
-</h3>
-
-<h4 class="lyric blank" title="Mein Lieb, wir müssen uns schicken">
-1
-</h4>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Mein Lieb, wir müssen uns schicken,</p>
- <p class="verse">Nun scheid&rsquo; ich aus dem Tal:</p>
- <p class="verse">Laß dir ins Auge blicken</p>
- <p class="verse">Zum allerletzten Mal!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Ich fürcht&rsquo;, ich kann nicht zwingen</p>
- <p class="verse">Das Herz in sein Revier:</p>
-<a id="page-42" class="pagenum" title="42"></a>
- <p class="verse">Heraus wird es mir springen</p>
- <p class="verse">Und laufen hinter dir.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h4 class="lyric blank" title="Gedenke der Tage liebender Lust">
-2
-</h4>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Gedenke der Tage liebender Lust,</p>
- <p class="verse">Und ich will denken der Nächte:</p>
- <p class="verse">Wie du mir ziehst durch die träumende Brust,</p>
- <p class="verse">Auch ich, auch ich</p>
- <p class="verse">Durch deine Träume möchte.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h4 class="lyric blank" title="Ein Meer von Tränen zwischen uns rollt">
-3
-</h4>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Ein Meer von Tränen zwischen uns rollt,</p>
- <p class="verse">Ich kann nicht hinübereilen;</p>
- <p class="verse">Doch wenn deine Liebe herüber wollt&rsquo;,</p>
- <p class="verse">&ndash; Die Wogen würden sich teilen.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h4 class="lyric blank" title="Ach, daß ich einst in dunklen Grabesräumen">
-4
-</h4>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Ach, daß ich einst in dunklen Grabesräumen</p>
- <p class="verse">Den Ton des Glöckleins über mir erlauschte,</p>
- <p class="verse">Das leise klingt an deinen Kleidersäumen!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Ach, daß ich noch im Tode mich berauschte,</p>
- <p class="verse">Wenn du mich grüßt und fragst in meinen Träumen,</p>
- <p class="verse">Und ich dann Gruß und Frage mit dir tauschte!</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h4 class="lyric blank" title="Du hast einen Mord begangen">
-5
-</h4>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Du hast einen Mord begangen,</p>
- <p class="verse">Darum verklag&rsquo; ich dich:</p>
-<a id="page-43" class="pagenum" title="43"></a>
- <p class="verse">Deine roten Lippen und Wangen</p>
- <p class="verse">Die sollen zeugen für mich!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Deine roten Lippen und Wangen,</p>
- <p class="verse">Was sind sie denn so rot? &ndash;</p>
- <p class="verse">Nun mußt du schweigen und bangen:</p>
- <p class="verse">Mein Blut auf deinen Wangen,</p>
- <p class="verse">Das zeugt von meinem Tod.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h4 class="lyric blank" title="Willst du wirklich meinen Tod?">
-6
-</h4>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Willst du wirklich meinen Tod?</p>
- <p class="verse">Ach, ich bete nur um Leben,</p>
- <p class="verse">Um es jung und frisch und rot</p>
- <p class="verse">Deinen Jahren zuzugeben.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Ach, du raubtest mir die Ruh&rsquo;</p>
- <p class="verse">Meiner Nächte, süße Fraue!</p>
- <p class="verse">Leg&rsquo; sie dir auf deine Braue:</p>
- <p class="verse">Schlummre, schlummre du!</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h4 class="lyric blank" title="All' meine Tränen blieben">
-7
-</h4>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">All&rsquo; meine Tränen blieben</p>
- <p class="verse">Im Feuer deiner Lust,</p>
- <p class="verse">All&rsquo; deine Tränen zerrieben</p>
- <p class="verse">Die Steine in meiner Brust.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Durch Feuer und Wasser zusammen</p>
- <p class="verse">Schritt mein zitterndes Herz:</p>
- <p class="verse">Das waren deine Flammen,</p>
- <p class="verse">Das war mein weinender Schmerz.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h4 class="lyric blank" title="Zwischen Bittre, zwischen Süße">
-<a id="page-44" class="pagenum" title="44"></a>
-8
-</h4>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Zwischen Bittre, zwischen Süße</p>
- <p class="verse">Muß mein Herz sich jetzt bequemen:</p>
- <p class="verse">Honig sind mir deine Küsse,</p>
- <p class="verse">Bitter ist das Abschiednehmen!</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h4 class="lyric blank" title="Aller Reichtum dieser Welt">
-9
-</h4>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Aller Reichtum dieser Welt</p>
- <p class="verse">Ist mir eitel Trug,</p>
- <p class="verse">Deiner Lippen rote Schnur,</p>
- <p class="verse">Deiner Lenden Gürtel nur</p>
- <p class="verse">Wäre mir genug.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">All mein süßer Honig fließt</p>
- <p class="verse">Dort, wo ich dich küßte,</p>
- <p class="verse">Meiner Narde sich ergießt,</p>
- <p class="verse">Alle meine Myrrhe sprießt</p>
- <p class="verse">Rund um deine Brüste.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h4 class="lyric blank" title="Der Frauen Ehre ist ihr edles Tun">
-10
-</h4>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Der Frauen Ehre ist ihr edles Tun,</p>
- <p class="verse">Doch alles Tun veredelt sich durch dich.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h4 class="lyric blank" title="Viel tausend Garben stehen">
-11
-</h4>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Viel tausend Garben stehen</p>
- <p class="verse">Wohl in der Liebe Tal:</p>
- <p class="verse">Vor deiner Garbe beugen,</p>
- <p class="verse">Vor deiner Garbe neigen</p>
- <p class="verse">Sich alle allzumal.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h4 class="lyric blank" title="Unter deinen leichten Füßen">
-<a id="page-45" class="pagenum" title="45"></a>
-12
-</h4>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Unter deinen leichten Füßen</p>
- <p class="verse">Heimlich süße Keime sprießen,</p>
- <p class="verse">Balsamknospe, Myrrhenblüt&rsquo;:</p>
- <p class="verse">Möchte doch mein Leben glücken</p>
- <p class="verse">Nur so lange, bis ich pflücken,</p>
- <p class="verse">Sehen kann, wie alles blüht.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h4 class="lyric blank" title="Deine Stimme hör' ich nimmer">
-13
-</h4>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Deine Stimme hör&rsquo; ich nimmer,</p>
- <p class="verse">Aber leise hör&rsquo; ich immer</p>
- <p class="verse">Klingen wie ein fernes Grüßen</p>
- <p class="verse">In den Tiefen meiner Seele</p>
- <p class="verse">Deine Kettchen an den Füßen.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h4 class="lyric blank" title="Mein Herz wird bitter">
-14
-</h4>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Mein Herz wird bitter,</p>
- <p class="verse">Da es gedenkt: &ndash;</p>
- <p class="verse">Noch hängt ja, hängt</p>
- <p class="verse">An den Lippen die Süße,</p>
- <p class="verse">Noch fühl&rsquo; ich die Küsse,</p>
- <p class="verse">Die du mir geschenkt. &ndash;</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<hr class="delim" />
-
-<h3 class="lyric blank" id="subchap-0-4-5" title="Wach doch auf aus deiner Ruh">
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wach doch auf aus deiner Ruh;</p>
- <p class="verse">Daß ich mich an deinem Bilde labe!</p>
- <p class="verse">Träumest du von Küssen, süßer Knabe? &ndash;</p>
- <p class="verse">Ich kann Träume deuten, du!</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<hr class="delim" />
-
-<h3 class="lyric blank" id="subchap-0-4-6" title="Wie die Sonne über Sphären schreitet">
-<a id="page-46" class="pagenum" title="46"></a>
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wie die Sonne über Sphären schreitet,</p>
- <p class="verse">Herrschst du in der Welt mit Kraft und Mut:</p>
- <p class="verse">Deine Augen wilde Pfeile schießen,</p>
- <p class="verse">Männerherzen Ströme Blutes fließen:</p>
- <p class="verse">Mädchen, deine Pfeile treffen gut.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wilde Blumen stehn in deinem Garten,</p>
- <p class="verse">Rote Blumen, die das Pflücken wert:</p>
- <p class="verse">Doch du stelltest zu des Gartens Schutze,</p>
- <p class="verse">An die Pforte stelltest du zum Trutze</p>
- <p class="verse">Hin das zuckende, das Flammenschwert.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<hr class="delim" />
-
-<h3 class="cycle" id="subchap-0-4-7">
-ZUM RUHME DER BRAUT
-</h3>
-
-<h4 class="lyric blank" title="Das Silber läßt sich gründen">
-I
-</h4>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Das Silber läßt sich gründen</p>
- <p class="verse">Im Schachte des Gesteins,</p>
- <p class="verse">Wer aber wollte finden</p>
- <p class="verse">Ein Liebchen so wie meins?</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wie Städte fest verbündet</p>
- <p class="verse">Mit Mauern und Gestämm:</p>
- <p class="verse">Wie Tirza hochgegründet</p>
- <p class="verse">Und wie Jerusalem!</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h4 class="lyric blank" title="Was wendet sie sich allerwärts">
-II
-</h4>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Was wendet sie sich allerwärts,</p>
- <p class="verse">Zu suchen ein Gezelt,</p>
-<a id="page-47" class="pagenum" title="47"></a>
- <p class="verse">Da doch mein großes, weites Herz</p>
- <p class="verse">Das Tor ihr offen hält?</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h4 class="lyric blank" title="Dein Gesicht voll Rosen eine Küste">
-III
-</h4>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Dein Gesicht voll Rosen eine Küste:</p>
- <p class="verse">Meine Augen knicken sie;</p>
- <p class="verse">Aepfel der Granate deine Brüste:</p>
- <p class="verse">Meine Hände pflücken sie.</p>
- <p class="verse">Hoch auf deinem Lippenpaare</p>
- <p class="verse">Lodern wilde Feuerschlangen:</p>
- <p class="verse">Meiner Küsse Feuerzangen</p>
- <p class="verse">Reißen sie mir vom Altare.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h4 class="lyric blank" title="Wie zwei Abendwölfe fahren">
-IV
-</h4>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wie zwei Abendwölfe fahren</p>
- <p class="verse">Aus des Waldes dunklen Nächten,</p>
- <p class="verse">Also steigen aus den Haaren</p>
- <p class="verse">Dir zwei rabenschwarze Flechten.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Doch da ist ein Licht, ein schnelles,</p>
- <p class="verse">Von der Wange eingedrungen,</p>
- <p class="verse">Und dein Antlitz steht wie helles</p>
- <p class="verse">Morgenlicht in Dämmerungen.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h4 class="lyric blank" title="Keine Nacht besteht vor ihrem Lichte">
-V
-</h4>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Keine Nacht besteht vor ihrem Lichte,</p>
- <p class="verse">Und ihr Licht erlöscht in keinem Dunkeln:</p>
- <p class="verse">Leuchtet es im Tagesangesichte,</p>
- <p class="verse">Wächst es an zu siebenfachem Funkeln.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<hr class="delim" />
-
-<h3 class="lyric blank" id="subchap-0-4-8" title="Zeigte Liebchen mir die Wangen">
-<a id="page-48" class="pagenum" title="48"></a>
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Zeigte Liebchen mir die Wangen,</p>
- <p class="verse">&ndash; Mitternächt&rsquo;ge Stunde war&rsquo;s &ndash;:</p>
- <p class="verse">Um die zarten Schläfen hangen</p>
- <p class="verse">Tief die Schleier ihres Haars.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Von Rubinen hell umgossen</p>
- <p class="verse">Ihre frohe Wange war,</p>
- <p class="verse">Und vom klarsten Licht umflossen</p>
- <p class="verse">Schien die dunkle Locke gar.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wie die Sonne, wenn im holden</p>
- <p class="verse">Morgenstrahl die Flamme loht: &ndash;</p>
- <p class="verse">Dunkle Wolken werden golden,</p>
- <p class="verse">Dunkle Wolken werden rot.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<hr class="delim" />
-
-<h3 class="lyric blank" id="subchap-0-4-9" title="Liebe Sänger, singt den Trauten">
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Liebe Sänger, singt den Trauten</p>
- <p class="verse">Holde Lieder zu den Lauten</p>
- <p class="verse">In dem schönsten Wechselsang!</p>
- <p class="verse">Singet den verhüllten Blicken,</p>
- <p class="verse">Die verstohlen schaun und nicken</p>
- <p class="verse">Durch des Fensters Seidenhang.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Sie, die Keuschen hinter Gittern,</p>
- <p class="verse">Die da lernten von den Müttern</p>
- <p class="verse">Rein zu halten Herz und Leib;</p>
- <p class="verse">Und die doch mit Pfeilen spielen,</p>
- <p class="verse">Kindlich mit dem Bogen zielen</p>
- <p class="verse">Ahnungslosen Zeitvertreib.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-49" class="pagenum" title="49"></a>
- <p class="verse">Weh, geschossen und getroffen!</p>
- <p class="verse">Klaffend steht die Wunde offen:</p>
- <p class="verse">Ach, sie ahnten keinen Harm;</p>
- <p class="verse">Sie, die nie an Schwerter rührten</p>
- <p class="verse">Und als einz&rsquo;ge Waffe führten</p>
- <p class="verse">Ihren Alabasterarm.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Sie, die Schwachen, Müden, Süßen,</p>
- <p class="verse">Die das Kettlein an den Füßen,</p>
- <p class="verse">Allzu schwer das Ringlein drückt;</p>
- <p class="verse">Deren Auge bei den Lasten</p>
- <p class="verse">Ihrer seidnen Wimperquasten</p>
- <p class="verse">Kaum ein stiller Aufschlag glückt.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Aber wenn es einmal blicken</p>
- <p class="verse">Und empor zur Sonne schicken</p>
- <p class="verse">Seine heißen Flammen wollt&rsquo;,</p>
- <p class="verse">Schwarz verbrennen in der Ferne</p>
- <p class="verse">Würd&rsquo; an diesem Feuersterne</p>
- <p class="verse">All der Sonne rotes Gold.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">&bdquo;Werde Licht!&ldquo; so spricht die Wange,</p>
- <p class="verse">&bdquo;Werde Nacht!&ldquo; die Lockenschlange</p>
- <p class="verse">Dieser holdgeliebten Schar.</p>
- <p class="verse">Ihre weißen Kleider hüllet</p>
- <p class="verse">Licht der Liebe, Nacht erfüllet,</p>
- <p class="verse">Leidesnacht ihr dunkles Haar.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">O ihr Leuchten meines Lebens,</p>
- <p class="verse">Ist mein Herz nicht eures Schwebens</p>
-<a id="page-50" class="pagenum" title="50"></a>
- <p class="verse">Firmamentisch Himmelszelt?</p>
- <p class="verse">Rollt ihr nicht in ew&rsquo;gen Gleisen</p>
- <p class="verse">Und in immer neuen Kreisen</p>
- <p class="verse">Durch dies Herze, diese Welt?</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Ach, ihr zarten, freudereichen,</p>
- <p class="verse">Traubenschwerem Weine gleichen,</p>
- <p class="verse">Wie er Zweig und Wurzel trägt!</p>
- <p class="verse">Ach, ihr Lippen, Schönheitsboten,</p>
- <p class="verse">Wie ihr eure doppelt roten</p>
- <p class="verse">Polster um die Perlen legt!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Zürne, Herze, nicht den Kecken,</p>
- <p class="verse">Wenn gar ihres Auges Necken</p>
- <p class="verse">Falsch aus falschem Fenster schaut:</p>
- <p class="verse">Diese Aepfel, wie sie hangen,</p>
- <p class="verse">Diese Lilien auf den Wangen</p>
- <p class="verse">Sind ein süßes Heilekraut.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Sieh den Wuchs gleich einer Palme,</p>
- <p class="verse">Der gleich windbewegtem Halme</p>
- <p class="verse">Lieblich seine Hüften wiegt!</p>
- <p class="verse">Jedes Herze, mußt du wissen,</p>
- <p class="verse">Kaum gefangen, schon zerrissen</p>
- <p class="verse">Blutend ihr zu Füßen liegt.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Soll man sie nun schuldig sprechen,</p>
- <p class="verse">Da sie nur, um sich zu rächen,</p>
-<a id="page-51" class="pagenum" title="51"></a>
- <p class="verse">Gegen unsre Herzen gehn?</p>
- <p class="verse">Für die Blumen, die wir Frechen</p>
- <p class="verse">Täglich von den Beeten brechen,</p>
- <p class="verse">Die in Wangenblüte stehn?</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Auf, zum Richter will ich schreiten:</p>
- <p class="verse">Seine Schwingen, seine weiten,</p>
- <p class="verse">Sind der Weisheit Schutz und Hort.</p>
- <p class="verse">Er, der über Tod und Leben</p>
- <p class="verse">Richtet, soll die Antwort geben:</p>
- <p class="verse">Still, er kündet Gottes Wort! &ndash; &ndash;</p>
- <p class="verse">&ndash; &ndash; &ndash; &ndash;</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<hr class="delim" />
-
-<h3 class="lyric blank" id="subchap-0-4-10" title="Was geht noch auf die Sonne">
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Was geht noch auf die Sonne,</p>
- <p class="verse">Was leuchtet sie uns noch?</p>
- <p class="verse">Der Mädchen Allerschönste</p>
- <p class="verse">Verdunkelte sie doch.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Magst, Sonne, du erröten</p>
- <p class="verse">Vor ihrem holden Glanz,</p>
- <p class="verse">Mag aus den Bahnen treten</p>
- <p class="verse">Der Sterne lichter Kranz!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Was braucht die süße Taube</p>
- <p class="verse">Noch eure hohe Welt? &ndash;</p>
- <p class="verse">Sie macht die Myrtenlaube</p>
- <p class="verse">Sich selbst zum Himmelszelt.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<hr class="delim" />
-
-<h3 class="lyric blank" id="subchap-0-4-11" title="Mög' des Paares holder Bund">
-<a id="page-52" class="pagenum" title="52"></a>
-ZUR HOCHZEIT
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Mög&rsquo; des Paares holder Bund</p>
- <p class="verse">Israel zum Segen frommen!</p>
- <p class="verse">Tu&rsquo; das nächste Jahr uns kund,</p>
- <p class="verse">Daß ein neuer Stern entglommen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Daß in ihren Tagen dann</p>
- <p class="verse">Froh man meinem Volke kündet: &ndash;</p>
- <p class="verse">Des Erlösers Leuchte hat</p>
- <p class="verse">Gott dir angezündet.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="part" id="chapter-0-5">
-<a id="page-53" class="pagenum" title="53"></a>
-IV.<br />
-FREUNDSCHAFT
-</h2>
-
-</div>
-
-<h3 class="lyric blank" id="subchap-0-5-1" title="Fein sänftlich, Freund, bin nicht von Erz">
-<a id="page-54" class="pagenum" title="54"></a>
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Fein sänftlich, Freund, bin nicht von Erz;</p>
- <p class="verse">Zürnst du noch lang, so bricht mein Herz.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Bist du nicht Arzt? Was willst du noch?</p>
- <p class="verse">Unheilbar Weh, du heilst es doch!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Trink Milch und Wein von meinem Mund,</p>
- <p class="verse">Um Wein und Milch mach&rsquo; mich gesund.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Mein ganzes Herz ist dir bestimmt:</p>
- <p class="verse">Greif zu, eh es ein andrer nimmt!</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<hr class="delim" />
-
-<h3 class="lyric blank" id="subchap-0-5-2" title="Sehnt sich deine Seele noch">
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">&bdquo;Sehnt sich deine Seele noch</p>
- <p class="verse">Nach der Jugend Borden,</p>
- <p class="verse">Da die dunkle Locke doch</p>
- <p class="verse">Lang schon weiß geworden?</p>
- <p class="verse">Soll das Leben für den Rest</p>
- <p class="verse">Dich noch lachen lehren,</p>
- <p class="verse">Da es reichlich dir entpreßt</p>
- <p class="verse">Bitterste der Zähren?</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Täglich gibst den Scheidebrief</p>
- <p class="verse">Du der Welt im Schmerze,</p>
- <p class="verse">Aber täglich widerrief</p>
- <p class="verse">Ihn dein schwaches Herze.</p>
- <p class="verse">Ob sie dir ins Antlitz spie</p>
- <p class="verse">Und verwarf dein Minnen,</p>
-<a id="page-55" class="pagenum" title="55"></a>
- <p class="verse">Stets durch neue Gaben sie</p>
- <p class="verse">Willst du dir gewinnen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Schon die weiße Taube küßt</p>
- <p class="verse">Dir den müden Scheitel;</p>
- <p class="verse">Fort der Rabe, und noch ist</p>
- <p class="verse">Jugend dir nicht eitel?</p>
- <p class="verse">Sag&rsquo;, wer soll die arme Brust</p>
- <p class="verse">Wieder dir verjüngen,</p>
- <p class="verse">Wird die lang verwehte Lust</p>
- <p class="verse">Noch einmal gelingen?</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wer soll wieder deinem Fuß</p>
- <p class="verse">Güldne Kettlein geben,</p>
- <p class="verse">Deine Hand zum Freudengruß</p>
- <p class="verse">Auf die Zimbel heben?&ldquo; &ndash; &ndash;</p>
- <p class="verse">&ndash; So fragt mancher, aber bloß,</p>
- <p class="verse">Wer das Aug&rsquo; nie kannte,</p>
- <p class="verse">Das vom Westen, sonnengroß,</p>
- <p class="verse">Mir sein Leuchten sandte.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Diese Sonne wird mich nicht,</p>
- <p class="verse">Nimmermehr versengen,</p>
- <p class="verse">Wird als Schmuck ihr Strahlenlicht</p>
- <p class="verse">Um den Hals mir hängen,</p>
- <p class="verse">Auge, auch dem Vollmond nicht</p>
- <p class="verse">Gleichst du, fühlt der Dichter:</p>
- <p class="verse">Der verliert sein mattes Licht,</p>
- <p class="verse">Du wirst immer lichter.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-56" class="pagenum" title="56"></a>
- <p class="verse">Hast mir auch zurückgebracht</p>
- <p class="verse">Helle Jugendträume,</p>
- <p class="verse">Die ich weit und fern gedacht</p>
- <p class="verse">Längst in alle Räume.</p>
- <p class="verse">Und weil so dein heller Strahl</p>
- <p class="verse">Sprach ein neues &bdquo;Werde!&ldquo;</p>
- <p class="verse">Kann ich lieben noch einmal</p>
- <p class="verse">Diese schöne Erde.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<hr class="delim" />
-
-<h3 class="lyric blank" id="subchap-0-5-3" title="Viele schon in meinem Herzen schufen">
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Viele schon in meinem Herzen schufen</p>
- <p class="verse">Sich ein Heim: &ndash; Du sollst der Beste sein;</p>
- <p class="verse">Wird mein Herz dereinst die Freunde rufen,</p>
- <p class="verse">Sein Berufener bist du allein.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wenn ich über aller Sterne Schimmer</p>
- <p class="verse">Dann das Herz erhebe zu dem Firn,</p>
- <p class="verse">Find&rsquo; ich überm hohen Himmel immer</p>
- <p class="verse">Höher noch und stolzer deine Stirn.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Dehnend dann, um deine Kraft zu fassen,</p>
- <p class="verse">Dieses Herze weit und weiter dringt,</p>
- <p class="verse">Bis es grenzenlos dahingelassen</p>
- <p class="verse">Rauschend aus der Erdensphäre springt.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Staune nicht, ob meines Herzens Schoße,</p>
- <p class="verse">Daß du ihn so tief, so groß empfandst:</p>
- <p class="verse">Mich laß staunen, daß du dieses große,</p>
- <p class="verse">Dieses Herze so erfüllen kannst.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<hr class="delim" />
-
-<h3 class="cycle" id="subchap-0-5-4">
-<a id="page-57" class="pagenum" title="57"></a>
-ABSCHIED
-</h3>
-
-<h4 class="lyric blank" title="Wir kennen Abschied, dich von alten Tagen">
-1
-</h4>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wir kennen Abschied, dich von alten Tagen:</p>
- <p class="verse">Kein Strom so alt als wie der Strom der Tränen,</p>
- <p class="verse">Und Unrecht ist&rsquo;s, die Zeiten anzuklagen: &ndash;</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Weh denen, die sie schlimm und schuldig wähnen!</p>
- <p class="verse">Kein Falsch ist droben bei dem höchsten Wesen,</p>
- <p class="verse">Die Sphären laufen nach gerechten Plänen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Auch ist schon alles einmal dagewesen,</p>
- <p class="verse">Die Hand des Herrn hat einmal nur geschrieben,</p>
- <p class="verse">Und neues ist hienieden nicht zu lesen;</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wo seines Siegelringes Spur geblieben,</p>
- <p class="verse">Da blieb es, wie es war, und alles Neue</p>
- <p class="verse">Ist alt aus alter Zeit heraufgetrieben;</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Man küßt sich nur, daß man sich wieder scheue;</p>
- <p class="verse">Daß Völker sich aus einem Volk gebären,</p>
- <p class="verse">Brach man in alten Zeiten sich die Treue;</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Und wenn nicht jene alten Zeiten wären,</p>
- <p class="verse">Da sich die Menschen trennten ohne Reue,</p>
- <p class="verse">Die Welt wär&rsquo; menschenleer und öd&rsquo; geblieben.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h4 class="lyric blank" title="Und andre Dinge gibt's in diesem Leben">
-2
-</h4>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Und andre Dinge gibt&rsquo;s in diesem Leben,</p>
- <p class="verse">Der eine nennt sie gut, der andre schlecht,</p>
- <p class="verse">Fülle ist hier, doch Dürre liegt daneben;</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-58" class="pagenum" title="58"></a>
- <p class="verse">Der eine hat dem Leben abgeschworen</p>
- <p class="verse">Und wird zum Fluche gleich die Arme heben,</p>
- <p class="verse">Dem Tage fluchen, der ihn einst geboren.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Demselben Tag, den andre wieder preisen,</p>
- <p class="verse">Und dessen Stunden ewig unverloren</p>
- <p class="verse">Hinrinnen ihm in lieblich frohen Gleisen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Den jungen Lippen und den lebensroten,</p>
- <p class="verse">Zu Honig werden ihnen alle Speisen,</p>
- <p class="verse">Den Kranken wird im Honig Gift geboten;</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Dem Kummervollen leuchten keine Sonnen,</p>
- <p class="verse">Sein Aug&rsquo; schaut nie des Lichtes Wunderboten,</p>
- <p class="verse">Und alle Helligkeit ist ihm verronnen; &ndash;</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Mein Auge auch versank in dunklen Nächten,</p>
- <p class="verse">Aus seinem Grunde brachen heiße Bronnen,</p>
- <p class="verse">Als heute schied der Freund von meiner Rechten.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h4 class="lyric blank" title="Ihm rann der Weisheit Quell vom roten Munde">
-3
-</h4>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Ihm rann der Weisheit Quell vom roten Munde,</p>
- <p class="verse">Es ruhte Gold in seiner Seele Schächten</p>
- <p class="verse">Und Edelstein im allertiefsten Grunde.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Als ungezäumt noch seine Rosse standen,</p>
- <p class="verse">Saßen wir Herz an Herz im trauten Bunde</p>
- <p class="verse">Und froh in friedevollen Menschenlanden.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-59" class="pagenum" title="59"></a>
- <p class="verse">Zwei Mütter haben uns dem Licht gegeben,</p>
- <p class="verse">Und doch wie Brüder uns die Menschen fanden,</p>
- <p class="verse">Denn Liebe einte uns zum Zwillingsleben.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Auf grünem Hügel hat sie uns geboren,</p>
- <p class="verse">Wir lagen an den Brüsten süßer Reben,</p>
- <p class="verse">Als Wiege ward uns holder Duft erkoren. &ndash;</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Nun denk&rsquo; ich dein auf ödem Hügelland,</p>
- <p class="verse">Das gestern, da es dich noch nicht verloren,</p>
- <p class="verse">In Blumenbeeten und in Düften stand;</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Nun hängen heiße Tränentropfen nieder</p>
- <p class="verse">Von meiner Wimper schwer benetztem Rand,</p>
- <p class="verse">Und jede Träne hängt im Blute wieder:</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Du bist dahin! &ndash; Nun stehn auf deinen Wegen</p>
- <p class="verse">Wohl andre, singen auch wohl Friedenslieder,</p>
- <p class="verse">Doch weiß ich, wie sie Krieg im Herzen hegen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">O fort mit ihnen! Ihre Zähne nagen</p>
- <p class="verse">An ekler Speise, während Mannaregen</p>
- <p class="verse">Und Süße einst auf deinen Lippen lagen.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h4 class="lyric blank" title="Grimm und Glut den übermüt'gen Narren">
-4
-</h4>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Grimm und Glut den übermüt&rsquo;gen Narren,</p>
- <p class="verse">Die sich selbst für zehnmal weise halten</p>
- <p class="verse">All in ihres Geistes dürren Sparren;</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-60" class="pagenum" title="60"></a>
- <p class="verse">Ihre Götzen sind in ihren Hirnen</p>
- <p class="verse">Reinster Glaube, doch als Zauber galten</p>
- <p class="verse">Immer meines Glaubens klare Stirnen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wie sie sä&rsquo;n und ernten ihre Gaben!</p>
- <p class="verse">Wie sie jauchzen zu des Himmels Firnen,</p>
- <p class="verse">Wenn sie leeres Stroh gedroschen haben!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Hört mich, Freunde, Neues will ich künden:</p>
- <p class="verse">Meine Perlen will ich tief vergraben,</p>
- <p class="verse">Lichter hab ich, die sie wiederfinden.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Aber wenn die Narren zu mir kommen:</p>
- <p class="verse">&bdquo;Zeig&rsquo;uns doch den Schatz in deinen Gründen!&ldquo; &ndash;</p>
- <p class="verse">Eine Antwort soll allein mir frommen: &ndash;</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Vor die Säue nimmer kommt mein Gold,</p>
- <p class="verse">In die Wüste &ndash; habt ihr wohl vernommen? &ndash;</p>
- <p class="verse">Niemals meiner Wolke Regen rollt!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Fort mit euch! Ich brauche nicht die Zeiten!</p>
- <p class="verse">Ach, als wenn die Seele brauchen sollt&rsquo;</p>
- <p class="verse">Ihres Leibes eitle Nichtigkeiten!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse"><em>Ihr</em> braucht <em>mich</em>, der Leib die Seele immer:</p>
- <p class="verse">Halte er sie fest! Zum Sternenschimmer</p>
- <p class="verse">Wird sie sonst, er selbst zur Tiefe gleiten!</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<hr class="delim" />
-
-<h3 class="lyric blank" id="subchap-0-5-5" title="Ist's der Myrrhe zartes Düften?">
-<a id="page-61" class="pagenum" title="61"></a>
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Ist&rsquo;s der Myrrhe zartes Düften?</p>
- <p class="verse">Oder Duft vom süßen Moste?</p>
- <p class="verse">Oder ist es in den Lüften</p>
- <p class="verse">Myrtenduft auf leisem Oste?</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Sind es Tränen, die ich schaue,</p>
- <p class="verse">Tränen auf verliebten Wangen?</p>
- <p class="verse">Oder ist&rsquo;s im Morgentaue</p>
- <p class="verse">Rosenkelches Silberprangen?</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Ist&rsquo;s die Laute im Verstecke,</p>
- <p class="verse">Die ich leise spielen höre?</p>
- <p class="verse">Oder hinter jener Hecke</p>
- <p class="verse">Sind&rsquo;s die Nachtigallenchöre? &ndash;</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Oder ist das alles nur,</p>
- <p class="verse">All die Töne, all die Lichter,</p>
- <p class="verse">Des Erinnerns süße Spur</p>
- <p class="verse">An den weitberühmten Dichter? &ndash; &ndash;</p>
- <p class="verse">&ndash; &ndash; &ndash; &ndash; &ndash; &ndash; &ndash;</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<hr class="delim" />
-
-<h3 class="lyric blank" id="subchap-0-5-6" title="Dieser Schlummer möge währen">
-AN AARON BEN ZION ALAMANI
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Dieser Schlummer möge währen,</p>
- <p class="verse">Diese Träume mögen glücken:</p>
- <p class="verse">Zu dem Fürsten will ich wallen,</p>
- <p class="verse">Dem sich meine Garben bücken.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-62" class="pagenum" title="62"></a>
- <p class="verse">Dessen Gaben hochzupreisen,</p>
- <p class="verse">Mund und Herz und Seele singen,</p>
- <p class="verse">Und aus dessen Liederquellen</p>
- <p class="verse">Meine eignen Lieder springen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Denn von seinen Lieblichkeiten</p>
- <p class="verse">Sind die meinen nur entwendet:</p>
- <p class="verse">Zürn&rsquo; er nicht, daß all mein Sinnen</p>
- <p class="verse">Sich in ihm erschöpft und endet.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<hr class="delim" />
-
-<h3 class="lyric blank" id="subchap-0-5-7" title="Trank die Erde wie ein Kindlein">
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Trank die Erde wie ein Kindlein</p>
- <p class="verse">Gestern noch an Wolkenbrüsten</p>
- <p class="verse">Winternaß auf allen Hügeln;</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Eingeschlossen manches Stündlein</p>
- <p class="verse">Träumte sie von Liebeslüsten</p>
- <p class="verse">Wie ein Bräutchen hinter Riegeln.</p>
- </div>
- <div class="stanza tb">
- <p class="tb">*</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Kühle Riegel keuschen Eises;</p>
- <p class="verse">Doch die Träume alle flogen</p>
- <p class="verse">Zu dem nächtlich süßen Spiele;</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Aber als mit eins ein leises</p>
- <p class="verse">Frühlingswehen kam gezogen,</p>
- <p class="verse">War ihr Träumen schon am Ziele.</p>
- </div>
- <div class="stanza tb">
- <p class="tb">*</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-63" class="pagenum" title="63"></a>
- <p class="verse">Güldner Beete zarten Schimmer</p>
- <p class="verse">Legt sie an und Blütendecken,</p>
- <p class="verse">Buntgewirkt und buntgerändert &ndash;</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wie ein hübsches Frauenzimmer</p>
- <p class="verse">Täglich unter Scherz und Necken</p>
- <p class="verse">Neu sich kleidet und bebändert.</p>
- </div>
- <div class="stanza tb">
- <p class="tb">*</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Täglich andre Farben, Blüten:</p>
- <p class="verse">Wie ein Mädchen, ein geküßtes,</p>
- <p class="verse">Blaß und rot im Liebeswallen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Farben, wie sie niemals glühten:</p>
- <p class="verse">Wie gestohlner Schimmer ist es</p>
- <p class="verse">Aus den ew&rsquo;gen Sternenhallen.</p>
- </div>
- <div class="stanza tb">
- <p class="tb">*</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Kommt zum Garten mit dem Weine,</p>
- <p class="verse">Laßt uns seine Gluten nippen,</p>
- <p class="verse">Die entflammt am Liebesglühen:</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Schneekühl in des Kelches Scheine</p>
- <p class="verse">Läßt er hinter roten Lippen</p>
- <p class="verse">Erst die große Flamme sprühen.</p>
- </div>
- <div class="stanza tb">
- <p class="tb">*</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-64" class="pagenum" title="64"></a>
- <p class="verse">Aus der Nächte dunkler Halle</p>
- <p class="verse">Steigt empor die goldne Sonne:</p>
- <p class="verse">So der Wein aus seinen Krügen. &ndash;</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Her die blitzenden Kristalle!</p>
- <p class="verse">Schenkt ihn ein, den Saft der Wonne!</p>
- <p class="verse">Trinken wir in vollen Zügen! &ndash;</p>
- </div>
- <div class="stanza tb">
- <p class="tb">*</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wandelnd nun im kühlen Schatten</p>
- <p class="verse">Sehen wir im Sommerregen</p>
- <p class="verse">Tränen auf der Erde Wangen;</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Doch es freuen sich die Matten</p>
- <p class="verse">Dieser Perlen allerwegen,</p>
- <p class="verse">Die vom goldnen Halsband sprangen;</p>
- </div>
- <div class="stanza tb">
- <p class="tb">*</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Freuen sich am Duft des Weines,</p>
- <p class="verse">An der Schwalbe, an der Taube,</p>
- <p class="verse">Die im Busche gurrt und flattert,</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wie ein Mägdelein, ein feines,</p>
- <p class="verse">Hinterm Vorhang in der Laube</p>
- <p class="verse">Heimlich kichert, leise schnattert.</p>
- </div>
- <div class="stanza tb">
- <p class="tb">*</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-65" class="pagenum" title="65"></a>
- <p class="verse">Aber meine Seele wittert,</p>
- <p class="verse">Ob vielleicht in Morgenlüften</p>
- <p class="verse">Duft vom fernen Freunde schwebe;</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Und im Wind die Myrte zittert,</p>
- <p class="verse">Gibt dem Wind ihr zartes Düften,</p>
- <p class="verse">Daß dem Freund er&rsquo;s weitergebe.</p>
- </div>
- <div class="stanza tb">
- <p class="tb">*</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Und die Vögel singen tausend</p>
- <p class="verse">Lieder, und die Palmen mächtig</p>
- <p class="verse">Rauschend ihre Zweige schwingen:</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Hört mein Trauter, wie das brausend</p>
- <p class="verse">Anhebt, und sich alles prächtig</p>
- <p class="verse">Müht, ihm meinen Gruß zu bringen? &ndash; &ndash;</p>
- <p class="verse">&ndash; &ndash; &ndash; &ndash; &ndash; &ndash; &ndash;</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="part" id="chapter-0-6">
-<a id="page-67" class="pagenum" title="67"></a>
-V.<br />
-LEBEN, LEIDEN, DICHTEN
-</h2>
-
-</div>
-
-<h3 class="lyric blank" id="subchap-0-6-1" title="Eine Taube schluchzt vom Zweige">
-<a id="page-68" class="pagenum" title="68"></a>
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Eine Taube schluchzt vom Zweige: &ndash;</p>
- <p class="verse">Wird mir bitter weh zumute,</p>
- <p class="verse">Denn ich finde ihre Schmerzen</p>
- <p class="verse">In mir selber, und mein Schicksal</p>
- <p class="verse">Ist dem ihren zu vergleichen.</p>
- <p class="verse">Weint sie übers Heimatnestlein,</p>
- <p class="verse">Wein&rsquo; ich meines armen Volkes;</p>
- <p class="verse">Weint sie über Scheiden, Meiden,</p>
- <p class="verse">Meiner Brüder in der Ferne</p>
- <p class="verse">Muß ich stöhnen; aber wenn sie</p>
- <p class="verse">Schluchzt um ihre jungen Tage,</p>
- <p class="verse">Heb&rsquo; ich selber an die Klage</p>
- <p class="verse">Ueber aller Welt Vergehen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Abgehaun sind meine Zweige,</p>
- <p class="verse">Meine Wurzeln ausgerissen,</p>
- <p class="verse">Wie man ihr die Flügel stutzte;</p>
- <p class="verse">Allenthalben böse Fallen</p>
- <p class="verse">Drohen meines Schrittes Eile</p>
- <p class="verse">Wie die Sprenkel ihren Füßen;</p>
- <p class="verse">Und den Jäger muß ich fürchten,</p>
- <p class="verse">Wie sie selbst die flinken Pfeile.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wahrlich, Pfeile schnellt das Leben:</p>
- <p class="verse">Scheibe ward ich ihren Schützen,</p>
- <p class="verse">Und sie treffen in mein Blut</p>
- <p class="verse">Und vergießen meine Galle,</p>
- <p class="verse">Und in meine Wunden alle</p>
- <p class="verse">Werfen sie mir Gift und Glut.</p>
-<a id="page-69" class="pagenum" title="69"></a>
- <p class="verse">Stützte mich der Adel nicht</p>
- <p class="verse">Meiner unerschrocknen Seele,</p>
- <p class="verse">Wär&rsquo; ich tot in dieser Fremde,</p>
- <p class="verse">Diesem Lande, dessen Tage</p>
- <p class="verse">Nächte sind und Todesschatten.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Aber sie, die edle Seele,</p>
- <p class="verse">Steigt mir wie das helle Funkeln</p>
- <p class="verse">Einer Sonne, die nicht wendet,</p>
- <p class="verse">Nie sich neigt zum Abenddunkeln.</p>
- <p class="verse">Soll ich mich vor Menschen fürchten,</p>
- <p class="verse">Da in mir das stärkste Leben</p>
- <p class="verse">Solcher Seele ist, vor deren</p>
- <p class="verse">Mächten alle Mächte beben?</p>
- <p class="verse">Soll ich vor der Sorge zagen,</p>
- <p class="verse">Da ich aus der Weisheit Schächten</p>
- <p class="verse">Kann mir Diamanten schlagen?</p>
- <p class="verse">Hungre ich, sie reicht mir Früchte,</p>
- <p class="verse">Quellen meinem Durste springen;</p>
- <p class="verse">Einsam kann ich nimmer heißen,</p>
- <p class="verse">Da mir ihre Harfen klingen:</p>
- <p class="verse">Und mit Freunden Rede tauschen</p>
- <p class="verse">Brauch&rsquo; ich nicht, kann ich nur lauschen</p>
- <p class="verse">Ihrer Worte weisem Singen.</p>
- <p class="verse">Sieh, in meines Griffel Schreiben</p>
- <p class="verse">Lebt mir Lautenspiel und Harfe,</p>
- <p class="verse">Und der Weisheit Schriften bleiben</p>
- <p class="verse">Gärtlein mir und Paradies.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-70" class="pagenum" title="70"></a>
- <p class="verse">Redet nur zur Welt, zur schlimmen:</p>
- <p class="verse">Mag sie tun, was ihr gefällt;</p>
- <p class="verse">Härter doch als ihre Dornen,</p>
- <p class="verse">Stärker ist mein starkes Herz.</p>
- <p class="verse">Darf ich ihre Weine kosten,</p>
- <p class="verse">Will ich auch die Hefen nippen,</p>
- <p class="verse">Besseres verlang ich nicht.</p>
- <p class="verse">Denn erprobt ist meine Seele:</p>
- <p class="verse">Alle gift&rsquo;gen Bitternisse</p>
- <p class="verse">Werden Honig meinen Lippen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Mag die Welt in harte Ketten</p>
- <p class="verse">Zehnmal alle Seelen zwingen,</p>
- <p class="verse">Zehnmal meine Seele retten</p>
- <p class="verse">Will ich aus den Eisenringen;</p>
- <p class="verse">Auf zu einem neuen Leben</p>
- <p class="verse">Will ich aus der Knechtschaft dringen,</p>
- <p class="verse">Will mich rein und frei entheben</p>
- <p class="verse">Ihrem trümmerreichen Sturz.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Ihre Schönheit lockt mich nicht:</p>
- <p class="verse">Mag sie ihre Lichter stellen</p>
- <p class="verse">Flammend vor mein Angesicht,</p>
- <p class="verse">Ihre Säle, ihre hellen,</p>
- <p class="verse">Mögen andere berücken,</p>
- <p class="verse">Mir sind&rsquo;s Gräber, die ersticken;</p>
- <p class="verse">Ihren Reichtum, ihren Schimmer</p>
- <p class="verse">Laß ich gerne, so wie immer</p>
- <p class="verse">Gern die Seele läßt den Leib.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-71" class="pagenum" title="71"></a>
- <p class="verse">Hat sie sich nicht selbst geschändet,</p>
- <p class="verse">Und ich sollte sie erheben?</p>
- <p class="verse">Da im Kote sie geendet,</p>
- <p class="verse">Zögre ich, sie hinzugeben?</p>
- <p class="verse">Schlecht geschlungen ist die Krone,</p>
- <p class="verse">Die aus ihrer Hand entlehnte,</p>
- <p class="verse">Und erröten unterm Hohne</p>
- <p class="verse">Müssen alle, die sie krönte.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Doch es lebt in mir ein Glaube,</p>
- <p class="verse">Den ich nimmer lassen werde,</p>
- <p class="verse">Und ein Bund, den nimmer brechen</p>
- <p class="verse">Meine starke Seele wird.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Auf ein Leuchten will ich blicken,</p>
- <p class="verse">Aus der Hand voll Glanz und Schimmer:</p>
- <p class="verse">O wer weiß, sie kann noch immer</p>
- <p class="verse">Ihre Morgenröte schicken!</p>
- <p class="verse">Tragen will ich, alles tragen,</p>
- <p class="verse">Meinen Kummer unterjochen;</p>
- <p class="verse">Denn ein einzig starkes Nu:</p>
- <p class="verse">Und die Kette ist gebrochen!</p>
- <p class="verse">Wecken wird mich meine Stunde,</p>
- <p class="verse">Meines Jammers jüngstes Tagen:</p>
- <p class="verse">Und so harre ich der Kunde,</p>
- <p class="verse">Gönne meinen Wimpern nimmer,</p>
- <p class="verse">Daß sich ihnen Schlummer böte,</p>
- <p class="verse">Immer an der Morgenröte</p>
- <p class="verse">Wimpern lasse ich sie hängen:</p>
-<a id="page-72" class="pagenum" title="72"></a>
- <p class="verse">Seelen, die sich selbst erheben,</p>
- <p class="verse">Seelen, die in Hoffnung leben,</p>
- <p class="verse">Gott wird ihre Tore sprengen!</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<hr class="delim" />
-
-<h3 class="lyric blank" id="subchap-0-6-2" title="Sie besuchten mich im Traume">
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Sie besuchten mich im Traume,</p>
- <p class="verse">Wollten trösten, wollten laben;</p>
- <p class="verse">Doch versiegelt und vergraben</p>
- <p class="verse">Blieb ihr Trost im dunklen Raume.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Und von allen ihren Lehren</p>
- <p class="verse">Hatt&rsquo; ich nichts als Herzensdarben,</p>
- <p class="verse">Sah bei ihnen volle Garben</p>
- <p class="verse">Und bei mir die dürren Aehren.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Ich von allen meinen Lieben</p>
- <p class="verse">Bin allein in meiner Kammer</p>
- <p class="verse">Heimgesucht von allem Jammer</p>
- <p class="verse">Aller Nöte Kind geblieben. &ndash; &ndash;</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Was noch kann die Zeit mir geben?</p>
- <p class="verse">Such&rsquo; ich, was ich nie erworben? &ndash;</p>
- <p class="verse">Ach, ich bin schon längst gestorben,</p>
- <p class="verse">Und ich hab&rsquo; kein Recht zu leben!</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<hr class="delim" />
-
-<h3 class="lyric blank" id="subchap-0-6-3" title="Und als nun alle war mein Gold">
-<a id="page-73" class="pagenum" title="73"></a>
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Und als nun alle war mein Gold,</p>
- <p class="verse">Hat sich der Freund davongetrollt.</p>
- <p class="verse">Ich lief ihm nach: O hab&rsquo; Geduld!</p>
- <p class="verse">Was zürnst du mir?</p>
- <p class="verse">Was schuld ich dir?</p>
- <p class="verse">Da rief er lachend: Deine Schuld</p>
- <p class="verse">Ist klar:</p>
- <p class="verse">Bist du nicht arm? &ndash;</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<hr class="delim" />
-
-<h3 class="lyric blank" id="subchap-0-6-4" title="Siehe, Menschensohn, siehe">
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Siehe, Menschensohn, siehe:</p>
- <p class="verse">Alles ist Tand!</p>
- <p class="verse">Ziehe aus, ja, ziehe</p>
- <p class="verse">Die bunten Kleider der Freude,</p>
- <p class="verse">Schlag um die Schultern das Trauergewand!</p>
- <p class="verse">Das wird zerfallen,</p>
- <p class="verse">Und wie&rsquo;s zerfällt,</p>
- <p class="verse">So du:</p>
- <p class="verse">Das ist von allen</p>
- <p class="verse">Den Mühn der Welt</p>
- <p class="verse">Dein letzter Teil &ndash;</p>
- <p class="verse">Die Ruh&rsquo;!</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<hr class="delim" />
-
-<h3 class="lyric blank" id="subchap-0-6-5" title="Kann dich Reichtum locken, Herz?">
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Kann dich Reichtum locken, Herz?</p>
- <p class="verse">Jagst du nach dem Glücke?</p>
- <p class="verse">Kennst du nicht der Zeiten Trug,</p>
- <p class="verse">All die falsche Tücke?</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-74" class="pagenum" title="74"></a>
- <p class="verse">Wer sich lange Schleppen macht,</p>
- <p class="verse">Kürzt sich seine Schritte,</p>
- <p class="verse">Strauchelt bei der schönsten Pracht</p>
- <p class="verse">Auf des Weges Mitte.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Liegt denn nicht die schlimme Zeit</p>
- <p class="verse">Deinem Auge offen?</p>
- <p class="verse">Und du hoffst? &ndash; O folge mir:</p>
- <p class="verse">Höre auf zu hoffen!</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<hr class="delim" />
-
-<h3 class="lyric blank" id="subchap-0-6-6" title="Freue dich vor deinem Nächsten">
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Freue dich vor deinem Nächsten,</p>
- <p class="verse">Ueble Laune lasse schwinden,</p>
- <p class="verse">Und du wirst das Herz der Weisen</p>
- <p class="verse">Und den Rat der Klugen finden!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Sei nicht schlecht und sei nicht dumm,</p>
- <p class="verse">Auch nicht allzusehr gerecht,</p>
- <p class="verse">Und erreichen wirst du alles,</p>
- <p class="verse">Was dein Herz sich wünschen möcht.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<hr class="delim" />
-
-<h3 class="lyric blank" id="subchap-0-6-7" title="Weh der Kunde, die im Ohre gellt">
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Weh der Kunde, die im Ohre gellt: &ndash;</p>
- <p class="verse">Keine Wahrheit gibt&rsquo;s in dieser Welt,</p>
- <p class="verse">Dieser schlimmen Welt der falschen Wagen:</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wenn ein Mann schon mit ihr leben will,</p>
- <p class="verse">Sie zur Gattin sich erheben will,</p>
- <p class="verse">Muß er sich mit einer Dirne plagen!</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<hr class="delim" />
-
-<h3 class="lyric blank" id="subchap-0-6-8" title="Du meinst, das Dichten sei mir ein Beruf?">
-<a id="page-75" class="pagenum" title="75"></a>
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Du meinst, das Dichten sei mir ein Beruf? &ndash;</p>
- <p class="verse">Lebendig faßt dein gutes Wort mich an;</p>
- <p class="verse">Doch sag&rsquo; ich: Nein! Was je mir Freude schuf,</p>
- <p class="verse">War nur der Tropfen, der vom Eimer rann.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Das Naschwerk nur, das ich am Herde fand,</p>
- <p class="verse">Das liebte ich, das hab&rsquo; ich mir erwählt,</p>
- <p class="verse">Doch zu des Geistes Kränzen, die ich wand,</p>
- <p class="verse">Hab&rsquo; ich mein leichtes Dichten nie gezählt.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Und ist die Weisheit wie ein Meer so weit,</p>
- <p class="verse">Mein Lied ist nur der Schaum, der drüber weht:</p>
- <p class="verse">Nicht Mauern will ich türmen als Poet,</p>
- <p class="verse">Mein leichtes Ziel ist: Liebenswürdigkeit.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<hr class="delim" />
-
-<h3 class="lyric blank" id="subchap-0-6-9" title="Nimm dieses Lied aus deines Freundes Hand!">
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Nimm dieses Lied aus deines Freundes Hand! &ndash;</p>
- <p class="verse">Zur letzten Reihe stellte ihn das Leben;</p>
- <p class="verse">Und als es endlich seine Reihe fand,</p>
- <p class="verse">War alles Glück der Welt schon längst vergeben.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Auch er gehört zu der Berufenen Schar,</p>
- <p class="verse">Hat niemand seinen Namen auch geschrieben:</p>
- <p class="verse">Und wenn er selbst der Edelste nicht war,</p>
- <p class="verse">Er ist im Kreis der Edlen doch geblieben.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<hr class="delim" />
-
-<h3 class="lyric blank" id="subchap-0-6-10" title="Seh' ich, wie Narren">
-<a id="page-76" class="pagenum" title="76"></a>
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Seh&rsquo; ich, wie Narren</p>
- <p class="verse">Sich glücklich preisen,</p>
- <p class="verse">Seh&rsquo; ich die Weisen</p>
- <p class="verse">Hungern und harren: &ndash;</p>
- <p class="verse">Schnell möcht&rsquo; ich laufen,</p>
- <p class="verse">Den Verstand versaufen!</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<hr class="delim" />
-
-<h3 class="lyric blank" id="subchap-0-6-11" title="Augen auf, mein Liebster traut">
-BECHERSPRUCH
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Augen auf, mein Liebster traut,</p>
- <p class="verse">Was im Kelche blinkt:</p>
- <p class="verse">Schaue, eh&rsquo; der Nachbar schaut!</p>
- <p class="verse">Trinke, eh&rsquo; er trinkt!</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<hr class="delim" />
-
-<h3 class="cycle" id="subchap-0-6-12">
-ZWEI RÄTSEL
-</h3>
-
-<h4 class="lyric blank" title="Die Stirne von Eisen">
-I
-</h4>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Die Stirne von Eisen,</p>
- <p class="verse">Daß Brüder sich schieden;</p>
- <p class="verse">Die Zunge zu preisen:</p>
- <p class="verse">Sie macht wieder Frieden.</p>
- </div>
- <div class="stanza attr">
- <p class="verse">(<i>Die Wage.</i>)</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h4 class="lyric blank" title="'s ist ein Gefäß von ungemeßnen Tiefen">
-<a id="page-77" class="pagenum" title="77"></a>
-II
-</h4>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">&rsquo;s ist ein Gefäß von ungemeßnen Tiefen,</p>
- <p class="verse">Doch faßt die kleinste Hand es gut;</p>
- <p class="verse">Und dennoch kann die Hand nicht prüfen,</p>
- <p class="verse">So nah sie kommt, was in ihm ruht.</p>
- </div>
- <div class="stanza attr">
- <p class="verse">(<i>Der Handspiegel.</i>)</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="part" id="chapter-0-7">
-<a id="page-79" class="pagenum" title="79"></a>
-VI.<br />
-ZION
-</h2>
-
-</div>
-
-<h3 class="lyric blank" id="subchap-0-7-1" title="Zion, willst du nimmer wieder">
-<a id="page-80" class="pagenum" title="80"></a>
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Zion, willst du nimmer wieder</p>
- <p class="verse">Die verbannten Kinder grüßen,</p>
- <p class="verse">Sie, die letzten deiner Herde,</p>
- <p class="verse">Die dich immer wieder grüßen?</p>
- <p class="verse">Osten, Westen, Süden, Norden,</p>
- <p class="verse">Alle Nähen, alle Weiten &ndash;</p>
- <p class="verse">Horch, von allen fernsten Borden</p>
- <p class="verse">Grüßt es dich:</p>
- <p class="verse">Höre sie, Zion!</p>
- <p class="verse">Höre auch mich!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Armer Gefangener ich,</p>
- <p class="verse">Ich mit meinem Sehnen,</p>
- <p class="verse">Hermonstau meine Tränen!</p>
- <p class="verse">Hermonstau? &ndash; O wären sie&rsquo;s nur,</p>
- <p class="verse">Daß ihrer Tropfen Spur</p>
- <p class="verse">Deine ewigen Höhen benetze!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Ich aber, ein Tier der Wüste,</p>
- <p class="verse">Kann nur heulen ob deinem Falle;</p>
- <p class="verse">Nur, wenn im Traume die Zukunft mich grüßte:</p>
- <p class="verse">Heimwallende Scharen &ndash; zum Liedeshalle</p>
- <p class="verse">Meine Schmerzen alle,</p>
- <p class="verse">Zur jubelnden Harfe waren.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Um Bethel stöhnt mein Herz,</p>
- <p class="verse">Um Peniël muß ich weinen,</p>
- <p class="verse">Um Machanaïm und die reinen</p>
- <p class="verse">Stätten alter Gottesschau!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-81" class="pagenum" title="81"></a>
- <p class="verse">Dort ließ der Herr sich finden</p>
- <p class="verse">Und wohnte im lichten Flor,</p>
- <p class="verse">Dort ließ dein Schöpfer münden</p>
- <p class="verse">Deine Tore ins schimmernde Wolkentor</p>
- <p class="verse">Hoch oben in ewiger Ferne:</p>
- <p class="verse">Und war deine Fackel und Leuchte und Licht,</p>
- <p class="verse">Und Sonne und Mond, sie leuchteten nicht,</p>
- <p class="verse">Und ach, wie bleichten die Sterne!</p>
- <p class="verse">Sein ewiger Geist ergoß sich dort</p>
- <p class="verse">Auf herrliche Kinder der Wahl:</p>
- <p class="verse">O könnte an jenem heiligen Ort</p>
- <p class="verse">Auch meine Seele immerfort</p>
- <p class="verse">Ergießen ihre Qual!</p>
- <p class="verse">O Königshaus! O Gottesthron!</p>
- <p class="verse">Wie darf ein Knecht und Knechtessohn</p>
- <p class="verse">Auf Heldenthronen prahlen?</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Könnte ich wandern über die Stellen,</p>
- <p class="verse">Wo der Herr sich so herrlich gezeigt,</p>
- <p class="verse">Wo er in Flammen sich, strahlenden, hellen,</p>
- <p class="verse">Deinen Priestern und Sehern geneigt!</p>
- <p class="verse">Flügel, wer gibt mir mächtige Flügel,</p>
- <p class="verse">Daß ich mich schwänge zum Lande der Lust,</p>
- <p class="verse">In eure Risse, ihr zackigen Hügel,</p>
- <p class="verse">Trüge die Risse der leidenden Brust.</p>
- <p class="verse">Oh, dann stürzte ich jubelnd nieder,</p>
- <p class="verse">Meine Arme griffen das Land,</p>
- <p class="verse">Streicheln würd&rsquo; ich die Steine, die kalten,</p>
- <p class="verse">Schmeichelnd würd&rsquo; ich dich fassen und halten &ndash;</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-82" class="pagenum" title="82"></a>
- <p class="verse">Du, der Heimat glühender Sand!</p>
- <p class="verse">Wie erst, stünd&rsquo; ich dort an den Grüften,</p>
- <p class="verse">Die mir künden der Väter Gruß,</p>
- <p class="verse">Könnte durchwandern in Hebrons Lüften</p>
- <p class="verse">Stolzeste Gräber mein zagender Fuß!</p>
- <p class="verse">Oh, dann schritt&rsquo; ich durch deinen Garten,</p>
- <p class="verse">Ginge waldüber nach Gilead,</p>
- <p class="verse">An deinen Bergen und Felsenwarten</p>
- <p class="verse">Staunt&rsquo; ich die durstige Seele mir satt.</p>
- <p class="verse">Hor, Abarim, o ewige Wonnen!</p>
- <p class="verse">Mose und Aaron, begrabene Sonnen,</p>
- <p class="verse">Leuchten und Lehrer, wo finde ich euch?</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Seelenlabe sind deine Lüfte,</p>
- <p class="verse">O du hochgesegnetes Land,</p>
- <p class="verse">Deine Ströme sind Honigdüfte,</p>
- <p class="verse">Myrrhe spendet dein wirbelnder Sand.</p>
- <p class="verse">Doch das süßeste Sehnen für immer</p>
- <p class="verse">Bleibt bei deinen Hallen stehn,</p>
- <p class="verse">Zion, über deine Trümmer</p>
- <p class="verse">Möchte ich nackt und barfuß gehn:</p>
- <p class="verse">Sehen, wo die heilige Lade</p>
- <p class="verse">Am geheimsten Orte stand,</p>
- <p class="verse">Wo im stolzesten Flügelrade</p>
- <p class="verse">Man die goldenen Engel fand!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Herunter das Haar vom lockigen Haupt,</p>
- <p class="verse">Herunter dir von der Stirne geraubt</p>
- <p class="verse">Des Reifes goldene Bande!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-83" class="pagenum" title="83"></a>
- <p class="verse">Fluch dem Geschicke, Fluch der Zeit,</p>
- <p class="verse">Die heilige Häupter so schmählich entweiht</p>
- <p class="verse">In schmacherfülltem Lande!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Essen und Trinken, wie kann es mir munden?</p>
- <p class="verse">Deine Löwen seh&rsquo; ich zerbissen von Hunden,</p>
- <p class="verse">Deine Aare zerrissen von gierigen Raben &ndash;</p>
- <p class="verse">Licht des Tages, wie kannst du mich laben?</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Ha, du Becher des Grams,</p>
- <p class="verse">Fort mit dir, lasse mich los!</p>
- <p class="verse">Angefüllt ist meines Leibes Schoß</p>
- <p class="verse">Schon längst mit bitteren Gallen!</p>
- <p class="verse">Um Israel hob ich den Kelch zum Mund,</p>
- <p class="verse">Um Juda leert&rsquo; ich ihn bis zum Grund,</p>
- <p class="verse">Kein Tropfen der Hefe gefallen!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Zion, Zion, du Krone der Zeit,</p>
- <p class="verse">Schönheit und Liebe sind dein Kleid,</p>
- <p class="verse">So hältst du die Kinder gefangen;</p>
- <p class="verse">Sie lachen mit dir zur Lachenszeit,</p>
- <p class="verse">Sie stöhnen um dein bitteres Leid,</p>
- <p class="verse">Um dein Ende tropfen die Wangen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Sie schmachten aus Kerkersnöten empor,</p>
- <p class="verse">Sie neigen sich deinem ewigen Tor,</p>
- <p class="verse">Wenn ihre Gebete trauern.</p>
- <p class="verse">Deine irrenden Herden allzumal,</p>
- <p class="verse">Verjagt vom Berg ins dunkle Tal,</p>
-<a id="page-84" class="pagenum" title="84"></a>
- <p class="verse">Ach, sehn nur deine Mauern!</p>
- <p class="verse">Sie klammern sich fest an deinen Saum,</p>
- <p class="verse">Und hoch in den schwankenden Wipfelraum</p>
- <p class="verse">Deiner Palmen greifen die Hände: &ndash;</p>
- <p class="verse">O Sehnsucht sonder Ende!</p>
- <p class="verse">Wohlan, wer will sich messen?</p>
- <p class="verse">Ha, Patros, Schinear,</p>
- <p class="verse">Wagt ihr&rsquo;s?</p>
- <p class="verse">Habt ihr vergessen,</p>
- <p class="verse">Vergessen ganz und gar</p>
- <p class="verse">Das heilige Zionpriesterkleid?</p>
- <p class="verse">O über eure Nichtigkeit,</p>
- <p class="verse">Und eure morsche Größe!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Nein, neben dich kann niemand treten,</p>
- <p class="verse">Kein König kommt den deinen gleich:</p>
- <p class="verse">Was sind die Allerweltspropheten</p>
- <p class="verse">Vor deinem heil&rsquo;gen Priesterreich?</p>
- <p class="verse">Ach, alles stürzt von seinen Thronen,</p>
- <p class="verse">Es sinkt der falschen Götter Recht,</p>
- <p class="verse">Doch ewig bleiben deine Kronen,</p>
- <p class="verse">Dein Schatz ins tausendste Geschlecht!</p>
- <p class="verse">Du Gottessehnsucht, Menschensehnen! &ndash;</p>
- <p class="verse">Wem deine Mauer wieder Heimat bot,</p>
- <p class="verse">Heil ihm, und wer durch Sehnsuchtstränen</p>
- <p class="verse">Erblickt dein ew&rsquo;ges Morgenrot!</p>
- <p class="verse">Dein Morgenrot, da alle Wolken fallen,</p>
- <p class="verse">Und hundertfacher Glanz vom Himmel bricht,</p>
- <p class="verse">Da deine Kinder jauchzend heimwärts wallen,</p>
-<a id="page-85" class="pagenum" title="85"></a>
- <p class="verse">Und in des Jauchzens Heil und Widerhallen</p>
- <p class="verse">Aufstrahlt dein altes königliches Licht! &ndash;</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<hr class="delim" />
-
-<h3 class="lyric blank" id="subchap-0-7-2" title="Im Orient ist mein Herz, im Okzident">
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Im Orient ist mein Herz, im Okzident,</p>
- <p class="verse">Am letzten Saum, verträume ich die Stunden.</p>
- <p class="verse">Kann Trank und Speise, noch so süß, mir munden?</p>
- <p class="verse">Kann ich Gelübde, kann ich Schwüre halten,</p>
- <p class="verse">Solange Zion liegt in Roms Gewalten?</p>
- <p class="verse">Läßt mich Arabien nicht im Kerker kümmern?</p>
- <p class="verse">Und was ist Spaniens reichste Flur,</p>
- <p class="verse">Was ist sie vor dem Staube nur</p>
- <p class="verse">Auf Zions, &ndash; Zions Trümmern? &ndash;</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<hr class="delim" />
-
-<h3 class="lyric blank" id="subchap-0-7-3" title="Komm mit mir gen Zoan">
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Komm mit mir gen Zoan,</p>
- <p class="verse">Zum Schilfmeer und Horeb;</p>
- <p class="verse">Wandeln will ich nach Silo,</p>
- <p class="verse">Zu gesunkenen Tempels Trümmern.</p>
- <p class="verse">Wo die Lade einst zog,</p>
- <p class="verse">Da will ich ziehen,</p>
- <p class="verse">Wo sie begraben ist,</p>
- <p class="verse">Da will ich knien;</p>
- <p class="verse">Küssen den Staub</p>
- <p class="verse">Süßer als Seim,</p>
- <p class="verse">Schauen die Auen,</p>
- <p class="verse">Die schönen, daheim,</p>
-<a id="page-86" class="pagenum" title="86"></a>
- <p class="verse">Schauen das öde,</p>
- <p class="verse">Vergessene Nest; &ndash;</p>
- <p class="verse">Oh, wenn ihr wüßtet:</p>
- <p class="verse">Die Täublein zerstoben,</p>
- <p class="verse">Rabenbrut nistet</p>
- <p class="verse">Dort oben.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<hr class="delim" />
-
-<h3 class="lyric blank" id="subchap-0-7-4" title="Es war ein Tag so sehnsuchtsvoll">
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Es war ein Tag so sehnsuchtsvoll,</p>
- <p class="verse">Und kam mich doch ein Zittern an:</p>
- <p class="verse">Nach Zion mir die Sehnsucht schwoll,</p>
- <p class="verse">Da gabest du mir liebevoll</p>
- <p class="verse">Ermutigung, Berater!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Und gabst mir deinen Namen her,</p>
- <p class="verse">Als Stab daran zu wallen;</p>
- <p class="verse">Nun schreit&rsquo; ich hin, doch ist es mir,</p>
- <p class="verse">Als müßt&rsquo; ich Schritt um Schritt vor dir</p>
- <p class="verse">In meine Kniee fallen.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="part" id="chapter-0-8">
-<a id="page-87" class="pagenum" title="87"></a>
-VII.<br />
-DAS MEER
-</h2>
-
-</div>
-
-<h3 class="cycle" id="subchap-0-8-1">
-<a id="page-88" class="pagenum" title="88"></a>
-DER STURM
-</h3>
-
-<h4 class="lyric blank" title="In Wolkenräumen">
-1
-</h4>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">In Wolkenräumen</p>
- <p class="verse">Dort richtet er,</p>
- <p class="verse">Der Gnaden Säume</p>
- <p class="verse">Wallen aufs Meer.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Der Mensch alleine,</p>
- <p class="verse">Wenn Gott ihm fehlt,</p>
- <p class="verse">Dient er dem Scheine</p>
- <p class="verse">Vom Trug beseelt.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Aus Alltagsgrüften</p>
- <p class="verse">Steht froh er auf,</p>
- <p class="verse">Eilt übers Meer</p>
- <p class="verse">Den Heldenlauf.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Doch ach, in Banden</p>
- <p class="verse">Der Schuld gefällt,</p>
- <p class="verse">Muß östlich landen,</p>
- <p class="verse">Wer westlich hält.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Und er gesteht:</p>
- <p class="verse">Nicht seine Kraft</p>
- <p class="verse">Weist ihm den Weg</p>
- <p class="verse">Der Wanderschaft.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Dann muß verzagen</p>
- <p class="verse">Das arme Herz</p>
-<a id="page-89" class="pagenum" title="89"></a>
- <p class="verse">Und klagen und fragen</p>
- <p class="verse">In Angst und Schmerz:</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Vor dir, dem Einen,</p>
- <p class="verse">Wo soll ich ziehn?</p>
- <p class="verse">Wohin vor deinem</p>
- <p class="verse">Geiste fliehn?</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h4 class="lyric blank" title="Wie donnernde Räder rasen die Wogen">
-2
-</h4>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wie donnernde Räder rasen die Wogen</p>
- <p class="verse">In mächtigem Sturz übers brausende Meer,</p>
- <p class="verse">Es finstert der Himmel, von Wolken umzogen,</p>
- <p class="verse">Es schäumen die Fluten dahin und daher.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Da hebt sich der Abgrund und steigt in die Lüfte,</p>
- <p class="verse">Sein Brüllen bis hoch an die Wolken hallt,</p>
- <p class="verse">Es kochen die Tiefen, es schreien die Grüfte,</p>
- <p class="verse">Und keiner bändigt die tolle Gewalt.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Es sinken die Helden! die Stürme zerjagen</p>
- <p class="verse">Zu Bergen und Tälern den donnernden Schlund:</p>
- <p class="verse">Turmhoch das Schiff in die Lüfte getragen</p>
- <p class="verse">Saust es hinab in den gähnenden Grund.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Da suchen die Augen nach Schiffern und Knechten: &ndash;</p>
- <p class="verse">O schweige mir, Herz, und hoffe auf ihn,</p>
- <p class="verse">Der einst uns an Moses gewaltiger Rechten</p>
- <p class="verse">Durch Schlünde des Meeres ließ ruhevoll ziehn.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-90" class="pagenum" title="90"></a>
- <p class="verse">So ruf&rsquo; ich ihn an, den Herrn aller Herren!</p>
- <p class="verse">Und fürchte nur eins: Meiner Sünden Gewalt.</p>
- <p class="verse">Ach, wenn sie nur jetzt nicht den Weg mir versperren,</p>
- <p class="verse">Nur jetzt nicht mein Jammern, mein Flehen verhallt!</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h4 class="lyric blank" title="Ha, das Meer! Wie rast es wieder!">
-3
-</h4>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Ha, das Meer! Wie rast es wieder!</p>
- <p class="verse">Ha, der Ost! Wie schmettert er nieder</p>
- <p class="verse">Mächtig den stolzen zedernen Mast!</p>
- <p class="verse">Schüttet herab den Sturm seiner Grimme,</p>
- <p class="verse">Daß sich der Nacken der Stolzen krümme,</p>
- <p class="verse">Und der Schiffsherr zitternd erblaßt.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Kraftlos hängen dem Maste die Schwingen,</p>
- <p class="verse">Kann sie nicht heben, weiter zu dringen,</p>
- <p class="verse">Feuerlos siedet die Flut im Föhn.</p>
- <p class="verse">O wie verzweifeln die Herzen und stöhnen,</p>
- <p class="verse">Da sie die Ruderer hilflos frönen</p>
- <p class="verse">Und die Ruder sinken sehn.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Armer Schiffsherr, Steuermann schlechter,</p>
- <p class="verse">Dumme Ruderer, blinde Wächter,</p>
- <p class="verse">Wo, wo ist nun euer Mut?</p>
- <p class="verse">Trunken tanzt das Schiff im Winde</p>
- <p class="verse">Und verschleudert an die Gründe</p>
- <p class="verse">Alle euch als feiles Gut.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-91" class="pagenum" title="91"></a>
- <p class="verse">Seht, schon regt der Leviathan die Flossen,</p>
- <p class="verse">Kommt durchs tosende Meer geschossen,</p>
- <p class="verse">Ruft wie ein Bräut&rsquo;gam die Gäste zum Schmaus;</p>
- <p class="verse">Und das Weltmeer mit gierigem Munde</p>
- <p class="verse">Schlingt seine Beute zum untersten Grunde: &ndash;</p>
- <p class="verse">Alles verloren, alles aus!</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h4 class="lyric blank" title="Nun schmachtet nach den Höhen">
-4
-</h4>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Nun schmachtet nach den Höhen</p>
- <p class="verse">Zu dir mein Augenpaar</p>
- <p class="verse">Und bringet dir mein Flehen</p>
- <p class="verse">Als ernste Gabe dar.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Nun zittr&rsquo; ich meiner Zeiten</p>
- <p class="verse">Und bebe, wo ich bin,</p>
- <p class="verse">Wie Jona muß ich breiten</p>
- <p class="verse">Die Arme nach dir hin.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Laß mich ans Schilfmeer denken</p>
- <p class="verse">Und träumen immerzu,</p>
- <p class="verse">Laß mich die Sehnsucht senken</p>
- <p class="verse">Im Liede nun zur Ruh!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Der Jordanwunderzeiten</p>
- <p class="verse">Erfreu&rsquo; sich meine Brust,</p>
- <p class="verse">Das Herze mag sich weiten</p>
- <p class="verse">Als wie von Edens Lust;</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-92" class="pagenum" title="92"></a>
- <p class="verse">Bis es zu ihm getragen,</p>
- <p class="verse">Der Bitteres versüßt,</p>
- <p class="verse">Und der des Grimmes Tagen</p>
- <p class="verse">Als Tag der Hilfe grüßt.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Ja, meine Augen hellen</p>
- <p class="verse">Zu ihm sich himmelan:</p>
- <p class="verse">Er legt durch Meer und Wellen</p>
- <p class="verse">Uns eine sichre Bahn.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Und endlich auch sein Toben</p>
- <p class="verse">Uns Menschenkindern frommt,</p>
- <p class="verse">Da Winter uns und Sommer</p>
- <p class="verse">Aus seinem Odem kommt.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h4 class="lyric blank" title="So hat er seinen Zorn gewandt">
-5
-</h4>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">So hat er seinen Zorn gewandt</p>
- <p class="verse">Vom niedern Sohne seiner Magd,</p>
- <p class="verse">Befreite aus dem Totenland</p>
- <p class="verse">Die arme Seele, die verzagt.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Nun eilen schon die goldnen Höhn</p>
- <p class="verse">Hernieder auf den wilden Grund</p>
- <p class="verse">Und bringen den erregten Seen</p>
- <p class="verse">Hinab den schönsten Friedensbund.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Da schweigt denn ganz der Schreckenslaut,</p>
- <p class="verse">Es ruht wie Oel das wilde Meer,</p>
-<a id="page-93" class="pagenum" title="93"></a>
- <p class="verse">Und keiner bebt und keinem graut,</p>
- <p class="verse">Und Freudenstimme rings umher.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">An die verzagten Herzen dringt</p>
- <p class="verse">Der Liebe Engelstimme schon,</p>
- <p class="verse">Ihr Schreiten aus den Höhen klingt,</p>
- <p class="verse">Ein tief geheimnisvoller Ton.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">So wird die Botschaft ausgesandt</p>
- <p class="verse">Dem Volk, das lang im Joche rang,</p>
- <p class="verse">Und das so hart des Drängers Hand,</p>
- <p class="verse">Des Leides Faust in Ketten zwang.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Du wildbewegtes Volk der Wahl,</p>
- <p class="verse">Du gleichst dem Schiff in Sturmesnot,</p>
- <p class="verse">Doch naht gewiß auch dir einmal</p>
- <p class="verse">Das liederweckende Gebot:</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Heraus, heraus aus finstrer Nacht,</p>
- <p class="verse">O liebes Kind, zum Sonnenfirn,</p>
- <p class="verse">Sieh, Gottes himmelhohe Pracht</p>
- <p class="verse">Strahlt herrlich über deiner Stirn.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<hr class="delim" />
-
-<h3 class="lyric blank" id="subchap-0-8-2" title="Holder Zephyr, deiner Lüfte">
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Holder Zephyr, deiner Lüfte</p>
- <p class="verse">Schwingen tragen Nardendüfte,</p>
- <p class="verse">Duft vom Apfelblütenstrauß!</p>
- <p class="verse">Wo des Krämers Würzen liegen,</p>
-<a id="page-94" class="pagenum" title="94"></a>
- <p class="verse">Dort begann dein frisches Fliegen,</p>
- <p class="verse">Nimmer in des Sturmes Haus.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Schwalbenflügel schwingst du leise,</p>
- <p class="verse">Freiheit lautet deine Weise,</p>
- <p class="verse">Myrrhen streust du hin und her.</p>
- <p class="verse">Ach, wie freuen sich die Scharen,</p>
- <p class="verse">Die auf lockrer Planke fahren</p>
- <p class="verse">Mit dir übers weite Meer.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Laß das Schiff nicht aus der Rechten,</p>
- <p class="verse">Nicht am Tage, nicht in Nächten,</p>
- <p class="verse">Brich durchs Meer ihm seine Bahn!</p>
- <p class="verse">Banne fest die tiefen Gründe,</p>
- <p class="verse">Bis, die Ruhstatt deiner Winde,</p>
- <p class="verse">Gottes heil&rsquo;ge Berge nahn!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Schilt den Ost, den Meeresstürmer,</p>
- <p class="verse">Flutenkocher, Wogentürmer:</p>
- <p class="verse">Hab&rsquo; ich denn noch freie Bahn?</p>
- <p class="verse">Ich Gefangner von Gewalten,</p>
- <p class="verse">Die noch jetzt im Zaum gehalten,</p>
- <p class="verse">Losgerissen schon mir nahn?</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Das Geheimnis meiner Flehen</p>
- <p class="verse">Bleibt bei Gottes Händen stehen,</p>
- <p class="verse">Der es mir verborgen hält:</p>
- <p class="verse">Er, der Höchste, schuf die Höhen,</p>
-<a id="page-95" class="pagenum" title="95"></a>
- <p class="verse">Er hat auch der Winde Wehen</p>
- <p class="verse">Heute gnädig mir bestellt.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<hr class="delim" />
-
-<h3 class="lyric blank" id="subchap-0-8-3" title="Kommt die große Flut mit einem Mal?">
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Kommt die große Flut mit einem Mal?</p>
- <p class="verse">Läßt kein Land sich schauen in der Runde?</p>
- <p class="verse">Mensch und Tier und Vogel flohn die Stunde:</p>
- <p class="verse">Ist&rsquo;s das Ende? Kommt die Todesqual?</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Säh&rsquo; ich einen Berg, ein Tal allein,</p>
- <p class="verse">Würde meine Seele ruhig werden,</p>
- <p class="verse">Und ein wüstes Fleckchen dieser Erden,</p>
- <p class="verse">Würde jetzt mir süße Labe sein.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Ach, die Augen gehen um im Kreise:</p>
- <p class="verse">Nichts als Himmel, Flut, des Schiffes Knochen,</p>
- <p class="verse">Der Leviathan macht die Tiefe kochen,</p>
- <p class="verse">Und die Wellen schaun wie wilde Greise.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Und das Meer verbirgt uns in den Wogen</p>
- <p class="verse">Wie der Räuber sein gestohlenes Gut: &ndash; &ndash; &ndash;</p>
- <p class="verse">Mag es rasen! Fröhlich ist mein Mut:</p>
- <p class="verse">Näher kommt die Heimat schon gezogen!</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="part" id="chapter-0-9">
-<a id="page-97" class="pagenum" title="97"></a>
-VIII.<br />
-LETZTE TAGE
-</h2>
-
-</div>
-
-<h3 class="lyric" id="subchap-0-9-1">
-<a id="page-98" class="pagenum" title="98"></a>
-IN ÄGYPTEN
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Die Städte sieh und sieh den Strand,</p>
- <p class="verse">Wo einst ihr heimisch wart:</p>
- <p class="verse">So ehre auch das fremde Land</p>
- <p class="verse">Und tritt es nicht zu hart.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Mach deine Sohle sanft und weich,</p>
- <p class="verse">Die durch die Straßen geht,</p>
- <p class="verse">Denn einst durch dieser Straßen Reich</p>
- <p class="verse">Schritt Gottes Majestät.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Er neigte sich an Tür und Tor</p>
- <p class="verse">Nach deinem Bundesblut,</p>
- <p class="verse">Und jeder sah&rsquo;s: Er schritt euch vor</p>
- <p class="verse">In Wolke und in Glut.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Aus dieses Landes Felsen kam</p>
- <p class="verse">Dein Bundeshort heraus,</p>
- <p class="verse">Und deine Quadern, alter Stamm,</p>
- <p class="verse">Die waren hier zu Haus!</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<hr class="delim" />
-
-<h3 class="lyric blank" id="subchap-0-9-2" title="Hat die Zeit das Kleid des Leides">
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Hat die Zeit das Kleid des Leides</p>
- <p class="verse">Ausgezogen und das Kleid des</p>
- <p class="verse">Lachens endlich angelegt?</p>
- <p class="verse">Sieh die Welt im Byssuskleide</p>
- <p class="verse">Hingelehnt in Gold und Seide,</p>
- <p class="verse">Wie sie ihre Glieder regt!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-99" class="pagenum" title="99"></a>
- <p class="verse">Sieh am Strome das Gefilde,</p>
- <p class="verse">Das mit Gozens schönem Schilde</p>
- <p class="verse">Seine bunten Ufer hüllt;</p>
- <p class="verse">Und der Steppe Blumenbeete</p>
- <p class="verse">Und die alten Trümmerstädte,</p>
- <p class="verse">Die ein goldnes Leuchten füllt;</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Und am Strand die süßen Frauen,</p>
- <p class="verse">Gleich Gazellen anzuschauen,</p>
- <p class="verse">Nur nicht so geschwind zu Fuß:</p>
- <p class="verse">Denn an ihren Armen hängen</p>
- <p class="verse">Spangen, und den Schritt beengen</p>
- <p class="verse">Güldner Ketten Klingegruß.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Ach, schon ist das Herz gefangen,</p>
- <p class="verse">Und des Alters bleiche Wangen</p>
- <p class="verse">Sind vergessen auf der Flur:</p>
- <p class="verse">In Aegyptens Paradiese,</p>
- <p class="verse">An dem Strome, auf der Wiese,</p>
- <p class="verse">Denk ich meiner Jugend nur!</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<hr class="delim" />
-
-<h3 class="lyric blank" id="subchap-0-9-3" title="Wollt ihr Liebes mir vergelten">
-TODESAHNEN
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wollt ihr Liebes mir vergelten,</p>
- <p class="verse">Sendet meinem Herrn mich zu!</p>
- <p class="verse">Eh&rsquo; ich unter seinem Zelte</p>
- <p class="verse">Glücklich nicht das meine stellte,</p>
- <p class="verse">Find&rsquo; ich Armer keine Ruh&rsquo;.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
-<a id="page-100" class="pagenum" title="100"></a>
- <p class="verse">Haltet mich nicht auf zu eilen,</p>
- <p class="verse">Da mich schon die Angst erfaßt:</p>
- <p class="verse">Unter seinem Flügel weilen</p>
- <p class="verse">Und der Väter Ruhe teilen</p>
- <p class="verse">Bleibt doch meine einz&rsquo;ge Rast.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<hr class="delim" />
-
-<h3 class="lyric blank" id="subchap-0-9-4" title="Dein Wunder geht durch alle Zeit">
-</h3>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Dein Wunder geht durch alle Zeit</p>
- <p class="verse">Und kündet uns, was Väter sahn:</p>
- <p class="verse">Des Stromes Wasser wurde Blut,</p>
- <p class="verse">Da war kein Spruch, kein Zauber gut,</p>
- <p class="verse">Dein Name hat&rsquo;s getan!</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Dein Name und der Wunderstab,</p>
- <p class="verse">Den legtest du in Moses Hand:</p>
- <p class="verse">O führ&rsquo; auch meinen frommen Mut,</p>
- <p class="verse">&ndash; Das geht so schnell, das geht so gut &ndash;</p>
- <p class="verse">In deiner Wunder Land.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="afterword" id="chapter-0-10">
-<a id="page-101" class="pagenum" title="101"></a>
-<span class="line1">JEHUDA HALEVI,</span><br />
-<span class="line2">seine Zeit, sein Leben und sein Schaffen</span>
-</h2>
-
-</div>
-
-<p class="aut">
-von<br />
-Emil Bernhard
-</p>
-
-<h3 class="section pbb" id="subchap-0-10-1">
-<a id="page-102" class="pagenum" title="102"></a>
-I
-</h3>
-
-<p class="first">
-Das Land Spanien breitet nach Süden seine Arme aus.
-Durch die Geradlinigkeit des Pyrenäenrückens von Europa
-getrennt, vermag es keinen regeren Verkehr mit
-den Völkern nördlich des Gebirges zu erzeugen, zumal
-die Stämme, welche am Fuße der bergigen Mauer wohnen,
-jenseits und diesseits einander zu ähnlich sind, um
-durch gegenseitige Bekanntschaft angeregt und bereichert
-zu werden. Darum wendet Spanien dem übrigen
-Europa den Rücken zu. Wie es aber im Norden verriegelt
-ist, so hält es im Süden die Tore offen. Während bis
-zum Guadalquivir hinab sich jenes weite zusammenhängende
-Hochland der iberischen Meseta erstreckt, das ein
-echt kontinentales Klima extremer Sommer- und Wintertemperaturen
-aufweist, beginnt nach Osten, Süden
-und Südwesten hin ein ganz anderes und wundervolles
-Bild. Ein Armausbreiten in der Tat: Als wenn das ganze
-Land in Liebe sich ergösse, treibt es die volle Herrlichkeit
-des Südens hervor. Es ist die Sonne der Mittelmeerländer,
-die hier scheint, ihre Blume ist es, die hier
-blüht, ihr Regen, der hier rauscht. Hier haben wir die
-wilden Gewitter, die im Nu kommen, und im Nu vergehen,
-den feinen Sonnenregen zurücklassend über der
-perlenbesäten Flur. Hier wandeln wir durch die lichten
-Wälder, die Maquidickichte, die Huertas und Vegas, jene
-herrlichen Gartenoasen, von Bächen durchrauscht hierhin
-und dorthin, wo die Granate flammt, und der Apfelbaum
-schimmert in der lichten Pracht seiner Blüten. Hier
-rauschen die Morgen- und Abendwinde über taubedeckte
-Täler und künden die Nacht an, die nirgends emporsteigt
-wie hier, so träumerisch erhaben, so schlummernd wach,
-so einsam und so beredt. Das ist das Land Andalusien,
-von dem der alte arabische Dichter einst sang: &bdquo;Da es
-emportauchte aus des Meeres Flut, ward es wie eine
-<a id="page-103" class="pagenum" title="103"></a>
-Perle aus der Muschel gehoben. Da erbebten die Wogen
-vor Entzücken, als sie sich legten wie eine Kette um seinen
-Hals. Darum lächeln noch immer in ihm wonneerbebende
-Blüten, darum schmettern in ihm die Nachtigallen
-auf lauschenden Zweigen. Hier ist die Heimat meiner
-Lust. Weh mir, wenn ich je sie verlassen müßte!
-Hier nur ist ein Garten, die ganze Welt eine Wüste.&ldquo;
-Und als der unglückliche Emir von Sevilla, Al Motamid,
-im fernen Marokko eingekerkert saß und seine wundervollen
-Elegien sang, da bebte die Schönheit Andalusiens
-durch sein Lied: &bdquo;O wie gerne möchte ich wissen, ob ich
-meinen Garten und meinen See wiedersehen werde in
-jenem stolzen Lande, wo die Oliven grünen, wo die Tauben
-girren, wo die Vögel ihr liebliches Gezwitscher ertönen
-lassen.&ldquo;
-</p>
-
-<h3 class="section" id="subchap-0-10-2">
-II
-</h3>
-
-<p class="first">
-Das Land Spanien breitet seine Arme nach Süden
-aus. Und der Süden stürzte in seine Arme. Nachdem die
-Halbinsel manche ethnische Revolution erlebt hatte,
-nachdem Kelten, Karthager, Phönizier, Römer, Vandalen
-schwere Erschütterungen über sie gebracht hatten,
-erhob sich im Anfang des achten Jahrhunderts die ganze,
-junge, unberührte Gewalt der Atlasländer und ergoß den
-heißen Strom ihrer Stämme übers Meer in die herrlich
-blühenden Fluren Andalusiens und weiter bis in den
-Norden hinein. Der Orient vermählte sich dem Okzident
-und brachte ihm als Morgengabe eine neue, kaum hundertjährige
-Kultur mit, die, eingepflanzt in die bunten
-Gärten Südspaniens, eine herrliche Blütezeit erlebte.
-</p>
-
-<p>
-Nach der machtvollen Regierung der Ommajaden, vor
-allem der fünfzigjährigen des glänzenden Abderrahmân
-III. (912-961), der in der Millionenstadt Cordova,
-ein zweiter Salomo, alle Pracht und Bildung der
-<a id="page-104" class="pagenum" title="104"></a>
-Welt um sich sammelte, ward die arabische Herrschaft
-zwar bald durch lange Bürgerkriege in viele kleine Staaten
-zerschlagen, die Kultur aber erhielt sich in ihrer vollen,
-zauberhaften Schönheit. Im Gegenteil: Die Kleinstaaterei
-diente noch ihrer Förderung. All die Emire von
-Sevilla, Cordova, Granada, Malaga, Murcia waren zu
-schwach, als daß sie ihren Ehrgeiz in großen kriegerischen
-Unternehmungen befriedigen konnten. So suchten
-sie sich den Ruhm ihrer Vorgänger als Förderer und
-Pfleger der Künste und Wissenschaften zu erhalten und
-zu mehren. Und nie hat in einem Lande die Dichtkunst
-so geblüht wie in Andalusien.
-</p>
-
-<p>
-Es war, als hätte diese gesegnete Erde nur darauf gewartet,
-von den Sohlen der freien, sangesfrohen Wüstensöhne,
-den Hütern der lauteren Sprache, den Schatzmeistern
-des reinen Arabisch berührt zu werden, um zu
-ewigen Jubeltönen zu erwachen. Da begann die Laute zu
-klingen vor den Balkonen in der Nacht zu feinen arabischen
-Sequidillas zum Lobe der Schönen: &ndash; &bdquo;Zum
-Monde blickte ich, o Geliebte, und seinen Strahlen. Da
-nahm er einen Schleier und verhüllte sich: Er schämte
-sich, o Geliebte, als er dein holdes Antlitz sah. Deine
-Schönheit überwand ihn, er mußte sich verbergen.&ldquo; &ndash;
-Da tanzte und sang das Volk auf der Silberwiese von
-Sevilla, am grünen Ufer des Guadalquivir; sie warfen
-sich freundliche Worte in gereimter Rede zu, und hin
-und wider scholl das Lachen; und verkleidet unter ihnen
-wandelten die Fürsten und Prinzen und verlustierten sich
-im süßen Nichtstun. In der wundervollen Landschaft Silves
-hatte jeder Bauer das Talent, zu improvisieren. Wie
-sollte er auch nicht: Silves war die Perle in der silbernen
-Muschel Andalusiens. Als der genannte Al Motamid seinen
-Freund Ibn Ammâr als Statthalter nach Silves
-sandte, da brach er in Erinnerung an seine dort verlebten
-Jugendtage aus dem Stegreif in die Verse aus: &ndash; &bdquo;Ach,
-<a id="page-105" class="pagenum" title="105"></a>
-wie oft haben dort die jungen, weißen und braunen Mädchen
-mir das Herz mit ihren süßen Blicken durchbohrt,
-als ob ihre Augen Dolche wären oder Lanzen! Und welche
-Nächte habe ich in jenem Tale am Ufer des Flusses
-mit der schönen Sängerin zugebracht, deren Armband
-dem zunehmenden Monde glich! Sie machte mich trunken
-durch Blicke, trunken durch Wein, trunken durch
-ihre Küsse!&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Wer singen und dichten konnte, war im schönen Andalusien
-nimmer verloren. Der Verbrecher, der zum
-Tode geführt wurde, konnte sich noch am Fuße seines
-Galgens befreien, wenn er einige anmutige Schmeichelworte
-in gereimter Rede zu sprechen vermochte. Der
-Bettler, der heute am Straßenrande lag, konnte morgen
-Wesir sein, wenn er, vom Emir in Versen angesprochen,
-in Versen antworten konnte. So wurde Ibn Ammâr von
-Al Motamid aus dem Staube erhoben, so hat derselbe
-Fürst auf der Gasse von Sevilla seine süße I&rsquo;timâd, die
-Sklavin Romaikija, gefunden, das reizende Spielzeug seines
-Lebens bis zum Tage, da er nach Agmât wandern
-mußte in den Kerker seines Feindes.
-</p>
-
-<p>
-Hand in Hand mit dieser tiefen Liebe zur Dichtung,
-dem höchsten Stolz des feingesitteten Andalusiers, ging
-die Pflege der Wissenschaften. Ueberall im Lande, in
-Cordova, Sevilla, Toledo, Valenzia, Almeriga, Malaga,
-Jaen, wuchsen islamische Akademien empor, denen umfangreiche
-Bibliotheken angegliedert waren, aufgesucht
-von den lernbegierigen Jünglingen der ganzen arabischen
-Welt. Hier wurde Philosophie, Grammatik, Lexikographie,
-Medizin gelehrt, und wie die andalusischen Jünglinge
-hinauszogen bis nach Bagdad, um die großen Lehrer
-des Islams zu hören, so kamen sie auch aus Syrien
-und dem Irak nach Cordova, um Schüler berühmter Meister
-genannt zu werden.
-</p>
-
-<p>
-Dieses heiße Streben nach Bildung und Gesittung erhielt
-<a id="page-106" class="pagenum" title="106"></a>
-aber seinen höchsten Glanz durch die unerhörte
-Pracht, den maßlosen Reichtum, der sich in Städten wie
-Cordova, Sevilla, Toledo entfaltete. Bis in die dunkle
-Klause sächsischer Klöster drang die Kunde von diesem
-Reichtum: &ndash; &bdquo;O Cordova, die helle Zierde der Welt,
-die junge, herrliche Stadt, stolz auf ihre Wehrkraft, berühmt
-durch ihre Wonnen, strahlend im Vollbesitz aller
-Dinge!&ldquo; sang die Nonne Hroswitha von Gondersheim.
-In der Tat, man kann sich heute kaum eine Vorstellung
-von dem Zauber machen, der damals diese Stadt erfüllte.
-Wer sie besuchte, mußte erst einen dichten Kranz marmorner
-Sommerpaläste durchwandern, die aus dem von
-Tausenden von Olivenbäumen bekränzten Ufer des in
-goldgrünen Wellen hinströmenden Guadalquivir emporragten
-und schon um das Jahr 950 achtundzwanzig Vorstädte
-bildeten. Kam er dann in die Stadt selbst mit
-ihren 113000 Häusern, 300 Bädern und 3000 Moscheen
-und betrat gar die große Moschee mit ihren &bdquo;1300 Riesensäulen
-unter der gewaltigen Kuppel&ldquo;, so mochte er
-sich schon dem Eindruck dieser stolzen Größe beugen,
-wenn ihm nicht schon vorher die Herrlichkeit dieser Welt
-überkommen war, da er die berühmte Brücke Abderrahmâns
-über den Guadalquivir, das Werk seines Lebens,
-zagend überschritten hatte. Aehnlich wirkte das
-lachende Sevilla mit seinen belebten Gassen inmitten der
-fruchtbaren Ebene, in der es lag, ähnlich das nördliche
-Toledo, das auf der natürlichen Feste eines hochragenden
-Felsens am Ufer des gelben Tajo gegründet war, Toledo,
-in dem Orient und Okzident am frühesten in innige Verbindung
-traten. Hier strömte das bildungsfähige Abendland
-zusammen, um in die Geheimnisse arabischer Weisheit
-einzudringen, hier bildeten sich schon im zwölften
-Jahrhundert förmliche Uebersetzungsschulen, welche die
-aristotelische Philosophie im arabischen Gewande der
-lernbegierigen Christenheit vermittelten.
-</p>
-
-<p>
-<a id="page-107" class="pagenum" title="107"></a>
-Der Orient war es, der hier den blühenden Baum in
-den Garten des Okzidents gepflanzt hat. Er hat die
-Schönheit Andalusiens erst geschaffen. Die Schönheit
-der natürlichen ebenso wie der geistigen Kultur. Die
-Hände der Wüstensöhne hatten das ganze Land mit Kanälen
-und Wasserwerken durchzogen und dem Boden
-seine Fruchtbarkeit abgerungen, ihr Lied und Sang, ihr
-Denken und Forschen war es, was auch die Menschen
-des Landes eroberte. Es war eine starke Besitzergreifung.
-So stark, daß durch die Vermählung von Land und
-Menschen bald ein neues Volk geboren war, eine jungfräuliche
-Nation mit neuem, bald im ganzen Orient berühmtem
-Namen: &ndash; El Andalus.
-</p>
-
-<h3 class="section" id="subchap-0-10-3">
-III
-</h3>
-
-<p class="first">
-An der Wende dieses glücklichen und reichen Zeitalters,
-in den letzten Strahlen seiner untergehenden Sonne,
-wurde zu Toledo um das Jahr 1083 Jehuda ben Samuel ben
-Samuel Halevi, oder, wie er arabisch hieß, Abul Hasan
-Allâwi, geboren. Die Familie, der er entstammte, war unbekannt,
-aber nicht arm. Wenn er auch im zartesten Alter
-die Belagerung Toledos (1085) und die Judenverfolgung
-in derselben Stadt (1090) erlebt hat, scheint doch seine
-Jugend glücklich gewesen zu sein, um so glücklicher, als
-er aller Wahrscheinlichkeit nach das einzige Kind seiner
-Eltern war. Bald aber entwöhnte ihn das rauhe Schicksal
-dieser &bdquo;Milch der Jugendtage&ldquo;. Der Vater muß frühzeitig
-gestorben sein. Er ließ den Knaben mit der Mutter
-zurück, welche seine ersten bitteren Enttäuschungen
-noch miterleben mußte.
-</p>
-
-<p>
-Nach der Sitte der Zeit wurde der Knabe mit den
-schwarzen Locken und den dunklen feurigen Augen, die
-über braunen, gesunden Wangen leuchteten, früh in die
-Sprache und Lehre seiner Väter eingeweiht. Mit dreizehn
-<a id="page-108" class="pagenum" title="108"></a>
-Jahren sprach und schrieb er ein vollendetes Hebräisch
-und war gleichzeitig tief in die Kenntnis der arabischen
-Literatur wie der ganzen Zeitkultur eingedrungen. Er
-hat also seine erste Jugend, obgleich im christlichen Spanien,
-doch an der Grenze der mohammedanischen Kultur
-zugebracht. Dort hat er die arabische Kasside singen
-gelernt, das Preisgedicht, die poetische Epistel, sowie
-die kunstvollen Gürtel- und Kettenlieder, die damals in
-Spanien aufkamen.
-</p>
-
-<p>
-Um jene Zeit erfüllte der Name Abû Harûn Mose
-ibn Esras, des religiösen Dichters, die jüdische Welt
-Spaniens. Dieser kaum mehr als fünfundzwanzig Jahre
-alte Dichter lebte wie die meisten Ibn Esras in Granada,
-jener Stadt im Süden Spaniens, die damals so viel Juden
-hatte, daß man sie schlechthin die &bdquo;Stadt der Juden&ldquo;
-nannte. Da erhielt er eines Tages aus dem fernen Norden
-eine poetische Epistel. Von der Hand eines Kindes.
-Und las. Und war erschüttert. Dann setzte er sich nieder
-und schrieb die Antwort:
-</p>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Ein Kind noch jung, ein Knabe zart,</p>
- <p class="verse">Will Geistesfelsen rücken?</p>
- <p class="verse">Stößt Helden in den Staub hinab</p>
- <p class="verse">Und läßt als rot und weißer Knab&rsquo;</p>
- <p class="verse">Schon volle Blüten blicken?</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">So ist&rsquo;s: Vom Norden strahlt er auf</p>
- <p class="verse">Und füllt mit Licht die Auen.</p>
- <p class="verse">Die ganze Weite ist erhellt,</p>
- <p class="verse">Noch höher als das Sternenzelt</p>
- <p class="verse">Könnt seine Hand ihr schauen.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p class="noindent">
-Mose ibn Esra hat das Verdienst, Jehuda Halevi &bdquo;entdeckt&ldquo;
-zu haben. Er tat es im guten Sinne des Wortes.
-Er gewann eine vollständige Herrschaft über den jungen
-<a id="page-109" class="pagenum" title="109"></a>
-Dichter, der sich ihm mit ganzer überschwenglicher
-Seele hingab. Der junge Jehuda war eine zarte, deutlich
-feminine Natur. Bei einem ausgesprochen genialen
-Selbstbewußtsein war er die Demut selbst vor seinen
-Freunden, die er fast immer überschätzte. Er vergötterte
-sie. Er dichtete ihnen die Eigenschaften an, die ihm selber
-fehlten. Oft erzürnte er sich mit ihnen, immer aber
-war er derjenige, der um Verzeihung bat. Es ist rührend
-zu sehen, wie häufig er in seinen Episteln an die erzürnten
-Freunde nach einer Schuld sucht, die nicht vorhanden
-ist. Von keinem aber ließ er sich so beherrschen, wie von
-Mose ibn Esra. Als er sich schon dem Gipfel seines Ruhmes
-nähert, fühlt er sich noch als sein Jünger. Wenn er
-dem Meister seine Verse schickt, ist es ihm, als schickte
-er Boten an den Gesalbten Gottes, den König. Und er
-läßt sie zum Könige sprechen:
-</p>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Herr, o trage unsre Last,</p>
- <p class="verse">Laß uns selbst nicht Sünde tragen,</p>
- <p class="verse">Wenn in unbeholfner Hast</p>
- <p class="verse">Wir dein Lob zu singen wagen.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Was wir bringen, ist ja noch</p>
- <p class="verse">Keine Blüte, Knospe eben,</p>
- <p class="verse">Aber einstmals soll es doch</p>
- <p class="verse">Hier auch Frucht und Blüte geben.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p class="noindent">
-Mose ibn Esra war ihm der, welcher berufen war, ihn
-zu läutern, &bdquo;das Gold zu scheiden von seiner Schlacke&ldquo;.
-Er war ihm dichterisches und menschliches Ideal, das
-Urbild der Demut und Selbstbeherrschung. Welch trauriger
-Irrtum: Mose ibn Esra führte ein wilderes, zerfahreneres
-Leben als Jehuda Halevi, dem aller Jammer,
-dessen sein Leben voll war, von einem herrlichen Frohgemüt
-<a id="page-110" class="pagenum" title="110"></a>
-übersonnt war, während der andere an seinen eigenen
-Launen zerschellte.
-</p>
-
-<p>
-Am Ende des Lebens entfremdeten sich die Freunde,
-wofür die Schuld wohl eher in Mose ibn Esra zu suchen
-sein wird, den der strahlende Ruhm des Jüngeren seinem
-Charakter nach kränken mußte. Als er 1138 starb, sang
-ihm Halevi dennoch das Grablied: &ndash; &bdquo;Mose, Mose, mein
-Bruder, Licht meines Mondes, meine Sonne, meine
-Leuchte, meines Glanzes Quell von alten Tagen her!&ldquo; &ndash;
-</p>
-
-<h3 class="section" id="subchap-0-10-4">
-IV
-</h3>
-
-<p class="first">
-Vom Norden her sandte Jehuda Halevi seine ersten
-Verse nach dem schönen Granada. Dann aber kam er
-selbst nach dem Süden. Warum? &ndash; Wir wissen es nicht.
-So klar uns der Lebens- und Stimmungsgehalt der nun
-folgenden Epoche ist, so dunkel und tatsachenarm ist sie.
-Um 1100, also mit ungefähr siebzehn Jahren, befand sich
-der Dichter schon im Süden Spaniens, und zwar zunächst
-im Südwesten. Die allgemein verbreitete Annahme, daß
-er die Hochschule des berühmtesten jüdischen Gesetzlehrers
-jener Zeit, Isak Alfasi, in Lucena besucht habe, ist
-nichts als eine leere Vermutung, die sich auf die Tatsache
-stützt, daß er beim Tode Alfasis (1103) sechs Zeilen
-schrieb und die Einsetzung des jungen, ihm befreundeten
-Josef ibn Migasch in den erledigten Lehrstuhl dieses
-Meisters in einem Hymnus feierte. Jehuda Halevi
-zeigt in allen seinen Werken keineswegs mehr, eher weniger
-als die talmudische Durchschnittsbildung seiner
-Zeit. Vielmehr ist anzunehmen, daß dem herangewachsenen
-Jüngling die einfache materielle Sorge nach dem an
-Existenzmöglichkeiten reicheren Süden trieb. Mit seiner
-Ankunft in Andalusien beginnt eine Zeit der Kämpfe
-und Irrfahrten für ihn. Von Stadt zu Stadt wanderte er,
-ohne einen festen Halt zu gewinnen. Der Kampf um den
-<a id="page-111" class="pagenum" title="111"></a>
-Bissen Brot jagte ihn durchs Land. Sevilla, Granada,
-Guadix, Malaga, Lucena waren die Städte, in denen er
-sich aufhielt, doch immer nur kurze Zeit. Den Arztberuf,
-dem er später oblag, scheint er hier noch nicht ausgeübt
-zu haben. Vielmehr lebte er allem Anschein nach
-von seiner Feder. Er dichtete Hochzeitslieder und erhielt
-Honorare dafür. Er besang die Koryphäen seiner
-Zeit, die ihm ihrerseits Ehrensolde übersandten, oder
-ihn, wie es Sitte war, in ihrem Hause wohnen, an ihrem
-Tische essen ließen. Zeitweise ging es ihm so erbärmlich,
-daß er an reiche Leute Bettelgedichte richten mußte,
-um sein Leben zu fristen. Es war nur zu verständlich,
-daß sich in dieser Zeit seiner im tiefsten Grunde heiteren
-und lebensfrohen Seele recht oft die verzweifeltsten
-Stimmungen bemächtigten. Er fühlte sich von allen
-verlassen und es war ihm, als hätte sich die ganze Welt
-gegen ihn verschworen. Einsam und verwaist nannte er
-sich. Dabei wuchs natürlich sein Bedürfnis nach Freundschaft,
-noch mehr aber seine Empfindlichkeit. So geriet
-er immer tiefer in eine Stimmung hinein, welche
-der Kulturstimmung jener Zeit ähnlich war: Weltschmerz
-und Lebensverachtung.
-</p>
-
-<h3 class="section" id="subchap-0-10-5">
-V
-</h3>
-
-<p class="first">
-Auf die Epoche des Glanzes war in Andalusien eine
-Epoche der tiefsten Erniedrigung gefolgt. Der Stern
-des Islam war im Verblassen. Vom Norden her bohrte
-das Königreich Kastilien seinen Stachel den Mauren
-immer tiefer ins Fleisch. Nachdem Ferdinand (1037-1067)
-gestorben war, bestieg sein Sohn Alfons VI. den
-Thron von Kastilien. Dieser übernahm den Kampf gegen
-den Islam als heiliges Vermächtnis von seinem Vater,
-und es gelang ihm infolge der Zersplitterung des
-mohammedanischen Spaniens, die kleinen Territorialfürsten
-<a id="page-112" class="pagenum" title="112"></a>
-Andalusiens zum Tribut zu zwingen. 1085 wagte er
-den ersten großen Vorstoß, dem der wichtigste Verteidigungspunkt
-der Mauren, der Turm am Tore Andalusiens,
-Toledo, zum Opfer fiel. Ganz Südspanien erbebte
-unter diesem Schlage. Die Verwirrung und Angst
-wuchs von Tag zu Tag. Da tat der Emir von Sevilla,
-der schon mehrfach genannte Al Motamid, den verhängnisvollsten
-Schritt, den er überhaupt tun konnte. Er rief
-den in Nordafrika regierenden Almoraviden Jussuf ibn
-Taschfîn mit seinen Berberscharen zu Hilfe. Dieser kam
-und erfocht gegen die Christen in der furchtbaren
-Schlacht von Sallaka (1086) einen vollen Sieg. Der Süden
-schien gerettet. Nach der Schlacht ließ Jussuf aus
-den gefallenen Christenleibern einen Riesenturm aufschichten,
-von dessen Spitze der Muezzin nach allen vier
-Winden ausrufen mußte, daß es keinen Gott gebe außer
-Allah: lâ allâh ill&rsquo; allâh. Trotzdem blieb der Sieg unausgenutzt,
-und als Jussuf nach Nordafrika zurückgekehrt
-war, stand alles wie vorher. Wieder stieg die Not
-aufs Höchste. Da erschien Motamid selbst in Nordafrika,
-um Jussuf persönlich zu veranlassen, noch einmal der
-Retter zu sein. Jussuf kam. Aber er ging nicht wieder,
-ohne sich seinen Lohn genommen zu haben. Er machte
-dem Zaunkönigtum in Andalusien mit einem Schlage
-ein Ende, Granada und Malaga fielen, dann Cordova und
-Carmona. Al Motamid mit seinen Söhnen wehrte sich
-tapfer. Aber es half ihm nichts. Er mußte den schrecklichen
-Tod seiner Söhne erleben, um schließlich in den
-Kerker zu Adschmât zu wandern, wo er nach vier Jahren
-schwerer innerer Leiden, gebrochen an Leib und Herzen,
-seine königliche Dichterseele aushauchte. Das war
-im Jahre 1095.
-</p>
-
-<p>
-Jussuf ibn Taschfîn hatte Andalusien unterworfen. Geholfen
-aber hatten ihm dabei nicht nur seine wilden Berbern,
-sondern auch als unversöhnlichste Truppe die orthodoxen
-<a id="page-113" class="pagenum" title="113"></a>
-Gelehrten des Islam, die Fakîhs. Sie begannen
-jetzt das Regiment zu führen. An Stelle der früheren
-Schönheit und Leichtigkeit des Lebens machte sich
-der bigotte Geist dieser orthodoxen Emporkömmlinge
-breit. Frömmelei und Beterei vernichteten alle Blüten
-der früheren Freiheit. Die graziöse Geste der Lebensfreude
-wurde erstickt in dem Buchstabenknäuel des koranischen
-Gesetzes. Ketzerriecherei und Angebertum
-schlossen den fröhlich leichtsinnigen Mund des gebildeten
-Volkes. Als gar Jussuf das Zeitliche gesegnet hatte
-(1106), und sein bigotter, unbedeutender Sohn Alî an
-seine Stelle trat, stieg die innere Not Andalusiens auf
-den Gipfel. Niemand fühlte sich im Lande wohl außer
-den Fakîhs und dem Pöbel. Die Philosophen schwiegen,
-denn Philosophie war verpönt. Die Freigeisterei wurde
-verfolgt. In den Städten spielten die brutalen, unsauberen
-Berbern die Hauptrolle. Die Dichter, noch vor zwanzig
-Jahren die Lieblinge des Volkes, gerieten in tiefste
-Armut. Sie hatten keine Beschützer mehr. Wer von
-ihnen nichts auf sich hielt, lief den Fakîhs nach und
-sang ihr Lob, um von ihnen Geld zu erhalten. Die Spekulation
-auf die Eitelkeit dieser frommen Leute war
-auch richtig, aber sie bezahlten schlecht, und wer seine
-Kunst in Ehren hielt, mochte sie nicht besingen. Ibn
-Bakî, einer der begabtesten Dichter, welche Andalusien
-überhaupt hatte, irrte wie ein Landstreicher von Stadt
-zu Stadt.
-</p>
-
-<p>
-Es ist kein Wunder, daß unter diesen Umständen der
-bessere Teil der andalusischen Bevölkerung in dumpfe
-Verzweiflung geriet. Die meisten von ihnen hatten die
-schönen Tage der Freiheit noch gesehen. Um so tiefer
-deuchte ihnen jetzt ihr Fall. Es war alles so schnell gekommen.
-Was früher unten war, war jetzt oben, die
-Verachtetsten waren die Mächtigsten geworden. So
-wurde dem Volke damals mehr denn je das Wechselspiel
-<a id="page-114" class="pagenum" title="114"></a>
-des Lebens klar. Und da der Druck immer unleidlicher
-wurde, so kam es, daß im Lande die alten
-Lebenswerte entwertet wurden, und die Sehnsucht nach
-etwas Neuem, Höherem erwachte.
-</p>
-
-<h3 class="section" id="subchap-0-10-6">
-VI
-</h3>
-
-<p class="first">
-So war in Andalusien der Boden beackert für die
-Saat eines neuen Wissens, das gerade damals in Spanien
-seinen Einzug hielt. Es war die Inbrunst des Persers
-Al Gazzâlî, welche den Samen auswarf. Dieser wundersame
-Mann, der im Jahre 1059 in dem kleinen zu Tus
-gehörigen Städtchen Gazzâlah geboren ward, war nach
-mannigfachem Suchen und Forschen an allem irre geworden,
-was seine Zeit ihm bot. Die islamische Theologie,
-die an der Schale haftend ihre ganze Kraft an
-kalten Rechtsfragen halb und ganz ritueller Natur vergeudete,
-ekelte ihn an. Die Philosophie, die im Geiste
-die vollkommenste Macht gefunden zu haben glaubte,
-befriedigte ihn nicht, sondern brachte ihn nach langem
-Studium zu verzweifelter Skepsis. Hier wie dort erfror
-ihm die Seele. Die Spekulation war ebenso kalt wie die
-Dogmatik. Dies wird ihm zum schwersten Kampfe seines
-Lebens. Tiefe religiöse Erschütterungen machen ihn
-an Leib und Seele siech. So erfolgt im Jahre 1095 sein
-aufsehenerregender Abgang von der Bagdader Akademie,
-an der er ein bedeutendes Lehramt innehatte. Er
-ging, um sich ganz dem beschaulich einsamen Leben
-eines Sûfî<a class="fnote" href="#footnote-1" id="fnote-1">[1]</a> hinzugeben. Aus dieser Einsamkeit heraus,
-die im Jahre 1111 mit seinem Tode endete, predigte
-er der Welt seine neue Lehre.
-</p>
-
-<p>
-Es ist eine tiefe, inbrünstige und leidenschaftliche
-<a id="page-115" class="pagenum" title="115"></a>
-Religion, die er vom Menschen verlangt. Eine Religion,
-in deren Mittelpunkt die Seele steht. Sie ist die Macht
-aller Mächte. Aber diese Macht ist gebunden, gebunden
-in des Leibes irdischer Leidenschaft. Zwei Welten gibt
-es, el mulk und el malkût, die Welt des Sichtbaren und
-des Unsichtbaren. Zwei Tore hat die Seele den Welten
-entsprechend: Das Tor nach außen und das Tor nach
-innen. Glaube aber nicht, daß du das Tor nach innen
-wirst öffnen können, wenn du den Riegel des Leibes
-nicht zu sprengen vermagst. Befreie dich vom Leibe,
-vom irdischen Hang, so wird dein inneres Auge schauen,
-was nie dein äußeres sah. So wird der Aufstieg nach
-el malkût gelingen, und Auge in Auge wirst du schauen
-den Herrn. Ewig aber wird er dir verborgen sein,
-wenn du nicht zur Reue dringen kannst, wenn dein
-Herz des Irdischen sich nicht zu entschlagen vermag.
-Ein Kelch ist dein Herz: Solange der noch voll Wasser
-ist, hat er für den Wein keinen Platz. Laß das
-Wasser auslaufen, o Herz! Die Liebe wird es vollbringen,
-deine Liebe zu Gott. Die Welt ist ein Kerker, der
-dich hindert, den ewig Geliebten zu schaun. In der
-Stunde des Todes springt der Kerker auf, die Fesseln
-fallen, du bist bei deinem Geliebten. Und vorher nicht?
-Erst der Tod ist das Erwachen? Ruhig, Seele! Du
-kannst das Erwachen vorwegnehmen. Läutere dich
-durch die gute Tat. Sie ist die Brücke, die hinüberführt
-zu el <a id="corr-0"></a>malkût. Reue und Zerknirschung, Andacht
-und Inbrunst, Versenkung und Kasteiung tragen dich
-zu ihm, dem Einzigen, den du suchst. Mit Schleiern bedeckt
-ist heute deine Seele, so du aber Gott deine Inbrunst
-gibst, so wird er einen Schleier nach dem anderen
-von dir nehmen, bis du ihm nahe bist, ihn im
-klarsten Lichte zu schaun wie einst die Propheten.
-Dann hast du den Frieden. &ndash;
-</p>
-
-<p>
-Es war die Religion seines Lebens, die Gazzâlî lehrte.
-<a id="page-116" class="pagenum" title="116"></a>
-Es war nur natürlich, daß sie wirkte wie das Leben. Als
-das berühmte Buch des Philosophen über &bdquo;die Belebung
-der Religionswissenschaften&ldquo; nach Andalusien
-kam, rief es eine ungeheure Aufregung hervor. Während
-die ernsteren Geister, die unter dem Drucke der
-almoravidischen Fakîhs seelisch zugrunde gingen, das
-Erlösende der Lehre nur zu tief verspürt haben mögen,
-entfesselte sie bei den Theologen helle Wut. Obwohl
-das Buch keineswegs heterodox war, fühlten diese doch,
-daß der Geist ihnen im innersten fremd war. So verketzerten
-sie das Buch und setzten durch, daß es nicht
-bloß in Cordova und allen anderen Städten des Reiches
-verbrannt, sondern sogar der Besitz eines Exemplars
-bei Todesstrafe verboten wurde.
-</p>
-
-<h3 class="section" id="subchap-0-10-7">
-VII
-</h3>
-
-<p class="first">
-Damals lernte auch Jehuda Halevi die Schriften Gazzâlîs
-kennen. Das wurde ihm Ereignis. Was alle damals
-bewegte, mußte auch ihn bewegen. Ja, mußte ihn tiefer
-bewegen als alle, weil er Jude war und doppeltes
-Leid trug. Mit dem Eindringen der Almoraviden in
-Spanien hatte für die Juden eine schlimme Zeit begonnen.
-Während ihre Edlen früher an den heiteren Höfen
-von Malaga, Sevilla und Cordova hohe Stellungen einnahmen,
-und das Volk unter ihrem Schutze ein freies
-Leben führen durfte, so daß auch in seiner Mitte Kunst
-und Wissenschaft blühten, lösten jetzt Verfolgungen, Erpressungen
-und fanatische Bekehrungsversuche einander
-ab. Jehuda Halevi litt entsetzlich. Der von König Jussuf
-an den Juden Lucenas geübte Gewaltstreich (1107),
-der vielfache Frauenraub berberischer Horden, die Ermordung
-seines Freundes Salomo ibn Farusal (1108),
-warfen dunkle Schatten in sein Gemüt. Dazu kam sein
-damals auf den Gipfel gestiegenes persönliches Elend:
-<a id="page-117" class="pagenum" title="117"></a>
-Hunger, vielfach erfahrener Undank, das Bewußtsein,
-andere minder Befähigte erfolgreich, sich selbst aber
-immer &bdquo;in des Lebens letzter Reihe&ldquo; zu sehen, all das
-wirkte zusammen, seine Lebensanschauung bestimmend
-zu gestalten. Was war ihm das Leben? &ndash; Ewige Versagung.
-Was war ihm die Welt? &ndash; Eitel Schaum.
-</p>
-
-<p>
-So kam er zu Stunden tiefster Verzweiflung, die ihn
-an sein Leben mit der letzten Frage herantreten ließen.
-Ein ergreifendes Zeugnis solcher Stunden blieb uns in
-jenem herrlichen Gedicht aufbewahrt, in dem er im
-Traume die tröstenden Freunde zu sich kommen sieht.
-Was soll ihm ihr Trost? Muß er nicht bei ihnen volle
-Garben und bei sich die ewig dürren Halme sehen?
-</p>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Ich von allen meinen Lieben</p>
- <p class="verse">Bin allein in meiner Kammer</p>
- <p class="verse">Heimgesucht von allem Jammer,</p>
- <p class="verse">Aller Nöte Kind geblieben.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Was noch kann die Zeit mir geben?</p>
- <p class="verse">Such&rsquo; ich, was ich <em>nie</em> erworben? &ndash;</p>
- <p class="verse">Ach, ich bin schon längst gestorben,</p>
- <p class="verse">Und ich hab&rsquo; kein Recht zu leben!</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p class="noindent">
-Daß der junge Dichter solchen Stimmungen anheimfallen
-konnte, zeugt von der tiefen seelischen Not, die
-ihn oftmals gedrückt haben muß. Diese Not muß um so
-tiefer vorgestellt werden, als er von Natur eine glückhelle
-Seele war. Der geringste Sonnenstrahl, der in sein
-Elend fiel, half ihm über ewige Nächte hinweg. Wie
-leicht wäre er zufrieden gewesen! Er war kein Weltfeind,
-und nichts war ihm fremder als Menschenmäkelei.
-Gern hätte er mit der Welt in Frieden gelebt. Aber
-immer wieder mußte er ihr Dirnentum erkennen:
-</p>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
-<a id="page-118" class="pagenum" title="118"></a>
- <p class="verse">Wenn ein Mann schon mit ihr leben will,</p>
- <p class="verse">Sie zur Gattin sich erheben will,</p>
- <p class="verse">Muß er sich mit einer Dirne plagen.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p class="noindent">
-So kam er schließlich dahin, daß er sich vollständig
-zu verlieren drohte und an das Glück nicht einmal zu
-glauben vermochte, wenn es an seinem Halse lag. Es
-kamen frohe Stunden, Stunden der Liebe, der Freundschaft,
-der Anerkennung, der materiellen Sicherheit. Da
-wußte er sie nicht zu genießen: &bdquo;Nur wenn es mir
-schlecht geht, bin ich stark,&ldquo; so klagt er, &bdquo;und zittere,
-wenn mir das Glück lächelt; denn morgen wird es nicht
-mehr sein.&ldquo; Oft war er nahe daran, seinen Jammer zu
-vergessen und sich des Heute zu freuen, das so schön
-war und so voll Trostes, da traf es ihn plötzlich wie
-ein Stich in die Brust: Alles Lüge, alles Lüge! &bdquo;Die
-Welt will mich einlullen, ihr Elend zu vergessen. Fast
-gelingt es ihr. Aber ich kenne ihr schlimmes Tun, ich
-kenne es.&ldquo; Sein ursprünglich heiteres Gemüt war verdunkelt.
-Seine Seele war müde geworden.
-</p>
-
-<p>
-Und doch sollte die Verzweiflung ihn nicht haben. In
-seiner schlimmsten Zeit scheint es gewesen zu sein, als
-ihm die Persönlichkeit Gazzâlîs entgegentrat und ihm
-den Rückweg zu sich selber zeigte. Hier war einer, der
-all das für verachtenswert erklärte, was ihm selbst, Jehuda
-Halevi, versagt war, all das für ewigen Reichtum,
-was er bei sich trug. Einer, der die Eitelkeit alles Irdischen,
-die Hohlheit des Lebens, die Nichtigkeit des
-Denkens an sich selber erlebt hatte. Und dem aus dem
-Chaos der Triebe, Wünsche, Sehnsuchten, aus den
-Trümmern, die er, selbst geschlagen, nur ein einziges
-Wertvolles sich gesondert hatte, ein Diamant unter den
-Scherben seines Lebens: Die Seele. Die Seele, die aus
-Gott kam, zu Gott will, in Gott ist. Jehuda Halevi fand
-sich in Gazzâlî wieder. Der brachte ihm den Sieg über
-<a id="page-119" class="pagenum" title="119"></a>
-sich selbst, die Begründung seiner Religion fürs ganze
-Leben. Der Einfluß ist unverkennbar. Jene geheimnisvollen
-Lieder Jehuda Halevis an die Seele sind ein tiefgehender
-Beweis. Es ist dieselbe vibrierende Stimme,
-die aus ihnen und dem religiösen Bekenntnis des arabischen
-Meisters spricht. Das Leben ein Traum, ein Erwachen
-der Tod, aber die hingegebene Seele findet den
-Weg zu ihm schon vor dem Tode, vermag sich selbst
-die Pforten aufzubrechen, den Kelch sich zu füllen aus
-dem Brunnen der Ewigkeiten. O Seele, du liegst im
-Sarge deiner Sinne, du moderst bei Lebzeiten, wenn
-du die Welt nicht zu verachten vermagst. Wirf hin,
-was du hast, so hast du ewigen Reichtum. Laß hinter
-dir die Erde, steig empor zu ihm, zu seinem Throne,
-siehe, er kommt dir entgegen, sein Geheimstes vermagst
-du zu schauen:
-</p>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wer kündet uns das Weben,</p>
- <p class="verse">Das alle Wolken treibt,</p>
- <p class="verse">Das tief verhüllte Leben,</p>
- <p class="verse">Das ewig droben bleibt?</p>
- <p class="verse">Und doch will er sich neigen</p>
- <p class="verse">Dem Kinde dieser Welt</p>
- <p class="verse">Und läßt sein Leuchten steigen</p>
- <p class="verse">Hinab aufs Erdenzelt.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Und läßt vor Seheraugen</p>
- <p class="verse">Sein ganzes Bild erstehn;</p>
- <p class="verse">Sonst mochte nie ihm taugen</p>
- <p class="verse">Daß Menschen ihn ersehn.</p>
- <p class="verse">Was nie sich wollt&rsquo; gestalten,</p>
- <p class="verse">Sein Bildnis oder Maß, &ndash;</p>
- <p class="verse">In königlichem Walten</p>
- <p class="verse">Prophetenauge sah&rsquo;s.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p class="noindent">
-<a id="page-120" class="pagenum" title="120"></a>
-Das ist echt Gazzâlîsche Inbrunst. Es verkennen, hieße
-blind sein. Daraus folgt aber gleichzeitig, daß all diese
-zahlreichen Lieder aus der Zeit nach 1108 stammen, in
-welchem Jahre ungefähr die Werke Gazzâlîs in Spanien
-bekannt wurden. Wahrscheinlich sogar wurden sie erst
-nach 1120 gedichtet. Die religiöse Reife, die aus ihnen
-spricht, beweist, daß unser Dichter die Jahre seines Irrens
-hinter sich hat, daß er mit sich selbst im Reinen
-ist, daß er weiß, wo die Wurzeln seiner Kraft liegen.
-Gazzâlî war Jehuda Halevis Wegführer geworden und
-blieb es bis an sein Lebensende. Al Chazârî, das philosophische
-Werk Halevis, mit dem er sein Leben beschloß,
-zeigt denselben Haß gegen die Spekulation, dieselbe
-Verachtung plappernder Gottesverehrung, denselben
-Glauben an die prophetische Schau des &bdquo;inneren
-Auges&ldquo;, wie Gazzâlî ihn gelehrt hatte. &ndash;
-</p>
-
-<p>
-Aber noch eines war es, was Jehuda Halevi über
-Wasser hielt: Das war das naive Selbstbewußtsein, die
-köstliche Gabe des Genies. Er fühlte sich als &bdquo;Siegelring
-seiner Zeit&ldquo; berufen, ihr den Stempel aufzudrücken.
-Zwar hatte sie ihn fortgeworfen, aber er blieb
-doch das Siegel. Er war &bdquo;der Riese, der sich unter
-Zwerge beugen muß&ldquo;, aber doch Riese blieb. Er war
-&bdquo;der Löwe unter den Dichtern&ldquo;, den es ekelt zu dichten,
-weil im Weinberg der Poesie &bdquo;sich die Füchse breit
-machen&ldquo;.
-</p>
-
-<p>
-Und was war ihm sein Dichten? Nicht ein Beruf,
-aber eine Berufung. Er dichtete nicht, wie der Schuster
-schustert. Er glaubte an die Intuition alles dichterischen
-Schaffens. Ihm war das Höchste &bdquo;der Tropfen, der vom
-Eimer rann&ldquo;. Der Schaum über dem Meere. Das Meer
-der Weisheit krönt sich mit dem Schaum der Poesie.
-Es spricht durch den Schaum, und ihm war es prophetische
-Sprache. Oft klagt er, &bdquo;daß er keine Vision erfassen
-könne&ldquo;, ein anderes Mal überwältigen ihn die
-<a id="page-121" class="pagenum" title="121"></a>
-Verse, &bdquo;ohne daß der Gedanke sie rief&ldquo;. Dann wieder
-redet er sie an: &bdquo;Wie seid ihr müde, ihr Verse, ihr meiner
-Gedanken Flügel wie so lahm? Zur falschen Stunde
-seid ihr immer gekommen, jetzt zur rechten schweiget
-ihr.&ldquo; Als er einst mit den Freunden beim Gastmahle
-saß, forderten sie ihn auf, zu improvisieren. Er aber
-weigerte sich. Da wurden die Freunde immer fröhlicher,
-tranken und jauchzten ihm zu, bis er, vom Weine bezwungen,
-begeistert aufsprang und zu deklamieren begann:
-&ndash; ein echt orientalisches Bild: Hafis in der
-Schenke. Jehuda Halevi dichtete, wenn er nicht anders
-konnte. Die Verse waren ihm unbändige Füllen, die
-sich oft &bdquo;in seinen Zaum nicht schicken wollten&ldquo;,
-manchmal aber plötzlich in seinem Zügel waren und
-den Taumelnden mit sich rissen. Er war ein echter Prophet
-der Dichterwelt. Und als Prophet fühlte er sich.
-In seinem Werke Al Chazârî spottet er derer, welche
-der Dialektik bedürfen, um ins Innere der Natur zu
-dringen. Sie sind ihm wie Dichter, die Silben zählen.
-&bdquo;Der Schwachkopf braucht Dialektik, dem von der Natur
-zur Gottesschau Begnadeten fällt eines frommen
-Wortes Funken ins Herz, und schon steht seine Seele
-im Licht.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Wenn Jehuda Halevi so sprach, sprach er von sich
-selbst. Dieses Selbstbewußtsein aber lehrte ihn schätzen,
-was er hatte, und verachten, was ihm versagt war.
-Sein war der bessere Teil: &ndash;
-</p>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Und sie fragen: Kannst du leben</p>
- <p class="verse">Ohne Bruder freudevoll? &ndash;</p>
- <p class="verse">Ja, ich kann&rsquo;s: aus eigner Seele</p>
- <p class="verse">Stets mir meine Freude quoll!</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p class="noindent">
-Und ebenso lernte er den Pöbel hassen, den gebildeten
-Pöbel vor allem, lernte es, &bdquo;seine Perlen zu vergraben&ldquo;,
-<a id="page-122" class="pagenum" title="122"></a>
-zu sorgen, daß &bdquo;seines Goldes kein Ring in
-den Rüssel eines Schweines komme&ldquo;. Dieser Haß gegen
-die Welt blieb ihm bis an sein Lebensende. Er hat seiner
-Zeit nie ganz vergeben können, was sie an ihm gesündigt
-hat. Noch in seinen letzten Tagen klagte er
-über die Menschen, die gerade die Besten immer leiden
-lassen, über die Fürsten, die mit ihrem Golde sein Gottesgnadentum
-anzutasten wagten.
-</p>
-
-<p>
-Trotzdem entwand er sich von Jahr zu Jahr mehr der
-Verbitterung, die seine jungen Tage vergällt hatte.
-Seine frohe Religiosität blieb Siegerin. Er hörte auf, zu
-hoffen auf das, was die Menschen Glück nannten, und
-nichts blieb als der triumphierende Stolz des Dichters
-auf sein gnadenreiches Leben. Was waren alle Schätze
-der Erde neben seinem Reichtum, alle Pfeile des Neides
-und Hasses gegenüber seiner göttlich gefeiten
-Brust:
-</p>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Sprechet nur zur Welt, zur schlimmen:</p>
- <p class="verse">Mag sie tun, was ihr gefällt,</p>
- <p class="verse">Härter doch als ihre Dornen,</p>
- <p class="verse">Stärker ist mein starkes Herz.</p>
- <p class="verse">Darf ich ihre Weine kosten,</p>
- <p class="verse">Will ich auch die Hefen nippen,</p>
- <p class="verse">Besseres verlang&rsquo; ich nicht;</p>
- <p class="verse">Denn erprobt ist meine Seele:</p>
- <p class="verse">Alle gift&rsquo;gen Bitternisse</p>
- <p class="verse">Werden. Honig meinen Lippen.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p class="noindent">
-Das ist der ganze Jehuda Halevi. Was konnten Hunger,
-Verkennung, Neid, Haß, Erniedrigung ihm anhaben?
-</p>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Immer an der Morgenröte</p>
- <p class="verse">Laß ich meine Wimper hängen:</p>
-<a id="page-123" class="pagenum" title="123"></a>
- <p class="verse">Seelen, die sich selbst erheben,</p>
- <p class="verse">Seelen, die in Hoffnung leben,</p>
- <p class="verse">Gott wird ihre Tore sprengen! &ndash;</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p class="noindent">
-So endete sein Selbstbewußtsein dennoch wieder dort,
-wo seine Demut endete: &ndash; In Gott.
-</p>
-
-<h3 class="section" id="subchap-0-10-8">
-VIII
-</h3>
-
-<p class="first">
-Jehuda Halevi war zum Manne gereift. Die Zeit der
-Irrfahrten war vorüber. Die Kämpfe freilich noch nicht.
-Noch manchen Sturm mußte seine Seele ertragen. Um
-das Jahr 1120 finden wir ihn in Sevilla wieder, wo er
-zum erstenmal eine Art Heimat gefunden zu haben
-scheint. Hier wird es wohl auch gewesen sein, daß er
-jene Frau heiratete, von der wir nichts wissen, als daß
-sie ihm eine einzige Tochter schenkte und daß sie vor
-ihm starb. Selbst ihr Name ist uns unbekannt. Hier
-schloß er auch die Freundschaft mit dem erheblich jüngeren
-Abul Hasan Meîr ibn Kammiâl, der &ndash; wahrscheinlich
-1121 &ndash; an den Hof des Almoraviden Alî als
-Leibarzt berufen wurde. Er scheint Jehuda Halevi materiell
-unterstützt zu haben. Die Freundschaft zu ihm
-aber hat dem Dichter auch einen inneren Halt gewährt.
-Er fühlte sich nämlich in Sevilla durchaus nicht wohl. Er
-scheint damals aus sich herausgegangen zu sein, um für
-seine religiöse Ueberzeugung, die ja dem Judentum
-seiner Zeit ebenso fremd war wie Gazzâlîs Lehre der
-islamischen Theologie, Anhänger zu gewinnen. Es gelang
-ihm nicht, seine Stammesgenossen zu der Tiefe
-und Innigkeit seines Glaubens zu bekehren. Sie plapperten
-weiter ihre Gebete an der Wand stehend &bdquo;wie
-die Ochsen an der Krippe&ldquo;. Man nahm ihm sogar übel,
-daß er ein anderes Judentum wollte als die anderen, und
-sprach ihm die Berechtigung ab, mitzureden, indem man
-<a id="page-124" class="pagenum" title="124"></a>
-ihn auf seine materielle Notlage hinwies. Was unterstand
-der arme Teufel sich, die reichen Juden aus den
-Palästen Sevillas zu meistern? &ndash; So entlud sich sein
-ganzer Zorn über das dickfellige Protzentum dieser
-Menschen, die nur &bdquo;den Baum mit den Aepfeln aus
-Gold als Baum der Erkenntnis anerkennen wollten&ldquo;. Damals
-gewährte ihm der Umgang mit dem jungen, hochbegabten
-Kamniâl eine große Beruhigung. Es war eine
-innige Freundschaft, welche die beiden verband, in der
-allerdings Jehuda Halevi, obgleich erheblich älter als
-Ibn Kamniâl, wie immer der beherrschte Teil war.
-</p>
-
-<p>
-Viel mehr können wir aus den Tagen von Sevilla freilich
-nicht erzählen. Auch dauerten sie nicht allzulange.
-Wir schätzen die Zeit seines dortigen Aufenthalts auf
-ungefähr fünf Jahre. Danach weist uns eine verwischte
-Spur auf ein kurzes Verweilen in Cordova hin, wo er
-den Tod des Rabbi Baruch ben Isak Albalia (st. 1125)
-erlebt zu haben scheint. Dann finden wir den bereits
-grau werdenden Dichter in Granada. Aber auch dort
-hielt er es nicht aus, sondern verließ schließlich Andalusien
-ganz und zog nach dem Norden in die Heimat
-zurück, von der er ausgezogen: Toledo.
-</p>
-
-<h3 class="section" id="subchap-0-10-9">
-IX
-</h3>
-
-<p class="first">
-Was ihn zu diesem Schritte veranlaßte, ist zweifelhaft.
-Möglich, daß ihn der 1126 erfolgte Regierungsantritt
-des Königs Alfonso VII. Raimundez von Kastilien
-dazu bewog. Dieser war den Juden freundlich gesonnen.
-Seitdem er gar den edlen Jehuda Hanassi ibn Esra mit
-einem hohen Staatsamte betraut hatte (1129), wurde Kastilien
-für die Juden geradezu ein Asyl. Die Zeit, in der
-Jehuda Halevi nach Toledo kam, würde nach dieser
-Auffassung um 1130 anzusetzen sein, was mit seinen
-übrigen Lebensverhältnissen in Einklang stehen würde.
-<a id="page-125" class="pagenum" title="125"></a>
-Jehuda Halevi ließ sich in Toledo als Arzt nieder und
-entfaltete bald eine große Tätigkeit. Zu groß für ihn.
-Er fühlte sich nach kurzer Zeit als ein Knecht seines
-Berufes. Zudem empfand er die Nichtigkeit seines Wissens
-und Könnens, klagte über die Wertlosigkeit seiner
-Kunst und über die Dummheit der Leute, die zu jeder
-möglichen und unmöglichen Stunde zu ihm gelaufen
-kamen, um Heilung zu verlangen, und brutal wurden,
-wenn er nicht heilen konnte. Trotzdem war er ein
-besserer Arzt, als er selber glaubte. Die natürliche Behandlung,
-die er anwandte, indem er das Hauptgewicht
-auf die Hygiene, auf Luft und Licht, Essen und Trinken,
-Bewegung und Ruhe, Schlafen und Wachen legte,
-verschaffte ihm viel Vertrauen. Und wenn ihm die angestrengte
-Tätigkeit auch lästig war, so hat sie ihm
-doch aller Wahrscheinlichkeit nach das gebracht, was
-ihm immer gefehlt hatte, die materielle Sorglosigkeit.
-Als er einige Jahre später nach dem Süden zurückkehrt,
-ist er ein unabhängiger Mann.
-</p>
-
-<h3 class="section" id="subchap-0-10-10">
-X
-</h3>
-
-<p class="first">
-Um 1135 wird es gewesen sein, daß Jehuda Halevi
-über die Brücke von Cordova schritt, um nie wieder
-diese Stadt zu verlassen bis zu dem Augenblicke, wo er
-seine Wallfahrt nach Palästina antrat.
-</p>
-
-<p>
-Cordova! Dieser Name bedeutet die letzte und reichste
-Epoche im Leben Jehuda Halevis. Eine glückliche
-Epoche. Wohl war er äußerlich ein alternder Mann geworden,
-als er seinen Einzug in die herrliche Stadt Andalusiens
-hielt. Aber er selber wollte es nicht wahr
-haben. Denn er fühlte sich jung wie am ersten Tag. Die
-schwarze Locke war ergraut, aber darunter blühten
-frische, jugendliche Züge, und es war seine Eitelkeit,
-auf den anmutigen Gegensatz zwischen dem weißen
-<a id="page-126" class="pagenum" title="126"></a>
-Haar und den braunen vom Barte umrahmten Wangen
-hinzuweisen. Die Unstetheit seines Lebens hatte ihn
-nicht beugen können. Spät war die Ruhe gekommen,
-aber nun war sie da und trug herrliche Blüten und
-Früchte.
-</p>
-
-<p>
-Cordova! Hier lernte er kennen, was Ruhm heißt.
-&bdquo;Ganz Israel bekennt sich zu dir,&ldquo; rief ein Freund ihm
-zu. Und selbst konnte er von sich sprechen: &bdquo;Jehuda
-Sohn Samuels! Enkel Samuels! Sein Zelt ist bekannt
-von den Enden Edoms bis zum Flachlande, von Kastilien
-bis Andalusien.&ldquo; Man hörte auf ihn. Es sammelten
-sich Schüler um ihn, die er &bdquo;als seines Gartens
-Blumen&ldquo; liebte und pflegte, und die mit Andacht am
-Munde des Meisters hingen, der ihnen seine Religion
-predigte und den Glauben seines Lebens.
-</p>
-
-<p>
-Von vielen umworben, gewährte er doch nur wenigen
-das Glück seiner Freundschaft. 1138 wurde Joseph ibn
-Zadîk Dajan<a class="fnote" href="#footnote-2" id="fnote-2">[2]</a> von Cordova. Er war es, der unserem
-Dichter am nächsten stand, in seinem Hause weilte er
-am liebsten, ihm Ehrenlieder weihend, die auf den Gastereien
-Ibn Zadîks vorgetragen wurden. Aber auch ein
-spätes Familienglück erblühte ihm noch. Er konnte seine
-Tochter verheiraten und wiegte noch ein Enkelsöhnlein
-auf den Knien, das denselben Namen trug wie er.
-</p>
-
-<p>
-Im Scheine dieses abendlichen Glückes setzte sich
-Jehuda Halevi noch einmal nieder, um in einem umfangreichen
-Werke die letzten Schlüsse seines Lebens
-zu ziehen. Das ist die philosophische Schrift Al Chazârî,
-&bdquo;das Buch des Argumentes und Beweises zur Verteidigung
-des verachteten Glaubens&ldquo;. Als er im Jahre 1140
-dieses Werk begann, da sollte es eine Streitschrift werden,
-eine Streitschrift gegen die Feinde von außen und
-die Feinde von innen. Seine weithin hallende Stimme
-<a id="page-127" class="pagenum" title="127"></a>
-sollte vom Ruhme Israels zeugen. Als er es beschloß,
-war es viel mehr geworden: Das persönlichste Bekenntnis
-seines Lebens. Und schreibend war er selbst ein
-anderer geworden.
-</p>
-
-<p>
-Al Chazârî ist ein philosophisches Werk, geschrieben
-von einem Verächter der Philosophie, das sagt alles.
-Ein Werk des Verstandes, in Leidenschaft begonnen
-und vollendet, ein Werk des Beweises, dessen Argumente
-allein in seinem Pathos liegen. Dem kritischen
-Geiste hält es nicht stand, aber dennoch ist es stärker
-als er; um so viel stärker, wie Jeremia stärker ist als
-Aristoteles. Al Chazârî ist das Werk eines Dichters.
-Schon die Form ist eine dichterische: Der Dialog. Der
-König der Chazaren ringt um die Wahrheit. Eine Stimme
-war im Traume über ihn gekommen: &bdquo;Dein Wille
-gefällt mir, doch nicht die Tat!&ldquo; Da geht er, die Tat zu
-suchen. Aber er findet sie nicht. Der Philosoph, der
-Christ, der Muslim lassen ihn im Dunkel. Schließlich
-kommt er zum Juden, den er verachtet. Der lehrt ihn
-die Tat. Lehrt ihn die realste aller Religionen, das unmittelbarste
-Wissen von Gott: Offenbarung. Offenbarung
-ist das A und das O dieses Werkes. Und seine verschwiegene
-Predigt ist, daß Offenbarung gesucht und erkämpft
-werden muß und &ndash; kann. Wohl hat die arme
-Zeit nichts als Ueberlieferung, die Tradition von Mund
-zu Mund, die ihr die Wahrheit aller göttlichen Offenbarungen
-verbürgt. Aber diese Ueberlieferung ist selbst
-Offenbarung, weil es die Ueberlieferung der Adelsmenschen
-dieser Welt ist, die Ueberlieferung derer, die am
-Fuß der Himmelsleiter stehen. Es ist das Kleinod Gottes,
-Israel, das die Gottesschau der Sechsmalhunderttausend
-kündet. Wer redet da? Wer wagt es zu zweifeln?
-Weh dem, der die Kette zerreißt, die uns mit den
-Jahrtausenden rückwärts verknüpft! &ndash;
-</p>
-
-<p>
-Werden wir noch einmal Gott schauen? Ist es möglich,
-<a id="page-128" class="pagenum" title="128"></a>
-zu ihm zu dringen? Wer trägt uns zu seinem
-Throne? &ndash; Der denkende Geist? Nimmermehr. Tausendmal
-heiler als das Auge der Spekulation ist das
-Auge der Prophetie. Wer beweisen will, geht in die Irre.
-&ndash; Die Selbstkasteiung? Allein wird sie uns niemals
-Gott näher bringen. Eines muß hinzukommen: Die gute
-Tat. Sie ist die Kraft, die uns helfen wird. Nur durch
-Gottes Wort kommt man zu Gott. Sein Gebot ist die
-Brücke, die zu ihm führt. &ndash; &ndash;
-</p>
-
-<h3 class="section" id="subchap-0-10-11">
-XI
-</h3>
-
-<p class="first">
-Das Werk Jehuda Halevis näherte sich seinem Ende.
-Der Dichter fühlte, daß er seine Seele ausgeblutet
-hatte in dieses Werk. Es war die Predigt seines Lebens,
-die er der Mitwelt bot. Der Adelsmantel, den
-er Israel umhängt, trägt das Wappen seines eigenen
-Adels, des eigenen Wertes Bewußtsein ließ ihn das
-Kleinodentum Jakobs künden. Und das Gefühl des
-eigenen Prophetentums war es, was ihn als höchste
-Stufe die Stufe der Prophetie predigen ließ. Er wußte,
-was Offenbarung war. So konnte er von Offenbarung
-sprechen und sprach vom eigenen Leben. Und doch,
-obgleich er sich so für einen von Gott mit der tiefsten
-Schau Begnadigten hielt, doch wuchs sein Werk über ihn
-hinaus. Er hatte seinem Geschlecht den Weg zu Gott
-zeigen wollen. Am Ende fühlte er, wie fern er selbst
-noch von ihm war, wie unvollkommen sein Tun. Ein
-kleines Geschlecht war es, dem seine Rede gegolten
-hatte, aber er selbst war dieses Geschlechtes Knecht gewesen
-ein Leben lang. Um ihre Gnade hatte er geworben,
-ihr Lob war ihm Lebensbedürfnis gewesen, wie süß
-war der sauer erkämpfte Ruhm. So erwuchs ihm die
-erschütternde Gewißheit, daß seine Lehre mit seinem
-Leben nicht stimmte. Und die Unruhe, die sein ganzes
-<a id="page-129" class="pagenum" title="129"></a>
-Leben erfüllt hatte, kam wieder über ihn. Ein Suchen
-entzündete sich in seiner Seele. Eine Zeit schwerer
-Kämpfe folgte, aus denen heraus sich ein Entschluß läuterte,
-der alle seine Freunde in Schrecken setzte und
-sie fast an seinem Verstande zweifeln ließ: Jehuda Halevi
-wollte Spanien für immer verlassen und nach Palästina
-wandern. Er wollte sterben für seine Welt, sterben
-für seine Familie, sterben für seine Freunde, um das
-wahre Leben zu gewinnen. Der Gedanke, daß nur die
-vollkommene Tat zu Gott führe, brannte ihm die Seele.
-Er mußte dorthin, wo allein die Taten vollkommen werden
-konnten, ins heilige Land der Väter. Dort allein war
-die letzte Erfüllung des göttlichen Wortes möglich. Dort
-war das Tor, &bdquo;das von der Erde in den Himmel führt&ldquo;,
-dort die Jakobsleiter zur höchsten Schar. Dort würde er
-Gott schauen Auge in Auge, dessen war er sicher.
-</p>
-
-<p>
-Vergebens waren die Warnungen der Freunde, die
-eine schwere Enttäuschung für den Dichter voraussahen.
-Oft gelang es ihnen fast, ihn wankend zu machen. Es
-kamen Augenblicke der Angst und des Zweifels für ihn.
-Immer aber gewann der eine süße Gedanke in ihm die
-Uebermacht: &bdquo;Zion, Zion, du Krone der Zeit!&ldquo; Lächelnd
-sah er das Ziel vor Augen. Es war ihm unentrinnbare
-Selbstverständlichkeit geworden.
-</p>
-
-<p>
-Der Entschluß war gefaßt. Der Tag der Abreise kam.
-Da sammelten sich die wenigen Freunde in Cordova
-zum letzten Male. Es bildete sich eine kleine Gefolgschaft
-um ihn, die bereit war, mit ihm zu ziehen. Josef
-ibn Zadîk sandte ihm eine reiche Abschiedsgabe, die er
-mit folgenden, die Größe und den Charakter Jehuda
-Halevis tief kennzeichnenden Worten begleitete:
-</p>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Armut schließt uns unsre Rechte;</p>
- <p class="verse">Darum, was die Seele möchte,</p>
- <p class="verse">Reicht sie leider dir nicht dar:</p>
-<a id="page-130" class="pagenum" title="130"></a>
- <p class="verse">Wie belohnen wir dein Künden,</p>
- <p class="verse">Juda, der uns armen Blinden</p>
- <p class="verse">Ein so großer Künder war?</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Liedesvater, sag&rsquo; mir, zeugte</p>
- <p class="verse">Dich der Dichterkönig? Säugte</p>
- <p class="verse">Selig einst Deborah dich?</p>
- <p class="verse">Seelen jagst du, nicht mit Schlingen,</p>
- <p class="verse">Nein, in deiner Liebe fingen</p>
- <p class="verse">All die frohen Herzen sich.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Deine Lippen sind so süße,</p>
- <p class="verse">Deine Reden Heldengrüße,</p>
- <p class="verse">Klar dein Wort und mannazart;</p>
- <p class="verse">Löwe und Gazelle scheinen</p>
- <p class="verse">Herrlich sich in dir zu einen:</p>
- <p class="verse">Kraft und Schwäche hold gepaart.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<p class="noindent">
-Dankerfüllt sang Jehuda Halevi noch einmal den
-Ruhm des Freundes. Dann umarmte er zum letzten Male
-die geliebten Schüler, die Tochter, den kleinen Jehuda,
-um sich plötzlich loszureißen und die Tore Cordovas
-durchschreitend dem Süden zuzueilen, wo das Schiff ihn
-erwartete, das ihn zu den Bergen der Heimat tragen
-sollte. Schon zu lange hatte er gezaudert. Deshalb konnte
-es ihm jetzt nicht schnell genug gehen. Wohl wußte er,
-daß in Granada ihn Freunde erwarteten, die ihn das
-letzte Mal sehen wollten. Aber die Angst, aufgehalten
-zu werden, veranlaßte ihn, die schöne Granatenstadt gar
-nicht zu berühren.
-</p>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Es steht der Libanon vor mir,</p>
- <p class="verse">Da darf ich nicht &bdquo;Granaten&ldquo; pflücken:</p>
- <p class="verse">So will es meiner Sünden Zahl,</p>
- <p class="verse">Die Frevel so, die allzumal</p>
- <p class="verse">Auf meine Seele drücken.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h3 class="section" id="subchap-0-10-12">
-<a id="page-131" class="pagenum" title="131"></a>
-XII
-</h3>
-
-<p class="first">
-So kam er zum Meere, das ihm nicht unbekannt war.
-Oft hatte er an seinem Strande gesessen und mit den
-Kieseln gespielt oder den Wellen gelauscht, die kamen
-und gingen wie ein unterwürfiges Heer, die Hand des
-Königs zu küssen. Jetzt sollte er sich diesem Heere anvertrauen.
-Zagend betrat er die Planke des Schiffes und
-sah sich bald von brutalem Schiffsvolk umgeben, das
-prahlend die Klugen verachtet und nur den Schwimmer
-schätzt.
-</p>
-
-<p>
-Die Reise war zunächst von günstigen Winden begleitet.
-Dann aber kamen stürmische Tage, an denen der
-Dichter unter der Seekrankheit litt. Gleichzeitig verfolgte
-ihn die Angst vor Piraten, und auch die Schiffsleute
-flößten ihm Mißtrauen ein. Trotz alledem aber
-brachten ihm die Tage auf dem Meere Augenblicke der
-höchsten dichterischen Offenbarungen. Ob der Sturm
-ihn umbrauste oder der Sternenhimmel der Mitternacht
-in die spiegelnden Fluten sank, seine Augen waren weit
-geöffnet, aus dem Brunnen der ewigen Erhabenheiten
-zu trinken. Er hat die Natur des Weltmeeres ausgeschöpft,
-wie sie sich nur ausschöpfen läßt. Die Woge
-sprach zu ihm, aber was sie sprach, war wieder nur und
-konnte nur eines sein: &ndash; Gott.
-</p>
-
-<p>
-Das Schiff war seinem Ziele nahe. Da brach &ndash; es war
-im September des Jahres 1141 &ndash; eines Tages ein stürmischer
-Ostwind los, der das Schiff nicht vorwärts ließ,
-vielmehr es zwang, rückwärts segelnd im Hafen Alexandrias
-vor Anker zu gehen. Bitterer Unmut erfaßte Jehuda
-Halevi. Aber es half ihm nichts, er mußte an Land.
-Doch nahm er sich vor, sobald als die Stürme nachließen,
-wieder in See zu gehen.
-</p>
-
-<p>
-Kaum jedoch hatte sich unter den Juden Alexandrias
-die Kunde verbreitet, daß der gefeierte Dichter des
-<a id="page-132" class="pagenum" title="132"></a>
-Abendlandes in der Stadt sei, als sie herbeiströmten, ihn
-zu sehen und mit den ausgesuchtesten Ehren zu überhäufen.
-Der reichste Jude der Stadt, der Arzt und Rabbi
-Aaron ben Zion ibn Alamânî, zog ihn in seinen Palast.
-Dieser Palast allein schon wirkte auf den überraschten
-Dichter überwältigend. Da ging man über goldbedeckte
-Quadern, stieg in die Gärten hinab und wandelte zwischen
-blühenden Narden und Cyprusblumen an duftenden
-Springbrunnen vorüber zu den Myrtenlauben, in deren
-Zweigen die Nachtigallen sangen, während gurrende
-Tauben die Wege bedeckten. Alamânî veranstaltete für
-den Dichter rauschende Festlichkeiten, auf denen ihm
-die Edelsten Alexandrias in ausgelassenem Jubel huldigten,
-trinkend und singend und ihm selbst zum Singen
-begeisternd. Jehuda Halevi war bezwungen. So viel Liebe
-hatte er sich nicht träumen lassen. Er konnte nicht
-anders: er mußte diese Stunde genießen und blieb. So
-hatte ihn das Erdentum wieder umfangen, da er sich
-ihm längst enthoben wähnte. Ein später Liebesfrühling
-wird dem fast Sechzigjährigen beschert. Mit anakreontischer
-Freude singt er von reizenden Abenteuern unter
-den Fenstern der Schönen.
-</p>
-
-<p>
-Dann aber kommt wieder die Wirrnis über ihn, und
-die Sehnsucht nach Zion erwacht von neuem. Die Sabbathe
-verhüllen ihm ihre Weihe, er kann nicht wahrhaft
-froh werden, er fühlt, daß er sich selber untreu geworden
-ist. So sehnt er sich, aus Alexandria fortzukommen.
-Eines Tages trifft aus Damiette ein Bote des Abû Sa&rsquo;îd
-Chalfon Halevi ein, der ihm einen Brief von dem Fürsten
-der ägyptischen Juden, dem Nagid Abû Mansûr
-Samuel ibn Chananjah, überbringt. Jehuda Halevi wird
-eingeladen, nach Kairo zu kommen, um sich im Palaste
-des Fürsten seiner Gastfreundschaft zu erfreuen. Sofort
-sagt er zu und meldet gleichzeitig seinen Besuch in
-Damiette für später an. Er hofft, der Fürst wird ihm helfen,
-<a id="page-133" class="pagenum" title="133"></a>
-bald zum Ziele seiner Sehnsucht zu gelangen. Nachdem
-er in Alexandria noch einige Einkäufe erledigt hat,
-fährt er nach Kairo. Der Eindruck, den der glänzende
-Hofstaat des Nagid auf ihn macht, ist noch größer als
-der, den er in Alexandria gehabt hat, und übertrifft alle
-seine Erwartungen. Wenn er den Fürsten in seiner
-Staatskarosse unter den Klängen rauschender Musik und
-von Soldaten begleitet ausfahren sieht, muß er an Josef
-in Aegypten denken. Solche Macht eines Juden hatte er
-in Spanien nie gesehen. Samuel spielte in der Tat am
-Hofe des fatimidischen Sultans Al Hafis eine bedeutsame
-Rolle und konnte dadurch seinen jüdischen Brüdern eine
-starke Stütze sein.
-</p>
-
-<p>
-Er empfängt unseren Dichter mit den höchsten Ehren,
-und als Jehuda seinen Palast betritt, fühlt er, daß er in
-ein Haus der Liebe und Freude getreten ist. Hier wird
-das ruhebedürftige Herz zur Ruhe kommen. Ein Fest
-folgt nun wieder dem anderen. Es ist, als wenn Aegypten
-ihn entschädigen will für die vielen Jahre der Entbehrung
-und Verkennung. Aber wieder kommen die
-Gedanken an das letzte Ziel und trüben die Freude. Wieder
-ergreift ihn die Unrast und treibt ihn weiter. Wenige
-Tage vor dem Chanukafest verläßt er plötzlich
-Kairo, um nach der Hafenstadt Damiette zu fahren, von
-wo aus er mit Hilfe des bereits genannten Abû Sa&rsquo;îd
-Chalfon Halevi endlich ans Ziel zu gelangen hofft. In
-Damiette verweilt er genau vierzehn Tage bis zum elften
-des Monats Tebet. Hier wird er tief von der paradiesischen
-Natur Aegyptens ergriffen, die dem Dichter
-ihre ganze Blütenpracht enthüllt. Noch einmal tritt die
-Jugend vor seine Augen, alte Träume steigen empor,
-Träume der Liebe und Freundschaft. Abû Sa&rsquo;îd versucht
-ihn zurückzuhalten, wie es jeder in Aegypten versucht
-hat. Man hatte ihn durch rauschende Feste von dem
-Ziele seiner Sehnsucht ablenken wollen, das so schön
-<a id="page-134" class="pagenum" title="134"></a>
-war und doch mit Enttäuschung enden mußte. Schließlich
-aber muß der Freund doch nachgeben, und am Tage
-nach dem Fasten des Tebet besteigt Abul Hasan Jehuda
-Halevi die Barke auf dem Nil, um weiter zu fahren:
-stromaufwärts oder stromabwärts? Wir wissen es nicht.
-Mit diesem Tage schließt für uns das Leben Jehuda Halevis.
-Schließt mit einer Frage: Hat er das Ziel seiner
-Sehnsucht erreicht? Ist er, wie die Sage erzählt, im Tore
-Jerusalems von dem Rosse eines daherjagenden Sarazenen
-zerstampft worden? Oder hat man ihn irgendwo im
-ägyptischen Sande verscharrt? &ndash;
-</p>
-
-<p>
-Wir wissen nichts von seinem Ende. Wissen nur, daß
-er mitten im Jubel der ägyptischen Tage vom Tode redete,
-vom Grabe, das vor ihm liege, und vom Greisentum,
-das nun nicht mehr zu verheimlichen sei. Und
-wenn es wahr ist, daß Todesahnen des Sterbens Anfang
-ist, so trug er den Keim des Todes schon damals in
-sich, da er mit zitternder Hand dem Fürsten Samuel die
-flehenden, von geheimer Angst erfüllten Worte schrieb,
-mit denen wir sein Leben beschließen wollen:
-</p>
-
-<div class="poem-container">
- <div class="poem">
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Wollt ihr Liebes mir vergelten,</p>
- <p class="verse">Sendet meinem Herrn mich zu:</p>
- <p class="verse">Eh&rsquo; ich unter seinem Zelte</p>
- <p class="verse">Glücklich nicht das meine stellte,</p>
- <p class="verse">Find&rsquo; ich keine Ruh&rsquo;.</p>
- </div>
- <div class="stanza">
- <p class="verse">Haltet mich nicht auf zu eilen,</p>
- <p class="verse">Da mich schon die Angst erfaßt:</p>
- <p class="verse">Unter seinem Flügel weilen</p>
- <p class="verse">Und der Väter Ruhe teilen</p>
- <p class="verse">Bleibt doch meine einz&rsquo;ge Rast.</p>
- </div>
- </div>
-</div>
-
-<h3 class="section" id="subchap-0-10-13">
-<a id="page-135" class="pagenum" title="135"></a>
-XIII
-</h3>
-
-<p class="first">
-Es bleibt noch übrig, ein kurzes Wort über die Dichtungen
-Jehuda Halevis zu sagen. Wer sie genießen will,
-muß es lernen, sich auf die kurze Zeit seines Genießens
-aller abendländischen Traditionen zu entschlagen. Dieser
-Dichter ist ein Orientale. Der Orientale dichtet nicht
-wie der Abendländer. Er weiß nicht, was das heißt:
-Kunstwerk. Er fängt an zu singen, sorglos, wie er enden
-wird. Die orientalische Dichtung hat etwas Sprudelndes,
-geheimnisvoll Bewegliches. Hier fehlt alle Konzeption
-und Komposition. Nirgends spürt man die bauende
-Hand, nirgends die Energie zügelhaltenden Künstlertums.
-Das singt und musiziert wie die Vögel im Walde,
-endlos jubilierend. Daher die erstaunliche Fruchtbarkeit
-dieser Poeten aus dem Lande der Morgensonne. Ihre
-Lieder zählen immer nach Tausenden.
-</p>
-
-<p>
-Es ist der tiefe Unterschied zwischen Morgen- und
-Abendland, der sich hier kundtut. Der Abendländer ist
-induktiver, der Morgenländer intuitiver veranlagt. Dieser
-schaut, jener sinnt. Hier Prophet, dort Denker. Der
-Orientale hängt am Einzelnen, springt über zum Anderen,
-flüchtet zum Dritten, eines aber bleibt ihm ewig
-verhüllt: Das Ganze. Die Dinge sind beieinander, nicht
-ineinander. Das ist kein Vorteil, aber auch nicht immer
-ein Nachteil. Wo es so liegt, wird die Historie zwar
-leicht anekdotisch, die Dichtung geistreich. Aber es bleibt
-dafür alles ursprünglich, nichts erstarrt in der Form,
-nichts erfriert in der Methode.
-</p>
-
-<p>
-Man kann den orientalischen Geist am besten an der
-Sprache studieren. Im Semitischen wird koordiniert,
-nicht subordiniert. Es gibt kaum eine Syntax. Die feinen
-Nüancen unserer Rede sind unmöglich, oder besser gesagt:
-sie sind teils verborgener, teils umständlicher als
-bei uns. Woraus die unendliche Schwierigkeit für den
-<a id="page-136" class="pagenum" title="136"></a>
-Uebersetzer entspringt. Der Uebersetzer muß in den
-Geist der semitischen Sprachen soweit eingedrungen
-sein, daß er die verborgenen Nüancen des Beieinander
-zu spüren vermag. Denn seine Aufgabe ist es, das
-Koordinierte zu subordinieren, ohne die zartesten Töne
-zu verwischen. Ist dies gelungen, so wird der Okzidentale
-den Orientalen begreifen. &ndash;
-</p>
-
-<p>
-Jehuda Halevi ist ein Kind zweier Kulturen, der arabisch-andalusischen
-und der jüdischen. Obgleich all seine
-Dichtungen in klassischem Hebräisch geschrieben sind,
-ist er doch in seinen profanen Gesängen der echte arabische
-Rhapsode. So sehr, daß er als Repräsentant der
-arabischen Dichtung gelten kann: Dieselbe Glut der Farben,
-derselbe Strom wechselnder Bilder, dieselbe Ungebundenheit
-der Sprache, dieselbe Gewagtheit sinnlichen
-Schauens und dieselbe Grazie hinfließender, ewig wandelbarer
-Stimmungen. Man spürt das Pathos und die Deklamation.
-Die Lieder der Liebe und die Episteln der
-Freundschaft sind es vor allem, die Form und Inhalt
-nach bei Jehuda Halevi echt arabisch sind. Das Kommen
-und Gehen im Traume, das geheime Wandeln der
-Seele auf den Pfaden der Liebe, das Suchen nach den
-verwehten Spuren auf der Freundschaft Trümmern, die
-Klage um Scheiden und Meiden, die in tausend Tränen
-zerrinnt, der Ueberschwang der Sehnsucht, die Uebertreibung
-des Lobes, alles so leicht, so bunt, so redselig
-ausfließend bis auf den letzten Tropfen, so echt &ndash; arabisch.
-</p>
-
-<p>
-Am größten aber ist Jehuda Halevi zweifellos in seiner
-religiösen Dichtung. Dort treffen sich die beiden
-Welten in ihm. Die Ungebundenheit des Arabers findet
-hier einen Zügel: Den jüdischen Geist. Dieser Geist, obgleich
-ebenfalls orientalisch, hat es doch zu einer Aesthetik
-gebracht. Palästina war der einzige Punkt im Morgenlande,
-wo echtes Künstlertum wuchs: ein Künstlertum
-<a id="page-137" class="pagenum" title="137"></a>
-des Lebens. Die Harmonie des Einheitsgedankens
-im All, die Akkorde der Völker in der Weltgeschichte,
-die Zentralität Israels, des Kleinods, das waren mächtig
-ordnende und bauende Gedanken. Und vor allem: Für
-Jehuda Halevi war es lebendiges Leben. Darum offenbart
-sich nirgends so wie in seiner religiösen Poesie sein
-Künstlertum. Hier ist er auch der Moderne am verwandtesten:
-Ueberall geschlossene Reihen, abgetönte
-Stimmungen, harmonische Steigerungen und Lösungen.
-Die Poesie der Andeutung, die ohne höchste Einheit des
-künstlerischen Bewußtseins nicht zu erreichen ist, finden
-wir hier in wunderbar zarter Vollendung. Die geheimsten
-Wirkungen moderner Stimmungen werden hier
-ausgelöst. Bedenken wir, daß der Dichter dem Zeitalter
-der deutschen Minnesänger angehört, so müssen wir geradezu
-erstaunen über die Differenziertheit seiner Empfindungen.
-Sie wird verständlich, wenn wir erwägen, daß
-er in seinem Lande das Kind einer blühenden Hochkultur
-gewesen ist.
-</p>
-
-<p>
-So bewundern und verehren wir in ihm zweierlei zu
-gleicher Zeit: Die ursprünglichste Natur einer verschwendenden
-Dichterseele und die höchste Geisteszucht
-eines zwei Kulturen in sich vereinenden Genies. Damit
-hat die Dichtergröße Jehuda Halevis ihren Namen erhalten.
-</p>
-
-<p>
-Nun aber möge er selbst zu euch sprechen, in all seiner
-Schwere und all seiner Grazie. Vielleicht daß er Seelen
-findet, die mit seiner Seele klingen. Dem, der ihn
-übersetzt hat, ist er Offenbarung geworden. Wer ihn
-aber immer lesen mag, er stehe still vor ihm. Hier ist
-heiliger Boden: Ecce poeta.
-</p>
-
-<hr class="footnotes" />
-
-
-<p class="footnote">
-<a class="footnote" href="#fnote-1" id="footnote-1">[1]</a> Eine Art von Derwischen, die ein Leben in Kontemplation
-führen.
-</p>
-
-<p class="footnote">
-<a class="footnote" href="#fnote-2" id="footnote-2">[2]</a> Dajan ist der jüdische Gemeinderichter.
-</p>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="sources" id="chapter-0-11">
-<a id="page-139" class="pagenum" title="139"></a>
-QUELLENNACHWEIS
-</h2>
-
-</div>
-
-<p class="first">
-Nach zwölfjähriger, immer wieder neu aufgenommener
-Arbeit läßt der Uebersetzer diesen Diwan erscheinen.
-Die hier gebotenen Uebertragungen sind ursprünglich
-mehr oder weniger freie Nachdichtungen gewesen. Erst
-allmählich erwachte in dem Uebersetzer aus dem Interesse,
-sich von dem mittelalterlichen Sänger Anregungen
-zu seinem eigenen Schaffen geben zu lassen, das Interesse,
-diesem Sänger selbst zum Rechte zu verhelfen. Dieses
-Interesse stieg mit der wachsenden Erkenntnis, daß
-alles bisher an Uebersetzungen Gebotene ohne Ausnahme
-ungenügend war. Von den Schwierigkeiten, die freilich
-solcher Uebersetzung von Versen aus einer semitischen
-in eine indogermanische Sprache entgegenstehen, war
-bereits am Ende der biographischen Darstellung die
-Rede. Es bleibt der Oeffentlichkeit überlassen zu beurteilen,
-wieweit diesmal das Erforderliche geleistet worden
-ist.
-</p>
-
-<p>
-Neben der Uebersetzung hat der Uebersetzer sich vor
-allem die sorgfältige Auswahl der Gedichte angelegen
-sein lassen. Sein Bestreben war, den Dichter in seinem
-ganzen Können zu zeigen, aber alle Wiederholung des
-nach der Sitte orientalischer Barden sich nur zu oft Wiederholenden
-möglichst zu vermeiden. Die Auswahl, die
-wir bieten, zeigt in Wirklichkeit den ganzen Dichter.
-</p>
-
-<p>
-Das Nachwort macht zum ersten Male den Versuch,
-das uns fast gänzlich unbekannte Leben Jehuda Halevis
-aus seinen Gedichten neu zu konstruieren. Die Art der
-Veröffentlichung verbot dabei, den ganzen wissenschaftlichen
-Apparat mit erscheinen zu lassen. Hier am Schluss
-nur soll der Quellennachweis folgen: Die hauptsächlich
-von uns benutzte Ausgabe ist die von Dr. H. Brody,
-<a id="page-140" class="pagenum" title="140"></a>
-Divân des Abû-l-Hasan Jehuda ha-Levi, Berlin 1894,
-1896-97, 1903 in zwei Bänden mit Anmerkungen und
-Kommentar. Leider ist diese klassische Ausgabe noch
-immer nicht vollständig erschienen. Wir mußten deshalb
-ergänzend noch folgende ältere Ausgaben heranziehen:
-1. Diwân des Rabbi Jehuda ha-Levi, herausgegeben von
-S. D. Luzatto, Lyck 1864, eine ausgezeichnete, aber nur
-86 Stücke lediglich religiösen Inhalts umfassende Ausgabe.
-2. Rabbi Jehuda ha-Levi von Abraham Elia Harkavy,
-Warschau 1893, eine ganz unselbständige und textlich
-unzureichende Arbeit.
-</p>
-
-<p>
-Wir zitieren nach den Herausgebern.
-</p>
-
-<div class="sources">
-<p class="sect">
-1. <em>Gott</em>: Du Quell des wahren Lebens ... liqrath
-m.qor chajê emeth arûçâ: Brody II, S. 296, Nr. 75
-(in die 2. pers. sing. übertragen).
-</p>
-
-<p>
-Wenn die Sterne sich entzünden ... j&rsquo;îrûn kokhbhê
-nishpi: Luzatto Nr. 37, S. 15 a.
-</p>
-
-<p>
-Du Seele willst ins Vaterhaus ... nêfesh l.bêth âw
-thikhs.fâ gam kâl.thâ: Brody II, S. 306, Nr. 89 (in
-die 2. pers. sing. übertragen).
-</p>
-
-<p>
-Mein Leib und Leben ... jiçrî wîçûrâj: Luzatto Nr.
-71, S. 29 a.
-</p>
-
-<p>
-Um sein Antlitz alle Frommen flehen ... jchallu
-pnê êl chaj chasîdâw w.jishalu: Luzatto Nr. 24,
-S. 11 a.
-</p>
-
-<p>
-Gottes Hand wird dich beschatten ... çêl j.dê êl
-j.hî lokh machase: Luzatto Nr. 35, S. 14 b.
-</p>
-
-<p>
-Zu dir steht all mein Sehnen ... &rsquo;adonaj negd.kha
-kol ta&rsquo;awâthi: Luzatto Nr. 52, S. 18 b.
-</p>
-
-<p>
-Hin nach meines Lebens Quelle ... ligrath m.qôr
-chajaj &rsquo;etên m.ghamâthî: Luzatto Nr. 56, S. 21 a.
-</p>
-
-<p>
-Wenn du allein des Herren harrst ... &rsquo;im l&rsquo;elohâjikh
-l.bhad tochîlî: Brody II, S. 248, Nr. 27.
-</p>
-
-<p>
-Halt, o Herz! Wer darf sich wagen ... libî &lsquo;amôd
-kî mî b.sôd: Brody II, S. 218, Nr. 8.
-</p>
-
-<p>
-<a id="page-141" class="pagenum" title="141"></a>
-Knechte der Zeit: &ndash; Knechte der Knechte ... &lsquo;abhdê
-z.mân &lsquo;abhdê &lsquo;abhâdim hêm: Brody II, S. 300,
-Nr. 83.
-</p>
-
-<p>
-Tag und Nacht will ich den Herren loben ... jômâm
-wâlailâ hallêl la&rsquo;adônay: Luzatto Nr. 34, S. 14 b.
-</p>
-
-<p>
-Jugend ist wie leichte Flocken ... j.shênâth b.chêq
-jaldûth l.mâtay tishkh.bhî: Luzatto Nr. 42, S. 16 a.
-</p>
-
-<p>
-Mein Gott, ich will dich ehren ... joh shimkhâ: Luzatto
-Nr. 65, S. 24 a.
-</p>
-
-<p>
-Bevor du mich geschaffen ... j.dâ&lsquo;tânî b.terem
-tiçrênî: Luzatto Nr. 30, S. 13 a.
-</p>
-
-<p>
-Ruhig, ruhig, liebe Seele ... shûbhî j.chîdâ el
-m.nûchêkh: Brody II, S. 217, Nr. 5.
-</p>
-
-<p class="sect">
-2. <em>Israel</em>: Wahrheit, ich liebe dich aus ganzer Kraft ...
-b.khol m.ôdî: Brody II, S. 221, Nr. 10.
-</p>
-
-<p>
-Sonn&rsquo; und Mond im Wechsel der Geschlechter ...
-shemesh w.jarêach l&rsquo;olâm shêr.thû: Brody II, S. 307,
-Nr. 90.
-</p>
-
-<p>
-Sei stark und harre deiner Zeit ... je&rsquo;emaç
-l.bhabhêkh umô&lsquo;adekh jachali: Luzatto Nr. 27, S. 12 a.
-</p>
-
-<p>
-Seit du das Heim der Liebe bist ... mê&rsquo;âz m&rsquo;ôn
-ha&rsquo;âhabha hajîtha: Luzatto Nr. 58, S. 21 b.
-</p>
-
-<p>
-Entfessle deine rechte Hand ... j.mîn &rsquo;uzzkhâ êl
-w.jad ezrêkhâ: Luzatto Nr. 17, S. 7 b.
-</p>
-
-<p>
-In deinem Licht schläft aller Glanz ... jachad
-b.&rsquo;orkhâ êl nâ&rsquo;ôr nir&rsquo;ê &rsquo;ôr: Luzatto Nr. 700, S. 28 b
-(mit Auslassung der letzten Strophe).
-</p>
-
-<p>
-In deinem Haus zu ruhen ... jâfê w.tobh le&rsquo;chôz
-b.bhêthâkh machanê: Luzatto Nr. 31, S. 13 a.
-</p>
-
-<p>
-Fauler, wirst du nicht erröten ... &rsquo;âçêl halô thebhôsh
-w.thikâlêm: Brody II, S. 272, Nr. 50.
-</p>
-
-<p>
-Es blieben die Wunder, die herrlichen, fort ...
-&rsquo;ôthôthênû hithmahmâhû: Luzatto Nr. 80, S. 36 b.
-</p>
-
-<p class="sect">
-3. <em>Liebe</em>: Ofra wäscht ihre Kleider ... Ofra th.khabês
-&rsquo;et b.gâdêhâ: Brody II, S. 12, Nr. 7.
-</p>
-
-<p>
-<a id="page-142" class="pagenum" title="142"></a>
-Ich wiegt auf dem Schoße ... jôm shishatihû &lsquo;alê
-bhirkhâj: Brody II, S. 16, Nr. 13.
-</p>
-
-<p>
-Was drängt ihr mich also ... shô&rsquo;alîm biglâlî mâ
-tish&rsquo;alû: Brody II, S. 24, Nr. 22, Vers 11-18.
-</p>
-
-<p class="sect2">
-<em>Abschiedsverse</em>: mâ lokh çbhija timn.î çirâjikh:
-Brody II, S. 7 ff.
-</p>
-
-<p>
-V. 5-8, 10-11, 13-16, 17-20, 21-24, 25-28,
-29-32, 33-34, 49-52, 61-62, 63-64, 67-68 und
-57-58.
-</p>
-
-<p>
-Wach doch auf aus deiner Ruh&rsquo; ... ûrâ j.dîdî mitnûmâthêkha:
-Brody II, S. 20, Nr. 19.
-</p>
-
-<p>
-Wie die Sonne über Sphären schreitet ... hinnê
-kashemesh galgal dôrêkheth: Brody II, S. 45, Nr. 45
-(in die 2. pers. sing. übertragen).
-</p>
-
-<p class="sect2">
-<em>Zum Ruhme der Braut</em>: Jônâ âl &rsquo;afîqê mâjim:
-Brody II, S. 53, Nr. 53.
-</p>
-
-<p>
-V. 3-6, 7-10, 23-26, 27-30, 35-38.
-</p>
-
-<p>
-Zeigte Liebchen mir die Wangen ... lêl gill.thâ êlâj
-çbhijâ na&rsquo;arâ: Brody II, S. 20, Nr. 18.
-</p>
-
-<p>
-Liebe Sänger, singt den Trauten ... <a id="corr-1"></a>j.fê qôl qadd.mû
-khinnôr l. jâfôth: Brody I, S. 99, Nr. 70, Vers 1-38:
-Einleitung zu einer poetischen Epistel an R. Aaaron
-ben Zion Al-amâni (ca. 1141).
-</p>
-
-<p>
-Was geht noch auf die Sonne ... mâ ta&lsquo;alê shemesh
-umâ tofî&rsquo;a: Brody II, S. 19, Nr. 16.
-</p>
-
-<p>
-Mög&rsquo; des Paares holder Bund ... ubâm jisraêl
-jithbârakh: Brody II, S. 44, Nr. 43, Vers 17-19.
-</p>
-
-<p class="sect">
-4. <em>Freundschaft</em>: Fein sänftlich, Freund, bin nicht
-von Erz ... l&rsquo;at lî: Brody I, S. 11, Nr. 9.
-</p>
-
-<p>
-Sehnt sich deine Seele noch ... ha &lsquo;ôd l. jaldûth:
-Brody I, S. 129, Nr. 89. Einleitung der Epistel an
-Abul Hasan b. Moril.
-</p>
-
-<p>
-Viele schon in meinem Herzen schufen ... b. libbî
-sôd: Brody I, S. 3, Nr. 3.
-</p>
-
-<p>
-<a id="page-143" class="pagenum" title="143"></a>
-Abschied: j.dâ&lsquo;nûkhâ n.dôd: Brody I, S. 154, Nr. 101.
-</p>
-
-<p>
-Ist&rsquo;s der Myrrhe zartes Düften ... ha rê&rsquo;ach môr:
-Brody I, S. 58, Nr. 43, Vers 1-8. Einleitung einer
-Epistel an Mose b. Esra.
-</p>
-
-<p>
-Dieser Schlummer möge währen ... &rsquo;ashraj: Brody
-I, S. 157, Nr. 117.
-</p>
-
-<p>
-Trank die Erde wie ein Kindlein ... &rsquo;ereç k. jaldâ:
-Brody I, S. 82, Nr. 60, Vers 1-38. Einleitung eines
-Preisgedichtes auf R. Isak Hajathôm.
-</p>
-
-<p class="sect">
-5. <em>Leben, Leiden, Dichten</em>: Eine Taube
-schluchzt vom Zweige ... jônâ th.kannên: Brody I,
-S. 164, Nr. 110.
-</p>
-
-<p>
-Sie besuchten mich im Traume ... j.&lsquo;îdunî b.nê jâmîm
-chalômôth: Brody II, S. 318, Nr. 110, Vers
-1-8, 17-18.
-</p>
-
-<p>
-Und als nun alle war mein Gold ... jôm nâd
-z.hâbhî: Harkavy II, S. 74, Nr. 5.
-</p>
-
-<p>
-Siehe Menschensohn, siehe ... r&rsquo;ê shôkhên thêwêl
-r.&rsquo;ê: Harkavy II, S. 74, Nr. 4.
-</p>
-
-<p>
-Kann dich Reichtum locken, Herz? ... l.bhâbhî mâ
-th.raddêf: Brody II, S. 289, Nr. 61.
-</p>
-
-<p>
-Freue dich vor deinem Nächsten ... s.mach bifnê
-chabhêrêkhâ: Brody II, S. 311, Nr. 95.
-</p>
-
-<p>
-Weh der Kunde, die im Ohre gellt ... hoh &lsquo;al sh.mû&rsquo;â
-çâlalâ loh ôzen: Brody II, S. 291, Nr. 66.
-</p>
-
-<p>
-Du meinst, das Dichten sei mir ein Beruf ... shâlôm
-l. bath: Brody I, S. 18, Nr. 14, Vers 45-56.
-</p>
-
-<p>
-Nimm dieses Lied aus deines Freundes Hand ...
-hê lâkh prî shîr: Brody I, S. 140, Nr. 94, Vers 73-78.
-</p>
-
-<p>
-Seh&rsquo; ich, wie Narren ... bir&rsquo;ôth libbî likhsîl jifrôç:
-Brody II, S. 297, Nr. 76.
-</p>
-
-<p>
-Becherspruch ... j.<a id="corr-2"></a>fê mar&rsquo;ê p.qach &lsquo;ajin: Brody II,
-S. 312, Nr. 98.
-</p>
-
-<p>
-Zwei Rätsel ... 1. k.lî mêkhil ... (Der Spiegel):
-Brody II, S. 195, Nr. 5.
-</p>
-
-<p>
-<a id="page-144" class="pagenum" title="144"></a>
-2. b.lijâ&rsquo;al w.jârî.ach m.dânîm (Die Wage): Brody II,
-S. 199, Nr. 15.
-</p>
-
-<p class="sect">
-6. <em>Zion</em>: Zion, willst du immer wieder ... çijôn halô
-thish&rsquo;alî: Brody II, S. 155, Nr. 2 (Die berühmte Zionide
-des Dichters).
-</p>
-
-<p>
-Im Orient ist mein Herz ... libbî b. mizrâch w.
-&rsquo;anôkhi b.sôf ma&rsquo;arâbh: Brody II, S. 155, Nr. 1.
-</p>
-
-<p>
-Komm&rsquo; mit mir gen Zoan ... n.tê bî &rsquo;elê ço&lsquo;an:
-Brody II, S. 183, Nr. 21.
-</p>
-
-<p>
-Es war ein Tag so sehnsuchtsvoll ... jôm nikhsfâ
-nafshî l. bhêth hawâ&lsquo;ad: Brody II, S. 167, Nr. 7.
-</p>
-
-<p class="sect">
-7. <em>Das Meer</em>: Der Sturm ... jô&lsquo;êç umêqîm: Brody II,
-S. 176, Nr. 17.
-</p>
-
-<p>
-Holder Zephyr, deiner Lüfte ... zê rûchakhâ çad
-ma&lsquo;arâbh râqûach: Brody II, S. 171, Nr. 12.
-</p>
-
-<p>
-Kommt die große Flut mit einem Mal? ... habâ
-mabbul w. sâm têbhêl charâbhâ: Brody II, S. 169,
-Nr. 10.
-</p>
-
-<p class="sect">
-8. <em>Letzte Tage</em> (1141): In Aegypten ... b.
-miçrâjim: Brody II, S. 180, Nr. 18.
-</p>
-
-<p>
-Hat die Zeit das Kleid des Lebens ... hafâshat
-hazz.mân: Brody I, S. 112, Nr. 78, Vers 1-16 (Einleitung
-einer Epistel aus Damiette).
-</p>
-
-<p>
-Wollt ihr Liebes mir vergelten ... im r.çôn
-nafsh.khem l.mal&rsquo;ôth r.çônî: Brody I, S. 211.
-</p>
-
-<p>
-Dein Wunder geht durch alle Zeit ... &rsquo;elôhaj pil&rsquo;akhâ
-dôr dôr j.ruchash: Luzatto Nr. 47, S. 17 b.
-</p>
-
-</div>
-
-<p class="printer">
-Druck von Mänicke und Jahn in Rudolstadt
-</p>
-
-<div class="trnote chapter">
-<p class="transnote">
-Anmerkungen zur Transkription
-</p>
-
-<p>
-Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigert.
-Weitere Änderungen sind hier aufgeführt (vorher/nachher):
-</p>
-
-
-
-<ul>
-
-<li>
-... zu el <span class="underline">makût</span>. Reue und Zerknirschung, Andacht ...<br />
-... zu el <a href="#corr-0"><span class="underline">malkût</span></a>. Reue und Zerknirschung, Andacht ...<br />
-</li>
-
-<li>
-... Liebe Sänger, singt den Trauten ... <span class="underline">j. fê</span> qôl qadd.mû ...<br />
-... Liebe Sänger, singt den Trauten ... <a href="#corr-1"><span class="underline">j.fê</span></a> qôl qadd.mû ...<br />
-</li>
-
-<li>
-... Becherspruch ... j.<span class="underline">fè</span> mar&rsquo;ê p.qach &lsquo;ajin: Brody II, ...<br />
-... Becherspruch ... j.<a href="#corr-2"><span class="underline">fê</span></a> mar&rsquo;ê p.qach &lsquo;ajin: Brody II, ...<br />
-</li>
-</ul>
-</div>
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-<pre>
-
-
-
-
-
-End of the Project Gutenberg EBook of Ein Diwan, by Jehuda Halevi
-
-*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK EIN DIWAN ***
-
-***** This file should be named 61327-h.htm or 61327-h.zip *****
-This and all associated files of various formats will be found in:
- http://www.gutenberg.org/6/1/3/2/61327/
-
-Produced by Jens Sadowski and the Online Distributed
-Proofreading Team at http://www.pgdp.net. This book was
-produced from images made available by the HathiTrust
-Digital Library.
-
-Updated editions will replace the previous one--the old editions will
-be renamed.
-
-Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright
-law means that no one owns a United States copyright in these works,
-so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United
-States without permission and without paying copyright
-royalties. Special rules, set forth in the General Terms of Use part
-of this license, apply to copying and distributing Project
-Gutenberg-tm electronic works to protect the PROJECT GUTENBERG-tm
-concept and trademark. Project Gutenberg is a registered trademark,
-and may not be used if you charge for the eBooks, unless you receive
-specific permission. If you do not charge anything for copies of this
-eBook, complying with the rules is very easy. You may use this eBook
-for nearly any purpose such as creation of derivative works, reports,
-performances and research. They may be modified and printed and given
-away--you may do practically ANYTHING in the United States with eBooks
-not protected by U.S. copyright law. Redistribution is subject to the
-trademark license, especially commercial redistribution.
-
-START: FULL LICENSE
-
-THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE
-PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK
-
-To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free
-distribution of electronic works, by using or distributing this work
-(or any other work associated in any way with the phrase "Project
-Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full
-Project Gutenberg-tm License available with this file or online at
-www.gutenberg.org/license.
-
-Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project
-Gutenberg-tm electronic works
-
-1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm
-electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to
-and accept all the terms of this license and intellectual property
-(trademark/copyright) agreement. If you do not agree to abide by all
-the terms of this agreement, you must cease using and return or
-destroy all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your
-possession. If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a
-Project Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound
-by the terms of this agreement, you may obtain a refund from the
-person or entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph
-1.E.8.
-
-1.B. "Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be
-used on or associated in any way with an electronic work by people who
-agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few
-things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
-even without complying with the full terms of this agreement. See
-paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project
-Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this
-agreement and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm
-electronic works. See paragraph 1.E below.
-
-1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the
-Foundation" or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection
-of Project Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual
-works in the collection are in the public domain in the United
-States. If an individual work is unprotected by copyright law in the
-United States and you are located in the United States, we do not
-claim a right to prevent you from copying, distributing, performing,
-displaying or creating derivative works based on the work as long as
-all references to Project Gutenberg are removed. Of course, we hope
-that you will support the Project Gutenberg-tm mission of promoting
-free access to electronic works by freely sharing Project Gutenberg-tm
-works in compliance with the terms of this agreement for keeping the
-Project Gutenberg-tm name associated with the work. You can easily
-comply with the terms of this agreement by keeping this work in the
-same format with its attached full Project Gutenberg-tm License when
-you share it without charge with others.
-
-1.D. The copyright laws of the place where you are located also govern
-what you can do with this work. Copyright laws in most countries are
-in a constant state of change. If you are outside the United States,
-check the laws of your country in addition to the terms of this
-agreement before downloading, copying, displaying, performing,
-distributing or creating derivative works based on this work or any
-other Project Gutenberg-tm work. The Foundation makes no
-representations concerning the copyright status of any work in any
-country outside the United States.
-
-1.E. Unless you have removed all references to Project Gutenberg:
-
-1.E.1. The following sentence, with active links to, or other
-immediate access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear
-prominently whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work
-on which the phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the
-phrase "Project Gutenberg" is associated) is accessed, displayed,
-performed, viewed, copied or distributed:
-
- This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and
- most other parts of the world at no cost and with almost no
- restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it
- under the terms of the Project Gutenberg License included with this
- eBook or online at www.gutenberg.org. If you are not located in the
- United States, you'll have to check the laws of the country where you
- are located before using this ebook.
-
-1.E.2. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is
-derived from texts not protected by U.S. copyright law (does not
-contain a notice indicating that it is posted with permission of the
-copyright holder), the work can be copied and distributed to anyone in
-the United States without paying any fees or charges. If you are
-redistributing or providing access to a work with the phrase "Project
-Gutenberg" associated with or appearing on the work, you must comply
-either with the requirements of paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 or
-obtain permission for the use of the work and the Project Gutenberg-tm
-trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or 1.E.9.
-
-1.E.3. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted
-with the permission of the copyright holder, your use and distribution
-must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any
-additional terms imposed by the copyright holder. Additional terms
-will be linked to the Project Gutenberg-tm License for all works
-posted with the permission of the copyright holder found at the
-beginning of this work.
-
-1.E.4. Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm
-License terms from this work, or any files containing a part of this
-work or any other work associated with Project Gutenberg-tm.
-
-1.E.5. Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this
-electronic work, or any part of this electronic work, without
-prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with
-active links or immediate access to the full terms of the Project
-Gutenberg-tm License.
-
-1.E.6. You may convert to and distribute this work in any binary,
-compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including
-any word processing or hypertext form. However, if you provide access
-to or distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format
-other than "Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official
-version posted on the official Project Gutenberg-tm web site
-(www.gutenberg.org), you must, at no additional cost, fee or expense
-to the user, provide a copy, a means of exporting a copy, or a means
-of obtaining a copy upon request, of the work in its original "Plain
-Vanilla ASCII" or other form. Any alternate format must include the
-full Project Gutenberg-tm License as specified in paragraph 1.E.1.
-
-1.E.7. Do not charge a fee for access to, viewing, displaying,
-performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works
-unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9.
-
-1.E.8. You may charge a reasonable fee for copies of or providing
-access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works
-provided that
-
-* You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from
- the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method
- you already use to calculate your applicable taxes. The fee is owed
- to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he has
- agreed to donate royalties under this paragraph to the Project
- Gutenberg Literary Archive Foundation. Royalty payments must be paid
- within 60 days following each date on which you prepare (or are
- legally required to prepare) your periodic tax returns. Royalty
- payments should be clearly marked as such and sent to the Project
- Gutenberg Literary Archive Foundation at the address specified in
- Section 4, "Information about donations to the Project Gutenberg
- Literary Archive Foundation."
-
-* You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
- you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he
- does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm
- License. You must require such a user to return or destroy all
- copies of the works possessed in a physical medium and discontinue
- all use of and all access to other copies of Project Gutenberg-tm
- works.
-
-* You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of
- any money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
- electronic work is discovered and reported to you within 90 days of
- receipt of the work.
-
-* You comply with all other terms of this agreement for free
- distribution of Project Gutenberg-tm works.
-
-1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project
-Gutenberg-tm electronic work or group of works on different terms than
-are set forth in this agreement, you must obtain permission in writing
-from both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and The
-Project Gutenberg Trademark LLC, the owner of the Project Gutenberg-tm
-trademark. Contact the Foundation as set forth in Section 3 below.
-
-1.F.
-
-1.F.1. Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
-effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
-works not protected by U.S. copyright law in creating the Project
-Gutenberg-tm collection. Despite these efforts, Project Gutenberg-tm
-electronic works, and the medium on which they may be stored, may
-contain "Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate
-or corrupt data, transcription errors, a copyright or other
-intellectual property infringement, a defective or damaged disk or
-other medium, a computer virus, or computer codes that damage or
-cannot be read by your equipment.
-
-1.F.2. LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right
-of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
-Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
-Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project
-Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all
-liability to you for damages, costs and expenses, including legal
-fees. YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT
-LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
-PROVIDED IN PARAGRAPH 1.F.3. YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE
-TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE
-LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
-INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
-DAMAGE.
-
-1.F.3. LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a
-defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can
-receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a
-written explanation to the person you received the work from. If you
-received the work on a physical medium, you must return the medium
-with your written explanation. The person or entity that provided you
-with the defective work may elect to provide a replacement copy in
-lieu of a refund. If you received the work electronically, the person
-or entity providing it to you may choose to give you a second
-opportunity to receive the work electronically in lieu of a refund. If
-the second copy is also defective, you may demand a refund in writing
-without further opportunities to fix the problem.
-
-1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth
-in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS', WITH NO
-OTHER WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT
-LIMITED TO WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.
-
-1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied
-warranties or the exclusion or limitation of certain types of
-damages. If any disclaimer or limitation set forth in this agreement
-violates the law of the state applicable to this agreement, the
-agreement shall be interpreted to make the maximum disclaimer or
-limitation permitted by the applicable state law. The invalidity or
-unenforceability of any provision of this agreement shall not void the
-remaining provisions.
-
-1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
-trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
-providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in
-accordance with this agreement, and any volunteers associated with the
-production, promotion and distribution of Project Gutenberg-tm
-electronic works, harmless from all liability, costs and expenses,
-including legal fees, that arise directly or indirectly from any of
-the following which you do or cause to occur: (a) distribution of this
-or any Project Gutenberg-tm work, (b) alteration, modification, or
-additions or deletions to any Project Gutenberg-tm work, and (c) any
-Defect you cause.
-
-Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
-
-Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
-electronic works in formats readable by the widest variety of
-computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It
-exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations
-from people in all walks of life.
-
-Volunteers and financial support to provide volunteers with the
-assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
-goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
-remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
-Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
-and permanent future for Project Gutenberg-tm and future
-generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see
-Sections 3 and 4 and the Foundation information page at
-www.gutenberg.org
-
-
-
-Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
-
-The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
-501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
-state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
-Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
-number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by
-U.S. federal laws and your state's laws.
-
-The Foundation's principal office is in Fairbanks, Alaska, with the
-mailing address: PO Box 750175, Fairbanks, AK 99775, but its
-volunteers and employees are scattered throughout numerous
-locations. Its business office is located at 809 North 1500 West, Salt
-Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up to
-date contact information can be found at the Foundation's web site and
-official page at www.gutenberg.org/contact
-
-For additional contact information:
-
- Dr. Gregory B. Newby
- Chief Executive and Director
- gbnewby@pglaf.org
-
-Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
-Literary Archive Foundation
-
-Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
-spread public support and donations to carry out its mission of
-increasing the number of public domain and licensed works that can be
-freely distributed in machine readable form accessible by the widest
-array of equipment including outdated equipment. Many small donations
-($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
-status with the IRS.
-
-The Foundation is committed to complying with the laws regulating
-charities and charitable donations in all 50 states of the United
-States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
-considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
-with these requirements. We do not solicit donations in locations
-where we have not received written confirmation of compliance. To SEND
-DONATIONS or determine the status of compliance for any particular
-state visit www.gutenberg.org/donate
-
-While we cannot and do not solicit contributions from states where we
-have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
-against accepting unsolicited donations from donors in such states who
-approach us with offers to donate.
-
-International donations are gratefully accepted, but we cannot make
-any statements concerning tax treatment of donations received from
-outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
-
-Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
-methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
-ways including checks, online payments and credit card donations. To
-donate, please visit: www.gutenberg.org/donate
-
-Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic works.
-
-Professor Michael S. Hart was the originator of the Project
-Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be
-freely shared with anyone. For forty years, he produced and
-distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of
-volunteer support.
-
-Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
-editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in
-the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not
-necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper
-edition.
-
-Most people start at our Web site which has the main PG search
-facility: www.gutenberg.org
-
-This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
-including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
-subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.
-
-
-
-</pre>
-
-</body>
-</html>
diff --git a/old/61327-h/images/cover.jpg b/old/61327-h/images/cover.jpg
deleted file mode 100644
index da862eb..0000000
--- a/old/61327-h/images/cover.jpg
+++ /dev/null
Binary files differ