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authornfenwick <nfenwick@pglaf.org>2025-01-27 19:18:02 -0800
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-The Project Gutenberg EBook of Die Kinder auf dem Abendberg, by Ida Hahn-Hahn
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
-almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
-re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
-with this eBook or online at www.gutenberg.org/license
-
-
-Title: Die Kinder auf dem Abendberg
- Eine Weihnachtsgabe
-
-Author: Ida Hahn-Hahn
-
-Release Date: December 29, 2019 [EBook #61042]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: ISO-8859-1
-
-*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE KINDER AUF DEM ABENDBERG ***
-
-
-
-
-Produced by Jens Sadowski and the Online Distributed
-Proofreading Team at http://www.pgdp.net. This book was
-produced from images made available by the HathiTrust
-Digital Library.
-
-
-
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-
-
-
-
-
- Die Kinder
- auf
- dem Abendberg.
-
-
- Von
- Ida Gräfin Hahn-Hahn.
-
- Eine Weihnachtsgabe.
-
-
- Berlin.
- Verlag von Alexander Duncker,
- Königl. Hofbuchhändler.
- 1843.
-
-
- Allen Müttern.
-
-
-
-
-Nachdem ich halb Europa von Gibraltar bis Danemora durchstreift habe,
-reiste ich in diesem Spätsommer nach der Schweiz, nicht sowol um das
-Land, als hauptsächlich um liebe Freunde wiederzusehen. Doch kaum hatte
-ich den Jura überschritten, als das Land selbst, diese großartige,
-mächtige, reiche Natur, ihren alten unzerstörbaren Zauber über mich
-übten, so daß mir die Schweiz schöner erschien, als irgend ein Land, das
-ich je gesehen. Der Eine mag Tyrol vorziehen, der Andere die Pyrenäen;
-dennoch glaube ich, daß Alle eingestehen werden: eine solche Vereinigung
-aller Contraste, aller Bedingungen zu einem vielseitigen Leben findet
-man dort nicht; findet nicht so viel Städte so nah beisammen und in so
-eigenthümlichem Character ausgeprägt; nicht so viel Punkte auf denen man
-allen Comfort der Civilisation neben allen Schönheiten der Natur
-genießt. Wer sich für den Gewerbfleiß und die industrielle Thätigkeit
-interessirt, gehe nach dem hellen Zürch, dem ernsthaften Basel, dem
-eleganten Genf; wer für die Cultur des Bodens, nach dem Canton Bern, der
-_ein_ üppiger Garten ist, oder an den Leman, dessen nördliches Ufer, der
-Höhenzug des nackten, felsigen Jorat, durch unglaubliche Mühe in _ein_
-Rebgelände verwandelt ist. Wen das rastlose Ringen und Treiben der
-Civilisation, die keine Ruhe kennt, ermattet, der gehe in die milden
-Felsenthale des Canton Uri oder zu den grünen Wiesen von Unterwalden,
-oder in das stille Schwytz. Wer die Fremden, die Reisenden beobachten
-und sich mit ihnen unterhalten und zerstreuen will, suche die Orte auf,
-wo sie sich vorzugsweise drängen: Luzern, Thun, Interlachen, den Genfer
-See. Wer die Geschichte liebt, kann durch die Schweiz wandelnd einen
-lehrreichen Cursus über die Unzulänglichkeit und Vergänglichkeit
-menschlicher Institutionen machen, bei Realta in Graubündten beginnend,
-und wenn ihm die gegenwärtigen nicht gefallen, so kann er aus jener
-Betrachtung den Trost schöpfen, daß auch sie nicht dauern werden: die
-Römermacht ist verschwunden, die Obergewalt des deutschen Kaisers
-gebrochen, die Aristokratie gestürzt; -- die moderne Demokratie wird
-auch fallen. Wer am materiellen Wohlbehagen seine Freude hat, etablire
-sich in irgend einem guten Gasthof, der in der Schweiz eben so leicht,
-als in Deutschland schwer zu finden ist, und er wird haben, was der Leib
-nur begehrt. Er wird auch nicht durch den Anblick fremden Elends aus
-seinem Behagen aufgescheucht werden, z. B. nicht in Genf, wo die
-Armenanstalten so vortrefflich sind, daß es keine Bettler giebt. So
-haben Sachkundige mir versichert, und allerdings bin ich dort nie, auch
-bei wochenlanger Anwesenheit, einem Bettler begegnet. Genf ist eine sehr
-wohlhabende Stadt, die über 80 Millionärs zählt. Basel soll deren über
-noch einmal so viel haben. Herr Christoph Merian, Handelsherr zu Basel,
-besitzt ein Vermögen von 37 Millionen Fl. rhein. Doch nicht auf den
-Handelstand beschränkt sich diese Wohlhabenheit. Es giebt Bauern im
-Simmenthal und Emmenthal (Canton Bern), deren Vermögen 100,000
-Schweizerfranken übersteigt, und man sieht es diesen unglaublich netten,
-tüchtigen, wohlgehaltenen Dorfschaften auch an. Solch ein Bauer -- der
-könnte glücklich sein, glücklicher als jeder andere Mensch! Sein
-Grundstück gehört ihm, und ist frei von jeder Abgabe, wie sie auch
-heißen möge. Er kennt weder directe, noch indirecte Steuer. Ungezählt,
-unüberwacht kann er seine Producte verkaufen; kein Zoll beschränkt
-Handel und Wandel. Sein Haus, sein Garten, sein Vieh, sein Feld -- Alles
-ist von der besten Qualität, das Erdreich wie die Race und wie die
-Bestellung, so daß seine Mühe und Aufmerksamkeit durch Gedeihen belohnt
-wird. Er selbst mit den Seinen betreibt die Geschäfte des Landbauern,
-bestellt die Wiesen und Aecker, besorgt Haus und Heerde. In dieser
-gesunden Thätigkeit, welche seine Kräfte nicht übersteigt, findet er
-zweckmäßige Beschäftigung, die wohlthätige, die ihn schützt vor den
-Selbstqualen der Phantasie und vor dem unbefriedigenden Streben des
-Geistes. Aber unsre Zeit ist nicht die der Zufriedenheit noch der
-Befriedigbarkeit; es sind allzuviel Schranken weggerissen. Völker,
-Stände, Einzelne fühlen das; dumpf die Einen, die Andern klar. Es geht
-ein großes Suchen durch die Welt, aber das Was, das Wo, das Wie --
-darüber ist man nicht einig, wird es auch nicht werden, kaum daß die
-Parteien sich untereinander darüber verständigen werden. Was in der
-antiken Welt der Menschheit einen Halt und Zusammenhang gab: die
-Vaterlandsliebe; -- und was in der alten: der Glaube; -- das ist in
-unsrer Welt gebrochen und am Boden, und Jeder arbeitet sich ab, auf
-seine eigne Hand, für seine eigne Rechnung, ohne Vaterlandsliebe, ohne
-Glauben, ja, ohne Ueberzeugung, nur für seine kahle Meinung -- die
-unerquicklichste Danaidenarbeit! So ist denn auch das allgemeine,
-schwüle, unruhige Unbehagen bis zu den Bauern der Schweiz gedrungen, und
-sie mögten gern etwas Andres sein, als sie sind, und mehr noch haben,
-als sie schon besitzen. Wenn Alle -- Alles wollen, so ist es sehr
-natürlich, daß Niemand zufrieden sein kann. Dennoch -- wie sie auch sein
-möge, die Schweiz, so ist sie schön; denn Gott hat sie schön gemacht,
-hat ihr die Herrlichkeit ihrer Natur gegeben, eine unvergängliche
-Glorie. O, man sieht sich müde auf der Welt, todtmüde an all den
-räthselhaften und herben Geschicken, und das Auge wird so namenlos
-traurig und das Herz so namenlos schwer, wenn sie dazwischen haften
-bleiben. Das ist so herrlich in der Schweiz, daß der Blick nicht
-untergehen kann im Menschenwerk, daß die wundervolle Schöpfung Gottes
-ihn immer und immer wieder anzieht. Von all dem bangen, schmerzlichen,
-wüsten Treiben auf der Erde gleitet er empor zu den Bergen, welche die
-Jahrtausende und ihre Kämpfe gesehen haben und in unvergänglichem
-Frieden, schneeweiß und rosenroth, stralen; und von den Bergen steigt er
-zum Himmel, und vom Himmel zu Gott. Dann wird der Blick wieder hell, und
-das Herz wieder freudig; denn die ewige Zuversicht, die in der Seele
-wohnt, schüttelt die Entmuthigung ab, und liebend und hoffend kehrt man
-zu den Menschen zurück, weil man daran erinnert worden ist, daß Gott
-über ihnen waltet.
-
-Für mich giebt es einen goldnen Faden, der lichtend durch das Wirrsal
-der Gegenwart läuft: es ist das große Erbarmen mit fremdem Leid. Den
-Armen, den Kranken, den Gefangenen, den Verbrechern, Allen auf denen
-sonst außer ihrem jammervollen Loos noch der Druck der allgemeinen
-Vernachlässigung, gar Verachtung lag, Allen wendet man einen Blick der
-Theilnahme zu. Man denkt daran, daß sie Menschen sind, und trotz
-Versunkenheit oder Strafwürdigkeit doch Menschen bleiben; in diesem Sinn
-behandelt man sie, gönnt den Armen Unterstützung, den Kranken Zuflucht,
-den Gefangenen menschliche Behandlung; sammelt man die Verlornen,
-bewacht man die Kinder. Es könnte in dieser Richtung wol noch Manches
-geschehen, und vor Allem: es könnte _besser_ geschehen, anspruchloser,
-schlichter. Jetzt nehmen sich Einige der Sache an, weil etwa ein König
-sich dafür interessirt; Andere machen eine Modesache daraus, und haben
-ihren Wohlthätigkeitsverein so gut wie ihre Loge im Theater oder ihre
-Soiree; noch Andere, besonders Frauen mit einem gewissen unruhigen
-Geschäftigkeitstrieb, füllen damit ihre Zeit aus. Es ist also gar nicht
-so beschaffen, daß wir uns damit trösten dürften. Wir fühlen uns nur so
-elend, daß wir bereit sind, fremdem Elend abzuhelfen; das ist's! weiter
-nichts! aber ihnen, den Elenden, den Unglücklichen, den Verabsäumten,
-wird etwas dadurch geholfen. Bei der Menge werden sich immer
-verschiedene kleinliche Triebfedern finden, welche sie dem Impuls folgen
-lassen, den Einer gegeben, Einer, der keine andere hatte, als Liebe zu
-den Menschen um Gottes Willen. So war im 17ten Jahrhundert Vincent de
-Paule in Frankreich, der die Findelhäuser gründete, und alle Hospitäler
-und Gefängnisse zu verbessern strebte. So war im vorigen Jahrhundert der
-Abbé de l'Epée, der zuerst die geistige und moralische Erziehung der
-Taubstummen unternahm. Was sie thaten, scheint uns jetzt ein Kleines,
-weil die Sache so großen und glücklichen Erfolg gehabt, und die ganze
-civilisirte Welt zur Nachfolge angeeifert hat. Welche Kämpfe jene Männer
-zu bestehen, welche Ausdauer sie zu beweisen, welche Vorurtheile sie zu
-überwinden, welche tausend bittere und niederschlagende Erfahrungen sie
-zu machen hatten: das ist in ihren starken und muthigen Herzen begraben
-worden, so daß wir nichts von ihnen sehen, als ihre heilbringende,
-segenvolle, lichte Erscheinung. Die Reihe solcher Menschen ist nicht
-geschlossen, kann es nicht sein. So lange es Leid giebt, wird es
-Helfende geben, und es giebt noch viel, sehr viel hartes, heißes Leid
-auf der Welt, und in der schönen Schweiz vorzugsweise eins der herbsten
--- den Cretinismus, diese traurig geheimnißvolle Krankheit, die sich
-freilich überall, und in verschiedenen Abstufungen und Graden zeigt,
-aber doch grade dort wuchert. Wer in der Schweiz gewesen ist, im Berner
-Oberland wie in Chamouny, im Canton Uri wie im Wallis, überall wo es
-hohe Berge und tiefe schattige Thäler giebt, wird einen Blick des
-Erbarmens oder des Entsetzens für die Jammerbilder gehabt haben, die er
-dort gewahrt -- für die durch den Cretinismus zum Stumpfsinn, ja zur
-Thierheit herabgesunkenen Menschen.
-
-Es mögen jetzt ungefähr zehn Jahr sein, daß ein junger Mensch aus Zürch
-bei einer Wanderung durch den Canton Uri einen alten Cretin zu einem
-Muttergottesbilde wanken sah vor dem er ein halbvergessenes Gebet
-stammelte. Der Anblick ging dem Jüngling durch die Seele, und er dachte:
-wenn diese Jammervollen nur dahin zu bringen wären, daß der Gedanke an
-Gott in ihrem Bewußtsein aufdämmere, so sei keine Mühe die man an sie
-wende verloren. Der Gedanke verließ ihn nicht mehr, und gab seinem Leben
-die Richtung. Er studirte die Arzneiwissenschaften, und besonders Alles
-was den Cretinismus betraf, mit dem sich theoretisch schon manche
-gelehrte Männer beschäftigt, und der Praxis durch Beobachtung und
-Studium vorgearbeitet hatten. Er durchwanderte die Schweiz um
-Forschungen an Ort und Stelle über den Einfluß der Erd- und
-Luftbeschaffenheit auf die Krankheit zu machen. Er widmete all seine
-Zeit, seine Gedanken, seine Bestrebungen dem Zweck, den er sich
-vorgesetzt. Darauf ward er practischer Arzt. Er war ein einsamer Mensch,
-ohne Eltern, ohne Geschwister, ohne die Bande, welche unsere äußern
-Verhältnisse zu bestimmen pflegen, indem sie uns an und in einen
-gewissen Kreis weisen. Er war ganz unabhängig. Da nahm er sein kleines
-Vermögen, und kaufte auf dem Abendberg im Berner Oberland, einige
-tausend Fuß über dem Meeresspiegel, ein Stück Land, das groß genug war
-um ihm Wiesen zum Weideplatz für eine kleine Heerde, Wald zum
-Holzbedarf, und Raum für einen Garten und für ein Paar hölzerne Häuser
-zu geben, die er bauen ließ. Als seine kleinen Anstalten fertig waren,
-zog er hinauf mit einigen kranken Kindern. Jetzt hat er ihnen nichts
-weiter zu geben -- als sein ganzes Leben. Seit zwei Jahren sind sie auf
-dem Abendberg.
-
-Gott hat gewollt, daß ich an diesen umdämmerten und verschleierten
-Seelen einen Antheil nehme -- für den es keine Worte giebt. Als ich
-diesen Sommer nach meiner Rückkehr aus Schweden in einer Zeitung einen
-kurzen Bericht über die Anstalt des Doktor Guggenbühl las, beschloß ich
-gleich sie sobald wie möglich zu besuchen, und am 12ten September that
-ich es von Interlachen aus. Es war ein trüber Tag, und kaum auf der
-Hälfte des Weges fing es an zu regnen, und regnete bis ich wieder am
-Nachmittage herabkam, so daß ich nicht die wundervolle Aussicht auf die
-Schneeberge, nicht die kleine Kapelle, nicht die ganze Umgebung des
-Hauses gesehen habe -- was auch freilich nur Nebensachen sind. Ich fand
-den Doktor Guggenbühl mit seinen eilf Kindern in einem großen Zimmer
-versammelt, wo die meisten an einem Tisch saßen und theils Lectionen
-nahmen, theils spielten. Die Lectionen bestehen darin, daß sie sehr
-große Buchstaben kennen und nachsprechen lernen, nachsprechen, indem man
-ihren Mund in die Stellung bringt, die er beim Aussprechen jedes
-Buchstaben annimmt, und indem man diesen sehr laut und unablässig
-wiederholt. Das Spiel besteht in einer Zusammenfügung kleiner Holzstücke
-zu allerlei willkürlichen Figuren, oder im Bilderbesehen. Aber man muß
-Beides mit ihnen treiben, sonst verfallen sie in ein stupides
-unbewegliches Anstarren der Bilder, oder sie machen nur einen wüsten
-Lärm, indem sie mit dem Holz auf den Tisch schlagen. Eins saß in einer
-kleinen Schaukel, ein andres auf einem Wiegenpferd. Ein drittes, drei
-Jahr alt und vor Kurzem herausgekommen, lag da, ohne Bewegung, ohne
-Willen, ohne Kraft. Man hob es auf: Kopf und Glieder hingen schlaff
-herab. Ob es bequem liegt oder unbequem, gleichviel! es verändert nicht
-selbst seine Lage. Es fordert keine Speise; es ißt auch nicht allein; es
-würde umkommen, wenn man ihm nicht Nahrung einflößte. Das schauerliche
-Zeichen des Cretinismus: die Stirn, welche über den Augenbraunen
-eingedrückt ist, hatte es in einem so hohen Grade, daß man den Finger in
-die Grube legen konnte. Doctor Guggenbühl hat die Ueberzeugung, daß wenn
-man diese Kinder in den allerersten Jahren, oder noch besser Monaten
-ihres Lebens in die frische, klare, reine Bergluft bringt, ihnen
-angemessene leichte Nahrung giebt, die Glieder stärkt durch Bäder und
-Frictionen, die höchste Reinlichkeit und auch innere Mittel anwendet,
-und sich unablässig bemüht ihre Sinne zu wecken, Auge, Ohr, Tastsinn,
-welche immer geneigt sind einzuschlafen: so dürfe man hoffen sie zum
-Bewußtsein zu bringen. Sehr kluge und gelehrte Leute dürften sie wol
-nimmer werden; aber doch geschickt genug zu einem Handwerk, oder zu
-häuslichen und mechanischen Geschäften; und auf jeden Fall: Herr ihrer
-Körper würden sie werden, und nicht ein menschlich geformtes Stück
-Fleisch bleiben, dem alle und jede Fähigkeit zur Aeußerung einer
-bewußten Lebensthätigkeit fehlt. Beginnt man aber diese Behandlung bei
-einem solchen Kinde erst _nach_ dem siebenten Jahr, so hält er dafür,
-daß sie wol den körperlichen Zustand verbessern, Krämpfe, Convulsionen
-lindern und heben könne, welche sich mit den Jahren einstellen und oft
-eine fürchterliche Höhe erreichen; doch für die geistige Entwickelung
-hofft er deshalb wenig mehr, weil das Gehirn bis zum siebenten Jahr die
-Größe und Consistenz und Beschaffenheit erlangt hat, welche es für die
-ganze Lebenszeit des Menschen beibehalten wird. Der ganze Organismus
-leidet durch das Leiden oder die Krankhaftigkeit des Gehirns, weil dies
-im engsten Zusammenhange mit dem Rückenmark und dessen Nerven steht, und
-es war mir sehr interessant, daß ich dadurch an die Ansichten über
-Schädelbildung des Doctor Carus erinnert wurde, von denen Doktor
-Guggenbühl mit lebhafter Beistimmung sprach. Doch hat er mehre Kinder,
-über sieben Jahr alt, aufgenommen, eben um ihren elenden körperlichen
-Zustand zu verbessern. Er machte eine Aeußerung, die mir hohes Vertrauen
-zu ihm gegeben, weil sie mir gezeigt hat, daß er das Wohl Anderer, aber
-nicht eine sogenannte Berühmtheit für sich selbst bezwecke. Er sagte:
-»Große Erfolge habe ich nicht aufzuweisen und ich strebe nicht danach.«
-In Bern hatte ich ihn gleichgültig und kurzabfertigend Charlatan nennen
-hören. _Ich_ nenne denjenigen Arzt Charlatan, der seine Mittel und
-Behandlungsweise als unfehlbar darzustellen sucht und für jede Kur den
-glänzendsten Erfolg gleichsam auf der Hand trägt. Wer sich aus der
-Wissenschaft eine Glorie zu machen strebt, kann sehr leicht ein
-Charlatan werden; wer die Menschheit liebt, und ihr mit seinen besten
-Kräften bis zur größten Selbstaufopferung zu dienen und zu nützen sucht
--- unmöglich! Ebensowenig gehört der Doctor Guggenbühl zu jenen
-unerfreulichen Sectirern, die leider überall heftig grassiren, und am
-heftigsten vielleicht in der Schweiz, und die statt Religion --
-Pietismus haben. Ohne einen tiefen Glauben an göttliche Führung, ohne
-demüthige Bereitwilligkeit sich der Hand unterzuordnen, welche sie
-lenkt, ohne die herzstärkende Zuversicht ein Werkzeug dieser Hand zu
-sein -- kann Niemand der Menschheit Heil und Segen bringen. Er mag ohne
-sie wohl die Kraft haben, die Alles unternimmt, doch die Ausdauer, die
-Alles durchführt und die Liebe, die Alles überwindet, hat er nicht;
-diese Blüten gedeihen nur auf dem Grund und Boden der Religion, und wie
-wäre es möglich ein solches Werk der Barmherzigkeit zu beginnen ohne sie
-zu pflegen? Dies nenne ich fromm sein, und so halte ich den Doctor
-Guggenbühl für einen sehr frommen Mann. Wie er es ist, wie hoch und frei
-und weit die Religion ihm das Herz gemacht, geht daraus hervor, daß er
-in der Verschiedenheit der Confession kein Hinderniß zu einem
-gemeinsamen wohlthätigen Wirken sieht. Er nahm als Pflegerinnen für
-seine Kinder zwei barmherzige Schwestern aus dem katholischen Canton
-Freiburg. Die _liberalen_ Herrn von Bern, die ihm für seine Anstalt eine
-kleine Beihülfe von 600 Schweizerfranken gegeben, nahmen ihm nach dem
-Beschluß einer Synode die frommen Frauen, aus Furcht vor deren
-Proselytenmacherei. Voll so heiligen Eifers ist die reformirte Kirche zu
-Bern! die unsäglich wohlthätige Wirksamkeit der _Soeur Rose_ ist nicht
-ersetzt, obgleich er zwei Frauenzimmer gefunden hat, die sich mit Geduld
-und Liebe ihrer schweren Pflicht bei den Kindern widmen. Er glaubt wie
-ich: daß ein solcher Beruf besser durch Frauen ausgeführt werde, die
-sich ganz von allen irdischen Banden abgelöst haben, und bei ihrem
-Wirken nur an die himmlische Zukunft denken. Darum will er es mit den
-reformirten _Soeurs grises_ versuchen, welche jetzt ein methodistischer
-Pfarrer zu Lausanne heranbildet, sobald sie ihre öffentliche Thätigkeit
-beginnen. Die Katholikinnen sind ihm so willkommen wie die
-Methodistinnen, sobald derselbe, der alleinige göttliche Geist -- die
-Liebe! sie beseelt. Außer jenen Frauenzimmern hat er in einem jungen
-Menschen, den er dazu herangebildet, einen geduldigen und treuen Helfer
-gefunden, der mit unglaublicher Sanftmuth den Lectionen und Spielen der
-Kinder vorsteht. Zwei Mägde, welche die Küche und das Haus, -- zwei
-Knechte, welche Garten und Heerde besorgen, gehören mit in diesen Kreis.
-Die Heerde besteht aus einem Dutzend Ziegen, vier Kühen, zwei Eseln, als
-Lastthieren, und einem Pferd. Wiesen und Garten sind ergiebig und die
-Kirschbäume gedeihen vortrefflich. Die Einrichtung des Hauses ist
-einfach bis zur Aermlichkeit; hölzerne Wände, Bänke, Stühle; arme kleine
-Betten. Die beiden engen Zimmerlein des Doctor Guggenbühl sind wahre
-Zellen! ein Schreibtisch, ein Bücher- und ein Apothekerschrank in dem
-einen -- in dem andern sein Bett, und ein großer Tisch vor einem Sopha,
-der für Fremde bestimmt ist -- das füllt sie; und an so wenig
-Bedürfnisse kann man sich gewöhnen, wenn man die eigene Person einer
-höheren Idee unterordnet.
-
-Die meisten Kinder haben blutarme Eltern, die nichts zahlen können.
-Hauptsächlich lebt und zehrt die kleine Anstalt von ihrem Eigenthum,
-ihrem Grund und Boden; Gemüse, Milch, Brennholz giebt es da oben. Ferner
-ist der Doctor Guggenbühl practischer Arzt, freilich nur in den Dörfern
-des Thals von Interlachen; das mag ihm einiges Einkommen verschaffen.
-Milde Seelen giebt es denn doch auch in der Nähe und Ferne, die sich für
-ein so menschenfreundliches Unternehmen durch Unterstützung theilnehmend
-erweisen, und ein Gotteskasten steht in dem großen Zimmer, wo der Fremde
-die Kinder beisammen findet. So existirt die kleine Anstalt. Gott segne
-und behüte sie! Hat einst die heilige Theresie gesagt als sie die
-Reformation des Carmeliterordens unternahm: »Theresie und 9 Dukaten, das
-ist sehr wenig, aber Gott, Theresie und 9 Dukaten ist genug;« hat einst
-der Abbé de l'Epée mit seinem geringen Einkommen von 2000 Franken zehn
-Jahr lang seine geliebten taubstummen Zöglinge erhalten: so wird Gott
-denn auch wol sorgen für die Kinder auf dem Abendberg. Ich aber habe mir
-das Wort gegeben die Herzen für sie zu erwärmen und zu gewinnen so sehr
-ich kann; denn dies ist eine große und heilige Angelegenheit der ganzen
-Menschheit! denn diese Armen, diese Elenden, diese Versunkenen sind
-unsers Geschlechts! Ja, ja! sind ebensogut unsers Geschlechts als die
-hohen und großen Geister, mit denen die Verwandtschaft unserm stolzen
-Geiste so wohl thut, sind auch mit Schmerzen von ihren Müttern geboren,
-sind auch mit Freuden von ihren Vätern begrüßt, sind auch bestimmt der
-Segnungen theilhaft zu werden, die Gott den Menschen während ihres
-irdischen Lebensabschnittes ertheilt, sind auch begnadet mit einer
-unsterblichen Seele, welche nur nicht der krankhaft irdischen Stoffe
-Herr werden kann, die sich um sie ballen, und für welche der Tod, mehr
-noch als für uns Alle, eine selige Befreiung sein wird. Keines dieser
-Kinder war boshaft oder hämisch; das werden sie nur da draußen, wenn man
-sie neckt und plagt. Im Gegentheil! die, welchen das Bewußtsein
-aufdämmerte waren freundlichen Gemüths, reichten ihren Pflegern die
-Hand, suchten sich an sie zu schmiegen, suchten sie anzulächeln, was
-freilich auf den armen mißbildeten Gesichtern sehr unlieblich aussah.
-Ein kleines Mädchen wurde gar nicht müde uns, den Fremden, die Hand zu
-geben, und ein siebenjähriger Knabe, kaum ellenhoch, kam mühselig an
-seinem Stock daher gewankt, und sah mich an so freundlich er nur konnte.
-Ach, sie haben ja kein andres Mittel um ihr Wohlwollen auszudrücken;
-denn sprechen konnte Keines. Die Buchstaben und den eignen Namen nennen
-konnten Einige, und das hatten sie erst da oben gelernt. Aber weil sie
-doch wenigstens _das_ gelernt haben, so giebt das Muth um an die
-Möglichkeit der Erweiterung ihrer Begriffe und Vorstellungen zu glauben.
-Die ersten Jahre sind für die Entwickelung des Cretinismus die
-gefährlichsten, die entscheidenden. Sind die Kinder in gesunder Luft und
-Pflege erwachsen oder auch nur herangewachsen, so dürfen sie in ihre
-Thäler zurückkehren ohne Furcht der Krankheit zu verfallen, doch
-freilich nicht mit der Gewißheit dereinst ihren Kindern ihre Gesundheit
-zu übertragen, denn es ist nichts Seltenes, daß die Kinder ganz starker,
-gesunder Eltern mit dem räthselhaften Uebel geboren werden. Fährt man
-aber fort sich nicht blos theoretisch, sondern auch practisch mit dessen
-Bekämpfung zu beschäftigen, so ist nicht vorauszusehen wie weit man in
-der Erkenntniß und Beherrschung des Cretinismus noch kommen, und zu
-welchen trostreichen Resultaten man gelangen könne.
-
-Mir war es eine unsägliche Erquickung inmitten unserer Zeit einen
-Menschen zu finden, der sich in Ruhe und Stille der Wohlfahrt seiner
-Mitmenschen annimmt, keine Verse und Phrasen über ihr Heil macht, weder
-eine prunkende Wissenschaft noch eine starre Religiosität zum blendenden
-Aushängeschild für die Menge braucht, und nicht philanthropisch, sondern
-barmherzig ist, d. h. nicht menschenfreundlich mit einem Rückblick auf
-das eitle Ich, sondern menschenfreundlich mit dem Aufblick zu Gott.
-
-Als wir nach ein Paar Stunden fortgehen wollten hing ein dichter Nebel,
-der als feiner Regen herabfiel, um den Berg, und verhüllte den schmalen
-steilen Fußpfad, indem er ihn zugleich sehr schlüpfrig machte. Der
-Doctor Guggenbühl gab mir zur Stütze einen Knecht mit, an dessen Arm ich
-wohlbehalten herabkam. Dieser Mann -- ebenfalls ein Zürcher, wie auch
-der junge Lehrer der Kinder -- hatte ohne im geringsten ein Geßnerscher
-Schäfer zu sein, ein so gutes verständiges treuherziges Wesen, daß es
-mir sehr angenehm war ihn sprechen zu hören von dem Leben und den
-Einrichtungen da oben. Jedes Wort drückte herzliche Verehrung für seinen
-Herrn, und herzliche Theilnahme für die Kinder ganz unbefangen aus, und
-dazwischen lobte er das Gedeihen seiner Heerde und seiner Gartenfrüchte
-eben so herzlich. »Der Berg giebts gern« -- antwortete er auf meine
-Frage ob der Boden fruchtbar sei. Als wir durch das große Dorf Matten am
-Fuß des Abendbergs gingen, riefen ihn die Leute unter ihren Hausthüren
-an: »Wie gehts auf dem Berg? was machen die Kinder?« und er mußte ihnen
-Rede stehen. Wie diese Theilnahme mich freute! Und wer von uns könnte
-sie versagen? Lob, Ehrenzeichen, Beifall, Auszeichnungen, sind
-tausendmal durch Mißbrauch entweiht, und können Keinen freuen, der für
-eine Idee lebt. Aber ein Wort des Danks, ein Händedruck, ein Zeichen der
-Theilnahme an seinem Werk: _das_ freut ihn, weil es ihm zeigt, daß es
-eine Gemeinschaft der Guten auf Erden giebt.
-
-_Dresden_, im November 1842.
-
-
- Gedruckt bei _A. W. Schade_, Grünstraße 18.
-
-
- Berlin.
- Verlag von Alexander Duncker,
- Königl. Hofbuchhändler.
- 1843.
-
-
- Anmerkungen zur Transkription
-
-Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigert.
-
-
-
-
-
-End of Project Gutenberg's Die Kinder auf dem Abendberg, by Ida Hahn-Hahn
-
-*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE KINDER AUF DEM ABENDBERG ***
-
-***** This file should be named 61042-8.txt or 61042-8.zip *****
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-Produced by Jens Sadowski and the Online Distributed
-Proofreading Team at http://www.pgdp.net. This book was
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-redistribution.
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-used on or associated in any way with an electronic work by people who
-agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few
-things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
-even without complying with the full terms of this agreement. See
-paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project
-Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
-and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
-works. See paragraph 1.E below.
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-or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
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-Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
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-Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
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-Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
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-To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
-and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
-and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.
-
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-Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
-Foundation
-
-The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
-501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
-state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
-Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
-number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at
-http://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg
-Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
-permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
-
-The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
-Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
-throughout numerous locations. Its business office is located at
-809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
-business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact
-information can be found at the Foundation's web site and official
-page at http://pglaf.org
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-For additional contact information:
- Dr. Gregory B. Newby
- Chief Executive and Director
- gbnewby@pglaf.org
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-Literary Archive Foundation
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-<title>The Project Gutenberg eBook of Die Kinder auf dem Abendberg, by Ida Hahn-Hahn</title>
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-The Project Gutenberg EBook of Die Kinder auf dem Abendberg, by Ida Hahn-Hahn
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-This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
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-Title: Die Kinder auf dem Abendberg
- Eine Weihnachtsgabe
-
-Author: Ida Hahn-Hahn
-
-Release Date: December 29, 2019 [EBook #61042]
-
-Language: German
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-
-*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE KINDER AUF DEM ABENDBERG ***
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-
-Produced by Jens Sadowski and the Online Distributed
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-<div class="centerpic">
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-
-<div class="frontmatter chapter">
-<h1 class="title">
-<span class="line1">Die Kinder</span><br />
-<span class="line2">auf</span><br />
-<span class="line3">dem Abendberg.</span>
-</h1>
-
-<p class="aut">
-<span class="line1">Von</span><br />
-<span class="line2">Ida Gräfin Hahn-Hahn.</span>
-</p>
-
-<div class="centerpic logo">
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-Eine Weihnachtsgabe.
-</p>
-
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-<p class="pub">
-<span class="line1">Berlin.</span><br />
-<span class="line2">Verlag von Alexander Duncker,</span><br />
-<span class="line3">Königl. Hofbuchhändler.</span><br />
-<span class="line4">1843.</span>
-</p>
-
-</div>
-
-<div class="frontmatter chapter">
-<p class="ded">
-Allen Müttern.
-</p>
-
-</div>
-
-<div class="chapter">
-</div>
-
-<p class="first">
-<a id="page-5" class="pagenum" title="5"></a>
-<span class="firstchar">N</span><span class="postfirstchar">achdem</span> ich halb Europa von Gibraltar bis Danemora
-durchstreift habe, reiste ich in diesem Spätsommer
-nach der Schweiz, nicht sowol um das Land, als
-hauptsächlich um liebe Freunde wiederzusehen. Doch
-kaum hatte ich den Jura überschritten, als das Land
-selbst, diese großartige, mächtige, reiche Natur, ihren
-alten unzerstörbaren Zauber über mich übten, so daß
-mir die Schweiz schöner erschien, als irgend ein Land,
-das ich je gesehen. Der Eine mag Tyrol vorziehen,
-der Andere die Pyrenäen; dennoch glaube ich, daß Alle
-eingestehen werden: eine solche Vereinigung aller Contraste,
-aller Bedingungen zu einem vielseitigen Leben
-findet man dort nicht; findet nicht so viel Städte so
-nah beisammen und in so eigenthümlichem Character
-ausgeprägt; nicht so viel Punkte auf denen man allen
-Comfort der Civilisation neben allen Schönheiten der
-Natur genießt. Wer sich für den Gewerbfleiß und die
-<a id="page-6" class="pagenum" title="6"></a>
-industrielle Thätigkeit interessirt, gehe nach dem hellen
-Zürch, dem ernsthaften Basel, dem eleganten Genf; wer
-für die Cultur des Bodens, nach dem Canton Bern,
-der <em>ein</em> üppiger Garten ist, oder an den Leman, dessen
-nördliches Ufer, der Höhenzug des nackten, felsigen
-Jorat, durch unglaubliche Mühe in <em>ein</em> Rebgelände
-verwandelt ist. Wen das rastlose Ringen und Treiben
-der Civilisation, die keine Ruhe kennt, ermattet, der gehe
-in die milden Felsenthale des Canton Uri oder zu den
-grünen Wiesen von Unterwalden, oder in das stille
-Schwytz. Wer die Fremden, die Reisenden beobachten
-und sich mit ihnen unterhalten und zerstreuen will, suche
-die Orte auf, wo sie sich vorzugsweise drängen: Luzern,
-Thun, Interlachen, den Genfer See. Wer die Geschichte
-liebt, kann durch die Schweiz wandelnd einen lehrreichen
-Cursus über die Unzulänglichkeit und Vergänglichkeit
-menschlicher Institutionen machen, bei Realta in
-Graubündten beginnend, und wenn ihm die gegenwärtigen
-nicht gefallen, so kann er aus jener Betrachtung
-den Trost schöpfen, daß auch sie nicht dauern werden:
-die Römermacht ist verschwunden, die Obergewalt des
-deutschen Kaisers gebrochen, die Aristokratie gestürzt;
-&ndash; die moderne Demokratie wird auch fallen. Wer
-am materiellen Wohlbehagen seine Freude hat, etablire
-sich in irgend einem guten Gasthof, der in der Schweiz
-eben so leicht, als in Deutschland schwer zu finden ist,
-<a id="page-7" class="pagenum" title="7"></a>
-und er wird haben, was der Leib nur begehrt. Er
-wird auch nicht durch den Anblick fremden Elends aus
-seinem Behagen aufgescheucht werden, z. B. nicht in
-Genf, wo die Armenanstalten so vortrefflich sind, daß
-es keine Bettler giebt. So haben Sachkundige mir versichert,
-und allerdings bin ich dort nie, auch bei wochenlanger
-Anwesenheit, einem Bettler begegnet. Genf
-ist eine sehr wohlhabende Stadt, die über 80 Millionärs
-zählt. Basel soll deren über noch einmal so viel haben.
-Herr Christoph Merian, Handelsherr zu Basel,
-besitzt ein Vermögen von 37 Millionen Fl. rhein. Doch
-nicht auf den Handelstand beschränkt sich diese Wohlhabenheit.
-Es giebt Bauern im Simmenthal und Emmenthal
-(Canton Bern), deren Vermögen 100,000 Schweizerfranken
-übersteigt, und man sieht es diesen unglaublich
-netten, tüchtigen, wohlgehaltenen Dorfschaften auch
-an. Solch ein Bauer &ndash; der könnte glücklich sein, glücklicher
-als jeder andere Mensch! Sein Grundstück gehört
-ihm, und ist frei von jeder Abgabe, wie sie auch
-heißen möge. Er kennt weder directe, noch indirecte
-Steuer. Ungezählt, unüberwacht kann er seine Producte
-verkaufen; kein Zoll beschränkt Handel und Wandel.
-Sein Haus, sein Garten, sein Vieh, sein Feld &ndash;
-Alles ist von der besten Qualität, das Erdreich wie
-die Race und wie die Bestellung, so daß seine Mühe
-und Aufmerksamkeit durch Gedeihen belohnt wird. Er
-<a id="page-8" class="pagenum" title="8"></a>
-selbst mit den Seinen betreibt die Geschäfte des Landbauern,
-bestellt die Wiesen und Aecker, besorgt Haus
-und Heerde. In dieser gesunden Thätigkeit, welche seine
-Kräfte nicht übersteigt, findet er zweckmäßige Beschäftigung,
-die wohlthätige, die ihn schützt vor den Selbstqualen
-der Phantasie und vor dem unbefriedigenden
-Streben des Geistes. Aber unsre Zeit ist nicht die der
-Zufriedenheit noch der Befriedigbarkeit; es sind allzuviel
-Schranken weggerissen. Völker, Stände, Einzelne
-fühlen das; dumpf die Einen, die Andern klar. Es
-geht ein großes Suchen durch die Welt, aber das Was,
-das Wo, das Wie &ndash; darüber ist man nicht einig, wird
-es auch nicht werden, kaum daß die Parteien sich untereinander
-darüber verständigen werden. Was in der
-antiken Welt der Menschheit einen Halt und Zusammenhang
-gab: die Vaterlandsliebe; &ndash; und was in der
-alten: der Glaube; &ndash; das ist in unsrer Welt gebrochen
-und am Boden, und Jeder arbeitet sich ab, auf
-seine eigne Hand, für seine eigne Rechnung, ohne Vaterlandsliebe,
-ohne Glauben, ja, ohne Ueberzeugung,
-nur für seine kahle Meinung &ndash; die unerquicklichste Danaidenarbeit!
-So ist denn auch das allgemeine, schwüle,
-unruhige Unbehagen bis zu den Bauern der Schweiz gedrungen,
-und sie mögten gern etwas Andres sein, als
-sie sind, und mehr noch haben, als sie schon besitzen.
-Wenn Alle &ndash; Alles wollen, so ist es sehr natürlich,
-<a id="page-9" class="pagenum" title="9"></a>
-daß Niemand zufrieden sein kann. Dennoch &ndash; wie
-sie auch sein möge, die Schweiz, so ist sie schön; denn
-Gott hat sie schön gemacht, hat ihr die Herrlichkeit ihrer
-Natur gegeben, eine unvergängliche Glorie. O, man
-sieht sich müde auf der Welt, todtmüde an all den räthselhaften
-und herben Geschicken, und das Auge wird so
-namenlos traurig und das Herz so namenlos schwer,
-wenn sie dazwischen haften bleiben. Das ist so herrlich
-in der Schweiz, daß der Blick nicht untergehen kann
-im Menschenwerk, daß die wundervolle Schöpfung Gottes
-ihn immer und immer wieder anzieht. Von all dem
-bangen, schmerzlichen, wüsten Treiben auf der Erde gleitet
-er empor zu den Bergen, welche die Jahrtausende
-und ihre Kämpfe gesehen haben und in unvergänglichem
-Frieden, schneeweiß und rosenroth, stralen; und
-von den Bergen steigt er zum Himmel, und vom Himmel
-zu Gott. Dann wird der Blick wieder hell, und
-das Herz wieder freudig; denn die ewige Zuversicht,
-die in der Seele wohnt, schüttelt die Entmuthigung ab,
-und liebend und hoffend kehrt man zu den Menschen
-zurück, weil man daran erinnert worden ist, daß Gott
-über ihnen waltet.
-</p>
-
-<p>
-Für mich giebt es einen goldnen Faden, der lichtend
-durch das Wirrsal der Gegenwart läuft: es ist
-das große Erbarmen mit fremdem Leid. Den Armen,
-den Kranken, den Gefangenen, den Verbrechern, Allen
-<a id="page-10" class="pagenum" title="10"></a>
-auf denen sonst außer ihrem jammervollen Loos noch
-der Druck der allgemeinen Vernachlässigung, gar Verachtung
-lag, Allen wendet man einen Blick der Theilnahme
-zu. Man denkt daran, daß sie Menschen sind,
-und trotz Versunkenheit oder Strafwürdigkeit doch Menschen
-bleiben; in diesem Sinn behandelt man sie, gönnt
-den Armen Unterstützung, den Kranken Zuflucht, den
-Gefangenen menschliche Behandlung; sammelt man die
-Verlornen, bewacht man die Kinder. Es könnte in
-dieser Richtung wol noch Manches geschehen, und vor
-Allem: es könnte <em>besser</em> geschehen, anspruchloser, schlichter.
-Jetzt nehmen sich Einige der Sache an, weil etwa
-ein König sich dafür interessirt; Andere machen eine
-Modesache daraus, und haben ihren Wohlthätigkeitsverein
-so gut wie ihre Loge im Theater oder ihre Soiree;
-noch Andere, besonders Frauen mit einem gewissen unruhigen
-Geschäftigkeitstrieb, füllen damit ihre Zeit aus.
-Es ist also gar nicht so beschaffen, daß wir uns damit
-trösten dürften. Wir fühlen uns nur so elend, daß
-wir bereit sind, fremdem Elend abzuhelfen; das ist&rsquo;s!
-weiter nichts! aber ihnen, den Elenden, den Unglücklichen,
-den Verabsäumten, wird etwas dadurch geholfen.
-Bei der Menge werden sich immer verschiedene
-kleinliche Triebfedern finden, welche sie dem Impuls folgen
-lassen, den Einer gegeben, Einer, der keine andere
-hatte, als Liebe zu den Menschen um Gottes Willen.
-<a id="page-11" class="pagenum" title="11"></a>
-So war im 17ten Jahrhundert Vincent de Paule in
-Frankreich, der die Findelhäuser gründete, und alle Hospitäler
-und Gefängnisse zu verbessern strebte. So war
-im vorigen Jahrhundert der Abbé de l&rsquo;Epée, der zuerst
-die geistige und moralische Erziehung der Taubstummen
-unternahm. Was sie thaten, scheint uns jetzt ein Kleines,
-weil die Sache so großen und glücklichen Erfolg
-gehabt, und die ganze civilisirte Welt zur Nachfolge
-angeeifert hat. Welche Kämpfe jene Männer zu bestehen,
-welche Ausdauer sie zu beweisen, welche Vorurtheile
-sie zu überwinden, welche tausend bittere und niederschlagende
-Erfahrungen sie zu machen hatten: das
-ist in ihren starken und muthigen Herzen begraben worden,
-so daß wir nichts von ihnen sehen, als ihre heilbringende,
-segenvolle, lichte Erscheinung. Die Reihe solcher
-Menschen ist nicht geschlossen, kann es nicht sein.
-So lange es Leid giebt, wird es Helfende geben, und
-es giebt noch viel, sehr viel hartes, heißes Leid auf der
-Welt, und in der schönen Schweiz vorzugsweise eins
-der herbsten &ndash; den Cretinismus, diese traurig geheimnißvolle
-Krankheit, die sich freilich überall, und in verschiedenen
-Abstufungen und Graden zeigt, aber doch
-grade dort wuchert. Wer in der Schweiz gewesen ist,
-im Berner Oberland wie in Chamouny, im Canton Uri
-wie im Wallis, überall wo es hohe Berge und tiefe
-schattige Thäler giebt, wird einen Blick des Erbarmens
-<a id="page-12" class="pagenum" title="12"></a>
-oder des Entsetzens für die Jammerbilder gehabt haben,
-die er dort gewahrt &ndash; für die durch den Cretinismus
-zum Stumpfsinn, ja zur Thierheit herabgesunkenen
-Menschen.
-</p>
-
-<p>
-Es mögen jetzt ungefähr zehn Jahr sein, daß ein
-junger Mensch aus Zürch bei einer Wanderung durch
-den Canton Uri einen alten Cretin zu einem Muttergottesbilde
-wanken sah vor dem er ein halbvergessenes
-Gebet stammelte. Der Anblick ging dem Jüngling durch
-die Seele, und er dachte: wenn diese Jammervollen nur
-dahin zu bringen wären, daß der Gedanke an Gott in
-ihrem Bewußtsein aufdämmere, so sei keine Mühe die
-man an sie wende verloren. Der Gedanke verließ ihn
-nicht mehr, und gab seinem Leben die Richtung. Er
-studirte die Arzneiwissenschaften, und besonders Alles
-was den Cretinismus betraf, mit dem sich theoretisch
-schon manche gelehrte Männer beschäftigt, und der Praxis
-durch Beobachtung und Studium vorgearbeitet hatten.
-Er durchwanderte die Schweiz um Forschungen
-an Ort und Stelle über den Einfluß der Erd- und
-Luftbeschaffenheit auf die Krankheit zu machen. Er
-widmete all seine Zeit, seine Gedanken, seine Bestrebungen
-dem Zweck, den er sich vorgesetzt. Darauf ward
-er practischer Arzt. Er war ein einsamer Mensch, ohne
-Eltern, ohne Geschwister, ohne die Bande, welche unsere
-äußern Verhältnisse zu bestimmen pflegen, indem
-<a id="page-13" class="pagenum" title="13"></a>
-sie uns an und in einen gewissen Kreis weisen. Er
-war ganz unabhängig. Da nahm er sein kleines Vermögen,
-und kaufte auf dem Abendberg im Berner Oberland,
-einige tausend Fuß über dem Meeresspiegel, ein
-Stück Land, das groß genug war um ihm Wiesen zum
-Weideplatz für eine kleine Heerde, Wald zum Holzbedarf,
-und Raum für einen Garten und für ein Paar
-hölzerne Häuser zu geben, die er bauen ließ. Als seine
-kleinen Anstalten fertig waren, zog er hinauf mit einigen
-kranken Kindern. Jetzt hat er ihnen nichts weiter
-zu geben &ndash; als sein ganzes Leben. Seit zwei Jahren
-sind sie auf dem Abendberg.
-</p>
-
-<p>
-Gott hat gewollt, daß ich an diesen umdämmerten
-und verschleierten Seelen einen Antheil nehme &ndash; für
-den es keine Worte giebt. Als ich diesen Sommer nach
-meiner Rückkehr aus Schweden in einer Zeitung einen
-kurzen Bericht über die Anstalt des Doktor Guggenbühl
-las, beschloß ich gleich sie sobald wie möglich zu
-besuchen, und am 12ten September that ich es von
-Interlachen aus. Es war ein trüber Tag, und kaum
-auf der Hälfte des Weges fing es an zu regnen, und
-regnete bis ich wieder am Nachmittage herabkam, so
-daß ich nicht die wundervolle Aussicht auf die Schneeberge,
-nicht die kleine Kapelle, nicht die ganze Umgebung
-des Hauses gesehen habe &ndash; was auch freilich
-nur Nebensachen sind. Ich fand den Doktor Guggenbühl
-<a id="page-14" class="pagenum" title="14"></a>
-mit seinen eilf Kindern in einem großen Zimmer
-versammelt, wo die meisten an einem Tisch saßen und
-theils Lectionen nahmen, theils spielten. Die Lectionen
-bestehen darin, daß sie sehr große Buchstaben kennen
-und nachsprechen lernen, nachsprechen, indem man ihren
-Mund in die Stellung bringt, die er beim Aussprechen
-jedes Buchstaben annimmt, und indem man
-diesen sehr laut und unablässig wiederholt. Das Spiel
-besteht in einer Zusammenfügung kleiner Holzstücke zu
-allerlei willkürlichen Figuren, oder im Bilderbesehen.
-Aber man muß Beides mit ihnen treiben, sonst verfallen
-sie in ein stupides unbewegliches Anstarren der Bilder,
-oder sie machen nur einen wüsten Lärm, indem sie
-mit dem Holz auf den Tisch schlagen. Eins saß in
-einer kleinen Schaukel, ein andres auf einem Wiegenpferd.
-Ein drittes, drei Jahr alt und vor Kurzem
-herausgekommen, lag da, ohne Bewegung, ohne Willen,
-ohne Kraft. Man hob es auf: Kopf und Glieder
-hingen schlaff herab. Ob es bequem liegt oder unbequem,
-gleichviel! es verändert nicht selbst seine Lage.
-Es fordert keine Speise; es ißt auch nicht allein; es
-würde umkommen, wenn man ihm nicht Nahrung einflößte.
-Das schauerliche Zeichen des Cretinismus: die
-Stirn, welche über den Augenbraunen eingedrückt ist,
-hatte es in einem so hohen Grade, daß man den Finger
-in die Grube legen konnte. Doctor Guggenbühl
-<a id="page-15" class="pagenum" title="15"></a>
-hat die Ueberzeugung, daß wenn man diese Kinder in
-den allerersten Jahren, oder noch besser Monaten ihres
-Lebens in die frische, klare, reine Bergluft bringt,
-ihnen angemessene leichte Nahrung giebt, die Glieder
-stärkt durch Bäder und Frictionen, die höchste Reinlichkeit
-und auch innere Mittel anwendet, und sich unablässig
-bemüht ihre Sinne zu wecken, Auge, Ohr, Tastsinn,
-welche immer geneigt sind einzuschlafen: so dürfe
-man hoffen sie zum Bewußtsein zu bringen. Sehr kluge
-und gelehrte Leute dürften sie wol nimmer werden; aber
-doch geschickt genug zu einem Handwerk, oder zu häuslichen
-und mechanischen Geschäften; und auf jeden Fall:
-Herr ihrer Körper würden sie werden, und nicht ein
-menschlich geformtes Stück Fleisch bleiben, dem alle
-und jede Fähigkeit zur Aeußerung einer bewußten Lebensthätigkeit
-fehlt. Beginnt man aber diese Behandlung
-bei einem solchen Kinde erst <em>nach</em> dem siebenten
-Jahr, so hält er dafür, daß sie wol den körperlichen
-Zustand verbessern, Krämpfe, Convulsionen lindern und
-heben könne, welche sich mit den Jahren einstellen und
-oft eine fürchterliche Höhe erreichen; doch für die geistige
-Entwickelung hofft er deshalb wenig mehr, weil
-das Gehirn bis zum siebenten Jahr die Größe und
-Consistenz und Beschaffenheit erlangt hat, welche es für
-die ganze Lebenszeit des Menschen beibehalten wird.
-Der ganze Organismus leidet durch das Leiden oder
-<a id="page-16" class="pagenum" title="16"></a>
-die Krankhaftigkeit des Gehirns, weil dies im engsten
-Zusammenhange mit dem Rückenmark und dessen Nerven
-steht, und es war mir sehr interessant, daß ich dadurch
-an die Ansichten über Schädelbildung des Doctor
-Carus erinnert wurde, von denen Doktor Guggenbühl
-mit lebhafter Beistimmung sprach. Doch hat er
-mehre Kinder, über sieben Jahr alt, aufgenommen, eben
-um ihren elenden körperlichen Zustand zu verbessern.
-Er machte eine Aeußerung, die mir hohes Vertrauen
-zu ihm gegeben, weil sie mir gezeigt hat, daß er das
-Wohl Anderer, aber nicht eine sogenannte Berühmtheit
-für sich selbst bezwecke. Er sagte: &bdquo;Große Erfolge
-habe ich nicht aufzuweisen und ich strebe nicht danach.&ldquo;
-In Bern hatte ich ihn gleichgültig und kurzabfertigend
-Charlatan nennen hören. <em>Ich</em> nenne denjenigen Arzt
-Charlatan, der seine Mittel und Behandlungsweise als
-unfehlbar darzustellen sucht und für jede Kur den glänzendsten
-Erfolg gleichsam auf der Hand trägt. Wer
-sich aus der Wissenschaft eine Glorie zu machen strebt,
-kann sehr leicht ein Charlatan werden; wer die Menschheit
-liebt, und ihr mit seinen besten Kräften bis zur größten
-Selbstaufopferung zu dienen und zu nützen sucht &ndash;
-unmöglich! Ebensowenig gehört der Doctor Guggenbühl
-zu jenen unerfreulichen Sectirern, die leider überall
-heftig grassiren, und am heftigsten vielleicht in der
-Schweiz, und die statt Religion &ndash; Pietismus haben.
-<a id="page-17" class="pagenum" title="17"></a>
-Ohne einen tiefen Glauben an göttliche Führung, ohne
-demüthige Bereitwilligkeit sich der Hand unterzuordnen,
-welche sie lenkt, ohne die herzstärkende Zuversicht ein Werkzeug
-dieser Hand zu sein &ndash; kann Niemand der Menschheit
-Heil und Segen bringen. Er mag ohne sie wohl die
-Kraft haben, die Alles unternimmt, doch die Ausdauer,
-die Alles durchführt und die Liebe, die Alles überwindet,
-hat er nicht; diese Blüten gedeihen nur auf dem
-Grund und Boden der Religion, und wie wäre es möglich
-ein solches Werk der Barmherzigkeit zu beginnen
-ohne sie zu pflegen? Dies nenne ich fromm sein, und
-so halte ich den Doctor Guggenbühl für einen sehr frommen
-Mann. Wie er es ist, wie hoch und frei und weit
-die Religion ihm das Herz gemacht, geht daraus hervor,
-daß er in der Verschiedenheit der Confession kein
-Hinderniß zu einem gemeinsamen wohlthätigen Wirken
-sieht. Er nahm als Pflegerinnen für seine Kinder zwei
-barmherzige Schwestern aus dem katholischen Canton
-Freiburg. Die <em>liberalen</em> Herrn von Bern, die ihm
-für seine Anstalt eine kleine Beihülfe von 600 Schweizerfranken
-gegeben, nahmen ihm nach dem Beschluß einer
-Synode die frommen Frauen, aus Furcht vor deren
-Proselytenmacherei. Voll so heiligen Eifers ist die
-reformirte Kirche zu Bern! die unsäglich wohlthätige
-Wirksamkeit der <span class="antiqua">Soeur Rose</span> ist nicht ersetzt, obgleich
-er zwei Frauenzimmer gefunden hat, die sich mit Geduld
-<a id="page-18" class="pagenum" title="18"></a>
-und Liebe ihrer schweren Pflicht bei den Kindern
-widmen. Er glaubt wie ich: daß ein solcher Beruf
-besser durch Frauen ausgeführt werde, die sich ganz
-von allen irdischen Banden abgelöst haben, und bei ihrem
-Wirken nur an die himmlische Zukunft denken.
-Darum will er es mit den reformirten <span class="antiqua">Soeurs grises</span>
-versuchen, welche jetzt ein methodistischer Pfarrer zu
-Lausanne heranbildet, sobald sie ihre öffentliche Thätigkeit
-beginnen. Die Katholikinnen sind ihm so willkommen
-wie die Methodistinnen, sobald derselbe, der alleinige
-göttliche Geist &ndash; die Liebe! sie beseelt. Außer jenen
-Frauenzimmern hat er in einem jungen Menschen,
-den er dazu herangebildet, einen geduldigen und treuen
-Helfer gefunden, der mit unglaublicher Sanftmuth den
-Lectionen und Spielen der Kinder vorsteht. Zwei Mägde,
-welche die Küche und das Haus, &ndash; zwei Knechte, welche
-Garten und Heerde besorgen, gehören mit in diesen Kreis.
-Die Heerde besteht aus einem Dutzend Ziegen, vier Kühen,
-zwei Eseln, als Lastthieren, und einem Pferd. Wiesen
-und Garten sind ergiebig und die Kirschbäume gedeihen
-vortrefflich. Die Einrichtung des Hauses ist einfach
-bis zur Aermlichkeit; hölzerne Wände, Bänke, Stühle;
-arme kleine Betten. Die beiden engen Zimmerlein des
-Doctor Guggenbühl sind wahre Zellen! ein Schreibtisch,
-ein Bücher- und ein Apothekerschrank in dem einen
-&ndash; in dem andern sein Bett, und ein großer Tisch
-<a id="page-19" class="pagenum" title="19"></a>
-vor einem Sopha, der für Fremde bestimmt ist &ndash; das
-füllt sie; und an so wenig Bedürfnisse kann man sich
-gewöhnen, wenn man die eigene Person einer höheren
-Idee unterordnet.
-</p>
-
-<p>
-Die meisten Kinder haben blutarme Eltern, die nichts
-zahlen können. Hauptsächlich lebt und zehrt die kleine
-Anstalt von ihrem Eigenthum, ihrem Grund und Boden;
-Gemüse, Milch, Brennholz giebt es da oben. Ferner
-ist der Doctor Guggenbühl practischer Arzt, freilich
-nur in den Dörfern des Thals von Interlachen; das
-mag ihm einiges Einkommen verschaffen. Milde Seelen
-giebt es denn doch auch in der Nähe und Ferne,
-die sich für ein so menschenfreundliches Unternehmen
-durch Unterstützung theilnehmend erweisen, und ein Gotteskasten
-steht in dem großen Zimmer, wo der Fremde
-die Kinder beisammen findet. So existirt die kleine Anstalt.
-Gott segne und behüte sie! Hat einst die heilige
-Theresie gesagt als sie die Reformation des Carmeliterordens
-unternahm: &bdquo;Theresie und 9 Dukaten, das ist
-sehr wenig, aber Gott, Theresie und 9 Dukaten ist genug;&ldquo;
-hat einst der Abbé de l&rsquo;Epée mit seinem geringen
-Einkommen von 2000 Franken zehn Jahr lang seine
-geliebten taubstummen Zöglinge erhalten: so wird Gott
-denn auch wol sorgen für die Kinder auf dem Abendberg.
-Ich aber habe mir das Wort gegeben die Herzen
-für sie zu erwärmen und zu gewinnen so sehr ich
-<a id="page-20" class="pagenum" title="20"></a>
-kann; denn dies ist eine große und heilige Angelegenheit
-der ganzen Menschheit! denn diese Armen, diese
-Elenden, diese Versunkenen sind unsers Geschlechts! Ja,
-ja! sind ebensogut unsers Geschlechts als die hohen und
-großen Geister, mit denen die Verwandtschaft unserm
-stolzen Geiste so wohl thut, sind auch mit Schmerzen
-von ihren Müttern geboren, sind auch mit Freuden
-von ihren Vätern begrüßt, sind auch bestimmt der Segnungen
-theilhaft zu werden, die Gott den Menschen
-während ihres irdischen Lebensabschnittes ertheilt, sind
-auch begnadet mit einer unsterblichen Seele, welche nur
-nicht der krankhaft irdischen Stoffe Herr werden kann,
-die sich um sie ballen, und für welche der Tod, mehr
-noch als für uns Alle, eine selige Befreiung sein wird.
-Keines dieser Kinder war boshaft oder hämisch; das
-werden sie nur da draußen, wenn man sie neckt und
-plagt. Im Gegentheil! die, welchen das Bewußtsein
-aufdämmerte waren freundlichen Gemüths, reichten ihren
-Pflegern die Hand, suchten sich an sie zu schmiegen,
-suchten sie anzulächeln, was freilich auf den armen
-mißbildeten Gesichtern sehr unlieblich aussah. Ein
-kleines Mädchen wurde gar nicht müde uns, den Fremden,
-die Hand zu geben, und ein siebenjähriger Knabe,
-kaum ellenhoch, kam mühselig an seinem Stock daher
-gewankt, und sah mich an so freundlich er nur konnte.
-Ach, sie haben ja kein andres Mittel um ihr Wohlwollen
-<a id="page-21" class="pagenum" title="21"></a>
-auszudrücken; denn sprechen konnte Keines. Die
-Buchstaben und den eignen Namen nennen konnten Einige,
-und das hatten sie erst da oben gelernt. Aber
-weil sie doch wenigstens <em>das</em> gelernt haben, so giebt
-das Muth um an die Möglichkeit der Erweiterung ihrer
-Begriffe und Vorstellungen zu glauben. Die ersten
-Jahre sind für die Entwickelung des Cretinismus die
-gefährlichsten, die entscheidenden. Sind die Kinder in
-gesunder Luft und Pflege erwachsen oder auch nur herangewachsen,
-so dürfen sie in ihre Thäler zurückkehren
-ohne Furcht der Krankheit zu verfallen, doch freilich
-nicht mit der Gewißheit dereinst ihren Kindern ihre Gesundheit
-zu übertragen, denn es ist nichts Seltenes, daß
-die Kinder ganz starker, gesunder Eltern mit dem räthselhaften
-Uebel geboren werden. Fährt man aber fort
-sich nicht blos theoretisch, sondern auch practisch mit
-dessen Bekämpfung zu beschäftigen, so ist nicht vorauszusehen
-wie weit man in der Erkenntniß und Beherrschung
-des Cretinismus noch kommen, und zu welchen
-trostreichen Resultaten man gelangen könne.
-</p>
-
-<p>
-Mir war es eine unsägliche Erquickung inmitten unserer
-Zeit einen Menschen zu finden, der sich in Ruhe
-und Stille der Wohlfahrt seiner Mitmenschen annimmt,
-keine Verse und Phrasen über ihr Heil macht, weder
-eine prunkende Wissenschaft noch eine starre Religiosität
-zum blendenden Aushängeschild für die Menge
-<a id="page-22" class="pagenum" title="22"></a>
-braucht, und nicht philanthropisch, sondern barmherzig
-ist, d. h. nicht menschenfreundlich mit einem Rückblick
-auf das eitle Ich, sondern menschenfreundlich mit dem
-Aufblick zu Gott.
-</p>
-
-<p>
-Als wir nach ein Paar Stunden fortgehen wollten
-hing ein dichter Nebel, der als feiner Regen herabfiel,
-um den Berg, und verhüllte den schmalen steilen Fußpfad,
-indem er ihn zugleich sehr schlüpfrig machte. Der
-Doctor Guggenbühl gab mir zur Stütze einen Knecht
-mit, an dessen Arm ich wohlbehalten herabkam. Dieser
-Mann &ndash; ebenfalls ein Zürcher, wie auch der junge
-Lehrer der Kinder &ndash; hatte ohne im geringsten ein Geßnerscher
-Schäfer zu sein, ein so gutes verständiges treuherziges
-Wesen, daß es mir sehr angenehm war ihn
-sprechen zu hören von dem Leben und den Einrichtungen
-da oben. Jedes Wort drückte herzliche Verehrung
-für seinen Herrn, und herzliche Theilnahme für die Kinder
-ganz unbefangen aus, und dazwischen lobte er das
-Gedeihen seiner Heerde und seiner Gartenfrüchte eben
-so herzlich. &bdquo;Der Berg giebts gern&ldquo; &ndash; antwortete er
-auf meine Frage ob der Boden fruchtbar sei. Als wir
-durch das große Dorf Matten am Fuß des Abendbergs
-gingen, riefen ihn die Leute unter ihren Hausthüren
-an: &bdquo;Wie gehts auf dem Berg? was machen die Kinder?&ldquo;
-und er mußte ihnen Rede stehen. Wie diese Theilnahme
-mich freute! Und wer von uns könnte sie versagen?
-<a id="page-23" class="pagenum" title="23"></a>
-Lob, Ehrenzeichen, Beifall, Auszeichnungen, sind
-tausendmal durch Mißbrauch entweiht, und können Keinen
-freuen, der für eine Idee lebt. Aber ein Wort des
-Danks, ein Händedruck, ein Zeichen der Theilnahme an
-seinem Werk: <em>das</em> freut ihn, weil es ihm zeigt, daß
-es eine Gemeinschaft der Guten auf Erden giebt.
-</p>
-
-<p>
-<i>Dresden</i>, im November 1842.
-</p>
-
-<div class="centerpic ornament">
-<img src="images/ornament.jpg" alt="" /></div>
-
-<div class="backmatter chapter">
-<p class="printer">
-Gedruckt bei <i>A. W. Schade</i>, Grünstraße 18.
-</p>
-
-</div>
-
-<div class="backmatter chapter">
-<p class="pub">
-<span class="line1">Berlin.</span><br />
-<span class="line2">Verlag von Alexander Duncker,</span><br />
-<span class="line3">Königl. Hofbuchhändler.</span><br />
-<span class="line4">1843.</span>
-</p>
-
-</div>
-
-<div class="trnote chapter">
-<p class="transnote">
-Anmerkungen zur Transkription
-</p>
-
-<p>
-Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigert.
-</p>
-
-</div>
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-<pre>
-
-
-
-
-
-End of Project Gutenberg's Die Kinder auf dem Abendberg, by Ida Hahn-Hahn
-
-*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE KINDER AUF DEM ABENDBERG ***
-
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-Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
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-Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
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-including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
-because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
-people in all walks of life.
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-Volunteers and financial support to provide volunteers with the
-assistance they need, are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
-goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
-remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
-Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
-and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
-To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
-and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
-and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.
-
-
-Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
-Foundation
-
-The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
-501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
-state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
-Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
-number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at
-http://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg
-Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
-permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
-
-The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
-Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
-throughout numerous locations. Its business office is located at
-809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
-business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact
-information can be found at the Foundation's web site and official
-page at http://pglaf.org
-
-For additional contact information:
- Dr. Gregory B. Newby
- Chief Executive and Director
- gbnewby@pglaf.org
-
-
-Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
-Literary Archive Foundation
-
-Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
-spread public support and donations to carry out its mission of
-increasing the number of public domain and licensed works that can be
-freely distributed in machine readable form accessible by the widest
-array of equipment including outdated equipment. Many small donations
-($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
-status with the IRS.
-
-The Foundation is committed to complying with the laws regulating
-charities and charitable donations in all 50 states of the United
-States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
-considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
-with these requirements. We do not solicit donations in locations
-where we have not received written confirmation of compliance. To
-SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
-particular state visit http://pglaf.org
-
-While we cannot and do not solicit contributions from states where we
-have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
-against accepting unsolicited donations from donors in such states who
-approach us with offers to donate.
-
-International donations are gratefully accepted, but we cannot make
-any statements concerning tax treatment of donations received from
-outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
-
-Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
-methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
-ways including checks, online payments and credit card donations.
-To donate, please visit: http://pglaf.org/donate
-
-
-Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
-works.
-
-Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm
-concept of a library of electronic works that could be freely shared
-with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project
-Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
-
-
-Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
-editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
-unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily
-keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
-
-
-Most people start at our Web site which has the main PG search facility:
-
- http://www.gutenberg.org
-
-This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
-including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
-subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.
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