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-The Project Gutenberg EBook of Kean, by Kasimir Edschmid
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and most
-other parts of the world at no cost and with almost no restrictions
-whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of
-the Project Gutenberg License included with this eBook or online at
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-
-Title: Kean
- Schauspiel in fünf Akten nach Alexandre Dumas
-
-Author: Kasimir Edschmid
-
-Release Date: November 4, 2019 [EBook #60626]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: ISO-8859-1
-
-*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK KEAN ***
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-Produced by Jens Sadowski and the Online Distributed
-Proofreading Team at http://www.pgdp.net. This book was
-produced from images made available by the HathiTrust
-Digital Library.
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- KASIMIR EDSCHMID
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- KEAN
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- SCHAUSPIEL IN FÜNF AKTEN
- NACH
- ALEXANDRE DUMAS
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- DRITTE AUFLAGE
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- VERLEGT BEI ERICH REISS / BERLIN
- 1921
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-
- Alle Rechte, insbesondere das der Aufführung
- und Übersetzung, sind vorbehalten. Den Bühnen
- gegenüber Manuskript. Das Recht der Aufführung
- ist nur durch den Verlag Erich Reiß zu erwerben
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-
- Copyright 1921 by Erich Reiß Verlag
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- FÜR GUSTAV HARTUNG
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- FIGUREN
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- HELENE GRÄFIN KOEFELD APACHE
- AMY GRÄFIN GOSWIL ANDRER APACHE
- DAISY MILLER KONSTABLE
- RINY FRISEUR
- JULIA TOM
- GIZA DAVID
- AMME BARDOLPH
- KEAN ARZT
- PRINZ VON WALES REGISSEUR
- GRAF KOEFELD HAUSINTENDANT
- LORD MEVIL DIENER
- SALOMON TÄNZERIN
- BOB WIRT
- PEPI STEUERMANN
- GONSCH BOTE
- WELL APACHEN
- VIKTOR PUBLIKUM
- KAUKA WEIBER
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- ZEIT: VOR NEUNZEHNHUNDERTVIERZEHN
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- AKT EINS
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- Diele bei dem Grafen Koefeld. Kamin. Dreiflügliger Riesenspiegel.
- Der Hausintendant. Eine Kette Diener, beschäftigt.
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- SZENE EINS
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-BOTE _tritt rasch ein, zu einem Diener_: Helène Gräfin Koefeld? _Diener
-weist mit dem Daumen zum nächsten, Bote zum nächsten_: Helène Gräfin
-Koefeld? _Diener weist mit dem Daumen ihn zum nächsten, Bote zum
-nächsten_: Helène Gräfin Koefeld? _Diener weist mit dem Daumen ihn zum
-nächsten, Bote zum nächsten, dem Hausintendanten_: Helène Gräfin
-Koefeld?
-
-HAUSINTENDANT: Hier.
-
-BOTE: Ich muß sie sehen.
-
-HAUSINTENDANT: Geben Sie mir den Auftrag.
-
-BOTE: Der Auftrag ist privat.
-
-HAUSINTENDANT: Daher in meine Hände.
-
-HELENE _eintretend_: Wer ist das?
-
-BOTE: Helène Gräfin Koefeld ...
-
-HELENE: Was wollen Sie?
-
-BOTE: Ein Paket.
-
-HELENE: Wer sendet Sie?
-
-BOTE: Der Prinz von Wales.
-
-HELENE _reißt das Paket auf, ein Fächer, sie schwenkt ihn, dreht um_:
-Ah. _Hinaus._
-
-HAUSINTENDANT: Gehen Sie. _Bote ab._
-
-SALOMON _durch die Tür, verdrückt_: Ist mein Herr da?
-
-HAUSINTENDANT: Wo kommen Sie hierher?
-
-SALOMON: Durch leere Zimmer.
-
-HAUSINTENDANT: Wer bist du?
-
-SALOMON: Souffleur.
-
-HAUSINTENDANT: Warum hast du da einen Herrn?
-
-SALOMON: Warum? Er tritt mich. Wie alle. Verachtet mich. Ich liebe ihn.
-
-HAUSINTENDANT: Wer ist der Stachel, den du liebst?
-
-SALOMON: Kean.
-
-HAUSINTENDANT: Der Schauspieler. Hein?
-
-SALOMON: Der bedeutendste Mann seiner Zeit, wenn er sich zu mäßigen
-verstände.
-
-HAUSINTENDANT: Das könnte er, meinst du, in einem Haus lernen, wo eine
-Frau herrscht, die so ist wie unsere?
-
-SALOMON: Ich suche ihn nur, irgendeine Frau verlangt nach ihm, das
-andere weiß ich nicht. Es kam mir nur in den Sinn, daß er krepieren wird
-oder sich festlegen. Die Zeit ist kritisch geworden. Ich kann es nicht
-mehr sehen, wie er mich mit sich in seine Launen reißt, Huren,
-Prinzessinnen, gut, zornig. Wo soll das hin? Denken Sie nicht, daß er
-mich nur tritt, er ist manchmal freundlich zu mir.
-
-HAUSINTENDANT: Lauf davon.
-
-SALOMON: Das kann ich nicht.
-
-HAUSINTENDANT: Der Herr verkehrt nicht bei uns.
-
-SALOMON: Hätten Sie gleich sagen können. Schicksal. Ich gehe. Warum
-suche ich ihn hier? _Ab._
-
-HELENE _mit dem Fächer herein_: Sind Spieltische aufgestellt?
-
-HAUSINTENDANT: Zwei Whist, einer Bridge, drei Bac.
-
-HELENE: Die Pagen am Gartentor in neuer Livree?
-
-HAUSINTENDANT: Gelb und rot. Mit silbernen Schnüren.
-
-HELENE: Die Küche?
-
-HAUSINTENDANT: Schwitzt.
-
-HELENE: Sind die Musikanten mit Strafe bedroht, wenn sie unpünktlich
-sind?
-
-HAUSINTENDANT: Punkt neun marschieren sie durch den Salon.
-
-HELENE _klatscht in die Hände_: Tee und Punsch dann ins Boudoir.
-
-HAUSINTENDANT _klatscht in die Hände, zu den andern_: Tee und Punsch ins
-Boudoir. _Diener ab._
-
-HELENE: Sie verlassen mit keinem Schritt die Soirée. Fehlen Sie einmal
-auf meinen Fingerwink, schick ich Sie aufs Land zu Fasanen und Kälbern.
-Was sagen Sie?
-
-HAUSINTENDANT: Ich würde eine schlechte Figur machen zwischen Geflügel
-und vorziehen, da ich Ihnen nicht mehr dienen kann, mich in die
-Kirschbäume zu henken.
-
-HELENE: Chüt. _Sieht ihn an, hebt mit der Fingerspitze sein Kinn, pfeift
-leis, jagt ihn mit einer Handbewegung hinaus._
-
-DIENER: Die Gräfin Goswil.
-
-HELENE: Rasch. Rasch. _Zur Eintretenden_: Amy, Süßes, welches Glück, vor
-der Soirée noch Ihre Anwesenheit allein zu haben.
-
-AMY: Ihnen zu sagen, daß zwischen soviel Blond und Blau beim Rennen das
-Dunkel Ihrer Haare als Bestes fehlte.
-
-HELENE: Unmöglich da, wo Ihre Taille bebte, Ihre Hände winkten.
-
-AMY: Ich winkte. Mein Wettpferd fiel, ein Signal. Sie waren im Theater?
-
-HELENE: In Drury-Lane.
-
-AMY: Es spielte George?
-
-HELENE: Kean.
-
-AMY: Das Pferd, das stürzte, hatte einen grünen Jockey. Der Stall aus
-England. Der Name: Kean.
-
-HELENE: Sie machen mich gespannt mit ihren Sprüngen, Liebe.
-
-AMY: Ihr Kean fiel nicht vorm Start?
-
-HELENE: Ausgezeichnet im Start.
-
-AMY: Endlich Begeisterung.
-
-HELENE: Endlich die Frage: Was bedeutet Ihr Lächeln?
-
-AMY: Den Ausdruck aller Gesichter, wenn Ihr Name fällt.
-
-HELENE: Sie reizen meine Neugier lange.
-
-AMY: Aus Furcht, Sie zu verletzen.
-
-HELENE _plötzlich die Brust öffnend_: Ich habe die unempfindlichste
-Haut, Liebe.
-
-AMY: Aber Sie tragen sie zu empfindlich ins Theater.
-
-HELENE: Kurz, um was handelt es sich?
-
-AMY: Um Ihre Begeisterung.
-
-HELENE: In Ihrer Sprache ein Mann. Welchen? Reden Sie nun. Offen
-gesprochen.
-
-AMY: Der einzige, der in Betracht kommt.
-
-HELENE: Präziser.
-
-AMY: Nicht um George.
-
-HELENE: Miserabler Anfang. Fügen Sie das Ende hinzu.
-
-AMY: Ich trenne mich ungern von Übergängen.
-
-HELENE: Schluß.
-
-AMY: Kean.
-
-HELENE: Welches Terrain! So tief! Es ist nicht Ihre Ansicht. Sie kennen
-mich. Man redet so. Gut. Wer?
-
-AMY: Man sagt es nicht. Man lächelt.
-
-HELENE: Gut. Wenn Sie mich heut frügen, an meiner Stelle, ob ich glaube,
-daß zwischen Kean und Ihnen etwas bestände ...
-
-AMY: Ich begreife nur, was ich erlebe. Die Frage ist zwecklos. Ich habe
-kein Talent für philosophische Entzückungen.
-
-HELENE: Gut. Sie weichen aus. So werden Sie ein Lächeln lernen, das Ihr
-früheres hinwegblitzt. Verdacht entwaffnet man nicht mit Beweis. Eher
-durch Geständnis. Ich liefre nur meinen Geschmack. Glauben Sie, eine
-Sekunde hätte vermocht, mich zu reizen, anzunehmen, daß das, was
-zwischen von Damen ausgehaltenen Equipagen und betrunkenen Matrosen
-hintaumelt, den Ruhm eines bedeutenden Schauspielers sich zugesellt, zur
-Erfüllung von Wünschen auch nur bedacht werden könne, die wahrlich
-anderes verlangen als solche Episoden? Mich ekelt. Ich rede frei.
-
-AMY: Ich bin Ihre Freundin. Ich werde es Ihren Freunden sagen.
-
-HELENE: Gut. Aber ... Süßes ... Sagen Sie es nicht Devonshire.
-
-AMY: Sie erschrecken mich.
-
-HELENE: Er ist ein Geschichtenerzähler.
-
-AMY: Sie peinigen mich.
-
-HELENE: Ein galanter Junge. Kavalier. Fit. Sportiv.
-
-AMY: Erlösen Sie mich.
-
-HELENE: Ein Nacken wie ein Mädchen. Schöne Hände, meine Süße.
-
-AMY: Sie nehmen eine furchtbare Revanche, mich zu quälen.
-
-HELENE: Ein Ring daran mit Onyx und Brillanten. Ich erinnere mich statt
-dem Onyx Aquamarin gesehen zu haben. Damals trug ihn Ihr Gatte. Zwei
-Ösen ausgebrochen, schlecht verbessert. Nehmen Sie einen besseren
-Juwelier, Gräfin. Der Ring ist sonst indiskreter wie sein Besitzer.
-
-AMY: Ihre Grausamkeit ...
-
-HELENE: Wiegt Ihr Lächeln auf, Süße. Erzählen Sie Devonshire nicht meine
-Geschichte, er könnte sie ins Gegenteil verkehren wie die Ihren.
-
-HAUSINTENDANT _mit Stock meldend_: Graf Koefeld.
-
-AMY: Ich bin vernichtet. Ich kann niemand sehen. _Läuft in den
-Nebenraum._
-
-
- SZENE ZWEI
-
-GRAF KOEFELD _verbeugt sich_: Meine Gattin. Es floh jemand. Ein Mann.
-_Stürmisch hinter Amy her, bringt sie zurück._ Halali. Eine Frau. Gräfin
-Goswil. Verzeihung. _Sich fassend_: Den ersten Zivilminister Europas
-würde ich versetzen, um Ihnen die Hand zu küssen. _Zum Sekretär hinter
-ihm_: Diese Telegramme. In Codeschrift. Stafetten einlegen. Ein eignes
-Schiff nehmen. Als Kurier fährt Graf Schlitz. Für wichtige Sachen nur
-ehemalige Offiziere der Botschaft. Depeschen Seiner Majestät in Uniform
-zu übergeben ... Darf ich mich setzen? Charmant Ihr Aussehn, Gräfin.
-
-AMY: Wer tadelte meinen Puder gestern? Ihre Komplimente bluffen wie jede
-Uniform.
-
-GRAF KOEFELD: Ungalant, Gräfin. Verleumdung. Großer Sänger Ihres Ruhms.
-Beschwöre Sie, den Rock des Königs aus dem Spiel zu lassen. Ansonsten
-für Frivoles weitgeöffnetes Herz. Rock des Königs Privileg. Zum Necken
-zu heilig. Sanktuarium. Auch schönstem Mund. _Aufspringend_: Meine
-Gattin ... Welch ein Fächer?
-
-HELENE: Ein Geschenk.
-
-GRAF KOEFELD: Wer schenkt Fächer? Frauen? Nein. Ein Mann!
-
-HELENE: Der Prinz von Wales.
-
-GRAF KOEFELD _stramm_: Auszeichnung. Welche Gnade. Hohe Ehre. Herrlich.
-Monseigneur wird überdies überrascht sein. Eine neue Surprise: Ich lasse
-Tontauben schießen. Spezialvergnügen Monseigneurs. Versuche, ihm
-sekündlich das Leben mit Lieblingsbissen zu garnieren. _Stößt ein
-Fenster auf, zielt mit einer an der Galerie dem Büchsenschrank
-entnommenen Büchse im Hintergrund_: Peng ... halo ... vorbei ... Ihr
-Gatte, Gräfin ...
-
-HELENE: Wird nicht erwartet.
-
-AMY: Er bemüht sich, Lord Mevil mit irgendwem zu verheiraten.
-
-GRAF KOEFELD: Verdammte, Mesalliance. Pardon, Gräfin. Ich sagte ab. Habe
-siebzehn souveräne Ehebetten in Europa gerüstet. Skandal, daß Mevil mich
-einzuladen sich erdreistet. Mich. Dieser Zertrümmerer feudalen Ansehns.
-
-AMY: Ihr Name?
-
-GRAF KOEFELD: Undurchdringlich. Wer heißt nicht so? Alle Welt: Daisy
-Miller.
-
-AMY: Eine halbe Million Pfund.
-
-GRAF KOEFELD: Unverzeihlich. Sabotage des Bluts. Demokratisierung der
-Gesellschaft. Die Phalanx der Jahrhunderte wird ruiniert.
-
-HELENE: Daisy Miller. Jenes Mädchen, dessen Dauerhaftigkeit uns
-erstaunte, vis-à-vis unserer Loge, im Theater.
-
-GRAF KOEFELD: Sie hätte unsere Standhaftigkeit mit größerem Recht
-bewundern können. Das Amt telephoniert ab neun nur noch nach Drury-Lane.
-Im Theaterportal Attachés. Im Foyer Sekretäre. In der Loge die Post.
-
-HELENE: Ich bat Sie nie um Ihre Begleitung. Von heute ab erübrigt es
-sich, davon zu reden. Ich besuche das Theater nicht mehr.
-
-GRAF KOEFELD: Neues Arrangement schon vorbereitet. Es kommt dann zu
-Ihnen. Die Dekoration nur ist ausgewechselt. Kean ist zur Soirée
-geladen.
-
-HELENE: Kean?
-
-GRAF KOEFELD: Kean. Ich verstehe. Sie zucken zusammen: ein Komödiant.
-Ich finde es abscheulich. Allein: Wunsch des Prinzen von Wales. Kann ich
-es abschlagen? Unmöglich. Immerhin Wunsch des zukünftigen Königs. Ich
-lud sofort.
-
-HELENE: Ich empfange die bitterste Beleidigung, der ich seit meiner
-Verheiratung ausgesetzt war. Ich empfange sie von meinem Gatten.
-
-GRAF KOEFELD: Ihr Gatte ist Ihr tapferster Verteidiger. Jede Stunde.
-Unbedingt zu rechnen. Ich stehe wie Thron und Altar.
-
-HELENE: Sie empfanden nicht einmal das Bedürfnis, mich zu befragen.
-Ihren Salon repräsentiere ich, nicht Sie.
-
-GRAF KOEFELD: Fürstlicher Wunsch ist Befehl. Auszuführen oder sterben.
-Karriere oder Lump. Selbst die Marseillaise wird in diesem Sinn God save
-the king.
-
-HELENE: Ein Affront.
-
-GRAF KOEFELD: Keine Zeremonie. Ich engagiere ohne gesellschaftliche
-Verpflichtung. Sie geben ihm Essen, Zigarren, Wein. Ich Geld. Der
-Bursche tanzt und zitiert. Wen soll der Kerl genieren, hält Monseigneur
-ihn als Affen.
-
-HELENE: Die Gräfin Koefeld empfinge den Künstler. Dem Takt ihres Gatten
-aber bringt sie Erwartungen entgegen, die nicht ahnen, daß er sie
-zwänge, vor einem Wüstling sich wie ein Themsemädchen zu fühlen.
-
-GRAF KOEFELD _der einen Brief bekommt und öffnet_: Beruhigen Sie sich.
-Neue Zeit. Fortschritt der Zertrümmerung: Kean ist durch
-Unaufschiebbares gehindert, seine Aufwartung zu machen. Infame
-Beleidigung. Er sagt ab.
-
-HELENE: Die Verhinderung ist taktvoller als die Einladung.
-
-GRAF KOEFELD: Takt? Ausgeschlossen. Ich bin auf
-Zwischen-den-Zeilen-Lesen dressiert. Schon mit sechzehn schrieb ich über
-Forellen und meinte eine Bar. Als Louis Bourbon den Sessel statt den Fuß
-einer Prinzessin unterm Tisch mit der Zehe dauernd streichelte,
-signalisierte ich Unheil. Er nahm sie nicht. Mein Minister, mir
-ungläubig, optimistisch, flog in die Luft.
-
-HAUSINTENDANT _mit einem Stock meldend_: Monseigneur, der Prinz von
-Wales.
-
-PRINZ VON WALES: Ich komme lachend, Gräfin. Verzeihung.
-
-HELENE: Sie würden sie erhalten, wenn Sie weinten.
-
-AMY: Sie erhalten sie nicht, wenn Sie nicht sofort erzählen.
-
-PRINZ VON WALES: Skandal.
-
-GRAF KOEFELD: In der Gesellschaft. Schmerzlich. Ich grimassiere statt zu
-lachen ... untertänigst mit Erlaubnis.
-
-PRINZ VON WALES: Es gibt nichts Amusanteres.
-
-GRAF KOEFELD: Die Zeit ist angefressen. Revolten zittern unter unseren
-Füßen. Wir müssen Eisengesichter haben. Nieder die Kanaille ... Pardon.
-
-PRINZ VON WALES: Die Weisheit ist nicht eingestellt auf das
-Knochenzerschlagen, sondern sie lächelt, da sie nicht gewohnt ist, die
-Dinge zu ernst zu nehmen. Man verdirbt sie dadurch.
-
-GRAF KOEFELD: Skandale haben mitten in die Revolte hineingeführt. Allons
-enfants ... lieber Mitrailleusen ... mit devoter Genehmigung gesagt.
-
-PRINZ VON WALES: Im Gegenteil. Der sogenannte Volksgroll geht in kleinen
-Vapeurs in den Azur. Gewitterbildung unmöglich.
-
-AMY: Der Skandal?
-
-GRAF KOEFELD: Säbel. Patronentasche. Panier hoch. Damit fürchten wir
-letzten Endes selbst Wotan nicht. Versohlen die Fläbsche. Versohlen
-gehorsamst.
-
-AMY: Der Skandal?
-
-PRINZ VON WALES: Alte Schule, Koefeld. Ihr Weltgefühl ist korsettiert.
-Demokratisch ist für Sie ein Purgier. Mir heitres Brausepulver.
-Beschäftigen Sie sich branchekundiger. Stiften Sie Ehen.
-
-AMY: Aber: der Skandal?
-
-GRAF KOEFELD _stramm_: Untertänigst, gehorsamst ... der Skandal?
-
-AMY: Ich sterbe vor Ungeduld.
-
-PRINZ VON WALES: Lord Mevil ...
-
-AMY: ... der heute heiratet ...
-
-PRINZ VON WALES: Lord Mevil, der heute heiratet, fand die Braut
-entführt. Sein Riesenaufwand ist verpufft. Sein Goldvogel hat sich
-verflogen. Ein Klügerer als dieser schöne Satan Mevil hat ihm das Haus
-ausgeraubt zehn Minuten, eh er es betrat. Mevil ist nun bankrott.
-
-HELENE: Und wer ...?
-
-AMY: Wer?
-
-PRINZ VON WALES: Der schönste Name Englands.
-
-AMY: Das wäre Monseigneur.
-
-PRINZ VON WALES: Ich mische mich nicht in die Bourgeoisie.
-
-GRAF KOEFELD: Horrä. Horrä. Horrä.
-
-PRINZ VON WALES: Man könnte mich dort abweisen. Man hat auch da Stolz.
-Höher.
-
-AMY: Der König.
-
-PRINZ VON WALES _verneigt sich in den Spiegel, spielt mit der Drehung,
-hustet. Koefeld macht Zeichen._
-
-GRAF KOEFELD _näher kommend_: Monseigneur.
-
-HELENE _mißverstehend_: Unmöglich.
-
-PRINZ VON WALES _lächelnd_: Noch illustrer.
-
-HELENE: Wie kann das sein?
-
-PRINZ VON WALES: Herrlicher. Voll Ruhm. Voll Auszeichnung. Angebetet.
-Von frischem Erfolg sekündlich umgeben.
-
-HELENE: Ich kenne niemand. Nennen Sie ihn.
-
-PRINZ VON WALES: Kean.
-
-HELENE: Das ist unmöglich ...
-
-PRINZ VON WALES: Woher wissen Sie das?
-
-HELENE: ... daß Sie sich in Vergleiche begeben, die Beleidigungen für
-Sie sind.
-
-GRAF KOEFELD: Gnade Gott, daß der Kerl absagte. Rechts um Marsch. Das
-Ganze Halt.
-
-PRINZ VON WALES: London wird illuminieren. Flaggt. Läßt das
-Betschuanenregiment mit Niggermusik und Trommeln über die Plätze ziehn.
-Die Männer haben Schlaf. Kean ist gefesselt.
-
-AMY: Wie reizend.
-
-PRINZ VON WALES: Liverpool empfängt vom Meer her seine letzten Grüße.
-
- Langsam anschwellendes Lärmen, ohne Übereilung herankommend, lauter,
- weit geht die Tür auf. Mit großer, weltmännischer Bewegung herein
- tritt Kean.
-
-
- SZENE DREI
-
-KEAN: Ein Zufall, den ich preise, obwohl er nicht ohne Tragödie ist,
-setzt mich in den Stand des Vorzugs, der Gräfin Koefeld die Hände zu
-küssen, dem Prinzen von Wales, Monseigneur, meine Achtung in dem
-höchsten Maße der Ergebenheit zu bezeigen und dem Grafen Koefeld den
-Widerspruch zwischen meiner Absage und meinem Erscheinen in einem Wort
-der Bewunderung und der Bitte zugleich zu erklären.
-
-PRINZ VON WALES: Wir zählten nicht auf Sie, in der Tat. Ich danke für
-die doppelte Konfusion. Ich erinnere mich eines Gascogners, der daran
-litt, doppelte Muskeln zu haben. Man gab ihm Milchbäder, er machte sie
-zu Butter. In der Tat, ich erinnere mich mit Vergnügen der Geschichte.
-
-KEAN: Die Gerüchte sind falsch, die Konsequenzen ungültig, ich
-unschuldig. Darf ich Beweise ...
-
-PRINZ VON WALES: Ich also ein Lügner?
-
-KEAN: Monseigneur, der, welcher Sie belog.
-
-PRINZ VON WALES: Ihre Dokumente?
-
-KEAN: Ich kam hierher, da ich Sie hier wußte. Man betritt kein Haus
-lieber als das, in dem man sicher ist, die Verfolgten geschützt zu
-sehen.
-
-PRINZ VON WALES: Seltsam, damit zum Prinzen von Wales zu kommen.
-
-KEAN: Und dies mit einem Brief, der beweist, daß es keine schönere
-Aufgabe ist, als für die Verteidigung einer Frau und der Wahrheit selbst
-vor der Ungnade des höchsten Protektors zu stehen. Den Brief ließ Daisy
-Miller in meinem Zimmer, als sie mich nicht antraf. Der Spion versäumte
-zu sagen, daß sie es nach zwei Minuten verließ.
-
-AMY: Lesen Sie.
-
-KEAN: Nicht ich.
-
-PRINZ VON WALES: Lesen Sie.
-
-KEAN: Wer bin ich, Monseigneur? Ich bin der Schauspieler Kean. Ich bin
-nicht töricht genug, zu wissen, daß dies viel ist, so wenig es vor Ihnen
-ist. Aber was bedeute ich in einer Sache, die Keuschheit und Würde
-verlangt. Habe ich ein Echo in feinen Dingen? Man schreit Don Juan,
-Verräter, Wüstling, Komödiant. Man horcht auf meine Stimme, wenn ich
-Romeo spiele. Was bin ich als Mensch diesen anderen Menschen? Nimmt
-jemand mich voll außer Monseigneur? Ich fürchte, daß meine Stimme nicht
-den Vorzug hat, so vor der Wahrheit zu stehen, wie mein Wille es tut.
-
-GRAF KOEFELD: Akzeptiert. Unaufgefordert. Da Sie den Prinzen von Wales
-suchen, bitte, Ihre Bitte nicht aufzuschieben, mit der Sie sich
-annoncierten. Seine Wünsche sind Ordres. Höflichkeit, sie zu befolgen,
-die geringste Pflicht der Untertanen.
-
-KEAN: So darf ich mich vor der Gräfin Koefeld neigen, denn nur wenn die
-Ehre dieser Frau und ihr Name sich anschickt, ja sagend und gütig sich
-beugend, zur Unschuld der ärmeren und unbedeutenderen Schwester
-herunterzukommen, wird erst Gerechtigkeit sein und die Unschuld so gut
-gepaart sein, daß es überzeugt.
-
-PRINZ VON WALES: Kean.
-
-KEAN: Selbst Ihr Rang und Ihre Macht, Monseigneur, sind nur eine Stufe
-der gestaffelten menschlichen Vollkommenheit und ein schöner Vorposten
-der menschlichen Gesetze. Verzeihen Sie meine Kühnheit, wenn ich die
-große Rührung, die von dem schlichten Mund der unbestechlichen und
-erhabenen Wahrheit ausgehen, darüber stelle. Die Unbedingtheit der
-gerechten Äußerung kommt nur aus der Würde einer verehrungswürdigen
-Frau.
-
-PRINZ VON WALES: Geben Sie der Gräfin den Brief.
-
-AMY: Sagen Sie Ihr Kommentar.
-
-HELENE: Ich möchte ihn nicht lesen.
-
-KEAN: Ich verehre das Übermaß an Zartgefühl, das nicht in die Feinheiten
-anderer Schicksale fassen will, Gräfin. Ich, der ich erbärmlich bin vor
-der Größe Ihrer Augen, nur ein Sujet, ein Quelconque, nur ein Mann,
-irgendwelcher, nur Kean, ich flehe Sie an, aus einer übertriebenen
-Feinfühligkeit kein Opfer zu machen.
-
-GRAF KOEFELD: Geben Sie der Gräfin diesen Brief. Unbesorgt. Voran.
-Junger Mann. Zivilcourage!
-
-KEAN: Darf ich die größte Beleidigung wagen, die Monseigneur angetan
-wurde, und ihn bitten, die Gräfin meine Erklärungen allein aufnehmen zu
-lassen, damit die Wahrheit, die ja im einzelnen der private Besitz
-anderer Menschen ist, aus ihrem Munde Ihnen zurückgegeben, ohne jeden
-Klatsch nur mit der endgültigen Sicherheit des Satzes schließe: Kean ist
-unschuldig, und die verfolgte Frau ist es auch.
-
- Der Prinz führt die beiden in den Hintergrund, lächelnd, sich
- verbeugend.
-
-GRAF KOEFELD: Tontauben, Monseigneur. _Sie gehen zum Balkonfenster
-hinaus._ Peng ... Schräg ... zu hoch -- Patronen. Dank ... Monseigneur.
-_Man sieht sie draußen, hört sie, sieht ihre Schatten._
-
-HELENE: Sie haben mich in eine Lage gebracht, die ich Sie büßen lasse.
-
-KEAN: Da ich in einer guten Sache mein Leben zum erstenmal dem Ihren
-mische, kann nur ein gutes Schicksal über uns stehn.
-
-HELENE: Ich wünschte, Sie verließen mich in derselben Sekunde.
-
-KEAN: Ich werde Sie verlassen, wenn ich, nicht, wenn Sie es wollen.
-
-HELENE: Den Brief. _Liest, hält ein, weicher, beruhigter_: Sie haben
-recht.
-
-KEAN: Versprechen Sie mir, den Brief fertig zu lesen.
-
-HELENE: Ich las.
-
-KEAN: Die Rückseite ist auch beschrieben. Ich fürchtete, meine Stimme
-würde nicht reichen, diese Minute zu ertragen.
-
-HELENE: Die Rückseite ...
-
-KEAN _nimmt ihr das Papier aus der Hand, hält es vor sich_: Ich werde es
-Ihnen lesen, Gräfin, ich kann es Ihnen lesen. Ich lese rasch, Gräfin, es
-geht um jede Seligkeit; ich habe eine Stunde seit Monaten gesucht, die
-eine Dame Ihrer Position mir geben kann, ohne sich zu kompromittieren,
-ich gäbe mein Leben für diese Stunde, es sind nur zwei Minuten jetzt,
-sie vorzubereiten, Gräfin, zwei zufällige Minuten, zwei noch vor einer
-halben Stunde ungeahnte Minuten; auch sie genügen, aber ich bin kurz.
-Lassen Sie Ihren Wagen vor dem Theaterbüro halten, nehmen Sie ein
-Billett, winken Sie mit dem Fächer. Der Billetteur ist mir ergeben. Sie
-kommen in Schwarz, mit einem Schleier. Durch einen geheimen Gang kommen
-Sie in meine Loge. Ich werde es Ihnen ins Blut setzen, daß Sie es nie
-vergessen ...
-
-HELENE: Halt. Ich habe genau zugesehen. Sie haben gelogen. Es stand
-nichts auf der Rückseite. Das Papier war leer.
-
-KEAN: Als ich hierher ging, hatte ich nichts im Sinn als das Schicksal
-einer Unschuldigen.
-
-HELENE: Sie vergaßen den Grund Ihres Kommens rasch.
-
-KEAN: Ich riß aus der Sekunde, als sie mir nahte, was sie mir geben
-konnte.
-
-HELENE: Sie setzen Ihr Leben aufs Spiel.
-
-KEAN: Tue ich es nicht auch, wo ich für die Unschuldige eintrete?
-
-HELENE: Das erste war echt. Ist das zweite mehr wie Wahnsinn? Gibt es
-zwei Dinge so nebeneinander? Und echt? Verwunderlich.
-
-KEAN: Prüfen Sie.
-
-HELENE: Ich kann es. Ich kann auch die Hunde rufen.
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-KEAN: Sie kommen in die Loge!
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-HELENE: Verlassen Sie sich nicht auf die Kühnheit Ihres Wahnsinns.
-
-KEAN: Durch den Gang in meine Loge. Sie kommen das erstemal, wenn ich
-wieder spiele. _Die Gräfin Koefeld stampft mit dem Fuß auf, Kean
-klatscht in die Hände, verbeugt sich vor Helène, ruft nach rückwärts_:
-Monseigneur, Graf Koefeld, die Gräfin Goswil auch, ich vergaß ... ich
-erbitte tausendfach Entschuldigung ... die Gräfin hat gehört. Ich habe
-geredet.
-
-HELENE _stockend_: Der Herr ist ... unschuldig -- -- und Daisy Miller
-... auch.
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- Schluß des ersten Akts.
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- AKT ZWEI
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- Zimmer bei Kean. Links Ausgänge nach zwei Nebenräumen. Rechts
- Eingang. Atelierhaft, Holzskulpturen, Teppiche, Diwane. Nach
- einer Nacht. Betrunkene in grotesken Schlafstellungen: Kean, Tom,
- David, Bardolph. Es ist noch dunkel.
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- SZENE EINS
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-LORD MEVIL _erscheint mit drei Leuten und Laternen_: Besetzt die Türen.
-_Geht durch den Raum und rasch in die anderen schauend._ Hier sieht es
-nicht nach Weibern aus. Alles Betrunkne. Gebt sofort Knebel, wenn sich
-einer regt. Welches ist der Entführer? _Eine Laterne zeigt auf Kean._
-Der soll sie mir geraubt haben? Für meinen Stolz unmöglich. Für den Plan
-gut. Diese Kreatur voll Wein bindet mit mir an? Gelächter, Mevil! Er ist
-in meiner Macht, ich werde ihn nicht berühren. Wie kann ein Bursche, der
-jedem Feind so preisgegeben lebt, ein Gegner sein? Belauert ihn. Was ich
-besitzen will, werde ich besitzen. Was ich greife, laß ich nicht los.
-Hinunter an die Tore. Ich brauche Geld in irrsinnigem Ausmaß. Welches
-Ziel hab ich noch nicht erreicht? Bewacht die Ausgänge gut. _Ab mit
-seinen Leuten. Aus einem Nebenraum mit einer Kerze Salomon. Er stellt
-die Kerze neben Kean, dann schießt er mit einem Terzerol in die Luft;
-Kean steht auf._
-
-KEAN: Wie oft hast du geschossen?
-
-SALOMON: Einmal.
-
-KEAN: Ist ein Brief von einer Frau da?
-
-SALOMON: Nein. _Kean mit einer Geste ins Nebenzimmer. Durch den Eingang
-ein Jüngling._ Halt. Woher? Wen suchen Sie?
-
-JÜNGLING: Kean.
-
-SALOMON: Den sucht jedermann. Hast du nicht vielleicht einen Busen über
-deinen Männerhosen? Mit welcher Legitimation?
-
-JÜNGLING: Der, daß ich frage, wollen Sie, daß ich auf dem Seil oder den
-Fingerspitzen einmarschiere? _Schlägt ein Rad._
-
-SALOMON: Welche Truppe?
-
-JÜNGLING: Truppe Bob.
-
-SALOMON _erschrocken_: Truppe Bob. Wird Kean erfreut sein oder geärgert?
-Sieht er heut seine Vergangenheit verliebt oder verächtlich? junger
-Mann, wenn Sie Mut haben, bleiben Sie, wenn Sie ängstlich sind,
-verschwinden Sie.
-
-JÜNGLING: Ich habe Aufträge und bleibe.
-
-SALOMON: Dann ist zweierlei zu bedenken. Kommt er und sieht die Kerle,
-saufen sie bis zum Abend. Scheinbar wird aber eine Frau erwartet. Ich
-weiß nicht, welche. Am besten jagt man die Bande weg. Wie es kommt, ich
-werde das Falsche getan haben. Schicksal. _Singt_: Ach Gottsche, schenk
-mern Hambelmann, un e Kordel dezu, daß er zawwele kann.
-
-JÜNGLING _öffnet ein Fenster, dämmrighell_: Wirf sie in die Themse.
-
-SALOMON: Wassertod wäre die grausamste Exekution. Du hast Humor. Ich
-liebe nicht Affairen mit den Konstablen. Wir haben genug. Dafür gibt es
-einen andern Stil. _Weckt mit einem Hammer Tom._
-
-TOM: Caramba, Sennor. Die Faust in Ihre Gurgel.
-
-SALOMON: Ich werde Euch eine Sache an den Hintern henken, an der Ihr
-kein Werft schleppt, bis Ihr verreckt.
-
-TOM: Ich trete dir in den Bauch, daß der Hund in deinem Wanst zu bellen
-anfängt.
-
-SALOMON: Du Bauchredner deiner Trübseligkeit, er würde vor Vergnügen zu
-lachen anheben, weil er dich für einen Hirsch hält, obwohl du in
-Wahrheit nur eine Sau bist, die den faulsten Huren die Männer zutreibt.
-
-TOM: Dafür sollst du dreimal gespien verdammt sein, daß du solche Lügen
-erfindest. Ich bin sowenig ein Hirsch wie du ein Hund, denn du stinkst
-schon zu verwest, du Aas.
-
-SALOMON: Wegen der Hörner, du Klauenbiest.
-
-TOM: Dann hast du deshalb gelacht in deinen Wanst, weil deine Augen vor
-Besoffenheit so verklebt sind, daß du gar nichts siehst.
-
-SALOMON: Weil vor einer halben Stunde ein Rotrockweib auf einem Kahn
-vorbeipaddelte, heraufgrinste und eine Harmonika erbärmlich schaukelte.
-
-TOM: Wenn das um zehn war, ist es jetzt halb elf.
-
-SALOMON: Aber wenn du bis in die Ewigkeit hinein meckerst, kriegst du
-den Wettlauf mit der halben Stunde nicht wieder herein, und wenn dein
-Rüssel sich zu einer Kilometerschnauze auswächst, denn damals waren hier
-vier und nun sind drei.
-
-TOM: Dann schlag ich dem Kean den Stirnknochen auf und schlitze die rote
-Sau von unten bis oben, wenn ich sie erwische. Dann kannst du betteln,
-alter schlottriger Darm. _Geht dröhnend ab._
-
-JÜNGLING: Hast du ihm nicht gefährlich eingeheizt?
-
-SALOMON: Sein Hirn ist so feig, wie sein Maul vor Unflätigkeit groß. Es
-ist schon so ausgefranst, daß es bald die Ohren erreicht hat und sie
-abfrißt auf seinem Weg um den Kopf.
-
-JÜNGLING: Wie das Zeug hinausgeht, ist gut. Aber wie kam das Zeug
-herein?
-
-SALOMON: Kean wollte eingeschlossen sein und ausruhn. Aber er hat seine
-verdammten Launen.
-
-JÜNGLING: Ihr schloßt ein.
-
-SALOMON: Er holte sich Gesindel durchs Fenster. Achtzehn Flaschen dann
-auf vier Mann. Wie leicht Hoch und Niedrig sich einigen, ahnt man nicht.
-_Weckt David._
-
-DAVID _fällt aufs Knie_: So will ich Gott den milden Herren beim Aufgang
-jedes Gestirns loben, daß er mich einfältige und fleischliche Kreatur
-über Nacht auf dieser Erde wohlgefällig erhielt.
-
-SALOMON: Fromme Wanze. David!
-
-DAVID _abwesend_: Eins, zwei, drei, vier, fünf. Anwesend. David
-anwesend.
-
-SALOMON: Amen. Willst du eine Heldentat vollbringen?
-
-DAVID: Ich habe keine Neigung nach dem Tod. Wenn der Herr zwar mich
-ausersehen, so sage ich: Ich bin bereit.
-
-SALOMON: Du hast Kean dreiundachtzigmal geschworen, daß du alles ihm
-opfern willst. Vergißt du deine sanfte Grimasse, wenn die Flaschen wie
-leere Kinderhälse rülpsen?
-
-DAVID: Warum beschämst du mich falsch? Weißt du nicht, daß, wenn Kean
-will, ich folge mit verbundenen Augen.
-
-SALOMON: Vor einer halben Stunde, als Kean am Fenster stand, fiel ein
-Kind in die Themse und Kean sagte ...
-
-DAVID: Was sagte Kean?
-
-SALOMON: David ...
-
-DAVID: Er erinnerte sich meiner Armseligkeit.
-
-SALOMON: ... David ist der einzige, der es retten könnte ...
-
-DAVID: Hei, ein gütiger Gedanke von Kean, Herr.
-
-SALOMON: Denn er ist, sagte Kean, der einzige, der mit Salbung so geölt
-ist, daß ihm Wasser nicht schadet, er schwimmt wie mit Schwimmfüßen auf
-heiligen Sprüchen stundenlang.
-
-DAVID: Es war sein Wunsch? Du sagst mir es jetzt erst. Nach welcher
-Seite floß das Kind?
-
-SALOMON: Stromaufwärts wie alle Kinder. Hinauf. Hinauf. Es schrie nicht
-mal.
-
-DAVID: Welch ein Glück, Salomon. Du bist weiser wie Sancho Pansa und
-Hamlet. Kean wird zufrieden sein mit dem schwachen Theologen. Welches
-Glück. Sagt Kean: Gehe -- so geh ich. Bleibe, so bleib ich. Er sagte:
-Gehe. So geh ich. _Ab._
-
-SALOMON: Der heißeste Topf. Wird mit Wasser gelöscht. _Weckt Bardolph._
-Meine Gratulation. Meinen Glückwunsch.
-
-BARDOLPH _in einem Löwenfell, brüllt, bläst sich auf_.
-
-SALOMON: Welche Haltung!
-
-BARDOLPH: Du gratulierst mir.
-
-SALOMON: Dieselbe Haltung, in der du Kean erledigtest.
-
-BARDOLPH: Ich gab es ihm.
-
-SALOMON: Allzutrefflich. Nie hörte man solches Geschrei. Ohnmächtig
-rutschte Kean seine Stimme in den Magen. Er spie.
-
-BARDOLPH: Ich hätte ihn gern erwürgt, wenn er auf der Bühne alle
-Applause einsteckte, als seien es Äpfel. Wer war es aber, der dem
-Publikum den Eisschreck in die Blase gejagt? Wir müssen auch einmal an
-die Rampe, der Tag des Sieges hat auch für uns seinen Sonnenaufgang.
-Glaubst du, ich werde nun Hamlet spielen? Er verzichtet?
-
-SALOMON: Nein.
-
-BARDOLPH: Warum?
-
-SALOMON: Kean läßt sich den Magen auspumpen. Er schwor, dich
-totzusaufen, damit du ihm nicht gefährlich wirst.
-
-BARDOLPH: Dann ists im Sinne der Menschheit, wenn ich meine Stimme
-erhalte. Gehe ich, bin ich der Sieger. Bleibe ich, spielt mir das
-Schicksal einen Streich. Seien wir klug, Bardolph.
-
-SALOMON: Wenn dich der Sieg Aug in Aug nicht reizt. Mit diesem
-Brustkasten, solchen Muskeln.
-
-BARDOLPH: Roheit. Ich will in einer höheren Arena nunmehr meine Nüsse
-knacken.
-
-SALOMON: Halleluja. David wartet. Mann, vergiß dein Fell nicht, deine
-Stimme könnte drin stecken.
-
-BARDOLPH: Roheit. _Stelzt mit Ringerpose ab. Jüngling ihn verhöhnend
-hinterher._
-
-
- SZENE ZWEI
-
-KEAN _in fabelbaftem Bademantel_: Meinen Kragen, mein Frühstück. Ist
-Rotwein da? Wo sind die anderen?
-
-SALOMON: Sie haben sich eilig verabschiedet.
-
-KEAN: Du läßt meine Gäste laufen, schaß dich in deinen Souffleurkasten.
-Man läßt meine Gäste nicht ohne Frühstück laufen. Ist Rotwein da?
-
-SALOMON: Jamaika-Rum.
-
-KEAN: Pest. _Schreiend._ Was ist das für einer?
-
-SALOMON: Ich drehe die Dusche im Badezimmer ab. _Ab._
-
-KEAN: Was bist du für einer?
-
-JÜNGLING: Artist.
-
-KEAN: Welches Engagement verschafft mir die ... Zufälligkeit?
-
-JÜNGLING: Auf dem Seil, auf den Händen. Die Truppe Bob erinnert sich an
-Kean.
-
-KEAN: Sapristi. Du bist ein Neuling. Ich kenne dich nicht. Welche Zeit
-ist es? Mach die Läden auf. _Ganz hell._ Beweis dein Handwerk. _Jüngling
-schlägt ein Rad._ Was willst du?
-
-JÜNGLING: Soll ich über den Fenstergurt laufen?
-
-KEAN: Wie geht es Bob?
-
-JÜNGLING: Seine Frau legte ihm das dreizehnte Ei, rötlich, gesund, mit
-O-Füßen, es wird Clown. Den Mittag wird es getauft. Bob verplatzt an
-seiner Trompete vor Wonne. Sein Herz ist zerbrochen, seit Kean ihn
-verließ.
-
-KEAN: Well?
-
-JÜNGLING: Macht den Niagarasprung mit drei Säbeln.
-
-KEAN: Riny?
-
-JÜNGLING: Damned. Die schwarze Maus liegt in allen Betten. Verdorren
-soll ich.
-
-KEAN _reißt ihm die blonde Perücke ab_: Ich war der erste, der dich
-hatte. Ich habe dich sofort erkannt, Riny. Setz dich her. Küß mich.
-
-RINY: Warum machst du ein zorniges Gesicht?
-
-KEAN: Weil, wenn ich dich sehe, ich mein Leben leid werde.
-
-RINY: Du kannst mich schlagen.
-
-KEAN: Du verstehst mich nicht. Die Strecke, seit du das erstemal bei mir
-lagst, bis heut ist zu lang für dein Hirn. Hör, hast du mich spielen
-sehen, hast du gedacht, daß es eine Sache sei, mein Spiel, meine Rolle,
-meine Stimme, wie ich gehe, wie die Leute schreien, klatschen?
-
-RINY: Ich habe es gedacht.
-
-KEAN: Hast du gesehen, mit wem ich im Wagen fuhr -- seid Ihr so lang
-schon hier --, wie ich angezogen bin, wie ich esse, lebe, wohne? Hast du
-gedacht, daß ich zufrieden, glücklich sei, daß meine Position, Geld,
-Ansehn Dinge sind, in denen sich leben läßt?
-
-RINY: Ich habe es gedacht.
-
-KEAN: Dann hast du einen idiotischen Unsinn zusammengedacht. Dies Leben
-ist zum Kotzen elend. Ich tauschte sofort mit dir. Iß Austern, ich aus
-dem Sack. Gute Zeit war, als wir auf dem Planwagen von London nach Essex
-zogen.
-
-RINY: Ich habe eine Frage.
-
-KEAN: Was willst du? Was will man, wenn man zu mir kommt? Karriere.
-Empfehlung. Verkuppelung. Dummes Tier. Du weißt nicht, wie gut es dir
-ging. Pfui Teufel!
-
-RINY: Meine Mutter muß vor der Geburt meinen Verstand mit dem Stock
-versohlt haben. Ich verstehe dich nicht.
-
-KEAN: Das gefällt mir. Besser in Lappen Berge sehn wie als Hure
-schlemmen. Ich beneide dich um den Himmel voll Freiheit. Wiesen, Dörfer,
-Flüsse, -- habe ich das nicht einmal gesehen? Man zündet Feuer an, wann
-man will. Man zieht in kleine Städte mit Trompeten, nachts still hinaus.
-Rechts oder links fahren ... wie man will. Ich habe meine Jugend gelebt.
-Verdammt, es war schön. Könnte ich das noch einmal durchmachen, ich
-platzte. Das sind so Träume. Was willst du eigentlich?
-
-RINY: Ich wollte nachsehn, ob du nicht so verrückt geworden seist, daß
-du den Mittag an der Taufe von Bobs dreizehntem Ei mitmachen könntest.
-
-KEAN: Warte! Eine Sekunde. Wenn ich von Tom einen Anzug liehe und einen
-Wagen kaufte, würden die Mäuse, der Regen, die Kälte, die ja nicht so
-arg sind wie Neid und Gemeinheit und Lügerei, dich anziehn oder
-abstoßen? Vielleicht kommt mir einmal der Plan. Was weiß man von seinen
-Plänen?
-
-RINY: Ich ziehe es dann vor, Kean auf seinen Landkonzerten zu begleiten.
-
-KEAN: Süßer Affe. Küß mich. Ich sag dirs, wenns mir so ist. Bob grüßt
-du, den Mittag komm ich zur Taufe. Hast du Geld? Wo feiert ihr?
-
-RINY: Bei Patt. Ich marschiere. Dein Diener sagt, du erwartest eine
-Frau. Ich lasse Patt herrichten.
-
-KEAN: Der Teufel soll den kneifen, der lügt, ich erwarte eine Frau.
-Vergiß das Geld nicht. Geh jetzt. Vergiß das andere nicht.
-
-RINY: Du könntest sagen ebensogut, ich solle meinen Kopf nicht
-vergessen. _Ab._
-
-KEAN: Salomon! _Erscheint._ Wer wird erwartet?
-
-SALOMON: Kann ich erwarten, besser zu wissen wie Sie, welche Erwartungen
-Sie haben?
-
-KEAN: Du hast dem Seiltänzer von einer Frau gesprochen, die ich erwarte.
-
-SALOMON: Ich habe erwartet, daß er eine Frau sei, deshalb habe ich
-vielleicht die Erwartung einer Frau ausgesprochen.
-
-KEAN: Ich werde dich auf Warten dressieren. Du gehst jetzt gleich in die
-Straße und vor das Haus, das dieses Bild zeigt und diese Adresse, und
-wartest, bis die Dame herauskommt. Oder du fragst nach ihr, indem du
-etwas zu verkaufen vorgibst. Du merkst dir die Dame und ihren Gang so,
-daß du sie auch in Verkleidungen erkennst. Dann kommst du zurück.
-
-SALOMON: Den Gang will ich gerne sparen. Die Dame kenne ich.
-
-KEAN: Woher?
-
-SALOMON: Als ich Sie gestern suchte, frug ich bei Monseigneur und hörte,
-daß Sie dort frühstücken. Ich bin nicht faul und gehe dahin, aber es war
-ein Irrtum. Da sah ich die Dame.
-
-KEAN: Warum hast du mich gesucht?
-
-SALOMON: Eine Dame war hier und bat mich, Ihnen zu sagen, daß sie
-wiederkomme.
-
-KEAN: Also wird doch eine Frau erwartet. Warum schleichst du auf Umwegen
-immer ans Ziel, du Serpentine?
-
-SALOMON: Ich fand Sie nicht mehr, und wenn die Dame sagt, sie erwarte
-morgen Sie zu sprechen, so wird sie doch nicht erwartet, sondern sie hat
-selbst nur Erwartungen.
-
-KEAN: Laß den Unfug, mit dem du deine Vergeßlichkeit groß machen willst.
-Du meldest den Mittag dich bei mir auf dem Artistenfest. Du bist dann
-zeitig im Theater und auf alles gespannt. Am Büro öffnest du die
-separate Tür. Du läßt die Gräfin Koefeld, auch wenn sie verschleiert
-ist, in meine Loge durch den Gang und die Wandtür führen. Vor der
-Vorstellung. Wenn dir mein Lachen lieb ist. Wenn sie nicht kommt, werde
-ich verrückt.
-
-
- SZENE DREI
-
-DIENER _mit Karte_: Die Dame wird erwartet.
-
-KEAN: Daisy Miller.
-
-SALOMON: Ich warte nicht länger. _Im Abgehen._ Es ist der Name der Dame,
-die erwartet, erwartet zu werden. _Singt_: Ach Gottsche, schenk mern
-Hambelmann, un e Kordel dezu, daß er zawwele kann.
-
-KEAN: Herein die Dame. Mein Frack. _Springt hinter eine Portiere, wo er
-sich, sichtbar dem Parkett, aber nicht der Eintretenden, fertig umzieht
-mit Hilfe des Dieners, der zu ihm kommt, nachdem er Daisy hereingeführt.
-Daisy bleibt mitten stehen, sieht sich um._ Sie haben mich verfehlt,
-verzeihen Sie; durch die unentschuldbare Haltung meines Dieners erfuhr
-ich zu spät ... Sie sind Daisy Miller?
-
-DAISY: Ich kann nicht widersprechen. Doch ich wünschte, es nicht zu
-sein.
-
-KEAN: Dann könnte Ihr Wunsch nur sein, Lady Mevil zu sein.
-
-DAISY: Dem widerspricht meine Handlung.
-
-KEAN: Die werden verfolgt?
-
-DAISY: Als ich auf die Straße trat, war ich verstoßen, Waise,
-vermögenslos.
-
-KEAN _herauskommend im Frack_: Ich sehe keine Verzweifelte. Nur Anmut.
-
-DAISY: Ich nahm Ihren Namen mit.
-
-KEAN: Den schlechtesten Kredit.
-
-DAISY: Es wog mir den Mut auf, den Tod nicht diesem Gespräch
-vorzuziehen.
-
-KEAN: Kommen Sie zu Ihren Wünschen.
-
-DAISY: Da ich ein Leben ohne Glück geführt habe, bin ich auf seine
-Änderung bedacht. Ich war im Kloster bis vor Wochen erzogen. Ich löste,
-als ich die Enge meiner mir aufgeredeten Entschlüsse erkannte, die
-Verlobung mit Mevil. Ich verließ eine Stunde vor der Vermählung das Haus
-meines Vormunds. Ich komme zu Ihnen, weil ich Ihren Beruf ergreifen
-will.
-
-KEAN: Ich habe keine Verantwortung für Ihr Leben.
-
-DAISY: In Drury-Lane dachte ich: wenn ein Mensch sich in so vielen
-anderen verkörpern kann und ihre Leidenschaft und ihr Herz mit so
-strenger Wahrhaftigkeit von sich zu geben vermag, muß es ein
-zuverlässiger Mensch sein. Wären Sie groß und mächtig nur, hätten Sie
-mich nie gesehen.
-
-KEAN: Was habe ich mit meinen Rollen zu tun? Sie kennen mich nicht.
-
-DAISY: Wer mein Herz zu solchen Tränen gerührt hat, kann nichts anderes
-als mein Vertrauen verdienen.
-
-KEAN: Ihr Vertrauen belastet mich. Ich lehne es ab. Was wollen Sie?
-
-DAISY: Ich sah Sie spielen. Das änderte mein Leben ...
-
-KEAN: Chüt ... chüt ...
-
-DAISY: Das hat mich zu meinen Entschlüssen tapfer gemacht. Denn wenn ein
-Mensch vermag, sich in anderen so sehr zu erschöpfen und darin zu leben,
-ist das der einzige Weg aus der Enge in die Freiheit.
-
-KEAN: Kein Weg für Sie.
-
-DAISY: Ich fühle den Drang zu keinem andern. Im Traum, am Tag kamen die
-Stimmen, die Bewegungen der Frauen aus den Stücken, in denen ich Sie
-sah, und verbinden sich mit mir. Ich ahme sie nach und bin voll Freude.
-Helfen Sie mir, so werde ich die einzige Hilfe haben, deren ich bedarf.
-
-KEAN: Ich verweigere sie.
-
-DAISY: Dann werde ich den Tod leicht zu nehmen wissen in der Gewißheit,
-daß dies der bessere Ausweg für mich ist, den Sie beschlossen haben, um
-mich, zu Schwache und Unwichtige, anderem Schicksal zu entziehen.
-
-KEAN: Ihre Drohung ist groß. Diese Belastung von mir ist schon Irrsinn.
-Sie verdienen die grausamste Antwort.
-
-DAISY: Ich kann nichts anderes von Ihnen erwarten wie die Wahrheit.
-
-KEAN: Setzen wir Ihr Talent voraus. Haben Sie das Leben bedacht?
-
-DAISY: Ich kenne es nicht.
-
-KEAN: Bleiben wir bei den sichtbaren Dingen. Fünf Monate Anfangsstudium
-ist das Minimum für ein Genie. Sie debütieren. Mit auffallendem Erfolg.
-Ich nehme die phantastisch-günstigsten Fälle. Man bietet Ihnen eine
-Jahressumme, die die Hälfte dessen deckt, was Sie für seidene Strümpfe
-brauchen.
-
-DAISY: Das Vermögen, das ich seit meiner Flucht nicht mehr besitze, war
-durch meiner Vorfahren äußersten Fleiß erworben. Ich bin gewohnt, zu
-entsagen.
-
-KEAN: Zu hungern. Schlechte Romantik. Gut. Aber ... die Kleider, die
-Ringe, die Pelze, die Reiher, den Samt?
-
-DAISY: Ich werde sparen.
-
-KEAN: Womit? Die Zeit ist grausamer als das Leben. Sechs Jahre braucht
-eine Venus, um unvergleichlich zu sein. Sie werden vorher Ihr einziges
-wichtiges und letztes Kapital angreifen und verzehren müssen.
-
-DAISY: Ich habe keines.
-
-KEAN: Sie haben eines. Daß Sie sehr schön sind, ist gut und ist
-schlecht. Sie werden Ihre Liebhaber haben.
-
-DAISY _läßt ihren Schleier fallen_.
-
-KEAN: Daß Sie unvergleichlich hohe Beine haben, wird Ihnen ebenso
-unvergleichlich schaden. Daß Ihr Haar reich und Ihr schmaler Busen
-köstlich ist, wird Signal zu dem Wettlauf der Vielzuvielen werden. Daß
-Sie in Notlage sind und vom Schicksal arm bestimmt durch Ihren
-tragischen Entschluß, wird Sie vor die bitterste Entscheidung zwingen,
-ob Sie sich, ob Sie Ihr Ziel erreichen wollen. Geben Sie sich selbst
-aber in das Furioso der Preise, die darauf geboten werden, um auf der
-anderen Seite Ihrer Sehnsucht Ihr Ziel zu erreichen, so haben Sie alles
-eingesetzt, um vielleicht nichts zu erreichen. Dann ist Ihr Herz
-verdorben, und Ihre Beine sind verbraucht von den Männern, und Ihre
-Brust hat keine Frische mehr, und Ihr Herz ist elend.
-
-Beweisen Sie, daß Sie robust genug sind, die heulende Furie der Kunst
-auch durch das Dasein so entsetzlicher Perspektiven mit gleicher Kraft
-wie Ihre Sehnsucht danach zu tragen. Dann rede ich Ihnen erst zu.
-
-Haben Sie im günstigsten Fall Männer, die Ihnen geben und nicht fordern,
-die Sie lieben und die Sie nicht kaufen, bricht die Kloake der Angriffe
-in anderen Höllenstürzen los. Affenhafte haarige kleine Schreiber,
-krähende Regisseure, geschwollene Intendanten werden Sie tadeln,
-schmähen, fordern, zurückstellen, verfolgen mit einer Systematik, von
-deren Gründlichkeit Sie sich keine Vorstellung geben. Und wenn Sie, von
-grellen Reflektoren bis in Ihr intimstes Boudoir jeweils beleuchtet,
-ausgeschrien und entkleidet, gejagte Hindin, atemlos von der Jagd,
-verzweifelt einem der Jäger sich geben, hat der andere Schwarm schon
-sein Halali begonnen. Sie entweichen nicht. Haben Sie das Leben bedacht?
-Gestehen Sie, daß Sie die Barriere unterschätzten, die es vor Ihre
-Absicht legt. Ihre Knochen sind sehr zart, aber Ihr Herz ist groß. Ihre
-Beine sind zu schön für solche Exkursionen.
-
-Beweisen Sie mir, daß die Zartheit Ihres Lebens so stählern und hart
-ist, um unbeschmutzt und unzerschlagen aus dem herauszukommen, und ich
-rede Ihnen zu.
-
-DAISY: Ich kann Sie nicht bitten, zu schweigen.
-
-KEAN: Sonst hätten Sie das Recht, mich später zu verfluchen.
-
-DAISY: Jeder Ausgang kann nur Dank für Ihre Güte sein.
-
-KEAN: Sie werden die Arme nach der Gerechtigkeit ausstrecken, aber Sie
-werden ein Schwein umarmen.
-
-DAISY: Was müssen Sie gelitten haben.
-
-KEAN: Ich?
-
-DAISY: Nichts von alledem kann an Ihnen vorübergehn.
-
-KEAN: Ich bin ein Mann.
-
-DAISY: Ich bedaure Sie. Daß eine gerechte Sache soviel kostet ist
-teuflisch.
-
-KEAN: Was kümmert mich der Kleinkram? Habe ich nicht eine Leistung in
-der Hand wie wenige im Jahrhundert? Kümmern mich die Schreiber, Spione,
-Paraden des Schmutzes? Oh. Wissen Sie, daß ich ein gutgewachsener Mann
-bin und zu lachen weiß? Wer kann an mich heran? O, das ist alles nichts,
-wo die tragische Lüge unserer Berufung uns immer viel tiefer sekündlich
-verhöhnt.
-
-DAISY: Wer solche Tränen geweckt, solche Leidenschaften gelöst und
-solche Liebe gerufen hat, kann nur glücklich sein.
-
-KEAN: Ich zöge es auch vor, lieber als Publikum vor meinen Talenten zu
-grinsen, statt die teuflische Meute selbst im Bauch zu haben. Bin ich
-denn nicht auch alles das, was ich spiele, und reißt es mein Leben nicht
-in sechs Teile auseinander? Seltsame Späße reißen mein Dasein ein;
-sapristi, wenn Sie die Späße kennten, die durch einen Tag meines
-Verstandes durchrollen! Ich will auf dem Rücken liegen und Wolken ansehn
-immerzu, Gnädige, am Wasser über Bergzacken hin. So bin ich einer. Ich
-will ein Heer kommandieren, so bin ich in einer Stunde. Ich will einen
-Mord begehen zum Mittag, so bin ich einer. Ich will im grünen Wagen
-hinausfahren durch Feuer und Dörfer und Kinder hinter mir her haben, die
-meinen Namen schreien, so bin ich einer später. Das alles drängt und
-stößt durch meine Brust und wechselt einander ab wie die Schildwachen,
-straff und mit Gewalt, gespannt und auf Letztes bereit. Ahnen Sie, an
-welchen Abgründen ein Tag vorbeiführt? Vermögen Sie zu verstehen, welche
-Höllen neben welchen Seligkeiten liegen? Und doch im Grunde bin ich
-nichts, was bin ich? Werde ich Wolken ansehn, werde ich Soldaten haben,
-welche Späße, Gnädigste, werde ich niemals mit dem grünen Wagen fahren?
-Ich werde keine von den Späßen leben, die mir ins Hirn gerollt sind. Es
-bleibt nur der fahle Schatten, der abends von Applaus umbellt ist, wenn
-er die Lüge dieser oder jener Existenz heruntergespielt hat. Es bleibt
-die Übelkeit, in Wahrheit nichts gelebt zu haben und sich und anderen
-für Stunden ein Betrug gewesen zu sein. Bleibt eine Tat, eine Handlung,
-etwas mehr als drei Tage Geschrei, wenn ich diese Sümpfe mit den seligen
-vertausche? Und wen soll ich gerührt, wen erschüttert, wen, mein Gott,
-für sein Leben gezeichnet sehen, wenn nach dem Abklatschen des Vorhangs
-und dem Erlöschen der Lichter ich alle Menschen die Gesichter wechseln
-und mit gewohnten Fratzen in den Karneval ihrer Erbärmlichkeit
-zurückkehren sehe?
-
-DAISY: Wer mit solcher Kraft in einer Hölle steht, muß ein gerechter
-Mensch sein. Warum haben Sie die Hölle sonst nicht verlassen?
-
-KEAN: Weil ich sie liebe.
-
-DAISY: Trotzdem sie zerreißt?
-
-KEAN: Fragt eine Leidenschaft nach Gefahr?
-
-DAISY: Sie leiden. Aber Sie wissen nicht, warum.
-
-KEAN: Drehen Sie die Lanze herum? Reden Sie mir plötzlich zu? Was soll
-dieser Ton?
-
-DAISY: Ich habe eine seltsame Erkenntnis gemacht.
-
-KEAN: Ihr Entschluß?
-
-DAISY: Richtet sich nach Ihrer Äußerung.
-
-KEAN: Kehren Sie zurück.
-
-DAISY: Ich werde dort bedenken, was Sie gesagt haben.
-
-KEAN: Denken Sie nicht nur. Entschließen Sie sich.
-
-DAISY: Vielleicht werden Sie meinen Entschluß so nötig haben wie ich den
-Ihren.
-
-KEAN: Was planen Sie?
-
-DAISY: Nichts, als daß ich von jetzt ab weiß, daß ich eine neue Mission
-habe.
-
-KEAN: Gehen Sie zurück, und beweisen Sie mir, daß Sie, ohne das
-Wichtigste zu verlieren, das Leben nicht zu ertragen, sondern zu
-beherrschen verstehen. Zeigen Sie mir an einer Bagatelle, an einem Spaß,
-an einem Nichts, daß Sie die Kräfte und die Elastizität einer stählernen
-Seele haben. Und ich rate Ihnen zu.
-
-DAISY: Ich wohne Richmond Street Vierundachtzig. Bei einer Amme.
-
-KEAN: Ich werde Mittel finden, Ihnen Unterkommen zu sichern.
-
-DAISY: Ich danke Ihnen, denn ich weiß, daß ich selbst Ihre Grausamkeit
-ertragen könnte. Weil ich Sie gesehen und besser verstanden habe als Sie
-sich.
-
-
- SZENE VIER
-
-DIENER _blitzschnell den Kopf hereinsteckend_: Prinz von Wales. _Kean
-reißt Daisy an eine Fensterportiere und wirft die darüber, bleibt selbst
-beschattet. Knapp hinter dem Ruf des Dieners kommt der Prinz._
-
-PRINZ VON WALES _zum Diener_: Ich bin durchnäßt. Vom Gaul und Regen.
-Mein Pferd wartet. Leihen Sie mir einen Mantel.
-
-DIENER: Hier.
-
-PRINZ VON WALES: Equipieren Sie mich möglichst. Handschuhe.
-
-DIENER: Hier.
-
-PRINZ VON WALES: Einen Shawl.
-
-DIENER: Hier.
-
-PRINZ VON WALES: Einen Melonhut.
-
-DIENER: Hier.
-
-PRINZ VON WALES _zu Kean_: Sie sind da? Um diese Zeit? Erstaunlich.
-
-KEAN: Treten Sie nicht an das Fenster.
-
-PRINZ VON WALES _mit der Gerte_: Zwei Füße!
-
-KEAN: Es wäre ein Unglück.
-
-PRINZ VON WALES _mit der Gerte_: Da?
-
-KEAN: Für mich. Weil ich Monseigneur hindern müßte.
-
-PRINZ VON WALES: Ihre Sorge um mich hat Pech, weil sie immer eine Sorge
-um Sie töten will. Sie täten sich keinen Gefallen, denn Sie machten
-einen Mund stumm eines Grundes halber, wegen dem er vom Pferd stieg, um
-ihn zu stärken. Sie haben das Unglück, das Übele nicht zu sehen, wenn
-Sie auf Anständiges aus sind. Sie sind ein guter Mensch, Kean.
-
-KEAN _mit abwehrender Bewegung_: Ein Vorwurf.
-
-PRINZ VON WALES: Eine Anerkennung, wo das Meskine so leicht ist. Wägen
-Sie das aneinander ab, wissen Sie, warum ich kam, obwohl ich nicht naß
-bin, und da es mit meinem Pferd zusammenhängt.
-
-KEAN: Ich warte.
-
-PRINZ VON WALES: Um die Ecke flitzte Mevils Wagen. Seine Leute halten
-mein Pferd. Unterschätzen Sie den Mann nicht. Er brüllt seine Pläne
-zusammen. Es gewittert um ihn. Ich sende Ihre Sachen zurück. _Ab._
-
-KEAN: Ich danke Monseigneur. Salomon, _er reißt Daisy heraus_: Die Dame
-über die Leiter. Durch das Treppenfenster. In den Garten. Über die
-Themse weg. Niemand soll sie sehen.
-
-
- Schluß des zweiten Akts.
-
-
-
-
- AKT DREI
-
-
- Hafenbar, ordinär, aber phantastisch. Links und rechts wie
- Badekabinen Séparés, mit hellen Vorhängen verschlossen. Hinten
- zwei Ausgänge. Zwischen ihnen in der Wand in der Art der
- Café-Biards hufeisenförmige Bar, in der der Wirt steht. Viele
- Eingänge durch die Séparés. Eine Mausefalle von Raum.
-
-
- SZENE EINS
-
-HERR _mit Maske, zum Buffet_: Eine Dame kommt heute mittag, groß,
-elegant, schwarz. Sofort in das beste Zimmer. Gut bewacht.
-
-WIRT: Ich kenne Sie nicht.
-
-HERR _hebt die Maske_.
-
-WIRT _steif vor Ehrerbietung_: Sieben Damen, wenn Sie wollen, Mylord.
-
-HERR: Respekt, du Schwein. Es ist eine Dame. Verschaff mir ein Boot.
-Schaluppe.
-
-STEUERMANN _auf des Wirts Pfiff_: Zehn Knoten die Stunde. _Zwei Apachen
-bleiben hinter ihm stehn._
-
-HERR: Unauffällig? Zu jeder Fahrt und Zeit bereit? Verschwiegen? Bist du
-kühn, riskant? Preis?
-
-STEUERMANN: Ich fahre Euch damit bei Regen ins Parlament, Mylord. Ihr
-könnt wie von einem Karussell eine knorzige Rede gegen die Wuchrer
-halten darin.
-
-HERR: Eine Kabine wird sofort eingerichtet. Die Sachen sind im Wagen.
-Abends wird Abfahrtspermiß geholt. Ist es weit? Ich fahr dich hin.
-_Beide ab, Apachen geduckt hinterher._
-
-KEAN: _In exotischer Matrosentracht, mehr Apache als Matrose, stößt mit
-den abrückenden Apachen zusammen._ Hände weg.
-
-APACHE: Sie werden eine Hochzeit in deinem Gesicht machen. _Ab._
-
-WIRT: Die ersten zwei Séparés für Ihre Gesellschaft.
-
-KEAN: Was hast du angemacht? Nichts von Katze, Hund, Ratte, Laus?
-
-WIRT: Oliven, Hering frisch, Steinbutt, Hammelbuckel, Chester mit
-Himbeer. Züngelt nicht das Spritzeln der Butter ins Ohr? Treten Sie in
-die Küche. _Kean hinein._
-
-DAISY _stürmisch herein_: Ein Zimmer ist bestellt für mich. Führen Sie
-mich hinauf. Eilen Sie. Ich erwarte einen Herrn. Voran. Rasch.
-
-WIRT: Ich führe Sie selbst. _Ab mit ihr._
-
-KEAN _zurückkommend_: Der Fisch tropft besser ab als die Gäste herein.
-_Seitentür zwischen Séparés geht auf mit Riny und sieben Artisten, die
-fast faschinghaft gekleidet sind._ Riny, du Affe, hierher.
-
-RINY: _Vorstellend._ Die Menagerie ... Well, der die Eisengewichte
-stemmte ...
-
-KEAN: Du fandest mich über einem Zaun einmal, der meinen Hals wie eine
-Gabel würgte ... _Küßt ihn_.
-
-RINY: Gonsch ... der mit dem Hintern die Pauke schlägt, während er Feuer
-frißt ...
-
-KEAN: Wir sind bei Perth zusammen über den Fluß geschwommen, um einen
-Konstable zu verhauen, und fanden einen Esel, der sich haarte. _Küßt
-ihn._
-
-RINY: Kauka, der auf dem Seil ...
-
-KEAN: ... einmal seinen schlechten Charakter nicht durch den Mund,
-sondern die Nieren blies ... du Ferkel. _Küßt ihn._
-
-RINY: Pepi, eine Neuigkeit.
-
-KEAN: Akzeptiert.
-
-RINY: Der Froschesser Viktor mit den Kaninchen ...
-
-KEAN: Ich fand dich zuerst auf der Landstraße unter einem Pflaumenbaum,
-wie ein Gaul krischst du, der Teufel habe dich, aber es hatte dich eine
-Kolik. _Küßt ihn. Die zwei Apachen kehren zurück, schleichen an
-verschiedene Séparés, pfeifen zwischen den Zähnen, es schleichen zwei
-kleine Kokotten zu ihnen._
-
-KEAN: Wo ist Bob?
-
-RINY: Im Bett. _Kean schaut erstaunt. Die Artisten »im Bett«._
-
-KEAN _zu Riny_: Da will ich mit dir sein. Warum Bob?
-
-RINY: Sein Weib, prrr, ging vor mit dem Täufling, den Pastor zu suchen,
-der immer betrunken ist. Dumme Gans, sagte zu mir Bob, weil auf der
-Treppe ich ihm über die Schulter sprang, hol meine Trompete. Wozu, frage
-ich. Für Kean. Ich lache einen Ast. Dumme Hure, schreit er, hol das
-Horn. Du hast es auf dem Kopf, sag ich. Da macht er seinen Spaß, tritt
-nach mir. Er ist nicht eleganter als ich, also kriegt die Luft den
-Tritt, ich pirouettiere und er schreit mit allen Katzen um die Wette.
-
-KEAN: Aus Luft? Ich habe ihn nur im Alkohol schreien hören.
-
-RINY: Er hatte zu stark getreten, der Schwung warf ihn wie im Schlagfluß
-um. Seine Seite war knallrot wie sein Kopf.
-
-BOB _hinkend, seine Trompete blasend, herein_: Wo ist der Affe?
-
-KEAN _tief gebückt_: Hier, Meister.
-
-BOB: Die Ohren? _Faßt daran._
-
-KEAN: Ihr werdet das andre Bein brechen.
-
-BOB: Als du vor sieben Jahren entliefst, hatte ich ein Pfund Verlust.
-Willst du sie gutwillig geben. Nein? Sprich. Rede.
-
-KEAN: Gutwillig.
-
-BOB: Willst du um Verzeihung bitten?
-
-KEAN: Indem ich Euch heut abend eine Benefizvorstellung gebe.
-
-BOB: Gnade dir Gott. Hättest du einen Schwanz, ich hätt ihn dir
-hochgezogen. _Zu Riny_: Halt das Maul.
-
-RINY: Du wolltest ein Hornsolo blasen. Ich wollte nur helfen, dir auf
-dem Kopf stehen.
-
-KEAN: Mein Lehrer ist mit Respekt zu grüßen.
-
-BOB: Willst du mir sofort schriftlich geben, daß du mir ein Benefiz
-hältst?
-
-KEAN: Den Brief ans Theater. _Schreibt gegen die Wand, alle umdrängen
-ihn._
-
-APACHE _zu seiner Midinette_: Nimm ihm die Trompete. Der Hund stieß mich
-ins Rohfleisch. _Die Midinette schleicht hinüber._ Rache in seine
-Visage.
-
-ANDRER APACHE: Wie weit liefst du dem Wagen des Mevil nach?
-
-APACHE: Bis ich Sand schluckte. Müssen am Abend genauer aufpassen und
-die Falle für ihn exakter am Hafen legen.
-
-ANDRER APACHE: Rupfen Mevil im Dunkeln das Huhn schon warm aus dem
-Schoß. Wirds teuer zahlen, Mylord. Eine schöne Falle!
-
-APACHE: Hat mal auf dich gesetzt, zwanzig Pfund beim Mätch.
-
-ANDRER APACHE: Hab ich dankbar zu sein, daß ich aus des Niggers Maul
-Zahnsalat hieb? Nein, er. Werde ihm das Lösegeld erhöhen. Very well.
-_Die Midinette greift die Trompete, zurück damit, Bob heult auf._ Zuerst
-aber diesen Hund veraasen.
-
-APACHE _setzt an, bläst. Zwei Heerlager einander gegenüber_: Das Blech
-furzt wie ein Bauerngaul.
-
-KEAN: Was an dem Mundstück hängt, muß wissen, was es ist.
-
-APACHE: Du sprichst so glatt, als hätt dich ein Walfisch ausgekotzt,
-weil du ihm zu stinkig. Wenn du Arme wie Zunge hast, kann man eine
-schöne Blindschleiche zertreten.
-
-ANDRER APACHE: Gib mir Mädchenfleisch, neben dir, für das Blech. Dann
-hat deine Nase von mir Schonzeit.
-
-KEAN: Willst du nicht den blauen Perpendikel über deinem Aug dazugeben,
-er fällt dir sonst in die Blutsuppe, die dein Riecher sich anrührt, wenn
-ich in die Nähe niese.
-
-APACHE: Merde alors. Rotznase, Spüllumpenzuckler, Saligot.
-
-KEAN _zieht den Rock aus_: Ein guter Tag, Bob. Ich will mehr als durch
-das Benefiz meine Freundschaft beweisen.
-
-APACHE _zum andern_: Drei Medaillen in Montmartre. Zwei in Edinburgh,
-Sieger über Tommy Burns. Wieviel Zähne wettest du? Sieben? Neun? Das
-Mädchen als Zugabe? Ein blasses Biest.
-
-WIRT: Konstable.
-
-KONSTABLE: Ich präsidiere die Boxkämpfe meines Viertels. Seile! Pflöcke!
-Den Ring!
-
- Man schlägt in der Mitte ein durch zwei Taue oben und unten
- umschnürtes Viereck um vier Pflöcke auf. Die Boxer mit nackten
- Oberkörpern stehn in den diametralen Ecken, werden von zwei
- Kampfrichtern massiert und abgewaschen. Blitzschnell.
-
-KONSTABLE _setzt sich auf einen Rücklingsstuhl mit dem Rücken gegen das
-Publikum vor einen kleinen Tisch_: Ich Time-keeper. Wieviel Runden?
-
-APACHE: Zehn.
-
-KONSTABLE: Zehn.
-
-KEAN: Zehn.
-
-KONSTABLE: Schiedsrichter?
-
-WELL: Ich.
-
-KONSTABLE: Ring frei.
-
- Konstable schellt. Schiedsrichter: Pfeife. Boxer umzischen sich,
- kommen in Umklammerung, Pfeife, Schiedsrichter: »trennen« --
- »break away«. Pfeife. Weiter. Apache schlägt Kean unterm Gürtel.
- Pfeife. »Saustoß«. Pfeife. Weiter. Am Seil. Pfeife. »Break away«.
- Konstable schellt. »Time«. Pause. Die Gegner auf Stühlen
- zurückgelegt in ihren Ecken werden massiert, abgewaschen, bekommen
- mit nassen Tüchern Luft in die zurückgeworfenen Köpfe geweht.
- Schelle. »Ring frei«. Pfeife. Weiter. Pfeife. »Foul blow ...
- unfair blow«. Pfeife. »Break away«. Schiedsrichter stürzt stets
- trennend mit erhobenen Armen zwischen den Kämpfenden, sich
- Umspringenden, durch. Pfeife. »Break away«. Pfeife. Weiter. Pfeife.
- »Foul«. Apache knirscht eine Fratze. Pfeife. Weiter. Schelle.
- Konstabler. »Time«. Pause wieder. Abreiben. Massieren. Luft
- wedeln. Schelle. »Ring frei«. Pfeife. Weiter. Pfeife. »Clinch«.
- Pfeife. Weiter. Pfeife. »Break away«. Pfeife. »Break away«.
- Pfeife. Weiter. Kean schlägt den Apachen in die Herzgrube, er fällt
- zusammen. Schiedsrichter, Uhr in der Hand, zählt: »one ... two
- ... three ... four ... five ... six ... seven ... eight ...
- nine ... out«. Pfeife. »Knock out«. Schelle. Apache wird
- rausgeschleift, Ring abgebrochen.
-
-KONSTABLE _die Hände Kean schüttelnd_: Solar plexus blow. All right,
-Splendid.
-
-KEAN: Mittelmäßig.
-
-KONSTABLE: No splendid. Double ... ah ... splendid. Swinging blow ...
-splendid. All right.
-
-BOB: Schülerarbeit. Einfältig. Hättest ihn im ersten Gang knock out
-machen müssen.
-
-KONSTABLE: Swinging blow. Splendid. All right.
-
-RINY: Ich hielt den Daumen.
-
-KEAN: Ich werd dir bald was anderes halten.
-
-BOB: Zweiter Gang. Miserabel. Finte kindisch. Parade schlecht. Nachstoß
-zum Heulen. Wer ist der Narr: splendid?
-
-RINY: Das dreizehnte Ei. _Frau mit Baby, Pfarrer, Gefolge kommen. Bob
-setzt sich mit der Trompete, hinkend, an die Spitze, zur anderen Seite
-hinaus._
-
-KEAN _zum Wirt_: Lad die Weiber ein, daß sie für ihr gefallenes Pferd
-andres Fleisch kriegen.
-
-WIRT: Die Taufe im Nebensaal. Ich werde umdecken, wenn Sie alle Puffs
-dazu laden.
-
-KEAN: Warum bist du neidisch auf das, dem du dich besser dünkst?
-
-RINY _kurz zurückeilend_: Denkst du an den Wagen, Kean?
-
-KEAN: Ich denke, Riny. _Riny ab._ Halo ... halo ... _Rufend zum Wirt_:
-Einen Boten für den Brief. Theater Drury-Lane. _Gibt ihm den Brief._
-
-WIRT _in die Küche_: Den Sekt aus meinem eigenen Zimmer. Keinen
-gepantschten hier.
-
-
- SZENE ZWEI
-
-DAISY: Endlich. Ihre Stimme. Ich wartete nicht im Zimmer. Konnte nicht
-bleiben. Hielt mich an der Klinke. Sie gab nach.
-
-KEAN: Mein Erstaunen -- verzeihen Sie -- ist nicht geringer als mein
-Entsetzen.
-
-DAISY _erstarrt_: Unmöglich. Gott kann so grausam nicht sein.
-
-KEAN: Ein Lokal für Verbrecher und Hafendirnen.
-
-DAISY: Ich habe nicht gezögert, zu kommen.
-
-KEAN: Aber Sie wagen, mir eine Erklärung zu geben, die keine ist.
-
-DAISY: Ich kam auf Ihren Brief.
-
-KEAN: Wer ist hier irrsinnig geworden?
-
-DAISY: Sie bestellten mich hierher. Sie schrieben mir: Kommen Sie; Sie
-wohnen unsicher. Ich kann Sie nicht holen, ich bin bewacht. Es gab für
-mich nur einen Gedanken: zu folgen.
-
-KEAN: Der Brief.
-
-DAISY: Hier.
-
-KEAN: Sie sehen, welche Seite meines Namens man für kreditwürdig hält.
-Tod, Hölle, Heilige. Man hat meine Schrift gefälscht und meinen Namen
-ausgenutzt.
-
-DAISY: Ich habe nur an die rechte Seite Ihres Wesens gedacht. So mußte
-ich kommen.
-
-KEAN: Sie waren daran, Ihrem Lieblingsteufel ins Boudoir zu laufen.
-
-DAISY: Ich habe Sie nicht gesucht und finde Sie auch in dieser Gefahr
-durch die Schickung.
-
-KEAN: Sie schlagen besser dem schönen Zufall ein Stück Nase ab, um ihm
-dankbar zu sein, statt ihn aufzubauschen.
-
-DAISY: Ich hatte Sie nie gesucht. Als ich zum erstenmal im Theater Sie
-sah, änderten Sie schon nicht nur meinen Weg. Sie retteten mein Leben.
-
-KEAN: Haben Sie keine anderen Entscheidungen wie immer den Tod?
-
-DAISY: Nicht für mich. Ich kam aus dem Kloster, sprach nicht, hörte
-nicht, sah nicht. Man gab mir Bäder und Ärzte. Durch eine List lockte
-man mich ins Theater, ich hörte Romeo, Hamlet, der Tiefsinn riß auf in
-mir.
-
-KEAN: Konstable.
-
-DAISY: Sie werden keine Gewalt ausführen.
-
-KEAN: Sie haben an Edmond Kean appelliert, als Sie zu mir kamen.
-
-DAISY: An Ihre Güte.
-
-KEAN: Ich habe eine Verpflichtung gegen das Unrecht übernommen, die auch
-Ihr Einspruch nicht erledigt.
-
-DAISY: Wenn ich Sie bitte, nichts zu unternehmen gegen den Mann, der
-mich hierher bestellte, tu ichs, weil ich die Absicht habe, ihm zu
-folgen.
-
-KEAN: Dem Entführer ...
-
-DAISY: Ich habe eine Mission. Was kümmert mich alles andere?
-
-KEAN: ... vor dem Sie heut früh noch sterben wollten.
-
-DAISY: Ich werde mich an ihn gewöhnen lernen.
-
-KEAN: Sie sind wahnsinnig.
-
-DAISY: Es wird leicht sein, denn ich weiß, warum ich es tue.
-
-KEAN: Sie opfern sich.
-
-DAISY: Ich tue, was ich vorhabe, mit Liebe und Bedacht.
-
-KEAN: Für eine Mädchenträumerei, eine ideale Hysterie, einen tragischen
-Irrsinn.
-
-DAISY: Als ich Ihr Haus verließ, wußte ich, es gab nur eins für mich:
-irgend etwas zu suchen, was Ihr Leben auch nur im Geringsten fester
-gestalten könnte. Ich will nichts von Ihnen. Aber ich erbitte die
-Freiheit, zu tun, was ich muß.
-
-KEAN: Sie glauben, es sei etwas wert, eine der Beschwerlichkeiten, die
-einen Tag mir durchschwirren, wegzunehmen, indem Sie das Leben
-einsetzen? Sie schwärmen, Kind.
-
-DAISY: Ich hätte gedacht, meine Dankesschuld höher abtragen zu können.
-Aber die Gewißheit dieser Kleinigkeit schon wird mich leicht das wagen
-lassen, was mir entgegensteht. Es hat keine Schrecken mehr.
-
-KEAN: Konstable! _Zu Daisy_: Kommen Sie. Ich befehle es Ihnen.
-
-DAISY: Wenn Sie mich zwingen, muß ich folgen. Und daran glauben.
-
-KEAN: Konstable!! _Erscheint._ Ich führe diese Dame in ihr Zimmer. Sie
-bleiben davor, und wenn Skelette angeritten kommen. Ich bin Kean.
-
-KONSTABLE: Der Boxer?
-
-KEAN: Der Schauspieler. _Konstable steht stramm._
-
-DAISY: Nun wollte ich für Sie etwas tun, wieder tun Sie es für mich. Wie
-belastet mich Gott, daß Sie mich sogar dazu zwingen. Was kann ich tun,
-um auch dies zurückzugeben?
-
-KEAN: Zum Teufel mit der Güte, mit der Sie mich bombardieren. Ich kann
-nichts anfangen damit. Gehen Sie. Wir werden eine Jagd heute noch haben.
-_Öffnet die Tür. Daisy voran, dann er, dann der Konstable._
-
-
- SZENE DREI
-
-SALOMON _von einer, Wirt von anderer Seite_: Kean?
-
-WIRT: Sofort zurück.
-
-SALOMON _mit Journal_: Weißt du, daß die Zeitungsschreiber schlimmere
-Idioten sind als Zapfkellner?
-
-WIRT: Hein?
-
-SALOMON: Weißt du, warum die Zapfkellner kleinere Idioten sind wie die
-Zeitungsschreiber?
-
-WIRT: Hein?
-
-SALOMON: Weil sie mit giftigem Schaum, die Kellner mit gutem betrügen.
-Kann ein Mann, dem ein andrer ein Weib ausspannte, gut über den andern
-reden?
-
-WIRT: Nein.
-
-SALOMON: Doch, du Nashorn, du Idiot. Das muß er, wenn er ein anständiger
-Mensch ist. Dieses Wurm aber windet sich und schreibt, Kean sei ein
-wildes Aas gewesen und hätte in einem Zirkus als Pavian brüllen sollen.
-
-WIRT: Es wird ein Zoologe gewesen sein.
-
-SALOMON: Weil Kean ihm Hörner aufgesetzt hat. O yes. Kann ein Mann, dem
-ein andrer viel Geld gibt, vom Konkurrenten dieses Mannes gut reden?
-
-WIRT: Nein, Sir.
-
-SALOMON: Was ... Sir ...? Doch er muß gut reden, du Kannibale, du
-Biertrompete. Diese Zuckerstange lutscht sich ab, Kean habe
-mondscheinhaft wie eine Jungfrau im Monatlichen gesäuselt. _Singt_: Ach
-Gottsche, schenk mern Hambelmann, un e Kordel dezu, daß er zawwele kann.
-_Artisten mit Pfarrer, Amme, Taufzug, Bob an der Spitze mit Trompete,
-zurück. Parademarsch. Stellen sich in einer Reihe auf._
-
-GONSCH: Ich will ihm zeigen, daß ich noch Feuer fresse wie ein Tapir.
-
-KEAN _zurückkommend_: Salomon! Gut. Geh beizeit.
-
-VIKTOR: Ich will ihm zeigen, wie meine Frösche und Kaninchen sich
-paaren. O lala. O lala.
-
-KEAN _zu Salomon_: Am Gang. In die Garderobeloge. Sie kommt in Schwarz.
-Mit einem Schleier. Die Türen müssen auf sein. Weiter ist nichts nötig.
-Kontrollier!
-
-WELL: Ich will ihm zeigen, daß ich das ganze Lokal auf die Nase stemme.
-
-KEAN: Ich will Riny tanzen sehn. Erste Programmnummer. Ein Tisch. Rasch.
-
- Die Artisten: »hip hip hurrä«. Riny auf dem Tisch rechts. Jemand
- singt, die anderen mit scharfem, raschem Händeklatschen während
- des Tanzes; alle oval um den Tisch rechts. Trommel.
-
- A me me gusta un harenque
- porque es muy dulce por dentro
- con la garotin con la garotan
- con la vera vera vera lan ...
- A me me gusta un harenque
- potque es muy dulce por dentro
- con la garotin con la garotan
- con la vera vera vera lan.
-
- Während Riny, Kopf zurück, wild tanzt, öffnet sich links durch zwei
- weit auseinanderfliegende Vorhänge das vorderste Séparé. Eine
- Anzahl uniform gekleideter Apachen mit Weibern, hell geschminkt,
- sitzen um einen Tisch, pfeifen auf den Fingern, schieben
- blitzschnell beim Fallen des Vorhangs den Tisch vor, daß er parallel
- zu dem der Artisten steht, eine Apachin springt rauf, tanzt, Riny
- zu übertrumpfen, wüster. Apachen im Oval drum herum, die Artisten
- rasen rascher mit dem Händeklatschen, die Apachen stampfen den
- Takt ihres Liedes mit den Füßen. Ihr Lied, frecher:
-
- Elle avait un petit cadenaz,
- elle avait un petit cadenaz,
- et pour que ça se ne voie pas,
- elle a mis là dessous
- une chemise à vingt sous,
- elle avait un petit cadenaz,
- cadenaz, cadenaz, cadenaz.
-
- Jede Partei feuert ihre Tänzerin an, der Rhythmus überschlägt
- sich. Es wird ein Jazz. Die Artisten hämmern mit Deckeln und
- Tamburinen, die Apachen schießen mit Revolvern. Die Körper bis
- zur Schulter tanzen wie Schlangen. Die Schultern und Köpfe,
- Zigaretten im Mund, bleiben völlig unbewegt. Apachen wechseln
- plötzlich zu Riny hinüber. Da schießt die Apachin wütend darüber
- mitten im Tanz Riny über den Haufen. Dann wirft sie sich sofort
- heulend auf Riny, wird beiseite geworfen. In einem Séparé geht eine
- Weile noch Musik und Gesang weiter.
-
-WIRT: Konstable.
-
-KEAN: Arzt.
-
-RINY: Kean.
-
-KEAN: Ein dünnes Loch, Kind. Heilt in acht Tagen. Auch dir ein Benefiz.
-
-RINY: Vom grünen Wagen.
-
-KEAN: Das wird der fabelhafteste Sommer, den du sahst ... Arzt! zum
-Teufel ... Verdreh die Augen nicht. Hör. Gehorche. Ich befehle.
-
-RINY: Kean. _Stirbt über den Tisch._
-
-ARZT _erscheint_: Tot. Herzspitze. Herzbeutel. Blutung nach innen.
-Thorax. All right.
-
-KONSTABLE: Wo ist das Vieh?
-
-KEAN: Zurück an Ihren Posten. Auf der Stelle. Verflucht, zurück. Ich
-befehle es. Kean.
-
-KONSTABLE: Das Gesetz ...
-
-KEAN: Schützt zuerst das Leben. Marschier. _Konstable marschiert ab,
-Artisten mit Riny in eines der Séparés, Kean den Revolver in der Hand._
-
-BOB: Spiel nicht Hamlet, Stümper.
-
-KEAN: Wiesen, Gärten, Flüsse. Meine besten Träume.
-
-BOB: Wärst nicht mit ihr gefahren. Hast damit gespielt. Hattest als
-Junge sieben Mücken im Hirn, fingst keine. Bist Dreiviertelmann
-geblieben. Willst, tust nicht. Solar plexus blow war nicht splendid, war
-Saustoß, Konstable ist besoffen. Selbst Boxen kannst du nicht.
-
-KEAN: Du tadelst mich recht, Meister, du kennst mich allein.
-
-BOB: Hast sieben Köpfe, verlierst sechs, findest mit dem siebenten nicht
-zurecht. Solltest unter meine Fuchtel.
-
-KEAN _zur Apachin, die unterm Tuch hervorkriecht_: Durchs Fenster
-Kanaille.
-
-BOB: Schlag sie tot. _Apachin ab._
-
-KEAN: Warum soll sie sterben? Armes Tier, stachelgewickelt, ausgestoßen,
-arm wie wir. Der Tod fliegt mir vor die Füße, wenn ich bei euch ausruhe.
-
-BOB: Geh über das Bündel weg, mein Sohn.
-
-KEAN: Ich bin nicht glücklich, Meister.
-
-BOB: Man hat dir eine Laune erschlagen. Erlaub dir andre. Ich hab dich
-mehr als die andern geliebt. Durchschau den Humbug Tod. Ist nichts
-hinter der Knallerbse. Du hast die falsche Bange. Mit sechzehn Jahren
-warst du schon schwach begabt, fielst beim Seiltanz in die Nesseln. Dein
-Hochschlag ist miserabel. Lern Boxen.
-
-KEAN: Die Welt soll Gott auf dem Zinken verkrachen, wenn ich mir die
-Laune verderben lasse, Meister. Zumal ich noch bedeutsame Pläne heute
-habe, Bob, die mich anziehn. Meister. Hättest du das gedacht früher? Paß
-auf. Soll ich ... mit meinen ... Freunden ... im Dreck nicht ... gut ...
-zusammen sein. _Tanzt, schreiend._ Kauka, ich will dich Frösche essen
-sehen ... is a long way to Tipperary ... _Die Artisten kommen, steif,
-gespenstisch, geometrisch, stellen sich in einer Reihe auf_ ... Well,
-deine Nieren sollen rasseln ... Viktor, die zahmen Kaninchen werden
-Löcher in die Wände brüllen müssen ... Is a long way to Tipperary ... is
-a long way to go ...! _Mann in Maske erscheint, stößt an den torkelnden
-Kean._
-
-
- SZENE VIER
-
-HERR _in Maske_: Weg, Walfischkeeper.
-
-KEAN: Is a long way to Tipperary ...
-
-HERR: Fünf Schilling, gehst du weg. Hilf mir.
-
-KEAN: Atout auf deine Nase, wenn du pokern willst. Nimm erst die Fratze
-ab.
-
-HERR _hebt den Stock_: Auf deinen Buckel eine Fratze, Teerschwein.
-
-KEAN _torkelnd_: Auf deine Fratze einen Buckel. Knock out.
-
-HERR _um ihn herum zur Tür nach innen, Kean davorschnellend_: Auf die
-Seite. Hand weg.
-
-KEAN: Maske ab.
-
-HERR: Ein Irrer.
-
-KEAN: Gutwillig?
-
-HERR: Wirt, Diener, zehn Pfund.
-
-KEAN: Zwecklos. Maske ab. _Reißt sie weg._ Lord Mevil.
-
-MEVIL: Gauner, Stromer, du büßt mir die Falle.
-
-KEAN _mit vollem, großem Organ, weltmännischer Haltung_: Wer dreht die
-Schuldurteile um? Wer büßt? Ich, Lord Mevil?
-
-MEVIL: Kean! Verdammt. Unterschätzt. _Stampft auf. Dreht rasch hinaus._
-
-KEAN: Wenn Sie das Zimmer verlassen, eh ich meine Aufgabe hier erfüllt
-habe, schieß ich Sie zusammen.
-
-MEVIL: Du ... schießt ... Bursche ...
-
-KEAN: Hat der fliehende Mädchenräuber andres zu erwarten?
-
-MEVIL: Rückwärtsschuß von dem, welchem kein Hund Satisfaktion gibt.
-
-KEAN: Zu edel noch dem Feigling, der meinen Namen mißbraucht, hinter der
-Maske sich verbirgt, für seine zerfressenen Rippen.
-
-MEVIL: Unmöglich, mich zu beleidigen. Genug. Was willst du, Komödiant?
-Geld? Pferde? Wagen? Enfin? Seiltänzer! Herbei, Wirt, Matrosen.
-
-KEAN: Der Seiltänzer hat eine Absicht mit Ihnen. Er will ihm nichts
-nehmen, er will ihm etwas geben.
-
-MEVIL: Stockprügel zurück für dein Geschenk.
-
-KEAN: Schluß. Tun Sie den Mund, ungebeten, noch einmal auf, laß ich Sie
-über den Tisch legen und auf hier usuelle Art behandeln. _Winkt._ Neben
-ihn! _Zwei der Artisten mit aufgekrempelten Ärmeln, Fäuste in den
-Hüften, neben Mevil._
-
-WELL: Ein adliges Kotelett.
-
-KEAN _ruhig_: Ich bin kein Richter. Mich geht es nichts an, daß Sie
-Wechsel fälschten, Männer kränken, Frauen mit Geldsäcken rauben, selbst
-meinen Namen pfuschen und schänden. Mich geht es irgendwie nichts an,
-aber ich bedaure Sie in Ihrer Maske. Sie sind nie ohne Maske
-ausgegangen. Das ist ein schweres Versäumnis.
-
-MEVIL: Was habe ich versäumt?
-
-KEAN: Sahen Sie Gehenkte zwischen den Schornsteinen die Zunge blecken?
-Heizer an Öfen, Kondukteure beim Schwung über verfaulte Brücken,
-Zerquetschte zwischen Eisenbahnpuffern? Wer, verdammt, die Keucherei
-eines Dockarbeiters gesehen, weiß, wie elend sein Existieren ist, wer
-die Absynthsäufer in der Gosse röcheln hörte, weiß, wie abscheulich
-dieses verfluchte Dasein ist, wer die entsetzliche Stumpfheit der
-Auslader kennt, weiß, wie melancholisch das Leben ist. Man verachtet
-dann nicht mehr. Man bestaunt. Das haben Sie nicht gesehen.
-
-MEVIL: Dahin soll ich gehn?
-
-KEAN: Kenne ich nicht vom Bordell bis zu Monseigneur die Welt! Hätte ich
-die Anmaßung, Ihnen sonst Ratschläge zu geben, der Sie länger und besser
-aus dem Vollen lebten wie ich. Bin ich ein idealistischer? Ein Stümper
-bin ich, ein Komödiant, ein bißchen Mensch. Habe ich mich je gesträubt
-gegen etwas, was mir die Welt entgegenwarf, etwas verschmäht: einen
-Frauenbauch voll Wildheit, irgendeinen Luxus, eine Segelfahrt, ein
-Gelage, ein Diner mit Krammetsvögeln und Tanzweibern? Nie. Alles nahm
-ich. Aber ich habe nicht das Gefühl: hier fängt Welt an. Hier hört Welt
-auf. Wie wäre ich aufgeschmissen und was für ein kleiner Snob. Ich
-vergesse nicht, wo ich herstamme. Sie aber müßten es vergessen. Ich
-marschiere von unten nach oben. Sie sind nicht von oben nach unten
-marschiert. Das ist Ihr Fehler. Ich messe das verdammte Dasein nicht
-zwischen Laster und Parfum mit den Zentimetern, sondern mit der
-Riesenspanne aus dem Hafen bis nach Buckingham.
-
-MEVIL: Das soll ich tun?
-
-KEAN: Eine Anleitung zum Leben für Sie. Grotesk. Welche Situation.
-Lieben Sie die W. C. und die Kokotten, Ihre Damen und die Säue, dann
-kommen Sie aus der Schaukel und spüren Boden. Anleitung zur Kühnheit.
-Das Leben breitet sich aus, wird wilder. Man kennt die Gefahren und
-bewundert die Abgründe, schließt sich nicht ein, sondern macht eine
-Offensive hinein. Man versteht dann mehr. Anleitung zur Bewunderung.
-
-MEVIL: Sie wünschen es?
-
-KEAN: Ich könnte Sie zerschlagen. Habe ich nicht Grund dazu? Lasse Sie
-in Ketten abführen, Sie sind mit Haar und Seele in meiner Gewalt. Sie
-haben mich geduzt, um mich zu kränken. Gehen Sie, Sie sind frei.
-Vergessen Sie nicht, was ich sagte.
-
-MEVIL _Faust auf den Tisch hämmernd_: Verflucht. _Stürzt ab._
-
-BOB: Hättest schlagen sollen. Neue Rolle. Bergpredigt. Stümper, Kean.
-Splendid, wenn du ihn mit left hand lead off at the mark genommen,
-abgeblitzt sein ducking away, dann infighting auf die Arme, dann back
-spring und darauf gewaltig knock out. Knockout, Knockout, mein Sohn. Das
-ists. Wird dirs schwer heimzahlen, daß du in Anstand machtest. Hab dich
-mehr geliebt als alle, die ich Niagarasprung lernte. Bist
-Dreiviertelmann geblieben, Kean, Stümper. Edmond Kean. Ich heule. Selbst
-Boxen kannst du nicht. Lern Boxen.
-
-KEAN: Vielleicht irrst du, Meister.
-
-
- Schluß des dritten Akts.
-
-
-
-
- AKT VIER
-
-
- Keans Garderobe im Theater. Durch Portiere mehrfach gespaltener
- Raum.
-
-
- SZENE EINS
-
-REGISSEUR _zu Kean, der eintritt_: Knallvoll.
-
-KEAN: Kassenrapport?
-
-REGISSEUR: Ausverkauft. Die Summe ist noch nicht ausgearbeitet.
-Ausverkauft ohne Freikarten.
-
-KEAN: Was wollen Sie?
-
-REGISSEUR: Eine Bitte.
-
-KEAN: Wagen Sie sie.
-
-REGISSEUR: Man trampelt auf den hinteren Reihen.
-
-KEAN: Salomon!
-
-SALOMON: Hier. Anwesend.
-
-KEAN: Umziehn.
-
-REGISSEUR: Eine Viertelstunde.
-
-KEAN: Zehn Minuten. _Regisseur ab. Zu Salomon_: Wie kommt das? Du bist
-früher da wie ich.
-
-SALOMON: Ich lief von der Taufe noch über die Wohnung.
-
-KEAN: Und ...
-
-SALOMON: Nach dem sechsten Akt.
-
-KEAN: Sofort.
-
-SALOMON: Die Nacht gekneipt. Tags Tauffest, Boxkampf, Mord. Vor der
-Aufführung noch Galle. Schonen Sie Ihr Leben.
-
-KEAN: Du fandest ...
-
-SALOMON: Siegel auf allem.
-
-KEAN: Der beschnittene Jude ...
-
-SALOMON: ... ist nicht mehr der Schuldner.
-
-KEAN: Aber ...
-
-SALOMON: ... der Konstable vertrat vier Parteien. Vierhundert Pfund.
-
-KEAN: Ein Arrangement. _Zuckt die Achseln._
-
-SALOMON: Robustestes Verfahren. Die Anwälte entschuldigten sich.
-
-KEAN: Sie vertraten ...
-
-SALOMON: Lord Mevil.
-
-KEAN: Sakrament. Die Bremse. Sticht rasch. In wenigen Stunden. Ein
-ganzer Plan. Ich habe es vermutet. Was tun?
-
-SALOMON: Ein Journalist nahm eine Besichtigung vor.
-
-KEAN: Ein Schlachtplan. Ah. Jeden Tag schreibt ein Stallknecht. Was
-tuts?
-
-SALOMON: Der Staatsanwalt hat eine Untersuchung eingeleitet wegen
-Raubversuch.
-
-KEAN: Gegen Mevil.
-
-SALOMON: Gegen Kean.
-
-KEAN: Er wird auf meinen Brief hin glatt erledigt.
-
-SALOMON: Sie haben den Brief nicht mehr. Aber er hat einen, in dem Sie
-ihn in die Taverne locken.
-
-KEAN _sucht_: Ich habe ihn nicht mehr. Man hat ihn mir rasch geklaut.
-Einen anderen wieder gefälscht. Das Böse hat sich konzentriert. Ein
-Plan, eine Front, eine Umzinglung. Ich werde sie durchbrechen. Paß auf.
-Ich kann großmütig sein. Ich kann es auch wieder vergessen. Ich kann
-auch anders. Sacré.
-
-SALOMON: Wo werden Sie heute nacht schlafen?
-
-KEAN: Im Hotel. Nein. Bestell einen Taxi. Ich fahre die Nacht durch die
-Parks von London, es ist ja Mond. Welches Panorama.
-
-SALOMON: Looping the loop. Nehmen Sie lieber die vierhundert Pfund aus
-dem Benefiz.
-
-KEAN: Teufel. Wie widerlich. Den Seiltänzern was nehmen.
-
-SALOMON: Borgen.
-
-KEAN: Noch schlimmer. Lakaienrat. Kein Wort mehr. Ich fahre.
-Verschwinde. _Es klopft. Kean, halb umgekleidet, öffnet eine geheime
-Schranktür. Helène erscheint. Kean schließt die Tapetentür. Schließt mit
-dem Schlüssel die Garderobentür. Zurück. Fassungslos._ Welches Glück.
-Welch sinnloses Glück.
-
-
- SZENE ZWEI
-
-HELENE: Was wollen Sie noch? Welche Probe? Welches Kunststück haben Sie
-mir noch vorzuschreiben?
-
-KEAN: Sie demütigen mich.
-
-HELENE: Welche Steigerung haben Sie bereit? Welche Kühnheit? Welche
-Tollheit soll Sie jetzt noch reizen, wo Sie das erreicht.
-
-KEAN: Es gibt kein Höher mehr. Denn bald werden Sie wieder gehen.
-
-HELENE: Ihr einziges Gefühl Entgeisterung? Trauer? Deshalb kam ich
-nicht. Gestehen Sie: Sie zwangen mich.
-
-KEAN: Ihre Neugier.
-
-HELENE: Zweifeln Sie an meiner Liebe? Nach dem, daß ich hierher kam?
-
-KEAN: Eine sehr große Probe. An Kühnheit größer als mein Wunsch.
-
-HELENE: Was wünschen Sie noch? Entkleiden Sie mich. Schlagen Sie mich.
-
-KEAN: Ich bin kein Verführer. Ich liebe Sie nur.
-
-HELENE: Welche Bemühung wollen Sie also noch? Sagen Sie es. Ich erfülle
-es. Mein Teil ist dann gegeben, mein Teil ist dann klar.
-
-KEAN: Fordern Sie jede Handlung von mir, das Unmögliche.
-
-HELENE: Später frage ich Sie. Jetzt antworten Sie mir. Was soll ich tun?
-Sie können alles sagen.
-
-KEAN: Was ich besitze, ist schon nicht mehr mein. Die Erde ist neidisch.
-Was ich nicht ganz besitze aber, will ich allein haben.
-
-HELENE: Mein Gatte?
-
-KEAN _Handbewegung_: Mehr.
-
-HELENE: Furcht? Ein Gefühl, das ich nicht vermutet. Reden Sie.
-
-KEAN: Wenn ich weiß, daß ich auf meiner Seite groß bin, so weiß ich, es
-gibt nur eines, groß genug, was ich zu fürchten brauche: Macht.
-
-HELENE: Wales ...
-
-KEAN: Ich sah Sie nie ohne ihn. Erklomm meine Sehnsucht die
-Fahnenstange, riß mich die Eifersucht dunkel herunter, ich kann nichts
-dafür, daß mein Herz toll ist.
-
-HELENE: Ich werde ihn nicht mehr sehen. Genügt es?
-
-KEAN: Zuviel. Sie können das nicht halten. Heute abend ...
-
-HELENE: Ich verlasse das Theater. Sie sehen ihn allein in der Loge.
-
-KEAN: Fehlt er aus Zufall, sterbe ich, Sie könnten mit ihm zusammen
-sein.
-
-HELENE: Seltsame Frauen, die Sie früher getroffen haben müssen. Glauben
-Sie nicht, daß ein Entschluß so groß, ein Plan so kühn sein kann, daß
-man den Einsatz glauben muß.
-
-KEAN: Ich glaube.
-
-HELENE: Nun frage ich.
-
-KEAN: Fragen Sie groß, viel.
-
-HELENE: Sie irren. Was an ungeheurem Einsatz gegeben werden kann in
-dieser Partie, trage ich allein als Risiko. Sie nichts. Was geben Sie?
-
-KEAN: Mich. Liebe. Meinen Beruf. Fliehen Sie mit mir.
-
-HELENE: Schwärmerei. Was soll ich mit Dingen, die uns schaden?
-
-KEAN: Meine irrsinnige Verehrung.
-
-HELENE: Voraussetzung. Wäre ich sonst da?
-
-KEAN: Was wollen Sie? Garantien, Geld, Stellung, von mir?
-
-HELENE: Würde ich das bei Ihnen suchen?
-
-KEAN: Kein Opfer?
-
-HELENE: Die gebe ich.
-
-KEAN: Keine Handlung? Keine Tollheit? Also Tod.
-
-HELENE: Spielerei. Romantik für Kinder. Worte. Worte. Ich brauche
-Beweis. Keine Phantastik. Gibt es Phantastischeres, als was ich gewagt?
-
-KEAN: Was kann an so Deutlichem und Kleinem die Gegenwagschale füllen,
-daß unsere Partien auf gleich stehn?
-
-HELENE: Ein großes und ruhiges Herz. Unbedingte Sicherheit. Das
-Zuverlässige. Der Ruhepunkt.
-
-KEAN: Sie werden es haben.
-
-HELENE: Ich wage die Probe. Auch gegen das Unzuverlässige Ihrer
-unbiegsamen Männlichkeit. Ein Vertrag. Vergessen Sie nicht, man kann ihn
-verlieren. Ich wage den Pakt.
-
-KEAN _umarmt sie_: Welches Glück. Ihre Stimme. Ihre Brust. Ihre Hüften.
-
-HELENE: Nehmen Sie dies Bild. Lassen Sie sich dadurch warnen. Denken Sie
-immer an mich. Jede Sekunde. Nehmen Sie diese Dose. Jede Sekunde.
-
-KEAN: Welches Wunder. Dieser Körper, dieser stolze Geist. _Es klopft._
-Abgeschlossen. Keine Erregung.
-
-PRINZ VON WALES _draußen_: Kean.
-
-HELENE _mit Haltung_: Wales.
-
-PRINZ VON WALES: Ich, Kean.
-
-GRAF KOEFELD: Ich, Koefeld.
-
-KEAN: Verschleiern Sie sich. Welcher Irrsinn. Welcher Schmerz. Haltung.
-Ich liebe Sie. Ruhe ... _Nach außen_: Welche Betrügerei. Sind Sie Prinz
-von Wales, beweisen Sie es ... Ihre Tasche, Helène. Lassen Sie Ihr
-Gefühl zu mir die Widerwärtigkeit nicht vergelten. Sie sind sicher ...
-_Nach außen_: Man will meine Garderobe pfänden, man verfolgt mich wegen
-vierhundert Pfund ... _Es klopft dauernd._ Helène, dicht an der Grenze
-des Glücks, ich zittre ... _Nach außen_: Sind Sie Prinz von Wales,
-schreiben Sie Ihren Namen auf und reichen Sie ihn herein. Sind Sie ein
-Betrüger, werden Sie es nicht wagen. _Zieht den Schlüssel heraus, hängt
-ein Tuch vor, zurück._
-
-PRINZ VON WALES: Amüsant. Was tun Sie?
-
-KEAN: Ich öffne die Tür weit genug für Ihren Namen.
-
-HELENE _an der Tapetentür_. Helfen Sie mir.
-
-PRINZ VON WALES: Halo, nehmen Sie doch.
-
-KEAN _an der Tapetentür arbeitend_: Sofort. _Der Knopf springt ein, die
-Tapetentür auf, Kean zurück, zieht aus der Garderobentür ein Papier._
-Einen Augenblick. Ich kontrolliere. Mein Licht ist schlecht. _Zu
-Helène_: Sie nehmen mein Herz mit und meinen Stolz. Welches Glück, Ihr
-Hals, Ihre Kühnheit. In der Todesstunde werde ich es nicht vergessen.
-Sehn Sie, wie ich zittre. Ich habe noch nie gezittert.
-
-PRINZ VON WALES: Außen ist alles hell. Lehnen Sie mich ab?
-
-KEAN: Der Schlüssel, Monseigneur, das Aas von Schlüssel.
-
-HELENE: Denken Sie an den Pakt. Jede Sekunde. Diesen Ring noch. Jede
-Sekunde, Kean. Ich darf mich nicht irren dieses Mal.
-
-KEAN: Bleiben Sie im Theater.
-
-HELENE _schon innen im Gang_: Dann sehen Sie mich das letzte mal mit dem
-Prinzen. Ertragen Sie es?
-
-KEAN: Gerade. Mein Herz ist groß genug. Ich will es ertragen. _Taumelnd,
-auf die Knie geworfen, als die Tapetentür zufällt, schwindelnd, dann
-auf, es klopft, gefaßt zur Tür, schließt auf._ Eine Note von vierhundert
-Pfund. Diese Größe haben nur die Buchstaben im ABC von Monseigneurs
-Güte. Der Schlüssel. _Öffnet. Wales und Koefeld treten ein._
-
-
- SZENE DREI
-
-PRINZ VON WALES: Der Graf will die Kulissen sehen. Im Diplomatischen
-kennt er das, erfahrungsweise. Was ist das?
-
-KEAN _Salomon und Friseur hinter ihnen hereinkommend_: Souffleur und
-Friseur. Salomon übergibt dem Prinzen von Wales die Banknote mit meinem
-Dank. _Prinz macht eine Bewegung._ Trag sie an die Kasse. Monseigneur
-zahlt damit die Loge für das Benefiz der Kranken. Besichtigen Sie die
-Loge, Graf. _Friseur führt Koefeld in den Nebenraum._
-
-PRINZ VON WALES: Keine Portiere? Keine Falltreppe im Betrieb?
-
-KEAN: Monseigneur, nehmen Sie Platz. Kennen Sie das Fell?
-
-GRAF KOEFELD _im sichtbaren Nebenraum zum Friseur_: Heben Sie den Fächer
-auf, der mir fiel. _Betrachtet ihn sorgfältig, steckt ihn ein, zurück._
-Meine Komplimente. Das ist ja gar nicht ungewöhnlich. Könnte
-Ankleideraum höherer Militärs sein. Charge ab Generalmajor. Komplimente.
-Auch Säbel. Heilo! Waffen auch. Bardala. Famos.
-
-KEAN: Ich habe das Außergewöhnliche nie bei Menschen getroffen. Bei
-einem Bären einmal, eine zu lange Geschichte. Entschuldigen Sie mich
-zwei Minuten zum Frisieren. Es schellt irrsinnig. _In den Nebenraum, wo
-er voll umgezogen wird, die Romeojacke erhält._
-
-PRINZ VON WALES _zu Koefeld_: Enttäuscht? Daß keine Weiber da waren?
-Sehen Sie. Armer. _Zu Kean hinter der Portiere._ Haben Sie Ärger?
-Nervös? Ein Kummer? Ich sah Sie nie so eilig.
-
-KEAN: Enttäuschungen, Monseigneur.
-
-PRINZ VON WALES: Falsche Einstellungen, Kean. Erwarten Sie nichts, ist
-alles ein Geschenk. Erwarten Sie vieles, schlägt alles Ihnen auf das
-Dach. Undank die Regel. Dank die Ausnahme. Merken Sie sich Napoleons: le
-genre humain m'embête. Il me faut de la solitude. Damit erklimmen Sie
-jede Entzückung.
-
-KEAN: Unschwer, bei Gott, von einem König gesagt.
-
-PRINZ VON WALES: Erfahrungen, die hunderte von Jahren im Blut liegen,
-Freund. Wer stößt öfter auf die Erbärmlichkeit wie wir?
-
-KEAN: Wem schadet sie weniger?
-
-PRINZ VON WALES: Die Köpfe, manchmal, Guter, in meiner Familie. Weil wir
-das Renommeestück, den Menschen, kennen, ob wir ihn verachten oder uns
-für ihn interessieren, wissen wir um seine Dummheit und Feindlichkeit.
-Revolutionäre aus Neigung, sind wir, von der Nutzlosigkeit der Revolten
-überzeugt, Reaktionäre aus Weisheit. Wir erwarten gar nichts und haben
-vor den Barrikadejünglingen, die stets enttäuscht ihre verbrannten
-Finger in den Hades trugen, ungewöhnlich voraus, daß wir, als
-zurückhaltende Skeptiker, ihn zu lieben uns erlauben können auch in
-seiner tiefsten Erbärmlichkeit. Keine Voraussetzungen -- und Sie umarmen
-die Weisheit ... Ah Biribi ... Romeo.
-
-KEAN _erscheint aus dem abgeteilten Raum, fast fertig_: Lernen Sie mich
-diese Distanz der Gefühle. Ich lerne Sie die Leidenschaft, Monseigneur.
-
-PRINZ VON WALES: Ich bedarf sie nicht. Ich habe mehr.
-
-KEAN: Ein Geheimnis.
-
-PRINZ VON WALES: Wie jede Macht, mein Freund, solang man sie nicht
-selbst erobert hat, atmet, ruhig besitzt.
-
-REGISSEUR _hereinstürzend_: Ay ... a ... i ... Strafe, Strafe zahlen.
-_Sieht Wales._ Verzeihung. Untertänig. Respekt. Gehorsam. _Ab._
-
-GRAF KOEFELD: Darf ich die Loge meiner Frau suchen? Pünktlichkeit im
-Dienst und zu Frauen stets Prinzip.
-
-PRINZ VON WALES: Ich folge. Ich weiß noch nicht, wo ich sitze. Welche
-Nummer? Drei. Ich danke. Vielleicht. _Koefeld ab._
-
-KEAN: Darf ich wagen zu sagen, es sei ein Geschenk, Sie in Koefelds Loge
-zu sehen.
-
-PRINZ VON WALES: Nirgends anders?
-
-KEAN: Nirgends anders.
-
-PRINZ VON WALES: Aus Interesse? Soll ich Sie decken? Ein toller Wunsch.
-Sie lieben?
-
-KEAN: Bin ich weise genug, dann Ihre Anwesenheit zu ertragen?
-
-PRINZ VON WALES: Ihre Gründe.
-
-KEAN: Mein Gefühl ...
-
-PRINZ VON WALES: Genügt nicht. Deutlicher.
-
-KEAN: Sie mißtrauen.
-
-PRINZ VON WALES: Ich sehe nicht klar.
-
-KEAN: Lassen Sie, ich bitte, beiseite, was Liebe heißt. Ein Irrsinniger
-könnte nur den größten womöglichen Gegner ersuchen, an seine Stelle zu
-treten. Kurz: ich adressiere.
-
-PRINZ VON WALES: Ich bin kein Schauspieler.
-
-KEAN: Es wäre ein Geschenk. Mein Sinn, daß Hohes sich ausgleicht, ist
-sehr bestimmt. Träte zur schönsten Frau der bedeutendste Mann, würden
-meine Spannungen und Verehrungen unmenschlich wachsen an solcher
-Harmonie, zu der ich mich wende. Ich spiele für Personen, nie für die
-Masse, Monseigneur.
-
-PRINZ VON WALES: Ich habe Ihnen noch keinen Wunsch abgeschlagen.
-
-KEAN: Ich werde noch nie so entflammt gespielt haben vor Monseigneur.
-
-PRINZ VON WALES: Immerhin ... es ist schwer, mich in Erstaunen zu
-setzen. _Im Hinausgehn._
-
-KEAN: Da Sie nichts erwarten ...
-
-PRINZ VON WALES: ... oder alles. Das ist gleich. _Ab._
-
-KEAN: Er wird es Helène sagen, daß ich ihn zu ihr gehetzt. Sie wird die
-Unerschütterlichkeit des Herzens nicht verkennen, das diese Qualen
-arrangiert, um sie als Zeichen für sie zu erdulden. Herz, sei stark
-genug, dies Training zu ertragen.
-
-REGISSEUR _kommt_: Sind Sie in fünf Minuten nicht fertig, haben wir eine
-Oper. Aber im Publikum.
-
-KEAN: Warfen Sie Monseigneur schon einmal hinaus? Sie Taschenmesser.
-
-REGISSEUR _zu Salomon_: Bewach ihn. Treib ihn an. Schleif ihn hinüber.
-Deine Anstellung als Pfand. _Ab._
-
-KEAN: Lassen Sie die Ouverture anfangen. Ich spiele sechs Akte aus vier
-Stücken zum Benefiz. Ich habe zehn Wölfe im Herzen. Ich habe nie so
-gespielt. Friseur. _Wird geschminkt. Klopfen an der Tapetentür. Salomon
-öffnet. Giza._
-
-GIZA: Die Gräfin ... der Fächer?
-
-KEAN: Vergessen? Welcher? Such ihn. Neben.
-
-GIZA: Mit Türkisen und weißen Pfaufedern.
-
-KEAN: Von Wales. Verdammt. Ist er da?
-
-FRISEUR: Der Herr bei Monseigneur steckte ihn ein.
-
-KEAN: Du sahst es. Ließest es. Sagtest nichts. Läßt mich bestehlen.
-Schaf, Hornisse, du Roß ... Salomon, nicht da? _Salomon aus dem
-Nebenraum, kopfschüttelnd. Kean, nicht mehr schreiend, zu Giza, ruhig_:
-Mein Kind, Sie flüstern in der Loge ins Ohr der Gräfin, ihr Gatte habe
-den Fächer. Sofort. Ohne Aufsehn. Und ruhig. Ich rechne, sagen Sie, mit
-der ganzen Klugheit der Gräfin. _Giza durch die Wand ab._
-
-KEAN _fassungslos_: Gewitter über meinem Haupt. Prasselt alles wie ein
-Taubenschlag herunter? Habe ich das gewollt? Verknallter Frühlingstag,
-mein Gott. Ganz verloren. Alles entzwei. Keine Rettung. Kein Ausweg,
-eins, zwei, drei, vier. Ich habe verloren. Ich kann schlafen gehn.
-Abtreten. Aus. _Schnallt den Dolch ab._ Ich spiele nicht.
-
-FRISEUR: Die Augenbrauen noch schwarz.
-
-KEAN: Trottel, Intrigant. Ich spiele nicht.
-
-SALOMON: Das Benefiz.
-
-KEAN: Weg.
-
-SALOMON: Bob?
-
-KEAN: Schlag Plakate an. Ich laufe Seil über Hydepark. Fünf Pfund der
-Platz. Ich werde Seiltänzer, charmanter Abgang. Fünf Pfund, ich
-garantiere den Absturz. _Schelle._
-
-FRISEUR: Die Ouverture hat begonnen.
-
-REGISSEUR _kommt_: Kean. In die Kulisse. Avanti.
-
-KEAN: Ich spiele nicht, Herr.
-
-REGISSEUR: Ihr Vertrag.
-
-KEAN: Gebrochen.
-
-REGISSEUR: Angestelltenrat?
-
-KEAN: Ich werde Seiltänzer.
-
-REGISSEUR: Die Kasse abgeschlossen. Unmöglich mehr, zurückzuzahlen. Sie
-zünden das Theater an.
-
-KEAN: Rösten Sie.
-
-REGISSEUR: Ich befehle Ihnen, aufzutreten.
-
-KEAN: Befehlen Sie Ihrem Bauch. Ich will nicht. Ich kann nicht. Herr,
-sehen Sie nicht: ich bin verrückt. Mein Herz ist explodiert. Ich bin
-schwer verwundet. Innerlich. Hundert Geschoßfetzen. Kann ich singen,
-wenn ich verrecke? _Schlägt vor Erregung einen Tisch dem Regisseur vor
-die Beine. Bob erscheint._
-
-BOB: Spiel, Junge, sonst schlag ich dir die Knochen entzwei. _Regisseur
-feuert ihn mit Gesten an._ Ich blas dich in die Luft. Stümper. Nicht
-einmal spielen kannst du. Solar plexus blow. _Stößt ins Horn._ Splendid.
-Narrenhaus.
-
-KEAN: Halt das Maul, Bob. Hinaus, Zigeuner. Stramm gestanden. Ich
-kommandiere nun. Ich spiel nicht.
-
-BOB: Respekt vergißt du. Heuschrecke. Quatsch. Boxen kannst du nicht.
-Seiltanz kannst du nicht. Niagarasprung ... schmonzes. Spielen willst du
-nicht. Knockout. Stümper. Auf die Knie. O ... u ... adet. Rabenaas,
-unfaires. Sollte dich erledigen mit savate, ins Parterre mit upper cut.
-Vatermörder. Spiel oder krepier. Splendid, sträubt sich. Krieg dich an
-den Ohren.
-
-KEAN: Mein Lehrer ... guter Lehrer, Gott verzeih mir, hinaus, du Hund.
-_Schmeißt ihn raus._
-
-REGISSEUR: Ich gehe zur Bühne und zurück und zähle auf zwanzig. Vor der
-Tür. Kommen Sie nicht bei einundzwanzig, laß ich Sie auf die Bühne
-schleifen, Herr, und aufs Podium werfen in einem Sack.
-
-KEAN: Gut. Schmeißt mich in die neue Karriere. Zirkus. Ketten bereit.
-Fesselsprenger über dem Seil -- -- -- a me me gusta un harenque ...
-porque es muy dulce -- -- -- _Regisseur hinaus. Salomon mit
-ausgebreiteten Armen gegen die Tür._ Du ... sperrst mich ein? Du auch
-... spritzt gegen mich Gift? Wegen deiner Stellung? Bist du schon so
-zertreten? _Schiebt mit dem Fuß nach ihm, Salomon heulend ihm zu Füßen._
-
-SALOMON: Treten Sie mir den Bauch ein. Hab ich diese elende Position
-nicht nur wegen Ihnen behalten? Ich schütze Sie vor dem Schleifen.
-
-KEAN: Steh auf! _Fieberhaft._ Alles verloren. Ich habe auf eine Karte
-alles gesetzt und rasch verloren. Der Fächer ist die falsche Karte, die
-man mir ins Spiel gemogelt. Wales muß den Fächer decken gegen Graf
-Koefeld. Wales renkt das Spiel wieder ein, das ich schon fast verlor.
-Vor fünf Minuten bestürmte ich ihn, weil ich mich oben dachte, im
-Übermut in die Loge der Gräfin zu gehen, nun sitzt er dort und muß mich
-decken. Die Leute haben andere Waffen wie wir. Man vermeidet dort den
-Angriff, man ist klüger wie wir, Salomon. Er wird sich zurückziehn,
-verschwinden, von Helène zurückeilen. Das Feld ist frei. Ich habe keinen
-sichtbaren, aber einen unsichtbaren Konkurrenten.
-
-SALOMON: Was kann ein Gegner schaden, der kein Stichwort hat,
-aufzutreten?
-
-KEAN: Daß ich ein Werkzeug des Wales bin, ein Perpendikel seiner Laune.
-Wenn er gut ist, überdacht von seiner Güte. Wenn er gemein ist, ein
-Tänzer auf dem Zufall. Immer geschenkt, dargeboten, geduldet. Gibt es
-eine Frau, die das erträgt? Gibt es einen Mann, der in dieser Rolle
-wirkt? Unerträglich. Unmöglich.
-
-SALOMON: So werde ich den Prinzen aus der Welt schaffen, um einen guten
-Abgang aus ihr zu haben.
-
-KEAN: Zu grob. Das schafft seinen Schatten nicht fort. Treue Trottelei,
-Salomon. Das verstehst du nicht.
-
-SALOMON: Das scheint meine Schwäche.
-
-KEAN: Ich kann ihn nur wieder mit Großmut überwinden. Solche Partien
-können nur auf dem höchsten Terrain gesiegt werden. Helène kennt die
-Niveauunterschiede genau, und man hat sie nur, wenn man deutlich sie
-erobert. Ich muß auf sie verzichten. Das ist die einzige Waffe, sie doch
-zu bekommen. Ich überlasse sie Wales als dem Größeren. Ich trete zurück,
-um ihn zu erhöhen. Ich muß mich auswetzen wie ein Geschwür und ihm freie
-Bahn lassen. So wird sie mich wieder holen. Du bist zu wenig Mann, um
-das zu begreifen. Hier wird mit großen Einsätzen der Kühnheit pointiert.
-Ich kann nicht kleinmütiger sein wie seine Großmut. Aber ich spiele um
-alles. Denn ich liebe sie mehr als ein Toller. Ich muß ruhig bleiben und
-lächeln. Nur so kriege ich sie.
-
-SALOMON: Das scheint mir der ungefährlichste Ausweg.
-
-KEAN _auf und ab gehend, man hört den Regisseur draußen zählen_. Aber
-wird mein Herz größer sein wie mein Blut? Kann ich Wales nun in Helènes
-Loge sehen? Vor einer Viertelstunde ein Kitzel für den Sieger. Als
-Unterlegener ein Gelächter. Kann ich stolzer sein als Besiegter wie der
-Sieger, der sich nichts merken läßt? Werde ich es aushalten, mein Gott?
-Ich bin ohne Kraft, Salomon, und brauche ein kühnes Herz. Man lernt
-soviel in seiner Leidenschaft. Ich muß größer sein wie mein Schmerz.
-Kühner als mein Glaube. Ich muß es haben, Salomon ... woher? ... ich muß
-es haben, oder ich bin kaput. -- -- -- Den Dolch, Salomon ... den Dolch
-... Ich muß spielen.
-
-SALOMON: Er spielt. _Singt_: Ach Gottsche, schenk mern Hambelmann, un e
-Kordel dezu, daß er zawwele kann.
-
-REGISSEUR _herein_: Spielt. _Fällt gleichzeitig erschöpft in die Knie._
-
-
- SZENE VIER
-
- Verdunkelung. Kean hinaus. Vorhang. Sofort Musik in die
- Verdunkelung. Kean sofort durch den Vorhang auf die Vorderbühne.
- Blitzschnell. Sofort auf der Vorderbühne Beginn der Romeoszene.
- Musik verklingt hinein.
-
-JULIA:
-
- Willst du schon gehn? Der Tag ist noch so fern.
- Es war die Nachtigall und nicht die Lerche,
- Die wilden Rufs dein banges Ohr durchsüßt.
- Geliebter, glaub: es war die Nachtigall.
-
-ROMEO:
-
- Die Lerche wars, die Tagansagerin.
- Nicht Nachtigall. Schon neidet uns ein Streif
- des Osts der Wolken liebevollen Samt.
- Die Nacht hat ihre Kerzen abgebrannt.
- Der Tag hat sich schon auf den Berg getanzt.
- Nur Gehen ist uns gut, Verzug ist Tod.
-
-JULIA:
-
- Glaub mir, dies Heil ist nicht das Tageslicht.
- Fanal ist es, das dir die Sonne schenkt,
- wenn du ins Helle jetzt die Nacht durchdringst.
- Signal nach Mantua, wenn du zum Gang dich schickst.
- Verweile du. Noch ist zu gehn nicht not.
-
-ROMEO:
-
- Laß sie mich packen. Tod ist mir bestimmt.
- Ich bleibe gern, wenn du mich fassen willst.
- Ich will, dies Dämmern ist noch nicht das Morgenaug.
- Der Mond hat nur den großen Kreis bereist.
- Die Lerche ist das nicht, aus deren Sang
- der unsichtbare Himmel um uns reißt.
- Ich bleibe nun. Das Gehn ist mir verhaßt.
- Herbei, du Tod, wenn Julia dich liebt.
- Ruhig, Herz. Das ist nicht Tag, noch flüstern wir uns zu.
-
-JULIA:
-
- Der Tag. Der Tag. Auf. Renne rasch von hier.
- Es ist die Lerche, die so heiser droht.
- Sie ists, die uns in falsche Wirbel flammt.
- Man hat gesagt, die Lerche sei so süß.
- O wie zerreißt uns diese unser Herz.
- Sie hat der Kröte Blick in ihrem Aug.
- Hätt sie den Sang mit diesem Tier getauscht,
- da sie dein Herz von meinen Brüsten reißt!
- Wie hat der Jagdruf dich zur Flucht erbleicht.
- Geh jetzt, Geliebter, es wird rot und hell.
-
-ROMEO:
-
- Ich seh nur schwarz. Und dunkler Leid und Gram.
-
-AMME _kommt_:
-
- Die Mutter regt sich. Bald tritt sie herein.
- Der Tag hebt an. Das Haus wird voll Geräusch.
-
-JULIA:
-
- Tag schwingt herein. Du Leben, breche aus ...
-
-ROMEO:
-
- Wenn deine Lippe noch auf meiner einmal knospt.
-
- Umarmt Julia, läuft die Treppe der Vorderbühne herunter, stürzt mit
- einem Aufschrei zurück, an Julia vorbei, dicht an der Rampe.
-
- Ist mir von Irrsinn so mein Herz zerschleißt,
- das zuckt und brüllt, daß ich in Fremdem wühl?
- Ich Komödiant, ich Kean, Hanswurst, Idiot, Kamel
- geht ehr durch Nadelöhrn als ich durch dieses Spiel.
- Halunken, Publikum. Clowns, weh, ein Heringsbauch,
- schlägt höhnend eure Fratzen jetzt mein Schmerz.
- Wo nehm den Mut ich her, jetzt groß zu sein,
- wo ich wie eine Kröte hier mich wind
- und dort die Größe lächelnd auf mir bäumt?
- Für dieses Spiel bin ich zu sehr zerspellt,
- Hanswurst ich, Kean, nicht Romeo. Hanswurst.
- Wär ich jetzt groß, wie Feuer trieb dies Spiel.
- O Gott, mach jetzt mein Herz voll Einsamkeit,
- daß ich es trag und alles Gute sag.
- Hilf mir. Umsonst flamm ich nicht wie ein Wurm.
- Schon quillt mir Gift auf meines Herzens Schlag.
- Schon würgt mein Haß der Zunge guten Laut.
- Es frißt die Leidenschaft das Gute aus dem Herz.
- Erbärmlich ich. Hanswurst. Mein Kean, du Frosch.
- Is a long way to Tipperary -- -- flattert mirs so auf?
- Is a long way to go. Ich hin von Haß entstellt.
-
- Halb verkrampft, tanzend, torkelnd, jetzt voll an die Rampe. Zu der
- nun mitten im Rang erleuchteten Loge Helènes, Koefelds, des
- Prinzen von Wales gerichtet.
-
- Ich klag den Prinzen Wales des Irrsinns an,
- weil er Geheimnis hat, das in den Staub mich schmeißt.
- Erträgt ein Mensch so ruhigen Übermut?
- Schlägt Schicksal mir stets Größe ins Gesicht,
- die mich erniedert ... Aus der Lüge dieses Spiels
- pflück ich Sekunden. Hier ist mein Triumph.
- Hier rede ich. In die Manege, Monseigneur,
- hier auf die Knie. Tanzt vor den Affen nackt
- den Foxtrott Ihrer Laster. Guillotine Marsch.
- Zu meinem Fuß. Mein Herz lacht wie ein Wolf.
- Die Haselrutensehnsucht Ihrer Schenkel ist nicht schwach.
- Gekuscht im Winkel. Ab Monokel. Glasaug hol die Pest.
- Entschleiert das Geheimnis. Sansculotte. Größe keine Spur.
- Sagespäne, Glas statt Hoheit, werft die Puppe in
- die Eimer der Verachtung ohne Schmerz.
-
-LORD MEVIL _in einer Loge, mitten im Publikum, der anderen Seite,
-erleuchtet_: Die Hundepeitsche ins Gesicht dem Schuft.
-
-KEAN: Ach, Mevil -- Bursche, Wechselfälscher, Mäuschenjäger, Gladiator
-deiner Frechheit. Her den Stock.
-
-LORD MEVIL: Verhaftet diesen Hund. Konstable. Ketten. Stellt vor den
-Prinz euch. Vor die Krone. Schießt. _Knallt nach der Bühne._
-
-KEAN:
-
- Schieß weiter, Fälscher. Abgeprallt die Tücke,
- kreid ich dich an die Ewigkeit, du Hure
- der Rechtsprechung im Parlament. Ich schlag
- den Leib mit Prügeln feist dir wie ein Frosch.
- Nur Monseigneur kann mehr geschwollen sein
- als du. Kean. Ich Hanswurst. Sacré. Mein Puls. Mein Herz.
-
- Hinter ihm Menschen. Toller Foxtrott. Man beschwört ihn. Salomon
- kommt aus dem Souffleurkasten. Aus der Intendantenloge klettern
- Entsetzte auf die Bühne. Der Regisseur stürzt herbei. Kean faßt
- ihn, tanzt den Foxtrott des Orchesters mit ihm, irrsinnig.
-
- Wales am Hund, das Herz in Quasten,
- Kean kaputt, Wales liquidiert ... _Fällt zusammen._
-
- Der Regisseur geht langsam bis an die Rampe, schneidet mit dem
- erhobenen Arm haarscharf den Foxtrott ab.
-
-REGISSEUR: Der Wahnsinn ist über Kean ausgebrochen. Die Billette zurück.
-Ich schließe. Verzeihung.
-
- Ein Schrei aus der Loge der Wales und Koefeld.
-
-REGISSEUR: Arbeiter. Chor. Die Bahre. Arzt. Den Arzt. _Bob hinkt herbei,
-stößt zweimal ins Horn._
-
-BOB:
-
- Ich hab dich mehr geliebt. Dreiviertelsmann.
- Du Stümper. Vielgeschrei. Du warfst mich auf,
- da schlug dich Undank lahm. Angriff blieb schlecht.
- In Großmut Dilettant. Stop. Hier der Rest: knockout.
-
-
- Schluß des vierten Akts.
-
-
-
-
- AKT FÜNF
-
-
- Zimmer bei Kean. Zwei Ausgänge links. Ausgänge rechts. Aufmarschiert
- die vier Artisten: Viktor, Well, Gonsch, Kauka. Die Mitsäufer
- Tom, David, Bardolph. Salomon aus dem Nebenraum.
-
-
- SZENE EINS
-
-SALOMON: Man muß schon irrsinnig zu sein im Geruch stehn, damit die
-Menschen anständig werden. Hilfe für Gesunde erdenkt niemand. Überall
-steht der Verstand auf dem Kopf. Wär ich sonst Souffleur?
-
-VIKTOR: Bob ist entschuldigt. Das Geld des Benefiz war zuviel. Er hing
-sich auf.
-
-SALOMON: Splendid. Ein Narr nahm den gewöhnlichen Abgang.
-
-GONSCH: Wir haben draußen abgelegt.
-
-VIKTOR: Zehn Flaschen Pommard.
-
-WELL: Zehn Flaschen Chambertain.
-
-KAUKA: Fünf Flaschen Portwein.
-
-GONSCH: Zwanzig Flaschen Sekt.
-
-VIKTOR: Sieben Flaschen Haut Sauternes.
-
-WELL: Zwanzig Flaschen Château Latour.
-
-KAUKA: Zehn Flaschen Jules Bernin.
-
-GONSCH: Eine kleine Tonne Whisky.
-
-SALOMON: Das habt ihr gut hereingeschifft. Was soll der Herr damit?
-
-TOM: Sechs Renntierschinken.
-
-DAVID: Vierzig Kilo Honig.
-
-BARDOLPH: Zehn große Hummer.
-
-SALOMON: Das habt ihr gut hereingesetzt. Ihr Trockenen. Ob ihr vom
-Festen nicht aufs Nasse spekuliert?! Ihr Trinkerchen.
-
-TOM: Wenn wir auch Hunde sind, saufen wir nicht aus Krankenkübeln. Was
-sagt der Arzt?
-
-DAVID: Wenn mich Gott in schweinige Versuchungen auch führt, bewahrt er
-mich, aus dem Elend Vorteil zu ziehen. Wie gehts dem Herrn?
-
-BARDOLPH: Wenn wir auch verdammt dickfellige Därme sind, kann nur ein
-Dünndarm wie du meinen, daß unsere nach Arznei lüstern sind. Wie stehts
-um die Gesundheit?
-
-SALOMON: Den Arzt hat es bei der Diagnose durchs Bein gezuckt.
-Handfester Wahnsinn. Man hält Kean schwer ab, seine Hitzigkeit aus dem
-Hirn in die Fäuste laufen zu lassen. Schlimm. Ich rieche Attentate. Mein
-Hals fühlt sich schon wie ein Korkzieher stranguliert. Da ich sein
-Pfleger bin, muß ich bleiben.
-
-DAVID: Er soll bei Gott das Bett nicht fiebrig verlassen. Gute
-Gesundheit.
-
-TOM: Ruhe und Eisbeutel aufs Hirn. Beste Besserung.
-
-BARDOLPH: Die Hände gefesselt. Meine Empfehlungen. _Alle drei exakt ab._
-
-SALOMON: Der Herr ist in eine Krise gefahren, aus der er mit Donner und
-Blitz wohl nicht herauskommt, sondern wohl etwas sanfter. Es ist Zeit,
-aus den frühen Launen in den Sommer einzulaufen. Ich kann das
-Hinundherreißen nicht mit. Wenn ihr noch bleiben wollt, werdet ihr die
-Konstables als Hundemeute anrücken sehen. Ich melde euch.
-
-KAUKA _hält ihn zurück_: Unnötig. Unsere Grüße genügen. Und das andere.
-Wir sind schon oft für andere gefangen worden. Bekam man die Hirsche
-nicht, nahm man die Hasen. Ein Feigling, wer sich unnötig in Gefahr
-begibt. _Alle vier exakt ab._
-
-SALOMON: Hier sitze ich. Mönch sollte von der Mutter her ich werden. Man
-schlägt mich. Ich besorge die Geschäfte. Habe ich nicht mehr Hirn wie
-diese alle? Man tritt mich. Und ich fühle mich wohl. Sonderbarer Mensch
-ich. _Singt_: »Ach Gottsche, schenk mern Hambelmann, un e Kordel dezu,
-daß er zawwele kann.« Und doch reicht meine ganze Hirnhaut nicht aus, zu
-ahnen, wie dieser Tag ausgeht. Etwas Wichtiges muß fehlen bei mir. Au
-Backe! Aber was?
-
-KEAN _kommt aus dem Nebenraum, geht durchs Zimmer, ohne Salomon zu
-beachten_.
-
-SALOMON: Die Siegel sind entfernt. Die Schuld ausgelöst.
-Unbekannterweise.
-
-KEAN: Das Gerücht von meinem Wahnsinn läuft weiter.
-
-SALOMON: Ich fürchte nur, daß diejenigen, die es nachträglich glauben
-sollen, nicht von seiner Dauer zu überzeugen sind.
-
-KEAN: Ich habe nicht das Gefühl, gestern ein vernunftbegabter Mensch
-gewesen zu sein, da ich es bis gestern wahrscheinlich überhaupt nicht
-war.
-
-SALOMON: Dann muß Ihre Normalität ihren Geburtstag mit Prozessen,
-Kerkern, Verfahren beginnen.
-
-KEAN: Kümmre dich um deinen Kopf. Man fällt nicht so heftig auf die
-Rampe, ohne daß man aus seinem Kostüm herausrutscht. Die Listen?
-
-SALOMON: Sind aufgelegt. Die Einzeichnung der Krankenbesuche gemischt.
-Adel keiner. Bürger wenig. Viel kleine Leute.
-
-KEAN: Keine Frau? ... Nein ... Ich bin doch wahnsinnig.
-
-SALOMON: Der Wagen steht immer noch an der Ecke. Sie können noch jetzt
-fliehen. So gut wie vor zwei Stunden.
-
-KEAN: Ich kann fliehen. Ich kann nicht fliehen. Ich bleibe da.
-
-SALOMON: Seit Jahren der größte Skandal.
-
-KEAN: Wüßtest du, wies in mir ausschaut, tätest du mir so keinen Pimpam
-erzählen.
-
-SALOMON: Mit Monseigneur ist nicht mehr zu rechnen. Die letzte Barriere
-fällt. Laufen Sie zu dem Wagen.
-
-KEAN: Wenn du eine Ahnung hättest, wie wenig ich mich etwas entziehen
-will und wie sehr ich auf etwas warte.
-
-SALOMON: Wenn Sie auf die Gräfin warten, können Sie auch auf den Mond
-warten.
-
-KEAN: Aber du weißt nicht, daß ich warte, um etwas gutzumachen.
-
-KONSTABLE _kommt, überreicht ein Blatt_: Mein Papier. _Salutiert._
-
-KEAN: Es ist keine Zeit darauf.
-
-KONSTABLE: Es gibt keine Zeit für Verbrecher, sondern nur das Gesetz.
-
-KEAN: So gibt es Zeit für das Gesetz. Kannst du ihm nicht eine halbe
-Stunde zuschieben?
-
-KONSTABLE: Mein Papier verhaftet Sie auf der Stelle.
-
-SALOMON: Aber das Abführen hat Zeit bis nach Besichtigung der Räume,
-Teller, Flaschen.
-
-KONSTABLE: Bestechungsversuch. In deine Fresse zurück.
-
-KEAN: Ich warte auf jemand. Steht der Zeiger auf Sieben-Groß, komme ich
-mit. Mein Ehrenwort. Vielleicht kommt gar niemand.
-
-KONSTABLE: Die Verhaftung ist geschehen. Über den Transport gibt es
-keine Vorschrift. Also kommandiere ich diesen Fehler. Es hängt an mir.
-Ich habe selten swinging blow so in mein Herz gehen sehen wie Ihren.
-Knockout zum Kasperllachen. Sie sind mein Freund, Herr. Ich warte eine
-halbe Stunde, auf Ihr Ehrenwort. Das habe ich nunmehr beschlossen. Ich
-habe noch nie etwas zu beschließen gehabt. _Ab. Salomon mit ihm._
-
-KEAN: Eine halbe Stunde. _Geht durchs Zimmer._ Dann ist es aus.
-
-SALOMON _zurück_: Die ... Gräfin.
-
-KEAN: Helène ...
-
-SALOMON: Auf der Treppe.
-
-KEAN: Rasch.
-
-SALOMON: Da. _Verbeugt sich, hinaus._
-
-
- SZENE ZWEI
-
-KEAN: Helène.
-
-DAISY _sich entschleiernd_: Ich.
-
-KEAN: Was wollen Sie?
-
-DAISY: Sie in eine Heilanstalt bringen, wenn Sie krank sind.
-
-KEAN: Ich bin nicht krank.
-
-DAISY: Dann will ich es bedauern, daß Sie es waren.
-
-KEAN: Sie sind ärmer als ich.
-
-DAISY: Irrtum. Seit gestern besitze ich mein Vermögen. Mein Vormund war
-ein Betrüger. Er ist entlarvt.
-
-KEAN: Man darf Ihnen gute Verwendung wünschen.
-
-DAISY: Ich habe alle Vorbereitungen getroffen.
-
-KEAN: Sie reisen?
-
-DAISY: Gezwungenermaßen.
-
-KEAN: Glückwünsche zu dem Zustand, der mir verweigert ist.
-
-DAISY: Ich verstehe Sie nicht.
-
-KEAN: Ich bin verhaftet.
-
-DAISY: Irrtum. Sie sind frei.
-
-KEAN: Sie haben den Konstable draußen gesehen.
-
-DAISY: Ist widerrufen. Der neue Entscheid.
-
-KEAN: In Ihren Händen? Ausgefertigt?
-
-DAISY _zögernd_: Von dem Staatsanwalt. Durch den Prinzen von Wales.
-
-KEAN: Ich hasse ihn nicht mehr.
-
-DAISY: Als Mittelmann gegen Mevil.
-
-KEAN: Sie erröten.
-
-DAISY: Der wollte nicht nachgeben. Der Appell des Prinzen war
-einflußlos.
-
-KEAN: Was taten Sie?
-
-DAISY: Ich komme, mich von Ihnen verabschieden.
-
-KEAN: Was taten Sie?
-
-DAISY: Ich trat ihm die Mitgift ab.
-
-KEAN: Sie haben ihn geheiratet.
-
-DAISY: Unnötig. Das Geld genügte.
-
-KEAN: Die Hälfte Ihres Vermögens.
-
-DAISY: Eine kleine Schuld der großen gegenüber, die mein Leben Ihnen
-schuldet.
-
-KEAN: Und Sie reisen ...
-
-DAISY: Um den Skandal zu verwischen. Lord Mevil zwang mich dazu. Ein
-Pakt mit Mevil.
-
-KEAN: Ich erkenne für mich Ihre Handlungen nicht an.
-
-DAISY: Damit werden Sie mich kompromittieren. Ich bin bereit.
-
-KEAN: Sonderbar. Ich sagte Ihnen beim ersten Mal: Beweisen Sie mir, daß
-Sie etwas im Leben meistern, ich rede Ihnen dann zu, in meinen Beruf zu
-springen. Heute kann ich es, aber ich stehe beschämt vor Ihnen.
-
-DAISY: Da ich England verlasse ...
-
-KEAN: Sie haben ein anderes Aussehen bekommen. Ich habe Sie nicht so
-gekannt.
-
-DAISY: Sie schulden mir nichts. Ich habe meine Ansicht in diesem Punkt
-des Berufs geändert. Ich gab meinen Plan auf.
-
-KEAN: Sind Sie mutlos geworden?
-
-DAISY: Ich war nie entschlossener.
-
-KEAN: Opfer zu bringen, die nicht anzunehmen ich entschlossen bin.
-Weinen Sie nicht.
-
-DAISY: Die Sie nicht von mir empfangen, sondern von der Vorsehung, die
-Ihre Absichten damit klärt und die darum keine Opfer sind.
-
-KEAN: Gestern hätte ich das nicht verstanden. Heute ist es schon zu
-weit. Es schmerzt mich, das zu sehen, was Sie tun und äußern. Denn ich
-habe es versäumt.
-
-DAISY: Ich habe nie daran gedacht, daß eine Handlung anders als zu der
-ihr bestimmten und richtigen Zeit kommen könne.
-
-KEAN: Sie täuschen sich. Ich sah zum erstenmal, wie ungeheuer viel ein
-Herz vermag, indem es sich schrankenlos preisgibt. Aber ich sehe es zu
-spät.
-
-DAISY: Ich verstehe Sie nicht.
-
-KEAN: Weil Sie nicht wissen, welche Spanne mein Leben von gestern zu
-heute durchmessen hat. Weil ich aus Enttäuschungen und Eitelkeiten so
-tief abgestürzt heute hinaufblicke, kann ich nicht wagen, erkennen zu
-wollen, von wie hoch her Ihre Güte zu mir herunterkommt.
-
-DAISY: Warum beschämen Sie in mir so sehr das, was ohne Absicht geschah?
-
-KEAN: Hätte ich früher erkannt, als ich zwar falsch, aber immerhin auf
-der Höhe meines Lebens schweifte, welch unvergleichlicher Besitz mir nah
-war, wäre das eine große und erhabene Entdeckung gewesen. Ich wäre
-glücklich gewesen. Daß ich es jetzt erst sehe, wo ich verlassen,
-schutzbedürftig und niedrig bin, nimmt mir vor mir jedes Recht, es zu
-ergreifen. Ich weiß, was ich verliere, denn ich verliere alles. Aber ich
-kann mich dem nicht entziehen.
-
-DAISY: Wenn ich nicht glaubte, trotzdem glücklich zu sein, müßte ich
-denken, daß ich verflucht bin.
-
-KEAN: Gehen Sie. Reisen Sie. Und denken Sie, daß Sie einem Mann das
-größte Glück geschenkt haben, indem Sie ihn zum ersten Male die ganze
-Größe eines reinen Gefühls sehen ließen. Und vergessen Sie nicht, daß
-er, obwohl er zufriedener und klarer ist wie früher, aufs tiefste leidet
-und nur die eine Bemühung kennt, sich Ihrer würdig zu erweisen.
-
-DAISY: Leben Sie wohl.
-
-SALOMON: Die Gräfin. _Zieht die Tür hinter sich zu._
-
-KEAN: Ich will sie jetzt nicht mehr sehen.
-
-DAISY: Ich stehe, auch hierin, nicht im Wege. Lassen Sie sie eintreten.
-Ich bitte darum.
-
-KEAN _zögernd, dann_: Warten Sie hier. _Öffnet Daisy das eine
-Seitenkabinet._
-
-HELENE _eintretend, mit großer Bewegung sich entschleiernd, sie ist
-verkleidet_: Sie haben verloren. Die Einsätze zurück.
-
-KEAN: Ich habe eine Torheit begangen, die ich aber in einem gewissen
-Sinne loben muß, so sehr es Sie kränken mußte.
-
-HELENE: Nur Besessenes, was man verliert, kränkt. Der mißlungene Versuch
-platzt in die Luft.
-
-KEAN: Was kann ich tun, Ihre Verzeihung zu erlangen?
-
-HELENE: Unnötig von mir. Ich bin ohne Zorn. Ich ordne die Dinge exakt.
-Das Medaillon.
-
-KEAN: Hier.
-
-HELENE: Die Dose.
-
-KEAN: Hier.
-
-HELENE: Der Ring.
-
-KEAN: Hier.
-
-HELENE: Ohne Widerspruch. Gut. Die Partie ist ausgeglichen. Die Pfänder
-eingesammelt. Leben Sie wohl.
-
-KEAN: Sie ziehen die Summen. Ich aber möchte Ihre Verzeihung erlangen
-... dafür ...
-
-HELENE: Die Trüks sind ausgespielt.
-
-KEAN: Verzeihung ... dafür, ... daß ich Sie nie geliebt habe.
-
-HELENE: Deshalb verloren Sie. Aus keinem anderen Grund. Glauben Sie zu
-anderem Zweck als der Erforschung dieser Sache willen hatte ich den Pakt
-abgeschlossen?
-
-KEAN: Ich will Sie nicht kränken ...
-
-HELENE: O, es war Größe schon um Sie, als ich Sie sah.
-
-KEAN: Es war Eitelkeit.
-
-HELENE: Gemischt. Mich reizte, zu was Ihr Wesen sich entschlösse. Sie
-kamen und plaidierten für die armselige Verfolgte und warfen mir in der
-gleichen Sekunde Ihre Leidenschaft ins Gesicht. Beides war echt. Ich
-setzte mich ein, es zu lösen. Meine Liebe. Ich habe alles an diese Frage
-gesetzt. Nicht ich verlor. Sie verloren. Ich riskierte nur alles.
-
-KEAN: Ich habe gewonnen ...
-
-HELENE: Vielleicht. Sicher nicht hier.
-
-KEAN: Hier ward nur gesetzt. Nur gespielt. Pointiert. Nicht geopfert.
-
-HELENE: Verstanden Sie das damals so gut? Habe ich das nicht? Habe ich
-nicht vielleicht Sie geopfert? Wissen Sie denn, ob ich Sie nicht dennoch
-mehr liebte, als Sie ahnen, und daß ich dieses Gefühl hingab dem,
-größere Klarheit zu erreichen. Mein Herz ist kein Mädchen und durch
-Enttäuschungen zu großer Art gegangen, einem Gatten an die Seite
-gegeben, der es weder an Höhe versteht noch an Tiefe und es durch
-Teilnahmlosigkeit täglich kränkt und beleidigt. Ich habe nach dieser
-Seite keinen Sinn für das Wort Pflicht, wo sie mir täglich gebrochen
-wird, aber ich habe nach der anderen Seite noch weniger Gefühl für das
-Uferlose. Was ist Leidenschaft am Ende? Ein Nichts. Muß man nicht kühl
-sein, je wilder man erlebt, distanzierter, je zerhackter man ist aus
-Leidenschaft? Sie haben das nie gewußt. Ich suchte Weisheit über dem
-Blut. Sie gaben, was ich verachte, Skandal. Ich suchte Opferung, bereit
-dann selbst zu jedem Opfer. Ich fand ein zerrissenes, unbeherrschtes
-Dasein. Ich habe keine Lust an bürgerlichen Sensationen. Ich ziehe es
-vor, meine Wege zu beherrschen. Ich kalkuliere mir das Schicksal.
-
-KEAN: Ich habe verloren.
-
-HELENE: Daß Sie es einsehen, beweist eine Erschütterung. Zeigt eine
-Erkenntnis. Also haben Sie dennoch gewonnen. Hier aber zu spät.
-
-KEAN: Ich habe vor Ihnen vorhin etwas Kurioses erblickt, das
-Grenzenloseste, Gräfin: ein schlichtes, einfaches Herz.
-
-HELENE: Erkenntnis marschiert auf vielen Wegen. Ich stellte das
-Wagespiel ein zwischen Ihrer überlegenen Güte, die ich ahnte, und Ihrer
-Zerrissenheit, die ich sah. Es schlug nicht zu mir aus. Aber es schlug
-aus. Traf es nach anderen hin, bedeutet es Bindung Ihrer Kräfte. Ich
-wünsche Glück. Ich bin neidlos. Zersplittern ist Unfug. Konzentration
-alles. Liebe nur ein Augenblick. Ein gebändigtes Herz hat keine Pause.
-
-KEAN: Welche Schuld habe ich gegen Sie!
-
-HELENE: Keine. Sie lieben Ihre Eitelkeit nicht mehr, die sich allein
-vielleicht verging.
-
-KEAN: Habe ich so blind gelebt, nichts geschaut, alles versäumt?
-
-HELENE: Kein sentimentales Schauspiel. Sie werden nun wohl, wenn Sie
-besser zu sehen verstehen, der Größe, die Sie auf der Rampe spielten,
-die des Menschen hinzufügen. Mein Spiel ist aus. Sie spielen mit andern.
-
-KEAN: Und Sie?
-
-HELENE: Meine Vorbereitungen sind gelegt.
-
-KEAN: Sie entschieden sich ...
-
-HELENE: Die Dinge entscheiden sich. Ich entscheide mich mit ihnen.
-Irrtum, daß irgendeine Entscheidung bei uns liegt. Man geht mit den
-Möglichkeiten und beherrscht sie, indem man in ihre Kurven nicht
-eingreift. Was heute ich liebe, ist in einem halben Jahr vielleicht
-taub. Verlangen Sie Garantien der Seele vom Leben? Ich nicht. Liebten
-Sie mich mit Holzbein, ich Sie ohne Magen? Unausdenkbar. Die Partie
-hatte zwei Seiten.
-
-KEAN: Ich schied aus. Wales blieb.
-
-HELENE: Der Fächer ist gedeckt. Die Endposten sind erreicht. Ich war nur
-Zuschauer. Was blieb, hatte recht. Das eine versagte. Das andere
-lächelte, als ich es ansah. Ich habe mich für die Macht entschieden.
-
-KEAN: Welche Kühnheit. Soviel kann Erfolg bedeuten!
-
-HELENE: So kommt von selbst zu mir, was ich brauche. Ohne Bemühung. Sie
-werden es schmerzlos sehen.
-
-SALOMON _draußen_: Unmöglich. Ich verbiete. Ich hindere Sie.
-
-KEAN _rasch die Tür des zweiten Kabinets öffnend_: Einen Augenblick.
-Hier. Eilen Sie.
-
-HELENE _überlegen, betont_: Keine Angst um mich. Ich bin in guten
-Händen.
-
-SALOMON _draußen_: Zurück. Achtung. Das haut. Schreit. _Tür auf. Graf
-Koefeld tritt ruhig ein._
-
-
- SZENE DREI
-
-KEAN: Ich hielt Sie für den Konstable.
-
-GRAF KOEFELD: Es gibt drei Dinge, die auf meinem Inneren geschrieben
-stehn wie auf Bronze: Pflicht, Frauenehre, König.
-
-KEAN: Ziehn Sie daraus ein Recht, bei mir einzubrechen?
-
-GRAF KOEFELD: Kennen Sie diesen Fächer?
-
-KEAN: Ich kenne fünf dieser Sorte, die Monseigneur verschenkte.
-
-GRAF KOEFELD: Ich fand ihn in Ihrer Loge.
-
-KEAN: Sie werden an die Adresse des Prinzen von Wales sich zu wenden
-haben, wenn Sie keine Entschuldigung hier anzubringen haben, daß Sie ihn
-bei mir raubten.
-
-GRAF KOEFELD: Monseigeur. Welche Adresse. Danke. Verzeihung.
-Kontrollierbar. Jedoch ...
-
-KEAN: Fassen Sie sich kurz.
-
-GRAF KOEFELD: Meine Frau wird überwacht. In meinem Auftrag. Die
-Kontrolleure flitzen. Sie ist hier.
-
-KEAN: Königliche Pflicht, Frauenehre mit Detektivs zu schützen.
-
-GRAF KOEFELD: Schweigen Sie. Die Kontrolle ist hier am Ort möglich.
-Dieses Mal ist sie sicher. Ich werde Ihre Räume ansehn. Ist die
-Besichtigung frei?
-
-KEAN: Ich fürchte, ich verstehe Sie nicht.
-
-GRAF KOEFELD: Sieben Schlachten. Eine Belagerung. Meine Auszeichnungen
-die höchsten. Herr, ist die Besichtigung frei?
-
-KEAN: Nein.
-
-GRAF KOEFELD: Dann akzeptieren Sie meine Forderung. Zehn Meter Abstand.
-Kugelwechsel bis zum Schluß. Ich schieße zuerst.
-
-KEAN: Einen Narren weist man hinaus. Ich läute.
-
-GRAF KOEFELD: Sie akzeptieren nicht?
-
-KEAN: Bin ich verrückt?
-
-GRAF KOEFELD: Ich erinnere Sie daran. Man wird Sie feig nennen.
-
-KEAN: Kein Teufel glaubt das.
-
-GRAF KOEFELD: Die Pflicht des Kavaliers, Ihres Verkehrs, Ihrer
-Männlichkeit. Waren Sie nie Soldat? Des Königs Rock, Herr. Ihre Ehre?
-
-KEAN: Steht in meiner Brust.
-
-GRAF KOEFELD: Wenn Sie die Beleidigung nicht sühnen und schießen, bin
-ich genötigt, mich zu erschießen. Ich hätte anderen Soldatentod
-gewünscht. Herr, ich bitte dringend, herzlich: nehmen Sie die Forderung
-an.
-
-KEAN: Habe ich Sie denn gekränkt?
-
-GRAF KOEFELD: Sie weigern die Besichtigung. Passage ist nicht frei. Dann
-bleibt nur ein Ausweg vorher. Ich schieße Sie zusammen. _Zielt._
-
-KEAN: Gut.
-
-GRAF KOEFELD: Verlassen Sie die Tür. Ich warne. Eins, zwei ... _Die Tür
-geht auf, Daisy heraus. Außer sich._
-
-DAISY: Ich bin seine Geliebte. Gehen Sie, Herr.
-
-KEAN: Was tun Sie?
-
-GRAF KOEFELD _mit dem Rücken nach der Tür ab_: Verzeihung, Gnade,
-Gnädigste. Eine ungeahnte Bestürzung. Ich bin überrascht. Ich stehe,
-beschämt, in allem zur Verfügung.
-
-KEAN: Ich zürne Ihnen nicht.
-
-DAISY _Hände vor das Gesicht werfend_: Nun bleibt nur noch ein Weg.
-_Stürzt, fassungslos, nach dem Fenster._
-
-KEAN _ihr nach_: Gott, Gott, halten Sie. Daisy, Daisy. _Faßt sie, trägt
-sie zurück._
-
-DAISY: Warum haben Sie das getan?
-
-KEAN: Du wolltest dich töten, Böse. Ich liebe dich doch. Ich liebe dich
-doch.
-
-DAISY: Sie haben mich eben noch zurückgestoßen.
-
-KEAN: Kann man so vielem widerstehen?
-
-DAISY: Sie übereilen sich. Sie übereilen Ihr Herz.
-
-KEAN: Nicht mehr. Was ist das Stückchen Stolz, das sich gegen dich
-wehrte, gegen dieses Maß an Stolz, das du ohne Bedenken verschwendest.
-
-DAISY: Was habe ich denn getan?
-
-KEAN: Daß ich dein Herz an meine Brust schlagen höre. Ich bin zu Haus.
-Das ist alles.
-
-DAISY: Was hast du an mir?
-
-KEAN: Ich muß offen sein, um mein Leben zu erzählen. Ich habe nach einer
-Jugend, von der ich nicht reden will, die Möglichkeit gehabt, alles zu
-besitzen, was gelobt wird. Ich lebte wie ein Herr und nahm gläubig
-alles, was Glück zu sein schien. Ich habe an Frauen kein geringes Teil
-meines Lebens gehängt und in guten Schlössern übernachtet und Fische in
-Parks gefangen und mit den besten Leuten meiner Rasse Verkehr gehabt.
-Ich habe dies nur für einen Teil des Lebens gehalten und nicht zu hoch
-geschätzt und habe in Kaschemmen geschlafen und keines niederen Menschen
-Los nicht auch geteilt. Es kam mir zu, daß ich glaubte, das Leben zu
-kennen, denn ich war wohl tapfer und auch feig, das wußte ich, sondern
-auch klug und töricht. Ich befahl und richtete sowohl, als ich unterwarf
-mich und wurde geschmäht. So konnte nicht fehlen, daß ich mir dachte,
-daß ich das Leben kenne und es auch umspanne, ja ich hätte vielleicht
-gedacht in manchen Minuten, daß ich weiser sei als viele, ohne dabei zu
-denken, daß ich Hochmut treibe. Aber ich habe sicher nie gewußt, was an
-Glück das Dasein zu geben vermöge, denn ich habe die Gelegenheit, daß es
-der Probe nicht gewachsen ist. Es mußte das Seltsame sich ereignen, daß
-mir das Ganze leblos aus der Hand fällt, und daß ich, von der Reinheit
-der Absichten eines Menschen erschüttert, von solchen Schlägen getroffen
-dastehe, daß alles um mich herum wie unter Gewittern fällt.
-
-DAISY: Ich habe nichts Besonderes getan.
-
-KEAN: Als du kamst und mir sagtest, an mir wärest du aufgerichtet und
-vertrauend auf die Wahrheit geworden, irrtest du. Das Umgekehrte hat das
-Recht. Nicht du an mir, sondern ich an dir, ich ward an soviel Hingabe
-erst sehend und gläubig.
-
-DAISY: Willst du dieser Frau nicht die Tür öffnen, damit du nicht mehr
-die Unwahrheit zu sagen brauchst, wenn nach ihr gefragt wird?
-
-KEAN: Glaubst du nicht, es sei edelmütiger, durch Lüge zu retten, statt
-mit der Wahrheit zu vernichten?
-
-DAISY: Ich glaube, daß eine Lüge selbst in diesem Falle nicht zum Besten
-führen kann. Man lehrte uns im Kloster, daß wir nicht gezwungen seien,
-die Wahrheit zu sagen, daß wir aber nie lügen dürften.
-
-KEAN: Ich werde dein Schüler sein. Man muß alles neu anfangen. Nimm die
-Führung. Ich habe zu viel geführt, um die Irrtümer nicht zu sehen. Der
-Rest war Einsamkeit. Ich folge dir, weil ich dich liebe. _Öffnet die
-Tür, ruft_: Leer ... das Zimmer ... das Fenster auf ...
-
-DAISY _läuft hin, hinein, zurück_: Ahnte ich es? Tot? Meine Schuld.
-Meine Strafe, weil ich log, ich sei deine Geliebte. Bin ich verflucht?
-Ich bin doch verflucht.
-
-KEAN: Durch das Fenster ... Faß dich. Sie ist entflohen.
-
-DAISY: Und unten?
-
-KEAN: Wer nicht geführt wird -- die Themse.
-
-DAISY: Meinen Weg. Sie hat dich mehr geliebt wie mich.
-
-KEAN: Das weißt du nicht. Das ist unmöglich.
-
-
- SZENE VIER
-
-KONSTABLE _erscheint, die Uhr in der Hand_: Der Zeiger ist auf Sieben
-eingetroffen. Sieben-Groß. Das Ehrenwort ist fällig. Die Verhaftung ist
-gültig seit einer halben Stunde. Eine halbe Stunde später setzt der
-Transport ein. Marsch.
-
-DAISY: Er ist frei.
-
-KONSTABLE: Ich habe keine Benachrichtigung. Hier ist mein Blatt nur
-gültig, wenn kein anderes auf vorgeschriebenem Weg in meine Hand kommt.
-Nichts ist widerrufen. Amtlich. Folgen Sie.
-
-KEAN: Sehen Sie nicht. Ein Mensch ist verschwunden. Ist in die Themse
-geraten. Sie sind verrückt. Helfen Sie.
-
-KONSTABLE: Ich habe einmal einen Beschluß zu fassen gehabt in meinem
-Leben. Den habe ich heute entschieden. Eine halbe Stunde
-Transportaufschub. Respekt vor der Töterei um Sie herum. Respekt vor
-Serien. Aber glauben Sie, das hält meinen Beschluß auf? Widersetzen Sie
-sich nicht. Mein eines Auge weint, wenn ich Sie rauh anfasse, denn ich
-sah nie einen boxen so schön. Splendid.
-
-DAISY: Hier ... das Papier.
-
-SALOMON _hereinspringend_: Dann schlag ich dich zusammen. Vielleicht hat
-mir ein Mord gefehlt, um dieses Leben zu kapieren.
-
-KONSTABLE: Ich kenne nur amtliche Papiere. An mich adressiert. Andres
-existiert nicht. Was das Boxen betrifft, Herr, bin ich nur unparteiisch.
-Time-keeper. Ich verhafte dich mit.
-
-PRINZ VON WALES _erscheint, spricht dauernd, unbeweglich, sehr laut_:
-Hinaus, Konstable. Du auch. _Salomon und Konstable verschwinden._ Mein
-Fräulein Daisy Miller. Herr Kean. _Er verbeugt sich._ Sie, Herr,
-erwarten Strafe und Zorn. Meine Einsicht hat keinen Grund, Sie aus dem
-Gesetz zu reißen. Meine Freundschaft übergibt die Dinge einer milderen
-Prüfung. Sie gehen an einen Ort des Gebirgs oder ein Tal der Landschaft,
-wo in der freieren Luft der Natur sich Ihr Sinn erholt, bis Sie mein
-Wort zurückruft. Gehen Sie.
-
-KEAN: Monseigneur, es ist ein grauenhaftes Geschick ereignet.
-
-PRINZ VON WALES: Was kann Ihnen bekannt, mir unbekannt sein?
-
-KEAN: Mäßigen Sie Ihre Milde. Halten Sie Ihren Großmut zurück, damit Sie
-ihn nicht zurückzurufen brauchen.
-
-PRINZ VON WALES: Maßen Sie sich keine Korrekturen an. So stehen Sie
-nicht da, selbst wenn ich Sie auf den Boden des Vergessens
-heraufgestellt habe, daß Sie nörgeln dürfen an dem, was ich rede und was
-das Recht in meinen Entschlüssen ist.
-
-KEAN: So werden Sie hören, daß die Dame, deren Namen ich laut nicht zu
-sagen wage, durch dieses Fenster verschwunden ist. Es führt in die
-Themse. Ich stehe hier in der Bitte und Erwartung, daß keine Strafe zu
-klein sei, auf mich zu fallen.
-
-PRINZ VON WALES: Schwärmer.
-
-KEAN: Verfügen Sie über mich. Ich bin zu sehr zerborsten, daß nur Strafe
-mich befriedigen kann.
-
-PRINZ VON WALES: Sie lebt.
-
-KEAN: Unmöglich.
-
-PRINZ VON WALES: Sie fährt im Wagen eben durch die Stadt.
-
-KEAN: Wie kann sie das?
-
-PRINZ VON WALES: Durch mich. Durch meine Leute. Meinen Befehl. Durch
-meine Leiter, mein Boot, meine Voraussicht. Meine Hand war um sie, von
-Anfang an.
-
-KEAN: Sie haben mich erlöst. Ich beuge mich. Ich habe sehr verloren. Ich
-erkenne Ihren Sieg an, neidlos. Es ist Zeit, daß wir zur Ruhe kommen, um
-den Anfang gut weiter zu führen. _Zu Daisy_: Denn ich habe ein Herz
-entdeckt.
-
-PRINZ VON WALES _fast herrisch_: Schauen Sie mir in das Gesicht. Lassen
-Sie die Pupille nicht von meiner. Dann wissen Sie, Herr, daß Sie den
-bedeutenderen Sieg errungen haben. Daß Sie am Beginn einer größeren
-Weisheit stehen. Ich neige mich. Verlassen Sie die Stadt. Man wird Sie
-als einen anders Gewordenen zurückrufen. Entfernen Sie sich mit Eile aus
-dem Umkreis. Gehen Sie. Ich wünsche nicht, das Sie etwas hinzufügen.
-
-
- Schluß des fünften Akts.
-
-
-
-
- PERSÖNLICHES ALS NACHWORT
-
-
-Das Schauspiel mein Stück zu nennen, ist vielleicht kühn, aber nicht
-ohne Berechtigung, wenn es nicht noch toller wäre und nicht ohne
-Torheit, es eines von Dumas zu nennen. Dumas ist ein verteufelt armes
-Luder, weil er tot ist, und ich habe keinen Orgueil an der Frage. Man
-kann auf ihr wie eine schöne Frau auf einem Dagobert die gewagtesten
-Positionen einnehmen. Ich überlasse die Lösung meinen kleinen Feinden,
-die mir seine Fehler vorzuwerfen nicht ermatten werden und auch mit
-Sicherheit bereit sind, meine Vorzüge in sein Talent zu jonglieren.
-
-Was mich an dem Schmarrn des Franzosen reizte, war das Genialische, das
-auch im Kitsch noch zuckt als Geste und Kerl und Blut. Ich hatte
-wahrlich nicht den Ehrgeiz, mich von dem Schmiß der Sache zu einer neuen
-Sache locken zu lassen, da ich ja die Freiheit und Möglichkeit wohl
-hätte, von mir selbst mich zu allen möglichen Stücken reizen zu lassen,
-und ich hatte keineswegs die Lust, den Franzosen zu schlucken, sondern
-die Absicht, ihn zu vervollkommnen und diesen verruchtesten und
-geliebten Reißer zu einem neuen Stück von Haltung zu machen. Es ging
-weniger um die Polierung, eher um das Fundament, und gewiß nicht um eine
-Bearbeitung, sondern bestimmt nur um Theater und um sicher besseres
-Theater, als in zehn dünnseeligen Geiststücken meiner immer abstrakter
-vom Blut wegwandernden Generation.
-
-Der europäische Gascogner hatte sich die Sache leicht gemacht, wußte
-prêcher pour sa paroisse und sagte umgekehrt wie die Englischen gern
-Baumwolle, wenn er Jesus meinte, was Heine nicht in seiner Begeisterung
-störte, als in der Hauptrolle Frédérik Lemaître dem romanischen Sketsch
-am einunddreißigsten August Achtzehnhundertsechsunddreißig im Théâtre
-des Variétés vor den Untertanen einer demokratisierenden Bourgeoisie und
-vor verprügelten Aristokraten die Weltrichtung gab ... und Dumas damit
-aus dem Gekrisch literarischer Diebstähle herausriß, in das ihn
-Gardisten seines lächelnden Freundes Victor Hugo gewickelt hatten.
-Damals wars rassiger Bluff. Heut ist die Innerlichkeitssubstanz
-Geschwätz und Geplausch. Zwischen die (wundervollen) Trüks muß nun Seele
-hineinschmettern. Es müssen Menschen dahin, wo er Dramatisches suchte
-und Effekte fand, es darf Wahrheit dort sein, wo er gaunerte und
-Glissandos machte. Wo er gallisch krähte, muß Schicksal hinein.
-
-Denn schließlich handelt es sich darum, daß dieses funny animal, dieser
-tolle Bursche, Kean, nicht aus Unordnung schlampig, sondern aus
-elementaren Leidenschaften ungesammelt ist. Daß es nicht auf das Kostüm
-ankommt, sondern auf dies Exemplar von Menschen, nicht auf die
-Verwirrungen, sondern auf die Dämonie. Daß es von Bedeutung ist, daß die
-Backfische und Mondänen und Kokotten des französischen Theaters nicht
-aus Bleichsucht gütig und aus Hurerei lasziv und aus Neugier
-abenteuerlich sind, sondern daß sie aus Güte konsequent und aus
-Lebenskenntnis tragisch und aus Enttäuschungen überlegen scheinen. Und
-daß schließlich nicht bei sentimentalen Saucen verblieben, sondern
-wahrhaftig zu festeren Ergebnissen fortgeschritten werden muß. Alles
-andere ist Unsinn. Das ist der Weg der Operation.
-
-Der Weg, der keinen anderen Ehrgeiz der Exkursion kannte als den
-handwerklichen zum sachlichen Theater in einer theaterlosen Zeit, schob
-in alle Kurven eine amüsante Grenze. Man erblickte stets die Neigung,
-den alten Faiseur des Genialischen mit einer schonen Brüskheit aus dem
-Wagen zu schmeißen, aber man behielt ihn mit Respekt und lächelnd bei.
-Die Fahrt erhielt eine seltsame Mischung von Gefahr und Grazie, von
-Respekt und Tragödie, von Fatum und Causerie.
-
-Man spiele daher in den Untergründen, ohne die Eleganz zu verletzen. Man
-spiele ganz modern, aber zeitlos. Man boxe und morde exakt, mit
-Kenntnis, aber nicht ohne Verständnis für die Not der Herzen. Man spiele
-schließlich mit voller Aktualität, aber durch Stilisiertes ins Breitere
-der Gefühlsvorgänge gedämpft. Momentan, aber nicht salonhaft. Tragisch,
-aber mit Verschweben. Scharf, rasch, nicht ohne viel Graziles und mit
-bedeutender Phantasie.
-
-Kreuzeckhaus, Februar 1921.
-
- KASIMIR EDSCHMID
-
-
- Manuldruck der
- Spamerschen Buchdruckerei
- Leipzig
-
-
- Von
- KASIMIR EDSCHMID
- erschienen:
-
-
- BEI ERICH REISS
-
- ÜBER DEN EXPRESSIONISMUS IN DER LITERATUR UND
- DIE NEUE DICHTUNG
-
-
- BEI KURT WOLFF
-
- DIE SECHS MÜNDUNGEN
- NOVELLEN
-
- DAS RASENDE LEBEN
- NOVELLEN
-
- TIMUR
- NOVELLEN
-
-
- BEI PAUL CASSIRER
-
- DIE FÜRSTIN
- NOVELLEN
-
- DIE DOPPELKÖPFIGE NYMPHE
- AUFSÄTZE ÜBER DIE LITERATUR UND DIE GEGENWART
-
- DIE ACHATNEN KUGELN
- ROMAN
-
-
- Anmerkungen zur Transkription
-
-Verlagsanzeigen wurden vom Beginn des Buches and das Ende verschoben.
-
-Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigert. Weitere
-Änderungen sind hier aufgeführt (vorher/nachher):
-
- [S. 21]:
- ... JÜNGLING: Hast du ihn nicht gefährlich eingeheizt? ...
- ... JÜNGLING: Hast du ihm nicht gefährlich eingeheizt? ...
-
- [S. 22]:
- ... ruschte Kean seine Stimme in den Magen. Er spie. ...
- ... rutschte Kean seine Stimme in den Magen. Er spie. ...
-
- [S. 30]:
- ... nicht in sechs Teile auseinander? Seltsame Späße reifen mein
- Dasein ...
- ... nicht in sechs Teile auseinander? Seltsame Späße reißen mein
- Dasein ...
-
- [S. 32]:
- ... Ende des zweiten Akts. ...
- ... Schluß des zweiten Akts. ...
-
-
-
-
-
-
-End of the Project Gutenberg EBook of Kean, by Kasimir Edschmid
-
-*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK KEAN ***
-
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-additions or deletions to any Project Gutenberg-tm work, and (c) any
-Defect you cause.
-
-Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
-
-Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
-electronic works in formats readable by the widest variety of
-computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It
-exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations
-from people in all walks of life.
-
-Volunteers and financial support to provide volunteers with the
-assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
-goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
-remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
-Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
-and permanent future for Project Gutenberg-tm and future
-generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see
-Sections 3 and 4 and the Foundation information page at
-www.gutenberg.org
-
-
-
-Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
-
-The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
-501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
-state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
-Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
-number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by
-U.S. federal laws and your state's laws.
-
-The Foundation's principal office is in Fairbanks, Alaska, with the
-mailing address: PO Box 750175, Fairbanks, AK 99775, but its
-volunteers and employees are scattered throughout numerous
-locations. Its business office is located at 809 North 1500 West, Salt
-Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up to
-date contact information can be found at the Foundation's web site and
-official page at www.gutenberg.org/contact
-
-For additional contact information:
-
- Dr. Gregory B. Newby
- Chief Executive and Director
- gbnewby@pglaf.org
-
-Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
-Literary Archive Foundation
-
-Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
-spread public support and donations to carry out its mission of
-increasing the number of public domain and licensed works that can be
-freely distributed in machine readable form accessible by the widest
-array of equipment including outdated equipment. Many small donations
-($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
-status with the IRS.
-
-The Foundation is committed to complying with the laws regulating
-charities and charitable donations in all 50 states of the United
-States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
-considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
-with these requirements. We do not solicit donations in locations
-where we have not received written confirmation of compliance. To SEND
-DONATIONS or determine the status of compliance for any particular
-state visit www.gutenberg.org/donate
-
-While we cannot and do not solicit contributions from states where we
-have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
-against accepting unsolicited donations from donors in such states who
-approach us with offers to donate.
-
-International donations are gratefully accepted, but we cannot make
-any statements concerning tax treatment of donations received from
-outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
-
-Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
-methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
-ways including checks, online payments and credit card donations. To
-donate, please visit: www.gutenberg.org/donate
-
-Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic works.
-
-Professor Michael S. Hart was the originator of the Project
-Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be
-freely shared with anyone. For forty years, he produced and
-distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of
-volunteer support.
-
-Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
-editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in
-the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not
-necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper
-edition.
-
-Most people start at our Web site which has the main PG search
-facility: www.gutenberg.org
-
-This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
-including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
-subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.
-