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-The Project Gutenberg EBook of Der Weihnachtsabend, by Christoph von Schmid
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and most
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-
-Title: Der Weihnachtsabend
- Eine Erzählung zum Weihnachtsgeschenke für Kinder
-
-Author: Christoph von Schmid
-
-Release Date: February 8, 2018 [EBook #56520]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: ISO-8859-1
-
-*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER WEIHNACHTSABEND ***
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-
-Produced by Jens Sadowski and the Online Distributed
-Proofreading Team at http://www.pgdp.net. This file was
-produced from images generously made available by The
-Internet Archive.
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- Der
- Weihnachtsabend.
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- Eine Erzählung
- zum
- Weihnachtsgeschenke
- für
- Kinder,
-
- Von
- dem Verfasser der Ostereyer.
-
-
- Landshut, 1825.
- in der Krüll'schen Buchhandlung.
-
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-
-
- Erstes Kapitel.
-
- Das Weihnachtslied.
-
-
-An dem heiligen Abende vor dem Weihnachtsfeste wanderte der arme Anton,
-ein holder Knabe von acht Jahren, noch durch die schneebedeckte Gegend
-hin. Der arme Kleine hatte seine blonden Locken, die von der Kälte
-angeduftet waren, noch mit dem leichten schwarzen Strohhute vom letzten
-Sommer her bedeckt, und seine beyden Wangen glühten hochroth von Frost.
-Er war nach Soldatenart gekleidet und hatte eine niedliche
-scharlachrothe Husarenjacke an. In der Rechten führte er einen dicken
-Stecken von Schlehdorn, und auf dem Rücken trug er ein kleines
-Reisebündelein, in dem sich all sein Hab' und Gut befand. Er war aber
-fröhlich und guter Dinge, und hatte an der schönen weißen
-Winterlandschaft umher und an den bereiften Hecken und Gesträuchen am
-Wege seine herzliche Freude. Indeß ging die Sonne gluthroth unter. Die
-angedufteten Halme und Zweige umher flimmerten wie mit röthlichen
-Fünklein bestreut und die Gipfel des nahen Tannenwaldes strahlten im
-Abendgolde.
-
-Anton dachte das nächste Dorf, das jenseits des Waldes lag, noch leicht
-zu erreichen, und ging muthig in den dicken, finstern Wald hinein. Er
-hoffte in dem Dorfe gute Weihnachtsfeyertage zu bekommen; denn er hatte
-gehört, die Bauern dort seyen sehr vermögliche und gutherzige Leute.
-Allein er war noch keine Viertelstunde gegangen, so kam er vom rechten
-Wege ab, und verirrte sich in die wildeste Gegend des rauhen, bergichten
-Waldes. Er mußte fast beständig durch tiefen Schnee waten, und einige
-Male versank er beynah in Gruben und Schluchten, die unter dem Schnee
-versteckt waren. Die Nacht brach ein und es erhob sich ein kalter Wind.
-Wolken überzogen den Himmel, und verdunkelten jedes Sternlein, das durch
-die schwarzen Tannenäste funkelte. Es ward sehr finster und fing aufs
-neue an heftig zu schneyen.
-
-Der arme Knabe fand keine Spur mehr von einem Wege, und wußte nicht mehr
-wo an und wo aus. Müde von langem Umherirren vermochte er nicht mehr
-weiter zu gehen. Er blieb stehen, zitterte vor Frost, und fing an
-schmerzlich zu weinen. Er legte sein Wanderbündelein in den Schnee,
-kniete darneben nieder, nahm seinen Hut ab, erhob seine starren Hände
-zum Himmel, und bethete unter heißen Thränen: »Ach Du lieber Vater im
-Himmel! Ach laß mich doch nicht in diesem wilden Walde, in Nacht und
-Frost umkommen. Sieh, ich bin ja ein armes Waislein, und habe keinen
-Vater und keine Mutter mehr! Ich habe niemand mehr als Dich. Aber Du
-bist ja der Vater aller armen Waisen. O laß mich nicht erfrieren;
-erbarme dich deines armen Kindes. Es ist ja heute die Nacht, in der dein
-lieber Sohn zur Welt geboren wurde. Um Seiner Willen erhöre mich! Ach,
-laß nicht in eben der Nacht, da sich alle Welt über die Geburt des
-göttlichen Kindes freut, mich armen Knaben hier einsam im Walde
-sterben.« Er legte sein müdes Haupt auf sein kleines Bündelein, und
-schluchzte und weinte bitterlich!
-
-Aber horch -- da erklang es mit einem Male, seitwärts von der Höhe
-herab, lieblich wie Harfentöne, und ein wunderschöner Gesang erhob sich
-und hallte von den Felsen wieder. Dem Knaben war es nicht anders, als
-hörte er die heiligen Engel Gottes singen. Er stand auf, horchte und
-faltete die Hände. Der Wind hatte sich gelegt, und kein Lüftchen regte
-sich. Unaussprechlich lieblich erklang der Gesang in der tiefen
-nächtlichen Stille des Waldes. Jetzt vernahm er deutlich die Worte:
-
- O sey getrost in jeder Noth,
- Denn sieh, den liebsten Sohn hat Gott
- Zum Heiland dir gegeben!
- Auf Ihn vertrau' und fasse Muth,
- Was schlimm ist, macht Er wieder gut;
- Er liebt dich wie sein Leben.
-
-Jetzt war es wieder stille; nur klangen noch wie ein leiser Wiederhall
-einige sanfte Harfentöne nach. Dem guten Anton wurde es wunderbar um das
-Herz. »Ach, sagte er, so muß es den Hirten zu Bethlehem gewesen seyn,
-als sie in jener heiligen Nacht den himmlischen Gesang vernahmen. Ich
-will wieder frischen Muth fassen und fröhlich seyn. Sicher wohnen gute
-Menschen in der Nähe, die sich meiner annehmen; denn ich hoffe, daß sie
-nicht nur so schön singen, wie Engel, sondern auch so gut und freundlich
-gesinnt seyen, wie die Engel!« Er nahm sein Bündelein, und ging die
-Anhöhe hinauf -- der Gegend zu, woher er den lieblichen Gesang vernommen
-hatte. Kaum war er einige Schritte durch das Gebüsch gegangen, so
-glänzte ihm ein heller Lichtstrahl entgegen, der sogleich wieder
-verschwand, über eine Weile aber wieder erschien, dann wieder auf einige
-Augenblicke verschwand, dann wieder heller glänzte, und so wechselweise.
-Anton ging freudig vorwärts, und kam an ein Haus, das einsam im Walde
-stand. Er klopfte zwei, drey Mal an der Hausthüre; er hörte wohl mehrere
-fröhliche Stimmen in dem Hause, aber niemand antwortete ihm. Er
-versuchte nun die Thüre zu öffnen; sie war nur mit der Thürschnalle
-geschlossen. Er ging hinein, tappte lange in dem dunkeln Hausgange
-umher, und suchte die Stubenthüre. Endlich fand er sie, machte sie auf
--- und blieb höchst erstaunt stehen. Ein heller Glanz von mehrern
-Lichtern strahlte ihm entgegen. Es war ihm nicht anders, als blickte er
-in das Paradies, in den offnen Himmel.
-
-In der Ecke der Stube, zwischen den zwey Fenstern, war eine überaus
-schöne Frühlingslandschaft ganz nach der Natur im Kleinen abgebildet --
-eine gebirgige Gegend mit hohen bemoosten Felsen, grünenden
-Tannenwäldern, ländlichen Hütten, weidenden Schafen, nebst ihren Hirten,
-und einer kleinen Stadt oben auf dem Berge. In der Mitte der Landschaft
-war aber eine Felsenhöhle -- da sah man das Kind Jesu -- die heilige
-Mutter -- den ehrwürdigen Joseph -- die anbethenden Hirten, und oben
-schwebten die jubelnden Engel. Die ganze Landschaft flimmerte von einem
-wundersamen Glanze; sie war wie mit unzähligen winzig kleinen Sternlein
-besät, so wie etwa Laub und Moos an Bäumen und Felsen schimmern, wenn
-sie an einem Frühlingsmorgen von reichlichem Thaue tröpfeln.
-
-Die Einwohner des Hauses waren um die schöne Vorstellung des Kindes Jesu
-in der Krippe versammelt. An einer Seite saß der Vater und hatte eine
-Harfe zwischen den Knieen stehen; an der andern Seite saß die Mutter mit
-dem kleinsten Kinde auf dem Schooße. Zwey liebliche Kinder, ein Knabe
-und ein Mädchen, standen zwischen den beyden Aeltern, blickten andächtig
-zur Krippe des Heilandes hinauf und erhoben die Hände gleich den frommen
-Hirten, die vor der Krippe knieten. Jetzt griff der Vater wieder in die
-Harfe und die Mutter sang mit ihrer lieblichen Engelsstimme noch einmal
-das Lied, von dem Anton jene Worte gehört hatte. Die zwey Kinder sangen
-mit ihren zarten, hellen Stimmchen freudig mit, und der Vater begleitete
-den Gesang mit seiner angenehmen Baßstimme und dem lieblichen
-Harfenspiel. Sie sangen:
-
- Vor Dir, Du holdes Himmelskind,
- Dem Gottes Engel dienstbar sind,
- Fall' ich anbethend nieder --
- Und freue mit Maria mich,
- Und preise mit den Engeln Dich,
- Und singe Jubellieder!
-
- * * * * *
-
- In Dir erscheint uns Gottes Heil,
- Dich lieben -- ist der beste Theil,
- Du Liebe ohne Gleichen!
- Zwar spricht noch deine Lippe nicht,
- Doch sagt dein mildes Angesicht
- Dem Armen wie dem Reichen:
-
- * * * * *
-
- »O sey getrost in jeder Noth,
- Denn sieh, den liebsten Sohn hat Gott
- Zum Heiland dir gegeben!
- Auf Ihn vertrau' und fasse Muth,
- Was schlimm ist, macht Er wieder gut;
- Er liebt dich wie sein Leben.«
-
- * * * * *
-
- »Und kömmt ein armes Kind in Noth
- Vor deine Thür', sag' nicht: Helf Gott!
- Wollst seiner dich erbarmen!
- Fühlst du für Gottes Liebe Dank,
- Laß liebreich es bey Speis und Trank
- An deinem Heerd erwarmen.«
-
-Anton stand noch immer unter der geöffneten Thüre, und hielt die
-Thürschnalle in der einen Hand, und Hut und Stecken in der andern. Seine
-Augen waren beständig auf die schöne Vorstellung der Krippe Jesu
-gerichtet, und mit offenem Munde horchte er auf den Gesang und das
-Harfenspiel. Niemand bemerkte ihn. Jetzt fühlte aber die Mutter die
-Kälte, die durch die offene Thüre in die Stube drang und blickte nach
-der Thüre: »Lieber Gott, rief sie, wie kommt das Kind in der finstern
-Nacht durch den dicken Wald hieher? Armer, armer Knabe -- du hast dich
-gewiß verirrt!« »Ach ja, sagte Anton, ich habe mich im Walde verirrt!«
-Alle sahen jetzt nach der Thüre. Die zwey Kinder hatten ein herzliches
-Mitleid mit dem verirrten Knaben, blieben aber etwas scheu stehen, weil
-er ihnen fremd war. Die Mutter ging mit ihrem Kinde auf dem Arm zu ihm
-hin, und fragte ihn freundlich: »Wo bist du denn her, lieber Kleiner,
-wie heißt du und wer sind deine Aeltern?« »O Du lieber Gott, sagte Anton
-mit Thränen in den blauen Augen: Ich habe gar keine Heimath mehr. Ich
-heiße Anton Kroner. Mein Vater ist in dem Kriege umgekommen und meine
-Mutter ist den letzten Herbst vor Jammer und Elend gestorben. Ich bin
-hier im Lande ganz fremd und irre in der Welt umher, wie ein verlornes
-Lämmlein.« Er fing an zu erzählen, wie er eben jetzt im Walde in so
-großer Noth gewesen, wie er da aber ihren Gesang gehört und so den Weg
-zu ihrem Hause gefunden habe. Er wollte weiter reden; allein die Stimme
-versagte ihm; es fror ihn noch all zu sehr. In der warmen Stube fühlte
-er die Wirkungen der Kälte erst recht. Er zitterte vor Frost und
-klapperte mit den Zähnen.
-
-»Ach du armer Anton, sagte die Mutter; du kannst ja vor Frost kaum mehr
-reden; und hungerig und müde mußt du auch seyn. Leg dein Bündelein ab,
-und sitz nieder; ich will dir eine warme Suppe geben, und was sonst noch
-von dem Nachtessen übrig ist.« Die zwey Kinder, Christian und Katharine,
-nahmen ihm nun voll Mitleid Hut und Stock und das Bündelein ab.
-Katharine legte das Bündelein auf die Bank; Christian legte den Hut oben
-darauf und lehnte den Stecken in eine Ecke. Hierauf führten sie ihren
-kleinen Gast an den Tisch. Die Mutter brachte Suppe und ein großes Stück
-Festkuchen nebst gekochten Pflaumen. Sie setzte sich an die andere Seite
-des Tisches, und lächelte freundlich, daß Anton es sich so gut
-schmecken ließ. Die Kinder aber theilten ihm reichlich von ihren
-Weihnachtsgeschenken mit -- schöne rothwangige Aepfel, goldgelbe Birnen,
-und große braune Nüsse. Sogar das kleine Lieschen auf dem Schooße der
-Mutter schenkte ihm, auf Zureden der Mutter, das schöne purpurrothe
-Aepfelein, das sie in dem kleinen Händchen hielt, und mit den zarten
-Fingerlein kaum umspannen konnte.
-
-Die warme Suppe bekam dem erstarrten Anton sehr gut, und die liebliche
-Stubenwärme that ihm nunmehr sehr wohl. Er ward wieder munter und
-fröhlich. »Aber was ihr doch da in der Ecke eurer Stube Schönes habt!«
-fing er jetzt an. Er hatte schon unter dem Essen beständig nach der
-Krippe hinübergeblickt. »Das ist ja ein Frühling mitten im Winter! sagte
-er. So etwas Wunderschönes hab' ich in meinem Leben noch nicht gesehen.
-Ich muß es doch näher betrachten.« Er sprang hin und die zwey Kinder
-folgten ihm.
-
-»Weißt du aber auch, was das alles vorstellt?« fragte Katharine.
-»Freylich weiß ich das, sagte Anton. Es stellt die Geburt Jesu vor. Was
-das für ein schönes, liebliches Kindlein ist! Sein Angesicht ist so
-schön weiß und roth, wie Lilien und Rosen. Und was es für glänzende
-Aeuglein hat, und wie freundlich es lächelt!« »Das ist aber nicht das
-rechte Jesuskindlein! sagte Katharine. Jesus ist jetzt kein Kind mehr;
-Er ist schon lange in den Himmel aufgefahren.« »Das weiß ich wohl, sagte
-Anton. Meynst du denn, ich sey ein Heide? Es ist ja schon bald zwey
-tausend Jahre, daß Jesus als ein Kind in der Krippe lag. Das alles hier
-ist nur so gemacht, damit wir Kinder uns alles besser vorstellen können.
-Das da oben ist, glaube ich, die Stadt Bethlehem. Nicht so?« Katharine
-nickte. »Siehst du nun, sagte Anton, daß ich alles weiß! Ich bin nicht
-so dumm, als du meynst.«
-
-Die Kinder lachten und machten nun Anton noch auf allerley Kleinigkeiten
-aufmerksam, die ihnen aber höchst wichtig vorkamen. »Sieh nur, Anton,
-sagte Katharine, das schöne weiße Schaf hier mit krauser Wolle, und die
-zwey allerliebsten kleinen Schäflein daneben! Sieh, hier herum graset
-die übrige Heerde, und dort steht der Hirt und bläst auf der Schalmey.
-In dem niedlichen rothen Hüttchen mit Rädern schläft er zu Nacht.« --
-»Siehst du auch, sprach Christian, wie da aus dem Felsen ein kleines
-Quellchen, so fein wie ein Silberfädchen, hervorspringt, und sich in den
-hellen See ergießt? Sieh, zwey weiße Schwäne mit schöngebognen Hälsen
-schwimmen auf dem See und spiegeln sich in dem ruhigen, silberklaren
-Wasser.« »Dort, sagte Katharine, kommt ein Hirtenmädchen den steilen Weg
-am Berg herab, und trägt ein zugedecktes Körblein auf dem Kopf. Darin
-werden wohl Aepfel oder Eyer seyn, die sie zur Krippe trägt.« »Und sieh,
-sagte Christian, dort schiebt einer auf seinem Schiebkarren einen Sack
-die hohle Bergschlucht hinauf. Was aber in dem Sacke ist, weiß ich nicht
-zu sagen.« So unterhielten sich die Kinder höchst angenehm, und kein
-kleines streifiges Schnecklein, das an dem Felsen klebte, und kein
-buntes Müschelein am Ufer des Sees blieb unbemerkt.
-
-»Nun wohl, sagte Anton, das ist alles sehr schön. Allein das Schönste
-ist doch die Abbildung des himmlischen Kindes! Das freut mich am
-meisten. Denn um jenes Kindes willen, das hier abgebildet ist, hat mich
-der himmlische Vater aus meiner großen Noth errettet.«
-
-
-
-
- Zweytes Kapitel.
-
- Geschichte des armen Antons.
-
-
-Der Hausvater, in dessen Hause Anton so gut aufgenommen wurde, war ein
-Förster. Er saß, indessen die Kinder so mit einander plauderten, in
-seinem Lehnsessel am Ofen, und schien in Gedanken vertieft. Die
-Försterin setzte sich, mit dem kleinsten Kinde auf dem Arm, neben ihn
-auf einen Stuhl, und sagte über eine Weile: »Warum bist du so stille,
-und über was sinnest du nach?« »Ich sinne den letzten Reimen nach, die
-wir gesungen haben, sagte der Förster. Du hast nun freylich gethan, wie
-sie lauten, und den armen Knaben gespeiset und erwärmt. Ich denke aber,
-wir könnten doch noch mehr an ihm thun. Sieh, es ist heute die heilige
-Nacht. Wir feyern das Andenken jener Nacht, in der das göttliche Kind
-geboren wurde, das zu unserm und aller Menschen Heil in die Welt
-gekommen. Und nun schickt Gott uns eben heute Nacht ein Kind her, dem
-wir zum Heile werden können. -- Der Erlöser kam als ein Fremdling in die
-Welt, und hatte nicht, wo er sein Haupt hinlege, als wollte er die
-Gastfreundlichkeit der Menschen auf die Probe stellen. Die Einwohner von
-Bethlehem bestanden in dieser Probe schlecht, und verstießen ihn gleich
-anfangs zu den Thieren des Stalles; sollten wir den Knaben da auch so
-verstoßen? Sag mir aber deine Meynung aufrichtig, Elisabeth, was wir
-thun sollen!«
-
-»Den Knaben annehmen, sagte die Försterin freudig und freundlich. Was
-ihr einem von diesen Mindesten thut, das habt ihr mir gethan, sagte ja
-Er, der in dieser Nacht geboren ward. Und der Anton scheint mir ein
-recht guter, sanfter Knabe, der ein edles Gemüth hat. Er sieht so fromm
-und unschuldig aus, und, obwohl er bettelt, so ist er doch gar nicht
-keck und verwegen. Gewiß ist er ehrlicher Leute Kind. Er hat so eine
-feine Aussprache, und obwohl seine rothe Jacke etwas abgetragen ist, so
-ist sie doch von recht gutem Tuche. Wo ihrer fünf essen, essen auch
-sechs. Wir wollen den Knaben behalten.«
-
-»Du bist doch eine gute, liebe Frau, sagte der Förster, und drückte ihr
-die Hand. Gott wird es dir vergelten, und was du an einem fremden Kinde
-thust, unsern eigenen Kindern zu gut kommen lassen. Doch müssen wir den
-Knaben zuvor erst prüfen, ob er der Wohlthat werth ist.«
-
-»Anton, komm einmal daher!« rief der Förster jetzt laut. Anton kam und
-stellte sich vor ihn hin, gerade und aufrecht, wie ein Soldat vor seinem
-Offizier steht.
-
-»Dein Vater, fing der Förster an, war also ein Soldat, und starb den Tod
-fürs Vaterland. Nun, das ist wohl traurig für dich, allein für ihn ist
-es schön und rühmlich. Aber erzähle uns doch mehreres von deinen
-Aeltern. Wo waret ihr vor dem Kriege? Wie kam dein Vater um? Wie starb
-deine Mutter? Wie kamst du hieher in unsern Wald? Laß einmal hören!«
-
-Anton erzählte: »Meinen Vater, Gott habe ihn selig, nannten die Husaren
-ihren Herrn Wachtmeister. Unser Regiment lag, so lang ich denke, zu
-Glatz in Schleßien in Garnison. Meine Mutter nähte immer sehr fleißig
-und verdiente vieles. Sie war sehr geschickt. Da kam der Vater eines
-Tages eilig nach Hause und sagte: »Es ist Krieg; wir müssen morgen
-fort!« Er war ein tapferer Mann und wußte sich gut darein zu schicken.
-Meine Mutter aber hatte einen großen Schrecken und weinte bitterlich.
-Sie wollte ihn nicht allein ziehen lassen; der Abschied fiel ihr gar zu
-schwer. Auf ihr vieles Bitten nahm er uns endlich mit. Wir zogen weit --
-weit fort. Mit einmal hieß es: »Der Feind rückt an.« Mein Vater und die
-Husaren mußten ihm entgegen. Meine Mutter und ich blieben zurück. Da
-wurde uns nun wohl recht bange, als wir in der Ferne so fürchterlich
-schießen hörten. »Ach, sagte die Mutter zu mir, bey jedem Schuß geht mir
-ein Stich durchs Herz. Denn ich weiß ja nicht, ob die Kugel nicht das
-Herz deines Vaters durchbohrt.« Wir weinten und betheten, so lange das
-Schießen währte. Doch der Vater kam glücklich und unversehrt wieder
-zurück. So ging es nun öfter. Allein eines Tages kam nach einem Gefechte
-ein Husar mit des Vaters leerem Pferde in das Dorf gesprengt und sagte,
-der Vater sey schwer verwundet; er liege eine halbe Stunde vom Dorfe auf
-der Wahlstatt und werde wohl sterben. Die Mutter und ich eilten sogleich
-zu ihm. Er lag unter einem Baume. Ein alter Soldat kniete bey ihm und
-hielt ihn sanft in den Armen, so, daß der Vater den Kopf an die Brust
-des wackern Kriegers anlehnen konnte. Noch zwey andere Soldaten standen
-dabey. Mein armer Vater war durch die Brust geschossen und sah bereits
-so blaß aus wie ein Sterbender. Wir sahen es ihm wohl an, daß er uns
-noch etwas sagen wollte; allein er konnte nicht mehr reden. Da blickte
-er mich mit seinen sterbenden Augen noch einmal schmerzlich an, dann
-blickte er auf die Mutter, und dann zum Himmel. Wenige Augenblicke
-nachher verschied er. Die Mutter und ich weinten uns fast die Augen aus.
-Die Leiche wurde auf dem nächsten Kirchhofe begraben. Einige Herren
-Offiziere und viele Soldaten kamen und begleiteten die Leiche. Die
-Trompete klang mir so seltsam und so traurig, daß mirs ist, ich höre sie
-noch immer. Sie erwiesen ihm noch die letzte Ehre, und schossen ihm noch
-in das Grab. Meine Mutter und ich wurden von dieser traurigen
-Ehrenbezeugung so erschüttert, als würde auf uns selbst geschossen.
-Viele Soldaten wischten sich die Augen, als sie vom Grabe zurückkehrten.
-Ich und meine Mutter aber zerfloßen fast in Thränen.
-
-Die Mutter wollte nun wieder in ihre Heimath zurück kehren. »Ich habe
-dort freylich keine Verwandten mehr, sagte sie, aber doch noch eine gute
-Bekannte. Sie wird uns wohl in ihr Haus aufnehmen, und ich denke, dort
-von meiner Arbeit dich und mich zu ernähren.« Allein wir hatten kaum
-einige Tagreisen zurück gelegt, da wurde die gute Mutter unterwegs
-krank. Mit Mühe erreichten wir noch ein kleines Weiler. Man wollte uns
-nirgend aufnehmen; endlich fanden wir in einer Scheure ein Unterkommen.
-»Das ist wohl hart, sagte meine Mutter, allein Maria hatte es ja auch
-nicht besser. Auch sie wurde nirgends hinein gelassen und mußte in einem
-Stalle übernachten.« Meine Mutter wurde indeß stündlich kränker. Sie
-ließ einen Geistlichen rufen und bereitete sich zum Tode. Als es Nacht
-wurde, sagte die Bäurin, der die Scheure gehörte, zu meiner Mutter: »Ihr
-seyd wohl recht krank; ich muß daher schon etwas Uebriges thun.« Sie
-ging, brachte eine alte Stalllaterne, in der ein kleines Oellicht
-brannte, und hängte die Laterne an einem Balken auf. Das war alles, was
-sie that. Sie sagte uns nun gute Nacht und kümmerte sich weiter nicht
-mehr um uns. Ich blieb ganz allein bey der Mutter; ich saß so neben ihr
-auf einem Bund Stroh und weinte bitterlich. Gegen Mitternacht wurde sie,
-so viel ich bey dem trüben Scheine der Laterne sehen konnte, immer
-blässer. Sie seufzte mehrmal sehr tief. Ich weinte immer heftiger. Sie
-both mir die Hand und sagte: »Weine nicht, lieber Anton! Bleibe fromm
-und gut, bethe gern, hab' Gott vor Augen und thu' nichts Böses; so wird
-dir Gott einen andern Vater und eine andere Mutter geben.« So sprach
-sie. »Aber lieber Gott, sagte Anton, und die hellen Zähren floßen ihm
-über die blühenden Wangen -- eine solche gute Mutter bekomme ich doch
-nicht mehr.« »Nun, fuhr er fort, sie blickte nun lange zum Himmel,
-bethete in der Stille, segnete mich mit ihren sterbenden Händen und
-verschied. Ich konnte nichts als weinen. Der Bauer und die Bäuerin
-hatten wohl meiner Mutter versprochen, sie wollen mich annehmen und mich
-wie ihr eigenes Kind halten. Sie nahmen das Wenige, was meine Mutter
-hinterlassen hatte, ihre Kleider und einiges Geld, auch wirklich zu
-sich; allein ehe drey Wochen vergingen, schickten sie mich fort, und
-sagten, ich hätte schon dreymal so viel verzehrt, als die
-Hinterlassenschaft meiner Mutter werth sey. Ich ging und nahm mir vor,
-nach Glatz zu meinen Schulkammeraden zurück zu kehren. Allein die Bauern
-konnten mir nicht sagen, wo der Weg nach Schleßien gehe. Da irre ich nun
-so im Lande hin und her und bettle; denn was soll ich sonst anfangen?«
-
-Die Försterin war sehr gerührt, und sagte mit Thränen in den Augen zu
-ihren Kindern: »Seht, meine Kinder, so könnte es euch auch gehen. Auch
-ihr könnet Vater und Mutter verlieren, und was wollet ihr dann anfangen?
-Darum bittet Gott doch alle Tage, daß Er euch eure Aeltern erhalte.«
-
-Der Förster sprach: »Du hattest, so viel ich sehe, sehr rechtschaffene
-Aeltern, lieber Anton. Allein hast du denn gar nichts Schriftliches
-aufzuweisen?« »O ja wohl!« sagte Anton, und nahm eine Brieftasche aus
-seinem Päcklein. »Diese Papiere, sagte er, hat mir meine Mutter noch auf
-ihrem Sterbebette übergeben. Sie befahl mir, wohl darauf Acht zu haben,
-und sie nicht aus der Hand zu lassen. Euch darf ich sie aber schon sehen
-lassen.« Es waren der Trauschein seiner Aeltern, Antons Taufschein und
-der Todtenschein seines Vaters. Der Todtenschein war von dem
-Feldprediger ausgestellt. Der Oberst des Regiments hatte aber noch
-eigenhändig ein sehr rühmliches Zeugniß von dem tapfern, edelmüthigen
-Betragen des seligen Wachtmeisters und der tadellosen Aufführung der
-hinterlassenen Wittwe beygefügt.
-
-»Nun wohl, sprach der Förster, das ist alles gut. Jetzt sage mir aber,
-Anton, wie gefällts dir bey uns?« »Sehr gut, sagte Anton freundlich, so
-gut, daß mir ist, als sey ich bey Euch zu Hause.« »Möchtest du wohl bey
-uns bleiben?« fragte der Förster. -- »O nirgends in der Welt lieber!«
-sagte Anton. »Eure Frau ist gerade so freundlich, wie es meine Mutter
-war, und Ihr seyd auch recht brav und habt gerade einen solchen
-Schnurrbart, wie ihn mein Vater trug.«
-
-Der Förster lachte, und strich sich den Bart. »Nun Knabe, sprach er, so
-bleibe denn bey uns. Ich will dein Vater seyn, und meine Frau wird als
-Mutter an dir handeln. Sey uns aber auch ein guter Sohn, und habe deine
-neuen Geschwister lieb und thu ihnen nichts zu leid. Hörst du -- du bist
-jetzt mein Sohn Anton!« Der Knabe stand sehr betroffen da, und sah den
-Förster mit großen Augen an, ob das auch sein Ernst sey. Er war der
-harten Begegnung, die er von vielen Menschen erfahren mußte, so gewöhnt,
-daß ers kaum glauben konnte, der Förster wolle ihn an Kindesstatt
-annehmen. »Nun wie, Anton, sagte der Förster, und both ihm die Hand,
-schlägst du nicht ein?« Jetzt brach Anton in Thränen aus, both dem
-Förster die Hand, küßte darauf die Hand der Försterin, und grüßte beyde
-Kinder, ja auch das kleinste, wiewohl es noch nicht wußte, was vorging,
-als seine neuen Geschwister. Christian und Katharine hatten eine große
-Freude, daß Anton da bleiben durfte. »Jetzt ists erst recht lustig,
-sagte Christian; jetzt sind wir, wenn wir ein Spiel machen, doch unser
-drey.«
-
-Der Förster fuhr aber ernsthaft fort: »Sieh Knabe, so sorgt Gott für
-dich. Der Segen deiner guten Aeltern ruht auf dir. Gott erhörte das
-Gebeth deiner sterbenden Mutter und -- auch dein Gebeth als du dort im
-Walde zitternd vor Frost im Schnee knietest. Er lenkte deine Tritte
-hieher! Er führte dich in unser Haus. Wenn du unsern Gesang nicht gehört
-hättest, so wärest du auf deinem Bündelein eingeschlafen und erfroren,
-und ich hätte dich todt im Walde gefunden. Gott rettete dich gerade noch
-im rechten Augenblick. Er führte dich gerade in dieser heiligen Nacht,
-da unsre Herzen von der Liebe des Vaters im Himmel, der den Eingebornen
-für uns dahin gab, besonders gerührt waren, zu unserer abgelegenen
-Wohnung im Walde, die du sonst am Tage kaum gefunden hättest. Gott und
-seinem lieben Sohne, der auch für dich armen Knaben vor bald zwey
-tausend Jahren in der heutigen Nacht geboren ward, und auch für dich
-gestorben ist, hast du es zu danken, daß du jetzt wieder ein Obdach
-hast. Darum erkenne es, und vergiß es in deinem Leben nicht, und habe
-immer ein dankbares Gemüth gegen Gott und deinen Erlöser. Hab' Gott dein
-Leben lang recht vor Augen und führe dich immer christlich auf.«
-
-Anton versprach es mit weinenden Augen. »O Du guter Gott, sagte er,
-indem er zum Himmel blickte, Du hast die letzten Worte meiner sterbenden
-Mutter treulich erfüllt und mir wieder Vater und Mutter geschenkt. Ich
-will aber ihre letzten Worte auch erfüllen, deine heiligen Gebothe
-halten, und besonders das vierte Geboth gegen meine neuen Aeltern recht
-beobachten.« »Bravo, Anton, sprach der Förster, das thu, und es wird dir
-wohl gehen.« Die Försterin wies hierauf dem Knaben eine kleine Kammer
-mit einem reinlichen Bette an, und alle begaben sich vergnügt zur Ruhe.
-
-Am andern Morgen waren die Kinder sogleich wieder um die Vorstellung des
-Kindes Jesu in der Krippe versammelt. Sie war an dem heiligen
-Weihnachtsfeste und den darauf folgenden Feyertagen und Festen ihre
-einzige Freude. Allein diese unschuldige Weihnachtsfreude wäre bald
-gestört worden. Ein gewisser junger Herr von Schilf, der ein großer
-Jagdliebhaber war, und den Förster öfter besuchte, kam einmal in die
-Stube. Er machte über diese Art, den Kindern die Krippe Jesu
-vorzustellen, allerley spöttische Anmerkungen und konnte nicht finden,
-wozu dergleichen dienen sollte.
-
-»Wozu? sprach der Förster. Schauen Sie da einmal zum Fenster hinaus,
-junger Herr! Sehen Sie, tiefer Schnee deckt die Erde und die Bäume des
-Waldes krachen unter seiner Last. Man sieht keine Blume; nur hier an den
-gefrornen Fensterscheiben schimmern Blumen von Eis. An den Obstbäumen,
-die mein Dach umgeben, hängen keine Aepfel und Birnen mehr, und es ist
-kein grünes Blatt mehr daran zu sehen; alle Aeste und Zweiglein sind
-weiß angeduftet und ganz mit Reifen überzogen, und an dem Hausdache
-hängen lange Eiszapfen. Die armen Kinder hier sind in der Stube, gleich
-Gefangenen, eingesperrt und können kaum einen Tritt vor die Hausthüre
-thun. Sollte es denn nun so übel seyn, wenn liebende Aeltern ihren
-Kindern zur rauhen Winterszeit in der wärmenden Stube gleichsam einen
-Frühling erschaffen? Wirklich ist diese Frühlingslandschaft im Kleinen
-mit den grünen Wäldern, blumigen Wiesen, weidenden Schafen und deren
-Hirten fast die einzige Winterfreude der Kinder.«
-
-»Allein das ist noch das Wenigste! Die Hauptsache ist dies: Wir Christen
-freuen uns zur heiligen Weihnachtszeit, daß uns in Christus die
-Menschenfreundlichkeit Gottes in Menschengestalt erschienen ist. Und da
-möchten wir denn auch unsre Kinder, soviel sie es verstehen, an dieser
-Freude Theil nehmen lassen. Nun weiß ich zwar wohl, daß die größten
-Mahler diese heilige Geschichte in Gemälden darstellten, die seit
-Jahrhunderten die Bewunderung der Welt sind. Ich selbst habe, da ich
-noch auf Reisen war, jenes berühmte Gemälde der Krippe Jesu zu Dresden,
-die heilige Nacht genannt, mehrmal bewundert. Allein die Einwendungen,
-die Sie gegen meine, freylich sehr unvollkommene Darstellung der Krippe
-Jesu hier machen, ließen sich, den Kunstwerth abgerechnet, gegen jenes
-herrliche Gemälde auch machen, und sind deßhalb keiner Wiederlegung
-werth. Solche kostbare Gemälde sind übrigens nur für große Herren, und
-wären bey Kindern gar nicht angewendet. Denn ich wette darauf, meine
-Kinder würden ihre Krippe gegen jenes berühmte Gemälde zu Dresden sicher
-nicht vertauschen.«
-
-»Lassen Sie also, mein lieber Herr von Schilf, uns einfältige Leute hier
-im Walde immer bey der alten Sitte unserer Väter bleiben. Ich erinnere
-mich noch aus meinen eigenen Kinderjahren, daß die Krippe meine beste
-Kinderfreude -- und nicht ohne Segen für mich war. So möge sie denn auch
-meinen Kindern zur Freude und zum Segen gereichen.«
-
-
-
-
- Drittes Kapitel.
-
- Die edle Försterfamilie.
-
-
-Der Förster, der den armen Waisenknaben an Kindesstatt angenommen hatte,
-war ein sehr rechtschaffener, biederer Mann, und, wie er sich selbst
-ausdrückte, noch von altem Schrott und Korn. Er war sehr gottesfürchtig,
-gegen alle Menschen wohlwollend, und in dem Dienste seines Fürsten
-unermüdet und von unverbrüchlicher Treue. Der ehrliche Förster hielt
-sich streng an die frommen Sitten seiner Großältern, die er noch gekannt
-hatte, und seiner Aeltern, die ganz so wie die Großältern gesinnt waren.
-
-Am Morgen war es immer sein erstes Geschäft, mit Frau und Kindern das
-Morgengebeth gemeinschaftlich zu entrichten; eben so wurde auch der Tag
-mit dem Abendgebethe gemeinschaftlich beschlossen. »Wie sollten wir,
-sagte er, nicht jeden Tag mit dem Gedanken an Denjenigen anfangen und
-beschließen, der uns jeden Tag das Leben fristet, und uns Speis und
-Trank und alles Gute giebt? Es ist wohl auch, denke ich, selbst für
-Engel ein rührender Anblick, wenn Vater und Mutter in Mitte ihrer Kinder
-vor Gott knien, und alle, auch das Kleinste nicht ausgenommen, die Hände
-bethend und dankend zum Himmel erheben. Der Vater im Himmel kann nicht
-anders als segnend auf sie herabblicken.«
-
-Eben so andächtig und ehrerbiethig bethete der Förster mit allen den
-Seinigen vor und nach dem Tische. Eines Tages brachte er den jungen
-Herrn von Schilf von der Jagd mit nach Hause und lud ihn, da eben die
-Suppe aufgetragen wurde, zum Mittagessen ein. Der junge Herr setzte sich
-sogleich ohne Tischgebeth an den Tisch. Allein der Förster, der sich,
-wie er zu sagen pflegte, nie ein Blatt vor den Mund nahm, sagte sehr
-ernsthaft: »Pfui, junger Herr! So machen es meine Wildschweine draußen
-im Walde; die verschlucken die Eicheln, ohne aufzuschauen, woher sie
-kommen.« Der junge Herr wollte Einwendungen machen, und meynte, das
-Tischgebeth sey eben nicht so bedeutend. Allein der Förster sprach mit
-großem Nachdrucke: »Was uns zu bessern Menschen macht, ist von großer
-Bedeutung. Die Gottseligkeit ist zu allem nütze; von der
-Gottvergessenheit hingegen habe ich noch keine guten Früchte gesehen,
-wohl aber schon sehr viele schlimme. Bethen Sie mit uns, wie es einem
-Christen und vernünftigen Menschen geziemt, oder Sie sind mit mir das
-letzte Mal auf der Jagd gewesen. Mit einem Heiden möchte ich nichts
-weiter zu thun haben. Ich mag nicht einmal mit ihm an Einem Tische
-essen. Doch, setzte der Förster gelassener hinzu, ich weiß wohl, daß Sie
-über die Sache nie nachgedacht haben. Sie sahen etwa einige vornehme
-junge Herren nicht zu Tische bethen, und machten es ihnen ohne weitere
-Ueberlegung sogleich nach. Sie glaubten dadurch sich selbst ein
-vornehmes Ansehen zu geben. Allein, mein lieber junger Herr, obwohl Sie
-Schilf heißen, so müssen Sie deßhalb doch nicht dem Schilfe gleichen,
-das innen leer und ohne Mark ist und sich nach jedem Lüftchen dreht.«
-Der junge Herr stand wieder auf und bequemte sich mit zu bethen. Er that
-es aber nicht aus Andacht gegen Gott, sondern blos aus Liebe zur Jagd.
-
-Am fröhlichsten war der ehrliche Förster immer, wenn er sich in der
-Mitte seiner Familie befand. »Was soll ich die Freude auswärts suchen,
-sagte er, da ich sie zu Hause besser und wohlfeiler haben kann.« Er
-trank daher nach vollbrachtem Tagewerk seinen Krug Bier, und Sonntags
-sein Glas Wein daheim, führte mit seiner Hausfrau vertrauliche Gespräche
-oder erzählte den Kindern fröhliche und lehrreiche Geschichten. Wenn er
-besonders aufgeräumt war, nahm er seine Harfe zur Hand. »Diese gilt uns,
-sagte er, bey den langen Winterabenden in unserm rauhen Walde anstatt
-Konzert und Oper.« Er hatte in seiner Jugend zwar das Waldhornblasen
-angefangen; allein da der Arzt ihm es untersagte, so verlegte er sich,
-als ein großer Freund der Musik, auf die Harfe. Die Försterin wußte
-mehrere schöne Lieder, und der Förster begleitete sie mit seinem
-Harfenspiel. Auch die Kinder hatten bald einige ihrem Alter angemessene
-Liedchen gelernt, und sangen zusammen, gleich den Zeisigen im Walde.
-
-Die Kinder des Försters gingen nach Aeschenthal, dem nächsten
-Pfarrdorfe, in die Schule. Sobald die Weihnachtsfeyertage vorüber und
-die Wege durch den Wald wieder gangbar waren, mußten Christian und
-Katharine täglich dahin gehen. Anton ging mit tausend Freuden mit, und
-übertraf bald alle seine Mitschüler. Sein Fleiß und seine Talente waren
-ausnehmend. Wenn der Förster Abends von der Jagd nach Hause kam und in
-seinem Lehnstuhle nächst dem wärmenden Ofen saß, mußten ihm die Kinder
-erzählen, was sie in der Schule gelernt hatten, und ihm ihre Schriften
-vorweisen. Anton wußte immer am meisten zu erzählen; seine Schriften
-waren immer die schönsten, und in dem Lesen brachte er es bald zu einer
-großen Fertigkeit. Nach dem Abendessen mußten die Kinder abwechselnd
-vorlesen; allein alle im Hause hörten am liebsten dem Anton zu. »Er
-liest am natürlichsten, sagte die Försterin. Wenn man es nicht sähe, daß
-er ein Buch vor sich habe, so meynte man sicher, daß er die Geschichte
-nicht lese, sondern daß er sie einmal gehört habe, und sie uns nur so
-aus dem Kopfe erzähle.«
-
-Der fröhlichste Tag in der Woche war den Kindern immer der Sonntag. An
-diesem Tage ging der Förster nicht auf die Jagd und die Kinder konnten
-den ganzen Tag um ihn seyn. »Ich bringe, sprach er, die sechs Tage der
-Woche unausgesetzt und unverdrossen in herrschaftlichen Diensten zu;
-allein der Sonntag ist dem Dienste eines größern Herrn gewidmet. Auch
-ist mir und meinen Holzhauern nach sechs Arbeitstagen wohl ein Ruhetag
-zu gönnen.« Am Sonntage Morgens gingen Vater und Mutter in der
-lieblichen Sonntagsfrühe mit den Kindern nach Aeschenthal in die Kirche.
-Das war den Kindern, besonders im Frühlinge und im Sommer, eine große
-Freude. Der Weg führte bald über waldichte Berghöhen hin, bald durch
-schmale Wiesenthälchen, die mit buschigen Felsen und hohen Bäumen
-umgeben waren. »O wie schön ists doch im Walde, sprach dann wohl Anton;
-wie herrlich grünen die Bäume im Glanze der Morgensonne! Ja, am Sonntage
-kommt mir der Wald noch viel schöner vor, als sonst. Mir ists, als
-hätten alle Bäume ein freundlicheres Grün. Die Vögelein auf den
-belaubten Zweigen singen viel fröhlicher. Und außer ihnen schweigt
-alles! Man hört keine Holzaxt, kein Wagenrad und keinen Schuß; nur die
-Kirchenglocke ertönt in der Ferne. Es ist alles so still und ruhig, wie
-in der Kirche.«
-
-»So feyerlich, wie in einem Tempel, sagte der Förster. Auch der Wald ist
-ein Tempel des Herrn; Er, der Allmächtige, stellte diese Bäume wie
-Säulen umher, und fügte ihre Zweige zu einem grünen Gewölbe zusammen.
-Alles, von der ungeheuren bemoosten Eiche dort bis zu den kleinen
-Mayblümchen hier zu unsern Füßen, verkündet uns seine Allmacht und Güte.
-Ja die ganze Erde, so weit der blaue Himmel sich wölbt, ist ein Tempel
-seiner Herrlichkeit. Besonders am Sonntage sollen wir Ihn in diesem
-seinem Tempel anbethen und diese herrlichen Werke andächtig betrachten.
-In diesem prachtvollen Tempel, den Er selbst erbaute, können wir seine
-unermeßliche, unbegreifliche Größe und Herrlichkeit wahrnehmen; in
-unsern Kirchen aber, wiewohl sie von Menschenhänden erbaut sind, läßt Er
-seine Rathschlüsse und seinen heiligen Willen uns näher offenbaren. Auch
-deßhalb wurde der Sohn Gottes ein Mensch, lehrte uns Menschen und
-ordnete das Lehramt an. In hundert tausend Tempeln und Kirchen der
-ganzen Christenheit wird an dem heutigen Tage seine Lehre verkündet und
-von Millionen Menschen angehört. Merkt daher auch ihr, meine Kinder,
-heute in unsrer Kirche andächtig auf jedes Wort des Lehrers und bewahrt
-es in eurem Herzen.« Solche und ähnliche Gespräche führte er mit den
-Kindern auf dem Wege zur Kirche; auf dem Heimwege aber redete er mit
-ihnen von der Predigt, und sie wetteiferten, ihm zu erzählen, was sie
-daraus sich gemerkt hätten.
-
-Bey Tische war der Förster Sonntags immer besonders fröhlich. »Die
-Freude, sprach er, mit euch zu Mittag zu essen, wird mir unter der Woche
-selten zu Theil; da verzehre ich mein Mittagsmahl meistens gleich im
-Walde aus der Faust, und es schmeckt mir, Gott sey Dank, immer sehr gut.
-Aber am Sonntage schmeckt es mir doch am besten, nicht weil die Mutter
-da eine bessere Mahlzeit bereitet, sondern weil ich die Speisen in eurer
-Mitte genießen kann.« Er legte den Kindern mit dem herzlichsten
-Wohlwollen selbst vor. »Esset, Kinder, esset, sprach er, und Danket Gott
-für seine Gaben.« Nach Tische ging er mit den Kindern im Walde umher,
-lehrte sie die mancherley Bäume, Sträuche und Kräuter kennen, und pries
-ihre mannigfaltige Schönheit und Brauchbarkeit. »So, sprach er dann
-immer, hat Gott alles, auch das kleinste Kräutlein, schön gebildet und
-zu dem Nutzen des Menschen eingerichtet. Auch der Wald ist ein Buch, in
-dem ihr auf allen Blättern von der Weisheit und Güte Gottes lesen
-könnet.«
-
-Wenn im Frühlinge oder im Sommer der Abend schön war, so deckte die
-Försterin unter der großen Linde, nicht weit vom Försterhause, wo ein
-Tisch nebst einigen Bänken angebracht war. Nach dem Abendessen sangen
-sie noch einige schöne und rührende Abendlieder. Der Förster spielte
-dazu die Harfe, und die Vögel auf allen Bäumen des Waldes umher stimmten
-in den Gesang und das Harfenspiel mit ein.
-
-Anton fühlte sich unter diesen edlen Menschen, bey denen wahre
-Frömmigkeit, Eintracht und Liebe, Fleiß, Ordnung und Zufriedenheit
-wohnten, höchst glücklich. »Gott meynte es doch recht gut mit mir, sagte
-er öfter. Er hätte mich auf der ganzen Welt zu keinen bessern Menschen
-führen können.« Der gute Knabe war aber auch die lautere Dankbarkeit und
-Dienstfertigkeit gegen seine Pflegältern. Wenn der Förster Abends aus
-seinem Forstbezirke heimkam, eilte Anton sogleich, ihm den alten
-hechtgrauen Ueberrock mit grünen Aufschlägen, dessen sich der Förster
-als eines Schlafrockes bediente, und die Pantoffeln zu bringen. Wenn die
-Försterin in der Küche am Heerde stand und kochte, trug er ihr
-ungeheißen Holz zu oder lief, um ihr einige Schritte zu ersparen, in den
-Gemüsgarten am Hause und holte Schnittlauch, Petersilien oder was sie
-sonst eben von grünen Kräutern nöthig hatte. Mancher ihrer Wünsche ward,
-bevor sie ihn aussprach, schon erfüllt.
-
-Seinem guten Pflegvater erzeigte er aber noch ganz besonders gute
-Dienste. Der Förster verfertigte von allen ihm anvertrauten Waldungen
-Risse, und gab ihnen mit Farben ein schönes, gefälliges Ansehen. In der
-Ecke jedes Blattes war der Namen des Waldes mit großen Buchstaben
-geschrieben, und, nachdem es ein Wald war, mit einem Kranze von
-Tannenzweigen oder Eichenlaube eingefaßt. Anton brachte es bald so weit,
-daß er die größten Risse nett und genau nachzeichnen konnte. Die
-Verzierungen aber, die er dabey anzubringen wußte, waren von ihm selbst
-erfunden und so gut ausgeführt, daß der Förster darüber erstaunte. Anton
-zeichnete zum Beyspiele einen Eichbaum, an dem ein Schild mit dem Namen
-des Waldes lehnte, und seitwärts sah man ein Wildschwein, das nach
-Eicheln suchte. Oder der Name des Waldes stand in einen Felsen
-eingegraben, der mit Tannen gekrönt war, und unten am Felsen ruhte ein
-Hirsch mit zakigem Geweih. Ueberhaupt zeichnete und mahlte Anton in
-allen seinen freyen Stunden bald Landschaften, bald Thiere, und wo er
-nur ein Streifchen weißes Papier oder einen leeren Briefumschlag fand,
-zeichnete er einen Vogel, eine Blume, oder einen Baumzweig darauf. Er
-konnte keinen Augenblick müßig seyn. Der Förster und die Försterin
-liebten den guten Knaben wie ihr eigenes Kind, ja ihre eigenen Kinder
-wurden, von Antons Beyspiel aufgemuntert, noch viel dienstfertiger und
-thätiger, als sie es zuvor waren.
-
-
-
-
- Viertes Kapitel.
-
- Antons fernere Geschichte.
-
-
-Eines Tages schickte der Förster den Anton mit einem Paar Schnepfen in
-das benachbarte fürstliche Jagdschloß Felseck. Der Verwalter hatte eben
-einen Gast und wollte ihn damit bewirthen. Anton kam unterwegs an einem
-Wasserfall vorbey, der zwischen schwarzgrünen Tannen, weiß wie Schnee,
-von einem hohen Felsen herabstürzte. Nicht weit davon saß ein fremder
-Herr in einem dunkelblauen Kleide, der den Wasserfall abzeichnete. Anton
-ging hin, schaute über die Schulter des Fremden auf das Blatt, und
-konnte sich nicht enthalten, laut zu rufen: »O wie schön! Ja das heißt
-gemahlt!« Er bath um Erlaubniß, das schöne Gemälde näher besehen zu
-dürfen, und erhielt sie. »Mir ists, sagte er, indem er es betrachtete,
-als wäre das Blatt da ein Spiegel, in dem sich der Wasserfall, nebst
-Felsen und Bäumen, im Kleinen abspiegelte. Wie silberhell das Wasser aus
-dem gespaltenen Felsen hervorschießt und wie schön sich der weiße Schaum
-unten zwischen den bemoosten Steinen kräuselt! Wie frisch und grün das
-zarte Moos an diesem Steine da ist! Man meynt, man könne es wegrupfen.
-Wie keck diese rauhen Tannen emporstarren! Und da haben Sie überdieß
-noch einen Hirsch hergemahlt, der aus dem Bache trinkt. Wie leicht der
-auf den Füßen steht! Man sieht es ihm an, wie flüchtig er über Stock und
-Stein wegsetzen kann. Die Hirsche, die ich mahle, stehen so lahm da, als
-wollten sie alle Augenblicke umfallen. Ich weiß kein rechtes Leben in
-sie hinein zu bringen.«
-
-Der Mahler hatte an den ungeheuchelten Lobsprüchen des Knaben und noch
-mehr an dessen Gefühl für Kunst ein großes Wohlgefallen. Er sagte
-lächelnd: »Du bist also, wie ich merke, auch ein kleiner Mahler?« »Ach,
-sagte Anton, bisher meynte ich wohl gar, ich sey kein kleiner, sondern
-ein großer Mahler. Jetzt sehe ich aber wohl, daß ich gar keiner bin.«
-Der Mahler sagte: »Ich wünsche deine Mahlereyen doch zu sehen. Ich werde
-dich nächstens besuchen, und da mußt du mir sie zeigen. Wer sind deine
-Aeltern und wo bist du zu Hause?« »Ach, sprach Anton, ich bin ein armer
-Waisenknabe. Der Herr Förster Grünewald hat mich aber an Kindesstatt
-angenommen.« »Nun, sagte der Mahler, da bist du wohl mit ihm verwandt,
-ein Bruderssohn oder ein Schwestersohn?« »Nein, sagte Anton, ich kam
-ganz landfremd in sein Haus; er und seine Frau nahmen mich aber sogleich
-auf und hielten mich wie ihr eigenes Kind.« »Das ist viel, sehr viel,
-sagte der Mahler. Doch wie kam denn dieß?« Anton erzählte seine
-Geschichte ausführlich. Der Mahler hörte ihm aufmerksam zu und sagte am
-Ende: »Der Förster und seine Frau müssen sehr edle Menschen seyn. Grüße
-sie mir, und sage ihnen, morgen des Tages werde ich sie besuchen, um
-ihnen im Namen der Menschheit für die Liebe, die sie dir erweisen, zu
-danken.«
-
-Der Mahler hieß Riedinger und war vor einem Paar Tagen auf dem
-fürstlichen Jagdschlosse angekommen, um da einige alte Gemälde
-aufzufrischen. Er benützte diese Gelegenheit, eine und die andere
-Waldgegend, die ihm besonders gefiel, abzuzeichnen. Sogleich am Abende
-des folgenden Tages besuchte er den Förster. Beyde biedere Männer fanden
-bald, daß sie Eines Sinnes waren, und wurden Freunde. Der Mahler wollte
-nun Antons Zeichnungen sehen. Die Försterin lobte sie ausnehmend.
-»Glauben Sie mir, sagte sie, sie sind unvergleichlich.« Allein Anton
-stand erröthend an der Thüre und sagte: »Herr Riedinger, Sie werden
-sehen, daß sie ganz und gar nichts heißen.« Der Mahler ermunterte ihn
-aber, sie zu zeigen, und Anton brachte sie. Herr Riedinger betrachtete
-eine nach der andern sehr bedachtsam und lächelte einige Male. Wiewohl
-er vieles daran auszustellen hatte, so gefielen sie ihm dennoch sehr.
-»Wahrhaftig, sagte er, es steckt ein Mahler in dem Knaben. Herr
-Grünewald, überlassen Sie ihn mir. Sie sollen Freude an ihm erleben.«
-»Topp! sagte der Förster und schlug ein. Ich habe schon lange
-nachgesonnen, was der Knabe werden solle. Er ist nun bereits in dem
-vierzehnten Jahre und in der Schule zu Aeschenthal ist für ihn weiter
-nichts mehr zu lernen. Zu einem Jäger ist er zu zart und zu mitleidig.
-Er artet mehr seiner sanften Mutter nach, als seinem tapfern Vater. Wenn
-Sie also meynen, er gebe einen guten Mahler ab, so nehmen Sie ihn
-immerhin in die Lehre. Wie viel verlangen Sie Lehrgeld?« »Lehrgeld!
-sagte der Mahler. Davon kann keine Rede seyn. Sie gaben mir zuerst ein
-Beyspiel, wie man sich armer Waisen annehmen müsse. Eine edle That zieht
-immer andere nach sich, wie eine Kerze andere anzündet. Das ergiebt sich
-alles ganz natürlich. Lassen Sie es also gut seyn. Sobald ich mit meiner
-Arbeit auf dem Schlosse fertig bin, fährt Anton, wenn er anders Lust
-hat, mit mir in die Stadt, und ich werde keine Mühe sparen, ihn zu einem
-Künstler zu bilden.« Anton hüpfte fast vor Freude. Als indessen nach
-einigen Tagen der Mahler in einer Kutsche vor das Haus gefahren kam, ihn
-mitzunehmen, weinte der gute Knabe doch recht herzlich. Allein der
-Förster sprach: »Weine nicht, Anton. Es ist ja nur ein Sprung in die
-Stadt. Wir besuchen dich öfter, und auch du kannst uns an Sonn- und
-Feyertagen leicht besuchen. -- Ja, das bedinge ich mir noch aus, sprach
-er zu Herrn Riedinger, daß Anton uns manchmal besuchen, die
-Weihnachtsfeyertage aber allemal ganz bey uns zubringen dürfe. Sie
-müssen ihm das erlauben.« »O recht gern, sagte der Mahler, recht gern;
-und wenn Sie und die Frau Försterin nichts dagegen haben, so komme ich
-allemal mit.« Sie gaben sich darauf die Hand. Anton dankte seinen
-Pflegältern. Sie ermahnten ihn, seinen Lehrmeister, der so vieles aus
-lauter Güte für ihn thun wolle, als seinen Vater zu ehren. Unter den
-besten Segenswünschen seiner Pflegältern und Geschwister stieg Anton in
-die Kutsche und fuhr mit dem Mahler fort.
-
-Der treffliche Mahler hielt in allen Stücken Wort. Es war ihm eine
-Herzenslust, einen so fähigen Schüler zu unterrichten. Auch kam er mit
-ihm zu dem Förster öfter auf Besuch; ja manchmal blieben sie mehrere
-Tage, um in dem gebirgigen Walde schöne Gegenden abzuzeichnen. Der
-Meister konnte seinen Schüler jedesmal nicht genug loben. »Unter uns
-gesagt, sprach er zum Förster, er wird ein Künstler, dem ich das Wasser
-nicht biethen darf.«
-
-Nach einigen Jahren kam Herr Riedinger mit Anton, der nunmehr ein
-blühender Jüngling war, wieder einmal zu dem Förster in die
-Weihnachtsfeyertage. Herr Riedinger blieb nach dem Abendessen mit dem
-Förster und der Försterin etwas länger auf. Anton und die Kinder des
-Försters hatten sich längst zur Ruhe begeben. Der Förster und die
-Försterin merkten wohl, daß der Mahler etwas auf dem Herzen habe, und es
-ihnen sagen möchte. Endlich fing er an: »Was Anton bey mir lernen
-konnte, hat er gelernt. Er muß nun reisen; er muß Italien sehen.
-Allerdings wird das nicht wenig kosten; allein es lohnt sich der Mühe.
-Kein Kapital könnte besser angelegt werden. Ich stehe Ihnen dafür, es
-wird auch reichliche Zinsen tragen und seiner Zeit wieder ersetzt
-werden. Was eine solche Reise kostet, übersteigt freylich das Vermögen
-eines Privatmannes. Allein ich habe mir die Sache so ausgedacht: Es
-versteht sich, daß Anton nicht ganz auf fremde Kosten reise. Er muß
-selbst etwas verdienen. Indeß braucht er doch immer ansehnlichen
-Zuschuß; denn er muß auch für sich noch freye Zeit behalten, um in der
-Kunst weiter zu kommen. Was nun mich betrifft, so werde ich das Meinige
-redlich dazu beytragen. Ich habe mir es, von Ihrem Beyspiele ermuntert,
-nun einmal in den Kopf gesetzt, den Anton umsonst zu einem Mahler zu
-bilden. Seine Arbeiten, die er bisher lieferte, sind mir sehr gut
-bezahlt worden. Dieses Geld habe ich zurück gelegt, und werde es zu
-seiner Reise verwenden. Allein es reicht bey Weitem nicht zu. Wären Sie
-nun nicht geneigt, das noch Fehlende, das freylich eine nicht geringe
-Summe betragen kann, darauf zu legen? Ein gutes Werk, das man angefangen
-hat, muß man auch vollenden.« Er both dem Förster die Hand hin,
-erwartend, er werde einschlagen. Der Förster hatte an Antons
-Wohlverhalten und seinen Fortschritten in der Kunst hohe Freude. Er
-besaß ein ziemliches Vermögen. Er blickte seine Hausfrau an. Sie nickte.
-Der Förster schlug ein und sagte: »Nun wohl, wenn die Summe mein
-Vermögen nicht übersteigt, so will ich sie ausbezahlen.« Es wurde ein
-Ueberschlag gemacht, was die Reise kosten könnte, und einmüthig
-beschlossen, Anton sollte künftigen Frühling die Reise antreten.
-
-Der Mahler fuhr am nächsten Morgen mit Anton im Schlitten zurück in die
-Stadt. Der Förster und die Försterin machten aber den Winter über
-Anstalten zu Antons bevorstehender Reise. Der Förster kaufte Tuch ein,
-um seinen Pflegsohn hinreichend mit wohlanständiger Kleidung
-auszustatten. Auch suchte er seinen eigenen Reisekoffer hervor, und ließ
-ihn mit Rehfell neu überziehen. Die Försterin und ihre zwey Töchter
-nähten und strickten sehr emsig, den Anton reichlich mit Leinenzeug zu
-versehen. Zu Anfang des Frühlings mußte Anton noch einige Tage bey
-seinen Pflegältern zubringen. Sein Pflegvater gab ihm in dieser Zeit
-noch viele gute Ermahnungen und Klugheitslehren, und war gegen ihn ganz
-ungemein liebreich. Der gute Mann nahm sich selbst die Mühe, den Koffer
-zu packen. So oft ihm die Försterin ein neues Kleidungsstück hinreichte,
-wurde Anton aufs neue gerührt. »Ach wie vieles -- wie gar so vieles thun
-Sie an mir! sagte er. Meine eigenen Aeltern, wenn sie noch lebten,
-könnten nicht mehr für mich thun!« Der Koffer wurde an einen berühmten
-Mahler, dem der Herr Riedinger den Anton empfohlen hatte, voraus
-geschickt. Denn Anton wollte die ganze Reise zu Fuß machen. Christian,
-Antons Herzensfreund, hatte aber noch für ein kleines Felleisen gesorgt,
-in dem Anton das Nothwendigste zum täglichen Gebrauche mitnehmen konnte.
-
-Endlich kam der Abschiedstag; Anton wollte nach Tische zu Herrn Mahler
-Riedinger in die Stadt gehen, und von da aus dann weiter reisen. Die
-Försterin bereitete ein Abschiedsmahl, und alle speisten noch einmal mit
-einander zu Mittag. Es war ein freundliches, rührendes Familienfest. Der
-Förster blickte in dem kleinen Kreise umher. Es herrschte eine
-wehmüthige Stille. »Nicht doch, meine Söhne und Töchter, sprach er, seyd
-nicht so traurig; und auch du, gute Mutter, trockne diese Thräne da ab.
-Es ist nun einmal so! Die Söhne, zumal wenn sie bereits erwachsen sind,
-müssen hinaus in die Welt; und auch ihr, meine Töchter, seyd bald in dem
-Alter, wo ihr vielleicht das väterliche Haus verlassen werdet. Doch,
-wenn uns auch Berg und Thal dem Leibe nach trennen, im Geiste bleiben
-wir immer vereinigt. Und so traurig der Abschied immer seyn mag, das
-Wiedersehen, das uns hier oder dort nie ausbleibt, ist dann desto
-freudiger!« Der edle Mann wußte durch fröhliche Gespräche alle wieder zu
-erheitern. Er ließ eine Flasche guten Wein bringen, von dem er sonst nur
-an Festtagen trank. Er schenkte der Mutter und den beyden Töchtern,
-obwohl alle drey sich weigerten, davon ein. »Den Traurigen gieb Wein!«
-sagte er lächelnd. Anton und Christian bothen ihre Gläser her, ohne sich
-lange nöthigen zu lassen. Am Ende der Mahlzeit nahm der Förster sein
-Glas und sagte: »Nun, Anton, stoß an -- auf eine glückliche Wanderschaft
-und ein fröhliches Wiedersehen!« Das gebe Gott, sagte die Försterin,
-stieß an und trank ein klein wenig. Christian, Katharine und Luise
-stießen auch mit an. Allen standen die Thränen in den Augen. Anton war
-am gerührtesten. Er konnte die Thränen nicht mehr zurück halten und
-sagte: »O meine liebsten Aeltern, wie vielen Dank bin ich Ihnen
-schuldig! Was wäre ich ohne Sie! Ach, ewig kann ich es Ihnen nicht
-vergelten, was Sie an mir gethan haben. Gott wolle Ihr Vergelter seyn!
-Er wolle mich einst in den Stand setzen, für das unaussprechlich viele
-Gute, das Sie an mir thaten, Ihnen und meinen lieben Geschwistern meinen
-Dank durch die That zu bezeugen.«
-
-»Ja, lieber Anton, sagte der Förster, ich kann es dir nicht verhehlen,
-wir thun viel an dir; und wenn ich deine Geschwister hier so ansehe --
-so möchte ich fast sagen, zu viel. Denn was mich und meine geliebte
-Hausfrau betrifft, so brauchen wir wohl wenig mehr. Unsere Haare sind
-bereits grau. So lange wir noch leben, haben wir wohl noch Brod. Allein,
-mein lieber Anton, wenn eines oder das andere deiner Geschwister einmal
-in Noth kommen sollte, so vergiß nicht, wie wir dir aus der Noth
-geholfen haben, und laß sie nicht in der Noth stecken. Gieb mir die Hand
-darauf, Anton! Nicht wahr, du verläßt deine Geschwister nicht?« »O
-lieber Vater, rief Anton, indem er dem Förster die Hand reichte, ich
-müßte ja der undankbarste Mensch von der Welt seyn, wenn ich Ihrer
-Wohlthaten je vergessen könnte. O gewiß -- Ihre Liebe ist mir ewig
-unvergeßlich. Meine größte Glückseligkeit auf der Welt soll es seyn,
-Ihnen, lieber Vater, meiner besten Pflegmutter oder meinen lieben
-Geschwistern Gutes erweisen zu können.«
-
-»Ich glaube dir, Anton, sagte der Förster; doch -- nun ist es Zeit, daß
-wir scheiden.« Er stand auf und sprach: »Knie nieder, lieber Sohn, damit
-ich dir noch den väterlichen Segen gebe.« Anton kniete nieder. Der
-Förster erhob seine Augen zum Himmel; es war etwas Ehrwürdiges und
-Feyerliches in seinem Angesichte und seiner Gestalt. Er segnete den
-Jüngling und sprach: »Gott begleite dich auf allen deinen Wegen, bewahre
-dich vor Sünde, und führe dich gut und unverdorben wieder in unsere Arme
-zurück.« Die Mutter und die Kinder standen alle mit gefalteten Händen
-und weinenden Augen andächtig umher, und sagten mit gerührtem Herzen:
-»Amen!« Der Förster hob den Anton auf, schloß ihn in die Arme und sagte:
-»Nun -- zieh hin und Gott sey mit dir! Habe Ihn stets vor Augen -- und
-vergiß nicht, daß sein allsehendes Auge dich überall sehe. Halte dich
-für zu gut, etwas Böses zu thun. Die Güter und Lüste dieser Erde sind es
-nicht werth, daß wir ihrethalben unser Gewissen beschweren. Gedenke, daß
-wir nicht für diese kurze Zeit, die wir auf Erden zu leben haben,
-geschaffen sind und daß eine Ewigkeit sey. Meide nicht nur das Böse,
-sondern auch jede Gelegenheit, Böses zu thun. Besonders fliehe solche
-Menschen, die über den frommen Glauben unserer Vorältern spotten und
-sich über reine Sitten lustig machen. Noch einmal -- lebe wohl und Gott
-sey mit dir.«
-
-Die Försterin sagte mit Augen voll Thränen: »Anton! Sieh diese meine
-rothgeweinten Augen, diese meine nassen Wangen! Um dieser Thränen willen
-bleibe Gott ergeben, gut und rechtschaffen. Gedenke dieser Thränen, wenn
-du in Versuchung kommest, Böses zu thun. Bisher hast du uns nur Freude
-gemacht; betrübe uns nie. So herzlich ich jetzt weine, so fühle ich
-dabey doch vielen Trost! Aber wenn wir je etwas Unrechtes von dir hören
-sollten, dann würden ich, und wir alle, die bittersten Thränen weinen.
-Vergiß unserer treuherzigen, väterlichen und mütterlichen Ermahnungen --
-und der letzten Ermahnung deiner seligen Mutter -- in deinem Leben
-nicht, und lebe wohl.«
-
-Die ganze Familie begleitete den tief gerührten, traurigen Jüngling noch
-eine weite Strecke Weges, fast bis zu Ende des Waldes. Endlich sagten
-sie ihm alle noch einmal Lebewohl! Anton ging -- sie aber blieben
-stehen. Er sah noch sehr oft um, und winkte ihnen mit dem Hute. Der
-Förster und Christian winkten ihm auch mit ihren Hüten, und die
-Försterin und die zwey Töchter mit ihren weißen Tüchern, bis er endlich
-mit seinem Wanderstab in der Hand und seinem Felleisen auf dem Rücken
-hinter einem waldichten Hügel verschwand.
-
-
-
-
- Fünftes Kapitel.
-
- Ein Weihnachtsgeschenk.
-
-
-Der heilige Weihnachtsabend war, seit Antons Abreise bereits das dritte
-Mal, wieder angebrochen. Der Förster kam heute mit seinem Sohne
-Christian früher aus dem Walde nach Hause. Es war sehr kalt. Der
-Abendhimmel strahlte glühendroth durch die Fenster in die Stube. Die
-runden Scheiben fingen schon an zu gefrieren und schimmerten in dem
-röthlichen Abendschein wie Edelsteine. Der Förster setzte sich in seinen
-Lehnsessel neben dem großen Ofen. Er legte mehr Holz zu; denn der Ofen
-war so eingerichtet, daß man ihn auch in der Stube öffnen konnte. Die
-Flamme loderte bald hoch auf, verbreitete einen wallenden Schimmer durch
-die Stube, spiegelte sich in den Fenstern und vermehrte das Funkeln der
-gefrornen Fensterscheiben.
-
-Jetzt kam die Försterin in die Stube. »Ist kein Brief von Anton da?«
-fragte der Förster. »Nein!« sagte sie mit betrübtem Angesichte.
-»Wunderlich! sprach der Förster und schüttelte den Kopf. Auf den
-Weihnachtsabend war sonst allemal richtig ein Brief von ihm da. Er
-schrieb immer sehr ausführlich und seine Briefe waren mir immer die
-angenehmste Weihnachtsfreude. Was treibt der Junge, daß er nicht
-schreibt?«
-
-Kaum hatte der Förster dieses gesagt, so trat ein Bothe mit
-weißangeduftetem Haare in die Stube. Er hatte einen Brief in der Hand
-und eine neue Kiste von Tannenholz auf dem Rücken, die zwar nur ganz
-flach, aber ziemlich breit und so hoch war, daß der Mann sich bücken
-mußte, um in die Stube zu kommen. »In dem Kistchen wird wohl ein Spiegel
-seyn!« sagte Katharine. Der Bothe überreichte dem Förster den Brief und
-lud die Kiste ab. »Der Brief ist von dem Herrn Mahler Riedinger, sagte
-der Förster. Wie kommt das? Nun glaube ich bald, daß dem armen Anton ein
-Unglück begegnete.« Er riß den Brief eilig auf, und durchlief ihn am
-Glanze des Feuers, das aus dem Ofen strahlte, mit begierigen Blicken.
-»Denkt nur, rief er freudig, Anton schickt uns bis aus Rom ein Gemälde
-zum Weihnachtsgeschenk. Er hat es, zusammengerollt, an Herrn Riedinger
-übermacht, und ihn ersucht, es in eine reiche goldene Rahme fassen zu
-lassen, und dafür zu sorgen, daß wir es auf den heiligen Abend sicher
-bekämen. Das Gemälde sey ein wahres Meisterstück, schreibt Herr
-Riedinger. Der Anton ist doch ein trefflicher Junge; ich möchte ihn
-sogleich umarmen.«
-
-»Katharine! rief er jetzt, bring doch dem ehrlichen Bothen, bis das
-Essen kommt, einstweilen ein Glas Wein. Das wird ihm gut thun; denn es
-ist draußen wirklich grimmig kalt.« Der Bothe nahm den Wein mit Dank an;
-verbath sich aber das Abendessen. Er habe, sagte er, zu Aeschenthal
-Anverwandte, und wolle bey diesen den Weihnachtsabend und den heiligen
-Tag zubringen. »Auch gut!« sprach der Förster, hieß den Bothen
-austrinken, beschenkte ihn reichlich und entließ ihn.
-
-»Nun, sprach der Förster, sitzt alle um mich her! Da ist in des Herrn
-Riedingers Brief auch noch ein Brief von Anton eingeschlossen; den will
-ich euch vorlesen.« Luise sagte: »Ich will nur noch zuvor ein
-Kerzenlicht holen.« »Wohl, sprach der Förster; ich kann dann den Brief
-mit mehr Bequemlichkeit lesen. Aber eile!« Luise brachte die brennende
-Kerze sogleich auf einem glänzenden Leuchter von Messing. Alle saßen
-bereits begierig im Kreise umher. Der Förster las:
-
-»Liebste, beste Aeltern und Geschwister! Sie erhalten hier ein
-Weihnachtsgeschenk, ein Gemälde, das ich mit vielem Fleiße gemahlt habe.
-Es stellt den neugebornen Heiland in der Krippe vor. Mehrere Künstler
-versicherten mich, das Bild sey mir sehr gut gelungen. Ich wünsche, daß
-es Ihnen nur halb so viel Freude machen möchte, als mir die Vorstellung
-des Kindes Jesu in der Krippe machte, da ich das erste Mal in Ihr Haus
-trat. Gewiß würden Sie dann keine geringe Freude daran haben.«
-
-»Ach, daß ich doch mit dem Bilde selbst zu Ihnen reisen, und es Ihnen
-überreichen könnte! Es ist zwar dahier ein herrliches Land! Jetzt, im
-Monate November, da ich dies schreibe, ist es bey Ihnen wohl schon
-längst Winter, und Ihr Dach und die Tannen und Eichen umher seufzen
-unter der Last des Schnees. Aber hier prangen die Zitronen- und
-Pomeranzenbäume noch mit silberhellen Blüthen und goldenen Früchten.
-Dennoch sehne ich mich unter all diesen Herrlichkeiten nach Ihrem
-ländlichen Kaminfeuer zurück, an dem ich die seligsten Stunden meines
-Lebens zugebracht habe.«
-
-»Ihrer Güte habe ich es zu danken, daß ich unter dem milden Himmel
-Italiens lebe, daß ich, wenn ich je diesen Namen verdiene, ein Künstler
-bin. Jene gemüthliche Vorstellung der Krippe Jesu für Kinder, so
-unvollkommen sie auch seyn mochte, weckte mein Talent zuerst. Immer
-steht sie mir noch vor Augen, und was ich auch, allerdings ohne
-Vergleich Herrlicheres, von Kunstwerken sehe, so werde ich doch nicht
-so, wie damals, davon entzückt. Ach, die seligen Jahre der Kindheit
-gehen doch über alles! Da erblicken wir alles umher wie verklärt vom
-goldenen Glanze der Morgenröthe. Schade, daß sie so schnell vorüber
-sind!«
-
-»Jetzt, in diesem Augenblicke, da Sie diesen Brief lesen und meine
-Mahlerey betrachten, bin ich im Geiste unter Ihnen zugegen. Ich erinnere
-mich mit gerührtem Herzen, wie ich halb erstarrt unter Ihr ländliches
-Dach kam, wie mich die gute Mutter mit warmen Speisen erquickte, wie Sie
-mich zu Ihrem Kinde aufnahmen, wie Christian, Katharine und Luise ihre
-Weihnachtsgeschenke so freudig mit mir theilten. O liebster Vater! ich
-küsse dankbar Ihre und meiner Pflegmutter ehrwürdige Hände. Ich umarme
-alle meine Geschwister. Ich freue mich jetzt schon im Voraus, Ihnen nach
-einigen Jährchen nicht blos im Geiste und aus weiter Ferne, sondern von
-Angesicht zu Angesicht sagen zu können, wie von ganzem Herzen ich sey --
-Ihr dankbarer, Sie innigstliebender Anton. Rom, den 15. November 1756.«
-
-»Das ist ein Brief, sagte der Förster und wischte sich die Augen; was
-wir auch an den Jungen gewendet haben, es ist alles noch zu wenig. Ich
-setzte zwar immer keine kleinen Hoffnungen auf ihn; allein er übertrifft
-sie alle bey weitem. Niemals hätte ich geglaubt, eine solche Freude an
-ihm zu erleben. Doch, sagte er jetzt lächelnd, ich denke, das Nachtessen
-wartet auf uns. Nach Tische wollen wir das Gemälde besehen.« »O nein!
-riefen alle einmüthig, jetzt gleich!« »Das geht nun über das Essen!«
-fügte Luise noch bey; »ich will nur geschwind noch eine Kerze holen,
-damit wir das Gemälde besser betrachten können.«
-
-Christian brachte Stemmeisen und Hammer, und öffnete die Kiste. »O wie
-schön! Wie lieblich! riefen alle. Welche himmlische Gestalten! Welche
-unvergleichlichen Farben!« Der Förster stellte das Gemälde auf ein
-Wandtischchen und die zwey hellleuchtenden Wachskerzen darneben. Aller
-Augen waren auf das schöne Bild gerichtet. Die Försterin faltete
-andächtig die Hände und sagte: »Wahrhaftig, man kann nichts Schöneres
-sehen! Mir wird es, als wäre ich wirklich bey der Krippe Jesu zugegen!
-Wie freundlich, wie holdselig das göttliche Kind uns anblickt, als
-wollte es bey seinem Eintritte in die Welt uns alle willkommen heißen!
-Wie Maria, an der Krippe kniend, so zärtlich und liebreich auf das Kind
-niederblickt, es mit einem Arme umfaßt, die andere Hand auf ihr
-tiefgerührtes Herz legt, und über dem holden Kinde aller Dürftigkeit des
-armen Stalles vergißt! Wie ehrwürdig Joseph da steht und wie fromm er
-mit gefalteten Händen zum Himmel aufschaut! Wie den Hirten die
-Redlichkeit aus den Augen sieht; wie ehrerbiethig und andächtig sie auf
-die Knie gesunken sind! Und die Engel oben, wie himmlisch schön! Wie
-leicht und schwebend! Und welch ein heller Glanz das Kind umgiebt, alles
-umher erleuchtet, und selbst den Schimmer der Engel überglänzt.
-Wahrhaftig, wer sich da der Geburt des Erlösers nicht freuen und mit den
-Engeln Gott loben und preisen wollte, der müßte ein Herz von Stein
-haben.«
-
-Der Förster hatte das Bild bisher mit unverwandten Augen stillschweigend
-betrachtet, ohne ein Wort zu sagen. Endlich sprach er, wie aus einem
-Traume erwachend: »Ja, du hast Recht! Wenn wir diese heilige Geschichte,
-so schön gemahlt und in eine Rahme gefaßt, vor Augen haben, so macht sie
-einen neuen, ganz eigenen Eindruck auf unser Herz. Ich will es einmal
-versuchen, ob ich es euch sagen kann, was ich alles darin finde und wie
-es mir um das Herz ist.« Er schob seinen Lehnsessel herbey, setzte sich
-in einer kleinen Entfernung von dem Bilde, in der es sich am besten
-ausnahm, und sprach dann:
-
-»Wir wollen, meine lieben Kinder, unsre Augen zuerst auf das göttliche
-Kind in der Krippe richten! Wir wollen aber jetzt auf einige Augenblicke
-seiner göttlichen Abkunft noch nicht gedenken; wir wollen es zuerst nur
-als ein Menschenkind betrachten. Schwach und hülflos, in arme Windeln
-eingewickelt, liegt es auf ein wenig Heu und Stroh. Aber die liebvolle
-Mutter begrüßt es mit freundlichem Lächeln und voll der zärtlichsten
-Sorgfalt, es wohl zu verpflegen; und der treue Nährvater steht
-theilnehmend dabey, bereit mit seinem stärkern Arm Mutter und Kind zu
-schützen, mit seiner arbeitsamen Hand beyde zu ernähren. Ein treuer
-Vater, eine liebvolle Mutter und ein Kind, das diese treue Liebe, sobald
-es zur Besinnung kommt, dankbar erwiedert, ist der schönste Anblick auf
-Erden, über den sich Engel erfreuen müssen. Dieses liebliche Drey --
-Vater, Mutter und Kind -- hat Gott so zusammen gefügt.«
-
-»O meine Kinder, denkt daher bey diesem Kinde in der Krippe: Als ein
-schwaches Kind bin auch ich einst so dagelegen, wo man mich hinlegte.
-Ich hätte verschmachten müssen, wenn meine Aeltern sich meiner nicht
-liebreich angenommen hätten. Allein mit Freude und Jubel wurde der
-kleine fremde Gast aufgenommen, und alles war schon zu seiner Ankunft
-bereitet. Meine Mutter hüllte mich in meine erste Bekleidung, die
-Windeln, die sie wohl selbst gesponnen, gebleicht und genäht hatte. All
-ihr Sinnen und Trachten Tag und Nacht ging nur darauf, daß mir nichts
-abgehen möge. Sorgsam wachte sie an meiner Wiege, wenn ich schlief;
-manche Nacht brachte sie schlaflos zu, aus zärtlicher Liebe zu mir! Der
-treue Vater theilte ihre Sorge und arbeitete für beyde. So denket und
-danket Gott, daß Er euch gute Aeltern schenkte! Denn Er ist es, der aus
-Liebe zu euch etwas von seiner unaussprechlichen Liebe in das Herz eurer
-Mutter pflanzte, und eurem Vater von seinem treuen Vatersinne mittheilte
-und ihm das Vaterherz gab. Seyd aber auch nicht undankbar gegen eure
-Aeltern. Ein Sohn, eine Tochter, die es vergessen könnten, was die
-Mutter mit ihnen ausstand, was der Vater für sie that, sie zu ernähren,
-zu kleiden, zu erziehen, wären ohne alles menschliche Gefühl.«
-
-»Laßt uns nun, meine Kinder, nachdem wir die heilige Familie betrachtet,
-zu den heiligen Engeln, die dort oben schweben, hinaufblicken -- und
-einen Blick auf die Thiere des Stalles werfen. Da wird uns die Würde und
-die Bestimmung des Menschen klar. -- Schaut erst noch einmal der
-heiligen Jungfrau in das milde Angesicht voll himmlischer Unschuld und
-unaussprechlicher mütterlicher Zärtlichkeit! Betrachtet die aufrechte
-Gestalt des ehrwürdigen Josephs, wie er so voll Geist und Andacht die
-Augen zum Himmel erhebt! Sehet das holde Kind an, dessen Angesicht so
-lieblich lächelt, dessen Augen wie Sterne leuchten! Und nun schauet auf
-die rauhen haarigen Thierköpfe -- des Ochsen und des Esels hin. Wie dumm
-und vernunftlos sie darein sehen! Wie das Maul hervorsteht, und uns zu
-erkennen giebt, daß sie nur auf Futter bedacht sind und von nichts
-Höherem und Besserem wissen. Sie sind nicht einmal eines freundlichen
-Lächelns fähig! O, wem erscheint bey dieser Vergleichung der Mensch
-nicht als ein höheres Wesen? Wahrhaftig, er gehört einer höhern Reihe
-von Geschöpfen an. Der roheste Mensch hielte sich ja für beschimpft,
-wenn man zu ihm sagte: Du bist um nichts besser, als der Ochs, der
-deinen Pflug zieht, als der Esel, der deine Säcke zur Mühle trägt und
-dann verfault. Nein, der Mensch gleicht vielmehr den heiligen Engeln
-Gottes, die ihren Schöpfer erkennen, sich Seiner freuen und Ihm
-lobsingen. Der Mensch ist das einzige Geschöpf auf Erden, der dieß auch
-kann. Sey es, daß er einige Aehnlichkeit mit den Thieren hat; er ist
-doch den Engeln des Himmels näher verwandt. Sey es, daß er weinend und
-wimmernd zur Welt kommt, daß er vieles ausstehen, vieles leiden muß, bis
-er in seiner vollen Blüthe dasteht, daß er dann nach kurzer Zeit wieder
-gleich einer Blume dahinwelkt, gleich den Thieren dahin modert -- nur
-seine Erdengestalt zerfällt zu Staub. Es ist ein unsterblicher Geist in
-ihm; er ist ein Engel in schwaches Fleisch und Blut verhüllt. Sobald
-diese Hülle abfällt, ist der Engel vollendet -- wenn anders der Mensch
-seine Bestimmung auf Erden erfüllt und dem Willen des Schöpfers gemäß
-gelebt hat.«
-
-»Sehr gut hat der Mahler, außer den größern Thieren noch ein Lamm und
-ein Körblein voll Früchte angebracht, die man als ein Geschenk für das
-neugeborne Kind am Fuße der Krippe erblickt. Dem Menschen sind alle
-übrigen Geschöpfe der Erde unterworfen. Er bezähmt die stärksten Thiere
-und sie müssen ihm dienen; ihm giebt das Schaf Milch und Wolle; ihm
-bringt die Erde ihre schönsten Früchte hervor. Nur ein weniges hat Gott
-den Menschen den Engeln nachgesetzt, hat ihn mit Ehre und Hoheit
-gekrönt, hat ihn zum Herrn seiner Werke gemacht und alles ihm zu Füßen
-gelegt.«
-
-»Auch der Ort, an dem wir dieses Kind und seine Aeltern erblicken, die
-arme Krippe und der dürftige Stall, sind nicht ohne Bedeutung. Der
-Mensch bedarf keines Palastes, um hier auf Erden seine Bestimmung zu
-erreichen. Er kann in der elendesten Strohhütte zufrieden leben und
-selig sterben. Wir erblicken in dem Stalle nur Armuth und Mangel. Allein
-um wahrhaft glücklich, aller wahren Ehre würdig und von ächtem
-Menschenadel zu seyn, braucht der Mensch weder Sammet noch Seide, weder
-Gold noch Silber. Gerade im Wichtigsten hat Gott keinen Unterschied
-unter den Menschen gemacht. Ein armer Stall beherbergt hier die
-heiligsten, die seligsten, die ehrwürdigsten Menschen, die je auf Erden
-gelebt haben.«
-
-»Doch -- meine Kinder, was ich euch bisher gesagt habe, ist für uns wohl
-sehr erfreulich und tröstlich. Allein es gilt nur von dem
-Menschlichschönen dieser Geschichte. Die göttliche Abkunft und die hohe
-Bestimmung dieses göttlichen Kindes ist erst das Allerwichtigste. Denn
-Jesus Christus, der menschgewordene Sohn des Allerhöchsten, ist in diese
-Welt gekommen, die Menschen, die von Gott und ihrer ursprünglichen Würde
-abgefallen und deßhalb verloren waren, zu retten. In Ihm erschien uns
-die Menschenfreundlichkeit Gottes sichtbar; in Ihm erblicken wir Gott in
-Menschengestalt. Er ward zwar in tiefster Armuth geboren, lag als ein
-Kind in einer Krippe, hatte in dieser Welt nicht so viel Eigenes, wo er
-nur sein Haupt hinlegen konnte, und starb gleich einem Uebelthäter am
-Kreuze. Allein ohne alle irdische Hülfsmittel, ohne Reichthümer und
-bewaffnete Macht, hat Er durch seine göttliche Weisheit, Liebe und
-Allmacht die Gestalt der Erde verändert, das Menschengeschlecht
-erleuchtet, veredelt, dem Verderben entrissen -- und so seine göttliche
-Abkunft bewährt. Darauf wird in diesem Gemälde, so wie in der
-Geschichte, sehr schön gedeutet.
-
-Seht, ringsumher ist es Nacht; tiefes Dunkel deckt die nächtliche
-Gegend; nur das Licht, das von dem göttlichen Kinde ausgeht, erhellt
-alles mit seinem Glanze. So bedeckten bey der Geburt Jesu die
-Finsternisse der _Unwissenheit_ und des _Heidenthums_ die Erde; in Jesus
-Christus ist aber der Welt ein Licht aufgegangen, das jeden Menschen
-erleuchtet, der in die Welt kommt. Die Menschen waren in _Sünde_ und
-_Laster_ versunken, viele glichen an Rohheit -- den Thieren des Stalles;
-manche hatten sich durch Lasterhaftigkeit sogar unter das Vieh
-herabgewürdigt; allein durch Christus wurden alle, die wahrhaft an Ihn
-glaubten, zu besseren Menschen, zu Heiligen, zu Engeln in
-Menschengestalt neu umgeschaffen. So unwissend und sündig die Menschen
-waren, so _elend_ waren sie auch. Allein seht, wie selig sind schon die
-Menschen, die seine Krippe umgeben und sich seiner Geburt freuen! Maria,
-Joseph, die Hirten fühlen im Anblicke des neugebohrnen Erlösers sich
-über allen Erdenjammer erhoben. Er, der in die Welt gekommen, die
-Menschen von allem Elende zu erlösen, ihnen wahre Freude und den
-göttlichen Frieden vom Himmel zu bringen, machte schon bey seiner Geburt
-damit den Anfang. Die Worte des Engels erschallen noch immer an alle
-Menschen: »Ich verkünde euch große Freude; es ist euch ein Erlöser
-geboren, der da ist Christus, der Herr.«
-
-Zu Ihm steht jedem Menschen der Zutritt offen. Er offenbarte sich zuerst
-armen, einfältigen Landleuten -- den Hirten, auch seine Mutter ist arm,
-sein Nährvater ein Handwerker, der mit harter Arbeit sein Brod erwirbt.
-Schon bey der Krippe Jesu wird uns gezeigt, daß Reichthum, hoher Rang
-und Erdenweisheit vor Ihm nichts gelten. Er will nur Menschen um sich
-sammeln, die eines guten Willens sind, wie Maria, die heiligste
-Jungfrau, wie Joseph, der Gerechte, wie die Hirten, diese frommen Männer
-voll Gottesfurcht und Rechtschaffenheit. Doch weiset Er auch den größten
-Sünder nicht zurück, der seine Sünden bereut und sich ernstlich bessern
-will. Darauf deutet schon der Namen des göttlichen Kindes. Deßwegen
-verkündete der Engel Marien den göttlichen Befehl: »Ihm sollst du den
-Namen Jesus geben!« Deßhalb wiederholte er diesen Befehl dem Joseph:
-»Jesus, das heißt Erlöser, sollst du Ihn nennen, denn Er wird sein Volk
-von Sünden erlösen.« Das sündige Menschengeschlecht sollte sein Volk,
-ein heiliges Volk Gottes werden. Deßwegen sehen wir über der Krippe Jesu
-den offnen Himmel. Er wollte den Menschen den verschlossenen Himmel
-wieder öffnen, ein Himmelreich auf Erden gründen, und so Himmel und Erde
-wieder vereinigen. Darüber freuen sich die heiligen Engel Gottes, jubeln
-und frohlocken, preisen Gott in der Höhe und wünschen den Menschen Glück
-zu dem Heile, das Ihnen durch Christus bereitet ward.«
-
-Was uns bey der Krippe Jesu verkündet wird, das hat Jesus Christus
-erfüllt, so große Hindernisse Ihm auch der Unglaube und die
-Hartnäckigkeit der Menschen entgegen setzte; an so vielen seine Geburt
-und sein Tod verloren war. Er gründete ein Himmelreich auf Erden, und
-sein Werk bestand. Manche Welteroberer stifteten indessen Weltreiche;
-allein sie überlebten ihre Reiche nicht lange, oder sahen wohl noch
-lebend sie in Trümmer zerfallen. Das Reich Jesu allein -- das wahre
-Christenthum -- breitete sich immer weiter aus und bestand bis auf diese
-Stunde. Ganze Völker kamen zum Glauben an Ihn und Könige zierten ihre
-Kronen mit seinem Kreuze. Die alten heidnischen Gräuel, Menschenopfer
-und dergleichen, verschwanden aus den christlichen Ländern der Erde.
-Eine Menge von Tempeln und Kirchen erhoben sich, in denen der wahre Gott
-angebethet und göttliche Wahrheit gelehrt wird. Unzählige Schulen,
-Armenanstalten, Krankenhäuser kamen durch die christliche Liebe zu
-Stande. Wie viele Kinder, Arme und Kranke müßten ohne diese milden
-Stiftungen in Unwissenheit, Lasterhaftigkeit und Elend umkommen!
-Millionen von Menschen haben im Glauben an Christus Beruhigung über
-begangene Sünden gefunden, und sind durch Ihn edle Menschen geworden.
-Und noch jetzt, so sehr auch der Unglaube und das Verderben über Hand
-nehmen, schlagen Ihm unzählige Herzen und finden in Ihm Trost in Noth
-und Tod. Noch immer wird das Evangelium, die Freudenbothschaft von Ihm,
-den Heiden verkündet, und wilde Völker bekehren sich zum Glauben an Ihn,
-freuen sich der himmlischen Wahrheit und nehmen sanftere Sitten an. Der
-Geburtstag Jesu ist daher der wichtigste Tag in der Weltgeschichte, und
-mit Recht fingen die weisen Alten von diesem Tage eine neue Zeitrechnung
-an. Jede Jahrszahl soll uns daran erinnern, der Geburtstag Jesu sey der
-Geburtstag des Lichtes und Heiles für alle Menschen, die Ihm Augen und
-Herzen öffnen wollen -- der Geburtstag des wahren Menschenglückes, der
-Erleuchtung und Veredlung des Menschengeschlechtes. Laßt uns denn, meine
-Kinder, an diesem Abende und am morgigen Tage dem Erlöser aufs neue
-huldigen und in den Lobgesang der Engel mit einstimmen.«
-
-So sprach der Förster; die Försterin sagte gerührt: »Ja, Kinder, das
-wollen wir! Das schöne Gemälde, das Anton uns schickte, ist das schönste
-Weihnachtsgeschenk, das Anton oder irgend ein Mensch -- ja wohl ein
-Fürst! -- uns hätte machen können. Die Andacht, mit der Ihr die frommen
-Bemerkungen eures Vaters angehört habt, ist die schönste
-Weihnachtsfeyer, mit der wir den heiligen Abend feyern können. Wir
-wollen das Heil, das uns Gott durch den neugebornen Heiland bereitete,
-dankbar annehmen. Dann ist der Geburtstag des Erlösers auch der
-Geburtstag unsers Heils.«
-
-
-
-
- Sechstes Kapitel.
-
- Widerwärtige Schicksale des Försters.
-
-
-Der treffliche Förster hatte mit den Seinigen seit Antons Abreise
-mehrere Jahre in Ruhe und Zufriedenheit verlebt. Seine Kinder waren
-erwachsen; der Sohn ein rüstiger junger Mann, die Töchter blühende
-Jungfrauen; alle sehr gut erzogen und von untadelicher Aufführung.
-Allmählig empfand der gute Vater aber die Beschwerden des herannahenden
-Alters. Er war darauf bedacht, seinen Dienst dem Sohne abzutreten. Der
-Fürst des Landes besuchte jährlich im Herbste auf einige Tage das
-fürstliche Jagdschloß Felseck; denn die Jagd war ihm bey seinen vielen
-Geschäften immer einige Erholung. Er war ein sehr leutseliger Herr;
-jeden seiner Unterthanen, auch den Geringsten, hörte er liebreich an und
-redete freundlich mit ihm. Als der Fürst wieder auf dem Jagdschlosse
-angekommen, und die Jagd in dem Walde des alten Försters besonders gut
-ausgefallen war, näherte sich ihm der Fürst, klopfte ihm sehr zufrieden
-auf die Schulter und sagte: »Nun wie gehts, mein lieber Förster?«
-
-»Eure Durchlaucht, sprach der Förster, diesen alten Schultern will die
-Last des Tages zu schwer werden; ich wünsche sie jüngern Schultern
-übertragen zu dürfen.« »Nun, sprach der Fürst, doch wohl Eurem Sohne,
-dem Christian dort? Er ist ein braver Jäger, und, was ich ohne Vergleich
-mehr schätze, ein sehr guter Forstmann. Die Waldungen sind, wie ich auf
-der Jagd gar wohl bemerkte, im besten Zustande. Verlaßt Euch darauf;
-kein Anderer bekommt den Dienst. Er mag ihn auch einstweilen versehen.
-Indeß ist mirs lieb, wenn Ihr noch eine Zeit die Oberaufsicht und den
-Förstertitel beybehaltet. Auch die besten jungen Leute werden leicht
-übermüthig und nachläßig, wenn ihr Rockkragen zu frühe mit goldenen
-Börtchen verbrämt wird. Es ist mein und Euer Vortheil, wenn Ihr noch
-eine Zeit Förster bleibt.«
-
-Der Förster bezeugte dem Fürsten für die gnädige Zusicherung seinen
-Dank, und sagte dann: »Es ist aber noch ein anderer Umstand dabey. Mein
-Sohn könnte sich eben jetzt gut verheirathen -- mit der Tochter meines
-Jugendfreundes, des längst verstorbenen Försters Busch. Das Mädchen hat
-erst kürzlich auch ihre Mutter verloren, und weiß nun nicht wohin. Sie
-ist arm -- aber sehr fromm, fleißig und die lautere Unschuld, Güte und
-Bescheidenheit.« »Nun wohl, sprach der Fürst; ich lobe es sehr, daß ein
-braver Mann bey seiner Wahl mehr auf Unschuld und Tugend, als Geld und
-Gut sehe. Ich gebe ihm die Erlaubniß zu heirathen mit Vergnügen -- und
-die Anwartschaft auf den Försterdienst dazu. Ich werde sogleich Befehl
-geben, damit das Dekret ausgefertigt werde.«
-
-Der Förstersohn, der voll banger Erwartung in einiger Entfernung stand,
-kam auf den Wink seines Vaters herbey, und dankte dem Fürsten. Die
-Heirath kam zu Stande. Mit der jungen sanften Frau kam neuer Segen in
-das Haus; Friede und Eintracht wohnten unter dem Dache des guten
-Försters. Dem alten Manne wurde noch die Freude, seine Enkel auf seinem
-Schooße zu sehen, und die alte Försterin wurde wie verjüngt, nun ihre
-kleinen Enkel pflegen und tragen zu können. Die Töchter des Hauses
-lebten mit der jungen Försterin wie mit einer Schwester. Alle waren sehr
-glücklich.
-
-Allein bald kam über dieses glückliche Haus eine große Widerwärtigkeit.
-Sie entspann sich aus einer alten Geschichte, die der alte Förster
-beynahe vergessen hatte. Jener junge Herr von Schilf, der ehemals mit
-dem Förster öfter auf die Jagd gegangen war, hatte bald darauf sich
-herausgenommen, allein und ohne Erlaubniß des Försters in den Wald zu
-gehen, und alles, was ihm zu Gesicht kam, ohne Erbarmen
-niederzuschießen. Der Förster traf ihn im Walde und sagte: »Das
-Wildschießen ist sehr strenge verbothen. Haben Sie, mein lieber junger
-Herr, Lust zur Jagd, so kommen Sie, wie bisher, zu mir. Ich nehme Sie
-dann gern mit mir, und weise Ihnen die besten Plätze an, wo Sie dann
-nach Herzenslust schießen können. Allein das darf ich nicht zugeben, daß
-Sie eigenmächtig in dem mir anvertrauten Forste schalten und walten.«
-Wer aber nach wie vor auf die Jagd ging, war der junge Herr. Der Förster
-traf ihn wieder, nahm ihm das Gewehr und sagte: »Gott weiß es, ich thu
-es ungern. Allein ich muß. Die Befehle sind streng; ich kann nicht
-anders. Wenn ich Sie nochmals treffe, muß ich weitere Anzeige machen,
-und dann -- geht es Ihnen nicht gut.« Der brave Förster ging überdieß
-noch zu dem alten Herrn von Schilf, und bath ihn, dem jungen Herrn das
-Jagen zu verbiethen. Der alte Herr ließ zwar sonst seinem Sohne alles
-hingehen. Allein dieses Mal ward er doch sehr aufgebracht; er fürchtete
-die fürstliche Ungnade. Er drohte seinem Sohne mit der Enterbung, wenn
-er noch ein einziges Mal auf die Jagd gehen würde; es sey denn, der
-Förster gehe mit ihm. Allein der junge Herr war es schon gewohnt, seinem
-Vater nicht zu gehorchen. Bald darauf hörte der Förster einen Schuß,
-eilte hin und traf den jungen Herrn bey einem erlegten Hirsch. Der
-Förster machte die Anzeige. Der alte Herr von Schilf reisete selbst zum
-Fürsten und flehte um Gnade. Der Fürst sagte: »Nach den Gesetzen sollte
-der junge Herr in das Zuchthaus wandern. Ich will ihn zwar begnadigen;
-allein läßt er sich noch einmal treffen, so schicke ich ihn sicher dahin
--- und da begreifen Sie wohl, daß ich mir denn einmal keinen Rath oder
-andern Diener aus dem Zuchthause nehmen kann.« Die Sache wurde so
-beygelegt. Der junge Herr von Schilf faßte aber einen grimmigen Haß
-gegen den ehrlichen Förster, und glühte, wiewohl indeß viele Jahre
-verflossen waren, noch immer von Rache gegen ihn.
-
-Jetzt starb der Fürst sehr unerwartet; der Erbprinz war noch
-minderjährig und befand sich eben auf Reisen. Es wurde eine
-Vormundschaft angeordnet und in dem Lande ging manche Veränderung vor.
-Der junge Herr von Schilf, der sehr reich war und angesehene Verwandte
-hatte, wurde Oberförster. Mit großer Pracht zog er in das fürstliche
-Jagdschloß Felseck ein, von dem ihm ein Theil zur Wohnung angewiesen
-wurde. Er war nunmehr der Vorgesetzte des guten Försters, und quälte den
-alten Mann unsäglich. Des Tadelns war kein Ende. Der Förster konnte ihm
-nichts recht machen.
-
-Der Erbprinz hatte zwar nunmehr die Regierung angetreten. Allein der
-Oberförster von Schilf, der sehr abgeschliffen, gewandt und beredt war,
-wußte den obersten Forstmeister, der bey dem neuen Fürsten sehr viel
-galt, ganz für sich einzunehmen, und ward nun gegen den guten Förster
-noch übermüthiger und feindseliger, als zuvor. »Ihr taugt nicht mehr zum
-Dienste, sagte er einmal zu ihm; ich werde darauf antragen, einen
-brauchbareren Mann für den schönen Forst zu bekommen.« Der Förster
-sagte: »Herzlich gern lege ich mein Amt nieder. Ich hätte es schon
-längst gethan, wenn der hochselige Fürst es zugegeben hätte. Es ist also
-mein Sohn Förster.« »Das wäre! sagte Herr von Schilf höhnisch lächelnd.
-Da müßte ich auch etwas davon wissen.« Der Förster berief sich auf jenes
-fürstliche Dekret, dem zu Folge sein Sohn geheirathet hatte. »Pah, rief
-Herr von Schilf, ich kenne es wohl.« Er wußte es sehr künstlich
-auszulegen. »Es ist, sagte er, blos ein Versprechen auf Wohlverhalten;
-nichts weiter. Der Junge taugt aber nichts. Ich werde meinen Mann besser
-zu wählen wissen.«
-
-Der alte, graue Förster bemühte sich vergebens, eine Thräne zu verhehlen
-und sagte: »Seyn Sie nicht ungerecht, Herr Oberförster! Sie glaubten
-sich einmal von mir beleidigt. Deßhalb sollten Sie sich zweyfach in Acht
-nehmen, mir wehe zu thun.« »Was, rief Herr von Schilf, und seine Augen
-funkelten von Zorn; Ihr selbst erinnert mich an Eure Grobheiten! Ihr
-selbst mahnt mich daran, daß Ihr mir mein einziges Jugendvergnügen
-geraubt und mich bey Hofe angeschwärzt habt. Ihr seyd ein
-ungeschliffner, übermüthiger Kerl. Von jeher hattet Ihr keine Achtung
-für höhere Stände, und hieltet Euch nur an Bettlergesindel. Eurem Sohne
-habt Ihr gestattet, ein Mädchen ohne Heller und Pfennig, eine wahre
-Bettlerin zum Weibe zu nehmen. Euer hübsches Vermögen habt Ihr an den
-Bettelbuben, den Anton, weggeworfen. Ihr wußtet Euer eigenes Vermögen
-nicht zu verwalten, wie solltet Ihr fremdes Eigenthum und das Interesse
-des Fürsten gut besorgen? Geht, geht, mit Euch ist nichts anzufangen.
-Ich hoffe, wir werden bald wenig mehr mit einander zu thun haben und Ihr
-sollet mir bald gar nicht mehr unter die Augen kommen.«
-
-Der Förster ging. »Hum, dachte er auf dem Heimwege, der Oberförster mag
-sagen, was er will. Meine Waldungen sind in der besten Ordnung. Er kann,
-so abgeneigt er mir auch ist, mir nichts anhaben. Ich lasse es darauf
-ankommen.« Er sagte indessen zu Hause den Seinigen von allem, was der
-Oberförster gesagt hatte, nichts, um sie nicht ohne Noth zu betrüben.
-
-Allein bald darauf, da der alte Mann eben aus dem Walde zurückgekommen
-war und in seinem Lehnsessel ausruhte, trat ein Bothe in die Stube, und
-überreichte ihm ein Schreiben vom Oberforstamte. In dem Schreiben stand:
-Der bisherige Förster Grünewald sey vermög höchsten Befehls, wegen
-Altersschwäche und davon herrührender Unfähigkeit, seines Dienstes
-entlassen und der Forst bis zur Wiederbesetzung einstweilen dem
-benachbarten Förster zu Waldenbruch zur Verwaltung übergeben worden. Von
-einem Ruhegehalt für den verdienten alten Mann, von einer andern
-Anstellung seines Sohnes war keine Rede. Nur wurde noch bemerkt, der
-abgekommene Förster solle sich von dem Augenblick an, da er dieses
-Schreiben erhalte, nicht mehr unterstehen, im Walde einen Schuß zu thun
-oder sich auch nur mit einem Gewehre blicken zu lassen, bey Strafe, daß
-es ihm abgenommen werde.
-
-Der alte Förster öffnete das Schreiben und ward sehr bestürzt; seine
-Hand zitterte, in der er es hielt. Indessen faßte er sich wieder und las
-den Seinigen, die in der Stube mit allerley Arbeiten beschäftigt waren,
-das Schreiben laut vor. Die alte Försterin und ihre zwey Töchter wurden
-bleich vor Schrecken. Der junge Förster glühte vor Zorn über die Bosheit
-des Oberförsters. Die junge Försterin stand eine Weile sprachlos da und
-fing dann an, laut zu weinen. Ihre Kinder, die in der Stube spielten,
-und die Mutter weinen sahen, weinten auch. Es entstand ein allgemeiner
-Jammer. Nur der alte ehrwürdige Förster stand ruhig in ihrer Mitte, und
-sprach: »Vergeßt nicht, daß der alte Gott noch lebt. Du, Großmutter,
-höre zuerst auf zu weinen, und gieb unsern Kindern und Enkeln ein
-Beyspiel von Vertrauen auf Gott. Gegen seinen Willen können böse
-Menschen uns nicht schaden. Diese Prüfung kommt von Ihm; sie wird uns
-einmal zu unserm Besten gereichen. Also Muth gefaßt! Gott ist unser
-mächtiger Beschützer. Er verstoßt uns nicht, wenn uns auch alle Welt
-verstoßen sollte. Er, der gute, reiche Vater wird es uns, seinen
-Kindern, nie an Brod fehlen lassen. Auf Ihn wollen wir vertrauen und
-unverzagt und getrost seyn.«
-
-»Indeß, fuhr er fort, will ich nichts von dem unterlassen, was ich thun
-kann. Ich reise Morgen des Tages zum Fürsten. Er ist so edelmüthig, als
-sein hochseliger Vater. Er wird mich hören, so überhäuft er auch jetzt,
-bald nach dem Antritte seiner Regierung, mit Geschäften seyn mag. Er ist
-gerecht; er wird nicht zugeben, daß man einen alten Diener, der dem
-Fürstenhause über vierzig Jahre treu und redlich diente, so ohne Weiters
-mit Weib, Kindern und Enkeln dem Mangel und dem Hungertode preis gebe.
-Du, Christian, mußt mich begleiten. Wir können ja jetzt beyde abwesend
-seyn, ohne den Oberförster um Urlaub zu bitten. Wir machen die Reise zu
-Fuß; das Reiten oder Fahren wäre für unsre jetzigen Umstände zu kostbar;
-ist auch gar nicht nothwendig. Die nöthigen Kleidungsstücke für die
-Reise finden in unsern Jagdtaschen wohl Platz. Macht nur Anstalt, daß
-Morgen frühe alles bereit sey.«
-
-Der alte Förster war am folgenden Morgen schon vor Anbruch des Tages
-aufgestanden und weckte seinen Sohn. »Es wird mir zu lange, auf den Tag
-zu warten, sagte er; es ist ja Mondschein und wir kennen alle Wege. Laß
-uns gehen!« Die alte Försterin legte die grüne, goldbordirte Uniform
-hübsch zusammen, und schlug ein reines Leinentuch darüber, um sie
-bequemer in die Jagdtasche zu packen. Katharine brachte Weißzeug und
-einige Lebensmittel für die Reise. Die junge Försterin und Luise machten
-das Frühstück zurecht und kamen damit in die Stube. Die Kleinen
-schliefen noch. »Und bis wann gedenkst du denn wieder zurück zu kommen?«
-fragte die alte Försterin ihren Mann. »Das weiß ich selbst noch nicht
-genau, sprach er; vor acht Tagen schwerlich.« »Morgen über vierzehn Tage
-ist der heilige Weihnachtsabend, sagte die alte Försterin; bis dahin
-kommst du doch gewiß?« »Wills Gott, morgen über acht Tage, sagte der
-Förster. Uebrigens gehe es, wie es will, den heiligen Weihnachtsabend
-muß ich mit Euch feyern.« »Gott gebe, in Freuden!« sagte die Försterin.
-»Bethet indessen, sagte der Förster noch, und vertraut auf Gott. Er wird
-machen, daß die Sachen gehen, wie es heilsam ist.« Alle begleiteten die
-zwey Männer unter die Hausthüre. Es war noch völlig Nacht und man sah
-noch nicht das Geringste von der Morgenhelle. Sie gingen indessen in der
-kalten schauerlichen Dezembernacht getrost weiter.
-
-Alle im Hause waren nun um die lieben Reisenden, besonders um den alten
-Vater sehr besorgt. Die ersten acht Tage wußten sie sich zwar immer zu
-trösten. Als aber weiterhin ein Tag nach dem andern verging und die
-Witterung höchst unfreundlich und stürmisch wurde, und es fast
-unaufhörlich regnete, wurden sie sehr unruhig. »Ach, sprachen sie, der
-Christian, so rüstig er ist, wird genug auszustehen haben; wie aber wird
-der alte Vater durchkommen?« Die zwey Kinder des jungen Försters liefen
-alle Augenblicke vor die Hausthüre, um zu sehen, ob der Vater und der
-Großvater denn noch nicht kämen.
-
-So verfloßen zu den ersten acht Tagen noch acht Tage in Kummer und
-Sorgen. Ueberdieß hatte bald nach der Abreise der beyden Förster ein
-Jägerbursch des Oberförsters ein amtliches Schreiben gebracht. Die
-Försterin getraute sich zwar nicht, es zu öffnen; allein sie fürchtete,
-daß es nichts Gutes enthalte. Denn der Jägerbursch hatte noch mündlich
-mit höhnischer Miene gesagt: »Es ist toll, daß der alte Mann mit seinem
-jungen Brausekopf in die Residenz lauft. Der Herr Oberförster ist seiner
-Sache gewiß. Sie richten sicherlich nichts aus und kehren mit Schand und
-Spott zurück.« Alle im Hause betheten indeß täglich, Gott wolle die
-beyden Reisenden bey dem Fürsten ein gnädiges Gehör finden lassen und
-sie glücklich wieder nach Hause führen! Auch die Kinder betheten
-ungeheißen mit.
-
-
-
-
- Siebentes Kapitel.
-
- Wie es mit dem Förster weiter gegangen.
-
-
-Unter diesen traurigen Umständen brach der heilige Weihnachtsabend an.
-Es wurde heute früher Nacht als sonst. Denn der ganze Himmel war mit
-schweren Wolken bedeckt. Der Sturmwind brauste durch die alten Eichen
-und die schwankenden Tannen des Waldes. Es schneyete und regnete sehr
-heftig und die Dachrinne rauschte gleich einem Regenbach, der von einem
-Felsen stürzt. »Ach Du mein Gott, sagte die alte Försterin, nachdem sie
-lange zum Fenster hinaus gesehen hatte, sie kommen noch nicht. Wenn sie
-heute, am heiligen Christabende, ausbleiben, so ist ihnen sicherlich ein
-Unglück begegnet. Mir ist ganz unaussprechlich bange. Es ist ja ein
-Wetter, man sollte keinen Hund vor die Thüre jagen, und die Wege sind
-zum Versinken schlecht. Ach, wenn sie nur wieder da wären, gehe dann
-alles Uebrige, wie es wolle!«
-
-Sie öffnete wieder das Fenster, sah hinaus und rief: »O Gottlob, nun
-kommen sie!« Alle eilten ihnen vor die Hausthüre entgegen; alle fragten:
-»Nun, wie ist es in der Stadt gegangen?« »Ich hoffe, es soll noch alles
-gut gehen! sagte der alte Förster. Ihr werdet aber unsertwegen Kummer
-gehabt haben. Wir blieben lange aus. Allein ich war auf der Reise nicht
-ganz wohl, und konnte nicht mehr weiter; und da es wieder besser ging,
-waren von dem vielen Regen die Flüße und Bäche so angeschwollen, daß wir
-noch einige Tage aufgehalten wurden. Nun Gottlob, daß wir wieder da
-sind!« Er trat in das Haus, kleidete sich um, und setzte sich in seinen
-Lehnsessel an den wärmenden Ofen. Die alte Försterin brachte eine
-Flasche Wein, zwey Gläser und die brennende Oellampe. »Erquickt euch
-doch beyde ein wenig, sagte sie, indem sie einschenkte; ihr werdet es
-beyde sehr nöthig haben. Das Essen wird bald fertig seyn.« »Wohl! sprach
-der Förster, beym Scheine des hellen Oellichtes umher schauend; es ist
-doch gut, wieder zu Hause zu seyn, unter den lieben Seinigen, wo man
-lauter freundliche und fröhliche Gesichter um sich erblickt.«
-
-Der junge Förster hatte aber indeß seiner Frau im Vertrauen gesagt: »O,
-es steht gar nicht gut; wir kommen wahrscheinlich um den Dienst.« Diese
-erschrak sehr, und sagte es heimlich den übrigen. Der alte Förster sah,
-wie sich auf einmal alle Gesichter verfinsterten, und von Schrecken und
-Angst zeigten. »Hat Christian schon geplaudert? sagte er; je nun, es ist
-da nichts zu verhehlen. Ihr sollet alles hören; doch werdet mir nicht zu
-traurig. Es ist uns ja heute Nacht ein Erlöser geboren; über dieser
-großen Freude müssen wir unsere kleinen Erdensorgen vergessen;
-wenigstens sie uns nicht zu sehr zu Herzen nehmen.« --
-
-»Als wir, sprach er hierauf, Abends spät in der Residenz ankamen, ging
-ich noch zu dem alten Forstrath Müller. Er ist ein sehr biederer Mann,
-dachte ich; er war vor alten Zeiten mein Oberförster und immer mein
-Freund. Die übrigen Räthe, die mich kannten, sind alle todt oder in Ruhe
-versetzt. Wiewohl auch er sich Alters halber von Geschäften zurück
-gezogen hat, so kann er mir doch den besten Rath geben.« So dacht' ich.
-Der edle Mann nahm mich auch in der That mit großer Herzlichkeit auf.
-Ich sagte ihm mein Anliegen. Er sprach: »Sie haben an dem Oberförster
-einen sehr schlimmen Feind, der dahier mächtige Freunde hat. Er will
-Ihren Dienst einem jungen Menschen, der sein Bedienter war, zuschanzen
-und sendet immer die nachtheiligsten Berichte über Sie und Ihren Sohn
-ein. Ich fürchte sehr, er dringe durch, und bringe den guten Christian
-um das väterliche Brod.« »Ach, sagte ich, es wird ja nicht so weit
-kommen! Indeß bin ich Willens, selbst zum Fürsten zu gehen.« »Thun Sie
-das, sagte der Forstrath. Ich gehe mit. Indeß kommen Sie eben jetzt zu
-der ungelegensten Zeit. Der Herr hat zu viele Geschäfte. Sie werden kaum
-vorkommen. Auch zu dem obersten Forstmeister und den Forsträthen müssen
-Sie gehen. Allein ich fürchte, da finden Sie keine gute Aufnahme. Herr
-von Schilf hat sie alle ganz verblendet.« Ich fand auch, daß der
-Forstrath vollkommen Recht hatte. Ich machte manchen sauren Gang. Der
-oberste Forstmeister nahm mich sehr kalt auf und fertigte mich kurz ab.
-Die andern Räthe behandelten mich nicht viel besser; ich sah nur
-finstere Gesichter und mußte manche harte Rede anhören. Bey dem Fürsten
-aber wurde ich, da der oberste Forstmeister eben um ihn war, gar nicht
-vorgelassen. Der Oberförster wußte mich und den Christian sehr schlau zu
-verleumden. Ich mag euch dieß jetzt nicht ausführlich erzählen; es
-betrifft ohnehin Geschäfte, die ihr nicht versteht. Alles, was wir
-hoffen können, ist eine Untersuchung; allein es ist zu fürchten, daß sie
-in solche Hände kommen werde, von denen wir wenig Gutes zu erwarten
-haben. -- Doch diese Gespräche machen uns zu traurig, und heute Abend
-sollten alle Menschen in der ganzen Christenheit fröhlich seyn. Es ist
-ja der heilige Weihnachtsabend; wir wollen der Geburt unsers Erlösers
-gedenken. Das wird unsern trüben Sinn erheitern.«
-
-Er richtete seine Blicke auf das Gemälde von der Geburt Jesu, das Anton
-einst geschickt hatte. Es hing in der Stube an jener Stelle, wo vorhin
-der Spiegel gehangen, und war, damit es nicht Schaden nehme, mit einem
-Flor verhüllt. Die kleinen Enkel des alten Försters, zwey liebliche
-Kinder, Franz und Klara, hatten sich schon seit mehreren Wochen auf die
-Feyer des heiligen Weihnachtsabend gefreut. Sie sprangen auf und
-trockneten sich schnell die Thränen von ihren erheiterten Gesichtchen.
-»Großmutter, sagte der kleine Franz, nimm den Flor weg von dem Bilde und
-zünde, wie im vorigen Jahr, die Kerzen an, damit man es auch recht
-sehe.« »Und du, Großvater, sagte die kleine Klara, hole deine Harfe; wir
-wollen unser Weihnachtsliedchen singen, das uns die Mutter gelehrt hat.«
-
-»Nun wohl, sprach der Förster; wir wollen ein Weihnachtslied singen.
-Doch, sagt zuvor noch, hat sich, während wir fort waren, nichts
-besonders ereignet?« »Nichts, sagte die alte Försterin; nur ist leider,
-bald nach eurer Abreise, wieder ein Schreiben von dem Oberforstamte
-angekommen. Was es wohl seyn mag!« Sie reichte ihm das Schreiben
-verschlossen hin. Er öffnete es -- erblaßte -- und sagte mit einem Blick
-zum Himmel: »Nun, Herr, dein Wille geschehe!« Alle schauten erschrocken
-und erwartungsvoll auf ihn. »Was ist es denn?« fragte die Großmutter.
-»Wir sollen aus diesem Hause fort, sagte er; ja wir sollten schon fort
-seyn. Der Oberförster befiehlt in diesem Schreiben, das Försterhaus
-müsse längstens bis zum Weihnachtsabende geräumt und gereiniget seyn,
-damit der neue Förster auf die Weihnachtsfeyertage einziehen könne. Er
-droht, wenn wir ihm nicht gehorchen würden, uns durch die Amtsdiener
-abführen zu lassen. Mich wundert, daß sie noch nicht da sind; wir sind
-keinen Augenblick sicher, daß sie uns aus dem Hause werfen.«
-
-»Ach Gott! rief die junge Försterin, jetzt, in dieser fürchterlich
-stürmischen Nacht! Hört ihr, wie draußen der Sturmwind braust? Wie es
-regnet? Wo werden wir gegen Sturm und Regen ein Obdach finden!« Sie sank
-auf einen Sessel und umfaßte ihre zwey Kinder. »Guter Gott, seufzte sie,
-ach erbarme Du Dich dieser Unschuldigen!« Der junge Förster stand mit
-gefalteten Händen sprachlos vor ihr, und blickte sie und seine zwey
-Kinder mit Augen voll Thränen an.
-
-»O Du mein Gott, sagte die Großmutter schluchzend und die Hände ringend,
-in unsern alten Tagen mit Kindern und Enkeln aus dem Hause vertrieben zu
-werden, in dem ich gebohren bin, in dem mein Vater und mein Großvater
-lebten -- ach, es ist schrecklich! Guter Gott, laß mich in diesem Hause,
-in dem ich geboren ward, vollends absterben.«
-
-Katharine weinte stille Thränen; Luise stand zitternd und bebend da, wie
-ein Lamm, das man schlachten will. Der alte Förster aber mit seinem
-ehrwürdigen Angesichte, der hohen kahlen Stirne und den grauen
-Seitenlocken, blickte lange schweigend zum Himmel, und sprach dann ruhig
-und gefaßt: »Ja, meine liebsten Kinder, es ist an dem, daß wir dieses
-Haus verlassen müssen. Ich weiß keinen Menschen, der uns alle zugleich
-in sein Haus aufnehmen könnte. Wir werden jetzt wohl von einander
-getrennt werden. Ich hoffte zwar, in eurer Mitte ein ruhiges Alter zu
-genießen -- hoffte, ihr würdet, so wie ihr jetzt um mich versammelt
-seyd, in diesem Hause einst alle an meinem Sterbebette stehen. Gott
-beschloß es anders -- wir wollen uns in seinen heiligen Willen ergeben.«
-
-Er blickte auf seine Enkel und sprach weiter: »Unser Herz regt sich,
-wenn wir diese weinenden Kinder betrachten. Gott hat noch ein
-liebvolleres Vaterherz gegen uns. Schickt Er ein so schweres Leiden über
-uns, so hat Er gewiß die weisesten Absichten dabey. Auch diesen Jammer
-wird Er zu unserm Besten lenken. Wenn es einmal auf das Aeußerste
-gekommen, muß es wieder besser gehen. Die Alten sagten ja aus
-wohlbewährter Erfahrung: Ist die Noth am höchsten, so ist Gottes Hülfe
-am nächsten. -- Wir haben in dieser Stube viele Weihnachtsabende in
-Freuden zugebracht, laßt uns auch den Einen traurigen von Gottes Hand
-willig annehmen.«
-
-»Du hast recht, liebster Mann! sagte die alte Försterin; wir wollen
-alles Gott überlassen und in unserm großen Jammer getrost seyn. Ach, ich
-dachte oft daran, wie es Marien seyn mußte, als sie nicht nur in dem
-Stalle übernachten mußte, sondern bald darauf ihre Wohnung bey dunkler
-Nacht -- wie jetzt wir -- gar verlassen, und mit ihrem göttlichen Kinde
-fortziehen sollte in ein anderes Land. O so groß ihr Glauben, ihr
-Vertrauen war, ich denke doch, daß ihr, wo nicht um ihrer selbst, doch
-um ihres Kindes willen, Thränen in die Augen traten! Ich weiß, was es um
-ein Mutterherz ist! Ihre Leiden waren gewiß herzzerschneidend. Jeder
-Mensch auf Erden aber muß in ähnliche Lagen kommen. Gott läßt keines
-seiner Kinder ungeprüft. Jene alten Geschichten werden auf eine gewisse
-Art an uns erneuert. Allein Derjenige, Der Marien, in dem armen Stalle
-und auf ihrer traurigen Flucht, tröstende Freunde und leitende Engel
-zuschickte, wird auch uns nicht ohne Trost lassen. Er wird zu rechter
-Zeit Hülfe schicken.«
-
-Nun wurde mit einem Male an der Hausthüre geklopft. »Jetzt kommen sie,
-sagte der alte Förster, und werden uns aus dieser Stube vertreiben.« Der
-Förstersohn fuhr auf, blickte nach seinem Gewehr, und rief: »Das sollen
-sie sich nicht unterstehn, meine grauen Aeltern, mein liebes Weib, meine
-Kinder, meine Schwestern aus dem Hause zu werfen. Den Ersten, der an sie
-Hand anlegt, den -- --«
-
-»O nein, nein, mein Sohn, sprach der alte Vater, sprich diese
-schrecklichen Worte, die du auf der Zunge hast, nicht vollends aus.
-Keine Widersetzlichkeit; nichts von unrechtmäßiger Gewalt! Gott ist über
-uns und ihnen. Er allein ist unser Schutz und unsre Zuflucht. Wenn unsre
-Bitten und Vorstellungen über diese Männer, die uns zu vertreiben
-kommen, nichts vermögen, so gehen wir willig aus dem Hause, und flüchten
-uns, bis die Nacht vorüber ist, in jene Höhle des Waldes, in der wir bey
-stürmischer Witterung auf der Jagd oft eine Zuflucht gefunden. Ach,
-sprach er, indem er aus seinem Lehnsessel aufstand, ich wollte, ein
-jedes aus euch könnte mit mir altem, vielgeprüftem Manne sagen:
-
- Um mich hab' ich mich ausbekümmert,
- Und alle Sorg' auf Gott gelegt,
- Würd' Erd' und Himmel auch zertrümmert,
- So weiß ich doch, daß Er mich trägt;
- Und hab' ich meinen treuen Gott,
- So frag' ich nichts nach Noth und Tod.«
-
-
-
-
- Achtes Kapitel.
-
- Ein unerwarteter Besuch.
-
-
-Indessen wurde wiederholt geklopft, und noch stärker, als zuvor. »Geh,
-Christian, sagte der alte Förster, und öffne die Thüre.« Christian ging.
-Nach einigen Augenblicken trat ein schöner, ansehnlicher Herr, den sie
-nicht kannten, in einen dunkelgrünen Mantel gehüllt und mit einer
-Pelzmütze bedeckt, zur Thüre herein. »Das ist der neue Förster!« dachten
-alle mit erschrockenen Herzen. Der Unbekannte schien aber selbst
-erschrocken, so viele rothgeweinte Augen und schreckenblasse Angesichter
-zu sehen. Er nahm seine Mütze ab, stand einige Augenblicke still und
-sagte: »Kennen Sie mich denn nicht mehr?« »Ach Gott, rief Luise, es ist
-Anton!« »Anton! rief Katharine, ists möglich?« »Was fällt euch ein,
-sagte die alte Mutter; dieser Herr da ist ja viel größer und stärker als
-Anton.« »Wahrhaftig, er ist es, sprach Christian, es ist Anton! Um des
-Himmels willen, Bruder, wie kommst du hieher? Ich hätte dich in Rom
-gesucht, mehrere hundert Stunden von hier!« Der alte Vater rieb sich die
-Augen, als traute er ihnen nicht, trat langsam näher, eilte aber
-plötzlich mit weitausgestreckten Armen auf Anton zu, schloß ihn in die
-Arme und konnte nichts mehr sagen, als: »O mein Sohn Anton!« Sie
-umarmten sich lange und innig. Nun grüßte Anton seine ehrwürdige
-Pflegmutter, seine Geschwister, Christian, Katharinen und Luisen, voll
-der herzlichsten Freude des Wiedersehens. Auch die junge Försterin und
-ihre Kinder, die er das erste Mal sah, grüßte er mit großer Freude und
-Herzlichkeit. So tief betrübt alle noch vor wenigen Augenblicken waren,
-so hoch erfreut waren jetzt alle. Die unerwartete Freude hatte alle
-Traurigkeit verscheucht, wie die aufgehende Sonne die nächtlichen
-Schatten zerstreut.
-
-Jetzt aber fing die alte Mutter an: »Ach Anton, du findest uns in sehr
-traurigen Umständen. Du hast ja unsere Thränen noch gesehen, als du in
-die Stube herein kamest. Ach, laß dir unsern Jammer doch erzählen.« »Ich
-weiß alles, sprach Anton; seyen Sie aber vollkommen ruhig, liebste
-Aeltern! Ihre Angelegenheiten stehen aufs Beste. Ich komme eben vom
-Fürsten. Er grüßt Sie, liebster Vater, auf das freundlichste.«
-
-»Mich? rief der alte Vater? Wie kamst du zum Fürsten? Das begreife ich
-nicht. Wahrhaftig, ich fürchte, dieses alles ist nur ein glücklicher
-Traum.«
-
-»Nein, sprach Anton, nichts weniger als ein Traum, sondern die gewisse
-Wahrheit. Setzen Sie sich einmal in Ihren Lehnsessel, liebster Vater,
-und Sie, liebste Mutter, nehmen Sie hier Platz, und lassen Sie sich
-alles ausführlich erzählen.« Er legte seinen Mantel ab und holte noch
-ein Paar Sessel herbey. Die erfreuten Pflegältern nahmen ihn in ihre
-Mitte. Alle übrigen standen umher und sahen voll Verwunderung und
-Erwartung auf ihn. Anton erzählte:
-
-»Unser jetziger gnädigster Fürst war, wie Sie wissen, noch vor Kurzem
-als Erbprinz in Italien. Da wurden nun einmal zu Rom die Gemälde junger
-Künstler zur Schau ausgestellt. Er ging hin, und unter den vielen
-Gemälden gefiel ihm eines ganz vorzüglich. Man sagte ihm, ein junger
-Mahler aus seinem Fürstenthume, Anton Kroner, habe es gemahlt. Der Prinz
-ließ mich rufen, lobte mich sehr und war gegen mich ganz ungemein
-gnädig. Er fragte mich, was ich für das Gemälde fordere, und bezahlte
-mir mit fürstlicher Großmuth viel mehr, als ich verlangt hatte. Da er
-die berühmtesten Gemälde zu Rom sehen wollte, so mußte ich ihn öfter
-begleiten, durfte neben ihm in seinem Wagen sitzen, ja sogar einige Male
-bey ihm speisen. Nun wurden zu Rom mehrere alte Gemälde von ganz
-vorzüglicher Schönheit zum Verkauf ausgebothen. Der Prinz fuhr mit mir
-hin, sie zu besehen. Er fragte mich bey jenen Stücken, die ihm besonders
-gefielen, um meine Meynung, und beschloß sie zu kaufen. Es war ein Tag
-bestimmt, an dem sie öffentlich sollten versteigert werden. Der Prinz
-konnte aber nicht mehr so lange bleiben; er mußte nach Hause reisen, und
-die Regierung übernehmen. Er gab mir daher den Auftrag, die Gemälde zu
-kaufen, und dafür zu sorgen, daß sie ihm sicher und unbeschädigt
-überliefert würden. Er bestimmte, wie viel ich im äußersten Falle für
-die Gemälde geben dürfte, und wies mir eine Summe Geldes an. Dieser für
-mich so ehrenvolle Auftrag lag mir nun sehr am Herzen. Ich war auch so
-glücklich, die Gemälde für eine bedeutend geringere Summe, als er mir
-gestattet hatte, zu erhalten. Da ich bereits alles, was für einen Mahler
-in Italien vorzüglich sehenswerth ist, gesehen hatte, und da eben ein
-Schiff zum Absegeln bereit lag, so schiffte ich mich sammt den Gemälden
-ein. Ich kam mit meinem kostbaren Schatze glücklich an das Land. Da
-miethete ich nun für die Gemälde einen besondern Wagen, und fuhr, damit
-sie ja keinen Schaden nehmen möchten, selbst mit, bis wir auf dem Wagen
-zusammen in der Residenz anlangten. Ich eilte sogleich nach Hofe und
-ließ mich melden. Der Fürst war eben von der Mittagstafel aufgestanden
-und befand sich in seinem Kabinette. Ich kam sogleich vor. »Nun,
-willkommen in Deutschland, sprach der Fürst sehr freundlich; was bringen
-Sie mir Gutes aus Italien?« »Die Gemälde, sagte ich, die ich Eurer
-Durchlaucht höchstem Befehle gemäß gekauft habe.« »Nun, sprach der
-Fürst, und wie viele davon?« »Alle!« sagte ich. »Alle!« rief er sehr
-erfreut; »das ist ja ganz vortrefflich.« Er gab sogleich Befehl, daß die
-Bilder ausgepackt und aufgestellt würden. Ich legte auch mit Hand an.
-Alle waren vollkommen unbeschädigt. Der Fürst war in seinem größten
-Vergnügen. Denn er ist nicht nur ein Liebhaber, sondern auch ein Kenner
-von Gemälden. Ich überreichte ihm die Quittungen für die bezahlten
-Gemälde. »Die Summe, sprach er, beträgt ja ein Merkliches weniger, als
-ich Ihnen gestattete.« Ich sagte: »Eure Durchlaucht wollen befehlen, wo
-ich das übrige Geld abzugeben habe.« »Ach, sagte er sehr gnädig, davon
-kann keine Rede seyn. Ich bin Ihnen Dank schuldig. Wenn Sie mit mir
-zufrieden sind, so bin ich es mit Ihnen noch viel mehr. Doch -- Sie sind
-müde von der Reise und haben sich mit Auspacken noch mehr abgemattet.
-Sie bedürfen der Ruhe.« Er befahl, mir ein Zimmer in der Residenz
-anzuweisen.
-
-Als ich Abends in meinem Zimmer saß, fiel mir plötzlich ein, den alten
-Forstrath Müller zu besuchen. Er war ja, außer dem Fürsten, der einzige
-Mann, den ich in der Residenz kannte, und ich erinnerte mich sehr wohl,
-wie er ehemals als Oberförster Sie, bester Vater, öfter besuchte und mit
-Ihnen in der herzlichsten Freundschaft lebte. Er fragte mich, wie ich
-hieher komme. Ich sagte es ihm. »Sie kommen zur glücklichsten Stunde!«
-sprach er, und fing nun sogleich an, mir zu erzählen, wie es Ihnen,
-liebster Vater, gehe, wie viel Verdruß Ihnen der Oberförster mache, wie
-Sie deßhalb selbst in die Residenz gekommen, wie Sie aber einige Tage
-vor meiner Ankunft unverrichteter Sache wieder abgereiset wären. Ich
-wollte sogleich wieder zum Fürsten. »Nicht doch! sagte der Forstrath,
-das geht nicht. Morgen frühe müssen Sie um eine besondere Audienz
-bitten. Ich werde Sie begleiten. Die Sache ist jetzt schon so
-vorbereitet, daß wir ein geneigtes Gehör finden werden.« Wir wurden am
-folgenden Morgen sehr bald vorgelassen. Ich fing sogleich von Ihnen an,
-und redete mit großem Eifer. Ich erzählte, wie ich in Ihr Haus gekommen,
-und was Sie alles an mir gethan haben. Ich war sehr ausführlich. Der
-Forstrath sagte einige Male: »Zur Sache, zur Sache!« Der Fürst aber
-lächelte nur und sagte: »Lassen Sie! Die Dankbarkeit des guten Sohnes
-gegen seine alten Pflegältern gefällt mir. Wir werden ja am Ende finden,
-wo das alles hinaus will.« Ich kam nun auf den Herrn von Schilf und
-sagte es gerade zu, warum er Ihnen so aufsäßig sey, und daß er als ein
-Wilddieb in das Zuchthaus gekommen wäre, wenn der hochselige Fürst nicht
-zu gnädig gewesen wäre. »Nicht doch, sagte der Forstrath ernsthaft zu
-mir, Sie vergessen den schuldigen Respekt. Fürsten können kaum zu gnädig
-seyn. Der Oberförster war damals ein junger Mensch, und es konnte
-deßhalb immer einige Schonung eintreten.« »Nur weiter, nur weiter!«
-sagte der Fürst zu mir. Ich zeigte ihm nun die Briefe, die Sie, liebster
-Vater, mir nach Italien geschrieben. Ich hatte sie noch in der Nacht aus
-meinem Koffer hervor gesucht. Da ist auch nicht ein einziger darunter,
-in dem nicht für den Durchlauchtigen Erbprinzen, der mit mir damals in
-einem Lande lebte, die besten Segenswünsche enthalten wären. Der Fürst
-las nicht nur die Stellen, die ich ihm zeigte, sondern, nachdem er mich
-zuvor, mit zu vieler Gnade, um Erlaubniß gefragt hatte, die ganzen
-Briefe. »Nun wohl, sprach er, ich erinnere mich jetzt, daß Sie mir schon
-in Italien von dem wackern Manne gesagt haben; ein Mann, der so schreibt
-und einen so guten Sohn erzog, kann kein schlechter Mann seyn.«
-»Deßhalb, sagte ich, müssen Eure Durchlaucht den Oberförster bestrafen,
-und dem Sohne des Försters den väterlichen Dienst geben.« Der Forstrath
-blickte mich unwillig an und sagte: »Spricht man denn auch einmal so mit
-dem gnädigsten Herrn.« Der Fürst sprach aber mit Lächeln: »So schnell
-geht es freylich nicht, wie Sie meinen, junger Mann. Ich muß den
-Oberförster erst auch hören.« Er winkte den Forstrath an ein Fenster und
-redete einige Zeit besonders mit ihm. Der Forstrath setzte sich hierauf
-und schrieb. Der Fürst sagte aber zu mir: »Seyen Sie ruhig, es wird
-recht werden.«
-
-Er redete nun, während der Forstrath schrieb, mit mir von Gemälden.
-»Mein seliger Vater, sagte er, hat mir eine ganz artige Sammlung
-hinterlassen. Ich bin begierig, was Sie dazu sagen. Indeß müssen alle
-Gemälde wieder in bessern Stand gesetzt werden. Diese Arbeit übertrag
-ich hiemit Ihnen. Wollen Sie das Geschäft übernehmen?« »Mit dem größten
-Vergnügen, sagte ich; aber erst nach den Weihnachtsfeyertagen. Am
-heiligen Weihnachtsabende habe ich meine ehrwürdigen Pflegältern das
-erste Mal gesehen; an dem Weihnachtsabende muß ich sie wieder sehen;
-besonders da sie in einer so traurigen Lage sind, und ich ihnen
-erfreuliche Nachrichten bringen kann.« »Das ist nicht mehr als billig!«
-sagte der Fürst. Der Dankbarkeit gegen Aeltern will ich gerne
-nachstehen.«
-
-Der Forstrath war indessen mit Schreiben fertig geworden und überreichte
-dem Fürsten das Blatt. Der Fürst unterzeichnete es. »Grüßen Sie mir
-Ihren guten Pflegvater, sprach er zu mir, und sagen Sie dem braven,
-alten Manne, er solle außer Sorgen seyn.«
-
-»Aber wie frey Sie doch mit dem Fürsten sprachen, sagte der Forstrath,
-indem er mich auf mein Zimmer begleitete. Ich wehrte Ihnen immer, aber
-Sie achteten nicht darauf. Nun, Ihrer Liebe zu Ihren Pflegältern ist
-dieses zu verzeihen. Auch finde ich, der geradeste Weg ist immer der
-kürzeste.« Ich fragte nun den Forstrath, was der Fürst mit ihm
-gesprochen und was er ihm zu schreiben befohlen. Nach vielem Bitten
-gestand er mir endlich, der Fürst habe gesagt: »Bald hätte man mich zu
-einer Ungerechtigkeit verleitet. Dort liegt ein Dekret, in dem an die
-Stelle des alten Försters ein andrer Mann ernannt wird. Ich fand jedoch
-einige Bedenklichkeiten dabey und habe, so sicher man auch darauf
-rechnete, es noch nicht unterzeichnet. Ich werde nun die Sache zuvor
-noch gründlicher untersuchen.« Was der Forstrath schreiben mußte, war
-ein besonderer Befehl an den Oberförster, ohngefähr dieses Inhalts:
-»Seine Durchlaucht hätten mit allergrößtem Mißfallen vernommen, wie
-unwürdig der Oberförster den würdigen Förster Grünewald behandle; der
-Oberförster erhalte hiemit die geschärfteste Weisung, bis auf weiters
-weder den alten Förster noch dessen Sohn im Geringsten zu beunruhigen.«
-Den Befehl mußte der Forstrath sogleich durch eine Staffete absenden.
-»Denn, hatte der Fürst gesagt, es liegt mir sehr daran, dem alten
-ehrlichen Manne, sobald möglich, Ruhe zu verschaffen.« Der Forstrath gab
-mir nun noch auf, Sie zu grüßen und Ihnen zu sagen: »Die Untersuchung,
-die der Fürst anordnen werde, falle zuverläßig zu Ihrem Besten aus, und
-Ihr Sohn erhalte sicher den Försterdienst.«
-
-Der alte Förster wischte sich, so wie alle übrigen, während dieser
-Erzählung öfter die Augen. Jetzt stand er auf, umarmte Anton, nahm den
-Flor von dem Gemälde der Geburt Jesu hinweg, blickte dankend zum Himmel,
-und rief: »Nun laßt uns in den Lobgesang der Engel einstimmen: Ehre sey
-Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen, die eines guten
-Willens sind.«
-
-
-
-
- Neuntes Kapitel.
-
- Der Weihnachtsbaum.
-
-
-Nachdem Anton seine Erzählung geendet hatte, erkundigte er sich sehr
-angelegentlich nach dem Befinden seiner lieben Aeltern. Er hatte nicht
-ohne Schmerzen bemerkt, wie sehr beyde seit seiner Abreise gealtert
-hatten. Ihre grauen Haare und ihre vielen Falten preßten ihm beynah
-Thränen aus. Indeß ließ er sich davon nichts merken, um sie nicht zu
-betrüben. Gar sehr mußte er sich hingegen verwundern, seine Geschwister,
-Christian, Katharine und Luise nun in der vollen Blüthe des Lebens zu
-erblicken. Er rief Christians beyde Kinder freundlich herbey. »Mein
-Gott, sagte er, so verfließt die Zeit! Ach, vor achtzehn Jahren waren
-Christian, Katharine und ich Kinder wie diese hier; Luise noch kleiner.
-Jetzt sind diese Kinder in unsre Stelle eingerückt.« Er betrachtete die
-zwey Kinder mit Wohlgefallen. »Nun, sprach er, habt ihr aber auch eure
-Weihnachtsgeschenke schon bekommen?« »Ach nein; sagte der kleine Franz.
-Der Oberförster hat uns den Spaß verdorben; er ist ein rechter Herodes.«
-Die Mutter verwies ihm diese Rede. Die kleine Klara sagte: »Anton, dich
-hat gewiß ein Engel hieher geschickt. Hast du uns aber auch ein
-Weihnachtsgeschenk mitgebracht?« »O ja wohl,« sagte er, ich habe eurer
-nicht vergessen. Nur müßt ihr warten, bis meine Kutsche nachkommt. In
-dieser ist alles.« Die Kinder gaben sich zufrieden.
-
-Hierauf wurde das Abendessen aufgetragen. Es wurde aber mehr geredet,
-als gegessen. Nach Tische verlangten die Kinder in das Bett. Alle
-übrigen blieben aber noch bey einander auf. »Den lieben Kleinen, sagte
-Anton, müssen wir morgen frühe noch eine besondere Freude machen. Wir
-müssen ihnen einen Weihnachtsbaum zurichten. Denn wie in einigen
-Gegenden die Krippe, so ist in andern der Weihnachtsbaum Sitte.
-Christian muß sich aus Liebe zu seinen Kindern schon bequemen, noch
-diese Nacht aus dem nahen Walde eine junge Tanne zu holen. Das Nöthige,
-den Baum zu schmücken, bringe ich mit. Ich habe meinen Kutscher, dessen
-Pferde fast erlegen waren, in Aeschenthal zurückgelassen, und bin auf
-dem Fußsteig über alle Berge hieher geeilt; morgen frühe aber vor
-Anbruch des Tages wird die Kutsche mit meinem Koffer und übrigem Gepäcke
-hier eintreffen.«
-
-Am folgenden Morgen, sehr frühe, da die Kinder noch süß und sanft
-schliefen, waren schon alle Erwachsene im Hause mit Aufstellung und
-Ausschmückung des Weihnachtsbaumes beschäftigt. Ein junger schöner
-Tannenbaum mit dichten grünen Aesten wurde in der Stubenecke zwischen
-den Fenstern angebracht. Anton öffnete, nachdem die Kutsche abgepackt
-war, eine große Schachtel, die fast mit allem, was Kinder freuen kann,
-gefüllt war. Er hängte die kleinen Geschenke -- schönes Obst, allerley
-buntes Zuckerwerk, niedliche Körbchen voll verzuckerter Mandeln, Kränze
-von künstlichen Blumen mit rosenfarbenen oder himmelblauen Bändern
-geziert, nebst allerley flimmernden Spielzeugen an den Baumzweigen auf.
-Er wußte alles sehr mahlerisch zu ordnen. Nun nahm er auch ein Paar
-Dutzend kleine blecherne Lampen hervor, die mit Wachs eingegossen waren.
-Er hängte sie vorsichtig, damit sie den Baum schön beleuchten, aber
-nicht anbrennen konnten, an den Zweigen auf. Da alles fertig war, gingen
-Katharine und Luise, die Kinder zu wecken. »Sie dürfen aber nicht früher
-kommen, sagte Anton, als bis ich mit dem Anzünden der Lampen fertig bin
-und bis die Mutter ruft.«
-
-Als die Kinder von den Weihnachtsgeschenken hörten, verging ihnen
-sogleich aller Schlaf. Man konnte sie nicht schnell genug ankleiden.
-Endlich rief die Mutter: »Jetzt kommt!« Die Kinder sprangen eilig in die
-Stube -- blieben aber von Glanz und Schimmer geblendet plötzlich stehen.
-Vor Erstaunen und Entzücken über den unerwarteten Anblick konnten sie
-Anfangs nicht reden. Sie staunten den wundersam schimmernden Baum mit
-starren Augen und offnem Munde unverwandt an. Der grüne Glanz der
-Zweige, die Lichter, die dazwischen wie Sterne schimmerten, die hochroth
-strahlenden Aepfel, die goldgelben Birnen, die vielen bunten und
-funkelnden Sachen kamen ihnen wie Zauberey vor. Sie wußten nicht, ob sie
-wachten oder träumten. Endlich riefen sie höchst entzückt: »O wie schön,
-o wie herrlich!« Franz sagte: »Einen solchen Baum, der so schön ist und
-im Winter so vielerley Früchte trägt, giebts in unserm ganzen Walde
-nicht.« »Ey, sagte Klara, solche Bäume wachsen nur im Paradiese, oder
-gar nur im Himmel. Nicht wahr, Mutter, das Christuskindlein hat uns den
-Baum geschickt?« »So, wie er da ist, sprach die Mutter, nun eben nicht.
-Indeß hat doch Christus, der einst als ein Kind in der Krippe lag und
-nun im Himmel ist, euch diese Freude beschert. Denn wäre Er uns nicht
-geboren, so wüßten wir nichts von Weihnachtsfreuden und
-Weihnachtsgeschenken.« »Nun gut, sagten die Kinder, wir wollen Ihn schon
-recht lieb haben und Ihm recht folgen. Er ist doch gar so gut, und hat
-die Kinder gar so lieb. Eine solche Freude, wie Er uns macht, hatte noch
-kein Mensch in der Welt.«
-
-Die Großmutter sprach: »Es ist wohl wahr, ein erwachsener Mensch kann
-kaum eine solche Freude empfinden, wie ihr Kinder. Schuldlose Kinder
-sind die seligsten Geschöpfe auf Erden; ihre Freuden sind rein und
-lauter. Gott erhalte euch unschuldig und gut!« -- »Ach, sagte sie zu den
-übrigen, die Freuden der Erwachsenen werden nur zu oft von Kummer und
-Sorge, von Ehrsucht, Geiz, andern bösen Leidenschaften, wohl gar von
-Gewissensbissen verbittert. Darum ist es ein schönes, wahres Wort unsers
-göttlichen Erlösers: »Wenn ihr euch nicht bekehret und nicht werdet wie
-die Kinder, so könnet ihr nicht in das Himmelreich eingehen.«
-
-Der Großvater sagte: »Der Gebrauch mit dem Weihnachtsbaume gefällt mir
-sehr wohl. Es war klug und weise von unsern Vorältern, daß sie darauf
-bedacht gewesen, die schönen christlichen Freudenfeste auf mancherley
-Weise den Kindern zu Tagen der Freude zu machen. Diese kindliche Freude
-macht ihnen die Festtage des Herrn lieb und werth, und bereitet ihr Herz
-vor, an der höheren Festfreude, dem Heile, das uns allen geworden, Theil
-zu nehmen. Von nun an soll in diesem Hause an jedem Weihnachtsfeste den
-lieben Kleinen immer ein Weihnachtsbaum grünen. Wenn er auch nicht so
-prächtig geziert seyn sollte, wie dieser, so wird er ihnen doch nicht
-weniger Freude machen. Es braucht wenig, Kinder zu erfreuen; einige
-Aepfel, Birnen, vergoldete Nüsse reichen schon hin, wenn man etwa nichts
-Besseres hat. Auch wird wohl niemand knickern wollen, wenn es darauf
-ankommt, Kindern eine schuldlose und heilsame Freude zu machen. Ich
-denke auch, der Weihnachtsbaum kann uns bey der Kinderzucht große
-Dienste leisten; er kann uns, wenigstens sehr oft, die Ruthe ersparen.
-Kinder, die einmal einen Weihnachtsbaum gesehen haben, freuen sich gewiß
-das ganze Jahr wieder darauf, und werden gewiß mehr auf die Worte
-achten: Wenn ihr nicht gehorcht, bekommt ihr keinen Weihnachtsbaum! --
-als wenn man ihnen mit Schlägen drohte.«
-
-Die Aeltern und Großältern dankten nun dem Anton für die viele Freude,
-die er ihren Kindern und Enkeln gemacht hatte. »Es ist eine Kleinigkeit,
-sagte er, die nicht der Rede werth ist. Indeß muß ich Sie bitten, daß
-auch Sie einige kleine Weihnachtsgeschenke von mir nicht verschmähen.«
-Er schloß seinen Koffer auf, der in einer Ecke der Stube stand. »Diesen
-Koffer, sagte er, haben Sie mir einst reichlich gefüllt mit auf die
-Reise gegeben; es ist nicht mehr als billig, daß Sie ihn nicht ganz leer
-wieder zurück erhalten.« Er überreichte der alten Försterin kostbares
-Pelzwerk und Seidenzeug. »Es ist ja die Pflicht guter Kinder, sagte er,
-ihre alten Aeltern bey der rauhen Jahrszeit warm zu halten.« Der jungen
-Frau und den zwey Jungfrauen gab er grünen Tafet zu Kleidern, seidene
-Halstücher aus Mayland und andern Frauenzimmerputz. Der junge Förster
-bekam eine vortreffliche Doppelflinte, deren Schaft von Nußbaumholz sehr
-schön mit Silber eingelegt war. »Sie, liebster Vater, sagte Anton zu dem
-alten Förster, müssen nun nicht mehr auf die Jagd gehen; Sie müssen nun
-von Ihren vielen Beschwerden ausruhen. Sie brauchen Stärkung in Ihren
-alten Tagen. Der Korb dort ist mit Flaschen vom besten alten Rheinwein
-gefüllt. Und hier ist ein Becher dazu.« Anton überreichte ihm einen
-silbernen Becher, der innen prächtig vergoldet war. Außen auf dem Becher
-waren in einem Kranze von Eichenlaub die Worte eingegraben: »Meinem
-lieben Vater Friedrich Grünewald zur Erinnerung an den Weihnachtsabend
-1740., überreicht am Weihnachtsfeste 1758. von dessen dankbarem Sohne
-Anton Kroner.« Der alte Förster umarmte Anton mit Thränen in den Augen.
-Allein Anton übergab ihm über dieß noch eine Rolle Gold. »Sie, liebster
-Vater, sagte er, haben große Summen auf mich verwendet. Es wäre nicht
-recht, wenn Ihre übrigen Kinder und Ihre Enkel dadurch sollten verkürzt
-werden.« Der edle Greis erstaunte und wollte das Geschenk nicht nehmen.
-Allein Anton sagte: »Es ist nichts weniger, als ein Geschenk von mir.
-Der gnädigste Fürst hat mich so reichlich beschenkt, und sein Geschenk
-freute mich zweyfach, weil ich dadurch in den Stand gesetzt wurde, Ihnen
-an einer alten Schuld, die ich nie werde ganz bezahlen können,
-wenigstens Einiges abzutragen.« Alle Umstehenden waren höchst erstaunt.
-Die alte Försterin aber sagte: »Ach Anton, wie hätten wir an jenem
-Weihnachtsabende, an dem du das erste Mal in unser Haus kamest, denken
-können, daß du uns dereinst einen so fröhlichen Weihnachtsabend
-bereiten, uns durch die Verwendung bey Seiner fürstlichen Durchlaucht
-aus so großer Noth retten, und uns alles, was wir an dir thaten, so
-reichlich vergelten würdest!« »Das hat Gott gethan, sprach Anton. Er
-führte mich in Ihr Haus, um Sie und mich reichlich zu segnen. Sein Name
-sey gepriesen.«
-
-»Doch, sprach jetzt Anton, erlauben Sie nun, daß ich sogleich abreise.«
-»Was, wie, warum?« riefen alle erstaunt. Allein Anton sagte: »Ich fahre
-jetzt zu Herrn Riedinger. Ich hoffe dort noch dem Gottesdienste
-beywohnen zu können, meinem vortrefflichen Lehrmeister durch meinen
-Besuch eine unerwartete Freude zu machen, und ihn auf den Abend hieher
-zu bringen. Dann wollen wir die übrigen Weihnachtsfeyertage, ja alle
-Tage des noch übrigen Jahres recht fröhlich beschließen.« Alle
-begleiteten Anton an die Kutsche. Am Abende kam Anton mit seinem
-Lehrmeister an, und das alte Försterhaus in dem düstern Walde
-beherbergte in diesen Tagen so selige Menschen, als je auf Erden gelebt
-haben.
-
-Was von Antons Geschichte noch weiter bemerkt zu werden verdient, ist
-kurz dieses. Anton bath den alten Förster und dessen Hausfrau, ihm ihre
-Tochter Luise zur Ehe zu geben. Beyde bewilligten es mit Freuden. »Ach
-Luise, sprach die alte Großmutter, damals, als du dem Anton jenes
-Aepfelein zum Weihnachtsgeschenk gegeben hast, dachte ich wohl nicht
-daran, daß er dich dereinst als seine Braut zum Altare führen würde.«
-Das Hochzeitfest war erst noch das freudigste Fest, das je in dem
-Försterhause gefeyert wurde. Anton aber kaufte sich in der Residenz ein
-eigenes Haus, hatte als ein sehr geschätzter Mahler immer sehr viel zu
-mahlen, und lebte mit Luisen in der seligsten Eintracht.
-
-Im folgenden Frühlinge kam der Fürst ganz unerwartet auf dem fürstlichen
-Jagdschlosse Felseck an, und brachte den alten Forstrath Müller und
-einen auswärtigen forstverständigen Mann mit sich. Der Oberförster war
-sehr bestürzt und versprach sich von diesem gnädigen Besuche wenig
-Gutes. »Sie haben meine Befehle überschritten, sagte der Fürst zu ihm.
-Ich hatte zwar, durch Ihre Berichte verleitet, den alten Förster seiner
-Geschäfte überhoben, und war Willens, den jungen Förster auf einen sehr
-geringen Försterdienst zu versetzen; allein die ganze Familie so
-unmenschlich aus dem Forsthause zu verstoßen, wie Sie es im Sinne
-hatten, war nie mein Wille. -- Doch wir wollen vorerst die Waldungen in
-Augenschein nehmen.«
-
-Des Oberförsters eigener Bezirk befand sich in einem kläglichen
-Zustande. »Auf den Papieren, die er einschickte, sprach der Fürst, fand
-ich alles vortrefflich. Da war alles so schön geschrieben und linirt,
-wie gestochen. Allein im Walde finde ich es anders. Auf manchem Platze
-ist offenbar ohne Vergleich mehr Holz gestanden, als in den Rechnungen
-steht. Er hat mich betrogen.« Der Oberförster hatte, wie sichs in der
-Folge zeigte, an eine benachbarte Eisenschmelze nach und nach einige
-tausend Klafter Holz mehr abgegeben, als er in Rechnung brachte. Er
-hatte, um seinen großen, beynah fürstlichen Aufwand zu bestreiten, nicht
-nur sein eigenes Vermögen verschwendet und sich in Schulden gesteckt,
-sondern sich überdieß noch Untreue gegen seinen Fürsten erlaubt. Der
-Fürst setzte ihn ab, und verurtheilte ihn, den Schaden zu vergüten. Der
-arme Herr von Schilf lebte von nun an auf seinem kleinen Landgute in
-sehr dürftigen Umständen.
-
-Den Waldbezirk des alten Försters fand der Fürst im trefflichsten
-Zustande. Er kam in eigener Person zu ihm in das Haus, bezeugte dem
-alten Manne seine Zufriedenheit, ließ sich dessen ganze Familie
-vorstellen und redete mit allen sehr freundlich. Bevor er seinen
-Schimmel bestieg, den ein Reitknecht vor dem Försterhause am Zaume
-hielt, sagte er zu dem Förstersohne: »Er ist hiemit Förster; mache Er
-seine Sache ferner so gut!« »Sie, sprach der Fürst zu dem alten Förster,
-sind nun wohl etwas alt, aber noch lange nicht der abgelebte Greis, für
-den Herr von Schilf Sie ausgab. Sie sind trotz Ihres Alters noch sehr
-wohl bey Kräften; ich kann Sie meiner Dienste noch nicht entlassen. Sie
-werden mich verstehen, wenn ich Ihnen sage: Leben Sie wohl, Herr
-_Oberförster_.«
-
-
-
-
- Bei Philipp Krüll in Landshut
- ist zu haben
-
-
- _Genovefa._ Eine der schönsten und rührendsten Geschichten des
- Alterthums, neuerzählt für alle guten Menschen, besonders für
- Mütter und Kinder. 3te rechtmäßige Auflage. m. 1 Kupf. 8.
- 1817. 24 kr. oder 6 gr.
-
- _Ostereyer_, die, eine Erzählung zum Ostergeschenke für Kinder,
- von dem Verfasser der Genovefa. 2te Auflage. 12. 1818. 9 kr. gr.
- 12. 12 kr. 3 gr.
-
- _Wie Heinrich von Eichenfels_ zur Erkenntniß Gottes kam; eine
- Erzählung für Kinder und Kinderfreunde, von dem Verfasser der
- Ostereyer. 2te verbesserte Auflage. 12. 1821. 9 kr. gr. 12. 12
- kr. 3 gr.
-
- _Blühten_, dem blühenden Alter gewidmet, von dem Verfasser der
- Ostereyer. 8. 1819. 18 kr. 5 gr.
-
- _Erzählungen_ für Kinder und Kinderfreunde, von dem Verfasser der
- Ostereyer. 18 Bändchen. 12. 1821. 9 kr. gr. 12. 12 kr. 3 gr.
-
- -- -- desselben Werks 2s Bändchen. 12. 1825.
-
- _Blumenkörbchen_, das, eine Erzählung dem blühenden Alter
- gewidmet, von dem Verfasser der Ostereyer; mit 1 Titelkupfer. 8.
- 1823. 24 kr. 6 gr. Velinpap. 1 fl. 48 kr. Rthl. 1.
-
- _Rosa_ von Tannenburg. Eine Geschichte des Alterthums, für
- Aeltern und Kinder. Erzählt von dem Verfasser der Genovefa; mit 1
- Kupf. 8. 1823. 30 kr. 8 gr.
-
- _Itah_, Gräfin von Toggenburg; eine sehr schöne und lehrreiche
- Geschichte aus dem 12ten Jahrhundert, neu erzählt für alle guten
- Christen, besonders für unschuldig Leidende. Ein Seitenstück
- zur Genovefa; mit 1 Kupfer. 5te Auflage. 8. 1823. 24 kr. 6 gr.
-
- _Geschichten_, biblische, für Kinder. 3 Thle. (von Christoph
- Schmidt). 8. 1820. netto 1 fl. 9 kr. 18 gr.
-
- -- -- dieselben im Auszug. 2 Thle. 8. 1821. netto 30 kr. 8 gr.
-
- _Engelbrecht, A._, Aufsätze pädagogischen Inhalts; ein Buch für
- Seelsorger und Volksschullehrer, zur angenehmen und belehrenden
- Unterhaltung; mit 1 Kupfer. 8. 1821. 1 fl. 30 kr. Rthl. 1.
-
- _Hausaufgaben_ für Schreib- und Rechnungsschüler in Volksschulen,
- oder Aufgaben zur Selbstbeschäftigung der Schüler. 2te
- verbesserte Auflage. 8. 1823. 15 kr. 4 gr.
-
- _Diktirübungen_ nach den Regeln der Orthographie geordnet, nebst
- einem Diktir-Surrogat für Volksschulen; ein Hand- und Lesebuch
- für Elementarschulen, vom Verfasser der Hausaufgaben. 8. 1822. 12
- kr. 3 gr.
-
- _Maurer, K._, Lesebuch für geübtere Leseschüler. 8. 1818. 15 kr.
- 4. gr.
-
- -- -- kleine lehrreiche Erzählungen und Lesesätze, nebst einigen
- Gleichnissen und Denksprüchen aus dem Munde Jesu. Ein Geschenk
- für Kinder. 8. 1820. 8 kr. 2 gr.
-
- -- -- Briefe für Kinder, nebst einigen Anreden bei öffentlichen
- Schulprüfungen. 3te Auflage. gr. 12. 1824. 12 kr. 3 gr.
-
- -- -- Tabelle zur Kenntniß der Buchstaben. 8. 1817.; auf
- Pappendeckel gezogen 2 kr.
-
- -- -- Lesebuch für Anfänger im Lesen. 3 Abtheilungen. 12. 1817. 7
- kr. 2 gr.
-
- _Alte_, der, von den Bergen; eine Erzählung für Kinder. 2te
- verbesserte Auflage. 12. 1822. 9 kr. 3 gr.
-
- _Heilingbrunner_ und _Zeheters_ drittes Elementarbuch der
- nöthigsten Sach- und Sprachgegenstände für Volksschulen. 3. 1822.
- 30 kr. 8 gr.
-
- _Jais, P. A._, schöne Geschichten und lehrreiche Erzählungen, zur
- Sittenlehre für Kinder und wohl auch für Erwachsene. 2 Bändchen.
- 10 kr. 3 gr.
-
- _Fabeln für unsere Zeiten und Sitten._ 2 Bändchen. 8. 1821. 1 fl.
- 16 gr.
-
-
-
-
-Anmerkungen zur Transkription
-
-
-Die Schreibweise der Buchvorlage wurde weitgehend beibehalten.
-Offensichtliche Fehler wurden korrigiert wie hier aufgeführt
-(vorher/nachher):
- [S. 10]:
- ... oben auf dem Berge. In Mitte der ...
- ... oben auf dem Berge. In der Mitte der ...
-
- [S. 44]:
- ... Menschen geziemt, oder sie sind mit mir ...
- ... Menschen geziemt, oder Sie sind mit mir ...
-
- [S. 44]:
- ... sahen etwa einige vornehme jungen Herren ...
- ... sahen etwa einige vornehme junge Herren ...
-
- [S. 55]:
- ... suchte. Oder der Namen des Waldes ...
- ... suchte. Oder der Name des Waldes ...
-
- [S. 72]:
- ... umher, und sagten mit gerührten ...
- ... umher, und sagten mit gerührtem ...
-
- [S. 92]:
- ... alle übrige Geschöpfe der Erde unterworfen. ...
- ... alle übrigen Geschöpfe der Erde unterworfen. ...
-
- [S. 100]:
- ... Kinder, Armen und Kranken müßten ...
- ... Kinder, Arme und Kranke müßten ...
-
- [S. 102]:
- ... mit der ihr die frommen Bemerkungen ...
- ... mit der Ihr die frommen Bemerkungen ...
-
- [S. 126]:
- ... Freunde hat. Er will ihren Dienst ...
- ... Freunde hat. Er will Ihren Dienst ...
-
- [S. 126]:
- ... und ihren Sohn ein. Ich fürchte sehr, ...
- ... und Ihren Sohn ein. Ich fürchte sehr, ...
-
- [S. 134]:
- ... ähnliche Lagen kommen. Gott laßt keines ...
- ... ähnliche Lagen kommen. Gott läßt keines ...
-
- [S. 136]:
- ... mir altem, vielgeprüften Manne sagen: ...
- ... mir altem, vielgeprüftem Manne sagen: ...
-
- [S. 140]:
- ... ihren Lehnsessel, liebster Vater, und Sie, ...
- ... Ihren Lehnsessel, liebster Vater, und Sie, ...
-
- [S. 148]:
- ... auch hören.« Er winkte dem Forstrath ...
- ... auch hören.« Er winkte den Forstrath ...
-
- [S. 149]:
- ... habe ich meine ehrwürdige Pflegältern ...
- ... habe ich meine ehrwürdigen Pflegältern ...
-
- [S. 164]:
- ... reichlich zu segnen. Sein Namen sey ...
- ... reichlich zu segnen. Sein Name sey ...
-
- [S. 168]:
- ... hiemit Förster; mache er seine Sache ...
- ... hiemit Förster; mache Er seine Sache ...
-
-
-
-
-
-
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-paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project
-Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this
-agreement and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm
-electronic works. See paragraph 1.E below.
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-Foundation" or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection
-of Project Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual
-works in the collection are in the public domain in the United
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-Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
-
-Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
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-computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It
-exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations
-from people in all walks of life.
-
-Volunteers and financial support to provide volunteers with the
-assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
-goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
-remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
-Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
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-generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see
-Sections 3 and 4 and the Foundation information page at
-www.gutenberg.org
-
-
-
-Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
-
-The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
-501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
-state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
-Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
-number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by
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-
-The Foundation's principal office is in Fairbanks, Alaska, with the
-mailing address: PO Box 750175, Fairbanks, AK 99775, but its
-volunteers and employees are scattered throughout numerous
-locations. Its business office is located at 809 North 1500 West, Salt
-Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up to
-date contact information can be found at the Foundation's web site and
-official page at www.gutenberg.org/contact
-
-For additional contact information:
-
- Dr. Gregory B. Newby
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- gbnewby@pglaf.org
-
-Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
-Literary Archive Foundation
-
-Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
-spread public support and donations to carry out its mission of
-increasing the number of public domain and licensed works that can be
-freely distributed in machine readable form accessible by the widest
-array of equipment including outdated equipment. Many small donations
-($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
-status with the IRS.
-
-The Foundation is committed to complying with the laws regulating
-charities and charitable donations in all 50 states of the United
-States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
-considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
-with these requirements. We do not solicit donations in locations
-where we have not received written confirmation of compliance. To SEND
-DONATIONS or determine the status of compliance for any particular
-state visit www.gutenberg.org/donate
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-While we cannot and do not solicit contributions from states where we
-have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
-against accepting unsolicited donations from donors in such states who
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-International donations are gratefully accepted, but we cannot make
-any statements concerning tax treatment of donations received from
-outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
-
-Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
-methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
-ways including checks, online payments and credit card donations. To
-donate, please visit: www.gutenberg.org/donate
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-Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic works.
-
-Professor Michael S. Hart was the originator of the Project
-Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be
-freely shared with anyone. For forty years, he produced and
-distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of
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-Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
-editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in
-the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not
-necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper
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-facility: www.gutenberg.org
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