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diff --git a/.gitattributes b/.gitattributes new file mode 100644 index 0000000..d7b82bc --- /dev/null +++ b/.gitattributes @@ -0,0 +1,4 @@ +*.txt text eol=lf +*.htm text eol=lf +*.html text eol=lf +*.md text eol=lf diff --git a/LICENSE.txt b/LICENSE.txt new file mode 100644 index 0000000..6312041 --- /dev/null +++ b/LICENSE.txt @@ -0,0 +1,11 @@ +This eBook, including all associated images, markup, improvements, +metadata, and any other content or labor, has been confirmed to be +in the PUBLIC DOMAIN IN THE UNITED STATES. + +Procedures for determining public domain status are described in +the "Copyright How-To" at https://www.gutenberg.org. + +No investigation has been made concerning possible copyrights in +jurisdictions other than the United States. 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If you are not located in the United States, you'll have -to check the laws of the country where you are located before using this ebook. - -Title: Unsere Haustiere vom Standpunkte ihrer wilden Verwandten - -Author: Theodor Zell - -Release Date: January 5, 2018 [EBook #56317] - -Language: German - -Character set encoding: ISO-8859-1 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK UNSERE HAUSTIERE VOM STANDPUNKTE *** - - - - -Produced by Heike Leichsenring and the Online Distributed -Proofreading Team at http://www.pgdp.net - - - - - -Anmerkungen zur Transkription: - -Umschließungen mit * zeigen "gesperrt" gedruckten Text an, -Umschließungen mit _ Text, der im Original in einer anderen Schriftart -dargestellt war, Umschließungen mit = fettgedruckten Text. - -Offensichtliche Druckfehler wurden berichtigt. Im Übrigen wurden -Inkonsistenzen in der Interpunktion und Schreibweise einzelner Wörter -belassen. Eine Liste mit sonstigen Korrekturen finden Sie am Ende des -Buchs. - -Im Original beginnt jedes Kapitel mit einer Illustration, die die -Tierart des folgenden Kapitels darstellt. Diese sind für die reine -Textfassung entfernt worden. - - - - - Unsere Haustiere - - vom Standpunkte ihrer wilden - Verwandten - - Für jung und alt geschildert - - von - - Th. Zell - - [Illustration] - - Berlin 1921 - - Buchhandlung Vorwärts, Berlin SW. 68 - - - - - *Gewidmet* - dem Andenken meiner unvergeßlichen Schwester, - meiner unermüdlichen Gehilfin bei allen meinen - Büchern und Aufsätzen, der - =Frau verw. *Elisabeth Raetzell*= - geb. *Bauke*, - geboren am 30. April 1860 zu Ketschendorf bei - Fürstenwalde, gestorben am 6. Dezember 1915 - zu Friedenau-Berlin, derenwegen ich den Decknamen - *Th. Zell* gewählt habe. - - -_Copyright 1921 by Vorwärts-Verlag Berlin_ - - - - -Vorwort. - - -Eine bessere Kenntnis des Tierlebens ist gerade in unseren Zeiten -wünschenswert, weil der Zusammenbruch unseres Vaterlandes uns zwingt, -die Bearbeitung der heimischen Scholle mit allen Kräften zu fördern, -und hierbei eine Vertrautheit mit den Eigentümlichkeiten unserer -Haustiere von großer Wichtigkeit ist. Daher ist der Versuch gemacht -worden, die Tiere in ihrem Tun und Treiben dem Herzen des Volkes und -unserer Jugend dadurch näher zu bringen, daß gezeigt wird, wie manche -uns befremdenden Handlungen der Tiere ganz verständlich werden, wenn -man sich in ihre Lage hineinversetzt. Das Haustier hält unverbrüchlich -an den Gewohnheiten seiner wilden Verwandten fest und richtet sich -vielfach nach der Nase im Gegensatz zum Menschen, dessen wichtigster -Sinn das Auge ist, -- das ist der Schlüssel des Geheimnisses. -Absichtlich ist bei der Darstellung von allem nicht unbedingt -erforderlichen gelehrten Kram abgesehen worden. - -Es wäre erfreulich, wenn namentlich die dem Tierleben so entfremdete -Großstadtjugend sich davon überzeugte, daß die Beobachtung der -Haustiere und anderer Tiere eine überreiche Quelle wahrer Freuden in -sich birgt, die einen hinreichenden Ersatz für die manchmal recht -zweifelhaften Genüsse der großen Städte bietet. - -Die Begründung für die hier gegebenen Erklärungen findet sich in -meinen Büchern. Ebenso sind dort die Dinge nachzuschlagen, die hier -fortgelassen sind, weil sie nicht in den Rahmen des Buches passen, -beispielsweise, weshalb die Pferde sterben, wenn sie Bucheckern -fressen, die Katze Baldrian liebt, die Drohnen von den Bienen getötet -werden und dergleichen. - -Für die Hilfe, die mir auf pädagogischem Gebiet zuteil wurde, spreche -ich dem unermüdlichen Vorkämpfer für Volksbildung, Herrn J. Tews, und -Frau _Dr._ Anna Hamburger auch an dieser Stelle meinen aufrichtigen -Dank aus. - - *Berlin* W 57, September 1920. - - Der Verfasser. - - - - -Der Hund - - -1. Warum bellt der Hund? - -Durch das geöffnete Fenster schaue ich mit ein paar Knaben, die in -meinem Hause wohnen und gern Näheres von unseren Haustieren wissen -möchten, an einem schönen Frühlingsmorgen auf die Straße. In dem uns -gegenüberliegenden Plättkeller wird die Tür geöffnet, und mit lautem -Gebell stürzt sich der uns wohlbekannte Spitz »Peter« in das Freie. -In diesem Augenblicke kommt gerade ein Radfahrer vorübergesaust. Auf -drehende Räder scheint es Peter wie die meisten Hunde abgesehen zu -haben, denn mit wahrer Wonne verfolgt er laut blaffend den Radler. -Da dieser um die nächste Ecke biegt, so entschwindet auch Peter -unsern Augen. Erst nach langer Zeit erscheint er wieder in unserm -Gesichtskreis. Jetzt sehen wir ihn schnüffelnd überall am Boden -umhersuchen. In der Zwischenzeit hat ein Vorübergehender ein Stück -Unrat, anscheinend vollkommen verwestes Fleisch, auf die Straße -geworfen. Mit Staunen sehen wir, daß Peter ausgerechnet dieses -ekelhafte Zeug mit Wonne beriecht und dann zu fressen beginnt. Hunger -kann ihn dazu nicht veranlassen, denn wir wissen seit Jahren, daß die -beiden Schwestern, die im Plättkeller wohnen, große Tierfreundinnen -sind. Sie darben es sich geradezu vom Munde ab, um es ihrem Lieblinge -zuzuschanzen. Eigentlich hätten sie einen Hund zur Bewachung nicht mehr -nötig, seitdem sich die eine Schwester verheiratet hat. Als aber vor -zwei Jahren ihr damaliger Hund verunglückte, wurde freudig als Ersatz -der damals sechs Wochen alte Peter gewählt, der ihnen als Geschenk aus -ihrem Bekanntenkreise angeboten wurde. - -Nach dem Fressen scheint Peter Durst zu bekommen, denn er läuft zum -Brunnen, um aus der unten angebrachten Vertiefung seinen Durst zu -löschen. Hierbei trinkt er nicht saugend wie ein Mensch, sondern lappt -das Wasser schnell hintereinander mit der Zunge. Das lange Rennen -scheint ihn ermüdet zu haben, denn er sucht sich in der Nähe des -Plättkellers eine Stelle zum Hinlegen. Und zwar wählt er eine solche, -wo die Sonne recht schön hinscheint. Während andere Hunde sich vor dem -Hinlegen erst einige Male im Kreise herumzudrehen pflegen, können wir -dieses Drehen bei Peter in diesem Falle nicht beobachten, denn er legt -sich ohne große Umstände in die warme Sonne. - -Wir wollen hier zunächst eine Pause machen, ehe wir das Tagewerk -unseres Helden weiter schildern. - -Alles das, was hier von dem Spitz erzählt worden ist, kann man -alltäglich an zahlreichen Hunden beobachten, und selbst der Großstädter -hat hierzu Gelegenheit, wenn er nur die Augen offen hält. So allbekannt -diese Vorgänge sind, so erscheinen sie jedoch in einem ganz anderen -Lichte, sobald wir uns die Frage vorlegen, weshalb der Hund so handelt. - -Unser Peter hat zunächst gebellt. Warum bellt der Hund? Die Katze tut -es doch nicht, ebenso denken Pferde, Kühe und andere Haustiere nicht -daran. - -Um das zu verstehen, müssen wir etwas ausholen. - -Hunde, Katzen, Pferde, Kühe usw. sind ohne Frage Haustiere. Haustiere -nennen wir solche zahme Tiere, die in einem Lande des Nutzens oder des -Vergnügens halber gezüchtet werden. - -Was waren nun die Haustiere früher, ehe sie der Mensch in seine -Gemeinschaft aufnahm? Von unseren Tauben wissen wir mit Bestimmtheit, -daß alle Taubenrassen von einer einzigen Wildtaube, der Felsentaube, -abstammen, die an den Küsten des Mittelländischen Meeres heimisch ist. -Ebenso haben alle Kaninchenrassen ihre Vorfahren in den Wildkaninchen, -die Ziegenrassen in der Bezoarziege usw. - -Hiernach ist anzunehmen, daß der Hund früher als Wildhund lebte oder -aus einer Kreuzung von hundeartigen Verwandten, wahrscheinlich von -Wölfen und Schakalen, entstanden ist. Näheres soll hierüber am Schlusse -gesagt werden. - -Jedenfalls war der Hund früher ebenfalls ein Raubtier, wie es heute -noch seine Verwandten, die Wölfe, Schakale und Füchse, sind. - -Wie der Mensch nun das, was seine Vorfahren getrieben haben, gewöhnlich -beibehält, so tut das Tier das noch in weit stärkerem Maße. Wir essen -regelmäßig nur das, was bei uns üblich ist, mögen auch benachbarte -Völker andere Leckerbissen haben. So schwärmt der Italiener für kleine -Singvögel, der Franzose für Froschschenkel, während sich bei uns nur -wenige Liebhaber dafür finden. Das Tier hält sich noch viel strenger -an den Speisezettel seiner Vorfahren. Das kommt natürlich daher, weil -es durch seinen Körperbau dazu gezwungen ist. Wie häufig sind in den -Kriegsjahren die Hunde mit Kartoffeln gefüttert worden. Und doch -bleiben sie fast unverdaut, weil der Hund ein früheres Raubtier ist, -und Kartoffeln keine passende Nahrung für ein Raubtier sind. - -Also der Hund war früher ein Raubtier ähnlich wie Wolf, Schakal und -Fuchs. Die Lebensweise dieser Verwandten müssen wir also kennen lernen, -um unsern Hund richtig zu verstehen. - -Bellen nun Wölfe und Schakale? Sie denken nicht daran. Sie heulen sich -wohl, wenn die Dämmerung einbricht, zusammen, um gemeinschaftlich auf -Raub auszugehen. Denn sie sind Geschöpfe, die es umgekehrt machen -wie der Mensch. Sie ruhen am Tage und sind in der Nacht tätig. -Selbstverständlich gibt es auch bei uns in der Nacht tätige Personen, -wie Nachtwächter, Verbrecher, Bummler, aber diese kommen gegenüber der -großen Menge anderer Menschen nicht weiter in Betracht. - -Wie Wölfe und Schakale ist der Hund ein Raubtier. Das will sagen, daß -er nicht wie die Pflanzenfresser von Gräsern, Blättern, Moos, Rinde -und andern Pflanzenstoffen lebt, sondern andere Tiere zu töten sucht, -um sie zu fressen. Daraus können wir ihm keinen Vorwurf machen; auch -der Mensch ist kein reiner Pflanzenfresser. Das trifft höchstens bei -einem kleinen Kreise von Menschen zu, während die große Menge Schweine, -Rinder, Gänse und andere wohlschmeckende Tiere mästet, um sie später -zu verzehren. Ueberhaupt dienen fast alle unsere Haustiere unseren -eigennützigen Zwecken. - -Ein Raubtier, das ein anderes Geschöpf erbeuten will, muß natürlich -vorsichtig zu Werke gehen. Denn der Pflanzenfresser hat durchaus keine -Lust, sein Grab im Magen des Raubtiers zu finden, sondern sucht sich -auf jede Weise davor zu bewahren. Würden Wölfe, die gern einen Hasen, -einen Hirsch oder ein Reh fressen möchten, schon vor Beginn der Jagd -bellen, so würden sich die Pflanzenfresser vorher in Sicherheit zu -bringen suchen. - -So ist es denn ganz selbstverständlich, daß wilde Hundearten, wie die -in Indien hausenden Kolsums, nicht bellen, ebensowenig die Wölfe und -Schakale. Man hat sich darüber gewundert, daß die Hunde, die Kolumbus -in Amerika zurückließ, das Bellen verlernt hatten. Als man sie nach -langer Zeit wiederfand, waren sie verwildert und stumm geworden. Das -ist doch ganz natürlich. Sie mußten auf eigene Faust, nachdem sie von -den Menschen verlassen worden waren, ihre Nahrung suchen. Bald merkten -sie, daß sie um so schwerer Beute machten, je mehr sie vorher bellten. -Deshalb ließen sie das Bellen sein, wie es ihre Vorfahren getan hatten. - -Das Bellen ist also eine Eigenschaft des Hundes, die der Wildhund nicht -besitzt. Wohl aber hat er eine Anlage hierzu, wie schon aus seinem -Geheul hervorgeht. Genau so liegt es bei anderen Haustieren. Wildenten -und Wildgänse hüten sich, so viel zu schnattern wie unsere Hausenten -und Hausgänse. Wildenten und Wildgänse sind auf dem Lande fast immer -stumm, um sich ihren zahlreichen Feinden nicht zu verraten. Auch das -fortwährende Krähen hat sich der Hahn als Haustier erst angewöhnt. - -Der Mensch fand bald heraus, daß das Bellen des Hundes für ihn vom -Vorteil war, weil es ihm den nahenden Feind oder einen Besuch anzeigte. -Deshalb bevorzugte er die Hunde, die am meisten zum Bellen geneigt -waren. Da solche Eigenschaften sich zu vererben pflegen, so hat der -Mensch fast allen Hunden das Bellen angezüchtet. Am meisten eignen sich -hierzu die kleinen Hunderassen, die den großsprecherischen Menschen -gleichen, die mit Worten Helden sind, während ihre Taten zu wünschen -übrig lassen. Sie haben zu dem Sprichwort Anlaß gegeben: Die Hunde, die -da bellen, beißen nicht. - -Zu den bellustigsten Hunderassen gehört der Spitz, und demnach auch -unser Peter. Wegen seiner Kläffreudigkeit, die alles Verdächtige -anzeigt, hat man ihn gern da, wo man auf Wachsamkeit Wert legt. - -Wir sehen, daß die Frage, warum der Hund bellt, gar nicht so leicht -zu beantworten ist. Nicht viel leichter sind seine anderen Taten zu -erklären. - - -2. Warum bellt der Hund sich drehende Räder an? - -Peter hat wütend die Räder des vorüberfahrenden Radlers angekläfft. Was -veranlaßt den sonst ziemlich harmlosen Hund zu solchem Aerger? - -Hierfür müssen wir zwei Gründe annehmen. Wir wissen, daß unsere Hunde, -wie die Wölfe, zu den Raubtieren gehören, die durch ihre Schnelligkeit -Hasen und andere Pflanzenfresser erbeuten. Das tun andere Raubtiere, z. -B. Katzen, nicht. Eine Katze rennt nicht hinter einem gesunden Hasen -her, um ihn zu fangen, obwohl sie Hasenbraten mindestens ebenso gern -frißt wie der Hund. Sie beschleicht den Hasen, was der Hund kaum jemals -tut, weil er viel zu ungeschickt dazu ist. Der Hund ist also von Hause -aus ein Hetzraubtier, die Katze dagegen ein Schleichraubtier. - -Für jedes Hetzraubtier sind schnell vorüberrauschende Gegenstände -von größter Bedeutung. Kann es doch ein Pflanzenfresser sein, der -sich für den ewig hungrigen Magen erbeuten ließe. Darum muß sich der -Hund beeilen. Denn wenn ein schnellfüßiger Pflanzenfresser erst einen -gewissen Vorsprung hat, ist er schwer einzuholen. Die Katze dagegen -lassen schnell sich bewegende Räder ganz kalt, denn sie weiß, daß sie -schnell vorüberhuschende Gegenstände nicht einholen kann. - -Es ist eine alte Erfahrung, daß ein Mensch, der vor einem fremden Hunde -anfängt davon zu laufen, viel eher gebissen wird, als wenn er stehen -bleibt. In dem Hunde werden eben durch die schnellen Bewegungen des -Menschen die uralten Raubtierinstinkte wachgerufen. - -Außer der Lebensweise der wilden Verwandten muß noch ein zweiter Punkt -berücksichtigt werden, der den meisten Menschen vollkommen unbekannt -ist: Die Sinne des Hundes sind durchaus verschieden von denen des -Menschen. - -Der Jäger weiß seit Urzeiten, daß der Hund viel besser mit seiner -Nase das Wild aufspürt, als er es je mit seiner Menschennase zu tun -vermöchte. Gerade deshalb hat er sich einen Hund angeschafft. Es -ist selbst den meisten Großstädtern bekannt, daß die Hundenase der -menschlichen überlegen ist. Aber die wenigsten wissen, daß das Auge -des Hundes bei Tageslicht wenig taugt. Dafür seien einige Beispiele -angeführt. - -Ein Gutsbesitzer wunderte sich darüber, daß jedesmal, wenn er mit -seinem Wagen an den weidenden Kühen vorüberfuhr, die beiden Hirtenhunde -mit großem Geblaff die beiden vor dem Wagen gespannten Schecken, d. -h. weiß und dunkel gefärbten Pferde, verfolgten. Er sprach mit dem -Kuhhirten darüber, der ihm folgende Erklärung gab. Die Hunde halten die -beiden Schecken wegen ihrer ähnlichen Färbung ebenfalls für Kühe und -wollen verhindern, daß sie sich von der Herde entfernen. Deshalb laufen -sie mit Gebell hinterdrein. - -Die Erklärung des Kuhhirten dürfte durchaus richtig sein, wie man -ja überhaupt unter solchen Leuten ausgezeichnete Tierbeobachter -antrifft. Wie wenig muß aber das Hundeauge fähig sein, Einzelheiten zu -unterscheiden, wenn es ein Pferd mit einer Kuh verwechseln kann. - -Der Schweizer Bildhauer Urs Eggenschwyler schildert eine ähnliche -Verwechselung. Er hielt sich einen jungen Löwen von etwa sechs Monaten, -mit dem er spazieren ging. Ein Ziehhund hielt die mächtige Katze für -Seinesgleichen und wollte mit ihr raufen. Erst als er sie vorher beroch -und plötzlich merkte, wen er vor sich hatte, flüchtete er mit allen -Zeichen großer Angst. - -Ein deutscher Forstbeamter in Rußland berichtete vor dem Weltkriege -folgendes Erlebnis. Sein Dachshund wurde von einem Wolf gepackt -und fortgeschleppt. Schnell schoß er nach dem Räuber, der zwar -nicht getroffen wurde, aber die Beute fallen ließ. Nachdem der Hund -wiederhergestellt war, flüchtete das sonst so mutige Tier vor jedem -grauen Geschöpf von Wolfsgröße, z. B. vor einem Schafe. - -Von eigenen Erlebnissen möchte ich hier nur folgende anführen. - -Wir hatten einmal einen Hund, der sich sehr zum Raufbold entwickelt -hatte, weshalb ich ihn an der Leine führte. Wie alle Hunde, suchte er -mit Vorliebe Hundebekanntschaften auf der Straße zu machen. In einer -ziemlich leeren Straße eines Vororts zerrte er plötzlich mächtig an der -Leine, was mich wunderte, da ich keinen anderen Hund erblicken konnte. -Dagegen hatte ein Arbeiter das Pflaster aufgerissen und arbeitete in -der Grube, wobei sein Rücken hervorschaute und sich hin und herbewegte. -Wie ich den Blick des Hundes verfolgte und die Leine nachließ, wollte -er wirklich auf diesen Mann zulaufen, dessen Rücken er für einen Hund -hielt. - -Sehr oft habe ich erlebt, daß Hunde die auf Zäunen verkehrt -aufgestülpten Geschirre für Katzen hielten und anbellten. - -Noch beweisender dürfte folgender Vorfall sein. Wir, d. h. ich und etwa -ein halbes Dutzend Herren, waren bei einem Freunde zu einer Hasenjagd -eingeladen. Jeder führte einen prächtigen Hund bei sich. Es war im -Januar und schönster Sonnenschein, aber sehr windig. Wie wir das Revier -betreten hatten, sahen wir mit einem Male, daß der Wind von der etwa -einige hundert Schritt entfernten Chaussee ein Stück braunes Packpapier -uns zutrieb. Ein menschliches Auge konnte mit Leichtigkeit bei dem -klaren Sonnenschein erkennen, was es war. Die Hunde dagegen hielten -das heranrollende Papier für einen Hasen, und als wir zum Zwecke einer -Prüfung sie losließen, stürzten sie alle darauf. Erst als sie kurz vor -dem Papiere in die Windrichtung gekommen waren, klärte sie ihre Nase -über den Irrtum auf. - -Das Auge des Hundes kann also bei Tageslicht keine Einzelheiten -unterscheiden. Daher rühren die groben Verwechselungen. - -Was man dagegen anführt ist nicht stichhaltig. So hört man oft -erwidern: Ein Hase, der ein paar hundert Schritt entfernt lief, wurde -von meinem Hunde gesehen. Folglich muß er gute Augen haben. - -Der Schluß ist falsch. Der Hund hat nur gesehen, daß sich etwas -Braunes bewegte. Er hat vermutet, daß es ein Hase war, aber nicht -gewußt. Ebenso beweist es nichts, wenn er einen im Schaufenster -ausgestellten ausgestopften Fuchs wütend anbellt. Denn er würde ebenso -wütend bellen, wenn man diesen Fuchs mit einem rothaarigen Dachshund -vertauschte. - -Dagegen sieht der Hund unzweifelhaft in der Dunkelheit besser als der -Mensch. Infolge der großen Pupillen, d. h. des Schwarzen im Auge, -fallen alle Lichtstrahlen in das Auge. So findet sich der Hund in -der Dunkelheit leicht zurecht, beispielsweise wenn wir mit ihm zur -Nachtzeit durch einen Wald wandern. Das ist auch gar nicht wunderbar, -denn wie Wölfe, Schakale und Füchse, ist auch der Hund ursprünglich ein -nächtliches Tier. - -Gewöhnlich heißt es von der Katze, daß sie ausnahmsweise ein -nächtliches Leben führe. Das ist aber nicht zutreffend. Allerdings ist -die Katze noch mehr Nachttier als der Hund. Das kommt aber daher, weil -ihre Beutetiere, die Mäuse und Ratten, erst in der Dunkelheit aus ihren -Löchern kommen. Sie muß also aus diesem Grunde ihre Haupttätigkeit -in der Nacht ausüben, während der Hund sich mehr der Lebensweise des -Menschen angeschlossen hat und deshalb als Haustier mehr am Tage tätig -ist. - -Sodann nimmt das Auge des Hundes infolge seines Baues Bewegungen -schneller wahr als das des Menschen. Das muß man daraus schließen, -weil alle Tiere mit schwachen Augen allgemein auf Bewegungen furchtbar -achten. Für den Jäger früherer Zeiten ist es oft eine Lebensfrage -gewesen, ein Stück Wild zu erbeuten, um seinen quälenden Hunger zu -befriedigen. Er hat daher stets zu den besten Tierbeobachtern gehört. -Nun ist es seit alter Zeit für den Jäger ein feststehender Grundsatz, -angesichts eines Tieres, das er erbeuten will, niemals eine Bewegung -zu machen. Ein Hirsch, ein Reh, ein Fuchs und andere feinnasige -Tiere flüchten gewöhnlich nicht, wenn man regungslos stehen bleibt, -namentlich wenn die Kleidung mit der Umgebung übereinstimmt. Deshalb -trägt ja auch der Jäger ein der Waldfarbe angepaßtes Kleid. Die -geringste Bewegung genügt jedoch, den Hirsch, das Reh oder den Fuchs zu -einer blitzschnellen Flucht zu veranlassen. - -Das Anbellen der Räder durch Hunde erscheint daher erklärlich, weil -sie als frühere Hetzraubtiere gern alles, was sich schnell bewegt, -verfolgen, damit es ihnen nicht entkommt, und weil das Auge der Hunde -Bewegungen sehr gut sieht. - - -3. Das Fressen unappetitlicher Sachen. - -Peter hat, wie wir zu unserm Staunen sahen, schauderhaften Unrat mit -Wonne verzehrt. Auch das kann man nur verstehen, wenn man weiß, daß der -Hund ein früheres Raubtier war. - -Wir wissen, daß, wenn ein Mensch oder ein größeres Tier stirbt, für die -Beseitigung der Leichen gesorgt werden muß. Denn ohne eine derartige -Vorsorge könnten gefährliche Krankheiten ausbrechen. Namentlich in -heißen Ländern würde die Gefahr sehr groß sein. Es ist nun für die -Menschen in diesen Gegenden sehr bequem, daß es zahlreiche Tiere gibt, -die ihm diese gerade nicht sehr angenehme Arbeit abnehmen. Namentlich -Geier, Hyänen und Schakale finden sich bei jedem toten Tier ein, und in -kurzer Zeit ist alles aufgefressen. - -In Europa sind besonders Wolf und Fuchs, außerdem aber auch das -Wildschwein neben den rabenartigen Vögeln als Aasfresser bekannt. Der -Hund ist seinen Verwandten in dieser Hinsicht sehr ähnlich und hat -ebenfalls eine besondere Vorliebe für verweste Dinge. Manche Hunde -pflegen sogar sich mit dem Rücken auf dem Unrat zu wälzen. Das ist für -den Herrn besonders unangenehm, denn das Tier verpestet später die -ganze Wohnung. - -Reiche Leute sind oft entsetzt, wenn ihr Köter, der in ihrer Wohnung -nur die besten Sachen vorgesetzt erhält, auf der Straße allerlei Unrat -verzehrt. Sie eilen gewöhnlich dann mit dem Hunde zum Tierarzt, was -ganz überflüssig ist. Im allgemeinen weiß jedes Tier viel besser, was -ihm zuträglich ist, als der Mensch. - -Ich bin oft gefragt worden, was man bei einem Hunde machen soll, der -ein sogenannter »Parfümeur« ist, d. h. sich den Rücken mit Unrat -einreibt. Manche Jäger haben schon ihren Hund erschossen, nachdem alles -Prügeln vergeblich war. Sie haben das schweren Herzens getan, weil -gewöhnlich Parfümeurs ausgezeichnete Hunde sind. Prügeln ist wertlos. -Der Hund versteht ja gar nicht, weshalb er Strafe bekommt. Jedem -Geschöpfe riecht das schön, was ihm bekömmlich ist. So riecht dem Hunde -der Unrat wunderbar schön, weshalb er sich von dem Duft etwas mitnehmen -möchte. Wie der Mensch sich ein Veilchen in das Knopfloch steckt, so -wälzt sich der Hund mit dem Rücken im Unrat. Ich habe immer gefunden, -daß die Leute es am besten machten, die ihren Hund bevor er die Wohnung -betrat, erst nach einem Teich oder Graben führten und ihn etwas daraus -apportieren ließen. Dann war er ohne große Umstände wieder gereinigt. - -Jedenfalls darf ein Mensch, der auf Sauberkeit hält, niemals einen Hund -küssen. Weil der Hund als früherer Aasfresser jeden Dreck beschnuppert, -deshalb soll man namentlich Kindern aufs strengste verbieten, ein -Hundemaul ihrem Gesicht zu nahe kommen zu lassen. Es wird später -besprochen werden, daß hierbei noch andere Gefahren drohen. - - -4. Das Lappen des Wassers mit der Zunge. - -Wenn wir einem Pferde oder Schafe beim Saufen zusehen, so bemerken -wir, daß es die Lippen in das Wasser steckt und saugend trinkt. Hunde -dagegen, wie die meisten Raubtiere, lecken das Wasser mit ihrer langen -Zunge. Sie sind dadurch imstande, einen Teller mit einer Flüssigkeit -ganz rein zu lecken, während der Mensch, wenn er das gleiche Ziel -erreichen wollte, zu diesem Zwecke den Teller hochkippen müßte. - -Die Pflanzenfresser, die den Tag über ein- oder zweimal zum Wasser -laufen, um ihren Durst zu löschen, können sich eine Wasserstelle -aussuchen, die tief genug ist, um das Trinken durch Saugen zu -gestatten. Bei den Raubtieren aber liegt die Sache anders. Sie -kommen bei der Verfolgung oft in Gegenden, wo weit und breit -keine Trinkstellen anzutreffen sind, höchstens infolge eines -vorhergegangenen Regens ganz flache Wasserpfützen. Trotzdem können sie -mit ihrem Lappen den Durst stillen. - -Unser Peter lappt also das Wasser unten am Brunnen, weil das große -Hundemaul zum Saugen schlecht paßt, und weil das Schnellen mit der -Zunge für Raubtiere vorteilhaft ist. - -Uralter Aberglaube ist es, daß der Wolf, im Gegensatz zum Hunde, das -Wasser nicht lappt, sondern wie ein Schaf säuft. Ich habe mir daraufhin -im Zoologischen Garten sämtliche Wolfsarten beim Saufen angesehen -und konnte feststellen, was so auch ganz selbstverständlich ist, daß -sie genau wie unsere Hunde das Wasser mit der Zunge lappen. Da der -Aberglaube unausrottbar ist, so sei hier das bei dieser Gelegenheit -immer wieder aufgetischte Märchen erzählt. - -Hiernach befänden sich unter den Jungen der Wölfe häufig solche, -die aus einer Paarung mit Haushunden herrührten. Diese sogenannten -Wolfshunde seien als ausgezeichnete Hunde von den Bewohnern besonders -geschätzt. Deshalb warteten diese, bis die Wölfin ihre Jungen zum -Wasser führte. Hierbei stellte sich nämlich der Unterschied zwischen -den echten Wölfen und den Wolfshunden heraus. Jene söffen als Wölfe wie -die Schafe, während die Wolfshunde, weil sie von Hunden stammten, wie -diese lappten. Die Wölfin wäre über diese ungeratene Brut empört und -stieße sie ins Wasser, damit sie ertränken. Die Landbewohner warteten -auf diese Verstoßung der eigenen Kinder und fingen die zappelnden -Wolfshunde auf, um sie großzuziehen. - -Dieses Märchen ist ganz albern. Es ist nicht wahr, daß der Wolf anders -trinkt als der Hund. Bei seinem großen Rachen ist das Trinken, wie -das Schaf es tut, ausgeschlossen. Trotz seiner Albernheit wird dieses -Märchen von ernsten Männern weiter erzählt, als wenn sie selbst ein -Dutzend Wolfshunde in der geschilderten Weise aufgefangen hätten. - - -5. Der Platz in der Sonne und am warmen Ofen. Das Sich-herumdrehen vor -dem Hinlegen. - -Es ist nicht weiter wunderbar, daß unser Peter sich in die Sonne gelegt -hat. Denn die Vorliebe des Hundes für einen warmen Platz ist sehr -bekannt. Der Landbewohner, der das ganze Jahr über beobachten kann, -mit welchem Wohlbehagen die Hunde in dem warmen Sonnenschein ihre -Glieder strecken, sagt zu seinen Kindern, wenn sie ebenfalls ruhen -und ihren Gliedern die bequemste Lage geben, sie sollen sich nicht -»rekeln«. Rekel oder Räkel ist nämlich der Hund, und der Sinn der Worte -ist natürlich der, sie sollen es nicht dem Hunde nachtun, der in der -Sonnenwärme ruht. - -Noch bekannter ist die Vorliebe des Hundes für den warmen Ofen, woher -die Redensart stammt, »den Hund vom warmen Ofen fortlocken«. Allgemein -heißt es, daß es für den Hund sehr schädlich sei, sich am warmen Ofen -aufzuhalten, und daß es daher gut sei, ihn davon fortzujagen. - -Wir haben schon früher darauf hingewiesen, daß ein Tier gewöhnlich weit -besser versteht, was ihm frommt, als der Mensch. Der Hund gehört wie -seine Vettern Wolf, Fuchs usw. eben zu den nächtlichen Tieren. Alle -nächtlichen Tiere haben das Bedürfnis, zur Erhöhung ihrer Körperwärme -warme Stellen aufzusuchen. - -Es kommt einfach daher, daß die Katze, wenn sie sich sonnt, weit -weniger auffällt, weil sie das mit Vorliebe auf Dächern tut, wo sie -vom Menschen nicht gesehen wird. Füchse sind oft vom Jäger überrascht -worden, wenn sie sich am Tage von den warmen Sonnenstrahlen bestrahlen -ließen und hierbei die Annäherung des Jägers übersehen hatten. Die -Eulen, diese ausgesprochenen Nachttiere, gehen in der Gefangenschaft -zugrunde, wenn man ihnen nicht Gelegenheit gibt, sich von der warmen -Sonne bescheinen zu lassen. - -Wenn also ein sonst abgehärteter Hund hin und wieder am Ofen liegt, so -braucht man sich darüber nicht aufzuregen. Denn im allgemeinen wird es -für seine Gesundheit vorteilhaft sein. - -Vor dem Hinlegen pflegen die meisten Hunde sich einige Male -herumzudrehen. Der große Naturforscher Darwin erklärte diese -merkwürdige Bewegung damit, daß sich die Wildhunde in der Vorzeit erst -herumdrehen mußten, ehe sie in dem dichten Grase eine geeignete Stelle -zum Niederlegen hatten. Diese Ansicht dürfte aus folgenden Gründen -nicht richtig sein. Bei großer Hitze dreht sich der Hund überhaupt -nicht vorher herum, sondern streckt alle Viere möglichst weit von sich. -Auch drehen sich die Wildhunde dort, wo dichtes Gras steht, nicht vor -dem Hinlegen herum. Der Hund dreht sich vielmehr immer dann herum, -wenn er warm liegen und zu diesem Zwecke den Körper einen Kreis bilden -lassen will, damit möglichst wenig Außenfläche vorhanden ist. Um den -Kreis bei seinem ungelenken Rückgrat herauszubekommen, gibt sich der -Hund vorher mehrmals einen Schwung durch Herumdrehen. - - -6. Das Alter des Hundes. - -Wir sprachen vorhin davon, daß Peter etwa zwei Jahre alt ist. Welchem -Alter des Menschen entspricht ein solches Hundealter? - -Ein alter deutscher Ausspruch sagt, daß ein Menschenalter gleich -drei Pferdealtern sei, und ein Pferdealter wiederum drei Hundealtern -gleichkomme. Dieser Ausspruch ist recht ungenau. Setzt man ein -Menschenalter auf 70 Jahre, so kämen auf das Pferd fast 25 Jahre, was -etwas hoch ist. Auf den Hund kämen aber nur etwa acht Jahre, was viel -zu wenig ist. - -Gewöhnlich setzt man das Alter des Hundes auf 10 bis 12 Jahre fest. -Manche nennen auch 15 Jahre, sogar 30 Jahre. Wie beim Menschen kommt es -natürlich sehr auf die Lebensweise an. Es gibt Menschen, die hundert -Jahre alt werden, während andere schon mit fünfzig Jahren verbraucht -sind. Aehnliches beobachten wir bei den Hunden. Unter günstigen -Verhältnissen erreichen sie ohne Frage ein Alter von etwa 18 Jahren. -Das ist mir von verschiedenen Hundebesitzern bestätigt worden, und ich -habe nach meinen eigenen Beobachtungen keinen Anlaß, daran zu zweifeln. -So fällt mir folgendes Erlebnis ein, das sich im tiefsten Frieden -vor etwa ein Dutzend Jahren ereignete. Ich war auf einer Wanderung -begriffen und kehrte in dem Gasthof eines Dorfes nicht weit von Berlin -ein. Die Besitzerin war eine reiche Bäuerin, die sehr viel Land und -Vieh besaß. Mir fiel der Hund auf, da er anscheinend sehr bejahrt war, -und ich erkundigte mich bei der Wirtin nach seinem Alter. Die Frau -erzählte mir, daß er gleichzeitig mit ihrer Tochter, die jetzt achtzehn -Jahre alt sei, Geburtstag feiere. Das wollte ich nicht glauben und -ich fragte bei einem zweiten Besuche die Tochter nach dem Alter des -Hundes. Diese machte die gleichen Angaben wie ihre Mutter und erzählte -mir noch mancherlei von dem Tiere. Namentlich ist mir noch folgendes -im Gedächtnis geblieben: Ihre Mutter könne sich von dem alten Tier -nicht gut trennen und sei deshalb vor einiger Zeit mit ihm zum Tierarzt -gegangen. Dieser habe sich den Hund angesehen und dann gesagt: »Frau -Krüger, haben Sie nicht eine Schrotflinte zu Hause?« Da sei ihre Mutter -furchtbar wütend geworden und mit dem Hunde fortgegangen. Seitdem wolle -sie von dem Tierarzt nichts mehr wissen. - -Bei gesundem Leben auf dem Lande, wo der Hund sich unter natürlichen -Verhältnissen befindet, ist also ein Lebensalter von achtzehn Jahren -nicht unmöglich. - -Wenn ein Geschöpf kaum zwei Jahrzehnte alt wird, so muß es natürlich -früher als der Mensch erwachsen sein. Das ist auch bei dem Hunde der -Fall. Mit sechs Wochen entwöhnt man ihn gewöhnlich von der Milch der -Hündin, und mit sechs Monaten pflegt er die volle Größe zu erreichen. -Aber richtig ausgewachsen ist er erst mit zwei Jahren. - -Hier liegt ein großer Unterschied zwischen Mensch und Hund vor. Der -Hund erreicht seine volle Größe schon nach einem halben Jahre, während -der Mensch etwa achtzehn Jahre alt werden muß. Ist der Mensch aber mit -achtzehn Jahren zu seiner vollen Größe gelangt, so ist er sicherlich -mit 24 Jahren vollkommen ausgewachsen. Diese Verschiedenheit muß -natürlich ihren Grund haben und hat ihn auch. Die Aufklärung finden wir -wieder dadurch, daß wir an die Lebensweise der wilden Verwandten denken. - -Die Wölfe paaren sich im Januar oder Februar. Nach 63 Tagen, also etwas -über zwei Monaten, gewöhnlich im April, wirft die Wölfin etwa drei bis -zwölf, gewöhnlich vier bis sechs Junge. - -Die im Frühjahr geworfenen Welpen (Wolfsjunge) können sich in der -schönen Jahreszeit prächtig entwickeln. Kommt der Herbst heran, so -haben sie schon die Größe eines Wolfes und müssen sie haben. Denn -jetzt rudeln sich die Wölfe zusammen, um gemeinsam während der kalten -Jahreszeit auf alles Getier Jagd zu machen. Wären die jungen Wölfe -nicht schon so groß wie die alten, so würden sie nicht imstande sein, -gemeinsam langdauernde Hetzen zu machen. Auch würden sie, wenn endlich -der Elch oder der Hirsch erbeutet ist, bei den gemeinschaftlichen -Mahlzeiten weggebissen, wohl gar getötet werden. - -Da Hund und Wolf die gleiche Tragezeit haben, so verstehen wir, weshalb -sich jeder Hundekenner einen im April oder Mai geworfenen Hund zur -Aufzucht wählen wird. Genau so liegt die Sache bei der Katze. Bei dem -Menschen ist es gleichgültig, ob er im Winter oder im Sommer geboren -ist. Denn er kann das Versäumte nachholen. Ein Hund dagegen oder -eine Katze, die im August geboren ist, kann niemals die mangelnde -Entwicklung nachholen. Denn wenn der nächste Sommer kommt, sind sechs -Monate schon vorüber, und die Entwicklung bereits abgeschlossen. - -Die jungen Hunde können bei der Geburt weder sehen noch hören. Erst -nach neun bis zwölf Tagen öffnen sich ihre Augen. - -Allgemein herrscht der Glaube, daß man das vortrefflichste Junge an -folgendem Merkmal erkennen kann. Man bringt die Jungen auf eine andere -Stelle, dann wird es zuerst von der Mutter zum Lager zurückgetragen -werden. Erfahrene Hundezüchter bestreiten jedoch, daß das richtig sei. - -Warum hat nun der Mensch nur ein Kind, höchstens zwei bis vier, der -Hund dagegen manchmal 15 und 18 Junge? Auch das hat natürlich seinen -Grund, den wir ausfindig machen, wenn wir uns die Lebensweise der -wilden Verwandten näher ansehen. - -Im Winter zwingt der Hunger die Wölfe, sich an große wehrhafte -Pflanzenfresser, also Wildrinder, Wildschweine, Elche usw. zu wagen. -Wenn auch gewöhnlich das Rudel Wölfe siegreich bleibt, so verkaufen -die Pflanzenfresser ihr Leben nicht billig. Ein paar Wölfe müssen -gewöhnlich daran glauben. So sagt schon ein altes Jägersprichwort: Wer -Eberköpfe haben will, muß Hundeköpfe daransetzen. Das heißt also, daß -die Ueberwindung eines starken Keilers, d. h. männlichen Wildschweins, -ein paar Hunde kostet, die von den Hauern des Borstentieres zuschanden -geschlagen werden. Bei den anderen Wildhunden liegt die Sache ähnlich. -Die Hyänenhunde in Afrika sollen den Löwen, die Kolsums in Asien -den Tiger angreifen, wobei natürlich ein Rudel sehr viel Mitglieder -verliert. - -Der Hund muß also deshalb so viel Junge haben, weil er in jedem Jahre -bei seinen Angriffen zahlreiche Kameraden verliert. Diese Lücken müssen -notgedrungen ausgefüllt werden. - -An mancherlei Eigentümlichkeiten ersieht man, daß der Hund, wenn er -auch mit sechs Monaten bereits die volle Größe erlangt hat, doch erst -mit zwei Jahren wirklich erwachsen ist. Die Jugend ist am meisten zum -Spielen aufgelegt, und so sind auch junge Hunde sehr spiellustig. - -Die Einflößung des Spieltriebes bei jungen Menschen und jungen Tieren -dient natürlich gewissen Zwecken. Die Kinder und die Jungtiere sollen -sich nämlich für ihre künftigen Lebensaufgaben die Glieder stärken. - -Jetzt verstehen wir, weshalb junge Hunde regelmäßig Haschen spielen, -junge Katzen aber nicht. Hunde sind Hetzraubtiere, schnelles Laufen ist -demnach bei ihnen die Hauptsache. Katzen erbeuten aber ihre Nahrung -nicht durch Hetzen. - -Der junge Hund ist nicht nur spiellustig, sondern ihm fehlt auch noch -der feste Grundzug seines Wesens, der sogenannte Charakter. Sehr -oft wollen Leute ihren jungen Hund weggeben, weil er zu Fremden zu -zutraulich ist, keinen Mut zeigt und überhaupt zu waschlappig ist. Da -viele Hunde, die in der Jugend zu solchen Beanstandungen Anlaß gegeben -haben, sich mit zwei Jahren vollkommen verändert haben, so kann man -über den Grundzug eines Hundes vor Erreichung dieses Alters kein Urteil -abgeben. - - -7. Die Rassen (Unterarten) des Hundes. - -Peter ist, wie schon erwähnt wurde, ein Spitz, und zwar ein sogenannter -Wolfsspitz von grauer Farbe. Die Hunde gehören zu den Säugetieren, -denn sie werden von ihren Müttern gesäugt. Mit den Vögeln, Fischen, -Reptilien, z. B. Schlangen, und Amphibien, z. B. Fröschen, gehören -die Säugetiere zu den Wirbeltieren d. h. den Rückgrattieren, deren -Körper eine Wirbelsäule durchzieht, im Gegensatz zu den andern Stämmen -des Tierreichs. Zu den letztgenannten gehören z. B. die Schnecken und -andere Weichtiere, die Insekten und andere Gliederfüßer, die Würmer und -andere mehr. - -Die Säugetiere zerfallen in zahlreiche Ordnungen, so in die Affen, -die dem Menschen ähnlich sind, die Nager, z. B. die Ratten mit ihren -Nagezähnen, die Huftiere, z. B. die Pferde mit ihren harten Hufen, -die im Gegensatz zu denen der meisten anderen huftragenden Tieren -nicht gespalten sind, und in die Raubtiere. Ein Kennzeichen für das -Raubtier ist das Gebiß. Denn wenn ein Tier nicht von Pflanzen, sondern -von anderen Tieren leben will, so muß es sie vorher töten. Da Tiere -kein Handwerkszeug besitzen, so müssen sie hierzu geeignete Gliedmaßen -haben, also entweder bewehrte Füße wie die Katzen oder ein zum Töten -geeignetes Gebiß. - -Hunde haben keine Wehrpfoten, ebenso auch die anderen hundeartigen -Geschöpfe nicht (die sogenannten Kaniden). Wehrpfoten nennt man auch -Pranken oder Branten. Es ist also falsch, wenn man von den Pranken des -Wolfes spricht, denn er besitzt keine. Wölfe, Schakale, Wildhunde, -Füchse usw. können mit ihren Pfoten nicht kämpfen. Sie können damit -nur rennen oder graben. So kann ein Hund sehr schnell ein Mäuseloch -aufbuddeln, was die Katze nicht nachmachen kann. Ebenso können sie -Ställe unterwühlen, um zu den Insassen zu gelangen. Hunde haben also -Renn- oder Grabpfoten. - -Als Ersatz für die fehlenden Wehrpfoten, womit die Katzen außer ihrem -Gebiß ausgestattet sind, haben die Hunde ein mächtiges Gebiß. Ein -Dachshund kann einen Fuchs abwürgen, was die gleichgroße Katze mit -ihrem kleinen Maule nicht könnte. - -Der Hund, der wie der Mensch zunächst ein Milchgebiß bekommt, hat -ausgewachsen 12 Schneidezähne 4 langhervorragende Eckzähne, oben 12 und -unten 14 Backenzähne. Er hat dünne Beine und vorn meist fünf, hinten -vier Zehen an den Füßen. Seine Krallen sind nicht zurückziehbar. Er -ist ein Zehengänger, d. h. er geht nicht wie der Mensch oder Bär auf -der Fußsohle, sondern auf den Zehen. Sein Knie befindet sich daher am -Bauche, nicht, wie man so häufig hört, in der Mitte des Beines. Wenn -wir recht schnell fortkommen wollen, laufen wir übrigens auch auf den -Zehen. - -Von den Hunderassen sollen nur die in Deutschland bekanntesten -angeführt werden. - -Auf den ersten Blick sieht man, daß die Spitze mit den Schäferhunden -große Aehnlichkeit haben. Am häufigsten dürfte jetzt der deutsche -Schäferhund zu sehen sein, während es früher der Colly oder schottische -Schäferhund war. Zwergform des Spitzes ist der sogenannte Zwergspitz. - -Zu den Schäferhunden muß man auch die Pudel und Pinscher stellen. Den -Pudel kennt jedes Kind wegen seines auffallenden Haarwuchses. Von den -Pinschern sieht man jetzt sehr häufig den Dobermann-Pinscher, während -der früher sehr beliebte Schnauzer seltener ist. Auch hier gibt es -Zwergformen, nämlich die glatthaarigen Pinscher, z. B. Rehpinscher, und -die rauhhaarigen Pinscher, die sogenannten Affenpinscher. - -Ein echter deutscher und sehr schöner großer Hund ist die deutsche -Dogge. Etwas kleiner ist der deutsche Boxer, der im Gegensatz zur -englischen Bulldogge auf geraden Beinen steht. Die Zwergform der -Doggen ist der Mops, den man jetzt selten zu Gesicht bekommt. Sehr -beliebt dagegen ist jetzt die französische Zwergbulldogge mit ihren -Fledermausohren. Andere hierher gehörige große Hunde sind der -Neufundländer und die Bernhardiner. - -Von Jagdhunden dürfte dem Großstädter der kleine krummbeinige -Dachshund oder Dackel am bekanntesten sein, da er viel gehalten wird, -ferner der ewig unruhige, bellustige Terrier, der in seiner Färbung -an ein Meerschweinchen erinnert. Den Gegensatz zum Dachshund bildet -der Windhund, dem man schon äußerlich an seinen hohen Beinen seine -Schnelligkeit ansieht. Die Zwergform von ihm ist das Windspiel, -das sehr zierlich, aber gegen Kälte sehr empfindlich ist. Zu den -eigentlichen Jagdhunden gehört der Vorstehhund oder Hühnerhund, wobei -natürlich unter Hühner nicht die Haushühner, sondern die im freien -Felde hausenden Rebhühner gemeint sind. Hühnerhund ist also ein Hund, -der zur Jagd auf Rebhühner bestimmt ist, indem er nämlich dem Jäger -durch seine feine Nase die Stellen anzeigt, wo sich Rebhühner aufhalten. - -Von ausländischen Hunden wäre allenfalls noch zu erwähnen der als -Polizeihund vielfach verwendete Airedaleterrier, der wie unser großer -Pinscher aussieht, aber einen schwarzen Rücken besitzt. Sehr auffallend -ist auch der Skye(ßkai)-Terrier, der an eine dicke Wurst, die stark -behaart ist, erinnert. - - -8. Der Zeitsinn der Tiere. - -Kehren wir jetzt zu unserem kleinen Helden zurück. Der Mann seiner -Herrin, der jetzt auch sein Herr ist, geht zur Arbeit, und Peter -pflegt ihn bis zur Haltestelle der Straßenbahn zu begleiten. Es ist -merkwürdig, welchen Zeitsinn ein Tier besitzt, denn er hat sich -bereits erhoben und wartet unruhig auf das Erscheinen seines Herrn. -Lustig springt er an ihm hoch und apportiert zunächst ein auf den Damm -geworfenes Stück Holz. Das tut er jeden Morgen, denn er apportiert sehr -gern. Das weiß sein neuer Herr, und da er auch ein großer Tierfreund -ist, so tut er dem Hunde den Gefallen. Hat er Zeit, läßt er das Tier -mehrmals apportieren, denn Peter ist unermüdlich darin. Heute aber hat -er es eilig, und so muß sich der Hund mit dem einen Male begnügen. -Peter bringt seinem vorangeeilten Herrn das Stück Holz und läuft -dann ein Stück voraus. Die schöne Morgensonne hat auch ein anderes -Nachttier, eine große Katze, veranlaßt, sich vor dem Keller in ihren -Strahlen ordentlich zu erwärmen. Peter bellt sie zwar mächtig an, aber -er muß von seinem Herrn oder von ihr früher ordentliche Hiebe erhalten -haben, denn er ist sehr vorsichtig. Die Katze macht zwar einen Buckel, -aber sie denkt nicht daran, in den Keller zu flüchten. Ueberdies wird -der Ausbruch eines Streites durch die Dazwischenkunft seines Herrn -verhindert, der Peter abpfeift und ihm streng alle Angriffsgelüste -verbietet. - -Peter verschwindet jetzt unseren Augen, aber wir brauchen nicht lange -zu warten, so taucht er wieder in unserem Gesichtskreise auf. Denn die -Haltestelle ist nur wenige Schritte von der Ecke entfernt, und die -Fahrgelegenheit im allgemeinen günstig. Peter bummelt jetzt heimwärts -und will dabei, wie es alle Hunde tun, mit jedem ihm begegnenden -Artgenossen Bekanntschaft schließen. - -Höchst merkwürdig ist es nun für unsere Begriffe, daß sich zwei -Hunde, die sich kennen lernen wollen, nicht wie Menschen ins Gesicht, -besonders in die Augen sehen, sondern daß sie sich gegenseitig -beriechen und ausgerechnet auch noch an der Verlängerung des Rückens. -So tut es auch unser Peter mit einem ihm begegnenden Terrier. Die -Untersuchung muß nicht zur gegenseitigen Zufriedenheit ausgefallen -sein, denn beide Hunde nehmen die Stellung von Kampfhähnen an und -fletschen die Zähne. Weilten wir in der Nähe, so würden wir sicherlich -auch das Knurren der beiden Tiere hören. Doch auch hier kommt es -nicht zu einer Beißerei, da der Besitzer des Terriers seinen Hund am -Halsband packt und fortreißt. Befriedigt zieht Peter seines Weges, -doch sein Selbstbewußtsein erleidet plötzlich einen starken Stoß. Eine -große Dogge nähert sich ihm mit anscheinend sehr wenig freundlichen -Gefühlen. Peter klemmt den Schwanz zwischen die Beine und flüchtet -nach seinem Keller. Kaum ist er in seinem Bereiche angelangt, so dreht -er sich um und bietet seinem Feinde mutig die Spitze. Auch die Dogge -hat anscheinend vor dem fremden Eigentum Achtung, denn sie setzt ihre -Verfolgung nicht fort. Nachdem sie verschwunden ist, und Peter trotz -seines wiederholten Bellens nicht die Türe geöffnet wird, was sonst -stets der Fall ist, scheint unserem Spitz der Gedanke zu kommen, daß -seine eigentliche Herrin in der Zwischenzeit fortgegangen ist. Das ist -auch in der Tat der Fall gewesen, denn wir haben sie kurz nach dem -Weggange ihres Mannes den Keller verlassen sehen. Peter schnuppert -jetzt vor dem Keller sorgfältig umher und sucht anscheinend die Fährte -seiner Herrin. Nach mehrfachem Hin- und Herrennen folgt er schließlich -einer Spur, die, wie wir wissen, richtig ist. Doch ist es leicht -möglich, daß der Hund nur deshalb die richtige Spur hält, weil seine -Herrin in der Frühe regelmäßig diesen Weg zu machen pflegt. - -Auch hier wollen wir zunächst eine Pause machen und die Handlungsweise -unseres Peter zu verstehen suchen. - -Es ist seit alten Zeiten bekannt, daß Haustiere sich pünktlich zu ihren -Mahlzeiten melden. Wenn sich nun jemand darüber wunderte, wodurch -das Tier die Stunde der Mahlzeit wisse, da es doch keine Uhr kenne, -so wurde erwidert, daß die eigentliche Uhr sein Magen sei, der ihm -die rechte Zeit angebe. Auch könne beispielsweise ein Hund an den -Vorbereitungen, z. B. an dem Decken des Tisches leicht erkennen, daß -es bald etwas zu essen gäbe. Es ist nun gewiß richtig, daß man überall -mit den einfachsten Erklärungsversuchen einer Sache auf den Grund gehen -soll. Aber es gibt zu viele Fälle, die sich mit der Magenuhr beim -besten Willen nicht erklären lassen. - -So wohnte ich bei einem Manne, dessen großer Neufundländer täglich -seinem Töchterchen um 12 Uhr entgegen lief, um ihr die Schulmappe zu -tragen, wenn sie aus der Schule kam. Woher wußte nun der Hund, daß es -kurz vor 12 war? Gegessen wurde erst um 1 Uhr. - -Ein Kaufmann, der täglich um 5 Uhr sein Geschäft schloß, versicherte -mir, daß sein Hund, der sonst unter seinem Schreibtisch ruhig lag, -fast auf die Minute genau sich erhebe und seinen Herrn schwanzwedelnd -anblicke, ob es nicht nach Hause gehe. Auf seinen Wunsch habe ich mir -den Hund und sein Benehmen im Geschäft mit eigenen Augen angesehen. -Der Vorfall spielte sich in Friedenszeiten ab, so daß der Hunger als -Magenuhr nicht in Betracht kam. Ueberdies hat der Kaufmann seinen -Hund während der Geschäftszeit bis 5 Uhr reichlich gefüttert, damit -ihn nicht etwa die Erwartung auf das Essen in der Wohnung veranlasse, -seinen Herrn zum Aufbruch aufzufordern. - -Bekannt ist es auch, daß gefangene Zugvögel in der Nacht, wo ihre -Artgenossen nach dem Süden gezogen sind, höchst unruhig im Käfig -umherflattern. - -Bei der Jagd ist es eine allbekannte Erscheinung, daß z. B. ein Rehbock -auf die Minute aus dem Walde tritt, um sich auf das Feld zu begeben, -wo er fressen will. Ebenso zeigen sich die Schnepfen im März fast um -dieselbe Zeit, gewöhnlich dann, wenn die Glocken geläutet werden. - -Ein aufmerksamer Tierbeobachter kann oft wahrnehmen, daß Hunde sich um -dieselbe Zeit treffen, um gemeinsam zu spielen oder zu jagen. - - -9. Der Ortssinn der Tiere. - -Ebenso rätselhaft wie der Zeitsinn der Tiere ist ihr Ortssinn. Gerade -bei Hunden muß man oft über ihn staunen. - -Wir kennen alle die Geschichte von dem Peter in der Fremde. Er hat es -endlich durchgesetzt, daß er auf Reisen gehen darf. Jetzt aber kommt er -an einen Kreuzweg, und niemand ist da, der ihn zurechtweist. - -Man sollte meinen, daß die Tiere erst recht in Verlegenheit wären, -sobald sie an einen Kreuzweg gelangten. Wir Menschen können uns -wenigstens dadurch helfen, daß wir die Straßen benennen und den Häusern -Nummern geben. So können wir verhältnismäßig leicht nach Hause finden, -indem wir uns die Straße und die Nummer des Hauses merken, wo wir -wohnen. - -Obwohl der Hund nicht lesen kann, auch wegen seines schwachen Gesichts -davon keinen Gebrauch machen könnte, findet er doch die Straße -regelmäßig wieder, in der sein Herr wohnt. Auch über das Haus ist er -sich gewöhnlich im klaren. Niemals sieht man ihn an einer Straßenecke -stehen und sich überlegen, wohin er eigentlich laufen soll, wie es doch -unser zweibeiniger Peter getan hat. - -Besäßen die Tiere nicht einen hervorragenden Ortssinn, so wäre es ganz -ausgeschlossen, daß man das völlige Erblinden von Hunden und Pferden -manchmal erst durch einen Zufall merkt. Beim Menschen ist es unmöglich, -daß man nicht seine Blindheit merken sollte. Es hat noch niemand aus -Versehen einen Gehilfen in Stellung genommen, der, wie sich später -herausstellte, blind war. Aber sehr häufig werden Pferde gekauft, die -blind sind. - -Bei einem unserer Hunde, der vollkommen blind war, habe ich immer -wieder darüber staunen müssen, wie leicht er sich in den gewohnten -Räumen zurechtfand. Da die Blindheit äußerlich kaum erkennbar war, -so merkte kein Besucher sein Leiden, zumal er sich mit großer -Geschwindigkeit bewegte. - -Auch wir waren uns erst darüber klar geworden, daß er gänzlich blind -war, als er eines Tages mit großer Wucht gegen ein Spind, das von -seiner Stelle gerückt war, rannte. Da wir uns von dem Hunde nicht -trennen wollten, zumal er noch nicht sehr alt war, so haben wir ihn -noch etwa zwei Jahre in diesem Zustande behalten. Allerdings haben wir -während dieser Zeit die Möbel an ihrer Stelle stehen lassen müssen, -denn bei jeder Ortsveränderung rannte das Tier dagegen. Er wußte -es ganz genau, daß die Treppe acht Stufen hatte, denn er lief sie -fabelhaft rasch hinauf. Nur in der letzten Zeit seines Lebens hat er -sich geirrt und sprang häufig, wenn er bereits oben war, nochmals in -die Luft. Er glaubte also, es käme noch eine Stufe. - -Es ist unzählige Male vorgekommen, daß neu gekaufte Hunde ausrücken und -zu ihrem alten Herrn laufen. So kaufte ein Bekannter von mir, der am -Melchiorplatz wohnte, von einem Freunde in Pankow einen jungen Dackel -und fuhr mit dem Tiere in einem Stadtbahnzuge nach Hause. Ich habe -den kleinen Burschen, der sehr ängstlich zu sein schien, mehrere Male -gesehen. Nach einiger Zeit schien sich der Dachshund mit seiner neuen -Herrschaft, sehr tierfreundlichen Personen, ausgesöhnt zu haben. Eines -Tages war er dem Mädchen, das ihn auf dem Platze an der Leine führte, -entwischt und konnte trotz allen Suchens nicht gefunden werden. Nach -stundenlangen ergebnislosen Nachforschungen kam mein Bekannter auf -den Gedanken, seinen Freund in Pankow von dem Verlust telephonisch -in Kenntnis zu setzen. Wie erstaunte er aber, als er hörte, sein -Freund wollte ihn soeben telephonisch benachrichtigen, daß der an ihn -verkaufte Hund soeben in Pankow eingetroffen sei. - -Der Hund war in Pankow geboren und niemals von der Besitzung -fortgekommen. In Berlin war er nur an der Leine auf dem Platze -spazieren geführt worden. Der Weg von Pankow nach Berlin war im -Stadtbahnzuge zurückgelegt worden. Dieses junge, ängstliche Tier hatte -also den Mut gehabt, durch das Straßengewirr der Großstadt den Weg -nach der Heimat zu suchen. Was uns in Staunen versetzt, ist eben die -Fähigkeit, ohne Kompaß und ohne Karte den richtigen Weg zu finden. - -Auf den Ortssinn der Tiere kommen wir noch an anderen Stellen zu -sprechen. Der Haß des Hundes gegen die Katze wird besser da erörtert -werden, wenn wir uns mit unserer Mieze beschäftigen. - - -10. Das Apportieren (Herbringen von Gegenständen) des Hundes. - -Peter ist, wie wir sahen, ein Freund vom Apportieren. Es ist allgemein -bekannt, daß die meisten Hunde gern apportieren. Für den Jäger ist -diese Eigenschaft von der größten Wichtigkeit. Was nützte es ihm, daß -er eine Ente geschossen hat, die im Wasser umhertreibt, wenn sich nicht -sein Hektor freudig in die Fluten stürzte und sie herbeibrächte? - -Auf das willige Apportieren des Hundes wird demnach von vielen -Hundebesitzern mit Recht ein bedeutender Wert gelegt. Häufig kann man -sie mit großem Selbstbewußtsein äußern hören: Meinem Hunde habe ich das -Apportieren gründlich beigebracht. - -Diese Ansicht ist nicht ganz richtig. Der Mensch liebt es, seine -Leistungen zu überschätzen. - -Hinge es ganz allein von uns ab, den Tieren das Apportieren -beizubringen, so müßte es uns auch bei den anderen Haustieren glücken. -In Wahrheit ist es schon sehr schwer, einer Katze das Apportieren -zu lehren, und apportierende Kühe und Ziegen hat wohl noch niemand -gesehen, obwohl Ziegen recht kluge Tiere sind. - -Die Behauptung, die man allgemein hört, daß das Apportieren des Hundes -ein Werk des Menschen sei, dürfte also nicht zutreffend sein. - -Ein scheinbarer Grund spricht für diese Ansicht, indem man darauf -hinweist, daß es widersinnig sei, wenn ein freilebendes Tier etwas -schleppe, was zum Genusse eines anderen Geschöpfes bestimmt sei. - -In Wirklichkeit kommt dergleichen sehr oft vor, denn auch im Tierreiche -ist die Mutterliebe unendlich opferwillig. Alle Tiermütter und viele -Tierväter schleppen ihren Jungen, die ihnen zu folgen nicht imstande -sind, die Nahrung nach dem Lager oder Neste. Bei den Vögeln werden die -im Neste hockenden Jungen von früh bis spät von den Eltern gefüttert, -die den Kleinen unermüdlich passende Nahrung zutragen. Das hat gewiß -schon jeder einmal beobachten können. Im Gegensatz zu den Vögeln -sind es bei den Raubtieren gewöhnlich die Mütter allein, die das -Heranschleppen der Beute besorgen. Alle diese Tiere apportieren also -bereits in der Freiheit, da sie verzehrbare Gegenstände, die ihnen -selbst gut schmecken würden, für andere tragen. - -Hunden und Katzen als früheren Raubtieren liegt das Apportieren schon -im Blute. Mancher junge Hund von drei Monaten nimmt bereits ein Stück -Holz ins Maul und rennt damit herum. Das täte eine Katze niemals. Gewiß -kann man unsere Mieze, wenn man sie sehr lobt, falls sie eine gefangene -Maus bringt, dazu veranlassen, daß sie von jetzt an jede Maus, die sie -erbeutet hat, ihrer Herrschaft erst zeigt, bevor sie diese verzehrt. -Aber das Apportieren ist bei den Katzen immer eine Ausnahme, während es -bei den Hunden die Regel ist. - -Warum besteht eine solche Verschiedenheit? Um das zu verstehen, müssen -wir uns an das erinnern, was vorhin über die Beine von Hunden und -Katzen gesagt wurde. Der Hund hat Renn- und Grabpfoten, aber keine -Pranken, wie die Katze. - -Der Hund ist also in bezug auf Waffen schlechter gestellt als die -Katze. Dafür hat er als Ausgleich ein mächtiges Gebiß, das viel größer -ist als das der Katze. Mit seinem großen Rachen kann er natürlich viel -leichter apportieren als die Katze. - -Hierzu kommt noch die Verschiedenheit der Lebensweise zwischen -Wildhunden und Wildkatzen. Wenn der Wolf ein Schaf abgewürgt hat oder -der Fuchs eine Gans oder ein Huhn gestohlen hat, so dürfen sie es nicht -an Ort und Stelle verzehren, sondern müssen es fortschleppen. Sonst -würde ihnen der Hirte mit seinen Hunden, der Jäger mit seinem Gewehr -oder der Landmann mit seinem Knüttel auf den Pelz rücken. - -Das Tragen im Maule, das doch ohne Frage die Grundlage des Apportierens -ist, kommt also bei den hundeartigen Geschöpfen, also Wölfen, Füchsen, -Wildhunden alltäglich vor. - -Um so seltener ereignet es sich bei der Wildkatze, da sie ihr Opfer -unvermutet zu überfallen pflegt. Nur ausnahmsweise braucht sie es -fortzuschleppen. Gewöhnlich kann sie ihre Beute an der verborgenen -Stelle des Ueberfalls auch verzehren. - -Weil den Hunden das Apportieren infolge ihres großen Rachens sehr -leicht fällt, so haben bereits manche Wildhunde eine Leidenschaft -dafür. In Nordamerika leben zwei Wolfsarten, nämlich der große Waldwolf -und der nur fuchsgroße Coyote. Von dem letztgenannten ist es allgemein -bekannt, daß er mit Vorliebe leblose Gegenstände im Maule trägt. Den -Rinderhirten in diesem Lande, den sogenannten Cowboys, ist diese -Erscheinung so bekannt, daß sie sich hierfür eine Erklärung nach ihrem -Geschmack zurechtgemacht haben. Sie behaupten, der Coyote trage deshalb -gern Sachen im Maule, weil er seine Kiefer stärken wolle. - -Ja, die Apportierlust so mancher Wildhundarten kann den Reisenden -höchst lästig fallen. In Südamerika lebt eine Fuchsart, der Aguarachay. -Die Reisenden, die im Freien übernachten, verwünschen ihn in allen -Tonarten. Wenn sie am andern Morgen aufwachen, dann fehlt ihnen ein -Schnupftuch, oder ein Zaum, oder ein Steigbügel, oder ähnliche Dinge. -Von den Eingeborenen hören sie, daß der Dieb der genannte Fuchs sei. -Jeder Zweifel ist deswegen ausgeschlossen, weil zahlreiche bekannte -Forscher übereinstimmend das gleiche berichten. Auch ein guter -Bekannter von mir, der zehn Jahre in Südamerika gelebt hat, wurde oft -von diesem Fuchs bestohlen. - -Um ein Haar wurde der berühmte Polarforscher Nansen durch die -Apportierlust der Eisfüchse in die größte Verlegenheit gebracht. Wie -er in seinem bekannten Werke: »In Nacht und Eis« schildert, wurde ihm -zur Nachtzeit von den Eisfüchsen ein Thermometer fortgetragen. Zum -Glück besaß er noch ein anderes, sonst hätte die Aufzeichnung der -Temperaturmessungen, die für den Polarforscher zu den wichtigsten -Dingen gehört, unterbleiben müssen. - -Das Tragen von Gegenständen im Maule ist also für alle Hundearten etwas -seit Urzeiten Uebliches. Bei den Wildkatzenarten können wir dagegen -ähnliches nicht beobachten. Deshalb lernt der Hund das Apportieren -spielend leicht, die Katze dagegen schwer. Genau genommen lehrt der -Mensch den Hund nicht das Apportieren, sondern der Hund besitzt diesen -Trieb, und der Mensch nützt ihn für sich aus. - -Damit der Jagdhund seinem Herrn eine Beute, die der Hund selbst gern -frißt, also einen Hasen oder ein Kaninchen, willig apportiert, muß er -natürlich gut gefüttert werden. Läßt man ihn hungern, so frißt er von -dem Nager oder er verscharrt ihn heimlich, um später davon fressen zu -können. - -Peters Apportierlust ist also, wie wir aus der Lebensweise seiner -wilden Verwandten erkennen, nichts Ungewöhnliches. Bei dieser -Gelegenheit sei bemerkt, daß man es vermeiden soll, einen Hund Steine -apportieren zu lassen, wie es Kinder so gern tun. Zwar hat der Hund, -wie wir wissen, ein kräftiges Gebiß, um Knochen zu zermalmen, aber es -soll nicht dazu dienen, Steine zu packen. Auch können Steine leicht -verschluckt und dadurch das Leben des Tieres schwer gefährdet werden. -Wer also seinen Hund lieb hat, läßt ihn keine Steine apportieren. - -Aus meiner Kinderzeit ist mir noch ein Bilderbogen in Erinnerung, -auf dem geschildert wurde, wie ein Mann sich vor einer schweren -Erkältung durch die Apportierlust seines Hundes rettet. Er hat ein -erfrischendes Bad genommen und seinen Hund zur Bewachung seiner Kleider -zurückgelassen. Als er fröstelnd aus dem Wasser steigt, will ihn -sein Hund nicht zu seinen Kleidern lassen, da er seinen Herrn nicht -erkennt. Alle Versuche, zu seinen Kleidern zu gelangen, scheitern, bis -schließlich dem frierenden Herrn der rettende Gedanke kommt, seinen -Hund apportieren zu lassen, was er, wie er weiß, leidenschaftlich gern -tut. Während der Hund im Wasser das Stück Holz sucht, kann sich sein -Herr anziehen. Kaum steckt er in seinen Kleidern, so erkennt auch der -Hund seinen Herrn wieder. - -Dieser Fall scheint durchaus glaubhaft zu sein. Das Hundeauge war nicht -imstande, seinen Herrn am Gesicht zu erkennen. Aber auch die Nase -versagte, da der eigentümliche Geruch durch das Bad verflogen war. Erst -als der Herr durch das Anziehen der Kleider wieder seinen dem Hunde -bekannten Geruch hat, ist alles in schönster Ordnung. - - -11. Die Bedeutung des Geruchssinnes. Der Eigentumssinn der Hunde. - -Die Behauptung, daß ein Hund seiner Nase mehr traut als seinen Augen, -wird am überzeugendsten dadurch bewiesen, daß sich zwei Hunde, die -sich begegnen, gegenseitig beriechen. So hat es auch Peter mit seinem -Artgenossen getan. Würde der Hund ein scharfes Auge besitzen, so wäre -dieses Beriechen ganz zwecklos. Der Mensch, der sich in erster Linie -nach den Augen richtet, also ein Augentier wie die Affen und die Vögel -ist, richtet sich erst dann nach dem Geruch, wenn seine Augen ihn im -Stich lassen. Weiß ich beispielsweise nicht, ob eine Flasche, die -mit einer hellen Flüssigkeit gefüllt ist, Essig oder Petroleum oder -Spiritus enthält, so rieche ich daran. Mit den Augen allein kann ich -das nicht entscheiden. So sehen wir, daß in der Apotheke der Provisor -alle Augenblicke an den Flaschen riecht, weil hier nur die Nase -Bescheid geben kann, woraus der Inhalt besteht. Auch für den Koch und -den Parfümhändler ist es sehr wichtig, eine gute Nase zu haben. - -Wir sagen gewöhnlich, daß der Geruch zu den niederen Sinnen gehöre. -Ganz richtig dürfte das nicht sein. Wer seine Wohnung betritt, ohne -zu riechen, daß der Gashahn aus Versehen geöffnet geblieben ist, kann -leicht ums Leben kommen. Ebenso sitzt unsere Nase deshalb oberhalb des -Mundes, damit wir die Speisen, die wir zu uns nehmen, vorher durch -den Geruch prüfen. Viele Menschen sind schon deshalb erkrankt, weil -sie verdorbene Speisen genossen haben. Hätten sie vorher ihre Nase -gebraucht, so wären sie vor diesem Schaden bewahrt geblieben. - -Naturvölker und Jäger werden ganz entschieden bestreiten, daß der -Geruch zu den niederen Sinnen gehöre. Sie erleben jeden Tag, welche -Bedeutung der Geruchsinn ihres Hundes für sie hat. Der Jäger will Enten -schießen. Ob welche im Schilfe des Sees stecken, können wir mit unsern -Augen nicht feststellen. Aber der Hund mit seiner Nase kann es sofort. -Ebenso zeigt er uns, ob ein Fuchs- oder Dachsbau bewohnt ist oder -nicht, wo die Hühner im Kartoffelkraut stecken, wohin der Hase, der -Hirsch, das Reh geflüchtet ist. - -Hat sich der Hase mit seinem braunen Fell auf dem Acker in einer -Sasse, d. h. ausgehöhlten Stelle geduckt, was er mit Vorliebe tut, -so ist er für unsere Augen unsichtbar. Wir sagen dann, er sei durch -seine »Schutzfarbe« gerettet. Denn da die Färbung seines Leibes mit -seiner Umgebung verschwimmt, so ist er durch die Farbe geschützt. Für -den Hund gibt es keine Schutzfarbe. Mag der Hase noch so ähnlich wie -seine Umgebung aussehen, so hat er doch eine andere Ausdünstung. Und -diese Ausdünstung wird von der feinen Nase des Hundes wahrgenommen, und -Freund Hase ist entdeckt. - -So würde ein Hund nie unsere Märchen verstehen, wonach Kinder im Walde -ausgesetzt werden und nicht wieder nach Hause finden. Wollte ihn -jemand aussetzen, so würde er einfach die Nase auf die Erde setzen und -denselben Weg zurücklaufen. - -So ließe sich noch vieles anführen, woraus hervorgeht, daß der Geruch -ein ungeheuer wichtiger Sinn ist. Vorläufig wollen wir es genug sein -lassen. Wir werden nochmals darauf zurückkommen, wenn wir von den -Polizeihunden und ihren Leistungen sprechen. - -Peter hat, wie wir sahen, bei dem Terrier, mit dem er sich beroch, -geknurrt und die Zähne gezeigt. Vor der großen Dogge dagegen ist er mit -eingeklemmtem Schwanz geflüchtet. - -Es würden sich noch vielmehr Menschen Hunde halten, wenn nicht die -gegenseitige Beißerei üblich wäre. Und zwar kann man beobachten, -daß die gleichen Geschlechter am meisten zum Beißen geneigt sind. -Ein männlicher Hund oder Rüde wird gern mit einem andern Rüden -kämpfen, aber einer Hündin wird er nichts tun, vielmehr sich bei ihr -einzuschmeicheln suchen. - -Wie bei den Menschen, so haben auch die Säugetiere verschiedene -Geschlechter. Peter ist ein Männchen, also ein Rüde. Der Terrier, den -er traf, war ebenfalls ein Rüde. Beide waren nicht abgeneigt, sich das -Fell gegenseitig zu zerzausen. - -Der Grund der Kampflust liegt darin, daß bei den Wildhundarten der -stärkste Hund das Rudel als unbedingter Selbstherrscher leitet. Ein -Auflehnen gegen seine Herrschaft gibt es nicht. - -Wer der stärkste im Rudel ist, kann sich immer erst durch eine Beißerei -feststellen lassen. Jeder Hund ist also bereit, dem andern zu zeigen, -daß er zum Herrn, sein Gegner zum Diener berufen ist. - -Bei den halbwilden Eskimohunden ist noch heute die Alleinherrschaft -des stärksten Hundes im Rudel, der Baas genannt wird, üblich. Altert -der Baas, so verliert er die Leitung und ein jüngerer Hund, der der -kräftigste des Rudels ist, tritt an seine Stelle. - -Da sich gewöhnlich nur Hunde von gleichem Geschlecht beißen, so haben -Gastwirte gewöhnlich Hündinnen. Denn die Gäste halten sich regelmäßig -Rüden, weil die Hündin viel Umstände verursacht, namentlich dann, wenn -sie Junge hat. - -Ein Glück ist es, daß große Hunde gewöhnlich das Gekläff kleiner Köter -unbeachtet lassen. Aber es kommen auch Ausnahmen vor. So hat Peter -schon seit Wochen durch sein andauerndes Anbellen und Herausfordern den -Zorn der großen Dogge erregt. Vor ihr flüchtet er mit eingeklemmtem -Schwanze. - -Dieses Sinkenlassen des Schwanzes dürfte eine Eigentümlichkeit aller -Hundearten sein. Von den Eskimohunden her wissen wir auch den Grund -dafür. Kein Hund des Rudels darf an dem Baas, dem Leiter, vorübergehen, -ohne den Schwanz sinken zu lassen. Tut er es nicht, so wird er durch -Bisse gestraft. - -Das Sinken des Schwanzes bei Peter ist also ein deutliches Zeichen -seiner Furcht. - -Trotzdem dreht er sich herum gegen seinen Feind, sobald er in dem -Bereiche des Kellers ist. Denn hier macht sich sein Eigentumssinn -geltend. - -Von allen unseren Haustieren hat eigentlich nur der Hund wirklichen -Eigentumssinn. Ein Pferd läßt sich von einem fremden Menschen stehlen, -ohne sich im geringsten dagegen zu wehren. - -Warum besitzt der Hund Eigentumssinn? - -Wir müssen wieder bei den wilden Verwandten fragen. - -Es ist klar, daß sich ein solcher Sinn bei Pflanzenfressern schwerlich -entwickeln wird. Denn ein Streiten um den einzelnen Bissen findet bei -ihnen nicht statt, weshalb manchmal verschiedene Tierarten friedlich -nebeneinander weiden. Am bekanntesten ist das Zusammenweiden von -Zebras, Gnus und Straußen in Afrika. - -Wildhunde dagegen, die ein größeres Tier, einen Hirsch oder eine -Antilope, erbeutet haben, kämpfen um jeden Bissen. Hieraus erklärt sich -auch das für uns widerwärtige Fressen des Hundes von Erbrochenem. - -Würde bei der gemeinsamen Mahlzeit ein Hund nicht schlingen, so bekäme -er so gut wie gar nichts. Um recht viel zu erhalten, preßt er so viel -in den Magen hinein, wie nur möglich ist. Nachher geht er abseits und -gibt das Gefressene von sich. Denn alle Hundeartigen haben ihren Magen -sehr in der Gewalt, weshalb es so schwer ist, Wölfe oder Füchse zu -vergiften. - -Weil also Wildhunde gewöhnlich jeden erhaschten Bissen verteidigen -müssen, deshalb haben Hunde einen sehr ausgeprägten Eigentumssinn. - -Hierzu kommt noch folgendes. Jedes Rudel bewohnt einen bestimmten -Bezirk und behandelt jeden Fremden, der ihn betritt, als Feind. Auch -heute noch halten die verwilderten Hunde in den türkischen Städten an -bestimmten Straßen und Gassen fest. Jedes Rudel überfällt einen nicht -zu ihnen gehörigen Hund und zerreißt ihn, wenn er nicht rechtzeitig -flüchtet. - -Jagdhunde sind gewöhnlich wenig bissig. Wenn aber ein Fremder einen von -einem Jagdhunde erbeuteten Rehbock oder Hasen berühren will, dann kann -er etwas erleben. Denn selbst der gutmütigste Hund wird dann gefährlich. - -Es entspricht also ganz dem ausgesprochenen Eigentumssinn des Hundes, -daß Peter kehrt macht gegen seinen Verfolger. Auch der Verfolger -achtet das fremde Eigentum in gewissem Sinne. In Dörfern kann man das -alltäglich erleben. Ein Bauer hat einen Hund, der auf der Straße jeden -andern Hund anrempelt; dasselbe Tier ist sehr gesittet, wenn es der -Bauer auf ein fremdes Gehöft mitnimmt. Es läßt sich auch dort von einem -kleinen Köter anblaffen, der solches niemals auf der Straße wagen würde. - -Kommt es zu einer wirklichen Beißerei zwischen zwei großen Hunden, -so ist jedes Prügeln gewöhnlich aussichtslos und obendrein sehr -gefährlich. Die Hunde sind in ihrer Wut fast gefühllos und beißen -selbst ihren eigenen Herrn, wodurch schon mancher um einen Finger -gekommen ist. - -Nur die Nase, das empfindlichste Organ des Nasentieres, bietet auch -hier Angriffspunkte. Alle Nasentiere, also Füchse, Dachse und andere, -können durch einen starken Hieb über die Nase getötet werden. Handelt -es sich nicht um einen Hund, dessen Nase sehr wertvoll ist, also einen -Jagdhund, so kann man die Empfindlichkeit der Hundenase als Mittel zum -Auseinanderbringen verbissener Hunde benutzen. In Fachzeitschriften ist -wiederholentlich davon berichtet worden, daß bei Hunden, die durchaus -unempfindlich schienen, das Bestreuen der Nase mit Schnupftabak oder -das Vorhalten einer brennenden Zigarre die sofortige Lösung der Tiere -zur Folge gehabt hat. - - -12. Soll man sich in der Großstadt einen Hund halten? Die -Stubenreinheit des Hundes. - -Wir haben unsern Peter nur kurze Zeit beobachtet und dabei gesehen, daß -er in den wenigen Stunden empfindlichen Menschen recht lästig fallen -konnte. Nervösen Personen ist bereits das Hundegebell etwas, was ihnen -auf die Nerven fällt. Aber selbst gesunden Personen ist es durchaus -nicht angenehm, wenn sie beim Radfahren ein Hund verfolgt. Manche -steigen sogar ab, weil sie bei den unberechenbaren Bewegungen des -Tieres einen Sturz befürchten. - -Das Gebissenwerden durch Hunde kommt wohl im großen ganzen nicht so -häufig vor, wie man annehmen sollte. In den Großstädten pflegt der -Maulkorbzwang diese Gefahr sehr herabzumindern. Uebrigens ist der -Maulkorb nur ein unvollkommenes Abwehrmittel. Man ersieht es daran, daß -er beißlustige Hunde nicht hindert, anderen Hunden Wunden beizubringen. - -Andere, verhältnismäßig selten auftretende Gefahren, beispielsweise -durch Tollwut, sollen später noch besprochen werden. - -Bisher ist noch unerwähnt geblieben, daß ein Tier, das Speise und -Trank zu sich nimmt, natürlich auch Ausscheidungen von sich geben muß. -Bei dem Hunde treten diese Entleerungen in besonders unangenehmer -Form auf. Er beschmutzt die Ecken von Häusern und überhaupt alle -Vorsprünge beim Nässen, während er seine festen Ausscheidungen, die -sogen. »Losung«, mit Vorliebe auf dem Bürgersteig absetzt. Es scheint -ihm keinen Augenblick Sorge zu machen, daß dabei die Stiefelsohlen der -Vorübergehenden mit seiner Losung Bekanntschaft machen können. - -Ein Lichtblick hierbei ist es, daß der Hund wenigstens in der Wohnung -stubenrein ist oder, wie es allgemein heißt, stubenrein gemacht wird. -Darauf werden wir noch näher zu sprechen kommen. - -Was veranlaßt nun den Hund zu dieser Handlungsweise, die anscheinend -jeder Sitte und Scham Hohn spricht? - -Auch hier müssen wir wieder die Lebensweise der wilden Verwandten um -Rat fragen. Von den Wölfen und Füchsen wissen wir es mit Bestimmtheit, -daß sie wie unsere Hunde an den Ecken und an vorspringenden Punkten -nässen. - -Versetzen wir uns in die Lage eines Nasentieres, so erkennen wir, daß -hierdurch die Natur in höchst einfacher Form einen Nachrichtendienst in -der Tierwelt, eine sogenannte »Post«, eingerichtet hat. Kommt ein Wolf -in ein fremdes Gebiet, so braucht er nur die vorspringenden Punkte und -Ecken zu beriechen und weiß dann sofort, ob hier Artgenossen hausen -oder nicht. Am bequemsten kann er das riechen, wenn in der Höhe seiner -Nase genäßt ist. - -Damit sie stets die erforderliche Flüssigkeit haben, besitzen -die Hundeartigen nur sehr wenig Schweißdrüsen. Jeder hat wohl -schon beobachtet, daß die Hunde, wie der Volksmund sagt, an der -heraushängenden Zunge schwitzen, aber nicht am Körper. Der von der -Zunge herabfließende Speichel soll ohne Frage die lange Zunge und damit -mittelbar den ganzen Körper abkühlen. - -Seine Losung verscharrt der Wolf regelmäßig. Denn bei den Raubtieren -hat sie einen so starken Geruch, daß alle Pflanzenfresser, Hirsche, -Rehe, Hasen usw. das Gebiet verlassen würden, wo sie die Anwesenheit -ihres Feindes durch diesen Umstand wahrgenommen hätten. - -Auch unser Hund pflegt sich an dieses frühere Verscharren häufig zu -erinnern. Denn man sieht nicht selten, daß er nach der Beendigung -des Vorgangs mit den Hinterbeinen scharrt, obwohl das bei dem festen -Steinpflaster vollkommen wirkungslos ist. Manche Leute behaupten, -daß der Hund sich dadurch die Beine reinigen wolle. Das ist ganz -ausgeschlossen, denn im Sande vergräbt er seine Losung auch heute noch, -wie es ja auch die Katze tut. - -Zu der Zeit, wo der Hund die Aufmerksamkeit einer Hündin erregen will, -liegen ihm Räubergedanken fern. Dann vergräbt er die Losung nicht, -sondern setzt sie ausgerechnet auf einen Stein oder sonst in einer -solchen Höhe, daß sie mit der Nase der Hündin in gleicher Linie ist. - -Zum Glück können die Ausscheidungen der Hunde nicht Träger von -Krankheiten sein. Niemals hat man etwas davon gehört, daß dadurch -Seuchen entstanden sind. Vielmehr behandelte man die Losung im Altertum -als Arzneimittel. Auch heute spielt sie bei der Handschuhfabrikation -eine große Rolle. - -Zuungunsten des Hundes spricht also sehr viel. Man kann es den -Hundefeinden nicht verargen, wenn sie darauf dringen, daß Hunde in der -Stadt überhaupt nicht gehalten werden dürfen. - -Was läßt sich dagegen zugunsten des Hundes geltend machen? - -Da gerade bei uns der Stimme des Auslandes eine übermäßige Bedeutung -beigemessen wird, so sollte es doch den Hundefeinden zu denken geben, -daß man in anderen Kulturstaaten von solcher übertriebenen Gegnerschaft -kaum etwas weiß. - -Hiervon abgesehen sprechen für den Hund folgende Umstände: - -1. Die Verhinderung von Einbrüchen, ja von schweren Verbrechen dürfte -alljährlich einen ziemlich hohen Geldbetrag ausmachen und manchem -Menschen die Gesundheit, ja das Leben bewahrt haben. - -2. Die Rettung von Personen durch Hunde, z. B. von Kindern, die ins -Wasser gefallen waren, dürfte erheblich die Zahl der Menschenleben -übersteigen, die durch Hunde verloren gegangen sind. - -3. Die Leistungen als Blindenführer -- von den Polizeihunden sei ganz -abgesehen -- zwingt uns zu einer solchen Hochachtung, daß man darüber -viele Unbequemlichkeiten, die ihre Haltung mit sich bringt, übersehen -muß. - -4. Der Mensch lebt nicht bloß vom Brot allein. Die Kinder in der -Großstadt wachsen in einem steinernen Meer auf, ohne von den -Schönheiten der Natur, die das Landleben in sich birgt, etwas zu -erfahren. Sie kennen die Freude nicht, wenn die Störche zurückkehren, -die Schwalben eintreffen, der erste Kuckucksruf erschallt und tausend -andere Dinge, deren Aufzählung zu weit führen dürfte. Und gerade das -kindliche Herz hat an den Tieren die größte Freude, weil die Kinder -sich unbewußt mit ihnen nahestehend fühlen. Wie oft habe ich es -erlebt, daß Großstadtkinder, die sich sonst schrecklich langweilten, -stundenlang mit einem Hunde, den ein Verwandter mitgebracht hatte, -spielten, ja schließlich nicht in das Bett gehen wollten, weil sie sich -nicht von ihm trennen konnten. Nein, diese Freude den Großstadtkindern -zu rauben, brächte ich nicht übers Herz, selbst wenn der Hund noch -einige Fehler mehr besäße. - -5. Selbst im Interesse der Wissenschaft müßte man die Verbannung der -Hunde aus der Stadt beklagen. Wer würde es von den Städtern noch -zugeben, daß der Hund ein Nasentier und nicht, wie der Mensch, ein -Augentier sei, wenn er nicht täglich sähe, wie der Hund sich mit andern -Hunden beröche und überall an der Erde und an den Ecken seine Nase -tätig sein ließe? - -Trotzdem sich also mancherlei zugunsten der Haltung eines Hundes in der -Stadt sagen läßt, so wird doch jeder wirkliche Tierfreund nur unter -besonderen Umständen einen Hund in der Großstadt halten. Es sind nicht -bloß die Belästigungen der Mitmenschen, die er vermeiden will, sondern -er verzichtet darauf, einen Hund zu halten, weil er ihm nicht die -Behandlung bieten kann, die das Tier braucht. - -Als Hetzraubtier ist der Hund an Bewegung gewöhnt, weshalb er vor -Freude hochspringt, wenn sein Herr mit ihm ausgehen will. In der -Großstadt soll man nur Hunde halten, die wenig Auslauf brauchen -wie unsern krummbeinigen Dachshund. Einen Windhund an der Leine -herumzuführen, wie man nicht selten sehen muß, kann fast als -Tierquälerei bezeichnet werden. Denn ein Geschöpf, das zu den -schnellsten Säugetieren gerechnet werden kann und das in der Freiheit -gewiß täglich ein paar deutsche Meilen zurücklegen würde, soll man -nicht auf ein paar Schritte beschränken. - -Ueber die vorhin erwähnte Stubenreinheit der Hunde wäre noch folgendes -zu bemerken. - -Ich entsinne mich noch aus meiner Kindheit, wie mein Vater uns zeigte, -auf welche Weise ein junger Hund stubenrein gemacht wird. Er wurde mit -der Nase in den von ihm gemachten Pfuhl ordentlich gestukt, bekam dann -auf die Rückseite ein paar Klapse und wurde mit einem »Schämst du dich -denn gar nicht« zur Türe hinausbefördert. Da ein solches Verfahren fast -immer den gewünschten Erfolg hatte, so zweifelte ich keinen Augenblick -daran, daß der Hund durch die Ermahnung und die Schläge ein gewisses -Verständnis für das Verwerfliche seines Treibens bekam und sich -besserte. - -Später, als ich Affen genau studierte, sah ich zu meinem Erstaunen, daß -der Affe, trotz seiner Klugheit, für Stubenreinheit nicht das mindeste -Entgegenkommen zeigte. Ich habe unzählige zahme Affen kennengelernt, -aber keinen einzigen, der stubenrein ist. Weder Prügel noch Scheltworte -richten bei ihnen das geringste aus. - -Hieraus geht klar hervor, daß der Mensch nicht den Hund stubenrein -macht, sondern, wie beim Apportieren, einen im Hunde liegenden Urtrieb -zur Entwicklung bringt. - -So ist es auch in der Tat. Der Hund ist, wie seine Verwandten Wolf und -Fuchs, früher ein Höhlenbewohner gewesen. Die Hundehütte ist ja weiter -nichts als ein Ersatz für die frühere Höhle. Wir wissen nun vom Dachs, -Hamster und andern Höhlenbewohnern, daß sie für ihre Entleerungen ein -besonderes Abteil, eine Art Klosett, besitzen. Sie wissen aus Instinkt --- was das ist, soll später erörtert werden --, daß sie ihre Höhle mit -ihrem Unrat verpesten würden, wenn sie diese Vorsicht nicht beachteten. - -Der Hund hat also von Hause aus den Trieb, seine Höhle nicht zu -verunreinigen. Das sieht man am besten daraus, daß er sein Lager nicht -verunreinigt, wenn man ihn daran festbindet. - -Der Affe, der auf Bäumen lebt, kann kein Lager verpesten, und deshalb -hat er für Stubenreinheit kein Verständnis. - - -13. Das Grasfressen der Hunde. Schämen sich manche Hunde? - -Da sich die Lebensweise des Hundes besser auf dem Lande als in der -Großstadt beobachten läßt, so nehmen wir die Einladung eines Bekannten -an, der ein großer Tierfreund ist und mehrere Hunde auf seinem -Grundstück hält. Unterwegs fällt uns ein Hund auf, der mit Grasfressen -beschäftigt ist. - -Dieses Grasfressen eines Fleischfressers hat seit alter Zeit die -Aufmerksamkeit der Menschen erregt und die verschiedenartigste Deutung -gefunden. - -Wir beobachten jetzt an dem Hunde, daß er sich übergeben muß, wobei -etwas Schleim zu Tage tritt. - -Da für den Landbewohner dieser Vorgang eine alltägliche Erscheinung -ist, so erklärt sich hieraus die Redensart: Es bekommt einem, wie dem -Hunde das Gras, nämlich übel. - -Man glaubte also, daß der Hund als unvernünftiges Tier so wenig wisse, -was ihm eigentlich gut tue, daß er aus reiner Dummheit das Gras fresse. -Weil er vom Grase keine Speise oder Stärke erhält, da es wider seine -Natur ist, so ist die Folge eben die Uebelkeit. - -Nur ein oberflächlicher Tierbeobachter kann diesen Standpunkt -einnehmen. Denn in Wirklichkeit ist es doch höchst wunderbar, daß die -Tiere ohne Belehrung wissen, was ihnen gut tut, und schädliche Dinge -meiden. - -Das Grasfressen soll ferner folgende Gründe haben. Der Hund merkt, daß -er Würmer hat. Um diese zu töten, frißt er scharfkantige Gräser, damit -sie in seinem Leibe die Bösewichter zerschneiden. - -Da viele Würmer durch Zerschneiden gar nicht getötet werden, so ist -diese Annahme grundfalsch, wobei noch davon abgesehen werden soll, daß -das verschlungene Gras gewiß zu dem erwähnten Zwecke ganz untauglich -wäre. - -Manche halten das Grasfressen für eine bloße Spielerei. Dem kann ich -mich nicht anschließen, nachdem ich folgendes beobachtet habe. - -Ein Hund hatte beim Apportieren von Korken ein kleines Bröckchen -verschluckt. So sehr er bei größeren Stücken seinen Magen in der -Gewalt hat, so suchte er vergeblich durch Erbrechen das Korkstückchen -wieder von sich zu geben. Da der Hund hinaus in den Garten wollte, so -kamen wir seinem Wunsche nach. Er fing sofort an Gras zu kauen und -nach kurzer Zeit trat die erwünschte Wirkung ein. Hiernach muß ich das -Grasfressen -- wenigstens in manchen Fällen -- für ein Brechmittel bei -Magenverstimmungen halten. - -Daß die Hunde sich auf dem Lande so viel wohler befinden als in der -Stadt, führe ich zum Teil auf diesen Umstand zurück, daß der Hund in -ländlichen Verhältnissen bessere Gelegenheit hat, seine natürlichen -Heilmittel zu benutzen. - -Wir begrüßen unseren Bekannten, Herrn Böhm, der mit seinem Pudel -bereits am Eingange steht, und werden natürlich von dem Hunde, dem wir -nicht bekannt sind, angeblafft. - -Als Wachhunde sind Pudel gewöhnlich ebensowenig zu gebrauchen wie -Jagdhunde. Mit Recht hat man vom Pudel gesagt, daß jemand seinen Herrn -morden könne, ohne daß ihm der Pudel beistände. Auch der Jagdhund steht -seinem Herrn nicht immer bei. - -Dieses Verhalten so kluger Tiere dürfte darauf zurückzuführen sein, -daß der Pudel ein zu großer Menschenfreund ist, um überhaupt Menschen -zu beißen. Dem Jagdhunde steckt sein Wild so im Kopfe, daß ihm andere -Menschen, wenn sie nicht auf Jagd gehen, gleichgültig sind. - -Dagegen ist der Pudel ausgezeichnet zu allerlei Kunststücken geeignet, -und da solche Kunststücke beim Volke sehr beliebt sind, so ist auch der -Pudel ein sehr geschätzter Hund. - -Mit der größten Bereitwilligkeit ist auch unser »Karo«, wie der Pudel -heißt, bereit, zu zeigen was er kann. Kaum haben wir seinem Herrn -gegenüber den Wunsch geäußert, einige Glanzleistungen von Karo zu -sehen, so erhalten wir eine richtige Vorstellung. Erst werden die -einfachen Sachen vorgeführt: Hinsetzen, Schönmachen, die Pfote geben, -auf den Hinterbeinen gehen. Dann kommen die schwierigeren Sachen: über -Stock und Stühle springen und tanzen. Dazwischen muß Karo zeigen, wie -der Hund spricht und beweisen, daß er rechts und links unterscheiden -kann. Nur einen Happen, den er von der rechten Hand seines Herrn -bekommt, nimmt er, sonst läßt er ihn ganz unberücksichtigt. - -Um Karo als Schwimmer und Taucher zu bewundern, gehen wir nach dem -nahegelegenen See. Der Pudel schwimmt vortrefflich, fast wie eine -Ente, und apportiert mit unglaublicher Ausdauer. Wenn er aus dem -Wasser kommt, muß man sich natürlich vorsehen, daß man nicht beim -Ausschütteln des Felles naß wird. Dieses Schütteln der Haut können wir -ihm nicht nachmachen, da die unsrige nicht so beweglich ist. Wie groß -die Beweglichkeit der Hundehaut ist, ersehen wir deutlich, wenn wir -einen Hund am Nacken hochheben. - -Karo ist ein Rüde und etwa 1½ Jahre alt. Wie Herr Böhm erzählt, hat -er ihn erst seit einigen Monaten. Er ist durch einen Zufall zu ihm -gekommen, da sein bisheriger Herr plötzlich verstorben war, und ihm -der Hund zu einem Spottpreis angeboten wurde. Die erste Zeit sei das -Tier allerdings sehr traurig gewesen und habe wenig Nahrung zu sich -genommen. Jetzt aber habe er sich in die neuen Verhältnisse eingewöhnt -und fühle sich augenscheinlich sehr wohl. - -Es ist eigentlich recht wunderbar, daß fast alle Tiere ohne Unterricht -schwimmen können. Wie lange braucht der Mensch, um ordentlich schwimmen -zu können? Mancher lernt es überhaupt niemals. - -Auch hier wollen wir uns bei den wilden Verwandten erkundigen, wie es -mit ihrer Schwimmkunst steht. - -Die Wildhundarten als Raubtiere müssen natürlich schwimmen können, denn -sonst würden die Pflanzenfresser, die sie verfolgen, sich jedesmal -dadurch retten, daß sie in das Wasser flüchten. Wölfe schwimmen nicht -nur gut, sondern scheinen auch gern in das Wasser zu gehen. Der Fuchs -kann ebenfalls schwimmen, aber man wird nicht behaupten können, daß -er gern ins Wasser geht. In Jagdrevieren kann man beobachten, daß er -lieber einen Umweg macht und über einen Steg geht, als daß er den -Graben durchschwimmt. - -Oft hat Herr Böhm gesagt, wenn der Pudel etwas falsch machte: »Aber -Karo, schämst du dich gar nicht?« Wir kommen darauf zu sprechen, ob der -Hund ein wirkliches Gefühl für »sich schämen« besitzt? Ich bezweifle es -sehr stark, denn ich nehme an, daß der Hund aus dem Tone der Sprache -heraushört, daß der Herr böse ist, und daß ihm etwas Aergerliches in -Aussicht steht. Ich glaube also, daß diese allgemein übliche Redensart -eine Vermenschlichung ist, die beim Tier nicht recht paßt. Zu einem -sonst braven Knaben, der eine Dummheit begangen hat, können wir mit -Recht sagen: Schämst du dich nicht? Wir rufen sein Ehrgefühl an und -verzichten deshalb auf eine Bestrafung. Beim Tiere aber, selbst wenn es -ein kluger Pudel wäre, ein solches Ehrgefühl anzunehmen, scheint mir -unbegründet zu sein. Bei jeder Erklärung muß man zunächst versuchen, -mit einer möglichst einfachen auszukommen. - -Mein Bekannter macht hiergegen geltend, daß ein feinfühliger Hund -oft, wenn er gescholten sei, seinen Herrn links liegen lasse, also -gewissermaßen schneide. Diesen Einwand habe ich schon oft gehört. -Dieses Benehmen ist wohl aber mehr auf Eitelkeit als auf Ehrgefühl -zurückzuführen. Ein Knabe schämt sich bei der Ermahnung seines Lehrers, -weil er sich im stillen sagt: Wenn ich mich ordentlich angestrengt -hätte, würde ich das aufgegebene Gedicht fließend aufsagen können. Bei -einem Hunde kann man aber einen solchen Gedankengang nicht annehmen. - - -14. Das Laufen gegen den Wind. Warum ist die Hundenase kühl und -feucht? Warum gibt es bei den Hunden Steh-, Kipp- und Hängeohren? Die -Wichtigkeit des Gehörs. - -Während unserer Unterhaltung hat Karo einen kleinen Privatbummel -gemacht. Wir sehen an dem Rauche der Zigarren, daß der Wind aus -Südwesten kommt und können feststellen, daß der Hund gegen die -Windrichtung gelaufen ist. Jeder Hund, der nicht besondere Ziele -verfolgt, wird bei freier Wahl die Richtung gegen den Wind bevorzugen. -Das liegt allen Raubtieren im Blut. Wie Hunde und Katzen ihre -Ausscheidungen verscharren, damit sie nicht von den Pflanzenfressern -gewittert werden, so laufen sie aus demselben Grunde gegen den -Wind. Denn ein Hirsch oder Reh mit ihren feinen Nasen würden einen -Wolf schon aus sehr weiter Entfernung wittern, wenn er nicht diese -Vorsichtsmaßregel gebrauchte. Der Wind trägt bekanntlich alle Düfte -sehr weit. Vor vielen Jahren wohnten wir fast zwei Kilometer weit von -einer chemischen Fabrik. Wehte der Wind von der Fabrik zu uns, so war -es nicht zum Aushalten, während man sonst nichts davon bemerkte. - -Karo, der schwarze Pudel, hat auch eine kühle und feuchte Nase. Man -nimmt, und wohl mit Recht, an, daß das ein Zeichen von Gesundheit des -Hundes ist. Denn ein kranker Hund pflegt eine trockene und warme Nase -zu haben. Woher kommt das? - -Auch in diesem Falle sieht man wiederum, daß der Hund ein Nasentier -ist. Einmal ist die Nase bei den Geschöpfen, bei denen sie die -Hauptrolle spielt, sehr empfindlich, wie bereits erwähnt wurde. Wenn -wir Menschen einen Schlag auf die Nase bekommen, dann blutet sie -wohl, aber wir empfinden keinen uns betäubenden Schmerz. Ganz anders -liegt die Sache bei einem Schlag ins Auge. Dann sehen wir ordentliche -Feuergarben aufblitzen. Denn bei uns ist das Auge das wichtigste Organ, -weshalb wir eine uns ans Herz gewachsene Sache wie einen »Augapfel« -hüten. Also die Nase ist der wichtigste Sinn des Hundes, und als solche -muß sie feucht sein aus folgenden Gründen. - -Nehmen wir an, wir betreten nach einem Gewitterregen unseren Garten. -Dann empfinden selbst unsere stumpfen Nasen, daß alles doppelt so stark -riecht. Feuchtigkeit unterstützt das Riechvermögen, wie jeder Jäger -weiß. An heißen, trockenen Augusttagen finden die Jagdhunde manchmal -keine Hühner, obwohl solche vorhanden sind. Die trockene Wärme und die -trockene Kälte lassen die Hundenasen viel weniger leisten als sonst. - -Damit die Hundenase gut wittert, muß sie also feucht sein. Um feucht zu -bleiben, muß sie kühl sein. - -Da die schwarze Farbe alle Duftstoffe stark anzieht, weshalb viele -Aerzte gegen die schwarzen Kleider der Krankenschwestern eingenommen -sind, so ist wahrscheinlich aus diesem Grunde die Nase aller Nasentiere -schwarz. Selbst der Eisbär hat in seinem weißen Pelz eine schwarze -Nase, die schon von weitem auffällt. Man glaubt den Eskimos, daß er -beim Beschleichen der Seehunde mit einer seiner großen Pranken die Nase -bedecke, damit sie ihn nicht verrate. - -Jetzt wissen wir also, weshalb die Nase des Hundes empfindlich, kühl, -feucht und schwarz ist. - -Karo hat Hängeohren, während Schäferhunde gewöhnlich Steh- oder -Kippohren besitzen. Wie können wir diesen Unterschied erklären? - -Das Gehör ist ein außerordentlich wichtiger Sinn. Nach meiner Ansicht -hören alle Säugetiere mindestens so gut wie der Mensch, gewöhnlich aber -schärfer. - -Auch hier will ich mit größtem Nachdruck die ungeheure Wichtigkeit -des Gehörs hervorheben. Hoffentlich wird also die Bezeichnung Augen- -und Nasentiere nicht mißverstanden und daraus der ganz irrige Schluß -gezogen, daß Augen- und Nasentiere schlecht hören könnten. - -Alle freilebenden Tiere müssen ihr Gehör fortwährend anstrengen. Daher -kommt es, daß wir unter den freilebenden Säugetieren nur Stehohren -antreffen. - -Allerdings sieht man manchmal Hirsche, die in Parks gehalten werden, -mit einem Schlappohr. Da aber solche Hirsche Haustieren gleichen, -weil sie keine Nachstellungen von Feinden erleiden, so bestätigen sie -den Satz, daß ein Säugetier unter natürlichen Verhältnissen Stehohren -besitzt. - -Bei unseren Hunderassen haben also diejenigen, die ihren Verwandten am -ähnlichsten leben, noch Stehohren, so die deutschen Schäferhunde. Bei -den schottischen Schäferhunden fangen bereits die Kippohren an, weil -sie bei uns keine Schafe mehr hüten. Die reinen Haushunde wie Pudel, -Möpse, ja selbst die Jagdhunde haben Schlappohren. Braucht die Katze -keine Mäuse mehr zu fangen, so bekommt sie, wie von der chinesischen -Katze berichtet wird, ebenfalls Schlappohren. - -Ist das Abschneiden der Ohrlappen, das sogenannte Kupieren, zu -billigen? Gewöhnlich wird es als große Tierquälerei getadelt. So -einfach liegt die Sache jedoch nicht. Unter natürlichen Verhältnissen -steht, wie wir sahen, das Ohr aufrecht. Bei unseren Haushunden sind -dagegen Hängeohren die Regel. Durch den vorhängenden Ohrlappen wird -namentlich bei langhaarigen Hunden manchmal eine solche Hitze erzeugt, -daß die Hunde große Ohrenschmerzen leiden. Wenn man also durch das -Kupieren beabsichtigt, den Hund vor Schmerzen zu bewahren, so läßt sich -dagegen wenig einwenden. - - -15. Warum fürchtet sich der Hund vor dem leeren Wasserglase? Warum -bellt er den Mond an? - -Wir kehren zu unserem Karo zurück und benutzen die Gelegenheit, um -über einige Streitfragen Aufklärung zu bekommen. Die meisten Hunde -fürchten sich vor einem leeren Wasserglas, und man findet die Erklärung -darin, daß die Hunde früher einmal mit Wasser begossen worden sind -und deshalb das Wasserglas scheuen. Bei der wasserscheuen Katze wäre -diese Erklärung einleuchtend, aber die Furcht des Hundes vor dem leeren -Wasserglase habe ich bei Katzen nicht feststellen können. Außerdem -müßte sich ein Hund dann erst recht vor einer Gießkanne fürchten, mit -der man ihn begossen hat. Das habe ich wiederholentlich getan, aber -niemals das Zurückweichen wie vor dem Wasserglase beobachten können. - -Unser Bekannter hat inzwischen ein Wasserglas geholt und wir können -bei Karo genau das beobachten, was bei Hunden üblich ist. Bringt man -ihm das Glas in die Nähe des Kopfes, so ist ihm das anscheinend sehr -unangenehm, und er weicht zurück. - -Da der Hund ein Nasentier ist, das sich in erster Linie nach der Nase -richtet, und das Glas wohl zu den wenigen Gegenständen gehört, die -wenig oder gar keine Ausdünstung haben, so befindet sich der Hund in -der üblen Lage, daß seine Augen etwas wahrnehmen, seine treue Nase aber -nichts. Das ist ihm unangenehm und er will sich fortwenden. Das sieht -man beispielsweise, wenn ein Hund von fern in einen Spiegel schaut, -wie es bei Umzügen vorkommt, wo ein großer Wandspiegel auf der Straße -steht. So sah ich, wie eine Dogge in einem solchen Falle die Haare -sträubte und auf den Spiegel zuging, weil sie glaubte, einen Gegner -anzutreffen. In der Nähe beroch sie den Spiegel und lief fort, da ihre -Nase ihr berichtet hatte, daß es sich um ein Gespenst gehandelt hatte. - -Augentiere dagegen, wie der Affe, haben große Vorliebe für einen -Spiegel, wovon man sich in Zoologischen Gärten oft überzeugen kann. - -Auch die alte Streitfrage, ob Hunde Bilder erkennen, verneint Herr Böhm -aufs entschiedenste. Sein Karo und sein Hektor, ein Jagdhund, den wir -gleich noch kennenlernen werden, beachten das große Bild von ihm gar -nicht, obwohl sie sehr anhänglich wären. Uebrigens hat schon der große -Naturforscher Alexander von Humboldt vor mehr als hundert Jahren genau -das gleiche beobachtet. Er weist darauf hin, daß die klügsten Hunde -ganz kalt bei Bildern bleiben, während seine zahmen Affen nach den -gemalten Gegenständen griffen. - -Kürzlich, so erzählt uns unser Bekannter, ging er mit seinem Hektor -spazieren und kam dabei an einem großen Garten vorbei, in dem, wie es -so häufig vorkommt, ein aus einer Tonmasse hergestelltes Reh im Grase -ruhte. Da das Reh sehr natürlich wiedergegeben war, so erregte es die -Aufmerksamkeit des Hundes, der bei der Windrichtung keine Witterung von -dem Gegenstande bekommen konnte. Da der Garten einem lieben Freunde von -ihm gehörte, so öffnete Herr Böhm die Gartentür, um zu sehen, was der -Hund beginnen würde. Er benahm sich genau so wie die vorhin erwähnte -Dogge vor dem Wandspiegel. Nachdem er das Reh berochen hatte, ließ er -es links liegen. - -Bei dieser Gelegenheit erwähnt Herr Böhm, daß er schon häufig in der -Nachtruhe durch das Gebell der Hunde bei klarem Vollmond gestört worden -sei. Diese Beobachtung ist sehr alt, denn sie hat zu der Redensart -Anlaß gegeben: Die Hunde bellen den Mond an, um damit auszudrücken, daß -der Mensch in diesem Falle ein Bild sinnlosen Tuns erblicken könne. -Diese allgemein herrschende Ansicht, wonach sich ein verächtliches -Geschöpf, wie der Hund, über einen erhabenen Himmelskörper ärgere und -ihn zu begeifern trachte, ist unzweifelhaft unrichtig. Darüber bin ich -mit meinen Bekannten einig. Was aber der wahre Grund der Erregung der -Hunde gegen den Mond ist, läßt sich nicht leicht sagen. - -Die Araber erzählen von ihren Hunden, daß sie oft die weißen Wolken -am Himmel anbellen. Dann ließe sich das Unbehagen des Hundes in der -gleichen Weise erklären, wie bei dem leeren Wasserglase. Seine Augen -sehen etwas Glänzendes, Helles, nämlich den Mond, die Wolken, das Glas, -aber sein Hauptsinn meldet nichts von der Erscheinung. Dem Hunde geht -es genau so, als wenn wir Geisterstimmen hören, aber nichts entdecken -können. Oder wir merken, daß es brandig riecht, können aber die -Brandstelle nicht finden. - -Es kann aber auch sein, daß der wahre Grund ein anderer ist. Viele -Jäger behaupten, daß der Vollmond auf alles Wild und Getier eine -auffallend erregende Wirkung ausübe. Dann belle also der Hund gar nicht -den Mond an, wie man vermute, sondern bei ihm als früherem Raubtier -werde durch den Vollmond die Erinnerung an die vergangenen Zeiten -aufgefrischt, wo er beim Vollmondschein besonders eifrig jagte. - - -16. Warum wedelt der Hund mit dem Schwanze? - -Eine der auffallendsten Erscheinungen ist das Wedeln des Hundes mit -dem Schwanze. Sowohl Peter hat seinen Herrn bei seinem Erscheinen -durch Schwanzwedeln begrüßt, als auch Karo läßt in Gegenwart unseres -Bekannten seinen Schwanz kaum zur Ruhe gelangen. Die Erklärung dafür -ist aber recht verwickelt, so daß wir sie vorläufig zurückgestellt -hatten. - -Auch hier können wir einen wirklichen Fingerzeig zum richtigen Wege nur -dadurch erhalten, daß wir uns in die Lebensweise der wilden Verwandten -unseres Hundes versetzen. Sowohl Wölfe wie Schakale wedeln mit dem -Schwanze, um ein Zeichen ihrer friedlichen Gesinnung zu geben. Das -Schwanzwedeln muß also in ihrer Lebensweise eine wichtige Rolle spielen. - -Auffallend ist es, daß wir bei unseren anderen Haustieren eine solche -Kundgebung durch den Schwanz nicht kennen. Wenn die Katze ihren Schwanz -bewegt, so hat das einen ganz anderen Zweck. Pferde und Kühe bewegen -zwar auch ihren Schwanz, aber um damit Fliegen abzuwehren, nicht -jedoch, um uns zu zeigen, daß sie es gut mit uns meinen. - -Wir erwähnten früher, daß noch heute die verwilderten Hunde in -Konstantinopel jeden fremden Hund zu zerreißen suchen. Nun kommen bei -Wildhunden häufig Fälle vor, wo ein Rudel durch Kämpfe so geschwächt -oder durch Nachwuchs so stark geworden ist, daß sich einige von -ihnen einem anderen Rudel anschließen wollen. Noch häufiger wird es -vorkommen, daß ein von einem Rudel versprengter Hund erst nach einigen -Tagen seine Artgenossen findet. - -Wir wissen, daß alle Hunde nach Möglichkeit gegen den Wind laufen, um -durch ihre Nase zu erfahren, was sich vor ihnen befindet. Kommt nun -ein versprengter Wildhund zu seinem Rudel, so weiß er zwar durch seine -Nase, daß er vor seinem alten Rudel steht, aber die Kameraden wissen -nicht, daß es sich um einen Angehörigen von ihnen handelt. Denn der -Wind weht von dem Rudel zum Ankömmling, nicht aber vom Ankömmling zum -Rudel. - -Bei Wildpferden und Wildrindern werden ebenfalls versprengte Mitglieder -manchmal zurückkehren. Auch die Wildpferde laufen gegen den Wind und -besitzen ebenfalls nur ein schwaches Auge wie der Hund. Trotzdem ist -das Leben des Ankömmlings nicht gefährdet. Er erhält vielleicht einen -unbedeutenden Stoß oder Huftritt, ehe die Seinen erkennen, daß es ein -alter Genosse ist. - -Ganz anders liegt die Sache bei den Wildhundarten. Stürzen sie sich -infolge ihres schwachen Gesichts, und weil ihre Nase wegen der -ungünstigen Windrichtung nichts leisten kann, auf den vermeintlichen -Fremdling, so ist es um ihn geschehen. Er ist in kurzer Zeit abgewürgt. - -Die ungeheure Gefahr, die einem versprengten Wildhund bei seiner -Rückkehr droht, ebenso allen Ankömmlingen, die sich in bester Absicht -dem Rudel nähern, machte für die Hundearten ein Signal, also ein -deutliches Zeichen für Freundschaft nötig. Das erhielten sie durch das -Wedeln mit dem Schwanze. - -Da das Auge des Hundes, wie wir wissen, Bewegungen sehr gut sieht, so -kann das Signal kaum jemals übersehen werden. Der versprengte Hund -braucht bei seiner Rückkehr also nur mit dem Schwanze zu wedeln, -um dasselbe zu erreichen, was die Menschen, die sich als Krieger -gegenüberstehen, durch Hissen eines weißen Taschentuches bezwecken. - -Allbekannt ist es, daß man einen fremden Hund dadurch in eine -freundliche Stimmung versetzen kann, daß man mit der Hand auf das -Knie klopft und dabei ruft: »Komm, gutes Hundchen, komm her!« Der -merkwürdige Erfolg dieser Bewegung erklärt sich einfach als eine -Nachahmung des Schweifwedelns. Die Bewegungen des Armes in Kniehöhe -erinnern an die Bewegungen des Schwanzes. Das Klopfen ist vollkommen -gleichgültig. - - -17. Warum gibt es kurzhaarige Hunde? Der Windhund. - -Karo wird jetzt in das Haus gebracht, und uns an seiner Stelle Hektor -vorgeführt, ein sehr schöner, kurzhaariger Jagdhund. Beide Hunde -vertragen sich ganz gut, sind aber sehr eifersüchtig aufeinander. -Jeder Hundebesitzer weiß, daß der Neid unter den Hunden sehr groß ist. -Wenn ein Hund einmal nicht fressen wollte, was in Friedenszeiten nicht -selten vorkam, so brauchte man nur zu rufen: »Ich werde es dem Pussel, -nämlich dem Hunde des Nachbars, oder der Katze geben,« dann packte -der Neid den Hund derartig, daß er alles bis auf den letzten Bissen -hinunterschluckte. - -Da der Wildhund, wie wir am Wolfe sehen, selbst im Sommer nicht -kurzhaarig wird, so muß der Mensch den Hunden künstlich die -Kurzhaarigkeit angezüchtet haben. Warum hat er das getan? - -Der Jäger gebraucht den Hühnerhund, wie wir bereits wissen, besonders -bei der Jagd auf Rebhühner. Diese beginnt gewöhnlich im August, wo es -manchmal glühend heiß ist. Das andauernde Laufen in der brennenden -Sonnenglut kann ein Wildhund nicht vertragen. Denn als nächtliches Tier -ruht er zu dieser Zeit irgendwo in einem schattigen Gebüsch. - -Ein kurzhaariger Jagdhund kann bei seiner geringen Behaarung der -Sonnenglut viel leichter standhalten. Trotzdem macht der Jäger an -heißen Augusttagen zur Mittagszeit eine Pause. - -Aber nicht nur der Jäger hat von der Kurzhaarigkeit Vorteil. Jeder -Hundebesitzer weiß, wie schwierig die Haarpflege bei langhaarigen -Hunden ist. Auch kann man dem Ungeziefer schwer beikommen. - -In der freien Natur vollzieht sich der Haarwechsel, der im Frühjahr -und im Herbst eintritt, sehr schnell. Wölfe und Füchse brauchen nicht -gekämmt zu werden, um die alten Winterhaare zu verlieren. Sie krauchen -fast alltäglich durch Gebüsch und Dornen, die das Kämmen besser als der -Mensch mit einem Kamm besorgen. So sehen freilebende Tiere immer glatt -aus. - -Stubenhunde dagegen, die wenig Bewegung haben, haaren so ziemlich das -ganze Jahr und können dem Besitzer fortwährend Arbeit verursachen. Bei -langhaarigen Hunden ist das natürlich besonders schlimm. - -Kurzhaarigen Hunden im Winter bei strengem Frost eine Decke auflegen, -ist also keine Verzärtlichung, wie man häufig hört. Denn wir Menschen -haben den Hunden das natürliche Haarkleid, das sie bei großer Kälte -brauchen, fortgezüchtet. - -Wie schön wäre es doch für uns Menschen, wenn auch uns im Winter die -notwendige wärmere Bekleidung von der Natur geschenkt würde, wie es bei -den Tieren der Fall ist. Namentlich jetzt bei den so teuren Preisen! - -Weil kurzhaarige Hunde im Winter leicht frieren, so hat man ein -Mittelglied zwischen ihnen und den langhaarigen Hunden gezüchtet, -nämlich stichelhaarige oder rauhhaarige. - -Während die Kunststücke beim Pudel nur Unterhaltungswert besitzen, ist -die Abrichtung eines Jagdhundes für den Jäger von großem Wert. Er muß -stets an der linken Seite gehen, um seinem Herrn beim Schießen nicht -hinderlich zu sein, er muß auf den Zuruf »nieder« oder »down (daun)!« -sich fest auf die Erde legen. Dadurch erreicht man, daß man den Hund -ohne Leine fest in der Hand behält, wenn er beispielsweise bei einer -Hetze uns entschwinden will. - -Herr Böhm zeigt uns, wie gut Hektor dressiert ist. Er apportiert mit -Freuden, selbst eine tote Krähe, was Hunde sonst nicht gern mögen. - -Unser Bekannter räumt ein, daß man Jagdhunde nicht zu sehr wegen -ihrer Anhänglichkeit auf die Probe stellen darf. Wie groß die -Jagdleidenschaft ist, erkennt man daran, daß der gierigste Fresser oft -das Essen unbeachtet läßt, wenn es zur Jagd geht. - -Ich habe selbst erlebt, daß in dem Jagdrevier eines Freundes, in dem -ich jagen durfte, die Jagdhunde ihren alten Wärter im Stich ließen und -sich mir, dem Fremden, anschlossen, nur weil ich mit dem Gewehr auf -Jagd ging. - -Herr Böhm erzählt uns von seinen früheren Hunden. So hat er viele -Jahre einen Dachshund »Männe« gehabt. Wie alle Dachshunde war er sehr -selbständig und gehorchte seinem Herrn regelmäßig nur dann, wenn es ihm -paßte. - -Der Unabhängigkeitssinn des Dachshundes im Verhältnis zu seinem Herrn, -den man bei anderen Hunden nicht antrifft, muß natürlich seinen -Grund haben und hat ihn auch. Der Dachshund wird von den Jägern dazu -gebraucht, um Dachse und Füchse, die in ihre Höhle geflüchtet sind, zu -stellen, möglicherweise auch zu würgen. Bei diesem unterirdischen Kampf -auf Leben und Tod hat der Mensch es sehr leicht zu sagen: »Faß, mein -Hundchen, faß!« Das Zufassen wäre in dem Zeitpunkte vielleicht gerade -ein großer Fehler, denn es darf nur in einem günstigen Augenblicke -geschehen. Der Dachshund hat sich also daran gewöhnt, das, was sein -Herr sagt, nicht sonderlich zu achten. - -Ganz besonders liebte es »Männe«, Knochen für eine spätere Zeit sich -aufzuheben und zu diesem Zwecke zu verscharren. Der Dachshund ist zum -Wiederauffinden der verscharrten Knochen ganz besonders geeignet, da -seine Nase sehr fein ist und sich obendrein ganz nahe am Erdboden -befindet. - -Auch einen Windhund »Roland« hat mein Bekannter längere Zeit besessen, -hat ihn aber wieder weggegeben, da er für ihn keine Verwendung hatte. -Der Windhund nimmt noch eine größere Ausnahmestellung unter den Hunden -ein als der Dachshund. - -Gerade der Windhund ist ein untrüglicher Beweis dafür, daß Auge und -Nase in einer gewissen Abhängigkeit voneinander stehen. Von allen -Hunden sieht er am besten und muß auch am besten sehen, da er als -Hetzer vorher das Wild erblicken muß, das er einholen will. Dafür ist -auch sein Geruch, wie schon die kleine Nase andeutet, nicht entwickelt -genug, um, wie die andern Hunde, mit ihm eine Fährte dauernd zu halten. - -Auf dieses geringere Geruchsvermögen des Windhundes führt man es -zurück, daß er an den Menschen so wenig anhänglich ist. Man hat nämlich -bei säugenden Hunden, die durch einen Unglücksfall ihre Riechfähigkeit -eingebüßt, festgestellt, eine wie ungeheure Rolle bei den Hunden die -Nase spielt. Sie konnten ihre Mutter nicht mehr finden und später die -verschiedenen Speisen nicht unterscheiden. Auch waren sie nicht im -geringsten anhänglich an ihren Herrn. - -Dieser Mangel an Anhänglichkeit bei riechunfähigen Hunden kommt einfach -daher, weil sie kein Mittel haben, um ihren Herrn von anderen Menschen -zu unterscheiden. Sie gleichen jungen Affen, denen man die Augen -ausgestochen hat. Auch diese würden nicht anhänglich werden, weil sie -ihren Herrn von andern Personen nicht unterscheiden können. - -Der Windhund dagegen ist deshalb weniger anhänglich, weil er von einer -Wildhundart abstammt, die, wie die Katze, gewöhnlich allein jagt. Der -Windhund mit seiner ungeheuren Geschwindigkeit braucht kaum einen -Mithelfer, um Beute zu erlangen. Deshalb heult er sich auch nicht mit -andern Wildhunden zusammen. Aus diesem Grunde neigt der Windhund sehr -wenig zum Bellen. - - -18. Der Schäferhund als Polizei- und Blindenhund. - -Auch einen Schäferhund hat Herr Böhm besessen und will sich einen -solchen wieder anschaffen, da Pudel und Jagdhunde, wie wir wissen, als -Wächter für Grundstücke weniger passen. - -Der Schäferhund hat nicht ganz das Auge des Windhundes, immerhin aber -ist es viel besser als bei den meisten andern Hunden. Das rührt von -seiner Tätigkeit beim Hüten der Schafe her. - -Zum Polizeihund ausgerechnet den Schäferhund zu wählen, wird man kaum -gutheißen können. Bei der Jagd hat man eigentlich den Schäferhund -nur gebraucht, wenn man Wildschweine ausfindig machen wollte. Diese -aber haben eine so strenge Ausdünstung, daß man sie fast mit der -Menschennase finden kann. - -Trotzdem hat man den deutschen Schäferhund zum Polizeihund gewählt. Das -kommt sicherlich daher, weil er der willigste und diensteifrigste Hund -ist. Jeder muß den Schäferhund schätzen, weil ohne seine unermüdliche -Tätigkeit der Hirte machtlos wäre. - -Selbstverständlich ist es nicht der Mensch gewesen, der dem Hunde das -Umkreisen der Schafe beigebracht hat. Vielmehr handelt es sich um einen -uralten Trieb der Wildhunde, die ein Rudel Pflanzenfresser umkreisen, -um sie an Abhänge zu treiben, von denen sie abstürzen und den Feinden -zur Beute werden. - -Wie sehr auch heute noch in den Schäferhunden das Raubtier schlummert, -beweist die Tatsache, daß manche bei großer Langeweile von der -»Schafsucht« gepackt werden, indem sie nach Art ihrer Vorfahren Schafe -zu würgen beginnen. -- - -Die Leistungen der Polizeihunde sind erst überschwenglich gelobt -worden. Später hat eine wissenschaftliche Kommission Untersuchungen -veranstaltet und ist zu dem Ergebnis gelangt, daß die Hunde nicht -die Fähigkeit besitzen, einzelne Personen durch ihren Geruch zu -unterscheiden. - -Demgegenüber muß auf die uralte Tatsache hingewiesen werden, daß -erlegtes Wild durch Schreckmittel vor dem Verzehren durch Nasentiere -bewahrt werden muß. Hat der Jäger in Afrika eine Antilope erlegt, -die er nicht nach dem Lager schleppen kann, so muß er durch ein -Taschentuch oder andere Gegenstände Hyänen und Schakale abschrecken. -Diese Raubtiere sind nicht schnell genug, um eine Antilope zu fangen. -Sowie sie aber verwundet ist, dann folgen sie ihrer Fährte. Genau so -ist es in Deutschland mit dem Hirsch und Fuchs und war es früher mit -dem Bären. Ein Fuchs oder ein Bär kann keinen gesunden Hirsch einholen -oder einen gesunden Rehbock. Haben Hirsch oder Reh aber die Kugel vom -Jäger erhalten, so verfolgen die genannten Raubtiere die verwundeten -Pflanzenfresser. Ein Nasentier unterscheidet also an der Fährte ohne -Frage, ob das Geschöpf gesund oder krank ist. So sehen wir im Frühjahr -die männlichen Hasen (Rammler) mit gesenkter Nase in fliegender Fahrt -der Spur der Häsin folgen. Der Hase findet also durch die Nase nicht -nur die Spur, sondern erkennt auch durch den Geruch, ob es ein Männchen -oder Weibchen ist. - -Hunde haben so häufig die Spur ihres Herrn unter zahlreichen anderen -herausgefunden, daß ein Zweifel daran ausgeschlossen ist. Ich habe es -oft erlebt, und es überhaupt nicht für möglich gehalten, daß man eine -solche Tatsache bestreiten kann. - -Der Mensch kann unzweifelhaft mit seinen Augen seine Bekannten von -anderen Leuten unterscheiden. Aber in einer großen Versammlung, -in einem vollbesetzten Zirkus vermag er seinen Bekannten nicht -herauszufinden. So geht es dem Polizeihund auch in dem Gewirr der -Spuren in einer Großstadt. In großen Städten wird die Leistung eines -Polizeihundes kaum der Rede wert sein. Dagegen kann er auf dem Lande -sehr wohl zur Aufdeckung eines Verbrechens beitragen. - -Völlige Klarheit in die Sachlage dürfte erst die Zukunft bringen. - -In Jägerkreisen zweifelt kein Mensch an den hervorragenden Leistungen -der Hundenase, selbst wenn der Hund dicht an der gesuchten Beute -vorbeilaufen sollte. Man sagt sich mit Recht, daß der Mensch die -Nasentätigkeit eines Tieres zu schwer beurteilen kann. - -Bei Hundeprüfungen, die häufig stattfinden, läßt man deshalb jedesmal -zwei Hunde arbeiten, um einen besseren Maßstab für die Beurteilung zu -haben. - -Viel besser als zum Polizeihund eignet sich der deutsche Schäferhund -zum Blindenhund. Hier ist seine Dienstwilligkeit unbezahlbar, und hier -kommt ihm sein besseres Auge sehr zustatten. Mit tiefer Rührung habe -ich oft zugesehen, wie tadellos er seinen blinden Herrn geführt hat. -Allerdings wird nur der Blinde mit seinem Hunde gut auskommen, der -etwas Hundeverständnis besitzt. - -Das Publikum aber sollte dem Blinden und dem Hunde nach Möglichkeit -behilflich sein. Das mindeste aber, was man verlangen kann, ist das, -daß man den eigenen Hund festhält, damit er den Hund des Blinden nicht -stört. Bekanntlich haben alle Hunde den unbezähmbaren Drang, sobald sie -einen Artgenossen wahrnehmen, seine Bekanntschaft zu machen. - - -19. Die Fütterung des Hundes. - -In seiner langjährigen Praxis ist Herr Böhm zu dem Ergebnis gelangt, -daß eine einmalige gründliche Fütterung abends für erwachsene Hunde das -Zuträglichste ist. - -Das stimmt ganz damit überein, daß die Wildhunde als Nachttiere mit -Einbruch der Dämmerung auf Raub ausgehen. Haben sie ein größeres Tier -erbeutet, so fressen sie sich gründlich satt, was bis zum nächsten -Abend vorhalten muß. - -Alle Wildhundarten lieben auch pflanzliche Nahrung. Füchse sind -arg nach Weintrauben, Wölfe fressen gern Kürbisse, Gurken, Brot -und dergleichen. Hunde, die Früchte, ja Aepfel fraßen, habe ich -wiederholentlich kennen gelernt. Die reine Fleischfütterung ist also -bei dem Hunde unrichtig. - -Gesalzene und gewürzte Speisen sind für den Hund nachteilig. -Hundebesitzer, die aus Gastwirtschaften das Futter beziehen, pflegen -wieder davon abzugehen, weil die Hunde wegen der stark gesalzenen und -gewürzten Speisen nicht gedeihen. Bei Schoßhündchen soll es anders -sein. Diesen sollen solche Sachen sehr gut bekommen. Aus eigener -Wissenschaft weiß ich hierüber nichts. - -Ueber den Salzhunger der Pflanzenfresser und die Gefährlichkeit des -Salzes beim Raubtier soll noch beim Schwein näher gesprochen werden. - -Röhrenknochen vom Geflügel vermeiden viele Hunde aus »Instinkt« -(vergleiche Kapitel 69). Durch Zerbeißen entstehen nämlich Knochenenden -mit langen scharfen Spitzen, die dem Tiere sehr gefährlich werden -können. - -An dem Hunde eines Konditoreibesitzers konnte ich im Frieden -beobachten, daß andauernder Zuckergenuß Hunden sehr nachteilig ist. -Dieser bettelte allen Besuchern durch Schönmachen den Zucker ab und -starb nach kurzer Zeit. - -Wie die Tiere in den Zoologischen Gärten, die meistens Nachttiere sind, -durch die Besucher Tagtiere geworden sind, so hat sich der Hund durch -den Verkehr mit dem Menschen daran gewöhnt, am Tage tätig zu sein. An -seine alte Tätigkeit erinnert noch folgendes: - -Alle Hunde, namentlich Wachhunde, sind mit Einbruch der Dämmerung -besonders zu Angriffen geneigt. - -Viele Hunde heulen noch heute gern, wenn es Abend wird. - -Die meisten Hunde schlafen gern am Tage bei großer Hitze. Hierbei kann -man bei ihnen öfter beobachten, daß sie wie die Menschen träumen. - -Ihr Schlaf ist sehr unruhig und sie erwachen bei dem kleinsten -Geräusch. Auch die Wildhundarten jagen ausnahmsweise auch am Tage, wenn -sich eine günstige Gelegenheit bietet. Bei der Katze ist es ebenso. - -Schwerlich würde der Hund ein so guter Wächter in der Nacht sein, wenn -er nicht ursprünglich ein nächtliches Raubtier gewesen wäre. - -Auf die feine Nase des Hundes wird von den Besitzern gewöhnlich viel -zu wenig Rücksicht genommen. Zigarrenhändler, Drogisten, ja Apotheker -halten in ihren Läden Hunde, obwohl hier schon den menschlichen Nasen -nicht wohl ist. - -Wir haben schon darauf aufmerksam gemacht, daß Menschen und Tiere -nicht dieselben Gerüche lieben. Kölnisches Wasser duftet unserer Nase -angenehm, aber der Hund wendet sich mit Abscheu ab. - -Ebenso kann ihm die schönste Havannazigarre nicht gefallen. Die -Scherze, die man mit Hunden macht, indem man ihnen brennende -Tabakspfeifen ins Maul steckt, sind also nicht ohne Nachteil für das -Tier. - -Ist die Hütte voll Ungeziefer, so reinigen wir sie mit Karbol und -reiben den Hund mit Insektenpulver ein. Und wir bilden uns noch etwas -auf unsere Tierfreundlichkeit ein, wenn wir dem armen Hunde diese -Höllenqual bereitet haben. - -Was machen denn Wolf und Fuchs, wenn das Ungeziefer und die Wärme in -der Höhle im Sommer zu toll wird? Sie schlafen einfach im Freien und -zwingen das Ungeziefer zum Auswandern, weil es in der leeren Höhle -nichts zu saugen gibt. - -Gegen Petroleumfässer war ich früher eingenommen, weil wir einen Hund -besaßen, der große Abneigung gegen den Geruch von Petroleum zeigte. -Ich schloß auf einen allgemein herrschenden Widerwillen gegen diese -Flüssigkeit. Später habe ich mich davon überzeugt, daß unser Hund eine -Ausnahme bildete. - -Es ist die Vermutung aufgestellt worden, daß das Petroleum tierischen -Ursprungs ist. Es soll von den großen Landtieren herstammen, die -in Vorzeiten die Erdkugel bewohnten. Diese Vermutung würde dadurch -unterstützt werden, daß unsere Hunde Petroleum gern haben, wie sie alle -Tierreste lieben. - -Auffallend ist es, wie schnell Wunden bei Hunden heilen. Doch kommen -auch Ausnahmefälle vor. So zeigt uns unser Bekannter an seinem -Hektor eine oberhalb der Nase verlaufende Narbe, die sich erst nach -mehrwöchiger Bepinselung gebildet hat. Wie die meisten Praktiker, so -schwört auch Herr Böhm darauf, daß die Wunde sehr schnell geheilt wäre, -wenn sie der Hund hätte belecken können. - -Tatsache ist es jedenfalls, daß die von der heutigen Heilwissenschaft -so sehr gepriesene Freiluftbehandlung der Wunden ohne Verband von -jeher bei den Tieren üblich war. Alle Hunde haben sich stets den von -Menschenhänden gemachten Verband abzureißen versucht. Der Bürgermeister -einer kleinen Stadt, in der ich damals wohnte, ließ, um seinen Hund an -dem Abreißen des Verbandes zu hindern, eine Blechhülle um den Verband -anbringen. Jetzt war der Hund machtlos, aber geheilt ist das verletzte -Bein niemals. - - -20. Die Feinde des Hundes. Hund und Wolf. - -Jedes Geschöpf, das sich auf der Erde befindet, hat Feinde. Die -Pflanzenfresser haben ihre Feinde in den Raubtieren und die Raubtiere -wieder untereinander. Selbst die stärksten Raubtiere haben ihren -gefährlichsten Feind im Menschen, der sie an manchen Stellen bereits -ausgerottet hat, weshalb man den Menschen als das allerstärkste -Raubtier bezeichnet hat. - -Die Hunde haben ihre Feinde zunächst in den großen Katzen, namentlich -in dem Leoparden und Jaguar, wovon noch näher gesprochen werden soll, -wenn wir bei der Katze von dem Haß des Hundes gegen sie sprechen. -Sodann stellen ihnen in den heißen Ländern die größten Schlangenarten -nach. Besonderen Appetit auf Hundebraten verspürt das Krokodil, weshalb -die dort lebenden Hunde nur unter den größten Vorsichtsmaßregeln zur -Tränke gehen. Die Bären schlagen wohl Hunde bei ihrer Verteidigung -nieder, aber zu fressen scheinen sie ihre Feinde nicht. - -Im Gebirge wird den Hunden der Lämmergeier gefährlich, da er sie, wenn -sie in der Nähe von Abgründen weilen, hinabzustürzen sucht. Da Adler -sich nicht besinnen, einen Fuchs anzugreifen, ebenso auch der Uhu, so -werden diese Raubvögel unter Umständen auch jungen Hunden gefährlich, -wenn sie von der Mutter nicht verteidigt werden. - -In unserem Vaterlande spielen alle diese Feinde keine Rolle. Das -einzige Tier, das ihm direkt tödlich werden könnte, ist die Kreuzotter. -Trotzdem namentlich Jagdhunde überall umherstöbern, kommt es doch sehr -selten vor, daß sie von Kreuzottern gebissen werden. Herr Böhm erzählt -uns, daß ihm bei seinen eigenen Hunden noch nichts vorgekommen sei, -obwohl die Kreuzotter in der Gegend nicht selten sei. Dagegen habe ihm -ein Jagdfreund von einem solchen Fall bei seinem Hunde erzählt. Dieser -Hund habe sich selbst geheilt, indem er zu einem Strom lief und die -gebissene Stelle ununterbrochen vierundzwanzig Stunden darin hielt. -Unmöglich wäre diese Handlungsweise nicht, da Tiere sich auch, wenn man -ihnen vergiftete Brocken hinlegt, durch Gegenmittel zu retten wissen -(vergl. Kapitel 69). - -Der größte Feind der Hundearten ist aber die eigene Verwandtschaft, wie -es bei den Menschen auch so häufig der Fall ist. Wer die Fabeln von der -Freundschaft zwischen Haushund und Wolf, ebenso die zwischen Wolf und -Fuchs ausgeheckt hat, war kein wirklicher Tierkenner. - -Ebenso hört man die unausrottbare Ansicht, daß ein verwilderter Hund -von den Wölfen zum Anführer gewählt wird. Der Gedankengang ist dabei -folgender. Der Hund hat von dem klugen Menschen so viel Klugheit -mitbekommen, daß die Wölfe willig seine geistige Herrschaft anerkennen -und auch von der Klugheit des Hundes Nutzen ziehen wollen. - -In Wirklichkeit liegt die Sache so, daß die Haushunde im Kampfe mit -dem Wolfe in der lächerlichsten Weise übertölpelt werden. Schon im -Altertum schilderte man ganz zutreffend, wie leicht ein paar Wölfe ein -Schaf erbeuteten trotz der Anwesenheit von dem Hirten und seinem Hunde -oder seinen Hunden. Ein Wolf nähert sich der Herde und wird natürlich -von der wachsamen Schar der Hunde wahrgenommen und von ihr ingrimmig -verfolgt. Unterdessen hat sich unbemerkt der andere Wolf an die Herde -geschlichen und trägt in Gemütsruhe ein Opfer fort. - -In wolfreichen Gegenden holen sich, wie mir erfahrene Jäger versichert -haben, in ähnlicher Weise die Wölfe den starken Haushund, wenn sie der -Hunger kühn gemacht hat. Ein Wolf nähert sich dem Tore des Gehöfts. -Der Hund ist sich seiner Pflicht bewußt und verfolgt den grauen Räuber -eine Strecke weit. Inzwischen hat ein anderer Wolf dem Hunde den -Rückzug abgeschnitten und eilt ihm nach. Der verfolgte Wolf dreht sich -plötzlich um, und beide stürzen sich auf den Hund, der in kurzer Zeit -sein Grab im Wolfsmagen findet. - -Trotz der großen Aehnlichkeit zwischen dem Wolfe und manchen großen -Hunderassen ist der Wolf unzweifelhaft der an Kräften Ueberlegene. -Der Wolf, der am Waldesrande sitzt oder durch den Forst trabt, ist -nach Tschudi in Bau und Farbe dem Fleischerhunde so ähnlich, daß er -mit ihm verwechselt werden könnte und von gleicher Abstammung zu sein -scheint. Und doch hat man von jeher die Erfahrung gemacht, daß beide -Tiere einen entschiedenen Widerwillen gegeneinander haben. Der starke -Wolf vermeidet es gern, dem viel schwächeren Hunde zu begegnen. Dieser -zittert und sträubt die Haare, wenn er den Wolf wittert. In der Schweiz -wagen es nur jene starken und treuen Hunde, welche die Bergamasker -Schafherden in den Engadiner Alpen bewachen, einzeln auf den die Herde -umlauernden Räuber loszugehen und mit ihm in höchster Erbitterung auf -Leben und Tod zu kämpfen. Wird der Wolf Meister, so liebt er es, den -halbzerfleischten Hund aufzufressen, während der siegreiche Hund selbst -den erlegten Wolf noch verabscheut. - -Ein Fall aus der Schweiz, in dem zwei Männer mit ihrem Gespann durch -einen Hund vor dem Ueberfall eines Wolfes bewahrt wurden, sei hier -angeführt. Es war klarer Mondenschein, aber auch eine bitterkalte -Winternacht, als ein Arzt mit dem abgesandten Eilboten sich auf den -offenen sogenannten Reitschlitten setzte und, von seinem mächtigen -Bergamasker Hunde Beloch, der ihm schon manche Probe von Klugheit, -Treue und Mut gegeben, begleitet, die Fahrt zu einem Kranken begann. -Rasch wurde mit dem guten Pferde auf frostharter Bahn ein Stück Weg -zurückgelegt. Als das Cotza-Tobel erreicht war, hielt plötzlich der -Hund, der mit dem Pferde bisher Schritt gehalten, an und sprang mit -einem großen Satz auf eine hochbuschige Hecke am Wege, hinter der -sich ein Tier bewegte, das von dem nächtlichen Reisenden für einen -Fuchs gehalten wurde. Langsam gelangte das Fuhrwerk auf die Höhe -von Quartins. Der Hund folgte längs des Buschwerks und näherte sich -hier seinem Herrn wieder, sich hoch neben demselben aufrichtend und -zähnefletschend, mit gesträubten Haaren, gegen einen großen Wolf -knurrend, dessen Augen durch die Hecke glänzten. Unwillkürlich hielt -das Pferd an. Wolf und Hund maßen sich, beide knurrend, mit wütendem -Blicke. Der Arzt und sein Begleiter erkannten entsetzt die Gefahr, -deren Opfer sie jeden Augenblick werden konnten, und da sie ganz -waffenlos waren, suchten sie ihre Rettung in der Flucht. Sie peitschten -das Pferd, und pfeilschnell schoß der leichte Schlitten dahin. Aber -ebenso schnell folgten Wolf und Hund diesseit und jenseit der Hecken -und Mauern, die sich des Weges entlang zogen. Mehrere Male versuchte -die heißhungrige Bestie über die Verzäunung zu springen, aber überall -fand der Wolf Beloch vor der Lücke, bereit, ihn mit seinem gewaltigen -Gebiß zu empfangen. So ging die Hatz eine halbe Stunde lang bis zur -Kirche von Lovin, wo erst der Wolf seine Beute aufgab und mit wütendem, -heulendem Gebrüll sich gegen das Gebirge zurückzog. Die geretteten -Männer weckten ihren Gastfreund im Dorfe, um sich eine Erfrischung und -Waffen zu erbitten. Nicht ohne Rührung bemerkten sie, wie nun Beloch -das ihm gereichte Stück Brot sofort aus der Stube trug und sich vor das -Pferd setzte, um das Brot zu verzehren, alle Augenblicke bereit, das -Pferd gegen den vielleicht zurückkehrenden Wolf zu verteidigen. - -Der Gewährsmann des vorstehenden Erlebnisses ist der bekannte -Naturforscher Tschudi. Folglich ist der Bericht durchaus glaubwürdig. -Der zur Sommerzeit am Tage nach unseren Begriffen feige Wolf zeigt -sich als nächtliches Raubtier in der Mitternachtszeit bei starker -Winterkälte, wo ihn der Hunger plagt, als ein sehr gefährliches -Raubtier. Wahrscheinlich war es noch ein junges Tier und gehörte zu der -kleineren Wolfsart, da er zunächst für einen Fuchs gehalten wurde. Denn -auch die Wölfe sind in ihrer Größe sehr verschieden. - -Es wurde schon erwähnt, daß in Nordamerika der große Waldwolf und der -fuchsgroße Coyote leben. Der Coyote wird natürlich wie unser Fuchs von -jedem stärkeren Hunde abgewürgt. Dagegen nimmt es nach Thompson der -Waldwolf mit mehreren Hunden auf. Er schildert Fälle, wo ein Dutzend -Hunde es nicht wagten, einen einzelnen Waldwolf anzugreifen. - -Thompson hat bei den Viehzüchtern gelebt, deren größte Feinde die Wölfe -sind, und so kann man ihm Sachkunde nicht absprechen. Da die Wölfe von -den Herden der Züchter lebten, so richteten sie unermeßlichen Schaden -an, und alle Mittel wurden gegen sie versucht, um sie zu vernichten. Da -riet ein Ausländer den Viehzüchtern, gegen die Wölfe mit den stärksten -Hundearten vorzugehen. - -Bald schaffte auch der Ausländer, um die Wahrheit seiner Worte zu -erweisen, zwei prachtvolle dänische Doggen herbei, eine weiße und eine -blaue mit schwarzen Flecken und einem eigentümlichen weißen Auge, das -ihr ein besonders wildes Aussehen gab. Fast jedes von diesen Geschöpfen -wog nahezu 200 Pfund. Muskeln hatten sie wie Tiger, und man glaubte -dem Ausländer gern, als er erklärte, diese beiden allein nähmen es mit -dem größten Wolf auf. Ihre Art zu jagen beschrieb er folgendermaßen: -»Sie haben nichts weiter zu tun, als ihnen eine Fährte zu zeigen, und -wenn sie auch schon einen Tag alt ist, folgen sie ihr unverzüglich -und lassen sich auf keine Weise davon abbringen. Bald werden sie den -Wolf finden, mag er auch noch so sehr die Spur zu verwirren und zu -verstecken suchen. Dann gehen sie ihm an den Leib; er will davonrennen, -aber der Blaue packt ihn in der Flanke und schleudert ihn so« -- der -Erzähler warf eine Brotkrume in die Luft -- »und ehe er wieder auf den -Boden kommt, hat ihn der Weiße am Kopf und der andere am Schwanz, und -sie reißen ihn auseinander -- sehen Sie, so!« - -Das klang nicht schlecht, und alle brannten darauf, die Probe zu machen. - -Leider fanden die Viehzüchter bei ihren Ausflügen keinen Wolf, auf den -sie die Doggen hätten hetzen können. Sie kamen daher auf den Gedanken, -den zahmen, einem Gastwirt gehörenden Wolf, der an der Kette lag, als -»Versuchskaninchen« zu gebrauchen. Sie kauften dem Wirt das Tier ab. -Die Hunde ließen sich mit Mühe zurückhalten, so kampflustig waren sie, -nachdem sie einmal den Wolf gewittert hatten. Aber ein paar starke -Männer hielten sie an den Riemen fest, und der Wolf wurde nicht ohne -Schwierigkeiten herausgebracht. Zuerst sah er erschreckt und verwirrt -aus. Als er sich frei fühlte und mit Geschrei und Hallo gescheucht -wurde, machte er sich in langsamem Trott davon nach Süden zu, wo -unebenes Terrain lockte. In diesem Augenblick ließ man die Hunde frei, -die mit wütendem Gebell dem jungen Wolfe nachsprangen. Die Männer -ritten mit lautem Hurra hinterdrein. Von vornherein schien für den Wolf -keine Möglichkeit des Entkommens zu bestehen, denn die Hunde waren weit -schneller als er, und der Weiße konnte rennen wie ein Windhund. Der -Ausländer war außer sich vor Begeisterung, wie sein schnellster Hund -über die Prärie flog und jede Sekunde dem Wolfe sichtlich näher kam. -Viele wollten auf die Hunde wetten, aber kein Mensch nahm die Wette -an. Jetzt griff der Wolf aus, so gut er konnte, aber nach tausend und -einigen Metern war der Hund gerade hinter ihm und fuhr auf ihn los. - -Im Augenblick waren die Tiere aneinander. Beide fuhren zurück, aber -keiner flog, wie es der Ausländer vorausgesagt hatte, in die Luft, im -Gegenteil, der Weiße überschlug sich mit einer furchtbaren Wunde in der -Schulter und war kampfunfähig, wenn nicht tot. - -Nach zehn Sekunden war der Blaue zur Stelle. Auch diesmal dauerte das -Duell nur kurze Zeit und verlief fast ebenso unbegreiflich wie das -erste. Kaum sah man, daß die Tiere sich berührten. Der Graue sprang -beiseite, während sein Kopf bei einer blitzschnellen Wendung einen -Augenblick unsichtbar blieb, und der Blaue taumelte und zeigte eine -blutende Flanke. Von den Männern angefeuert, griff er noch einmal -an, aber nur, um sich noch eine Wunde zu holen, die ihn nach keiner -weiteren Verlangen tragen ließ. - -Ein einjähriger Wolf, der an der Kette gelegen hat, wird also spielend -mit zwei riesigen Doggen fertig. Das beweist die große Ueberlegenheit -des grauen Räubers. Allerdings hatte dieser junge Wolf bereits große -Erfahrung im Kampfe mit Hunden, denn man hatte zahllose Hunde auf ihn -gehetzt. - -Der Wolf als freilebendes Tier ist ungeheuer viel schneller und -gewandter im Beißen, auch bringt er den Hunden, besonders kurzhaarigen, -furchtbare Wunden wegen des mangelnden Haarschutzes bei. - - -21. Rätselhaftes beim Hunde. - -Von einigen Rätseln, die uns der Hund aufgibt, haben wir bereits -gesprochen, nämlich von seinem Zeitsinn und Ortssinn. Beide Sinne teilt -er mit den meisten anderen Tieren. - -Seit dem Altertum glaubt man vom Hunde, daß er Gespenster und -Gottheiten wahrzunehmen vermöge. Dieser Glaube ist sehr verständlich. -Der Naturmensch beobachtete täglich, daß der Hund das Vorhandensein von -Dingen merkte, die ihm trotz aller Anstrengungen entgingen, man denke -z. B. an die Anwesenheit eines durch Schutzfärbung unsichtbaren Wildes. -Da der Naturmensch Gespenster und Gottheiten mit eigenen Augen nicht -erblicken konnte, so war es naheliegend, dem Hunde auch in diesem Falle -die Fähigkeiten beizulegen, die dem Menschen fehlten. - -Die Ansicht, daß der Hund manchmal durch sein Geheul den bevorstehenden -Tod seines Herrn anzeigt, scheint kein Aberglaube zu sein. Ich habe -einen solchen Fall selbst in meiner Verwandtschaft erlebt. Die Frau -eines schwer Erkrankten schickte sofort zum behandelnden Arzte, weil -sie durch das plötzliche Geheul des Hundes und sein Verkriechen in -eine dunkle Ecke sehr beunruhigt war. Der Arzt untersuchte den Kranken -eingehend und tröstete die Frau durch den Hinweis, daß für die nächsten -24 Stunden nichts zu befürchten sei. Der Hund war jedoch der bessere -Prophet, denn nach drei Stunden war sein Herr tot. - -Aehnliche Fälle sind folgende: Vielen Züchtern ist es bekannt, daß -die feine Nase des Hundes oft Krankheiten bei Tieren feststellt, von -denen der Besitzer nichts ahnt. So behandeln manche Hunde gewisse -Ferkel schlecht, denen jedoch äußerlich nichts anzusehen ist. Nach -dem Schlachten zeigt es sich, daß sie an schweren inneren Krankheiten -gelitten hatten. An sich ist also durchaus nicht wunderbar, daß -der Hund bereits die innere Zersetzung eines Sterbenden wahrnimmt, -wo wir mit unseren stumpfen Sinnen nichts feststellen können. In -Uebereinstimmung hiermit wurde in einer ernsten wissenschaftlichen -Zeitschrift vor einigen Jahren gemeldet, daß vor dem Tode eines -Menageriebesitzers die Hyänen, Schakale und Hunde ein grauenhaftes -Konzert anstimmten. Auch hier handelt es sich um lauter Nasentiere. - -Es ist bereits erwähnt worden, daß Hunde gut schwimmen können. Wie -überlegen sie aber darin dem Menschen sind, konnte ich im vergangenen -Sommer recht deutlich erkennen. Die Netze führte sehr viel Wasser, und -der Strom war so stark, daß ein mir bekannter Meisterschwimmer, ein -auffallend kräftiger Mann, nicht einen Schritt dagegen vorwärtskommen -konnte. Dagegen schwamm der kleine Hund eines Schiffers, eine -sogenannte »Schiffertöle«, nicht nur mehrmals in einer Stunde gradlinig -über den Strom, sondern schwamm auch mit Leichtigkeit gegen die -Strömung. Selbst durch die Wirbel, die bei den Buhnen, d. h. den -Schutzbauten der Ufer, gebildet wurden, schwamm er, als wenn er durch -einen Teich schwämme, während der Meisterschwimmer durch den Wirbel -in die Tiefe gerissen wurde und sich nur ganz mühsam retten konnte. -Wenn ich diese Leistungen eines kleinen Hundes nicht mit eigenen Augen -gesehen hätte, würde ich sie nicht glauben. Eine Erklärung für sie habe -ich vorläufig nicht. - -Noch eine seit Jahrtausenden bekannte Eigentümlichkeit des Hundes -sei erwähnt, weil sie von großer praktischer Bedeutung ist. Vorher -sei folgendes bemerkt: Der Hund soll unser Eigentum schützen und -ist natürlich, je wachsamer er ist, um so mehr dem Einbrecher ein -Dorn im Auge. Gegen das Vergiften des Wachhundes kann man sich -einigermaßen dadurch schützen, daß man ihn vorher leidlich füttert -und ihn lehrt, von fremden Personen nichts anzunehmen. Viel wirksamer -ist das Verfahren der Verbrecher, den Hund durch eine Hündin seine -Wächterpflichten vergessen zu lassen. Zigeuner, Hundefänger und -ähnliche Gesellen führen deshalb mit Vorliebe Hündinnen bei sich. Es -genügt, daß auf ihren Kleidern eine Hündin geschlafen hat, um einen -Rüden als Nasentier gänzlich umzustimmen. Deshalb sind Hündinnen viel -geeigneter zur Bewachung gegen durchtriebene Verbrecher als Rüden. - -Im Notfalle hat der waffenlose Verbrecher selbst gegen den stärksten -Hund ein Mittel, das häufig Erfolg haben soll. Er läuft auf allen -Vieren und nimmt seine Mütze in den Mund. Der Hund hält dem Ankömmling -nicht stand, sondern flüchtet. Es ist schade, daß man einem solchen -Bericht nicht auf den Grund gehen kann, ob er auf Wahrheit beruht oder -nicht. - -Würden wir Herrn Böhm bitten, diesen Versuch an seinem Karo und Hektor -machen zu lassen, so wäre dadurch noch nichts bewiesen, wenn er Erfolg -hätte. Denn wenn ein Pudel oder ein Jagdhund flüchtet, dann braucht es -nicht eine bissige Dogge zu tun. - -Bereits der listenreiche Odysseus, dessen Irrfahrten Homer vor -dreitausend Jahren schilderte, setzt sich hin, um von den grimmigen -Wachhunden nicht zerrissen zu werden. Das gleiche Mittel empfiehlt der -Deutsche Schlatter vor etwa hundert Jahren, der viele Jahre bei den -Tataren gelebt hat. Er erzählt, daß die zahlreichen herrenlosen Hunde -eine große Gefahr für den Fremden bilden, und daß das beste Mittel -gegen sie das Sichhinsetzen sei. - -Eine Bestätigung dieser Angaben kann man nicht selten bei -Hundeprüfungen beobachten. Wenn ein Hund den Rehbock gefunden hat -und es seinem Herrn durch Bellen meldet, dann soll das freudige -Ereignis durch eine Photographie verewigt werden. Kaum nähert sich der -Photograph in seinem schwarzen Gewande und mit seinem Kasten kriechend -dem Hunde, so rückt dieser aus, obwohl er sonst seine Beute in der -hartnäckigsten Weise verteidigt. - -Herr Böhm hat ähnliche Fälle ebenfalls beobachtet, kann aber hierfür -keine Erklärung geben. - -Wir müssen, um die Sache zu begreifen, auf frühere Zeiten -zurückgreifen. Jeder Elefantenwärter weiß, daß ein Elefant heftig -trompetet, sobald er einen Schimmel erblickt. Ich habe das selbst -mehrmals beobachtet. Es steht das ganz im Einklange mit den Berichten -der Jäger aus heißen Ländern, wonach der Elefant ständig zuerst den -Feind angreift, der auf einem hellen Pferde sitzt. - -Was veranlaßt den Elefanten zu seiner Wut gegen den Schimmel? Wir -wissen es nicht, wir müssen aber vermuten, daß es in Vorzeiten ein -weißes, pferdeähnliches Geschöpf gab, mit dem der Elefant wütend -kämpfte. - -So müssen wir auch vermuten, daß in Vorzeiten ein auf allen Vieren -gehender menschenähnlicher Feind der Hunde lebte, vor dem sie noch -heute große Angst haben. - -Wir verabschieden uns jetzt von Herrn Böhm und seinen Hunden und werden -ihn gelegentlich wieder aufsuchen. - - -22. Allerlei Hundegeschichten. Richtige Behandlung des Hundes. - -Die von Hundebesitzern erzählten Geschichten darf man nicht ohne -weitere Prüfung glauben. Dagegen wollen wir wirkliche Tierkenner zu -Wort kommen lassen, denn man kann aus ihren Berichten vieles lernen. So -schildert ein ostpreußischer Naturforscher seine Hündin »Gretel« in -folgender Weise. Zunächst leistet sie auf der Jagd Ausgezeichnetes. -Auch außerhalb des regelmäßigen Jagdbetriebes, heißt es weiter, -benutze ich »Gretel« zu allerhand Handlangerdiensten. Einige wenige -Beispiele mögen das beweisen. Im vorigen Jahre hatte ich auf meinem -Teiche junge März-, Pfeif- und Krickenten großgezogen, die nach und -nach halb verwilderten, so daß es unmöglich war, die Vögel, denen ich -die Flügel gestutzt hatte, im Spätherbste einzufangen. Ich wartete -daher, bis die erste dünne Eisdecke gefroren war, die sich gerade stark -genug zeigte, um »Gretel« zu tragen. Bei meiner Annäherung watschelten -die Enten natürlich auf die Mitte des Teiches hinaus und fühlten sich -dort in größter Sicherheit. Diesmal aber hatten sie ihre Rechnung ohne -meine Gretel gemacht. »Gretel, hol das Entchen!« Zunächst wurde etwas -zaghaft vorwärts geschritten, weil sich das dünne Eis noch bog, dann -aber ging's herzhaft weiter, und bald waren die Enten, die sich auf dem -glatten Eise nicht schnell vorwärtsbewegen konnten, eingeholt. Nun war -es höchst interessant, das Benehmen der Hündin zu beobachten. Sie weiß -genau, daß sie jeden Vogel lebendig bringen soll; wenn sie aber einen -kräftigen Märzerpel fassen wollte, so schlug dieser so heftig mit den -Flügeln und zappelte so sehr, daß er nur durch kräftiges Zufassen zu -halten gewesen wäre. Einige Federn stoben schon, und »Gretel« äugte -verlegen und unschlüssig nach mir hin, der ich zu weiterem Handeln -aufforderte. Da kam ihr der rettende Gedanke. Plötzlich erfaßte sie -energisch eine Flügelspitze und führte das sich sträubende Tier zu mir -heran, ein Verfahren, das sie übrigens schon öfter angewendet hatte, -und zwar bei angeschossenen wehrhaften Vögeln, z. B. großen Möwen. Auch -die Pfeifenten wurden noch herangeführt, aber die kleinen Krickentchen -ließen sich bequem im Maule herbeitragen. So hatte ich meine Entenschar -bald im Korbe versammelt. - -Ein andermal wurden mir mehrere junge, lebende Tüpfelsumpfhühner -gebracht. Beim Einsetzen in das Vogelhäuschen huscht mir das eine über -den Kopf. Eben will ich anfangen mich zu ärgern und drehe mich um, -da kommt »Gretel«, die natürlich bei mir war, schon wieder mit dem -Ausreißer an, der nun seinen Genossen zugesellt werden konnte. Oder ich -bin mit meiner Frau auf dem Spaziergange. Wir haben uns etwas getrennt, -und meine Frau winkt oder ruft mir zu, daß sie von mir vielleicht das -Messer zum Blumenschneiden oder irgendeinen anderen Gegenstand haben -möchte. Sofort tritt »Gretel« ihre Botendienste mit größter Promptheit -an. Es ist selbstverständlich, daß sie dann jedesmal ein Blümchen oder -einen Zweig als Dank zu ihrer größten Freude zurückbringen darf. Solche -kleinen Liebesdienste verrichtete sie sehr gern, weil wir uns den Spaß -machen, sie dafür jedesmal maßlos zu loben und uns an dem drolligen -selbstgefälligen Wesen unseres Lieblings zu erfreuen. Wenn mir beim -Einwickeln von erlegten Vögeln der Sturm etwa das Papier fortweht -oder sonst den Hut vom Kopfe reißt, so brauche ich mich gar nicht zu -bemühen, brauche nicht einmal ein Wort zu sagen: das Entschwundene wird -mir von meiner Gretel prompt wieder zur Stelle gebracht. So könnte -ich noch manche Beispiele erzählen, und alles das haben wir unserem -Zögling nicht etwa mühsam beigebracht, sondern das hat er durch den -täglichen Umgang alles von selbst gelernt. - -Als Hausgenossen könnte man sich keinen liebenswürdigeren, -freundlicheren und artigeren Hund wünschen wie unsere »Gretel«. -Ein Lästigwerden oder Aerger über Dummheiten, woran es bei einem -unerzogenen Hunde sonst nicht mangelt, gibt es nicht. Es mag das mit -darin seinen Grund haben, daß das »Paudelwesen« in der Erziehung der -»Gretel« eine große Rolle gespielt hat und noch spielt. Damit hat -es folgende Bewandtnis. Im Hausflur steht »Gretels« Hauptpaudel, d. -h. ein Korb mit Heu, in dem die Hündin während der Nacht schläft. -Ferner hat sie aber auch noch in jedem Zimmer eine sogenannte »Paudel« -angewiesen erhalten, das ist meist ein Fellteppich. So weiß sie stets -wo sie hingehört und braucht sich nicht planlos umherzutreiben, um -den Besuch etwa zu belästigen oder am Ofen, oder gar auf den Möbeln -herumzuliegen. Der Befehl »In die Paudel!« bedeutet für Gretel vom -Herrn weggehen, an den ihr angewiesenen Platz sich begeben und da sich -ruhig und artig verhalten, bis sie gewünscht wird. So habe ich's also -in der Hand, die Hündin nicht nur an mich heranzurufen, sondern stets -auch von mir wegzubringen, was mir schon oft zustatten gekommen ist. -Abgesehen davon, daß ich sie so von jedem Punkte des Dorfes nach Hause -schicken kann, habe ich auch im Reviere draußen manchen Vorteil davon. -Wenn ich dort aufs Gratewohl den Befehl »In die Paudel!« ergehen lasse, -dann läuft die Hündin mit eingeklemmter Rute ein Stück von mir fort, -macht dann auf Zuruf down (nieder) und verharrt daselbst, solange ich -es haben will. Liegt aber etwa mein Rucksack oder irgendein anderer -Gegenstand von mir in der Nähe, oder sind wir nicht weit von einem -Punkte, wo ich etwa öfter zu rasten pflege, so wird nach ergangenem -Befehle diese Stelle als willkommene »Paudel« aufgesucht. -- *Beim -Essen liegt »Gretel« ruhig an ihrem Platze, nie bekommt sie etwas -vom Tisch; ja, wenn nicht das Dienstmädchen trotz strengen Verbotes -ihr manchmal einen Bissen zusteckte, dann wüßte sie gar nicht, was -es zu bedeuten hat, wenn Menschen essen.* Ein zudringliches Betteln, -ja Herumhopsen um den Tisch, wie ich es von verwöhnten Stubenhunden -zu meinem Entsetzen schon gesehen habe, ist ganz ausgeschlossen. So -kann man auch draußen auf der Jagd beim Rasten in Ruhe sein Butterbrot -verzehren *und braucht nicht zu fürchten, daß einem die Hundenasen -daran herumschnüffeln, oder daß einem so ein sogenannter wohlerzogener -Jagdhund gegenübersitzt, einem die Bissen in den Mund zählt, während -die langen Geiferfäden aus den Mundwinkeln heraushängen, wie ich es -bei Hühnerjagden in den Frühstückspausen erlebt habe*. »Gretel« liegt -oder sitzt bei solcher Gelegenheit ruhig in ihrer »Paudel«, d. h. -ein Stück von dem Essenden entfernt, und erwartet gar nicht, daß sie -etwas bekommt. -- Es wäre sehr schön, wenn alle Menschen ihre Hunde -so erzögen, wie es hier geschildert worden ist. Dann würde es viel -weniger Hundefeinde geben. Aber um einen Hund zu erziehen, muß man -selbst erzogen sein. Und da hapert es eben. Nicht mit Unrecht gilt das -Sprichwort: Wie der Herr, so das Gescherr. - -Ueber die Bestrafung des Hundes wäre folgendes zu sagen: Ein Hund darf, -wenn er wirklich Strafe verdient hat, nur auf frischer Tat und auf -eine solche Weise bestraft werden, daß er wirklich weiß, wofür er die -Strafe bekommt. Geschlagen darf er nur werden, wenn an eine Hilfe durch -andere Mittel nicht zu denken ist; die Hiebe muß er aufs Hinterteil -bekommen, während er im Genick, womöglich auf den Boden gedrückt, -festgehalten wird. Bei großen Hunden, die zum Beißen neigen, muß man -besondere Vorkehrungen treffen. Zausen oder treten darf man ihn nicht, -ebenso nicht mit der bloßen Hand schlagen, da er sonst handscheu wird. -Tückisch darf man nie zu Werke gehen. Um ihn zu gewöhnen, daß er auf -den Ruf jedesmal kommt, ist es ein gutes Mittel, daß man ihm recht -sowie er auf den Ruf kommt, einen Leckerbissen gibt. Auch kann man -ihn auf dem Rücken gegen den Strich der Haare mit den Fingern tüchtig -krabbeln, denn das liebt er sehr. Da Hunde beim Stehen leicht ermüden, -so ist es eine zweckmäßige Strafe, sie hoch anzubinden, so daß sie sich -nicht hinlegen können. Dagegen ist das Einsperren in eine dunkle Kammer -bei einem Nachttier wirkungslos. - -Ueber Eingewöhnung fremder Hunde auf dem Lande werden folgende -Ratschläge erteilt: - -Ist ein neugekaufter Hund angelangt, so vernichtet man ihm für zwei -bis drei Monate, jedenfalls bis er ganz eingewöhnt scheint, jede -Aussicht auf Entwischen, füttert und tränkt ihn wenig, damit er alles -Dargebotene dankbar annimmt, und läßt ihm durch alle Mitglieder der -Familie oftmals am Tage etwas darreichen; abends bekommt er womöglich -einige bei Nacht zum Zeitvertreib zu benagende Knochen. Hat er erst -in seiner neuen Behausung eine Knochensammlung, so gewinnt er die -Heimstätte lieb. Als Streu muß er tüchtige Bündel Stroh bekommen, das -aus den Betten der Hausbewohner entnommen ist. Auf diese Weise lernt er -den Hausgeruch kennen. - -Kommen neue Dienstleute oder sonstige Leute für längere Zeit ins Haus, -wo sie bei Tag oder Nacht dem Haus- oder Hofhunde begegnen können, so -werden sie diesem erst vorgestellt, nachdem sie selber erst einige -Nächte in Betten geschlafen haben, die schon länger im Hause benutzt -sind. - -Alle diese Vorsichtsmaßregeln, die schon über hundert Jahre alt sind, -werden nur begreiflich, wenn man weiß, daß der Hund ein Nasentier ist. - - -23. Sogenannte Unarten der Hunde und ihre Bekämpfung. - -Wir Menschen reden von den Unarten der Haustiere als etwas ganz -Selbstverständlichem. Wir nennen eben einfach alles, was uns nicht -paßt oder Schaden zufügt, eine Unart oder Untugend, genau wie wir von -schädlichen oder nützlichen Tieren sprechen. Wenn der Hund verwestes -Fleisch frißt, so bezeichnen wir das als eine Unart, obwohl das -Tier nur seinem Triebe folgt und eine ihm vollständig zusagende und -bekömmliche Nahrung zu sich nimmt. Ob Tiere überhaupt Unarten an sich -haben, bedarf noch sehr der Aufklärung. Richtiger spricht man in -solchen Fällen von Unbequemlichkeiten. Diese müssen wir Menschen, die -wir von den Haustieren Nutzen ziehen, in den Kauf nehmen. Natürlich -werden wir sie nach Möglichkeit zu verringern suchen. - -Selbst auf dem Lande hat man mit Hunden manchmal große -Unannehmlichkeiten. Der vorhin erwähnte Naturforscher, der so schön -über die richtige Bestrafung der Hunde zu reden weiß, erzählt von -seinen Hunden folgendes: - -Als ich mir mein Haus in Thüringen gebaut hatte, hielt ich mir anfangs -einen sehr wachsamen und scharfen Hühnerhund nebst zwei ganz kleinen, -niedlichen Spitzchen. Der erstgenannte war den Tag über in einem -eigenen Stalle, die Spitzchen steckten auf dem Hofe in einem großen -Vogelbauer, worin sie, so oft ein Fremder kam, einen solchen Lärm -machten und vor Bosheit so grimmig in die daumendicken Holzstäbe des -Käfigs bissen, daß ich immerfort neue einziehen mußte, wenn die alten -zerbissen waren. Ueber Nacht waren alle drei auf dem Hofe los, und -machten, so oft sich jemand dem einsam zwischen Gärten liegenden Hause -nahte, einen ungeheuren Lärm. Die feinsten Sinne hatte der Hühnerhund. -Kam ich abends von der Stadt und ging um die Ecke eines 160 Schritte -von meinem Hofe entfernten Stalles, so wußte er in dieser Entfernung -genau meinen Tritt zu unterscheiden und winselte vor Freuden; kam -aber jemand anderes um besagte Ecke oder anderswoher auf 200 bis 300 -Schritte Entfernung, so schlug er laut und drohend an. Verstellte ich -meinen Schritt absichtlich, so bellte er, wenn er im Oberwinde stand, -auch bei mir. Weil es um meine Wohnung her über Nacht von Hasen, Rehen -und Hirschen wimmeln, so durften die Hunde, weil sie sonst Hetzjagden -gehalten, dabei auch wohl Menschen angefallen haben würden, nicht vom -Hofe. Einstmals hatte ich vergessen, abends das Türchen zu schließen, -durch welches bei Tage die Hühner ins Freie gingen. Als ich frühmorgens -aufstand, fand sich's, daß es der große Hund mit seinen gewaltigen -Zähnen erweitert hatte und mit den zwei Zwergen ausgerückt war. Die -ganze Schar war verschwunden und mochte über Nacht eine tolle Hetze -gehalten haben. Ich erließ in der Zeitung eine Anzeige und durchsuchte -alle benachbarten Dörfer. Nach acht Tagen bekam ich die zwei Spitzchen -wieder; man hatte sie am zweiten Tage eine Stunde von hier ganz -ermattet angetroffen und in ein Haus gelockt. Den großen Hund, der sich -wohl durch seine Schnelligkeit und größere Hetzbegier von den Zwergen -verloren hatte, erhielt ich einige Tage später zurück. Er hatte sich -etwa am sechsten Tage nach seiner Abreise abgehungert und todmüde in -die Stadt Waltershausen begeben und anfangs jedem, der sich ihm nahte, -die Zähne gezeigt. Endlich wurde er mit Futter in ein Haus gelockt, -hatte dort aber gleich bei der Mahlzeit geknurrt und um sich gebissen, -so daß die Leute, um ihm gute Sitte beizubringen, ein schweres -Holzscheit ergriffen und es ihm auf Kreuz und Schenkel warfen. Er war -zusammengebrochen und 14 Tage völlig lahm, aber demütig geworden. Ich -erfuhr, wo er war, holte ihn zurück, er erholte sich, war aber von nun -an ganz umgewandelt. - -An die Bewachung des Hauses, welches er zwei Jahre lang aufs Treuste -besorgt hatte, dachte er nicht im geringsten mehr, er sann nur aufs -Durchbrennen und Jagen. Gleich am ersten Abend, wo ich ihn wieder auf -den Hof ließ, begann er an dem Hühnertürchen zu arbeiten. Ich gab ihm -ein paar Hiebe, er setzte sich mürrisch in eine Ecke, lauerte, bis ich -beim Schlafengehen das Licht ausgemacht, begann nun die Arbeit von -neuem, wühlte sich unter dem Geländer ein großes Loch, ging hinaus ins -Freie und jagte nach Herzenslust. Den anderen Tag nahm ich ihn beim -Kragen, führte ihn an seine Grube, verwies ihm das Wühlen, gab ihm -einige Hiebe und brachte ihn dann wie gewöhnlich in seinen Stall. Die -nächste Nacht machte er ein neues Loch, da das alte fest verrammelt -war, und brach wieder durch. Er bekam Hiebe, und ich ließ nun rings -inwendig am ganzen Geländer hin 5 Zentimeter dicke und 50 Zentimeter -lange Pflöcke dicht nebeneinander in die Erde schlagen. Aber das half -nichts. Er wühlte einen Schuh tief, packte die Pflöcke dann mit den -Zähnen, zog sie heraus und wühlte dann weiter. Ich ließ eine doppelte -Reihe schlagen; auch das half nichts. So hatte er sich sechs Nächte -hintereinander mit gewaltiger Kraft durch den festen Tonboden und die -Pfähle durchgearbeitet und jeden Tag seine Hiebe entgegengenommen, und -ich sah wohl, daß die letzteren keine guten Früchte trugen. Daher ließ -ich das letzte Loch offen, nagelte daneben zwei wagerecht liegende -Bretter sehr fest, ließ zwischen ihnen über der Mitte der Grube 12 -Zentimeter Raum und stellte unter diese Oeffnung eine starke eiserne -Marderfalle. Abends lasse ich den Hund los. Er geht wie gewöhnlich -mit unschuldiger Miene, ohne nach dem Loche zu gucken, auf dem Hofe -herum, verzehrt sein Abendbrot mit gutem Appetit, wartet ab, bis ich -das Licht lösche, eilt dann zum Loche, steckt die Tatze hinein und wup! -da schlägt's unten zu und er sitzt in einer abscheulichen, furchtbar -zwickenden Klemme. Unter lautem Jammergeschrei sucht er sich zu -befreien, zerrt nach oben, die Bretter leisten der Falle Widerstand; -er stemmt sich mit dem freien Fuß und zieht nach einer Gefangenschaft, -die zehn Minuten gedauert hat, die Pfote glücklich heraus. Am folgenden -Morgen hatte er ein sehr schwermütiges Gesicht und eine lahme, -geschwollene, geschundene Pfote. Ich ließ ihn ruhig in seinem Stalle -und dachte: »Da hast du nun genug daran!« Er hatte nun auch wirklich -die Lust zum Wühlen, jedoch nicht die zum Jagen verloren. Dies mußte -ich gleich in der ersten Nacht zu meinem eigenen Schaden gewahren, denn -er biß in das auf dem Hofe stehende Vogelhäuschen, das er zwei Jahre -lang nie angetastet hatte, ein großes Loch, ging hinein und würgte -zwölf Vögel. Am folgenden Tage gab's Hiebe zum Frühstück, das Häuschen -ward sogleich ausgebessert, zu den wenigen Vögeln, die er nicht hatte -erhaschen können, einige neue getan und rings ein Geländer gebaut. Das -tat für einige Tage gut, aber sobald seine Pfote gesund war, benutzte -er sie, wühlte sich unten hinein und mordete wie zuvor. Am folgenden -Morgen regnete es Hiebe, das Häuschen ward ausgebessert, neu bevölkert -und die Marderfalle hineingehängt. Die folgende Nacht war mondhell, und -es machte mir viel Spaß, da ich ihn, wer weiß wie lange, schüchtern -um das Vogelhäuschen herumgehen und nach der verhängnisvollen Falle -gucken und schnuppern sah. Die Vögel waren nun sicher, der Hund mußte -aber, sobald ich seine Stelle durch einen neuen ersetzt hatte, weg. - -Auch in diesem Falle sehen wir wieder, wie unausrottbar dem Jagdhund -die Jagdleidenschaft im Blute steckt. Aber können wir uns über seine -»Unarten« wundern? Wir Menschen haben ja erst dieser Hunderasse die -Jagdleidenschaft künstlich angezüchtet. - - -24. Klugheit und Verstellungskunst einer deutschen Dogge. - -Die deutsche Dogge gilt im allgemeinen für kein besonders kluges -Geschöpf. Wir schätzen wohl ihre Stärke, aber wenn wir einen klugen -Hund haben wollen, nehmen wir lieber einen Pudel oder eine andere -Hunderasse. - -Um so mehr wird es uns in Erstaunen versetzen, was ein durchaus -wahrheitsliebender Mann von seiner Dogge erzählt. Unser Gewährsmann, -der als Rektor einer Schule in nicht recht geheuerer Lage vor dem -Tore einer großen Industriestadt Deutschlands lebte, hielt es für -nötig, sich zum Schutze der Familie und des Hauses einen tüchtigen -Hund anzuschaffen. Meine Wahl fiel, erzählt er, auf eine fünf -Monate alte schwarze deutsche Dogge, deren Eltern infolge ihrer -Größe, Intelligenz und Treue bei den Hundeliebhabern der ganzen -Umgegend in hohem Ansehen standen, zugleich aber auch wegen ihrer -Bösartigkeit gefürchtet waren. Als ich den Hund ins Haus brachte, -war man über sein täppisches Wesen und seinen bösen Blick nicht -sonderlich erbaut. Er hatte sein Leben bisher in einem einfachen -Hofe zugebracht, selten einen fremden Menschen gesehen, niemals ein -Zimmer betreten, war daher vollständig verblüfft, als ich ihn in die -Wohnstube führte, und nicht von der Stelle zu bewegen, nachdem er seine -Beine, um größeren Widerstand leisten zu können, wie ein Sägebock -auseinandergespreizt hatte. Nach Verlauf einiger Stunden legte er -sein unbeholfenes Wesen aber schon etwas ab und fühlte sich in seinen -neuen Verhältnissen ziemlich heimisch und erhielt den Namen »Tom«. -Trotz der armseligen Verhältnisse, in denen er aufgewachsen, hat sich -Tom niemals die geringste Unreinlichkeit zuschulden kommen lassen ... -Selbstverständlich wurde er mein beständiger Begleiter auf meinen -täglichen Ausflügen. Hier entwickelte er eine ungeahnte Lebhaftigkeit -und Regsamkeit seines Wesens. Da ich mich selbst mit ihm nur wenig -beschäftigte, verschaffte er sich auf eigene Art und Weise allerlei -Kurzweil, verfolgte vorzugsweise mit unausgesetzter Aufmerksamkeit -alles Tun und Treiben der Menschen und griff ohne weiteres in dasselbe -ein, sobald es ihm unstatthaft erschien. Zank und Streit waren ihm -z. B. höchst zuwider. Selbst wenn ziemlich weit entfernte Personen -in heftigen Wortwechsel miteinander gerieten, stürzte er auf sie zu, -stellte sich knurrend und zähnefletschend zwischen die Streitenden -und brachte sie bald auseinander.... Am meisten ärgerte er sich, wenn -Fuhrleute ihre Pferde mißhandelten. Zunächst nahm er in drohender -Haltung neben den gequälten Tieren Stellung; wagte ihr Peiniger -dann nur noch einen Schlag, so wurde er mit solcher Heftigkeit zu -Boden geworfen, daß ihm Hören und Sehen verging. Sah er dagegen, daß -jemand kaum imstande war, einen schwer beladenen Schubkarren von der -Stelle zu bringen, so eilte er hilfreich hinzu, erfaßte den Bock des -Fuhrwerkes mit den Zähnen und zog, mit rückwärts gerichtetem Körper, -aus Leibeskräften. - -Seiner gewaltigen Größe entsprach auch seine Körperkraft. Spielend -trug er z. B. einen Henkelkorb von einem halben Zentner Gewicht weite -Strecken. Einen wütenden, drohend auf mich zuschreitenden Ochsen, -der mit einer Anzahl Kühe zur Weide getrieben wurde, hielt er so -nachdrücklich am Halse fest, daß das Tier vor Schmerz laut aufbrüllte -und entsetzt davonlief, als es von seinem Angreifer befreit wurde. Die -Wände einer starken, aus neuen Brettern hergestellten Transportkiste, -in welcher »Tom« einmal versandt werden sollte, und von welcher der -Schreiner meinte, dieselbe sei für einen Tiger fest genug gearbeitet, -zermalmte er schon auf der kurzen Strecke bis zum Bahnhofe zu Spänen. -War er im Begriffe, sich auf einen Gegenstand zu stürzen, der ihn -in Wut versetzte, vermochte ihn selbst der stärkste Mann nicht zu -bändigen; er wurde wie ein Kind umgerissen und fortgeschleift. - -An allen Familienerlebnissen nahm er wie ein Mensch Anteil. Wurde z. -B. jemand bettlägerig, so saß er stundenlang an dem Lager des Kranken, -schaute unverwandt nach dessen Angesicht und legte seine Schnauze -oder Pfote leise auf die ihm entgegengestreckte Hand, um sein Mitleid -auszudrücken.... Traf eine Postsendung von einem in der Ferne weilenden -Kinde ein, so konnte er vor Freude kaum die Zeit erwarten, bis der -Inhalt ausgepackt wurde, ergriff dann den ersten besten zum Vorschein -gekommenen Gegenstand und eilte damit zu allen Familienangehörigen im -Hause, die beim Auspacken nicht zugegen waren, um sie auf diese Weise -von dem frohen Ereignis in Kenntnis zu setzen. Kehrte ein längere -Zeit abwesendes Familienmitglied von der Reise zurück, während ich -mich in der Schule befand, so eilte er sofort dahin, obgleich er es -sonst nicht wagte, mir dort einen Besuch zu machen, und suchte, indem -er mir Stock und Hut herbeitrug und sich vor Freude wie unsinnig -gebärdete, mich zum Fortgehen mit ihm zu bewegen. Gelang ihm dieses, -so stürzte er vor mir ins Haus und brachte mir irgendein Besitztum -des Angekommenen entgegen, um mir anzudeuten, weshalb er mich geholt. -Reiste dagegen ein ihm lieber Besuch wieder ab, so suchte er die -Abfahrt zu verhindern, schleppte das Reisegepäck wieder aus dem Abteil -und verfolgte den abfahrenden Zug eine weite Strecke mit Bellen und -Heulen. Bei schweren, Kraft beanspruchenden Verrichtungen im Hause -war er stets mit seiner Hilfe bereit; so trug er z. B. Kartoffeln -und Kohlen im Henkelkorb aus dem Keller, beförderte die Waschkörbe -nach der Bleiche und der Mangel usf.; besaß überhaupt das Bestreben, -jedem nach eigenem Wunsch und Gefallen zu leben. Kein Wunder daher, -daß er bald der Liebling der ganzen Familie, besonders der weiblichen -Mitglieder des Hauses, wurde, die ihn freilich leider auch mit der -Zeit verhätschelten und angenommene Unarten, die später viel Verdruß -und Aerger bereiteten, anfangs als interessante Eigenheiten belachten, -anstatt sie zu bestrafen. Fühlte er sich z. B. auf seinem harten -Lager, einer Strohmatratze, unbehaglich, so pflegte er während meiner -Abwesenheit auf meinem Sofa der Ruhe; vereitelten ihm absichtlich -darüber gebreitete harte Gegenstände sein Vorhaben, so nahm er auch -mit dem härteren Sofa in der Kinderstube vorlieb. Auf diesem hatte er -mit Erlaubnis die bekannte Kinderkrankheit, der die meisten jungen -Hunde unterworfen sind, in schwerer Weise überstanden, wurde aber -nach derselben ebenfalls nicht mehr darauf geduldet. Ueberrumpelte -man ihn dennoch ein oder das andere Mal auf der verbotenen Ruhestätte -und rief ihm dann zu: »Tom bist du krank?« so blieb er ruhig liegen, -schloß die Augen, stöhnte und ächzte laut, so daß jeder Fremde, der -seine Verstellungskünste nicht kannte, annehmen mußte, er liege im -Sterben. In der Regel gelang es ihm aber, sich, ehe die Tür geöffnet -wurde, mit einem Satze vom Sofa zu schnellen; in diesem Falle stellte -er sich mit der unschuldigsten Miene von der Welt daneben, suchte -seine Verlegenheit durch lautes Gähnen und Dehnen seines Körpers zu -vertuschen und war, wenn er nicht ausgescholten wurde, überzeugt, -seine List sei ihm geglückt. Natürlich nahm er dann sein Ruheplätzchen -von neuem ein, sobald er sich wieder allein im Zimmer befand. Gelang -es ihm nicht, ein Sofa zu erobern, so begnügte er sich mit einem -weichen Kopfkissen, indem er sich einen Puff von einem Sofa oder ein -Paar Strümpfe aus dem Strumpfkorbe im Nebenzimmer auf sein Lager -herbeiholte. Die wollene Decke, welche über das letztere gebreitet -war, glättete er mit Hilfe von Nase und Pfoten mehrmals täglich so -sorgfältig, daß sie nicht das geringste Fältchen zeigte; auch reinigte -er sie von Zeit zu Zeit von dem auf ihr haftenden Staube, indem er sie -mit den Zähnen faßte und heftig hin und her schüttelte. - -Am ergötzlichsten war sein Benehmen, wenn sich ihm die Gelegenheit -darbot, meinen Töchtern einen Gegenstand, mit dem sie sich gerade -bei ihrer Handarbeit beschäftigten, etwa ein Paar zusammengefaltete -Strümpfe, einen großen Wollenknäuel usw., heimlich, wie er sich -einbildete, wegzustibitzen und in seinem großen Rachen verschwinden zu -lassen. Suchten meine Töchter dann den geraubten Gegenstand absichtlich -mit auffallender Emsigkeit, so hatte er seinen Zweck erreicht; er nahm -unter besonders gemessener Haltung eine möglichst einfältige Miene an, -um zu zeigen, daß er keine Ahnung von dem Grunde der stattfindenden -Aufregung habe, und gab das Vermißte unter schlauem Blinzeln nicht -früher heraus, als bis man sich direkt an ihn mit der Frage gewandt -hatte: »Tom, weißt du denn nicht, wo ... hingekommen ist?« War ich -zufällig bei diesem Spiele zugegen, so kam er, ehe jene Frage an ihn -gestellt, und er mit einem Blicke auf die Mädchen sich überzeugt, -daß er nicht beobachtet wurde, unaufgefordert zu mir, sperrte sein -Maul so weit auf, daß ich den gesuchten Gegenstand erblicken mußte, -warf mir einen verständnisinnigen, schelmischen Seitenblick zu, um -dann im Umdrehen das vorher gezeigte dumme Gesicht wieder anzunehmen -und auf seinen Platz zurückzukehren. Unglaublich war sein schnelles -Verständnis für unsere Wünsche und Befehle. Es sei mir gestattet, nur -einige Tatsachen als Beleg anzuführen. Einmal hatte er mit seinen -schmutzigen Füßen das frisch gescheuerte Wohnzimmer arg verunreinigt. -Er wurde auf sein Vergehen aufmerksam gemacht, ausgezankt, vor die -Tür gewiesen und belehrt, wie er sich auf der vor derselben liegenden -Strohdecke zu reinigen habe. Seitdem hat er sich nicht wieder erlaubt, -eher einzutreten, als bis er seine Füße selbst nach Möglichkeit vom -Schmutze befreit hatte. Fehlte zufällig der Abtreter, so bellte er -bittend so lange vor der Tür, bis jemand mit einem Lappen herauskam -und ihm die Füße, die er dann der Reihe nach aufhob und zum Reinigen -hinhielt, abrieb. Obgleich er die Schule aus eigenem Antriebe zu allen -Tageszeiten besuchte, um die aus den Papierkörben von dem Kastellan -gesammelten Brotreste in Empfang zu nehmen, wagte er es niemals, wie -bereits erwähnt, mir dort einen Besuch abzustatten. Rief man ihm -dagegen zu Hause zu: »Tom! lauf schnell nach der Schule und hole den -Papa!« so stürmte er zunächst nach meinem Zimmer im Schulgebäude; fand -er mich hier nicht, so ergriff er meinen Hut und brachte ihn nach dem -Zimmer, in welchem ich mich gerade aufhielt. - -Leider besaß der Hund, wie bereits mitgeteilt, neben seinen glänzenden -Eigenschaften auch verschiedene üble Angewohnheiten, die schon in -seiner Jugendzeit das von ihm entworfene Bild wie vereinzelte dunkle -Punkte trübten, mit seinem fortschreitenden Alter zum Teil aber einen -solchen unheilvollen Charakter annahmen, daß sie das Zusammenleben -mit ihm immer mehr verleideten. Schon die Gier, mit welcher er trotz -seiner reichlichen Fleischkost dem Aas nachstellte, das sich häufig -unter dem Miste auf dem Felde befand, machte die Spaziergänge in -seiner Gesellschaft oft unerträglich ..... Während seiner Jugendzeit -durften die Mädchen sich unbedenklich den Scherz erlauben, in seiner -Gegenwart einem beliebigen Gegenstand in recht sichtbar zur Schau -getragenen Weise zu schmeicheln und ihn zu liebkosen; er knurrte und -bellte wohl diesen heftig an, zeigte jedoch durch sein komisches -Gebärdenspiel, daß der an den Tag gelegte Zorn nur ein erkünstelter -war; aber schon nach wenigen Jahren nahm sein Wesen bei diesem Spiele -einen solchen bedrohlichen Charakter an, namentlich wenn es Menschen -oder Tiere waren, die ihm bevorzugt wurden, daß man es aufgeben mußte, -um nicht ein Unglück heraufzubeschwören ... Zugleich nahm er ein immer -unfreundlicheres und mürrischeres Wesen gegen die Kinder an und zeigte -sich selbstbewußter in seinem Auftreten erwachsenen Personen gegenüber. -Während er früher z. B. den Schulkastellan durch Schmeicheleien zum -Oeffnen der die Leckereien enthaltenden Schublade zu bewegen suchte, -packte er ihn später, wenn er ihm nicht augenblicklich zu Willen war, -mit allen Zeichen wirklichen Zornes am Arme und zog ihn mit Gewalt nach -derselben. Hatte er sich in seinen ersten Lebensjahren außerordentlich -feinfühlig gezeigt, so daß ihn ein unfreundliches Wort bitter kränkte, -nahm er von den Meinigen jetzt Schelte und selbst Prügel mit völliger -Gleichgültigkeit hin und drohte zu beißen, wenn ihm die Behandlung -nicht paßte. Nur mir gehorchte er noch unbedingt und ertrug demütig -die ihm wegen seines widerspenstigen Wesens erteilten Züchtigungen. -Seine Anhänglichkeit und Sorge für mich schien sogar mit seinem Alter -zuzunehmen. - -Er stand jetzt in seinem siebenten Lebensjahre. Was bewährte Kenner -der Hunderassen mir längst vorhergesagt hatten, traf ein: sein -ursprüngliches bösartiges Naturell, das Erbteil seiner gefürchteten -Eltern, scheinbar durch den stetigen, jahrelangen Verkehr mit Menschen -ertötet, kam wieder zum Durchbruch, sobald er gereizt wurde .... Da -veröffentlichten die Zeitungen in kurzer Zeit hintereinander zwei -Fälle, in welchen deutsche Doggen sich wie wilde Bestien gegen ihre -eigene Herrschaft benommen hatten ..... Wie ein drohendes Gespenst -verfolgte von jetzt ab mich Tag und Nacht der Gedanke, welche Schuld -ich auf mich laden würde, wenn durch Tom ein ähnliches Unglück -herbeigeführt werden sollte. Trotzdem er mir unentbehrlich geworden, -konnte ich mich der Ueberzeugung nicht verschließen, es sei unbedingt -notwendig, mich von ihm zu trennen. Ihn für schnödes Geld fremden -Händen zu überlassen und einer ungewissen Zukunft preiszugeben, würde -mir wie ein Verrat an meinem besten Freunde erschienen sein; ich -beschloß daher, ihn an eine befreundete Person, welche sichere Garantie -für eine liebevolle Behandlung bot, zu verschenken. - -Vorstehendes berichtet ein Schulmann, der Anspruch auf Glaubwürdigkeit -hat. Trotzdem wollen mir zwei Angaben nicht in den Kopf, weil ich sie -in meinem langen Leben, während dessen ich unzählige Hunde beobachten -konnte, niemals von anderen Tieren gesehen, ja nicht einmal davon -gehört habe. Einmal hat sich die Dogge die Füße vor der Tür gereinigt. -Wie schön wäre es, wenn auch nur die klugen Hunde, wie Pudel, -Schäferhunde usw., das nachmachen würden. Ferner hat die Dogge Sinn für -Humor gehabt, indem sie gewissermaßen mit dem Verstecken des Knäuels -einen Witz machte. Humor ist mir unter den Säugetieren nur bei den -Affen bekannt, niemals bei den Hunden. Uebrigens wird auch hier das -Aasfressen für eine Unart gehalten, was es gar nicht ist. - -Dagegen sind die von mancher Seite angezweifelten Angaben über die -Bereitwilligkeit zum Beistand und die Neigung zur Verstellung durchaus -glaubhaft. Es sollen dafür noch andere Beispiele angeführt werden. - - -25. Verstellung und Beistand bei Hunden. - -Von den Fällen, wo Hunde sich verstellten, seien hier folgende -angeführt: - -1. Ich besaß, schreibt ein Naturforscher, einen rauhhaarigen Hund, -Pintsch genannt, der in ausgezeichnetem Grade log. Pintsch vertrieb -sich die Zeit sehr gern mit »Bummeln«, wußte auch sehr wohl, daß -er das nicht durfte, und kam infolgedessen nicht offen von seinen -Spaziergängen nach Hause, sondern schlich sich heimlich ein. Dann -aber, wenn er im Hause war, ging er meist nicht auf geradem Wege zu -den Menschen, sondern machte folgendes Kunststück: er stieg, immer -noch heimlich, auf den Speicher oder an eine andere versteckte Stelle, -wartete, bis er unten im Hause jemand sprechen hörte und kam dann, -tapp, tapp, mit unschuldigster Miene die Treppe herab. Sein späterer -Besitzer bestätigte mir diese Beobachtung, ohne von mir darauf -aufmerksam gemacht worden zu sein; so auffallend war die List, womit -er seinem Herrn weiszumachen strebte, daß er den ganzen Tag im Hause -verschlafen habe. - -2. Es waren in einem Gasthause verschiedene Hunde, die sich alle -Winterabende um das Kaminfeuer in dem Gastzimmer herumlagerten, doch -so, daß sie den Gästen nicht im Wege waren. Einer von diesen Hunden, -der sich gewöhnlich immer später als die anderen einfand, mußte mit -einem entfernten Platze vorlieb nehmen. Bisher hatte er immer Geduld -gehabt; an einem Abend aber, an welchem die Kälte ihm wahrscheinlich -zu unerträglich war, ersann er folgenden listigen Streich, der ihm -auch vollkommen gelang. Nachdem er sich einige Zeit zur Rechten und -zur Linken umgesehen hatte, um ein Plätzchen in der Nähe des Feuers -zu bekommen, aber seine Absicht nicht erreichen konnte, verläßt er -auf einmal das Zimmer, läuft nach der Haustür und fängt an, aus allen -Kräften zu bellen. Augenblicklich machen sich alle Hunde im Zimmer auf -die Beine, laufen und bellen, so gut ein jeder kann. Der Hund, der das -Zeichen gegeben hatte, ließ sie gehen, kam mit einer triumphierenden -Miene zurück und suchte sich die beste Stelle beim Feuer aus. Seit der -Zeit bediente er sich zur großen Belustigung der Gäste jedesmal, wenn -er es für nötig fand, dieses Kunstgriffes und verfehlte nie seinen -Endzweck. - -3. Den gleichen Kunstgriff wandte ein kleiner gieriger Hund an, um -dem großen Hausgenossen das Futter zu stehlen. Nachdem er seine -Mahlzeit verschlungen hatte, lief er bellend zum Tore, gefolgt von -dem Bernhardiner. Heimlich ging er zurück und fraß das Futter des -Großen. Am vierten Tage kam der Bernhardiner hinter den Schlich des -Kleinen und hätte ihn zuschanden gebissen, wenn der Hausherr nicht -dazwischengetreten wäre. - -Ueber Beistand, den die Hunde einander leisten, schreibt der vorhin -erwähnte Besitzer von Pintsch folgendes: Meiner Wohnung gegenüber -lag der Hund eines Bierwirts, ich will ihn Boxer nennen, häufig auf -der Straße und sonnte sich. Boxer war ein ungeschlacht aussehendes -Vieh, von dem ich nichts kannte als die Kraft seiner Zähne; die -Lastträger, welche bei seinem Herrn verkehrten, belustigten sich -öfter damit, ihn in einen vorgehaltenen Strick beißen zu lassen und -ihn dann an diesem herumzutragen, was er beliebig lange aushielt. -Eines Tages kam ein fremder kleiner schwarzer Hund durch das Stadttor -gelaufen, und wie das zu geschehen pflegt, wurde er sofort von den -kleinen Kötern, denen er in den Weg lief, angebellt. Bald stellten -sie ihn; gerade unter meinem Fenster blieb das schwarze Tierchen -ängstlich stehen, und um ihn bildete sich ein Kreis, bestehend aus -allen kleinen Hunden der Nachbarschaft, die ihn feindselig ankläfften -und berochen. Er war augenscheinlich in großer Not, und schon wollte -ich mit einem Wurfgeschoß zu seinen Gunsten einschreiten, da erhob -sich Boxer, der auf der anderen Seite der Straße lag, aus seiner faul -behaglichen Ruhe, schritt herzu, durchbrach den Kreis der Kläffer -und stellte sich breitbeinig mitten über den kleinen schwarzen Hund! -Boxer sagte nichts dazu, aber er warf einen Blick rings um sich, -solch einen Allgemeinblick, wie ihn kein ernster Schauspieler beredter -und verächtlicher loslassen kann! Die würdige Haltung stand zwar zu -seinem ziemlich gemeinen Gesichtsausdruck in einem außerordentlichen -Widerspruch, der zum Lachen reizte, aber sie wirkte unübertrefflich; -in wenigen Sekunden war die Meute der Angreifer nach allen Richtungen -zerstoben, und Boxer blieb mit seinem Schützling allein. Einige -Augenblicke ließ er diesen noch unter sich stehen, dann zog er -schwerfällig sein rechtes Vorderbein über dessen Rücken weg, wandte -sich und suchte, ohne umzuschauen, sein früheres Lager wieder auf. Der -kleine Schwarze aber lief fröhlich davon. - -Aehnliche Fälle, wo Hunde dem Menschen oder anderen Hunden oder -Tieren Beistand geleistet haben, kann man nicht selten beobachten. -Beistand und Verstellung sind dem Hunde naturgemäß, weil sie beide -ihm in seiner früheren Lebensweise angeboren waren. Von jeher mußten -sich die einzelnen Glieder eines Rudels im Kampfe gegen wehrhafte -Pflanzenfresser beistehen. Aber auch die Verstellung ist ihm etwas -Natürliches. Noch heutigen Tages schleppen die Schakale eine Beute -ins Gebüsch und sehen erst mit der harmlosesten Miene nach, ob die -Luft rein ist. Es könnte ja sonst sein, daß ihnen ein Mensch oder ein -großes Raubtier die Beute entrisse. Da ferner der Leiter des Rudels als -unbeschränkter Herrscher diejenigen straft, die sich seinen Befehlen -nicht fügen, so hat sich der Hund von jeher daran gewöhnt, seinen -Gebieter durch Verstellung zu täuschen. - - -26. Leistungen der Hunde zum Nutzen der Menschen. - -Ueber Polizei- und Blindenhunde ist schon an einer früheren Stelle -gesprochen worden. Allgemein dürfte bekannt sein, daß im Weltkriege -viele Soldaten durch Sanitätshunde gerettet worden sind. - -Die Sanitätshunde haben ihre Vorläufer in den sogenannten -Bernhardinerhunden. Das Ueberschreiten des Bernhardpasses ist wegen der -Unbilden der Witterung sehr gefahrvoll. Deshalb besteht dort ein Hospiz -zur Pflege und Rettung der Reisenden. Jeden Tag gehen zwei Knechte mit -Hunden über die gefährlichen Stellen des Passes. Groß ist die Zahl der -durch diese klugen Hunde Geretteten. Der berühmteste Hund der Rasse -war Barry, das unermüdlich tätige und treue Tier, das in seinem Leben -mehr denn vierzig Menschen das Leben rettete. Er ist im Museum von Bern -ausgestellt. - -Ueber die Leistungen der Jagdhunde soll im zweiten Bande gesprochen -werden, wo die heimische Tierwelt geschildert wird. - -Für den Landbewohner sind außer den Wachhunden am wichtigsten die Hunde -zum Treiben des Viehs (Fleischerhunde) und die Hunde zum Bewachen des -Viehs, namentlich der Rinder und Schafe (Hirtenhunde). Ueber diese -Hunde wäre folgendes zu sagen: - -Man hat den Fleischerhund am liebsten schwarz oder braun. Ein guter -Fleischerhund ist in seiner Pflicht unermüdlich, läuft unaufhörlich -hinter dem Vieh, das er vor sich hertreibt, hin und her; geht ein -Ochse durch und läßt sich nicht zurücktreiben, so springt er ihm an -die Schnauze und hängt sich mit den Zähnen daran fest. Schweine packt -er am Ohr, was er teils von selbst tut, teils bei einiger Anleitung an -kleineren Schweinen leicht lernt. Man richtet ihn auch ab, falls er -dies nicht von selbst tut, daß er, sobald er das Ohr fest gepackt hat, -über den Rücken des Schweines wegspringt, wodurch er auf die andere -Seite kommt, das Ohr mit hinüberzieht, dem Schweine den Kopf umdreht -und es auf solche Weise leicht zum Stehen bringt. - -Der Hund des Kuhhirten muß immerfort seinen Herrn beobachten und -aufmerken, ob dieser ihm etwas befiehlt, was er dann augenblicklich -ausführt. Er muß volle Spitzzähne haben. Kühe, welche nicht sogleich -gehorchen, muß er wirklich beißen, sonst haben sie keine Achtung -vor ihm. Treibt er die Kuh vor sich her, so darf er nur nach den -Hinterfüßen beißen, und zwar, um nicht geschlagen zu werden, von der -Seite, nie nach dem Schwanze oder den Seiten, am allerwenigsten nach -dem Euter. Schlägt die Kuh nach ihm, so muß er sich gut in acht nehmen, -aber dennoch beißen. Will er die Kuh wenden, so muß er nach dem Kopfe -beißen. Widersetzt sich ihm eine Kuh oder ein Ochse geradezu mit den -Hörnern, so trägt er, wenn er seinem Amte ganz gewachsen ist, dennoch -den Sieg davon, indem er das Vieh ohne Umstände in die Schnauze beißt -und sich daran festhängt. Ist ein Ochse nur *einmal* von dem Hunde in -dieser Art gebissen worden, so hat er vor einem solchen Schnauzenbiß -entsetzliche Angst. So hatte vor vielen Jahren der Waltershäuser -Hirt einen trefflichen Hund von Größe und Farbe eines Fuchses. Der -Hauptbulle der großen Herde war zu jener Zeit ein lebensgefährliches -Tier, wagte aber, nachdem ihm der Hund einmal fest, schwer und lange an -der Nase gehangen, gegen diesen nicht die geringste Widersetzlichkeit. -Einstmals hatte sich der Hund in der Stadt mit Beitreiben von Kühen -verspätet, der Bulle glaubte sich sicher, achtete nicht auf den Hirten, -bis dieser laut nach dem Hunde pfiff; da sah sich der Bulle ängstlich -um und rannte, anscheinend vom bösen Gewissen getrieben, wie der Hund -gesaust kam, geradeaus auf einen hinter dem Burgberge gelegenen Teich -los, sprang ohne Zaudern in diesen hinein, eilte bis zu einer Stelle, -wo nur noch sein Kopf hervorragte, machte dort Halt, schwenkte und sah -den Hund und den Hirten erwartungsvoll und schweigend an. Der Hirt rief -den Hund ab, trieb die Herde, denn es war Abend, heimwärts und der -Bulle folgte von fern wie ein demütiger Sünder. Von dieser Zeit an war -das Betragen des Bullen immer tadellos. - -Die außerordentliche Wirkung des Schnauzenbisses ist ganz einleuchtend. -Denn auch der Bulle ist ein Nasentier, dessen Nase ungeheuer -empfindlich ist. Deshalb zieht man ihm häufig zu seiner Bändigung einen -Ring durch die Nase. - -Der Schäferhund muß ebenfalls nach den Hinterfüßen und beim Wenden nach -Kopf und Hals beißen. Ist ein Saat- oder Kleefeld in der Nähe, das er -schützen soll, so läuft er entweder rastlos an ihm auf und nieder oder -er legt sich lauernd hin und springt plötzlich zu, wenn ein Schaf zu -naschen wagt. Ueber die Klugheit mancher Schäferhunde beim Hüten der -Schafe soll noch später bei dem Schafe gesprochen werden. - -Die Rattenplage und ihre Bekämpfung durch Hunde und Katzen soll bei der -Katze geschildert werden. - -Die körperliche Leistungsfähigkeit der Hunde ist ganz erstaunlich. Was -ein Fleischerhund oder ein Schäferhund den Tag über zusammenläuft, läßt -sich schwer berechnen, aber es ist jedenfalls eine riesige Strecke. -Bei den schnellen und ausdauernden Hühnerhundrassen hat man berechnet, -daß sie in sechs bis sieben Stunden eine Strecke von mehr als 100 -Kilometern im Galopp durchmessen. Von einem russischen Windhund wird -berichtet, daß er an einem Tage 140 Kilometer auf der Landstraße -zurücklegte, ohne wunde Ballen zu erhalten. - - -27. Gefahren durch Hunde. - -Wo viel Licht ist, da ist auch viel Schatten. Von den Schmutzereien, -durch welche die Hunde lästig fallen, ist schon früher die Rede -gewesen. Die Kellerbewohner suchen sich den unerwünschten Besuch von -Hunden durch Bestreuen mit einem scharfriechenden Pulver fernzuhalten. -Dieses Verfahren ist bei einem Nasentier ganz zweckmäßig. - -Bei der ungeheuren Anzahl von Hunden, die in unserem Vaterlande -gehalten werden, sind erhebliche Verletzungen durch Bisse -verhältnismäßig selten. Immerhin kommen sie vor und mahnen daher zur -Vorsicht. - -Das müssen selbst begeisterte Hundefreunde zugeben. So schreibt einer -zum Lobe der Hunde folgendes: Ich habe kluge Hunde gekannt, die fast -jedes Wort und jeden Wink ihres Herrn zu verstehen schienen, auf -seinen Befehl die Tür öffneten oder verschlossen, den Stuhl, den -Tisch oder die Bank herbeibrachten, ihm den Hut abnahmen oder holten, -ein verstecktes Schnupftuch u. dgl. aufsuchten und brachten, den Hut -eines ihnen bezeichneten Fremden unter anderen Hüten durch den Geruch -hervorsuchten usw. Es ist auch eine Lust zu sehen, wie entzückt ein -Hund ist, wenn er seinen Herrn ins Freie begleiten darf, wie jämmerlich -dagegen sein Gesicht, wenn er zu Hause bleiben muß. - -Derselbe Hundefreund muß aber auch folgendes einräumen: Sehr große -Hunde sind, wenn sie in Wut geraten, selbst ihrem Herrn und ihren -Freunden gefährlich. Ich füge hier einige Fälle bei, die sich ganz in -meiner Nähe ereignet haben. Als Student wohnte ich nicht weit von dem -Hause eines Gerbers. Ueber Nacht kam in dessen Nähe Feuer aus; der -Mann sprang rasch in ungewöhnlicher Kleidung auf den Hof und wurde da -sogleich von seinen zwei Fleischerhunden angefallen und totgebissen. - -Als ich einen in Oesterreich wohnenden Freund besuchte, hatte dieser -einen parkartigen Garten, der mit dem Hofe in Verbindung stand, mit -einer Mauer umgeben, aber so oft es etwas Gutes darin gab, kamen -bei Nacht Diebe über die Mauer. Er versuchte allerlei Gegenmittel -vergeblich und ließ dann aus Ungarn mit großen Kosten drei große -bösartige Wolfshunde samt einem Wärter kommen, der dann auch gleich -als Tagelöhner diente. Jede der drei Bestien lag an einer starken, -zugleich als Halsband dienenden eisernen Kette und war mit dieser auf -einem mit Stroh ausgepolsterten Wagen gefesselt. Dort machten die -Fesselträger von Zeit zu Zeit einen Höllenlärm, waren zuletzt, wie -sie abgeladen waren, seelenvergnügt, und jeder wurde an ein schönes, -bequemes Häuschen gelegt, vor welchem eine Empfangsmahlzeit bereit -stand. Nach einigen Monaten waren sie eingewohnt, der Ungar ließ sie -für die Nacht los, sie tobten vor Freude in allen Ecken und Enden, -taten mehr Schaden als früherhin die Diebe und leisteten dem Ungar, als -er sie am nächsten Morgen wieder anlegen wollte, solchen Widerstand, -daß sogleich der Beschluß reifte, sie für immer an der Kette zu lassen. --- Dergleichen könnte ich aus meiner Erfahrung noch viel beifügen. Es -möge jedoch noch bemerkt sein, daß drei meiner Freunde, deren jeder -einen Neufundländer besaß, den er für ausgezeichnet fromm erklärte, von -diesen bei geringer und ganz verschiedener Gelegenheit erbosten Bestien -mordgierig überfallen, stark verwundet und nur durch schnelle Hilfe -gerettet worden sind. Ueber dem einen der Herren mußte der Hund, der -ihn niedergeworfen, rasch erschossen werden. -- Große Ziehhunde haben -schon oft Unheil angerichtet. - -Die hier geschilderten Unglücksfälle hätten sich wohl zum Teil -vermeiden lassen, so z. B. wenn der Gerber seine Hunde vorher angerufen -hätte. Jeder erfahrene Tierkenner, der einen Stall oder Zwinger -betritt, ruft die Tiere zunächst an, damit sie merken, daß es ihr Herr -oder eine ihnen bekannte Persönlichkeit ist. Aufgeregte Nasentiere -haben keine Zeit, vorher den sich Nähernden zu beschnüffeln. Die Nase -ist insofern ein sehr viel langsamer arbeitendes Sinnesorgan als -das Auge. Es braucht wohl nicht erst hervorgehoben zu werden, daß -selbstverständlich auch das Auge bei Nasentieren wichtig ist. Denn -zwecklos verleiht die Natur keine Gaben. - -Vor Ziehhunden soll man sich stets in acht nehmen, weil sie wegen ihrer -anstrengenden Tätigkeit gewöhnlich schlechter Stimmung sind. Ob man -Hunde überhaupt zum Ziehen verwenden soll, wird beim Esel besprochen -werden. - -Es wurde schon erwähnt, daß man Hunde nicht küssen soll, da sie -als frühere Raubtiere Aas fressen. Es kommt aber noch ein anderer -Grund hinzu. Der Hund beherbergt mehrere Bandwürmer, von denen -der Hülsenbandwurm (_taenia echinococcus_) der für den Menschen -gefährlichste ist. Da der Hund Kot beschnüffelt, so kann er die Eier -dieses Bandwurms an die Schnauze bekommen und durch Belecken -- am -leichtesten durch Küssen -- auf den Menschen übertragen. Im Innern -des Menschen, der die Eier in den Mund bekommen hat, bilden sich -kohlkopfgroße Blasen, die tödlich werden können. Zur Beruhigung sei -mitgeteilt, daß seit Jahrzehnten nur zwei Personen daran erkrankt sind. - -Häufiger tritt die berüchtigte Tollwut auf. In Deutschland wurden im -Jahre 1912 durch tolle oder tollwutverdächtige Tiere 240 Personen -gebissen. Hiervon wurden 232 Personen geimpft. Sehr zugunsten der -Schutzimpfung spricht, daß nur drei Personen starben, von denen -obendrein sich zwei zu spät hatten impfen lassen. - -Der Volksglaube, daß man einen tollen Hund am eingeklemmten Schwanz und -an der Wasserscheu erkennt, ist irrig. Wohl aber zeichnet er sich durch -verändertes Benehmen, namentlich durch große Beißlust aus. - -Die Tollwut endet immer tödlich. Eine bestimmte Räudekrankheit, die -Acarusräude, pflegt ebenfalls unheilbar zu sein. Sonst werden junge -Hunde namentlich im Alter von vier bis zu neun Monaten gewöhnlich -von der Staupe befallen, die in einer ansteckenden Entzündung der -Schleimhäute besteht. Die Gelehrten stehen dieser Seuche, die fast die -Hälfte aller Junghunde dahinrafft, ziemlich machtlos gegenüber. Auf dem -Lande hat man die seltsamsten Kuren dagegen und häufig mit Erfolg. - -Ein Glück ist es, daß die Flöhe, die der Hund besitzt, nicht dauernd -auf den Menschen übergehen. Nach kurzer Zeit verlassen sie ihn wieder. -Der Ausspruch: Wer sich mit Hunden niederlegt, steht mit Flöhen auf, -ist also nicht ganz richtig. - -Man könnte nun sagen, daß schon allein die Tollwut der Hunde Grund -genug wäre, alle Hunde abzuschaffen, da ein einziges Menschenleben -unendlich wertvoller als das zahlreicher Tiere ist. Dagegen muß man -darauf hinweisen, daß man überall im Leben Vorteile und Nachteile -abwägen und danach seinen Entschluß fassen soll. Heute las ich in den -Zeitungen, daß allein in Berlin fünf Personen durch unbeaufsichtigt -gelassene Gashähne getötet worden sind. Werden wir deshalb die -Gasbenutzung aufgeben? Nein, ebensowenig wie auf das Baden, Schwimmen, -Schlittschuhlaufen verzichtet wird, obwohl alljährlich eine Menge -blühende Menschenleben dieser von der Jugend so beliebten Betätigung -zum Opfer gebracht werden. - -Dagegen wird man zweckmäßig handeln, wenn man sich die Gefahren -vergegenwärtigt, und doppelte Vorsicht anwendet. - -Eigentümlichkeiten des Hundes, die bisher noch nicht erörtert worden -sind, werden an einer späteren Stelle besprochen werden (vgl. das -Sachregister). - - -28. Geschichtliches vom Hunde. - -In welcher Weise der Haushund gezähmt worden ist, wissen wir nicht. Da -viele Hundeartige (Kaniden), beispielsweise die Schakale, den Löwen und -Tigern folgen, um an ihrer Beute teilzunehmen, so werden sie sich auch -dem Urmenschen angeschlossen haben, um etwas von den Abfällen seiner -Mahlzeiten zu ergattern. Der Mensch wird bald bemerkt haben, daß die -Nachbarschaft dieser Tiere für ihn von größtem Vorteil war. Sie machten -Lärm, sobald sich etwas Ungewöhnliches zeigte, und sie fanden durch -ihre feine Nase dort Wild, wo er achtlos vorübergegangen war. Wie heute -in der Türkei noch die Straßenhunde leben, die keinen eigentlichen -Herrn haben, also halbwild sind, so haben sich wahrscheinlich schon -in früheren Zeiten halbwilde Hunde dem Menschen angeschlossen. Wir -machen eine ähnliche Beobachtung bei andern Tieren. Der Hausstorch, -der Hausrotschwanz, die Hausschwalbe, der Haussperling, der Haus- oder -Steinmarder, die Hausmaus und andere Tiere haben sich ebenfalls mit -dem Menschen angefreundet und sehen jetzt ganz anders aus als ihre ganz -wilden Verwandten. Der Hausstorch sieht schwarz-weiß-rot aus, der im -Walde lebende Waldstorch ist dagegen fast schwarz. Der in der Scheune -lebende Hausmarder hat eine weiße, der im Walde lebende Edelmarder -eine gelbe Kehle usw. Halbwilde Hunde, ähnlich dem Straßenhunde in der -Türkei, sind wahrscheinlich die Vorfahren unserer Haushunde, die durch -Kreuzung mit Wölfen und Schakalen im Laufe der Zeiten entstanden sind. - - -29. Der Hund in Sprichwörtern und Redensarten. - -Einige Sprichwörter und Redensarten, die sich mit dem Hunde -beschäftigen, sind bereits erklärt worden (über Bellen und Beißen der -Hunde, sich rekeln, Eberköpfe und Hundeköpfe, Grasfressen, Anbellen des -Mondes sowie über Hund und Ofen und Hund und Flöhe). Hier sollen noch -weitere angeführt werden. - -Der Hund wurde einerseits wegen der bereits erwähnten Eigenschaften, -die uns Menschen widerwärtig sind, sehr verachtet, andererseits wegen -seines Nutzens für uns sehr geschätzt. - -Für die Verachtung spricht die Strafe des Hundetragens, womit man -andeuten wollte, daß jemand wert sei, wie ein Hund erschlagen und -aufgehängt zu werden. - -Hiermit bringt man die Redensart in Verbindung: - - *Auf den Hund kommen*, d. h. also in eine solche Lage kommen, wie - einer, der Hunde tragen muß. Damit will man andeuten, daß jemand - in verächtliche oder schlimme äußere Verhältnisse geraten ist, - oder daß es mit seiner Gesundheit schlecht steht. - - *Jemanden auf den Hund bringen* heißt also, ihn in solche schlechte - Verhältnisse bringen. - - *Ueber den Hund kommen* heißt hiernach, jene Strafe überstehen. - Vervollständigt wird der Gedanke in der Redensart: - - *Komm ich über den Hund, komm ich auch über den Schwanz*, d. h. also, - überstehe ich die Strafe, so werde ich auch die Nachklänge hieraus - überstehen. - - *Einer ist so verachtet, daß nicht einmal die Hunde ein Stück Brot - von ihm nehmen.* Es ist das natürlich eine Uebertreibung, um - zu sagen, daß das verächtlichste und gierigste Tier von diesem - Menschen nichts annehmen würde. - - *Etwas geht vor oder für die Hunde*, d. h. es geht dahin, wo sich die - verächtlichsten Geschöpfe befinden, also es geht zugrunde. - - *Hunde und Flöhe gehören zusammen. Je magerer der Hund, desto größer - die Flöhe.* Das bezieht sich auf die Menge Ungeziefer, das auf den - meisten Hunden haust. - - *Er ist bekannt wie ein bunter Hund.* Diese Redensart würde heute - nicht entstehen, denn bei uns gibt es jetzt eine Menge mehrfarbige - Hunde, z. B. Terriers, Tigerdoggen usw. Früher muß es fast nur - Hunde mit einfarbigem Fell gegeben haben. - -Die enge Zusammengehörigkeit des Hundes mit dem Menschen geht daraus -hervor, daß man in Tirol sagt statt gar niemand: - - *Kein Hund und kein Seel.* - -Auch bei uns heißt es deshalb: - - *Da kräht weder Hund noch Hahn danach*, denn zum Haushalte gehören - Hund und Hahn. - - *Mit allen Hunden gehetzt sein.* Das sind manche Stücke Wild, z. B. - manche Hasen, die durch Zurücklaufen auf ihrer Spur die Hunde in - die Irre führen. - - *Viele Hunde sind des Hasen Tod.* Das soll im nächsten Bande, der die - heimische Tierwelt enthält, erklärt werden. - - *Wenn die Hunde schlafen, hat der Wolf gut Schafe stehlen.* - -Trotz des Nutzens, den der Hund dem Menschen bringt, hat er wenig Dank -dafür. Schlechte Behandlung und wenig Futter sind sein Lohn. Daher die -Redensarten: - - *Es haben wie ein Hund.* -- *Leben wie ein Hund.* -- *Arbeiten wie - ein Hund.* -- *Müde sein wie ein Hund oder hundemüde sein.* -- - *Hunzen = schelten wie einen Hund.* -- Der Hund ist launischer - Behandlung ausgesetzt, weshalb man sagt: - - *Wer einen Hund will werfen, findet bald einen Prügel.* - - *Der Knüttel liegt beim Hunde*, d. h. daß der Hund so handeln muß, - wie der Herr will, weil der sonst allzeit bereite Knüttel zur - Anwendung gelangt. - -Wegen seiner Gefräßigkeit sagt man: - - *Er wird halten, wie der Hund die Fasten*, das heißt gar nicht. - -Aus seiner Unverträglichkeit mit der Katze erklärt sich: - - *Wie Hund und Katze leben.* - -Weil der Hund der geborene Wächter ist, so nennt man auch die -Schlösser, die den Dieb vom Stehlen des Schatzes abhalten Hunde. In -Bayern heißt der Schatz selbst so. Hieraus stammen die Redensarten: - - *Hunt hint haben*, d. h. einen heimlichen Schatz haben. - - *Den Hunt schmecken wissen*, d. h. wissen, wo Vermögen und etwas zu - erhaschen ist. - - *Da liegt der Hund begraben.* Manche meinen, daß hier mit Hund der - Schatz bezeichnet werde. Das paßt aber schlecht in vielen Fällen. - -Wahrscheinlich stammt die Redensart aus dem alltäglichen Kampfe -zwischen Jäger und Landwirt. Der Bauer läßt seinen Hund wildern, und -der Förster greift zur Selbsthilfe. Wenn er annimmt, daß niemand es -sieht, erschießt er den Hund und vergräbt ihn. Manchmal hat aber -doch ein Knecht oder sonst ein Mensch die Tat gesehen, der nun weiß, -wo der Hund begraben liegt. Er ist froh darüber, denn entweder muß -ihm der Förster, der natürlich dem Bauern gegenüber alles bestreitet, -Schweigegeld geben oder der Bauer muß ihm das Geld geben, damit er ihm -zeigt, wo der Hund begraben liegt. - -Sehr hoch schätzt die Treue des Hundes der Ausspruch: - - *An fremden Hunden und Kindern ist das Brot verloren*, d. h. die - Hunde lassen sich dadurch nicht verleiten wegen ihrer Hundetreue. - -Nur bei einem sehr hundefreundlichen Volke konnte der Vers entstehen: - - *Einen Mann hungerte manche Stund, - Er ging und kaufte sich einen Hund.* - - *Hundehaare auflegen* kommt von dem Glauben, daß, wer Schaden zufügt, - auch die Kraft zum Heilen besitzt. Auf eine von einem Hund - verursachte Wunde soll man also Hundehaare legen. In übertragenem - Sinne spricht man davon, wenn man die durch den Alkohol - entstandene Magenverstimmung durch weiteren Alkohol beseitigen - will. - - -[Illustration: Deutsche Dogge] - -[Illustration: Wachtelhund] - -[Illustration: Schäferhunde] - -[Illustration: Schnauzer] - -[Illustration: Drahthaariger Foxterrier] - - - - -Die Katze - - -30. Hund und Katze waren beide früher Raubtiere. Warum sehen sie -trotzdem so verschieden aus? - -Peter hatte, wie wir sahen, ein kleines Geplänkel mit des Nachbars -Katze. Wir wollen uns diese einmal etwas näher betrachten. - -Wie damals sitzt sie in dem Kellereingang und läßt sich die warme -Morgensonne auf den Pelz scheinen. Schlecht scheint es ihr wirklich -nicht zu gehen, denn sie ist kräftig und sieht ganz wohlgenährt aus. -Das ist auch nicht weiter wunderbar, denn in einem Kohlenkeller pflegt -es stets Mäuse zu geben. Der Kohlenhändler hält sie wohl auch deswegen. -Uebrigens ist uns die Katze schon seit längerer Zeit bekannt. Sie ist -etwa ebenso alt wie Peter und in Wirklichkeit ein Männchen, also ein -Kater, der »August« genannt wird. - -Fassen wir das Tier ins Auge, so fällt uns namentlich folgendes -auf. Erstens: der kleine Kopf mit den Schnurrhaaren. Zweitens: die -zierliche, kräftige und runde Form des Rumpfes. Drittens: Füße und -Schwanz fügen sich übereinstimmend in dieses Bild. Die Füße sind -fast bedeckt und der Schwanz geht im Bogen nach vorn. Viertens: -bewundernswert ist bei der Gesamterscheinung die unerschütterliche -Ruhe, da am Körper sich nicht das geringste bewegt. Ein aus Erz -gegossenes Kunstwerk könnte sich kaum regungsloser verhalten. - -Doch diese Leblosigkeit ist nur Schein, denn sie beruht auf einer -außerordentlichen Beherrschung aller Muskeln. Jetzt *kommt* Leben in -August, denn seine Herrin, deren Liebling er ist, kehrt von einem -Gange zurück. Das Schmeicheln der Katzen ist, wie wir jetzt sehen, -ganz anders wie das der Hunde. Ein Hund, der sich bei seinem Herrn -beliebt machen will, springt an ihm herauf und sucht beide Vorderpfoten -auf seine Beine zu legen. Der Kater dagegen läuft hin und her und -reibt sich dabei an den Kleidern seiner Herrin, wobei er den Schweif -hochgestellt hält. Ständen wir ganz dicht dabei, so würden wir August -auch schnurren hören. - -Doch seine fleißige Herrin hat nicht lange Zeit, sich mit August weiter -zu beschäftigen. Sie hat aber ihrem Lieblinge einen Leckerbissen -mitgebracht, den der Kater jetzt frißt. Hierbei fällt uns der -merkwürdige Unterschied des Fressens beim Hund und der Katze auf. Einen -solchen Happen, anscheinend ein kleines Stück von einem größeren Fisch, -würde ein Hund im Nu verschlungen haben. Der Kater dagegen braucht eine -ganze Weile, ehe er den Happen bewältigt hat. Nach unseren Begriffen -ißt die Katze gesittet, während der Hund ein roher Schlinger ist. Wir -müssen an das Sprichwort denken: »Iß wie eine Katze und trink' wie ein -Hund.« Nach dem Essen putzt sich August, indem er sich gewissermaßen -»wäscht«. Nach dem Volksglauben bedeutet es bekanntlich, daß Besuch -eintrifft, wenn die Katze sich wäscht. - -Dieses Waschen bewerkstelligt August in folgender Weise, wie wir -beobachten können. Er macht eine Pfote mit der Zunge feucht und benutzt -diese angefeuchtete Pfote als Schwamm, um seinen Kopf und andere -Körperteile, soweit er reicht, damit zu reinigen. - -Nachdem August so sein Aeußeres wieder in Ordnung gebracht hat, -betrachtet er zunächst die Welt anscheinend mit der Ruhe eines -Weltweisen. - -Da August ein kräftiges Tier ist, so hat er vor Durchschnittshunden -keine Furcht. Er hat seinen Nachbarn Peter längst durchschaut und weiß, -daß dieser wohl im Blaffen groß, aber kein furchtloser Draufgänger -ist. Für gewöhnlich macht er bei der Annäherung von Hunden kaum einen -Buckel. Dagegen zieht er sich vor einem ausnehmend scharfen Dachshunde, -der mit Schmarren bedeckt ist und um die Ecke wohnt, regelmäßig zurück. -Da August jetzt seiner Herrin in den Keller gefolgt ist, so wollen wir -zunächst uns das, was wir bei ihm erschaut haben, zu erklären suchen. - -Hund und Katze sind beide Raubtiere, wie wir wissen. Aber sie wenden -ganz verschiedene Mittel an, um zu ihrem Ziele zu gelangen. Der Hund -spürt mittels seiner feinen Nase einen Pflanzenfresser auf, wie noch -jetzt seine wilden Verwandten, die Wölfe und andere hundeartige Tiere, -und sucht ihn durch seine Schnelligkeit zu erbeuten. Er ist, wie wir -schon sagten, ein Hetzraubtier. - -Ganz anders verfährt die Katze. Ueber ihre Abstammung soll später -gesprochen werden. Jedenfalls gleicht sie heute noch ihrer nahen -Verwandten, der europäischen Wildkatze, fast in allen Stücken. -Gleich dieser hat sie erstens keine feine Nase, um eine Hasenspur -zu verfolgen, wie ein Hund. Sähe sie aber wirklich im Felde einen -Lampe, wie man den Hasen nennt, so denkt sie nicht daran, wie ein Hund -hinterher zu laufen. Dazu ist sie nicht schnell genug. Sie kann zwar -sehr schnell einige Sprünge machen, aber ein Dauerläufer ist sie nicht. - -Während also der Hund den Weg der offenen Gewalt einschlägt, -verabscheut die Katze diese Fangart und bekennt sich zur Anwendung der -List. Sie sagt sich: warum soll ich dem Hasen nachlaufen, den ich doch -nicht einhole? Viel einfacher ist es, wenn ich mir den Hasen kommen -lasse. - -Und unsere Mieze hat mit ihrer Fangart außerordentlichen Erfolg. Das -weiß jeder Jäger, wie gefährlich gerade wildernde Katzen dem Wildstande -sind. - -Man sollte meinen, daß Hasen, Rebhühner und anderes Wild nur die -Stellen zu meiden brauchten, wo eine Katze sitzt. Aber die Katze ist -eine solche Meisterin in ihrer Fangart, daß sie selten ohne Erfolg -bleibt. - -Bricht die Dämmerung herein, so verspürt der Hase, der auch ein -nächtliches Tier ist, Hunger im Magen. Er will sich deshalb auf das -Feld begeben, um sich an dem saftigen Klee und anderen Gewächsen -zu laben. Zu diesem Zwecke läuft er gewisse Steige, sogenannte -Pässe, entlang, wie ja auch der Mensch mit Vorliebe Straßen benutzt. -Vorsichtig prüft er erst mit der Nase, ob er nicht irgendeinen Räuber -entdecken kann. Aber seine Nase kann nichts Feindliches feststellen. -Noch mehr verläßt sich der Hase auf sein feines Gehör. Nicht umsonst -hat er die langen Löffel (Ohren). Aber auch die Ohren können ihm keine -Gefahr melden. Nicht das geringste Geräusch ist zu vernehmen. - -So hoppelt denn unser Lampe mit Seelenruhe seinen Paß entlang. Trotzdem -ist es sein letzter Weg. Denn hinter einer bewachsenen Erhöhung -überfällt ihn blitzschnell eine verwilderte Katze und trotz seines wie -Kindergeschrei klingenden Quäkens endet er bald sein Leben unter ihrem -Gebiß und ihren Prankenschlägen. - -Vergegenwärtigen wir uns diese Räubertätigkeit der Katze als -vollendeter Schleicherin, so wird uns ihre Gestalt und ihr Verhalten -vollkommen klar. - -Eine Schleicherin muß scharf sehen können, ob sich das Opfer nähert. -Die Katze ist daher ein Augentier, das ein scharfes Sehvermögen, aber -nur einen mäßigen Geruchssinn besitzt. Die Nase braucht daher nicht so -ausgebildet zu sein wie beim Hunde. Infolgedessen erscheint der Kopf -rund. Das ist für eine im Gebüsch harrende Schleicherin von Vorteil, -denn ein langer Kopf wäre schwerer zu verbergen. - -Wer sich ferner nicht verraten will, der muß ganz geräuschlos auftreten -und darf kein Zappelphilipp sein. Die Katze versteht das. Ihr -Auftreten ist so geräuschlos, daß man selbst im Zimmer bei schärfster -Aufmerksamkeit das Gehen einer Katze nicht hört. - -Jetzt verstehen wir ihren runden Rücken, der dem Erdboden ganz nahe -ist. Eine solche Körperform verschwimmt mit der Umgebung. Auch ihre -Ruhe ist uns jetzt ganz einleuchtend. Denn Nasentiere sind für -Bewegungen besonders empfindlich. - -Eine im Gebüsch oder im Versteck lauernde Schleicherin muß sich mit -dem geringsten Raum begnügen. Folglich ist für ihren langen Schweif -kein Platz da. Demnach muß sie ihn, um ihn unterzubringen, nach vorn -krümmen. An dieses Krümmen des Schwanzes nach vorn ist die Katze seit -Urzeiten so gewöhnt, daß sie den Schweif auch dann so trägt, wenn sie -den weitesten Raum zur Verfügung hat. - -Der Hund dagegen, der krumme Wege im allgemeinen nicht liebt und -deshalb auch nicht in engen Verstecken lauert, läßt seinen Schweif beim -Hinsetzen in gerader Linie liegen. - -Von der Bedeutung des Schweifes in der Tierwelt werden wir noch -sprechen. - -Der Hase war also der Schleicherin zum Opfer gefallen, weil seine -Schutzmittel ihn nicht retten konnten. Seine Schnelligkeit, sein -größter Vorzug, war wertlos wegen des plötzlichen Ueberfalls. Auch -seine feine Nase konnte ihm die Feindin nicht anzeigen, weil diese -sich wohlweislich hinter einer bewachsenen Erhöhung geduckt hatte. -So konnte der Hase sie nicht riechen. Der Hase ist wie der Hund ein -Nasentier. Auch das vielgerühmte Hasenohr konnte die geräuschlose und -unbewegliche Räuberin nicht wahrnehmen. - -Trotz ihres Nagergebisses beißen die Hasen nur ausnahmsweise. Aber -selbst wenn sich der Hase gegen die Katze wehren wollte, so war er -gegen die auf dem Rücken festgekrallte und festgebissene Feindin -machtlos. - - -31. Welchen Zwecken dienen die Schnurrhaare der Katze? - -August besitzt, wie uns aufgefallen war, auf der Oberlippe wagerecht -stehende Borsten, sogen. Schnurrhaare. Beim Hunde können wir nur einige -zerstreute Haare dieser Art an dem gleichen Orte entdecken. Es ist -anzunehmen, daß die Schnurrhaare für August bei seinem Räuberhandwerk -irgendeinen Zweck haben. Worin dürfte dieser Zweck bestehen? - -Würden wir einer Katze die Schnurrhaare abschneiden, so könnten wir -die Beobachtung machen, daß sie von einer merkwürdigen Unsicherheit -befallen wird. Und das mit Recht. Denn sie, die Schleicherin, liebt es, -alle engen Gänge, alle Höhlungen zu untersuchen, ob nicht irgendwie -etwas Beute für sie abfällt. Das Durchkriechen enger Wege kann aber -leicht gefährlich werden; man kann manchmal weder vorwärts noch -rückwärts. So sind kleine Affen, die in Zoologischen Gärten ausbrechen -und zu diesem Zwecke sich durch enge Röhren durchzwängen wollten, -steckengeblieben und elendiglich verhungert. Das kann einer Katze wie -allen Tieren, die Schnurrhaare tragen, nicht gut passieren. Wird ihr -Weg so eng, daß die Gefahr des Festsitzens droht, so stößt sie mit den -Schnurrhaaren an. Sie fühlt das gleich und weiß: Bis hierhin und nicht -weiter! - -Die Schnurrhaare sind also für das Leben der Katze von der größten -Wichtigkeit. Sowohl Männchen als auch Weibchen haben sie. Selbst junge -Katzen besitzen sie schon, denn auch sie könnten in ihrer Neugierde in -ein Loch hineinkriechen und darin steckenbleiben. Wir ersehen hieraus, -daß die Schnurrhaare, die manche als Schnurrbart bezeichnen, mit -unserem Schnurrbart nicht das mindeste zu tun haben. Unser Schnurrbart -ziert nur Männer, fehlt also den Frauen und allen Jugendlichen. Sodann -hat er nicht die elastische Eigentümlichkeit der Katzenschnurrhaare, -sofort in die alte Stellung zurückzukehren. - -Manche nennen diese Schnurrhaare Tasthaare. Das ist keine Verbesserung. -Betrachtet man genau den Kopf einer Katze, so erblickt man oberhalb der -Augen einzelne lange Haare. Das sind reine Tasthaare. Wenn eine Katze -in eine dunkle Höhlung kriecht, so zeigen ihr diese Haare an, daß die -Höhle zu Ende ist. Ohne diese Tasthaare würde also die Katze Gefahr -laufen, mit ihrem Kopfe gegen den Hintergrund anzustoßen. Da der Kopf -aller Katzen sehr fest gebaut ist, so wäre das weiter kein Unglück. - -Der Hund kriecht in keine Höhlen von Brettern, Bäumen und dergleichen, -sondern höchstens in Erdhöhlen. Hier kann ihm aber keine Lebensgefahr -drohen. Denn sollte er wirklich einmal festsitzen, so kann er mit Hilfe -seiner Grabpfoten sich leicht wieder befreien, indem er die Höhle -erweitert. Der Hund braucht also keine Schnurrhaare wie die Katze und -besitzt sie deshalb nicht. - -Bereits bei Peter (Kapitel 7) wurde erzählt, daß der Hund Grab- und -Rennpfoten hat. Im Gegensatz hierzu hat August als Katze einziehbare -Krallen an seiner Pranke, d. h. seiner bewehrten Pfote. Das Einziehen -der Krallen hat zwar den Vorzug, den Tritt unhörbar zu machen, aber zum -Graben in einem harten Boden sind einziehbare Krallen nicht geeignet. - -Obwohl also Hund und Katze beide früher Raubtiere waren, sehen sie -deshalb sehr verschieden aus, weil sie sich auf ganz verschiedene -Art ihren Nahrungserwerb suchen. Der Hund mit seiner offenen Gewalt -erinnert an einen mit dröhnenden Schritten auftretenden Kürassier, -während uns bei der formgefälligen Katze die Gestalt eines Tanzmeisters -einfällt. Auch bei Pferden und Rindern finden wir einen ähnlichen -Unterschied, obwohl beide Geschöpfe friedliche Pflanzenfresser sind und -oft zusammen weiden. - - -32. Das Schmeicheln der Katze. Ist die Katze falsch? - -»Schmeichelkätzchen« ist eine sehr bekannte Bezeichnung für einen -Menschen, der sich wie eine schmeichelnde Katze bei einem anderen in -Gunst setzen will. Bei August haben wir dieses Schmeicheln als Reiben -an den Kleidern seiner Herrin beobachtet. - -Ohne Zweifel ist das eine Art der Katzen, sich beliebt zu machen. -Im Zoologischen Garten können wir das gegenseitige Reiben zwischen -Löwe und Löwin oft wahrnehmen, wenn sie aneinander vorüberschreiten. -Da Raubtiere sich mit ihrem großen Rachen nicht küssen können, so -entspräche dieses gegenseitige Reiben einem Kusse. Das merkwürdig feine -Haar der Katzen scheint für solche Zärtlichkeiten besonders geeignet zu -sein. - -Der Hund besitzt dagegen dieses feine Katzenhaar nicht. Er wählt daher -einen anderen Weg. Er springt an uns empor. Das ist, wenn der Hund -schmutzige Pfoten besitzt, und der Mensch eine saubere Hose angezogen -hat, was in der Stadt sehr häufig vorkommt, für uns nicht gerade sehr -angenehm. Was bezweckt der Hund mit dem Anspringen? Man geht wohl nicht -fehl, wenn man annimmt, daß der Hund uns noch näher kommen will. Der -eigentliche Mensch sitzt wohl nach seiner Auffassung im Kopfe, denn dem -nähert er sich mit Vorliebe und sucht uns zu belecken. Darin bestärkt -wird er wohl dadurch, daß gerade aus dem Kopfe unsere Stimme ertönt. - -Bekannt ist es, daß eine Katze, die einem Menschen ihre Zuneigung durch -Schmeicheln bewiesen hat, wie es August vor unseren Augen getan hat, -nicht selten kurze Zeit darauf denselben Menschen kratzt, wenn dieser -sie neckt. Weil das ein alter Erfahrungssatz ist, so gilt die Katze -allgemein als falsch. Ist das richtig? - -Allerdings kann man manchen Hund nach Belieben prügeln, und er wird -trotzdem seinem Herrn anhänglich und treu sein. Man spricht daher von -einer Hundedemut, weil es unseren sonstigen Erfahrungen widerspricht, -daß ein Geschöpf für tägliche Prügel sich noch unterwürfig und ergeben -zeigt. Wer ebenso mit einer Katze verfahren will, der kommt an die -unrichtige Stelle. Der Hund ist allerdings eine Sklavennatur, die -Katze dagegen eine Herrennatur. Sich von dem Menschen prügeln zu -lassen, weil dieser grade schlechter Stimmung ist, fällt der Katze -nicht ein. Sie wehrt sich dagegen und kratzt den Angreifer. Der ist -höchlichst erstaunt, weil er denkt: Was sich ein Hund gefallen läßt, -muß sich doch auch eine Katze bieten lassen. Da das nicht der Fall ist, -so schilt er die Katze als falsch. - -Warum ist nun der Hund demütig wie ein Sklave, die Katze dagegen stolz -wie ein Herrenmensch? - -Wir wissen schon, daß wir wieder bei den wilden Verwandten nachforschen -müssen, wenn wir Auskunft hierüber haben wollen. Schon früher (vgl. -Kap. 11) wurde davon erzählt, eine wie strenge Zucht der Leiter eines -Rudels bei den Eskimohunden hält. Dieser Leiter, der sogenannte Baas, -straft umgehend durch Bisse jeden, der sich irgendeine Unregelmäßigkeit -zuschulden kommen läßt. Von Wolfsrudeln hören wir genau das gleiche. -Als Beispiel sei folgendes angeführt. Wenn die Wölfe wandern, so -tritt jeder einzelne Wolf jedesmal in die Spuren des Vordermanns, -damit es den Eindruck erweckt, als sei nur ein einzelner Wolf den -Weg entlanggelaufen. Wehe dem Wolfe, der aus Sorglosigkeit oder -Unachtsamkeit daneben tritt. Er wird nach den übereinstimmenden -Berichten von dem Leiter des Rudels, dem stärksten Wolfe, zerrissen. - -Der Hund hat also seit Urzeiten einen unbeschränkten Herrn über -sich gehabt, gegen den es keinen Richterspruch gab, und von dem er -widerstandslos alles erdulden mußte. Nur die Gewalt, die Stärke, -vermochte etwas gegen seinen Vorgesetzten anzurichten. So kennt der -Hund es nicht anders, als sich alles von dem Stärkeren gefallen zu -lassen. - -Die Wildkatze dagegen lebt nicht in Rudeln, sondern allein. Auch unsere -Katze ist daher eine Einzelgängerin geblieben. Eine Unterordnung unter -einem Vorgesetzten hat sie niemals kennengelernt. Deshalb ist sie eine -Herrennatur geblieben. - -Falsch kann also nur der die Katze nennen, der auf dem Standpunkt -steht, daß die Katze sich alles wie ein Hund gefallen lassen müsse. - - -33. Warum schlingt der Hund, während die Katze gesittet frißt? - -Von Peter sahen wir, daß er ein Stück verwestes Fleisch im Nu -hinunterschlang, während August langsam wie ein gut erzogener Mensch -kaut. Für uns Menschen ist es ein naheliegender Gedanke, diese -Verschiedenheit darauf zurückzuführen, daß die Katze das gesittete -Essen dem Menschen abgesehen hat, während der Hund darin ein -unbelehrbarer Tropf geblieben ist. - -Diese Ansicht ist schon aus dem Grunde nicht wahrscheinlich, weil die -Katze im Vergleich zu dem Hunde erst ein sehr junges Haustier ist. Auch -hier ist die Lebensweise der Verwandten ausschlaggebend gewesen. - -Wer, wie die Wildkatze, einzeln lebt, braucht sich bei der Mahlzeit -nicht zu sputen. Es wird ihm deshalb kein Happen fortgenommen, und die -Beute schmeckt desto besser. Wer dagegen im Rudel schmaust, wie die -Wildhunde, der muß sich sputen. Sonst geht er leer aus. - -Hierzu kommt noch die Verschiedenheit des Gebisses. Die Katze mit -ihrem kleinen Gebiß kann gar nicht so schnell schlingen, wie der -Hund mit seinem großen Rachen. Wenn wir nach dem Zoologischen Garten -gehen und uns die Fütterung der Raubvögel ansehen, so können wir bei -ihnen den gleichen Unterschied wahrnehmen. Die Geier mit ihren großen -Schnäbeln schlingen, weil sie in der Freiheit gemeinsam an demselben -toten Tiere sich zu sättigen suchen, dagegen fressen die Falken und -Adler gesittet, weil sie einzeln jagen, wie die Katze, auch nicht den -mächtigen Schnabel der Geier besitzen. - -Das vorhin erwähnte Sprichwort: Iß wie eine Katze und trink' wie ein -Hund ist nicht ganz genau. Denn auch die Katze lappt das Wasser genau -wie der Hund. Jedenfalls ist sie keine Säuferin, so daß es einfacher -wäre zu sagen: Nimm dir beim Essen und Trinken die Katze zum Vorbild. - - -34. Die Katzenwäsche. Sind Katzenhaare giftig? - -August hat sich nach dem Essen geputzt. Die Katze gilt als ein sehr -reinliches Tier. Mit dieser Reinlichkeit ist es allerdings schwer zu -vereinigen, daß das Waschen nur mit der beleckten Pfote geschieht. Von -einem Kinde, das sich aus Abneigung gegen das Wasser ganz oberflächlich -reinigt, sagen wir daher, daß es »Katzenwäsche« liebe. - -Vergleichen wir damit das Benehmen unserer Sperlinge. Es hat vor -einiger Zeit geregnet, und es sind noch einige Pfützen auf der Straße. -An einer von Menschen nicht begangenen Stelle sehen wir die Sperlinge -sich zu einem Bade drängen. Sie tauchen ordentlich in das Wasser ein -und machen sich manchmal so gründlich naß, daß ihnen das Fliegen schwer -fällt. - -Warum nimmt sich August die Sperlinge nicht als Vorbild oder geht wie -der Hund in das Wasser hinein, um ein erquickendes Bad zu nehmen? - -Abneigung gegen die Reinlichkeit kann es nicht sein, denn das Putzen -ist bei der Katze so auffällig, daß man einen Menschen, der sehr viel -auf sein Aeußeres verwendet hat, als »geleckten Kater« bezeichnet. - -Auch sonst ist die Katze nicht pimplig, was man im Winter, wenn Schnee -und Kälte herrschen, oft genug auf den Feldern beobachten kann. -Stundenlang kann sie trotz starken Frostes regungslos sitzen, so daß -sie gegen Kälte ziemlich unempfindlich sein muß. - -Der Grund für das Waschen mit der feuchten Pfote muß also anderswo -liegen. Er dürfte in dem Bau ihrer Haare zu suchen sein. Diese sind so -fein, daß nicht einmal eine Fliege auf ihnen sitzen kann. - -Den Landleuten ist es längst aufgefallen, daß Fliegen, die den Hund -furchtbar belästigen, der Katze fast aus dem Wege gehen. Natürlich -versucht auch eine Fliege, sich auf einer Katze niederzulassen. Aber -bald kommt sie dahinter, daß ihr das nicht gelingt, und sie fliegt -weiter. - -Bei Landleuten hört man auf Grund dieser auffallenden Erscheinung -vielfach die Ansicht, daß Katzenhaare giftig seien. Das ist entschieden -ein Irrtum. Denn Hunde, die beim Raufen mit Katzen das ganze Maul -voll Katzenhaare bekommen, erleiden keinen Nachteil davon. Auch -werden Katzenfelle in Unmenge getragen, ohne daß man von einem -gesundheitlichen Schaden hört. Im Gegenteil: Katzenfelle gelten als -vortreffliches Mittel gegen allerlei Krankheiten. - -Uebrigens sind die Fliegen auch ganz verschieden zudringlich zu zwei -anderen Haustieren, nämlich Kühen und Ziegen. Der Kuhstall wimmelt von -Fliegen, während sich im Ziegenstalle nur wenige aufhalten. - -Wegen der Feinheit ihrer Haare scheint das Wasser sehr schnell auf -die Haut der Katzen zu gelangen. Der Hund dagegen, der sein Naturhaar -besitzt, kann stundenlang im Regen weilen, ohne im gleichen Grade -durchnäßt zu werden, da ihn die Unterwolle schützt. - -Hiermit steht im Einklang, daß alle Katzen es vermeiden, bei -Regenwetter ins Freie zu gehen. Während ein abgehärteter Hund sich -nicht durch einen strömenden Regen abhalten läßt, seinen Herrn zu -begleiten, sucht die Katze ein schützendes Obdach. Auch unser August -ist wie alle Katzen kein Freund von Regen. - -Die Katze kann wohl schwimmen, aber sie tut es nur im Notfalle, denn -sobald sie aus dem Wasser kommt, sieht sie wirklich wie eine »gebadete -Katze« aus. - -Von den vielen Beobachtungen auf diesem Gebiete fällt mir gerade -folgende ein. Im Schilfe eines Sees zeterte und verfolgte sich ein -Vogelpärchen. Die Katze von einem benachbarten Besitzer hörte das und -dachte sich: Halt, hier kannst du dir wohl einen leckeren Braten holen. - -Mieze kam also ganz leise angeschlichen und wartete, bis die Vögel -nahe genug geflogen waren. Dann sauste sie mit einem Sprunge durch die -Luft. Doch die Vögel hatten im letzten Augenblick die drohende Gefahr -erkannt und sich eiligst davongemacht. Mieze konnte mit ihren Pranken -keinen von ihnen fassen und fiel in den See, der ihre Jagdleidenschaft -etwas abkühlte. Der Anblick der zurückkehrenden Katze mit ihrem -betrübten Gesicht wegen des fehlgeschlagenen Unternehmens und mit dem -pitschenassen Felle ist mir heute noch gewärtig. - -Einen untrüglichen Beweis, daß Dauerregen sehr nachteilig auf Katzen -wirkt, liefern uns Länder, die wie Paraguay andauernde Regenzeiten -haben. Es ist in diesen Ländern bekannt, daß verwilderte Katzen während -dieser Zeit sterben. - -Uebrigens gibt es auch bei andern Völkern Haustiere, die sehr -empfindlich gegen Nässe sind, z. B. das Kamel. Ein Freund von mir, der -während des Weltkrieges im Orient tätig war, erzählte mir, daß man von -dieser Eigentümlichkeit der Kamele keine Ahnung gehabt hat und sie -deshalb in bester Absicht in die Schwemme getrieben habe. Die Wirkung -sei verheerend gewesen, denn etwa die Hälfte der Kamele sei daran -gestorben. - -Das Kamel stammt aus Gegenden, wo es fast niemals regnet. Wasser am -Körper ist ihm deshalb sehr nachteilig. - -Aehnlich liegt die Sache bei dem Esel, von dem wir noch später sprechen -werden. Pferde reitet man in die Schwemme, aber Esel nirgends. - -Ein Knabe, der sich aus Pimpligkeit nicht waschen will, darf sich also -niemals auf die Katze berufen. Die Katze wäscht sich deshalb nur mit -der feuchten Pfote, weil Nässe ihrem Körper nachteilig ist. - -Wenn man bedenkt, daß der Hund ein vortrefflicher Schwimmer ist, der -gern ins Wasser geht, so scheint die Katze mit ihren feinen Haaren als -Raubtier sehr benachteiligt zu sein. Warum hat die Katze nicht auch ein -so vortrefflich schützendes Fell wie der Hund? - -Das hat zwei Gründe. Wir haben vorhin geschildert, wie die Katze am -Passe des Hasen auf ihr Opfer wartet und es erbeutet. Besäße die Katze -ein Hundefell, so würde sie wie ein Hund von Fliegen belästigt werden. -Sie könnte unmöglich regungslos bleiben, sondern würde, wie der Hund -es tut, von Zeit zu Zeit nach den Plagegeistern schnappen oder nach -Katzenart sie mit den Pranken zu verjagen suchen. Diese Bewegungen -würden jedoch Geräusche verursachen, die von dem feinohrigen Lampe -schon von weitem wahrgenommen werden würden. Selbst seinem schwachen -Gesicht würden übrigens diese Bewegungen auffallen, da alle Nasentiere, -wie wir wissen, für Bewegungen besonders empfänglich sind. Die lauernde -Katze würde also um ihre Beute kommen. - -Der zweite Vorteil, den die Katze von ihrem feinen Haar hat, besteht -darin, daß sie in Dornendickichte eindringen kann, die dem Hund -unzugänglich sind. Die Dornen halten wohl den Hund fest, weil seine -Haare so widerstandsfähig sind, aber nicht die weichen Katzenhaare. - -Wir sehen also, daß auch in diesem Falle, wie so häufig im Leben, -Nachteile durch Vorteile auf anderem Gebiete aufgewogen werden. Für die -Nässe sind die Katzenhaare ungeeignet, aber für andere Dinge passen sie -besser als Hundehaare. - -Mit dem besonderen Bau der Katzenhaare dürfte es zusammenhängen, daß -sie sich gut zu Versuchen auf dem Gebiete der Elektrizität eignen. Es -dürfte aber übertrieben sein, daß man durch Reibung eines Katzenfells -elektrische Funken hervorrufen kann, wie es in manchen Büchern heißt. -Wenigstens habe ich solche Funkenerzeugung noch nicht beobachten können. - - -35. Warum hat die Katze eine rauhe Zunge? - -Gewöhnlich heißt es, daß die Katze deshalb eine rauhe Zunge besitzt, um -als Raubtier besser das Fleisch zerkleinern zu können. Ob die Stacheln -auf der Zunge wirklich in einem solchen Falle von großem Nutzen sind, -erscheint doch sehr zweifelhaft zu sein. - -Sieht man, mit welcher Sorgfalt die Katze ihr Fell leckt, so scheint -es doch wahrscheinlicher zu sein, daß die Katze, da sie Regen wie -überhaupt Wasser meidet, das Fell wenigstens zu kämmen sucht. Die -Stacheln würden hiernach als Ersatz für einen Kamm dienen. Gerade -die Katzen in kalten Ländern brauchen einen reichlichen Haarwuchs, -und dieser muß, wenn schon das Wasser von ihm ferngehalten wird, in -irgendeiner Weise in Ordnung gehalten werden. - -Nach unseren Begriffen kann uns das Belecken der Pfote, um damit die -Haut zu bearbeiten, wie es August macht, sehr wenig gefallen. Aber wir -müssen natürlich die Tiere mit einem anderen Maßstab messen als den -Menschen. Wir tauchen unsere Hand in eine Schüssel Wasser und reinigen -die beschmutzte Stelle oder wir nehmen zu diesem Zwecke einen Schwamm. -Der Katze fehlen diese Dinge, und daher wählt sie ihre Zunge als Ersatz. - -So halten auch Hundemütter und Katzenmütter ihre Jungen durch Belecken -sauber. Was würde es für Umstände machen, wenn ein Hund oder eine -Katze für jedes Junge -- es sollen nur sechs angenommen werden -- ein -besonderes Bad anrichtete? - -Die Zunge hat also, wie wir sahen, bei den Tieren, namentlich bei -Hunden und Katzen eine ganz andere Bedeutung wie beim Menschen. Sie -ersetzt dem Tier häufig die Hand. Wenn ein Hund uns seinen Dank -ausdrücken will, so kann er uns nicht die Hand geben, weil er keine -hat, sondern sucht uns die Hand zu belecken. - - -36. Das Vorgefühl der Tiere für kommendes Wetter. - -Da wir gesehen haben, wie sorgfältig August sein Fell in Ordnung -gebracht hat, so wollen wir bei dieser Gelegenheit etwas näher auf den -Volksglauben eingehen, wonach Besuch zu erwarten ist, wenn die Katze -sich putzt. - -Es ist natürlich sehr bequem zu sagen: Das ist ja fürchterlicher -Unsinn. Wie kann ein aufgeklärter Mensch so etwas glauben? - -So einfach liegt die Sache nicht. Ich will hier erzählen, was ich mit -eigenen Augen gesehen habe. - -Auf einem Jagdrevier gab es eine Unmenge wildernder Katzen, die großen -Schaden anrichteten. Der Jagdaufseher, der ein hervorragender Schütze -war, gab sich alle Mühe, ihre Anzahl zu verringern. - -Das ist aber nicht leicht auszuführen. Die Katze merkt sehr bald, daß -man ihr nachstellt, und als nächtliches Tier geht sie dann nur in der -Dunkelheit auf Raub aus. Was nützt dem vortrefflichsten Schützen seine -Kunst? Um zu treffen, muß man sehen können, und in der Dunkelheit ist -nichts zu sehen. - -Diese Verhältnisse waren mir genau bekannt. Ich war daher aufs äußerste -erstaunt, als ich am hellen Nachmittage etwa gegen 4 Uhr erst eine und -dann später noch zwei andere Katzen aus dem Dorfe wandern sah, um ihrer -Jagdlust zu frönen. So etwas hatte ich noch nicht erlebt. - -Mir ging die Sache nicht aus dem Kopfe, und ich grübelte darüber -nach, was wohl die Katzen veranlaßt haben mochte, sich einer so -augenscheinlichen Gefahr auszusetzen. Es war ein wunderschöner Tag, und -kein Wölkchen am Himmel sichtbar. Gegen Abend änderte sich plötzlich -das Bild. Es zog ein schweres Gewitter auf, und in der Nacht regnete es -in Strömen. - -Jetzt wurde mir das Verhalten der Katzen klar. Sie hatten den -Wetterumschlag bereits gefühlt und, da sie bei Regen nicht auf Jagd -ausgehen, sich entschlossen, sich lieber am hellen Tage der Gefahr -auszusetzen, als auf die Jagd zu verzichten. Aehnliche Fälle habe -ich noch mehrfach erlebt, so daß für mich kein Zweifel besteht, daß -manche Tiere ein Vorgefühl für einen Wetterumschlag besitzen, der dem -Durchschnittsmenschen abgeht. - -Ein solches Vorgefühl treffen wir namentlich bei den Tieren an, denen -das bevorstehende Wetter gesundheitlichen oder sonstigen Schaden -bringen kann. So ist es bekannt, daß, wenn Kaninchen am Tage eifrig auf -Nahrungssuche ausgehen, baldiger Regen zu vermuten ist. Denn auch das -Kaninchen ist sonst ein nächtliches Tier. Ferner ist es wie die Katze -empfindlich gegen Regen. - -Ein besonders feines Vorgefühl finden wir bei den Vögeln, namentlich -den Raubvögeln. Für den Raubvogel ist es eine Lebensfrage, rechtzeitig -den eintretenden Wetterumschlag zu kennen, denn mit Flügeln, die mit -Wasser beschwert sind, kann er nichts fangen, auch sind dann wenige -Friedvögel zu erblicken. Es ist daher kein Wunder, daß es im Altertum, -wo man die Tiere weit eifriger beobachtete als zu unseren Zeiten, eine -besondere Kaste der Vogelflugdeuter, die sogenannten Auguren, gab. - -Die an sich ganz richtige Beobachtung, daß gewisse Tiere einen -Wetterumschlag im voraus fühlen, ist den Gebildeten dadurch -unglaubwürdig geworden, weil man durch ganz haltlose Zusätze den wahren -Kern verdunkelt hat. Nebenbei bemerkt wollen Leute, die an Migräne und -ähnlichen Krankheiten leiden, einen solchen Wetterumschlag ebenfalls im -voraus empfinden. - -*Das Vorgefühl kann sich natürlich nur auf die nächsten vierundzwanzig -Stunden erstrecken.* Es ist daher geradezu albern, wenn man alljährlich -in vielen Zeitungen lesen kann: Da die Zugvögel uns sehr zeitig -verlassen, so steht uns ein strenger Winter bevor. Oder das Bevorstehen -von starkem Frost wird damit begründet, daß die Bienen ihre Wohnung -besonders stark gegen Kälte abschließen. - -Noch größer aber war die Torheit, daß man bei vielen Völkern den Schluß -zog: Wenn das Tier weiß, wie das zukünftige Wetter ausschaut, so kann -es überhaupt in die Zukunft sehen. Ehe man etwas Wichtiges unternahm, -schaute man daher auf die Vögel, ob sie sich dem Unternehmen durch ihr -Benehmen günstig oder ungünstig erwiesen. - -Diesen Schluß hat man auch für das Benehmen der Katze gezogen, was -natürlich Aberglauben ist. Wahr dagegen ist folgendes: - -Die Katze fühlt voraus, daß für die nächsten vierundzwanzig Stunden -das Wetter schön bleibt oder wenigstens kein Regen eintritt. Sie -beabsichtigt daher, einen Ausflug zu machen und putzt sich daher vorher -zu diesem Zwecke. Tatsächlich bleibt das Wetter an diesem Tage schön, -und die in der Nähe wohnenden Lehmanns sagen daher: »Bei dem schönen -Wetter wollen wir heute Schulzes besuchen.« Diesen Schulzes gehört -die sich putzende Katze. Beim Eintritt der Familie Lehmann sagen sie: -»Wir wußten, daß heute Besuch kommt, denn unsere Mieze hat sich so -sorgfältig geputzt.« Richtig wäre es, wenn Schulzes sagten: »Unsere -Mieze hat sich heute sorgfältig geputzt und ist in die Felder gegangen. -Da Katzen aus Furcht vor Regen nur dann einen größeren Ausflug machen, -wenn das Wetter in den nächsten Stunden schön bleibt, so war das -also vorläufig anzunehmen. Bei schönem Wetter kommt leicht Besuch. -Daher wundern wir uns nicht, daß ihr uns heute besucht!« Ein Kern von -Berechtigung ist also in dem alten Glauben enthalten. Natürlich hätten -Schulzes auch auf das Benehmen anderer Tiere hinweisen können. Wenn -Bienen schwärmen oder Spinnen ihr Netz erneuern, kann man ebenfalls -annehmen, daß vorläufig das Wetter schön bleibt. - -Bei dem feinen Gefühl der Katze ist es sehr wahrscheinlich, daß sie -die einem Erdbeben voraufgehenden schwächeren Stöße, die uns Menschen -entgehen, wahrnimmt und Todesangst bekundet. In Italien hat man ja -reichlich Erfahrungen mit Erdbeben. Dabei wird häufig erwähnt, daß -Katzen -- auch Hunde -- bereits vorher mit allen Zeichen der Angst die -Häuser verließen. - - -37. Der Haß des Hundes gegen die Katze. Warum macht die Katze einen -Buckel? Ist sie tapfer? - -Wir hatten beobachtet, daß der Spitz Peter zu den Katzenfeinden gehört, -aber von August nicht für voll angesehen wurde. Sie machte kaum einen -Buckel. Wir fragen uns zunächst, woher der fast allgemeine Haß der -Hunde gegen die Katzen stammt. - -In der Tierwelt sind Abneigungen und Zuneigungen verschiedener -Tierarten durchaus keine Seltenheit. Der Jäger benutzt den Uhu, unsere -größte Eule, dazu, um damit die Krähen anzulocken. Sie sind sehr -vorsichtig, aber in ihrem Haß gegen die Eule sind sie fast blind und -können leicht geschossen werden. Auch Rinder haben, wie wir später -sehen werden, eine ausgesprochene Abneigung gegen Hunde, ebenso -Schweine. - -Die Wut der Krähen ist begreiflich, denn in der Nacht geht der Uhu -auf Raub aus und frißt mit Vorliebe Krähen. Merkwürdigerweise haben -aber die schwarzen Vögel auch großen Haß gegen kleine Eulen, die ihnen -selbst in der Nacht nicht das Geringste zuleide tun. - -Hieraus erkennen wir deutlich, daß Tiere nicht nur ihre Feinde hassen, -sondern auch die Verwandten ihrer Feinde. Genau so schreibt bei vielen -Völkern die Blutrache vor, nicht nur den Feind, sondern auch seine -Verwandten zu töten. Schweine und auch Rinder hassen ebenfalls den Hund -nur seiner Verwandten wegen. Er selbst hat ihnen nichts getan, aber -sein Vetter Wolf ist ihr schlimmster Feind. - -Hat nun die Katze Verwandte, die dem Hunde gefährlich werden? Gewiß, -Leopard und Jaguar sind die schlimmsten Hundefeinde. Kein Deutscher -kann in Afrika sich längere Zeit einen deutschen Hund halten, denn es -dauert nicht lange, und der Leopard raubt ihn. - -In Deutschland war der jetzt ausgerottete Luchs, der wie eine große -Wildkatze aussieht, ein großer Hundefeind. Ein deutscher Forstbeamter -berichtete vor dem Kriege aus Rußland, daß sein prächtiger Jagdhund von -einem Luchs überfallen und jämmerlich zerrissen wurde. - -Der Hund haßt also die Katze genau wie die Krähen die kleinen Eulen. -Die Katze hat ihm nichts getan, aber die großen Katzen sind seine -gefährlichsten Feinde, genau wie die kleinen Eulen die Krähen in Ruhe -lassen, dagegen der Uhu besonderes Verlangen nach Krähenfleisch besitzt. - -Scheint einer Katze ein Hund bedenklich, so macht sie einen Buckel, -faucht und hebt eine Pranke hoch. Fauchen, ebenso Speien als Vorboten -der Abwehr sind verständlich, ebenso das Hochheben der Pranke, um -sofort bereit zu sein, dem Gegner eins auszuwischen. Aber wozu soll der -Buckel nützen? - -Der große Naturforscher Darwin sieht den Zweck dieses Buckels darin, -daß die Katze ihrem Feinde dadurch größer und so auch gefährlicher -erscheinen soll. Da alle Hundeartigen (Kaniden) mit Vorliebe Tiere -angreifen, die viel größer sind als sie selbst -- z. B. Wölfe ein -Pferd, einen Hirsch usw. -- so kann der Buckel keinen Eindruck auf -den Gegner machen, zumal er von den schwachen Augen des Gegners kaum -wahrgenommen wird. - -Vielmehr dürfte die Katze deshalb einen Buckel machen, um ihre -schwächste Stelle zu schützen. Ein Hund, der Erfahrungen im Würgen von -Katzen besitzt, packt die Katze stets am Nacken. Das weiß die Katze -sehr wohl, daß der Nacken ihr gefährdetster Körperteil ist, und deshalb -macht sie zu seinem Schutz einen Buckel. Deshalb flüchtet auch eine -Katze nur in den seltensten Fällen. Sie weiß, daß ihr Feind sie in -Kürze einholt und beim Nacken packt. Also kämpft sie lieber bis zum -äußersten gegen den größten Hund. Sind mehrere Hunde vorhanden, so -wirft sie sich auf den Rücken und kämpft mit allen vier Pranken. - -Wir ersehen daraus, daß der Mut der Katze in Wirklichkeit nicht so -außerordentlich ist, wie es den Anschein hat. Sie hat gar keine andere -Wahl als mutig zu sein. Ferner fällt uns auf, daß die Katze im Kampfe -gegen den Hund sich auf ihre Pranken, fast niemals auf ihr Gebiß -verläßt. Blitzschnell schlägt sie mit den Pranken, namentlich nach der -Nase, die, wie wir wissen, höchst empfindlich ist. Mit ihrem kleinen -Gebiß könnte sie gegen den großen Rachen des Hundes wenig ausrichten. - -Unter den Hunden gibt es Draufgänger, die durch Wunden nur noch -wütender werden. Solchen geht auch eine starke Katze aus dem Wege, -während sie weiß, daß die große Mehrzahl ihrer Feinde nur blafft, aber -sich ihren Prankenhieben nicht aussetzt. - -Zu den Draufgängern unter den Hunden gehören Dachshunde, Terriers, -insbesondere Bullterriers, Bulldoggen und überhaupt manche Doggen, -sowie zahlreiche rasselose Dorfhunde. Den Hund ganz allgemein als feige -zu bezeichnen, dürfte irrig sein. - -Die Kraft der Katze erkennt man daran, daß sie einen schweren Hasen -über einen Zaun schleppen kann. - - -38. Warum begleitet die Katze ihren Herrn nicht wie ein Hund? Warum -geht sie nicht mit ihm auf die Jagd? - -Die Frage, warum August seine Herrin, die er so gern hat, nicht beim -Einholen begleitet hat, wie es doch alle Hunde so gern tun, will ich -dadurch beantworten, daß ich von meinem Erlebnis mit dem »Katzenmann« -erzähle. - -Vor dem Kriege konnte man in Berlin in der Nähe der Potsdamer Brücke -häufig einen Herrn sehen, der mit einer Katze spazieren ging und -deshalb Katzenmann genannt wurde. Ich habe ihn oft getroffen, hatte -aber jedesmal wichtige Dinge eiligst zu erledigen, so daß ich seine -Bekanntschaft nicht machen konnte. Endlich traf ich ihn in einer -vegetarischen Speiseanstalt, wo er häufiger Mittagsgast war. Ich habe -mich mit ihm bekanntgemacht und mich nach seinen Katzen und seinen -Erfahrungen, die er mit ihnen gemacht hat, erkundigt. - -Seine Augen glänzten, als er mir von seinen Lieblingen erzählte. -Selbstverständlich besaßen sie alle hervorragende Eigenschaften. - -Ich freue mich sehr, wenn ich einen wirklichen Tierfreund kennen lerne. -Aber man darf doch nicht alles bei den Tieren nur in rosarotem Lichte -erblicken. - -Ich habe den Katzenmann mehrfach heimlich beobachtet und wurde in -meiner Ansicht bestärkt, daß selbst der größte Katzenfreund es niemals -durchsetzen wird, mit einer Katze genau wie mit einem Hunde spazieren -zu gehen. Der Katzenmann hatte seine Katze an einer Strippe. Das war -natürlich nötig, weil ihm sonst die Katze einfach fortgeklettert wäre. -So suchte sie nun das Klettern im Bereiche der Strippe auszuüben. Die -Katze die Treppe hinunterzubringen, war ein wahres Kunststück, was -lange Zeit in Anspruch nahm. Auf der Straße verbarg sich das Tier -hinter jedem geeigneten Gegenstand, namentlich hinter jedem Kellerhals. -Mit großer Mühe konnte sie erst jedesmal von ihrem Herrn losgebracht -werden. So nahm die kleine Strecke von der Potsdamer Brücke bis zur -Matthäikirchstraße wohl eine halbe Stunde in Anspruch. Hinter der -Kirche steht auf der Rasenfläche ein Gebüsch. Hierhinein verkroch -sich die Katze und konnte trotz aller Anstrengungen ihres Herrn nicht -wieder herausgebracht werden. Ich habe sehr lange Zeit gewartet, mußte -aber schließlich gehen, um übernommene Verpflichtungen zu erfüllen. -Jedenfalls war ich mir klar darüber, daß das Spazierengehen mit Katzen -nur für solche Leute in Betracht kommt, die furchtbar viel Zeit übrig -haben. Denn es ist stets eine Reise mit Hindernissen. - -Viel schlimmer aber ist es, daß der Katzenfreund glaubt, seinem -Lieblinge eine große Freude zu bereiten, während es in Wirklichkeit -schon an Tierquälerei grenzt. - -Die Katze fühlt sich nur dort wohl, wo sie sich durch Klettern vor -den ihr drohenden Gefahren schützen kann. Wenn auch die meisten -Großstadthunde keinen ernstlichen Kampf mit einer starken Katze wagen, -so gibt es auch hier Ausnahmen. Die Katze, die der Katzenmann bei sich -führte, war nun noch ein junges, und eher schwächliches als kräftiges -Tier. Es war daher kein Wunder, daß sie sich auf der Straße vor Hunden -fürchtete. Jede Katze hat den natürlichen Wunsch, ihre schwache Seite, -den Nacken mit dem Rücken, zu schützen, und stellt sich ihrem Feinde -stets so, daß der Rücken gedeckt ist. Deshalb flüchtete sie hinter -jeden Kellerhals. Viel willkommener war ihr natürlich noch das hohe -Gebüsch. Hier hätte ihr kein Hund etwas anhaben können. Deshalb wollte -sie durchaus nicht davon fort. Vielleicht ließ sich auch noch dort ein -Vögelchen fangen. Es war da ein Grund mehr, sich von dem Gebüsch nicht -zu trennen. - -»Warum hat aber die Katze Furcht? Ihr Herr steht ihr doch zur Seite?« -wird mancher fragen. Wer Katzen kennt, stellt diese Frage nicht. Ein -Tier, das seit Urzeiten selbständig handelt, kann sich gar nicht in die -Lage versetzen, auf Schutz und Beistand eines anderen zu rechnen. Das -tut wohl der Hund, aber nicht deswegen, weil er klüger ist, sondern -weil er den Schutz durch seine Artgenossen als ein in Rudeln lebendes -Geschöpf für selbstverständlich hält. - -Will man eine Katze durchaus im Freien bei sich haben, so soll man sie -auf seine Schulter setzen, wo Katzen überhaupt furchtbar gern sitzen. -Freiwillig wird uns eine Katze nur begleiten, wo sie jederzeit eine -Zuflucht hat, also im Walde, an Zäunen, Gebüschen und anderen Deckungen -entlang. - -Es gibt verwilderte Katzen, die so stark sind, daß sie sich vor keinem -Hunde fürchten. Diese denken aber nicht daran, den Menschen bei seinen -Ausflügen zu begleiten. - -Hiervon abgesehen will die Katze das selbst dann nicht tun, wenn er auf -die Jagd geht, während Hunde dann vor Freude außer Rand und Band sind. -Wir sind der Katze zu laut, zu tolpatschig und reden zu viel. Bedenken -wir, wie lautlos die Katze auftritt, welche federnde Bewegungen sie -besitzt und wie schweigsam sie sich verhält, so können wir ihr nicht -Unrecht geben. - - -39. Warum fällt die Katze immer auf die Füße? Warum leuchten ihre Augen? - -Wir wollen jetzt von August, dem Kater im Kohlenkeller, Abschied nehmen -und ein befreundetes Katzenfräulein aufsuchen, um die Eigenarten der -Katze weiter zu beobachten. Fräulein Bachmann -- das ist der Name des -Katzenfräuleins -- ist wie der »Katzenmann« eine große Tierfreundin und -namentlich eine Verehrerin von Katzen. Selbst jetzt in den schlechten -Zeiten hat sie sich von ihrem Kater Hans nicht trennen können. -Allerdings muß jetzt Hans ebenfalls arbeiten, was aber kein Nachteil -für ihn ist -- im Gegenteil, ihm außerordentlich gut bekommt. In der -Nachbarschaft ist nämlich ein Holz- und Kohlenplatz. Dort wird Hans -abends hingebracht, damit er während der Nachtzeit Mäuse fängt. - -Fräulein Bachmann, der bei ihrer auffallenden Rüstigkeit niemand -ansieht, daß sie bald 60 Jahre alt wird, stellt uns das Wundertier Hans -vor, und wir müssen zunächst geduldig und in Ergebenheit alle seine -ans Märchenhafte grenzenden hervorragenden Eigenschaften mit anhören. -Natürlich ist er von vorbildlicher Reinlichkeit, und alles an ihm ist -schön. - -Wir können auf Hans keinen abstoßenden Eindruck gemacht haben, denn -nach nicht langer Zeit beginnt er, während er bequem auf dem Schoße -seiner Herrin liegt, behaglich zu schnurren. - -Dieses Schnurren entsteht nach den Angaben naturgeschichtlicher Werke -durch Falten im Kehlkopf. - -Der Zweck des Schnurrens wäre nicht zu verstehen, wenn die Katzen -ständig allein lebten. Aber auch sie haben Zeiten, wo sie paarweise -hausen. Dann ist es wichtig, daß der andere Teil weiß, sein Genosse ist -in guter Stimmung. An den Mienen des regungslosen Gesichts kann er es -nicht ablesen. Noch wichtiger aber ist das Schnurren für die Katze als -Mutter. Sie deutet damit ihren Kindern an: Seid unbesorgt -- es droht -keine Gefahr! Da bei den größten Katzen von einer solchen Gefahr keine -Rede sein kann, so schnurren Löwe und Tiger wahrscheinlich aus diesem -Grunde nicht. - -Besonders auffallend ist es, daß die Katze uns Fremde in keiner Weise -beschnuppert oder zu beschnuppern versucht hat, wie es doch die beiden -Hunde von Herrn Böhm, Karo und Hektor, getan haben. Hieraus sieht man -wieder, daß die Katze im Gegensatz zum Hunde ein Augentier ist. Wie -der Mensch es nicht nötig hat, einen Fremden erst zu beriechen, so -verzichtet auch die Katze darauf. Bei dem Hunde mit seinem schwachen -Gesicht ist es etwas anderes. - -Sehen wir unsere eigene Katze im Freien, so brauchen wir ihr nicht zu -pfeifen, denn gewöhnlich hat sie uns bereits bemerkt. Dem Hunde dagegen -muß man pfeifen, weil er bei seinem schwachen Gesicht seinen Herrn aus -einiger Entfernung nicht erkennen kann. Auch ergibt sich das schlechte -Sehvermögen des Hundes daraus, daß er seinen verlorenen Herrn meistens -mit der Nase sucht. Das tut eine Katze niemals. - -Unsere Bitte, den Kater einmal aus der Rückenlage fallen zu lassen, um -aus eigener Wahrnehmung die allbekannte Erscheinung festzustellen, daß -Katzen stets auf die Füße fallen, stößt zunächst bei Fräulein Bachmann -auf heftigen Widerstand. Sie hält das geradezu für eine Tierquälerei -und eine Versündigung an ihrem Liebling. Erst als ich es für ganz -selbstverständlich erkläre, daß der Versuch auf dem Sopha gemacht -werden soll, so daß Hans schlimmstenfalls ganz weich fällt, läßt der -Widerstand von Fräulein Bachmann nach. Um zum Ziele zu gelangen, lasse -ich durchblicken, daß wahrscheinlich der Versuch, wenn er geglückt ist, -photographiert werden soll. Der Gedanke, daß sie und ihr Liebling für -immer der Nachwelt in einer so wichtigen Angelegenheit erhalten bleiben -sollen, läßt schließlich jedes Bedenken schwinden. - -Wie ich es an meinen eigenen Katzen oft erprobt habe, so geschieht es -auch hier. Die auf dem Rücken liegende Katze, die das Fräulein auf dem -Arm hält, wird plötzlich losgelassen. Mit der größten Seelenruhe sieht -man sie gleich darauf auf dem Sopha auf den Füßen stehen. Das alles -geschieht so schnell, daß man den Vorgang nicht in seinen Einzelheiten -mit den Augen verfolgen kann, selbst wenn man ihn mehrfach wiederholen -läßt. Belehrender sind daher die Momentaufnahmen. Auf ihnen sieht -man, wie die Katze es versteht, durch Einziehen des Kopfes und der -Vorderbeine und seitliche Krümmung des Rückgrates ihren Schwerpunkt -nach hinten zu verlegen und dann durch verschiedenartige Beugung der -Beine die Drehung nach der einen oder anderen Seite zuerst vorn, dann -hinten zu bewerkstelligen. - -Die Beobachtung dieser Fähigkeit der Katze ist sehr alt, denn es gibt -das Sprichwort: Katzen und Herren fallen immer auf die Füße. - -Ein Irrtum dürfte es sein, daß die Katze mit dieser Fähigkeit -ganz einzig in der Tierwelt dasteht. Noch niemals hat man einen -totgefallenen Affen, Marder, Eichhörnchen u. dgl. gefunden, so daß also -wahrscheinlich alle Baumkletterer bei einem Absturze, wie die Katze, -auf die Füße fallen. Aehnlich liegt die Sache mit der Schwindelfreiheit -der Gebirgstiere. Steinböcke, Wildziegen, Gemsen und andere Bewohner -des Gebirges können in die schrecklichsten Tiefen sehen, ohne daß sie -es rührt, während wir Menschen leicht vom Schwindel gepackt werden. - -Jetzt soll Hans in einen dunklen Raum gebracht werden, damit wir -seine Augen leuchten sehen. Augenblicklich sind bei ziemlich heller -Beleuchtung seine Pupillen bis auf einen Spalt zusammengezogen, so -daß fast die ganze gelbe Iris oder Regenbogenhaut sichtbar ist. Das -Augenleuchten ist übrigens nicht nur eine Eigentümlichkeit der Katzen, -sondern auch anderer Tiere, der Hunde, Pferde, Kühe usw. Es beruht zum -Teil auf dem feineren Bau des Auges, zum Teil auf dem im Hintergrunde -des Auges befindlichen _tapetum lucidum_, d. h. Stellen, welche die -Fähigkeit besitzen, stark Licht zurückzuwerfen. Die Augen leuchten, -sobald sie in der Dunkelheit von einem Lichtstrahl getroffen werden. - -Leider befindet sich in der Wohnung keine ganz dunkle Kammer. Wir -müssen uns damit begnügen, daß Hans von seiner Herrin in den dunklen -Korridor gebracht wird. Hier kann man sich deutlich davon überzeugen, -daß die Augen der Katzen im Dunkeln, wenn gewisse Voraussetzungen -fehlen, *nicht* leuchten. Es ist also ein Irrtum, wenn Eulen auf -Bildern mit leuchtenden Augen dargestellt sind. Das ist nur der Fall, -wenn ein Lichtstrahl in sie hineinfällt, wovon man sich im Zoologischen -Garten überzeugen kann. - -Der Versuch mit dem Oeffnen der Tür, um durch einen Spalt Licht in -Hansens Augen fallen zu lassen, gelingt nur mäßig. Ueberhaupt ist für -unsere Zwecke der sehr helle Frühlingstag recht ungünstig. Nur in dem -Augenblicke, wo das Licht die Augen trifft, leuchten sie auf. - -Das Augenleuchten der Tiere hat den Anlaß zu der höchst wichtigen -Entdeckung des Augenspiegels gegeben. - - -40. Wie fängt die Katze Mäuse? Die Katze als Vogelfeindin. - -Ein Rotschwänzchen, das sich auf dem Balkon niedergelassen hat, -veranlaßt Hans zu einem sehnsüchtigen Blicke nach dem schmucken -Tierchen. Zwar besteht keine Gefahr für den zutraulichen Vogel, denn -die Tür ist fest geschlossen. Auch erhält er von seiner Herrin eine -ernste Verwarnung. Ob sie helfen wird, muß man allerdings bezweifeln. - -Der Katze ist von der Natur die Nahrung von Vogel- und Nagerfleisch -bestimmt. Es ist uns natürlich sehr angenehm, daß sie Mäuse und Ratten -frißt. Im Gegenteil; sie kann uns auf diesem Gebiete gar nicht genug -leisten. Es will uns aber gar nicht gefallen, daß sie auch gern Hasen -und Kaninchen verzehrt. Am schlimmsten aber ist es, daß sie durch ihre -Vorliebe für die Singvögel zu ihrer Ausrottung beiträgt. Wie manche -brütende Nachtigall, deren Nest durch den Gesang des Männchens verraten -wurde, hat in dem Magen einer Katze ihr Ende gefunden! - -Die Katze ist wie geschaffen, den auf dem Erdboden oder Baume weilenden -Vogel zu haschen. Ich beobachtete einmal auf dem Lande, wie eine Katze -einen ausgewachsenen Sperling fing. Und gerade unser Sperling pflegt -kein Dummkopf zu sein. - -Alle Vögel kennen ihren grausamen Feind und machen oft den Menschen auf -eine Katze aufmerksam. Beispielsweise kann man mit Sicherheit darauf -rechnen, daß, wenn im Frühjahr das anhaltende Zetern der Amseln aus -einem Garten ertönt, sich eine Katze hereingeschlichen hat und die -Jungen gefährdet. Sie ist auch wie geschaffen zur Verzehrerin eines -Vogels, da sie mit ihren Pranken den Vogel meisterhaft rupft. Man -versteht, wenn man ihr zuschaut, weshalb ein Hund niemals so gierig auf -Vogelfleisch sein wird. Ihm fehlt das Werkzeug, um die Federn schnell -zu entfernen. - -Um ihren Hans in ein besseres Licht zu rücken, erzählt uns Fräulein -Bachmann von seinen vortrefflichen Leistungen als Mäusefänger. Leider -können wir bei dieser Tätigkeit nicht zugegen sein, denn in der Wohnung -sind keine Mäuse. Er wird, wie schon erwähnt wurde, abends nach dem -Kohlenplatz gebracht. Nach den Angaben des Kohlenhändlers hat er sehr -unter den Mäusen aufgeräumt, was wir schon glauben können. - -Auf Bildern werden mäusefangende Katzen nicht selten so dargestellt, -daß sie vor dem Mäuseloch sitzen und gewissermaßen hineinsehen. Das -dürfte nicht richtig sein. Ich stimme nach meinen Beobachtungen den -Schilderungen eines bekannten Naturforschers bei, von denen hier -folgende Stelle ihren Platz finden möge. - -Ich habe sie, schreibt er, öfters beobachtet, wenn sie so auf der Lauer -sitzt, daß sie mehrere zusammenhängende Mauselöcher um sich hat. Sie -könnte sich gerade vor ein am Rande des Ganzen stehendes hinsetzen und -so alle leicht überschauen. Das tut sie aber nicht. Setzte sie sich vor -das Loch, so würde das Mäuschen sie leichter bemerken und entweder gar -nicht herausgehen oder doch schnell zurückzucken. Sie setzt sich also -mitten zwischen die Eingänge und wendet Auge und Ohr dem zu, in dessen -Nähe sich unter der Erde etwas rührt, wobei sie so sitzt, daß das -herauskommende Geschöpf ihr den Rücken zukehren muß und desto sicherer -gepackt wird. Sie sitzt so unbeweglich, daß selbst die sonst so regsame -Schwanzspitze sich nicht rührt; es könnten sonst durch ihre Bewegung -die Mäuschen, welche nach hinten heraus wollen, eingeschüchtert werden. -Kommt *vor* der Katze ein Mäuschen zutage, so ist es im Augenblick -gepackt; kommt eins hinter ihr heraus, wo sie es nicht sehen kann, -*so ist es ebenso schnell gepackt*. Sie hat nicht bloß gehört, daß es -heraus ist, sondern auch *so genau, als ob sie es sähe, wo es ist; -sie wirft sich blitzschnell herum und hat es, nie fehlend, unter den -Krallen*. Uebrigens vermag sie weit mehr zu leisten. Ich hatte mich -bei warmer, stiller Luft in meinem Hofe auf einer Bank im Schatten -der Bäume niedergelassen und wollte lesen. Da kam eins von meinen -Kätzchen schnurrend und schmeichelnd heran und kletterte mir nach -alter Gewohnheit auf Schulter und Kopf. Beim Lesen war das störend, ich -legte also ein zu solchem Zweck bestimmtes Kissen auf meinen Schoß, das -Kätzchen darauf, drückte es sanft nieder, und nach zehn Minuten schien -es fest zu schlafen, während ich ruhig las und um uns her Vögel sangen. -Das Kätzchen hatte den Kopf, also auch die Ohren, südwärts gerichtet. -Plötzlich sprang es mit ungeheurer Schnelligkeit rückwärts. Ich sah ihm -erstaunt nach; da lief nordwärts von uns ein Mäuschen von einem Busch -zum andern über ein glattes Steinpflaster, wo es natürlich gar kein -Geräusch machen konnte. Ich maß die Entfernung, in welcher das Kätzchen -die Maus hinter sich gehört hatte; sie betrug 13,5 Meter. - -Das Gehör der Katze ist, wie wir aus eigener Beobachtung bestätigen -können, ungeheuer fein. Sie macht uns auf die Ankunft einer Person -aufmerksam, deren Schritte wir überhört hatten. - -Auch der Hund hört sehr fein, wie schon früher aus der Schilderung des -Jagdhundes und der beiden Spitze hervorging (Kapitel 23). Man kann das -oft daran erkennen, daß er plötzlich anscheinend grundlos bellt. Trotz -angestrengten Horchens kann ein Mensch nicht das geringste Geräusch -hören. Endlich kommt man hinter den Grund seiner Erregung. Jeder Hund -hat regelmäßig einen Feind. Dieser nähert sich unserem Hause. Es ist -erstaunlich, aus welcher Entfernung der Hund die Annäherung seines -Feindes wahrnimmt. Der Mensch, der z. B. einen Vogelruf wahrnimmt, weiß -häufig nicht, wo der Vogel sitzt und sieht sich vergeblich nach dem -Tier um. Die Katze hört nicht nur, daß eine Maus kommt, sondern sie -weiß auch sofort, von welcher Stelle sie kommt. - -Man hat sich häufig darüber gewundert, daß die Katzen und die meisten -Hunde von der Musik nichts wissen wollen. Für ihre feinen Ohren ist -eben unsere Musik viel zu grell. - - -41. Warum schüttelt die Katze beim Fressen den Kopf? - -Um mich bei Hans und seiner Herrin beliebt zu machen, habe ich für ihn -ein paar Bücklingsköpfe mitgebracht. Sie werden dankbar in Empfang -genommen. Während des Fressens schüttelt Hans häufig den Kopf, was man -bei fressenden Katzen nicht selten sieht. Zu schütteln ist eigentlich -an dem toten Bücklingskopf nichts. - -Ich erkläre mir das so. Wildkatzen fressen mit Vorliebe knochenloses -Fleisch. Es ist seit Jahrtausenden bekannt, daß der Löwe, also die -größte Katze, zunächst die Eingeweide frißt. Um zu den Eingeweiden zu -gelangen, muß die Katze den Kopf in den Leib ihrer Beute stecken. Da -ihr Fell, wie wir wissen, sehr empfindlich gegen Nässe ist, so muß sie -ihren Kopf gegen die Beschmutzung mit Blut und dergleichen zu schützen -suchen. Um das zu erreichen, schüttelt sie mit dem Kopfe. - -Bücklinge, wie Fische überhaupt, frißt die Katze deshalb gern, weil -die Wildkatzen trotz ihrer Abneigung gegen das Wasser sehr geschickte -Fischfänger sind. Sie lauern regungslos am Wasser und wissen den -arglosen Fisch durch einen blitzschnellen Prankenschlag aufs Land zu -werfen. Hierbei machen sie sich so gut wie gar nicht naß. - -Eine in der Großstadt geborene Katze zeigte mir einmal, wie -festgewurzelt das Fischefangen in ihrem Triebleben haftet. Ich hatte -einen Strumpf zum Baden benutzt, und, um die Seife auszuwässern, ihn -in eine Wanne gelegt. Bei meiner Arbeit am Schreibtische hatte ich das -schon längst vergessen, als ein Geräusch meine Aufmerksamkeit auf die -Wanne lenkte. Eine meiner Katzen saß mit gespanntester Aufmerksamkeit -am Rande der Wanne und suchte durch einen Prankenschlag den Strumpf -hinauszuschlagen. Der dunkle Strumpf im klaren Wasser hatte also -genügt, ihre von den Vorfahren ererbte Erinnerung an den Fischfang -wachzurufen. - -Bei dieser Gelegenheit können wir zugleich das natürliche Futter der -Katze feststellen. Das vor dem Kriege in der Großstadt übliche Füttern -mit Pferdefleisch kann man nicht als naturgemäß bezeichnen. Ich habe -selbst erlebt, daß dauernd mit Pferdefleisch gefütterte Katzen sich -wie tollwütig benahmen. Wunderbar ist das auch nicht weiter, denn das -Fleisch der Mäuse und Vögel ist nicht annähernd so gehaltreich wie das -Pferdefleisch. - -Weil Pferdefleisch die übliche Nahrung in den Zoologischen Gärten ist, -deshalb sterben auch alle Raubtiere sehr schnell, die in der Freiheit -keine Pferde oder ähnliche Tiere, wie Zebras, Esel und andere Einhufer -fressen. Obwohl Luchse in Deutschland heimisch waren, und die Wildkatze -es noch heute ist, können sie die Fütterung mit Pferdefleisch auf die -Dauer nicht vertragen. Ebenso sterben Habichte, Wanderfalken, Sperber -und andere Raubvögel sehr bald, wenn sie mit Pferdefleisch gefüttert -werden, obwohl diese Vögel unsere Heimat bewohnen. - -Die praktischen Amerikaner sollen, wie ich gelesen habe, ihre Katzen -mit Eingeweiden füttern. Das wäre sehr klug, denn die Katze hat eine -ausgesprochene Vorliebe für die Eingeweide. Sollten wir also wieder -einmal eine solche Nahrungsfülle haben, wie es vor dem Kriege der Fall -war, dann wäre es zweckmäßig, einer Großstadtkatze, der man keine -Nager oder Vögel vorsetzen kann, Fische zu geben und vom Pferde die -Eingeweide. - -Von den Naturforschern wird das scharfe Gebiß der Katzen sehr -gepriesen, weil die Zähne infolge ihres Baues eine furchtbare Wirkung -ausüben. In Wirklichkeit sieht die Sache ganz anders aus. Keine Katze -verteidigt sich gegen einen Hund mit dem Gebiß. Keine Katze kann, wie -schon erwähnt wurde, einen Fuchs abwürgen, was doch der nicht größere -Dachshund oft tut. Keine Katze befreit sich aus einer Holzkiste, -wenngleich ihre Wände dünn sind. Der Hund dagegen zerbeißt, wie wir -von der Dogge Tom hörten, Kisten, die für bedeutend stärkere Raubtiere -berechnet sind. - -Bei den großen Katzenarten können wir genau das Gleiche beobachten. -Der Löwe überläßt doch nicht den Hyänen und Schakalen die Reste seiner -Beute, weil er großmütig ist, sondern weil er die starken Beinknochen -nicht zerbeißen kann. - -Auch unsere Hauskatze denkt nicht daran, sich mit einer anderen Katze -wegen eines Knochens zu balgen, wie es doch der Hund gewohnheitsmäßig -tut. Das kommt eben daher, weil der Hund mit seinem starken Gebiß -spielend kräftige Knochen zerbeißt, während die Katze ihm das nicht -nachmachen kann. - -Gerade dadurch ist die Katze so recht in den Ruf der Naschhaftigkeit -gekommen. Sie will keine Knochensammlung haben wie der Hund, sondern -bevorzugt reines Fleisch, insbesondere Eingeweide. So eine zarte -Rehleber ist ganz nach ihrem Geschmack. Natürlich sind wir wütend, -daß uns die Katze bestiehlt und obendrein noch das nimmt, was für den -Hausherrn bestimmt war. - -Rehlebern sind nicht bloß für uns Menschen wohlschmeckend, sondern auch -ein naturgemäßes Futter der Wildkatze. Die Katze ist also eigentlich -nicht naschhaft, sondern ihre naturgemäße Nahrung umfaßt wegen ihres -kleinen Gebisses Dinge, die uns besonders gut schmecken. - -Gegen Salz hat die Katze eine noch größere Abneigung als der Hund. - -Mäusefleisch kann nicht sehr gehaltreich sein, denn sonst könnten nicht -Katzen und Eulen eine so ungeheure Anzahl davon verzehren. - -Die Aehnlichkeit zwischen Katzen und Eulen besteht übrigens nicht nur -in ihrer Vorliebe für Nagerfleisch. Man hat mit Recht die Eule als -geflügelte Katze bezeichnet. Wie diese ist sie eine nächtliche Räuberin -und gleicht ihr auch vollkommen an Lautlosigkeit. - -An Ratten wagt sich nicht jede Katze. Aber die Anwesenheit einer Katze -ist auch den Ratten nicht angenehm und veranlaßt sie manchmal, das -ungemütlich gewordene Heim zu verlassen. - -Zeigen sie sich in einem Gehöft in großer Anzahl, so bekämpft man sie -erfolgreicher mit Rattenfängern, also schnellen, bissigen Hunden, wie -Pinschern und Terriern, als mit Katzen. - -Es mag übertrieben sein, wenn man in England und in anderen Ländern in -den Katzen die größten Wohltäterinnen für die Menschheit, insbesondere -für die Landwirtschaft erblickt. Aber das läßt sich nicht leugnen, -daß unsere Ernten zum größten Teil von den Nagern aufgefressen werden -würden, wenn wir nicht in den Katzen erfolgreiche Bundesgenossen -besäßen. - -Sonst macht sich die Katze noch dadurch nützlich, daß sie Schlangen -tötet und Maikäfer und andere Insekten frißt. Spitzmäuse frißt sie -nicht, tötet sie aber. Das muß ihr als Nachteil angerechnet werden, -denn die Spitzmaus ist als ein insektenfressendes Geschöpf ein nach -unseren Begriffen nützliches Tier. Wahrscheinlich frißt sie die -Spitzmaus wegen ihres Moschusduftes nicht. Umgekehrt fällt es auf, daß -sie Baldrian sehr liebt und sich wie berauscht auf ihm wälzt. - -Wegen ihrer großen Nützlichkeit wird man ihr manche Unart oder, -genauer ausgedrückt, manche uns unangenehme Eigenschaft verzeihen, -so ihre angeborene Sucht, den Vögeln, insbesondere den Singvögeln, -nachzustellen. - -Auch hier gilt das vom Hund Gesagte: Der Mensch lebt nicht von Brot -allein. Berühmte Männer haben erklärt, daß sie die Erinnerung an manche -Katze im Elternhause nicht um vieles hergeben möchten. - - -42. Die Rassen der Katze. Alter und sogenannte Erziehung. - -Hans ist eine weiß und braunrötlich gefärbte Katze, wie man sie häufig -sieht. Auch die Katze gehört zu den Säugetieren. Ihr Raubtiergebiß -besteht aus zwölf kleinen Schneidezähnen, vier starken Eckzähnen und -oben acht, unten sechs Backzähnen. Die Katze ist ebenfalls wie der Hund -ein Zehengänger. Die Beine sind mäßig hoch und sind mit zurückziehbaren -Krallen versehen. An den Vorderfüßen bemerken wir fünf, an den -Hinterfüßen vier Zehen. Besonders auffallend ist der kugelrunde Kopf, -die schon besprochenen Schnurrhaare, der lange Schwanz und das biegsame -Rückgrat. - -Von Rassen der Katze ist wenig zu sagen, da für uns in Deutschland -nur noch die Angorakatze zu erwähnen ist. Sie zeichnet sich durch ein -langes, seidenweiches Haar aus. Auch sind ihre Lippen und Fußsohlen -fleischfarben. - -Es besteht Streit darüber, ob unsere Hauskatze von der ägyptischen -Falbkatze oder unserer heimischen Wildkatze abstammt. Jedenfalls ist -die Hauskatze, verglichen mit Pferden, Hunden und anderen Haustieren, -ein junges Haustier, da sie in Europa den alten Kulturvölkern, also den -Griechen und Römern, unbekannt war. - -Der Hund erreicht mit einem halben Jahre seine volle Größe, ebenso die -Katze. Ueberhaupt dürften sie beide das gleiche Alter erleben. - -Die Paarung der Katzen findet zweimal im Jahre statt, und zwar das -erstemal im Januar oder Februar. Die sonst so schweigsamen Tiere -stimmen jetzt ein Geschrei an, um sich gegenseitig zu finden. Für -unsere Ohren klingt dieses Geschrei abscheulich, weshalb wir von diesem -»Lied« der Katzen behaupten, daß es »Steine erweichen und Menschen -rasend machen kann«. Ueberhaupt nennen wir eine Musik, die unsere Ohren -zur Verzweiflung bringt, eine Katzenmusik. - -Die Tragezeit der Katze ist um eine Woche kürzer als beim Hunde. Die -Anzahl der Kleinen beträgt etwa fünf bis sechs. Hieraus ersehen wir, -daß die Katze ziemlich viel Feinde haben muß. Das trifft auch zu, wie -in dem Abschnitt über die Feinde der Katze geschildert werden soll. -Auch die Katzenjungen können nicht gleich sehen, sondern erst in neun -Tagen. - -Wie die Hündin, so ist auch die weibliche Katze eine ausgezeichnete -Mutter. Ihre Liebe zu ihren Kleinen ist so groß, daß sie unbedenklich -das größte Opfer bringt. Für die Mutterliebe der Hündin sei hier -folgender Fall angeführt. Eine Jagdhündin war von ihrem Herrn, einem -Rittergutsbesitzer an der Saale, in hochträchtigem Zustande mit auf -ein *zwei* Stunden entferntes, am anderen Ufer der Saale gelegenes Gut -genommen worden und warf hier acht Junge. Der Besitzer, der wußte, daß -sie bei seinem Freunde gut aufgehoben sei, fuhr ohne das Tier nach -Hause, war aber auf das Aeußerste erstaunt, als bereits anderen Morgens -vier Uhr die Hündin mit ihren acht Jungen sich bei ihm einstellte. -Der Hund mußte hiernach *fünfzehnmal* die Saale durchschwommen haben, -um seine Lieblinge nach Hause zu bringen -- abgesehen von dem dabei -zurückgelegten Landweg. - -Solche Fälle wie der eben geschilderte sind sehr häufig vorgekommen. -Auch Katzenmütter haben Aehnliches geleistet. - -Einen reizenden Anblick gewährt es, eine Katzenmutter inmitten des -Kreises der Ihrigen zu beobachten. Keine Menschenmutter, schreibt -ein bekannter Naturforscher, kann mit größerer Zärtlichkeit und -Hingebung der Pflege ihrer Kinderchen sich widmen als die Katze. In -jeder Bewegung, in jedem Laute der Stimme, in dem ganzen Gebaren gibt -sich Innigkeit, Sorgsamkeit, Liebe und Rücksichtnahme nicht allein -auf die Bedürfnisse, sondern auch auf die Wünsche der Kinderchen -kund. Solange diese klein und unbehilflich sind, beschäftigt sich die -Alte hauptsächlich nur mit ihrer Ernährung und Reinigung. Behutsam -nähert sie sich dem Lager, vorsichtig setzt sie ihre Füße zwischen -die krabbelnde Gesellschaft, leckend holt sie eines der Kätzchen nach -dem anderen herbei, um es an das Gesäuge zu bringen, ununterbrochen -bestrebt sie sich, jedes Härchen glatt zu legen, Augen und Ohren, -selbst den After reinzuhalten. Noch äußert sich ihre Liebe ohne Laute: -sie liegt stumm neben den Kleinen, spinnt höchstens dann und wann, -gleichsam um sich die Zeit, welche sie den Kinderchen widmen muß, zu -kürzen. Scheint es ihr nötig zu sein, das Lager zu wechseln, so faßt -sie eines der Kätzchen mit zartester Behutsamkeit an dem faltigen -Felle der Genickgegend, mehr mit den Lippen als mit den scharfen -Zähnen zugreifend, und trägt es, ohne daß ihm auch nur Unbehagen -erwächst, einem ihr sicherer dünkenden Orte zu, die Geschwister eilig -nachholend. Ist sie sich der Freundlichkeit ihres Herrn bewußt, so läßt -sie es gern geschehen, wenn dieser sie bei solcher Umlegung der Jungen -unterstützt, fügt sich seinem Ermessen oder geht, bittend miauend, -ihm voraus, um das ihr erwünschte Plätzchen zu zeigen. Die Jungen -wachsen heran, und die Mutter ändert im vollsten Einklange mit dem -fortschreitenden Wachstume allgemach ihr Benehmen gegen sie. Sobald -die Aeuglein der Kleinen sich geöffnet haben, beginnt der Unterricht. -Noch starren diese Aeuglein blöde ins Weite; bald aber richten sie sich -entschieden auf einen Gegenstand: die ernährende Mutter. Sie beginnt -jetzt, mit ihren Sprößlingen zu reden. Ihre sonst nicht eben angenehm -ins Ohr fallende Stimme gewinnt einen Wohlklang, welchen man ihr nie -zugetraut hätte; das »Miau« verwandelt sich in ein »Mie«, in welchem -alle Zärtlichkeit, alle Hingebung, alle Liebe einer Mutter liegt; aus -dem sonst Zufriedenheit und Wohlbehagen oder auch Bitte ausdrückenden -»Murr« wird ein Laut, so sanft, so sprechend, daß man ihn verstehen -muß als den Ausdruck der innigsten Herzensliebe zu der Kinderschar. -Bald auch lernt diese begreifen, was der sanfte Anruf sagen will: sie -lauscht, sie achtet auf denselben und kommt schwerfällig, mehr humpelnd -als gehend, herbeigekrochen, wenn die Mutter ihn vernehmen läßt. Die -ungefügen Glieder werden gelenker, Muskeln, Sehnen und Knochen fügen -sich allgemach dem erwachenden und rasch erstarkenden Willen: ein -dritter Abschnitt des Kinderlebens, die Spielzeit der Katze, beginnt. -Diese Spielseligkeit der Katze macht sich schon in frühester Jugend -bemerklich, und die Alte tut ihrerseits alles, sie zu unterstützen. Sie -wird zum Kinde mit den Kindern, aus Liebe zu ihnen, genau ebenso, wie -die Menschenmutter sich herbeiläßt, mit ihren Sprößlingen zu tändeln. -Mit scheinbarem Ernst sitzt sie mitten unter den Kätzchen, bewegt -aber bedeutsam den Schwanz. Die Kleinen verstehen zwar diese Sprache -ohne Worte noch nicht, werden aber gereizt durch die Bewegung. Ihre -Aeuglein gewinnen Ausdruck, ihre Ohren strecken sich. Plump täppisch -häkelt das eine und andere nach der sich bewegenden Schwanzspitze; -dieses kommt von vorn, jenes von hinten herbei, eines versucht über -den Rücken wegzuklettern und schlägt einen Purzelbaum, ein anderes hat -eine Bewegung der Ohren der Mutter erspäht und macht sich damit zu -schaffen, ein fünftes liegt noch unachtsam am Gesäuge. Die gefällige -Alte läßt, mit mancher Menschenmutter zu empfehlender Seelenruhe, alles -über sich ergehen. Kein Laut des Unwillens, höchstens gemütliches -Spinnen macht sich hörbar. Solange noch eines der Jungen saugt, wird -es verständnisvoll bevorzugt; sobald aber auch dieses sich genügt hat, -sucht sie selbst die kindischen Possen, zu denen bisher nur die sich -bewegende Schwanzspitze aufforderte, nach Kräften zu unterstützen. -Bald liegt sie auf dem Rücken und spielt mit Vorder- und Hinterfüßen, -die Jungen wie Fangbälle umherwerfend; bald sitzt sie mitten unter der -sich balgenden Gesellschaft, stürzt mit einem Tatzenschlage das eine -Junge um, häkelt das andere zu sich heran und lehrt durch unfehlbare -Griffe der trotz aller Unruhe achtsamen Kinderschar sachgemäßen -Gebrauch der krallenbewehrten Pranken; bald wieder erhebt sie sich, -rennt eiligen Laufes eine Strecke weit weg und lockt dadurch das -Völkchen nach sich, offenbar in der Absicht, ihm Gelenkigkeit und -Behendigkeit beizubringen. Nach wenigen Lehrstunden haben die Kätzchen -überraschende Fortschritte gemacht. Von ihren gespreizten Stellungen, -ihrem wankenden Gange, ihren täppischen Bewegungen ist wenig mehr -zu bemerken. Im Häkeln mit den Pfötchen, im Fangen sich bewegender -Gegenstände bekunden sie bereits merkliches Geschick. Nur das Klettern -verursacht noch Mühe, wird jedoch in fortgesetztem Spiele binnen kurzem -ebenfalls erlernt. Nunmehr scheint der Alten die Zeit gekommen zu -sein, auch das in den Kinderchen noch schlummernde Raubtier zu wecken. -Anstatt des Spielzeuges, zu welchem jeder leicht bewegliche Gegenstand -dienen muß, anstatt der Steinchen, Kugeln, Wollflecken, Papierfetzen -und dergleichen, bringt sie eine von ihr gefangene, noch lebende -und möglich wenig verletzte Maus oder ein erbeutetes, mit derselben -Vorsicht behandeltes Vögelchen, nötigenfalls eine Heuschrecke in das -Kinderzimmer. Allgemeines Erstaunen der kleinen Gesellschaft, doch nur -einen Augenblick. Bald regt sich die Spiellust mächtig, kurz darauf -auch die Raublust. Solcher Gegenstand ist denn doch zu verlockend für -das bereits wohlgeübte Raubzeug. Er bewegt sich nicht bloß, sondern -leistet auch Widerstand. Hier muß derb zugegriffen und festgehalten -werden; soviel ergibt sich schon bei den ersten Versuchen, denn die -Maus entschlüpfte dem jungen Kätzchen, das sie doch sicher gefaßt zu -haben vermeinte, überraschend schnell und konnte nur durch die achtsame -Mutter an ihrer Flucht gehindert werden. Der nächste Fangversuch -fällt schon besser aus, bringt aber einen empfindlichen Biß ein: -Miezchen schüttelt bedenklich das verletzte Pfötchen. Doch schon hat -Hänschen die Unbill gerächt und den Nager so fest gepackt, daß kein -Entrinnen mehr möglich ist. So bildet sich das Kätzchen allmählich zur -vollendeten Mäusefängerin heraus. - -Zu der vorstehenden naturwahren Schilderung möchte ich bemerken, daß -es ganz irrig wäre, den Unterricht der Menschen und den der Tiere -gleichzustellen. Der Unterricht bei den Tieren hat immer Erfolg. Er -kann auch ganz fehlen und bezweckt demnach nur eine Beschleunigung des -Lernens. Von dem Unterricht der Menschen läßt sich nicht das gleiche -behaupten. Unser Unterricht steht vielmehr der Dressur der Tiere -gleich, die häufig genug erfolglos ist. - - -43. Die Feinde der Katze. - -Wie uns Fräulein Bachmann erzählt, hat ihr Hans wiederholentlich Kämpfe -mit Hunden ausgefochten. Namentlich ist es zu Zusammenstößen gekommen, -wenn sie ihn nach dem Kohlenplatz brachte. Einmal habe sie rettend -eingreifen und ihren Liebling flink in einen Korb stecken müssen. Sonst -aber habe er sich seinen Gegnern überlegen gezeigt. - -Außer den Hunden hat die Katze in allen Hundeartigen Feinde. Der Wolf -zerreißt sie sicherlich, denn der viel schwächere Fuchs macht Jagd auf -Katzen. Erfahrene Förster haben mir immer wieder versichert, daß man -eine Fuchsfalle mit keinem besseren Leckerbissen versehen könne als mit -einem Stück Katzenfleisch. Zwei Füchse überwältigen jede Katze, wenn -sie sich nicht schnell auf einen Baum rettet. Die einzelne Katze ist -vor dem Fuchs nur sicher, wenn sie sehr stark ist. - -Noch schlimmere Feinde drohen der Katze in ihrer eigenen -Verwandtschaft. Wie der starke Wolf nicht der Freund des Fuchses ist, -sondern ihn verzehrt, wenn er ihn packen kann, so sind die größeren -Katzenarten die gefährlichsten Feinde der kleineren. Ein Naturforscher, -der einen gezähmten Luchs besaß, berichtet, daß er gegen nichts -größeren Haß besaß als gegen Hauskatzen. Alle auf seinem Besitztum -befindlichen Katzen wurden von ihm zerrissen, ebenso die Katzen in der -Nachbarschaft. - -Jede Katze weiß auch, daß ihr Gefahr von einer größeren Katzenart -droht. Der Bildhauer Urs Eggenschwyler, von dem wir früher erzählten, -daß ein Ziehhund mit seinem zahmen Löwen raufen wollte, hat das oft -beobachtet. Während der Ziehhund infolge seines schwachen Gesichts den -jungen Löwen gar nicht als Löwen erkannte, flüchteten alle Katzen schon -von weitem, sobald sie den gefährlichen Verwandten zu Gesicht bekamen. - -Auch hier kann man wiederum beobachten, daß die Katze ein -ausgezeichnetes Sehvermögen besitzt, ganz im Gegensatz zum Hunde. -Uebrigens ist dem Volk das längst aufgefallen, wie wir aus dem später -angeführten Sprichwort ersehen. - -Die kleinen Raubtiere unserer Heimat, wie das Wiesel, tötet die -Hauskatze. Mit dem Marder gerät sie manchmal in Streit, der für eine -schwache Katze gefährlich wird. - -Schlimme Feinde besitzt die Katze auch unter den großen Raubvögeln. -Wenn der Adler und der Uhu nicht fast gänzlich ausgerottet wären, so -würde es lange nicht so viele wildernde Katzen geben. Heute kommt unter -den Raubvögeln eigentlich nur noch der Habicht in Betracht. Ein starker -Habicht ist ein gefährlicher Gegner für eine schwache Katze. Junge -Katzen raubt er ohne weiteres. - -Die starke Katze macht sich sofort kampfbereit, wenn sie einen Habicht -erblickt hat, während schwächere flüchten. - - -44. Die Katze als angebliche Nachahmerin unserer -Reinlichkeitsbestrebungen. - -Bereits beim Hunde haben wir erwähnt, daß man alle Geschichten -von Hundebesitzern erst vorsichtig prüfen soll. Selbst durchaus -wahrheitsliebende Menschen ziehen aus ihren Beobachtungen ganz falsche -Schlüsse, weil sie immer vom menschlichen Standpunkte ausgehen. - -Als Kind auf dem Lande hat man oft Gelegenheit zu sehen, daß Hunde -ihren Unrat vergraben. Fragte man einen Erwachsenen nach dem Grunde, -so bekam man die Antwort, daß der Hund das aus Reinlichkeitsgründen -besorge. - -Zunächst hat man das geglaubt. Als man aber später sah, daß derselbe -Hund, der angeblich für Reinlichkeit schwärmt, sich mit Wonne auf Unrat -wälzt, da erkannte man, daß die herrschende Erklärung unmöglich richtig -sein könnte. - -Ein vortreffliches Beispiel hierfür ist auch unser Hans von -Fräulein Bachmann. Die Dame ist eine vollständig wahrheitsliebende -Persönlichkeit. Nur läßt sie ihre Liebe zu den Tieren häufig falsche -Schlüsse ziehen. - -So wollte ich mich durch meinen Besuch mit eigenen Augen davon -überzeugen, was an der Geschichte wahr sei, die mir als größte -Merkwürdigkeit von Hans mitgeteilt worden war. Er sollte von Hause -aus ein so reinliches Tier sein, daß er ohne jeden Unterricht seine -Bedürfnisse in dem Abguß der Wasserleitung erledige. - -Wir konnten uns alle persönlich davon überzeugen, daß diese Angabe -durchaus auf Wahrheit beruht. Der Kater setzt tatsächlich an dieser -Stelle seinen Unrat ab. - -Wie ich bereits vermutet hatte, ist die Lösung des Rätsels furchtbar -einfach. Die Katze hat wie der Hund den uralten Trieb, ihren Unrat zu -vergraben. Das tun sie nicht aus Sauberkeit, sondern weil sie wissen, -daß alle Pflanzenfresser die Gegend meiden, wo ihnen ihre feine Nase -mitteilt, daß gefährliche Feinde in der Nähe weilen. Gerade die Katze -hat zum Vergraben besondere Gründe, weil ihr Unrat besonders stark -riecht. - -Auch der junge Hans wollte es wie die anderen Katzen machen, aber -es gab in der Wohnung seiner damaligen Herrin keinen Sand. Hat das -Raubtier keine Möglichkeit, den Abgang zu vergraben, so sucht es -wenigstens eine Höhlung für ihn auf. - -Da in der Wohnung die einzige Höhlung, die für die Katze in Betracht -kam, der Ausguß der Wasserleitung war, so sprang sie in diesen hinein. - -Hans hat nur den Gedanken der Beseitigung gehabt. Das konnte man ganz -unzweifelhaft daran erkennen, daß er nach der Beendigung mit den -Pranken zu scharren anfing, obwohl doch in dem eisernen Behälter seine -Hin- und Herbewegungen mit den Pfoten ebenso nutzlos waren wie das -Scharren der Hunde mit den Hinterfüßen auf dem steinharten Bürgersteig. - -Wie wird nun von einfachen Leuten ein so vollständig einleuchtender -Vorgang ausgeschmückt. - -Hiernach hat Hans folgenden Gedankengang gehabt. Wir müssen uns die -klugen Menschen zum Vorbilde nehmen. Diese wissen dadurch die größte -Reinlichkeit zu wahren, daß sie einen mit Wasserspülung versehenen -Trichter benutzen. Leider kann ich mit meiner Katzengestalt ihnen -das nicht nachmachen. Aber ich will den Menschen wenigstens darin -nacheifern, daß auch bei mir Wasserspülung für die größte Reinlichkeit -sorgt. Deshalb springe ich in den Abguß der Wasserleitung. - -Dieser Gedankengang entspricht etwa den Anschauungen der meisten -Tierfreunde. Sie werden hierin durch folgende Erwägung bestärkt. Der -Großstädter ist klüger als die andere Bevölkerung. Die Tiere sehen dem -Menschen kluge Maßregeln ab. Warum soll nun nicht eine Großstadtkatze, -die in der Wohnung Klosetts mit Wasserspülung sieht, den Menschen -nachzuahmen suchen. - -In Wirklichkeit ist das eine vermenschlichende Anschauung, die dem -Tiere vollkommen fernliegt. Der klügste Affe ist, wie ich schon -erwähnt habe, nicht zur Stubenreinheit zu bewegen. Reinlichkeit in -unserem Sinne kennt überhaupt das Tier nicht. Reinlichkeit ist eine -Vorbedingung für die Gesundheit. Wir halten uns Unrat, verweste Dinge, -tote Tiere und dergleichen fern, weil sie unserer Gesundheit schädlich -sind. Da sie der Gesundheit des Hundes nichts schaden, so kann der Hund -nicht denselben Reinlichkeitssinn besitzen wie wir. - -Bei der Katze liegt die Sache ähnlich. Wie oft habe ich gesehen, daß -meine Katzen sich auf schmutziger Wäsche mit Wonne sielten. Wo sitzt -denn da die Reinlichkeit nach unseren Begriffen? - -Zum Schlusse unseres Besuches zeigt uns Hans noch eine Glanzleistung. -Er ist in der Küche, wo wir uns befinden, auf ein Brett gesprungen, wo -zahlreiche kleine Gläser stehen. Man muß immer wieder die ungeheure -Geschicklichkeit einer Katze bewundern, wie sie ihre vier Füße zu -setzen weiß, ohne im geringsten anzustoßen. So wandert auch Hans durch -die Gläser, ohne den geringsten Schaden anzurichten. - -Bei der Jagd kann man oft die gleiche Geschicklichkeit der Katze -beobachten. Wildernde Katzen wissen, daß der Jäger ihnen eifrig -nachstellt. Sie verbergen sich deshalb sofort in der Saat oder im -Klee oder einer anderen Deckung. Man sollte meinen, daß die Pflanzen -sich bewegen müßten, wenn eine Katze hindurchgeht. Aber wenn man oben -auf die Saat oder den Klee schaut, so kann man niemals eine Bewegung -feststellen. So rettet die Katze durch ihre Geschicklichkeit ihr Leben, -da der Jäger nicht weiß, wohin sie geflüchtet ist. - -Eine andere Eigentümlichkeit der Katzen besteht darin, daß sie -darauf erpicht sind, in jede Höhlung zu kriechen. Es ist daher nicht -unbedingt notwendig, daß die Katzenfallen mit einem Köder versehen -sind. Die Katze kriecht auch in einen Kasten, wenn kein Leckerbissen -darin ist. Aus meiner Studentenzeit ist mir noch folgender Vorfall in -der Erinnerung geblieben, der den Beweis hierfür liefert. Ich wohnte -bei Leuten, die sehr große Tierfreunde waren und eine schwarze Katze -besaßen. Die Katze war mehr bei mir als bei ihnen. Eines Tages war es -sehr kalt und es sollte deshalb geheizt werden. Als Feuer angemacht -war, fiel es mir auf, daß ich die Katze nicht sah. Auch war es mir so -vorgekommen, als wenn ich ganz leise Laute aus dem Ofenloche vernommen -hätte. Meine Wirtin bestritt zwar, daß die Katze im Ofenloch sitzen -könne, sah aber doch nach und gewahrte zu ihrem Schrecken die Katze -hinter dem Feuer. Rasch entschlossen riß sie das Feuer aus dem Ofen -und zog die Katze heraus, die glücklicherweise nur einige versengte -Stellen am Pelze aufwies. In dem Ofen war nur Asche, und zwar nicht -einmal warme Asche, da ich in diesen Jahren nur ganz ausnahmsweise -heizen ließ. Nur die Höhlung hatte es der Katze angetan, hier sich -aufzuhalten. Wahrscheinlich tauchte vor dem Ofenloch die Erinnerung an -die Felsenhöhlen ihrer Vorfahren in ihr auf. - - -45. Geschichten von Katzen. - -Der Naturforscher, der von der Jagdleidenschaft seiner Hunde so schön -plauderte, hat auch mit seinen Katzen mancherlei erlebt. Eine Katze, -die er sich angeschafft hatte, mit Namen Ripp, war ungeheuer scheu. -Erst im Laufe des Sommers, erzählte er, da ich mit meiner Familie sehr -viel vor dem Hause war, gelang es uns, Ripp so zutraulich und zahm zu -machen, daß sie immer am liebsten in unserer Gesellschaft verweilte, -sich streicheln und tragen ließ, uns weit weg begleitete, wenn wir -fortgingen, und uns weithin und voller Seligkeit entgegenkam, wenn -wir zurückkehrten. Ripp war kohlpechrabenschwarz mit einem prächtigen -weißen Stern auf ihrer treuen Brust, und da die Welt damals gerade -voller Mäuse war, so hatte ich auch noch einen einfarbig blaugrauen -Kater angeschafft, dem die Kinder den Namen Hänschen gaben. Nach Jahr -und Tag fand ich Gelegenheit, von einem Freunde ein schönes Kätzchen zu -beziehen, dessen Großvater ein schöner Angorakater war. Jetzt ward der -Entschluß, das liebe alte Pärchen wegzuschaffen, gefaßt. Zuerst ward -Hänschen im Käfig gefangen, und während er mit schwermütigem Blicke, -als ob er dem Wetter nicht recht traute, in ihm auf und ab ging, fuhr -ein kleiner Korbwagen vor, der Käfig ward hineingestellt, mit einem -Tuche gut bedeckt, dies rings dicht mit Stroh umbanst, und nun Glück -auf, da zog der neue Besitzer des schönen blaugrauen Katers wohlgemut -den Wagen, listig allerlei Umwege durch den Wald wählend, seiner Heimat -zu, die auf geradem Wege ein halbes Stündchen von uns entfernt ist. -Dort angelangt, wurde der Wagen ins Haus gezogen, die Türen wurden -hinten und vorn verriegelt, der Käfig behutsam herausgehoben, enthüllt, --- aber, ach, der war ganz leer und keine Spur vom Kater zu sehen, -obgleich der Wagenlenker ihn doch mit eigenen Augen beim Einpacken im -Käfig gesehen hatte und sorgfältig verwahrt zu haben glaubte. Genaue -Prüfung des Tatbestandes ergab, daß man im Vertrauen auf die Decke die -Tür des Käfigs zuzubinden versäumt hatte und daß der reisende Kater -inmitten der Reise unbemerkt die Türe geöffnet und Reißaus genommen -haben mußte. Als der Wagen zurück und die Trauerbotschaft an mich kam, -da erschrak ich, hielt gleich Haussuchung und fand Hänschen auf dem -Heuboden, wo er ganz ruhig in seinem gewöhnlichen Bettchen lag, mir -freundlich grüßend entgegenkam und mit dem Ergebnis seiner Waldpartie -ganz zufrieden schien. Er ging auch gleich am folgenden Tage wieder -getrost in den Käfig, ward wieder eingesperrt, zu Wagen gebracht, -aufs Allersorgfältigste verpackt, gelangte auf neu ersonnenen Umwegen -richtig an den Ort seiner Bestimmung, begrüßte mich aber doch am -nächsten Morgen schon wieder ganz unbefangen in der lieben Heimat, weil -er von dem Dachboden, wohin man ihn gesperrt, durch ein Loch entwichen -war, das er selber entdeckt hatte und das der Hausbesitzer hinterdrein -auch noch bei dieser Gelegenheit zu sehen bekam. Das nächste Mal ward -Hänschen in entgegengesetzter Himmelsrichtung nach einem Orte, der eine -Stunde weit entfernt und durch Berg und Tal, Wiese, Wasser und Wald von -hier getrennt ist, zu befreundeten Seelen kutschiert, kehrte aber nach -Verlauf zweier auf Reisen zugebrachter Wochen heim ins Vaterhaus und -saß an einem schönen Morgen im Strahle der aufgehenden Sonne, reicher -an Welt- und Menschenkenntnis, aber ärmer an Fett, in Hungersnot sanft -quäksend und freundlich winkend unter meinem Fenster. -- Auch die gute -Ripp war während aller dieser merkwürdigen Ereignisse schon zweimal in -die Welt hinein kutschiert und beidemal erfahrungsreicher heimgegangen. --- Nun aber wurde zum dritten- und letztenmal Anstalt zur Auswanderung -getroffen. Das liebe Pärchen mußte auf einem ganz neuen Wege eine gute -geographische Meile weit zu Leuten fahren, die den ernstlichen Willen -kundgegeben hatten, die zwei Auswanderer wenigstens zwei Wochen lang -hinter Schloß und Riegel gut zu verpflegen. Nach drei Wochen kam die -Nachricht, daß sich der Kater Hänschen zwar aus dem ihm angewiesenen -Hause weggeschlichen, aber bei einem Nachbar festes Quartier genommen, -daß Ripp dagegen geblieben, ganz einheimisch, zufrieden und sehr -beliebt sei. - -Unser Gewährsmann schildert weiter, daß auch Ripp nach einiger Zeit -wieder zu ihm zurückgekehrt ist. - -Der wunderbare Ortssinn der Tiere, von dem schon die Rede war (Kap. 9), -zeigt sich auch bei der Katze stark ausgebildet. - - -46. Redensarten und Sprichwörter von der Katze. - -Geldkatze ist ein hohler Gurt, der als Geldbeutel dient und gewöhnlich -von Katzenfell hergestellt wird. - - *Katzenmusik*, *Katzenkonzert*, - - *Katzenwäsche*, - - *Katzenbuckel*, - - *Schmeichelkätzchen*, - - *Katzen und Herren fallen immer auf die Füße*, - - *Willst du lange leben gesund, - Iß wie die Katze, trink' wie der Hund* - -sind schon besprochen worden. Ein Beweis der im Volke herrschenden -Ansicht von der Falschheit der Katzen ist der Vers: - - *Hüte dich vor den Katzen, - die vorn lecken und hinten kratzen.* - -Die Katze sorgt vorsichtig, daß ihr keine Schmerzen zugefügt werden. -Daher die Redensart: - - *Drum herumgehen, wie die Katze um den heißen Brei.* - -Richtiger heißt es wohl: - - *Gleichwie die Katzen um den Herd, tätens sich umherreiben.* - -Die Katze als Nachttier wünscht am warmen Herd ihren Körper zu erwärmen. - - *Der Katze die Schellen umhängen.* - -Nach einer Fabel wollten sich die Mäuse dadurch vor der Katze schützen, -daß sie ihr Schellen umhängten. Dieser Plan scheiterte jedoch daran, -daß sich niemand zu seiner Ausführung meldete. - - *Wenn die Katze aus dem Hause ist, springen die Mäuse - über Stuhl und Bänke.* - -Ist der gebietende Teil nicht anwesend, also z. B. Lehrer, Eltern, dann -erlauben sich Kinder manche Freiheiten. - - *Die Katze im Sack kaufen.* - -Nach Grimm heißt es: Die Katze im Sacke kaufen statt eines Hasen. -Andere verstehen darunter: etwas unbesehen kaufen. - - *Bei Nacht sind alle Katzen grau.* - -Die Dunkelheit verwischt die Unterschiede, so daß man dann auch eine -weniger gute Sache anziehen kann. - -Die Katze erhält die Abfälle der Mahlzeiten. Daher sagt man für -Wertloses: - - *Das ist für die Katz!* - -Nach anderen erklärt sich die Redensart damit, weil die Katze ein -verachtetes Geschöpf ist. Man gebraucht also die Redensart dann, wenn -man für eine Handlung auf Undank rechnen muß. - - *Katzenjammer* - -soll die bekannte Magenverstimmung deshalb heißen, weil sie der -Stimmung beim Anhören eines Katzenkonzerts gleicht. - -Uebrigens hat man schon in früheren Zeiten erkannt, daß die Katze im -Gegensatz zum Hunde ein ausgezeichnetes Sehvermögen besitzt. Das geht -aus dem Vers hervor: - - *Nimm die Augen in die Hand und die Katz aufs Knie, - was du nicht siehst, das sieht sie.* - -Der Glaube, daß Hexen sich in Katzen verwandeln, rührt von dem -nächtlichen Leben der Tiere her und ihren im Dunkeln leuchtenden Augen, -sowie ihrem lautlosen Schleichen. - -[Illustration: Junge Katzen Halbangora-Katze] - -[Illustration: Silberfarbige Cypernkatze mit Jungen] - - -Das Pferd - - -47. Warum gibt es so viele braune Pferde? - -In der Großstadt werden jetzt die Pferde vielfach durch andere Kräfte -ersetzt. Manche sind der Ansicht, daß in nicht zu ferner Zeit das -Pferd gänzlich von den Straßen verschwinden werde. Das ist wenig -wahrscheinlich, weil manche Genüsse, beispielsweise das Reiten, durch -keine Maschinentätigkeit ersetzt werden können. - -Immerhin müssen wir jetzt schon, um uns ein paar Omnibuspferde -anzusehen, auf die Suche gehen, denn es wird nur noch eine Strecke mit -dem Pferdeomnibus befahren. Bequemer ist es daher, wenn wir bei einem -Droschkenpferde haltmachen und es uns etwas besehen, da der Kutscher -sich in dem benachbarten Lokal gerade stärkt. Er hat aber auch seinen -treuen Gehilfen nicht vergessen, sondern ihm vorher den gefüllten -Futterkübel umgehängt. - -Aus meiner Jugendzeit fallen mir verschiedene schlechte Witze ein, -die damals über das Berliner Droschkenpferd üblich waren. Einer von -ihnen lautete: Was ist schneller als ein Gedanke? Die Antwort war: Das -Droschkenpferd, denn, wenn man denkt, es fällt, dann liegt es schon. - -Wie so viele Pferde ist unser Droschkenpferd von brauner Farbe mit -schwarzer Mähne und schwarzem Schwanz. Auffallend ist die Beweglichkeit -seiner Ohren, die sich sofort nach der Seite öffnen, von der aus ein -Geräusch ertönt. Die Augen des Pferdes stehen nicht wie beim Menschen -vorn, sondern mehr auf der Seite. Die Fliegen müssen dem Tiere ziemlich -zusetzen, denn alle Augenblicke schlägt es mit dem Schwanze nach -ihnen. Von Zeit zu Zeit tritt es auch mit den Hufen stark auf, um sie -zu verscheuchen. In der Zwischenzeit zuckt es mit dem Felle, um die -Plagegeister zu vertreiben. Vielen Erfolg scheinen die Abwehrmittel -nicht zu haben, da die Fliegen wohl fortfliegen, aber ebenso sicher -auch zurückkehren. - -Von seinen Hufen, die ungespalten sind, hat das Pferd den Namen -Einhufer erhalten. Wir staunen, daß ein so großer Körper so sicher auf -den kleinen Hufen steht. - -Ebenso wundern wir uns über den außerordentlich langen und starken -Hals, wenn wir ihn mit dem Halse des Menschen vergleichen. Im -Verhältnis zur Länge des Halses ist wiederum der Kopf nur klein. -Während unser Kopf rund ist, hat das Pferd einen länglichen Kopf. - -Inzwischen ist beim Fressen durch das Schnauben des Pferdes eine ganze -Menge Häcksel aus dem Kübel geflogen. Dieses Fortpusten des Häcksels -betrachten viele als ein Zeichen dafür, daß das Pferd ein sehr kluges -Tier ist. Der Häcksel, den ihm sein Herr vorsetzt, paßt ihm nicht, und -deshalb pustet es einfach eine Menge davon fort. - -Mit der Zeit scheint das Futter sich seinem Ende zu nähern, denn das -Pferd schüttelt den Kübel hin und her, um sich ja nicht etwas von dem -Futter entgehen zu lassen. Hieraus dürfen wir wohl den Schluß ziehen, -daß es ihm nicht gerade schlecht schmecken kann. - -Wir wissen, daß wir, um das Benehmen des Pferdes und sein Aussehen zu -verstehen, seine wilden Verwandten uns näher ansehen müssen. Früher -waren die Vorfahren unseres Hauspferdes unbekannt. Seit Anfang dieses -Jahrhunderts sind sie jedoch entdeckt, und von den gefangenen Fohlen -sind ein Männchen und ein Weibchen, also ein Hengst und eine Stute, -nach dem Zoologischen Garten von Berlin gekommen. Leider ist die Stute -vor einigen Jahren gestorben. Der Hengst aber lebt zurzeit noch, -wenngleich er schon einen recht alten Eindruck macht. Anscheinend ist -er auch schon erblindet, wenigstens auf einem Auge dürfte er ganz blind -sein. - -Der Wildhengst ist kleiner als unser Droschkenpferd, da er nicht -größer als ein Zebra ist. Ueberhaupt sehen wir, daß alle Einhufer des -Zoologischen Gartens nach unseren Begriffen klein sind. Das kommt -daher, weil wir unsere Pferde absichtlich auf Größe gezüchtet haben, so -daß unser Auge an große Pferde gewöhnt ist. - -Auch das Wildpferd ist braun mit schwarzer Mähne und schwarzem Schwanz. -Ueberdies läuft noch ein schwarzer Streifen auf dem Rücken entlang. -Auch bei unseren Hauspferden kommt er manchmal vor und wird als -Aalstrich bezeichnet. - -Diese Zeichnung des Wildpferdes ist natürlich seinen Lebensgewohnheiten -angepaßt. Es lebt noch heute in Mittelasien. Und zwar ist das Wildpferd -ein Bewohner der Steppe, wo es in Rudeln angetroffen wird. Diese -Rudel werden von einem Hengste geleitet, der fortwährend achtgibt, ob -irgendwo Gefahr droht. Naht sich ein größeres Raubtier, so ergreift das -Rudel eiligst die Flucht. Gegen kleinere Raubtiere kämpft der Hengst -mutig, und zwar schlägt er mit seinen Vorderhufen und packt sie mit dem -Gebiß. - -Jetzt verstehen wir, weshalb es heute noch bissige Pferde gibt. Das -Beißen ist eine ursprüngliche Waffe der Pferde. Wir haben absichtlich -alle Pferde, die sich durch Beißen auszeichneten, von der Zucht -ausgeschlossen, so daß unsere heutigen Pferde nur ausnahmsweise beißen. - -Das Ausschlagen ist an sich ebenfalls eine natürliche Waffe des -Pferdes. Niemals soll man sich einem fremden Pferde von hinten nähern. -Das Pferd, das im allgemeinen ängstlich ist, hört ein Geräusch hinter -sich und schlägt naturgemäß nach hinten aus. Dadurch sind schon -unzählige Unglücksfälle verursacht worden. - -Wie die braune Lerche sich von der Erde kaum abhebt und deshalb leicht -übersehen wird, ebenso der braune Hase, so verschwimmt auch das -Wildpferd mit seiner braunen Farbe in der endlosen braunen Steppe. -Wäre jedoch das Wildpferd nur braun, so würde ein so großer brauner -Fleck in der Natur auffallen. Deshalb ist durch die schwarze Mähne, den -Aalstrich und den schwarzen Schweif der braune Fleck geteilt und nicht -mehr so auffällig groß. - - -48. Warum hat das Pferd eine Mähne? Die Fabel von dem Kreisbilden der -Pferde. - -Die Frage, weshalb das Pferd eine Mähne besitzt, scheint sehr leicht zu -beantworten zu sein. Einfach zu dem Zwecke, damit der Reiter sich daran -festhält, wenn er sich auf das Pferd schwingt. - -Jetzt betrachten wir daraufhin das Wildpferd und sehen, daß es oben -auf dem Halse nur kurze Borsten wie ein Zebra hat. Die Mähne unserer -Hauspferde, die sehr bequem für den Reiter ist, hat also bei dem -Wildpferde gar nicht die Länge, um als geeigneter Handgriff zu dienen. - -Die Mähne hat also bei dem Wildpferde andere Zwecke zu erfüllen. Der -große und starke Pferdehals sieht wie ein großes Viereck aus und muß -in der weiten Steppe sehr auffallen. Durch die schwarze Mähne oben -auf dem Halse wird dieses Viereck weniger auffallend. Die Hauptfeinde -der Wildpferde sind in Asien der Tiger und der Mensch. Beide sind -Augentiere, denen gegenüber die Schutzfärbung von großer Bedeutung ist. -Weniger kommt sie in Betracht bei den Wölfen, da diese sich wie die -Hunde in erster Linie nach ihrer Nase richten. - -Immer wieder taucht die Fabel auf, daß die Pferde sich gegen die Wölfe -dadurch verteidigen, daß sie einen Kreis bilden mit den Köpfen nach -innen, während die nach außen gerichteten Hinterbeine den Angreifer -niederschmettern. In der Mitte des Kreises sollen sich die Fohlen -aufhalten. - -Naturforscher und Reisende, die Gelegenheit hatten, die Angriffe der -Wölfe auf Pferdeherden zu beobachten, haben aber nicht das geringste -von diesem Kreisbilden wahrnehmen können. Der Wolf sucht sich vielmehr -an die Pferdeherden anzuschleichen, um ein Füllen zu packen, manchmal -auch ein einzelnes Pferd. Merken die Pferde den Wolf, so gehen sie auf -ihn los und bearbeiten ihn mit den Vorderhufen, die Hengste auch mit -den Zähnen. - -Ein amerikanischer Reisender schildert folgenden Kampf zwischen -Wölfen und Pferden: Als ich mich am Spokanfluß aufhielt, ging ich -nach der Pferdeprärie, um die Manöver zu beobachten, welche die Wölfe -bei ihren vereinten Angriffen auf die Pferde anwenden. Ihre erste -Ankündigung bestand in einem gellenden, hundeähnlichen Gebell, das sie -von Zeit zu Zeit hören ließen, gleich dem Abfeuern der Gewehre der -verschiedenen Vorposten bei kleinen Gefechten. Dieses Gebell wurde von -der entgegengesetzten Seite durch ein ähnliches erwidert, bis sich -die Töne immer mehr näherten, und endlich aufhörten, als die Parteien -sich vereinigten. Wir setzten unsere Flinten in Stand und verbargen -uns hinter einem dicken Gebüsch. Indes scharrten die Pferde, welche -die Gefahr merkten, mit den Hufen auf dem Boden auf, schnaubten, hoben -die Köpfe in die Höhe, sahen wild um sich und gaben alle Zeichen von -Furcht. Ein paar Hengste erwarteten mit anscheinender Ruhe den Feind. -Endlich erschienen die Verbündeten in einem Halbkreis, dessen Enden sie -ausdehnten, um ihre Beute einzuschließen. Es waren zwischen 300 bis 400 -an der Zahl. Die Pferde schienen ihre Absicht zu erraten, und da sie -sich fürchteten, einer solchen Anzahl entgegenzutreten, galoppierten -sie nach der entgegengesetzten Seite; die Wölfe stürzten nach, ohne -ihre Stellung im Halbkreis zu verlieren. Die Pferde, welche nicht im -besten Stande waren, wurden schnell eingeholt und fingen an, nach ihren -Verfolgern auszuschlagen, wovon manche heftige Schläge erhielten. -Doch würden sie bald über die Pferde Herr geworden sein, wären wir -nicht zur rechten Zeit aus unserm Hinterhalte hervorgetreten, und -hätten des Feindes Zentrum eine tüchtige Ladung Kugeln zugeschickt, -die mehrere davon töteten. Sogleich schwenkte sich das ganze Bataillon -und lief in der größten Eile und Unordnung den Bergen zu, während die -Pferde, sowie sie die Schüsse hörten, ihren Lauf änderten, und auf uns -zu galoppierten. Unser Erscheinen rettete einige aus den Zähnen der -Wölfe, und sie schienen durch ihr Wiehern ihre Freude und Dankbarkeit -ausdrücken zu wollen. - -Auch in dem vorstehenden Falle ist von einem Kreisbilden der Pferde -keine Rede. Wohl aber haben ihre Feinde, die Wölfe, einen Halbkreis mit -verlängerten Enden um sie gebildet, damit kein Pferd entweichen konnte. - - -49. Warum kann das Pferd nur durch die Nase atmen? - -An kalten Wintertagen, wo der Atem sichtbar wird, kann man deutlich -erkennen, daß das Pferd nur durch die Nase atmet. Aus den Nüstern -kommen fortwährend Wolken wie Dampf, aber aus dem Maule nicht. - -Auch hier gibt die Lebensweise der Wildpferde Aufschluß über die -Eigentümlichkeit. In der Steppe herrschen in der Winterzeit furchtbare -Schneestürme. Diese würden für die Pferde besonders nachteilig -sein, da sie die Gewohnheit haben, stets gegen den Wind zu laufen. -Sie tun das natürlich nicht aus Vergnügen, sondern um ihre Feinde -rechtzeitig wahrzunehmen. Denn wie der Hund, so ist das Pferd ein -Nasentier, das eine sehr feine Nase, aber am Tage nur ein schwaches -Sehvermögen besitzt. Lauern nun vor ihnen irgendwo Feinde, so wird das -hervorragende Geruchsvermögen sie dem Pferde verraten. - -Das Laufen gegen eisige Winterstürme würde aber der Gesundheit der -Pferde nachteilig sein, falls das Atmen durch das Maul erfolgte. -Deshalb kann das Pferd nur durch die Nase atmen, damit es stets -angewärmte Luft einatmet. - -Die Furcht vor seinen Feinden spielt also beim Pferde die größte Rolle. -Immer sind deshalb die Ohren in Bewegung, damit es ja nicht etwas -Gefährliches überhört. Kipp- und Hängeohren wird man bei den Pferden -kaum jemals antreffen, obwohl sie bei Hunden und anderen Haustieren -häufig sind. Die Angst läßt die Ohren immer gespitzt halten. - -Das Fortpusten des Häcksels aus dem Futterkübel geschieht also -nicht deshalb, weil das Pferd sehr klug ist, sondern wegen seiner -Nasenatmung. In der Freiheit fliegt dadurch kein Futter fort, weil die -Gräser festgewachsen sind. - -Kinder spielen gern Pferd und ahmen ihrem Vorbild durch Schnauben und -Prusten nach. Auch dieses Prusten beruht nur auf der Nasenatmung, -weshalb beispielsweise Kühe und Schafe nicht Prusten. - - -50. Warum scheuen die Pferde und gehen durch? - -Ein scheuendes Droschkenpferd wird man nicht häufig zu sehen bekommen. -Einmal hat sich ein Großstadtpferd mit der Zeit an die tollsten -Geräusche gewöhnt. Sodann wird ein Pferd um so ruhiger, je älter -es wird. Und die meisten Droschkenpferde haben eine ganze Anzahl -von Jahren auf dem Rücken. Immerhin habe ich erst im vorigen Jahre -ein durchgehendes Droschkenpferd beobachten können. Aus welchem -Grunde es gescheut hatte, konnte ich nicht ermitteln. Es raste die -Straßen entlang, und der alte Kutscher suchte nach Möglichkeit einen -Zusammenstoß zu vermeiden. Zum Glück war die Straße fast leer, und zum -weiteren Glück stürzte das Pferd zu Boden. Die Wucht, mit der es gerast -war, zeigte sich darin, daß das gestürzte Tier eine große Strecke auf -dem Asphaltpflaster dahingeschleudert wurde. Die menschliche Haut würde -eine solche Rutschpartie nicht aushalten, aber die Pferdehaut vertrug -sie ohne Schaden. - -Durch den Sturz und das Gleiten auf dem Asphalt war das Pferd wieder -einigermaßen ruhig geworden und blieb stehen, als es aufgerichtet war. - -Ein großer Verlust wäre es für den Droschkenkutscher gewesen, wenn das -Pferd sich ein Bein gebrochen hätte. Denn obwohl solche Brüche bei -anderen Haustieren, z. B. Schweinen, sehr gut heilen, kann ein Pferd -nach einem Bruch trotz aller ärztlichen Kunst nicht mehr zum Ziehen -oder Reiten, sondern nur zur Zucht verwendet werden. - -Was veranlaßte nun das Droschkenpferd zu einer so sinnlosen Raserei? -Wahrscheinlich ein nach unseren Begriffen ganz harmloser Vorfall. -Beispielsweise schwenkt jemand plötzlich eine Fahne -- und schon ist -das Unglück geschehen. - -Wir müssen bei der Beurteilung eines solchen Falles gerecht sein -und uns klar darüber werden, daß, wenn alle Wildpferde vorher eine -gründliche Untersuchung anstellen wollten, wie die Sache eigentlich -liegt, kein einziges mehr lebte. Vergegenwärtigen wir uns das Leben -eines Wildpferdrudels in der Steppe. Trotz der Schutzfärbung hat es ein -Tiger wahrgenommen. Unter Beobachtung der Windrichtung hat er sich nach -Katzenart ganz leise herangeschlichen. Stundenlang hat es gedauert, -bis er in Sprungweite war. Jetzt schnellt er wie ein Ball auf das ihm -zunächst stehende Tier. - -Die einzige Rettung für das Pferd besteht jetzt darin, ohne jedes -Besinnen davonzujagen. Wie der Hund, so hat auch das Pferd ein Auge, -das Bewegungen sehr leicht wahrnimmt. Den anspringenden Tiger hat es -durch seine Bewegung erkannt, oder vielmehr erkannt, daß ein großer -bunter Ball urplötzlich hinter ihm flog. - -Hätte das Pferd erst überlegt, was der bunte Ball eigentlich sei, -so war ihm der Tod durch die große Katze sicher. Es war sein Heil, -daß es noch im letzten Augenblick davonraste. Denn der Tiger sprang -infolgedessen zu kurz. Und ein flüchtiges Wildpferd kann er nicht -einholen. - -Für das Scheuen des Pferdes bestehen also folgende Ursachen: - - 1. Das schwache Sehvermögen des Pferdes vermag wirkliche und - scheinbare Gefahren nicht zu unterscheiden. - - 2. Unter natürlichen Verhältnissen läuft deshalb das Pferd gegen den - Wind, um zu wissen, ob Gefahr besteht. Dieses Laufen gegen den - Wind kann aber der Mensch bei der Benutzung der Pferde nicht immer - durchführen. So kommt es, daß das Pferd vor ganz harmlosen Sachen - scheut, einem Stück Papier, einem weißen Stein und dergleichen. - -Das Durchgehen, das dem Scheuen häufig folgt, hat die Ursache, daß es -die natürliche Rettung des Pferdes in der Steppe ist. - -In der Steppe gibt es keine Häuser oder Bäume, gegen die ein -Pferderudel stürzen kann. Deshalb kann das sinnlose Laufen in der -Steppe auch keinen Schaden anrichten. - -Bei uns kann natürlich ein durchgehendes Pferd das größte Unheil -verursachen. Die Insassen des Wagens werden häufig herausgeschleudert, -fremde Personen überfahren usw. Auch das Pferd selbst geht oft -zugrunde, weil es gegen einen Baum oder anderen festen Gegenstand -gerannt ist. Durch Gewalt ist bei einem durchgehenden Pferde wenig -auszurichten, da die Kraft des Tieres in diesem Zustande ganz -außerordentlich ist. - -Bei einem Ochsengespann wird ein Scheuen und Durchgehen der Tiere nur -selten vorkommen. Das rührt daher, weil das Rind im Gegensatz zum Pferd -eine Rettung nicht in der Flucht sucht, sondern mutig auf den Gegner -einstürmt. Das Pferd ist also, wie Hirsche, Rehe, Hasen ein sogenannter -fliehender Pflanzenfresser, während das Rind mit den Elchen, Büffeln, -den größten Affenarten zu den wehrhaften Pflanzenfressern gehört. -Die wehrhaften Pflanzenfresser flüchten nur ausnahmsweise vor einem -sehr starken Raubtiere, und zwar die Weibchen leichter als die viel -stärkeren Männchen. - - -51. Die Bodenscheu. - -Ein Berliner Droschkenpferd wird selten zur Bodenscheu neigen. Das -kommt daher, weil es nicht aus Gegenden stammt, wo noch Wölfe heimisch -sind. Deshalb findet man unter den ungarischen und russischen Pferden -am häufigsten Bodenscheu. - -Unter Bodenscheu versteht man die unbegründete Furcht eines Pferdes vor -dunklen Stellen auf dem Erdboden. - -Bereits von dem berühmten Pferde Alexanders des Großen, das Bukephalus -hieß, wird uns erzählt, daß es sich vor seinem eigenen Schatten -gefürchtet habe. Das heißt mit anderen Worten, daß es bodenscheu war. -Man sieht daraus, daß ein hervorragend tüchtiges Pferd auch diese -Eigentümlichkeit besitzen kann. - -Mit Klugheit oder Dummheit hat das gar nichts zu tun, während gerade -Kutscher mit Vorliebe auf die Bodenscheu hinweisen, als Beweis dafür, -daß das Pferd ein furchtbar dummes Geschöpf ist. Wie oft habe ich -Gespräche etwa folgenden Inhalts anhören müssen: »Wenn irgend jemand -daran zweifelt, daß das Pferd zu den dümmsten Tieren gehört, so soll -er sich meinen Gaul ansehen. Was ist mir erst heute wieder mit ihm -passiert? Hat da jemand auf dem Asphalt einen Eimer Wasser ausgegossen. -Denken Sie, ich bekomme das dumme Tier an dem nassen Fleck vorbei? -So hat man häufig seinen Aerger wegen der furchtbaren Dummheit des -Pferdes. Kann es etwas Dümmeres geben, als sich vor einer nassen Stelle -zu fürchten?« - -So einfach liegt die Sache nicht, wie der Kutscher meint. Dummheit -liegt nicht vor, wenn die Schwäche eines Sinnes zu sonst üblichen -Leistungen unfähig macht. So ist der Knabe nicht dumm, der nicht -angeben kann, wieviel die Turmuhr zeigt, weil er kurzsichtig ist. - -Umgekehrt ist das Pferd nicht klüger als der Mensch, weil es sich in -der Dunkelheit besser zurechtfindet, als wir es vermögen. Unzählige -Reiter oder Wageninsassen sind durch ihre Pferde gerettet worden. Die -Menschen konnten in der Dunkelheit nicht mehr die Hand vor den Augen -sehen. Trotzdem fanden sich die Pferde zurecht und brachten ihre Herren -glücklich nach Hause. - -Wie würde es uns Menschen gefallen, wenn man uns diese Unfähigkeit, uns -in der Dunkelheit zurechtzufinden, als Dummheit anrechnen würde? - -Das Auge des Pferdes kann bei Tageslicht nicht gut sehen. Deshalb kann -es nicht genau erkennen, was der dunkle Fleck eigentlich bedeutet. In -wolfreichen Gegenden haben die Pferde es oft erlebt, daß dieser an der -Erde befindliche Fleck ein sich auf den Boden drückender Wolf war, der -ihnen plötzlich an die Kehle sprang. So unbegründet ist also die Furcht -des Pferdes vor den dunklen Stellen am Boden durchaus nicht. - -Weil in England seit Jahrhunderten im Grase lauernde Wölfe unbekannt -sind, ebenso auch bei uns in dem weitaus größten Teil unserer Heimat, -deshalb neigen englische und deutsche Pferde wenig zur Bodenscheu, -dagegen mehr die russischen und ungarischen Pferde. - -Etwas anderes ist es natürlich, wenn ein Pferd in moorigen Gegenden -nasse oder dunkle Stellen meidet, weil es einzusinken fürchtet. - - -52. Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul. Warum trägt ein -Pferd Hufeisen? - -Da Droschkenpferde, wie schon erwähnt wurde, meistens bejahrte Tiere -sind, so werden wir uns hüten, den Droschkenkutscher zu bitten, uns das -Gebiß seiner »Liese« oder wie sie sonst heißt, zu zeigen. Er würde uns -in seiner Urwüchsigkeit mit einer Antwort dienen, die sich gewaschen -hat, und wegen der Seltsamkeit des Ansinnens gewiß glauben, daß wir aus -dem Irrenhause entsprungen sind. - -So müssen wir uns ohne ihn behelfen. Die allbekannte Redensart »Einem -geschenkten Gaul sieht man nicht ins Maul« erklärt sich in folgender -Weise. - -Was verschenkt der Mensch am liebsten? - -Es ist traurig, aber wahr, daß er am liebsten wertlose Gegenstände -verschenkt. Man kann sogar behaupten, daß viele erst auf den Gedanken, -etwas zu verschenken, kommen, weil sie einen wertlosen Gegenstand los -sein wollen. Sie wissen, daß sie kaum etwas dafür erhalten, und sagen -sich, daß es doch einen guten Eindruck macht, wenn man etwas verschenkt. - -Es ist also eine alte Erfahrung, daß verschenkte Pferde meistens alte -Pferde sind. - -Nun gehört das Pferd zu den Tieren, dessen Alter man mit einer -leidlichen Genauigkeit an den Zähnen erkennen kann. - -Es ist leicht verständlich, daß Zähne durch den Gebrauch abgenützt -werden. Da die Zähne des Pferdes Vertiefungen, sogenannte Kunden haben, -so ist klar, daß, je weniger die Kunden abgenützt sind, desto jünger -das Pferd, je mehr, desto älter es sein muß. - -Man soll also einem geschenkten Gaul deshalb nicht in das Maul sehen, -weil man dann an den Zähnen erkennen würde, daß man ein recht bejahrtes -Tier von dem Schenker erhalten hat. -- - -Unser Droschkenpferd trägt Hufeisen, und zwar an jedem Hufe eins. -Wildpferde besitzen natürlich keine Hufeisen. Es fragt sich, weshalb -der Mensch dem Tiere diese Eisen aufgenagelt hat. - -Im Altertum waren, wie wir wissen, die Pferde unbeschlagen. Auch bei -uns läßt man auf dem Lande, namentlich in sandigen Gegenden, die Pferde -häufig unbeschlagen. - -Das läßt sich deshalb durchführen, weil die Abnutzung des Hufes auf -sandigem Boden nicht groß ist und durch Nachwachsen wieder ersetzt -wird. Anders liegt aber die Sache in den Städten mit Steinpflaster. -Pferde, die auf solchem Pflaster schwere Lasten zu ziehen haben, müssen -deshalb beschlagen werden, um die vorzeitige Abnutzung der Hufe zu -verhindern. - -Das richtige Aufnageln der Hufe will natürlich verstanden sein. Deshalb -sind tüchtige Hufschmiede mit Recht auf ihre Fertigkeit stolz. - -Bei Glätte und Eis können die Pferde mit ihren eisernen Schuhen -besonders leicht ausgleiten. Um das zu verhindern, gibt es allerlei -Vorkehrungen, beispielsweise das Einschrauben von Stollen. - - -53. Der Schweif des Pferdes verglichen mit dem Schwanz von Hund und -Katze. - -Wir sahen, daß das Droschkenpferd durch Schlagen mit dem Schweif sich -die Fliegen abwehrt. Vergleichen wir den Schwanz unserer Hauspferde mit -dem der Wildpferde, so können wir feststellen, daß die Behaarung bei -unseren Pferden reichlicher geworden ist. - -Diese Beobachtung können wir überall machen. So behaarte Geschöpfe wie -der Pudel und der Kolly, die Angorakatze, die Hausschafe, kommen in der -freien Natur nicht vor. - -Immerhin muß uns folgendes auffallen. Das Pferd benutzt den Schwanz, um -Fliegen abzuwehren. Warum tun nicht Hund und Katze das gleiche? Beide -haben doch einen schönen langen Schwanz. Warum schlagen sie niemals -damit nach Fliegen? Wiederum schlägt die Kuh mit ihrem Schwanz nach -Fliegen. Warum hat sie einen so viel längeren Schwanz als das Pferd? - -Wenn wir uns die Tierwelt daraufhin näher ansehen, welche Bedeutung -bei ihnen der Schwanz hat, so finden wir darunter zahlreiche, bei -denen er ein lebenswichtiges Organ ist. Ein Känguruh ohne Schwanz -ist kein Känguruh mehr, weil es den Schwanz als drittes Bein eines -Schusterschemels benutzt. Ebenso ist es bei den Klammeraffen. -Krokodile, Walfische, ferner alle Fische sind ohne Schwanz -Todeskandidaten. - -Umgekehrt gibt es Tiere, bei denen der Schwanz gleichgültig ist, so bei -Hasen, Hirschen, Rehen, Ziegen u. dgl. Wird einem Hirsch sein kurzer -Schwanz, der »Wedel« genannt wird, abgeschossen, so stört ihn das nicht -weiter in seinem Befinden. - -In der Mitte stehen die Tiere, bei denen der Schwanz auf ihre -Lebensweise von mehr oder minder wichtigem Einfluß ist. So sehen wir -beispielsweise im Zoologischen Garten, daß der Löwe vor einem Sprunge -seinen Schwanz schnell dreht. Sehr richtig sagt unser Dichter Schiller -in dem Gedicht: »Der Handschuh« von dem grollenden Tiger, den man auch -als Waldlöwen bezeichnen kann: - - schlägt mit dem Schweif - einen furchtbaren Reif. - -Wir können auch verstehen, weshalb der Löwe seinen Schweif so eilig -dreht. Er will einen ganz genauen Sprung machen, um sein Opfer zu -packen. Selbstverständlich will das bedrohte Geschöpf der Gefahr -entrinnen und sucht nach der einen oder anderen Seite zu entkommen. -Nach welcher es sich wenden wird, kann der Löwe vorher nicht wissen. -Das entscheidet sich erst im letzten Augenblick. Darum tut der Löwe am -klügsten, wenn er den Schweif im Kreise dreht. Mag das bedrohte Tier -springen, nach welcher Seite es auch will, stets wird der Löwe durch -die Kreisdrehung imstande sein, richtig zu steuern. - -Weil es auf die richtige Steuerung beim Sprunge sehr ankommt, deshalb -haben alle Katzenarten einen langen Schwanz. Die alten Griechen -haben also sehr fein beobachtet, als sie die Katze »Ailurus«, d. h. -Drehschwanz, nannten. Ausnahmsweise haben einige Katzen nur einen -kurzen Schwanz, nämlich solche, die, wie z. B. der Luchs, hauptsächlich -auf Bäumen lauern, wo für das Drehen des Schwanzes kein Platz ist. Auf -der Insel Man lebt eine Katze, die hauptsächlich von Vögeln lebt und -deshalb auf Bäumen heimisch ist. Auch sie hat keinen Schwanz. - -Die Hundearten brauchen zwar zum Springen keinen langen Schwanz, wohl -aber zum schnellen Umkehren. Der Hase sucht sich vor dem schnelleren -Hund durch Hakenschlagen zu retten, indem er ganz plötzlich die -Richtung ändert. Der Hund, der in rasender Eile dem Hasen folgt, ist -dermaßen in Schwung, daß er noch eine ganze Strecke fortschießt, -nachdem der Verfolgte seinen Haken geschlagen hat. Dadurch erhält der -Hase einen Vorsprung, bis der Hund ihm wieder bedenklich auf das Fell -rückt. Dann kann das Spiel von neuem beginnen. - -Um seinen Körper plötzlich herumzuwerfen, bedarf der Hund wie alle -Hetzraubtiere, also Wölfe, Wildhunde u. dgl., eines langen Schwanzes. -Besonders wichtig ist er für den Windhund, da dieser der eifrigste -Hasenhetzer ist. Ein Windhund ohne Schwanz ist undenkbar. Vielmehr -zeichnet sich gerade diese Hunderasse durch einen langen Schwanz aus. - -Für alle Katzenarten ist also ein langer Schwanz zum richtigen Steuern -und für alle Hundearten zum schnellen Herumwerfen ihres Körpers von -Wichtigkeit. Ebenso sehen wir bei Raubvögeln lange Schwänze, damit -sie bei der Verfolgung schnell die Richtung ändern können. Außerdem -erleichtert der ausgebreitete lange Schwanz ihnen das Tragen der Beute. - -Hasen, Hirsche, Rehe, Elche usw. brauchen dagegen keine Schwänze, weil -sie keine anderen Tiere verfolgen. Das Hakenschlagen kann der Hase ohne -Schwanz sehr gut machen, da er ja vorher die Absicht hat, die Richtung -zu ändern. Würde auch der Hund vorher diese Absicht haben, so käme er -auch ohne Schwanz aus. - -Gegen die Insektenplage helfen sich die Pflanzenfresser dadurch, daß -sie Oertlichkeiten aufsuchen, wo weniger Insekten vorhanden sind. - -Nur den Pferden und den Rindern nützen die Wanderungen nicht viel. Das -Pferd ist auf seine Heimat, die Steppe, angewiesen. Viel schlimmer -ist das Rind daran. Es ist gerade in üppig bewachsenen Niederungen -heimisch, wo es sehr viel Insekten gibt. Deshalb hat auch das Rind den -längsten Schwanz zum Vertreiben der Fliegen, während das Pferd, weil es -in der Steppe nicht so schlimm ist, sich mit einem erheblich kürzeren -Schweif begnügen muß. - -Der Schwanz dient also bei Pferd, Rind, Hund und Katze ganz -verschiedenen Zwecken. Bei den beiden erstgenannten ist er -Fliegenabwehrer, bei dem Hunde soll er den Körper herumwerfen helfen, -und bei der Katze soll er das richtige Steuern beim Sprunge besorgen. -Ein Hund ohne Schwanz kann keinen Hasen mehr einholen. Gegen Fliegen -braucht die Katze ihren Schwanz nicht als Abwehrmittel, da sie von -ihnen gemieden wird. Die Hundearten liegen am Tage in einem dichten -Gebüsch und ruhen. Hier ist von einer großen Belästigung durch Fliegen -nicht die Rede, weshalb der Hund nach ihnen nur mit dem Maule schnappt, -aber nicht mit dem Schwanze danach schlägt. - - -54. Sieht das Pferd alles größer? - -Ein unausrottbarer Aberglaube ist es, daß das Pferd alles doppelt -sieht. Wie schön wäre es für unsern Droschkenkutscher, wenn das der -Fall sein würde. Er brauchte seiner Liese nur das halbe Futter zu -geben, und sie glaubte, das ganze zu erhalten. - -Die Größe eines Gegenstandes bemessen wir nach dem Gesichtswinkel und -der Entfernung. Ist uns die Entfernung unbekannt, so schwanken wir in -den Angaben der Größe. So sagt mancher Landbewohner, der Mond sähe so -aus wie ein früherer Taler. Ein anderer sagt wiederum, er erscheine -ihm so groß wie ein Heuwagen. Sehen wir ganz in der Ferne einen Vogel -fliegen, so ist oft der beste Tierkenner im Zweifel, wie groß der Vogel -eigentlich ist. Bei unbekannten Entfernungen kann es also vorkommen, -daß man etwas für größer hält als es ist. - -Das meint das Volk aber gar nicht, sondern es ist der Ueberzeugung, daß -das Pferd alle Gegenstände um sich, wo es sich also um ganz bekannte -Entfernungen handelt, doppelt so groß sieht. Namentlich soll der Mensch -in den Augen des Pferdes doppelt so groß, wie er ist, erscheinen. - -Es ist klar, daß diese Vorstellung vollkommen unhaltbar ist. Sehe ich -alles doppelt so groß, so sehe ich mich selbst ebenfalls doppelt so -groß, und dann hat das Größersehen nicht den geringsten Erfolg. - -Nichts deutet darauf hin, daß das Pferd, falls man die -Größenverhältnisse in Betracht zieht, anders sieht als der Mensch. Es -hält einen großen Hund nicht für ein Pferd, es verwechselt eine Hütte -nicht mit seinem Stall, es mißt die Weite eines Grabens und die Höhe -eines Hindernisses vortrefflich ab. Der Aberglaube, daß das Pferd -alles doppelt sieht, ist nur aus folgendem Gedankengange entstanden. -Der einfache Mann legt sich folgende Frage vor: Wie ist es möglich, -daß ein so großes und starkes Tier, wie es das Pferd ist, sich von -einem Schwächling, wie es der Mensch ist, beherrschen läßt? Um das zu -erklären, verfiel man auf den anscheinend klugen Gedanken: Es wird den -Menschen doppelt so groß sehen, wie er ist. - -Hierbei haben die Leute aber ganz übersehen, daß in der Tierwelt häufig -ein David einen Riesen Goliath in Schrecken versetzt. Die großen und -starken Rinder flüchten, wenn die kleinen Rinderbremsen kommen (vgl. -Kap. 86), und andere große Tiere sowie auch Menschen ergreifen die -Flucht vor kleinen Giftschlangen oder gewissen Arten von Ameisen. - -Alle Tage können wir erleben, daß sich große Pferde vor dem Gekläff -kleiner Hunde fürchten. Es ist daher nicht im mindesten auffallend, daß -es sich dem Menschen unterordnet. - -Die seitliche Stellung der Augen hat für das Pferd große Vorteile. -Kürzlich sah ich ein Bild, auf dem der Künstler die Stellung seiner -Meinung nach verbessert hatte. Das Pferd hatte nämlich, fast wie ein -Mensch, die Augen vorn. - -Wir wollen uns einmal vorstellen, daß sich ein Pferd gegen einen von -hinten anschleichenden Wolf verteidigen will. Das kann in seiner -Heimat alltäglich oder allnächtlich vorkommen. Bei der Stellung der -Menschenaugen könnte das Pferd den anschleichenden Räuber nicht sehen. -Es würde wahrscheinlich daneben hauen, und der unverletzte Wolf sich in -sein Opfer verbeißen. - -Man erkennt daraus, daß die Natur doch etwas besser versteht, wie die -einzelnen Gaben beschaffen sein müssen, die sie den Tieren verliehen -hat. - -Durch die Stellung der Augen hat das Pferd den Vorteil, die Peitsche -des Kutschers zu sehen oder wenigstens die Bewegungen, die er -macht, wenn er schlagen will. Denn auch das Pferdeauge kann wie das -Hundeauge Bewegungen sehr gut wahrnehmen. Weil nun manche Pferde aus -Furcht vor dem Schlage plötzlich schnell anzogen und dadurch eine -gleichmäßige Fahrt erschwerten, so war dies einer der Gründe, weshalb -man Scheuklappen anbrachte. Durch die Scheuklappen wurden die Pferde -verhindert, nach hinten zu sehen. - -Ueber die Scheuklappen ist sehr viel geschrieben worden, weil sie den -Augen des Pferdes sehr nachteilig sein sollten. Man sieht sie auch -jetzt viel weniger als früher. Immerhin hat man sich um eine Sache mehr -aufgeregt, als sie wert war. Denn das Auge hat für das Pferd nicht die -Bedeutung wie für den Menschen. - -Ganz unerklärlich ist es uns, daß ein durchgehendes Pferd nicht die -Häuser und Bäume, gegen die es gerannt ist, vorher gesehen hat. Aber -wir müssen uns in die Lage des Pferdes hineinversetzen, dann wird der -Zusammenstoß viel leichter verständlich. Das Pferd glaubt, daß von -hinten ein Feind droht, weshalb es davonstürmt. Hierbei schaut es stets -nach hinten, nicht nach vorn. In diesem Zustande kommt es leicht zu -einem Zusammenprall mit vor ihm befindlichen Gegenständen, weil der -Blick nach hinten gerichtet ist. Ueberhaupt kann das Pferd wegen der -Stellung seiner Augen nicht so bequem nach vorn sehen wie der Mensch. - - -55. Ist der Futterkübel praktisch? - -In der Zwischenzeit hat sich der Droschkenkutscher gestärkt und will -sich wieder auf seinen Bock schwingen. Liese hat an dem gewichtigen -Schritt gehört, daß ihr Lenker naht, und macht sich reisefertig. Der -Futterkübel wird ihr abgenommen und verstaut, ferner das Gebiß in die -sogenannte Lade, d. h. den zahnlosen Raum zwischen Vorderzähnen und -Backzähnen gelegt. Eine Decke war nicht abzunehmen. Vielleicht hat der -Kutscher nur kurze Zeit fortbleiben wollen. Auch ist es warm, und das -Pferd hat anscheinend vorher keine größere Anstrengung leisten müssen. -Peitschenhiebe sind nicht nötig. Liese setzt sich in Bewegung, und wir -nehmen von ihr Abschied. - -Ein dem Pferde angehängter Freßnapf hat natürlich seine Nachteile. Das -Wildpferd frißt regelmäßig vom Boden und nur ausnahmsweise von Bäumen. -Daher ist die Fütterung aus Futterkübeln immer noch naturgemäßer als -die aus Raufen, wie sie in den Ställen üblich sind. Das fortwährende -Hochheben des Kopfes wirkt auf die Pferde nachteilig ein und ist -besonders für Fohlen (junge Pferde) geradezu gesundheitsschädlich. - -Durch das Atmen durch die Nase pustet das Pferd oft Futter aus dem -Kübel hinaus. Es ist daher vorteilhaft, Wasser zu dem Futter zuzugießen -Dann kann kein Häcksel fortfliegen. Aber für die Pferde hat diese -Naßfütterung Nachteile. Denn das Wildpferd frißt seine Nahrung trocken. -Erst wenn es sein Trockenfutter genossen hat, läuft es nach einer -Tränkstelle. - -Sehr oft habe ich Ansprachen des Kutschers an sein Pferd gehört, die -geradezu komisch waren. Der Kutscher wollte sein Pferd füttern, aber -es sollte vorher trinken. Das Pferd weigerte sich aber hartnäckig zu -trinken. Immer wieder nahm es den Kopf fort. Der Kutscher glaubte, -diese Weigerung durch gute Lehren zu bekämpfen, und sagte etwa -folgendes: »Aber, du dummer Peter, willst du denn gar nicht trinken? -Weißt du denn gar nicht, wie schön das Essen schmeckt, wenn man vorher -getrunken hat?« - -Es ist richtig, daß man ein Haustier vor manchem Schaden behüten muß. -Ein freilebendes Tier weiß sich allein zu helfen, aber ein Haustier hat -diese Fähigkeit verloren. So überfressen sich Hauspferde, wenn sie an -die Haferkiste gelangen. Da das Pferd im Verhältnis zu seiner Größe nur -einen kleinen Magen hat, der obendrein noch eine Klappe hat, so sind -schon viele Pferde am Ueberfressen gestorben. - -Solche Dinge jedoch, ob ein Pferd vor dem Fressen trinken soll oder -nicht, weiß das Pferd besser als der Mensch. Der Deutsche schwärmt für -eine Flüssigkeit vor dem Essen. Deshalb wird bei uns das Essen mit -einer Suppe eingeleitet. Auch im Zoologischen Garten müssen Tiger und -Löwen vor dem Fraße Wasser trinken, obwohl alle naturgeschichtlichen -Werke darüber einig sind, daß sie erst nach ihrer Mahlzeit ihren Durst -löschen. - -Erhitzten Tieren müssen wir, wenn sie stehen bleiben, eine Decke -auflegen, um gesundheitliche Schäden abzuwehren. Ein Wildpferd -braucht eine solche Decke nicht. Zunächst ist es abgehärteter als das -Hauspferd, das in der Nacht geschützt im Stalle steht. Sodann ist es -jederzeit in der Lage, durch Laufen die etwa erforderliche Wärme sich -zu beschaffen. - - -56. Die Rassen oder Stämme des Pferdes. - -Kaum ist unser Droschkenkutscher entschwunden, so erhalten wir Ersatz. -Ein schwerbeladener Rollwagen kommt auf uns zu. Hu, was müssen die -Pferde ziehen und wie oft erhalten sie Peitschenhiebe. Ein Glück ist -es, daß sie jetzt am Ziele sind und sich ausruhen dürfen. Wir können -uns also in Ruhe die beiden Gäule ansehen. - -Zunächst fällt uns die Größe und der Bau der Glieder auf. Das -Droschkenpferd Liese war fast klein und zart gegen diese beiden -ungeschlachten Riesen. Auch waren Lieses Hufe klein und hatten oberhalb -kaum oder wenig Haare, während die beiden Frachtpferde Riesenhufe mit -mächtigen Haarbüscheln besitzen. - -Diese ganz verschiedenen Formen des Pferdes erklären sich -folgendermaßen. Als die schönsten Pferde werden von Kennern die -arabischen bezeichnet. Das arabische Pferd hat in seiner Heimat -einen trockenen und steinigen Boden, ferner sehr wenig Wasser. Diese -Unfruchtbarkeit hat auf das arabische Pferd großen Einfluß ausgeübt, -denn es ist sehr genügsam. Kein Lot Fleisch ist an ihm zuviel, die -Knochen sind hart, die Hufe klein und fest. Die orientalische oder -morgenländische Rasse, zu der das arabische Pferd in erster Linie -gehört, erinnert also sehr an den dürren, behenden und bedürfnislosen -Beduinen. - -Im Vergleich hierzu ist das abendländische Pferd das gerade Gegenteil. -In den wasserreichen und fruchtbaren Gegenden Westeuropas bildete sich -eine Pferderasse, die etwa an einen übermäßig viel Bier trinkenden -Menschen erinnert. Riesig groß und umfangreich sowie mächtige Glieder, -aber wegen der Aufgedunsenheit weniger schön. Die Hufe wurden auf dem -nassen Boden weich und groß. Zum Schutze gegen die Schneemassen im -Winter bildete sich ein starker Haarschutz. - -Die Rollwagenpferde sind richtige Abendländer, wie es die belgischen, -dänischen Pferde und die Percherons sind. Sie sind Riesen mit -gewaltiger Kraft. Sie gehören dem sogenannten kaltblütigen Schlage an, -weil sie gelassen und ruhig sind. Von der ewigen Unruhe des Arabers -haben sie keine Spur. - -So fromme Tiere sind natürlich dem Landwirt und der Industrie viel -willkommener als die schwer zu behandelnden Orientalen. Die Riesen sind -so schwer und unbeholfen geworden, daß sie kaum noch durchgehen können, -selbst wenn sie es wollen. - -Woher kommt es nun, daß wir in Deutschland nicht lauter abendländische -Pferde haben? - -Die Antwort ist sehr einfach. Ein Reiter will schnell vorwärts kommen, -ebenso sollen Kutschpferde rasch eine Strecke zurücklegen, sonst könnte -man lieber selbst gehen. Man braucht also zu vielen Zwecken ein Pferd -mit raschen Bewegungen. - -Nun haben die Engländer seit vielen Jahrhunderten ihre heimischen -Tiere mit arabischen gekreuzt. Hieraus ist allmählich das Vollblut -entstanden, das äußerst beweglich ist. Mit englischen Pferden haben wir -wiederum unsere heimischen Pferde gekreuzt, so daß wir ein Mittelding -zwischen morgenländischer und abendländischer Rasse besitzen, wie es z. -B. des Droschkenkutschers Liese war. - -Ueber die Farben der Pferde wäre bei dieser Gelegenheit folgendes -zu sagen. Braune haben, wie wir bei der Liese sahen, eine schwarze -Mähne und schwarzen Schweif. Auch die Füße sind gewöhnlich schwarz. -Füchse sind braunrötlich, und zwar sind Mähne und Schweif ebenfalls -braunrötlich, wodurch sich eben der Fuchs vom Braunen unterscheidet. -Falbe haben gelbliche Färbung und zerfallen in eine Reihe von -Unterarten. Pferde mit kohlschwarzem Haar heißen Rappen. Im Gegensatz -hierzu heißen Pferde mit weißem Haar Schimmel. Doch werden Schimmel nur -ausnahmsweise gleich weiß geboren, wie auch die Rappen zunächst grau -sind. Schimmel mit schwarzen Punkten heißen Fliegenschimmel, solche mit -apfelgroßen dunklen Flecken Apfelschimmel. Pferde, die weiß und dunkel -gefärbt sind, heißen Schecken. Manche Schecken haben ein oder zwei -Glasaugen. Während sonst nämlich alle Pferde ein dunkelbraunes Auge -besitzen, sieht die Iris oder Regenbogenhaut bei den Glasaugen hell aus. - -Es ist schwer festzustellen, wie die Sehkraft des Glasauges beschaffen -ist. Möglicherweise sieht ein Pferd mit dem Glasauge gar nichts. Da man -sich vorsehen muß, daß man nicht ein blindes Pferd kauft, so kann ein -Pferd zwei Glasaugen besitzen und trotzdem zur Arbeit verwendbar sein. -Auch beim Hunde ist, wie schon erwähnt wurde (Kap. 9), Blindheit nicht -leicht festzustellen. - -Das Alter des Pferdes kann höchstens auf vierzig Jahre angegeben -werden. Gewöhnlich ist es schon viel früher verbraucht, bei Warmblut -mit 20, bei Kaltblut mit 15 Jahren. Die Tragezeit der Stute beträgt -11 Monate. Zwillinge sind bei Pferden selten und nicht erwünscht. Das -Fohlen läßt man gewöhnlich erst mit drei Jahren arbeiten. - -Wie den Huftieren überhaupt, so fehlt auch den Pferden das -Schlüsselbein. - -Das Gebiß des männlichen Pferdes besteht aus 40 Zähnen, das des -weiblichen aus 36 Zähnen. Den weiblichen fehlen gewöhnlich 4 -Hakenzähne. Beide haben 12 Schneidezähne und 24 Backenzähne. - -Die Größe der Pferderassen ist sehr verschieden. Das englische -Brauerpferd wird über 2 Meter groß, wobei die Höhe des Widerristes, der -höchsten Stelle des Rückens, gemessen wird. Der Shetlandpony dagegen -wird nur 60 Zentimeter hoch. Schwere Pferde wiegen bis zu 15 Zentnern, -mittlere 7 bis 9 Zentner. - -Die Zugfähigkeit des Pferdes ist größer als seine Tragfähigkeit. -Die höchste Rennleistung eines Pferdes ist die Zurücklegung eines -Kilometers in einer Minute. - -Ein Irrtum ist es, daß der Mensch den Pferden die Schnelligkeit -angezüchtet hat. Es ist richtig, daß die Zebras keine Dauerrenner sind. -Es fehlen in Afrika die Hetzraubtiere. Aber die asiatischen Wildpferde -werden von Wölfen gehetzt und sind deshalb von Hause aus Dauerrenner. - - -57. Warum fährt man lieber zweispännig als einspännig? - -Ein Rollwagen, wie wir ihn vor uns haben, braucht natürlich zur -Beförderung seiner schweren Lasten zwei Pferde. Hiervon abgesehen, muß -es aber auffallen, daß zwei Pferde vor dem Wagen weit häufiger sind als -ein einzelnes. Woran liegt das? - -Auch hier gibt uns wieder das Leben der Wildpferde Auskunft. Sie leben -in Rudeln und niemals einzeln. Ein einzelnes Pferd findet sich auch -heute nicht annähernd so wohl wie in Gesellschaft. - -Den Reitern ist diese Eigentümlichkeit des Pferdes, lieber in -Gesellschaft anderer zu sein, manchmal sehr unerwünscht. Sie wollen -sich z. B. von ihren Bekannten, mit denen sie zusammen geritten sind, -trennen. Aber das Pferd will nicht. Es gefällt ihm in Gesellschaft der -anderen Pferde viel besser. Es »klebt«, wie man es nennt. Der Reiter -hat oft große Mühe, einen solchen Kleber zu seiner Ansicht zu zwingen. - -Bei Rennen ist es schon vorgekommen, daß ein führendes Pferd eine -falsche Richtung einschlug, und die nachfolgenden Pferde aus -Geselligkeitstrieb ebenfalls nachfolgten. Selbstverständlich gingen -dadurch die auf die Pferde gesetzten Beträge verloren, wodurch -ärgerliche Auftritte entstanden. - -Pferde, die nicht allein sein können, vermögen ihren Besitzer zur -Verzweiflung zu bringen. So hatte beispielsweise ein Forstwart ein -ausrangiertes Militärpferd gekauft. Dieses wollte durchaus nicht -im Stalle sein und schlug alles kurz und klein. Erst als sein Herr -ihm eine Ziege als Gesellschafterin gab, beruhigte es sich und war -zufrieden. Nach zwei Jahren wollte der Forstwart die Ziege verkaufen. -Er mußte jedoch darauf verzichten, da sein Pferd wiederum zu rasen -begann. - -Die Javaner zeigen sich als gute Tierbeobachter dadurch, daß sie Affen -in Pferdeställen halten, damit die Pferde Gesellschaft haben. - -Nebeneinanderstehende Pferde schaben sich gern. Hierauf werden wir beim -Putzen der Pferde zu sprechen kommen. - - -58. Warum schreien Pferde nicht? Das Wiehern der Pferde. - -Wir haben gesehen, daß die beiden Pferde trotz der heftigsten -Peitschenhiebe nicht schrien. Dagegen heulen geprügelte Hunde manchmal -derartig, daß das ganze Haus zusammenläuft. Wie erklären sich diese -Unterschiede? - -Es wäre für das Pferd sehr vorteilhaft, wenn es schrie, sobald es -Schmerz empfindet. Dann würden die zahllosen Tierquälereien, namentlich -die Pferdeschindereien bei Neubauten, nicht so häufig vorkommen. Der -Grundsatz: Schreien hilft, gilt nicht nur für die Menschen, sondern -auch für die Tiere. - -Wir wissen von den Zebras und andern Wildpferden, daß sie nicht -aufschreien, wenn sie von der Kugel des Forschungsreisenden getroffen -sind. Das Schreien und Brüllen sowie Heulen finden wir überhaupt nur -bei den Tieren, die sich gegenseitig beistehen. Deshalb schreit die -Katze nicht, da sie allein lebt. Umgekehrt heult der Hund, damit ihm -die anderen Hunde beistehen. Man kann auch oft erleben, daß Hunde in -einem kleinen Orte sehr unruhig werden, falls ein Kamerad von ihnen -andauernd geprügelt wird. - -Die Kuh brüllt, wenn ihr das Kalb genommen wird, denn wilde Rinder -stehen sich bei. Dagegen schreit die Stute nicht, falls ihr das Fohlen -geraubt wird. Denn Wildpferde flüchten, stehen sich aber nicht bei. - -Nur ganz ausnahmsweise schreien Pferde. Aber es kommt so selten vor, -daß selbst große Pferdekenner es noch niemals gehört haben. - -Seine Freude dagegen drückt das Pferd durch Wiehern aus. Ueberhaupt -deutet das Wiehern an, daß das Pferd einen Wunsch hat. - -Das Pferd besitzt keine Schnurrhaare wie die Katze, da es niemals in -Löcher kriecht. Dagegen sehen wir am Kinn Tasthaare. Welchen Zwecken -mögen diese dienen? - -Die Wildpferde sind wie die Wildhunde in der Nacht tätig. Im Gegensatz -zu den rein nächtlichen Tieren, wie den Katzenarten, sieht man Zebras -auch am Tage. Aber selbst wenn sie wollten, können sie in der Nacht -nicht schlafen. Zur Nachtzeit geht ihr gefährlichster Feind, der Löwe, -auf Raub aus. - -Die Menschen können sich vor dem Löwen schützen, indem sie sich in -Höhlen zurückziehen und diese verschließen oder auf Bäume klettern, wie -die Affen es tun. Aber die Wildpferde können weder in Höhlen flüchten -noch auf Bäume klettern. - -Wann schlafen denn die Wildpferde, wenn sie in der Nacht auf ihre -Feinde aufpassen müssen und am Tage tätig sind? - -Ein Schlafen, wie es den Menschen eigentümlich ist, finden wir nicht -bei allen Tierarten. Jeder weiß, daß Pferde, die wenig zu arbeiten -haben, z. B. auf der Weide sind, sehr wenig schlafen. Kommt man zur -Nachtzeit in den Pferdestall, so wundert man sich, daß so viele Pferde -wach sind. - -Die Zebras schlafen in Wirklichkeit nur in den Mittagsstunden, wo -sie regungslos unter den Bäumen stehen. Daraus erklärt sich auch die -Zeichnung ihrer Haut, die mit den Schatten der Baumäste übereinstimmt. - -Wildpferde weiden viel in der Dunkelheit. Da das Pferd infolge der -Stellung der Augen das vor seinem Maule Befindliche nicht besonders gut -erkennen kann, so haben die Kinnhaare eine große praktische Bedeutung. -Wenn es den Kopf senkt, um zu weiden, so zeigen ihm die Kinnhaare an, -daß es auf Gräser gestoßen ist. - -Kinnhaare soll man also bei Pferden nicht abschneiden. - -Ebenso ist es nicht ratsam, einem abendländischen Pferde die -Kötenschöpfe abzuschneiden, damit die Leute denken sollen, es sei -ein morgenländisches. Unter Köte versteht man die hintere Seite der -Zehe, und die an den Köten befindlichen Haare werden als Kötenschöpfe -bezeichnet, wie wir sie an den Rollkutscherpferden sehen können, -wo sie sehr üppig wachsen. Jedenfalls soll man sie nicht im Winter -abschneiden, da sie gegen Schnee und Schneewasser einen vortrefflichen -Schutz bilden und dadurch die Mauke, die Entzündung der Köten, -verhindern. - -Unterdessen ist die Sonne ziemlich hochgestiegen und scheint den Tieren -ordentlich auf den Leib. Ist es nun nicht eine Tierquälerei, die Pferde -in der prallen Sonne stehen zu lassen? - -Selbstverständlich wird man sie bei glühender Sonnenhitze in den -Schatten bringen, wenn man eine schattige Stelle in der Nähe hat. Im -übrigen vertragen unsere Haustiere die Hitze ganz verschieden. Ein -Schwein kann schon daran sterben, wenn man es an einem glühend heißen -Sommertage auf den Wagen befördert. - -Dagegen können Pferde furchtbar viel Hitze vertragen. Das kommt daher, -weil ihre Vorfahren seit Urzeiten den erbarmungslosen Strahlen der -Sonne in der Steppe standhalten müssen. - -Niemals wird es daher vorkommen, daß Wettrennen deswegen abgesagt -werden, weil es an dem Tage zu heiß ist. Dabei müssen sich die Pferde -bei den Rennen aufs äußerste anstrengen. Würde ihnen die Hitze -nachteilig sein, so ließe kein Rennstallbesitzer seine Pferde laufen. -Denn er würde sich hüten, sich großen Verlusten auszusetzen. - -Es war von den Tierschutzvereinen sehr gut gemeint, als sie vor etwa -zehn Jahren den Omnibuspferden Strohhüte aufsetzten. Aber sie waren, -wie wir sahen, ganz überflüssig und sind deshalb auch nach kurzer Zeit -verschwunden. - -Uebrigens nennt man bei einem Zweigespann das vom Kutschersitz rechts -befindliche Pferd Handpferd, das linke dagegen Sattelpferd. Denn bei -ziehenden Pferden wird der Reiter stets links sitzen. Das linke Pferd -trägt also Sattel und Reiter, der mit der Hand das rechts befindliche -Pferd lenkt. So erklären sich die Bezeichnungen Sattelpferd und -Handpferd. - - -59. Andere Eigentümlichkeiten des Pferdes. - -Die Rollwagenpferde werden jetzt getränkt, wobei wir sehen, daß etwas -Neid oder wenigstens Mißgunst der Seele des Pferdes nicht ganz fremd -ist. Das dem Brunnen zunächststehende Sattelpferd wird zuerst getränkt, -aber das Handpferd sucht fortwährend seinen Kopf ebenfalls in den -Tränkeimer zu stecken, wozu der Platz nicht ausreicht. - -Es ist merkwürdig, welchen Wert Pferde auf gutes Wasser legen. - -Das kommt daher, weil die Wildpferde täglich in der Steppe zur Quelle -laufen und dort sehr gutes und klares Wasser trinken. - -Ein Gestüt, das kein gutes Wasser besitzt, wird niemals auf die Dauer -große Erfolge erzielen. - -Der Hund als früheres Raubtier muß dagegen aus jeder Pfütze trinken -können und wird deshalb nicht krank, wie ein Pferd, wenn er dauernd -schlechtes Wasser bekommt. - -Jeder Kutscher weiß übrigens, daß die Pferde gewisse Brunnen bevorzugen -und das Wasser von manchen Brunnen nicht saufen mögen. - -Während wir noch stehen und zuschauen, kommt eine Kutsche vorbei, deren -Pferde Aufsatzzügel tragen. Durch den Aufsatzzügel wird den Pferden -die Möglichkeit genommen, den Kopf nach unten zu senken und wieder -nach oben zu bringen, wie es alle Pferde tun. Dieses »Tunken« mit dem -Kopfe finden manche Leute nicht schön. Sie bringen deshalb durch den -Aufsatzzügel den Kopf des Pferdes dauernd hoch. Das soll nach der -Ansicht dieser Pferdekenner einen vortrefflichen Eindruck machen. - -Jeder Mensch, der sich eingehend mit dem Tierleben beschäftigt, wird -zu einem ganz anderen Ergebnis gelangen. Das Tunken mit dem Kopf beim -Pferde hat natürlich einen Zweck, und zwar einen sehr wichtigen. Wir -sprachen früher davon, daß wilde Pferde stets gegen den Wind laufen, -um vorher einen etwaigen Feind zu wittern. Dieses Mittel ist ohne -Frage ausgezeichnet. Denn das Riechvermögen des Pferdes ist so gut -wie das eines Hundes, obwohl es den wenigsten Menschen bekannt ist. -Trotzdem kann es vorkommen, daß ein auf dem Boden lauerndes Raubtier -nicht gerochen wird. Wie wir das nicht sehen können, was hinter unserem -Rücken ist, so kann das Pferd das nicht riechen, was am Boden sich -an Gerüchen entlangzieht. Weht also der Wind die Ausdünstung des am -Boden liegenden Wolfes der Pferdenase entgegen, so kann diese leicht -nichts davon merken, wenn sie stets in Kopfhöhe bleibt. Dann geht die -Raubtierausdünstung durch die Beine durch. - -Um das zu verhindern, tunkt das Pferd. Es senkt den Kopf, um -rechtzeitig die Anwesenheit eines am Boden lauernden Feindes -wahrzunehmen. - -Selbstverständlich ist es eine große Tierquälerei, einem Haustiere die -seit Urzeiten geübten Vorsichtsmaßregeln unmöglich zu machen. Es ist -kein Wunder, daß Pferde mit Aufsatzzügeln erst recht zum Scheuen neigen. - -Was würden wir Menschen sagen, wenn wir durch einen Kopfhalter -gezwungen wären, stets geradeaus zu sehen, ohne uns nach rechts oder -links umschauen zu können, wie wir es doch von jeher gewöhnt sind! - -Der Aufsatzzügel muß also als Tierquälerei bezeichnet werden. Hier -können Tierschutzvereine segensreich wirken, wenn sie für seine -Abschaffung eintreten. - -Aus dem Leben der Wildpferde erklärt sich ferner der Satz: Hüte dich -vor den Vorderbeinen des Hengstes und vor den Hinterbeinen der Stute. - -Der Hengst als Beschützer seines Rudels greift eben den Feind, -namentlich den Wolf, mit den Vorderbeinen an. Auch packt er ihn mit -den Zähnen, weshalb gerade Hengste bissig zu sein pflegen. Die Stute -dagegen verteidigt sich und ihr Fohlen durch Auskeilen nach hinten. - -Es erklärt sich hieraus ferner, daß bösartige Pferde die Ohren -zurückziehen. Wollen nämlich zwei Pferde miteinander kämpfen, so suchen -sie zu verhindern, daß der Gegner sie mit den Zähnen an den Ohren -packt. Aus diesem Grunde ziehen sie die Ohren zurück. - -Sieht man also, daß ein Pferd die Ohren zurücknimmt, so ist immer -Vorsicht am Platze. Das ist z. B. bei manchen Pferden der Fall, wenn -sie fressen. Alle Tiere sind bei ihrer Mahlzeit mehr oder weniger -angriffslustig. Katzen fauchen, wenn sie gerade einen besonders schönen -Bissen fressen, Hunde können ihren eigenen Herrn beißen, falls er ihnen -einen Knochen fortnehmen will, und selbst sonst fromme Pferde sind -nicht immer beim Fressen zuverlässig. - - -60. Kummet- und Sielengeschirr. Warum ist das Fahren älter als das -Reiten? - -Die Rollwagenpferde haben, wie wir sahen, ein Kummetgeschirr, also ein -Geschirr, das um den Hals läuft. Die Kutschpferde dagegen, auch die -Droschkenkutschpferde, haben gewöhnlich ein solches Kummetgeschirr -nicht. Hier ziehen die Pferde nur mit der Brust, da sie ein -Sielengeschirr haben. - -Es ist augenscheinlich, daß ein Pferd im Kummetgeschirr viel besser -ziehen kann als im Sielengeschirr. Wenn man trotzdem Kummetgeschirre -nur bei schweren Lastwagen sieht, so liegt das daran, daß ein -Kummetgeschirr nichts taugt, wenn es nicht gut paßt. Gerade damit -hapert es aber gewöhnlich. - -Während wir uns die Rollwagenpferde ansehen, kommt ein Reiter vorbei, -und wir können uns so recht den Unterschied zwischen einem schweren -Pferde des abendländischen Schlages und einem leichten Pferde des -morgenländischen Schlages vergegenwärtigen. Die gewaltigen Formen der -Wagenpferde mit ihren plumpen dicken Beinen stehen im Gegensatz zu den -schlanken Beinen des geschmeidigen Reitpferdes. - -Man sollte meinen, daß der Mensch, der zuerst das Pferd gezähmt hat, -es zunächst als Reittier und erst später als Zugtier verwendet hat. -So wird es auch vielfach geschildert, obwohl es mit den Tatsachen -nicht übereinstimmt. Wir haben eine genaue Kunde von den Wagenkämpfen -der alten Griechen, die vor etwa drei Jahrtausenden stattfanden. Aber -niemand reitet dort, obwohl die Kunst des Wettfahrens in hoher Blüte -stand. - -Der Grund liegt darin, daß jeder Pflanzenfresser den Druck auf dem -Rücken sehr unangenehm empfindet. Denn er muß sofort an ein Raubtier -denken, das ihm auf den Rücken springt. Deshalb muß auch heute noch -ein Pferd erst zugeritten werden, obwohl es sich seit Jahrtausenden -als Haustier endlich daran gewöhnt haben müßte. Das Ziehen dagegen ist -dem Tiere viel weniger unangenehm, da es seit Urzeiten daran gewöhnt -ist, die vor seiner Brust befindlichen Hemmnisse fortzuschieben, also -Gebüsche u. dgl. - -Alle Tiere lassen sich daher viel leichter zum Fahren abrichten als -zum Reiten, so Elche, Renntiere, Wildrinder usw. Deshalb ist auch das -Fahren viel älter als das Reiten. - - -61. Warum läuft das Pferd gerade und der Hund schräg? - -Während wir dem Reiter nachschauen, fällt uns auf, daß sein Pferd ganz -anders die Beine setzt wie ein daneben laufender Hund. Wie alle Pferde, -die gesunde Beine haben, setzt es die Beine so, daß eine unter dem -Bauche der Länge nach befindliche gerade Linie von den Beinen nicht -berührt werden würde. Die rechts befindlichen Beine bleiben eben rechts -und die links befindlichen links. Bei dem Hunde aber könnten wir eine -solche gerade Linie nicht ziehen, ohne daß sie von den Zehen berührt -würde. Woher kommt diese Verschiedenheit im Laufen? - -Wie das Pferd die Beine setzt, erscheint uns naturgemäß. Dagegen ist -das Durcheinanderwirbeln der Beine beim Hunde nach unsern Begriffen -höchst merkwürdig. - -Nebenbei sei folgendes bemerkt. Hat man ein Pferd künstlich dazu -abgerichtet, die Beine derselben Seite gleichzeitig vorzusetzen -- im -natürlichen Zustande geschieht es abwechselnd -- so spricht man von -einem Paßgange. Diese Gangart ist manchen Tieren natürlich, z. B. der -Giraffe, was sich aus dem Bau ihres Körpers ergibt. Pferde mit Paßgang -nennt man Zelter. Sie werden wegen ihres gleichmäßigen Ganges sehr von -den Damen bevorzugt. - -Das schräge Laufen des Hundes ist, wie wir uns schon denken können, ein -Erbteil aus der Zeit seines früheren Räuberlebens. Noch heute setzt der -Fuchs seine Spur in *eine* Linie. Der Jäger sagt recht treffend: der -Fuchs schnürt. Im Schnee sehen seine Fußstapfen wie eine Schnur aus. - -Das Schnüren ist für das Raubtier eine Lebensfrage. Es will sich -seinem Opfer nähern, ohne vorher gesehen oder gewittert zu werden. -Zu diesem Zwecke sucht beispielsweise der Fuchs stets die tiefsten -Stellen auf. Er geht über einen Acker, indem er die Ackerfurchen -benutzt. Kommt er an einen Graben, so springt er hinein und läuft auf -der Sohle des Grabens weiter. Ja, auf Fahrwegen läuft er aus Vorsicht -regelmäßig die Wagenspuren entlang, weil diese die tiefsten Stellen der -Straße ausmachen. Der Hund ist früher ebenfalls in der gleichen Weise -gelaufen. Obwohl er jetzt nicht mehr auf Raub ausgeht, so läuft er doch -noch auf dem Bürgersteig schräg. Man ersieht daraus, wie unausrottbar -die dem Haustiere überkommenen Gewohnheiten haften. - -Manche Hunde laufen noch heute mit Vorliebe in einer Wagenspur. Es -ist sogar anzunehmen, daß das sogenannte Hinken der Hunde hiermit -im Zusammenhang steht. Früher haben die Menschen die Tiere weit -aufmerksamer beobachtet. Es gibt sogar einen Vers, in dem es heißt, -daß sich niemand an das Hinken der Hunde kehren soll. Unsere Vorfahren -hielten also das Hinken der Hunde für eine Heuchelei. -- Heute kann -man zahlreiche Kulturmenschen fragen und wird hören müssen, daß ihnen -niemals das Schräglaufen der Hunde, noch weniger aber das Hinken -- und -zwar das grundlose Hinken -- aufgefallen ist. - -Obwohl das Bein ganz gesund ist, hebt es der Hund beim Laufen hoch und -läuft auf drei Beinen weiter. Regelmäßig ist es ein Hinterbein. - -Wir wissen, daß der Hund seiner alten Raubtiernatur gemäß gern in einer -geraden Linie, womöglich in einem Gleise, laufen möchte. Ist er nun -durch gute Pflege, wie es vor dem Weltkriege üblich war, gut im Stande, -so ist das Laufen in der geraden Linie für ihn nicht leicht. Um es -dennoch durchzuführen, hebt er einen Hinterfuß hoch. - -Das Pferd als friedlicher und harmloser Pflanzenfresser hat sich an -keine Opfer anzuschleichen. Es hat auch auf der Steppe stets genügenden -Platz und braucht nicht wie ein Gebirgstier häufig auf einem schmalen -Pfade zu wandeln. Das Pferd hat also im Gegensatz zum Hunde seinen -natürlichen Gang beibehalten. - - -62. Die naturgemäße Fütterung der Pferde. Das Koppen. - -Der Droschkenkutscher hatte sein Pferd mit Hafer und Häcksel gefüttert. -Warum füttert man das Pferd ausgerechnet mit Hafer und nicht mit Weizen -oder Gerste? - -Selbst die reichsten Leute werden ihre wertvollsten Pferde, -beispielsweise erfolgreiche Rennpferde, nicht mit Gerste, geschweige -denn mit Weizen füttern. Zwar lese ich bei einem sehr angesehenen -Naturforscher, daß ein Bauer, dem der Hafer mißraten war, seine Pferde -mit Gerste gefüttert hätte. Ich will nicht bezweifeln, daß das für ein -Jahr ohne Nachteil abgelaufen ist. Im allgemeinen wird man aber auf die -Dauer keine Freude an dieser Futterart haben. - -Der Grund hierfür ist folgender: Tiere, die aus einer armen Gegend -stammen, sind für die Gewächse dieser Gegend passend gebaut. Hierhin -gehören beispielsweise unser Pferd, das Schaf, das Kamel usw. Man -könnte sie als Magerfresser bezeichnen im Gegensatz zu dem in den -fruchtbaren Niederungen heimischen Schwein. Es ist bekannt, daß Kamele, -die man in fruchtbare Länder versetzt, dort nicht etwa Prachtkamele -werden, wie die Durchschnittsmenschen meinen, sondern sterben. - -Das Pferd stammt aus der Steppe, also einer Hungerleidergegend. -An sich dürfte es nur mit Gräsern und nur im Herbste mit Körnern -gefüttert werden. Das ist aber deshalb ganz unmöglich, weil wir dem -Pferde künstlich eine Größe angezüchtet haben, die das Wildpferd nicht -besitzt. Diese Größe muß erhalten werden, und das kann nur durch -reichliches Futter geschehen. - -Sodann lassen wir das Pferd viel und schwer arbeiten, während das -Wildpferd nach unseren Begriffen den Tag über bummelt. Auch dieses -schwere Arbeiten erfordert eine entsprechend bessere Fütterung. - -Hafer ist das Gewächs eines kärglichen Bodens, und deshalb ist Hafer -das bekömmlichste Futter für Pferde. - -Weil Pferde ursprünglich Gräserfresser waren, deshalb fehlt ihnen bei -ausgesprochenem Körnerfutter die zur Füllung des Magens erforderliche -Menge. Um dieses Unbehagen zu beseitigen, sind die Pferde auf ein ganz -merkwürdiges Auskunftsmittel verfallen. Sie pumpen sich Luft in den -Magen ein, was wir als »Koppen« bezeichnen. Hiergegen sind unzählige -Mittel angewendet worden, doch wird man nicht behaupten können, daß sie -großen Erfolg gehabt haben. Das Koppen ist einfach eine Folge der nicht -naturgemäßen Fütterung. Den Russen war es schon längst bekannt, daß -ihre an Gräser gewöhnten Steppenpferde zu koppen begannen, sowie sie -Körnerfutter erhielten. - -Sehr häufig hört man Tierfreunde jammern, daß ein Pferd nicht in Ruhe -fressen kann, wenn ein Fahrgast in eine Droschke einsteigt, während -das Pferd noch nicht mit Fressen fertig ist. Diese Klage ist grundlos. -Das Pferd als Pflanzenfresser muß fortwährend auf der Hut sein, ob ein -Feind es nicht überfällt. Sein Leben zerfällt also in folgender Weise: -Etwas fressen, dann plötzlich laufen, wieder etwas fressen, dann wieder -laufen und so weiter. - -Eine Störung beim Fressen schadet also einem Pflanzenfresser wenig, -ganz besonders wenig aber einem Pferde. Wir verstehen jetzt, daß das -Pferd einen auffallend kleinen Magen hat. Es ist ganz verfehlt, wenn -der Landwirt klagt: »Wie konnte der liebe Herrgott einem so großen -Tiere einen so kleinen Magen geben!« Hätte das Pferd ein schneller -Renner sein können, wenn es einen großen Magen besäße, der bis oben -heran voll gefüllt war? Gewiß nicht. Wir wissen ja, daß ein voller -Bauch nicht gern studiert. Würde der Mensch sich nach der Lebensweise -der Wildpferde richten, so würde er zwei Fliegen mit einer Klappe -schlagen, nämlich folgende zwei: - -Erstens würde er durch möglichst häufiges Füttern -- wie es bereits die -gewitzigten Pferdehändler tun -- weniger Futter brauchen. Wie Versuche -an Militärpferden ergeben haben, leistet ein Pferd dieselben Dienste -wie früher bei weniger Futter, wenn es nur häufiger gefüttert wird. - -Sodann würde die Kolik, dieser ewige Alp der Pferdebesitzer, ebenso -andere Krankheiten, die auf Ueberfütterung beruhen, ganz gewaltig -zurückgehen. - -Im Gegensatz zu den Pflanzenfressern wollen alle Raubtiere ihre Beute -in Ruhe verzehren, da sie es so in der Natur gewöhnt sind. Sie sind -deshalb sehr empfindlich gegen Störung. Auch Wiederkäuer wollen beim -Wiederkäuen nicht gestört sein, da sie in diesem Zustande als wilde -Tiere irgendwo in einem Gebüsch oder an einer verborgenen Stelle -liegen. - - -63. Geht es auch ohne Peitsche? - -Die Rollwagenpferde müssen jetzt wieder anziehen und erhalten einige -kräftige Hiebe mit der Peitsche. Wie wir schon aus der Ladung vermuten -konnten, geht die Fahrt nicht weit. Bereits nach einigen Häusern wird -halt gemacht. Die Pferde müssen hier das Abladen gewöhnt sein, denn sie -halten aus eigenem Antriebe an. - -Da bei manchen tierfreundlichen Völkern des Morgenlandes Peitsche und -Sporen nicht zur Anwendung gelangen, so ist die Frage naheliegend, ob -wir nicht auch ohne diese Werkzeuge auskommen könnten. - -Es wäre das in der Tat sehr schön, aber bei unseren deutschen Pferden -ist mit bloßen Worten nichts zu erreichen. Ich habe verschiedene -tierfreundliche Landwirte kennengelernt, die ohne Peitsche das Pferd -ziehen lassen wollten. Aber auf die Dauer geht es nicht. Das Pferd -bleibt plötzlich stehen und scheint zu sagen: »Ich habe heute genug!« -Auch wenn man keine Sporen am Stiefel hat, ist man machtlos. - -Also Peitsche und Sporen sind tatsächlich bei unseren Pferden, soweit -man sich darüber ein Urteil erlauben darf, erforderlich. Damit ist aber -das grundlose rohe Peitschen nicht entschuldigt, ebenso ist damit nicht -gesagt, daß nicht allmählich auf diesem Gebiete eine Besserung möglich -wäre. - -Das Anhalten der Pferde aus eigenem Antriebe an Stellen, wo ihr Herr -zu rasten pflegt, ist eine allbekannte Erscheinung. Merkwürdigerweise -legt man hierbei wiederum den Pferden Absichten unter, die ihnen -ganz fern liegen. So kann man mit ernster Miene erzählen hören, daß -ein Pferd seinen Reiter zur Wohltätigkeit zwang. Das kam nämlich -folgendermaßen. Es lieh sich jemand ein Pferd von einem Manne, der -wegen seiner Wohltätigkeit bekannt war. Der Reiter, der es sehr eilig -hatte, war sehr bestürzt darüber, daß das Pferd vor jedem Bettler, der -den Hut zog, stehen blieb und nicht eher weiterging, bis er dem Bettler -eine Kleinigkeit gegeben hatte. Richtig ist folgender Tatbestand. Das -Pferd bleibt vor einem den Hut ziehenden Menschen stehen und geht nicht -eher weiter, als bis sein Herr eine Münze gegeben oder wenigstens eine -Handbewegung gemacht hat, die hierauf schließen läßt. Mit Wohltätigkeit -hat das nicht das mindeste zu tun. Das Pferd will lediglich stehen -bleiben, und zwar möglichst lange stehen bleiben. Denn wenn es auch -seine Arbeit verrichtet, so ist ihm Ruhe noch lieber. - -Das Pferd hält also nicht an, damit der Mensch ein Vergnügen hat, etwa -in das Wirtshaus geht oder seinen Freund besucht, sondern lediglich -seinetwegen, damit es eine Ruhepause hat. Das ist eigentlich auch ganz -selbstverständlich. - -Wiederum ziehen die Rollpferde an und entschwinden unsern Augen, als -sie um die Ecke wenden. Etwas haben wir doch von ihnen gelernt. - - -64. Die Feinde des Pferdes. - -Schon früher haben wir erwähnt, daß für die Wildpferde außer dem -Menschen der schlimmste Feind der Tiger ist. Ebenso ist bereits der -Angriff der Wölfe auf eine Pferdeherde geschildert worden. Auch der Bär -tritt in einzelnen Gegenden, z. B. am Ural als gefährlicher Feind der -Pferde auf. - -Den großen Katzen gegenüber ist das Pferd regelmäßig verloren. Zebras -wagen gegen den Löwen, der sie überfallen hat, gar keinen Kampf. Nur -einmal habe ich davon gelesen, daß ein Zebra durch einen glücklichen -Hufschlag den König der Tiere getötet hatte. Da der Löwenschädel mit -dem eingeschlagenen Stirnbein gefunden wurde, ist an der Wahrheit des -Vorganges nicht zu zweifeln. Man kann daraus die ungeheure Kraft der -Hinterfüße der Einhufer erkennen. Denn der Löwenschädel ist besonders -hart. - -Nach den Schilderungen mancher Reisenden sollen die Hengste gegen den -Bären aufgerichtet losgehen und ihn mit den Vorderhufen niedertrommeln. -Das werden jedenfalls nur Ausnahmefälle sein. - -Der Durchschnittswolf wird ein Durchschnittspferd wohl überwältigen, -namentlich wenn es angespannt ist und sich nicht verteidigen kann. -Immerhin gibt es Pferde, die jeden Wolf in die Flucht schlagen. Ein -glaubwürdiger Bericht meldet sogar von einem Pferde, das gegen mehrere -Wölfe siegreich blieb. Er soll hier eine Stelle finden: - -Wegen der Unsicherheit der Reisenden und der Fuhrleute während der -Zeit des ganz Deutschland verheerenden Dreißigjährigen Krieges -pflegten die Frachtfahrenden sich zahlreich zu vereinigen, um durch -gemeinschaftliche Wehr sich besser verteidigen zu können. Einer von -diesen Fuhrleuten hatte ein Pferd, das in allen Ställen Händel anfing, -um sich schlug und biß. Sein Herr selbst war nicht sicher dabei, und -hatte oft mit seinen Kameraden deshalb Ungelegenheit. Als einst dieser -vereinigt mit andern Fuhrleuten gegen Abend an einem Gebirge und hohlen -Wege von drei heißhungrigen Wölfen angefallen wurde, mit denen sie -lange zu streiten hatten, und die sich nicht ohne Beute abweisen lassen -wollten, wurden die Fuhrleute einig, dem erwähnten Fuhrmanne sein Pferd -zu bezahlen, um es den Wölfen preiszugeben. Dieser spannte es auch nach -dem Vergleich sofort aus. Die hungrigen Wölfe machten sich sogleich an -diese Beute, das Pferd aber schlug um sich, riß aus und ging waldein. -Die Fuhrleute eilten indes in Sicherheit und freuten sich, bei dieser -Gelegenheit ein unbändiges Roß aus ihrer Mitte entfernt zu sehen. - -Abends, da sie in dem Wirtshaus zu Tische sitzen, klopft etwas an, und -da die Magd die Obertür aufmacht, reckt das Pferd den Kopf hinein. Die -Magd erschrickt, schreit überlaut und ruft die Fuhrleute herbei; diese -freuten sich sehr, den heldenmütigen Ueberwinder dreier Wölfe, zwar -sehr verletzt, aber doch seinem Herrn getreu zu erblicken. Sie vergaben -ihm von dieser Zeit an gern seine übrigen bisher verübten Unarten. - -Die vorstehende Erzählung scheint deshalb glaubhaft zu sein, weil -gerade ein bissiges, unbändiges Pferd sich am besten gegen Raubtiere -verteidigen wird. - -Als Feind der Pferde ist noch die Panik zu erwähnen, die angeblich -grundlos manche Herden halbwilder Pferde in Südamerika überfällt -und sie zu einer rasenden Flucht veranlaßt, wobei viele in Abgründe -stürzen. Wahrscheinlich ist diese Panik nur ein gemeinsames Durchgehen -der Herden und hat ihren Grund in Dingen, die unsern stumpfen Sinnen -entgehen. - - -65. Warum können Fohlen gleich auf den Beinen stehen? - -Ein guter Bekannter hat uns die Erlaubnis erteilt, uns sein einige Tage -altes Fohlen anzusehen. Diese Gelegenheit wollen wir uns nicht entgehen -lassen. - -Ein neugeborenes Fohlen ist, wie die meisten jungen Tiere, ein -allerliebstes Geschöpf. Es schaut noch so vertrauensvoll in die Welt -und ahnt noch nicht, was ihm alles droht. Es fällt uns besonders auf, -daß es schon laufen kann, sodann, daß es so lange Beine besitzt, und -schließlich sein wolliges Haar. - -Warum liegen junge Hunde und Katzen wochenlang, ehe sie ordentlich -laufen können, während junge Pflanzenfresser, also Fohlen, Kälber, -Zicklein und Lämmer gleich auf den Beinen stehen können? Junge Hunde -und Katzen entwöhnt man gewöhnlich erst nach sechs Wochen. - -Auch hier gibt uns wieder die Lebensweise der wilden Verwandten -Aufschluß. - -Hunde und Katzen sind früher Raubtiere gewesen. Wer soll der -Wildhündin, die mit ihren Jungen in einer Höhle liegt, etwas Böses -antun? Aehnlich liegt die Sache bei der Wildkatze. Die Anzahl der -Feinde ist sehr klein, und die Gefahr, falls die Mutter anwesend ist, -sehr gering. - -Ganz anders liegt die Sache bei den Pflanzenfressern. Zwar können -sich die meisten gegen schwache Feinde verteidigen, aber gegen große -Feinde sind sie machtlos. Gegen einen Löwen kann beispielsweise eine -Zebraherde nichts ausrichten. - -Würden die Fohlen, Kälber und andere junge Pflanzenfresser ebenso -unbeholfen sein wie junge Hunde und Katzen, dann wären sie längst -ausgerottet. - -Da die Pferde viel leichter flüchten als die wehrhaften Rinder, so -müssen die Fohlen bald nach der Geburt mit der Herde bereits wandern -können. - -Jetzt verstehen wir die unverhältnismäßig langen Beine des Fohlens und -seine Fähigkeit, schon so jung laufen zu können. - -Unser Bekannter, Herr Glänisch, erzählt uns noch allerlei von seinen -Pferden. So erfahren wir, daß die Stute 7 Jahre alt ist, wer der Vater -des Fohlens ist u. dgl. - -Die Frage liegt nahe, weshalb bei den meisten Haustieren der Vater sich -nicht um die Aufzucht der Jungen kümmert. - -Wir sehen in der Tierwelt, daß manche Väter sich aufopfern. So -schleppen manche Vogelmännchen von früh bis spät Futter für die -Jungen zu. Beispielsweise ist auch der Schwan ein guter Vater. Aber -Hahn, Erpel, Hund, Kater usw. denken wenig daran, sich um ihre -Nachkommenschaft zu kümmern. - -Da bei den freilebenden Tieren, z. B. den so häßlichen Affen, die -Männchen außerordentlich gute Väter sind, so können wir nur folgendes -sagen: Die Natur arbeitet überall mit den einfachsten Mitteln. Wenn der -Vater nicht nötig ist, um die Jungen groß zu ziehen, so kümmert er sich -nicht um sie. - -Bei uns Menschen ist die Hilfe des Vaters unbedingt erforderlich, um -die Kinder groß zu ziehen. Aber was bei den Menschen der Fall ist, -braucht noch nicht bei den Tieren zuzutreffen. - -Herr Glänisch erzählt uns noch mancherlei von seinen Erlebnissen mit -Pferden. Er hält sie nicht für besonders klug. Beweisend ist für ihn -folgendes. Er war bei dem Brande eines Stalles zugegen und half, die -Pferde retten. Da geschah nun das Unglaubliche, daß die geretteten -Pferde in den Stall zurücklaufen wollten. - -Wir wollen Herrn Glänisch nicht widersprechen, zumal wir uns -verabschieden müssen und keine Zeit zu einer Auseinandersetzung haben. -Aber die Sache liegt doch noch etwas anders. Wenn die klugen Menschen, -sobald ein Boot zu kippen beginnt, alle aufspringen und dadurch erst -das Boot zum Umschlagen bringen, dann fällt es niemand ein, den -Insassen wegen ihrer unbegreiflichen Dummheit Vorwürfe zu machen. Der -Mensch rettet sich bei Gefahr durch Aufspringen und Flüchten. Das ist -auf dem Lande richtig, aber grundverkehrt im Boote. - -So begeht auch das Pferd genau dasselbe wie der Mensch. Es will sich -in Gefahr nicht trennen von seinen Kameraden, wie es das seit Urzeiten -getan hat. Das ist für uns sehr ärgerlich, aber vom Standpunkte des -Pferdes aus begreiflich. - - -66. Geschichten von Pferden. - -Die Araber, die als die besten Pferdekenner gelten, haben eigentlich -nur Lobsprüche für das Pferd. Die Unterhaltung der Männer am -Lagerfeuer dreht sich fast ausschließlich um das Pferd, was nach -unsern Anschauungen etwas einseitig ist. Von den Lobeserhebungen der -Araber seien hier einige angeführt: »Sage mir nicht, daß dieses Tier -mein Pferd ist, sage, daß es mein Sohn ist. Es läuft schneller als der -Sturmwind, schneller noch als der Blick über die Ebene schweift. Es -versteht alles wie ein Sohn Adams, nur daß ihm die Sprache fehlt.« - -Das sind natürlich unglaubliche Uebertreibungen, aber sie sind vom -Standpunkte eines Wüstenvolkes aus verständlich. Die arabische Wüste -wäre ohne das Pferd unbewohnbar. Ein arabisches Pferd kann ohne Wasser -zwei bis drei Tage laufen und begnügt sich erforderlichen Falls mit -Wüstengräsern. - -Wie behandelt aber auch der Araber sein Pferd? Er schlägt es niemals -und bindet es niemals kurz an. - -Alexander der Große ließ zu Ehren seines schon erwähnten Pferdes für -die ihm geleisteten treuen Dienste eine Stadt gründen. Er muß also sehr -hoch vom Pferde gedacht haben. - -Bei uns nennt man einen dummen Menschen ein »Roß«. Vielfach hört man -die Ansicht: Das Pferd ist ein furchtbar dummes Geschöpf, nur hat es -ein vortreffliches Gedächtnis. - -Es ist merkwürdig, daß ausgerechnet eine Dame, eine vortreffliche -Pferdekennerin, sehr vernünftige Ansichten über das Pferd geäußert -hat. Sie liebt die Pferde, aber sie beschönigt nicht, wie es andere -Pferdeliebhaber tun. Von ihren Schilderungen sei hier folgende -angeführt: - -Eines meiner ersten Pferde war ein russischer Doppelpony, namens -Sascha, das ungezogenste Geschöpf, das man sich vorstellen kann. Da -er aber gleichzeitig bildschön und hervorragend klug war, konnte man -dem kleinen Kerl nicht böse sein. Im Stall hatte er so ziemlich alle -Untugenden, die bei Pferden vorkommen. Vorn biß er, hinten schlug -er aus; Anhängen war bei ihm ganz vergeblich, da er jedes Halfter -abstreifen konnte. Hatte man ihn in einem Laufstand untergebracht, so -war es für ihn ein Kinderspiel, die Türe zu öffnen. Ich beobachtete -ihn einmal, wie er den Riegel seiner Boxtür mit dem Maul zurückschob. -Darauf ging er zur Haferkiste. Diese öffnete er, indem er den Deckel -mit der Stirn hob und zurückwarf. Den Hafer ließ er sich dann recht gut -schmecken! - -Beim Reiten versuchte Sascha so ziemlich alles, um seine eigenen Wege -gehen zu können. Sporenstiche wurden regelmäßig mit einem Biß in die -Füße beantwortet. Im Wagen war es seine Stärke umzudrehen, sobald er -genug hatte, und das war leider recht oft der Fall. Da er natürlich -bei solchen Gelegenheiten ordentliche Prügel bekam, so machte er diese -Versuche in der Folge immer an solchen Plätzen, wo man sich in einen -Kampf mit ihm nicht einlassen konnte. Mit wirklich teuflischer Bosheit -blieb er z. B. mitten im Trabe am Rande eines steilen Abhangs stehen -und war nicht mehr zu bewegen, einen Schritt vorwärts zu gehen. Er -stieg kerzengerade in die Höhe, bewegte sich nur mehr rückwärts und -brachte den Lenker damit in Gefahr, mitsamt dem Wagen in den Graben -zu stürzen. Einmal überschlug er sich nach rückwärts und fiel auf -mich in den Wagen. Sehr beliebt war auch das Stehenbleiben mitten am -Marktplatz oder sonst an einem belebten Ort, weil er wußte, daß man ihn -der Leute wegen nicht so streng bestrafen würde und er mich dadurch -besonders ärgern konnte. Es bedurfte eines Studiums, Sascha bei solchen -Gelegenheiten wieder in Bewegung zu setzen. Ich hatte mir mit der Zeit -seinen Tücken gegenüber eine solche Festigkeit angeeignet, daß Sascha -diese Witze nur mehr selten mit mir versuchte. Der Kutscher hingegen -brachte ihn oft nicht zwei Kilometer weit. Bei mir genügte es später, -daß ich ihm vor jeder Fahrt einen Stock zeigte, der mitgenommen wurde. -Dieser Stock mußte aber wirklich mit sein, sonst wurde er wieder frech. - -Sascha war bei weitem das gescheiteste Pferd, das ich je gekannt. Nicht -nur, daß ich ihm Zirkuskunststücke, wie niederknieen, steigen, auf -den Hinterbeinen gehen im Handumdrehen beibringen konnte, er zeigte -auch seinen Verstand mehr als einmal in hinterlistigen, vollkommen -überlegten Handlungen. Zweimal versuchte Sascha sich durch Verstellung -vom Dienste zu befreien. Diese beiden Fälle sind durchaus wahr und -mehreren Zeugen bekannt. - -Er sollte eines Tages für mich gesattelt werden; da kam der Reitknecht -und meldete, Sascha könne auf keinem Bein stehen, da er vollständig -lahm sei. Wir stürzten in den Stall und sahen den armen Sascha ganz -traurig und hilflos in seiner Box stehen, abwechselnd jedes Bein -schonend. Mit vieler Mühe zogen wir ihn heraus und brachten ihn in -die Reitbahn. Hier fiel er beinahe um. Wir schickten zum Tierarzt und -ließen den Pony, der sich anscheinend überhaupt nicht bewegen konnte, -allein in der Bahn zurück. - -Nach einiger Zeit ging ich voll Sorge nach dem guten Sascha sehen. -Innerlich machte ich mir die bittersten Vorwürfe über die strenge -Behandlung, die ich ihm manchmal zuteil hatte werden lassen, und bat -ihm im stillen alles ab. Wer beschreibt aber mein Erstaunen, als ich -mit wehmütigen Gefühlen die Bahntür öffnend, den todkranken Sascha ganz -fidel herumspringen sah! Nicht die leiseste Spur von einer Lahmheit -war mehr zu bemerken. Das Einfangen gestaltete sich zur wilden Jagd; -er schlug vorn und hinten aus und vier Personen arbeiteten im Schweiße -ihres Angesichts, um seiner habhaft zu werden. Die Absicht, sich durch -Vorschützen von Lahmheit dem Dienste zu entziehen, lag hier ganz klar -zutage. Ein späteres Vorkommnis bewies, daß wir uns in dieser Annahme -nicht getäuscht hatten. - -Ich hatte mit meiner Gesellschafterin eine Schlittenfahrt unternommen. -Sascha schien übler Laune zu sein und nach etwa einer Stunde benützte -er die Gelegenheit, uns beim Passieren einer hohen Schneewehe -umzuwerfen. Nachdem ich mich aus den verschiedenen Decken, Kissen und -Fußsäcken herausgearbeitet hatte, sah ich den lieben Sascha im vollen -Galopp um die nächste Straßenecke verschwinden. Ich überließ die -wehklagende Gesellschafterin, der natürlich gerade so wenig zugestoßen -war wie mir, ihrem Schicksal und machte mich an die Verfolgung Saschas. - -Es dauerte gar nicht lange, bis ich den Ausreißer wieder fand. -Bei einer scharfen Wegbiegung war Sascha offenbar gegen einen -Alleebaum angerannt und lag nun, alle Viere nach oben gestreckt, im -Straßengraben. Er rührte kein Glied, und ich befürchtete wirklich, -daß er tot sei. Als ich noch überlegte, was zu tun sei, kam Hilfe in -Gestalt eines Gendarmen, der zwei Handwerksburschen transportierte. -Freundlicher Weise stellte er sich und seine Gefangenen gleich zu -meiner Verfügung. Bei näherer Betrachtung Saschas meinte aber auch der -Gendarm, da sei nichts zu machen, denn das Tier habe sich das Genick -gebrochen. So ohne weiteres wollte ich das nach den bereits mit Sascha -gemachten Erfahrungen nicht glauben, und wir gingen daran, den Pony von -Geschirr und Schlitten zu befreien. Er rührte sich noch immer nicht, -hielt die Augen halb geschlossen; wenn man ihm ein Bein bewegte, fiel -es schlaff in die alte Lage zurück. Gendarm und »Schwerverbrecher« -ergingen sich in Mitleidsäußerungen über das »schöne tote Pferderl«. -Als ich die Vermutung aussprach, daß es sich um Verstellung handeln -könne, wurde das als gänzlich ausgeschlossen bezeichnet. Ich ließ mich -aber nicht irremachen, nahm Sascha beim Zügel, die beiden Gefangenen --- die sich edler Weise während der ganzen Zeit eifrig am Rettungswerk -beteiligt hatten, statt, wie ich es an ihrer Stelle getan hätte, die -Gelegenheit zur Flucht zu benützen --, wurden angewiesen, den Pony am -Schwanz zu fassen. Der Gendarm zog an der Mähne und so mit vereinten -Kräften brachten wir den »Toten« wieder auf die Beine! Kaum zum Leben -erweckt, wollte Sascha sich schleunigst empfehlen. Dafür hatte ich -aber schon vorgesorgt und hielt den Zügel ordentlich fest. Es stellte -sich heraus, daß der Pony nicht die geringste Verletzung erlitten und -sich offenbar verstellt hatte. Er wollte, daß wir ihn von Geschirr und -Schlitten befreit liegen lassen sollten, worauf er dann den Heimweg, -auf eigene Faust angetreten hätte. Wie würde er sich über uns belustigt -haben! - -Wer zuletzt lacht, lacht am besten, und das war in diesem Falle nicht -der schlaue Sascha. So gut es mit den beschädigten Sachen ging, spannte -ich wieder ein. - -Die Gesellschafterin war inzwischen keuchend und jammernd eingetroffen. -Sie erklärte, sich dieser »lebensgefährlichen Bestie« nicht mehr -anvertrauen zu können, was mir weiter gar nicht viel Eindruck machte. -Ich stellte ihr anheim, entweder zwölf Kilometer im tiefen Schnee -zu Fuß zu gehen oder es noch einmal mit mir zu wagen. Sie wählte -schließlich das Zweite, und so fuhren wir heimwärts. - -Der kleine Sascha war trotz seiner zahlreichen Untugenden zehn Jahre -lang mein besonderer Liebling. Auch der Umstand, daß er mich im Laufe -dieser Zeit elfmal biß, konnte ihm meine Zuneigung nicht rauben. Er -war ein so verständiges und kluges Tier und dabei äußerlich so hübsch, -daß ich ihm alles verzieh. Wer Sascha in seiner Box besuchte, ohne -seine Eigenart zu kennen, wurde rettungslos von ihm »apportiert«. Er -ließ solch einen ahnungslosen Besucher erst nahe kommen, dann stieg -er auf, schlug mit den Vorderhufen nach ihm und drängte ihn in eine -Ecke der Box. Hatte er ihn soweit, dann faßte er ihn mit den Zähnen -und schleppte ihn herum. Auch in der Schmiede war der kleine Kerl -gefürchtet, seit er eines Tages den Schmied beim Beschlagen hoch hob. - -Sascha, der im allgemeinen durchaus kein scheues Pferd war, hatte -merkwürdiger Weise eine unüberwindliche Angst vor Schlittengeläute. -Als ich ihm das erstemal Schellen anlegte, gebärdete er sich ganz -verrückt. Nach verschiedenen vergeblichen Versuchen, im Stall sowohl -wie im Freien, wendete ich keine weitere Gewalt an, weil ich das an und -für sich schon sehr reizbare Tier nicht noch verrückter machen wollte. -Da kam mein Bruder zu Besuch und meinte als Reiteroffizier, es sei -lächerlich, mit so einem kleinen Kerl nicht fertig zu werden, er würde -ihm die Schellen schon anziehen. Ich sagte ihm, er könne einen Versuch -machen, wenn er für den dabei entstehenden Schaden aufkommen wolle. - -Sascha wurde mit verbundenen Augen an die Leine genommen und das -Geschirr mit den Glocken, denen man zuerst die Schwengel festgebunden -hatte, damit sie nicht läuten konnten, wurde ihm aufgelegt. Als das -getan war, befreite man Sascha von der Blende und ließ die Glocken -klingen. Wie wahnsinnig lief der Pony nun an der Leine im Kreise -herum. Wohl eine Stunde jagte er vollkommen toll dahin, bis man ihn -schaumbedeckt und atemlos endlich zum Stehen brachte. Nun dachte man, -er sei genügend erschöpft, um ihn an den Schlitten bringen zu können. -Sechs Mann spannten ihn ein, nachdem man vorsichtshalber das Geläute -abermals mit Tüchern umwickelt hatte, um den Schall zu dämpfen. Auf -jeder Seite hielten ihn zwei Mann, weitere zwei Mann waren zur etwaigen -Hilfeleistung bereit. Kaum hatte man das Geläute erklingen lassen, -schob Sascha mit unverminderter Vehemenz ab; es gab kein Halten. Der -Schlitten wurde total zertrümmert, vier Mann lagen am Boden und wurden -geschleift, und schließlich war man froh, als man durch schleuniges -Abnehmen des Geschirres der gefährlichen Geschichte ein Ende bereiten -konnte. - -Sascha hat diese Scheu niemals überwunden, und dieses Ereignis blieb -unauslöschlich seinem Gedächtnis eingeprägt. In der Folge hatte er -nicht nur Angst vor Glockengeläute sondern auch jeder blaue Gegenstand -flößte ihm eine unbeschreibliche Furcht ein. Das Schlittengeläute war -nämlich mit zwei blauen Federbüschen verziert gewesen, und in Saschas -Gehirn waren offenbar die Begriffe der Gefährlichkeit von Glocken und -blauer Farbe jetzt vereinigt. Eine blaue Wagendecke durfte er nie zu -Gesicht bekommen, wollte man Unglücksfälle vermeiden; mit einem blauen -Kleid ließ er mich unter gar keinen Umständen in seine Box; noch viel -weniger konnte ich ihn mit einem Reitkleid dieser Farbe besteigen. Da -Schellengeläute im Winter polizeiliche Vorschrift ist, nahm ich stets -eine Glocke mit in den Schlitten und ließ sie nur, wenn durchaus nötig, -z. B. wenn ein Schutzmann in Sicht war, ertönen. Dies trieb Sascha dann -zwar zu sehr beschleunigten Gangarten, Unfälle konnten aber auf diese -Weise doch vermieden werden. - -Ich glaube, daß Sascha, der einerseits ein außergewöhnlich gescheites -Tier war, doch in gewisser Hinsicht einen seelischen Mangel hatte. Es -war nicht alles Ungezogenheit bei ihm, manchmal schien er wirklich im -Gehirn nicht ganz in Ordnung zu sein. Besonders an sehr heißen Tagen -blieb er z. B. beim Reiten oder Fahren plötzlich stehen, schüttelte -mit dem Kopf und zeigte alle Zeichen von Dummkoller. Da er sich -gern verstellte, so war es schwer, eine etwaige Gehirnkrankheit von -einer Ungezogenheit zu unterscheiden. Mir war er gerade wegen dieser -Abweichung vom Standpunkte der Tierseelenkunde aus wertvoll. Ich -rechnete stets mit seiner Veranlagung und verzieh ihm aus diesem Grunde -viel. - -Seine krankhafte Abneigung gegen blaue Farben und Glocken hat er in den -zehn Jahren seines Hierseins nie abgelegt, obwohl er sonst in seinen -alten Tagen braver und ruhiger geworden war. Auch meine Versuche, -ihn im Stall an diese Gegenstände zu gewöhnen, blieben erfolglos. -Er hungerte lieber drei Tage, als daß er an die Krippe, vor welcher -ein Geläute oder ein blaues Tuch befestigt war, heranging. Bei einem -Pferd, das weder Eisenbahn noch Dampfstraßenbahn, noch Militärmusik, -noch Schießen fürchtete, kann eine derartig unüberwindliche Angst -vor an sich harmlosen Scheugegenständen wohl nur auf ungewöhnlicher -Veranlagung beruhen. - -Als Beispiel von Saschas Klugheit möchte ich noch erwähnen, daß er -entgegenkommenden Fuhrwerken immer von selbst richtig auswich, und -dies ist hier an der österreichischen Grenze keine Kleinigkeit. In -Oesterreich wird links, hier in Deutschland rechts ausgewichen; die -Salachbrücke bildet die Grenze. Sascha irrte sich nie und wechselte -regelmäßig in der Mitte der Brücke das Ausweichsystem. Ich konnte -ihm ganz ruhig die Zügel auf den Rücken legen, er hielt stets die -richtige Straßenseite ein. Die Salzburger Droschkenkutscher, die mit -Vorliebe in Bayern falsch ausweichen, hätten sich ein Beispiel an -Sascha nehmen können. Begegnete Sascha einem falsch ausweichenden -Wagen, so ließ er sich durchaus nicht irremachen, und wartete auf -der richtigen Straßenseite ruhig ab, bis ihm Platz gemacht war. Man -sollte glauben, daß gerade hier, wo ein Pferd sehr viel in Bayern, dann -wieder häufig in Oesterreich gefahren wird, es durch die verschiedenen -Ausweichsysteme verwirrt gemacht werden müßte. Bei Sascha war dies -nicht der Fall, und ich gewann von ungläubigen Bekannten mehrere Wetten -in dieser Angelegenheit. -- - -Die vorstehende Schilderung der vortrefflichen Pferdekennerin bestätigt -das früher Gesagte, daß männliche Pferde mit dem Gebiß und den -Vorderhufen kämpfen im Gegensatz zu den Stuten. - -Höchst unwahrscheinlich klingt die Geschichte von dem richtigen -Ausweichen des Pferdes. In der Lebensgeschichte berühmter Gelehrter -lesen wir, daß sie als Freiwillige niemals rechts- und linksum -unterscheiden lernten. Hier wird von einem Pferde berichtet, daß es -in Deutschland und Oesterreich stets richtig auswich, obwohl das -Ausweichen in beiden Ländern verschieden ist. Ich kann mir kein Urteil -darüber erlauben, ob das wahr ist. Es ist hierbei selbstverständliche -Voraussetzung, daß stets über dieselbe Brücke gefahren wurde. Da die -Dame in ihrem Buche einen in jeder Hinsicht glaubwürdigen Eindruck -macht, so finde ich als einzigen Ausweg die Tatsache, daß die Tiere zum -Raume in einem ganz anderen Verhältnis stehen als der Mensch. Tiere -finden sich im Raume leichter zurecht als wir, wie ihr Ortssinn beweist. - -Selbst diese vortreffliche Tierkennerin hält ein Pferd für -geisteskrank, weil es nicht mit Schellengeläut laufen will. Kann es -denn nicht begründete Ursache zu seinem Verhalten haben? Man nehme -einmal an, daß Sascha früher in Rußland bei einer Schlittenfahrt einen -Ueberfall durch eine Räuberbande oder durch Wölfe erlebte. Hierbei -wurde sein Herr oder der Kutscher oder ein Nebenpferd getötet, und er -selbst nur durch Zufall gerettet. Ist es nun nicht ganz natürlich, daß -ein Pferd bei seinem guten Gedächtnis ein solches Erlebnis nicht wieder -vergißt? - -Schaffen wir Menschen nicht alle Gegenstände fort, die uns an höchst -unangenehme Vorkommnisse erinnern? Die meisten Menschen werden -überhaupt sofort verstimmt, sobald das Gespräch auf Dinge stößt, die -ihnen verdrießliche Sachen ins Gedächtnis zurückrufen. - -Man hat dem Pferde mit Gewalt seine Abneigung gegen das Schellengeläute -austreiben wollen. Hierbei hat es stundenlang in seinem verzweifelten -Widerstand die blaue Farbe vor Augen gehabt. In der Folgezeit erinnerte -es die blaue Farbe an das Schellengeläute, und das Schellengeläute -wiederum an das furchtbare Ereignis. Auch das kann man nicht -unbegreiflich finden. - -Sascha hat sich durch Verstellung und Widerstand von der Arbeit -gedrückt, wenn sie ihm nicht mehr paßte. Wir Menschen haben unsere -menschlichen Interessen wahrzunehmen gegenüber den Haustieren, die wir -füttern. Deshalb halten wir uns für berechtigt, ihren Widerstand zur -Arbeit durch uns zugängliche Mittel zu brechen, also durch Peitsche und -Sporen bei Pferden. Das ist alles ganz klar. - -Eine ganz andere Frage ist es, ob ich ein Haustier, das sich der -Arbeit entziehen will, deshalb für dumm halten muß. Da ich noch keinen -Menschen angetroffen habe, der das Sichdrücken von der Arbeit für ein -Zeichen von Dummheit angesehen hat -- eher das Gegenteil --, so kann -ich also ein Tier nicht deshalb für töricht halten, weil sein Verhalten -uns Unannehmlichkeiten bereitet. - -Aus dem Vorstehenden ist ersichtlich, daß gute Tierkenner sehr leicht -zu einem ganz verschiedenen Urteil gelangen. Die Dame, die sich ihr -Leben lang mit Pferden beschäftigt hat, hält ihren Liebling für -teilweise geisteskrank und gibt die Gründe hierfür an. Ich glaube, daß -meine Bücher gezeigt haben, daß ich auch eine Kleinigkeit von Tieren -verstehe. Ich muß gestehen, daß ich keine Spur von Geisteskrankheit -entdecken kann und Sascha für ein ungewöhnlich kluges Tier halte. - - -67. Ueber richtige Behandlung der Pferde. - -Es ist betrübend, daß erst eine Dame kommen und uns Männern so -verständige Worte über die richtige Behandlung der Pferde sagen mußte. - -Die im vorigen Kapitel erwähnte vortreffliche Pferdekennerin gehört zu -den wenigen, die den äußerst feinen Geruch der Pferde oft hervorheben. -Als große Tierfreundin hielt sie sich allerlei Getier, darunter auch -eine zahme Löwin. Hierbei konnte sie täglich beobachten, daß die Löwen -wie alle Katzen ausgezeichnet sehen, Pferde dagegen vortrefflich -riechen können. - -Mit Vorliebe kaufte sie solche Pferde, die andere Menschen für -vollkommen unbrauchbar erklärten und deshalb los sein wollten. Sie -sagte sich mit Recht, daß die Pferde schon ihren Grund zu ihrem -Verhalten haben werden. Sobald sie diesen Grund herausgefunden hatte, -konnte sie das Tier wie jedes andere gebrauchen. Nur mußte sie auf die -bestimmte Eigenart Rücksicht nehmen. - -Ihre Erfahrungen auf diesem Gebiete sind sehr lehrreich und so sollen -einige hier ihre Stelle finden: - -Als ich eine neugekaufte Stute das erstemal ritt, machte sie, -neben anderen Unarten, auch ganz plötzlich kehrt in der Nähe eines -Wirtshauses. Da dort ein Planwagen stand, so glaubte ich, dieser sei -die Ursache ihrer Furcht gewesen. In der Folge bemerkte ich aber, -daß ihr derartige Wagen, die ihr auf der Straße begegneten, ganz -gleichgültig waren, während sie sich einzelnen Häusern, besonders -Gasthäusern, mit allen Anzeichen der Furcht näherte, auch wenn -keinerlei Gegenstände, vor denen Pferde scheuen, dort zu sehen waren. -Sie machte plötzlich Kehrt und warf sich mit solcher Schnelligkeit auf -den Hinterfüßen herum, daß ich mich sehr in acht nehmen mußte nicht -herunterzufliegen. Nur nach langem Kampf konnte man sie an einzelnen -Stellen vorbeibringen. - -Es bedurfte einer längeren Untersuchung, um herauszufinden, was -die eigentliche Ursache ihrer Furcht und der damit verbundenen -Widersetzlichkeit war. Schließlich stellte ich fest, daß die Stute -eine wahnsinnige Angst vor Blutgeruch hatte. Auf dem Land wird in -den meisten Gasthäusern geschlachtet, und diesen näherte sich die -Stute stets mit allen Anzeichen der Furcht. Schon von weitem begann -sie zu schnauben und zu pusten und fing mit ihrer Widersetzlichkeit -an, um sich, wenn irgend möglich, das Vorbeigehen am Wirtshaus zu -ersparen. Als ich sie einmal in einem solchen einstellte, wollte mir -der Hausknecht beim Absatteln behilflich sein. Die Stute wurde ganz -toll vor Angst, als der Mann, der, wie er mir dann sagte, kurz vorher -beim Schlachten beschäftigt gewesen war, sich ihr näherte. Sie wäre mir -bei dieser Gelegenheit fast davongelaufen; ich hatte alle Mühe sie zu -halten. - -Ich wollte nun feststellen, warum dieses Pferd eine derartig -außergewöhnliche Angst vor Schlachthäusern hatte, und schließlich -konnte ich den Grund herausfinden. Der Stute war seinerzeit bei -einem Metzger der Schwanz gekürzt worden, und die Erinnerung an die -Verstümmelung blieb für sie unauslöschlich mit Schlachthausgeruch -verbunden. Erinnerungsvermögen und Geruchssinn sind beim Pferde -hochentwickelt. - -Der Widerstand dieser Stute beruhte also keineswegs auf Bosheit, -sondern lediglich auf Furcht. Menschen, die der Sache nicht auf den -Grund gegangen wären, hätten das arme Tier natürlich als vollkommen -störrisch betrachtet, wenn es ohne anscheinende Ursache sich weigerte, -an gewissen Stellen vorbeizugehen. Tiere tun selten etwas ohne Grund; -bemüht man sich ein wenig sie zu verstehen, ihnen zu folgen, so wird -man meist einen, von ihrem Standpunkte aus gesehen, triftigen Grund für -ihre Handlungsweise feststellen. Viele Menschen finden dies aber nicht -der Mühe wert, sie fertigen derartige Tiere nur mit den Worten ab: »Der -dumme Bock scheut vor allem.« Dumm braucht das Tier deshalb noch nicht -zu sein. Wenn es mit einem Gegenstand einmal schlechte Erfahrungen -gemacht hat, so ist es ganz natürlich, daß es sich auch in Zukunft -vor demselben fürchtet, denn die Fähigkeit, logisch zu denken, geht -ihnen ab. Sache des Menschen ist es, das Tier in solchen Fällen durch -geeignete Mittel von der Grundlosigkeit seiner Furcht zu überzeugen, -ihm Vertrauen und Mut einzuflößen. - -Bei dieser Stute schien die Nase ganz besonders entwickelt gewesen zu -sein. Alle Ursache ihres Scheuens konnte man auf irgendwelche Witterung -zurückführen. - -Einmal machte sie mir mitten auf der Landstraße ohne jeden Anlaß -kurz kehrt, und da ich genau wußte, daß in der ganzen Gegend kein -Gasthaus und keine Metzgerei vorhanden waren, mußte diese scheinbare -Ungezogenheit auf anderen Gründen beruhen. Weit und breit war nichts zu -sehen; ich zweifelte aber trotzdem nicht, daß meine Stute irgend etwas -bemerkt hatte, was menschlichen Sinnen eben nicht wahrnehmbar ist. -Ich zwang sie weiter zu gehen. Durch ein Nachgeben in solchen Fällen -würde das Pferd selbstverständlich verdorben werden. Es würde später -im Gefühle seiner Macht auch aus anderen Gründen als dem der Furcht -kehrtmachen. Das Tier muß sich also stets bewußt sein, daß es eine -Auflehnung gegen den Willen seines Herrn nicht gibt. Hat man in einem -solchen Kampf einmal den Kürzeren gezogen, so kann die Mühe von Wochen -umsonst sein, und die Dressur muß von neuem beginnen. Es gilt dies -nicht bloß vom Umgang mit Pferden, sondern von allen Tieren. - -Ich war also etwa 300 Meter weiter geritten, als ich bei einer -Wegbiegung am Rande eines Waldes eine Zigeunergesellschaft mit Bären -und Kamelen lagern sah. Nun war das Benehmen meiner Stute schon erklärt. - -Die Furcht vor Raubtieren ist dem Pferde gleich allen anderen -Geschöpfen eigen, und die Natur hat ihm die feine Nase und die -Schnelligkeit verliehen, um diese Gefahren zu wittern und ihnen zu -entfliehen. Es lag also auch in diesem Fall eine von seinem Standpunkt -aus ganz verständliche Handlungsweise vor. - -Die Scheu vor Raubtieren konnte ich ja bei meinen Pferden am besten -beobachten. Ging ich in den Stall, nachdem ich kurz vorher meine -zahme Löwin gestreichelt hatte, so nahmen meine Pferde keinen Zucker -aus meiner Hand. Unter Schnauben und Pusten zogen sie sich in die -entfernteste Ecke ihrer Box zurück. - - * * * * * - -Alles, was die Dame hier von der Behandlung der Pferde gesagt hat, -kann man nur unterschreiben. Zur Bestätigung ihrer Angaben von dem -feinen Geruch der Pferde und ihrer Furcht vor Blut und Raubtieren sei -folgendes angeführt. - -In heißen Ländern sind Reiter oft durch ihr Pferd vor dem Tode des -Verdurstens gerettet worden. Es fand nämlich durch seinen feinen Geruch -verborgenes Wasser, das der stumpfen menschlichen Nase vollkommen -entgangen war. - -Ein Bekannter von mir, ein vorzüglicher Reiter, kommt nach Hause -geritten und wird von dem sonst ruhigen Pferde um ein Haar aus dem -Sattel geschleudert, da es urplötzlich davonstürmt. Er geht der -Sache auf den Grund und stellt fest, daß in seiner Abwesenheit eine -Zigeunerbande mit einem Bären auf dem Gehöft geweilt hatte. - -Etwas Aehnliches ereignete sich vor vielen Jahren auf einer Fähre. Ein -sonst frommes Pferd will plötzlich auf der Fähre mit dem Wagen und -seinen Insassen in den breiten Strom springen. Nur mit Mühe kann ein -gräßliches Unglück vermieden werden. Auch hier wird festgestellt, daß -eine Zigeunerbande mit Bären und Kamel vorher die Fähre benutzt hatte. - -Man ersieht hieraus, wie notwendig es ist, daß die Fähre, wenn sie -Raubtiere übergesetzt hat, gereinigt oder doch mit Wasser übergossen -wird. Wenigstens muß es an den Stellen geschehen, wo die Tiere gelegen -haben. - - -68. Die geistigen Fähigkeiten der Tiere. - -Wir haben jetzt eingesehen, wie außerordentlich schwierig es ist, -die geistigen Fähigkeiten der Tiere zu beurteilen. Die Tierliebhaber -erheben sie in den Himmel, während die Gegner die Tiere nur als -Maschinen betrachten. Als im Jahre 1904 der sogenannte »kluge Hans« -vorgeführt wurde, glaubten viele Berliner, die sich das Pferd des -Herrn von Osten angesehen hatten, daß ein Pferd sich durch geeigneten -Unterricht, wie ihn Herr von Osten erteilt hatte, die Kenntnisse eines -zwölfjährigen Knaben, namentlich aber Lesen und Rechnen, aneignen kann. - -Nehmen wir einen Fall, wie er sich in Wirklichkeit unzählige Male -ereignet hat. Wir haben uns vollständig verirrt. Der Kutscher weiß -nicht mehr, wo der richtige Weg ist. Es wird dunkel, und wir fangen an -zu frieren. Niemand ist weit und breit, den wir nach dem Wege fragen -könnten. Da macht der Kutscher es, wie es so oft schon geschehen ist, --- er überläßt dem Pferde die Führung. Und das Pferd schlägt ohne -Besinnen einen Weg ein, der uns in stockdunkler Nacht nach unserm Ziele -bringt. - -Oder wir wollen an den vorher erwähnten Reiter denken, der, von Durst -gemartert, schon zu phantasieren beginnt und die Zügel nicht mehr -halten kann. Da fängt sein Pferd plötzlich an, im Sande zu scharren, -und nach kurzer Zeit ist eine unterirdische Quelle freigelegt. - -Oder ein Jäger hat bei Eintritt der Dämmerung einen Rehbock geschossen. -Er hat keine Zeit, den nächsten Morgen abzuwarten. Deshalb holt er -seinen Hund und wartet zunächst die Zeit ab, die nach solchen Schüssen -üblich ist. Inzwischen ist es so dunkel geworden, daß man nicht mehr -die Hand vor Augen sehen kann. Der Jäger braucht also eine Laterne, um -überhaupt die Stelle wiederzufinden, wo der Rehbock gestanden hat. Auf -diese Anschußstelle führt er den Hund. Dieser läuft mit gesenkter Nase -der Fährte nach. Es dauert nicht lange, so hört der Jäger das Gebell -seines Hundes, das ihm anzeigt, daß er den Bock gefunden hat. Wo der -Mensch nichts sah, findet der Hund einen geschossenen Rehbock. - -Kann man es im Ernste einfachen Leuten verdenken, daß sie, wenn sie -solche Sachen erlebt haben oder täglich erleben, von der Klugheit -der Tiere schwärmen? Die Gegner haben ja natürlich darin durchaus -recht, daß die Tiere diese Leistungen nicht auf Grund geistiger Gaben -verrichten. Der Hund findet den Rehbock in der dunklen Nacht, weil -seine Augen in der Dunkelheit viel besser sehen können als die des -Menschen, und weil sein Geruchssinn ganz unabhängig davon ist, ob -es hell oder dunkel ist. Das Pferd findet das unterirdische Wasser -ebenfalls durch die feine Nase und den Weg nach dem Ziele durch seinen -Ortssinn. Ebenso ist das Pferd nicht deshalb sehr klug, weil es sich -von einer Fata morgana, dem Spiegelbilde einer Oase, in der Wüste -nicht täuschen läßt, wie es den Menschen passiert. Das Pferd als -Nasentier traut seinen Augen überhaupt nicht, und für die Nase ist das -Spiegelbild gleichgültig. - -Führen wir noch weitere Fälle an, die hierhin gehören: - -Ich nehme ein junges Kätzchen und setze es auf eine Tischplatte. Ich -kann ganz unbesorgt sein -- das erst einige Wochen alte Tier fällt -nicht hinunter. - -Oder ich nehme es an das offene Fenster. Es wird ebenfalls nicht -hinunterfallen, während man Kindern fortwährend zurufen muß: Nehmt euch -in acht, damit ihr nicht hinunterfallt! - -Jetzt setze ich das Kätzchen auf eine Holzplatte und stelle die Platte -schräg. Sofort bringt es seine Krallen zum Vorschein und hält sich fest. - -Wie oft fliegen Vögel, wenn sie ein böser Bube ausnehmen will, -sofort ohne jeden Unterricht aus dem Neste! Ich zog einmal einen -jungen Kuckuck groß, der in einem Bauer stak. Er hatte noch niemals -Flugversuche gemacht. Eines Tages flog er vom Tische in dem Garten, wo -ich ihn fütterte, tadellos nach dem nächsten Baum und setzte sich auf -einen Ast. - -Wenn man sich die Schwierigkeit des Fliegens vorstellt, dann muß man -staunen, daß ein Tier ohne jede Anleitung sofort alles richtig macht. -Abfliegen, Fliegen, Anhalten, Sichsetzen auf den Ast. Niemand konnte -dem Kuckuck ansehen, daß er das alles zum ersten Male macht. - -Solche äußerst zweckmäßigen Handlungen sehen wir bei den Tieren in -zahlloser Menge. Sie erkennen ihre Feinde, wissen die passende Nahrung, -vermeiden giftige Stoffe, suchen Heilpflanzen auf, wandern zur rechten -Zeit, wissen den Gefahren der Witterung zu entgehen usw. So nahmen -Krähen, die der Jäger durch Phosphorpillen vernichten wollte, als -Gegenmittel Ebereschenbeeren und wurden dadurch wieder gesund. Wo -der Mensch Unterricht und Belehrung braucht, Aerzte aufsuchen muß -und tausend andere Schwierigkeiten überwinden muß, um sein Leben -durchzuführen, können wir bei den Tieren nichts Derartiges beobachten. -Und trotzdem leben sie doch. Ja, die Tiere in der Freiheit leben sogar -viel gesünder als unsere Haustiere. - -Wie sollen wir uns das, was sich alltäglich vor unseren Augen abspielt, -erklären? - - -69. Was verstehen wir unter »Instinkt« bei den Tieren? - -Weil wir für die zuletzt genannten Handlungen keine Erklärung finden -können, so haben wir uns darüber geeinigt, daß wir als Grund für diese -unbewußt zweckmäßige Handlungsweise den »Instinkt« angeben. - -Der große Naturforscher Darwin hat den Instinkt in folgender Weise zu -erklären versucht. Er behauptet, daß die zweckmäßige Handlungsweise -vor Urzeiten von einem Vorfahren zufälligerweise angewendet wurde. Da -sich die Handlungsweise als zweckmäßig erwies, so kam das Tier dadurch -in einen Vorteil vor seinen Artgenossen. Es vererbte seine zweckmäßige -Handlungsweise auf seine Nachkommen. - -Diese Erklärung ist sehr gelehrt, ist aber mit den Tatsachen durchaus -unvereinbar. Elefantenherden überschreiten die Gebirge an den -günstigsten Stellen, so daß sie seit Urzeiten für die Menschen als -Lehrmeister im Wegebau dienen. Genau so ist der Eisbär in unwegsamen -Polarländern der Wegweiser für Polarreisende. Wir können uns keine -Vorstellung davon machen, woran ein Elefant bei einem riesigen Gebirge -den zum Ueberschreiten günstigsten Paß erkennt. Sein Auge ist obendrein -auffallend schwach, und sein feiner Geruch kann ihm am Fuße eines -Gebirgsstocks ebenfalls nichts nützen. - -Elefanten bleiben stets in Herden. Es ist also ausgeschlossen, daß ein -einzelner Elefant durch Zufall die Uebergangsstelle gefunden hat. - -Wäre der Instinkt eine vererbte Fähigkeit, so müßte sie versagen, -sobald neue, ungewohnte Verhältnisse vorliegen. Ist das der Fall? - -In der Wirklichkeit ist davon nichts zu merken. Im achtzehnten -Jahrhundert hat ein Sonderling in der Nähe von Kassel eine Affenkolonie -gegründet. Diese Tiere bewegten sich vollkommen frei und gediehen trotz -unserer kalten Winter prächtig. - -Wir müssen unsere Kinder immer wieder warnen, daß sie keine unbekannten -Früchte oder Beeren essen. Trotzdem kommen alljährlich Vergiftungsfälle -vor. Woher wußten nun die Affen, welche Beeren und Früchte für sie -bekömmlich waren oder nicht? Sie stammten aus Afrika, und ihr vererbtes -Wissen konnte ihnen in Deutschland doch nichts nützen. - -Früher gab es kein Saccharin und keine Kunstwaben. Wenn der Instinkt -auf Vererbung beruht, so müßten die Bienen dem Saccharin und den -Kunstwaben ratlos gegenüberstehen. Das Gegenteil ist eingetreten, wie -die Bienenzüchter übereinstimmend bekunden. Alle Bienen haben das -Saccharin abgelehnt, und alle haben die Kunstwaben benützt. Die Sache -mit dem Saccharin können wir uns zur Not erklären. Der Süßstoff hat -den feinriechenden Bienen übel gerochen. Aber weshalb alle Bienen die -Kunstwaben angenommen haben, bleibt ein vollkommenes Rätsel. - -Wir müssen uns also bescheiden und offen zugeben, daß wir vorläufig für -den Instinkt keine zufriedenstellende Erklärung geben können. - -Auch bei uns Menschen spielt der Instinkt eine weit größere Rolle, -als man gewöhnlich annimmt. Insbesondere lassen sich Frauen von ihren -Instinkten in vielen Fällen leiten. Es kommt oft vor, daß eine Frau -erklärt, wenn ihr Mann einen Bekannten einführt: »Schaffe mir diesen -Menschen aus den Augen -- ich kann ihn nicht leiden!« Einen Grund für -diese Abneigung kann sie nicht angeben, aber sie verläßt sich auf ihren -Instinkt. - -Vielleicht ist unser Erstaunen über die durch den Instinkt veranlaßten -zweckmäßigen Handlungen ganz unbegründet. Denn das Leben wäre kein -Leben, wenn ein freilebendes Tier nicht seine Feinde und seine Nahrung -kennen würde, schwimmen könnte usw. Diese Fähigkeiten gehören also zum -Begriffe des Lebens. Sie verschwinden da, wo sie zum Leben nicht mehr -erforderlich sind, beispielsweise bei den Haustieren und Menschen. Der -Mensch kann durch sein Gehirn die meisten Instinkte ersetzen. - -Hiernach müßten wir uns nicht über die Instinkte der Tiere wundern, -sondern darüber, daß wir als Menschen so wenige haben. - - -70. Das Gedächtnis des Pferdes. - -Jeder Kutscher wird uns bestätigen, daß Pferde ein ausgezeichnetes -Gedächtnis besitzen. Selbst in der Großstadt kann man solche Leistungen -bewundern. So war vor dem Weltkriege unser Brotkutscher einmal erkrankt -und hatte nach Art dieser Leute kein Verzeichnis seiner Kunden. Da riet -er, einen Mann auf den Bock zu setzen und in jedem Hause, wo das Pferd -anhielt, nach dem Kunden zu fragen. So erhielten sämtliche Kunden ihr -Brot. - -Das Gedächtnis der Tiere ist vielfach besser als das des Menschen. -Schon im Altertum hat man das gewußt. Denn der Held Odysseus, -der nach 20 Jahren in seine Heimat zurückkehrt, wird von keinem -Menschen wiedererkannt, nur von seinem treuen Hunde. Wenn man auf -einem langgestreckten Jagdrevier die geschossenen Hasen nicht alle -mitschleppen will, sondern in ein Gebüsch steckt, um sie bei der -Rückkehr mitzunehmen, so ist der Jäger abends oft im Zweifel, ob und -wo er morgens einen Hasen versteckt hat. Der Hund dagegen weiß immer -Bescheid. Das Gedächtnis kann also keine geistige Gabe sein, sonst -könnte sie beim Tiere nicht stärker entwickelt sein als beim Menschen. -Da auch Kinder ein besseres Gedächtnis haben als der Erwachsene, so -geht auch hieraus hervor, daß es sich um keine geistige Fähigkeit -handelt. - -Das Tier hat aber ein hervorragendes Gedächtnis nur für Dinge, die es -interessieren. Die rechnenden Pferde in Berlin und Elberfeld waren -insofern Ausnahmeerscheinungen, als sie sich für Sachen interessierten, -die einem Pferde sonst ganz fernliegen, nämlich Lesen, Schreiben und -Rechnen. Von einem wirklichen Verstehen unserer Sprache, sowie von -einem wirklichen Rechnen kann natürlich keine Rede sein. Vielmehr -hatten sich die Pferde vermittels ihres vortrefflichen Gedächtnisses -gemerkt, was sie auf gewisse Laute für Hufbewegungen zu machen hatten. -Der sogenannte kluge Hans in Berlin klopfte also neunmal mit dem Hufe -auf, wenn sein Lehrmeister, Herr von Osten, ihn fragte: Wieviel ist 7 -und 2? Er hatte die richtige Antwort in mehrjährigem Unterricht so oft -gehört, daß er die Frage spielend leicht beantworten konnte. - -Neuerdings sind in Stuttgart Versuche über die geistigen Fähigkeiten -der Hunde angestellt worden, woraus sich ergibt, daß Hunde trotz ihres -schwachen Gesichts die Anzahl von Gegenständen schneller erfassen als -der Mensch. Das halte ich für durchaus möglich. Es ist für den Wolf, -den Fuchs und andere hundeartige Tiere von großer Bedeutung, die -Anzahl der Pflanzenfresser, also die Zahl der zu einem Rudel gehörigen -Hirsche, die Zahl der Küchlein bei einer Wildente und in ähnlichen -Fällen genau zu wissen. Was dagegen sonst von den Aussprüchen der -ihre Ansicht klopfenden Hunde mitgeteilt wird, steht in völligstem -Widerspruch mit unseren bisherigen Anschauungen über die geistigen -Fähigkeiten der Tiere. Man wird daher erst abwarten müssen, um die -Ergebnisse nachzuprüfen. Vorher kann man zu ihnen keine Stellung nehmen. - -Es ist klar, daß ein Pferd, das neunmal klopft, auf die Frage 7 und -2, deshalb noch nicht rechnen kann. Denn die Zahlen 7 und 2 sind -abstrakte, d. h. gedachte Begriffe. Es ist schon zweifelhaft, ob ein -Tier anschauliche Begriffe versteht, z. B. den Begriff Hund, Pferd -usw. Diese Frage wird man wohl bejahen können. Dagegen haben wir -nirgends den geringsten Anlaß, um anzunehmen, daß ein Tier für gedachte -Begriffe Verständnis besitzt. - -Das Tier kann also die Zahlen klopfen, wie ein Kind ein Wort -nachplappert. Aber von einem Verständnis hierfür sind beide weit -entfernt. - -Menschen, die über solche Sachen nicht nachgedacht haben, verfallen -leicht in die merkwürdigsten Irrtümer. - - -71. Das Verständnis des Pferdes für Kommandoworte. - -Ein lehrreicher Versuch wurde vor dem Kriege mit Militärpferden -angestellt. Jeder Kavallerist schwört darauf, daß die Pferde die -Signale verstehen. Weiß er doch, daß sie die nötigen Bewegungen viel -richtiger ausführen, wenn er das Tier sich allein überläßt, als wenn er -es lenkt. - -Da von Gelehrten diese Angaben bezweifelt wurden, so sollte durch eine -Prüfung Klarheit in die Angelegenheit gebracht werden. Den Reitern -wurde aufs strengste befohlen, sich jeder Einwirkung auf das Pferd zu -enthalten. -- Die Signale erklangen, und die Pferde rührten sich nicht -von der Stelle. Folglich, so schlossen die Gelehrten, verstehen die -Pferde nichts von den Signalen. - -Die Sache liegt in Wirklichkeit etwas anders. Sowohl der Kavallerist -irrt, als auch der Gelehrte irrt. - -Das Pferd weiß, daß, wenn ein bestimmtes Signal ertönt *und sein Reiter -gewisse Einwirkungen ausübt*, es bestimmte Bewegungen machen soll. -Bleibt jedoch bei dem ihm bekannten Signal der Reiter wie ein Mehlsack -sitzen, so wird das Pferd irre und weiß nicht, was es tun soll. - -Der Kavallerist irrt also insofern, als er glaubt, das Pferd verstünde -das Signal als solches oder überhaupt einen Zuruf als solchen. Der Hund -versteht doch auch die Worte nicht als solche. Wenn ich ihm zurufe -»Komm!«, so kommt er nicht, weil er das Wort »Kommen« versteht. Er weiß -nur, daß, wenn er einen ganz bestimmten Laut hört, so soll er kommen. -Was das Wort bedeutet, weiß er nicht. Man kann deshalb einen deutschen -Hund mit französischen und englischen Wörtern dressieren und tut es -auch. Man denke an Apport, down (daun) usw. Ein Irrtum aber ist es zu -sagen, es genügen die Vokale des Befehls für den Hund. Die Sachlage ist -folgende. Der Hund in einer Familie hört einen Befehl, beispielsweise -»Peter, mach' schön!« von den einzelnen Familienmitgliedern ganz -verschieden ausgesprochen. Deshalb genügen die Vokale, um ihn zur -Ausführung des Befehls zu veranlassen. Hat der Hund jedoch nur einen -einzigen Herrn, so sind die Vokale gewöhnlich nicht ausreichend. - -Weil das Pferd von der Bedeutung des Signals ebenfalls keine Ahnung -hat, so glaubt es, daß es auf Signal *und* Einwirkung des Reiters sich -bewegen müßte. - -Die Gelehrten irren, wenn sie glauben, daß das Pferd gar kein -Verständnis für das Signal besäße. Wo kein Reiter oder Kutscher ist, -versteht das Pferd die Signale ausgezeichnet. Dafür kann man unzählige -Beweise anführen. Hierfür dürfte nachstehender genügen. Alltäglich -kann man auf dem Lande sehen, daß ein Landmann Dung ausbreitet. Hat er -die genügende Menge auf eine bestimmte Stelle gebracht, so ruft er dem -Pferde zu, daß es vorwärts gehen solle. Noch niemals habe ich erlebt, -das ein Pferd das nicht verstanden hätte. Hier weiß das Pferd, daß es -allein auf den Zuruf ziehen soll, denn der Lenker steht ja fern vom -Wagen. Den Inhalt des Zurufes versteht es natürlich nicht. - -Wir sehen also, daß es ungeheuer schwierig ist, über die geistigen -Gaben der Tiere ein Urteil abzugeben. Die Tiere sind uns durch manche -Sinne und ihre Instinkte überlegen. Hieraus erklärt es sich, daß die -einfachen Leute zu den Tieren, als zu ihren Lehrmeistern, emporsehen. -Dagegen sind solche zweckmäßige Handlungen, die auf Grund einer -wirklichen Ueberlegung erfolgen, bei Tieren sehr selten anzutreffen. -Ja, man möchte bezweifeln, ob sie überhaupt vorkommen. - -Das im Kampf ums Dasein stehende Tier hat ja auch keine Zeit zur -Ueberlegung, wie schon beim Scheuen erwähnt wurde. Bei Gefahren -überlegt der Mensch auch nicht erst lange. Sieht er in der Nähe einen -Löwen oder Tiger auftauchen, so verfällt der Mensch nicht erst in ein -längeres Grübeln und überlegt sich die Sache nach allen Seiten. Er -richtet sich vielmehr nach seinen Instinkten. Genau so ist es, wenn er -durch einen Brand geweckt wird. Angesichts der eindringenden Flammen -denkt er auch nicht daran, erst lange zu überlegen. - -Die Tiere haben also weniger Gehirn oder weniger Furchen im Gehirn und -mehr Instinkte, weil sie, die mitten unter Gefahren stehen, mit einem -Menschengehirn nichts anfangen könnten. Sie erreichen aber mit ihren -Instinkten mehr, als man denken sollte. Die menschenähnlichen Affen -werden in heißen Gegenden, wo die schrecklichsten Ungeheuer hausen, alt -und grau ohne Waffen, ohne Arzt und ohne alle anderen Hilfsmittel des -Europäers. - -Es ist also richtig, daß das Tier nicht die geistigen Gaben besitzt -wie der Mensch. Es ist aber der Schluß falsch, daß es deshalb weniger -als der Mensch leisten könne. Mit seinen schärferen Sinnen und seinen -Instinkten ist es vielmehr dem Menschen in vielen Sachen überlegen. - - -72. Warum müssen wir das Pferd putzen? - -Die Wildpferde werden nicht geputzt -- warum müssen wir Menschen es bei -unseren Hauspferden tun? Hierauf wäre folgendes zu antworten: - -Alle Einhufer haben die Gewohnheit, sich zu wälzen, was jedenfalls zur -Anregung ihrer Hauttätigkeit geeignet ist. Demselben Zwecke dient wohl -auch das gegenseitige Schaben der Pferde, das man bei Zweispännern oft -beobachten kann. - -Dadurch, daß wir das Pferd größer gezüchtet haben, ist seine -Gelenkigkeit beeinträchtigt worden, und ein Sichwälzen findet nicht -mehr so häufig statt wie früher. - -Beim Esel dagegen ist das Sichwälzen sehr beliebt. Hiermit hängt die -Redensart zusammen: Wo der Esel sich wälzt, da muß er Haare lassen. -Das heißt: Der Verbrecher soll von dem Gerichte abgeurteilt werden, in -dessen Bezirk seine Tat begangen worden ist. - -Das Putzen dient gewissermaßen als Ersatz des Sichwälzens. Wie wichtig -es für das Pferd ist, geht aus der Redensart hervor: Gut geputzt ist -halb gefüttert. Denn das Hauspferd hat im Gegensatz zum Wildpferd -schwer zu arbeiten und gerät deshalb häufig in Schweiß, was bei wilden -Einhufern selten vorkommt. - - -73. Redensarten und Sprichwörter vom Pferde. - -Besprochen sind bereits oder selbstverständlich sind folgende: - - Einem geschenkten Gaul sieht man nicht ins Maul. - - Ein gut Pferd ist seines Futters wert. - - Ein Pferd schabt das andere. - - Gut geputzt ist halb gefüttert. - - Es stolpert oft ein Pferd, das vier Füße hat. - -Von jemandem, der eine Sache verkehrt macht, sagt man: - - Er zäumt das Pferd von hinten auf. - -Dagegen heißt es von denen, die ihre Umgebung von oben herab behandeln, -daß sie - - auf hohem Pferde (Rosse) sitzen. - -Da nach allgemeiner Anschauung der Esel unendlich weniger wertvoll ist -als ein Pferd, so sagt man von dem, der aus einem hochstehenden Beruf -oder Amt in einen weniger hochstehenden gelangt: - - Er setzt sich vom Pferde auf den Esel. - -Eine unbestreitbare Wahrheit enthält der Vers: - - Das Pferd, das am besten zeucht, - bekommt die meisten Streich. - -Unwillkürlich wird das Pferd am meisten ausgenutzt und infolgedessen am -meisten gepeitscht, von dem man weiß, daß es am besten ziehen kann. - - Gemietet Roß und eigene Sporen machen kurze Meilen. - -Der Mensch liebt es, fremde Sachen, die ihm geliehen wurden, nach -Möglichkeit auszunützen. Seinem eigenen Pferde würde er Erholung -gönnen, aber ein fremdes hat sie nach seiner Anschauung nicht nötig. Er -wird sich für ein fremdes Pferd die schärfsten Sporen nehmen und diese -fleißig gebrauchen. So gelangt er schnell zum Ziel. - - In den Sielen sterben - -sagt man von einem Menschen, der wie ein Arbeitspferd bis zum letzten -Augenblicke tätig war. - -In meiner Gegend war die Redensart üblich: - - Die rauhsten Fohlen werden die glattsten Pferde. - -Mein Vater hat sich oft damit getröstet, wenn wir Knaben wieder einmal -einen dummen Streich verübt hatten. - -[Illustration: Pferdekoppel] - -[Illustration: Pferde in der Schwemme] - - - - -Esel und Maultier - - -74. Das Aeußere des Esels. - -In früheren Jahren konnte man in der Großstadt häufiger Eselfuhrwerke -sehen. Jetzt müssen wir es als ein besonderes Glück betrachten, daß wir -ein solches zu Gesicht bekommen und uns näher ansehen können. - -Aeußerlich fallen am Esel seine langen Ohren, seine graue Farbe, seine -Kleinheit, sein fast kahler Schweif Und seine zierlichen Hufe auf. Er -sieht aus wie ein kleines Pferd mit gewissen Abweichungen. Natürlich -ist er unserem Pferde nahe verwandt. - -Im Volke ist er sprichwörtlich wegen seiner Dummheit, Langsamkeit, -Faulheit und seiner Genügsamkeit. Nach allgemeiner Ansicht sind Disteln -sein liebstes Futter. - -In südlichen Ländern, beispielsweise in den am Mittelländischen Meere -gelegenen Staaten wird niemand dieses Urteil unterschreiben. Dort ist -der Esel ein unbezahlbarer Gehilfe, der trotz seiner kleinen Gestalt -die größten Lasten trägt. Ein altgriechischer Dichter vergleicht einen -der stärksten Helden mit einem Esel, um den Kämpfer zu ehren. - -Auch hier gibt uns die Abstammung des Esels Aufklärung über die -verschiedene Beurteilung des geplagten Geschöpfes. Wildesel leben in -den glühend heißen Ländern von Afrika und Mittelasien, und zwar in -gebirgigen Gegenden. - -Jetzt wird uns sofort verschiedenes klar, nämlich folgendes: - -Erstens, daß ein Tier, das aus den Gleichergegenden (Aequatorgegenden) -stammt, viel Wärme braucht. Das ist auch in der Tat der Fall. In -Deutschland ist es für den Esel bereits zu kalt. Deshalb gedeiht er bei -uns nicht ordentlich. - -Zweitens erklärt sich seine graue Färbung als Schutzfärbung. Sein Fell -stimmt mit den Felsen und dem Geröll seiner Heimat überein, so daß er -von seinen schlimmsten Feinden, dem Menschen und den großen Katzen, -schwer entdeckt wird. - -Auch der halbkahle Schweif hängt mit der Schutzfärbung zusammen. Im -Felsengewirr würde der dicke schwarze Streifen des Pferdes auffallen, -weil er sich von der vorherrschenden grauen Färbung abhebt, während das -in der Ebene viel weniger der Fall ist. - -Drittens verstehen wir seine zierlichen Hufe und seinen im Gebirge so -sicheren Gang. Das Gebirge ist ja seine Heimat, und wer sicher auf -kleinen Stellen im Gebirge auftreten will, darf nicht die unförmigen -Hufe eines flämischen Pferdes haben. - -Viertens. Auch die langen Ohren werden aus seinem Leben in der Heimat -verständlich. Wir sehen, daß alle Tiere sich durch auffallend lange -Ohren auszeichnen, die ihren eigentlichen Hauptsinn, den Geruch, -nur unter ungünstigen Umständen tätig sein lassen können. Das ist -beispielsweise beim Hasen, beim Wüstenfuchs und anderen Tieren der -Fall. Der Hase liegt mit aufgelegtem Kopfe in einer Bodenvertiefung. -In dieser Lage kann seine sehr feine Nase einen etwa 10 bis 20 Schritt -entfernten Menschen trotz günstiger Windrichtung nicht wittern, -falls dieser, was häufig der Fall ist, etwas höher steht. Denn die -Ausdünstung des Menschen geht über den Rücken des Hasen hinweg. Daher -ist die irrige Ansicht entstanden, daß der Hase nicht wittern kann. Wie -vorzüglich er riechen kann, sieht man in jedem Frühjahr, wenn er wie -ein Jagdhund in sausender Fahrt die Spur einer Häsin verfolgt. - -Auch der Esel hat, wie das Pferd, eine ausgezeichnete Nase. Aber wie -oft läßt sie ihn im Felsengewirr im Stich! Die Witterung des Menschen, -des Löwen oder eines anderen Raubtieres, die hinter einem Felsen -lauern, geht an dem Esel vorbei, ohne in das Riechgebiet der Nase zu -gelangen. - -Deshalb müssen sich Esel, Hase und Wüstenfuchs vor allen Dingen auf ihr -Gehör verlassen. Daher ihr fortwährendes Spitzen der Ohren. Daher die -ungewöhnliche Länge der Ohren bei den genannten Tieren. - -Die Dummheit des Esels ist nicht so groß, wie sie gewöhnlich -hingestellt wird. Sie hat in vieler Hinsicht dieselben Gründe wie die -der Schafe, bei denen wir davon noch sprechen wollen. - -Die Genügsamkeit des Esels ist für uns Menschen sehr wertvoll. Aber es -ist nicht richtig, daß Disteln ihm über alles gehen sollen. Wir werden -das gleich noch sehen. - - -75. Warum sieht man selten kranke Esel? - -Während das Pferd einer Unmenge von Krankheiten unterworfen ist, muß -man geradezu suchen, wenn man einen kranken Esel finden will. Einen -schönen Fall von dem ungewollten Selbstmord eines Esels erzählt ein -Naturforscher: Krank wird der Esel nicht leicht, und frißt er sich -einmal zu Tode, so geschieht es wenigstens nicht in böser Absicht, -was man aus folgender Tatsache entnehmen mag: Einer meiner Freunde -besaß einen alten und einen jungen Esel; als des letzteren Geburtstag -gefeiert wurde, ließen die Kinder auch den alten am Feste teilnehmen, -gaben ihm eine große Menge reinen Hafers, und da feierte er denn so -eifrig, daß er daran starb. -- - -Solche Menschen, die sich den Geburtstag ihres Esels merken und ihn -gebührend feiern, sind sicherlich große Ausnahmen. Jedenfalls geht aus -dem Erlebnis hervor, daß der Esel Hafer noch viel lieber als Disteln -frißt. - -Wie alle Einhufer, hat der Esel einen kleinen Magen und obendrein eine -Klappe davor. Ein gesunder Einhufer kann sich also nicht übergeben. Er -platzt, wenn er zuviel gefressen hat. - -Wir haben vorhin (Kap. 62) darauf hingewiesen, daß das Pferd ein -Magerfresser ist. Der Esel ist es in noch höherem Grade. Gäbe man dem -Esel auch soviel Körnerfutter wie dem Pferde, so würde er auch koppen -und krank werden. Zum Glück verwöhnen wir den Esel nicht. - -Es dürften also folgende beiden Gründe sein, weshalb der Esel so -selten, das Pferd so häufig krank ist. - -Einmal haben wir dem Esel die dürre Fütterung seiner Heimat gelassen, -weil es uns sehr angenehm ist, daß er so genügsam ist. - -Sodann haben wir den Esel so gelassen, wie ihn die Natur geschaffen hat. - -Das Pferd dagegen haben wir größer gezüchtet, weil wir große Tiere -brauchten. Um die Größe zu erzielen, müssen wir viel Körner verfüttern, -was für ein Steppentier nicht naturgemäß ist. - -Das Pferd würde noch viel häufiger erkranken, wenn es nicht als -Haustier die gesündeste Tätigkeit ausübte. Es ist den ganzen Tag in -der frischen Luft und arbeitet sich aus. Wie gesundheitsfördernd das -für das Pferd ist, ersehen wir an einer an Feiertagen nicht selten -auftretenden Krankheit, der sogenannten Osterwinde. Die Pferde bleiben -im Stalle und bekommen zur Feier des Tages ihr übliches Körnerfutter. -Die Folge davon ist nicht selten eine furchtbar schwere Erkrankung, die -Osterwinde. - - -76. Ziehhund oder Esel? - -Wir haben uns jetzt das Aeußere des Esels verständlich gemacht und -wollen jetzt die Frage besprechen, weshalb man nicht allgemein statt -der Ziehhunde Esel verwendet. - -Seit vielen Jahren wird gegen die Verwendung der Hunde zum Ziehen -gewettert. Diese Bestrebungen zeugen von dem guten Herzen der -Beteiligten und sollen deshalb sorgfältig geprüft werden. Allerdings -ist auch in diesem Falle, wie bei den Hüten für die Omnibuspferde, -vielfach Sachkunde zu vermissen. - -Die Verwendung des Hundes zum Ziehen ist eine Tierquälerei, falls - - 1. der Hund übermäßig lange angestrengt wird oder übermäßige Lasten - zu ziehen hat, - - 2. Fütterung und Tränkung nicht genügend ist, - - 3. der Hund als früheres Nachttier bei glühender Mittagshitze ziehen - muß, - - 4. an den Ruhestellen kein trockenes Plätzchen zum Hinlegen ist, - - 5. er bei Kälte an den Ruhestellen nicht zugedeckt wird. - -Pferde und Esel brauchen sich nicht hinzulegen zur Ruhe, wohl aber der -Hund. - -Pferden erfrieren trotz der größten Kälte nicht die Beine, wohl aber -dem Hunde. - -Ein Sachverständiger äußert sich über die vorliegende Streitfrage -folgendermaßen: - -In vielen Gegenden spannen Leute, die oft geringe Lasten zu befördern -haben, statt der Esel Hunde vor, was schon oft getadelt, aber doch -nicht abgeschafft ist. -- Ziehen wir zwischen beiden einen Vergleich, -so stellt sich folgendes heraus: Der Hund ist leichter zu haben, weil -er sich sehr stark vermehrt, ist wohlfeiler, weil er ein Jahr alt -schon angespannt werden kann und weil er oft von Leuten, die ihn zu -Jagd- oder Metzgergeschäften dressieren wollten, aber dann unbrauchbar -fanden, sehr billig verkauft oder gar verschenkt wird. Soll ein Hund -jung kräftig wachsen, älter tüchtig ziehen, so muß er tüchtig und gut -gefüttert werden, und seine Ernährung kann leicht ebensoviel kosten wie -die eines Esels. Zu Hause kann er auch durch Nagen, Totbeißen anderen -Hausviehes usw. manchen empfindlichen Schaden tun, der beim Esel nicht -vorkommt. - -Der Esel hat den großen Vorzug, daß er ebensowohl tragen als ziehen, -daß er 30 bis 40 Jahre tüchtig arbeiten kann, während ein Hund kaum 8 -Jahre aushält und jedenfalls nur geringere Lasten fortschafft. -- Bei -diesen Vorzügen des Esels erklärt sich seine Seltenheit nur daraus, -daß er in der Jugend 2 bis 3 Jahre lang gefüttert werden muß, bevor er -außer dem Ertrag seines gut düngenden Mistes, Nutzen bringt, ferner, -daß er bei geringerer Vermehrung nicht leicht zu haben, endlich, -daß er aus eben diesen Gründen nicht wohlfeil ist. -- Ganz anders -möchte sich das Verhältnis gestalten, wenn Besitzer großer Güter oder -Aktiengesellschaften eine kleine, aber kräftige Eselsrasse in Menge -zögen und wohlfeil verkauften. -- Würden statt der Esel Pferdchen -kleinster Rasse gezogen, so würde das Unternehmen noch willkommener -sein. -- - -Der Sachverständige befindet sich im Irrtum, wenn er die Gebrauchszeit -eines Ziehhundes auf knapp acht Jahre angibt. Ich kenne eine Menge, die -bis zum fünfzehnten Jahre gezogen haben. Das ist auch der beste Beweis, -daß mäßiges Ziehen für einen großen Hund sehr gesund ist. - -Der Kohlenhändler und andere Kellerbewohner haben deshalb einen -Ziehhund, weil er in einer Ecke des Kellers sein Lager haben kann und -obendrein noch wacht. Wo sollen sie einen Esel oder ein kleines Pferd -unterbringen? Futter für einen Hund ist immer noch leichter in einer -Großstadt zu beschaffen als Futter für einen Einhufer. - -Manche Menschen bilden sich auf ihre Tierfreundlichkeit etwas ein, -wenn ihr großer Hund den Tag über auf dem Teppich liegt und als -einzige Bewegung das mehrmalige Hinausführen auf die Straße hat. In -Wirklichkeit liegt hier eine Tierquälerei vor, weil der Hund als zur -Bewegung geschaffenes Raubtier hierbei verkümmern muß. Ebenso sind -Maulkörbe mit einer ledernen oder blechernen Absperrung vor der Nase, -die den Hund am Riechen hindert, als Tierquälerei zu bezeichnen. Noch -schlimmer sind die armen Zwingerhunde daran. Warum hier nicht die -Tierschutzvereine eingreifen, ist schwer zu verstehen. Ich habe manchen -Aufenthalt in Jagdrevieren nur deshalb vorzeitig abgebrochen, weil ich -auf die Dauer das zum Herzen gehende Geheul der armen Zwingerhunde -nicht aushalten konnte. - -Um Mißverständnisse zu vermeiden, erkläre ich ausdrücklich, daß ich -ebenfalls grundsätzlich gegen die Verwendung des Hundes zum Ziehen -bin, weil die aufgezählten Bedingungen in der Praxis nicht immer -berücksichtigt werden. - - -77. Wie ist der Esel mit dem Maultier verwandt? - -Maultiergespanne brauchen wir jetzt in der Großstadt nicht lange zu -suchen. Da taucht bereits ein solches vor uns auf, das einer Brauerei -gehört. - -Die Verwandtschaft mit dem Esel ist, wie wir sehen, sehr groß. Lange -Ohren, dünn behaarter Schwanz und zierliche Hufe fallen uns sofort -in die Augen. Auch fehlt dem Maultier der stolze Ausdruck, den wir -beim Pferde lieben. Das Maultier hat als Mutter ein Pferd und als -Vater einen Esel. Beim Maulesel ist es umgekehrt. Uebrigens ist es -bestritten, ob es irgendwo wirkliche Maulesel gibt. - -Was sonst selten vorkommt, können wir beim Maultier beobachten. Es -vereinigt die Vorzüge des Pferdes mit denen des Esels, nämlich die -Größe und Kraft des Pferdes mit dem sicheren Tritt des Esels. In -gebirgigen und warmen Ländern sind daher Maultiere sehr geschätzt. - -Ferner ist das Maultier wie der Esel viel gesünder als das Pferd. Das -ist ein ungeheurer Vorzug. Es würde auch bei uns verbreiteter sein, -wenn es nicht manche unangenehmen Eigenschaften besäße. So ist es -störrisch und liebt es sich zu wälzen. Das ist besonders unangenehm, -wenn es soeben geputzt worden ist. - - -78. Wie erklärt sich die Abneigung des Pferdes gegen den Esel? - -Trotzdem Pferd und Esel beide Einhufer sind, hat das Pferd eine -Abneigung gegen den Esel. Um ein Maultier zu züchten, muß man deshalb -künstlich diese Abneigung unterdrücken. Die Maultiere selbst pflanzen -sich nicht fort. - -Man bekommt ein Verständnis für den Widerwillen, den nahe verwandte -Tiere oft gegeneinander haben, wenn man sich die Folgen einer Paarung -vorstellt. Das Pferd ist Bewohner der Steppe und Meister im Rennen. Der -Esel ist dagegen im Gebirge zu Hause und ein vorzüglicher Kletterer. -Gäbe es in der Freiheit Maultiere, also Abkömmlinge von Pferd und Esel, -so könnte ein Maultier nicht so rennen wie seine Mutter und würde von -den Wölfen zuerst eingeholt werden. Aber auch im Gebirge könnte es -nicht so klettern wie sein Vater und fiele deshalb auch hier zuerst den -Feinden zur Beute. - - -79. Warum schreit der Esel Ya? - -Das uns höchst unangenehme Geschrei des Esels, das an unser Ja -erinnert, hat zu unzähligen Witzen Anlaß gegeben. Will der Esel im -Gebirge eine Eselin finden, so wäre es zwecklos, wenn er wie ein -Kulturmensch sänge. Dagegen dringt sein Geschrei bis zu den langen -Ohren der Eselin, wie auch das Jodeln der Tiroler ganz für das Gebirge -geschaffen ist. - - -80. Die Rassen des Esels. - -Man unterscheidet drei Formen grauer Esel: Hausesel, Nubischer -Steppenesel und Somali-Wildesel. Der Hausesel wird verschieden groß. -Es gibt Esel in Südarabien und in Frankreich, welche die Größe eines -guten Pferdes erreichen. Umgekehrt kommen auf einigen Inseln Zwergesel -vor, die nicht so groß werden wie ein großer Hund. - - -81. Der Esel im Sprichwort und in Redensarten. - -Der Esel gilt als dummes und verachtetes Tier, besonders bei uns. Daher -sagt man - - *Auf den Esel kommen, sich auf den Esel setzen.* - -Das heißt aus einer geachteten Stellung in eine niedere treten. - - *Den Esel reiten*, - -eine beschimpfende Strafe erleiden. - -In Zusammenhang hiermit steht: - - *einen auf den Esel setzen oder bringen*, - -was soviel heißt wie einen erzürnen. - - *Den Esel läuten*, - -d. h. die hängenden Beine vorwärts und rückwärts baumeln lassen. - - *Wenn's dem Esel zu wohl ist, dann geht er aufs Eis und tanzt oder - er geht aufs Eis tanzen und bricht sich ein Bein.* - -Das hat gewiß noch niemand gesehen. Aber der Mensch braucht eine -Zielscheibe für seinen Spott. Da nun der Esel als sehr dumm gilt, und -sich nicht verteidigen kann, so unterstellt man ihm die geschilderte -Torheit. - - *Eselsbrücke.* - -Nach Grimm versteht man darunter eine Schwierigkeit, vor der Unwissende -stutzen, wie der Esel vor einer Brücke. - -Diese Erklärung befriedigt nicht, denn das Stutzen des Esels vor der -Brücke ist gewiß sehr selten. - -Der Lehrer nennt die Uebersetzung, die ein Schüler benützt, eine -Eselsbrücke. Das geschieht aus dem Grunde, weil der Esel als Wüstentier -sehr wasserscheu ist und statt durchs Wasser zu schreiten, eine Brücke -braucht. Der Lehrer meint also: Anstatt mit geringer Anstrengung -den lateinischen Schriftsteller zu übersetzen, kaufst du dir eine -Uebersetzung. Du machst es also wie der Esel, der ohne Mühe das -Wasser durchschreiten könnte, aber statt dessen eine Brücke verlangt. -Eselsbrücke heißt also eine ganz überflüssige Erleichterung. - - *Eselsohren* - -werden die Einbiegungen der Blätter in Büchern genannt. - - *Wo sich der Esel wälzt, muß er Haare lassen* - -ist bereits erklärt worden. - -[Illustration: Rumänische Hausierer mit ihren Eseln] - - - -Das Rind - - -82. Warum können wir nicht auch fette Schweizerkäse herstellen? - -Die Zeiten sind lange vorbei, wo man in den Straßen Berlins noch -Rinderherden sah, wie ich es in meinen jungen Jahren erlebt habe. Heute -rennt die ganze Jugend Berlins zusammen, wenn eine Kuh nach oder von -einer Molkerei befördert wird. Alle staunen das Wundertier an. Was im -Dorfe die alltägliche Erscheinung ist, gehört in der Großstadt zu den -Seltenheiten. - -Um eine weidende Rinderherde zu beobachten, müssen wir schon ein -ordentliches Stück Weg laufen. Das Glück ist uns hold. Wir treffen eine -Herde von Kühen an und können in Ruhe den Tieren zuschauen. - -Da in der Nähe auch ein Pferd grast, so können wir so recht den -Unterschied zwischen dem Weiden des Pferdes und der Rinder beobachten. -Das Pferd packt die Gräser mit der sehr beweglichen Oberlippe und beißt -kurz ab, die Kuh dagegen arbeitet hauptsächlich mit der Zunge, die -ihr die fehlenden oberen Schneidezähne ersetzt. Schlächter haben mir -oft erklärt, daß man mit einer getrockneten Rinderzunge einen Stuhl -zusammenschlagen kann. Ich habe es in diesen Zeiten der Fleischnot -noch nicht ausprobieren können, halte es aber sehr wohl für möglich. -Jedenfalls ist die Zunge beim Rinde ein äußerst wichtiges Glied. - -Weil die Kuh das Gras mit der Zunge packt, wird es nicht so tief -abgebissen. Daher kommt es, daß, wo Kühe gegrast haben, noch sehr gut -Pferde weiden können. - -Die äußerlich auffallendsten Unterschiede zwischen Rindern und Pferden -sind namentlich folgende: - - Die Rinder haben Hörner, die Pferde nicht. - - Die Rinder sehen plump aus, die Pferde nicht. - - Die Rinder haben gespaltene Hufe, die Pferde nicht. - - Die Rinder haben einen langen, kahlen Schwanz, der mit einer Quaste - endet, während Pferde einen schönen, bis zur Wurzel behaarten - Schweif besitzen. - -Wenn wir so die Kühe behaglich im hohen Grase weiden sehen, dann taucht -unwillkürlich die Frage auf, weshalb wir nicht, wie die Schweizer, auch -schöne fette Käse herstellen können. Warum müssen wir unser schönes -Geld an sie abgeben? - -Die Antwort darauf ist folgende: Wir können aus zwei Gründen solche -Käse nicht herstellen. Einmal fehlt uns das Gebirgsgras und dann die -Gebirgsweiden. - -Gras ist nämlich nicht Gras, wie der Großstädter meint, sondern -das Gebirgsgras ist so kräftig, daß eine Kuh, die sonst 36 Pfund -Niederungsgras frißt, nur 24 Pfund Gebirgsgras braucht. - -Im Zoologischen Garten können wir die Verschiedenheit der Grasarten -recht deutlich beobachten. Gemsen leben nicht lange im Zoologischen -Garten und pflanzen sich noch seltener darin fort. Dabei gibt es doch -in Bayern noch zahlreiche Gemsen. Sie sind also heimische Tiere. Aber -in der Gefangenschaft fehlt ihnen das gewürzige Gebirgsheu. Was wir -ihnen vorsetzen, ist nicht ihr Fall. - -Pferde in den Alpen brauchen keinen Hafer, weil das Gebirgsgras so -kräftig ist. - -Es ist klar, daß dieses Gebirgsgras eine viel fettere Milch und -demgemäß einen viel fetteren Käse liefert. - -Nun kommt hinzu, daß oben in den Gebirgsweiden die Verhältnisse für die -Kühe viel günstiger liegen. Bei uns in der Ebene werden die Kühe mit -dem Eintritt des Sommers dermaßen von Insekten belästigt, daß sie in -beständiger Unruhe sind, und der Ertrag der Milch darunter sehr leidet. - -Ganz anders ist es auf den Alpenweiden. Die Rinder können daher -behaglich und ohne fortwährend gepeinigt zu werden, sich dem Fressen -und Wiederkäuen widmen. - -Die Schweiz hat also durch Natur gegebene Vorzüge, die wir nicht -nachmachen können. Auch ist die Art der Herstellung von örtlichen -Verhältnissen abhängig. - - -83. Der Stier und die rote Farbe. - -Bei der Rinderherde befindet sich auch ein Stier oder Bulle. Er ist -noch ein ziemlich junges Tier und deshalb allem Anscheine nach noch -umgänglich. Aelteren Stieren ist gewöhnlich schlecht zu trauen. - -Es dürfte bekannt sein, daß besonders der Stier eine ausgesprochene -Abneigung gegen die rote Farbe hat. Es ist schon oft Unglück dadurch -entstanden, daß Menschen, die von dieser Eigentümlichkeit nichts -wußten, den Stier ahnungslos gereizt haben und infolgedessen schwer -verletzt, ja getötet worden sind. - -Was veranlaßt den Stier zu diesem Hasse auf die rote Farbe? - -Wir kennen heute noch nicht genau die Stammeltern unserer Hausrinder. -Aber es ist sicher, daß sie wie alle Wildrinder ihren größten Feind in -den Katzen haben. Besonders der Tiger macht eifrig auf Wildrinder Jagd. - -Die rote Farbe läßt wahrscheinlich den Stier an seinen grimmigsten -Feind denken. Da der Stier nicht wie ein Pferd flüchtet, sondern mit -seinem Gegner auf Tod und Leben kämpft, so ist der wütende Angriff des -Stieres auf einen Menschen mit roter Kleidung verständlich. - -Die Abneigung des Truthahns gegen die rote Farbe dürfte denselben Grund -haben. Wir werden bei der Schilderung des Truthahns näher darauf zu -sprechen kommen. - - -84. Das Flotzmaul der Rinder. - -Bei den weidenden Rindern beobachten wir ferner, daß sie im Gegensatz -zu dem Pferde ein Flotzmaul besitzen, d. h. eine breite haarlose und -feuchte Stelle zwischen den Nasenlöchern. - -Weshalb hat wohl das Rind einen solchen Nasenspiegel, den wir in -ähnlicher Form bei Büffeln, Hirschen und anderen Pflanzenfressern -finden? - -Der Nasenspiegel ist sehr empfindlich und deshalb hindert er die -Rinder, brennende und stachlige Pflanzen zu fressen. Während der -Kriegsjahre konnte ich das sehr häufig im Zoologischen Garten -beobachten. Die Futterration war nur knapp, und deshalb das Verlangen -nach etwas Ersatz sehr groß. Im Spätsommer wachsen nun in den Ständen -eine Unmenge Brennesseln. Das schöne Grün stach den Zebus, den -indischen Rindern, in die Augen, und sie suchten immer wieder die -Brennesseln zu fressen. Doch das empfindliche Flotzmaul trieb die Zebus -immer wieder zurück. Nur junge oder verwelkte Brennesseln scheinen von -Rindern gefressen zu werden. - -Das Flotzmaul ist stets feucht und empfindlich wie beim Hunde die Nase -und zwar aus denselben Gründen. Bei Wildrindern ist das Flotzmaul auch -stets schwärzlich wie die Nase der Wildhunde. - - -85. Die Furcht der Rinder vor dem Blutgeruch. - -Wenn wir unter uns einen Schlächter hätten, der eben geschlachtet hat, -so könnte seine Witterung die ganze Rinderherde in Aufruhr versetzen. - -Es braucht natürlich nicht gerade ein Schlächter zu sein. Es genügt, -daß ein Jäger einen erlegten Rehbock im Rucksack trägt, dessen Blut von -den Kühen gewittert wird. Ausschlaggebend ist stets der Blutgeruch. -Es genügt also, daß wir die Hände in Blut getaucht oder daß wir ein -Kleidungsstück mit Blut getränkt haben. - -Der Grund des Verhaltens der Rinder ist einleuchtend, sobald wir an die -Lebensweise der Wildrinder denken. Unzählige Male ist es vorgekommen, -daß ein weidendes Rind gar nicht gemerkt hatte, daß ein Raubtier ein -Kalb getötet oder einen Kameraden überfallen hatte. Die Anwesenheit des -Raubtieres nahm es regelmäßig erst durch den Blutgeruch wahr. - -Blutgeruch und zwar Geruch vom Blut eines Pflanzenfressers und -Anwesenheit eines Raubtieres ist also für ein Rind so ziemlich dasselbe. - -Hat daher ein Schlächter einen Kuhstall betreten, etwa um ein Kalb -zu besichtigen, das er kaufen will, so sind die Kühe den ganzen Tag -unruhig, was den Landleuten wohl bekannt ist. - -Auch das Schlachthaus wollen Rinder nicht betreten, weil ihre feine -Nase ihnen sagt, daß ihnen der Tod droht. Oft habe ich zugesehen, -welche Anstrengungen erforderlich sind, um eine Kuh in den Schlachtraum -zu bringen. - -Die Furcht vor dem Blutgeruch besitzen auch Pferde, wovon schon früher -(Kap. 67) die Rede war. - - -86. Die Furcht der Rinder vor den Bremen. - -In große Aufregung könnten wir die Herde auch versetzen, wenn wir das -Geräusch einer fliegenden Breme (auch Bremse genannt) nachmachten. Wir -werden das natürlich nicht tun. Allerdings ist die eigentliche Flugzeit -der Bremen erst im Hochsommer und zwar in den Mittagsstunden. - -Die Furcht der Rinder vor den Bremen ist sehr wohl begründet. Diese -Insekten umschwärmen die großen Pflanzenfresser und suchen ihre Eier -auf ihnen abzulegen. Obwohl die Rinder bei ihrer Ankunft die Schwänze -hochnehmen und davonrasen, gelingt den Bremen ihr Vorhaben. Das -abgelegte Ei entwickelt sich zur Made, die auf Kosten des Wirts lebt -und große dicke Beulen, sogen. Dasselbeulen hervorruft. Diese Beulen, -aus denen das fertige Insekt auskriecht, verursachen natürlich große -Löcher in der Haut. - -Man sollte meinen, daß der Gerber solche durchlöcherten Rinderhäute -nicht haben will. Das Gegenteil war vor dem Kriege der Fall. -Durchlöcherte Häute wurden gern genommen, weil die Erfahrung gelehrt -hatte, daß die Insekten mit ihrem feinen Geruchsvermögen stets die -gesündesten und kräftigsten Tiere zur Eiablage ausgesucht hatten. - - -87. Die Abneigung der Rinder gegen Hunde. - -Es ist gut, daß wir keinen großen Hund bei uns haben. Denn man kann -immer wieder erleben, daß die Rinder eine ausgesprochene Abneigung -gegen Hunde haben. - -Will ein Jäger mit seinem Hunde durch eine weidende Kuhherde wandern, -so muß er sich vorsehen, daß sie seinen Hund nicht angreifen. - -Hier zeigt sich so recht deutlich der Unterschied zwischen Pferd und -Rind im Benehmen gegen ihren Feind. Das Pferd flüchtet regelmäßig -und kämpft nur gegen kleinere Raubtiere. Auch stehen sich Pferde -gegenseitig nicht bei. - -Ganz anders liegt die Sache bei den Rindern. Diese halten zusammen und -stürmen gemeinsam auf den Feind. Zur Flucht sind sie ja auch viel zu -schwerfällig gebaut. - -Deshalb brüllen auch die Rinder, die von einem Raubtier überfallen -worden sind oder sonst Schmerz empfinden. Denn das Brüllen hat bei -ihnen einen Zweck. Es soll die Genossen zum Beistand anspornen. Pferde -dagegen stehen sich, wie wir wissen (Kap. 58), nicht bei, und deshalb -erleiden sie stumm alle Qualen. - - -88. Das Aufblähen der Rinder. - -Wenn die Rinder gierig üppig gewachsenes Futter, z. B. Klee, Luzerne -und Esparsette fressen, dann ereignet sich oft, namentlich, wenn die -Sonne sehr sticht, und es schwül ist, das sogen. Aufblähen der Rinder. -Dieses Aufblähen entsteht durch Auftreibung des Pansens infolge der -Entwicklung von ungewöhnlichen Gasmengen. - -Man ersieht hieraus, wie leicht den Landwirt schwere Verluste treffen -können, gerade dann, wenn er seinen Tieren das schönste, was er ihnen -geben kann, zu fressen gibt. - -Da die Tiere nur weiden, wie es auch die Wildrinder tun, so scheint -die Frage berechtigt zu sein, warum die an sich naturgemäße Art des -Fressens zu schweren Erkrankungen führen kann. - -Vergegenwärtigen wir uns die Lebensweise der Wildrinder und vergleichen -wir sie mit der Lebensweise unserer Hausrinder, so ergeben sich -folgende Unterschiede. - -Zunächst sind die Wildrinder Nachttiere, wie schon aus ihren großen -Pupillen ersichtlich ist. Genau wie unsere Hirsche und Rehe gehen sie -erst mit dem Anbruch der Dämmerung auf die Nahrungssuche aus. Zu diesem -Zwecke verlassen sie den Wald oder das Gebüsch, das ihnen am Tage -Deckung gewährt hat, und treten auf die Felder. - -Also von der Sonne prall beschienene Futterpflanzen, obendrein bei -äußerst schwüler Luft, fressen die Wildrinder niemals. - -Sodann gab es in Vorzeiten, als der Mensch noch nicht dem Acker seinen -Stempel aufgedrückt hatte, niemals Futterpflanzen in solcher Fülle. -Erst das Säen, die Bewässerung, die künstliche Düngung und anderes hat -diese Unmasse hervorgerufen. Früher wuchsen blähende Futterpflanzen -nur vereinzelt. Dazwischen standen andere Pflanzen, die dem Blähen -entgegenwirkten, z. B. Kümmel. Also hatten die Wildrinder früher gar -keine Gelegenheit, soviel blähendes Zeug zu fressen, wie heute die -Hausrinder. - -Drittens aber -- und das ist die Hauptsache -- fehlen unseren -Haustieren die Raubtiere. Man beobachte einmal ein freilebendes Tier, -z. B. ein Reh, wenn es abends aus dem Walde tritt. Erst wird gesichert, -d. h. alle Sinne werden aufs äußerste angestrengt, ob nicht irgendwo -ein Feind, namentlich ein böser Jäger, nach Rehbraten Verlangen trägt. -Erst wenn die angestrengten Sinne nichts feststellen können, und wenn -eine längere Prüfung dasselbe Ergebnis hat, dann wird vorsichtig ins -Feld getreten. Hier wird nochmals aufs gründlichste gesichert, ob -irgendwas Verdächtiges zu erkennen ist. Erst dann werden einige Happen -ganz hastig genommen. Von einem gemütlichen Futtern ist aber gar keine -Rede. Nach einer halben Minute geht schnell der Kopf hoch, und wiederum -werden alle Sinne angestrengt. - -In ähnlicher Lage nehmen auch die Wildrinder ihre Nahrung zu sich, -wenngleich sie im Gefühl ihrer Stärke nicht so ängstlich zu sein -brauchen. Immerhin wissen sie, daß ihnen der Mensch oft überlegen ist, -und daß sie gegen seine Fallgruben machtlos sind. - -Von einem hastigen gierigen Hinunterschlingen ohne Pause, wie es unsere -Hausrinder tun, kann also bei Wildrindern niemals die Rede sein. - -Da wir Menschen die Raubtiere ausgerottet haben, so müssen wir sie -in den Fällen, wo sie uns nützlich waren, ersetzen. Die Raubtiere -verhinderten, daß die Pflanzenfresser in ihrer Gier zu hastig ohne -Pausen schlangen. Denn die Pflanzenfresser mußten immer solche Pausen -machen, um nicht von einem Feinde überfallen zu werden. - -Solche Pausen beim Fressen der Rinder können wir dadurch erzielen, daß -wir die Tiere in ständiger Bewegung halten. Viele praktische Landwirte -sind davon überzeugt, daß das beste Mittel gegen das Aufblähen die -fortwährende Beunruhigung der Tiere ist. Sie müssen dann Pausen im -Fressen machen, und Fressen mit Pausen ist naturgemäß, während Fressen -ohne Pausen unnatürlich ist. - - -89. Die Kuh vorm neuen Tor. Der Ortssinn der Tiere. - -Eine bekannte Redensart ist die: Er steht da, wie die Kuh vorm -neuen Tor. Man meint damit ein blödes, unbeholfenes Anstarren eines -Gegenstandes, den man an dieser Stelle nicht erwartet hat. - -Ochse und Kuh, Esel und Schaf gelten ja von unsern Haussäugetieren -als die dümmsten. Natürlich sind die Raubtiere klüger als die bloßen -Pflanzenfresser. Die Raubtiere müssen ihre Opfer überlisten, was nicht -immer sehr leicht ist. Dagegen haben es die meisten Pflanzenfresser -bequemer, da sie manchmal nur ihr Maul aufzumachen brauchen. - -Immerhin sind die Gründe, die man für die Dummheit der genannten -Tiere anführt, in den meisten Fällen nicht überzeugend. Wir dürfen -doch nicht vergessen, daß wir frei lebende Tiere, die sich allein und -ohne Belehrung und Schutz durch die Welt schlugen, erst durch unsere -Behandlung zu den Jammergestalten gemacht haben, als welche sie so -häufig vor uns stehen. Das Wildschaf ist nach der Ansicht erfahrener -Jäger ein sehr schwer zu erlegendes Geschöpf, während unser Schaf -vollkommen hilflos ist. - -Mit Dummheit hat das Anstarren des neuen Tores durch die Kuh nicht -das mindeste zu tun, sondern es rührt von der Verschiedenheit der -menschlichen und tierischen Auffassung her. Für den Menschen ist der -Gegenstand maßgebend, der ihm die Stelle bezeichnet, wohin er will, -während das Tier sich nach diesem Gegenstand gar nicht richtet. - -An einem naheliegenden Beispiel können wir uns das am besten -klarmachen. Angenommen, der Besitzer der weidenden Kuhherde ließ heute -sein Tor neu anstreichen -- was allerdings bei den jetzt so teueren -Farbpreisen ausgeschlossen ist, aber angenommen werden soll --, so -würde sich der Hütejunge um den neuen Anstrich kaum viel kümmern. Auch -würde es dem Jungen gewöhnlich ganz gleichgültig sein, daß das Schild -des Gasthofes neu angestrichen ist. Es soll nämlich angenommen werden, -daß die Kühe einem Gastwirt im Dorf gehören. Das würde auch der Fall -sein, wenn der Hütejunge aus der Fremde gekommen wäre und zum ersten -Male seinen Dienst verrichtete. Die Kühe dagegen stutzen am Tor wegen -des ihnen fremden Farbgeruchs, vielleicht auch deswegen, weil die -früheren dunkeln Farben durch helle ersetzt worden sind. - -Der im Orte ganz fremde Hütejunge sagt sich: Dort ist das Schild -meines neuen Herrn: Gastwirt Friedrich Schultze. Also bin ich an der -richtigen Stelle. So handeln wir alle und denken, daß die Tiere es -auch so machen. Das Tier richtet sich aber nur, wenn es vorzügliche -Augen besitzt, also ein Augentier ist, nach seinen Augen und selbst -dann nicht immer. Die Nasentiere richten sich aber nur selten nach den -Augen. - -Die Rinder, die ein schwaches Auge, aber eine feine Nase besitzen, -haben wie alle Säugetiere einen vorzüglichen Ortssinn. Dieser Ortssinn -ist für sie entscheidend. Kehrt eine Kuh zurück, so zweifelt sie -keinen Augenblick daran, daß sie auf dem richtigen Wege ist. Denn ihr -Ortssinn läßt sie nicht irren. Aber sie stutzt vor dem neuen Tor, und -ihr Verhalten könnte man in menschlicher Sprache etwa so ausdrücken: -Als ich früher hier entlangging, gab es so etwas von heller Farbe und -scharfem Geruch nicht. Das setzt mich in Erstaunen. - -In diese ganz verschiedene Auffassung der Tiere können wir uns gar -nicht hineinversetzen und machen uns über Dinge lustig, die hierzu gar -keinen Anlaß geben. - -Ich erzählte früher (Kap. 9) von unserm blinden Hunde, der zwei Jahre -lang sich darin nicht irrte, wie die einzelnen Möbel in unserer Wohnung -standen, und sich niemals daran stieß, wenn man sie in ihrer Stellung -ließ. Er wußte ferner auf der Treppe Bescheid, in unserm Garten und -auf der Straße. Welche Riesenleistung ist das, wenn man sich das -vergegenwärtigt! Welcher Mensch könnte auch nur die Stellung der Möbel -einer einzigen Stube im Kopfe so sicher haben, daß er im Dunkeln -nirgends daran stieße! Als wir später die Wohnung im Hause wechselten -und eine Treppe hoch zogen, mußte sich der Hund erst die neue Stellung -der Möbel merken. Aber das gelang ihm in überraschend kurzer Zeit. -Schwerlich hätte ihm ein blinder Mensch das nachgemacht. - -Wie wäre es möglich, daß man ein Pferd kauft und erst zu Hause merkt -daß es blind ist. Ohne den Ortssinn der Pferde könnte es gar nicht den -Eindruck eines sehenden Geschöpfes machen. - -Bei Schwadronspferden ist oft festgestellt worden, daß sie erblindet -waren, ohne daß es einer von den Mannschaften oder den Vorgesetzten -gemerkt hatte. Wie wäre es denkbar, daß ein Mensch in einer Schule, -in einer Kaserne, in einer Fabrik erblindet, ohne daß diese Blindheit -irgendwie von seinen Kameraden entdeckt wird. - -Der Blinde bei uns sucht einen Führer, namentlich wenn er ein Städter -ist. Ohne Frage haben wir Menschen früher ebenfalls den Ortssinn der -Säugetiere besessen. Auf dem Lande habe ich Blinde kennengelernt, die -sich allein auf schwierigen Wegen zurechtfanden. Ohne das Vorhandensein -eines Ortssinnes läßt sich eine solche Leistung nicht verstehen. - -Den Ortssinn können wir am besten beim Pferde beobachten, wenn es seine -regelmäßigen Fahrten macht. Es bleibt dann mit tödlicher Sicherheit vor -dem Hause, in dem der Kunde wohnt, stehen. - -Auf dem Lande kennt man allgemein die Fähigkeit der Pferde, den -richtigen Platz wiederzufinden. Selbst in Berlin habe ich vor dem -Kriege einen solchen Fall mit dem Kutscher eines Bäckermeisters erlebt -und vorhin (Kap. 70) erzählt. - -Das Pferd kann weder lesen noch kennt es die Hausnummern. Trotzdem irrt -es sich in den Häusern nicht, gleichgültig, ob man die Nummern verdeckt -oder nicht. - -Beim Hunde können wir den Ortssinn, wie bereits erwähnt wurde, -ebenfalls häufig beobachten. Wir Menschen müssen uns Mühe geben, -beispielsweise uns die Querstraßen der Friedrichstraße zu merken. Man -sollte meinen, daß ein Hund, der nicht lesen kann, sich allein hier -niemals zurechtfindet. Das Gegenteil ist der Fall. Wie der früher -erwähnte junge Hund von dem Michaelkirchplatz nach Pankow auf schnellem -Wege fand, so wurde mir auch von Bekannten versichert, daß ihre Hunde, -die zum ersten Male mitgenommen waren, trotzdem die Querstraßen nicht -verwechselten. Beispielsweise ließ einer, der in der Zimmerstraße -wohnt, absichtlich seinen Hund in der Jägerstraße allein, um ihn beim -Rückwege von fern zu beobachten. - -Häufig sehen sich zwei Nachbarhäuser zum Verwechseln ähnlich. Der -Mensch sieht dann genau hin, um zu prüfen, ob es die richtige Nummer -ist. Bei einem Hunde wird man niemals ähnliches beobachten. - -Wie sollte sich ein Pferd in der endlosen Steppe ohne Kompaß -zurechtfinden, wenn es nicht einen Ortssinn besäße? Die Sonne kann ihm -nichts nützen, da es als Nachttier auch in der Dunkelheit finden muß. - -Eine wie große Macht der Ortssinn auf das Tier ausübt, konnte man in -Amerika recht deutlich an den Prärie-Bisons oder Büffeln sehen. Seit -Jahrtausenden machten diese Tiere ihre Wanderungen auf gewissen ganz -bestimmten Wegen. Jetzt wurde durch die Ausdehnung der Bevölkerung -das Land, auf dem sich ein solcher Weg befand, urbar gemacht und mit -Getreide bestellt. Als die Wanderzeit herankam, erschienen die Bisons -und liefen mitten durch das Getreide genau an den Stellen, wo früher -ihre Wege gewesen waren. - -Ohne den Ortssinn der Tiere wäre es undenkbar, daß man ihre Blindheit -nicht sofort merkt. Ebenso rührt das Anstaunen des neuen Tores durch -eine Kuh von ihrem Ortssinn her, wobei noch hinzukommt, daß ihr Gesicht -sehr schwach ist. - - -90. Weitere Vergleiche zwischen Rind und Pferd. - -Das in der Nähe der Herde weidende Pferd gibt uns noch Gelegenheit, -einige weitere Vergleiche zwischen ihm und den Rindern anzustellen. - -Zunächst sehen wir, daß das Pferd einen schmalen Kopf hat im Vergleich -zum Rinde, das unser Schiller »breitgestirnt« nennt. Die Erklärung ist -folgende. - -Ein schneller Renner muß einen schmalen Kopf haben, um die Luft schnell -zu durcheilen. Das Rind ist kein schneller Renner, wohl aber das Pferd. -Vorteilhaft ist es auch, wenn ein Renner kleine Ohren hat, wie z. B. -der Windhund sie besitzt. Aus dem gleichen Grunde trägt das Pferd -kleine Ohren. - -Wir sehen ferner, daß beide Tierarten ihre Nahrung vom Erdboden -aufnehmen. Da Pferde und Rinder eine ziemliche Größe besitzen, so ist -das nicht so einfach zu bewerkstelligen. Das Pferd mußte zu diesem -Zwecke einen langen Hals und einen langgestreckten Kopf erhalten. - -Auch das Rind hat zu diesem Zwecke einen langen Kopf. Sein Hals -brauchte nicht so lang wie beim Pferd auszufallen, da es etwas anders -gebaut ist. - -Die Kuh muß einen gespaltenen Huf haben, weil das Rind seine -eigentliche Heimat in feuchten Wäldern hat. Durch sein Gewicht sinkt -es etwas in den Boden ein und braucht schon aus diesem Grunde nicht -einen so langen Hals wie das Pferd. Denn dieses lebt auf der trockenen -Steppe, wo es niemals einsinkt. - -Unsere Rinder gehen heute noch mit großem Vergnügen in den Wald. Das -ist ein Beweis, daß sie hier ihre eigentliche Heimat finden. Jeder -Zweifel wird dadurch ausgeschlossen, daß verwilderte Rinder stets nach -Wäldern flüchten und sich dort aufhalten. Kein Haustier verwildert -vielleicht so rasch wie das Rind. Es kommt immer wieder vor, daß sich -Rinder bei der Beförderung losreißen und die Freiheit erringen, ehe sie -wieder ergriffen wurden. - -Verwilderte Rinder führen ganz das Leben wie unsere Hirsche. Sie -bleiben am Tage im Dickicht des Waldes verborgen und treten mit -Einbruch der Dämmerung aus, um sich ihre Nahrung zu suchen. - -Weil das Rind auf dem schwankenden Boden des Sumpfes heimisch ist, -deshalb steht es gewöhnlich kuhhessig, d. h. seine Sprunggelenke an -den Hinterfüßen sind auffallend genähert. Wir wissen, daß das Rind im -Gegensatz zum Pferde ein wehrhafter Pflanzenfresser ist. Um dem Gegner -auf dem schwankenden Sumpfboden besser standzuhalten, ist bei dem Rinde -die Standfläche etwas vergrößert. Genau aus dem gleichen Grunde stellen -Leute, die schwere Lasten zu schieben haben wie z. B. die Bäcker, ihre -Beine auseinander. Das Rind hat von Natur Kuhhessigkeit, der Mensch nur -ausnahmsweise Bäckerbeine. - -Bei dem Pferde, das sich in der Regel nicht verteidigt und auf dem -harten Boden der Steppe steht, ist Kuhhessigkeit nicht erforderlich und -deshalb ein Fehler. - -Den langen Kopf brauchen Pferde und Rinder nicht nur deswegen, weil sie -ihre Nahrung vom Boden aufnehmen, sondern weil alle Tiere mit feiner -Nase, also alle Nasentiere, den Boden erreichen müssen. Denn der größte -Vorzug eines Nasentieres ist es, niemals seine Kameraden verlieren zu -können. Es braucht nur seine Nase auf die Erde zu setzen und ihnen -zu folgen. Augentiere können sich dagegen leicht verlieren. Menschen -geraten in die größte Bedrängnis, wenn sie in der Wildnis von ihren -Kameraden im Stich gelassen sind. - -Je wichtiger ein Sinn ist, desto mehr wird er behütet, je unwichtiger -er ist, desto leichter geht er verloren. Weil bei Pferden und Rindern -der Geruch der feinste Sinn ist, deshalb wird es schwerlich ein -riechunfähiges Pferd oder Rind geben. Dagegen ist Blindheit nicht -selten, und namentlich ist Blindheit auf einem Auge ungemein häufig. -Dem Menschen ist das schon längst aufgefallen, und es ist daraus die -Redensart entstanden: Auf einem Auge war die Kuh blind. - -Weil der Geruch bei Pferden und Rindern sehr fein ist, deshalb ist ihre -Nase sehr empfindlich. In der Praxis hat man diese Eigentümlichkeit zu -folgenden Zwecken ausgenützt. Um Pferde zu operieren, wendet man die -Nasenbremse an, welche die Nüstern zusammenquetscht. Dadurch werden so -wahnsinnige Schmerzen erregt, daß die Pferde gegen andere Schmerzen -unempfindlich sind. Um den Stier zu lenken, zieht man ihm einen Ring -durch die Nase. Das Ziehen am Ringe hat wegen der Empfindlichkeit der -Nase große Wirkung. - - -91. Geschichten vom Rind. - -Bei dem schon erwähnten Schweizer Naturforscher finden wir eine -prächtige Schilderung des Rindviehs seiner Heimat. Folgende Stellen -davon sollen hier ihren Platz finden: - -Den Rindviehherden auf den Alpen fehlt mitunter jede Stallung. Die -Kühe treiben sich in den Revieren ihrer Alp umher und weiden das kurze -würzige Gras ab, das weder hoch noch reichlich wächst. Fällt im Früh- -oder Spätjahr plötzlich Schnee, so sammeln sich die brüllenden Herden -vor den Hütten, wo sie kaum Obdach finden, wo ihnen der Senne oft nicht -einmal eine Hand voll Heu zu bieten hat. Hochträchtige Kühe müssen oft -weit entfernt von menschlichem Beistand kalben und bringen am Abend dem -erstaunten Sennen ein volles Euter und ein munteres Kalb vor die Hütte; -nicht selten aber gehts auch schlimmer ab. In einigen Kantonen hat man -in neuester Zeit endlich die Erbauung ordentlicher Ställe durchgesetzt. -Das Leben der »schönen, breitgestirnten, blanken Rinder« auf den -»freien Höhen« darf man sich nicht allzu rosig denken. - -Und doch ist auch dem schlechtgeschützten Vieh die schöne, ruhige -Zeit des Alpenaufenthaltes überaus lieb. Man bringe nur jene große -Vorschelle, welche bei der Fahrt auf die Alp und bei der Rückkehr ihre -weithin tönende Stimme erschallen läßt, im Frühling unter die Viehherde -im Tal, so erregt dies gleich die allgemeine Aufmerksamkeit. Die Kühe -sammeln sich brüllend in freudigen Sprüngen und meinen, das Zeichen -der Alpfahrt zu vernehmen. Und wenn diese wirklich begonnen wird, wenn -die schönste Kuh mit der größten Glocke am bunten Band behangen und -wohl mit einem Strauße zwischen den Hörnern geschmückt wird, wenn das -Saumroß mit dem Käsekessel und Vorräten bepackt ist, die Melkstühle -den Rindern zwischen den Hörnern sitzen, die saubern Sennen ihre -Alpenlieder anstimmen und der jauchzende Jodel durchs Tal schallt, -dann soll man den trefflichen Humor beobachten, in dem die gut-, oft -übermütigen Tiere sich in den Zug reihen und brüllend den Bergen -zumarschieren. Im Tal zurückgehaltene Kühe folgen oft unversehens -auf eigene Faust den Gefährten auf entfernte Alpen. Freilich ist es -bei schönem Wetter auch für eine Kuh gar herrlich hoch im Gebirge. -Das Frauenmäntelchen, Mutterkraut, der Alpenwegerich bieten dem -schnobernden Tiere die trefflichste und würzigste Nahrung. Die Sonne -brennt nicht so heiß wie im Tale. Die lästigen Bremsen quälen das Rind -während des Mittagschläfchens nicht und leidet es vielleicht noch von -dem Ungeziefer, so sind die zwischen den Tieren ruhig herumlaufenden -Stare und gelben Bachstelzen stets bereit, ihnen die erforderlichen -Liebesdienste zu erweisen. Die gute, freie Luft schmeckt ihm auch -besser als der stinkende Qualm der dumpfigen Ställe, und die stete -Bewegung, die natürliche Diät, nach der es frißt, wenn es eben Lust -hat und was ihm zusagt, der beliebige Verkehr mit den gehörnten -Kolleginnen, alles dies trägt dazu bei, das Vieh munter, frisch und -gesund zu erhalten, wie es denn überhaupt Tatsache ist, daß die in -mancher Hinsicht so vorteilhafte Stallfütterung den Grund von einer -Menge Krankheiten bildet, denen das Alpenvieh nicht anheimfällt. Ebenso -geht bei diesem der Prozeß der Fortpflanzung viel regelmäßiger und -naturgetreuer vor sich als bei jenem. - -Man meint nicht mit Unrecht, das Vieh des Hochgebirges sei klüger -und munterer als das des Tales. Das naturgemäße Leben bildet den -natürlichen Instinkt besser aus. Das Tier, das fast ganz für sich -sorgen muß, ist aufmerksamer, sorgfältiger, hat mehr Gedächtnis als das -stets verpflegte. Die Alpkuh weiß jede Staude, jede Pfütze, kennt genau -die besseren Grasplätze, weiß die Zeit des Melkens, kennt von fern die -Lockstimme des Hüters und naht ihm zutraulich; sie weiß, wann sie Salz -bekommt, wann sie zur Hütte und zur Tränke muß. Sie spürt das Nahen des -Unwetters, unterscheidet genau die Pflanzen, die ihr nicht zusagen, -bewacht und beschützt ihr Junges und meidet achtsam gefährliche -Stellen. Letzteres aber geht bei aller Vorsicht doch nicht immer gut ab. - -Sehr ausgebildet ist namentlich bei dem schweizerischen Alpenrindvieh -jener Ehrgeiz, der das Recht des Stärkeren mit unerbittlicher Strenge -handhabt und danach eine Rangordnung aufstellt, der sich alle fügen. -Die »*Heerkuh*«, welche die große Schelle trägt, ist nicht nur die -schönste, sondern auch die stärkste der Herde und nimmt bei jedem -Umzug unfehlbar den ersten Platz ein, indem keine andere Kuh es wagt, -ihr voranzugehen. Ihr folgen die stärksten »Häupter«, gleichsam die -Standespersonen der Herde. Wird ein neues Stück zugekauft, so hat es -unfehlbar mit jedem Gliede der Genossenschaft einen Hörnerkampf zu -bestehen und nach dessen Erfolgen seine Stelle im Zuge einzunehmen. -Bei gleicher Stärke setzt es oft böse, hartnäckige Zwiegefechte ab, -da die Tiere stundenlang nicht von der Stelle weichen. Die Heerkuh, -im Vollgefühl ihrer Vorherrschaft, leitet die weidende Herde, geht -zur Hütte voran, und man hat oft bemerkt, daß sie, wenn sie ihres -Ranges entsetzt und der Vorschelle beraubt wurde, in eine nicht zu -besänftigende Traurigkeit verfiel und ganz krank wurde. - -So vertraut die Sennen mit ihrem Vieh sind und so gern eine jede Kuh -dem Namen, mit dem sie gerufen wird, folgt, so gibt es doch auch fast -in jedem Sommer Stunden der vollen Anarchie, in der alle Ordnung in -der Herde reißt und der Senne sie fast nicht mehr zu halten weiß. Wir -meinen die Stunden der nächtlichen Hochgewitter, die den Alpenbewohnern -wahre Not- und Schreckensstunden sind. Jetzt springen die halbnackten -Sennen, die Milcheimer über die Köpfe gestürzt, unter die zerstäubende -Schar, johlend, fluchend, lockend und die heilige Mutter anrufend. Aber -das tolle Vieh hört und sieht nichts mehr. In schauerlichen Tönen, halb -stöhnend, halb brüllend, rennt es blind mit vorgestrecktem Kopfe, den -Schwanz in den Lüften, geradeaus. Das ist eine Stunde des Schreckens -und Unheils. Die Sennen wissen sich nicht zu helfen; bald schwarze -Nacht, bald blendendes Feuer; der Hagel klappert auf dem Eimer und -zwickt die nackten Arme und Beine mit scharfen Hieben, während alle -Elemente im greulichen Aufruhr sind. - -Bei jeder größeren Alpenviehherde befindet sich ein Zuchtstier. -Er bewacht sein Vorrecht mit sultanischer Ausschließlichkeit und -ausgesprochenster Unduldsamkeit. Es ist selbst für den Sennen -nicht ratsam, vor seinen Augen eine rindernde Kuh von der Sennte -zu entfernen. In den öfter besuchten tieferen Weiden dürfen nur -zahme und gutartige Stiere gehalten werden; in den höheren Alpen -trifft man aber oft sehr wilde und gefährliche Tiere. Da stehen sie -mit ihrem gedrungenen, markigen Körperbau, ihrem breiten Kopf mit -krausem Stirnhaar, am Wege und messen alles fremdartige mit stolzen, -jähzornigen Blicken. Besucht ein Fremder, namentlich in Begleitung -eines Hundes, die Alp, so bemerkt ihn der Herdenstier schon von weitem -und kommt langsam, mit dumpfem Gebrülle heran. Er beobachtet den -Menschen mit Mißtrauen und Zeichen großen Unbehagens, und reizt ihn an -der Erscheinung desselben zufällig etwas, vielleicht ein rotes Tuch -oder ein Stock, so rennt er geradeaus mit tiefgehaltenem Kopfe, den -Schwanz in die Höhe geworfen, in Zwischenräumen, wobei er öfter mit -den Hörnern Erde aufwirft und dumpf brüllt, auf den vermeintlichen -Feind los. Für diesen ist es nun hohe Zeit, sich zur Hütte, hinter -Bäume oder Mauern zu retten; denn das gereizte Tier verfolgt ihn mit -der hartnäckigsten Leidenschaftlichkeit und bewacht den Ort, wo es den -Gegner vermutet, oft stundenlang. Es wäre in diesem Falle töricht, sich -verteidigen zu wollen. Mit Stoßen und Schlagen ist wenig auszurichten, -und das Tier läßt sich eher in Stücke hauen, ehe es sich vom Kampfe -zurückzöge. Selbst unter den Sennen gibt es nur sehr selten Männer, -die sich einem solchen Angriffe stellen; nur einmal sahen wir, wie ein -Aelpler mit bewundernswerter Kaltblütigkeit einen angreifenden Stier -mit der rechten Hand bei einem Horn packte, mit der Linken ihm ins Maul -fuhr und die Zunge ergriff, dann diese rasch umdrehte und so den Stier -mit herkulischer Kraft herumriß und auf den Boden warf. Später wagte -sich das gebändigte Tier nie mehr an einen Menschen. Schlimmer erging -es bei einem solchen Stierkampfe dem Wirte auf dem Ofnerpaß (Engadin), -Simi Gruber, einem Manne von athletischer Gestalt und großer, auf -Bären- und Gemsenjagden oft bewährter Kraft. Er sömmerte auf seinen -Bergweiden eine Herde Stiere, von denen er einen als »einen stechenden -Stier« kannte und dem er immer sorgsam auswich. Eines Tages wollte -er eine Kuh zu den Tieren führen, sah sich aber plötzlich seitwärts -von einem Tiere, das er bisher immer für gutartig gehalten hatte, -mit den Hörnern gepackt und auf die Erde gestoßen. Hier faßte er den -schnaubenden Stier so rasch als möglich mit der einen Hand beim Ohr, -mit der anderen an der Nase und warf ihn mit einem kräftigen Ruck -nieder. Kaum aber war er wieder auf den Füßen, als auch das wütende -Tier wieder aufsprang und ihn zum zweiten Male auf den Boden stieß. -In gleicher Weise riß Gruber auch diesmal seinen Feind neben sich -nieder und hielt ihn mit Macht so lange auf dem Boden, bis er sich -gefaßt hatte, mit raschen Sprüngen sein Bergwirtshaus zu erreichen. -Der gebändigte Stier stand auf, kam dumpf brüllend bis an die Tür und -wollte nicht weichen. Da nun gerade eine fremde Familie abzureisen -beabsichtigte, wollte der Wirt Platz machen, griff zu einem tüchtigen -Sparren und trat vor das Haus, um mit einem gewaltigen Hiebe dem Stier -ein Horn abzuschlagen. Allein der Stier wich mit einer Seitenbewegung -aus, rannte den Mann zum dritten Male nieder, stieß ihn wütend auf der -Erde und warf den bewußtlos Gewordenen mit den Hörnern wie einen Ball -hinter sich. Dann ging er eine Strecke weiter, blieb wieder stehen, -kehrte zu seinem überwundenen Gegner zurück, beroch ihn wiederholt und -kehrte nun erst, nachdem er kein Leben mehr in dem Manne gewahrt hatte, -auf die Weide zurück. Gruber wurde für tot aufgehoben; als er zum -Bewußtsein gebracht worden, zeigte sich's, daß er bei dem Stierkampfe -ein Bein gebrochen und mehrere schwere Verletzungen erhalten hatte. -Die Bergkühe, die nur ausnahmsweise einen Menschen angreifen werden, -zeigen oft heftigen Widerwillen gegen fremde Hunde und vereinigen sich -oft zum erbitterten Kampfe, wobei der Gegner es stets vorzieht, mit -eingeklemmtem Schwanze das Weite zu suchen. - -Die festlichste Zeit für das Alpenrindvieh ist ohne Zweifel der Tag -der Alpfahrt, die gewöhnlich im Mai stattfindet, ein Tag, der auch im -Leben des Aelplers von Bedeutung ist. Jede der ins Gebirge ziehenden -Herden hat ihr Geläut. Die stattlichsten Kühe erhalten, wie bemerkt, -die ungeheuren Schellen, die oft über einen Fuß im Durchmesser halten -und 40 bis 50 Gulden kosten. Es sind Prunkstücke des Sennen; mit drei -oder vier solchen, in harmonischem Verhältnis zueinander stehenden, -läutet er von Dorf zu Dorf seine Abfahrt ein. Zwischenhinein tönen die -kleineren Erzglocken. Voraus geht ein Handbub mit sauberm Hemde und -kurzen gelben Beinkleidern; ihm folgen die Kühe mit dem Herdenstier -in bunter Reihe, dann oft etliche Kälber und Ziegen. Den Beschluß -macht der Senn mit dem Saumpferde, das die Milchgerätschaften, -Bettzeug u. dgl. trägt, und mit buntem Wachstuche bedeckt ist. An -diesem Tage besonders ertönt der Kuhreigen, den jeder Alpendistrikt in -eigentümlicher Weise besitzt. Es ist dies jener höchst eigentümliche -jauchzende Gesang, dessen ältester Text sich nur noch in einzelnen -Versen vorfindet, während seine Melodie in stundenlangen Trillern, -Jodeln, bald hüpfenden, bald gedehnten Tönen besteht. Etwas anderes -ist der einfache Jodel, der keine Worte hat, sondern bloß in schnell -wechselnden, oft in der Tiefe anhaltenden und rasch in die Höhe -steigenden, seltsamen, melodischen Tonverbindungen besteht, mit denen -der Hirte die Kühe herbeilockt, seine Kameraden begrüßt und dessen -er sich überhaupt als Fernsprache im Gebirge bedient. Trauriger als -die Alpfahrt ist für Vieh und Hirt die Talfahrt, die in ähnlicher -Ordnung vor sich geht. Gewöhnlich ist sie das Zeichen der Auflösung des -familienartigen Herdenverbandes. - - -92. Welches sind die Feinde des Rindes? - -In Europa haben die großen Pflanzenfresser ihre Feinde in den Bären und -Wölfen. Der Luchs überfällt nur junge Tiere. In den heißen Ländern -sind, wie schon erwähnt, die großen Katzenarten, also namentlich Löwe -und Tiger, die gefährlichsten Feinde der Rinder. - -Das Benehmen der Schweizer Rinder, falls sie von einem Bären -angegriffen werden, schildert unser Gewährsmann folgendermaßen: - -Gegenüber den Angriffen der reißenden Tiere, besonders denen der in den -südlichen Alpen noch immer allzu häufigen Bären, beweist das Rindvieh -des Gebirges feinen Instinkt und festen Mut. Schleicht sich so in -der Stille auf leisen, breiten Tatzen ein Bär heran, so wittern bei -ruhigem Wetter die Kühe schon von weitem den Mörder, brüllen heftig, -eilen gegen die Hütten oder rasseln, wenn sie angebunden sind, so -laut und anhaltend mit ihren Ketten, daß die Sennen auf die Gefahr -aufmerksam werden. Immer sucht das Raubtier von hinten anzukommen, da -auch das halberwachsene Rind im Notfall auf die Kraft seiner Hörner -vertraut. Ist es dem Bären aber gelungen, eine Kuh niederzureißen und -zu zerfleischen, so sammeln sich die versprengten Kühe sonderbarerweise -ziemlich rasch wieder dicht um den Räuber, schauen mit gesenkten -Hörnern, heftig schnaubend und von Zeit zu Zeit dumpf aufbrüllend dem -Fraße zu, als ob sie Lust hätten, ohne alle Scheu den Feind anzufallen. -Nach der Aussage zuverlässiger Leute soll in diesem Falle der Bär -sich nicht allzulange beim Mahle aufhalten, und es soll nie geschehen -sein, daß er sich an eine zweite Kuh gewagt hätte. Bei anhaltendem -Regen und dichtem Nebel wittert aber das Rindvieh die Raubtiere gar -nicht, und es sind Beispiele bekannt, wo Bären dicht beim Vieh und -den Hütten herumlauerten, ja selbst ein Rind angriffen, verzehrten -oder forttrugen, ohne daß die übrige Herde etwas davon merkte oder -irgendwelche Bewegung kundgab. - -Das tolle Benehmen der Schweizer Kühe bei schweren Gewittern, das -vorhin geschildert wurde, dürfte folgenden Grund haben. Wildrinder -merken das Herannahen eines solchen Ungewitters rechtzeitig vorher und -suchen geschützte Stellen auf. Die Schweizer Kühe sind als Haustiere an -einem solchen Verfahren durch den Menschen gehindert. Deshalb geraten -sie beim Ausbruch des Gewitters gewissermaßen in Verzweiflung. - -Der Anspruch der Heerkuh auf den ersten Platz ist ausführlich -geschildert worden. Wir sehen daraus, daß unser Dichter Schiller recht -hat, wenn er im Tell sagt: - - Das weiß sie auch, daß sie den Reihen führt, - Und nähm ich ihr's (das Band), sie hörte auf zu fressen. - -Uebrigens hat mir ein Bekannter, der zehn Jahre unter den Rinderherden -in Südamerika lebte, genau das gleiche von dem ausgesprochenen Sinn der -Rinder für eine Rangordnung erzählt. - - -93. Wie hoch ist der Milchertrag einer Durchschnittskuh? - -Unsere Herde wird jetzt nach Hause getrieben, um gemolken zu werden. - -Wildrinder haben nur Milch für ein oder zwei Kälber. Der Milchreichtum -unserer Kühe ist erst künstlich vom Menschen angezüchtet worden. Ohne -fortwährendes Melken würde die Milcherzeugung wieder zurückgehen. - -Die Tragezeit der Kuh beträgt etwa 9½ Monate. Nach dem Kalben ist -naturgemäß die Erzeugung der Milch sehr hoch. Etwa 300 Tage oder 10 -Monate lang dauert die Laktation oder Milcherzeugung. Gute Kühe liefern -während dieser Zeit den Tag bis zu 10 Liter, manche ausnahmsweise -bedeutend mehr. Dann steht die Kuh gewöhnlich 6 Wochen trocken. Es gibt -aber ausgezeichnete Kühe, die auch während dieser Zeit Milch liefern. - -Der Milchertrag ist also außerordentlich verschieden. Es kommt aber -nicht bloß auf den Milchertrag, sondern auch auf den Fettgehalt der -Milch an. - -Selbstverständlich wird jeder Landwirt suchen, Kühe zu halten, die -recht viel und recht fettreiche Milch liefern. Berühmt wegen ihres -Milchreichtums sind Holländer und Oldenburger Kühe. Doch ist ihre -Milch nicht so fettreich und liefert nicht soviel Butter und Käse -wie die Milch der Schwyzer, Allgäuer und anderer Höhenkühe. Auf die -Verschiedenheit von Gebirgs- und Niederungsgräsern ist schon früher -aufmerksam gemacht worden. - -Bei den praktischen Engländern und Amerikanern, ebenso bei den -Schweizern melken Männer, nicht Frauen. Es ist das wahrscheinlich kein -Zufall. Bei uns in Deutschland herrscht vielfach die Ansicht, daß es -eines Mannes unwürdig ist zu melken. Sonst ist das Ausland für uns -maßgebend, aber in diesem Falle, wo es von Vorteil für uns sein dürfte, -leider nicht. - - -94. Warum ist das Rind ein Wiederkäuer, das Pferd nicht? - -Es ist gewiß auffallend, daß zwei große Pflanzenfresser in dem Punkte -grundverschieden sind, daß die Rinder ihre Nahrung wiederkäuen, das -Pferd aber nicht. - -Der Magen der Wiederkäuer zerfällt in vier Abteilungen, nämlich den -Pansen oder Wanst, den Netzmagen oder die Haube, den Blättermagen oder -den Psalter und den Labmagen. Zunächst gelangt das Futter in den Pansen -und von dort in den Netzmagen. Im Netzmagen wird das Futter erweicht -und durch eine Art von Erbrechen in das Maul zurückgeschafft. Im -Maule wird es nun gründlich gekaut und geht von hier aus jetzt in den -Blättermagen und dann in den Labmagen. Außer den Rindern sind Ziegen -und Schafe Wiederkäuer. - -Viele nehmen an, daß das Wiederkäuen den Tieren in folgender Weise von -Vorteil ist: Hirsche beispielsweise, die ebenfalls Wiederkäuer sind, -müßten lange auf der Lichtung fressen, ehe sie alles Futter, das sie -brauchen, gekaut haben. Deshalb ist es für sie vorteilhafter, schnell -Futter hineinzuschlingen und in Ruhe im Dickicht oder im Walde, wohin -sie zurückgeflüchtet sind, zu wiederkäuen. - -Unsere Hirsche fressen aber nicht in dieser Weise. Sie treten abends -aus dem Walde und bleiben während der Dunkelheit auf den Feldern. -Mit Tagesanbruch gehen sie in den Wald zurück. Ist es am Morgen sehr -neblig, so bleiben sie draußen. Der Jäger sagt dann: »Heute kneipen -die Hirsche durch.« Die Hirsche wissen, daß sie in der Dunkelheit und -im Nebel geschützt sind, weil kein Jäger dann auf sie schießen kann. - -Das Wiederkäuen dürfte vielmehr den Zweck haben, große, umfangreiche -Futtermengen, die nur geringen Nahrungswert haben, für die tierische -Nahrung verwendbar zu machen. - -Solche Futtermengen findet das Pferd in seiner Heimat, der Steppe, -nicht. Deshalb konnte es kein Wiederkäuer werden. Auch wäre ein großer -Magen für das Pferd als Renner nicht vorteilhaft gewesen. - -Jetzt verstehen wir auch, weshalb die Wiederkäuer oben keine -Schneidezähne haben. Mit oberen Schneidezähnen ausgerüstet, würden sie -in der Freiheit vielleicht lieber Körner als Massen von Pflanzen und -Blättern fressen. Ohne Schneidezähne sind sie aber nicht imstande, -ganze Körner gut zu verdauen, während das Pferd mit seinen scharfen -Zähnen es vortrefflich kann. - -Wir müssen also unseren Kühen Körner geschrotet verabreichen, weil sie -sonst regelmäßig unverdaut abgehen. - -Alle Wiederkäuer haben eine ausgesprochene Vorliebe für Salz. Vielfach -ist es üblich, das neugeborene Kälbchen mit Salz abzureiben, damit es -von der Mutter abgeleckt wird. - - -95. Die geistigen Gaben der Rinder. - -Trotz der sprichwörtlichen Dummheit des Rindviehs ist es damit nicht -so schlimm bestellt. Bei der Kuh vorm neuen Tor haben wir das bereits -hervorgehoben. Auch hier trügt der Schein. Das Rind ist sich seiner -Stärke bewußt und bleibt daher seelenruhig, was wir als Stumpfheit -auslegen. - -Beim Hunde wurde die Geschichte erzählt, wie ein Bulle in tiefes -Wasser flüchtete, um vor einem Nasenbiß sicher zu sein. Kann es ein -zweckmäßigeres Verfahren geben? - -Im Harz tragen die Rinderherden oft Glocken, die genau abgestimmt -sind. Allgemein wird behauptet, daß die Kühe die Glocken ihrer Herde -von denen anderer unterscheiden und sich, wenn sie sich verirrt haben, -danach richten. - - -96. Die Rassen der Rinder. - -Ueber die Stammeltern unserer heutigen Rinder ist man sich noch nicht -einig. In Europa lebten früher zwei Wildrinder, und zwar der Auerochs -und der Wisent. Der Auerochs hatte lange Hörner und keine Mähne, -während der Wisent eine Mähne, aber kleine Hörner besitzt. Der Wisent -lebt heute noch in Zoologischen Gärten und an vereinzelten Stellen, -während der Auerochs gänzlich ausgerottet ist. Es ist daher unrichtig, -den noch heute lebenden Wisent als Auerochs zu bezeichnen. - -Wahrscheinlich ist der Auerochs in unseren heutigen Rindviehrassen -aufgegangen. - -Man unterscheidet folgende Rassen: 1. Steppenrassen, 2. -Niederungsrassen, 3. einfarbige Gebirgsrassen, 4. bunte Gebirgsrassen, -5. Landrassen, 6. englische Rassen, 7. französische Rassen. - -Die Steppenrassen mit ihren langen Hörnern sind jedenfalls erst -allmählich in der Steppe heimisch geworden. Denn nach dem Bau seiner -Füße ist das Rind, wie wir schon erwähnten, ein Geschöpf der Niederung, -und zwar der bewaldeten Niederung. - -Im Gegensatz zum Pferde gehört das Rind zu den paarzehigen Huftieren -aus der Familie der Horntiere. - -Der Stier oder Bulle heißt auch Farren, während Färse oder Stärke die -Kuh ist, die noch nicht gekalbt hat. - -Das Rind ist etwas früher reif als das Pferd. Der Stier wird mit 1½ -Jahren, die Kuh mit 2 Jahren zur Zucht benutzt. Dementsprechend ist -auch ihr Alter etwas niedriger als das des Pferdes. - - -97. Krankheiten der Rinder. - -Bereits die Stallhaltung unserer Haustiere ist etwas Unnatürliches. -Kommt nun noch die künstliche Anzüchtung der Milcherzeugung hinzu, so -dürfen wir uns nicht wundern, daß wir diesen großen Vorzug mit manchen -Krankheiten bezahlen müssen. Rinderpest, Maul- und Klauenseuche und -Tuberkulose seien an dieser Stelle genannt. Das Aufblähen wurde bereits -erwähnt. - -Manchmal führen ganz unbedeutende Dinge den Tod einer Kuh herbei. -Früher trugen die Mägde keine Kämme im Haar, wie das jetzt der Fall -ist. Diese Kämme fallen leicht in das Futter und werden von den -Kühen verschlungen. Als Folge davon können Magenverletzungen und -Notschlachtungen eintreten. So verliert der Landwirt ein schönes Stück -Vieh, das heute ein Vermögen wert ist. - - -98. Das Rind in Redensarten und Sprichwörtern. - -Es wurde bereits erwähnt, daß »*Rindvieh*« oder »*Ochse*« zur -Bezeichnung eines dummen Menschen dient. Ebenso wurden schon die -Redensarten angeführt: *Auf einem Auge war die Kuh blind* und: *Er -steht da, wie die Kuh vorm neuen Tor*. Unter - - »*ochsen*« - -versteht man andauernd arbeiten oder »büffeln«. - - »*Ochsengang*« - -ist der sachte, gemessene Schritt des Ochsen. - - *Den Stier bei den Hörnern packen* - -bedeutet, daß man einer Gefahr tollkühn entgegengeht, indem man einen -mächtigen Gegner bei seinen eigenen Waffen anpackt. Wenn das einen Sinn -haben soll, muß man selbst über große Kräfte verfügen. - -[Illustration: Auf der Alm] - -[Illustration: Kühe im Wasser] - -[Illustration: Zugochsen] - - - -Das Schwein - - -99. Wodurch unterscheidet sich das Hausschwein vom Wildschwein? - -Um unser Hausschwein richtig zu verstehen, wollen wir uns zunächst -das Wildschwein in unserm weltberühmten Berliner Zoologischen Garten -ansehen. - -Vorher sei bemerkt, daß unsere heimischen Schweinerassen nicht allein -vom europäischen Wildschwein abstammen. - -Wenig angenehm fällt uns zunächst in dem Teile des Zoologischen -Gartens, der für die Schweine bestimmt ist, der Geruch dieser Tiere -auf. Aber das wird auf Gegenseitigkeit beruhen. Alle freien Tiere -flüchten, sobald sie den Menschen gewittert haben. Folglich muß ihnen -unsere Ausdünstung auch nicht behagen. - -Hiervon abgesehen müssen wir staunen, wie reich gerade der Tierbestand -an Wildschweinen in unserem Zoologischen Garten ist, obwohl gerade der -Weltkrieg bei ihm große Lücken verursacht hat. Außer einer Wildsau -mit Ferkeln sind noch drei Keiler, d. h. drei männliche europäische -Wildschweine vorhanden. Obwohl es bereits Anfang Juni ist, hat erst ein -Keiler sein Winterhaar verloren. - -Vergleichen wir einen der Keiler im Winterhaar mit unserem Hausschwein, -so fällt uns zunächst seine Behaarung auf, sodann die mächtigen -Eckzähne, die sogenannten Gewehre. Schließlich wäre noch erwähnenswert, -daß sein Kopf länger als der des Hausschweins ist, daß er überhaupt -nicht so fett, dafür aber stärker, höher und ungemütlicher ist als -unser Hausschwein. - -In früheren Zeiten war das Wildschwein eine der häufigsten Wildarten -unserer Heimat. Da es jedoch dem Ackerbau sehr schädlich ist, so -besitzt es keine Schonzeit und ist an vielen Stellen bereits vollkommen -ausgerottet worden. - -Wenn wir uns die kleinen Augen des Wildschweins ansehen und dabei -beobachten, daß sein großer Rüssel unter fortwährendem Geschnüffel in -Tätigkeit ist, so können wir keinen Augenblick daran zweifeln, daß das -Wildschwein ein Nasentier ist. In der Tat ist es ein ausgesprochenes -Nasentier wie Elefant, Tapir, Maulwurf und andere Tiere, die sich durch -ein bewegliches Riechorgan und ein nichtssagendes Auge auszeichnen. - - -100. Warum ist der Kopf des Schweines kegelförmig? - -Mit dem Maulwurf hat das Wildschwein nicht nur das schwache Sehvermögen -gemeinsam. An den Maulwurf erinnert auch der ganze Kopf des -Wildschweins. Und so verschieden die Größe der beiden Geschöpfe auch -ist, so haben sie doch in ihrer Lebensweise etwas Uebereinstimmendes. - -Der Maulwurf lebt unter der Erde, indem er auf Regenwürmer und andere -Insekten Jagd macht. Zu diesem Zwecke muß er, um sich schnell durch -die Erde durchzubohren, einen kegelförmigen Kopf besitzen. Auch das -Wildschwein frißt gern Regenwürmer und andere Insekten des Erdbodens, -dann aber vor allen Dingen pflanzenartige Stoffe, die im Erdboden -stecken, also Wurzeln, Kartoffeln und dergleichen. Das Wildschwein muß -also einen Wühlkopf haben. Wo es etwas gewittert hat, bricht es mit -seinem Rüssel die Erde auf, um zu dem durch den Geruch wahrgenommenen -Gegenstande zu gelangen. - -Der maulwurfartige Kopf kommt dem Wildschwein aber auch noch zustatten, -wenn es schnell in Gebüsche flüchtet. Wie der Maulwurf schnell die Erde -durchschneidet, so kann das Wildschwein schnell durch Gebüsche laufen. -Hierbei ist es für das Wildschwein sehr von Vorteil, daß seine kleinen -Augen seitlich stehen. Schon Wölfe oder Hunde können dem Wildschwein -nicht so schnell in die Gebüsche folgen, weil ihre Köpfe viel weniger -dazu geeignet sind, auch ihre Augen mehr nach vorn stehen. Zweige und -Blätter werden ihnen also viel leichter in die Augen geschleudert als -dem Wildschweine. - - -101. Warum nennt man einen Menschen mit kleinen Augen schweinsäugig? - -Unser Wildschwein hat wohl kleine, aber eigentlich keine blöden Augen. -Dagegen fallen bei den in der Nähe stehenden Hausschweinen die kleinen, -blöden Augen sehr auf. Es ist also kein Wunder, daß man von einem -Menschen, der kleine Augen hat, sagt, er habe Schweineaugen. - -Schon äußerlich ist erkennbar, daß das Auge bei den Schweinen wenig -leistet. Jeder Jäger kann das auch von den Wildschweinen bestätigen. - -Die Schwäche der Augen wird bei den Schweinen durch die Leistungen der -Nase ausgeglichen. Von der Feinheit ihres Geruchsvermögens können wir -uns kaum eine Vorstellung machen. Ein Forstbeamter zeigte mir einmal -folgenden Fall, da er wußte, daß ich für solche Dinge großes Interesse -habe. Er hatte Kiefern angepflanzt und den Platz von der Größe eines -Morgens mit einem Bretterzaun umgeben. In der Mitte des Platzes war -eine kleine Stelle freigeblieben. Hier hatte sich mein Bekannter ein -paar Kartoffeln gesteckt. Nun war an den Fährten deutlich zu erkennen, -daß ein Wildschwein draußen am Zaun entlang gelaufen war. Hierbei muß -es die Kartoffeln gewittert haben, denn es war plötzlich an einer -Stelle durch den Zaun gekrochen. Das war ihm dadurch gelungen, daß es -eine vorhandene Lücke vergrößert hatte. Auf mindestens 50 Schritte -hatte es also die in der Erde verborgenen Kartoffeln gewittert. - -Der Landwirt zweifelt an der unglaublichen Feinheit des Geruchssinns -der Wildschweine keinen Augenblick. Denn er hat auf seinen Aeckern oft -Gelegenheit, sich in höchst unerfreulicher Weise davon zu überzeugen. -Sehr häufig kommt es beispielsweise vor, daß ein mit Kartoffeln -bestellter Acker im nächsten Jahre Getreide trägt. Eines Tages sieht -man im Getreide die Fährten eines Wildschweins, das im Boden gewühlt -und schweren Schaden angerichtet hat. Was hat den überall verfolgten -Schwarzkittel zu dieser landwirtschaftsfeindlichen Handlung veranlaßt? -Hätten die Leute beim Ausbuddeln mit Sorgfalt alle Kartoffeln -gesammelt, so wäre der Schaden im Getreide nicht geschehen. So hat -das Wildschwein die in der Erde verborgenen Kartoffeln gewittert. Da -es Kartoffeln sehr liebt, so hat es sie herausgewühlt ohne Rücksicht -darauf, daß es dabei große Stellen Getreide zusammentrampelte oder -sonst vernichtete. - -Wie alle wildlebenden Tiere hat das Wildschwein aufrechtstehende Ohren, -während unser Hausschwein, weil es die Ohren nicht mehr anzustrengen -braucht, Hängeohren besitzt. - - -102. Warum liegt unser Hausschwein gern in einer Pfütze und auf dem -Miste? - -Der Freundlichkeit eines Landmannes verdanken wir es, daß wir einen -Einblick in sein Gehöft und seinen Schweinestall werfen dürfen. Eines -seiner Schweine liegt in einer Pfütze, während ein anderes sich auf -dem Miste herumtreibt. Nachher legt es sich in die Sonne und macht ein -höchst zufriedenes Gesicht. Da es eine Sau ist, so trifft hier die -Bezeichnung »sauwohl« vollkommen zu. - -Die Vorliebe des Schweines für den Mist darf nicht mit dem Maßstabe -des Menschen gemessen werden. Wie der Hund, so ist das Wildschwein von -Hause aus ein Aasfresser. Auf dem Misthaufen findet es also vieles, was -ihm naturgemäß und sehr bekömmlich ist. - -Alle Nachttiere lieben, wie wir wissen, die Bestrahlung durch die -Sonne. Das Wildschwein ist ein ausgesprochen nächtliches Tier. - -Dem viel stärkeren Schwein, das in der Pfütze liegt, ist es dagegen -schon zu warm. Um das Wälzen in der Pfütze zu verstehen, müssen wir uns -folgendes vergegenwärtigen. - -Als wir im Zoologischen Garten waren, hatten sich die Wildschweine eine -Art Grube gemacht, in der sie behaglich ruhten. Wer die Lebensweise -des Wildschweins kennt, konnte keinen Augenblick im Zweifel darüber -sein, was sie mit diesem Liegen in der Bucht bezweckten. Es war damals -auch warm, und an warmen Tagen sehnt sich das Wildschwein nach seiner -geliebten Suhle. Darunter versteht man ein mit Wasser, Moor, Schlamm u. -dgl. ausgefülltes Loch. Solche sucht das Wildschwein gern auf, um sich -darin zu wälzen. Einmal erzielt das Wildschwein dadurch eine Abkühlung, -sodann aber bleibt der Schlamm auf seiner Haut sitzen. Nachdem er -trocken geworden ist, bietet er ein gutes Abwehrmittel gegen Insekten. - - -103. Welches sind die Vorzüge unseres Hausschweins? - -Wie ungeheuer nützlich das Hausschwein ist, haben wir alle am eigenen -Leibe schmerzlich erfahren. Worin bestehen die großen Vorzüge des -Hausschweins? - -Erstens kann es mit verhältnismäßig geringem Futter aufgezogen, dann -schnell fettgemacht werden. Es liefert vortreffliches Fleisch und -fetten Speck, der durch Salzen und Räuchern leicht aufzubewahren ist. - -Zweitens hat es nicht nur ein Junges wie das Pferd oder manchmal -Zwillinge wie die Kuh, sondern die Sau hat 10, ja 20 Ferkel. Die -Vermehrung ist also im Vergleich zu den anderen nutzbringenden -Haussäugetieren ungeheuer groß. - -Ich habe oft in früheren Zeiten bei kleinen Leuten gewohnt und mich -darüber gefreut, wie gut die Schweine bei ihnen gediehen. Sie kauften -gewöhnlich im Frühjahr ein paar Ferkel, weil sie damals noch zu dieser -Zeit viel Kartoffeln und Ueberfluß an Milch hatten. Den Sommer über -wurden die Tiere mit allerlei Grünzeug, namentlich mit dem Unkraut -und den Abfällen der Mahlzeiten gefüttert. Im Oktober war dann die -Kartoffelernte, so daß man reichlich mit Kartoffeln füttern konnte, -ebenso im November. Im Dezember wurde Gerstenschrot gefüttert und um -Weihnachten herum gewöhnlich geschlachtet. Was für Prachtstücke hatten -die Leute manchmal herangefüttert! Wurde man zum Schweineschlachten -eingeladen, was in früheren Zeiten etwas Selbstverständliches war, -so konnte man trotz des ursprünglichen Riesenhungers seine Portion -Wellfleisch und warme Wurst kaum bezwingen. - - -104. Warum gedeihen die Schweine bei kleinen Leuten so gut? - -Die vorhin geschilderte Art und Weise, wie der kleine Mann seine -Schweine behandelt, hat sehr günstige Erfolge. Sie dürften in folgenden -Dingen ihren Grund haben. - -Je mehr Tiere zusammenstehen, desto gefährlicher werden die -Ausscheidungen. Bei den zwei Schweinen, die ich gewöhnlich im Stalle -angetroffen habe, war es in dieser Hinsicht nicht so schlimm. - -Die einfachen Leute auf dem Lande haben den ganz richtigen Grundsatz: -Das Tier weiß besser, was ihm guttut, als der Mensch. Der Mensch soll -sich nach dem Tiere richten, aber nicht das Tier belehren wollen. - -Selbstverständlich überfressen sich Haustiere in ihrer Gier, ebenso -nehmen sie ohne Wahl, was man ihnen in den Futterkübel wirft. Da diese -Eigentümlichkeit ganz bekannt ist, so nimmt man darauf Rücksicht. - -Im übrigen paßt man darauf auf, was das Tier beim Fressen bevorzugt. So -gelangt man zu einer naturgemäßen Fütterung. Man bringt den Schweinen -junge Disteln und Brennesseln, ebenso Schnecken und andere tierische -Nahrung. Denn das Wildschwein ist ein halbes Raubtier, das tierische -Stoffe braucht. Diese Abwechselung trägt zum Wohlbefinden der Schweine -sehr bei. - -Durch das Grünfutter im Sommer bleiben die Schweine mager. Auch das -Wildschwein setzt erst gegen den Herbst zu Speck an. So bleiben die -Schweine gesund und werden selten von den in unsern Schweineställen -fortwährend herrschenden Seuchen ergriffen. - -Ein großer Vorteil ist es, daß das Schlachten bei Eintritt der kalten -Jahreszeit stattfindet. Denn dadurch ist die Möglichkeit gegeben, -Schinken und Speck recht lange aufzubewahren. - - -105. Wie soll der Schweinestall beschaffen sein? - -An sich ist die Stallhaltung unnatürlich und deshalb ungesund. -Zuchttiere, d. h. Tiere, von denen man Nachkommenschaft ziehen will, -dürfen auch nicht dauernd im Stalle stehen, wenn man Freude an seiner -Zucht haben will. Bei Tieren jedoch, die geschlachtet werden sollen, -brauchen die gesundheitlichen Grundsätze nicht so streng beobachtet zu -werden. - -Gerade das Schwein stellt große Anforderungen an den Stall. Das soll -nicht heißen, daß es Luxusbauten wünscht, -- im Gegenteil. Wenn ein -Schwein im Winter sich in den warmen Düngerhaufen einschieben kann, -dann ist ihm höchst wohl zumute. Und diese Art Stallung kostet gar -nichts. Im Sommer dagegen soll der Stall kühl sein. - -Das ist nur aus der Lebensweise des Wildschweins zu erklären. Im Sommer -sucht es, wie wir wissen, eine kühle Suhle auf. Im Winter dagegen liegt -es in einem warmen Kessel. Das Schwein will also vor allen Dingen im -Winter einen warmen Fußboden. Es ist ein Warmfüßler im Gegensatz zum -Pferde, das als Steppentier ohne Schaden bei großer Kälte auf kaltem -Fußboden stehen kann. - -Weil es nun nicht immer leicht ist, einen Schweinestall mit warmem -Boden herzustellen, so entgeht der einfache Mann durch Schlachtung -seiner Schweine zu Beginn der eigentlichen Winterszeit allen weiteren -Sorgen. - -Im Luxusbau sind gewöhnlich kalte Fußböden, schlechte Luft, obendrein -Zugluft und der feuchte Niederschlag von den Ausdünstungen. Es ist -daher kein Wunder, daß Seuchen unter den Schweinen gar kein Ende nehmen. - -Zum Wohlbefinden der Schweine gehören auch Pfähle, an denen sich das -Schwein reiben kann. Denn das Wildschwein fühlt sich ganz besonders -wohl, wenn es sich an Baumstämmen gehörig reiben kann. Solche Pfähle -fehlen bei Luxusbauten, während sie der praktische Landwirt oft -anbringt. Auch in unserem Zoologischen Garten sind sie glücklicherweise -angebracht, und ihre starke Abnutzung zeigt, wie dringend notwendig sie -sind. - - -106. Warum frißt die Sau die eigenen Ferkel? - -Ein großer Schmerz für den Landwirt ist es, daß manche Sauen ihre -eigenen Kinder fressen. Alle Mittel, die man dagegen anwendet, taugen -im allgemeinen nicht viel. - -Wir Menschen sind entsetzt, daß eine Mutter so entartet sein kann. Aber -ist unser Standpunkt richtig? - -Mir ist kein Fall bekannt, daß eine Wildsau ihre Frischlinge gefressen -hat. Vielmehr weiß jeder Jäger, daß sie ihre Jungen mit Aufopferung -ihres Lebens verteidigt. - -Deshalb wird die Schuld an uns liegen. Das Wildschwein ist ein halbes -Raubtier, das mit Vorliebe Aas frißt. Dem Hausschwein geben wir aber -regelmäßig nur Pflanzennahrung. Ist es da ein Wunder, daß der andauernd -unterdrückte Fleischhunger sich gewaltsam Bahn macht? - -Erfahrene Schweinezüchter haben mir übrigens versichert, daß eine Sau -nur kranke oder lebensunfähige Ferkel frißt. Ob das zutrifft, kann ich -nicht beurteilen. - -Der Stieglitz, den man mit einem Kanarienvogelweibchen paart, frißt -die Eier des Weibchens, weil wir ihm keine Räupchen geben, die Hühner -reißen sich die Federn aus, weil sie im Frühjahr Mangel an tierischer -Nahrung haben. Auch sie werden durch falsche Fütterung zu halben -Kannibalen. - - -107. Muß ein gutes Schwein alles fressen? - -Bekannt ist der Satz, daß ein gutes Schwein alles fressen muß. Ich kann -ihn leider nicht unterschreiben. Ich weiß sehr wohl, daß das Schwein -einen sehr großen Speisezettel besitzt, da es sowohl Pflanzenfresser -als auch ein halbes Raubtier ist. Dennoch gibt es gewisse Dinge, die -das Schwein nicht frißt. So ließen alle Schweine trotz des größten -Hungers Kastanien liegen, während Schafe, wie wir noch besprechen -werden, sie gierig fraßen. - -Auch mit gesalzenen Dingen muß man beim Schweine sehr vorsichtig -sein. Für Wiederkäuer, auch für Pferde, ist Salz bekömmlich. Für alle -Raubtiere ist Salz jedoch sehr nachteilig. - -Gesalzenes Pökelfleisch, ebenso Heringslake haben schon oft den Tod von -Schweinen herbeigeführt. Das kam daher, weil man auf den Satz schwor, -daß ein gutes Schwein alles fressen muß. - -Uebrigens frißt das Schwein auch Heu und Stroh ungehäckselt nicht. - - -108. Die Fütterung der Schweine mit Rohrwurzeln. - -Immer wieder muß ich betonen, daß wir zu einem richtigen Verständnis -eines Haustieres nur gelangen, wenn wir die Lebensweise seiner wilden -Verwandten erforschen. - -Bereits lange vor Ausbruch des Krieges habe ich darauf hingewiesen, daß -wir auf diesem Wege auch zur Erlangung neuer Futtermittel für unsere -Haustiere gelangen. So war es mir aufgefallen, daß das Wildschwein im -Winter gern die Farnwurzeln frißt, ebenso die Wurzeln von Schilfrohr. - -Praktische Schweinezüchter haben mir bestätigt, daß die Farnwurzeln -ein sehr bekömmliches Futter für Hausschweine sind. In Amerika ist -es, wie mir mitgeteilt wurde, an vielen Stellen üblich, Schweine mit -Farnwurzeln zu füttern. Ebenso sind die verwilderten Hausschweine an -der Westküste Neuseelands von den Eingeborenen ausgerottet worden aus -Furcht, die Schweine möchten die Farnwurzeln vollends zerstören, auf -welche die Eingeborenen zu ihrer Nahrung besonders angewiesen sind. - -Die Vermutung spricht daher dafür, daß auch die Rohrwurzeln für -Schweine ein bekömmliches Futter sind. - -Es hat daher mein höchstes Interesse erweckt, daß der Rohstoffverband -in Charlottenburg jetzt in großzügiger Weise die Rohrwurzeln mit -Greifern und Baggern gewinnen und daraus ein Futtermittel »Fragmit« -herstellen läßt. Der Name ist verdeutscht aus _phragmites communis_, -das Schilfrohr. - -Es scheint mir das ein sehr glücklicher Gedanke zu sein, da hierdurch -folgendes erzielt wird: - - 1. Gewinnung eines Futtermittels von hohem Zuckergehalt, - - 2. Verhinderung der Verlandung der Seen und Flüsse, - - 3. Ausnutzung von hunderttausend Hektaren Land, die jetzt vollkommen - tot daliegen. - -Es liegt im vaterländischen Interesse, alle Bestrebungen zu -unterstützen, die eine größere Ausbeute der heimischen Naturschätze -gestatten und uns dadurch, wenn auch vorläufig nur wenig, von der -Einfuhr ausländischer Futtermittel unabhängig machen. Es wäre daher -sehr erwünscht, wenn praktische Schweinezüchter Versuche mit »Fragmit« -anstellen würden. - -Selbstverständlich müssen die Wurzeln im Winterhalbjahr gewonnen sein, -weil sie zu dieser Zeit die meisten Nährstoffe besitzen. Im Sommer -frißt das Wildschwein weder Farn- noch Rohrwurzeln. - -Für Höhentiere, also Ziegen und Schafe, käme das Fragmit weniger -in Betracht. Dagegen könnten Versuche auch bei Rindern und Pferden -angestellt werden, da Rinder in Niederungen leben, und Pferde die -Schößlinge des an Steppenseen wachsenden Rohrs fressen. - - -109. Die Rassen des Schweins. - -Man unterscheidet folgende Rassen: 1. krausborstige Schweinerassen, die -hauptsächlich im Südosten Europas leben, z. B. das Mangaliczaschwein, -2. romanische Schweinerassen, die in Südeuropa leben, 3. kurzohrige -Schweinerassen, wozu das bayerische Schwein und das Bakonyer Schwein -gehören. In Berlin wird das Bakonyer Schwein gewöhnlich »Pachuner« -genannt. 4. Großohrige Schweinerassen, 5. englische Schweinerassen. - -Die Engländer haben es verstanden, durch Kreuzung mit indischen und -romanischen Schweinen ausgezeichnete Rassen zu erzielen, beispielsweise -Essex-Schweine, Yorkshire-Schweine, Berkshire-Schweine usw. Diese -englischen Rassen sind stark bei uns eingeführt worden und haben die -heimischen Schläge vielfach verdrängt. Da das englische Edelschwein -neben großen Vorzügen sehr empfindlich und wenig fruchtbar ist, so hat -man es mit deutschen Schweinen gekreuzt und züchtet das sogenannte -deutsche Edelschwein. - -Das Schwein ist kein Wiederkäuer, wie bereits erwähnt wurde. Es hat -außer den Eckzähnen im Oberkiefer sechs Schneidezähne. Es gehört zu -den Paarhufern aus der Familie der Schweine. In Bessarabien gibt es -Einhuferschweine. - -Der Zuchteber wird mit Ablauf eines Jahres zur Zucht verwendet, die Sau -im Alter von 10 bis 14 Monaten. Die Tragezeit währt fast vier Monate. -Man nimmt an, daß das Schwein ein Alter von 30 Jahren erreicht. - -Es ist schon erwähnt worden, daß Krankheiten bei den Schweinen sehr -häufig sind. Es seien genannt Rotlauf, Schweineseuche und Schweinepest. -Am bekanntesten ist, daß im Schwein Trichinen leben, weshalb man -Schweinefleisch nur gekocht essen soll. - -Zu den besten Bekämpfern der Krankheiten gehört der Weidegang der -Schweine. Namentlich scheint der Weidegang auf Kleeweiden immer mehr -Anhänger zu finden. - - -110. Das Schwein in Redensarten und Sprichwörtern. - -Erwähnt wurden bereits »sauwohl«, »schweinsäugig« und die Redensart -»Ein gutes Schwein muß alles fressen«. - -Wegen seines Wälzens im Schmutz und Kot dient das Schwein als -Bezeichnung für einen schmutzigen oder unsittlichen Menschen. -Ueberhaupt dient die Verbindung mit Schwein dazu, um den schärfsten -Tadel auszusprechen. So ist ein sehr schlechtes Essen - - *Schweinefraß*, - - *Schweinestall* - -eine sehr schmutzige Wohnung. - -Man sagt ferner: - - *dumm, faul, gefräßig, dreckig sein wie ein Schwein, bluten wie ein - Schwein*. - -Zu ergänzen ist: wenn es geschlachtet wird. Um plumpe Vertraulichkeiten -abzuwehren, gebraucht man die Redensart: - - *Wo haben wir zusammen die Schweine gehütet?* - -Merkwürdigerweise gilt das Schwein auch als glückbringend. In der -Studentensprache heißt Schwein soviel wie Glück. - - *grenzenloses Schwein* - -bedeutet grenzenloses Glück. - -[Illustration: Schweine auf der Weide] - -[Illustration: Laufraum für junge Schweine] - - - - -Die Ziege - - -111. Warum können junge Ziegen bereits vortrefflich klettern? - -Die Ziege, die Kuh des armen Mannes, können wir in oder nahe bei dem -alten Berlin noch häufig zu sehen bekommen. Auf dem unbebauten Teil des -Tempelhofer Feldes trifft man sie regelmäßig im Sommer an, ebenso auf -Baustellen der Vororte. Selbst in Gärten habe ich sie schon gesehen, -wobei sie natürlich, um Schaden zu verhüten, angebunden war. - -Wir wollen einmal eine solche Mutterziege, die zwei muntere Zicklein -bei sich hat, etwas näher betrachten. - -Bei der Ziege haben auch die Weibchen Hörner, ebenso wie die Gemsen, -während sie den weiblichen Schafen, wie wir später sehen werden, fehlen. - -Das hat natürlich seinen Grund, und zwar folgenden: Gemsen und Ziegen -haben ihre Heimat im hohen Gebirge, wo die Jungen von Adlern und -anderen Raubvögeln bedroht werden. Um sie abzuwehren, brauchen die -Weibchen Hörner. - -Das Schaf stammt auch aus dem Gebirge, aber aus dem bewaldeten Teile -der Gebirge. Die Schafmutter braucht ihr Junges nur in den Wald zu -bringen, dann ist es vor Raubvögeln sicher. Deshalb haben auch die -Weibchen von Reh und Hirsch keine Waffen, weil auch sie in den Wald -flüchten können. - -Die kleinen Tierchen, die allerliebst aussehen, tollen jetzt in -der übermütigsten Weise umher. Ihre Gewandtheit im Klettern ist -erstaunlich. Je höher sie klettern können, desto lieber ist es ihnen. -Man sieht ihnen an, daß ihre Vorfahren im Gebirge heimisch waren. -Auch führen sie schon Scheingefechte auf, indem sie mit den Köpfen -gegeneinander rennen. Schwindel muß ihnen ganz unbekannt sein, denn -sonst könnten sie nicht mit solchem Vergnügen am Dachrande eines -kleinen Hauses entlanglaufen. - -Diese frühzeitige Kletterkunst erregt unser Erstaunen, besonders wenn -wir bedenken, daß eben geborene junge Ziegen bereits nach einigen Tagen -ihrer Mutter überallhin folgen können. - -Auch hier gibt uns die Lebensweise der Stammeltern Aufschluß über diese -merkwürdige Eigenschaft. Unsere Hausziege stammt von der Bezoarziege -ab, die an den Küsten des mittelländischen Meeres lebt. Wie alle -Pflanzenfresser hat auch die Bezoarziege Feinde, die ihr nachstellen. -Von den Säugetieren sind es namentlich Luchse und Wölfe. - -Wie soll nun die Ziegenmutter ihre Jungen gegen überlegene Feinde -schützen, beispielsweise, wenn ein Jäger oder ein schnellfüßiger Wolf -kommt? Auf dem Rücken kann sie das Junge nicht tragen. Deshalb muß das -Junge bald klettern können, weil sonst die Ziegen ausgerottet wären. - - -112. Warum fressen unsere Ziegen ungern Gras? - -Inzwischen ist die Herrin der Ziegenfamilie zu der alten Ziege getreten -und schilt sie tüchtig aus. Wir können zwar nicht alles verstehen, was -sie sagt, aber wir können es uns schon denken. Es ist das alte Lied, -das wir immer hören müssen. Entweder heißt es: »Du Ziege bist ein -ganz niederträchtiges Geschöpf. Du stehst im tiefen Gras, doch darum -kümmerst du dich nicht. Aber den Pfahl, an den du gebunden bist, den -knabberst du an.« Oder: »Du bist ein ganz eigensinniges Tier; Gras -willst du nicht fressen, aber zu den Sträuchern willst du hin.« Der -gebildete Großstädter sagt oft verzweifelnd, wenn die Ziege das mühsam -besorgte Gras nicht fressen will: »Die Ziege gehört zu den Träumern, -die in die Weite schweifen, obwohl ihr das Gute so nahe liegt.« - -Alles das ist natürlich eine ganz falsche Ansicht. Wir Menschen machen -folgenden Schluß: Die Ziege ist ein Pflanzenfresser. Gräser sind -Pflanzen. Folglich muß die Ziege Gräser fressen, oder sie ist nicht -ganz bei Trost. - -Schon früher haben wir darauf hingewiesen, daß die Gemsen in unseren -Zoologischen Gärten bald sterben, weil ihnen das gewürzige Gras ihrer -Heimat fehlt. Die Bezoarziege bewohnt nun solche Teile des Gebirges, wo -Gräser wenig oder gar nicht vorkommen. Auf dem öden, trockenen Gestein -der Mittelmeerländer kommen Grasflächen, wie sie unsere Heimat in Hülle -und Fülle bietet, nur selten vor. - -Das Gras unserer Ebene ist also gar kein natürliches Futter der Ziege. - -Deshalb werden wir niemals in unserer engeren Heimat, in einer Provinz -ohne Bodenerhebungen, eine berühmte Ziegenrasse züchten, weil wir den -Ziegen so wenig natürliches Futter bieten können. - -Wir müssen vielmehr immer wieder unsere Ziegen mit solchen aus -gebirgigen Ländern auffrischen, wo sie viel besser gedeihen, -beispielsweise im Harz und in der Schweiz. - - -113. Wie erklärt sich die Giftfestigkeit der Ziege? - -Wir haben also gesehen, daß die Besitzerin der Ziegenfamilie im Unrecht -ist, wenn sie die Ziege schilt, weil sie so ungern das Gras unserer -Ebene fressen will. - -Damit soll nun nicht gesagt sein, daß wir demutsvoll allen angestammten -Eigenarten der Ziegen nachkommen sollen. Davon kann keine Rede sein. -Nur sollen wir uns von der Vorstellung freimachen, daß wir vor -einer unverbesserlichen Sünderin stehen. Das ist nicht der Fall, da -kein Tier seine angeborenen Triebe ablegen kann. Noch eine andere -Eigentümlichkeit der Ziege erregt unseren Zorn. Sie ist nach unseren -Begriffen lecker, weil sie bald dieses, bald jenes sich aus dem Futter -herauszieht und am liebsten eine Menge an die Erde wirft, wo es -natürlich zertreten wird. - -Diese Art des Fressens ist ganz einleuchtend, wenn man sich die -Lebensweise der Wildziegen vorstellt. Auf dem öden Gestein ist ein sehr -geringer Pflanzenwuchs. Zum Sattwerden an einer einzigen Pflanzenart -reicht es nicht aus. Deshalb muß die Ziege von dem wenigen, was das -Gebirge hervorbringt, fressen, ganz gleich, was es ist. Hieraus erklärt -sich auch die merkwürdige Erscheinung, daß die Ziege gewissermaßen -giftfest ist. Sie frißt beispielsweise den giftigen Schierling -körbeweise, ohne daß es ihr schadet. Auch frißt sie viele Dinge, die -jedes andere Tier meidet, so den scharfen Mauerpfeffer, Zigarren und -Schnupftabak und dergleichen. - -Wenn eine Ziege also den Pfahl beknabbert, an dem sie angebunden ist -und das Gras links liegen läßt, so ist das keine Niederträchtigkeit, -sondern die ganz naturgemäße Art des Fressens. Ueppige Weiden behagen -ihr nicht, wohl aber Sträucher und Baumzweige. Deshalb ist sie -der Fluch für die Mittelmeerländer, weil sie durch ihr Beknabbern -eine Bewaldung dieser Länder nicht aufkommen läßt. Sieht man einer -freiweidenden Ziege zu, so wird man sich davon überzeugen können, daß -sie von den am Boden wachsenden Pflanzen die Blätter bevorzugt und -viel lieber als Gräser frißt. Das ist auch nach ihrer Herkunft nicht -wunderbar. - - -114. Warum heißt die Ziege die Kuh des armen Mannes? - -Wir sehen, daß hier eine Familie sich eine Ziege hält, obwohl sie nur -einen ziemlich großen Garten besitzt. Diese Leute sind wahrscheinlich -wohlhabend, möglicherweise sogar sehr reich. Bei ihnen würde also die -Bezeichnung nicht zutreffen, daß die Ziege die Kuh des armen Mannes sei. - -Großstädtische Verhältnisse sind eben nicht immer die naturgemäßen. -Die Redensart bezieht sich auf die sonst in unserer Heimat üblichen -Verhältnisse. Hiernach hat der arme Mann auf dem Lande bei seinem -Häuschen einen Garten, aber er hat sonst kein Land, namentlich keine -Wiesen, wie es für eine Kuh erforderlich ist. Mit dem, was ein Garten -bringt, kann man eine Ziege ernähren, da fünf Ziegen zusammen nicht -so viel fressen wie eine Durchschnittskuh. Außerdem muß die Ziege bei -armen Leuten vieles fressen, was man ihr sonst nicht vorsetzt, z. B. -Abfälle, Spülicht usw. Der arme Mann möchte selbstverständlich auch -gern frische Milch genießen, und da er sich, wie wir sahen, keine Kuh -halten kann, so nimmt er eine Ziege, woher sich die Redensart erklärt. - -Eine gute Milchziege liefert wöchentlich 10 bis 12 Liter Milch. Sie hat -den Nachteil, daß viele Menschen sie nicht mögen. Auch läßt sich aus -Kuhmilch viel bessere Butter und leichter Käse machen. Auch schmeckt -saure Kuhmilch viel besser. Da außerdem Rindfleisch viel schmackhafter -als Ziegenfleisch ist, so wird die Kuh durch die Ziege nicht verdrängt -werden. - - -115. Wie lebt die Ziege im Gebirge? - -Von der Lebensweise der eigentlichen Stammeltern unserer Hausziege -wissen wir recht wenig. Wir wollen daher als Ersatz die Schweizer -Ziegen wählen, deren Lebensweise ein dort heimischer Naturforscher -vortrefflich geschildert hat. - -Die Ziegenböcke des Gebirges haben mitunter so außerordentlich große -Hörner, daß sie von weitem Steinböcken ähnlich sehen. Sie zeichnen -sich besonders durch ihren kecken, mutwilligen Humor aus. Es liegt -etwas Ernstes in der Haltung ihres Kopfschmuckes, aber sie haben ein -schalkhaftes Auge und zeigen, wenn es ans Naschen oder ans Spielen und -Stoßen geht, ihre ganze Leichtfertigkeit. Das Schaf hat nur in seiner -Jugend ein munteres Wesen, ebenso der Steinbock; die Ziege behält es -länger als beide. Ohne eigentlich im Ernste händelsüchtig zu sein, -fordert sie gern zum munteren Zweikampfe heraus. - -Neugierde ist überhaupt neben der Launenhaftigkeit ein hervorstechender -Wesenszug der Ziege. Sie ist in weit höherem Grade neugierig als die -Kuh; die Gemse ist ihr darin ähnlich. Zu den Gemsen verliert sich hier -und da eine Alpenziege und bleibt monatelang in der Gesellschaft. Doch -muß es ihr sauer werden, diesen Meistern im Springen und Klettern -nachzukommen, und gewöhnlich kehrt sie im Herbst unvermutet ins Tal zu -ihrer Hütte zurück. Im Appenzellerlande überwinterten schon verloren -geglaubte Ziegen in geschützten Alpen unter großen Tannen bald allein, -bald mit Gemsen, und kehrten im Frühling mit frischgeworfenen Zicklein -ins Tal zurück. - -Ueberhaupt ist unsere Ziege eines der muntersten und aufgewecktesten -unter den zahmen Tieren, wie schon ihr Auge, ihr feiner Kopf, ihre -schlanke, leichte Körperbildung und ihr großes Gehirn auf eine kluge -Natur schließen läßt. Sie ist weit empfänglicher für die Liebkosungen -des Menschen als das Schaf, folgt nicht, wie dieses, dem Gang der -Masse, sondern tritt gern frei und selbständig auf, liebt Berge und -Freiheit, fürchtet sich nicht so schnell, ist im Zorne ziemlich -hartnäckig, hat viel Gedächtnis und Ortssinn und würde vielleicht bei -völliger Freiheit nach wenigen Generationen an Lebhaftigkeit, Kühnheit -und ausgebildetem Instinkt der Gemse wenig nachstehen. Dies gilt -namentlich von den gehörnten Ziegen, die in den Gebirgen weit häufiger -sind als die ungehörnten, die dafür im Tale in den Ställen vorgezogen -werden. Um solche hornlose Ziegen zu erhalten, bedient man sich hie -und da eines höchst gefährlichen Mittels. Man gräbt nämlich Zicklein, -sobald die Hörnchen hervorbrechen wollen, diese samt der Wurzel aus dem -Schädel. - -Der die Gebirge durchstreifende Wanderer trifft häufig Ziegengruppen -als malerische Zutat einer einsamen Alpengegend, bald frei weidend, -bald unter Obhut eines wetterbraunen, barfüßigen Jungen. Sie sind -selten scheu, gewöhnlich ganz zutraulich und munter. In manchen -Schweizerbergen folgen sie dem Fremden stundenweit, um ein paar -Fingerspitzen Salz oder ein Stück Brot zu erbetteln. Erhalten sie -kein Salz, so genießen sie mit ebenso großem Behagen eine Portion -Schnupftabak. Gewöhnlich sind ein halb Dutzend Stück einer Ochsen- oder -Pferdeherde beigegeben, und ihre Milch ist fast die einzige Nahrung -der Hüter; oft finden sich einige Stücke im Gefolge einer Kuhherde, -oder sie werden auch zu Herden vereinigt und zur Alp getrieben. In -diesem Falle teilt man sie im Appenzellerlande in Haufen von je 12 -Stück ab; ärmere Bauern, die keinen ganzen Haufen vermögen, stoßen ihre -Ziegen zusammen und halten gemeinschaftlich einen Geißbuben, der nebst -magerer Kost noch geringere Löhnung erhält. - -Mit großer Kühnheit schweifen diese Tiere in den steilsten -Gebirgsbänken umher, um vereinzelte Grasbüschel oder zarte, leckere -Stäudchen zu rupfen. Dabei geschieht es nicht selten, daß sich die -Ziege »verstellt«, wo sie sich weder vor- noch rückwärts mehr getraut. -So bleibt sie dann oft zwei bis drei Tage ohne Nahrung zwischen Tod -und Leben, bis der Geißbub sie entdeckt und zu »lösen« sucht. Dies tut -er mit wunderbarer Verwegenheit; manchmal bindet er sie an ein Seil, -um sie die Felswand hinaufzuziehen. Es ist in der Tat merkwürdig, daß -der Mensch sich da zu klettern getraut, wo selbst die leichtfüßige -Ziege den Mut verloren hat. Freilich sind die Geißbuben, die den -ganzen Sommer über zwischen den Felsen leben, großartige Künstler im -verwegensten Klettern und kennen die Gefahr so wenig, daß sie sich -mitunter anbieten, die jähsten Felsenköpfe und Gebirgsseiten durch -beliebig zu bezeichnende Narben und Falten zu erklimmen, wo man nicht -begreift, wie eine Hand oder ein Fuß im steilen Absturz haften kann. -Selten fallen die Ziegen tot, es sei denn, daß sie sich im Hörnerkampfe -über den Felsenrand hinausstoßen oder von einem fallenden Steine, einer -Lawine oder dem Flügel des Lämmergeiers ergriffen werden. - -Bekanntlich sind die Ziegenherden durch ihre Naschhaftigkeit die -gefährlichsten Feinde und eine wahre Geisel der Gebirgswaldungen -geworden; aber allmählich wird diesem schädlichen Unwesen durch bessere -Forstpolizei und Einschränkung des Ziegenstandes entgegengewirkt. -Im ganzen zieht die Ziege ein mageres, halbsaures Futter mit grünen -Knospen und Zweigen dem fetten Wiesengrase vor. Merkwürdig ist die -Beobachtung, daß die giftige Wolfsmilch und der Schierling von ihr mit -Begierde und ohne Nachteil gefressen wird. Dagegen sollen ihr Eicheln -nachteilig sein. Die Ziegenmilch wird im August, wo die Tiere die -höchsten Alpen besteigen, für am kräftigsten gehalten. Der größte Teil -wird zu fünf- bis zehnpfündigen Käsen verarbeitet, die von vorzüglichem -Wohlgeschmack sind. - - -116. Warum gibt es im Ziegenstall so wenig Fliegen, im Kuhstall so -viele? - -Wir wollen jetzt nach einem Vorort gehen, wo ein alter Bekannter, Herr -Althaus, Ziegen hält. Wegen seiner Gemütlichkeit und Gefälligkeit wird -er allgemein »Onkel Althaus« genannt. Wir treffen es gut bei Onkel -Althaus, denn es wird gerade ein Böckchen abgeholt, das er vor einigen -Tagen verkauft hatte. Das Ziegenböckchen ist ungewöhnlich stark, was -auch weiter kein Wunder ist, da es allein die ganze Milch der Mutter -getrunken hatte. In dieser milcharmen Zeit muß aber jeder zunächst an -sich selbst denken. Onkel Althaus hat ein Söhnchen von neun Jahren, -das die Milch sehr nötig braucht und dessentwegen er gerade die Ziege -angeschafft hat. Es ist selbstverständlich, daß erst der Mensch und -dann das Tier kommt. - -Wir befürchteten, daß die Trennung von Mutter und Sohn zu endlosem -Jammern der Alten führen würde, wie es bei der Kuh üblich ist, wenn ihr -das Kalb genommen wird. Nichts von alledem geschah -- kein einziges -Mäh kam über die Lippen der Alten. Ich glaube aber, daß es falsch ist, -wenn man hieraus auf eine Gefühllosigkeit der Ziegenmutter schließt. -Onkel Althaus hatte wohl recht mit der Annahme, daß die alte Hippe, wie -die Ziege auch sonst genannt wird, bestimmt glaube, das Junge werde -wiederkommen. Er erzählte uns, und sein Söhnchen Albrecht bestätigte -es, daß der kleine Bock schon oft Ausflüge auf eigene Faust unternommen -hatte. - -Es fällt uns auf, daß im Ziegenstall, in dem noch andere Ziegen stehen, -die aber zurzeit keine Milch geben, so wenig Fliegen sind. Im Kuhstall -wimmelt es von Fliegen, wie jeder weiß, der an einem warmen Sommertage -einen Kuhstall betreten hat. Wie erklärt sich dieser Unterschied? - -Aus der früheren Schilderung der Alpenkühe wissen wir, daß es im -Hochgebirge sehr wenig Insekten gibt. Die Ziege ist ein Kind des -Hochgebirges. Die Fliegen und andere Insekten der Ebene kennen also -Ziegen von früher her nicht. Dagegen sind ihnen Kühe als Geschöpfe -sumpfiger Gegenden sehr wohl bekannt. Wer da glaubt, daß es einer -Fliege oder einem anderen Insekt ganz gleichgültig ist, von welchem -Tiere sie das Blut ziehen, der dürfte im Irrtum sein. Auch der Esel -leidet als früheres Gebirgstier viel weniger unter der Insektenplage -als das aus der Steppe stammende Pferd. - -Wir sehen ähnliches bei unseren Kleidern. Die Motten bevorzugen ganz -auffallend reinwollene Sachen, während sie künstliche Wolle oder -Baumwolle meiden, mag sie auch noch so sehr das Auge des Menschen -täuschen. - -Es ist möglich, daß der Gestank des Ziegenbockes, der uns so unangenehm -ist, auch die Fliegen vertreibt. Aber in unserem Falle kann er nicht in -Betracht kommen. Denn Onkel Althaus besitzt keinen eigenen Bock, und -das Böckchen ist noch so jung, daß es noch keinen Geruch entwickelt. - - -117. Die Rassen der Ziege. - -Die Ziege, die zu den paarzehigen wiederkäuenden Huftieren und der -Familie der Horntiere gehört, hat keine Tränengruben und Klauendrüsen. -Sie trägt ihren kurzen Schwanz gewöhnlich steil gestellt. Berühmt sind -die Angora- und Kaschmirziegen. Bei uns werden die Schwarzwaldziege, -die Harzer Ziege, die Erzgebirgsziege usw. gehalten. Sehr gelobt wird -die Langensalzaer Ziege. Sie gleicht der Schweizer Saanenziege, die -bei uns viel eingeführt worden ist. Die Saanenziege ist sehr groß, -schneeweiß und ohne Hörner. Sie soll 5 bis 6 Liter Milch den Tag über -geben, aber bei uns hat sie es nicht getan. Jedenfalls fehlen ihr die -würzigen Gebirgskräuter, von denen wir bereits gesprochen haben. - -Die Ziege ist mit einem Jahre ausgewachsen. Es soll noch gute -Milcherinnen geben, die 16 Jahre alt sind. Die Tragezeit dauert etwa -fünf Monate. Gewöhnlich werden ein oder zwei, manchmal sogar vier Junge -geworfen. - -Von Krankheiten ist die Ziege weit mehr verschont als die Kuh. -Namentlich leidet sie nicht an Tuberkulose. Es gilt im Gegenteil ihre -Milch als besonders heilkräftig für Lungenkranke. Die Ziege hat also -eiserne Lungen von ihren Vorfahren geerbt, da sie bei uns oft in ganz -elenden Ställen gehalten wird. - - -118. Die Ziege in Redensarten und Sprichwörtern. - -Von der Ziege als der »Kuh des armen Mannes« ist bereits gesprochen -worden, ebenso von ihrer angeblichen Naschhaftigkeit, weshalb man sagt: - - *Wählerisch wie eine Ziege.* - -Bei den alten Griechen hieß der Ziegenbock überhaupt: Nascher. - - *Mager wie eine Zicke oder Ziege.* - -Bei den Ziegen, die in der Ebene leben müssen und nur Gras erhalten, -ist das kein Wunder. - -Umgekehrt sagt man: - - *Es in sich haben, wie die Ziege das Fett.* - -Das soll heißen, daß man einer Ziege, wenn sie innen feist ist, das -gewöhnlich nicht ansieht. - - *Wer sich grün macht, den fressen die Ziegen.* - -Hier wird der Rat gegeben, nicht dem Futter zu gleichen, das ein -Tier frißt. Dieser Rat ist selbstredend bildlich gemeint. Man soll -also beispielsweise nicht in Gegenwart von Leuten, die als große -Darlehnssucher bekannt sind, fortwährend davon reden, wie viel Geld man -hat. - -[Illustration: Weidende Ziegen] - - - - -Das Schaf - - -119. Warum blökt das Schaf? - -Es ist noch gar nicht solange her, daß man auf dem Tempelhofer Felde, -das damals noch gänzlich unbebaut war, eine wirkliche Schafherde mit -Schäfer und Hund beobachten konnte. Wie oft habe ich ihnen zugeschaut, -wobei ich besonders aufpaßte, ob sie bei der Heimkehr glücklich über -die Eisenbahngleise der Ringbahn kommen würden. - -Stand man bei der Herde, so war es gewöhnlich das gleiche Bild: Fressen -und Blöken und sich dabei etwas vorwärts schieben. - -In Ermangelung einer ganzen Herde müssen wir uns damit begnügen, uns -das Schaf eines Bekannten, ein ostfriesisches Milchschaf, anzusehen, -das dieser uns bereitwilligst zur Besichtigung vorgeführt hat. - -Geistreich kann man beim besten Willen das Gesicht eines Schafes nicht -nennen, eher das Gegenteil davon. Man kann sich nicht darüber wundern, -daß man recht dumme Leute als Schafe bezeichnet. - -Aber es wäre doch ein großes Unglück, wenn plötzlich alle Schafe mit -ihren dummen Gesichtern verschwänden. Dann hätten wir ja noch weniger -Wolle, als es ohnehin schon der Fall ist. - -Ueberdies werden wir sehen, daß es mit der Dummheit der Schafe nicht -so schlimm bestellt ist. Dieses einzelne Schaf, das wir vor uns haben, -blökt nicht. Daraus ersehen wir, daß das anhaltende Blöken doch nicht -so furchtbar töricht sein kann, wie die Leute es immer hinstellen. - -In der Tat ist der Mensch furchtbar ungerecht gegen die Tiere. Bei -den Vögeln, die genau dasselbe tun, wie die Schafe, findet er es -wunderschön. Fliegen zum Beispiel Meiseneltern mit ihren zahlreichen -Jungen von Baum zu Baum, so hört das feine Zurufen gar nicht auf. Das -gleiche beobachten wir bei Meisenschwärmen überhaupt. Wir verstehen -vollkommen, daß diese kleinen Tierchen sich im Gewirr der Blätter -oder Nadeln leicht aus den Augen kommen können. Da sie sich nur in -Gesellschaft wohlfühlen, so ergeht fortwährend der Zuruf: Bist du auch -noch da? - -Wenn Tiere mit sehr scharfen Augen bereits eine Prüfung brauchen, ob -sie sich nicht verloren haben, so ist sie erst recht bei Tieren mit -schlechten Augen angebracht. Eine Wildsau, eine sogenannte Bache, die -ihre Jungen führt, muß grunzen, damit die kleine Schar weiß, wo sie -ihre Mutter findet. Mit ihren schwachen Augen würden sie sich ohne das -Gegrunze sehr oft verirren, wenngleich die feine Nase schließlich für -die Rückkehr sorgen würde. In der Zwischenzeit kann aber viel Unheil -geschehen. Da kann der Fuchs sich schon einen Frischling als Braten -geholt haben. - -Schweine grunzen also, weil dadurch ein Zusammenhang der Herde -gewährleistet wird. Aus demselben Grunde blöken auch die Schafe. Die -Schweine können sich in den Niederungen und im Gebüsch leicht aus -den Augen verlieren. Die Schafe im Gebirge ebenso leicht. Denn die -Stammeltern unserer Hausschafe sind Wildschafe. Wir sind uns zwar noch -nicht ganz einig darüber, welche bestimmte Art als solche bezeichnet -werden soll. Aber alle Wildschafe haben das gemeinsam, daß sie im -Gebirge leben. - - -120. Warum krümmen sich beim Schafbock die Hörner, beim Ziegenbock -nicht? - -Da Ziege und Schaf beide im Gebirge leben, so müßte man eigentlich -meinen, daß sie beide ganz gleich aussehen müßten. Das ist aber nicht -der Fall. Wir haben schon früher erklärt, weshalb die weibliche Ziege -gehörnt ist, das weibliche Schaf nicht. - -Auf dieselbe Verschiedenheit der Lebensweise sind auch die -Verschiedenheiten des Aussehens von Ziege und Schaf zurückzuführen. - -Wir werden uns später den Mufflonbock im Berliner Zoologischen Garten -ansehen. Er gehört sicherlich zu den Vorfahren mancher unserer -Hausschafrassen. Noch heute lebt er in den unzugänglichen Gebirgen von -Sardinien und Korsika. Schon jetzt möchte ich vorgreifen und mitteilen, -daß der Bock halbmondförmige, nach hinten gekrümmte Hörner, keinen Bart -und ein fast fuchsrotes Fell besitzt. Die Ziege hat dagegen einen Bart, -ein mehr graubräunliches Fell und mehr aufrecht stehende Hörner. - -Da in Deutschland an verschiedenen Stellen Mufflons ausgesetzt sind, so -sind wir jetzt über ihre Lebensweise ziemlich unterrichtet. Hiernach -halten sich die Wildschafe, wie schon erwähnt wurde, hauptsächlich -im Walde auf. Auch haben sie eine besondere Vorliebe dafür, enge -Durchlässe zu durchkriechen. - -Um durch enge, niedrige Lücken zu gelangen, müssen die Hörner gebogen -sein. Ziegenböcke kriechen nicht durch solche Oeffnungen. Deshalb -stehen ihre Hörner ziemlich senkrecht. - -Beim Durchkriechen würde ein Bart sehr hinderlich sein. Ueberhaupt ist -ein langer Haarwuchs im Walde von Uebel. Wir wissen, daß Absalon mit -seinem mächtigen Haarwuchs an einem Baume hängen blieb und getötet -wurde. Deshalb hat auch der Tiger, der im Walde lebt, keine Mähne, -während sie der Löwe, der in der baumleeren Steppe haust, besitzt. - -Zu dem Walde paßt die fuchsrötliche Färbung des Mufflons, da sie mit -dem vermoderten Laub übereinstimmt. Eine solche Färbung haben auch -Hirsch und Reh. Dagegen hat die Bezoarziege mehr die Färbung des -bräunlichen Gesteins. - -An dem vor uns stehenden Schaf beobachten wir, daß es Tränendrüsen hat. -Warum fehlen sie der Ziege? - -Die Tränendrüsen werden an Baumstämmen gerieben. Da das Schaf eine -feine Nase, aber ein schwaches Gesicht hat, so merken Schafe, die einen -fremden Wald betreten, sofort, daß andere Schafe in ihm weiden. Sie -riechen nämlich die an den Baumstämmen abgewischten Ausscheidungen der -Tränendrüsen. - -Die Ziege lebt in baumloser Gegend. Für sie sind also Tränendrüsen ganz -zwecklos. Außerdem sind bei ihr die Augen besser entwickelt, wofür ihre -Nase nicht so fein ist, wie die des Schafes. Beim Springen von Klippe -zu Klippe sind für sie gute Augen von großem Vorteil. Die Ziege gleicht -also in diesem Punkte dem Windhund, der ebenfalls ein ziemlich scharfes -Gesicht, dafür aber auch eine weniger gute Nase hat. - - -121. Warum folgen die Schafe dem Leithammel? - -Als ein Beweis ihrer furchtbaren Dummheit ist es stets angesehen -worden, daß die Schafe blindlings ihrem Leithammel folgen. Stürzt er -vor Schrecken aus dem Schiff, in dem er sich mit der Herde befindet, -über Bord, so finden alle übrigen ebenfalls den Tod in den Wellen. - -In Wirklichkeit beweist diese Eigentümlichkeit sehr wenig. Das Schaf -tut nur das, was seine Vorfahren seit Urzeiten getan haben. Wildschafe -folgen dem leitenden Widder und tun wohl daran. Er hat die freieste -Aussicht, und die Stellen, die ihn tragen, halten sicherlich auch -das Gewicht der andern Mitglieder des Rudels aus. Deshalb ist es das -Klügste, was ein Wildschaf tun kann, daß es sich nach dem Vordermann -richtet. Genau ebenso handeln Affen- und Elefantenherden. Der Affe -weiß, daß der Ast, der den Leitaffen getragen hat, nicht brechen wird, -wenn er auf ihn springt. Wollten Wildschafe, Affen und Elefanten anders -handeln, beispielsweise bei einer rasenden Flucht ihre eigenen Wege -gehen, so würden sie bald verunglücken. - -Deshalb tritt auch der kluge Mensch bei schwierigen Gebirgswanderungen -in die Fußstapfen seines Führers. - -Die Dummheit des Schafes besteht also lediglich darin, daß es etwas, -was im Gebirge sehr zweckmäßig ist, auf die Ebene überträgt, wo es ganz -sinnlos ist. Aber tut der kluge Hund nicht genau dasselbe? Will er -nicht seinen Unrat in dem steinharten Bürgersteig verscharren? - - -122. Warum sieht das Schaf so furchtbar ängstlich aus? - -Schauen wir unserm Schaf in die Augen, so leuchtet die größte Angst aus -ihnen hervor. Aber ist das eigentlich wunderbar? - -Vom Hasen gibt es ein Gedicht, worin alle seine Feinde aufgezählt -werden, die ihn alle gern fressen möchten. Beim Wildschafe liegt die -Sache nicht viel anders. Seine Feinde sind Wölfe, Luchse, Bären und -Lämmergeier. Seine Jungen werden vom Adler bedroht. Der Hauptfeind ist -natürlich der Mensch. - -Gegen alle seine Feinde besitzt es nur eine Waffe -- die Flucht ins -Gebirge. Diese Verteidigungsart haben wir ihm geraubt, indem wir es in -die ebene Gegend gebracht haben. - -Wie soll ein Tier nicht ängstlich sein, dem wir seinen letzten -Zufluchtsort geraubt haben, und das aus Erfahrung weiß, wieviele Feinde -es hat? - -Die anderen Dummheiten, die man dem Schafe vorwirft, werden auch von -andern Haustieren gemacht. Es rennt in den brennenden Stall zurück, -weil ihm nur bei der Herde wohl ist. Das tun auch, wie wir wissen, die -klugen Pferde. - -Das Pferd schweigt, wenn es den Todesstich erhält. Er wird deswegen von -Dichtern als edles Tier gefeiert, obwohl das damit nicht das mindeste -zu tun hat. Das Schaf, das ebenfalls schweigend stirbt, wird dagegen -von den Dichtern nicht gefeiert. Es wird überall verschieden gemessen. - -Schießt der Jäger auf eine wildernde Katze, so faucht sie höchstens, -schießt er auf einen wildernden Hund, so heult er. Alle Tiere, die -sich beistehen, geben bei schweren Verwundungen Schmerzensschreie von -sich (vgl. Kap. 58). Da Katzen, Pferde, Ziegen, Schafe usw. sich nicht -beistehen, so sterben sie lautlos. Der einzeln lebende Keiler erhält -stumm die Todeswunde, dagegen schreien die einzelnen Mitglieder eines -Wildschweinrudels, weil sie sich gegenseitig beistehen. - - -123. Geschichten von Schafen. - -Nicht die Dummheit der Schafe bereitet uns Menschen soviel Aerger, -sondern die aus früheren Zeiten vererbten Eigentümlichkeiten. Sachlich -ist das natürlich kein großer Unterschied. Es lehrt uns aber, milder -über ein Tier zu denken. - -Ueber die Not, die Schafe und Hirten in Süd-Rußland bei Schneestürmen -erleiden, teilte ein alter Hirt einem deutschen Reisenden folgende -Tatsache mit: »Wir weideten in der Steppe von Otschakow, unser sieben, -an 2000 Schafe und 150 Ziegen. Es war gerade zum erstenmal, daß wir -austrieben, im März. Das Wetter war freundlich und es gab schon -frisches Gras. Gegen Abend aber fing es an zu regnen, und es erhob -sich ein kalter Wind. Bald verwandelte sich der Regen in Schnee, -es wurde kälter, unsere Kleider starrten, und einige Stunden nach -Sonnenuntergang stürmte und brauste der Wind aus Nordosten, so daß uns -Hören und Sehen verging. Wir befanden uns nur in geringer Entfernung -von Stall und Wohnung und versuchten es, die Behausung zu erreichen. -Der Wind hatte indessen die Schafe bereits in Bewegung gesetzt und -trieb sie immer mehr von der Wohnung ab. Wir wollten nun die Geißböcke, -denen die Herde zu folgen gewohnt ist, zum Wenden bringen, aber so -mutig dieses Tier bei allen anderen Ereignissen ist, so sehr fürchtet -es die kalten Stürme. Wir rannten auf und ab, schlugen und trieben -zurück und stemmten uns gegen Sturm und Herde, aber die Schafe drängten -und drückten aufeinander und der Knäuel wälzte sich unaufhaltsam die -ganze Nacht weiter und weiter fort. Als der Morgen kam, sahen wir -nichts als rund um uns her lauter Schnee und finstere Sturmwüste. -Am Tage blies der Sturm nicht minder wütend, und die Herde ging -fast noch rascher vorwärts als in der Nacht, wo sie von der dicken -Finsternis noch mitunter gehemmt ward. Wir überließen uns nun unserem -Schicksal, es ging im Geschwindschritt fort, wir selber voran, das -Schafgetrappel blökend und schreiend, die Ochsen mit dem Proviantwagen -im Trabe und die Rotte unserer Hunde heulend hinterdrein. Die Ziegen -verschwanden uns noch an diesem Tage, überall war unser Weg mit dem tot -zurückbleibenden Vieh bestreut. Gegen Abend ging es etwas gemacher, -denn die Schafe wurden vom Hungern und Laufen matter. Allein leider -sanken auch zugleich uns die Kräfte. Zwei von uns erklärten sich krank -und verkrochen sich im Vorratswagen unter den Pelzen. Es wurde Nacht, -und wir entdeckten noch immer nirgends ein rettendes Gehöft oder Dorf. -In dieser Nacht ging es uns noch schlimmer als in der vorigen, und da -wir wußten, daß der Sturm uns gerade auf die schroffe Küste des Meeres -zutrieb, so erwarteten wir alle Augenblicke, mitsamt unserem dummen -Vieh ins Meer hinabzustürzen. Es erkrankte noch einer von unseren -Leuten. Als es Tag wurde, sahen wir einige Häuser uns zur Seite aus dem -Schneenebel hervorblicken. Allein obgleich sie uns ganz nahe waren, -höchstens 30 Schritte vom äußersten Flügel unserer Herde, so kehrten -sich doch unsere dummen Tiere an gar nichts und hielten immer den ihnen -vom Winde vorgezeichneten Strich. Mit den Schafen ringend verloren -wir endlich selber die Gelegenheit, zu den Häusern zu gelangen; so -ganz waren wir in der Gewalt des wütenden Sturmes. Wir sahen die -Häuser verschwinden und wären, so nahe der Rettung, doch noch verloren -gewesen, wenn nicht das Geheul unserer Hunde die Leute aufmerksam -gemacht hätte. Es waren deutsche Kolonisten, und der, welcher unsere -Not zuerst entdeckte, schlug sogleich bei seinen Nachbarn und Knechten -Alarm. Diese warfen sich nun, 15 Mann an der Zahl, mit frischer -Gewalt unseren Schafen entgegen und zogen und schleppten sie, uns und -unsere Kranken allmählich in ihre Häuser und Höfe. Unterwegs waren -uns alle Ziegen und 500 Schafe verlorengegangen. Aber in dem Gehöfte -gingen uns auch noch viele zugrunde, denn sowie die Tiere den Schutz -gewahrten, den ihnen die Häuser und Strohhaufen gewährten, krochen sie -mit wahnsinniger Wut zusammen, drängten, drückten und klebten sich in -erstickenden Haufen aneinander, als wenn der Sturmteufel noch hinter -ihnen säße. Wir selber dankten Gott und den guten Deutschen für unsere -Rettung; denn kaum eine halbe Viertelstunde hinter dem gastfreundlichen -Hause ging es 20 Klaftern tief zum Meere hinab.« - - -124. Warum braucht der Schäfer einen Hund? - -Weil die Schafe vom Gebirge in die Ebene gebracht worden sind, die -ihnen gar nicht naturgemäß ist, und in der sie sich wie sinnlos -benehmen, deshalb ist ein schnellfüßiger Gehilfe für den Schäfer eine -Notwendigkeit. - -Der Hund ist dazu wie geschaffen, weil er, wie wir wissen, von -Vorfahren stammt, denen das Umkreisen der Pflanzenfresser etwas -Geläufiges war. - -Es gibt zahlreiche, gut verbürgte Geschichten, wonach Schäferhunde -unersetzliche Dienste geleistet haben. Folgende scheint mir der -Anführung wert zu sein, da sie von einem ganz unparteiischen -Eisenbahnbeamten bestätigt worden ist. Der Schäfer hatte über den Durst -getrunken und schlief ganz fest. Die Herde ging heimwärts und kam -dabei an das Bahngleise. In diesem Augenblick brauste der Schnellzug -heran. Der Bahnwärter glaubte, daß wenigstens die halbe Herde zermalmt -werden würde. Doch der Schäferhund lief eiligst zum Gleise und duldete -nicht, daß ein Schaf sich ihm näherte. Erst dann führte er die Herde -über das Gleis zum heimischen Stall. - - -125. Mufflon und Hausschaf. Neue Futterquellen für unsere Hausschafe. - -In unserem Zoologischen Garten befindet sich seit Jahren ein -Mufflonbock mit mächtigem Gehörn. Wir wollen uns diesen etwas näher -betrachten. - -Die Verwandtschaft mit unserm Hausschaf ist, wenn man von seinem -Hörnerschmuck absieht, unverkennbar. Das Weibchen hat jetzt ein Junges, -das nach der Tafel am 22. März geboren worden ist. Da wir Anfang Juni -schreiben, so ist es fast drei Monate alt. - -Mutter und Kind erinnern sehr an unser Hausschaf, wenn es ein Lamm bei -sich hat. Namentlich das häufige Mähen trägt zur Uebereinstimmung bei. -Aber das Mufflonjunge, das auf einem Felsen steht, sieht naturgemäß -aus, was man von unsern Lämmlein nicht immer sagen kann. - -Nachdem ich an Mufflons, die bei uns ausgesetzt worden sind, z. B. -denen bei Dresden, festgestellt hatte, daß sie gern Roßkastanien -fraßen, habe ich auch vor Jahren dem Berliner Bock eine angeboten. -Er war ganz wild danach. So zurückhaltend er sonst ist, so kam er -oben vom Felsen hastig angelaufen, sobald ich nur mit einer Kastanie -an das Gitter klopfte. Als ich diese Leidenschaft für Kastanien bei -den Wildschafen entdeckt hatte, versuchte ich die Fütterung auch -bei Hausschafen und Ziegen. Beide waren ebenfalls ganz wild danach. -Schweine dagegen haben sie, wie schon erwähnt wurde, abgelehnt. - -Auf die Fütterung mit Kastanien kam ich folgendermaßen. Die Roßkastanie -stammt aus den Gebirgsländern des Mittelländischen Meeres. Gerade im -Gebirge dieses Meeres sind die Mufflons heimisch. Folglich spricht die -Wahrscheinlichkeit dafür, daß sie ein passendes Futter sind. - -Die Kastanien brauchen bei Schafen und Ziegen nicht entbittert zu -werden. Der Geschmack des Menschen ist nicht der gleiche wie der von -den Tieren. Der Hase frißt ja fast nur Bitterstoffe. Es würden lauter -Gift- und Bitterpflanzen bei uns wachsen, wenn diese nicht auch in der -Tierwelt Liebhaber fänden. - -An Lämmer aber soll man keine Kastanien verfüttern. Wenn die Kastanien -reif sind, dann gibt es keine Mufflonlämmer, sondern diese sind dann -schon fast ausgewachsen. - -Die Mufflons stehen im Winter unter Nadelhölzern. Hiernach sind -Kiefernadeln, an denen wir einen unendlichen Ueberfluß haben, im Winter -ein sehr naturgemäßes Futter für Hausschafe. - - -126. Die Rassen des Hausschafs. - -Man teilt die Schafe verschieden ein. Nach dem Haarwuchs gibt es -folgende Rassen: 1. Haarschafe; 2. Mischwollschafe, zu denen die -Heidschnucken in der Lüneburger Heide gehören, ebenso das ostfriesische -Milchschaf und pommersche Landschafe, wenngleich zu verschiedenen -Unterabteilungen; 3. Schlichtwollschafe, zu denen das Rhönschaf und -andere Schafrassen in Mitteldeutschland gehören; 4. Merinoschafe, die -seit 150 Jahren aus Spanien in Deutschland eingeführt worden sind. Man -unterscheidet bei ihnen das Elektoralschaf, Negrettischaf, schließlich -das französische und deutsche Kammwollschaf. - -Die Engländer haben auch auf dem Gebiete der Schafzucht Hervorragendes -geleistet. Durch sie ist das Hammelfleisch wohlschmeckend und fett -geworden, was es früher nicht war. Von ihren Rassen sei erwähnt das -Leicesterschaf, die Southdowns usw. - -Trotzdem man von Niederungs- und Höhenschafen spricht, so stammen auch -die Niederungsschafe aus Gebirgen. Und zwar lebten sie an den üppigen -Ufern der Gebirgsflüsse. - -Die Niederungsschafe, wie das von uns vorgeführte ostfriesische -Milchschaf, verlangen daher üppige Weiden. Dafür liefern sie viel Milch -und sind sehr fruchtbar. - -Sonst sind die Schafe Magerfresser, die bei zu kräftigem Futter leicht -erkranken. - -Vor 60 Jahren gab es in Preußen etwa 16 Millionen Einwohner und fast -genau so viel Schafe. Bei Ausbruch des Krieges hatte das Deutsche Reich -gegen 70 Millionen Bewohner und nur 5 Millionen Schafe. - -Die Schafzucht ist also ungeheuer gesunken. Früher hatten wir -ausgedehnte Weidegründe, die jetzt fehlen. - -Das Schaf gehört wie die Ziege zu den paarzehigen Horntieren. Es ist -schon vor Ablauf des ersten Lebensjahres fortpflanzungsfähig. Die -Tragzeit beträgt etwa 5 Monate. Es kann bis zu 15 Jahre alt werden. - -Es ist vielen Krankheiten ausgesetzt. Namentlich leidet es darunter, -daß es aus trockenen Höhen vielfach in nasse Niederungen versetzt -worden ist. Es stellen sich dann Moderhinke, Regenfäule und ähnliche -Krankheiten ein. Auf nassen Weiden bekommt es Bandwürmer, welche die -bekannte Drehkrankheit hervorrufen. Diese Bandwürmer stammen vom Unrat -des Hundes, weshalb bei Schäferhunden eine Bandwurmkur notwendig ist. - -Es gibt Wollschafe und Fleischschafe, da man entweder auf Wolle oder -Fleisch züchtet. Doch hat man neuerdings Schafe gezüchtet, die eine Art -Mittelstellung einnehmen. - -Früher war der Gewinn an Wolle maßgebend. Man scheert entweder einmal -oder zweimal im Jahre. Man teilt die Wolle ein in Elekta-, Prima-, -Sekunda- und Tertiawolle. - - -127. Das Schaf in Redensarten und Sprichwörtern. - -Bereits erörtert wurden die Redensarten: dumm wie ein Schaf, -Schafsgesicht, wo ein Schaf vorgeht, da folgen die andern nach. - -Es wären noch zu erwähnen: - - Geduldige Schafe gehen viel in einen Stall. - -Das ist eine Erfahrung, die bei der geduldigen und sanften Gemütsart -des Schafes nicht auffallend ist. - - Sein Schäfchen ins Trockene bringen. - -Wer gesehen hat, mit welcher Eile der Schäfer seine Schafe bei einem -herannahenden Gewitter in den Stall bringt und wie froh er ist, -wenn ihm sein Vorhaben gelungen ist, dem ist die Redensart ganz -einleuchtend. Sie ähnelt der Redensart: Sein Heu rein oder rin haben, -d. h. ebenfalls sein Heu geborgen haben, ohne daß es naß geworden ist. - -Den Schafen wie dem Heu ist Nässe sehr nachteilig. - -Auch Grimms Wörterbuch teilt die vorstehende Ansicht und lehnt die -Erklärung aus dem Holländischen: sein schepke = Schiff ins Trockene -bringen, ab, zumal die Redensart bei uns viele Jahrhunderte alt ist. - -[Illustration: Schafherde im Dorfe] - - - - -Das Kaninchen - - -128. Warum trinkt das zahme Kaninchen, das Wildkaninchen nicht? - -Um uns Kaninchen anzusehen, brauchen wir nur zu unserm Nachbarn, dem -freundlichen Wirt Herrn Lankenheim zu gehen. Er selbst ist leider nicht -anwesend, und seine stets fleißige Frau schafft in der Küche. So muß -denn die älteste Tochter die Führung übernehmen. - -Sie gibt den Tieren zunächst Futter, wobei sie tüchtig zulangen. Ebenso -gibt sie ihnen auch zu trinken. - -Das zahme Kaninchen trinkt, was uns ganz selbstverständlich erscheint. -So selbstverständlich ist die Sache aber keineswegs. Denn unzweifelhaft -stammt das zahme Kaninchen vom Wildkaninchen ab. Dieses trinkt nicht. -Jedenfalls hat noch niemand ein Wildkaninchen an einer Tränkstelle -gesehen. Weil es niemals trinkt, so kann es in sandigen Gegenden leben, -wo weit und breit kein Wasser ist. Uebrigens ist das Leben ohne zu -trinken keineswegs nur eine Eigentümlichkeit des Wildkaninchens. Auch -Hirsche und anderes Wild leben in solchen wasserleeren Oertlichkeiten. - -Gewöhnlich wird das Kamel als Muster dafür angeführt, daß es ein -Geschöpf ist, das acht Tage lang ohne zu trinken leben kann. Man -braucht nicht nach Afrika zu gehen, um ein solches Tier ausfindig zu -machen. - -Denn Wildkaninchen leben selbst in Berlin mehr als genug. Am -Königsplatz kann man sie abends oft huschen sehen. Und ist Schnee -gefallen, so erkennt man an den Spuren, daß es eine ganze Menge im -Tiergarten gibt. In anderen Gegenden Berlins, namentlich im Nordosten -soll es noch schlimmer sein. - -Im Anfange dieses Jahrhunderts waren sie in der Umgebung Berlins -geradezu eine Landplage. Wurde es abends dunkel, dann wimmelten die -ganzen Felder davon. Ich wohnte damals bei einem Förster, der an jedem -Tage mindestens ein Dutzend schoß. So erhielt man bei jedem Mittagessen -ein junges Kaninchen vorgesetzt. Denn die Landbevölkerung wollte keine -essen, obwohl ihr das Stück zu fünfzig Pfennigen angeboten wurde. Der -Bauer ißt eben nicht, was er nicht kennt, wie schon das Sprichwort sagt. - -Oft genug hat mir damals der Förster geklagt, daß wir gegen diese -Landplage machtlos seien. Seit Jahren ist aber von ihr nichts mehr zu -spüren. Man merkt kaum noch, daß welche vorhanden sind. - -Das Wildkaninchen stammt aus warmen und trockenen Gegenden in der -Nähe des Mittelländischen Meeres. Insbesondere soll es sich im -Altertum auf den Balearen so vermehrt haben, daß die Bewohner bereits -den Plan der Auswanderung faßten. Auch heute ist dem Kaninchen diese -Eigentümlichkeit geblieben, daß es Nässe flieht. Ebenso fühlt es sich -in der Wärme am wohlsten. - -Es lebt in selbstgegrabenen Bauen, die leicht auffallen, weil sie stets -in Bodenerhebungen angelegt sind. Das hat natürlich seinen wichtigen -Grund. Die Gänge des Wildkaninchens führen ziemlich tief. Würde es nun -auf glattem Boden seine Höhlen graben, so gelangte es bald auf das -Grundwasser. Wasser aber meidet es, wie wir wissen. - -Das Weibchen hat den ganzen Sommer über Junge. Im Gegensatz zu dem -jungen Hasen, der behaart und mit offenen Augen geboren wird, sind die -jungen Wildkaninchen unbehaart und öffnen erst am neunten Tage die -Augen. Der Unterschied in der Entwicklung der Jungen ist also ebenso -groß wie die zwischen jungen Pferden und jungen Hunden. - -Während die jungen Hasen auf die blanke Erde oder in eine -Bodenvertiefung gesetzt werden, wird für das junge Kaninchen ein warmes -Nest bereitet. Die Mutter opfert für die Auspolsterung ihre eigenen -Bauchhaare. Am Tage pflegt das Wildkaninchen die Jungen an einer -bestimmten Stelle einzugraben. Das schützt sie aber vor der feinen Nase -des Fuchses nicht. Ich habe oft Stellen gefunden, wo der Fuchs die -Kleinen gewittert und ausgegraben hatte. - -Das Wildkaninchen rettet sich vor seinen Feinden dadurch, daß es -schnell in seinen Bau flüchtet. Im Sommer wählt es auch eine Deckung. -Aber ein Dauerläufer, wie der Hase, ist es nicht. Auf einem freien -blanken Felde würde jeder mäßige Hund ein Wildkaninchens einholen. -Schon aus diesem Grunde kann ein Wildkaninchen keine Tränkstelle -aufsuchen. - -Was tut denn nun das Wildkaninchen, da doch jedes Geschöpf Feuchtigkeit -zu sich nehmen muß? Es frißt saftige Pflanzen und leckt den Tau, der -in unsern Gegenden reichlicher ist, als man gewöhnlich annimmt. Es ist -klar, daß eine Wildkaninchenmutter, die Junge säugt, sehr wasserreiche -Nahrung zu sich nehmen und lange Zeit Tautropfen lecken muß, um die -erforderliche Flüssigkeit zu erhalten. - -In der Pflege des Menschen ist das zahme Kaninchen von den Tautropfen -abgeschnitten und muß daher, wie die andern Tiere, trinken. - - -129. Welches sind die Feinde des Kaninchens? - -Außer dem Menschen, dem stärksten Raubtier, hat das Kaninchen wohl -ebensoviele Feinde wie sein Vetter, der Hase. Nur ist es insofern -besser daran, als es in seinen Bau flüchten kann, was es regelmäßig -tut, wenn es Gefahr merkt. Es klopft dann mit den Hinterfüßen auf, und -die ganze Gesellschaft verschwindet unter der Erde. Denn im Gegensatz -zum Hasen lebt das Kaninchen in Gesellschaften. - -Wie alles Wild, so ist auch das Wildkaninchen ein nächtliches Tier, -das mit dem Eintritt der Dunkelheit auf Nahrungssuche ausgeht. Deshalb -werden ihm in erster Reihe die nächtlichen Raubvögel, also der Uhu und -andere große Eulen, gefährlich. Am Tage sonnt es sich gern und läßt -sich auch sonst an den langen Sommertagen blicken. Hierbei wird es -leicht eine Beute der großen Tagraubvögel, namentlich des Adlers und -des Habichts, soweit diese noch nicht ausgerottet sind. - -Jeder Fuchs und Dachs, früher auch Wölfe und Luchse, sucht gern ein -Kaninchen zu erbeuten. Da wir die meisten Raubtiere ausgerottet haben, -müssen wir an ihre Stelle treten. - -Am schlimmsten sind für das Kaninchen die Feinde, die ihm in seinen Bau -folgen können, namentlich Marder und Iltis. Ein Albino des Iltis heißt -Frettchen, von dem wir noch sprechen werden (Kap. 138). - - -130. Zweckmäßige Behandlung unseres Kaninchens. - -Wenn man die Lebensweise des Wildkaninchens genau kennt, so kann man -sich ein ungefähres Bild davon machen, wie man das zahme Kaninchen -halten soll. - -Sehr schön ist es, daß Herr Lankenheim seine Kaninchenstallung so -angelegt hat, daß sich die Tiere sonnen können. Alle nächtlichen Tiere -sonnen sich gern, wie wir wissen. - -Ebenso ist es wichtig, daß auf große Reinlichkeit gesehen wird durch -Abflußrinnen für flüssige Ausscheidungen und häufige Entfernung der -festen Entleerungen. Das Wildkaninchen legt seinen Unrat außerhalb des -Baues ab, legt also Wert auf ein reines Lager. - -Es ist richtig, das Männchen, den Rammler, von den Jungen zu trennen. -In der Freiheit hat die Mutter Gelegenheit, die Jungen vor ihm zu -schützen. Uebrigens macht der Wildkaninchenvater den Eindruck, daß ihm -das Wohlergehen seiner Nachkommenschaft von Wichtigkeit ist. Sonst sind -die Väter bei den Säugetieren bekanntlich keine Musterväter. - -Wie das Wildkaninchen, so vergräbt auch häufig das zahme Kaninchen -seine Jungen. Ordentlich komisch sieht es dann aus, wie es mit der -gleichgültigsten Miene von der Welt allein in der Nähe umherrennt, -als ob es von gar nichts wüßte. So ganz fern von Verstellung ist also -selbst ein Kaninchen nicht. - -Das zahme Kaninchen steht also geistig höher, als man gewöhnlich -annimmt. Das ist auch ganz naturgemäß, denn das Wildkaninchen wird -kein Jäger für ein dummes Tier erklären. Die Sache liegt ähnlich -beim Schwein. Auch dieses ist nicht so dumm, wie man es gewöhnlich -hinstellt. Es läßt sich abrichten und kann sogar den Hund bei der -Jagd ersetzen, da es eine feinere Nase als der Hund besitzt. Auch -hier findet sich eine Uebereinstimmung mit den geistigen Gaben der -Stammeltern. Denn auch das Wildschwein zeigt sich bei der Jagd durchaus -nicht beschränkt. - -Leider nimmt das Kaninchen in der Gefangenschaft manchmal die -ungeeignetsten Gegenstände zum Verbergen der Jungen, beispielsweise -den irdenen Futternapf. Natürlich können dadurch die zarten, kahlen -Dingerchen leicht getötet werden. Man kann in dieser Hinsicht gar nicht -vorsichtig genug sein und muß daher Vorsichtsmaßregeln treffen, die -solche Unfälle ausschließen. - - -131. Die Rassen des Kaninchens. - -Das Kaninchen stammt, wie wir schon erwähnten, aus den Ländern, die -am Mittelländischen Meer gelegen sind, und soll zuerst in Spanien -gezüchtet worden sein. Unser deutsches Kaninchen war zwar sehr -anspruchslos und fruchtbar, konnte sich jedoch mit den Leistungen der -westeuropäischen Kaninchen nicht messen. Das deutsche Kaninchen ist -daher mit dem belgischen oder flandrischen Riesenkaninchen gekreuzt, -wodurch man das neue deutsche Kaninchen gezüchtet hat. - -Sonst wären noch erwähnenswert das belgische Hasenkaninchen, das -französische Widderkaninchen, das Normandiner Kaninchen, das -patagonische Kaninchen usw. - -Sehr geschätzt wegen seines Seidenhaares ist der Seidenhase oder -das Angorakaninchen. Ebenso ist beim Silberkaninchen das Fell sehr -wertvoll, und das Fleisch gut. - -Als selbstverständlich gilt die fruchtbare Paarung zwischen Kaninchen -und Hasen, woraus die sogenannten Leporiden entstehen. In Wirklichkeit -ist sie sehr selten, und nach der neuesten Auflage von Brehms Tierleben -überhaupt erst ein einziger Mischling wissenschaftlich nachgewiesen -worden. - - -132. Was versteht man unter einer Rasse? - -Wir haben schon öfters den Ausdruck Rasse gebraucht und wollen an -dieser Stelle ihn etwas näher besprechen, da hier eine günstige -Gelegenheit vorliegt. - -Unter Rasse versteht man alle diejenigen Mitglieder einer Tierart, -die gewisse Merkmale gemeinsam besitzen. Diese Merkmale sind nicht so -bedeutend, daß sie zur Aufstellung einer besonderen Tierart berechtigen. - -Also das Silberkaninchen ist nur eine Rasse von der Tierart Kaninchen, -weil sich die Silberkaninchen von dem Wildkaninchen und den andern -Kaninchenrassen unterscheiden. Diese Unterscheidung ist aber nicht -so bedeutend, daß man sagen könnte, das Silberkaninchen wäre eine -besondere Tierart. - -Dagegen bilden Hase und Kaninchen trotz großer Aehnlichkeit nicht nur -verschiedene Rassen, sondern verschiedene Tierarten. Die längeren -Hinterbeine des Hasen, die Rettung durch die Flucht ins freie Feld, -das Werfen von Jungen, die sofort behaart sind, können nicht als -unbedeutende Unterschiede aufgefaßt werden. Auch ist das Kaninchen -kleiner, hat einen kürzeren Kopf und kürzere Ohren. - -Von durchgezüchteten Rassen spricht man erst dann, wenn sie ihre -Eigentümlichkeiten dauernd vererben. - -Ein Rassetier hat also den Vorzug, daß ich auf gewisse -Eigentümlichkeiten, auf die ich Wert lege, bei der Nachkommenschaft -rechnen kann. Bei rasselosen Tieren ist das nicht der Fall. - - -133. Geschichten vom Kaninchen. Kaninchen hat angefangen. - -Das Kaninchen gehört im allgemeinen zu den furchtsamsten und -ergebungsvollsten Geschöpfen, das sich von jedem Kinde alles mögliche -gefallen läßt. Von seinen Zähnen macht es eigentlich niemals Gebrauch. -Trotzdem fallen sie beispielsweise über fremde Kaninchen manchmal -wütend her und suchen sie totzubeißen. Ein junger Hase, den man zu -Kaninchen bringt, wird wohl stets totgebissen. - -Alte Rammler beißen nicht nur häufig ihre eigenen Jungen tot, -sondern sie werden hin und wieder auch gegen andere Tiere geradezu -angriffslustig. Ein Naturforscher führt hierfür folgende Beispiele an. -Ein Verwandter von ihm hielt einen alten Kaninchenrammler bei seinen -Lämmern. Als die Fütterung mit Esparsettheu begann, behagte das dem -alten Herrn so gut, daß er alles für sich allein mit Beschlag belegen -wollte. Er setzte sich also neben das Heu, grunzte und biß nach den -Lämmern, um diese Tiere zu verscheuchen. Als das nicht genügend half, -sprang er einem Lamm auf den Hals und biß es tüchtig. Natürlich wurde -er beim Wickel gepackt und fortgebracht. Ein anderer Rammler führte -einen solchen Kampf sogar mit Ziegen. War das Futter nach seinem -Geschmack, so suchte er junge Ziegen dadurch zu vertreiben, daß er -ihnen die Beine blutig biß. Alten Ziegen sprang er in das Genick und -biß ihnen die Ohren blutig. Selbstverständlich wurde der Bösewicht -abgeschafft. - -Vorstehende Erzählungen sind durchaus glaubhaft. Ich habe selbst -ähnliche Fälle beobachtet. So kratzte ein Rammler, ein Riesenkaninchen, -bei schlechter Laune seinen Besitzer, wenn er ihm Futter vorsetzte, -dermaßen, daß dieser nur mit großer Vorsicht hierbei zu Werke ging. - -Sieht man von solchen Ausnahmen ab, die doch immer Ausnahmen bleiben, -so ist es lächerlich bei einem Streite zwischen Kaninchen und Bulldogge -zur Rechtfertigung des Hundes anzuführen, daß das Kaninchen angefangen, -und der Hund deshalb das Kaninchen totgebissen habe. Ein Kaninchen wird -sich schön hüten, mit einer Bulldogge anzubinden. Aber das Raubtier, -das die größere Kraft besitzt, wird stets eine Entschuldigung für sein -Tun finden. - - -134. Kann das Kaninchen mit dem Schwein in Wettbewerb treten? - -Mit dem Absatz ihres Kaninchenfleisches an ihre Gäste ist die Familie -Lankenheim nicht sehr zufrieden. Trotz der schlechten Zeiten wollen die -meisten Gäste Kaninchenfleisch nicht so häufig essen. - -Es ist merkwürdig, daß so viele Leute, die sich zunächst mit -Begeisterung auf die Kaninchenzucht geworfen haben, so bald davon -wieder Abstand genommen haben. Irgendwie scheint hier ein Fehler -gemacht worden zu sein. - -Wir haben an einer früheren Stelle die Vorzüge der Schweinehaltung bei -einfachen Leuten beleuchtet. Mit Schweinefleisch wird Kaninchenfleisch -niemals in Wettbewerb treten können, weil Schweinefleisch stets reißend -Absatz findet, während bei Kaninchenfleisch die Sache etwas anders -liegt. - -Es gibt zu denken, daß in England und Frankreich die Kaninchenzucht in -der großartigsten Weise blüht. Einzelne Großzüchtereien sollen jährlich -12000 Kaninchen auf den Markt bringen. In Frankreich sollen in Paris -vor dem Kriege allein jährlich 3 Millionen Kaninchen verzehrt worden -sein, während zu der gleichen Zeit in der Berliner Zentralmarkthalle -etwa der sechzigste Teil verkauft wurde. - -Dem Geschmack der Franzosen und auch der Engländer muß also das -Kaninchenfleisch mehr zusagen als dem unsrigen. Das ist sehr zu -bedauern, denn das Kaninchen hat ohne Zweifel als Pelztier eine -Zukunft. Es kann nur eine Frage der Zeit sein, wann die pelzliefernden -Raubtiere und sonstigen Tiere ausgerottet oder doch so vermindert sind, -daß ihre Felle der Nachfrage nicht mehr entfernt entsprechen können. -Dann werden Kaninchen und Hauskatzen mit ihren Fellen als Ersatz dienen -müssen. - -Die Kaninchenzüchter heben noch den außerordentlichen Wert des -Kaninchens als Lederlieferanten hervor. Aus dem Fell eines 65 -Zentimeter langen Kaninchens lassen sich nach ihren Angaben -das Oberleder für ein Paar Damenschuhe nebst einem Ersatzstück -herausschneiden. Dieses Leder ist sehr weich und trägt sich sehr gut. - - -135. Wie groß ist die Vermehrung des Kaninchens? - -Die Fruchtbarkeit des Kaninchens ist sprichwörtlich geworden. Das -wilde Kaninchen paart sich im Februar oder März und setzt nach einer -Tragezeit von dreißig Tagen alle fünf Wochen 4 bis 12 Junge. Diese -Jungen sind bereits nach einem halben Jahre fortpflanzungsfähig und -nach einem vollen Jahre ausgewachsen. Ein einziges Kaninchenpaar kann -also in einem Sommer 20 bis 70 Nachkommen haben. Dabei sind die ersten -Nachkommen bei Ablauf des Sommers bereits ebenfalls fortpflanzungsfähig. - -Hätten die Kaninchen keine Feinde, so würden sich die 20 bis 70 -Nachkommen im nächsten Sommer auf 10- bis 35mal 20 bis 70, also auf 200 -bis 2450 Kaninchen vermehren können, wozu das alte Paar ebenfalls 20 -bis 70 liefern könnte. Der Bestand wäre dann 220 bis 2520 Kaninchen. - -Da die Kaninchen nicht von der Luft leben, sondern durch Unterwühlung -des Bodens und durch Benagen der Baumrinden und Fressen von -Nutzpflanzen großen Schaden anrichten, so versteht man, daß in -Australien und anderen für die Kaninchen günstigen Ländern große -Geldbeträge für ihre Vernichtung gezahlt werden. - -Den zahmen Kaninchen läßt man nicht mehr als acht Junge, damit sie -hinreichende Nahrung haben. Nach vier Wochen entwöhnt man sie. Die -Eltern werden gewöhnlich nur vier Jahre zur Zucht verwendet. - - -136. Das Kaninchen in Redensarten und Sprichwörtern. - -Die Redensart: Kaninchen hat angefangen und die sprichwörtliche -Vermehrung der Kaninchen ist bereits besprochen worden. - -[Illustration: Weiße Häsin (Kaninchenweibchen) Fressende Kaninchen] - -[Illustration: Kaninchen-Zuchtkästen] - - - - -Das Meerschweinchen - - -137. Das Meerschweinchen. - -Bei »Onkel Althaus« können wir auch Meerschweinchen sehen, mit denen -wir uns aber nur kurz befassen wollen. Es ist ein allbekanntes, -kleines, buntes Tierchen, das wie das Kaninchen ein Nager ist. Es wird -wie das Kaninchen gefüttert und vielfach mit ihm zusammengehalten. -Obwohl das Meerschweinchen aus Südamerika stammt, vertragen sich beide -Nagerarten gut. Nur beißen manchmal die Kaninchen die Jungen von -Meerschweinchen tot. Hat man mehrere Meerschweinchen zusammen, so hört -man oft ein Quieken und Grunzen, woher auch der Name Meerschweinchen -kommen dürfte. - -Während das Kaninchen ein sehr schönes Fell liefert, ist das vom -Meerschweinchen nicht zu gebrauchen. - -Auch gegessen wird das Meerschweinchen bei uns nicht. Es ist -hauptsächlich ein Spielzeug für Kinder, weil es sich alles gefallen -läßt. - -Onkel Althaus hat ein Paar Meerschweinchen seinem Söhnchen Albrecht zu -Weihnachten geschenkt. In Ermangelung eines passenden Stalles hatte -er das Pärchen in ein leeres Aquarium gesteckt und darin als Geschenk -aufgebaut. Der Sohn hielt die fremden Tiere im Aquarium zunächst für -junge Biber. Dieser Irrtum ist ganz erklärlich, da der Biber unser -größter Nager ist und ein vorzüglicher Schwimmer ist. - -Inzwischen hat das Weibchen ein einziges, aber ungemein kräftiges -Junges bekommen. Mit ihm zusammen lebt es im Aquarium, während der -Vater ausgesperrt ist. - -Nach der Schilderung des kleinen Albrecht sind Meerschweinchen sehr -kluge Tiere. Wenn er aus der Schule kommt und sich dem Aquarium nähert, -richtet sich die Mutter auf, weil sie weiß, daß sie etwas zu fressen -bekommt. - -Da in der neuesten Auflage von Brehms Tierleben genau das gleiche -berichtet wird -- allerdings als große Ausnahme -- so ist es nicht -unmöglich, daß die Beobachtung des kleinen Tierfreundes der Wahrheit -entspricht. - -Nach den früheren Berichten war das Meerschweinchen sehr fruchtbar. -Im neuesten Brehm wird das als Irrtum erklärt. Die übliche Zahl der -Jungen ist vielmehr nur zwei und die Tragezeit so lange wie beim Hunde, -nämlich 63 Tage. Dafür ist das Junge hoch entwickelt wie ein junger -Hase. Nach 8 bis 9 Monaten hat das Meerschweinchen seine volle Größe -erreicht. Bei guter Behandlung kann es 8 Jahre alt werden. - -Sehr beliebt sind die Angora-Meerschweinchen mit langem, schlichtem -Haar und die Strupp-Meerschweinchen. - -Das Meerschweinchen stammt von dem in Südamerika lebenden, ganz ähnlich -aussehenden Nager ab, der den Namen _Cavia cutleri_ führt. - -In wissenschaftlichen Anstalten werden viele Meerschweinchen -gehalten, da sie bei der Keimforschung, den Impfversuchen und der -Serumheilbehandlung unersetzlich sind. - - - - -Das Frettchen - - -138. Wie unterscheidet sich das Frettchen vom Iltis? - -Um uns ein Frettchen anzusehen, wollen wir wieder nach dem Zoologischen -Garten gehen. Denn in der jetzigen Zeit hat keiner der mir bekannten -Förster ein Frettchen mehr, da die Kaninchen in ihrer Gegend vollkommen -ausgerottet sind. - -Wir wissen bereits, daß das Frettchen ein Albino des Iltis ist. Und -einen Iltis bekommen wir wenigstens im Zoologischen Garten zu sehen. - -Der Iltis oder Stinkmarder gehört zur Familie der Marder. Er erinnert -sehr an unsern Marder, nur daß er ganz im Gegensatz zu diesem sehr -schwerfällig ist. - -Seit Jahrtausenden wird eine weißliche Abart, ein Albino von ihm, das -sogenannte Frettchen, vom Menschen als Haustier gehalten. Der Grund -liegt hauptsächlich darin, daß es zur Kaninchenjagd unentbehrlich ist. -Sobald der schlanke Räuber einen Kaninchenbau betritt, fahren die -Kaninchen aus ihrer sichern Burg und können leicht geschossen werden -oder in aufgestellte Netze geraten. - -Das Frettchen ist sehr weichlich und macht gerade keinen sehr -angenehmen Eindruck. Es ist etwas kleiner als der Iltis und als Albino -natürlich weiß im Gegensatz zu seinem braunen Verwandten. Es wirft etwa -4 bis 8 Junge nach einer Tragezeit von sechs Wochen. - - -139. Tötung eines Berliner Kindes durch ein Frettchen. - -Kurz vor Weihnachten 1919 brachten Berliner Blätter die Nachricht, daß -ein Frettchen in die Wiege eines Säuglings gekrochen sei und ihm einen -Augapfel ausgefressen habe, was den Tod des kleinen Wesens zur Folge -hatte. Natürlich war dieser Vorfall nur möglich, weil die Eltern nicht -zugegen waren, da sie auf Arbeit gegangen waren. - -Ein solcher Fall ist nicht das erste Mal vorgekommen, und wird nicht -der letzte seiner Art sein. Deshalb sei er etwas näher besprochen. - -Es wurde schon erwähnt, daß das Frettchen seit Jahrtausenden zur -Kaninchenjagd dient. Schon in Friedenszeiten gab es eine Unmenge -Frettierer. Im Kriege, wo der Fleischhunger aufs höchste gestiegen -war, wurde natürlich erst recht frettiert. Das Frettchen als Ernährer -der Familie wurde besonders gepflegt, zumal es wie alle Albinos sehr -frostig ist. Es wurde daher von dem Frettierer in seine Wohnung -genommen. - -Die Fütterung der Frettchen besteht gewöhnlich aus Milch und Semmeln. -Wir haben unsern Frettchen hin und wieder stets tierische Nahrung -gegeben, also Sperlinge und andere Vögel. - -Wenn ein Tier, das an tierische Speise gewöhnt ist, plötzlich nur -Pflanzenkost erhält, dann sucht es sich irgendwie Ersatz. Hühner rupfen -sich die Federn aus und werden Eierfresser, Sauen und Mäuse fressen -ihre eigenen Jungen. Darauf haben wir schon wiederholt hingewiesen -(Kap. 106). - -So hat das Frettchen bei den einfachen Leuten wahrscheinlich nur -Pflanzenkost erhalten, wie das so üblich ist. Eines Tages hat es beim -Umherkriechen das junge Menschenfleisch gewittert, das Raubtier ist in -ihm erwacht, und das Unglück ist geschehen. - -Wehrlose Kinder soll man also mit einem Frettchen nicht unbeaufsichtigt -in demselben Raume lassen. - -Manche warnen auch vor der Haltung einer Katze, weil sie sich auf -den Säugling in der Wiege legen und ihn totdrücken kann. Trotz aller -Bemühungen habe ich einen solchen Fall bisher nicht feststellen können. -Da aber die Möglichkeit besteht, so ist Vorsicht unbedingt am Platze. - - -140. Das Frettchen in Redensarten und Sprichwörtern. - -Vom Frettchen finde ich keine Redensarten oder Sprichwörter angeführt. -Dagegen hat der Iltis oder Ratz, der Stammvater des Frettchens, zur -Redensart Anlaß gegeben: - - *Er schläft wie ein Ratz.* - -Ich kann aus eigener Erfahrung bestätigen, daß ich in einem sehr -iltisreichen Jagdgebiet den Iltis stets schlafend in der Kastenfalle -vorgefunden habe. Die Redensart: Er schläft wie ein Ratz -- nicht Ratte --- ist also ganz der Wirklichkeit entsprechend. - - - - -Das Huhn - - -141. Warum kräht der Hahn? - -Um uns Hühner anzusehen, brauchen wir nicht erst nach einem Vorort zu -wandern. Vielleicht hat es niemals so viel Hühner in Berlin gegeben, -wie gerade jetzt. Wenn man früh morgens die Fenster öffnet, dann kräht -es aus verschiedenen Kellern. - -Da ist beispielsweise ein Kohlenplatz in der Nähe, auf dem Hühner -gehalten werden. Der Hahn waltet stolz seines Amtes als Herrscher -und Wächter, während die unscheinbaren Hennen anscheinend nur -an die Füllung ihres Magens denken. Bisher hat man es für ganz -selbstverständlich angenommen, daß der Hahn ein stolzes, kampflustiges -Geschöpf ist. Das ganze Benehmen stimmt fast in allen Einzelheiten mit -dem eines stolzen Menschen überein. Vorsichtig setzt er seine Füße, als -ob er ganz von der Wichtigkeit seiner Persönlichkeit durchdrungen ist. -Scharf schauen seine Augen umher, ob er irgendwie einen Verstoß gegen -seine Herrenrechte oder etwas Gefährliches entdeckt. Dann kräht er zur -Abwechselung wieder einmal und schlägt dabei mit den Flügeln, als wenn -er sagen wollte: »Hier ist der Mittelpunkt der Erde, weil ich hier -stehe -- zweifelt irgend jemand daran?« - -Warum kräht der Hahn? Die Sache ist ähnlich wie bei dem Bellen des -Hundes. Eine Fähigkeit, die beim wilden Tiere bestand, hat sich -außerordentlich entwickelt, nachdem das Tier ein Haustier geworden ist. - -Schläft man auf dem Lande, so kann man in tiefer Nacht häufig -Hähnekonzerte hören und vom menschlichen Standpunkt aus folgendermaßen -schildern. Ein Hahn ist aufgewacht, und da er der Meinung ist, daß -es ganz zweckmäßig wäre, wenn er einmal krähte, so kräht er eben. -Rücksicht auf die Hennen und deren Schlaf nimmt er nicht. Ein anderer -Hahn ist von dem Krähen aufgewacht und sagt sich: »Es könnte sein, daß -die Welt denkt, es gäbe nur den Hahn von Lehmanns. Das geht nicht. -Deshalb werde ich auch einmal krähen.« Denkts und kräht ebenfalls. So -geht die Runde durch die Häuser des Dorfes. Der erste Kräher läßt es -aber mit dem einen Male nicht bewenden, und die andern ebenfalls nicht. -So geht das Konzert eine ganze Weile. Das größte Wunder ist eigentlich, -daß es schließlich doch verstummt. Die Müdigkeit trägt schließlich den -Sieg davon über den Wunsch: Mein Feind darf nicht das letzte Wort haben. - -Wir halten also den Hahn für stolz und eingebildet. Ob wir unbedingt -recht haben, läßt sich nicht so leicht sagen, weil wir Menschen eben -stets unsere menschlichen Verhältnisse als Maßstab nehmen. Für die -Richtigkeit unserer Ansicht spricht, daß man den Hahn demütigen kann. -So soll er nach den Angaben eines vortrefflichen Naturforschers ganz -kleinlaut werden, wenn man ihm die Schmuckfedern abschneidet. - -Heute kennen wir auch die Stammeltern unserer Haushühner. Es ist das -Bankivahuhn, _Gallus gallus_, das im warmen Indien lebt. In der Nacht -schläft es auf Bäumen. Unsere Hühnerleiter ist weiter nichts als eine -Nachahmung der Zweige, die es in seiner Heimat zur Nachtzeit als -Ruhestätte benutzt. - -So wenig wir von der Lebensweise des Bankivahuhns wissen, das eine -können wir mit Wahrscheinlichkeit annehmen, daß es schwerlich so oft in -dunkler Nacht krähen wird. - -Als Beweis können wir das Benehmen unserer Sperlinge anführen. In -früheren Jahren, als die pferdelose Straßenbahn noch nicht fuhr, gab es -viel mehr Sperlinge in Berlin. Auf dem Belle-Alliance-Platz hielten sie -auf den Platanen, ehe die Nacht einbrach, ordentliche Parlamente ab. -Ehe sie morgens das warme Nest verließen, hielten sie stets eine kleine -Morgensprache ab. Hörte ich das erste Schilpen der Sperlinge und ging -ans Fenster, so war stets eine gewisse Helligkeit vorhanden. - -Der Grund hierfür ist ganz einleuchtend. Das Benehmen eines -freilebenden Tieres wird durch seine Feinde bestimmt. Für die Sperlinge -sind die Hauptfeinde in der Nacht die kleinen Eulen und das kleine -Wiesel. Sie schilpen also erst, wenn es bereits so hell ist, daß sie -vor einem Feinde rechtzeitig flüchten können. In der Nacht denken sie -nicht daran, zu schilpen. Sie würden nur ihre Feinde auf ihr Versteck -aufmerksam machen, und könnten in der Dunkelheit nicht flüchten. - -Man kann wohl ohne Uebertreibung behaupten, daß in Berlin eine Gefahr -für die Sperlinge zur Nachtzeit kaum besteht. Die Nester werden -gewöhnlich so angelegt, daß bei vierstöckigen Gebäuden selbst ein -kletterfertiger Knabe schwerlich zu ihnen gelangt. Wiesel gibt es -innerhalb des Weichbildes des alten Berlins kaum, und sie können bei -unsern hohen Gebäuden den Sperling auch nicht schädigen. Auch Eulen -sind so selten, daß sie kaum in Betracht kommen. - -Der Bankivahahn in Indien wird also auch erst ordentlich krähen, sobald -es so hell geworden ist, daß er vor einem Feind flüchten kann. In der -Nacht haben verschiedene Räuber Sehnsucht nach einem Hühnerbraten. Der -Bankivahahn hat also hinreichenden Grund, den Schnabel zu halten. - -Bei uns werden Auerhahn und Birkhahn, die ebenfalls in der Nacht -auf Bäumen schlafen, vom Marder und Uhu verfolgt. In Indien kommen -als Feinde der Vögel noch die Nachtaffen hinzu, die geräuschlos wie -Gespenster den schlafenden Vögeln den Hals umdrehen. - -Unsere Auerhähne und Birkhähne balzen, d. h. tanzen wie die Verrückten, -wenn der Frühling kommt und ihre Herzen mit Liebessehnsucht erfüllt. -Dann sind sie manchmal wie blind und taub, wodurch sie dem Jäger -Gelegenheit zu ihrer Erlegung bieten. Die übrige Zeit hindurch sind sie -sehr scheu und lautlos. - -Der Bankivahahn wird es ebenso machen. Er wird hauptsächlich im -Frühjahr krähen, um den Hennen zu zeigen, wo er sitzt, und den andern -Hähnen die Mitteilung zu machen, daß er zu einem Kampfe mit ihnen -bereit ist. - -Das Krähen des Hahnes ist also wie das Bellen des Hundes erst zur -Entwicklung gelangt, seitdem das vordem wilde Tier Haustier wurde. -Es hat vor seinen Feinden keine Furcht mehr im sichern Hühnerstall. -Die gute Fütterung sorgt dafür, daß die Frühlingsstimmung anhält. So -erklärt sich das häufige Krähen, namentlich in der dunklen Nacht. - -Aufmerksame Tierbeobachter wollen herausgefunden haben, daß der Hahn -nur bei bevorstehender Luftveränderung kräht. Da sich mit Anbruch des -Tages die Luft verändert, so wäre das der wahre Grund, daß der Hahn -morgens kräht. Es ist möglich, daß diese Ansicht begründet ist, aber -mit meinen Beobachtungen will sie nicht immer übereinstimmen. -- Vorhin -wurden einige Feinde des Huhns angeführt. Der Vollständigkeit halber -sei noch erwähnt, daß sich zu ihnen noch zahlreiche andere Raubtiere, -z. B. der Fuchs sowie die Tagraubvögel gesellen. - - -142. Der Lockruf des Hahns. - -Unser Hahn hat jetzt -- was auf beschränktem Raum gewiß nicht häufig -vorkommt -- einen guten Bissen gefunden und gibt einen eigentümlichen -lockenden Ruf von sich, auf den die Hennen hinzugestürzt kommen. Man -muß sich freuen, daß der Hahn etwas, was ihm selbst sehr gut schmecken -würde, freiwillig seinen Damen überläßt. Mancher Familienvater könnte -sich hieran ein Beispiel nehmen. - -Abseits von den übrigen Hennen befindet sich durch ein Gatter getrennt -eine Glucke, die ihre Küchlein führt. Es ist ein allerliebster -Anblick, diese kleinen Dinger, die erst einige Tage alt sein können, -in Gemeinschaft mit ihrer wachsamen Mutter auf Nahrungssuche ausgehen -zu sehen. An der Pflege und Aufzucht der Kleinen beteiligt sich der -Hahn nicht. Man kann daraus ersehen, daß es unrichtig ist, menschliche -Verhältnisse auf tierische ohne weiteres zu übertragen. Für uns scheint -es gerade die besondere Aufgabe des Vaters zu sein, seinen Kindern in -Gemeinschaft mit der Mutter Pflege und Nahrung zu verschaffen. - -Da der Hahn in Vielehe lebt, und jedes Weibchen etwa ein Dutzend Kleine -führt, so könnte der Hahn höchstens bei einem Dutzend einer bestimmten -Henne Vaterpflichten erfüllen. Jedenfalls wäre es ihm ganz unmöglich, -es bei allen Nachkommen zu tun. So erklärt sich die Gleichgültigkeit -gegen seine Nachkommenschaft in einfacher Weise. - -Uebrigens ist diese Gleichgültigkeit nur scheinbar. Sobald ein Feind -naht, der die Kleinen gefährdet, etwa ein Raubvogel, so tritt der Hahn -zu ihrem Schutze ein. Ebenso übernimmt er häufig die Sorge für die -Kleinen dann, wenn die Henne plötzlich verunglückt. - -Wenn wir auf die Lautäußerungen der Hühner sorgfältig achten, so werden -wir finden, daß eine ziemliche Anzahl verschiedener Laute bei ihnen -verwendet wird. Sehen wir vom Krähen und Gackern, sowie dem Lockruf ab, -so ist ein Warnruf auffallend, namentlich wenn der Hahn einen Raubvogel -zu Gesicht bekommt. Bei den Papageien werden wir noch näher darauf zu -sprechen kommen. Die Erklärung, daß die Tiere keine Sprache haben, weil -sie sich nichts zu sagen haben, kann uns nicht gefallen. Kann der Hahn -seinen Damen etwas wichtigeres mitteilen, als wenn er ruft: Kommet her, -hier ist ein guter Bissen. - - -143. Wie unterscheiden sich Hühner und Tauben? - -Auf dem Dache des Hauses sitzen ein Dutzend Tauben. Wir können so recht -den Unterschied zwischen ihnen und den Hühnern ins Auge fassen. - -Zunächst fragen wir: Warum sitzen die Hühner, die doch ebenfalls -Vögel sind, nicht wie die Tauben auf dem Dache? Ja, warum? Weil alle -Hühnervögel schlechte Flieger sind. Vögel können zwar fliegen, aber -manche sehr gut, manche nur sehr schlecht. Es ist genau so wie bei dem -Laufen. Es gibt Windhunde, die sehr schnell laufen, und Dachse, die -sehr langsam sind. - -Die Hühner gehören zu den schlechten Fliegern. Ja, der Strauß, der -größte von den Hühnervögeln, kann gar nicht fliegen. - -Bei der Jagd auf Rebhühner kann man erleben, daß die Hühner bei starkem -Winde nicht auffliegen wollen. Sind sie ein paarmal geflogen, so haben -sie genug davon und wollen nicht mehr. - -Als Ersatz für die schwache Fliegekunst sind die Hühner vorzüglich auf -den Beinen. Das Huhn ist der richtige Beinvogel. Es rennt vorzüglich. -Hat man einen Fasanen geschossen und nur flugunfähig gemacht, so hat -man ihn noch lange nicht. Er rennt davon mit einer Schnelligkeit, daß -man ihn ohne Hund nicht bekommt. Dagegen kann eine wilde Taube, die man -in gleicher Weise verwundet, nicht von der Stelle fort. - -Wirklich hervorragende Flieger haben kleine Füße. Der Mauersegler, -der vom 1. Mai bis zum 1. August die Höhen von Berlin durcheilt, ist -wohl unser bester Flieger. Er tummelt sich den ganzen Tag in der Luft. -Seine Füßchen sind so klein, daß sie nur zum Ankrallen dienen. In der -Tierkunde führt er den Namen »der Fußlose«, was natürlich übertrieben -ist. - -Je kleiner die Füße, desto weniger Gepäck hat der fliegende Vogel zu -tragen. So kann man schon an den Beinen ungefähr erkennen, was für -einen Flieger man vor sich hat. - -Tauben gehören zu den guten Fliegern. Mit den Mauerseglern können sie -sich natürlich nicht messen. Entsprechend ihrem guten Fluge haben -sie kleine Füßchen, mit denen sie nicht rennen, sondern eigentlich -nur trippeln können. Bei drohender Gefahr läuft daher das Huhn fort, -während die Taube fortfliegt. Das Huhn hat das bißchen Fliegerkunst, -die es als wildes Tier noch besaß, als Haustier fast völlig eingebüßt. -Ueber einen mannshohen Zaun zu fliegen, kostet ihm schon Anstrengung. - -Für uns Menschen ist es natürlich ganz angenehm, daß das Huhn kaum -fliegen kann. Es erleichtert uns die Ueberwachung. - -Die Verluste, die wir bei Tauben haben, daß sie in fremde Schläge -verlockt werden, oder sonst bei ihren Flügen verloren gehen, kommen bei -den Hühnern nicht in solchem Maße vor. - -Die kräftigen Beine der Hühner sind zum Scharren wie geschaffen und -werden fleißig dazu benutzt. Nicht mit Unrecht spricht Goethe von Frau -Kratzefuß. Sonst sagt man, der Hahn macht Kratzfüße. Wenn er sich vor -seinen Damen verbeugt, macht er nämlich Kratzfüße, indem er die Beine -bewegt, als wenn er scharren wollte. - -Die schwachen Beine der Tauben wären natürlich zum Scharren ganz -ungeeignet. - -Während die Küchlein, wie wir sehen, unter fortwährendem Gepiepe der -Mutter folgen, brauchen junge Tauben längere Zeit, ehe sie auf den -Beinen stehen. Hühner sind eben Nestflüchter, Tauben sind Nesthocker. - -Denselben Unterschied hatten wir bereits bei den Säugetieren. Die -Raubtiere, ebenso das Kaninchen, müssen ihre Jungen längere Zeit -säugen, ehe sie sich selbständig mit einiger Geschwindigkeit bewegen -können. Die Jungen gleichen also den Nesthockern. Bei Pferden, Rindern, -Ziegen usw. sind dagegen die Jungen wie bei den Nestflüchtern nach -kurzer Zeit imstande, der Mutter zu folgen. - -Ueber den Grund der Verschiedenheit war schon früher gesprochen worden -(Kap. 65). Raubtiere können ihre Jungen verteidigen. Das Kaninchen -ist mit seinen Jungen leidlich sicher im Bau. Dagegen wären Fohlen, -Kälber, Zicklein usw. den Raubtieren ausgeliefert, wenn sie wochenlang -brauchten, wie die jungen Hunde und Katzen, um bewegungsfähig zu sein. - -Bei den Vögeln liegt die Sache genau so. Diejenigen, die auf Bäumen, -Felsen oder in Klüften bauen, sind wie das Kaninchen in seinem Bau vor -ihren Feinden leidlich sicher. Deshalb sind ihre Jungen Nesthocker, -die längere Zeit brauchen, ehe sie das Nest verlassen können. Anders -liegt die Sache bei den Bodenbrütern. Hier ist die Gefahr für die -Nachkommenschaft sehr groß. Denn die kletterunfähigen Räuber, also -Dachse, Igel, Iltisse, Wildschweine, Füchse, Wölfe könnten das Nest -finden und die Jungen fressen, wenn diese Nesthocker wären. Mit den -Eiern, die im Neste sind, machen sie es häufig so. - -Aus diesem Grunde stehen die Jungen der Hühnervögel, sobald sie das Ei -verlassen haben, gleich fertig auf den Beinen. - - -144. Die Mutterliebe der Glucke. - -Eine Glucke mit Küchlein unter den Flügeln ist uns Menschen von jeher -als ein echtes Bild treuer Mutterliebe erschienen. - -Und diese Mutterliebe ist auch bei den vielen Kleinen und den -zahllosen Gefahren sehr notwendig. Die Mutter muß von früh bis spät, -und erst recht in der Nacht auf ihre Lieblinge achten. Man merkt an -dem fortwährenden Gepiepe der Jungen, daß sie Kinder eines Landes -mit üppigem Pflanzenwuchs sind. Auf dem fast kahlen Platze ist das -fortwährende Piepen gänzlich überflüssig. Die Mutter sieht ja, wo die -Kleinen sind. Die kleinen Entchen auf dem Wasser piepen ja auch nur -unter besonderen Umständen. In Indien, im üppigen Dschungelwald, ist -das Gepiepe dagegen von größter Wichtigkeit, da sonst die Mutter leicht -eines von ihren Dutzend Kleinen verlieren könnte. - -Die Mutterliebe wandelt die sonst so furchtsame Henne vollkommen um. -Ein Hund, ein Knabe wird ohne weiteres angegriffen, wenn er sich ihren -Kleinen zu sehr nähert. - -Diese Angriffslust der Glucke gegen Raubtiere und Menschen ist im -höchsten Grade merkwürdig. Hier liegt nämlich keine Spur von Vererbung -vor. Man sollte meinen, daß das ein von den Stammeltern erprobtes -Verfahren sei, wie ja auch das weibliche Reh sein Junges gegen den -Fuchs verteidigt. Aber die Mütter der Wildhühner, Wildenten und -anderer Friedvögel haben sonst eine ganz andere Rettungsart, und das -Bankivahuhn wird davon keine Ausnahme machen. Bei Annäherung eines -überlegenen Feindes stoßen die besorgten Mütter einen Warnruf aus, -worauf die Jungen verschwinden und regungslos auf dem Erdboden liegen -bleiben. Sodann geht sie dem Feinde entgegen und stellt sich lahm. Der -Gegner will sich den guten Braten nicht entgehen lassen und verfolgt -die anscheinend Gelähmte. Diese führt ihn weit fort und ist plötzlich -gesund, indem sie zu ihren Kleinen zurückfliegt. - -Jetzt wird uns klar, daß die Hühner, wie alle friedlichen Geschöpfe, -ihre Augen zu beiden Seiten haben müssen, um vor der Schnauze eines -Raubtieres rennen zu können, ohne gehascht zu werden. Bei der Stellung -unserer Augen können wir das nicht nachmachen, da wir nicht nach hinten -sehen können. - -Diese ursprüngliche Rettungsart ist für das Haushuhn zwecklos. Die -Jungen können sich auf der blanken Erde nicht verstecken und haben auch -nicht die Schutzfärbung der wilden Küchlein. Sie selbst kann aber den -Feind nicht in die weite Ferne weglocken, da sie nicht zurückfliegen -kann. Auch kann sie ihre Kleinen nicht so lange Zeit den ihnen gerade -im Haushalte des Menschen drohenden Gefahren überlassen. - -Ausgerechnet das als dumm verschriene Huhn ist zur Rettung seiner -Kleinen auf einen neuen Ausweg verfallen. - -Von den Küchlein ist es bekannt, daß sie ohne die Wärme der Mutter -bald zugrunde gehen. Die Mutter muß sie also in der Nacht und an -kalten Tagen unter ihre Flügel nehmen. Diese Frostigkeit scheint uns -Menschen sehr unzweckmäßig zu sein. Vielleicht liegt die Sache aber -etwas anders. In Fachblättern wurde mehrmals mitgeteilt, daß erstarrte -Küchlein in das Küchenfeuer geworfen werden sollten, weil man mit den -toten Tieren nichts anfangen konnte. Kaum lagen sie aber einige Minuten -auf dem warmen Herd, so wurden sie alle wieder lebendig. Hiernach -scheint es fast so, als soll die Frostigkeit bezwecken, daß das -Küchlein bald hinfällt. Dann kann es leicht von der Mutter gefunden und -wieder zum Leben aufgewärmt werden. Wäre es nicht frostig, so liefe es -unendlich weit in die Irre und könnte nicht mehr gerettet werden. - - -145. Warum gehen die Hühner so zeitig schlafen? Die sogenannte -Hühnerkieke. - -Ursprünglich war es unsere Absicht gewesen, bereits am Tage vorher uns -die Hühner anzusehen. Aber wir mußten unser Vorhaben aufgeben, da die -Hühner bereits den Stall aufgesucht hatten. Da es noch hell war, ist -dieses zeitige Aufsuchen der Schlafstätte recht auffallend. Es ist -daher verständlich, daß man von einem sehr soliden Menschen sagt: er -geht mit den Hühnern zu Bett. - -Obwohl die Vögel sämtlich Augentiere sind, sie sich also alle wie der -Mensch in erster Linie nach den Augen richten, so müssen doch ihre -Augen verschieden gebaut sein. Denn wir kennen Vögel, die hauptsächlich -in der Nacht auf Raub ausgehen, z. B. die Eulen. Die Eulen sind nicht -am Tage blind, wie der Volksmund sagt, aber es ist eine Seltenheit, -wenn sie bei Tageslicht freiwillig eine Tätigkeit ausüben. Umgekehrt -werden Hühner, Sperlinge und viele andere Vögel nur notgedrungen etwas -in der Dunkelheit tun. Dazwischen stehen Vögel, die sowohl in der -Dunkelheit wie bei Tageslicht tätig sind, z. B. unsere Wildenten, der -Große Brachvogel, die Nachtigall usw. Die halbzahmen Wildenten des -Berliner Tiergartens kann man oft in tiefer Nacht ihre Nahrung im Kanal -beim Scheine der Laternen suchen sehen. Die Vorübergehenden behaupten -oft, daß hier eine Anpassung vorliegt. Das ist jedoch ein Irrtum. Enten -sind von jeher des Nachts auf Nahrungssuche ausgegangen. Jeder Jäger -weiß, daß man sich abends an Teichen aufstellt, um die beim Eintritt -der Dunkelheit einfallenden Enten zu schießen. - -Man darf wohl mit Recht annehmen, daß die Hühner deshalb so zeitig in -den Stall gehen, weil sie in der Dunkelheit gar nichts sehen können. -Die Landbewohner behaupten vielfach, daß die Hühner bereits in der -Abenddämmerung nichts sehen können. Da es Menschen gibt, die infolge -von ungenügender Ernährung in der Abenddämmerung nicht sehen können, -so sagt der Landbewohner von ihnen: sie haben die Hühnerkieke. Damit -will er sagen, daß die sogenannten nachtblinden Menschen genau wie die -Hühner in der Abenddämmerung nichts sehen können. - -Ferner ist dem Landbewohner bekannt, daß die Hühner leicht an -Schneeblindheit erkranken. Sie werden dann gewöhnlich in den Stall -gebracht. - -Soviel ist wohl sicher, daß das Vogelauge in mancher Hinsicht anders -gebaut ist als das Menschenauge. So fängt man in den Balkanländern -Vögel mit großen bunten Tüchern, wodurch die Vögel in auffallender -Weise angelockt werden. - -Ob die Landbewohner recht haben, daß die Hühner bereits gegen Abend, wo -es noch hell ist, nicht sehen können, läßt sich nicht beurteilen. Die -Frage wird hoffentlich durch Versuche von Gelehrten beantwortet werden. - - -146. Die Farbenblindheit der Hühner. Die Hypnose des Huhns durch einen -Kreidestrich. - -Auf andern Gebieten hat man neuerdings das Sehvermögen der Hühner -untersucht und gefunden, daß sie farbenblind sind. Sie können grün und -rot nicht erkennen. - -Mit der Praxis stimmt das Ergebnis schlecht überein. Denn hiernach -machte das schmucke Gewand des Hahnes, mit dem er sich so stolz -brüstet, auf die Hennen gar keinen Eindruck. Diese können die grünen -Federn und den roten Kamm gar nicht schätzen, weil sie diese Farben -nicht wahrnehmen. - -Da Versuche über das Sehvermögen ungeheuer schwierig sind, so wird das -Ergebnis später wohl noch berichtigt werden. Jedenfalls sind folgende -Beobachtungen damit schwer in Einklang zu bringen. - -Hühner scheuen die Nässe. Das sieht man dann ganz deutlich, wenn -eine Glucke junge Enten ausgebrütet hat (vgl. Kap. 173). Trotz ihrer -Abneigung gegen Nässe gehen Hühner im Sommer auf die Wiesen, wenn es -stark geregnet hat. Die Grashüpfer sind durch den anhaltenden Regen -erstarrt und können nicht fortspringen. Die Hühner fressen sie gern und -holen sie sich. - -Auf einer grünen Wiese grüne Grashüpfer zu erkennen, dazu gehört ein -sehr scharfes Auge. Wie das ein für Grün farbenblindes Auge leisten -soll, ist nicht recht verständlich. - -Man wird überhaupt gegen Versuche und ihre Ergebnisse sehr mißtrauisch, -wenn man an frühere Zeiten zurückdenkt. - -So lernte ich als Knabe, daß man ein Huhn hypnotisieren, d. h. in -einen schlafähnlichen Zustand versetzen kann, wenn man ein Huhn sacht -niederdrückt und vor seinen Augen einen geraden Kreidestrich zieht. -Selbstverständlich haben wir das auch mit einem unserer Hühner getan -und waren überzeugt, daß es hypnotisiert war, als es regungslos sitzen -blieb. - -Als ich mich später gründlich mit Tieren beschäftigt hatte, wurde -mir der ganze Versuch zweifelhaft. Das Sichniederdrücken ist ja -die gewöhnliche Rettungsstellung des Huhns. Es ist doch ganz -selbstverständlich, daß es in dieser seit Urzeiten üblichen Lage -regungslos bleibt. - -Besäße man einen zahmen Hasen und legte ihn sorgsam so hin, wie er -gewöhnlich in der Sasse sitzt, so würde er natürlich auch regungslos so -sitzen bleiben. - -Seit Urzeiten weiß das Huhn, der Hase und andere viel verfolgte -Friedlinge, daß Regungslosigkeit ihre sicherste Rettung ist. Uns -Menschen als Augentieren ist bekannt, daß wir einen sich bewegenden -Gegenstand viel eher erkennen als einen ruhenden. Die Augen der -Nasentiere können aber, wie wir erörtert haben (Kap. 2), Bewegungen -noch besser wahrnehmen als die unsrigen. - -Der Kreidestrich ist also ganz überflüssig. Ebenso ist das -Vorhandensein der Hypnose sehr unwahrscheinlich. - -Man stelle sich folgende Lage eines Jägers vor, wie sie hin und wieder -vorkommt. Er hat stundenlang auf dem Anstand gesessen, und es ist -kein Wild gekommen. Er sagt sich also, daß das Warten ganz zwecklos -ist. Deshalb will er aufstehen und sich seine Pfeife anzünden. Kaum -hat er sich etwas erhoben und nach der Tasche gegriffen, da sieht er -plötzlich einen Rehbock mit einer auffallend starken Krone vor sich. -Als erfahrener Jäger weiß er, daß, wenn er nicht zur Säule erstarrt, -der Rehbock für ihn verloren ist. Das Tier nimmt die Bewegung wahr -und flüchtet sofort. Deshalb bleibt der Jäger genau wie er ist, in -seiner Lage, so wunderbar es aussieht. Könnte ihn ein Beobachter sehen, -der nicht wüßte, worum es sich handelt, so würde er den Jäger für -geisteskrank oder für hypnotisiert halten. Er steht regungslos da mit -halbgestrecktem Knie und hat die Hand auf dem Rücken liegen. Wir wissen -jedoch, daß der Jäger weder irrsinnig noch hypnotisiert ist, sondern -höchst zweckmäßig handelt. - -Packe ich einen Frosch, so wird er glauben, daß es ihm ans Leben ginge. -Bringe ich ein Bein von ihm in eine eigentümliche Lage, so wird er es -oft so lassen. Und zwar tut er es nicht, weil er hypnotisiert ist, -sondern weil er weiß, wie oft er seine Rettung der Regungslosigkeit -verdankt. Der Storch kann ihn übersehen, wenn er regungslos bleibt, und -die Ringelnatter packt überhaupt nur nach Geschöpfen, die sich bewegen. - -Weil die Bedeutung der Regungslosigkeit im Tierleben dem Kulturmenschen -ganz unbekannt ist, deshalb nimmt er überall Hypnose an, wo eine ganz -natürliche Handlungsweise vorliegt. - -Was ist nun von dem durch einen Kreidestrich hypnotisierten Huhn -geblieben, das ich in meiner Jugend als neue Weisheit lernte? Erstens -ist der Kreidestrich ganz überflüssig. Zweitens ist das regungslose -Sitzenbleiben gar nicht wunderbar, da es die uralte Rettungsart des -Huhns ist. Drittens ist das Huhn gar nicht hypnotisiert. - - -147. Die naturgemäße Behandlung des Huhns. - -Wenn wir bedenken, daß ein Huhn jährlich etwa 150 Eier legen oder -eine Brut von einem Dutzend Jungen hochbringen kann, so müßte man -meinen, daß die Hühnerzucht ein sehr lohnender Betrieb ist. Ich -kenne Großstädter, die so durchdrungen waren von der Richtigkeit -ihrer Berechnung, daß sie ihren Beruf aufgaben und auf dem Lande -eine Geflügelzucht einrichteten. Es hat nur einige Jahre gedauert, -dann hatten sie die Lust zum Betriebe verloren und obendrein ein -nicht unerhebliches Vermögen. Selbstverständlich spreche ich hier von -Friedenszeiten vor dem Kriege. - -Warum will in diesem Falle Theorie und Wirklichkeit so gar nicht -übereinstimmen? - -Stellen wir uns vor, daß ein Bauer auf seinem Hofe etwa 20 Hühner hält. -Diese Hühner werden morgens zeitig aus dem Stall gelassen und treiben -sich den Tag über auf dem Hof oder in der Umgebung umher. Dabei hat der -Bauer folgende Vorteile: - -Erstens kosten ihm die Hühner den Sommer über fast gar kein Futter. - -Zweitens ist das Futter, das sie fressen, für sie naturgemäß. - -Drittens können die Hühner fleißig scharren und haben viel Bewegung, -was für ihre Gesundheit von großer Bedeutung ist. - -Viertens verteilen die Hühner am Tage ihren Unrat an den -verschiedensten Stellen, so daß eine Anhäufung nicht stattfindet. - -Bei dem Großstädter, der eine großartige Geflügelzucht eingerichtet -hat, liegt die Sache ganz anders. - -Erstens muß er auch im Sommer sehr viel Futter kaufen. Wie soll er für -die Unmenge Hühner die erforderliche Nahrung herbeischaffen? Auf einem -Bauernhofe gibt es reichlichen Abfall, da sich in dem Miste zahlreiche -Larven und Würmer aufhalten. - -Zweitens ist die Nahrung, die der Geflügelzüchter kauft, häufig nicht -naturgemäß. Im Frühjahr will das Huhn tierische Nahrung haben. Deshalb -reißen sich Hühner, die man eingesperrt hat und nur mit Körnern -füttert, zu dieser Zeit die Federn aus oder beißen sich gegenseitig die -Kämme blutig (vgl. Kap. 106). - -Drittens braucht der Züchter im Gegensatz zu dem Bauern Personal, was -heute ganz besonders ins Gewicht fällt. - -Viertens fehlt den Hühnern die Bewegung und sie erkranken leicht. - -Fünftens häuft sich der Unrat auf einem kleinen Flecke. Das ist aber -die günstigste Vorbedingung für den Ausbruch einer Seuche. - -Das Ende vom Liede ist gewöhnlich eine Seuche, die den ganzen -Hühnerbestand dahinrafft. - -Bei Wildparken und Jagdrevieren liegt die Sache ganz ähnlich. Je -weniger Wild ein Jagdrevier enthält, desto gesünder ist es. Dagegen -sind Seuchen an der Tagesordnung, sobald eine Ueberfüllung der Bezirke -stattfindet. - -In den Großstädten bestehen ebenfalls Gefahren durch zu große -Besiedelung eines kleinen Bezirkes. Hier hat der Mensch durch -Kanalisation, d. h. durch Fortleitung des Unrats die Macht der Seuchen -gebrochen. - -Es wäre also sehr wohl denkbar, daß auch die Geflügelzuchten einen -ähnlichen Ausweg finden. - -*Auf der einen Seite ist es beklagenswert, daß wir so viel Eier aus -dem Auslande einführen müssen. Darum soll jede Vermehrung unseres -Hühnerbestandes unterstützt werden. Auf der andern Seite raten selbst -die begeistertsten Züchter davon ab, daß ein Neuling ein großes Kapital -in die Geflügelzucht steckt. Erst soll er klein anfangen und sich den -Rat eines erfolgreichen Züchters einholen. Es gibt zu viele Dinge, die -man nur aus der Praxis lernen kann.* - -*Was hier von der Geflügelzucht gesagt worden ist, gilt ganz allgemein -für jede Kleintierzucht.* - - -148. Eine blinde Henne findet auch ein Korn. - -Eine blinde Henne wird man wohl nirgends in Deutschland zu -sehen bekommen, weil man ein solches bedauernswertes Geschöpf -abschlachten würde. Früher war man in solchen Dingen weniger auf den -wirtschaftlichen Vorteil bedacht. - -Ein anderes Beispiel für die Verschiedenheit der Auffassung in -wirtschaftlichen Angelegenheiten ist folgendes: - -Heute sehen wir, daß die Hühner gewöhnlich Ringe um die Beine (Ständer) -tragen. In meiner Jugendzeit kannte man das gar nicht. Erst seit einem -Menschenalter habe ich sie auf Bauernhöfen angetroffen. Man weiß -heute, daß die Henne eine gewisse Anzahl von Eiern legt. Folglich hat -es keinen Zweck, sie über ein bestimmtes Alter gelangen zu lassen. -Um dieses Alter jederzeit festzustellen, legt man ihnen Ringe um die -Beine. Diese Ringe sind in den einzelnen Jahrgängen verschieden. - -Diese Ringe sehen wir auch bei den Hühnern auf dem Kohlenplatz. - -Wir schlachten also bereits eine Henne, weil sie nicht mehr ganz so -viele Eier legt als eine etwas jüngere. Erst recht werden wir also eine -blinde Henne schlachten, denn sie würde nicht genügend Futter finden -und infolgedessen sehr abmagern. - -In früheren Zeiten zerbrach man sich über solche Dinge den Kopf nicht. -Hierbei hat man jedenfalls beobachtet, daß eine blinde Henne wie die -andern scharrt und durch Zufall auch ein aufgescharrtes Korn findet. - -Ein Vogel ist wie ein Mensch ein Augentier und tief zu beklagen, wenn -er sein Augenlicht verloren hat. Bei den Nasentieren liegt die Sache, -wie wir wissen, ganz anders. Blinde Hunde kann man sogar noch zur Jagd -benützen. Deshalb wäre auch ein Sprichwort unrichtig: Ein blinder Hund -findet auch einen Bissen. Er findet ihn vielmehr durch seine Nase -ziemlich leicht. - -Umgekehrt fehlt den Vögeln eine gute Nase. Das kann man recht deutlich -bei den Hühnern wahrnehmen. Man kann ihnen nämlich Porzellaneier -unterlegen, und sie brüten fleißig darauf. Ebenso brüten Kanarienvögel -auf elfenbeinernen Eiern. - - -149. Die künstliche Glucke. Die Wetterfestigkeit des Huhns. - -Eine Glucke mit Jungen bringt man gern in einen besonderen Raum, wie -wir es auch hier in unserm Falle beobachten können. Die Mutter ist in -gereizter Stimmung und kann leicht die andern Hennen angreifen. Diese -wiederum picken nach den Küchlein und suchen selbstverständlich die -besten Bissen wegzuschnappen. - -Seit Jahrtausenden hat man die Bruthitze der Glucke durch künstliche -Wärme ersetzt und ebenfalls Küchlein erzielt. Man hat dadurch den -großen Vorteil, daß man ganz andere Mengen von Eiern ausbrüten lassen -kann, als wenn man sie verschiedenen Glucken unterlegt. Allerdings -fehlt dafür den Kleinen das sorgsame Auge der Mutter. Auch sonst wurden -mir von Züchtern mancherlei Nachteile mitgeteilt. So können bekanntlich -junge Entlein sofort schwimmen und bleiben dabei trocken. Läßt man die -Enteneier jedoch von einer künstlichen Glucke ausbrüten, so werden -die jungen Entlein naß. Dies wurde mir wenigstens von verschiedenen -Züchtern mitgeteilt. - -Das künstliche Ausbrüten der Hühnereier ist nicht so wunderbar, -wie es auf den ersten Augenblick erscheint. Denn noch heute gibt es -Hühnerarten, die in der Freiheit das gleiche Mittel anwenden. So legt -das Talegallahuhn seine Eier in vermoderte Blätter, die es zu Haufen -zusammenscharrt. Andere Wallnister benutzen den erwärmten Sand von -heißen Quellen oder Vulkanen. - -Es fängt jetzt etwas an zu regnen, und wir sehen, daß Regen den Hühnern -durchaus nicht angenehm ist. Wie die Katze, so lieben die Hühner Nässe -durchaus nicht. - -Auch wenn es kalt ist, kann man aus dem Benehmen der Hühner schließen, -daß ihnen nicht behaglich ist. Sie stammen eben aus einem heißen -Lande. Deshalb ist Hühnerzucht nur in Ländern mit einer gewissen -Wärme möglich. Frankreich, England und Italien haben eine höhere -Durchschnittstemperatur als wir und haben schon aus diesem Grunde einen -Vorzug gegenüber uns in der Geflügelzucht. - -Da die Hühner Waldbewohner sind, so ist ihnen pralle Sonnenhitze -lästig. Umgekehrt stammen sie aus einem Sonnenlande und vermissen die -Sonne sehr. Ich konnte das in einem Hause, in dem ich vor vielen Jahren -wohnte, recht deutlich beobachten. Der Wirt hielt Hühner auf dem Hofe. -Da das Gebäude vierstöckig war, so war nur von Mitte Mai bis Mitte -Juli in den Mittagsstunden Sonnenschein auf dem Hofe. Während dieser -Stunden ließen die Hühner alles im Stich, selbst das Futter, und lagen -aufgeplustert im Sonnenschein und genossen in vollen Zügen die Wärme -der Sonnenstrahlen. Hier kam so recht der Sonnenhunger unserer Hühner -zum Vorschein. - - -150. Wie kriecht das Küchlein aus dem Ei? - -Es ist gewissermaßen ein Wunder, wenn aus dem Ei, das wohl die -Möglichkeit zu einem Leben bietet, aber doch leblos ist, plötzlich -allein durch die anhaltende Wärme ein lebendiges Geschöpf kriecht. -Durch die Freundlichkeit unseres alten Bekannten, des bei den Ziegen -erwähnten Onkels Althaus, können wir das bei ihm in Ruhe beobachten. - -Onkel Althaus hält Wyandottes, weil er diese Rasse wegen ihrer -Legetätigkeit und als Fleischhühner schätzt. Natürlich kann man keinen -schönen Garten haben, wenn man seinen Hühnern zu ihrer Gesundheit -Auslauf wünscht. So ist der Garten verschwunden, aber die Hühner -befinden sich wohl bei ihrer täglichen Bewegung und legen fleißig Eier. - -Zwei Glucken sitzen auf Eiern, die täglich ausfallen können. Die -Glucken sträuben ihr Gefieder und stoßen einen krächzenden Laut aus, -als Onkel Althaus die Eier untersuchen will. Erst ein Ei ist bei jeder -Glucke angepickt. Es ist das ein Zeichen, daß das Küchlein mit seinem -Eizahn das Gefängnis verlassen will. - -Wir müssen am andern Tage wiederkommen. In der Zwischenzeit sind bei -jeder Henne ein paar Küchlein ausgekrochen. Sie sind zum Trockenwerden -in die sogenannte Küchleinwiege gebracht worden, wo es schön warm -ist. Um uns nicht nochmals einen vergeblichen Weg machen zu lassen, -zeigt uns Onkel Althaus an mehreren Eiern, wie man das Auskriechen -beschleunigen kann. Als erfahrener Geflügelzüchter kann er sich solche -Künsteleien erlauben, aber er rät jedem Neuling ganz entschieden davon -ab. Denn wenn sich auch nur ein Blutstropfen bei der beschleunigten -Geburt zeigt, so ist das Küchlein verloren. - -Onkel Althaus wählt natürlich solche Eier, bei denen das Küchlein -bereits fast einen Ring um das Ei gepickt hat. Ganz vorsichtig wird -nach und nach erst die Schale und dann die dünne Haut entfernt. Man -sieht, welche Anstrengungen dem kleinen Geschöpf die Befreiung aus -dem engen Kerker verursacht. Nach jeder größeren Anstrengung braucht -es Ruhe. Es liegt dann wie leblos, namentlich nachdem es endlich -befreit ist. Zunächst gleicht es einem mit nassen Federn belegten Stück -Fleisch. Wir staunen, daß ein solcher Körper überhaupt Platz in dem -kleinen Ei hatte. Die Zerstörung seiner Hülle verdankt das Küchlein -seinem Eizahn. Man muß sehr genau hinsehen, um ihn zu entdecken. Er hat -noch nicht einmal die Größe eines Stecknadelknopfes und befindet sich -oben auf dem Schnabel. - -Der nasse kleine Klumpen, der seinen Kopf in die richtige Lage -gebracht hat, erholt sich allmählich und wird zu den übrigen in die -Küchleinwiege gebracht. - -Bei der Verabschiedung können wir noch etwas von der Kehrseite der -Geflügelzucht kennen lernen. Ein Küchlein ist während des Tages -verunglückt. Ein anderes sieht ganz wie ein Todeskandidat aus. Es steht -abseits und sieht sehr betrippt aus. Das ist ein schlechtes Zeichen für -ein Küchlein, namentlich wenn es dabei die Flügel hängen läßt. - -Onkel Althaus will noch einen Rettungsversuch machen und schiebt das -Küchlein einer Glucke unter. Vielleicht rettet ihm die Wärme das Leben. - - -151. Warum brauchen die Hühner sandigen Boden? - -Es wäre verfehlt, Hühnerzucht auf moorigem Boden zu errichten. Ebenso -ist ein Untergrund von Ton sehr nachteilig, da er den Abfluß des -Unrates verhindert. Fester Lehmboden hindert am Scharren, was die -Hühner unbedingt brauchen. - -Sandiger Boden ist deshalb für die Hühner notwendig, weil sie ihn zu -ihrer Lebensweise brauchen. Erstens können sie scharren, zweitens -können sie sich paddeln, d. h. durch Sandbäder sich vom Ungeziefer -befreien, und drittens finden sie Sandkörner für ihren Magen. Sehr -viele Vögel brauchen als Ersatz für die fehlenden Zähne Sandkörner oder -kleine Steine zum Zerreiben des im Magen befindlichen Futters. - - -152. Die Rassen des Huhns. - -Unser Haushuhn stammt, wie schon erwähnt wurde, aus Ostindien. Einzelne -Rassen sind bereits in vorgeschichtlicher Zeit nach Westasien und -Europa gelangt. - -Die deutschen Hühnerrassen sind teils aus den alten deutschen -Landhühnern, teils durch Kreuzungen mit anderen Rassen entstanden. -Jede Rasse hatte ihr Heimatsgebiet in einem bestimmten Teile unseres -Vaterlandes. Hier seien erwähnt: die Westfälischen Totleger, die -Lakenfelder, die Ostfriesischen Möwen, die Ramelsloher, die Thüringer -Bausbäckchen, die Bergischen Kräher usw. - -Von ausländischen Rassen haben auf uns die Italiener den größten -Einfluß ausgeübt. Sie haben unsere heimischen Rassen fast gänzlich -verdrängt. Der Hahn und die Hühner auf dem Kohlenplatz waren ebenfalls -Italiener. Sie legen fleißig, brüten aber schlecht. Viel Eier legen -und gut brüten ist überhaupt selten vereinigt. Als Fleischhuhn ist -der Italiener nicht viel wert. Eine andere sehr stattliche Rasse des -Mittelländischen Meeres sind die Spanier. - -Frankreich liefert vortreffliche Masthühner, beispielsweise die Le -Mans, England ebenso in den Dorkings. Berühmt sind auch die englischen -Hamburger, die ursprünglich deutsche Hühner waren, und sich durch -fleißiges Legen auszeichnen. Es seien noch erwähnt die englischen -Orpington, die amerikanischen Plymouth Rocks und die schon genannten -Wyandottes, die Mechelner Kuckuckhühner, die in Belgien gezüchtet -werden, und die Siebenbürger Nackthälse. - -Wahre Riesen der Hühnerwelt sind die Kotschinchina und die Brahmaputra. -Umgekehrt sind die Zwerghühner, wie schon ihr Name sagt, sehr klein, -z. B. die Silber- und Goldbantam. Eine besondere Stellung unter -den Hühnerrassen nehmen die Haubenhühner ein, z. B. die Holländer, -Paduaner, Houdans usw. - -Das Huhn ist bereits nach einigen Monaten ausgewachsen. Die Brutzeit -dauert gewöhnlich 21 Tage, bei kaltem Wetter etwas länger. Einer großen -Henne kann man 15 Eier unterlegen, einer kleineren etwa ein Dutzend. -Auf einen Hahn rechnet man 10 bis 15 Hennen. - -Es wurde bereits erwähnt, daß Krankheiten und Seuchen namentlich dann -sehr gefährlich auftreten, wenn ein großer Hühnerbestand vorhanden ist. - - -153. Das Huhn in Redensarten und Sprichwörtern. - -Bereits erklärt wurden: Eine blinde Henne findet auch ein Korn, mit den -Hühnern zu Bett gehen, Frau Kratzefuß, Kratzfüße machen, den Schnabel -halten und die Bezeichnung Hühnerkieke. - - *Jeder Hahn ist König auf seinem Miste.* - -Das will sagen, daß der Hahn auf seinem Hofe keinen Nebenbuhler duldet. -Sonst kommt es sofort zu einem Kampfe, woher die Bezeichnung - - *Kampfhahn* - -rührt. - - *Den roten Hahn aufs Dach setzen* - -soll heißen, ein Gebäude anzünden. Man erklärt die Redensart mit dem -Zusammenhang des Hahnes mit den Feuergottheiten. - - *Hahn im Korbe sein* - -heißt der bevorzugteste sein. Unter dem jungen Hühnervolke, das im -Hühnerkorbe bewahrt wird, gilt der Hahn als das geschätzteste Stück. - - Mit *Hahnenfüßen* geschrieben - -nennen wir eine schlechte Schrift, deren Buchstaben nicht von einer -menschlichen Hand, sondern von den Tritten eines Hahns herzurühren -scheinen. - - *Hahnentritt* - -ist der steife, ernste Schritt des Hahns und dient zur Bezeichnung -eines geckenhaften Trittes. - -Bei Pferden nennt man so eine Erkrankung des Sprunggelenkes, wobei sie -einen Fuß vor dem Hinsetzen ungewöhnlich hoch heben. - - *Wo die Henne nicht scharrt wie der Hahn, - Kann der Haushalt nicht bestahn.* - -Das soll heißen, daß die Frau auch im Haushalt tätig sein soll. - - *Das Huhn legt gern ins Nest, worin schon Eier sind.* - -Das ist eine sehr richtige Beobachtung. - - *Es fliegt einem kein gebraten Huhn ins Maul.* - -Das will sagen, daß das Glück nicht mühelos kommt. - - *Hühnerauge* - -ist eine schmerzende Hornhaut am Fuße, die wegen einer entfernten -Aehnlichkeit mit einem Vogelauge, nämlich des dunkeln Punktes in -der Mitte, so genannt wird. Andere Bezeichnungen sind Elsternauge, -Gerstenauge usw. - -[Illustration: Henne mit Küken] - -[Illustration: Geflügelstall mit Scharraum um den Hühnern bei -schlechtem Wetter und im Winter Gelegenheit zum Scharren zu geben] - -[Illustration: Silberbrackl-Hühner] - - - - -Das Truthuhn - - -154. Das Hochzeitskleid des männlichen Truthuhns. - -Der große Mangel an Körnerfutter bringt es mit sich, daß man in unseren -Zeiten Ziergeflügel wie Pfauen, Perlhühner und Fasanen jetzt kaum noch -auf einem größeren Hofe erblickt. Selbst Truthühner oder Puten, die -doch mehr zu dem Nutzgeflügel als zu dem Ziergeflügel gehören, sind -in den mir bekannten Kreisen gänzlich abgeschafft worden. Es ist ein -großes Glück für uns, daß wir auch in diesem Falle unsern berühmten -Zoologischen Garten als Helfer in der Not benützen können. Hier sehen -wir ganz dicht vereinigt Pfauen, Perlhühner und Fasanen. Nur wenige -Schritte davon entfernt befinden sich Puter und Puten. - -Wir haben das Glück, das Männchen noch im Schmuck seines -Hochzeitskleides zu sehen. Es ist Mai, und noch hat der Truthahn -die merkwürdigen Anschwellungen an Kopf und Hals. Ebenso schlägt er -selbstbewußt sein Rad. Die Weibchen oder Hennen sehen dagegen nicht nur -kleiner, sondern auch unscheinbarer aus. - -Wir müssen annehmen, daß den Weibchen der Hochzeitsschmuck der -Männchen gefällt. Man muß ohne Frage sehr vorsichtig damit sein, -menschliche Regungen ohne weiteres auf die Tiere zu übertragen. Aber -das Hochzeitskleid der Männchen, das von ihnen mit einer unverkennbaren -Absicht während der Liebeszeit zur Schau getragen wird, das aber später -wieder verschwindet, dürfte doch einen gewissen Zweck haben. Sonst -triebe die Natur in zahllosen Fällen eine Verschwendung, während wir -sie sonst als sehr sparsame Wirtschafterin kennen lernen. - -Gerade das Ausbreiten des Hochzeitsgefieders vor den Weibchen wäre -vollkommen sinnlos, wenn es nicht eine Wirkung auf sie ausüben sollte. -Deshalb muß man sehr vorsichtig sein gegenüber den Behauptungen, -daß manche Farben des Hochzeitsschmucks wegen Farbenblindheit nicht -wahrgenommen werden könnten. - - -155. Worauf ist die Abneigung des Truthahns gegen die rote Farbe -zurückzuführen? -- Die Herkunft der Truthühner. - -Die Tiere im Zoologischen Garten sollen eigentlich nicht gereizt -werden. Aber wenn es sich um Lehrzwecke handelt, ist man nicht -verpflichtet, verbietend einzugreifen. Ein kleines Mädchen ist mit -einem ziemlich großen Spiegel zu dem Truthahn gegangen und hält ihm den -Spiegel vor. Seine Erregung steigert sich gewaltig, und er kollert, -daß es nur so eine Art hat. Erst als das Mädchen sich mit dem Spiegel -entfernt, läßt seine Wut allmählich nach. - -Zwei Gründe können diese Erregung verursacht haben. Entweder sah er in -dem Spiegel einen andern Truthahn und wollte ihn bekämpfen; denn gerade -unter den Truthähnen finden heftige Kämpfe auf Tod und Leben statt. -Näheres werden wir über diesen Punkt bei dem Kanarienvogel und seinem -Spiegelbild sprechen. Oder der Truthahn sah die rote Farbe, die ihn, -wie bekannt ist, in Raserei versetzen kann. - -Schon bei der Abneigung des Stieres gegen die rote Farbe ist darauf -hingewiesen worden, daß es sich wahrscheinlich um eine vererbte -Erinnerung aus früheren Zeiten handelt. Ein rötliches Tier -- -wahrscheinlich der Tiger -- war der Hauptfeind der Wildrinder. -Vom Truthahn wissen wir nach den übereinstimmenden Angaben der -Naturforscher mit Bestimmtheit, daß der Luchs mit seinem rötlichen -Felle sein schlimmster Feind ist. Hierzu paßt vortrefflich folgende -Beobachtung einer ausgezeichneten Vogelkennerin. Sie hält sich ein -Braunkehlchen und erzählt von ihm, daß seine Abneigung gegen alles Rote -ganz auffallend war. Wenn man weiß, daß das Braunkehlchen sein Nest -auf sumpfigem Boden hat, so ist es klar, daß unser Wiesel mit seinem -rötlichen Fell sein ärgster Feind sein muß. - -Es kann auch sein, daß unser Truthahn aus beiden Gründen wütend wird. -Einmal, weil er einen Gegner und sodann, weil er etwas Rotes erblickt. -Denn seine eigene rote Färbung am Kopf und Hals kann er nicht sehen. -- - -Die Truthühner stammen aus Nordamerika, wo sie die Mexikaner bereits -zähmten. Sie kamen nach Europa, wo sich besonders die Spanier und -Italiener um ihre Zucht bemühten. Deshalb spricht man auch vom welschen -Huhn. - -Die Truthenne legt 12 bis 24 Eier. Sie ist als ausgezeichnete Brüterin -bekannt, weshalb man ihr die Eier von anderm Hausgeflügel unterlegt. -Ihre Brütlust ist so groß, daß man sich um ihre Ernährung bekümmern -muß. Denn manche versäumen das Fressen und verhungern infolgedessen. -Die jungen Truthühner sind äußerst empfindlich gegen Nässe und Hitze. - - - - -Der Pfau. Das Perlhuhn. Der Fasan - - -156. Warum schreit der Pfau so häßlich? - -Im Zoologischen Garten sehen wir den Wildpfau, den Hauspfau, eine ganz -weiße und eine gescheckte Rasse. - -Der Anblick des Pfauen, namentlich wenn er sein Rad schlägt, wie es -jetzt vor unsern Augen geschieht, ist entzückend. Dieses kostbare Blau, -dieser herrlich schimmernde Schweif mit den großen Augen darin und das -Krönlein auf dem zierlichen Kopf müssen selbst den, der aus Gewohnheit -widerspricht, zu dem Geständnis veranlassen, daß wir ein schönes Tier -vor uns haben. Nur sein Schrei ist geradezu widerwärtig. Schöne und -eitle Frauen, die eine unangenehme Stimme besitzen, hat man deshalb mit -Vorliebe als Pfauen bezeichnet. - -Wir werden später beim Kanarienvogel sehen, daß eine schöne Stimme -regelmäßig nur kleinen Vögeln zukommt. Große Vögel, wie Pfauen, sind -keine Sänger. Ausnahmen wie der Singschwan können die Regel nur -bestätigen. - -Die Füße des Pfauen sind nur nach menschlichen Begriffen häßlich. Für -einen Baumvogel sind sie sehr zweckmäßig und daher nicht unschön. - -Der Pfau ist in Südasien heimisch. Er ist namentlich oft in Gegenden -anzutreffen, wo auch der Tiger weilt. - -Auch das Perlhuhn ist vielen Menschen lästig, weil es seine wenig -schöne Stimme so oft erschallen läßt. Im Zoologischen Garten sehen wir -außer dem gewöhnlichen silbergrauen Perlhuhn noch eine weiße Art. - -Die Perlhühner stammen aus dem heißen Afrika, weshalb sie Wärme lieben. -Ihre Eier legen sie gern in Gebüschen ab, was man heute bei den zahmen -ebenfalls beobachten kann. - - -157. Vergißt der Fasan das Fliegen? - -Fasanen sehen wir im Zoologischen Garten in den verschiedensten Arten, -so namentlich den herrlichen Goldfasan, den sehr schönen Silberfasan -usw. - -Der Fasan kommt eigentlich mehr als Jagdvogel in Betracht. Vor dem -Kriege gab es Fasanerien, wo Tausende von Fasanen großgezogen wurden. - -Als besondere Dummheit wurde dem Fasan in Jägerkreisen angerechnet, daß -er beim Erscheinen eines Hundes das Fliegen vergißt. Ich glaube nicht -recht daran, daß es aus Dummheit geschieht. Alle diese schwerbeinigen -Vögel sind vortreffliche Läufer, aber sehr schlechte Flieger. Viele, -wie Trappen und Truthühner, müssen überhaupt erst einen Anlauf nehmen, -um in die Luft zu kommen. Ein im Jagdrevier gut gefütterter Fasan weiß -wahrscheinlich, daß seine Anstalten, um zu fliegen, so umständlich -und zeitraubend sind, daß ihn der Hund sicher inzwischen gepackt hat. -Dagegen hat er beim Rennen immer noch die Aussicht, in ein Dickicht zu -geraten, wohin ihm der Hund nicht folgen kann. - -Der Fasan stammt aus Westasien, nämlich von den Küstenländern des -Kaspischen Meeres. Er soll schon im Altertum nach Griechenland gebracht -worden sein. Heute ist er in manchen Gegenden, z. B. in Böhmen, -verwildert. - -Wie alle Hühnervögel ist der Fasan sehr fruchtbar. Die Fasanenhenne -legt etwa 8 bis 15 Eier, die sie in etwa 24 Tagen ausbrütet. - - -158. Der Pfau in Redensarten und Sprichwörtern. - -Die Bezeichnung einer schönen und eitlen Frau als Pfau ist schon -erwähnt worden. - - *Pfau, schau deine Beine!* - -Das soll heißen, jemanden, der mit seinen Vorzügen prahlt, auf seine -Schwächen aufmerksam machen. - -Als Gegenstück zu dem schönen Pfau gilt die unscheinbare Krähe. Daher -der Vergleich: - - *Wie Krähen neben dem schönen Pfau.* - -Die Krähen sollen daher besonders neidisch auf den Pfau sein, wie sich -auch eine Krähe mit den ausgefallenen Federn eines Pfauen geschmückt -haben soll. Daher der Vers: - - *Es meint jede Krau* (Krähe) - *Ihr Kind sei ein Pfau.* - -Vom Truthahn oder Puter wäre noch anzuführen: Als Bezeichnung für ein -dummes Mädchen: - - *Diese Pute = dumme Gans.* - -Ferner als Bezeichnung eines zornigen Menschen: - - *rot wie ein Puter; - wie ein kollernder Puter*. - -[Illustration: Fasan] - - - - -Die Taube - - -159. Die Kommandosprache der Tauben. - -Da sich auf dem Kohlenplatze außer Hühnern auch Tauben befinden, so -begeben wir uns wieder dorthin. Während die Hühner am Boden nach Futter -suchen, haben sich die Tauben mit lautem Geklatsch erhoben und sind in -den Lüften bald unsern Augen entschwunden. Bei ihrer Rückkehr führen -sie verschiedene Schwenkungen aus und lassen sich schließlich wieder -auf ihrem Dache nieder. - -Früher, als wir von der Schwierigkeit des Fliegens keine Ahnung hatten, -konnten wir solche Flüge der Taubenschwärme für ganz selbstverständlich -halten. Wir sahen sie eben alltäglich und regten uns weiter nicht -darüber auf. - -Heute, wo zahllose Flieger verunglückt sind, weil sie in der Luft mit -einem andern Flieger zusammengestoßen sind, muß der Schwarmflug der -Vögel auf uns den tiefsten Eindruck machen. Woher kommt es, daß die -Vögel trotz größter Nähe niemals miteinander zusammenprallen? - -Selbst so schlechte Flieger wie die Rebhühner fliegen in einer -ziemlichen Anzahl. Der Jäger spricht von einer »Kette« oder einem -»Volk« Rebhühner. - -Noch auffallender ist das Schwarmfliegen bei den Staren. Auch der Star -ist kein berühmter Flieger, und doch bildet er im Spätsommer, wenn -die zweite Brut flügge geworden ist, bei seinen Flügen ordentlich -eine lebendige Kugel. Diese Kugel aus Vogelleibern dreht sich nach -einer bestimmten Richtung, wobei alle fliegenden Vögel mit größter -Genauigkeit ihren Platz einnehmen, und keiner durch Tolpatschigkeit -eine heillose Verwirrung anrichtet. - -Ich habe oft erfahrene Tierbeobachter gefragt, ob sie jemals den -Zusammenprall zweier Vögel eines Schwarmes in der Luft wahrgenommen -haben. Niemand wußte etwas davon. Auch die Jagdzeitungen habe ich -daraufhin seit vielen Jahren durchgesehen. Der einzige Fall, der mir -vor Augen gekommen ist, ist folgender: Ein Landwirt erzählte, daß er -bei einer Hühnerjagd den Zusammenstoß zweier Rebhühner beobachtet habe. -Die Erklärung liegt darin, daß das eine der beiden Hühner durch Schrote -verletzt war. Trotzdem hat er, der Erzähler, in seiner dreißigjährigen -Jägerzeit einen ähnlichen Fall noch niemals erlebt und deshalb -berichtete er ihn an die Jagdzeitung. - -Darüber sind sich also wohl alle Tierkenner einig, daß Zusammenstöße -unter Vogelschwärmen zu den allergrößten Seltenheiten gehören. - -Wie vermeiden die Vögel diese Gefahr, die soviel Fliegerleben in unsern -Reihen kostet? - -Jedenfalls werden sie außerordentlich durch die Stellung ihrer Augen -unterstützt. Alle Vögel, die in Schwärmen fliegen, haben die Augen -seitlich zu sitzen. Wir sehen, daß es ganz verkehrt wäre, wenn die -Tauben ihre Augen, wie der Mensch, nach vorn gerichtet hätten. Sie -können bei seitlicher Stellung der Augen den Abstand vom Nachbarn viel -leichter innehalten. - -Wahrscheinlich sind auch die Augen der Vögel im Innern so gebaut, -daß sie das Schwarmfliegen ohne große Anstrengung ausführen können. -Wenigstens befindet sich im Auge mancher Vögel ein Organ, über dessen -Bedeutung man sich noch nicht klar ist. - -Müssen wir uns heute über die Kunst der Vögel, in Schwärmen zu fliegen, -außerordentlich wundern, so kommt noch hinzu, daß wir gar nicht wissen, -auf Grund welches Kommandos eigentlich die Schwenkungen ausgeführt -werden. Würden wir unseren Kommandoworten ähnliche Laute bei den Tauben -hören, so verständen wir wenigstens, weshalb der Schwarm bald so, bald -so fliegt. Bei der Entfernung und dem Geklatsche der Flügel können wir -nicht das mindeste vernehmen. Bei Starenschwärmen bin ich, da mich die -Sache außerordentlich interessierte, in die möglichste Nähe gegangen, -habe aber außer dem Surren der Flügel nichts hören können. Immer -wieder fragt man sich: Wer gibt denn eigentlich das Kommando zu einer -Schwenkung? - -Bei Taubenschwärmen kann man übrigens nicht selten beobachten, daß eine -Taube den Anschluß versäumt hat, indem sie eine Schwenkung aus Versehen -nicht mitgemacht hat. Sie eilt dann in stürmischem Fluge ihren Genossen -nach. Zu dieser Eile hat sie auch einen ganz besonderen Grund, denn -gerade auf vereinzelte Tauben machen die Raubvögel mit Vorliebe Jagd. -Wir kommen darauf im nächsten Kapitel zu sprechen. - -Jedenfalls können wir mit eigenen Augen sehen, daß Tauben Schwenkungen -gemeinsam ausführen. Wie sie das machen, ist uns vorläufig ein Rätsel. -Ich vermute, daß, wie es bei den Säugetieren einen Leitaffen, einen -Leithammel und andere Leittiere gibt, so auch bei den Vogelschwärmen -ein Leitflieger vorhanden ist, nach dem sich alle anderen richten. - -Jedenfalls trifft auch hier die Ansicht nicht zu, daß die Tiere -deshalb keine Sprache haben, weil sie sich nichts zu sagen haben. Bei -Schwarmflügen hätten sie es vielmehr sehr nötig, sich die bevorstehende -Schwenkung mitzuteilen. - - -160. Wie retten sich die Tauben vor den Raubvögeln. - -In der Großstadt haben wir nur dann eine gewisse Aussicht, die Jagd -eines sogenannten Stößers auf Tauben zu beobachten, wenn sich der -Himmel im Winter nach dunklen Tagen erhellt. Während des Nebels geht -nämlich der Wanderfalk, wie der eigentliche Name des Stößers ist, nicht -auf die Jagd. Der Grund ist wahrscheinlich der, daß er bei Nebel nicht -sehen kann, auch keine Tauben findet. Nach einigen Tagen mit bedecktem -Himmel hat also der Falk gewaltigen Hunger. Da der Taubenbesitzer seine -Tauben fliegen läßt, sobald der Himmel klar ist, so kann man also -unter solchen Umständen auf den Anblick einer Taubenjagd rechnen. - -Ein Naturforscher, der in Berlin wohnte, hat sehr schön die Taubenjagd -des Stößers in Berlin geschildert: - -Ein Weibchen des Wanderfalken pflegte am Morgen ruhig und -zusammengekauert auf einem Ziegelvorsprunge des Daches der -Garnisonkirche zu sitzen. Taubenflüge erfüllen die Luft; der Falk wird -erregt und verfolgt mit den Augen die Tauben. Dies währt etwa fünf -Minuten, und nun erhebt er sich. Noch gewahren ihn die Tauben nicht; -doch er rückt ihnen in wenigen Sekunden so nahe, daß nun plötzlich ihr -leichter, ungezwungener Flug sich in ein wirres, ungestümes Fliegen -und Steigen verwandelt. Aber unglaublich schnell hat er sie eingeholt -und etwa um zehn Meter überstiegen. Nun entfaltet er seine ganze -Gewandtheit und Schnelligkeit. In sausendem, schrägem Sturze fällt -er auf eine der äußersten hinunter und richtet diesen jähen Angriff -so genau, daß er allen verzweifelten Flugwendungen des schnellen -Opfers folgt. Aber in dem Augenblicke, als er die Taube ergreifen -will, ist sie unter ihm entwischt. Mit der durch den Sturz erlangten -Geschwindigkeit steigt er sofort ohne Flügelschlag wieder empor, -rüttelt schnell, und ehe zehn Sekunden verflossen sind, ist die Taube -von ihm wiederum eingeholt und in derselben Höhe überstiegen, der -Angriff in sausendem Sturze mit angezogenen Flügeln erneuert, und die -Beute zuckt blutend in den Fängen des Räubers. In wagerechter Richtung -fliegt er nun mit ihr ab und verschwindet bald aus dem Gesichtsfelde. -Von den übrigen Tauben sieht man noch einzelne in fast Wolkenhöhe wirr -umherfliegen, wogegen sich die anderen jäh herabgeworfen und unter dem -Schutze ihrer Behausung Sicherheit gefunden haben. - -Die Tauben suchen sich also vor dem Raubvogel durch ihren schnellen -Flug zu retten. Das nützt ihnen aber nicht viel, denn er ist -geschwinder als sie. Aus diesem Grunde flüchten sie nach Möglichkeit -nach ihrem Schlag. Der Falk weiß das sehr wohl und schneidet ihnen gern -den Rückzug nach dem Schlag ab. Auch dann sind die Tauben noch nicht -verloren. Sie steigen so in die Höhe, daß sie oft wie ein weißer Stern -erscheinen. Wenn der Falk nicht sehr hungrig ist, dann läßt er sie -ungeschoren. Denn, um auf den hoch oben stehenden Taubenschwarm Jagd zu -machen, müßte er sie erst überfliegen. - - -161. Warum muß der Stößer die Tauben erst überfliegen? - -Ich weiß noch heute, wie sehr ich mich als Junge darüber gewundert -habe, daß der Stößer die Tauben erst überfliegen muß. Wie ein Mensch -dem andern nachläuft und ihn fängt, wie ein Hund den Hasen faßt, so -sollte man meinen, müßte auch der Wanderfalk den Tauben nachjagen und -sie fangen. - -Eine einfache Ueberlegung ergibt das Unsinnige dieser Fangart. Habicht -und Sperber verlegen sich allerdings gewöhnlich auf die Ueberraschung. -Sie kommen urplötzlich dahergestürmt und schlagen ihrem Opfer die -Fänge, d. h. die bewehrten Füße in den Leib. Denn bei allen Raubvögeln -sind die Fänge die Hauptwaffe, während der Schnabel hauptsächlich zur -Verkleinerung der Beute dient. Der Wanderfalk verläßt sich dagegen -in der Regel auf seine Flugfertigkeit. Wie soll er nun ganz oben am -Himmel stehenden Tauben durch Verfolgung etwas tun? Um seine Fänge -wirken zu lassen, muß er höher als die Tauben stehen. Auch ist er nur -dadurch, daß er einer verfolgten Taube die Fänge in die Seiten schlägt, -imstande, sie schnell nach seinem Horst zu tragen. Flattert sie noch, -so ist es für den Räuber um so vorteilhafter, denn um so leichter ist -für ihn die Last. - -Weil also der Wanderfalk seine Beute erst überfliegen und von oben -stoßen muß, deshalb hat ihn der Berliner »Stößer« getauft. - -Mancher wird fragen, warum die Taubenbesitzer ihre Lieblinge nicht im -Schlage behalten, wenn der Stößer unter ihnen so furchtbar aufräumt. -Die Antwort ist für den Jäger sehr einfach. In Bayern und Oesterreich -hat man sämtliche Feinde der Gemsen vernichtet, also Bären, Luchse, -Wölfe, Adler und Bartgeier -- und was ist die Folge davon? Noch niemals -hat es soviele Seuchen unter den Gemsen gegeben wie jetzt. Das ist -ja auch ganz einleuchtend. Früher wurden erkrankte Tiere zuerst von -den Raubtieren vernichtet, so daß sie die Krankheit nicht weiter -verschleppen konnten. Bei den Hasen und Rebhühnern liegt die Sache -ähnlich. Es ist natürlich übertrieben, wenn man den Fuchs als Hasenarzt -bezeichnet, aber etwas Wahres ist daran. Jedenfalls entarten Tauben, -die man nicht ausfliegen läßt. Sie verfallen in Krankheiten, weshalb -es richtiger ist, sie ihren natürlichen Feinden auszusetzen, da diese -Behandlungsweise sie gesund erhält. - -Bei allen Raubvögeln beobachten wir, daß sie zunächst auf Albinos oder -weiße oder ungewöhnlich gefleckte Tiere Jagd machen. Albinos sind -entartete Geschöpfe, und ihr Wegfangen kann geradezu als ein löbliches -Tun bezeichnet werden. Weiße Hühner kann man in einsamen Forsthäusern -nicht halten. - -Sodann richten alle Raubvögel ihre Angriffe mit Vorliebe auf solche -Vögel, die sich vom Schwarm abgesondert haben. Das wird einen Sinn -haben -- aber welchen? - -Wir sehen, daß Tauben und andere Friedvögel, z. B. Stare, sich -angesichts ihrer Feinde eng zusammenballen. Vom Standpunkte des -Menschen scheint das äußerst töricht zu sein, denn der Raubvogel -braucht nur in die Masse hineinzugreifen, dann hat er sicherlich in -seinen Fängen eine Beute. - -Da der Raubvogel schließlich besser weiß als wir, wie er seine Beute -zu erlangen hat, so wird er wissen, weshalb er den einzelnen Vogel -verfolgt und die Masse erst im Notfall berücksichtigt. - -Selbstverständlich ist es ganz ausgeschlossen, daß ein Taubenschwarm -gegen einen Stößer etwas ausrichten kann. Dagegen haben sie ein -Verteidigungsmittel gegen ihn zur Hand, auf das der klügste Mensch -nicht verfallen wäre. - -Ist der Taubenschwarm nämlich hinreichend groß, so stürzen sich alle -wie auf Kommando in die Tiefe. Der Falk muß sich dann sehr vorsehen, -daß er nicht in dieses Luftloch fällt. In einer ornithologischen -Zeitschrift berichtete im vorigen Jahre ein Fachmann, daß vor seinen -Augen ein Sperber in das von Staren gebildete Luftloch fiel und infolge -des plötzlichen Sturzes betäubt in einer Hecke liegen blieb. - -Unsere Flieger wissen, wie gefährlich ein Luftloch ist. Es wird aber -den meisten Menschen unbekannt sein, daß Tauben, Stare und andere in -Schwärmen fliegende Vögel seit Urzeiten einen künstlichen Lufttrichter -bilden, um ihren Erzfeind dort hineinsausen zu lassen. - -Die Raubvögel müssen mit diesem künstlichen Trichter böse Erfahrungen -gemacht haben. Nur daraus läßt sich erklären, daß der Verfolger -regelmäßig so lange wartet, bis sich ein einzelner Vogel vom Schwarme -trennt. Auf diesen abgesprengten Vogel wird sofort Jagd gemacht. Daher -rührt die ängstliche Sucht der Tauben und Stare, stets beim Schwarme zu -bleiben. - -Das in Schwärmen Fliegen der Friedvögel ist also eine Verteidigungsart -gegen Raubvögel. Ist der Schwarm zu klein, um einen Trichter zu bilden, -so stieben die Vögel, wenn der Raubvogel über ihnen steht, manchmal -nach allen Seiten auseinander, so daß er in Zweifel gerät, welchen -Vogel er verfolgen soll. - - -162. Warum sitzen unsere Haustauben auf Dächern und nicht auf Bäumen? -Der Taubenschlag. - -Wir haben gesehen, daß die Tauben sich nach ihrem Ausfluge wieder -auf dem Dache niedergelassen haben, obwohl nicht weit davon ein -prachtvoller Baum steht. Man sollte meinen, daß dem Vogel ein Baum -geeigneter zur Ruhe ist als das platte Dach. Sitzen doch unsere -Wildtauben, z. B. die schönen großen Ringeltauben, wenn sie auf dem -Erdboden nicht nach Nahrung suchen, ständig auf Bäumen. - -Die Antwort muß lauten, daß unsere Haustaube von unseren Wildtauben -nicht abstammen kann. Wir wissen bereits, daß sie von der am -Mittelländischen Meer heimischen Felsentaube abstammt. - -Es gibt eine ganze Menge Vogelarten, deren Füße so gestaltet sind, daß -sie für Baumzweige nicht geeignet sind. Unsere Feldlerche setzt sich -nie auf einen Baum, ebenso die Haubenlerche, der Kiebitz und andere -Vögel nicht. Die Zehen sind nicht zum Umspannen runder Zweige geeignet. -Sie sind vielmehr zum Laufen auf der glatten Erde geschaffen. Die -Haustaube setzt sich nur dann auf einen Baum, wenn die Aeste so stark -sind, daß sie eine glatte Fläche bieten. Wenigstens ist das die Regel. - -Man ersieht daraus, daß die Anpassung der Tiere an andere Verhältnisse -nicht so schnell vor sich geht, wie gewöhnlich angenommen wird. Tauben -werden von den Menschen seit Jahrtausenden als Haustiere gehalten. -Trotzdem muß der Taubenbesitzer noch heute am Taubenschlage glatte -Hölzer für die Taubenfüße anbringen. Das Taubenhaus mit seinen -zahlreichen Eingängen ist auch nichts weiter als eine Nachahmung der -Felsenhöhlen mit ihren vielen Löchern, in denen die Vorfahren unserer -Haustauben früher hausten. - - -163. Wie finden sich die Brieftauben zurecht? - -Bei dieser Gelegenheit wollen wir die Frage zu beantworten suchen, wie -sich die Brieftauben zu orientieren suchen. - -Zur Brieftaube sind solche Tauben geeignet, die sich durch breite -Brust, breite und lange Schwingen und große Muskelkraft auszeichnen. -Namentlich werden die belgischen Brieftauben geschätzt. Die -Geschlechter werden nach der ersten oder zweiten Brut voneinander -gesondert, um den Drang nach der alten Heimat besonders zu wecken. -Bereits im Altertum war die Benützung von Brieftauben üblich. - -Man nimmt allgemein an, daß die Brieftauben genau einen solchen -Orientierungs- oder Ortssinn haben, wie ihn ohne Zweifel Säugetiere, -also Wölfe, Füchse, ebenso unsere Hunde, Pferde usw., besitzen. Denn -ohne einen solchen Ortssinn wären solche Säugetiere nicht in der -Lage, ihr altes Lager wiederzufinden. Da obendrein ihre Augen fast -ausnahmslos schwach sind und nur wenig über dem Erdboden stehen, so daß -ihnen jede weitere Uebersicht fehlt, so ist ein Ortssinn für sie eine -unbedingte Notwendigkeit. - -Ganz anders liegt die Sache bei den Vögeln. Sie besitzen ein -hervorragendes Sehvermögen und haben von ihrer hohen Warte aus eine -wunderbare Uebersicht. Sie sehen ihre Umgebung wie auf einer Karte. - -Ueberall machen wir die Beobachtung, daß die Natur mit den sparsamsten -Mitteln waltet. Hat ein Raubtier ein kräftiges Gebiß, so hat es nicht -obendrein Hörner, und ist eine Schlange giftig, so ist sie nicht -obendrein kräftig. Alle Riesenschlangen sind daher ungiftig. Haben sie -die Kraft zur Ueberwindung ihrer Opfer, so brauchen sie nicht noch -obendrein heimtückisches Gift. - -Für Tiere mit wirklichem Ortssinn ist es gleichgültig, ob Dunkelheit -oder Nebel herrscht. In einem schönen Gedichte sagt unser großer -Dichter Goethe: - - Das Maultier sucht im Nebel seinen Weg. - -Natürlich ist damit gemeint, daß das Maultier im Nebel seinen Weg sucht -und auch findet. Das bloße Suchen ist ja kein Kunststück. Das verstehen -wir auch, aber als Kulturmenschen finden wir den Weg nicht, weil wir -den Ortssinn verloren haben, den das Tier noch besitzt. - -Der Kulturmensch braucht eben keinen Ortssinn zu seinem Leben, denn er -kann sich einen Kompaß und eine Karte anschaffen. - -Findet sich nun auch eine Brieftaube im Nebel zurecht? Keineswegs. -Wir wissen aus zahlreichen Beobachtungen, daß Brieftauben, die -von Luftschiffern mitgenommen waren, sich in den Wolken nicht -zurechtfanden. Sie wollen, solange sie von Wolken umgeben sind, das -Luftschiff nicht verlassen. Sehen sie aber ein Loch in den Wolken, so -fliegen sie schnell hindurch. - -Ebenso findet sich die Brieftaube nicht in der Dunkelheit zurecht. -Hiergegen spricht nicht, daß Brieftauben ihren Schlag in der Nacht in -einer Großstadt gefunden haben. Eine Großstadt sendet in der Dunkelheit -ein solches Flammenmeer gen Himmel, daß es gar kein Kunststück ist, bei -freier Aussicht sie zu finden. - -Weil die Brieftauben sich nach ihren wunderbaren Augen richten, so -werden die Wettflüge zunächst auf kurze Entfernungen veranstaltet -und allmählich erweitert. Bei Tieren mit Ortssinn wäre ein solches -umständliches Verfahren nicht erforderlich. Die Brieftauben aber -müssen in dieser Weise eingeübt werden, weil sie sich die nähere und -entferntere Umgebung einprägen sollen. Werden sie an einem fremden -Ort losgelassen, so steigen sie erst hoch. Sie wollen sich also erst -vergewissern, wo sie eigentlich sind. Das ist ein untrüglicher Beweis -dafür, daß sie keinen Ortssinn besitzen. - -Steigt man bei klarem Wetter auf einen Aussichtsturm, z. B. auf Rügen, -so liegt die ganze Insel wie auf einer Karte uns zu Füßen. Würden sich -die Menschen vergegenwärtigen, welchen außerordentlichen Ueberblick die -Brieftaube mit ihren viel schärferen Augen besitzt, so würde ihnen das -Zurechtfinden der Brieftauben gar nicht wunderbar erscheinen. - - -164. Die Tauben als Vorbilder des Menschen. - -Einige Täuberiche machen inzwischen ihren Damen den Hof und verbeugen -sich vor ihnen in der artigsten Weise. Dabei lassen sie unablässig ihr -kuruh kuruh erschallen. - -Der Mensch hat anscheinend von jeher das Liebesleben der Tauben mit -besonderem Wohlgefallen betrachtet. Einmal sind die Tauben ohne Frage -sehr schön, ferner sanft und in ihrer Nahrung hauptsächlich auf die -Pflanzenwelt beschränkt. Sie sind wie geschaffen dazu, um Lieblinge -der Frauenwelt zu sein. Ganz besonders mußte den Frauen gefallen, daß -der Täuberich nicht nur verliebt gurrt, sondern nachher beim Bebrüten -der Eier und der Aufzucht der Jungen treu mitwirkt. Wir wissen, daß -bei unsern Säugetieren von einer Tätigkeit des Vaters nichts zu merken -ist. Wir haben auch die Gründe auseinandergesetzt, wie sich diese für -uns Menschen so auffallende Erscheinung erklärt. Auch der Hahn weiß -von Vaterpflichten nichts, wie wir schon besprochen haben. Da ist der -Täuberich wirklich eine rühmenswerte Ausnahme. Wahrscheinlich kann er -nichts dafür, genau so wie er nichts dafür kann, daß er zu fliegen -vermag. Er tut eben das, was seine Vorfahren seit Urzeiten gemacht -haben. Die junge Brut kann von der Mutter allein nicht durchgebracht -werden. Folglich muß auch der Vater helfen. Denn die Erhaltung der -Nachkommenschaft ist für jede Tierart das allerwichtigste. - -Vermenschlichen wir die Tiere, so hat der Täuberich tiefere sittliche -Grundsätze als der leichtsinnige Hahn mit seiner Paschawirtschaft. Da -die Menschen naturgemäß alles von ihrem Standpunkte aus betrachten, -so hat man die Tauben vielfach verhimmelt und ihnen Eigenschaften -beigelegt, die nicht ganz zutreffen dürften. Auch bei den Tauben -kann man Seitensprünge des Ehegatten, große Eifersucht, unglaubliche -Zusetzereien und ähnliche weniger erfreuliche Eigentümlichkeiten -beobachten. Umgekehrt wird man gern zugeben, daß man staunen muß, -wie treu manche Gatten unter den widrigsten Verhältnissen zueinander -halten. Selbst die Trennung und die lockendste Versuchung können sie in -ihrem Entschlusse nicht wankend machen. - -So ist es denn nicht wunderbar, daß Dichter die Taube in -überschwenglichster Weise gefeiert haben. Ist ja auch ihr Schnäbeln -nach unseren Begriffen von allen unter den Tieren üblichen -Zärtlichkeitsausdrücken dem Küssen der Menschen am ähnlichsten. - - -165. Naturgemäße Fütterung und Haltung der Tauben. - -Die Felsentauben als Stammeltern unserer Haustauben verzehren alle -Arten unseres Getreides, ferner die Sämereien von Raps, Rübsen, Linsen, -Erbsen, Lein usw., vor allen Dingen aber die Körner der Vogelwicke, -die ein höchst lästiges Unkraut ist. Man hat die Haustauben, die den -gleichen Speisezettel besitzen, deshalb für schädlich erklärt, da -sie den Landwirten, namentlich zur Saatzeit, viele Körner wegfräßen. -Das führte auch zur Zerstörung der etwa 50000 Taubentürme in -Frankreich, als die Revolution 1789 ausbrach. Heute denkt man über die -Schädlichkeit der Tauben etwas anders. Gewissenhafte Naturforscher -haben sorgsam den Inhalt von Kropf und Magen gezählt. Dabei ist -festgestellt worden, daß in einer einzigen jungen Taube die Körner -und Samen von Unkraut über 3000 zählten. Auch vertilgen die Tauben -eifrig Schnecken. Der Nutzen der Tauben dürfte also ihre Schädlichkeit -erheblich überwiegen. Ferner brauchen die Tauben Salz, Lehm und Mörtel, -außerdem Badegelegenheit und reines Trinkwasser. - -Da die Felsentauben in dunkeln Höhlen der Felsen brüten, so soll -man auch den Haustauben keine hellen Brutplätze anweisen. Die -Zweckmäßigkeit von Taubenschlägen und Taubenhäusern ist bereits -hervorgehoben worden. - -Von den Feinden der Tauben sind die Raubvögel schon genannt worden. Von -vierfüßigen Räubern sind Katze, Marder, Wiesel und Ratten zu nennen. - -Da die Taube die Gesellschaft liebt, so verliert man manche Taube, die -sich von einem größeren Schwarm als der ihrige ist, angezogen fühlt. Es -gibt Taubenhalter, die das Einfangen fremder Tauben als Besonderheit -betreiben und darin Meister sind. - - -166. Die Rassen der Haustauben. - -Die Zähmung der Felsentaube ist bereits in vorgeschichtlicher Zeit -erfolgt. Der Felsentaube ähnelt noch sehr der Feldflüchter, der sich -am liebsten vom Menschen freimacht und seine Nahrung auf eigene Faust -sucht. - -Von den zahllosen Rassen seien hier folgende angeführt. Die -Trommeltauben, die Tümmler, die sich während des Fluges rückwärts -überschlagen, die Perücken- und Mähnentauben, die Möwchen, die -Pfautauben, die schon erwähnten Brieftauben, die Riesentauben und die -Huhntauben. - -Die Täubin legt gewöhnlich vier- bis achtmal im Jahre je zwei Eier, die -von ihr mit Unterstützung des Täuberichs in 16 bis 18 Tagen ausgebrütet -werden. Die Jungen sind Nesthocker und werden bis zur Ausbildung des -Gefieders von beiden Eltern aus dem Kropfe gefüttert, in dem sich -ein milchartiger Brei befindet. Da die Täubin häufig zur zweiten Brut -schreitet, ehe die Jungen der ersten Brut das Nest verlassen haben, so -braucht jedes Taubenpaar zwei nebeneinander befindliche Nistkästen. - -Manche Haustauben werden fünfzehn Jahre alt. - -Es wurde schon hervorgehoben, daß Tauben, denen keine Gelegenheit zum -Ausfliegen gegeben wird, leicht erkranken. Wie bei den Hühnern zu enger -Raum zu Seuchen führt, so trifft ähnliches auch bei den Tauben zu. - - -167. Die Tauben in Redensarten und Sprichwörtern. - -Es wurde schon hervorgehoben, daß die guten Eigenschaften der Tauben -gewaltig überschätzt worden sind. Auf ihre friedfertige Gesinnung nimmt -der Ausdruck - - *Friedenstaube* - -bezug. Von den Tauben gelten besonders die Turteltauben als Muster für -ein Ehepaar. Daher stammt die Redensart: - - *Sie leben wie zwei Turteltauben.* - -Die alten Landwirte in früheren Zeiten wollten nicht viel von der -Taubenzucht wissen. Wenigstens habe ich in ihren Kreisen oft den Vers -gehört: - - *Wer viel Geld hat und kanns nicht sehen liegen, - Der halte sich Tauben, dann sieht er's fliegen.* - -[Illustration: Freistehender Taubenschlag] - -[Illustration: Brieftaube] - -[Illustration: Berliner Langlatschige] - - - - -Die Ente - - -168. Warum sind die Wildenten im Berliner Tiergarten meistenteils -ausgewandert? - -Bei der Ente haben wir das große Glück, ihre Stammeltern, die Wildente, -und zwar die Stockente, seit mehr als einem Menschenalter im Berliner -Tiergarten beobachten zu können. Jetzt freilich sind die Gewässer fast -entenleer. Immerhin treffen wir beispielsweise auf dem Goldfischteich -eine Mutterente mit drei Jungen an. Es ist Anfang Juni, und die Jungen -sind bereits so groß, daß man genauer hinsehen muß, um sie von der -Alten zu unterscheiden. - -Früher waren die Gewässer zu sehr besetzt, und das hatte allerlei -Unzuträglichkeiten im Gefolge. Jede Ente braucht für ihre -Nachkommenschaft einen gewissen Raum. So gab es also um die Brutplätze -erbitterte Kämpfe zwischen den einzelnen Entenpaaren. Hatten die -Besitzer eines Brutplatzes glücklich ein andringendes Paar abgekämpft, -so dauerte es nicht lange, und sie mußten sich gegen neue Eindringlinge -wehren. - -Das Jagen der Erpel hinter den Enten nahm gar kein Ende. Durch die viel -zu starke Besetzung der Gewässer litt auch das Familienleben der Enten -sehr erheblich. - -Das ist mit einem Schlage durch den Weltkrieg und den Mangel an -Lebensmitteln anders geworden. Die Wildenten lebten im Tiergarten nicht -wie ihre Artgenossen in der Freiheit von dem, was das Wasser bot, -sondern hauptsächlich von dem, was das Publikum ihnen spendete. Das war -in vergangenen Jahren sehr reichlich, und deshalb konnten sich zahllose -Wildenten als Bettler durchschlagen. Jetzt ist aber die Fütterung -durch die Spaziergänger gleich Null geworden. Die Gewässer sind jedoch -zu nahrungsarm, um soviel Wildenten zu ernähren. Folglich wurden die -Wildenten zum größten Teil gezwungen auszuwandern und anderswo ihr Heil -zu versuchen. - -Es ist nicht Zufall, daß die Mutterente gerade den Goldfischteich -als Aufenthaltsort gewählt hat. Hier gibt es ohne Frage den meisten -Fischlaich, und Fischlaich ist für die Ente ein sehr begehrtes Futter. - - -169. Warum hat die von uns beobachtete Wildente nur drei Junge? - -Gewöhnlich legen Stockenten 8 bis 16 Eier, so daß also zwölf Junge als -Durchschnittszahl angegeben werden können. Es ist also anzunehmen, daß -neun oder wenigstens fünf junge Entchen verlorengegangen sind. - -Die Gründe für diese Verluste können mancherlei Art sein. Manche -Wildenten brüten ausnahmsweise auf Bäumen. Es ist wunderbar, daß die -kleinen Entchen vom hohen Nest auf die Erde purzeln können, ohne großen -Schaden zu nehmen. Die Alte lockt die Jungen, nachdem sie ausgebrütet -und trocken geworden sind, zu dem kühnen Sprunge in die Tiefe. Dann -wandert sie mit der kleinen Gesellschaft nach dem von ihr in Aussicht -genommenen Gewässer. Schwächlinge, die den waghalsigen Sprung nicht -unternehmen, bleiben im Neste und verhungern elendiglich. - -Der Marsch nach dem Gewässer ist natürlich von tausend Gefahren -bedroht. Jeder Hund wäre imstande, die ganze kleine Gesellschaft -abzuwürgen. Zum Glück ist der Tiergarten ziemlich raubtierleer, doch -gibt es immerhin noch Feinde in genügender Anzahl. - -Sind die Entlein erst auf dem Wasser, so ist die schwerste Gefahr -beseitigt. Denn bekanntlich können junge Entlein sofort ausgezeichnet -schwimmen. Ja, sie können noch mehr, wie ich einmal beobachtete. Da -war auf einem See ein Schwanenpaar, dem eine Wildente mit ihren Jungen -sehr verhaßt war. Der männliche Schwan hatte schon mehrfach den kleinen -Kerlen etwas auszuwischen gesucht, jedoch bisher stets vergeblich. -Endlich war es ihm geglückt, sie beinahe in eine Bucht hineinzutreiben. -Es war klar, daß er Böses im Schilde führte. Ich hielt die kleinen -Entlein schon für verloren, da erhoben sie sich plötzlich wie auf -Kommando und liefen äußerst schnell auf dem Wasser dahin. Dadurch -entgingen sie der Einschließung durch den Schwan. - -Uebrigens glaube ich, daß im letzten Augenblick die Mutterente den -Schwan angegriffen hätte. Zwar ist es ein aussichtsloses Unternehmen, -als kleine Wildente dem großen Schwan etwas anzutun. Aber sie hätte ihn -immerhin bestürzt machen können, und die Kleinen hätten unterdessen -einen Ausweg gefunden. - -So unbeschreiblich rührend die Mutterliebe einer Wildente ist, so will -es uns weniger gefallen, daß sie ihre eigenen Kleinen tötet, sobald -sie sich in ein fremdes Schof, wie man Mutterente mit Jungen nennt, -verirren. Das ist verschiedentlich beobachtet worden. Wir wissen nicht, -woran sich die jungen Entlein erkennen. Wohl aber ist es bekannt, daß -junge Entlein vom zweiten Tage ab ihre Geschwister von anderen jungen -Entchen unterscheiden. - -Ebenso töten die Mutterenten gern die Jungen einer anderen Ente oder -verfolgen sie wenigstens aufs heftigste. Bei Glucken, die Küchlein bei -sich führen, können wir das gleiche oft genug beobachten. - -Der Grund für dieses uns seltsam anmutende Benehmen kann natürlich -nur in der Magenfrage gefunden werden. Ein bestimmter Raum gibt nur -für eine bestimmte Anzahl von einer gewissen Tierart Nahrung. Fremde -Wettbewerber müssen demnach vertrieben oder getötet werden. Der Angriff -auf die fremden Jungen ist demnach in gewissem Sinne ein Ausfluß der -alles beherrschenden Mutterliebe. Die eigenen Kleinen sollen nicht -darunter leiden, daß ihnen fremde die Nahrung beeinträchtigen. - - -170. Die Feinde der Ente. - -Wir sehen, daß die eigene Verwandtschaft zu den schlimmsten Feinden bei -der Ente gehört. Sehr viele Opfer kann auch das Wetter fordern. Wenn -die jungen Entchen im Frühjahr ausgebrütet worden sind, dann kommen -oft genug kalte Tage. In der Kälte aber gibt es keine Insekten, nach -denen sie mit Vorliebe haschen. Ueberhaupt ist an kalten Tagen das -Wasser nahrungsärmer. - -Unter natürlichen Verhältnissen machen zahlreiche Raubtiere auf die -armen Enten Jagd. Der Seeadler lebt vielfach von Enten, ebenso lieben -Habicht und Wanderfalk einen Entenbraten. Gern stellt ihnen auch der -Fuchs nach, ebenso auch andere Raubtiere. Ihre Eier werden von den -Krähen ausgetrunken. Trifft ein Storch oder ein Reiher mit einer -Mutterente zusammen, die ihre Jungen führt, so läßt er alle in seinem -Magen verschwinden, falls sie ihm nicht entwischen. - -Im Tiergarten kommen von allen diesen Feinden gewöhnlich nur die -Wanderratte, die der Berliner Wasserratte nennt, in Betracht. Diese -ersäuft die Jungen, indem sie die Entlein von unten packt und in die -Tiefe zieht. - -Die arme Mutterente muß also Tag und Nacht auf ihrer Hut sein. Während -beim Schwan und der Wildgans das Männchen ein besorgter Vater ist, -kümmert sich der Enterich gar nicht um seine Nachkommenschaft. Er -trifft sich mit den andern Wilderpeln zusammen und scheint sich -prächtig mit ihnen zu vergnügen. - -Nach unsern Begriffen ist er ein ganz gewissenloser Kerl. Es muß immer -wieder hervorgehoben werden, daß man menschliche Vorstellungen nicht -ohne weiteres auf tierische Verhältnisse übertragen darf. - -Um die Wildenten vor ihrer Ausrottung zu bewahren, ist nur -erforderlich, daß jede Entenmutter ein bis zwei Junge großzieht. Das -gelingt ihr regelmäßig ohne den Beistand des Erpels. Da die Natur -überall mit dem geringsten Kraftaufwand tätig ist, so bleibt der Erpel -bei der Aufzucht außer Betracht. - - -171. Warum nennt man eine falsche Zeitungsmeldung eine Zeitungsente? - -Im Tiergarten werden wir von der Verstellungskunst der Entenmutter kaum -etwas zu sehen bekommen. Denn das Publikum würde es verhindern, daß -beispielsweise jemand einen Hund auf sie und ihre Jungen hetzt. - -Wir haben bereits früher (Kap. 144) geschildert, wie die Wildhühner -ihre Jungen gegen überlegene Feinde zu schützen suchen. Wir müssen auf -diese ebenso merkwürdige wie erfolgreiche Rettungsart hier bei der -Mutterente nochmals zu sprechen kommen. - -Die stärkeren Tiermütter verteidigen ihre Jungen durch ihre Kraft. Den -meisten Friedvögeln fehlt jedoch eine solche Stärke ihrer Glieder, um -damit Erfolge zu erzielen. Der Weiblichkeit liegt es nun nahe, die -Kraft durch List zu ersetzen. Besonders machen schwache Tiermütter -hiervon Gebrauch. Nähert man sich dem Neste eines Singvogels, so kann -man oft erleben, daß das Weibchen wie tot zur Erde fällt. Um den Feind -von ihren Jungen abzulenken, stellt sich die Mutter tot. Will der Feind -sie haschen, so weiß sie mit großer Gewandtheit ihm zu entschlüpfen und -ihn weit weg vom Neste zu führen. Fasanenmütter und Rebhühner stellen -sich lahm, um den Hund oder Fuchs von ihren Jungen fortzulocken. So -macht es auch die Mutterente. Obgleich sie ganz gesund ist, lahmt sie -ganz auffallend. Natürlich denken Fuchs oder Hund, daß ein gelähmtes -Geschöpf mit leichter Mühe zu ergreifen ist, und verfolgen sie. -Auch hier versteht sie es meisterlich, die Feinde von den Jungen -fortzulocken, ohne selbst erhascht zu werden. - -In früheren Zeiten waren die Menschen mit der Tierwelt viel vertrauter. -Die Verstellungskünste der Mutterente waren ihnen etwas ganz Bekanntes. -Sie wußten, daß die Ente durch ihr Benehmen andern etwas mitteilt, -was nicht wahr ist. So lag es nahe, eine Zeitungsmeldung, die etwas -mitteilte, was nicht wahr ist, als Zeitungsente zu bezeichnen. - - -172. Ist die Ente wie das Huhn ein Tagtier? - -Die Hühner gehen, wie wir wissen, zeitig schlafen. Wie ist es mit der -Wildente? - -Es ist bereits früher (Kap. 145) hervorgehoben worden, daß die Wildente -im Gegensatz zu den wilden und zahmen Hühnern auch in der Nacht tätig -ist. Der Jäger weiß, daß man sich auf Enten gegen Abend am Rande eines -Gewässers anstellt. Mit Einbruch der Dämmerung fangen die Enten an, -auf Nahrungssuche auszugehen und zu diesem Zwecke nach Teichen oder -sonstigen Gewässern zu fliegen, wo sie reichliches Futter vermuten. - -Auch die Wildenten im Berliner Tiergarten haben diese Lebensweise -beibehalten. Unzählige Male habe ich sie in der Nachtzeit in Tätigkeit -gesehen. Es ist, wie schon hervorgehoben wurde, ein Irrtum, daß die -Wildenten sich durch das elektrische Licht die Nahrungssuche in der -Nacht angewöhnt haben. Auf dem Lande, wo kein elektrisches Licht -strahlt, handeln sie genau ebenso. - -Warum frißt die Ente nun nicht am Tage wie die Hühner? Zeit genug hat -sie doch eigentlich den ganzen langen Tag über. - -Die Wildente wird es besser wissen als wir, weshalb sie die Nacht zur -eigentlichen Fütterung wählt. - -Wahrscheinlich ist der Grund folgender. Seeadler, Adler, Wanderfalk und -Habicht sind, wie wir wissen, eifrige Feinde der Wildente. Diese Feinde -sind Tagraubvögel, die am Tage tätig sind, aber nicht in der Nacht. -Die hauptsächlichste Rettung der Ente liegt in der Flucht, auf dem -Wasser in ihrem Tauchen. Je voller sich die Ente gefressen hat, desto -schlechter fliegt und taucht sie, und um so leichter wird sie gefangen. - -Die Ente frißt gern viel. So läuft sie also Gefahr, wenn sie am Tage -reichlich gefressen hat, von ihren Hauptfeinden erbeutet zu werden. - -In der Nacht braucht sie diese nicht zu fürchten. Da kommen als Feinde -nur die großen Eulen, also namentlich der Uhu, in Betracht. Angenommen, -daß dieser von dem Schwarm der Enten, die sich zur Nachtzeit irgendwo -gesammelt haben, eine fängt, so ist das weiter kein Unglück. - -Uebrigens sieht man dem Auge der Ente auch äußerlich an, daß es an die -Augen der Dunkelheitsseher, der Nachtigallen, Schnepfen und anderer -Vögel erinnert, während die Augen der Hühner, als ausgesprochener -Helligkeitsseher, ganz anders aussehen. - - -173. Warum läßt man Enteneier durch Hühner ausbrüten? - -Unsere Hausente ist größer, stärker und fetter geworden als ihre -Vorfahren. Dafür kann sie nicht mehr wie diese auf den Grund der -Gewässer tauchen, auch kann sie nicht annähernd so gut wie diese -fliegen. - -Wir folgen der Einladung eines Bekannten im Vorort, um uns seine Enten -anzusehen. Beim Eintritt in sein Gehöft bemerken wir eine Glucke, die -ängstlich am Rande eines kleinen Pfuhles herumläuft und fortwährend -Lockrufe ausstößt, während die jungen Entlein unbekümmert um die Angst -ihrer Pflegemutter lustig umherschwimmen. - -Weshalb läßt der Mensch die Enteneier durch eine Henne ausbrüten? Ist -das nicht grundverkehrt? Die Ente liebt die Nässe, während das Huhn sie -haßt. - -Die Erklärung liegt darin, daß wir deshalb oft Pflegemütter wählen, -weil sie als Brüterinnen und Führerinnen ausgezeichnete Dienste -leisten. So ist die Pute wegen dieser Eigenschaften berühmt, und erst -vor einigen Tagen sah ich in Berlin eine Pute junge Enten führen. Die -Ente läßt auf diesem Gebiete häufig zu wünschen übrig. - -Sodann will die Mutterente ihre Jungen zum Wasser führen. Hat man auf -oder bei seinem Gehöft einen Graben oder Teich, so ist das sehr schön. -Häufig ist das nicht der Fall, und dann ist eine Glucke ganz am Platze. - -Der Mangel an Wasser schadet Enten, die man mästen will, nichts. -Dagegen würden Zuchtenten ohne Wasser nicht gedeihen. - - -174. Die Rassen der Ente. - -Besonders große Entenrassen sind die Rouen-Ente, die gemästet über 10 -Pfund schwer wird, ferner die Aylesbury- und die Peking-Ente. Kleiner -ist die indische Laufente, die aber eine fleißige Eierlegerin ist und -es auf 150 Eier im Jahre bringt. - -Die Brutzeit dauert 28 Tage oder einige Tage weniger. Zur Zucht -gebraucht man Enten bis zum fünften Jahre, obwohl sie noch länger legen. - -Junge Enten wachsen, wie wir an den Wildenten sehen, sehr schnell heran -und können in 10 bis 12 Wochen mastreif sein. - -Die Ente wird als gefiedertes Schwein bezeichnet, weil sie alles frißt. -Wir haben bereits beim Schwein hervorgehoben, daß diese Redensart etwas -übertrieben ist. Richtig ist, daß ihr Speisezettel sehr reichhaltig -ist. Die Wildente frißt Sämereien, Knollen, Blätter, ferner Insekten, -Würmer, Weichtiere und Reptilien. Fische fängt sie wohl nur durch -Zufall, da sie zum Fischen nicht passend gebaut ist. Desto eifriger -ist sie nach dem Laich der Fische, wie schon erwähnt wurde. Die -Hausente frißt außerdem Hausabfälle, Kartoffeln, Fleisch usw. - -Mit dem Schwein teilt die Ente den Vorzug, daß ihr Fleisch immer -Abnehmer findet, und daß ihre Zucht überhaupt verhältnismäßig lohnend -ist. - - -175. Die Ente in Redensarten und Sprichwörtern. - -Erwähnt wurde bereits die Redensart, wonach die Ente als gefiedertes -Schwein bezeichnet wird. Auch ist die Zeitungsente zu erklären versucht -worden. Ferner findet in dem Vorstehenden die Redensart ihre Erklärung: - - *die umhertrippelt wie ein Huhn, das Enten ausgebrütet hat und sie - aufs Wasser gehen sieht*. - -Sonst wären noch anzuführen: - - *Er kann schwimmen wie eine Ente.* - -Spöttisch wird auch gesagt: - - *Er kann schwimmen wie eine bleierne Ente.* - - - - -Die Gans - - -176. Warum gilt die Gans als wachsam? - -In unserem Zoologischen Garten, der uns so oft ein Helfer in der Not -gewesen ist, können wir uns auch die Stammeltern unserer Hausgans, -die Graugänse, ansehen. Sie tummeln sich auf dem sogenannten -Vierwaldstätter See. Allerdings ist bei oberflächlicher Betrachtung -nicht viel an ihnen zu sehen. Sie sehen eben wie graue Gänse, die auf -einem Gewässer schwimmen, aus. Aber wer die außerordentliche Vorsicht -der Graugänse kennt, der ist schon sehr erfreut darüber, daß er sie so -in der Nähe zu Gesicht bekommt. Ich habe jahrelang Jagdreviere gekannt, -wo es sehr viel Wildgänse gab. Aber nur einmal habe ich eine Graugans -in der Nähe zu sehen bekommen. Es war eine Nachzüglerin, die es sehr -eilig hatte und sehr niedrig flog. In der Eile hatte sie uns Jäger, die -wir im Graben lagen, übersehen. - -Jung eingefangene Graugänse werden verhältnismäßig leicht zahm. So -sind sie, wie schon erwähnt wurde, die Stammeltern unserer Hausgänse -geworden. - -Berühmt ist die Geschichte, daß Gänse das Kapitol von Rom und dadurch -die Stadt selbst durch ihre Wachsamkeit gerettet haben. Die Feinde, -die Gallier, hatten damals vor mehr als zweitausend Jahren, einen -nächtlichen Ueberfall geplant. Die Hunde schliefen, aber die Gänse -merkten, daß unerbetener Besuch sich nahte, und erhoben ein Geschrei. -Hiervon wurde die Besatzung wach, der es gelang, die anstürmenden -Feinde in die Tiefe zu stürzen. - -Alljährlich wurde diese Rettung der Stadt durch ein Fest gefeiert. -Neben einer triumphierenden Gans lag ein getöteter Hund. - -An der Wahrheit des Berichts ist nicht gut zu zweifeln, und der -Tierkenner wird der letzte sein, der ihn bezweifelt. Die Wachsamkeit -ist ohne Frage ein Erbteil ihrer Stammeltern. - -Unsere Wildgans ist im Gegensatz zu manchen ausländischen Gänsen -infolge ihrer Schwimmfüße außerstande, auf Bäumen zu schlafen, -wie es die andern Vögel tun. Sie lebt deshalb in unzugänglichen -Brüchen und schwer zugänglichen bewachsenen Inseln. Es ist nun -selbstverständlich für den Menschen recht schwer, sich zur Nachtzeit -solchen Schlafstätten zu nähern. Aber Wildkatzen, Füchse und Wölfe, -namentlich aber Hermeline, Iltisse und Fischottern, die sämtlich -nächtliche Räuber sind, können den schlafenden Gänsen doch sehr -gefährlich werden. Deshalb scheint immer eine von den Wildgänsen Wache -zu halten. Auch deutet ihre Vorliebe für Schlafplätze im Schilf darauf -hin, daß sich die Annäherung des Räubers durch Betreten der überall -liegenden trockenen Rohrstücke verraten soll. Diese Benutzung von -Natur-Alarmapparaten finden wir bei Pflanzenfressern nicht selten, -so bei Hirschen, Rehen usw. Sie haben ihr Lager am liebsten an -Oertlichkeiten, wo sich der Jäger nicht nähern kann, ohne durch das -Betreten des Laubes und der überall vorhandenen Zweigstücke Geräusche -zu erzeugen. - -Die Hausgans ist also von Hause aus durchaus für die Wachsamkeit zur -Nachtzeit geschaffen, deshalb ist die von ihr gemeldete Geschichte -vollkommen glaubhaft. - - -177. Wie steht es mit den geistigen Fähigkeiten der Gans? - -Die Bezeichnung »dumme Gans« ist bei uns sehr geläufig. Und betrachtet -man Hausgänse, die auf einem Anger weiden, was wir in jedem Dorfe -anstellen können, so machen die Tiere ohne Zweifel nicht den Eindruck, -als ob sie über einen großen Geist verfügen. - -Das eintönige Geschnatter, das sie hören lassen, erscheint zunächst -sehr überflüssig. Wir wissen aber von dem Grunzen der Schweine und -dem Blöken der Schafe, daß solche den Zusammenhang der Gesellschaft -wahrenden Töne für Tiere, die im Röhricht leben, sehr wichtig sind. -Sodann sehen die Gänse mit ihrem watschelnden Gang auf dem Erdboden -sehr unbeholfen aus. Aber ist das irgendwie wunderbar? Wir Menschen -haben sie doch aus ihrer Heimat zwischen Rohr und Binsen genommen und -auf den festen Erdboden gebracht, wohin sie ihrer Natur nach nicht -gehören. Ihre Furchtsamkeit, die sie bekunden, ist auch nicht weiter -merkwürdig. Denn wie unsern Hausschafen das Gebirge, so fehlt ihnen -und den Enten das Wasser zu ihrer Rettung. Nur der Gänserich bekundet -Mut gegen Kinder. Er geht auf sie mit Zischen los. Uebrigens haben sie -gelegentlich schon durch Schnabelhiebe ganz kleinen Kindern gefährliche -Verletzungen beigebracht. - -Die angebliche Dummheit der Hausgänse muß man in der Hauptsache auf die -unnatürlichen Verhältnisse zurückführen. Von Hause aus ist die Gans ein -sehr kluges Tier. Hierüber sind sich alle Jäger einig. Das Anschleichen -an Gänse ist ungeheuer schwierig, weil sie durch ihre Wachsamkeit und -ihr vorzügliches Sehvermögen fast alle Mittel ihrer Feinde zuschanden -machen. - -Unsere Vorfahren waren mit dem Tierleben weit inniger vertraut als wir. -Sie kannten die Tiere demnach auch viel besser. So erklärt es sich, daß -sie ein Rechtsbuch »Graugans« nannten. Für den heutigen Kulturmenschen -ist diese Bezeichnung ganz unverständlich. Der Jäger aber versteht, -was damit gemeint ist. Die Verfasser haben sich die Graugans mit -ihrer bewundernswerten Vorsicht, Klugheit und Wachsamkeit als Vorbild -genommen. - - -178. Wie erklärt sich der Gänsemarsch? - -Unsere Dorfgänse werden jetzt nach Hause getrieben, wobei sie sich in -dem bekannten Gänsemarsch bewegen. Dieser Gänsemarsch dürfte ohne Frage -aus ihrer Bewegungsart im Röhricht und Binsen herrühren. Eine Wildgans -muß hier der andern folgen, da sie sich sonst jedesmal erst einen neuen -Weg bahnen müßte. - -Ueberhaupt läßt sich nicht bestreiten, daß den Gänsen durch ihre -Lebensart ein gewisser soldatischer Geist eingehaucht ist. Sie haben -einen bewundernswerten Sinn für Ordnung. Das Einreihen, das Bilden -einer Linie und ähnliche Bewegungen fallen ihnen ersichtlich leicht. -Wie soll es auch anders sein, da ja ihr Flugbild das bekannte Dreieck -bildet. Man nimmt an, daß die Gänse in dieser Flugform leichter die -Luft durchschneiden. - - -179. Aus der Lebensgeschichte einer Wildgans. - -Für die Leser, denen unsere Wildgänse nicht bekannt sind, möchte ich -von dem Berichte eines Jägers über einen zahmen Wildganter eine Stelle -hier bringen. - -Auf einem Gute in der Neumark waren zwei Eier von Wildgänsen durch -Hühner ausgebrütet worden. Es war ein Pärchen, ein Ganter und eine -Gans. Beide flogen, als sie erwachsen waren, oft fort, kehrten aber -stets wieder heim. Von diesem Ganter erzählt der erwähnte Jäger -folgendes: - -Die Hunde haben es schon längst gelernt, ebenso schnell wie unauffällig -aus seinem Bereich zu verschwinden, und auch die Katzen sind, falls -er gerade schlechter Laune ist, vor seinen Angriffen nicht sicher. -So stand der Ganter einst neben mir im Garten, offenbar ungehalten -darüber, daß ich als Fremdling es wagte, mich in der Nähe seiner -Lieblingsgans zu bewegen, die unmittelbar daneben auf dem Hofe im -Pferdestall brütete. Da erstand mir ein Blitzableiter in Gestalt einer -Katze. Mieze lag auf dem Rande des niedrigen Daches der Veranda, der -Ganter entdeckte sie und schon im nächsten Augenblick schwang er sich -in die Höhe, um mit dem mißliebigen Eindringling abzurechnen. Im Nu -hatte er die tödlich erschrockene Katze am Balge erfaßt; kläglich -schreiend wehrte sie sich zwar, so gut es ging, aber es half ihr alles -nichts. Mit ihrem Feind zusammen, der nicht losließ, mußte Mieze hinab -in die Tiefe, und fest verfangen kamen die beiden Kämpfer durch das -dichte Weinrankengewirr der Gartenlaubenwand zur Erde herabgepoltert. -Hier erst ließ der Ganter die Katze los, die sich nun eilig aus dem -Staube machte; ihre Verteidigung schien dem ungewohnten Feind gegenüber -recht mäßiger Art gewesen zu sein. - -Dieses angriffslustige Benehmen legt der Ganter jedem lebenden Wesen -gegenüber an den Tag, wenn er schlechter Laune ist und sich dem -Gegner einigermaßen gewachsen fühlt. Vor Männern hat er immerhin noch -einigen Respekt, aber er kann es doch nicht unterlassen, auch sie -empfindlich in die Wade zu zwicken, wenn sie seinen Gänsen oder wohl -gar deren Gelegen zu nahe kommen. Frauen und Mädchen denken nicht -im Traum an solche Verwegenheit, die er, wenn es sich nicht etwa um -seine Pflegerinnen handelt, ganz gewaltig bestrafen würde. Aus allen -diesen Gründen ersetzt der Ganter auch den vorzüglichsten Hofhund, denn -seinen Nachtdienst tritt er schon an, sobald die ersten Schatten der -Dämmerung sich auf die Erde senken. Was ihm an Eindringlingen nicht -stark überlegen erscheint, wird im wahren Sinne des Wortes überfallen; -denn der Ganter naht im Schutze der Dunkelheit vollkommen lautlos und -verbeißt sich ganz fest in Kleidern, Haaren oder Gliedmaßen. - -Uebermächtigen Feinden, wie Männern gegenüber, befolgt er dagegen -einen ganz anderen Feldzugsplan, indem er von seiner fabelhaft -durchdringenden Stimme den ausgiebigsten Gebrauch macht. Die Sage von -den kapitolinischen Gänsen wird von diesem Vogel in die Wirklichkeit -übersetzt, und wenn er auch natürlich nur sein eigenes Hausrecht zu -wahren bestrebt ist, wissen doch die Hausbewohner mit Sicherheit, daß -irgendetwas nicht in Ordnung ist, wenn nachts der Ganter laut wird. - -In der vorstehenden Schilderung wird ebenfalls die Wachsamkeit der Gans -zur Nachtzeit bestätigt. - - -180. Die Rassen der Gänse. - -Berühmt von den Gänserassen sind die Pommersche, Mecklenburgische, -Emdener und Toulouser Gans. Gänsezucht bringt nur Gewinn, wenn man über -Weiden mit Wasser verfügt. Die Gans wird gewöhnlich im zweiten Jahre -fortpflanzungsfähig und kann sehr alt werden, jedenfalls über 20 Jahre. -Die Gans legt etwa ein Dutzend Eier und brütet 28 bis 32 Tage darauf. - -Die Gänse sind in der Hauptsache Pflanzenfresser. Sie weiden mit Hilfe -ihres harten scharfschneidenden Schnabels Gräser und Getreidearten, -Kohl und andere Kräuter von der Erde ab, enthülsen Schoten und Aehren -und gründeln in seichten Gewässern nach Pflanzenstoffen. Doch nehmen -die Gänse auch tierische Nahrung zu sich. - -Bei uns ist es üblich, die Gänse nach der Ernte auf die Felder zu -treiben, wobei die Tiere (Stoppelgänse) sehr an Gewicht zunehmen. - -Außerordentlichen Nutzen gewährt die Gans durch ihre Federn. Sie wird -zu diesem Zwecke ein- oder zweimal gerupft. - -In früheren Zeiten lieferten die Kiele der Schwungfedern die -Schreibfedern. Es war eine mühsame Arbeit, die Kiele zu diesem Zwecke -zurechtzuschneiden. - -Vorzüglich ist auch das Fett der Gans. Von Feinschmeckern wird ihre -Leber gerühmt. Es ist ein ziemlich umständliches Verfahren, um -künstlich große Lebern zu erzeugen. - - -181. Die Gans in Redensarten und Sprichwörtern. - -Erwähnt wurde schon die Bezeichnung Gans oder dumme Gans für einen -dummen Menschen, namentlich für eine dumme Frauensperson. Insbesondere -wird ein albernes Mädchen gern als Gänschen bezeichnet. Ebenso wurde -bereits der Gänsemarsch und das Watscheln wie eine Gans angeführt. - -In Berlin kann man die Redensart hören: - - *Eine gute gebratene Gans ist eine gute Gabe Gottes*, - -wobei das »g« wie »j« ausgesprochen wird. - -Mit - - *Gänsewein* - -wird scherzhaft das Wasser bezeichnet. - - *Gänsefüßchen* - -heißen die Anführungszeichen bei der Zeichensetzung. - - *Gänsehaut*, - -so wird die menschliche Haut bezeichnet, wenn sie durch Kälte oder -Schreck der Haut einer Gans ähnlich sieht. - - -[Illustration: Schwäne, Enten, Gänse] - - - - -Der Schwan - - -182. Warum hat der Schwan einen so langen Hals? - -Auch in diesem Falle müssen wir uns nach dem Zoologischen Garten -begeben, um uns Schwäne anzusehen. Die Schwäne im Tiergarten sind seit -einigen Jahren verschwunden. Noch im vorigen Jahre lebte ein Pärchen -auf dem Tempelhofer Felde in dem neugegrabenen See. Auch das ist nicht -mehr vorhanden. Ob in der Havel noch Schwäne sind, habe ich noch nicht -feststellen können. - -Vor vierzig Jahren brütete alljährlich ein Schwanenpaar an der Moabiter -Brücke, die von der Kirchstraße über die Spree führte. Das Nordufer -der Spree war damals unbebaut und bildete die sogenannte Wulwe-Lanke. -Es war ein schöner Anblick -- er und sie würdevoll und vorsichtig -dahinschwimmend und um sie beide ihre Kinderschar. Gewöhnlich waren -es vier Junge, die bräunlich aussahen. Merkwürdigerweise hört man so -oft, daß der Schwan weiße Junge habe. Das ist aber, wenn man von einer -Ausnahme absieht, durchaus unrichtig. - -Auch die Schwäne im Zoologischen Garten erfreuen uns durch ihre schöne -weiße Gestalt, die so vortrefflich in den Rahmen eines stillen, -verträumten Weihers paßt. - -Warum haben die Schwäne einen so langen Hals? Diese Frage kann man oft -hören. Ich glaube, sie muß in folgender Weise beantwortet werden: - -Einmal muß jedes Tier so gebaut sein, daß es mit seinen -Reinigungsmitteln zu jedem Körperteil gelangen kann. Da der Vogel die -Reinigung mit dem Schnabel besorgt, so braucht der Schwan, um zu dem -äußersten Teil des Rückens zu gelangen, schon deshalb einen langen Hals. - -Sodann kommt die Nahrungsmittelverteilung hinzu. Wenn alle -Pflanzenfresser dasselbe fressen würden, so wäre der Streit unter -ihnen noch größer, als er ohnehin schon ist. Aus diesem Grunde sind -sie verschieden groß gebaut. Der kleine Hase kann, selbst wenn er -sich aufrichtet, nicht dahin reichen, wo das Reh bequem fressen kann. -Dagegen kann das Reh die Stellen nicht erreichen, die dem größeren -Hirsch zugänglich sind. - -Wie Hase, Reh und Hirsch über dem Boden, so unterscheiden sich -Schwimmente, Gans und Schwan unter dem Wasser. Die Gans kann beim -Gründeln solche Stellen erreichen, wohin die Ente nicht gelangt. Und -wiederum kann der Schwan noch weiter reichen als die Gans. - -Die Wildente kann wohl auf den Grund des Gewässers tauchen, und tut das -auch oft. Aber beim Gründeln sieht man Enten, Gänse und Schwäne nicht -tauchen. Das dürfte sich nur aus der Nahrungsmittelverteilung erklären. - -Der Schwan ist noch mehr Pflanzenfresser als Gans und Ente. Im Frühjahr -quakende Frösche läßt er, wovon ich mich oft überzeugen konnte, ganz -unbehelligt. - -Seine Hauptfeinde, Adler und Uhu, sind jetzt bei uns fast ausgerottet. -Vor ihnen flüchtete er ins Schilf. Manchmal kommt es noch vor, daß ihn -ein Fuchs abwürgt, wenn er im Winter im Eise festgefroren ist. Unter -gewöhnlichen Umständen dürfte ein Fuchs einem gesunden Schwan nicht -viel anhaben können, da er sich mit seinen gewaltigen Flügelschlägen -gut verteidigen kann. - -Der Schwan nistet im Frühjahr. Nach einer Brutzeit von 35 bis 42 Tagen -schlüpfen die Jungen aus. Die Anzahl der Eier beträgt sechs bis acht. - -Hervorragend geschätzt sind die Federn des Schwans wegen ihrer Farbe -und Weichheit. Mit der Schönheit des Tieres steht sein Wesen wenig -im Einklang. Er zeigt sich nach unsern Begriffen selbstbewußt und -herrschsüchtig. Vom Standpunkte des Schwanes aus dürften sich diese -Eigenschaften sehr wohl erklären lassen. - - -183. Der Schwan in Redensarten und Sprichwörtern. - - *Schwanengesang.* - -Wir in Deutschland kennen hauptsächlich den Höckerschwan, der nur -zischt, aber nicht singt. In nördlichen Ländern lebt aber der -gleichgroße Singschwan, der keinen Höcker trägt. Dieser führt seinen -Namen mit Recht. In den kalten Winternächten soll der Gesang einer -Schar Singschwäne sehr schön klingen. Manche behaupten, daß der -Singschwan besonders vor seinem Tode sänge, was von andern bestritten -wird. Wahrscheinlich haben die alten Griechen, die zuerst von dem -Schwanengesang in diesem Sinne sprechen, aus dem Gesang die Todesahnung -herausgehört. Sie haben ebenso bei der Nachtigall die Anklage wegen -eines Kindesmordes herausgehört. - -Die Schwäne galten als besondere Lieblinge des Apollo, des Gottes der -Dichtkunst. Daher werden Dichter geradezu als Schwäne bezeichnet, so -Shakespeare (Schähkspir) als Schwan von Avon (ew'n oder äw'n), da er am -Avon geboren ist. - -Schwanengesang ist also die letzte bedeutende Leistung, die jemand -angesichts seines bevorstehenden Todes vollbringt, wie das Sterbelied -des Schwans. - - *Schwanen.* - -Da der Schwan seinen Tod vorher wissen soll und überhaupt, wie viele -Vögel, nach dem Volksglauben (Kap. 36) in die Zukunft blicken kann, so -bedeutet es: dunkel ahnen. - -Nach der schneeweißen Farbe des Schwans gibt es zahlreiche -Zusammensetzungen, die hierauf Bezug nehmen, beispielsweise - - *Schwanenhals*. - -Allerdings kann hierbei auch auf die Länge des Schwanenhalses -angespielt sein. - - - - -Der Kanarienvogel - - -184. Weshalb gerät der Kanarienvogel in Wut, wenn er sein Spiegelbild -erblickt? - -Wer sich auch sonst um Tiere wenig bekümmert, dem wird doch der -Kanarienvogel bekannt sein. - -Der goldgelbe Sänger war vor dem Weltkriege in zahllosen Familien -anzutreffen. Jetzt ist er auch selten geworden, und wir freuen uns, daß -wir bei einem Bekannten Gelegenheit haben, einen zahmen Kanarienvogel -zu betrachten. - -Unser Bekannter, Herr Stengert, öffnet den Käfig, und sofort fliegt ihm -Hänschen, wie der Kanarienvogel genannt wird, auf den vorgestreckten -Finger. Auf Befehl gibt er seinem Herrn ein Küßchen. Bei Kanarienvögeln -kann man das unbesorgt tun, da sie nicht wie Hunde im Kot wühlen. -Sodann kriecht er seinem Herrn in den Rockärmel, wo es ihm besonders -gut zu gefallen scheint. Wenigstens ist erst ein Leckerbissen -notwendig, um ihn von diesem warmen Platze fortzulocken. - -Einen merkwürdigen Einfluß übt ein vor ihm aufgestellter Spiegel aus. -Mit allen Zeichen der Erregung, nämlich dem Sträuben der Kopffedern und -dem Heben der Flügel sowie ganz sonderbaren Tönen nähert er sich diesem -Kunstwerk des Menschen. - -Man sollte meinen, daß ein hübsches Tier sich freut, wenn es im Spiegel -sein Ebenbild erblickt. Warum setzt den Kanarienvogel sein Spiegelbild -so in Wut? - -Wir Kulturmenschen sind so daran gewöhnt, im Spiegel unser Bild zu -erblicken, daß wir das Spiegelbild für die selbstverständlichste -Sache der Welt ansehen. Und doch kann von einer solchen -Selbstverständlichkeit gar keine Rede sein. Wir wissen, daß -Naturvölker, die sich zum ersten Male im Spiegel betrachten, gar nicht -wissen, daß es ihre eigene Person ist, die der Spiegel wiedergibt. -Woher soll denn der Wilde eigentlich wissen, wie er aussieht? Wenn der -Mensch so etwas nicht sofort feststellen kann, so ist es beim Tier erst -recht nicht der Fall. - -Nasentiere, also Hunde und Pferde, bleiben, wie wir wissen, im -allgemeinen kalt gegen den Spiegel. Denn die Spiegelung sagt der treuen -Nase nichts. Dagegen übt der Spiegel auf Augentiere, also außer uns -Menschen, auf Affen und Vögel eine starke Wirkung aus. - -Um die Erregung von Hänschen zu verstehen, müssen wir uns folgendes -vergegenwärtigen. Hänschen ist ein Hahn, und alle Hähne sind gewöhnlich -sehr eifersüchtig auf einander. Vom Haushahn ist es ja allgemein -bekannt, daß er sofort mit einem andern Hahn Streit beginnt. Hänschen -glaubt also, als er im Spiegel einen andern Kanarienhahn erblickt, -einen Nebenbuhler vor sich zu haben. Er ist sofort bereit, mit ihm -einen Kampf auszufechten. Sich selbst hat er nicht erkannt. Denn in -diesem Falle wäre die Kampfbereitschaft vollkommen unverständlich. - - -185. Warum singen nur die Männchen bei den Singvögeln? - -Nachdem der Spiegel, der Hänschen so beunruhigt hatte, von seinem -Herrn fortgebracht worden ist, erfreut uns der Vogel durch seinen -herrlichen Gesang. Die Frage ist sehr naheliegend, weshalb nur die -Männchen singen. Denn einen weiblichen Kanarienvogel kauft man nur zu -Zuchtzwecken. Außerhalb der Zuchtzeit, die vom Februar bis zu der im -August eintretenden Mauser dauert, sind die Weibchen verglichen mit den -Männchen spottbillig. - -Bedenkt man, daß jedes Männchen im Frühjahr ein Weibchen finden möchte, -mit dem es zusammen ein Heim gründen kann, so wird es klar, daß der -Gesang der männlichen Singvögel ein vorzügliches Mittel dazu ist, -den Weibchen anzukündigen, wo sie einen Gatten antreffen können. Die -Augen der Vögel sind bekanntlich ausgezeichnet. Deshalb braucht ein -Adlermännchen, das auf einem steilen Felsen sitzt, nicht zu singen. -Denn ein Adlerweibchen kann es auf viele Kilometer deutlich erkennen. - -Aber wie ist es mit den kleinen Singvogelmännchen, die im dichten Laub -verborgen sitzen? Wie schwer ist es nicht, wenn wir den Ruf oder Gesang -eines Vogels hören, den Urheber im Gewirr des Laubes und der Aeste zu -erblicken. Ich habe Bauern kennen gelernt, die mir erklärten, noch -niemals in ihrem Leben einen Pirol oder Kuckuck gesehen zu haben. Das -war in einer Gegend, wo im Sommer beide Vögel von früh bis spät ihre -Rufe erschallen ließen. - -Wie sollte in der Dunkelheit ein Nachtigallenweibchen wissen, daß ein -Männchen im Gebüsch weilt, selbst wenn seine Augen scharf und für -die Dunkelheit angepaßt sind? Wie anders liegt die Sache, und wie -erleichtert ist das Finden, wo jetzt das Männchen zur Frühjahrszeit in -der Nacht seine sehnsuchtsvollen Töne in die Welt hinausflötet? - -Gerade unter den Gebüschvögeln und den versteckt lebenden Vögeln -pflegen die trefflichsten Sänger zu sein. Außer der schon erwähnten -Nachtigall und dem Pirol sei nur an den Sprosser, die Grasmückenarten, -die Laubvögelarten, den Gartenlaubsänger und andere erinnert. - -Das Männchen hat also bei den Singvögeln deshalb die Gabe des Gesanges, -weil es die Weibchen dadurch auf sich aufmerksam machen will. Da die -Natur überall mit Aufwendung der geringsten Mittel arbeitet, so hat -sie dem Weibchen die Gesangesgabe nicht verliehen. Denn es wäre ganz -zwecklos, wenn beide Teile auf ihrem Platze blieben und das andere -Geschlecht auf sich aufmerksam machen wollten. - -Nur bei alten Weibchen kommt es vor, daß sie kümmerlich etwas singen. -Das erinnert an die Erscheinung, daß alte Frauen einen Anflug von Bart -bekommen. - - -186. Warum hassen die Sperlinge den Kanarienvogel? - -Herr Stengert erzählt uns, daß er vor Jahren einen Kanarienvogel in -folgender Weise verloren hat. Er war aus dem Bauer entwischt und hatte -sich die goldene Freiheit erobert. Doch er sollte sich ihrer nicht -lange erfreuen. Denn die Sperlinge fielen über ihn her und ruhten -nicht eher, als bis sie ihn getötet hatten. Es war ihm nicht möglich, -seinen Liebling zu retten, da sich der Vorgang an einer für Menschen -unzugänglichen Stelle abspielte. - -Von diesem Haß der Sperlinge gegen entflohene Kanarienvögel habe -ich so oft erzählen hören, daß ich an der Wahrheit der Berichte -nicht gut zweifeln kann. Er steht auch ganz im Einklange mit der -immer wiederkehrenden Erscheinung, daß sich nahe Verwandte im -Tierreich grimmig hassen, so Wolf und Hund, Pferd und Esel usw. Auch -der Kanarienvogel gehört wie der Sperling zu den Finken und müßte -eigentlich nach menschlichen Anschauungen als naher Verwandter von -den »Gassenjungen«, wie man die Sperlinge genannt hat, liebevoll -aufgenommen werden. Da unter den Tieren Haß gegen Verwandte die Regel -ist, so ist die Abneigung der Sperlinge gegen den Kanarienvogel nicht -weiter auffallend. - -Hierzu kommt noch folgendes. Alle freilebenden Tiere haben einen -scharfen Blick für die Schwächen eines neu Angekommenen. Deshalb soll -man einen Vogel, der ständig im Käfig gehalten wurde, nicht plötzlich -aussetzen. Manche Tierfreunde wollen ihren Tieren etwas gutes erweisen -und erreichen damit das gerade Gegenteil. So hatte ein Bekannter von -mir eine junge Drossel großgezogen. Als ausgesprochener Tierfreund -wollte er dem Tiere eine große Freude machen und ihm die Freiheit -schenken. Er erzählte mir von seinem Plane, worauf ich ihm den Rat gab, -die Drossel zunächst im Zimmer das Fliegen etwas gründlicher lernen zu -lassen. Das wollte er jedoch wegen der damit verknüpften Schmutzereien -nicht tun. Er nahm die Drossel also nach dem Tiergarten mit und setzte -sie dort aus. Er selbst schaute von einer Bank aus dem Benehmen seines -Lieblings zu. Es dauerte nicht lange, so kam eine Krähe. Diese fing -die Drossel und verspeiste sie. Mein Bekannter war dagegen machtlos. -Die Krähe hatte sofort erkannt, daß die Drossel nicht genügend fliegen -konnte. Wie sie auf kranke Vögel Jagd macht, so auch auf schlechte -Flieger. - -Vielleicht ist auch folgender Umstand von Bedeutung. Bei jeder Tierart -kommen wohl sogenannte Albinos vor, d. h. Tiere mit weißer Farbe und -roten Augen. Allgemein gelten sie als schwächlich. Raubtiere suchen -zuerst die Albinos zu erbeuten. Albinos werden von ihren Artgenossen -gewöhnlich gemieden. Unser Kanarienvogel ist nun zwar kein Albino, -aber mit seiner hellgelben Färbung sieht er ihm manchmal recht -ähnlich. Jedes freilebende Tier sieht jedenfalls sofort, wenn es einen -Kanarienvogel erblickt, daß hier ein Schwächling vorliegt. Schwächlinge -werden gern bekämpft. - -Der Haß der Sperlinge gegen den Kanarienvogel ließe sich also dadurch -erklären, daß der Kanarienvogel ein naher Verwandter, ein erbärmlicher -Flieger und ein Schwächling ist. - - -187. Wie erklärt sich die gelbe Farbe des Kanarienvogels? - -Der wilde Kanarienvogel, von dem unser zahmer Kanarienvogel abstammt, -lebt noch heute auf den Kanarischen Inseln an der Westküste Afrikas. -Seit etwa drei Jahrhunderten ist der Kanarienvogel als Haustier -bei uns heimisch. Der wilde Kanarienvogel ist grünlich, während -unser Kanarienvogel hauptsächlich gelb ist. Wie läßt sich diese -Verschiedenheit erklären? - -Wir sehen, daß Haustiere sehr häufig eine andere Farbe haben als ihre -freilebenden Vorfahren. Das Wildpferd ist braun. Es gibt unzählige -Pferde, die nicht braun sind. Ebenso ist es mit den Wildkaninchen, dem -Bankivahuhn, der Felsentaube usw. - -Da man bei Kanarienvögeln durch Fütterung mit Kayennepfeffer ganz -merkwürdige Färbungen erzielt hat, so ist wohl anzunehmen, daß die -Nahrung in einem gewissen Zusammenhang mit der Färbung steht. Da die -Haustiere gewöhnlich zum Teil eine andere Nahrung als ihre Stammeltern -erhalten, so würde sich ihre anders geartete Färbung zum Teil dadurch -erklären. - -Herr Stengert erzählt uns weiter, daß er früher echte Harzer -Kanarienvögel besessen, sie aber wieder abgeschafft hat, denn sie -verlangen eine hohe Wärmetemperatur, was bei dem jetzigen Kohlenmangel -nicht zu erreichen war. - -An sich ist jedem Geschöpf Abhärtung zuträglicher als Verweichlichung. -Die Züchtung der Harzer Kanarienvögel bei hoher Temperatur kann man -aber eigentlich nicht als Verweichlichung bezeichnen. Denn der Vogel -ist einmal ein alter Afrikaner. Vielleicht hat man gerade dadurch so -große Erfolge erzielt, daß man ihn in der Temperatur seiner Heimat -hielt. - - -188. Warum stecken die Vögel beim Schlafen den Kopf in die Federn? - -Da sich der Abend naht, so soll Hänschen zum Schlafen in ein dunkles -Zimmer gebracht werden. Hier sind noch einige andere Kanarienvögel, -die, wie wir sehen, bereits schlafen. Sie haben nämlich ihren Kopf in -die Federn gesteckt. - -Diese Schlafstellung erscheint uns recht wunderbar, und die Frage -deshalb sehr natürlich, weshalb der Vogel so handelt. - -Manche meinen, daß diese Haltung für den Vogel am bequemsten sei. Wie -der Mensch den Kopf sinken lasse, wenn er müde sei, so stecke der Vogel -unter gleichen Umständen den Kopf in die Federn. - -Hiermit ist aber schlecht vereinbar, daß nicht nur die Eulen, sondern, -soweit ich feststellen konnte, auch die andern großen Raubvögel den -Kopf nicht in die Federn stecken. Es ist mir trotz aller Bemühungen -niemals gelungen, einen Adler oder Geier in der Nacht zu beobachten, -wie er den Kopf in die Federn steckt. Gerade in Berlin hat man -hierzu die schönste Gelegenheit. Geht man in der Dunkelheit am -Rande des Zoologischen Gartens entlang, und zwar da, wo er an den -Tiergarten grenzt, so sieht man stets einige Bewohner des riesigen -Raubvogelkäfigs, wie sie auf den Felsen hocken. Bei den Eulen kann man -das Nichthineinstecken des Kopfes mit ihrem zu kurzen Halse erklären. -Aber Geier und Adler müßten auch ihre Köpfe in die Federn stecken, wenn -diese Erklärung richtig ist. - -Ich erkläre mir die Schlafstellung der Vögel anders und zwar auf Grund -folgender Beobachtung. - -An einem schönen Sommertage ging ich im Tiergarten spazieren. Ich blieb -stehen, um eine Wildente zu beobachten, die auf einen in das Wasser -gefallenen Baum gestiegen war und dort ihr Gefieder glättete. Es kam -noch eine Ente angeschwommen und sprang -- nicht flog -- vom Wasser auf -den Baum. Das ist ein Kunststück, das man nicht glauben würde, wenn man -es nicht mit eigenen Augen sähe. Ueberhaupt benahmen sich die Enten auf -dem gestürzten Baume so vertraut, daß ich mir sagte, in waldreichen -Gegenden scheinen sie lieber auf Bäumen als am Ufer zu ruhen. Das ist -auch ganz klar, denn am Ufer kann sie manches Raubtier, z. B. der Fuchs -erbeuten, der auf den Baumstamm nicht so leicht gelangt. Demnach schien -der Baumstamm mit seiner trockenen Rinde ein herrliches Ruheplätzchen -zu bieten. Nur ein Wulst auf dem Baumstamm fiel mir auf, weil ich nicht -recht wußte, was ich aus ihm machen sollte. Dieser Wulst, den ich -zunächst übersehen hatte, kam mir mit der Zeit immer merkwürdiger vor. -Ich bedauerte aufrichtig, nicht ein scharfes Jagdglas bei mir zu haben. -Plötzlich bekam der Wulst Bewegung und, was ich schon geahnt hatte, -entpuppte sich als -- schlafende Ente. - -Ich mußte staunen, wie vortrefflich das Gefieder der Wildente, die sich -dicht auf den Stamm gedrückt hatte, zu der Baumrinde paßte. Sodann -war es aber klar, daß ich trotzdem die schlafende Ente niemals hätte -übersehen können, wenn sie nicht ihren Kopf in das Gefieder des Rückens -gesteckt hätte. Ich glaube hiernach zu der Vermutung berechtigt zu -sein, daß die merkwürdige Schlafstellung den Zweck einer Schutzstellung -hat. - -Die Wildente ist, wie wir wissen (Kap. 145) ein zum Teil nächtliches -Tier. Sie hat also am Tage naturgemäß ein Schlafbedürfnis. Ihre -schlimmsten Feinde sind außer dem Menschen die Tagraubvögel, -insbesondere Wanderfalk und Habicht. Sie ist also in dieser -Schlafstellung einigermaßen vor ihnen gesichert. Würde sie mit dem -Kopfe nach vorn schlafen, so könnte sie von dem scharfen Auge ihrer -gefiederten Feinde mit Leichtigkeit wahrgenommen werden. - -Als Jäger wäre ich an dieser Wildente vorbeigelaufen, obwohl ich gerade -für sich verbergende Geschöpfe ein sehr geschultes Auge besitze. - -Aus Furcht vor den nächtlichen Feinden, den Eulen, stecken also die -Friedvögel den Kopf in die Federn, damit sie leichter übersehen werden. - -Uebrigens haben die Nachtaffen genau die gleiche merkwürdige -Schlafstellung. Man betrachte beispielsweise ihre Bilder in Brehms -Tierleben. Diese Schlafstellung wird aber sofort verständlich, wenn man -sie als sogenannte Mimikry, d. h. Nachäffung der Umgebung auffaßt. - -Adler und Geier scheinen eine solche Mimikry nicht zu brauchen und -deshalb stecken sie den Kopf nicht in das Gefieder. - - -189. Die Rassen des Kanarienvogels. - -Der Harzer Kanarienvogel ist bereits erwähnt worden. In England -werden Kanarienvögel mit auffallender Färbung gezüchtet, so z. B. -die eidechsenartig gestreiften Lizards. Erwähnt wurden bereits die -Pfeffervögel, die durch Fütterung mit Kayennepfeffer tief gelbrot -geworden sind. - -Die Zucht des Kanarienvogels beginnt Mitte Februar. Auf ein Männchen -rechnet man 3 bis 4 Weibchen. Das Weibchen legt 5 Eier. Die Brutzeit -dauert etwa 13 Tage. Man kann im Jahre 3 bis 4 Bruten erzielen. -Als Fink ist der Kanarienvogel ein Pflanzenfresser, der namentlich -im Frühjahr Wert auf Insektenkost legt. Rübsen, Spitzsamen und -gelegentlich Hanf sowie allerlei Grünes wird vom Kanarienvogel gern -gefressen. Während der Brutzeit darf hartgekochtes Ei als Ersatz der -tierischen Nahrung nicht fehlen. Da der wilde Kanarienvogel sehr gern -Feigen frißt, so sind Zucker und Obst keine Leckereien für unseren -Kanarienvogel, wie gewöhnlich angegeben wird. Es liegt vielmehr eine -naturgemäße Fütterung vor. - -Für die Zucht ist der Kanarienvogel nur bis zum vierten Jahre lohnend -zu verwenden. Dagegen wird der einzelne Sänger bis zu 20 Jahren alt. - - - - -Der Wellensittich - - -190. Warum ist nur der Wellensittich ein Haustier? - -In meinem Bekanntenkreise besitzt nur noch der vorhin erwähnte Herr -Stengert ein Pärchen Wellensittiche. Die übrigen haben die Tierchen -wegen Futtermangel abschaffen müssen. Wir suchen also Herrn Stengert -wieder auf und sehen uns zunächst nochmals seine Kanarienvögel an. - -Das Pärchen Wellensittiche hat bereits mehrfach gebrütet. Den Nachwuchs -hat Herr Stengert fortgegeben, da die Ernährung heutzutage zu schwierig -ist. - -Unter Papageien stellt sich der Durchschnittsmensch ziemlich große, -lautkreischende Vögel vor. Davon ist beim Wellensittich nichts zu -merken. Sieht man von seinem langen Schwanz ab, so hat er etwa die -Größe eines Stars. Nur ist er im Gegensatz zum Star grün gefärbt. - -Nahen sich Fremdlinge, wie wir es sind, so haben die Wellensittiche -eine Vorliebe dafür, sich schnell auf den Boden fallen zu lassen und -sich zu ducken. - -Hieraus sieht man, daß auch dieser Vogel von seinen ererbten -Gewohnheiten vollkommen beherrscht wird. Er lebt in Australien und -nährt sich von Grassamen. Wegen der Dürre dieses Landes ist er zu -großen Wanderungen gezwungen. Ueppiger Graswuchs ist nur zeitweise -nach den Niederschlägen vorhanden, und diese Niederschläge sind nicht -häufig. Dort im grünen Grase ist sein Verstecken bei seiner grünen -Färbung ein vortreffliches Mittel, um sich den Blicken des Beobachters -zu entziehen. Auf dem mit Sand bestreuten Boden des Käfigs ist das -Sichducken vollkommen zwecklos. - -Vom Kreischen der andern Papageien merkt man beim Wellensittich nichts. -Er singt vielmehr ziemlich leise und ganz angenehm. - -Der größte Vorzug liegt jedoch in dem anmutigen Verhalten des Pärchens, -das wie die Turteltauben das Vorbild eines zärtlichen Ehepaars liefert. -Er ist der opferwillige und allzeit dienstbereite Mann, während sie das -hingebende Weib ist. - -Bei andern Papageien hat man auch Nachkommenschaft erzielt. Aber als -viel größere Tiere brauchen sie dazu einen ziemlichen Raum. Der enge -Käfig genügt ihnen nicht. Am leichtesten gelingt es, wenn man sie frei -ausfliegen läßt. Immerhin muß man die Fortpflanzung anderer Papageien -als Ausnahme betrachten. - -Dagegen kann man von Wellensittichen regelmäßig Nachwuchs erzielen, und -deshalb müssen wir sie zu unsern Haustieren rechnen. - -Sie legen 4 bis 6 Eier. Der Wellensittich hat noch den weiteren Vorzug, -außerordentlich anspruchslos zu sein. Das kommt natürlich daher, weil -er in seiner Heimat fast nur von Grassamen leben muß. - -Wegen der weiten Wanderungen in Australien muß der Wellensittich -ein guter Flieger sein. Ich habe vor 20 Jahren längere Zeit einen -entflohenen Wellensittich im alten Botanischen Garten beobachtet und -mich über seine Flugfertigkeit sehr gefreut. - -Erst seit Mitte des vorigen Jahrhunderts ist der Wellensittich zu uns -gekommen. - - -191. Warum fehlt dem Tiere die Sprache? - -Im Gegensatz zu andern Papageien lernt der Wellensittich nur -ausnahmsweise sprechen. Immerhin soll bei dieser Gelegenheit die so oft -aufgeworfene Frage erörtert werden, warum dem Tiere die Sprache fehlt. - -Die neueste Auflage von Brehms Tierleben kommt zu dem Ergebnis, daß -die Tiere deshalb nicht sprechen, weil sie sich nichts zu sagen haben. -Dieses Ergebnis befriedigt nicht, wie schon an verschiedenen Stellen -hervorgehoben worden ist. Die Tiere haben sich eine ganze Menge zu -sagen. Für alle friedlichen Pflanzenfresser, die in Scharen leben, -ist die Mitteilung, daß Gefahr droht, von der größten Wichtigkeit. -Zu dieser Mitteilung ist aber eine artikulierte Sprache nicht -erforderlich. Es genügt ein Schrei oder ein bestimmter Ausruf, auch -das bloße Benehmen ist genügend. Ergreift das Leittier plötzlich die -Flucht, so wissen die andern Genossen genau, was das zu bedeuten hat. - -Ueberhaupt können die einfachen Bedürfnisse des Tieres fast immer durch -das Benehmen angedeutet werden. Kein Mensch, der in einem Lokale eine -Mahlzeit verzehrt, und dem ein fremder Hund jeden Happen, den er zum -Munde führt, nachzählt -- selbstverständlich im bildlichen Ausdruck -- -ist im Zweifel darüber, was der Hund eigentlich will. Er will etwas -abhaben, und zwar je mehr, desto besser. Ein Schweizer Naturforscher -erzählt von einem gefangenen Adler, daß dieser den Kopf senkte und -dabei mit den Flügeln schüttelte. Sofort verstand er, daß der Adler -baden wollte, und brachte ihm eine Wanne mit Wasser. - -Das Tier hat also keine Sprache, weil es, wie ohne Zweifel feststeht, -auch ohne eine solche bestehen kann. - -Für das freilebende Tier, das im Kampfe ums Dasein steht, wäre aber -die Verleihung der Sprache eher ein Nachteil als ein Vorteil. Alle -Menschen, die gefahrvolle Berufe ausüben, also Seeleute, Luftschiffer, -Soldaten, Fischer, Jäger pflegen einsilbig zu sein. Sie wissen alle, -daß vieles Reden nicht nur ganz überflüssig, sondern sehr schädlich ist. - -Besäßen die Tiere eine Sprache, so kämen sie oft ins Plaudern, und -ein plötzlicher Ueberfall durch einen Feind bildete den Schluß des -Plauderstündchens. - -Dem Tiere fehlt also die Sprache, weil es von ihr fast nur Nachteile -und kaum Vorteile hätte. - -Uebrigens habe ich niemals begreifen können, weshalb der einfache Mann -es bedauert, daß beispielsweise der Hund nicht sprechen kann. Würden -sich denn noch Menschen einen Hund halten, wenn er als Plappermaul -alles in der Nachbarschaft erzählte, was er bei seinem Herrn und seiner -Familie gesehen und erlebt hat? - - - - -Der Goldfisch - - -192. Warum ist der Goldfisch ein beliebter Aquariumfisch? - -In meiner Jugendzeit waren runde, bauchige Glasbehälter mit Goldfischen -sehr beliebt. Jetzt sieht man sie sogar in Aquariumhandlungen selten. - -Im Berliner Tiergarten können wir Goldfische im sogenannten -Goldfischteich beobachten. Allerdings muß man die Stellen kennen, wo -sie sich aufzuhalten pflegen. Ueberdies ist ihre Anzahl jetzt stark -zurückgegangen. - -Wie die Wildenten, so haben auch die Goldfische sehr darunter gelitten, -daß sie vom Publikum nicht mehr gefüttert werden. Früher war es ein -alltäglicher Anblick, eine Unmenge Goldfische zu sehen, die sich um die -zugeworfenen Brocken stritten, während am Ufer die Sperlinge saßen und -sich auf jeden Brocken stürzten, der nicht ins Wasser gefallen war. - -Unter den Goldfischen des Goldfischteichs befanden sich wahre Riesen, -ferner auch Silberfische. Im engen Glase werden die Goldfische -natürlich niemals so groß. - -Als Knabe habe ich allerlei Getier im Aquarium gehalten. Immer wieder -habe ich mich davon überzeugt, daß sie nicht annähernd so ausdauernd -sind wie der Goldfisch. Außerdem ist die Pflege heimischer Tiere viel -umständlicher als die des Goldfisches. Der Goldfisch bekam wöchentlich -einmal reines Wasser und täglich ein paar Ameisenpuppen, sogenannte -Ameiseneier. Dabei hält er sich jahrelang. Berücksichtigt man seine -schöne Farbe, so ist es kein Wunder, daß er ein beliebter Aquariumfisch -ist. - -Der Goldfisch stammt aus China und Japan, wo er seit alter Zeit -gezüchtet wird. Er ist ein Karpfenfisch aus der Gattung Karausche, -der durch die Kunst der Züchter die goldrote Färbung erhalten hat. -Vor zwei- oder dreihundert Jahren kam er nach Europa, wo er bald Mode -wurde. Große Goldfischzüchtereien bestehen in Frankreich, in Schlesien, -Ostpreußen und in Steiermark. - -Außer den Silberfischen züchtet man schwarze und bunte Rassen. Vom -japanischen Goldfisch hat man Fische mit vorstehenden Augen, sogenannte -Teleskopfische, und Schleierschwänze mit doppelten Schwänzen gezüchtet. - - -193. Wie richte ich ein Aquarium ein? - -Die früheren dickbauchigen Goldfischgläser haben drei schwere -Nachteile. Erstens kommt das Wasser mit der Luft nicht an dem -größten Durchmesser des Glases in Berührung. Zweitens fehlen den -Goldfischgläsern die Pflanzen. Drittens muß wegen des Pflanzenmangels -das Wasser allwöchentlich erneuert werden. Zu diesem Zweck müssen die -Tiere herausgenommen werden. In der Regel spielt sich der Vorgang -folgendermaßen ab. Zunächst werden die Fische mit dem Käscher -herausgefangen, was ohne arge Beunruhigung der Tiere unmöglich ist. -Das Wasser im Goldfischglase hat natürlich die Temperatur des Zimmers -angenommen. In der Zwischenzeit kommen sie günstigenfalls in Wasser -mit gleicher Temperatur. Das neue Wasser im Goldfischglase pflegt -ganz frisch aus der Wasserleitung genommen zu werden. Die Fische, -die abermals gefangen werden müssen, benehmen sich infolge des -Temperaturwechsels höchst aufgeregt. Man hält das allgemein für ein -Zeichen des Wohlbefindens, während das Gegenteil zutrifft. - -Nur ein seit Jahrhunderten gezüchteter Fisch, der als früherer Karpfen -an schlechtes Wasser gewöhnt ist, kann jahrelang solche Martern -aushalten. - -Es soll hier nicht von großen teueren Aquarien die Rede sein. Selbst -diejenigen, die aus einem Metallgerüst mit eingekitteten Glasscheiben -bestehen, sollen hier außer Betracht bleiben. Sie erfordern bereits -einen besonderen dreibeinigen Tisch und eine besondere Stellung -am Fenster, so daß sie unter den heutigen Verhältnissen von dem -Durchschnittsmenschen nicht eingerichtet werden können. - -Es soll vielmehr nochmals darauf hingewiesen werden, daß die bisherigen -Goldfischgläser gewissermaßen eine ungewollte Tierquälerei zur Folge -hatten. Darum soll jemand, der überhaupt Wassertiere halten will, unter -allen Umständen viereckige Gläser wählen. Auch kleine Gläser lassen -sich bereits mit Pflanzen besetzen. Die Pflanzen sind aber durchaus -notwendig, weil sie Sauerstoff an das Wasser abgeben und dadurch einen -Wechsel des Wassers nur selten, manchmal gar nicht nötig machen. Ein -sicheres Zeichen, daß das Wasser zu sauerstoffarm ist, besteht darin, -daß die Fische an die Oberfläche kommen, um Luft zu schnappen. - -In den Aquariumhandlungen kann man die für die Pflanzen notwendige -Erde erhalten. Sie besteht gewöhnlich aus guter Moorerde, die mit -Torfgrus gemischt ist. Dieser Mischung sind alter, verwitterter Lehm -und Flußsand zugesetzt. Hierüber kommt eine einige Zentimeter dicke -Schicht von einem Sand, der vorher sorgfältig ausgewaschen ist. In -einer Ecke des Aquariums macht man die Bodenschicht weniger hoch, so -daß sich ein Schlammfang bildet, aus dem mittels eines Gummischlauches -die Futterreste und Unrat entfernt werden. - -Die eingepflanzten Wasserpflanzen müssen zwei bis drei Wochen ohne -Fische stehen, damit sie festwurzeln und das Wasser sich klärt. - -In einem solchen vier- oder mehreckigen Glase mit Pflanzen und Sand -fühlen sich die Tiere wohl und halten sich viel länger als im blanken -Wasser. Jeder Teich, jeder Dorfpfuhl kann Bewohner für ein solches -Aquarium liefern. Der wirkliche Tierfreund kann sich nicht satt -sehen an dem Neuen und an den Schönheiten, die er bei sorgfältiger -Betrachtung selbst bei den unscheinbarsten Geschöpfen entdeckt. - - -194. Der Goldfisch in Redensarten. - -Wie man unter Backfisch ein junges Mädchen versteht, so unter - - *Goldfisch* - -ein Mädchen, das viel Geld in die Ehe bringt. Von dem Freier, der sie -heimführt, sagt man, daß er einen Goldfisch geangelt hat. - - - - -Der Seidenspinner - - -195. Warum ist unsere Seidenraupenzucht zurückgegangen? - -Früher habe ich oft Gelegenheit gehabt, mir die Zucht von Seidenraupen -anzusehen. Jetzt aber konnte ich trotz aller Bemühungen keinen -Seidenraupenzüchter ausfindig machen. In den Zoologischen Handlungen -gab man mir den Bescheid, daß die Seidenraupenzucht aufgegeben sei, -weil die Aufzucht einen Raum von 70 Kubikmetern verlangt. Den hat man -bei der jetzigen Wohnungsknappheit nicht übrig. Alte Seidenhandlungen, -an die ich mich wandte, antworteten mir ähnlich. Eine sehr bekannte -Firma schrieb mir, daß sie Seidenraupenzüchter nur in Baden und -Württemberg kenne. - -Wie in vielen Fällen unser berühmter Zoologischer Garten Hilfe -in der Not gebracht hat, so war in diesem Falle unser ebenso -berühmtes Aquarium der Retter in der Verlegenheit. Wir suchen -diese Sehenswürdigkeit ersten Ranges auf und können uns bei -dieser Gelegenheit die verschiedenen Goldfischarten, z. B. die -Schleierschwänze und Teleskopfische, ferner die Chanchitos und andere -tropische Aquariumfische in der wunderbarsten Beleuchtung ansehen. - -In zwei Kästen wimmelt es von Raupen unseres Maulbeerspinners. Sie -haben etwa die Länge des kleinen Fingers eines Mannes, nur sind sie -nicht so dick. Ihre Tätigkeit scheint in dem Programm zu bestehen: -Fressen, fressen und abermals fressen. Dementsprechend ist auch -die Verdauung. Ueberall sehen wir schwarze Klümpchen auf dem Boden -liegen. Verglichen mit den anderen Seidenspinnern sieht übrigens der -Schmetterling des Maulbeerspinners sehr unscheinbar aus. In einem -Nebenzimmer können wir nämlich die andern Spinnerarten bewundern, den -Eichenseidenspinner Nordchinas, den Ailanthusspinner Chinas und Japans, -den südamerikanischen Spinner _Telea Polyphemus_ usw. - -Die Farbe der Seidenraupe ist perlgrau, die der kleinen Eier ziemlich -ebenso. Eine Menge Kokons können wir erblicken, welche die so -geschätzte Seide liefern. Ein Kokon enthält einen Faden von 1000 bis -3000 Meter Länge. Hiervon ist jedoch nur ein Teil zur Herstellung von -Seide verwendbar. Obendrein müssen mehrere Kokonfäden zusammengedreht -werden, um einen Seidenfaden zu liefern. - -Zu einem Kilo Seide sind 10 Kilo Kokons erforderlich. Ein Kilo Kokons -enthält etwa 2500 Stück. - -Deutschland führt jährlich etwa 11 Millionen Kilo im Werte von -158 Millionen Mark ein, wobei nach der heutigen Valuta der Betrag -entsprechend erhöht werden muß. - -Es wäre sehr wünschenswert, daß ein Teil dieses Materials bei -uns selbst hergestellt würde, zumal die Seidenraupenzucht durch -Kriegsbeschädigte, Frauen und Kinder ausgeübt werden kann. Sie kostet -weniger Mühe als beispielsweise die Bienenzucht. - -Ich entsinne mich, an verschiedenen Stellen unserer Heimatprovinz alte -Maulbeerbäume gesehen zu haben, deren Früchte vortrefflich schmeckten. -Von den Ortseinwohnern erfuhr ich, daß sie im achtzehnten Jahrhundert -auf Anordnung von Friedrich dem Großen angepflanzt seien, um die -Seidenraupenzucht bei uns einzuführen. - -In der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts war sogar die -Seidenraupenzucht bei uns in einer gewissen Blüte. Dann aber brachen -Seuchen unter den Raupen aus, und jetzt ist die Ausbeute sehr gering. - -Es ist das Verdienst von Pasteur, die Gefahr der Seuchen fast beseitigt -zu haben. - -Um in unserem Vaterlande die Seidenraupenzucht wieder zu heben, -ist natürlich in erster Linie die Beschaffung von Futter für -die Seidenraupen erforderlich. Wie schon der Name sagt, ist ihr -zuträglichstes Futter Maulbeerblätter. Als Ersatz kommen Schwarzwurzeln -in Betracht. Viele meinen, daß der Rückgang der Seidenraupenzucht -deshalb eingetreten sei, weil der Maulbeerbaum bei uns nicht aushalte. -Das wird aber von Kennern bestritten, die sich darauf berufen, daß die -Maulbeerbäume sogar den harten Winter von 1916 bis 1917 überstanden -haben. Außerdem liefert nach ihnen der deutsche Maulbeerbaum viel -kräftigeres Futter, so daß schon 7 Kilo Kokons ein Kilo Seide ergeben. - -Um recht bald Futter zu erhalten, ist die Anpflanzung des Maulbeerbaums -in Hecken am zweckmäßigsten. Obendrein ist dadurch das Füttern -erleichtert. - -Hat man Futter, so besorgt man sich seuchenfreie Eier. Manche heizen -das Zimmer, bis eine Temperatur von 22 bis 25 Grad Celsius vorhanden -ist. Andere halten eine Temperatur von 15 bis 18 Grad für durchaus -hinreichend. Das ist bei den heutigen hohen Preisen für Brennstoffe von -großer Wichtigkeit. - -In 10 bis 15 Tagen schlüpfen die jungen Raupen aus den Eiern. Sie -müssen regelmäßig gefüttert und sorgfältig umgebettet werden. Nach -mehrfacher Häutung hört die Raupe auf zu fressen und spinnt sich ein, -wodurch die Kokons entstehen. Die Kokons werden gesammelt, und der -in ihnen befindliche, zum Auskriechen bereite Schmetterling durch -Wasserdämpfe getötet. Würde man die Kokons nicht einer so hohen Hitze -aussetzen, so würde der Schmetterling sich einen Ausweg aus dem -Gespinst bahnen, wodurch der Wert des Gespinstes erheblich gemindert -wird. - -Nur die zu Zuchtzwecken bestimmten Kokons läßt man auskriechen. Die -Schmetterlinge paaren sich und sterben bald darauf, nachdem vorher das -Weibchen Eier gelegt hat. - -Pasteur hat diese Paarung in kleinen Tüllsäcken vor sich gehen lassen. -Nach dem Tode werden die Schmetterlinge untersucht, und nur die Eier -von gesunden Tieren zur weiteren Zucht verwendet. - -Nach dem Besuch unseres Aquariums ersehe ich aus den Zeitungen, -daß bei Wertheim eine Seidenraupenzuchtausstellung stattfindet. -Veranstaltet wird sie von dem Gemeinnützigen Verband für Seidenbau in -Deutschland E. V. zu Berlin-Wilmersdorf, Brandenburgische Straße Nr. 36. - -Von dem Vorhandensein eines solchen Verbandes wußten demnach alle von -mir befragten Stellen nichts. - -Wir begeben uns auch zu dieser Ausstellung, wo etwa das gleiche wie im -Aquarium zu beobachten ist. Nur ist das Material hier umfangreicher. - -Von Wichtigkeit ist, daß der Verband seuchenfreie Eier und -Maulbeerpflänzlinge liefert. Ebenso ist er Abnehmer der Kokons. Auch -kann man von ihm eine Broschüre erhalten, die alles nähere über die -Seidenraupenzucht enthält (Preis 1,25 Mk.). - -Auch in diesem Falle beobachten wir wieder, daß die größte Gefahr von -der unnatürlichen Ansammlung des Unrats herrührt. Unter freiem Himmel -fällt der Unrat der Raupen an die Erde, und die Tiere selbst werden -gar nicht davon berührt. Bei der Zucht im Zimmer muß also für schnelle -Beseitigung gesorgt werden. - -Es seien zum Schluß die Merkworte des genannten Verbandes für die -Seidenraupenzüchter angeführt: Heller, luftiger Zuchtraum. Gleichmäßige -und feuchte Wärme. Schüsseln mit Wasser aufstellen. Sind kalte -Nächte zu befürchten, die Raupen mit Papier bedecken. Regelmäßiges, -reichliches Füttern. Nasses Laub vermeiden. Die Raupen in den Häutungen -nicht stören. Für Zufuhr frischer Luft sorgen, Zuchtraum feucht -aufwischen, nicht fegen. Kranke und tote Raupen entfernen. Ersatzfutter -ist: Kopfsalat, auch im Notfalle Blätter der Schwarzwurzel, wenn einmal -Mangel an Maulbeerlaub eintreten sollte. - - -196. Die Seidenraupe in Redensarten und Sprichwörtern. - -Bekannt ist die Stelle aus Goethes Tasso: - - *Verbiete du dem Seidenwurm zu spinnen.* - -Mit dem Seidenwurm ist natürlich die Seidenraupe gemeint. Der sehr -schöne Gedankengang ist folgender: Wie die Seidenraupe, so macht auch -mancher Mensch von den ihm verliehenen Gaben Gebrauch, obwohl er weiß, -daß er gerade dadurch sein Leben abkürzt. - -Hinken tut der Vergleich dadurch, daß der Wurm nicht sterben, sondern -als Schmetterling sich paaren will. - - - - -Die Biene - - -197. Warum bauen die Bienen im Dunkeln? - -Um uns einen Bienenstock anzusehen, wollen wir wieder unsern alten -Bekannten, Herrn Böhm, aufsuchen, der ein erfahrener Bienenwirt ist und -verschiedene Bienenstöcke hat. - -Herr Böhm, der uns freundlich begrüßt, erzählt uns, daß er auf ein -Schwärmen der Bienen für den heutigen Tag rechnet oder es vielmehr -befürchtet. Er erklärt uns nämlich, daß er ein solches Schwärmen -durchaus nicht wünscht. Er hat, wie er uns erzählt, früher gewöhnliche -deutsche Bienen gehabt, aber fast alle infolge von Seuchen verloren. -Jetzt hat er Heidebienen, die sowieso gern schwärmen. Durch das zu -häufige Schwärmen wird das Volk zu sehr geschwächt. Man schätzt die -Anzahl eines Volkes auf 30- bis 60000 Stück. Selbstverständlich kann -man bei einem Volke nicht jede Biene einzeln zählen. Das wäre ein -sehr mühsames Geschäft. Obendrein müßte man auf zahlreiche Stiche -gefaßt sein. Dagegen kann man einen Schwarm, den man in einem Behälter -gefangen oder »eingeschlagen« hat, wiegen. Zieht man das Gewicht des -Behälters ab und wiegt man eine kleine Anzahl von Bienen, so kann man -ungefähr feststellen, wie groß die Zahl eines Volkes ist. - -Die Ansicht des Herrn Böhm steht also im Widerspruch mit der -landläufigen, wonach, da wir noch im Mai stehen, das Schwärmen ein -großer Vorteil ist. Denn ein alter Spruch sagt: - - Ein Schwarm im Mai - gilt ein Fuder Heu; - Ein Schwarm im Jun', - ein fettes Huhn; - Ein Schwarm im Jul', - kein Federspul'. - -Der Widerspruch ist aber nur scheinbar, denn für schwarmwütige Völker -paßt der Vers vom Mai überhaupt nicht. - -Auch Karo und Hektor haben uns als alte Bekannte freundlich begrüßt, -zumal wir ihnen etwas Gutes mitgebracht haben. Als wir uns jedoch den -Bienenständen nähern, verlassen sie uns. Sie haben anscheinend bereits -üble Erfahrungen mit den Stichen der Bienen gemacht und wünschen nicht, -nochmals gestochen zu werden. - -Wie uns Herr Böhm weiter erzählt, ist ihm das Schwärmen der Bienen auch -aus dem Grunde sehr unerwünscht, weil heute das Durchfüttern der Völker -im Winter eine ganz andere Sache ist als früher. Im Winter tragen die -Bienen naturgemäß nichts ein. Sie müssen alle von den gesammelten -Vorräten leben. Es müssen also gewissermaßen die im Sommer gemachten -Ersparnisse angegriffen werden. Diese sind jedoch bald zu Ende, da -der Mensch den Bienen den größten Teil ihrer Ersparnisse abnimmt. Es -muß also ein Ersatz geschaffen werden, wenn, was häufig der Fall ist, -ungünstige Witterung ein Ausfliegen der Bienen noch nicht gestattet. -Damit die Tiere nicht verhungern, müssen sie also gefüttert werden. -Früher standen dem Imker oder Bienenwirt zu diesem Zwecke der sehr -billige Zucker und der fast wertlose Honig in unbegrenzter Menge zur -Verfügung. Heute sind die Verhältnisse vollkommen geändert worden. - -Wir können uns natürlich kein Urteil darüber erlauben, ob die Angaben -unseres Bekannten zutreffend sind. Jeder Beruf schildert seine -Einnahmen in den schwärzesten Farben. Aber wir wissen, daß Zucker und -Honig gegenwärtig sehr teuer sind. - -*Darüber kann wohl kein Zweifel bestehen, daß die Bienenwirtschaft --- mehr als 2 Millionen Stöcke -- für Deutschland von der größten -Bedeutung ist. Von ihr hängt unsere Obsternte ab, da die Bienen durch -den Besuch der Blüten die Befruchtung vermitteln. Ferner brauchen Raps, -Rübsen, Klee und andere Nutzarten ebenfalls die Bienen.* - -Wir sind in der Nähe des Bienenstocks angelangt und müssen uns -natürlich auf einen Bienenstich gefaßt machen. Herr Böhm erklärt uns -näher, aus welchen Anzeichen er auf ein Schwärmen der Bienen schließt. - -Einmal seien die Bienen sehr aufgeregt. Bei regelmäßig arbeitenden -Bienen kann man ein gemessenes Benehmen beobachten. Außerdem seien -sonst niemals eine solche Menge von Bienen auf den Flugbrettern zu -sehen. - -Sodann sei das Wetter zum Schwärmen sehr geeignet. - -Das sind nach seinen Angaben nur Wahrscheinlichkeiten für ein -beabsichtigtes Schwärmen. Viel sicherer ist das sogenannte Tüten -der alten Königin und das sogenannte Quaken der neuen Königin. Zwei -Königinnen bekämpfen sich nämlich auf Tod und Leben oder eine wandert -aus. - -Wir begeben uns nach der Hinterseite des Bienenstockes, um uns durch -eine Glasscheibe das Leben und Treiben der Bienen näher anzusehen. - -Es ist wohl allgemein bekannt, daß die Bienen Waben aus Wachs bauen, -die aus ganz regelmäßigen sechseckigen Zellen bestehen. Ist es schon -ein Wunder, daß Tiere, und obendrein auf der untersten Stufe des -Tierreichs stehende Insekten, ein solches Kunststück vollbringen, das -dem klugen Menschen nicht leicht fallen würde, so wird unser Erstaunen -dadurch gesteigert, wenn wir sehen, daß die Bienen diese Bauten im -Dunkeln ausführen. - -Wir Menschen sind der Ansicht, daß, wenn man eine so kunstvolle -Arbeit ausführt, man gar nicht Licht genug beim Arbeiten haben kann. -Die Bienen aber führen dieses Kunstwerk aus ohne die geringste -Beleuchtung. Ja, wenn der Mensch ihnen, um ihnen die Arbeit zu -erleichtern, Licht beschafft, so wollen sie von der Beleuchtung nichts -wissen und bauen nicht. - -Wir wissen schon, was wir tun müssen, um eine Erklärung für dieses -Rätsel zu finden. Wir müssen fragen: Wie bauen die wilden Bienen? Da -erhalten wir die übereinstimmende Antwort, daß sie in den dunkeln -Höhlungen von Baumstämmen ihr Heim aufschlagen. - -Die Bienen haben also seit Urzeiten im Dunkeln ihre Bauten ausgeführt. -Als der Mensch die Bienen wegen des Wohlgeschmacks des Honigs als -Haustiere gewinnen wollte, da hat er ihnen zunächst eine Wohnung -ebenfalls in Baumstämmen, in sogen. Beuten, angewiesen. - -Solche Bienenstöcke in Baumstämmen waren sehr naturgemäß, aber sie -hatten den Nachteil, daß man sie häufig nicht in der Nähe hatte. Da war -also ein Bienenhaus schon bequemer. Denn ein solches konnte man als -Ersatz für den Baumstamm auf seinem Grundstück errichten. Am bequemsten -ist natürlich ein Bienenkorb, weil er im Gegensatz zum Baumstamm -beweglich ist. Bienenkörbe kann man also von Ort zu Ort bringen. Das -ist besonders für den Bienenwirt von größter Wichtigkeit, der seine -Bienen nach Stellen hinbringt, wo das Einsammeln von Honig besonders -günstig ist. Beispielsweise geschieht das in Heidegegenden, wenn das -Heidekraut blüht. - -Die Bienen bauen also heute noch im Dunkeln, weil sie seit Urzeiten in -dunkeln Höhlungen gebaut haben. - - -198. Wann stechen die Bienen am meisten? - -Herr Böhm erzählt uns weiter, daß er für seine Person sich gegen -Stiche so gut wie gar nicht schützt. Es kommt nur ausnahmsweise vor, -daß er von seinen Bienen gestochen wird. Nach seinen Beobachtungen -sind die Bienen am stechlustigsten, wenn ihre Brut gefährdet ist, man -also Zellen, die Brut enthalten, zu beseitigen sucht. Sodann sind sie -vor Ausbruch eines Gewitters sehr zum Stechen geneigt. Dagegen sind -sie viel weniger stechlustig, wenn sie sich zum Schwärmen anschicken. -Im übrigen ist ihm noch aufgefallen, daß Personen, die schwitzen, -viel leichter gestochen werden als andere. Ebenso werden Frauen eher -gestochen als Männer. Menschen in weißen Hemden oder überhaupt in -hellen Kleidungen werden ebenfalls viel häufiger gestochen als andere. - -Es ist nicht leicht, für die verschiedene Stechlust der Bienen eine -Erklärung zu geben. Es ist anzunehmen, daß die Bienen den Imker mit der -Zeit kennenlernen und ihn deshalb mit ihren Stichen verschonen. Hierzu -haben sie insofern begründete Veranlassung, als ihnen ihre Waffe teuer -zu stehen kommt. Der Stich kostet ihnen selbst das Leben, was nach -unseren Begriffen höchst unzweckmäßig ist. Wer wird einen Gegner in -einen Abgrund stürzen, wenn er weiß, daß er selbst von ihm in die Tiefe -mit hinabgerissen wird? - -Da eine Biene überhaupt nur sechs Wochen lebt und ein Volk, wie wir -wissen, aus 30- bis 60000 Bienen besteht, so ist es klar, daß ein -Bienenleben gar keine Rolle spielt. Die Biene soll nicht nutzlos -stechen, und das geschieht am besten dadurch, daß ihr der Stich selbst -das Leben kostet. - -Der Stachel mit dem Widerhaken bleibt nämlich sitzen, da er nicht -zurückgezogen werden kann. So verliert die Biene das Ende ihres -Hinterleibes, was ihren Tod zur Folge hat. Wenigstens ist das -allgemeine Ansicht. - -Es ist merkwürdig, daß die Wirkung des Bienenstiches bei den einzelnen -Menschen sehr verschieden ist. Die Imker sind dagegen immun oder -gefeit, weil sie gewöhnlich bei ihnen gar keine Wirkungen hervorrufen. - -Da fast alle Tiermütter sich für ihre Nachkommen opfern, so ist es -nicht wunderbar, daß es auch die Bienen tun. - -Die Stechlust vor dem Gewitter dürfte sich in folgender Weise erklären: -Die Bienen haben ein Vorgefühl dafür, daß Regen kommen wird. Der Regen -hindert sie am Eintragen. Daher haben sie es besonders eilig, um vorher -noch alles zu schaffen, und empfinden Störungen besonders unangenehm. - -Es ist merkwürdig, daß die Biene auf schwitzende Menschen erbost -ist. Man sollte annehmen, daß sie, die als Muster des Fleißes gilt, -den schwitzenden Menschen besonders liebt. Uebrigens macht man bei -Wanderungen im Sommer ähnliche Beobachtungen. Sobald man in Schweiß -gerät, wird man von den Mücken besonders überfallen. Das kommt -sicherlich daher, daß ein schwitzender Mensch eine besonders starke -Ausdünstung hat. Die Biene hat einen äußerst feinen Geruch, was man -aus verschiedenen Umständen schließen muß. Wir werden gleich darauf -zu sprechen kommen. Die Biene hat also entweder Abneigung gegen -Schweißgeruch oder sie riecht einen fremden schwitzenden Menschen -sofort und sticht naturgemäß ihn eher als andere Menschen. - -Weiße Gegenstände üben auf alle Insekten große Anziehungskraft aus. Das -weiß die Hausfrau sehr wohl von ihrer Wäsche, die sie auf dem Rasen -ausgebreitet hat. - -Ein ausziehender Schwarm ist deshalb nicht so stechlustig, wie man -meinen sollte, weil er eine neue Wohnung sucht. Wer neue Verhältnisse -aufsucht, ist auf Störungen gefaßt und wird gegen sie nicht sehr -empfindlich sein. - -Herr Böhm erklärte die größere Stechlust der Bienen gegen Frauen -damit, daß sich die Bienen häufig in den langen Haaren der Frauen -verwickelten. Sie werden dann ganz rasend, weil die Frauen, anstatt -ruhig zu bleiben, nach den Bienen schlagen, wodurch sie noch -aufgeregter werden. - -Diese Ansicht mag richtig sein. Vielleicht liegt aber noch ein anderer -Grund vor. - -Ich bin selbst nur einige Male gestochen worden, und ausgerechnet -jedesmal im Sommer, wo ich kurzgeschorenes Haar trug. Von einem -Verwickeln der Bienen konnte gar keine Rede sein, denn in Haaren von -zehn Millimeter Länge kann sich keine Biene verheddern. Da bin ich -zu der Ueberzeugung gekommen, daß hier die Angriffslust aus der -Lebensweise der wilden Biene zu erklären ist. - -Die wilde Biene hat als gefährliche Feinde unter den Säugetieren bei -uns Bär und Marder, in heißen Ländern wahrscheinlich die Affen. Haarige -Gestalten, die sich dem Bienenkorb nähern, können also die Wut der -Bienen erregen. Es genügen aber schon haarige Stellen am menschlichen -Körper. - -Die Biene verheddert sich also nicht im Frauenhaar und sticht deshalb, -sondern die üppigen Haare der Frauen lassen in den Bienen die Wut gegen -ihre alten Feinde mit der langen Behaarung wach werden. Sie fliegen auf -die haarigen Stellen zu und suchen zu stechen. - - -199. Sollen Frauen Imkerinnen werden? - -Absichtlich bin ich auf die Frage, weshalb die Frauen eher als Männer -gestochen werden, etwas näher eingegangen. Es handelt sich ja für -zahllose Frauen um eine Lebensfrage. Man sollte meinen, daß ein Beruf, -der keine schwere Arbeit erfordert und obendrein süßen Lohn einbringt, -fast ausnahmslos von Frauen ausgeübt wird. In Wirklichkeit liegt die -Sache genau umgekehrt. Die Zahl der Bienenwirtinnen ist auffallend -klein. - -Mir ist von ernsten Männern erzählt worden, daß Frauen, die einen -Schwarm einfangen wollten, von den Bienen totgestochen worden sind. -Deshalb seien Frauen überhaupt nicht als Imkerinnen geeignet. - -Es ist nun denkbar, daß Frauen mit unbedecktem, langem Haar die Wut der -Bienen aus dem vorhin erwähnten Grunde erregt haben. Aus Erfahrung weiß -ich, daß Frauen viel häufiger als Männer gestochen werden. Auch habe -ich noch niemals gesehen, daß eine Frau einen Schwarm eingeschlagen hat. - -Wenn die Bienen nur deshalb auf die Frauen wütend sind, weil sie langes -Haar besitzen, so könnte die Gefahr für die Frauen leicht beseitigt -werden. Sie brauchten es nur ganz sorgfältig zu verstecken, etwa in -einer Badekappe. - -Jedenfalls sollen auch die Männer, wenn sie sich dem Bienenstocke -nähern, ihren Kopf bedecken. Das ist um so angebrachter, je üppiger das -Haar ist. - -Das Verstecken der Haare in eine Kapuze müßte für alle Fälle bei den -Frauen von Vorteil sein. Werden die Frauen nicht mehr gestochen, so -wird Herr Böhm, und werden es die andern Imker damit erklären, daß -sich die Bienen nicht mehr in den langen Haaren verwickeln können. -Ich glaube dagegen, daß hier derselbe Fall vorliegt, wie beim Stier -und dem roten Tuch oder dem Truthahn und der roten Farbe, nämlich die -Erinnerung an einen früheren Feind. - -Uebrigens könnte man der wirklichen Ursache leicht auf den Grund -kommen. Sind die Bienen deshalb stechlustig, weil haarige Stellen -sie an ihre alten Feinde erinnern, so ist es sehr unzweckmäßig, wenn -der Imker einen großen Vollbart trägt. Es wäre für ihn vielmehr -vorteilhaft, stets glatt rasiert zu gehen. Durch Umfrage bei den Imkern -muß sich feststellen lassen, ob solche mit Vollbärten mehr gestochen -werden als solche, die keinen Bart oder nur einen Schnurrbart tragen. - - -200. Mit welchen Sinnen sucht die Biene die Blüten auf? - -Der Mensch gebraucht, wie wir wissen, in erster Linie seine Augen, um -einen Gegenstand zu finden. Die Nase kommt dabei nur ausnahmsweise in -Betracht. - -Die Tiere sind dagegen in der Mehrzahl Nasentiere, die ihre Nahrung -durch den Geruch suchen. - -Von dem feinen Geruch der Bienen erzählt uns Herr Böhm folgendes -Beispiel. Er hatte eine neue Wasserleitung angelegt, aber sie gab noch -kein Wasser. Da fiel es ihm auf, daß die Bienen an einem heißen Tage -zu dem Wasserleitungshahne flogen. Als er nachsah, stellte er fest, -daß inzwischen der Anschluß erfolgt war. Da der Hahn nicht ganz fest -geschlossen war, so befanden sich in seinem Innern bereits einige -Wassertropfen. Diese Tropfen, die ganz verborgen waren, hatten die -Bienen gewittert. - -Aehnliche Beobachtungen habe ich ebenfalls gemacht. Die verwandten -Wespen zeigen gleichfalls ein erstaunliches Geruchsvermögen. Wird ein -Konfitürengeschäft eröffnet, das Süßigkeiten ausstellt, so finden sich -selbst in der Großstadt sofort Wespen ein. - -Der Geruchsinn ist ohne Frage der Grundsinn bei den Bienen. Schon das -Ausräuchern der Bienen als Mittel zu ihrer Vertreibung beweist die -Empfindlichkeit ihres Geruchsorgans. - -Aber die Augen sind natürlich auch von Bedeutung. Deshalb ist es nicht -wunderbar, daß sich die Bienen von Farben leiten lassen. Blau scheinen -sie ganz besonders zu lieben. Dann folgt weiß, gelb, rot, grün und -orange. - -Wollten die Pflanzen Bienen allein durch ihren Duft anlocken, so hätten -sie bei ungünstigem Winde wenig Erfolg. Ihre Farbenpracht ist also -durchaus zweckmäßig. - - -201. Die Feinde der Bienen. - -Ein Rotschwänzchen, das sich in unserer Nähe zeigt, gibt uns Anlaß, -Herrn Böhm über die Schädlichkeit mancher Insektenfresser als Feinde -der Bienen zu befragen. - -Herr Böhm ist ein großer Freund der Singvögel, wie wohl die meisten -Menschen, und glaubt, daß das Rotschwänzchen nur matte Bienen, die -sowieso keinen Wert haben, fange. Nach seinen Beobachtungen kann ein -Rotschwänzchen gesunde Bienen nicht fangen. - -Ich bin ebenfalls ein großer Freund der Singvögel, muß jedoch zu diesen -Beobachtungen ein großes Fragezeichen machen. - -Unsere Singvögel sind in der Mehrzahl Insektenfresser. Es ist uns sehr -lieb, daß sie Insekten fressen. Im Gegenteil; wie bei den Feinden der -Nager ist es auch hier unser Wunsch, daß die Vögel recht unter den -Insekten aufräumen. - -Wie wir aber verlangen, daß frühere Raubtiere eine Ausnahme mit dem -Kaninchen machen, obwohl es ein Nager ist, so fordern wir eine solche -Ausnahmestellung auch bei den Bienen, obwohl sie zu den Insekten -gehören. - -Manche Imker denken nicht so milde wie Herr Böhm. Sie verlangen, daß -alle Tiere, die eine Biene fangen, auf die Liste der schädlichen -Tiere gesetzt werden. Es sind das vielfach solche, die sonst zu den -nützlichsten Geschöpfen gerechnet werden, also z. B. Schwalben, -Spechte, Meisen, das schon erwähnte Rotschwänzchen, ferner Störche, -Würger, Bienenfresser, Wespenbussarde, sodann die sonst so nützliche -Spitzmaus und die ebenfalls sehr nützliche Kröte. Unter den Insekten -hat die Biene folgende Feinde: Hornissen, Wespen, Bienenwölfe, -Maiwürmer, Bienenkäfer, Bienenbuckelfliegen, Wachsmotten, Bienenläuse -und andere. - - -202. Die Rassen der Honigbiene. - -Herr Böhm hat, wie wir schon erwähnten, Heidebienen. Er ist aber gar -nicht von ihnen entzückt, weil sie zu schwarmwütig und stechlustig sind. - -Erfahrene Bienenkenner weisen darauf hin, daß die deutschen Imker mit -der Einführung fremder Bienen einen großen Fehler begangen hätten. Da -die geschlechtslosen Arbeiterinnen sich nicht vermehrten, so sei die -Haupttätigkeit auf die Zucht der Drohnen und der Königinnen zu legen. -Es müsse nach den Grundgesetzen der Tierzucht aus den deutschen Bienen, -die für unser Klima am besten passen, eine schwarmträge Rasse gezüchtet -werden. - -Außer der deutschen einfarbigen Honigbiene gibt es noch die bunte -südeuropäische Biene. Namentlich ist hiervon die italienische Biene -bekannt, die in der Mitte des vorigen Jahrhunderts bei uns eingeführt -wurde. Sonst gibt es noch die ägyptische, afrikanische, chinesische, -indische Biene usw. - -Die Heidebiene ist eine Unterart der deutschen Biene und unterscheidet -sich durch eine dunklere Färbung von ihr, die nicht so schwarmwütig -ist. Einen Uebergang zu der bunten Bienenrasse bildet die nordische -Biene, die wegen ihrer Sanftmut beliebt ist. Ebenso sanftmütig ist die -zwischen beiden stehende kaukasische Rasse. Ist die italienische Biene -bei uns naturgemäß wenig winterhart, so ist die ihr verwandte cyprische -Biene obendrein noch sehr bösartig und schwarmwütig. - -Die Biene gehört zu den Insekten und zwar zu der Ordnung der -Hautflügler. Das Bienenvolk besteht außer den geschlechtslosen -Arbeiterinnen aus Drohnen und der Königin. Die Königin ist größer -und hat einen längeren Hinterleib. Sie sorgt mit den Drohnen für die -Fortpflanzung des Volkes, indem sie einige Tage nach dem Ausschlüpfen -ihren Hochzeitsflug unternimmt, auf dem sie befruchtet wird. Sie legt -Eier, und zwar entstehen aus den befruchteten Eiern Arbeiterinnen und -Königinnen, aus den unbefruchteten Eiern Drohnen. Es wird je ein Ei in -eine Zelle gelegt -- gestiftet, wie der Imker sagt -- und zwar kann die -Königin in vierundzwanzig Stunden bis zu 3000 Stück Eier legen. - -Die Königin ist also der Mittelpunkt des Ganzen. Schwärmende Bienen -lassen sich ruhig einfangen, wenn die Königin dabei ist. Andernfalls -fliegen sie fort. - -Nach drei Tagen schlüpfen aus den Eiern Larven, die später Bienen -werden. Die Entwicklungszeit der Königin dauert 16, die der -Arbeitsbienen 21, die der Drohnen 24 Tage. - -Die Königin kann 5 Jahre alt werden, die Arbeitsbienen leben, wie schon -erwähnt wurde, nur etwa 6 Wochen. Ausnahmen bilden die im Herbste -erbrüteten Bienen, die den Winter überdauern. Die Drohnen sterben im -August in der sogen. Drohnenschlacht. - -Die ganze Arbeitslast des Bienenvolkes wird von den verkümmerten -Weibchen geleistet, die deshalb Arbeiterinnen heißen. Sie füttern die -Brut, sie lecken den Blumennektar auf, der sich in ihrem Magen in -Honig verwandelt, und tragen ihn in die Zellen ein. Nicht so gut ist -der Honig von Blattläusen. Die Hinterbeine der Arbeitsbienen sind mit -Körbchen und Bürstchen ausgestattet, mittels deren sie den Blütenstaub -zu den Zellen bringen und dort abfegen. Zum Stopfen der Ritzen tragen -sie Harz oder Stopfwachs ein, das sie von den Knospen der Kastanien und -anderer Bäume holen. - -Die Arbeitsbienen bauen die Zellen aus Wachs, das sie aus den -Leibesringen ausschwitzen. Die Zellen werden wagrecht auf der -Mittelwand der Wabe errichtet, die ihrerseits stets senkrecht -steht. Die Zelle zur Ausbrütung der Königin ist besonders groß und -eichelförmig. - -Sehr wichtig ist es, daß bei dem Nichtvorhandensein einer Königin aus -der Larve einer Arbeiterin durch besonders reichliche Fütterung eine -neue Königin erzogen werden kann. - -Es wurde bereits erwähnt, daß die sechseckige Form der Zellen von jeher -das Erstaunen der Menschen erregt hat. Die meisten erblicken darin -einen Beweis der besonderen Klugheit der Bienen. Andere behaupten -dagegen, daß hiervon keine Rede sein könne. Denn aus dem gemeinsamen -Bauen der Bienen ergebe sich mit Notwendigkeit diese Form. - -Die Waben der heutigen Imker sind häufig beweglich. Herr Böhm nimmt sie -heraus und zeigt sie uns. Das ist nicht immer der Fall gewesen, wie -wir schon eingangs erwähnt haben. Ursprünglich ließ man die Bienen in -ausgehöhlten Baumstämmen, sogen. Klotzbeuten, hausen. Noch heute gibt -es in Westpreußen Beutekiefern. Zu einem wirklichen Haustier aber ist -die Biene erst durch die bewegliche Wabe geworden, die in der Mitte des -vorigen Jahrhunderts durch Dzierzon und Berlepsch erfunden wurde. - -Durch eine Schleudervorrichtung wird der Honig aus den Waben -geschleudert. Je nach der Gegend und der Stärke des Stockes läßt der -Imker den Bienen bis zu 20 Pfund Honig für den Winter. - -Im Gegensatz zum Zucker wird der Honig sofort verdaut. Die Alten haben -nicht so ganz Unrecht gehabt, daß sie die heilsame Wirkung des Honigs -immer wieder betonten. Keine Nahrung soll das Leben so verlängern wie -der Honig. - - -203. Sind die Bienen fleißig? - -Wenn wir das Gewimmel und die aufopfernde Tätigkeit der Bienen -mit eigenen Augen sehen, wie sie eintragen und wieder eilend -fortfliegen, um dem Volke neue Nahrung zu bringen, dann ist es uns -ganz verständlich, daß man schon im Altertum den Staat der Bienen den -Menschen als Muster vorgehalten hat. Wie die Ameisen, die ohne Ansporn -immer tätig sind, so scheinen auch die Bienen einen vorbildlichen Fleiß -zu bekunden. - -Auch hier fragt es sich, ob wir nicht menschliche Vorstellungen in -die Tierwelt hineintragen, wo sie gar nicht hinpassen. Das Bienenvolk -wie der Ameisenstaat bestehen aus einem fortpflanzungsfähigen Wesen. -Die einzelne Biene pflanzt sich nicht fort. Das ist ein grundlegender -Unterschied zu allen andern Geschöpfen. Mit Recht nennt der Imker das -ganze Volk »der Bien«. Wie andere Geschöpfe aus zusammenhängenden -Zellen bestehen, so der Bien ebenfalls aus Zellen, aber im Gegensatz zu -sonstigen Geschöpfen aus beweglichen Zellen. - -Ist aber die einzelne Biene gar kein selbständiges Geschöpf, sondern -nur eine bewegliche Zelle, dann kann man ihr weder Lob noch Tadel -erteilen. Wir loben unser Herz nicht, weil es Tag und Nacht schlägt, -ebenso unsere Lungen nicht, die unermüdlich von früh bis spät und -selbst die Nacht hindurch für frische Luft sorgen. Hat schon jemand den -Magen gelobt, weil er fleißig verdaut? - -Es sprechen folgende Umstände dafür, daß die Biene kein selbständiges -Geschöpf ist. - -1. Wie der Mensch einzelne Zellen für das Ganze opfert, -- um nicht -auf den Kopf zu fallen, hält er die Arme vor --, so opfern sich die -einzelnen Bienen für das Ganze. - -2. Unsere Zellen arbeiten Tag und Nacht. Geht man zur Nachtzeit in das -Bienenhaus -- was ich oft gemacht habe --, so sieht man die Bienen auch -nachts in reger Tätigkeit. - -3. Unser Körper kapselt eingedrungene Kugeln, die er nicht durch -Schwären hinausbekommen kann, ein. Genau so kapselt der Bien -eingedrungene Tiere, z. B. Mäuse, ein. - -4. Um die Bienenkönigin dreht sich alles. Bei andern selbständigen -Geschöpfen kommt ähnliches nicht vor. Ist die Königin der Kern des -Biens, dann ist alles verständlich. Dann ist das Schwärmen die Geburt -eines neuen Biens. - -Wer die Biene als selbständiges Geschöpf bezeichnet, wird für die -Drohnenschlacht kaum eine Erklärung haben. Die Tötung der wehrlosen -Männchen erscheint mit dem sonstigen Benehmen der fleißigen Geschöpfe -ganz unvereinbar. - -Ist dagegen das ganze Bienenvolk nur ein Geschöpf, dann ist die -Drohnenschlacht, wie ich in meinen Büchern ausführlich begründet habe, -ein ganz naturgemäßer Vorgang. - -Die Frage, ob die Bienen fleißig sind, läßt sich also nicht so -ohne weiteres bejahen. Vom Standpunkte des Menschen aus sind sie -unzweifelhaft fleißig. Aber dieser Standpunkt kann sachlich nicht -begründet sein. - -Wir verabschieden uns jetzt von Herrn Böhm, zumal seine Befürchtung -wegen des Schwärmens unbegründet zu sein scheint, und weil wir uns noch -die im Aquarium befindlichen Bienenstöcke ansehen wollen. - -Hier kann der Besucher noch besser die Tätigkeit der Bienen beobachten, -da die Zugänge zum Stock mit Glas überdeckt sind. In dem einen Zugang -liegen vier tote Bienen. Von dem vielgepriesenen Reinlichkeitssinn der -Bienen kann man in diesem Falle nichts bemerken. Jede Biene bleibt bei -der toten Genossin eine Weile stehen und beschnüffelt sie anscheinend. -Dann geht es eilends weiter. Von einem Fortbringen der Leichen ist -keine Rede. - -Wahrscheinlich ist die Handlungsweise der Bienen ganz berechtigt. Sie -werden sich sagen, daß das Fortbringen der Toten auch in der Nacht -geschehen kann. Dagegen ist das Eintragen von Honig gerade jetzt, wo -die Linden so schön zu blühen anfangen, in der Dunkelheit nicht möglich. - -Vor dem Einflugsloch befindet sich ein Brettchen, und dicht daneben -ein gleichartiges. Niemals irrt sich eine Biene beim Zufliegen in -dem Brettchen. Der Ortssinn der Bienen muß also ganz wunderbar sein. -Hierüber habe ich schon manchmal gestaunt. - -So wohnte ich vor vielen Jahren bei einem befreundeten Bienenzüchter. -Dieser verkaufte die Hälfte seines Grundstückes. Infolgedessen mußte -der Bienenstand eine andere Stelle erhalten. Tagelang aber flogen die -Bienen zunächst nach der ganz leeren Stelle, wo er früher gestanden -hatte. - -Die Tiere müssen also, wie immer wieder hervorgehoben werden muß, zu -dem Raume in einem ganz anderen Verhältnis stehen wie der Mensch. - -Zum Vorgang des Schwärmens, den wir leider nicht selbst beobachten -konnten, sei bemerkt, daß die Bienen wie eine Wolke dahinziehen und -sich traubenförmig an einem Aste niederlassen. Der Imker, der sich -gewöhnlich Kopf und Hände durch Vorrichtungen schützt, dabei auch -raucht, steigt auf eine Leiter und bringt den Schwarm vorsichtig in -einen Eimer oder in ein anderes Gefäß. - - -204. Warum werden Pferde besonders leicht von Bienen gestochen? - -Bereits im Altertum ist es aufgefallen, daß Pferde leicht Gefahr -laufen, von Bienen gestochen zu werden. Es ist mir nicht bekannt, daß -andere Haustiere von Bienen getötet worden sind, aber von Pferden ist -es mir wiederholentlich berichtet worden. Ein bekannter Naturforscher -führt folgende Fälle an: 1. Im Jahre 1820 fuhr ein Freund von mir -von Berlin nach Wittenberg. Nicht weit von Schmögelsdorf fiel ein -Bienenschwarm aus unbekannter Ursache wie rasend über die Pferde her. -Das eine wurde totgestochen, das andere starb am folgenden Tage. 2. -Am 24. Mai 1854 hielt der Bauer Meier vor der Wohnung eines Bauern zu -Wotersen auf der Landstraße mit einem Viergespann, als plötzlich die -aus etwa sieben Stöcken kommenden Bienenschwärme sich gleichzeitig auf -die Pferde warfen. Das erste erlag sogleich den Stichen, die übrigen -starben teils an demselben Tage, teils am folgenden. Alle Versuche zur -Vertreibung der Bienen durch Abschießen von Pulver und Uebergießen mit -kaltem Wasser blieben erfolglos. Die Bienen desselben Bauern hatten -schon früher an derselben Stelle zwei Pferde getötet. - -Man versteht hiernach, daß unsere Vorfahren nicht so unrecht hatten, -wenn sie die Biene als »wilden Wurm« bezeichneten. Vier Pferde auf -einen Schlag zu verlieren, ist namentlich bei den heutigen Preisen für -Pferde gewiß keine Kleinigkeit. - -Die Fälle sind deshalb fast wörtlich angeführt, damit ersichtlich wird, -daß die Pferde zu dem Angriff der Bienen nicht den geringsten Anlaß -gegeben haben. Sie waren auf der Landstraße und haben, wie immer, ihren -regelmäßigen Dienst getan. Bei der Schilderung der Fälle ist auch nicht -einmal der Versuch gemacht worden, das Verhalten der Bienen zu erklären. - -Ich komme auf meine bereits im Kap. 198 geäußerte Ansicht zurück. Das -Pferd, das regelmäßig braun sein wird, erinnert die Bienen an ihren -Todfeind, den Honigbären. Uebrigens gibt es in Europa Bären von der -verschiedensten Färbung, wie mir die Felle, die mir ein bekannter -Bärenjäger gezeigt hat, beweisen. Das Pferd ist also auch gefährdet, -wenn es nicht braun ist. - -Der Hund mit seinem zottigen Haar wäre auch gefährdet. Aber die -Hundeartigen kennen aus früheren Zeiten die Gefahren durch Bienenstiche -und ziehen sich rechtzeitig zurück. Ebenso kennen Wildrinder und -Wildschafe in ihrer Heimat wilde Bienen und benehmen sich entsprechend. -Auch scheinen die Bienen die Ungefährlichkeit der Wiederkäuer zu kennen. - -Dagegen kennt das Pferd keine Wildbienen, weil es in der Steppe kaum -Bienen gibt. Umgekehrt wissen die Bienen nicht, daß sie von den Pferden -nichts zu fürchten haben. - -Da die Pferde gewöhnlich angeschirrt sind, so sind sie wehrlos den -Stichen der Bienen preisgegeben. - -Die Bienen haben allen Grund, auf den Bären erbost zu sein. Ein -Deutscher, der ein Menschenalter hindurch in Rußland Oberförster war, -schildert die Angriffe des Bären auf Bienenstöcke in folgender Weise: - -In Rußland hat gewöhnlich jeder Buschwächter einige Bienenstöcke, die -im Laufe des Sommers auf großen, alten Kiefern angebracht werden, wo -sie bis zum Spätherbst bleiben. Findet nun Meister Petz zufällig einen -Baum und merkt, daß da oben etwas zu holen ist, so steigt er hinauf und -fängt an, den Bienenstock zu bearbeiten, und wirtschaftet so lange, bis -er ihn entweder öffnet oder losreißt und vom Baume wirft. Obgleich der -ganze Bienenschwarm über ihn herfällt, kümmert er sich wenig darum, -denn durch seinen Pelz dringt wohl selten ein fühlbarer Stich, die -Augen drückt er zu, und über die Nase fährt er mit der Pranke; also -arbeitet er unter dem Gesumme der Bienen, ohne besonders belästigt zu -werden. Hat nun der Bär einmal den Honig geschmeckt, dann wehe allen -Bienenstöcken, wenn er sie ausfindig macht. So lautet der Bericht -unseres Gewährsmannes. - -Der Name Honigbär für unseren braunen Bären ist also ganz zutreffend. -Die Bienen sind machtlos gegen ihn, da er seine empfindliche Nase durch -die vorgehaltene Pranke schützt. - -Es kann also leicht sein, daß die Bienen das Pferd mit ihrem Erzfeinde, -dem Bären, verwechseln. Dann wäre die Tötung von Pferden durch Bienen -erklärlich. - -Es würde sich für alle Pferdebesitzer daraus der wichtige Rat ergeben, -vor Bienenstöcken lieber einen kleinen Umweg zu machen. - - -205. Die Biene in Redensarten und Sprichwörtern. - -Erwähnt wurde bereits, daß die alten Deutschen die Biene einen -wilden Wurm nannten. Ebenso ist der Spruch über das Schwärmen in den -verschiedenen Monaten wiedergegeben. Sonst ist noch die Redensart -üblich: - - *Der Bien muß.* - -Im Grimmschen Wörterbuch finde ich diese Redensart nicht angeführt. -Gewöhnlich heißt es, daß in einem Lügenmärchen von Bienen erzählt wird, -die so groß wie Schafe sind. Auf die erstaunte Frage, wie die Bienen -bei dieser Größe durch das enge Flugloch in den Bienenstock gelangen, -wird die vorstehende Redensart als Antwort erteilt. - -[Illustration: Bienenwabe mit Brut in verschiedenen -Entwicklungszuständen] - -[Illustration: Die Geschlechter der Bienen - - 1 Königin 2 Arbeiterin 3 Drohne] - -[Illustration: Korbbienenstand] - - - - -Die nähere Begründung der hier ausgesprochenen Ansichten ist in -nachstehenden Büchern zu finden: 1. Ist das Tier unvernünftig? 2. -Tierfabeln. 3. Straußenpolitik. 4. Streifzüge durch die Tierwelt. -5. Das Pferd als Steppentier. Sämtlich bei Franckh in Stuttgart -erschienen. Ferner in 6. Diktatur der Liebe. Bei Hoffmann u. Campe, -Berlin. 7. Welche Fingerzeige gibt uns die Lebensweise des Wildschweins -für die Behandlung, Züchtung und Fütterung des Hausschweins? Verlag der -Vereinigung deutscher Schweinezüchter, Berlin W., An der Apostelkirche -1. 8. Was können wir aus der Lebensweise der Wildschafe zur Hebung der -Schafzucht lernen? Bei Hosang u. Co., Hannover. - - - - -Inhaltsangabe. - - - Seite - - Vorwort 3 - - Der Hund 5 - - 1. Warum bellt der Hund? 5 -- 2. Warum bellt der Hund sich drehende - Räder an? 8 -- 3. Das Fressen unappetitlicher Sachen 10 -- 4. Das - Lappen des Wassers mit der Zunge 11 -- 5. Der Platz in der Sonne - und am warmen Ofen. Das Sich-herumdrehen vor dem Hinlegen 12 -- 6. - Das Alter des Hundes 13 -- 7. Die Rassen (Unterarten) des Hundes - 16 -- 8. Der Zeitsinn der Tiere 17 -- 9. Der Ortssinn der Tiere 19 - -- 10. Das Apportieren (Herbringen von Gegenständen) des Hundes - 21 -- 11. Die Bedeutung des Geruchssinnes. Der Eigentumssinn - der Hunde 24 -- 12. Soll man sich in der Großstadt einen Hund - halten? Die Stubenreinheit des Hundes 27 -- 13. Das Grasfressen - der Hunde. Schämen sich manche Hunde? 30 -- 14. Das Laufen gegen - den Wind. Warum ist die Hundenase kühl und feucht? Warum gibt - es bei den Hunden Steh-, Kipp- und Hängeohren? Die Wichtigkeit - des Gehörs 33 -- 15. Warum fürchtet sich der Hund vor dem leeren - Wasserglase? Warum bellt er den Mond an? 34 -- 16. Warum wedelt - der Hund mit dem Schwanze? 36 -- 17. Warum gibt es kurzhaarige - Hunde? Der Windhund 37 -- 18. Der Schäferhund als Polizei- und - Blindenhund 40 -- 19. Die Fütterung des Hundes 41 -- 20. Die Feinde - des Hundes. Hund und Wolf 43 -- 21. Rätselhaftes beim Hunde 47 -- - 22. Allerlei Hundegeschichten. Richtige Behandlung des Hundes 49 - -- 23. Sogenannte Unarten der Hunde und ihre Bekämpfung 52 -- 24. - Klugheit und Verstellungskunst einer deutschen Dogge 55 -- 25. - Verstellung und Beistand bei Hunden 59 -- 26. Leistungen der Hunde - zum Nutzen der Menschen 61 -- 27. Gefahren durch Hunde 63 -- 28. - Geschichtliches vom Hunde 65 -- 29. Der Hund in Sprichwörtern und - Redensarten 66 - - Die Katze 69 - - 30. Hund und Katze waren früher Raubtiere. Warum sehen sie - trotzdem verschieden aus? 69 -- 31. Welchen Zwecken dienen die - Schnurrhaare der Katze? 72 -- 32. Das Schmeicheln der Katze. Ist - die Katze falsch? 73 -- 33. Warum schlingt der Hund, während die - Katze gesittet frißt? 74 -- 34. Die Katzenwäsche. Sind Katzenhaare - giftig? 75 -- 35. Warum hat die Katze eine rauhe Zunge? 77 -- 36. - Das Vorgefühl der Tiere für kommendes Wetter 78 -- 37. Der Haß - des Hundes gegen die Katze. Warum macht die Katze einen Buckel? - Ist sie tapfer? 80 -- 38. Warum begleitet die Katze ihren Herrn - nicht wie der Hund? Warum geht sie nicht mit ihm auf die Jagd? 81 - -- 39. Warum fällt die Katze immer auf die Füße? Warum leuchten - ihre Augen? 83 -- 40. Wie fängt die Katze Mäuse? Die Katze als - Vogelfeindin 85 -- 41. Warum schüttelt die Katze beim Fressen - den Kopf? 87 -- 42. Die Rassen der Katze. Alter und sogenannte - Erziehung 90 -- 43. Die Feinde der Katze 93 -- 44. Die Katze als - angebliche Nachahmerin unserer Reinlichkeitsbestrebungen 94 -- - 45. Geschichten von Katzen 96 -- 46. Die Katze in Redensarten und - Sprichwörtern 97 - - Das Pferd 99 - - 47. Warum gibt es so viele braune Pferde? 99 -- 48. Warum hat - das Pferd eine Mähne? Die Fabel von dem Kreisbilden der Pferde - 101 -- 49. Warum kann das Pferd nur durch die Nase atmen? 102 - -- 50. Warum scheuen die Pferde und gehen durch? 103 -- 51. Die - Bodenscheu 104 -- 52. Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins - Maul. Warum trägt ein Pferd Hufeisen? 105 -- 53. Der Schweif des - Pferdes, verglichen mit dem Schwanz von Hund und Katze 106 -- - 54. Sieht das Pferd alles größer? 108 -- 55. Ist der Futterkübel - praktisch? 110 -- 56. Die Rassen oder Stämme des Pferdes 111 -- - 57. Warum fährt man lieber zweispännig als einspännig? 113 -- 58. - Warum schreien Pferde nicht? Das Wiehern der Pferde 114 -- 59. - Andere Eigentümlichkeiten des Pferdes 116 -- 60. Kummet- oder - Sielengeschirr. Warum ist das Fahren älter als das Reiten? 117 -- - 61. Warum läuft das Pferd gerade und der Hund schräg? 118 -- 62. - Die naturgemäße Fütterung der Pferde. Das Koppen 119 -- 63. Geht - es auch ohne Peitsche? 121 -- 64. Die Feinde des Pferdes 121 -- - 65. Warum können Fohlen gleich auf den Beinen stehen? 128 -- 66. - Geschichten von Pferden 124 -- 67. Ueber richtige Behandlung des - Pferdes 130 -- 68. Die geistigen Fähigkeiten der Tiere 133 -- 69. - Was verstehen wir unter »Instinkt« bei den Tieren? 134 -- 70. Das - Gedächtnis des Pferdes 136 -- 71. Das Verständnis der Pferde für - Kommandoworte 137 -- 72. Warum müssen wir das Pferd putzen? 138 -- - 73. Das Pferd in Redensarten und Sprichwörtern 139 - - Esel und Maultier 140 - - 74. Das Aeußere des Esels 140 -- 75. Warum sieht man selten kranke - Esel? 141 -- 76. Ziehhund oder Esel? 142 -- 77. Wie ist der - Esel mit dem Maultier verwandt? 144 -- 78. Wie erklärt sich die - Abneigung des Pferdes gegen den Esel? 144 -- 79. Warum schreit der - Esel Ya? 144 -- 80. Die Rassen des Esels 144 -- 81. Der Esel im - Sprichwort und in Redensarten 145 - - Das Rind 146 - - 82. Warum können wir nicht auch fetten Schweizerkäse herstellen? - 146 -- 83. Der Stier und die rote Farbe 147 -- 84. Das Flotzmaul - der Rinder 148 -- 85. Die Furcht der Rinder vor dem Blutgeruch - 148 -- 86. Die Furcht der Rinder vor den Bremen 149 -- 87. Die - Abneigung der Rinder gegen Hunde 149 -- 88. Das Aufblähen der - Rinder 149 -- 89. Die Kuh vorm neuen Tor. Der Ortssinn der Tiere - 151 -- 90. Weitere Vergleiche zwischen Rind und Pferd 153 -- 91. - Geschichten vom Rind 155 -- 92. Welches sind die Feinde des Rindes? - 158 -- 93. Wie hoch ist der Milchertrag einer Durchschnittskuh? 159 - -- 94. Warum ist das Rind ein Wiederkäuer, das Pferd nicht? 160 - -- 95. Die geistigen Gaben der Rinder 161 -- 96. Die Rassen der - Rinder 161 -- 97. Krankheiten der Rinder 162 -- 98. Das Rind in - Redensarten und Sprichwörtern 162 - - Das Schwein 163 - - 99. Wodurch unterscheidet sich das Hausschwein vom Wildschwein? 163 - -- 100. Warum ist der Kopf des Schweines kegelförmig? 163 -- 101. - Warum nennt man einen Menschen mit kleinen Augen schweinsäugig? - 164 -- 102. Warum liegt unser Hausschwein gern in einer Pfütze - und auf dem Miste? 165 -- 103. Welches sind die Vorzüge unseres - Hausschweins? 165 -- 104. Warum gedeihen die Schweine bei kleinen - Leuten so gut? 166 -- 105. Wie soll der Schweinestall beschaffen - sein? 167 -- 106. Warum frißt die Sau die eigenen Ferkel? 167 -- - 107. Muß ein gutes Schwein alles fressen? 168 -- 108. Die Fütterung - der Schweine mit Rohrwurzeln 168 -- 109. Die Rassen des Schweins - 169 -- 110. Das Schwein in Redensarten und Sprichwörtern 170 - - Die Ziege 171 - - 111. Warum können junge Ziegen bereits vortrefflich klettern? 171 - -- 112. Warum fressen Ziegen ungern Gras? 172 -- 113. Wie erklärt - sich die Giftfestigkeit der Ziege? 172 -- 114. Warum heißt die - Ziege die Kuh des armen Mannes? 173 -- 115. Wie lebt die Ziege im - Gebirge? 174 -- 116. Warum gibt es im Ziegenstall so wenig Fliegen, - im Kuhstall so viele? 175 -- 117. Die Rassen der Ziege 176 -- 118. - Die Ziege in Redensarten und Sprichwörtern 177 - - Das Schaf 178 - - 119. Warum blökt das Schaf? 178 -- 120. Warum krümmen sich beim - Schafbock die Hörner, beim Ziegenbock nicht? 179 -- 121. Warum - folgen die Schafe dem Leithammel? 180 -- 122. Warum sieht das Schaf - so furchtbar ängstlich aus? 180 -- 123. Geschichten von Schafen 181 - -- 124. Warum braucht der Schäfer einen Hund? 182 -- 125. Mufflon - und Hausschaf. Neue Futterquellen für unsere Hausschafe 183 -- 126. - Die Rassen des Hausschafs 184 -- 127. Das Schaf in Redensarten und - Sprichwörtern 185 - - Das Kaninchen 186 - - 128. Warum trinkt das zahme Kaninchen, das Wildkaninchen nicht? - 186 -- 129. Welches sind die Feinde des Kaninchens? 187 -- 130. - Zweckmäßige Behandlung unseres Kaninchens 188 -- 131. Die Rassen - des Kaninchens 189 -- 132. Was versteht man unter einer Rasse? 189 - -- 133. Geschichten vom Kaninchen. Kaninchen hat angefangen 189 -- - 134. Kann das Kaninchen mit dem Schwein in Wettbewerb treten? 190 - -- 135. Wie groß ist die Vermehrung des Kaninchens? 191 -- 136. Das - Kaninchen in Redensarten und Sprichwörtern 191 - - Das Meerschweinchen 192 - - 137. Das Meerschweinchen 192 - - Das Frettchen 194 - - 138. Wie unterscheidet sich das Frettchen vom Iltis? 194 -- 139. - Tötung eines Berliner Kindes durch ein Frettchen 194 -- 140. Das - Frettchen in Redensarten und Sprichwörtern 195 - - Das Huhn 196 - - 141. Warum kräht der Hahn? 196 -- 142. Der Lockruf des Hahns 198 - -- 143. Wie unterscheiden sich Hühner und Tauben? 199 -- 144. Die - Mutterliebe der Glucke 200 -- 145. Warum gehen die Hühner so zeitig - schlafen? Die sogen. Hühnerkieke 202 -- 146. Die Farbenblindheit - der Hühner. Die Hypnose des Huhns durch einen Kreidestrich 203 -- - 147. Die naturgemäße Behandlung des Huhns 204 -- 148. Eine blinde - Henne findet auch ein Korn 205 -- 149. Die künstliche Glucke. Die - Wetterfestigkeit des Huhns 206 -- 150. Wie kriecht das Küchlein aus - dem Ei? 207 -- 151. Warum brauchen die Hühner sandigen Boden? 208 - -- 152. Die Rassen des Huhns 208 -- 153. Das Huhn in Redensarten - und Sprichwörtern 209 - - Das Truthuhn 211 - - 154. Das Hochzeitskleid des männlichen Truthuhns 211 -- 155. - Woraus ist die Abneigung des Truthahns gegen die rote Farbe - zurückzuführen? -- Die Herkunft der Truthühner 211 - - Der Pfau. Das Perlhuhn. Der Fasan 213 - - 156. Warum schreit der Pfau so häßlich? 213 -- 157. Vergißt - der Fasan das Fliegen? 213 -- 158. Der Pfau in Redensarten und - Sprichwörtern 214 - - Die Taube 215 - - 159. Die Kommandosprache der Tauben 215 -- 160. Wie retten sich die - Tauben vor den Raubvögeln? 216 -- 161. Warum muß der Stößer die - Tauben erst überfliegen? 217 -- 162. Warum sitzen unsere Haustauben - auf Dächern und nicht auf Bäumen? Der Taubenschlag 219 -- 163. - Wie finden sich die Brieftauben zurecht? 220 -- 164. Die Tauben - als Vorbilder des Menschen 221 -- 165. Naturgemäße Fütterung und - Haltung der Tauben 222 -- 166. Die Rassen der Haustaube 222 -- 167. - Die Taube in Redensarten und Sprichwörtern 223 - - Die Ente 224 - - 168. Warum sind die Wildenten im Berliner Tiergarten meistenteils - ausgewandert? 224 -- 169. Warum hat die von uns beobachtete - Wildente nur drei Junge? 224 -- 170. Die Feinde der Ente 225 - -- 171. Warum nennt man eine falsche Zeitungsnachricht eine - Zeitungsente? 226 -- 172. Ist die Ente wie das Huhn ein Tagtier? - 227 -- 173. Warum läßt man Enteneier durch Hühner ausbrüten? 228 -- - 174. Die Rassen der Ente 228 -- 175. Die Ente in Redensarten und - Sprichwörtern 229 - - Die Gans 230 - - 176. Warum gilt die Gans als wachsam? 230 -- 177. Wie steht es - mit den geistigen Fähigkeiten der Gans? 231 -- 178. Wie erklärt - sich der Gänsemarsch? 231 -- 179. Aus der Lebensgeschichte einer - Wildgans 232 -- 180. Die Rassen der Gans 233 -- 181. Die Gans in - Redensarten und Sprichwörtern 233 - - Der Schwan 235 - - 182. Warum hat der Schwan einen so langen Hals? 235 -- 183. Der - Schwan in Redensarten und Sprichwörtern 236 - - Der Kanarienvogel 237 - - 184. Warum gerät der Kanarienvogel in Wut, wenn er sein - Spiegelbild erblickt? 237 -- 185. Warum singen nur die Männchen - bei den Singvögeln? 238 -- 186. Warum hassen die Sperlinge den - Kanarienvogel? 239 -- 187. Wie erklärt sich die gelbe Farbe des - Kanarienvogels? 240 -- 188. Warum stecken die Vögel beim Schlafen - den Kopf in die Federn? 240 -- 189. Die Rassen des Kanarienvogels - 242 - - Der Wellensittich 243 - - 190. Warum ist nur der Wellensittich ein Haustier? 243 -- 191. - Warum fehlt dem Tier die Sprache? 244 - - Der Goldfisch 246 - - 192. Warum ist der Goldfisch ein beliebter Aquariumfisch? 246 -- - 193. Wie richte ich ein Aquarium ein? 246 -- 194. Der Goldfisch in - Redensarten 248 - - Der Seidenspinner 249 - - 195. Warum ist unsere Seidenraupenzucht zurückgegangen? 249 -- 196. - Die Seidenraupe in Redensarten und Sprichwörtern 251 - - Die Biene 252 - - 197. Warum bauen die Bienen im Dunkeln? 252 -- 198. Wann stechen - die Bienen am meisten? 254 -- 199. Sollen Frauen Imkerinnen werden? - 256 -- 200. Mit welchen Sinnen sucht die Biene die Blüten auf? 257 - -- 201. Die Feinde der Bienen 257 -- 202. Die Rassen der Honigbiene - 258 -- 203. Sind die Bienen fleißig? 260 -- 204. Warum werden - Pferde besonders leicht von Bienen gestochen? 261 -- 205. Die Biene - in Redensarten und Sprichwörtern 263 - - Inhaltsverzeichnis 264 - - Sachregister 267 - - - - -Sachregister. - - - (Die Zahlen zeigen die Seitenzahlen an.) - - Aalstrich der Pferde 100 - - Adler als Feind der Katzen 93 - - Affen folgen den Leitaffen 180 - -- fressen keine Giftbeeren 135 - -- schwindelfrei 85 - -- Stallgefährten der Pferde bei den Javanern 114 - -- nicht stubenrein 80 - - Akarusräude 65 - - Albino 194 - - Angorakatze 96 - - Apportieren des Hundes 18 - -- keine Steine apportieren lassen 23 - - Aquarium, Einrichtung 246 - - Aufblähen der Rinder 149 - - Ausschlagen der Pferde 100 - - - Baas, Leiter des Rudels 25 - - Bandwurm bei Hunden 64 - - Bankivahuhn 197 - - Bär plündert Bienenstöcke 262 - -- überfällt Rinderherden 159 - - Bart bei Ziegen, nicht bei Schafen 179 - - Beistand unter Hunden 60 - - Bernhardinerhunde 61 - - Bewegungslosigkeit als Regel für Jäger 10, 204 - - Biene, Bedeutung für Landwirtschaft und Obstbau 253 - -- Feinde 257 - -- fleißig 260 - -- Ortssinn 261 - -- Rassen 258 - -- Sinne 257 - -- stechen 254 - -- stechen leicht Frauen 256 - -- stechen leicht Pferde 261 - - Bilder lassen Hund gleichgültig 35 - -- von Affen erkannt 35 - - Bison, Pfade 158 - - Blinde Henne 205 - -- Hunde und Pferde 20, 152 - - Blindenführer, Hund als solcher 28, 41 - - Blinde Tiere, Leistungen 152 - - Blöken der Schafe 178 - - Blutgeruch, Abneigung bei Pferden 131 - -- bei Rindern 148 - - Bodenscheu des Pferdes 104 - - Branten (Pranken) bei Katzen 73 - -- bei Hunden und Wölfen nicht 16 - - Bremen (Bremsen) 149 - - Brieftauben 220 - -- Sichzurechtfinden 220 - - - Coyote (amerikanischer Wolf) trägt Gegenstände im Maul 22 - - - Dachshund, ungehorsam, Grund 39 - - Durchgehen der Pferde 103 - - - Eigentumssinn des Hundes 26 - - Elefanten, Abneigung gegen Schimmel 49 - -- folgen Leitelefanten 180 - - Ente, Feinde 225 - -- Gefahr bei Märschen 225 - -- nachts tätig 227 - -- Rassen 228 - -- Verstellung (Zeitungsente) 226 - - Enteneier durch Hühner ausgebrütet 228 - - Erpel schlechter Vater 226 - - Esel, Abneigung gegen Nässe 76, 145 - -- Abneigung des Pferdes gegen ihn 144 - -- Alter 143 - -- frißt gern Disteln 141 - -- gutes Geruchsorgan 141 - -- zierliche Hufe 140 - -- selten krank 141 - -- lange Ohren 140 - -- Rassen 144 - -- wälzt sich gern 139 - -- Yaschreien 144 - -- und Ziehhund 142 - - Eskimohund 26 - - Eulen, Augenleuchten 85 - -- gefiederte Katze 89 - - - Fähigkeiten, geistige, der Tiere 133 - - Fahren älter als Reiten 117 - - Farbenblindheit 203 - - Fasan 213 - - Fleischerhund 63 - - Fliegen setzen sich nicht auf Katzen 75 - -- selten im Ziegenstall 175 - - Flöhe bei Hunden 65 - - Flotzmaul 148 - - Fohlen stehen gleich auf den Beinen 123 - - Fragmit als Futtermittel für Schweine 168 - - Frauen selten Bienenwirtinnen 256 - - Fressen von Hund und Katze 74 - -- unappetitlicher Sachen 10 - - Frettchen, Albino 194 - -- Tötung eines Kindes 194 - - Fuchs als Feind der Katze 93 - -- schnürt 118 - - Futterquellen, neue 168, 183 - - Fütterung des Hundes 41 - -- der Katze 89 - -- des Pferdes 119 - - - Gans, geistige Gaben 231 - -- wachsam 230 - -- Rassen 238 - - Gänsefedern 233 - - Gänsemarsch 231 - - Gedächtnis der Tiere 136 - - Gehör, Wichtigkeit 38 - - Geier, Aasfresser 11 - - Geruchsinn, außerordentliche Bedeutung 24 - -- der Bienen 257 - -- des Esels 141 - -- des Hundes 24 - -- des Pferdes 131, 133 - -- des Rindes 148 - -- des Schweines 164 - - Giftfestigkeit der Ziege 172 - - Glasaugen der Pferde 112 - - Goldfisch 246 - -- Rassen 246 - - Grab- und Rennpfoten der Hunde 73 - - Grasfressen der Hunde 30 - - Graugans 230 - -- im Kampfe mit der Katze 232 - - Großstadt wenig geeignet für den Hund 27 - - - Hahn, krähen 7, 196 - -- kümmert sich nicht um die Küchlein 198 - -- Lockruf 198 - -- Vielehe 198 - - Handpferd 115 - - Hängeohren 33 - - Hans, kluger 136 - - Hase, Schutzfärbung 24 - -- Fang durch die Katze 71 - - Haustiere, Begriff 6 - -- überfressen sich 111 - - Heerkuh 156 - - Henne, blinde 205 - - Hetzraubtier, Begriff 8, 70 - - Hirsch, kurzer Schwanz 108 - - Hochzeitskleid 211 - - Hörner der Schafe 179 - - Hühner brüten Enteneier aus 228 - -- Farbenblindheit 208 - -- Hypnose 208 - -- Mutterliebe 200 - -- naturgemäße Behandlung 204 - -- Rassen 208 - -- sandiger Boden 209 - -- schlechte Flieger, gute Läufer 199 - -- und Tauben 199 - -- Verstellungskünste 201 - - Hühnerkieke 202 - - Hund abends zu Angriffen geneigt 42 - -- Abneigung gegen Tabak, Zigarren 42 - -- Abneigung der Rinder gegen ihn 149 - -- Abneigung der Schweine gegen ihn 80 - -- keine Abneigung gegen Wasser 77 - -- Alter 13 - -- Anbellen des Mondes 34 - -- Anspringen des Herrn 72 - -- Anzahl der Jungen 15 - -- Apportiert aus Natur 21 - -- Augenleuchten 85 - -- Bandwürmer 64 - -- beachtet Bilder und Spiegel nicht 35 - -- Begegnung mit anderem Hunde 18 - -- erwartet Beistand 83 - -- Beißereien unter Hunden 25 - -- beißt gern laufende Menschen 8 - -- Belecken der Wunden 48 - -- bellt, Grund dafür 7 - -- bellt drehende Räder an 8 - -- bewegliche Haut 32 - -- Bewegung nötig 29 - -- Bewegungen leicht wahrgenommen 10 - -- als Blindenführer 28, 41 - -- blinder findet sich zurecht 20 - -- als Bote 50 - -- hat keine Branten 16 - -- Brechmittel 31 - -- Charakter erst mit zwei Jahren erkennbar 16 - -- demütig 74 - -- Drang zu Bekanntschaften 9 - -- dreht sich vor dem Hinlegen 12 - -- Ehrgefühl und Eitelkeit 32 - -- Eigentumssinn 26 - -- Entwicklung, schnell 14 - -- erfriert sich die Beine 142 - -- erkennt seinen Herrn und andere Hunde am Geruch 41 - -- feige und mutige 81 - -- Feinde 43 - -- Flöhe 66 - -- flüchtet vor Bienen 262 - -- Fressen 74 - -- frißt unappetitliche Sachen 10 - -- Furcht vor kriechenden Personen 49 - -- Furcht vor leerem Wasserglase 34 - -- Fütterung 41 - -- gefährdet den eigenen Herrn 63 - -- Gehör vorzüglich 34, 87 - -- geräuschvoll 73 - -- Geruchsinn, außerordentlich 24, 133 - -- Geschichtliches 65 - -- schwaches Gesicht 8 - -- Grasfressen 30 - -- großer beachtet kleinen nicht 25 - -- für die Großstadt wenig passend 27 - -- Haare 38 - -- Haß gegen die Katze 18, 80 - -- Hecheln 28 - -- Heulen vor dem Tode 47 - -- Hinken 119 - -- früherer Höhlenbewohner 30 - -- Jagddressur 38 - -- Kippohren 33 - -- klopfen aufs Knie 37 - -- Klugheit und Verstellung 55, 59 - -- Knochen 39 - -- Kunststücke 31 - -- kurzhaarig 38 - -- nicht küssen 64 - -- lappt Wasser 11 - -- läuft gegen Wind 33 - -- schräg 118 - -- Leistungen 63 - -- liebt den Ofen 12 - -- liebt sich zu sonnen 12 - -- Wagenspur 118 - -- Magen als Tasche 26 - -- Maulkorb 143 - -- kennt Mittagszeit 19 - -- Nase, empfindlich, kühl, schwarz 27, 33 - -- Nässen an den Ecken 27 - -- Neid 37 - -- Ohrenformen 33, 34 - -- Ohrenschmerzen 34 - -- Ortssinn 19 - -- Pfeifen 84 - -- Post 27 - -- Rassen 16, Bernhardinerhund, Dachshund, Eskimohund, - Fleischerhund, Jagdhund, Schäferhund s. d. (62) - -- Rätselhaftes 47 - -- früheres Raubtier 6 - -- Räude (Akarusräude) 65 - -- Retter seines Herrn 45 - -- Röhrenknochen nicht vorteilhaft 42 - -- sich rekeln 12 - -- Renn- oder Grabepfoten 16 - -- richtige Behandlung 49 - -- richtiges Benehmen beim Essen 51 - -- schämt sich angeblich 30 - -- schläft gern am Tage 42 - -- schlingt 74 - -- schmeicheln 73 - -- Schwanz 71, 107 - -- Sinkenlassen 25 - -- wenig Schweißdrüsen 28 - -- schwimmt hervorragend 48 - -- sieht gut im Dunkeln 10 - -- spielt Haschen 15 - -- Staupe 65 - -- keine Steine apportieren lassen 23 - -- Strafen 52 - -- Stubenreinheit 27 - -- Tollwut 64 - -- Tragezeit 14 - -- Unarten 52, 54 - -- Unreinlichkeit 63 - -- Verbeißen der Hunde 25 - -- Verscharren der Losung 28 - -- Vorgefühl für Erdbeben 80 - -- Vorzüge 28 - -- guter Wächter 42 - -- wälzt sich auf Unrat 11 - -- wedelt mit dem Schwanze 86 - -- keine Wehrpfoten 16 - -- seelische Werte 29 - -- wildern 53 - -- und Wolf, angeblich zum Anführer gewählt 44 - -- übertölpelt vom Wolf 44 - -- Wunden heilen leicht 43 - -- Zehengänger 16 - -- Zeitsinn 17 - -- Ziehhunde 142 - -- Zunge dient als Hand 78 - - Hypnose in der Tierwelt 203 - - - Iltis 194 - - Insekten wenig auf Bergen 155 - - Instinkt 134 - - - Jagdhund wenig anhänglich 39 - -- nicht bissig 26 - -- Dressur 38 - -- kein Wachhund 31 - - Jaguar frißt Hunde 43 - - - Kamel, Abneigung gegen Nässe 76 - - Kanarienvogel, gelbe Farbe 240 - -- Kopf in den Federn 240 - -- nur Männchen singen 238 - -- Rassen 242 - -- Abneigung der Sperlinge gegen ihn 239 - -- Spiegel 237 - - Känguruh, langer Schwanz 107 - - Kaninchen, Bau in Anhöhen 187 - -- Feinde 187 - -- Rassen 189 - -- Kaninchen und Schwein 190 - -- Vergraben der Jungen 188 - -- Vermehrung 191 - -- Vorgefühl für Wetter 79 - - Kätzchen fällt nicht aus dem Fenster 134 - - Kastanien, neue Futterquelle für Schafe 183 - - Katze, Abneigung gegen Nässe und Regen 76 - -- gegen Musik 87 - -- apportiert selten 22 - -- Augenleuchten 85 - -- begleitet den Spaziergänger nicht 81 - -- bellt nicht 6 - -- beschnuppert nicht 84 - -- besitzt Branten (Pranken) 73 - -- macht Buckel 81 - -- Drehschwanz 107 - -- ungefiederte Eule 89 - -- fällt auf die Füße 84 - -- Feinde 93 - -- als Fischfresserin 87 - -- frißt gesittet 70, 74 - -- kleineres Gebiß 81 - -- Gehör vorzüglich 87 - -- geräuschlos 73 - -- und Gläser 95 - -- Haare, Beschaffenheit 77 - -- Hasenfang 71 - -- Hasenschleppen 81 - -- Haß des Hundes 18, 80 - -- Herrentier 74 - -- kriecht gern in Höhlungen 96 - -- Mäusefang 85 - -- als Mutter unerreicht 90 - -- naschhaft 91 - -- Ortssinn 99 - -- Pferdefleisch nicht naturgemäß 88 - -- sich putzen 78 - -- Rassen 90 - -- früheres Raubtier 70 - -- rauhe Zunge 77 - -- Rückendeckung 82 - -- Schallquelle 86 - -- Schleichraubtier 71 - -- Schmeichelkätzchen 69, 73 - -- schnurren 83 - -- Schnurrhaare 72 - -- Schwanz geringsten Raum 71 - -- Schwanz, Länge 107 - -- kann schwimmen 76 - -- sonnt sich gern 13 - -- spielt nicht Haschen 15 - -- Stubenreinheit 96 - -- Tasthaare 72 - -- Verscharren des Unrats 94 - -- als Vogelfängerin 85 - -- Vorgefühl für Erdbeben 80 - -- für Wetterumschlag 78 - -- Katzen, große, Feinde des Hundes 43 - -- Katzenwäsche 75 - - Kinnhaare der Pferde 115 - - Kleben der Pferde 113 - - Klugheit des Hundes 55 - - Knochen verscharren 39 - - Kolik 120 - - Kommandosprache 215 - -- Kommandoworte, Verständnis 137 - - Koppen 119 - - Kötenschöpfe 115 - - Krähen, Selbstheilung 134 - - Krankheit und Stallhaltung 156 - - Krokodil, Feind des Hundes 43 - - Küchlein aus dem Ei 207 - -- frostig 201 - -- Nestflüchter 200 - - Kuh, Augenleuchten 85 - -- des armen Mannes 178 - -- vorm neuen Tor 151 - - Kummetgeschirr 117 - - Kunden 106 - - Kurzhaar 38 - - - Lade 110 - - Leithammel 180 - - Leopard, Feind des Hundes 80 - - Löwe, langer Schweif 107 - -- schnurrt nicht 84 - - Luchs, Feind des Hundes 80 - -- der Katze 93 - - - Magerfresser 119 - - Mähne 191 - - Mankatze 107 - - Männchen singen nur 238 - - Marder, schwindelfrei, fällt auf die Füße 85 - - Mauersegler, vorzüglicher Flieger 199 - - Mauke 115 - - Maultier 144 - -- sich wälzen 144 - - Mäusefang der Katze 85 - - Meerschweinchen 192 - - Mensch, davonlaufend leicht gebissen 8 - - Milchergebnis der Rinder 159 - - Mond, anbellen 35 - - Mufflon und Hausschaf 183 - - Musik, Katzen nicht angenehm 87 - - Mutterliebe der Henne 200 - - - Nase des Hundes, feucht, empfindlich, schwarz 33 - - Nasenatmung des Pferdes 102 - -- bremse 158 - -- spiegel 148 - - Nasentiere sollen angerufen werden 64 - - Neid bei Hunden 37 - - Nestflüchter, Nesthocker 200 - - - Ofen, Katzen kriechen gern hinein 96 - -- warmer, Vorliebe des Hundes dafür 12 - - Ohrenformen, Hänge-, Kipp-, Stehohren 33 - -- schmerzen 34 - - Ortssinn des Hundes 20 - -- der Katze 97 - -- des Rindes 152 - - Osterwinde 142 - - - Panik bei Pferden 122 - - Parfümeurs 11 - - Peitsche 109, 121 - - Perlhuhn 213 - - Pfau 219 - - Pferd, Aalstrich 100 - -- Abneigung gegen Bären 132 - -- Blutgeruch 131 - -- Esel 144 - -- Kamele 132 - -- Löwen 132 - -- Affen als Stallgenossen 114 - -- Alter 112 - -- Anhalten 121 - -- Atmen durch die Nase 102 - -- Aufsatzzügel 116 - -- Augenleuchten 85 - -- Augen, seitliche Stellung 109 - -- Ausschlagen 100 - -- von Bienen leicht gestochen 261 - -- blindes findet zurecht 20, 152 - -- Bodenscheu 104 - -- braune Farbe 100 - -- dunkle Stellen im Moor 105 - -- erfriert sich nicht die Beine 142 - -- Fahren älter als Reiten 117 - -- Fata Morgana 132 - -- Feinde 121 - -- findet in der Dunkelheit zurecht 105 - -- Gedächtnis 136 - -- geistige Gaben 133 - -- Geruchsinn außerordentlich 132, 133 - -- Glasauge 112 - -- Hafer, Futter 120 - -- Handpferd 115 - -- Instinkt 134 - -- Kinnhaare 115 - -- kleben 113 - -- kluge Hans 133 - -- Kolik 120 - -- Kommandoworte 137 - -- Koppen 119 - -- Kötenschöpfe 115 - -- Krankheiten 120 - -- Kummet, Sielengeschirr 117 - -- Kunden 106 - -- Lade 110 - -- läuft gegen den Wind 102 - -- läuft gerade 118 - -- läuft in den brennenden Stall zurück 124 - -- kleiner Magen 111, 120 - -- Magerfresser 119 - -- Mähne 101 - -- Mauke 115 - -- Nasenbremse 155 - -- Neid 116 - -- Ohren klein 153 - -- zurückgezogen 117 - -- Osterwinde 142 - -- Peitsche 109, 121 - -- fliehender Pflanzenfresser 103 - -- prusten 103 - -- putzen 138 - -- Rassen 111 - -- Raufen nachteilig 110 - -- rechnet angeblich 136 - -- rennt gegen Bäume 110 - -- Sattelpferd 115 - -- Scheuen und Durchgehen 103 - -- Scheuklappen 109 - -- Schnauben und Prusten 102 - -- Schnelligkeit 113 - -- schreit nicht 114 - -- Schwanz 106 - -- Sehvermögen schwach 103 - -- Sonnenhitze wenig schädlich 115 - -- Stirn schmal 153 - -- Störung beim Fressen wenig schädlich 120 - -- Strohhut überflüssig 115 - -- tunken 116 - -- überfrißt sich als Haustier 111 - -- Untugenden 125 - -- schlechter Vater 123 - -- Verstellung 126 - -- Wasser (gutes) sehr wichtig 116 - -- Wasser, verborgenes, gefunden 133 - -- Wiehern 114 - -- Wölfe, Angriff 101 - -- gegen drei Wölfe 122 - -- Zelter 118 - -- Zwillinge selten 112 - - Pflanzenfresser 6 - -- fliehend, wehrhaft 104 - - Polizeihund 40 - -- in Großstädten wenig leistungsfähig 41 - - Post der Tiere 27 - - Pranke 16 - - Pudel, kein Wachhund, Kunststücke 31 - - - Rangordnung der Rinder 156 - - Rasse, Begriff 189 - - Raubtier 7 - - Raubvögel und Tauben 216 - - Räude 65 - - Raufen 110 - - Regungslosigkeit 204 - - Reiten 117 - - Rekeln der Hunde 12 - - Renn- oder Grabpfoten 16 - - Rind, Abneigung gegen Hunde 149 - -- Aufblähen 149 - -- Blutgeruch 148 - -- breitgestirnt 153 - -- Bremen 149 - -- Feinde 158 - -- Flotzmaul 148 - -- Gebirgsgräser 147 - -- Gefährlichkeit des Zuchtstiers 157 - -- geistige Gaben 161 - -- gespaltener Huf 154 - -- Heerkuh 156 - -- Krankheiten 162 - -- kuhhessig 154 - -- Milchertrag 159 - -- Nase empfindlich 148 - -- Unterschiede vom Pferd 146 - -- Rassen 161 - -- Vorliebe für Salz 161 - -- Wiederkäuer 160 - - Röhrenknochen wenig geeignet für Hunde 42 - - Rohrwurzeln als Futter 168 - - - Salz, Vorliebe des Rindes 161 - - Sattelpferd 115 - - Sau frißt eigene Ferkel 167 - - Schaf, furchtbar ängstlich 180 - -- kein Bart und Tränendrüsen 179 - -- blöken 178 - -- Leithammel 180 - -- Mufflon 183 - -- neue Futterquellen (Kastanien) 183 - -- Rassen 184 - -- rennt in den brennenden Stall 181 - -- Schäfer und Schäferhund 182 - -- Wolle 184 - - Schäferhund, Auge entwickelt 40 - -- als Blindenführer 41 - -- diensteifrig 41 - -- Leistungen 182 - -- als Polizeihund 40, 62 - -- Umkreisen 40 - - Schafsucht 40 - - Schakale, Aasfresser 11 - -- heulen sich zusammen 6 - -- nächtliche Tiere 6 - -- verstellen sich 61 - - Scheuen und Durchgehen 103 - - Scheuklappen 109 - - Schlappohren 34 - - Schleichraubtier 8, 70 - - Schmeicheln des Hundes, der Katze 73 - - Schmeichelkätzchen 73 - - Schnauben der Pferde 102 - - Schnurren der Katze 83 - - Schnurrhaare, kein Schnurrbart 72 - - Schutzfärbung 241 - - Schwan, Abneigung gegen Ente 225 - -- Federn 236 - -- Feinde 236 - -- langer Hals 235 - - Schwanz (Schweif), Bedeutung bei den Katzenarten 107 - -- geringster Raum bei Katze 71 - -- kurz bei Hirsch usw., lang bei Känguruh usw. 107 - -- Mittel gegen Insektenplage 108 - -- sinken lassen 23 - -- wedeln 36 - - Schwein, Abneigung gegen Hunde 80 - -- empfindlich gegen Hitze 115 - -- empfindlich gegen kalten Fußboden 167 - -- gedeiht bei kleinen Leuten 166 - -- und Kaninchen 190 - -- Maulwurfskopf 164 - -- Nasentier, hervorragender Geruchsinn 163, 164 - -- Pfütze und Suhle 165 - -- Rassen 169 - -- Rohrwurzeln als Futter 168 - -- Vorzüge 165 - - Schweizerkäse 146 - - Schwimmen, überlegenes des Hundes 48 - - Seide 249 - - Seidenraupe 249 - - Sich-herumdrehen des Hundes vor dem Hinlegen 12 - - Sielengeschirr 117 - - Sperlinge hassen Kanarienvögel 239 - - Spiegel, Gleichgültigkeit des Hundes 35 - -- und Kanarienvogel 237 - -- und Truthahn 211 - - Spielen der Tiere 15 - - Spitze, bellustig 7 - - Sprache fehlt den Tieren 199, 244 - - Stallhaltung und Krankheiten 156 - - Staupe 65 - - Stehohren 33 - - Stier, rote Farbe 147 - -- Gefährlichkeit des Zuchtstiers 157 - - Stollen 106 - - Stößer, Jagd auf Tauben 216 - - Strafen des Hundes 52 - - Strohhüte, überflüssig 115 - - Stubenreinheit 27 - - - Tasthaare 72 - - Taube, Brieftaube 220 - -- nicht aus Bäumen 219 - -- Einfangen fremder 222 - -- naturgemäße Fütterung 222 - -- Kommandosprache 215 - -- künstlicher Lufttrichter 219 - -- Rassen 222 - -- und Raubvogel 216 - -- guter Vater 221 - -- Vergleich mit Huhn 199 - -- Vorbild für den Menschen 221 - -- kein Zusammenprall 215 - - Taubenschlag 219 - - Tiermütter apportieren 21 - - Tiger, schnurrt nicht 84 - -- Schweif 107 - - Tollwut 64, 65 - - Tränendrüsen 179 - - Truthuhn, Hochzeitskleid 211 - -- rote Farbe 212 - -- Spiegel 211 - - Tunken des Pferdes 116 - - - Unarten, sogenannte, beim Hunde 54 - - Unreinlichkeit 63 - - - Verbeißen der Hunde 25 - - Verstellung bei Enten 226 - -- bei Hunden 59 - -- bei Pferden 126 - -- bei Schakalen 61 - -- bei Vögeln 201 - - Vögel fliegen sofort 134 - -- Kopf in den Federn 240 - -- Vorgefühl für Wetterumschlag 79 - - Vogelflugdeuter 79 - - Vollmond und Hund 36 - - - Wanderfalk, Jagd auf Tauben 216 - - Waschen der Katze 75 - - Wasser, gutes, für Pferde 116 - -- verborgenes, von Pferden gewittert 133 - - Wasserglas, leeres, Furcht des Hundes 34 - - Wellensittich, allein Haustier 243 - - Wiederkäuer 160 - - Wiehern 114 - - Wildenten, ausgewandert aus dem Tiergarten 224 - -- nachts tätig 227 - -- schnattern nicht viel 7 - - Wildgänse, schnattern nicht viel 7 - - Wildhunde, apportieren 22 - -- Pflanzennahrung 42 - - Wildkaninchen trinkt nicht 186 - - Wildschwein, Aasfresser 11 - -- warmer Kessel 167 - -- aufrechte Ohren 165 - -- Suhle 165 - - Wind, Hunde und Raubtiere gegen den Wind 33 - - Windhund, nicht anhänglich 40 - -- Ausnahmestellung 39 - -- bellt wenig 40 - -- muß langen Schwanz haben 107 - - Wolf, Aasfresser 11 - -- Anführer nicht ein Hund 44 - -- angebliche Freundschaft 44 - -- Angriff auf Pferde 101, 122 - -- bellt nicht 6 - -- Feind des Hundes 44 - -- frißt den toten Hund 45 - -- heulen 6 - -- lappt 12 - -- nächtliches Tier 6 - -- keine Pranken 16 - -- Sieger über zwei Doggen 47 - -- übertölpelt den Hund 44 - - Wolfshunde, Märchen davon 12 - - Wolken, weiße, anbellen 96 - - Wolle 184 - - Wunden heilen schnell 43 - - - Yaschreien des Esels 144 - - - Zehengänger 16 - - Zeitsinn der Tiere 17 - - Zeitungsente 226 - - Zelter 118 - - Ziege frißt ungern Gras 172 - -- gedeiht im Gebirge 174 - -- Giftfestigkeit 172 - -- junge, klettert gut 171 - -- Kuh des armen Mannes 173 - -- naschhaft 173 - -- Rassen 176 - -- vernichtet den Wald 175 - -- Weibchen, Hörner 171 - - Ziegenstall wenig Fliegen 175 - - Ziehhund 64 - -- und Esel 142 - - Zunge, Bedeutung für die Tiere 78 - - Zwingerhund 143 - - - - -Vorgenommene Änderungen (abgesehen von offensichtlichen Druckfehlern): - -In "Er ist im Museum von Bern ausgestellt" stand "aufgestellt". - -In "so geschieht es wenigstens nicht in böser Absicht, was man aus -folgender Tatsache entnehmen mag:" fehlte die Interpunktion hinter -"mag" - Doppelpunkt nach Gesamtzusammenhang hinzugefügt. - -In "er kann es doch nicht unterlassen, auch sie empfindlich in die Wade -zu zwicken, wenn sie seinen Gänsen oder wohl gar deren Gelegen zu nahe -kommen." stand "zu nahe zu kommen" - zweites "zu" wurde gelöscht. - -In "Ueberhaupt benahmen sich die Enten auf dem gestürzten Baume so -vertraut, daß ich mir sagte, in waldreichen Gegenden scheinen sie -lieber auf Bäumen als am Ufer zu ruhen" - "zu" hinzugefügt - -In "Wird ihr Weg so eng, daß die Gefahr des Festsitzens droht, so stößt -sie mit den Schnurrhaaren an." - "an" am Satzende hinzugefügt. - - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Unsere Haustiere vom Standpunkte ihrer -wilden Verwandten, by Theodor Zell - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK UNSERE HAUSTIERE VOM STANDPUNKTE *** - -***** This file should be named 56317-8.txt or 56317-8.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/5/6/3/1/56317/ - -Produced by Heike Leichsenring and the Online Distributed -Proofreading Team at http://www.pgdp.net - -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed. - -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United -States without permission and without paying copyright -royalties. 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You may copy it, give it away or re-use it under the terms of -the Project Gutenberg License included with this eBook or online at -www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you'll have -to check the laws of the country where you are located before using this ebook. - -Title: Unsere Haustiere vom Standpunkte ihrer wilden Verwandten - -Author: Theodor Zell - -Release Date: January 5, 2018 [EBook #56317] - -Language: German - -Character set encoding: ISO-8859-1 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK UNSERE HAUSTIERE VOM STANDPUNKTE *** - - - - -Produced by Heike Leichsenring and the Online Distributed -Proofreading Team at http://www.pgdp.net - - - - - - -</pre> - - - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_1" id="Page_1">[Pg 1]</a></span></p> - - -<h1> -Unsere Haustiere<br /> -vom Standpunkte ihrer wilden -Verwandten</h1> - -<p class="center large">Für jung und alt geschildert</p> - -<p class="center">von</p> - -<p class="center large bold">Th. Zell</p> - -<div class="figcenter"> -<img src="images/logo-cover.jpg" width="85" height="135" alt="Logo" /> -</div> - -<p class="center gesperrt p4">Berlin 1921</p> - -<p class="center gesperrt p2">Buchhandlung Vorwärts, Berlin SW. 68</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_2" id="Page_2">[Pg 2]</a></span></p> - - - -<div class="m2-2"> -<p class="center p6"> -<em>Gewidmet</em><br /> -dem Andenken meiner unvergeßlichen Schwester, -meiner unermüdlichen Gehilfin bei allen meinen -Büchern und Aufsätzen, der<br /> -<span class="large"><b>Frau verw. <span class="gesperrt">Elisabeth Raetzell</span></b></span><br /> -geb. <span class="gesperrt">Bauke</span>,<br /> -geboren am 30. April 1860 zu Ketschendorf bei -Fürstenwalde, gestorben am 6. Dezember 1915 -zu Friedenau-Berlin, derenwegen ich den Decknamen -<span class="gesperrt">Th. Zell</span> gewählt habe. -</p> -</div> - -<p class="antiqua p2 small center">Copyright 1921 by Vorwärts-Verlag Berlin</p> - - - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_3" id="Page_3">[Pg 3]</a></span></p> - - -<p class="center p4"><a href="#Inhaltsangabe">Inhaltsverzeichnis</a></p> - -<h2><a name="Vorwort" id="Vorwort">Vorwort.</a></h2> - - -<p class="cap">Eine bessere Kenntnis des Tierlebens ist gerade in unseren -Zeiten wünschenswert, weil der Zusammenbruch unseres -Vaterlandes uns zwingt, die Bearbeitung der heimischen -Scholle mit allen Kräften zu fördern, und hierbei eine Vertrautheit -mit den Eigentümlichkeiten unserer Haustiere von -großer Wichtigkeit ist. Daher ist der Versuch gemacht worden, -die Tiere in ihrem Tun und Treiben dem Herzen des Volkes -und unserer Jugend dadurch näher zu bringen, daß gezeigt -wird, wie manche uns befremdenden Handlungen der Tiere -ganz verständlich werden, wenn man sich in ihre Lage -hineinversetzt. Das Haustier hält unverbrüchlich an den Gewohnheiten -seiner wilden Verwandten fest und richtet sich -vielfach nach der Nase im Gegensatz zum Menschen, dessen -wichtigster Sinn das Auge ist, – das ist der Schlüssel des -Geheimnisses. Absichtlich ist bei der Darstellung von allem -nicht unbedingt erforderlichen gelehrten Kram abgesehen -worden.</p> - -<p>Es wäre erfreulich, wenn namentlich die dem Tierleben -so entfremdete Großstadtjugend sich davon überzeugte, daß -die Beobachtung der Haustiere und anderer Tiere eine überreiche -Quelle wahrer Freuden in sich birgt, die einen hinreichenden -Ersatz für die manchmal recht zweifelhaften Genüsse -der großen Städte bietet.</p> - -<p>Die Begründung für die hier gegebenen Erklärungen -findet sich in meinen Büchern. Ebenso sind dort die Dinge -nachzuschlagen, die hier fortgelassen sind, weil sie nicht in -den Rahmen des Buches passen, beispielsweise, weshalb die -Pferde sterben, wenn sie Bucheckern fressen, die Katze Baldrian -liebt, die Drohnen von den Bienen getötet werden und -dergleichen.</p> - -<p>Für die Hilfe, die mir auf pädagogischem Gebiet zuteil -wurde, spreche ich dem unermüdlichen Vorkämpfer für Volksbildung, -Herrn J. Tews, und Frau <span class="antiqua">Dr.</span> Anna Hamburger -auch an dieser Stelle meinen aufrichtigen Dank aus.</p> - -<p> -<span class="gesperrt">Berlin</span> W 57, September 1920.</p> -<p class="right bold large"> -Der Verfasser. -</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_4" id="Page_4">[Pg 4]</a></span></p> - - - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_5" id="Page_5">[Pg 5]</a></span></p> - -<h2> -<img src="images/der_hund.jpg" width="600" height="103" alt="Der Hund" /> -<br /> -<span class="hidden">Der Hund</span> -</h2> - - -<h3><a name="kap_1" id="kap_1">1</a>. Warum bellt der Hund?</h3> - -<p class="cap">Durch das geöffnete Fenster schaue ich mit ein paar Knaben, die in -meinem Hause wohnen und gern Näheres von unseren Haustieren -wissen möchten, an einem schönen Frühlingsmorgen auf die Straße. In -dem uns gegenüberliegenden Plättkeller wird die Tür geöffnet, und mit -lautem Gebell stürzt sich der uns wohlbekannte Spitz »Peter« in das Freie. -In diesem Augenblicke kommt gerade ein Radfahrer vorübergesaust. Auf -drehende Räder scheint es Peter wie die meisten Hunde abgesehen zu -haben, denn mit wahrer Wonne verfolgt er laut blaffend den Radler. Da -dieser um die nächste Ecke biegt, so entschwindet auch Peter unsern Augen. -Erst nach langer Zeit erscheint er wieder in unserm Gesichtskreis. Jetzt -sehen wir ihn schnüffelnd überall am Boden umhersuchen. In der -Zwischenzeit hat ein Vorübergehender ein Stück Unrat, anscheinend vollkommen -verwestes Fleisch, auf die Straße geworfen. Mit Staunen sehen -wir, daß Peter ausgerechnet dieses ekelhafte Zeug mit Wonne beriecht und -dann zu fressen beginnt. Hunger kann ihn dazu nicht veranlassen, denn -wir wissen seit Jahren, daß die beiden Schwestern, die im Plättkeller wohnen, -große Tierfreundinnen sind. Sie darben es sich geradezu vom -Munde ab, um es ihrem Lieblinge zuzuschanzen. Eigentlich hätten sie -einen Hund zur Bewachung nicht mehr nötig, seitdem sich die eine -Schwester verheiratet hat. Als aber vor zwei Jahren ihr damaliger Hund -verunglückte, wurde freudig als Ersatz der damals sechs Wochen alte Peter -gewählt, der ihnen als Geschenk aus ihrem Bekanntenkreise angeboten -wurde.</p> - -<p>Nach dem Fressen scheint Peter Durst zu bekommen, denn er läuft -zum Brunnen, um aus der unten angebrachten Vertiefung seinen Durst -zu löschen. Hierbei trinkt er nicht saugend wie ein Mensch, sondern lappt -das Wasser schnell hintereinander mit der Zunge. Das lange Rennen -scheint ihn ermüdet zu haben, denn er sucht sich in der Nähe des Plättkellers -eine Stelle zum Hinlegen. Und zwar wählt er eine solche, wo die -Sonne recht schön hinscheint. Während andere Hunde sich vor dem Hinlegen -erst einige Male im Kreise herumzudrehen pflegen, können wir -dieses Drehen bei Peter in diesem Falle nicht beobachten, denn er legt -sich ohne große Umstände in die warme Sonne.</p> - -<p>Wir wollen hier zunächst eine Pause machen, ehe wir das Tagewerk -unseres Helden weiter schildern.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_6" id="Page_6">[Pg 6]</a></span></p> - -<p>Alles das, was hier von dem Spitz erzählt worden ist, kann man -alltäglich an zahlreichen Hunden beobachten, und selbst der Großstädter -hat hierzu Gelegenheit, wenn er nur die Augen offen hält. So allbekannt -diese Vorgänge sind, so erscheinen sie jedoch in einem ganz anderen -Lichte, sobald wir uns die Frage vorlegen, weshalb der Hund so handelt.</p> - -<p>Unser Peter hat zunächst gebellt. Warum bellt der Hund? Die Katze -tut es doch nicht, ebenso denken Pferde, Kühe und andere Haustiere nicht -daran.</p> - -<p>Um das zu verstehen, müssen wir etwas ausholen.</p> - -<p>Hunde, Katzen, Pferde, Kühe usw. sind ohne Frage Haustiere. -Haustiere nennen wir solche zahme Tiere, die in einem Lande des -Nutzens oder des Vergnügens halber gezüchtet werden.</p> - -<p>Was waren nun die Haustiere früher, ehe sie der Mensch in seine -Gemeinschaft aufnahm? Von unseren Tauben wissen wir mit Bestimmtheit, -daß alle Taubenrassen von einer einzigen Wildtaube, der Felsentaube, -abstammen, die an den Küsten des Mittelländischen Meeres heimisch -ist. Ebenso haben alle Kaninchenrassen ihre Vorfahren in den Wildkaninchen, -die Ziegenrassen in der Bezoarziege usw.</p> - -<p>Hiernach ist anzunehmen, daß der Hund früher als Wildhund lebte -oder aus einer Kreuzung von hundeartigen Verwandten, wahrscheinlich -von Wölfen und Schakalen, entstanden ist. Näheres soll hierüber am -Schlusse gesagt werden.</p> - -<p>Jedenfalls war der Hund früher ebenfalls ein Raubtier, wie es heute -noch seine Verwandten, die Wölfe, Schakale und Füchse, sind.</p> - -<p>Wie der Mensch nun das, was seine Vorfahren getrieben haben, gewöhnlich -beibehält, so tut das Tier das noch in weit stärkerem Maße. Wir -essen regelmäßig nur das, was bei uns üblich ist, mögen auch benachbarte -Völker andere Leckerbissen haben. So schwärmt der Italiener für -kleine Singvögel, der Franzose für Froschschenkel, während sich bei uns -nur wenige Liebhaber dafür finden. Das Tier hält sich noch viel strenger -an den Speisezettel seiner Vorfahren. Das kommt natürlich daher, weil -es durch seinen Körperbau dazu gezwungen ist. Wie häufig sind in den -Kriegsjahren die Hunde mit Kartoffeln gefüttert worden. Und doch -bleiben sie fast unverdaut, weil der Hund ein früheres Raubtier ist, und -Kartoffeln keine passende Nahrung für ein Raubtier sind.</p> - -<p>Also der Hund war früher ein Raubtier ähnlich wie Wolf, Schakal -und Fuchs. Die Lebensweise dieser Verwandten müssen wir also kennen -lernen, um unsern Hund richtig zu verstehen.</p> - -<p>Bellen nun Wölfe und Schakale? Sie denken nicht daran. Sie -heulen sich wohl, wenn die Dämmerung einbricht, zusammen, um gemeinschaftlich -auf Raub auszugehen. Denn sie sind Geschöpfe, die es umgekehrt -machen wie der Mensch. Sie ruhen am Tage und sind in der -Nacht tätig. Selbstverständlich gibt es auch bei uns in der Nacht tätige -Personen, wie Nachtwächter, Verbrecher, Bummler, aber diese kommen -gegenüber der großen Menge anderer Menschen nicht weiter in Betracht.</p> - -<p>Wie Wölfe und Schakale ist der Hund ein Raubtier. Das will -sagen, daß er nicht wie die Pflanzenfresser von Gräsern, Blättern,<span class="pagenum"><a name="Page_7" id="Page_7">[Pg 7]</a></span> -Moos, Rinde und andern Pflanzenstoffen lebt, sondern andere Tiere zu -töten sucht, um sie zu fressen. Daraus können wir ihm keinen Vorwurf -machen; auch der Mensch ist kein reiner Pflanzenfresser. Das trifft -höchstens bei einem kleinen Kreise von Menschen zu, während die große -Menge Schweine, Rinder, Gänse und andere wohlschmeckende Tiere -mästet, um sie später zu verzehren. Ueberhaupt dienen fast alle unsere -Haustiere unseren eigennützigen Zwecken.</p> - -<p>Ein Raubtier, das ein anderes Geschöpf erbeuten will, muß natürlich -vorsichtig zu Werke gehen. Denn der Pflanzenfresser hat durchaus -keine Lust, sein Grab im Magen des Raubtiers zu finden, sondern sucht -sich auf jede Weise davor zu bewahren. Würden Wölfe, die gern einen -Hasen, einen Hirsch oder ein Reh fressen möchten, schon vor Beginn der -Jagd bellen, so würden sich die Pflanzenfresser vorher in Sicherheit zu -bringen suchen.</p> - -<p>So ist es denn ganz selbstverständlich, daß wilde Hundearten, wie -die in Indien hausenden Kolsums, nicht bellen, ebensowenig die Wölfe -und Schakale. Man hat sich darüber gewundert, daß die Hunde, die -Kolumbus in Amerika zurückließ, das Bellen verlernt hatten. Als man -sie nach langer Zeit wiederfand, waren sie verwildert und stumm geworden. -Das ist doch ganz natürlich. Sie mußten auf eigene Faust, -nachdem sie von den Menschen verlassen worden waren, ihre Nahrung -suchen. Bald merkten sie, daß sie um so schwerer Beute machten, je mehr -sie vorher bellten. Deshalb ließen sie das Bellen sein, wie es ihre Vorfahren -getan hatten.</p> - -<p>Das Bellen ist also eine Eigenschaft des Hundes, die der Wildhund -nicht besitzt. Wohl aber hat er eine Anlage hierzu, wie schon aus seinem -Geheul hervorgeht. Genau so liegt es bei anderen Haustieren. Wildenten -und Wildgänse hüten sich, so viel zu schnattern wie unsere Hausenten -und Hausgänse. Wildenten und Wildgänse sind auf dem Lande -fast immer stumm, um sich ihren zahlreichen Feinden nicht zu verraten. -Auch das fortwährende Krähen hat sich der Hahn als Haustier erst angewöhnt.</p> - -<p>Der Mensch fand bald heraus, daß das Bellen des Hundes für ihn -vom Vorteil war, weil es ihm den nahenden Feind oder einen Besuch -anzeigte. Deshalb bevorzugte er die Hunde, die am meisten zum Bellen -geneigt waren. Da solche Eigenschaften sich zu vererben pflegen, so -hat der Mensch fast allen Hunden das Bellen angezüchtet. Am meisten -eignen sich hierzu die kleinen Hunderassen, die den großsprecherischen -Menschen gleichen, die mit Worten Helden sind, während ihre Taten zu -wünschen übrig lassen. Sie haben zu dem Sprichwort Anlaß gegeben: -Die Hunde, die da bellen, beißen nicht.</p> - -<p>Zu den bellustigsten Hunderassen gehört der Spitz, und demnach auch -unser Peter. Wegen seiner Kläffreudigkeit, die alles Verdächtige anzeigt, -hat man ihn gern da, wo man auf Wachsamkeit Wert legt.</p> - -<p>Wir sehen, daß die Frage, warum der Hund bellt, gar nicht so -leicht zu beantworten ist. Nicht viel leichter sind seine anderen Taten -zu erklären.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_8" id="Page_8">[Pg 8]</a></span></p> - - -<h3><a name="kap_2" id="kap_2">2</a>. Warum bellt der Hund sich drehende Räder an?</h3> - -<p>Peter hat wütend die Räder des vorüberfahrenden Radlers angekläfft. -Was veranlaßt den sonst ziemlich harmlosen Hund zu solchem -Aerger?</p> - -<p>Hierfür müssen wir zwei Gründe annehmen. Wir wissen, daß unsere -Hunde, wie die Wölfe, zu den Raubtieren gehören, die durch ihre Schnelligkeit -Hasen und andere Pflanzenfresser erbeuten. Das tun andere -Raubtiere, z. B. Katzen, nicht. Eine Katze rennt nicht hinter einem -gesunden Hasen her, um ihn zu fangen, obwohl sie Hasenbraten mindestens -ebenso gern frißt wie der Hund. Sie beschleicht den Hasen, was -der Hund kaum jemals tut, weil er viel zu ungeschickt dazu ist. Der Hund -ist also von Hause aus ein Hetzraubtier, die Katze dagegen ein Schleichraubtier.</p> - -<p>Für jedes Hetzraubtier sind schnell vorüberrauschende Gegenstände -von größter Bedeutung. Kann es doch ein Pflanzenfresser sein, der -sich für den ewig hungrigen Magen erbeuten ließe. Darum muß sich -der Hund beeilen. Denn wenn ein schnellfüßiger Pflanzenfresser erst -einen gewissen Vorsprung hat, ist er schwer einzuholen. Die Katze dagegen -lassen schnell sich bewegende Räder ganz kalt, denn sie weiß, daß sie -schnell vorüberhuschende Gegenstände nicht einholen kann.</p> - -<p>Es ist eine alte Erfahrung, daß ein Mensch, der vor einem fremden -Hunde anfängt davon zu laufen, viel eher gebissen wird, als wenn er -stehen bleibt. In dem Hunde werden eben durch die schnellen Bewegungen -des Menschen die uralten Raubtierinstinkte wachgerufen.</p> - -<p>Außer der Lebensweise der wilden Verwandten muß noch ein -zweiter Punkt berücksichtigt werden, der den meisten Menschen vollkommen -unbekannt ist: Die Sinne des Hundes sind durchaus verschieden -von denen des Menschen.</p> - -<p>Der Jäger weiß seit Urzeiten, daß der Hund viel besser mit seiner -Nase das Wild aufspürt, als er es je mit seiner Menschennase zu tun -vermöchte. Gerade deshalb hat er sich einen Hund angeschafft. Es ist -selbst den meisten Großstädtern bekannt, daß die Hundenase der menschlichen -überlegen ist. Aber die wenigsten wissen, daß das Auge des Hundes -bei Tageslicht wenig taugt. Dafür seien einige Beispiele angeführt.</p> - -<p>Ein Gutsbesitzer wunderte sich darüber, daß jedesmal, wenn er mit -seinem Wagen an den weidenden Kühen vorüberfuhr, die beiden Hirtenhunde -mit großem Geblaff die beiden vor dem Wagen gespannten -Schecken, d. h. weiß und dunkel gefärbten Pferde, verfolgten. Er sprach -mit dem Kuhhirten darüber, der ihm folgende Erklärung gab. Die Hunde -halten die beiden Schecken wegen ihrer ähnlichen Färbung ebenfalls für -Kühe und wollen verhindern, daß sie sich von der Herde entfernen. Deshalb -laufen sie mit Gebell hinterdrein.</p> - -<p>Die Erklärung des Kuhhirten dürfte durchaus richtig sein, wie man -ja überhaupt unter solchen Leuten ausgezeichnete Tierbeobachter antrifft. -Wie wenig muß aber das Hundeauge fähig sein, Einzelheiten zu unterscheiden, -wenn es ein Pferd mit einer Kuh verwechseln kann.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_9" id="Page_9">[Pg 9]</a></span></p> - -<p>Der Schweizer Bildhauer Urs Eggenschwyler schildert eine ähnliche -Verwechselung. Er hielt sich einen jungen Löwen von etwa sechs -Monaten, mit dem er spazieren ging. Ein Ziehhund hielt die mächtige -Katze für Seinesgleichen und wollte mit ihr raufen. Erst als er sie vorher -beroch und plötzlich merkte, wen er vor sich hatte, flüchtete er mit -allen Zeichen großer Angst.</p> - -<p>Ein deutscher Forstbeamter in Rußland berichtete vor dem Weltkriege -folgendes Erlebnis. Sein Dachshund wurde von einem Wolf -gepackt und fortgeschleppt. Schnell schoß er nach dem Räuber, der zwar -nicht getroffen wurde, aber die Beute fallen ließ. Nachdem der Hund -wiederhergestellt war, flüchtete das sonst so mutige Tier vor jedem -grauen Geschöpf von Wolfsgröße, z. B. vor einem Schafe.</p> - -<p>Von eigenen Erlebnissen möchte ich hier nur folgende anführen.</p> - -<p>Wir hatten einmal einen Hund, der sich sehr zum Raufbold entwickelt -hatte, weshalb ich ihn an der Leine führte. Wie alle Hunde, -suchte er mit Vorliebe Hundebekanntschaften auf der Straße zu machen. -In einer ziemlich leeren Straße eines Vororts zerrte er plötzlich mächtig -an der Leine, was mich wunderte, da ich keinen anderen Hund erblicken -konnte. Dagegen hatte ein Arbeiter das Pflaster aufgerissen und arbeitete -in der Grube, wobei sein Rücken hervorschaute und sich hin und herbewegte. -Wie ich den Blick des Hundes verfolgte und die Leine nachließ, -wollte er wirklich auf diesen Mann zulaufen, dessen Rücken er für -einen Hund hielt.</p> - -<p>Sehr oft habe ich erlebt, daß Hunde die auf Zäunen verkehrt aufgestülpten -Geschirre für Katzen hielten und anbellten.</p> - -<p>Noch beweisender dürfte folgender Vorfall sein. Wir, d. h. ich und -etwa ein halbes Dutzend Herren, waren bei einem Freunde zu einer -Hasenjagd eingeladen. Jeder führte einen prächtigen Hund bei sich. -Es war im Januar und schönster Sonnenschein, aber sehr windig. Wie -wir das Revier betreten hatten, sahen wir mit einem Male, daß der -Wind von der etwa einige hundert Schritt entfernten Chaussee ein Stück -braunes Packpapier uns zutrieb. Ein menschliches Auge konnte mit -Leichtigkeit bei dem klaren Sonnenschein erkennen, was es war. Die -Hunde dagegen hielten das heranrollende Papier für einen Hasen, und -als wir zum Zwecke einer Prüfung sie losließen, stürzten sie alle darauf. -Erst als sie kurz vor dem Papiere in die Windrichtung gekommen -waren, klärte sie ihre Nase über den Irrtum auf.</p> - -<p>Das Auge des Hundes kann also bei Tageslicht keine Einzelheiten -unterscheiden. Daher rühren die groben Verwechselungen.</p> - -<p>Was man dagegen anführt ist nicht stichhaltig. So hört man oft -erwidern: Ein Hase, der ein paar hundert Schritt entfernt lief, wurde -von meinem Hunde gesehen. Folglich muß er gute Augen haben.</p> - -<p>Der Schluß ist falsch. Der Hund hat nur gesehen, daß sich etwas -Braunes bewegte. Er hat vermutet, daß es ein Hase war, aber nicht -gewußt. Ebenso beweist es nichts, wenn er einen im Schaufenster ausgestellten -ausgestopften Fuchs wütend anbellt. Denn er würde ebenso<span class="pagenum"><a name="Page_10" id="Page_10">[Pg 10]</a></span> -wütend bellen, wenn man diesen Fuchs mit einem rothaarigen Dachshund -vertauschte.</p> - -<p>Dagegen sieht der Hund unzweifelhaft in der Dunkelheit besser als -der Mensch. Infolge der großen Pupillen, d. h. des Schwarzen im Auge, -fallen alle Lichtstrahlen in das Auge. So findet sich der Hund in der -Dunkelheit leicht zurecht, beispielsweise wenn wir mit ihm zur Nachtzeit -durch einen Wald wandern. Das ist auch gar nicht wunderbar, denn -wie Wölfe, Schakale und Füchse, ist auch der Hund ursprünglich ein -nächtliches Tier.</p> - -<p>Gewöhnlich heißt es von der Katze, daß sie ausnahmsweise ein -nächtliches Leben führe. Das ist aber nicht zutreffend. Allerdings ist -die Katze noch mehr Nachttier als der Hund. Das kommt aber daher, -weil ihre Beutetiere, die Mäuse und Ratten, erst in der Dunkelheit aus -ihren Löchern kommen. Sie muß also aus diesem Grunde ihre Haupttätigkeit -in der Nacht ausüben, während der Hund sich mehr der Lebensweise -des Menschen angeschlossen hat und deshalb als Haustier mehr am -Tage tätig ist.</p> - -<p>Sodann nimmt das Auge des Hundes infolge seines Baues Bewegungen -schneller wahr als das des Menschen. Das muß man daraus -schließen, weil alle Tiere mit schwachen Augen allgemein auf Bewegungen -furchtbar achten. Für den Jäger früherer Zeiten ist es oft eine -Lebensfrage gewesen, ein Stück Wild zu erbeuten, um seinen quälenden -Hunger zu befriedigen. Er hat daher stets zu den besten Tierbeobachtern -gehört. Nun ist es seit alter Zeit für den Jäger ein feststehender Grundsatz, -angesichts eines Tieres, das er erbeuten will, niemals eine Bewegung -zu machen. Ein Hirsch, ein Reh, ein Fuchs und andere feinnasige -Tiere flüchten gewöhnlich nicht, wenn man regungslos stehen -bleibt, namentlich wenn die Kleidung mit der Umgebung übereinstimmt. -Deshalb trägt ja auch der Jäger ein der Waldfarbe angepaßtes -Kleid. Die geringste Bewegung genügt jedoch, den Hirsch, das Reh oder -den Fuchs zu einer blitzschnellen Flucht zu veranlassen.</p> - -<p>Das Anbellen der Räder durch Hunde erscheint daher erklärlich, weil -sie als frühere Hetzraubtiere gern alles, was sich schnell bewegt, verfolgen, -damit es ihnen nicht entkommt, und weil das Auge der Hunde Bewegungen -sehr gut sieht.</p> - - -<h3><a name="kap_3" id="kap_3">3</a>. Das Fressen unappetitlicher Sachen.</h3> - -<p>Peter hat, wie wir zu unserm Staunen sahen, schauderhaften Unrat -mit Wonne verzehrt. Auch das kann man nur verstehen, wenn man -weiß, daß der Hund ein früheres Raubtier war.</p> - -<p>Wir wissen, daß, wenn ein Mensch oder ein größeres Tier stirbt, -für die Beseitigung der Leichen gesorgt werden muß. Denn ohne eine -derartige Vorsorge könnten gefährliche Krankheiten ausbrechen. Namentlich -in heißen Ländern würde die Gefahr sehr groß sein. Es ist nun für -die Menschen in diesen Gegenden sehr bequem, daß es zahlreiche Tiere -gibt, die ihm diese gerade nicht sehr angenehme Arbeit abnehmen.<span class="pagenum"><a name="Page_11" id="Page_11">[Pg 11]</a></span> -Namentlich Geier, Hyänen und Schakale finden sich bei jedem toten Tier -ein, und in kurzer Zeit ist alles aufgefressen.</p> - -<p>In Europa sind besonders Wolf und Fuchs, außerdem aber auch -das Wildschwein neben den rabenartigen Vögeln als Aasfresser bekannt. -Der Hund ist seinen Verwandten in dieser Hinsicht sehr ähnlich und hat -ebenfalls eine besondere Vorliebe für verweste Dinge. Manche Hunde -pflegen sogar sich mit dem Rücken auf dem Unrat zu wälzen. Das ist für -den Herrn besonders unangenehm, denn das Tier verpestet später die -ganze Wohnung.</p> - -<p>Reiche Leute sind oft entsetzt, wenn ihr Köter, der in ihrer Wohnung -nur die besten Sachen vorgesetzt erhält, auf der Straße allerlei Unrat -verzehrt. Sie eilen gewöhnlich dann mit dem Hunde zum Tierarzt, was -ganz überflüssig ist. Im allgemeinen weiß jedes Tier viel besser, was -ihm zuträglich ist, als der Mensch.</p> - -<p>Ich bin oft gefragt worden, was man bei einem Hunde machen soll, -der ein sogenannter »Parfümeur« ist, d. h. sich den Rücken mit Unrat -einreibt. Manche Jäger haben schon ihren Hund erschossen, nachdem -alles Prügeln vergeblich war. Sie haben das schweren Herzens getan, -weil gewöhnlich Parfümeurs ausgezeichnete Hunde sind. Prügeln ist -wertlos. Der Hund versteht ja gar nicht, weshalb er Strafe bekommt. -Jedem Geschöpfe riecht das schön, was ihm bekömmlich ist. So riecht -dem Hunde der Unrat wunderbar schön, weshalb er sich von dem Duft -etwas mitnehmen möchte. Wie der Mensch sich ein Veilchen in das -Knopfloch steckt, so wälzt sich der Hund mit dem Rücken im Unrat. Ich -habe immer gefunden, daß die Leute es am besten machten, die ihren -Hund bevor er die Wohnung betrat, erst nach einem Teich oder Graben -führten und ihn etwas daraus apportieren ließen. Dann war er ohne -große Umstände wieder gereinigt.</p> - -<p>Jedenfalls darf ein Mensch, der auf Sauberkeit hält, niemals einen -Hund küssen. Weil der Hund als früherer Aasfresser jeden Dreck beschnuppert, -deshalb soll man namentlich Kindern aufs strengste verbieten, -ein Hundemaul ihrem Gesicht zu nahe kommen zu lassen. Es wird -später besprochen werden, daß hierbei noch andere Gefahren drohen.</p> - - -<h3><a name="kap_4" id="kap_4">4</a>. Das Lappen des Wassers mit der Zunge.</h3> - -<p>Wenn wir einem Pferde oder Schafe beim Saufen zusehen, so bemerken -wir, daß es die Lippen in das Wasser steckt und saugend trinkt. -Hunde dagegen, wie die meisten Raubtiere, lecken das Wasser mit ihrer -langen Zunge. Sie sind dadurch imstande, einen Teller mit einer -Flüssigkeit ganz rein zu lecken, während der Mensch, wenn er das gleiche -Ziel erreichen wollte, zu diesem Zwecke den Teller hochkippen müßte.</p> - -<p>Die Pflanzenfresser, die den Tag über ein- oder zweimal zum Wasser -laufen, um ihren Durst zu löschen, können sich eine Wasserstelle aussuchen, -die tief genug ist, um das Trinken durch Saugen zu gestatten. -Bei den Raubtieren aber liegt die Sache anders. Sie kommen bei der -Verfolgung oft in Gegenden, wo weit und breit keine Trinkstellen anzu<span class="pagenum"><a name="Page_12" id="Page_12">[Pg 12]</a></span>treffen -sind, höchstens infolge eines vorhergegangenen Regens ganz -flache Wasserpfützen. Trotzdem können sie mit ihrem Lappen den Durst -stillen.</p> - -<p>Unser Peter lappt also das Wasser unten am Brunnen, weil das -große Hundemaul zum Saugen schlecht paßt, und weil das Schnellen -mit der Zunge für Raubtiere vorteilhaft ist.</p> - -<p>Uralter Aberglaube ist es, daß der Wolf, im Gegensatz zum Hunde, -das Wasser nicht lappt, sondern wie ein Schaf säuft. Ich habe mir -daraufhin im Zoologischen Garten sämtliche Wolfsarten beim Saufen -angesehen und konnte feststellen, was so auch ganz selbstverständlich ist, -daß sie genau wie unsere Hunde das Wasser mit der Zunge lappen. Da -der Aberglaube unausrottbar ist, so sei hier das bei dieser Gelegenheit -immer wieder aufgetischte Märchen erzählt.</p> - -<p>Hiernach befänden sich unter den Jungen der Wölfe häufig solche, -die aus einer Paarung mit Haushunden herrührten. Diese sogenannten -Wolfshunde seien als ausgezeichnete Hunde von den Bewohnern besonders -geschätzt. Deshalb warteten diese, bis die Wölfin ihre Jungen zum -Wasser führte. Hierbei stellte sich nämlich der Unterschied zwischen den -echten Wölfen und den Wolfshunden heraus. Jene söffen als Wölfe -wie die Schafe, während die Wolfshunde, weil sie von Hunden stammten, -wie diese lappten. Die Wölfin wäre über diese ungeratene Brut empört -und stieße sie ins Wasser, damit sie ertränken. Die Landbewohner warteten -auf diese Verstoßung der eigenen Kinder und fingen die zappelnden -Wolfshunde auf, um sie großzuziehen.</p> - -<p>Dieses Märchen ist ganz albern. Es ist nicht wahr, daß der Wolf -anders trinkt als der Hund. Bei seinem großen Rachen ist das Trinken, -wie das Schaf es tut, ausgeschlossen. Trotz seiner Albernheit wird dieses -Märchen von ernsten Männern weiter erzählt, als wenn sie selbst ein -Dutzend Wolfshunde in der geschilderten Weise aufgefangen hätten.</p> - - -<h3><a name="kap_5" id="kap_5">5</a>. Der Platz in der Sonne und am warmen Ofen. -Das Sich-herumdrehen vor dem Hinlegen.</h3> - -<p>Es ist nicht weiter wunderbar, daß unser Peter sich in die Sonne -gelegt hat. Denn die Vorliebe des Hundes für einen warmen Platz ist -sehr bekannt. Der Landbewohner, der das ganze Jahr über beobachten -kann, mit welchem Wohlbehagen die Hunde in dem warmen Sonnenschein -ihre Glieder strecken, sagt zu seinen Kindern, wenn sie ebenfalls -ruhen und ihren Gliedern die bequemste Lage geben, sie sollen sich nicht -»rekeln«. Rekel oder Räkel ist nämlich der Hund, und der Sinn der -Worte ist natürlich der, sie sollen es nicht dem Hunde nachtun, der in der -Sonnenwärme ruht.</p> - -<p>Noch bekannter ist die Vorliebe des Hundes für den warmen Ofen, -woher die Redensart stammt, »den Hund vom warmen Ofen fortlocken«. -Allgemein heißt es, daß es für den Hund sehr schädlich sei, sich am warmen -Ofen aufzuhalten, und daß es daher gut sei, ihn davon fortzujagen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_13" id="Page_13">[Pg 13]</a></span></p> - -<p>Wir haben schon früher darauf hingewiesen, daß ein Tier gewöhnlich -weit besser versteht, was ihm frommt, als der Mensch. Der Hund gehört -wie seine Vettern Wolf, Fuchs usw. eben zu den nächtlichen Tieren. -Alle nächtlichen Tiere haben das Bedürfnis, zur Erhöhung ihrer Körperwärme -warme Stellen aufzusuchen.</p> - -<p>Es kommt einfach daher, daß die Katze, wenn sie sich sonnt, weit -weniger auffällt, weil sie das mit Vorliebe auf Dächern tut, wo sie vom -Menschen nicht gesehen wird. Füchse sind oft vom Jäger überrascht worden, -wenn sie sich am Tage von den warmen Sonnenstrahlen bestrahlen -ließen und hierbei die Annäherung des Jägers übersehen hatten. Die -Eulen, diese ausgesprochenen Nachttiere, gehen in der Gefangenschaft -zugrunde, wenn man ihnen nicht Gelegenheit gibt, sich von der warmen -Sonne bescheinen zu lassen.</p> - -<p>Wenn also ein sonst abgehärteter Hund hin und wieder am Ofen -liegt, so braucht man sich darüber nicht aufzuregen. Denn im allgemeinen -wird es für seine Gesundheit vorteilhaft sein.</p> - -<p>Vor dem Hinlegen pflegen die meisten Hunde sich einige Male herumzudrehen. -Der große Naturforscher Darwin erklärte diese merkwürdige -Bewegung damit, daß sich die Wildhunde in der Vorzeit erst herumdrehen -mußten, ehe sie in dem dichten Grase eine geeignete Stelle zum -Niederlegen hatten. Diese Ansicht dürfte aus folgenden Gründen nicht -richtig sein. Bei großer Hitze dreht sich der Hund überhaupt nicht vorher -herum, sondern streckt alle Viere möglichst weit von sich. Auch drehen -sich die Wildhunde dort, wo dichtes Gras steht, nicht vor dem Hinlegen -herum. Der Hund dreht sich vielmehr immer dann herum, wenn er -warm liegen und zu diesem Zwecke den Körper einen Kreis bilden lassen -will, damit möglichst wenig Außenfläche vorhanden ist. Um den Kreis -bei seinem ungelenken Rückgrat herauszubekommen, gibt sich der Hund -vorher mehrmals einen Schwung durch Herumdrehen.</p> - - -<h3><a name="kap_6" id="kap_6">6</a>. Das Alter des Hundes.</h3> - -<p>Wir sprachen vorhin davon, daß Peter etwa zwei Jahre alt ist. -Welchem Alter des Menschen entspricht ein solches Hundealter?</p> - -<p>Ein alter deutscher Ausspruch sagt, daß ein Menschenalter gleich -drei Pferdealtern sei, und ein Pferdealter wiederum drei Hundealtern -gleichkomme. Dieser Ausspruch ist recht ungenau. Setzt man ein Menschenalter -auf 70 Jahre, so kämen auf das Pferd fast 25 Jahre, was -etwas hoch ist. Auf den Hund kämen aber nur etwa acht Jahre, was -viel zu wenig ist.</p> - -<p>Gewöhnlich setzt man das Alter des Hundes auf 10 bis 12 Jahre -fest. Manche nennen auch 15 Jahre, sogar 30 Jahre. Wie beim Menschen -kommt es natürlich sehr auf die Lebensweise an. Es gibt Menschen, -die hundert Jahre alt werden, während andere schon mit fünfzig -Jahren verbraucht sind. Aehnliches beobachten wir bei den Hunden. -Unter günstigen Verhältnissen erreichen sie ohne Frage ein Alter von -etwa 18 Jahren. Das ist mir von verschiedenen Hundebesitzern be<span class="pagenum"><a name="Page_14" id="Page_14">[Pg 14]</a></span>stätigt -worden, und ich habe nach meinen eigenen Beobachtungen keinen -Anlaß, daran zu zweifeln. So fällt mir folgendes Erlebnis ein, das -sich im tiefsten Frieden vor etwa ein Dutzend Jahren ereignete. Ich war -auf einer Wanderung begriffen und kehrte in dem Gasthof eines Dorfes -nicht weit von Berlin ein. Die Besitzerin war eine reiche Bäuerin, die -sehr viel Land und Vieh besaß. Mir fiel der Hund auf, da er anscheinend -sehr bejahrt war, und ich erkundigte mich bei der Wirtin nach seinem -Alter. Die Frau erzählte mir, daß er gleichzeitig mit ihrer Tochter, die -jetzt achtzehn Jahre alt sei, Geburtstag feiere. Das wollte ich nicht glauben -und ich fragte bei einem zweiten Besuche die Tochter nach dem Alter -des Hundes. Diese machte die gleichen Angaben wie ihre Mutter und -erzählte mir noch mancherlei von dem Tiere. Namentlich ist mir noch -folgendes im Gedächtnis geblieben: Ihre Mutter könne sich von dem -alten Tier nicht gut trennen und sei deshalb vor einiger Zeit mit ihm -zum Tierarzt gegangen. Dieser habe sich den Hund angesehen und dann -gesagt: »Frau Krüger, haben Sie nicht eine Schrotflinte zu Hause?« -Da sei ihre Mutter furchtbar wütend geworden und mit dem Hunde -fortgegangen. Seitdem wolle sie von dem Tierarzt nichts mehr wissen.</p> - -<p>Bei gesundem Leben auf dem Lande, wo der Hund sich unter natürlichen -Verhältnissen befindet, ist also ein Lebensalter von achtzehn Jahren -nicht unmöglich.</p> - -<p>Wenn ein Geschöpf kaum zwei Jahrzehnte alt wird, so muß es -natürlich früher als der Mensch erwachsen sein. Das ist auch bei dem -Hunde der Fall. Mit sechs Wochen entwöhnt man ihn gewöhnlich von -der Milch der Hündin, und mit sechs Monaten pflegt er die volle Größe -zu erreichen. Aber richtig ausgewachsen ist er erst mit zwei Jahren.</p> - -<p>Hier liegt ein großer Unterschied zwischen Mensch und Hund vor. -Der Hund erreicht seine volle Größe schon nach einem halben Jahre, -während der Mensch etwa achtzehn Jahre alt werden muß. Ist der -Mensch aber mit achtzehn Jahren zu seiner vollen Größe gelangt, so ist -er sicherlich mit 24 Jahren vollkommen ausgewachsen. Diese Verschiedenheit -muß natürlich ihren Grund haben und hat ihn auch. Die Aufklärung -finden wir wieder dadurch, daß wir an die Lebensweise der -wilden Verwandten denken.</p> - -<p>Die Wölfe paaren sich im Januar oder Februar. Nach 63 Tagen, -also etwas über zwei Monaten, gewöhnlich im April, wirft die Wölfin -etwa drei bis zwölf, gewöhnlich vier bis sechs Junge.</p> - -<p>Die im Frühjahr geworfenen Welpen (Wolfsjunge) können sich in -der schönen Jahreszeit prächtig entwickeln. Kommt der Herbst heran, so -haben sie schon die Größe eines Wolfes und müssen sie haben. Denn -jetzt rudeln sich die Wölfe zusammen, um gemeinsam während der kalten -Jahreszeit auf alles Getier Jagd zu machen. Wären die jungen Wölfe -nicht schon so groß wie die alten, so würden sie nicht imstande sein, gemeinsam -langdauernde Hetzen zu machen. Auch würden sie, wenn endlich -der Elch oder der Hirsch erbeutet ist, bei den gemeinschaftlichen Mahlzeiten -weggebissen, wohl gar getötet werden.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_15" id="Page_15">[Pg 15]</a></span></p> - -<p>Da Hund und Wolf die gleiche Tragezeit haben, so verstehen wir, -weshalb sich jeder Hundekenner einen im April oder Mai geworfenen -Hund zur Aufzucht wählen wird. Genau so liegt die Sache bei der -Katze. Bei dem Menschen ist es gleichgültig, ob er im Winter oder im -Sommer geboren ist. Denn er kann das Versäumte nachholen. Ein Hund -dagegen oder eine Katze, die im August geboren ist, kann niemals die -mangelnde Entwicklung nachholen. Denn wenn der nächste Sommer -kommt, sind sechs Monate schon vorüber, und die Entwicklung bereits -abgeschlossen.</p> - -<p>Die jungen Hunde können bei der Geburt weder sehen noch hören. -Erst nach neun bis zwölf Tagen öffnen sich ihre Augen.</p> - -<p>Allgemein herrscht der Glaube, daß man das vortrefflichste Junge -an folgendem Merkmal erkennen kann. Man bringt die Jungen auf -eine andere Stelle, dann wird es zuerst von der Mutter zum Lager -zurückgetragen werden. Erfahrene Hundezüchter bestreiten jedoch, daß -das richtig sei.</p> - -<p>Warum hat nun der Mensch nur ein Kind, höchstens zwei bis -vier, der Hund dagegen manchmal 15 und 18 Junge? Auch das hat -natürlich seinen Grund, den wir ausfindig machen, wenn wir uns die -Lebensweise der wilden Verwandten näher ansehen.</p> - -<p>Im Winter zwingt der Hunger die Wölfe, sich an große wehrhafte -Pflanzenfresser, also Wildrinder, Wildschweine, Elche usw. zu wagen. -Wenn auch gewöhnlich das Rudel Wölfe siegreich bleibt, so verkaufen -die Pflanzenfresser ihr Leben nicht billig. Ein paar Wölfe müssen gewöhnlich -daran glauben. So sagt schon ein altes Jägersprichwort: Wer -Eberköpfe haben will, muß Hundeköpfe daransetzen. Das heißt also, -daß die Ueberwindung eines starken Keilers, d. h. männlichen Wildschweins, -ein paar Hunde kostet, die von den Hauern des Borstentieres -zuschanden geschlagen werden. Bei den anderen Wildhunden liegt die -Sache ähnlich. Die Hyänenhunde in Afrika sollen den Löwen, die Kolsums -in Asien den Tiger angreifen, wobei natürlich ein Rudel sehr viel -Mitglieder verliert.</p> - -<p>Der Hund muß also deshalb so viel Junge haben, weil er in jedem -Jahre bei seinen Angriffen zahlreiche Kameraden verliert. Diese Lücken -müssen notgedrungen ausgefüllt werden.</p> - -<p>An mancherlei Eigentümlichkeiten ersieht man, daß der Hund, wenn -er auch mit sechs Monaten bereits die volle Größe erlangt hat, doch erst -mit zwei Jahren wirklich erwachsen ist. Die Jugend ist am meisten zum -Spielen aufgelegt, und so sind auch junge Hunde sehr spiellustig.</p> - -<p>Die Einflößung des Spieltriebes bei jungen Menschen und jungen -Tieren dient natürlich gewissen Zwecken. Die Kinder und die Jungtiere -sollen sich nämlich für ihre künftigen Lebensaufgaben die Glieder stärken.</p> - -<p>Jetzt verstehen wir, weshalb junge Hunde regelmäßig Haschen -spielen, junge Katzen aber nicht. Hunde sind Hetzraubtiere, schnelles -Laufen ist demnach bei ihnen die Hauptsache. Katzen erbeuten aber -ihre Nahrung nicht durch Hetzen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_16" id="Page_16">[Pg 16]</a></span></p> - -<p>Der junge Hund ist nicht nur spiellustig, sondern ihm fehlt auch -noch der feste Grundzug seines Wesens, der sogenannte Charakter. Sehr -oft wollen Leute ihren jungen Hund weggeben, weil er zu Fremden zu -zutraulich ist, keinen Mut zeigt und überhaupt zu waschlappig ist. Da -viele Hunde, die in der Jugend zu solchen Beanstandungen Anlaß gegeben -haben, sich mit zwei Jahren vollkommen verändert haben, so -kann man über den Grundzug eines Hundes vor Erreichung dieses -Alters kein Urteil abgeben.</p> - - -<h3><a name="kap_7" id="kap_7">7</a>. Die Rassen (Unterarten) des Hundes.</h3> - -<p>Peter ist, wie schon erwähnt wurde, ein Spitz, und zwar ein sogenannter -Wolfsspitz von grauer Farbe. Die Hunde gehören zu den -Säugetieren, denn sie werden von ihren Müttern gesäugt. Mit den -Vögeln, Fischen, Reptilien, z. B. Schlangen, und Amphibien, z. B. -Fröschen, gehören die Säugetiere zu den Wirbeltieren d. h. den Rückgrattieren, -deren Körper eine Wirbelsäule durchzieht, im Gegensatz zu -den andern Stämmen des Tierreichs. Zu den letztgenannten gehören -z. B. die Schnecken und andere Weichtiere, die Insekten und andere -Gliederfüßer, die Würmer und andere mehr.</p> - -<p>Die Säugetiere zerfallen in zahlreiche Ordnungen, so in die Affen, -die dem Menschen ähnlich sind, die Nager, z. B. die Ratten mit ihren -Nagezähnen, die Huftiere, z. B. die Pferde mit ihren harten Hufen, die -im Gegensatz zu denen der meisten anderen huftragenden Tieren nicht gespalten -sind, und in die Raubtiere. Ein Kennzeichen für das Raubtier -ist das Gebiß. Denn wenn ein Tier nicht von Pflanzen, sondern von -anderen Tieren leben will, so muß es sie vorher töten. Da Tiere kein -Handwerkszeug besitzen, so müssen sie hierzu geeignete Gliedmaßen -haben, also entweder bewehrte Füße wie die Katzen oder ein zum Töten -geeignetes Gebiß.</p> - -<p>Hunde haben keine Wehrpfoten, ebenso auch die anderen hundeartigen -Geschöpfe nicht (die sogenannten Kaniden). Wehrpfoten nennt -man auch Pranken oder Branten. Es ist also falsch, wenn man von -den Pranken des Wolfes spricht, denn er besitzt keine. Wölfe, Schakale, -Wildhunde, Füchse usw. können mit ihren Pfoten nicht kämpfen. Sie -können damit nur rennen oder graben. So kann ein Hund sehr schnell -ein Mäuseloch aufbuddeln, was die Katze nicht nachmachen kann. Ebenso -können sie Ställe unterwühlen, um zu den Insassen zu gelangen. Hunde -haben also Renn- oder Grabpfoten.</p> - -<p>Als Ersatz für die fehlenden Wehrpfoten, womit die Katzen außer -ihrem Gebiß ausgestattet sind, haben die Hunde ein mächtiges Gebiß. -Ein Dachshund kann einen Fuchs abwürgen, was die gleichgroße Katze -mit ihrem kleinen Maule nicht könnte.</p> - -<p>Der Hund, der wie der Mensch zunächst ein Milchgebiß bekommt, -hat ausgewachsen 12 Schneidezähne 4 langhervorragende Eckzähne, oben -12 und unten 14 Backenzähne. Er hat dünne Beine und vorn meist fünf, -hinten vier Zehen an den Füßen. Seine Krallen sind nicht zurückziehbar. -Er ist ein Zehengänger, d. h. er geht nicht wie der Mensch oder Bär auf<span class="pagenum"><a name="Page_17" id="Page_17">[Pg 17]</a></span> -der Fußsohle, sondern auf den Zehen. Sein Knie befindet sich daher am -Bauche, nicht, wie man so häufig hört, in der Mitte des Beines. Wenn -wir recht schnell fortkommen wollen, laufen wir übrigens auch auf den -Zehen.</p> - -<p>Von den Hunderassen sollen nur die in Deutschland bekanntesten -angeführt werden.</p> - -<p>Auf den ersten Blick sieht man, daß die Spitze mit den Schäferhunden -große Aehnlichkeit haben. Am häufigsten dürfte jetzt der deutsche -Schäferhund zu sehen sein, während es früher der Colly oder schottische -Schäferhund war. Zwergform des Spitzes ist der sogenannte Zwergspitz.</p> - -<p>Zu den Schäferhunden muß man auch die Pudel und Pinscher -stellen. Den Pudel kennt jedes Kind wegen seines auffallenden Haarwuchses. -Von den Pinschern sieht man jetzt sehr häufig den Dobermann-Pinscher, -während der früher sehr beliebte Schnauzer seltener ist. -Auch hier gibt es Zwergformen, nämlich die glatthaarigen Pinscher, -z. B. Rehpinscher, und die rauhhaarigen Pinscher, die sogenannten -Affenpinscher.</p> - -<p>Ein echter deutscher und sehr schöner großer Hund ist die deutsche -Dogge. Etwas kleiner ist der deutsche Boxer, der im Gegensatz zur englischen -Bulldogge auf geraden Beinen steht. Die Zwergform der Doggen -ist der Mops, den man jetzt selten zu Gesicht bekommt. Sehr beliebt -dagegen ist jetzt die französische Zwergbulldogge mit ihren Fledermausohren. -Andere hierher gehörige große Hunde sind der Neufundländer -und die Bernhardiner.</p> - -<p>Von Jagdhunden dürfte dem Großstädter der kleine krummbeinige -Dachshund oder Dackel am bekanntesten sein, da er viel gehalten wird, -ferner der ewig unruhige, bellustige Terrier, der in seiner Färbung an -ein Meerschweinchen erinnert. Den Gegensatz zum Dachshund bildet -der Windhund, dem man schon äußerlich an seinen hohen Beinen seine -Schnelligkeit ansieht. Die Zwergform von ihm ist das Windspiel, das -sehr zierlich, aber gegen Kälte sehr empfindlich ist. Zu den eigentlichen -Jagdhunden gehört der Vorstehhund oder Hühnerhund, wobei natürlich -unter Hühner nicht die Haushühner, sondern die im freien Felde hausenden -Rebhühner gemeint sind. Hühnerhund ist also ein Hund, der -zur Jagd auf Rebhühner bestimmt ist, indem er nämlich dem Jäger durch -seine feine Nase die Stellen anzeigt, wo sich Rebhühner aufhalten.</p> - -<p>Von ausländischen Hunden wäre allenfalls noch zu erwähnen der -als Polizeihund vielfach verwendete Airedaleterrier, der wie unser großer -Pinscher aussieht, aber einen schwarzen Rücken besitzt. Sehr auffallend -ist auch der Skye(ßkai)-Terrier, der an eine dicke Wurst, die stark behaart -ist, erinnert.</p> - - -<h3><a name="kap_8" id="kap_8">8</a>. Der Zeitsinn der Tiere.</h3> - -<p>Kehren wir jetzt zu unserem kleinen Helden zurück. Der Mann seiner -Herrin, der jetzt auch sein Herr ist, geht zur Arbeit, und Peter pflegt ihn -bis zur Haltestelle der Straßenbahn zu begleiten. Es ist merkwürdig, -welchen Zeitsinn ein Tier besitzt, denn er hat sich bereits erhoben und<span class="pagenum"><a name="Page_18" id="Page_18">[Pg 18]</a></span> -wartet unruhig auf das Erscheinen seines Herrn. Lustig springt er an -ihm hoch und apportiert zunächst ein auf den Damm geworfenes Stück -Holz. Das tut er jeden Morgen, denn er apportiert sehr gern. Das -weiß sein neuer Herr, und da er auch ein großer Tierfreund ist, so tut -er dem Hunde den Gefallen. Hat er Zeit, läßt er das Tier mehrmals -apportieren, denn Peter ist unermüdlich darin. Heute aber hat er es eilig, -und so muß sich der Hund mit dem einen Male begnügen. Peter bringt -seinem vorangeeilten Herrn das Stück Holz und läuft dann ein Stück -voraus. Die schöne Morgensonne hat auch ein anderes Nachttier, eine -große Katze, veranlaßt, sich vor dem Keller in ihren Strahlen ordentlich -zu erwärmen. Peter bellt sie zwar mächtig an, aber er muß von seinem -Herrn oder von ihr früher ordentliche Hiebe erhalten haben, denn er -ist sehr vorsichtig. Die Katze macht zwar einen Buckel, aber sie denkt -nicht daran, in den Keller zu flüchten. Ueberdies wird der Ausbruch -eines Streites durch die Dazwischenkunft seines Herrn verhindert, der -Peter abpfeift und ihm streng alle Angriffsgelüste verbietet.</p> - -<p>Peter verschwindet jetzt unseren Augen, aber wir brauchen nicht -lange zu warten, so taucht er wieder in unserem Gesichtskreise auf. Denn -die Haltestelle ist nur wenige Schritte von der Ecke entfernt, und die -Fahrgelegenheit im allgemeinen günstig. Peter bummelt jetzt heimwärts -und will dabei, wie es alle Hunde tun, mit jedem ihm begegnenden -Artgenossen Bekanntschaft schließen.</p> - -<p>Höchst merkwürdig ist es nun für unsere Begriffe, daß sich zwei Hunde, -die sich kennen lernen wollen, nicht wie Menschen ins Gesicht, besonders -in die Augen sehen, sondern daß sie sich gegenseitig beriechen und ausgerechnet -auch noch an der Verlängerung des Rückens. So tut es auch -unser Peter mit einem ihm begegnenden Terrier. Die Untersuchung -muß nicht zur gegenseitigen Zufriedenheit ausgefallen sein, denn beide -Hunde nehmen die Stellung von Kampfhähnen an und fletschen die -Zähne. Weilten wir in der Nähe, so würden wir sicherlich auch das -Knurren der beiden Tiere hören. Doch auch hier kommt es nicht zu -einer Beißerei, da der Besitzer des Terriers seinen Hund am Halsband -packt und fortreißt. Befriedigt zieht Peter seines Weges, doch sein -Selbstbewußtsein erleidet plötzlich einen starken Stoß. Eine große Dogge -nähert sich ihm mit anscheinend sehr wenig freundlichen Gefühlen. Peter -klemmt den Schwanz zwischen die Beine und flüchtet nach seinem Keller. -Kaum ist er in seinem Bereiche angelangt, so dreht er sich um und bietet -seinem Feinde mutig die Spitze. Auch die Dogge hat anscheinend vor -dem fremden Eigentum Achtung, denn sie setzt ihre Verfolgung nicht -fort. Nachdem sie verschwunden ist, und Peter trotz seines wiederholten -Bellens nicht die Türe geöffnet wird, was sonst stets der Fall ist, scheint -unserem Spitz der Gedanke zu kommen, daß seine eigentliche Herrin in -der Zwischenzeit fortgegangen ist. Das ist auch in der Tat der Fall gewesen, -denn wir haben sie kurz nach dem Weggange ihres Mannes den -Keller verlassen sehen. Peter schnuppert jetzt vor dem Keller sorgfältig -umher und sucht anscheinend die Fährte seiner Herrin. Nach mehrfachem -Hin- und Herrennen folgt er schließlich einer Spur, die, wie wir wissen,<span class="pagenum"><a name="Page_19" id="Page_19">[Pg 19]</a></span> -richtig ist. Doch ist es leicht möglich, daß der Hund nur deshalb die -richtige Spur hält, weil seine Herrin in der Frühe regelmäßig diesen -Weg zu machen pflegt.</p> - -<p>Auch hier wollen wir zunächst eine Pause machen und die Handlungsweise -unseres Peter zu verstehen suchen.</p> - -<p>Es ist seit alten Zeiten bekannt, daß Haustiere sich pünktlich zu ihren -Mahlzeiten melden. Wenn sich nun jemand darüber wunderte, wodurch -das Tier die Stunde der Mahlzeit wisse, da es doch keine Uhr -kenne, so wurde erwidert, daß die eigentliche Uhr sein Magen sei, der -ihm die rechte Zeit angebe. Auch könne beispielsweise ein Hund an -den Vorbereitungen, z. B. an dem Decken des Tisches leicht erkennen, -daß es bald etwas zu essen gäbe. Es ist nun gewiß richtig, daß man -überall mit den einfachsten Erklärungsversuchen einer Sache auf den -Grund gehen soll. Aber es gibt zu viele Fälle, die sich mit der Magenuhr -beim besten Willen nicht erklären lassen.</p> - -<p>So wohnte ich bei einem Manne, dessen großer Neufundländer täglich -seinem Töchterchen um 12 Uhr entgegen lief, um ihr die Schulmappe -zu tragen, wenn sie aus der Schule kam. Woher wußte nun der Hund, -daß es kurz vor 12 war? Gegessen wurde erst um 1 Uhr.</p> - -<p>Ein Kaufmann, der täglich um 5 Uhr sein Geschäft schloß, versicherte -mir, daß sein Hund, der sonst unter seinem Schreibtisch ruhig lag, fast -auf die Minute genau sich erhebe und seinen Herrn schwanzwedelnd anblicke, -ob es nicht nach Hause gehe. Auf seinen Wunsch habe ich mir -den Hund und sein Benehmen im Geschäft mit eigenen Augen angesehen. -Der Vorfall spielte sich in Friedenszeiten ab, so daß der Hunger -als Magenuhr nicht in Betracht kam. Ueberdies hat der Kaufmann -seinen Hund während der Geschäftszeit bis 5 Uhr reichlich gefüttert, damit -ihn nicht etwa die Erwartung auf das Essen in der Wohnung veranlasse, -seinen Herrn zum Aufbruch aufzufordern.</p> - -<p>Bekannt ist es auch, daß gefangene Zugvögel in der Nacht, wo ihre -Artgenossen nach dem Süden gezogen sind, höchst unruhig im Käfig -umherflattern.</p> - -<p>Bei der Jagd ist es eine allbekannte Erscheinung, daß z. B. ein Rehbock -auf die Minute aus dem Walde tritt, um sich auf das Feld zu begeben, -wo er fressen will. Ebenso zeigen sich die Schnepfen im März -fast um dieselbe Zeit, gewöhnlich dann, wenn die Glocken geläutet werden.</p> - -<p>Ein aufmerksamer Tierbeobachter kann oft wahrnehmen, daß Hunde -sich um dieselbe Zeit treffen, um gemeinsam zu spielen oder zu jagen.</p> - - -<h3><a name="kap_9" id="kap_9">9</a>. Der Ortssinn der Tiere.</h3> - -<p>Ebenso rätselhaft wie der Zeitsinn der Tiere ist ihr Ortssinn. Gerade -bei Hunden muß man oft über ihn staunen.</p> - -<p>Wir kennen alle die Geschichte von dem Peter in der Fremde. Er -hat es endlich durchgesetzt, daß er auf Reisen gehen darf. Jetzt aber -kommt er an einen Kreuzweg, und niemand ist da, der ihn zurechtweist.</p> - -<p>Man sollte meinen, daß die Tiere erst recht in Verlegenheit wären, -sobald sie an einen Kreuzweg gelangten. Wir Menschen können uns<span class="pagenum"><a name="Page_20" id="Page_20">[Pg 20]</a></span> -wenigstens dadurch helfen, daß wir die Straßen benennen und den Häusern -Nummern geben. So können wir verhältnismäßig leicht nach -Hause finden, indem wir uns die Straße und die Nummer des Hauses -merken, wo wir wohnen.</p> - -<p>Obwohl der Hund nicht lesen kann, auch wegen seines schwachen Gesichts -davon keinen Gebrauch machen könnte, findet er doch die Straße -regelmäßig wieder, in der sein Herr wohnt. Auch über das Haus ist -er sich gewöhnlich im klaren. Niemals sieht man ihn an einer Straßenecke -stehen und sich überlegen, wohin er eigentlich laufen soll, wie es doch unser -zweibeiniger Peter getan hat.</p> - -<p>Besäßen die Tiere nicht einen hervorragenden Ortssinn, so wäre -es ganz ausgeschlossen, daß man das völlige Erblinden von Hunden und -Pferden manchmal erst durch einen Zufall merkt. Beim Menschen ist -es unmöglich, daß man nicht seine Blindheit merken sollte. Es hat noch -niemand aus Versehen einen Gehilfen in Stellung genommen, der, wie -sich später herausstellte, blind war. Aber sehr häufig werden Pferde gekauft, -die blind sind.</p> - -<p>Bei einem unserer Hunde, der vollkommen blind war, habe ich immer -wieder darüber staunen müssen, wie leicht er sich in den gewohnten -Räumen zurechtfand. Da die Blindheit äußerlich kaum erkennbar war, -so merkte kein Besucher sein Leiden, zumal er sich mit großer Geschwindigkeit -bewegte.</p> - -<p>Auch wir waren uns erst darüber klar geworden, daß er gänzlich -blind war, als er eines Tages mit großer Wucht gegen ein Spind, das -von seiner Stelle gerückt war, rannte. Da wir uns von dem Hunde -nicht trennen wollten, zumal er noch nicht sehr alt war, so haben wir ihn -noch etwa zwei Jahre in diesem Zustande behalten. Allerdings haben -wir während dieser Zeit die Möbel an ihrer Stelle stehen lassen müssen, -denn bei jeder Ortsveränderung rannte das Tier dagegen. Er wußte -es ganz genau, daß die Treppe acht Stufen hatte, denn er lief sie fabelhaft -rasch hinauf. Nur in der letzten Zeit seines Lebens hat er sich geirrt -und sprang häufig, wenn er bereits oben war, nochmals in die Luft. -Er glaubte also, es käme noch eine Stufe.</p> - -<p>Es ist unzählige Male vorgekommen, daß neu gekaufte Hunde ausrücken -und zu ihrem alten Herrn laufen. So kaufte ein Bekannter von -mir, der am Melchiorplatz wohnte, von einem Freunde in Pankow einen -jungen Dackel und fuhr mit dem Tiere in einem Stadtbahnzuge nach -Hause. Ich habe den kleinen Burschen, der sehr ängstlich zu sein schien, -mehrere Male gesehen. Nach einiger Zeit schien sich der Dachshund mit -seiner neuen Herrschaft, sehr tierfreundlichen Personen, ausgesöhnt zu -haben. Eines Tages war er dem Mädchen, das ihn auf dem Platze an -der Leine führte, entwischt und konnte trotz allen Suchens nicht gefunden -werden. Nach stundenlangen ergebnislosen Nachforschungen kam mein -Bekannter auf den Gedanken, seinen Freund in Pankow von dem Verlust -telephonisch in Kenntnis zu setzen. Wie erstaunte er aber, als er -hörte, sein Freund wollte ihn soeben telephonisch benachrichtigen, daß der -an ihn verkaufte Hund soeben in Pankow eingetroffen sei.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_21" id="Page_21">[Pg 21]</a></span></p> - -<p>Der Hund war in Pankow geboren und niemals von der Besitzung -fortgekommen. In Berlin war er nur an der Leine auf dem Platze -spazieren geführt worden. Der Weg von Pankow nach Berlin war -im Stadtbahnzuge zurückgelegt worden. Dieses junge, ängstliche Tier -hatte also den Mut gehabt, durch das Straßengewirr der Großstadt den -Weg nach der Heimat zu suchen. Was uns in Staunen versetzt, ist -eben die Fähigkeit, ohne Kompaß und ohne Karte den richtigen Weg -zu finden.</p> - -<p>Auf den Ortssinn der Tiere kommen wir noch an anderen Stellen zu -sprechen. Der Haß des Hundes gegen die Katze wird besser da erörtert -werden, wenn wir uns mit unserer Mieze beschäftigen.</p> - - -<h3><a name="kap_10" id="kap_10">10</a>. Das Apportieren (Herbringen von Gegenständen) -des Hundes.</h3> - -<p>Peter ist, wie wir sahen, ein Freund vom Apportieren. Es ist allgemein -bekannt, daß die meisten Hunde gern apportieren. Für den -Jäger ist diese Eigenschaft von der größten Wichtigkeit. Was nützte -es ihm, daß er eine Ente geschossen hat, die im Wasser umhertreibt, -wenn sich nicht sein Hektor freudig in die Fluten stürzte und sie herbeibrächte?</p> - -<p>Auf das willige Apportieren des Hundes wird demnach von vielen -Hundebesitzern mit Recht ein bedeutender Wert gelegt. Häufig kann man -sie mit großem Selbstbewußtsein äußern hören: Meinem Hunde habe ich -das Apportieren gründlich beigebracht.</p> - -<p>Diese Ansicht ist nicht ganz richtig. Der Mensch liebt es, seine -Leistungen zu überschätzen.</p> - -<p>Hinge es ganz allein von uns ab, den Tieren das Apportieren beizubringen, -so müßte es uns auch bei den anderen Haustieren glücken. -In Wahrheit ist es schon sehr schwer, einer Katze das Apportieren zu -lehren, und apportierende Kühe und Ziegen hat wohl noch niemand gesehen, -obwohl Ziegen recht kluge Tiere sind.</p> - -<p>Die Behauptung, die man allgemein hört, daß das Apportieren des -Hundes ein Werk des Menschen sei, dürfte also nicht zutreffend sein.</p> - -<p>Ein scheinbarer Grund spricht für diese Ansicht, indem man darauf -hinweist, daß es widersinnig sei, wenn ein freilebendes Tier etwas -schleppe, was zum Genusse eines anderen Geschöpfes bestimmt sei.</p> - -<p>In Wirklichkeit kommt dergleichen sehr oft vor, denn auch im Tierreiche -ist die Mutterliebe unendlich opferwillig. Alle Tiermütter und -viele Tierväter schleppen ihren Jungen, die ihnen zu folgen nicht imstande -sind, die Nahrung nach dem Lager oder Neste. Bei den Vögeln -werden die im Neste hockenden Jungen von früh bis spät von den Eltern -gefüttert, die den Kleinen unermüdlich passende Nahrung zutragen. Das -hat gewiß schon jeder einmal beobachten können. Im Gegensatz zu den -Vögeln sind es bei den Raubtieren gewöhnlich die Mütter allein, die das -Heranschleppen der Beute besorgen. Alle diese Tiere apportieren also<span class="pagenum"><a name="Page_22" id="Page_22">[Pg 22]</a></span> -bereits in der Freiheit, da sie verzehrbare Gegenstände, die ihnen selbst -gut schmecken würden, für andere tragen.</p> - -<p>Hunden und Katzen als früheren Raubtieren liegt das Apportieren -schon im Blute. Mancher junge Hund von drei Monaten nimmt bereits -ein Stück Holz ins Maul und rennt damit herum. Das täte eine -Katze niemals. Gewiß kann man unsere Mieze, wenn man sie sehr lobt, -falls sie eine gefangene Maus bringt, dazu veranlassen, daß sie von jetzt -an jede Maus, die sie erbeutet hat, ihrer Herrschaft erst zeigt, bevor sie -diese verzehrt. Aber das Apportieren ist bei den Katzen immer eine -Ausnahme, während es bei den Hunden die Regel ist.</p> - -<p>Warum besteht eine solche Verschiedenheit? Um das zu verstehen, -müssen wir uns an das erinnern, was vorhin über die Beine von Hunden -und Katzen gesagt wurde. Der Hund hat Renn- und Grabpfoten, aber -keine Pranken, wie die Katze.</p> - -<p>Der Hund ist also in bezug auf Waffen schlechter gestellt als die -Katze. Dafür hat er als Ausgleich ein mächtiges Gebiß, das viel -größer ist als das der Katze. Mit seinem großen Rachen kann er natürlich -viel leichter apportieren als die Katze.</p> - -<p>Hierzu kommt noch die Verschiedenheit der Lebensweise zwischen -Wildhunden und Wildkatzen. Wenn der Wolf ein Schaf abgewürgt -hat oder der Fuchs eine Gans oder ein Huhn gestohlen hat, so dürfen -sie es nicht an Ort und Stelle verzehren, sondern müssen es fortschleppen. -Sonst würde ihnen der Hirte mit seinen Hunden, der Jäger mit seinem -Gewehr oder der Landmann mit seinem Knüttel auf den Pelz rücken.</p> - -<p>Das Tragen im Maule, das doch ohne Frage die Grundlage des -Apportierens ist, kommt also bei den hundeartigen Geschöpfen, also Wölfen, -Füchsen, Wildhunden alltäglich vor.</p> - -<p>Um so seltener ereignet es sich bei der Wildkatze, da sie ihr Opfer -unvermutet zu überfallen pflegt. Nur ausnahmsweise braucht sie es -fortzuschleppen. Gewöhnlich kann sie ihre Beute an der verborgenen -Stelle des Ueberfalls auch verzehren.</p> - -<p>Weil den Hunden das Apportieren infolge ihres großen Rachens -sehr leicht fällt, so haben bereits manche Wildhunde eine Leidenschaft -dafür. In Nordamerika leben zwei Wolfsarten, nämlich der große -Waldwolf und der nur fuchsgroße Coyote. Von dem letztgenannten ist -es allgemein bekannt, daß er mit Vorliebe leblose Gegenstände im -Maule trägt. Den Rinderhirten in diesem Lande, den sogenannten -Cowboys, ist diese Erscheinung so bekannt, daß sie sich hierfür eine Erklärung -nach ihrem Geschmack zurechtgemacht haben. Sie behaupten, -der Coyote trage deshalb gern Sachen im Maule, weil er seine Kiefer -stärken wolle.</p> - -<p>Ja, die Apportierlust so mancher Wildhundarten kann den Reisenden -höchst lästig fallen. In Südamerika lebt eine Fuchsart, der -Aguarachay. Die Reisenden, die im Freien übernachten, verwünschen -ihn in allen Tonarten. Wenn sie am andern Morgen aufwachen, dann -fehlt ihnen ein Schnupftuch, oder ein Zaum, oder ein Steigbügel, oder -ähnliche Dinge. Von den Eingeborenen hören sie, daß der Dieb der ge<span class="pagenum"><a name="Page_23" id="Page_23">[Pg 23]</a></span>nannte -Fuchs sei. Jeder Zweifel ist deswegen ausgeschlossen, weil zahlreiche -bekannte Forscher übereinstimmend das gleiche berichten. Auch -ein guter Bekannter von mir, der zehn Jahre in Südamerika gelebt hat, -wurde oft von diesem Fuchs bestohlen.</p> - -<p>Um ein Haar wurde der berühmte Polarforscher Nansen durch die -Apportierlust der Eisfüchse in die größte Verlegenheit gebracht. Wie er -in seinem bekannten Werke: »In Nacht und Eis« schildert, wurde ihm -zur Nachtzeit von den Eisfüchsen ein Thermometer fortgetragen. Zum -Glück besaß er noch ein anderes, sonst hätte die Aufzeichnung der Temperaturmessungen, -die für den Polarforscher zu den wichtigsten Dingen -gehört, unterbleiben müssen.</p> - -<p>Das Tragen von Gegenständen im Maule ist also für alle Hundearten -etwas seit Urzeiten Uebliches. Bei den Wildkatzenarten können -wir dagegen ähnliches nicht beobachten. Deshalb lernt der Hund das -Apportieren spielend leicht, die Katze dagegen schwer. Genau genommen -lehrt der Mensch den Hund nicht das Apportieren, sondern der Hund besitzt -diesen Trieb, und der Mensch nützt ihn für sich aus.</p> - -<p>Damit der Jagdhund seinem Herrn eine Beute, die der Hund selbst -gern frißt, also einen Hasen oder ein Kaninchen, willig apportiert, muß -er natürlich gut gefüttert werden. Läßt man ihn hungern, so frißt er -von dem Nager oder er verscharrt ihn heimlich, um später davon fressen -zu können.</p> - -<p>Peters Apportierlust ist also, wie wir aus der Lebensweise seiner -wilden Verwandten erkennen, nichts Ungewöhnliches. Bei dieser Gelegenheit -sei bemerkt, daß man es vermeiden soll, einen Hund Steine -apportieren zu lassen, wie es Kinder so gern tun. Zwar hat der Hund, -wie wir wissen, ein kräftiges Gebiß, um Knochen zu zermalmen, aber -es soll nicht dazu dienen, Steine zu packen. Auch können Steine leicht -verschluckt und dadurch das Leben des Tieres schwer gefährdet werden. -Wer also seinen Hund lieb hat, läßt ihn keine Steine apportieren.</p> - -<p>Aus meiner Kinderzeit ist mir noch ein Bilderbogen in Erinnerung, -auf dem geschildert wurde, wie ein Mann sich vor einer schweren Erkältung -durch die Apportierlust seines Hundes rettet. Er hat ein erfrischendes -Bad genommen und seinen Hund zur Bewachung seiner -Kleider zurückgelassen. Als er fröstelnd aus dem Wasser steigt, will -ihn sein Hund nicht zu seinen Kleidern lassen, da er seinen Herrn nicht -erkennt. Alle Versuche, zu seinen Kleidern zu gelangen, scheitern, bis -schließlich dem frierenden Herrn der rettende Gedanke kommt, seinen -Hund apportieren zu lassen, was er, wie er weiß, leidenschaftlich gern -tut. Während der Hund im Wasser das Stück Holz sucht, kann sich sein -Herr anziehen. Kaum steckt er in seinen Kleidern, so erkennt auch der -Hund seinen Herrn wieder.</p> - -<p>Dieser Fall scheint durchaus glaubhaft zu sein. Das Hundeauge -war nicht imstande, seinen Herrn am Gesicht zu erkennen. Aber auch die -Nase versagte, da der eigentümliche Geruch durch das Bad verflogen -war. Erst als der Herr durch das Anziehen der Kleider wieder seinen -dem Hunde bekannten Geruch hat, ist alles in schönster Ordnung.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_24" id="Page_24">[Pg 24]</a></span></p> - - -<h3><a name="kap_11" id="kap_11">11</a>. Die Bedeutung des Geruchssinnes. Der Eigentumssinn -der Hunde.</h3> - -<p>Die Behauptung, daß ein Hund seiner Nase mehr traut als seinen -Augen, wird am überzeugendsten dadurch bewiesen, daß sich zwei Hunde, -die sich begegnen, gegenseitig beriechen. So hat es auch Peter mit -seinem Artgenossen getan. Würde der Hund ein scharfes Auge besitzen, -so wäre dieses Beriechen ganz zwecklos. Der Mensch, der sich in erster -Linie nach den Augen richtet, also ein Augentier wie die Affen und die -Vögel ist, richtet sich erst dann nach dem Geruch, wenn seine Augen ihn -im Stich lassen. Weiß ich beispielsweise nicht, ob eine Flasche, die mit -einer hellen Flüssigkeit gefüllt ist, Essig oder Petroleum oder Spiritus -enthält, so rieche ich daran. Mit den Augen allein kann ich das nicht -entscheiden. So sehen wir, daß in der Apotheke der Provisor alle -Augenblicke an den Flaschen riecht, weil hier nur die Nase Bescheid -geben kann, woraus der Inhalt besteht. Auch für den Koch und den -Parfümhändler ist es sehr wichtig, eine gute Nase zu haben.</p> - -<p>Wir sagen gewöhnlich, daß der Geruch zu den niederen Sinnen -gehöre. Ganz richtig dürfte das nicht sein. Wer seine Wohnung betritt, -ohne zu riechen, daß der Gashahn aus Versehen geöffnet geblieben ist, -kann leicht ums Leben kommen. Ebenso sitzt unsere Nase deshalb oberhalb -des Mundes, damit wir die Speisen, die wir zu uns nehmen, -vorher durch den Geruch prüfen. Viele Menschen sind schon deshalb -erkrankt, weil sie verdorbene Speisen genossen haben. Hätten sie vorher -ihre Nase gebraucht, so wären sie vor diesem Schaden bewahrt geblieben.</p> - -<p>Naturvölker und Jäger werden ganz entschieden bestreiten, daß der -Geruch zu den niederen Sinnen gehöre. Sie erleben jeden Tag, welche -Bedeutung der Geruchsinn ihres Hundes für sie hat. Der Jäger will -Enten schießen. Ob welche im Schilfe des Sees stecken, können wir mit -unsern Augen nicht feststellen. Aber der Hund mit seiner Nase kann es -sofort. Ebenso zeigt er uns, ob ein Fuchs- oder Dachsbau bewohnt ist -oder nicht, wo die Hühner im Kartoffelkraut stecken, wohin der Hase, der -Hirsch, das Reh geflüchtet ist.</p> - -<p>Hat sich der Hase mit seinem braunen Fell auf dem Acker in einer -Sasse, d. h. ausgehöhlten Stelle geduckt, was er mit Vorliebe tut, so ist -er für unsere Augen unsichtbar. Wir sagen dann, er sei durch seine -»Schutzfarbe« gerettet. Denn da die Färbung seines Leibes mit seiner -Umgebung verschwimmt, so ist er durch die Farbe geschützt. Für den -Hund gibt es keine Schutzfarbe. Mag der Hase noch so ähnlich wie seine -Umgebung aussehen, so hat er doch eine andere Ausdünstung. Und diese -Ausdünstung wird von der feinen Nase des Hundes wahrgenommen, -und Freund Hase ist entdeckt.</p> - -<p>So würde ein Hund nie unsere Märchen verstehen, wonach Kinder -im Walde ausgesetzt werden und nicht wieder nach Hause finden. -Wollte ihn jemand aussetzen, so würde er einfach die Nase auf die Erde -setzen und denselben Weg zurücklaufen.</p> - -<p>So ließe sich noch vieles anführen, woraus hervorgeht, daß der<span class="pagenum"><a name="Page_25" id="Page_25">[Pg 25]</a></span> -Geruch ein ungeheuer wichtiger Sinn ist. Vorläufig wollen wir es -genug sein lassen. Wir werden nochmals darauf zurückkommen, wenn -wir von den Polizeihunden und ihren Leistungen sprechen.</p> - -<p>Peter hat, wie wir sahen, bei dem Terrier, mit dem er sich beroch, -geknurrt und die Zähne gezeigt. Vor der großen Dogge dagegen ist er -mit eingeklemmtem Schwanz geflüchtet.</p> - -<p>Es würden sich noch vielmehr Menschen Hunde halten, wenn nicht -die gegenseitige Beißerei üblich wäre. Und zwar kann man beobachten, -daß die gleichen Geschlechter am meisten zum Beißen geneigt sind. Ein -männlicher Hund oder Rüde wird gern mit einem andern Rüden -kämpfen, aber einer Hündin wird er nichts tun, vielmehr sich bei ihr -einzuschmeicheln suchen.</p> - -<p>Wie bei den Menschen, so haben auch die Säugetiere verschiedene -Geschlechter. Peter ist ein Männchen, also ein Rüde. Der Terrier, -den er traf, war ebenfalls ein Rüde. Beide waren nicht abgeneigt, sich -das Fell gegenseitig zu zerzausen.</p> - -<p>Der Grund der Kampflust liegt darin, daß bei den Wildhundarten -der stärkste Hund das Rudel als unbedingter Selbstherrscher leitet. Ein -Auflehnen gegen seine Herrschaft gibt es nicht.</p> - -<p>Wer der stärkste im Rudel ist, kann sich immer erst durch eine -Beißerei feststellen lassen. Jeder Hund ist also bereit, dem andern zu -zeigen, daß er zum Herrn, sein Gegner zum Diener berufen ist.</p> - -<p>Bei den halbwilden Eskimohunden ist noch heute die Alleinherrschaft -des stärksten Hundes im Rudel, der Baas genannt wird, üblich. Altert -der Baas, so verliert er die Leitung und ein jüngerer Hund, der der -kräftigste des Rudels ist, tritt an seine Stelle.</p> - -<p>Da sich gewöhnlich nur Hunde von gleichem Geschlecht beißen, so -haben Gastwirte gewöhnlich Hündinnen. Denn die Gäste halten sich -regelmäßig Rüden, weil die Hündin viel Umstände verursacht, namentlich -dann, wenn sie Junge hat.</p> - -<p>Ein Glück ist es, daß große Hunde gewöhnlich das Gekläff kleiner -Köter unbeachtet lassen. Aber es kommen auch Ausnahmen vor. So -hat Peter schon seit Wochen durch sein andauerndes Anbellen und -Herausfordern den Zorn der großen Dogge erregt. Vor ihr flüchtet er -mit eingeklemmtem Schwanze.</p> - -<p>Dieses Sinkenlassen des Schwanzes dürfte eine Eigentümlichkeit -aller Hundearten sein. Von den Eskimohunden her wissen wir auch -den Grund dafür. Kein Hund des Rudels darf an dem Baas, dem -Leiter, vorübergehen, ohne den Schwanz sinken zu lassen. Tut er es -nicht, so wird er durch Bisse gestraft.</p> - -<p>Das Sinken des Schwanzes bei Peter ist also ein deutliches Zeichen -seiner Furcht.</p> - -<p>Trotzdem dreht er sich herum gegen seinen Feind, sobald er in dem -Bereiche des Kellers ist. Denn hier macht sich sein Eigentumssinn -geltend.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_26" id="Page_26">[Pg 26]</a></span></p> - -<p>Von allen unseren Haustieren hat eigentlich nur der Hund wirklichen -Eigentumssinn. Ein Pferd läßt sich von einem fremden Menschen -stehlen, ohne sich im geringsten dagegen zu wehren.</p> - -<p>Warum besitzt der Hund Eigentumssinn?</p> - -<p>Wir müssen wieder bei den wilden Verwandten fragen.</p> - -<p>Es ist klar, daß sich ein solcher Sinn bei Pflanzenfressern schwerlich -entwickeln wird. Denn ein Streiten um den einzelnen Bissen findet bei -ihnen nicht statt, weshalb manchmal verschiedene Tierarten friedlich -nebeneinander weiden. Am bekanntesten ist das Zusammenweiden von -Zebras, Gnus und Straußen in Afrika.</p> - -<p>Wildhunde dagegen, die ein größeres Tier, einen Hirsch oder eine -Antilope, erbeutet haben, kämpfen um jeden Bissen. Hieraus erklärt -sich auch das für uns widerwärtige Fressen des Hundes von Erbrochenem.</p> - -<p>Würde bei der gemeinsamen Mahlzeit ein Hund nicht schlingen, -so bekäme er so gut wie gar nichts. Um recht viel zu erhalten, preßt -er so viel in den Magen hinein, wie nur möglich ist. Nachher geht er -abseits und gibt das Gefressene von sich. Denn alle Hundeartigen -haben ihren Magen sehr in der Gewalt, weshalb es so schwer ist, Wölfe -oder Füchse zu vergiften.</p> - -<p>Weil also Wildhunde gewöhnlich jeden erhaschten Bissen verteidigen -müssen, deshalb haben Hunde einen sehr ausgeprägten Eigentumssinn.</p> - -<p>Hierzu kommt noch folgendes. Jedes Rudel bewohnt einen bestimmten -Bezirk und behandelt jeden Fremden, der ihn betritt, als Feind. -Auch heute noch halten die verwilderten Hunde in den türkischen Städten -an bestimmten Straßen und Gassen fest. Jedes Rudel überfällt einen -nicht zu ihnen gehörigen Hund und zerreißt ihn, wenn er nicht rechtzeitig -flüchtet.</p> - -<p>Jagdhunde sind gewöhnlich wenig bissig. Wenn aber ein Fremder -einen von einem Jagdhunde erbeuteten Rehbock oder Hasen berühren -will, dann kann er etwas erleben. Denn selbst der gutmütigste Hund -wird dann gefährlich.</p> - -<p>Es entspricht also ganz dem ausgesprochenen Eigentumssinn des -Hundes, daß Peter kehrt macht gegen seinen Verfolger. Auch der Verfolger -achtet das fremde Eigentum in gewissem Sinne. In Dörfern -kann man das alltäglich erleben. Ein Bauer hat einen Hund, der auf -der Straße jeden andern Hund anrempelt; dasselbe Tier ist sehr gesittet, -wenn es der Bauer auf ein fremdes Gehöft mitnimmt. Es läßt -sich auch dort von einem kleinen Köter anblaffen, der solches niemals -auf der Straße wagen würde.</p> - -<p>Kommt es zu einer wirklichen Beißerei zwischen zwei großen -Hunden, so ist jedes Prügeln gewöhnlich aussichtslos und obendrein -sehr gefährlich. Die Hunde sind in ihrer Wut fast gefühllos und beißen -selbst ihren eigenen Herrn, wodurch schon mancher um einen Finger -gekommen ist.</p> - -<p>Nur die Nase, das empfindlichste Organ des Nasentieres, bietet auch -hier Angriffspunkte. Alle Nasentiere, also Füchse, Dachse und andere, -können durch einen starken Hieb über die Nase getötet werden. Handelt<span class="pagenum"><a name="Page_27" id="Page_27">[Pg 27]</a></span> -es sich nicht um einen Hund, dessen Nase sehr wertvoll ist, also einen -Jagdhund, so kann man die Empfindlichkeit der Hundenase als Mittel -zum Auseinanderbringen verbissener Hunde benutzen. In Fachzeitschriften -ist wiederholentlich davon berichtet worden, daß bei Hunden, -die durchaus unempfindlich schienen, das Bestreuen der Nase mit -Schnupftabak oder das Vorhalten einer brennenden Zigarre die sofortige -Lösung der Tiere zur Folge gehabt hat.</p> - - -<h3><a name="kap_12" id="kap_12">12</a>. Soll man sich in der Großstadt einen Hund halten? -Die Stubenreinheit des Hundes.</h3> - -<p>Wir haben unsern Peter nur kurze Zeit beobachtet und dabei gesehen, -daß er in den wenigen Stunden empfindlichen Menschen recht -lästig fallen konnte. Nervösen Personen ist bereits das Hundegebell -etwas, was ihnen auf die Nerven fällt. Aber selbst gesunden Personen -ist es durchaus nicht angenehm, wenn sie beim Radfahren ein Hund -verfolgt. Manche steigen sogar ab, weil sie bei den unberechenbaren -Bewegungen des Tieres einen Sturz befürchten.</p> - -<p>Das Gebissenwerden durch Hunde kommt wohl im großen ganzen -nicht so häufig vor, wie man annehmen sollte. In den Großstädten -pflegt der Maulkorbzwang diese Gefahr sehr herabzumindern. Uebrigens -ist der Maulkorb nur ein unvollkommenes Abwehrmittel. Man ersieht -es daran, daß er beißlustige Hunde nicht hindert, anderen Hunden -Wunden beizubringen.</p> - -<p>Andere, verhältnismäßig selten auftretende Gefahren, beispielsweise -durch Tollwut, sollen später noch besprochen werden.</p> - -<p>Bisher ist noch unerwähnt geblieben, daß ein Tier, das Speise und -Trank zu sich nimmt, natürlich auch Ausscheidungen von sich geben muß. -Bei dem Hunde treten diese Entleerungen in besonders unangenehmer -Form auf. Er beschmutzt die Ecken von Häusern und überhaupt alle -Vorsprünge beim Nässen, während er seine festen Ausscheidungen, die -sogen. »Losung«, mit Vorliebe auf dem Bürgersteig absetzt. Es scheint -ihm keinen Augenblick Sorge zu machen, daß dabei die Stiefelsohlen der -Vorübergehenden mit seiner Losung Bekanntschaft machen können.</p> - -<p>Ein Lichtblick hierbei ist es, daß der Hund wenigstens in der Wohnung -stubenrein ist oder, wie es allgemein heißt, stubenrein gemacht -wird. Darauf werden wir noch näher zu sprechen kommen.</p> - -<p>Was veranlaßt nun den Hund zu dieser Handlungsweise, die anscheinend -jeder Sitte und Scham Hohn spricht?</p> - -<p>Auch hier müssen wir wieder die Lebensweise der wilden Verwandten -um Rat fragen. Von den Wölfen und Füchsen wissen wir es -mit Bestimmtheit, daß sie wie unsere Hunde an den Ecken und an vorspringenden -Punkten nässen.</p> - -<p>Versetzen wir uns in die Lage eines Nasentieres, so erkennen wir, -daß hierdurch die Natur in höchst einfacher Form einen Nachrichtendienst -in der Tierwelt, eine sogenannte »Post«, eingerichtet hat. Kommt -ein Wolf in ein fremdes Gebiet, so braucht er nur die vorspringenden<span class="pagenum"><a name="Page_28" id="Page_28">[Pg 28]</a></span> -Punkte und Ecken zu beriechen und weiß dann sofort, ob hier Artgenossen -hausen oder nicht. Am bequemsten kann er das riechen, wenn -in der Höhe seiner Nase genäßt ist.</p> - -<p>Damit sie stets die erforderliche Flüssigkeit haben, besitzen die -Hundeartigen nur sehr wenig Schweißdrüsen. Jeder hat wohl schon -beobachtet, daß die Hunde, wie der Volksmund sagt, an der heraushängenden -Zunge schwitzen, aber nicht am Körper. Der von der Zunge -herabfließende Speichel soll ohne Frage die lange Zunge und damit -mittelbar den ganzen Körper abkühlen.</p> - -<p>Seine Losung verscharrt der Wolf regelmäßig. Denn bei den -Raubtieren hat sie einen so starken Geruch, daß alle Pflanzenfresser, -Hirsche, Rehe, Hasen usw. das Gebiet verlassen würden, wo sie die Anwesenheit -ihres Feindes durch diesen Umstand wahrgenommen hätten.</p> - -<p>Auch unser Hund pflegt sich an dieses frühere Verscharren häufig zu -erinnern. Denn man sieht nicht selten, daß er nach der Beendigung des -Vorgangs mit den Hinterbeinen scharrt, obwohl das bei dem festen -Steinpflaster vollkommen wirkungslos ist. Manche Leute behaupten, -daß der Hund sich dadurch die Beine reinigen wolle. Das ist ganz ausgeschlossen, -denn im Sande vergräbt er seine Losung auch heute noch, -wie es ja auch die Katze tut.</p> - -<p>Zu der Zeit, wo der Hund die Aufmerksamkeit einer Hündin erregen -will, liegen ihm Räubergedanken fern. Dann vergräbt er die -Losung nicht, sondern setzt sie ausgerechnet auf einen Stein oder sonst -in einer solchen Höhe, daß sie mit der Nase der Hündin in gleicher -Linie ist.</p> - -<p>Zum Glück können die Ausscheidungen der Hunde nicht Träger -von Krankheiten sein. Niemals hat man etwas davon gehört, daß dadurch -Seuchen entstanden sind. Vielmehr behandelte man die Losung -im Altertum als Arzneimittel. Auch heute spielt sie bei der Handschuhfabrikation -eine große Rolle.</p> - -<p>Zuungunsten des Hundes spricht also sehr viel. Man kann es den -Hundefeinden nicht verargen, wenn sie darauf dringen, daß Hunde in -der Stadt überhaupt nicht gehalten werden dürfen.</p> - -<p>Was läßt sich dagegen zugunsten des Hundes geltend machen?</p> - -<p>Da gerade bei uns der Stimme des Auslandes eine übermäßige -Bedeutung beigemessen wird, so sollte es doch den Hundefeinden zu -denken geben, daß man in anderen Kulturstaaten von solcher übertriebenen -Gegnerschaft kaum etwas weiß.</p> - -<p>Hiervon abgesehen sprechen für den Hund folgende Umstände:</p> - -<p>1. Die Verhinderung von Einbrüchen, ja von schweren Verbrechen -dürfte alljährlich einen ziemlich hohen Geldbetrag ausmachen und -manchem Menschen die Gesundheit, ja das Leben bewahrt haben.</p> - -<p>2. Die Rettung von Personen durch Hunde, z. B. von Kindern, die -ins Wasser gefallen waren, dürfte erheblich die Zahl der Menschenleben -übersteigen, die durch Hunde verloren gegangen sind.</p> - -<p>3. Die Leistungen als Blindenführer – von den Polizeihunden sei -ganz abgesehen – zwingt uns zu einer solchen Hochachtung, daß man<span class="pagenum"><a name="Page_29" id="Page_29">[Pg 29]</a></span> -darüber viele Unbequemlichkeiten, die ihre Haltung mit sich bringt, übersehen -muß.</p> - -<p>4. Der Mensch lebt nicht bloß vom Brot allein. Die Kinder in der -Großstadt wachsen in einem steinernen Meer auf, ohne von den Schönheiten -der Natur, die das Landleben in sich birgt, etwas zu erfahren. -Sie kennen die Freude nicht, wenn die Störche zurückkehren, die Schwalben -eintreffen, der erste Kuckucksruf erschallt und tausend andere Dinge, -deren Aufzählung zu weit führen dürfte. Und gerade das kindliche -Herz hat an den Tieren die größte Freude, weil die Kinder sich unbewußt -mit ihnen nahestehend fühlen. Wie oft habe ich es erlebt, daß Großstadtkinder, -die sich sonst schrecklich langweilten, stundenlang mit einem Hunde, -den ein Verwandter mitgebracht hatte, spielten, ja schließlich nicht in -das Bett gehen wollten, weil sie sich nicht von ihm trennen konnten. Nein, -diese Freude den Großstadtkindern zu rauben, brächte ich nicht übers -Herz, selbst wenn der Hund noch einige Fehler mehr besäße.</p> - -<p>5. Selbst im Interesse der Wissenschaft müßte man die Verbannung -der Hunde aus der Stadt beklagen. Wer würde es von den Städtern -noch zugeben, daß der Hund ein Nasentier und nicht, wie der Mensch, ein -Augentier sei, wenn er nicht täglich sähe, wie der Hund sich mit andern -Hunden beröche und überall an der Erde und an den Ecken seine Nase -tätig sein ließe?</p> - -<p>Trotzdem sich also mancherlei zugunsten der Haltung eines Hundes -in der Stadt sagen läßt, so wird doch jeder wirkliche Tierfreund nur -unter besonderen Umständen einen Hund in der Großstadt halten. Es -sind nicht bloß die Belästigungen der Mitmenschen, die er vermeiden -will, sondern er verzichtet darauf, einen Hund zu halten, weil er ihm nicht -die Behandlung bieten kann, die das Tier braucht.</p> - -<p>Als Hetzraubtier ist der Hund an Bewegung gewöhnt, weshalb er -vor Freude hochspringt, wenn sein Herr mit ihm ausgehen will. In -der Großstadt soll man nur Hunde halten, die wenig Auslauf brauchen -wie unsern krummbeinigen Dachshund. Einen Windhund an der Leine -herumzuführen, wie man nicht selten sehen muß, kann fast als Tierquälerei -bezeichnet werden. Denn ein Geschöpf, das zu den schnellsten -Säugetieren gerechnet werden kann und das in der Freiheit gewiß -täglich ein paar deutsche Meilen zurücklegen würde, soll man nicht auf -ein paar Schritte beschränken.</p> - -<p>Ueber die vorhin erwähnte Stubenreinheit der Hunde wäre noch -folgendes zu bemerken.</p> - -<p>Ich entsinne mich noch aus meiner Kindheit, wie mein Vater uns -zeigte, auf welche Weise ein junger Hund stubenrein gemacht wird. Er -wurde mit der Nase in den von ihm gemachten Pfuhl ordentlich gestukt, -bekam dann auf die Rückseite ein paar Klapse und wurde mit -einem »Schämst du dich denn gar nicht« zur Türe hinausbefördert. Da -ein solches Verfahren fast immer den gewünschten Erfolg hatte, so -zweifelte ich keinen Augenblick daran, daß der Hund durch die Ermahnung -und die Schläge ein gewisses Verständnis für das Verwerfliche -seines Treibens bekam und sich besserte.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_30" id="Page_30">[Pg 30]</a></span></p> - -<p>Später, als ich Affen genau studierte, sah ich zu meinem Erstaunen, -daß der Affe, trotz seiner Klugheit, für Stubenreinheit nicht das mindeste -Entgegenkommen zeigte. Ich habe unzählige zahme Affen kennengelernt, -aber keinen einzigen, der stubenrein ist. Weder Prügel noch -Scheltworte richten bei ihnen das geringste aus.</p> - -<p>Hieraus geht klar hervor, daß der Mensch nicht den Hund stubenrein -macht, sondern, wie beim Apportieren, einen im Hunde liegenden -Urtrieb zur Entwicklung bringt.</p> - -<p>So ist es auch in der Tat. Der Hund ist, wie seine Verwandten -Wolf und Fuchs, früher ein Höhlenbewohner gewesen. Die Hundehütte -ist ja weiter nichts als ein Ersatz für die frühere Höhle. Wir wissen nun -vom Dachs, Hamster und andern Höhlenbewohnern, daß sie für ihre -Entleerungen ein besonderes Abteil, eine Art Klosett, besitzen. Sie -wissen aus Instinkt – was das ist, soll später erörtert werden –, daß -sie ihre Höhle mit ihrem Unrat verpesten würden, wenn sie diese Vorsicht -nicht beachteten.</p> - -<p>Der Hund hat also von Hause aus den Trieb, seine Höhle nicht zu -verunreinigen. Das sieht man am besten daraus, daß er sein Lager -nicht verunreinigt, wenn man ihn daran festbindet.</p> - -<p>Der Affe, der auf Bäumen lebt, kann kein Lager verpesten, und -deshalb hat er für Stubenreinheit kein Verständnis.</p> - - -<h3><a name="kap_13" id="kap_13">13</a>. Das Grasfressen der Hunde. Schämen sich manche Hunde?</h3> - -<p>Da sich die Lebensweise des Hundes besser auf dem Lande als in -der Großstadt beobachten läßt, so nehmen wir die Einladung eines Bekannten -an, der ein großer Tierfreund ist und mehrere Hunde auf -seinem Grundstück hält. Unterwegs fällt uns ein Hund auf, der mit -Grasfressen beschäftigt ist.</p> - -<p>Dieses Grasfressen eines Fleischfressers hat seit alter Zeit die Aufmerksamkeit -der Menschen erregt und die verschiedenartigste Deutung -gefunden.</p> - -<p>Wir beobachten jetzt an dem Hunde, daß er sich übergeben muß, wobei -etwas Schleim zu Tage tritt.</p> - -<p>Da für den Landbewohner dieser Vorgang eine alltägliche Erscheinung -ist, so erklärt sich hieraus die Redensart: Es bekommt einem, -wie dem Hunde das Gras, nämlich übel.</p> - -<p>Man glaubte also, daß der Hund als unvernünftiges Tier so wenig -wisse, was ihm eigentlich gut tue, daß er aus reiner Dummheit das -Gras fresse. Weil er vom Grase keine Speise oder Stärke erhält, da -es wider seine Natur ist, so ist die Folge eben die Uebelkeit.</p> - -<p>Nur ein oberflächlicher Tierbeobachter kann diesen Standpunkt einnehmen. -Denn in Wirklichkeit ist es doch höchst wunderbar, daß die -Tiere ohne Belehrung wissen, was ihnen gut tut, und schädliche Dinge -meiden.</p> - -<p>Das Grasfressen soll ferner folgende Gründe haben. Der Hund merkt, -daß er Würmer hat. Um diese zu töten, frißt er scharfkantige Gräser, -damit sie in seinem Leibe die Bösewichter zerschneiden.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_31" id="Page_31">[Pg 31]</a></span></p> - -<p>Da viele Würmer durch Zerschneiden gar nicht getötet werden, so -ist diese Annahme grundfalsch, wobei noch davon abgesehen werden soll, -daß das verschlungene Gras gewiß zu dem erwähnten Zwecke ganz untauglich -wäre.</p> - -<p>Manche halten das Grasfressen für eine bloße Spielerei. Dem kann -ich mich nicht anschließen, nachdem ich folgendes beobachtet habe.</p> - -<p>Ein Hund hatte beim Apportieren von Korken ein kleines Bröckchen -verschluckt. So sehr er bei größeren Stücken seinen Magen in der -Gewalt hat, so suchte er vergeblich durch Erbrechen das Korkstückchen -wieder von sich zu geben. Da der Hund hinaus in den Garten wollte, -so kamen wir seinem Wunsche nach. Er fing sofort an Gras zu kauen -und nach kurzer Zeit trat die erwünschte Wirkung ein. Hiernach muß -ich das Grasfressen – wenigstens in manchen Fällen – für ein Brechmittel -bei Magenverstimmungen halten.</p> - -<p>Daß die Hunde sich auf dem Lande so viel wohler befinden als in -der Stadt, führe ich zum Teil auf diesen Umstand zurück, daß der Hund -in ländlichen Verhältnissen bessere Gelegenheit hat, seine natürlichen -Heilmittel zu benutzen.</p> - -<p>Wir begrüßen unseren Bekannten, Herrn Böhm, der mit seinem -Pudel bereits am Eingange steht, und werden natürlich von dem Hunde, -dem wir nicht bekannt sind, angeblafft.</p> - -<p>Als Wachhunde sind Pudel gewöhnlich ebensowenig zu gebrauchen -wie Jagdhunde. Mit Recht hat man vom Pudel gesagt, daß jemand -seinen Herrn morden könne, ohne daß ihm der Pudel beistände. Auch -der Jagdhund steht seinem Herrn nicht immer bei.</p> - -<p>Dieses Verhalten so kluger Tiere dürfte darauf zurückzuführen sein, -daß der Pudel ein zu großer Menschenfreund ist, um überhaupt Menschen -zu beißen. Dem Jagdhunde steckt sein Wild so im Kopfe, daß ihm andere -Menschen, wenn sie nicht auf Jagd gehen, gleichgültig sind.</p> - -<p>Dagegen ist der Pudel ausgezeichnet zu allerlei Kunststücken geeignet, -und da solche Kunststücke beim Volke sehr beliebt sind, so ist auch der -Pudel ein sehr geschätzter Hund.</p> - -<p>Mit der größten Bereitwilligkeit ist auch unser »Karo«, wie der -Pudel heißt, bereit, zu zeigen was er kann. Kaum haben wir seinem -Herrn gegenüber den Wunsch geäußert, einige Glanzleistungen von Karo -zu sehen, so erhalten wir eine richtige Vorstellung. Erst werden die -einfachen Sachen vorgeführt: Hinsetzen, Schönmachen, die Pfote geben, -auf den Hinterbeinen gehen. Dann kommen die schwierigeren Sachen: -über Stock und Stühle springen und tanzen. Dazwischen muß Karo -zeigen, wie der Hund spricht und beweisen, daß er rechts und links -unterscheiden kann. Nur einen Happen, den er von der rechten Hand -seines Herrn bekommt, nimmt er, sonst läßt er ihn ganz unberücksichtigt.</p> - -<p>Um Karo als Schwimmer und Taucher zu bewundern, gehen wir -nach dem nahegelegenen See. Der Pudel schwimmt vortrefflich, fast wie -eine Ente, und apportiert mit unglaublicher Ausdauer. Wenn er aus -dem Wasser kommt, muß man sich natürlich vorsehen, daß man nicht beim<span class="pagenum"><a name="Page_32" id="Page_32">[Pg 32]</a></span> -Ausschütteln des Felles naß wird. Dieses Schütteln der Haut können wir -ihm nicht nachmachen, da die unsrige nicht so beweglich ist. Wie groß -die Beweglichkeit der Hundehaut ist, ersehen wir deutlich, wenn wir einen -Hund am Nacken hochheben.</p> - -<p>Karo ist ein Rüde und etwa 1½ Jahre alt. Wie Herr Böhm erzählt, -hat er ihn erst seit einigen Monaten. Er ist durch einen Zufall zu -ihm gekommen, da sein bisheriger Herr plötzlich verstorben war, und ihm -der Hund zu einem Spottpreis angeboten wurde. Die erste Zeit sei das -Tier allerdings sehr traurig gewesen und habe wenig Nahrung zu sich -genommen. Jetzt aber habe er sich in die neuen Verhältnisse eingewöhnt -und fühle sich augenscheinlich sehr wohl.</p> - -<p>Es ist eigentlich recht wunderbar, daß fast alle Tiere ohne Unterricht -schwimmen können. Wie lange braucht der Mensch, um ordentlich -schwimmen zu können? Mancher lernt es überhaupt niemals.</p> - -<p>Auch hier wollen wir uns bei den wilden Verwandten erkundigen, -wie es mit ihrer Schwimmkunst steht.</p> - -<p>Die Wildhundarten als Raubtiere müssen natürlich schwimmen -können, denn sonst würden die Pflanzenfresser, die sie verfolgen, sich -jedesmal dadurch retten, daß sie in das Wasser flüchten. Wölfe schwimmen -nicht nur gut, sondern scheinen auch gern in das Wasser zu gehen. Der -Fuchs kann ebenfalls schwimmen, aber man wird nicht behaupten -können, daß er gern ins Wasser geht. In Jagdrevieren kann man beobachten, -daß er lieber einen Umweg macht und über einen Steg geht, -als daß er den Graben durchschwimmt.</p> - -<p>Oft hat Herr Böhm gesagt, wenn der Pudel etwas falsch machte: -»Aber Karo, schämst du dich gar nicht?« Wir kommen darauf zu sprechen, -ob der Hund ein wirkliches Gefühl für »sich schämen« besitzt? Ich bezweifle -es sehr stark, denn ich nehme an, daß der Hund aus dem Tone der -Sprache heraushört, daß der Herr böse ist, und daß ihm etwas Aergerliches -in Aussicht steht. Ich glaube also, daß diese allgemein übliche -Redensart eine Vermenschlichung ist, die beim Tier nicht recht paßt. Zu -einem sonst braven Knaben, der eine Dummheit begangen hat, können -wir mit Recht sagen: Schämst du dich nicht? Wir rufen sein Ehrgefühl -an und verzichten deshalb auf eine Bestrafung. Beim Tiere aber, -selbst wenn es ein kluger Pudel wäre, ein solches Ehrgefühl anzunehmen, -scheint mir unbegründet zu sein. Bei jeder Erklärung muß man zunächst -versuchen, mit einer möglichst einfachen auszukommen.</p> - -<p>Mein Bekannter macht hiergegen geltend, daß ein feinfühliger -Hund oft, wenn er gescholten sei, seinen Herrn links liegen lasse, also -gewissermaßen schneide. Diesen Einwand habe ich schon oft gehört. -Dieses Benehmen ist wohl aber mehr auf Eitelkeit als auf Ehrgefühl -zurückzuführen. Ein Knabe schämt sich bei der Ermahnung seines -Lehrers, weil er sich im stillen sagt: Wenn ich mich ordentlich angestrengt -hätte, würde ich das aufgegebene Gedicht fließend aufsagen können. Bei -einem Hunde kann man aber einen solchen Gedankengang nicht annehmen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_33" id="Page_33">[Pg 33]</a></span></p> - - -<h3><a name="kap_14" id="kap_14">14</a>. Das Laufen gegen den Wind. Warum ist die Hundenase -kühl und feucht? Warum gibt es bei den Hunden Steh-, Kipp- -und Hängeohren? Die Wichtigkeit des Gehörs.</h3> - -<p>Während unserer Unterhaltung hat Karo einen kleinen Privatbummel -gemacht. Wir sehen an dem Rauche der Zigarren, daß der Wind aus -Südwesten kommt und können feststellen, daß der Hund gegen die Windrichtung -gelaufen ist. Jeder Hund, der nicht besondere Ziele verfolgt, -wird bei freier Wahl die Richtung gegen den Wind bevorzugen. Das -liegt allen Raubtieren im Blut. Wie Hunde und Katzen ihre Ausscheidungen -verscharren, damit sie nicht von den Pflanzenfressern gewittert -werden, so laufen sie aus demselben Grunde gegen den Wind. Denn ein -Hirsch oder Reh mit ihren feinen Nasen würden einen Wolf schon aus -sehr weiter Entfernung wittern, wenn er nicht diese Vorsichtsmaßregel -gebrauchte. Der Wind trägt bekanntlich alle Düfte sehr weit. Vor -vielen Jahren wohnten wir fast zwei Kilometer weit von einer chemischen -Fabrik. Wehte der Wind von der Fabrik zu uns, so war es nicht zum -Aushalten, während man sonst nichts davon bemerkte.</p> - -<p>Karo, der schwarze Pudel, hat auch eine kühle und feuchte Nase. -Man nimmt, und wohl mit Recht, an, daß das ein Zeichen von Gesundheit -des Hundes ist. Denn ein kranker Hund pflegt eine trockene und -warme Nase zu haben. Woher kommt das?</p> - -<p>Auch in diesem Falle sieht man wiederum, daß der Hund ein Nasentier -ist. Einmal ist die Nase bei den Geschöpfen, bei denen sie die -Hauptrolle spielt, sehr empfindlich, wie bereits erwähnt wurde. Wenn -wir Menschen einen Schlag auf die Nase bekommen, dann blutet sie -wohl, aber wir empfinden keinen uns betäubenden Schmerz. Ganz -anders liegt die Sache bei einem Schlag ins Auge. Dann sehen wir -ordentliche Feuergarben aufblitzen. Denn bei uns ist das Auge das -wichtigste Organ, weshalb wir eine uns ans Herz gewachsene Sache wie -einen »Augapfel« hüten. Also die Nase ist der wichtigste Sinn des -Hundes, und als solche muß sie feucht sein aus folgenden Gründen.</p> - -<p>Nehmen wir an, wir betreten nach einem Gewitterregen unseren -Garten. Dann empfinden selbst unsere stumpfen Nasen, daß alles -doppelt so stark riecht. Feuchtigkeit unterstützt das Riechvermögen, wie -jeder Jäger weiß. An heißen, trockenen Augusttagen finden die Jagdhunde -manchmal keine Hühner, obwohl solche vorhanden sind. Die -trockene Wärme und die trockene Kälte lassen die Hundenasen viel weniger -leisten als sonst.</p> - -<p>Damit die Hundenase gut wittert, muß sie also feucht sein. Um -feucht zu bleiben, muß sie kühl sein.</p> - -<p>Da die schwarze Farbe alle Duftstoffe stark anzieht, weshalb viele -Aerzte gegen die schwarzen Kleider der Krankenschwestern eingenommen -sind, so ist wahrscheinlich aus diesem Grunde die Nase aller Nasentiere -schwarz. Selbst der Eisbär hat in seinem weißen Pelz eine schwarze -Nase, die schon von weitem auffällt. Man glaubt den Eskimos, daß er -beim Beschleichen der Seehunde mit einer seiner großen Pranken die -Nase bedecke, damit sie ihn nicht verrate.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_34" id="Page_34">[Pg 34]</a></span></p> - -<p>Jetzt wissen wir also, weshalb die Nase des Hundes empfindlich, -kühl, feucht und schwarz ist.</p> - -<p>Karo hat Hängeohren, während Schäferhunde gewöhnlich Steh- -oder Kippohren besitzen. Wie können wir diesen Unterschied erklären?</p> - -<p>Das Gehör ist ein außerordentlich wichtiger Sinn. Nach meiner -Ansicht hören alle Säugetiere mindestens so gut wie der Mensch, gewöhnlich -aber schärfer.</p> - -<p>Auch hier will ich mit größtem Nachdruck die ungeheure Wichtigkeit -des Gehörs hervorheben. Hoffentlich wird also die Bezeichnung Augen- -und Nasentiere nicht mißverstanden und daraus der ganz irrige Schluß -gezogen, daß Augen- und Nasentiere schlecht hören könnten.</p> - -<p>Alle freilebenden Tiere müssen ihr Gehör fortwährend anstrengen. -Daher kommt es, daß wir unter den freilebenden Säugetieren nur Stehohren -antreffen.</p> - -<p>Allerdings sieht man manchmal Hirsche, die in Parks gehalten -werden, mit einem Schlappohr. Da aber solche Hirsche Haustieren -gleichen, weil sie keine Nachstellungen von Feinden erleiden, so bestätigen -sie den Satz, daß ein Säugetier unter natürlichen Verhältnissen Stehohren -besitzt.</p> - -<p>Bei unseren Hunderassen haben also diejenigen, die ihren Verwandten -am ähnlichsten leben, noch Stehohren, so die deutschen Schäferhunde. -Bei den schottischen Schäferhunden fangen bereits die Kippohren -an, weil sie bei uns keine Schafe mehr hüten. Die reinen Haushunde -wie Pudel, Möpse, ja selbst die Jagdhunde haben Schlappohren. Braucht -die Katze keine Mäuse mehr zu fangen, so bekommt sie, wie von der -chinesischen Katze berichtet wird, ebenfalls Schlappohren.</p> - -<p>Ist das Abschneiden der Ohrlappen, das sogenannte Kupieren, zu -billigen? Gewöhnlich wird es als große Tierquälerei getadelt. So einfach -liegt die Sache jedoch nicht. Unter natürlichen Verhältnissen steht, -wie wir sahen, das Ohr aufrecht. Bei unseren Haushunden sind dagegen -Hängeohren die Regel. Durch den vorhängenden Ohrlappen wird namentlich -bei langhaarigen Hunden manchmal eine solche Hitze erzeugt, -daß die Hunde große Ohrenschmerzen leiden. Wenn man also durch -das Kupieren beabsichtigt, den Hund vor Schmerzen zu bewahren, so -läßt sich dagegen wenig einwenden.</p> - - -<h3><a name="kap_15" id="kap_15">15</a>. Warum fürchtet sich der Hund vor dem leeren Wasserglase? -Warum bellt er den Mond an?</h3> - -<p>Wir kehren zu unserem Karo zurück und benutzen die Gelegenheit, -um über einige Streitfragen Aufklärung zu bekommen. Die meisten -Hunde fürchten sich vor einem leeren Wasserglas, und man findet die Erklärung -darin, daß die Hunde früher einmal mit Wasser begossen worden -sind und deshalb das Wasserglas scheuen. Bei der wasserscheuen Katze -wäre diese Erklärung einleuchtend, aber die Furcht des Hundes vor dem -leeren Wasserglase habe ich bei Katzen nicht feststellen können. Außerdem -müßte sich ein Hund dann erst recht vor einer Gießkanne fürchten,<span class="pagenum"><a name="Page_35" id="Page_35">[Pg 35]</a></span> -mit der man ihn begossen hat. Das habe ich wiederholentlich getan, -aber niemals das Zurückweichen wie vor dem Wasserglase beobachten -können.</p> - -<p>Unser Bekannter hat inzwischen ein Wasserglas geholt und wir -können bei Karo genau das beobachten, was bei Hunden üblich ist. -Bringt man ihm das Glas in die Nähe des Kopfes, so ist ihm das anscheinend -sehr unangenehm, und er weicht zurück.</p> - -<p>Da der Hund ein Nasentier ist, das sich in erster Linie nach der Nase -richtet, und das Glas wohl zu den wenigen Gegenständen gehört, die -wenig oder gar keine Ausdünstung haben, so befindet sich der Hund in -der üblen Lage, daß seine Augen etwas wahrnehmen, seine treue Nase -aber nichts. Das ist ihm unangenehm und er will sich fortwenden. Das -sieht man beispielsweise, wenn ein Hund von fern in einen Spiegel -schaut, wie es bei Umzügen vorkommt, wo ein großer Wandspiegel auf -der Straße steht. So sah ich, wie eine Dogge in einem solchen Falle die -Haare sträubte und auf den Spiegel zuging, weil sie glaubte, einen -Gegner anzutreffen. In der Nähe beroch sie den Spiegel und lief fort, -da ihre Nase ihr berichtet hatte, daß es sich um ein Gespenst gehandelt -hatte.</p> - -<p>Augentiere dagegen, wie der Affe, haben große Vorliebe für einen -Spiegel, wovon man sich in Zoologischen Gärten oft überzeugen kann.</p> - -<p>Auch die alte Streitfrage, ob Hunde Bilder erkennen, verneint Herr -Böhm aufs entschiedenste. Sein Karo und sein Hektor, ein Jagdhund, -den wir gleich noch kennenlernen werden, beachten das große Bild -von ihm gar nicht, obwohl sie sehr anhänglich wären. Uebrigens hat -schon der große Naturforscher Alexander von Humboldt vor mehr als -hundert Jahren genau das gleiche beobachtet. Er weist darauf hin, daß -die klügsten Hunde ganz kalt bei Bildern bleiben, während seine zahmen -Affen nach den gemalten Gegenständen griffen.</p> - -<p>Kürzlich, so erzählt uns unser Bekannter, ging er mit seinem Hektor -spazieren und kam dabei an einem großen Garten vorbei, in dem, wie -es so häufig vorkommt, ein aus einer Tonmasse hergestelltes Reh im -Grase ruhte. Da das Reh sehr natürlich wiedergegeben war, so erregte -es die Aufmerksamkeit des Hundes, der bei der Windrichtung keine Witterung -von dem Gegenstande bekommen konnte. Da der Garten einem -lieben Freunde von ihm gehörte, so öffnete Herr Böhm die Gartentür, -um zu sehen, was der Hund beginnen würde. Er benahm sich genau -so wie die vorhin erwähnte Dogge vor dem Wandspiegel. Nachdem er -das Reh berochen hatte, ließ er es links liegen.</p> - -<p>Bei dieser Gelegenheit erwähnt Herr Böhm, daß er schon häufig in -der Nachtruhe durch das Gebell der Hunde bei klarem Vollmond gestört -worden sei. Diese Beobachtung ist sehr alt, denn sie hat zu der Redensart -Anlaß gegeben: Die Hunde bellen den Mond an, um damit auszudrücken, -daß der Mensch in diesem Falle ein Bild sinnlosen Tuns erblicken -könne. Diese allgemein herrschende Ansicht, wonach sich ein verächtliches -Geschöpf, wie der Hund, über einen erhabenen Himmelskörper -ärgere und ihn zu begeifern trachte, ist unzweifelhaft unrichtig. Darüber<span class="pagenum"><a name="Page_36" id="Page_36">[Pg 36]</a></span> -bin ich mit meinen Bekannten einig. Was aber der wahre Grund der -Erregung der Hunde gegen den Mond ist, läßt sich nicht leicht sagen.</p> - -<p>Die Araber erzählen von ihren Hunden, daß sie oft die weißen -Wolken am Himmel anbellen. Dann ließe sich das Unbehagen des -Hundes in der gleichen Weise erklären, wie bei dem leeren Wasserglase. -Seine Augen sehen etwas Glänzendes, Helles, nämlich den Mond, die -Wolken, das Glas, aber sein Hauptsinn meldet nichts von der Erscheinung. -Dem Hunde geht es genau so, als wenn wir Geisterstimmen -hören, aber nichts entdecken können. Oder wir merken, daß es brandig -riecht, können aber die Brandstelle nicht finden.</p> - -<p>Es kann aber auch sein, daß der wahre Grund ein anderer ist. Viele -Jäger behaupten, daß der Vollmond auf alles Wild und Getier eine -auffallend erregende Wirkung ausübe. Dann belle also der Hund gar -nicht den Mond an, wie man vermute, sondern bei ihm als früherem -Raubtier werde durch den Vollmond die Erinnerung an die vergangenen -Zeiten aufgefrischt, wo er beim Vollmondschein besonders eifrig jagte.</p> - - -<h3><a name="kap_16" id="kap_16">16</a>. Warum wedelt der Hund mit dem Schwanze?</h3> - -<p>Eine der auffallendsten Erscheinungen ist das Wedeln des Hundes -mit dem Schwanze. Sowohl Peter hat seinen Herrn bei seinem Erscheinen -durch Schwanzwedeln begrüßt, als auch Karo läßt in Gegenwart -unseres Bekannten seinen Schwanz kaum zur Ruhe gelangen. Die -Erklärung dafür ist aber recht verwickelt, so daß wir sie vorläufig zurückgestellt -hatten.</p> - -<p>Auch hier können wir einen wirklichen Fingerzeig zum richtigen -Wege nur dadurch erhalten, daß wir uns in die Lebensweise der wilden -Verwandten unseres Hundes versetzen. Sowohl Wölfe wie Schakale -wedeln mit dem Schwanze, um ein Zeichen ihrer friedlichen Gesinnung -zu geben. Das Schwanzwedeln muß also in ihrer Lebensweise eine wichtige -Rolle spielen.</p> - -<p>Auffallend ist es, daß wir bei unseren anderen Haustieren eine solche -Kundgebung durch den Schwanz nicht kennen. Wenn die Katze ihren -Schwanz bewegt, so hat das einen ganz anderen Zweck. Pferde und -Kühe bewegen zwar auch ihren Schwanz, aber um damit Fliegen abzuwehren, -nicht jedoch, um uns zu zeigen, daß sie es gut mit uns meinen.</p> - -<p>Wir erwähnten früher, daß noch heute die verwilderten Hunde in -Konstantinopel jeden fremden Hund zu zerreißen suchen. Nun kommen -bei Wildhunden häufig Fälle vor, wo ein Rudel durch Kämpfe so geschwächt -oder durch Nachwuchs so stark geworden ist, daß sich einige von -ihnen einem anderen Rudel anschließen wollen. Noch häufiger wird es -vorkommen, daß ein von einem Rudel versprengter Hund erst nach -einigen Tagen seine Artgenossen findet.</p> - -<p>Wir wissen, daß alle Hunde nach Möglichkeit gegen den Wind -laufen, um durch ihre Nase zu erfahren, was sich vor ihnen befindet. -Kommt nun ein versprengter Wildhund zu seinem Rudel, so weiß er -zwar durch seine Nase, daß er vor seinem alten Rudel steht, aber die<span class="pagenum"><a name="Page_37" id="Page_37">[Pg 37]</a></span> -Kameraden wissen nicht, daß es sich um einen Angehörigen von ihnen -handelt. Denn der Wind weht von dem Rudel zum Ankömmling, nicht -aber vom Ankömmling zum Rudel.</p> - -<p>Bei Wildpferden und Wildrindern werden ebenfalls versprengte -Mitglieder manchmal zurückkehren. Auch die Wildpferde laufen gegen -den Wind und besitzen ebenfalls nur ein schwaches Auge wie der Hund. -Trotzdem ist das Leben des Ankömmlings nicht gefährdet. Er erhält -vielleicht einen unbedeutenden Stoß oder Huftritt, ehe die Seinen erkennen, -daß es ein alter Genosse ist.</p> - -<p>Ganz anders liegt die Sache bei den Wildhundarten. Stürzen sie -sich infolge ihres schwachen Gesichts, und weil ihre Nase wegen der ungünstigen -Windrichtung nichts leisten kann, auf den vermeintlichen -Fremdling, so ist es um ihn geschehen. Er ist in kurzer Zeit abgewürgt.</p> - -<p>Die ungeheure Gefahr, die einem versprengten Wildhund bei seiner -Rückkehr droht, ebenso allen Ankömmlingen, die sich in bester Absicht -dem Rudel nähern, machte für die Hundearten ein Signal, also ein deutliches -Zeichen für Freundschaft nötig. Das erhielten sie durch das -Wedeln mit dem Schwanze.</p> - -<p>Da das Auge des Hundes, wie wir wissen, Bewegungen sehr gut -sieht, so kann das Signal kaum jemals übersehen werden. Der versprengte -Hund braucht bei seiner Rückkehr also nur mit dem Schwanze -zu wedeln, um dasselbe zu erreichen, was die Menschen, die sich als -Krieger gegenüberstehen, durch Hissen eines weißen Taschentuches bezwecken.</p> - -<p>Allbekannt ist es, daß man einen fremden Hund dadurch in eine -freundliche Stimmung versetzen kann, daß man mit der Hand auf das -Knie klopft und dabei ruft: »Komm, gutes Hundchen, komm her!« Der -merkwürdige Erfolg dieser Bewegung erklärt sich einfach als eine Nachahmung -des Schweifwedelns. Die Bewegungen des Armes in Kniehöhe -erinnern an die Bewegungen des Schwanzes. Das Klopfen ist -vollkommen gleichgültig.</p> - - -<h3><a name="kap_17" id="kap_17">17</a>. Warum gibt es kurzhaarige Hunde? Der Windhund.</h3> - -<p>Karo wird jetzt in das Haus gebracht, und uns an seiner Stelle -Hektor vorgeführt, ein sehr schöner, kurzhaariger Jagdhund. Beide -Hunde vertragen sich ganz gut, sind aber sehr eifersüchtig aufeinander. -Jeder Hundebesitzer weiß, daß der Neid unter den Hunden sehr groß ist. -Wenn ein Hund einmal nicht fressen wollte, was in Friedenszeiten nicht -selten vorkam, so brauchte man nur zu rufen: »Ich werde es dem -Pussel, nämlich dem Hunde des Nachbars, oder der Katze geben,« dann -packte der Neid den Hund derartig, daß er alles bis auf den letzten Bissen -hinunterschluckte.</p> - -<p>Da der Wildhund, wie wir am Wolfe sehen, selbst im Sommer -nicht kurzhaarig wird, so muß der Mensch den Hunden künstlich die -Kurzhaarigkeit angezüchtet haben. Warum hat er das getan?</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_38" id="Page_38">[Pg 38]</a></span></p> - -<p>Der Jäger gebraucht den Hühnerhund, wie wir bereits wissen, besonders -bei der Jagd auf Rebhühner. Diese beginnt gewöhnlich im -August, wo es manchmal glühend heiß ist. Das andauernde Laufen in -der brennenden Sonnenglut kann ein Wildhund nicht vertragen. Denn -als nächtliches Tier ruht er zu dieser Zeit irgendwo in einem schattigen -Gebüsch.</p> - -<p>Ein kurzhaariger Jagdhund kann bei seiner geringen Behaarung -der Sonnenglut viel leichter standhalten. Trotzdem macht der Jäger -an heißen Augusttagen zur Mittagszeit eine Pause.</p> - -<p>Aber nicht nur der Jäger hat von der Kurzhaarigkeit Vorteil. -Jeder Hundebesitzer weiß, wie schwierig die Haarpflege bei langhaarigen -Hunden ist. Auch kann man dem Ungeziefer schwer beikommen.</p> - -<p>In der freien Natur vollzieht sich der Haarwechsel, der im Frühjahr -und im Herbst eintritt, sehr schnell. Wölfe und Füchse brauchen -nicht gekämmt zu werden, um die alten Winterhaare zu verlieren. Sie -krauchen fast alltäglich durch Gebüsch und Dornen, die das Kämmen -besser als der Mensch mit einem Kamm besorgen. So sehen freilebende -Tiere immer glatt aus.</p> - -<p>Stubenhunde dagegen, die wenig Bewegung haben, haaren so -ziemlich das ganze Jahr und können dem Besitzer fortwährend Arbeit -verursachen. Bei langhaarigen Hunden ist das natürlich besonders -schlimm.</p> - -<p>Kurzhaarigen Hunden im Winter bei strengem Frost eine Decke -auflegen, ist also keine Verzärtlichung, wie man häufig hört. Denn -wir Menschen haben den Hunden das natürliche Haarkleid, das sie bei -großer Kälte brauchen, fortgezüchtet.</p> - -<p>Wie schön wäre es doch für uns Menschen, wenn auch uns im -Winter die notwendige wärmere Bekleidung von der Natur geschenkt -würde, wie es bei den Tieren der Fall ist. Namentlich jetzt bei den -so teuren Preisen!</p> - -<p>Weil kurzhaarige Hunde im Winter leicht frieren, so hat man ein -Mittelglied zwischen ihnen und den langhaarigen Hunden gezüchtet, -nämlich stichelhaarige oder rauhhaarige.</p> - -<p>Während die Kunststücke beim Pudel nur Unterhaltungswert besitzen, -ist die Abrichtung eines Jagdhundes für den Jäger von großem -Wert. Er muß stets an der linken Seite gehen, um seinem Herrn beim -Schießen nicht hinderlich zu sein, er muß auf den Zuruf »nieder« oder »down (daun)!« sich fest auf die Erde legen. Dadurch erreicht man, -daß man den Hund ohne Leine fest in der Hand behält, wenn er beispielsweise -bei einer Hetze uns entschwinden will.</p> - -<p>Herr Böhm zeigt uns, wie gut Hektor dressiert ist. Er apportiert -mit Freuden, selbst eine tote Krähe, was Hunde sonst nicht gern mögen.</p> - -<p>Unser Bekannter räumt ein, daß man Jagdhunde nicht zu sehr wegen -ihrer Anhänglichkeit auf die Probe stellen darf. Wie groß die Jagdleidenschaft -ist, erkennt man daran, daß der gierigste Fresser oft das Essen -unbeachtet läßt, wenn es zur Jagd geht.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_39" id="Page_39">[Pg 39]</a></span></p> - -<p>Ich habe selbst erlebt, daß in dem Jagdrevier eines Freundes, in -dem ich jagen durfte, die Jagdhunde ihren alten Wärter im Stich -ließen und sich mir, dem Fremden, anschlossen, nur weil ich mit dem -Gewehr auf Jagd ging.</p> - -<p>Herr Böhm erzählt uns von seinen früheren Hunden. So hat er -viele Jahre einen Dachshund »Männe« gehabt. Wie alle Dachshunde -war er sehr selbständig und gehorchte seinem Herrn regelmäßig nur -dann, wenn es ihm paßte.</p> - -<p>Der Unabhängigkeitssinn des Dachshundes im Verhältnis zu seinem -Herrn, den man bei anderen Hunden nicht antrifft, muß natürlich seinen -Grund haben und hat ihn auch. Der Dachshund wird von den Jägern -dazu gebraucht, um Dachse und Füchse, die in ihre Höhle geflüchtet sind, -zu stellen, möglicherweise auch zu würgen. Bei diesem unterirdischen -Kampf auf Leben und Tod hat der Mensch es sehr leicht zu sagen: »Faß, -mein Hundchen, faß!« Das Zufassen wäre in dem Zeitpunkte vielleicht -gerade ein großer Fehler, denn es darf nur in einem günstigen Augenblicke -geschehen. Der Dachshund hat sich also daran gewöhnt, das, was -sein Herr sagt, nicht sonderlich zu achten.</p> - -<p>Ganz besonders liebte es »Männe«, Knochen für eine spätere Zeit -sich aufzuheben und zu diesem Zwecke zu verscharren. Der Dachshund -ist zum Wiederauffinden der verscharrten Knochen ganz besonders geeignet, -da seine Nase sehr fein ist und sich obendrein ganz nahe am -Erdboden befindet.</p> - -<p>Auch einen Windhund »Roland« hat mein Bekannter längere Zeit -besessen, hat ihn aber wieder weggegeben, da er für ihn keine Verwendung -hatte. Der Windhund nimmt noch eine größere Ausnahmestellung -unter den Hunden ein als der Dachshund.</p> - -<p>Gerade der Windhund ist ein untrüglicher Beweis dafür, daß Auge -und Nase in einer gewissen Abhängigkeit voneinander stehen. Von allen -Hunden sieht er am besten und muß auch am besten sehen, da er als -Hetzer vorher das Wild erblicken muß, das er einholen will. Dafür ist -auch sein Geruch, wie schon die kleine Nase andeutet, nicht entwickelt -genug, um, wie die andern Hunde, mit ihm eine Fährte dauernd zu -halten.</p> - -<p>Auf dieses geringere Geruchsvermögen des Windhundes führt man -es zurück, daß er an den Menschen so wenig anhänglich ist. Man hat -nämlich bei säugenden Hunden, die durch einen Unglücksfall ihre Riechfähigkeit -eingebüßt, festgestellt, eine wie ungeheure Rolle bei den -Hunden die Nase spielt. Sie konnten ihre Mutter nicht mehr finden -und später die verschiedenen Speisen nicht unterscheiden. Auch waren -sie nicht im geringsten anhänglich an ihren Herrn.</p> - -<p>Dieser Mangel an Anhänglichkeit bei riechunfähigen Hunden kommt -einfach daher, weil sie kein Mittel haben, um ihren Herrn von anderen -Menschen zu unterscheiden. Sie gleichen jungen Affen, denen man die -Augen ausgestochen hat. Auch diese würden nicht anhänglich werden, -weil sie ihren Herrn von andern Personen nicht unterscheiden können.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_40" id="Page_40">[Pg 40]</a></span></p> - -<p>Der Windhund dagegen ist deshalb weniger anhänglich, weil er von -einer Wildhundart abstammt, die, wie die Katze, gewöhnlich allein jagt. -Der Windhund mit seiner ungeheuren Geschwindigkeit braucht kaum -einen Mithelfer, um Beute zu erlangen. Deshalb heult er sich auch -nicht mit andern Wildhunden zusammen. Aus diesem Grunde neigt -der Windhund sehr wenig zum Bellen.</p> - - -<h3><a name="kap_18" id="kap_18">18</a>. Der Schäferhund als Polizei- und Blindenhund.</h3> - -<p>Auch einen Schäferhund hat Herr Böhm besessen und will sich einen -solchen wieder anschaffen, da Pudel und Jagdhunde, wie wir wissen, -als Wächter für Grundstücke weniger passen.</p> - -<p>Der Schäferhund hat nicht ganz das Auge des Windhundes, immerhin -aber ist es viel besser als bei den meisten andern Hunden. Das -rührt von seiner Tätigkeit beim Hüten der Schafe her.</p> - -<p>Zum Polizeihund ausgerechnet den Schäferhund zu wählen, wird -man kaum gutheißen können. Bei der Jagd hat man eigentlich den -Schäferhund nur gebraucht, wenn man Wildschweine ausfindig machen -wollte. Diese aber haben eine so strenge Ausdünstung, daß man sie fast -mit der Menschennase finden kann.</p> - -<p>Trotzdem hat man den deutschen Schäferhund zum Polizeihund gewählt. -Das kommt sicherlich daher, weil er der willigste und diensteifrigste -Hund ist. Jeder muß den Schäferhund schätzen, weil ohne seine -unermüdliche Tätigkeit der Hirte machtlos wäre.</p> - -<p>Selbstverständlich ist es nicht der Mensch gewesen, der dem Hunde -das Umkreisen der Schafe beigebracht hat. Vielmehr handelt es sich um -einen uralten Trieb der Wildhunde, die ein Rudel Pflanzenfresser umkreisen, -um sie an Abhänge zu treiben, von denen sie abstürzen und den -Feinden zur Beute werden.</p> - -<p>Wie sehr auch heute noch in den Schäferhunden das Raubtier -schlummert, beweist die Tatsache, daß manche bei großer Langeweile von -der »Schafsucht« gepackt werden, indem sie nach Art ihrer Vorfahren -Schafe zu würgen beginnen. –</p> - -<p>Die Leistungen der Polizeihunde sind erst überschwenglich gelobt -worden. Später hat eine wissenschaftliche Kommission Untersuchungen -veranstaltet und ist zu dem Ergebnis gelangt, daß die Hunde nicht die -Fähigkeit besitzen, einzelne Personen durch ihren Geruch zu unterscheiden.</p> - -<p>Demgegenüber muß auf die uralte Tatsache hingewiesen werden, -daß erlegtes Wild durch Schreckmittel vor dem Verzehren durch Nasentiere -bewahrt werden muß. Hat der Jäger in Afrika eine Antilope erlegt, -die er nicht nach dem Lager schleppen kann, so muß er durch ein -Taschentuch oder andere Gegenstände Hyänen und Schakale abschrecken. -Diese Raubtiere sind nicht schnell genug, um eine Antilope zu fangen. -Sowie sie aber verwundet ist, dann folgen sie ihrer Fährte. Genau so -ist es in Deutschland mit dem Hirsch und Fuchs und war es früher mit -dem Bären. Ein Fuchs oder ein Bär kann keinen gesunden Hirsch einholen -oder einen gesunden Rehbock. Haben Hirsch oder Reh aber die Kugel<span class="pagenum"><a name="Page_41" id="Page_41">[Pg 41]</a></span> -vom Jäger erhalten, so verfolgen die genannten Raubtiere die verwundeten -Pflanzenfresser. Ein Nasentier unterscheidet also an der Fährte -ohne Frage, ob das Geschöpf gesund oder krank ist. So sehen wir im -Frühjahr die männlichen Hasen (Rammler) mit gesenkter Nase in fliegender -Fahrt der Spur der Häsin folgen. Der Hase findet also durch -die Nase nicht nur die Spur, sondern erkennt auch durch den Geruch, -ob es ein Männchen oder Weibchen ist.</p> - -<p>Hunde haben so häufig die Spur ihres Herrn unter zahlreichen anderen -herausgefunden, daß ein Zweifel daran ausgeschlossen ist. Ich habe -es oft erlebt, und es überhaupt nicht für möglich gehalten, daß man eine -solche Tatsache bestreiten kann.</p> - -<p>Der Mensch kann unzweifelhaft mit seinen Augen seine Bekannten -von anderen Leuten unterscheiden. Aber in einer großen Versammlung, -in einem vollbesetzten Zirkus vermag er seinen Bekannten nicht herauszufinden. -So geht es dem Polizeihund auch in dem Gewirr der Spuren -in einer Großstadt. In großen Städten wird die Leistung eines Polizeihundes -kaum der Rede wert sein. Dagegen kann er auf dem Lande sehr -wohl zur Aufdeckung eines Verbrechens beitragen.</p> - -<p>Völlige Klarheit in die Sachlage dürfte erst die Zukunft bringen.</p> - -<p>In Jägerkreisen zweifelt kein Mensch an den hervorragenden -Leistungen der Hundenase, selbst wenn der Hund dicht an der gesuchten -Beute vorbeilaufen sollte. Man sagt sich mit Recht, daß der Mensch die -Nasentätigkeit eines Tieres zu schwer beurteilen kann.</p> - -<p>Bei Hundeprüfungen, die häufig stattfinden, läßt man deshalb -jedesmal zwei Hunde arbeiten, um einen besseren Maßstab für die Beurteilung -zu haben.</p> - -<p>Viel besser als zum Polizeihund eignet sich der deutsche Schäferhund -zum Blindenhund. Hier ist seine Dienstwilligkeit unbezahlbar, und hier -kommt ihm sein besseres Auge sehr zustatten. Mit tiefer Rührung habe -ich oft zugesehen, wie tadellos er seinen blinden Herrn geführt hat. Allerdings -wird nur der Blinde mit seinem Hunde gut auskommen, der etwas -Hundeverständnis besitzt.</p> - -<p>Das Publikum aber sollte dem Blinden und dem Hunde nach Möglichkeit -behilflich sein. Das mindeste aber, was man verlangen kann, ist -das, daß man den eigenen Hund festhält, damit er den Hund des Blinden -nicht stört. Bekanntlich haben alle Hunde den unbezähmbaren Drang, -sobald sie einen Artgenossen wahrnehmen, seine Bekanntschaft zu machen.</p> - - -<h3><a name="kap_19" id="kap_19">19</a>. Die Fütterung des Hundes.</h3> - -<p>In seiner langjährigen Praxis ist Herr Böhm zu dem Ergebnis gelangt, -daß eine einmalige gründliche Fütterung abends für erwachsene -Hunde das Zuträglichste ist.</p> - -<p>Das stimmt ganz damit überein, daß die Wildhunde als Nachttiere -mit Einbruch der Dämmerung auf Raub ausgehen. Haben sie ein -größeres Tier erbeutet, so fressen sie sich gründlich satt, was bis zum -nächsten Abend vorhalten muß.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_42" id="Page_42">[Pg 42]</a></span></p> - -<p>Alle Wildhundarten lieben auch pflanzliche Nahrung. Füchse sind -arg nach Weintrauben, Wölfe fressen gern Kürbisse, Gurken, Brot und -dergleichen. Hunde, die Früchte, ja Aepfel fraßen, habe ich wiederholentlich -kennen gelernt. Die reine Fleischfütterung ist also bei dem Hunde -unrichtig.</p> - -<p>Gesalzene und gewürzte Speisen sind für den Hund nachteilig. -Hundebesitzer, die aus Gastwirtschaften das Futter beziehen, pflegen -wieder davon abzugehen, weil die Hunde wegen der stark gesalzenen -und gewürzten Speisen nicht gedeihen. Bei Schoßhündchen soll es -anders sein. Diesen sollen solche Sachen sehr gut bekommen. Aus -eigener Wissenschaft weiß ich hierüber nichts.</p> - -<p>Ueber den Salzhunger der Pflanzenfresser und die Gefährlichkeit -des Salzes beim Raubtier soll noch beim Schwein näher gesprochen -werden.</p> - -<p>Röhrenknochen vom Geflügel vermeiden viele Hunde aus »Instinkt« (vergleiche Kapitel <a href="#Page_69">69</a>). Durch Zerbeißen entstehen nämlich Knochenenden -mit langen scharfen Spitzen, die dem Tiere sehr gefährlich werden -können.</p> - -<p>An dem Hunde eines Konditoreibesitzers konnte ich im Frieden beobachten, -daß andauernder Zuckergenuß Hunden sehr nachteilig ist. Dieser -bettelte allen Besuchern durch Schönmachen den Zucker ab und starb nach -kurzer Zeit.</p> - -<p>Wie die Tiere in den Zoologischen Gärten, die meistens Nachttiere -sind, durch die Besucher Tagtiere geworden sind, so hat sich der Hund -durch den Verkehr mit dem Menschen daran gewöhnt, am Tage tätig zu -sein. An seine alte Tätigkeit erinnert noch folgendes:</p> - -<p>Alle Hunde, namentlich Wachhunde, sind mit Einbruch der Dämmerung -besonders zu Angriffen geneigt.</p> - -<p>Viele Hunde heulen noch heute gern, wenn es Abend wird.</p> - -<p>Die meisten Hunde schlafen gern am Tage bei großer Hitze. Hierbei -kann man bei ihnen öfter beobachten, daß sie wie die Menschen träumen.</p> - -<p>Ihr Schlaf ist sehr unruhig und sie erwachen bei dem kleinsten Geräusch. -Auch die Wildhundarten jagen ausnahmsweise auch am Tage, -wenn sich eine günstige Gelegenheit bietet. Bei der Katze ist es ebenso.</p> - -<p>Schwerlich würde der Hund ein so guter Wächter in der Nacht sein, -wenn er nicht ursprünglich ein nächtliches Raubtier gewesen wäre.</p> - -<p>Auf die feine Nase des Hundes wird von den Besitzern gewöhnlich -viel zu wenig Rücksicht genommen. Zigarrenhändler, Drogisten, ja Apotheker -halten in ihren Läden Hunde, obwohl hier schon den menschlichen -Nasen nicht wohl ist.</p> - -<p>Wir haben schon darauf aufmerksam gemacht, daß Menschen und -Tiere nicht dieselben Gerüche lieben. Kölnisches Wasser duftet unserer -Nase angenehm, aber der Hund wendet sich mit Abscheu ab.</p> - -<p>Ebenso kann ihm die schönste Havannazigarre nicht gefallen. Die -Scherze, die man mit Hunden macht, indem man ihnen brennende -Tabakspfeifen ins Maul steckt, sind also nicht ohne Nachteil für das Tier.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_43" id="Page_43">[Pg 43]</a></span></p> - -<p>Ist die Hütte voll Ungeziefer, so reinigen wir sie mit Karbol und -reiben den Hund mit Insektenpulver ein. Und wir bilden uns noch etwas -auf unsere Tierfreundlichkeit ein, wenn wir dem armen Hunde diese Höllenqual -bereitet haben.</p> - -<p>Was machen denn Wolf und Fuchs, wenn das Ungeziefer und die -Wärme in der Höhle im Sommer zu toll wird? Sie schlafen einfach im -Freien und zwingen das Ungeziefer zum Auswandern, weil es in der -leeren Höhle nichts zu saugen gibt.</p> - -<p>Gegen Petroleumfässer war ich früher eingenommen, weil wir einen -Hund besaßen, der große Abneigung gegen den Geruch von Petroleum -zeigte. Ich schloß auf einen allgemein herrschenden Widerwillen gegen -diese Flüssigkeit. Später habe ich mich davon überzeugt, daß unser Hund -eine Ausnahme bildete.</p> - -<p>Es ist die Vermutung aufgestellt worden, daß das Petroleum -tierischen Ursprungs ist. Es soll von den großen Landtieren herstammen, -die in Vorzeiten die Erdkugel bewohnten. Diese Vermutung würde dadurch -unterstützt werden, daß unsere Hunde Petroleum gern haben, wie -sie alle Tierreste lieben.</p> - -<p>Auffallend ist es, wie schnell Wunden bei Hunden heilen. Doch -kommen auch Ausnahmefälle vor. So zeigt uns unser Bekannter an -seinem Hektor eine oberhalb der Nase verlaufende Narbe, die sich erst nach -mehrwöchiger Bepinselung gebildet hat. Wie die meisten Praktiker, so -schwört auch Herr Böhm darauf, daß die Wunde sehr schnell geheilt wäre, -wenn sie der Hund hätte belecken können.</p> - -<p>Tatsache ist es jedenfalls, daß die von der heutigen Heilwissenschaft -so sehr gepriesene Freiluftbehandlung der Wunden ohne Verband von -jeher bei den Tieren üblich war. Alle Hunde haben sich stets den von -Menschenhänden gemachten Verband abzureißen versucht. Der Bürgermeister -einer kleinen Stadt, in der ich damals wohnte, ließ, um seinen -Hund an dem Abreißen des Verbandes zu hindern, eine Blechhülle um -den Verband anbringen. Jetzt war der Hund machtlos, aber geheilt ist -das verletzte Bein niemals.</p> - - -<h3><a name="kap_20" id="kap_20">20</a>. Die Feinde des Hundes. Hund und Wolf.</h3> - -<p>Jedes Geschöpf, das sich auf der Erde befindet, hat Feinde. Die -Pflanzenfresser haben ihre Feinde in den Raubtieren und die Raubtiere -wieder untereinander. Selbst die stärksten Raubtiere haben ihren gefährlichsten -Feind im Menschen, der sie an manchen Stellen bereits ausgerottet -hat, weshalb man den Menschen als das allerstärkste Raubtier -bezeichnet hat.</p> - -<p>Die Hunde haben ihre Feinde zunächst in den großen Katzen, namentlich -in dem Leoparden und Jaguar, wovon noch näher gesprochen -werden soll, wenn wir bei der Katze von dem Haß des Hundes gegen -sie sprechen. Sodann stellen ihnen in den heißen Ländern die größten -Schlangenarten nach. Besonderen Appetit auf Hundebraten verspürt das -Krokodil, weshalb die dort lebenden Hunde nur unter den größten Vor<span class="pagenum"><a name="Page_44" id="Page_44">[Pg 44]</a></span>sichtsmaßregeln -zur Tränke gehen. Die Bären schlagen wohl Hunde bei -ihrer Verteidigung nieder, aber zu fressen scheinen sie ihre Feinde nicht.</p> - -<p>Im Gebirge wird den Hunden der Lämmergeier gefährlich, da er -sie, wenn sie in der Nähe von Abgründen weilen, hinabzustürzen sucht. -Da Adler sich nicht besinnen, einen Fuchs anzugreifen, ebenso auch der -Uhu, so werden diese Raubvögel unter Umständen auch jungen Hunden -gefährlich, wenn sie von der Mutter nicht verteidigt werden.</p> - -<p>In unserem Vaterlande spielen alle diese Feinde keine Rolle. Das -einzige Tier, das ihm direkt tödlich werden könnte, ist die Kreuzotter. -Trotzdem namentlich Jagdhunde überall umherstöbern, kommt es doch -sehr selten vor, daß sie von Kreuzottern gebissen werden. Herr Böhm -erzählt uns, daß ihm bei seinen eigenen Hunden noch nichts vorgekommen -sei, obwohl die Kreuzotter in der Gegend nicht selten sei. Dagegen -habe ihm ein Jagdfreund von einem solchen Fall bei seinem -Hunde erzählt. Dieser Hund habe sich selbst geheilt, indem er zu einem -Strom lief und die gebissene Stelle ununterbrochen vierundzwanzig -Stunden darin hielt. Unmöglich wäre diese Handlungsweise nicht, da -Tiere sich auch, wenn man ihnen vergiftete Brocken hinlegt, durch Gegenmittel -zu retten wissen (vergl. Kapitel <a href="#Page_69">69</a>).</p> - -<p>Der größte Feind der Hundearten ist aber die eigene Verwandtschaft, -wie es bei den Menschen auch so häufig der Fall ist. Wer die -Fabeln von der Freundschaft zwischen Haushund und Wolf, ebenso die -zwischen Wolf und Fuchs ausgeheckt hat, war kein wirklicher Tierkenner.</p> - -<p>Ebenso hört man die unausrottbare Ansicht, daß ein verwilderter -Hund von den Wölfen zum Anführer gewählt wird. Der Gedankengang -ist dabei folgender. Der Hund hat von dem klugen Menschen so -viel Klugheit mitbekommen, daß die Wölfe willig seine geistige Herrschaft -anerkennen und auch von der Klugheit des Hundes Nutzen ziehen wollen.</p> - -<p>In Wirklichkeit liegt die Sache so, daß die Haushunde im Kampfe -mit dem Wolfe in der lächerlichsten Weise übertölpelt werden. Schon im -Altertum schilderte man ganz zutreffend, wie leicht ein paar Wölfe ein -Schaf erbeuteten trotz der Anwesenheit von dem Hirten und seinem Hunde -oder seinen Hunden. Ein Wolf nähert sich der Herde und wird natürlich -von der wachsamen Schar der Hunde wahrgenommen und von ihr -ingrimmig verfolgt. Unterdessen hat sich unbemerkt der andere Wolf an -die Herde geschlichen und trägt in Gemütsruhe ein Opfer fort.</p> - -<p>In wolfreichen Gegenden holen sich, wie mir erfahrene Jäger versichert -haben, in ähnlicher Weise die Wölfe den starken Haushund, wenn -sie der Hunger kühn gemacht hat. Ein Wolf nähert sich dem Tore des -Gehöfts. Der Hund ist sich seiner Pflicht bewußt und verfolgt den grauen -Räuber eine Strecke weit. Inzwischen hat ein anderer Wolf dem Hunde -den Rückzug abgeschnitten und eilt ihm nach. Der verfolgte Wolf dreht -sich plötzlich um, und beide stürzen sich auf den Hund, der in kurzer -Zeit sein Grab im Wolfsmagen findet.</p> - -<p>Trotz der großen Aehnlichkeit zwischen dem Wolfe und manchen -großen Hunderassen ist der Wolf unzweifelhaft der an Kräften Ueber<span class="pagenum"><a name="Page_45" id="Page_45">[Pg 45]</a></span>legene. -Der Wolf, der am Waldesrande sitzt oder durch den Forst trabt, -ist nach Tschudi in Bau und Farbe dem Fleischerhunde so ähnlich, daß er -mit ihm verwechselt werden könnte und von gleicher Abstammung zu sein -scheint. Und doch hat man von jeher die Erfahrung gemacht, daß beide -Tiere einen entschiedenen Widerwillen gegeneinander haben. Der starke -Wolf vermeidet es gern, dem viel schwächeren Hunde zu begegnen. Dieser -zittert und sträubt die Haare, wenn er den Wolf wittert. In der Schweiz -wagen es nur jene starken und treuen Hunde, welche die Bergamasker -Schafherden in den Engadiner Alpen bewachen, einzeln auf den die Herde -umlauernden Räuber loszugehen und mit ihm in höchster Erbitterung -auf Leben und Tod zu kämpfen. Wird der Wolf Meister, so liebt er es, -den halbzerfleischten Hund aufzufressen, während der siegreiche Hund -selbst den erlegten Wolf noch verabscheut.</p> - -<p>Ein Fall aus der Schweiz, in dem zwei Männer mit ihrem Gespann -durch einen Hund vor dem Ueberfall eines Wolfes bewahrt wurden, -sei hier angeführt. Es war klarer Mondenschein, aber auch eine -bitterkalte Winternacht, als ein Arzt mit dem abgesandten Eilboten sich -auf den offenen sogenannten Reitschlitten setzte und, von seinem mächtigen -Bergamasker Hunde Beloch, der ihm schon manche Probe von -Klugheit, Treue und Mut gegeben, begleitet, die Fahrt zu einem Kranken -begann. Rasch wurde mit dem guten Pferde auf frostharter Bahn -ein Stück Weg zurückgelegt. Als das Cotza-Tobel erreicht war, hielt plötzlich -der Hund, der mit dem Pferde bisher Schritt gehalten, an und sprang -mit einem großen Satz auf eine hochbuschige Hecke am Wege, hinter der -sich ein Tier bewegte, das von dem nächtlichen Reisenden für einen Fuchs -gehalten wurde. Langsam gelangte das Fuhrwerk auf die Höhe von -Quartins. Der Hund folgte längs des Buschwerks und näherte sich hier -seinem Herrn wieder, sich hoch neben demselben aufrichtend und zähnefletschend, -mit gesträubten Haaren, gegen einen großen Wolf knurrend, -dessen Augen durch die Hecke glänzten. Unwillkürlich hielt das Pferd -an. Wolf und Hund maßen sich, beide knurrend, mit wütendem Blicke. -Der Arzt und sein Begleiter erkannten entsetzt die Gefahr, deren Opfer -sie jeden Augenblick werden konnten, und da sie ganz waffenlos waren, -suchten sie ihre Rettung in der Flucht. Sie peitschten das Pferd, und -pfeilschnell schoß der leichte Schlitten dahin. Aber ebenso schnell folgten -Wolf und Hund diesseit und jenseit der Hecken und Mauern, die sich des -Weges entlang zogen. Mehrere Male versuchte die heißhungrige Bestie -über die Verzäunung zu springen, aber überall fand der Wolf Beloch vor -der Lücke, bereit, ihn mit seinem gewaltigen Gebiß zu empfangen. So -ging die Hatz eine halbe Stunde lang bis zur Kirche von Lovin, wo erst -der Wolf seine Beute aufgab und mit wütendem, heulendem Gebrüll sich -gegen das Gebirge zurückzog. Die geretteten Männer weckten ihren Gastfreund -im Dorfe, um sich eine Erfrischung und Waffen zu erbitten. Nicht -ohne Rührung bemerkten sie, wie nun Beloch das ihm gereichte Stück -Brot sofort aus der Stube trug und sich vor das Pferd setzte, um das -Brot zu verzehren, alle Augenblicke bereit, das Pferd gegen den vielleicht -zurückkehrenden Wolf zu verteidigen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_46" id="Page_46">[Pg 46]</a></span></p> - -<p>Der Gewährsmann des vorstehenden Erlebnisses ist der bekannte -Naturforscher Tschudi. Folglich ist der Bericht durchaus glaubwürdig. -Der zur Sommerzeit am Tage nach unseren Begriffen feige Wolf zeigt -sich als nächtliches Raubtier in der Mitternachtszeit bei starker Winterkälte, -wo ihn der Hunger plagt, als ein sehr gefährliches Raubtier. Wahrscheinlich -war es noch ein junges Tier und gehörte zu der kleineren -Wolfsart, da er zunächst für einen Fuchs gehalten wurde. Denn auch -die Wölfe sind in ihrer Größe sehr verschieden.</p> - -<p>Es wurde schon erwähnt, daß in Nordamerika der große Waldwolf -und der fuchsgroße Coyote leben. Der Coyote wird natürlich wie unser -Fuchs von jedem stärkeren Hunde abgewürgt. Dagegen nimmt es nach -Thompson der Waldwolf mit mehreren Hunden auf. Er schildert Fälle, -wo ein Dutzend Hunde es nicht wagten, einen einzelnen Waldwolf anzugreifen.</p> - -<p>Thompson hat bei den Viehzüchtern gelebt, deren größte Feinde die -Wölfe sind, und so kann man ihm Sachkunde nicht absprechen. Da die -Wölfe von den Herden der Züchter lebten, so richteten sie unermeßlichen -Schaden an, und alle Mittel wurden gegen sie versucht, um sie zu vernichten. -Da riet ein Ausländer den Viehzüchtern, gegen die Wölfe mit den -stärksten Hundearten vorzugehen.</p> - -<p>Bald schaffte auch der Ausländer, um die Wahrheit seiner Worte zu -erweisen, zwei prachtvolle dänische Doggen herbei, eine weiße und eine -blaue mit schwarzen Flecken und einem eigentümlichen weißen Auge, das -ihr ein besonders wildes Aussehen gab. Fast jedes von diesen Geschöpfen -wog nahezu 200 Pfund. Muskeln hatten sie wie Tiger, und man glaubte -dem Ausländer gern, als er erklärte, diese beiden allein nähmen es mit -dem größten Wolf auf. Ihre Art zu jagen beschrieb er folgendermaßen: -»Sie haben nichts weiter zu tun, als ihnen eine Fährte zu zeigen, und -wenn sie auch schon einen Tag alt ist, folgen sie ihr unverzüglich und -lassen sich auf keine Weise davon abbringen. Bald werden sie den Wolf -finden, mag er auch noch so sehr die Spur zu verwirren und zu verstecken -suchen. Dann gehen sie ihm an den Leib; er will davonrennen, aber der -Blaue packt ihn in der Flanke und schleudert ihn so« – der Erzähler warf -eine Brotkrume in die Luft – »und ehe er wieder auf den Boden kommt, -hat ihn der Weiße am Kopf und der andere am Schwanz, und sie reißen -ihn auseinander – sehen Sie, so!«</p> - -<p>Das klang nicht schlecht, und alle brannten darauf, die Probe zu -machen.</p> - -<p>Leider fanden die Viehzüchter bei ihren Ausflügen keinen Wolf, auf -den sie die Doggen hätten hetzen können. Sie kamen daher auf den Gedanken, -den zahmen, einem Gastwirt gehörenden Wolf, der an der Kette lag, als -»Versuchskaninchen« zu gebrauchen. Sie kauften dem Wirt das Tier ab. -Die Hunde ließen sich mit Mühe zurückhalten, so kampflustig waren sie, -nachdem sie einmal den Wolf gewittert hatten. Aber ein paar starke -Männer hielten sie an den Riemen fest, und der Wolf wurde nicht ohne -Schwierigkeiten herausgebracht. Zuerst sah er erschreckt und verwirrt -aus. Als er sich frei fühlte und mit Geschrei und Hallo gescheucht<span class="pagenum"><a name="Page_47" id="Page_47">[Pg 47]</a></span> -wurde, machte er sich in langsamem Trott davon nach Süden zu, wo -unebenes Terrain lockte. In diesem Augenblick ließ man die Hunde frei, -die mit wütendem Gebell dem jungen Wolfe nachsprangen. Die Männer -ritten mit lautem Hurra hinterdrein. Von vornherein schien für den -Wolf keine Möglichkeit des Entkommens zu bestehen, denn die Hunde -waren weit schneller als er, und der Weiße konnte rennen wie ein -Windhund. Der Ausländer war außer sich vor Begeisterung, wie sein -schnellster Hund über die Prärie flog und jede Sekunde dem Wolfe sichtlich -näher kam. Viele wollten auf die Hunde wetten, aber kein Mensch -nahm die Wette an. Jetzt griff der Wolf aus, so gut er konnte, aber nach -tausend und einigen Metern war der Hund gerade hinter ihm und fuhr -auf ihn los.</p> - -<p>Im Augenblick waren die Tiere aneinander. Beide fuhren zurück, -aber keiner flog, wie es der Ausländer vorausgesagt hatte, in die Luft, -im Gegenteil, der Weiße überschlug sich mit einer furchtbaren Wunde in -der Schulter und war kampfunfähig, wenn nicht tot.</p> - -<p>Nach zehn Sekunden war der Blaue zur Stelle. Auch diesmal dauerte -das Duell nur kurze Zeit und verlief fast ebenso unbegreiflich wie das -erste. Kaum sah man, daß die Tiere sich berührten. Der Graue sprang -beiseite, während sein Kopf bei einer blitzschnellen Wendung einen Augenblick -unsichtbar blieb, und der Blaue taumelte und zeigte eine blutende -Flanke. Von den Männern angefeuert, griff er noch einmal an, aber -nur, um sich noch eine Wunde zu holen, die ihn nach keiner weiteren Verlangen -tragen ließ.</p> - -<p>Ein einjähriger Wolf, der an der Kette gelegen hat, wird also spielend -mit zwei riesigen Doggen fertig. Das beweist die große Ueberlegenheit -des grauen Räubers. Allerdings hatte dieser junge Wolf bereits -große Erfahrung im Kampfe mit Hunden, denn man hatte zahllose Hunde -auf ihn gehetzt.</p> - -<p>Der Wolf als freilebendes Tier ist ungeheuer viel schneller und gewandter -im Beißen, auch bringt er den Hunden, besonders kurzhaarigen, -furchtbare Wunden wegen des mangelnden Haarschutzes bei.</p> - - -<h3><a name="kap_21" id="kap_21">21</a>. Rätselhaftes beim Hunde.</h3> - -<p>Von einigen Rätseln, die uns der Hund aufgibt, haben wir bereits -gesprochen, nämlich von seinem Zeitsinn und Ortssinn. Beide Sinne -teilt er mit den meisten anderen Tieren.</p> - -<p>Seit dem Altertum glaubt man vom Hunde, daß er Gespenster und -Gottheiten wahrzunehmen vermöge. Dieser Glaube ist sehr verständlich. -Der Naturmensch beobachtete täglich, daß der Hund das Vorhandensein -von Dingen merkte, die ihm trotz aller Anstrengungen entgingen, man -denke z. B. an die Anwesenheit eines durch Schutzfärbung unsichtbaren -Wildes. Da der Naturmensch Gespenster und Gottheiten mit eigenen -Augen nicht erblicken konnte, so war es naheliegend, dem Hunde auch in -diesem Falle die Fähigkeiten beizulegen, die dem Menschen fehlten.</p> - -<p>Die Ansicht, daß der Hund manchmal durch sein Geheul den bevorstehenden -Tod seines Herrn anzeigt, scheint kein Aberglaube zu sein. Ich<span class="pagenum"><a name="Page_48" id="Page_48">[Pg 48]</a></span> -habe einen solchen Fall selbst in meiner Verwandtschaft erlebt. Die Frau -eines schwer Erkrankten schickte sofort zum behandelnden Arzte, weil sie -durch das plötzliche Geheul des Hundes und sein Verkriechen in eine -dunkle Ecke sehr beunruhigt war. Der Arzt untersuchte den Kranken eingehend -und tröstete die Frau durch den Hinweis, daß für die nächsten -24 Stunden nichts zu befürchten sei. Der Hund war jedoch der bessere -Prophet, denn nach drei Stunden war sein Herr tot.</p> - -<p>Aehnliche Fälle sind folgende: Vielen Züchtern ist es bekannt, daß -die feine Nase des Hundes oft Krankheiten bei Tieren feststellt, von denen -der Besitzer nichts ahnt. So behandeln manche Hunde gewisse Ferkel -schlecht, denen jedoch äußerlich nichts anzusehen ist. Nach dem Schlachten -zeigt es sich, daß sie an schweren inneren Krankheiten gelitten hatten. -An sich ist also durchaus nicht wunderbar, daß der Hund bereits die innere -Zersetzung eines Sterbenden wahrnimmt, wo wir mit unseren stumpfen -Sinnen nichts feststellen können. In Uebereinstimmung hiermit wurde -in einer ernsten wissenschaftlichen Zeitschrift vor einigen Jahren gemeldet, -daß vor dem Tode eines Menageriebesitzers die Hyänen, Schakale -und Hunde ein grauenhaftes Konzert anstimmten. Auch hier handelt es -sich um lauter Nasentiere.</p> - -<p>Es ist bereits erwähnt worden, daß Hunde gut schwimmen können. -Wie überlegen sie aber darin dem Menschen sind, konnte ich im vergangenen -Sommer recht deutlich erkennen. Die Netze führte sehr viel -Wasser, und der Strom war so stark, daß ein mir bekannter Meisterschwimmer, -ein auffallend kräftiger Mann, nicht einen Schritt dagegen -vorwärtskommen konnte. Dagegen schwamm der kleine Hund eines -Schiffers, eine sogenannte »Schiffertöle«, nicht nur mehrmals in einer -Stunde gradlinig über den Strom, sondern schwamm auch mit Leichtigkeit -gegen die Strömung. Selbst durch die Wirbel, die bei den Buhnen, -d. h. den Schutzbauten der Ufer, gebildet wurden, schwamm er, als wenn -er durch einen Teich schwämme, während der Meisterschwimmer durch -den Wirbel in die Tiefe gerissen wurde und sich nur ganz mühsam retten -konnte. Wenn ich diese Leistungen eines kleinen Hundes nicht mit eigenen -Augen gesehen hätte, würde ich sie nicht glauben. Eine Erklärung für sie -habe ich vorläufig nicht.</p> - -<p>Noch eine seit Jahrtausenden bekannte Eigentümlichkeit des Hundes -sei erwähnt, weil sie von großer praktischer Bedeutung ist. Vorher sei -folgendes bemerkt: Der Hund soll unser Eigentum schützen und ist natürlich, -je wachsamer er ist, um so mehr dem Einbrecher ein Dorn im Auge. -Gegen das Vergiften des Wachhundes kann man sich einigermaßen dadurch -schützen, daß man ihn vorher leidlich füttert und ihn lehrt, von -fremden Personen nichts anzunehmen. Viel wirksamer ist das Verfahren -der Verbrecher, den Hund durch eine Hündin seine Wächterpflichten vergessen -zu lassen. Zigeuner, Hundefänger und ähnliche Gesellen führen -deshalb mit Vorliebe Hündinnen bei sich. Es genügt, daß auf ihren -Kleidern eine Hündin geschlafen hat, um einen Rüden als Nasentier gänzlich -umzustimmen. Deshalb sind Hündinnen viel geeigneter zur Bewachung -gegen durchtriebene Verbrecher als Rüden.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_49" id="Page_49">[Pg 49]</a></span></p> - -<p>Im Notfalle hat der waffenlose Verbrecher selbst gegen den stärksten -Hund ein Mittel, das häufig Erfolg haben soll. Er läuft auf allen Vieren -und nimmt seine Mütze in den Mund. Der Hund hält dem Ankömmling -nicht stand, sondern flüchtet. Es ist schade, daß man einem solchen Bericht -nicht auf den Grund gehen kann, ob er auf Wahrheit beruht oder nicht.</p> - -<p>Würden wir Herrn Böhm bitten, diesen Versuch an seinem Karo -und Hektor machen zu lassen, so wäre dadurch noch nichts bewiesen, wenn -er Erfolg hätte. Denn wenn ein Pudel oder ein Jagdhund flüchtet, dann -braucht es nicht eine bissige Dogge zu tun.</p> - -<p>Bereits der listenreiche Odysseus, dessen Irrfahrten Homer vor dreitausend -Jahren schilderte, setzt sich hin, um von den grimmigen Wachhunden -nicht zerrissen zu werden. Das gleiche Mittel empfiehlt der -Deutsche Schlatter vor etwa hundert Jahren, der viele Jahre bei den -Tataren gelebt hat. Er erzählt, daß die zahlreichen herrenlosen Hunde -eine große Gefahr für den Fremden bilden, und daß das beste Mittel -gegen sie das Sichhinsetzen sei.</p> - -<p>Eine Bestätigung dieser Angaben kann man nicht selten bei Hundeprüfungen -beobachten. Wenn ein Hund den Rehbock gefunden hat und -es seinem Herrn durch Bellen meldet, dann soll das freudige Ereignis -durch eine Photographie verewigt werden. Kaum nähert sich der Photograph -in seinem schwarzen Gewande und mit seinem Kasten kriechend -dem Hunde, so rückt dieser aus, obwohl er sonst seine Beute in der hartnäckigsten -Weise verteidigt.</p> - -<p>Herr Böhm hat ähnliche Fälle ebenfalls beobachtet, kann aber hierfür -keine Erklärung geben.</p> - -<p>Wir müssen, um die Sache zu begreifen, auf frühere Zeiten zurückgreifen. -Jeder Elefantenwärter weiß, daß ein Elefant heftig trompetet, -sobald er einen Schimmel erblickt. Ich habe das selbst mehrmals beobachtet. -Es steht das ganz im Einklange mit den Berichten der Jäger aus -heißen Ländern, wonach der Elefant ständig zuerst den Feind angreift, -der auf einem hellen Pferde sitzt.</p> - -<p>Was veranlaßt den Elefanten zu seiner Wut gegen den Schimmel? -Wir wissen es nicht, wir müssen aber vermuten, daß es in Vorzeiten ein -weißes, pferdeähnliches Geschöpf gab, mit dem der Elefant wütend -kämpfte.</p> - -<p>So müssen wir auch vermuten, daß in Vorzeiten ein auf allen Vieren -gehender menschenähnlicher Feind der Hunde lebte, vor dem sie noch heute -große Angst haben.</p> - -<p>Wir verabschieden uns jetzt von Herrn Böhm und seinen Hunden und -werden ihn gelegentlich wieder aufsuchen.</p> - - -<h3><a name="kap_22" id="kap_22">22</a>. Allerlei Hundegeschichten. Richtige Behandlung des Hundes.</h3> - -<p>Die von Hundebesitzern erzählten Geschichten darf man nicht ohne -weitere Prüfung glauben. Dagegen wollen wir wirkliche Tierkenner zu -Wort kommen lassen, denn man kann aus ihren Berichten vieles lernen. -So schildert ein ostpreußischer Naturforscher seine Hündin »Gretel« in<span class="pagenum"><a name="Page_50" id="Page_50">[Pg 50]</a></span> -folgender Weise. Zunächst leistet sie auf der Jagd Ausgezeichnetes. Auch -außerhalb des regelmäßigen Jagdbetriebes, heißt es weiter, benutze ich -»Gretel« zu allerhand Handlangerdiensten. Einige wenige Beispiele -mögen das beweisen. Im vorigen Jahre hatte ich auf meinem Teiche -junge März-, Pfeif- und Krickenten großgezogen, die nach und nach halb -verwilderten, so daß es unmöglich war, die Vögel, denen ich die Flügel -gestutzt hatte, im Spätherbste einzufangen. Ich wartete daher, bis die -erste dünne Eisdecke gefroren war, die sich gerade stark genug zeigte, um -»Gretel« zu tragen. Bei meiner Annäherung watschelten die Enten -natürlich auf die Mitte des Teiches hinaus und fühlten sich dort in größter -Sicherheit. Diesmal aber hatten sie ihre Rechnung ohne meine Gretel -gemacht. »Gretel, hol das Entchen!« Zunächst wurde etwas zaghaft -vorwärts geschritten, weil sich das dünne Eis noch bog, dann aber ging's -herzhaft weiter, und bald waren die Enten, die sich auf dem glatten Eise -nicht schnell vorwärtsbewegen konnten, eingeholt. Nun war es höchst -interessant, das Benehmen der Hündin zu beobachten. Sie weiß genau, -daß sie jeden Vogel lebendig bringen soll; wenn sie aber einen kräftigen -Märzerpel fassen wollte, so schlug dieser so heftig mit den Flügeln und -zappelte so sehr, daß er nur durch kräftiges Zufassen zu halten gewesen -wäre. Einige Federn stoben schon, und »Gretel« äugte verlegen und -unschlüssig nach mir hin, der ich zu weiterem Handeln aufforderte. Da -kam ihr der rettende Gedanke. Plötzlich erfaßte sie energisch eine Flügelspitze -und führte das sich sträubende Tier zu mir heran, ein Verfahren, -das sie übrigens schon öfter angewendet hatte, und zwar bei angeschossenen -wehrhaften Vögeln, z. B. großen Möwen. Auch die Pfeifenten -wurden noch herangeführt, aber die kleinen Krickentchen ließen sich -bequem im Maule herbeitragen. So hatte ich meine Entenschar bald im -Korbe versammelt.</p> - -<p>Ein andermal wurden mir mehrere junge, lebende Tüpfelsumpfhühner -gebracht. Beim Einsetzen in das Vogelhäuschen huscht mir das -eine über den Kopf. Eben will ich anfangen mich zu ärgern und drehe -mich um, da kommt »Gretel«, die natürlich bei mir war, schon wieder -mit dem Ausreißer an, der nun seinen Genossen zugesellt werden konnte. -Oder ich bin mit meiner Frau auf dem Spaziergange. Wir haben uns -etwas getrennt, und meine Frau winkt oder ruft mir zu, daß sie von mir -vielleicht das Messer zum Blumenschneiden oder irgendeinen anderen -Gegenstand haben möchte. Sofort tritt »Gretel« ihre Botendienste mit -größter Promptheit an. Es ist selbstverständlich, daß sie dann jedesmal -ein Blümchen oder einen Zweig als Dank zu ihrer größten Freude zurückbringen -darf. Solche kleinen Liebesdienste verrichtete sie sehr gern, weil -wir uns den Spaß machen, sie dafür jedesmal maßlos zu loben und uns -an dem drolligen selbstgefälligen Wesen unseres Lieblings zu erfreuen. -Wenn mir beim Einwickeln von erlegten Vögeln der Sturm etwa das -Papier fortweht oder sonst den Hut vom Kopfe reißt, so brauche ich mich -gar nicht zu bemühen, brauche nicht einmal ein Wort zu sagen: das Entschwundene -wird mir von meiner Gretel prompt wieder zur Stelle gebracht. -So könnte ich noch manche Beispiele erzählen, und alles das<span class="pagenum"><a name="Page_51" id="Page_51">[Pg 51]</a></span> -haben wir unserem Zögling nicht etwa mühsam beigebracht, sondern das -hat er durch den täglichen Umgang alles von selbst gelernt.</p> - -<p>Als Hausgenossen könnte man sich keinen liebenswürdigeren, freundlicheren -und artigeren Hund wünschen wie unsere »Gretel«. Ein Lästigwerden -oder Aerger über Dummheiten, woran es bei einem unerzogenen -Hunde sonst nicht mangelt, gibt es nicht. Es mag das mit darin seinen -Grund haben, daß das »Paudelwesen« in der Erziehung der »Gretel« eine große Rolle gespielt hat und noch spielt. Damit hat es folgende -Bewandtnis. Im Hausflur steht »Gretels« Hauptpaudel, d. h. ein Korb -mit Heu, in dem die Hündin während der Nacht schläft. Ferner hat sie -aber auch noch in jedem Zimmer eine sogenannte »Paudel« angewiesen -erhalten, das ist meist ein Fellteppich. So weiß sie stets wo sie hingehört -und braucht sich nicht planlos umherzutreiben, um den Besuch etwa -zu belästigen oder am Ofen, oder gar auf den Möbeln herumzuliegen. -Der Befehl »In die Paudel!« bedeutet für Gretel vom Herrn weggehen, -an den ihr angewiesenen Platz sich begeben und da sich ruhig und artig -verhalten, bis sie gewünscht wird. So habe ich's also in der Hand, die -Hündin nicht nur an mich heranzurufen, sondern stets auch von mir wegzubringen, -was mir schon oft zustatten gekommen ist. Abgesehen davon, -daß ich sie so von jedem Punkte des Dorfes nach Hause schicken kann, habe -ich auch im Reviere draußen manchen Vorteil davon. Wenn ich dort -aufs Gratewohl den Befehl »In die Paudel!« ergehen lasse, dann läuft -die Hündin mit eingeklemmter Rute ein Stück von mir fort, macht dann -auf Zuruf down (nieder) und verharrt daselbst, solange ich es haben will. -Liegt aber etwa mein Rucksack oder irgendein anderer Gegenstand von -mir in der Nähe, oder sind wir nicht weit von einem Punkte, wo ich etwa -öfter zu rasten pflege, so wird nach ergangenem Befehle diese Stelle als -willkommene »Paudel« aufgesucht. – <em>Beim Essen liegt »Gretel« ruhig an ihrem Platze, nie bekommt sie etwas vom -Tisch; ja, wenn nicht das Dienstmädchen trotz strengen -Verbotes ihr manchmal einen Bissen zusteckte, dann -wüßte sie gar nicht, was es zu bedeuten hat, wenn Menschen -essen.</em> Ein zudringliches Betteln, ja Herumhopsen um den Tisch, -wie ich es von verwöhnten Stubenhunden zu meinem Entsetzen schon -gesehen habe, ist ganz ausgeschlossen. So kann man auch draußen auf -der Jagd beim Rasten in Ruhe sein Butterbrot verzehren <em>und braucht -nicht zu fürchten, daß einem die Hundenasen daran -herumschnüffeln, oder daß einem so ein sogenannter -wohlerzogener Jagdhund gegenübersitzt, einem die -Bissen in den Mund zählt, während die langen Geiferfäden -aus den Mundwinkeln heraushängen, wie ich -es bei Hühnerjagden in den Frühstückspausen erlebt -habe</em>. »Gretel« liegt oder sitzt bei solcher Gelegenheit ruhig in ihrer -»Paudel«, d. h. ein Stück von dem Essenden entfernt, und erwartet gar -nicht, daß sie etwas bekommt. – Es wäre sehr schön, wenn alle Menschen -ihre Hunde so erzögen, wie es hier geschildert worden ist. Dann würde -es viel weniger Hundefeinde geben. Aber um einen Hund zu erziehen,<span class="pagenum"><a name="Page_52" id="Page_52">[Pg 52]</a></span> -muß man selbst erzogen sein. Und da hapert es eben. Nicht mit Unrecht -gilt das Sprichwort: Wie der Herr, so das Gescherr.</p> - -<p>Ueber die Bestrafung des Hundes wäre folgendes zu sagen: Ein -Hund darf, wenn er wirklich Strafe verdient hat, nur auf frischer Tat -und auf eine solche Weise bestraft werden, daß er wirklich weiß, wofür -er die Strafe bekommt. Geschlagen darf er nur werden, wenn an eine -Hilfe durch andere Mittel nicht zu denken ist; die Hiebe muß er aufs -Hinterteil bekommen, während er im Genick, womöglich auf den Boden -gedrückt, festgehalten wird. Bei großen Hunden, die zum Beißen neigen, -muß man besondere Vorkehrungen treffen. Zausen oder treten darf man -ihn nicht, ebenso nicht mit der bloßen Hand schlagen, da er sonst handscheu -wird. Tückisch darf man nie zu Werke gehen. Um ihn zu gewöhnen, daß er -auf den Ruf jedesmal kommt, ist es ein gutes Mittel, daß man ihm recht -sowie er auf den Ruf kommt, einen Leckerbissen gibt. Auch kann man -ihn auf dem Rücken gegen den Strich der Haare mit den Fingern tüchtig -krabbeln, denn das liebt er sehr. Da Hunde beim Stehen leicht ermüden, -so ist es eine zweckmäßige Strafe, sie hoch anzubinden, so daß sie sich nicht -hinlegen können. Dagegen ist das Einsperren in eine dunkle Kammer -bei einem Nachttier wirkungslos.</p> - -<p>Ueber Eingewöhnung fremder Hunde auf dem Lande werden -folgende Ratschläge erteilt:</p> - -<p>Ist ein neugekaufter Hund angelangt, so vernichtet man ihm für zwei -bis drei Monate, jedenfalls bis er ganz eingewöhnt scheint, jede Aussicht -auf Entwischen, füttert und tränkt ihn wenig, damit er alles Dargebotene -dankbar annimmt, und läßt ihm durch alle Mitglieder der Familie oftmals -am Tage etwas darreichen; abends bekommt er womöglich einige -bei Nacht zum Zeitvertreib zu benagende Knochen. Hat er erst in seiner -neuen Behausung eine Knochensammlung, so gewinnt er die Heimstätte -lieb. Als Streu muß er tüchtige Bündel Stroh bekommen, das aus den -Betten der Hausbewohner entnommen ist. Auf diese Weise lernt er den -Hausgeruch kennen.</p> - -<p>Kommen neue Dienstleute oder sonstige Leute für längere Zeit ins -Haus, wo sie bei Tag oder Nacht dem Haus- oder Hofhunde begegnen -können, so werden sie diesem erst vorgestellt, nachdem sie selber erst einige -Nächte in Betten geschlafen haben, die schon länger im Hause benutzt sind.</p> - -<p>Alle diese Vorsichtsmaßregeln, die schon über hundert Jahre alt sind, -werden nur begreiflich, wenn man weiß, daß der Hund ein Nasentier ist.</p> - - -<h3><a name="kap_23" id="kap_23">23</a>. Sogenannte Unarten der Hunde und ihre Bekämpfung.</h3> - -<p>Wir Menschen reden von den Unarten der Haustiere als etwas ganz -Selbstverständlichem. Wir nennen eben einfach alles, was uns nicht -paßt oder Schaden zufügt, eine Unart oder Untugend, genau wie wir von -schädlichen oder nützlichen Tieren sprechen. Wenn der Hund verwestes -Fleisch frißt, so bezeichnen wir das als eine Unart, obwohl das Tier nur -seinem Triebe folgt und eine ihm vollständig zusagende und bekömmliche -Nahrung zu sich nimmt. Ob Tiere überhaupt Unarten an sich haben, be<span class="pagenum"><a name="Page_53" id="Page_53">[Pg 53]</a></span>darf -noch sehr der Aufklärung. Richtiger spricht man in solchen Fällen -von Unbequemlichkeiten. Diese müssen wir Menschen, die wir von den -Haustieren Nutzen ziehen, in den Kauf nehmen. Natürlich werden wir -sie nach Möglichkeit zu verringern suchen.</p> - -<p>Selbst auf dem Lande hat man mit Hunden manchmal große Unannehmlichkeiten. -Der vorhin erwähnte Naturforscher, der so schön über -die richtige Bestrafung der Hunde zu reden weiß, erzählt von seinen Hunden -folgendes:</p> - -<p>Als ich mir mein Haus in Thüringen gebaut hatte, hielt ich mir -anfangs einen sehr wachsamen und scharfen Hühnerhund nebst zwei ganz -kleinen, niedlichen Spitzchen. Der erstgenannte war den Tag über in -einem eigenen Stalle, die Spitzchen steckten auf dem Hofe in einem -großen Vogelbauer, worin sie, so oft ein Fremder kam, einen solchen -Lärm machten und vor Bosheit so grimmig in die daumendicken Holzstäbe -des Käfigs bissen, daß ich immerfort neue einziehen mußte, wenn -die alten zerbissen waren. Ueber Nacht waren alle drei auf dem Hofe -los, und machten, so oft sich jemand dem einsam zwischen Gärten liegenden -Hause nahte, einen ungeheuren Lärm. Die feinsten Sinne hatte der -Hühnerhund. Kam ich abends von der Stadt und ging um die Ecke eines -160 Schritte von meinem Hofe entfernten Stalles, so wußte er in dieser -Entfernung genau meinen Tritt zu unterscheiden und winselte vor Freuden; -kam aber jemand anderes um besagte Ecke oder anderswoher auf -200 bis 300 Schritte Entfernung, so schlug er laut und drohend an. Verstellte -ich meinen Schritt absichtlich, so bellte er, wenn er im Oberwinde -stand, auch bei mir. Weil es um meine Wohnung her über Nacht von -Hasen, Rehen und Hirschen wimmeln, so durften die Hunde, weil sie sonst -Hetzjagden gehalten, dabei auch wohl Menschen angefallen haben würden, -nicht vom Hofe. Einstmals hatte ich vergessen, abends das Türchen zu -schließen, durch welches bei Tage die Hühner ins Freie gingen. Als ich -frühmorgens aufstand, fand sich's, daß es der große Hund mit seinen gewaltigen -Zähnen erweitert hatte und mit den zwei Zwergen ausgerückt -war. Die ganze Schar war verschwunden und mochte über Nacht eine -tolle Hetze gehalten haben. Ich erließ in der Zeitung eine Anzeige und -durchsuchte alle benachbarten Dörfer. Nach acht Tagen bekam ich die -zwei Spitzchen wieder; man hatte sie am zweiten Tage eine Stunde von -hier ganz ermattet angetroffen und in ein Haus gelockt. Den großen -Hund, der sich wohl durch seine Schnelligkeit und größere Hetzbegier von -den Zwergen verloren hatte, erhielt ich einige Tage später zurück. Er -hatte sich etwa am sechsten Tage nach seiner Abreise abgehungert und -todmüde in die Stadt Waltershausen begeben und anfangs jedem, der -sich ihm nahte, die Zähne gezeigt. Endlich wurde er mit Futter in ein -Haus gelockt, hatte dort aber gleich bei der Mahlzeit geknurrt und um sich -gebissen, so daß die Leute, um ihm gute Sitte beizubringen, ein schweres -Holzscheit ergriffen und es ihm auf Kreuz und Schenkel warfen. Er war -zusammengebrochen und 14 Tage völlig lahm, aber demütig geworden. -Ich erfuhr, wo er war, holte ihn zurück, er erholte sich, war aber von nun -an ganz umgewandelt.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_54" id="Page_54">[Pg 54]</a></span></p> - -<p>An die Bewachung des Hauses, welches er zwei Jahre lang aufs -Treuste besorgt hatte, dachte er nicht im geringsten mehr, er sann nur -aufs Durchbrennen und Jagen. Gleich am ersten Abend, wo ich ihn -wieder auf den Hof ließ, begann er an dem Hühnertürchen zu arbeiten. -Ich gab ihm ein paar Hiebe, er setzte sich mürrisch in eine Ecke, lauerte, -bis ich beim Schlafengehen das Licht ausgemacht, begann nun die Arbeit -von neuem, wühlte sich unter dem Geländer ein großes Loch, ging hinaus -ins Freie und jagte nach Herzenslust. Den anderen Tag nahm ich ihn -beim Kragen, führte ihn an seine Grube, verwies ihm das Wühlen, gab -ihm einige Hiebe und brachte ihn dann wie gewöhnlich in seinen Stall. -Die nächste Nacht machte er ein neues Loch, da das alte fest verrammelt -war, und brach wieder durch. Er bekam Hiebe, und ich ließ nun rings -inwendig am ganzen Geländer hin 5 Zentimeter dicke und 50 Zentimeter -lange Pflöcke dicht nebeneinander in die Erde schlagen. Aber das half -nichts. Er wühlte einen Schuh tief, packte die Pflöcke dann mit den -Zähnen, zog sie heraus und wühlte dann weiter. Ich ließ eine doppelte -Reihe schlagen; auch das half nichts. So hatte er sich sechs Nächte hintereinander -mit gewaltiger Kraft durch den festen Tonboden und die Pfähle -durchgearbeitet und jeden Tag seine Hiebe entgegengenommen, und ich -sah wohl, daß die letzteren keine guten Früchte trugen. Daher ließ ich das -letzte Loch offen, nagelte daneben zwei wagerecht liegende Bretter sehr -fest, ließ zwischen ihnen über der Mitte der Grube 12 Zentimeter Raum -und stellte unter diese Oeffnung eine starke eiserne Marderfalle. Abends -lasse ich den Hund los. Er geht wie gewöhnlich mit unschuldiger Miene, -ohne nach dem Loche zu gucken, auf dem Hofe herum, verzehrt sein -Abendbrot mit gutem Appetit, wartet ab, bis ich das Licht lösche, eilt dann -zum Loche, steckt die Tatze hinein und wup! da schlägt's unten zu und er -sitzt in einer abscheulichen, furchtbar zwickenden Klemme. Unter lautem -Jammergeschrei sucht er sich zu befreien, zerrt nach oben, die Bretter -leisten der Falle Widerstand; er stemmt sich mit dem freien Fuß und zieht -nach einer Gefangenschaft, die zehn Minuten gedauert hat, die Pfote -glücklich heraus. Am folgenden Morgen hatte er ein sehr schwermütiges -Gesicht und eine lahme, geschwollene, geschundene Pfote. Ich ließ ihn -ruhig in seinem Stalle und dachte: »Da hast du nun genug daran!« Er -hatte nun auch wirklich die Lust zum Wühlen, jedoch nicht die zum -Jagen verloren. Dies mußte ich gleich in der ersten Nacht zu meinem -eigenen Schaden gewahren, denn er biß in das auf dem Hofe stehende -Vogelhäuschen, das er zwei Jahre lang nie angetastet hatte, ein großes -Loch, ging hinein und würgte zwölf Vögel. Am folgenden Tage gab's -Hiebe zum Frühstück, das Häuschen ward sogleich ausgebessert, zu den -wenigen Vögeln, die er nicht hatte erhaschen können, einige neue getan -und rings ein Geländer gebaut. Das tat für einige Tage gut, aber sobald -seine Pfote gesund war, benutzte er sie, wühlte sich unten hinein und -mordete wie zuvor. Am folgenden Morgen regnete es Hiebe, das Häuschen -ward ausgebessert, neu bevölkert und die Marderfalle hineingehängt. -Die folgende Nacht war mondhell, und es machte mir viel Spaß, da ich -ihn, wer weiß wie lange, schüchtern um das Vogelhäuschen herumgehen<span class="pagenum"><a name="Page_55" id="Page_55">[Pg 55]</a></span> -und nach der verhängnisvollen Falle gucken und schnuppern sah. Die -Vögel waren nun sicher, der Hund mußte aber, sobald ich seine Stelle -durch einen neuen ersetzt hatte, weg.</p> - -<p>Auch in diesem Falle sehen wir wieder, wie unausrottbar dem Jagdhund -die Jagdleidenschaft im Blute steckt. Aber können wir uns über -seine »Unarten« wundern? Wir Menschen haben ja erst dieser Hunderasse -die Jagdleidenschaft künstlich angezüchtet.</p> - - -<h3><a name="kap_24" id="kap_24">24</a>. Klugheit und Verstellungskunst einer deutschen Dogge.</h3> - -<p>Die deutsche Dogge gilt im allgemeinen für kein besonders kluges -Geschöpf. Wir schätzen wohl ihre Stärke, aber wenn wir einen klugen -Hund haben wollen, nehmen wir lieber einen Pudel oder eine andere -Hunderasse.</p> - -<p>Um so mehr wird es uns in Erstaunen versetzen, was ein durchaus -wahrheitsliebender Mann von seiner Dogge erzählt. Unser Gewährsmann, -der als Rektor einer Schule in nicht recht geheuerer Lage vor dem -Tore einer großen Industriestadt Deutschlands lebte, hielt es für nötig, -sich zum Schutze der Familie und des Hauses einen tüchtigen Hund anzuschaffen. -Meine Wahl fiel, erzählt er, auf eine fünf Monate alte -schwarze deutsche Dogge, deren Eltern infolge ihrer Größe, Intelligenz -und Treue bei den Hundeliebhabern der ganzen Umgegend in hohem -Ansehen standen, zugleich aber auch wegen ihrer Bösartigkeit gefürchtet -waren. Als ich den Hund ins Haus brachte, war man über sein -täppisches Wesen und seinen bösen Blick nicht sonderlich erbaut. Er hatte -sein Leben bisher in einem einfachen Hofe zugebracht, selten einen fremden -Menschen gesehen, niemals ein Zimmer betreten, war daher vollständig -verblüfft, als ich ihn in die Wohnstube führte, und nicht von der Stelle -zu bewegen, nachdem er seine Beine, um größeren Widerstand leisten zu -können, wie ein Sägebock auseinandergespreizt hatte. Nach Verlauf -einiger Stunden legte er sein unbeholfenes Wesen aber schon etwas ab -und fühlte sich in seinen neuen Verhältnissen ziemlich heimisch und erhielt -den Namen »Tom«. Trotz der armseligen Verhältnisse, in denen er -aufgewachsen, hat sich Tom niemals die geringste Unreinlichkeit zuschulden -kommen lassen ... Selbstverständlich wurde er mein beständiger -Begleiter auf meinen täglichen Ausflügen. Hier entwickelte er eine ungeahnte -Lebhaftigkeit und Regsamkeit seines Wesens. Da ich mich selbst -mit ihm nur wenig beschäftigte, verschaffte er sich auf eigene Art und -Weise allerlei Kurzweil, verfolgte vorzugsweise mit unausgesetzter Aufmerksamkeit -alles Tun und Treiben der Menschen und griff ohne weiteres -in dasselbe ein, sobald es ihm unstatthaft erschien. Zank und Streit -waren ihm z. B. höchst zuwider. Selbst wenn ziemlich weit entfernte -Personen in heftigen Wortwechsel miteinander gerieten, stürzte er auf -sie zu, stellte sich knurrend und zähnefletschend zwischen die Streitenden -und brachte sie bald auseinander.... Am meisten ärgerte er sich, wenn -Fuhrleute ihre Pferde mißhandelten. Zunächst nahm er in drohender -Haltung neben den gequälten Tieren Stellung; wagte ihr Peiniger dann<span class="pagenum"><a name="Page_56" id="Page_56">[Pg 56]</a></span> -nur noch einen Schlag, so wurde er mit solcher Heftigkeit zu Boden geworfen, -daß ihm Hören und Sehen verging. Sah er dagegen, daß -jemand kaum imstande war, einen schwer beladenen Schubkarren von -der Stelle zu bringen, so eilte er hilfreich hinzu, erfaßte den Bock des -Fuhrwerkes mit den Zähnen und zog, mit rückwärts gerichtetem Körper, -aus Leibeskräften.</p> - -<p>Seiner gewaltigen Größe entsprach auch seine Körperkraft. Spielend -trug er z. B. einen Henkelkorb von einem halben Zentner Gewicht weite -Strecken. Einen wütenden, drohend auf mich zuschreitenden Ochsen, -der mit einer Anzahl Kühe zur Weide getrieben wurde, hielt er so nachdrücklich -am Halse fest, daß das Tier vor Schmerz laut aufbrüllte und -entsetzt davonlief, als es von seinem Angreifer befreit wurde. Die -Wände einer starken, aus neuen Brettern hergestellten Transportkiste, -in welcher »Tom« einmal versandt werden sollte, und von welcher der -Schreiner meinte, dieselbe sei für einen Tiger fest genug gearbeitet, zermalmte -er schon auf der kurzen Strecke bis zum Bahnhofe zu Spänen. -War er im Begriffe, sich auf einen Gegenstand zu stürzen, der ihn in -Wut versetzte, vermochte ihn selbst der stärkste Mann nicht zu bändigen; -er wurde wie ein Kind umgerissen und fortgeschleift.</p> - -<p>An allen Familienerlebnissen nahm er wie ein Mensch Anteil. -Wurde z. B. jemand bettlägerig, so saß er stundenlang an dem Lager -des Kranken, schaute unverwandt nach dessen Angesicht und legte seine -Schnauze oder Pfote leise auf die ihm entgegengestreckte Hand, um sein -Mitleid auszudrücken.... Traf eine Postsendung von einem in der -Ferne weilenden Kinde ein, so konnte er vor Freude kaum die Zeit erwarten, -bis der Inhalt ausgepackt wurde, ergriff dann den ersten besten -zum Vorschein gekommenen Gegenstand und eilte damit zu allen -Familienangehörigen im Hause, die beim Auspacken nicht zugegen -waren, um sie auf diese Weise von dem frohen Ereignis in Kenntnis -zu setzen. Kehrte ein längere Zeit abwesendes Familienmitglied von -der Reise zurück, während ich mich in der Schule befand, so eilte er sofort -dahin, obgleich er es sonst nicht wagte, mir dort einen Besuch zu machen, -und suchte, indem er mir Stock und Hut herbeitrug und sich vor Freude -wie unsinnig gebärdete, mich zum Fortgehen mit ihm zu bewegen. -Gelang ihm dieses, so stürzte er vor mir ins Haus und brachte mir -irgendein Besitztum des Angekommenen entgegen, um mir anzudeuten, -weshalb er mich geholt. Reiste dagegen ein ihm lieber Besuch wieder -ab, so suchte er die Abfahrt zu verhindern, schleppte das Reisegepäck -wieder aus dem Abteil und verfolgte den abfahrenden Zug eine weite -Strecke mit Bellen und Heulen. Bei schweren, Kraft beanspruchenden -Verrichtungen im Hause war er stets mit seiner Hilfe bereit; so trug er -z. B. Kartoffeln und Kohlen im Henkelkorb aus dem Keller, beförderte -die Waschkörbe nach der Bleiche und der Mangel usf.; besaß überhaupt -das Bestreben, jedem nach eigenem Wunsch und Gefallen zu leben. -Kein Wunder daher, daß er bald der Liebling der ganzen Familie, besonders -der weiblichen Mitglieder des Hauses, wurde, die ihn freilich<span class="pagenum"><a name="Page_57" id="Page_57">[Pg 57]</a></span> -leider auch mit der Zeit verhätschelten und angenommene Unarten, die -später viel Verdruß und Aerger bereiteten, anfangs als interessante -Eigenheiten belachten, anstatt sie zu bestrafen. Fühlte er sich z. B. auf -seinem harten Lager, einer Strohmatratze, unbehaglich, so pflegte er -während meiner Abwesenheit auf meinem Sofa der Ruhe; vereitelten -ihm absichtlich darüber gebreitete harte Gegenstände sein Vorhaben, so -nahm er auch mit dem härteren Sofa in der Kinderstube vorlieb. Auf -diesem hatte er mit Erlaubnis die bekannte Kinderkrankheit, der die -meisten jungen Hunde unterworfen sind, in schwerer Weise überstanden, -wurde aber nach derselben ebenfalls nicht mehr darauf geduldet. Ueberrumpelte -man ihn dennoch ein oder das andere Mal auf der verbotenen -Ruhestätte und rief ihm dann zu: »Tom bist du krank?« so blieb er -ruhig liegen, schloß die Augen, stöhnte und ächzte laut, so daß jeder -Fremde, der seine Verstellungskünste nicht kannte, annehmen mußte, er -liege im Sterben. In der Regel gelang es ihm aber, sich, ehe die Tür -geöffnet wurde, mit einem Satze vom Sofa zu schnellen; in diesem Falle -stellte er sich mit der unschuldigsten Miene von der Welt daneben, suchte -seine Verlegenheit durch lautes Gähnen und Dehnen seines Körpers zu -vertuschen und war, wenn er nicht ausgescholten wurde, überzeugt, seine -List sei ihm geglückt. Natürlich nahm er dann sein Ruheplätzchen von -neuem ein, sobald er sich wieder allein im Zimmer befand. Gelang es -ihm nicht, ein Sofa zu erobern, so begnügte er sich mit einem weichen -Kopfkissen, indem er sich einen Puff von einem Sofa oder ein Paar -Strümpfe aus dem Strumpfkorbe im Nebenzimmer auf sein Lager -herbeiholte. Die wollene Decke, welche über das letztere gebreitet war, -glättete er mit Hilfe von Nase und Pfoten mehrmals täglich so sorgfältig, -daß sie nicht das geringste Fältchen zeigte; auch reinigte er sie von Zeit -zu Zeit von dem auf ihr haftenden Staube, indem er sie mit den Zähnen -faßte und heftig hin und her schüttelte.</p> - -<p>Am ergötzlichsten war sein Benehmen, wenn sich ihm die Gelegenheit -darbot, meinen Töchtern einen Gegenstand, mit dem sie sich gerade -bei ihrer Handarbeit beschäftigten, etwa ein Paar zusammengefaltete -Strümpfe, einen großen Wollenknäuel usw., heimlich, wie er sich einbildete, -wegzustibitzen und in seinem großen Rachen verschwinden zu -lassen. Suchten meine Töchter dann den geraubten Gegenstand absichtlich -mit auffallender Emsigkeit, so hatte er seinen Zweck erreicht; er -nahm unter besonders gemessener Haltung eine möglichst einfältige -Miene an, um zu zeigen, daß er keine Ahnung von dem Grunde der -stattfindenden Aufregung habe, und gab das Vermißte unter schlauem -Blinzeln nicht früher heraus, als bis man sich direkt an ihn mit der Frage -gewandt hatte: »Tom, weißt du denn nicht, wo ... hingekommen ist?« War ich zufällig bei diesem Spiele zugegen, so kam er, ehe jene Frage -an ihn gestellt, und er mit einem Blicke auf die Mädchen sich überzeugt, -daß er nicht beobachtet wurde, unaufgefordert zu mir, sperrte sein Maul -so weit auf, daß ich den gesuchten Gegenstand erblicken mußte, warf mir -einen verständnisinnigen, schelmischen Seitenblick zu, um dann im Umdrehen -das vorher gezeigte dumme Gesicht wieder anzunehmen und auf<span class="pagenum"><a name="Page_58" id="Page_58">[Pg 58]</a></span> -seinen Platz zurückzukehren. Unglaublich war sein schnelles Verständnis -für unsere Wünsche und Befehle. Es sei mir gestattet, nur einige Tatsachen -als Beleg anzuführen. Einmal hatte er mit seinen schmutzigen -Füßen das frisch gescheuerte Wohnzimmer arg verunreinigt. Er wurde -auf sein Vergehen aufmerksam gemacht, ausgezankt, vor die Tür gewiesen -und belehrt, wie er sich auf der vor derselben liegenden Strohdecke -zu reinigen habe. Seitdem hat er sich nicht wieder erlaubt, eher einzutreten, -als bis er seine Füße selbst nach Möglichkeit vom Schmutze befreit -hatte. Fehlte zufällig der Abtreter, so bellte er bittend so lange vor -der Tür, bis jemand mit einem Lappen herauskam und ihm die Füße, die -er dann der Reihe nach aufhob und zum Reinigen hinhielt, abrieb. Obgleich -er die Schule aus eigenem Antriebe zu allen Tageszeiten besuchte, -um die aus den Papierkörben von dem Kastellan gesammelten Brotreste -in Empfang zu nehmen, wagte er es niemals, wie bereits erwähnt, mir -dort einen Besuch abzustatten. Rief man ihm dagegen zu Hause zu: -»Tom! lauf schnell nach der Schule und hole den Papa!« so stürmte er zunächst -nach meinem Zimmer im Schulgebäude; fand er mich hier nicht, -so ergriff er meinen Hut und brachte ihn nach dem Zimmer, in welchem -ich mich gerade aufhielt.</p> - -<p>Leider besaß der Hund, wie bereits mitgeteilt, neben seinen glänzenden -Eigenschaften auch verschiedene üble Angewohnheiten, die schon in -seiner Jugendzeit das von ihm entworfene Bild wie vereinzelte dunkle -Punkte trübten, mit seinem fortschreitenden Alter zum Teil aber einen -solchen unheilvollen Charakter annahmen, daß sie das Zusammenleben -mit ihm immer mehr verleideten. Schon die Gier, mit welcher er trotz -seiner reichlichen Fleischkost dem Aas nachstellte, das sich häufig unter dem -Miste auf dem Felde befand, machte die Spaziergänge in seiner Gesellschaft -oft unerträglich ..... Während seiner Jugendzeit durften die -Mädchen sich unbedenklich den Scherz erlauben, in seiner Gegenwart -einem beliebigen Gegenstand in recht sichtbar zur Schau getragenen Weise -zu schmeicheln und ihn zu liebkosen; er knurrte und bellte wohl diesen heftig -an, zeigte jedoch durch sein komisches Gebärdenspiel, daß der an den Tag -gelegte Zorn nur ein erkünstelter war; aber schon nach wenigen Jahren -nahm sein Wesen bei diesem Spiele einen solchen bedrohlichen Charakter -an, namentlich wenn es Menschen oder Tiere waren, die ihm bevorzugt -wurden, daß man es aufgeben mußte, um nicht ein Unglück heraufzubeschwören -... Zugleich nahm er ein immer unfreundlicheres und -mürrischeres Wesen gegen die Kinder an und zeigte sich selbstbewußter -in seinem Auftreten erwachsenen Personen gegenüber. Während er früher -z. B. den Schulkastellan durch Schmeicheleien zum Oeffnen der die -Leckereien enthaltenden Schublade zu bewegen suchte, packte er ihn später, -wenn er ihm nicht augenblicklich zu Willen war, mit allen Zeichen wirklichen -Zornes am Arme und zog ihn mit Gewalt nach derselben. Hatte -er sich in seinen ersten Lebensjahren außerordentlich feinfühlig gezeigt, -so daß ihn ein unfreundliches Wort bitter kränkte, nahm er von den -Meinigen jetzt Schelte und selbst Prügel mit völliger Gleichgültigkeit hin -und drohte zu beißen, wenn ihm die Behandlung nicht paßte. Nur mir<span class="pagenum"><a name="Page_59" id="Page_59">[Pg 59]</a></span> -gehorchte er noch unbedingt und ertrug demütig die ihm wegen seines -widerspenstigen Wesens erteilten Züchtigungen. Seine Anhänglichkeit -und Sorge für mich schien sogar mit seinem Alter zuzunehmen.</p> - -<p>Er stand jetzt in seinem siebenten Lebensjahre. Was bewährte -Kenner der Hunderassen mir längst vorhergesagt hatten, traf ein: sein -ursprüngliches bösartiges Naturell, das Erbteil seiner gefürchteten Eltern, -scheinbar durch den stetigen, jahrelangen Verkehr mit Menschen ertötet, -kam wieder zum Durchbruch, sobald er gereizt wurde .... Da veröffentlichten -die Zeitungen in kurzer Zeit hintereinander zwei Fälle, in -welchen deutsche Doggen sich wie wilde Bestien gegen ihre eigene Herrschaft -benommen hatten ..... Wie ein drohendes Gespenst verfolgte -von jetzt ab mich Tag und Nacht der Gedanke, welche Schuld ich auf mich -laden würde, wenn durch Tom ein ähnliches Unglück herbeigeführt werden -sollte. Trotzdem er mir unentbehrlich geworden, konnte ich mich der -Ueberzeugung nicht verschließen, es sei unbedingt notwendig, mich von -ihm zu trennen. Ihn für schnödes Geld fremden Händen zu überlassen -und einer ungewissen Zukunft preiszugeben, würde mir wie ein Verrat -an meinem besten Freunde erschienen sein; ich beschloß daher, ihn an -eine befreundete Person, welche sichere Garantie für eine liebevolle Behandlung -bot, zu verschenken.</p> - -<p>Vorstehendes berichtet ein Schulmann, der Anspruch auf Glaubwürdigkeit -hat. Trotzdem wollen mir zwei Angaben nicht in den Kopf, -weil ich sie in meinem langen Leben, während dessen ich unzählige Hunde -beobachten konnte, niemals von anderen Tieren gesehen, ja nicht einmal -davon gehört habe. Einmal hat sich die Dogge die Füße vor der Tür -gereinigt. Wie schön wäre es, wenn auch nur die klugen Hunde, wie -Pudel, Schäferhunde usw., das nachmachen würden. Ferner hat die Dogge -Sinn für Humor gehabt, indem sie gewissermaßen mit dem Verstecken -des Knäuels einen Witz machte. Humor ist mir unter den Säugetieren -nur bei den Affen bekannt, niemals bei den Hunden. Uebrigens wird -auch hier das Aasfressen für eine Unart gehalten, was es gar nicht ist.</p> - -<p>Dagegen sind die von mancher Seite angezweifelten Angaben über -die Bereitwilligkeit zum Beistand und die Neigung zur Verstellung durchaus -glaubhaft. Es sollen dafür noch andere Beispiele angeführt werden.</p> - - -<h3><a name="kap_25" id="kap_25">25</a>. Verstellung und Beistand bei Hunden.</h3> - -<p>Von den Fällen, wo Hunde sich verstellten, seien hier folgende angeführt:</p> - -<p>1. Ich besaß, schreibt ein Naturforscher, einen rauhhaarigen Hund, -Pintsch genannt, der in ausgezeichnetem Grade log. Pintsch vertrieb sich -die Zeit sehr gern mit »Bummeln«, wußte auch sehr wohl, daß er das -nicht durfte, und kam infolgedessen nicht offen von seinen Spaziergängen -nach Hause, sondern schlich sich heimlich ein. Dann aber, wenn er im -Hause war, ging er meist nicht auf geradem Wege zu den Menschen, sondern -machte folgendes Kunststück: er stieg, immer noch heimlich, auf den -Speicher oder an eine andere versteckte Stelle, wartete, bis er unten im -Hause jemand sprechen hörte und kam dann, tapp, tapp, mit unschuldigster<span class="pagenum"><a name="Page_60" id="Page_60">[Pg 60]</a></span> -Miene die Treppe herab. Sein späterer Besitzer bestätigte mir diese Beobachtung, -ohne von mir darauf aufmerksam gemacht worden zu sein; -so auffallend war die List, womit er seinem Herrn weiszumachen strebte, -daß er den ganzen Tag im Hause verschlafen habe.</p> - -<p>2. Es waren in einem Gasthause verschiedene Hunde, die sich alle -Winterabende um das Kaminfeuer in dem Gastzimmer herumlagerten, -doch so, daß sie den Gästen nicht im Wege waren. Einer von diesen -Hunden, der sich gewöhnlich immer später als die anderen einfand, mußte -mit einem entfernten Platze vorlieb nehmen. Bisher hatte er immer -Geduld gehabt; an einem Abend aber, an welchem die Kälte ihm wahrscheinlich -zu unerträglich war, ersann er folgenden listigen Streich, der -ihm auch vollkommen gelang. Nachdem er sich einige Zeit zur Rechten -und zur Linken umgesehen hatte, um ein Plätzchen in der Nähe des -Feuers zu bekommen, aber seine Absicht nicht erreichen konnte, verläßt -er auf einmal das Zimmer, läuft nach der Haustür und fängt an, aus -allen Kräften zu bellen. Augenblicklich machen sich alle Hunde im Zimmer -auf die Beine, laufen und bellen, so gut ein jeder kann. Der Hund, der -das Zeichen gegeben hatte, ließ sie gehen, kam mit einer triumphierenden -Miene zurück und suchte sich die beste Stelle beim Feuer aus. Seit der -Zeit bediente er sich zur großen Belustigung der Gäste jedesmal, wenn -er es für nötig fand, dieses Kunstgriffes und verfehlte nie seinen Endzweck.</p> - -<p>3. Den gleichen Kunstgriff wandte ein kleiner gieriger Hund an, um -dem großen Hausgenossen das Futter zu stehlen. Nachdem er seine -Mahlzeit verschlungen hatte, lief er bellend zum Tore, gefolgt von dem -Bernhardiner. Heimlich ging er zurück und fraß das Futter des Großen. -Am vierten Tage kam der Bernhardiner hinter den Schlich des Kleinen -und hätte ihn zuschanden gebissen, wenn der Hausherr nicht dazwischengetreten -wäre.</p> - -<p>Ueber Beistand, den die Hunde einander leisten, schreibt der -vorhin erwähnte Besitzer von Pintsch folgendes: Meiner Wohnung gegenüber -lag der Hund eines Bierwirts, ich will ihn Boxer nennen, häufig auf -der Straße und sonnte sich. Boxer war ein ungeschlacht aussehendes -Vieh, von dem ich nichts kannte als die Kraft seiner Zähne; die Lastträger, -welche bei seinem Herrn verkehrten, belustigten sich öfter damit, -ihn in einen vorgehaltenen Strick beißen zu lassen und ihn dann an -diesem herumzutragen, was er beliebig lange aushielt. Eines Tages -kam ein fremder kleiner schwarzer Hund durch das Stadttor gelaufen, -und wie das zu geschehen pflegt, wurde er sofort von den kleinen Kötern, -denen er in den Weg lief, angebellt. Bald stellten sie ihn; gerade unter -meinem Fenster blieb das schwarze Tierchen ängstlich stehen, und um -ihn bildete sich ein Kreis, bestehend aus allen kleinen Hunden der Nachbarschaft, -die ihn feindselig ankläfften und berochen. Er war augenscheinlich -in großer Not, und schon wollte ich mit einem Wurfgeschoß zu seinen -Gunsten einschreiten, da erhob sich Boxer, der auf der anderen Seite der -Straße lag, aus seiner faul behaglichen Ruhe, schritt herzu, durchbrach -den Kreis der Kläffer und stellte sich breitbeinig mitten über den kleinen -schwarzen Hund! Boxer sagte nichts dazu, aber er warf einen Blick<span class="pagenum"><a name="Page_61" id="Page_61">[Pg 61]</a></span> -rings um sich, solch einen Allgemeinblick, wie ihn kein ernster Schauspieler -beredter und verächtlicher loslassen kann! Die würdige Haltung stand -zwar zu seinem ziemlich gemeinen Gesichtsausdruck in einem außerordentlichen -Widerspruch, der zum Lachen reizte, aber sie wirkte unübertrefflich; -in wenigen Sekunden war die Meute der Angreifer nach -allen Richtungen zerstoben, und Boxer blieb mit seinem Schützling allein. -Einige Augenblicke ließ er diesen noch unter sich stehen, dann zog er -schwerfällig sein rechtes Vorderbein über dessen Rücken weg, wandte sich -und suchte, ohne umzuschauen, sein früheres Lager wieder auf. Der -kleine Schwarze aber lief fröhlich davon.</p> - -<p>Aehnliche Fälle, wo Hunde dem Menschen oder anderen Hunden -oder Tieren Beistand geleistet haben, kann man nicht selten beobachten. -Beistand und Verstellung sind dem Hunde naturgemäß, weil sie beide -ihm in seiner früheren Lebensweise angeboren waren. Von jeher -mußten sich die einzelnen Glieder eines Rudels im Kampfe gegen wehrhafte -Pflanzenfresser beistehen. Aber auch die Verstellung ist ihm etwas -Natürliches. Noch heutigen Tages schleppen die Schakale eine Beute -ins Gebüsch und sehen erst mit der harmlosesten Miene nach, ob die -Luft rein ist. Es könnte ja sonst sein, daß ihnen ein Mensch oder ein -großes Raubtier die Beute entrisse. Da ferner der Leiter des Rudels -als unbeschränkter Herrscher diejenigen straft, die sich seinen Befehlen -nicht fügen, so hat sich der Hund von jeher daran gewöhnt, seinen Gebieter -durch Verstellung zu täuschen.</p> - - -<h3><a name="kap_26" id="kap_26">26</a>. Leistungen der Hunde zum Nutzen der Menschen.</h3> - -<p>Ueber Polizei- und Blindenhunde ist schon an einer früheren Stelle -gesprochen worden. Allgemein dürfte bekannt sein, daß im Weltkriege -viele Soldaten durch Sanitätshunde gerettet worden sind.</p> - -<p>Die Sanitätshunde haben ihre Vorläufer in den sogenannten Bernhardinerhunden. -Das Ueberschreiten des Bernhardpasses ist wegen der -Unbilden der Witterung sehr gefahrvoll. Deshalb besteht dort ein -Hospiz zur Pflege und Rettung der Reisenden. Jeden Tag gehen zwei -Knechte mit Hunden über die gefährlichen Stellen des Passes. Groß -ist die Zahl der durch diese klugen Hunde Geretteten. Der berühmteste -Hund der Rasse war Barry, das unermüdlich tätige und treue Tier, -das in seinem Leben mehr denn vierzig Menschen das Leben rettete. -Er ist im Museum von Bern ausgestellt.</p> - -<p>Ueber die Leistungen der Jagdhunde soll im zweiten Bande gesprochen -werden, wo die heimische Tierwelt geschildert wird.</p> - -<p>Für den Landbewohner sind außer den Wachhunden am wichtigsten -die Hunde zum Treiben des Viehs (Fleischerhunde) und die Hunde zum -Bewachen des Viehs, namentlich der Rinder und Schafe (Hirtenhunde). -Ueber diese Hunde wäre folgendes zu sagen:</p> - -<p>Man hat den Fleischerhund am liebsten schwarz oder braun. Ein -guter Fleischerhund ist in seiner Pflicht unermüdlich, läuft unaufhörlich -hinter dem Vieh, das er vor sich hertreibt, hin und her; geht ein Ochse -durch und läßt sich nicht zurücktreiben, so springt er ihm an die Schnauze<span class="pagenum"><a name="Page_62" id="Page_62">[Pg 62]</a></span> -und hängt sich mit den Zähnen daran fest. Schweine packt er am Ohr, -was er teils von selbst tut, teils bei einiger Anleitung an kleineren -Schweinen leicht lernt. Man richtet ihn auch ab, falls er dies nicht von -selbst tut, daß er, sobald er das Ohr fest gepackt hat, über den Rücken des -Schweines wegspringt, wodurch er auf die andere Seite kommt, das -Ohr mit hinüberzieht, dem Schweine den Kopf umdreht und es auf solche -Weise leicht zum Stehen bringt.</p> - -<p>Der Hund des Kuhhirten muß immerfort seinen Herrn beobachten -und aufmerken, ob dieser ihm etwas befiehlt, was er dann augenblicklich -ausführt. Er muß volle Spitzzähne haben. Kühe, welche nicht sogleich -gehorchen, muß er wirklich beißen, sonst haben sie keine Achtung vor ihm. -Treibt er die Kuh vor sich her, so darf er nur nach den Hinterfüßen -beißen, und zwar, um nicht geschlagen zu werden, von der Seite, nie -nach dem Schwanze oder den Seiten, am allerwenigsten nach dem Euter. -Schlägt die Kuh nach ihm, so muß er sich gut in acht nehmen, aber dennoch -beißen. Will er die Kuh wenden, so muß er nach dem Kopfe beißen. -Widersetzt sich ihm eine Kuh oder ein Ochse geradezu mit den Hörnern, -so trägt er, wenn er seinem Amte ganz gewachsen ist, dennoch den Sieg -davon, indem er das Vieh ohne Umstände in die Schnauze beißt und -sich daran festhängt. Ist ein Ochse nur <em>einmal</em> von dem Hunde in -dieser Art gebissen worden, so hat er vor einem solchen Schnauzenbiß -entsetzliche Angst. So hatte vor vielen Jahren der Waltershäuser Hirt -einen trefflichen Hund von Größe und Farbe eines Fuchses. Der Hauptbulle -der großen Herde war zu jener Zeit ein lebensgefährliches Tier, -wagte aber, nachdem ihm der Hund einmal fest, schwer und lange an -der Nase gehangen, gegen diesen nicht die geringste Widersetzlichkeit. -Einstmals hatte sich der Hund in der Stadt mit Beitreiben von Kühen -verspätet, der Bulle glaubte sich sicher, achtete nicht auf den Hirten, bis -dieser laut nach dem Hunde pfiff; da sah sich der Bulle ängstlich um und -rannte, anscheinend vom bösen Gewissen getrieben, wie der Hund gesaust -kam, geradeaus auf einen hinter dem Burgberge gelegenen Teich -los, sprang ohne Zaudern in diesen hinein, eilte bis zu einer Stelle, wo -nur noch sein Kopf hervorragte, machte dort Halt, schwenkte und sah -den Hund und den Hirten erwartungsvoll und schweigend an. Der -Hirt rief den Hund ab, trieb die Herde, denn es war Abend, heimwärts -und der Bulle folgte von fern wie ein demütiger Sünder. Von dieser -Zeit an war das Betragen des Bullen immer tadellos.</p> - -<p>Die außerordentliche Wirkung des Schnauzenbisses ist ganz einleuchtend. -Denn auch der Bulle ist ein Nasentier, dessen Nase ungeheuer -empfindlich ist. Deshalb zieht man ihm häufig zu seiner Bändigung einen -Ring durch die Nase.</p> - -<p>Der Schäferhund muß ebenfalls nach den Hinterfüßen und beim -Wenden nach Kopf und Hals beißen. Ist ein Saat- oder Kleefeld in der -Nähe, das er schützen soll, so läuft er entweder rastlos an ihm auf und -nieder oder er legt sich lauernd hin und springt plötzlich zu, wenn ein -Schaf zu naschen wagt. Ueber die Klugheit mancher Schäferhunde beim -Hüten der Schafe soll noch später bei dem Schafe gesprochen werden.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_63" id="Page_63">[Pg 63]</a></span></p> - -<p>Die Rattenplage und ihre Bekämpfung durch Hunde und Katzen -soll bei der Katze geschildert werden.</p> - -<p>Die körperliche Leistungsfähigkeit der Hunde ist ganz erstaunlich. -Was ein Fleischerhund oder ein Schäferhund den Tag über zusammenläuft, -läßt sich schwer berechnen, aber es ist jedenfalls eine riesige Strecke. -Bei den schnellen und ausdauernden Hühnerhundrassen hat man berechnet, -daß sie in sechs bis sieben Stunden eine Strecke von mehr als -100 Kilometern im Galopp durchmessen. Von einem russischen Windhund -wird berichtet, daß er an einem Tage 140 Kilometer auf der Landstraße -zurücklegte, ohne wunde Ballen zu erhalten.</p> - - -<h3><a name="kap_27" id="kap_27">27</a>. Gefahren durch Hunde.</h3> - -<p>Wo viel Licht ist, da ist auch viel Schatten. Von den Schmutzereien, -durch welche die Hunde lästig fallen, ist schon früher die Rede -gewesen. Die Kellerbewohner suchen sich den unerwünschten Besuch -von Hunden durch Bestreuen mit einem scharfriechenden Pulver fernzuhalten. -Dieses Verfahren ist bei einem Nasentier ganz zweckmäßig.</p> - -<p>Bei der ungeheuren Anzahl von Hunden, die in unserem Vaterlande -gehalten werden, sind erhebliche Verletzungen durch Bisse verhältnismäßig -selten. Immerhin kommen sie vor und mahnen daher zur Vorsicht.</p> - -<p>Das müssen selbst begeisterte Hundefreunde zugeben. So schreibt -einer zum Lobe der Hunde folgendes: Ich habe kluge Hunde gekannt, die -fast jedes Wort und jeden Wink ihres Herrn zu verstehen schienen, auf -seinen Befehl die Tür öffneten oder verschlossen, den Stuhl, den Tisch -oder die Bank herbeibrachten, ihm den Hut abnahmen oder holten, ein -verstecktes Schnupftuch u. dgl. aufsuchten und brachten, den Hut eines -ihnen bezeichneten Fremden unter anderen Hüten durch den Geruch hervorsuchten -usw. Es ist auch eine Lust zu sehen, wie entzückt ein Hund -ist, wenn er seinen Herrn ins Freie begleiten darf, wie jämmerlich dagegen -sein Gesicht, wenn er zu Hause bleiben muß.</p> - -<p>Derselbe Hundefreund muß aber auch folgendes einräumen: Sehr -große Hunde sind, wenn sie in Wut geraten, selbst ihrem Herrn und -ihren Freunden gefährlich. Ich füge hier einige Fälle bei, die sich ganz -in meiner Nähe ereignet haben. Als Student wohnte ich nicht weit von -dem Hause eines Gerbers. Ueber Nacht kam in dessen Nähe Feuer aus; -der Mann sprang rasch in ungewöhnlicher Kleidung auf den Hof und -wurde da sogleich von seinen zwei Fleischerhunden angefallen und totgebissen.</p> - -<p>Als ich einen in Oesterreich wohnenden Freund besuchte, hatte dieser -einen parkartigen Garten, der mit dem Hofe in Verbindung stand, mit -einer Mauer umgeben, aber so oft es etwas Gutes darin gab, kamen -bei Nacht Diebe über die Mauer. Er versuchte allerlei Gegenmittel vergeblich -und ließ dann aus Ungarn mit großen Kosten drei große -bösartige Wolfshunde samt einem Wärter kommen, der dann auch gleich -als Tagelöhner diente. Jede der drei Bestien lag an einer starken, zugleich -als Halsband dienenden eisernen Kette und war mit dieser auf einem mit -Stroh ausgepolsterten Wagen gefesselt. Dort machten die Fesselträger<span class="pagenum"><a name="Page_64" id="Page_64">[Pg 64]</a></span> -von Zeit zu Zeit einen Höllenlärm, waren zuletzt, wie sie abgeladen -waren, seelenvergnügt, und jeder wurde an ein schönes, bequemes -Häuschen gelegt, vor welchem eine Empfangsmahlzeit bereit stand. Nach -einigen Monaten waren sie eingewohnt, der Ungar ließ sie für die Nacht -los, sie tobten vor Freude in allen Ecken und Enden, taten mehr Schaden -als früherhin die Diebe und leisteten dem Ungar, als er sie am nächsten -Morgen wieder anlegen wollte, solchen Widerstand, daß sogleich der -Beschluß reifte, sie für immer an der Kette zu lassen. – Dergleichen könnte -ich aus meiner Erfahrung noch viel beifügen. Es möge jedoch noch bemerkt -sein, daß drei meiner Freunde, deren jeder einen Neufundländer -besaß, den er für ausgezeichnet fromm erklärte, von diesen bei geringer -und ganz verschiedener Gelegenheit erbosten Bestien mordgierig überfallen, -stark verwundet und nur durch schnelle Hilfe gerettet worden sind. -Ueber dem einen der Herren mußte der Hund, der ihn niedergeworfen, -rasch erschossen werden. – Große Ziehhunde haben schon oft Unheil angerichtet.</p> - -<p>Die hier geschilderten Unglücksfälle hätten sich wohl zum Teil vermeiden -lassen, so z. B. wenn der Gerber seine Hunde vorher angerufen -hätte. Jeder erfahrene Tierkenner, der einen Stall oder Zwinger betritt, -ruft die Tiere zunächst an, damit sie merken, daß es ihr Herr oder -eine ihnen bekannte Persönlichkeit ist. Aufgeregte Nasentiere haben -keine Zeit, vorher den sich Nähernden zu beschnüffeln. Die Nase ist insofern -ein sehr viel langsamer arbeitendes Sinnesorgan als das Auge. -Es braucht wohl nicht erst hervorgehoben zu werden, daß selbstverständlich -auch das Auge bei Nasentieren wichtig ist. Denn zwecklos verleiht -die Natur keine Gaben.</p> - -<p>Vor Ziehhunden soll man sich stets in acht nehmen, weil sie wegen -ihrer anstrengenden Tätigkeit gewöhnlich schlechter Stimmung sind. Ob -man Hunde überhaupt zum Ziehen verwenden soll, wird beim Esel -besprochen werden.</p> - -<p>Es wurde schon erwähnt, daß man Hunde nicht küssen soll, da -sie als frühere Raubtiere Aas fressen. Es kommt aber noch ein anderer -Grund hinzu. Der Hund beherbergt mehrere Bandwürmer, von denen -der Hülsenbandwurm (<span class="antiqua" lang="la" xml:lang="la">taenia echinococcus</span>) der für den Menschen -gefährlichste ist. Da der Hund Kot beschnüffelt, so kann er die Eier -dieses Bandwurms an die Schnauze bekommen und durch Belecken – am -leichtesten durch Küssen – auf den Menschen übertragen. Im -Innern des Menschen, der die Eier in den Mund bekommen hat, bilden -sich kohlkopfgroße Blasen, die tödlich werden können. Zur Beruhigung -sei mitgeteilt, daß seit Jahrzehnten nur zwei Personen daran erkrankt -sind.</p> - -<p>Häufiger tritt die berüchtigte Tollwut auf. In Deutschland wurden -im Jahre 1912 durch tolle oder tollwutverdächtige Tiere 240 Personen -gebissen. Hiervon wurden 232 Personen geimpft. Sehr zugunsten der -Schutzimpfung spricht, daß nur drei Personen starben, von denen obendrein -sich zwei zu spät hatten impfen lassen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_65" id="Page_65">[Pg 65]</a></span></p> - -<p>Der Volksglaube, daß man einen tollen Hund am eingeklemmten -Schwanz und an der Wasserscheu erkennt, ist irrig. Wohl aber zeichnet -er sich durch verändertes Benehmen, namentlich durch große Beißlust aus.</p> - -<p>Die Tollwut endet immer tödlich. Eine bestimmte Räudekrankheit, -die Acarusräude, pflegt ebenfalls unheilbar zu sein. Sonst werden -junge Hunde namentlich im Alter von vier bis zu neun Monaten gewöhnlich -von der Staupe befallen, die in einer ansteckenden Entzündung -der Schleimhäute besteht. Die Gelehrten stehen dieser Seuche, die fast -die Hälfte aller Junghunde dahinrafft, ziemlich machtlos gegenüber. Auf -dem Lande hat man die seltsamsten Kuren dagegen und häufig mit -Erfolg.</p> - -<p>Ein Glück ist es, daß die Flöhe, die der Hund besitzt, nicht dauernd -auf den Menschen übergehen. Nach kurzer Zeit verlassen sie ihn wieder. -Der Ausspruch: Wer sich mit Hunden niederlegt, steht mit Flöhen auf, ist -also nicht ganz richtig.</p> - -<p>Man könnte nun sagen, daß schon allein die Tollwut der Hunde -Grund genug wäre, alle Hunde abzuschaffen, da ein einziges Menschenleben -unendlich wertvoller als das zahlreicher Tiere ist. Dagegen muß -man darauf hinweisen, daß man überall im Leben Vorteile und Nachteile -abwägen und danach seinen Entschluß fassen soll. Heute las ich in -den Zeitungen, daß allein in Berlin fünf Personen durch unbeaufsichtigt -gelassene Gashähne getötet worden sind. Werden wir deshalb die Gasbenutzung -aufgeben? Nein, ebensowenig wie auf das Baden, Schwimmen, -Schlittschuhlaufen verzichtet wird, obwohl alljährlich eine Menge -blühende Menschenleben dieser von der Jugend so beliebten Betätigung -zum Opfer gebracht werden.</p> - -<p>Dagegen wird man zweckmäßig handeln, wenn man sich die Gefahren -vergegenwärtigt, und doppelte Vorsicht anwendet.</p> - -<p>Eigentümlichkeiten des Hundes, die bisher noch nicht erörtert worden -sind, werden an einer späteren Stelle besprochen werden (vgl. das <a href="#Sachregister">Sachregister</a>).</p> - - -<h3><a name="kap_28" id="kap_28">28</a>. Geschichtliches vom Hunde.</h3> - -<p>In welcher Weise der Haushund gezähmt worden ist, wissen wir -nicht. Da viele Hundeartige (Kaniden), beispielsweise die Schakale, den -Löwen und Tigern folgen, um an ihrer Beute teilzunehmen, so werden -sie sich auch dem Urmenschen angeschlossen haben, um etwas von den -Abfällen seiner Mahlzeiten zu ergattern. Der Mensch wird bald bemerkt -haben, daß die Nachbarschaft dieser Tiere für ihn von größtem -Vorteil war. Sie machten Lärm, sobald sich etwas Ungewöhnliches -zeigte, und sie fanden durch ihre feine Nase dort Wild, wo er achtlos vorübergegangen -war. Wie heute in der Türkei noch die Straßenhunde -leben, die keinen eigentlichen Herrn haben, also halbwild sind, so haben -sich wahrscheinlich schon in früheren Zeiten halbwilde Hunde dem -Menschen angeschlossen. Wir machen eine ähnliche Beobachtung bei -andern Tieren. Der Hausstorch, der Hausrotschwanz, die Hausschwalbe, -der Haussperling, der Haus- oder Steinmarder, die Hausmaus und<span class="pagenum"><a name="Page_66" id="Page_66">[Pg 66]</a></span> -andere Tiere haben sich ebenfalls mit dem Menschen angefreundet und -sehen jetzt ganz anders aus als ihre ganz wilden Verwandten. Der -Hausstorch sieht schwarz-weiß-rot aus, der im Walde lebende Waldstorch -ist dagegen fast schwarz. Der in der Scheune lebende Hausmarder hat -eine weiße, der im Walde lebende Edelmarder eine gelbe Kehle usw. -Halbwilde Hunde, ähnlich dem Straßenhunde in der Türkei, sind wahrscheinlich -die Vorfahren unserer Haushunde, die durch Kreuzung mit -Wölfen und Schakalen im Laufe der Zeiten entstanden sind.</p> - - -<h3><a name="kap_29" id="kap_29">29</a>. Der Hund in Sprichwörtern und Redensarten.</h3> - -<p>Einige Sprichwörter und Redensarten, die sich mit dem Hunde beschäftigen, -sind bereits erklärt worden (über Bellen und Beißen der -Hunde, sich rekeln, Eberköpfe und Hundeköpfe, Grasfressen, Anbellen des -Mondes sowie über Hund und Ofen und Hund und Flöhe). Hier sollen -noch weitere angeführt werden.</p> - -<p>Der Hund wurde einerseits wegen der bereits erwähnten Eigenschaften, -die uns Menschen widerwärtig sind, sehr verachtet, andererseits -wegen seines Nutzens für uns sehr geschätzt.</p> - -<p>Für die Verachtung spricht die Strafe des Hundetragens, womit -man andeuten wollte, daß jemand wert sei, wie ein Hund erschlagen -und aufgehängt zu werden.</p> - -<p>Hiermit bringt man die Redensart in Verbindung:</p> - - -<p class="idioms"><em>Auf den Hund kommen</em>, d. h. also in eine solche Lage kommen, -wie einer, der Hunde tragen muß. Damit will man andeuten, daß -jemand in verächtliche oder schlimme äußere Verhältnisse geraten -ist, oder daß es mit seiner Gesundheit schlecht steht.</p> - -<p class="idioms"><em>Jemanden auf den Hund bringen</em> heißt also, ihn in solche -schlechte Verhältnisse bringen.</p> - -<p class="idioms"><em>Ueber den Hund kommen</em> heißt hiernach, jene Strafe überstehen. -Vervollständigt wird der Gedanke in der Redensart:</p> - -<p class="idioms"><em>Komm ich über den Hund, komm ich auch über den -Schwanz</em>, d. h. also, überstehe ich die Strafe, so werde ich auch -die Nachklänge hieraus überstehen.</p> - -<p class="idioms"><em>Einer ist so verachtet, daß nicht einmal die Hunde ein -Stück Brot von ihm nehmen.</em> Es ist das natürlich eine -Uebertreibung, um zu sagen, daß das verächtlichste und gierigste -Tier von diesem Menschen nichts annehmen würde.</p> - -<p class="idioms"><em>Etwas geht vor oder für die Hunde</em>, d. h. es geht dahin, -wo sich die verächtlichsten Geschöpfe befinden, also es geht zugrunde.</p> - -<p class="idioms"><em>Hunde und Flöhe gehören zusammen. Je magerer -der Hund, desto größer die Flöhe.</em> Das bezieht sich auf -die Menge Ungeziefer, das auf den meisten Hunden haust.</p> - -<p class="idioms"><em>Er ist bekannt wie ein bunter Hund.</em> Diese Redensart würde -heute nicht entstehen, denn bei uns gibt es jetzt eine Menge mehrfarbige -Hunde, z. B. Terriers, Tigerdoggen usw. Früher muß es -fast nur Hunde mit einfarbigem Fell gegeben haben.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_67" id="Page_67">[Pg 67]</a></span></p> - -<p>Die enge Zusammengehörigkeit des Hundes mit dem Menschen -geht daraus hervor, daß man in Tirol sagt statt gar niemand:</p> - -<p class="idioms"><em>Kein Hund und kein Seel.</em></p> - -<p>Auch bei uns heißt es deshalb:</p> - -<p class="idioms"><em>Da kräht weder Hund noch Hahn danach</em>, denn zum Haushalte -gehören Hund und Hahn.</p> - -<p class="idioms"><em>Mit allen Hunden gehetzt sein.</em> Das sind manche Stücke Wild, -z. B. manche Hasen, die durch Zurücklaufen auf ihrer Spur die -Hunde in die Irre führen.</p> - -<p class="idioms"><em>Viele Hunde sind des Hasen Tod.</em> Das soll im nächsten Bande, -der die heimische Tierwelt enthält, erklärt werden.</p> - -<p class="idioms"><em>Wenn die Hunde schlafen, hat der Wolf gut Schafe -stehlen.</em></p> - -<p>Trotz des Nutzens, den der Hund dem Menschen bringt, hat er -wenig Dank dafür. Schlechte Behandlung und wenig Futter sind -sein Lohn. Daher die Redensarten:</p> - -<p class="idioms"><em>Es haben wie ein Hund.</em> – <em>Leben wie ein Hund.</em> – <em>Arbeiten -wie ein Hund.</em> – <em>Müde sein wie ein Hund -oder hundemüde sein.</em> – <em>Hunzen = schelten wie -einen Hund.</em> – Der Hund ist launischer Behandlung ausgesetzt, -weshalb man sagt:</p> - -<p class="idioms"><em>Wer einen Hund will werfen, findet bald einen -Prügel.</em></p> - -<p class="idioms"><em>Der Knüttel liegt beim Hunde</em>, d. h. daß der Hund so handeln -muß, wie der Herr will, weil der sonst allzeit bereite Knüttel zur -Anwendung gelangt.</p> - -<p>Wegen seiner Gefräßigkeit sagt man:</p> - -<p class="idioms"><em>Er wird halten, wie der Hund die Fasten</em>, das heißt gar -nicht.</p> - -<p>Aus seiner Unverträglichkeit mit der Katze erklärt sich:</p> - -<p class="idioms"><em>Wie Hund und Katze leben.</em></p> - -<p>Weil der Hund der geborene Wächter ist, so nennt man auch die -Schlösser, die den Dieb vom Stehlen des Schatzes abhalten Hunde. -In Bayern heißt der Schatz selbst so. Hieraus stammen die Redensarten:</p> - -<p class="idioms"><em>Hunt hint haben</em>, d. h. einen heimlichen Schatz haben.</p> - -<p class="idioms"><em>Den Hunt schmecken wissen</em>, d. h. wissen, wo Vermögen und -etwas zu erhaschen ist.</p> - -<p class="idioms"><em>Da liegt der Hund begraben.</em> Manche meinen, daß hier mit -Hund der Schatz bezeichnet werde. Das paßt aber schlecht in vielen -Fällen.</p> - -<p>Wahrscheinlich stammt die Redensart aus dem alltäglichen -Kampfe zwischen Jäger und Landwirt. Der Bauer läßt seinen Hund -wildern, und der Förster greift zur Selbsthilfe. Wenn er annimmt, -daß niemand es sieht, erschießt er den Hund und vergräbt ihn.<span class="pagenum"><a name="Page_68" id="Page_68">[Pg 68]</a></span> -Manchmal hat aber doch ein Knecht oder sonst ein Mensch die Tat -gesehen, der nun weiß, wo der Hund begraben liegt. Er ist froh -darüber, denn entweder muß ihm der Förster, der natürlich dem -Bauern gegenüber alles bestreitet, Schweigegeld geben oder der -Bauer muß ihm das Geld geben, damit er ihm zeigt, wo der Hund -begraben liegt.</p> - -<p>Sehr hoch schätzt die Treue des Hundes der Ausspruch:</p> - -<p class="idioms"><em>An fremden Hunden und Kindern ist das Brot verloren</em>, -d. h. die Hunde lassen sich dadurch nicht verleiten wegen -ihrer Hundetreue.</p> - -<p>Nur bei einem sehr hundefreundlichen Volke konnte der Vers -entstehen:</p> - -<div class="poem"> -<p><em>Einen Mann hungerte manche Stund,</em></p> -<p><em>Er ging und kaufte sich einen Hund.</em></p> -</div> - -<p class="idioms"><em>Hundehaare auflegen</em> kommt von dem Glauben, daß, wer -Schaden zufügt, auch die Kraft zum Heilen besitzt. Auf eine von -einem Hund verursachte Wunde soll man also Hundehaare legen. -In übertragenem Sinne spricht man davon, wenn man die durch -den Alkohol entstandene Magenverstimmung durch weiteren Alkohol -beseitigen will.</p> - -<div class="figcenter"> -<a name="fig015" id="fig015" href="images/illu-015.jpg"><img src="images/illu-015_t.jpg" width="400" height="232" alt="Deutsche Dogge" /></a> -<div class="caption">Deutsche Dogge</div> -</div> - -<div class="figcenter"> -<a name="fig016" id="fig016" href="images/illu-016.jpg"><img src="images/illu-016_t.jpg" width="300" height="290" alt="Wachtelhund" /></a> -<div class="caption">Wachtelhund</div> -</div> - -<div class="figcenter"> -<a name="fig016_2" id="fig016_2" href="images/illu-016_2.jpg"><img src="images/illu-016_2_t.jpg" width="300" height="234" alt="Schäferhunde" /></a> -<div class="caption">Schäferhunde</div> -</div> - -<div class="figcenter"> -<a name="fig065" id="fig065" href="images/illu-065.jpg"><img src="images/illu-065_t.jpg" width="300" height="214" alt="Schnauzer" /></a> -<div class="caption">Schnauzer</div> -</div> - -<div class="figcenter"> -<a name="fig065_2" id="fig065_2" href="images/illu-065_2.jpg"><img src="images/illu-065_2_t.jpg" width="300" height="224" alt="Drahthaariger Foxterrier" /></a> -<div class="caption">Drahthaariger Foxterrier</div> -</div> - - - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_69" id="Page_69">[Pg 69]</a></span></p> - -<h2> -<img src="images/die_katze.jpg" width="600" height="102" alt="Die Katze" /> -<br /> -<span class="hidden">Die Katze</span> -</h2> - - -<h3><a name="kap_30" id="kap_30">30</a>. Hund und Katze waren beide früher Raubtiere. Warum -sehen sie trotzdem so verschieden aus?</h3> - -<p class="cap">Peter hatte, wie wir sahen, ein kleines Geplänkel mit des Nachbars -Katze. Wir wollen uns diese einmal etwas näher betrachten.</p> - -<p>Wie damals sitzt sie in dem Kellereingang und läßt sich die warme -Morgensonne auf den Pelz scheinen. Schlecht scheint es ihr wirklich nicht -zu gehen, denn sie ist kräftig und sieht ganz wohlgenährt aus. Das ist -auch nicht weiter wunderbar, denn in einem Kohlenkeller pflegt es stets -Mäuse zu geben. Der Kohlenhändler hält sie wohl auch deswegen. -Uebrigens ist uns die Katze schon seit längerer Zeit bekannt. Sie ist etwa -ebenso alt wie Peter und in Wirklichkeit ein Männchen, also ein Kater, -der »August« genannt wird.</p> - -<p>Fassen wir das Tier ins Auge, so fällt uns namentlich folgendes auf. -Erstens: der kleine Kopf mit den Schnurrhaaren. Zweitens: die zierliche, -kräftige und runde Form des Rumpfes. Drittens: Füße und Schwanz -fügen sich übereinstimmend in dieses Bild. Die Füße sind fast bedeckt und -der Schwanz geht im Bogen nach vorn. Viertens: bewundernswert ist -bei der Gesamterscheinung die unerschütterliche Ruhe, da am Körper sich -nicht das geringste bewegt. Ein aus Erz gegossenes Kunstwerk könnte -sich kaum regungsloser verhalten.</p> - -<p>Doch diese Leblosigkeit ist nur Schein, denn sie beruht auf einer -außerordentlichen Beherrschung aller Muskeln. Jetzt <em>kommt</em> Leben in -August, denn seine Herrin, deren Liebling er ist, kehrt von einem Gange -zurück. Das Schmeicheln der Katzen ist, wie wir jetzt sehen, ganz anders -wie das der Hunde. Ein Hund, der sich bei seinem Herrn beliebt machen -will, springt an ihm herauf und sucht beide Vorderpfoten auf seine Beine -zu legen. Der Kater dagegen läuft hin und her und reibt sich dabei an den -Kleidern seiner Herrin, wobei er den Schweif hochgestellt hält. Ständen -wir ganz dicht dabei, so würden wir August auch schnurren hören.</p> - -<p>Doch seine fleißige Herrin hat nicht lange Zeit, sich mit August weiter -zu beschäftigen. Sie hat aber ihrem Lieblinge einen Leckerbissen mitgebracht, -den der Kater jetzt frißt. Hierbei fällt uns der merkwürdige Unterschied -des Fressens beim Hund und der Katze auf. Einen solchen Happen, -anscheinend ein kleines Stück von einem größeren Fisch, würde ein Hund -im Nu verschlungen haben. Der Kater dagegen braucht eine ganze Weile, -ehe er den Happen bewältigt hat. Nach unseren Begriffen ißt die Katze<span class="pagenum"><a name="Page_70" id="Page_70">[Pg 70]</a></span> -gesittet, während der Hund ein roher Schlinger ist. Wir müssen an das -Sprichwort denken: »Iß wie eine Katze und trink' wie ein Hund.« -Nach dem Essen putzt sich August, indem er sich gewissermaßen -»wäscht«. Nach dem Volksglauben bedeutet es bekanntlich, daß Besuch -eintrifft, wenn die Katze sich wäscht.</p> - -<p>Dieses Waschen bewerkstelligt August in folgender Weise, wie wir -beobachten können. Er macht eine Pfote mit der Zunge feucht und benutzt -diese angefeuchtete Pfote als Schwamm, um seinen Kopf und andere -Körperteile, soweit er reicht, damit zu reinigen.</p> - -<p>Nachdem August so sein Aeußeres wieder in Ordnung gebracht hat, -betrachtet er zunächst die Welt anscheinend mit der Ruhe eines Weltweisen.</p> - -<p>Da August ein kräftiges Tier ist, so hat er vor Durchschnittshunden -keine Furcht. Er hat seinen Nachbarn Peter längst durchschaut und weiß, -daß dieser wohl im Blaffen groß, aber kein furchtloser Draufgänger ist. -Für gewöhnlich macht er bei der Annäherung von Hunden kaum einen -Buckel. Dagegen zieht er sich vor einem ausnehmend scharfen Dachshunde, -der mit Schmarren bedeckt ist und um die Ecke wohnt, regelmäßig zurück. -Da August jetzt seiner Herrin in den Keller gefolgt ist, so wollen wir zunächst -uns das, was wir bei ihm erschaut haben, zu erklären suchen.</p> - -<p>Hund und Katze sind beide Raubtiere, wie wir wissen. Aber sie wenden -ganz verschiedene Mittel an, um zu ihrem Ziele zu gelangen. Der -Hund spürt mittels seiner feinen Nase einen Pflanzenfresser auf, wie noch -jetzt seine wilden Verwandten, die Wölfe und andere hundeartige Tiere, -und sucht ihn durch seine Schnelligkeit zu erbeuten. Er ist, wie wir schon -sagten, ein Hetzraubtier.</p> - -<p>Ganz anders verfährt die Katze. Ueber ihre Abstammung soll später -gesprochen werden. Jedenfalls gleicht sie heute noch ihrer nahen Verwandten, -der europäischen Wildkatze, fast in allen Stücken. Gleich dieser -hat sie erstens keine feine Nase, um eine Hasenspur zu verfolgen, wie ein -Hund. Sähe sie aber wirklich im Felde einen Lampe, wie man den Hasen -nennt, so denkt sie nicht daran, wie ein Hund hinterher zu laufen. Dazu -ist sie nicht schnell genug. Sie kann zwar sehr schnell einige Sprünge -machen, aber ein Dauerläufer ist sie nicht.</p> - -<p>Während also der Hund den Weg der offenen Gewalt einschlägt, verabscheut -die Katze diese Fangart und bekennt sich zur Anwendung der -List. Sie sagt sich: warum soll ich dem Hasen nachlaufen, den ich doch -nicht einhole? Viel einfacher ist es, wenn ich mir den Hasen kommen -lasse.</p> - -<p>Und unsere Mieze hat mit ihrer Fangart außerordentlichen Erfolg. -Das weiß jeder Jäger, wie gefährlich gerade wildernde Katzen dem Wildstande -sind.</p> - -<p>Man sollte meinen, daß Hasen, Rebhühner und anderes Wild nur die -Stellen zu meiden brauchten, wo eine Katze sitzt. Aber die Katze ist eine -solche Meisterin in ihrer Fangart, daß sie selten ohne Erfolg bleibt.</p> - -<p>Bricht die Dämmerung herein, so verspürt der Hase, der auch ein -nächtliches Tier ist, Hunger im Magen. Er will sich deshalb auf das<span class="pagenum"><a name="Page_71" id="Page_71">[Pg 71]</a></span> -Feld begeben, um sich an dem saftigen Klee und anderen Gewächsen zu -laben. Zu diesem Zwecke läuft er gewisse Steige, sogenannte Pässe, entlang, -wie ja auch der Mensch mit Vorliebe Straßen benutzt. Vorsichtig -prüft er erst mit der Nase, ob er nicht irgendeinen Räuber entdecken kann. -Aber seine Nase kann nichts Feindliches feststellen. Noch mehr verläßt sich -der Hase auf sein feines Gehör. Nicht umsonst hat er die langen Löffel -(Ohren). Aber auch die Ohren können ihm keine Gefahr melden. Nicht -das geringste Geräusch ist zu vernehmen.</p> - -<p>So hoppelt denn unser Lampe mit Seelenruhe seinen Paß entlang. -Trotzdem ist es sein letzter Weg. Denn hinter einer bewachsenen Erhöhung -überfällt ihn blitzschnell eine verwilderte Katze und trotz seines wie Kindergeschrei -klingenden Quäkens endet er bald sein Leben unter ihrem Gebiß -und ihren Prankenschlägen.</p> - -<p>Vergegenwärtigen wir uns diese Räubertätigkeit der Katze als vollendeter -Schleicherin, so wird uns ihre Gestalt und ihr Verhalten vollkommen -klar.</p> - -<p>Eine Schleicherin muß scharf sehen können, ob sich das Opfer nähert. -Die Katze ist daher ein Augentier, das ein scharfes Sehvermögen, aber -nur einen mäßigen Geruchssinn besitzt. Die Nase braucht daher nicht so -ausgebildet zu sein wie beim Hunde. Infolgedessen erscheint der Kopf -rund. Das ist für eine im Gebüsch harrende Schleicherin von Vorteil, -denn ein langer Kopf wäre schwerer zu verbergen.</p> - -<p>Wer sich ferner nicht verraten will, der muß ganz geräuschlos auftreten -und darf kein Zappelphilipp sein. Die Katze versteht das. Ihr Auftreten -ist so geräuschlos, daß man selbst im Zimmer bei schärfster Aufmerksamkeit -das Gehen einer Katze nicht hört.</p> - -<p>Jetzt verstehen wir ihren runden Rücken, der dem Erdboden ganz -nahe ist. Eine solche Körperform verschwimmt mit der Umgebung. Auch -ihre Ruhe ist uns jetzt ganz einleuchtend. Denn Nasentiere sind für Bewegungen -besonders empfindlich.</p> - -<p>Eine im Gebüsch oder im Versteck lauernde Schleicherin muß sich mit -dem geringsten Raum begnügen. Folglich ist für ihren langen Schweif -kein Platz da. Demnach muß sie ihn, um ihn unterzubringen, nach vorn -krümmen. An dieses Krümmen des Schwanzes nach vorn ist die Katze seit -Urzeiten so gewöhnt, daß sie den Schweif auch dann so trägt, wenn sie -den weitesten Raum zur Verfügung hat.</p> - -<p>Der Hund dagegen, der krumme Wege im allgemeinen nicht liebt -und deshalb auch nicht in engen Verstecken lauert, läßt seinen Schweif -beim Hinsetzen in gerader Linie liegen.</p> - -<p>Von der Bedeutung des Schweifes in der Tierwelt werden wir noch -sprechen.</p> - -<p>Der Hase war also der Schleicherin zum Opfer gefallen, weil seine -Schutzmittel ihn nicht retten konnten. Seine Schnelligkeit, sein größter -Vorzug, war wertlos wegen des plötzlichen Ueberfalls. Auch seine feine -Nase konnte ihm die Feindin nicht anzeigen, weil diese sich wohlweislich -hinter einer bewachsenen Erhöhung geduckt hatte. So konnte der Hase -sie nicht riechen. Der Hase ist wie der Hund ein Nasentier. Auch das viel<span class="pagenum"><a name="Page_72" id="Page_72">[Pg 72]</a></span>gerühmte -Hasenohr konnte die geräuschlose und unbewegliche Räuberin -nicht wahrnehmen.</p> - -<p>Trotz ihres Nagergebisses beißen die Hasen nur ausnahmsweise. Aber -selbst wenn sich der Hase gegen die Katze wehren wollte, so war er gegen -die auf dem Rücken festgekrallte und festgebissene Feindin machtlos.</p> - - -<h3><a name="kap_31" id="kap_31">31</a>. Welchen Zwecken dienen die Schnurrhaare der Katze?</h3> - -<p>August besitzt, wie uns aufgefallen war, auf der Oberlippe wagerecht -stehende Borsten, sogen. Schnurrhaare. Beim Hunde können wir nur -einige zerstreute Haare dieser Art an dem gleichen Orte entdecken. Es ist -anzunehmen, daß die Schnurrhaare für August bei seinem Räuberhandwerk -irgendeinen Zweck haben. Worin dürfte dieser Zweck bestehen?</p> - -<p>Würden wir einer Katze die Schnurrhaare abschneiden, so könnten -wir die Beobachtung machen, daß sie von einer merkwürdigen Unsicherheit -befallen wird. Und das mit Recht. Denn sie, die Schleicherin, liebt es, alle -engen Gänge, alle Höhlungen zu untersuchen, ob nicht irgendwie etwas -Beute für sie abfällt. Das Durchkriechen enger Wege kann aber leicht gefährlich -werden; man kann manchmal weder vorwärts noch rückwärts. -So sind kleine Affen, die in Zoologischen Gärten ausbrechen und zu diesem -Zwecke sich durch enge Röhren durchzwängen wollten, steckengeblieben -und elendiglich verhungert. Das kann einer Katze wie allen -Tieren, die Schnurrhaare tragen, nicht gut passieren. Wird ihr Weg so -eng, daß die Gefahr des Festsitzens droht, so stößt sie mit den Schnurrhaaren an. -Sie fühlt das gleich und weiß: Bis hierhin und nicht weiter!</p> - -<p>Die Schnurrhaare sind also für das Leben der Katze von der größten -Wichtigkeit. Sowohl Männchen als auch Weibchen haben sie. Selbst junge -Katzen besitzen sie schon, denn auch sie könnten in ihrer Neugierde in ein -Loch hineinkriechen und darin steckenbleiben. Wir ersehen hieraus, daß -die Schnurrhaare, die manche als Schnurrbart bezeichnen, mit unserem -Schnurrbart nicht das mindeste zu tun haben. Unser Schnurrbart ziert nur -Männer, fehlt also den Frauen und allen Jugendlichen. Sodann hat er -nicht die elastische Eigentümlichkeit der Katzenschnurrhaare, sofort in die -alte Stellung zurückzukehren.</p> - -<p>Manche nennen diese Schnurrhaare Tasthaare. Das ist keine Verbesserung. -Betrachtet man genau den Kopf einer Katze, so erblickt man -oberhalb der Augen einzelne lange Haare. Das sind reine Tasthaare. -Wenn eine Katze in eine dunkle Höhlung kriecht, so zeigen ihr diese Haare -an, daß die Höhle zu Ende ist. Ohne diese Tasthaare würde also die Katze -Gefahr laufen, mit ihrem Kopfe gegen den Hintergrund anzustoßen. Da -der Kopf aller Katzen sehr fest gebaut ist, so wäre das weiter kein Unglück.</p> - -<p>Der Hund kriecht in keine Höhlen von Brettern, Bäumen und dergleichen, -sondern höchstens in Erdhöhlen. Hier kann ihm aber keine -Lebensgefahr drohen. Denn sollte er wirklich einmal festsitzen, so kann er -mit Hilfe seiner Grabpfoten sich leicht wieder befreien, indem er die Höhle -erweitert. Der Hund braucht also keine Schnurrhaare wie die Katze und -besitzt sie deshalb nicht.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_73" id="Page_73">[Pg 73]</a></span></p> - -<p>Bereits bei Peter (Kapitel <a href="#Page_7">7</a>) wurde erzählt, daß der Hund Grab- und -Rennpfoten hat. Im Gegensatz hierzu hat August als Katze einziehbare -Krallen an seiner Pranke, d. h. seiner bewehrten Pfote. Das Einziehen -der Krallen hat zwar den Vorzug, den Tritt unhörbar zu machen, aber -zum Graben in einem harten Boden sind einziehbare Krallen nicht geeignet.</p> - -<p>Obwohl also Hund und Katze beide früher Raubtiere waren, sehen -sie deshalb sehr verschieden aus, weil sie sich auf ganz verschiedene Art -ihren Nahrungserwerb suchen. Der Hund mit seiner offenen Gewalt erinnert -an einen mit dröhnenden Schritten auftretenden Kürassier, während -uns bei der formgefälligen Katze die Gestalt eines Tanzmeisters einfällt. -Auch bei Pferden und Rindern finden wir einen ähnlichen Unterschied, -obwohl beide Geschöpfe friedliche Pflanzenfresser sind und oft zusammen -weiden.</p> - - -<h3><a name="kap_32" id="kap_32">32</a>. Das Schmeicheln der Katze. Ist die Katze falsch?</h3> - -<p>»Schmeichelkätzchen« ist eine sehr bekannte Bezeichnung für einen -Menschen, der sich wie eine schmeichelnde Katze bei einem anderen in -Gunst setzen will. Bei August haben wir dieses Schmeicheln als Reiben an -den Kleidern seiner Herrin beobachtet.</p> - -<p>Ohne Zweifel ist das eine Art der Katzen, sich beliebt zu machen. Im -Zoologischen Garten können wir das gegenseitige Reiben zwischen Löwe -und Löwin oft wahrnehmen, wenn sie aneinander vorüberschreiten. Da -Raubtiere sich mit ihrem großen Rachen nicht küssen können, so entspräche -dieses gegenseitige Reiben einem Kusse. Das merkwürdig feine Haar der -Katzen scheint für solche Zärtlichkeiten besonders geeignet zu sein.</p> - -<p>Der Hund besitzt dagegen dieses feine Katzenhaar nicht. Er wählt daher -einen anderen Weg. Er springt an uns empor. Das ist, wenn der -Hund schmutzige Pfoten besitzt, und der Mensch eine saubere Hose angezogen -hat, was in der Stadt sehr häufig vorkommt, für uns nicht gerade -sehr angenehm. Was bezweckt der Hund mit dem Anspringen? Man geht -wohl nicht fehl, wenn man annimmt, daß der Hund uns noch näher -kommen will. Der eigentliche Mensch sitzt wohl nach seiner Auffassung -im Kopfe, denn dem nähert er sich mit Vorliebe und sucht uns zu belecken. -Darin bestärkt wird er wohl dadurch, daß gerade aus dem Kopfe unsere -Stimme ertönt.</p> - -<p>Bekannt ist es, daß eine Katze, die einem Menschen ihre Zuneigung -durch Schmeicheln bewiesen hat, wie es August vor unseren Augen getan -hat, nicht selten kurze Zeit darauf denselben Menschen kratzt, wenn dieser -sie neckt. Weil das ein alter Erfahrungssatz ist, so gilt die Katze allgemein -als falsch. Ist das richtig?</p> - -<p>Allerdings kann man manchen Hund nach Belieben prügeln, und -er wird trotzdem seinem Herrn anhänglich und treu sein. Man spricht -daher von einer Hundedemut, weil es unseren sonstigen Erfahrungen -widerspricht, daß ein Geschöpf für tägliche Prügel sich noch unterwürfig -und ergeben zeigt. Wer ebenso mit einer Katze verfahren will, der kommt -an die unrichtige Stelle. Der Hund ist allerdings eine Sklavennatur, die<span class="pagenum"><a name="Page_74" id="Page_74">[Pg 74]</a></span> -Katze dagegen eine Herrennatur. Sich von dem Menschen prügeln zu lassen, -weil dieser grade schlechter Stimmung ist, fällt der Katze nicht ein. Sie -wehrt sich dagegen und kratzt den Angreifer. Der ist höchlichst erstaunt, -weil er denkt: Was sich ein Hund gefallen läßt, muß sich doch auch eine -Katze bieten lassen. Da das nicht der Fall ist, so schilt er die Katze als -falsch.</p> - -<p>Warum ist nun der Hund demütig wie ein Sklave, die Katze dagegen -stolz wie ein Herrenmensch?</p> - -<p>Wir wissen schon, daß wir wieder bei den wilden Verwandten nachforschen -müssen, wenn wir Auskunft hierüber haben wollen. Schon -früher (vgl. Kap. <a href="#kap_11">11</a>) wurde davon erzählt, eine wie strenge Zucht der -Leiter eines Rudels bei den Eskimohunden hält. Dieser Leiter, der sogenannte -Baas, straft umgehend durch Bisse jeden, der sich irgendeine -Unregelmäßigkeit zuschulden kommen läßt. Von Wolfsrudeln hören wir -genau das gleiche. Als Beispiel sei folgendes angeführt. Wenn die Wölfe -wandern, so tritt jeder einzelne Wolf jedesmal in die Spuren des Vordermanns, -damit es den Eindruck erweckt, als sei nur ein einzelner Wolf -den Weg entlanggelaufen. Wehe dem Wolfe, der aus Sorglosigkeit oder -Unachtsamkeit daneben tritt. Er wird nach den übereinstimmenden Berichten -von dem Leiter des Rudels, dem stärksten Wolfe, zerrissen.</p> - -<p>Der Hund hat also seit Urzeiten einen unbeschränkten Herrn über sich -gehabt, gegen den es keinen Richterspruch gab, und von dem er widerstandslos -alles erdulden mußte. Nur die Gewalt, die Stärke, vermochte -etwas gegen seinen Vorgesetzten anzurichten. So kennt der Hund es nicht -anders, als sich alles von dem Stärkeren gefallen zu lassen.</p> - -<p>Die Wildkatze dagegen lebt nicht in Rudeln, sondern allein. Auch -unsere Katze ist daher eine Einzelgängerin geblieben. Eine Unterordnung -unter einem Vorgesetzten hat sie niemals kennengelernt. Deshalb ist sie -eine Herrennatur geblieben.</p> - -<p>Falsch kann also nur der die Katze nennen, der auf dem Standpunkt -steht, daß die Katze sich alles wie ein Hund gefallen lassen müsse.</p> - - -<h3><a name="kap_33" id="kap_33">33</a>. Warum schlingt der Hund, während die Katze gesittet frißt?</h3> - -<p>Von Peter sahen wir, daß er ein Stück verwestes Fleisch im Nu hinunterschlang, -während August langsam wie ein gut erzogener Mensch -kaut. Für uns Menschen ist es ein naheliegender Gedanke, diese Verschiedenheit -darauf zurückzuführen, daß die Katze das gesittete Essen dem -Menschen abgesehen hat, während der Hund darin ein unbelehrbarer -Tropf geblieben ist.</p> - -<p>Diese Ansicht ist schon aus dem Grunde nicht wahrscheinlich, weil -die Katze im Vergleich zu dem Hunde erst ein sehr junges Haustier ist. -Auch hier ist die Lebensweise der Verwandten ausschlaggebend gewesen.</p> - -<p>Wer, wie die Wildkatze, einzeln lebt, braucht sich bei der Mahlzeit -nicht zu sputen. Es wird ihm deshalb kein Happen fortgenommen, und -die Beute schmeckt desto besser. Wer dagegen im Rudel schmaust, wie -die Wildhunde, der muß sich sputen. Sonst geht er leer aus.</p> - -<p>Hierzu kommt noch die Verschiedenheit des Gebisses. Die Katze mit<span class="pagenum"><a name="Page_75" id="Page_75">[Pg 75]</a></span> -ihrem kleinen Gebiß kann gar nicht so schnell schlingen, wie der Hund -mit seinem großen Rachen. Wenn wir nach dem Zoologischen Garten -gehen und uns die Fütterung der Raubvögel ansehen, so können wir bei -ihnen den gleichen Unterschied wahrnehmen. Die Geier mit ihren großen -Schnäbeln schlingen, weil sie in der Freiheit gemeinsam an demselben -toten Tiere sich zu sättigen suchen, dagegen fressen die Falken und Adler -gesittet, weil sie einzeln jagen, wie die Katze, auch nicht den mächtigen -Schnabel der Geier besitzen.</p> - -<p>Das vorhin erwähnte Sprichwort: Iß wie eine Katze und trink' wie -ein Hund ist nicht ganz genau. Denn auch die Katze lappt das Wasser -genau wie der Hund. Jedenfalls ist sie keine Säuferin, so daß es einfacher -wäre zu sagen: Nimm dir beim Essen und Trinken die Katze zum -Vorbild.</p> - - -<h3><a name="kap_34" id="kap_34">34</a>. Die Katzenwäsche. Sind Katzenhaare giftig?</h3> - -<p>August hat sich nach dem Essen geputzt. Die Katze gilt als ein sehr -reinliches Tier. Mit dieser Reinlichkeit ist es allerdings schwer zu vereinigen, -daß das Waschen nur mit der beleckten Pfote geschieht. Von -einem Kinde, das sich aus Abneigung gegen das Wasser ganz oberflächlich -reinigt, sagen wir daher, daß es »Katzenwäsche« liebe.</p> - -<p>Vergleichen wir damit das Benehmen unserer Sperlinge. Es hat -vor einiger Zeit geregnet, und es sind noch einige Pfützen auf der Straße. -An einer von Menschen nicht begangenen Stelle sehen wir die Sperlinge -sich zu einem Bade drängen. Sie tauchen ordentlich in das Wasser ein -und machen sich manchmal so gründlich naß, daß ihnen das Fliegen -schwer fällt.</p> - -<p>Warum nimmt sich August die Sperlinge nicht als Vorbild oder -geht wie der Hund in das Wasser hinein, um ein erquickendes Bad zu -nehmen?</p> - -<p>Abneigung gegen die Reinlichkeit kann es nicht sein, denn das Putzen -ist bei der Katze so auffällig, daß man einen Menschen, der sehr viel auf -sein Aeußeres verwendet hat, als »geleckten Kater« bezeichnet.</p> - -<p>Auch sonst ist die Katze nicht pimplig, was man im Winter, wenn -Schnee und Kälte herrschen, oft genug auf den Feldern beobachten kann. -Stundenlang kann sie trotz starken Frostes regungslos sitzen, so daß sie -gegen Kälte ziemlich unempfindlich sein muß.</p> - -<p>Der Grund für das Waschen mit der feuchten Pfote muß also anderswo -liegen. Er dürfte in dem Bau ihrer Haare zu suchen sein. Diese sind -so fein, daß nicht einmal eine Fliege auf ihnen sitzen kann.</p> - -<p>Den Landleuten ist es längst aufgefallen, daß Fliegen, die den -Hund furchtbar belästigen, der Katze fast aus dem Wege gehen. Natürlich -versucht auch eine Fliege, sich auf einer Katze niederzulassen. Aber -bald kommt sie dahinter, daß ihr das nicht gelingt, und sie fliegt weiter.</p> - -<p>Bei Landleuten hört man auf Grund dieser auffallenden Erscheinung -vielfach die Ansicht, daß Katzenhaare giftig seien. Das ist entschieden -ein Irrtum. Denn Hunde, die beim Raufen mit Katzen das ganze Maul -voll Katzenhaare bekommen, erleiden keinen Nachteil davon. Auch werden<span class="pagenum"><a name="Page_76" id="Page_76">[Pg 76]</a></span> -Katzenfelle in Unmenge getragen, ohne daß man von einem gesundheitlichen -Schaden hört. Im Gegenteil: Katzenfelle gelten als vortreffliches -Mittel gegen allerlei Krankheiten.</p> - -<p>Uebrigens sind die Fliegen auch ganz verschieden zudringlich zu -zwei anderen Haustieren, nämlich Kühen und Ziegen. Der Kuhstall -wimmelt von Fliegen, während sich im Ziegenstalle nur wenige aufhalten.</p> - -<p>Wegen der Feinheit ihrer Haare scheint das Wasser sehr schnell auf -die Haut der Katzen zu gelangen. Der Hund dagegen, der sein Naturhaar -besitzt, kann stundenlang im Regen weilen, ohne im gleichen Grade -durchnäßt zu werden, da ihn die Unterwolle schützt.</p> - -<p>Hiermit steht im Einklang, daß alle Katzen es vermeiden, bei -Regenwetter ins Freie zu gehen. Während ein abgehärteter Hund sich -nicht durch einen strömenden Regen abhalten läßt, seinen Herrn zu -begleiten, sucht die Katze ein schützendes Obdach. Auch unser August ist -wie alle Katzen kein Freund von Regen.</p> - -<p>Die Katze kann wohl schwimmen, aber sie tut es nur im Notfalle, -denn sobald sie aus dem Wasser kommt, sieht sie wirklich wie eine »gebadete -Katze« aus.</p> - -<p>Von den vielen Beobachtungen auf diesem Gebiete fällt mir gerade -folgende ein. Im Schilfe eines Sees zeterte und verfolgte sich ein -Vogelpärchen. Die Katze von einem benachbarten Besitzer hörte das und -dachte sich: Halt, hier kannst du dir wohl einen leckeren Braten holen.</p> - -<p>Mieze kam also ganz leise angeschlichen und wartete, bis die Vögel -nahe genug geflogen waren. Dann sauste sie mit einem Sprunge durch -die Luft. Doch die Vögel hatten im letzten Augenblick die drohende -Gefahr erkannt und sich eiligst davongemacht. Mieze konnte mit ihren -Pranken keinen von ihnen fassen und fiel in den See, der ihre Jagdleidenschaft -etwas abkühlte. Der Anblick der zurückkehrenden Katze mit -ihrem betrübten Gesicht wegen des fehlgeschlagenen Unternehmens und -mit dem pitschenassen Felle ist mir heute noch gewärtig.</p> - -<p>Einen untrüglichen Beweis, daß Dauerregen sehr nachteilig auf -Katzen wirkt, liefern uns Länder, die wie Paraguay andauernde Regenzeiten -haben. Es ist in diesen Ländern bekannt, daß verwilderte Katzen -während dieser Zeit sterben.</p> - -<p>Uebrigens gibt es auch bei andern Völkern Haustiere, die sehr -empfindlich gegen Nässe sind, z. B. das Kamel. Ein Freund von mir, der -während des Weltkrieges im Orient tätig war, erzählte mir, daß man -von dieser Eigentümlichkeit der Kamele keine Ahnung gehabt hat und sie -deshalb in bester Absicht in die Schwemme getrieben habe. Die Wirkung -sei verheerend gewesen, denn etwa die Hälfte der Kamele sei daran gestorben.</p> - -<p>Das Kamel stammt aus Gegenden, wo es fast niemals regnet. Wasser -am Körper ist ihm deshalb sehr nachteilig.</p> - -<p>Aehnlich liegt die Sache bei dem Esel, von dem wir noch später -sprechen werden. Pferde reitet man in die Schwemme, aber Esel -nirgends.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_77" id="Page_77">[Pg 77]</a></span></p> - -<p>Ein Knabe, der sich aus Pimpligkeit nicht waschen will, darf sich -also niemals auf die Katze berufen. Die Katze wäscht sich deshalb nur -mit der feuchten Pfote, weil Nässe ihrem Körper nachteilig ist.</p> - -<p>Wenn man bedenkt, daß der Hund ein vortrefflicher Schwimmer -ist, der gern ins Wasser geht, so scheint die Katze mit ihren feinen Haaren -als Raubtier sehr benachteiligt zu sein. Warum hat die Katze nicht auch -ein so vortrefflich schützendes Fell wie der Hund?</p> - -<p>Das hat zwei Gründe. Wir haben vorhin geschildert, wie die -Katze am Passe des Hasen auf ihr Opfer wartet und es erbeutet. Besäße -die Katze ein Hundefell, so würde sie wie ein Hund von Fliegen belästigt -werden. Sie könnte unmöglich regungslos bleiben, sondern würde, wie -der Hund es tut, von Zeit zu Zeit nach den Plagegeistern schnappen oder -nach Katzenart sie mit den Pranken zu verjagen suchen. Diese Bewegungen -würden jedoch Geräusche verursachen, die von dem feinohrigen -Lampe schon von weitem wahrgenommen werden würden. Selbst seinem -schwachen Gesicht würden übrigens diese Bewegungen auffallen, da alle -Nasentiere, wie wir wissen, für Bewegungen besonders empfänglich sind. -Die lauernde Katze würde also um ihre Beute kommen.</p> - -<p>Der zweite Vorteil, den die Katze von ihrem feinen Haar hat, besteht -darin, daß sie in Dornendickichte eindringen kann, die dem Hund unzugänglich -sind. Die Dornen halten wohl den Hund fest, weil seine Haare -so widerstandsfähig sind, aber nicht die weichen Katzenhaare.</p> - -<p>Wir sehen also, daß auch in diesem Falle, wie so häufig im Leben, -Nachteile durch Vorteile auf anderem Gebiete aufgewogen werden. Für -die Nässe sind die Katzenhaare ungeeignet, aber für andere Dinge passen -sie besser als Hundehaare.</p> - -<p>Mit dem besonderen Bau der Katzenhaare dürfte es zusammenhängen, -daß sie sich gut zu Versuchen auf dem Gebiete der Elektrizität -eignen. Es dürfte aber übertrieben sein, daß man durch Reibung eines -Katzenfells elektrische Funken hervorrufen kann, wie es in manchen -Büchern heißt. Wenigstens habe ich solche Funkenerzeugung noch nicht -beobachten können.</p> - - -<h3><a name="kap_35" id="kap_35">35</a>. Warum hat die Katze eine rauhe Zunge?</h3> - -<p>Gewöhnlich heißt es, daß die Katze deshalb eine rauhe Zunge -besitzt, um als Raubtier besser das Fleisch zerkleinern zu können. Ob die -Stacheln auf der Zunge wirklich in einem solchen Falle von großem -Nutzen sind, erscheint doch sehr zweifelhaft zu sein.</p> - -<p>Sieht man, mit welcher Sorgfalt die Katze ihr Fell leckt, so scheint -es doch wahrscheinlicher zu sein, daß die Katze, da sie Regen wie überhaupt -Wasser meidet, das Fell wenigstens zu kämmen sucht. Die Stacheln -würden hiernach als Ersatz für einen Kamm dienen. Gerade die Katzen -in kalten Ländern brauchen einen reichlichen Haarwuchs, und dieser muß, -wenn schon das Wasser von ihm ferngehalten wird, in irgendeiner Weise -in Ordnung gehalten werden.</p> - -<p>Nach unseren Begriffen kann uns das Belecken der Pfote, um damit -die Haut zu bearbeiten, wie es August macht, sehr wenig gefallen. Aber<span class="pagenum"><a name="Page_78" id="Page_78">[Pg 78]</a></span> -wir müssen natürlich die Tiere mit einem anderen Maßstab messen als -den Menschen. Wir tauchen unsere Hand in eine Schüssel Wasser und -reinigen die beschmutzte Stelle oder wir nehmen zu diesem Zwecke einen -Schwamm. Der Katze fehlen diese Dinge, und daher wählt sie ihre Zunge -als Ersatz.</p> - -<p>So halten auch Hundemütter und Katzenmütter ihre Jungen durch -Belecken sauber. Was würde es für Umstände machen, wenn ein Hund -oder eine Katze für jedes Junge – es sollen nur sechs angenommen -werden – ein besonderes Bad anrichtete?</p> - -<p>Die Zunge hat also, wie wir sahen, bei den Tieren, namentlich bei -Hunden und Katzen eine ganz andere Bedeutung wie beim Menschen. -Sie ersetzt dem Tier häufig die Hand. Wenn ein Hund uns seinen Dank -ausdrücken will, so kann er uns nicht die Hand geben, weil er keine hat, -sondern sucht uns die Hand zu belecken.</p> - - -<h3><a name="kap_36" id="kap_36">36</a>. Das Vorgefühl der Tiere für kommendes Wetter.</h3> - -<p>Da wir gesehen haben, wie sorgfältig August sein Fell in Ordnung -gebracht hat, so wollen wir bei dieser Gelegenheit etwas näher auf den -Volksglauben eingehen, wonach Besuch zu erwarten ist, wenn die Katze -sich putzt.</p> - -<p>Es ist natürlich sehr bequem zu sagen: Das ist ja fürchterlicher Unsinn. -Wie kann ein aufgeklärter Mensch so etwas glauben?</p> - -<p>So einfach liegt die Sache nicht. Ich will hier erzählen, was ich mit -eigenen Augen gesehen habe.</p> - -<p>Auf einem Jagdrevier gab es eine Unmenge wildernder Katzen, die -großen Schaden anrichteten. Der Jagdaufseher, der ein hervorragender -Schütze war, gab sich alle Mühe, ihre Anzahl zu verringern.</p> - -<p>Das ist aber nicht leicht auszuführen. Die Katze merkt sehr bald, daß -man ihr nachstellt, und als nächtliches Tier geht sie dann nur in der -Dunkelheit auf Raub aus. Was nützt dem vortrefflichsten Schützen seine -Kunst? Um zu treffen, muß man sehen können, und in der Dunkelheit -ist nichts zu sehen.</p> - -<p>Diese Verhältnisse waren mir genau bekannt. Ich war daher aufs -äußerste erstaunt, als ich am hellen Nachmittage etwa gegen 4 Uhr erst -eine und dann später noch zwei andere Katzen aus dem Dorfe wandern -sah, um ihrer Jagdlust zu frönen. So etwas hatte ich noch nicht erlebt.</p> - -<p>Mir ging die Sache nicht aus dem Kopfe, und ich grübelte darüber -nach, was wohl die Katzen veranlaßt haben mochte, sich einer so augenscheinlichen -Gefahr auszusetzen. Es war ein wunderschöner Tag, und -kein Wölkchen am Himmel sichtbar. Gegen Abend änderte sich plötzlich -das Bild. Es zog ein schweres Gewitter auf, und in der Nacht regnete -es in Strömen.</p> - -<p>Jetzt wurde mir das Verhalten der Katzen klar. Sie hatten den -Wetterumschlag bereits gefühlt und, da sie bei Regen nicht auf Jagd ausgehen, -sich entschlossen, sich lieber am hellen Tage der Gefahr auszusetzen, -als auf die Jagd zu verzichten. Aehnliche Fälle habe ich noch mehrfach -erlebt, so daß für mich kein Zweifel besteht, daß manche Tiere ein Vor<span class="pagenum"><a name="Page_79" id="Page_79">[Pg 79]</a></span>gefühl -für einen Wetterumschlag besitzen, der dem Durchschnittsmenschen -abgeht.</p> - -<p>Ein solches Vorgefühl treffen wir namentlich bei den Tieren an, -denen das bevorstehende Wetter gesundheitlichen oder sonstigen Schaden -bringen kann. So ist es bekannt, daß, wenn Kaninchen am Tage eifrig -auf Nahrungssuche ausgehen, baldiger Regen zu vermuten ist. Denn -auch das Kaninchen ist sonst ein nächtliches Tier. Ferner ist es wie die -Katze empfindlich gegen Regen.</p> - -<p>Ein besonders feines Vorgefühl finden wir bei den Vögeln, namentlich -den Raubvögeln. Für den Raubvogel ist es eine Lebensfrage, rechtzeitig -den eintretenden Wetterumschlag zu kennen, denn mit Flügeln, -die mit Wasser beschwert sind, kann er nichts fangen, auch sind dann -wenige Friedvögel zu erblicken. Es ist daher kein Wunder, daß es im -Altertum, wo man die Tiere weit eifriger beobachtete als zu unseren -Zeiten, eine besondere Kaste der Vogelflugdeuter, die sogenannten -Auguren, gab.</p> - -<p>Die an sich ganz richtige Beobachtung, daß gewisse Tiere einen -Wetterumschlag im voraus fühlen, ist den Gebildeten dadurch unglaubwürdig -geworden, weil man durch ganz haltlose Zusätze den wahren Kern -verdunkelt hat. Nebenbei bemerkt wollen Leute, die an Migräne und -ähnlichen Krankheiten leiden, einen solchen Wetterumschlag ebenfalls im -voraus empfinden.</p> - -<p><em>Das Vorgefühl kann sich natürlich nur auf die -nächsten vierundzwanzig Stunden erstrecken.</em> Es ist -daher geradezu albern, wenn man alljährlich in vielen Zeitungen lesen -kann: Da die Zugvögel uns sehr zeitig verlassen, so steht uns ein strenger -Winter bevor. Oder das Bevorstehen von starkem Frost wird damit -begründet, daß die Bienen ihre Wohnung besonders stark gegen Kälte -abschließen.</p> - -<p>Noch größer aber war die Torheit, daß man bei vielen Völkern -den Schluß zog: Wenn das Tier weiß, wie das zukünftige Wetter ausschaut, -so kann es überhaupt in die Zukunft sehen. Ehe man etwas -Wichtiges unternahm, schaute man daher auf die Vögel, ob sie sich dem -Unternehmen durch ihr Benehmen günstig oder ungünstig erwiesen.</p> - -<p>Diesen Schluß hat man auch für das Benehmen der Katze gezogen, -was natürlich Aberglauben ist. Wahr dagegen ist folgendes:</p> - -<p>Die Katze fühlt voraus, daß für die nächsten vierundzwanzig -Stunden das Wetter schön bleibt oder wenigstens kein Regen eintritt. Sie -beabsichtigt daher, einen Ausflug zu machen und putzt sich daher vorher -zu diesem Zwecke. Tatsächlich bleibt das Wetter an diesem Tage schön, -und die in der Nähe wohnenden Lehmanns sagen daher: »Bei dem -schönen Wetter wollen wir heute Schulzes besuchen.« Diesen Schulzes -gehört die sich putzende Katze. Beim Eintritt der Familie Lehmann -sagen sie: »Wir wußten, daß heute Besuch kommt, denn unsere Mieze hat -sich so sorgfältig geputzt.« -Richtig wäre es, wenn Schulzes sagten: »Unsere Mieze hat sich heute -sorgfältig geputzt und ist in die Felder gegangen. Da Katzen aus Furcht<span class="pagenum"><a name="Page_80" id="Page_80">[Pg 80]</a></span> -vor Regen nur dann einen größeren Ausflug machen, wenn das Wetter -in den nächsten Stunden schön bleibt, so war das also vorläufig anzunehmen. -Bei schönem Wetter kommt leicht Besuch. Daher wundern wir -uns nicht, daß ihr uns heute besucht!« -Ein Kern von Berechtigung ist also in dem alten Glauben enthalten. -Natürlich hätten Schulzes auch auf das Benehmen anderer Tiere hinweisen -können. Wenn Bienen schwärmen oder Spinnen ihr Netz erneuern, -kann man ebenfalls annehmen, daß vorläufig das Wetter -schön bleibt.</p> - -<p>Bei dem feinen Gefühl der Katze ist es sehr wahrscheinlich, daß sie -die einem Erdbeben voraufgehenden schwächeren Stöße, die uns Menschen -entgehen, wahrnimmt und Todesangst bekundet. In Italien hat man -ja reichlich Erfahrungen mit Erdbeben. Dabei wird häufig erwähnt, daß -Katzen – auch Hunde – bereits vorher mit allen Zeichen der Angst die -Häuser verließen.</p> - - -<h3><a name="kap_37" id="kap_37">37</a>. Der Haß des Hundes gegen die Katze. Warum macht die -Katze einen Buckel? Ist sie tapfer?</h3> - -<p>Wir hatten beobachtet, daß der Spitz Peter zu den Katzenfeinden -gehört, aber von August nicht für voll angesehen wurde. Sie machte -kaum einen Buckel. Wir fragen uns zunächst, woher der fast allgemeine -Haß der Hunde gegen die Katzen stammt.</p> - -<p>In der Tierwelt sind Abneigungen und Zuneigungen verschiedener -Tierarten durchaus keine Seltenheit. Der Jäger benutzt den Uhu, unsere -größte Eule, dazu, um damit die Krähen anzulocken. Sie sind sehr vorsichtig, -aber in ihrem Haß gegen die Eule sind sie fast blind und können -leicht geschossen werden. Auch Rinder haben, wie wir später sehen -werden, eine ausgesprochene Abneigung gegen Hunde, ebenso Schweine.</p> - -<p>Die Wut der Krähen ist begreiflich, denn in der Nacht geht der Uhu -auf Raub aus und frißt mit Vorliebe Krähen. Merkwürdigerweise -haben aber die schwarzen Vögel auch großen Haß gegen kleine Eulen, die -ihnen selbst in der Nacht nicht das Geringste zuleide tun.</p> - -<p>Hieraus erkennen wir deutlich, daß Tiere nicht nur ihre Feinde -hassen, sondern auch die Verwandten ihrer Feinde. Genau so schreibt -bei vielen Völkern die Blutrache vor, nicht nur den Feind, sondern auch -seine Verwandten zu töten. Schweine und auch Rinder hassen ebenfalls -den Hund nur seiner Verwandten wegen. Er selbst hat ihnen nichts -getan, aber sein Vetter Wolf ist ihr schlimmster Feind.</p> - -<p>Hat nun die Katze Verwandte, die dem Hunde gefährlich werden? -Gewiß, Leopard und Jaguar sind die schlimmsten Hundefeinde. Kein -Deutscher kann in Afrika sich längere Zeit einen deutschen Hund halten, -denn es dauert nicht lange, und der Leopard raubt ihn.</p> - -<p>In Deutschland war der jetzt ausgerottete Luchs, der wie eine große -Wildkatze aussieht, ein großer Hundefeind. Ein deutscher Forstbeamter -berichtete vor dem Kriege aus Rußland, daß sein prächtiger Jagdhund -von einem Luchs überfallen und jämmerlich zerrissen wurde.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_81" id="Page_81">[Pg 81]</a></span></p> - -<p>Der Hund haßt also die Katze genau wie die Krähen die kleinen -Eulen. Die Katze hat ihm nichts getan, aber die großen Katzen sind seine -gefährlichsten Feinde, genau wie die kleinen Eulen die Krähen in Ruhe -lassen, dagegen der Uhu besonderes Verlangen nach Krähenfleisch besitzt.</p> - -<p>Scheint einer Katze ein Hund bedenklich, so macht sie einen Buckel, -faucht und hebt eine Pranke hoch. Fauchen, ebenso Speien als Vorboten -der Abwehr sind verständlich, ebenso das Hochheben der Pranke, um -sofort bereit zu sein, dem Gegner eins auszuwischen. Aber wozu soll der -Buckel nützen?</p> - -<p>Der große Naturforscher Darwin sieht den Zweck dieses Buckels -darin, daß die Katze ihrem Feinde dadurch größer und so auch gefährlicher -erscheinen soll. Da alle Hundeartigen (Kaniden) mit Vorliebe Tiere angreifen, -die viel größer sind als sie selbst – z. B. Wölfe ein Pferd, einen -Hirsch usw. – so kann der Buckel keinen Eindruck auf den Gegner -machen, zumal er von den schwachen Augen des Gegners kaum wahrgenommen -wird.</p> - -<p>Vielmehr dürfte die Katze deshalb einen Buckel machen, um ihre -schwächste Stelle zu schützen. Ein Hund, der Erfahrungen im Würgen -von Katzen besitzt, packt die Katze stets am Nacken. Das weiß die Katze -sehr wohl, daß der Nacken ihr gefährdetster Körperteil ist, und deshalb -macht sie zu seinem Schutz einen Buckel. Deshalb flüchtet auch eine Katze -nur in den seltensten Fällen. Sie weiß, daß ihr Feind sie in Kürze einholt -und beim Nacken packt. Also kämpft sie lieber bis zum äußersten -gegen den größten Hund. Sind mehrere Hunde vorhanden, so wirft sie -sich auf den Rücken und kämpft mit allen vier Pranken.</p> - -<p>Wir ersehen daraus, daß der Mut der Katze in Wirklichkeit nicht so -außerordentlich ist, wie es den Anschein hat. Sie hat gar keine andere -Wahl als mutig zu sein. Ferner fällt uns auf, daß die Katze im Kampfe -gegen den Hund sich auf ihre Pranken, fast niemals auf ihr Gebiß verläßt. -Blitzschnell schlägt sie mit den Pranken, namentlich nach der Nase, -die, wie wir wissen, höchst empfindlich ist. Mit ihrem kleinen Gebiß -könnte sie gegen den großen Rachen des Hundes wenig ausrichten.</p> - -<p>Unter den Hunden gibt es Draufgänger, die durch Wunden nur noch -wütender werden. Solchen geht auch eine starke Katze aus dem Wege, -während sie weiß, daß die große Mehrzahl ihrer Feinde nur blafft, aber -sich ihren Prankenhieben nicht aussetzt.</p> - -<p>Zu den Draufgängern unter den Hunden gehören Dachshunde, -Terriers, insbesondere Bullterriers, Bulldoggen und überhaupt manche -Doggen, sowie zahlreiche rasselose Dorfhunde. Den Hund ganz allgemein -als feige zu bezeichnen, dürfte irrig sein.</p> - -<p>Die Kraft der Katze erkennt man daran, daß sie einen schweren Hasen -über einen Zaun schleppen kann.</p> - - -<h3><a name="kap_38" id="kap_38">38</a>. Warum begleitet die Katze ihren Herrn nicht wie ein Hund? -Warum geht sie nicht mit ihm auf die Jagd?</h3> - -<p>Die Frage, warum August seine Herrin, die er so gern hat, nicht -beim Einholen begleitet hat, wie es doch alle Hunde so gern tun, will ich<span class="pagenum"><a name="Page_82" id="Page_82">[Pg 82]</a></span> -dadurch beantworten, daß ich von meinem Erlebnis mit dem »Katzenmann« erzähle.</p> - -<p>Vor dem Kriege konnte man in Berlin in der Nähe der Potsdamer -Brücke häufig einen Herrn sehen, der mit einer Katze spazieren ging und -deshalb Katzenmann genannt wurde. Ich habe ihn oft getroffen, hatte -aber jedesmal wichtige Dinge eiligst zu erledigen, so daß ich seine Bekanntschaft -nicht machen konnte. Endlich traf ich ihn in einer vegetarischen -Speiseanstalt, wo er häufiger Mittagsgast war. Ich habe mich -mit ihm bekanntgemacht und mich nach seinen Katzen und seinen Erfahrungen, -die er mit ihnen gemacht hat, erkundigt.</p> - -<p>Seine Augen glänzten, als er mir von seinen Lieblingen erzählte. -Selbstverständlich besaßen sie alle hervorragende Eigenschaften.</p> - -<p>Ich freue mich sehr, wenn ich einen wirklichen Tierfreund kennen -lerne. Aber man darf doch nicht alles bei den Tieren nur in rosarotem -Lichte erblicken.</p> - -<p>Ich habe den Katzenmann mehrfach heimlich beobachtet und wurde -in meiner Ansicht bestärkt, daß selbst der größte Katzenfreund es niemals -durchsetzen wird, mit einer Katze genau wie mit einem Hunde spazieren -zu gehen. Der Katzenmann hatte seine Katze an einer Strippe. Das -war natürlich nötig, weil ihm sonst die Katze einfach fortgeklettert wäre. -So suchte sie nun das Klettern im Bereiche der Strippe auszuüben. Die -Katze die Treppe hinunterzubringen, war ein wahres Kunststück, was -lange Zeit in Anspruch nahm. Auf der Straße verbarg sich das Tier -hinter jedem geeigneten Gegenstand, namentlich hinter jedem Kellerhals. -Mit großer Mühe konnte sie erst jedesmal von ihrem Herrn losgebracht -werden. So nahm die kleine Strecke von der Potsdamer Brücke bis zur -Matthäikirchstraße wohl eine halbe Stunde in Anspruch. Hinter der -Kirche steht auf der Rasenfläche ein Gebüsch. Hierhinein verkroch -sich die Katze und konnte trotz aller Anstrengungen ihres Herrn nicht -wieder herausgebracht werden. Ich habe sehr lange Zeit gewartet, mußte -aber schließlich gehen, um übernommene Verpflichtungen zu erfüllen. -Jedenfalls war ich mir klar darüber, daß das Spazierengehen mit Katzen -nur für solche Leute in Betracht kommt, die furchtbar viel Zeit übrig -haben. Denn es ist stets eine Reise mit Hindernissen.</p> - -<p>Viel schlimmer aber ist es, daß der Katzenfreund glaubt, seinem Lieblinge -eine große Freude zu bereiten, während es in Wirklichkeit schon an -Tierquälerei grenzt.</p> - -<p>Die Katze fühlt sich nur dort wohl, wo sie sich durch Klettern vor den -ihr drohenden Gefahren schützen kann. Wenn auch die meisten Großstadthunde -keinen ernstlichen Kampf mit einer starken Katze wagen, so -gibt es auch hier Ausnahmen. Die Katze, die der Katzenmann bei sich -führte, war nun noch ein junges, und eher schwächliches als kräftiges -Tier. Es war daher kein Wunder, daß sie sich auf der Straße vor -Hunden fürchtete. Jede Katze hat den natürlichen Wunsch, ihre schwache -Seite, den Nacken mit dem Rücken, zu schützen, und stellt sich ihrem Feinde -stets so, daß der Rücken gedeckt ist. Deshalb flüchtete sie hinter jeden -Kellerhals. Viel willkommener war ihr natürlich noch das hohe Gebüsch.<span class="pagenum"><a name="Page_83" id="Page_83">[Pg 83]</a></span> -Hier hätte ihr kein Hund etwas anhaben können. Deshalb wollte sie -durchaus nicht davon fort. Vielleicht ließ sich auch noch dort ein Vögelchen -fangen. Es war da ein Grund mehr, sich von dem Gebüsch nicht zu -trennen.</p> - -<p>»Warum hat aber die Katze Furcht? Ihr Herr steht ihr doch zur -Seite?« wird mancher fragen. Wer Katzen kennt, stellt diese Frage nicht. -Ein Tier, das seit Urzeiten selbständig handelt, kann sich gar nicht in die -Lage versetzen, auf Schutz und Beistand eines anderen zu rechnen. Das -tut wohl der Hund, aber nicht deswegen, weil er klüger ist, sondern weil -er den Schutz durch seine Artgenossen als ein in Rudeln lebendes Geschöpf -für selbstverständlich hält.</p> - -<p>Will man eine Katze durchaus im Freien bei sich haben, so soll man -sie auf seine Schulter setzen, wo Katzen überhaupt furchtbar gern sitzen. -Freiwillig wird uns eine Katze nur begleiten, wo sie jederzeit eine Zuflucht -hat, also im Walde, an Zäunen, Gebüschen und anderen Deckungen -entlang.</p> - -<p>Es gibt verwilderte Katzen, die so stark sind, daß sie sich vor keinem -Hunde fürchten. Diese denken aber nicht daran, den Menschen bei seinen -Ausflügen zu begleiten.</p> - -<p>Hiervon abgesehen will die Katze das selbst dann nicht tun, wenn er -auf die Jagd geht, während Hunde dann vor Freude außer Rand und -Band sind. Wir sind der Katze zu laut, zu tolpatschig und reden zu viel. -Bedenken wir, wie lautlos die Katze auftritt, welche federnde Bewegungen -sie besitzt und wie schweigsam sie sich verhält, so können wir ihr -nicht Unrecht geben.</p> - - -<h3><a name="kap_39" id="kap_39">39</a>. Warum fällt die Katze immer auf die Füße? -Warum leuchten ihre Augen?</h3> - -<p>Wir wollen jetzt von August, dem Kater im Kohlenkeller, Abschied -nehmen und ein befreundetes Katzenfräulein aufsuchen, um die Eigenarten -der Katze weiter zu beobachten. Fräulein Bachmann – das ist der -Name des Katzenfräuleins – ist wie der »Katzenmann« eine große Tierfreundin -und namentlich eine Verehrerin von Katzen. Selbst jetzt in den -schlechten Zeiten hat sie sich von ihrem Kater Hans nicht trennen können. -Allerdings muß jetzt Hans ebenfalls arbeiten, was aber kein Nachteil -für ihn ist – im Gegenteil, ihm außerordentlich gut bekommt. In der -Nachbarschaft ist nämlich ein Holz- und Kohlenplatz. Dort wird Hans -abends hingebracht, damit er während der Nachtzeit Mäuse fängt.</p> - -<p>Fräulein Bachmann, der bei ihrer auffallenden Rüstigkeit niemand -ansieht, daß sie bald 60 Jahre alt wird, stellt uns das Wundertier Hans -vor, und wir müssen zunächst geduldig und in Ergebenheit alle seine ans -Märchenhafte grenzenden hervorragenden Eigenschaften mit anhören. -Natürlich ist er von vorbildlicher Reinlichkeit, und alles an ihm ist schön.</p> - -<p>Wir können auf Hans keinen abstoßenden Eindruck gemacht haben, -denn nach nicht langer Zeit beginnt er, während er bequem auf dem -Schoße seiner Herrin liegt, behaglich zu schnurren.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_84" id="Page_84">[Pg 84]</a></span></p> - -<p>Dieses Schnurren entsteht nach den Angaben naturgeschichtlicher -Werke durch Falten im Kehlkopf.</p> - -<p>Der Zweck des Schnurrens wäre nicht zu verstehen, wenn die Katzen -ständig allein lebten. Aber auch sie haben Zeiten, wo sie paarweise -hausen. Dann ist es wichtig, daß der andere Teil weiß, sein Genosse ist -in guter Stimmung. An den Mienen des regungslosen Gesichts kann er -es nicht ablesen. Noch wichtiger aber ist das Schnurren für die Katze -als Mutter. Sie deutet damit ihren Kindern an: Seid unbesorgt – es -droht keine Gefahr! Da bei den größten Katzen von einer solchen Gefahr -keine Rede sein kann, so schnurren Löwe und Tiger wahrscheinlich aus -diesem Grunde nicht.</p> - -<p>Besonders auffallend ist es, daß die Katze uns Fremde in keiner -Weise beschnuppert oder zu beschnuppern versucht hat, wie es doch die -beiden Hunde von Herrn Böhm, Karo und Hektor, getan haben. Hieraus -sieht man wieder, daß die Katze im Gegensatz zum Hunde ein Augentier -ist. Wie der Mensch es nicht nötig hat, einen Fremden erst zu beriechen, -so verzichtet auch die Katze darauf. Bei dem Hunde mit seinem schwachen -Gesicht ist es etwas anderes.</p> - -<p>Sehen wir unsere eigene Katze im Freien, so brauchen wir ihr nicht -zu pfeifen, denn gewöhnlich hat sie uns bereits bemerkt. Dem Hunde -dagegen muß man pfeifen, weil er bei seinem schwachen Gesicht seinen -Herrn aus einiger Entfernung nicht erkennen kann. Auch ergibt sich das -schlechte Sehvermögen des Hundes daraus, daß er seinen verlorenen -Herrn meistens mit der Nase sucht. Das tut eine Katze niemals.</p> - -<p>Unsere Bitte, den Kater einmal aus der Rückenlage fallen zu lassen, -um aus eigener Wahrnehmung die allbekannte Erscheinung festzustellen, -daß Katzen stets auf die Füße fallen, stößt zunächst bei Fräulein Bachmann -auf heftigen Widerstand. Sie hält das geradezu für eine Tierquälerei -und eine Versündigung an ihrem Liebling. Erst als ich es für -ganz selbstverständlich erkläre, daß der Versuch auf dem Sopha gemacht -werden soll, so daß Hans schlimmstenfalls ganz weich fällt, läßt der -Widerstand von Fräulein Bachmann nach. Um zum Ziele zu gelangen, -lasse ich durchblicken, daß wahrscheinlich der Versuch, wenn er geglückt -ist, photographiert werden soll. Der Gedanke, daß sie und ihr Liebling -für immer der Nachwelt in einer so wichtigen Angelegenheit erhalten -bleiben sollen, läßt schließlich jedes Bedenken schwinden.</p> - -<p>Wie ich es an meinen eigenen Katzen oft erprobt habe, so geschieht -es auch hier. Die auf dem Rücken liegende Katze, die das Fräulein auf -dem Arm hält, wird plötzlich losgelassen. Mit der größten Seelenruhe -sieht man sie gleich darauf auf dem Sopha auf den Füßen stehen. Das -alles geschieht so schnell, daß man den Vorgang nicht in seinen Einzelheiten -mit den Augen verfolgen kann, selbst wenn man ihn mehrfach -wiederholen läßt. Belehrender sind daher die Momentaufnahmen. Auf -ihnen sieht man, wie die Katze es versteht, durch Einziehen des Kopfes -und der Vorderbeine und seitliche Krümmung des Rückgrates ihren -Schwerpunkt nach hinten zu verlegen und dann durch verschiedenartige -Beugung der Beine die Drehung nach der einen oder anderen Seite zuerst -vorn, dann hinten zu bewerkstelligen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_85" id="Page_85">[Pg 85]</a></span></p> - -<p>Die Beobachtung dieser Fähigkeit der Katze ist sehr alt, denn es gibt -das Sprichwort: Katzen und Herren fallen immer auf die Füße.</p> - -<p>Ein Irrtum dürfte es sein, daß die Katze mit dieser Fähigkeit ganz -einzig in der Tierwelt dasteht. Noch niemals hat man einen totgefallenen -Affen, Marder, Eichhörnchen u. dgl. gefunden, so daß also wahrscheinlich -alle Baumkletterer bei einem Absturze, wie die Katze, auf die Füße fallen. -Aehnlich liegt die Sache mit der Schwindelfreiheit der Gebirgstiere. -Steinböcke, Wildziegen, Gemsen und andere Bewohner des Gebirges -können in die schrecklichsten Tiefen sehen, ohne daß sie es rührt, während -wir Menschen leicht vom Schwindel gepackt werden.</p> - -<p>Jetzt soll Hans in einen dunklen Raum gebracht werden, damit wir -seine Augen leuchten sehen. Augenblicklich sind bei ziemlich heller Beleuchtung -seine Pupillen bis auf einen Spalt zusammengezogen, so daß -fast die ganze gelbe Iris oder Regenbogenhaut sichtbar ist. Das Augenleuchten -ist übrigens nicht nur eine Eigentümlichkeit der Katzen, sondern -auch anderer Tiere, der Hunde, Pferde, Kühe usw. Es beruht zum Teil -auf dem feineren Bau des Auges, zum Teil auf dem im Hintergrunde -des Auges befindlichen <span class="antiqua" lang="la" xml:lang="la">tapetum lucidum</span>, d. h. Stellen, welche die -Fähigkeit besitzen, stark Licht zurückzuwerfen. Die Augen leuchten, sobald -sie in der Dunkelheit von einem Lichtstrahl getroffen werden.</p> - -<p>Leider befindet sich in der Wohnung keine ganz dunkle Kammer. Wir -müssen uns damit begnügen, daß Hans von seiner Herrin in den dunklen -Korridor gebracht wird. Hier kann man sich deutlich davon überzeugen, -daß die Augen der Katzen im Dunkeln, wenn gewisse Voraussetzungen -fehlen, <em>nicht</em> leuchten. Es ist also ein Irrtum, wenn Eulen auf Bildern -mit leuchtenden Augen dargestellt sind. Das ist nur der Fall, wenn ein -Lichtstrahl in sie hineinfällt, wovon man sich im Zoologischen Garten -überzeugen kann.</p> - -<p>Der Versuch mit dem Oeffnen der Tür, um durch einen Spalt Licht -in Hansens Augen fallen zu lassen, gelingt nur mäßig. Ueberhaupt ist -für unsere Zwecke der sehr helle Frühlingstag recht ungünstig. Nur in -dem Augenblicke, wo das Licht die Augen trifft, leuchten sie auf.</p> - -<p>Das Augenleuchten der Tiere hat den Anlaß zu der höchst wichtigen -Entdeckung des Augenspiegels gegeben.</p> - - -<h3><a name="kap_40" id="kap_40">40</a>. Wie fängt die Katze Mäuse? Die Katze als Vogelfeindin.</h3> - -<p>Ein Rotschwänzchen, das sich auf dem Balkon niedergelassen hat, -veranlaßt Hans zu einem sehnsüchtigen Blicke nach dem schmucken Tierchen. -Zwar besteht keine Gefahr für den zutraulichen Vogel, denn die -Tür ist fest geschlossen. Auch erhält er von seiner Herrin eine ernste -Verwarnung. Ob sie helfen wird, muß man allerdings bezweifeln.</p> - -<p>Der Katze ist von der Natur die Nahrung von Vogel- und Nagerfleisch -bestimmt. Es ist uns natürlich sehr angenehm, daß sie Mäuse und -Ratten frißt. Im Gegenteil; sie kann uns auf diesem Gebiete gar nicht -genug leisten. Es will uns aber gar nicht gefallen, daß sie auch gern -Hasen und Kaninchen verzehrt. Am schlimmsten aber ist es, daß sie durch -ihre Vorliebe für die Singvögel zu ihrer Ausrottung beiträgt. Wie<span class="pagenum"><a name="Page_86" id="Page_86">[Pg 86]</a></span> -manche brütende Nachtigall, deren Nest durch den Gesang des Männchens -verraten wurde, hat in dem Magen einer Katze ihr Ende gefunden!</p> - -<p>Die Katze ist wie geschaffen, den auf dem Erdboden oder Baume -weilenden Vogel zu haschen. Ich beobachtete einmal auf dem Lande, wie -eine Katze einen ausgewachsenen Sperling fing. Und gerade unser Sperling -pflegt kein Dummkopf zu sein.</p> - -<p>Alle Vögel kennen ihren grausamen Feind und machen oft den -Menschen auf eine Katze aufmerksam. Beispielsweise kann man mit -Sicherheit darauf rechnen, daß, wenn im Frühjahr das anhaltende Zetern -der Amseln aus einem Garten ertönt, sich eine Katze hereingeschlichen hat -und die Jungen gefährdet. Sie ist auch wie geschaffen zur Verzehrerin -eines Vogels, da sie mit ihren Pranken den Vogel meisterhaft rupft. Man -versteht, wenn man ihr zuschaut, weshalb ein Hund niemals so gierig -auf Vogelfleisch sein wird. Ihm fehlt das Werkzeug, um die Federn -schnell zu entfernen.</p> - -<p>Um ihren Hans in ein besseres Licht zu rücken, erzählt uns Fräulein -Bachmann von seinen vortrefflichen Leistungen als Mäusefänger. Leider -können wir bei dieser Tätigkeit nicht zugegen sein, denn in der Wohnung -sind keine Mäuse. Er wird, wie schon erwähnt wurde, abends nach dem -Kohlenplatz gebracht. Nach den Angaben des Kohlenhändlers hat er sehr -unter den Mäusen aufgeräumt, was wir schon glauben können.</p> - -<p>Auf Bildern werden mäusefangende Katzen nicht selten so dargestellt, -daß sie vor dem Mäuseloch sitzen und gewissermaßen hineinsehen. Das -dürfte nicht richtig sein. Ich stimme nach meinen Beobachtungen den -Schilderungen eines bekannten Naturforschers bei, von denen hier folgende -Stelle ihren Platz finden möge.</p> - -<p>Ich habe sie, schreibt er, öfters beobachtet, wenn sie so auf der Lauer -sitzt, daß sie mehrere zusammenhängende Mauselöcher um sich hat. Sie -könnte sich gerade vor ein am Rande des Ganzen stehendes hinsetzen und -so alle leicht überschauen. Das tut sie aber nicht. Setzte sie sich vor das -Loch, so würde das Mäuschen sie leichter bemerken und entweder gar -nicht herausgehen oder doch schnell zurückzucken. Sie setzt sich also mitten -zwischen die Eingänge und wendet Auge und Ohr dem zu, in dessen Nähe -sich unter der Erde etwas rührt, wobei sie so sitzt, daß das herauskommende -Geschöpf ihr den Rücken zukehren muß und desto sicherer gepackt -wird. Sie sitzt so unbeweglich, daß selbst die sonst so regsame Schwanzspitze -sich nicht rührt; es könnten sonst durch ihre Bewegung die Mäuschen, -welche nach hinten heraus wollen, eingeschüchtert werden. Kommt -<em>vor</em> der Katze ein Mäuschen zutage, so ist es im Augenblick gepackt; -kommt eins hinter ihr heraus, wo sie es nicht sehen kann, <em>so ist es -ebenso schnell gepackt</em>. Sie hat nicht bloß gehört, daß es heraus -ist, sondern auch <em>so genau, als ob sie es sähe, wo es ist; sie -wirft sich blitzschnell herum und hat es, nie fehlend, -unter den Krallen</em>. Uebrigens vermag sie weit mehr zu leisten. -Ich hatte mich bei warmer, stiller Luft in meinem Hofe auf einer Bank -im Schatten der Bäume niedergelassen und wollte lesen. Da kam eins -von meinen Kätzchen schnurrend und schmeichelnd heran und kletterte<span class="pagenum"><a name="Page_87" id="Page_87">[Pg 87]</a></span> -mir nach alter Gewohnheit auf Schulter und Kopf. Beim Lesen war das -störend, ich legte also ein zu solchem Zweck bestimmtes Kissen auf meinen -Schoß, das Kätzchen darauf, drückte es sanft nieder, und nach zehn -Minuten schien es fest zu schlafen, während ich ruhig las und um uns -her Vögel sangen. Das Kätzchen hatte den Kopf, also auch die Ohren, -südwärts gerichtet. Plötzlich sprang es mit ungeheurer Schnelligkeit rückwärts. -Ich sah ihm erstaunt nach; da lief nordwärts von uns ein -Mäuschen von einem Busch zum andern über ein glattes Steinpflaster, -wo es natürlich gar kein Geräusch machen konnte. Ich maß die Entfernung, -in welcher das Kätzchen die Maus hinter sich gehört hatte; sie -betrug 13,5 Meter.</p> - -<p>Das Gehör der Katze ist, wie wir aus eigener Beobachtung bestätigen -können, ungeheuer fein. Sie macht uns auf die Ankunft einer Person -aufmerksam, deren Schritte wir überhört hatten.</p> - -<p>Auch der Hund hört sehr fein, wie schon früher aus der Schilderung -des Jagdhundes und der beiden Spitze hervorging (Kapitel <a href="#Page_23">23</a>). Man -kann das oft daran erkennen, daß er plötzlich anscheinend grundlos bellt. -Trotz angestrengten Horchens kann ein Mensch nicht das geringste Geräusch -hören. Endlich kommt man hinter den Grund seiner Erregung. -Jeder Hund hat regelmäßig einen Feind. Dieser nähert sich unserem -Hause. Es ist erstaunlich, aus welcher Entfernung der Hund die Annäherung -seines Feindes wahrnimmt. Der Mensch, der z. B. einen -Vogelruf wahrnimmt, weiß häufig nicht, wo der Vogel sitzt und sieht sich -vergeblich nach dem Tier um. Die Katze hört nicht nur, daß eine Maus -kommt, sondern sie weiß auch sofort, von welcher Stelle sie kommt.</p> - -<p>Man hat sich häufig darüber gewundert, daß die Katzen und die -meisten Hunde von der Musik nichts wissen wollen. Für ihre feinen -Ohren ist eben unsere Musik viel zu grell.</p> - - -<h3><a name="kap_41" id="kap_41">41</a>. Warum schüttelt die Katze beim Fressen den Kopf?</h3> - -<p>Um mich bei Hans und seiner Herrin beliebt zu machen, habe ich für -ihn ein paar Bücklingsköpfe mitgebracht. Sie werden dankbar in -Empfang genommen. Während des Fressens schüttelt Hans häufig den -Kopf, was man bei fressenden Katzen nicht selten sieht. Zu schütteln ist -eigentlich an dem toten Bücklingskopf nichts.</p> - -<p>Ich erkläre mir das so. Wildkatzen fressen mit Vorliebe knochenloses -Fleisch. Es ist seit Jahrtausenden bekannt, daß der Löwe, also die größte -Katze, zunächst die Eingeweide frißt. Um zu den Eingeweiden zu gelangen, -muß die Katze den Kopf in den Leib ihrer Beute stecken. Da ihr -Fell, wie wir wissen, sehr empfindlich gegen Nässe ist, so muß sie ihren -Kopf gegen die Beschmutzung mit Blut und dergleichen zu schützen -suchen. Um das zu erreichen, schüttelt sie mit dem Kopfe.</p> - -<p>Bücklinge, wie Fische überhaupt, frißt die Katze deshalb gern, weil -die Wildkatzen trotz ihrer Abneigung gegen das Wasser sehr geschickte -Fischfänger sind. Sie lauern regungslos am Wasser und wissen den arglosen -Fisch durch einen blitzschnellen Prankenschlag aufs Land zu werfen. -Hierbei machen sie sich so gut wie gar nicht naß.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_88" id="Page_88">[Pg 88]</a></span></p> - -<p>Eine in der Großstadt geborene Katze zeigte mir einmal, wie festgewurzelt -das Fischefangen in ihrem Triebleben haftet. Ich hatte einen -Strumpf zum Baden benutzt, und, um die Seife auszuwässern, ihn in -eine Wanne gelegt. Bei meiner Arbeit am Schreibtische hatte ich das schon -längst vergessen, als ein Geräusch meine Aufmerksamkeit auf die Wanne -lenkte. Eine meiner Katzen saß mit gespanntester Aufmerksamkeit am -Rande der Wanne und suchte durch einen Prankenschlag den Strumpf -hinauszuschlagen. Der dunkle Strumpf im klaren Wasser hatte also genügt, -ihre von den Vorfahren ererbte Erinnerung an den Fischfang wachzurufen.</p> - -<p>Bei dieser Gelegenheit können wir zugleich das natürliche Futter der -Katze feststellen. Das vor dem Kriege in der Großstadt übliche Füttern -mit Pferdefleisch kann man nicht als naturgemäß bezeichnen. Ich habe -selbst erlebt, daß dauernd mit Pferdefleisch gefütterte Katzen sich wie tollwütig -benahmen. Wunderbar ist das auch nicht weiter, denn das Fleisch -der Mäuse und Vögel ist nicht annähernd so gehaltreich wie das Pferdefleisch.</p> - -<p>Weil Pferdefleisch die übliche Nahrung in den Zoologischen Gärten -ist, deshalb sterben auch alle Raubtiere sehr schnell, die in der Freiheit -keine Pferde oder ähnliche Tiere, wie Zebras, Esel und andere Einhufer -fressen. Obwohl Luchse in Deutschland heimisch waren, und die Wildkatze -es noch heute ist, können sie die Fütterung mit Pferdefleisch auf die Dauer -nicht vertragen. Ebenso sterben Habichte, Wanderfalken, Sperber und -andere Raubvögel sehr bald, wenn sie mit Pferdefleisch gefüttert werden, -obwohl diese Vögel unsere Heimat bewohnen.</p> - -<p>Die praktischen Amerikaner sollen, wie ich gelesen habe, ihre Katzen -mit Eingeweiden füttern. Das wäre sehr klug, denn die Katze hat eine ausgesprochene -Vorliebe für die Eingeweide. Sollten wir also wieder einmal -eine solche Nahrungsfülle haben, wie es vor dem Kriege der Fall war, -dann wäre es zweckmäßig, einer Großstadtkatze, der man keine Nager -oder Vögel vorsetzen kann, Fische zu geben und vom Pferde die Eingeweide.</p> - -<p>Von den Naturforschern wird das scharfe Gebiß der Katzen sehr gepriesen, -weil die Zähne infolge ihres Baues eine furchtbare Wirkung -ausüben. In Wirklichkeit sieht die Sache ganz anders aus. Keine Katze -verteidigt sich gegen einen Hund mit dem Gebiß. Keine Katze kann, wie -schon erwähnt wurde, einen Fuchs abwürgen, was doch der nicht größere -Dachshund oft tut. Keine Katze befreit sich aus einer Holzkiste, wenngleich -ihre Wände dünn sind. Der Hund dagegen zerbeißt, wie wir von der -Dogge Tom hörten, Kisten, die für bedeutend stärkere Raubtiere berechnet -sind.</p> - -<p>Bei den großen Katzenarten können wir genau das Gleiche beobachten. -Der Löwe überläßt doch nicht den Hyänen und Schakalen die -Reste seiner Beute, weil er großmütig ist, sondern weil er die starken -Beinknochen nicht zerbeißen kann.</p> - -<p>Auch unsere Hauskatze denkt nicht daran, sich mit einer anderen Katze -<span class="pagenum"><a name="Page_89" id="Page_89">[Pg 89]</a></span>wegen eines Knochens zu balgen, wie es doch der Hund gewohnheitsmäßig -tut. Das kommt eben daher, weil der Hund mit seinem starken -Gebiß spielend kräftige Knochen zerbeißt, während die Katze ihm das nicht -nachmachen kann.</p> - -<p>Gerade dadurch ist die Katze so recht in den Ruf der Naschhaftigkeit -gekommen. Sie will keine Knochensammlung haben wie der Hund, sondern -bevorzugt reines Fleisch, insbesondere Eingeweide. So eine zarte -Rehleber ist ganz nach ihrem Geschmack. Natürlich sind wir wütend, daß -uns die Katze bestiehlt und obendrein noch das nimmt, was für den Hausherrn -bestimmt war.</p> - -<p>Rehlebern sind nicht bloß für uns Menschen wohlschmeckend, sondern -auch ein naturgemäßes Futter der Wildkatze. Die Katze ist also eigentlich -nicht naschhaft, sondern ihre naturgemäße Nahrung umfaßt wegen ihres -kleinen Gebisses Dinge, die uns besonders gut schmecken.</p> - -<p>Gegen Salz hat die Katze eine noch größere Abneigung als der Hund.</p> - -<p>Mäusefleisch kann nicht sehr gehaltreich sein, denn sonst könnten nicht -Katzen und Eulen eine so ungeheure Anzahl davon verzehren.</p> - -<p>Die Aehnlichkeit zwischen Katzen und Eulen besteht übrigens nicht -nur in ihrer Vorliebe für Nagerfleisch. Man hat mit Recht die Eule als -geflügelte Katze bezeichnet. Wie diese ist sie eine nächtliche Räuberin und -gleicht ihr auch vollkommen an Lautlosigkeit.</p> - -<p>An Ratten wagt sich nicht jede Katze. Aber die Anwesenheit einer -Katze ist auch den Ratten nicht angenehm und veranlaßt sie manchmal, -das ungemütlich gewordene Heim zu verlassen.</p> - -<p>Zeigen sie sich in einem Gehöft in großer Anzahl, so bekämpft man sie -erfolgreicher mit Rattenfängern, also schnellen, bissigen Hunden, wie Pinschern -und Terriern, als mit Katzen.</p> - -<p>Es mag übertrieben sein, wenn man in England und in anderen -Ländern in den Katzen die größten Wohltäterinnen für die Menschheit, -insbesondere für die Landwirtschaft erblickt. Aber das läßt sich nicht -leugnen, daß unsere Ernten zum größten Teil von den Nagern aufgefressen -werden würden, wenn wir nicht in den Katzen erfolgreiche -Bundesgenossen besäßen.</p> - -<p>Sonst macht sich die Katze noch dadurch nützlich, daß sie Schlangen -tötet und Maikäfer und andere Insekten frißt. Spitzmäuse frißt sie nicht, -tötet sie aber. Das muß ihr als Nachteil angerechnet werden, denn die -Spitzmaus ist als ein insektenfressendes Geschöpf ein nach unseren Begriffen -nützliches Tier. Wahrscheinlich frißt sie die Spitzmaus wegen -ihres Moschusduftes nicht. Umgekehrt fällt es auf, daß sie Baldrian sehr -liebt und sich wie berauscht auf ihm wälzt.</p> - -<p>Wegen ihrer großen Nützlichkeit wird man ihr manche Unart oder, -genauer ausgedrückt, manche uns unangenehme Eigenschaft verzeihen, so -ihre angeborene Sucht, den Vögeln, insbesondere den Singvögeln, nachzustellen.</p> - -<p>Auch hier gilt das vom Hund Gesagte: Der Mensch lebt nicht von -Brot allein. Berühmte Männer haben erklärt, daß sie die Erinnerung -an manche Katze im Elternhause nicht um vieles hergeben möchten.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_90" id="Page_90">[Pg 90]</a></span></p> - - -<h3><a name="kap_42" id="kap_42">42</a>. Die Rassen der Katze. Alter und sogenannte Erziehung.</h3> - -<p>Hans ist eine weiß und braunrötlich gefärbte Katze, wie man sie -häufig sieht. Auch die Katze gehört zu den Säugetieren. Ihr Raubtiergebiß -besteht aus zwölf kleinen Schneidezähnen, vier starken Eckzähnen -und oben acht, unten sechs Backzähnen. Die Katze ist ebenfalls wie der -Hund ein Zehengänger. Die Beine sind mäßig hoch und sind mit zurückziehbaren -Krallen versehen. An den Vorderfüßen bemerken wir fünf, an -den Hinterfüßen vier Zehen. Besonders auffallend ist der kugelrunde -Kopf, die schon besprochenen Schnurrhaare, der lange Schwanz und das -biegsame Rückgrat.</p> - -<p>Von Rassen der Katze ist wenig zu sagen, da für uns in Deutschland -nur noch die Angorakatze zu erwähnen ist. Sie zeichnet sich durch ein -langes, seidenweiches Haar aus. Auch sind ihre Lippen und Fußsohlen -fleischfarben.</p> - -<p>Es besteht Streit darüber, ob unsere Hauskatze von der ägyptischen -Falbkatze oder unserer heimischen Wildkatze abstammt. Jedenfalls ist die -Hauskatze, verglichen mit Pferden, Hunden und anderen Haustieren, ein -junges Haustier, da sie in Europa den alten Kulturvölkern, also den -Griechen und Römern, unbekannt war.</p> - -<p>Der Hund erreicht mit einem halben Jahre seine volle Größe, ebenso -die Katze. Ueberhaupt dürften sie beide das gleiche Alter erleben.</p> - -<p>Die Paarung der Katzen findet zweimal im Jahre statt, und zwar -das erstemal im Januar oder Februar. Die sonst so schweigsamen Tiere -stimmen jetzt ein Geschrei an, um sich gegenseitig zu finden. Für unsere -Ohren klingt dieses Geschrei abscheulich, weshalb wir von diesem »Lied« der Katzen behaupten, daß es »Steine erweichen und Menschen rasend -machen kann«. Ueberhaupt nennen wir eine Musik, die unsere Ohren zur -Verzweiflung bringt, eine Katzenmusik.</p> - -<p>Die Tragezeit der Katze ist um eine Woche kürzer als beim Hunde. -Die Anzahl der Kleinen beträgt etwa fünf bis sechs. Hieraus ersehen -wir, daß die Katze ziemlich viel Feinde haben muß. Das trifft auch zu, -wie in dem Abschnitt über die Feinde der Katze geschildert werden soll. -Auch die Katzenjungen können nicht gleich sehen, sondern erst in neun -Tagen.</p> - -<p>Wie die Hündin, so ist auch die weibliche Katze eine ausgezeichnete -Mutter. Ihre Liebe zu ihren Kleinen ist so groß, daß sie unbedenklich -das größte Opfer bringt. Für die Mutterliebe der Hündin sei hier -folgender Fall angeführt. Eine Jagdhündin war von ihrem Herrn, einem -Rittergutsbesitzer an der Saale, in hochträchtigem Zustande mit auf ein -<em>zwei</em> Stunden entferntes, am anderen Ufer der Saale gelegenes Gut -genommen worden und warf hier acht Junge. Der Besitzer, der wußte, -daß sie bei seinem Freunde gut aufgehoben sei, fuhr ohne das Tier nach -Hause, war aber auf das Aeußerste erstaunt, als bereits anderen Morgens -vier Uhr die Hündin mit ihren acht Jungen sich bei ihm einstellte. -Der Hund mußte hiernach <em>fünfzehnmal</em> die Saale durchschwommen -haben, um seine Lieblinge nach Hause zu bringen – abgesehen von dem -dabei zurückgelegten Landweg.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_91" id="Page_91">[Pg 91]</a></span></p> - -<p>Solche Fälle wie der eben geschilderte sind sehr häufig vorgekommen. -Auch Katzenmütter haben Aehnliches geleistet.</p> - -<p>Einen reizenden Anblick gewährt es, eine Katzenmutter inmitten des -Kreises der Ihrigen zu beobachten. Keine Menschenmutter, schreibt ein -bekannter Naturforscher, kann mit größerer Zärtlichkeit und Hingebung -der Pflege ihrer Kinderchen sich widmen als die Katze. In jeder Bewegung, -in jedem Laute der Stimme, in dem ganzen Gebaren gibt sich -Innigkeit, Sorgsamkeit, Liebe und Rücksichtnahme nicht allein auf die -Bedürfnisse, sondern auch auf die Wünsche der Kinderchen kund. Solange -diese klein und unbehilflich sind, beschäftigt sich die Alte hauptsächlich -nur mit ihrer Ernährung und Reinigung. Behutsam nähert sie sich -dem Lager, vorsichtig setzt sie ihre Füße zwischen die krabbelnde Gesellschaft, -leckend holt sie eines der Kätzchen nach dem anderen herbei, um es -an das Gesäuge zu bringen, ununterbrochen bestrebt sie sich, jedes Härchen -glatt zu legen, Augen und Ohren, selbst den After reinzuhalten. Noch -äußert sich ihre Liebe ohne Laute: sie liegt stumm neben den Kleinen, -spinnt höchstens dann und wann, gleichsam um sich die Zeit, welche sie -den Kinderchen widmen muß, zu kürzen. Scheint es ihr nötig zu sein, -das Lager zu wechseln, so faßt sie eines der Kätzchen mit zartester Behutsamkeit -an dem faltigen Felle der Genickgegend, mehr mit den Lippen -als mit den scharfen Zähnen zugreifend, und trägt es, ohne daß ihm auch -nur Unbehagen erwächst, einem ihr sicherer dünkenden Orte zu, die Geschwister -eilig nachholend. Ist sie sich der Freundlichkeit ihres Herrn -bewußt, so läßt sie es gern geschehen, wenn dieser sie bei solcher Umlegung -der Jungen unterstützt, fügt sich seinem Ermessen oder geht, bittend -miauend, ihm voraus, um das ihr erwünschte Plätzchen zu zeigen. Die -Jungen wachsen heran, und die Mutter ändert im vollsten Einklange mit -dem fortschreitenden Wachstume allgemach ihr Benehmen gegen sie. Sobald -die Aeuglein der Kleinen sich geöffnet haben, beginnt der Unterricht. -Noch starren diese Aeuglein blöde ins Weite; bald aber richten sie -sich entschieden auf einen Gegenstand: die ernährende Mutter. Sie -beginnt jetzt, mit ihren Sprößlingen zu reden. Ihre sonst nicht eben angenehm -ins Ohr fallende Stimme gewinnt einen Wohlklang, welchen -man ihr nie zugetraut hätte; das »Miau« verwandelt sich in ein »Mie«, -in welchem alle Zärtlichkeit, alle Hingebung, alle Liebe einer Mutter -liegt; aus dem sonst Zufriedenheit und Wohlbehagen oder auch Bitte ausdrückenden -»Murr« wird ein Laut, so sanft, so sprechend, daß man ihn -verstehen muß als den Ausdruck der innigsten Herzensliebe zu der -Kinderschar. Bald auch lernt diese begreifen, was der sanfte Anruf sagen -will: sie lauscht, sie achtet auf denselben und kommt schwerfällig, mehr -humpelnd als gehend, herbeigekrochen, wenn die Mutter ihn vernehmen -läßt. Die ungefügen Glieder werden gelenker, Muskeln, Sehnen und -Knochen fügen sich allgemach dem erwachenden und rasch erstarkenden -Willen: ein dritter Abschnitt des Kinderlebens, die Spielzeit der Katze, -beginnt. Diese Spielseligkeit der Katze macht sich schon in frühester -Jugend bemerklich, und die Alte tut ihrerseits alles, sie zu unterstützen. -Sie wird zum Kinde mit den Kindern, aus Liebe zu ihnen, genau ebenso,<span class="pagenum"><a name="Page_92" id="Page_92">[Pg 92]</a></span> -wie die Menschenmutter sich herbeiläßt, mit ihren Sprößlingen zu tändeln. -Mit scheinbarem Ernst sitzt sie mitten unter den Kätzchen, bewegt aber -bedeutsam den Schwanz. Die Kleinen verstehen zwar diese Sprache ohne -Worte noch nicht, werden aber gereizt durch die Bewegung. Ihre Aeuglein -gewinnen Ausdruck, ihre Ohren strecken sich. Plump täppisch häkelt -das eine und andere nach der sich bewegenden Schwanzspitze; dieses -kommt von vorn, jenes von hinten herbei, eines versucht über den Rücken -wegzuklettern und schlägt einen Purzelbaum, ein anderes hat eine Bewegung -der Ohren der Mutter erspäht und macht sich damit zu schaffen, -ein fünftes liegt noch unachtsam am Gesäuge. Die gefällige Alte läßt, -mit mancher Menschenmutter zu empfehlender Seelenruhe, alles über -sich ergehen. Kein Laut des Unwillens, höchstens gemütliches Spinnen -macht sich hörbar. Solange noch eines der Jungen saugt, wird es verständnisvoll -bevorzugt; sobald aber auch dieses sich genügt hat, sucht sie -selbst die kindischen Possen, zu denen bisher nur die sich bewegende -Schwanzspitze aufforderte, nach Kräften zu unterstützen. Bald liegt sie -auf dem Rücken und spielt mit Vorder- und Hinterfüßen, die Jungen wie -Fangbälle umherwerfend; bald sitzt sie mitten unter der sich balgenden -Gesellschaft, stürzt mit einem Tatzenschlage das eine Junge um, häkelt -das andere zu sich heran und lehrt durch unfehlbare Griffe der trotz aller -Unruhe achtsamen Kinderschar sachgemäßen Gebrauch der krallenbewehrten -Pranken; bald wieder erhebt sie sich, rennt eiligen Laufes -eine Strecke weit weg und lockt dadurch das Völkchen nach sich, offenbar -in der Absicht, ihm Gelenkigkeit und Behendigkeit beizubringen. Nach -wenigen Lehrstunden haben die Kätzchen überraschende Fortschritte gemacht. -Von ihren gespreizten Stellungen, ihrem wankenden Gange, ihren -täppischen Bewegungen ist wenig mehr zu bemerken. Im Häkeln mit -den Pfötchen, im Fangen sich bewegender Gegenstände bekunden sie -bereits merkliches Geschick. Nur das Klettern verursacht noch Mühe, wird -jedoch in fortgesetztem Spiele binnen kurzem ebenfalls erlernt. Nunmehr -scheint der Alten die Zeit gekommen zu sein, auch das in den Kinderchen -noch schlummernde Raubtier zu wecken. Anstatt des Spielzeuges, -zu welchem jeder leicht bewegliche Gegenstand dienen muß, anstatt der -Steinchen, Kugeln, Wollflecken, Papierfetzen und dergleichen, bringt sie -eine von ihr gefangene, noch lebende und möglich wenig verletzte Maus -oder ein erbeutetes, mit derselben Vorsicht behandeltes Vögelchen, nötigenfalls -eine Heuschrecke in das Kinderzimmer. Allgemeines Erstaunen der -kleinen Gesellschaft, doch nur einen Augenblick. Bald regt sich die Spiellust -mächtig, kurz darauf auch die Raublust. Solcher Gegenstand ist denn -doch zu verlockend für das bereits wohlgeübte Raubzeug. Er bewegt sich -nicht bloß, sondern leistet auch Widerstand. Hier muß derb zugegriffen -und festgehalten werden; soviel ergibt sich schon bei den ersten Versuchen, -denn die Maus entschlüpfte dem jungen Kätzchen, das sie doch sicher -gefaßt zu haben vermeinte, überraschend schnell und konnte nur durch die -achtsame Mutter an ihrer Flucht gehindert werden. Der nächste Fangversuch -fällt schon besser aus, bringt aber einen empfindlichen Biß ein: -Miezchen schüttelt bedenklich das verletzte Pfötchen. Doch schon hat Häns<span class="pagenum"><a name="Page_93" id="Page_93">[Pg 93]</a></span>chen -die Unbill gerächt und den Nager so fest gepackt, daß kein Entrinnen -mehr möglich ist. So bildet sich das Kätzchen allmählich zur vollendeten -Mäusefängerin heraus.</p> - -<p>Zu der vorstehenden naturwahren Schilderung möchte ich bemerken, -daß es ganz irrig wäre, den Unterricht der Menschen und den der Tiere -gleichzustellen. Der Unterricht bei den Tieren hat immer Erfolg. Er -kann auch ganz fehlen und bezweckt demnach nur eine Beschleunigung -des Lernens. Von dem Unterricht der Menschen läßt sich nicht das gleiche -behaupten. Unser Unterricht steht vielmehr der Dressur der Tiere gleich, -die häufig genug erfolglos ist.</p> - - -<h3><a name="kap_43" id="kap_43">43</a>. Die Feinde der Katze.</h3> - -<p>Wie uns Fräulein Bachmann erzählt, hat ihr Hans wiederholentlich -Kämpfe mit Hunden ausgefochten. Namentlich ist es zu Zusammenstößen -gekommen, wenn sie ihn nach dem Kohlenplatz brachte. Einmal -habe sie rettend eingreifen und ihren Liebling flink in einen Korb stecken -müssen. Sonst aber habe er sich seinen Gegnern überlegen gezeigt.</p> - -<p>Außer den Hunden hat die Katze in allen Hundeartigen Feinde. Der -Wolf zerreißt sie sicherlich, denn der viel schwächere Fuchs macht Jagd -auf Katzen. Erfahrene Förster haben mir immer wieder versichert, daß -man eine Fuchsfalle mit keinem besseren Leckerbissen versehen könne als -mit einem Stück Katzenfleisch. Zwei Füchse überwältigen jede Katze, wenn -sie sich nicht schnell auf einen Baum rettet. Die einzelne Katze ist vor dem -Fuchs nur sicher, wenn sie sehr stark ist.</p> - -<p>Noch schlimmere Feinde drohen der Katze in ihrer eigenen Verwandtschaft. -Wie der starke Wolf nicht der Freund des Fuchses ist, sondern ihn -verzehrt, wenn er ihn packen kann, so sind die größeren Katzenarten die -gefährlichsten Feinde der kleineren. Ein Naturforscher, der einen gezähmten -Luchs besaß, berichtet, daß er gegen nichts größeren Haß besaß -als gegen Hauskatzen. Alle auf seinem Besitztum befindlichen Katzen -wurden von ihm zerrissen, ebenso die Katzen in der Nachbarschaft.</p> - -<p>Jede Katze weiß auch, daß ihr Gefahr von einer größeren Katzenart -droht. Der Bildhauer Urs Eggenschwyler, von dem wir früher erzählten, -daß ein Ziehhund mit seinem zahmen Löwen raufen wollte, hat -das oft beobachtet. Während der Ziehhund infolge seines schwachen -Gesichts den jungen Löwen gar nicht als Löwen erkannte, flüchteten alle -Katzen schon von weitem, sobald sie den gefährlichen Verwandten zu -Gesicht bekamen.</p> - -<p>Auch hier kann man wiederum beobachten, daß die Katze ein ausgezeichnetes -Sehvermögen besitzt, ganz im Gegensatz zum Hunde. Uebrigens -ist dem Volk das längst aufgefallen, wie wir aus dem später angeführten -Sprichwort ersehen.</p> - -<p>Die kleinen Raubtiere unserer Heimat, wie das Wiesel, tötet die -Hauskatze. Mit dem Marder gerät sie manchmal in Streit, der für eine -schwache Katze gefährlich wird.</p> - -<p>Schlimme Feinde besitzt die Katze auch unter den großen Raubvögeln. -Wenn der Adler und der Uhu nicht fast gänzlich ausgerottet<span class="pagenum"><a name="Page_94" id="Page_94">[Pg 94]</a></span> -wären, so würde es lange nicht so viele wildernde Katzen geben. Heute -kommt unter den Raubvögeln eigentlich nur noch der Habicht in Betracht. -Ein starker Habicht ist ein gefährlicher Gegner für eine schwache Katze. -Junge Katzen raubt er ohne weiteres.</p> - -<p>Die starke Katze macht sich sofort kampfbereit, wenn sie einen Habicht -erblickt hat, während schwächere flüchten.</p> - - -<h3><a name="kap_44" id="kap_44">44</a>. Die Katze als angebliche Nachahmerin unserer Reinlichkeitsbestrebungen.</h3> - -<p>Bereits beim Hunde haben wir erwähnt, daß man alle Geschichten -von Hundebesitzern erst vorsichtig prüfen soll. Selbst durchaus wahrheitsliebende -Menschen ziehen aus ihren Beobachtungen ganz falsche -Schlüsse, weil sie immer vom menschlichen Standpunkte ausgehen.</p> - -<p>Als Kind auf dem Lande hat man oft Gelegenheit zu sehen, daß -Hunde ihren Unrat vergraben. Fragte man einen Erwachsenen nach dem -Grunde, so bekam man die Antwort, daß der Hund das aus Reinlichkeitsgründen -besorge.</p> - -<p>Zunächst hat man das geglaubt. Als man aber später sah, daß derselbe -Hund, der angeblich für Reinlichkeit schwärmt, sich mit Wonne auf -Unrat wälzt, da erkannte man, daß die herrschende Erklärung unmöglich -richtig sein könnte.</p> - -<p>Ein vortreffliches Beispiel hierfür ist auch unser Hans von Fräulein -Bachmann. Die Dame ist eine vollständig wahrheitsliebende Persönlichkeit. -Nur läßt sie ihre Liebe zu den Tieren häufig falsche Schlüsse ziehen.</p> - -<p>So wollte ich mich durch meinen Besuch mit eigenen Augen davon -überzeugen, was an der Geschichte wahr sei, die mir als größte Merkwürdigkeit -von Hans mitgeteilt worden war. Er sollte von Hause aus -ein so reinliches Tier sein, daß er ohne jeden Unterricht seine Bedürfnisse -in dem Abguß der Wasserleitung erledige.</p> - -<p>Wir konnten uns alle persönlich davon überzeugen, daß diese Angabe -durchaus auf Wahrheit beruht. Der Kater setzt tatsächlich an dieser -Stelle seinen Unrat ab.</p> - -<p>Wie ich bereits vermutet hatte, ist die Lösung des Rätsels furchtbar -einfach. Die Katze hat wie der Hund den uralten Trieb, ihren Unrat zu -vergraben. Das tun sie nicht aus Sauberkeit, sondern weil sie wissen, -daß alle Pflanzenfresser die Gegend meiden, wo ihnen ihre feine Nase -mitteilt, daß gefährliche Feinde in der Nähe weilen. Gerade die Katze -hat zum Vergraben besondere Gründe, weil ihr Unrat besonders stark -riecht.</p> - -<p>Auch der junge Hans wollte es wie die anderen Katzen machen, aber -es gab in der Wohnung seiner damaligen Herrin keinen Sand. Hat das -Raubtier keine Möglichkeit, den Abgang zu vergraben, so sucht es wenigstens -eine Höhlung für ihn auf.</p> - -<p>Da in der Wohnung die einzige Höhlung, die für die Katze in Betracht -kam, der Ausguß der Wasserleitung war, so sprang sie in diesen -hinein.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_95" id="Page_95">[Pg 95]</a></span></p> - -<p>Hans hat nur den Gedanken der Beseitigung gehabt. Das konnte man -ganz unzweifelhaft daran erkennen, daß er nach der Beendigung mit -den Pranken zu scharren anfing, obwohl doch in dem eisernen Behälter -seine Hin- und Herbewegungen mit den Pfoten ebenso nutzlos waren -wie das Scharren der Hunde mit den Hinterfüßen auf dem steinharten -Bürgersteig.</p> - -<p>Wie wird nun von einfachen Leuten ein so vollständig einleuchtender -Vorgang ausgeschmückt.</p> - -<p>Hiernach hat Hans folgenden Gedankengang gehabt. Wir müssen -uns die klugen Menschen zum Vorbilde nehmen. Diese wissen dadurch -die größte Reinlichkeit zu wahren, daß sie einen mit Wasserspülung versehenen -Trichter benutzen. Leider kann ich mit meiner Katzengestalt -ihnen das nicht nachmachen. Aber ich will den Menschen wenigstens -darin nacheifern, daß auch bei mir Wasserspülung für die größte Reinlichkeit -sorgt. Deshalb springe ich in den Abguß der Wasserleitung.</p> - -<p>Dieser Gedankengang entspricht etwa den Anschauungen der meisten -Tierfreunde. Sie werden hierin durch folgende Erwägung bestärkt. -Der Großstädter ist klüger als die andere Bevölkerung. Die Tiere sehen -dem Menschen kluge Maßregeln ab. Warum soll nun nicht eine Großstadtkatze, -die in der Wohnung Klosetts mit Wasserspülung sieht, den -Menschen nachzuahmen suchen.</p> - -<p>In Wirklichkeit ist das eine vermenschlichende Anschauung, die dem -Tiere vollkommen fernliegt. Der klügste Affe ist, wie ich schon erwähnt -habe, nicht zur Stubenreinheit zu bewegen. Reinlichkeit in unserem -Sinne kennt überhaupt das Tier nicht. Reinlichkeit ist eine Vorbedingung -für die Gesundheit. Wir halten uns Unrat, verweste Dinge, tote Tiere -und dergleichen fern, weil sie unserer Gesundheit schädlich sind. Da sie -der Gesundheit des Hundes nichts schaden, so kann der Hund nicht denselben -Reinlichkeitssinn besitzen wie wir.</p> - -<p>Bei der Katze liegt die Sache ähnlich. Wie oft habe ich gesehen, daß -meine Katzen sich auf schmutziger Wäsche mit Wonne sielten. Wo sitzt -denn da die Reinlichkeit nach unseren Begriffen?</p> - -<p>Zum Schlusse unseres Besuches zeigt uns Hans noch eine Glanzleistung. -Er ist in der Küche, wo wir uns befinden, auf ein Brett gesprungen, -wo zahlreiche kleine Gläser stehen. Man muß immer wieder -die ungeheure Geschicklichkeit einer Katze bewundern, wie sie ihre vier -Füße zu setzen weiß, ohne im geringsten anzustoßen. So wandert auch -Hans durch die Gläser, ohne den geringsten Schaden anzurichten.</p> - -<p>Bei der Jagd kann man oft die gleiche Geschicklichkeit der Katze beobachten. -Wildernde Katzen wissen, daß der Jäger ihnen eifrig nachstellt. -Sie verbergen sich deshalb sofort in der Saat oder im Klee oder -einer anderen Deckung. Man sollte meinen, daß die Pflanzen sich -bewegen müßten, wenn eine Katze hindurchgeht. Aber wenn man oben -auf die Saat oder den Klee schaut, so kann man niemals eine Bewegung -feststellen. So rettet die Katze durch ihre Geschicklichkeit ihr Leben, da der -Jäger nicht weiß, wohin sie geflüchtet ist.</p> - -<p>Eine andere Eigentümlichkeit der Katzen besteht darin, daß sie darauf<span class="pagenum"><a name="Page_96" id="Page_96">[Pg 96]</a></span> -erpicht sind, in jede Höhlung zu kriechen. Es ist daher nicht unbedingt -notwendig, daß die Katzenfallen mit einem Köder versehen sind. Die -Katze kriecht auch in einen Kasten, wenn kein Leckerbissen darin ist. Aus -meiner Studentenzeit ist mir noch folgender Vorfall in der Erinnerung -geblieben, der den Beweis hierfür liefert. Ich wohnte bei Leuten, die -sehr große Tierfreunde waren und eine schwarze Katze besaßen. Die -Katze war mehr bei mir als bei ihnen. Eines Tages war es sehr kalt -und es sollte deshalb geheizt werden. Als Feuer angemacht war, fiel -es mir auf, daß ich die Katze nicht sah. Auch war es mir so vorgekommen, -als wenn ich ganz leise Laute aus dem Ofenloche vernommen hätte. Meine -Wirtin bestritt zwar, daß die Katze im Ofenloch sitzen könne, sah aber -doch nach und gewahrte zu ihrem Schrecken die Katze hinter dem Feuer. -Rasch entschlossen riß sie das Feuer aus dem Ofen und zog die Katze -heraus, die glücklicherweise nur einige versengte Stellen am Pelze aufwies. -In dem Ofen war nur Asche, und zwar nicht einmal warme -Asche, da ich in diesen Jahren nur ganz ausnahmsweise heizen ließ. Nur -die Höhlung hatte es der Katze angetan, hier sich aufzuhalten. Wahrscheinlich -tauchte vor dem Ofenloch die Erinnerung an die Felsenhöhlen -ihrer Vorfahren in ihr auf.</p> - - -<h3><a name="kap_45" id="kap_45">45</a>. Geschichten von Katzen.</h3> - -<p>Der Naturforscher, der von der Jagdleidenschaft seiner Hunde so -schön plauderte, hat auch mit seinen Katzen mancherlei erlebt. Eine -Katze, die er sich angeschafft hatte, mit Namen Ripp, war ungeheuer scheu. -Erst im Laufe des Sommers, erzählte er, da ich mit meiner Familie sehr -viel vor dem Hause war, gelang es uns, Ripp so zutraulich und zahm zu -machen, daß sie immer am liebsten in unserer Gesellschaft verweilte, sich -streicheln und tragen ließ, uns weit weg begleitete, wenn wir fortgingen, -und uns weithin und voller Seligkeit entgegenkam, wenn wir zurückkehrten. -Ripp war kohlpechrabenschwarz mit einem prächtigen weißen -Stern auf ihrer treuen Brust, und da die Welt damals gerade voller -Mäuse war, so hatte ich auch noch einen einfarbig blaugrauen Kater -angeschafft, dem die Kinder den Namen Hänschen gaben. Nach Jahr und -Tag fand ich Gelegenheit, von einem Freunde ein schönes Kätzchen zu -beziehen, dessen Großvater ein schöner Angorakater war. Jetzt ward der -Entschluß, das liebe alte Pärchen wegzuschaffen, gefaßt. Zuerst ward -Hänschen im Käfig gefangen, und während er mit schwermütigem Blicke, -als ob er dem Wetter nicht recht traute, in ihm auf und ab ging, fuhr ein -kleiner Korbwagen vor, der Käfig ward hineingestellt, mit einem Tuche -gut bedeckt, dies rings dicht mit Stroh umbanst, und nun Glück auf, da -zog der neue Besitzer des schönen blaugrauen Katers wohlgemut den -Wagen, listig allerlei Umwege durch den Wald wählend, seiner Heimat -zu, die auf geradem Wege ein halbes Stündchen von uns entfernt ist. -Dort angelangt, wurde der Wagen ins Haus gezogen, die Türen wurden -hinten und vorn verriegelt, der Käfig behutsam herausgehoben, enthüllt, -– aber, ach, der war ganz leer und keine Spur vom Kater zu sehen, obgleich -der Wagenlenker ihn doch mit eigenen Augen beim Einpacken im<span class="pagenum"><a name="Page_97" id="Page_97">[Pg 97]</a></span> -Käfig gesehen hatte und sorgfältig verwahrt zu haben glaubte. Genaue -Prüfung des Tatbestandes ergab, daß man im Vertrauen auf die Decke -die Tür des Käfigs zuzubinden versäumt hatte und daß der reisende -Kater inmitten der Reise unbemerkt die Türe geöffnet und Reißaus genommen -haben mußte. Als der Wagen zurück und die Trauerbotschaft -an mich kam, da erschrak ich, hielt gleich Haussuchung und fand Hänschen -auf dem Heuboden, wo er ganz ruhig in seinem gewöhnlichen Bettchen -lag, mir freundlich grüßend entgegenkam und mit dem Ergebnis seiner -Waldpartie ganz zufrieden schien. Er ging auch gleich am folgenden -Tage wieder getrost in den Käfig, ward wieder eingesperrt, zu Wagen -gebracht, aufs Allersorgfältigste verpackt, gelangte auf neu ersonnenen -Umwegen richtig an den Ort seiner Bestimmung, begrüßte mich aber doch -am nächsten Morgen schon wieder ganz unbefangen in der lieben Heimat, -weil er von dem Dachboden, wohin man ihn gesperrt, durch ein Loch -entwichen war, das er selber entdeckt hatte und das der Hausbesitzer -hinterdrein auch noch bei dieser Gelegenheit zu sehen bekam. Das nächste -Mal ward Hänschen in entgegengesetzter Himmelsrichtung nach einem -Orte, der eine Stunde weit entfernt und durch Berg und Tal, Wiese, -Wasser und Wald von hier getrennt ist, zu befreundeten Seelen kutschiert, -kehrte aber nach Verlauf zweier auf Reisen zugebrachter Wochen heim -ins Vaterhaus und saß an einem schönen Morgen im Strahle der aufgehenden -Sonne, reicher an Welt- und Menschenkenntnis, aber ärmer an -Fett, in Hungersnot sanft quäksend und freundlich winkend unter meinem -Fenster. – Auch die gute Ripp war während aller dieser merkwürdigen -Ereignisse schon zweimal in die Welt hinein kutschiert und beidemal erfahrungsreicher -heimgegangen. – Nun aber wurde zum dritten- und -letztenmal Anstalt zur Auswanderung getroffen. Das liebe Pärchen mußte -auf einem ganz neuen Wege eine gute geographische Meile weit zu Leuten -fahren, die den ernstlichen Willen kundgegeben hatten, die zwei Auswanderer -wenigstens zwei Wochen lang hinter Schloß und Riegel gut -zu verpflegen. Nach drei Wochen kam die Nachricht, daß sich der Kater -Hänschen zwar aus dem ihm angewiesenen Hause weggeschlichen, aber -bei einem Nachbar festes Quartier genommen, daß Ripp dagegen geblieben, -ganz einheimisch, zufrieden und sehr beliebt sei.</p> - -<p>Unser Gewährsmann schildert weiter, daß auch Ripp nach einiger -Zeit wieder zu ihm zurückgekehrt ist.</p> - -<p>Der wunderbare Ortssinn der Tiere, von dem schon die Rede war -(Kap. <a href="#kap_9">9</a>), zeigt sich auch bei der Katze stark ausgebildet.</p> - - -<h3><a name="kap_46" id="kap_46">46</a>. Redensarten und Sprichwörter von der Katze.</h3> - -<p>Geldkatze ist ein hohler Gurt, der als Geldbeutel dient und gewöhnlich -von Katzenfell hergestellt wird.</p> - - -<ul> -<li><em>Katzenmusik</em>, <em>Katzenkonzert</em>,</li> - -<li><em>Katzenwäsche</em>,</li> - -<li><em>Katzenbuckel</em>,</li> - -<li><em>Schmeichelkätzchen</em>,</li> - -<li><em>Katzen und Herren fallen immer auf die Füße</em>,</li> -</ul> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_98" id="Page_98">[Pg 98]</a></span></p> - -<div class="poem"> -<p><em>Willst du lange leben gesund,</em></p> -<p><em>Iß wie die Katze, trink' wie der Hund</em></p> -</div> - -<p class="noindent">sind schon besprochen worden. Ein Beweis der im Volke herrschenden -Ansicht von der Falschheit der Katzen ist der Vers:</p> - -<div class="poem"> -<p><em>Hüte dich vor den Katzen,</em></p> -<p><em>die vorn lecken und hinten kratzen.</em></p> -</div> - -<p>Die Katze sorgt vorsichtig, daß ihr keine Schmerzen zugefügt werden. Daher -die Redensart:</p> - -<p class="center"><em>Drum herumgehen, wie die Katze um den heißen Brei.</em></p> - -<p>Richtiger heißt es wohl:</p> - -<div class="poem"> -<p><em>Gleichwie die Katzen um den Herd,</em></p> -<p><em>tätens sich umherreiben.</em></p> -</div> - -<p>Die Katze als Nachttier wünscht am warmen Herd ihren Körper zu erwärmen.</p> - -<p class="center"><em>Der Katze die Schellen umhängen.</em></p> - -<p>Nach einer Fabel wollten sich die Mäuse dadurch vor der Katze schützen, -daß sie ihr Schellen umhängten. Dieser Plan scheiterte jedoch daran, -daß sich niemand zu seiner Ausführung meldete.</p> - -<p class="center"><em>Wenn die Katze aus dem Hause ist, springen die -Mäuse über Stuhl und Bänke.</em></p> - -<p>Ist der gebietende Teil nicht anwesend, also z. B. Lehrer, Eltern, dann -erlauben sich Kinder manche Freiheiten.</p> - -<p class="center"><em>Die Katze im Sack kaufen.</em></p> - -<p>Nach Grimm heißt es: Die Katze im Sacke kaufen statt eines Hasen. -Andere verstehen darunter: etwas unbesehen kaufen.</p> - -<p class="center"><em>Bei Nacht sind alle Katzen grau.</em></p> - -<p>Die Dunkelheit verwischt die Unterschiede, so daß man dann auch eine -weniger gute Sache anziehen kann.</p> - -<p>Die Katze erhält die Abfälle der Mahlzeiten. Daher sagt man für -Wertloses:</p> - -<p class="center"><em>Das ist für die Katz!</em></p> - -<p>Nach anderen erklärt sich die Redensart damit, weil die Katze ein verachtetes -Geschöpf ist. Man gebraucht also die Redensart dann, wenn man -für eine Handlung auf Undank rechnen muß.</p> - -<p class="center"><em>Katzenjammer</em></p> - -<p class="noindent">soll die bekannte Magenverstimmung deshalb heißen, weil sie der Stimmung -beim Anhören eines Katzenkonzerts gleicht.</p> - -<p>Uebrigens hat man schon in früheren Zeiten erkannt, daß die Katze -im Gegensatz zum Hunde ein ausgezeichnetes Sehvermögen besitzt. Das -geht aus dem Vers hervor:</p> - -<div class="poem"> -<p><em>Nimm die Augen in die Hand und die Katz aufs Knie,</em></p> -<p><em>was du nicht siehst, das sieht sie.</em></p> -</div> - -<p>Der Glaube, daß Hexen sich in Katzen verwandeln, rührt von dem nächtlichen -Leben der Tiere her und ihren im Dunkeln leuchtenden Augen, -sowie ihrem lautlosen Schleichen.</p> - -<div class="figcenter"> -<a name="fig066_1" id="fig066_1" href="images/illu-066_1.jpg"><img src="images/illu-066_1_t.jpg" width="400" height="291" alt="Junge Katzen Halbangora-Katze" /></a> -<div class="caption">Junge Katzen Halbangora-Katze</div> -</div> - -<div class="figcenter"> -<a name="fig066_2" id="fig066_2" href="images/illu-066_2.jpg"><img src="images/illu-066_2_t.jpg" width="350" height="237" alt="Silberfarbige Cypernkatze mit Jungen" /></a> -<div class="caption">Silberfarbige Cypernkatze mit Jungen</div> -</div> - - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_99" id="Page_99">[Pg 99]</a></span></p> - -<h2> -<img src="images/das_pferd.jpg" width="600" height="100" alt="Das Pferd" /> -<br /> -<span class="hidden">Das Pferd</span> -</h2> - -<h3><a name="kap_47" id="kap_47">47</a>. Warum gibt es so viele braune Pferde?</h3> - -<p class="cap">In der Großstadt werden jetzt die Pferde vielfach durch andere Kräfte -ersetzt. Manche sind der Ansicht, daß in nicht zu ferner Zeit das -Pferd gänzlich von den Straßen verschwinden werde. Das ist wenig -wahrscheinlich, weil manche Genüsse, beispielsweise das Reiten, durch -keine Maschinentätigkeit ersetzt werden können.</p> - -<p>Immerhin müssen wir jetzt schon, um uns ein paar Omnibuspferde -anzusehen, auf die Suche gehen, denn es wird nur noch eine Strecke mit -dem Pferdeomnibus befahren. Bequemer ist es daher, wenn wir bei -einem Droschkenpferde haltmachen und es uns etwas besehen, da der -Kutscher sich in dem benachbarten Lokal gerade stärkt. Er hat aber auch -seinen treuen Gehilfen nicht vergessen, sondern ihm vorher den gefüllten -Futterkübel umgehängt.</p> - -<p>Aus meiner Jugendzeit fallen mir verschiedene schlechte Witze ein, -die damals über das Berliner Droschkenpferd üblich waren. Einer von -ihnen lautete: Was ist schneller als ein Gedanke? Die Antwort war: Das -Droschkenpferd, denn, wenn man denkt, es fällt, dann liegt es schon.</p> - -<p>Wie so viele Pferde ist unser Droschkenpferd von brauner Farbe -mit schwarzer Mähne und schwarzem Schwanz. Auffallend ist die -Beweglichkeit seiner Ohren, die sich sofort nach der Seite öffnen, von der -aus ein Geräusch ertönt. Die Augen des Pferdes stehen nicht wie beim -Menschen vorn, sondern mehr auf der Seite. Die Fliegen müssen dem -Tiere ziemlich zusetzen, denn alle Augenblicke schlägt es mit dem Schwanze -nach ihnen. Von Zeit zu Zeit tritt es auch mit den Hufen stark auf, um -sie zu verscheuchen. In der Zwischenzeit zuckt es mit dem Felle, um die -Plagegeister zu vertreiben. Vielen Erfolg scheinen die Abwehrmittel nicht -zu haben, da die Fliegen wohl fortfliegen, aber ebenso sicher auch zurückkehren.</p> - -<p>Von seinen Hufen, die ungespalten sind, hat das Pferd den Namen -Einhufer erhalten. Wir staunen, daß ein so großer Körper so sicher auf -den kleinen Hufen steht.</p> - -<p>Ebenso wundern wir uns über den außerordentlich langen und -starken Hals, wenn wir ihn mit dem Halse des Menschen vergleichen. Im -Verhältnis zur Länge des Halses ist wiederum der Kopf nur klein. -Während unser Kopf rund ist, hat das Pferd einen länglichen Kopf.</p> - -<p>Inzwischen ist beim Fressen durch das Schnauben des Pferdes eine -ganze Menge Häcksel aus dem Kübel geflogen. Dieses Fortpusten des -Häcksels betrachten viele als ein Zeichen dafür, daß das Pferd ein sehr -kluges Tier ist. Der Häcksel, den ihm sein Herr vorsetzt, paßt ihm nicht, -und deshalb pustet es einfach eine Menge davon fort.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_100" id="Page_100">[Pg 100]</a></span></p> - -<p>Mit der Zeit scheint das Futter sich seinem Ende zu nähern, denn -das Pferd schüttelt den Kübel hin und her, um sich ja nicht etwas von dem -Futter entgehen zu lassen. Hieraus dürfen wir wohl den Schluß ziehen, -daß es ihm nicht gerade schlecht schmecken kann.</p> - -<p>Wir wissen, daß wir, um das Benehmen des Pferdes und sein Aussehen -zu verstehen, seine wilden Verwandten uns näher ansehen müssen. -Früher waren die Vorfahren unseres Hauspferdes unbekannt. Seit -Anfang dieses Jahrhunderts sind sie jedoch entdeckt, und von den gefangenen -Fohlen sind ein Männchen und ein Weibchen, also ein Hengst -und eine Stute, nach dem Zoologischen Garten von Berlin gekommen. -Leider ist die Stute vor einigen Jahren gestorben. Der Hengst aber -lebt zurzeit noch, wenngleich er schon einen recht alten Eindruck macht. -Anscheinend ist er auch schon erblindet, wenigstens auf einem Auge -dürfte er ganz blind sein.</p> - -<p>Der Wildhengst ist kleiner als unser Droschkenpferd, da er nicht -größer als ein Zebra ist. Ueberhaupt sehen wir, daß alle Einhufer des -Zoologischen Gartens nach unseren Begriffen klein sind. Das kommt -daher, weil wir unsere Pferde absichtlich auf Größe gezüchtet haben, -so daß unser Auge an große Pferde gewöhnt ist.</p> - -<p>Auch das Wildpferd ist braun mit schwarzer Mähne und schwarzem -Schwanz. Ueberdies läuft noch ein schwarzer Streifen auf dem Rücken -entlang. Auch bei unseren Hauspferden kommt er manchmal vor und -wird als Aalstrich bezeichnet.</p> - -<p>Diese Zeichnung des Wildpferdes ist natürlich seinen Lebensgewohnheiten -angepaßt. Es lebt noch heute in Mittelasien. Und zwar ist das -Wildpferd ein Bewohner der Steppe, wo es in Rudeln angetroffen wird. -Diese Rudel werden von einem Hengste geleitet, der fortwährend achtgibt, -ob irgendwo Gefahr droht. Naht sich ein größeres Raubtier, so -ergreift das Rudel eiligst die Flucht. Gegen kleinere Raubtiere kämpft -der Hengst mutig, und zwar schlägt er mit seinen Vorderhufen und -packt sie mit dem Gebiß.</p> - -<p>Jetzt verstehen wir, weshalb es heute noch bissige Pferde gibt. Das -Beißen ist eine ursprüngliche Waffe der Pferde. Wir haben absichtlich -alle Pferde, die sich durch Beißen auszeichneten, von der Zucht ausgeschlossen, -so daß unsere heutigen Pferde nur ausnahmsweise beißen.</p> - -<p>Das Ausschlagen ist an sich ebenfalls eine natürliche Waffe des -Pferdes. Niemals soll man sich einem fremden Pferde von hinten nähern. -Das Pferd, das im allgemeinen ängstlich ist, hört ein Geräusch hinter -sich und schlägt naturgemäß nach hinten aus. Dadurch sind schon unzählige -Unglücksfälle verursacht worden.</p> - -<p>Wie die braune Lerche sich von der Erde kaum abhebt und deshalb -leicht übersehen wird, ebenso der braune Hase, so verschwimmt auch das -Wildpferd mit seiner braunen Farbe in der endlosen braunen Steppe. -Wäre jedoch das Wildpferd nur braun, so würde ein so großer brauner -Fleck in der Natur auffallen. Deshalb ist durch die schwarze Mähne, -den Aalstrich und den schwarzen Schweif der braune Fleck geteilt und -nicht mehr so auffällig groß.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_101" id="Page_101">[Pg 101]</a></span></p> - - -<h3><a name="kap_48" id="kap_48">48</a>. Warum hat das Pferd eine Mähne? Die Fabel von dem -Kreisbilden der Pferde.</h3> - -<p>Die Frage, weshalb das Pferd eine Mähne besitzt, scheint sehr leicht -zu beantworten zu sein. Einfach zu dem Zwecke, damit der Reiter -sich daran festhält, wenn er sich auf das Pferd schwingt.</p> - -<p>Jetzt betrachten wir daraufhin das Wildpferd und sehen, daß es -oben auf dem Halse nur kurze Borsten wie ein Zebra hat. Die Mähne -unserer Hauspferde, die sehr bequem für den Reiter ist, hat also bei dem -Wildpferde gar nicht die Länge, um als geeigneter Handgriff zu dienen.</p> - -<p>Die Mähne hat also bei dem Wildpferde andere Zwecke zu erfüllen. -Der große und starke Pferdehals sieht wie ein großes Viereck aus und -muß in der weiten Steppe sehr auffallen. Durch die schwarze Mähne -oben auf dem Halse wird dieses Viereck weniger auffallend. Die Hauptfeinde -der Wildpferde sind in Asien der Tiger und der Mensch. Beide -sind Augentiere, denen gegenüber die Schutzfärbung von großer Bedeutung -ist. Weniger kommt sie in Betracht bei den Wölfen, da diese sich -wie die Hunde in erster Linie nach ihrer Nase richten.</p> - -<p>Immer wieder taucht die Fabel auf, daß die Pferde sich gegen die -Wölfe dadurch verteidigen, daß sie einen Kreis bilden mit den Köpfen -nach innen, während die nach außen gerichteten Hinterbeine den Angreifer -niederschmettern. In der Mitte des Kreises sollen sich die Fohlen -aufhalten.</p> - -<p>Naturforscher und Reisende, die Gelegenheit hatten, die Angriffe der -Wölfe auf Pferdeherden zu beobachten, haben aber nicht das geringste -von diesem Kreisbilden wahrnehmen können. Der Wolf sucht sich vielmehr -an die Pferdeherden anzuschleichen, um ein Füllen zu packen, -manchmal auch ein einzelnes Pferd. Merken die Pferde den Wolf, so -gehen sie auf ihn los und bearbeiten ihn mit den Vorderhufen, die -Hengste auch mit den Zähnen.</p> - -<p>Ein amerikanischer Reisender schildert folgenden Kampf zwischen -Wölfen und Pferden: Als ich mich am Spokanfluß aufhielt, ging ich nach -der Pferdeprärie, um die Manöver zu beobachten, welche die Wölfe bei -ihren vereinten Angriffen auf die Pferde anwenden. Ihre erste Ankündigung -bestand in einem gellenden, hundeähnlichen Gebell, das sie von -Zeit zu Zeit hören ließen, gleich dem Abfeuern der Gewehre der verschiedenen -Vorposten bei kleinen Gefechten. Dieses Gebell wurde von -der entgegengesetzten Seite durch ein ähnliches erwidert, bis sich die -Töne immer mehr näherten, und endlich aufhörten, als die Parteien sich -vereinigten. Wir setzten unsere Flinten in Stand und verbargen uns -hinter einem dicken Gebüsch. Indes scharrten die Pferde, welche die -Gefahr merkten, mit den Hufen auf dem Boden auf, schnaubten, hoben die -Köpfe in die Höhe, sahen wild um sich und gaben alle Zeichen von Furcht. -Ein paar Hengste erwarteten mit anscheinender Ruhe den Feind. Endlich -erschienen die Verbündeten in einem Halbkreis, dessen Enden sie ausdehnten, -um ihre Beute einzuschließen. Es waren zwischen 300 bis 400 an -der Zahl. Die Pferde schienen ihre Absicht zu erraten, und da sie sich -fürchteten, einer solchen Anzahl entgegenzutreten, galoppierten sie nach<span class="pagenum"><a name="Page_102" id="Page_102">[Pg 102]</a></span> -der entgegengesetzten Seite; die Wölfe stürzten nach, ohne ihre Stellung -im Halbkreis zu verlieren. Die Pferde, welche nicht im besten Stande -waren, wurden schnell eingeholt und fingen an, nach ihren Verfolgern -auszuschlagen, wovon manche heftige Schläge erhielten. Doch würden -sie bald über die Pferde Herr geworden sein, wären wir nicht zur rechten -Zeit aus unserm Hinterhalte hervorgetreten, und hätten des Feindes -Zentrum eine tüchtige Ladung Kugeln zugeschickt, die mehrere davon -töteten. Sogleich schwenkte sich das ganze Bataillon und lief in der -größten Eile und Unordnung den Bergen zu, während die Pferde, sowie -sie die Schüsse hörten, ihren Lauf änderten, und auf uns zu galoppierten. -Unser Erscheinen rettete einige aus den Zähnen der Wölfe, und sie schienen -durch ihr Wiehern ihre Freude und Dankbarkeit ausdrücken zu wollen.</p> - -<p>Auch in dem vorstehenden Falle ist von einem Kreisbilden der Pferde -keine Rede. Wohl aber haben ihre Feinde, die Wölfe, einen Halbkreis -mit verlängerten Enden um sie gebildet, damit kein Pferd entweichen -konnte.</p> - - -<h3><a name="kap_49" id="kap_49">49</a>. Warum kann das Pferd nur durch die Nase atmen?</h3> - -<p>An kalten Wintertagen, wo der Atem sichtbar wird, kann man -deutlich erkennen, daß das Pferd nur durch die Nase atmet. Aus den -Nüstern kommen fortwährend Wolken wie Dampf, aber aus dem Maule -nicht.</p> - -<p>Auch hier gibt die Lebensweise der Wildpferde Aufschluß über die -Eigentümlichkeit. In der Steppe herrschen in der Winterzeit furchtbare -Schneestürme. Diese würden für die Pferde besonders nachteilig sein, -da sie die Gewohnheit haben, stets gegen den Wind zu laufen. Sie tun -das natürlich nicht aus Vergnügen, sondern um ihre Feinde rechtzeitig -wahrzunehmen. Denn wie der Hund, so ist das Pferd ein Nasentier, das -eine sehr feine Nase, aber am Tage nur ein schwaches Sehvermögen -besitzt. Lauern nun vor ihnen irgendwo Feinde, so wird das hervorragende -Geruchsvermögen sie dem Pferde verraten.</p> - -<p>Das Laufen gegen eisige Winterstürme würde aber der Gesundheit -der Pferde nachteilig sein, falls das Atmen durch das Maul erfolgte. -Deshalb kann das Pferd nur durch die Nase atmen, damit es stets angewärmte -Luft einatmet.</p> - -<p>Die Furcht vor seinen Feinden spielt also beim Pferde die größte -Rolle. Immer sind deshalb die Ohren in Bewegung, damit es ja nicht -etwas Gefährliches überhört. Kipp- und Hängeohren wird man bei den -Pferden kaum jemals antreffen, obwohl sie bei Hunden und anderen -Haustieren häufig sind. Die Angst läßt die Ohren immer gespitzt halten.</p> - -<p>Das Fortpusten des Häcksels aus dem Futterkübel geschieht also nicht -deshalb, weil das Pferd sehr klug ist, sondern wegen seiner Nasenatmung. -In der Freiheit fliegt dadurch kein Futter fort, weil die Gräser festgewachsen -sind.</p> - -<p>Kinder spielen gern Pferd und ahmen ihrem Vorbild durch Schnauben -und Prusten nach. Auch dieses Prusten beruht nur auf der Nasenatmung, -weshalb beispielsweise Kühe und Schafe nicht Prusten.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_103" id="Page_103">[Pg 103]</a></span></p> - - -<h3><a name="kap_50" id="kap_50">50</a>. Warum scheuen die Pferde und gehen durch?</h3> - -<p>Ein scheuendes Droschkenpferd wird man nicht häufig zu sehen bekommen. -Einmal hat sich ein Großstadtpferd mit der Zeit an die tollsten -Geräusche gewöhnt. Sodann wird ein Pferd um so ruhiger, je älter es -wird. Und die meisten Droschkenpferde haben eine ganze Anzahl von -Jahren auf dem Rücken. Immerhin habe ich erst im vorigen Jahre ein -durchgehendes Droschkenpferd beobachten können. Aus welchem Grunde -es gescheut hatte, konnte ich nicht ermitteln. Es raste die Straßen entlang, -und der alte Kutscher suchte nach Möglichkeit einen Zusammenstoß zu -vermeiden. Zum Glück war die Straße fast leer, und zum weiteren Glück -stürzte das Pferd zu Boden. Die Wucht, mit der es gerast war, zeigte sich -darin, daß das gestürzte Tier eine große Strecke auf dem Asphaltpflaster -dahingeschleudert wurde. Die menschliche Haut würde eine solche Rutschpartie -nicht aushalten, aber die Pferdehaut vertrug sie ohne Schaden.</p> - -<p>Durch den Sturz und das Gleiten auf dem Asphalt war das Pferd -wieder einigermaßen ruhig geworden und blieb stehen, als es aufgerichtet -war.</p> - -<p>Ein großer Verlust wäre es für den Droschkenkutscher gewesen, wenn -das Pferd sich ein Bein gebrochen hätte. Denn obwohl solche Brüche bei -anderen Haustieren, z. B. Schweinen, sehr gut heilen, kann ein Pferd nach -einem Bruch trotz aller ärztlichen Kunst nicht mehr zum Ziehen oder -Reiten, sondern nur zur Zucht verwendet werden.</p> - -<p>Was veranlaßte nun das Droschkenpferd zu einer so sinnlosen -Raserei? Wahrscheinlich ein nach unseren Begriffen ganz harmloser Vorfall. -Beispielsweise schwenkt jemand plötzlich eine Fahne – und schon ist -das Unglück geschehen.</p> - -<p>Wir müssen bei der Beurteilung eines solchen Falles gerecht sein -und uns klar darüber werden, daß, wenn alle Wildpferde vorher eine -gründliche Untersuchung anstellen wollten, wie die Sache eigentlich liegt, -kein einziges mehr lebte. Vergegenwärtigen wir uns das Leben eines -Wildpferdrudels in der Steppe. Trotz der Schutzfärbung hat es ein Tiger -wahrgenommen. Unter Beobachtung der Windrichtung hat er sich nach -Katzenart ganz leise herangeschlichen. Stundenlang hat es gedauert, bis -er in Sprungweite war. Jetzt schnellt er wie ein Ball auf das ihm zunächst -stehende Tier.</p> - -<p>Die einzige Rettung für das Pferd besteht jetzt darin, ohne jedes -Besinnen davonzujagen. Wie der Hund, so hat auch das Pferd ein Auge, -das Bewegungen sehr leicht wahrnimmt. Den anspringenden Tiger -hat es durch seine Bewegung erkannt, oder vielmehr erkannt, daß ein -großer bunter Ball urplötzlich hinter ihm flog.</p> - -<p>Hätte das Pferd erst überlegt, was der bunte Ball eigentlich sei, so -war ihm der Tod durch die große Katze sicher. Es war sein Heil, daß -es noch im letzten Augenblick davonraste. Denn der Tiger sprang infolgedessen -zu kurz. Und ein flüchtiges Wildpferd kann er nicht einholen.</p> - -<p>Für das Scheuen des Pferdes bestehen also folgende Ursachen:</p> - - -<p class="block">1. Das schwache Sehvermögen des Pferdes vermag wirkliche und -scheinbare Gefahren nicht zu unterscheiden.</p> -<p><span class="pagenum"><a name="Page_104" id="Page_104">[Pg 104]</a></span></p> -<p class="block">2. Unter natürlichen Verhältnissen läuft deshalb das Pferd gegen -den Wind, um zu wissen, ob Gefahr besteht. Dieses Laufen gegen -den Wind kann aber der Mensch bei der Benutzung der Pferde -nicht immer durchführen. So kommt es, daß das Pferd vor ganz -harmlosen Sachen scheut, einem Stück Papier, einem weißen -Stein und dergleichen.</p> - -<p>Das Durchgehen, das dem Scheuen häufig folgt, hat die Ursache, daß -es die natürliche Rettung des Pferdes in der Steppe ist.</p> - -<p>In der Steppe gibt es keine Häuser oder Bäume, gegen die ein -Pferderudel stürzen kann. Deshalb kann das sinnlose Laufen in der -Steppe auch keinen Schaden anrichten.</p> - -<p>Bei uns kann natürlich ein durchgehendes Pferd das größte Unheil -verursachen. Die Insassen des Wagens werden häufig herausgeschleudert, -fremde Personen überfahren usw. Auch das Pferd selbst geht oft zugrunde, -weil es gegen einen Baum oder anderen festen Gegenstand gerannt -ist. Durch Gewalt ist bei einem durchgehenden Pferde wenig auszurichten, -da die Kraft des Tieres in diesem Zustande ganz außerordentlich -ist.</p> - -<p>Bei einem Ochsengespann wird ein Scheuen und Durchgehen der -Tiere nur selten vorkommen. Das rührt daher, weil das Rind im -Gegensatz zum Pferd eine Rettung nicht in der Flucht sucht, sondern -mutig auf den Gegner einstürmt. Das Pferd ist also, wie Hirsche, Rehe, -Hasen ein sogenannter fliehender Pflanzenfresser, während das Rind mit -den Elchen, Büffeln, den größten Affenarten zu den wehrhaften Pflanzenfressern -gehört. Die wehrhaften Pflanzenfresser flüchten nur ausnahmsweise -vor einem sehr starken Raubtiere, und zwar die Weibchen leichter -als die viel stärkeren Männchen.</p> - - -<h3><a name="kap_51" id="kap_51">51</a>. Die Bodenscheu.</h3> - -<p>Ein Berliner Droschkenpferd wird selten zur Bodenscheu neigen. -Das kommt daher, weil es nicht aus Gegenden stammt, wo noch Wölfe -heimisch sind. Deshalb findet man unter den ungarischen und russischen -Pferden am häufigsten Bodenscheu.</p> - -<p>Unter Bodenscheu versteht man die unbegründete Furcht eines -Pferdes vor dunklen Stellen auf dem Erdboden.</p> - -<p>Bereits von dem berühmten Pferde Alexanders des Großen, das -Bukephalus hieß, wird uns erzählt, daß es sich vor seinem eigenen -Schatten gefürchtet habe. Das heißt mit anderen Worten, daß es bodenscheu -war. Man sieht daraus, daß ein hervorragend tüchtiges Pferd auch -diese Eigentümlichkeit besitzen kann.</p> - -<p>Mit Klugheit oder Dummheit hat das gar nichts zu tun, während -gerade Kutscher mit Vorliebe auf die Bodenscheu hinweisen, als Beweis -dafür, daß das Pferd ein furchtbar dummes Geschöpf ist. Wie oft habe -ich Gespräche etwa folgenden Inhalts anhören müssen: »Wenn irgend -jemand daran zweifelt, daß das Pferd zu den dümmsten Tieren gehört, -so soll er sich meinen Gaul ansehen. Was ist mir erst heute wieder mit<span class="pagenum"><a name="Page_105" id="Page_105">[Pg 105]</a></span> -ihm passiert? Hat da jemand auf dem Asphalt einen Eimer Wasser ausgegossen. -Denken Sie, ich bekomme das dumme Tier an dem nassen -Fleck vorbei? So hat man häufig seinen Aerger wegen der furchtbaren -Dummheit des Pferdes. Kann es etwas Dümmeres geben, als sich vor -einer nassen Stelle zu fürchten?«</p> - -<p>So einfach liegt die Sache nicht, wie der Kutscher meint. Dummheit -liegt nicht vor, wenn die Schwäche eines Sinnes zu sonst üblichen -Leistungen unfähig macht. So ist der Knabe nicht dumm, der nicht angeben -kann, wieviel die Turmuhr zeigt, weil er kurzsichtig ist.</p> - -<p>Umgekehrt ist das Pferd nicht klüger als der Mensch, weil es sich in -der Dunkelheit besser zurechtfindet, als wir es vermögen. Unzählige -Reiter oder Wageninsassen sind durch ihre Pferde gerettet worden. Die -Menschen konnten in der Dunkelheit nicht mehr die Hand vor den Augen -sehen. Trotzdem fanden sich die Pferde zurecht und brachten ihre Herren -glücklich nach Hause.</p> - -<p>Wie würde es uns Menschen gefallen, wenn man uns diese Unfähigkeit, -uns in der Dunkelheit zurechtzufinden, als Dummheit anrechnen -würde?</p> - -<p>Das Auge des Pferdes kann bei Tageslicht nicht gut sehen. Deshalb -kann es nicht genau erkennen, was der dunkle Fleck eigentlich bedeutet. -In wolfreichen Gegenden haben die Pferde es oft erlebt, daß dieser an -der Erde befindliche Fleck ein sich auf den Boden drückender Wolf war, -der ihnen plötzlich an die Kehle sprang. So unbegründet ist also die -Furcht des Pferdes vor den dunklen Stellen am Boden durchaus nicht.</p> - -<p>Weil in England seit Jahrhunderten im Grase lauernde Wölfe unbekannt -sind, ebenso auch bei uns in dem weitaus größten Teil unserer -Heimat, deshalb neigen englische und deutsche Pferde wenig zur Bodenscheu, -dagegen mehr die russischen und ungarischen Pferde.</p> - -<p>Etwas anderes ist es natürlich, wenn ein Pferd in moorigen -Gegenden nasse oder dunkle Stellen meidet, weil es einzusinken fürchtet.</p> - - -<h3><a name="kap_52" id="kap_52">52</a>. Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul. -Warum trägt ein Pferd Hufeisen?</h3> - -<p>Da Droschkenpferde, wie schon erwähnt wurde, meistens bejahrte -Tiere sind, so werden wir uns hüten, den Droschkenkutscher zu bitten, -uns das Gebiß seiner »Liese« oder wie sie sonst heißt, zu zeigen. Er -würde uns in seiner Urwüchsigkeit mit einer Antwort dienen, die sich -gewaschen hat, und wegen der Seltsamkeit des Ansinnens gewiß glauben, -daß wir aus dem Irrenhause entsprungen sind.</p> - -<p>So müssen wir uns ohne ihn behelfen. Die allbekannte Redensart -»Einem geschenkten Gaul sieht man nicht ins Maul« erklärt sich in -folgender Weise.</p> - -<p>Was verschenkt der Mensch am liebsten?</p> - -<p>Es ist traurig, aber wahr, daß er am liebsten wertlose Gegenstände -verschenkt. Man kann sogar behaupten, daß viele erst auf den Gedanken, -etwas zu verschenken, kommen, weil sie einen wertlosen Gegenstand los<span class="pagenum"><a name="Page_106" id="Page_106">[Pg 106]</a></span> -sein wollen. Sie wissen, daß sie kaum etwas dafür erhalten, und sagen -sich, daß es doch einen guten Eindruck macht, wenn man etwas verschenkt.</p> - -<p>Es ist also eine alte Erfahrung, daß verschenkte Pferde meistens alte -Pferde sind.</p> - -<p>Nun gehört das Pferd zu den Tieren, dessen Alter man mit einer -leidlichen Genauigkeit an den Zähnen erkennen kann.</p> - -<p>Es ist leicht verständlich, daß Zähne durch den Gebrauch abgenützt -werden. Da die Zähne des Pferdes Vertiefungen, sogenannte Kunden -haben, so ist klar, daß, je weniger die Kunden abgenützt sind, desto -jünger das Pferd, je mehr, desto älter es sein muß.</p> - -<p>Man soll also einem geschenkten Gaul deshalb nicht in das Maul -sehen, weil man dann an den Zähnen erkennen würde, daß man ein -recht bejahrtes Tier von dem Schenker erhalten hat. –</p> - -<p>Unser Droschkenpferd trägt Hufeisen, und zwar an jedem Hufe eins. -Wildpferde besitzen natürlich keine Hufeisen. Es fragt sich, weshalb der -Mensch dem Tiere diese Eisen aufgenagelt hat.</p> - -<p>Im Altertum waren, wie wir wissen, die Pferde unbeschlagen. Auch -bei uns läßt man auf dem Lande, namentlich in sandigen Gegenden, die -Pferde häufig unbeschlagen.</p> - -<p>Das läßt sich deshalb durchführen, weil die Abnutzung des Hufes -auf sandigem Boden nicht groß ist und durch Nachwachsen wieder ersetzt -wird. Anders liegt aber die Sache in den Städten mit Steinpflaster. -Pferde, die auf solchem Pflaster schwere Lasten zu ziehen haben, -müssen deshalb beschlagen werden, um die vorzeitige Abnutzung der -Hufe zu verhindern.</p> - -<p>Das richtige Aufnageln der Hufe will natürlich verstanden sein. -Deshalb sind tüchtige Hufschmiede mit Recht auf ihre Fertigkeit stolz.</p> - -<p>Bei Glätte und Eis können die Pferde mit ihren eisernen Schuhen -besonders leicht ausgleiten. Um das zu verhindern, gibt es allerlei -Vorkehrungen, beispielsweise das Einschrauben von Stollen.</p> - - -<h3><a name="kap_53" id="kap_53">53</a>. Der Schweif des Pferdes verglichen mit dem Schwanz -von Hund und Katze.</h3> - -<p>Wir sahen, daß das Droschkenpferd durch Schlagen mit dem Schweif -sich die Fliegen abwehrt. Vergleichen wir den Schwanz unserer Hauspferde -mit dem der Wildpferde, so können wir feststellen, daß die Behaarung -bei unseren Pferden reichlicher geworden ist.</p> - -<p>Diese Beobachtung können wir überall machen. So behaarte Geschöpfe -wie der Pudel und der Kolly, die Angorakatze, die Hausschafe, -kommen in der freien Natur nicht vor.</p> - -<p>Immerhin muß uns folgendes auffallen. Das Pferd benutzt den -Schwanz, um Fliegen abzuwehren. Warum tun nicht Hund und Katze -das gleiche? Beide haben doch einen schönen langen Schwanz. Warum -schlagen sie niemals damit nach Fliegen? Wiederum schlägt die Kuh mit -ihrem Schwanz nach Fliegen. Warum hat sie einen so viel längeren -Schwanz als das Pferd?</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_107" id="Page_107">[Pg 107]</a></span></p> - -<p>Wenn wir uns die Tierwelt daraufhin näher ansehen, welche Bedeutung -bei ihnen der Schwanz hat, so finden wir darunter zahlreiche, -bei denen er ein lebenswichtiges Organ ist. Ein Känguruh ohne Schwanz -ist kein Känguruh mehr, weil es den Schwanz als drittes Bein eines -Schusterschemels benutzt. Ebenso ist es bei den Klammeraffen. Krokodile, -Walfische, ferner alle Fische sind ohne Schwanz Todeskandidaten.</p> - -<p>Umgekehrt gibt es Tiere, bei denen der Schwanz gleichgültig ist, so -bei Hasen, Hirschen, Rehen, Ziegen u. dgl. Wird einem Hirsch sein kurzer -Schwanz, der »Wedel« genannt wird, abgeschossen, so stört ihn das nicht -weiter in seinem Befinden.</p> - -<p>In der Mitte stehen die Tiere, bei denen der Schwanz auf ihre -Lebensweise von mehr oder minder wichtigem Einfluß ist. So sehen -wir beispielsweise im Zoologischen Garten, daß der Löwe vor einem -Sprunge seinen Schwanz schnell dreht. Sehr richtig sagt unser Dichter -Schiller in dem Gedicht: »Der Handschuh« von dem grollenden Tiger, -den man auch als Waldlöwen bezeichnen kann:</p> - -<div class="poem"> -<p>schlägt mit dem Schweif</p> -<p>einen furchtbaren Reif.</p> -</div> - -<p>Wir können auch verstehen, weshalb der Löwe seinen Schweif so eilig -dreht. Er will einen ganz genauen Sprung machen, um sein Opfer zu -packen. Selbstverständlich will das bedrohte Geschöpf der Gefahr entrinnen -und sucht nach der einen oder anderen Seite zu entkommen. Nach -welcher es sich wenden wird, kann der Löwe vorher nicht wissen. Das -entscheidet sich erst im letzten Augenblick. Darum tut der Löwe am -klügsten, wenn er den Schweif im Kreise dreht. Mag das bedrohte -Tier springen, nach welcher Seite es auch will, stets wird der Löwe -durch die Kreisdrehung imstande sein, richtig zu steuern.</p> - -<p>Weil es auf die richtige Steuerung beim Sprunge sehr ankommt, -deshalb haben alle Katzenarten einen langen Schwanz. Die alten Griechen -haben also sehr fein beobachtet, als sie die Katze »Ailurus«, d. h. -Drehschwanz, nannten. Ausnahmsweise haben einige Katzen nur einen -kurzen Schwanz, nämlich solche, die, wie z. B. der Luchs, hauptsächlich -auf Bäumen lauern, wo für das Drehen des Schwanzes kein Platz ist. Auf -der Insel Man lebt eine Katze, die hauptsächlich von Vögeln lebt und -deshalb auf Bäumen heimisch ist. Auch sie hat keinen Schwanz.</p> - -<p>Die Hundearten brauchen zwar zum Springen keinen langen -Schwanz, wohl aber zum schnellen Umkehren. Der Hase sucht sich vor -dem schnelleren Hund durch Hakenschlagen zu retten, indem er ganz plötzlich -die Richtung ändert. Der Hund, der in rasender Eile dem Hasen -folgt, ist dermaßen in Schwung, daß er noch eine ganze Strecke fortschießt, -nachdem der Verfolgte seinen Haken geschlagen hat. Dadurch -erhält der Hase einen Vorsprung, bis der Hund ihm wieder bedenklich -auf das Fell rückt. Dann kann das Spiel von neuem beginnen.</p> - -<p>Um seinen Körper plötzlich herumzuwerfen, bedarf der Hund wie -alle Hetzraubtiere, also Wölfe, Wildhunde u. dgl., eines langen Schwanzes. -Besonders wichtig ist er für den Windhund, da dieser der eifrigste<span class="pagenum"><a name="Page_108" id="Page_108">[Pg 108]</a></span> -Hasenhetzer ist. Ein Windhund ohne Schwanz ist undenkbar. Vielmehr -zeichnet sich gerade diese Hunderasse durch einen langen Schwanz aus.</p> - -<p>Für alle Katzenarten ist also ein langer Schwanz zum richtigen -Steuern und für alle Hundearten zum schnellen Herumwerfen ihres -Körpers von Wichtigkeit. Ebenso sehen wir bei Raubvögeln lange -Schwänze, damit sie bei der Verfolgung schnell die Richtung ändern -können. Außerdem erleichtert der ausgebreitete lange Schwanz ihnen -das Tragen der Beute.</p> - -<p>Hasen, Hirsche, Rehe, Elche usw. brauchen dagegen keine Schwänze, -weil sie keine anderen Tiere verfolgen. Das Hakenschlagen kann der -Hase ohne Schwanz sehr gut machen, da er ja vorher die Absicht hat, die -Richtung zu ändern. Würde auch der Hund vorher diese Absicht haben, -so käme er auch ohne Schwanz aus.</p> - -<p>Gegen die Insektenplage helfen sich die Pflanzenfresser dadurch, daß -sie Oertlichkeiten aufsuchen, wo weniger Insekten vorhanden sind.</p> - -<p>Nur den Pferden und den Rindern nützen die Wanderungen nicht -viel. Das Pferd ist auf seine Heimat, die Steppe, angewiesen. Viel -schlimmer ist das Rind daran. Es ist gerade in üppig bewachsenen Niederungen -heimisch, wo es sehr viel Insekten gibt. Deshalb hat auch das -Rind den längsten Schwanz zum Vertreiben der Fliegen, während das -Pferd, weil es in der Steppe nicht so schlimm ist, sich mit einem erheblich -kürzeren Schweif begnügen muß.</p> - -<p>Der Schwanz dient also bei Pferd, Rind, Hund und Katze ganz -verschiedenen Zwecken. Bei den beiden erstgenannten ist er Fliegenabwehrer, -bei dem Hunde soll er den Körper herumwerfen helfen, und -bei der Katze soll er das richtige Steuern beim Sprunge besorgen. Ein -Hund ohne Schwanz kann keinen Hasen mehr einholen. Gegen Fliegen -braucht die Katze ihren Schwanz nicht als Abwehrmittel, da sie von ihnen -gemieden wird. Die Hundearten liegen am Tage in einem dichten -Gebüsch und ruhen. Hier ist von einer großen Belästigung durch Fliegen -nicht die Rede, weshalb der Hund nach ihnen nur mit dem Maule -schnappt, aber nicht mit dem Schwanze danach schlägt.</p> - - -<h3><a name="kap_54" id="kap_54">54</a>. Sieht das Pferd alles größer?</h3> - -<p>Ein unausrottbarer Aberglaube ist es, daß das Pferd alles doppelt -sieht. Wie schön wäre es für unsern Droschkenkutscher, wenn das der -Fall sein würde. Er brauchte seiner Liese nur das halbe Futter zu -geben, und sie glaubte, das ganze zu erhalten.</p> - -<p>Die Größe eines Gegenstandes bemessen wir nach dem Gesichtswinkel -und der Entfernung. Ist uns die Entfernung unbekannt, so -schwanken wir in den Angaben der Größe. So sagt mancher Landbewohner, -der Mond sähe so aus wie ein früherer Taler. Ein anderer -sagt wiederum, er erscheine ihm so groß wie ein Heuwagen. Sehen wir -ganz in der Ferne einen Vogel fliegen, so ist oft der beste Tierkenner im -Zweifel, wie groß der Vogel eigentlich ist. Bei unbekannten Entfernungen -kann es also vorkommen, daß man etwas für größer hält als es ist.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_109" id="Page_109">[Pg 109]</a></span></p> - -<p>Das meint das Volk aber gar nicht, sondern es ist der Ueberzeugung, -daß das Pferd alle Gegenstände um sich, wo es sich also um ganz bekannte -Entfernungen handelt, doppelt so groß sieht. Namentlich soll der -Mensch in den Augen des Pferdes doppelt so groß, wie er ist, erscheinen.</p> - -<p>Es ist klar, daß diese Vorstellung vollkommen unhaltbar ist. Sehe -ich alles doppelt so groß, so sehe ich mich selbst ebenfalls doppelt so groß, -und dann hat das Größersehen nicht den geringsten Erfolg.</p> - -<p>Nichts deutet darauf hin, daß das Pferd, falls man die Größenverhältnisse -in Betracht zieht, anders sieht als der Mensch. Es hält einen -großen Hund nicht für ein Pferd, es verwechselt eine Hütte nicht mit -seinem Stall, es mißt die Weite eines Grabens und die Höhe eines -Hindernisses vortrefflich ab. Der Aberglaube, daß das Pferd alles doppelt -sieht, ist nur aus folgendem Gedankengange entstanden. Der einfache -Mann legt sich folgende Frage vor: Wie ist es möglich, daß ein so -großes und starkes Tier, wie es das Pferd ist, sich von einem Schwächling, -wie es der Mensch ist, beherrschen läßt? Um das zu erklären, verfiel -man auf den anscheinend klugen Gedanken: Es wird den Menschen -doppelt so groß sehen, wie er ist.</p> - -<p>Hierbei haben die Leute aber ganz übersehen, daß in der Tierwelt -häufig ein David einen Riesen Goliath in Schrecken versetzt. Die großen -und starken Rinder flüchten, wenn die kleinen Rinderbremsen kommen -(vgl. Kap. <a href="#kap_86">86</a>), und andere große Tiere sowie auch Menschen ergreifen -die Flucht vor kleinen Giftschlangen oder gewissen Arten von Ameisen.</p> - -<p>Alle Tage können wir erleben, daß sich große Pferde vor dem Gekläff -kleiner Hunde fürchten. Es ist daher nicht im mindesten auffallend, -daß es sich dem Menschen unterordnet.</p> - -<p>Die seitliche Stellung der Augen hat für das Pferd große Vorteile. -Kürzlich sah ich ein Bild, auf dem der Künstler die Stellung seiner Meinung -nach verbessert hatte. Das Pferd hatte nämlich, fast wie ein -Mensch, die Augen vorn.</p> - -<p>Wir wollen uns einmal vorstellen, daß sich ein Pferd gegen einen -von hinten anschleichenden Wolf verteidigen will. Das kann in seiner -Heimat alltäglich oder allnächtlich vorkommen. Bei der Stellung der -Menschenaugen könnte das Pferd den anschleichenden Räuber nicht sehen. -Es würde wahrscheinlich daneben hauen, und der unverletzte Wolf sich -in sein Opfer verbeißen.</p> - -<p>Man erkennt daraus, daß die Natur doch etwas besser versteht, wie -die einzelnen Gaben beschaffen sein müssen, die sie den Tieren verliehen -hat.</p> - -<p>Durch die Stellung der Augen hat das Pferd den Vorteil, die -Peitsche des Kutschers zu sehen oder wenigstens die Bewegungen, die er -macht, wenn er schlagen will. Denn auch das Pferdeauge kann wie das -Hundeauge Bewegungen sehr gut wahrnehmen. Weil nun manche Pferde -aus Furcht vor dem Schlage plötzlich schnell anzogen und dadurch eine -gleichmäßige Fahrt erschwerten, so war dies einer der Gründe, weshalb -man Scheuklappen anbrachte. Durch die Scheuklappen wurden die Pferde -verhindert, nach hinten zu sehen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_110" id="Page_110">[Pg 110]</a></span></p> - -<p>Ueber die Scheuklappen ist sehr viel geschrieben worden, weil sie -den Augen des Pferdes sehr nachteilig sein sollten. Man sieht sie auch -jetzt viel weniger als früher. Immerhin hat man sich um eine Sache -mehr aufgeregt, als sie wert war. Denn das Auge hat für das Pferd -nicht die Bedeutung wie für den Menschen.</p> - -<p>Ganz unerklärlich ist es uns, daß ein durchgehendes Pferd nicht die -Häuser und Bäume, gegen die es gerannt ist, vorher gesehen hat. Aber -wir müssen uns in die Lage des Pferdes hineinversetzen, dann wird -der Zusammenstoß viel leichter verständlich. Das Pferd glaubt, daß von -hinten ein Feind droht, weshalb es davonstürmt. Hierbei schaut es -stets nach hinten, nicht nach vorn. In diesem Zustande kommt es leicht -zu einem Zusammenprall mit vor ihm befindlichen Gegenständen, weil -der Blick nach hinten gerichtet ist. Ueberhaupt kann das Pferd wegen -der Stellung seiner Augen nicht so bequem nach vorn sehen wie der -Mensch.</p> - - -<h3><a name="kap_55" id="kap_55">55</a>. Ist der Futterkübel praktisch?</h3> - -<p>In der Zwischenzeit hat sich der Droschkenkutscher gestärkt und -will sich wieder auf seinen Bock schwingen. Liese hat an dem gewichtigen -Schritt gehört, daß ihr Lenker naht, und macht sich reisefertig. Der -Futterkübel wird ihr abgenommen und verstaut, ferner das Gebiß in die -sogenannte Lade, d. h. den zahnlosen Raum zwischen Vorderzähnen und -Backzähnen gelegt. Eine Decke war nicht abzunehmen. Vielleicht hat der -Kutscher nur kurze Zeit fortbleiben wollen. Auch ist es warm, und das -Pferd hat anscheinend vorher keine größere Anstrengung leisten müssen. -Peitschenhiebe sind nicht nötig. Liese setzt sich in Bewegung, und wir -nehmen von ihr Abschied.</p> - -<p>Ein dem Pferde angehängter Freßnapf hat natürlich seine Nachteile. -Das Wildpferd frißt regelmäßig vom Boden und nur ausnahmsweise -von Bäumen. Daher ist die Fütterung aus Futterkübeln immer -noch naturgemäßer als die aus Raufen, wie sie in den Ställen üblich -sind. Das fortwährende Hochheben des Kopfes wirkt auf die Pferde -nachteilig ein und ist besonders für Fohlen (junge Pferde) geradezu gesundheitsschädlich.</p> - -<p>Durch das Atmen durch die Nase pustet das Pferd oft Futter aus -dem Kübel hinaus. Es ist daher vorteilhaft, Wasser zu dem Futter zuzugießen -Dann kann kein Häcksel fortfliegen. Aber für die Pferde hat -diese Naßfütterung Nachteile. Denn das Wildpferd frißt seine Nahrung -trocken. Erst wenn es sein Trockenfutter genossen hat, läuft es nach -einer Tränkstelle.</p> - -<p>Sehr oft habe ich Ansprachen des Kutschers an sein Pferd gehört, -die geradezu komisch waren. Der Kutscher wollte sein Pferd füttern, aber -es sollte vorher trinken. Das Pferd weigerte sich aber hartnäckig zu -trinken. Immer wieder nahm es den Kopf fort. Der Kutscher glaubte, -diese Weigerung durch gute Lehren zu bekämpfen, und sagte etwa folgendes: -»Aber, du dummer Peter, willst du denn gar nicht trinken? -Weißt du denn gar nicht, wie schön das Essen schmeckt, wenn man vorher -getrunken hat?«</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_111" id="Page_111">[Pg 111]</a></span></p> - -<p>Es ist richtig, daß man ein Haustier vor manchem Schaden behüten -muß. Ein freilebendes Tier weiß sich allein zu helfen, aber ein -Haustier hat diese Fähigkeit verloren. So überfressen sich Hauspferde, -wenn sie an die Haferkiste gelangen. Da das Pferd im Verhältnis zu -seiner Größe nur einen kleinen Magen hat, der obendrein noch eine -Klappe hat, so sind schon viele Pferde am Ueberfressen gestorben.</p> - -<p>Solche Dinge jedoch, ob ein Pferd vor dem Fressen trinken soll oder -nicht, weiß das Pferd besser als der Mensch. Der Deutsche schwärmt für -eine Flüssigkeit vor dem Essen. Deshalb wird bei uns das Essen mit -einer Suppe eingeleitet. Auch im Zoologischen Garten müssen Tiger -und Löwen vor dem Fraße Wasser trinken, obwohl alle naturgeschichtlichen -Werke darüber einig sind, daß sie erst nach ihrer Mahlzeit ihren -Durst löschen.</p> - -<p>Erhitzten Tieren müssen wir, wenn sie stehen bleiben, eine Decke -auflegen, um gesundheitliche Schäden abzuwehren. Ein Wildpferd -braucht eine solche Decke nicht. Zunächst ist es abgehärteter als das -Hauspferd, das in der Nacht geschützt im Stalle steht. Sodann ist es -jederzeit in der Lage, durch Laufen die etwa erforderliche Wärme sich zu -beschaffen.</p> - - -<h3><a name="kap_56" id="kap_56">56</a>. Die Rassen oder Stämme des Pferdes.</h3> - -<p>Kaum ist unser Droschkenkutscher entschwunden, so erhalten wir -Ersatz. Ein schwerbeladener Rollwagen kommt auf uns zu. Hu, was -müssen die Pferde ziehen und wie oft erhalten sie Peitschenhiebe. Ein -Glück ist es, daß sie jetzt am Ziele sind und sich ausruhen dürfen. Wir -können uns also in Ruhe die beiden Gäule ansehen.</p> - -<p>Zunächst fällt uns die Größe und der Bau der Glieder auf. Das -Droschkenpferd Liese war fast klein und zart gegen diese beiden ungeschlachten -Riesen. Auch waren Lieses Hufe klein und hatten oberhalb -kaum oder wenig Haare, während die beiden Frachtpferde Riesenhufe mit -mächtigen Haarbüscheln besitzen.</p> - -<p>Diese ganz verschiedenen Formen des Pferdes erklären sich folgendermaßen. -Als die schönsten Pferde werden von Kennern die arabischen -bezeichnet. Das arabische Pferd hat in seiner Heimat einen trockenen und -steinigen Boden, ferner sehr wenig Wasser. Diese Unfruchtbarkeit hat auf -das arabische Pferd großen Einfluß ausgeübt, denn es ist sehr genügsam. -Kein Lot Fleisch ist an ihm zuviel, die Knochen sind hart, die Hufe -klein und fest. Die orientalische oder morgenländische Rasse, zu der -das arabische Pferd in erster Linie gehört, erinnert also sehr an den -dürren, behenden und bedürfnislosen Beduinen.</p> - -<p>Im Vergleich hierzu ist das abendländische Pferd das gerade Gegenteil. -In den wasserreichen und fruchtbaren Gegenden Westeuropas -bildete sich eine Pferderasse, die etwa an einen übermäßig viel Bier -trinkenden Menschen erinnert. Riesig groß und umfangreich sowie mächtige -Glieder, aber wegen der Aufgedunsenheit weniger schön. Die Hufe -wurden auf dem nassen Boden weich und groß. Zum Schutze gegen die -Schneemassen im Winter bildete sich ein starker Haarschutz.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_112" id="Page_112">[Pg 112]</a></span></p> - -<p>Die Rollwagenpferde sind richtige Abendländer, wie es die belgischen, -dänischen Pferde und die Percherons sind. Sie sind Riesen mit -gewaltiger Kraft. Sie gehören dem sogenannten kaltblütigen Schlage -an, weil sie gelassen und ruhig sind. Von der ewigen Unruhe des -Arabers haben sie keine Spur.</p> - -<p>So fromme Tiere sind natürlich dem Landwirt und der Industrie -viel willkommener als die schwer zu behandelnden Orientalen. Die Riesen -sind so schwer und unbeholfen geworden, daß sie kaum noch durchgehen -können, selbst wenn sie es wollen.</p> - -<p>Woher kommt es nun, daß wir in Deutschland nicht lauter abendländische -Pferde haben?</p> - -<p>Die Antwort ist sehr einfach. Ein Reiter will schnell vorwärts kommen, -ebenso sollen Kutschpferde rasch eine Strecke zurücklegen, sonst könnte -man lieber selbst gehen. Man braucht also zu vielen Zwecken ein Pferd -mit raschen Bewegungen.</p> - -<p>Nun haben die Engländer seit vielen Jahrhunderten ihre heimischen -Tiere mit arabischen gekreuzt. Hieraus ist allmählich das Vollblut entstanden, -das äußerst beweglich ist. Mit englischen Pferden haben wir -wiederum unsere heimischen Pferde gekreuzt, so daß wir ein Mittelding -zwischen morgenländischer und abendländischer Rasse besitzen, wie es -z. B. des Droschkenkutschers Liese war.</p> - -<p>Ueber die Farben der Pferde wäre bei dieser Gelegenheit folgendes -zu sagen. Braune haben, wie wir bei der Liese sahen, eine schwarze -Mähne und schwarzen Schweif. Auch die Füße sind gewöhnlich schwarz. -Füchse sind braunrötlich, und zwar sind Mähne und Schweif ebenfalls -braunrötlich, wodurch sich eben der Fuchs vom Braunen unterscheidet. -Falbe haben gelbliche Färbung und zerfallen in eine Reihe von Unterarten. -Pferde mit kohlschwarzem Haar heißen Rappen. Im Gegensatz -hierzu heißen Pferde mit weißem Haar Schimmel. Doch werden Schimmel -nur ausnahmsweise gleich weiß geboren, wie auch die Rappen -zunächst grau sind. Schimmel mit schwarzen Punkten heißen Fliegenschimmel, -solche mit apfelgroßen dunklen Flecken Apfelschimmel. Pferde, -die weiß und dunkel gefärbt sind, heißen Schecken. Manche Schecken -haben ein oder zwei Glasaugen. Während sonst nämlich alle Pferde -ein dunkelbraunes Auge besitzen, sieht die Iris oder Regenbogenhaut bei -den Glasaugen hell aus.</p> - -<p>Es ist schwer festzustellen, wie die Sehkraft des Glasauges beschaffen -ist. Möglicherweise sieht ein Pferd mit dem Glasauge gar nichts. Da -man sich vorsehen muß, daß man nicht ein blindes Pferd kauft, so kann -ein Pferd zwei Glasaugen besitzen und trotzdem zur Arbeit verwendbar -sein. Auch beim Hunde ist, wie schon erwähnt wurde (Kap. <a href="#kap_9">9</a>), Blindheit -nicht leicht festzustellen.</p> - -<p>Das Alter des Pferdes kann höchstens auf vierzig Jahre angegeben -werden. Gewöhnlich ist es schon viel früher verbraucht, bei Warmblut -mit 20, bei Kaltblut mit 15 Jahren. Die Tragezeit der Stute beträgt -11 Monate. Zwillinge sind bei Pferden selten und nicht erwünscht. Das -Fohlen läßt man gewöhnlich erst mit drei Jahren arbeiten.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_113" id="Page_113">[Pg 113]</a></span></p> - -<p>Wie den Huftieren überhaupt, so fehlt auch den Pferden das -Schlüsselbein.</p> - -<p>Das Gebiß des männlichen Pferdes besteht aus 40 Zähnen, das -des weiblichen aus 36 Zähnen. Den weiblichen fehlen gewöhnlich -4 Hakenzähne. Beide haben 12 Schneidezähne und 24 Backenzähne.</p> - -<p>Die Größe der Pferderassen ist sehr verschieden. Das englische -Brauerpferd wird über 2 Meter groß, wobei die Höhe des Widerristes, -der höchsten Stelle des Rückens, gemessen wird. Der Shetlandpony dagegen -wird nur 60 Zentimeter hoch. Schwere Pferde wiegen bis zu -15 Zentnern, mittlere 7 bis 9 Zentner.</p> - -<p>Die Zugfähigkeit des Pferdes ist größer als seine Tragfähigkeit. Die -höchste Rennleistung eines Pferdes ist die Zurücklegung eines Kilometers -in einer Minute.</p> - -<p>Ein Irrtum ist es, daß der Mensch den Pferden die Schnelligkeit -angezüchtet hat. Es ist richtig, daß die Zebras keine Dauerrenner sind. -Es fehlen in Afrika die Hetzraubtiere. Aber die asiatischen Wildpferde -werden von Wölfen gehetzt und sind deshalb von Hause aus Dauerrenner.</p> - - -<h3><a name="kap_57" id="kap_57">57</a>. Warum fährt man lieber zweispännig als einspännig?</h3> - -<p>Ein Rollwagen, wie wir ihn vor uns haben, braucht natürlich zur -Beförderung seiner schweren Lasten zwei Pferde. Hiervon abgesehen, -muß es aber auffallen, daß zwei Pferde vor dem Wagen weit häufiger -sind als ein einzelnes. Woran liegt das?</p> - -<p>Auch hier gibt uns wieder das Leben der Wildpferde Auskunft. Sie -leben in Rudeln und niemals einzeln. Ein einzelnes Pferd findet sich auch -heute nicht annähernd so wohl wie in Gesellschaft.</p> - -<p>Den Reitern ist diese Eigentümlichkeit des Pferdes, lieber in Gesellschaft -anderer zu sein, manchmal sehr unerwünscht. Sie wollen sich -z. B. von ihren Bekannten, mit denen sie zusammen geritten sind, trennen. -Aber das Pferd will nicht. Es gefällt ihm in Gesellschaft der -anderen Pferde viel besser. Es »klebt«, wie man es nennt. Der Reiter -hat oft große Mühe, einen solchen Kleber zu seiner Ansicht zu zwingen.</p> - -<p>Bei Rennen ist es schon vorgekommen, daß ein führendes Pferd eine -falsche Richtung einschlug, und die nachfolgenden Pferde aus Geselligkeitstrieb -ebenfalls nachfolgten. Selbstverständlich gingen dadurch die auf -die Pferde gesetzten Beträge verloren, wodurch ärgerliche Auftritte entstanden.</p> - -<p>Pferde, die nicht allein sein können, vermögen ihren Besitzer zur Verzweiflung -zu bringen. So hatte beispielsweise ein Forstwart ein ausrangiertes -Militärpferd gekauft. Dieses wollte durchaus nicht im Stalle -sein und schlug alles kurz und klein. Erst als sein Herr ihm eine Ziege -als Gesellschafterin gab, beruhigte es sich und war zufrieden. Nach zwei -Jahren wollte der Forstwart die Ziege verkaufen. Er mußte jedoch darauf -verzichten, da sein Pferd wiederum zu rasen begann.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_114" id="Page_114">[Pg 114]</a></span></p> - -<p>Die Javaner zeigen sich als gute Tierbeobachter dadurch, daß sie Affen -in Pferdeställen halten, damit die Pferde Gesellschaft haben.</p> - -<p>Nebeneinanderstehende Pferde schaben sich gern. Hierauf werden -wir beim Putzen der Pferde zu sprechen kommen.</p> - - -<h3><a name="kap_58" id="kap_58">58</a>. Warum schreien Pferde nicht? Das Wiehern der Pferde.</h3> - -<p>Wir haben gesehen, daß die beiden Pferde trotz der heftigsten Peitschenhiebe -nicht schrien. Dagegen heulen geprügelte Hunde manchmal -derartig, daß das ganze Haus zusammenläuft. Wie erklären sich diese -Unterschiede?</p> - -<p>Es wäre für das Pferd sehr vorteilhaft, wenn es schrie, sobald es -Schmerz empfindet. Dann würden die zahllosen Tierquälereien, namentlich -die Pferdeschindereien bei Neubauten, nicht so häufig vorkommen. -Der Grundsatz: Schreien hilft, gilt nicht nur für die Menschen, sondern -auch für die Tiere.</p> - -<p>Wir wissen von den Zebras und andern Wildpferden, daß sie nicht -aufschreien, wenn sie von der Kugel des Forschungsreisenden getroffen -sind. Das Schreien und Brüllen sowie Heulen finden wir überhaupt nur -bei den Tieren, die sich gegenseitig beistehen. Deshalb schreit die Katze -nicht, da sie allein lebt. Umgekehrt heult der Hund, damit ihm die anderen -Hunde beistehen. Man kann auch oft erleben, daß Hunde in einem -kleinen Orte sehr unruhig werden, falls ein Kamerad von ihnen andauernd -geprügelt wird.</p> - -<p>Die Kuh brüllt, wenn ihr das Kalb genommen wird, denn wilde -Rinder stehen sich bei. Dagegen schreit die Stute nicht, falls ihr das -Fohlen geraubt wird. Denn Wildpferde flüchten, stehen sich aber nicht -bei.</p> - -<p>Nur ganz ausnahmsweise schreien Pferde. Aber es kommt so selten -vor, daß selbst große Pferdekenner es noch niemals gehört haben.</p> - -<p>Seine Freude dagegen drückt das Pferd durch Wiehern aus. Ueberhaupt -deutet das Wiehern an, daß das Pferd einen Wunsch hat.</p> - -<p>Das Pferd besitzt keine Schnurrhaare wie die Katze, da es niemals -in Löcher kriecht. Dagegen sehen wir am Kinn Tasthaare. Welchen -Zwecken mögen diese dienen?</p> - -<p>Die Wildpferde sind wie die Wildhunde in der Nacht tätig. Im -Gegensatz zu den rein nächtlichen Tieren, wie den Katzenarten, sieht man -Zebras auch am Tage. Aber selbst wenn sie wollten, können sie in der -Nacht nicht schlafen. Zur Nachtzeit geht ihr gefährlichster Feind, der -Löwe, auf Raub aus.</p> - -<p>Die Menschen können sich vor dem Löwen schützen, indem sie sich in -Höhlen zurückziehen und diese verschließen oder auf Bäume klettern, wie -die Affen es tun. Aber die Wildpferde können weder in Höhlen flüchten -noch auf Bäume klettern.</p> - -<p>Wann schlafen denn die Wildpferde, wenn sie in der Nacht auf ihre -Feinde aufpassen müssen und am Tage tätig sind?</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_115" id="Page_115">[Pg 115]</a></span></p> - -<p>Ein Schlafen, wie es den Menschen eigentümlich ist, finden wir nicht -bei allen Tierarten. Jeder weiß, daß Pferde, die wenig zu arbeiten haben, -z. B. auf der Weide sind, sehr wenig schlafen. Kommt man zur Nachtzeit -in den Pferdestall, so wundert man sich, daß so viele Pferde wach -sind.</p> - -<p>Die Zebras schlafen in Wirklichkeit nur in den Mittagsstunden, wo -sie regungslos unter den Bäumen stehen. Daraus erklärt sich auch die -Zeichnung ihrer Haut, die mit den Schatten der Baumäste übereinstimmt.</p> - -<p>Wildpferde weiden viel in der Dunkelheit. Da das Pferd infolge -der Stellung der Augen das vor seinem Maule Befindliche nicht besonders -gut erkennen kann, so haben die Kinnhaare eine große praktische Bedeutung. -Wenn es den Kopf senkt, um zu weiden, so zeigen ihm die -Kinnhaare an, daß es auf Gräser gestoßen ist.</p> - -<p>Kinnhaare soll man also bei Pferden nicht abschneiden.</p> - -<p>Ebenso ist es nicht ratsam, einem abendländischen Pferde die Kötenschöpfe -abzuschneiden, damit die Leute denken sollen, es sei ein morgenländisches. -Unter Köte versteht man die hintere Seite der Zehe, und die -an den Köten befindlichen Haare werden als Kötenschöpfe bezeichnet, wie -wir sie an den Rollkutscherpferden sehen können, wo sie sehr üppig wachsen. -Jedenfalls soll man sie nicht im Winter abschneiden, da sie gegen -Schnee und Schneewasser einen vortrefflichen Schutz bilden und dadurch -die Mauke, die Entzündung der Köten, verhindern.</p> - -<p>Unterdessen ist die Sonne ziemlich hochgestiegen und scheint den -Tieren ordentlich auf den Leib. Ist es nun nicht eine Tierquälerei, die -Pferde in der prallen Sonne stehen zu lassen?</p> - -<p>Selbstverständlich wird man sie bei glühender Sonnenhitze in den -Schatten bringen, wenn man eine schattige Stelle in der Nähe hat. Im -übrigen vertragen unsere Haustiere die Hitze ganz verschieden. Ein -Schwein kann schon daran sterben, wenn man es an einem glühend heißen -Sommertage auf den Wagen befördert.</p> - -<p>Dagegen können Pferde furchtbar viel Hitze vertragen. Das kommt -daher, weil ihre Vorfahren seit Urzeiten den erbarmungslosen Strahlen -der Sonne in der Steppe standhalten müssen.</p> - -<p>Niemals wird es daher vorkommen, daß Wettrennen deswegen abgesagt -werden, weil es an dem Tage zu heiß ist. Dabei müssen sich die -Pferde bei den Rennen aufs äußerste anstrengen. Würde ihnen die -Hitze nachteilig sein, so ließe kein Rennstallbesitzer seine Pferde laufen. -Denn er würde sich hüten, sich großen Verlusten auszusetzen.</p> - -<p>Es war von den Tierschutzvereinen sehr gut gemeint, als sie vor etwa -zehn Jahren den Omnibuspferden Strohhüte aufsetzten. Aber sie waren, -wie wir sahen, ganz überflüssig und sind deshalb auch nach kurzer Zeit -verschwunden.</p> - -<p>Uebrigens nennt man bei einem Zweigespann das vom Kutschersitz -rechts befindliche Pferd Handpferd, das linke dagegen Sattelpferd. -Denn bei ziehenden Pferden wird der Reiter stets links sitzen. Das linke -Pferd trägt also Sattel und Reiter, der mit der Hand das rechts befindliche -Pferd lenkt. So erklären sich die Bezeichnungen Sattelpferd und -Handpferd.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_116" id="Page_116">[Pg 116]</a></span></p> - - -<h3><a name="kap_59" id="kap_59">59</a>. Andere Eigentümlichkeiten des Pferdes.</h3> - -<p>Die Rollwagenpferde werden jetzt getränkt, wobei wir sehen, daß -etwas Neid oder wenigstens Mißgunst der Seele des Pferdes nicht ganz -fremd ist. Das dem Brunnen zunächststehende Sattelpferd wird zuerst -getränkt, aber das Handpferd sucht fortwährend seinen Kopf ebenfalls in -den Tränkeimer zu stecken, wozu der Platz nicht ausreicht.</p> - -<p>Es ist merkwürdig, welchen Wert Pferde auf gutes Wasser legen.</p> - -<p>Das kommt daher, weil die Wildpferde täglich in der Steppe zur -Quelle laufen und dort sehr gutes und klares Wasser trinken.</p> - -<p>Ein Gestüt, das kein gutes Wasser besitzt, wird niemals auf die -Dauer große Erfolge erzielen.</p> - -<p>Der Hund als früheres Raubtier muß dagegen aus jeder Pfütze -trinken können und wird deshalb nicht krank, wie ein Pferd, wenn er -dauernd schlechtes Wasser bekommt.</p> - -<p>Jeder Kutscher weiß übrigens, daß die Pferde gewisse Brunnen bevorzugen -und das Wasser von manchen Brunnen nicht saufen mögen.</p> - -<p>Während wir noch stehen und zuschauen, kommt eine Kutsche vorbei, -deren Pferde Aufsatzzügel tragen. Durch den Aufsatzzügel wird den Pferden -die Möglichkeit genommen, den Kopf nach unten zu senken und wieder -nach oben zu bringen, wie es alle Pferde tun. Dieses »Tunken« mit -dem Kopfe finden manche Leute nicht schön. Sie bringen deshalb durch -den Aufsatzzügel den Kopf des Pferdes dauernd hoch. Das soll nach der -Ansicht dieser Pferdekenner einen vortrefflichen Eindruck machen.</p> - -<p>Jeder Mensch, der sich eingehend mit dem Tierleben beschäftigt, wird -zu einem ganz anderen Ergebnis gelangen. Das Tunken mit dem Kopf -beim Pferde hat natürlich einen Zweck, und zwar einen sehr wichtigen. -Wir sprachen früher davon, daß wilde Pferde stets gegen den Wind -laufen, um vorher einen etwaigen Feind zu wittern. Dieses Mittel ist -ohne Frage ausgezeichnet. Denn das Riechvermögen des Pferdes ist so -gut wie das eines Hundes, obwohl es den wenigsten Menschen bekannt ist. -Trotzdem kann es vorkommen, daß ein auf dem Boden lauerndes Raubtier -nicht gerochen wird. Wie wir das nicht sehen können, was hinter -unserem Rücken ist, so kann das Pferd das nicht riechen, was am Boden -sich an Gerüchen entlangzieht. Weht also der Wind die Ausdünstung des -am Boden liegenden Wolfes der Pferdenase entgegen, so kann diese -leicht nichts davon merken, wenn sie stets in Kopfhöhe bleibt. Dann geht -die Raubtierausdünstung durch die Beine durch.</p> - -<p>Um das zu verhindern, tunkt das Pferd. Es senkt den Kopf, um -rechtzeitig die Anwesenheit eines am Boden lauernden Feindes wahrzunehmen.</p> - -<p>Selbstverständlich ist es eine große Tierquälerei, einem Haustiere -die seit Urzeiten geübten Vorsichtsmaßregeln unmöglich zu machen. Es ist -kein Wunder, daß Pferde mit Aufsatzzügeln erst recht zum Scheuen -neigen.</p> - -<p>Was würden wir Menschen sagen, wenn wir durch einen Kopfhalter -gezwungen wären, stets geradeaus zu sehen, ohne uns nach rechts oder -links umschauen zu können, wie wir es doch von jeher gewöhnt sind!</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_117" id="Page_117">[Pg 117]</a></span></p> - -<p>Der Aufsatzzügel muß also als Tierquälerei bezeichnet werden. Hier -können Tierschutzvereine segensreich wirken, wenn sie für seine Abschaffung -eintreten.</p> - -<p>Aus dem Leben der Wildpferde erklärt sich ferner der Satz: Hüte -dich vor den Vorderbeinen des Hengstes und vor den Hinterbeinen der -Stute.</p> - -<p>Der Hengst als Beschützer seines Rudels greift eben den Feind, -namentlich den Wolf, mit den Vorderbeinen an. Auch packt er ihn mit -den Zähnen, weshalb gerade Hengste bissig zu sein pflegen. Die Stute -dagegen verteidigt sich und ihr Fohlen durch Auskeilen nach hinten.</p> - -<p>Es erklärt sich hieraus ferner, daß bösartige Pferde die Ohren zurückziehen. -Wollen nämlich zwei Pferde miteinander kämpfen, so suchen -sie zu verhindern, daß der Gegner sie mit den Zähnen an den Ohren -packt. Aus diesem Grunde ziehen sie die Ohren zurück.</p> - -<p>Sieht man also, daß ein Pferd die Ohren zurücknimmt, so ist immer -Vorsicht am Platze. Das ist z. B. bei manchen Pferden der Fall, wenn -sie fressen. Alle Tiere sind bei ihrer Mahlzeit mehr oder weniger angriffslustig. -Katzen fauchen, wenn sie gerade einen besonders schönen -Bissen fressen, Hunde können ihren eigenen Herrn beißen, falls er ihnen -einen Knochen fortnehmen will, und selbst sonst fromme Pferde sind nicht -immer beim Fressen zuverlässig.</p> - - -<h3><a name="kap_60" id="kap_60">60</a>. Kummet- und Sielengeschirr. -Warum ist das Fahren älter als das Reiten?</h3> - -<p>Die Rollwagenpferde haben, wie wir sahen, ein Kummetgeschirr, also -ein Geschirr, das um den Hals läuft. Die Kutschpferde dagegen, auch die -Droschkenkutschpferde, haben gewöhnlich ein solches Kummetgeschirr nicht. -Hier ziehen die Pferde nur mit der Brust, da sie ein Sielengeschirr -haben.</p> - -<p>Es ist augenscheinlich, daß ein Pferd im Kummetgeschirr viel besser -ziehen kann als im Sielengeschirr. Wenn man trotzdem Kummetgeschirre -nur bei schweren Lastwagen sieht, so liegt das daran, daß ein -Kummetgeschirr nichts taugt, wenn es nicht gut paßt. Gerade damit -hapert es aber gewöhnlich.</p> - -<p>Während wir uns die Rollwagenpferde ansehen, kommt ein Reiter -vorbei, und wir können uns so recht den Unterschied zwischen einem schweren -Pferde des abendländischen Schlages und einem leichten Pferde des -morgenländischen Schlages vergegenwärtigen. Die gewaltigen Formen -der Wagenpferde mit ihren plumpen dicken Beinen stehen im Gegensatz -zu den schlanken Beinen des geschmeidigen Reitpferdes.</p> - -<p>Man sollte meinen, daß der Mensch, der zuerst das Pferd gezähmt -hat, es zunächst als Reittier und erst später als Zugtier verwendet hat. -So wird es auch vielfach geschildert, obwohl es mit den Tatsachen nicht -übereinstimmt. Wir haben eine genaue Kunde von den Wagenkämpfen -der alten Griechen, die vor etwa drei Jahrtausenden stattfanden. Aber -niemand reitet dort, obwohl die Kunst des Wettfahrens in hoher Blüte -stand.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_118" id="Page_118">[Pg 118]</a></span></p> - -<p>Der Grund liegt darin, daß jeder Pflanzenfresser den Druck auf dem -Rücken sehr unangenehm empfindet. Denn er muß sofort an ein Raubtier -denken, das ihm auf den Rücken springt. Deshalb muß auch heute -noch ein Pferd erst zugeritten werden, obwohl es sich seit Jahrtausenden -als Haustier endlich daran gewöhnt haben müßte. Das Ziehen dagegen -ist dem Tiere viel weniger unangenehm, da es seit Urzeiten daran -gewöhnt ist, die vor seiner Brust befindlichen Hemmnisse fortzuschieben, -also Gebüsche u. dgl.</p> - -<p>Alle Tiere lassen sich daher viel leichter zum Fahren abrichten als -zum Reiten, so Elche, Renntiere, Wildrinder usw. Deshalb ist auch das -Fahren viel älter als das Reiten.</p> - - -<h3><a name="kap_61" id="kap_61">61</a>. Warum läuft das Pferd gerade und der Hund schräg?</h3> - -<p>Während wir dem Reiter nachschauen, fällt uns auf, daß sein Pferd -ganz anders die Beine setzt wie ein daneben laufender Hund. Wie alle -Pferde, die gesunde Beine haben, setzt es die Beine so, daß eine unter -dem Bauche der Länge nach befindliche gerade Linie von den Beinen -nicht berührt werden würde. Die rechts befindlichen Beine bleiben eben -rechts und die links befindlichen links. Bei dem Hunde aber könnten -wir eine solche gerade Linie nicht ziehen, ohne daß sie von den Zehen -berührt würde. Woher kommt diese Verschiedenheit im Laufen?</p> - -<p>Wie das Pferd die Beine setzt, erscheint uns naturgemäß. Dagegen -ist das Durcheinanderwirbeln der Beine beim Hunde nach unsern Begriffen -höchst merkwürdig.</p> - -<p>Nebenbei sei folgendes bemerkt. Hat man ein Pferd künstlich dazu -abgerichtet, die Beine derselben Seite gleichzeitig vorzusetzen – im natürlichen -Zustande geschieht es abwechselnd – so spricht man von einem -Paßgange. Diese Gangart ist manchen Tieren natürlich, z. B. der -Giraffe, was sich aus dem Bau ihres Körpers ergibt. Pferde mit Paßgang -nennt man Zelter. Sie werden wegen ihres gleichmäßigen Ganges -sehr von den Damen bevorzugt.</p> - -<p>Das schräge Laufen des Hundes ist, wie wir uns schon denken können, -ein Erbteil aus der Zeit seines früheren Räuberlebens. Noch -heute setzt der Fuchs seine Spur in <em>eine</em> Linie. Der Jäger sagt recht -treffend: der Fuchs schnürt. Im Schnee sehen seine Fußstapfen wie eine -Schnur aus.</p> - -<p>Das Schnüren ist für das Raubtier eine Lebensfrage. Es will sich -seinem Opfer nähern, ohne vorher gesehen oder gewittert zu werden. Zu -diesem Zwecke sucht beispielsweise der Fuchs stets die tiefsten Stellen auf. -Er geht über einen Acker, indem er die Ackerfurchen benutzt. Kommt er -an einen Graben, so springt er hinein und läuft auf der Sohle des -Grabens weiter. Ja, auf Fahrwegen läuft er aus Vorsicht regelmäßig -die Wagenspuren entlang, weil diese die tiefsten Stellen der Straße ausmachen. -Der Hund ist früher ebenfalls in der gleichen Weise gelaufen. -Obwohl er jetzt nicht mehr auf Raub ausgeht, so läuft er doch noch -auf dem Bürgersteig schräg. Man ersieht daraus, wie unausrottbar die -dem Haustiere überkommenen Gewohnheiten haften.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_119" id="Page_119">[Pg 119]</a></span></p> - -<p>Manche Hunde laufen noch heute mit Vorliebe in einer Wagenspur. -Es ist sogar anzunehmen, daß das sogenannte Hinken der Hunde hiermit -im Zusammenhang steht. Früher haben die Menschen die Tiere -weit aufmerksamer beobachtet. Es gibt sogar einen Vers, in dem es -heißt, daß sich niemand an das Hinken der Hunde kehren soll. Unsere -Vorfahren hielten also das Hinken der Hunde für eine Heuchelei. – -Heute kann man zahlreiche Kulturmenschen fragen und wird hören -müssen, daß ihnen niemals das Schräglaufen der Hunde, noch weniger -aber das Hinken – und zwar das grundlose Hinken – aufgefallen ist.</p> - -<p>Obwohl das Bein ganz gesund ist, hebt es der Hund beim Laufen -hoch und läuft auf drei Beinen weiter. Regelmäßig ist es ein Hinterbein.</p> - -<p>Wir wissen, daß der Hund seiner alten Raubtiernatur gemäß gern in -einer geraden Linie, womöglich in einem Gleise, laufen möchte. Ist er -nun durch gute Pflege, wie es vor dem Weltkriege üblich war, gut im -Stande, so ist das Laufen in der geraden Linie für ihn nicht leicht. Um -es dennoch durchzuführen, hebt er einen Hinterfuß hoch.</p> - -<p>Das Pferd als friedlicher und harmloser Pflanzenfresser hat sich -an keine Opfer anzuschleichen. Es hat auch auf der Steppe stets genügenden -Platz und braucht nicht wie ein Gebirgstier häufig auf einem schmalen -Pfade zu wandeln. Das Pferd hat also im Gegensatz zum Hunde seinen -natürlichen Gang beibehalten.</p> - - -<h3><a name="kap_62" id="kap_62">62</a>. Die naturgemäße Fütterung der Pferde. Das Koppen.</h3> - -<p>Der Droschkenkutscher hatte sein Pferd mit Hafer und Häcksel gefüttert. -Warum füttert man das Pferd ausgerechnet mit Hafer und -nicht mit Weizen oder Gerste?</p> - -<p>Selbst die reichsten Leute werden ihre wertvollsten Pferde, beispielsweise -erfolgreiche Rennpferde, nicht mit Gerste, geschweige denn mit -Weizen füttern. Zwar lese ich bei einem sehr angesehenen Naturforscher, -daß ein Bauer, dem der Hafer mißraten war, seine Pferde mit Gerste -gefüttert hätte. Ich will nicht bezweifeln, daß das für ein Jahr ohne -Nachteil abgelaufen ist. Im allgemeinen wird man aber auf die Dauer -keine Freude an dieser Futterart haben.</p> - -<p>Der Grund hierfür ist folgender: Tiere, die aus einer armen Gegend -stammen, sind für die Gewächse dieser Gegend passend gebaut. -Hierhin gehören beispielsweise unser Pferd, das Schaf, das Kamel usw. -Man könnte sie als Magerfresser bezeichnen im Gegensatz zu dem in den -fruchtbaren Niederungen heimischen Schwein. Es ist bekannt, daß Kamele, -die man in fruchtbare Länder versetzt, dort nicht etwa Prachtkamele werden, -wie die Durchschnittsmenschen meinen, sondern sterben.</p> - -<p>Das Pferd stammt aus der Steppe, also einer Hungerleidergegend. -An sich dürfte es nur mit Gräsern und nur im Herbste mit Körnern gefüttert -werden. Das ist aber deshalb ganz unmöglich, weil wir dem -Pferde künstlich eine Größe angezüchtet haben, die das Wildpferd nicht -besitzt. Diese Größe muß erhalten werden, und das kann nur durch -reichliches Futter geschehen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_120" id="Page_120">[Pg 120]</a></span></p> - -<p>Sodann lassen wir das Pferd viel und schwer arbeiten, während das -Wildpferd nach unseren Begriffen den Tag über bummelt. Auch dieses -schwere Arbeiten erfordert eine entsprechend bessere Fütterung.</p> - -<p>Hafer ist das Gewächs eines kärglichen Bodens, und deshalb ist Hafer -das bekömmlichste Futter für Pferde.</p> - -<p>Weil Pferde ursprünglich Gräserfresser waren, deshalb fehlt ihnen -bei ausgesprochenem Körnerfutter die zur Füllung des Magens erforderliche -Menge. Um dieses Unbehagen zu beseitigen, sind die Pferde auf ein -ganz merkwürdiges Auskunftsmittel verfallen. Sie pumpen sich Luft in -den Magen ein, was wir als »Koppen« bezeichnen. Hiergegen sind -unzählige Mittel angewendet worden, doch wird man nicht behaupten -können, daß sie großen Erfolg gehabt haben. Das Koppen ist einfach -eine Folge der nicht naturgemäßen Fütterung. Den Russen war es schon -längst bekannt, daß ihre an Gräser gewöhnten Steppenpferde zu koppen -begannen, sowie sie Körnerfutter erhielten.</p> - -<p>Sehr häufig hört man Tierfreunde jammern, daß ein Pferd nicht -in Ruhe fressen kann, wenn ein Fahrgast in eine Droschke einsteigt, -während das Pferd noch nicht mit Fressen fertig ist. Diese Klage ist -grundlos. Das Pferd als Pflanzenfresser muß fortwährend auf der Hut -sein, ob ein Feind es nicht überfällt. Sein Leben zerfällt also in folgender -Weise: Etwas fressen, dann plötzlich laufen, wieder etwas fressen, -dann wieder laufen und so weiter.</p> - -<p>Eine Störung beim Fressen schadet also einem Pflanzenfresser wenig, -ganz besonders wenig aber einem Pferde. Wir verstehen jetzt, daß das -Pferd einen auffallend kleinen Magen hat. Es ist ganz verfehlt, wenn -der Landwirt klagt: »Wie konnte der liebe Herrgott einem so großen -Tiere einen so kleinen Magen geben!« Hätte das Pferd ein schneller -Renner sein können, wenn es einen großen Magen besäße, der bis oben -heran voll gefüllt war? Gewiß nicht. Wir wissen ja, daß ein voller -Bauch nicht gern studiert. Würde der Mensch sich nach der Lebensweise -der Wildpferde richten, so würde er zwei Fliegen mit einer Klappe -schlagen, nämlich folgende zwei:</p> - -<p>Erstens würde er durch möglichst häufiges Füttern – wie es bereits -die gewitzigten Pferdehändler tun – weniger Futter brauchen. Wie -Versuche an Militärpferden ergeben haben, leistet ein Pferd dieselben -Dienste wie früher bei weniger Futter, wenn es nur häufiger gefüttert -wird.</p> - -<p>Sodann würde die Kolik, dieser ewige Alp der Pferdebesitzer, ebenso -andere Krankheiten, die auf Ueberfütterung beruhen, ganz gewaltig zurückgehen.</p> - -<p>Im Gegensatz zu den Pflanzenfressern wollen alle Raubtiere ihre -Beute in Ruhe verzehren, da sie es so in der Natur gewöhnt sind. Sie -sind deshalb sehr empfindlich gegen Störung. Auch Wiederkäuer wollen -beim Wiederkäuen nicht gestört sein, da sie in diesem Zustande als wilde -Tiere irgendwo in einem Gebüsch oder an einer verborgenen Stelle -liegen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_121" id="Page_121">[Pg 121]</a></span></p> - - -<h3><a name="kap_63" id="kap_63">63</a>. Geht es auch ohne Peitsche?</h3> - -<p>Die Rollwagenpferde müssen jetzt wieder anziehen und erhalten -einige kräftige Hiebe mit der Peitsche. Wie wir schon aus der Ladung -vermuten konnten, geht die Fahrt nicht weit. Bereits nach einigen -Häusern wird halt gemacht. Die Pferde müssen hier das Abladen gewöhnt -sein, denn sie halten aus eigenem Antriebe an.</p> - -<p>Da bei manchen tierfreundlichen Völkern des Morgenlandes Peitsche -und Sporen nicht zur Anwendung gelangen, so ist die Frage naheliegend, -ob wir nicht auch ohne diese Werkzeuge auskommen könnten.</p> - -<p>Es wäre das in der Tat sehr schön, aber bei unseren deutschen -Pferden ist mit bloßen Worten nichts zu erreichen. Ich habe verschiedene -tierfreundliche Landwirte kennengelernt, die ohne Peitsche das Pferd -ziehen lassen wollten. Aber auf die Dauer geht es nicht. Das Pferd -bleibt plötzlich stehen und scheint zu sagen: »Ich habe heute genug!« Auch -wenn man keine Sporen am Stiefel hat, ist man machtlos.</p> - -<p>Also Peitsche und Sporen sind tatsächlich bei unseren Pferden, soweit -man sich darüber ein Urteil erlauben darf, erforderlich. Damit ist aber -das grundlose rohe Peitschen nicht entschuldigt, ebenso ist damit nicht -gesagt, daß nicht allmählich auf diesem Gebiete eine Besserung möglich -wäre.</p> - -<p>Das Anhalten der Pferde aus eigenem Antriebe an Stellen, wo ihr -Herr zu rasten pflegt, ist eine allbekannte Erscheinung. Merkwürdigerweise -legt man hierbei wiederum den Pferden Absichten unter, die ihnen -ganz fern liegen. So kann man mit ernster Miene erzählen hören, daß -ein Pferd seinen Reiter zur Wohltätigkeit zwang. Das kam nämlich -folgendermaßen. Es lieh sich jemand ein Pferd von einem Manne, der -wegen seiner Wohltätigkeit bekannt war. Der Reiter, der es sehr eilig -hatte, war sehr bestürzt darüber, daß das Pferd vor jedem Bettler, der -den Hut zog, stehen blieb und nicht eher weiterging, bis er dem Bettler -eine Kleinigkeit gegeben hatte. Richtig ist folgender Tatbestand. Das -Pferd bleibt vor einem den Hut ziehenden Menschen stehen und geht nicht -eher weiter, als bis sein Herr eine Münze gegeben oder wenigstens eine -Handbewegung gemacht hat, die hierauf schließen läßt. Mit Wohltätigkeit -hat das nicht das mindeste zu tun. Das Pferd will lediglich stehen -bleiben, und zwar möglichst lange stehen bleiben. Denn wenn es auch -seine Arbeit verrichtet, so ist ihm Ruhe noch lieber.</p> - -<p>Das Pferd hält also nicht an, damit der Mensch ein Vergnügen hat, -etwa in das Wirtshaus geht oder seinen Freund besucht, sondern lediglich -seinetwegen, damit es eine Ruhepause hat. Das ist eigentlich auch ganz -selbstverständlich.</p> - -<p>Wiederum ziehen die Rollpferde an und entschwinden unsern Augen, -als sie um die Ecke wenden. Etwas haben wir doch von ihnen gelernt.</p> - - -<h3><a name="kap_64" id="kap_64">64</a>. Die Feinde des Pferdes.</h3> - -<p>Schon früher haben wir erwähnt, daß für die Wildpferde außer -dem Menschen der schlimmste Feind der Tiger ist. Ebenso ist bereits<span class="pagenum"><a name="Page_122" id="Page_122">[Pg 122]</a></span> -der Angriff der Wölfe auf eine Pferdeherde geschildert worden. Auch -der Bär tritt in einzelnen Gegenden, z. B. am Ural als gefährlicher Feind -der Pferde auf.</p> - -<p>Den großen Katzen gegenüber ist das Pferd regelmäßig verloren. -Zebras wagen gegen den Löwen, der sie überfallen hat, gar keinen -Kampf. Nur einmal habe ich davon gelesen, daß ein Zebra durch einen -glücklichen Hufschlag den König der Tiere getötet hatte. Da der Löwenschädel -mit dem eingeschlagenen Stirnbein gefunden wurde, ist an der -Wahrheit des Vorganges nicht zu zweifeln. Man kann daraus die ungeheure -Kraft der Hinterfüße der Einhufer erkennen. Denn der Löwenschädel -ist besonders hart.</p> - -<p>Nach den Schilderungen mancher Reisenden sollen die Hengste gegen -den Bären aufgerichtet losgehen und ihn mit den Vorderhufen niedertrommeln. -Das werden jedenfalls nur Ausnahmefälle sein.</p> - -<p>Der Durchschnittswolf wird ein Durchschnittspferd wohl überwältigen, -namentlich wenn es angespannt ist und sich nicht verteidigen kann. -Immerhin gibt es Pferde, die jeden Wolf in die Flucht schlagen. Ein -glaubwürdiger Bericht meldet sogar von einem Pferde, das gegen mehrere -Wölfe siegreich blieb. Er soll hier eine Stelle finden:</p> - -<p>Wegen der Unsicherheit der Reisenden und der Fuhrleute während -der Zeit des ganz Deutschland verheerenden Dreißigjährigen Krieges -pflegten die Frachtfahrenden sich zahlreich zu vereinigen, um durch gemeinschaftliche -Wehr sich besser verteidigen zu können. Einer von diesen -Fuhrleuten hatte ein Pferd, das in allen Ställen Händel anfing, um sich -schlug und biß. Sein Herr selbst war nicht sicher dabei, und hatte oft mit -seinen Kameraden deshalb Ungelegenheit. Als einst dieser vereinigt mit -andern Fuhrleuten gegen Abend an einem Gebirge und hohlen Wege -von drei heißhungrigen Wölfen angefallen wurde, mit denen sie lange -zu streiten hatten, und die sich nicht ohne Beute abweisen lassen wollten, -wurden die Fuhrleute einig, dem erwähnten Fuhrmanne sein Pferd zu -bezahlen, um es den Wölfen preiszugeben. Dieser spannte es auch nach -dem Vergleich sofort aus. Die hungrigen Wölfe machten sich sogleich -an diese Beute, das Pferd aber schlug um sich, riß aus und ging waldein. -Die Fuhrleute eilten indes in Sicherheit und freuten sich, bei dieser Gelegenheit -ein unbändiges Roß aus ihrer Mitte entfernt zu sehen.</p> - -<p>Abends, da sie in dem Wirtshaus zu Tische sitzen, klopft etwas an, -und da die Magd die Obertür aufmacht, reckt das Pferd den Kopf hinein. -Die Magd erschrickt, schreit überlaut und ruft die Fuhrleute herbei; diese -freuten sich sehr, den heldenmütigen Ueberwinder dreier Wölfe, zwar sehr -verletzt, aber doch seinem Herrn getreu zu erblicken. Sie vergaben ihm -von dieser Zeit an gern seine übrigen bisher verübten Unarten.</p> - -<p>Die vorstehende Erzählung scheint deshalb glaubhaft zu sein, weil -gerade ein bissiges, unbändiges Pferd sich am besten gegen Raubtiere -verteidigen wird.</p> - -<p>Als Feind der Pferde ist noch die Panik zu erwähnen, die angeblich -grundlos manche Herden halbwilder Pferde in Südamerika überfällt und -sie zu einer rasenden Flucht veranlaßt, wobei viele in Abgründe stürzen.<span class="pagenum"><a name="Page_123" id="Page_123">[Pg 123]</a></span> -Wahrscheinlich ist diese Panik nur ein gemeinsames Durchgehen der -Herden und hat ihren Grund in Dingen, die unsern stumpfen Sinnen -entgehen.</p> - - -<h3><a name="kap_65" id="kap_65">65</a>. Warum können Fohlen gleich auf den Beinen stehen?</h3> - -<p>Ein guter Bekannter hat uns die Erlaubnis erteilt, uns sein einige -Tage altes Fohlen anzusehen. Diese Gelegenheit wollen wir uns nicht -entgehen lassen.</p> - -<p>Ein neugeborenes Fohlen ist, wie die meisten jungen Tiere, ein -allerliebstes Geschöpf. Es schaut noch so vertrauensvoll in die Welt und -ahnt noch nicht, was ihm alles droht. Es fällt uns besonders auf, daß -es schon laufen kann, sodann, daß es so lange Beine besitzt, und schließlich -sein wolliges Haar.</p> - -<p>Warum liegen junge Hunde und Katzen wochenlang, ehe sie ordentlich -laufen können, während junge Pflanzenfresser, also Fohlen, Kälber, -Zicklein und Lämmer gleich auf den Beinen stehen können? Junge -Hunde und Katzen entwöhnt man gewöhnlich erst nach sechs Wochen.</p> - -<p>Auch hier gibt uns wieder die Lebensweise der wilden Verwandten -Aufschluß.</p> - -<p>Hunde und Katzen sind früher Raubtiere gewesen. Wer soll der -Wildhündin, die mit ihren Jungen in einer Höhle liegt, etwas Böses -antun? Aehnlich liegt die Sache bei der Wildkatze. Die Anzahl der -Feinde ist sehr klein, und die Gefahr, falls die Mutter anwesend ist, -sehr gering.</p> - -<p>Ganz anders liegt die Sache bei den Pflanzenfressern. Zwar können -sich die meisten gegen schwache Feinde verteidigen, aber gegen große -Feinde sind sie machtlos. Gegen einen Löwen kann beispielsweise eine -Zebraherde nichts ausrichten.</p> - -<p>Würden die Fohlen, Kälber und andere junge Pflanzenfresser ebenso -unbeholfen sein wie junge Hunde und Katzen, dann wären sie längst ausgerottet.</p> - -<p>Da die Pferde viel leichter flüchten als die wehrhaften Rinder, so -müssen die Fohlen bald nach der Geburt mit der Herde bereits wandern -können.</p> - -<p>Jetzt verstehen wir die unverhältnismäßig langen Beine des Fohlens -und seine Fähigkeit, schon so jung laufen zu können.</p> - -<p>Unser Bekannter, Herr Glänisch, erzählt uns noch allerlei von seinen -Pferden. So erfahren wir, daß die Stute 7 Jahre alt ist, wer der Vater -des Fohlens ist u. dgl.</p> - -<p>Die Frage liegt nahe, weshalb bei den meisten Haustieren der Vater -sich nicht um die Aufzucht der Jungen kümmert.</p> - -<p>Wir sehen in der Tierwelt, daß manche Väter sich aufopfern. So -schleppen manche Vogelmännchen von früh bis spät Futter für die -Jungen zu. Beispielsweise ist auch der Schwan ein guter Vater. Aber -Hahn, Erpel, Hund, Kater usw. denken wenig daran, sich um ihre Nachkommenschaft -zu kümmern.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_124" id="Page_124">[Pg 124]</a></span></p> - -<p>Da bei den freilebenden Tieren, z. B. den so häßlichen Affen, die -Männchen außerordentlich gute Väter sind, so können wir nur folgendes -sagen: Die Natur arbeitet überall mit den einfachsten Mitteln. Wenn -der Vater nicht nötig ist, um die Jungen groß zu ziehen, so kümmert er -sich nicht um sie.</p> - -<p>Bei uns Menschen ist die Hilfe des Vaters unbedingt erforderlich, -um die Kinder groß zu ziehen. Aber was bei den Menschen der Fall ist, -braucht noch nicht bei den Tieren zuzutreffen.</p> - -<p>Herr Glänisch erzählt uns noch mancherlei von seinen Erlebnissen -mit Pferden. Er hält sie nicht für besonders klug. Beweisend ist für ihn -folgendes. Er war bei dem Brande eines Stalles zugegen und half, die -Pferde retten. Da geschah nun das Unglaubliche, daß die geretteten -Pferde in den Stall zurücklaufen wollten.</p> - -<p>Wir wollen Herrn Glänisch nicht widersprechen, zumal wir uns verabschieden -müssen und keine Zeit zu einer Auseinandersetzung haben. -Aber die Sache liegt doch noch etwas anders. Wenn die klugen Menschen, -sobald ein Boot zu kippen beginnt, alle aufspringen und dadurch erst das -Boot zum Umschlagen bringen, dann fällt es niemand ein, den Insassen -wegen ihrer unbegreiflichen Dummheit Vorwürfe zu machen. Der -Mensch rettet sich bei Gefahr durch Aufspringen und Flüchten. Das ist -auf dem Lande richtig, aber grundverkehrt im Boote.</p> - -<p>So begeht auch das Pferd genau dasselbe wie der Mensch. Es -will sich in Gefahr nicht trennen von seinen Kameraden, wie es das seit -Urzeiten getan hat. Das ist für uns sehr ärgerlich, aber vom Standpunkte -des Pferdes aus begreiflich.</p> - - -<h3><a name="kap_66" id="kap_66">66</a>. Geschichten von Pferden.</h3> - -<p>Die Araber, die als die besten Pferdekenner gelten, haben eigentlich -nur Lobsprüche für das Pferd. Die Unterhaltung der Männer am Lagerfeuer -dreht sich fast ausschließlich um das Pferd, was nach unsern Anschauungen -etwas einseitig ist. Von den Lobeserhebungen der Araber -seien hier einige angeführt: »Sage mir nicht, daß dieses Tier mein Pferd -ist, sage, daß es mein Sohn ist. Es läuft schneller als der Sturmwind, -schneller noch als der Blick über die Ebene schweift. Es versteht alles wie -ein Sohn Adams, nur daß ihm die Sprache fehlt.«</p> - -<p>Das sind natürlich unglaubliche Uebertreibungen, aber sie sind vom -Standpunkte eines Wüstenvolkes aus verständlich. Die arabische Wüste -wäre ohne das Pferd unbewohnbar. Ein arabisches Pferd kann ohne -Wasser zwei bis drei Tage laufen und begnügt sich erforderlichen Falls -mit Wüstengräsern.</p> - -<p>Wie behandelt aber auch der Araber sein Pferd? Er schlägt es -niemals und bindet es niemals kurz an.</p> - -<p>Alexander der Große ließ zu Ehren seines schon erwähnten Pferdes -für die ihm geleisteten treuen Dienste eine Stadt gründen. Er muß -also sehr hoch vom Pferde gedacht haben.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_125" id="Page_125">[Pg 125]</a></span></p> - -<p>Bei uns nennt man einen dummen Menschen ein »Roß«. Vielfach -hört man die Ansicht: Das Pferd ist ein furchtbar dummes Geschöpf, nur -hat es ein vortreffliches Gedächtnis.</p> - -<p>Es ist merkwürdig, daß ausgerechnet eine Dame, eine vortreffliche -Pferdekennerin, sehr vernünftige Ansichten über das Pferd geäußert hat. -Sie liebt die Pferde, aber sie beschönigt nicht, wie es andere Pferdeliebhaber -tun. Von ihren Schilderungen sei hier folgende angeführt:</p> - -<p>Eines meiner ersten Pferde war ein russischer Doppelpony, namens -Sascha, das ungezogenste Geschöpf, das man sich vorstellen kann. Da er -aber gleichzeitig bildschön und hervorragend klug war, konnte man dem -kleinen Kerl nicht böse sein. Im Stall hatte er so ziemlich alle Untugenden, -die bei Pferden vorkommen. Vorn biß er, hinten schlug er aus; -Anhängen war bei ihm ganz vergeblich, da er jedes Halfter abstreifen -konnte. Hatte man ihn in einem Laufstand untergebracht, so war es für -ihn ein Kinderspiel, die Türe zu öffnen. Ich beobachtete ihn einmal, wie -er den Riegel seiner Boxtür mit dem Maul zurückschob. Darauf ging -er zur Haferkiste. Diese öffnete er, indem er den Deckel mit der Stirn -hob und zurückwarf. Den Hafer ließ er sich dann recht gut schmecken!</p> - -<p>Beim Reiten versuchte Sascha so ziemlich alles, um seine eigenen -Wege gehen zu können. Sporenstiche wurden regelmäßig mit einem Biß -in die Füße beantwortet. Im Wagen war es seine Stärke umzudrehen, -sobald er genug hatte, und das war leider recht oft der Fall. Da er -natürlich bei solchen Gelegenheiten ordentliche Prügel bekam, so machte -er diese Versuche in der Folge immer an solchen Plätzen, wo man sich -in einen Kampf mit ihm nicht einlassen konnte. Mit wirklich teuflischer -Bosheit blieb er z. B. mitten im Trabe am Rande eines steilen Abhangs -stehen und war nicht mehr zu bewegen, einen Schritt vorwärts zu gehen. -Er stieg kerzengerade in die Höhe, bewegte sich nur mehr rückwärts und -brachte den Lenker damit in Gefahr, mitsamt dem Wagen in den Graben -zu stürzen. Einmal überschlug er sich nach rückwärts und fiel auf mich -in den Wagen. Sehr beliebt war auch das Stehenbleiben mitten am -Marktplatz oder sonst an einem belebten Ort, weil er wußte, daß man -ihn der Leute wegen nicht so streng bestrafen würde und er mich dadurch -besonders ärgern konnte. Es bedurfte eines Studiums, Sascha bei solchen -Gelegenheiten wieder in Bewegung zu setzen. Ich hatte mir mit der Zeit -seinen Tücken gegenüber eine solche Festigkeit angeeignet, daß Sascha -diese Witze nur mehr selten mit mir versuchte. Der Kutscher hingegen -brachte ihn oft nicht zwei Kilometer weit. Bei mir genügte es später, daß -ich ihm vor jeder Fahrt einen Stock zeigte, der mitgenommen wurde. -Dieser Stock mußte aber wirklich mit sein, sonst wurde er wieder frech.</p> - -<p>Sascha war bei weitem das gescheiteste Pferd, das ich je gekannt. -Nicht nur, daß ich ihm Zirkuskunststücke, wie niederknieen, steigen, auf -den Hinterbeinen gehen im Handumdrehen beibringen konnte, er zeigte -auch seinen Verstand mehr als einmal in hinterlistigen, vollkommen überlegten -Handlungen. Zweimal versuchte Sascha sich durch Verstellung vom -Dienste zu befreien. Diese beiden Fälle sind durchaus wahr und mehreren -Zeugen bekannt.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_126" id="Page_126">[Pg 126]</a></span></p> - -<p>Er sollte eines Tages für mich gesattelt werden; da kam der Reitknecht -und meldete, Sascha könne auf keinem Bein stehen, da er vollständig -lahm sei. Wir stürzten in den Stall und sahen den armen -Sascha ganz traurig und hilflos in seiner Box stehen, abwechselnd jedes -Bein schonend. Mit vieler Mühe zogen wir ihn heraus und brachten ihn -in die Reitbahn. Hier fiel er beinahe um. Wir schickten zum Tierarzt -und ließen den Pony, der sich anscheinend überhaupt nicht bewegen -konnte, allein in der Bahn zurück.</p> - -<p>Nach einiger Zeit ging ich voll Sorge nach dem guten Sascha sehen. -Innerlich machte ich mir die bittersten Vorwürfe über die strenge Behandlung, -die ich ihm manchmal zuteil hatte werden lassen, und bat ihm -im stillen alles ab. Wer beschreibt aber mein Erstaunen, als ich mit -wehmütigen Gefühlen die Bahntür öffnend, den todkranken Sascha ganz -fidel herumspringen sah! Nicht die leiseste Spur von einer Lahmheit war -mehr zu bemerken. Das Einfangen gestaltete sich zur wilden Jagd; er -schlug vorn und hinten aus und vier Personen arbeiteten im Schweiße -ihres Angesichts, um seiner habhaft zu werden. Die Absicht, sich durch -Vorschützen von Lahmheit dem Dienste zu entziehen, lag hier ganz klar -zutage. Ein späteres Vorkommnis bewies, daß wir uns in dieser Annahme -nicht getäuscht hatten.</p> - -<p>Ich hatte mit meiner Gesellschafterin eine Schlittenfahrt unternommen. -Sascha schien übler Laune zu sein und nach etwa einer Stunde -benützte er die Gelegenheit, uns beim Passieren einer hohen Schneewehe -umzuwerfen. Nachdem ich mich aus den verschiedenen Decken, Kissen -und Fußsäcken herausgearbeitet hatte, sah ich den lieben Sascha im -vollen Galopp um die nächste Straßenecke verschwinden. Ich überließ die -wehklagende Gesellschafterin, der natürlich gerade so wenig zugestoßen -war wie mir, ihrem Schicksal und machte mich an die Verfolgung Saschas.</p> - -<p>Es dauerte gar nicht lange, bis ich den Ausreißer wieder fand. Bei -einer scharfen Wegbiegung war Sascha offenbar gegen einen Alleebaum -angerannt und lag nun, alle Viere nach oben gestreckt, im Straßengraben. -Er rührte kein Glied, und ich befürchtete wirklich, daß er tot sei. Als -ich noch überlegte, was zu tun sei, kam Hilfe in Gestalt eines Gendarmen, -der zwei Handwerksburschen transportierte. Freundlicher Weise stellte -er sich und seine Gefangenen gleich zu meiner Verfügung. Bei näherer -Betrachtung Saschas meinte aber auch der Gendarm, da sei nichts zu -machen, denn das Tier habe sich das Genick gebrochen. So ohne weiteres -wollte ich das nach den bereits mit Sascha gemachten Erfahrungen nicht -glauben, und wir gingen daran, den Pony von Geschirr und Schlitten -zu befreien. Er rührte sich noch immer nicht, hielt die Augen halb geschlossen; -wenn man ihm ein Bein bewegte, fiel es schlaff in die alte -Lage zurück. Gendarm und »Schwerverbrecher« ergingen sich in Mitleidsäußerungen -über das »schöne tote Pferderl«. Als ich die Vermutung -aussprach, daß es sich um Verstellung handeln könne, wurde das als -gänzlich ausgeschlossen bezeichnet. Ich ließ mich aber nicht irremachen, -nahm Sascha beim Zügel, die beiden Gefangenen – die sich edler Weise -während der ganzen Zeit eifrig am Rettungswerk beteiligt hatten, statt,<span class="pagenum"><a name="Page_127" id="Page_127">[Pg 127]</a></span> -wie ich es an ihrer Stelle getan hätte, die Gelegenheit zur Flucht zu -benützen –, wurden angewiesen, den Pony am Schwanz zu fassen. Der -Gendarm zog an der Mähne und so mit vereinten Kräften brachten wir -den »Toten« wieder auf die Beine! Kaum zum Leben erweckt, wollte -Sascha sich schleunigst empfehlen. Dafür hatte ich aber schon vorgesorgt -und hielt den Zügel ordentlich fest. Es stellte sich heraus, daß der Pony -nicht die geringste Verletzung erlitten und sich offenbar verstellt hatte. -Er wollte, daß wir ihn von Geschirr und Schlitten befreit liegen lassen -sollten, worauf er dann den Heimweg, auf eigene Faust angetreten hätte. -Wie würde er sich über uns belustigt haben!</p> - -<p>Wer zuletzt lacht, lacht am besten, und das war in diesem Falle nicht -der schlaue Sascha. So gut es mit den beschädigten Sachen ging, spannte -ich wieder ein.</p> - -<p>Die Gesellschafterin war inzwischen keuchend und jammernd eingetroffen. -Sie erklärte, sich dieser »lebensgefährlichen Bestie« nicht mehr -anvertrauen zu können, was mir weiter gar nicht viel Eindruck machte. -Ich stellte ihr anheim, entweder zwölf Kilometer im tiefen Schnee zu Fuß -zu gehen oder es noch einmal mit mir zu wagen. Sie wählte schließlich -das Zweite, und so fuhren wir heimwärts.</p> - -<p>Der kleine Sascha war trotz seiner zahlreichen Untugenden zehn -Jahre lang mein besonderer Liebling. Auch der Umstand, daß er mich im -Laufe dieser Zeit elfmal biß, konnte ihm meine Zuneigung nicht rauben. -Er war ein so verständiges und kluges Tier und dabei äußerlich so hübsch, -daß ich ihm alles verzieh. Wer Sascha in seiner Box besuchte, ohne -seine Eigenart zu kennen, wurde rettungslos von ihm »apportiert«. Er -ließ solch einen ahnungslosen Besucher erst nahe kommen, dann stieg er -auf, schlug mit den Vorderhufen nach ihm und drängte ihn in eine Ecke -der Box. Hatte er ihn soweit, dann faßte er ihn mit den Zähnen und -schleppte ihn herum. Auch in der Schmiede war der kleine Kerl gefürchtet, -seit er eines Tages den Schmied beim Beschlagen hoch hob.</p> - -<p>Sascha, der im allgemeinen durchaus kein scheues Pferd war, hatte -merkwürdiger Weise eine unüberwindliche Angst vor Schlittengeläute. -Als ich ihm das erstemal Schellen anlegte, gebärdete er sich ganz -verrückt. Nach verschiedenen vergeblichen Versuchen, im Stall sowohl -wie im Freien, wendete ich keine weitere Gewalt an, weil ich das an -und für sich schon sehr reizbare Tier nicht noch verrückter machen wollte. -Da kam mein Bruder zu Besuch und meinte als Reiteroffizier, es sei -lächerlich, mit so einem kleinen Kerl nicht fertig zu werden, er würde ihm -die Schellen schon anziehen. Ich sagte ihm, er könne einen Versuch -machen, wenn er für den dabei entstehenden Schaden aufkommen wolle.</p> - -<p>Sascha wurde mit verbundenen Augen an die Leine genommen -und das Geschirr mit den Glocken, denen man zuerst die Schwengel festgebunden -hatte, damit sie nicht läuten konnten, wurde ihm aufgelegt. -Als das getan war, befreite man Sascha von der Blende und ließ die -Glocken klingen. Wie wahnsinnig lief der Pony nun an der Leine im -Kreise herum. Wohl eine Stunde jagte er vollkommen toll dahin, bis -man ihn schaumbedeckt und atemlos endlich zum Stehen brachte. Nun<span class="pagenum"><a name="Page_128" id="Page_128">[Pg 128]</a></span> -dachte man, er sei genügend erschöpft, um ihn an den Schlitten bringen -zu können. Sechs Mann spannten ihn ein, nachdem man vorsichtshalber -das Geläute abermals mit Tüchern umwickelt hatte, um den Schall zu -dämpfen. Auf jeder Seite hielten ihn zwei Mann, weitere zwei Mann -waren zur etwaigen Hilfeleistung bereit. Kaum hatte man das Geläute -erklingen lassen, schob Sascha mit unverminderter Vehemenz ab; es gab -kein Halten. Der Schlitten wurde total zertrümmert, vier Mann lagen -am Boden und wurden geschleift, und schließlich war man froh, als man -durch schleuniges Abnehmen des Geschirres der gefährlichen Geschichte ein -Ende bereiten konnte.</p> - -<p>Sascha hat diese Scheu niemals überwunden, und dieses Ereignis -blieb unauslöschlich seinem Gedächtnis eingeprägt. In der Folge hatte er -nicht nur Angst vor Glockengeläute sondern auch jeder blaue Gegenstand -flößte ihm eine unbeschreibliche Furcht ein. Das Schlittengeläute war -nämlich mit zwei blauen Federbüschen verziert gewesen, und in Saschas -Gehirn waren offenbar die Begriffe der Gefährlichkeit von Glocken und -blauer Farbe jetzt vereinigt. Eine blaue Wagendecke durfte er nie zu -Gesicht bekommen, wollte man Unglücksfälle vermeiden; mit einem -blauen Kleid ließ er mich unter gar keinen Umständen in seine Box; noch -viel weniger konnte ich ihn mit einem Reitkleid dieser Farbe besteigen. -Da Schellengeläute im Winter polizeiliche Vorschrift ist, nahm ich stets -eine Glocke mit in den Schlitten und ließ sie nur, wenn durchaus nötig, -z. B. wenn ein Schutzmann in Sicht war, ertönen. Dies trieb Sascha -dann zwar zu sehr beschleunigten Gangarten, Unfälle konnten aber auf -diese Weise doch vermieden werden.</p> - -<p>Ich glaube, daß Sascha, der einerseits ein außergewöhnlich gescheites -Tier war, doch in gewisser Hinsicht einen seelischen Mangel hatte. Es war -nicht alles Ungezogenheit bei ihm, manchmal schien er wirklich im Gehirn -nicht ganz in Ordnung zu sein. Besonders an sehr heißen Tagen blieb -er z. B. beim Reiten oder Fahren plötzlich stehen, schüttelte mit dem -Kopf und zeigte alle Zeichen von Dummkoller. Da er sich gern verstellte, -so war es schwer, eine etwaige Gehirnkrankheit von einer Ungezogenheit -zu unterscheiden. Mir war er gerade wegen dieser Abweichung vom -Standpunkte der Tierseelenkunde aus wertvoll. Ich rechnete stets mit -seiner Veranlagung und verzieh ihm aus diesem Grunde viel.</p> - -<p>Seine krankhafte Abneigung gegen blaue Farben und Glocken hat -er in den zehn Jahren seines Hierseins nie abgelegt, obwohl er sonst in -seinen alten Tagen braver und ruhiger geworden war. Auch meine -Versuche, ihn im Stall an diese Gegenstände zu gewöhnen, blieben erfolglos. -Er hungerte lieber drei Tage, als daß er an die Krippe, vor -welcher ein Geläute oder ein blaues Tuch befestigt war, heranging. Bei -einem Pferd, das weder Eisenbahn noch Dampfstraßenbahn, noch Militärmusik, -noch Schießen fürchtete, kann eine derartig unüberwindliche -Angst vor an sich harmlosen Scheugegenständen wohl nur auf ungewöhnlicher -Veranlagung beruhen.</p> - -<p>Als Beispiel von Saschas Klugheit möchte ich noch erwähnen, daß er -entgegenkommenden Fuhrwerken immer von selbst richtig auswich, und<span class="pagenum"><a name="Page_129" id="Page_129">[Pg 129]</a></span> -dies ist hier an der österreichischen Grenze keine Kleinigkeit. In Oesterreich -wird links, hier in Deutschland rechts ausgewichen; die Salachbrücke -bildet die Grenze. Sascha irrte sich nie und wechselte regelmäßig in der -Mitte der Brücke das Ausweichsystem. Ich konnte ihm ganz ruhig die -Zügel auf den Rücken legen, er hielt stets die richtige Straßenseite ein. -Die Salzburger Droschkenkutscher, die mit Vorliebe in Bayern falsch ausweichen, -hätten sich ein Beispiel an Sascha nehmen können. Begegnete -Sascha einem falsch ausweichenden Wagen, so ließ er sich durchaus nicht -irremachen, und wartete auf der richtigen Straßenseite ruhig ab, bis ihm -Platz gemacht war. Man sollte glauben, daß gerade hier, wo ein Pferd -sehr viel in Bayern, dann wieder häufig in Oesterreich gefahren wird, es -durch die verschiedenen Ausweichsysteme verwirrt gemacht werden müßte. -Bei Sascha war dies nicht der Fall, und ich gewann von ungläubigen -Bekannten mehrere Wetten in dieser Angelegenheit. –</p> - -<p>Die vorstehende Schilderung der vortrefflichen Pferdekennerin bestätigt -das früher Gesagte, daß männliche Pferde mit dem Gebiß und -den Vorderhufen kämpfen im Gegensatz zu den Stuten.</p> - -<p>Höchst unwahrscheinlich klingt die Geschichte von dem richtigen Ausweichen -des Pferdes. In der Lebensgeschichte berühmter Gelehrter -lesen wir, daß sie als Freiwillige niemals rechts- und linksum unterscheiden -lernten. Hier wird von einem Pferde berichtet, daß es in Deutschland -und Oesterreich stets richtig auswich, obwohl das Ausweichen in -beiden Ländern verschieden ist. Ich kann mir kein Urteil darüber erlauben, -ob das wahr ist. Es ist hierbei selbstverständliche Voraussetzung, -daß stets über dieselbe Brücke gefahren wurde. Da die Dame in ihrem -Buche einen in jeder Hinsicht glaubwürdigen Eindruck macht, so finde -ich als einzigen Ausweg die Tatsache, daß die Tiere zum Raume in -einem ganz anderen Verhältnis stehen als der Mensch. Tiere finden sich -im Raume leichter zurecht als wir, wie ihr Ortssinn beweist.</p> - -<p>Selbst diese vortreffliche Tierkennerin hält ein Pferd für geisteskrank, -weil es nicht mit Schellengeläut laufen will. Kann es denn nicht begründete -Ursache zu seinem Verhalten haben? Man nehme einmal an, -daß Sascha früher in Rußland bei einer Schlittenfahrt einen Ueberfall -durch eine Räuberbande oder durch Wölfe erlebte. Hierbei wurde sein -Herr oder der Kutscher oder ein Nebenpferd getötet, und er selbst nur -durch Zufall gerettet. Ist es nun nicht ganz natürlich, daß ein Pferd -bei seinem guten Gedächtnis ein solches Erlebnis nicht wieder vergißt?</p> - -<p>Schaffen wir Menschen nicht alle Gegenstände fort, die uns an höchst -unangenehme Vorkommnisse erinnern? Die meisten Menschen werden -überhaupt sofort verstimmt, sobald das Gespräch auf Dinge stößt, die -ihnen verdrießliche Sachen ins Gedächtnis zurückrufen.</p> - -<p>Man hat dem Pferde mit Gewalt seine Abneigung gegen das -Schellengeläute austreiben wollen. Hierbei hat es stundenlang in seinem -verzweifelten Widerstand die blaue Farbe vor Augen gehabt. In der -Folgezeit erinnerte es die blaue Farbe an das Schellengeläute, und das -Schellengeläute wiederum an das furchtbare Ereignis. Auch das kann -man nicht unbegreiflich finden.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_130" id="Page_130">[Pg 130]</a></span></p> - -<p>Sascha hat sich durch Verstellung und Widerstand von der Arbeit -gedrückt, wenn sie ihm nicht mehr paßte. Wir Menschen haben unsere -menschlichen Interessen wahrzunehmen gegenüber den Haustieren, die -wir füttern. Deshalb halten wir uns für berechtigt, ihren Widerstand -zur Arbeit durch uns zugängliche Mittel zu brechen, also durch Peitsche -und Sporen bei Pferden. Das ist alles ganz klar.</p> - -<p>Eine ganz andere Frage ist es, ob ich ein Haustier, das sich der -Arbeit entziehen will, deshalb für dumm halten muß. Da ich noch keinen -Menschen angetroffen habe, der das Sichdrücken von der Arbeit für ein -Zeichen von Dummheit angesehen hat – eher das Gegenteil –, so kann -ich also ein Tier nicht deshalb für töricht halten, weil sein Verhalten uns -Unannehmlichkeiten bereitet.</p> - -<p>Aus dem Vorstehenden ist ersichtlich, daß gute Tierkenner sehr leicht -zu einem ganz verschiedenen Urteil gelangen. Die Dame, die sich ihr -Leben lang mit Pferden beschäftigt hat, hält ihren Liebling für teilweise -geisteskrank und gibt die Gründe hierfür an. Ich glaube, daß meine -Bücher gezeigt haben, daß ich auch eine Kleinigkeit von Tieren verstehe. -Ich muß gestehen, daß ich keine Spur von Geisteskrankheit entdecken -kann und Sascha für ein ungewöhnlich kluges Tier halte.</p> - - -<h3><a name="kap_67" id="kap_67">67</a>. Ueber richtige Behandlung der Pferde.</h3> - -<p>Es ist betrübend, daß erst eine Dame kommen und uns Männern -so verständige Worte über die richtige Behandlung der Pferde sagen -mußte.</p> - -<p>Die im vorigen Kapitel erwähnte vortreffliche Pferdekennerin gehört -zu den wenigen, die den äußerst feinen Geruch der Pferde oft hervorheben. -Als große Tierfreundin hielt sie sich allerlei Getier, darunter -auch eine zahme Löwin. Hierbei konnte sie täglich beobachten, daß die -Löwen wie alle Katzen ausgezeichnet sehen, Pferde dagegen vortrefflich -riechen können.</p> - -<p>Mit Vorliebe kaufte sie solche Pferde, die andere Menschen für vollkommen -unbrauchbar erklärten und deshalb los sein wollten. Sie sagte -sich mit Recht, daß die Pferde schon ihren Grund zu ihrem Verhalten -haben werden. Sobald sie diesen Grund herausgefunden hatte, konnte -sie das Tier wie jedes andere gebrauchen. Nur mußte sie auf die bestimmte -Eigenart Rücksicht nehmen.</p> - -<p>Ihre Erfahrungen auf diesem Gebiete sind sehr lehrreich und so -sollen einige hier ihre Stelle finden:</p> - -<p>Als ich eine neugekaufte Stute das erstemal ritt, machte sie, neben -anderen Unarten, auch ganz plötzlich kehrt in der Nähe eines Wirtshauses. -Da dort ein Planwagen stand, so glaubte ich, dieser sei die Ursache ihrer -Furcht gewesen. In der Folge bemerkte ich aber, daß ihr derartige -Wagen, die ihr auf der Straße begegneten, ganz gleichgültig waren, -während sie sich einzelnen Häusern, besonders Gasthäusern, mit allen Anzeichen -der Furcht näherte, auch wenn keinerlei Gegenstände, vor denen -Pferde scheuen, dort zu sehen waren. Sie machte plötzlich Kehrt und -warf sich mit solcher Schnelligkeit auf den Hinterfüßen herum, daß ich<span class="pagenum"><a name="Page_131" id="Page_131">[Pg 131]</a></span> -mich sehr in acht nehmen mußte nicht herunterzufliegen. Nur nach -langem Kampf konnte man sie an einzelnen Stellen vorbeibringen.</p> - -<p>Es bedurfte einer längeren Untersuchung, um herauszufinden, was -die eigentliche Ursache ihrer Furcht und der damit verbundenen Widersetzlichkeit -war. Schließlich stellte ich fest, daß die Stute eine wahnsinnige -Angst vor Blutgeruch hatte. Auf dem Land wird in den meisten -Gasthäusern geschlachtet, und diesen näherte sich die Stute stets mit allen -Anzeichen der Furcht. Schon von weitem begann sie zu schnauben und -zu pusten und fing mit ihrer Widersetzlichkeit an, um sich, wenn irgend -möglich, das Vorbeigehen am Wirtshaus zu ersparen. Als ich sie einmal -in einem solchen einstellte, wollte mir der Hausknecht beim Absatteln -behilflich sein. Die Stute wurde ganz toll vor Angst, als der Mann, -der, wie er mir dann sagte, kurz vorher beim Schlachten beschäftigt gewesen -war, sich ihr näherte. Sie wäre mir bei dieser Gelegenheit fast -davongelaufen; ich hatte alle Mühe sie zu halten.</p> - -<p>Ich wollte nun feststellen, warum dieses Pferd eine derartig außergewöhnliche -Angst vor Schlachthäusern hatte, und schließlich konnte ich den -Grund herausfinden. Der Stute war seinerzeit bei einem Metzger der -Schwanz gekürzt worden, und die Erinnerung an die Verstümmelung -blieb für sie unauslöschlich mit Schlachthausgeruch verbunden. Erinnerungsvermögen -und Geruchssinn sind beim Pferde hochentwickelt.</p> - -<p>Der Widerstand dieser Stute beruhte also keineswegs auf Bosheit, -sondern lediglich auf Furcht. Menschen, die der Sache nicht auf den -Grund gegangen wären, hätten das arme Tier natürlich als vollkommen -störrisch betrachtet, wenn es ohne anscheinende Ursache sich weigerte, an -gewissen Stellen vorbeizugehen. Tiere tun selten etwas ohne Grund; -bemüht man sich ein wenig sie zu verstehen, ihnen zu folgen, so wird man -meist einen, von ihrem Standpunkte aus gesehen, triftigen Grund für -ihre Handlungsweise feststellen. Viele Menschen finden dies aber nicht -der Mühe wert, sie fertigen derartige Tiere nur mit den Worten ab: -»Der dumme Bock scheut vor allem.« Dumm braucht das Tier deshalb -noch nicht zu sein. Wenn es mit einem Gegenstand einmal schlechte -Erfahrungen gemacht hat, so ist es ganz natürlich, daß es sich auch in -Zukunft vor demselben fürchtet, denn die Fähigkeit, logisch zu denken, -geht ihnen ab. Sache des Menschen ist es, das Tier in solchen Fällen -durch geeignete Mittel von der Grundlosigkeit seiner Furcht zu überzeugen, -ihm Vertrauen und Mut einzuflößen.</p> - -<p>Bei dieser Stute schien die Nase ganz besonders entwickelt gewesen -zu sein. Alle Ursache ihres Scheuens konnte man auf irgendwelche -Witterung zurückführen.</p> - -<p>Einmal machte sie mir mitten auf der Landstraße ohne jeden Anlaß -kurz kehrt, und da ich genau wußte, daß in der ganzen Gegend kein -Gasthaus und keine Metzgerei vorhanden waren, mußte diese scheinbare -Ungezogenheit auf anderen Gründen beruhen. Weit und breit war nichts -zu sehen; ich zweifelte aber trotzdem nicht, daß meine Stute irgend etwas -bemerkt hatte, was menschlichen Sinnen eben nicht wahrnehmbar ist. Ich<span class="pagenum"><a name="Page_132" id="Page_132">[Pg 132]</a></span> -zwang sie weiter zu gehen. Durch ein Nachgeben in solchen Fällen würde -das Pferd selbstverständlich verdorben werden. Es würde später im -Gefühle seiner Macht auch aus anderen Gründen als dem der Furcht -kehrtmachen. Das Tier muß sich also stets bewußt sein, daß es eine -Auflehnung gegen den Willen seines Herrn nicht gibt. Hat man in einem -solchen Kampf einmal den Kürzeren gezogen, so kann die Mühe von -Wochen umsonst sein, und die Dressur muß von neuem beginnen. Es gilt -dies nicht bloß vom Umgang mit Pferden, sondern von allen Tieren.</p> - -<p>Ich war also etwa 300 Meter weiter geritten, als ich bei einer -Wegbiegung am Rande eines Waldes eine Zigeunergesellschaft mit -Bären und Kamelen lagern sah. Nun war das Benehmen meiner Stute -schon erklärt.</p> - -<p>Die Furcht vor Raubtieren ist dem Pferde gleich allen anderen Geschöpfen -eigen, und die Natur hat ihm die feine Nase und die Schnelligkeit -verliehen, um diese Gefahren zu wittern und ihnen zu entfliehen. -Es lag also auch in diesem Fall eine von seinem Standpunkt aus ganz -verständliche Handlungsweise vor.</p> - -<p>Die Scheu vor Raubtieren konnte ich ja bei meinen Pferden am -besten beobachten. Ging ich in den Stall, nachdem ich kurz vorher meine -zahme Löwin gestreichelt hatte, so nahmen meine Pferde keinen Zucker -aus meiner Hand. Unter Schnauben und Pusten zogen sie sich in die -entfernteste Ecke ihrer Box zurück.</p> - -<hr /> - -<p>Alles, was die Dame hier von der Behandlung der Pferde gesagt -hat, kann man nur unterschreiben. Zur Bestätigung ihrer Angaben von -dem feinen Geruch der Pferde und ihrer Furcht vor Blut und Raubtieren -sei folgendes angeführt.</p> - -<p>In heißen Ländern sind Reiter oft durch ihr Pferd vor dem Tode -des Verdurstens gerettet worden. Es fand nämlich durch seinen feinen -Geruch verborgenes Wasser, das der stumpfen menschlichen Nase vollkommen -entgangen war.</p> - -<p>Ein Bekannter von mir, ein vorzüglicher Reiter, kommt nach Hause -geritten und wird von dem sonst ruhigen Pferde um ein Haar aus dem -Sattel geschleudert, da es urplötzlich davonstürmt. Er geht der Sache auf -den Grund und stellt fest, daß in seiner Abwesenheit eine Zigeunerbande -mit einem Bären auf dem Gehöft geweilt hatte.</p> - -<p>Etwas Aehnliches ereignete sich vor vielen Jahren auf einer Fähre. -Ein sonst frommes Pferd will plötzlich auf der Fähre mit dem Wagen -und seinen Insassen in den breiten Strom springen. Nur mit Mühe -kann ein gräßliches Unglück vermieden werden. Auch hier wird festgestellt, -daß eine Zigeunerbande mit Bären und Kamel vorher die Fähre -benutzt hatte.</p> - -<p>Man ersieht hieraus, wie notwendig es ist, daß die Fähre, wenn sie -Raubtiere übergesetzt hat, gereinigt oder doch mit Wasser übergossen wird. -Wenigstens muß es an den Stellen geschehen, wo die Tiere gelegen -haben.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_133" id="Page_133">[Pg 133]</a></span></p> - - -<h3><a name="kap_68" id="kap_68">68</a>. Die geistigen Fähigkeiten der Tiere.</h3> - -<p>Wir haben jetzt eingesehen, wie außerordentlich schwierig es ist, die -geistigen Fähigkeiten der Tiere zu beurteilen. Die Tierliebhaber erheben -sie in den Himmel, während die Gegner die Tiere nur als Maschinen -betrachten. Als im Jahre 1904 der sogenannte »kluge Hans« vorgeführt -wurde, glaubten viele Berliner, die sich das Pferd des Herrn -von Osten angesehen hatten, daß ein Pferd sich durch geeigneten Unterricht, -wie ihn Herr von Osten erteilt hatte, die Kenntnisse eines zwölfjährigen -Knaben, namentlich aber Lesen und Rechnen, aneignen kann.</p> - -<p>Nehmen wir einen Fall, wie er sich in Wirklichkeit unzählige Male -ereignet hat. Wir haben uns vollständig verirrt. Der Kutscher weiß -nicht mehr, wo der richtige Weg ist. Es wird dunkel, und wir fangen -an zu frieren. Niemand ist weit und breit, den wir nach dem Wege fragen -könnten. Da macht der Kutscher es, wie es so oft schon geschehen -ist, – er überläßt dem Pferde die Führung. Und das Pferd schlägt ohne -Besinnen einen Weg ein, der uns in stockdunkler Nacht nach unserm Ziele -bringt.</p> - -<p>Oder wir wollen an den vorher erwähnten Reiter denken, der, von -Durst gemartert, schon zu phantasieren beginnt und die Zügel nicht mehr -halten kann. Da fängt sein Pferd plötzlich an, im Sande zu scharren, -und nach kurzer Zeit ist eine unterirdische Quelle freigelegt.</p> - -<p>Oder ein Jäger hat bei Eintritt der Dämmerung einen Rehbock geschossen. -Er hat keine Zeit, den nächsten Morgen abzuwarten. Deshalb -holt er seinen Hund und wartet zunächst die Zeit ab, die nach solchen -Schüssen üblich ist. Inzwischen ist es so dunkel geworden, daß man nicht -mehr die Hand vor Augen sehen kann. Der Jäger braucht also eine -Laterne, um überhaupt die Stelle wiederzufinden, wo der Rehbock gestanden -hat. Auf diese Anschußstelle führt er den Hund. Dieser läuft -mit gesenkter Nase der Fährte nach. Es dauert nicht lange, so hört der -Jäger das Gebell seines Hundes, das ihm anzeigt, daß er den Bock gefunden -hat. Wo der Mensch nichts sah, findet der Hund einen geschossenen -Rehbock.</p> - -<p>Kann man es im Ernste einfachen Leuten verdenken, daß sie, wenn -sie solche Sachen erlebt haben oder täglich erleben, von der Klugheit der -Tiere schwärmen? Die Gegner haben ja natürlich darin durchaus recht, -daß die Tiere diese Leistungen nicht auf Grund geistiger Gaben verrichten. -Der Hund findet den Rehbock in der dunklen Nacht, weil seine -Augen in der Dunkelheit viel besser sehen können als die des Menschen, -und weil sein Geruchssinn ganz unabhängig davon ist, ob es hell oder -dunkel ist. Das Pferd findet das unterirdische Wasser ebenfalls durch -die feine Nase und den Weg nach dem Ziele durch seinen Ortssinn. -Ebenso ist das Pferd nicht deshalb sehr klug, weil es sich von einer Fata -morgana, dem Spiegelbilde einer Oase, in der Wüste nicht täuschen läßt, -wie es den Menschen passiert. Das Pferd als Nasentier traut seinen -Augen überhaupt nicht, und für die Nase ist das Spiegelbild gleichgültig.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_134" id="Page_134">[Pg 134]</a></span></p> - -<p>Führen wir noch weitere Fälle an, die hierhin gehören:</p> - -<p>Ich nehme ein junges Kätzchen und setze es auf eine Tischplatte. Ich -kann ganz unbesorgt sein – das erst einige Wochen alte Tier fällt nicht -hinunter.</p> - -<p>Oder ich nehme es an das offene Fenster. Es wird ebenfalls nicht -hinunterfallen, während man Kindern fortwährend zurufen muß: Nehmt -euch in acht, damit ihr nicht hinunterfallt!</p> - -<p>Jetzt setze ich das Kätzchen auf eine Holzplatte und stelle die Platte -schräg. Sofort bringt es seine Krallen zum Vorschein und hält sich fest.</p> - -<p>Wie oft fliegen Vögel, wenn sie ein böser Bube ausnehmen will, sofort -ohne jeden Unterricht aus dem Neste! Ich zog einmal einen jungen -Kuckuck groß, der in einem Bauer stak. Er hatte noch niemals Flugversuche -gemacht. Eines Tages flog er vom Tische in dem Garten, wo ich -ihn fütterte, tadellos nach dem nächsten Baum und setzte sich auf -einen Ast.</p> - -<p>Wenn man sich die Schwierigkeit des Fliegens vorstellt, dann muß -man staunen, daß ein Tier ohne jede Anleitung sofort alles richtig macht. -Abfliegen, Fliegen, Anhalten, Sichsetzen auf den Ast. Niemand konnte -dem Kuckuck ansehen, daß er das alles zum ersten Male macht.</p> - -<p>Solche äußerst zweckmäßigen Handlungen sehen wir bei den Tieren -in zahlloser Menge. Sie erkennen ihre Feinde, wissen die passende Nahrung, -vermeiden giftige Stoffe, suchen Heilpflanzen auf, wandern zur -rechten Zeit, wissen den Gefahren der Witterung zu entgehen usw. -So nahmen Krähen, die der Jäger durch Phosphorpillen vernichten -wollte, als Gegenmittel Ebereschenbeeren und wurden dadurch wieder -gesund. Wo der Mensch Unterricht und Belehrung braucht, Aerzte aufsuchen -muß und tausend andere Schwierigkeiten überwinden muß, um sein -Leben durchzuführen, können wir bei den Tieren nichts Derartiges beobachten. -Und trotzdem leben sie doch. Ja, die Tiere in der Freiheit leben -sogar viel gesünder als unsere Haustiere.</p> - -<p>Wie sollen wir uns das, was sich alltäglich vor unseren Augen abspielt, -erklären?</p> - - -<h3><a name="kap_69" id="kap_69">69</a>. Was verstehen wir unter »Instinkt« bei den Tieren?</h3> - -<p>Weil wir für die zuletzt genannten Handlungen keine Erklärung finden -können, so haben wir uns darüber geeinigt, daß wir als Grund für -diese unbewußt zweckmäßige Handlungsweise den »Instinkt« angeben.</p> - -<p>Der große Naturforscher Darwin hat den Instinkt in folgender Weise -zu erklären versucht. Er behauptet, daß die zweckmäßige Handlungsweise -vor Urzeiten von einem Vorfahren zufälligerweise angewendet wurde. -Da sich die Handlungsweise als zweckmäßig erwies, so kam das Tier -dadurch in einen Vorteil vor seinen Artgenossen. Es vererbte seine zweckmäßige -Handlungsweise auf seine Nachkommen.</p> - -<p>Diese Erklärung ist sehr gelehrt, ist aber mit den Tatsachen durchaus -unvereinbar. Elefantenherden überschreiten die Gebirge an den günstigsten -Stellen, so daß sie seit Urzeiten für die Menschen als Lehrmeister im<span class="pagenum"><a name="Page_135" id="Page_135">[Pg 135]</a></span> -Wegebau dienen. Genau so ist der Eisbär in unwegsamen Polarländern -der Wegweiser für Polarreisende. Wir können uns keine Vorstellung -davon machen, woran ein Elefant bei einem riesigen Gebirge den zum -Ueberschreiten günstigsten Paß erkennt. Sein Auge ist obendrein auffallend -schwach, und sein feiner Geruch kann ihm am Fuße eines Gebirgsstocks -ebenfalls nichts nützen.</p> - -<p>Elefanten bleiben stets in Herden. Es ist also ausgeschlossen, daß ein -einzelner Elefant durch Zufall die Uebergangsstelle gefunden hat.</p> - -<p>Wäre der Instinkt eine vererbte Fähigkeit, so müßte sie versagen, -sobald neue, ungewohnte Verhältnisse vorliegen. Ist das der Fall?</p> - -<p>In der Wirklichkeit ist davon nichts zu merken. Im achtzehnten -Jahrhundert hat ein Sonderling in der Nähe von Kassel eine Affenkolonie -gegründet. Diese Tiere bewegten sich vollkommen frei und gediehen -trotz unserer kalten Winter prächtig.</p> - -<p>Wir müssen unsere Kinder immer wieder warnen, daß sie keine unbekannten -Früchte oder Beeren essen. Trotzdem kommen alljährlich Vergiftungsfälle -vor. Woher wußten nun die Affen, welche Beeren und -Früchte für sie bekömmlich waren oder nicht? Sie stammten aus Afrika, -und ihr vererbtes Wissen konnte ihnen in Deutschland doch nichts nützen.</p> - -<p>Früher gab es kein Saccharin und keine Kunstwaben. Wenn der -Instinkt auf Vererbung beruht, so müßten die Bienen dem Saccharin und -den Kunstwaben ratlos gegenüberstehen. Das Gegenteil ist eingetreten, -wie die Bienenzüchter übereinstimmend bekunden. Alle Bienen haben -das Saccharin abgelehnt, und alle haben die Kunstwaben benützt. Die -Sache mit dem Saccharin können wir uns zur Not erklären. Der Süßstoff -hat den feinriechenden Bienen übel gerochen. Aber weshalb alle -Bienen die Kunstwaben angenommen haben, bleibt ein vollkommenes -Rätsel.</p> - -<p>Wir müssen uns also bescheiden und offen zugeben, daß wir vorläufig -für den Instinkt keine zufriedenstellende Erklärung geben können.</p> - -<p>Auch bei uns Menschen spielt der Instinkt eine weit größere Rolle, -als man gewöhnlich annimmt. Insbesondere lassen sich Frauen von ihren -Instinkten in vielen Fällen leiten. Es kommt oft vor, daß eine Frau -erklärt, wenn ihr Mann einen Bekannten einführt: »Schaffe mir diesen -Menschen aus den Augen – ich kann ihn nicht leiden!« Einen Grund -für diese Abneigung kann sie nicht angeben, aber sie verläßt sich auf ihren -Instinkt.</p> - -<p>Vielleicht ist unser Erstaunen über die durch den Instinkt veranlaßten -zweckmäßigen Handlungen ganz unbegründet. Denn das Leben wäre -kein Leben, wenn ein freilebendes Tier nicht seine Feinde und seine -Nahrung kennen würde, schwimmen könnte usw. Diese Fähigkeiten gehören -also zum Begriffe des Lebens. Sie verschwinden da, wo sie zum -Leben nicht mehr erforderlich sind, beispielsweise bei den Haustieren -und Menschen. Der Mensch kann durch sein Gehirn die meisten Instinkte -ersetzen.</p> - -<p>Hiernach müßten wir uns nicht über die Instinkte der Tiere wundern, -sondern darüber, daß wir als Menschen so wenige haben.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_136" id="Page_136">[Pg 136]</a></span></p> - - -<h3><a name="kap_70" id="kap_70">70</a>. Das Gedächtnis des Pferdes.</h3> - -<p>Jeder Kutscher wird uns bestätigen, daß Pferde ein ausgezeichnetes -Gedächtnis besitzen. Selbst in der Großstadt kann man solche Leistungen -bewundern. So war vor dem Weltkriege unser Brotkutscher einmal erkrankt -und hatte nach Art dieser Leute kein Verzeichnis seiner Kunden. -Da riet er, einen Mann auf den Bock zu setzen und in jedem Hause, wo -das Pferd anhielt, nach dem Kunden zu fragen. So erhielten sämtliche -Kunden ihr Brot.</p> - -<p>Das Gedächtnis der Tiere ist vielfach besser als das des Menschen. -Schon im Altertum hat man das gewußt. Denn der Held Odysseus, der -nach 20 Jahren in seine Heimat zurückkehrt, wird von keinem Menschen -wiedererkannt, nur von seinem treuen Hunde. Wenn man auf einem -langgestreckten Jagdrevier die geschossenen Hasen nicht alle mitschleppen -will, sondern in ein Gebüsch steckt, um sie bei der Rückkehr mitzunehmen, -so ist der Jäger abends oft im Zweifel, ob und wo er morgens einen -Hasen versteckt hat. Der Hund dagegen weiß immer Bescheid. Das Gedächtnis -kann also keine geistige Gabe sein, sonst könnte sie beim Tiere -nicht stärker entwickelt sein als beim Menschen. Da auch Kinder ein -besseres Gedächtnis haben als der Erwachsene, so geht auch hieraus hervor, -daß es sich um keine geistige Fähigkeit handelt.</p> - -<p>Das Tier hat aber ein hervorragendes Gedächtnis nur für Dinge, die -es interessieren. Die rechnenden Pferde in Berlin und Elberfeld waren -insofern Ausnahmeerscheinungen, als sie sich für Sachen interessierten, -die einem Pferde sonst ganz fernliegen, nämlich Lesen, Schreiben und -Rechnen. Von einem wirklichen Verstehen unserer Sprache, sowie von -einem wirklichen Rechnen kann natürlich keine Rede sein. Vielmehr hatten -sich die Pferde vermittels ihres vortrefflichen Gedächtnisses gemerkt, -was sie auf gewisse Laute für Hufbewegungen zu machen hatten. Der -sogenannte kluge Hans in Berlin klopfte also neunmal mit dem Hufe auf, -wenn sein Lehrmeister, Herr von Osten, ihn fragte: Wieviel ist 7 und 2? -Er hatte die richtige Antwort in mehrjährigem Unterricht so oft gehört, -daß er die Frage spielend leicht beantworten konnte.</p> - -<p>Neuerdings sind in Stuttgart Versuche über die geistigen Fähigkeiten -der Hunde angestellt worden, woraus sich ergibt, daß Hunde trotz ihres -schwachen Gesichts die Anzahl von Gegenständen schneller erfassen als der -Mensch. Das halte ich für durchaus möglich. Es ist für den Wolf, den -Fuchs und andere hundeartige Tiere von großer Bedeutung, die Anzahl -der Pflanzenfresser, also die Zahl der zu einem Rudel gehörigen Hirsche, -die Zahl der Küchlein bei einer Wildente und in ähnlichen Fällen genau -zu wissen. Was dagegen sonst von den Aussprüchen der ihre Ansicht -klopfenden Hunde mitgeteilt wird, steht in völligstem Widerspruch mit -unseren bisherigen Anschauungen über die geistigen Fähigkeiten der Tiere. -Man wird daher erst abwarten müssen, um die Ergebnisse nachzuprüfen. -Vorher kann man zu ihnen keine Stellung nehmen.</p> - -<p>Es ist klar, daß ein Pferd, das neunmal klopft, auf die Frage 7 und 2, -deshalb noch nicht rechnen kann. Denn die Zahlen 7 und 2 sind abstrakte, -d. h. gedachte Begriffe. Es ist schon zweifelhaft, ob ein Tier an<span class="pagenum"><a name="Page_137" id="Page_137">[Pg 137]</a></span>schauliche -Begriffe versteht, z. B. den Begriff Hund, Pferd usw. Diese -Frage wird man wohl bejahen können. Dagegen haben wir nirgends den -geringsten Anlaß, um anzunehmen, daß ein Tier für gedachte Begriffe -Verständnis besitzt.</p> - -<p>Das Tier kann also die Zahlen klopfen, wie ein Kind ein Wort nachplappert. -Aber von einem Verständnis hierfür sind beide weit entfernt.</p> - -<p>Menschen, die über solche Sachen nicht nachgedacht haben, verfallen -leicht in die merkwürdigsten Irrtümer.</p> - - -<h3><a name="kap_71" id="kap_71">71</a>. Das Verständnis des Pferdes für Kommandoworte.</h3> - -<p>Ein lehrreicher Versuch wurde vor dem Kriege mit Militärpferden -angestellt. Jeder Kavallerist schwört darauf, daß die Pferde die Signale -verstehen. Weiß er doch, daß sie die nötigen Bewegungen viel richtiger -ausführen, wenn er das Tier sich allein überläßt, als wenn er es lenkt.</p> - -<p>Da von Gelehrten diese Angaben bezweifelt wurden, so sollte durch -eine Prüfung Klarheit in die Angelegenheit gebracht werden. Den Reitern -wurde aufs strengste befohlen, sich jeder Einwirkung auf das Pferd -zu enthalten. – Die Signale erklangen, und die Pferde rührten sich nicht -von der Stelle. Folglich, so schlossen die Gelehrten, verstehen die Pferde -nichts von den Signalen.</p> - -<p>Die Sache liegt in Wirklichkeit etwas anders. Sowohl der Kavallerist -irrt, als auch der Gelehrte irrt.</p> - -<p>Das Pferd weiß, daß, wenn ein bestimmtes Signal ertönt <em>und sein -Reiter gewisse Einwirkungen ausübt</em>, es bestimmte Bewegungen -machen soll. Bleibt jedoch bei dem ihm bekannten Signal der -Reiter wie ein Mehlsack sitzen, so wird das Pferd irre und weiß nicht, was -es tun soll.</p> - -<p>Der Kavallerist irrt also insofern, als er glaubt, das Pferd verstünde -das Signal als solches oder überhaupt einen Zuruf als solchen. Der Hund -versteht doch auch die Worte nicht als solche. Wenn ich ihm zurufe -»Komm!«, so kommt er nicht, weil er das Wort »Kommen« versteht. Er -weiß nur, daß, wenn er einen ganz bestimmten Laut hört, so soll er -kommen. Was das Wort bedeutet, weiß er nicht. Man kann deshalb -einen deutschen Hund mit französischen und englischen Wörtern dressieren -und tut es auch. Man denke an Apport, down (daun) usw. Ein Irrtum -aber ist es zu sagen, es genügen die Vokale des Befehls für den Hund. -Die Sachlage ist folgende. Der Hund in einer Familie hört einen Befehl, -beispielsweise »Peter, mach' schön!« von den einzelnen Familienmitgliedern -ganz verschieden ausgesprochen. Deshalb genügen die Vokale, um ihn -zur Ausführung des Befehls zu veranlassen. Hat der Hund jedoch nur -einen einzigen Herrn, so sind die Vokale gewöhnlich nicht ausreichend.</p> - -<p>Weil das Pferd von der Bedeutung des Signals ebenfalls keine -Ahnung hat, so glaubt es, daß es auf Signal <em>und</em> Einwirkung des -Reiters sich bewegen müßte.</p> - -<p>Die Gelehrten irren, wenn sie glauben, daß das Pferd gar kein Verständnis -für das Signal besäße. Wo kein Reiter oder Kutscher ist, ver<span class="pagenum"><a name="Page_138" id="Page_138">[Pg 138]</a></span>steht -das Pferd die Signale ausgezeichnet. Dafür kann man unzählige -Beweise anführen. Hierfür dürfte nachstehender genügen. Alltäglich kann -man auf dem Lande sehen, daß ein Landmann Dung ausbreitet. Hat -er die genügende Menge auf eine bestimmte Stelle gebracht, so ruft er -dem Pferde zu, daß es vorwärts gehen solle. Noch niemals habe ich -erlebt, das ein Pferd das nicht verstanden hätte. Hier weiß das Pferd, -daß es allein auf den Zuruf ziehen soll, denn der Lenker steht ja fern -vom Wagen. Den Inhalt des Zurufes versteht es natürlich nicht.</p> - -<p>Wir sehen also, daß es ungeheuer schwierig ist, über die geistigen -Gaben der Tiere ein Urteil abzugeben. Die Tiere sind uns durch manche -Sinne und ihre Instinkte überlegen. Hieraus erklärt es sich, daß die -einfachen Leute zu den Tieren, als zu ihren Lehrmeistern, emporsehen. -Dagegen sind solche zweckmäßige Handlungen, die auf Grund einer wirklichen -Ueberlegung erfolgen, bei Tieren sehr selten anzutreffen. Ja, man -möchte bezweifeln, ob sie überhaupt vorkommen.</p> - -<p>Das im Kampf ums Dasein stehende Tier hat ja auch keine Zeit zur -Ueberlegung, wie schon beim Scheuen erwähnt wurde. Bei Gefahren -überlegt der Mensch auch nicht erst lange. Sieht er in der Nähe einen -Löwen oder Tiger auftauchen, so verfällt der Mensch nicht erst in ein -längeres Grübeln und überlegt sich die Sache nach allen Seiten. Er richtet -sich vielmehr nach seinen Instinkten. Genau so ist es, wenn er durch einen -Brand geweckt wird. Angesichts der eindringenden Flammen denkt er -auch nicht daran, erst lange zu überlegen.</p> - -<p>Die Tiere haben also weniger Gehirn oder weniger Furchen im -Gehirn und mehr Instinkte, weil sie, die mitten unter Gefahren stehen, -mit einem Menschengehirn nichts anfangen könnten. Sie erreichen aber -mit ihren Instinkten mehr, als man denken sollte. Die menschenähnlichen -Affen werden in heißen Gegenden, wo die schrecklichsten Ungeheuer hausen, -alt und grau ohne Waffen, ohne Arzt und ohne alle anderen Hilfsmittel -des Europäers.</p> - -<p>Es ist also richtig, daß das Tier nicht die geistigen Gaben besitzt -wie der Mensch. Es ist aber der Schluß falsch, daß es deshalb weniger -als der Mensch leisten könne. Mit seinen schärferen Sinnen und seinen -Instinkten ist es vielmehr dem Menschen in vielen Sachen überlegen.</p> - - -<h3><a name="kap_72" id="kap_72">72</a>. Warum müssen wir das Pferd putzen?</h3> - -<p>Die Wildpferde werden nicht geputzt – warum müssen wir Menschen -es bei unseren Hauspferden tun? Hierauf wäre folgendes zu -antworten:</p> - -<p>Alle Einhufer haben die Gewohnheit, sich zu wälzen, was jedenfalls -zur Anregung ihrer Hauttätigkeit geeignet ist. Demselben Zwecke dient -wohl auch das gegenseitige Schaben der Pferde, das man bei Zweispännern -oft beobachten kann.</p> - -<p>Dadurch, daß wir das Pferd größer gezüchtet haben, ist seine Gelenkigkeit -beeinträchtigt worden, und ein Sichwälzen findet nicht mehr so -häufig statt wie früher.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_139" id="Page_139">[Pg 139]</a></span></p> - -<p>Beim Esel dagegen ist das Sichwälzen sehr beliebt. Hiermit hängt -die Redensart zusammen: Wo der Esel sich wälzt, da muß er Haare -lassen. Das heißt: Der Verbrecher soll von dem Gerichte abgeurteilt -werden, in dessen Bezirk seine Tat begangen worden ist.</p> - -<p>Das Putzen dient gewissermaßen als Ersatz des Sichwälzens. Wie -wichtig es für das Pferd ist, geht aus der Redensart hervor: Gut geputzt -ist halb gefüttert. Denn das Hauspferd hat im Gegensatz zum Wildpferd -schwer zu arbeiten und gerät deshalb häufig in Schweiß, was bei wilden -Einhufern selten vorkommt.</p> - - -<h3><a name="kap_73" id="kap_73">73</a>. Redensarten und Sprichwörter vom Pferde.</h3> - -<p>Besprochen sind bereits oder selbstverständlich sind folgende:</p> - - -<ul> -<li>Einem geschenkten Gaul sieht man nicht ins Maul.</li> - -<li>Ein gut Pferd ist seines Futters wert.</li> - -<li>Ein Pferd schabt das andere.</li> - -<li>Gut geputzt ist halb gefüttert.</li> - -<li>Es stolpert oft ein Pferd, das vier Füße hat.</li> -</ul> - - -<p>Von jemandem, der eine Sache verkehrt macht, sagt man:</p> - -<p class="m2">Er zäumt das Pferd von hinten auf.</p> - -<p>Dagegen heißt es von denen, die ihre Umgebung von oben herab behandeln, -daß sie</p> - -<p class="m2">auf hohem Pferde (Rosse) sitzen.</p> - -<p>Da nach allgemeiner Anschauung der Esel unendlich weniger wertvoll -ist als ein Pferd, so sagt man von dem, der aus einem hochstehenden Beruf -oder Amt in einen weniger hochstehenden gelangt:</p> - -<p class="m2">Er setzt sich vom Pferde auf den Esel.</p> - -<p>Eine unbestreitbare Wahrheit enthält der Vers:</p> - -<div class="poem"> -<p>Das Pferd, das am besten zeucht,</p> -<p>bekommt die meisten Streich.</p> -</div> - -<p>Unwillkürlich wird das Pferd am meisten ausgenutzt und infolgedessen -am meisten gepeitscht, von dem man weiß, daß es am besten ziehen kann.</p> - -<p class="m2">Gemietet Roß und eigene Sporen machen kurze Meilen.</p> - -<p>Der Mensch liebt es, fremde Sachen, die ihm geliehen wurden, nach Möglichkeit -auszunützen. Seinem eigenen Pferde würde er Erholung gönnen, -aber ein fremdes hat sie nach seiner Anschauung nicht nötig. Er wird sich -für ein fremdes Pferd die schärfsten Sporen nehmen und diese fleißig -gebrauchen. So gelangt er schnell zum Ziel.</p> - -<p class="m2">In den Sielen sterben</p> - -<p class="noindent">sagt man von einem Menschen, der wie ein Arbeitspferd bis zum letzten -Augenblicke tätig war.</p> - -<p>In meiner Gegend war die Redensart üblich:</p> - -<p class="m2">Die rauhsten Fohlen werden die glattsten Pferde.</p> - -<p>Mein Vater hat sich oft damit getröstet, wenn wir Knaben wieder einmal -einen dummen Streich verübt hatten.</p> - -<div class="figcenter"> -<a name="fig115" id="fig115" href="images/illu-115.jpg"><img src="images/illu-115_t.jpg" width="300" height="184" alt="Pferdekoppel" /></a> -<div class="caption">Pferdekoppel</div> -</div> - -<div class="figcenter"> -<a name="fig116_1" id="fig116_1" href="images/illu-116_1.jpg"><img src="images/illu-116_1_t.jpg" width="300" height="240" alt="Pferde in der Schwemme" /></a> -<div class="caption">Pferde in der Schwemme</div> -</div> - - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_140" id="Page_140">[Pg 140]</a></span></p> - -<h2> -<img src="images/esel_maultier.jpg" width="600" height="102" alt="Esel und Maultier" /> -<br /> -<span class="hidden">Esel und Maultier</span> -</h2> - -<h3><a name="kap_74" id="kap_74">74</a>. Das Aeußere des Esels.</h3> - -<p class="cap">In früheren Jahren konnte man in der Großstadt häufiger Eselfuhrwerke -sehen. Jetzt müssen wir es als ein besonderes Glück betrachten, -daß wir ein solches zu Gesicht bekommen und uns näher ansehen -können.</p> - -<p>Aeußerlich fallen am Esel seine langen Ohren, seine graue Farbe, -seine Kleinheit, sein fast kahler Schweif Und seine zierlichen Hufe auf. Er -sieht aus wie ein kleines Pferd mit gewissen Abweichungen. Natürlich -ist er unserem Pferde nahe verwandt.</p> - -<p>Im Volke ist er sprichwörtlich wegen seiner Dummheit, Langsamkeit, -Faulheit und seiner Genügsamkeit. Nach allgemeiner Ansicht sind Disteln -sein liebstes Futter.</p> - -<p>In südlichen Ländern, beispielsweise in den am Mittelländischen -Meere gelegenen Staaten wird niemand dieses Urteil unterschreiben. Dort -ist der Esel ein unbezahlbarer Gehilfe, der trotz seiner kleinen Gestalt die -größten Lasten trägt. Ein altgriechischer Dichter vergleicht einen der -stärksten Helden mit einem Esel, um den Kämpfer zu ehren.</p> - -<p>Auch hier gibt uns die Abstammung des Esels Aufklärung über die -verschiedene Beurteilung des geplagten Geschöpfes. Wildesel leben in -den glühend heißen Ländern von Afrika und Mittelasien, und zwar in -gebirgigen Gegenden.</p> - -<p>Jetzt wird uns sofort verschiedenes klar, nämlich folgendes:</p> - -<p>Erstens, daß ein Tier, das aus den Gleichergegenden (Aequatorgegenden) -stammt, viel Wärme braucht. Das ist auch in der Tat der Fall. -In Deutschland ist es für den Esel bereits zu kalt. Deshalb gedeiht er -bei uns nicht ordentlich.</p> - -<p>Zweitens erklärt sich seine graue Färbung als Schutzfärbung. Sein -Fell stimmt mit den Felsen und dem Geröll seiner Heimat überein, so daß -er von seinen schlimmsten Feinden, dem Menschen und den großen Katzen, -schwer entdeckt wird.</p> - -<p>Auch der halbkahle Schweif hängt mit der Schutzfärbung zusammen. -Im Felsengewirr würde der dicke schwarze Streifen des Pferdes auffallen, -weil er sich von der vorherrschenden grauen Färbung abhebt, während -das in der Ebene viel weniger der Fall ist.</p> - -<p>Drittens verstehen wir seine zierlichen Hufe und seinen im Gebirge -so sicheren Gang. Das Gebirge ist ja seine Heimat, und wer sicher auf -kleinen Stellen im Gebirge auftreten will, darf nicht die unförmigen -Hufe eines flämischen Pferdes haben.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_141" id="Page_141">[Pg 141]</a></span></p> - -<p>Viertens. Auch die langen Ohren werden aus seinem Leben in der -Heimat verständlich. Wir sehen, daß alle Tiere sich durch auffallend lange -Ohren auszeichnen, die ihren eigentlichen Hauptsinn, den Geruch, nur -unter ungünstigen Umständen tätig sein lassen können. Das ist beispielsweise -beim Hasen, beim Wüstenfuchs und anderen Tieren der Fall. Der -Hase liegt mit aufgelegtem Kopfe in einer Bodenvertiefung. In dieser -Lage kann seine sehr feine Nase einen etwa 10 bis 20 Schritt entfernten -Menschen trotz günstiger Windrichtung nicht wittern, falls dieser, was -häufig der Fall ist, etwas höher steht. Denn die Ausdünstung des Menschen -geht über den Rücken des Hasen hinweg. Daher ist die irrige Ansicht -entstanden, daß der Hase nicht wittern kann. Wie vorzüglich er -riechen kann, sieht man in jedem Frühjahr, wenn er wie ein Jagdhund -in sausender Fahrt die Spur einer Häsin verfolgt.</p> - -<p>Auch der Esel hat, wie das Pferd, eine ausgezeichnete Nase. Aber -wie oft läßt sie ihn im Felsengewirr im Stich! Die Witterung des -Menschen, des Löwen oder eines anderen Raubtieres, die hinter einem -Felsen lauern, geht an dem Esel vorbei, ohne in das Riechgebiet der Nase -zu gelangen.</p> - -<p>Deshalb müssen sich Esel, Hase und Wüstenfuchs vor allen Dingen auf -ihr Gehör verlassen. Daher ihr fortwährendes Spitzen der Ohren. Daher -die ungewöhnliche Länge der Ohren bei den genannten Tieren.</p> - -<p>Die Dummheit des Esels ist nicht so groß, wie sie gewöhnlich hingestellt -wird. Sie hat in vieler Hinsicht dieselben Gründe wie die der -Schafe, bei denen wir davon noch sprechen wollen.</p> - -<p>Die Genügsamkeit des Esels ist für uns Menschen sehr wertvoll. Aber -es ist nicht richtig, daß Disteln ihm über alles gehen sollen. Wir werden -das gleich noch sehen.</p> - - -<h3><a name="kap_75" id="kap_75">75</a>. Warum sieht man selten kranke Esel?</h3> - -<p>Während das Pferd einer Unmenge von Krankheiten unterworfen ist, -muß man geradezu suchen, wenn man einen kranken Esel finden will. -Einen schönen Fall von dem ungewollten Selbstmord eines Esels erzählt -ein Naturforscher: Krank wird der Esel nicht leicht, und frißt er -sich einmal zu Tode, so geschieht es wenigstens nicht in böser Absicht, was -man aus folgender Tatsache entnehmen mag: Einer meiner Freunde besaß -einen alten und einen jungen Esel; als des letzteren Geburtstag gefeiert -wurde, ließen die Kinder auch den alten am Feste teilnehmen, gaben -ihm eine große Menge reinen Hafers, und da feierte er denn so eifrig, -daß er daran starb. –</p> - -<p>Solche Menschen, die sich den Geburtstag ihres Esels merken und -ihn gebührend feiern, sind sicherlich große Ausnahmen. Jedenfalls geht -aus dem Erlebnis hervor, daß der Esel Hafer noch viel lieber als Disteln -frißt.</p> - -<p>Wie alle Einhufer, hat der Esel einen kleinen Magen und obendrein -eine Klappe davor. Ein gesunder Einhufer kann sich also nicht übergeben. -Er platzt, wenn er zuviel gefressen hat.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_142" id="Page_142">[Pg 142]</a></span></p> - -<p>Wir haben vorhin (Kap. <a href="#kap_62">62</a>) darauf hingewiesen, daß das Pferd ein -Magerfresser ist. Der Esel ist es in noch höherem Grade. Gäbe man dem -Esel auch soviel Körnerfutter wie dem Pferde, so würde er auch koppen -und krank werden. Zum Glück verwöhnen wir den Esel nicht.</p> - -<p>Es dürften also folgende beiden Gründe sein, weshalb der Esel so -selten, das Pferd so häufig krank ist.</p> - -<p>Einmal haben wir dem Esel die dürre Fütterung seiner Heimat gelassen, -weil es uns sehr angenehm ist, daß er so genügsam ist.</p> - -<p>Sodann haben wir den Esel so gelassen, wie ihn die Natur geschaffen -hat.</p> - -<p>Das Pferd dagegen haben wir größer gezüchtet, weil wir große Tiere -brauchten. Um die Größe zu erzielen, müssen wir viel Körner verfüttern, -was für ein Steppentier nicht naturgemäß ist.</p> - -<p>Das Pferd würde noch viel häufiger erkranken, wenn es nicht als -Haustier die gesündeste Tätigkeit ausübte. Es ist den ganzen Tag in -der frischen Luft und arbeitet sich aus. Wie gesundheitsfördernd das für -das Pferd ist, ersehen wir an einer an Feiertagen nicht selten auftretenden -Krankheit, der sogenannten Osterwinde. Die Pferde bleiben im Stalle -und bekommen zur Feier des Tages ihr übliches Körnerfutter. Die -Folge davon ist nicht selten eine furchtbar schwere Erkrankung, die Osterwinde.</p> - - -<h3><a name="kap_76" id="kap_76">76</a>. Ziehhund oder Esel?</h3> - -<p>Wir haben uns jetzt das Aeußere des Esels verständlich gemacht und -wollen jetzt die Frage besprechen, weshalb man nicht allgemein statt der -Ziehhunde Esel verwendet.</p> - -<p>Seit vielen Jahren wird gegen die Verwendung der Hunde zum -Ziehen gewettert. Diese Bestrebungen zeugen von dem guten Herzen der -Beteiligten und sollen deshalb sorgfältig geprüft werden. Allerdings ist -auch in diesem Falle, wie bei den Hüten für die Omnibuspferde, vielfach -Sachkunde zu vermissen.</p> - -<p>Die Verwendung des Hundes zum Ziehen ist eine Tierquälerei, falls</p> - -<p class="block">1. der Hund übermäßig lange angestrengt wird oder übermäßige -Lasten zu ziehen hat,</p> - -<p class="block">2. Fütterung und Tränkung nicht genügend ist,</p> - -<p class="block">3. der Hund als früheres Nachttier bei glühender Mittagshitze ziehen -muß,</p> - -<p class="block">4. an den Ruhestellen kein trockenes Plätzchen zum Hinlegen ist,</p> - -<p class="block">5. er bei Kälte an den Ruhestellen nicht zugedeckt wird.</p> - -<p>Pferde und Esel brauchen sich nicht hinzulegen zur Ruhe, wohl aber -der Hund.</p> - -<p>Pferden erfrieren trotz der größten Kälte nicht die Beine, wohl aber -dem Hunde.</p> - -<p>Ein Sachverständiger äußert sich über die vorliegende Streitfrage -folgendermaßen:</p> - -<p>In vielen Gegenden spannen Leute, die oft geringe Lasten zu befördern -haben, statt der Esel Hunde vor, was schon oft getadelt, aber doch<span class="pagenum"><a name="Page_143" id="Page_143">[Pg 143]</a></span> -nicht abgeschafft ist. – Ziehen wir zwischen beiden einen Vergleich, so -stellt sich folgendes heraus: Der Hund ist leichter zu haben, weil er sich -sehr stark vermehrt, ist wohlfeiler, weil er ein Jahr alt schon angespannt -werden kann und weil er oft von Leuten, die ihn zu Jagd- oder -Metzgergeschäften dressieren wollten, aber dann unbrauchbar fanden, sehr -billig verkauft oder gar verschenkt wird. Soll ein Hund jung kräftig -wachsen, älter tüchtig ziehen, so muß er tüchtig und gut gefüttert werden, -und seine Ernährung kann leicht ebensoviel kosten wie die eines Esels. -Zu Hause kann er auch durch Nagen, Totbeißen anderen Hausviehes usw. -manchen empfindlichen Schaden tun, der beim Esel nicht vorkommt.</p> - -<p>Der Esel hat den großen Vorzug, daß er ebensowohl tragen als -ziehen, daß er 30 bis 40 Jahre tüchtig arbeiten kann, während ein -Hund kaum 8 Jahre aushält und jedenfalls nur geringere Lasten fortschafft. -– Bei diesen Vorzügen des Esels erklärt sich seine Seltenheit nur -daraus, daß er in der Jugend 2 bis 3 Jahre lang gefüttert werden muß, -bevor er außer dem Ertrag seines gut düngenden Mistes, Nutzen bringt, -ferner, daß er bei geringerer Vermehrung nicht leicht zu haben, endlich, -daß er aus eben diesen Gründen nicht wohlfeil ist. – Ganz anders möchte -sich das Verhältnis gestalten, wenn Besitzer großer Güter oder Aktiengesellschaften -eine kleine, aber kräftige Eselsrasse in Menge zögen und -wohlfeil verkauften. – Würden statt der Esel Pferdchen kleinster Rasse -gezogen, so würde das Unternehmen noch willkommener sein. –</p> - -<p>Der Sachverständige befindet sich im Irrtum, wenn er die Gebrauchszeit -eines Ziehhundes auf knapp acht Jahre angibt. Ich kenne eine -Menge, die bis zum fünfzehnten Jahre gezogen haben. Das ist auch der -beste Beweis, daß mäßiges Ziehen für einen großen Hund sehr gesund ist.</p> - -<p>Der Kohlenhändler und andere Kellerbewohner haben deshalb einen -Ziehhund, weil er in einer Ecke des Kellers sein Lager haben kann und -obendrein noch wacht. Wo sollen sie einen Esel oder ein kleines Pferd -unterbringen? Futter für einen Hund ist immer noch leichter in einer -Großstadt zu beschaffen als Futter für einen Einhufer.</p> - -<p>Manche Menschen bilden sich auf ihre Tierfreundlichkeit etwas ein, -wenn ihr großer Hund den Tag über auf dem Teppich liegt und als -einzige Bewegung das mehrmalige Hinausführen auf die Straße hat. -In Wirklichkeit liegt hier eine Tierquälerei vor, weil der Hund als zur -Bewegung geschaffenes Raubtier hierbei verkümmern muß. Ebenso -sind Maulkörbe mit einer ledernen oder blechernen Absperrung vor der -Nase, die den Hund am Riechen hindert, als Tierquälerei zu bezeichnen. -Noch schlimmer sind die armen Zwingerhunde daran. Warum hier nicht -die Tierschutzvereine eingreifen, ist schwer zu verstehen. Ich habe manchen -Aufenthalt in Jagdrevieren nur deshalb vorzeitig abgebrochen, weil ich -auf die Dauer das zum Herzen gehende Geheul der armen Zwingerhunde -nicht aushalten konnte.</p> - -<p>Um Mißverständnisse zu vermeiden, erkläre ich ausdrücklich, daß ich -ebenfalls grundsätzlich gegen die Verwendung des Hundes zum Ziehen -bin, weil die aufgezählten Bedingungen in der Praxis nicht immer -berücksichtigt werden.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_144" id="Page_144">[Pg 144]</a></span></p> - - -<h3><a name="kap_77" id="kap_77">77</a>. Wie ist der Esel mit dem Maultier verwandt?</h3> - -<p>Maultiergespanne brauchen wir jetzt in der Großstadt nicht lange -zu suchen. Da taucht bereits ein solches vor uns auf, das einer Brauerei -gehört.</p> - -<p>Die Verwandtschaft mit dem Esel ist, wie wir sehen, sehr groß. -Lange Ohren, dünn behaarter Schwanz und zierliche Hufe fallen uns -sofort in die Augen. Auch fehlt dem Maultier der stolze Ausdruck, den -wir beim Pferde lieben. Das Maultier hat als Mutter ein Pferd und als -Vater einen Esel. Beim Maulesel ist es umgekehrt. Uebrigens ist es -bestritten, ob es irgendwo wirkliche Maulesel gibt.</p> - -<p>Was sonst selten vorkommt, können wir beim Maultier beobachten. -Es vereinigt die Vorzüge des Pferdes mit denen des Esels, nämlich die -Größe und Kraft des Pferdes mit dem sicheren Tritt des Esels. In -gebirgigen und warmen Ländern sind daher Maultiere sehr geschätzt.</p> - -<p>Ferner ist das Maultier wie der Esel viel gesünder als das Pferd. -Das ist ein ungeheurer Vorzug. Es würde auch bei uns verbreiteter sein, -wenn es nicht manche unangenehmen Eigenschaften besäße. So ist es -störrisch und liebt es sich zu wälzen. Das ist besonders unangenehm, -wenn es soeben geputzt worden ist.</p> - - -<h3><a name="kap_78" id="kap_78">78</a>. Wie erklärt sich die Abneigung des Pferdes gegen den Esel?</h3> - -<p>Trotzdem Pferd und Esel beide Einhufer sind, hat das Pferd eine -Abneigung gegen den Esel. Um ein Maultier zu züchten, muß man -deshalb künstlich diese Abneigung unterdrücken. Die Maultiere selbst -pflanzen sich nicht fort.</p> - -<p>Man bekommt ein Verständnis für den Widerwillen, den nahe -verwandte Tiere oft gegeneinander haben, wenn man sich die Folgen -einer Paarung vorstellt. Das Pferd ist Bewohner der Steppe und -Meister im Rennen. Der Esel ist dagegen im Gebirge zu Hause und ein -vorzüglicher Kletterer. Gäbe es in der Freiheit Maultiere, also Abkömmlinge -von Pferd und Esel, so könnte ein Maultier nicht so rennen -wie seine Mutter und würde von den Wölfen zuerst eingeholt werden. -Aber auch im Gebirge könnte es nicht so klettern wie sein Vater und -fiele deshalb auch hier zuerst den Feinden zur Beute.</p> - - -<h3><a name="kap_79" id="kap_79">79</a>. Warum schreit der Esel Ya?</h3> - -<p>Das uns höchst unangenehme Geschrei des Esels, das an unser Ja -erinnert, hat zu unzähligen Witzen Anlaß gegeben. Will der Esel im -Gebirge eine Eselin finden, so wäre es zwecklos, wenn er wie ein Kulturmensch -sänge. Dagegen dringt sein Geschrei bis zu den langen Ohren -der Eselin, wie auch das Jodeln der Tiroler ganz für das Gebirge geschaffen -ist.</p> - - -<h3><a name="kap_80" id="kap_80">80</a>. Die Rassen des Esels.</h3> - -<p>Man unterscheidet drei Formen grauer Esel: Hausesel, Nubischer -Steppenesel und Somali-Wildesel. Der Hausesel wird verschieden groß.<span class="pagenum"><a name="Page_145" id="Page_145">[Pg 145]</a></span> -Es gibt Esel in Südarabien und in Frankreich, welche die Größe eines -guten Pferdes erreichen. Umgekehrt kommen auf einigen Inseln Zwergesel -vor, die nicht so groß werden wie ein großer Hund.</p> - - -<h3><a name="kap_81" id="kap_81">81</a>. Der Esel im Sprichwort und in Redensarten.</h3> - -<p>Der Esel gilt als dummes und verachtetes Tier, besonders bei uns. -Daher sagt man</p> - -<p class="center"><em>Auf den Esel kommen, sich auf den Esel setzen.</em></p> - -<p>Das heißt aus einer geachteten Stellung in eine niedere treten.</p> - -<p class="center"><em>Den Esel reiten</em>,</p> - -<p class="noindent">eine beschimpfende Strafe erleiden.</p> - -<p>In Zusammenhang hiermit steht:</p> - -<p class="center"><em>einen auf den Esel setzen oder bringen</em>,</p> - -<p class="noindent">was soviel heißt wie einen erzürnen.</p> - -<p class="center"><em>Den Esel läuten</em>,</p> - -<p class="noindent">d. h. die hängenden Beine vorwärts und rückwärts baumeln lassen.</p> - -<p class="m2"><em>Wenn's dem Esel zu wohl ist, dann geht er aufs -Eis und tanzt oder er geht aufs Eis tanzen und -bricht sich ein Bein.</em></p> - -<p>Das hat gewiß noch niemand gesehen. Aber der Mensch braucht eine -Zielscheibe für seinen Spott. Da nun der Esel als sehr dumm gilt, und -sich nicht verteidigen kann, so unterstellt man ihm die geschilderte Torheit.</p> - -<p class="center"><em>Eselsbrücke.</em></p> - -<p>Nach Grimm versteht man darunter eine Schwierigkeit, vor der Unwissende -stutzen, wie der Esel vor einer Brücke.</p> - -<p>Diese Erklärung befriedigt nicht, denn das Stutzen des Esels vor der -Brücke ist gewiß sehr selten.</p> - -<p>Der Lehrer nennt die Uebersetzung, die ein Schüler benützt, eine -Eselsbrücke. Das geschieht aus dem Grunde, weil der Esel als Wüstentier -sehr wasserscheu ist und statt durchs Wasser zu schreiten, eine Brücke -braucht. Der Lehrer meint also: Anstatt mit geringer Anstrengung den -lateinischen Schriftsteller zu übersetzen, kaufst du dir eine Uebersetzung. -Du machst es also wie der Esel, der ohne Mühe das Wasser durchschreiten -könnte, aber statt dessen eine Brücke verlangt. Eselsbrücke heißt -also eine ganz überflüssige Erleichterung.</p> - -<p class="center"><em>Eselsohren</em></p> - -<p class="noindent">werden die Einbiegungen der Blätter in Büchern genannt.</p> - -<p class="center"><em>Wo sich der Esel wälzt, muß er Haare lassen</em></p> - -<p class="noindent">ist bereits erklärt worden.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_146" id="Page_146">[Pg 146]</a></span></p> - - -<div class="figcenter"> -<a name="fig116_2" id="fig116_2" href="images/illu-116_2.jpg"><img src="images/illu-116_2_t.jpg" width="300" height="193" alt="Rumänische Hausierer mit ihren Eseln" /></a> -<div class="caption">Rumänische Hausierer mit ihren Eseln</div> -</div> - - -<h2> -<img src="images/das_rind.jpg" width="600" height="102" alt="Das Rind" /> -<br /> -<span class="hidden">Das Rind</span> -</h2> - - -<h3><a name="kap_82" id="kap_82">82</a>. Warum können wir nicht auch fette Schweizerkäse herstellen?</h3> - -<p class="cap">Die Zeiten sind lange vorbei, wo man in den Straßen Berlins noch -Rinderherden sah, wie ich es in meinen jungen Jahren erlebt -habe. Heute rennt die ganze Jugend Berlins zusammen, wenn eine Kuh -nach oder von einer Molkerei befördert wird. Alle staunen das Wundertier -an. Was im Dorfe die alltägliche Erscheinung ist, gehört in der Großstadt -zu den Seltenheiten.</p> - -<p>Um eine weidende Rinderherde zu beobachten, müssen wir schon ein -ordentliches Stück Weg laufen. Das Glück ist uns hold. Wir treffen -eine Herde von Kühen an und können in Ruhe den Tieren zuschauen.</p> - -<p>Da in der Nähe auch ein Pferd grast, so können wir so recht den -Unterschied zwischen dem Weiden des Pferdes und der Rinder beobachten. -Das Pferd packt die Gräser mit der sehr beweglichen Oberlippe und -beißt kurz ab, die Kuh dagegen arbeitet hauptsächlich mit der Zunge, die -ihr die fehlenden oberen Schneidezähne ersetzt. Schlächter haben mir oft -erklärt, daß man mit einer getrockneten Rinderzunge einen Stuhl zusammenschlagen -kann. Ich habe es in diesen Zeiten der Fleischnot noch -nicht ausprobieren können, halte es aber sehr wohl für möglich. Jedenfalls -ist die Zunge beim Rinde ein äußerst wichtiges Glied.</p> - -<p>Weil die Kuh das Gras mit der Zunge packt, wird es nicht so tief -abgebissen. Daher kommt es, daß, wo Kühe gegrast haben, noch sehr -gut Pferde weiden können.</p> - -<p>Die äußerlich auffallendsten Unterschiede zwischen Rindern und -Pferden sind namentlich folgende:</p> - -<p class="m2">Die Rinder haben Hörner, die Pferde nicht.</p> - -<p class="m2">Die Rinder sehen plump aus, die Pferde nicht.</p> - -<p class="m2">Die Rinder haben gespaltene Hufe, die Pferde nicht.</p> - -<p class="m2">Die Rinder haben einen langen, kahlen Schwanz, der mit einer -Quaste endet, während Pferde einen schönen, bis zur Wurzel behaarten -Schweif besitzen.</p> - - -<p>Wenn wir so die Kühe behaglich im hohen Grase weiden sehen, dann -taucht unwillkürlich die Frage auf, weshalb wir nicht, wie die Schweizer, -auch schöne fette Käse herstellen können. Warum müssen wir unser -schönes Geld an sie abgeben?</p> - -<p>Die Antwort darauf ist folgende: Wir können aus zwei Gründen -solche Käse nicht herstellen. Einmal fehlt uns das Gebirgsgras und dann -die Gebirgsweiden.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_147" id="Page_147">[Pg 147]</a></span></p> - -<p>Gras ist nämlich nicht Gras, wie der Großstädter meint, sondern -das Gebirgsgras ist so kräftig, daß eine Kuh, die sonst 36 Pfund -Niederungsgras frißt, nur 24 Pfund Gebirgsgras braucht.</p> - -<p>Im Zoologischen Garten können wir die Verschiedenheit der Grasarten -recht deutlich beobachten. Gemsen leben nicht lange im Zoologischen -Garten und pflanzen sich noch seltener darin fort. Dabei gibt es -doch in Bayern noch zahlreiche Gemsen. Sie sind also heimische Tiere. -Aber in der Gefangenschaft fehlt ihnen das gewürzige Gebirgsheu. Was -wir ihnen vorsetzen, ist nicht ihr Fall.</p> - -<p>Pferde in den Alpen brauchen keinen Hafer, weil das Gebirgsgras -so kräftig ist.</p> - -<p>Es ist klar, daß dieses Gebirgsgras eine viel fettere Milch und demgemäß -einen viel fetteren Käse liefert.</p> - -<p>Nun kommt hinzu, daß oben in den Gebirgsweiden die Verhältnisse -für die Kühe viel günstiger liegen. Bei uns in der Ebene werden die -Kühe mit dem Eintritt des Sommers dermaßen von Insekten belästigt, -daß sie in beständiger Unruhe sind, und der Ertrag der Milch darunter -sehr leidet.</p> - -<p>Ganz anders ist es auf den Alpenweiden. Die Rinder können -daher behaglich und ohne fortwährend gepeinigt zu werden, sich dem -Fressen und Wiederkäuen widmen.</p> - -<p>Die Schweiz hat also durch Natur gegebene Vorzüge, die wir nicht -nachmachen können. Auch ist die Art der Herstellung von örtlichen Verhältnissen -abhängig.</p> - - -<h3><a name="kap_83" id="kap_83">83</a>. Der Stier und die rote Farbe.</h3> - -<p>Bei der Rinderherde befindet sich auch ein Stier oder Bulle. Er -ist noch ein ziemlich junges Tier und deshalb allem Anscheine nach noch -umgänglich. Aelteren Stieren ist gewöhnlich schlecht zu trauen.</p> - -<p>Es dürfte bekannt sein, daß besonders der Stier eine ausgesprochene -Abneigung gegen die rote Farbe hat. Es ist schon oft Unglück dadurch -entstanden, daß Menschen, die von dieser Eigentümlichkeit nichts wußten, -den Stier ahnungslos gereizt haben und infolgedessen schwer verletzt, ja -getötet worden sind.</p> - -<p>Was veranlaßt den Stier zu diesem Hasse auf die rote Farbe?</p> - -<p>Wir kennen heute noch nicht genau die Stammeltern unserer Hausrinder. -Aber es ist sicher, daß sie wie alle Wildrinder ihren größten -Feind in den Katzen haben. Besonders der Tiger macht eifrig auf Wildrinder -Jagd.</p> - -<p>Die rote Farbe läßt wahrscheinlich den Stier an seinen grimmigsten -Feind denken. Da der Stier nicht wie ein Pferd flüchtet, sondern mit -seinem Gegner auf Tod und Leben kämpft, so ist der wütende Angriff -des Stieres auf einen Menschen mit roter Kleidung verständlich.</p> - -<p>Die Abneigung des Truthahns gegen die rote Farbe dürfte denselben -Grund haben. Wir werden bei der Schilderung des Truthahns -näher darauf zu sprechen kommen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_148" id="Page_148">[Pg 148]</a></span></p> - - -<h3><a name="kap_84" id="kap_84">84</a>. Das Flotzmaul der Rinder.</h3> - -<p>Bei den weidenden Rindern beobachten wir ferner, daß sie im -Gegensatz zu dem Pferde ein Flotzmaul besitzen, d. h. eine breite haarlose -und feuchte Stelle zwischen den Nasenlöchern.</p> - -<p>Weshalb hat wohl das Rind einen solchen Nasenspiegel, den wir in -ähnlicher Form bei Büffeln, Hirschen und anderen Pflanzenfressern -finden?</p> - -<p>Der Nasenspiegel ist sehr empfindlich und deshalb hindert er die -Rinder, brennende und stachlige Pflanzen zu fressen. Während der -Kriegsjahre konnte ich das sehr häufig im Zoologischen Garten beobachten. -Die Futterration war nur knapp, und deshalb das Verlangen nach -etwas Ersatz sehr groß. Im Spätsommer wachsen nun in den Ständen -eine Unmenge Brennesseln. Das schöne Grün stach den Zebus, den -indischen Rindern, in die Augen, und sie suchten immer wieder die -Brennesseln zu fressen. Doch das empfindliche Flotzmaul trieb die Zebus -immer wieder zurück. Nur junge oder verwelkte Brennesseln scheinen -von Rindern gefressen zu werden.</p> - -<p>Das Flotzmaul ist stets feucht und empfindlich wie beim Hunde die -Nase und zwar aus denselben Gründen. Bei Wildrindern ist das Flotzmaul -auch stets schwärzlich wie die Nase der Wildhunde.</p> - - -<h3><a name="kap_85" id="kap_85">85</a>. Die Furcht der Rinder vor dem Blutgeruch.</h3> - -<p>Wenn wir unter uns einen Schlächter hätten, der eben geschlachtet -hat, so könnte seine Witterung die ganze Rinderherde in Aufruhr versetzen.</p> - -<p>Es braucht natürlich nicht gerade ein Schlächter zu sein. Es genügt, -daß ein Jäger einen erlegten Rehbock im Rucksack trägt, dessen Blut von -den Kühen gewittert wird. Ausschlaggebend ist stets der Blutgeruch. Es -genügt also, daß wir die Hände in Blut getaucht oder daß wir ein -Kleidungsstück mit Blut getränkt haben.</p> - -<p>Der Grund des Verhaltens der Rinder ist einleuchtend, sobald wir -an die Lebensweise der Wildrinder denken. Unzählige Male ist es vorgekommen, -daß ein weidendes Rind gar nicht gemerkt hatte, daß ein -Raubtier ein Kalb getötet oder einen Kameraden überfallen hatte. Die -Anwesenheit des Raubtieres nahm es regelmäßig erst durch den Blutgeruch -wahr.</p> - -<p>Blutgeruch und zwar Geruch vom Blut eines Pflanzenfressers und -Anwesenheit eines Raubtieres ist also für ein Rind so ziemlich dasselbe.</p> - -<p>Hat daher ein Schlächter einen Kuhstall betreten, etwa um ein Kalb -zu besichtigen, das er kaufen will, so sind die Kühe den ganzen Tag -unruhig, was den Landleuten wohl bekannt ist.</p> - -<p>Auch das Schlachthaus wollen Rinder nicht betreten, weil ihre -feine Nase ihnen sagt, daß ihnen der Tod droht. Oft habe ich zugesehen, -welche Anstrengungen erforderlich sind, um eine Kuh in den Schlachtraum -zu bringen.</p> - -<p>Die Furcht vor dem Blutgeruch besitzen auch Pferde, wovon schon -früher (Kap. <a href="#kap_67">67</a>) die Rede war.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_149" id="Page_149">[Pg 149]</a></span></p> - - -<h3><a name="kap_86" id="kap_86">86</a>. Die Furcht der Rinder vor den Bremen.</h3> - -<p>In große Aufregung könnten wir die Herde auch versetzen, wenn -wir das Geräusch einer fliegenden Breme (auch Bremse genannt) nachmachten. -Wir werden das natürlich nicht tun. Allerdings ist die eigentliche -Flugzeit der Bremen erst im Hochsommer und zwar in den Mittagsstunden.</p> - -<p>Die Furcht der Rinder vor den Bremen ist sehr wohl begründet. -Diese Insekten umschwärmen die großen Pflanzenfresser und suchen ihre -Eier auf ihnen abzulegen. Obwohl die Rinder bei ihrer Ankunft die -Schwänze hochnehmen und davonrasen, gelingt den Bremen ihr Vorhaben. -Das abgelegte Ei entwickelt sich zur Made, die auf Kosten des -Wirts lebt und große dicke Beulen, sogen. Dasselbeulen hervorruft. Diese -Beulen, aus denen das fertige Insekt auskriecht, verursachen natürlich -große Löcher in der Haut.</p> - -<p>Man sollte meinen, daß der Gerber solche durchlöcherten Rinderhäute -nicht haben will. Das Gegenteil war vor dem Kriege der Fall. Durchlöcherte -Häute wurden gern genommen, weil die Erfahrung gelehrt hatte, -daß die Insekten mit ihrem feinen Geruchsvermögen stets die gesündesten -und kräftigsten Tiere zur Eiablage ausgesucht hatten.</p> - - -<h3><a name="kap_87" id="kap_87">87</a>. Die Abneigung der Rinder gegen Hunde.</h3> - -<p>Es ist gut, daß wir keinen großen Hund bei uns haben. Denn man -kann immer wieder erleben, daß die Rinder eine ausgesprochene Abneigung -gegen Hunde haben.</p> - -<p>Will ein Jäger mit seinem Hunde durch eine weidende Kuhherde -wandern, so muß er sich vorsehen, daß sie seinen Hund nicht angreifen.</p> - -<p>Hier zeigt sich so recht deutlich der Unterschied zwischen Pferd und -Rind im Benehmen gegen ihren Feind. Das Pferd flüchtet regelmäßig -und kämpft nur gegen kleinere Raubtiere. Auch stehen sich Pferde -gegenseitig nicht bei.</p> - -<p>Ganz anders liegt die Sache bei den Rindern. Diese halten zusammen -und stürmen gemeinsam auf den Feind. Zur Flucht sind sie -ja auch viel zu schwerfällig gebaut.</p> - -<p>Deshalb brüllen auch die Rinder, die von einem Raubtier überfallen -worden sind oder sonst Schmerz empfinden. Denn das Brüllen hat bei -ihnen einen Zweck. Es soll die Genossen zum Beistand anspornen. -Pferde dagegen stehen sich, wie wir wissen (Kap. <a href="#kap_58">58</a>), nicht bei, und -deshalb erleiden sie stumm alle Qualen.</p> - - -<h3><a name="kap_88" id="kap_88">88</a>. Das Aufblähen der Rinder.</h3> - -<p>Wenn die Rinder gierig üppig gewachsenes Futter, z. B. Klee, -Luzerne und Esparsette fressen, dann ereignet sich oft, namentlich, wenn -die Sonne sehr sticht, und es schwül ist, das sogen. Aufblähen der -Rinder. Dieses Aufblähen entsteht durch Auftreibung des Pansens infolge -der Entwicklung von ungewöhnlichen Gasmengen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_150" id="Page_150">[Pg 150]</a></span></p> - -<p>Man ersieht hieraus, wie leicht den Landwirt schwere Verluste -treffen können, gerade dann, wenn er seinen Tieren das schönste, was -er ihnen geben kann, zu fressen gibt.</p> - -<p>Da die Tiere nur weiden, wie es auch die Wildrinder tun, so scheint -die Frage berechtigt zu sein, warum die an sich naturgemäße Art des -Fressens zu schweren Erkrankungen führen kann.</p> - -<p>Vergegenwärtigen wir uns die Lebensweise der Wildrinder und vergleichen -wir sie mit der Lebensweise unserer Hausrinder, so ergeben sich -folgende Unterschiede.</p> - -<p>Zunächst sind die Wildrinder Nachttiere, wie schon aus ihren großen -Pupillen ersichtlich ist. Genau wie unsere Hirsche und Rehe gehen sie -erst mit dem Anbruch der Dämmerung auf die Nahrungssuche aus. Zu -diesem Zwecke verlassen sie den Wald oder das Gebüsch, das ihnen am -Tage Deckung gewährt hat, und treten auf die Felder.</p> - -<p>Also von der Sonne prall beschienene Futterpflanzen, obendrein -bei äußerst schwüler Luft, fressen die Wildrinder niemals.</p> - -<p>Sodann gab es in Vorzeiten, als der Mensch noch nicht dem Acker -seinen Stempel aufgedrückt hatte, niemals Futterpflanzen in solcher Fülle. -Erst das Säen, die Bewässerung, die künstliche Düngung und anderes -hat diese Unmasse hervorgerufen. Früher wuchsen blähende Futterpflanzen -nur vereinzelt. Dazwischen standen andere Pflanzen, die dem -Blähen entgegenwirkten, z. B. Kümmel. Also hatten die Wildrinder -früher gar keine Gelegenheit, soviel blähendes Zeug zu fressen, wie -heute die Hausrinder.</p> - -<p>Drittens aber – und das ist die Hauptsache – fehlen unseren Haustieren -die Raubtiere. Man beobachte einmal ein freilebendes Tier, z. B. -ein Reh, wenn es abends aus dem Walde tritt. Erst wird gesichert, -d. h. alle Sinne werden aufs äußerste angestrengt, ob nicht irgendwo ein -Feind, namentlich ein böser Jäger, nach Rehbraten Verlangen trägt. -Erst wenn die angestrengten Sinne nichts feststellen können, und wenn -eine längere Prüfung dasselbe Ergebnis hat, dann wird vorsichtig ins -Feld getreten. Hier wird nochmals aufs gründlichste gesichert, ob irgendwas -Verdächtiges zu erkennen ist. Erst dann werden einige Happen -ganz hastig genommen. Von einem gemütlichen Futtern ist aber gar -keine Rede. Nach einer halben Minute geht schnell der Kopf hoch, und -wiederum werden alle Sinne angestrengt.</p> - -<p>In ähnlicher Lage nehmen auch die Wildrinder ihre Nahrung zu -sich, wenngleich sie im Gefühl ihrer Stärke nicht so ängstlich zu sein -brauchen. Immerhin wissen sie, daß ihnen der Mensch oft überlegen ist, -und daß sie gegen seine Fallgruben machtlos sind.</p> - -<p>Von einem hastigen gierigen Hinunterschlingen ohne Pause, wie es -unsere Hausrinder tun, kann also bei Wildrindern niemals die Rede sein.</p> - -<p>Da wir Menschen die Raubtiere ausgerottet haben, so müssen wir sie -in den Fällen, wo sie uns nützlich waren, ersetzen. Die Raubtiere verhinderten, -daß die Pflanzenfresser in ihrer Gier zu hastig ohne Pausen -schlangen. Denn die Pflanzenfresser mußten immer solche Pausen machen, -um nicht von einem Feinde überfallen zu werden.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_151" id="Page_151">[Pg 151]</a></span></p> - -<p>Solche Pausen beim Fressen der Rinder können wir dadurch erzielen, -daß wir die Tiere in ständiger Bewegung halten. Viele praktische Landwirte -sind davon überzeugt, daß das beste Mittel gegen das Aufblähen -die fortwährende Beunruhigung der Tiere ist. Sie müssen dann Pausen -im Fressen machen, und Fressen mit Pausen ist naturgemäß, während -Fressen ohne Pausen unnatürlich ist.</p> - - -<h3><a name="kap_89" id="kap_89">89</a>. Die Kuh vorm neuen Tor. Der Ortssinn der Tiere.</h3> - -<p>Eine bekannte Redensart ist die: Er steht da, wie die Kuh vorm -neuen Tor. Man meint damit ein blödes, unbeholfenes Anstarren eines -Gegenstandes, den man an dieser Stelle nicht erwartet hat.</p> - -<p>Ochse und Kuh, Esel und Schaf gelten ja von unsern Haussäugetieren -als die dümmsten. Natürlich sind die Raubtiere klüger als die -bloßen Pflanzenfresser. Die Raubtiere müssen ihre Opfer überlisten, -was nicht immer sehr leicht ist. Dagegen haben es die meisten Pflanzenfresser -bequemer, da sie manchmal nur ihr Maul aufzumachen brauchen.</p> - -<p>Immerhin sind die Gründe, die man für die Dummheit der genannten -Tiere anführt, in den meisten Fällen nicht überzeugend. Wir -dürfen doch nicht vergessen, daß wir frei lebende Tiere, die sich allein und -ohne Belehrung und Schutz durch die Welt schlugen, erst durch unsere -Behandlung zu den Jammergestalten gemacht haben, als welche sie so -häufig vor uns stehen. Das Wildschaf ist nach der Ansicht erfahrener -Jäger ein sehr schwer zu erlegendes Geschöpf, während unser Schaf vollkommen -hilflos ist.</p> - -<p>Mit Dummheit hat das Anstarren des neuen Tores durch die Kuh -nicht das mindeste zu tun, sondern es rührt von der Verschiedenheit der -menschlichen und tierischen Auffassung her. Für den Menschen ist der -Gegenstand maßgebend, der ihm die Stelle bezeichnet, wohin er will, -während das Tier sich nach diesem Gegenstand gar nicht richtet.</p> - -<p>An einem naheliegenden Beispiel können wir uns das am besten -klarmachen. Angenommen, der Besitzer der weidenden Kuhherde ließ heute -sein Tor neu anstreichen – was allerdings bei den jetzt so teueren Farbpreisen -ausgeschlossen ist, aber angenommen werden soll –, so würde -sich der Hütejunge um den neuen Anstrich kaum viel kümmern. Auch -würde es dem Jungen gewöhnlich ganz gleichgültig sein, daß das Schild -des Gasthofes neu angestrichen ist. Es soll nämlich angenommen werden, -daß die Kühe einem Gastwirt im Dorf gehören. Das würde auch der -Fall sein, wenn der Hütejunge aus der Fremde gekommen wäre und zum -ersten Male seinen Dienst verrichtete. Die Kühe dagegen stutzen am Tor -wegen des ihnen fremden Farbgeruchs, vielleicht auch deswegen, weil -die früheren dunkeln Farben durch helle ersetzt worden sind.</p> - -<p>Der im Orte ganz fremde Hütejunge sagt sich: Dort ist das Schild -meines neuen Herrn: Gastwirt Friedrich Schultze. Also bin ich an der -richtigen Stelle. So handeln wir alle und denken, daß die Tiere es -auch so machen. Das Tier richtet sich aber nur, wenn es vorzügliche -Augen besitzt, also ein Augentier ist, nach seinen Augen und selbst dann -nicht immer. Die Nasentiere richten sich aber nur selten nach den Augen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_152" id="Page_152">[Pg 152]</a></span></p> - -<p>Die Rinder, die ein schwaches Auge, aber eine feine Nase besitzen, -haben wie alle Säugetiere einen vorzüglichen Ortssinn. Dieser Ortssinn -ist für sie entscheidend. Kehrt eine Kuh zurück, so zweifelt sie keinen -Augenblick daran, daß sie auf dem richtigen Wege ist. Denn ihr Ortssinn -läßt sie nicht irren. Aber sie stutzt vor dem neuen Tor, und ihr Verhalten -könnte man in menschlicher Sprache etwa so ausdrücken: Als ich -früher hier entlangging, gab es so etwas von heller Farbe und scharfem -Geruch nicht. Das setzt mich in Erstaunen.</p> - -<p>In diese ganz verschiedene Auffassung der Tiere können wir uns gar -nicht hineinversetzen und machen uns über Dinge lustig, die hierzu gar -keinen Anlaß geben.</p> - -<p>Ich erzählte früher (Kap. <a href="#kap_9">9</a>) von unserm blinden Hunde, der zwei -Jahre lang sich darin nicht irrte, wie die einzelnen Möbel in unserer -Wohnung standen, und sich niemals daran stieß, wenn man sie in ihrer -Stellung ließ. Er wußte ferner auf der Treppe Bescheid, in unserm -Garten und auf der Straße. Welche Riesenleistung ist das, wenn man -sich das vergegenwärtigt! Welcher Mensch könnte auch nur die Stellung -der Möbel einer einzigen Stube im Kopfe so sicher haben, daß er im -Dunkeln nirgends daran stieße! Als wir später die Wohnung im Hause -wechselten und eine Treppe hoch zogen, mußte sich der Hund erst die neue -Stellung der Möbel merken. Aber das gelang ihm in überraschend -kurzer Zeit. Schwerlich hätte ihm ein blinder Mensch das nachgemacht.</p> - -<p>Wie wäre es möglich, daß man ein Pferd kauft und erst zu Hause -merkt daß es blind ist. Ohne den Ortssinn der Pferde könnte es gar nicht -den Eindruck eines sehenden Geschöpfes machen.</p> - -<p>Bei Schwadronspferden ist oft festgestellt worden, daß sie erblindet -waren, ohne daß es einer von den Mannschaften oder den Vorgesetzten -gemerkt hatte. Wie wäre es denkbar, daß ein Mensch in einer Schule, -in einer Kaserne, in einer Fabrik erblindet, ohne daß diese Blindheit -irgendwie von seinen Kameraden entdeckt wird.</p> - -<p>Der Blinde bei uns sucht einen Führer, namentlich wenn er ein -Städter ist. Ohne Frage haben wir Menschen früher ebenfalls den -Ortssinn der Säugetiere besessen. Auf dem Lande habe ich Blinde -kennengelernt, die sich allein auf schwierigen Wegen zurechtfanden. -Ohne das Vorhandensein eines Ortssinnes läßt sich eine solche Leistung -nicht verstehen.</p> - -<p>Den Ortssinn können wir am besten beim Pferde beobachten, wenn -es seine regelmäßigen Fahrten macht. Es bleibt dann mit tödlicher -Sicherheit vor dem Hause, in dem der Kunde wohnt, stehen.</p> - -<p>Auf dem Lande kennt man allgemein die Fähigkeit der Pferde, den -richtigen Platz wiederzufinden. Selbst in Berlin habe ich vor dem Kriege -einen solchen Fall mit dem Kutscher eines Bäckermeisters erlebt und vorhin -(Kap. <a href="#kap_70">70</a>) erzählt.</p> - -<p>Das Pferd kann weder lesen noch kennt es die Hausnummern. Trotzdem -irrt es sich in den Häusern nicht, gleichgültig, ob man die Nummern -verdeckt oder nicht.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_153" id="Page_153">[Pg 153]</a></span></p> - -<p>Beim Hunde können wir den Ortssinn, wie bereits erwähnt wurde, -ebenfalls häufig beobachten. Wir Menschen müssen uns Mühe geben, -beispielsweise uns die Querstraßen der Friedrichstraße zu merken. Man -sollte meinen, daß ein Hund, der nicht lesen kann, sich allein hier niemals -zurechtfindet. Das Gegenteil ist der Fall. Wie der früher erwähnte -junge Hund von dem Michaelkirchplatz nach Pankow auf schnellem Wege -fand, so wurde mir auch von Bekannten versichert, daß ihre Hunde, die -zum ersten Male mitgenommen waren, trotzdem die Querstraßen nicht -verwechselten. Beispielsweise ließ einer, der in der Zimmerstraße wohnt, -absichtlich seinen Hund in der Jägerstraße allein, um ihn beim Rückwege -von fern zu beobachten.</p> - -<p>Häufig sehen sich zwei Nachbarhäuser zum Verwechseln ähnlich. Der -Mensch sieht dann genau hin, um zu prüfen, ob es die richtige Nummer -ist. Bei einem Hunde wird man niemals ähnliches beobachten.</p> - -<p>Wie sollte sich ein Pferd in der endlosen Steppe ohne Kompaß zurechtfinden, -wenn es nicht einen Ortssinn besäße? Die Sonne kann ihm -nichts nützen, da es als Nachttier auch in der Dunkelheit finden muß.</p> - -<p>Eine wie große Macht der Ortssinn auf das Tier ausübt, konnte -man in Amerika recht deutlich an den Prärie-Bisons oder Büffeln sehen. -Seit Jahrtausenden machten diese Tiere ihre Wanderungen auf gewissen -ganz bestimmten Wegen. Jetzt wurde durch die Ausdehnung der Bevölkerung -das Land, auf dem sich ein solcher Weg befand, urbar gemacht -und mit Getreide bestellt. Als die Wanderzeit herankam, erschienen die -Bisons und liefen mitten durch das Getreide genau an den Stellen, wo -früher ihre Wege gewesen waren.</p> - -<p>Ohne den Ortssinn der Tiere wäre es undenkbar, daß man ihre -Blindheit nicht sofort merkt. Ebenso rührt das Anstaunen des neuen -Tores durch eine Kuh von ihrem Ortssinn her, wobei noch hinzukommt, -daß ihr Gesicht sehr schwach ist.</p> - - -<h3><a name="kap_90" id="kap_90">90</a>. Weitere Vergleiche zwischen Rind und Pferd.</h3> - -<p>Das in der Nähe der Herde weidende Pferd gibt uns noch Gelegenheit, -einige weitere Vergleiche zwischen ihm und den Rindern anzustellen.</p> - -<p>Zunächst sehen wir, daß das Pferd einen schmalen Kopf hat im -Vergleich zum Rinde, das unser Schiller »breitgestirnt« nennt. Die Erklärung -ist folgende.</p> - -<p>Ein schneller Renner muß einen schmalen Kopf haben, um die Luft -schnell zu durcheilen. Das Rind ist kein schneller Renner, wohl aber das -Pferd. Vorteilhaft ist es auch, wenn ein Renner kleine Ohren hat, wie -z. B. der Windhund sie besitzt. Aus dem gleichen Grunde trägt das -Pferd kleine Ohren.</p> - -<p>Wir sehen ferner, daß beide Tierarten ihre Nahrung vom Erdboden -aufnehmen. Da Pferde und Rinder eine ziemliche Größe besitzen, so ist -das nicht so einfach zu bewerkstelligen. Das Pferd mußte zu diesem -Zwecke einen langen Hals und einen langgestreckten Kopf erhalten.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_154" id="Page_154">[Pg 154]</a></span></p> - -<p>Auch das Rind hat zu diesem Zwecke einen langen Kopf. Sein Hals -brauchte nicht so lang wie beim Pferd auszufallen, da es etwas anders -gebaut ist.</p> - -<p>Die Kuh muß einen gespaltenen Huf haben, weil das Rind seine -eigentliche Heimat in feuchten Wäldern hat. Durch sein Gewicht sinkt es -etwas in den Boden ein und braucht schon aus diesem Grunde nicht -einen so langen Hals wie das Pferd. Denn dieses lebt auf der trockenen -Steppe, wo es niemals einsinkt.</p> - -<p>Unsere Rinder gehen heute noch mit großem Vergnügen in den -Wald. Das ist ein Beweis, daß sie hier ihre eigentliche Heimat finden. -Jeder Zweifel wird dadurch ausgeschlossen, daß verwilderte Rinder stets -nach Wäldern flüchten und sich dort aufhalten. Kein Haustier verwildert -vielleicht so rasch wie das Rind. Es kommt immer wieder vor, daß sich -Rinder bei der Beförderung losreißen und die Freiheit erringen, ehe sie -wieder ergriffen wurden.</p> - -<p>Verwilderte Rinder führen ganz das Leben wie unsere Hirsche. Sie -bleiben am Tage im Dickicht des Waldes verborgen und treten mit Einbruch -der Dämmerung aus, um sich ihre Nahrung zu suchen.</p> - -<p>Weil das Rind auf dem schwankenden Boden des Sumpfes heimisch -ist, deshalb steht es gewöhnlich kuhhessig, d. h. seine Sprunggelenke an -den Hinterfüßen sind auffallend genähert. Wir wissen, daß das Rind -im Gegensatz zum Pferde ein wehrhafter Pflanzenfresser ist. Um dem -Gegner auf dem schwankenden Sumpfboden besser standzuhalten, ist -bei dem Rinde die Standfläche etwas vergrößert. Genau aus dem -gleichen Grunde stellen Leute, die schwere Lasten zu schieben haben wie -z. B. die Bäcker, ihre Beine auseinander. Das Rind hat von Natur -Kuhhessigkeit, der Mensch nur ausnahmsweise Bäckerbeine.</p> - -<p>Bei dem Pferde, das sich in der Regel nicht verteidigt und auf dem -harten Boden der Steppe steht, ist Kuhhessigkeit nicht erforderlich und -deshalb ein Fehler.</p> - -<p>Den langen Kopf brauchen Pferde und Rinder nicht nur deswegen, -weil sie ihre Nahrung vom Boden aufnehmen, sondern weil alle Tiere -mit feiner Nase, also alle Nasentiere, den Boden erreichen müssen. Denn -der größte Vorzug eines Nasentieres ist es, niemals seine Kameraden -verlieren zu können. Es braucht nur seine Nase auf die Erde zu setzen -und ihnen zu folgen. Augentiere können sich dagegen leicht verlieren. -Menschen geraten in die größte Bedrängnis, wenn sie in der Wildnis von -ihren Kameraden im Stich gelassen sind.</p> - -<p>Je wichtiger ein Sinn ist, desto mehr wird er behütet, je unwichtiger -er ist, desto leichter geht er verloren. Weil bei Pferden und Rindern der -Geruch der feinste Sinn ist, deshalb wird es schwerlich ein riechunfähiges -Pferd oder Rind geben. Dagegen ist Blindheit nicht selten, und namentlich -ist Blindheit auf einem Auge ungemein häufig. Dem Menschen -ist das schon längst aufgefallen, und es ist daraus die Redensart entstanden: -Auf einem Auge war die Kuh blind.</p> - -<p>Weil der Geruch bei Pferden und Rindern sehr fein ist, deshalb -ist ihre Nase sehr empfindlich. In der Praxis hat man diese Eigen<span class="pagenum"><a name="Page_155" id="Page_155">[Pg 155]</a></span>tümlichkeit -zu folgenden Zwecken ausgenützt. Um Pferde zu operieren, -wendet man die Nasenbremse an, welche die Nüstern zusammenquetscht. -Dadurch werden so wahnsinnige Schmerzen erregt, daß die Pferde gegen -andere Schmerzen unempfindlich sind. Um den Stier zu lenken, zieht -man ihm einen Ring durch die Nase. Das Ziehen am Ringe hat wegen -der Empfindlichkeit der Nase große Wirkung.</p> - - -<h3><a name="kap_91" id="kap_91">91</a>. Geschichten vom Rind.</h3> - -<p>Bei dem schon erwähnten Schweizer Naturforscher finden wir eine -prächtige Schilderung des Rindviehs seiner Heimat. Folgende Stellen -davon sollen hier ihren Platz finden:</p> - -<p>Den Rindviehherden auf den Alpen fehlt mitunter jede Stallung. -Die Kühe treiben sich in den Revieren ihrer Alp umher und weiden das -kurze würzige Gras ab, das weder hoch noch reichlich wächst. Fällt im -Früh- oder Spätjahr plötzlich Schnee, so sammeln sich die brüllenden -Herden vor den Hütten, wo sie kaum Obdach finden, wo ihnen der -Senne oft nicht einmal eine Hand voll Heu zu bieten hat. Hochträchtige -Kühe müssen oft weit entfernt von menschlichem Beistand kalben und -bringen am Abend dem erstaunten Sennen ein volles Euter und ein -munteres Kalb vor die Hütte; nicht selten aber gehts auch schlimmer ab. -In einigen Kantonen hat man in neuester Zeit endlich die Erbauung -ordentlicher Ställe durchgesetzt. Das Leben der »schönen, breitgestirnten, -blanken Rinder« auf den »freien Höhen« darf man sich nicht allzu -rosig denken.</p> - -<p>Und doch ist auch dem schlechtgeschützten Vieh die schöne, ruhige Zeit -des Alpenaufenthaltes überaus lieb. Man bringe nur jene große Vorschelle, -welche bei der Fahrt auf die Alp und bei der Rückkehr ihre weithin -tönende Stimme erschallen läßt, im Frühling unter die Viehherde im Tal, -so erregt dies gleich die allgemeine Aufmerksamkeit. Die Kühe sammeln -sich brüllend in freudigen Sprüngen und meinen, das Zeichen der -Alpfahrt zu vernehmen. Und wenn diese wirklich begonnen wird, wenn -die schönste Kuh mit der größten Glocke am bunten Band behangen und -wohl mit einem Strauße zwischen den Hörnern geschmückt wird, wenn -das Saumroß mit dem Käsekessel und Vorräten bepackt ist, die Melkstühle -den Rindern zwischen den Hörnern sitzen, die saubern Sennen -ihre Alpenlieder anstimmen und der jauchzende Jodel durchs Tal schallt, -dann soll man den trefflichen Humor beobachten, in dem die gut-, oft -übermütigen Tiere sich in den Zug reihen und brüllend den Bergen zumarschieren. -Im Tal zurückgehaltene Kühe folgen oft unversehens auf -eigene Faust den Gefährten auf entfernte Alpen. Freilich ist es bei -schönem Wetter auch für eine Kuh gar herrlich hoch im Gebirge. Das -Frauenmäntelchen, Mutterkraut, der Alpenwegerich bieten dem schnobernden -Tiere die trefflichste und würzigste Nahrung. Die Sonne brennt -nicht so heiß wie im Tale. Die lästigen Bremsen quälen das Rind -während des Mittagschläfchens nicht und leidet es vielleicht noch von dem -Ungeziefer, so sind die zwischen den Tieren ruhig herumlaufenden Stare -und gelben Bachstelzen stets bereit, ihnen die erforderlichen Liebesdienste<span class="pagenum"><a name="Page_156" id="Page_156">[Pg 156]</a></span> -zu erweisen. Die gute, freie Luft schmeckt ihm auch besser als der stinkende -Qualm der dumpfigen Ställe, und die stete Bewegung, die natürliche -Diät, nach der es frißt, wenn es eben Lust hat und was ihm zusagt, -der beliebige Verkehr mit den gehörnten Kolleginnen, alles dies -trägt dazu bei, das Vieh munter, frisch und gesund zu erhalten, wie es -denn überhaupt Tatsache ist, daß die in mancher Hinsicht so vorteilhafte -Stallfütterung den Grund von einer Menge Krankheiten bildet, denen -das Alpenvieh nicht anheimfällt. Ebenso geht bei diesem der Prozeß der -Fortpflanzung viel regelmäßiger und naturgetreuer vor sich als bei jenem.</p> - -<p>Man meint nicht mit Unrecht, das Vieh des Hochgebirges sei klüger -und munterer als das des Tales. Das naturgemäße Leben bildet den -natürlichen Instinkt besser aus. Das Tier, das fast ganz für sich sorgen -muß, ist aufmerksamer, sorgfältiger, hat mehr Gedächtnis als das stets -verpflegte. Die Alpkuh weiß jede Staude, jede Pfütze, kennt genau die -besseren Grasplätze, weiß die Zeit des Melkens, kennt von fern die Lockstimme -des Hüters und naht ihm zutraulich; sie weiß, wann sie Salz bekommt, -wann sie zur Hütte und zur Tränke muß. Sie spürt das Nahen -des Unwetters, unterscheidet genau die Pflanzen, die ihr nicht zusagen, bewacht -und beschützt ihr Junges und meidet achtsam gefährliche Stellen. -Letzteres aber geht bei aller Vorsicht doch nicht immer gut ab.</p> - -<p>Sehr ausgebildet ist namentlich bei dem schweizerischen Alpenrindvieh -jener Ehrgeiz, der das Recht des Stärkeren mit unerbittlicher Strenge -handhabt und danach eine Rangordnung aufstellt, der sich alle fügen. Die -»<em>Heerkuh</em>«, welche die große Schelle trägt, ist nicht nur die schönste, -sondern auch die stärkste der Herde und nimmt bei jedem Umzug unfehlbar -den ersten Platz ein, indem keine andere Kuh es wagt, ihr voranzugehen. -Ihr folgen die stärksten »Häupter«, gleichsam die Standespersonen -der Herde. Wird ein neues Stück zugekauft, so hat es unfehlbar -mit jedem Gliede der Genossenschaft einen Hörnerkampf zu bestehen und -nach dessen Erfolgen seine Stelle im Zuge einzunehmen. Bei gleicher -Stärke setzt es oft böse, hartnäckige Zwiegefechte ab, da die Tiere stundenlang -nicht von der Stelle weichen. Die Heerkuh, im Vollgefühl ihrer -Vorherrschaft, leitet die weidende Herde, geht zur Hütte voran, und man -hat oft bemerkt, daß sie, wenn sie ihres Ranges entsetzt und der Vorschelle -beraubt wurde, in eine nicht zu besänftigende Traurigkeit verfiel und ganz -krank wurde.</p> - -<p>So vertraut die Sennen mit ihrem Vieh sind und so gern eine jede -Kuh dem Namen, mit dem sie gerufen wird, folgt, so gibt es doch auch fast -in jedem Sommer Stunden der vollen Anarchie, in der alle Ordnung in -der Herde reißt und der Senne sie fast nicht mehr zu halten weiß. Wir -meinen die Stunden der nächtlichen Hochgewitter, die den Alpenbewohnern -wahre Not- und Schreckensstunden sind. Jetzt springen die halbnackten -Sennen, die Milcheimer über die Köpfe gestürzt, unter die zerstäubende -Schar, johlend, fluchend, lockend und die heilige Mutter anrufend. Aber -das tolle Vieh hört und sieht nichts mehr. In schauerlichen Tönen, halb -stöhnend, halb brüllend, rennt es blind mit vorgestrecktem Kopfe, den -Schwanz in den Lüften, geradeaus. Das ist eine Stunde des Schreckens<span class="pagenum"><a name="Page_157" id="Page_157">[Pg 157]</a></span> -und Unheils. Die Sennen wissen sich nicht zu helfen; bald schwarze -Nacht, bald blendendes Feuer; der Hagel klappert auf dem Eimer und -zwickt die nackten Arme und Beine mit scharfen Hieben, während alle -Elemente im greulichen Aufruhr sind.</p> - -<p>Bei jeder größeren Alpenviehherde befindet sich ein Zuchtstier. Er -bewacht sein Vorrecht mit sultanischer Ausschließlichkeit und ausgesprochenster -Unduldsamkeit. Es ist selbst für den Sennen nicht ratsam, vor -seinen Augen eine rindernde Kuh von der Sennte zu entfernen. In den -öfter besuchten tieferen Weiden dürfen nur zahme und gutartige Stiere -gehalten werden; in den höheren Alpen trifft man aber oft sehr wilde -und gefährliche Tiere. Da stehen sie mit ihrem gedrungenen, markigen -Körperbau, ihrem breiten Kopf mit krausem Stirnhaar, am Wege und -messen alles fremdartige mit stolzen, jähzornigen Blicken. Besucht ein -Fremder, namentlich in Begleitung eines Hundes, die Alp, so bemerkt ihn -der Herdenstier schon von weitem und kommt langsam, mit dumpfem Gebrülle -heran. Er beobachtet den Menschen mit Mißtrauen und Zeichen -großen Unbehagens, und reizt ihn an der Erscheinung desselben zufällig -etwas, vielleicht ein rotes Tuch oder ein Stock, so rennt er geradeaus mit -tiefgehaltenem Kopfe, den Schwanz in die Höhe geworfen, in Zwischenräumen, -wobei er öfter mit den Hörnern Erde aufwirft und dumpf brüllt, -auf den vermeintlichen Feind los. Für diesen ist es nun hohe Zeit, sich -zur Hütte, hinter Bäume oder Mauern zu retten; denn das gereizte Tier -verfolgt ihn mit der hartnäckigsten Leidenschaftlichkeit und bewacht den -Ort, wo es den Gegner vermutet, oft stundenlang. Es wäre in diesem -Falle töricht, sich verteidigen zu wollen. Mit Stoßen und Schlagen ist -wenig auszurichten, und das Tier läßt sich eher in Stücke hauen, ehe es -sich vom Kampfe zurückzöge. Selbst unter den Sennen gibt es nur sehr -selten Männer, die sich einem solchen Angriffe stellen; nur einmal sahen -wir, wie ein Aelpler mit bewundernswerter Kaltblütigkeit einen angreifenden -Stier mit der rechten Hand bei einem Horn packte, mit der Linken -ihm ins Maul fuhr und die Zunge ergriff, dann diese rasch umdrehte und -so den Stier mit herkulischer Kraft herumriß und auf den Boden warf. -Später wagte sich das gebändigte Tier nie mehr an einen Menschen. -Schlimmer erging es bei einem solchen Stierkampfe dem Wirte auf dem -Ofnerpaß (Engadin), Simi Gruber, einem Manne von athletischer Gestalt -und großer, auf Bären- und Gemsenjagden oft bewährter Kraft. -Er sömmerte auf seinen Bergweiden eine Herde Stiere, von denen er -einen als »einen stechenden Stier« kannte und dem er immer sorgsam -auswich. Eines Tages wollte er eine Kuh zu den Tieren führen, sah -sich aber plötzlich seitwärts von einem Tiere, das er bisher immer für gutartig -gehalten hatte, mit den Hörnern gepackt und auf die Erde gestoßen. -Hier faßte er den schnaubenden Stier so rasch als möglich mit -der einen Hand beim Ohr, mit der anderen an der Nase und warf ihn mit -einem kräftigen Ruck nieder. Kaum aber war er wieder auf den Füßen, -als auch das wütende Tier wieder aufsprang und ihn zum zweiten Male -auf den Boden stieß. In gleicher Weise riß Gruber auch diesmal seinen -Feind neben sich nieder und hielt ihn mit Macht so lange auf dem<span class="pagenum"><a name="Page_158" id="Page_158">[Pg 158]</a></span> -Boden, bis er sich gefaßt hatte, mit raschen Sprüngen sein Bergwirtshaus -zu erreichen. Der gebändigte Stier stand auf, kam dumpf brüllend bis an -die Tür und wollte nicht weichen. Da nun gerade eine fremde Familie -abzureisen beabsichtigte, wollte der Wirt Platz machen, griff zu einem -tüchtigen Sparren und trat vor das Haus, um mit einem gewaltigen Hiebe -dem Stier ein Horn abzuschlagen. Allein der Stier wich mit einer Seitenbewegung -aus, rannte den Mann zum dritten Male nieder, stieß ihn wütend -auf der Erde und warf den bewußtlos Gewordenen mit den Hörnern -wie einen Ball hinter sich. Dann ging er eine Strecke weiter, blieb wieder -stehen, kehrte zu seinem überwundenen Gegner zurück, beroch ihn wiederholt -und kehrte nun erst, nachdem er kein Leben mehr in dem Manne -gewahrt hatte, auf die Weide zurück. Gruber wurde für tot aufgehoben; -als er zum Bewußtsein gebracht worden, zeigte sich's, daß er bei dem -Stierkampfe ein Bein gebrochen und mehrere schwere Verletzungen erhalten -hatte. Die Bergkühe, die nur ausnahmsweise einen Menschen angreifen -werden, zeigen oft heftigen Widerwillen gegen fremde Hunde und -vereinigen sich oft zum erbitterten Kampfe, wobei der Gegner es stets -vorzieht, mit eingeklemmtem Schwanze das Weite zu suchen.</p> - -<p>Die festlichste Zeit für das Alpenrindvieh ist ohne Zweifel der Tag -der Alpfahrt, die gewöhnlich im Mai stattfindet, ein Tag, der auch im -Leben des Aelplers von Bedeutung ist. Jede der ins Gebirge ziehenden -Herden hat ihr Geläut. Die stattlichsten Kühe erhalten, wie bemerkt, die -ungeheuren Schellen, die oft über einen Fuß im Durchmesser halten und -40 bis 50 Gulden kosten. Es sind Prunkstücke des Sennen; mit drei oder -vier solchen, in harmonischem Verhältnis zueinander stehenden, läutet er -von Dorf zu Dorf seine Abfahrt ein. Zwischenhinein tönen die kleineren -Erzglocken. Voraus geht ein Handbub mit sauberm Hemde und kurzen -gelben Beinkleidern; ihm folgen die Kühe mit dem Herdenstier in bunter -Reihe, dann oft etliche Kälber und Ziegen. Den Beschluß macht der Senn -mit dem Saumpferde, das die Milchgerätschaften, Bettzeug u. dgl. trägt, -und mit buntem Wachstuche bedeckt ist. An diesem Tage besonders ertönt -der Kuhreigen, den jeder Alpendistrikt in eigentümlicher Weise besitzt. -Es ist dies jener höchst eigentümliche jauchzende Gesang, dessen -ältester Text sich nur noch in einzelnen Versen vorfindet, während seine -Melodie in stundenlangen Trillern, Jodeln, bald hüpfenden, bald gedehnten -Tönen besteht. Etwas anderes ist der einfache Jodel, der keine -Worte hat, sondern bloß in schnell wechselnden, oft in der Tiefe anhaltenden -und rasch in die Höhe steigenden, seltsamen, melodischen Tonverbindungen -besteht, mit denen der Hirte die Kühe herbeilockt, seine Kameraden -begrüßt und dessen er sich überhaupt als Fernsprache im Gebirge bedient. -Trauriger als die Alpfahrt ist für Vieh und Hirt die Talfahrt, die in ähnlicher -Ordnung vor sich geht. Gewöhnlich ist sie das Zeichen der Auflösung -des familienartigen Herdenverbandes.</p> - - -<h3><a name="kap_92" id="kap_92">92</a>. Welches sind die Feinde des Rindes?</h3> - -<p>In Europa haben die großen Pflanzenfresser ihre Feinde in den -Bären und Wölfen. Der Luchs überfällt nur junge Tiere. In den -<span class="pagenum"><a name="Page_159" id="Page_159">[Pg 159]</a></span>heißen Ländern sind, wie schon erwähnt, die großen Katzenarten, also -namentlich Löwe und Tiger, die gefährlichsten Feinde der Rinder.</p> - -<p>Das Benehmen der Schweizer Rinder, falls sie von einem Bären -angegriffen werden, schildert unser Gewährsmann folgendermaßen:</p> - -<p>Gegenüber den Angriffen der reißenden Tiere, besonders denen der in -den südlichen Alpen noch immer allzu häufigen Bären, beweist das Rindvieh -des Gebirges feinen Instinkt und festen Mut. Schleicht sich so in der -Stille auf leisen, breiten Tatzen ein Bär heran, so wittern bei ruhigem -Wetter die Kühe schon von weitem den Mörder, brüllen heftig, eilen -gegen die Hütten oder rasseln, wenn sie angebunden sind, so laut und anhaltend -mit ihren Ketten, daß die Sennen auf die Gefahr aufmerksam -werden. Immer sucht das Raubtier von hinten anzukommen, da auch das -halberwachsene Rind im Notfall auf die Kraft seiner Hörner vertraut. -Ist es dem Bären aber gelungen, eine Kuh niederzureißen und zu zerfleischen, -so sammeln sich die versprengten Kühe sonderbarerweise ziemlich -rasch wieder dicht um den Räuber, schauen mit gesenkten Hörnern, heftig -schnaubend und von Zeit zu Zeit dumpf aufbrüllend dem Fraße zu, als ob -sie Lust hätten, ohne alle Scheu den Feind anzufallen. Nach der Aussage -zuverlässiger Leute soll in diesem Falle der Bär sich nicht allzulange -beim Mahle aufhalten, und es soll nie geschehen sein, daß er sich an eine -zweite Kuh gewagt hätte. Bei anhaltendem Regen und dichtem Nebel -wittert aber das Rindvieh die Raubtiere gar nicht, und es sind Beispiele -bekannt, wo Bären dicht beim Vieh und den Hütten herumlauerten, ja -selbst ein Rind angriffen, verzehrten oder forttrugen, ohne daß die übrige -Herde etwas davon merkte oder irgendwelche Bewegung kundgab.</p> - -<p>Das tolle Benehmen der Schweizer Kühe bei schweren Gewittern, das -vorhin geschildert wurde, dürfte folgenden Grund haben. Wildrinder -merken das Herannahen eines solchen Ungewitters rechtzeitig vorher und -suchen geschützte Stellen auf. Die Schweizer Kühe sind als Haustiere an -einem solchen Verfahren durch den Menschen gehindert. Deshalb geraten -sie beim Ausbruch des Gewitters gewissermaßen in Verzweiflung.</p> - -<p>Der Anspruch der Heerkuh auf den ersten Platz ist ausführlich geschildert -worden. Wir sehen daraus, daß unser Dichter Schiller recht hat, -wenn er im Tell sagt:</p> - -<p> -Das weiß sie auch, daß sie den Reihen führt,<br /> -Und nähm ich ihr's (das Band), sie hörte auf zu fressen.<br /> -</p> - -<p>Uebrigens hat mir ein Bekannter, der zehn Jahre unter den Rinderherden -in Südamerika lebte, genau das gleiche von dem ausgesprochenen Sinn -der Rinder für eine Rangordnung erzählt.</p> - - -<h3><a name="kap_93" id="kap_93">93</a>. Wie hoch ist der Milchertrag einer Durchschnittskuh?</h3> - -<p>Unsere Herde wird jetzt nach Hause getrieben, um gemolken zu -werden.</p> - -<p>Wildrinder haben nur Milch für ein oder zwei Kälber. Der Milchreichtum -unserer Kühe ist erst künstlich vom Menschen angezüchtet worden. -Ohne fortwährendes Melken würde die Milcherzeugung wieder zurückgehen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_160" id="Page_160">[Pg 160]</a></span></p> - -<p>Die Tragezeit der Kuh beträgt etwa 9½ Monate. Nach dem Kalben -ist naturgemäß die Erzeugung der Milch sehr hoch. Etwa 300 Tage oder -10 Monate lang dauert die Laktation oder Milcherzeugung. Gute Kühe -liefern während dieser Zeit den Tag bis zu 10 Liter, manche ausnahmsweise -bedeutend mehr. Dann steht die Kuh gewöhnlich 6 Wochen trocken. -Es gibt aber ausgezeichnete Kühe, die auch während dieser Zeit Milch -liefern.</p> - -<p>Der Milchertrag ist also außerordentlich verschieden. Es kommt aber -nicht bloß auf den Milchertrag, sondern auch auf den Fettgehalt der -Milch an.</p> - -<p>Selbstverständlich wird jeder Landwirt suchen, Kühe zu halten, die -recht viel und recht fettreiche Milch liefern. Berühmt wegen ihres Milchreichtums -sind Holländer und Oldenburger Kühe. Doch ist ihre Milch -nicht so fettreich und liefert nicht soviel Butter und Käse wie die Milch -der Schwyzer, Allgäuer und anderer Höhenkühe. Auf die Verschiedenheit -von Gebirgs- und Niederungsgräsern ist schon früher aufmerksam -gemacht worden.</p> - -<p>Bei den praktischen Engländern und Amerikanern, ebenso bei den -Schweizern melken Männer, nicht Frauen. Es ist das wahrscheinlich kein -Zufall. Bei uns in Deutschland herrscht vielfach die Ansicht, daß es eines -Mannes unwürdig ist zu melken. Sonst ist das Ausland für uns maßgebend, -aber in diesem Falle, wo es von Vorteil für uns sein dürfte, -leider nicht.</p> - - -<h3><a name="kap_94" id="kap_94">94</a>. Warum ist das Rind ein Wiederkäuer, das Pferd nicht?</h3> - -<p>Es ist gewiß auffallend, daß zwei große Pflanzenfresser in dem -Punkte grundverschieden sind, daß die Rinder ihre Nahrung wiederkäuen, -das Pferd aber nicht.</p> - -<p>Der Magen der Wiederkäuer zerfällt in vier Abteilungen, nämlich -den Pansen oder Wanst, den Netzmagen oder die Haube, den Blättermagen -oder den Psalter und den Labmagen. Zunächst gelangt das -Futter in den Pansen und von dort in den Netzmagen. Im Netzmagen -wird das Futter erweicht und durch eine Art von Erbrechen in das Maul -zurückgeschafft. Im Maule wird es nun gründlich gekaut und geht von -hier aus jetzt in den Blättermagen und dann in den Labmagen. Außer -den Rindern sind Ziegen und Schafe Wiederkäuer.</p> - -<p>Viele nehmen an, daß das Wiederkäuen den Tieren in folgender -Weise von Vorteil ist: Hirsche beispielsweise, die ebenfalls Wiederkäuer -sind, müßten lange auf der Lichtung fressen, ehe sie alles Futter, das sie -brauchen, gekaut haben. Deshalb ist es für sie vorteilhafter, schnell Futter -hineinzuschlingen und in Ruhe im Dickicht oder im Walde, wohin sie -zurückgeflüchtet sind, zu wiederkäuen.</p> - -<p>Unsere Hirsche fressen aber nicht in dieser Weise. Sie treten abends -aus dem Walde und bleiben während der Dunkelheit auf den Feldern. -Mit Tagesanbruch gehen sie in den Wald zurück. Ist es am Morgen -sehr neblig, so bleiben sie draußen. Der Jäger sagt dann: »Heute<span class="pagenum"><a name="Page_161" id="Page_161">[Pg 161]</a></span> -kneipen die Hirsche durch.« Die Hirsche wissen, daß sie in der Dunkelheit -und im Nebel geschützt sind, weil kein Jäger dann auf sie schießen kann.</p> - -<p>Das Wiederkäuen dürfte vielmehr den Zweck haben, große, umfangreiche -Futtermengen, die nur geringen Nahrungswert haben, für die -tierische Nahrung verwendbar zu machen.</p> - -<p>Solche Futtermengen findet das Pferd in seiner Heimat, der Steppe, -nicht. Deshalb konnte es kein Wiederkäuer werden. Auch wäre ein -großer Magen für das Pferd als Renner nicht vorteilhaft gewesen.</p> - -<p>Jetzt verstehen wir auch, weshalb die Wiederkäuer oben keine -Schneidezähne haben. Mit oberen Schneidezähnen ausgerüstet, würden -sie in der Freiheit vielleicht lieber Körner als Massen von Pflanzen und -Blättern fressen. Ohne Schneidezähne sind sie aber nicht imstande, ganze -Körner gut zu verdauen, während das Pferd mit seinen scharfen Zähnen -es vortrefflich kann.</p> - -<p>Wir müssen also unseren Kühen Körner geschrotet verabreichen, weil -sie sonst regelmäßig unverdaut abgehen.</p> - -<p>Alle Wiederkäuer haben eine ausgesprochene Vorliebe für Salz. Vielfach -ist es üblich, das neugeborene Kälbchen mit Salz abzureiben, damit -es von der Mutter abgeleckt wird.</p> - - -<h3><a name="kap_95" id="kap_95">95</a>. Die geistigen Gaben der Rinder.</h3> - -<p>Trotz der sprichwörtlichen Dummheit des Rindviehs ist es damit nicht -so schlimm bestellt. Bei der Kuh vorm neuen Tor haben wir das bereits -hervorgehoben. Auch hier trügt der Schein. Das Rind ist sich seiner -Stärke bewußt und bleibt daher seelenruhig, was wir als Stumpfheit -auslegen.</p> - -<p>Beim Hunde wurde die Geschichte erzählt, wie ein Bulle in tiefes -Wasser flüchtete, um vor einem Nasenbiß sicher zu sein. Kann es ein -zweckmäßigeres Verfahren geben?</p> - -<p>Im Harz tragen die Rinderherden oft Glocken, die genau abgestimmt -sind. Allgemein wird behauptet, daß die Kühe die Glocken ihrer -Herde von denen anderer unterscheiden und sich, wenn sie sich verirrt -haben, danach richten.</p> - - -<h3><a name="kap_96" id="kap_96">96</a>. Die Rassen der Rinder.</h3> - -<p>Ueber die Stammeltern unserer heutigen Rinder ist man sich noch -nicht einig. In Europa lebten früher zwei Wildrinder, und zwar der -Auerochs und der Wisent. Der Auerochs hatte lange Hörner und keine -Mähne, während der Wisent eine Mähne, aber kleine Hörner besitzt. Der -Wisent lebt heute noch in Zoologischen Gärten und an vereinzelten Stellen, -während der Auerochs gänzlich ausgerottet ist. Es ist daher unrichtig, -den noch heute lebenden Wisent als Auerochs zu bezeichnen.</p> - -<p>Wahrscheinlich ist der Auerochs in unseren heutigen Rindviehrassen -aufgegangen.</p> - -<p>Man unterscheidet folgende Rassen: 1. Steppenrassen, 2. Niederungsrassen, -3. einfarbige Gebirgsrassen, 4. bunte Gebirgsrassen, -5. Landrassen, 6. englische Rassen, 7. französische Rassen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_162" id="Page_162">[Pg 162]</a></span></p> - -<p>Die Steppenrassen mit ihren langen Hörnern sind jedenfalls erst allmählich -in der Steppe heimisch geworden. Denn nach dem Bau seiner -Füße ist das Rind, wie wir schon erwähnten, ein Geschöpf der Niederung, -und zwar der bewaldeten Niederung.</p> - -<p>Im Gegensatz zum Pferde gehört das Rind zu den paarzehigen Huftieren -aus der Familie der Horntiere.</p> - -<p>Der Stier oder Bulle heißt auch Farren, während Färse oder Stärke -die Kuh ist, die noch nicht gekalbt hat.</p> - -<p>Das Rind ist etwas früher reif als das Pferd. Der Stier wird mit -1½ Jahren, die Kuh mit 2 Jahren zur Zucht benutzt. Dementsprechend -ist auch ihr Alter etwas niedriger als das des Pferdes.</p> - - -<h3><a name="kap_97" id="kap_97">97</a>. Krankheiten der Rinder.</h3> - -<p>Bereits die Stallhaltung unserer Haustiere ist etwas Unnatürliches. -Kommt nun noch die künstliche Anzüchtung der Milcherzeugung hinzu, so -dürfen wir uns nicht wundern, daß wir diesen großen Vorzug mit manchen -Krankheiten bezahlen müssen. Rinderpest, Maul- und Klauenseuche -und Tuberkulose seien an dieser Stelle genannt. Das Aufblähen wurde -bereits erwähnt.</p> - -<p>Manchmal führen ganz unbedeutende Dinge den Tod einer Kuh herbei. -Früher trugen die Mägde keine Kämme im Haar, wie das jetzt der -Fall ist. Diese Kämme fallen leicht in das Futter und werden von den -Kühen verschlungen. Als Folge davon können Magenverletzungen und -Notschlachtungen eintreten. So verliert der Landwirt ein schönes Stück -Vieh, das heute ein Vermögen wert ist.</p> - - -<h3><a name="kap_98" id="kap_98">98</a>. Das Rind in Redensarten und Sprichwörtern.</h3> - -<p>Es wurde bereits erwähnt, daß »<em>Rindvieh</em>« oder »<em>Ochse</em>« zur -Bezeichnung eines dummen Menschen dient. Ebenso wurden schon die -Redensarten angeführt: <em>Auf einem Auge war die Kuh blind</em> -und: <em>Er steht da, wie die Kuh vorm neuen Tor</em>. Unter</p> - -<p class="center">»<em>ochsen</em>«</p> - -<p>versteht man andauernd arbeiten oder »büffeln«.</p> - -<p class="center">»<em>Ochsengang</em>«</p> - -<p>ist der sachte, gemessene Schritt des Ochsen.</p> - -<p class="center"><em>Den Stier bei den Hörnern packen</em></p> - -<p>bedeutet, daß man einer Gefahr tollkühn entgegengeht, indem man einen -mächtigen Gegner bei seinen eigenen Waffen anpackt. Wenn das einen -Sinn haben soll, muß man selbst über große Kräfte verfügen.</p> - -<div class="figcenter"> -<a name="fig165" id="fig165" href="images/illu-165.jpg"><img src="images/illu-165_t.jpg" width="300" height="192" alt="Auf der Alm" /></a> -<div class="caption">Auf der Alm</div> -</div> - -<div class="figcenter"> -<a name="fig166" id="fig166" href="images/illu-166.jpg"><img src="images/illu-166_t.jpg" width="300" height="212" alt="Kühe im Wasser" /></a> -<div class="caption">Kühe im Wasser</div> -</div> - -<div class="figcenter"> -<a name="fig166_2" id="fig166_2" href="images/illu-166_2.jpg"><img src="images/illu-166_2_t.jpg" width="300" height="212" alt="Zugochsen" /></a> -<div class="caption">Zugochsen</div> -</div> - - - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_163" id="Page_163">[Pg 163]</a></span></p> - -<h2> -<img src="images/das_schwein.jpg" width="600" height="103" alt="Das Schwein" /> -<br /> -<span class="hidden">Das Schwein</span> -</h2> - -<h3><a name="kap_99" id="kap_99">99</a>. Wodurch unterscheidet sich das Hausschwein vom Wildschwein?</h3> - -<p>Um unser Hausschwein richtig zu verstehen, wollen wir uns zunächst -das Wildschwein in unserm weltberühmten Berliner Zoologischen Garten -ansehen.</p> - -<p>Vorher sei bemerkt, daß unsere heimischen Schweinerassen nicht -allein vom europäischen Wildschwein abstammen.</p> - -<p>Wenig angenehm fällt uns zunächst in dem Teile des Zoologischen -Gartens, der für die Schweine bestimmt ist, der Geruch dieser Tiere auf. -Aber das wird auf Gegenseitigkeit beruhen. Alle freien Tiere flüchten, -sobald sie den Menschen gewittert haben. Folglich muß ihnen unsere -Ausdünstung auch nicht behagen.</p> - -<p>Hiervon abgesehen müssen wir staunen, wie reich gerade der Tierbestand -an Wildschweinen in unserem Zoologischen Garten ist, obwohl -gerade der Weltkrieg bei ihm große Lücken verursacht hat. Außer einer -Wildsau mit Ferkeln sind noch drei Keiler, d. h. drei männliche europäische -Wildschweine vorhanden. Obwohl es bereits Anfang Juni ist, -hat erst ein Keiler sein Winterhaar verloren.</p> - -<p>Vergleichen wir einen der Keiler im Winterhaar mit unserem Hausschwein, -so fällt uns zunächst seine Behaarung auf, sodann die mächtigen -Eckzähne, die sogenannten Gewehre. Schließlich wäre noch erwähnenswert, -daß sein Kopf länger als der des Hausschweins ist, daß er überhaupt -nicht so fett, dafür aber stärker, höher und ungemütlicher ist als unser -Hausschwein.</p> - -<p>In früheren Zeiten war das Wildschwein eine der häufigsten Wildarten -unserer Heimat. Da es jedoch dem Ackerbau sehr schädlich ist, so -besitzt es keine Schonzeit und ist an vielen Stellen bereits vollkommen -ausgerottet worden.</p> - -<p>Wenn wir uns die kleinen Augen des Wildschweins ansehen und dabei -beobachten, daß sein großer Rüssel unter fortwährendem Geschnüffel -in Tätigkeit ist, so können wir keinen Augenblick daran zweifeln, daß das -Wildschwein ein Nasentier ist. In der Tat ist es ein ausgesprochenes -Nasentier wie Elefant, Tapir, Maulwurf und andere Tiere, die sich durch -ein bewegliches Riechorgan und ein nichtssagendes Auge auszeichnen.</p> - - -<h3><a name="kap_100" id="kap_100">100</a>. Warum ist der Kopf des Schweines kegelförmig?</h3> - -<p>Mit dem Maulwurf hat das Wildschwein nicht nur das schwache -Sehvermögen gemeinsam. An den Maulwurf erinnert auch der ganze -Kopf des Wildschweins. Und so verschieden die Größe der beiden Geschöpfe -auch ist, so haben sie doch in ihrer Lebensweise etwas Uebereinstimmendes.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_164" id="Page_164">[Pg 164]</a></span></p> - -<p>Der Maulwurf lebt unter der Erde, indem er auf Regenwürmer -und andere Insekten Jagd macht. Zu diesem Zwecke muß er, um sich -schnell durch die Erde durchzubohren, einen kegelförmigen Kopf besitzen. -Auch das Wildschwein frißt gern Regenwürmer und andere Insekten -des Erdbodens, dann aber vor allen Dingen pflanzenartige Stoffe, die -im Erdboden stecken, also Wurzeln, Kartoffeln und dergleichen. Das Wildschwein -muß also einen Wühlkopf haben. Wo es etwas gewittert hat, -bricht es mit seinem Rüssel die Erde auf, um zu dem durch den Geruch -wahrgenommenen Gegenstande zu gelangen.</p> - -<p>Der maulwurfartige Kopf kommt dem Wildschwein aber auch noch -zustatten, wenn es schnell in Gebüsche flüchtet. Wie der Maulwurf schnell -die Erde durchschneidet, so kann das Wildschwein schnell durch Gebüsche -laufen. Hierbei ist es für das Wildschwein sehr von Vorteil, daß seine -kleinen Augen seitlich stehen. Schon Wölfe oder Hunde können dem -Wildschwein nicht so schnell in die Gebüsche folgen, weil ihre Köpfe viel -weniger dazu geeignet sind, auch ihre Augen mehr nach vorn stehen. -Zweige und Blätter werden ihnen also viel leichter in die Augen geschleudert -als dem Wildschweine.</p> - - -<h3><a name="kap_101" id="kap_101">101</a>. Warum nennt man einen Menschen mit kleinen Augen -schweinsäugig?</h3> - -<p>Unser Wildschwein hat wohl kleine, aber eigentlich keine blöden -Augen. Dagegen fallen bei den in der Nähe stehenden Hausschweinen -die kleinen, blöden Augen sehr auf. Es ist also kein Wunder, daß man -von einem Menschen, der kleine Augen hat, sagt, er habe Schweineaugen.</p> - -<p>Schon äußerlich ist erkennbar, daß das Auge bei den Schweinen -wenig leistet. Jeder Jäger kann das auch von den Wildschweinen bestätigen.</p> - -<p>Die Schwäche der Augen wird bei den Schweinen durch die -Leistungen der Nase ausgeglichen. Von der Feinheit ihres Geruchsvermögens -können wir uns kaum eine Vorstellung machen. Ein Forstbeamter -zeigte mir einmal folgenden Fall, da er wußte, daß ich für solche -Dinge großes Interesse habe. Er hatte Kiefern angepflanzt und den -Platz von der Größe eines Morgens mit einem Bretterzaun umgeben. -In der Mitte des Platzes war eine kleine Stelle freigeblieben. Hier hatte -sich mein Bekannter ein paar Kartoffeln gesteckt. Nun war an den Fährten -deutlich zu erkennen, daß ein Wildschwein draußen am Zaun entlang -gelaufen war. Hierbei muß es die Kartoffeln gewittert haben, -denn es war plötzlich an einer Stelle durch den Zaun gekrochen. Das -war ihm dadurch gelungen, daß es eine vorhandene Lücke vergrößert -hatte. Auf mindestens 50 Schritte hatte es also die in der Erde verborgenen -Kartoffeln gewittert.</p> - -<p>Der Landwirt zweifelt an der unglaublichen Feinheit des Geruchssinns -der Wildschweine keinen Augenblick. Denn er hat auf seinen Aeckern -oft Gelegenheit, sich in höchst unerfreulicher Weise davon zu überzeugen. -Sehr häufig kommt es beispielsweise vor, daß ein mit Kartoffeln bestellter -Acker im nächsten Jahre Getreide trägt. Eines Tages sieht man<span class="pagenum"><a name="Page_165" id="Page_165">[Pg 165]</a></span> -im Getreide die Fährten eines Wildschweins, das im Boden gewühlt und -schweren Schaden angerichtet hat. Was hat den überall verfolgten -Schwarzkittel zu dieser landwirtschaftsfeindlichen Handlung veranlaßt? -Hätten die Leute beim Ausbuddeln mit Sorgfalt alle Kartoffeln gesammelt, -so wäre der Schaden im Getreide nicht geschehen. So hat das Wildschwein -die in der Erde verborgenen Kartoffeln gewittert. Da es Kartoffeln -sehr liebt, so hat es sie herausgewühlt ohne Rücksicht darauf, daß -es dabei große Stellen Getreide zusammentrampelte oder sonst vernichtete.</p> - -<p>Wie alle wildlebenden Tiere hat das Wildschwein aufrechtstehende -Ohren, während unser Hausschwein, weil es die Ohren nicht mehr anzustrengen -braucht, Hängeohren besitzt.</p> - - -<h3><a name="kap_102" id="kap_102">102</a>. Warum liegt unser Hausschwein gern in einer Pfütze -und auf dem Miste?</h3> - -<p>Der Freundlichkeit eines Landmannes verdanken wir es, daß wir -einen Einblick in sein Gehöft und seinen Schweinestall werfen dürfen. -Eines seiner Schweine liegt in einer Pfütze, während ein anderes sich -auf dem Miste herumtreibt. Nachher legt es sich in die Sonne und macht -ein höchst zufriedenes Gesicht. Da es eine Sau ist, so trifft hier die Bezeichnung -»sauwohl« vollkommen zu.</p> - -<p>Die Vorliebe des Schweines für den Mist darf nicht mit dem Maßstabe -des Menschen gemessen werden. Wie der Hund, so ist das Wildschwein -von Hause aus ein Aasfresser. Auf dem Misthaufen findet es -also vieles, was ihm naturgemäß und sehr bekömmlich ist.</p> - -<p>Alle Nachttiere lieben, wie wir wissen, die Bestrahlung durch die -Sonne. Das Wildschwein ist ein ausgesprochen nächtliches Tier.</p> - -<p>Dem viel stärkeren Schwein, das in der Pfütze liegt, ist es dagegen -schon zu warm. Um das Wälzen in der Pfütze zu verstehen, müssen wir -uns folgendes vergegenwärtigen.</p> - -<p>Als wir im Zoologischen Garten waren, hatten sich die Wildschweine -eine Art Grube gemacht, in der sie behaglich ruhten. Wer die Lebensweise -des Wildschweins kennt, konnte keinen Augenblick im Zweifel darüber -sein, was sie mit diesem Liegen in der Bucht bezweckten. Es war damals -auch warm, und an warmen Tagen sehnt sich das Wildschwein nach seiner -geliebten Suhle. Darunter versteht man ein mit Wasser, Moor, Schlamm -u. dgl. ausgefülltes Loch. Solche sucht das Wildschwein gern auf, um -sich darin zu wälzen. Einmal erzielt das Wildschwein dadurch eine Abkühlung, -sodann aber bleibt der Schlamm auf seiner Haut sitzen. Nachdem -er trocken geworden ist, bietet er ein gutes Abwehrmittel gegen -Insekten.</p> - - -<h3><a name="kap_103" id="kap_103">103</a>. Welches sind die Vorzüge unseres Hausschweins?</h3> - -<p>Wie ungeheuer nützlich das Hausschwein ist, haben wir alle am -eigenen Leibe schmerzlich erfahren. Worin bestehen die großen Vorzüge -des Hausschweins?</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_166" id="Page_166">[Pg 166]</a></span></p> - -<p>Erstens kann es mit verhältnismäßig geringem Futter aufgezogen, -dann schnell fettgemacht werden. Es liefert vortreffliches Fleisch und -fetten Speck, der durch Salzen und Räuchern leicht aufzubewahren ist.</p> - -<p>Zweitens hat es nicht nur ein Junges wie das Pferd oder manchmal -Zwillinge wie die Kuh, sondern die Sau hat 10, ja 20 Ferkel. Die Vermehrung -ist also im Vergleich zu den anderen nutzbringenden Haussäugetieren -ungeheuer groß.</p> - -<p>Ich habe oft in früheren Zeiten bei kleinen Leuten gewohnt und mich -darüber gefreut, wie gut die Schweine bei ihnen gediehen. Sie kauften -gewöhnlich im Frühjahr ein paar Ferkel, weil sie damals noch zu dieser -Zeit viel Kartoffeln und Ueberfluß an Milch hatten. Den Sommer über -wurden die Tiere mit allerlei Grünzeug, namentlich mit dem Unkraut -und den Abfällen der Mahlzeiten gefüttert. Im Oktober war dann die -Kartoffelernte, so daß man reichlich mit Kartoffeln füttern konnte, ebenso -im November. Im Dezember wurde Gerstenschrot gefüttert und um -Weihnachten herum gewöhnlich geschlachtet. Was für Prachtstücke hatten -die Leute manchmal herangefüttert! Wurde man zum Schweineschlachten -eingeladen, was in früheren Zeiten etwas Selbstverständliches war, so -konnte man trotz des ursprünglichen Riesenhungers seine Portion Wellfleisch -und warme Wurst kaum bezwingen.</p> - - -<h3><a name="kap_104" id="kap_104">104</a>. Warum gedeihen die Schweine bei kleinen Leuten so gut?</h3> - -<p>Die vorhin geschilderte Art und Weise, wie der kleine Mann seine -Schweine behandelt, hat sehr günstige Erfolge. Sie dürften in folgenden -Dingen ihren Grund haben.</p> - -<p>Je mehr Tiere zusammenstehen, desto gefährlicher werden die Ausscheidungen. -Bei den zwei Schweinen, die ich gewöhnlich im Stalle angetroffen -habe, war es in dieser Hinsicht nicht so schlimm.</p> - -<p>Die einfachen Leute auf dem Lande haben den ganz richtigen -Grundsatz: Das Tier weiß besser, was ihm guttut, als der Mensch. Der -Mensch soll sich nach dem Tiere richten, aber nicht das Tier belehren -wollen.</p> - -<p>Selbstverständlich überfressen sich Haustiere in ihrer Gier, ebenso -nehmen sie ohne Wahl, was man ihnen in den Futterkübel wirft. Da -diese Eigentümlichkeit ganz bekannt ist, so nimmt man darauf Rücksicht.</p> - -<p>Im übrigen paßt man darauf auf, was das Tier beim Fressen bevorzugt. -So gelangt man zu einer naturgemäßen Fütterung. Man bringt -den Schweinen junge Disteln und Brennesseln, ebenso Schnecken und -andere tierische Nahrung. Denn das Wildschwein ist ein halbes Raubtier, -das tierische Stoffe braucht. Diese Abwechselung trägt zum Wohlbefinden -der Schweine sehr bei.</p> - -<p>Durch das Grünfutter im Sommer bleiben die Schweine mager. -Auch das Wildschwein setzt erst gegen den Herbst zu Speck an. So bleiben -die Schweine gesund und werden selten von den in unsern Schweineställen -fortwährend herrschenden Seuchen ergriffen.</p> - -<p>Ein großer Vorteil ist es, daß das Schlachten bei Eintritt der kalten<span class="pagenum"><a name="Page_167" id="Page_167">[Pg 167]</a></span> -Jahreszeit stattfindet. Denn dadurch ist die Möglichkeit gegeben, Schinken -und Speck recht lange aufzubewahren.</p> - - -<h3><a name="kap_105" id="kap_105">105</a>. Wie soll der Schweinestall beschaffen sein?</h3> - -<p>An sich ist die Stallhaltung unnatürlich und deshalb ungesund. -Zuchttiere, d. h. Tiere, von denen man Nachkommenschaft ziehen will, -dürfen auch nicht dauernd im Stalle stehen, wenn man Freude an seiner -Zucht haben will. Bei Tieren jedoch, die geschlachtet werden sollen, -brauchen die gesundheitlichen Grundsätze nicht so streng beobachtet zu -werden.</p> - -<p>Gerade das Schwein stellt große Anforderungen an den Stall. Das -soll nicht heißen, daß es Luxusbauten wünscht, – im Gegenteil. Wenn -ein Schwein im Winter sich in den warmen Düngerhaufen einschieben -kann, dann ist ihm höchst wohl zumute. Und diese Art Stallung kostet -gar nichts. Im Sommer dagegen soll der Stall kühl sein.</p> - -<p>Das ist nur aus der Lebensweise des Wildschweins zu erklären. Im -Sommer sucht es, wie wir wissen, eine kühle Suhle auf. Im Winter dagegen -liegt es in einem warmen Kessel. Das Schwein will also vor allen -Dingen im Winter einen warmen Fußboden. Es ist ein Warmfüßler -im Gegensatz zum Pferde, das als Steppentier ohne Schaden bei großer -Kälte auf kaltem Fußboden stehen kann.</p> - -<p>Weil es nun nicht immer leicht ist, einen Schweinestall mit warmem -Boden herzustellen, so entgeht der einfache Mann durch Schlachtung -seiner Schweine zu Beginn der eigentlichen Winterszeit allen weiteren -Sorgen.</p> - -<p>Im Luxusbau sind gewöhnlich kalte Fußböden, schlechte Luft, obendrein -Zugluft und der feuchte Niederschlag von den Ausdünstungen. Es -ist daher kein Wunder, daß Seuchen unter den Schweinen gar kein Ende -nehmen.</p> - -<p>Zum Wohlbefinden der Schweine gehören auch Pfähle, an denen sich -das Schwein reiben kann. Denn das Wildschwein fühlt sich ganz besonders -wohl, wenn es sich an Baumstämmen gehörig reiben kann. -Solche Pfähle fehlen bei Luxusbauten, während sie der praktische Landwirt -oft anbringt. Auch in unserem Zoologischen Garten sind sie glücklicherweise -angebracht, und ihre starke Abnutzung zeigt, wie dringend -notwendig sie sind.</p> - - -<h3><a name="kap_106" id="kap_106">106</a>. Warum frißt die Sau die eigenen Ferkel?</h3> - -<p>Ein großer Schmerz für den Landwirt ist es, daß manche Sauen -ihre eigenen Kinder fressen. Alle Mittel, die man dagegen anwendet, -taugen im allgemeinen nicht viel.</p> - -<p>Wir Menschen sind entsetzt, daß eine Mutter so entartet sein kann. -Aber ist unser Standpunkt richtig?</p> - -<p>Mir ist kein Fall bekannt, daß eine Wildsau ihre Frischlinge gefressen -hat. Vielmehr weiß jeder Jäger, daß sie ihre Jungen mit Aufopferung -ihres Lebens verteidigt.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_168" id="Page_168">[Pg 168]</a></span></p> - -<p>Deshalb wird die Schuld an uns liegen. Das Wildschwein ist ein -halbes Raubtier, das mit Vorliebe Aas frißt. Dem Hausschwein geben -wir aber regelmäßig nur Pflanzennahrung. Ist es da ein Wunder, daß -der andauernd unterdrückte Fleischhunger sich gewaltsam Bahn macht?</p> - -<p>Erfahrene Schweinezüchter haben mir übrigens versichert, daß eine -Sau nur kranke oder lebensunfähige Ferkel frißt. Ob das zutrifft, kann -ich nicht beurteilen.</p> - -<p>Der Stieglitz, den man mit einem Kanarienvogelweibchen paart, -frißt die Eier des Weibchens, weil wir ihm keine Räupchen geben, die -Hühner reißen sich die Federn aus, weil sie im Frühjahr Mangel an -tierischer Nahrung haben. Auch sie werden durch falsche Fütterung zu -halben Kannibalen.</p> - - -<h3><a name="kap_107" id="kap_107">107</a>. Muß ein gutes Schwein alles fressen?</h3> - -<p>Bekannt ist der Satz, daß ein gutes Schwein alles fressen muß. Ich -kann ihn leider nicht unterschreiben. Ich weiß sehr wohl, daß das Schwein -einen sehr großen Speisezettel besitzt, da es sowohl Pflanzenfresser als -auch ein halbes Raubtier ist. Dennoch gibt es gewisse Dinge, die das -Schwein nicht frißt. So ließen alle Schweine trotz des größten Hungers -Kastanien liegen, während Schafe, wie wir noch besprechen werden, sie -gierig fraßen.</p> - -<p>Auch mit gesalzenen Dingen muß man beim Schweine sehr vorsichtig -sein. Für Wiederkäuer, auch für Pferde, ist Salz bekömmlich. Für alle -Raubtiere ist Salz jedoch sehr nachteilig.</p> - -<p>Gesalzenes Pökelfleisch, ebenso Heringslake haben schon oft den Tod -von Schweinen herbeigeführt. Das kam daher, weil man auf den Satz -schwor, daß ein gutes Schwein alles fressen muß.</p> - -<p>Uebrigens frißt das Schwein auch Heu und Stroh ungehäckselt nicht.</p> - - -<h3><a name="kap_108" id="kap_108">108</a>. Die Fütterung der Schweine mit Rohrwurzeln.</h3> - -<p>Immer wieder muß ich betonen, daß wir zu einem richtigen Verständnis -eines Haustieres nur gelangen, wenn wir die Lebensweise -seiner wilden Verwandten erforschen.</p> - -<p>Bereits lange vor Ausbruch des Krieges habe ich darauf hingewiesen, -daß wir auf diesem Wege auch zur Erlangung neuer Futtermittel -für unsere Haustiere gelangen. So war es mir aufgefallen, daß das -Wildschwein im Winter gern die Farnwurzeln frißt, ebenso die Wurzeln -von Schilfrohr.</p> - -<p>Praktische Schweinezüchter haben mir bestätigt, daß die Farnwurzeln -ein sehr bekömmliches Futter für Hausschweine sind. In -Amerika ist es, wie mir mitgeteilt wurde, an vielen Stellen üblich, -Schweine mit Farnwurzeln zu füttern. Ebenso sind die verwilderten -Hausschweine an der Westküste Neuseelands von den Eingeborenen ausgerottet -worden aus Furcht, die Schweine möchten die Farnwurzeln -vollends zerstören, auf welche die Eingeborenen zu ihrer Nahrung besonders -angewiesen sind.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_169" id="Page_169">[Pg 169]</a></span></p> - -<p>Die Vermutung spricht daher dafür, daß auch die Rohrwurzeln für -Schweine ein bekömmliches Futter sind.</p> - -<p>Es hat daher mein höchstes Interesse erweckt, daß der Rohstoffverband -in Charlottenburg jetzt in großzügiger Weise die Rohrwurzeln -mit Greifern und Baggern gewinnen und daraus ein Futtermittel -»Fragmit« herstellen läßt. Der Name ist verdeutscht aus <span class="antiqua" lang="la" xml:lang="la">phragmites -communis</span>, das Schilfrohr.</p> - -<p>Es scheint mir das ein sehr glücklicher Gedanke zu sein, da hierdurch -folgendes erzielt wird:</p> - -<p class="m2">1. Gewinnung eines Futtermittels von hohem Zuckergehalt,</p> - -<p class="m2">2. Verhinderung der Verlandung der Seen und Flüsse,</p> - -<p class="m2">3. Ausnutzung von hunderttausend Hektaren Land, die jetzt vollkommen -tot daliegen.</p> - -<p>Es liegt im vaterländischen Interesse, alle Bestrebungen zu unterstützen, -die eine größere Ausbeute der heimischen Naturschätze gestatten -und uns dadurch, wenn auch vorläufig nur wenig, von der Einfuhr ausländischer -Futtermittel unabhängig machen. Es wäre daher sehr erwünscht, -wenn praktische Schweinezüchter Versuche mit »Fragmit« anstellen -würden.</p> - -<p>Selbstverständlich müssen die Wurzeln im Winterhalbjahr gewonnen -sein, weil sie zu dieser Zeit die meisten Nährstoffe besitzen. Im -Sommer frißt das Wildschwein weder Farn- noch Rohrwurzeln.</p> - -<p>Für Höhentiere, also Ziegen und Schafe, käme das Fragmit weniger -in Betracht. Dagegen könnten Versuche auch bei Rindern und Pferden -angestellt werden, da Rinder in Niederungen leben, und Pferde die -Schößlinge des an Steppenseen wachsenden Rohrs fressen.</p> - - -<h3><a name="kap_109" id="kap_109">109</a>. Die Rassen des Schweins.</h3> - -<p>Man unterscheidet folgende Rassen: 1. krausborstige Schweinerassen, -die hauptsächlich im Südosten Europas leben, z. B. das Mangaliczaschwein, -2. romanische Schweinerassen, die in Südeuropa leben, 3. kurzohrige -Schweinerassen, wozu das bayerische Schwein und das Bakonyer -Schwein gehören. In Berlin wird das Bakonyer Schwein gewöhnlich -»Pachuner« genannt. 4. Großohrige Schweinerassen, 5. englische -Schweinerassen.</p> - -<p>Die Engländer haben es verstanden, durch Kreuzung mit indischen -und romanischen Schweinen ausgezeichnete Rassen zu erzielen, beispielsweise -Essex-Schweine, Yorkshire-Schweine, Berkshire-Schweine usw. -Diese englischen Rassen sind stark bei uns eingeführt worden und haben -die heimischen Schläge vielfach verdrängt. Da das englische Edelschwein -neben großen Vorzügen sehr empfindlich und wenig fruchtbar ist, so hat -man es mit deutschen Schweinen gekreuzt und züchtet das sogenannte -deutsche Edelschwein.</p> - -<p>Das Schwein ist kein Wiederkäuer, wie bereits erwähnt wurde. -Es hat außer den Eckzähnen im Oberkiefer sechs Schneidezähne. -Es gehört zu den Paarhufern aus der Familie der Schweine. In -Bessarabien gibt es Einhuferschweine.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_170" id="Page_170">[Pg 170]</a></span></p> - -<p>Der Zuchteber wird mit Ablauf eines Jahres zur Zucht verwendet, -die Sau im Alter von 10 bis 14 Monaten. Die Tragezeit währt fast vier -Monate. Man nimmt an, daß das Schwein ein Alter von 30 Jahren erreicht.</p> - -<p>Es ist schon erwähnt worden, daß Krankheiten bei den Schweinen -sehr häufig sind. Es seien genannt Rotlauf, Schweineseuche und -Schweinepest. Am bekanntesten ist, daß im Schwein Trichinen leben, -weshalb man Schweinefleisch nur gekocht essen soll.</p> - -<p>Zu den besten Bekämpfern der Krankheiten gehört der Weidegang -der Schweine. Namentlich scheint der Weidegang auf Kleeweiden immer -mehr Anhänger zu finden.</p> - - -<h3><a name="kap_110" id="kap_110">110</a>. Das Schwein in Redensarten und Sprichwörtern.</h3> - -<p>Erwähnt wurden bereits »sauwohl«, »schweinsäugig« und die -Redensart »Ein gutes Schwein muß alles fressen«.</p> - -<p>Wegen seines Wälzens im Schmutz und Kot dient das Schwein als -Bezeichnung für einen schmutzigen oder unsittlichen Menschen. Ueberhaupt -dient die Verbindung mit Schwein dazu, um den schärfsten Tadel -auszusprechen. So ist ein sehr schlechtes Essen</p> - -<p class="center"><em>Schweinefraß</em>,</p> - -<p class="center"><em>Schweinestall</em></p> - -<p class="noindent">eine sehr schmutzige Wohnung.</p> - -<p>Man sagt ferner:</p> - -<p class="center"><em>dumm, faul, gefräßig, dreckig sein wie ein Schwein, -bluten wie ein Schwein</em>.</p> - -<p>Zu ergänzen ist: wenn es geschlachtet wird. Um plumpe Vertraulichkeiten -abzuwehren, gebraucht man die Redensart:</p> - -<p class="center"><em>Wo haben wir zusammen die Schweine gehütet?</em></p> - -<p>Merkwürdigerweise gilt das Schwein auch als glückbringend. In der -Studentensprache heißt Schwein soviel wie Glück.</p> - -<p class="center"><em>grenzenloses Schwein</em></p> - -<p class="noindent">bedeutet grenzenloses Glück.</p> - -<div class="figcenter"> -<a name="fig183_1" id="fig183_1" href="images/illu-183_1.jpg"><img src="images/illu-183_1_t.jpg" width="300" height="198" alt="Schweine auf der Weide" /></a> -<div class="caption">Schweine auf der Weide</div> -</div> - -<div class="figcenter"> -<a name="fig183_2" id="fig183_2" href="images/illu-183_2.jpg"><img src="images/illu-183_2_t.jpg" width="300" height="217" alt="Laufraum für junge Schweine" /></a> -<div class="caption">Laufraum für junge Schweine</div> -</div> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_171" id="Page_171">[Pg 171]</a></span></p> - -<h2> -<img src="images/die_ziege.jpg" width="600" height="103" alt="Die_Ziege" /> -<br /> -<span class="hidden">Die Ziege</span> -</h2> - - -<h3><a name="kap_111" id="kap_111">111</a>. Warum können junge Ziegen bereits vortrefflich klettern?</h3> - -<p class="cap">Die Ziege, die Kuh des armen Mannes, können wir in oder nahe -bei dem alten Berlin noch häufig zu sehen bekommen. Auf dem unbebauten -Teil des Tempelhofer Feldes trifft man sie regelmäßig im Sommer -an, ebenso auf Baustellen der Vororte. Selbst in Gärten habe ich -sie schon gesehen, wobei sie natürlich, um Schaden zu verhüten, angebunden -war.</p> - -<p>Wir wollen einmal eine solche Mutterziege, die zwei muntere Zicklein -bei sich hat, etwas näher betrachten.</p> - -<p>Bei der Ziege haben auch die Weibchen Hörner, ebenso wie die -Gemsen, während sie den weiblichen Schafen, wie wir später sehen werden, -fehlen.</p> - -<p>Das hat natürlich seinen Grund, und zwar folgenden: Gemsen und -Ziegen haben ihre Heimat im hohen Gebirge, wo die Jungen von -Adlern und anderen Raubvögeln bedroht werden. Um sie abzuwehren, -brauchen die Weibchen Hörner.</p> - -<p>Das Schaf stammt auch aus dem Gebirge, aber aus dem bewaldeten -Teile der Gebirge. Die Schafmutter braucht ihr Junges nur in den Wald -zu bringen, dann ist es vor Raubvögeln sicher. Deshalb haben auch die -Weibchen von Reh und Hirsch keine Waffen, weil auch sie in den Wald -flüchten können.</p> - -<p>Die kleinen Tierchen, die allerliebst aussehen, tollen jetzt in der übermütigsten -Weise umher. Ihre Gewandtheit im Klettern ist erstaunlich. -Je höher sie klettern können, desto lieber ist es ihnen. Man sieht ihnen -an, daß ihre Vorfahren im Gebirge heimisch waren. Auch führen sie schon -Scheingefechte auf, indem sie mit den Köpfen gegeneinander rennen. -Schwindel muß ihnen ganz unbekannt sein, denn sonst könnten sie nicht -mit solchem Vergnügen am Dachrande eines kleinen Hauses entlanglaufen.</p> - -<p>Diese frühzeitige Kletterkunst erregt unser Erstaunen, besonders -wenn wir bedenken, daß eben geborene junge Ziegen bereits nach einigen -Tagen ihrer Mutter überallhin folgen können.</p> - -<p>Auch hier gibt uns die Lebensweise der Stammeltern Aufschluß -über diese merkwürdige Eigenschaft. Unsere Hausziege stammt von der -Bezoarziege ab, die an den Küsten des mittelländischen Meeres lebt. Wie -alle Pflanzenfresser hat auch die Bezoarziege Feinde, die ihr nachstellen. -Von den Säugetieren sind es namentlich Luchse und Wölfe.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_172" id="Page_172">[Pg 172]</a></span></p> - -<p>Wie soll nun die Ziegenmutter ihre Jungen gegen überlegene Feinde -schützen, beispielsweise, wenn ein Jäger oder ein schnellfüßiger Wolf -kommt? Auf dem Rücken kann sie das Junge nicht tragen. Deshalb muß -das Junge bald klettern können, weil sonst die Ziegen ausgerottet -wären.</p> - - -<h3><a name="kap_112" id="kap_112">112</a>. Warum fressen unsere Ziegen ungern Gras?</h3> - -<p>Inzwischen ist die Herrin der Ziegenfamilie zu der alten Ziege getreten -und schilt sie tüchtig aus. Wir können zwar nicht alles verstehen, -was sie sagt, aber wir können es uns schon denken. Es ist das alte Lied, -das wir immer hören müssen. Entweder heißt es: »Du Ziege bist ein -ganz niederträchtiges Geschöpf. Du stehst im tiefen Gras, doch darum -kümmerst du dich nicht. Aber den Pfahl, an den du gebunden bist, den -knabberst du an.« Oder: »Du bist ein ganz eigensinniges Tier; Gras -willst du nicht fressen, aber zu den Sträuchern willst du hin.« Der gebildete -Großstädter sagt oft verzweifelnd, wenn die Ziege das mühsam -besorgte Gras nicht fressen will: »Die Ziege gehört zu den Träumern, -die in die Weite schweifen, obwohl ihr das Gute so nahe liegt.«</p> - -<p>Alles das ist natürlich eine ganz falsche Ansicht. Wir Menschen -machen folgenden Schluß: Die Ziege ist ein Pflanzenfresser. Gräser sind -Pflanzen. Folglich muß die Ziege Gräser fressen, oder sie ist nicht ganz -bei Trost.</p> - -<p>Schon früher haben wir darauf hingewiesen, daß die Gemsen in -unseren Zoologischen Gärten bald sterben, weil ihnen das gewürzige -Gras ihrer Heimat fehlt. Die Bezoarziege bewohnt nun solche Teile des -Gebirges, wo Gräser wenig oder gar nicht vorkommen. Auf dem öden, -trockenen Gestein der Mittelmeerländer kommen Grasflächen, wie sie -unsere Heimat in Hülle und Fülle bietet, nur selten vor.</p> - -<p>Das Gras unserer Ebene ist also gar kein natürliches Futter der -Ziege.</p> - -<p>Deshalb werden wir niemals in unserer engeren Heimat, in einer -Provinz ohne Bodenerhebungen, eine berühmte Ziegenrasse züchten, -weil wir den Ziegen so wenig natürliches Futter bieten können.</p> - -<p>Wir müssen vielmehr immer wieder unsere Ziegen mit solchen aus -gebirgigen Ländern auffrischen, wo sie viel besser gedeihen, beispielsweise -im Harz und in der Schweiz.</p> - - -<h3><a name="kap_113" id="kap_113">113</a>. Wie erklärt sich die Giftfestigkeit der Ziege?</h3> - -<p>Wir haben also gesehen, daß die Besitzerin der Ziegenfamilie im -Unrecht ist, wenn sie die Ziege schilt, weil sie so ungern das Gras unserer -Ebene fressen will.</p> - -<p>Damit soll nun nicht gesagt sein, daß wir demutsvoll allen angestammten -Eigenarten der Ziegen nachkommen sollen. Davon kann keine -Rede sein. Nur sollen wir uns von der Vorstellung freimachen, daß wir -vor einer unverbesserlichen Sünderin stehen. Das ist nicht der Fall, da -kein Tier seine angeborenen Triebe ablegen kann. Noch eine andere -Eigentümlichkeit der Ziege erregt unseren Zorn. Sie ist nach unseren<span class="pagenum"><a name="Page_173" id="Page_173">[Pg 173]</a></span> -Begriffen lecker, weil sie bald dieses, bald jenes sich aus dem Futter herauszieht -und am liebsten eine Menge an die Erde wirft, wo es natürlich -zertreten wird.</p> - -<p>Diese Art des Fressens ist ganz einleuchtend, wenn man sich die -Lebensweise der Wildziegen vorstellt. Auf dem öden Gestein ist ein sehr -geringer Pflanzenwuchs. Zum Sattwerden an einer einzigen Pflanzenart -reicht es nicht aus. Deshalb muß die Ziege von dem wenigen, was das -Gebirge hervorbringt, fressen, ganz gleich, was es ist. Hieraus erklärt -sich auch die merkwürdige Erscheinung, daß die Ziege gewissermaßen -giftfest ist. Sie frißt beispielsweise den giftigen Schierling körbeweise, -ohne daß es ihr schadet. Auch frißt sie viele Dinge, die jedes andere Tier -meidet, so den scharfen Mauerpfeffer, Zigarren und Schnupftabak und -dergleichen.</p> - -<p>Wenn eine Ziege also den Pfahl beknabbert, an dem sie angebunden -ist und das Gras links liegen läßt, so ist das keine Niederträchtigkeit, -sondern die ganz naturgemäße Art des Fressens. Ueppige Weiden behagen -ihr nicht, wohl aber Sträucher und Baumzweige. Deshalb ist sie -der Fluch für die Mittelmeerländer, weil sie durch ihr Beknabbern eine -Bewaldung dieser Länder nicht aufkommen läßt. Sieht man einer freiweidenden -Ziege zu, so wird man sich davon überzeugen können, daß sie -von den am Boden wachsenden Pflanzen die Blätter bevorzugt und viel -lieber als Gräser frißt. Das ist auch nach ihrer Herkunft nicht wunderbar.</p> - - -<h3><a name="kap_114" id="kap_114">114</a>. Warum heißt die Ziege die Kuh des armen Mannes?</h3> - -<p>Wir sehen, daß hier eine Familie sich eine Ziege hält, obwohl sie nur -einen ziemlich großen Garten besitzt. Diese Leute sind wahrscheinlich -wohlhabend, möglicherweise sogar sehr reich. Bei ihnen würde also die -Bezeichnung nicht zutreffen, daß die Ziege die Kuh des armen Mannes -sei.</p> - -<p>Großstädtische Verhältnisse sind eben nicht immer die naturgemäßen. -Die Redensart bezieht sich auf die sonst in unserer Heimat üblichen Verhältnisse. -Hiernach hat der arme Mann auf dem Lande bei seinem Häuschen -einen Garten, aber er hat sonst kein Land, namentlich keine Wiesen, -wie es für eine Kuh erforderlich ist. Mit dem, was ein Garten bringt, -kann man eine Ziege ernähren, da fünf Ziegen zusammen nicht so viel -fressen wie eine Durchschnittskuh. Außerdem muß die Ziege bei armen -Leuten vieles fressen, was man ihr sonst nicht vorsetzt, z. B. Abfälle, -Spülicht usw. Der arme Mann möchte selbstverständlich auch gern -frische Milch genießen, und da er sich, wie wir sahen, keine Kuh halten -kann, so nimmt er eine Ziege, woher sich die Redensart erklärt.</p> - -<p>Eine gute Milchziege liefert wöchentlich 10 bis 12 Liter Milch. Sie -hat den Nachteil, daß viele Menschen sie nicht mögen. Auch läßt sich aus -Kuhmilch viel bessere Butter und leichter Käse machen. Auch schmeckt -saure Kuhmilch viel besser. Da außerdem Rindfleisch viel schmackhafter -als Ziegenfleisch ist, so wird die Kuh durch die Ziege nicht verdrängt -werden.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_174" id="Page_174">[Pg 174]</a></span></p> - - -<h3><a name="kap_115" id="kap_115">115</a>. Wie lebt die Ziege im Gebirge?</h3> - -<p>Von der Lebensweise der eigentlichen Stammeltern unserer Hausziege -wissen wir recht wenig. Wir wollen daher als Ersatz die Schweizer -Ziegen wählen, deren Lebensweise ein dort heimischer Naturforscher vortrefflich -geschildert hat.</p> - -<p>Die Ziegenböcke des Gebirges haben mitunter so außerordentlich -große Hörner, daß sie von weitem Steinböcken ähnlich sehen. Sie zeichnen -sich besonders durch ihren kecken, mutwilligen Humor aus. Es liegt -etwas Ernstes in der Haltung ihres Kopfschmuckes, aber sie haben ein -schalkhaftes Auge und zeigen, wenn es ans Naschen oder ans Spielen -und Stoßen geht, ihre ganze Leichtfertigkeit. Das Schaf hat nur in seiner -Jugend ein munteres Wesen, ebenso der Steinbock; die Ziege behält es -länger als beide. Ohne eigentlich im Ernste händelsüchtig zu sein, fordert -sie gern zum munteren Zweikampfe heraus.</p> - -<p>Neugierde ist überhaupt neben der Launenhaftigkeit ein hervorstechender -Wesenszug der Ziege. Sie ist in weit höherem Grade neugierig -als die Kuh; die Gemse ist ihr darin ähnlich. Zu den Gemsen verliert -sich hier und da eine Alpenziege und bleibt monatelang in der Gesellschaft. -Doch muß es ihr sauer werden, diesen Meistern im Springen -und Klettern nachzukommen, und gewöhnlich kehrt sie im Herbst unvermutet -ins Tal zu ihrer Hütte zurück. Im Appenzellerlande überwinterten -schon verloren geglaubte Ziegen in geschützten Alpen unter großen -Tannen bald allein, bald mit Gemsen, und kehrten im Frühling mit -frischgeworfenen Zicklein ins Tal zurück.</p> - -<p>Ueberhaupt ist unsere Ziege eines der muntersten und aufgewecktesten -unter den zahmen Tieren, wie schon ihr Auge, ihr feiner Kopf, -ihre schlanke, leichte Körperbildung und ihr großes Gehirn auf eine kluge -Natur schließen läßt. Sie ist weit empfänglicher für die Liebkosungen -des Menschen als das Schaf, folgt nicht, wie dieses, dem Gang der Masse, -sondern tritt gern frei und selbständig auf, liebt Berge und Freiheit, -fürchtet sich nicht so schnell, ist im Zorne ziemlich hartnäckig, hat viel Gedächtnis -und Ortssinn und würde vielleicht bei völliger Freiheit nach -wenigen Generationen an Lebhaftigkeit, Kühnheit und ausgebildetem -Instinkt der Gemse wenig nachstehen. Dies gilt namentlich von den gehörnten -Ziegen, die in den Gebirgen weit häufiger sind als die ungehörnten, -die dafür im Tale in den Ställen vorgezogen werden. Um solche -hornlose Ziegen zu erhalten, bedient man sich hie und da eines höchst -gefährlichen Mittels. Man gräbt nämlich Zicklein, sobald die Hörnchen -hervorbrechen wollen, diese samt der Wurzel aus dem Schädel.</p> - -<p>Der die Gebirge durchstreifende Wanderer trifft häufig Ziegengruppen -als malerische Zutat einer einsamen Alpengegend, bald frei weidend, -bald unter Obhut eines wetterbraunen, barfüßigen Jungen. Sie -sind selten scheu, gewöhnlich ganz zutraulich und munter. In manchen -Schweizerbergen folgen sie dem Fremden stundenweit, um ein paar -Fingerspitzen Salz oder ein Stück Brot zu erbetteln. Erhalten sie kein -Salz, so genießen sie mit ebenso großem Behagen eine Portion Schnupftabak. -Gewöhnlich sind ein halb Dutzend Stück einer Ochsen- oder Pferde<span class="pagenum"><a name="Page_175" id="Page_175">[Pg 175]</a></span>herde -beigegeben, und ihre Milch ist fast die einzige Nahrung der Hüter; -oft finden sich einige Stücke im Gefolge einer Kuhherde, oder sie werden -auch zu Herden vereinigt und zur Alp getrieben. In diesem Falle teilt -man sie im Appenzellerlande in Haufen von je 12 Stück ab; ärmere -Bauern, die keinen ganzen Haufen vermögen, stoßen ihre Ziegen zusammen -und halten gemeinschaftlich einen Geißbuben, der nebst magerer -Kost noch geringere Löhnung erhält.</p> - -<p>Mit großer Kühnheit schweifen diese Tiere in den steilsten Gebirgsbänken -umher, um vereinzelte Grasbüschel oder zarte, leckere Stäudchen -zu rupfen. Dabei geschieht es nicht selten, daß sich die Ziege »verstellt«, -wo sie sich weder vor- noch rückwärts mehr getraut. So bleibt sie dann -oft zwei bis drei Tage ohne Nahrung zwischen Tod und Leben, bis der -Geißbub sie entdeckt und zu »lösen« sucht. Dies tut er mit wunderbarer -Verwegenheit; manchmal bindet er sie an ein Seil, um sie die Felswand -hinaufzuziehen. Es ist in der Tat merkwürdig, daß der Mensch sich da -zu klettern getraut, wo selbst die leichtfüßige Ziege den Mut verloren -hat. Freilich sind die Geißbuben, die den ganzen Sommer über zwischen -den Felsen leben, großartige Künstler im verwegensten Klettern und -kennen die Gefahr so wenig, daß sie sich mitunter anbieten, die jähsten -Felsenköpfe und Gebirgsseiten durch beliebig zu bezeichnende Narben -und Falten zu erklimmen, wo man nicht begreift, wie eine Hand oder -ein Fuß im steilen Absturz haften kann. Selten fallen die Ziegen tot, -es sei denn, daß sie sich im Hörnerkampfe über den Felsenrand hinausstoßen -oder von einem fallenden Steine, einer Lawine oder dem Flügel -des Lämmergeiers ergriffen werden.</p> - -<p>Bekanntlich sind die Ziegenherden durch ihre Naschhaftigkeit die gefährlichsten -Feinde und eine wahre Geisel der Gebirgswaldungen geworden; -aber allmählich wird diesem schädlichen Unwesen durch bessere -Forstpolizei und Einschränkung des Ziegenstandes entgegengewirkt. Im -ganzen zieht die Ziege ein mageres, halbsaures Futter mit grünen -Knospen und Zweigen dem fetten Wiesengrase vor. Merkwürdig ist die -Beobachtung, daß die giftige Wolfsmilch und der Schierling von ihr mit -Begierde und ohne Nachteil gefressen wird. Dagegen sollen ihr Eicheln -nachteilig sein. Die Ziegenmilch wird im August, wo die Tiere die höchsten -Alpen besteigen, für am kräftigsten gehalten. Der größte Teil wird zu -fünf- bis zehnpfündigen Käsen verarbeitet, die von vorzüglichem Wohlgeschmack -sind.</p> - - -<h3><a name="kap_116" id="kap_116">116</a>. Warum gibt es im Ziegenstall so wenig Fliegen, -im Kuhstall so viele?</h3> - -<p>Wir wollen jetzt nach einem Vorort gehen, wo ein alter Bekannter, -Herr Althaus, Ziegen hält. Wegen seiner Gemütlichkeit und -Gefälligkeit wird er allgemein »Onkel Althaus« genannt. Wir treffen -es gut bei Onkel Althaus, denn es wird gerade ein Böckchen abgeholt, -das er vor einigen Tagen verkauft hatte. Das Ziegenböckchen ist ungewöhnlich -stark, was auch weiter kein Wunder ist, da es allein die ganze<span class="pagenum"><a name="Page_176" id="Page_176">[Pg 176]</a></span> -Milch der Mutter getrunken hatte. In dieser milcharmen Zeit muß aber -jeder zunächst an sich selbst denken. Onkel Althaus hat ein Söhnchen von -neun Jahren, das die Milch sehr nötig braucht und dessentwegen er -gerade die Ziege angeschafft hat. Es ist selbstverständlich, daß erst der -Mensch und dann das Tier kommt.</p> - -<p>Wir befürchteten, daß die Trennung von Mutter und Sohn zu endlosem -Jammern der Alten führen würde, wie es bei der Kuh üblich -ist, wenn ihr das Kalb genommen wird. Nichts von alledem geschah -– kein einziges Mäh kam über die Lippen der Alten. Ich glaube aber, -daß es falsch ist, wenn man hieraus auf eine Gefühllosigkeit der Ziegenmutter -schließt. Onkel Althaus hatte wohl recht mit der Annahme, daß -die alte Hippe, wie die Ziege auch sonst genannt wird, bestimmt glaube, -das Junge werde wiederkommen. Er erzählte uns, und sein Söhnchen -Albrecht bestätigte es, daß der kleine Bock schon oft Ausflüge auf eigene -Faust unternommen hatte.</p> - -<p>Es fällt uns auf, daß im Ziegenstall, in dem noch andere Ziegen -stehen, die aber zurzeit keine Milch geben, so wenig Fliegen sind. Im -Kuhstall wimmelt es von Fliegen, wie jeder weiß, der an einem warmen -Sommertage einen Kuhstall betreten hat. Wie erklärt sich dieser Unterschied?</p> - -<p>Aus der früheren Schilderung der Alpenkühe wissen wir, daß es -im Hochgebirge sehr wenig Insekten gibt. Die Ziege ist ein Kind des -Hochgebirges. Die Fliegen und andere Insekten der Ebene kennen also -Ziegen von früher her nicht. Dagegen sind ihnen Kühe als Geschöpfe -sumpfiger Gegenden sehr wohl bekannt. Wer da glaubt, daß es einer -Fliege oder einem anderen Insekt ganz gleichgültig ist, von welchem -Tiere sie das Blut ziehen, der dürfte im Irrtum sein. Auch der Esel -leidet als früheres Gebirgstier viel weniger unter der Insektenplage als -das aus der Steppe stammende Pferd.</p> - -<p>Wir sehen ähnliches bei unseren Kleidern. Die Motten bevorzugen -ganz auffallend reinwollene Sachen, während sie künstliche Wolle oder -Baumwolle meiden, mag sie auch noch so sehr das Auge des Menschen -täuschen.</p> - -<p>Es ist möglich, daß der Gestank des Ziegenbockes, der uns so unangenehm -ist, auch die Fliegen vertreibt. Aber in unserem Falle kann er -nicht in Betracht kommen. Denn Onkel Althaus besitzt keinen eigenen -Bock, und das Böckchen ist noch so jung, daß es noch keinen Geruch -entwickelt.</p> - - -<h3><a name="kap_117" id="kap_117">117</a>. Die Rassen der Ziege.</h3> - -<p>Die Ziege, die zu den paarzehigen wiederkäuenden Huftieren und -der Familie der Horntiere gehört, hat keine Tränengruben und Klauendrüsen. -Sie trägt ihren kurzen Schwanz gewöhnlich steil gestellt. Berühmt -sind die Angora- und Kaschmirziegen. Bei uns werden die -Schwarzwaldziege, die Harzer Ziege, die Erzgebirgsziege usw. gehalten. -Sehr gelobt wird die Langensalzaer Ziege. Sie gleicht der Schweizer<span class="pagenum"><a name="Page_177" id="Page_177">[Pg 177]</a></span> -Saanenziege, die bei uns viel eingeführt worden ist. Die Saanenziege -ist sehr groß, schneeweiß und ohne Hörner. Sie soll 5 bis 6 Liter Milch -den Tag über geben, aber bei uns hat sie es nicht getan. Jedenfalls -fehlen ihr die würzigen Gebirgskräuter, von denen wir bereits gesprochen -haben.</p> - -<p>Die Ziege ist mit einem Jahre ausgewachsen. Es soll noch gute -Milcherinnen geben, die 16 Jahre alt sind. Die Tragezeit dauert etwa -fünf Monate. Gewöhnlich werden ein oder zwei, manchmal sogar vier -Junge geworfen.</p> - -<p>Von Krankheiten ist die Ziege weit mehr verschont als die Kuh. -Namentlich leidet sie nicht an Tuberkulose. Es gilt im Gegenteil ihre -Milch als besonders heilkräftig für Lungenkranke. Die Ziege hat also -eiserne Lungen von ihren Vorfahren geerbt, da sie bei uns oft in ganz -elenden Ställen gehalten wird.</p> - - -<h3><a name="kap_118" id="kap_118">118</a>. Die Ziege in Redensarten und Sprichwörtern.</h3> - -<p>Von der Ziege als der »Kuh des armen Mannes« ist bereits gesprochen -worden, ebenso von ihrer angeblichen Naschhaftigkeit, weshalb -man sagt:</p> - -<p class="center"><em>Wählerisch wie eine Ziege.</em></p> - -<p>Bei den alten Griechen hieß der Ziegenbock überhaupt: Nascher.</p> - -<p class="center"><em>Mager wie eine Zicke oder Ziege.</em></p> - -<p>Bei den Ziegen, die in der Ebene leben müssen und nur Gras erhalten, -ist das kein Wunder.</p> - -<p>Umgekehrt sagt man:</p> - -<p class="center"><em>Es in sich haben, wie die Ziege das Fett.</em></p> - -<p>Das soll heißen, daß man einer Ziege, wenn sie innen feist ist, das -gewöhnlich nicht ansieht.</p> - -<p class="center"><em>Wer sich grün macht, den fressen die Ziegen.</em></p> - -<p>Hier wird der Rat gegeben, nicht dem Futter zu gleichen, das ein -Tier frißt. Dieser Rat ist selbstredend bildlich gemeint. Man soll also -beispielsweise nicht in Gegenwart von Leuten, die als große Darlehnssucher -bekannt sind, fortwährend davon reden, wie viel Geld man hat.</p> - -<div class="figcenter"> -<a name="fig184_1" id="fig184_1" href="images/illu-184_1.jpg"><img src="images/illu-184_1_t.jpg" width="300" height="222" alt="Weidende Ziegen" /></a> -<div class="caption">Weidende Ziegen</div> -</div> - - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_178" id="Page_178">[Pg 178]</a></span></p> - -<h2> -<img src="images/das_schaf.jpg" width="600" height="100" alt="Das Schaf" /> -<br /> -<span class="hidden">Das Schaf</span> -</h2> - - -<h3><a name="kap_119" id="kap_119">119</a>. Warum blökt das Schaf?</h3> - -<p class="cap">Es ist noch gar nicht solange her, daß man auf dem Tempelhofer Felde, -das damals noch gänzlich unbebaut war, eine wirkliche Schafherde -mit Schäfer und Hund beobachten konnte. Wie oft habe ich ihnen zugeschaut, -wobei ich besonders aufpaßte, ob sie bei der Heimkehr glücklich -über die Eisenbahngleise der Ringbahn kommen würden.</p> - -<p>Stand man bei der Herde, so war es gewöhnlich das gleiche Bild: -Fressen und Blöken und sich dabei etwas vorwärts schieben.</p> - -<p>In Ermangelung einer ganzen Herde müssen wir uns damit begnügen, -uns das Schaf eines Bekannten, ein ostfriesisches Milchschaf, anzusehen, -das dieser uns bereitwilligst zur Besichtigung vorgeführt hat.</p> - -<p>Geistreich kann man beim besten Willen das Gesicht eines Schafes -nicht nennen, eher das Gegenteil davon. Man kann sich nicht darüber -wundern, daß man recht dumme Leute als Schafe bezeichnet.</p> - -<p>Aber es wäre doch ein großes Unglück, wenn plötzlich alle Schafe -mit ihren dummen Gesichtern verschwänden. Dann hätten wir ja noch -weniger Wolle, als es ohnehin schon der Fall ist.</p> - -<p>Ueberdies werden wir sehen, daß es mit der Dummheit der Schafe -nicht so schlimm bestellt ist. Dieses einzelne Schaf, das wir vor uns -haben, blökt nicht. Daraus ersehen wir, daß das anhaltende Blöken -doch nicht so furchtbar töricht sein kann, wie die Leute es immer hinstellen.</p> - -<p>In der Tat ist der Mensch furchtbar ungerecht gegen die Tiere. Bei -den Vögeln, die genau dasselbe tun, wie die Schafe, findet er es wunderschön. -Fliegen zum Beispiel Meiseneltern mit ihren zahlreichen Jungen -von Baum zu Baum, so hört das feine Zurufen gar nicht auf. -Das gleiche beobachten wir bei Meisenschwärmen überhaupt. Wir -verstehen vollkommen, daß diese kleinen Tierchen sich im Gewirr der -Blätter oder Nadeln leicht aus den Augen kommen können. Da sie sich -nur in Gesellschaft wohlfühlen, so ergeht fortwährend der Zuruf: Bist -du auch noch da?</p> - -<p>Wenn Tiere mit sehr scharfen Augen bereits eine Prüfung brauchen, -ob sie sich nicht verloren haben, so ist sie erst recht bei Tieren mit schlechten -Augen angebracht. Eine Wildsau, eine sogenannte Bache, die ihre Jungen -führt, muß grunzen, damit die kleine Schar weiß, wo sie ihre Mutter -findet. Mit ihren schwachen Augen würden sie sich ohne das Gegrunze -sehr oft verirren, wenngleich die feine Nase schließlich für die Rückkehr -sorgen würde. In der Zwischenzeit kann aber viel Unheil geschehen. Da -kann der Fuchs sich schon einen Frischling als Braten geholt haben.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_179" id="Page_179">[Pg 179]</a></span></p> - -<p>Schweine grunzen also, weil dadurch ein Zusammenhang der Herde -gewährleistet wird. Aus demselben Grunde blöken auch die Schafe. Die -Schweine können sich in den Niederungen und im Gebüsch leicht aus den -Augen verlieren. Die Schafe im Gebirge ebenso leicht. Denn die -Stammeltern unserer Hausschafe sind Wildschafe. Wir sind uns zwar -noch nicht ganz einig darüber, welche bestimmte Art als solche bezeichnet -werden soll. Aber alle Wildschafe haben das gemeinsam, daß sie im Gebirge -leben.</p> - - -<h3><a name="kap_120" id="kap_120">120</a>. Warum krümmen sich beim Schafbock die Hörner, -beim Ziegenbock nicht?</h3> - -<p>Da Ziege und Schaf beide im Gebirge leben, so müßte man eigentlich -meinen, daß sie beide ganz gleich aussehen müßten. Das ist aber nicht -der Fall. Wir haben schon früher erklärt, weshalb die weibliche Ziege -gehörnt ist, das weibliche Schaf nicht.</p> - -<p>Auf dieselbe Verschiedenheit der Lebensweise sind auch die Verschiedenheiten -des Aussehens von Ziege und Schaf zurückzuführen.</p> - -<p>Wir werden uns später den Mufflonbock im Berliner Zoologischen -Garten ansehen. Er gehört sicherlich zu den Vorfahren mancher unserer -Hausschafrassen. Noch heute lebt er in den unzugänglichen Gebirgen von -Sardinien und Korsika. Schon jetzt möchte ich vorgreifen und mitteilen, -daß der Bock halbmondförmige, nach hinten gekrümmte Hörner, keinen -Bart und ein fast fuchsrotes Fell besitzt. Die Ziege hat dagegen einen -Bart, ein mehr graubräunliches Fell und mehr aufrecht stehende Hörner.</p> - -<p>Da in Deutschland an verschiedenen Stellen Mufflons ausgesetzt sind, -so sind wir jetzt über ihre Lebensweise ziemlich unterrichtet. Hiernach -halten sich die Wildschafe, wie schon erwähnt wurde, hauptsächlich im -Walde auf. Auch haben sie eine besondere Vorliebe dafür, enge Durchlässe -zu durchkriechen.</p> - -<p>Um durch enge, niedrige Lücken zu gelangen, müssen die Hörner gebogen -sein. Ziegenböcke kriechen nicht durch solche Oeffnungen. Deshalb -stehen ihre Hörner ziemlich senkrecht.</p> - -<p>Beim Durchkriechen würde ein Bart sehr hinderlich sein. Ueberhaupt -ist ein langer Haarwuchs im Walde von Uebel. Wir wissen, daß Absalon -mit seinem mächtigen Haarwuchs an einem Baume hängen blieb und -getötet wurde. Deshalb hat auch der Tiger, der im Walde lebt, keine -Mähne, während sie der Löwe, der in der baumleeren Steppe haust, -besitzt.</p> - -<p>Zu dem Walde paßt die fuchsrötliche Färbung des Mufflons, da sie -mit dem vermoderten Laub übereinstimmt. Eine solche Färbung haben -auch Hirsch und Reh. Dagegen hat die Bezoarziege mehr die Färbung -des bräunlichen Gesteins.</p> - -<p>An dem vor uns stehenden Schaf beobachten wir, daß es Tränendrüsen -hat. Warum fehlen sie der Ziege?</p> - -<p>Die Tränendrüsen werden an Baumstämmen gerieben. Da das -Schaf eine feine Nase, aber ein schwaches Gesicht hat, so merken Schafe, -die einen fremden Wald betreten, sofort, daß andere Schafe in ihm<span class="pagenum"><a name="Page_180" id="Page_180">[Pg 180]</a></span> -weiden. Sie riechen nämlich die an den Baumstämmen abgewischten -Ausscheidungen der Tränendrüsen.</p> - -<p>Die Ziege lebt in baumloser Gegend. Für sie sind also Tränendrüsen -ganz zwecklos. Außerdem sind bei ihr die Augen besser entwickelt, wofür -ihre Nase nicht so fein ist, wie die des Schafes. Beim Springen von -Klippe zu Klippe sind für sie gute Augen von großem Vorteil. Die -Ziege gleicht also in diesem Punkte dem Windhund, der ebenfalls ein -ziemlich scharfes Gesicht, dafür aber auch eine weniger gute Nase hat.</p> - - -<h3><a name="kap_121" id="kap_121">121</a>. Warum folgen die Schafe dem Leithammel?</h3> - -<p>Als ein Beweis ihrer furchtbaren Dummheit ist es stets angesehen -worden, daß die Schafe blindlings ihrem Leithammel folgen. Stürzt er -vor Schrecken aus dem Schiff, in dem er sich mit der Herde befindet, über -Bord, so finden alle übrigen ebenfalls den Tod in den Wellen.</p> - -<p>In Wirklichkeit beweist diese Eigentümlichkeit sehr wenig. Das -Schaf tut nur das, was seine Vorfahren seit Urzeiten getan haben. Wildschafe -folgen dem leitenden Widder und tun wohl daran. Er hat die -freieste Aussicht, und die Stellen, die ihn tragen, halten sicherlich auch das -Gewicht der andern Mitglieder des Rudels aus. Deshalb ist es das -Klügste, was ein Wildschaf tun kann, daß es sich nach dem Vordermann -richtet. Genau ebenso handeln Affen- und Elefantenherden. Der Affe -weiß, daß der Ast, der den Leitaffen getragen hat, nicht brechen wird, -wenn er auf ihn springt. Wollten Wildschafe, Affen und Elefanten -anders handeln, beispielsweise bei einer rasenden Flucht ihre eigenen -Wege gehen, so würden sie bald verunglücken.</p> - -<p>Deshalb tritt auch der kluge Mensch bei schwierigen Gebirgswanderungen -in die Fußstapfen seines Führers.</p> - -<p>Die Dummheit des Schafes besteht also lediglich darin, daß es etwas, -was im Gebirge sehr zweckmäßig ist, auf die Ebene überträgt, wo es -ganz sinnlos ist. Aber tut der kluge Hund nicht genau dasselbe? Will -er nicht seinen Unrat in dem steinharten Bürgersteig verscharren?</p> - - -<h3><a name="kap_122" id="kap_122">122</a>. Warum sieht das Schaf so furchtbar ängstlich aus?</h3> - -<p>Schauen wir unserm Schaf in die Augen, so leuchtet die größte -Angst aus ihnen hervor. Aber ist das eigentlich wunderbar?</p> - -<p>Vom Hasen gibt es ein Gedicht, worin alle seine Feinde aufgezählt -werden, die ihn alle gern fressen möchten. Beim Wildschafe liegt die -Sache nicht viel anders. Seine Feinde sind Wölfe, Luchse, Bären und -Lämmergeier. Seine Jungen werden vom Adler bedroht. Der Hauptfeind -ist natürlich der Mensch.</p> - -<p>Gegen alle seine Feinde besitzt es nur eine Waffe – die Flucht ins -Gebirge. Diese Verteidigungsart haben wir ihm geraubt, indem wir -es in die ebene Gegend gebracht haben.</p> - -<p>Wie soll ein Tier nicht ängstlich sein, dem wir seinen letzten Zufluchtsort -geraubt haben, und das aus Erfahrung weiß, wieviele -Feinde es hat?</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_181" id="Page_181">[Pg 181]</a></span></p> - -<p>Die anderen Dummheiten, die man dem Schafe vorwirft, werden -auch von andern Haustieren gemacht. Es rennt in den brennenden -Stall zurück, weil ihm nur bei der Herde wohl ist. Das tun auch, wie -wir wissen, die klugen Pferde.</p> - -<p>Das Pferd schweigt, wenn es den Todesstich erhält. Er wird deswegen -von Dichtern als edles Tier gefeiert, obwohl das damit nicht -das mindeste zu tun hat. Das Schaf, das ebenfalls schweigend stirbt, -wird dagegen von den Dichtern nicht gefeiert. Es wird überall verschieden -gemessen.</p> - -<p>Schießt der Jäger auf eine wildernde Katze, so faucht sie höchstens, -schießt er auf einen wildernden Hund, so heult er. Alle Tiere, die sich -beistehen, geben bei schweren Verwundungen Schmerzensschreie von -sich (vgl. Kap. <a href="#kap_58">58</a>). Da Katzen, Pferde, Ziegen, Schafe usw. sich nicht -beistehen, so sterben sie lautlos. Der einzeln lebende Keiler erhält stumm -die Todeswunde, dagegen schreien die einzelnen Mitglieder eines Wildschweinrudels, -weil sie sich gegenseitig beistehen.</p> - - -<h3><a name="kap_123" id="kap_123">123</a>. Geschichten von Schafen.</h3> - -<p>Nicht die Dummheit der Schafe bereitet uns Menschen soviel -Aerger, sondern die aus früheren Zeiten vererbten Eigentümlichkeiten. -Sachlich ist das natürlich kein großer Unterschied. Es lehrt uns aber, -milder über ein Tier zu denken.</p> - -<p>Ueber die Not, die Schafe und Hirten in Süd-Rußland bei Schneestürmen -erleiden, teilte ein alter Hirt einem deutschen Reisenden folgende -Tatsache mit: »Wir weideten in der Steppe von Otschakow, unser -sieben, an 2000 Schafe und 150 Ziegen. Es war gerade zum erstenmal, -daß wir austrieben, im März. Das Wetter war freundlich und es gab -schon frisches Gras. Gegen Abend aber fing es an zu regnen, und es -erhob sich ein kalter Wind. Bald verwandelte sich der Regen in Schnee, -es wurde kälter, unsere Kleider starrten, und einige Stunden nach -Sonnenuntergang stürmte und brauste der Wind aus Nordosten, so daß -uns Hören und Sehen verging. Wir befanden uns nur in geringer -Entfernung von Stall und Wohnung und versuchten es, die Behausung -zu erreichen. Der Wind hatte indessen die Schafe bereits in Bewegung -gesetzt und trieb sie immer mehr von der Wohnung ab. Wir wollten -nun die Geißböcke, denen die Herde zu folgen gewohnt ist, zum Wenden -bringen, aber so mutig dieses Tier bei allen anderen Ereignissen ist, so -sehr fürchtet es die kalten Stürme. Wir rannten auf und ab, schlugen -und trieben zurück und stemmten uns gegen Sturm und Herde, aber die -Schafe drängten und drückten aufeinander und der Knäuel wälzte sich -unaufhaltsam die ganze Nacht weiter und weiter fort. Als der Morgen -kam, sahen wir nichts als rund um uns her lauter Schnee und finstere -Sturmwüste. Am Tage blies der Sturm nicht minder wütend, und die -Herde ging fast noch rascher vorwärts als in der Nacht, wo sie von der -dicken Finsternis noch mitunter gehemmt ward. Wir überließen uns -nun unserem Schicksal, es ging im Geschwindschritt fort, wir selber voran, -das Schafgetrappel blökend und schreiend, die Ochsen mit dem Proviant<span class="pagenum"><a name="Page_182" id="Page_182">[Pg 182]</a></span>wagen -im Trabe und die Rotte unserer Hunde heulend hinterdrein. Die -Ziegen verschwanden uns noch an diesem Tage, überall war unser Weg -mit dem tot zurückbleibenden Vieh bestreut. Gegen Abend ging es -etwas gemacher, denn die Schafe wurden vom Hungern und Laufen -matter. Allein leider sanken auch zugleich uns die Kräfte. Zwei von -uns erklärten sich krank und verkrochen sich im Vorratswagen unter den -Pelzen. Es wurde Nacht, und wir entdeckten noch immer nirgends ein -rettendes Gehöft oder Dorf. In dieser Nacht ging es uns noch schlimmer -als in der vorigen, und da wir wußten, daß der Sturm uns gerade auf -die schroffe Küste des Meeres zutrieb, so erwarteten wir alle Augenblicke, -mitsamt unserem dummen Vieh ins Meer hinabzustürzen. Es erkrankte -noch einer von unseren Leuten. Als es Tag wurde, sahen wir einige -Häuser uns zur Seite aus dem Schneenebel hervorblicken. Allein -obgleich sie uns ganz nahe waren, höchstens 30 Schritte vom äußersten -Flügel unserer Herde, so kehrten sich doch unsere dummen Tiere an -gar nichts und hielten immer den ihnen vom Winde vorgezeichneten -Strich. Mit den Schafen ringend verloren wir endlich selber die Gelegenheit, -zu den Häusern zu gelangen; so ganz waren wir in der Gewalt -des wütenden Sturmes. Wir sahen die Häuser verschwinden und wären, -so nahe der Rettung, doch noch verloren gewesen, wenn nicht das Geheul -unserer Hunde die Leute aufmerksam gemacht hätte. Es waren deutsche -Kolonisten, und der, welcher unsere Not zuerst entdeckte, schlug sogleich -bei seinen Nachbarn und Knechten Alarm. Diese warfen sich nun, -15 Mann an der Zahl, mit frischer Gewalt unseren Schafen entgegen -und zogen und schleppten sie, uns und unsere Kranken allmählich in -ihre Häuser und Höfe. Unterwegs waren uns alle Ziegen und 500 -Schafe verlorengegangen. Aber in dem Gehöfte gingen uns auch noch -viele zugrunde, denn sowie die Tiere den Schutz gewahrten, den ihnen -die Häuser und Strohhaufen gewährten, krochen sie mit wahnsinniger -Wut zusammen, drängten, drückten und klebten sich in erstickenden -Haufen aneinander, als wenn der Sturmteufel noch hinter ihnen säße. -Wir selber dankten Gott und den guten Deutschen für unsere Rettung; -denn kaum eine halbe Viertelstunde hinter dem gastfreundlichen Hause -ging es 20 Klaftern tief zum Meere hinab.«</p> - - -<h3><a name="kap_124" id="kap_124">124</a>. Warum braucht der Schäfer einen Hund?</h3> - -<p>Weil die Schafe vom Gebirge in die Ebene gebracht worden sind, -die ihnen gar nicht naturgemäß ist, und in der sie sich wie sinnlos benehmen, -deshalb ist ein schnellfüßiger Gehilfe für den Schäfer eine -Notwendigkeit.</p> - -<p>Der Hund ist dazu wie geschaffen, weil er, wie wir wissen, von -Vorfahren stammt, denen das Umkreisen der Pflanzenfresser etwas -Geläufiges war.</p> - -<p>Es gibt zahlreiche, gut verbürgte Geschichten, wonach Schäferhunde -unersetzliche Dienste geleistet haben. Folgende scheint mir der Anführung -wert zu sein, da sie von einem ganz unparteiischen Eisenbahnbeamten -bestätigt worden ist. Der Schäfer hatte über den Durst getrunken und<span class="pagenum"><a name="Page_183" id="Page_183">[Pg 183]</a></span> -schlief ganz fest. Die Herde ging heimwärts und kam dabei an das -Bahngleise. In diesem Augenblick brauste der Schnellzug heran. -Der Bahnwärter glaubte, daß wenigstens die halbe Herde zermalmt -werden würde. Doch der Schäferhund lief eiligst zum Gleise und duldete -nicht, daß ein Schaf sich ihm näherte. Erst dann führte er die Herde über -das Gleis zum heimischen Stall.</p> - - -<h3><a name="kap_125" id="kap_125">125</a>. Mufflon und Hausschaf. Neue Futterquellen für unsere -Hausschafe.</h3> - -<p>In unserem Zoologischen Garten befindet sich seit Jahren ein -Mufflonbock mit mächtigem Gehörn. Wir wollen uns diesen etwas -näher betrachten.</p> - -<p>Die Verwandtschaft mit unserm Hausschaf ist, wenn man von seinem -Hörnerschmuck absieht, unverkennbar. Das Weibchen hat jetzt ein Junges, -das nach der Tafel am 22. März geboren worden ist. Da wir Anfang -Juni schreiben, so ist es fast drei Monate alt.</p> - -<p>Mutter und Kind erinnern sehr an unser Hausschaf, wenn es ein -Lamm bei sich hat. Namentlich das häufige Mähen trägt zur Uebereinstimmung -bei. Aber das Mufflonjunge, das auf einem Felsen steht, -sieht naturgemäß aus, was man von unsern Lämmlein nicht immer -sagen kann.</p> - -<p>Nachdem ich an Mufflons, die bei uns ausgesetzt worden sind, -z. B. denen bei Dresden, festgestellt hatte, daß sie gern Roßkastanien -fraßen, habe ich auch vor Jahren dem Berliner Bock eine angeboten. -Er war ganz wild danach. So zurückhaltend er sonst ist, so kam er -oben vom Felsen hastig angelaufen, sobald ich nur mit einer Kastanie an -das Gitter klopfte. Als ich diese Leidenschaft für Kastanien bei den -Wildschafen entdeckt hatte, versuchte ich die Fütterung auch bei Hausschafen -und Ziegen. Beide waren ebenfalls ganz wild danach. Schweine -dagegen haben sie, wie schon erwähnt wurde, abgelehnt.</p> - -<p>Auf die Fütterung mit Kastanien kam ich folgendermaßen. Die -Roßkastanie stammt aus den Gebirgsländern des Mittelländischen -Meeres. Gerade im Gebirge dieses Meeres sind die Mufflons heimisch. -Folglich spricht die Wahrscheinlichkeit dafür, daß sie ein passendes -Futter sind.</p> - -<p>Die Kastanien brauchen bei Schafen und Ziegen nicht entbittert -zu werden. Der Geschmack des Menschen ist nicht der gleiche wie der -von den Tieren. Der Hase frißt ja fast nur Bitterstoffe. Es würden -lauter Gift- und Bitterpflanzen bei uns wachsen, wenn diese nicht auch -in der Tierwelt Liebhaber fänden.</p> - -<p>An Lämmer aber soll man keine Kastanien verfüttern. Wenn die -Kastanien reif sind, dann gibt es keine Mufflonlämmer, sondern diese -sind dann schon fast ausgewachsen.</p> - -<p>Die Mufflons stehen im Winter unter Nadelhölzern. Hiernach sind -Kiefernadeln, an denen wir einen unendlichen Ueberfluß haben, im -Winter ein sehr naturgemäßes Futter für Hausschafe.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_184" id="Page_184">[Pg 184]</a></span></p> - - -<h3><a name="kap_126" id="kap_126">126</a>. Die Rassen des Hausschafs.</h3> - -<p>Man teilt die Schafe verschieden ein. Nach dem Haarwuchs gibt -es folgende Rassen: 1. Haarschafe; 2. Mischwollschafe, zu denen die Heidschnucken -in der Lüneburger Heide gehören, ebenso das ostfriesische -Milchschaf und pommersche Landschafe, wenngleich zu verschiedenen -Unterabteilungen; 3. Schlichtwollschafe, zu denen das Rhönschaf und -andere Schafrassen in Mitteldeutschland gehören; 4. Merinoschafe, die -seit 150 Jahren aus Spanien in Deutschland eingeführt worden sind. -Man unterscheidet bei ihnen das Elektoralschaf, Negrettischaf, schließlich -das französische und deutsche Kammwollschaf.</p> - -<p>Die Engländer haben auch auf dem Gebiete der Schafzucht Hervorragendes -geleistet. Durch sie ist das Hammelfleisch wohlschmeckend und -fett geworden, was es früher nicht war. Von ihren Rassen sei erwähnt -das Leicesterschaf, die Southdowns usw.</p> - -<p>Trotzdem man von Niederungs- und Höhenschafen spricht, so -stammen auch die Niederungsschafe aus Gebirgen. Und zwar lebten sie -an den üppigen Ufern der Gebirgsflüsse.</p> - -<p>Die Niederungsschafe, wie das von uns vorgeführte ostfriesische -Milchschaf, verlangen daher üppige Weiden. Dafür liefern sie viel Milch -und sind sehr fruchtbar.</p> - -<p>Sonst sind die Schafe Magerfresser, die bei zu kräftigem Futter -leicht erkranken.</p> - -<p>Vor 60 Jahren gab es in Preußen etwa 16 Millionen Einwohner -und fast genau so viel Schafe. Bei Ausbruch des Krieges hatte das -Deutsche Reich gegen 70 Millionen Bewohner und nur 5 Millionen -Schafe.</p> - -<p>Die Schafzucht ist also ungeheuer gesunken. Früher hatten wir ausgedehnte -Weidegründe, die jetzt fehlen.</p> - -<p>Das Schaf gehört wie die Ziege zu den paarzehigen Horntieren. -Es ist schon vor Ablauf des ersten Lebensjahres fortpflanzungsfähig. Die -Tragzeit beträgt etwa 5 Monate. Es kann bis zu 15 Jahre alt werden.</p> - -<p>Es ist vielen Krankheiten ausgesetzt. Namentlich leidet es darunter, -daß es aus trockenen Höhen vielfach in nasse Niederungen versetzt -worden ist. Es stellen sich dann Moderhinke, Regenfäule und ähnliche -Krankheiten ein. Auf nassen Weiden bekommt es Bandwürmer, welche -die bekannte Drehkrankheit hervorrufen. Diese Bandwürmer stammen -vom Unrat des Hundes, weshalb bei Schäferhunden eine Bandwurmkur -notwendig ist.</p> - -<p>Es gibt Wollschafe und Fleischschafe, da man entweder auf Wolle -oder Fleisch züchtet. Doch hat man neuerdings Schafe gezüchtet, die eine -Art Mittelstellung einnehmen.</p> - -<p>Früher war der Gewinn an Wolle maßgebend. Man scheert entweder -einmal oder zweimal im Jahre. Man teilt die Wolle ein in -Elekta-, Prima-, Sekunda- und Tertiawolle.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_185" id="Page_185">[Pg 185]</a></span></p> - - -<h3><a name="kap_127" id="kap_127">127</a>. Das Schaf in Redensarten und Sprichwörtern.</h3> - -<p>Bereits erörtert wurden die Redensarten: dumm wie ein Schaf, -Schafsgesicht, wo ein Schaf vorgeht, da folgen die andern nach.</p> - -<p>Es wären noch zu erwähnen:</p> - -<p class="center">Geduldige Schafe gehen viel in einen Stall.</p> - -<p>Das ist eine Erfahrung, die bei der geduldigen und sanften Gemütsart -des Schafes nicht auffallend ist.</p> - -<p class="center">Sein Schäfchen ins Trockene bringen.</p> - -<p>Wer gesehen hat, mit welcher Eile der Schäfer seine Schafe bei einem -herannahenden Gewitter in den Stall bringt und wie froh er ist, wenn -ihm sein Vorhaben gelungen ist, dem ist die Redensart ganz einleuchtend. -Sie ähnelt der Redensart: Sein Heu rein oder rin haben, d. h. ebenfalls -sein Heu geborgen haben, ohne daß es naß geworden ist.</p> - -<p>Den Schafen wie dem Heu ist Nässe sehr nachteilig.</p> - -<p>Auch Grimms Wörterbuch teilt die vorstehende Ansicht und lehnt -die Erklärung aus dem Holländischen: sein schepke = Schiff ins Trockene -bringen, ab, zumal die Redensart bei uns viele Jahrhunderte alt ist.</p> - -<div class="figcenter"> -<a name="fig184_2" id="fig184_2" href="images/illu-184_2.jpg"><img src="images/illu-184_2_t.jpg" width="300" height="218" alt="Schafherde im Dorfe" /></a> -<div class="caption">Schafherde im Dorfe</div> -</div> - - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_186" id="Page_186">[Pg 186]</a></span></p> - -<h2> -<img src="images/das_kaninchen.jpg" width="600" height="103" alt="Das Kaninchen" /> -<br /> -<span class="hidden">Das Kaninchen</span> -</h2> - -<h3><a name="kap_128" id="kap_128">128</a>. Warum trinkt das zahme Kaninchen, das Wildkaninchen -nicht?</h3> - -<p class="cap">Um uns Kaninchen anzusehen, brauchen wir nur zu unserm Nachbarn, -dem freundlichen Wirt Herrn Lankenheim zu gehen. Er selbst ist -leider nicht anwesend, und seine stets fleißige Frau schafft in der Küche. -So muß denn die älteste Tochter die Führung übernehmen.</p> - -<p>Sie gibt den Tieren zunächst Futter, wobei sie tüchtig zulangen. -Ebenso gibt sie ihnen auch zu trinken.</p> - -<p>Das zahme Kaninchen trinkt, was uns ganz selbstverständlich erscheint. -So selbstverständlich ist die Sache aber keineswegs. Denn unzweifelhaft -stammt das zahme Kaninchen vom Wildkaninchen ab. Dieses -trinkt nicht. Jedenfalls hat noch niemand ein Wildkaninchen an einer -Tränkstelle gesehen. Weil es niemals trinkt, so kann es in sandigen -Gegenden leben, wo weit und breit kein Wasser ist. Uebrigens ist das -Leben ohne zu trinken keineswegs nur eine Eigentümlichkeit des Wildkaninchens. -Auch Hirsche und anderes Wild leben in solchen wasserleeren -Oertlichkeiten.</p> - -<p>Gewöhnlich wird das Kamel als Muster dafür angeführt, daß es ein -Geschöpf ist, das acht Tage lang ohne zu trinken leben kann. Man -braucht nicht nach Afrika zu gehen, um ein solches Tier ausfindig zu -machen.</p> - -<p>Denn Wildkaninchen leben selbst in Berlin mehr als genug. Am -Königsplatz kann man sie abends oft huschen sehen. Und ist Schnee -gefallen, so erkennt man an den Spuren, daß es eine ganze Menge im -Tiergarten gibt. In anderen Gegenden Berlins, namentlich im Nordosten -soll es noch schlimmer sein.</p> - -<p>Im Anfange dieses Jahrhunderts waren sie in der Umgebung -Berlins geradezu eine Landplage. Wurde es abends dunkel, dann -wimmelten die ganzen Felder davon. Ich wohnte damals bei einem -Förster, der an jedem Tage mindestens ein Dutzend schoß. So erhielt -man bei jedem Mittagessen ein junges Kaninchen vorgesetzt. Denn die -Landbevölkerung wollte keine essen, obwohl ihr das Stück zu fünfzig -Pfennigen angeboten wurde. Der Bauer ißt eben nicht, was er nicht -kennt, wie schon das Sprichwort sagt.</p> - -<p>Oft genug hat mir damals der Förster geklagt, daß wir gegen diese -Landplage machtlos seien. Seit Jahren ist aber von ihr nichts mehr zu -spüren. Man merkt kaum noch, daß welche vorhanden sind.</p> - -<p>Das Wildkaninchen stammt aus warmen und trockenen Gegenden -in der Nähe des Mittelländischen Meeres. Insbesondere soll es sich im<span class="pagenum"><a name="Page_187" id="Page_187">[Pg 187]</a></span> -Altertum auf den Balearen so vermehrt haben, daß die Bewohner bereits -den Plan der Auswanderung faßten. Auch heute ist dem Kaninchen -diese Eigentümlichkeit geblieben, daß es Nässe flieht. Ebenso fühlt es -sich in der Wärme am wohlsten.</p> - -<p>Es lebt in selbstgegrabenen Bauen, die leicht auffallen, weil sie stets -in Bodenerhebungen angelegt sind. Das hat natürlich seinen wichtigen -Grund. Die Gänge des Wildkaninchens führen ziemlich tief. Würde -es nun auf glattem Boden seine Höhlen graben, so gelangte es bald -auf das Grundwasser. Wasser aber meidet es, wie wir wissen.</p> - -<p>Das Weibchen hat den ganzen Sommer über Junge. Im Gegensatz -zu dem jungen Hasen, der behaart und mit offenen Augen geboren -wird, sind die jungen Wildkaninchen unbehaart und öffnen erst am -neunten Tage die Augen. Der Unterschied in der Entwicklung der -Jungen ist also ebenso groß wie die zwischen jungen Pferden und jungen -Hunden.</p> - -<p>Während die jungen Hasen auf die blanke Erde oder in eine Bodenvertiefung -gesetzt werden, wird für das junge Kaninchen ein warmes -Nest bereitet. Die Mutter opfert für die Auspolsterung ihre eigenen -Bauchhaare. Am Tage pflegt das Wildkaninchen die Jungen an einer -bestimmten Stelle einzugraben. Das schützt sie aber vor der feinen -Nase des Fuchses nicht. Ich habe oft Stellen gefunden, wo der Fuchs -die Kleinen gewittert und ausgegraben hatte.</p> - -<p>Das Wildkaninchen rettet sich vor seinen Feinden dadurch, daß es -schnell in seinen Bau flüchtet. Im Sommer wählt es auch eine Deckung. -Aber ein Dauerläufer, wie der Hase, ist es nicht. Auf einem freien -blanken Felde würde jeder mäßige Hund ein Wildkaninchens einholen. -Schon aus diesem Grunde kann ein Wildkaninchen keine Tränkstelle -aufsuchen.</p> - -<p>Was tut denn nun das Wildkaninchen, da doch jedes Geschöpf -Feuchtigkeit zu sich nehmen muß? Es frißt saftige Pflanzen und leckt -den Tau, der in unsern Gegenden reichlicher ist, als man gewöhnlich -annimmt. Es ist klar, daß eine Wildkaninchenmutter, die Junge säugt, -sehr wasserreiche Nahrung zu sich nehmen und lange Zeit Tautropfen -lecken muß, um die erforderliche Flüssigkeit zu erhalten.</p> - -<p>In der Pflege des Menschen ist das zahme Kaninchen von den -Tautropfen abgeschnitten und muß daher, wie die andern Tiere, trinken.</p> - - -<h3><a name="kap_129" id="kap_129">129</a>. Welches sind die Feinde des Kaninchens?</h3> - -<p>Außer dem Menschen, dem stärksten Raubtier, hat das Kaninchen -wohl ebensoviele Feinde wie sein Vetter, der Hase. Nur ist es insofern -besser daran, als es in seinen Bau flüchten kann, was es regelmäßig tut, -wenn es Gefahr merkt. Es klopft dann mit den Hinterfüßen auf, und -die ganze Gesellschaft verschwindet unter der Erde. Denn im Gegensatz -zum Hasen lebt das Kaninchen in Gesellschaften.</p> - -<p>Wie alles Wild, so ist auch das Wildkaninchen ein nächtliches Tier, -das mit dem Eintritt der Dunkelheit auf Nahrungssuche ausgeht. Deshalb -werden ihm in erster Reihe die nächtlichen Raubvögel, also der Uhu und<span class="pagenum"><a name="Page_188" id="Page_188">[Pg 188]</a></span> -andere große Eulen, gefährlich. Am Tage sonnt es sich gern und läßt -sich auch sonst an den langen Sommertagen blicken. Hierbei wird es -leicht eine Beute der großen Tagraubvögel, namentlich des Adlers und -des Habichts, soweit diese noch nicht ausgerottet sind.</p> - -<p>Jeder Fuchs und Dachs, früher auch Wölfe und Luchse, sucht gern -ein Kaninchen zu erbeuten. Da wir die meisten Raubtiere ausgerottet -haben, müssen wir an ihre Stelle treten.</p> - -<p>Am schlimmsten sind für das Kaninchen die Feinde, die ihm in -seinen Bau folgen können, namentlich Marder und Iltis. Ein Albino -des Iltis heißt Frettchen, von dem wir noch sprechen werden (Kap. <a href="#kap_138">138</a>).</p> - - -<h3><a name="kap_130" id="kap_130">130</a>. Zweckmäßige Behandlung unseres Kaninchens.</h3> - -<p>Wenn man die Lebensweise des Wildkaninchens genau kennt, so -kann man sich ein ungefähres Bild davon machen, wie man das zahme -Kaninchen halten soll.</p> - -<p>Sehr schön ist es, daß Herr Lankenheim seine Kaninchenstallung so -angelegt hat, daß sich die Tiere sonnen können. Alle nächtlichen Tiere -sonnen sich gern, wie wir wissen.</p> - -<p>Ebenso ist es wichtig, daß auf große Reinlichkeit gesehen wird durch -Abflußrinnen für flüssige Ausscheidungen und häufige Entfernung der -festen Entleerungen. Das Wildkaninchen legt seinen Unrat außerhalb -des Baues ab, legt also Wert auf ein reines Lager.</p> - -<p>Es ist richtig, das Männchen, den Rammler, von den Jungen zu -trennen. In der Freiheit hat die Mutter Gelegenheit, die Jungen vor -ihm zu schützen. Uebrigens macht der Wildkaninchenvater den Eindruck, -daß ihm das Wohlergehen seiner Nachkommenschaft von Wichtigkeit ist. -Sonst sind die Väter bei den Säugetieren bekanntlich keine Musterväter.</p> - -<p>Wie das Wildkaninchen, so vergräbt auch häufig das zahme -Kaninchen seine Jungen. Ordentlich komisch sieht es dann aus, wie es -mit der gleichgültigsten Miene von der Welt allein in der Nähe umherrennt, -als ob es von gar nichts wüßte. So ganz fern von Verstellung ist -also selbst ein Kaninchen nicht.</p> - -<p>Das zahme Kaninchen steht also geistig höher, als man gewöhnlich -annimmt. Das ist auch ganz naturgemäß, denn das Wildkaninchen wird -kein Jäger für ein dummes Tier erklären. Die Sache liegt ähnlich -beim Schwein. Auch dieses ist nicht so dumm, wie man es gewöhnlich -hinstellt. Es läßt sich abrichten und kann sogar den Hund bei der Jagd -ersetzen, da es eine feinere Nase als der Hund besitzt. Auch hier findet -sich eine Uebereinstimmung mit den geistigen Gaben der Stammeltern. -Denn auch das Wildschwein zeigt sich bei der Jagd durchaus nicht -beschränkt.</p> - -<p>Leider nimmt das Kaninchen in der Gefangenschaft manchmal die -ungeeignetsten Gegenstände zum Verbergen der Jungen, beispielsweise -den irdenen Futternapf. Natürlich können dadurch die zarten, kahlen -Dingerchen leicht getötet werden. Man kann in dieser Hinsicht gar nicht -vorsichtig genug sein und muß daher Vorsichtsmaßregeln treffen, die solche -Unfälle ausschließen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_189" id="Page_189">[Pg 189]</a></span></p> - - -<h3><a name="kap_131" id="kap_131">131</a>. Die Rassen des Kaninchens.</h3> - -<p>Das Kaninchen stammt, wie wir schon erwähnten, aus den Ländern, -die am Mittelländischen Meer gelegen sind, und soll zuerst in Spanien -gezüchtet worden sein. Unser deutsches Kaninchen war zwar sehr anspruchslos -und fruchtbar, konnte sich jedoch mit den Leistungen der -westeuropäischen Kaninchen nicht messen. Das deutsche Kaninchen ist -daher mit dem belgischen oder flandrischen Riesenkaninchen gekreuzt, -wodurch man das neue deutsche Kaninchen gezüchtet hat.</p> - -<p>Sonst wären noch erwähnenswert das belgische Hasenkaninchen, -das französische Widderkaninchen, das Normandiner Kaninchen, das -patagonische Kaninchen usw.</p> - -<p>Sehr geschätzt wegen seines Seidenhaares ist der Seidenhase oder -das Angorakaninchen. Ebenso ist beim Silberkaninchen das Fell sehr -wertvoll, und das Fleisch gut.</p> - -<p>Als selbstverständlich gilt die fruchtbare Paarung zwischen Kaninchen -und Hasen, woraus die sogenannten Leporiden entstehen. In Wirklichkeit -ist sie sehr selten, und nach der neuesten Auflage von Brehms -Tierleben überhaupt erst ein einziger Mischling wissenschaftlich nachgewiesen -worden.</p> - - -<h3><a name="kap_132" id="kap_132">132</a>. Was versteht man unter einer Rasse?</h3> - -<p>Wir haben schon öfters den Ausdruck Rasse gebraucht und wollen -an dieser Stelle ihn etwas näher besprechen, da hier eine günstige Gelegenheit -vorliegt.</p> - -<p>Unter Rasse versteht man alle diejenigen Mitglieder einer Tierart, -die gewisse Merkmale gemeinsam besitzen. Diese Merkmale sind nicht -so bedeutend, daß sie zur Aufstellung einer besonderen Tierart berechtigen.</p> - -<p>Also das Silberkaninchen ist nur eine Rasse von der Tierart -Kaninchen, weil sich die Silberkaninchen von dem Wildkaninchen und -den andern Kaninchenrassen unterscheiden. Diese Unterscheidung ist aber -nicht so bedeutend, daß man sagen könnte, das Silberkaninchen wäre -eine besondere Tierart.</p> - -<p>Dagegen bilden Hase und Kaninchen trotz großer Aehnlichkeit nicht -nur verschiedene Rassen, sondern verschiedene Tierarten. Die längeren -Hinterbeine des Hasen, die Rettung durch die Flucht ins freie Feld, das -Werfen von Jungen, die sofort behaart sind, können nicht als unbedeutende -Unterschiede aufgefaßt werden. Auch ist das Kaninchen kleiner, hat -einen kürzeren Kopf und kürzere Ohren.</p> - -<p>Von durchgezüchteten Rassen spricht man erst dann, wenn sie ihre -Eigentümlichkeiten dauernd vererben.</p> - -<p>Ein Rassetier hat also den Vorzug, daß ich auf gewisse Eigentümlichkeiten, -auf die ich Wert lege, bei der Nachkommenschaft rechnen -kann. Bei rasselosen Tieren ist das nicht der Fall.</p> - - -<h3><a name="kap_133" id="kap_133">133</a>. Geschichten vom Kaninchen. Kaninchen hat angefangen.</h3> - -<p>Das Kaninchen gehört im allgemeinen zu den furchtsamsten und ergebungsvollsten -Geschöpfen, das sich von jedem Kinde alles mögliche gefallen -läßt. Von seinen Zähnen macht es eigentlich niemals Gebrauch.<span class="pagenum"><a name="Page_190" id="Page_190">[Pg 190]</a></span> -Trotzdem fallen sie beispielsweise über fremde Kaninchen manchmal -wütend her und suchen sie totzubeißen. Ein junger Hase, den man zu -Kaninchen bringt, wird wohl stets totgebissen.</p> - -<p>Alte Rammler beißen nicht nur häufig ihre eigenen Jungen tot, -sondern sie werden hin und wieder auch gegen andere Tiere geradezu -angriffslustig. Ein Naturforscher führt hierfür folgende Beispiele an. -Ein Verwandter von ihm hielt einen alten Kaninchenrammler bei seinen -Lämmern. Als die Fütterung mit Esparsettheu begann, behagte das -dem alten Herrn so gut, daß er alles für sich allein mit Beschlag belegen -wollte. Er setzte sich also neben das Heu, grunzte und biß nach den -Lämmern, um diese Tiere zu verscheuchen. Als das nicht genügend -half, sprang er einem Lamm auf den Hals und biß es tüchtig. Natürlich -wurde er beim Wickel gepackt und fortgebracht. Ein anderer Rammler -führte einen solchen Kampf sogar mit Ziegen. War das Futter nach -seinem Geschmack, so suchte er junge Ziegen dadurch zu vertreiben, daß -er ihnen die Beine blutig biß. Alten Ziegen sprang er in das Genick und -biß ihnen die Ohren blutig. Selbstverständlich wurde der Bösewicht abgeschafft.</p> - -<p>Vorstehende Erzählungen sind durchaus glaubhaft. Ich habe selbst -ähnliche Fälle beobachtet. So kratzte ein Rammler, ein Riesenkaninchen, -bei schlechter Laune seinen Besitzer, wenn er ihm Futter vorsetzte, dermaßen, -daß dieser nur mit großer Vorsicht hierbei zu Werke ging.</p> - -<p>Sieht man von solchen Ausnahmen ab, die doch immer Ausnahmen -bleiben, so ist es lächerlich bei einem Streite zwischen Kaninchen und -Bulldogge zur Rechtfertigung des Hundes anzuführen, daß das Kaninchen -angefangen, und der Hund deshalb das Kaninchen totgebissen habe. Ein -Kaninchen wird sich schön hüten, mit einer Bulldogge anzubinden. Aber -das Raubtier, das die größere Kraft besitzt, wird stets eine Entschuldigung -für sein Tun finden.</p> - - -<h3><a name="kap_134" id="kap_134">134</a>. Kann das Kaninchen mit dem Schwein in Wettbewerb treten?</h3> - -<p>Mit dem Absatz ihres Kaninchenfleisches an ihre Gäste ist die -Familie Lankenheim nicht sehr zufrieden. Trotz der schlechten Zeiten -wollen die meisten Gäste Kaninchenfleisch nicht so häufig essen.</p> - -<p>Es ist merkwürdig, daß so viele Leute, die sich zunächst mit Begeisterung -auf die Kaninchenzucht geworfen haben, so bald davon wieder -Abstand genommen haben. Irgendwie scheint hier ein Fehler gemacht -worden zu sein.</p> - -<p>Wir haben an einer früheren Stelle die Vorzüge der Schweinehaltung -bei einfachen Leuten beleuchtet. Mit Schweinefleisch wird -Kaninchenfleisch niemals in Wettbewerb treten können, weil Schweinefleisch -stets reißend Absatz findet, während bei Kaninchenfleisch die Sache -etwas anders liegt.</p> - -<p>Es gibt zu denken, daß in England und Frankreich die Kaninchenzucht -in der großartigsten Weise blüht. Einzelne Großzüchtereien sollen -jährlich 12000 Kaninchen auf den Markt bringen. In Frankreich sollen -in Paris vor dem Kriege allein jährlich 3 Millionen Kaninchen verzehrt -worden sein, während zu der gleichen Zeit in der Berliner Zentralmarkthalle -etwa der sechzigste Teil verkauft wurde.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_191" id="Page_191">[Pg 191]</a></span></p> - -<p>Dem Geschmack der Franzosen und auch der Engländer muß also -das Kaninchenfleisch mehr zusagen als dem unsrigen. Das ist sehr zu -bedauern, denn das Kaninchen hat ohne Zweifel als Pelztier eine -Zukunft. Es kann nur eine Frage der Zeit sein, wann die pelzliefernden -Raubtiere und sonstigen Tiere ausgerottet oder doch so vermindert sind, -daß ihre Felle der Nachfrage nicht mehr entfernt entsprechen können. -Dann werden Kaninchen und Hauskatzen mit ihren Fellen als Ersatz -dienen müssen.</p> - -<p>Die Kaninchenzüchter heben noch den außerordentlichen Wert des -Kaninchens als Lederlieferanten hervor. Aus dem Fell eines 65 Zentimeter -langen Kaninchens lassen sich nach ihren Angaben das Oberleder -für ein Paar Damenschuhe nebst einem Ersatzstück herausschneiden. -Dieses Leder ist sehr weich und trägt sich sehr gut.</p> - - -<h3><a name="kap_135" id="kap_135">135</a>. Wie groß ist die Vermehrung des Kaninchens?</h3> - -<p>Die Fruchtbarkeit des Kaninchens ist sprichwörtlich geworden. Das -wilde Kaninchen paart sich im Februar oder März und setzt nach einer -Tragezeit von dreißig Tagen alle fünf Wochen 4 bis 12 Junge. Diese -Jungen sind bereits nach einem halben Jahre fortpflanzungsfähig und -nach einem vollen Jahre ausgewachsen. Ein einziges Kaninchenpaar -kann also in einem Sommer 20 bis 70 Nachkommen haben. Dabei sind -die ersten Nachkommen bei Ablauf des Sommers bereits ebenfalls fortpflanzungsfähig.</p> - -<p>Hätten die Kaninchen keine Feinde, so würden sich die 20 bis 70 -Nachkommen im nächsten Sommer auf 10- bis 35mal 20 bis 70, also -auf 200 bis 2450 Kaninchen vermehren können, wozu das alte Paar -ebenfalls 20 bis 70 liefern könnte. Der Bestand wäre dann 220 bis -2520 Kaninchen.</p> - -<p>Da die Kaninchen nicht von der Luft leben, sondern durch Unterwühlung -des Bodens und durch Benagen der Baumrinden und Fressen -von Nutzpflanzen großen Schaden anrichten, so versteht man, daß in -Australien und anderen für die Kaninchen günstigen Ländern große -Geldbeträge für ihre Vernichtung gezahlt werden.</p> - -<p>Den zahmen Kaninchen läßt man nicht mehr als acht Junge, damit -sie hinreichende Nahrung haben. Nach vier Wochen entwöhnt man sie. -Die Eltern werden gewöhnlich nur vier Jahre zur Zucht verwendet.</p> - - -<h3><a name="kap_136" id="kap_136">136</a>. Das Kaninchen in Redensarten und Sprichwörtern.</h3> - -<p>Die Redensart: Kaninchen hat angefangen und die sprichwörtliche -Vermehrung der Kaninchen ist bereits besprochen worden.</p> - -<div class="figcenter"> -<a name="fig201_1" id="fig201_1" href="images/illu-201_1.jpg"><img src="images/illu-201_1_t.jpg" width="400" height="328" alt="> -Weiße Häsin (Kaninchenweibchen) Fressende Kaninchen" /></a> -<div class="caption">Weiße Häsin (Kaninchenweibchen) Fressende Kaninchen</div> -</div> - -<div class="figcenter"> -<a name="fig201_2" id="fig201_2" href="images/illu-201_2.jpg"><img src="images/illu-201_2_t.jpg" width="300" height="200" alt="Kaninchen-Zuchtkästen" /></a> -<div class="caption">Kaninchen-Zuchtkästen</div> -</div> - - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_192" id="Page_192">[Pg 192]</a></span></p> - -<h2> -<img src="images/das_meerschweinchen.jpg" width="600" height="104" alt="Das Meerschweinchen" /> -<br /> -<span class="hidden">Das Meerschweinchen</span> -</h2> - -<h3><a name="kap_137" id="kap_137">137</a>. Das Meerschweinchen.</h3> - -<p class="cap">Bei »Onkel Althaus« können wir auch Meerschweinchen sehen, -mit denen wir uns aber nur kurz befassen wollen. Es ist ein allbekanntes, -kleines, buntes Tierchen, das wie das Kaninchen ein Nager ist. -Es wird wie das Kaninchen gefüttert und vielfach mit ihm zusammengehalten. -Obwohl das Meerschweinchen aus Südamerika stammt, vertragen -sich beide Nagerarten gut. Nur beißen manchmal die Kaninchen -die Jungen von Meerschweinchen tot. Hat man mehrere Meerschweinchen -zusammen, so hört man oft ein Quieken und Grunzen, woher auch -der Name Meerschweinchen kommen dürfte.</p> - -<p>Während das Kaninchen ein sehr schönes Fell liefert, ist das vom -Meerschweinchen nicht zu gebrauchen.</p> - -<p>Auch gegessen wird das Meerschweinchen bei uns nicht. Es ist -hauptsächlich ein Spielzeug für Kinder, weil es sich alles gefallen läßt.</p> - -<p>Onkel Althaus hat ein Paar Meerschweinchen seinem Söhnchen -Albrecht zu Weihnachten geschenkt. In Ermangelung eines passenden -Stalles hatte er das Pärchen in ein leeres Aquarium gesteckt und darin -als Geschenk aufgebaut. Der Sohn hielt die fremden Tiere im Aquarium -zunächst für junge Biber. Dieser Irrtum ist ganz erklärlich, da der -Biber unser größter Nager ist und ein vorzüglicher Schwimmer ist.</p> - -<p>Inzwischen hat das Weibchen ein einziges, aber ungemein kräftiges -Junges bekommen. Mit ihm zusammen lebt es im Aquarium, während -der Vater ausgesperrt ist.</p> - -<p>Nach der Schilderung des kleinen Albrecht sind Meerschweinchen -sehr kluge Tiere. Wenn er aus der Schule kommt und sich dem Aquarium -nähert, richtet sich die Mutter auf, weil sie weiß, daß sie etwas zu -fressen bekommt.</p> - -<p>Da in der neuesten Auflage von Brehms Tierleben genau das -gleiche berichtet wird – allerdings als große Ausnahme – so ist es -nicht unmöglich, daß die Beobachtung des kleinen Tierfreundes der -Wahrheit entspricht.</p> - -<p>Nach den früheren Berichten war das Meerschweinchen sehr fruchtbar. -Im neuesten Brehm wird das als Irrtum erklärt. Die übliche -Zahl der Jungen ist vielmehr nur zwei und die Tragezeit so lange wie -beim Hunde, nämlich 63 Tage. Dafür ist das Junge hoch entwickelt wie -ein junger Hase. Nach 8 bis 9 Monaten hat das Meerschweinchen seine -volle Größe erreicht. Bei guter Behandlung kann es 8 Jahre alt werden.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_193" id="Page_193">[Pg 193]</a></span></p> - -<p>Sehr beliebt sind die Angora-Meerschweinchen mit langem, schlichtem -Haar und die Strupp-Meerschweinchen.</p> - -<p>Das Meerschweinchen stammt von dem in Südamerika lebenden, -ganz ähnlich aussehenden Nager ab, der den Namen <span class="antiqua" lang="la" xml:lang="la">Cavia cutleri</span> führt.</p> - -<p>In wissenschaftlichen Anstalten werden viele Meerschweinchen gehalten, -da sie bei der Keimforschung, den Impfversuchen und der Serumheilbehandlung -unersetzlich sind.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_194" id="Page_194">[Pg 194]</a></span></p> - -<h2> -<img src="images/das_frettchen.jpg" width="600" height="101" alt="Das Frettchen" /> -<br /> -<span class="hidden">Das Frettchen</span> -</h2> - -<h3><a name="kap_138" id="kap_138">138</a>. Wie unterscheidet sich das Frettchen vom Iltis?</h3> - -<p class="cap">Um uns ein Frettchen anzusehen, wollen wir wieder nach dem -Zoologischen Garten gehen. Denn in der jetzigen Zeit hat keiner der -mir bekannten Förster ein Frettchen mehr, da die Kaninchen in ihrer -Gegend vollkommen ausgerottet sind.</p> - -<p>Wir wissen bereits, daß das Frettchen ein Albino des Iltis ist. -Und einen Iltis bekommen wir wenigstens im Zoologischen Garten zu -sehen.</p> - -<p>Der Iltis oder Stinkmarder gehört zur Familie der Marder. Er -erinnert sehr an unsern Marder, nur daß er ganz im Gegensatz zu diesem -sehr schwerfällig ist.</p> - -<p>Seit Jahrtausenden wird eine weißliche Abart, ein Albino von -ihm, das sogenannte Frettchen, vom Menschen als Haustier gehalten. -Der Grund liegt hauptsächlich darin, daß es zur Kaninchenjagd unentbehrlich -ist. Sobald der schlanke Räuber einen Kaninchenbau betritt, -fahren die Kaninchen aus ihrer sichern Burg und können leicht geschossen -werden oder in aufgestellte Netze geraten.</p> - -<p>Das Frettchen ist sehr weichlich und macht gerade keinen sehr angenehmen -Eindruck. Es ist etwas kleiner als der Iltis und als Albino -natürlich weiß im Gegensatz zu seinem braunen Verwandten. Es wirft -etwa 4 bis 8 Junge nach einer Tragezeit von sechs Wochen.</p> - - -<h3><a name="kap_139" id="kap_139">139</a>. Tötung eines Berliner Kindes durch ein Frettchen.</h3> - -<p>Kurz vor Weihnachten 1919 brachten Berliner Blätter die Nachricht, -daß ein Frettchen in die Wiege eines Säuglings gekrochen sei und -ihm einen Augapfel ausgefressen habe, was den Tod des kleinen Wesens -zur Folge hatte. Natürlich war dieser Vorfall nur möglich, weil die -Eltern nicht zugegen waren, da sie auf Arbeit gegangen waren.</p> - -<p>Ein solcher Fall ist nicht das erste Mal vorgekommen, und wird -nicht der letzte seiner Art sein. Deshalb sei er etwas näher besprochen.</p> - -<p>Es wurde schon erwähnt, daß das Frettchen seit Jahrtausenden -zur Kaninchenjagd dient. Schon in Friedenszeiten gab es eine Unmenge -Frettierer. Im Kriege, wo der Fleischhunger aufs höchste gestiegen -war, wurde natürlich erst recht frettiert. Das Frettchen als -Ernährer der Familie wurde besonders gepflegt, zumal es wie alle -Albinos sehr frostig ist. Es wurde daher von dem Frettierer in seine -Wohnung genommen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_195" id="Page_195">[Pg 195]</a></span></p> - -<p>Die Fütterung der Frettchen besteht gewöhnlich aus Milch und -Semmeln. Wir haben unsern Frettchen hin und wieder stets tierische -Nahrung gegeben, also Sperlinge und andere Vögel.</p> - -<p>Wenn ein Tier, das an tierische Speise gewöhnt ist, plötzlich nur -Pflanzenkost erhält, dann sucht es sich irgendwie Ersatz. Hühner rupfen -sich die Federn aus und werden Eierfresser, Sauen und Mäuse fressen -ihre eigenen Jungen. Darauf haben wir schon wiederholt hingewiesen -(Kap. <a href="#kap_106">106</a>).</p> - -<p>So hat das Frettchen bei den einfachen Leuten wahrscheinlich nur -Pflanzenkost erhalten, wie das so üblich ist. Eines Tages hat es beim -Umherkriechen das junge Menschenfleisch gewittert, das Raubtier ist in -ihm erwacht, und das Unglück ist geschehen.</p> - -<p>Wehrlose Kinder soll man also mit einem Frettchen nicht unbeaufsichtigt -in demselben Raume lassen.</p> - -<p>Manche warnen auch vor der Haltung einer Katze, weil sie sich -auf den Säugling in der Wiege legen und ihn totdrücken kann. Trotz -aller Bemühungen habe ich einen solchen Fall bisher nicht feststellen -können. Da aber die Möglichkeit besteht, so ist Vorsicht unbedingt am -Platze.</p> - - -<h3><a name="kap_140" id="kap_140">140</a>. Das Frettchen in Redensarten und Sprichwörtern.</h3> - -<p>Vom Frettchen finde ich keine Redensarten oder Sprichwörter angeführt. -Dagegen hat der Iltis oder Ratz, der Stammvater des Frettchens, -zur Redensart Anlaß gegeben:</p> - -<p class="center"><em>Er schläft wie ein Ratz.</em></p> - -<p>Ich kann aus eigener Erfahrung bestätigen, daß ich in einem sehr -iltisreichen Jagdgebiet den Iltis stets schlafend in der Kastenfalle vorgefunden -habe. Die Redensart: Er schläft wie ein Ratz – nicht Ratte – -ist also ganz der Wirklichkeit entsprechend.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_196" id="Page_196">[Pg 196]</a></span></p> - -<h2> -<img src="images/das_huhn.jpg" width="600" height="103" alt="Das Huhn" /> -<br /> -<span class="hidden">Das Huhn</span> -</h2> - - -<h3><a name="kap_141" id="kap_141">141</a>. Warum kräht der Hahn?</h3> - -<p class="cap">Um uns Hühner anzusehen, brauchen wir nicht erst nach einem -Vorort zu wandern. Vielleicht hat es niemals so viel Hühner in Berlin -gegeben, wie gerade jetzt. Wenn man früh morgens die Fenster öffnet, -dann kräht es aus verschiedenen Kellern.</p> - -<p>Da ist beispielsweise ein Kohlenplatz in der Nähe, auf dem Hühner -gehalten werden. Der Hahn waltet stolz seines Amtes als Herrscher -und Wächter, während die unscheinbaren Hennen anscheinend nur an -die Füllung ihres Magens denken. Bisher hat man es für ganz selbstverständlich -angenommen, daß der Hahn ein stolzes, kampflustiges Geschöpf -ist. Das ganze Benehmen stimmt fast in allen Einzelheiten mit -dem eines stolzen Menschen überein. Vorsichtig setzt er seine Füße, -als ob er ganz von der Wichtigkeit seiner Persönlichkeit durchdrungen -ist. Scharf schauen seine Augen umher, ob er irgendwie einen Verstoß -gegen seine Herrenrechte oder etwas Gefährliches entdeckt. Dann -kräht er zur Abwechselung wieder einmal und schlägt dabei mit den -Flügeln, als wenn er sagen wollte: »Hier ist der Mittelpunkt der Erde, -weil ich hier stehe – zweifelt irgend jemand daran?«</p> - -<p>Warum kräht der Hahn? Die Sache ist ähnlich wie bei dem Bellen -des Hundes. Eine Fähigkeit, die beim wilden Tiere bestand, hat sich -außerordentlich entwickelt, nachdem das Tier ein Haustier geworden ist.</p> - -<p>Schläft man auf dem Lande, so kann man in tiefer Nacht häufig -Hähnekonzerte hören und vom menschlichen Standpunkt aus folgendermaßen -schildern. Ein Hahn ist aufgewacht, und da er der Meinung -ist, daß es ganz zweckmäßig wäre, wenn er einmal krähte, so kräht er -eben. Rücksicht auf die Hennen und deren Schlaf nimmt er nicht. Ein -anderer Hahn ist von dem Krähen aufgewacht und sagt sich: »Es könnte -sein, daß die Welt denkt, es gäbe nur den Hahn von Lehmanns. Das -geht nicht. Deshalb werde ich auch einmal krähen.« Denkts und kräht -ebenfalls. So geht die Runde durch die Häuser des Dorfes. Der erste -Kräher läßt es aber mit dem einen Male nicht bewenden, und die andern -ebenfalls nicht. So geht das Konzert eine ganze Weile. Das größte -Wunder ist eigentlich, daß es schließlich doch verstummt. Die Müdigkeit -trägt schließlich den Sieg davon über den Wunsch: Mein Feind darf -nicht das letzte Wort haben.</p> - -<p>Wir halten also den Hahn für stolz und eingebildet. Ob wir unbedingt -recht haben, läßt sich nicht so leicht sagen, weil wir Menschen -eben stets unsere menschlichen Verhältnisse als Maßstab nehmen. Für<span class="pagenum"><a name="Page_197" id="Page_197">[Pg 197]</a></span> -die Richtigkeit unserer Ansicht spricht, daß man den Hahn demütigen -kann. So soll er nach den Angaben eines vortrefflichen Naturforschers -ganz kleinlaut werden, wenn man ihm die Schmuckfedern abschneidet.</p> - -<p>Heute kennen wir auch die Stammeltern unserer Haushühner. Es -ist das Bankivahuhn, <span class="antiqua" lang="la" xml:lang="la">Gallus gallus</span>, das im warmen Indien lebt. In -der Nacht schläft es auf Bäumen. Unsere Hühnerleiter ist weiter nichts -als eine Nachahmung der Zweige, die es in seiner Heimat zur Nachtzeit -als Ruhestätte benutzt.</p> - -<p>So wenig wir von der Lebensweise des Bankivahuhns wissen, das -eine können wir mit Wahrscheinlichkeit annehmen, daß es schwerlich so -oft in dunkler Nacht krähen wird.</p> - -<p>Als Beweis können wir das Benehmen unserer Sperlinge anführen. -In früheren Jahren, als die pferdelose Straßenbahn noch nicht fuhr, -gab es viel mehr Sperlinge in Berlin. Auf dem Belle-Alliance-Platz -hielten sie auf den Platanen, ehe die Nacht einbrach, ordentliche Parlamente -ab. Ehe sie morgens das warme Nest verließen, hielten sie stets -eine kleine Morgensprache ab. Hörte ich das erste Schilpen der Sperlinge -und ging ans Fenster, so war stets eine gewisse Helligkeit vorhanden.</p> - -<p>Der Grund hierfür ist ganz einleuchtend. Das Benehmen eines -freilebenden Tieres wird durch seine Feinde bestimmt. Für die Sperlinge -sind die Hauptfeinde in der Nacht die kleinen Eulen und das kleine -Wiesel. Sie schilpen also erst, wenn es bereits so hell ist, daß sie vor -einem Feinde rechtzeitig flüchten können. In der Nacht denken sie nicht -daran, zu schilpen. Sie würden nur ihre Feinde auf ihr Versteck aufmerksam -machen, und könnten in der Dunkelheit nicht flüchten.</p> - -<p>Man kann wohl ohne Uebertreibung behaupten, daß in Berlin eine -Gefahr für die Sperlinge zur Nachtzeit kaum besteht. Die Nester werden -gewöhnlich so angelegt, daß bei vierstöckigen Gebäuden selbst ein kletterfertiger -Knabe schwerlich zu ihnen gelangt. Wiesel gibt es innerhalb -des Weichbildes des alten Berlins kaum, und sie können bei unsern -hohen Gebäuden den Sperling auch nicht schädigen. Auch Eulen sind so -selten, daß sie kaum in Betracht kommen.</p> - -<p>Der Bankivahahn in Indien wird also auch erst ordentlich krähen, -sobald es so hell geworden ist, daß er vor einem Feind flüchten kann. -In der Nacht haben verschiedene Räuber Sehnsucht nach einem Hühnerbraten. -Der Bankivahahn hat also hinreichenden Grund, den Schnabel -zu halten.</p> - -<p>Bei uns werden Auerhahn und Birkhahn, die ebenfalls in der Nacht -auf Bäumen schlafen, vom Marder und Uhu verfolgt. In Indien -kommen als Feinde der Vögel noch die Nachtaffen hinzu, die geräuschlos -wie Gespenster den schlafenden Vögeln den Hals umdrehen.</p> - -<p>Unsere Auerhähne und Birkhähne balzen, d. h. tanzen wie die -Verrückten, wenn der Frühling kommt und ihre Herzen mit Liebessehnsucht -erfüllt. Dann sind sie manchmal wie blind und taub, wodurch sie -dem Jäger Gelegenheit zu ihrer Erlegung bieten. Die übrige Zeit hindurch -sind sie sehr scheu und lautlos.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_198" id="Page_198">[Pg 198]</a></span></p> - -<p>Der Bankivahahn wird es ebenso machen. Er wird hauptsächlich im -Frühjahr krähen, um den Hennen zu zeigen, wo er sitzt, und den andern -Hähnen die Mitteilung zu machen, daß er zu einem Kampfe mit ihnen -bereit ist.</p> - -<p>Das Krähen des Hahnes ist also wie das Bellen des Hundes erst -zur Entwicklung gelangt, seitdem das vordem wilde Tier Haustier -wurde. Es hat vor seinen Feinden keine Furcht mehr im sichern -Hühnerstall. Die gute Fütterung sorgt dafür, daß die Frühlingsstimmung -anhält. So erklärt sich das häufige Krähen, namentlich in der -dunklen Nacht.</p> - -<p>Aufmerksame Tierbeobachter wollen herausgefunden haben, daß -der Hahn nur bei bevorstehender Luftveränderung kräht. Da sich mit -Anbruch des Tages die Luft verändert, so wäre das der wahre Grund, -daß der Hahn morgens kräht. Es ist möglich, daß diese Ansicht begründet -ist, aber mit meinen Beobachtungen will sie nicht immer übereinstimmen. -– Vorhin wurden einige Feinde des Huhns angeführt. Der -Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, daß sich zu ihnen noch zahlreiche -andere Raubtiere, z. B. der Fuchs sowie die Tagraubvögel gesellen.</p> - - -<h3><a name="kap_142" id="kap_142">142</a>. Der Lockruf des Hahns.</h3> - -<p>Unser Hahn hat jetzt – was auf beschränktem Raum gewiß nicht -häufig vorkommt – einen guten Bissen gefunden und gibt einen eigentümlichen -lockenden Ruf von sich, auf den die Hennen hinzugestürzt -kommen. Man muß sich freuen, daß der Hahn etwas, was ihm selbst -sehr gut schmecken würde, freiwillig seinen Damen überläßt. Mancher -Familienvater könnte sich hieran ein Beispiel nehmen.</p> - -<p>Abseits von den übrigen Hennen befindet sich durch ein Gatter getrennt -eine Glucke, die ihre Küchlein führt. Es ist ein allerliebster Anblick, -diese kleinen Dinger, die erst einige Tage alt sein können, in Gemeinschaft -mit ihrer wachsamen Mutter auf Nahrungssuche ausgehen zu -sehen. An der Pflege und Aufzucht der Kleinen beteiligt sich der Hahn -nicht. Man kann daraus ersehen, daß es unrichtig ist, menschliche Verhältnisse -auf tierische ohne weiteres zu übertragen. Für uns scheint -es gerade die besondere Aufgabe des Vaters zu sein, seinen Kindern -in Gemeinschaft mit der Mutter Pflege und Nahrung zu verschaffen.</p> - -<p>Da der Hahn in Vielehe lebt, und jedes Weibchen etwa ein Dutzend -Kleine führt, so könnte der Hahn höchstens bei einem Dutzend einer bestimmten -Henne Vaterpflichten erfüllen. Jedenfalls wäre es ihm ganz -unmöglich, es bei allen Nachkommen zu tun. So erklärt sich die Gleichgültigkeit -gegen seine Nachkommenschaft in einfacher Weise.</p> - -<p>Uebrigens ist diese Gleichgültigkeit nur scheinbar. Sobald ein -Feind naht, der die Kleinen gefährdet, etwa ein Raubvogel, so tritt der -Hahn zu ihrem Schutze ein. Ebenso übernimmt er häufig die Sorge für -die Kleinen dann, wenn die Henne plötzlich verunglückt.</p> - -<p>Wenn wir auf die Lautäußerungen der Hühner sorgfältig achten, -so werden wir finden, daß eine ziemliche Anzahl verschiedener Laute<span class="pagenum"><a name="Page_199" id="Page_199">[Pg 199]</a></span> -bei ihnen verwendet wird. Sehen wir vom Krähen und Gackern, sowie -dem Lockruf ab, so ist ein Warnruf auffallend, namentlich wenn der -Hahn einen Raubvogel zu Gesicht bekommt. Bei den Papageien werden -wir noch näher darauf zu sprechen kommen. Die Erklärung, daß die -Tiere keine Sprache haben, weil sie sich nichts zu sagen haben, kann -uns nicht gefallen. Kann der Hahn seinen Damen etwas wichtigeres -mitteilen, als wenn er ruft: Kommet her, hier ist ein guter Bissen.</p> - - -<h3><a name="kap_143" id="kap_143">143</a>. Wie unterscheiden sich Hühner und Tauben?</h3> - -<p>Auf dem Dache des Hauses sitzen ein Dutzend Tauben. Wir können -so recht den Unterschied zwischen ihnen und den Hühnern ins Auge fassen.</p> - -<p>Zunächst fragen wir: Warum sitzen die Hühner, die doch ebenfalls -Vögel sind, nicht wie die Tauben auf dem Dache? Ja, warum? Weil -alle Hühnervögel schlechte Flieger sind. Vögel können zwar fliegen, -aber manche sehr gut, manche nur sehr schlecht. Es ist genau so wie -bei dem Laufen. Es gibt Windhunde, die sehr schnell laufen, und -Dachse, die sehr langsam sind.</p> - -<p>Die Hühner gehören zu den schlechten Fliegern. Ja, der Strauß, -der größte von den Hühnervögeln, kann gar nicht fliegen.</p> - -<p>Bei der Jagd auf Rebhühner kann man erleben, daß die Hühner -bei starkem Winde nicht auffliegen wollen. Sind sie ein paarmal geflogen, -so haben sie genug davon und wollen nicht mehr.</p> - -<p>Als Ersatz für die schwache Fliegekunst sind die Hühner vorzüglich -auf den Beinen. Das Huhn ist der richtige Beinvogel. Es rennt vorzüglich. -Hat man einen Fasanen geschossen und nur flugunfähig gemacht, -so hat man ihn noch lange nicht. Er rennt davon mit einer -Schnelligkeit, daß man ihn ohne Hund nicht bekommt. Dagegen kann -eine wilde Taube, die man in gleicher Weise verwundet, nicht von der -Stelle fort.</p> - -<p>Wirklich hervorragende Flieger haben kleine Füße. Der Mauersegler, -der vom 1. Mai bis zum 1. August die Höhen von Berlin durcheilt, -ist wohl unser bester Flieger. Er tummelt sich den ganzen Tag in -der Luft. Seine Füßchen sind so klein, daß sie nur zum Ankrallen -dienen. In der Tierkunde führt er den Namen »der Fußlose«, was -natürlich übertrieben ist.</p> - -<p>Je kleiner die Füße, desto weniger Gepäck hat der fliegende Vogel -zu tragen. So kann man schon an den Beinen ungefähr erkennen, was -für einen Flieger man vor sich hat.</p> - -<p>Tauben gehören zu den guten Fliegern. Mit den Mauerseglern -können sie sich natürlich nicht messen. Entsprechend ihrem guten Fluge -haben sie kleine Füßchen, mit denen sie nicht rennen, sondern eigentlich -nur trippeln können. Bei drohender Gefahr läuft daher das Huhn fort, -während die Taube fortfliegt. Das Huhn hat das bißchen Fliegerkunst, -die es als wildes Tier noch besaß, als Haustier fast völlig eingebüßt. -Ueber einen mannshohen Zaun zu fliegen, kostet ihm schon Anstrengung.</p> - -<p>Für uns Menschen ist es natürlich ganz angenehm, daß das Huhn -kaum fliegen kann. Es erleichtert uns die Ueberwachung.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_200" id="Page_200">[Pg 200]</a></span></p> - -<p>Die Verluste, die wir bei Tauben haben, daß sie in fremde Schläge -verlockt werden, oder sonst bei ihren Flügen verloren gehen, kommen -bei den Hühnern nicht in solchem Maße vor.</p> - -<p>Die kräftigen Beine der Hühner sind zum Scharren wie geschaffen -und werden fleißig dazu benutzt. Nicht mit Unrecht spricht Goethe von -Frau Kratzefuß. Sonst sagt man, der Hahn macht Kratzfüße. Wenn er -sich vor seinen Damen verbeugt, macht er nämlich Kratzfüße, indem er -die Beine bewegt, als wenn er scharren wollte.</p> - -<p>Die schwachen Beine der Tauben wären natürlich zum Scharren -ganz ungeeignet.</p> - -<p>Während die Küchlein, wie wir sehen, unter fortwährendem Gepiepe -der Mutter folgen, brauchen junge Tauben längere Zeit, ehe sie -auf den Beinen stehen. Hühner sind eben Nestflüchter, Tauben sind -Nesthocker.</p> - -<p>Denselben Unterschied hatten wir bereits bei den Säugetieren. Die -Raubtiere, ebenso das Kaninchen, müssen ihre Jungen längere Zeit -säugen, ehe sie sich selbständig mit einiger Geschwindigkeit bewegen -können. Die Jungen gleichen also den Nesthockern. Bei Pferden, -Rindern, Ziegen usw. sind dagegen die Jungen wie bei den Nestflüchtern -nach kurzer Zeit imstande, der Mutter zu folgen.</p> - -<p>Ueber den Grund der Verschiedenheit war schon früher gesprochen -worden (Kap. <a href="#kap_65">65</a>). Raubtiere können ihre Jungen verteidigen. Das -Kaninchen ist mit seinen Jungen leidlich sicher im Bau. Dagegen wären -Fohlen, Kälber, Zicklein usw. den Raubtieren ausgeliefert, wenn sie -wochenlang brauchten, wie die jungen Hunde und Katzen, um bewegungsfähig -zu sein.</p> - -<p>Bei den Vögeln liegt die Sache genau so. Diejenigen, die auf -Bäumen, Felsen oder in Klüften bauen, sind wie das Kaninchen in -seinem Bau vor ihren Feinden leidlich sicher. Deshalb sind ihre Jungen -Nesthocker, die längere Zeit brauchen, ehe sie das Nest verlassen können. -Anders liegt die Sache bei den Bodenbrütern. Hier ist die Gefahr für -die Nachkommenschaft sehr groß. Denn die kletterunfähigen Räuber, -also Dachse, Igel, Iltisse, Wildschweine, Füchse, Wölfe könnten das Nest -finden und die Jungen fressen, wenn diese Nesthocker wären. Mit den -Eiern, die im Neste sind, machen sie es häufig so.</p> - -<p>Aus diesem Grunde stehen die Jungen der Hühnervögel, sobald sie -das Ei verlassen haben, gleich fertig auf den Beinen.</p> - - -<h3><a name="kap_144" id="kap_144">144</a>. Die Mutterliebe der Glucke.</h3> - -<p>Eine Glucke mit Küchlein unter den Flügeln ist uns Menschen von -jeher als ein echtes Bild treuer Mutterliebe erschienen.</p> - -<p>Und diese Mutterliebe ist auch bei den vielen Kleinen und den zahllosen -Gefahren sehr notwendig. Die Mutter muß von früh bis spät, und -erst recht in der Nacht auf ihre Lieblinge achten. Man merkt an dem -fortwährenden Gepiepe der Jungen, daß sie Kinder eines Landes mit -üppigem Pflanzenwuchs sind. Auf dem fast kahlen Platze ist das fort<span class="pagenum"><a name="Page_201" id="Page_201">[Pg 201]</a></span>währende -Piepen gänzlich überflüssig. Die Mutter sieht ja, wo die -Kleinen sind. Die kleinen Entchen auf dem Wasser piepen ja auch nur -unter besonderen Umständen. In Indien, im üppigen Dschungelwald, -ist das Gepiepe dagegen von größter Wichtigkeit, da sonst die Mutter -leicht eines von ihren Dutzend Kleinen verlieren könnte.</p> - -<p>Die Mutterliebe wandelt die sonst so furchtsame Henne vollkommen -um. Ein Hund, ein Knabe wird ohne weiteres angegriffen, wenn er -sich ihren Kleinen zu sehr nähert.</p> - -<p>Diese Angriffslust der Glucke gegen Raubtiere und Menschen ist -im höchsten Grade merkwürdig. Hier liegt nämlich keine Spur von -Vererbung vor. Man sollte meinen, daß das ein von den Stammeltern -erprobtes Verfahren sei, wie ja auch das weibliche Reh sein Junges -gegen den Fuchs verteidigt. Aber die Mütter der Wildhühner, Wildenten -und anderer Friedvögel haben sonst eine ganz andere Rettungsart, -und das Bankivahuhn wird davon keine Ausnahme machen. Bei -Annäherung eines überlegenen Feindes stoßen die besorgten Mütter -einen Warnruf aus, worauf die Jungen verschwinden und regungslos -auf dem Erdboden liegen bleiben. Sodann geht sie dem Feinde entgegen -und stellt sich lahm. Der Gegner will sich den guten Braten nicht -entgehen lassen und verfolgt die anscheinend Gelähmte. Diese führt ihn -weit fort und ist plötzlich gesund, indem sie zu ihren Kleinen zurückfliegt.</p> - -<p>Jetzt wird uns klar, daß die Hühner, wie alle friedlichen Geschöpfe, -ihre Augen zu beiden Seiten haben müssen, um vor der -Schnauze eines Raubtieres rennen zu können, ohne gehascht zu werden. -Bei der Stellung unserer Augen können wir das nicht nachmachen, da -wir nicht nach hinten sehen können.</p> - -<p>Diese ursprüngliche Rettungsart ist für das Haushuhn zwecklos. Die -Jungen können sich auf der blanken Erde nicht verstecken und haben -auch nicht die Schutzfärbung der wilden Küchlein. Sie selbst kann aber -den Feind nicht in die weite Ferne weglocken, da sie nicht zurückfliegen -kann. Auch kann sie ihre Kleinen nicht so lange Zeit den ihnen gerade im -Haushalte des Menschen drohenden Gefahren überlassen.</p> - -<p>Ausgerechnet das als dumm verschriene Huhn ist zur Rettung seiner -Kleinen auf einen neuen Ausweg verfallen.</p> - -<p>Von den Küchlein ist es bekannt, daß sie ohne die Wärme der Mutter -bald zugrunde gehen. Die Mutter muß sie also in der Nacht und an -kalten Tagen unter ihre Flügel nehmen. Diese Frostigkeit scheint uns -Menschen sehr unzweckmäßig zu sein. Vielleicht liegt die Sache aber -etwas anders. In Fachblättern wurde mehrmals mitgeteilt, daß erstarrte -Küchlein in das Küchenfeuer geworfen werden sollten, weil man -mit den toten Tieren nichts anfangen konnte. Kaum lagen sie aber -einige Minuten auf dem warmen Herd, so wurden sie alle wieder -lebendig. Hiernach scheint es fast so, als soll die Frostigkeit bezwecken, -daß das Küchlein bald hinfällt. Dann kann es leicht von der Mutter -gefunden und wieder zum Leben aufgewärmt werden. Wäre es nicht -frostig, so liefe es unendlich weit in die Irre und könnte nicht mehr -gerettet werden.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_202" id="Page_202">[Pg 202]</a></span></p> - - -<h3><a name="kap_145" id="kap_145">145</a>. Warum gehen die Hühner so zeitig schlafen? -Die sogenannte Hühnerkieke.</h3> - -<p>Ursprünglich war es unsere Absicht gewesen, bereits am Tage vorher -uns die Hühner anzusehen. Aber wir mußten unser Vorhaben aufgeben, -da die Hühner bereits den Stall aufgesucht hatten. Da es noch hell war, -ist dieses zeitige Aufsuchen der Schlafstätte recht auffallend. Es ist daher -verständlich, daß man von einem sehr soliden Menschen sagt: er geht mit -den Hühnern zu Bett.</p> - -<p>Obwohl die Vögel sämtlich Augentiere sind, sie sich also alle wie -der Mensch in erster Linie nach den Augen richten, so müssen doch ihre -Augen verschieden gebaut sein. Denn wir kennen Vögel, die hauptsächlich -in der Nacht auf Raub ausgehen, z. B. die Eulen. Die Eulen -sind nicht am Tage blind, wie der Volksmund sagt, aber es ist eine -Seltenheit, wenn sie bei Tageslicht freiwillig eine Tätigkeit ausüben. -Umgekehrt werden Hühner, Sperlinge und viele andere Vögel nur notgedrungen -etwas in der Dunkelheit tun. Dazwischen stehen Vögel, die -sowohl in der Dunkelheit wie bei Tageslicht tätig sind, z. B. unsere -Wildenten, der Große Brachvogel, die Nachtigall usw. Die halbzahmen -Wildenten des Berliner Tiergartens kann man oft in tiefer Nacht ihre -Nahrung im Kanal beim Scheine der Laternen suchen sehen. Die Vorübergehenden -behaupten oft, daß hier eine Anpassung vorliegt. Das ist -jedoch ein Irrtum. Enten sind von jeher des Nachts auf Nahrungssuche -ausgegangen. Jeder Jäger weiß, daß man sich abends an Teichen aufstellt, -um die beim Eintritt der Dunkelheit einfallenden Enten zu schießen.</p> - -<p>Man darf wohl mit Recht annehmen, daß die Hühner deshalb so -zeitig in den Stall gehen, weil sie in der Dunkelheit gar nichts sehen -können. Die Landbewohner behaupten vielfach, daß die Hühner bereits -in der Abenddämmerung nichts sehen können. Da es Menschen gibt, -die infolge von ungenügender Ernährung in der Abenddämmerung nicht -sehen können, so sagt der Landbewohner von ihnen: sie haben die -Hühnerkieke. Damit will er sagen, daß die sogenannten nachtblinden -Menschen genau wie die Hühner in der Abenddämmerung nichts sehen -können.</p> - -<p>Ferner ist dem Landbewohner bekannt, daß die Hühner leicht an -Schneeblindheit erkranken. Sie werden dann gewöhnlich in den Stall -gebracht.</p> - -<p>Soviel ist wohl sicher, daß das Vogelauge in mancher Hinsicht anders -gebaut ist als das Menschenauge. So fängt man in den Balkanländern -Vögel mit großen bunten Tüchern, wodurch die Vögel in auffallender -Weise angelockt werden.</p> - -<p>Ob die Landbewohner recht haben, daß die Hühner bereits gegen -Abend, wo es noch hell ist, nicht sehen können, läßt sich nicht beurteilen. -Die Frage wird hoffentlich durch Versuche von Gelehrten beantwortet -werden.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_203" id="Page_203">[Pg 203]</a></span></p> - - -<h3><a name="kap_146" id="kap_146">146</a>. Die Farbenblindheit der Hühner. Die Hypnose des Huhns -durch einen Kreidestrich.</h3> - -<p>Auf andern Gebieten hat man neuerdings das Sehvermögen der -Hühner untersucht und gefunden, daß sie farbenblind sind. Sie können -grün und rot nicht erkennen.</p> - -<p>Mit der Praxis stimmt das Ergebnis schlecht überein. Denn hiernach -machte das schmucke Gewand des Hahnes, mit dem er sich so stolz -brüstet, auf die Hennen gar keinen Eindruck. Diese können die grünen -Federn und den roten Kamm gar nicht schätzen, weil sie diese Farben -nicht wahrnehmen.</p> - -<p>Da Versuche über das Sehvermögen ungeheuer schwierig sind, so -wird das Ergebnis später wohl noch berichtigt werden. Jedenfalls sind -folgende Beobachtungen damit schwer in Einklang zu bringen.</p> - -<p>Hühner scheuen die Nässe. Das sieht man dann ganz deutlich, wenn -eine Glucke junge Enten ausgebrütet hat (vgl. Kap. <a href="#kap_173">173</a>). Trotz ihrer -Abneigung gegen Nässe gehen Hühner im Sommer auf die Wiesen, -wenn es stark geregnet hat. Die Grashüpfer sind durch den anhaltenden -Regen erstarrt und können nicht fortspringen. Die Hühner fressen sie -gern und holen sie sich.</p> - -<p>Auf einer grünen Wiese grüne Grashüpfer zu erkennen, dazu gehört -ein sehr scharfes Auge. Wie das ein für Grün farbenblindes Auge -leisten soll, ist nicht recht verständlich.</p> - -<p>Man wird überhaupt gegen Versuche und ihre Ergebnisse sehr -mißtrauisch, wenn man an frühere Zeiten zurückdenkt.</p> - -<p>So lernte ich als Knabe, daß man ein Huhn hypnotisieren, d. h. in -einen schlafähnlichen Zustand versetzen kann, wenn man ein Huhn sacht -niederdrückt und vor seinen Augen einen geraden Kreidestrich zieht. -Selbstverständlich haben wir das auch mit einem unserer Hühner getan -und waren überzeugt, daß es hypnotisiert war, als es regungslos -sitzen blieb.</p> - -<p>Als ich mich später gründlich mit Tieren beschäftigt hatte, wurde mir -der ganze Versuch zweifelhaft. Das Sichniederdrücken ist ja die gewöhnliche -Rettungsstellung des Huhns. Es ist doch ganz selbstverständlich, -daß es in dieser seit Urzeiten üblichen Lage regungslos bleibt.</p> - -<p>Besäße man einen zahmen Hasen und legte ihn sorgsam so hin, wie -er gewöhnlich in der Sasse sitzt, so würde er natürlich auch regungslos -so sitzen bleiben.</p> - -<p>Seit Urzeiten weiß das Huhn, der Hase und andere viel verfolgte -Friedlinge, daß Regungslosigkeit ihre sicherste Rettung ist. Uns Menschen -als Augentieren ist bekannt, daß wir einen sich bewegenden Gegenstand -viel eher erkennen als einen ruhenden. Die Augen der Nasentiere -können aber, wie wir erörtert haben (Kap. <a href="#kap_2">2</a>), Bewegungen noch besser -wahrnehmen als die unsrigen.</p> - -<p>Der Kreidestrich ist also ganz überflüssig. Ebenso ist das Vorhandensein -der Hypnose sehr unwahrscheinlich.</p> - -<p>Man stelle sich folgende Lage eines Jägers vor, wie sie hin und -wieder vorkommt. Er hat stundenlang auf dem Anstand gesessen, und<span class="pagenum"><a name="Page_204" id="Page_204">[Pg 204]</a></span> -es ist kein Wild gekommen. Er sagt sich also, daß das Warten ganz -zwecklos ist. Deshalb will er aufstehen und sich seine Pfeife anzünden. -Kaum hat er sich etwas erhoben und nach der Tasche gegriffen, da sieht -er plötzlich einen Rehbock mit einer auffallend starken Krone vor sich. -Als erfahrener Jäger weiß er, daß, wenn er nicht zur Säule erstarrt, -der Rehbock für ihn verloren ist. Das Tier nimmt die Bewegung wahr -und flüchtet sofort. Deshalb bleibt der Jäger genau wie er ist, in seiner -Lage, so wunderbar es aussieht. Könnte ihn ein Beobachter sehen, der -nicht wüßte, worum es sich handelt, so würde er den Jäger für geisteskrank -oder für hypnotisiert halten. Er steht regungslos da mit halbgestrecktem -Knie und hat die Hand auf dem Rücken liegen. Wir wissen -jedoch, daß der Jäger weder irrsinnig noch hypnotisiert ist, sondern höchst -zweckmäßig handelt.</p> - -<p>Packe ich einen Frosch, so wird er glauben, daß es ihm ans Leben -ginge. Bringe ich ein Bein von ihm in eine eigentümliche Lage, so wird -er es oft so lassen. Und zwar tut er es nicht, weil er hypnotisiert ist, -sondern weil er weiß, wie oft er seine Rettung der Regungslosigkeit -verdankt. Der Storch kann ihn übersehen, wenn er regungslos bleibt, -und die Ringelnatter packt überhaupt nur nach Geschöpfen, die sich -bewegen.</p> - -<p>Weil die Bedeutung der Regungslosigkeit im Tierleben dem Kulturmenschen -ganz unbekannt ist, deshalb nimmt er überall Hypnose an, wo -eine ganz natürliche Handlungsweise vorliegt.</p> - -<p>Was ist nun von dem durch einen Kreidestrich hypnotisierten Huhn -geblieben, das ich in meiner Jugend als neue Weisheit lernte? Erstens -ist der Kreidestrich ganz überflüssig. Zweitens ist das regungslose -Sitzenbleiben gar nicht wunderbar, da es die uralte Rettungsart des -Huhns ist. Drittens ist das Huhn gar nicht hypnotisiert.</p> - - -<h3><a name="kap_147" id="kap_147">147</a>. Die naturgemäße Behandlung des Huhns.</h3> - -<p>Wenn wir bedenken, daß ein Huhn jährlich etwa 150 Eier legen -oder eine Brut von einem Dutzend Jungen hochbringen kann, so müßte -man meinen, daß die Hühnerzucht ein sehr lohnender Betrieb ist. Ich -kenne Großstädter, die so durchdrungen waren von der Richtigkeit ihrer -Berechnung, daß sie ihren Beruf aufgaben und auf dem Lande eine -Geflügelzucht einrichteten. Es hat nur einige Jahre gedauert, dann -hatten sie die Lust zum Betriebe verloren und obendrein ein nicht unerhebliches -Vermögen. Selbstverständlich spreche ich hier von Friedenszeiten -vor dem Kriege.</p> - -<p>Warum will in diesem Falle Theorie und Wirklichkeit so gar nicht -übereinstimmen?</p> - -<p>Stellen wir uns vor, daß ein Bauer auf seinem Hofe etwa 20 Hühner -hält. Diese Hühner werden morgens zeitig aus dem Stall gelassen und -treiben sich den Tag über auf dem Hof oder in der Umgebung umher. -Dabei hat der Bauer folgende Vorteile:</p> - -<p>Erstens kosten ihm die Hühner den Sommer über fast gar kein -Futter.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_205" id="Page_205">[Pg 205]</a></span></p> - -<p>Zweitens ist das Futter, das sie fressen, für sie naturgemäß.</p> - -<p>Drittens können die Hühner fleißig scharren und haben viel Bewegung, -was für ihre Gesundheit von großer Bedeutung ist.</p> - -<p>Viertens verteilen die Hühner am Tage ihren Unrat an den verschiedensten -Stellen, so daß eine Anhäufung nicht stattfindet.</p> - -<p>Bei dem Großstädter, der eine großartige Geflügelzucht eingerichtet -hat, liegt die Sache ganz anders.</p> - -<p>Erstens muß er auch im Sommer sehr viel Futter kaufen. Wie -soll er für die Unmenge Hühner die erforderliche Nahrung herbeischaffen? -Auf einem Bauernhofe gibt es reichlichen Abfall, da sich in -dem Miste zahlreiche Larven und Würmer aufhalten.</p> - -<p>Zweitens ist die Nahrung, die der Geflügelzüchter kauft, häufig nicht -naturgemäß. Im Frühjahr will das Huhn tierische Nahrung haben. -Deshalb reißen sich Hühner, die man eingesperrt hat und nur mit -Körnern füttert, zu dieser Zeit die Federn aus oder beißen sich gegenseitig -die Kämme blutig (vgl. Kap. <a href="#kap_106">106</a>).</p> - -<p>Drittens braucht der Züchter im Gegensatz zu dem Bauern Personal, -was heute ganz besonders ins Gewicht fällt.</p> - -<p>Viertens fehlt den Hühnern die Bewegung und sie erkranken leicht.</p> - -<p>Fünftens häuft sich der Unrat auf einem kleinen Flecke. Das ist -aber die günstigste Vorbedingung für den Ausbruch einer Seuche.</p> - -<p>Das Ende vom Liede ist gewöhnlich eine Seuche, die den ganzen -Hühnerbestand dahinrafft.</p> - -<p>Bei Wildparken und Jagdrevieren liegt die Sache ganz ähnlich. Je -weniger Wild ein Jagdrevier enthält, desto gesünder ist es. Dagegen -sind Seuchen an der Tagesordnung, sobald eine Ueberfüllung der Bezirke -stattfindet.</p> - -<p>In den Großstädten bestehen ebenfalls Gefahren durch zu große -Besiedelung eines kleinen Bezirkes. Hier hat der Mensch durch Kanalisation, -d. h. durch Fortleitung des Unrats die Macht der Seuchen -gebrochen.</p> - -<p>Es wäre also sehr wohl denkbar, daß auch die Geflügelzuchten einen -ähnlichen Ausweg finden.</p> - -<p><em>Auf der einen Seite ist es beklagenswert, daß wir -so viel Eier aus dem Auslande einführen müssen. -Darum soll jede Vermehrung unseres Hühnerbestandes -unterstützt werden. Auf der andern Seite -raten selbst die begeistertsten Züchter davon ab, daß -ein Neuling ein großes Kapital in die Geflügelzucht -steckt. Erst soll er klein anfangen und sich den Rat -eines erfolgreichen Züchters einholen. Es gibt zu -viele Dinge, die man nur aus der Praxis lernen kann.</em></p> - -<p><em>Was hier von der Geflügelzucht gesagt worden -ist, gilt ganz allgemein für jede Kleintierzucht.</em></p> - - -<h3><a name="kap_148" id="kap_148">148</a>. Eine blinde Henne findet auch ein Korn.</h3> - -<p>Eine blinde Henne wird man wohl nirgends in Deutschland zu -sehen bekommen, weil man ein solches bedauernswertes Geschöpf ab<span class="pagenum"><a name="Page_206" id="Page_206">[Pg 206]</a></span>schlachten -würde. Früher war man in solchen Dingen weniger auf den -wirtschaftlichen Vorteil bedacht.</p> - -<p>Ein anderes Beispiel für die Verschiedenheit der Auffassung in -wirtschaftlichen Angelegenheiten ist folgendes:</p> - -<p>Heute sehen wir, daß die Hühner gewöhnlich Ringe um die Beine -(Ständer) tragen. In meiner Jugendzeit kannte man das gar nicht. -Erst seit einem Menschenalter habe ich sie auf Bauernhöfen angetroffen. -Man weiß heute, daß die Henne eine gewisse Anzahl von Eiern legt. -Folglich hat es keinen Zweck, sie über ein bestimmtes Alter gelangen -zu lassen. Um dieses Alter jederzeit festzustellen, legt man ihnen Ringe -um die Beine. Diese Ringe sind in den einzelnen Jahrgängen verschieden.</p> - -<p>Diese Ringe sehen wir auch bei den Hühnern auf dem Kohlenplatz.</p> - -<p>Wir schlachten also bereits eine Henne, weil sie nicht mehr ganz so -viele Eier legt als eine etwas jüngere. Erst recht werden wir also eine -blinde Henne schlachten, denn sie würde nicht genügend Futter finden -und infolgedessen sehr abmagern.</p> - -<p>In früheren Zeiten zerbrach man sich über solche Dinge den Kopf -nicht. Hierbei hat man jedenfalls beobachtet, daß eine blinde Henne wie -die andern scharrt und durch Zufall auch ein aufgescharrtes Korn findet.</p> - -<p>Ein Vogel ist wie ein Mensch ein Augentier und tief zu beklagen, -wenn er sein Augenlicht verloren hat. Bei den Nasentieren liegt die -Sache, wie wir wissen, ganz anders. Blinde Hunde kann man sogar -noch zur Jagd benützen. Deshalb wäre auch ein Sprichwort unrichtig: -Ein blinder Hund findet auch einen Bissen. Er findet ihn vielmehr -durch seine Nase ziemlich leicht.</p> - -<p>Umgekehrt fehlt den Vögeln eine gute Nase. Das kann man recht -deutlich bei den Hühnern wahrnehmen. Man kann ihnen nämlich Porzellaneier -unterlegen, und sie brüten fleißig darauf. Ebenso brüten -Kanarienvögel auf elfenbeinernen Eiern.</p> - - -<h3><a name="kap_149" id="kap_149">149</a>. Die künstliche Glucke. Die Wetterfestigkeit des Huhns.</h3> - -<p>Eine Glucke mit Jungen bringt man gern in einen besonderen -Raum, wie wir es auch hier in unserm Falle beobachten können. Die -Mutter ist in gereizter Stimmung und kann leicht die andern Hennen -angreifen. Diese wiederum picken nach den Küchlein und suchen selbstverständlich -die besten Bissen wegzuschnappen.</p> - -<p>Seit Jahrtausenden hat man die Bruthitze der Glucke durch künstliche -Wärme ersetzt und ebenfalls Küchlein erzielt. Man hat dadurch -den großen Vorteil, daß man ganz andere Mengen von Eiern ausbrüten -lassen kann, als wenn man sie verschiedenen Glucken unterlegt. Allerdings -fehlt dafür den Kleinen das sorgsame Auge der Mutter. Auch -sonst wurden mir von Züchtern mancherlei Nachteile mitgeteilt. So -können bekanntlich junge Entlein sofort schwimmen und bleiben dabei -trocken. Läßt man die Enteneier jedoch von einer künstlichen Glucke -ausbrüten, so werden die jungen Entlein naß. Dies wurde mir -wenigstens von verschiedenen Züchtern mitgeteilt.</p> - -<p>Das künstliche Ausbrüten der Hühnereier ist nicht so wunderbar,<span class="pagenum"><a name="Page_207" id="Page_207">[Pg 207]</a></span> -wie es auf den ersten Augenblick erscheint. Denn noch heute gibt es -Hühnerarten, die in der Freiheit das gleiche Mittel anwenden. So legt -das Talegallahuhn seine Eier in vermoderte Blätter, die es zu Haufen -zusammenscharrt. Andere Wallnister benutzen den erwärmten Sand -von heißen Quellen oder Vulkanen.</p> - -<p>Es fängt jetzt etwas an zu regnen, und wir sehen, daß Regen -den Hühnern durchaus nicht angenehm ist. Wie die Katze, so lieben die -Hühner Nässe durchaus nicht.</p> - -<p>Auch wenn es kalt ist, kann man aus dem Benehmen der Hühner -schließen, daß ihnen nicht behaglich ist. Sie stammen eben aus einem -heißen Lande. Deshalb ist Hühnerzucht nur in Ländern mit einer -gewissen Wärme möglich. Frankreich, England und Italien haben eine -höhere Durchschnittstemperatur als wir und haben schon aus diesem -Grunde einen Vorzug gegenüber uns in der Geflügelzucht.</p> - -<p>Da die Hühner Waldbewohner sind, so ist ihnen pralle Sonnenhitze -lästig. Umgekehrt stammen sie aus einem Sonnenlande und vermissen -die Sonne sehr. Ich konnte das in einem Hause, in dem ich vor vielen -Jahren wohnte, recht deutlich beobachten. Der Wirt hielt Hühner -auf dem Hofe. Da das Gebäude vierstöckig war, so war -nur von Mitte Mai bis Mitte Juli in den Mittagsstunden Sonnenschein -auf dem Hofe. Während dieser Stunden ließen die Hühner alles im -Stich, selbst das Futter, und lagen aufgeplustert im Sonnenschein und -genossen in vollen Zügen die Wärme der Sonnenstrahlen. Hier kam -so recht der Sonnenhunger unserer Hühner zum Vorschein.</p> - - -<h3><a name="kap_150" id="kap_150">150</a>. Wie kriecht das Küchlein aus dem Ei?</h3> - -<p>Es ist gewissermaßen ein Wunder, wenn aus dem Ei, das wohl die -Möglichkeit zu einem Leben bietet, aber doch leblos ist, plötzlich allein -durch die anhaltende Wärme ein lebendiges Geschöpf kriecht. Durch die -Freundlichkeit unseres alten Bekannten, des bei den Ziegen erwähnten -Onkels Althaus, können wir das bei ihm in Ruhe beobachten.</p> - -<p>Onkel Althaus hält Wyandottes, weil er diese Rasse wegen ihrer -Legetätigkeit und als Fleischhühner schätzt. Natürlich kann man keinen -schönen Garten haben, wenn man seinen Hühnern zu ihrer Gesundheit -Auslauf wünscht. So ist der Garten verschwunden, aber die Hühner -befinden sich wohl bei ihrer täglichen Bewegung und legen fleißig Eier.</p> - -<p>Zwei Glucken sitzen auf Eiern, die täglich ausfallen können. Die -Glucken sträuben ihr Gefieder und stoßen einen krächzenden Laut aus, -als Onkel Althaus die Eier untersuchen will. Erst ein Ei ist bei jeder -Glucke angepickt. Es ist das ein Zeichen, daß das Küchlein mit seinem -Eizahn das Gefängnis verlassen will.</p> - -<p>Wir müssen am andern Tage wiederkommen. In der Zwischenzeit -sind bei jeder Henne ein paar Küchlein ausgekrochen. Sie sind zum -Trockenwerden in die sogenannte Küchleinwiege gebracht worden, wo -es schön warm ist. Um uns nicht nochmals einen vergeblichen Weg -machen zu lassen, zeigt uns Onkel Althaus an mehreren Eiern, wie man -das Auskriechen beschleunigen kann. Als erfahrener Geflügelzüchter<span class="pagenum"><a name="Page_208" id="Page_208">[Pg 208]</a></span> -kann er sich solche Künsteleien erlauben, aber er rät jedem Neuling ganz -entschieden davon ab. Denn wenn sich auch nur ein Blutstropfen bei der -beschleunigten Geburt zeigt, so ist das Küchlein verloren.</p> - -<p>Onkel Althaus wählt natürlich solche Eier, bei denen das Küchlein -bereits fast einen Ring um das Ei gepickt hat. Ganz vorsichtig wird -nach und nach erst die Schale und dann die dünne Haut entfernt. Man -sieht, welche Anstrengungen dem kleinen Geschöpf die Befreiung aus -dem engen Kerker verursacht. Nach jeder größeren Anstrengung braucht -es Ruhe. Es liegt dann wie leblos, namentlich nachdem es endlich -befreit ist. Zunächst gleicht es einem mit nassen Federn belegten Stück -Fleisch. Wir staunen, daß ein solcher Körper überhaupt Platz in dem -kleinen Ei hatte. Die Zerstörung seiner Hülle verdankt das Küchlein -seinem Eizahn. Man muß sehr genau hinsehen, um ihn zu entdecken. -Er hat noch nicht einmal die Größe eines Stecknadelknopfes und befindet -sich oben auf dem Schnabel.</p> - -<p>Der nasse kleine Klumpen, der seinen Kopf in die richtige Lage -gebracht hat, erholt sich allmählich und wird zu den übrigen in die -Küchleinwiege gebracht.</p> - -<p>Bei der Verabschiedung können wir noch etwas von der Kehrseite -der Geflügelzucht kennen lernen. Ein Küchlein ist während des Tages -verunglückt. Ein anderes sieht ganz wie ein Todeskandidat aus. Es -steht abseits und sieht sehr betrippt aus. Das ist ein schlechtes Zeichen -für ein Küchlein, namentlich wenn es dabei die Flügel hängen läßt.</p> - -<p>Onkel Althaus will noch einen Rettungsversuch machen und schiebt -das Küchlein einer Glucke unter. Vielleicht rettet ihm die Wärme -das Leben.</p> - - -<h3><a name="kap_151" id="kap_151">151</a>. Warum brauchen die Hühner sandigen Boden?</h3> - -<p>Es wäre verfehlt, Hühnerzucht auf moorigem Boden zu errichten. -Ebenso ist ein Untergrund von Ton sehr nachteilig, da er den Abfluß -des Unrates verhindert. Fester Lehmboden hindert am Scharren, was -die Hühner unbedingt brauchen.</p> - -<p>Sandiger Boden ist deshalb für die Hühner notwendig, weil sie ihn -zu ihrer Lebensweise brauchen. Erstens können sie scharren, zweitens -können sie sich paddeln, d. h. durch Sandbäder sich vom Ungeziefer befreien, -und drittens finden sie Sandkörner für ihren Magen. Sehr viele -Vögel brauchen als Ersatz für die fehlenden Zähne Sandkörner oder -kleine Steine zum Zerreiben des im Magen befindlichen Futters.</p> - - -<h3><a name="kap_152" id="kap_152">152</a>. Die Rassen des Huhns.</h3> - -<p>Unser Haushuhn stammt, wie schon erwähnt wurde, aus Ostindien. -Einzelne Rassen sind bereits in vorgeschichtlicher Zeit nach Westasien und -Europa gelangt.</p> - -<p>Die deutschen Hühnerrassen sind teils aus den alten deutschen Landhühnern, -teils durch Kreuzungen mit anderen Rassen entstanden. Jede -Rasse hatte ihr Heimatsgebiet in einem bestimmten Teile unseres Vater<span class="pagenum"><a name="Page_209" id="Page_209">[Pg 209]</a></span>landes. -Hier seien erwähnt: die Westfälischen Totleger, die Lakenfelder, -die Ostfriesischen Möwen, die Ramelsloher, die Thüringer Bausbäckchen, -die Bergischen Kräher usw.</p> - -<p>Von ausländischen Rassen haben auf uns die Italiener den größten -Einfluß ausgeübt. Sie haben unsere heimischen Rassen fast gänzlich -verdrängt. Der Hahn und die Hühner auf dem Kohlenplatz waren ebenfalls -Italiener. Sie legen fleißig, brüten aber schlecht. Viel Eier legen -und gut brüten ist überhaupt selten vereinigt. Als Fleischhuhn ist der -Italiener nicht viel wert. Eine andere sehr stattliche Rasse des Mittelländischen -Meeres sind die Spanier.</p> - -<p>Frankreich liefert vortreffliche Masthühner, beispielsweise die -Le Mans, England ebenso in den Dorkings. Berühmt sind auch die -englischen Hamburger, die ursprünglich deutsche Hühner waren, und sich -durch fleißiges Legen auszeichnen. Es seien noch erwähnt die englischen -Orpington, die amerikanischen Plymouth Rocks und die schon genannten -Wyandottes, die Mechelner Kuckuckhühner, die in Belgien gezüchtet -werden, und die Siebenbürger Nackthälse.</p> - -<p>Wahre Riesen der Hühnerwelt sind die Kotschinchina und die Brahmaputra. -Umgekehrt sind die Zwerghühner, wie schon ihr Name sagt, -sehr klein, z. B. die Silber- und Goldbantam. Eine besondere Stellung -unter den Hühnerrassen nehmen die Haubenhühner ein, z. B. die -Holländer, Paduaner, Houdans usw.</p> - -<p>Das Huhn ist bereits nach einigen Monaten ausgewachsen. Die -Brutzeit dauert gewöhnlich 21 Tage, bei kaltem Wetter etwas länger. -Einer großen Henne kann man 15 Eier unterlegen, einer kleineren -etwa ein Dutzend. Auf einen Hahn rechnet man 10 bis 15 Hennen.</p> - -<p>Es wurde bereits erwähnt, daß Krankheiten und Seuchen namentlich -dann sehr gefährlich auftreten, wenn ein großer Hühnerbestand vorhanden -ist.</p> - - -<h3><a name="kap_153" id="kap_153">153</a>. Das Huhn in Redensarten und Sprichwörtern.</h3> - -<p>Bereits erklärt wurden: Eine blinde Henne findet auch ein Korn, -mit den Hühnern zu Bett gehen, Frau Kratzefuß, Kratzfüße machen, den -Schnabel halten und die Bezeichnung Hühnerkieke.</p> - -<p class="center"><em>Jeder Hahn ist König auf seinem Miste.</em></p> - -<p>Das will sagen, daß der Hahn auf seinem Hofe keinen Nebenbuhler duldet. -Sonst kommt es sofort zu einem Kampfe, woher die Bezeichnung</p> - -<p class="center"><em>Kampfhahn</em></p> - -<p class="noindent">rührt.</p> - -<p class="center"><em>Den roten Hahn aufs Dach setzen</em></p> - -<p class="noindent">soll heißen, ein Gebäude anzünden. Man erklärt die Redensart mit -dem Zusammenhang des Hahnes mit den Feuergottheiten.</p> - -<p class="center"><em>Hahn im Korbe sein</em></p> - -<p class="noindent">heißt der bevorzugteste sein. Unter dem jungen Hühnervolke, das im -Hühnerkorbe bewahrt wird, gilt der Hahn als das geschätzteste Stück.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_210" id="Page_210">[Pg 210]</a></span></p> - -<p class="center">Mit <em>Hahnenfüßen</em> geschrieben</p> - -<p class="noindent">nennen wir eine schlechte Schrift, deren Buchstaben nicht von einer -menschlichen Hand, sondern von den Tritten eines Hahns herzurühren -scheinen.</p> - -<p class="center"><em>Hahnentritt</em></p> - -<p class="noindent">ist der steife, ernste Schritt des Hahns und dient zur Bezeichnung eines -geckenhaften Trittes.</p> - -<p>Bei Pferden nennt man so eine Erkrankung des Sprunggelenkes, -wobei sie einen Fuß vor dem Hinsetzen ungewöhnlich hoch heben.</p> - -<p> -<em>Wo die Henne nicht scharrt wie der Hahn,<br /> -Kann der Haushalt nicht bestahn.</em><br /> -</p> - -<p>Das soll heißen, daß die Frau auch im Haushalt tätig sein soll.</p> - -<p class="center"><em>Das Huhn legt gern ins Nest, worin schon Eier sind.</em></p> - -<p>Das ist eine sehr richtige Beobachtung.</p> - -<p class="center"><em>Es fliegt einem kein gebraten Huhn ins Maul.</em></p> - -<p>Das will sagen, daß das Glück nicht mühelos kommt.</p> - -<p class="center"><em>Hühnerauge</em></p> - -<p class="noindent">ist eine schmerzende Hornhaut am Fuße, die wegen einer entfernten -Aehnlichkeit mit einem Vogelauge, nämlich des dunkeln Punktes in der -Mitte, so genannt wird. Andere Bezeichnungen sind Elsternauge, -Gerstenauge usw.</p> - -<div class="figcenter"> -<a name="fig202_1" id="fig202_1" href="images/illu-202_1.jpg"><img src="images/illu-202_1_t.jpg" width="300" height="229" alt="Henne mit Küken" /></a> -<div class="caption">Henne mit Küken</div> -</div> - -<div class="figcenter"> -<a name="fig202_2" id="fig202_2" href="images/illu-202_2.jpg"><img src="images/illu-202_2_t.jpg" width="300" height="195" alt="Geflügelstall mit Scharraum -um den Hühnern bei schlechtem Wetter und im Winter Gelegenheit zum Scharren zu geben" /></a> - -<div class="caption">Geflügelstall mit Scharraum -um den Hühnern bei schlechtem Wetter und im Winter Gelegenheit zum Scharren zu geben</div> -</div> - - -<div class="figcenter"> -<a name="fig235_1" id="fig235_1" href="images/illu-235_1.jpg"><img src="images/illu-235_1_t.jpg" width="300" height="214" alt="Silberbrackl-Hühner" /></a> -<div class="caption">Silberbrackl-Hühner</div> -</div> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_211" id="Page_211">[Pg 211]</a></span></p> - -<h2> -<img src="images/das_truthuhn.jpg" width="600" height="101" alt="Das Truthuhn" /> -<br /> -<span class="hidden">Das Truthuhn</span> -</h2> - - -<h3><a name="kap_154" id="kap_154">154</a>. Das Hochzeitskleid des männlichen Truthuhns.</h3> - -<p class="cap">Der große Mangel an Körnerfutter bringt es mit sich, daß man in -unseren Zeiten Ziergeflügel wie Pfauen, Perlhühner und Fasanen -jetzt kaum noch auf einem größeren Hofe erblickt. Selbst Truthühner -oder Puten, die doch mehr zu dem Nutzgeflügel als zu dem Ziergeflügel -gehören, sind in den mir bekannten Kreisen gänzlich abgeschafft worden. -Es ist ein großes Glück für uns, daß wir auch in diesem Falle unsern -berühmten Zoologischen Garten als Helfer in der Not benützen können. -Hier sehen wir ganz dicht vereinigt Pfauen, Perlhühner und Fasanen. -Nur wenige Schritte davon entfernt befinden sich Puter und Puten.</p> - -<p>Wir haben das Glück, das Männchen noch im Schmuck seines -Hochzeitskleides zu sehen. Es ist Mai, und noch hat der Truthahn die -merkwürdigen Anschwellungen an Kopf und Hals. Ebenso schlägt er -selbstbewußt sein Rad. Die Weibchen oder Hennen sehen dagegen nicht -nur kleiner, sondern auch unscheinbarer aus.</p> - -<p>Wir müssen annehmen, daß den Weibchen der Hochzeitsschmuck der -Männchen gefällt. Man muß ohne Frage sehr vorsichtig damit sein, -menschliche Regungen ohne weiteres auf die Tiere zu übertragen. Aber -das Hochzeitskleid der Männchen, das von ihnen mit einer unverkennbaren -Absicht während der Liebeszeit zur Schau getragen wird, das -aber später wieder verschwindet, dürfte doch einen gewissen Zweck -haben. Sonst triebe die Natur in zahllosen Fällen eine Verschwendung, -während wir sie sonst als sehr sparsame Wirtschafterin kennen lernen.</p> - -<p>Gerade das Ausbreiten des Hochzeitsgefieders vor den Weibchen -wäre vollkommen sinnlos, wenn es nicht eine Wirkung auf sie ausüben -sollte. Deshalb muß man sehr vorsichtig sein gegenüber den Behauptungen, -daß manche Farben des Hochzeitsschmucks wegen Farbenblindheit -nicht wahrgenommen werden könnten.</p> - - -<h3><a name="kap_155" id="kap_155">155</a>. Worauf ist die Abneigung des Truthahns gegen die rote -Farbe zurückzuführen? – Die Herkunft der Truthühner.</h3> - -<p>Die Tiere im Zoologischen Garten sollen eigentlich nicht gereizt -werden. Aber wenn es sich um Lehrzwecke handelt, ist man nicht verpflichtet, -verbietend einzugreifen. Ein kleines Mädchen ist mit einem -ziemlich großen Spiegel zu dem Truthahn gegangen und hält ihm den -Spiegel vor. Seine Erregung steigert sich gewaltig, und er kollert, -daß es nur so eine Art hat. Erst als das Mädchen sich mit dem -Spiegel entfernt, läßt seine Wut allmählich nach.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_212" id="Page_212">[Pg 212]</a></span></p> - -<p>Zwei Gründe können diese Erregung verursacht haben. Entweder -sah er in dem Spiegel einen andern Truthahn und wollte ihn bekämpfen; -denn gerade unter den Truthähnen finden heftige Kämpfe auf Tod und -Leben statt. Näheres werden wir über diesen Punkt bei dem Kanarienvogel -und seinem Spiegelbild sprechen. Oder der Truthahn sah die -rote Farbe, die ihn, wie bekannt ist, in Raserei versetzen kann.</p> - -<p>Schon bei der Abneigung des Stieres gegen die rote Farbe ist -darauf hingewiesen worden, daß es sich wahrscheinlich um eine vererbte -Erinnerung aus früheren Zeiten handelt. Ein rötliches Tier – wahrscheinlich -der Tiger – war der Hauptfeind der Wildrinder. Vom Truthahn -wissen wir nach den übereinstimmenden Angaben der Naturforscher -mit Bestimmtheit, daß der Luchs mit seinem rötlichen Felle sein -schlimmster Feind ist. Hierzu paßt vortrefflich folgende Beobachtung -einer ausgezeichneten Vogelkennerin. Sie hält sich ein Braunkehlchen -und erzählt von ihm, daß seine Abneigung gegen alles Rote ganz auffallend -war. Wenn man weiß, daß das Braunkehlchen sein Nest auf -sumpfigem Boden hat, so ist es klar, daß unser Wiesel mit seinem rötlichen -Fell sein ärgster Feind sein muß.</p> - -<p>Es kann auch sein, daß unser Truthahn aus beiden Gründen wütend -wird. Einmal, weil er einen Gegner und sodann, weil er etwas Rotes -erblickt. Denn seine eigene rote Färbung am Kopf und Hals kann er -nicht sehen. –</p> - -<p>Die Truthühner stammen aus Nordamerika, wo sie die Mexikaner -bereits zähmten. Sie kamen nach Europa, wo sich besonders die Spanier -und Italiener um ihre Zucht bemühten. Deshalb spricht man auch vom -welschen Huhn.</p> - -<p>Die Truthenne legt 12 bis 24 Eier. Sie ist als ausgezeichnete -Brüterin bekannt, weshalb man ihr die Eier von anderm Hausgeflügel -unterlegt. Ihre Brütlust ist so groß, daß man sich um ihre Ernährung -bekümmern muß. Denn manche versäumen das Fressen und verhungern -infolgedessen. Die jungen Truthühner sind äußerst empfindlich gegen -Nässe und Hitze.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_213" id="Page_213">[Pg 213]</a></span></p> - -<h2> -<img src="images/der_pfau.jpg" width="600" height="103" alt="Der Pfau. Das Perlhuhn. Der Fasan" /><br /> -<span class="hidden">Der Pfau. Das Perlhuhn. Der Fasan</span> -</h2> - -<h3><a name="kap_156" id="kap_156">156</a>. Warum schreit der Pfau so häßlich?</h3> - -<p class="cap">Im Zoologischen Garten sehen wir den Wildpfau, den Hauspfau, eine -ganz weiße und eine gescheckte Rasse.</p> - -<p>Der Anblick des Pfauen, namentlich wenn er sein Rad schlägt, wie -es jetzt vor unsern Augen geschieht, ist entzückend. Dieses kostbare Blau, -dieser herrlich schimmernde Schweif mit den großen Augen darin und -das Krönlein auf dem zierlichen Kopf müssen selbst den, der aus Gewohnheit -widerspricht, zu dem Geständnis veranlassen, daß wir ein -schönes Tier vor uns haben. Nur sein Schrei ist geradezu widerwärtig. -Schöne und eitle Frauen, die eine unangenehme Stimme besitzen, hat -man deshalb mit Vorliebe als Pfauen bezeichnet.</p> - -<p>Wir werden später beim Kanarienvogel sehen, daß eine schöne -Stimme regelmäßig nur kleinen Vögeln zukommt. Große Vögel, wie -Pfauen, sind keine Sänger. Ausnahmen wie der Singschwan können -die Regel nur bestätigen.</p> - -<p>Die Füße des Pfauen sind nur nach menschlichen Begriffen häßlich. -Für einen Baumvogel sind sie sehr zweckmäßig und daher nicht unschön.</p> - -<p>Der Pfau ist in Südasien heimisch. Er ist namentlich oft in -Gegenden anzutreffen, wo auch der Tiger weilt.</p> - -<p>Auch das Perlhuhn ist vielen Menschen lästig, weil es seine wenig -schöne Stimme so oft erschallen läßt. Im Zoologischen Garten sehen -wir außer dem gewöhnlichen silbergrauen Perlhuhn noch eine weiße Art.</p> - -<p>Die Perlhühner stammen aus dem heißen Afrika, weshalb sie -Wärme lieben. Ihre Eier legen sie gern in Gebüschen ab, was man -heute bei den zahmen ebenfalls beobachten kann.</p> - - -<h3><a name="kap_157" id="kap_157">157</a>. Vergißt der Fasan das Fliegen?</h3> - -<p>Fasanen sehen wir im Zoologischen Garten in den verschiedensten -Arten, so namentlich den herrlichen Goldfasan, den sehr schönen Silberfasan -usw.</p> - -<p>Der Fasan kommt eigentlich mehr als Jagdvogel in Betracht. Vor -dem Kriege gab es Fasanerien, wo Tausende von Fasanen großgezogen -wurden.</p> - -<p>Als besondere Dummheit wurde dem Fasan in Jägerkreisen angerechnet, -daß er beim Erscheinen eines Hundes das Fliegen vergißt. Ich -glaube nicht recht daran, daß es aus Dummheit geschieht. Alle diese -schwerbeinigen Vögel sind vortreffliche Läufer, aber sehr schlechte Flieger. -Viele, wie Trappen und Truthühner, müssen überhaupt erst einen Anlauf<span class="pagenum"><a name="Page_214" id="Page_214">[Pg 214]</a></span> -nehmen, um in die Luft zu kommen. Ein im Jagdrevier gut gefütterter -Fasan weiß wahrscheinlich, daß seine Anstalten, um zu fliegen, so umständlich -und zeitraubend sind, daß ihn der Hund sicher inzwischen -gepackt hat. Dagegen hat er beim Rennen immer noch die Aussicht, in -ein Dickicht zu geraten, wohin ihm der Hund nicht folgen kann.</p> - -<p>Der Fasan stammt aus Westasien, nämlich von den Küstenländern -des Kaspischen Meeres. Er soll schon im Altertum nach Griechenland -gebracht worden sein. Heute ist er in manchen Gegenden, z. B. in -Böhmen, verwildert.</p> - -<p>Wie alle Hühnervögel ist der Fasan sehr fruchtbar. Die Fasanenhenne -legt etwa 8 bis 15 Eier, die sie in etwa 24 Tagen ausbrütet.</p> - - -<h3><a name="kap_158" id="kap_158">158</a>. Der Pfau in Redensarten und Sprichwörtern.</h3> - -<p>Die Bezeichnung einer schönen und eitlen Frau als Pfau ist schon -erwähnt worden.</p> - -<p class="center"><em>Pfau, schau deine Beine!</em></p> - -<p>Das soll heißen, jemanden, der mit seinen Vorzügen prahlt, auf seine -Schwächen aufmerksam machen.</p> - -<p>Als Gegenstück zu dem schönen Pfau gilt die unscheinbare Krähe. -Daher der Vergleich:</p> - -<p class="center"><em>Wie Krähen neben dem schönen Pfau.</em></p> - -<p>Die Krähen sollen daher besonders neidisch auf den Pfau sein, wie sich -auch eine Krähe mit den ausgefallenen Federn eines Pfauen geschmückt -haben soll. Daher der Vers:</p> - -<div class="poem"> -<p><em>Es meint jede Krau</em> (Krähe)</p> -<p><em>Ihr Kind sei ein Pfau.</em></p> -</div> - -<p>Vom Truthahn oder Puter wäre noch anzuführen: Als Bezeichnung -für ein dummes Mädchen:</p> - -<p class="center"><em>Diese Pute = dumme Gans.</em></p> - -<p>Ferner als Bezeichnung eines zornigen Menschen:</p> - -<ul> -<li><em>rot wie ein Puter</em>;</li> -<li><em>wie ein kollernder Puter</em>.</li> -</ul> - - - -<div class="figcenter"> -<a name="fig235_2" id="fig235_2" href="images/illu-235_2.jpg"><img src="images/illu-235_2_t.jpg" width="300" height="214" alt="Fasan" /></a> -<div class="caption">Fasan</div> -</div> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_215" id="Page_215">[Pg 215]</a></span></p> - -<h2> -<img src="images/die_taube.jpg" width="600" height="102" alt="Die Taube" /> -<br /> -<span class="hidden">Die Taube</span> -</h2> - - -<h3><a name="kap_159" id="kap_159">159</a>. Die Kommandosprache der Tauben.</h3> - -<p class="cap">Da sich auf dem Kohlenplatze außer Hühnern auch Tauben befinden, -so begeben wir uns wieder dorthin. Während die Hühner am -Boden nach Futter suchen, haben sich die Tauben mit lautem Geklatsch -erhoben und sind in den Lüften bald unsern Augen entschwunden. Bei -ihrer Rückkehr führen sie verschiedene Schwenkungen aus und lassen sich -schließlich wieder auf ihrem Dache nieder.</p> - -<p>Früher, als wir von der Schwierigkeit des Fliegens keine Ahnung -hatten, konnten wir solche Flüge der Taubenschwärme für ganz selbstverständlich -halten. Wir sahen sie eben alltäglich und regten uns weiter -nicht darüber auf.</p> - -<p>Heute, wo zahllose Flieger verunglückt sind, weil sie in der Luft -mit einem andern Flieger zusammengestoßen sind, muß der Schwarmflug -der Vögel auf uns den tiefsten Eindruck machen. Woher kommt es, -daß die Vögel trotz größter Nähe niemals miteinander zusammenprallen?</p> - -<p>Selbst so schlechte Flieger wie die Rebhühner fliegen in einer ziemlichen -Anzahl. Der Jäger spricht von einer »Kette« oder einem »Volk« Rebhühner.</p> - -<p>Noch auffallender ist das Schwarmfliegen bei den Staren. Auch -der Star ist kein berühmter Flieger, und doch bildet er im Spätsommer, -wenn die zweite Brut flügge geworden ist, bei seinen Flügen ordentlich -eine lebendige Kugel. Diese Kugel aus Vogelleibern dreht sich nach -einer bestimmten Richtung, wobei alle fliegenden Vögel mit größter -Genauigkeit ihren Platz einnehmen, und keiner durch Tolpatschigkeit -eine heillose Verwirrung anrichtet.</p> - -<p>Ich habe oft erfahrene Tierbeobachter gefragt, ob sie jemals den -Zusammenprall zweier Vögel eines Schwarmes in der Luft wahrgenommen -haben. Niemand wußte etwas davon. Auch die Jagdzeitungen -habe ich daraufhin seit vielen Jahren durchgesehen. Der einzige Fall, -der mir vor Augen gekommen ist, ist folgender: Ein Landwirt erzählte, -daß er bei einer Hühnerjagd den Zusammenstoß zweier Rebhühner -beobachtet habe. Die Erklärung liegt darin, daß das eine der beiden -Hühner durch Schrote verletzt war. Trotzdem hat er, der Erzähler, in -seiner dreißigjährigen Jägerzeit einen ähnlichen Fall noch niemals erlebt -und deshalb berichtete er ihn an die Jagdzeitung.</p> - -<p>Darüber sind sich also wohl alle Tierkenner einig, daß Zusammenstöße -unter Vogelschwärmen zu den allergrößten Seltenheiten gehören.</p> - -<p>Wie vermeiden die Vögel diese Gefahr, die soviel Fliegerleben in -unsern Reihen kostet?</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_216" id="Page_216">[Pg 216]</a></span></p> - -<p>Jedenfalls werden sie außerordentlich durch die Stellung ihrer Augen -unterstützt. Alle Vögel, die in Schwärmen fliegen, haben die Augen -seitlich zu sitzen. Wir sehen, daß es ganz verkehrt wäre, wenn die -Tauben ihre Augen, wie der Mensch, nach vorn gerichtet hätten. Sie -können bei seitlicher Stellung der Augen den Abstand vom Nachbarn -viel leichter innehalten.</p> - -<p>Wahrscheinlich sind auch die Augen der Vögel im Innern so gebaut, -daß sie das Schwarmfliegen ohne große Anstrengung ausführen können. -Wenigstens befindet sich im Auge mancher Vögel ein Organ, über dessen -Bedeutung man sich noch nicht klar ist.</p> - -<p>Müssen wir uns heute über die Kunst der Vögel, in Schwärmen zu -fliegen, außerordentlich wundern, so kommt noch hinzu, daß wir gar -nicht wissen, auf Grund welches Kommandos eigentlich die Schwenkungen -ausgeführt werden. Würden wir unseren Kommandoworten -ähnliche Laute bei den Tauben hören, so verständen wir wenigstens, -weshalb der Schwarm bald so, bald so fliegt. Bei der Entfernung und -dem Geklatsche der Flügel können wir nicht das mindeste vernehmen. -Bei Starenschwärmen bin ich, da mich die Sache außerordentlich interessierte, -in die möglichste Nähe gegangen, habe aber außer dem Surren -der Flügel nichts hören können. Immer wieder fragt man sich: Wer -gibt denn eigentlich das Kommando zu einer Schwenkung?</p> - -<p>Bei Taubenschwärmen kann man übrigens nicht selten beobachten, -daß eine Taube den Anschluß versäumt hat, indem sie eine Schwenkung -aus Versehen nicht mitgemacht hat. Sie eilt dann in stürmischem Fluge -ihren Genossen nach. Zu dieser Eile hat sie auch einen ganz besonderen -Grund, denn gerade auf vereinzelte Tauben machen die Raubvögel mit -Vorliebe Jagd. Wir kommen darauf im nächsten Kapitel zu sprechen.</p> - -<p>Jedenfalls können wir mit eigenen Augen sehen, daß Tauben -Schwenkungen gemeinsam ausführen. Wie sie das machen, ist uns vorläufig -ein Rätsel. Ich vermute, daß, wie es bei den Säugetieren einen -Leitaffen, einen Leithammel und andere Leittiere gibt, so auch bei den -Vogelschwärmen ein Leitflieger vorhanden ist, nach dem sich alle anderen -richten.</p> - -<p>Jedenfalls trifft auch hier die Ansicht nicht zu, daß die Tiere deshalb -keine Sprache haben, weil sie sich nichts zu sagen haben. Bei -Schwarmflügen hätten sie es vielmehr sehr nötig, sich die bevorstehende -Schwenkung mitzuteilen.</p> - - -<h3><a name="kap_160" id="kap_160">160</a>. Wie retten sich die Tauben vor den Raubvögeln.</h3> - -<p>In der Großstadt haben wir nur dann eine gewisse Aussicht, die -Jagd eines sogenannten Stößers auf Tauben zu beobachten, wenn sich der -Himmel im Winter nach dunklen Tagen erhellt. Während des Nebels -geht nämlich der Wanderfalk, wie der eigentliche Name des Stößers -ist, nicht auf die Jagd. Der Grund ist wahrscheinlich der, daß er bei -Nebel nicht sehen kann, auch keine Tauben findet. Nach einigen Tagen -mit bedecktem Himmel hat also der Falk gewaltigen Hunger. Da der -Taubenbesitzer seine Tauben fliegen läßt, sobald der Himmel klar ist, so<span class="pagenum"><a name="Page_217" id="Page_217">[Pg 217]</a></span> -kann man also unter solchen Umständen auf den Anblick einer Taubenjagd -rechnen.</p> - -<p>Ein Naturforscher, der in Berlin wohnte, hat sehr schön die Taubenjagd -des Stößers in Berlin geschildert:</p> - -<p>Ein Weibchen des Wanderfalken pflegte am Morgen ruhig und zusammengekauert -auf einem Ziegelvorsprunge des Daches der Garnisonkirche -zu sitzen. Taubenflüge erfüllen die Luft; der Falk wird erregt -und verfolgt mit den Augen die Tauben. Dies währt etwa fünf Minuten, -und nun erhebt er sich. Noch gewahren ihn die Tauben nicht; doch er -rückt ihnen in wenigen Sekunden so nahe, daß nun plötzlich ihr leichter, -ungezwungener Flug sich in ein wirres, ungestümes Fliegen und Steigen -verwandelt. Aber unglaublich schnell hat er sie eingeholt und etwa um -zehn Meter überstiegen. Nun entfaltet er seine ganze Gewandtheit und -Schnelligkeit. In sausendem, schrägem Sturze fällt er auf eine der -äußersten hinunter und richtet diesen jähen Angriff so genau, daß er -allen verzweifelten Flugwendungen des schnellen Opfers folgt. Aber in -dem Augenblicke, als er die Taube ergreifen will, ist sie unter ihm entwischt. -Mit der durch den Sturz erlangten Geschwindigkeit steigt er -sofort ohne Flügelschlag wieder empor, rüttelt schnell, und ehe zehn -Sekunden verflossen sind, ist die Taube von ihm wiederum eingeholt und -in derselben Höhe überstiegen, der Angriff in sausendem Sturze mit -angezogenen Flügeln erneuert, und die Beute zuckt blutend in den -Fängen des Räubers. In wagerechter Richtung fliegt er nun mit ihr -ab und verschwindet bald aus dem Gesichtsfelde. Von den übrigen -Tauben sieht man noch einzelne in fast Wolkenhöhe wirr umherfliegen, -wogegen sich die anderen jäh herabgeworfen und unter dem Schutze -ihrer Behausung Sicherheit gefunden haben.</p> - -<p>Die Tauben suchen sich also vor dem Raubvogel durch ihren schnellen -Flug zu retten. Das nützt ihnen aber nicht viel, denn er ist geschwinder -als sie. Aus diesem Grunde flüchten sie nach Möglichkeit nach ihrem -Schlag. Der Falk weiß das sehr wohl und schneidet ihnen gern den -Rückzug nach dem Schlag ab. Auch dann sind die Tauben noch nicht -verloren. Sie steigen so in die Höhe, daß sie oft wie ein weißer Stern -erscheinen. Wenn der Falk nicht sehr hungrig ist, dann läßt er sie ungeschoren. -Denn, um auf den hoch oben stehenden Taubenschwarm Jagd -zu machen, müßte er sie erst überfliegen.</p> - - -<h3><a name="kap_161" id="kap_161">161</a>. Warum muß der Stößer die Tauben erst überfliegen?</h3> - -<p>Ich weiß noch heute, wie sehr ich mich als Junge darüber gewundert -habe, daß der Stößer die Tauben erst überfliegen muß. Wie ein Mensch -dem andern nachläuft und ihn fängt, wie ein Hund den Hasen faßt, so -sollte man meinen, müßte auch der Wanderfalk den Tauben nachjagen -und sie fangen.</p> - -<p>Eine einfache Ueberlegung ergibt das Unsinnige dieser Fangart. -Habicht und Sperber verlegen sich allerdings gewöhnlich auf die Ueberraschung. -Sie kommen urplötzlich dahergestürmt und schlagen ihrem -Opfer die Fänge, d. h. die bewehrten Füße in den Leib. Denn bei allen<span class="pagenum"><a name="Page_218" id="Page_218">[Pg 218]</a></span> -Raubvögeln sind die Fänge die Hauptwaffe, während der Schnabel hauptsächlich -zur Verkleinerung der Beute dient. Der Wanderfalk verläßt sich -dagegen in der Regel auf seine Flugfertigkeit. Wie soll er nun ganz -oben am Himmel stehenden Tauben durch Verfolgung etwas tun? Um -seine Fänge wirken zu lassen, muß er höher als die Tauben stehen. Auch -ist er nur dadurch, daß er einer verfolgten Taube die Fänge in die -Seiten schlägt, imstande, sie schnell nach seinem Horst zu tragen. Flattert -sie noch, so ist es für den Räuber um so vorteilhafter, denn um so leichter -ist für ihn die Last.</p> - -<p>Weil also der Wanderfalk seine Beute erst überfliegen und von oben -stoßen muß, deshalb hat ihn der Berliner »Stößer« getauft.</p> - -<p>Mancher wird fragen, warum die Taubenbesitzer ihre Lieblinge nicht -im Schlage behalten, wenn der Stößer unter ihnen so furchtbar aufräumt. -Die Antwort ist für den Jäger sehr einfach. In Bayern und -Oesterreich hat man sämtliche Feinde der Gemsen vernichtet, also Bären, -Luchse, Wölfe, Adler und Bartgeier – und was ist die Folge davon? -Noch niemals hat es soviele Seuchen unter den Gemsen gegeben wie jetzt. -Das ist ja auch ganz einleuchtend. Früher wurden erkrankte Tiere zuerst -von den Raubtieren vernichtet, so daß sie die Krankheit nicht weiter -verschleppen konnten. Bei den Hasen und Rebhühnern liegt die Sache -ähnlich. Es ist natürlich übertrieben, wenn man den Fuchs als Hasenarzt -bezeichnet, aber etwas Wahres ist daran. Jedenfalls entarten -Tauben, die man nicht ausfliegen läßt. Sie verfallen in Krankheiten, -weshalb es richtiger ist, sie ihren natürlichen Feinden auszusetzen, da -diese Behandlungsweise sie gesund erhält.</p> - -<p>Bei allen Raubvögeln beobachten wir, daß sie zunächst auf Albinos -oder weiße oder ungewöhnlich gefleckte Tiere Jagd machen. Albinos -sind entartete Geschöpfe, und ihr Wegfangen kann geradezu als ein -löbliches Tun bezeichnet werden. Weiße Hühner kann man in einsamen -Forsthäusern nicht halten.</p> - -<p>Sodann richten alle Raubvögel ihre Angriffe mit Vorliebe auf solche -Vögel, die sich vom Schwarm abgesondert haben. Das wird einen Sinn -haben – aber welchen?</p> - -<p>Wir sehen, daß Tauben und andere Friedvögel, z. B. Stare, sich -angesichts ihrer Feinde eng zusammenballen. Vom Standpunkte des -Menschen scheint das äußerst töricht zu sein, denn der Raubvogel braucht -nur in die Masse hineinzugreifen, dann hat er sicherlich in seinen Fängen -eine Beute.</p> - -<p>Da der Raubvogel schließlich besser weiß als wir, wie er seine Beute -zu erlangen hat, so wird er wissen, weshalb er den einzelnen Vogel -verfolgt und die Masse erst im Notfall berücksichtigt.</p> - -<p>Selbstverständlich ist es ganz ausgeschlossen, daß ein Taubenschwarm -gegen einen Stößer etwas ausrichten kann. Dagegen haben sie ein -Verteidigungsmittel gegen ihn zur Hand, auf das der klügste Mensch -nicht verfallen wäre.</p> - -<p>Ist der Taubenschwarm nämlich hinreichend groß, so stürzen sich alle -wie auf Kommando in die Tiefe. Der Falk muß sich dann sehr vorsehen, -daß er nicht in dieses Luftloch fällt. In einer ornithologischen Zeitschrift<span class="pagenum"><a name="Page_219" id="Page_219">[Pg 219]</a></span> -berichtete im vorigen Jahre ein Fachmann, daß vor seinen Augen ein -Sperber in das von Staren gebildete Luftloch fiel und infolge des plötzlichen -Sturzes betäubt in einer Hecke liegen blieb.</p> - -<p>Unsere Flieger wissen, wie gefährlich ein Luftloch ist. Es wird aber -den meisten Menschen unbekannt sein, daß Tauben, Stare und andere -in Schwärmen fliegende Vögel seit Urzeiten einen künstlichen Lufttrichter -bilden, um ihren Erzfeind dort hineinsausen zu lassen.</p> - -<p>Die Raubvögel müssen mit diesem künstlichen Trichter böse Erfahrungen -gemacht haben. Nur daraus läßt sich erklären, daß der Verfolger -regelmäßig so lange wartet, bis sich ein einzelner Vogel vom -Schwarme trennt. Auf diesen abgesprengten Vogel wird sofort Jagd -gemacht. Daher rührt die ängstliche Sucht der Tauben und Stare, stets -beim Schwarme zu bleiben.</p> - -<p>Das in Schwärmen Fliegen der Friedvögel ist also eine Verteidigungsart -gegen Raubvögel. Ist der Schwarm zu klein, um einen -Trichter zu bilden, so stieben die Vögel, wenn der Raubvogel über ihnen -steht, manchmal nach allen Seiten auseinander, so daß er in Zweifel -gerät, welchen Vogel er verfolgen soll.</p> - - -<h3><a name="kap_162" id="kap_162">162</a>. Warum sitzen unsere Haustauben auf Dächern und nicht -auf Bäumen? Der Taubenschlag.</h3> - -<p>Wir haben gesehen, daß die Tauben sich nach ihrem Ausfluge wieder -auf dem Dache niedergelassen haben, obwohl nicht weit davon ein prachtvoller -Baum steht. Man sollte meinen, daß dem Vogel ein Baum geeigneter -zur Ruhe ist als das platte Dach. Sitzen doch unsere Wildtauben, -z. B. die schönen großen Ringeltauben, wenn sie auf dem Erdboden -nicht nach Nahrung suchen, ständig auf Bäumen.</p> - -<p>Die Antwort muß lauten, daß unsere Haustaube von unseren Wildtauben -nicht abstammen kann. Wir wissen bereits, daß sie von der -am Mittelländischen Meer heimischen Felsentaube abstammt.</p> - -<p>Es gibt eine ganze Menge Vogelarten, deren Füße so gestaltet sind, -daß sie für Baumzweige nicht geeignet sind. Unsere Feldlerche setzt sich -nie auf einen Baum, ebenso die Haubenlerche, der Kiebitz und andere -Vögel nicht. Die Zehen sind nicht zum Umspannen runder Zweige -geeignet. Sie sind vielmehr zum Laufen auf der glatten Erde geschaffen. -Die Haustaube setzt sich nur dann auf einen Baum, wenn die Aeste so -stark sind, daß sie eine glatte Fläche bieten. Wenigstens ist das die -Regel.</p> - -<p>Man ersieht daraus, daß die Anpassung der Tiere an andere Verhältnisse -nicht so schnell vor sich geht, wie gewöhnlich angenommen wird. -Tauben werden von den Menschen seit Jahrtausenden als Haustiere -gehalten. Trotzdem muß der Taubenbesitzer noch heute am Taubenschlage -glatte Hölzer für die Taubenfüße anbringen. Das Taubenhaus -mit seinen zahlreichen Eingängen ist auch nichts weiter als eine Nachahmung -der Felsenhöhlen mit ihren vielen Löchern, in denen die Vorfahren -unserer Haustauben früher hausten.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_220" id="Page_220">[Pg 220]</a></span></p> - - -<h3><a name="kap_163" id="kap_163">163</a>. Wie finden sich die Brieftauben zurecht?</h3> - -<p>Bei dieser Gelegenheit wollen wir die Frage zu beantworten suchen, -wie sich die Brieftauben zu orientieren suchen.</p> - -<p>Zur Brieftaube sind solche Tauben geeignet, die sich durch breite -Brust, breite und lange Schwingen und große Muskelkraft auszeichnen. -Namentlich werden die belgischen Brieftauben geschätzt. Die Geschlechter -werden nach der ersten oder zweiten Brut voneinander gesondert, um -den Drang nach der alten Heimat besonders zu wecken. Bereits im -Altertum war die Benützung von Brieftauben üblich.</p> - -<p>Man nimmt allgemein an, daß die Brieftauben genau einen solchen -Orientierungs- oder Ortssinn haben, wie ihn ohne Zweifel Säugetiere, -also Wölfe, Füchse, ebenso unsere Hunde, Pferde usw., besitzen. Denn -ohne einen solchen Ortssinn wären solche Säugetiere nicht in der Lage, -ihr altes Lager wiederzufinden. Da obendrein ihre Augen fast ausnahmslos -schwach sind und nur wenig über dem Erdboden stehen, so -daß ihnen jede weitere Uebersicht fehlt, so ist ein Ortssinn für sie eine -unbedingte Notwendigkeit.</p> - -<p>Ganz anders liegt die Sache bei den Vögeln. Sie besitzen ein hervorragendes -Sehvermögen und haben von ihrer hohen Warte aus eine -wunderbare Uebersicht. Sie sehen ihre Umgebung wie auf einer Karte.</p> - -<p>Ueberall machen wir die Beobachtung, daß die Natur mit den sparsamsten -Mitteln waltet. Hat ein Raubtier ein kräftiges Gebiß, so hat es -nicht obendrein Hörner, und ist eine Schlange giftig, so ist sie nicht obendrein -kräftig. Alle Riesenschlangen sind daher ungiftig. Haben sie die -Kraft zur Ueberwindung ihrer Opfer, so brauchen sie nicht noch obendrein -heimtückisches Gift.</p> - -<p>Für Tiere mit wirklichem Ortssinn ist es gleichgültig, ob Dunkelheit -oder Nebel herrscht. In einem schönen Gedichte sagt unser großer Dichter -Goethe:</p> - -<p class="center">Das Maultier sucht im Nebel seinen Weg.</p> - -<p>Natürlich ist damit gemeint, daß das Maultier im Nebel seinen Weg -sucht und auch findet. Das bloße Suchen ist ja kein Kunststück. Das -verstehen wir auch, aber als Kulturmenschen finden wir den Weg nicht, -weil wir den Ortssinn verloren haben, den das Tier noch besitzt.</p> - -<p>Der Kulturmensch braucht eben keinen Ortssinn zu seinem Leben, -denn er kann sich einen Kompaß und eine Karte anschaffen.</p> - -<p>Findet sich nun auch eine Brieftaube im Nebel zurecht? Keineswegs. -Wir wissen aus zahlreichen Beobachtungen, daß Brieftauben, die -von Luftschiffern mitgenommen waren, sich in den Wolken nicht zurechtfanden. -Sie wollen, solange sie von Wolken umgeben sind, das Luftschiff -nicht verlassen. Sehen sie aber ein Loch in den Wolken, so fliegen -sie schnell hindurch.</p> - -<p>Ebenso findet sich die Brieftaube nicht in der Dunkelheit zurecht. -Hiergegen spricht nicht, daß Brieftauben ihren Schlag in der Nacht in -einer Großstadt gefunden haben. Eine Großstadt sendet in der Dunkelheit -ein solches Flammenmeer gen Himmel, daß es gar kein Kunststück -ist, bei freier Aussicht sie zu finden.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_221" id="Page_221">[Pg 221]</a></span></p> - -<p>Weil die Brieftauben sich nach ihren wunderbaren Augen richten, -so werden die Wettflüge zunächst auf kurze Entfernungen veranstaltet -und allmählich erweitert. Bei Tieren mit Ortssinn wäre ein solches -umständliches Verfahren nicht erforderlich. Die Brieftauben aber müssen -in dieser Weise eingeübt werden, weil sie sich die nähere und entferntere -Umgebung einprägen sollen. Werden sie an einem fremden Ort losgelassen, -so steigen sie erst hoch. Sie wollen sich also erst vergewissern, -wo sie eigentlich sind. Das ist ein untrüglicher Beweis dafür, daß sie -keinen Ortssinn besitzen.</p> - -<p>Steigt man bei klarem Wetter auf einen Aussichtsturm, z. B. auf -Rügen, so liegt die ganze Insel wie auf einer Karte uns zu Füßen. -Würden sich die Menschen vergegenwärtigen, welchen außerordentlichen -Ueberblick die Brieftaube mit ihren viel schärferen Augen besitzt, so würde -ihnen das Zurechtfinden der Brieftauben gar nicht wunderbar erscheinen.</p> - - -<h3><a name="kap_164" id="kap_164">164</a>. Die Tauben als Vorbilder des Menschen.</h3> - -<p>Einige Täuberiche machen inzwischen ihren Damen den Hof und -verbeugen sich vor ihnen in der artigsten Weise. Dabei lassen sie unablässig -ihr kuruh kuruh erschallen.</p> - -<p>Der Mensch hat anscheinend von jeher das Liebesleben der Tauben -mit besonderem Wohlgefallen betrachtet. Einmal sind die Tauben ohne -Frage sehr schön, ferner sanft und in ihrer Nahrung hauptsächlich auf -die Pflanzenwelt beschränkt. Sie sind wie geschaffen dazu, um Lieblinge -der Frauenwelt zu sein. Ganz besonders mußte den Frauen gefallen, -daß der Täuberich nicht nur verliebt gurrt, sondern nachher beim Bebrüten -der Eier und der Aufzucht der Jungen treu mitwirkt. Wir wissen, daß bei -unsern Säugetieren von einer Tätigkeit des Vaters nichts zu merken ist. Wir -haben auch die Gründe auseinandergesetzt, wie sich diese für uns Menschen -so auffallende Erscheinung erklärt. Auch der Hahn weiß von Vaterpflichten -nichts, wie wir schon besprochen haben. Da ist der Täuberich -wirklich eine rühmenswerte Ausnahme. Wahrscheinlich kann er nichts -dafür, genau so wie er nichts dafür kann, daß er zu fliegen vermag. -Er tut eben das, was seine Vorfahren seit Urzeiten gemacht haben. Die -junge Brut kann von der Mutter allein nicht durchgebracht werden. -Folglich muß auch der Vater helfen. Denn die Erhaltung der Nachkommenschaft -ist für jede Tierart das allerwichtigste.</p> - -<p>Vermenschlichen wir die Tiere, so hat der Täuberich tiefere sittliche -Grundsätze als der leichtsinnige Hahn mit seiner Paschawirtschaft. Da -die Menschen naturgemäß alles von ihrem Standpunkte aus betrachten, -so hat man die Tauben vielfach verhimmelt und ihnen Eigenschaften -beigelegt, die nicht ganz zutreffen dürften. Auch bei den Tauben kann -man Seitensprünge des Ehegatten, große Eifersucht, unglaubliche Zusetzereien -und ähnliche weniger erfreuliche Eigentümlichkeiten beobachten. -Umgekehrt wird man gern zugeben, daß man staunen muß, wie treu -manche Gatten unter den widrigsten Verhältnissen zueinander halten. -Selbst die Trennung und die lockendste Versuchung können sie in ihrem -Entschlusse nicht wankend machen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_222" id="Page_222">[Pg 222]</a></span></p> - -<p>So ist es denn nicht wunderbar, daß Dichter die Taube in überschwenglichster -Weise gefeiert haben. Ist ja auch ihr Schnäbeln nach -unseren Begriffen von allen unter den Tieren üblichen Zärtlichkeitsausdrücken -dem Küssen der Menschen am ähnlichsten.</p> - - -<h3><a name="kap_165" id="kap_165">165</a>. Naturgemäße Fütterung und Haltung der Tauben.</h3> - -<p>Die Felsentauben als Stammeltern unserer Haustauben verzehren -alle Arten unseres Getreides, ferner die Sämereien von Raps, Rübsen, -Linsen, Erbsen, Lein usw., vor allen Dingen aber die Körner der Vogelwicke, -die ein höchst lästiges Unkraut ist. Man hat die Haustauben, die -den gleichen Speisezettel besitzen, deshalb für schädlich erklärt, da sie den -Landwirten, namentlich zur Saatzeit, viele Körner wegfräßen. Das -führte auch zur Zerstörung der etwa 50000 Taubentürme in Frankreich, -als die Revolution 1789 ausbrach. Heute denkt man über die -Schädlichkeit der Tauben etwas anders. Gewissenhafte Naturforscher -haben sorgsam den Inhalt von Kropf und Magen gezählt. Dabei ist -festgestellt worden, daß in einer einzigen jungen Taube die Körner und -Samen von Unkraut über 3000 zählten. Auch vertilgen die Tauben -eifrig Schnecken. Der Nutzen der Tauben dürfte also ihre Schädlichkeit -erheblich überwiegen. Ferner brauchen die Tauben Salz, Lehm und -Mörtel, außerdem Badegelegenheit und reines Trinkwasser.</p> - -<p>Da die Felsentauben in dunkeln Höhlen der Felsen brüten, so soll -man auch den Haustauben keine hellen Brutplätze anweisen. Die Zweckmäßigkeit -von Taubenschlägen und Taubenhäusern ist bereits hervorgehoben -worden.</p> - -<p>Von den Feinden der Tauben sind die Raubvögel schon genannt -worden. Von vierfüßigen Räubern sind Katze, Marder, Wiesel und -Ratten zu nennen.</p> - -<p>Da die Taube die Gesellschaft liebt, so verliert man manche Taube, -die sich von einem größeren Schwarm als der ihrige ist, angezogen fühlt. -Es gibt Taubenhalter, die das Einfangen fremder Tauben als Besonderheit -betreiben und darin Meister sind.</p> - - -<h3><a name="kap_166" id="kap_166">166</a>. Die Rassen der Haustauben.</h3> - -<p>Die Zähmung der Felsentaube ist bereits in vorgeschichtlicher Zeit -erfolgt. Der Felsentaube ähnelt noch sehr der Feldflüchter, der sich am -liebsten vom Menschen freimacht und seine Nahrung auf eigene Faust -sucht.</p> - -<p>Von den zahllosen Rassen seien hier folgende angeführt. Die Trommeltauben, -die Tümmler, die sich während des Fluges rückwärts überschlagen, -die Perücken- und Mähnentauben, die Möwchen, die Pfautauben, -die schon erwähnten Brieftauben, die Riesentauben und die Huhntauben.</p> - -<p>Die Täubin legt gewöhnlich vier- bis achtmal im Jahre je zwei -Eier, die von ihr mit Unterstützung des Täuberichs in 16 bis 18 Tagen -ausgebrütet werden. Die Jungen sind Nesthocker und werden bis zur -Ausbildung des Gefieders von beiden Eltern aus dem Kropfe gefüttert, -<span class="pagenum"><a name="Page_223" id="Page_223">[Pg 223]</a></span>in dem sich ein milchartiger Brei befindet. Da die Täubin häufig zur -zweiten Brut schreitet, ehe die Jungen der ersten Brut das Nest verlassen -haben, so braucht jedes Taubenpaar zwei nebeneinander befindliche -Nistkästen.</p> - -<p>Manche Haustauben werden fünfzehn Jahre alt.</p> - -<p>Es wurde schon hervorgehoben, daß Tauben, denen keine Gelegenheit -zum Ausfliegen gegeben wird, leicht erkranken. Wie bei den Hühnern -zu enger Raum zu Seuchen führt, so trifft ähnliches auch bei den -Tauben zu.</p> - - -<h3><a name="kap_167" id="kap_167">167</a>. Die Tauben in Redensarten und Sprichwörtern.</h3> - -<p>Es wurde schon hervorgehoben, daß die guten Eigenschaften der -Tauben gewaltig überschätzt worden sind. Auf ihre friedfertige Gesinnung -nimmt der Ausdruck</p> - -<p class="center"><em>Friedenstaube</em></p> - -<p>bezug. Von den Tauben gelten besonders die Turteltauben als Muster -für ein Ehepaar. Daher stammt die Redensart:</p> - -<p class="center"><em>Sie leben wie zwei Turteltauben.</em></p> - -<p>Die alten Landwirte in früheren Zeiten wollten nicht viel von der -Taubenzucht wissen. Wenigstens habe ich in ihren Kreisen oft den Vers -gehört:</p> - -<div class="poem"> -<p><em>Wer viel Geld hat und kanns nicht sehen liegen,</em></p> -<p><em>Der halte sich Tauben, dann sieht er's fliegen.</em></p> -</div> - - -<div class="figcenter"> -<a name="fig236_1" id="fig236_1" href="images/illu-236_1.jpg"><img src="images/illu-236_1_t.jpg" width="226" height="300" alt="Freistehender Taubenschlag" /></a> -<div class="caption">Freistehender Taubenschlag</div> -</div> - -<div class="figcenter"> -<a name="fig236_2" id="fig236_2" href="images/illu-236_2.jpg"><img src="images/illu-236_2_t.jpg" width="300" height="174" alt="Brieftaube" /></a> -<div class="caption">Brieftaube</div> -</div> - -<div class="figcenter"> -<a name="fig236_3" id="fig236_3" href="images/illu-236_3.jpg"><img src="images/illu-236_3_t.jpg" width="300" height="207" alt="Berliner Langlatschige" /></a> -<div class="caption">Berliner Langlatschige</div> -</div> - - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_224" id="Page_224">[Pg 224]</a></span></p> - -<h2> -<img src="images/die_ente.jpg" width="600" height="105" alt="Die Ente" /> -<br /> -<span class="hidden">Die Ente</span> -</h2> - - -<h3><a name="kap_168" id="kap_168">168</a>. Warum sind die Wildenten im Berliner Tiergarten -meistenteils ausgewandert?</h3> - -<p class="cap">Bei der Ente haben wir das große Glück, ihre Stammeltern, die -Wildente, und zwar die Stockente, seit mehr als einem Menschenalter -im Berliner Tiergarten beobachten zu können. Jetzt freilich sind -die Gewässer fast entenleer. Immerhin treffen wir beispielsweise auf -dem Goldfischteich eine Mutterente mit drei Jungen an. Es ist Anfang -Juni, und die Jungen sind bereits so groß, daß man genauer hinsehen -muß, um sie von der Alten zu unterscheiden.</p> - -<p>Früher waren die Gewässer zu sehr besetzt, und das hatte allerlei -Unzuträglichkeiten im Gefolge. Jede Ente braucht für ihre Nachkommenschaft -einen gewissen Raum. So gab es also um die Brutplätze erbitterte -Kämpfe zwischen den einzelnen Entenpaaren. Hatten die Besitzer eines -Brutplatzes glücklich ein andringendes Paar abgekämpft, so dauerte es -nicht lange, und sie mußten sich gegen neue Eindringlinge wehren.</p> - -<p>Das Jagen der Erpel hinter den Enten nahm gar kein Ende. Durch -die viel zu starke Besetzung der Gewässer litt auch das Familienleben -der Enten sehr erheblich.</p> - -<p>Das ist mit einem Schlage durch den Weltkrieg und den Mangel -an Lebensmitteln anders geworden. Die Wildenten lebten im Tiergarten -nicht wie ihre Artgenossen in der Freiheit von dem, was das -Wasser bot, sondern hauptsächlich von dem, was das Publikum ihnen -spendete. Das war in vergangenen Jahren sehr reichlich, und deshalb -konnten sich zahllose Wildenten als Bettler durchschlagen. Jetzt ist aber -die Fütterung durch die Spaziergänger gleich Null geworden. Die -Gewässer sind jedoch zu nahrungsarm, um soviel Wildenten zu ernähren. -Folglich wurden die Wildenten zum größten Teil gezwungen auszuwandern -und anderswo ihr Heil zu versuchen.</p> - -<p>Es ist nicht Zufall, daß die Mutterente gerade den Goldfischteich -als Aufenthaltsort gewählt hat. Hier gibt es ohne Frage den meisten -Fischlaich, und Fischlaich ist für die Ente ein sehr begehrtes Futter.</p> - - -<h3><a name="kap_169" id="kap_169">169</a>. Warum hat die von uns beobachtete Wildente -nur drei Junge?</h3> - -<p>Gewöhnlich legen Stockenten 8 bis 16 Eier, so daß also zwölf Junge -als Durchschnittszahl angegeben werden können. Es ist also anzunehmen, -daß neun oder wenigstens fünf junge Entchen verlorengegangen sind.</p> - -<p>Die Gründe für diese Verluste können mancherlei Art sein. Manche -Wildenten brüten ausnahmsweise auf Bäumen. Es ist wunderbar, daß -die kleinen Entchen vom hohen Nest auf die Erde purzeln können, ohne -großen Schaden zu nehmen. Die Alte lockt die Jungen, nachdem sie<span class="pagenum"><a name="Page_225" id="Page_225">[Pg 225]</a></span> -ausgebrütet und trocken geworden sind, zu dem kühnen Sprunge in die -Tiefe. Dann wandert sie mit der kleinen Gesellschaft nach dem von ihr -in Aussicht genommenen Gewässer. Schwächlinge, die den waghalsigen -Sprung nicht unternehmen, bleiben im Neste und verhungern elendiglich.</p> - -<p>Der Marsch nach dem Gewässer ist natürlich von tausend Gefahren -bedroht. Jeder Hund wäre imstande, die ganze kleine Gesellschaft abzuwürgen. -Zum Glück ist der Tiergarten ziemlich raubtierleer, doch -gibt es immerhin noch Feinde in genügender Anzahl.</p> - -<p>Sind die Entlein erst auf dem Wasser, so ist die schwerste Gefahr -beseitigt. Denn bekanntlich können junge Entlein sofort ausgezeichnet -schwimmen. Ja, sie können noch mehr, wie ich einmal beobachtete. Da -war auf einem See ein Schwanenpaar, dem eine Wildente mit ihren -Jungen sehr verhaßt war. Der männliche Schwan hatte schon mehrfach -den kleinen Kerlen etwas auszuwischen gesucht, jedoch bisher stets vergeblich. -Endlich war es ihm geglückt, sie beinahe in eine Bucht hineinzutreiben. -Es war klar, daß er Böses im Schilde führte. Ich hielt die -kleinen Entlein schon für verloren, da erhoben sie sich plötzlich wie auf -Kommando und liefen äußerst schnell auf dem Wasser dahin. Dadurch -entgingen sie der Einschließung durch den Schwan.</p> - -<p>Uebrigens glaube ich, daß im letzten Augenblick die Mutterente den -Schwan angegriffen hätte. Zwar ist es ein aussichtsloses Unternehmen, -als kleine Wildente dem großen Schwan etwas anzutun. Aber sie -hätte ihn immerhin bestürzt machen können, und die Kleinen hätten -unterdessen einen Ausweg gefunden.</p> - -<p>So unbeschreiblich rührend die Mutterliebe einer Wildente ist, so -will es uns weniger gefallen, daß sie ihre eigenen Kleinen tötet, sobald -sie sich in ein fremdes Schof, wie man Mutterente mit Jungen nennt, -verirren. Das ist verschiedentlich beobachtet worden. Wir wissen nicht, -woran sich die jungen Entlein erkennen. Wohl aber ist es bekannt, daß -junge Entlein vom zweiten Tage ab ihre Geschwister von anderen jungen -Entchen unterscheiden.</p> - -<p>Ebenso töten die Mutterenten gern die Jungen einer anderen Ente -oder verfolgen sie wenigstens aufs heftigste. Bei Glucken, die Küchlein -bei sich führen, können wir das gleiche oft genug beobachten.</p> - -<p>Der Grund für dieses uns seltsam anmutende Benehmen kann -natürlich nur in der Magenfrage gefunden werden. Ein bestimmter -Raum gibt nur für eine bestimmte Anzahl von einer gewissen Tierart -Nahrung. Fremde Wettbewerber müssen demnach vertrieben oder getötet -werden. Der Angriff auf die fremden Jungen ist demnach in gewissem -Sinne ein Ausfluß der alles beherrschenden Mutterliebe. Die -eigenen Kleinen sollen nicht darunter leiden, daß ihnen fremde die -Nahrung beeinträchtigen.</p> - - -<h3><a name="kap_170" id="kap_170">170</a>. Die Feinde der Ente.</h3> - -<p>Wir sehen, daß die eigene Verwandtschaft zu den schlimmsten Feinden -bei der Ente gehört. Sehr viele Opfer kann auch das Wetter fordern. -Wenn die jungen Entchen im Frühjahr ausgebrütet worden sind, dann<span class="pagenum"><a name="Page_226" id="Page_226">[Pg 226]</a></span> -kommen oft genug kalte Tage. In der Kälte aber gibt es keine Insekten, -nach denen sie mit Vorliebe haschen. Ueberhaupt ist an kalten Tagen -das Wasser nahrungsärmer.</p> - -<p>Unter natürlichen Verhältnissen machen zahlreiche Raubtiere auf die -armen Enten Jagd. Der Seeadler lebt vielfach von Enten, ebenso lieben -Habicht und Wanderfalk einen Entenbraten. Gern stellt ihnen auch der -Fuchs nach, ebenso auch andere Raubtiere. Ihre Eier werden von den -Krähen ausgetrunken. Trifft ein Storch oder ein Reiher mit einer -Mutterente zusammen, die ihre Jungen führt, so läßt er alle in seinem -Magen verschwinden, falls sie ihm nicht entwischen.</p> - -<p>Im Tiergarten kommen von allen diesen Feinden gewöhnlich nur -die Wanderratte, die der Berliner Wasserratte nennt, in Betracht. Diese -ersäuft die Jungen, indem sie die Entlein von unten packt und in die -Tiefe zieht.</p> - -<p>Die arme Mutterente muß also Tag und Nacht auf ihrer Hut sein. -Während beim Schwan und der Wildgans das Männchen ein besorgter -Vater ist, kümmert sich der Enterich gar nicht um seine Nachkommenschaft. -Er trifft sich mit den andern Wilderpeln zusammen und scheint -sich prächtig mit ihnen zu vergnügen.</p> - -<p>Nach unsern Begriffen ist er ein ganz gewissenloser Kerl. Es muß -immer wieder hervorgehoben werden, daß man menschliche Vorstellungen -nicht ohne weiteres auf tierische Verhältnisse übertragen darf.</p> - -<p>Um die Wildenten vor ihrer Ausrottung zu bewahren, ist nur erforderlich, -daß jede Entenmutter ein bis zwei Junge großzieht. Das gelingt -ihr regelmäßig ohne den Beistand des Erpels. Da die Natur überall -mit dem geringsten Kraftaufwand tätig ist, so bleibt der Erpel bei der -Aufzucht außer Betracht.</p> - - -<h3><a name="kap_171" id="kap_171">171</a>. Warum nennt man eine falsche Zeitungsmeldung eine -Zeitungsente?</h3> - -<p>Im Tiergarten werden wir von der Verstellungskunst der Entenmutter -kaum etwas zu sehen bekommen. Denn das Publikum würde es -verhindern, daß beispielsweise jemand einen Hund auf sie und ihre Jungen -hetzt.</p> - -<p>Wir haben bereits früher (Kap. <a href="#kap_144">144</a>) geschildert, wie die Wildhühner -ihre Jungen gegen überlegene Feinde zu schützen suchen. Wir müssen -auf diese ebenso merkwürdige wie erfolgreiche Rettungsart hier bei der -Mutterente nochmals zu sprechen kommen.</p> - -<p>Die stärkeren Tiermütter verteidigen ihre Jungen durch ihre Kraft. -Den meisten Friedvögeln fehlt jedoch eine solche Stärke ihrer Glieder, -um damit Erfolge zu erzielen. Der Weiblichkeit liegt es nun nahe, die -Kraft durch List zu ersetzen. Besonders machen schwache Tiermütter -hiervon Gebrauch. Nähert man sich dem Neste eines Singvogels, so -kann man oft erleben, daß das Weibchen wie tot zur Erde fällt. Um -den Feind von ihren Jungen abzulenken, stellt sich die Mutter tot. Will -der Feind sie haschen, so weiß sie mit großer Gewandtheit ihm zu entschlüpfen -und ihn weit weg vom Neste zu führen. Fasanenmütter und<span class="pagenum"><a name="Page_227" id="Page_227">[Pg 227]</a></span> -Rebhühner stellen sich lahm, um den Hund oder Fuchs von ihren Jungen -fortzulocken. So macht es auch die Mutterente. Obgleich sie ganz gesund -ist, lahmt sie ganz auffallend. Natürlich denken Fuchs oder Hund, daß -ein gelähmtes Geschöpf mit leichter Mühe zu ergreifen ist, und verfolgen -sie. Auch hier versteht sie es meisterlich, die Feinde von den Jungen -fortzulocken, ohne selbst erhascht zu werden.</p> - -<p>In früheren Zeiten waren die Menschen mit der Tierwelt viel vertrauter. -Die Verstellungskünste der Mutterente waren ihnen etwas -ganz Bekanntes. Sie wußten, daß die Ente durch ihr Benehmen andern -etwas mitteilt, was nicht wahr ist. So lag es nahe, eine Zeitungsmeldung, -die etwas mitteilte, was nicht wahr ist, als Zeitungsente zu bezeichnen.</p> - - -<h3><a name="kap_172" id="kap_172">172</a>. Ist die Ente wie das Huhn ein Tagtier?</h3> - -<p>Die Hühner gehen, wie wir wissen, zeitig schlafen. Wie ist es mit -der Wildente?</p> - -<p>Es ist bereits früher (Kap. <a href="#kap_145">145</a>) hervorgehoben worden, daß die -Wildente im Gegensatz zu den wilden und zahmen Hühnern auch in der -Nacht tätig ist. Der Jäger weiß, daß man sich auf Enten gegen Abend -am Rande eines Gewässers anstellt. Mit Einbruch der Dämmerung -fangen die Enten an, auf Nahrungssuche auszugehen und zu diesem -Zwecke nach Teichen oder sonstigen Gewässern zu fliegen, wo sie reichliches -Futter vermuten.</p> - -<p>Auch die Wildenten im Berliner Tiergarten haben diese Lebensweise -beibehalten. Unzählige Male habe ich sie in der Nachtzeit in -Tätigkeit gesehen. Es ist, wie schon hervorgehoben wurde, ein Irrtum, -daß die Wildenten sich durch das elektrische Licht die Nahrungssuche in -der Nacht angewöhnt haben. Auf dem Lande, wo kein elektrisches Licht -strahlt, handeln sie genau ebenso.</p> - -<p>Warum frißt die Ente nun nicht am Tage wie die Hühner? Zeit -genug hat sie doch eigentlich den ganzen langen Tag über.</p> - -<p>Die Wildente wird es besser wissen als wir, weshalb sie die Nacht -zur eigentlichen Fütterung wählt.</p> - -<p>Wahrscheinlich ist der Grund folgender. Seeadler, Adler, Wanderfalk -und Habicht sind, wie wir wissen, eifrige Feinde der Wildente. -Diese Feinde sind Tagraubvögel, die am Tage tätig sind, aber nicht in -der Nacht. Die hauptsächlichste Rettung der Ente liegt in der Flucht, -auf dem Wasser in ihrem Tauchen. Je voller sich die Ente gefressen hat, -desto schlechter fliegt und taucht sie, und um so leichter wird sie gefangen.</p> - -<p>Die Ente frißt gern viel. So läuft sie also Gefahr, wenn sie am -Tage reichlich gefressen hat, von ihren Hauptfeinden erbeutet zu werden.</p> - -<p>In der Nacht braucht sie diese nicht zu fürchten. Da kommen als -Feinde nur die großen Eulen, also namentlich der Uhu, in Betracht. Angenommen, -daß dieser von dem Schwarm der Enten, die sich zur Nachtzeit -irgendwo gesammelt haben, eine fängt, so ist das weiter kein -Unglück.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_228" id="Page_228">[Pg 228]</a></span></p> - -<p>Uebrigens sieht man dem Auge der Ente auch äußerlich an, daß -es an die Augen der Dunkelheitsseher, der Nachtigallen, Schnepfen und -anderer Vögel erinnert, während die Augen der Hühner, als ausgesprochener -Helligkeitsseher, ganz anders aussehen.</p> - - -<h3><a name="kap_173" id="kap_173">173</a>. Warum läßt man Enteneier durch Hühner ausbrüten?</h3> - -<p>Unsere Hausente ist größer, stärker und fetter geworden als ihre -Vorfahren. Dafür kann sie nicht mehr wie diese auf den Grund der -Gewässer tauchen, auch kann sie nicht annähernd so gut wie diese -fliegen.</p> - -<p>Wir folgen der Einladung eines Bekannten im Vorort, um uns -seine Enten anzusehen. Beim Eintritt in sein Gehöft bemerken wir -eine Glucke, die ängstlich am Rande eines kleinen Pfuhles herumläuft -und fortwährend Lockrufe ausstößt, während die jungen Entlein unbekümmert -um die Angst ihrer Pflegemutter lustig umherschwimmen.</p> - -<p>Weshalb läßt der Mensch die Enteneier durch eine Henne ausbrüten? -Ist das nicht grundverkehrt? Die Ente liebt die Nässe, während -das Huhn sie haßt.</p> - -<p>Die Erklärung liegt darin, daß wir deshalb oft Pflegemütter wählen, -weil sie als Brüterinnen und Führerinnen ausgezeichnete Dienste -leisten. So ist die Pute wegen dieser Eigenschaften berühmt, und erst -vor einigen Tagen sah ich in Berlin eine Pute junge Enten führen. Die -Ente läßt auf diesem Gebiete häufig zu wünschen übrig.</p> - -<p>Sodann will die Mutterente ihre Jungen zum Wasser führen. Hat -man auf oder bei seinem Gehöft einen Graben oder Teich, so ist das -sehr schön. Häufig ist das nicht der Fall, und dann ist eine Glucke -ganz am Platze.</p> - -<p>Der Mangel an Wasser schadet Enten, die man mästen will, nichts. -Dagegen würden Zuchtenten ohne Wasser nicht gedeihen.</p> - - -<h3><a name="kap_174" id="kap_174">174</a>. Die Rassen der Ente.</h3> - -<p>Besonders große Entenrassen sind die Rouen-Ente, die gemästet -über 10 Pfund schwer wird, ferner die Aylesbury- und die Peking-Ente. -Kleiner ist die indische Laufente, die aber eine fleißige Eierlegerin ist -und es auf 150 Eier im Jahre bringt.</p> - -<p>Die Brutzeit dauert 28 Tage oder einige Tage weniger. Zur Zucht -gebraucht man Enten bis zum fünften Jahre, obwohl sie noch länger -legen.</p> - -<p>Junge Enten wachsen, wie wir an den Wildenten sehen, sehr schnell -heran und können in 10 bis 12 Wochen mastreif sein.</p> - -<p>Die Ente wird als gefiedertes Schwein bezeichnet, weil sie alles -frißt. Wir haben bereits beim Schwein hervorgehoben, daß diese Redensart -etwas übertrieben ist. Richtig ist, daß ihr Speisezettel sehr -reichhaltig ist. Die Wildente frißt Sämereien, Knollen, Blätter, ferner -Insekten, Würmer, Weichtiere und Reptilien. Fische fängt sie wohl nur -durch Zufall, da sie zum Fischen nicht passend gebaut ist. Desto eifriger<span class="pagenum"><a name="Page_229" id="Page_229">[Pg 229]</a></span> -ist sie nach dem Laich der Fische, wie schon erwähnt wurde. Die Hausente -frißt außerdem Hausabfälle, Kartoffeln, Fleisch usw.</p> - -<p>Mit dem Schwein teilt die Ente den Vorzug, daß ihr Fleisch immer -Abnehmer findet, und daß ihre Zucht überhaupt verhältnismäßig lohnend -ist.</p> - - -<h3><a name="kap_175" id="kap_175">175</a>. Die Ente in Redensarten und Sprichwörtern.</h3> - -<p>Erwähnt wurde bereits die Redensart, wonach die Ente als gefiedertes -Schwein bezeichnet wird. Auch ist die Zeitungsente zu erklären -versucht worden. Ferner findet in dem Vorstehenden die Redensart -ihre Erklärung:</p> - -<p class="m2"><em>die umhertrippelt wie ein Huhn, das Enten ausgebrütet -hat und sie aufs Wasser gehen sieht</em>.</p> - -<p>Sonst wären noch anzuführen:</p> - -<p class="center"><em>Er kann schwimmen wie eine Ente.</em></p> - -<p>Spöttisch wird auch gesagt:</p> - -<p class="center"><em>Er kann schwimmen wie eine bleierne Ente.</em></p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_230" id="Page_230">[Pg 230]</a></span></p> - -<h2> -<img src="images/die_gans.jpg" width="600" height="101" alt="Die Gans" /> -<br /> -<span class="hidden">Die Gans</span> -</h2> - - -<h3><a name="kap_176" id="kap_176">176</a>. Warum gilt die Gans als wachsam?</h3> - -<p class="cap">In unserem Zoologischen Garten, der uns so oft ein Helfer in der Not -gewesen ist, können wir uns auch die Stammeltern unserer Hausgans, -die Graugänse, ansehen. Sie tummeln sich auf dem sogenannten -Vierwaldstätter See. Allerdings ist bei oberflächlicher Betrachtung nicht -viel an ihnen zu sehen. Sie sehen eben wie graue Gänse, die auf einem -Gewässer schwimmen, aus. Aber wer die außerordentliche Vorsicht der -Graugänse kennt, der ist schon sehr erfreut darüber, daß er sie so in der -Nähe zu Gesicht bekommt. Ich habe jahrelang Jagdreviere gekannt, -wo es sehr viel Wildgänse gab. Aber nur einmal habe ich eine Graugans -in der Nähe zu sehen bekommen. Es war eine Nachzüglerin, die -es sehr eilig hatte und sehr niedrig flog. In der Eile hatte sie uns -Jäger, die wir im Graben lagen, übersehen.</p> - -<p>Jung eingefangene Graugänse werden verhältnismäßig leicht zahm. -So sind sie, wie schon erwähnt wurde, die Stammeltern unserer Hausgänse -geworden.</p> - -<p>Berühmt ist die Geschichte, daß Gänse das Kapitol von Rom und -dadurch die Stadt selbst durch ihre Wachsamkeit gerettet haben. Die -Feinde, die Gallier, hatten damals vor mehr als zweitausend Jahren, -einen nächtlichen Ueberfall geplant. Die Hunde schliefen, aber die Gänse -merkten, daß unerbetener Besuch sich nahte, und erhoben ein Geschrei. -Hiervon wurde die Besatzung wach, der es gelang, die anstürmenden -Feinde in die Tiefe zu stürzen.</p> - -<p>Alljährlich wurde diese Rettung der Stadt durch ein Fest gefeiert. -Neben einer triumphierenden Gans lag ein getöteter Hund.</p> - -<p>An der Wahrheit des Berichts ist nicht gut zu zweifeln, und der -Tierkenner wird der letzte sein, der ihn bezweifelt. Die Wachsamkeit -ist ohne Frage ein Erbteil ihrer Stammeltern.</p> - -<p>Unsere Wildgans ist im Gegensatz zu manchen ausländischen Gänsen -infolge ihrer Schwimmfüße außerstande, auf Bäumen zu schlafen, wie -es die andern Vögel tun. Sie lebt deshalb in unzugänglichen Brüchen -und schwer zugänglichen bewachsenen Inseln. Es ist nun selbstverständlich -für den Menschen recht schwer, sich zur Nachtzeit solchen Schlafstätten -zu nähern. Aber Wildkatzen, Füchse und Wölfe, namentlich aber -Hermeline, Iltisse und Fischottern, die sämtlich nächtliche Räuber sind, -können den schlafenden Gänsen doch sehr gefährlich werden. Deshalb -scheint immer eine von den Wildgänsen Wache zu halten. Auch deutet -ihre Vorliebe für Schlafplätze im Schilf darauf hin, daß sich die Annähe<span class="pagenum"><a name="Page_231" id="Page_231">[Pg 231]</a></span>rung -des Räubers durch Betreten der überall liegenden trockenen Rohrstücke -verraten soll. Diese Benutzung von Natur-Alarmapparaten finden -wir bei Pflanzenfressern nicht selten, so bei Hirschen, Rehen usw. -Sie haben ihr Lager am liebsten an Oertlichkeiten, wo sich der Jäger -nicht nähern kann, ohne durch das Betreten des Laubes und der überall -vorhandenen Zweigstücke Geräusche zu erzeugen.</p> - -<p>Die Hausgans ist also von Hause aus durchaus für die Wachsamkeit -zur Nachtzeit geschaffen, deshalb ist die von ihr gemeldete Geschichte -vollkommen glaubhaft.</p> - - -<h3><a name="kap_177" id="kap_177">177</a>. Wie steht es mit den geistigen Fähigkeiten der Gans?</h3> - -<p>Die Bezeichnung »dumme Gans« ist bei uns sehr geläufig. Und -betrachtet man Hausgänse, die auf einem Anger weiden, was wir in -jedem Dorfe anstellen können, so machen die Tiere ohne Zweifel nicht -den Eindruck, als ob sie über einen großen Geist verfügen.</p> - -<p>Das eintönige Geschnatter, das sie hören lassen, erscheint zunächst -sehr überflüssig. Wir wissen aber von dem Grunzen der Schweine und -dem Blöken der Schafe, daß solche den Zusammenhang der Gesellschaft -wahrenden Töne für Tiere, die im Röhricht leben, sehr wichtig -sind. Sodann sehen die Gänse mit ihrem watschelnden Gang auf dem -Erdboden sehr unbeholfen aus. Aber ist das irgendwie wunderbar? -Wir Menschen haben sie doch aus ihrer Heimat zwischen Rohr und -Binsen genommen und auf den festen Erdboden gebracht, wohin sie -ihrer Natur nach nicht gehören. Ihre Furchtsamkeit, die sie bekunden, -ist auch nicht weiter merkwürdig. Denn wie unsern Hausschafen das -Gebirge, so fehlt ihnen und den Enten das Wasser zu ihrer Rettung. -Nur der Gänserich bekundet Mut gegen Kinder. Er geht auf sie mit -Zischen los. Uebrigens haben sie gelegentlich schon durch Schnabelhiebe -ganz kleinen Kindern gefährliche Verletzungen beigebracht.</p> - -<p>Die angebliche Dummheit der Hausgänse muß man in der Hauptsache -auf die unnatürlichen Verhältnisse zurückführen. Von Hause aus -ist die Gans ein sehr kluges Tier. Hierüber sind sich alle Jäger einig. -Das Anschleichen an Gänse ist ungeheuer schwierig, weil sie durch ihre -Wachsamkeit und ihr vorzügliches Sehvermögen fast alle Mittel ihrer -Feinde zuschanden machen.</p> - -<p>Unsere Vorfahren waren mit dem Tierleben weit inniger vertraut -als wir. Sie kannten die Tiere demnach auch viel besser. So erklärt -es sich, daß sie ein Rechtsbuch »Graugans« nannten. Für den heutigen -Kulturmenschen ist diese Bezeichnung ganz unverständlich. Der Jäger -aber versteht, was damit gemeint ist. Die Verfasser haben sich die -Graugans mit ihrer bewundernswerten Vorsicht, Klugheit und Wachsamkeit -als Vorbild genommen.</p> - - -<h3><a name="kap_178" id="kap_178">178</a>. Wie erklärt sich der Gänsemarsch?</h3> - -<p>Unsere Dorfgänse werden jetzt nach Hause getrieben, wobei sie sich -in dem bekannten Gänsemarsch bewegen. Dieser Gänsemarsch dürfte -ohne Frage aus ihrer Bewegungsart im Röhricht und Binsen herrühren.<span class="pagenum"><a name="Page_232" id="Page_232">[Pg 232]</a></span> -Eine Wildgans muß hier der andern folgen, da sie sich sonst jedesmal -erst einen neuen Weg bahnen müßte.</p> - -<p>Ueberhaupt läßt sich nicht bestreiten, daß den Gänsen durch ihre -Lebensart ein gewisser soldatischer Geist eingehaucht ist. Sie haben -einen bewundernswerten Sinn für Ordnung. Das Einreihen, das -Bilden einer Linie und ähnliche Bewegungen fallen ihnen ersichtlich -leicht. Wie soll es auch anders sein, da ja ihr Flugbild das bekannte -Dreieck bildet. Man nimmt an, daß die Gänse in dieser Flugform -leichter die Luft durchschneiden.</p> - - -<h3><a name="kap_179" id="kap_179">179</a>. Aus der Lebensgeschichte einer Wildgans.</h3> - -<p>Für die Leser, denen unsere Wildgänse nicht bekannt sind, möchte -ich von dem Berichte eines Jägers über einen zahmen Wildganter eine -Stelle hier bringen.</p> - -<p>Auf einem Gute in der Neumark waren zwei Eier von Wildgänsen -durch Hühner ausgebrütet worden. Es war ein Pärchen, ein -Ganter und eine Gans. Beide flogen, als sie erwachsen waren, oft -fort, kehrten aber stets wieder heim. Von diesem Ganter erzählt der -erwähnte Jäger folgendes:</p> - -<p>Die Hunde haben es schon längst gelernt, ebenso schnell wie unauffällig -aus seinem Bereich zu verschwinden, und auch die Katzen sind, -falls er gerade schlechter Laune ist, vor seinen Angriffen nicht sicher. So -stand der Ganter einst neben mir im Garten, offenbar ungehalten darüber, -daß ich als Fremdling es wagte, mich in der Nähe seiner Lieblingsgans -zu bewegen, die unmittelbar daneben auf dem Hofe im -Pferdestall brütete. Da erstand mir ein Blitzableiter in Gestalt einer -Katze. Mieze lag auf dem Rande des niedrigen Daches der Veranda, -der Ganter entdeckte sie und schon im nächsten Augenblick schwang er -sich in die Höhe, um mit dem mißliebigen Eindringling abzurechnen. -Im Nu hatte er die tödlich erschrockene Katze am Balge erfaßt; kläglich -schreiend wehrte sie sich zwar, so gut es ging, aber es half ihr alles nichts. -Mit ihrem Feind zusammen, der nicht losließ, mußte Mieze hinab in -die Tiefe, und fest verfangen kamen die beiden Kämpfer durch das dichte -Weinrankengewirr der Gartenlaubenwand zur Erde herabgepoltert. -Hier erst ließ der Ganter die Katze los, die sich nun eilig aus dem Staube -machte; ihre Verteidigung schien dem ungewohnten Feind gegenüber -recht mäßiger Art gewesen zu sein.</p> - -<p>Dieses angriffslustige Benehmen legt der Ganter jedem lebenden -Wesen gegenüber an den Tag, wenn er schlechter Laune ist und sich -dem Gegner einigermaßen gewachsen fühlt. Vor Männern hat er -immerhin noch einigen Respekt, aber er kann es doch nicht unterlassen, -auch sie empfindlich in die Wade zu zwicken, wenn sie seinen Gänsen -oder wohl gar deren Gelegen zu nahe kommen. Frauen und Mädchen -denken nicht im Traum an solche Verwegenheit, die er, wenn es sich -nicht etwa um seine Pflegerinnen handelt, ganz gewaltig bestrafen -würde. Aus allen diesen Gründen ersetzt der Ganter auch den vorzüglichsten -Hofhund, denn seinen Nachtdienst tritt er schon an, sobald die<span class="pagenum"><a name="Page_233" id="Page_233">[Pg 233]</a></span> -ersten Schatten der Dämmerung sich auf die Erde senken. Was ihm an -Eindringlingen nicht stark überlegen erscheint, wird im wahren Sinne -des Wortes überfallen; denn der Ganter naht im Schutze der Dunkelheit -vollkommen lautlos und verbeißt sich ganz fest in Kleidern, Haaren -oder Gliedmaßen.</p> - -<p>Uebermächtigen Feinden, wie Männern gegenüber, befolgt er dagegen -einen ganz anderen Feldzugsplan, indem er von seiner fabelhaft -durchdringenden Stimme den ausgiebigsten Gebrauch macht. Die Sage -von den kapitolinischen Gänsen wird von diesem Vogel in die Wirklichkeit -übersetzt, und wenn er auch natürlich nur sein eigenes Hausrecht -zu wahren bestrebt ist, wissen doch die Hausbewohner mit Sicherheit, -daß irgendetwas nicht in Ordnung ist, wenn nachts der Ganter -laut wird.</p> - -<p>In der vorstehenden Schilderung wird ebenfalls die Wachsamkeit -der Gans zur Nachtzeit bestätigt.</p> - - -<h3><a name="kap_180" id="kap_180">180</a>. Die Rassen der Gänse.</h3> - -<p>Berühmt von den Gänserassen sind die Pommersche, Mecklenburgische, -Emdener und Toulouser Gans. Gänsezucht bringt nur Gewinn, -wenn man über Weiden mit Wasser verfügt. Die Gans wird gewöhnlich -im zweiten Jahre fortpflanzungsfähig und kann sehr alt werden, -jedenfalls über 20 Jahre. Die Gans legt etwa ein Dutzend Eier und -brütet 28 bis 32 Tage darauf.</p> - -<p>Die Gänse sind in der Hauptsache Pflanzenfresser. Sie weiden mit -Hilfe ihres harten scharfschneidenden Schnabels Gräser und Getreidearten, -Kohl und andere Kräuter von der Erde ab, enthülsen Schoten und -Aehren und gründeln in seichten Gewässern nach Pflanzenstoffen. Doch -nehmen die Gänse auch tierische Nahrung zu sich.</p> - -<p>Bei uns ist es üblich, die Gänse nach der Ernte auf die Felder zu -treiben, wobei die Tiere (Stoppelgänse) sehr an Gewicht zunehmen.</p> - -<p>Außerordentlichen Nutzen gewährt die Gans durch ihre Federn. -Sie wird zu diesem Zwecke ein- oder zweimal gerupft.</p> - -<p>In früheren Zeiten lieferten die Kiele der Schwungfedern die -Schreibfedern. Es war eine mühsame Arbeit, die Kiele zu diesem -Zwecke zurechtzuschneiden.</p> - -<p>Vorzüglich ist auch das Fett der Gans. Von Feinschmeckern wird -ihre Leber gerühmt. Es ist ein ziemlich umständliches Verfahren, um -künstlich große Lebern zu erzeugen.</p> - - -<h3><a name="kap_181" id="kap_181">181</a>. Die Gans in Redensarten und Sprichwörtern.</h3> - -<p>Erwähnt wurde schon die Bezeichnung Gans oder dumme Gans -für einen dummen Menschen, namentlich für eine dumme Frauensperson. -Insbesondere wird ein albernes Mädchen gern als Gänschen -bezeichnet. Ebenso wurde bereits der Gänsemarsch und das Watscheln -wie eine Gans angeführt.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_234" id="Page_234">[Pg 234]</a></span></p> - -<p>In Berlin kann man die Redensart hören:</p> - -<p class="center"><em>Eine gute gebratene Gans ist eine gute Gabe Gottes</em>,</p> - -<p class="noindent">wobei das »g« wie »j« ausgesprochen wird.</p> - -<p>Mit</p> - -<p class="center"><em>Gänsewein</em></p> - -<p class="noindent">wird scherzhaft das Wasser bezeichnet.</p> - -<p class="center"><em>Gänsefüßchen</em></p> - -<p class="noindent">heißen die Anführungszeichen bei der Zeichensetzung.</p> - -<p class="center"><em>Gänsehaut</em>,</p> - -<p class="noindent">so wird die menschliche Haut bezeichnet, wenn sie durch Kälte oder -Schreck der Haut einer Gans ähnlich sieht.</p> - -<div class="figcenter"> -<a name="fig253" id="fig253" href="images/illu-253.jpg"><img src="images/illu-253_t.jpg" width="189" height="300" alt="Schwäne, Enten, Gänse" /></a> -<div class="caption">Schwäne, Enten, Gänse</div> -</div> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_235" id="Page_235">[Pg 235]</a></span></p> - -<h2> -<img src="images/der_schwan.jpg" width="600" height="101" alt="Der Schwan" /> -<br /> -<span class="hidden">Der Schwan</span> -</h2> - -<h3><a name="kap_182" id="kap_182">182</a>. Warum hat der Schwan einen so langen Hals?</h3> - -<p class="cap">Auch in diesem Falle müssen wir uns nach dem Zoologischen Garten -begeben, um uns Schwäne anzusehen. Die Schwäne im Tiergarten -sind seit einigen Jahren verschwunden. Noch im vorigen Jahre lebte -ein Pärchen auf dem Tempelhofer Felde in dem neugegrabenen See. -Auch das ist nicht mehr vorhanden. Ob in der Havel noch Schwäne sind, -habe ich noch nicht feststellen können.</p> - -<p>Vor vierzig Jahren brütete alljährlich ein Schwanenpaar an der -Moabiter Brücke, die von der Kirchstraße über die Spree führte. Das -Nordufer der Spree war damals unbebaut und bildete die sogenannte -Wulwe-Lanke. Es war ein schöner Anblick – er und sie würdevoll und -vorsichtig dahinschwimmend und um sie beide ihre Kinderschar. Gewöhnlich -waren es vier Junge, die bräunlich aussahen. Merkwürdigerweise -hört man so oft, daß der Schwan weiße Junge habe. Das ist aber, -wenn man von einer Ausnahme absieht, durchaus unrichtig.</p> - -<p>Auch die Schwäne im Zoologischen Garten erfreuen uns durch ihre -schöne weiße Gestalt, die so vortrefflich in den Rahmen eines stillen, -verträumten Weihers paßt.</p> - -<p>Warum haben die Schwäne einen so langen Hals? Diese Frage -kann man oft hören. Ich glaube, sie muß in folgender Weise beantwortet -werden:</p> - -<p>Einmal muß jedes Tier so gebaut sein, daß es mit seinen Reinigungsmitteln -zu jedem Körperteil gelangen kann. Da der Vogel die -Reinigung mit dem Schnabel besorgt, so braucht der Schwan, um zu -dem äußersten Teil des Rückens zu gelangen, schon deshalb einen -langen Hals.</p> - -<p>Sodann kommt die Nahrungsmittelverteilung hinzu. Wenn alle -Pflanzenfresser dasselbe fressen würden, so wäre der Streit unter ihnen -noch größer, als er ohnehin schon ist. Aus diesem Grunde sind sie verschieden -groß gebaut. Der kleine Hase kann, selbst wenn er sich aufrichtet, -nicht dahin reichen, wo das Reh bequem fressen kann. Dagegen -kann das Reh die Stellen nicht erreichen, die dem größeren Hirsch zugänglich -sind.</p> - -<p>Wie Hase, Reh und Hirsch über dem Boden, so unterscheiden sich -Schwimmente, Gans und Schwan unter dem Wasser. Die Gans kann -beim Gründeln solche Stellen erreichen, wohin die Ente nicht gelangt. -Und wiederum kann der Schwan noch weiter reichen als die Gans.</p> - -<p>Die Wildente kann wohl auf den Grund des Gewässers tauchen, -und tut das auch oft. Aber beim Gründeln sieht man Enten, Gänse und -Schwäne nicht tauchen. Das dürfte sich nur aus der Nahrungsmittelverteilung -erklären.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_236" id="Page_236">[Pg 236]</a></span></p> - -<p>Der Schwan ist noch mehr Pflanzenfresser als Gans und Ente. Im -Frühjahr quakende Frösche läßt er, wovon ich mich oft überzeugen konnte, -ganz unbehelligt.</p> - -<p>Seine Hauptfeinde, Adler und Uhu, sind jetzt bei uns fast ausgerottet. -Vor ihnen flüchtete er ins Schilf. Manchmal kommt es noch vor, daß ihn -ein Fuchs abwürgt, wenn er im Winter im Eise festgefroren ist. Unter -gewöhnlichen Umständen dürfte ein Fuchs einem gesunden Schwan nicht -viel anhaben können, da er sich mit seinen gewaltigen Flügelschlägen -gut verteidigen kann.</p> - -<p>Der Schwan nistet im Frühjahr. Nach einer Brutzeit von 35 bis -42 Tagen schlüpfen die Jungen aus. Die Anzahl der Eier beträgt -sechs bis acht.</p> - -<p>Hervorragend geschätzt sind die Federn des Schwans wegen ihrer -Farbe und Weichheit. Mit der Schönheit des Tieres steht sein Wesen -wenig im Einklang. Er zeigt sich nach unsern Begriffen selbstbewußt -und herrschsüchtig. Vom Standpunkte des Schwanes aus dürften sich -diese Eigenschaften sehr wohl erklären lassen.</p> - - -<h3><a name="kap_183" id="kap_183">183</a>. Der Schwan in Redensarten und Sprichwörtern.</h3> - -<p class="center"><em>Schwanengesang.</em></p> - -<p>Wir in Deutschland kennen hauptsächlich den Höckerschwan, der nur -zischt, aber nicht singt. In nördlichen Ländern lebt aber der gleichgroße Singschwan, -der keinen Höcker trägt. Dieser führt seinen Namen mit Recht. -In den kalten Winternächten soll der Gesang einer Schar Singschwäne -sehr schön klingen. Manche behaupten, daß der Singschwan besonders -vor seinem Tode sänge, was von andern bestritten wird. Wahrscheinlich -haben die alten Griechen, die zuerst von dem Schwanengesang in diesem -Sinne sprechen, aus dem Gesang die Todesahnung herausgehört. Sie -haben ebenso bei der Nachtigall die Anklage wegen eines Kindesmordes -herausgehört.</p> - -<p>Die Schwäne galten als besondere Lieblinge des Apollo, des Gottes -der Dichtkunst. Daher werden Dichter geradezu als Schwäne bezeichnet, -so Shakespeare (Schähkspir) als Schwan von Avon (ew'n oder äw'n), -da er am Avon geboren ist.</p> - -<p>Schwanengesang ist also die letzte bedeutende Leistung, die jemand -angesichts seines bevorstehenden Todes vollbringt, wie das Sterbelied -des Schwans.</p> - -<p class="center"><em>Schwanen.</em></p> - -<p>Da der Schwan seinen Tod vorher wissen soll und überhaupt, wie -viele Vögel, nach dem Volksglauben (Kap. <a href="#kap_36">36</a>) in die Zukunft blicken -kann, so bedeutet es: dunkel ahnen.</p> - -<p>Nach der schneeweißen Farbe des Schwans gibt es zahlreiche Zusammensetzungen, -die hierauf Bezug nehmen, beispielsweise</p> - -<p class="center"><em>Schwanenhals</em>.</p> - -<p>Allerdings kann hierbei auch auf die Länge des Schwanenhalses angespielt -sein.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_237" id="Page_237">[Pg 237]</a></span></p> - -<h2> -<img src="images/der_kanarienvogel.jpg" width="600" height="101" alt="Der Kanarienvogel" /> -<br /> -<span class="hidden">Der Kanarienvogel</span> -</h2> - - -<h3><a name="kap_184" id="kap_184">184</a>. Weshalb gerät der Kanarienvogel in Wut, wenn er sein -Spiegelbild erblickt?</h3> - -<p class="cap">Wer sich auch sonst um Tiere wenig bekümmert, dem wird doch der -Kanarienvogel bekannt sein.</p> - -<p>Der goldgelbe Sänger war vor dem Weltkriege in zahllosen Familien -anzutreffen. Jetzt ist er auch selten geworden, und wir freuen -uns, daß wir bei einem Bekannten Gelegenheit haben, einen zahmen -Kanarienvogel zu betrachten.</p> - -<p>Unser Bekannter, Herr Stengert, öffnet den Käfig, und sofort fliegt -ihm Hänschen, wie der Kanarienvogel genannt wird, auf den vorgestreckten -Finger. Auf Befehl gibt er seinem Herrn ein Küßchen. Bei -Kanarienvögeln kann man das unbesorgt tun, da sie nicht wie Hunde -im Kot wühlen. Sodann kriecht er seinem Herrn in den Rockärmel, wo -es ihm besonders gut zu gefallen scheint. Wenigstens ist erst ein Leckerbissen -notwendig, um ihn von diesem warmen Platze fortzulocken.</p> - -<p>Einen merkwürdigen Einfluß übt ein vor ihm aufgestellter Spiegel -aus. Mit allen Zeichen der Erregung, nämlich dem Sträuben der -Kopffedern und dem Heben der Flügel sowie ganz sonderbaren Tönen -nähert er sich diesem Kunstwerk des Menschen.</p> - -<p>Man sollte meinen, daß ein hübsches Tier sich freut, wenn es im -Spiegel sein Ebenbild erblickt. Warum setzt den Kanarienvogel sein -Spiegelbild so in Wut?</p> - -<p>Wir Kulturmenschen sind so daran gewöhnt, im Spiegel unser Bild -zu erblicken, daß wir das Spiegelbild für die selbstverständlichste Sache -der Welt ansehen. Und doch kann von einer solchen Selbstverständlichkeit -gar keine Rede sein. Wir wissen, daß Naturvölker, die sich zum -ersten Male im Spiegel betrachten, gar nicht wissen, daß es ihre eigene -Person ist, die der Spiegel wiedergibt. Woher soll denn der Wilde -eigentlich wissen, wie er aussieht? Wenn der Mensch so etwas nicht -sofort feststellen kann, so ist es beim Tier erst recht nicht der Fall.</p> - -<p>Nasentiere, also Hunde und Pferde, bleiben, wie wir wissen, im -allgemeinen kalt gegen den Spiegel. Denn die Spiegelung sagt der -treuen Nase nichts. Dagegen übt der Spiegel auf Augentiere, also -außer uns Menschen, auf Affen und Vögel eine starke Wirkung aus.</p> - -<p>Um die Erregung von Hänschen zu verstehen, müssen wir uns -folgendes vergegenwärtigen. Hänschen ist ein Hahn, und alle Hähne -sind gewöhnlich sehr eifersüchtig auf einander. Vom Haushahn ist es -ja allgemein bekannt, daß er sofort mit einem andern Hahn Streit<span class="pagenum"><a name="Page_238" id="Page_238">[Pg 238]</a></span> -beginnt. Hänschen glaubt also, als er im Spiegel einen andern Kanarienhahn -erblickt, einen Nebenbuhler vor sich zu haben. Er ist sofort bereit, -mit ihm einen Kampf auszufechten. Sich selbst hat er nicht erkannt. -Denn in diesem Falle wäre die Kampfbereitschaft vollkommen unverständlich.</p> - - -<h3><a name="kap_185" id="kap_185">185</a>. Warum singen nur die Männchen bei den Singvögeln?</h3> - -<p>Nachdem der Spiegel, der Hänschen so beunruhigt hatte, von seinem -Herrn fortgebracht worden ist, erfreut uns der Vogel durch seinen herrlichen -Gesang. Die Frage ist sehr naheliegend, weshalb nur die Männchen -singen. Denn einen weiblichen Kanarienvogel kauft man nur zu Zuchtzwecken. -Außerhalb der Zuchtzeit, die vom Februar bis zu der im -August eintretenden Mauser dauert, sind die Weibchen verglichen mit -den Männchen spottbillig.</p> - -<p>Bedenkt man, daß jedes Männchen im Frühjahr ein Weibchen -finden möchte, mit dem es zusammen ein Heim gründen kann, so wird -es klar, daß der Gesang der männlichen Singvögel ein vorzügliches -Mittel dazu ist, den Weibchen anzukündigen, wo sie einen Gatten antreffen -können. Die Augen der Vögel sind bekanntlich ausgezeichnet. -Deshalb braucht ein Adlermännchen, das auf einem steilen Felsen sitzt, -nicht zu singen. Denn ein Adlerweibchen kann es auf viele Kilometer -deutlich erkennen.</p> - -<p>Aber wie ist es mit den kleinen Singvogelmännchen, die im dichten -Laub verborgen sitzen? Wie schwer ist es nicht, wenn wir den Ruf -oder Gesang eines Vogels hören, den Urheber im Gewirr des Laubes -und der Aeste zu erblicken. Ich habe Bauern kennen gelernt, die mir -erklärten, noch niemals in ihrem Leben einen Pirol oder Kuckuck gesehen -zu haben. Das war in einer Gegend, wo im Sommer beide Vögel von -früh bis spät ihre Rufe erschallen ließen.</p> - -<p>Wie sollte in der Dunkelheit ein Nachtigallenweibchen wissen, daß -ein Männchen im Gebüsch weilt, selbst wenn seine Augen scharf und für -die Dunkelheit angepaßt sind? Wie anders liegt die Sache, und wie -erleichtert ist das Finden, wo jetzt das Männchen zur Frühjahrszeit in -der Nacht seine sehnsuchtsvollen Töne in die Welt hinausflötet?</p> - -<p>Gerade unter den Gebüschvögeln und den versteckt lebenden Vögeln -pflegen die trefflichsten Sänger zu sein. Außer der schon erwähnten -Nachtigall und dem Pirol sei nur an den Sprosser, die Grasmückenarten, -die Laubvögelarten, den Gartenlaubsänger und andere erinnert.</p> - -<p>Das Männchen hat also bei den Singvögeln deshalb die Gabe des -Gesanges, weil es die Weibchen dadurch auf sich aufmerksam machen -will. Da die Natur überall mit Aufwendung der geringsten Mittel -arbeitet, so hat sie dem Weibchen die Gesangesgabe nicht verliehen. -Denn es wäre ganz zwecklos, wenn beide Teile auf ihrem Platze blieben -und das andere Geschlecht auf sich aufmerksam machen wollten.</p> - -<p>Nur bei alten Weibchen kommt es vor, daß sie kümmerlich etwas -singen. Das erinnert an die Erscheinung, daß alte Frauen einen Anflug -von Bart bekommen.</p> - - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_239" id="Page_239">[Pg 239]</a></span></p> - - -<h3><a name="kap_186" id="kap_186">186</a>. Warum hassen die Sperlinge den Kanarienvogel?</h3> - -<p>Herr Stengert erzählt uns, daß er vor Jahren einen Kanarienvogel -in folgender Weise verloren hat. Er war aus dem Bauer entwischt -und hatte sich die goldene Freiheit erobert. Doch er sollte sich -ihrer nicht lange erfreuen. Denn die Sperlinge fielen über ihn her und -ruhten nicht eher, als bis sie ihn getötet hatten. Es war ihm nicht -möglich, seinen Liebling zu retten, da sich der Vorgang an einer für -Menschen unzugänglichen Stelle abspielte.</p> - -<p>Von diesem Haß der Sperlinge gegen entflohene Kanarienvögel -habe ich so oft erzählen hören, daß ich an der Wahrheit der Berichte -nicht gut zweifeln kann. Er steht auch ganz im Einklange mit der -immer wiederkehrenden Erscheinung, daß sich nahe Verwandte im Tierreich -grimmig hassen, so Wolf und Hund, Pferd und Esel usw. Auch -der Kanarienvogel gehört wie der Sperling zu den Finken und müßte -eigentlich nach menschlichen Anschauungen als naher Verwandter von -den »Gassenjungen«, wie man die Sperlinge genannt hat, liebevoll -aufgenommen werden. Da unter den Tieren Haß gegen Verwandte die -Regel ist, so ist die Abneigung der Sperlinge gegen den Kanarienvogel -nicht weiter auffallend.</p> - -<p>Hierzu kommt noch folgendes. Alle freilebenden Tiere haben einen -scharfen Blick für die Schwächen eines neu Angekommenen. Deshalb -soll man einen Vogel, der ständig im Käfig gehalten wurde, nicht -plötzlich aussetzen. Manche Tierfreunde wollen ihren Tieren etwas -gutes erweisen und erreichen damit das gerade Gegenteil. So hatte -ein Bekannter von mir eine junge Drossel großgezogen. Als ausgesprochener -Tierfreund wollte er dem Tiere eine große Freude machen -und ihm die Freiheit schenken. Er erzählte mir von seinem Plane, -worauf ich ihm den Rat gab, die Drossel zunächst im Zimmer das -Fliegen etwas gründlicher lernen zu lassen. Das wollte er jedoch wegen -der damit verknüpften Schmutzereien nicht tun. Er nahm die Drossel -also nach dem Tiergarten mit und setzte sie dort aus. Er selbst schaute -von einer Bank aus dem Benehmen seines Lieblings zu. Es dauerte -nicht lange, so kam eine Krähe. Diese fing die Drossel und verspeiste sie. -Mein Bekannter war dagegen machtlos. Die Krähe hatte sofort erkannt, -daß die Drossel nicht genügend fliegen konnte. Wie sie auf kranke Vögel -Jagd macht, so auch auf schlechte Flieger.</p> - -<p>Vielleicht ist auch folgender Umstand von Bedeutung. Bei jeder -Tierart kommen wohl sogenannte Albinos vor, d. h. Tiere mit weißer -Farbe und roten Augen. Allgemein gelten sie als schwächlich. Raubtiere -suchen zuerst die Albinos zu erbeuten. Albinos werden von ihren Artgenossen -gewöhnlich gemieden. Unser Kanarienvogel ist nun zwar kein -Albino, aber mit seiner hellgelben Färbung sieht er ihm manchmal recht -ähnlich. Jedes freilebende Tier sieht jedenfalls sofort, wenn es einen -Kanarienvogel erblickt, daß hier ein Schwächling vorliegt. Schwächlinge -werden gern bekämpft.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_240" id="Page_240">[Pg 240]</a></span></p> - -<p>Der Haß der Sperlinge gegen den Kanarienvogel ließe sich also -dadurch erklären, daß der Kanarienvogel ein naher Verwandter, ein -erbärmlicher Flieger und ein Schwächling ist.</p> - - -<h3><a name="kap_187" id="kap_187">187</a>. Wie erklärt sich die gelbe Farbe des Kanarienvogels?</h3> - -<p>Der wilde Kanarienvogel, von dem unser zahmer Kanarienvogel -abstammt, lebt noch heute auf den Kanarischen Inseln an der Westküste -Afrikas. Seit etwa drei Jahrhunderten ist der Kanarienvogel als -Haustier bei uns heimisch. Der wilde Kanarienvogel ist grünlich, -während unser Kanarienvogel hauptsächlich gelb ist. Wie läßt sich diese -Verschiedenheit erklären?</p> - -<p>Wir sehen, daß Haustiere sehr häufig eine andere Farbe haben als -ihre freilebenden Vorfahren. Das Wildpferd ist braun. Es gibt unzählige -Pferde, die nicht braun sind. Ebenso ist es mit den Wildkaninchen, -dem Bankivahuhn, der Felsentaube usw.</p> - -<p>Da man bei Kanarienvögeln durch Fütterung mit Kayennepfeffer -ganz merkwürdige Färbungen erzielt hat, so ist wohl anzunehmen, daß -die Nahrung in einem gewissen Zusammenhang mit der Färbung steht. -Da die Haustiere gewöhnlich zum Teil eine andere Nahrung als ihre -Stammeltern erhalten, so würde sich ihre anders geartete Färbung zum -Teil dadurch erklären.</p> - -<p>Herr Stengert erzählt uns weiter, daß er früher echte Harzer Kanarienvögel -besessen, sie aber wieder abgeschafft hat, denn sie verlangen -eine hohe Wärmetemperatur, was bei dem jetzigen Kohlenmangel nicht -zu erreichen war.</p> - -<p>An sich ist jedem Geschöpf Abhärtung zuträglicher als Verweichlichung. -Die Züchtung der Harzer Kanarienvögel bei hoher Temperatur -kann man aber eigentlich nicht als Verweichlichung bezeichnen. Denn -der Vogel ist einmal ein alter Afrikaner. Vielleicht hat man gerade dadurch -so große Erfolge erzielt, daß man ihn in der Temperatur seiner -Heimat hielt.</p> - - -<h3><a name="kap_188" id="kap_188">188</a>. Warum stecken die Vögel beim Schlafen den Kopf -in die Federn?</h3> - -<p>Da sich der Abend naht, so soll Hänschen zum Schlafen in ein -dunkles Zimmer gebracht werden. Hier sind noch einige andere Kanarienvögel, -die, wie wir sehen, bereits schlafen. Sie haben nämlich ihren Kopf -in die Federn gesteckt.</p> - -<p>Diese Schlafstellung erscheint uns recht wunderbar, und die Frage -deshalb sehr natürlich, weshalb der Vogel so handelt.</p> - -<p>Manche meinen, daß diese Haltung für den Vogel am bequemsten -sei. Wie der Mensch den Kopf sinken lasse, wenn er müde sei, so stecke -der Vogel unter gleichen Umständen den Kopf in die Federn.</p> - -<p>Hiermit ist aber schlecht vereinbar, daß nicht nur die Eulen, sondern, -soweit ich feststellen konnte, auch die andern großen Raubvögel den -Kopf nicht in die Federn stecken. Es ist mir trotz aller Bemühungen<span class="pagenum"><a name="Page_241" id="Page_241">[Pg 241]</a></span> -niemals gelungen, einen Adler oder Geier in der Nacht zu beobachten, -wie er den Kopf in die Federn steckt. Gerade in Berlin hat man -hierzu die schönste Gelegenheit. Geht man in der Dunkelheit am Rande -des Zoologischen Gartens entlang, und zwar da, wo er an den Tiergarten -grenzt, so sieht man stets einige Bewohner des riesigen Raubvogelkäfigs, -wie sie auf den Felsen hocken. Bei den Eulen kann man -das Nichthineinstecken des Kopfes mit ihrem zu kurzen Halse erklären. -Aber Geier und Adler müßten auch ihre Köpfe in die Federn stecken, -wenn diese Erklärung richtig ist.</p> - -<p>Ich erkläre mir die Schlafstellung der Vögel anders und zwar auf -Grund folgender Beobachtung.</p> - -<p>An einem schönen Sommertage ging ich im Tiergarten spazieren. -Ich blieb stehen, um eine Wildente zu beobachten, die auf einen in das -Wasser gefallenen Baum gestiegen war und dort ihr Gefieder glättete. -Es kam noch eine Ente angeschwommen und sprang – nicht flog – -vom Wasser auf den Baum. Das ist ein Kunststück, das man nicht -glauben würde, wenn man es nicht mit eigenen Augen sähe. Ueberhaupt -benahmen sich die Enten auf dem gestürzten Baume so vertraut, -daß ich mir sagte, in waldreichen Gegenden scheinen sie lieber auf -Bäumen als am Ufer zu ruhen. Das ist auch ganz klar, denn am Ufer -kann sie manches Raubtier, z. B. der Fuchs erbeuten, der auf den -Baumstamm nicht so leicht gelangt. Demnach schien der Baumstamm -mit seiner trockenen Rinde ein herrliches Ruheplätzchen zu bieten. Nur -ein Wulst auf dem Baumstamm fiel mir auf, weil ich nicht recht wußte, -was ich aus ihm machen sollte. Dieser Wulst, den ich zunächst übersehen -hatte, kam mir mit der Zeit immer merkwürdiger vor. Ich bedauerte -aufrichtig, nicht ein scharfes Jagdglas bei mir zu haben. Plötzlich bekam -der Wulst Bewegung und, was ich schon geahnt hatte, entpuppte sich -als – schlafende Ente.</p> - -<p>Ich mußte staunen, wie vortrefflich das Gefieder der Wildente, die -sich dicht auf den Stamm gedrückt hatte, zu der Baumrinde paßte. -Sodann war es aber klar, daß ich trotzdem die schlafende Ente niemals -hätte übersehen können, wenn sie nicht ihren Kopf in das Gefieder des -Rückens gesteckt hätte. Ich glaube hiernach zu der Vermutung berechtigt -zu sein, daß die merkwürdige Schlafstellung den Zweck einer -Schutzstellung hat.</p> - -<p>Die Wildente ist, wie wir wissen (Kap. <a href="#kap_145">145</a>) ein zum Teil nächtliches -Tier. Sie hat also am Tage naturgemäß ein Schlafbedürfnis. Ihre -schlimmsten Feinde sind außer dem Menschen die Tagraubvögel, insbesondere -Wanderfalk und Habicht. Sie ist also in dieser Schlafstellung -einigermaßen vor ihnen gesichert. Würde sie mit dem Kopfe nach vorn -schlafen, so könnte sie von dem scharfen Auge ihrer gefiederten Feinde -mit Leichtigkeit wahrgenommen werden.</p> - -<p>Als Jäger wäre ich an dieser Wildente vorbeigelaufen, obwohl ich -gerade für sich verbergende Geschöpfe ein sehr geschultes Auge besitze.</p> - -<p>Aus Furcht vor den nächtlichen Feinden, den Eulen, stecken also die -Friedvögel den Kopf in die Federn, damit sie leichter übersehen werden.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_242" id="Page_242">[Pg 242]</a></span></p> - -<p>Uebrigens haben die Nachtaffen genau die gleiche merkwürdige -Schlafstellung. Man betrachte beispielsweise ihre Bilder in Brehms -Tierleben. Diese Schlafstellung wird aber sofort verständlich, wenn -man sie als sogenannte Mimikry, d. h. Nachäffung der Umgebung auffaßt.</p> - -<p>Adler und Geier scheinen eine solche Mimikry nicht zu brauchen -und deshalb stecken sie den Kopf nicht in das Gefieder.</p> - - -<h3><a name="kap_189" id="kap_189">189</a>. Die Rassen des Kanarienvogels.</h3> - -<p>Der Harzer Kanarienvogel ist bereits erwähnt worden. In England -werden Kanarienvögel mit auffallender Färbung gezüchtet, so z. B. -die eidechsenartig gestreiften Lizards. Erwähnt wurden bereits die -Pfeffervögel, die durch Fütterung mit Kayennepfeffer tief gelbrot geworden -sind.</p> - -<p>Die Zucht des Kanarienvogels beginnt Mitte Februar. Auf ein -Männchen rechnet man 3 bis 4 Weibchen. Das Weibchen legt 5 Eier. -Die Brutzeit dauert etwa 13 Tage. Man kann im Jahre 3 bis 4 Bruten -erzielen. Als Fink ist der Kanarienvogel ein Pflanzenfresser, der -namentlich im Frühjahr Wert auf Insektenkost legt. Rübsen, Spitzsamen -und gelegentlich Hanf sowie allerlei Grünes wird vom Kanarienvogel -gern gefressen. Während der Brutzeit darf hartgekochtes Ei als -Ersatz der tierischen Nahrung nicht fehlen. Da der wilde Kanarienvogel -sehr gern Feigen frißt, so sind Zucker und Obst keine Leckereien für -unseren Kanarienvogel, wie gewöhnlich angegeben wird. Es liegt vielmehr -eine naturgemäße Fütterung vor.</p> - -<p>Für die Zucht ist der Kanarienvogel nur bis zum vierten Jahre -lohnend zu verwenden. Dagegen wird der einzelne Sänger bis zu -20 Jahren alt.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_243" id="Page_243">[Pg 243]</a></span></p> - -<h2> -<img src="images/der_wellensittich.jpg" width="600" height="101" alt="Der Wellensittich" /> -<br /> -<span class="hidden">Der Wellensittich</span> -</h2> - -<h3><a name="kap_190" id="kap_190">190</a>. Warum ist nur der Wellensittich ein Haustier?</h3> - -<p class="cap">In meinem Bekanntenkreise besitzt nur noch der vorhin erwähnte Herr -Stengert ein Pärchen Wellensittiche. Die übrigen haben die -Tierchen wegen Futtermangel abschaffen müssen. Wir suchen also Herrn -Stengert wieder auf und sehen uns zunächst nochmals seine Kanarienvögel -an.</p> - -<p>Das Pärchen Wellensittiche hat bereits mehrfach gebrütet. Den -Nachwuchs hat Herr Stengert fortgegeben, da die Ernährung heutzutage -zu schwierig ist.</p> - -<p>Unter Papageien stellt sich der Durchschnittsmensch ziemlich große, -lautkreischende Vögel vor. Davon ist beim Wellensittich nichts zu merken. -Sieht man von seinem langen Schwanz ab, so hat er etwa die Größe -eines Stars. Nur ist er im Gegensatz zum Star grün gefärbt.</p> - -<p>Nahen sich Fremdlinge, wie wir es sind, so haben die Wellensittiche -eine Vorliebe dafür, sich schnell auf den Boden fallen zu lassen und sich -zu ducken.</p> - -<p>Hieraus sieht man, daß auch dieser Vogel von seinen ererbten -Gewohnheiten vollkommen beherrscht wird. Er lebt in Australien und -nährt sich von Grassamen. Wegen der Dürre dieses Landes ist er zu -großen Wanderungen gezwungen. Ueppiger Graswuchs ist nur zeitweise -nach den Niederschlägen vorhanden, und diese Niederschläge sind -nicht häufig. Dort im grünen Grase ist sein Verstecken bei seiner grünen -Färbung ein vortreffliches Mittel, um sich den Blicken des Beobachters -zu entziehen. Auf dem mit Sand bestreuten Boden des Käfigs ist das -Sichducken vollkommen zwecklos.</p> - -<p>Vom Kreischen der andern Papageien merkt man beim Wellensittich -nichts. Er singt vielmehr ziemlich leise und ganz angenehm.</p> - -<p>Der größte Vorzug liegt jedoch in dem anmutigen Verhalten des -Pärchens, das wie die Turteltauben das Vorbild eines zärtlichen Ehepaars -liefert. Er ist der opferwillige und allzeit dienstbereite Mann, -während sie das hingebende Weib ist.</p> - -<p>Bei andern Papageien hat man auch Nachkommenschaft erzielt. Aber -als viel größere Tiere brauchen sie dazu einen ziemlichen Raum. Der -enge Käfig genügt ihnen nicht. Am leichtesten gelingt es, wenn man sie -frei ausfliegen läßt. Immerhin muß man die Fortpflanzung anderer -Papageien als Ausnahme betrachten.</p> - -<p>Dagegen kann man von Wellensittichen regelmäßig Nachwuchs erzielen, -und deshalb müssen wir sie zu unsern Haustieren rechnen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_244" id="Page_244">[Pg 244]</a></span></p> - -<p>Sie legen 4 bis 6 Eier. Der Wellensittich hat noch den weiteren -Vorzug, außerordentlich anspruchslos zu sein. Das kommt natürlich -daher, weil er in seiner Heimat fast nur von Grassamen leben muß.</p> - -<p>Wegen der weiten Wanderungen in Australien muß der Wellensittich -ein guter Flieger sein. Ich habe vor 20 Jahren längere Zeit -einen entflohenen Wellensittich im alten Botanischen Garten beobachtet -und mich über seine Flugfertigkeit sehr gefreut.</p> - -<p>Erst seit Mitte des vorigen Jahrhunderts ist der Wellensittich zu -uns gekommen.</p> - - -<h3><a name="kap_191" id="kap_191">191</a>. Warum fehlt dem Tiere die Sprache?</h3> - -<p>Im Gegensatz zu andern Papageien lernt der Wellensittich nur -ausnahmsweise sprechen. Immerhin soll bei dieser Gelegenheit die so -oft aufgeworfene Frage erörtert werden, warum dem Tiere die -Sprache fehlt.</p> - -<p>Die neueste Auflage von Brehms Tierleben kommt zu dem Ergebnis, -daß die Tiere deshalb nicht sprechen, weil sie sich nichts zu -sagen haben. Dieses Ergebnis befriedigt nicht, wie schon an verschiedenen -Stellen hervorgehoben worden ist. Die Tiere haben sich eine -ganze Menge zu sagen. Für alle friedlichen Pflanzenfresser, die in -Scharen leben, ist die Mitteilung, daß Gefahr droht, von der größten -Wichtigkeit. Zu dieser Mitteilung ist aber eine artikulierte Sprache nicht -erforderlich. Es genügt ein Schrei oder ein bestimmter Ausruf, auch -das bloße Benehmen ist genügend. Ergreift das Leittier plötzlich -die Flucht, so wissen die andern Genossen genau, was das zu bedeuten -hat.</p> - -<p>Ueberhaupt können die einfachen Bedürfnisse des Tieres fast immer -durch das Benehmen angedeutet werden. Kein Mensch, der in einem -Lokale eine Mahlzeit verzehrt, und dem ein fremder Hund jeden Happen, -den er zum Munde führt, nachzählt – selbstverständlich im bildlichen -Ausdruck – ist im Zweifel darüber, was der Hund eigentlich will. Er -will etwas abhaben, und zwar je mehr, desto besser. Ein Schweizer -Naturforscher erzählt von einem gefangenen Adler, daß dieser den Kopf -senkte und dabei mit den Flügeln schüttelte. Sofort verstand er, daß der -Adler baden wollte, und brachte ihm eine Wanne mit Wasser.</p> - -<p>Das Tier hat also keine Sprache, weil es, wie ohne Zweifel feststeht, -auch ohne eine solche bestehen kann.</p> - -<p>Für das freilebende Tier, das im Kampfe ums Dasein steht, wäre -aber die Verleihung der Sprache eher ein Nachteil als ein Vorteil. -Alle Menschen, die gefahrvolle Berufe ausüben, also Seeleute, Luftschiffer, -Soldaten, Fischer, Jäger pflegen einsilbig zu sein. Sie wissen -alle, daß vieles Reden nicht nur ganz überflüssig, sondern sehr schädlich ist.</p> - -<p>Besäßen die Tiere eine Sprache, so kämen sie oft ins Plaudern, und -ein plötzlicher Ueberfall durch einen Feind bildete den Schluß des -Plauderstündchens.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_245" id="Page_245">[Pg 245]</a></span></p> - -<p>Dem Tiere fehlt also die Sprache, weil es von ihr fast nur Nachteile -und kaum Vorteile hätte.</p> - -<p>Uebrigens habe ich niemals begreifen können, weshalb der einfache -Mann es bedauert, daß beispielsweise der Hund nicht sprechen kann. -Würden sich denn noch Menschen einen Hund halten, wenn er als -Plappermaul alles in der Nachbarschaft erzählte, was er bei seinem -Herrn und seiner Familie gesehen und erlebt hat?</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_246" id="Page_246">[Pg 246]</a></span></p> - -<h2> -<img src="images/der_goldfisch.jpg" width="600" height="100" alt="Der Goldfisch" /> -<br /> -<span class="hidden">Der Goldfisch</span> -</h2> - - -<h3><a name="kap_192" id="kap_192">192</a>. Warum ist der Goldfisch ein beliebter Aquariumfisch?</h3> - -<p class="cap">In meiner Jugendzeit waren runde, bauchige Glasbehälter mit Goldfischen -sehr beliebt. Jetzt sieht man sie sogar in Aquariumhandlungen -selten.</p> - -<p>Im Berliner Tiergarten können wir Goldfische im sogenannten -Goldfischteich beobachten. Allerdings muß man die Stellen kennen, wo -sie sich aufzuhalten pflegen. Ueberdies ist ihre Anzahl jetzt stark zurückgegangen.</p> - -<p>Wie die Wildenten, so haben auch die Goldfische sehr darunter gelitten, -daß sie vom Publikum nicht mehr gefüttert werden. Früher war -es ein alltäglicher Anblick, eine Unmenge Goldfische zu sehen, die sich -um die zugeworfenen Brocken stritten, während am Ufer die Sperlinge -saßen und sich auf jeden Brocken stürzten, der nicht ins Wasser gefallen -war.</p> - -<p>Unter den Goldfischen des Goldfischteichs befanden sich wahre -Riesen, ferner auch Silberfische. Im engen Glase werden die Goldfische -natürlich niemals so groß.</p> - -<p>Als Knabe habe ich allerlei Getier im Aquarium gehalten. Immer -wieder habe ich mich davon überzeugt, daß sie nicht annähernd so ausdauernd -sind wie der Goldfisch. Außerdem ist die Pflege heimischer -Tiere viel umständlicher als die des Goldfisches. Der Goldfisch bekam -wöchentlich einmal reines Wasser und täglich ein paar Ameisenpuppen, -sogenannte Ameiseneier. Dabei hält er sich jahrelang. Berücksichtigt -man seine schöne Farbe, so ist es kein Wunder, daß er ein beliebter -Aquariumfisch ist.</p> - -<p>Der Goldfisch stammt aus China und Japan, wo er seit alter Zeit -gezüchtet wird. Er ist ein Karpfenfisch aus der Gattung Karausche, der -durch die Kunst der Züchter die goldrote Färbung erhalten hat. Vor -zwei- oder dreihundert Jahren kam er nach Europa, wo er bald Mode -wurde. Große Goldfischzüchtereien bestehen in Frankreich, in Schlesien, -Ostpreußen und in Steiermark.</p> - -<p>Außer den Silberfischen züchtet man schwarze und bunte Rassen. -Vom japanischen Goldfisch hat man Fische mit vorstehenden Augen, sogenannte -Teleskopfische, und Schleierschwänze mit doppelten Schwänzen -gezüchtet.</p> - - -<h3><a name="kap_193" id="kap_193">193</a>. Wie richte ich ein Aquarium ein?</h3> - -<p>Die früheren dickbauchigen Goldfischgläser haben drei schwere Nachteile. -Erstens kommt das Wasser mit der Luft nicht an dem größten -Durchmesser des Glases in Berührung. Zweitens fehlen den Goldfisch<span class="pagenum"><a name="Page_247" id="Page_247">[Pg 247]</a></span>gläsern -die Pflanzen. Drittens muß wegen des Pflanzenmangels das -Wasser allwöchentlich erneuert werden. Zu diesem Zweck müssen die -Tiere herausgenommen werden. In der Regel spielt sich der Vorgang -folgendermaßen ab. Zunächst werden die Fische mit dem Käscher -herausgefangen, was ohne arge Beunruhigung der Tiere unmöglich -ist. Das Wasser im Goldfischglase hat natürlich die Temperatur des -Zimmers angenommen. In der Zwischenzeit kommen sie günstigenfalls -in Wasser mit gleicher Temperatur. Das neue Wasser im Goldfischglase -pflegt ganz frisch aus der Wasserleitung genommen zu werden. Die -Fische, die abermals gefangen werden müssen, benehmen sich infolge -des Temperaturwechsels höchst aufgeregt. Man hält das allgemein für -ein Zeichen des Wohlbefindens, während das Gegenteil zutrifft.</p> - -<p>Nur ein seit Jahrhunderten gezüchteter Fisch, der als früherer Karpfen -an schlechtes Wasser gewöhnt ist, kann jahrelang solche Martern -aushalten.</p> - -<p>Es soll hier nicht von großen teueren Aquarien die Rede sein. -Selbst diejenigen, die aus einem Metallgerüst mit eingekitteten Glasscheiben -bestehen, sollen hier außer Betracht bleiben. Sie erfordern -bereits einen besonderen dreibeinigen Tisch und eine besondere Stellung -am Fenster, so daß sie unter den heutigen Verhältnissen von dem Durchschnittsmenschen -nicht eingerichtet werden können.</p> - -<p>Es soll vielmehr nochmals darauf hingewiesen werden, daß die bisherigen -Goldfischgläser gewissermaßen eine ungewollte Tierquälerei zur -Folge hatten. Darum soll jemand, der überhaupt Wassertiere halten -will, unter allen Umständen viereckige Gläser wählen. Auch kleine -Gläser lassen sich bereits mit Pflanzen besetzen. Die Pflanzen sind aber -durchaus notwendig, weil sie Sauerstoff an das Wasser abgeben und -dadurch einen Wechsel des Wassers nur selten, manchmal gar nicht nötig -machen. Ein sicheres Zeichen, daß das Wasser zu sauerstoffarm ist, besteht -darin, daß die Fische an die Oberfläche kommen, um Luft zu -schnappen.</p> - -<p>In den Aquariumhandlungen kann man die für die Pflanzen notwendige -Erde erhalten. Sie besteht gewöhnlich aus guter Moorerde, -die mit Torfgrus gemischt ist. Dieser Mischung sind alter, verwitterter -Lehm und Flußsand zugesetzt. Hierüber kommt eine einige Zentimeter -dicke Schicht von einem Sand, der vorher sorgfältig ausgewaschen ist. -In einer Ecke des Aquariums macht man die Bodenschicht weniger hoch, -so daß sich ein Schlammfang bildet, aus dem mittels eines Gummischlauches -die Futterreste und Unrat entfernt werden.</p> - -<p>Die eingepflanzten Wasserpflanzen müssen zwei bis drei Wochen -ohne Fische stehen, damit sie festwurzeln und das Wasser sich klärt.</p> - -<p>In einem solchen vier- oder mehreckigen Glase mit Pflanzen und -Sand fühlen sich die Tiere wohl und halten sich viel länger als im -blanken Wasser. Jeder Teich, jeder Dorfpfuhl kann Bewohner für ein -solches Aquarium liefern. Der wirkliche Tierfreund kann sich nicht satt -sehen an dem Neuen und an den Schönheiten, die er bei sorgfältiger Betrachtung -selbst bei den unscheinbarsten Geschöpfen entdeckt.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_248" id="Page_248">[Pg 248]</a></span></p> - - -<h3><a name="kap_194" id="kap_194">194</a>. Der Goldfisch in Redensarten.</h3> - -<p>Wie man unter Backfisch ein junges Mädchen versteht, so unter</p> - -<p class="center"><em>Goldfisch</em></p> - -<p>ein Mädchen, das viel Geld in die Ehe bringt. Von dem Freier, der sie -heimführt, sagt man, daß er einen Goldfisch geangelt hat.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_249" id="Page_249">[Pg 249]</a></span></p> - -<h2> -<img src="images/der_seidenspinner.jpg" width="600" height="101" alt="Der Seidenspinner" /> -<br /> -<span class="hidden">Der Seidenspinner</span> -</h2> - - -<h3><a name="kap_195" id="kap_195">195</a>. Warum ist unsere Seidenraupenzucht zurückgegangen?</h3> - -<p class="cap">Früher habe ich oft Gelegenheit gehabt, mir die Zucht von Seidenraupen -anzusehen. Jetzt aber konnte ich trotz aller Bemühungen -keinen Seidenraupenzüchter ausfindig machen. In den Zoologischen Handlungen -gab man mir den Bescheid, daß die Seidenraupenzucht aufgegeben -sei, weil die Aufzucht einen Raum von 70 Kubikmetern verlangt. Den -hat man bei der jetzigen Wohnungsknappheit nicht übrig. Alte Seidenhandlungen, -an die ich mich wandte, antworteten mir ähnlich. Eine sehr -bekannte Firma schrieb mir, daß sie Seidenraupenzüchter nur in Baden -und Württemberg kenne.</p> - -<p>Wie in vielen Fällen unser berühmter Zoologischer Garten Hilfe in -der Not gebracht hat, so war in diesem Falle unser ebenso berühmtes -Aquarium der Retter in der Verlegenheit. Wir suchen diese Sehenswürdigkeit -ersten Ranges auf und können uns bei dieser Gelegenheit -die verschiedenen Goldfischarten, z. B. die Schleierschwänze und Teleskopfische, -ferner die Chanchitos und andere tropische Aquariumfische in -der wunderbarsten Beleuchtung ansehen.</p> - -<p>In zwei Kästen wimmelt es von Raupen unseres Maulbeerspinners. -Sie haben etwa die Länge des kleinen Fingers eines Mannes, nur sind -sie nicht so dick. Ihre Tätigkeit scheint in dem Programm zu bestehen: -Fressen, fressen und abermals fressen. Dementsprechend ist auch die -Verdauung. Ueberall sehen wir schwarze Klümpchen auf dem Boden -liegen. Verglichen mit den anderen Seidenspinnern sieht übrigens der -Schmetterling des Maulbeerspinners sehr unscheinbar aus. In einem -Nebenzimmer können wir nämlich die andern Spinnerarten bewundern, -den Eichenseidenspinner Nordchinas, den Ailanthusspinner Chinas und -Japans, den südamerikanischen Spinner <span class="antiqua" lang="la" xml:lang="la">Telea Polyphemus</span> usw.</p> - -<p>Die Farbe der Seidenraupe ist perlgrau, die der kleinen Eier ziemlich -ebenso. Eine Menge Kokons können wir erblicken, welche die so -geschätzte Seide liefern. Ein Kokon enthält einen Faden von 1000 bis -3000 Meter Länge. Hiervon ist jedoch nur ein Teil zur Herstellung von -Seide verwendbar. Obendrein müssen mehrere Kokonfäden zusammengedreht -werden, um einen Seidenfaden zu liefern.</p> - -<p>Zu einem Kilo Seide sind 10 Kilo Kokons erforderlich. Ein Kilo -Kokons enthält etwa 2500 Stück.</p> - -<p>Deutschland führt jährlich etwa 11 Millionen Kilo im Werte von -158 Millionen Mark ein, wobei nach der heutigen Valuta der Betrag -entsprechend erhöht werden muß.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_250" id="Page_250">[Pg 250]</a></span></p> - -<p>Es wäre sehr wünschenswert, daß ein Teil dieses Materials bei uns -selbst hergestellt würde, zumal die Seidenraupenzucht durch Kriegsbeschädigte, -Frauen und Kinder ausgeübt werden kann. Sie kostet weniger -Mühe als beispielsweise die Bienenzucht.</p> - -<p>Ich entsinne mich, an verschiedenen Stellen unserer Heimatprovinz -alte Maulbeerbäume gesehen zu haben, deren Früchte vortrefflich schmeckten. -Von den Ortseinwohnern erfuhr ich, daß sie im achtzehnten Jahrhundert -auf Anordnung von Friedrich dem Großen angepflanzt seien, -um die Seidenraupenzucht bei uns einzuführen.</p> - -<p>In der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts war sogar die Seidenraupenzucht -bei uns in einer gewissen Blüte. Dann aber brachen -Seuchen unter den Raupen aus, und jetzt ist die Ausbeute sehr gering.</p> - -<p>Es ist das Verdienst von Pasteur, die Gefahr der Seuchen fast beseitigt -zu haben.</p> - -<p>Um in unserem Vaterlande die Seidenraupenzucht wieder zu heben, -ist natürlich in erster Linie die Beschaffung von Futter für die Seidenraupen -erforderlich. Wie schon der Name sagt, ist ihr zuträglichstes -Futter Maulbeerblätter. Als Ersatz kommen Schwarzwurzeln in Betracht. -Viele meinen, daß der Rückgang der Seidenraupenzucht deshalb -eingetreten sei, weil der Maulbeerbaum bei uns nicht aushalte. Das -wird aber von Kennern bestritten, die sich darauf berufen, daß die Maulbeerbäume -sogar den harten Winter von 1916 bis 1917 überstanden -haben. Außerdem liefert nach ihnen der deutsche Maulbeerbaum viel -kräftigeres Futter, so daß schon 7 Kilo Kokons ein Kilo Seide ergeben.</p> - -<p>Um recht bald Futter zu erhalten, ist die Anpflanzung des Maulbeerbaums -in Hecken am zweckmäßigsten. Obendrein ist dadurch das -Füttern erleichtert.</p> - -<p>Hat man Futter, so besorgt man sich seuchenfreie Eier. Manche -heizen das Zimmer, bis eine Temperatur von 22 bis 25 Grad Celsius -vorhanden ist. Andere halten eine Temperatur von 15 bis 18 Grad -für durchaus hinreichend. Das ist bei den heutigen hohen Preisen für -Brennstoffe von großer Wichtigkeit.</p> - -<p>In 10 bis 15 Tagen schlüpfen die jungen Raupen aus den Eiern. -Sie müssen regelmäßig gefüttert und sorgfältig umgebettet werden. Nach -mehrfacher Häutung hört die Raupe auf zu fressen und spinnt sich ein, -wodurch die Kokons entstehen. Die Kokons werden gesammelt, und der -in ihnen befindliche, zum Auskriechen bereite Schmetterling durch Wasserdämpfe -getötet. Würde man die Kokons nicht einer so hohen Hitze aussetzen, -so würde der Schmetterling sich einen Ausweg aus dem Gespinst -bahnen, wodurch der Wert des Gespinstes erheblich gemindert wird.</p> - -<p>Nur die zu Zuchtzwecken bestimmten Kokons läßt man auskriechen. -Die Schmetterlinge paaren sich und sterben bald darauf, nachdem vorher -das Weibchen Eier gelegt hat.</p> - -<p>Pasteur hat diese Paarung in kleinen Tüllsäcken vor sich gehen -lassen. Nach dem Tode werden die Schmetterlinge untersucht, und nur -die Eier von gesunden Tieren zur weiteren Zucht verwendet.</p> - -<p>Nach dem Besuch unseres Aquariums ersehe ich aus den Zeitungen,<span class="pagenum"><a name="Page_251" id="Page_251">[Pg 251]</a></span> -daß bei Wertheim eine Seidenraupenzuchtausstellung stattfindet. Veranstaltet -wird sie von dem Gemeinnützigen Verband für Seidenbau in -Deutschland E. V. zu Berlin-Wilmersdorf, Brandenburgische Straße -Nr. 36.</p> - -<p>Von dem Vorhandensein eines solchen Verbandes wußten demnach -alle von mir befragten Stellen nichts.</p> - -<p>Wir begeben uns auch zu dieser Ausstellung, wo etwa das gleiche -wie im Aquarium zu beobachten ist. Nur ist das Material hier umfangreicher.</p> - -<p>Von Wichtigkeit ist, daß der Verband seuchenfreie Eier und Maulbeerpflänzlinge -liefert. Ebenso ist er Abnehmer der Kokons. Auch kann -man von ihm eine Broschüre erhalten, die alles nähere über die Seidenraupenzucht -enthält (Preis 1,25 Mk.).</p> - -<p>Auch in diesem Falle beobachten wir wieder, daß die größte Gefahr -von der unnatürlichen Ansammlung des Unrats herrührt. Unter freiem -Himmel fällt der Unrat der Raupen an die Erde, und die Tiere selbst -werden gar nicht davon berührt. Bei der Zucht im Zimmer muß also -für schnelle Beseitigung gesorgt werden.</p> - -<p>Es seien zum Schluß die Merkworte des genannten Verbandes für -die Seidenraupenzüchter angeführt: Heller, luftiger Zuchtraum. Gleichmäßige -und feuchte Wärme. Schüsseln mit Wasser aufstellen. Sind -kalte Nächte zu befürchten, die Raupen mit Papier bedecken. Regelmäßiges, -reichliches Füttern. Nasses Laub vermeiden. Die Raupen in -den Häutungen nicht stören. Für Zufuhr frischer Luft sorgen, Zuchtraum -feucht aufwischen, nicht fegen. Kranke und tote Raupen entfernen. -Ersatzfutter ist: Kopfsalat, auch im Notfalle Blätter der Schwarzwurzel, -wenn einmal Mangel an Maulbeerlaub eintreten sollte.</p> - - -<h3><a name="kap_196" id="kap_196">196</a>. Die Seidenraupe in Redensarten und Sprichwörtern.</h3> - -<p>Bekannt ist die Stelle aus Goethes Tasso:</p> - -<p class="center"><em>Verbiete du dem Seidenwurm zu spinnen.</em></p> - -<p>Mit dem Seidenwurm ist natürlich die Seidenraupe gemeint. Der sehr -schöne Gedankengang ist folgender: Wie die Seidenraupe, so macht -auch mancher Mensch von den ihm verliehenen Gaben Gebrauch, obwohl -er weiß, daß er gerade dadurch sein Leben abkürzt.</p> - -<p>Hinken tut der Vergleich dadurch, daß der Wurm nicht sterben, sondern -als Schmetterling sich paaren will.</p> - - - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_252" id="Page_252">[Pg 252]</a></span></p> - -<h2> -<img src="images/die_biene.jpg" width="600" height="102" alt="Die Biene" /> -<br /> -<span class="hidden">Die Biene</span> -</h2> - - -<h3><a name="kap_197" id="kap_197">197</a>. Warum bauen die Bienen im Dunkeln?</h3> - -<p class="cap">Um uns einen Bienenstock anzusehen, wollen wir wieder unsern alten -Bekannten, Herrn Böhm, aufsuchen, der ein erfahrener Bienenwirt -ist und verschiedene Bienenstöcke hat.</p> - -<p>Herr Böhm, der uns freundlich begrüßt, erzählt uns, daß er auf ein -Schwärmen der Bienen für den heutigen Tag rechnet oder es vielmehr -befürchtet. Er erklärt uns nämlich, daß er ein solches Schwärmen durchaus -nicht wünscht. Er hat, wie er uns erzählt, früher gewöhnliche -deutsche Bienen gehabt, aber fast alle infolge von Seuchen verloren. -Jetzt hat er Heidebienen, die sowieso gern schwärmen. Durch das zu -häufige Schwärmen wird das Volk zu sehr geschwächt. Man schätzt die -Anzahl eines Volkes auf 30- bis 60000 Stück. Selbstverständlich kann -man bei einem Volke nicht jede Biene einzeln zählen. Das wäre ein -sehr mühsames Geschäft. Obendrein müßte man auf zahlreiche Stiche -gefaßt sein. Dagegen kann man einen Schwarm, den man in einem -Behälter gefangen oder »eingeschlagen« hat, wiegen. Zieht man das -Gewicht des Behälters ab und wiegt man eine kleine Anzahl von Bienen, -so kann man ungefähr feststellen, wie groß die Zahl eines Volkes ist.</p> - -<p>Die Ansicht des Herrn Böhm steht also im Widerspruch mit der -landläufigen, wonach, da wir noch im Mai stehen, das Schwärmen ein -großer Vorteil ist. Denn ein alter Spruch sagt:</p> - -<div class="poem"> -<p>Ein Schwarm im Mai</p> -<p>gilt ein Fuder Heu;</p> -<p>Ein Schwarm im Jun',</p> -<p>ein fettes Huhn;</p> -<p>Ein Schwarm im Jul',</p> -<p>kein Federspul'.</p> -</div> - -<p>Der Widerspruch ist aber nur scheinbar, denn für schwarmwütige Völker -paßt der Vers vom Mai überhaupt nicht.</p> - -<p>Auch Karo und Hektor haben uns als alte Bekannte freundlich -begrüßt, zumal wir ihnen etwas Gutes mitgebracht haben. Als wir -uns jedoch den Bienenständen nähern, verlassen sie uns. Sie haben -anscheinend bereits üble Erfahrungen mit den Stichen der Bienen gemacht -und wünschen nicht, nochmals gestochen zu werden.</p> - -<p>Wie uns Herr Böhm weiter erzählt, ist ihm das Schwärmen der -Bienen auch aus dem Grunde sehr unerwünscht, weil heute das Durchfüttern -der Völker im Winter eine ganz andere Sache ist als früher. Im -Winter tragen die Bienen naturgemäß nichts ein. Sie müssen alle von<span class="pagenum"><a name="Page_253" id="Page_253">[Pg 253]</a></span> -den gesammelten Vorräten leben. Es müssen also gewissermaßen die im -Sommer gemachten Ersparnisse angegriffen werden. Diese sind jedoch -bald zu Ende, da der Mensch den Bienen den größten Teil ihrer Ersparnisse -abnimmt. Es muß also ein Ersatz geschaffen werden, wenn, was -häufig der Fall ist, ungünstige Witterung ein Ausfliegen der Bienen -noch nicht gestattet. Damit die Tiere nicht verhungern, müssen sie also -gefüttert werden. Früher standen dem Imker oder Bienenwirt zu -diesem Zwecke der sehr billige Zucker und der fast wertlose Honig in -unbegrenzter Menge zur Verfügung. Heute sind die Verhältnisse vollkommen -geändert worden.</p> - -<p>Wir können uns natürlich kein Urteil darüber erlauben, ob die -Angaben unseres Bekannten zutreffend sind. Jeder Beruf schildert seine -Einnahmen in den schwärzesten Farben. Aber wir wissen, daß Zucker -und Honig gegenwärtig sehr teuer sind.</p> - -<p><em>Darüber kann wohl kein Zweifel bestehen, daß -die Bienenwirtschaft – mehr als 2 Millionen Stöcke -– für Deutschland von der größten Bedeutung ist. -Von ihr hängt unsere Obsternte ab, da die Bienen -durch den Besuch der Blüten die Befruchtung vermitteln. -Ferner brauchen Raps, Rübsen, Klee und -andere Nutzarten ebenfalls die Bienen.</em></p> - -<p>Wir sind in der Nähe des Bienenstocks angelangt und müssen uns -natürlich auf einen Bienenstich gefaßt machen. Herr Böhm erklärt uns -näher, aus welchen Anzeichen er auf ein Schwärmen der Bienen schließt.</p> - -<p>Einmal seien die Bienen sehr aufgeregt. Bei regelmäßig arbeitenden -Bienen kann man ein gemessenes Benehmen beobachten. Außerdem -seien sonst niemals eine solche Menge von Bienen auf den Flugbrettern -zu sehen.</p> - -<p>Sodann sei das Wetter zum Schwärmen sehr geeignet.</p> - -<p>Das sind nach seinen Angaben nur Wahrscheinlichkeiten für ein beabsichtigtes -Schwärmen. Viel sicherer ist das sogenannte Tüten der alten -Königin und das sogenannte Quaken der neuen Königin. Zwei Königinnen -bekämpfen sich nämlich auf Tod und Leben oder eine wandert -aus.</p> - -<p>Wir begeben uns nach der Hinterseite des Bienenstockes, um uns -durch eine Glasscheibe das Leben und Treiben der Bienen näher anzusehen.</p> - -<p>Es ist wohl allgemein bekannt, daß die Bienen Waben aus Wachs -bauen, die aus ganz regelmäßigen sechseckigen Zellen bestehen. Ist es -schon ein Wunder, daß Tiere, und obendrein auf der untersten Stufe -des Tierreichs stehende Insekten, ein solches Kunststück vollbringen, das -dem klugen Menschen nicht leicht fallen würde, so wird unser Erstaunen -dadurch gesteigert, wenn wir sehen, daß die Bienen diese Bauten im -Dunkeln ausführen.</p> - -<p>Wir Menschen sind der Ansicht, daß, wenn man eine so kunstvolle -Arbeit ausführt, man gar nicht Licht genug beim Arbeiten haben kann. -Die Bienen aber führen dieses Kunstwerk aus ohne die geringste Beleuch<span class="pagenum"><a name="Page_254" id="Page_254">[Pg 254]</a></span>tung. -Ja, wenn der Mensch ihnen, um ihnen die Arbeit zu erleichtern, -Licht beschafft, so wollen sie von der Beleuchtung nichts wissen und -bauen nicht.</p> - -<p>Wir wissen schon, was wir tun müssen, um eine Erklärung für dieses -Rätsel zu finden. Wir müssen fragen: Wie bauen die wilden Bienen? -Da erhalten wir die übereinstimmende Antwort, daß sie in den dunkeln -Höhlungen von Baumstämmen ihr Heim aufschlagen.</p> - -<p>Die Bienen haben also seit Urzeiten im Dunkeln ihre Bauten ausgeführt. -Als der Mensch die Bienen wegen des Wohlgeschmacks des -Honigs als Haustiere gewinnen wollte, da hat er ihnen zunächst eine -Wohnung ebenfalls in Baumstämmen, in sogen. Beuten, angewiesen.</p> - -<p>Solche Bienenstöcke in Baumstämmen waren sehr naturgemäß, aber -sie hatten den Nachteil, daß man sie häufig nicht in der Nähe hatte. Da -war also ein Bienenhaus schon bequemer. Denn ein solches konnte man -als Ersatz für den Baumstamm auf seinem Grundstück errichten. Am -bequemsten ist natürlich ein Bienenkorb, weil er im Gegensatz zum -Baumstamm beweglich ist. Bienenkörbe kann man also von Ort zu Ort -bringen. Das ist besonders für den Bienenwirt von größter Wichtigkeit, -der seine Bienen nach Stellen hinbringt, wo das Einsammeln von Honig -besonders günstig ist. Beispielsweise geschieht das in Heidegegenden, -wenn das Heidekraut blüht.</p> - -<p>Die Bienen bauen also heute noch im Dunkeln, weil sie seit Urzeiten -in dunkeln Höhlungen gebaut haben.</p> - - -<h3><a name="kap_198" id="kap_198">198</a>. Wann stechen die Bienen am meisten?</h3> - -<p>Herr Böhm erzählt uns weiter, daß er für seine Person sich gegen -Stiche so gut wie gar nicht schützt. Es kommt nur ausnahmsweise vor, -daß er von seinen Bienen gestochen wird. Nach seinen Beobachtungen -sind die Bienen am stechlustigsten, wenn ihre Brut gefährdet ist, man -also Zellen, die Brut enthalten, zu beseitigen sucht. Sodann sind sie vor -Ausbruch eines Gewitters sehr zum Stechen geneigt. Dagegen sind sie -viel weniger stechlustig, wenn sie sich zum Schwärmen anschicken. Im -übrigen ist ihm noch aufgefallen, daß Personen, die schwitzen, viel leichter -gestochen werden als andere. Ebenso werden Frauen eher gestochen als -Männer. Menschen in weißen Hemden oder überhaupt in hellen Kleidungen -werden ebenfalls viel häufiger gestochen als andere.</p> - -<p>Es ist nicht leicht, für die verschiedene Stechlust der Bienen eine Erklärung -zu geben. Es ist anzunehmen, daß die Bienen den Imker mit -der Zeit kennenlernen und ihn deshalb mit ihren Stichen verschonen. -Hierzu haben sie insofern begründete Veranlassung, als ihnen ihre Waffe -teuer zu stehen kommt. Der Stich kostet ihnen selbst das Leben, was -nach unseren Begriffen höchst unzweckmäßig ist. Wer wird einen Gegner -in einen Abgrund stürzen, wenn er weiß, daß er selbst von ihm in die -Tiefe mit hinabgerissen wird?</p> - -<p>Da eine Biene überhaupt nur sechs Wochen lebt und ein Volk, wie -wir wissen, aus 30- bis 60000 Bienen besteht, so ist es klar, daß ein -Bienenleben gar keine Rolle spielt. Die Biene soll nicht nutzlos stechen,<span class="pagenum"><a name="Page_255" id="Page_255">[Pg 255]</a></span> -und das geschieht am besten dadurch, daß ihr der Stich selbst das Leben -kostet.</p> - -<p>Der Stachel mit dem Widerhaken bleibt nämlich sitzen, da er nicht -zurückgezogen werden kann. So verliert die Biene das Ende ihres -Hinterleibes, was ihren Tod zur Folge hat. Wenigstens ist das allgemeine -Ansicht.</p> - -<p>Es ist merkwürdig, daß die Wirkung des Bienenstiches bei den einzelnen -Menschen sehr verschieden ist. Die Imker sind dagegen immun -oder gefeit, weil sie gewöhnlich bei ihnen gar keine Wirkungen hervorrufen.</p> - -<p>Da fast alle Tiermütter sich für ihre Nachkommen opfern, so ist es -nicht wunderbar, daß es auch die Bienen tun.</p> - -<p>Die Stechlust vor dem Gewitter dürfte sich in folgender Weise erklären: -Die Bienen haben ein Vorgefühl dafür, daß Regen kommen -wird. Der Regen hindert sie am Eintragen. Daher haben sie es besonders -eilig, um vorher noch alles zu schaffen, und empfinden Störungen -besonders unangenehm.</p> - -<p>Es ist merkwürdig, daß die Biene auf schwitzende Menschen erbost -ist. Man sollte annehmen, daß sie, die als Muster des Fleißes gilt, den -schwitzenden Menschen besonders liebt. Uebrigens macht man bei Wanderungen -im Sommer ähnliche Beobachtungen. Sobald man in Schweiß -gerät, wird man von den Mücken besonders überfallen. Das kommt -sicherlich daher, daß ein schwitzender Mensch eine besonders starke Ausdünstung -hat. Die Biene hat einen äußerst feinen Geruch, was man aus -verschiedenen Umständen schließen muß. Wir werden gleich darauf zu -sprechen kommen. Die Biene hat also entweder Abneigung gegen -Schweißgeruch oder sie riecht einen fremden schwitzenden Menschen sofort -und sticht naturgemäß ihn eher als andere Menschen.</p> - -<p>Weiße Gegenstände üben auf alle Insekten große Anziehungskraft -aus. Das weiß die Hausfrau sehr wohl von ihrer Wäsche, die sie auf -dem Rasen ausgebreitet hat.</p> - -<p>Ein ausziehender Schwarm ist deshalb nicht so stechlustig, wie man -meinen sollte, weil er eine neue Wohnung sucht. Wer neue Verhältnisse -aufsucht, ist auf Störungen gefaßt und wird gegen sie nicht sehr empfindlich -sein.</p> - -<p>Herr Böhm erklärte die größere Stechlust der Bienen gegen Frauen -damit, daß sich die Bienen häufig in den langen Haaren der Frauen -verwickelten. Sie werden dann ganz rasend, weil die Frauen, anstatt -ruhig zu bleiben, nach den Bienen schlagen, wodurch sie noch aufgeregter -werden.</p> - -<p>Diese Ansicht mag richtig sein. Vielleicht liegt aber noch ein anderer -Grund vor.</p> - -<p>Ich bin selbst nur einige Male gestochen worden, und ausgerechnet -jedesmal im Sommer, wo ich kurzgeschorenes Haar trug. Von einem -Verwickeln der Bienen konnte gar keine Rede sein, denn in Haaren von -zehn Millimeter Länge kann sich keine Biene verheddern. Da bin ich zu<span class="pagenum"><a name="Page_256" id="Page_256">[Pg 256]</a></span> -der Ueberzeugung gekommen, daß hier die Angriffslust aus der Lebensweise -der wilden Biene zu erklären ist.</p> - -<p>Die wilde Biene hat als gefährliche Feinde unter den Säugetieren -bei uns Bär und Marder, in heißen Ländern wahrscheinlich die Affen. -Haarige Gestalten, die sich dem Bienenkorb nähern, können also die -Wut der Bienen erregen. Es genügen aber schon haarige Stellen am -menschlichen Körper.</p> - -<p>Die Biene verheddert sich also nicht im Frauenhaar und sticht deshalb, -sondern die üppigen Haare der Frauen lassen in den Bienen die -Wut gegen ihre alten Feinde mit der langen Behaarung wach werden. -Sie fliegen auf die haarigen Stellen zu und suchen zu stechen.</p> - - -<h3><a name="kap_199" id="kap_199">199</a>. Sollen Frauen Imkerinnen werden?</h3> - -<p>Absichtlich bin ich auf die Frage, weshalb die Frauen eher als -Männer gestochen werden, etwas näher eingegangen. Es handelt sich -ja für zahllose Frauen um eine Lebensfrage. Man sollte meinen, daß -ein Beruf, der keine schwere Arbeit erfordert und obendrein süßen -Lohn einbringt, fast ausnahmslos von Frauen ausgeübt wird. In -Wirklichkeit liegt die Sache genau umgekehrt. Die Zahl der Bienenwirtinnen -ist auffallend klein.</p> - -<p>Mir ist von ernsten Männern erzählt worden, daß Frauen, die -einen Schwarm einfangen wollten, von den Bienen totgestochen worden -sind. Deshalb seien Frauen überhaupt nicht als Imkerinnen geeignet.</p> - -<p>Es ist nun denkbar, daß Frauen mit unbedecktem, langem Haar -die Wut der Bienen aus dem vorhin erwähnten Grunde erregt haben. -Aus Erfahrung weiß ich, daß Frauen viel häufiger als Männer gestochen -werden. Auch habe ich noch niemals gesehen, daß eine Frau einen -Schwarm eingeschlagen hat.</p> - -<p>Wenn die Bienen nur deshalb auf die Frauen wütend sind, weil -sie langes Haar besitzen, so könnte die Gefahr für die Frauen leicht beseitigt -werden. Sie brauchten es nur ganz sorgfältig zu verstecken, etwa -in einer Badekappe.</p> - -<p>Jedenfalls sollen auch die Männer, wenn sie sich dem Bienenstocke -nähern, ihren Kopf bedecken. Das ist um so angebrachter, je üppiger das -Haar ist.</p> - -<p>Das Verstecken der Haare in eine Kapuze müßte für alle Fälle bei -den Frauen von Vorteil sein. Werden die Frauen nicht mehr gestochen, -so wird Herr Böhm, und werden es die andern Imker damit erklären, -daß sich die Bienen nicht mehr in den langen Haaren verwickeln können. -Ich glaube dagegen, daß hier derselbe Fall vorliegt, wie beim Stier und -dem roten Tuch oder dem Truthahn und der roten Farbe, nämlich die -Erinnerung an einen früheren Feind.</p> - -<p>Uebrigens könnte man der wirklichen Ursache leicht auf den Grund -kommen. Sind die Bienen deshalb stechlustig, weil haarige Stellen sie -an ihre alten Feinde erinnern, so ist es sehr unzweckmäßig, wenn der -Imker einen großen Vollbart trägt. Es wäre für ihn vielmehr vorteilhaft, -stets glatt rasiert zu gehen. Durch Umfrage bei den Imkern muß<span class="pagenum"><a name="Page_257" id="Page_257">[Pg 257]</a></span> -sich feststellen lassen, ob solche mit Vollbärten mehr gestochen werden als -solche, die keinen Bart oder nur einen Schnurrbart tragen.</p> - - -<h3><a name="kap_200" id="kap_200">200</a>. Mit welchen Sinnen sucht die Biene die Blüten auf?</h3> - -<p>Der Mensch gebraucht, wie wir wissen, in erster Linie seine Augen, -um einen Gegenstand zu finden. Die Nase kommt dabei nur ausnahmsweise -in Betracht.</p> - -<p>Die Tiere sind dagegen in der Mehrzahl Nasentiere, die ihre Nahrung -durch den Geruch suchen.</p> - -<p>Von dem feinen Geruch der Bienen erzählt uns Herr Böhm folgendes -Beispiel. Er hatte eine neue Wasserleitung angelegt, aber sie -gab noch kein Wasser. Da fiel es ihm auf, daß die Bienen an einem -heißen Tage zu dem Wasserleitungshahne flogen. Als er nachsah, stellte -er fest, daß inzwischen der Anschluß erfolgt war. Da der Hahn nicht ganz -fest geschlossen war, so befanden sich in seinem Innern bereits einige -Wassertropfen. Diese Tropfen, die ganz verborgen waren, hatten die -Bienen gewittert.</p> - -<p>Aehnliche Beobachtungen habe ich ebenfalls gemacht. Die verwandten -Wespen zeigen gleichfalls ein erstaunliches Geruchsvermögen. -Wird ein Konfitürengeschäft eröffnet, das Süßigkeiten ausstellt, so finden -sich selbst in der Großstadt sofort Wespen ein.</p> - -<p>Der Geruchsinn ist ohne Frage der Grundsinn bei den Bienen. -Schon das Ausräuchern der Bienen als Mittel zu ihrer Vertreibung -beweist die Empfindlichkeit ihres Geruchsorgans.</p> - -<p>Aber die Augen sind natürlich auch von Bedeutung. Deshalb ist -es nicht wunderbar, daß sich die Bienen von Farben leiten lassen. Blau -scheinen sie ganz besonders zu lieben. Dann folgt weiß, gelb, rot, grün -und orange.</p> - -<p>Wollten die Pflanzen Bienen allein durch ihren Duft anlocken, so -hätten sie bei ungünstigem Winde wenig Erfolg. Ihre Farbenpracht -ist also durchaus zweckmäßig.</p> - - -<h3><a name="kap_201" id="kap_201">201</a>. Die Feinde der Bienen.</h3> - -<p>Ein Rotschwänzchen, das sich in unserer Nähe zeigt, gibt uns Anlaß, -Herrn Böhm über die Schädlichkeit mancher Insektenfresser als Feinde -der Bienen zu befragen.</p> - -<p>Herr Böhm ist ein großer Freund der Singvögel, wie wohl die -meisten Menschen, und glaubt, daß das Rotschwänzchen nur matte -Bienen, die sowieso keinen Wert haben, fange. Nach seinen Beobachtungen -kann ein Rotschwänzchen gesunde Bienen nicht fangen.</p> - -<p>Ich bin ebenfalls ein großer Freund der Singvögel, muß jedoch zu -diesen Beobachtungen ein großes Fragezeichen machen.</p> - -<p>Unsere Singvögel sind in der Mehrzahl Insektenfresser. Es ist uns -sehr lieb, daß sie Insekten fressen. Im Gegenteil; wie bei den Feinden -der Nager ist es auch hier unser Wunsch, daß die Vögel recht unter den -Insekten aufräumen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_258" id="Page_258">[Pg 258]</a></span></p> - -<p>Wie wir aber verlangen, daß frühere Raubtiere eine Ausnahme -mit dem Kaninchen machen, obwohl es ein Nager ist, so fordern wir eine -solche Ausnahmestellung auch bei den Bienen, obwohl sie zu den Insekten -gehören.</p> - -<p>Manche Imker denken nicht so milde wie Herr Böhm. Sie verlangen, -daß alle Tiere, die eine Biene fangen, auf die Liste der schädlichen -Tiere gesetzt werden. Es sind das vielfach solche, die sonst zu den nützlichsten -Geschöpfen gerechnet werden, also z. B. Schwalben, Spechte, -Meisen, das schon erwähnte Rotschwänzchen, ferner Störche, Würger, -Bienenfresser, Wespenbussarde, sodann die sonst so nützliche Spitzmaus -und die ebenfalls sehr nützliche Kröte. Unter den Insekten hat die -Biene folgende Feinde: Hornissen, Wespen, Bienenwölfe, Maiwürmer, -Bienenkäfer, Bienenbuckelfliegen, Wachsmotten, Bienenläuse und andere.</p> - - -<h3><a name="kap_202" id="kap_202">202</a>. Die Rassen der Honigbiene.</h3> - -<p>Herr Böhm hat, wie wir schon erwähnten, Heidebienen. Er ist -aber gar nicht von ihnen entzückt, weil sie zu schwarmwütig und stechlustig -sind.</p> - -<p>Erfahrene Bienenkenner weisen darauf hin, daß die deutschen -Imker mit der Einführung fremder Bienen einen großen Fehler begangen -hätten. Da die geschlechtslosen Arbeiterinnen sich nicht vermehrten, -so sei die Haupttätigkeit auf die Zucht der Drohnen und der -Königinnen zu legen. Es müsse nach den Grundgesetzen der Tierzucht -aus den deutschen Bienen, die für unser Klima am besten passen, eine -schwarmträge Rasse gezüchtet werden.</p> - -<p>Außer der deutschen einfarbigen Honigbiene gibt es noch die bunte -südeuropäische Biene. Namentlich ist hiervon die italienische Biene bekannt, -die in der Mitte des vorigen Jahrhunderts bei uns eingeführt -wurde. Sonst gibt es noch die ägyptische, afrikanische, chinesische, indische -Biene usw.</p> - -<p>Die Heidebiene ist eine Unterart der deutschen Biene und unterscheidet -sich durch eine dunklere Färbung von ihr, die nicht so schwarmwütig -ist. Einen Uebergang zu der bunten Bienenrasse bildet die nordische -Biene, die wegen ihrer Sanftmut beliebt ist. Ebenso sanftmütig ist die -zwischen beiden stehende kaukasische Rasse. Ist die italienische Biene bei -uns naturgemäß wenig winterhart, so ist die ihr verwandte cyprische -Biene obendrein noch sehr bösartig und schwarmwütig.</p> - -<p>Die Biene gehört zu den Insekten und zwar zu der Ordnung der -Hautflügler. Das Bienenvolk besteht außer den geschlechtslosen Arbeiterinnen -aus Drohnen und der Königin. Die Königin ist größer und -hat einen längeren Hinterleib. Sie sorgt mit den Drohnen für die -Fortpflanzung des Volkes, indem sie einige Tage nach dem Ausschlüpfen -ihren Hochzeitsflug unternimmt, auf dem sie befruchtet wird. Sie legt -Eier, und zwar entstehen aus den befruchteten Eiern Arbeiterinnen und -Königinnen, aus den unbefruchteten Eiern Drohnen. Es wird je ein -Ei in eine Zelle gelegt – gestiftet, wie der Imker sagt – und zwar kann -die Königin in vierundzwanzig Stunden bis zu 3000 Stück Eier legen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_259" id="Page_259">[Pg 259]</a></span></p> - -<p>Die Königin ist also der Mittelpunkt des Ganzen. Schwärmende -Bienen lassen sich ruhig einfangen, wenn die Königin dabei ist. Andernfalls -fliegen sie fort.</p> - -<p>Nach drei Tagen schlüpfen aus den Eiern Larven, die später Bienen -werden. Die Entwicklungszeit der Königin dauert 16, die der Arbeitsbienen -21, die der Drohnen 24 Tage.</p> - -<p>Die Königin kann 5 Jahre alt werden, die Arbeitsbienen leben, wie -schon erwähnt wurde, nur etwa 6 Wochen. Ausnahmen bilden die im -Herbste erbrüteten Bienen, die den Winter überdauern. Die Drohnen -sterben im August in der sogen. Drohnenschlacht.</p> - -<p>Die ganze Arbeitslast des Bienenvolkes wird von den verkümmerten -Weibchen geleistet, die deshalb Arbeiterinnen heißen. Sie füttern die -Brut, sie lecken den Blumennektar auf, der sich in ihrem Magen in -Honig verwandelt, und tragen ihn in die Zellen ein. Nicht so gut ist der -Honig von Blattläusen. Die Hinterbeine der Arbeitsbienen sind mit -Körbchen und Bürstchen ausgestattet, mittels deren sie den Blütenstaub -zu den Zellen bringen und dort abfegen. Zum Stopfen der Ritzen -tragen sie Harz oder Stopfwachs ein, das sie von den Knospen der -Kastanien und anderer Bäume holen.</p> - -<p>Die Arbeitsbienen bauen die Zellen aus Wachs, das sie aus den -Leibesringen ausschwitzen. Die Zellen werden wagrecht auf der Mittelwand -der Wabe errichtet, die ihrerseits stets senkrecht steht. Die Zelle -zur Ausbrütung der Königin ist besonders groß und eichelförmig.</p> - -<p>Sehr wichtig ist es, daß bei dem Nichtvorhandensein einer Königin -aus der Larve einer Arbeiterin durch besonders reichliche Fütterung eine -neue Königin erzogen werden kann.</p> - -<p>Es wurde bereits erwähnt, daß die sechseckige Form der Zellen -von jeher das Erstaunen der Menschen erregt hat. Die meisten erblicken -darin einen Beweis der besonderen Klugheit der Bienen. Andere behaupten -dagegen, daß hiervon keine Rede sein könne. Denn aus dem -gemeinsamen Bauen der Bienen ergebe sich mit Notwendigkeit diese Form.</p> - -<p>Die Waben der heutigen Imker sind häufig beweglich. Herr Böhm -nimmt sie heraus und zeigt sie uns. Das ist nicht immer der Fall -gewesen, wie wir schon eingangs erwähnt haben. Ursprünglich ließ man -die Bienen in ausgehöhlten Baumstämmen, sogen. Klotzbeuten, hausen. -Noch heute gibt es in Westpreußen Beutekiefern. Zu einem wirklichen -Haustier aber ist die Biene erst durch die bewegliche Wabe geworden, -die in der Mitte des vorigen Jahrhunderts durch Dzierzon und Berlepsch -erfunden wurde.</p> - -<p>Durch eine Schleudervorrichtung wird der Honig aus den Waben -geschleudert. Je nach der Gegend und der Stärke des Stockes läßt der -Imker den Bienen bis zu 20 Pfund Honig für den Winter.</p> - -<p>Im Gegensatz zum Zucker wird der Honig sofort verdaut. Die -Alten haben nicht so ganz Unrecht gehabt, daß sie die heilsame Wirkung -des Honigs immer wieder betonten. Keine Nahrung soll das Leben so -verlängern wie der Honig.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_260" id="Page_260">[Pg 260]</a></span></p> - - -<h3><a name="kap_203" id="kap_203">203</a>. Sind die Bienen fleißig?</h3> - -<p>Wenn wir das Gewimmel und die aufopfernde Tätigkeit der Bienen -mit eigenen Augen sehen, wie sie eintragen und wieder eilend fortfliegen, -um dem Volke neue Nahrung zu bringen, dann ist es uns ganz verständlich, -daß man schon im Altertum den Staat der Bienen den Menschen -als Muster vorgehalten hat. Wie die Ameisen, die ohne Ansporn immer -tätig sind, so scheinen auch die Bienen einen vorbildlichen Fleiß zu -bekunden.</p> - -<p>Auch hier fragt es sich, ob wir nicht menschliche Vorstellungen in die -Tierwelt hineintragen, wo sie gar nicht hinpassen. Das Bienenvolk wie -der Ameisenstaat bestehen aus einem fortpflanzungsfähigen Wesen. Die -einzelne Biene pflanzt sich nicht fort. Das ist ein grundlegender Unterschied -zu allen andern Geschöpfen. Mit Recht nennt der Imker das -ganze Volk »der Bien«. Wie andere Geschöpfe aus zusammenhängenden -Zellen bestehen, so der Bien ebenfalls aus Zellen, aber im Gegensatz zu -sonstigen Geschöpfen aus beweglichen Zellen.</p> - -<p>Ist aber die einzelne Biene gar kein selbständiges Geschöpf, sondern -nur eine bewegliche Zelle, dann kann man ihr weder Lob noch Tadel -erteilen. Wir loben unser Herz nicht, weil es Tag und Nacht schlägt, -ebenso unsere Lungen nicht, die unermüdlich von früh bis spät und selbst -die Nacht hindurch für frische Luft sorgen. Hat schon jemand den -Magen gelobt, weil er fleißig verdaut?</p> - -<p>Es sprechen folgende Umstände dafür, daß die Biene kein selbständiges -Geschöpf ist.</p> - -<p>1. Wie der Mensch einzelne Zellen für das Ganze opfert, – um -nicht auf den Kopf zu fallen, hält er die Arme vor –, so opfern sich die -einzelnen Bienen für das Ganze.</p> - -<p>2. Unsere Zellen arbeiten Tag und Nacht. Geht man zur Nachtzeit -in das Bienenhaus – was ich oft gemacht habe –, so sieht man die -Bienen auch nachts in reger Tätigkeit.</p> - -<p>3. Unser Körper kapselt eingedrungene Kugeln, die er nicht durch -Schwären hinausbekommen kann, ein. Genau so kapselt der Bien eingedrungene -Tiere, z. B. Mäuse, ein.</p> - -<p>4. Um die Bienenkönigin dreht sich alles. Bei andern selbständigen -Geschöpfen kommt ähnliches nicht vor. Ist die Königin der Kern des -Biens, dann ist alles verständlich. Dann ist das Schwärmen die Geburt -eines neuen Biens.</p> - -<p>Wer die Biene als selbständiges Geschöpf bezeichnet, wird für die -Drohnenschlacht kaum eine Erklärung haben. Die Tötung der wehrlosen -Männchen erscheint mit dem sonstigen Benehmen der fleißigen Geschöpfe -ganz unvereinbar.</p> - -<p>Ist dagegen das ganze Bienenvolk nur ein Geschöpf, dann ist die -Drohnenschlacht, wie ich in meinen Büchern ausführlich begründet habe, -ein ganz naturgemäßer Vorgang.</p> - -<p>Die Frage, ob die Bienen fleißig sind, läßt sich also nicht so ohne weiteres -bejahen. Vom Standpunkte des Menschen aus sind sie unzweifelhaft -fleißig. Aber dieser Standpunkt kann sachlich nicht begründet sein.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_261" id="Page_261">[Pg 261]</a></span></p> - -<p>Wir verabschieden uns jetzt von Herrn Böhm, zumal seine Befürchtung -wegen des Schwärmens unbegründet zu sein scheint, und weil wir -uns noch die im Aquarium befindlichen Bienenstöcke ansehen wollen.</p> - -<p>Hier kann der Besucher noch besser die Tätigkeit der Bienen beobachten, -da die Zugänge zum Stock mit Glas überdeckt sind. In dem -einen Zugang liegen vier tote Bienen. Von dem vielgepriesenen Reinlichkeitssinn -der Bienen kann man in diesem Falle nichts bemerken. Jede -Biene bleibt bei der toten Genossin eine Weile stehen und beschnüffelt sie -anscheinend. Dann geht es eilends weiter. Von einem Fortbringen der -Leichen ist keine Rede.</p> - -<p>Wahrscheinlich ist die Handlungsweise der Bienen ganz berechtigt. -Sie werden sich sagen, daß das Fortbringen der Toten auch in der Nacht -geschehen kann. Dagegen ist das Eintragen von Honig gerade jetzt, wo -die Linden so schön zu blühen anfangen, in der Dunkelheit nicht möglich.</p> - -<p>Vor dem Einflugsloch befindet sich ein Brettchen, und dicht daneben -ein gleichartiges. Niemals irrt sich eine Biene beim Zufliegen in dem -Brettchen. Der Ortssinn der Bienen muß also ganz wunderbar sein. -Hierüber habe ich schon manchmal gestaunt.</p> - -<p>So wohnte ich vor vielen Jahren bei einem befreundeten Bienenzüchter. -Dieser verkaufte die Hälfte seines Grundstückes. Infolgedessen -mußte der Bienenstand eine andere Stelle erhalten. Tagelang aber -flogen die Bienen zunächst nach der ganz leeren Stelle, wo er früher gestanden -hatte.</p> - -<p>Die Tiere müssen also, wie immer wieder hervorgehoben werden -muß, zu dem Raume in einem ganz anderen Verhältnis stehen wie der -Mensch.</p> - -<p>Zum Vorgang des Schwärmens, den wir leider nicht selbst beobachten -konnten, sei bemerkt, daß die Bienen wie eine Wolke dahinziehen und -sich traubenförmig an einem Aste niederlassen. Der Imker, der sich gewöhnlich -Kopf und Hände durch Vorrichtungen schützt, dabei auch raucht, -steigt auf eine Leiter und bringt den Schwarm vorsichtig in einen Eimer -oder in ein anderes Gefäß.</p> - - -<h3><a name="kap_204" id="kap_204">204</a>. Warum werden Pferde besonders leicht von Bienen -gestochen?</h3> - -<p>Bereits im Altertum ist es aufgefallen, daß Pferde leicht Gefahr -laufen, von Bienen gestochen zu werden. Es ist mir nicht bekannt, daß -andere Haustiere von Bienen getötet worden sind, aber von Pferden ist -es mir wiederholentlich berichtet worden. Ein bekannter Naturforscher -führt folgende Fälle an: 1. Im Jahre 1820 fuhr ein Freund von mir -von Berlin nach Wittenberg. Nicht weit von Schmögelsdorf fiel ein -Bienenschwarm aus unbekannter Ursache wie rasend über die Pferde her. -Das eine wurde totgestochen, das andere starb am folgenden Tage. -2. Am 24. Mai 1854 hielt der Bauer Meier vor der Wohnung eines -Bauern zu Wotersen auf der Landstraße mit einem Viergespann, als -plötzlich die aus etwa sieben Stöcken kommenden Bienenschwärme sich<span class="pagenum"><a name="Page_262" id="Page_262">[Pg 262]</a></span> -gleichzeitig auf die Pferde warfen. Das erste erlag sogleich den Stichen, -die übrigen starben teils an demselben Tage, teils am folgenden. Alle -Versuche zur Vertreibung der Bienen durch Abschießen von Pulver und -Uebergießen mit kaltem Wasser blieben erfolglos. Die Bienen desselben -Bauern hatten schon früher an derselben Stelle zwei Pferde getötet.</p> - -<p>Man versteht hiernach, daß unsere Vorfahren nicht so unrecht hatten, -wenn sie die Biene als »wilden Wurm« bezeichneten. Vier Pferde auf -einen Schlag zu verlieren, ist namentlich bei den heutigen Preisen für -Pferde gewiß keine Kleinigkeit.</p> - -<p>Die Fälle sind deshalb fast wörtlich angeführt, damit ersichtlich wird, -daß die Pferde zu dem Angriff der Bienen nicht den geringsten Anlaß -gegeben haben. Sie waren auf der Landstraße und haben, wie immer, -ihren regelmäßigen Dienst getan. Bei der Schilderung der Fälle ist auch -nicht einmal der Versuch gemacht worden, das Verhalten der Bienen zu -erklären.</p> - -<p>Ich komme auf meine bereits im Kap. <a href="#kap_198">198</a> geäußerte Ansicht zurück. -Das Pferd, das regelmäßig braun sein wird, erinnert die Bienen an ihren -Todfeind, den Honigbären. Uebrigens gibt es in Europa Bären von der -verschiedensten Färbung, wie mir die Felle, die mir ein bekannter Bärenjäger -gezeigt hat, beweisen. Das Pferd ist also auch gefährdet, wenn es -nicht braun ist.</p> - -<p>Der Hund mit seinem zottigen Haar wäre auch gefährdet. Aber -die Hundeartigen kennen aus früheren Zeiten die Gefahren durch Bienenstiche -und ziehen sich rechtzeitig zurück. Ebenso kennen Wildrinder und -Wildschafe in ihrer Heimat wilde Bienen und benehmen sich entsprechend. -Auch scheinen die Bienen die Ungefährlichkeit der Wiederkäuer zu kennen.</p> - -<p>Dagegen kennt das Pferd keine Wildbienen, weil es in der Steppe -kaum Bienen gibt. Umgekehrt wissen die Bienen nicht, daß sie von den -Pferden nichts zu fürchten haben.</p> - -<p>Da die Pferde gewöhnlich angeschirrt sind, so sind sie wehrlos den -Stichen der Bienen preisgegeben.</p> - -<p>Die Bienen haben allen Grund, auf den Bären erbost zu sein. Ein -Deutscher, der ein Menschenalter hindurch in Rußland Oberförster war, -schildert die Angriffe des Bären auf Bienenstöcke in folgender Weise:</p> - -<p>In Rußland hat gewöhnlich jeder Buschwächter einige Bienenstöcke, -die im Laufe des Sommers auf großen, alten Kiefern angebracht werden, -wo sie bis zum Spätherbst bleiben. Findet nun Meister Petz zufällig -einen Baum und merkt, daß da oben etwas zu holen ist, so steigt er -hinauf und fängt an, den Bienenstock zu bearbeiten, und wirtschaftet so -lange, bis er ihn entweder öffnet oder losreißt und vom Baume wirft. -Obgleich der ganze Bienenschwarm über ihn herfällt, kümmert er sich -wenig darum, denn durch seinen Pelz dringt wohl selten ein fühlbarer -Stich, die Augen drückt er zu, und über die Nase fährt er mit der -Pranke; also arbeitet er unter dem Gesumme der Bienen, ohne besonders -belästigt zu werden. Hat nun der Bär einmal den Honig geschmeckt, dann -wehe allen Bienenstöcken, wenn er sie ausfindig macht. So lautet der -Bericht unseres Gewährsmannes.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_263" id="Page_263">[Pg 263]</a></span></p> - -<p>Der Name Honigbär für unseren braunen Bären ist also ganz zutreffend. -Die Bienen sind machtlos gegen ihn, da er seine empfindliche -Nase durch die vorgehaltene Pranke schützt.</p> - -<p>Es kann also leicht sein, daß die Bienen das Pferd mit ihrem Erzfeinde, -dem Bären, verwechseln. Dann wäre die Tötung von Pferden -durch Bienen erklärlich.</p> - -<p>Es würde sich für alle Pferdebesitzer daraus der wichtige Rat ergeben, -vor Bienenstöcken lieber einen kleinen Umweg zu machen.</p> - - -<h3><a name="kap_205" id="kap_205">205</a>. Die Biene in Redensarten und Sprichwörtern.</h3> - -<p>Erwähnt wurde bereits, daß die alten Deutschen die Biene einen -wilden Wurm nannten. Ebenso ist der Spruch über das Schwärmen in -den verschiedenen Monaten wiedergegeben. Sonst ist noch die Redensart -üblich:</p> - -<p class="center"><em>Der Bien muß.</em></p> - -<p>Im Grimmschen Wörterbuch finde ich diese Redensart nicht angeführt. -Gewöhnlich heißt es, daß in einem Lügenmärchen von Bienen erzählt -wird, die so groß wie Schafe sind. Auf die erstaunte Frage, wie die -Bienen bei dieser Größe durch das enge Flugloch in den Bienenstock gelangen, -wird die vorstehende Redensart als Antwort erteilt.</p> - -<div class="figcenter"> -<a name="fig254_1" id="fig254_1" href="images/illu-254_1.jpg"><img src="images/illu-254_1_t.jpg" width="127" height="300" alt="Bienenwabe mit Brut in verschiedenen -Entwicklungszuständen" /></a> -<div class="caption">Bienenwabe mit Brut in verschiedenen -Entwicklungszuständen</div> -</div> - -<div class="figcenter"> -<a name="fig254_2" id="fig254_2" href="images/illu-254_2.jpg"><img src="images/illu-254_2_t.jpg" width="264" height="300" alt="Die Geschlechter der Bienen: -1 Königin 2 Arbeiterin 3 Drohne" /></a> -<div class="caption">Die Geschlechter der Bienen<br /> -1 Königin 2 Arbeiterin 3 Drohne</div> -</div> - -<div class="figcenter"> -<a name="fig254_3" id="fig254_3" href="images/illu-254_3.jpg"><img src="images/illu-254_3_t.jpg" width="300" height="225" alt="Korbbienenstand" /></a> -<div class="caption">Korbbienenstand</div> -</div> - - - - - - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_264" id="Page_264">[Pg 264]</a></span></p> -<p class="m2-2">Die nähere Begründung der hier ausgesprochenen Ansichten -ist in nachstehenden Büchern zu finden: 1. Ist das Tier -unvernünftig? 2. Tierfabeln. 3. Straußenpolitik. 4. Streifzüge -durch die Tierwelt. 5. Das Pferd als Steppentier. -Sämtlich bei Franckh in Stuttgart erschienen. Ferner in 6. Diktatur der Liebe. Bei Hoffmann u. Campe, Berlin. - 7. Welche Fingerzeige gibt uns die Lebensweise des Wildschweins -für die Behandlung, Züchtung und Fütterung des -Hausschweins? Verlag der Vereinigung deutscher Schweinezüchter, -Berlin W., An der Apostelkirche 1. 8. Was können -wir aus der Lebensweise der Wildschafe zur Hebung der -Schafzucht lernen? Bei Hosang u. Co., Hannover.</p> - - - - -<h2><a name="Inhaltsangabe" id="Inhaltsangabe">Inhaltsangabe.</a></h2> - - - -<table summary="Inhaltsangabe"> -<tr> - <td class="tdl"> </td> - <td class="tdr">Seite</td></tr> -<tr> - <td class="tdl">Vorwort</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_3">3</a></td></tr> -<tr> - <td class="tdl">Der Hund</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_5">5</a></td></tr> -<tr> - <td class="tdblock">1. Warum bellt der Hund? <a href="#Page_5">5</a> – 2. Warum bellt der Hund sich drehende Räder an? <a href="#Page_8">8</a> – -3. Das Fressen unappetitlicher Sachen <a href="#Page_10">10</a> – 4. Das Lappen des Wassers mit der -Zunge <a href="#Page_11">11</a> – 5. Der Platz in der Sonne und am warmen Ofen. Das Sich-herumdrehen -vor dem Hinlegen <a href="#Page_12">12</a> – 6. Das Alter des Hundes <a href="#Page_13">13</a> – 7. Die Rassen (Unterarten) -des Hundes <a href="#Page_16">16</a> – 8. Der Zeitsinn der Tiere <a href="#Page_17">17</a> – 9. Der Ortssinn der Tiere <a href="#Page_19">19</a> – -10. Das Apportieren (Herbringen von Gegenständen) des Hundes <a href="#Page_21">21</a> – 11. Die -Bedeutung des Geruchssinnes. Der Eigentumssinn der Hunde <a href="#Page_24">24</a> – 12. Soll man -sich in der Großstadt einen Hund halten? Die Stubenreinheit des Hundes <a href="#Page_27">27</a> – -13. Das Grasfressen der Hunde. Schämen sich manche Hunde? <a href="#Page_30">30</a> – 14. Das Laufen -gegen den Wind. Warum ist die Hundenase kühl und feucht? Warum gibt es bei -den Hunden Steh-, Kipp- und Hängeohren? Die Wichtigkeit des Gehörs <a href="#Page_33">33</a> – -15. Warum fürchtet sich der Hund vor dem leeren Wasserglase? Warum bellt er den -Mond an? <a href="#Page_34">34</a> – 16. Warum wedelt der Hund mit dem Schwanze? <a href="#Page_36">36</a> – 17. Warum -gibt es kurzhaarige Hunde? Der Windhund <a href="#Page_37">37</a> – 18. Der Schäferhund als Polizei- -und Blindenhund <a href="#Page_40">40</a> – 19. Die Fütterung des Hundes <a href="#Page_41">41</a> – 20. Die Feinde des -Hundes. Hund und Wolf <a href="#Page_43">43</a> – 21. Rätselhaftes beim Hunde <a href="#Page_47">47</a> – 22. Allerlei -Hundegeschichten. Richtige Behandlung des Hundes <a href="#Page_49">49</a> – 23. Sogenannte Unarten -der Hunde und ihre Bekämpfung <a href="#Page_52">52</a> – 24. Klugheit und Verstellungskunst einer -deutschen Dogge <a href="#Page_55">55</a> – 25. Verstellung und Beistand bei Hunden <a href="#Page_59">59</a> – 26. Leistungen -der Hunde zum Nutzen der Menschen <a href="#Page_61">61</a> – 27. Gefahren durch Hunde <a href="#Page_63">63</a> – 28. Geschichtliches -vom Hunde <a href="#Page_65">65</a> – 29. Der Hund in Sprichwörtern und Redensarten <a href="#Page_66">66</a></td> - <td class="tdr"> </td></tr> -<tr> - <td class="tdl">Die Katze</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_69">69</a></td></tr> -<tr> - <td class="tdblock">30. Hund und Katze waren früher Raubtiere. Warum sehen sie trotzdem verschieden -aus? <a href="#Page_69">69</a> – 31. Welchen Zwecken dienen die Schnurrhaare der Katze? 7<a href="#Page_2">2</a> – 32. Das -Schmeicheln der Katze. Ist die Katze falsch? <a href="#Page_73">73</a> – 33. Warum schlingt der Hund, -während die Katze gesittet frißt? <a href="#Page_74">74</a> – 34. Die Katzenwäsche. Sind Katzenhaare -giftig? <a href="#Page_75">75</a> – 35. Warum hat die Katze eine rauhe Zunge? <a href="#Page_77">77</a> – 36. Das Vorgefühl -der Tiere für kommendes Wetter <a href="#Page_78">78</a> – 37. Der Haß des Hundes gegen die Katze. -Warum macht die Katze einen Buckel? Ist sie tapfer? <a href="#Page_80">80</a> – 38. Warum begleitet -die Katze ihren Herrn nicht wie der Hund? Warum geht sie nicht mit ihm auf die -Jagd? <a href="#Page_81">81</a> – 39. Warum fällt die Katze immer auf die Füße? Warum leuchten ihre -Augen? <a href="#Page_83">83</a> – 40. Wie fängt die Katze Mäuse? Die Katze als Vogelfeindin <a href="#Page_85">85</a> – -41. Warum schüttelt die Katze beim Fressen den Kopf? <a href="#Page_87">87</a> – 42. Die Rassen der Katze. -Alter und sogenannte Erziehung <a href="#Page_90">90</a> – 43. Die Feinde der Katze <a href="#Page_93">93</a> – 44. Die Katze -als angebliche Nachahmerin unserer Reinlichkeitsbestrebungen <a href="#Page_94">94</a> – 45. Geschichten -von Katzen <a href="#Page_96">96</a> – 46. Die Katze in Redensarten und Sprichwörtern <a href="#Page_97">97</a></td> - <td class="tdr"> </td></tr> -<tr> - <td class="tdl">Das Pferd</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_99">99</a></td></tr> -<tr> - <td class="tdblock">47. Warum gibt es so viele braune Pferde? <a href="#Page_99">99</a> – 48. Warum hat das Pferd eine -Mähne? Die Fabel von dem Kreisbilden der Pferde <a href="#Page_101">101</a> – 49. Warum kann das -Pferd nur durch die Nase atmen? <a href="#Page_102">102</a> – 50. Warum scheuen die Pferde und gehen -durch? <a href="#Page_103">103</a> – 51. Die Bodenscheu <a href="#Page_104">104</a> – 52. Einem geschenkten Gaul schaut man -nicht ins Maul. Warum trägt ein Pferd Hufeisen? <a href="#Page_105">105</a> – 53. Der Schweif des -Pferdes, verglichen mit dem Schwanz von Hund und Katze <a href="#Page_106">106</a> – 54. Sieht das -Pferd alles größer? <a href="#Page_108">108</a> – 55. Ist der Futterkübel praktisch? <a href="#Page_110">110</a> – 56. Die Rassen -oder Stämme des Pferdes <a href="#Page_111">111</a> – 57. Warum fährt man lieber zweispännig als einspännig? -<a href="#Page_113">113</a> – 58. Warum schreien Pferde nicht? Das Wiehern der Pferde <a href="#Page_114">114</a> – -59. Andere Eigentümlichkeiten des Pferdes <a href="#Page_116">116</a> – 60. Kummet- oder Sielengeschirr. -Warum ist das Fahren älter als das Reiten? <a href="#Page_117">117</a> – 61. Warum läuft das Pferd -gerade und der Hund schräg? <a href="#Page_118">118</a> – 62. Die naturgemäße Fütterung der Pferde. -Das Koppen <a href="#Page_119">119</a> – 63. Geht es auch ohne Peitsche? <a href="#Page_121">121</a> – 64. Die Feinde des -<span class="pagenum"><a name="Page_265" id="Page_265">[Pg 265]</a></span>Pferdes <a href="#Page_121">121</a> – 65. Warum können Fohlen gleich auf den Beinen stehen? <a href="#Page_128">128</a> – -66. Geschichten von Pferden <a href="#Page_124">124</a> – 67. Ueber richtige Behandlung des Pferdes <a href="#Page_130">130</a> – -68. Die geistigen Fähigkeiten der Tiere <a href="#Page_133">133</a> – 69. Was verstehen wir unter »Instinkt« -bei den Tieren? <a href="#Page_134">134</a> – 70. Das Gedächtnis des Pferdes <a href="#Page_136">136</a> – 71. Das Verständnis -der Pferde für Kommandoworte <a href="#Page_137">137</a> – 72. Warum müssen wir das Pferd putzen? <a href="#Page_138">138</a> – -73. Das Pferd in Redensarten und Sprichwörtern <a href="#Page_139">139</a></td> - <td class="tdr"> </td></tr> -<tr> - <td class="tdl">Esel und Maultier</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_140">140</a></td></tr> -<tr> - <td class="tdblock">74. Das Aeußere des Esels <a href="#Page_140">140</a> – 75. Warum sieht man selten kranke Esel? <a href="#Page_141">141</a> – -76. Ziehhund oder Esel? <a href="#Page_142">142</a> – 77. Wie ist der Esel mit dem Maultier verwandt? <a href="#Page_144">144</a> – -78. Wie erklärt sich die Abneigung des Pferdes gegen den Esel? <a href="#Page_144">144</a> – 79. Warum -schreit der Esel Ya? <a href="#Page_144">144</a> – 80. Die Rassen des Esels <a href="#Page_144">144</a> – 81. Der Esel im Sprichwort -und in Redensarten <a href="#Page_145">145</a></td> - <td class="tdr"> </td></tr> -<tr> -<td class="tdl">Das Rind</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_146">146</a></td></tr> -<tr> - <td class="tdblock">82. Warum können wir nicht auch fetten Schweizerkäse herstellen? <a href="#Page_146">146</a> – 83. Der -Stier und die rote Farbe <a href="#Page_147">147</a> – 84. Das Flotzmaul der Rinder <a href="#Page_148">148</a> – 85. Die Furcht -der Rinder vor dem Blutgeruch <a href="#Page_148">148</a> – 86. Die Furcht der Rinder vor den -Bremen <a href="#Page_149">149</a> – 87. Die Abneigung der Rinder gegen Hunde <a href="#Page_149">149</a> – 88. Das Aufblähen -der Rinder <a href="#Page_149">149</a> – 89. Die Kuh vorm neuen Tor. Der Ortssinn der Tiere <a href="#Page_151">151</a> – -90. Weitere Vergleiche zwischen Rind und Pferd <a href="#Page_153">153</a> – 91. Geschichten vom Rind <a href="#Page_155">155</a> – -92. Welches sind die Feinde des Rindes? <a href="#Page_158">158</a> – 93. Wie hoch ist der Milchertrag einer -Durchschnittskuh? <a href="#Page_159">159</a> – 94. Warum ist das Rind ein Wiederkäuer, das Pferd -nicht? <a href="#Page_160">160</a> – 95. Die geistigen Gaben der Rinder <a href="#Page_161">161</a> – 96. Die Rassen der -Rinder <a href="#Page_161">161</a> – 97. Krankheiten der Rinder <a href="#Page_162">162</a> – 98. Das Rind in Redensarten und -Sprichwörtern <a href="#Page_162">162</a></td> - <td class="tdr"> </td></tr> -<tr> -<td class="tdl">Das Schwein</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_163">163</a></td></tr> -<tr> - <td class="tdblock">99. Wodurch unterscheidet sich das Hausschwein vom Wildschwein? <a href="#Page_163">163</a> – 100. Warum -ist der Kopf des Schweines kegelförmig? <a href="#Page_163">163</a> – 101. Warum nennt man einen -Menschen mit kleinen Augen schweinsäugig? <a href="#Page_164">164</a> – 102. Warum liegt unser Hausschwein -gern in einer Pfütze und auf dem Miste? <a href="#Page_165">165</a> – 103. Welches sind die Vorzüge -unseres Hausschweins? <a href="#Page_165">165</a> – 104. Warum gedeihen die Schweine bei kleinen -Leuten so gut? <a href="#Page_166">166</a> – 105. Wie soll der Schweinestall beschaffen sein? <a href="#Page_167">167</a> – -106. Warum frißt die Sau die eigenen Ferkel? <a href="#Page_167">167</a> – 107. Muß ein gutes Schwein -alles fressen? <a href="#Page_168">168</a> – 108. Die Fütterung der Schweine mit Rohrwurzeln <a href="#Page_168">168</a> – -109. Die Rassen des Schweins <a href="#Page_169">169</a> – 110. Das Schwein in Redensarten und Sprichwörtern -<a href="#Page_170">170</a></td> - <td class="tdr"> </td></tr> -<tr> - <td class="tdl">Die Ziege</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_171">171</a></td></tr> -<tr> - <td class="tdblock">111. Warum können junge Ziegen bereits vortrefflich klettern? <a href="#Page_171">171</a> – 112. Warum -fressen Ziegen ungern Gras? <a href="#Page_172">172</a> – 113. Wie erklärt sich die Giftfestigkeit der -Ziege? <a href="#Page_172">172</a> – 114. Warum heißt die Ziege die Kuh des armen Mannes? <a href="#Page_173">173</a> – -115. Wie lebt die Ziege im Gebirge? <a href="#Page_174">174</a> – 116. Warum gibt es im Ziegenstall so -wenig Fliegen, im Kuhstall so viele? <a href="#Page_175">175</a> – 117. Die Rassen der Ziege <a href="#Page_176">176</a> – 118. Die -Ziege in Redensarten und Sprichwörtern <a href="#Page_177">177</a></td> - <td class="tdr"> </td></tr> -<tr> -<td class="tdl">Das Schaf</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_178">178</a></td></tr> -<tr> - <td class="tdblock">119. Warum blökt das Schaf? <a href="#Page_178">178</a> – 120. Warum krümmen sich beim Schafbock die -Hörner, beim Ziegenbock nicht? <a href="#Page_179">179</a> – 121. Warum folgen die Schafe dem Leithammel? -<a href="#Page_180">180</a> – 122. Warum sieht das Schaf so furchtbar ängstlich aus? <a href="#Page_180">180</a> – -123. Geschichten von Schafen <a href="#Page_181">181</a> – 124. Warum braucht der Schäfer einen -Hund? <a href="#Page_182">182</a> – 125. Mufflon und Hausschaf. Neue Futterquellen für unsere Hausschafe -<a href="#Page_183">183</a> – 126. Die Rassen des Hausschafs <a href="#Page_184">184</a> – 127. Das Schaf in Redensarten -und Sprichwörtern <a href="#Page_185">185</a></td> - <td class="tdr"> </td></tr> -<tr> -<td class="tdl">Das Kaninchen</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_186">186</a></td></tr> -<tr> - <td class="tdblock">128. Warum trinkt das zahme Kaninchen, das Wildkaninchen nicht? <a href="#Page_186">186</a> – 129. Welches -sind die Feinde des Kaninchens? <a href="#Page_187">187</a> – 130. Zweckmäßige Behandlung unseres -Kaninchens <a href="#Page_188">188</a> – 131. Die Rassen des Kaninchens <a href="#Page_189">189</a> – 132. Was versteht man -unter einer Rasse? <a href="#Page_189">189</a> – 133. Geschichten vom Kaninchen. Kaninchen hat angefangen -<a href="#Page_189">189</a> – 134. Kann das Kaninchen mit dem Schwein in Wettbewerb treten? <a href="#Page_190">190</a> – -135. Wie groß ist die Vermehrung des Kaninchens? <a href="#Page_191">191</a> – 136. Das Kaninchen in -Redensarten und Sprichwörtern <a href="#Page_191">191</a></td> - <td class="tdr"> </td></tr> -<tr> -<td class="tdl">Das Meerschweinchen</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_192">192</a></td></tr> -<tr> - <td class="tdblock">137. Das Meerschweinchen <a href="#Page_192">192</a></td> - <td class="tdr"> </td></tr> -<tr> -<td class="tdl">Das Frettchen</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_194">194</a></td></tr> -<tr> - <td class="tdblock">138. Wie unterscheidet sich das Frettchen vom Iltis? <a href="#Page_194">194</a> – 139. Tötung eines Berliner -Kindes durch ein Frettchen <a href="#Page_194">194</a> – 140. Das Frettchen in Redensarten und -Sprichwörtern <a href="#Page_195">195</a></td> - <td class="tdr"> </td></tr> -<tr> -<td class="tdl">Das Huhn</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_196">196</a></td></tr> -<tr> - <td class="tdblock">141. Warum kräht der Hahn? <a href="#Page_196">196</a> – 142. Der Lockruf des Hahns <a href="#Page_198">198</a> – 143. Wie -unterscheiden sich Hühner und Tauben? <a href="#Page_199">199</a> – 144. Die Mutterliebe der Glucke <a href="#Page_200">200</a> – -145. Warum gehen die Hühner so zeitig schlafen? Die sogen. Hühnerkieke <a href="#Page_202">202</a> – -146. Die Farbenblindheit der Hühner. Die Hypnose des Huhns durch einen Kreidestrich -<a href="#Page_203">203</a> – 147. Die naturgemäße Behandlung des Huhns <a href="#Page_204">204</a> – 148. Eine blinde -Henne findet auch ein Korn <a href="#Page_205">205</a> – 149. Die künstliche Glucke. Die Wetterfestigkeit -des Huhns <a href="#Page_206">206</a> – 150. Wie kriecht das Küchlein aus dem Ei? <a href="#Page_207">207</a> – 151. Warum -brauchen die Hühner sandigen Boden? <a href="#Page_208">208</a> – 152. Die Rassen des Huhns <a href="#Page_208">208</a> – -153. Das Huhn in Redensarten und Sprichwörtern <a href="#Page_209">209</a></td> - <td class="tdr"> </td></tr> -<tr> -<td class="tdl">Das Truthuhn</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_211">211</a></td></tr> -<tr> - <td class="tdblock">154. Das Hochzeitskleid des männlichen Truthuhns <a href="#Page_211">211</a> – 155. Woraus ist die Abneigung -des Truthahns gegen die rote Farbe zurückzuführen? – Die Herkunft der -Truthühner <a href="#Page_211">211</a></td> - <td class="tdr"> </td></tr> -<tr> -<td class="tdl">Der Pfau. Das Perlhuhn. Der Fasan</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_213">213</a></td></tr> -<tr> - <td class="tdblock">156. Warum schreit der Pfau so häßlich? <a href="#Page_213">213</a> – 157. Vergißt der Fasan das -Fliegen? <a href="#Page_213">213</a> – 158. Der Pfau in Redensarten und Sprichwörtern <a href="#Page_214">214</a></td> - <td class="tdr"> </td></tr> -<tr> -<td class="tdl">Die Taube</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_215">215</a></td></tr> -<tr> - <td class="tdblock">159. Die Kommandosprache der Tauben <a href="#Page_215">215</a> – 160. Wie retten sich die Tauben vor -den Raubvögeln? <a href="#Page_216">216</a> – 161. Warum muß der Stößer die Tauben erst überfliegen? -<a href="#Page_217">217</a> – 162. Warum sitzen unsere Haustauben auf Dächern und nicht auf -Bäumen? Der Taubenschlag <a href="#Page_219">219</a> – 163. Wie finden sich die Brieftauben zurecht? -<a href="#Page_220">220</a> – 164. Die Tauben als Vorbilder des Menschen <a href="#Page_221">221</a> – 165. Naturgemäße -Fütterung und Haltung der Tauben <a href="#Page_222">222</a> – 166. Die Rassen der Haustaube <a href="#Page_222">222</a> – -167. Die Taube in Redensarten und Sprichwörtern <a href="#Page_223">223</a></td> - <td class="tdr"> </td></tr> -<tr> -<td class="tdl">Die Ente</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_224">224</a></td></tr> -<tr> - <td class="tdblock">168. Warum sind die Wildenten im Berliner Tiergarten meistenteils ausgewandert? -<a href="#Page_224">224</a> – 169. Warum hat die von uns beobachtete Wildente nur drei -Junge? <a href="#Page_224">224</a> – 170. Die Feinde der Ente <a href="#Page_225">225</a> – 171. Warum nennt man eine falsche -Zeitungsnachricht eine Zeitungsente? <a href="#Page_226">226</a> – 172. Ist die Ente wie das Huhn ein -Tagtier? <a href="#Page_227">227</a> – 173. Warum läßt man Enteneier durch Hühner ausbrüten? <a href="#Page_228">228</a> – -174. Die Rassen der Ente <a href="#Page_228">228</a> – 175. Die Ente in Redensarten und Sprichwörtern <a href="#Page_229">229</a></td> - <td class="tdr"> </td></tr> -<tr> -<td class="tdl">Die Gans</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_230">230</a></td></tr> -<tr> - <td class="tdblock">176. Warum gilt die Gans als wachsam? <a href="#Page_230">230</a> – 177. Wie steht es mit den geistigen -Fähigkeiten der Gans? <a href="#Page_231">231</a> – 178. Wie erklärt sich der Gänsemarsch? <a href="#Page_231">231</a> – 179. Aus -der Lebensgeschichte einer Wildgans <a href="#Page_232">232</a> – 180. Die Rassen der Gans <a href="#Page_233">233</a> – 181. Die -Gans in Redensarten und Sprichwörtern <a href="#Page_233">233</a></td> - <td class="tdr"> </td></tr> -<tr> -<td class="tdl">Der Schwan</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_235">235</a></td></tr> -<tr> - <td class="tdblock">182. Warum hat der Schwan einen so langen Hals? <a href="#Page_235">235</a> – 183. Der Schwan in -Redensarten und Sprichwörtern <a href="#Page_236">236</a></td> - <td class="tdr"> </td></tr> -<tr> -<td class="tdl">Der Kanarienvogel</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_237">237</a></td></tr> -<tr> - <td class="tdblock">184. Warum gerät der Kanarienvogel in Wut, wenn er sein Spiegelbild erblickt? -<a href="#Page_237">237</a> – 185. Warum singen nur die Männchen bei den Singvögeln? <a href="#Page_238">238</a> – -186. Warum hassen die Sperlinge den Kanarienvogel? <a href="#Page_239">239</a> – 187. Wie erklärt sich -die gelbe Farbe des Kanarienvogels? <a href="#Page_240">240</a> – 188. Warum stecken die Vögel beim -Schlafen den Kopf in die Federn? <a href="#Page_240">240</a> – 189. Die Rassen des Kanarienvogels <a href="#Page_242">242</a></td> - <td class="tdr"> </td></tr> -<tr> -<td class="tdl">Der Wellensittich</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_243">243</a></td></tr> -<tr> - <td class="tdblock">190. Warum ist nur der Wellensittich ein Haustier? <a href="#Page_243">243</a> – 191. Warum fehlt dem -Tier die Sprache? <a href="#Page_244">244</a></td> - <td class="tdr"> </td></tr> -<tr> -<td class="tdl">Der Goldfisch</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_246">246</a></td></tr> -<tr> - <td class="tdblock">192. Warum ist der Goldfisch ein beliebter Aquariumfisch? <a href="#Page_246">246</a> – 193. Wie richte ich -ein Aquarium ein? <a href="#Page_246">246</a> – 194. Der Goldfisch in Redensarten <a href="#Page_248">248</a></td> - <td class="tdr"> </td></tr> -<tr> -<td class="tdl">Der Seidenspinner</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_249">249</a></td></tr> -<tr> - <td class="tdblock">195. Warum ist unsere Seidenraupenzucht zurückgegangen? <a href="#Page_249">249</a> – 196. Die Seidenraupe -in Redensarten und Sprichwörtern <a href="#Page_251">251</a></td> - <td class="tdr"> </td></tr> -<tr> -<td class="tdl">Die Biene</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_252">252</a></td></tr> -<tr> - <td class="tdblock">197. Warum bauen die Bienen im Dunkeln? <a href="#Page_252">252</a> – 198. Wann stechen die Bienen -am meisten? <a href="#Page_254">254</a> – 199. Sollen Frauen Imkerinnen werden? <a href="#Page_256">256</a> – 200. Mit welchen -Sinnen sucht die Biene die Blüten auf? <a href="#Page_257">257</a> – 201. Die Feinde der Bienen <a href="#Page_257">257</a> – -202. Die Rassen der Honigbiene <a href="#Page_258">258</a> – 203. Sind die Bienen fleißig? <a href="#Page_260">260</a> – -204. Warum werden Pferde besonders leicht von Bienen gestochen? <a href="#Page_261">261</a> – 205. Die -Biene in Redensarten und Sprichwörtern <a href="#Page_263">263</a></td> - <td class="tdr"> </td></tr> -<tr> - <td class="tdl">Inhaltsverzeichnis</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_264">264</a></td></tr> -<tr> - <td class="tdl">Sachregister</td> - <td class="tdr"><a href="#Page_267">267</a></td></tr> -</table> - - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_267" id="Page_267">[Pg 267]</a></span></p> - - - - -<h2><a name="Sachregister" id="Sachregister">Sachregister.</a></h2> - - -<p class="center">(Die Zahlen zeigen die Seitenzahlen an.)</p> - - -<ul> -<li>Aalstrich der Pferde <a href="#Page_100">100</a></li> - -<li>Adler als Feind der Katzen <a href="#Page_93">93</a></li> - -<li>Affen folgen den Leitaffen <a href="#Page_180">180</a></li> -<li class="snd">– fressen keine Giftbeeren <a href="#Page_135">135</a></li> -<li class="snd">– schwindelfrei <a href="#Page_85">85</a></li> -<li class="snd">– Stallgefährten der Pferde bei den Javanern <a href="#Page_114">114</a></li> -<li class="snd">– nicht stubenrein <a href="#Page_80">80</a></li> - -<li>Akarusräude <a href="#Page_65">65</a></li> - -<li>Albino <a href="#Page_194">194</a></li> - -<li>Angorakatze <a href="#Page_96">96</a></li> - -<li>Apportieren des Hundes <a href="#Page_18">18</a></li> -<li class="snd">– keine Steine apportieren lassen <a href="#Page_23">23</a></li> - -<li>Aquarium, Einrichtung <a href="#Page_246">246</a></li> - -<li>Aufblähen der Rinder <a href="#Page_149">149</a></li> - -<li>Ausschlagen der Pferde <a href="#Page_100">100</a></li> -</ul> - -<ul> -<li>Baas, Leiter des Rudels <a href="#Page_25">25</a></li> - -<li>Bandwurm bei Hunden <a href="#Page_64">64</a></li> - -<li>Bankivahuhn <a href="#Page_197">197</a></li> - -<li>Bär plündert Bienenstöcke <a href="#Page_262">262</a></li> -<li class="snd">– überfällt Rinderherden <a href="#Page_159">159</a></li> - -<li>Bart bei Ziegen, nicht bei Schafen <a href="#Page_179">179</a></li> - -<li>Beistand unter Hunden <a href="#Page_60">60</a></li> - -<li>Bernhardinerhunde <a href="#Page_61">61</a></li> - -<li>Bewegungslosigkeit als Regel für Jäger <a href="#Page_10">10</a>, <a href="#Page_204">204</a></li> - -<li>Biene, Bedeutung für Landwirtschaft und Obstbau <a href="#Page_253">253</a></li> -<li class="snd">– Feinde <a href="#Page_257">257</a></li> -<li class="snd">– fleißig <a href="#Page_260">260</a></li> -<li class="snd">– Ortssinn <a href="#Page_261">261</a></li> -<li class="snd">– Rassen <a href="#Page_258">258</a></li> -<li class="snd">– Sinne <a href="#Page_257">257</a></li> -<li class="snd">– stechen <a href="#Page_254">254</a></li> -<li class="snd">– stechen leicht Frauen <a href="#Page_256">256</a></li> -<li class="snd">– stechen leicht Pferde <a href="#Page_261">261</a></li> - -<li>Bilder lassen Hund gleichgültig <a href="#Page_35">35</a></li> -<li class="snd">– von Affen erkannt <a href="#Page_35">35</a></li> - -<li>Bison, Pfade <a href="#Page_158">158</a></li> - -<li>Blinde Henne <a href="#Page_205">205</a></li> -<li class="snd">– Hunde und Pferde <a href="#Page_20">20</a>, <a href="#Page_152">152</a></li> - -<li>Blindenführer, Hund als solcher <a href="#Page_28">28</a>, <a href="#Page_41">41</a></li> - -<li>Blinde Tiere, Leistungen <a href="#Page_152">152</a></li> - -<li>Blöken der Schafe <a href="#Page_178">178</a></li> - -<li>Blutgeruch, Abneigung bei Pferden <a href="#Page_131">131</a></li> -<li class="snd">– bei Rindern <a href="#Page_148">148</a></li> - -<li>Bodenscheu des Pferdes <a href="#Page_104">104</a></li> - -<li>Branten (Pranken) bei Katzen <a href="#Page_73">73</a></li> -<li class="snd">– bei Hunden und Wölfen nicht <a href="#Page_16">16</a></li> - -<li>Bremen (Bremsen) <a href="#Page_149">149</a></li> - -<li>Brieftauben <a href="#Page_220">220</a></li> -<li class="snd">– Sichzurechtfinden <a href="#Page_220">220</a></li> -</ul> - -<ul> -<li>Coyote (amerikanischer Wolf) trägt Gegenstände im Maul <a href="#Page_22">22</a></li> -</ul> - -<ul> -<li>Dachshund, ungehorsam, Grund <a href="#Page_39">39</a></li> - -<li>Durchgehen der Pferde <a href="#Page_103">103</a></li> - -</ul> - -<ul><li>Eigentumssinn des Hundes <a href="#Page_26">26</a></li> - -<li>Elefanten, Abneigung gegen Schimmel <a href="#Page_49">49</a></li> -<li class="snd">– folgen Leitelefanten <a href="#Page_180">180</a></li> - -<li>Ente, Feinde <a href="#Page_225">225</a></li> -<li class="snd">– Gefahr bei Märschen <a href="#Page_225">225</a></li> -<li class="snd">– nachts tätig <a href="#Page_227">227</a></li> -<li class="snd">– Rassen <a href="#Page_228">228</a></li> -<li class="snd">– Verstellung (Zeitungsente) <a href="#Page_226">226</a></li> - -<li>Enteneier durch Hühner ausgebrütet <a href="#Page_228">228</a></li> - -<li>Erpel schlechter Vater <a href="#Page_226">226</a></li> - -<li>Esel, Abneigung gegen Nässe <a href="#Page_76">76</a>, <a href="#Page_145">145</a></li> -<li class="snd">– Abneigung des Pferdes gegen ihn <a href="#Page_144">144</a></li> -<li class="snd">– Alter <a href="#Page_143">143</a></li> -<li class="snd">– frißt gern Disteln <a href="#Page_141">141</a></li> -<li class="snd">– gutes Geruchsorgan <a href="#Page_141">141</a></li> -<li class="snd">– zierliche Hufe <a href="#Page_140">140</a></li> -<li class="snd">– selten krank <a href="#Page_141">141</a></li> -<li class="snd">– lange Ohren <a href="#Page_140">140</a></li> -<li class="snd">– Rassen <a href="#Page_144">144</a></li> -<li class="snd">– wälzt sich gern <a href="#Page_139">139</a></li> -<li class="snd">– Yaschreien <a href="#Page_144">144</a></li> -<li class="snd">– und Ziehhund <a href="#Page_142">142</a></li> - -<li>Eskimohund <a href="#Page_26">26</a></li> - -<li>Eulen, Augenleuchten <a href="#Page_85">85</a></li> -<li class="snd">– gefiederte Katze <a href="#Page_89">89</a></li> - -</ul> - -<ul><li>Fähigkeiten, geistige, der Tiere <a href="#Page_133">133</a></li> - -<li>Fahren älter als Reiten <a href="#Page_117">117</a></li> - -<li>Farbenblindheit <a href="#Page_203">203</a></li> - -<li>Fasan <a href="#Page_213">213</a></li> - -<li>Fleischerhund <a href="#Page_63">63</a></li> - -<li>Fliegen setzen sich nicht auf Katzen <a href="#Page_75">75</a></li> -<li class="snd">– selten im Ziegenstall <a href="#Page_175">175</a></li> - -<li>Flöhe bei Hunden <a href="#Page_65">65</a></li> - -<li>Flotzmaul <a href="#Page_148">148</a></li> - -<li>Fohlen stehen gleich auf den Beinen <a href="#Page_123">123</a></li> - -<li>Fragmit als Futtermittel für Schweine <a href="#Page_168">168</a></li> - -<li>Frauen selten Bienenwirtinnen <a href="#Page_256">256</a></li> - -<li>Fressen von Hund und Katze <a href="#Page_74">74</a></li> -<li class="snd">– unappetitlicher Sachen <a href="#Page_10">10</a></li> - -<li>Frettchen, Albino <a href="#Page_194">194</a></li> -<li class="snd">– Tötung eines Kindes <a href="#Page_194">194</a></li> - -<li>Fuchs als Feind der Katze <a href="#Page_93">93</a></li> -<li class="snd">– schnürt <a href="#Page_118">118</a></li> - -<li>Futterquellen, neue <a href="#Page_168">168</a>, <a href="#Page_183">183</a></li> - -<li>Fütterung des Hundes <a href="#Page_41">41</a></li> -<li class="snd">– der Katze <a href="#Page_89">89</a></li> -<li class="snd">– des Pferdes <a href="#Page_119">119</a></li> - -</ul> - -<ul><li>Gans, geistige Gaben <a href="#Page_231">231</a></li> -<li class="snd">– wachsam <a href="#Page_230">230</a></li> -<li class="snd">– Rassen <a href="#Page_238">238</a></li> - -<li>Gänsefedern <a href="#Page_233">233</a></li> - -<li>Gänsemarsch <a href="#Page_231">231</a></li> - -<li>Gedächtnis der Tiere <a href="#Page_136">136</a></li> - -<li>Gehör, Wichtigkeit <a href="#Page_38">38</a></li> - -<li>Geier, Aasfresser <a href="#Page_11">11</a></li> - -<li>Geruchsinn, außerordentliche Bedeutung <a href="#Page_24">24</a></li> -<li class="snd">– der Bienen <a href="#Page_257">257</a></li> -<li class="snd">– des Esels <a href="#Page_141">141</a></li> -<li class="snd">– des Hundes <a href="#Page_24">24</a></li> -<li class="snd">– des Pferdes <a href="#Page_131">131</a>, <a href="#Page_133">133</a></li> -<li class="snd">– des Rindes <a href="#Page_148">148</a></li> -<li class="snd">– des Schweines <a href="#Page_164">164</a></li> - -<li>Giftfestigkeit der Ziege <a href="#Page_172">172</a></li> - -<li>Glasaugen der Pferde <a href="#Page_112">112</a></li> - -<li>Goldfisch <a href="#Page_246">246</a></li> -<li class="snd">– Rassen <a href="#Page_246">246</a></li> - -<li>Grab- und Rennpfoten der Hunde <a href="#Page_73">73</a></li> - -<li>Grasfressen der Hunde <a href="#Page_30">30</a></li> - -<li>Graugans <a href="#Page_230">230</a></li> -<li class="snd">– im Kampfe mit der Katze <a href="#Page_232">232</a></li> - -<li>Großstadt wenig geeignet für den Hund <a href="#Page_27">27</a></li> - -</ul> - -<ul><li>Hahn, krähen <a href="#Page_7">7</a>, <a href="#Page_196">196</a></li> -<li class="snd">– kümmert sich nicht um die Küchlein <a href="#Page_198">198</a></li> -<li class="snd">– Lockruf <a href="#Page_198">198</a></li> -<li class="snd">– Vielehe <a href="#Page_198">198</a></li> - -<li>Handpferd <a href="#Page_115">115</a></li> - -<li>Hängeohren <a href="#Page_33">33</a></li> - -<li>Hans, kluger <a href="#Page_136">136</a></li> - -<li>Hase, Schutzfärbung <a href="#Page_24">24</a></li> -<li class="snd">– Fang durch die Katze <a href="#Page_71">71</a></li> - -<li>Haustiere, Begriff <a href="#Page_6">6</a></li> -<li class="snd">– überfressen sich <a href="#Page_111">111</a></li> - -<li>Heerkuh <a href="#Page_156">156</a></li> - -<li>Henne, blinde <a href="#Page_205">205</a></li> - -<li>Hetzraubtier, Begriff <a href="#Page_8">8</a>, <a href="#Page_70">70</a></li> - -<li>Hirsch, kurzer Schwanz <a href="#Page_108">108</a></li> - -<li>Hochzeitskleid <a href="#Page_211">211</a></li> - -<li>Hörner der Schafe <a href="#Page_179">179</a></li> - -<li>Hühner brüten Enteneier aus <a href="#Page_228">228</a></li> -<li class="snd">– Farbenblindheit <a href="#Page_208">208</a></li> -<li class="snd">– Hypnose <a href="#Page_208">208</a></li> -<li class="snd">– Mutterliebe <a href="#Page_200">200</a></li> -<li class="snd">– naturgemäße Behandlung <a href="#Page_204">204</a></li> -<li class="snd">– Rassen <a href="#Page_208">208</a></li> -<li class="snd">– sandiger Boden <a href="#Page_209">209</a></li> -<li class="snd">– schlechte Flieger, gute Läufer <a href="#Page_199">199</a></li> -<li class="snd">– und Tauben <a href="#Page_199">199</a></li> -<li class="snd">– Verstellungskünste <a href="#Page_201">201</a></li> - -<li>Hühnerkieke <a href="#Page_202">202</a></li> - -<li>Hund abends zu Angriffen geneigt <a href="#Page_42">42</a></li> -<li class="snd">– Abneigung gegen Tabak, Zigarren <a href="#Page_42">42</a></li> -<li class="snd">– Abneigung der Rinder gegen ihn <a href="#Page_149">149</a></li> -<li class="snd">– Abneigung der Schweine gegen ihn <a href="#Page_80">80</a></li> -<li class="snd">– keine Abneigung gegen Wasser <a href="#Page_77">77</a></li> -<li class="snd">– Alter <a href="#Page_13">13</a></li> -<li class="snd">– Anbellen des Mondes <a href="#Page_34">34</a></li> -<li class="snd">– Anspringen des Herrn <a href="#Page_72">72</a></li> -<li class="snd">– Anzahl der Jungen <a href="#Page_15">15</a></li> -<li class="snd">– Apportiert aus Natur <a href="#Page_21">21</a></li> -<li class="snd">– Augenleuchten <a href="#Page_85">85</a></li> -<li class="snd">– Bandwürmer <a href="#Page_64">64</a></li> -<li class="snd">– beachtet Bilder und Spiegel nicht <a href="#Page_35">35</a></li> -<li class="snd">– Begegnung mit anderem Hunde <a href="#Page_18">18</a></li> -<li class="snd">– erwartet Beistand <a href="#Page_83">83</a></li> -<li class="snd">– Beißereien unter Hunden <a href="#Page_25">25</a></li> -<li class="snd">– beißt gern laufende Menschen <a href="#Page_8">8</a></li> -<li class="snd">– Belecken der Wunden <a href="#Page_48">48</a></li> -<li class="snd">– bellt, Grund dafür <a href="#Page_7">7</a></li> -<li class="snd">– bellt drehende Räder an <a href="#Page_8">8</a></li> -<li class="snd">– bewegliche Haut <a href="#Page_32">32</a></li> -<li class="snd">– Bewegung nötig <a href="#Page_29">29</a></li> -<li class="snd">– Bewegungen leicht wahrgenommen <a href="#Page_10">10</a></li> -<li class="snd">– als Blindenführer <a href="#Page_28">28</a>, <a href="#Page_41">41</a></li> -<li class="snd">– blinder findet sich zurecht <a href="#Page_20">20</a></li> -<li class="snd">– als Bote <a href="#Page_50">50</a></li> -<li class="snd">– hat keine Branten <a href="#Page_16">16</a></li> -<li class="snd">– Brechmittel <a href="#Page_31">31</a></li> -<li class="snd">– Charakter erst mit zwei Jahren erkennbar <a href="#Page_16">16</a></li> -<li class="snd">– demütig <a href="#Page_74">74</a></li> -<li class="snd">– Drang zu Bekanntschaften <a href="#Page_9">9</a></li> -<li class="snd">– dreht sich vor dem Hinlegen <a href="#Page_12">12</a></li> -<li class="snd">– Ehrgefühl und Eitelkeit <a href="#Page_32">32</a></li> -<li class="snd">– Eigentumssinn <a href="#Page_26">26</a></li> -<li class="snd">– Entwicklung, schnell <a href="#Page_14">14</a></li> -<li class="snd">– erfriert sich die Beine <a href="#Page_142">142</a></li> -<li class="snd">– erkennt seinen Herrn und andere Hunde am Geruch <a href="#Page_41">41</a></li> -<li class="snd">– feige und mutige <a href="#Page_81">81</a></li> -<li class="snd">– Feinde <a href="#Page_43">43</a></li> -<li class="snd">– Flöhe <a href="#Page_66">66</a></li> -<li class="snd">– flüchtet vor Bienen <a href="#Page_262">262</a></li> -<li class="snd">– Fressen <a href="#Page_74">74</a></li> -<li class="snd">– frißt unappetitliche Sachen <a href="#Page_10">10</a></li> -<li class="snd">– Furcht vor kriechenden Personen <a href="#Page_49">49</a></li> -<li class="snd">– Furcht vor leerem Wasserglase <a href="#Page_34">34</a></li> -<li class="snd">– Fütterung <a href="#Page_41">41</a></li> -<li class="snd">– gefährdet den eigenen Herrn <a href="#Page_63">63</a></li> -<li class="snd">– Gehör vorzüglich <a href="#Page_34">34</a>, <a href="#Page_87">87</a></li> -<li class="snd">– geräuschvoll <a href="#Page_73">73</a></li> -<li class="snd">– Geruchsinn, außerordentlich <a href="#Page_24">24</a>, <a href="#Page_133">133</a></li> -<li class="snd">– Geschichtliches <a href="#Page_65">65</a></li> -<li class="snd">– schwaches Gesicht <a href="#Page_8">8</a></li> -<li class="snd">– Grasfressen <a href="#Page_30">30</a></li> -<li class="snd">– großer beachtet kleinen nicht <a href="#Page_25">25</a></li> -<li class="snd">– für die Großstadt wenig passend <a href="#Page_27">27</a></li> -<li class="snd">– Haare <a href="#Page_38">38</a></li> -<li class="snd">– Haß gegen die Katze <a href="#Page_18">18</a>, <a href="#Page_80">80</a></li> -<li class="snd">– Hecheln <a href="#Page_28">28</a></li> -<li class="snd">– Heulen vor dem Tode <a href="#Page_47">47</a></li> -<li class="snd">– Hinken <a href="#Page_119">119</a></li> -<li class="snd">– früherer Höhlenbewohner <a href="#Page_30">30</a></li> -<li class="snd">– Jagddressur <a href="#Page_38">38</a></li> -<li class="snd">– Kippohren <a href="#Page_33">33</a></li> -<li class="snd">– klopfen aufs Knie <a href="#Page_37">37</a></li> -<li class="snd">– Klugheit und Verstellung <a href="#Page_55">55</a>, <a href="#Page_59">59</a></li> -<li class="snd">– Knochen <a href="#Page_39">39</a></li> -<li class="snd">– Kunststücke <a href="#Page_31">31</a></li> -<li class="snd">– kurzhaarig <a href="#Page_38">38</a></li> -<li class="snd">– nicht küssen <a href="#Page_64">64</a></li> -<li class="snd">– lappt Wasser <a href="#Page_11">11</a></li> -<li class="snd">– läuft gegen Wind <a href="#Page_33">33</a></li> -<li class="snd">– schräg <a href="#Page_118">118</a></li> -<li class="snd">– Leistungen <a href="#Page_63">63</a></li> -<li class="snd">– liebt den Ofen <a href="#Page_12">12</a></li> -<li class="snd">– liebt sich zu sonnen <a href="#Page_12">12</a></li> -<li class="snd">– Wagenspur <a href="#Page_118">118</a></li> -<li class="snd">– Magen als Tasche <a href="#Page_26">26</a></li> -<li class="snd">– Maulkorb <a href="#Page_143">143</a></li> -<li class="snd">– kennt Mittagszeit <a href="#Page_19">19</a></li> -<li class="snd">– Nase, empfindlich, kühl, schwarz <a href="#Page_27">27</a>, <a href="#Page_33">33</a></li> -<li class="snd">– Nässen an den Ecken <a href="#Page_27">27</a></li> -<li class="snd">– Neid <a href="#Page_37">37</a></li> -<li class="snd">– Ohrenformen <a href="#Page_33">33</a>, <a href="#Page_34">34</a></li> -<li class="snd">– Ohrenschmerzen <a href="#Page_34">34</a></li> -<li class="snd">– Ortssinn <a href="#Page_19">19</a></li> -<li class="snd">– Pfeifen <a href="#Page_84">84</a></li> -<li class="snd">– Post <a href="#Page_27">27</a></li> -<li class="snd">– Rassen <a href="#Page_16">16</a>, Bernhardinerhund, Dachshund, Eskimohund, Fleischerhund, Jagdhund, Schäferhund s. d. (<a href="#Page_62">62</a>)</li> -<li class="snd">– Rätselhaftes <a href="#Page_47">47</a></li> -<li class="snd">– früheres Raubtier <a href="#Page_6">6</a></li> -<li class="snd">– Räude (Akarusräude) <a href="#Page_65">65</a></li> -<li class="snd">– Retter seines Herrn <a href="#Page_45">45</a></li> -<li class="snd">– Röhrenknochen nicht vorteilhaft <a href="#Page_42">42</a></li> -<li class="snd">– sich rekeln <a href="#Page_12">12</a></li> -<li class="snd">– Renn- oder Grabepfoten <a href="#Page_16">16</a></li> -<li class="snd">– richtige Behandlung <a href="#Page_49">49</a></li> -<li class="snd">– richtiges Benehmen beim Essen <a href="#Page_51">51</a></li> -<li class="snd">– schämt sich angeblich <a href="#Page_30">30</a></li> -<li class="snd">– schläft gern am Tage <a href="#Page_42">42</a></li> -<li class="snd">– schlingt <a href="#Page_74">74</a></li> -<li class="snd">– schmeicheln <a href="#Page_73">73</a></li> -<li class="snd">– Schwanz <a href="#Page_71">71</a>, <a href="#Page_107">107</a></li> -<li class="snd">– Sinkenlassen <a href="#Page_25">25</a></li> -<li class="snd">– wenig Schweißdrüsen <a href="#Page_28">28</a></li> -<li class="snd">– schwimmt hervorragend <a href="#Page_48">48</a></li> -<li class="snd">– sieht gut im Dunkeln <a href="#Page_10">10</a></li> -<li class="snd">– spielt Haschen <a href="#Page_15">15</a></li> -<li class="snd">– Staupe <a href="#Page_65">65</a></li> -<li class="snd">– keine Steine apportieren lassen <a href="#Page_23">23</a></li> -<li class="snd">– Strafen <a href="#Page_52">52</a></li> -<li class="snd">– Stubenreinheit <a href="#Page_27">27</a></li> -<li class="snd">– Tollwut <a href="#Page_64">64</a></li> -<li class="snd">– Tragezeit <a href="#Page_14">14</a></li> -<li class="snd">– Unarten <a href="#Page_52">52</a>, <a href="#Page_54">54</a></li> -<li class="snd">– Unreinlichkeit <a href="#Page_63">63</a></li> -<li class="snd">– Verbeißen der Hunde <a href="#Page_25">25</a></li> -<li class="snd">– Verscharren der Losung <a href="#Page_28">28</a></li> -<li class="snd">– Vorgefühl für Erdbeben <a href="#Page_80">80</a></li> -<li class="snd">– Vorzüge <a href="#Page_28">28</a></li> -<li class="snd">– guter Wächter <a href="#Page_42">42</a></li> -<li class="snd">– wälzt sich auf Unrat <a href="#Page_11">11</a></li> -<li class="snd">– wedelt mit dem Schwanze <a href="#Page_86">86</a></li> -<li class="snd">– keine Wehrpfoten <a href="#Page_16">16</a></li> -<li class="snd">– seelische Werte <a href="#Page_29">29</a></li> -<li class="snd">– wildern <a href="#Page_53">53</a></li> -<li class="snd">– und Wolf, angeblich zum Anführer gewählt <a href="#Page_44">44</a></li> -<li class="snd">– übertölpelt vom Wolf <a href="#Page_44">44</a></li> -<li class="snd">– Wunden heilen leicht <a href="#Page_43">43</a></li> -<li class="snd">– Zehengänger <a href="#Page_16">16</a></li> -<li class="snd">– Zeitsinn <a href="#Page_17">17</a></li> -<li class="snd">– Ziehhunde <a href="#Page_142">142</a></li> -<li class="snd">– Zunge dient als Hand <a href="#Page_78">78</a></li> - -<li>Hypnose in der Tierwelt <a href="#Page_203">203</a></li> -</ul> - -<ul> -<li>Iltis <a href="#Page_194">194</a></li> - -<li>Insekten wenig auf Bergen <a href="#Page_155">155</a></li> - -<li>Instinkt <a href="#Page_134">134</a></li></ul> - -<ul> -<li>Jagdhund wenig anhänglich <a href="#Page_39">39</a></li> -<li class="snd">– nicht bissig <a href="#Page_26">26</a></li> -<li class="snd">– Dressur <a href="#Page_38">38</a></li> -<li class="snd">– kein Wachhund <a href="#Page_31">31</a></li> - -<li>Jaguar frißt Hunde <a href="#Page_43">43</a></li> -</ul> - -<ul> -<li>Kamel, Abneigung gegen Nässe <a href="#Page_76">76</a></li> - -<li>Kanarienvogel, gelbe Farbe <a href="#Page_240">240</a></li> -<li class="snd">– Kopf in den Federn <a href="#Page_240">240</a></li> -<li class="snd">– nur Männchen singen <a href="#Page_238">238</a></li> -<li class="snd">– Rassen <a href="#Page_242">242</a></li> -<li class="snd">– Abneigung der Sperlinge gegen ihn <a href="#Page_239">239</a></li> -<li class="snd">– Spiegel <a href="#Page_237">237</a></li> - -<li>Känguruh, langer Schwanz <a href="#Page_107">107</a></li> - -<li>Kaninchen, Bau in Anhöhen <a href="#Page_187">187</a></li> -<li class="snd">– Feinde <a href="#Page_187">187</a></li> -<li class="snd">– Rassen <a href="#Page_189">189</a></li> -<li class="snd">– Kaninchen und Schwein <a href="#Page_190">190</a></li> -<li class="snd">– Vergraben der Jungen <a href="#Page_188">188</a></li> -<li class="snd">– Vermehrung <a href="#Page_191">191</a></li> -<li class="snd">– Vorgefühl für Wetter <a href="#Page_79">79</a></li> - -<li>Kätzchen fällt nicht aus dem Fenster <a href="#Page_134">134</a></li> - -<li>Kastanien, neue Futterquelle für Schafe <a href="#Page_183">183</a></li> - -<li>Katze, Abneigung gegen Nässe und Regen <a href="#Page_76">76</a></li> -<li class="snd">– gegen Musik <a href="#Page_87">87</a></li> -<li class="snd">– apportiert selten <a href="#Page_22">22</a></li> -<li class="snd">– Augenleuchten <a href="#Page_85">85</a></li> -<li class="snd">– begleitet den Spaziergänger nicht <a href="#Page_81">81</a></li> -<li class="snd">– bellt nicht <a href="#Page_6">6</a></li> -<li class="snd">– beschnuppert nicht <a href="#Page_84">84</a></li> -<li class="snd">– besitzt Branten (Pranken) <a href="#Page_73">73</a></li> -<li class="snd">– macht Buckel <a href="#Page_81">81</a></li> -<li class="snd">– Drehschwanz <a href="#Page_107">107</a></li> -<li class="snd">– ungefiederte Eule <a href="#Page_89">89</a></li> -<li class="snd">– fällt auf die Füße <a href="#Page_84">84</a></li> -<li class="snd">– Feinde <a href="#Page_93">93</a></li> -<li class="snd">– als Fischfresserin <a href="#Page_87">87</a></li> -<li class="snd">– frißt gesittet <a href="#Page_70">70</a>, <a href="#Page_74">74</a></li> -<li class="snd">– kleineres Gebiß <a href="#Page_81">81</a></li> -<li class="snd">– Gehör vorzüglich <a href="#Page_87">87</a></li> -<li class="snd">– geräuschlos <a href="#Page_73">73</a></li> -<li class="snd">– und Gläser <a href="#Page_95">95</a></li> -<li class="snd">– Haare, Beschaffenheit <a href="#Page_77">77</a></li> -<li class="snd">– Hasenfang <a href="#Page_71">71</a></li> -<li class="snd">– Hasenschleppen <a href="#Page_81">81</a></li> -<li class="snd">– Haß des Hundes <a href="#Page_18">18</a>, <a href="#Page_80">80</a></li> -<li class="snd">– Herrentier <a href="#Page_74">74</a></li> -<li class="snd">– kriecht gern in Höhlungen <a href="#Page_96">96</a></li> -<li class="snd">– Mäusefang <a href="#Page_85">85</a></li> -<li class="snd">– als Mutter unerreicht <a href="#Page_90">90</a></li> -<li class="snd">– naschhaft <a href="#Page_91">91</a></li> -<li class="snd">– Ortssinn <a href="#Page_99">99</a></li> -<li class="snd">– Pferdefleisch nicht naturgemäß <a href="#Page_88">88</a></li> -<li class="snd">– sich putzen <a href="#Page_78">78</a></li> -<li class="snd">– Rassen <a href="#Page_90">90</a></li> -<li class="snd">– früheres Raubtier <a href="#Page_70">70</a></li> -<li class="snd">– rauhe Zunge <a href="#Page_77">77</a></li> -<li class="snd">– Rückendeckung <a href="#Page_82">82</a></li> -<li class="snd">– Schallquelle <a href="#Page_86">86</a></li> -<li class="snd">– Schleichraubtier <a href="#Page_71">71</a></li> -<li class="snd">– Schmeichelkätzchen <a href="#Page_69">69</a>, <a href="#Page_73">73</a></li> -<li class="snd">– schnurren <a href="#Page_83">83</a></li> -<li class="snd">– Schnurrhaare <a href="#Page_72">72</a></li> -<li class="snd">– Schwanz geringsten Raum <a href="#Page_71">71</a></li> -<li class="snd">– Schwanz, Länge <a href="#Page_107">107</a></li> -<li class="snd">– kann schwimmen <a href="#Page_76">76</a></li> -<li class="snd">– sonnt sich gern <a href="#Page_13">13</a></li> -<li class="snd">– spielt nicht Haschen <a href="#Page_15">15</a></li> -<li class="snd">– Stubenreinheit <a href="#Page_96">96</a></li> -<li class="snd">– Tasthaare <a href="#Page_72">72</a></li> -<li class="snd">– Verscharren des Unrats <a href="#Page_94">94</a></li> -<li class="snd">– als Vogelfängerin <a href="#Page_85">85</a></li> -<li class="snd">– Vorgefühl für Erdbeben <a href="#Page_80">80</a></li> -<li class="snd">– für Wetterumschlag <a href="#Page_78">78</a></li> -<li class="snd">– Katzen, große, Feinde des Hundes <a href="#Page_43">43</a></li> -<li class="snd">– Katzenwäsche <a href="#Page_75">75</a></li> - -<li>Kinnhaare der Pferde <a href="#Page_115">115</a></li> - -<li>Kleben der Pferde <a href="#Page_113">113</a></li> - -<li>Klugheit des Hundes <a href="#Page_55">55</a></li> - -<li>Knochen verscharren <a href="#Page_39">39</a></li> - -<li>Kolik <a href="#Page_120">120</a></li> - -<li>Kommandosprache <a href="#Page_215">215</a></li> -<li class="snd">– Kommandoworte, Verständnis <a href="#Page_137">137</a></li> - -<li>Koppen <a href="#Page_119">119</a></li> - -<li>Kötenschöpfe <a href="#Page_115">115</a></li> - -<li>Krähen, Selbstheilung <a href="#Page_134">134</a></li> - -<li>Krankheit und Stallhaltung <a href="#Page_156">156</a></li> - -<li>Krokodil, Feind des Hundes <a href="#Page_43">43</a></li> - -<li>Küchlein aus dem Ei <a href="#Page_207">207</a></li> -<li class="snd">– frostig <a href="#Page_201">201</a></li> -<li class="snd">– Nestflüchter <a href="#Page_200">200</a></li> - -<li>Kuh, Augenleuchten <a href="#Page_85">85</a></li> -<li class="snd">– des armen Mannes <a href="#Page_178">178</a></li> -<li class="snd">– vorm neuen Tor <a href="#Page_151">151</a></li> - -<li>Kummetgeschirr <a href="#Page_117">117</a></li> - -<li>Kunden <a href="#Page_106">106</a></li> - -<li>Kurzhaar <a href="#Page_38">38</a></li> - -</ul> - -<ul><li>Lade <a href="#Page_110">110</a></li> - -<li>Leithammel <a href="#Page_180">180</a></li> - -<li>Leopard, Feind des Hundes <a href="#Page_80">80</a></li> - -<li>Löwe, langer Schweif <a href="#Page_107">107</a></li> -<li class="snd">– schnurrt nicht <a href="#Page_84">84</a></li> - -<li>Luchs, Feind des Hundes <a href="#Page_80">80</a></li> -<li class="snd">– der Katze <a href="#Page_93">93</a></li> -</ul> - -<ul> -<li>Magerfresser <a href="#Page_119">119</a></li> - -<li>Mähne <a href="#Page_191">191</a></li> - -<li>Mankatze <a href="#Page_107">107</a></li> - -<li>Männchen singen nur <a href="#Page_238">238</a></li> - -<li>Marder, schwindelfrei, fällt auf die Füße <a href="#Page_85">85</a></li> - -<li>Mauersegler, vorzüglicher Flieger <a href="#Page_199">199</a></li> - -<li>Mauke <a href="#Page_115">115</a></li> - -<li>Maultier <a href="#Page_144">144</a></li> -<li class="snd">– sich wälzen <a href="#Page_144">144</a></li> - -<li>Mäusefang der Katze <a href="#Page_85">85</a></li> - -<li>Meerschweinchen <a href="#Page_192">192</a></li> - -<li>Mensch, davonlaufend leicht gebissen <a href="#Page_8">8</a></li> - -<li>Milchergebnis der Rinder <a href="#Page_159">159</a></li> - -<li>Mond, anbellen <a href="#Page_35">35</a></li> - -<li>Mufflon und Hausschaf <a href="#Page_183">183</a></li> - -<li>Musik, Katzen nicht angenehm <a href="#Page_87">87</a></li> - -<li>Mutterliebe der Henne <a href="#Page_200">200</a></li> -</ul> - -<ul><li>Nase des Hundes, feucht, empfindlich, schwarz <a href="#Page_33">33</a></li> - -<li>Nasenatmung des Pferdes <a href="#Page_102">102</a></li> -<li class="snd">– bremse <a href="#Page_158">158</a></li> -<li class="snd">– spiegel <a href="#Page_148">148</a></li> - -<li>Nasentiere sollen angerufen werden <a href="#Page_64">64</a></li> - -<li>Neid bei Hunden <a href="#Page_37">37</a></li> - -<li>Nestflüchter, Nesthocker <a href="#Page_200">200</a></li> -</ul> - -<ul> -<li>Ofen, Katzen kriechen gern hinein <a href="#Page_96">96</a></li> -<li class="snd">– warmer, Vorliebe des Hundes dafür <a href="#Page_12">12</a></li> - -<li>Ohrenformen, Hänge-, Kipp-, Stehohren <a href="#Page_33">33</a></li> -<li class="snd">– schmerzen <a href="#Page_34">34</a></li> - -<li>Ortssinn des Hundes <a href="#Page_20">20</a></li> -<li class="snd">– der Katze <a href="#Page_97">97</a></li> -<li class="snd">– des Rindes <a href="#Page_152">152</a></li> - -<li>Osterwinde <a href="#Page_142">142</a></li> -</ul> - -<ul> -<li>Panik bei Pferden <a href="#Page_122">122</a></li> - -<li>Parfümeurs <a href="#Page_11">11</a></li> - -<li>Peitsche <a href="#Page_109">109</a>, <a href="#Page_121">121</a></li> - -<li>Perlhuhn <a href="#Page_213">213</a></li> - -<li>Pfau <a href="#Page_219">219</a></li> - -<li>Pferd, Aalstrich <a href="#Page_100">100</a></li> -<li class="snd">– Abneigung gegen Bären <a href="#Page_132">132</a></li> -<li class="snd">– Blutgeruch <a href="#Page_131">131</a></li> -<li class="snd">– Esel <a href="#Page_144">144</a></li> -<li class="snd">– Kamele <a href="#Page_132">132</a></li> -<li class="snd">– Löwen <a href="#Page_132">132</a></li> -<li class="snd">– Affen als Stallgenossen <a href="#Page_114">114</a></li> -<li class="snd">– Alter <a href="#Page_112">112</a></li> -<li class="snd">– Anhalten <a href="#Page_121">121</a></li> -<li class="snd">– Atmen durch die Nase <a href="#Page_102">102</a></li> -<li class="snd">– Aufsatzzügel <a href="#Page_116">116</a></li> -<li class="snd">– Augenleuchten <a href="#Page_85">85</a></li> -<li class="snd">– Augen, seitliche Stellung <a href="#Page_109">109</a></li> -<li class="snd">– Ausschlagen <a href="#Page_100">100</a></li> -<li class="snd">– von Bienen leicht gestochen <a href="#Page_261">261</a></li> -<li class="snd">– blindes findet zurecht <a href="#Page_20">20</a>, <a href="#Page_152">152</a></li> -<li class="snd">– Bodenscheu <a href="#Page_104">104</a></li> -<li class="snd">– braune Farbe <a href="#Page_100">100</a></li> -<li class="snd">– dunkle Stellen im Moor <a href="#Page_105">105</a></li> -<li class="snd">– erfriert sich nicht die Beine <a href="#Page_142">142</a></li> -<li class="snd">– Fahren älter als Reiten <a href="#Page_117">117</a></li> -<li class="snd">– Fata Morgana <a href="#Page_132">132</a></li> -<li class="snd">– Feinde <a href="#Page_121">121</a></li> -<li class="snd">– findet in der Dunkelheit zurecht <a href="#Page_105">105</a></li> -<li class="snd">– Gedächtnis <a href="#Page_136">136</a></li> -<li class="snd">– geistige Gaben <a href="#Page_133">133</a></li> -<li class="snd">– Geruchsinn außerordentlich <a href="#Page_132">132</a>, <a href="#Page_133">133</a></li> -<li class="snd">– Glasauge <a href="#Page_112">112</a></li> -<li class="snd">– Hafer, Futter <a href="#Page_120">120</a></li> -<li class="snd">– Handpferd <a href="#Page_115">115</a></li> -<li class="snd">– Instinkt <a href="#Page_134">134</a></li> -<li class="snd">– Kinnhaare <a href="#Page_115">115</a></li> -<li class="snd">– kleben <a href="#Page_113">113</a></li> -<li class="snd">– kluge Hans <a href="#Page_133">133</a></li> -<li class="snd">– Kolik <a href="#Page_120">120</a></li> -<li class="snd">– Kommandoworte <a href="#Page_137">137</a></li> -<li class="snd">– Koppen <a href="#Page_119">119</a></li> -<li class="snd">– Kötenschöpfe <a href="#Page_115">115</a></li> -<li class="snd">– Krankheiten <a href="#Page_120">120</a></li> -<li class="snd">– Kummet, Sielengeschirr <a href="#Page_117">117</a></li> -<li class="snd">– Kunden <a href="#Page_106">106</a></li> -<li class="snd">– Lade <a href="#Page_110">110</a></li> -<li class="snd">– läuft gegen den Wind <a href="#Page_102">102</a></li> -<li class="snd">– läuft gerade <a href="#Page_118">118</a></li> -<li class="snd">– läuft in den brennenden Stall zurück <a href="#Page_124">124</a></li> -<li class="snd">– kleiner Magen <a href="#Page_111">111</a>, <a href="#Page_120">120</a></li> -<li class="snd">– Magerfresser <a href="#Page_119">119</a></li> -<li class="snd">– Mähne <a href="#Page_101">101</a></li> -<li class="snd">– Mauke <a href="#Page_115">115</a></li> -<li class="snd">– Nasenbremse <a href="#Page_155">155</a></li> -<li class="snd">– Neid <a href="#Page_116">116</a></li> -<li class="snd">– Ohren klein <a href="#Page_153">153</a></li> -<li class="snd">– zurückgezogen <a href="#Page_117">117</a></li> -<li class="snd">– Osterwinde <a href="#Page_142">142</a></li> -<li class="snd">– Peitsche <a href="#Page_109">109</a>, <a href="#Page_121">121</a></li> -<li class="snd">– fliehender Pflanzenfresser <a href="#Page_103">103</a></li> -<li class="snd">– prusten <a href="#Page_103">103</a></li> -<li class="snd">– putzen <a href="#Page_138">138</a></li> -<li class="snd">– Rassen <a href="#Page_111">111</a></li> -<li class="snd">– Raufen nachteilig <a href="#Page_110">110</a></li> -<li class="snd">– rechnet angeblich <a href="#Page_136">136</a></li> -<li class="snd">– rennt gegen Bäume <a href="#Page_110">110</a></li> -<li class="snd">– Sattelpferd <a href="#Page_115">115</a></li> -<li class="snd">– Scheuen und Durchgehen <a href="#Page_103">103</a></li> -<li class="snd">– Scheuklappen <a href="#Page_109">109</a></li> -<li class="snd">– Schnauben und Prusten <a href="#Page_102">102</a></li> -<li class="snd">– Schnelligkeit <a href="#Page_113">113</a></li> -<li class="snd">– schreit nicht <a href="#Page_114">114</a></li> -<li class="snd">– Schwanz <a href="#Page_106">106</a></li> -<li class="snd">– Sehvermögen schwach <a href="#Page_103">103</a></li> -<li class="snd">– Sonnenhitze wenig schädlich <a href="#Page_115">115</a></li> -<li class="snd">– Stirn schmal <a href="#Page_153">153</a></li> -<li class="snd">– Störung beim Fressen wenig schädlich <a href="#Page_120">120</a></li> -<li class="snd">– Strohhut überflüssig <a href="#Page_115">115</a></li> -<li class="snd">– tunken <a href="#Page_116">116</a></li> -<li class="snd">– überfrißt sich als Haustier <a href="#Page_111">111</a></li> -<li class="snd">– Untugenden <a href="#Page_125">125</a></li> -<li class="snd">– schlechter Vater <a href="#Page_123">123</a></li> -<li class="snd">– Verstellung <a href="#Page_126">126</a></li> -<li class="snd">– Wasser (gutes) sehr wichtig <a href="#Page_116">116</a></li> -<li class="snd">– Wasser, verborgenes, gefunden <a href="#Page_133">133</a></li> -<li class="snd">– Wiehern <a href="#Page_114">114</a></li> -<li class="snd">– Wölfe, Angriff <a href="#Page_101">101</a></li> -<li class="snd">– gegen drei Wölfe <a href="#Page_122">122</a></li> -<li class="snd">– Zelter <a href="#Page_118">118</a></li> -<li class="snd">– Zwillinge selten <a href="#Page_112">112</a></li> - -<li>Pflanzenfresser <a href="#Page_6">6</a></li> -<li class="snd">– fliehend, wehrhaft <a href="#Page_104">104</a></li> - -<li>Polizeihund <a href="#Page_40">40</a></li> -<li class="snd">– in Großstädten wenig leistungsfähig <a href="#Page_41">41</a></li> - -<li>Post der Tiere <a href="#Page_27">27</a></li> - -<li>Pranke <a href="#Page_16">16</a></li> - -<li>Pudel, kein Wachhund, Kunststücke <a href="#Page_31">31</a></li> -</ul> - -<ul> -<li>Rangordnung der Rinder <a href="#Page_156">156</a></li> - -<li>Rasse, Begriff <a href="#Page_189">189</a></li> - -<li>Raubtier <a href="#Page_7">7</a></li> - -<li>Raubvögel und Tauben <a href="#Page_216">216</a></li> - -<li>Räude <a href="#Page_65">65</a></li> - -<li>Raufen <a href="#Page_110">110</a></li> - -<li>Regungslosigkeit <a href="#Page_204">204</a></li> - -<li>Reiten <a href="#Page_117">117</a></li> - -<li>Rekeln der Hunde <a href="#Page_12">12</a></li> - -<li>Renn- oder Grabpfoten <a href="#Page_16">16</a></li> - -<li>Rind, Abneigung gegen Hunde <a href="#Page_149">149</a></li> -<li class="snd">– Aufblähen <a href="#Page_149">149</a></li> -<li class="snd">– Blutgeruch <a href="#Page_148">148</a></li> -<li class="snd">– breitgestirnt <a href="#Page_153">153</a></li> -<li class="snd">– Bremen <a href="#Page_149">149</a></li> -<li class="snd">– Feinde <a href="#Page_158">158</a></li> -<li class="snd">– Flotzmaul <a href="#Page_148">148</a></li> -<li class="snd">– Gebirgsgräser <a href="#Page_147">147</a></li> -<li class="snd">– Gefährlichkeit des Zuchtstiers <a href="#Page_157">157</a></li> -<li class="snd">– geistige Gaben <a href="#Page_161">161</a></li> -<li class="snd">– gespaltener Huf <a href="#Page_154">154</a></li> -<li class="snd">– Heerkuh <a href="#Page_156">156</a></li> -<li class="snd">– Krankheiten <a href="#Page_162">162</a></li> -<li class="snd">– kuhhessig <a href="#Page_154">154</a></li> -<li class="snd">– Milchertrag <a href="#Page_159">159</a></li> -<li class="snd">– Nase empfindlich <a href="#Page_148">148</a></li> -<li class="snd">– Unterschiede vom Pferd <a href="#Page_146">146</a></li> -<li class="snd">– Rassen <a href="#Page_161">161</a></li> -<li class="snd">– Vorliebe für Salz <a href="#Page_161">161</a></li> -<li class="snd">– Wiederkäuer <a href="#Page_160">160</a></li> - -<li>Röhrenknochen wenig geeignet für Hunde <a href="#Page_42">42</a></li> - -<li>Rohrwurzeln als Futter <a href="#Page_168">168</a></li> -</ul> - -<ul> -<li>Salz, Vorliebe des Rindes <a href="#Page_161">161</a></li> - -<li>Sattelpferd <a href="#Page_115">115</a></li> - -<li>Sau frißt eigene Ferkel <a href="#Page_167">167</a></li> - -<li>Schaf, furchtbar ängstlich <a href="#Page_180">180</a></li> -<li class="snd">– kein Bart und Tränendrüsen <a href="#Page_179">179</a></li> -<li class="snd">– blöken <a href="#Page_178">178</a></li> -<li class="snd">– Leithammel <a href="#Page_180">180</a></li> -<li class="snd">– Mufflon <a href="#Page_183">183</a></li> -<li class="snd">– neue Futterquellen (Kastanien) <a href="#Page_183">183</a></li> -<li class="snd">– Rassen <a href="#Page_184">184</a></li> -<li class="snd">– rennt in den brennenden Stall <a href="#Page_181">181</a></li> -<li class="snd">– Schäfer und Schäferhund <a href="#Page_182">182</a></li> -<li class="snd">– Wolle <a href="#Page_184">184</a></li> - -<li>Schäferhund, Auge entwickelt <a href="#Page_40">40</a></li> -<li class="snd">– als Blindenführer <a href="#Page_41">41</a></li> -<li class="snd">– diensteifrig <a href="#Page_41">41</a></li> -<li class="snd">– Leistungen <a href="#Page_182">182</a></li> -<li class="snd">– als Polizeihund <a href="#Page_40">40</a>, <a href="#Page_62">62</a></li> -<li class="snd">– Umkreisen <a href="#Page_40">40</a></li> - -<li>Schafsucht <a href="#Page_40">40</a></li> - -<li>Schakale, Aasfresser <a href="#Page_11">11</a></li> -<li class="snd">– heulen sich zusammen <a href="#Page_6">6</a></li> -<li class="snd">– nächtliche Tiere <a href="#Page_6">6</a></li> -<li class="snd">– verstellen sich <a href="#Page_61">61</a></li> - -<li>Scheuen und Durchgehen <a href="#Page_103">103</a></li> - -<li>Scheuklappen <a href="#Page_109">109</a></li> - -<li>Schlappohren <a href="#Page_34">34</a></li> - -<li>Schleichraubtier <a href="#Page_8">8</a>, <a href="#Page_70">70</a></li> - -<li>Schmeicheln des Hundes, der Katze <a href="#Page_73">73</a></li> - -<li>Schmeichelkätzchen <a href="#Page_73">73</a></li> - -<li>Schnauben der Pferde <a href="#Page_102">102</a></li> - -<li>Schnurren der Katze <a href="#Page_83">83</a></li> - -<li>Schnurrhaare, kein Schnurrbart <a href="#Page_72">72</a></li> - -<li>Schutzfärbung <a href="#Page_241">241</a></li> - -<li>Schwan, Abneigung gegen Ente <a href="#Page_225">225</a></li> -<li class="snd">– Federn <a href="#Page_236">236</a></li> -<li class="snd">– Feinde <a href="#Page_236">236</a></li> -<li class="snd">– langer Hals <a href="#Page_235">235</a></li> - -<li>Schwanz (Schweif), Bedeutung bei den Katzenarten <a href="#Page_107">107</a></li> -<li class="snd">– geringster Raum bei Katze <a href="#Page_71">71</a></li> -<li class="snd">– kurz bei Hirsch usw., lang bei Känguruh usw. <a href="#Page_107">107</a></li> -<li class="snd">– Mittel gegen Insektenplage <a href="#Page_108">108</a></li> -<li class="snd">– sinken lassen <a href="#Page_23">23</a></li> -<li class="snd">– wedeln <a href="#Page_36">36</a></li> - -<li>Schwein, Abneigung gegen Hunde <a href="#Page_80">80</a></li> -<li class="snd">– empfindlich gegen Hitze <a href="#Page_115">115</a></li> -<li class="snd">– empfindlich gegen kalten Fußboden <a href="#Page_167">167</a></li> -<li class="snd">– gedeiht bei kleinen Leuten <a href="#Page_166">166</a></li> -<li class="snd">– und Kaninchen <a href="#Page_190">190</a></li> -<li class="snd">– Maulwurfskopf <a href="#Page_164">164</a></li> -<li class="snd">– Nasentier, hervorragender Geruchsinn <a href="#Page_163">163</a>, <a href="#Page_164">164</a></li> -<li class="snd">– Pfütze und Suhle <a href="#Page_165">165</a></li> -<li class="snd">– Rassen <a href="#Page_169">169</a></li> -<li class="snd">– Rohrwurzeln als Futter <a href="#Page_168">168</a></li> -<li class="snd">– Vorzüge <a href="#Page_165">165</a></li> - -<li>Schweizerkäse <a href="#Page_146">146</a></li> - -<li>Schwimmen, überlegenes des Hundes <a href="#Page_48">48</a></li> - -<li>Seide <a href="#Page_249">249</a></li> - -<li>Seidenraupe <a href="#Page_249">249</a></li> - -<li>Sich-herumdrehen des Hundes vor dem Hinlegen <a href="#Page_12">12</a></li> - -<li>Sielengeschirr <a href="#Page_117">117</a></li> - -<li>Sperlinge hassen Kanarienvögel <a href="#Page_239">239</a></li> - -<li>Spiegel, Gleichgültigkeit des Hundes <a href="#Page_35">35</a></li> -<li class="snd">– und Kanarienvogel <a href="#Page_237">237</a></li> -<li class="snd">– und Truthahn <a href="#Page_211">211</a></li> - -<li>Spielen der Tiere <a href="#Page_15">15</a></li> - -<li>Spitze, bellustig <a href="#Page_7">7</a></li> - -<li>Sprache fehlt den Tieren <a href="#Page_199">199</a>, <a href="#Page_244">244</a></li> - -<li>Stallhaltung und Krankheiten <a href="#Page_156">156</a></li> - -<li>Staupe <a href="#Page_65">65</a></li> - -<li>Stehohren <a href="#Page_33">33</a></li> - -<li>Stier, rote Farbe <a href="#Page_147">147</a></li> -<li class="snd">– Gefährlichkeit des Zuchtstiers <a href="#Page_157">157</a></li> - -<li>Stollen <a href="#Page_106">106</a></li> - -<li>Stößer, Jagd auf Tauben <a href="#Page_216">216</a></li> - -<li>Strafen des Hundes <a href="#Page_52">52</a></li> - -<li>Strohhüte, überflüssig <a href="#Page_115">115</a></li> - -<li>Stubenreinheit <a href="#Page_27">27</a></li> - -</ul> - -<ul> -<li>Tasthaare <a href="#Page_72">72</a></li> - -<li>Taube, Brieftaube <a href="#Page_220">220</a></li> -<li class="snd">– nicht aus Bäumen <a href="#Page_219">219</a></li> -<li class="snd">– Einfangen fremder <a href="#Page_222">222</a></li> -<li class="snd">– naturgemäße Fütterung <a href="#Page_222">222</a></li> -<li class="snd">– Kommandosprache <a href="#Page_215">215</a></li> -<li class="snd">– künstlicher Lufttrichter <a href="#Page_219">219</a></li> -<li class="snd">– Rassen <a href="#Page_222">222</a></li> -<li class="snd">– und Raubvogel <a href="#Page_216">216</a></li> -<li class="snd">– guter Vater <a href="#Page_221">221</a></li> -<li class="snd">– Vergleich mit Huhn <a href="#Page_199">199</a></li> -<li class="snd">– Vorbild für den Menschen <a href="#Page_221">221</a></li> -<li class="snd">– kein Zusammenprall <a href="#Page_215">215</a></li> - -<li>Taubenschlag <a href="#Page_219">219</a></li> - -<li>Tiermütter apportieren <a href="#Page_21">21</a></li> - -<li>Tiger, schnurrt nicht <a href="#Page_84">84</a></li> -<li class="snd">– Schweif <a href="#Page_107">107</a></li> - -<li>Tollwut <a href="#Page_64">64</a>, <a href="#Page_65">65</a></li> - -<li>Tränendrüsen <a href="#Page_179">179</a></li> - -<li>Truthuhn, Hochzeitskleid <a href="#Page_211">211</a></li> -<li class="snd">– rote Farbe <a href="#Page_212">212</a></li> -<li class="snd">– Spiegel <a href="#Page_211">211</a></li> - -<li>Tunken des Pferdes <a href="#Page_116">116</a></li> -</ul> - -<ul> -<li>Unarten, sogenannte, beim Hunde <a href="#Page_54">54</a></li> - -<li>Unreinlichkeit <a href="#Page_63">63</a></li> -</ul> - -<ul> -<li>Verbeißen der Hunde <a href="#Page_25">25</a></li> - -<li>Verstellung bei Enten <a href="#Page_226">226</a></li> -<li class="snd">– bei Hunden <a href="#Page_59">59</a></li> -<li class="snd">– bei Pferden <a href="#Page_126">126</a></li> -<li class="snd">– bei Schakalen <a href="#Page_61">61</a></li> -<li class="snd">– bei Vögeln <a href="#Page_201">201</a></li> - -<li>Vögel fliegen sofort <a href="#Page_134">134</a></li> -<li class="snd">– Kopf in den Federn <a href="#Page_240">240</a></li> -<li class="snd">– Vorgefühl für Wetterumschlag <a href="#Page_79">79</a></li> - -<li>Vogelflugdeuter <a href="#Page_79">79</a></li> - -<li>Vollmond und Hund <a href="#Page_36">36</a></li> -</ul> - -<ul> -<li>Wanderfalk, Jagd auf Tauben <a href="#Page_216">216</a></li> - -<li>Waschen der Katze <a href="#Page_75">75</a></li> - -<li>Wasser, gutes, für Pferde <a href="#Page_116">116</a></li> -<li class="snd">– verborgenes, von Pferden gewittert <a href="#Page_133">133</a></li> - -<li>Wasserglas, leeres, Furcht des Hundes <a href="#Page_34">34</a></li> - -<li>Wellensittich, allein Haustier <a href="#Page_243">243</a></li> - -<li>Wiederkäuer <a href="#Page_160">160</a></li> - -<li>Wiehern <a href="#Page_114">114</a></li> - -<li>Wildenten, ausgewandert aus dem Tiergarten <a href="#Page_224">224</a></li> -<li class="snd">– nachts tätig <a href="#Page_227">227</a></li> -<li class="snd">– schnattern nicht viel <a href="#Page_7">7</a></li> - -<li>Wildgänse, schnattern nicht viel <a href="#Page_7">7</a></li> - -<li>Wildhunde, apportieren <a href="#Page_22">22</a></li> -<li class="snd">– Pflanzennahrung <a href="#Page_42">42</a></li> - -<li>Wildkaninchen trinkt nicht <a href="#Page_186">186</a></li> - -<li>Wildschwein, Aasfresser <a href="#Page_11">11</a></li> -<li class="snd">– warmer Kessel <a href="#Page_167">167</a></li> -<li class="snd">– aufrechte Ohren <a href="#Page_165">165</a></li> -<li class="snd">– Suhle <a href="#Page_165">165</a></li> - -<li>Wind, Hunde und Raubtiere gegen den Wind <a href="#Page_33">33</a></li> - -<li>Windhund, nicht anhänglich <a href="#Page_40">40</a></li> -<li class="snd">– Ausnahmestellung <a href="#Page_39">39</a></li> -<li class="snd">– bellt wenig <a href="#Page_40">40</a></li> -<li class="snd">– muß langen Schwanz haben <a href="#Page_107">107</a></li> - -<li>Wolf, Aasfresser <a href="#Page_11">11</a></li> -<li class="snd">– Anführer nicht ein Hund <a href="#Page_44">44</a></li> -<li class="snd">– angebliche Freundschaft <a href="#Page_44">44</a></li> -<li class="snd">– Angriff auf Pferde <a href="#Page_101">101</a>, <a href="#Page_122">122</a></li> -<li class="snd">– bellt nicht <a href="#Page_6">6</a></li> -<li class="snd">– Feind des Hundes <a href="#Page_44">44</a></li> -<li class="snd">– frißt den toten Hund <a href="#Page_45">45</a></li> -<li class="snd">– heulen <a href="#Page_6">6</a></li> -<li class="snd">– lappt <a href="#Page_12">12</a></li> -<li class="snd">– nächtliches Tier <a href="#Page_6">6</a></li> -<li class="snd">– keine Pranken <a href="#Page_16">16</a></li> -<li class="snd">– Sieger über zwei Doggen <a href="#Page_47">47</a></li> -<li class="snd">– übertölpelt den Hund <a href="#Page_44">44</a></li> - -<li>Wolfshunde, Märchen davon <a href="#Page_12">12</a></li> - -<li>Wolken, weiße, anbellen <a href="#Page_96">96</a></li> - -<li>Wolle <a href="#Page_184">184</a></li> - -<li>Wunden heilen schnell <a href="#Page_43">43</a></li> -</ul> - -<ul> -<li>Yaschreien des Esels <a href="#Page_144">144</a></li> -</ul> - -<ul> -<li>Zehengänger <a href="#Page_16">16</a></li> - -<li>Zeitsinn der Tiere <a href="#Page_17">17</a></li> - -<li>Zeitungsente <a href="#Page_226">226</a></li> - -<li>Zelter <a href="#Page_118">118</a></li> - -<li>Ziege frißt ungern Gras <a href="#Page_172">172</a></li> -<li class="snd">– gedeiht im Gebirge <a href="#Page_174">174</a></li> -<li class="snd">– Giftfestigkeit <a href="#Page_172">172</a></li> -<li class="snd">– junge, klettert gut <a href="#Page_171">171</a></li> -<li class="snd">– Kuh des armen Mannes <a href="#Page_173">173</a></li> -<li class="snd">– naschhaft <a href="#Page_173">173</a></li> -<li class="snd">– Rassen <a href="#Page_176">176</a></li> -<li class="snd">– vernichtet den Wald <a href="#Page_175">175</a></li> -<li class="snd">– Weibchen, Hörner <a href="#Page_171">171</a></li> - -<li>Ziegenstall wenig Fliegen <a href="#Page_175">175</a></li> - -<li>Ziehhund <a href="#Page_64">64</a></li> -<li class="snd">– und Esel <a href="#Page_142">142</a></li> - -<li>Zunge, Bedeutung für die Tiere <a href="#Page_78">78</a></li> - -<li>Zwingerhund <a href="#Page_143">143</a></li> -</ul> - - - - -<div class="p2 tnote"> -<p class="bold">Anmerkungen zur Transkription:</p> - -<p>Kursiv dargestellte Texte sind im Original in einer anderen Schriftart (Antiqua) als der Haupttext (Fraktur) gedruckt.</p> - -<p>Offensichtliche Druckfehler sowie die nachfolgend aufgelisteten Fehler wurden berichtigt. Im Übrigen wurden -Inkonsistenzen in der Interpunktion und Schreibweise einzelner Wörter belassen.</p> - -<p>In "Er ist im Museum von Bern ausgestellt" stand "aufgestellt".</p> - -<p>In "so geschieht es wenigstens nicht in böser Absicht, was -man aus folgender Tatsache entnehmen mag:" fehlte die Interpunktion hinter "mag" - Doppelpunkt nach Gesamtzusammenhang hinzugefügt.</p> - -<p>In "er kann es doch nicht unterlassen, -auch sie empfindlich in die Wade zu zwicken, wenn sie seinen Gänsen -oder wohl gar deren Gelegen zu nahe kommen." stand "zu nahe zu kommen" - zweites "zu" wurde gelöscht.</p> - -<p>In "Ueberhaupt -benahmen sich die Enten auf dem gestürzten Baume so vertraut, -daß ich mir sagte, in waldreichen Gegenden scheinen sie lieber auf -Bäumen als am Ufer zu ruhen" - "zu" hinzugefügt</p> - -<p>In "Wird ihr Weg so -eng, daß die Gefahr des Festsitzens droht, so stößt sie mit den Schnurrhaaren an." - "an" am Satzende hinzugefügt.</p> -</div> - - - - - - - - -<pre> - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Unsere Haustiere vom Standpunkte ihrer -wilden Verwandten, by Theodor Zell - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK UNSERE HAUSTIERE VOM STANDPUNKTE *** - -***** This file should be named 56317-h.htm or 56317-h.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/5/6/3/1/56317/ - -Produced by Heike Leichsenring and the Online Distributed -Proofreading Team at http://www.pgdp.net - -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed. - -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United -States without permission and without paying copyright -royalties. Special rules, set forth in the General Terms of Use part -of this license, apply to copying and distributing Project -Gutenberg-tm electronic works to protect the PROJECT GUTENBERG-tm -concept and trademark. Project Gutenberg is a registered trademark, -and may not be used if you charge for the eBooks, unless you receive -specific permission. If you do not charge anything for copies of this -eBook, complying with the rules is very easy. You may use this eBook -for nearly any purpose such as creation of derivative works, reports, -performances and research. They may be modified and printed and given -away--you may do practically ANYTHING in the United States with eBooks -not protected by U.S. copyright law. Redistribution is subject to the -trademark license, especially commercial redistribution. - -START: FULL LICENSE - -THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE -PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK - -To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free -distribution of electronic works, by using or distributing this work -(or any other work associated in any way with the phrase "Project -Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full -Project Gutenberg-tm License available with this file or online at -www.gutenberg.org/license. - -Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project -Gutenberg-tm electronic works - -1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm -electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to -and accept all the terms of this license and intellectual property -(trademark/copyright) agreement. 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You may convert to and distribute this work in any binary, -compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including -any word processing or hypertext form. However, if you provide access -to or distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format -other than "Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official -version posted on the official Project Gutenberg-tm web site -(www.gutenberg.org), you must, at no additional cost, fee or expense -to the user, provide a copy, a means of exporting a copy, or a means -of obtaining a copy upon request, of the work in its original "Plain -Vanilla ASCII" or other form. Any alternate format must include the -full Project Gutenberg-tm License as specified in paragraph 1.E.1. - -1.E.7. Do not charge a fee for access to, viewing, displaying, -performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works -unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9. - -1.E.8. 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INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the -trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone -providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in -accordance with this agreement, and any volunteers associated with the -production, promotion and distribution of Project Gutenberg-tm -electronic works, harmless from all liability, costs and expenses, -including legal fees, that arise directly or indirectly from any of -the following which you do or cause to occur: (a) distribution of this -or any Project Gutenberg-tm work, (b) alteration, modification, or -additions or deletions to any Project Gutenberg-tm work, and (c) any -Defect you cause. - -Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm - -Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of -electronic works in formats readable by the widest variety of -computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It -exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations -from people in all walks of life. - -Volunteers and financial support to provide volunteers with the -assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's -goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will -remain freely available for generations to come. In 2001, the Project -Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure -and permanent future for Project Gutenberg-tm and future -generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see -Sections 3 and 4 and the Foundation information page at -www.gutenberg.org - - - -Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation - -The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit -501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the -state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal -Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification -number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by -U.S. federal laws and your state's laws. - -The Foundation's principal office is in Fairbanks, Alaska, with the -mailing address: PO Box 750175, Fairbanks, AK 99775, but its -volunteers and employees are scattered throughout numerous -locations. Its business office is located at 809 North 1500 West, Salt -Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up to -date contact information can be found at the Foundation's web site and -official page at www.gutenberg.org/contact - -For additional contact information: - - Dr. Gregory B. Newby - Chief Executive and Director - gbnewby@pglaf.org - -Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg -Literary Archive Foundation - -Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide -spread public support and donations to carry out its mission of -increasing the number of public domain and licensed works that can be -freely distributed in machine readable form accessible by the widest -array of equipment including outdated equipment. Many small donations -($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt -status with the IRS. - -The Foundation is committed to complying with the laws regulating -charities and charitable donations in all 50 states of the United -States. Compliance requirements are not uniform and it takes a -considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up -with these requirements. We do not solicit donations in locations -where we have not received written confirmation of compliance. To SEND -DONATIONS or determine the status of compliance for any particular -state visit www.gutenberg.org/donate - -While we cannot and do not solicit contributions from states where we -have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition -against accepting unsolicited donations from donors in such states who -approach us with offers to donate. - -International donations are gratefully accepted, but we cannot make -any statements concerning tax treatment of donations received from -outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff. - -Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation -methods and addresses. Donations are accepted in a number of other -ways including checks, online payments and credit card donations. To -donate, please visit: www.gutenberg.org/donate - -Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic works. - -Professor Michael S. Hart was the originator of the Project -Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be -freely shared with anyone. For forty years, he produced and -distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of -volunteer support. - -Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed -editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in -the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not -necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper -edition. - -Most people start at our Web site which has the main PG search -facility: www.gutenberg.org - -This Web site includes information about Project Gutenberg-tm, -including how to make donations to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to -subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks. - - - -</pre> - -</body> -</html> diff --git a/old/56317-h/images/cover.jpg b/old/56317-h/images/cover.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index a0b9536..0000000 --- a/old/56317-h/images/cover.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/56317-h/images/das_frettchen.jpg b/old/56317-h/images/das_frettchen.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 37d86af..0000000 --- a/old/56317-h/images/das_frettchen.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/56317-h/images/das_huhn.jpg b/old/56317-h/images/das_huhn.jpg Binary files differdeleted file mode 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differdeleted file mode 100644 index 352ca3a..0000000 --- a/old/56317-h/images/illu-254_1_t.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/56317-h/images/illu-254_2.jpg b/old/56317-h/images/illu-254_2.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index fcdb9b5..0000000 --- a/old/56317-h/images/illu-254_2.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/56317-h/images/illu-254_2_t.jpg b/old/56317-h/images/illu-254_2_t.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index dba785c..0000000 --- a/old/56317-h/images/illu-254_2_t.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/56317-h/images/illu-254_3.jpg b/old/56317-h/images/illu-254_3.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index b88fa93..0000000 --- a/old/56317-h/images/illu-254_3.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/56317-h/images/illu-254_3_t.jpg b/old/56317-h/images/illu-254_3_t.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 7ddc8c1..0000000 --- a/old/56317-h/images/illu-254_3_t.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/56317-h/images/logo-cover.jpg 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