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If you are not located in the United States, you'll have -to check the laws of the country where you are located before using this ebook. - - - -Title: Venus im Pelz - -Author: Leopold von Sacher-Masoch - -Illustrator: Fritz Buchholz - -Release Date: December 10, 2017 [EBook #56156] - -Language: German - -Character set encoding: UTF-8 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK VENUS IM PELZ *** - - - - -Produced by Peter Becker, Reiner Ruf, and the Online -Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net - - - - - - - #################################################################### - - Anmerkungen zur Transkription - - Der vorliegende Text wurde anhand der 1920 erschienenen Buchausgabe - so weit wie möglich originalgetreu wiedergegeben. Typographische - Fehler wurden stillschweigend korrigiert; ungewöhnliche - Schreibweisen bleiben gegenüber dem Original unverändert. - Rechtschreibvarianten wurden nicht vereinheitlicht, sofern die - Verständlichkeit des Textes dadurch nicht berührt wird. - - Das Original wurde in Frakturschrift gesetzt; hiervon abweichende - Schriftschnitte wurden in der vorliegenden Fassung mit den - folgenden Sonderzeichen gekennzeichnet: - - fett: =Gleichheitszeichen= - gesperrt: +Pluszeichen+ - Antiqua: ~Tilden~ - - #################################################################### - - - - - [Illustration: Leopold von Sacher-Masoch] - - - - - Venus im Pelz - - Novelle - von - Sacher-Masoch - - Mit Illustrationen von Fritz Buchholz - - [Illustration] - - Leipzig - Georg H. Wigand’sche Verlagsbuchhandlung - - - - - Alle Rechte vom Verleger vorbehalten. - - - - -Vorwort - - -Vorliegende Erzählung ist ein Teil eines großen, aber niemals von dem -Dichter vollendeten Novellenzyklus, „Das Vermächtnis Kains“, der nach -Sacher-Masochs eigenem Ausspruche „eine bilderreiche Naturgeschichte -des Menschen sein sollte“. Das Ganze sollte in sechs Unterabteilungen -zu je sechs Novellen zerfallen, für welche die Obertitel „Die Liebe“, -„Das Eigentum“, „Das Geld“, „Der Staat“, „Der Krieg“ und „Der Tod“ -vorgesehen waren. Sacher-Masoch hatte sich somit ein sehr hohes -Ziel gesteckt, er wollte in diesen geplanten Erzählungen alles -Menschenleid und -schicksal in seinen verschiedensten Möglichkeiten und -Ausdrucksformen schildern und zugleich in der Schlußnovelle eines jeden -Teiles die Antwort auf die behandelte Frage und deren Lösung geben. - -Von dem gesamten Werke liegen nur die beiden ersten Teile „Die Liebe“ -und „Das Eigentum“ abgeschlossen vor. Von den andern existieren nur -Bruchstücke. Die „Venus im Pelz“ gehört als fünfte der Novellen zu dem -Zyklus „Die Liebe“. - -Der Dichter schildert hierin die Erlebnisse eines Idealisten und -Phantasten zugleich, den sein Unstern in den Bannkreis eines herzlosen -und brutalen Weibes treibt. - -Zur Zeit, als Sacher-Masoch diese seine berühmteste Novelle verfaßte, -stand er ganz im Banne eines Schopenhauerschen Pessimismus. Was seine -Lebensumstände anbetrifft, so ist zu bemerken, daß er damals als -Privatdozent an der Universität Graz habilitiert war. - -Sofort beim Erscheinen der „Venus im Pelz“ spalteten sich die Leser in -zwei Parteien. Die einen verwarfen sie wegen der bis dahin unerhörten -Kühnheit der Schilderungen und fühlten sich zugleich durch das Motiv -abgestoßen. Die anderen dagegen, und gerade die besten Männer deutscher -Wissenschaft und Literatur, säumten nicht, anzuerkennen, hier liege -ein einzigartiges ~document humain~ vor, und es zeuge zudem von -ungewöhnlicher Genialität des Verfassers. - -In rascher Folge entstanden weitere Schöpfungen, und eine wie die -andere waren vollwertiges Gold. - -Um so peinlicher überrascht fühlten sich daher alle Freunde des -Dichters, als plötzlich höchst oberflächliche und zum Teil direkt -minderwertige Produkte seiner Feder auf dem Markt erschienen. -Verwundert und verstimmt fragte man sich, wie es möglich sei, daß ein -Poet, der die Klassizität gestreift, sein eigenes Renommee in solcher -Weise verderben könne. Nach Sacher-Masochs Tode ist dies Rätsel gelöst. -Die Not, die bitterste äußere Not zwang ihn dazu, dem Gott in sich -selbst Gewalt anzutun, um Brot für sich und die Seinen um jeden Preis -zu schaffen. In jener Zeit entstanden die vielberufenen „Messalinen -Wiens“, „Falscher Hermelin“ usw. Aber seltsam, gerade diese seichten -Arbeiten hatten bei dem Publikum ungeahnten Erfolg. Es brauchte dabei -nicht zu denken, wohl aber fühlte es sich seltsam erregt durch das -eigenartige, ihnen entströmende Gemisch von Stall- und Boudoirparfüm. - -So wurde Sacher-Masoch in den Augen vieler zu einem oberflächlichen und -frivolen Skribenten erniedrigt, und es konnte leider nicht anders sein, -denn die Welt urteilt stets nach den Resultaten, aber nicht nach den -Motiven. - -Selbst in der Spätzeit, als der Dichter sich wieder großen und -bedeutenden Aufgaben zuwandte, vermochte er die alten peinlichen -Erinnerungen nicht wieder zu verwischen. Und -- es ist traurig zu sagen --- auch das große Publikum wollte nichts Gehaltvolles mehr von ihm, -sondern verlangte von ihm geradezu Mindergut. - -Nur eine verhältnismäßig kleine Gemeinde wirklicher Verehrer blieb ihm -dauernd treu, jener, die das Unvergängliche, was er geschaffen, seinem -vollen Werte nach zu schätzen wußten und trotz seiner späteren Mängel -niemals an dem genialen Meister irre wurden. - -Den Wünschen dieser zu entsprechen -- da die älteren Ausgaben -vollständig vergriffen sind --, entschlossen wir uns, einige seiner -besten Arbeiten in Neudrucken auf den Markt zu bringen. Darunter auch -die Novellen „Die Liebe des Plato“ und die „Venus im Pelz“. - -Obwohl diese beiden Werke seit über 50 Jahren der Literatur angehören -und in allen Literaturgeschichten gewürdigt sind, ist es ihnen -- und -namentlich der „Venus im Pelz“ -- nicht erspart geblieben, neuerdings -seitens der Polizeibehörden und Staatsanwaltschaften verschiedensten -Titels beanstandet zu werden. - -Es sei allerdings gern anerkannt, daß Kenntnis der Literatur -und Phantasie von Polizeiorganen und solchen der öffentlichen -Anklagebehörde nicht erwartet werden darf. Beides gehört nicht zu ihrem -Ressort. - -Die Folgen dieser Beanstandungen blieben nicht aus. In der Regel -wurden „Plato“ und die „Venus im Pelz“ seitens der Polizeibehörden -und der Staatsanwaltschaften ohne weiteres als nicht zu beanstandende -Dichtungen und Kunstwerke dem öffentlichen Verkehr zurückgegeben. -Gleichwohl kam es gelegentlich vor, daß die „Venus“ Gegenstand einer -Gerichtsverhandlung wurde. Von den Resultaten dieser ist zu sagen, daß -sie allemal mit einer Niederlage der Staatsanwaltschaft endeten. - -Die Welt der deutschen Schriftsteller hatte das nicht anders erwartet. -Als es bekannt wurde, daß ein Einschreiten gegen die „Venus im -Pelz“ im Gange sei, erhob sich überall befremdetes Kopfschütteln. -In geschlossener Phalanx traten die Koryphäen deutschen Schrifttums -regelmäßig für Erhaltung des Werkes ein und mit ihnen zugleich die -Männer der Wissenschaft. - -So erklärte z. B. anläßlich eines solchen Prozesses der Geheime -Medizinalrat Professor Dr. Albert Eulenberger in Berlin: Die „Venus im -Pelz“ besitze unschätzbaren Wert und sei ein Unikum in der deutschen -Literatur. So wenig sie in dieser zu vermissen sei, ebensowenig -vermöge die Wissenschaft ihrer zu entbehren. - -Als der Geheime Hofrat Professor ~Dr.~ Koester in Leipzig gelegentlich -seitens der Dresdener Staatsanwaltschaften aufgefordert wurde, ein -Gutachten über die „Venus im Pelz“ abzugeben, kam er ebenfalls zu dem -Resultat, das Werk gehöre der Literatur an, und es sei nicht angängig, -es aus der Reihe der Lebenden zu streichen. - -Wir glauben, daß die gemachten Mitteilungen mehr als einem Leser und in -mehr als einer Hinsicht interessant sein dürften. - - +Der Verlag+ - - - - -Ich hatte liebenswürdige Gesellschaft. - -Mir gegenüber an dem massiven Renaissancekamin saß Venus, aber nicht -etwa eine Dame der Halbwelt, die unter diesem Namen Krieg führte gegen -das feindliche Geschlecht, gleich Mademoiselle Cleopatra, sondern die -wahrhafte Liebesgöttin. - -[Illustration] - -Sie saß im Fauteuil und hatte ein prasselndes Feuer angefacht, dessen -Widerschein in roten Flammen ihr bleiches Antlitz mit den weißen Augen -leckte und von Zeit zu Zeit ihre Füße, wenn sie dieselben zu wärmen -suchte. - -Ihr Kopf war wunderbar trotz der toten Steinaugen, aber das war auch -alles, was ich von ihr sah. Die Hehre hatte ihren Marmorleib in einen -großen Pelz gewickelt und sich zitternd wie eine Katze zusammengerollt. - -„Ich begreife nicht, gnädige Frau,“ rief ich, „es ist doch wahrhaftig -nicht mehr kalt, wir haben seit zwei Wochen das herrlichste Frühjahr. -Sie sind offenbar nervös.“ - -„Ich danke für euer Frühjahr,“ sprach sie mit tiefer steinerner -Stimme und nieste gleich darnach himmlisch und zwar zweimal rasch -nacheinander; „da kann ich es wahrhaftig nicht aushalten, und ich fange -an zu verstehen --“ - -„Was, meine Gnädige?“ - -„Ich fange an das Unglaubliche zu glauben, das Unbegreifliche zu -begreifen. Ich verstehe auf einmal die germanische Frauentugend und -die deutsche Philosophie, und ich erstaune auch nicht mehr, daß ihr im -Norden nicht lieben könnt, ja nicht einmal eine Ahnung davon habt, was -Liebe ist.“ - -„Erlauben Sie, Madame,“ erwiderte ich aufbrausend, „ich habe Ihnen -wahrhaftig keine Ursache gegeben.“ - -„Nun, Sie --“ die Göttliche nieste zum dritten Male und zuckte mit -unnachahmlicher Grazie die Achseln, „dafür bin ich auch immer gnädig -gegen Sie gewesen und besuche Sie sogar von Zeit zu Zeit, obwohl ich -mich jedesmal trotz meines vielen Pelzwerks rasch erkälte. Erinnern -Sie sich noch, wie wir uns das erste Mal trafen?“ - -„Wie könnte ich es vergessen,“ sagte ich, „Sie hatten damals reiche -braune Locken und braune Augen und einen roten Mund, aber ich erkannte -Sie doch sogleich an dem Schnitt Ihres Gesichtes und an dieser -Marmorblässe -- Sie trugen stets eine veilchenblaue Samtjacke mit -Fehpelz besetzt.“ - -„Ja, Sie waren ganz verliebt in diese Toilette, und wie gelehrig Sie -waren.“ - -„Sie haben mich gelehrt, was Liebe ist, Ihr heiterer Gottesdienst ließ -mich zwei Jahrtausende vergessen.“ - -„Und wie beispiellos treu ich Ihnen war!“ - -„Nun, was die Treue betrifft --“ - -„Undankbarer!“ - -„Ich will Ihnen keine Vorwürfe machen. Sie sind zwar ein göttliches -Weib, aber doch ein Weib, und in der Liebe grausam wie jedes Weib.“ - -„Sie nennen grausam,“ entgegnete die Liebesgöttin lebhaft, „was eben -das Element der Sinnlichkeit, der heiteren Liebe, die Natur des Weibes -ist, sich hinzugeben, wo es liebt und alles zu lieben, was ihm gefällt.“ - -„Gibt es für den Liebenden etwa eine größere Grausamkeit als die -Treulosigkeit der Geliebten?“ - -„Ach!“ -- entgegnete sie -- „wir sind treu, solange wir lieben, ihr -aber verlangt vom Weibe Treue ohne Liebe, und Hingebung ohne Genuß, -wer ist da grausam, das Weib oder der Mann? -- Ihr nehmt im Norden die -Liebe überhaupt zu wichtig und zu ernst. Ihr sprecht von Pflichten, wo -nur vom Vergnügen die Rede sein sollte.“ - -„Ja, Madame, wir haben dafür auch sehr achtbare und tugendhafte Gefühle -und dauerhafte Verhältnisse.“ - -„Und doch diese ewig rege, ewig ungesättigte Sehnsucht nach dem nackten -Heidentum,“ fiel Madame ein, „aber jene Liebe, welche die höchste -Freude, die göttliche Heiterkeit selbst ist, taugt nicht für euch -Modernen, euch Kinder der Reflexion. Sie bringt euch Unheil. +Sobald -ihr natürlich sein wollt, werdet ihr gemein.+ Euch erscheint die -Natur als etwas Feindseliges, ihr habt aus uns lachenden Göttern -Griechenlands Dämonen, aus mir eine Teufelin gemacht. Ihr könnt mich -nur bannen und verfluchen oder euch selbst in bacchantischem Wahnsinn -vor meinem Altar als Opfer schlachten, und hat einmal einer von euch -den Mut gehabt, meinen roten Mund zu küssen, so pilgert er dafür -barfuß im Büßerhemd nach Rom und erwartet Blüten von dem dürren Stock, -während unter meinem Fuße zu jeder Stunde Rosen, Veilchen und Myrten -emporschießen, aber euch bekömmt ihr Duft nicht; bleibt nur in eurem -nordischen Nebel und christlichem Weihrauch; laßt uns Heiden unter -dem Schutt, unter der Lava ruhen, grabt uns nicht aus, für euch wurde -Pompeji, für euch wurden unsere Villen, unsere Bäder, unsere Tempel -nicht gebaut. Ihr braucht keine Götter! Uns friert in eurer Welt!“ -Die schöne Marmordame hustete und zog die dunkeln Zobelfelle um ihre -Schultern noch fester zusammen. - -„Wir danken für die klassische Lektion,“ erwiderte ich, „aber Sie -können doch nicht leugnen, daß Mann und Weib, in Ihrer heiteren -sonnigen Welt ebenso gut wie in unserer nebligen, von Natur Feinde -sind, daß die Liebe für die kurze Zeit zu einem einzigen Wesen vereint, -das nur eines Gedankens, einer Empfindung, eines Willens fähig ist, um -sie dann noch mehr zu entzweien, und -- nun Sie wissen es besser als -ich -- wer dann nicht zu unterjochen versteht, wird nur zu rasch den -Fuß des anderen auf seinem Nacken fühlen --“ - -„Und zwar in der Regel der Mann den Fuß des Weibes,“ rief Frau Venus -mit übermütigem Hohne, „was Sie wieder besser wissen als ich.“ - -„Gewiß, und eben deshalb mache ich mir keine Illusionen.“ - -„Das heißt, Sie sind jetzt mein Sklave ohne Illusionen, und ich werde -Sie dafür auch ohne Erbarmen treten.“ - -„Madame!“ - -„Kennen Sie mich noch nicht? Ja, ich bin +grausam+ -- weil Sie -denn schon an dem Worte so viel Vergnügen finden -- und habe ich nicht -recht, es zu sein? Der Mann ist der Begehrende, das Weib das Begehrte, -dies ist des Weibes ganzer, aber entscheidender Vorteil, die Natur hat -ihm den Mann durch seine Leidenschaft preisgegeben, und das Weib, das -aus ihm nicht seinen Untertan, seinen Sklaven, ja sein Spielzeug zu -machen und ihn zuletzt lachend zu verraten versteht, ist nicht klug.“ - -„Ihre Grundsätze, meine Gnädige,“ warf ich entrüstet ein. - -„Beruhen auf tausendjähriger Erfahrung,“ entgegnete Madame spöttisch, -während ihre weißen Finger in dem dunkeln Pelz spielten, „je -hingebender das Weib sich zeigt, um so schneller wird der Mann nüchtern -und herrisch werden; je grausamer und treuloser es aber ist, je mehr es -ihn mißhandelt, je frevelhafter es mit ihm spielt, je weniger Erbarmen -es zeigt, um so mehr wird es die Wollust des Mannes erregen, von ihm -geliebt, angebetet werden. So war es zu allen Zeiten, seit Helena und -Delila, bis zur zweiten Katharina und Lola Montez herauf.“ - -„Ich kann es nicht leugnen,“ sagte ich, „es gibt für den Mann nichts, -das ihn mehr reizen könnte, als das Bild einer schönen, wollüstigen und -grausamen Despotin, welche ihre Günstlinge übermütig und rücksichtslos -nach Laune wechselt --“ - -„Und noch dazu einen Pelz trägt,“ rief die Göttin. - -„Wie kommen Sie darauf?“ - -„Ich kenne ja Ihre Vorliebe.“ - -„Aber wissen Sie,“ fiel ich ein, „daß Sie, seitdem wir uns nicht -gesehen haben, sehr kokett geworden sind.“ - -„Inwiefern, wenn ich bitten darf?“ - -„Insofern es keine herrlichere Folie für Ihren weißen Leib geben -könnte, als diese dunklen Felle und es Ihnen --“ - -Die Göttin lachte. - -„Sie träumen,“ rief sie, „wachen Sie auf!“ und sie faßte mich mit -ihrer Marmorhand beim Arme, „wachen Sie doch auf!“ dröhnte ihre Stimme -nochmals im tiefsten Brustton. Ich schlug mühsam die Augen auf. - -[Illustration] - -Ich sah die Hand, die mich rüttelte, aber diese Hand war auf einmal -braun wie Bronze, und die Stimme war die schwere Schnapsstimme meines -Kosaken, der in seiner vollen Größe von nahe sechs Fuß vor mir stand. - -„Stehen Sie doch auf,“ fuhr der Wackere fort, „es ist eine wahrhafte -Schande.“ - -„Und weshalb eine Schande?“ - -„Eine Schande in Kleidern einzuschlafen und noch dazu bei einem Buche,“ -er putzte die heruntergebrannten Kerzen und hob den Band auf, der -meiner Hand entsunken war, „bei einem Buche von -- er schlug den Deckel -auf, von Hegel -- dabei ist es die höchste Zeit zu Herrn Severin zu -fahren, der uns zum Tee erwartet.“ - - * * - * - -„Ein seltsamer Traum,“ sprach Severin, als ich zu Ende war, stützte die -Arme auf die Knie, das Gesicht in die feinen zartgeäderten Hände und -versank in Nachdenken. - -Ich wußte, daß er sich nun lange Zeit nicht regen, ja kaum atmen würde, -und so war es in der Tat, für mich hatte indes sein Benehmen nichts -Auffallendes, denn ich verkehrte seit beinahe drei Jahren in guter -Freundschaft mit ihm und hatte mich an alle seine Sonderbarkeiten -gewöhnt. Denn sonderbar war er, das ließ sich nicht leugnen, wenn -auch lange nicht der gefährliche Narr, für den ihn nicht allein seine -Nachbarschaft, sondern der ganze Kreis von Kolomea hielt. Mir war sein -Wesen nicht bloß interessant, sondern -- und deshalb passierte ich auch -bei vielen als ein wenig vernarrt -- in hohem Grade sympathisch. - -Er zeigte für einen galizischen Edelmann und Gutsbesitzer wie für sein -Alter -- er war kaum über dreißig -- eine auffallende Nüchternheit des -Wesens, einen gewissen Ernst, ja sogar Pedanterie. Er lebte nach einem -minutiös ausgeführten, halb philosophischen, halb praktischen Systeme, -gleichsam nach der Uhr, und nicht das allein, zu gleicher Zeit nach dem -Thermometer, Barometer, Aerometer, Hydrometer, Hippokrates, Hufeland, -Plato, Kant, Knigge und Lord Chesterfield; dabei bekam er aber zu -Zeiten heftige Anfälle von Leidenschaftlichkeit, wo er Miene machte, -mit dem Kopfe durch die Wand zu gehen, und ihm ein jeder gerne aus dem -Wege ging. - -Während er also stumm blieb, sang dafür das Feuer im Kamin, sang der -große ehrwürdige Samowar, und der Ahnherrnstuhl, in dem ich, mich -schaukelnd, meine Zigarre rauchte, und das Heimchen im alten Gemäuer -sang auch, und ich ließ meinen Blick über das absonderliche Geräte, die -Tiergerippe, ausgestopften Vögel, Globen, Gypsabgüsse schweifen, welche -in seinem Zimmer angehäuft waren, bis er zufällig auf einem Bilde -haften blieb, das ich oft genug gesehen hatte, das mir aber gerade -heute im roten Widerschein des Kaminfeuers einen unbeschreiblichen -Eindruck machte. - -Es war ein großes Ölgemälde in der kräftigen farbensatten Manier der -belgischen Schule gemalt, sein Gegenstand seltsam genug. - -Ein schönes Weib, ein sonniges Lachen auf dem feinen Antlitz, mit -reichem, in einen antiken Knoten geschlungenem Haare, auf dem der -weiße Puder wie leichter Reif lag, ruhte, auf den linken Arm gestützt, -nackt in einem dunkeln Pelz auf einer Ottomane; ihre rechte Hand -spielte mit einer Peitsche, während ihr bloßer Fuß sich nachlässig auf -den Mann stützte, der vor ihr lag wie ein Sklave, wie ein Hund, und -dieser Mann, mit den scharfen, aber wohlgebildeten Zügen, auf denen -brütende Schwermut und hingebende Leidenschaft lag, welcher mit dem -schwärmerischen brennenden Auge eines Märtyrers zu ihr emporsah, dieser -Mann, der den Schemel ihrer Füße bildete, war Severin, aber ohne Bart, -wie es schien um zehn Jahre jünger. - -„+Venus im Pelz!+“ rief ich, auf das Bild deutend, „so habe ich -sie im Traume gesehen.“ „Ich auch,“ sagte Severin, „nur habe ich meinen -Traum mit offenen Augen geträumt.“ - -„Wie?“ - -„Ach! das ist eine dumme Geschichte.“ - -„Dein Bild hat offenbar Anlaß zu meinem Traum gegeben,“ fuhr ich -fort, „aber sage mir endlich einmal, was damit ist, daß es eine Rolle -gespielt hat in deinem Leben, und vielleicht eine sehr entscheidende, -kann ich mir denken, aber das weitere erwarte ich von dir.“ - -„Sieh dir einmal das Gegenstück an,“ entgegnete mein seltsamer Freund, -ohne auf meine Frage einzugehen. - -Das Gegenstück bildete eine treffliche Kopie der bekannten „Venus mit -dem Spiegel“ von Titian in der Dresdener Galerie. - -„Nun, was willst du damit?“ - -Severin stand auf und wies mit dem Finger auf den Pelz, mit dem Titian -seine Liebesgöttin bekleidet hat. - -„Auch hier ‚Venus im Pelz‘,“ sprach er fein lächelnd, „ich glaube -nicht, daß der alte Venetianer damit eine Absicht verbunden hat. Er hat -einfach das Portrait irgendeiner vornehmen Messaline gemacht und die -Artigkeit gehabt, ihr den Spiegel, in welchem sie ihre majestätischen -Reize mit kaltem Behagen prüft, durch Amor halten zu lassen, dem -die Arbeit sauer genug zu werden scheint. Das Bild ist eine gemalte -Schmeichelei. Später hat irgendein ‚Kenner‘ der Rokokozeit die Dame auf -den Namen Venus getauft, und der Pelz der Despotin, in den sich Titians -schönes Modell wohl mehr aus Furcht vor dem Schnupfen als Keuschheit -gehüllt hat, ist zu einem Symbol der Tyrannei und Grausamkeit geworden, -welche im Weibe und seiner Schönheit liegt. - -Aber genug, so wie das Bild jetzt ist, erscheint es uns als die -pikanteste Satire auf unsere Liebe. Venus, die im abstrakten Norden, in -der eisigen christlichen Welt in einen großen schweren Pelz schlüpfen -muß, um sich nicht zu erkälten. --“ - -Severin lachte und zündete eine neue Zigarette an. - -Eben ging die Türe auf und eine hübsche volle Blondine mit klugen -freundlichen Augen, in einer schwarzen Seidenrobe, kam herein und -brachte uns kaltes Fleisch und Eier zum Tee. Severin nahm eines der -letzteren und schlug es mit dem Messer auf. „Habe ich dir nicht gesagt, -daß ich sie weich gekocht haben will?“ rief er mit einer Heftigkeit, -welche die junge Frau zittern machte. - -„Aber lieber Sewtschu --“ sprach sie ängstlich. - -„Was Sewtschu,“ schrie er, „gehorchen sollst du, gehorchen, verstehst -du,“ und er riß den Kantschuk[1], welcher neben seinen Waffen hing, vom -Nagel. - -Die hübsche Frau floh wie ein Reh rasch und furchtsam aus dem Gemache. - -„Warte nur, ich erwische dich noch,“ rief er ihr nach. - -„Aber Severin,“ sagte ich, meine Hand auf seinen Arm legend, „wie -kannst du die hübsche kleine Frau so traktieren!“ - -„Sieh dir das Weib nur an,“ erwiderte er, indem er humoristisch mit den -Augen zwinkerte, „hätte ich ihr geschmeichelt, so hätte sie mir die -Schlinge um den Hals geworfen, so aber, weil ich sie mit dem Kantschuk -erziehe, betet sie mich an.“ - -„Geh mir!“ - -„Geh du mir, so muß man die Weiber dressieren.“ - -„Leb’ meinetwegen wie ein Pascha in deinem Harem, aber stelle mir nicht -Theorien auf --“ - -„Warum nicht,“ rief er lebhaft, „nirgends paßt Goethes ‚Du mußt Hammer -oder Ambos sein‘ so vortrefflich hin wie auf das Verhältnis von Mann -und Weib, das hat dir beiläufig Frau Venus im Traume auch eingeräumt. -In der Leidenschaft des Mannes ruht die Macht des Weibes, und es -versteht sie zu benützen, wenn der Mann sich nicht vorsieht. Er hat -nur die Wahl, der Tyrann oder der Sklave des Weibes zu sein. Wie er -sich hingibt, hat er auch schon den Kopf im Joche und wird die Peitsche -fühlen.“ - -„Seltsame Maximen!“ - -„Keine Maximen, sondern Erfahrungen,“ entgegnete er mit dem Kopfe -nickend, „+ich bin im Ernste gepeitscht worden+, ich bin kuriert, -willst du lesen wie?“ - -Er erhob sich und holte aus seinem massiven Schreibtisch eine kleine -Handschrift, welche er vor mich auf den Tisch legte. - -„Du hast früher nach jenem Bilde gefragt. Ich bin dir lange schon eine -Erklärung schuldig. Da -- lies!“ - -Severin setzte sich zum Kamin, den Rücken gegen mich, und schien mit -offenen Augen zu träumen. Wieder war es still geworden, und wieder sang -das Feuer im Kamin und der Samowar und das Heimchen im alten Gemäuer -und ich schlug die Handschrift auf und las: - -„+Bekenntnisse eines Übersinnlichen+,“ an dem Rande des -Manuskriptes standen als Motto die bekannten Verse aus dem Faust -variiert: - - „Du übersinnlicher sinnlicher Freier, - Ein Weib nasführet dich!“ - - Mephistopheles. - -Ich schlug das Titelblatt um und las: „Das Folgende habe ich aus meinem -damaligen Tagebuche zusammengestellt, weil man seine Vergangenheit nie -unbefangen darstellen kann, so aber hat alles seine frischen Farben, -die Farben der Gegenwart.“ - - * * - * - -Gogol, der russische Molière, sagt -- ja wo? -- nun irgendwo -- „die -echte komische Muse ist jene, welcher unter der lachenden Larve die -Tränen herabrinnen.“ - -Ein wunderbarer Ausspruch! - -So ist es mir recht seltsam zumute, während ich dies niederschreibe. -Die Luft scheint mir mit einem aufregenden Blumenduft gefüllt, der -mich betäubt und mir Kopfweh macht, der Rauch des Kamines kräuselt und -ballt sich mir zu Gestalten, kleinen graubärtigen Kobolden zusammen, -die spöttisch mit dem Finger auf mich deuten, pausbackige Amoretten -reiten auf den Lehnen meines Stuhles und auf meinen Knien, und ich -muß unwillkürlich lächeln, ja laut lachen, indem ich meine Abenteuer -niederschreibe, und doch schreibe ich nicht mit gewöhnlicher Tinte, -sondern mit dem roten Blute, das aus meinem Herzen träufelt, denn alle -seine längst vernarbten Wunden haben sich geöffnet und es zuckt und -schmerzt, und hie und da fällt eine Träne auf das Papier. - - * * - * - -Träge schleichen die Tage in dem kleinen Karpathenbade dahin. Man -sieht niemand und wird von niemand gesehen. Es ist langweilig zum -Idyllenschreiben. Ich hätte hier Muße, eine Galerie von Gemälden zu -liefern, ein Theater für eine ganze Saison mit neuen Stücken, ein -Dutzend Virtuosen mit Konzerten, Trios und Duos zu versorgen, aber --- was spreche ich da -- ich tue am Ende doch nicht viel mehr, als -die Leinwand aufspannen, die Bogen zurecht glätten, die Notenblätter -liniieren, denn ich bin -- ach! nur keine falsche Scham, Freund -Severin, lüge andere an; aber es gelingt dir nicht mehr recht, dich -selbst anzulügen -- also ich bin nichts weiter, als ein Dilettant; ein -Dilettant in der Malerei, in der Poesie, der Musik und noch in einigen -anderen jener sogenannten brotlosen Künste, welche ihren Meistern -heutzutage das Einkommen eines Ministers, ja eines kleinen Potentaten -sichern, und vor allem bin ich ein Dilettant im Leben. - -Ich habe bis jetzt gelebt, wie ich gemalt und gedichtet habe, das -heißt, ich bin nie weit über die Grundierung, den Plan, den ersten Akt, -die erste Strophe gekommen. Es gibt einmal solche Menschen, die alles -anfangen und doch nie mit etwas zu Ende kommen, und ein solcher Mensch -bin ich. - -Aber was schwatze ich da. - -Zur Sache. - -Ich liege in meinem Fenster und finde das Nest, in dem ich verzweifle, -eigentlich unendlich poetisch, welcher Blick auf die blaue, von -goldenem Sonnenduft umwobene hohe Wand des Gebirges, durch welche -sich Sturzbäche wie Silberbänder schlingen, und wie klar und blau der -Himmel, in den die beschneiten Kuppen ragen, und wie grün und frisch -die waldigen Abhänge, die Wiesen, auf denen kleine Herden weiden, bis -zu den gelben Wogen des Getreides hinab, in denen die Schnitter stehen -und sich bücken und wieder emportauchen. - -Das Haus, in dem ich wohne, steht in einer Art Park, oder Wald, oder -Wildnis, wie man es nennen will, und ist sehr einsam. - -Es wohnt niemand darin als ich, eine Witwe aus Lwow[2], die Hausfrau -Madame Tartakowska, eine kleine alte Frau, die täglich älter und -kleiner wird, ein alter Hund, der auf einem Beine hinkt, und eine junge -Katze, welche stets mit einem Zwirnknäuel spielt, und der Zwirnknäuel -gehört, glaube ich, der schönen Witwe. - -Sie soll wirklich schön sein, die Witwe, und noch sehr jung, höchstens -vierundzwanzig, und sehr reich. Sie wohnt im ersten Stock und ich wohne -ebener Erde. Sie hat immer die grünen Jalousien geschlossen und hat -einen Balkon, der ganz mit grünen Schlingpflanzen überwachsen ist; ich -aber habe dafür unten meine liebe, trauliche Gaisblattlaube, in der ich -lese und schreibe und male und singe, wie ein Vogel in den Zweigen. Ich -kann auf den Balkon hinaufsehen. Manchmal sehe ich auch wirklich hinauf -und dann schimmert von Zeit zu Zeit ein weißes Gewand zwischen dem -dichten, grünen Netz. - -Eigentlich interessiert mich die schöne Frau dort oben sehr wenig, denn -ich bin in eine andere verliebt und zwar höchst unglücklich verliebt, -noch weit unglücklicher, als Ritter Toggenburg und der Chevalier in -Manon l’Escault, denn meine Geliebte ist von Stein. - -Im Garten, in der kleinen Wildnis, befindet sich eine graziöse kleine -Wiese, auf der friedlich ein paar zahme Rehe weiden. Auf dieser Wiese -steht ein Venusbild von Stein, das Original, glaube ich, ist in -Florenz; diese Venus ist das schönste Weib, das ich in meinem Leben -gesehen habe. - -[Illustration] - -Das will freilich nicht viel sagen, denn ich habe wenig schöne -Frauen, ja überhaupt wenig Frauen gesehen und bin auch in der Liebe -nur ein Dilettant, der nie über die Grundierung, über den ersten Akt -hinausgekommen ist. - -Wozu auch in Superlativen sprechen, als wenn etwas, was schön ist, noch -übertroffen werden könnte. - -Genug, diese Venus ist schön und ich liebe sie, so leidenschaftlich, so -krankhaft innig, so wahnsinnig, wie man nur ein Weib lieben kann, das -unsere Liebe mit einem ewig gleichen, ewig ruhigen, steinernen Lächeln -erwidert. Ja, ich bete sie förmlich an. - -Oft liege ich, wenn die Sonne im Gehölze brütet, unter dem Laubdach -einer jungen Buche und lese, oft besuche ich meine kalte, grausame -Geliebte auch bei Nacht und liege dann vor ihr auf den Knieen, das -Antlitz gegen die kalten Steine gepreßt, auf denen ihre Füße ruhen, und -bete zu ihr. - -Es ist unbeschreiblich, wenn dann der Mond heraufsteigt -- er ist -eben im Zunehmen -- und zwischen den Bäumen schwimmt und die Wiese in -silbernen Glanz taucht, und die Göttin steht dann wie verklärt und -scheint sich in seinem weichen Lichte zu baden. - -Einmal, wie ich von meiner Andacht zurückkehrte, durch eine der Alleen, -die zum Hause führen, sah ich plötzlich, nur durch die grüne Galerie -von mir getrennt, eine weibliche Gestalt, weiß wie Stein, vom Mondlicht -beglänzt; da war mir’s, als hätte sich das schöne Marmorweib meiner -erbarmt und sei lebendig geworden und mir gefolgt -- mich aber faßte -eine namenlose Angst, das Herz drohte mir zu springen, und statt -- - -Nun, ich bin ja ein Dilettant. Ich blieb, wie immer, beim zweiten Verse -stecken, nein, im Gegenteil, ich blieb nicht stecken, ich lief, so -rasch ich laufen konnte. - - * * - * - -Welcher Zufall! ein Jude, der mit Photographien handelt, spielt mir das -Bild meines Ideals in die Hände; es ist ein kleines Blatt, die „Venus -mit dem Spiegel“ von Titian, welch ein Weib! Ich will ein Gedicht -machen. Nein! Ich nehme das Blatt und schreibe darauf: „+Venus im -Pelz.+“ - -Du frierst, während du selbst Flammen erregst. Hülle dich nur in deinen -Despotenpelz, wem gebührt er, wenn nicht dir, grausame Göttin der -Schönheit und Liebe! -- - -Und nach einer Weile fügte ich einige Verse von Goethe hinzu, die ich -vor kurzem in seinen Paralipomena zum Faust gefunden hatte. - - -+An Amor!+ - - „Erlogen ist das Flügelpaar, - Die Pfeile, die sind Krallen, - Die Hörnerchen verbirgt der Kranz, - Er ist ohn’ allen Zweifel, - Wie alle Götter Griechenlands, - Auch ein verkappter Teufel.“ - -Dann stellte ich das Bild vor mich auf den Tisch, indem ich es mit -einem Buche stützte und betrachtete es. - -Die kalte Koketterie, mit der das herrliche Weib seine Reize mit -den dunklen Zobelfellen drapiert, die Strenge, Härte, welche in dem -Marmorantlitz liegt, entzücken mich und flößen mir zugleich Grauen ein. - -Ich nehme noch einmal die Feder; da steht es nun: - -„Lieben, geliebt werden, welch ein Glück! und doch wie verblaßt der -Glanz desselben gegen die qualvolle Seligkeit, ein Weib anzubeten, das -uns zu seinem Spielzeug macht, der Sklave einer schönen Tyrannin zu -sein, die uns unbarmherzig mit Füßen tritt. Auch Simson, der Held, der -Riese, gab sich Delila, die ihn verraten hatte, noch einmal in die Hand -und sie verriet ihn noch einmal und die Philister banden ihn vor ihr -und stachen ihm die Augen aus, die er bis zum letzten Augenblicke von -Wut und Liebe trunken auf die schöne Verräterin heftete.“ - - * * - * - -Ich nahm das Frühstück in meiner Gaisblattlaube und las im Buche Judith -und beneidete den grimmen Heiden Holofernes um das königliche Weib, das -ihm den Kopf herunter hieb, und um sein blutig schönes Ende. - -„Gott hat ihn gestraft und hat ihn in eines Weibes Hände gegeben.“ - -Der Satz frappierte mich. - -Wie ungalant diese Juden sind, dachte ich, und ihr Gott, er könnte auch -anständigere Ausdrücke wählen, wenn er von dem schönen Geschlechte -spricht. - -„+Gott hat ihn gestraft und hat ihn in eines Weibes Hände -gegeben+“, wiederholte ich für mich. Nun, was soll ich etwa -anstellen, damit er mich straft? - -Um Gottes willen! da kommt unsere Hausfrau, sie ist über Nacht wieder -etwas kleiner geworden. Und dort oben zwischen den grünen Ranken und -Ketten wieder das weiße Gewand. Ist es Venus oder die Witwe? - -Diesmal ist es die Witwe, denn Madame Tartakowska knixt und ersucht -mich in ihrem Namen um Lektüre. Ich eile in mein Zimmer und raffe ein -paar Bände zusammen. - -Zu spät erinnere ich mich, daß mein Venusbild in einem derselben liegt, -nun hat es die weiße Frau dort oben, samt meinen Ergüssen. Was wird sie -dazu sagen? - -Ich höre sie lachen. - -Lacht sie über mich? - - * * - * - -Vollmond! da blickt er schon über die Wipfel der niederen Tannen, -welche den Park einsäumen, und silberner Duft erfüllt die Terrasse, -die Baumgruppen, die ganze Landschaft, so weit das Auge reicht, in der -Ferne sanft verschwimmend, gleich zitternden Gewässern. - -Ich kann nicht widerstehen, es mahnt und ruft mich so seltsam, ich -kleide mich wieder an und trete in den Garten. - -Es zieht mich hin zur Wiese, zu ihr, meiner Göttin, meiner Geliebten. - -Die Nacht ist kühl. Mich fröstelt. Die Luft ist schwer von Blumen- und -Waldgeruch, sie berauscht. - -Welche Feier! Welche Musik ringsum. Eine Nachtigall schluchzt. Die -Sterne zucken nur leise in blaßblauem Schimmer. Die Wiese scheint -glatt, wie ein Spiegel, wie die Eisdecke eines Teiches. - -Hehr und leuchtend ragt das Venusbild. - -Doch -- was ist das? - -Von den marmornen Schultern der Göttin fließt bis zu ihren Sohlen ein -großer dunkler Pelz herab -- ich stehe starr und staune sie an, und -wieder faßt mich jenes unbeschreibliche Bangen und ich ergreife die -Flucht. - -Ich beschleunige meine Schritte; da sehe ich, daß ich die Allee -verfehlt habe, und wie ich seitwärts in einen der grünen Gänge -einbiegen will, sitzt Venus, das schöne, steinerne Weib, nein, die -wirkliche Liebesgöttin, mit warmem Blute und pochenden Pulsen, vor mir -auf einer steinernen Bank. Ja, sie ist mir lebendig geworden, wie jene -Statue, die für ihren Meister zu atmen begann; zwar ist das Wunder -erst halb vollbracht. Ihr weißes Haar scheint noch von Stein und ihr -weißes Gewand schimmert wie Mondlicht, oder ist es Atlas? und von ihren -Schultern fließt der dunkle Pelz -- aber ihre Lippen sind schon rot -und ihre Wangen färben sich, und aus ihren Augen treffen mich zwei -diabolische, grüne Strahlen, und jetzt lacht sie. - -Ihr Lachen ist so seltsam, so -- ach! es ist unbeschreiblich, es -benimmt mir den Atem, ich flüchte weiter und muß immer wieder nach -wenigen Schritten Atem holen, und dieses spöttische Lachen verfolgt -mich durch die düsteren Laubgänge, über die hellen Rasenplätze, in -das Dickicht, durch das nur einzelne Mondstrahlen brechen; ich finde -den Weg nicht mehr, ich irre umher, kalte Tropfen perlen mir auf der -Stirne. - -Endlich bleibe ich stehen und halte einen kurzen Monolog. - -Er lautet -- nun -- man ist ja immer sich selbst gegenüber entweder -sehr artig oder sehr grob. - -Ich sage also zu mir: - -Esel! - -Dieses Wort übt eine großartige Wirkung, gleich einer Zauberformel, die -mich erlöst und zu mir bringt. - -Ich bin im Augenblicke ruhig. - -Vergnügt wiederhole ich: Esel! - -Ich sehe nun wieder alles klar und deutlich, da ist der Springbrunnen, -dort die Allee von Buchsbaum, dort das Haus, auf das ich jetzt langsam -zugehe. - -Da -- plötzlich noch einmal -- hinter der grünen, vom Mondlicht -durchleuchteten, gleichsam in Silber gestickten Wand, die weiße -Gestalt, das schöne Weib von Stein, das ich anbete, das ich fürchte, -vor dem ich fliehe. - -Mit ein paar Sätzen bin ich im Hause und hole Atem und denke nach. - -Nun, was bin ich jetzt eigentlich, ein kleiner Dilettant oder ein -großer Esel? - -[Illustration] - -Ein schwüler Morgen, die Luft ist matt, stark gewürzt, aufregend. Ich -sitze wieder in meiner Gaisblattlaube und lese in der Odyssee von der -reizenden Hexe, die ihre Anbeter in Bestien verwandelt. Köstliches Bild -der antiken Liebe. - -In den Zweigen und Halmen rauscht es leise und die Blätter meines -Buches rauschen und auf der Terrasse rauscht es auch. - -Ein Frauengewand -- - -Da ist sie -- Venus -- aber ohne Pelz -- nein, diesmal ist es die Witwe --- und doch -- Venus -- oh! welch ein Weib! - -Wie sie dasteht im leichten, weißen Morgengewande und auf mich blickt, -wie poetisch und anmutig zugleich erscheint ihre feine Gestalt; sie ist -nicht groß, aber auch nicht klein, und der Kopf, mehr reizend, pikant --- im Sinne der französischen Marquisenzeit -- als streng schön, aber -doch wie bezaubernd, welche Weichheit, welcher holde Mutwille umspielen -diesen vollen, nicht zu kleinen Mund -- die Haut ist so unendlich zart, -daß überall die blauen Adern durchschimmern, auch durch den Mousselin, -welcher Arm und Busen bedeckt, wie üppig ringelt sich das rote Haar -- -ja, es ist rot -- nicht blond oder goldig -- wie dämonisch und doch -lieblich spielt es um ihren Nacken, und jetzt treffen mich ihre Augen -wie grüne Blitze -- ja, sie sind grün, diese Augen, deren sanfte Gewalt -unbeschreiblich ist -- grün, aber so wie es Edelsteine, wie es tiefe, -unergründliche Bergseen sind. - -Sie bemerkt meine Verwirrung, die mich sogar unartig macht, denn ich -bin sitzen geblieben und habe noch meine Mütze auf dem Kopfe. - -Sie lächelt schelmisch. - -Ich erhebe mich endlich und grüße sie. Sie nähert sich und bricht -in ein lautes, beinahe kindliches Lachen aus. Ich stottere, wie nur -ein kleiner Dilettant oder großer Esel in einem solchen Augenblicke -stottern kann. - -So machen wir unsere Bekanntschaft. - -Die Göttin fragte um meinen Namen und nennt mir den ihren. - -Sie heißt Wanda von Dunajew. - -Und sie ist wirklich meine Venus. - -„Aber Madame, wie kamen Sie auf den Einfall?“ - -„Durch das kleine Bild, das in einem Ihrer Bücher lag --“ - -„Ich habe es vergessen.“ - -„Die seltsamen Bemerkungen auf der Rückseite --“ - -„Warum seltsam?“ - -Sie sah mich an. „Ich habe immer den Wunsch gehabt, einmal einen -ordentlichen Phantasten kennen zu lernen -- der Abwechslung wegen -- -nun, Sie scheinen mir nach allem einer der tollsten.“ - -„Meine Gnädige -- in der Tat --“ wieder das fatale, eselhafte Stottern -und noch dazu ein Erröten, wie es für einen jungen Menschen von -sechzehn Jahren wohl passen mag, aber für mich, der beinahe volle zehn -Jahre älter -- - -„Sie haben sich heute Nacht vor mir gefürchtet.“ - -„Eigentlich -- allerdings -- aber wollen Sie sich nicht setzen?“ - -Sie nahm Platz und weidete sich an meiner Angst -- denn ich fürchtete -mich jetzt, bei hellem Tageslichte, noch mehr vor ihr -- ein reizender -Hohn zuckte um ihre Oberlippe. - -„Sie sehen die Liebe und vor allem das Weib,“ begann sie, „als etwas -Feindseliges an, etwas, wogegen Sie sich, wenn auch vergebens, wehren, -dessen Gewalt Sie aber als eine süße Qual, eine prickelnde Grausamkeit -fühlen; eine echt moderne Anschauung.“ - -„Sie teilen sie nicht.“ - -„Ich teile sie nicht,“ sprach sie rasch und entschieden und schüttelte -den Kopf, daß ihre Locken wie rote Flammen emporschlugen. - -„Mir ist die heitere Sinnlichkeit der Hellenen -- Freude ohne Schmerz --- ein Ideal, das ich in meinem Leben zu verwirklichen strebe. Denn an -jene Liebe, welche das Christentum, welche die Modernen, die Ritter vom -Geiste predigen, glaube ich nicht. Ja, sehen Sie mich nur an, ich bin -weit schlimmer als eine Ketzerin, ich bin eine Heidin. - - „Glaubst du, es habe sich lange die Göttin der Liebe besonnen, - Als im Idäischen Hain einst ihr Anchises gefiel?“ - -Diese Verse aus Goethes römischer Elegie haben mich stets sehr entzückt. - -In der Natur liegt nur jene Liebe der heroischen Zeit, „da Götter und -Göttinnen liebten“. Damals - - „folgte Begierde dem Blick, folgte Genuß der Begier“. - -Alles andere ist gemacht, affektiert, erlogen. Durch das Christentum -- -dessen grausames Emblem -- das Kreuz -- etwas Entsetzliches für mich -hat -- wurde erst etwas Fremdes, Feindliches in die Natur und ihre -unschuldigen Triebe hineingetragen. - -Der Kampf des Geistes mit der sinnlichen Welt ist das Evangelium der -Modernen. Ich will keinen Teil daran.“ - -„Ja, Ihr Platz wäre im Olymp, Madame,“ entgegnete ich, „aber wir -Modernen ertragen einmal die antike Heiterkeit nicht, am wenigsten -in der Liebe; die Idee, ein Weib, und wäre es auch eine Aspasia, mit -anderen zu teilen, empört uns, wir sind eifersüchtig wie unser Gott. -So ist der Name der herrlichen Phryne bei uns zu einem Schimpfworte -geworden. - -Wir ziehen eine dürftige, blasse, Holbeinsche Jungfrau, welche uns -allein gehört, einer antiken Venus vor, wenn sie noch so göttlich schön -ist, aber heute den Anchises, morgen den Paris, übermorgen den Adonis -liebt, und wenn die Natur in uns triumphiert, wenn wir uns in glühender -Leidenschaft einem solchen Weibe hingeben, erscheint uns dessen heitere -Lebenslust als Dämonie, als Grausamkeit, und wir sehen in unserer -Seligkeit eine Sünde, die wir büßen müssen.“ - -„Also auch Sie schwärmen für die moderne Frau, für jene armen, -hysterischen Weiblein, welche im somnambulen Jagen nach einem -erträumten, männlichen Ideal den besten Mann nicht zu schätzen -verstehen und unter Tränen und Krämpfen täglich ihre christlichen -Pflichten verletzen, betrügend und betrogen, immer wieder suchen und -wählen und verwerfen, nie glücklich sind, nie glücklich machen und -das Schicksal anklagen, statt ruhig zu gestehen, ich will lieben und -leben, wie Helena und Aspasia gelebt haben. Die Natur kennt keine Dauer -in dem Verhältnis von Mann und Weib.“ - -„Gnädige Frau --“ - -„Lassen Sie mich ausreden. Es ist nur der Egoismus des Mannes, der das -Weib wie einen Schatz vergraben will. Alle Versuche, durch heilige -Zeremonien, Eide und Verträge Dauer in das Wandelbarste im wandelbaren -menschlichen Dasein, in die Liebe hineinzutragen, sind gescheitert. -Können Sie leugnen, daß unsere christliche Welt in Fäulnis übergegangen -ist?“ - -„Aber --“ - -„Aber der Einzelne, der sich gegen die Einrichtungen der Gesellschaft -empört, wird ausgestoßen, gebrandmarkt, gesteinigt, wollen Sie sagen. -Nun gut. Ich wage es, meine Grundsätze sind recht heidnisch, ich will -mein Dasein ausleben. Ich verzichte auf euren heuchlerischen Respekt, -ich ziehe es vor, glücklich zu sein. Die Erfinder der christlichen -Ehe haben gut daran getan, auch gleich dazu die Unsterblichkeit zu -erfinden. Ich denke jedoch nicht daran, ewig zu leben, und wenn mit -dem letzten Atemzuge hier für mich als Wanda von Dunajew alles zu Ende -ist, was habe ich davon, ob mein reiner Geist in den Chören der Engel -mitsingt oder ob mein Staub zu neuen Wesen zusammenquillt? Sobald -ich aber, so wie ich bin, nicht fortlebe, aus welcher Rücksicht soll -ich dann entsagen? Einem Manne angehören, den ich nicht liebe, bloß -deshalb, weil ich ihn einmal geliebt habe? Nein, ich entsage nicht, -ich liebe jeden, der mir gefällt, und mache jeden glücklich, der mich -liebt. Ist das häßlich? Nein, es ist mindestens weit schöner, als -wenn ich mich grausam der Qualen freue, die meine Reize erregen, und -mich tugendhaft von dem Armen abkehre, der um mich verschmachtet. Ich -bin jung, reich und schön, und so, wie ich bin, lebe ich heiter dem -Vergnügen, dem Genuß.“ - -Ich hatte, während sie sprach und ihre Augen schelmisch funkelten, -ihre Hände ergriffen, ohne recht zu wissen, was ich mit ihnen anfangen -wollte, aber als echter Dilettant ließ ich sie jetzt wieder eilig los. - -„Ihre Ehrlichkeit,“ sagte ich, „entzückt mich, und nicht diese allein ---“ - -Wieder der verdammte Dilettantismus, der mir den Hals mit einem -Hemmseil zuschnürt. - -„Was wollten Sie doch sagen...“ - -„Was ich sagen wollte -- ja, ich wollte -- vergeben Sie -- meine -Gnädige -- ich habe Sie unterbrochen.“ - -„Wie?“ - -Eine lange Pause. Sie hält gewiß einen Monolog, der, in meine Sprache -übersetzt, sich in das einzige Wort „Esel“ zusammenfassen läßt. - -„Wenn Sie erlauben, gnädige Frau,“ begann ich endlich, „wie sind Sie zu -diesen -- zu diesen Ideen gekommen?“ - -„Sehr einfach, mein Vater war ein vernünftiger Mann. Ich war von der -Wiege an mit Abgüssen antiker Bildwerke umgeben, ich las mit zehn -Jahren den Gil Blas, mit zwölf die Pucelle. Wie andere in ihrer -Kindheit den Däumling, Blaubart, Aschenbrödel, nannte ich Venus und -Apollo, Herkules und Laokoon meine Freunde. Mein Gatte war eine -heitere, sonnige Natur; nicht einmal das unheilbare Leiden, das ihn -nicht lange nach unserer Vermählung ergriff, konnte seine Stirne jemals -für die Dauer umwölken. Noch die Nacht vor dem Tode nahm er mich in -sein Bett und während der vielen Monate, wo er sterbend in seinem -Rollsessel lag, sagte er öfter scherzend zu mir: „Nun, hast du schon -einen Anbeter?“ Ich wurde schamrot. „Betrüge mich nicht,“ fügte er -einmal hinzu, „das fände ich häßlich, aber suche dir einen hübschen -Mann aus, oder lieber gleich mehrere. Du bist ein braves Weib, aber -dabei noch ein halbes Kind, du brauchst Spielzeug.““ - -„Es ist wohl nicht nötig, Ihnen zu sagen, daß ich, so lange er lebte, -keinen Anbeter hatte, aber genug, er erzog mich zu dem, was ich bin, zu -einer Griechin.“ - -„Zu einer Göttin,“ fiel ich ein. - -Sie lächelte. „Zu welcher etwa?“ - -„Zu einer Venus.“ - -Sie drohte mit dem Finger und zog die Brauen zusammen. „Am Ende gar zu -einer ‚+Venus im Pelz+‘, warten Sie nur -- ich habe einen großen, -großen Pelz, mit dem ich Sie ganz zudecken kann, ich will Sie darin -fangen, wie in einem Netz.“ - -„Glauben Sie auch,“ sagte ich rasch, denn mir kam etwas in den Sinn, -was ich -- so gewöhnlich und abgeschmackt es war -- für einen sehr -guten Gedanken hielt -- „glauben Sie, daß Ihre Ideen sich in unserer -Zeit durchführen lassen, daß Venus ungestraft in ihrer unverhüllten -Schönheit und Heiterkeit unter Eisenbahnen und Telegraphen wandeln -dürfte?“ - -„+Unverhüllt+ gewiß nicht, aber im Pelz,“ rief sie lachend, -„wollen Sie den meinen sehen?“ - -„Und dann --“ - -„Was dann?“ - -„Schöne, freie, heitere und glückliche Menschen, wie es die Griechen -waren, sind nur dann möglich, wenn sie +Sklaven+ haben, welche für -sie die unpoetischen Geschäfte des täglichen Lebens verrichten und vor -allem für sie arbeiten.“ - -„Gewiß,“ erwiderte sie mutwillig, „vor allem braucht aber eine -olympische Göttin, wie ich, ein ganzes Heer von Sklaven. Hüten Sie sich -also vor mir.“ - -„Warum?“ - -Ich erschrak selbst über die Kühnheit, mit der ich dieses „Warum“ -herausgebracht hatte; sie indes erschrak durchaus nicht, sie zog die -Lippen etwas empor, so daß die kleinen, weißen Zähne sichtbar wurden, -und sprach dann leichthin, als handle es sich um etwas, was nicht der -Rede wert sei: „Wollen Sie mein Sklave sein?“ - -„In der Liebe gibt es kein Nebeneinander,“ erwiderte ich mit -feierlichem Ernst, „sobald ich aber die Wahl habe, zu herrschen oder -unterjocht zu werden, scheint es mir weit reizender, der Sklave -eines schönen Weibes zu sein. Aber wo finde ich das Weib, das nicht -mit kleinlicher Zanksucht Einfluß zu erringen, sondern ruhig und -selbstbewußt, ja streng zu herrschen versteht?“ - -„Nun, das wäre am Ende nicht so schwer.“ - -„Sie glauben --“ - -„Ich -- zum Beispiel -- --“ sie lachte und bog sich dabei weit zurück --- „ich habe Talent zur Despotin -- die nötigen Pelze besitze ich auch --- aber Sie haben sich heute nacht in allem Ernste vor mir gefürchtet!“ - -„In allem Ernste.“ - -„Und jetzt?“ - -„Jetzt -- jetzt fürchte ich mich erst recht vor Ihnen!“ - - * * - * - -Wir sind täglich beisammen, ich und -- Venus; viel beisammen, -wir nehmen das Frühstück in meiner Gaisblattlaube und den Tee in -ihrem kleinen Salon, und ich habe Gelegenheit, alle meine kleinen, -sehr kleinen Talente zu entfalten. Wozu hätte ich mich in allen -Wissenschaften unterrichtet, in allen Künsten versucht, wenn ich nicht -imstande wäre, ein kleines hübsches Weib -- - -Aber dieses Weib ist durchaus nicht so klein und imponiert mir ganz -ungeheuer. Heute zeichnete ich sie und da fühlte ich erst so recht -deutlich, wie wenig unsere moderne Toilette für diesen Kameenkopf paßt. -Sie hat wenig Römisches, aber viel Griechisches in der Bildung ihrer -Züge. - -Bald möchte ich sie als Psyche, bald als Astarte malen, je nachdem ihre -Augen den schwärmerisch seelischen, oder jenen halb verschmachtenden, -halb versengenden, müdwollüstigen Ausdruck haben, aber sie wünscht, daß -es ein Porträt werden soll. - -Nun, ich werde ihr einen Pelz geben. - -Ach! wie konnte ich nur zweifeln, für wen gehört ein fürstlicher Pelz, -wenn nicht für sie? - - * * - * - -Ich war gestern abend bei ihr und las ihr die römischen Elegien. Dann -legte ich das Buch weg und sprach einiges aus dem Kopfe. Sie schien -zufrieden, ja noch mehr, sie hing förmlich an meinen Lippen und ihr -Busen flog. - -Oder habe ich mich getäuscht? - -Der Regen pochte melancholisch an die Scheiben, das Feuer am Kamin -prasselte winterlich traulich, mir wurde so heimatlich bei ihr, ich -hatte einen Augenblick allen Respekt vor dem schönen Weibe verloren und -küßte ihre Hand und sie ließ es geschehen. - -Dann saß ich zu ihren Füßen und las ihr ein kleines Gedicht, das ich -für sie gemacht habe. - - +Venus im Pelz.+ - - „Setz’ den Fuß auf deinen Sklaven, - Teuflisch holdes Mythenweib, - Unter Myrten und Agaven - Hingestreckt den Marmorleib.“ - -Ja -- nun weiter! Diesmal bin ich wirklich über die erste Strophe -hinausgekommen, aber ich habe ihr an jenem Abend das Gedicht auf ihren -Befehl gegeben und habe keine Abschrift, und heute, wo ich dies aus -meinem Tagebuche herausschreibe, fällt mir nur diese erste Strophe ein. - -Es ist eine merkwürdige Empfindung, die ich habe. Ich glaube nicht, -daß ich in Wanda verliebt bin, wenigstens habe ich bei unserer ersten -Begegnung nichts von jenem blitzartigen Zünden der Leidenschaft -gefühlt. Aber ich empfinde, wie ihre außerordentliche, wahrhaft -göttliche Schönheit allmählich magische Schlingen um mich legt. Es -ist auch keine Neigung des Gemütes, die in mir entsteht, es ist eine -physische Unterwerfung, langsam, aber um so vollständiger. - -Ich leide täglich mehr, und sie -- sie lächelt nur dazu. - - * * - * - -Heute sagte sie mir plötzlich, ohne jede Veranlassung: „Sie -interessieren mich. Die meisten Männer sind so gewöhnlich, ohne -Schwung, ohne Poesie; in Ihnen ist eine gewisse Tiefe und Begeisterung, -vor allem ein Ernst, der mir wohltut. Ich könnte Sie lieb gewinnen.“ - - * * - * - -Nach einem kurzen, aber heftigen Gewitterregen besuchen wir zusammen -die Wiese und das Venusbild. Die Erde dampft ringsum, Nebel steigen wie -Opferdünste gegen den Himmel, ein zerstückter Regenbogen schwebt in der -Luft, noch tropfen die Bäume, aber Sperlinge und Finken springen schon -von Zweig zu Zweig und zwitschern lebhaft, wie wenn sie über etwas -hoch erfreut wären, und alles ist mit frischem Wohlgeruch erfüllt. -Wir können die Wiese nicht überschreiten, denn sie ist noch ganz naß -und erscheint von der Sonne beglänzt, wie ein kleiner Teich, aus -dessen bewegtem Spiegel die Liebesgöttin emporsteigt, um deren Haupt -ein Mückenschwarm tanzt, welcher, von der Sonne beschienen, wie eine -Aureole über ihr schwebt. - -Wanda freute sich des lieblichen Anblicks, und da auf den Bänken in der -Allee noch das Wasser steht, stützt sie sich, um etwas auszuruhen, auf -meinen Arm, eine süße Müdigkeit liegt in ihrem ganzen Wesen, ihre Augen -sind halb geschlossen, ihr Atem streift meine Wange. - -[Illustration] - -Ich ergreife ihre Hand und -- wie es mir gelingt, weiß ich wahrhaftig -nicht -- ich frage sie: - -„Könnten Sie mich lieben?“ - -„Warum nicht,“ erwidert sie und läßt ihren ruhigen, sonnigen Blick auf -mir ruhen, aber nicht lange. - -Im nächsten Augenblicke knie ich vor ihr und presse mein flammendes -Antlitz in den duftigen Mousselin ihrer Robe. - -„Aber Severin -- das ist ja unanständig!“ ruft sie. - -Ich aber ergreife ihren kleinen Fuß und presse meine Lippen darauf. - -„Sie werden immer unanständiger!“ ruft sie, macht sich los und flieht -in raschen Sätzen gegen das Haus, während ihr allerliebster Pantoffel -in meiner Hand zurückbleibt. - -Soll das ein Omen sein? - - * * - * - -Ich wagte mich den ganzen Tag über nicht in ihre Nähe. Gegen Abend, -ich saß in meiner Laube, blickte plötzlich ihr pikantes rotes Köpfchen -durch die grünen Gewinde ihres Balkons. „Warum kommen Sie denn nicht?“ -schrie sie ungeduldig herab. - -Ich lief die Treppe empor, oben verlor ich wieder den Mut und klopfte -ganz leise an. Sie sagte nicht herein, sondern öffnete und trat auf die -Schwelle. - -„Wo ist mein Pantoffel?“ - -„Er ist -- ich habe -- ich will,“ stotterte ich. - -„Holen Sie ihn und dann nehmen wir den Tee zusammen und plaudern.“ - -Als ich zurückkehrte, war sie mit der Teemaschine beschäftigt. Ich -legte den Pantoffel feierlich auf den Tisch und stand im Winkel, wie -ein Kind, das seine Strafe erwartet. - -Ich bemerkte, daß sie die Stirne etwas zusammengezogen hatte und um -ihren Mund etwas Strenges, Herrisches lag, das mich entzückte. - -Auf einmal brach sie in Lachen aus. - -„Also -- Sie sind wirklich verliebt -- in mich?“ - -„Ja, und ich leide dabei mehr, als Sie glauben.“ - -„Sie leiden?“ sie lachte wieder. - -Ich war empört, beschämt, vernichtet, aber alles ganz unnötig. - -„Wozu?“ fuhr sie fort, „ich bin Ihnen ja gut, von Herzen gut.“ Sie gab -mir die Hand und blickte mich überaus freundlich an. - -„Und Sie wollen meine Frau werden?“ - -Wanda sah mich -- ja, wie sah sie mich an? -- ich glaube vor allem -erstaunt und dann ein wenig spöttisch. - -„Woher haben Sie auf einmal so viel Mut?“ sagte sie. - -„Mut?“ - -„Ja den Mut überhaupt, eine Frau zu nehmen, und insbesondere mich?“ Sie -hob den Pantoffel in die Höhe. „Haben Sie sich so schnell mit diesem da -befreundet? Aber Scherz beiseite. Wollen Sie mich wirklich heiraten?“ - -„Ja.“ - -„Nun, Severin, das ist eine ernste Geschichte. Ich glaube, daß Sie mich -lieb haben und auch ich habe Sie lieb, und was noch besser ist, wir -interessieren uns für einander, es ist keine Gefahr vorhanden, daß wir -uns so bald langweilen, aber Sie wissen, ich bin eine leichtsinnige -Frau, und eben deshalb nehme ich die Ehe sehr ernst, und wenn ich -Pflichten übernehme, so will ich sie auch erfüllen können. Ich fürchte -aber -- nein -- es muß Ihnen wehe tun.“ - -„Ich bitte Sie, seien Sie ehrlich gegen mich,“ entgegnete ich. - -„Also ehrlich gesprochen. Ich glaube nicht, daß ich einen Mann länger -lieben kann -- als --“ sie neigte ihr Köpfchen anmutig zur Seite und -sann nach. - -„Ein Jahr.“ - -„Wo denken Sie hin -- einen Monat vielleicht.“ - -„Auch mich nicht?“ - -„Nun Sie -- Sie vielleicht zwei.“ - -„Zwei Monate!“ schrie ich auf. - -„Zwei Monate, das ist sehr lange.“ - -„Madame, das ist mehr als antik.“ - -„Sehen Sie, Sie ertragen die Wahrheit nicht.“ - -Wanda ging durch das Zimmer, lehnte sich dann gegen den Kamin zurück -und betrachtete mich, mit dem Arme auf dem Sims ruhend. - -„Was soll ich also mit Ihnen anfangen?“ begann sie wieder. - -„Was Sie wollen,“ antwortete ich resigniert, „was Ihnen Vergnügen -macht.“ - -„Wie inkonsequent!“ rief sie, „erst wollen Sie mich zur Frau und dann -geben Sie sich mir zum Spielzeug.“ - -„Wanda -- ich liebe Sie.“ - -„Da wären wir wieder dort, wo wir angefangen haben. Sie lieben mich und -wollen mich zur Frau, ich aber will keine neue Ehe schließen, weil ich -an der Dauer meiner und Ihrer Gefühle zweifle.“ - -„Wenn ich es aber mit Ihnen wagen will?“ erwiderte ich. - -„Dann kommt es noch darauf an, ob ich es mit Ihnen wagen will,“ sprach -sie ruhig, „ich kann mir ganz gut denken, daß ich einem Mann für -das Leben gehöre, aber es müßte ein voller Mann sein, ein Mann, der -mir imponiert, der mich durch die Gewalt seines Wesens unterwirft, -verstehen Sie? und jeder Mann -- ich kenne das -- wird, sobald er -verliebt ist -- schwach, biegsam, lächerlich, wird sich in die Hand -des Weibes geben, vor ihr auf den Knien liegen, während ich nur jenen -dauernd lieben könnte, vor dem ich knien würde. Aber Sie sind mir so -lieb geworden, daß ich es mit Ihnen versuchen will.“ - -Ich stürze zu ihren Füßen. - -„Mein Gott! da knien Sie schon,“ sprach sie spöttisch, „Sie fangen -gut an,“ und als ich mich wieder erhoben hatte, fuhr sie fort: „Ich -gebe Ihnen ein Jahr Zeit, mich zu gewinnen, mich zu überzeugen, daß -wir für einander passen, daß wir zusammen leben können. Gelingt Ihnen -dies, dann bin ich Ihre Frau und dann, Severin, eine Frau, welche ihre -Pflichten streng und gewissenhaft erfüllen wird. Während dieses Jahres -werden wir wie in einer Ehe leben --“ - -Mir stieg das Blut zu Kopfe. - -Auch ihre Augen flammten plötzlich auf. -- „Wir werden zusammen -wohnen,“ fuhr sie fort, „alle unsere Gewohnheiten teilen, um zu sehen, -ob wir uns ineinander finden können. +Ich räume Ihnen alle Rechte -eines Gatten, eines Anbeters, eines Freundes ein+. Sind Sie damit -zufrieden?“ - -„Ich muß wohl.“ - -„Sie müssen nicht.“ - -„Also ich will --“ - -„Vortrefflich. So spricht ein Mann. Da haben Sie meine Hand.“ - - * * - * - -Seit zehn Tagen war ich keine Stunde ohne sie, die Nächte ausgenommen. -Ich durfte immerfort in ihre Augen sehen, ihre Hände halten, ihren -Reden lauschen, sie überall hin begleiten. - -Meine Liebe kommt mir wie ein tiefer, bodenloser Abgrund vor, in dem -ich immer mehr versinke, aus dem mich jetzt schon nichts mehr retten -kann. - -Wir hatten uns heute nachmittag auf der Wiese zu den Füßen der -Venusstatue gelagert, ich pflückte Blumen und warf sie in ihren Schoß -und sie band sie zu Kränzen, mit denen wir unsere Göttin schmückten. - -Plötzlich sah mich Wanda so eigentümlich, so sinnverwirrend an, daß -meine Leidenschaft gleich Flammen über mich zusammenschlug. Meiner -nicht mehr mächtig, schlang ich meine Arme um sie und hing an ihren -Lippen und sie -- sie preßte mich an ihre wogende Brust. - -„Sind Sie böse?“ fragte ich dann. - -„Ich werde nie über etwas böse, was natürlich ist --“ antwortete sie, -„ich fürchte nur, Sie leiden.“ - -„O, ich leide furchtbar.“ - -„Armer Freund,“ sie strich mir die wirren Haare aus der Stirne, „ich -hoffe aber, nicht durch meine Schuld.“ - -„Nein --“ antwortete ich -- „und doch, meine Liebe zu Ihnen ist zu -einer Art Wahnsinn geworden. Der Gedanke, daß ich Sie verlieren kann, -ja vielleicht in der Tat verlieren soll, quält mich Tag und Nacht.“ - -„Aber Sie besitzen mich ja noch gar nicht,“ sagte Wanda und sah mich -wieder an mit jenem vibrierenden, feuchten, verzehrenden Blicke, der -mich schon einmal hingerissen hatte, dann erhob sie sich und legte mit -ihren kleinen durchsichtigen Händen einen Kranz von blauen Anemonen auf -das weiße Lockenhaupt der Venus. Halb gegen meinen Willen schlang ich -den Arm um ihren Leib. - -„Ich kann nicht mehr sein ohne dich, du schönes Weib,“ sprach ich, -„glaube mir, dies eine Mal nur glaube mir, es ist keine Phrase, keine -Phantasie, ich fühle tief im Innersten, wie mein Leben mit dem deinen -zusammenhängt; wenn du dich von mir trennst, werde ich vergehen, -zugrunde gehen.“ - -„Aber das wird ja gar nicht nötig sein, denn ich liebe dich, Mann,“ sie -nahm mich beim Kinn, „dummer Mann!“ - -„Aber du willst nur mein sein unter Bedingungen, während ich dir -bedingungslos gehöre --“ - -„Das ist nicht gut, Severin,“ erwiderte sie beinahe erschreckt; „kennen -Sie mich denn noch nicht, wollen Sie mich durchaus nicht kennen lernen? -Ich bin gut, wenn man mich ernst und vernünftig behandelt, aber wenn -man sich mir zu sehr hingibt, werde ich übermütig --“ - -„Sei’s denn, sei übermütig, sei despotisch,“ rief ich in voller -Exaltation, „nur sei mein, sei mein für immer.“ Ich lag zu ihren Füßen -und umfaßte ihre Knie. - -„Das wird nicht gut enden, mein Freund,“ sprach sie ernst, ohne sich zu -regen. - -„O! es soll eben nie ein Ende nehmen,“ rief ich erregt, ja heftig, „nur -der Tod soll uns trennen. Wenn du nicht mein sein kannst, ganz mein und -für immer, +so will ich dein Sklave sein+, dir dienen, alles von -dir dulden, nur stoß mich nicht von dir.“ - -„Fassen Sie sich doch,“ sagte sie, beugte sich zu mir und küßte mich -auf die Stirne. „Ich bin Ihnen ja von Herzen gut, aber das ist nicht -der Weg, mich zu erobern, mich festzuhalten.“ - -„Ich will ja alles, alles tun, was Sie wollen, nur Sie nie verlieren,“ -rief ich, „nur das nicht, den Gedanken kann ich nicht mehr fassen.“ - -„Stehen Sie doch auf.“ - -Ich gehorchte. - -„Sie sind wirklich ein seltsamer Mensch,“ fuhr Wanda fort, „Sie wollen -mich also besitzen um jeden Preis?“ - -„Ja, um jeden Preis.“ - -„Aber welchen Wert hätte z. B. mein Besitz für Sie?“ -- Sie sann nach, -ihr Auge bekam etwas Lauerndes, Unheimliches -- „wenn ich Sie nicht -mehr lieben, wenn ich einem andern gehören würde?“ -- - -Es überlief mich. Ich sah sie an, sie stand so fest und selbstbewußt -vor mir, und ihr Auge zeigte einen kalten Glanz. - -„Sehen Sie,“ fuhr sie fort, „Sie erschrecken bei dem Gedanken.“ Ein -liebenswürdiges Lächeln erhellte plötzlich ihr Antlitz. - -„Ja, mich faßt ein Grauen, wenn ich mir lebhaft vorstelle, daß ein -Weib, das ich liebe, das meine Liebe erwidert hat, sich ohne Erbarmen -für mich einem anderen hingibt; aber habe ich dann noch eine Wahl? Wenn -ich dieses Weib liebe, wahnsinnig liebe, soll ich ihm stolz den Rücken -kehren und an meiner prahlerischen Kraft zugrunde gehen, soll ich mir -eine Kugel durch den Kopf jagen? Ich habe zwei Frauenideale. Kann -ich mein edles, sonniges, eine Frau, welche mir treu und gütig mein -Schicksal teilt, nicht finden, nun dann nur nichts Halbes oder Laues! -Dann will ich lieber einem Weibe ohne Tugend, ohne Treue, ohne Erbarmen -hingegeben sein. Ein solches Weib in seiner selbstsüchtigen Größe -ist auch ein Ideal. Kann ich nicht das Glück der Liebe voll und ganz -genießen, dann will ich ihre Schmerzen, ihre Qualen auskosten bis zur -Neige; dann will ich von dem Weibe, das ich liebe, mißhandelt, verraten -werden, und je grausamer, um so besser. Auch das ist ein Genuß!“ - -„Sind Sie bei Sinnen!“ rief Wanda. - -„Ich liebe Sie so mit ganzer Seele,“ fuhr ich fort, „so mit allen -meinen Sinnen, daß Ihre Nähe, Ihre Atmosphäre mir unentbehrlich ist, -wenn ich noch weiter leben soll. Wählen Sie also zwischen meinen -Idealen. Machen Sie aus mir, was Sie wollen, Ihren Gatten oder Ihren -Sklaven.“ - -„Gut denn,“ sprach Wanda, die kleinen aber energisch geschwungenen -Brauen zusammenziehend, „ich denke mir das sehr amüsant, einen Mann, -der mich interessiert, der mich liebt, so ganz in meiner Hand zu haben; -es wird mir mindestens nicht an Zeitvertreib fehlen. Sie waren so -unvorsichtig, mir die Wahl zu lassen. Ich wähle also, ich will, daß Sie -mein Sklave sind, ich werde mein Spielzeug aus Ihnen machen!“ - -„O! tun Sie das,“ rief ich halb schauernd, halb entzückt, „wenn eine -Ehe nur auf Gleichheit, auf Übereinstimmung gegründet sein kann, so -entstehen dagegen die größten Leidenschaften durch Gegensätze. Wir sind -solche Gegensätze, die sich beinahe feindlich gegenüberstehen, daher -diese Liebe bei mir, die zum Teil Haß, zum Teil Furcht ist. In einem -solchen Verhältnisse aber kann nur eines Hammer, das andere Ambos sein. -Ich will Ambos sein. Ich kann nicht glücklich sein, wenn ich auf die -Geliebte herabsehe. Ich will ein Weib anbeten können, und das kann ich -nur dann, wenn es grausam gegen mich ist.“ - -„Aber, Severin,“ entgegnete Wanda beinahe zornig, „halten Sie mich denn -dessen für fähig, einen Mann, der mich so liebt wie Sie, den ich liebe, -zu mißhandeln?“ - -„Warum nicht, wenn ich Sie dafür um so mehr anbete? +Man kann nur -wahrhaft lieben, was über uns steht+, ein Weib, das uns durch -Schönheit, Temperament, Geist, Willenskraft unterwirft, das unsere -Despotin wird.“ - -„Also das, was andere abstößt, zieht Sie an?“ - -„So ist es. Es ist eben meine Seltsamkeit.“ - -„Nun, am Ende ist an allen Ihren Passionen nichts so Apartes oder -Seltsames, denn wem gefällt nicht ein schöner Pelz? und jeder weiß und -fühlt, wie nahe Wollust und Grausamkeit verwandt sind.“ - -„Bei mir ist dies alles aber auf das Höchste gesteigert,“ erwiderte ich. - -„Das heißt, die Vernunft hat wenig Gewalt über Sie, und Sie sind eine -weiche hingebende sinnliche Natur.“ - -„Waren die Märtyrer auch weiche sinnliche Naturen?“ - -„Die Märtyrer?“ - -„Im Gegenteil, es waren +übersinnliche Menschen+, welche im Leiden -einen Genuß fanden, welche die furchtbarsten Qualen, ja den Tod suchten -wie andere die Freude, und so ein +Übersinnlicher+ bin ich, -Madame.“ - -„Geben Sie nur acht, daß Sie dabei nicht auch zum Märtyrer der Liebe, -zum +Märtyrer eines Weibes+ werden.“ - - * * - * - -Wir sitzen auf Wandas kleinem Balkon in der lauen, duftigen -Sommernacht, ein zweifaches Dach über uns, zuerst den grünen -Plafond von Schlingpflanzen, dann die mit unzähligen Sternen besäte -Himmelsdecke. Aus dem Park tönt der leise, weinerlich verliebte Lockton -einer Katze, und ich sitze auf einem Schemel zu den Füßen meiner Göttin -und erzähle von meiner Kindheit. - -„Und damals schon waren alle diese Seltsamkeiten bei Ihnen ausgeprägt?“ -fragte Wanda. - -„Gewiß, ich erinnere mich keiner Zeit, wo ich sie nicht hatte, ja -schon in der Wiege, so erzählte mir meine Mutter später, war ich -+übersinnlich+, verschmähte die gesunde Brust der Amme, und man -mußte mich mit Ziegenmilch nähren. Als kleiner Knabe zeigte ich eine -rätselhafte Scheu vor Frauen, in welcher sich eigentlich nur ein -unheimliches Interesse für dieselben ausdrückte. Das graue Gewölbe, -das Halbdunkel einer Kirche beängstigten mich, und vor den glitzernden -Altären und Heiligenbildern faßte mich eine förmliche Angst. Dagegen -schlich ich heimlich, wie zu einer verbotenen Freude, zu einer Venus -aus Gyps, welche in dem kleinen Bibliothekszimmer meines Vaters stand, -kniete nieder und sprach zu ihr die Gebete, die man mir eingelernt, das -Vaterunser, das Gegrüßt seist du Maria und das Credo. - -Einmal verließ ich nachts mein Bett, um sie zu besuchen, die Mondsichel -leuchtete mir und ließ die Göttin in einem fahlblauen kalten Licht -erscheinen. Ich warf mich vor ihr nieder, küßte ihre kalten Füße, wie -ich es bei unsern Landleuten gesehen hatte, wenn sie die Füße des toten -Heilands küßten. - -Eine unbezwingliche Sehnsucht ergriff mich. - -Ich stieg empor und umschlang den schönen kalten Leib und küßte die -kalten Lippen, da sank ein tiefer Schauer auf mich herab und ich -entfloh, und im Traume war es mir, als stünde die Göttin vor meinem -Lager und drohe mir mit erhobenem Arm. - -Man schickte mich frühzeitig in die Schule und so kam ich bald auf das -Gymnasium und ergriff alles mit Leidenschaft, was mir die antike Welt -zu erschließen versprach. Ich war bald mit den Göttern Griechenlands -vertrauter als mit der Religion Jesu, ich gab mit Paris Venus den -verhängnisvollen Apfel, ich sah Troja brennen und folgte Odysseus auf -seinen Irrfahrten. Die Urbilder alles Schönen senkten sich tief in -meine Seele, und so zeigte ich zu jener Zeit, wo andere Knaben sich -roh und unflätig gebärden, einen unüberwindlichen Abscheu gegen alles -Niedere, Gemeine, Unschöne. - -Als etwas ganz besonders Niederes und Unschönes erschien jedoch dem -reifenden Jüngling die Liebe zum Weibe, so wie sie sich ihm zuerst in -ihrer vollen Gewöhnlichkeit zeigte. Ich mied jede Berührung mit dem -schönen Geschlechte, kurz, ich war übersinnlich bis zur Verrücktheit. - -Meine Mutter bekam -- ich war damals etwa vierzehn Jahre alt -- ein -reizendes Stubenmädchen, jung, hübsch, mit schwellenden Formen. Eines -Morgens, ich studierte meinen Tacitus und begeisterte mich an den -Tugenden der alten Germanen, kehrte die Kleine bei mir aus; plötzlich -hielt sie inne, neigte sich, den Besen in der Hand, zu mir, und zwei -volle frische köstliche Lippen berührten die meinen. Der Kuß der -verliebten kleinen Katze durchschauerte mich, aber ich erhob meine -‚Germania‘ wie ein Schild gegen die Verführerin und verließ entrüstet -das Zimmer.“ - -Wanda brach in lautes Lachen aus. „Sie sind in der Tat ein Mann, der -seines Gleichen sucht, aber fahren Sie nur fort.“ - -„Eine andere Szene aus jener Zeit bleibt mir unvergeßlich,“ erzählte -ich weiter, „Gräfin Sobol, eine entfernte Tante von mir, kam zu meinen -Eltern auf Besuch, eine majestätische schöne Frau mit einem reizenden -Lächeln; ich aber haßte sie, denn sie galt in der Familie als eine -Messalina, und benahm mich so unartig, boshaft und täppisch, wie nur -möglich gegen sie. - -Eines Tages fuhren meine Eltern in die Kreisstadt. Meine Tante -beschloß ihre Abwesenheit zu benützen und Gericht über mich zu halten. -Unerwartet trat sie in ihrer pelzgefütterten Kazabaika[3] herein, -gefolgt von der Köchin, Küchenmagd und der kleinen Katze, die ich -verschmäht hatte. Ohne viel zu fragen, ergriffen sie mich und banden -mich, trotz meiner heftigen Gegenwehr, an Händen und Füßen, dann -schürzte meine Tante mit einem bösen Lächeln den Ärmel empor und begann -mich mit einer großen Rute zu hauen, und sie hieb so tüchtig, daß Blut -floß und ich zuletzt, trotz meinem Heldenmut, schrie und weinte und um -Gnade bat. Sie ließ mich hierauf losbinden, aber ich mußte ihr kniend -für die Strafe danken und die Hand küssen. - -Nun sehen Sie den übersinnlichen Toren! Unter der Rute der schönen -üppigen Frau, welche mir in ihrer Pelzjacke wie eine zürnende Monarchin -erschien, erwachte in mir zuerst der Sinn für das Weib und meine Tante -erschien mir fortan als die reizendste Frau auf Gottes Erdboden. - -Meine katonische Strenge, meine Scheu vor dem Weibe war eben nichts, -als ein auf das Höchste getriebener Schönheitssinn; die Sinnlichkeit -wurde in meiner Phantasie jetzt zu einer Art Kultur, und ich schwur -mir, ihre heiligen Empfindungen ja nicht an ein gewöhnliches Wesen -zu verschwenden, sondern für eine ideale Frau, wo möglich für die -Liebesgöttin selbst aufzusparen. - -Ich kam sehr jung auf die Universität und in die Hauptstadt, in -welcher meine Tante wohnte. Meine Stube glich damals jener des Doktor -Faust. Alles stand in derselben wirr und kraus, hohe Schränke mit -Büchern vollgepfropft, welche ich um Spottpreise bei einem jüdischen -Antiquar in der Servanica[4] erhandelte, Globen, Atlanten, Phiolen, -Himmelskarten, Tiergerippe, Totenköpfe, Büsten großer Geister. Hinter -dem großen grünen Ofen konnte jeden Augenblick Mephistopheles als -fahrender Scholast hervortreten. - -Ich studierte alles durcheinander, ohne System, ohne Wahl, -Chemie, Alchimie, Geschichte, Astronomie, Philosophie, die -Rechtswissenschaften, Anatomie und Literatur; las Homer, Virgil, -Ossian, Schiller, Goethe, Shakespeare, Cervantes, Voltaire, Molière, -den Koran, den Kosmos, Casanovas Memoiren. Ich wurde jeden Tag wirrer, -phantastischer und übersinnlicher. Und immer hatte ich ein schönes -ideales Weib im Kopfe, das mir von Zeit zu Zeit gleich einer Vision -auf Rosen gebettet, von Amoretten umringt, zwischen meinen Lederbänden -und Totenbeinen erschien, bald in olympischer Toilette, mit dem -strengen weißen Antlitz der gipsernen Venus, bald mit den üppigen -braunen Flechten, den lachenden blauen Augen und in der rotsamtenen -hermelinbesetzten Kazabaika meiner schönen Tante. - -Eines Morgens, nachdem sie mir wieder in vollem lachenden Liebreiz aus -dem goldenen Nebel meiner Phantasie aufgetaucht war, ging ich zu Gräfin -Sobol, welche mich freundlich, ja herzlich empfing und mir zum Willkomm -einen Kuß gab, der alle meine Sinne verwirrte. Sie war jetzt wohl nahe -an vierzig Jahre, aber wie die meisten jener unverwüstlichen Lebefrauen -noch immer begehrenswert, sie trug auch jetzt stets eine pelzbesetzte -Jacke, und zwar diesmal von grünem Samt mit braunem Edelmarder, aber -von jener Strenge, die mich damals an ihr entzückt hatte, war nichts zu -entdecken. - -Im Gegenteil sie war so wenig grausam gegen mich, daß sie mir ohne viel -Umstände die Erlaubnis gab, sie anzubeten. - -Sie hatte meine übersinnliche Torheit und Unschuld nur zu bald -entdeckt, und es machte ihr Vergnügen, mich glücklich zu machen. Und -ich -- ich war in der Tat selig wie ein junger Gott. Welcher Genuß -war es für mich, wenn ich, vor ihr auf den Knien liegend, ihre Hände -küssen durfte, mit denen sie mich damals gezüchtigt hatte. Ach! was für -wunderbare Hände! von so schöner Bildung, so fein und voll und weiß, -und mit welch allerliebsten Grübchen. Ich war eigentlich nur in diese -Hände verliebt. Ich trieb mein Spiel mit ihnen, ließ sie in dem dunklen -Pelz auf- und abtauchen, ich hielt sie gegen die Flamme und konnte mich -nicht sattsehen an ihnen.“ - -Wanda betrachtete unwillkürlich ihre Hände, ich bemerkte es und mußte -lächeln. - -„Wie zu jeder Zeit das Übersinnliche bei mir überwog, sehen Sie daraus, -daß ich bei meiner Tante in die grausamen Rutenhiebe, welche ich von -ihr empfangen hatte, und bei einer jungen Schauspielerin, welcher ich -etwa zwei Jahre später den Hof machte, nur in ihre Rollen verliebt war. -Ich habe dann auch für eine sehr achtbare Frau geschwärmt, welche die -unnahbare Tugend spielte, um mich schließlich an einen reichen Juden -zu verraten. Sehen Sie, weil ich von einer Frau, welche die strengsten -Grundsätze, die idealsten Empfindungen heuchelte, betrogen, verkauft -wurde: deshalb hasse ich diese Sorte poetischer, sentimentaler Tugenden -so sehr; geben Sie mir ein Weib, das ehrlich genug ist, mir zu sagen: -ich bin eine Pompadour, eine Lucretia Borgia, und ich will sie anbeten.“ - -Wanda stand auf und öffnete das Fenster. - -„Sie haben eine eigentümliche Manier, die Phantasie zu erhitzen, einem -alle Nerven aufzuregen, alle Pulse höher schlagen zu machen. Sie geben -dem Laster eine Aureole, wenn es nur ehrlich ist. Ihr Ideal ist eine -kühne geniale Courtisane; o! Sie sind mir der Mann, eine Frau von Grund -aus zu verderben!“ - - * * - * - -Mitten in der Nacht klopfte es an mein Fenster, ich stand auf, öffnete -und schrak zusammen. Draußen stand Venus im Pelz, genau so wie sie mir -das erste Mal erschienen war. - -„Sie haben mich mit Ihren Geschichten aufgeregt, ich wälze mich auf -meinem Lager und kann nicht schlafen,“ sprach sie, „kommen Sie jetzt -nur, mir Gesellschaft leisten.“ - -„Im Augenblicke.“ - -Als ich eintrat, kauerte Wanda vor dem Kamin, in dem sie ein kleines -Feuer angefacht hatte. - -„Der Herbst meldet sich,“ begann sie, „die Nächte sind schon recht -kalt. Ich fürchte, Ihnen zu mißfallen, aber ich kann meinen Pelz nicht -abwerfen, ehe das Zimmer nicht warm genug ist.“ - -„Mißfallen -- Schalk! -- Sie wissen doch --“ ich schlang den Arm um sie -und küßte sie. - -„Freilich weiß ich, aber woher haben Sie diese große Vorliebe für den -Pelz?“ - -„Sie ist mir angeboren,“ erwiderte ich, „ich zeigte sie schon als -Kind. Übrigens übt Pelzwerk auf alle nervösen Naturen eine aufregende -Wirkung, welche auf ebenso allgemeinen als natürlichen Gesetzen -beruht. Es ist ein physischer Reiz, welcher wenigstens ebenso -seltsam prickelnd ist, und dem sich niemand ganz entziehen kann. Die -Wissenschaft hat in neuester Zeit eine gewisse Verwandtschaft zwischen -Elektrizität und Wärme nachgewiesen, verwandt sind ja jedenfalls ihre -Wirkungen auf den menschlichen Organismus. Die heiße Zone erzeugt -leidenschaftlichere Menschen, eine warme Atmosphäre Aufregung. Genau -so die Elektrizität. Daher der hexenhaft wohltätige Einfluß, welchen -die Gesellschaft von +Katzen+ auf reizbare geistige Menschen übt -und diese langgeschwänzten Grazien der Tierwelt, diese niedlichen, -funkensprühenden, elektrischen Batterien zu den Lieblingen eines -Mahomed, Kardinal Richelieu, Crebillon, Rousseau, Wieland gemacht hat.“ - -„Eine Frau, die also einen Pelz trägt,“ rief Wanda, „ist also nichts -anderes als eine große Katze, eine verstärkte elektrische Batterie?“ - -„Gewiß,“ erwiderte ich, „und so erkläre ich mir auch die symbolische -Bedeutung, welche der Pelz als Attribut der Macht und Schönheit bekam. -In diesem Sinne nahmen ihn in früheren Zeiten Monarchen und ein -gebietender Adel durch Kleiderordnungen ausschließlich für sich in -Anspruch und große Maler für die Königinnen der Schönheit. So fand ein -Raphael für die göttlichen Formen der Fornarina, Titian für den rosigen -Leib seiner Geliebten keinen köstlicheren Rahmen als dunklen Pelz.“ - -„Ich danke für die gelehrt erotische Abhandlung,“ sprach Wanda, „aber -Sie haben mir nicht alles gesagt, Sie verbinden noch etwas ganz Apartes -mit dem Pelz.“ - -„Allerdings,“ rief ich, „ich habe Ihnen schon wiederholt gesagt, daß im -Leiden ein seltsamer Reiz für mich liegt, daß nichts so sehr im stande -ist, meine Leidenschaft anzufachen als die Tyrannei, die Grausamkeit, -und vor allem die Treulosigkeit eines schönen Weibes. Und dieses Weib, -dieses seltsame Ideal aus der Ästhetik des Häßlichen, die Seele eines -Nero im Leibe einer Phryne, kann ich mir nicht ohne Pelz denken.“ - -„Ich begreife,“ warf Wanda ein, „er gibt einer Frau etwas Herrisches, -Imponierendes.“ - -„Es ist nicht das allein,“ fuhr ich fort, „Sie wissen, daß ich ein -‚+Übersinnlicher+‘ bin, daß bei mir alles mehr in der Phantasie -wurzelt und von dort seine Nahrung empfängt. Ich war früh entwickelt -und überreizt, als ich mit zehn Jahren etwa die Legenden der Märtyrer -in die Hand bekam; ich erinnere mich, daß ich mit einem Grauen, das -eigentlich Entzücken war, las, wie sie im Kerker schmachteten, auf den -Rost gelegt, mit Pfeilen durchschossen, in Pech gesotten, wilden Tieren -vorgeworfen, an das Kreuz geschlagen wurden, und das Entsetzlichste mit -einer Art Freude litten. Leiden, grausame Qualen erdulden, erschien -mir fortan als ein Genuß, und ganz besonders durch ein schönes Weib, -da sich mir von jeher alle Poesie, wie alles Dämonische im Weibe -konzentrierte. Ich trieb mit demselben einen förmlichen Kultus. - -Ich sah in der Sinnlichkeit etwas Heiliges, ja das einzig Heilige, in -dem Weibe und seiner Schönheit etwas Göttliches, indem die wichtigste -Aufgabe des Daseins: die Fortpflanzung der Gattung vor allem ihr Beruf -ist; ich sah im Weibe die Personifikation der Natur, die +Isis+, -und in dem Manne ihren Priester, ihren Sklaven und sah sie ihm -gegenüber grausam wie die Natur, welche, was ihr gedient hat, von sich -stößt, sobald sie seiner nicht mehr bedarf, während ihm noch ihre -Mißhandlungen, ja der Tod durch sie zur wollüstigen Seligkeit werden. - -Ich beneidete König Gunther, den die gewaltige Brunhilde in der -Brautnacht band; den armen Troubadour, den seine launische Herrin in -Wolfsfelle nähen ließ, um ihn dann gleich einem Wild zu jagen; ich -beneidete den Ritter Ctirad, den die kühne Amazone Scharka durch List -im Walde bei Prag gefangen nahm, auf die Burg Divin schleppte, und -nachdem sie sich einige Zeit mit ihm die Zeit vertrieben hatte, auf das -Rad flechten ließ --“ - -„Abscheulich!“ rief Wanda, „ich würde Ihnen wünschen, daß Sie einem -Weibe dieser wilden Rasse in die Hände fielen, im Wolfsfell, unter -den Zähnen der Rüden oder auf dem Rade würde Ihnen schon die Poesie -vergehen.“ - -„Glauben Sie? ich glaube nicht.“ - -„Sie sind wirklich nicht ganz gescheit.“ - -„Möglich. Aber hören Sie weiter, ich las fortan mit einer wahren Gier -Geschichten, in denen die furchtbarsten Grausamkeiten geschildert, und -sah mit besonderer Lust Bilder, Stiche, auf denen sie zur Darstellung -kamen, und alle die blutigen Tyrannen, die je auf einem Throne saßen, -die Inquisitoren, welche die Ketzer foltern, braten, schlachten -ließen, alle jene Frauen, welche in den Blättern der Weltgeschichte -als wollüstig, schön und gewalttätig verzeichnet sind, wie Libussa, -Lucretia Borgia, Agnes von Ungarn, Königin Margot, Isabeau, die -Sultanin Roxolane, die russischen Zarinnen des vorigen Jahrhunderts, -alle sah ich in Pelzen oder hermelinverbrämten Roben.“ - -„Und so erweckt Ihnen jetzt der Pelz Ihre seltsamen Phantasien,“ rief -Wanda, und sie begann zu gleicher Zeit sich mit ihrem prächtigen -Pelzmantel kokett zu drapieren, so daß die dunklen glänzenden -Zobelfelle entzückend um ihre Büste, ihre Arme spielten. „Nun, wie ist -Ihnen jetzt zumute, fühlen Sie sich schon halb gerädert?“ - -Ihre grünen durchdringenden Augen ruhten mit einem seltsamen, -höhnischen Behagen auf mir, als ich mich von Leidenschaften übermannt -vor ihr niederwarf und die Arme um sie schlang. - -„Ja -- Sie haben in mir meine Lieblingsphantasie erweckt,“ rief ich, -„die lange genug geschlummert.“ - -„Und diese wäre?“ sie legte die Hand auf meinen Nacken. - -Mich ergriff unter dieser kleinen warmen Hand, unter ihrem Blick, der -zärtlich forschend durch die halbgeschlossenen Lider auf mich fiel, -eine süße Trunkenheit. - -„+Der Sklave eines Weibes, eines schönen Weibes zu sein, das ich -liebe, das ich anbete!+“ - -„Und das Sie dafür mißhandelt!“ unterbrach mich Wanda lachend. - -„Ja, das mich bindet und peitscht, das mir Fußtritte gibt, während es -einem andern gehört.“ - -„Und das, wenn Sie durch Eifersucht wahnsinnig gemacht, dem beglückten -Nebenbuhler entgegentreten, in seinem Übermute so weit geht, Sie an -denselben zu verschenken und seiner Roheit preiszugeben. Warum nicht? -Gefällt Ihnen das Schlußtableau weniger?“ - -Ich sah Wanda erschreckt an. - -„Sie übertreffen meine Träume.“ - -„Ja, wir Frauen sind erfinderisch,“ sprach sie, „geben Sie acht, wenn -Sie Ihr Ideal finden, kann es leicht geschehen, daß es Sie grausamer -behandelt, als Ihnen lieb ist.“ - -„Ich fürchte, ich habe mein Ideal bereits gefunden!“ rief ich, und -preßte mein glühendes Antlitz in ihren Schoß. - -„Doch nicht in mir?“ rief Wanda, warf den Pelz ab und sprang lachend -im Zimmer herum; sie lachte noch, als ich die Treppe hinabstieg, und -als ich nachdenkend im Hofe stand, hörte ich noch oben ihr mutwilliges -ausgelassenes Gelächter. - - * * - * - -„Soll ich Ihnen also Ihr Ideal verkörpern?“ sprach Wanda schelmisch, -als wir uns heute im Parke trafen. - -Anfangs fand ich keine Antwort. In mir kämpften die widersprechendsten -Empfindungen. Sie ließ sich indes auf eine der steinernen Bänke nieder -und spielte mit einer Blume. - -„Nun -- soll ich?“ - -Ich kniete nieder und faßte ihre Hände. - -„Ich bitte Sie noch einmal, werden Sie meine Frau, mein treues, -ehrliches Weib; können Sie das nicht, dann seien Sie mein Ideal, aber -dann ganz, ohne Rückhalt, ohne Milderung.“ - -„Sie wissen, daß ich in einem Jahre Ihnen meine Hand reichen will, -wenn Sie der Mann sind, den ich suche,“ entgegnete Wanda sehr ernst, -„aber ich glaube, Sie würden mir dankbarer sein, wenn ich Ihnen Ihre -Phantasie verwirkliche. Nun, was ziehen Sie vor?“ - -„Ich glaube, daß alles das, was mir in meiner Einbildung vorschwebt, in -Ihrer Natur liegt.“ - -„Sie täuschen sich.“ - -„Ich glaube,“ fuhr ich fort, „daß es Ihnen Vergnügen macht, einen Mann -ganz in Ihrer Hand zu haben, zu quälen --“ - -„Nein, nein!“ rief sie lebhaft, „oder doch“ -- sie sann nach. „Ich -verstehe mich selbst nicht mehr,“ fuhr sie fort, „aber ich muß Ihnen -ein Geständnis machen. Sie haben meine Phantasie verdorben, mein -Blut erhitzt, ich fange an, an allem dem Gefallen zu finden, die -Begeisterung, mit der Sie von einer Pompadour, einer Katharina II. und -von all den anderen selbstsüchtigen, frivolen und grausamen Frauen -sprechen, reißt mich hin, senkt sich in meine Seele und treibt mich, -diesen Frauen ähnlich zu werden, welche trotz ihrer Schlechtigkeit, so -lange sie lebten, sklavisch angebetet wurden und noch im Grabe Wunder -wirken. - -Am Ende machen Sie aus mir noch eine Miniaturdespotin, eine Pompadour -zum Hausgebrauche.“ - -„Nun denn,“ sprach ich erregt, „wenn dies in Ihnen liegt, dann geben -Sie sich dem Zuge Ihrer Natur hin, nur nichts Halbes; können Sie nicht -ein braves, treues Weib sein, so seien Sie ein Teufel.“ - -Ich war übernächtig, aufgeregt, die Nähe der schönen Frau ergriff mich -wie ein Fieber, ich weiß nicht mehr, was ich sprach, aber ich erinnere -mich, daß ich ihre Füße küßte und zuletzt ihren Fuß aufhob und auf -meinen Nacken setzte. Sie aber zog ihn rasch zurück und erhob sich -beinahe zornig. - -„Wenn Sie mich lieben, Severin,“ sprach sie rasch, ihre Stimme klang -scharf und gebieterisch, „so sprechen Sie nicht mehr von diesen Dingen. -Verstehen Sie mich, nie mehr. Ich könnte am Ende wirklich --“ sie -lächelte und setzte sich wieder. - -„Es ist mein voller Ernst,“ rief ich halb phantasierend, „ich bete Sie -so sehr an, daß ich alles von Ihnen dulden will um den Preis, mein -ganzes Leben in Ihrer Nähe sein zu dürfen.“ - -„Severin, ich warne Sie noch einmal.“ - -„Sie warnen mich vergebens. Machen Sie mit mir, was Sie wollen, nur -stoßen Sie mich nicht ganz von sich.“ - -„Severin,“ entgegnete Wanda, „ich bin ein leichtsinniges, junges Weib, -es ist gefährlich für Sie, sich mir so ganz hinzugeben, Sie werden am -Ende in der Tat mein Spielzeug; wer schützt Sie dann, daß ich Ihren -Wahnsinn nicht mißbrauche?“ - -„Ihr edles Wesen.“ - -„Gewalt macht übermütig.“ - -„So sei übermütig,“ rief ich, „tritt mich mit Füßen.“ - -Wanda schlang ihre Arme um meinen Nacken, sah mir in die Augen und -schüttelte den Kopf. - -„Ich fürchte, ich werde es nicht können, aber ich will es versuchen, -dir zu lieb, denn ich liebe dich, Severin, wie ich noch keinen Mann -geliebt habe.“ - - * * - * - -Sie nahm heute plötzlich Hut und Shawl und ich mußte sie in den Bazar -begleiten. Dort ließ sie sich Peitschen zeigen, lange Peitschen an -kurzem Stiel, wie man sie für Hunde hat. - -„Diese dürften genügen,“ sprach der Verkäufer. - -„Nein, sie sind viel zu klein,“ erwiderte Wanda mit einem Seitenblick -auf mich, „ich brauche eine große --“ - -„Für eine Bulldogge wohl?“ meinte der Kaufmann. - -„Ja,“ rief sie, „in der Art, wie man sie in Rußland hatte für -widerspenstige Sklaven.“ - -Sie suchte und wählte endlich eine Peitsche, bei deren Anblick es mich -etwas unheimlich beschlich. - -„Nun adieu, Severin,“ sagte sie, „ich habe noch einige Einkäufe, bei -denen Sie mich nicht begleiten dürfen.“ - -Ich verabschiedete mich und machte einen Spaziergang, auf dem Rückwege -sah ich Wanda aus dem Gewölbe eines Kürschners heraustreten. Sie winkte -mir. - -„Überlegen Sie sich’s noch,“ begann sie vergnügt, „ich habe Ihnen -nie ein Geheimnis daraus gemacht, daß mich vorzüglich Ihr ernstes, -sinnendes Wesen gefesselt hat; es reizt mich nun freilich, den ernsten -Mann mir ganz hingegeben, ja geradezu verzückt zu meinen Füßen zu sehen --- ob aber dieser Reiz auch anhalten wird? Das Weib liebt den Mann, den -Sklaven mißhandelt es und stößt ihn zuletzt noch mit dem Fuße weg.“ - -„Nun, so stoße mich mit dem Fuße fort, wenn du mich satt hast,“ -entgegnete ich, „ich will dein Sklave sein.“ - -„Ich sehe, daß gefährliche Anlagen in mir schlummern,“ sagte Wanda, -nachdem wir wieder einige Schritte gegangen waren, „du weckst sie -und nicht zu deinem Besten, du verstehst es, die Genußsucht, die -Grausamkeit, den Übermut so verlockend zu schildern -- was wirst du -sagen, wenn ich mich darin versuche und wenn ich es zuerst an dir -versuche, wie Dionys, welcher den Erfinder des eisernen Ochsen zuerst -in demselben braten ließ, um sich zu überzeugen, ob sein Jammern, sein -Todesröcheln auch wirklich wie das Brüllen eines Ochsen klinge.“ - -„Vielleicht bin ich so ein weiblicher Dionys?“ - -„Sei es,“ rief ich, „dann ist meine Phantasie erfüllt. Ich gehöre dir -im Guten oder Bösen, wähle du selbst. Mich treibt das Schicksal, das in -meiner Brust ruht -- dämonisch -- übermächtig.“ - - * * - * - - „+Mein Geliebter!+ - - Ich will dich heute und morgen nicht sehen und übermorgen erst am - Abend, und dann +als meinen Sklaven+. - - Deine Herrin - +Wanda+.“ - -„Als meinen Sklaven“ war unterstrichen. Ich las das Billett, das ich -früh am Morgen erhielt, noch einmal, ließ mir dann einen Esel, ein -echtes Gelehrtentier, satteln und ritt in das Gebirge, um meine -Leidenschaft, meine Sehnsucht in der großartigen Karpathennatur zu -betäuben. - - * * - * - -Da bin ich wieder, müde, hungrig, durstig und vor allem verliebt. Ich -kleide mich rasch um und klopfe wenige Augenblicke darnach an ihre Türe. - -„Herein!“ - -Ich trete ein. Sie steht mitten im Zimmer, in einer weißen Atlasrobe, -welche wie Licht an ihr herunterfließt, und einer Kazabaika von -scharlachrotem Atlas mit reichem, üppigem Hermelinbesatz, in dem -gepuderten, schneeigen Haar ein kleines Diamantendiadem, die Arme auf -der Brust gekreuzt, die Brauen zusammengezogen. - -„Wanda!“ Ich eile auf sie zu, will den Arm um sie schlingen, sie -küssen; sie tritt einen Schritt zurück und mißt mich von oben bis unten. - -„Sklave!“ - -„Herrin!“ Ich knie nieder und küsse den Saum ihres Gewandes. - -„So ist es recht.“ - -„O! wie schön du bist.“ - -„Gefall’ ich dir?“ Sie trat vor den Spiegel und betrachtete sich mit -stolzem Wohlgefallen. - -„Ich werde noch wahnsinnig!“ - -Sie zuckte verächtlich mit der Unterlippe und sah mich mit -halbgeschlossenen Lidern spöttisch an. - -„Gib mir die Peitsche.“ - -Ich blickte im Zimmer umher. - -„Nein,“ rief sie, „bleib nur knien!“ Sie schritt zum Kamine, nahm die -Peitsche vom Sims und ließ sie, mich mit einem Lächeln betrachtend, -durch die Luft pfeifen, dann schürzte sie den Ärmel ihrer Pelzjacke -langsam auf. - -„Wunderbares Weib!“ rief ich. - -„Schweig, Sklave!“ sie blickte plötzlich finster, ja wild und hieb mich -mit der Peitsche; im nächsten Augenblicke schlang sie jedoch den Arm -zärtlich um meinen Nacken und bückte sich mitleidig zu mir. „Habe ich -dir weh getan?“ fragte sie halb verschämt, halb ängstlich. - -„Nein!“ entgegnete ich, „und wenn es wäre, mir sind Schmerzen, die du -mir bereitest, ein Genuß. Peitsche mich nur, wenn es dir ein Vergnügen -macht.“ - -„Aber es macht mir kein Vergnügen.“ - -Wieder ergriff mich jene seltsame Trunkenheit. - -„Peitsche mich,“ bat ich, „peitsche mich ohne Erbarmen.“ - -Wanda schwang die Peitsche und traf mich zweimal. „Hast du jetzt genug?“ - -„Nein.“ - -„Im Ernste, nein?“ - -„Peitsche mich, ich bitte dich, es ist mir ein Genuß.“ - -„Ja, weil du gut weißt, daß es nicht Ernst ist,“ erwiderte sie, „daß -ich nicht das Herz habe, dir weh zu tun. Mir widerstrebt das ganze rohe -Spiel. Wäre ich wirklich das Weib, das seinen Sklaven peitscht, du -würdest dich entsetzen.“ - -„Nein, Wanda,“ sprach ich, „ich liebe dich mehr als mich selbst, ich -bin dir hingegeben auf Tod und Leben, du kannst im Ernste mit mir -anfangen, was dir beliebt, ja, was dir nur dein Übermut eingibt.“ - -„Severin!“ - -„Tritt mich mit Füßen!“ rief ich und warf mich, das Antlitz zur Erde, -vor ihr nieder. - -„Ich hasse alles, was Komödie ist,“ sprach Wanda ungeduldig. - -„Nun, so mißhandle mich im Ernste.“ - -Eine unheimliche Pause. - -„Severin, ich warne dich noch ein letztes Mal,“ begann Wanda. - -„Wenn du mich liebst, so sei grausam gegen mich,“ flehte ich, das Auge -zu ihr erhoben. - -„Wenn ich dich liebe?“ wiederholte Wanda. „Nun gut!“ sie trat zurück -und betrachtete mich mit einem finsteren Lächeln. „+So sei denn mein -Sklave und fühle, was es heißt, in die Hände eines Weibes gegeben zu -sein.+“ Und in demselben Augenblicke gab sie mir einen Fußtritt. - -„Nun, wie behagt dir das, Sklave?“ - -Dann schwang sie die Peitsche. - -„Richte dich auf!“ - -Ich wollte mich erheben. „Nicht so,“ gebot sie, „auf die Knie.“ - -Ich gehorchte und sie begann mich zu peitschen. - -Die Hiebe fielen rasch und kräftig auf meinen Rücken, meine Arme, ein -jeder schnitt in mein Fleisch und brannte hier fort, aber die Schmerzen -entzückten mich, denn sie kamen ja von ihr, die ich anbetete, für die -ich jede Stunde bereit war, mein Leben zu lassen. - -[Illustration] - -Jetzt hielt sie inne. „Ich fange an, Vergnügen daran zu finden,“ sprach -sie, „für heute ist es genug, aber mich ergreift eine teuflische -Neugier, zu sehen, wie weit deine Kraft reicht, eine grausame -Lust, dich unter meiner Peitsche beben, sich krümmen zu sehen und -endlich dein Stöhnen, dein Jammern zu hören und so fort, bis du um -Gnade bittest und ich ohne Erbarmen fortpeitsche, bis dir die Sinne -schwinden. Du hast gefährliche Elemente in meiner Natur geweckt. Nun -aber steh’ auf.“ - -Ich ergriff ihre Hand, um sie an meine Lippen zu drücken. - -„Welche Frechheit.“ - -Sie stieß mich mit dem Fuße von sich. - -„Aus meinen Augen, Sklave!“ - - * * - * - -Nachdem ich die Nacht wie im Fieber in wirren Träumen gelegen, bin ich -erwacht. Es dämmert kaum. - -Was ist wahr von dem, was in meiner Erinnerung schwebt? was habe ich -erlebt und was nur geträumt? Gepeitscht bin ich worden, das ist gewiß, -ich fühle noch jeden einzelnen Hieb, ich kann die roten, brennenden -Streifen an meinem Leib zählen. Und sie hat mich gepeitscht. Ja, jetzt -weiß ich alles. - -Meine Phantasie ist Wahrheit geworden. Wie ist mir? Hat mich die -Wirklichkeit meines Traumes enttäuscht? - -Nein, ich bin nur etwas müde, aber ihre Grausamkeit erfüllt mich mit -Entzücken. Oh! wie ich sie liebe, sie anbete! Ach! dies alles drückt -nicht im entferntesten aus, was ich für sie empfinde, wie ich mich -ganz ihr hingegeben fühle. Welche Seligkeit, ihr Sklave zu sein. - - * * - * - -Sie ruft mich vom Balkon. Ich eile die Treppe hinauf. Da steht sie auf -der Schwelle und bietet mir freundlich die Hand. „Ich schäme mich,“ -sagte sie, während ich sie umschlinge und sie den Kopf an meiner Brust -birgt. - -„Wie?“ - -„Suchen Sie die häßliche Szene von gestern zu vergessen,“ sprach sie -mit bebender Stimme, „ich habe Ihnen Ihre tolle Phantasie erfüllt, -jetzt wollen wir vernünftig sein und glücklich und uns lieben, und in -einem Jahre bin ich Ihre Frau.“ - -„Meine Herrin,“ rief ich, „und ich Ihr Sklave!“ - -„Kein Wort mehr von Sklaverei, von Grausamkeit und Peitsche,“ -unterbrach mich Wanda, „ich passiere Ihnen von dem allen nichts mehr, -als die Pelzjacke; kommen Sie und helfen Sie mir hinein.“ - - * * - * - -Die kleine Bronzeuhr, auf welcher ein Amor steht, der eben seinen Pfeil -abgeschossen hat, schlug Mitternacht. - -Ich stand auf, ich wollte fort. - -Wanda sagte nichts, aber sie umschlang mich und zog mich auf die -Ottomane zurück und begann mich von neuem zu küssen, und diese stumme -Sprache hatte etwas so Verständliches, so Überzeugendes -- - -Und sie sagte noch mehr, als ich zu verstehen wagte, eine solche -schmachtende Hingebung lag in Wandas ganzem Wesen und welche wollüstige -Weichheit in ihren halbgeschlossenen, dämmernden Augen, in der unter -dem weißen Puder leicht schimmernden roten Flut ihres Haares, in dem -weißen und roten Atlas, welcher bei jeder Bewegung um sie knisterte, -dem schwellenden Hermelin der Kazabaika, in den sie sich nachlässig -schmiegte. - -„Ich bitte dich,“ stammelte ich, „aber du wirst böse sein.“ - -„Mache mit mir, was du willst,“ flüsterte sie. - -„Nun, so tritt mich, ich bitte dich, ich werde sonst verrückt.“ - -„Habe ich dir nicht verboten,“ sprach Wanda strenge, „aber du bist -unverbesserlich.“ - -„Ach! ich bin so entsetzlich verliebt.“ Ich war in die Knie gesunken -und preßte mein glühendes Gesicht in ihren Schoß. - -„Ich glaube wahrhaftig,“ sagte Wanda, nachsinnend, „dein ganzer -Wahnsinn ist nur eine dämonische, ungesättigte Sinnlichkeit. +Unsere -Unnatur muß solche Krankheiten erzeugen.+ Wärst du weniger -tugendhaft, so wärst du vollkommen vernünftig.“ - -„Nun, so mach’ mich gescheit,“ murmelte ich. Meine Hände wühlten in -ihrem Haare und in dem schimmernden Pelz, welcher sich, wie eine vom -Mondlicht beglänzte Welle, alle Sinne verwirrend, auf ihrer wogenden -Brust hob und senkte. - -Und ich küßte sie -- nein, sie küßte mich, so wild, so unbarmherzig, -als wenn sie mich mit ihren Küssen morden wollte. Ich war wie im -Delirium, meine Vernunft hatte ich längst verloren, aber ich hatte -endlich auch keinen Atem mehr. Ich suchte mich loszumachen. - -„Was ist dir?“ fragte Wanda. - -„Ich leide entsetzlich.“ - -„Du leidest?“ -- sie brach in ein lautes, mutwilliges Lachen aus. - -„Du kannst lachen!“ stöhnte ich, „ahnst du denn nicht --“ - -Sie war auf einmal ernst, richtete meinen Kopf mit ihren Händen auf und -zog mich dann mit einer heftigen Bewegung an ihre Brust. - -„Wanda!“ stammelte ich. - -„Richtig, es macht dir ja Vergnügen, zu leiden,“ sprach sie und begann -von neuem zu lachen, „aber warte nur, ich will dich schon vernünftig -machen.“ - -„Nein, ich will nicht weiter fragen,“ rief ich, „ob du mir für immer -oder nur für einen seligen Augenblick gehören willst, ich will mein -Glück genießen; jetzt bist du mein und besser dich verlieren, als dich -nie besitzen.“ - -„So bist du vernünftig,“ sagte sie und küßte mich wieder mit ihren -mörderischen Lippen, und ich riß den Hermelin, die Spitzenhülle -auseinander und ihre bloße Brust wogte gegen die meine. - -Dann vergingen mir die Sinne. -- - -Ich erinnere mich erst wieder auf den Augenblick, wo ich Blut von -meiner Hand tropfen sah und sie apathisch fragte: „Hast du mich -gekratzt?“ - -„Nein, ich glaube, ich habe dich gebissen.“ - - * * - * - -Es ist doch merkwürdig, wie jedes Verhältnis des Lebens ein anderes -Gesicht bekommt, sobald eine neue Person hinzutritt. - -Wir haben herrliche Tage zusammen verlebt, wir besuchten die Berge, -die Seen, wir lasen zusammen und ich vollendete Wandas Bild. Und wie -liebten wir uns, wie lächelnd war ihr reizendes Antlitz. - -Da kommt eine Freundin, eine geschiedene Frau, etwas älter, etwas -erfahrener und etwas weniger gewissenhaft als Wanda, und schon macht -sich ihr Einfluß in jeder Richtung geltend. - -Wanda runzelte die Stirne und zeigt mir gegenüber eine gewisse Ungeduld. - -Liebt sie mich nicht mehr? - - * * - * - -Seit beinahe vierzehn Tagen dieser unerträgliche Zwang. Die Freundin -wohnt bei ihr, wir sind nie allein. Ein Kreis von Herren umgibt die -beiden jungen Frauen. Ich spiele als Liebender mit meinem Ernste, -meiner Schwermut eine alberne Rolle. Wanda behandelt mich wie einen -Fremden. - -Heute, bei einem Spaziergange, blieb sie mit mir zurück. Ich sah, daß -es mit Absicht geschah und jubelte. Was sagte sie mir aber. - -„Meine Freundin begreift nicht, wie ich Sie lieben kann, sie findet Sie -weder schön noch sonst besonders anziehend, und dazu unterhält sie mich -vom Morgen bis in die Nacht hinein mit dem glänzenden frivolen Leben -in der Hauptstadt, mit den Ansprüchen, welche ich machen könnte, den -großen Partien, welche ich finden, den vornehmen, schönen Anbetern, -welche ich fesseln müßte. Aber was hilft dies alles, ich liebe Sie -einmal.“ - -Mir verging einen Augenblick der Atem, dann sagte ich: „Ich wünsche -bei Gott nicht, Ihrem Glück im Wege zu sein, Wanda. Nehmen Sie auf -mich keine Rücksicht mehr.“ Dabei zog ich meinen Hut ab und ließ sie -vorangehen. Sie sah mich erstaunt an, erwiderte jedoch keine Silbe. - -Als ich aber auf dem Rückwege wieder zufällig in ihre Nähe kam, drückte -sie mir verstohlen die Hand und ihr Blick traf mich so warm, so -glückverheißend, daß alle Qualen dieser Tage im Augenblick vergessen, -alle Wunden geheilt waren. - -Jetzt weiß ich wieder so recht, wie ich sie liebe. - - * * - * - -„Meine Freundin hat sich über dich beklagt,“ sagte mir Wanda heute. - -„Sie mag fühlen, daß ich sie verachte.“ - -„Weshalb verachtest du sie denn, kleiner Narr?“ rief Wanda und nahm -mich mit beiden Händen bei den Ohren. - -„Weil sie heuchelt,“ sagte ich, „ich achte nur eine Frau, die -tugendhaft ist oder offen dem Genusse lebt.“ - -„So wie ich,“ entgegnete Wanda scherzend, „aber siehst du, mein Kind, -die Frau kann das nur in den seltensten Fällen. Sie kann weder so -heiter sinnlich, noch so geistig frei sein, wie der Mann, ihre Liebe -ist stets ein aus Sinnlichkeit und geistiger Neigung gemischter -Zustand. Ihr Herz verlangt darnach, den Mann dauernd zu fesseln, -während sie selbst dem Wechsel unterworfen ist; so kommt ein Zwiespalt, -kommt Lüge und Trug, meist gegen ihren Willen, in ihr Handeln, in ihr -Wesen und verdirbt ihren Charakter.“ - -„Gewiß ist es so,“ sagte ich, „der transszendentale Charakter, welchen -die Frau der Liebe aufdrücken will, führt sie zum Betrug.“ - -„Aber die Welt verlangt ihn auch,“ fiel mir Wanda in das Wort, „sieh -diese Frau an, sie hat in Lemberg ihren Mann und ihren Liebhaber und -hier hat sie einen neuen Anbeter gefunden, und sie betrügt sie alle und -ist doch von allen verehrt und von der Welt geachtet.“ - -„Meinetwegen,“ rief ich, „sie soll dich nur aus dem Spiele lassen, aber -sie behandelt dich ja wie eine Ware.“ - -„Warum nicht?“ unterbrach mich das schöne Weib lebhaft. „Jede Frau hat -den Instinkt, die Neigung, aus ihren Reizen Nutzen zu ziehen, und es -hat viel für sich, sich ohne Liebe, ohne Genuß hinzugeben, man bleibt -hübsch kaltblütig dabei und kann seinen Vorteil wahrnehmen.“ - -„Wanda, du sagst das?“ - -„Warum nicht,“ sprach sie, „merk’ dir überhaupt, was ich dir jetzt -sage: +fühle dich nie sicher bei dem Weibe, das du liebst+, denn die -Natur des Weibes birgt mehr Gefahren, als du glaubst. Die Frauen -sind weder so +gut+, wie ihre Verehrer und Verteidiger, noch so -+schlecht+, wie ihre Feinde sie machen. +Der Charakter der Frau ist -die Charakterlosigkeit.+ Die beste Frau sinkt momentan in den Schmutz, -die schlechteste erhebt sich unerwartet zu großen, guten Handlungen -und beschämt ihre Verächter. Kein Weib ist so gut oder so böse, daß es -nicht jeden Augenblick sowohl der teuflischsten, als der göttlichsten, -der schmutzigsten, wie der reinsten Gedanken, Gefühle, Handlungen fähig -wäre. Das Weib ist eben, trotz allen Fortschritten der Zivilisation, -so geblieben, wie es aus der Hand der Natur hervorgegangen ist, es hat -den Charakter des +Wilden+, welcher sich treu und treulos, großmütig -und grausam zeigt, je nach der Regung, die ihn gerade beherrscht. Zu -allen Zeiten hat nur ernste, tiefe Bildung den sittlichen Charakter -geschaffen; so folgt der Mann, auch wenn er selbstsüchtig, wenn er -böswillig ist, stets +Prinzipien+, das Weib aber folgt immer nur -+Regungen+. Vergiß das nie und fühle dich nie sicher bei dem Weibe, das -du liebst.“ - - * * - * - -Die Freundin ist fort. Endlich ein Abend mit ihr allein. Es ist, als -hätte Wanda alle Liebe, welche sie mir entzogen hat, für diesen einen -seligen Abend aufgespart, so gütig, so innig, so voll der Gnaden ist -sie. - -Welche Seligkeit, an ihren Lippen zu hängen, in ihren Armen -hinzusterben und dann, wie sie so ganz aufgelöst, so ganz mir -hingegeben an meiner Brust ruht und unsere Augen wonnetrunken -ineinander tauchen. - -Ich kann es noch nicht glauben, nicht fassen, daß dieses Weib mein ist, -ganz mein. - -„In einem Punkte hat sie doch recht,“ begann Wanda, ohne sich zu regen, -ohne nur die Augen zu öffnen, wie im Schlaf. - -„Wer?“ - -Sie schwieg. - -„Deine Freundin?“ - -Sie nickte. „Ja, sie hat recht, du bist kein Mann, du bist ein -Phantast, ein reizender Anbeter, und wärst gewiß ein unbezahlbarer -Sklave, aber als Gatten kann ich dich mir nicht denken.“ - -Ich erschrak. - -„Was hast du? du zitterst?“ - -„Ich bebe bei dem Gedanken, wie leicht ich dich verlieren kann,“ -erwiderte ich. - -„Nun, bist du deshalb jetzt weniger glücklich?“ entgegnete sie, „raubt -es dir etwas von deinen Freuden, daß ich vor dir anderen gehört habe, -daß mich andere nach dir besitzen werden, und würdest du weniger -genießen, wenn ein anderer mit dir zugleich glücklich wäre?“ - -„Wanda!“ - -„Siehst du,“ fuhr sie fort, „das wäre ein Ausweg. Du willst mich nie -verlieren, mir bist du lieb und sagst mir geistig so zu, daß ich immer -mit dir leben möchte, wenn ich neben dir --“ - -„Welch ein Gedanke!“ schrie ich auf, „ich empfinde eine Art Grauen vor -dir.“ - -„Und liebst du mich weniger?“ - -„Im Gegenteil.“ - -Wanda hatte sich auf ihren linken Arm aufgerichtet. „Ich glaube,“ -sprach sie, „daß man, um einen Mann für immer zu fesseln, ihm vor allem -nicht treu sein darf. Welche brave Frau ist je so angebetet worden, wie -eine Hetäre?“ - -„In der Tat liegt in der Treulosigkeit eines geliebten Weibes ein -schmerzhafter Reiz, die höchste Wollust.“ - -„Auch für dich?“ fragte Wanda rasch. - -„Auch für mich.“ - -„Wenn ich dir also dies Vergnügen mache?“ rief Wanda spöttisch. - -„So werde ich entsetzlich leiden, dich aber um so mehr anbeten,“ -entgegnete ich, „nur dürftest du mich nie betrügen, sondern müßtest die -dämonische Größe haben, mir zu sagen: ich werde dich allein lieben, -aber jeden glücklich machen, der mir gefällt.“ - -Wanda schüttelte den Kopf. „Mir widerstrebt der Betrug, ich bin -ehrlich, aber welcher Mann erliegt nicht unter der Wucht der Wahrheit. -Wenn ich dir sagen würde: dies sinnlich heitere Leben, dies Heidentum -ist mein Ideal, würdest du die Kraft haben, es zu ertragen?“ - -„Gewiß. Ich will alles von dir ertragen, nur dich nicht verlieren. Ich -fühle ja, wie wenig ich dir eigentlich bin.“ - -„Aber Severin --“ - -„Es ist doch so,“ sprach ich, „und eben deshalb --“ - -„Deshalb möchtest du --“ sie lächelte schelmisch -- „hab’ ich es -erraten?“ - -„Dein Sklave sein!“ rief ich, „dein willenloses, unbeschränktes -Eigentum, mit dem du nach Belieben schalten kannst, und das dir daher -nie zur Last werden kann. Ich möchte, während du das Leben in vollen -Zügen schlürfst, in üppigem Luxus gebettet das heitere Glück, die Liebe -des Olymps genießest, dir dienen, dir die Schuhe an- und ausziehen.“ - -„Eigentlich hast du nicht so unrecht,“ erwiderte Wanda, „denn nur als -mein Sklave könntest du es ertragen, daß ich andere liebe, und dann, -die Freiheit des Genusses der antiken Welt ist nicht denkbar ohne -Sklaverei. O! es muß ein Gefühl von Gottähnlichkeit geben, wenn man -Menschen vor sich knien, zittern sieht. Ich will Sklaven haben, hörst -du, Severin?“ - -„Bin ich nicht dein Sklave?“ - -„Hör’ mich also,“ sprach Wanda aufgeregt, meine Hand fassend, „ich will -dein sein, so lange ich dich liebe.“ - -„Einen Monat?“ - -„Vielleicht auch zwei.“ - -„Und dann?“ - -„Dann bist du mein Sklave.“ - -„Und du?“ - -„Ich? was fragst du noch? ich bin eine Göttin und steige manchmal -leise, ganz leise und heimlich aus meinem Olymp zu dir herab.“ - -„Aber was ist dies alles,“ sprach Wanda, den Kopf in beide Hände -gestützt, den Blick in die Weite verloren, „eine goldene Phantasie, -welche nie wahr werden kann.“ Eine unheimliche, brütende Schwermut war -über ihr ganzes Wesen ausgegossen; so hatte ich sie noch nie gesehen. - -„Und warum unausführbar?“ begann ich. - -„Weil es bei uns keine Sklaverei gibt.“ - -„So gehen wir in ein Land, wo sie noch besteht, in den Orient, in die -Türkei,“ sagte ich lebhaft. - -„Du wolltest -- Severin -- im Ernste,“ entgegnete Wanda. Ihre Augen -brannten. - -„Ja, ich will im Ernste dein Sklave sein,“ fuhr ich fort, „ich will, -daß deine Gewalt über mich durch das Gesetz geheiligt, daß mein Leben -in deiner Hand ist, nichts auf dieser Welt mich vor dir schützen oder -retten kann. O! welche Wollust, wenn ich mich ganz nur von deiner -Willkür, deiner Laune, einem Winke deines Fingers abhängig fühle. Und -dann -- welche Seligkeit, -- wenn du einmal gnädig bist, wenn der -Sklave die Lippen küssen darf, an denen für ihn Tod und Leben hängt!“ -Ich kniete nieder und lehnte meine heiße Stirne an ihre Knie. - -„Du fieberst, Severin,“ sprach Wanda erregt, „und du liebst mich -wirklich so unendlich?“ Sie schloß mich an ihre Brust und bedeckte mich -mit Küssen. - -„Willst du also?“ begann sie zögernd. - -„Ich schwöre dir hier, bei Gott und meiner Ehre, ich bin dein Sklave, -wo und wann du willst, sobald du es befiehlst,“ rief ich, meiner kaum -mehr mächtig. - -„Und wenn ich dich beim Worte nehme?“ rief Wanda. - -„Tu es.“ - -„Es hat einen Reiz für mich,“ sprach sie hierauf, „der kaum -seinesgleichen hat, einen Mann, der mich anbetet und den ich von ganzer -Seele liebe, mir so ganz hingegeben, von meinem Willen, meiner Laune -abhängig zu wissen, diesen Mann als Sklaven zu besitzen, während ich --“ - -Sie sah mich seltsam an. - -„Wenn ich recht frivol werde, so bist du schuld --“ fuhr sie fort -- -„ich glaube beinahe, du fürchtest dich jetzt schon vor mir, aber ich -habe deinen Schwur.“ - -„Und ich werde ihn halten.“ - -„Dafür laß mich sorgen,“ entgegnete sie. „Jetzt finde ich Genuß darin, -jetzt soll es bei Gott nicht lange mehr beim Phantasieren bleiben. -Du wirst mein Sklave, und ich -- ich werde versuchen, ‚+Venus im -Pelz+‘ zu sein.“ - - * * - * - -Ich dachte diese Frau endlich zu kennen, zu verstehen, und ich sehe -nun, daß ich wieder von vorne anfangen kann. Mit welchem Widerwillen -nahm sie noch vor kurzem meine Phantasien auf und mit welchem Ernste -betreibt sie jetzt die Ausführung derselben. - -Sie hat einen Vertrag entworfen, durch den ich mich bei Ehrenwort und -Eid verbinde, ihr Sklave zu sein, so lange sie es will. - -Den Arm um meinen Nacken geschlungen, liest sie mir das unerhörte, -unglaubliche Dokument vor, nach jedem Satze macht ein Kuß den -Schlußpunkt. - -„Aber der Vertrag enthält nur Pflichten für mich,“ sprach ich, sie -neckend. - -„Natürlich,“ entgegnete sie mit großem Ernste, „du hörst auf, mein -Geliebter zu sein, ich bin also aller Pflichten, aller Rücksichten -gegen dich entbunden. Meine Gunst hast du dann als eine Gnade -anzusehen, Recht hast du keines mehr und darfst daher auch keines -geltend machen. Meine Macht über dich darf keine Grenzen haben. -Bedenke, Mann, du bist ja dann nicht viel besser als ein Hund, ein -lebloses Ding; du bist meine Sache, mein Spielzeug, das ich zerbrechen -kann, sobald es mir eine Stunde Zeitvertreib verspricht. Du bist nichts -und ich bin alles. Verstehst du?“ Sie lachte und küßte mich wieder und -doch überlief mich eine Art Schauer. - -„Erlaubst du mir nicht einige Bedingungen --“ begann ich. - -„Bedingungen?“ sie runzelte die Stirne. „Ah! du hast bereits Furcht, -oder bereust gar, doch das kommt alles zu spät, ich habe deinen Eid, -dein Ehrenwort. Aber laß hören.“ - -„Zuerst möchte ich in unserem Vertrag aufgenommen wissen, daß du dich -nie ganz von mir trennst, und dann, daß du mich nie der Roheit eines -deiner Anbeter preisgibst --“ - -„Aber Severin,“ rief Wanda mit bewegter Stimme, Tränen in den Augen, -„du kannst glauben, daß ich dich, einen Mann, der mich so liebt, der -sich so ganz in meine Hand gibt --“ sie stockte. - -„Nein! nein!“ sprach ich, ihre Hände mit Küssen bedeckend, „ich fürchte -nichts von dir, was mich entehren könnte, vergib mir den häßlichen -Augenblick.“ - -Wanda lächelte selig, legte ihre Wange an die meine und schien -nachzusinnen. - -„Etwas hast du vergessen,“ flüsterte sie jetzt schelmisch, „das -Wichtigste.“ - -„Eine Bedingung?“ - -„Ja, daß ich immer im Pelz erscheinen muß,“ rief Wanda, „aber dies -verspreche ich dir so, ich werde ihn schon deshalb tragen, weil er mir -das Gefühl einer Despotin gibt, und ich will sehr grausam gegen dich -sein, verstehst du?“ - -„Soll ich den Vertrag unterzeichnen?“ fragte ich. - -„Noch nicht,“ sprach Wanda, „ich werde vorher deine Bedingungen -hinzufügen, und überhaupt wirst du ihn erst an Ort und Stelle -unterzeichnen.“ - -„In Konstantinopel?“ - -„Nein. Ich habe es mir überlegt. Welchen Wert hat es für mich, dort -einen Sklaven zu haben, wo jeder Sklaven hat; ich will, hier in unserer -gebildeten, nüchternen, philisterhaften Welt, ich +allein einen -Sklaven haben+, und zwar einen Sklaven, den nicht das Gesetz, nicht -mein Recht oder rohe Gewalt, sondern ganz allein die Macht meiner -Schönheit und meines Wesens willenlos in meine Hand gibt. Das finde -ich pikant. Jedenfalls gehen wir in ein Land, wo man uns nicht kennt, -und wo du daher ohne Anstand vor der Welt als mein Diener auftreten -kannst. Vielleicht nach Italien, nach Rom oder Neapel.“ - - * * - * - -Wir saßen auf Wandas Ottomane, sie in der Hermelinjacke, das offene -Haar wie eine Löwenmähne über den Rücken, und sie hing an meinen Lippen -und sog mir die Seele aus dem Leibe. Mir wirbelte der Kopf, das Blut -begann mir zu sieden, mein Herz pochte heftig gegen das ihre. - -„Ich will ganz in deiner Hand sein, Wanda,“ rief ich plötzlich, von -jenem Taumel der Leidenschaft ergriffen, in dem ich kaum mehr klar -denken oder frei beschließen kann, „ohne jede Bedingung, ohne jede -Beschränkung deiner Gewalt über mich, ich will mich auf Gnade und -Ungnade deiner Willkür überliefern.“ Während ich dies sprach, war ich -von der Ottomane zu ihren Füßen herabgesunken und blickte trunken zu -ihr empor. - -„Wie schön du jetzt bist,“ rief sie, „dein Auge wie in einer Verzückung -halb gebrochen, entzückt mich, reißt mich hin, dein Blick müßte -wunderbar sein, wenn du totgepeitscht würdest, im Verenden. Du hast das -Auge eines Märtyrers.“ - - * * - * - -Manchmal wird mir doch etwas unheimlich, mich so ganz, so bedingungslos -in die Hand eines Weibes zu geben. Wenn sie meine Leidenschaft, ihre -Macht mißbraucht? - -Nun dann erlebe ich, was seit Kindesbeinen meine Phantasie -beschäftigte, mich stets mit süßem Grauen erfüllte. Törichte Besorgnis! -Es ist ein mutwilliges Spiel, das sie mit mir treibt, mehr nicht. -Sie liebt mich ja, und sie ist so gut, eine noble Natur, jeder -Treulosigkeit unfähig; aber es liegt dann in ihrer Hand -- +sie kann, -wenn sie will+ -- welcher Reiz in diesem Zweifel, dieser Furcht. - - * * - * - -Jetzt verstehe ich die Manon l’Escault und den armen Chevalier, der sie -auch noch als die Maitresse eines anderen, ja auf dem Pranger anbetet. - -Die Liebe kennt keine Tugend, kein Verdienst, sie liebt und vergibt und -duldet alles, weil sie muß; nicht unser Urteil leitet uns, nicht die -Vorzüge oder Fehler, welche wir entdecken, reizen uns zur Hingebung -oder schrecken uns zurück. - -Es ist eine süße, wehmütige, geheimnisvolle Gewalt, die uns treibt, und -wir hören auf zu denken, zu empfinden, zu wollen, wir lassen uns von -ihr treiben und fragen nicht wohin? - - * * - * - -Auf der Promenade erschien heute zum erstenmal ein russischer Fürst, -welcher durch seine athletische Gestalt, seine schöne Gesichtsbildung, -den Luxus seines Auftretens allgemeines Aufsehen erregte. Die Damen -besonders staunten ihn wie ein wildes Tier an, er aber schritt finster, -niemand beachtend, von zwei Dienern, einem Neger ganz in roten -Atlas gekleidet und einem Tscherkessen in voller blitzender Rüstung -begleitet, durch die Alleen. Plötzlich sah er Wanda, heftete seinen -kalten durchdringenden Blick auf sie, ja wendete den Kopf nach ihr, und -als sie vorüber war, blieb er stehen und sah ihr nach. - -Und sie -- sie verschlang ihn nur mit ihren funkelnden grünen Augen -- -und bot alles auf, ihm wieder zu begegnen. - -Die raffinierte Koketterie, mit der sie ging, sich bewegte, ihn ansah, -schnürte mir den Hals zusammen. Als wir nach Hause gingen, machte ich -eine Bemerkung darüber. Sie runzelte die Stirne. - -„Was willst du denn,“ sprach sie, „der Fürst ist ein Mann, der mir -gefallen könnte, der mich sogar blendet, und ich bin frei, ich kann -tun, was ich will --“ - -„Liebst du mich denn nicht mehr --“ stammelte ich erschrocken. - -„Ich liebe nur dich,“ entgegnete sie, „aber ich werde mir von dem -Fürsten den Hof machen lassen.“ - -„Wanda!“ - -„Bist du nicht mein Sklave?“ sagte sie ruhig. „Bin ich nicht Venus, die -grausame nordische Venus im Pelz?“ - -Ich schwieg; ich fühlte mich von ihren Worten förmlich zermalmt, ihr -kalter Blick drang mir wie ein Dolch in das Herz. - -„Du wirst sofort den Namen, die Wohnung, alle Verhältnisse des Fürsten -erfragen, verstehst du?“ fuhr sie fort. - -„Aber --“ - -„Keine Einwendung. Gehorche!“ rief Wanda mit einer Strenge, die ich bei -ihr nie für möglich gehalten hätte. „Komme mir nicht unter die Augen, -ehe du alle meine Fragen beantworten kannst.“ - -Erst Nachmittag konnte ich Wanda die gewünschten Auskünfte bringen. -Sie ließ mich wie einen Bedienten vor sich stehen, während sie mir im -Fauteuil zurückgelehnt lächelnd zuhörte. Dann nickte sie, sie schien -zufrieden. - -„Gib mir den Fußschemel!“ befahl sie kurz. - -Ich gehorchte und blieb, nachdem ich ihn vor sie gestellt und sie ihre -Füße darauf gesetzt hatte, vor ihr knien. - -„Wie wird dies enden?“ fragte ich nach einer kurzen Pause traurig. - -Sie brach in ein mutwilliges Gelächter aus. „Es hat ja noch gar nicht -angefangen.“ - -„Du bist herzloser, als ich dachte,“ erwiderte ich verletzt. - -„Severin,“ begann Wanda ernst. „Ich habe noch nichts getan, nicht das -Geringste, und du nennst mich schon herzlos. Wie wird das werden, wenn -ich deine Phantasien erfülle, wenn ich ein lustiges, freies Leben -führe, einen Kreis von Anbetern um mich habe, und ganz dein Ideal, dir -Fußtritte und Peitschenhiebe gebe?“ - -„Du nimmst meine Phantasie zu ernst.“ - -„Zu ernst? Sobald ich sie ausführe, kann ich doch nicht beim Scherze -stehen bleiben,“ entgegnete sie, „du weißt, wie verhaßt mir jedes -Spiel, jede Komödie ist. Du hast es so gewollt. War es meine Idee oder -die deine? Habe ich dich dazu verführt oder hast du meine Einbildung -erhitzt? Nun ist es mir allerdings Ernst.“ - -„Wanda,“ erwiderte ich liebevoll, „höre mich ruhig an. Wir lieben uns -so unendlich, wir sind so glücklich, willst du unsere ganze Zukunft -einer Laune opfern?“ - -„Es ist keine Laune mehr!“ rief sie. - -„Was denn?“ fragte ich erschrocken. - -„Es lag wohl in mir,“ sprach sie ruhig, gleichsam nachsinnend, -„vielleicht wäre es nie an das Licht getreten, aber du hast es geweckt, -entwickelt, und jetzt, wo es zu einem mächtigen Trieb geworden ist, wo -es mich ganz erfüllt, wo ich einen Genuß darin finde, wo ich nicht mehr -anders kann und will, jetzt willst du zurück -- du -- bist du ein Mann?“ - -„Liebe, teure Wanda!“ ich begann sie zu streicheln, zu küssen. - -„Laß mich -- du bist kein Mann --“ - -„Und du!“ brauste ich auf. - -„Ich bin eigensinnig,“ sagte sie, „das weißt du. Ich bin nicht im -Phantasieren stark und im Ausführen schwach wie du; wenn ich mir etwas -vornehme, führe ich es aus, und um so gewisser, je mehr Widerstand ich -finde. Laß mich!“ - -Sie stieß mich von sich und stand auf. - -„Wanda!“ Ich erhob mich gleichfalls und stand ihr Aug’ in Auge -gegenüber. - -„Du kennst mich jetzt,“ fuhr sie fort, „ich warne dich noch einmal. Du -hast noch die Wahl. Ich zwinge dich nicht, mein Sklave zu werden.“ - -„Wanda,“ antwortete ich bewegt, mir traten Tränen in die Augen, „du -weißt nicht, wie ich dich liebe.“ - -Sie zuckte verächtlich die Lippen. - -„Du irrst dich, du machst dich häßlicher, als du bist, deine Natur ist -viel zu gut, zu nobel --“ - -„Was weißt du von meiner Natur,“ unterbrach sie mich heftig, „du sollst -mich noch kennen lernen.“ - -„Wanda!“ - -„Entschließe dich, willst du dich fügen, unbedingt?“ - -„Und wenn ich nein sage.“ - -„Dann --“ - -Sie trat kalt und höhnisch auf mich zu, und wie sie jetzt vor mir -stand, die Arme auf der Brust verschränkt, mit dem bösen Lächeln um die -Lippen, war sie in der Tat das despotische Weib meiner Phantasie und -ihre Züge erschienen hart, und in ihrem Blicke lag nichts, was Güte -oder Erbarmen versprach. „Gut --“ sprach sie endlich. - -„Du bist böse,“ sagte ich, „du wirst mich peitschen.“ - -„O nein!“ entgegnete sie, „ich werde dich gehen lassen. Du bist frei. -Ich halte dich nicht.“ - -„Wanda -- mich, der dich so liebt --“ - -„Ja, Sie, mein Herr, der Sie mich anbeten,“ rief sie verächtlich, „aber -ein Feigling, ein Lügner, ein Wortbrüchiger sind. Verlassen Sie mich -augenblicklich --“ - -„Wanda! --“ - -„Mensch!“ - -Mir stieg das Blut zum Herzen. Ich warf mich zu ihren Füßen und begann -zu weinen. - -„Noch Tränen!“ sie begann zu lachen. O! Dieses Lachen war furchtbar. -„Gehen Sie -- ich will Sie nicht mehr sehen.“ - -„Mein Gott!“ rief ich außer mir. „Ich will ja alles tun, was du -befiehlst, dein Sklave sein, deine Sache, mit der du nach Willkür -schaltest -- nur stoße mich nicht von dir -- ich gehe zugrunde -- ich -kann nicht leben ohne dich,“ ich umfaßte ihre Knie und bedeckte ihre -Hand mit Küssen. - -„Ja, du mußt Sklave sein, die Peitsche fühlen -- denn ein Mann bist du -nicht,“ sprach sie ruhig, und das war es, was mir so an das Herz griff, -daß sie nicht im Zorne, ja nicht einmal erregt, sondern mit voller -Überlegung zu mir sprach. „Ich kenne dich jetzt, deine Hundenatur, die -anbetet, wo sie mit Füßen getreten wird und um so mehr, je mehr sie -mißhandelt wird. Ich kenne dich jetzt, du aber sollst mich erst kennen -lernen.“ - -Sie ging mit großen Schritten auf und ab, während ich vernichtet auf -meinen Knien liegen blieb, das Haupt war mir herabgesunken, die Tränen -rannen mir herab. - -„Komm zu mir,“ herrschte mir Wanda zu, sich auf der Ottomane -niederlassend. Ich folgte ihrem Wink und setzte mich zu ihr. Sie sah -mich finster an, dann wurde ihr Auge plötzlich, gleichsam von innen -heraus erhellt, sie zog mich lächelnd an ihre Brust und begann mir die -Tränen aus den Augen zu küssen. - - * * - * - -Das eben ist das Humoristische meiner Lage, daß ich, wie der Bär in -Lilis Park, fliehen kann und nicht will, daß ich alles dulde, sobald -sie droht, mir die Freiheit zu geben. - - * * - * - -Wenn sie nur einmal wieder die Peitsche in die Hand nehmen würde! Diese -Liebenswürdigkeit, mit der sie mich behandelt, hat etwas Unheimliches -für mich. Ich komme mir wie eine kleine, gefangene Maus vor, mit der -eine schöne Katze zierlich spielt, jeden Augenblick bereit, sie zu -zerreißen, und mein Mausherz droht mir zu zerspringen. - -Was hat sie vor? Was wird sie mit mir anfangen? - - * * - * - -Sie scheint den Vertrag, scheint meine Sklaverei vollkommen vergessen -zu haben, oder war es wirklich nur Eigensinn, und sie hat den ganzen -Plan in demselben Augenblicke aufgegeben, wo ich ihr keinen Widerstand -mehr entgegensetzte, wo ich mich ihrer souveränen Laune beugte? - -Wie gut sie jetzt gegen mich ist, wie zärtlich, wie liebevoll. Wir -verleben selige Tage. - - * * - * - -Heute ließ sie mich die Szene zwischen Faust und Mephistopheles lesen, -in welcher letzterer als fahrender Skolast erscheint; ihr Blick hing -mit seltsamer Befriedigung an mir. - -„Ich verstehe nicht,“ sprach sie, als ich geendet hatte, „wie ein Mann -große und schöne Gedanken im Vortrage so wunderbar klar, so scharf, -so vernünftig auseinandersetzen und dabei ein solcher Phantast, ein -übersinnlicher Schlemihl sein kann.“ - -„Warst du zufrieden,“ sagte ich und küßte ihre Hand. - -Sie strich mir freundlich über die Stirne. „Ich liebe dich, Severin,“ -flüsterte sie, „ich glaube, ich könnte keinen anderen Mann mehr lieben. -Wir wollen vernünftig sein, willst du?“ - -Statt zu antworten, schloß ich sie in meine Arme; ein tief inniges, -wehmütiges Glück erfüllte meine Brust, meine Augen wurden naß, eine -Träne fiel auf ihre Hand herab. - -„Wie kannst du weinen!“ rief sie, „du bist ein Kind.“ - - * * - * - -Wir begegneten bei einer Spazierfahrt dem russischen Fürsten im Wagen. -Er war offenbar unangenehm überrascht, mich an Wandas Seite zu sehen -und schien sie mit seinen elektrischen, grauen Augen durchbohren zu -wollen, sie aber -- ich hätte in diesem Augenblicke vor ihr niederknien -und ihre Füße küssen mögen -- sie schien ihn nicht zu bemerken, -sie ließ ihren Blick gleichgültig über ihn gleiten, wie über einen -leblosen Gegenstand, einen Baum etwa, und wendete sich dann mit ihrem -liebreizenden Lächeln zu mir. - - * * - * - -Als ich ihr heute gute Nacht sagte, schien sie mir plötzlich ohne jeden -Anlaß zerstreut und verstimmt. Was sie wohl beschäftigen mochte? - -„Mir ist leid, daß du gehst,“ sagte sie, als ich schon auf der Schwelle -stand. - -„Es liegt ja nur bei dir, die schwere Zeit meiner Prüfung abzukürzen, -gib es auf, mich zu quälen --“ flehte ich. - -„Du nimmst also nicht an, daß dieser Zwang auch für mich eine Qual -ist,“ warf Wanda ein. - -„So ende sie,“ rief ich, sie umschlingend, „werde mein Weib.“ - -„+Nie, Severin+,“ sprach sie sanft, aber mit großer Festigkeit. - -„Was ist das?“ - -Ich war bis an das Innerste meiner Seele erschrocken. - -„+Du bist kein Mann für mich.+“ - -Ich sah sie an, zog meinen Arm, welcher noch immer um ihre Taille lag, -langsam zurück und verließ das Gemach, und sie -- sie rief mich nicht -zurück. - - * * - * - -Eine schlaflose Nacht, ich habe so und so viel Entschlüsse gefaßt und -wieder verworfen. Am Morgen schrieb ich einen Brief, worin ich unser -Verhältnis für gelöst erklärte. Mir zitterte die Hand dabei, und wie -ich ihn siegelte, verbrannte ich mir die Finger. - -Als ich die Treppe emporstieg, um ihn dem Stubenmädchen zu übergeben, -drohten mir die Knie zu brechen. - -Da öffnete sich die Türe und Wanda steckte den Kopf voll Papilloten -heraus. - -„Ich bin noch nicht frisiert,“ sprach sie lächelnd. „Was haben Sie da?“ - -„Einen Brief --“ - -„An mich?“ - -Ich nickte. - -„Ah! Sie wollen mit mir brechen,“ rief sie spöttisch. - -„Haben Sie nicht gestern erklärt, daß ich kein Mann für Sie bin?“ - -„+Ich wiederhole es Ihnen+,“ sprach sie. - -„Also,“ ich zitterte am ganzen Leibe, die Stimme versagte mir, ich -reichte ihr den Brief. - -„Behalten Sie ihn,“ sagte sie, mich kalt betrachtend, „Sie vergessen, -daß ja gar nicht mehr davon die Rede ist, ob sie mir als +Mann+ -genügen oder nicht, und zum +Sklaven+ sind Sie jedenfalls gut -genug.“ - -„Gnädige Frau!“ rief ich empört. - -„Ja, so haben Sie mich in Zukunft zu nennen,“ erwiderte Wanda, den -Kopf mit unsäglicher Geringschätzung emporwerfend, „ordnen Sie Ihre -Angelegenheiten binnen vierundzwanzig Stunden, ich reise übermorgen -nach Italien, und Sie begleiten mich als mein Diener.“ - -„Wanda --“ - -„Ich verbitte mir jede Vertraulichkeit,“ sagte sie, mir scharf das Wort -abschneidend, „ebenso, daß Sie, ohne daß ich rufe oder klingle, bei -mir eintreten und zu mir sprechen, ohne von mir angeredet zu sein. Sie -heißen von nun an nicht mehr Severin, sondern +Gregor+.“ - -Ich bebte vor Wut und doch -- ich kann es leider nicht leugnen -- auch -vor Genuß und prickelnder Aufregung. - -„Aber, Sie kennen doch meine Verhältnisse, gnädige Frau,“ begann ich -verwirrt, „ich bin noch von meinem Vater abhängig und zweifle, daß er -mir eine so große Summe als ich zu dieser Reise brauche --“ - -„Das heißt, du hast kein Geld, Gregor,“ bemerkte Wanda vergnügt, „um so -besser, dann bist du vollkommen von mir abhängig und in der Tat mein -Sklave.“ - -„Sie bedenken nicht,“ versuchte ich einzuwenden, „daß ich als Mann von -Ehre unmöglich --“ - -„Ich habe wohl bedacht,“ erwiderte sie fast im Tone des Befehls, „daß -Sie als Mann von Ehre vor allem Ihren Schwur, Ihr Wort einzulösen -haben, mir als Sklave zu folgen, wohin ich es gebiete, und mir in allem -zu gehorchen, was ich auch befehlen mag. Nun geh, Gregor!“ - -Ich wendete mich zur Türe. - -„Noch nicht -- du darfst mir vorher die Hand küssen,“ damit reichte sie -mir dieselbe mit einer gewissen stolzen Nachlässigkeit zum Kusse, und -ich -- ich Dilettant -- ich Esel -- ich elender Sklave -- preßte sie -mit heftiger Zärtlichkeit an meine von Hitze und Erregung trockenen -Lippen. - -Noch ein gnädiges Kopfnicken. - -Dann war ich entlassen. - - * * - * - -Ich brannte noch spät am Abend Licht und Feuer im großen, grünen Ofen, -denn ich hatte noch manches an Briefen und Schriften zu ordnen, und -der Herbst war, wie es gewöhnlich bei uns der Fall ist, auf einmal mit -voller Gewalt hereingebrochen. - -Plötzlich klopfte sie mit dem Stiel der Peitsche an mein Fenster. - -Ich öffnete und sah sie draußen stehen in ihrer mit Hermelin besetzten -Jacke und einer hohen, runden Kosakenmütze von Hermelin, in der Art, -wie sie die große Katharina zu tragen liebte. - -„Bist du bereit, Gregor?“ fragte sie finster. - -„Noch nicht, Herrin,“ entgegnete ich. - -„Das Wort gefällt mir,“ sagte sie hierauf, „du darfst mich immer -Herrin nennen, verstehst du? Morgen früh um 9 Uhr fahren wir hier -fort. Bis zur Kreisstadt bist du mein Begleiter, mein Freund, von dem -Augenblicke, wo wir in den Waggon steigen, -- mein Sklave, mein Diener. -Nun schließe das Fenster und öffne die Türe.“ - -Nachdem ich getan, wie sie geheißen, und sie hereingetreten war, -fragte sie, die Brauen spöttisch zusammenziehend, „nun, wie gefall’ ich -dir?“ - -„Du --“ - -„Wer hat dir das erlaubt,“ sie gab mir einen Hieb mit der Peitsche. - -„Sie sind wunderbar schön, Herrin.“ - -Wanda lächelte und setzte sich in meinen Lehnstuhl. „Knie hier nieder --- hier neben meinem Sessel.“ - -Ich gehorchte. - -„Küss’ mir die Hand.“ - -Ich faßte ihre kleine kalte Hand und küßte sie. - -„Und den Mund --“ - -Ich schlang meine Arme in leidenschaftlicher Aufwallung um die schöne, -grausame Frau und bedeckte ihr Antlitz, Mund und Büste mit glühenden -Küssen, und sie gab sie mir mit gleichem Feuer zurück -- die Lider wie -im Traum geschlossen -- bis nach Mitternacht. - - * * - * - -Pünktlich um 9 Uhr morgens, wie sie es befohlen hatte, war alles zur -Abreise bereit, und wir verließen in einer bequemen Kalesche das kleine -Karpathenbad, in dem sich das interessanteste Drama meines Lebens zu -einem Knoten geschürzt hatte, dessen Auflösung damals kaum von jemandem -geahnt werden konnte. - -[Illustration] - -Noch ging alles gut. Ich saß an Wandas Seite, und sie plauderte auf -das Liebenswürdigste und Geistreichste mit mir, wie mit einem guten -Freunde, über Italien, über Pisemskis neuen Roman und Wagnerische -Musik. Sie trug auf der Reise eine Art Amazone, ein Kleid von -schwarzem Tuche und eine kurze Jacke von gleichem Stoffe mit dunklem -Pelzbesatz, welche sich knapp an ihre schlanken Formen schlossen und -dieselben prächtig hoben, darüber einen dunklen Reisepelz. Das Haar, -in einen antiken Knoten geschlungen, ruhte unter einer kleinen dunklen -Pelzmütze, von welcher ein schwarzer Schleier ringsum herabfiel. Wanda -war sehr gut aufgelegt, steckte mir Bonbons in den Mund, frisierte -mich, löste mein Halstuch und schlang es in eine reizende, kleine -Masche, deckte ihren Pelz über meine Knie, um dann verstohlen die -Finger meiner Hand zusammenzupressen, und wenn unser jüdischer Kutscher -einige Zeit konsequent vor sich hinnickte, gab sie mir sogar einen Kuß -und ihre kalten Lippen hatten dabei jenen frischen, frostigen Duft -einer jungen Rose, welche im Herbste einsam zwischen kahlen Stauden -und gelben Blättern blüht, und deren Kelch der erste Reif mit kleinen, -eisigen Diamanten behangen hat. - - * * - * - -Das ist die Kreisstadt. Wir steigen vor dem Bahnhofe aus. Wanda wirft -ihren Pelz ab und mir mit einem reizenden Lächeln über den Arm, dann -geht sie die Karten lösen. - -Wie sie zurückkehrt, ist sie vollkommen verändert. - -„Hier ist dein Billett, Gregor,“ spricht sie in dem Tone, in welchem -hochmütige Damen zu ihren Lakaien sprechen. - -„Ein Billett dritter Klasse,“ erwidere ich mit komischem Entsetzen. - -„Natürlich,“ fährt sie fort, „nun gib aber acht, du steigst erst dann -ein, wenn ich im Coupé bin und deiner nicht mehr bedarf. Auf jeder -Station hast du zu meinem Waggon zu eilen und nach meinen Befehlen zu -fragen. Versäume dies ja nicht. Und nun gib mir meinen Pelz.“ - -Nachdem ich ihr demütig wie ein Sklave hineingeholfen, suchte sie, -von mir gefolgt, ein leeres Coupé erster Klasse auf, sprang auf meine -Schulter gestützt hinein und ließ sich von mir die Füße in Bärenfelle -einhüllen und auf die Wärmflasche setzen. - -Dann nickte sie mir zu und entließ mich. Ich stieg langsam in einen -Waggon dritter Klasse, der mit dem niederträchtigsten Tabaksqualm, wie -die Vorhölle mit dem Nebel des Acheron gefüllt war, und hatte nun -Muße, über die Rätsel des menschlichen Daseins nachzudenken, und über -das größte dieser Rätsel -- +das Weib+. - - * * - * - -So oft der Zug hält, springe ich heraus, laufe zu ihrem Waggon und -erwarte mit abgezogener Mütze ihre Befehle. Sie wünscht bald einen -Kaffee, bald ein Glas Wasser, einmal ein kleines Souper, ein anderesmal -ein Becken mit warmem Wasser, um sich die Hände zu waschen, so geht -es fort, sie läßt sich von ein paar Kavalieren, die in ihr Coupé -gestiegen sind, den Hof machen; ich sterbe vor Eifersucht und muß -Sätze machen wie ein Springbock, um jedesmal das Verlangte rasch zur -Stelle zu schaffen und den Zug nicht zu versäumen. So bricht die Nacht -herein. Ich kann weder einen Bissen essen noch schlafen, atme dieselbe -verzwiebelte Luft mit polnischen Bauern, Handelsjuden und gemeinen -Soldaten, und sie liegt, wenn ich die Stufen ihres Coupé ersteige, -in ihrem behaglichen Pelz auf den Polstern ausgestreckt, mit den -Tierfellen bedeckt, eine orientalische Despotin, und die Herren sitzen -gleich indischen Göttern aufrecht an der Wand und wagen kaum zu atmen. - - * * - * - -In Wien, wo sie einen Tag bleibt, um Einkäufe zu machen, und vor allem -eine Reihe luxuriöser Toiletten anzuschaffen, fährt sie fort, mich als -ihren Bedienten zu behandeln. Ich gehe hinter ihr, respektvoll zehn -Schritte entfernt, sie reicht mir, ohne mich nur eines freundlichen -Blickes zu würdigen, die Pakete und läßt mich zuletzt wie einen Esel -beladen nachkeuchen. - -Vor der Abfahrt nimmt sie alle meine Kleider, um sie an die Kellner -des Hotels zu verschenken, und befiehlt mir, ihre Livree anzuziehen, -ein Krakusenkostüm in ihren Farben, hellblau mit rotem Aufschlag und -viereckiger, roter Mütze, mit Pfauenfedern verziert, das mir gar nicht -übel steht. - -Die silbernen Knöpfe tragen ihr Wappen. Ich habe das Gefühl, als wäre -ich verkauft oder hätte meine Seele dem Teufel verschrieben. - - * * - * - -Mein schöner Teufel führte mich in einer Tour von Wien bis Florenz, -statt der leinenen Masuren und fettlockigen Juden leisten mir -jetzt krausköpfige Contadini, ein prächtiger Sergeant des ersten -italienischen Grenadierregiments und ein armer deutscher Maler, -Gesellschaft. Der Tabakdampf riecht jetzt nicht mehr nach Zwiebel, -sondern nach Salami und Käse. - -Es ist wieder Nacht geworden. Ich liege auf meinem hölzernen Ruhebette -auf der Folter, Arme und Beine sind mir wie zerbrochen. Aber poetisch -ist die Geschichte doch, die Sterne funkeln ringsum, der Sergeant hat -ein Gesicht wie Apollo von Belvedere, und der deutsche Maler singt ein -wunderbares deutsches Lied: - - „Nun alle Schatten dunkeln - Und Stern auf Stern erwacht, - Welch Hauch der heißen Sehnsucht - Flutet durch die Nacht!“ - - „Durch das Meer der Träume - Steuert ohne Ruh’, - Steuert meine Seele - Deiner Seele zu.“ - -Und ich denke an die schöne Frau, die königlich ruhig in ihren weichen -Pelzen schläft. - - * * - * - -Florenz! Getümmel, Geschrei, zudringliche Fachini und Fiaker. Wanda -wählt einen Wagen und weist die Träger ab. - -„Wozu hätte ich denn einen Diener,“ spricht sie, „Gregor -- hier ist -der Schein -- hole das Gepäck.“ - -Sie wickelt sich in ihren Pelz und sitzt ruhig im Wagen, während -ich die schweren Koffer, einen nach dem anderen herbeitrage. Unter -dem letzten breche ich einen Augenblick zusammen, ein freundlicher -Carabiniere mit intelligentem Gesicht steht mir bei. Sie lacht. - -„Der muß schwer sein,“ sagte sie, „denn in dem sind alle meine Pelze.“ - -Ich steige auf den Bock und wische mir die hellen Tropfen von der -Stirne. Sie nennt das Hotel, der Fiaker treibt sein Pferd an. In -wenigen Minuten halten wir vor der glänzend erleuchteten Einfahrt. - -„Sind Zimmer da?“ fragt sie den Portier. - -„Ja, Madame.“ - -„Zwei für mich, eines für meinen Diener, alle mit Öfen.“ - -„Zwei elegante, Madame, beide mit Kaminen für Sie,“ entgegnete der -Garçon, der herbeigeeilt ist, „und eines ohne Heizung für den -Bedienten.“ - -„Zeigen Sie mir die Zimmer.“ - -Sie besichtigt sie, dann sagt sie kurzweg: „Gut. Ich bin zufrieden, -machen Sie nur rasch Feuer, der Diener kann im ungeheizten Zimmer -schlafen.“ - -Ich sehe sie nur an. - -„Bringe die Koffer herauf, Gregor,“ befiehlt sie, ohne meine Blicke zu -beachten, „ich mache indes Toilette und gehe in den Speisesaal hinab. -Du kannst dann auch etwas zu Nacht essen.“ - -Während sie in das Nebenzimmer geht, schleppe ich die Koffer herauf, -helfe dem Garçon, der mich über meine „Herrschaft“ in schlechtem -Französisch auszufragen versucht, in ihrem Schlafzimmer Feuer machen -und sehe einen Augenblick mit stillem Neide den flackernden Kamin, das -duftige, weiße Himmelbett, die Teppiche, mit denen der Boden belegt -ist. Dann steige ich müde und hungrig eine Treppe hinab und verlange -etwas zu essen. Ein gutmütiger Kellner, der österreichischer Soldat -war und sich alle Mühe gibt, mich deutsch zu unterhalten, führt mich -in den Speisesaal und bedient mich. Eben habe ich nach sechsunddreißig -Stunden den ersten frischen Trunk getan, den ersten warmen Bissen auf -der Gabel, als sie hereintritt. - -Ich erhebe mich. - -[Illustration] - -„Wie können Sie mich in ein Speisezimmer führen, in dem mein Bedienter -ißt,“ fährt sie den Garçon an, vor Zorn flammend, dreht sich um und -geht hinaus. - -Ich danke indes dem Himmel, daß ich wenigstens ruhig weiteressen kann. -Hierauf steige ich vier Treppen zu meinem Zimmer empor, in dem bereits -mein kleiner Koffer steht und ein schmutziges Öllämpchen brennt, es -ist ein schmales Zimmer ohne Kamin, ohne Fenster, mit einem kleinen -Luftloch. Es würde mich -- wenn es nicht so hundekalt wäre -- an die -venetianischen Bleikammern erinnern. Ich muß unwillkürlich laut lachen, -so daß es widerhallt und ich über mein eigenes Gelächter erschrecke. - -Plötzlich wird die Türe aufgerissen und der Garçon mit einer -theatralischen Geste, echt italienisch, ruft: „Sie sollen zu Madame -hinabkommen, augenblicklich!“ Ich nehme meine Mütze, stolpere einige -Stufen hinab, komme endlich glücklich im ersten Stockwerke vor ihrer -Türe an und klopfe. - -„Herein!“ - - * * - * - -Ich trete ein, schließe und bleibe an der Türe stehen. - -Wanda hat es sich bequem gemacht, sie sitzt im Negligé von weißer -Mousseline und Spitzen auf einem kleinen, roten Samtdiwan, die Füße auf -einem Polster von gleichem Stoffe und hat ihren Pelzmantel umgeworfen, -denselben, in dem sie mir zuerst als Göttin der Liebe erschien. - -Die gelben Lichter der Armleuchter, die auf dem Trumeau stehen, ihre -Reflexe in dem großen Spiegel und die roten Flammen des Kaminfeuers -spielen herrlich auf dem grünen Samt, dem dunkelbraunen Zobel des -Mantels, auf der weißen, glatt gespannten Haut und in dem roten, -flammenden Haare der schönen Frau, welche mir ihr helles, aber kaltes -Antlitz zukehrt und ihre kalten, grünen Augen auf mir ruhen läßt. - -„Ich bin mit dir zufrieden, Gregor,“ begann sie. - -Ich verneigte mich. - -„Komm näher.“ - -Ich gehorchte. - -„Noch näher,“ sie blickte hinab und strich mit der Hand über den -Zobel. „Venus im Pelz empfängt ihren Sklaven. Ich sehe, daß Sie doch -mehr sind als ein gewöhnlicher Phantast, Sie bleiben mindestens hinter -Ihren Träumen nicht zurück, Sie sind der Mann, was Sie sich auch -einbilden mögen, und wäre es das Tollste, auszuführen; ich gestehe, -das gefällt mir, das imponiert mir. Es liegt Stärke darin, und nur -die Stärke achtet man. Ich glaube sogar, Sie würden in ungewöhnlichen -Verhältnissen, in einer großen Zeit, das was Ihre Schwäche scheint, -als eine wunderbare Kraft offenbaren. Unter den ersten Kaisern wären -Sie ein Märtyrer, zur Zeit der Reformation ein Anabaptist, in der -französischen Revolution einer jener begeisterten Girondisten geworden, -die mit der Marseillaise auf den Lippen die Guillotine bestiegen. So -aber sind Sie mein Sklave, mein --“ - -Sie sprang plötzlich auf, so daß der Pelz herabsank, und schlang die -Arme mit sanfter Gewalt um meinen Hals. - -„Mein geliebter Sklave, Severin, o! wie ich dich liebe, wie ich dich -anbete, wie schmuck du in dem Krakauerkostüme aussiehst, aber du wirst -heute Nacht frieren in dem elenden Zimmer da oben ohne Kamin, soll ich -dir meinen Pelz geben, mein Herzchen, den großen da --“ - -Sie hob ihn rasch auf, warf ihn mir auf die Schultern und hatte mich, -ehe ich mich versah, vollkommen darin eingewickelt. - -„Ah! wie gut das Pelzwerk dir zu Gesichte steht, deine noblen Züge -treten erst recht hervor. Sobald du nicht mehr mein Sklave bist, wirst -du einen Samtrock tragen mit Zobel, verstehst du, sonst ziehe ich nie -mehr eine Pelzjacke an --“ - -Und wieder begann sie mich zu streicheln, zu küssen und zog mich -endlich auf den kleinen Samtdiwan nieder. - -„Du gefällst dir, glaube ich, in dem Pelze,“ sagte sie, „gib ihn mir, -rasch, rasch, sonst verliere ich ganz das Gefühl meiner Würde.“ - -Ich legte den Pelz um sie, und Wanda schlüpfte mit dem rechten Arme in -den Ärmel. - -„So ist es auf dem Bilde von Titian. Nun aber genug des Scherzes. Sieh -doch nicht immer so unglücklich drein, das macht mich traurig, du bist -ja vorläufig nur für die Welt mein Diener, mein Sklave bist du noch -nicht, du hast den Vertrag noch nicht unterzeichnet, du bist noch frei, -kannst mich jeden Augenblick verlassen; du hast deine Rolle herrlich -gespielt. Ich war entzückt, aber hast du es nicht schon satt, findest -du mich nicht abscheulich? Nun, so sprich doch -- ich befehle es dir.“ - -„Muß ich es dir gestehen, Wanda?“ begann ich. - -„Ja, du mußt.“ - -„Und wenn du es dann auch mißbrauchst,“ fuhr ich fort, „ich bin -verliebter als je in dich, und ich werde dich immer mehr, immer -fanatischer verehren, anbeten, je mehr du mich mißhandelst, so wie du -jetzt gegen mich warst, entzündest du mein Blut, berauschest du alle -meine Sinne“ -- ich preßte sie an mich und hing einige Augenblicke -an ihren feuchten Lippen -- „du schönes Weib,“ rief ich dann, sie -betrachtend, und riß in meinem Enthusiasmus den Zobelpelz von ihren -Schultern und preßte meinen Mund auf ihren Nacken. - -„Du liebst mich also, wenn ich grausam bin,“ sprach Wanda, „geh jetzt! --- du langweilst mich -- hörst du nicht --“ - -Sie gab mir eine Ohrfeige, daß es mir in dem Auge blitzte und im Ohr -läutete. - -„Hilf mir in meinen Pelz, Sklave.“ - -Ich half, so gut ich konnte. - -„Wie ungeschickt,“ rief sie, und kaum hatte sie ihn an, schlug sie mich -wieder ins Gesicht. Ich fühlte es, wie ich mich entfärbte. - -„Habe ich dir weh getan?“ fragte sie und legte die Hand sanft auf mich. - -„Nein, nein,“ rief ich. - -„Du darfst dich allerdings nicht beklagen, du willst es ja so; nun, gib -mir noch einen Kuß.“ - -Ich schlang die Arme um sie, und ihre Lippen sogen sich an den meinen -fest, und wie sie in dem großen, schweren Pelze an meiner Brust lag, -hatte ich ein seltsames, beklemmendes Gefühl, wie wenn mich ein wildes -Tier, eine Bärin umarmen würde, und mir war es, als müßte ich jetzt -ihre Krallen in meinem Fleische fühlen. Aber für diesmal entließ mich -die Bärin gnädig. - -Die Brust von lachenden Hoffnungen erfüllt, stieg ich in mein elendes -Bedientenzimmer und warf mich auf mein hartes Bett. - -„Das Leben ist doch eigentlich urkomisch,“ dachte ich mir, „vor kurzem -hat noch das schönste Weib, Venus selbst, an deiner Brust geruht, und -jetzt hast du Gelegenheit, die Hölle der Chinesen zu studieren, welche -die Verdammten nicht, gleich uns, in die Flammen werfen, sondern durch -die Teufel auf Eisfelder treiben lassen. - -Wahrscheinlich haben ihre Religionsstifter auch in ungeheizten Zimmern -geschlafen.“ - - * * - * - -Ich bin heute Nacht mit einem Schrei aus dem Schlafe aufgeschreckt, -ich habe von einem Eisfelde geträumt, auf dem ich mich verirrt hatte -und vergebens den Ausweg suchte. Plötzlich kam ein Eskimo in einem mit -Renntier bespannten Schlitten und hatte das Gesicht des Garçons, der -mir das ungeheizte Zimmer angewiesen. - -„Was suchen Sie hier, Monsieur?“ rief er, „hier ist der Nordpol.“ - -Im nächsten Augenblicke war er verschwunden, und Wanda flog auf kleinen -Schlittschuhen über die Eisfläche heran, ihr weißer Atlasrock flatterte -und knisterte, der Hermelin ihrer Jacke und Mütze, vor allem aber ihr -Antlitz schimmerte weißer als der weiße Schnee, sie schoß auf mich zu, -schloß mich in ihre Arme und begann mich zu küssen, plötzlich fühlte -ich mein Blut warm an mir herabrieseln. - -„Was tust du?“ fragte ich entsetzt. - -Sie lachte, und wie ich sie jetzt ansah, war es nicht mehr Wanda, -sondern eine große, weiße Bärin, welche ihre Tatzen in meinen Leib -bohrte. - -Ich schrie verzweifelt auf und hörte ihr teuflisches Gelächter noch, -als ich erwacht war und erstaunt im Zimmer herumsah. - - * * - * - -Früh am Morgen stand ich bereits an Wandas Türe, und als der Garçon den -Kaffee brachte, nahm ich ihm denselben und servierte ihn meiner schönen -Herrin. Sie hatte bereits Toilette gemacht und sah prächtig aus, frisch -und rosig, lächelte mir freundlich zu und rief mich zurück, als ich -mich respektvoll entfernen wollte. - -„Nimm auch rasch dein Frühstück, Gregor,“ sprach sie, „wir gehen dann -sofort Wohnungen suchen, ich will so kurz als möglich im Hotel bleiben, -hier sind wir furchtbar geniert, und wenn ich etwas länger mit dir -plaudre, heißt es gleich: die Russin hat mit ihrem Bedienten ein -Liebesverhältnis, man sieht, die Rasse der Katharina stirbt nicht aus.“ - -Eine halbe Stunde später gingen wir aus, Wanda in ihrem Tuchkleide, -ihrer russischen Mütze, ich in meinem Krakauerkostüm. Wir erregten -Aufsehen. Ich ging etwa zehn Schritte entfernt hinter ihr und machte -ein finsteres Gesicht, während ich jede Sekunde in lautes Lachen -auszubrechen fürchtete. Es gab kaum eine Straße, in der nicht an -einem der hübschen Häuser eine kleine Tafel mit dem „~Camere -ammobiliate~“ prangte. Wanda sendete mich jedesmal die Treppe -hinauf, und nur wenn ich die Meldung machte, daß die Wohnung ihren -Absichten zu entsprechen scheine, stieg sie selbst empor. So war ich um -Mittag herum bereits so müde, wie ein Jagdhund nach einer Parforcejagd. - -Wieder traten wir in ein Haus und wieder verließen wir es, ohne eine -passende Wohnung gefunden zu haben. Wanda war bereits etwas ärgerlich. -Plötzlich sagte sie zu mir: „Severin, der Ernst, mit dem du deine Rolle -spielst, ist reizend, und der Zwang, den wir uns auferlegt haben, regt -mich geradezu auf, ich halte es nicht mehr aus, du bist zu lieb, ich -muß dir einen Kuß geben. Komm in ein Haus hinein.“ - -„Aber gnädige Frau --“ wendete ich ein. - -„Gregor!“ sie trat in die nächste offene Flur, ging einige Stufen der -dunklen Stiege hinauf, schlang dann mit heißer Zärtlichkeit die Arme um -mich und küßte mich. - -[Illustration] - -„Ach! Severin, du warst sehr klug, du bist als Sklave weit -gefährlicher, als ich dachte, ja, ich finde dich unwiderstehlich, ich -fürchte, ich werde mich noch einmal in dich verlieben.“ - -„Liebst du mich denn nicht mehr?“ fragte ich, von einem jähen Schrecken -ergriffen. - -Sie schüttelte ernsthaft den Kopf, küßte mich aber wieder mit ihren -schwellenden, köstlichen Lippen. - -Wir kehrten in das Hotel zurück. Wanda nahm das Gabelfrühstück und -gebot mir, ebenfalls rasch etwas zu essen. - -Ich wurde aber selbstverständlich nicht so rasch bedient wie sie, und -so geschah es, daß ich eben den zweiten Bissen meines Beefsteaks zum -Munde führte, als der Garçon eintrat und mit seiner theatralischen -Geste rief: „Augenblicklich zu Madame.“ - -Ich nahm einen raschen und schmerzlichen Abschied von meinem Frühstück -und eilte müde und hungrig Wanda nach, welche bereits in der Straße -stand. - -„Für so grausam habe ich Sie doch nicht gehalten, Herrin,“ sagte ich -vorwurfsvoll, „daß Sie mich nach allen diesen Fatiguen nicht einmal -ruhig essen lassen.“ - -Wanda lachte herzlich. „Ich dachte, du bist fertig,“ sprach sie, „aber -es ist auch so gut. Der Mensch ist zum Leiden geboren und du ganz -besonders. Die Märtyrer haben auch keine Beefsteaks gegessen.“ - -Ich folgte ihr grollend, in meinen Hunger verbissen. - -„Ich habe die Idee, eine Wohnung in der Stadt zu nehmen, aufgegeben,“ -fuhr Wanda fort, „man findet schwer ein ganzes Stockwerk, in dem man -abgeschlossen ist und tun kann, was man will. Bei einem so seltsamen, -phantastischen Verhältnisse, wie es das unsere ist, muß alles -zusammenstimmen. Ich werde eine ganze Villa mieten und -- nun, warte -nur, du wirst staunen. Ich erlaube dir jetzt, dich satt zu essen und -dich dann etwas in Florenz umzusehen. Vor dem Abend komme ich nicht -nach Hause. Wenn ich dich dann brauche, werde ich dich schon rufen -lassen.“ - - * * - * - -Ich habe den Dom gesehen, den Palazzo vecchio, die Loggia di Lanzi und -bin dann lange am Arno gestanden. Immer wieder ließ ich meinen Blick -auf dem herrlichen, altertümlichen Florenz ruhen, dessen runde Kuppeln -und Türme sich weich in den blauen, wolkenlosen Himmel zeichneten, auf -den prächtigen Brücken, durch deren weite Bogen der schöne, gelbe Fluß -seine lebhaften Wellen trieb, auf den grünen Hügeln, welche, schlanke -Zypressen und weitläufige Gebäude, Paläste oder Klöster tragend, die -Stadt umgeben. - -Es ist eine andere Welt, in der wir uns befinden, eine heitere, -sinnliche und lachende. Auch die Landschaft hat nichts von dem Ernst, -der Schwermut der unseren. Da ist weithin, bis zu den letzten weißen -Villen, die im hellgrünen Gebirge zerstreut sind, kein Fleckchen, das -die Sonne nicht in das hellste Licht setzen würde, und die Menschen -sind weniger ernst wie wir, und mögen weniger denken, sie sehen aber -alle aus, wie wenn sie glücklich wären. - -Man behauptet auch, daß man im Süden leichter stirbt. - -Mir ahnt jetzt, daß es eine Schönheit gibt ohne Stachel und eine -Sinnlichkeit ohne Qual. - -Wanda hat eine allerliebste kleine Villa auf einem der reizenden Hügel -an dem linken Ufer des Arno, gegenüber der Cascine, entdeckt und für -den Winter gemietet. Dieselbe liegt in einem hübschen Garten mit -reizenden Laubgängen, Grasplätzen und einer herrlichen Camelienflur. -Sie hat nur ein Stockwerk und ist im italienischen Stile im Viereck -erbaut; die eine Front entlang läuft eine offene Galerie, eine Art -Loggia mit Gypsabgüssen antiker Statuen, von der steinerne Stufen in -den Garten hinabführen. Aus der Galerie gelangt man in ein Badezimmer -mit einem herrlichen Marmorbassin, aus dem eine Wendeltreppe in das -Schlafgemach der Herrin führt. - -Wanda bewohnt das erste Stockwerk allein. - -Mir wurde ein Zimmer ebener Erde angewiesen, es ist sehr hübsch und hat -sogar einen Kamin. - -Ich habe den Garten durchstreift und auf einem runden Hügel einen -kleinen Tempel entdeckt, dessen Tor ich verschlossen fand; aber das Tor -hat eine Ritze, und wie ich das Auge an dieselbe lege, sehe ich auf -weißem Piedestal die Liebesgöttin stehen. - -Mich ergreift ein leiser Schauer. Mir ist, als lächle sie mir zu: „Bist -du da? Ich habe dich erwartet.“ - - * * - * - -Es ist Abend. Eine hübsche kleine Zofe bringt mir den Befehl, vor -der Herrin zu erscheinen. Ich steige die breite Marmortreppe empor, -gehe durch den Vorsaal, einen großen mit verschwenderischer Pracht -eingerichteten Salon und klopfe an die Türe des Schlafgemachs. Ich -klopfe sehr leise, denn der Luxus, den ich überall entfaltet sehe, -beängstigt mich, und so werde ich nicht gehört und stehe einige Zeit -vor der Türe. Mir ist zumute, als stände ich vor dem Schlafgemach -der großen Katharina und als müßte sie jeden Augenblick im grünen -Schlafpelz mit dem roten Ordensbande auf der bloßen Brust und mit ihren -kleinen, weißen, gepuderten Löckchen heraustreten. - -Ich klopfe wieder. Wanda reißt ungeduldig den Flügel auf. - -„Warum so spät?“ fragt sie. - -„Ich stand vor der Türe, du hast mein Klopfen nicht gehört,“ entgegne -ich schüchtern. Sie schließt die Türe, hängt sich in mich ein und führt -mich zu der rotdamastenen Ottomane, auf der sie geruht hat. Die ganze -Einrichtung des Zimmers, Tapeten, Vorhänge, Portieren, Himmelbett, -alles ist von rotem Damast, und die Decke bildet ein herrliches -Gemälde, Simson und Delila. - -Wanda empfängt mich in einem betörenden Deshabillee, das weiße -Atlasgewand fließt leicht und malerisch an ihrem schlanken Leib herab -und läßt Arme und Büste bloß, welche sich weich und nachlässig in die -dunklen Felle des großen grünsamtenen Zobelpelzes schmiegen. Ihr rotes -Haar fällt, halb offen, von Schnüren schwarzer Perlen gehalten, über -den Rücken bis zur Hüfte herab. - -„Venus im Pelz,“ flüstre ich, während sie mich an ihre Brust zieht und -mit ihren Küssen zu ersticken droht. Dann spreche ich kein Wort mehr -und denke auch nicht mehr, alles geht unter in einem Meere niegeahnter -Seligkeit. - -Wanda machte sich endlich sanft los und betrachtete sich, auf den einen -Arm gestützt. Ich war zu ihren Füßen herabgesunken, sie zog mich an -sich und spielte mit meinem Haare. - -„Liebst du mich noch?“ fragte sie, ihr Auge verschwamm in süßer -Leidenschaft. - -„Du fragst!“ rief ich. - -„Erinnerst du dich noch deines Schwures,“ fuhr sie mit einem reizenden -Lächeln fort, „nun, da alles eingerichtet, alles bereit ist, frage ich -dich noch einmal: ist es wirklich dein Ernst, mein Sklave zu werden?“ - -„Bin ich es denn nicht bereits?“ fragte ich erstaunt. - -„Du hast die Dokumente noch nicht unterschrieben.“ - -„Dokumente -- was für Dokumente?“ - -„Ah! ich sehe, du denkst nicht mehr daran,“ sagte sie, „also lassen wir -es bleiben.“ - -„Aber Wanda,“ sprach ich, „du weißt ja, daß ich keine größere Seligkeit -kenne, als dir zu dienen, dein Sklave zu sein, und daß ich alles um -das Gefühl geben würde, mich ganz in deiner Hand zu wissen, mein Leben -sogar --“ - -„Wie du schön bist,“ flüsterte sie, „wenn du so begeistert bist, wenn -du so leidenschaftlich sprichst. Ach! ich bin mehr als je in dich -verliebt und da soll ich herrisch sein gegen dich und strenge und -grausam, ich fürchte, ich werde es nicht können.“ - -„Mir ist nicht bange darum,“ entgegnete ich lächelnd, „wo hast du also -die Dokumente?“ - -„Hier,“ sie zog sie halb verschämt aus ihrem Busen hervor und reichte -sie mir. - -„Damit du das Gefühl hast, ganz in meiner Hand zu sein, habe ich -noch ein zweites Dokument aufgesetzt, in welchem du erklärst, daß du -entschlossen bist, dir das Leben zu nehmen. Ich kann dich dann sogar -töten, wenn ich will.“ - -„Gib.“ - -Während ich die Dokumente entfaltete und zu lesen begann, holte Wanda -Tinte und Feder, dann setzte sie sich zu mir, legte den Arm um meinen -Nacken und blickte über meine Schultern in das Papier. - -Das erste lautete: - - - =Vertrag zwischen Frau Wanda von Dunajew und Herrn Severin von - Kusiemski.= - - Herr Severin von Kusiemski hört mit dem heutigen Tage auf, der - Bräutigam der Frau Wanda von Dunajew zu sein und verzichtet auf - alle seine Rechte als Geliebter; er verpflichtet sich dagegen mit - seinem Ehrenworte als Mann und Edelmann, fortan der +Sklave+ - derselben zu sein und zwar so lange sie ihm nicht selbst die - Freiheit zurückgibt. - - Er hat als der Sklave der Frau von Dunajew den Namen Gregor zu - führen, unbedingt jeden ihrer Wünsche zu erfüllen, jedem ihrer - Befehle zu gehorchen, seiner Herrin mit Unterwürfigkeit zu - begegnen, jedes Zeichen ihrer Gunst als eine außerordentliche Gnade - anzusehen. - - Frau von Dunajew darf ihren Sklaven nicht allein bei dem geringsten - Versehen oder Vergehen nach Gutdünken strafen, sondern sie hat - auch das Recht, ihn nach Laune oder nur zu ihrem Zeitvertreib zu - mißhandeln, wie es ihr eben gefällt, ja sogar zu töten, wenn es ihr - beliebt, kurz, er ist ihr unbeschränktes Eigentum. - - Sollte Frau von Dunajew ihrem Sklaven je die Freiheit schenken, so - hat Herr Severin von Kusiemski alles, was er als Sklave erfahren - oder erduldet, zu vergessen und +nie und niemals, unter keinen - Umständen und in keiner Weise an Rache oder Wiedervergeltung zu - denken+. - - Frau von Dunajew verspricht dagegen, als seine Herrin so oft als - möglich im Pelz zu erscheinen, besonders wenn sie gegen ihren - Sklaven grausam sein wird.“ - -Unter dem Vertrage stand das Datum des heutigen Tages. - -Das zweite Dokument entielt nur wenige Worte. - -„Seit Jahren des Daseins und seiner Täuschungen überdrüssig, habe ich -meinem wertlosen Leben freiwillig ein Ende gemacht.“ - -Mich faßte ein tiefes Grauen, als ich zu Ende war, noch war es Zeit, -noch konnte ich zurück, aber der Wahnsinn der Leidenschaft, der Anblick -des schönen Weibes, das aufgelöst an meiner Schulter lehnte, rissen -mich fort. - -„Dieses hier mußt du zuerst abschreiben, Severin,“ sprach Wanda, auf -das zweite Dokument deutend, „es muß vollkommen in deinen Schriftzügen -abgefaßt sein, bei dem Vertrage ist das natürlich nicht nötig.“ - -Ich kopierte rasch die wenigen Zeilen, in denen ich mich als -Selbstmörder bezeichnete, und gab sie Wanda. Sie las und legte sie dann -lächelnd auf den Tisch. - -„Nun, hast du den Mut, das zu unterzeichnen?“ fragte sie, den Kopf -neigend, mit einem feinen Lächeln. - -Ich nahm die Feder. - -„Laß mich zuerst,“ sprach Wanda, „dir zittert die Hand, fürchtest du -dich so sehr vor deinem Glück?“ - -Sie nahm den Vertrag und die Feder -- ich blickte im Kampfe mit -mir selbst einen Augenblick empor und jetzt erst fiel mir, wie auf -vielen Gemälden italienischer und holländischer Schule, der durchaus -unhistorische Charakter des Deckengemäldes auf, der demselben ein -seltsames, für mich geradezu unheimliches Gepräge gab. Delila, eine -üppige Dame mit flammendem roten Haare, liegt halb entkleidet in einem -dunklen Pelzmantel auf einer roten Ottomane und beugt sich lächelnd -zu Simson herab, den die Philister niedergeworfen und gebunden -haben. Ihr Lächeln ist in seiner spöttischen Koketterie von wahrhaft -infernalischer Grausamkeit, ihr Auge, halb geschlossen, begegnet jenem -Simsons, das noch im letzten Blicke mit wahnsinniger Liebe an dem ihren -hängt, denn schon kniet einer der Feinde auf seiner Brust, bereit, ihm -das glühende Eisen hineinzustoßen. - -„So --“ rief Wanda, „du bist ja ganz verloren, was hast du nur, es -bleibt ja doch alles beim Alten, auch wenn du unterschrieben hast, -kennst du mich denn noch immer nicht, Herzchen?“ - -Ich blickte in den Vertrag. Da stand in großen kühnen Zügen ihr Name. -Noch einmal schaute ich in ihr zauberkräftiges Auge, dann nahm ich die -Feder und unterschrieb rasch den Vertrag. - -„Du hast gezittert,“ sprach Wanda ruhig, „soll ich dir die Feder -führen?“ - -Sie faßte in demselben Augenblick sanft meine Hand, und da stand mein -Name auch auf dem zweiten Papier. Wanda sah beide Dokumente noch einmal -an und schloß sie dann in den Tisch, welcher zu Häupten der Ottomane -stand. - -„So -- nun gib mir noch deinen Paß und dein Geld.“ - -Ich ziehe meine Brieftasche hervor und reiche sie ihr, sie blickt -hinein, nickt und legt sie zu dem Übrigen, während ich vor ihr knie und -mein Haupt in süßer Trunkenheit an ihrer Brust ruhen lasse. - -Da stößt sie mich plötzlich mit dem Fuße von sich, springt auf und -zieht die Glocke, auf deren Ton drei junge, schlanke Negerinnen, -wie aus Ebenholz geschnitzt und ganz in roten Atlas gekleidet, -hereintreten, jede einen Strick in der Hand. - -[Illustration] - -Jetzt begreife ich auf einmal meine Lage und will mich erheben, aber -Wanda, welche, hoch aufgerichtet, ihr kaltes, schönes Antlitz mit -den finsteren Brauen, den höhnischen Augen mir zugewendet, als -Herrin gebietend vor mir steht, winkt mit der Hand, und ehe ich noch -recht weiß, was mit mir geschieht, haben mich die Negerinnen zu Boden -gerissen, mir Beine und Hände fest zusammengeschnürt und die Arme wie -einem, der hingerichtet werden soll, auf den Rücken gebunden, so daß -ich mich kaum bewegen kann. - -„Gib mir die Peitsche, Haydée,“ befiehlt Wanda mit unheimlicher Ruhe. - -Die Negerin reicht sie kniend der Gebieterin. - -„Und nimm mir den schweren Pelz ab,“ fährt diese fort, „er hindert -mich.“ - -Die Negerin gehorchte. - -„Die Jacke dort!“ befahl Wanda weiter. - -Haydée brachte rasch die hermelinbesetzte Kazabaika, welche auf dem -Bette lag, und Wanda schlüpfte mit zwei unnachahmlich reizenden -Bewegungen hinein. - -„Bindet ihn an die Säule hier.“ - -Die Negerinnen heben mich auf, schlingen ein dickes Seil um meinen Leib -und binden mich stehend an eine der massiven Säulen, welche den Himmel -des breiten italienischen Bettes tragen. - -Dann sind sie auf einmal verschwunden, wie wenn die Erde sie -verschlungen hätte. - -Wanda tritt rasch auf mich zu, das weiße Atlasgewand fließt ihr in -langer Schleppe wie Silber, wie Mondlicht nach, ihre Haare lodern -gleich Flammen auf dem weißen Pelz der Jacke; jetzt steht sie vor mir, -die linke Hand in die Seite gestemmt, in der Rechten die Peitsche, und -stößt ein kurzes Lachen aus. - -„Jetzt hat das Spiel zwischen uns aufgehört,“ spricht sie mit herzloser -Kälte, „jetzt ist es Ernst, du Tor! den ich verlache und verachte, der -sich +mir+, dem übermütigen, launischen Weibe, in wahnsinniger -Verblendung als Spielzeug hingegeben. Du bist nicht mehr mein -Geliebter, sondern +mein Sklave+, auf Tod und Leben meiner Willkür -preisgegeben. - -Du sollst mich kennen lernen! - -Vor allem wirst du mir jetzt einmal im Ernste die Peitsche kosten, ohne -daß du etwas verschuldet hast, damit du begreifst, was dich erwartet, -wenn du dich ungeschickt, ungehorsam oder widerspenstig zeigst.“ - -Sie schürzte hierauf mit wilder Grazie den pelzbesetzten Ärmel auf und -hieb mich über den Rücken. - -Ich zuckte zusammen, die Peitsche schnitt wie ein Messer in mein -Fleisch. - -„Nun, wie gefällt dir das?“ rief sie. - -Ich schwieg. - -„Wart’ nur, du sollst mir noch wie ein Hund wimmern unter der -Peitsche,“ drohte sie und begann mich zugleich zu peitschen. - -Die Hiebe fielen rasch und dicht, mit entsetzlicher Gewalt auf meinen -Rücken, meine Arme, meinen Nacken, ich biß die Zähne zusammen, um nicht -aufzuschreien. Jetzt traf sie mich ins Gesicht, das warme Blut rann mir -herab, sie aber lachte und peitschte fort. - -„Jetzt erst versteh ich dich,“ rief sie dazwischen, „es ist wirklich -ein Genuß, einen Menschen so in seiner Gewalt zu haben und noch dazu -einen Mann, der mich liebt -- du liebst mich doch? -- Nicht -- Oh! ich -zerfleische dich noch, so wächst mir bei jedem Hiebe das Vergnügen; -nun krümme dich doch ein wenig, schreie, wimmere! Bei mir sollst du -kein Erbarmen finden.“ - -Endlich scheint sie müde. - -Sie wirft die Peitsche weg, streckt sich auf der Ottomane aus und -klingelt. - -Die Negerinnen treten ein. - -„Bindet ihn los.“ - -[Illustration] - -Wie sie mir das Seil lösen, schlage ich wie ein Stück Holz zu Boden. -Die schwarzen Weiber lachen und zeigen die weißen Zähne. - -„Löst ihm die Stricke an den Füßen.“ - -Es geschieht. Ich kann mich erheben. - -„Komm zu mir, Gregor.“ - -Ich nähere mich dem schönen Weibe, das mir noch nie so verführerisch -erschien wie heute in seiner Grausamkeit, in seinem Hohne. - -„Noch einen Schritt,“ gebietet Wanda, „knie nieder und küsse mir den -Fuß.“ - -Sie streckt den Fuß unter dem weißen Atlassaum hervor und ich -übersinnlicher Tor presse meine Lippen darauf. - -„Du wirst mich jetzt einen ganzen Monat nicht sehen, Gregor,“ spricht -sie ernst, „damit ich dir fremd werde, du dich leichter in deine neue -Stellung mir gegenüber findest; du wirst während dieser Zeit im Garten -arbeiten und meine Befehle erwarten. Und nun marsch, Sklave!“ - - * * - * - -Ein Monat ist in monotoner Regelmäßigkeit, in schwerer Arbeit, in -schwermütiger Sehnsucht vergangen, in Sehnsucht nach ihr, die mir alle -diese Leiden bereitet. Ich bin dem Gärtner zugewiesen, helfe ihm die -Bäume, die Hecken stutzen, die Blumen umsetzen, die Beete umgraben, die -Kieswege kehren, teile seine grobe Kost und sein hartes Lager, bin mit -den Hühnern auf und gehe mit den Hühnern zur Ruhe, und höre von Zeit -zu Zeit, daß unsere Herrin sich amüsiert, daß sie von Anbetern umringt -ist, und einmal höre ich sogar ihr mutwilliges Lachen bis in den Garten -hinab. - -Ich komme mir so dumm vor. Bin ich es bei diesem Leben geworden oder -war ich es schon vorher? Der Monat geht zu Ende, übermorgen -- was wird -sie nun mit mir beginnen, oder hat sie mich vergessen, und ich kann bis -zu meinem seligen Ende Hecken stutzen und Bukette binden? - - * * - * - -Ein schriftlicher Befehl. - -„Der Sklave Gregor wird hiermit zu meinem persönlichen Dienst befohlen. - - Wanda Dunajew.“ - - * * - * - -Mit klopfendem Herzen teile ich am nächsten Morgen die damastene -Gardine und trete in das Schlafgemach meiner Göttin, das noch von -holdem Halbdunkel erfüllt ist. - -„Bist du es, Gregor?“ fragt sie, während ich vor dem Kamin knie und -Feuer mache. Ich erzitterte bei dem Tone der geliebten Stimme. Sie -selbst kann ich nicht sehen, sie ruht unnahbar hinter den Vorhängen des -Himmelbettes. - -„Ja, gnädige Frau,“ antworte ich. - -„Wie spät?“ - -„Neun Uhr vorbei.“ - -„Das Frühstück.“ - -Ich eile es zu holen und knie dann mit dem Kaffeebrett vor ihrem Bette -nieder. - -„Hier ist das Frühstück, Herrin.“ - -Wanda schlägt die Vorhänge zurück und seltsam, wie ich sie in ihren -weißen Kissen mit dem aufgelösten flutenden Haare sehe, erscheint sie -mir im ersten Augenblick vollkommen fremd, ein schönes Weib; aber die -geliebten Züge sind es nicht, dieses Antlitz ist hart und hat einen -unheimlichen Ausdruck von Müdigkeit, von Übersättigung. - -Oder habe ich für dies alles früher kein Auge gehabt? - -Sie heftet die grünen Augen mehr neugierig als drohend oder etwa -mitleidig auf mich und zieht den dunklen Schlafpelz, in dem sie ruht, -träge über die entblößte Schulter herauf. - -In diesem Augenblicke ist sie so reizend, so sinnverwirrend, daß ich -mein Blut zu Kopf und Herzen steigen fühle, und das Brett in meiner -Hand zu schwanken beginnt. Sie bemerkt es und greift nach der Peitsche, -die auf ihrem Nachttisch liegt. - -„Du bist ungeschickt, Sklave,“ sagte sie, die Stirne runzelnd. - -Ich senke den Blick zur Erde und halte das Brett, so fest ich nur kann, -und sie nimmt ihr Frühstück und gähnt und dehnt ihre üppigen Glieder in -dem herrlichen Pelz. - - * * - * - -Sie hat geklingelt. Ich trete ein. - -„Diesen Brief an den Fürsten Corsini.“ - -Ich eile in die Stadt, übergebe den Brief dem Fürsten, einem jungen -schönen Mann mit glühenden schwarzen Augen und bringe ihr von -Eifersucht verzehrt die Antwort. - -„Was ist dir?“ fragt sie hämisch lauernd, „du bist so entsetzlich -bleich.“ - -„Nichts, Herrin, ich bin nur etwas rasch gegangen.“ - - * * - * - -Beim Dejeuner ist der Fürst an ihrer Seite, und ich bin verurteilt, -sie und ihn zu bedienen, während sie scherzen und ich für beide gar -nicht auf der Welt bin. Einen Augenblick wird es mir schwarz vor den -Augen, ich schenke eben Bordeaux in sein Glas und schütte ihn über das -Tischtuch, über ihre Robe. - -„Wie ungeschickt,“ ruft Wanda und gibt mir eine Ohrfeige, der Fürst -lacht und sie lacht gleichfalls und mir schießt das Blut ins Gesicht. - - * * - * - -Nach dem Dejeuner fährt sie in die Cascine. Sie kutschiert selbst den -kleinen Wagen mit den hübschen englischen Braunen, ich sitze hinter ihr -und sehe wie sie kokettiert und lächelnd dankt, wenn sie von einem der -vornehmen Herren gegrüßt wird. - -Wie ich ihr aus dem Wagen helfe, stützt sie sich leicht auf meinen -Arm, die Berührung durchzuckt mich elektrisch. Ach! das Weib ist doch -wunderbar und ich liebe sie mehr als je. - - * * - * - -Zum Diner um sechs abends ist eine kleine Gesellschaft von Damen und -Herren da. Ich serviere und diesmal schütte ich keinen Wein über das -Tischtuch. - -Eine Ohrfeige ist doch eigentlich mehr als zehn Vorlesungen, man -begreift dabei so schnell, besonders wenn es eine kleine volle -Frauenhand ist, die uns belehrt. - - * * - * - -Nach dem Diner fährt sie in die Pergola; wie sie die Treppe hinabkommt -in ihrem schwarzen Samtkleide, mit dem großen Kragen von Hermelin, ein -Diadem aus weißen Rosen im Haare, sieht sie wahrhaft blendend aus. -Ich öffne den Schlag, helfe ihr in den Wagen. Vor dem Theater springe -ich vom Bock, sie stützt sich beim Aussteigen auf meinen Arm, welcher -unter der süßen Last erbebt. Ich öffne ihr die Türe der Loge und warte -dann im Gange. Vier Stunden dauert die Vorstellung, während welcher -sie die Besuche ihrer Kavaliere empfängt und ich die Zähne vor Wut -zusammenbeiße. - - * * - * - -Es ist weit über Mitternacht, als die Klingel der Herrin zum letzten -Male tönt. - -„Feuer!“ befiehlt sie kurz, und wie es im Kamine prasselt, „Tee“. - -Als ich mit dem Samowar zurückkehre, hat sie sich bereits entkleidet -und schlüpft eben mit Hilfe der Negerin in ihr weißes Negligée. - -Haydée entfernt sich hierauf. - -„Gib mir den Schlafpelz,“ sagt Wanda, ihre schönen Glieder schläfrig -dehnend. Ich hebe ihn vom Fauteuil und halte ihn, während sie langsam -träge in die Ärmel schlüpft. Dann wirft sie sich in die Polster der -Ottomane. - -„Ziehe mir die Schuhe aus und dann die Samtpantoffel an.“ - -Ich knie nieder und ziehe an dem kleinen Schuh, welcher mir widersteht. -„Rasch! rasch!“ ruft Wanda, „du tust mir weh! warte nur -- ich werde -dich noch abrichten.“ Sie schlägt mich mit der Peitsche, schon ist es -gelungen! - -„Und jetzt marsch!“ noch ein Fußtritt -- dann darf ich zur Ruhe gehen. - - * * - * - -Heute habe ich sie zu einer Soirée begleitet. Im Vorzimmer befahl sie -mir, ihr den Pelz abzunehmen, dann trat sie mit einem stolzen Lächeln, -ihres Sieges gewiß, in den glänzend erleuchteten Saal, und ich konnte -wieder Stunde auf Stunde in trüben einförmigen Gedanken verrinnen -sehen; von Zeit zu Zeit tönte Musik zu mir heraus, wenn die Türe einen -Augenblick geöffnet blieb. Ein paar Lakaien versuchten ein Gespräch -mit mir einzuleiten, da ich aber nur wenige Worte Italienisch spreche, -gaben sie es bald auf. - -Ich schlafe endlich ein und träume, daß ich Wanda in einem wütenden -Anfall von Eifersucht morde und zum Tode verurteilt werde, ich sehe -mich an das Brett geschnallt, das Beil fällt, ich fühle es im Nacken, -aber ich lebe noch -- - -Da schlägt mich der Henker ins Gesicht -- - -Nein, es ist nicht der Henker, es ist Wanda, welche zornig vor mir -steht und ihren Pelz verlangt. Ich bin im Augenblick bei ihr und helfe -ihr hinein. - -Es ist doch ein Genuß, einem schönen üppigen Weibe einen Pelz -umzugeben, zu sehen, zu fühlen, wie ihr Nacken, ihre herrlichen Glieder -sich in die köstlichen weichen Felle schmiegen, und die wogenden -Locken aufzuheben und über den Kragen zu legen, und dann wenn sie ihn -abwirft und die holde Wärme und ein leichter Duft ihres Leibes hängen -an den goldenen Haarspitzen des Zobels -- es ist um die Sinne zu -verlieren! - - * * - * - -Endlich ein Tag ohne Gäste, ohne Theater, ohne Gesellschaft. Ich atme -auf. Wanda sitzt in der Galerie und liest, für mich scheint sie keinen -Auftrag zu haben. Mit der Dämmerung, dem silbernen Abendnebel zieht sie -sich zurück. Ich bediene sie beim Diner, sie speist allein, aber sie -hat keinen Blick, keine Silbe für mich, nicht einmal -- eine Ohrfeige. - -Ach! wie sehne ich mich nach einem Schlag von ihrer Hand. - -Mir kommen die Tränen, ich fühle, wie tief sie mich erniedrigt hat, so -tief, daß sie es nicht einmal der Mühe wert findet, mich zu quälen, zu -mißhandeln. - -Ehe sie zu Bette geht, ruft mich ihre Klingel. - -„Du wirst heute nacht bei mir schlafen, ich habe die vorige Nacht -abscheuliche Träume gehabt und fürchte mich, allein zu sein. Nimm dir -ein Polster von der Ottomane und lege dich auf das Bärenfell zu meinen -Füßen.“ - -Hierauf verlöschte Wanda die Lichter, so daß nur eine kleine Ampel von -der Decke herab das Zimmer beleuchtete, und stieg in das Bett. „Rühre -dich nicht, damit du mich nicht weckst.“ - -Ich tat, wie sie befohlen hatte, aber ich konnte lange nicht -einschlafen; ich sah das schöne Weib, schön wie eine Göttin, in ihrem -dunklen Schlafpelz ruhen, auf dem Rücken liegend, die Arme unter dem -Nacken, von ihren roten Haaren überflutet; ich hörte, wie sich ihre -herrliche Brust in tiefem regelmäßigen Atemholen hob, und jedesmal, -wenn sie sich nur regte, war ich wach und lauschte, ob sie meiner -bedürfe. - -Aber sie bedurfte meiner nicht. - -Ich hatte keine andere Aufgabe zu erfüllen, keine höhere Bedeutung für -sie, als ein Nachtlicht oder ein Revolver, den man sich zum Bette legt. - - * * - * - -Bin ich toll oder ist sie es? Entspringt dies alles in einem -erfinderischen mutwilligen Frauengehirne, in der Absicht, meine -übersinnlichen Phantasien zu übertreffen, oder ist dies Weib wirklich -eine jener neronischen Naturen, welche einen teuflischen Genuß darin -finden, Menschen, welche denken und empfinden und einen Willen haben -wie sie selbst, gleich einem Wurme unter dem Fuße zu haben? - -Was habe ich erlebt! - -Als ich mit dem Kaffeebrett vor ihrem Bette niederkniete, legte Wanda -plötzlich die Hand auf meine Schulter und tauchte ihre Augen tief in -die meinen. - -„Was du für schöne Augen hast,“ sprach sie leise, „und jetzt erst -recht, seitdem du leidest. Bist du recht unglücklich?“ - -Ich senkte den Kopf und schwieg. - -„Severin! liebst du mich noch,“ rief sie plötzlich leidenschaftlich, -„kannst du mich noch lieben?“ und sie riß mich mit solcher Gewalt an -sich, daß das Brett umklappte, die Kannen und Tassen zu Boden fielen -und der Kaffee über den Teppich lief. - -„Wanda -- meine Wanda,“ schrie ich auf und preßte sie heftig an mich -und bedeckte ihren Mund, ihr Antlitz, ihre Brust mit Küssen. „Das ist -ja mein Elend, daß ich dich immer mehr, immer wahnsinniger liebe, je -mehr du mich mißhandelst, je öfter du mich verratest! o! ich werde noch -sterben vor Schmerz und Liebe und Eifersucht.“ - -„Aber ich habe dich ja noch gar nicht verraten, Severin,“ erwiderte -Wanda lächelnd. - -„Nicht? Wanda! Um Gotteswillen! scherze nicht so unbarmherzig mit mir,“ -rief ich. „Habe ich nicht selbst den Brief zum Fürsten --“ - -„Allerdings, eine Einladung zum Dejeuner.“ - -„Du hast, seitdem wir in Florenz sind --“ - -„Dir die Treue vollkommen bewahrt,“ entgegnete Wanda, „ich schwöre es -dir bei allem, was mir heilig ist. Ich habe alles nur getan, um deine -Phantasie zu erfüllen, nur deinetwegen. - -„Aber ich werde mir einen Anbeter nehmen, sonst ist die Sache nur halb, -und du machst mir am Ende noch Vorwürfe, daß ich nicht grausam genug -gegen dich war. Mein lieber, schöner Sklave! Heute aber sollst du -wieder einmal Severin, sollst du ganz nur mein Geliebter sein. Ich habe -deine Kleider nicht fortgegeben, du findest sie hier im Kasten, ziehe -dich so an, wie du damals warst in dem kleinen Karpathenbade, wo wir -uns so innig liebten; vergiß alles, was seitdem geschehen ist, o, du -wirst es leicht vergessen in meinen Armen, ich küsse dir allen Kummer -weg.“ - -Sie begann mich wie ein Kind zu zärteln, zu küssen, zu streicheln. -Endlich bat sie mit holdem Lächeln: „Zieh dich jetzt an, auch ich will -Toilette machen; soll ich meine Pelzjacke nehmen? Ja, ja, ich weiß -schon, geh nur!“ - -Als ich zurückkam, stand sie in ihrer weißen Atlasrobe, der roten mit -Hermelin besetzten Kazabaika, das Haar weiß gepudert, ein kleines -Diamantendiadem über der Stirne, in der Mitte des Zimmers. Einen -Augenblick erinnerte sie mich unheimlich an Katharina II., aber -sie ließ mir keine Zeit zu Erinnerungen, sie zog mich zu sich auf die -Ottomane und wir verbrachten zwei selige Stunden; sie war jetzt nicht -die strenge, launische Herrin, sie war ganz nur die feine Dame, die -zärtliche Geliebte. Sie zeigte mir Photographien, Bücher, welche eben -erschienen waren, und sprach mit mir über dieselben mit so viel Geist -und Klarheit und Geschmack, daß ich mehr als einmal entzückt ihre -Hand an die Lippen führte. Sie ließ mich dann ein paar Gedichte von -Lermontow vortragen, und als ich recht im Feuer war -- legte sie die -kleine Hand liebevoll auf die meine und fragte, während ein holdes -Vergnügen auf ihren weichen Zügen, in ihrem sanften Blicke lag, „bist -du glücklich?“ - -„Noch nicht.“ - -Sie legte sich hierauf in die Polster zurück und öffnete langsam ihre -Kazabaika. - -Ich aber deckte den Hermelin rasch wieder über ihre halbentblößte -Brust. „Du machst mich wahnsinnig,“ stammelte ich. - -„So komm.“ - -Schon lag ich in ihren Armen, schon küßte sie mich wie eine Schlange -mit der Zunge; da flüsterte sie noch einmal: „Bist du glücklich?“ - -„Unendlich!“ rief ich. - -Sie lachte auf; es war ein böses, gellendes Gelächter, bei dem es mich -kalt überrieselte. - -„Früher träumtest du, der Sklave, das Spielzeug eines schönen Weibes -zu sein, jetzt bildest du dir ein, ein freier Mensch, ein Mann, mein -Geliebter zu sein, du Thor! Ein Wink von mir, und du bist wieder -Sklave. -- Auf die Knie.“ - -Ich sank von der Ottomane herab zu ihren Füßen, mein Auge hing noch -zweifelnd an dem ihren. - -„Du kannst es nicht glauben,“ sprach sie, mich mit auf der Brust -verschränkten Armen betrachtend, „ich langweile mich, und du bist eben -gut genug, mir ein paar Stunden die Zeit zu vertreiben. Sieh mich nicht -so an --“ - -Sie trat mich mit dem Fuße. - -„Du bist eben, was ich will, ein Mensch, ein Ding, ein Tier --“ - -Sie klingelte. Die Negerinnen traten ein. - -„Bindet ihm die Hände auf den Rücken.“ - -Ich blieb knien und ließ es ruhig geschehen. Dann führten sie mich in -den Garten hinab bis zu dem kleinen Weinberg, der ihn gegen den Süden -begrenzt. Zwischen den Traubengeländen war Mais angebaut gewesen, da -und dort ragten noch einzelne dürre Stauden. Seitwärts stand ein Pflug. - -Die Negerinnen banden mich an einen Pflock und unterhielten sich damit, -mich mit ihren goldenen Haarnadeln zu stechen. Es dauerte jedoch nicht -lange, so kam Wanda, die Hermelinmütze auf dem Kopf, die Hände in den -Taschen ihrer Jacke, sie ließ mich losbinden, mir die Arme auf den -Rücken schnüren, mir ein Joch auf den Nacken setzen und mich in den -Pflug spannen. - -Dann stießen mich ihre schwarzen Teufelinnen in den Acker, die eine -führte den Pflug, die andere lenkte mich mit dem Seil, die dritte trieb -mich mit der Peitsche an, und Venus im Pelz stand zur Seite und sah zu. - - * * - * - -Wie ich ihr am nächsten Tage das Diner serviere, sagt Wanda: „Bringe -noch ein Gedeck, ich will, daß du heute mit mir speisest,“ und als ich -ihr gegenüber Platz nehmen will: „Nein, zu mir, ganz nahe zu mir.“ - -[Illustration] - -Sie ist in bester Laune, gibt mir Suppe mit ihrem Löffel, füttert -mich mit ihrer Gabel, legt dann den Kopf wie ein spielendes Kätzchen -auf den Tisch und kokettiert mit mir. Es will das Unglück, daß ich -Haydée, welche statt mir die Gerichte bringt, etwas länger ansehe, als -es vielleicht nötig ist; mir fällt erst jetzt ihre edle, beinahe -europäische Gesichtsbildung, die herrliche, statuenhafte Büste, wie aus -schwarzem Marmor gemeißelt, auf. Die schöne Teufelin bemerkt, daß sie -mir gefällt, und blökt lächelnd die Zähne -- kaum hat sie das Gemach -verlassen, so springt Wanda vor Zorn flammend auf. - -„Was, du wagst es, vor mir ein anderes Weib so anzusehen! sie gefällt -dir am Ende besser wie ich, sie ist noch dämonischer.“ - -Ich erschrecke, so habe ich sie noch nie gesehen, sie ist plötzlich -bleich bis in die Lippen und zittert am ganzen Leibe -- Venus im -Pelz ist eifersüchtig auf ihren Sklaven -- sie reißt die Peitsche -vom Nagel herab und haut mich ins Gesicht, dann ruft sie die -schwarzen Dienerinnen, läßt mich durch sie binden und in den Keller -herabschleppen, wo sie mich in ein dunkles, feuchtes, unterirdisches -Gewölbe, einen förmlichen Kerker werfen. - -Dann fällt die Türe in das Schloß, Riegel werden vorgeschoben, ein -Schlüssel singt im Schloß. Ich bin gefangen, begraben. - - * * - * - -Da liege ich nun, ich weiß nicht wie lange, gebunden wie ein Kalb, -das zur Schlachtbank geschleppt wird, auf einem Bund feuchten Strohs, -ohne Licht, ohne Speise, ohne Trank, ohne Schlaf -- sie ist imstande -und läßt mich verhungern, wenn ich nicht früher erfriere. Die Kälte -schüttelt mich. Oder ist es das Fieber. Ich glaube, ich fange an, -dieses Weib zu hassen. - - * * - * - -Ein roter Streifen, wie Blut, schwimmt über dem Boden, es ist Licht, -das durch die Türe fällt, jetzt wird sie geöffnet. - -Wanda erscheint an der Schwelle, in ihren Zobelpelz gehüllt, und -leuchtet mit einer Fackel hinein. - -[Illustration] - -„Lebst du noch?“ fragt sie. - -„Kommst du, mich zu töten?“ antworte ich mit matter, heiserer Stimme. - -Mit zwei hastigen Schritten ist Wanda bei mir, kniet an meinem Lager -nieder und nimmt meinen Kopf in ihren Schoß. -- „Bist du krank -- wie -deine Augen glühen, liebst du mich? Ich will, daß du mich liebst.“ - -Sie zieht einen kurzen Dolch hervor, ich schrecke zusammen, wie seine -Klinge mir vor den Augen blitzt, ich glaube wirklich, daß sie mich -töten will. Sie aber lacht und durchschneidet die Stricke, die mich -fesseln. - - * * - * - -Sie läßt mich jetzt jeden Abend nach dem Diner kommen, läßt sich von -mir vorlesen und bespricht mit mir allerhand anziehende Fragen und -Gegenstände. Dabei scheint sie ganz verwandelt, es ist, als schäme -sie sich der Wildheit, die sie mir verraten, der Roheit, mit welcher -sie mich behandelt hat. Eine rührende Sanftmut verklärt ihr ganzes -Wesen, und wenn sie mir zum Abschied die Hand reicht, dann liegt in -ihrem Auge jene übermenschliche Gewalt der Güte und Liebe, welche uns -Tränen entlockt, bei der wir alle Leiden des Daseins vergessen und alle -Schrecken des Todes. - - * * - * - -Ich lese ihr die Manon l’Escault. Sie fühlt die Beziehung, sie spricht -zwar kein Wort, aber sie lächelt von Zeit zu Zeit, und endlich klappt -sie das kleine Buch zu. - -„Wollen Sie nicht weiter lesen, gnädige Frau?“ - -„Heute nicht. Heute spielen wir selbst Manon l’Escault. Ich habe ein -Rendezvous in den Cascinen und Sie, mein lieber Chevalier, werden mich -zu demselben begleiten; ich weiß, Sie tun es, nicht?“ - -„Sie befehlen.“ - -„Ich befehle nicht, ich bitte Sie darum,“ spricht sie mit -unwiderstehlichem Liebreiz, dann steht sie auf, legt die Hände auf -meine Schultern und sieht mich an. „Diese Augen!“ ruft sie aus, „ich -liebe dich so, Severin, du weißt nicht, wie ich dich liebe.“ - -„Ja,“ entgegne ich bitter, „so sehr, daß Sie einem anderen ein -Rendezvous geben.“ - -„Das tue ich ja nur, um dich zu reizen,“ antwortet sie lebhaft, „ich -muß Anbeter haben, damit ich dich nicht verliere, ich will dich nie -verlieren, niemals, hörst du, denn ich liebe nur dich, dich allein.“ - -Sie hing leidenschaftlich an meinen Lippen. - -„O! könnte ich dir, wie ich möchte, meine ganze Seele im Kusse hingeben --- so -- nun aber komme.“ - -Sie schlüpfte in einen einfachen, schwarzen Samtpaletot und umhüllte -ihr Haupt mit einem dunklen Baschlik. Dann ging sie rasch durch die -Galerie und stieg in den Wagen. - -„Gregor wird mich fahren,“ rief sie dem Kutscher zu, der sich befremdet -zurückzog. - -Ich stieg auf den Bock und peitschte zornig in die Pferde. - -In den Cascinen, dort, wo die Hauptallee zu einem dichten Laubgang -wird, stieg Wanda aus. Es war Nacht, nur einzelne Sterne blickten durch -die grauen Wolken, welche über den Himmel zogen. Am Arno stand ein -Mann in einem dunklen Mantel und einem Räuberhut und blickte in die -gelben Wellen. Wanda schritt rasch durch das Gebüsch zur Seite und -schlug ihn auf die Achsel. Ich sah noch, wie er sich zu ihr wendete, -ihre Hand faßte -- dann verschwanden sie hinter der grünen Wand. - -Eine qualvolle Stunde. Endlich raschelt es seitwärts im Laube, sie -kehrten zurück. - -Der Mann begleitet sie an den Wagen. Das Licht der Laterne fällt voll -und grell auf ein unendlich jugendliches, sanftes und schwärmerisches -Gesicht, das ich nie gesehen habe, und spielt in langen, blonden Locken. - -Sie reicht ihm die Hand, die er ehrfurchtsvoll küßt, dann winkt sie -mir und im Nu fliegt der Wagen längs der langen Laubwand, die wie eine -grüne Tapete gegen den Fluß zu steht, davon. - -Man läutet an der Gartenpforte. Ein bekanntes Gesicht. Der Mann aus den -Cascinen. - -„Wen darf ich melden?“ frage ich französisch. Der Angeredete schüttelt -beschämt den Kopf. - -„Verstehen Sie vielleicht etwas deutsch?“ fragt er schüchtern. - -„Jawohl. Ich bitte also um Ihren Namen.“ - -„Ah! ich habe leider noch keinen,“ antwortet er verlegen -- „sagen Sie -Ihrer Herrin nur, der deutsche Maler aus den Cascinen wäre da und bäte --- doch da ist sie selbst.“ - -Wanda war auf den Balkon herausgetreten und nickte dem Fremden zu. - -„Gregor, führe den Herrn zu mir,“ rief sie mir zu. - -Ich wies dem Maler die Treppe. - -„Ich bitte, ich finde jetzt schon; ich danke, danke sehr,“ damit sprang -er die Stufen empor. Ich blieb unten stehen und sah dem armen Deutschen -mit tiefem Mitleid nach. - -Venus im Pelz hat seine Seele in ihren roten Haarschlingen gefangen. Er -wird sie malen und dabei verrückt werden. - - * * - * - -Ein sonniger Wintertag, auf den Blättern der Baumgruppen, auf dem -grünen Plan der Wiese zittert es wie Gold. Die Kamelien am Fuße der -Galerie prangen im reichsten Knospenschmuck. Wanda sitzt in der Loggia -und zeichnet, der deutsche Maler aber steht ihr gegenüber, die Hände -wie anbetend ineinander gelegt und sieht ihr zu, nein, er blickt in ihr -Antlitz und ist ganz versunken in ihren Anblick, wie entrückt. - -Sie aber sieht es nicht, sie sieht auch mich nicht, wie ich mit dem -Spaten in der Hand die Blumenbeete umgrabe, nur um sie zu sehen, ihre -Nähe zu fühlen, die wie Musik, wie Poesie auf mich wirkt. - - * * - * - -Der Maler ist fort. Es ist ein Wagnis, aber ich wage es. Ich trete zur -Galerie hin, ganz nahe und frage Wanda: „Liebst du den Maler, Herrin?“ - -Sie sieht mich an, ohne mir zu zürnen, schüttelt den Kopf, und endlich -lächelt sie sogar. - -„Ich habe Mitleid mit ihm,“ antwortet sie, „aber ich liebe ihn -nicht. Ich liebe niemand. +Dich habe ich geliebt, so innig, so -leidenschaftlich, so tief wie ich nur lieben konnte+, aber jetzt -liebe ich auch dich nicht mehr, mein Herz ist öde, tot, und das macht -mich wehmütig.“ - -„Wanda!“ rief ich schmerzlich ergriffen. - -„Auch du wirst mich bald nicht mehr lieben,“ fuhr sie fort, „sag’ -es mir, wenn es einmal so weit ist, ich will dir dann die Freiheit -zurückgeben.“ - -„Dann bleibe ich mein ganzes Leben dein Sklave, denn ich bete dich an -und werde dich immer anbeten,“ rief ich, von jenem Fanatismus der Liebe -ergriffen, der mir schon wiederholt so verderblich war. - -Wanda betrachtete mich mit einem seltsamen Vergnügen. „Bedenke es -wohl,“ sprach sie, „ich habe dich unendlich geliebt und war despotisch -gegen dich, um deine Phantasie zu erfüllen, jetzt zittert noch etwas -von jenem süßen Gefühl als innige Teilnahme für dich in meiner Brust, -wenn auch dies verschwunden ist, wer weiß, ob ich dich dann frei -gebe, ob ich dann nicht wirklich grausam, unbarmherzig, ja roh gegen -dich werde, ob es mir nicht eine diabolische Freude macht, während -ich gleichgültig bin oder einen anderen liebe, den Mann, der mich -abgöttisch anbetet, zu quälen, zu foltern, und an seiner Liebe für mich -sterben zu sehen. Bedenke das wohl!“ - -„Ich habe alles längst bedacht,“ erwiderte ich, wie im Fieber glühend, -„ich kann nicht sein, nicht leben ohne dich; ich sterbe, wenn du mir -die Freiheit gibst, laß mich dein Sklave sein, töte mich, aber stoße -mich nicht von dir.“ - -„Nun, so sei mein Sklave,“ erwiderte sie, „aber vergiß nicht, daß ich -dich nicht mehr liebe, und daß deine Liebe daher keinen größeren Wert -für mich hat, wie die Ähnlichkeit eines Hundes, und Hunde tritt man.“ - - * * - * - -Heute habe ich die mediceische Venus besucht. - -Es war noch zeitig, der kleine achteckige Saal der Tribuna wie ein -Heiligtum mit Dämmerlicht gefüllt, und ich stand, die Hände gefaltet, -in tiefer Andacht vor dem stummen Götterbilde. - -Aber ich stand nicht lange. - -Es war noch kein Mensch in der Galerie, nicht einmal ein Engländer, -und da lag ich auf meinen Knien und blickte auf den holden, schlanken -Leib, die knospende Brust, in das jungfräulich wollüstige Angesicht mit -den halbgeschlossenen Augen, auf die duftigen Locken, welche zu beiden -Seiten kleine Hörner zu verbergen scheinen. - - * * - * - -Die Klingel der Gebieterin. - -Es ist Mittag. Sie aber liegt noch im Bett, die Arme im Nacken -verschlungen. - -„Ich werde baden,“ spricht sie, „und du wirst mich bedienen. Schließe -die Türe.“ - -Ich gehorchte. - -„Nun geh hinab und versichere dich, daß auch unten gesperrt ist.“ - -Ich stieg die Wendeltreppe hinab, die aus ihrem Schlafgemache in das -Badezimmer führte, die Füße brachen mir, ich mußte mich auf das eiserne -Geländer stützen. Nachdem ich die Türe, welche in die Loggia und den -Garten mündete, verschlossen fand, kehrte ich zurück. Wanda saß jetzt -mit offenem Haar, in ihrem grünen Sammetpelz auf dem Bett. Bei einer -raschen Bewegung, welche sie machte, sah ich, daß sie nur mit dem Pelze -bekleidet war und erschrak, ich weiß nicht warum, so furchtbar, wie ein -zum Tode Verurteilter, welcher weiß, daß er dem Schafott entgegen geht, -doch beim Anblick desselben zu zittern beginnt. - -„Komm, Gregor, nimm mich auf die Arme.“ - -„Wie, Herrin?“ - -„Nun, du sollst mich tragen, verstehst du nicht?“ - -Ich hob sie auf, so daß sie auf meinen Armen saß, während die ihren -sich um meinen Nacken schlangen, und wie ich so mit ihr die Treppe -langsam, Stufe für Stufe, hinabstieg und ihr Haar von Zeit zu Zeit -an meine Wange schlug und ihr Fuß sich leicht auf mein Knie stemmte, -da erbebte ich unter der schönen Last und dachte, ich müßte jeden -Augenblick unter ihr zusammenbrechen. - -Das Badezimmer bestand aus einer weiten und hohen Rotunde, welche ihr -weiches, ruhiges Licht von oben durch die rote Glaskuppel bekam. Zwei -Palmen breiteten ihre großen Blätter als grünes Dach über ein Ruhebett -aus roten, sammetnen Polstern, von dem mit türkischen Teppichen belegte -Stufen in das weite Marmorbassin hinabführten, welches die Mitte -einnahm. - -„Oben auf meinem Nachttisch liegt ein grünes Band,“ sagte Wanda, -während ich sie auf dem Ruhebett niederließ, „bringe es mir und bringe -mir auch die Peitsche.“ - -Ich flog die Treppe hinauf und zurück und legte beides kniend in die -Hand der Gebieterin, welche sich hierauf das schwere elektrische Haar -von mir in einen großen Knoten binden und mit dem grünen Sammetband -befestigen ließ. Dann bereitete ich das Bad und zeigte mich recht -ungeschickt dabei, da mir Hände und Füße den Dienst versagten, und -jedesmal, wenn ich das schöne Weib, das auf den rotsammetnen Polstern -lag und dessen holder Leib von Zeit zu Zeit, da und dort, aus dem -dunklen Pelzwerk hervorleuchtete, betrachten mußte -- denn es war nicht -mein Wille, es zwang mich eine magnetische Gewalt -- empfand ich, -wie alle Wollust, alle Lüsternheit nur in dem Halbverhüllten, pikant -Entblößten liegt, und ich empfand es noch lebhafter, als endlich das -Bassin gefüllt war und Wanda mit einer einzigen Bewegung den Pelzmantel -abwarf, und wie die Göttin in der Tribuna vor mir stand. - -In diesem Augenblicke erschien sie mir in ihrer unverhüllten Schönheit -so heilig, so keusch, daß ich vor ihr, wie damals vor der Göttin, in -die Knie sank und meine Lippen andächtig auf ihren Fuß preßte. - -Meine Seele, welche vor kurzem noch so wilde Wogen geschlagen, floß auf -einmal ruhig, und Wanda hatte jetzt auch nichts Grausames mehr für mich. - -Sie stieg langsam die Stufen hinab, und ich konnte mit einer stillen -Freude, der kein Atom von Qual oder Sehnsucht beigemischt war, sie -betrachten, wie sie in der krystallenen Flut auf und ab tauchte, und -wie die Wellen, welche sie selbst erregte, gleichsam verliebt um sie -spielten. - -Unser nihilistischer Ästhetiker hat doch recht: ein wirklicher Apfel -ist schöner als ein gemalter, und ein lebendiges Weib ist schöner als -eine Venus aus Stein. - -Und als sie dann aus dem Bade stieg, und die silbernen Tropfen und das -rosige Licht rieselten nur so an ihr herab -- eine stumme Verzückung -umfing mich. Ich schlug die Linnen um sie, ihren herrlichen Leib -trocknend, und jene ruhige Seligkeit blieb mir jetzt auch, als sie -wieder, den einen Fuß auf mich, wie auf einen Schemel setzend, in dem -großen Sammetmantel auf den Polstern ruhte, die elastischen Zobelfelle -sich begehrlich an ihren kalten Marmorleib schmiegten, und der linke -Arm, auf den sie sich stützte, wie ein schlafender Schwan, in dem -dunklen Pelz des Ärmels lag, während ihre Rechte nachlässig mit der -Peitsche spielte. - -[Illustration] - -Zufällig glitt mein Blick über den massiven Spiegel an der Wand -gegenüber, und ich schrie auf, denn ich sah uns in seinem goldenen -Rahmen wie im Bilde, und dieses Bild war so wunderbar schön, so -seltsam, so phantastisch, daß mich eine tiefe Trauer bei dem Gedanken -faßte, daß seine Linien, seine Farben zerrinnen sollen wie Nebel. - -„Was hast du?“ fragte Wanda. - -Ich deutete auf den Spiegel. - -„Ah! es ist in der Tat schön,“ rief sie aus, „schade, daß man den -Augenblick nicht festhalten kann.“ - -„Und warum nicht?“ fragte ich, „wird nicht jeder Künstler, auch der -berühmteste, stolz darauf sein, wenn du ihm gestattet, dich durch -seinen Pinsel zu verewigen?“ - -„Der Gedanke, daß diese außerordentliche Schönheit,“ fuhr ich, sie mit -Begeisterung betrachtend, fort, „diese herrliche Bildung des Gesichtes, -dieses seltsame Auge mit seinem grünen Feuer, dieses dämonische Haar, -diese Pracht des Leibes für die Welt verloren gehen sollen, ist -entsetzlich und faßt mich mit allen Schauern des Todes, der Vernichtung -an; dich aber soll die Hand des Künstlers ihr entreißen, du darfst -nicht wie wir anderen ganz und für immer untergehen, ohne eine Spur -deines Daseins zurückzulassen, dein Bild muß leben, wenn du selbst -schon längst zu Staub zerfallen bist, deine Schönheit muß über den Tod -triumphieren!“ - -Wanda lächelte. - -„Schade, daß das heutige Italien keinen Titian oder Raphael hat,“ -sprach sie, „indes vielleicht ersetzt die Liebe das Genie, wer weiß, -unser kleiner Deutscher?“ Sie sann nach. - -„Ja -- er soll mich malen -- und ich werde dafür sorgen, daß ihm Amor -die Farben mischt.“ - - * * - * - -Der junge Maler hat in ihrer Villa sein Atelier aufgeschlagen, sie -hat ihn vollkommen im Netz. Er hat eben eine Madonna angefangen, eine -Madonna mit rotem Haare und grünen Augen! Aus diesem Rasseweibe ein -Bild der Jungfräulichkeit machen, das kann nur der Idealismus eines -Deutschen. Der arme Bursche ist wirklich beinahe noch ein größerer Esel -als ich. Das Unglück ist nur, daß unsere Titania unsere Eselohren +zu -früh+ entdeckt hat. - -Nun lacht sie über uns, und wie sie lacht, ich höre ihr übermütiges, -melodisches Lachen in seinem Studio, unter dessen offenem Fenster ich -stehe und eifersüchtig lausche. - -„Sind Sie toll, mich -- ah! es ist nicht zu glauben, mich als Mutter -Gottes!“ -- rief sie und lachte wieder, „warten Sie nur, ich will Ihnen -ein anderes Bild von mir zeigen, ein Bild, das ich selbst gemalt habe, -sie sollen es mir kopieren.“ - -Ihr Kopf, im Sonnenlichte flammend, erschien am Fenster. - -„Gregor!“ - -Ich eilte die Stufen hinauf, durch die Galerie in das Atelier. - -„Führe ihn in das Badezimmer,“ befahl Wanda, während sie selbst -davoneilte. - -Wenige Augenblicke und Wanda kam, nur mit dem Zobelpelz bekleidet, die -Peitsche in der Hand, die Treppe herab und streckte sich wie damals -auf den Sammetpolstern aus; ich lag zu ihren Füßen und sie setzte den -Fuß auf mich, und ihre Rechte spielte mit der Peitsche. „Sieh mich an,“ -sprach sie, „mit deinem tiefen, fanatischen Blick -- so -- so ist es -recht.“ - -Der Maler war entsetzlich bleich geworden, er verschlang die Szene mit -seinen schönen, schwärmerischen, blauen Augen, seine Lippen öffneten -sich, aber blieben stumm. - -„Nun, wie gefällt Ihnen das Bild?“ - -„Ja -- so will ich Sie malen,“ sprach der Deutsche, aber es war -eigentlich keine Sprache, es war ein beredtes Stöhnen, das Weinen einer -kranken, sterbenskranken Seele. - - * * - * - -Die Zeichnung mit der Kohle ist fertig, die Köpfe, die Fleischpartien -sind grundiert, ihr diabolisches Antlitz tritt bereits in einigen -kecken Strichen hervor, in dem grünen Auge blitzt Leben. - -Wanda steht, die Arme auf der Brust verschränkt, vor der Leinwand. - -„Das Bild soll, wie viele der venetianischen Schule, zugleich ein -Porträt und eine Historie werden,“ erklärt der Maler, der wieder -totenbleich ist. - -„Und wie wollen Sie es dann nennen?“ fragte sie; „aber was ist Ihnen, -sind Sie krank?“ - -„Ich fürchte --“ antwortete er, mit einem verzehrenden Blicke auf das -schöne Weib im Pelz, „aber sprechen wir von dem Bilde.“ - -„Ja, sprechen wir von dem Bilde.“ - -[Illustration] - -„Ich denke mir die Liebesgöttin, welche zu einem sterblichen Manne aus -dem Olymp herabgestiegen ist und auf dieser modernen Erde frierend -ihren hehren Leib in einem großen, schweren Pelz, und ihre Füße in dem -Schoße des Geliebten zu wärmen sucht; ich denke mir den Günstling einer -schönen Despotin, welche den Sklaven peitscht, wenn sie müde ist, ihn -zu küssen, und von ihm um so wahnsinniger geliebt wird, je mehr sie -ihn mit Füßen tritt, und so werde ich das Bild ‚+Venus im Pelz+‘ -nennen.“ - - * * - * - -Der Maler malt langsam. Um so rascher wächst seine Leidenschaft. Ich -fürchte, er nimmt sich am Ende noch das Leben. Sie spielt mit ihm und -gibt ihm Rätsel auf, und er kann sie nicht lösen und fühlt sein Blut -rieseln -- sie aber unterhält sich dabei. - -Während der Sitzung nascht sie Bonbons, dreht aus den Papierhülsen -kleine Kugeln und bewirft ihn damit. - -„Es freut mich, daß Sie so gut aufgelegt sind, gnädige Frau,“ spricht -der Maler, „aber Ihr Gesicht hat ganz jenen Ausdruck verloren, den ich -zu meinem Bilde brauche.“ - -„Jenen Ausdruck, den Sie zu Ihrem Bilde brauchen,“ erwiderte sie -lächelnd, „gedulden Sie sich nur einen Augenblick.“ - -Sie richtet sich auf und versetzt mir einen Hieb mit der Peitsche; der -Maler blickt sie starr an, in seinem Antlitz malt sich ein kindliches -Staunen, mischt sich Abscheu und Bewunderung. - -Während sie mich peitscht, gewinnt Wandas Antlitz immer mehr jenen -grausamen, höhnischen Charakter, der mich so unheimlich entzückt. - -„Ist das jetzt jener Ausdruck, den Sie zu Ihrem Bilde brauchen?“ ruft -sie. Der Maler senkt verwirrt den Blick vor dem kalten Strahl ihres -Auges. - -„Es ist der Ausdruck --“ stammelt er, „aber ich kann jetzt nicht malen ---“ - -„Wie?“ spricht Wanda spöttisch, „kann ich Ihnen vielleicht helfen?“ - -„Ja --“ schreit der Deutsche wie im Wahnsinn auf -- „peitschen Sie mich -auch.“ - -„O! mit Vergnügen,“ erwidert sie, die Achseln zuckend, „aber wenn ich -peitschen soll, so will ich im Ernste peitschen.“ - -„Peitschen Sie mich tot,“ ruft der Maler. - -„Lassen Sie sich also von mir binden?“ frägt sie lächelnd. - -„Ja“ -- stöhnt er -- - -Wanda verließ für einen Augenblick das Gemach und kehrte mit den -Stricken zurück. - -„Also -- haben Sie noch den Mut, sich Venus im Pelz, der schönen -Despotin, auf Gnade und Ungnade in die Hände zu geben?“ begann sie -jetzt spöttisch. - -„Binden Sie mich,“ antwortete der Maler dumpf. Wanda band ihm die Hände -auf den Rücken, zog ihm einen Strick durch die Arme und einen zweiten -um seinen Leib und fesselte ihn so an das Fensterkreuz, dann schlug sie -den Pelz zurück, ergriff die Peitsche und trat vor ihn hin. - -Für mich hatte die Szene einen schauerlichen Reiz, den ich nicht -beschreiben kann, ich fühlte mein Herz schlagen, als sie lachend zum -ersten Hiebe ausholte und die Peitsche durch die Luft pfiff und er -unter ihr leicht zusammenzuckte, und dann, als sie mit halb geöffnetem -Munde, so daß ihre Zähne zwischen den roten Lippen blitzten, auf ihn -lospeitschte, und ehe er sie mit seinen rührenden, blauen Augen um -Gnade zu bitten schien -- es ist nicht zu beschreiben. - - * * - * - -Sie sitzt ihm jetzt allein. Er arbeitet an ihrem Kopfe. - -Mich hat sie im Nebenzimmer hinter dem schweren Türvorhang postiert, wo -ich nicht gesehen werden kann und alles sehe. - -Was sie nur hat. - -Fürchtet sie sich vor ihm? wahnsinnig genug hat sie ihn gemacht, oder -soll es eine neue Folter für mich werden? Mir zittern die Knie. - -Sie sprechen zusammen. Er dämpft seine Stimme so sehr, daß ich nichts -verstehen kann, und sie antwortet ebenso. Was soll das heißen? Besteht -ein Einverständnis zwischen ihnen? - -Ich leide furchtbar, mir droht das Herz zu springen. - -Jetzt kniet er vor ihr, er umschlingt sie und preßt seinen Kopf an ihre -Brust -- und sie -- die Grausame -- sie lacht -- und jetzt höre ich, -wie sie laut ausruft: - -„Ah! Sie brauchen wieder die Peitsche.“ - -„Weib! Göttin! hast du denn kein Herz -- kannst du nicht lieben,“ ruft -der Deutsche, „weißt du nicht einmal, was das heißt, lieben, sich -in Sehnsucht, in Leidenschaft verzehren, kannst du dir nicht einmal -denken, was ich leide? Hast du denn kein Erbarmen für mich?“ - -„Nein!“ erwidert sie stolz und spöttisch, „aber die Peitsche.“ - -Sie zieht sie rasch aus der Tasche ihres Pelzes und schlägt ihn mit dem -Stiel ins Gesicht. Er richtet sich auf und weicht um ein paar Schritte -zurück. - -„Können Sie jetzt wieder malen?“ frägt sie gleichgültig. Er antwortet -ihr nicht, sondern tritt wieder vor die Staffelei und ergreift Pinsel -und Palette. - -Sie ist wunderbar gelungen, es ist ein Porträt, das an Ähnlichkeit -seinesgleichen sucht, und scheint zugleich ein Ideal, so glühend, so -übernatürlich, so teuflisch, möchte ich sagen, sind die Farben. - -Der Maler hat eben alle seine Qualen, seine Anbetung und seinen Fluch -in das Bild hineingemalt. - - * * - * - -Jetzt malt er mich, wir sind täglich einige Stunden allein. Heute -wendet er sich plötzlich zu mir mit seiner vibrierenden Stimme und sagt: - -„Sie lieben dieses Weib?“ - -„Ja.“ - -„Ich liebe sie auch.“ Seine Augen schwammen in Tränen. Er schwieg -einige Zeit und malte weiter. - -„Bei uns in Deutschland ist ein Berg, in dem sie wohnt,“ murmelte er -dann vor sich hin, „sie ist eine Teufelin.“ - - * * - * - -Das Bild ist fertig. Sie wollte ihm dafür zahlen, großmütig, wie -Königinnen zahlen. - -„O! Sie haben mich bereits bezahlt,“ sprach er ablehnend mit einem -schmerzlichen Lächeln. - -Ehe er ging, öffnete er geheimnisvoll seine Mappe und ließ mich -hineinblicken -- ich erschrak. Ihr Kopf sah mich gleichsam lebendig wie -aus einem Spiegel an. - -„Den nehme ich mit,“ sprach er, „der ist mein, den kann sie mir nicht -entreißen, ich habe ihn mir sauer genug verdient.“ - - * * - * - -„Mir ist eigentlich doch leid um den armen Maler,“ sagte sie heute zu -mir, „es ist albern, so tugendhaft zu sein, wie ich es bin. Meinst du -nicht auch?“ - -Ich wagte nicht, ihr eine Antwort zu geben. - -„O, ich vergaß, daß ich mit einem Sklaven spreche, ich muß hinaus, ich -will mich zerstreuen, will vergessen.“ - -„Schnell, meinen Wagen!“ - - * * - * - -Eine neue phantastische Toilette, russische Halbstiefel von -veilchenblauem Samt, mit Hermelin besetzt, eine Robe von gleichem -Stoff, durch schmale Streifen und Kokarden desselben Pelzwerkes -emporgehalten und geschürzt, ein entsprechender, anliegender kurzer -Paletot, gleichfalls reich mit Hermelin ausgeschlagen und gefüttert; -eine hohe Mütze von Hermelinpelz im Stile Katharinas II., mit -kleinem Reiherbusch, der von einer Brillanten-Agraffe gehalten wird, -das rote Haar aufgelöst über den Rücken. So steigt sie auf den Bock und -kutschiert selbst, ich nehme den Platz hinter ihr ein. Wie sie in die -Pferde peitscht. Das Gespann fliegt wie rasend dahin. - -Sie will heute offenbar Aufsehen erregen, erobern, und das gelingt ihr -vollständig. Heute ist sie die Löwin der Cascine. Man grüßt sie aus den -Wagen; auf dem Pfade für die Fußgeher bilden sich Gruppen, welche von -ihr sprechen. Doch niemand wird von ihr beachtet, hie und da der Gruß -eines älteren Kavaliers mit einem leichten Kopfnicken erwidert. - -Da sprengt ein junger Mann auf schlankem wilden Rappen heran; wie -er Wanda sieht, pariert er sein Pferd und läßt es im Schritte gehen --- schon ist er ganz nahe -- er hält und läßt sie vorbei, und jetzt -erblickt auch sie ihn -- die Löwin den Löwen. Ihre Augen begegnen sich --- und wie sie an ihm vorbeijagt, kann sie sich von der magischen -Gewalt der seinen nicht losreißen und wendet den Kopf nach ihm. - -Mir steht das Herz still bei diesem halb staunenden, halb verzückten -Blick, mit dem sie ihn verschlingt, aber er verdient ihn. - -Er ist bei Gott ein schöner Mann. Nein, mehr, er ist ein Mann, wie -ich noch nie einen lebendig gesehen habe. Im Belvedere steht er in -Marmor gehauen, mit derselben schlanken und doch eisernen Muskulatur, -demselben Antlitz, denselben wehenden Locken, und was ihn so -eigentümlich schön macht, ist, daß er keinen Bart trägt. Wenn er minder -feine Hüften hätte, könnte man ihn für ein verkleidetes Weib halten, -und der seltsame Zug um den Mund, die Löwenlippe, welche die Zähne -etwas sehen läßt und dem schönen Gesichte momentan etwas Grausames -verleiht -- - -Apollo, der den Marsyas schindet. - -Er trägt hohe schwarze Stiefel, eng anliegende Beinkleider von weißem -Leder, einen kurzen Pelzrock, in der Art, wie ihn die italienischen -Reiteroffiziere tragen, von schwarzem Tuche mit Astrachanbesatz und -reicher Verschnürung, auf den schwarzen Locken ein rotes Fez. - -Jetzt verstehe ich den männlichen Eros und bewundere den Sokrates, der -einem solchen Alcibiades gegenüber tugendhaft blieb. - - * * - * - -So aufgeregt habe ich meine Löwin noch nie gesehen. Ihre Wangen -loderten, als sie vor der Treppe ihrer Villa vom Wagen sprang, die -Stufen hinaufeilte und mich mit einem gebieterischen Wink ihr folgen -hieß. - -Mit großen Schritten in ihrem Gemache auf und ab eilend, begann sie mit -einer Hast, die mich erschreckte. - -[Illustration] - -„Du wirst erfahren, wer der Mann in den Cascinen war, heute noch, -sofort. -- - -O welch ein Mann! Hast du ihn gesehen? Was sagst du? Sprich.“ - -„Der Mann ist schön,“ erwiderte ich dumpf. - -„Er ist so schön --“ sie hielt inne und stützte sich auf die Lehne -eines Sessels -- „daß es mir den Atem benommen hat.“ - -„Ich begreife den Eindruck, den er dir gemacht hat,“ antworte ich; -meine Phantasie riß mich wieder im wilden Wirbel fort -- „ich selbst -war außer mir, und ich kann mir denken --“ - -„Du kannst dir denken,“ lachte sie auf, „daß dieser Mann mein Geliebter -ist, und daß er dich peitscht, und es dir ein Genuß ist, von ihm -gepeitscht zu werden. - -Geh jetzt, geh.“ - - * * - * - -Ehe es Abend war, hatte ich ihn ausgekundschaftet. - -Wanda war noch in voller Toilette, als ich zurückkehrte, sie lag auf -der Ottomane, das Gesicht in den Händen vergraben, das Haar verwirrt, -gleich einer roten Löwenmähne. - -„Wie nennt er sich?“ fragte sie mit unheimlicher Ruhe. - -„Alexis Papadopolis.“ - -„Ein Grieche also.“ - -Ich nickte. - -„Er ist sehr jung?“ - -„Kaum älter als du selbst. Man sagt, er sei in Paris gebildet und -nennt ihn einen Atheisten. Er hat auf Candia gegen die Türken gekämpft -und soll sich dort nicht weniger durch seinen Rassehaß und seine -Grausamkeit, wie durch seine Tapferkeit ausgezeichnet haben.“ - -„Also alles in allem, ein Mann,“ rief sie mit funkelnden Augen. - -„Gegenwärtig lebt er in Florenz,“ fuhr ich fort, „er soll enorm reich -sein --“ - -„Um das habe ich nicht gefragt,“ fiel sie mir rasch und schneidend ins -Wort. - -„Der Mann ist gefährlich. Fürchtest du dich nicht vor ihm? Ich fürchte -mich vor ihm. Hat er eine Frau?“ - -„Nein.“ - -„Eine Geliebte?“ - -„Auch nicht.“ - -„Welches Theater besucht er?“ - -„Heute abend ist er im Theater Nicolini, wo die geniale Virginia Marini -und Salvini, der erste lebende Künstler Italiens, vielleicht Europas, -spielen.“ - -„Sieh, daß du eine Loge bekommst -- rasch! rasch!“ befahl sie. - -„Aber Herrin --“ - -„Willst du die Peitsche kosten?“ - - * * - * - -„Du kannst im Parterre warten,“ sprach sie, als ich ihr Opernglas und -Affiche auf die Logenbrüstung gelegt hatte und eben den Schemel zurecht -schob. - -Da stehe ich nun und muß mich an die Wand lehnen, um nicht umzusinken -vor Neid und Wut -- nein, Wut ist nicht das Wort dafür, vor Todesangst. - -Ich sehe sie im blauen Moirékleide, mit dem großen Hermelinmantel um -die bloßen Schultern in ihrer Loge und ihn ihr gegenüber. Ich sehe, -wie sie sich gegenseitig mit den Augen verschlingen, wie für sie beide -heute die Bühne, Goldonis Pamela, Salvini, die Marini, das Publikum, -ja die Welt untergegangen ist -- und ich, was bin ich in diesem -Augenblicke? -- - - * * - * - -Heute besucht sie den Ball bei dem griechischen Gesandten. Weiß sie, -daß sie ihn dort trifft? - -Sie hat sich wenigstens darnach angezogen. Ein schweres meergrünes -Seidenkleid schließt sich plastisch an ihre göttlichen Formen und zeigt -Büste und Arme unverhüllt; in dem Haare, das einen einzigen flammenden -Knoten bildet, blüht eine weiße Seerose, von der grünes Schilf, mit -einzelnen losen Flechten vermischt, auf den Nacken herabfällt. Keine -Spur mehr von Erregung, von jener zitternden Fieberhaftigkeit in ihrem -Wesen, sie ist ruhig, so ruhig, daß mir das Blut dabei erstarrt, und -ich mein Herz unter ihrem Blicke kalt werden fühle. Langsam, mit müder -träger Majestät, steigt sie die Marmorstufen hinauf, läßt ihre kostbare -Umhüllung herabgleiten und tritt nachlässig in den Saal, den Rauch von -hundert Kerzen mit silbernem Nebel gefüllt hat. - -Einige Augenblicke sehe ich ihr wie verloren nach, dann hebe ich ihren -Pelz auf, der, ohne daß ich es wußte, meinen Händen entsunken war. Er -ist noch warm von ihren Schultern. - -Ich küsse die Stelle, und Tränen füllen meine Augen. - - * * - * - -Da ist er. - -In seinem, mit dunklem Zobel verschwenderisch ausgeschlagenen schwarzen -Samtrock, ein schöner, übermütiger Despot, der mit Menschenleben und -Menschenseelen spielt. Er steht im Vorsaal, sieht stolz umher und läßt -seine Augen unheimlich lange auf mir ruhen. - -Mich faßt unter seinem eisigen Blick wieder jene entsetzliche -Todesangst, die Ahnung, daß dieser Mann sie fesseln, sie berücken, sie -unterjochen kann, und ein Gefühl von Scham seiner wilden Männlichkeit -gegenüber, von Neid, von Eifersucht. - -Wie ich mich so recht als den verschraubten schwächlichen -Geistesmenschen fühle! Und was das Schmachvollste ist: ich möchte ihn -hassen und kann es nicht. Und wie kommt es, daß auch er mich, gerade -mich unter dem Schwarm von Dienern herausgefunden hat. - -Er winkt mich mit einer unnachahmlichen vornehmen Kopfbewegung zu sich, -und ich -- ich folge seinem Winke -- gegen meinen Willen. - -„Nimm mir den Pelz ab,“ befiehlt er ruhig. - -Ich zittere am ganzen Leibe vor Empörung, aber ich gehorche, demütig -wie ein Sklave. - - * * - * - -Ich harre die ganze Nacht im Vorsaal, wie im Fieber phantasierend. -Seltsame Bilder schweben meinem innern Auge vorbei, ich sehe, wie sie -sich begegnen -- den ersten langen Blick -- ich sehe sie in seinen -Armen durch den Saal schweben, trunken, mit halbgeschlossenen Lidern -an seiner Brust liegen -- ich sehe ihn im Heiligtum der Liebe, nicht -als Sklaven, als Herrn auf der Ottomane liegend und sie zu seinen -Füßen, ich sehe mich ihn kniend bedienen, das Teebrett in meiner Hand -schwanken und ihn nach der Peitsche greifen. Jetzt sprechen die Diener -von ihm. - -Es ist ein Mann wie ein Weib, er weiß, daß er schön ist und benimmt -sich darnach; er wechselt vier bis fünfmal im Tage seine kokette -Toilette, gleich einer eitlen Kurtisane. - -In Paris erschien er zuerst in Frauenkleidern, und die Herren -bestürmten ihn mit Liebesbriefen. Ein durch seine Kunst und -Leidenschaft gleich berühmter italienischer Sänger drang bis in seine -Wohnung und drohte, vor ihm auf den Knien, sich das Leben zu nehmen, -wenn er ihn nicht erhöre. - -„Ich bedaure,“ erwiderte er lächelnd, „ich würde Sie mit Vergnügen -begnadigen, aber so bleibt nichts übrig, als Ihr Todesurteil zu -vollstrecken, denn ich bin -- ein Mann.“ - - * * - * - -Der Saal hat sich schon bedeutend geleert -- sie aber denkt offenbar -noch gar nicht daran, aufzubrechen. - -Schon dringt der Morgen durch die Jalousien. - -Endlich rauscht ihr schweres Gewand, das ihr gleich grünen Wellen -nachfließt, sie kommt Schritt für Schritt im Gespräche mit ihm. - -Ich bin für sie kaum mehr auf der Welt, sie nimmt sich nicht einmal -mehr die Mühe, mir einen Befehl zu erteilen. - -„Den Mantel für Madame,“ befiehlt er, er denkt natürlich gar nicht -daran, sie zu bedienen. - -Während ich ihr den Pelz umgebe, steht er mit gekreuzten Armen neben -ihr. Sie aber stützt, als ich ihr auf meinen Knien liegend die -Pelzschuhe anziehe, die Hand leicht auf seine Schulter und frägt: - -„Wie war das mit der Löwin?“ - -„Wenn der Löwe, den sie gewählt, mit dem sie lebt, von einem anderen -angegriffen wird,“ erzählte der Grieche, „legt sich die Löwin ruhig -nieder und sieht dem Kampfe zu, und wenn ihr Gatte unterliegt, sie -hilft ihm nicht -- sie sieht ihn gleichgültig unter den Klauen des -Gegners in seinem Blute enden und folgt dem Sieger, dem Stärkeren, das -ist die Natur des Weibes.“ - -Meine Löwin sah mich in diesem Augenblicke rasch und seltsam an. - -Mich schauerte es, ich weiß nicht warum, und das rote Frühlicht tauchte -mich und sie und ihn in Blut. - - * * - * - -Sie ging nicht zu Bette, sondern warf nur ihre Balltoilette ab und -löste ihr Haar, dann befahl sie mir, Feuer zu machen, und saß beim -Kamine und starrte in die Glut. - -„Bedarfst du noch meiner, Herrin?“ fragte ich, die Stimme versagte mir -bei dem letzten Worte. - -Wanda schüttelte den Kopf. - -Ich verließ das Gemach, ging durch die Galerie und setzte mich auf die -Stufen nieder, welche von derselben in den Garten hinabführen. Vom Arno -her wehte ein leichter Nordwind frische feuchte Kühle, die grünen Hügel -standen weithin in rosigem Nebel, goldner Duft schwebte um die Stadt, -die runde Kuppel des Domes. - -An dem blaßblauen Himmel zitterten noch einzelne Sterne. - -Ich riß meinen Rock auf und preßte die glühende Stirne gegen den -Marmor. Alles, was bis jetzt gewesen, erschien mir als ein kindisches -Spiel; nun aber war es Ernst, furchtbarer Ernst. - -Ich ahnte eine Katastrophe, ich sah sie vor mir, ich konnte sie mit -Händen greifen, aber mir fehlte der Mut, ihr zu begegnen, meine Kraft -war gebrochen. Und wenn ich ehrlich bin, nicht die Schmerzen, die -Leiden, die über mich hereinbrechen konnten, nicht die Mißhandlungen, -die mir vielleicht bevorstanden, schreckten mich. - -Ich fühle nun eine Furcht, die Furcht, sie, die ich mit einer Art -Fanatismus liebte, zu verlieren, diese aber so gewaltig, so zermalmend, -daß ich plötzlich wie ein Kind zu schluchzen begann. - - * * - * - -Den Tag über blieb sie in ihrem Zimmer eingeschlossen und ließ sich von -der Negerin bedienen. Als der Abendstern in dem blauen Äther aufglühte, -sah ich sie durch den Garten gehen, und da ich ihr behutsam von weitem -folgte, in den Tempel der Venus treten. Ich schlich ihr nach und -blickte durch die Ritze der Türe. - -Sie stand vor dem hehren Bilde der Göttin, wie betend die Hände -gefaltet, und das heilige Licht des Sternes der Liebe warf seine blauen -Strahlen über sie. - - * * - * - -Nachts auf meinem Lager faßte mich die Angst, sie zu verlieren, die -Verzweiflung mit einer Gewalt, welche mich zum Helden, zum Libertiner -machte. Ich entzündete die kleine, rote Öllampe, welche unter einem -Heiligenbilde im Korridor hängt, und trat, das Licht mit einer Hand -dämpfend, in ihr Schlafgemach. - -Die Löwin war endlich matt gehetzt, zu Tode gejagt, in ihren Polstern -eingeschlafen, sie lag auf dem Rücken, die Fäuste geballt, und atmete -schwer. Ein Traum schien sie zu beängstigen. Langsam zog ich die Hand -zurück und ließ das volle, rote Licht auf ihr wunderbares Antlitz -fallen. - -Doch sie erwachte nicht. - -Ich stellte die Lampe sachte zu Boden, sank vor Wandas Bette nieder und -legte meinen Kopf auf ihren weichen, glühenden Arm. - -Sie bewegte sich einen Augenblick, doch sie erwachte auch jetzt nicht. -Wie lange ich so lag, mitten in der Nacht, in entsetzlichen Qualen -versteinert, ich weiß es nicht. - -Endlich faßte mich ein heftiges Zittern und ich konnte weinen -- meine -Tränen flossen über ihren Arm. Sie zuckte mehrmals zusammen, endlich -fuhr sie empor, strich mit der Hand über die Augen und blickte auf mich. - -„Severin,“ rief sie, mehr erschreckt als zornig. - -Ich fand keine Antwort. - -„Severin,“ fuhr sie leise fort, „was ist dir? Bist du krank?“ - -Ihre Stimme klang so teilnehmend, so gut, so liebevoll, daß sie mir -wie mit glühenden Zangen in die Brust griff und ich laut zu schluchzen -begann. - -„Severin!“ begann sie von neuem, „du armer unglücklicher Freund.“ Ihre -Hand strich sanft über meine Locken. „Mir ist leid, sehr leid um dich; -aber ich kann dir nicht helfen, ich weiß beim besten Willen keine -Arznei für dich.“ - -„O! Wanda, muß es denn sein?“ stöhnte ich in meinem Schmerze auf. - -„Was, Severin? Wovon sprichst du?“ - -„Liebst du mich denn gar nicht mehr?“ fuhr ich fort, „fühlst du nicht -ein wenig Mitleid mit mir? Hat der fremde, schöne Mann dich schon ganz -an sich gerissen?“ - -[Illustration] - -„Ich kann nicht lügen,“ entgegnete sie sanft nach einer kleinen Pause, -„er hat mir einen Eindruck gemacht, den ich nicht fassen kann, unter -dem ich selbst leide und zittere, einen Eindruck, wie ich ihn von -Dichtern geschildert gefunden habe, wie ich ihn auf der Bühne sah, -aber für ein Gebilde der Phantasie hielt. O! das ist ein Mann wie ein -Löwe, stark und schön und stolz und doch weich, nicht roh wie unsere -Männer im Norden. Mir tut es leid um dich, glaub’ mir, Severin; aber -ich muß ihn besitzen, was sage ich? ich muß mich ihm hingeben, wenn er -mich will.“ - -„Denk an deine Ehre, Wanda, die du bisher so makellos bewahrt hast,“ -rief ich, „wenn ich dir schon nichts mehr bedeute.“ - -„Ich denke daran,“ erwiderte sie, „ich will stark sein, so lange ich -kann, ich will --“ sie barg ihr Gesicht verschämt in den Polstern -- -„ich will sein Weib werden -- wenn er mich will.“ - -„Wanda!“ schrie ich, wieder von jener Todesangst erfaßt, die mir -jedesmal den Atem, die Besinnung raubte; „du willst sein Weib werden, -du willst ihm gehören für immer, o! stoße mich nicht von dir! Er liebt -dich nicht --“ - -„Wer sagt dir das!“ rief sie aufflammend. - -„Er liebt dich nicht,“ fuhr ich leidenschaftlich fort, „ich aber liebe -dich, ich bete dich an, ich bin dein Sklave, ich will mich treten -lassen von dir, dich auf meinen Armen durch das Leben tragen.“ - -„Wer sagt dir, daß er mich nicht liebt!“ unterbrach sie mich heftig. - -„O! sei mein,“ flehte ich, „sei mein! Ich kann ja nicht mehr sein, -nicht leben ohne dich. Hab doch Erbarmen, Wanda, Erbarmen!“ - -Sie sah mich an, und jetzt war es wieder jener kalte, herzlose Blick, -jenes böse Lächeln. - -„Du sagst ja, daß er mich nicht liebt,“ sprach sie höhnisch; „nun gut, -tröste dich also damit.“ Zugleich wendete sie sich auf die andere Seite -und kehrte mir schnöd’ den Rücken. - -„Mein Gott, bist du denn kein Weib aus Fleisch und Blut, hast du kein -Herz wie ich!“ rief ich, während sich meine Brust wie im Krampfe hob. - -„Du weißt es ja,“ entgegnete sie boshaft, „ich bin ein Weib aus Stein, -‚+Venus im Pelz+‘, dein Ideal, knie nur und bete mich an.“ - -„Wanda!“ flehte ich, „Erbarmen!“ - -Sie begann zu lachen. Ich drückte mein Gesicht in ihre Polster und ließ -die Tränen, in denen sich mein Schmerz löste, herabströmen. - -Lange Zeit war alles stille, dann richtete sich Wanda langsam auf. - -„Du langweilst mich,“ begann sie. - -„Wanda!“ - -„Ich bin schläfrig, laß mich schlafen.“ - -„Erbarmen,“ flehte ich, „stoß mich nicht von dir, es wird dich kein -Mann, es wird dich keiner so lieben, wie ich.“ - -„Laß mich schlafen,“ -- sie kehrte mir den Rücken. - -Ich sprang auf, riß den Dolch, der neben ihrem Bette hing, aus der -Scheide und setzte ihn auf meine Brust. - -„Ich töte mich hier vor deinen Augen,“ murmelte ich dumpf. - -„Tu, was du willst,“ erwiderte Wanda mit vollkommener Gleichgültigkeit, -„aber laß mich schlafen.“ - -Dann gähnte sie laut. „Ich bin sehr schläfrig.“ - -Einen Augenblick stand ich versteinert, dann begann ich zu lachen und -wieder laut zu weinen, endlich steckte ich den Dolch in meinen Gürtel -und warf mich wieder vor ihr auf die Knie. - -„Wanda -- höre mich doch nur an, nur noch wenige Augenblicke,“ bat ich. - -„Ich will schlafen! hörst du nicht,“ schrie sie zornig, sprang von -ihrem Lager und stieß mich mit dem Fuße von sich, „vergißt du, daß -ich deine Herrin bin?“ und als ich mich nicht von der Stelle rührte, -ergriff sie die Peitsche und schlug mich. Ich erhob mich -- sie traf -mich noch einmal -- und diesmal ins Gesicht. - -„Mensch, Sklave!“ - -Mit geballter Faust gegen den Himmel deutend, verließ ich, plötzlich -entschlossen, ihr Schlafgemach. Sie warf die Peitsche weg und brach in -ein helles Gelächter aus -- und ich kann mir auch denken, daß ich in -meiner theatralischen Attitude recht komisch war. - - * * - * - -Entschlossen, mich von dem herzlosen Weibe loszureißen, das mich so -grausam behandelt hat und nun im Begriffe ist, mich zum Lohne für meine -sklavische Anbetung, für alles, was ich von ihr geduldet, noch treulos -zu verraten, packe ich meine wenigen Habseligkeiten in ein Tuch, dann -schreibe ich an sie: - - „+Gnädige Frau+!“ - - „Ich habe Sie geliebt wie ein Wahnsinniger, ich habe mich Ihnen - hingegeben, wie noch nie ein Mann einem Weibe, Sie aber haben meine - heiligsten Gefühle mißbraucht und mit mir ein freches, frivoles - Spiel getrieben. Solange Sie jedoch nur grausam und unbarmherzig - waren, konnte ich Sie noch lieben, jetzt aber sind Sie im Begriffe, - +gemein+ zu werden. Ich bin nicht mehr der Sklave, der sich - von Ihnen treten und peitschen läßt. Sie selbst haben mich frei - gemacht, und ich verlasse eine Frau, die ich nur noch hassen und - +verachten+ kann. - - +Severin Kusiemski+.“ - -Diese Zeilen übergebe ich der Mohrin und eile dann, so rasch ich nur -kann, davon. Atemlos erreiche ich den Bahnhof, da fühle ich einen -heftigen Stich im Herzen -- ich halte -- ich beginne zu weinen -- O! -es ist schmachvoll -- ich will fliehen und kann nicht. Ich kehre um -- -wohin? -- zu ihr -- die ich verabscheue und anbete zu gleicher Zeit. - -Wieder besinne ich mich. Ich kann nicht zurück. Ich darf nicht zurück. - -Wie soll ich aber Florenz verlassen? Mir fällt ein, daß ich ja kein -Geld habe, keinen Groschen. Nun also zu Fuß, ehrlich betteln ist -besser, als das Brot einer Kurtisane essen. - -Aber ich kann ja nicht fort. - -Sie hat mein Wort, mein Ehrenwort. Ich muß zurück. Vielleicht entbindet -sie mich dessen. - -Nach einigen raschen Schritten bleibe ich wieder stehen. - -Sie hat mein Ehrenwort, meinen Schwur, daß ich ihr Sklave bin, solange -sie es will, solange sie mir nicht selbst die Freiheit schenkt; aber -ich kann mich ja töten. - -Ich gehe durch die Cascine an den Arno hinab, ganz hinab, wo sein -gelbes Wasser eintönig plätschernd ein paar verlorene Weiden bespült --- dort sitze ich und schließe meine Rechnung mit dem Dasein ab -- -ich lasse mein ganzes Leben an mir vorüberziehen und finde es recht -erbärmlich, einzelne Freuden, unendlich viel Gleichgültiges und -Wertloses, dazwischen reich gesäte Schmerzen, Leiden, Beängstigungen, -Enttäuschungen, gescheiterte Hoffnungen, Gram, Sorge und Trauer. - -Ich dachte an meine Mutter, die ich so sehr geliebt und an -entsetzlicher Krankheit dahinsiechen sah, an meinen Bruder, der voll -Ansprüche auf Genuß und Glück in der Blüte seiner Jugend starb, -ohne nur seine Lippen an den Becher des Lebens gesetzt zu haben -- -ich dachte an meine tote Amme, die Spielgenossen meiner Kindheit, -die Freunde, welche mit mir gestrebt und gelernt, sie alle, welche -die kalte, tote, gleichgültige Erde deckt; ich dachte an meinen -Turteltäuber, der nicht selten mir, statt seinem Weibchen, gurrend -Verbeugungen machte -- alles Staub zum Staube zurückgekehrt. - -Ich lachte laut auf und gleite in das Wasser -- im selben Augenblicke -aber halte ich mich an einer Weidenrute fest, die über den gelben -Wellen hängt -- und ich sehe das Weib, das mich elend gemacht hat, vor -mir, sie schwebt über dem Wasserspiegel, von der Sonne durchleuchtet, -als wäre sie durchsichtig, rote Flammen um Haupt und Nacken, und wendet -mir ihr Antlitz zu und lächelt. - -[Illustration] - - * * - * - -Da bin ich wieder, triefend, durchnäßt, glühend vor Scham und Fieber. -Die Negerin hat meinen Brief übergeben, so bin ich gerichtet, verloren, -in der Hand eines herzlosen, beleidigten Weibes. - -Nun, sie soll mich töten, ich, ich kann es nicht, und doch will ich -nicht länger leben. - -Wie ich um das Haus herumgehe, steht sie in der Galerie, über die -Brüstung gelehnt, das Gesicht im vollen Lichte der Sonne, mit den -grünen Augen blinzelnd. - -„Lebst du noch?“ fragt sie, ohne sich zu bewegen. Ich stehe stumm, das -Haupt auf die Brust gesenkt. - -„Gib mir meinen Dolch zurück,“ fährt sie fort, „dir nützt er so nichts. -Du hast ja nicht einmal den Mut, dir das Leben zu nehmen.“ - -„Ich habe ihn nicht mehr,“ erwiderte ich, zitternd, vom Frost -geschüttelt. - -Sie überfliegt mich mit einem stolzen, höhnischen Blick. - -„Du hast ihn wohl im Arno verloren?“ Sie zuckte die Achseln. -„Meinetwegen. Nun und warum bist du nicht fort?“ - -Ich murmelte etwas, was weder sie noch ich selbst verstehen konnte. - -„O! du hast kein Geld,“ rief sie, „da!“ und sie warf mir mit einer -unsäglich geringschätzenden Bewegung ihre Börse zu. - -Ich hob sie nicht auf. - -Wir schwiegen beide geraume Zeit. - -„Du willst also nicht fort?“ - -„Ich kann nicht.“ - - * * - * - -Wanda fährt ohne mich in die Cascine, sie ist im Theater ohne mich, -sie empfängt Gesellschaft, die Negerin bedient sie. Niemand fragt nach -mir. Ich irre unstät im Garten umher, wie ein Tier, das seinen Herrn -verloren hat. - -Im Gebüsch liegend, sehe ich ein paar Sperlingen zu, die um ein -Samenkorn kämpfen. - -Da rauscht ein Frauengewand. - -Wanda nähert sich, in einem dunklen Seidenkleide, züchtig bis zum Halse -geschlossen, mit ihr der Grieche. Sie sind im lebhaften Gespräche, doch -kann ich kein Wort davon verstehen. Jetzt stampft er mit dem Fuße, daß -der Kies ringsum auseinanderstäubt, und haut mit der Reitpeitsche in -die Luft. Wanda schrickt zusammen. - -Fürchtet sie, daß er sie schlägt? - -Sind sie so weit? - - * * - * - -Er hat sie verlassen, sie ruft ihn, er hört sie nicht, er will sie -nicht hören. - -Wanda nickt traurig mit dem Kopfe und setzt sich auf die nächste -Steinbank; sie sitzt lange in Gedanken versunken. Ich sehe ihr mit -einer Art boshafter Freude zu, endlich raffe ich mich gewaltsam auf und -trete höhnisch vor sie hin. Sie fährt empor und zittert am ganzen Leibe. - -„Ich komme, Ihnen nur Glück zu wünschen,“ sage ich, mich verneigend, -„ich sehe, gnädige Frau, Sie haben Ihren Herrn gefunden.“ - -„Ja, Gott sei gedankt!“ ruft sie, „keinen neuen Sklaven, ich habe deren -genug gehabt: einen Herrn. Das Weib braucht einen Herrn und betet ihn -an.“ - -„Du betest ihn also an, Wanda!“ schrie ich auf, „diesen rohen Menschen ---“ - -„Ich liebe ihn so, wie ich noch niemand geliebt habe.“ - -„Wanda!“ -- ich ballte die Fäuste, aber schon kamen mir die Tränen und -der Taumel der Leidenschaft ergriff mich, ein süßer Wahnsinn. „Gut, so -wähle ihn, nimm ihn zum Gatten, er soll dein Herr sein, ich aber will -dein Sklave bleiben, solange ich lebe.“ - -„Du willst mein Sklave sein, auch dann?“ sprach sie, „das wäre pikant, -ich fürchte aber, er wird es nicht dulden.“ - -„Er?“ - -„Ja, er ist jetzt schon eifersüchtig auf dich,“ rief sie, „er auf dich! -er verlangte von mir, daß ich dich sofort entlasse, und als ich ihm -sagte, wer du bist --“ - -„Du hast ihm gesagt --“ wiederholte ich starr. - -„Alles habe ich ihm gesagt,“ erwiderte sie, „unsere ganze Geschichte -erzählt, alle deine Seltsamkeiten, alles -- und er -- statt zu lachen --- wurde zornig und stampfte mit dem Fuße.“ - -„Und drohte, dich zu schlagen?“ - -Wanda sah zu Boden und schwieg. - -„Ja, ja,“ sprach ich mit höhnischer Bitterkeit, „du fürchtest dich vor -ihm, Wanda!“ -- ich warf mich ihr zu Füßen und umschlang erregt ihre -Knie -- „ich will ja nichts von dir, nichts, als immer in deiner Nähe -sein, dein Sklave! -- ich will dein Hund sein --“ - -„Weißt du, daß du mich langweilst?“ sprach Wanda apathisch. - -Ich sprang auf. Alles kochte in mir. - -„Jetzt bist du nicht mehr grausam, jetzt bist du gemein!“ sprach ich, -jedes Wort scharf und herb betonend. - -„Das steht bereits in Ihrem Briefe,“ entgegnete Wanda mit einem stolzen -Achselzucken, „ein Mann von Geist soll sich nie wiederholen.“ - -„Wie handelst du an mir!“ brach ich los, „wie nennst du das?“ - -„Ich könnte dich züchtigen,“ entgegnete sie höhnisch, „aber ich ziehe -vor, dir diesmal statt mit Peitschenhieben mit Gründen zu antworten. -Du hast kein Recht, mich anzuklagen, war ich nicht jederzeit ehrlich -gegen dich? Habe ich dich nicht mehr als einmal gewarnt? Habe ich dich -nicht herzlich, ja leidenschaftlich geliebt und habe ich dir etwa -verheimlicht, daß es gefährlich ist, sich mir hinzugeben, sich vor mir -zu erniedrigen, daß ich beherrscht sein will? Du aber wolltest mein -Spielzeug sein, mein Sklave! Du fandest den höchsten Genuß darin, den -Fuß, die Peitsche eines übermütigen, grausamen Weibes zu fühlen. Was -willst du also jetzt? - -In mir haben gefährliche Anlagen geschlummert, aber du erst hast sie -geweckt; wenn ich jetzt Vergnügen daran finde, dich zu quälen, zu -mißhandeln, bist nur du schuld, du hast aus mir gemacht, was ich jetzt -bin, und nun bist du noch unmännlich, schwach und elend genug, mich -anzuklagen.“ - -„Ja, ich bin schuldig,“ sprach ich, „aber habe ich nicht gelitten -dafür? Laß es jetzt genug sein, ende das grausame Spiel.“ - -„Das will ich auch,“ entgegnete sie mit einem seltsamen, falschen Blick! - -„Wanda!“ rief ich heftig, „treibe mich nicht auf das Äußerste, du -siehst, daß ich wieder Mann bin.“ - -„Strohfeuer,“ erwiderte sie, „das einen Augenblick Lärm macht und -ebenso schnell verlöscht, wie es aufgeflammt ist. Du glaubst mich -einzuschüchtern und bist mir nur lächerlich. Wärst du der Mann gewesen, -für den ich dich anfangs hielt, ernst, gedankenvoll, streng, ich hätte -dich treu geliebt und wäre dein Weib geworden. Das Weib verlangt nach -einem Manne, zu dem es aufblicken kann, einen -- der so wie du -- -freiwillig seinen Nacken darbietet, damit es seine Füße darauf setzen -kann, braucht es als willkommenes Spielzeug und wirft ihn weg, wenn es -seiner müde ist.“ - -„Versuch’ es nur, mich wegzuwerfen,“ sprach ich höhnisch, „es gibt -Spielzeug, das gefährlich ist.“ - -„Fordere mich nicht heraus,“ rief Wanda, ihre Augen begannen zu -funkeln, ihre Wangen röteten sich. - -„Wenn ich dich nicht besitzen soll,“ fuhr ich mit von Wut erstickter -Stimme fort, „so soll dich auch kein anderer besitzen.“ - -„Aus welchem Theaterstück ist diese Stelle?“ höhnte sie, dann faßte sie -mich bei der Brust; sie war in diesem Augenblicke ganz bleich vor Zorn, -„fordere mich nicht heraus,“ fuhr sie fort, „ich bin nicht grausam, -aber ich weiß selbst nicht, wie weit ich noch kommen kann, und ob es -dann noch eine Grenze gibt.“ - -„Was kannst du mir Ärgeres tun, als ihn zu deinem Geliebten, deinem -Gatten machen?“ antwortete ich, immer mehr aufflammend. - -„Ich kann dich zu seinem Sklaven machen,“ entgegnete sie rasch, „bist -du nicht in meiner Hand? habe ich nicht den Vertrag? Aber freilich, für -dich wird es nur ein Genuß sein, wenn ich dich binden lasse und zu ihm -sage: - -„Machen Sie jetzt mit ihm, was Sie wollen.“ - -[Illustration] - -„Weib, bist du toll!“ schrie ich auf. - -„Ich bin sehr vernünftig,“ sagte sie ruhig, „ich warne dich zum letzten -Male. Leiste mir jetzt keinen Widerstand, jetzt, wo ich so weit -gegangen bin, kann ich leicht noch weiter gehen. Ich fühle eine Art Haß -auf dich, ich würde dich mit wahrer Lust von ihm totpeitschen sehen, -aber noch bezähme ich mich, noch --“ - -Meiner kaum mehr mächtig, faßte ich sie beim Handgelenke und riß sie zu -Boden, so daß sie vor mir auf den Knien lag. - -„Severin!“ rief sie, auf ihrem Gesichte malten sich Wut und Schrecken. - -„Ich töte dich, wenn du sein Weib wirst,“ drohte ich, die Töne kamen -heiser und dumpf aus meiner Brust, „du bist mein, ich lasse dich nicht, -ich habe dich zu lieb,“ dabei umklammerte ich sie und drückte sie an -mich und meine Rechte griff unwillkürlich nach dem Dolche, der noch in -meinem Gürtel stak. - -Wanda heftete einen großen, ruhigen, unbegreiflichen Blick auf mich. - -„So gefällst du mir,“ sprach sie gelassen, „jetzt bist du Mann, und ich -weiß in diesem Augenblicke, daß ich dich noch liebe.“ - -„Wanda“ -- mir kamen vor Entzücken die Tränen, ich beugte mich über sie -und bedeckte ihr reizendes Gesichtchen mit Küssen und sie -- plötzlich -in lautes, mutwilliges Lachen ausbrechend -- rief: „Hast du jetzt genug -von deinem Ideal, bist du mit mir zufrieden?“ - -„Wie?“ -- stammelte ich -- „es ist nicht dein Ernst.“ - -„Es ist mein Ernst,“ fuhr sie heiter fort, „daß ich dich lieb habe, -dich allein, und du -- du kleiner, guter Narr, hast nicht gemerkt, daß -alles nur Scherz und Spiel war -- und wie schwer es mir wurde, dir -oft einen Peitschenhieb zu geben, wo ich dich eben gerne beim Kopfe -genommen und abgeküßt hätte. Aber jetzt ist es genug, nicht wahr? Ich -habe meine grausame Rolle besser durchgeführt, als du erwartet hast, -nun wirst du wohl zufrieden sein, dein kleines, gutes, kluges und auch -ein wenig hübsches Weibchen zu haben -- nicht? -- Wir wollen recht -vernünftig leben und --“ - -„Du wirst mein Weib!“ rief ich in überströmender Seligkeit. - -„Ja -- dein Weib -- du lieber, teurer Mann,“ flüsterte Wanda, indem sie -meine Hände küßte. - -Ich zog sie an meine Brust empor. - -„So, nun bist du nicht mehr Gregor, mein Sklave,“ sprach sie, „jetzt -bist du wieder mein lieber Severin, mein Mann --“ - -„Und er? -- du liebst ihn nicht?“ fragte ich erregt. - -„Wie konntest du nur glauben, daß ich den rohen Menschen liebe -- aber -du warst ganz verblendet -- mir war bang um dich --“ - -„Ich hätte mir fast das Leben genommen um deinetwillen.“ - -„Wirklich?“ rief sie, „ach! ich zittere noch bei dem Gedanken, daß du -schon im Arno warst --“ - -„Du aber hast mich errettet,“ entgegnete ich zärtlich, „du schwebtest -über den Gewässern und lächeltest, und dein Lächeln rief mich zurück -ins Leben.“ - - * * - * - -Es ist ein seltsames Gefühl, das ich habe, wie ich sie jetzt in -meinen Armen halte, und sie ruht stumm an meiner Brust und läßt -sich von mir küssen und lächelt; mir ist es, als wäre ich plötzlich -aus Fieberphantasien erwacht, oder ein Schiffbrüchiger, der tagelang -mit den Wogen gekämpft hat, die ihn jeden Augenblick zu verschlingen -drohten, und endlich an das Land geworfen wurde. - - * * - * - -„Ich hasse dieses Florenz, wo du so unglücklich warst,“ sprach sie, als -ich ihr gute Nacht sagte, „ich will sofort abreisen, morgen schon, du -wirst die Güte haben, einige Briefe für mich zu schreiben, und während -du damit beschäftigt bist, fahre ich in die Stadt und mache meine -Abschiedsbesuche. Ist’s dir so recht?“ - -„Gewiß, mein liebes, gutes, schönes Weib.“ - - * * - * - -Sie klopfte früh am Morgen an meine Türe und fragte, wie ich -geschlafen. Ihre Liebenswürdigkeit ist wahrhaft entzückend, ich hätte -nie gedacht, daß ihr die Sanftmut so gut läßt. - - * * - * - -Nun ist sie mehr als vier Stunden fort, ich bin mit meinen Briefen -längst fertig und sitze in der Galerie und blicke auf die Straße -hinaus, ob ich nicht ihren Wagen in der Ferne entdecke. Mir wird ein -wenig bange um sie, und doch habe ich weiß Gott keinen Anlaß mehr zu -Zweifeln oder Befürchtungen; aber es liegt da auf meiner Brust und ich -werde es nicht los. Vielleicht sind es die Leiden vergangener Tage, die -noch ihren Schatten in meine Seele werfen. - - * * - * - -Da ist sie, strahlend von Glück, von Zufriedenheit. - -„Nun, ist alles nach Wunsch gegangen?“ fragte ich sie, zärtlich ihre -Hand küssend. - -„Ja, mein Herz,“ erwidert sie, „und wir reisen heute nacht, hilf mir -meine Koffer packen.“ - - * * - * - -[Illustration] - -Gegen Abend bittet sie mich, selbst auf die Post zu fahren und ihre -Briefe zu besorgen. Ich nehme ihren Wagen und bin in einer Stunde -zurück. - -„Die Herrin hat nach Ihnen gefragt,“ spricht die Negerin lächelnd, als -ich die breite Marmortreppe hinaufsteige. - -„War jemand da?“ - -„Niemand,“ erwiderte sie und kauert sich wie eine schwarze Katze auf -den Stufen nieder. - -Ich gehe langsam durch den Saal und stehe jetzt vor der Türe ihres -Schlafgemaches. - -Warum klopft mir das Herz? Ich bin doch so glücklich. - -Leise öffnend, schlage ich die Portière zurück. Wanda liegt auf der -Ottomane, sie scheint mich nicht zu bemerken. Wie schön sie ist in dem -Kleide von silbergrauer Seide, das sich verräterisch an ihre herrlichen -Formen anschließt und ihre wunderbare Büste und ihre Arme unverhüllt -läßt. Ihr Haar ist mit einem schwarzen Sammetbande durchschlungen und -aufgebunden. Im Kamin lodert ein mächtiges Feuer, die Ampel wirft ihr -rotes Licht, das ganze Zimmer schwimmt im Blut. - -„Wanda!“ sage ich endlich. - -„O Severin!“ ruft sie freudig, „ich habe dich mit Ungeduld erwartet,“ -sie springt auf und schließt mich in ihre Arme; dann setzt sie sich -wieder in die üppigen Polster und will mich zu sich ziehen, ich gleite -indes sanft zu ihren Füßen nieder und lege mein Haupt in ihren Schoß. - -„Weißt du, daß ich heute sehr verliebt in dich bin?“ flüstert sie und -streicht mir ein paar lose Härchen aus der Stirne und küßt mich auf die -Augen. - -„Wie schön deine Augen sind, sie haben mir immer am besten an dir -gefallen, heute aber machen sie mich förmlich trunken. Ich vergehe“ -- -sie dehnte ihre herrlichen Glieder und blinzelte mich durch die roten -Wimpern zärtlich an. - -„Und du -- du bist kalt -- du hältst mich wie ein Stück Holz; warte -nur, ich will dich noch verliebt machen!“ rief sie und hing wieder -schmeichelnd und kosend an meinen Lippen. - -„Ich gefalle dir nicht mehr, ich muß wieder einmal grausam gegen dich -sein, ich bin heute offenbar zu gut gegen dich; weißt du was, Närrchen, -ich werde dich ein wenig peitschen --“ - -„Aber Kind --“ - -„Ich will es.“ - -„Wanda!“ - -„Komm, laß dich binden,“ fuhr sie fort und sprang mutwillig durch das -Zimmer, „ich will dich recht verliebt sehen, verstehst du? Da sind die -Stricke. Ob ich es noch kann?“ - -Sie begann damit, mir die Füße zu fesseln, dann band sie mir die Hände -fest auf den Rücken und endlich schnürte sie mir die Arme wie einem -Delinquenten zusammen. - -„So,“ sprach sie in heiterem Eifer, „kannst du dich noch rühren?“ - -„Nein.“ - -„Gut --“ - -Sie machte hierauf aus einem starken Seile eine Schlinge, warf sie mir -über den Kopf und ließ sie bis zu den Hüften hinabgleiten, dann zog sie -sie fest zusammen und band mich an die Säule. - -Mich faßte in diesem Augenblicke ein seltsamer Schauer. - -„Ich habe das Gefühl, wie wenn ich hingerichtet würde,“ sagte ich leise. - -„Du sollst auch heute einmal ordentlich gepeitscht werden!“ rief Wanda. - -„Aber nimm die Pelzjacke dazu,“ sagte ich, „ich bitte dich.“ - -„Dies Vergnügen kann ich dir schon machen,“ antwortete sie, holte ihre -Kazabaika und zog sie lächelnd an, dann stand sie, die Arme auf der -Brust verschränkt, vor mir und betrachtete mich mit halbgeschlossenen -Augen. - -„Kennst du die Geschichte vom Ochsen des Dionys?“ fragte sie. - -„Ich erinnere mich nur dunkel, was ist damit?“ - -„Ein Höfling ersann für den Tyrannen von Syrakus ein neues -Marterwerkzeug, einen eisernen Ochsen, in welchen der zum Tode -Verurteilte gesperrt und in ein mächtiges Feuer gesetzt wurde. - -Sobald nun der eiserne Ochse zu glühen begann, und der Verurteilte -in seinen Qualen aufschrie, klang sein Jammern wie das Gebrüll eines -Ochsen. - -Dionys lächelte dem Erfinder gnädig zu und ließ, um auf der Stelle -einen Versuch mit seinem Werk zu machen, ihn selbst zuerst in den -eisernen Ochsen sperren. - -Die Geschichte ist sehr lehrreich. - -So warst du es, der mir die Selbstsucht, den Übermut, die Grausamkeit -eingeimpft hat, und +du sollst ihr erstes Opfer werden+. Ich finde -jetzt in der Tat Vergnügen daran, einen Menschen, der denkt und fühlt -und will, wie ich, einen Mann, der an Geist und Körper stärker ist, -wie ich, in meiner Gewalt zu haben, zu mißhandeln, und ganz besonders -einen Mann, der mich liebt. - -Liebst du mich noch?“ - -„Bis zum Wahnsinn!“ rief ich. - -„Um so besser,“ erwiderte sie, „um so mehr Genuß wirst du bei dem -haben, was ich jetzt mit dir anfangen will.“ - -„Was hast du nur?“ fragte ich, „ich verstehe dich nicht, in deinen -Augen blitzt es heute wirklich wie Grausamkeit und du bist so seltsam -schön -- so ganz ‚Venus im Pelz‘.“ - -Wanda legte, ohne mir zu antworten, die Arme um meinen Nacken und küßte -mich. Mich ergriff in diesem Augenblicke wieder der volle Fanatismus -meiner Leidenschaft. - -„Nun, wo ist die Peitsche?“ fragte ich. - -Wanda lachte und trat zwei Schritte zurück. - -„Du willst also durchaus gepeitscht werden?“ rief sie, indem sie den -Kopf übermütig in den Nacken warf. - -„Ja.“ - -Auf einmal war Wandas Gesicht vollkommen verändert, wie vom Zorne -entstellt, sie schien mir einen Moment sogar häßlich. - -„Also peitschen Sie ihn!“ rief sie laut. - -In demselben Augenblicke steckte der schöne Grieche seinen schwarzen -Lockenkopf durch die Gardinen ihres Himmelbettes. Ich war anfangs -sprachlos, starr. Die Situation war entsetzlich komisch, ich hätte -selbst laut aufgelacht, wenn sie nicht zugleich so verzweifelt traurig, -so schmachvoll für mich gewesen wäre. - -Das übertraf meine Phantasie. Es lief mir kalt über den Rücken, als -mein Nebenbuhler heraustrat in seinen Reitstiefeln, seinem engen, -weißen Beinkleid, seinem knappen Samtrock, und mein Blick auf seine -athletischen Glieder fiel. - -„Sie sind in der Tat grausam,“ sprach er, zu Wanda gekehrt. - -„Nur genußsüchtig,“ entgegnete sie mit wildem Humor, „der Genuß macht -allein das Dasein wertvoll, wer genießt, der scheidet schwer vom -Leben, wer leidet oder darbt, grüßt den Tod wie einen Freund; wer -aber genießen will, muß das Leben heiter nehmen, im Sinne der Antike, -er muß sich nicht scheuen, auf Kosten anderer zu schwelgen, er darf -nie Erbarmen haben, er muß andere vor seinen Wagen, vor seinen Pflug -spannen, wie Tiere; Menschen, die fühlen, die genießen möchten, wie er, -zu seinen Sklaven machen, sie ausnützen in seinem Dienste, zu seinen -Freuden, ohne Reue; nicht fragen, ob ihnen auch wohl dabei geschieht, -ob sie zugrunde gehen. Er muß immer vor Augen haben: wenn sie mich -so in der Hand hätten, wie ich sie, täten sie mir dasselbe, und ich -müßte mit meinem Schweiße, meinem Blute, meiner Seele ihre Genüsse -bezahlen. So war die Welt der Alten, Genuß und Grausamkeit, Freiheit -und Sklaverei gingen von jeher Hand in Hand; Menschen, welche gleich -olympischen Göttern leben wollen, müssen Sklaven haben, welche sie -in ihre Fischteiche werfen, und Gladiatoren, die sie während ihres -üppigen Gastmahls kämpfen lassen und sich nichts daraus machen, wenn -dabei etwas Blut auf sie spritzt.“ - -Ihre Worte brachten mich vollends zu mir. - -„Binde mich los!“ rief ich zornig. - -„Sind Sie nicht mein Sklave, mein Eigentum?“ erwiderte Wanda, „soll ich -Ihnen den Vertrag zeigen?“ - -„Binde mich los!“ drohte ich laut, „sonst --“ ich riß an den Stricken. - -„Kann er sich losreißen?“ fragte sie, „denn er hat gedroht, mich zu -töten.“ - -„Seien Sie ruhig,“ sprach der Grieche, meine Fesseln prüfend. - -„Ich rufe um Hilfe,“ begann ich wieder. - -„Es hört Sie niemand,“ entgegnete Wanda, „und niemand wird mich -hindern, Ihre heiligsten Gefühle wieder zu mißbrauchen und mit Ihnen -ein frivoles Spiel zu treiben,“ fuhr sie fort, mit satanischem Hohne -die Phrasen meines Briefes an sie wiederholend. - -„Finden Sie mich in diesem Augenblicke bloß grausam und unbarmherzig, -oder bin ich im Begriffe, +gemein+ zu werden? Was? Lieben Sie mich -noch oder hassen und verachten Sie mich bereits? Hier ist die Peitsche“ --- sie reichte sie dem Griechen, der sich mir rasch näherte. - -„Wagen Sie es nicht!“ rief ich, vor Entrüstung bebend, „von Ihnen dulde -ich nichts --“ - -„Das glauben Sie nur, weil ich keinen Pelz habe,“ erwiderte der -Grieche mit einem frivolen Lächeln, und nahm seinen kurzen Zobelpelz -vom Bette. - -„Sie sind köstlich!“ rief Wanda, gab ihm einen Kuß und half ihm in den -Pelz hinein. - -„Darf ich ihn wirklich peitschen?“ fragte er. - -„Machen Sie mit ihm, was Sie wollen,“ entgegnete Wanda. - -„Bestie!“ stieß ich empört hervor. - -Der Grieche heftete seinen kalten Tigerblick auf mich und versuchte -die Peitsche, seine Muskeln schwollen, während er ausholte und sie -durch die Luft pfeifen ließ, und ich war gebunden wie Marsyas und mußte -sehen, wie sich Apollo anschickte, mich zu schinden. - -Mein Blick irrte im Zimmer umher und blieb auf der Decke haften, wo -Simson zu Delilas Füßen von den Philistern geblendet wird. Das Bild -erschien mir in diesem Augenblicke wie ein Symbol, ein ewiges Gleichnis -der Leidenschaft, der Wollust, der Liebe des Mannes zum Weibe. „Ein -jeder von uns ist am Ende ein Simson,“ dachte ich, „und wird zuletzt -wohl oder übel von dem Weibe, das er liebt, verraten, sie mag ein -Tuchmieder tragen oder einen Zobelpelz.“ - -„Nun sehen Sie zu,“ rief der Grieche, „wie ich ihn dressieren werde.“ -Er zeigte die Zähne und sein Gesicht bekam jenen blutgierigen Ausdruck, -der mich gleich das erste Mal an ihm erschreckt hatte. - -[Illustration] - -Und er begann mich zu peitschen -- so unbarmherzig, so furchtbar, daß -ich unter jedem Hiebe zusammenzuckte und vor Schmerz am ganzen Leibe -zu zittern begann, ja die Tränen liefen mir über die Wangen, während -Wanda in ihrer Pelzjacke auf der Ottomane lag, auf den Arm gestützt, -mit grausamer Neugier zusah und sich vor Lachen wälzte. - -Das Gefühl, vor einem angebeteten Weibe von dem glücklichen Nebenbuhler -mißhandelt zu werden, ist nicht zu beschreiben, ich verging vor Scham -und Verzweiflung. - -Und das Schmachvollste war, daß ich in meiner jämmerlichen Lage, unter -Apollos Peitsche und bei meiner Venus grausamem Lachen anfangs eine Art -phantastischen, übersinnlichen Reiz empfand, aber Apollo peitschte mir -die Poesie heraus, Hieb für Hieb, bis ich endlich in ohnmächtiger Wut -die Zähne zusammenbiß und mich, meine wollüstige Phantasie, Weib und -Liebe verfluchte. - -Ich sah jetzt auf einmal mit entsetzlicher Klarheit, wohin die blinde -Leidenschaft, die Wollust, seit Holofernes und Agamemnon den Mann -geführt hat, in den Sack, in das Netz des verräterischen Weibes, in -Elend, Sklaverei und Tod. - -Mir war es, wie das Erwachen aus einem Traum. - -Schon floß mein Blut unter seiner Peitsche, ich krümmte mich wie ein -Wurm, den man zertritt, aber er peitschte fort ohne Erbarmen und sie -lachte fort ohne Erbarmen, während sie die gepackten Koffer schloß, in -ihren Reisepelz schlüpfte, und lachte noch, als sie an seinem Arme die -Treppe hinab, in den Wagen stieg. - -Dann war es einen Augenblick stille. - -Ich lauschte atemlos. - -Jetzt fiel der Schlag zu, die Pferde zogen an -- noch einige Zeit das -Rollen des Wagens -- dann war alles vorbei. - - * * - * - -Einen Augenblick dachte ich daran, Rache zu nehmen, ihn zu töten, aber -ich war ja durch den elenden Vertrag gebunden, mir blieb also nichts -übrig, als mein Wort zu halten und meine Zähne zusammenzubeißen. - - * * - * - -Die erste Empfindung nach der grausamen Katastrophe meines Lebens war -die Sehnsucht nach Mühen, Gefahren und Entbehrungen. Ich wollte Soldat -werden und nach Asien gehen oder Algier, aber mein Vater, der alt und -krank war, verlangte nach mir. - -So kehrte ich still in die Heimat zurück und half ihm zwei Jahre seine -Sorgen tragen und die Wirtschaft führen und lernte, was ich bisher -nicht gekannt, und mich jetzt gleich einem Trunk frischen Wassers -labte, +arbeiten+ und +Pflichten erfüllen+. Dann starb mein -Vater, und ich wurde Gutsherr, ohne daß sich dadurch etwas geändert -hätte. Ich habe mir selbst die spanischen Stiefel angelegt und lebe -hübsch vernünftig weiter, wie wenn der Alte hinter mir stünde und mit -seinen großen, klugen Augen über meine Schulter blicken würde. - -Eines Tages kam eine Kiste an, von einem Briefe begleitet. Ich erkannte -Wandas Schrift. - -Seltsam bewegt öffnete ich ihn und las. - - „+Mein Herr!+ - - Jetzt, wo mehr als drei Jahre seit jener Nacht in Florenz - verflossen sind, darf ich Ihnen noch einmal gestehen, daß ich Sie - sehr geliebt habe, Sie selbst aber haben mein Gefühl erstickt durch - Ihre phantastische Hingebung, durch Ihre wahnsinnige Leidenschaft. - Von dem Augenblicke an, wo Sie mein Sklave waren, fühlte ich, daß - Sie nicht mehr mein Mann werden konnten, aber ich fand es pikant, - Ihnen Ihr Ideal zu verwirklichen und Sie vielleicht -- während ich - mich köstlich amüsierte -- zu heilen. - - Ich habe den starken Mann gefunden, dessen ich bedurfte und mit dem - ich so glücklich war, wie man es nur auf dieser komischen Lehmkugel - sein kann. - - Aber mein Glück war, wie jedes menschliche, nur von kurzer Dauer. - Er ist, vor einem Jahre etwa, im Duell gefallen und ich lebe - seitdem in Paris, wie eine Aspasia. - - Und Sie? -- Ihrem Leben wird es gewiß nicht an Sonnenschein fehlen, - wenn Ihre Phantasie die Herrschaft über Sie verloren hat und jene - Eigenschaften bei Ihnen hervorgetreten sind, welche mich anfangs so - sehr anzogen, die Klarheit des Gedankens, die Güte des Herzens und - vor allem -- +der sittliche Ernst+. - - Ich hoffe, Sie sind unter meiner Peitsche gesund geworden, die Kur - war grausam aber radikal. Zur Erinnerung an jene Zeit und eine - Frau, welche Sie leidenschaftlich geliebt hat, sende ich Ihnen das - Bild des armen Deutschen. - - +Venus im Pelz.+“ - -Ich mußte lächeln, und wie ich in Gedanken versank, stand plötzlich -das schöne Weib in der hermelinbesetzten Samtjacke, die Peitsche in -der Hand, vor mir und ich lächelte weiter über das Weib, das ich so -wahnsinnig geliebt, die Pelzjacke, die mich einst so sehr entzückt, -über die Peitsche, und lächelte endlich über meine Schmerzen und sagte -mir: die Kur war grausam, aber radikal, und die Hauptsache ist: ich bin -gesund geworden. - - * * - * - -„Nun, und die Moral von der Geschichte?“ sagte ich zu Severin, indem -ich das Manuskript auf den Tisch legte. - -„Daß ich ein Esel war,“ rief er, ohne sich zu mir zu wenden, er schien -sich zu genieren. „Hätte ich sie nur gepeitscht!“ - -„Ein kurioses Mittel,“ erwiderte ich, „das mag bei deinen Bäuerinnen --“ - -„O! die sind daran gewöhnt,“ antwortete er lebhaft, „aber denke dir die -Wirkung bei unsern feinen, nervösen, hysterischen Damen --“ - -„Aber die Moral?“ - -„Daß das Weib, wie es die Natur geschaffen und wie es der Mann -gegenwärtig heranzieht, sein Feind ist und nur seine Sklavin oder seine -Despotin sein kann, +nie aber seine Gefährtin+. Dies wird sie erst -dann sein können, wenn sie ihm gleich steht an Rechten, wenn sie ihm -ebenbürtig ist durch Bildung und Arbeit. - -Jetzt haben wir nur die Wahl, Hammer oder Ambos zu sein, und ich war -der Esel, aus mir den Sklaven eines Weibes zu machen, verstehst du? - -Daher die Moral der Geschichte: Wer sich peitschen läßt, verdient, -gepeitscht zu werden. - -Mir sind die Hiebe, wie du siehst, sehr gut bekommen, der rosige, -übersinnliche Nebel ist zerronnen und mir wird niemand mehr die -heiligen Affen von Benares[5] oder den Hahn des Plato[6] für ein -Ebenbild Gottes ausgeben.“ - -[Illustration] - - - - -Anmerkungen zu „Venus im Pelz“. - - -[1] Lange Peitsche am kurzen Stiel. - -[2] Lemberg. - -[3] Frauenjacke. - -[4] Judengasse in Lemberg. - -[5] So nennt Arthur Schopenhauer die Frauen. - -[6] Diogenes warf einen gerupften Hahn in die Schule des Plato und -rief: „Da habt Ihr den Menschen des Plato“. - - - - -Druck: Otto Wigand’sche Buchdruckerei G. m. b. H., Leipzig. - - - - -Georg H. Wigand’sche Verlagsbuchhandlung in Leipzig - - -Novellen von Leopold Ritter von Sacher-Masoch - - -Grausame Frauen - -Mit farbigem Künstlerumschlag von - -A. Scheiner - -Preis brosch. M. 7.-- gebunden M. 11.-- - - -Das Rätsel Weib - -Mit farbigem Künstlerumschlag von - -A. Scheiner - -Preis brosch. M. 7.-- gebunden M. 11.-- - - -Dämonen und Sirenen - -Mit farbigem Künstlerumschlag von - -A. Scheiner - -Preis brosch. M. 7.--, gebund. M. 11.-- - - -In diesen fein pointierten kleinen Erzählungen zeigt sich des genialen -Erzählers Kunst im schönsten Lichte. Von jeher wurden sie von seinen -Verehrern ganz besonders geschätzt, und in den vorliegenden, besonders -sorgfältigen Ausgaben dürften sie noch mehr Freunde finden als zuvor. - -Keiner, der Sacher-Masochs Werke sammelt, darf an diesen Bänden -vorübergehen, in denen sich manches aus der allerletzten Zeit des -Dichters befindet. - - - - -Georg H. Wigand’sche Verlagsbuchhandlung in Leipzig - - -Die Starken - - Ein Ringkämpferroman - von - Dolorosa - - Mit farbigem Künstlerumschlag von =R. Kirchner= - - Preis brosch. M. 8.--, gebunden M. 12.-- - -Ein Hauch derb-frischer Männlichkeit weht durch dieses eigenartige -Buch, das uns in die Welt der Helden der Arena einführt. Dieser -modernen Gladiatoren, die die Bewunderung der Männer erregen, und denen -die Herzen der Frauen in ungestümer Leidenschaft entgegenschlagen. - -Das überaus eigenartige Buch ist ein interessanter Beitrag zur -Sittengeschichte unserer Zeit. - -[Illustration] - - -Unfruchtbarkeit - - Roman von - Dolorosa - - Mit einem Titelbilde von =Fritz Buchholz= und - mit farbigem Künstlerumschlag von - =Raphael Kirchner= - - Preis brosch. M. 8.--, gebunden M. 12.-- - -Die Verfasserin rollt hier die Frage auf, ob Unfruchtbarkeit ein Segen -oder ein Fluch sei, und tut es mit einer Kühnheit, die fast beispiellos -genannt werden muß. Als das Buch erschien, machte es ungeheures -Aufsehen. Mehr als ein berufener Beurteiler nannte Dolorosa seinetwegen -einen weiblichen Zola und ihr Werk ein Gegenstück zu des großen -Franzosen „Fruchtbarkeit“. - - - - - - - - -End of Project Gutenberg's Venus im Pelz, by Leopold von Sacher-Masoch - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK VENUS IM PELZ *** - -***** This file should be named 56156-0.txt or 56156-0.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/5/6/1/5/56156/ - -Produced by Peter Becker, Reiner Ruf, and the Online -Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net - - -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed. - -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United -States without permission and without paying copyright -royalties. 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