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-The Project Gutenberg EBook of Tunisias, by Johann Ladislav Pyrker
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and most
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-
-Title: Tunisias
- Johann Ladislav Pyrker's sämmtliche Werke (1/3)
-
-Author: Johann Ladislav Pyrker
-
-Release Date: November 30, 2017 [EBook #56086]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: ISO-8859-1
-
-*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK TUNISIAS ***
-
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-
-Produced by richyfourtytwo, Heiko Evermann, Jens Sadowski,
-and the Online Distributed Proofreading Team at
-http://www.pgdp.net.
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- [Illustration: Pyrker]
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- Johann Ladislav Pyker's
-
- sämmtliche Werke.
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- Neue durchaus verbesserte Ausgabe.
-
- Erster Band.
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- Stuttgart und Tübingen.
- J.B. Cotta'scher Verlag.
- 1855.
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- [Illustration: Tunisias]
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- Tunisias.
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- Ein Heldengedicht in zwölf Gesängen.
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- Inhalt der zwölf Gesänge.
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- Erster Gesang.
-
-Eingang. Ein Eilbothe meldet dem Kaiser, die Schiffsmacht der Feinde sey
-gegen Barcellona im Anzug. Zugleich kommt Muley Hassan, der vertriebene
-König von Tunis, von ihm Schutz zu erflehen. Des Kaisers Abendgebeth im
-Dom zu Madrid. Die Stunde der Weihe. Muhamed in der Felsenhöhle des
-Aetna. Er erhebt sich mit seiner Geisterschar dem Hairaddin helfend zu
-nahen.
-
-
- Zweiter Gesang.
-
-Der Kaiser beruft noch in der Nacht die Versammlung der Cortes, und eilt
-mit Muley Hassan nach Barcellona. Aus dem Schooße des Erdballs ziehen
-Hannibal, Hermann, und Regulus dem Kaiser zu Hülfe. Regulus eilt nach
-Tunis voraus, und haucht den gefangenen Christen Trost ein. Muhamed ruft
-aus dem übersinnlichen Raum noch den Attila zu Hülfe. Er erregt
-Mißtrauen in Muley Hassans Brust. Nächtliche Landung, und Raub der
-Corsaren.
-
-
- Dritter Gesang.
-
-Ein Theil der Seemacht versammelt sich vor Barcellona. Erst kommt Doria,
-dann Ludwig von Portugal, dann Ruyter mit den Niederländern. Der andere
-Theil an der wälschen Küste zu Porto Venere. Einschiffung der Wälschen
-und Deutschen. Aufzählung der deutschen Scharen. Ihre Abfahrt. Nacht.
-Muhamed erregt den Corsaren, Abdul, das nachsegelnde Schiff Sarno's zu
-entern. Sarno gefangen. Die römische Macht vereint sich mit jenen.
-Ankunft vor Neapel. Toledo, des Vicekönigs Sohn, dessen von den Corsaren
-geraubte Gattinn, Mathilde, sich zu Tunis befindet, schließt sich mit
-Neapels Macht an. Abfahrt nach Cagliari.
-
-
- Vierter Gesang.
-
-Ankunft des Kaisers zu Barcellona. Einschiffung und Abfahrt nach
-Cagliari. Ausbruch des Aetna. Seesturm. Morgen. Die feindliche
-Schiffsmacht jener des Kaisers entgegen. Die Geister nahen. Muhamed eilt
-nach Afrika voraus. Die übrigen bleiben. Doria fordert vom Kaiser die
-Schlacht, und die Leitung derselben. Hermann will den Kaiser selbst zum
-Oberbefehle vermögen: dieser widersteht. Seeschlacht. Die feindliche
-Flotte anfangs im Vortheil. Regulus dringt in den Doria sie zu trennen.
-Die feindliche Schiffsmacht vernichtet. Sarno befreiet. Hannibal tritt
-bei dem Anblick des waltenden Römers auf die Seite Hairaddins, und eilt
-in sein altes Vaterland. Abfahrt nach Tunis.
-
-
- Fünfter Gesang.
-
-Auf dem Wege schließt sich das Geschwader Maltha's an. Drohende
-Wachfeuer an der afrikanischen Küste. Ankunft vor Buschatter (Utika),
-dann am Vorgebirge Karthago's, und Goletta. Der Kaiser sendet zwei
-Späherschiffe die Landungsplätze zu erkunden. Hairaddin wird die Ankunft
-der Christen gemeldet. Er eilt nach Goletta. Muhamed erregt ihn, eines
-der Späherschiffe vernichten zu lassen. Drauf beruft er seine Feldherrn
-zum Kriegsrath, und kehrt nach Tunis zurück. Regulus zeigt Hugo, dem
-treuen Diener Mathildens, die Weise sie zu retten. Kurd.
-
-
- Sechster Gesang.
-
-Der Kaiser entläßt aus dem Kriegsrath die versammelten Feldherrn.
-Waffnet sich. Landung. Seine Rede an das gelandete Heer. Ordnung
-desselben. Dragut, in dessen Macht sich Mathilde befindet, nahet mit dem
-Vortrab. Vorkampf. Lichtstein verjagt die Feinde. Attila reitzt den
-Dragut zurückzukehren; er fordert den feindlichen Führer zum Zweikampf.
-Toledo ihm entgegen. Sie verwunden sich beide, und werden getrennt. Die
-Maltheser beschießen vom Meere heran die feindliche Stellung, landen,
-und verjagen mit Lichtsteins Reitern den Vortrab. Hairaddin, der ihm zu
-Hülfe eilt, wird mit fortgerissen. Das christliche Lager noch in der
-Nacht auf Karthago's Stätte erbaut. Der Kaiser im Kreise der Krieger
-entschlummert. Ihm nahet Hermann, und kündet ihm seine Siege jenseits
-der Meere. Die Krieger entflammen die Lagerfeuer, kochen ab, und
-genießen das Nachtmahl. Kurd kündet Toledo die Rettung Mathildens.
-Attila erregt den Sinam das Lager der Christen zu überfallen. Viele
-Christen getödtet. Hardwins Opfertod. Rogendorf, der Feldzeugmeister,
-feuert mit Donnerröhren in die Feinde. Salis verfolgt mit den
-tyrolischen Schützen die Fliehenden, und wird von dem Kaiser
-ausgezeichnet.
-
-
- Siebenter Gesang.
-
-Morgen. Der Kaiser auf den Ruinen Karthago's. Muhamed und Attila mit
-ihren Scharen erregen im Cedernwald von Zafrano eine Riesenschlange, die
-Christen an der Errichtung der Schanzen zu hindern. Viele durch sie
-getödtet. Ludwig eilt ihnen zu Hülfe. Regulus. Die Riesenschlange durch
-Ludwig erlegt. Die Schanzen gegen Goletta erbauet. Sarno mit den
-Wälschen besetzt die äußersten Schanzen. Alba als Friedensgesandter zu
-Tunis. Der Friede von Hairaddin verworfen. Mathilde. Hugo macht ihr die
-Anstalten zu ihrer Rettung bekannt. Die Beschießung Goletta's beginnt.
-Große Hitze. Saleck greift die Schanzen der Wälschen an. Sarno, aus den
-Schanzen gelockt, tödtet den Saleck, aber auch er wird durch eine Kugel
-getödtet. Seine Krieger kehren mit seiner Leiche fechtend zurück.
-
-
- Achter Gesang.
-
-Der Kaiser tröstet die Krieger Sarno's, und gebiethet der Veste durch
-Schanzen und durch bedeckte Wege näher zu rücken. Hugo hilft Mathilden
-entfliehen, und wird gefesselt in die Kerker der Hochburg geschleppt.
-Mathilde in der Höhle des Olivenwaldes empfindet die Wehen der nahen
-Entbindung. Cornelia. Hairaddins Unruhe. Muhamed erregt den
-Verschnittenen Memi, ihn durch Tanz und Spiele circassischer Jungfrauen
-zu erheitern, aber vergebens. Hairaddin heißt den Tobukes die Schanze
-der Spanier stürmen. Die Spanier überwältigt, fliehen. Der Kaiser, von
-Hermann gewarnt, eilt heran, und die Feinde werden zurückgetrieben.
-Tobukes ermordet sich selbst. Hairaddin rückt durch das Olivengehölz
-vor. Toledo mit Kurd auf dem Wege zur Höhle, kehrt bei Erblickung der
-Feinde zurück in das Lager, wo der Kaiser eben Heerschau hält. Dieser
-sendet den Lichtstein mit erlesenem Volk die Bergschanze zu erstürmen,
-und rückt mit einem Theile des Heeres dem Feinde entgegen.
-
-
- Neunter Gesang.
-
-Muhamed und Attila treiben die Feinde eilender vor. Angriff Hairaddins
-in dem Olivengehölz. Die Spanier weichen. Mendoza führt sie wieder vor.
-Er wird verwundet. Garzia Lasso führt ihm die Reiterschar zu Hülfe.
-Erstürmung der Bergschanze. Hairaddin gebiethet erneuerte Schlacht.
-Muhamed bringt Garzia Lasso in große Gefahr, aus welcher ihn der Kaiser
-errettet. Mathildens Tod. Toledo dringt zur Höhle vor, und findet dort
-seine entseelte Gattinn. Heftiger Kampf an dem linken Flügel des Heeres.
-Ursini, der römische Feldherr, weicht; doch Alba bringt ihm mit den
-schwergeharnischten Reitern Hülfe, und zwingt auch Hairaddin zum
-Rückzug. Der Kaiser kommt zur Höhle, und führt Toledo nach dem Lager.
-
-
- Zehnter Gesang.
-
-Hannibal fordert den Sinam auf, das schwere Geschütz der Christen zu
-vernageln. Muhamed aber eilt mit Attila, und ihren Scharen nach dem
-Innern Aethiopiens, und erregt den Samum, daß er mit seinem Flammenhauch
-das christliche Heer vernichte. Giaffar stürmt die Schanze der
-Niederländer und Portugiesen, und vernagelt einiges Geschütz. Zweikampf.
-Don Ludwig tödtet den Giaffar. Sinam kommt den Seinen zu Hülfe. Heftiger
-Kampf. Der Samum nahet, wird aber von einem Unsterblichen
-zurückgetrieben. Erdbeben, Donner und Stürme wüthen. Der Kaiser befiehlt
-in denselben Goletta's Erstürmung. Rückzug des Feindes. Die letzte
-Beschießung der Veste beginnt. Die geordneten Scharen der Christen
-dringen vor. Goletta erstürmt.
-
-
- Eilfter Gesang.
-
-Nacht. Hairaddin sinnt auf Selbstmord. Muhamed dringt in ihn, die
-Christensclaven zu tödten. Sinam bringt ihn von seinem Entschlusse ab.
-Die Einwohner von Tunis werden entwaffnet. Regulus bewegt den Renegaten,
-Medelin, daß er den Christensclaven die Bande löse. Des Kaisers Trauer.
-Gespräch mit Eberstein, dem er seinen Entschluß entdeckt, einst in der
-Einsamkeit sein Leben zu enden. Toledo ermannt sich. Morgen, Feier des
-Abendmahls. Begrabung der Todten. Aufbruch des Heeres nach Tunis.
-Hairaddin nahet von dort mit dem Heere. Der Angriff wird auf den
-folgenden Tag verschoben. Er sendet den Abu-Sa-id, das Lager der
-Christen, im Rücken, zu stürmen. Hugo entkommt dem Kerker, und bringt
-dem Kaiser von den Christensclaven Kunde.
-
-
- Zwölfter Gesang.
-
-Morgen. Der Kaiser gibt das Zeichen des Angriffs. Salis vereitelt
-Abu-Sa-ids List, und tödtet ihn. Schlachtordnung der Christen. Der
-Kaiser hält eine Rede an sie, und führt sie dem Feinde entgegen. Die
-Geister der Schlacht entrückt. Vorgefecht. Heftiges Schießen aus dem
-großen Geschütz. Angriff. Dragut von Toledo getödtet. Allgemeine
-Schlacht. Toledo von Hairaddin erlegt. Die Feinde dringen vor, und
-umzingeln del Guasto, der sich in der Stellung des Vierecks wehrt. Der
-Kaiser kommt ihm zu Hülfe, und verwundet den Hairaddin. Letzter
-mörderischer Kampf. Flucht der Türken. Hugo findet seinen getödteten
-Herrn, und begräbt ihn in der Höhle des Olivenwaldes, an der Seite
-seiner Gattinn. Der Vortrab dringt in die Stadt. Der Kaiser langt an den
-Thoren an, wo ihm die Aeltesten entgegen kommen. Befreiung der
-Christensclaven. Einzug zu Tunis!
-
-
-
-
- Erster Gesang.
-
-
- Tön' o Heldengesang, die Waffenthaten des Kaisers
- Carol, die er vollbracht' auf dem wogenden Meer' und dem Festland,
- Als er vom schmählichen Joch tunisischer Räuber die Christen
- Lös'te mit Siegers Hand, Europa's zagenden Völkern
- Frieden errang, und dem Meer' erkämpfte die heilige Freiheit.
-
- Haben Unsterbliche jetzt, in der Stunde der Weihe, vor allen
- Mir das Auge berührt? Ich seh' urplötzlich der Geister
- Schauderumnachtetes Reich erhellt, und im freudigen Eilflug
- Zahllos schreiten einher die Heldensöhne der Vorwelt,
- Die in dem Schlachtengefild', entzweiet, die Völker empören;
- Sehe den Kaiser zuerst, im Sturm des Donnergeschützes,
- Werfen des Feindes Schiffheersmacht in den brausenden Abgrund;
- Dann ihn, laut umjauchzt von Tausenden, landen vor Tunis,
- Schimmern die Fahne des Siegs von Goletta, vom blutigen Schlachtfeld
- Fliehen den Feind, und dort in dem Staub die entfesselten Sclaven
- Knieen, und netzen des Retters Hand mit glühenden Thränen,
- Der, o Wonne, sie heim in das Vaterland, und entgegen
- Segnenden Lieben führt aus Schmach, und Qual, und Verzweiflung!
- O wie bebt mir die Brust: herauf aus den Tiefen des Herzens
- Strömt der Gesang, und kündet der Thaten erhab'ne Vollendung!
-
- Hoch auf dem Erker der Burg, im Duft der Acacienblüthen,
- Sanftumschimmert vom Abendgold, saß jetzo der Kaiser,
- Sinnend allein. Er dachte des eilegebiethenden Heerzugs;
- D'rüben vor Tunis der Schlacht, und des wechselnden Schlachtengeschickes
- Ernstumhülleten Blick's. Gestalten der mächtigen Vorzeit
- Schwebten ihm, dräuend, vorbei; er sah die verödeten Felder
- Einstigen Ruhms, wo Hannibals Stolz dem gewaltigen Römer[1]
- Huldigte, und für den Sieg des weltversöhnenden Kreuzes
- Frankreichs Ludwig starb: fürwahr ein heiliger König![2]
- Und ihm pochte die Brust laut auf in der Stille des Abends.
- Siehe, da scholl entlang die Wölbung des drönenden Thorwegs
- Hufesgerassel, und Leben erwacht' in den untersten Hallen!
- Näher die Stufen herauf, im Klirren des Waffengeschmeides,
- Kam ein Ritter: Alonzo-Cid, des spanischen Fußvolks
- Führer, das an dem Meer', unferne dem Strand Barcellona's,
- Harrte des heiligen Kampfs für Recht, für Glauben und Freiheit.
-
- Jetzo dem Herrscher genaht, sprach er, empört in dem Busen:
- »Herr, von Mendoza gesandt, dem tapferen Heldengebiether,
- Komm' ich, ein eilender Bothe heran: uns nahen die Gegner!
- Hairaddins[3] Seemacht kreuzt vor Hispania's schönen Gestaden,
- Jetzo gerüstet zur Schlacht, dann wieder unendlichen Jammer
- Dräuend dem Küstenvolk und den heereversammelnden Schiffen.«
- »Wie,« so rief ihm der Kaiser, erstaunt: »noch wagte der Räuber
- Uns in Europa zu nah'n, da wir nach Afrika's Küsten
- Wenden den Kiel, und lösen die schimmernden Segel zur Abfahrt?
- Wehe dem Wüthrich, denn dort, wo empor aus blutigem Raubwust
- Sein entsetzlicher Thron sich hob, und unzählige Christen
- Decket in Kerkersnacht: dort treff' ihn die Rach' und Verderben --
- Treffe Fluch ihn, und Schmach zur Vergeltung unendlichen Jammers!
- Eile zurück', und entbiethe von mir dem tapferen Feldherrn,
- Daß er versammle sein Volk an dem Meer', und wehre den Räubern
- Dort den Ueberfall und die Landung: denn nur im Dunkeln,
- Wie der hungernde Wolf, der Nachts die Hürde bestürmet,
- Dräu'n sie Schrecken dem Feind, nicht im Lichte der brausenden
- Seeschlacht,
- Die mein Doria[4] kämpft, ein Adler im Fluge zum Himmel.
- Gehe mit Gott! Ich folge dir schnell zu dem Strande des Meers hin.«
- Und er winkte mit Huld dem gepriesenen Führer zum Abschied.
- Aber er zögerte noch, und begann: »Dem Räuber entfliehend,
- Wie vor dem grimmigen Luchs ein Reh durch Schnelle sich rettet,
- Stieg, erst heute vom Bord des raschhersegelnden Schiffes
- Muley-Hassan[5] an's Land, dem Hairaddin, schnaubend vor Herrschsucht,
- Jüngst die Krone von Tunis geraubt. Er folgte mir schweigend
- Nach Madrid, zum Palast, ein Flehender, daß du ihn hörest.«
- Jetzt erhob sich, bewegt, der hochgesinnete Kaiser;
- Eilte die Wendeltreppe herab, und sah nach dem Fremdling
- Forschend umher. Er saß an der Marmorsäule der Halle,
- Selber ein Marmorbild, auf die kreuzenden Beine gesunken,
- Die das räumige Kleid umfing, und der wallende Kaftan
- Deckte, mit Zobel umbrämt. Sein finsteres Auge, beschattet
- Tief von des Tulbans Bund, hing starr am glänzenden Estrich,
- Und er regte sich nicht, voll Grams hinbrütend, ein Schaubild
- Wechselnden Erdenglücks und leichtentschwindender Hoheit.
- Jetzo vernahm er den Tritt des nahenden Herrschers. Er bebte,
- Sank auf die Knie', und rief, mit tiefergreifender Stimme:
- »König des Abendlands, dir wirft sich ein König zu Füßen,
- Gleich den Sclaven, die einst vor ihm zum Staube sich bückten!
- Ach, ein König nicht mehr: ein Flüchtling zu Land' und zu Wasser,
- Freundlos, reich nur an Gram und an Haß unzähliger Gegner,
- Fleht er um Hülfe zu dir -- ein Würdiger, so du verzeihest,
- Christenbeherrscher, daß er im Gesetz des Propheten geboren ...«
- Also der König: da hob, im Innern erschüttert, der Kaiser
- Schnell von dem Boden ihn auf. Er drückte, freundlichen Blickes,
- Ihm die zitternde Recht', und entgegnet' ihm rasch und entschlossen:
- »Sey willkommen im Abendland! Den Glauben, o Fremdling,
- Wägt ein Höh'rer, denn wir; doch Menschen ist heilig das Unglück:
- D'rum verkünde das deinige jetzt mit Muth und Vertrauen!«
- Hassan staunte mit Thränen ihn an, und als er, zum Zeichen
- Innigen Dankes, den wogenden Bart mit der Linken berührte --
- Segnend die Recht' erhob, begann er mit Muth und Vertrauen:
- »Gott, der Alles erschuf, und die Erde mit allen Gestirnen
- Lenkt, allmächtigen Winks, gewähre dir Fülle des Segens,
- Weil du, o Herr, den Flehenden ehrst, den mitten im Frieden
- Hairaddins Meuchelschwert, noch rauchend vom Blute der Fürsten,
- Jüngst aus dem Erbe der Väter vertrieb. Er raubte Telmessans,
- Algiers Thron: hier Selim Euthemi, den König, erdrosselnd,
- Dort erwürgend zugleich Abu-Hamu, den Herrscher, und Masud,
- Dem er die Krone verhieß, mit sieben aufblühenden Söhnen.
- Soll, Hohn biethend dem Recht, noch Huldigung lohnen dem Frevel?
- Wehe, Suleyman,[6] der große genannt von niedrigen Seelen,
- Ehrte des Räubers That, und gab mein herrliches Erbland
- Ihm zum Lohn', als schändlicher Treubruch auch in des Bruders
- Herzen die giftigen Keime geweckt! Al-Raschid, der Frevler,
- Zwillinggeboren mit mir, denn liebend säugt' uns die Mutter
- Selbst an der zärtlichen Brust, dem grauenden Vater zur Wonne,
- Eilte nach Istambul,[7] ein Flüchtender, frecher Empörung
- Strafe scheuend. Sie ward ihm dort: denn meuchlingsgemordet,
- Fröhnt' er nur Hairaddins List, der schnell Goletta, die Festung,
- Dann auch Tunis gewann, im Nahmen des Todten gebiethend,
- Welchem das Volk anhing, das immer der Neuerung hold ist.
- Schwer entrann ich des Wüthrichs Hand, und beuge mich jetzo
- Tief im Staube vor dir, Hispania's mächtiger König,
- Daß mir werde der Väter Thron im Kampfe der Rettung
- Tausender, den du beginnst! Dein sey von Tunis die Herrschaft --
- Muley Hassan, Mehemeds Sohn, dein treuer Vasall nur.«
- Doch mit der Recht' an der Brust begann dann jener, betheuernd:
- »Frei zu kämpfen mein Volk -- zu rächen die Schmach und die Freveln,
- Die von dem frechen Korsaren es litt an den heimischen Küsten
- Und auf dem Meer, das segenspendend die Welten vereine,
- Sey mir das heilige Ziel im Waffengefilde vor Tunis.
- Dein ist der Ahnen-Thron, und soll dir werden in Freiheit:
- Deß' sey Gott, der allwissend', ein Zeug', und ein Rächer des Meineids!«
- Also rief er, bewegt, und Hassans finsteres Antlitz
- Leuchtete gleich dem Mond, der Wetterwolken entschwebte.
- Gastlich sah er sich dann im hohen Palaste beherbergt.
-
- Aber zum heiligen Dom' hinwandelte jetzt in des Abends
- Stille der Kaiser allein, um dort, auf die Kniee gesunken,
- Seine Seele mit Muth und Stärke zu rüsten. Er flehte:
- »Ewiger, dein allmächtiger Arm hat Israels Scharen
- Durch die Tiefen geführt des seitwärtsweichenden Meeres,
- Daß sie die Fluthenwand entlang, wie auf grünenden Matten
- Wandelten! Schnell, wie ein Sturm herbraust, so stürzte dein Odem
- Ueber Pharao's Macht die Wässer zusammen, daß alle,
- Mann, und Wagen, und Roß, wie Blei versanken im Abgrund.
- Deinem allmächtigen Hauch' erbebten Jericho's Mauern,
- Und versanken in Schutt, als Josua's Volk sie im Sieg'sruf
- Seiner Drometen umfing. Ich ziehe zu Felde: gewähre
- Mir ein Zeichen der Huld und der beifallwinkenden Allmacht!«
- Also bethet' er leis'. Aus den farbigen Scheiben des Fensters
- Flog ein leuchtender Strahl der Abendsonn' ihm vorüber;
- Aber zugleich ein Glanz, dem tausende Sonnen verlöschen,
- Flammte mit Donnergetön' in dem Allerheiligsten nieder,
- Und des unendlichen Doms aufthürmende Säulen erbebten.
- Leise wogte der Grund. Aus der silbernstrahlenden Orgel
- Töneten hehr' Accorde heran, und Gesänge des Himmels,
- Wie kein Sterblicher sie noch vernahm, verhallten im Luftraum.
- Aber der Bethende schloß die lichtgeblendeten Augen:
- Denn nur ein leises Weh'n, die erblassenden Wangen vorüber,
- Fühlt' er noch, und Schauder der nahen Vernichtung ergriff ihn.
- »Ha, welch' Wunder,« er rief's, »da sinkt die sterbliche Hülle,
- Die mich im Staub' umgab, entseelt in lieblichen Schlummer,
- Und ich entschweb' ihr verzückt? Wie, wär's ein täuschender Traum nur,
- Oder ein Nachtgesicht, aus Himmelsdufte gewoben?«
- Wie der schwebende Flaum, gerafft vom Hauche des Windes,
- Schnell zum Gewölk auffleugt: so hob sein geistiger Leib sich
- Leicht von der Erd' empor, und schwebt' im sausenden Eilflug
- Ueber dem Luftraum schon, den keiner der Erdebewohner,
- Lebend, durchschifft': er mißt', urplötzlich, Besinnung und Odem.
-
- Jetzt an dem holden Gestirn, das sonst die Nächte des Erdballs,
- Wechselnd, mit silbernem Schimmer erhellt, erbrauste sein Aufflug.
- Dunkeles Land mit glänzenden Meeren, und Strömen, und Flüssen,
- Däucht' ihn, umgeb' auch hier den rastloskreisenden Mondball,
- Und ihn däucht': er hörte das Rauschen der brandenden Wogen,
- Mächtigbevölkerter Städte Getös', und, dem Brüllen der Heerden
- Rings vermengt, Geschrei der befiederten Lüftebewohner.
- Doch er verweilt', und staunte, daß alle die Länder des Erdballs
- Und das umgürtende Meer ihm jetzt ein schimmernder Punkt nur
- Schien in des Weltalls Raum, dem Ozean flammender Sonnen,
- Sonder Gestad' -- endlos nach oben, nach unten, und ringsum:
- Denn, wie in heiterer Nacht, wo jegliches Lüftchen verstummet,
- Und im sanftergossenen Licht der silberne See ruht,
- Innig bewegt, ein Wanderer bald den schimmernden Aether
- Ueber sich schaut, und bald in des See's hinfluthendem Spiegel,
- Tiefhinuntergewölbt, ihn erblickt mit den goldenen Sternen:
- Also ersah der Bebende dort die unzähligen Welten,
- Schimmernd, und dacht', ohnmächtig im Aethergefild zu vergehen!
- Aber ihm nahete jetzt, voll Hast, der Himmlischen Einer.
- Lieblich strahlte sein Aug' und sandte dem Erdebewohner
- Zärtliches Mitleid zu. Holdseliges Lächeln umschwebte
- Seinen rosigen Mund; es wehten die goldenen Locken
- Ihm um die denkende Stirn' und die Flammensäule des Nackens,
- Und vom glänzenden Leib, in Fülle der ewigen Jugend,
- Wallte das Strahlengewand wie morgenröthlicher Schimmer.
- Als er den Fremdling sanft erhob, begann er, voll Anmuth:
- »Fürchte dich nicht! Unzählbar blüh'n in den Auen des Himmels
- Dir die Blumen der ewigen Huld: du pflückst sie mit Andacht,
- Und sie duften dir noch, erquickend, im irdischen Leben,
- Daß du erringest das Ziel auf gottgefälliger Laufbahn.«
- Sagt' es, und faßt' ihn, und schwang sich mit ihm, urplötzlichen Fluges,
- Eilender stets, im Glanz' ätherischer Räume herunter.
- Nicht das lastende Blei, von der Zinne des Thurmes geschleudert,
- Sinket zur Erde so schnell; nicht der Sturm umbrauset des Erdballs
- Unermeßliche Reiche so rasch, und des Menschen Gedanken
- Dringen nicht also geschwind vom eisigen Nord- zu dem Südpol:
- Als der Hocherhobene jetzt, an der Seite des Freundes
- Aus ätherischen Höh'n zur heimischen Erde herabsank.
- Und, als hätt' er Jahrhunderte schon in des schnellen Herabflugs
- Augenblicken durchlebt, so wähnt' er: ein irrender Fremdling
- Diesseits noch, und gebannt in des Fleisches umschränkende Hülle.
-
- Da, wo in engerer Bahn, an Siciliens Felsengestaden
- Und Calabriens Klippen vorbei, sich die salzige Meerfluth
- Strömend ergießt: traf jetzt mit sanften, melodischen Tönen,
- Brausender Wogen Gebrüll' und wirbelnder Fluthen Getümmel
- Sein aufhorchendes Ohr, und seine erheiterten Augen
- Hafteten sehnsuchtsvoll an der dampfenden Kuppe des Aetna:
- Denn, nur eben entrückt dem mildbefreundeten Leben,
- War ihm die Erde noch stets die liebe, die trauliche Heimath.
- Doch auf den schwindligen Höh'n, wo Stille herrscht, und des Wand'rers
- Ohren kein Laut erschallt, wenn dort nicht der einsame Gemsaar,
- Von dem mittleren Raum, mit kreischender Kehle, sich aufschwingt;
- Wo in des Frühwinds frostigem Hauch nur gelbliches Steingras
- Rauschet, und gleißt, und am Felsenkamm kein Rasen ergrünet:
- Dort erblüheten jetzt rings her die erlesensten Blumen --
- Nickten, und trugen die beiden vereint auf den schimmernden Kelchen
- Sanft von der Erd' empor, und verbreiteten Düfte des Himmels.
- Doch der Unsterbliche sank auf die Knie', und sah zu dem Lichtreich
- Flehenden Blickes empor, die Stimme des Herrn zu vernehmen.
- Und sie erscholl leis' erst, wie ein Frühlingslüftchen die Blüthen,
- Lispelnd bewegt; dann ähnlich dem Sturm, der hoch zu den Wolken
- Stäubet die Felder, entwurzelt den Forst, und empöret den Waldstrom,
- Daß er mit schwellendem Grimm' ausbricht in die Fluren und wüstet
- Thäler und Hügel umher, zu trauererregendem Anblick;
- Wie der furchtbare Donner, der des umnachteten Himmels
- Eh'rnes Gewölb, weithin, durchbrüllt, und mit krachenden Schlägen
- Dumpf fortrollt, und murrt, daß die Vesten erzittern des Erdballs:
- Also, Vernichtung drohend, erscholl's dem sinkenden Fremdling,
- Als der Ewige sprach; doch jener vernahm's mit Entzücken.
- Wie der leis' Erwachende horcht, wenn nächtliche Lüftchen,
- Flisternden Hauchs, die Saiten der Aeolsharfe durchsäuseln,
- Und der entzückende Klang in den stillen Räumen dahinstirbt:
- Also horchte der Himmlische. Doch nun hob er den Fremdling
- Liebend an seine Brust, und drückte die rosigen Lippen
- Dann mit erweckender Gluth an seine geschlossenen Wimpern.
- Staunend blickt' er umher: er sah durch Thränen der Wonne,
- Fest an den Busen des Holden geschmiegt, die Gefilde des Himmels
- Plötzlich enthüllt, und stand verloren in seliger Anschau.
- Wie in des eisigen Winters Zeit, wenn düstere Nebel
- Lange die Thäler umher, dicht lagernd, verhüllten, der Ostwind
- Sausenden Flugs anstürmt, und die lästigen ferne verscheuchet:
- Da glänzt herrlicher noch der hochaufwölbende Luftraum,
- Und der bereifte Wald erhebt von den starren Gebirgshöh'n,
- Schimmernd, das Haupt -- hell glühet der Strom im sonnigen Thal fort:
- Also zerfloß auch hier, vor den Augen des staunenden Fremdlings
- Leise die Wolkennacht, und er sah ... wer wagt' es zu sagen,
- Was er geseh'n, gehört, und gefühlt in den Tiefen des Herzens?
- Nur in dem Augenblick, wie er uns auf Erden entschwindet,
- Wurden die hohen Gesicht' ihm enthüllt: im duftigen Goldglanz
- Schwanden sogleich vor seinen Blicken die Räume des Himmels.
- Aber er stand, und starrte noch immer, erschüttert, vor sich hin,
- Wie der Wand'rer im strahlenden Blitz die nächtliche Gegend
- Plötzlich erhellet schaut, dann blind hinstarrt in die Sturmnacht.
- Und der Unsterbliche rief ihm jetzt ermunternden Blickes:
- »Sohn des Staubes, o nie vergiß der Huld des Erbarmers,
- Die zu Gefilden dich hob, wohin kein sterbliches Aug' noch
- Drang. Lobsinge dem Herrn, dem einigen Lenker des Weltalls!
- Hier auf den dampfenden Höh'n verkünd' ich dir seine Beschlüsse,
- Wie erst zuvor mein Ohr sie vernahm in unsäglicher Wonne.
- Er durchschaute dein Herz, das heiß für unzähliger Völker
- Wohlfahrt schlägt, und jetzt den Sclaven Errettung bereitet.
- Schön ist der Kampf für Recht und des Menschen heilige Freiheit;
- Gottgesegnet der Muth, die schmähliche Kette zu brechen,
- Die der freche Tyrann, im Wahnsinn höhnenden Stolzes,
- Jenen ersann, die Brüder ihm sind, und Erkor'ne des Himmels.
- Herrlichen Sieg gewähret dir Gott; erkenne dieß Zeichen
- Seiner unendlichen Huld und der beifallwinkenden Allmacht.«
- Jener beugte die Stirne zum Staub'; erhob sich, und sah dann
- Freudig empor: sein Aug' erglänzte von Thränen des Dankes.
- Jetzt ergriff er die Hand des Himmlischen, starrte verwundert
- Noch in die Lüfte hinaus, und sprach mit leiserer Stimme:
- »Ringsum sah ich die Luft von Scharen unsterblicher Geister
- Wimmeln, und dort die Wege der Sterblichen gierig erforschen.
- O, verhehl' es mir nicht: was sollen die hohen Gestalten,
- Die, verdunkelt, nicht dir, nicht mir, dem Fremdlinge, gleichen?«
- Und der Unsterbliche rief mit ernstumwölketen Augen:
- »Erdebewohner, du wolltest erschau'n des unendlichen Weltalls
- Tiefen und Höh'n; dich kühn auf der Stufenleiter der Wesen
- Schwingen hinauf und hinab, und erkennen, wie Glied sich auf Glied dort
- Reih' an der Kette, mit dem die allmächtige Rechte des Ew'gen,
- Alles, was athmet, und lebt, und was nicht lebet, noch athmet,
- Liebend umschlungen hält? Du sänkest zurück' in den Urstaub
- Vor dem Geheimniß des All's, dem selbst der Cherub erbebte.
- Sieh', in des Himmels Höh'n ist Seligkeit; tief in des Abgrunds
- Höllengefilden ist Qual: auf immer dort dem Gerechten
- Unaussprechlicher Lohn, hier Strafe verhärteten Frevlern!
- Aber inmitten der scheidenden Bahn des Heil's und Verderbens
- Dämmert der Pfad der Läuterung noch: ihn wandeln die Seelen,
- Schuldig des leichteren Fehl's aus Irrthum, oder Verblendung,
- Dem auch jene Unglücklichen dort einst fröhnten auf Erden,
- Daß sie, gereint, der hohen Erbarmungen würdig erscheinen,
- Wenn in des Richters erhobener Hand, an dem letzten Gerichtstag,
- Furchtbar die Wag' ertönt. Sie wandeln den läuternden Weg noch.«
- Sagt' es, und jener begann voll Hast: »Wo weilen die armen?
- Ueber der Erd' umher, nicht ferne der Menschen Gemeinschaft,
- Oder fern' im Verborgenen?« Doch, die lichte Gestalt rief:
- »Als das »_Werde!_« erscholl: da brausten die endlichen Wesen
- All', erschaffen aus Nichts, von des Herrn allmächtigem Odem
- In den unendlichen Raum geschleudert, mit Donnergetös' hin!
- Aber im kreisenden Flug vereinte sich Sprödes und Weiches,
- Erd' und Gestein, und strebte hinaus, zur äußersten Rundung
- Sich zu dehnen. So ward im finstern Schooße des Erdballs
- Weitverbreitete Leer' umwölbt, die nimmer der Sonne
- Strahlender Blick erfreut, nie Sterngefunkel und Mondglanz.
- Dort verweilt nicht selten die Schar der trauernden Geister,
- Deren so manchen du erst in den schimmernden Lüften erblickt hast;
- Doch sie nah'n, zuweilen den nächtlichen Räumen entschwebend,
- Gerne dem Menschen als Freund', und suchen ihm Hülf' und Errettung,
- Kraft, und Muth, und, was sie noch sonst an edler Gesinnung
- Einst in dem Leben erhob, in die horchende Seele zu hauchen:
- Denn sie erkennen schnell der Seelen geheimste Gedanken,
- Sterblicher Hüll' entrückt; sie schauen des irdischen Lebens
- Reinern Gehalt, und ihr Herz erglüht in heiliger Sehnsucht
- Nach dem erquickenden Segensborn des Guten und Wahren.
- Bald in dem Schlachtengemeng', umschweben sie dich und die Deinen
- Hülfreich; aber du kennest das Wort des ewigen Lebens:
- Solchem vertraue allein mit nie zu erschütterndem Herzen.«
- Sprach's, und die Stimme des Holden erklang, wie Harfengelispel
- Tönt in des Mondes Zauberlicht, wenn alles entzückt horcht;
- Doch sie erscholl, wohl hundert vereinten Donnern nicht ungleich,
- Welchen die Erd' erbebt, als, über dem flammenden Abgrund
- Schwebend, er jetzt die tieferschütternden Worte hinabrief:
- »Geister, herauf! Euch winkt die ersehnete Stunde vor Tunis.«
- Und ein lautes Getös' erscholl in den Tiefen des Erdballs.
- Wie, vom stürmenden Wind' empört, sich Wogen auf Wogen
- Stürzen; Geheul und Gebrüll der schrecklichen schallt, und die Küsten
- Ringsumher dem wilden Tumult stets lauter erdrönen:
- Also erhob, und mehrte sich tief in der Wölbung des Erdballs
- Dumpfes Gemurmel zuerst, und sofort unendliches Jauchzen.
- Schauernd wogte der Grund; aufrauschten des Meeres Gewässer;
- Finsterer quoll der Rauch aus dem Schlunde des Berges; die Flammen
- Prasselten hoch in die Luft, und die glühenden Fluthen der Lava
- Braus'ten herauf und hinunter, im Flug durchwüthend den Abgrund.
-
- Eilend erhob sich nun der Herrliche, der ihm der Geister
- Reich enthüllt', in die schimmernde Luft, und, leiseverhallend,
- Tönten vom Aethergefild noch die lieblichen Worte herunter:
- »Senke dich durch den Schlund, durch Qualm und flackernde Flammen
- Muthig hinab zur Höhl' im Schooße des dampfenden Aetna,
- Und erringe das Ziel nach der hehren Geistesverzückung.«
- Weinend hob nun jener den Blick zu dem seligen Freund' auf,
- Der, umstrahlt vom Glanz unsterblicher Seelengemeinschaft,
- Fern' in den Lüften schwand, und fuhr jetzt, brausenden Fluges,
- Nieder im finstern Schlund, durch Qualm und flackernde Flammen,
- Bis in dem Zwielicht weit vor seinen Augen der Eingang
- Klafft', und die Höhle sich wies in angsterweckender Anschau!
- Furchtbar wölbte die Felsenwand aus schwindligen Höhen
- Höher sich auf. Es jagte zuweilen der wirbelnde Zugwind
- Tief in den Riesendom die Flammensäule; sie hob sich,
- Züngelnd, die Wände hinan, und leuchtete hoch in die Nacht auf;
- Doch erflog ihr fernster Schimmer des nächtlichen Dunkels
- Hälfte noch kaum, das endlos herrscht' in des Felsens Umwölbung.
- Hier nicht weilet die Ruh', und athmet nicht liebliche Stille;
- Rastlos tobt -- aufbraus't im Sturm, der kochenden Lava
- Urstoff: Erz im Gestein, und Schwefel, mit dunkelem Erdharz
- Gährend, zur Wolkenhöh', an des Berges geöffneten Rachen.
- Donnernde Ström' entstürzen rings den Schluchten; sie rauschen
- Tief in des Abgrunds Nacht, und wälzen, dem berstenden Kerker
- Unten entfloh'n, zum Meeresgestade die finstere Fluth fort.
- Ihrem Sturz' erdrönet die Höhl', und vom eisigen Abgrund
- Fleugt Entsetzen, Frost, und Schauder in Windesgeheul auf.
-
- Dorthin, kommend herab aus dem übersinnlichen Luftraum,
- War ihm Muhamed erst, umringt von Scharen der Geister,
- Die er entboth, voraus in die schaurige Höhle geflogen.
- Ueber der allbelebenden Luft, die rings an dem Erdball,
- So an dem Mond', und den endlos hin entflammten Gestirnen,
- Schwimmt umher, erhebt sich der übersinnliche Luftraum
- Dräuend in seiner Leer', und unwohnbar sterblichen Menschen:
- Denn, wie, umhüllt vom glockengestalten Glase, der Sperling
- Schnell das Leben verhaucht, wenn wißbegierige Forscher
- Schonungslos ihm rauben die Luft mit den künstlichen Pumpen
- Also würd' in des Menschen Brust urplötzlich das Leben
- Stocken, der in das Uebersinnliche kühn sich erhöbe;
- Aber des sterblichen Leibes beraubt, bewohnen die _Fürsten_,
- _Mächt'_, und _Gewalten_ des ewigen Feind's, auf Arges gesinnet,
- Solches mit Lust: Verworf'ne vom Herrn, die am letzten Gerichtstag
- Dann mit dem _Tode_ zugleich, dem _letzten_ der Uebel, vergehen.[8]
- Dorther schwang mit Gefolg sich Muhamed, glühenden Blickes,
- Jetzo herab. Er saß in der Höhl', auf dem ragenden Felsblock,
- Ueber die Scharen erhöht. Der dunkelröthliche Schimmer,
- Welchen der Flammenstrom entsandt' aus der Ferne des Eingangs,
- Schwebt' in flatterndem Flug' an seinem blässeren Antlitz.
- Feuer sprühte sein Aug'; in silbernkräuselnden Wellen
- Floß ihm der Bart in den Busen herab, und die luftigen Glieder
- Hüllet' in Schatten das Unterkleid und der wallende Kaftan.
- Jetzt erhob er die Recht' an des Stirnbunds Zier; mit der Linken
- Wühlt' er die Blätter des Korans auf: sie rauschten, den Stürmen
- Aehnlich im Herbst, da ihr Hauch die trauernden Wälder entblättert.
- »Hör' es, mein Volk,« so rief er, »was dir im nächtlichen Dunkel,
- Ferne vom spähenden Blick' uns feindlichgesinneter Geister,
- Meine Zung' enthüllt, und zeige dich würdig des Herrschers!
- Unheil droht von Hesperiens Küsten dem Lande g'en Aufgang --
- Dieser erwählten Blum' im Kranz der Schöpfungen Gottes,
- Dieser Perle der Welt, und der Wiege des Menschengeschlechtes.
- Jüngst erhascht' es mein Ohr auf Deutschlands gährenden Gauen,
- Die der Neuerung Flamme durchtobt: es sinne der Kaiser
- Jenem ein schmähliches Joch, und sich weltherrschende Hoheit.
- Seh't, was mich, den heimlichen Forscher, nur Täuschung bedünkte,
- Fügt sich in Wahrheit schon! Er ruft, und rüstet die Völker
- Rings zum Kampf, von den schimmernden Höh'n zu Tunis den Halbmond
- Niederzuschmettern, und ha, fällt Afrika jetzo, gebändigt,
- Seiner Gewalt: dann lechzt er wohl gar nach Asia's Herrschaft,
- Daß er die heiligen Städt', und dort der gläubigen Pilger
- Freudiges Ziel, mein Grab, mit stolzer Ferse zerstampfe?
- Aber nicht also gescheh's! Wir zieh'n, des edelsten Welttheils
- Söhn', ihm entgegen, nicht scheuend den Trotz der Gegner im Luftraum,
- Welche zuvor des Erdballs Schooß' entschwebten, und uns stets
- Feindlichgesinnt, ihm bald mit thatenerweckendem Eifer
- Beisteh'n: denn auch Hairaddins Brust, des treuen Bekenners
- Meiner Lehre, will ich mit Kraft erfüllen und Kühnheit.
- Jetzo nach Tunis geeilt, und nie vergesset des Wortes:
- »Wer das Eine nur will, fest will, der wird es erringen!«
- Sagt' es, und hob sich empor. Ihm folgten unzählige Geister,
- Jauchzend; aber es zischt' ihr Schrei nur schwach im Gewölb hin.
- So, wie in dunkler Gewitternacht der einsame Wand'rer,
- Keuchend, die Leucht' in der Hand mit halbverlöschendem Flämmchen,
- Endlich die Höhle betritt im verborgenen Raume der Felswand:
- Ihm umschwirren sogleich die Fledermäuse, geblendet,
- Rings das Haupt, und er wankt erschrocken zurück nach dem Eingang:
- Also bebte vor Angst der leis'aufhorchende Fremdling
- Vor den flüchtenden Geistern zurück', und eilt', in des Tages
- Lichte Gefilde zu schau'n nach schrecklicher Nacht der Verbannung.
- Tief zerfleischte sein Herz, voll himmlischer Milde, des Sehers
- Haßverkündendes Wort. Er saß, und drückte die Augen
- Fest in die Hand, und sieh', es schwebten aus kommenden Tagen
- Dunkler Ahnung Gebild' ihm vor: das wilde Gebären
- Thatenschwangerer Zeit, und zerstörendes End' im Beginne!
- Schatten floh'n, und kamen, und eilten vom wechselnden Schauplatz;
- Aber, weit durchströmt von den schimmernden Fluthen der Elbe,
- Hüllte sich Mühlbergs Heid' ihm auf. Er horchte dem Siegsruf;
- Sah die ihn höhnten, besiegt, ihm die Knie' umfassen, und wähnte
- Schon die Deutschen vereint nach des Glaubens schrecklichem Zwiespalt:
- Wie, und er flieht dann bald im Grau'n der finsteren Sturmnacht,
- Wehrlos, alt, und krank, dem nimmergeahneten Undank
- Weichend, fort aus Tyrols, der Treue geheiligten Thälern?
- Und so bald versah er das Ziel weltherrschender Hoheit?[9]
- Aechzend erhob er den Blick: die trüben Gesichte der Zukunft
- Schwanden in Nacht; er floh, und kehrt' in die sterbliche Hülle.
-
- Sieh', und es regte sich nun der schlummernde Kaiser! Ihm pochte
- Hörbar die Brust; sein Athem flog, und häufiger Schweiß rann
- Ihm von der glühenden Stirn'. Er blickte lange verwundert
- Rings in den Hallen umher, und sann, ein wachender Träumer.
- Jetzt ein dämmernder Strahl, und jetzt -- kaum wagt' er's zu denken,
- Was so erhaben und groß vor seinem Geiste dahinschwand,
- Und ihn entzückte zuvor: ihm drohte vernichtende Wonne,
- Und, was unerhörbar war den Ohren sterblicher Menschen,
- Barg für immer sein treues Gemüth. Nie lächelt' er wieder
- Und sein sehnender Blick hing stets an dem Bilde des Grabes.
- Doch nun kehrt' er heim in die Burg, und Stille war ringsum.
-
-
-
-
- Zweiter Gesang.
-
-
- Siehe, der Kaiser entboth im mitternächtlichen Dunkel
- Noch in die Königsburg Hispania's hohe Cortezza:
- Denn kein Schlummer umfing sein glühendes Auge; des Kampfes
- Nahender Augenblick und die drängende Sorge der Rüstung
- Scheuchten ihn fern': er sah, und hörte nur Sieg und Errettung!
- Jene harrten im prächtigen Saal des edelsten Herrschers.
- Nun, da er kam, entfuhren sie alle den schwellenden Pfühlen;
- Blößten vor ihm, verneigend, das Haupt, und deckten es wieder,
- Würdigen Ernstes voll, nach altherkömmlichem Vorrecht.
- Aber er schritt im Gefolg der Großen und Edeln zum Thron' auf,
- Deß' erlesene Pracht mit Staunen erfüllte den Fremdling.
- Schwarz aufragte vom Dach der Doppel-Aar, mit dem Zepter
- Und mit der Krone geschmückt, voll hellaufblitzenden Demant's,
- Den der Hindou dem Schacht' entriß, und der bataver Künstler
- Glättete, ringsumher verzierend mit schimmernden Kanten;
- Doch an dem Purpurtuch, vom Dach zu dem Sitze herunter
- Glänzten die Wapen, vereint, von Gott gesegneter Länder,
- Die er beherrscht': ein Meisterwerk kunstfertiger Nadel.
- Dreizehn Königreich', umschlingend Castiliens Kronen,
- Wies, vorstrahlend, das Tuch zum Ruhme der spanischen Herrschaft;
- Unter ihm Austria's Schild: den schneeigen Gürtel im Blutfeld,
- Der in dem Kampf rein hielt von feindlichem Blute den Panzer
- Leupold, des Tugendhaften, vor Ptolemais: sein Denkmahl![10]
- Rechts, im schönen Verein von sechs verbrüderten Reichen,
- Ungerns doppelten Schild; vier Ströme durchfluthen den einen --
- Aber das Haupt der Karpathen hebt, dreizackig, im andern
- Ueber dem fruchtbar'n Land, das tapfere Völker bewohnen,
- Schimmernd, die Kron' und das Doppelkreutz, von Silber, zur Luft auf.
- Links, in dem rothen Feld Bohemia's silbernen Löwen:
- Eines löwenmüthigen Volks hochrühmliches Zeichen.
- Tiefer, im grünen Feld den flammensprühenden Panther:
- Stiria's eisenerzausschmelzenden Essen zu Ehren;
- Dann Carinthia's Leu'n und Pfeile, des trefflichen Landes,
- Wo das Blei ausbeutet der Bergmann: schrecklich ersetzte
- Tödlichschmetterndes Blei die Pfeil' im Felde der Waffen;
- Dann, aufstrebend zur Sonnenbahn, Carniolia's Adler --
- Morawa's Aar, und Tyrols, der Treue geheiligter Länder.
- Aber der Löwe Brabants, im Schooß umgränzender Gauen,
- Zeigt uns im hehren Ruhm des edelsten Kaisers Geburtsland.
- Ihm zur Seite verschlingt Lombardia's Schlange den Mohren;
- Ihn umgibt Neapoli's Lilienglanz, und ihm huldigt,
- Jugendlich schön aus des Meeres Fluth aufschwebend, des Morgens
- Freundlicher Strahl, und erhellt Amerika's winkenden Meerstrand.
-
- Dort die Stufen hinan, die ein niederländischer Teppich
- Hüllete, schön im Geweb' darstellend die Freude des Weidwerks,
- Schritt der Kaiser. Er stand, gewendet, im Glanze des Thrones;
- Blickte nach Allen umher, und, als er auf blähenden Purpur
- Nieder sich ließ, begann er mit sanfterglühenden Augen:
- »Edle des Reichs, und Räthe! Der Tag der Christenerrettung
- Ruft zu dem heiligen Kampf Europa's vereinte Geschwader,
- Und, entfaltend am Maste die Flagg' und die wehenden Wimpel,
- Harren die Völker, vereint, der Abfahrt donnerndem Wink nur,
- Daß sie im Felde des Ruhms, vor Tunis, am frevelnden Räuber
- Rächen die Schmach, und dem schrecklichen Joch' entreißen die Brüder.
- Laut ruft uns Barcellona's Gestad, wo dort auf des Meer's Höh'n,
- Nun gerüstet zur Schlacht, nun wehrlosen Küstenbewohnern
- Jammer dräuend und Noth, sein Raubgeschwader sich zeiget.
- Gottes Segen mit uns und dem Lande! Mein endlicher Wille[11]
- Liegt gefertigt im Schrank: so im heiligen Kampf' ich erläge,
- Und nicht wiederkehrte zu euch, zur liebenden Gattinn,
- Und zu dem Sohn, der einst, so Gott will, würdig den Zepter
- Führe nach mir, vor allen Hispania's Ländern zum Frommen.
- Eurer Sorgfalt, Treu', und Liebe vertrau' ich die beiden
- Jetzt, und scheide getrost: sie sind da trefflich geborgen.«
- Also der Fürst. Da quoll's von Thränen im Auge der Edeln;
- All' entfuhren der Bank, und streckten die Händ' ihm entgegen.
- Wie der Gießbach rauscht, der hoch vom dauernden Regen
- Angeschwollen, dem Felsenbett' entstürzet, und rastlos
- Rasselnde Kiesel wälzt, und Felsengerölle mit fortreißt:
- Also erscholl in dem Saal' ihr lauterbrausender Zuruf;
- Doch bald hier, bald dort ertönt' er vernehmlicher, lauter:
- »Kehre beglückt uns heim, und herrsch' in dem Segen der Völker,
- Allgeliebter, noch lange! Mit strahlenden Lorbern des Sieges
- Kommt Europa dir bald, dem Retter, entgegen, und jauchzt dir
- Lauten Triumph in der Glocken Getön' und des ehrnen Geschützes
- Freudigen Donnerhall: dein Ruhm erfüllet den Erdkreis.«
- Aber er stand, erschüttert, am Thron', und sandte nach Allen
- Heißen Dank aus der Himmelsbläue der glänzenden Augen,
- Eilte die Stufen herab, und ging. Aufflogen der Thüren
- Mächtige Flügel vor ihm; er schwand mit seinem Gefolg dann
- Fern' im Gang. Da kehrten zugleich die Großen des Reiches
- Nach der heimischen Flur, um dort in der einsamen Felsburg,
- Oder in menschenversammelnder Stadt noch heute zu fördern,
- Was zu dem Rettungskampf des Herrschers Wille gebothen.
-
- Eh' in des Erdballs Schooß, in die düstere Wohnung der Trauer,
- Noch der Ruf des Unsterblichen drang, erlesenen Geistern
- Dort zu verkünden den bald umwüthenden Kampf in Karthago's
- Rühmlichem Feld, schwang Hermann,[12] einst der kühnen Cherusker
- Tapferer Hort, sich herunter. Ihm flogen die goldenen Locken
- Weit von dem Nacken, sein blitzendes Aug' und die glühenden Wangen
- Kündigten freudigen Muth und trostverheißende Bothschaft.
- Gierig forscht' er umher, die Freunde sogleich in den Scharen
- Gleichgesinneter Geister zu schau'n, und er fand sie vereint dort.
- Hannibal,[13] der dem Regulus[14] nah', auf schwellendem Mooswuchs
- Ruhte, erhob das Haupt, und rief ihm finster entgegen:
- »Freude verkündet dein Flammenblick, unbändiger Krieger!
- Wie, nur Kampf, Gewürg', und Schlachtengetümmel ergetzt dich
- Noch, das rastlos fort im Geschlechte der Sterblichen wüthet?
- Aber ich athme nicht Erdenluft, und meide, voll Unmuths,
- Seit Jahrhunderten schon, der Sonn' erfreuenden Anblick.
- Siehe, wir führen erneueten Streit: ob würdiger Roma,
- Oder Karthago gedacht, und gehandelt, als Herrscherinn? Roma
- Trat mit ehernem Fuß' allwärts die Blüthe der Menschheit
- Nieder, als Siegerinn, da Karthago der milderen Herrschaft,
- Segen pflanzend rings an den Küsten des Meer's, sich erfreute.
- O, ich hätte mein Vaterland und die Welt, die ergrimmend,
- Sie in dem Sclavenjoch ausmordete, schrecklich gerächt noch:
- Hätte nicht Haß und niedriger Neid die Scharen verweigert,
- Die ich entboth, euch, Wolfesbrut, ganz niederzuschmettern!«
- Regulus schwieg; doch Hermann rief den zürnenden Helden:
- »Schon seit lange versöhnt, und verbunden in traulicher Freundschaft,
- Wollet ihr euch denn heut' entzwei'n durch Worte des Haders?
- Laßt die Vergangenheit; nur, wie im zaubergewaltigen Spiegel,
- Gaukelnd, kommen, und flieh'n die buntvermengten Gestalten,
- Stehe vor eurem Gemüth' ihr grau'numhülletes Bild noch.
- Hört, was, tröstend für uns, der Erde Bewohner beginnen!
- Schon ist dem Heldenvolk zum fernentlegenen Tunis
- Offen die glänzende Bahn; schon waffnet der edelste Kaiser
- Scharen der Krieger am Meeresstrand, wo unzählige Schiffe
- Decken die schimmernde Fluth, und entfalten die Segel zur Abfahrt.
- Ein Welttheil entboth die Tapferen gegen den andern;
- Ringsum regt sich die Erd', und ihr denkt hier müßig zu weilen?
- Auf, wir wollen vereint hinzieh'n, und entflammen die Krieger
- Oben im Kampf! Gedenket des Ruhms entflohener Zeiten!«
- Hannibal schwang sich empor, und rief mit gewaltiger Stimme:
- »Fort, auf die Oberwelt! Ich will in dem Felde der Waffen
- Schauen die Helden der neueren Zeit. So herrliche Krieger,
- Als am Trasimen und vor Cannä die Erde gewahrte:
- Staunend den Söhnen des Sieg's, die werd' ich wohl nimmer ersehen.«
- Regulus stand, verdüsterten Blicks, und sagte den Beiden:
- »Möget ihr immerhin dem furchtbar'n Schlachtengetümmel
- Horchen mit Lust, und drängen, und treiben mit stachelnden Worten
- Eure Erwählten: nur wenig frommt's, nur wenig genügt's euch!
- Aber mich reizet ihr nicht, zu entfliehen den nächtlichen Räumen.«
- »Wie,« rief Hermann, »du bliebest zurück', und rings in Karthago's
- Hehrem Gefild tönt bald Siegsruf im Getümmel der Waffen?
- Sehntest dich nimmer zu schau'n die Heldenmaale der Vorwelt?
- Zwar es fing dich im Kampf der hochgesinnte Spartaner,
- Xanthippos,[15] dem Volk Karthago's gebiethend als Feldherr:
- Doch du sühntest die Schmach, gabst hin die unschätzbare Freiheit
- Für dein Vaterland, und auf immer preist dich die Nachwelt.
- Komm', und folge mir, dort zu entflammen den Muth in den
- Schlachtreih'n!«
- Also der Held: da erscholl des Unsterblichen donnernde Stimme,
- Die von des Aetna Schlund durch wirbelnder Flammen Geprassel
- Brausend, die Scharen der Geister hinauf zum erwachenden Kampf lud.
- Neunmal umkreis'te der Donnerruf den unendlichen Raum dort;
- Neunmal erwiedert' ihn auch der Geister empörterer Jubel,
- Und die beiden entschwebten, vereint, und von Kriegern umgeben,
- Welchen sie einst gebothen im Kampf, dem Schooße des Erdballs.
- Aber Regulus stand, verlassen von seinen Gefährten,
- Sinnend, allein, und blickte starr in die Tiefe hinunter.
- Jetzo wollt' er entflieh'n, um fern' in des eisigen Nordpols
- Wölbung den glühenden Durst, der mächtig ihn drängte, zu stillen;
- Doch er entbrannte noch mehr: das Schmettern der Kriegesdrometen,
- Dann das Wiehern der stampfenden Ross', und der Würgenden Schlachtruf
- Töneten, wechselnd, um ihn, und von tausend Gebilden ergriffen,
- Stand er, triefend von Schweiß, und zitternd vor steigender Kampflust.
- Sieh', nun ballt' er die Faust, und rief mit gewaltiger Stimme:
- »Deutschlands Hort, so sagte zuvor der kühne Cherusker,
- Kommend herab von der oberen Welt, entboth Europa's
- Völker zur Heldenfahrt: viel tausend gefangene Menschen
- Aus des Räubers Gewalt, aus Schmach und Fesseln zu retten? ...
- Weh', auch ich trug einst die schmähliche Kette! Sie both mir
- Ruhm und Lohn; doch fühlt' ich es oft in vernichtender Schwermuth,
- Wie in dem dumpfen Gewölb sie lastete, wo mich die Stunden
- Länger als Tag', und diese zu trägen Jahren gedehnet,
- Dünkten. Auch mir erscholl die höhnende Stimme des Wüthrichs --
- Drohte sein finsterer Blick stets größere Qualen; ich fühlte
- So die entsetzlichste: fern von der hochgesinneten Gattinn
- Und den Erzeugten, das Leben in Kerkersnacht zu verhauchen.
- Jetzo hinauf, hinauf nach Tunis, dem einstigen Schauplatz
- Dort unsterblichen Ruhms und herzzerreißenden Jammers,
- Daß ich vielleicht noch selbst Unglücklichen Hülfe gewähre!«
- D'rauf schwang er sich empor zu den sonnigen Fluren des Erdballs,
- Dort vor allen zuerst die düstern Gefilde von Tunis
- Wiederzuseh'n. Nicht wandt' er den Blick nach dem Felde der Waffen,
- Wo der Griech' ihn bezwang, Xanthippos, der in die Schlachtreih'n
- Sein' Elephanten gestellt -- das Heer im Rücken bestürmend,
- Schnell die Reih'n durchbrach, ihn fing, und Karthago den Sieg gab.
-
- Nahe der Stadt, auf Felsen, erhob sich die thürmende Hochburg,
- Die in dem finsteren Schooß viel tausend gefangene Christen
- Eisern barg: die Wohnung der Qual und des Jammers Behausung!
- Dorthin eilt' er, und senkte sich leis' auf die Zinne der Burg hin.
- Ach, aus der Tief' erscholl der unglückseligen Sclaven
- Jammergestöhn! Wie ein Falk, der schnell aus den Lüften herabfährt,
- Weil er die girrenden Küchlein sah im Schatten des Hofraums,
- Fuhr der Lüftebewohner hinab, und schauderte, bebte:
- Denn in des Kerkers Nacht, in der Felsentiefe der Hochburg,
- Sah er, beim düsteren Schein der mattaufflimmernden Lampen,
- Bleiche, durch Moderluft und Hunger entfleischte Gestalten;
- Sah dort Qual und Verzweiflung zugleich auf den zuckenden Wangen
- Und im erloschenen Blick, der endlich zum grimmigen Hohn ward;
- Hörete Ketten-Geklirr, und dumpfes Aechzen und Stöhnen
- In dem Gewölb. Sie rückte heran, die Stunde des Jammers,
- Wo Medelin, der Renegat aus Genua's Landen,
- Forschend die Höhlen des Graun's durchschritt, und mit eherner Geißel
- Peitschte die Murrenden dort, nach Hairaddins schrecklichem Machtwort.
- Zorn erglüht' im Blick des edelgesinneten Geistes.
- Doch nun brauset' er über sie hin, und rief im Gelispel
- Dunkelen Geisterrufs: »Euch nahet ein Retter, erhebt euch!«
- Alle fuhren empor, und schreckliches Kettengerassel
- Scholl im Gewölb: nicht wußten die armen die Tröstung zu deuten.
- Doch er kehrte zurück, Hispania's Erd', und den Retter
- Dort zu erschau'n, der jetzt nah' war Barcellona's Gestaden.
-
- Muhamed sah ihn. Er schwebt' im Gefolg' unzähliger Geister
- Auf von des Aetna Schlund, und hieß die Empöreten harren,
- Bis er vom übersinnlichen Raum mit dem Bundesgenossen
- Kehrete: denn er ging, dort Attila's[16] Brust zu entflammen --
- Ihn zu erregen zum Kampf' und zu wichtiger Thaten Vollendung.
- Bald erspähte sein forschender Blick den König der Hunnen.
- Ueber dem caspischen Meer, wohl tausend Meilen erhoben,
- Saß er im Wolkenzelt, so wie einst, von den Helden umgeben,
- Nach vollendetem Mahl. Der Söhne geliebtester, Ellack,
- Neigte sein Haupt ihm sanft auf die Schulter; der wilde Tuhutum
- Saß ihm zunächst; Zombor, der schreckliche Krieger, mit Tursol,
- Und mit Retel und Bojt, unbändigen Würgern im Schlachtfeld,
- Saßen im Kreis' um ihn her, dem liedergewaltigen Sänger
- Horchend, der, im Sturm des pochenden Busens, der Zither
- Saiten empörender schlug, und jetzt der herrlichen Vorzeit
- Helden pries in dem Lied', unsterblicher Thaten gedenkend,
- Daß sich des Ahnenruhms, gleich tapfer, erfreue der Enkel.
- All' aufhorchten ihm still'. Auf die bärtigen Lippen der Krieger
- Stürzte die schimmernde Thräne herab; sie wiegten das Haupt oft
- Bei des Gesangs Allmacht ergriffen von stürmischer Wehmuth.
- Muhamed braus'te herein; der Sänger verstummte; die Krieger
- Fuhren vom Sitz, da er so zum Kampf' aufboth den Beherrscher:
- »Attila, auf, zur Rache, zum Sieg! Die mächtigsten Geister
- Hieß des Unsterblichen Ruf entfahren dem Schooße des Erdballs,
- Daß sie dem Christenvolk, nur uns zu verhöhnen entschlossen,
- Stehen als Retter im Kampf. Wir sollten es dulden? Der Blutschuld
- Denkest du noch, die Roms entartete Söhne nicht büßten,
- Wie dein eisernes Herz es gewollt? Und fuhr nicht der Römer,
- Trotzigen Blicks, erst hin, den Christen als Helfer zu nahen?
- Nun sey List dem Muthe vereint, stets wachsam die Rachgier,
- Schmach auf die Feinde gehäuft, und errungen der herrlichste Sieg uns.«
- Attila winket' ihm Beifall zu. Des schrecklichen Rohrwolfs
- Zähne, deß' zottiger Pelz ihm Rücken und Fersen umhüllte,
- Starrten von seiner Stirn', und tief, wie aus nächtlichem Schacht her
- Strahlet des Bergmanns Grubenlicht, ihm glommen die Augen
- Aus dem finstern Gesicht'. Er faßte den blutigen Säbel
- Tyrs,[17] den einst (so kündet die Sage) der furchtbare Kriegsgott
- Selbst auf der Heide vergrub, daß seiner Gewalt nicht die Völker
- All' erlägen: umsonst! Der Schreckliche, der sich die Geißel
- Gottes im furchtbar'n Trotze genannt, entriß ihn des Feldes
- Tiefverhüllendem Schooß'. Auch jetzt aufschwang er das Eisen,
- Jauchzend, und eilte Muhamed nach. Unzählige Scharen
- Folgten ihm, dürstend nach Blut und brausendem Kampfesgetümmel.
- So durchstürmten die Luft ringsher die empöreten Geister.
-
- Aber der Kaiser drückte voll Hast, Isabella, die Gattinn,
- Noch an die pochende Brust, und mengte die Thräne mit Thränen;
- Segnete, tiefbewegt, sein störrischblickendes Söhnlein,
- Schwang sich auf's wiehernde Roß, und flog aus dem drönenden Thorweg,
- Mitten im Ehrengefolg fünfhundert erlesener Reiter,
- Schnell g'en Barcellona hinaus, der prächtigen Seestadt.
- Nah' ihm spornte das Roß der einst gewaltige König,
- Muley Hassan, und sann, verstummend, und düster, den Pfad hin.
- Muhamed naht' ihm ergrimmt. Er sah, wie finsteres Mißtrau'n
- Ihm zerwühlte die Brust vor Furcht und banger Erwartung:
- Ob der Christ ihm dereinst, wenn Hairaddins Macht er bezwungen,
- Treu dem heiligen Eidschwur, noch den Zepter von Tunis
- Frei gibt -- oder ihn selber behält, mit räub'rischen Händen?
- Sah's, und schwang sich herab. Gleich einem gewaltigen Uhu,
- Der vom Hunger gequält, mit erblindeten, feurigen Augen
- Harrt in der Felsenkluft der Dämmerung; dann, sich erhebend,
- Leis' in dem Thal' umher, mit weitgebreiteten Flügeln
- Flattert, nach Beute zu späh'n: so naht' auch Muhamed jetzo
- Hassans geistigem Leib, der leicht wie die Strahlen der Sonne,
- Jegliche Nerve durchdringt, und schnell, wie in dumpfer Betäubung,
- Und wie entkörpert, vernahm er den Geist im Seelengelispel:
- »Träumender, ha, du sankst erst jüngst dem ungläubigen Fürsten
- Feig zu den Füßen, und hoffst, auf die Rechte des Siegers dich stützend,
- Den, nach schrecklichem Mord' ererbeten Thron zu besteigen?
- Thor, der also sich täuscht: der Christ, und ein Christenbeherrscher
- Zöge für dich in den Kampf, und opferte dir zu Gefallen
- Menschen und Gold, daß du dich dann erfreuest der Herrschaft?
- Wiss' es: er sinnt dir Schmach und Verrath, und gibt dich der Rachgier
- Hairaddins hin -- vielleicht als Preis für die Veste Goletta.
- Solltest du nicht, bald heimgekehrt, auf täuschendem Pfad' ihm
- Jammer bereiten, und ihn verderben, dir selber zur Rettung?«
- Hassan horchte verwundert, und sann, wer ihm in dem Herzen
- Solch' Empörung erregt, das sonst schon zweifelerfüllt war?
- Doch nun hemmt' er das Roß mit dem Zaum': im zögernden Schritte
- Sich zu entzieh'n der Schar, die rasch zum rühmlichen Ziel fort
- Eilete; sah dann zurück, nach Mosul, dem Sclaven, und sagte:
- »Mosul, vernimm, wie dir des Busens geheimste Gedanken
- Dein Gebiether enthüllt: denn ach, so beugete Hassans
- Haupt das Geschick, daß er selbst dem niedrigen Sclaven sie kund thut!
- Siehe, wie dort hineilt der mächtige Christenbeherrscher,
- Bald an der Spitze des Heeres zu steh'n, zu entfalten die Segel,
- Und zu entschiffen, im Flug nach Tunis, dem herrlichen Erbland.
- Hoffst du, er werde des Schwurs, des heiligen: mir das Entriss'ne
- Wieder zu schaffen mit Waffengewalt, auch drüben gedenken?
- Ach, mir sinnet er Schmach und sich unendlichen Vortheil,
- So er dem schrecklichen Feind mich verräth, dem solches ersehnt ist!«
- Sagt' es, bewegt. »Nicht zürn', o Herr,« so entgegnete jener,
- »Daß ein niedriger Knecht vor deinem erhabenen Antlitz
- Sich zu reden erkühnt. Hast du nicht am dämmernden Abend
- Gestern geseh'n, wie mildgesinnt der Christenbeherrscher
- Dich aufnahm im Palast, wie gütig sein thränender Blick war?
- Nicht vernommen den Eidschwur dort, beim einigen Gotte
- Dir geschworen, daß er den entrissenen Zepter der Väter,
- So er den Räuber besiegt, dir wieder zu geben bereit sey?
- Ach, nicht brächt' ihm die Täuschung Gewinn: ein irrender Fremdling
- Stehst du vor ihm ... vertrau' im edelen Herzen dem Edeln!«
- »Schweig,« so rief der Zürnende jetzt, »im lächelnden Antlitz
- Lauert der Trug -- dein lacht im freundlichen Auge die Falschheit!
- Hat das unselige Volk nicht Hairaddins List mit Al-Raschids
- Leiche getäuscht? Droht mir, dem Muselman, nicht von dem Christen
- Größeres Unheil noch? Merk' auf! Im engenden Schiffsraum,
- Nicht wie im stolzen Palast durch weite Hallen gesondert
- Von dem Beherrscher selbst und den Seinen, erhaschest du leicht wohl,
- Achtlosscheinend, ein Wort, das uns die schändliche Täuschung
- Aufhüllt: nicht mißtraut sein Gefolg dem niedrigen Sclaven.
- Angelangt an dem heimischen Strand', erseh' ich den Vortheil
- Mir dann schnell, und entflieh' in der Dämmerung; oder ich heische,
- So er von Tunis den Thron mir wieder zu geben gesinnt ist,
- Selber von ihm das Schiff, Hülfsvolk aus den Bergen von Kabesch[18]
- Ihm zu schaffen, wo mir die tapfern Bewohner noch treu sind.«
- Und er spornte das schnaubende Roß, der Seite des Kaisers
- Wieder zu nah'n, der eilender g'en Barcellona hinausritt.
-
- Doch, ach, welch Geschrei erschallt unferne der Seestadt,
- Drüben am Strand' Areny's, des hainumsäuselten Dörfchens?
- Wer betrübte so tief des Dörfchens stille Bewohner,
- Daß sie mit Thränen im Blick', entfärbete Todesgestalten,
- Stumm, und bebend vor Angst, aufschau'n zu dem nächtlichen Himmel,
- Ob er sie schirm', ob Flammen speie sein rächender Donner?
- Heiter entschwand die Sonn' im rosigen Duft', und der Himmel
- Lächelte mild. Wie ein Säugling am Busen der liebenden Mutter
- Schlummert, so lag, entzückend, am Saume der luftigen Berghöh'n
- Abendröthliche Gluth. Im Gesang heimkehrten die Schnitter;
- Laut ertönte des Hirten Schalmei, und die blöckenden Heerden
- Eilten durch Wolken Staub's, der hoch in den röthlichen Himmel
- Aufquoll, hüpfend zum duftenden Stall, nach Ruhe sich sehnend.
- Als sich die Müden getrocknet den Schweiß, und die dämmernde Kammer
- Alle versammelt' umher, da tischte die sorgliche Hausfrau
- Jenes zur Abendkost, was ihr der Garten gespendet,
- Was die Heerd' ihr both aus strotzenden Eitern. Sie stillten
- Fröhlich den Hunger, und bald verstummte des Tages Getümmel
- Ringsum; nur vom Thurme herab noch mahnte das Glöcklein,
- Fromm zu erheben das Herz. Sie betheten, eilten zu ruhen,
- Und der erquickende Schlaf umfing sie mit süßer Betäubung.
- Glückliche, wacht: denn nah' ist der Sturm, der plötzlich den Himmel
- Eures Friedens bewölkt mit schwarzumnachtender Trauer!
-
- Lauernd durchpflügte die See, mit hundert gerüsteten Schiffen,
- Hairaddins Liebling, Al-Mansor, dem, scheidend, am Bord' er
- Noch in die Seele gelegt: so draußen auf offener Meersfluth
- Kühn dem Feind' entgegen zu steh'n, so rings an den Küsten
- Furchtbar'n Ueberfall in nächtlicher Stunde zu wagen,
- Und zu entwinden das Schwert des Feindes Hand in Europa,
- Das er nach Afrika, dräuend, gezückt, ihm selber zum Unheil.
- Wühlend im röthlichen Bart, der ihm zu dem Gürtel herabfloß,
- Sprach nun Al-Mansor zu Omrah, dem tapferen Aga:
- »Omrah, Mustapha's Sohn, vernimm mich jetzt, den Gebiether!
- Bald entsinket die Nacht dem erdumwölbenden Himmel;
- Spanne die Segel dem Wind'. Unferne der Stadt Barcellona
- Landend, raub' entschlummertes Volk der niedrigen Hütte,
- Oder dem stolzen Palast, daß wir erkunden in Wahrheit:
- Ob in die thürmende Stadt der Christenbeherrscher gekommen,
- Kampfgerüstet, ob nicht? denn eilig geböth' er die Fahrt dann.
- Tapferer, was du beginnest mit Muth, vollende mit Kühnheit!«
- Omrah gehorchte dem Wort'. Er löste dem Winde die Segel,
- Und aus dem dunkeln Schooß Verderben dräuend und Jammer,
- Flog sein Schiff dem Strand' entgegen am dämmernden Abend.
- Dort in der Felsenbucht, nicht ferne den Marken Areny's,
- Harret' er, lauernd, der Nacht. Sie kam: rings schwanden die Lichter;
- Jeglicher Laut erstarb; nur die Wellen rauschten am Schiffskiel
- Leis' empor, nur die Brandung scholl an den fernen Gestaden.
- Eilig umschifft' er den bergenden Fels; dann flog er zum Strand hin,
- Landete, trieb sein Volk zum Raub', ihm Eile gebiethend.
- Und, wie in dunkler Mitternacht aus säuselndem Schilfrohr,
- Plötzlich, die wilde Schar langhungernder Wölfe sich aufmacht,
- D'rauf, der Hürde genaht, einstürmt, und die zitternden Lämmer
- Raubet in Hast; wie jährige Stier' im blutigen Rachen
- Tragend, die Jaguar, Westindiens schreckliche Tieger,
- Fliehen den Berg aufwärts: so drangen die furchtbaren Räuber,
- Gräßlichen Mord im Blick, durch berstende Thüren und Fenster
- Ein in die Hütten; so raubten sie dort den blühenden Jüngling,
- Grauender Aeltern einzigen Trost, und des liebenden Weibes
- Theuern Gatten, und floh'n zum Bord des harrenden Schiffs hin.
-
- Wehklag' scholl. Als jetzt sie erweckte des Dörfchens Bewohner,
- Die, noch solchem Geschick' entronnen, der Spur der Geraubten
- Folgten, ächzend vor Schmerz und drängender Sorge der Rettung,
- Tönte schon fern' ihr Schrei von den rauschenden Wogen herüber.
- Schrecklich zu schau'n! Da steht mit fliegendem Haar, mit Verzweiflung
- In dem Gesicht, mit Gluth in der Brust, die Gattinn, und breitet
- Zitternd die Arme dem Gatten nach: mit bebenden Lippen
- Will sie noch einmal zurück, mit Gewalt, ihn rufen, und stöhnt nur.
- Dort auf den Sand hinstürzet der Greis, und rauft sich die Haar' aus
- Ob des Töchterchens, ob des Sohn's. Da knie't an dem Ufer,
- Schaudernd im Fieber, die Braut, und blickt mit wilden Geberden
- Jetzo dem Vater, und jetzt der weinenden Mutter in's Antlitz;
- Horcht nach den Fluthen hinaus, erhebt sich, und läuft auf dem Sandpfad
- Plötzlich dahin. Ein gellender Schrei aus dem fliegenden Busen
- Füllet die Luft und die Herzen des Volk's, mit starrem Entsetzen.
- Ach, sie stürzt' in die Fluth; doch hängen die zarten Geschwister,
- Wimmernd, an ihrem wehenden Kleid', und rufen ihr liebvoll
- Trost in das Herz, vereint dem Fleh'n des weinenden Volkes,
- Das an den Vater im Himmel sie mahnt, den Rächer der Unschuld!
- Aber schon nahte der Rächer, im Flug, Barcellona's Gefilden,
- Glühend im Herzen dem Ruf' erhabener Christenerrettung.
-
-
-
-
- Dritter Gesang.
-
-
- Siehe, wie stolz erhebt Barcellona, die herrliche Seestadt,
- Heute die Stirn' in die Luft; wie schimmert so hell in des Meeres
- Fluthendem Spiegel ihr Bild; im freudigen Lärm und Getümmel
- Jauchzt in den Gassen das Volk, und jauchzt in dem hallenden Hafen:
- »Heil uns, Doria kommt, der langersehnete Seeheld!«
- Dreißig der Schiff' erkennet das Aug' an den flatternden Segeln
- Fern' auf dem Meer. Sie führen fünftausend erlesene Krieger,
- Genua's tapferes Volk, zum heiligen Kampfe der Rettung.
- Dreißigmal grüßt das Donnerrohr von dem Walle den Helden:
- Also schallt von dem Meere sein Dank im Donner herüber;
- Doch, wie die Echo, geweckt in der felsumstarreten Bergschlucht,
- Einen gewaltigen Ruf erst laut und mächtig erwiedert,
- Dann nur leis' aushaucht, und wieder verstummt in der Stille:
- So von des Meeres Höh'n herflog, mit ermattenden Schwingen,
- Dreißig Grüßen zum Dank, der dumpfummurrende Nachhall.
- Jetzt aufrauschte die Fluth: sie sprang an dem schwärzlichen
- Schiffskiel,
- Schäumend, umher, und wogte sie all' in den schirmenden Hafen.
- Jetzt entsank dem Busen des Schiff's der gewichtige Anker,
- Rasselnden Schwungs, und ihm, geschleudert vom kreisenden Wellbaum,
- Folgte das mächtige Seil, bis er haftete fest in dem Boden.
- Lange wiegte die Fluth das eiserngeheftete Schiff noch.
- Doch nun schwang sich der Held, mit den obersten Schiffesgebiethern,
- Schnell in das zierliche Boot, und eilte dem Ufer entgegen:
- Ihn umbraus'te des Volks ringsher auftobender Jubel.
- Aber es scholl erneut in dem wimmelnden Hafen der Zuruf:
- »Heil dem nahenden Freund!« denn Ludwig,[19] der Bruder der Kais'rinn,
- Und Lusitaniens Stolz, kam jetzt mit zwanzig der Segel
- Näher dem Port'. Er warb viertausend tapfere Streiter
- Drüben am Tajo, und kam, Siegsruhm zu erringen entschlossen.
- Als er, gelandet, am Strand hinging: da staunte mit Ehrfurcht
- Jegliches Aug' ihm nach, da er schon im Lenze des Lebens,
- Heiter die muthige Brust darboth des Krieges Gefahren.
- Wieder erscholl's: »Heil dort den nahenden Schiffen!« und sechzig
- Zählte des Strandes Wart von dem hochaufthürmenden Leuchtthurm.
- Ruyter[20] kam, der jüngst die flandrischen durch Gibilterra's
- Enge geführt, und auf Malaga's Höh'n mit jenen vereinte,
- Die Hispania's Städte gesandt, im rühmlichen Wettstreit.
- Hundert Krieger am Bord trug jedes der räumigen Schiffe --
- Trug in dem dunkeln Schooß Geräthe des dauernden Krieges,
- Mundvorrath und Geschoß, mit den ehernen Schlünden und Mörsern.
- Rastlos brüllten die Donnerschlünd', als jetzt in des Morgens
- Stunden sich eint', im Port, zu dem Heldenzuge die Heersmacht.
-
- Aber auch drüben an Wälschlands weitumkreisenden Ufern
- Wogten des Krieges Banner, erhöht, in dem Wind', und die Völker
- Harrten der Siegesfahrt. In Genua's äußerstem Hafen,
- Den im holden Gefild schon längst entschwund'ne Geschlechter
- Weihten der Liebesgöttinn zum Sitz,[21] einschiffte die Scharen
- Genua's -- auch Hetruriens und Lombardia's Krieger,
- Guasto, der tapfere Greis, des Fußvolks oberster Feldherr.[22]
- Finster blickte sein Aug'. Ergraut in den eisernen Waffen,
- Nährt' er im stetsumwölkten Gemüth' unziemliches Mißtrau'n
- Gegen die Welt: ihn scheuten -- nicht liebten die Waffengefährten.
- Jetzt von der einsamen Burg von Ischia rief ihn der Kaiser
- Wieder zum Kampf, nach erkorener Ruh' im grauenden Alter:
- Denn er kannte die Kraft des schlachtanordnenden Greises.
- Als er vom Meeresstrand' einschiffte die Völker: da nahte
- Eberstein,[23] zehntausend erlesene Krieger aus Deutschland
- Führend im freudigen Muth zu dem rühmlichen Kampfe der Rettung.
- Eine Ros' in dem Schild', enthüllete, schimmernd, sein Fähnlein --
- Sie, des trefflichen Ahns Stammzier, den ehrend der Kaiser
- Heinrich, der Finkler genannt, zu der hohen Roma gesendet,
- Daß er der Völker Wohl mit dem Hirten der Kirche berathe.
- Dort an dem festlichen Tag, wo, Flammen gleich, von dem Himmel
- Sich auf die Jünger herab, der Geist, der _Heilige_, senkte,
- Ward ihm die Rose gereicht von dem Heiligen Vater, und Heinrich
- Pflanzte die Ros' in den Wappenschild des tapferen Ritters,
- Welcher die Freiheitsschlacht auf Mörsburgs sandigen Fluren
- Kämpfte mit ihm, das Volk zu erretten vom Joche der Ungern.
- Solchen Ahnen entsproß der Führer germanischer Völker.
- Aber er einte vor Mailand jüngst die kühnen Gefährten,
- Die er in Deutschland warb -- in dem Vaterlande der Helden:
- Denn in Schwabens freundlichen Gau'n, wo silbernergossen
- Schimmert der Bodensee, und die rühmliche Quelle der Donau,
- Unversiegbar, nährt des Schwarzwalds heiliges Dunkel,[24]
- Daß sie, ein Ries', auf siebenhundert Meilen entlang hin
- Netze den Bord unzähliger Städt', und Dörfer, und Vesten,
- Fröhlicher Traubengebirg', und erblühender Gärten und Wälder,
- Und in dem Schwarzen-Meer, des Schwarzwalds Höhen entsprossen,
- Stets nach Osten gewandt, vollende die herrliche Laufbahn:
- Dort begrüßten zuerst zwölfhundert erlesene Krieger,
- Lanzenbewaffnetes Volk, mit Römhild, dem tapferen Führer,
- Ebersteins Panier mit lautaufschallendem Jubel.
- Doch wo des Spessarts Grau'n, so wie auch des lieblichen Mainstroms
- Schimmer das Herz erhebt, im schönen Lande der Franken,
- Flatterte hoch in die Luft des Führers erhobenes Fähnlein,
- Werners: ihm folgte die Schar achthundert trefflicher Schützen.
- Also das muthige Volk der bergbewohnenden Hessen
- Folgete Wittekind nach, dem Helden: er zählte der Krieger
- Tausend um sich, und kam, ruhmdürstend, heran in dem Kriegszug.
- Und an den Ufern der Isar hinab zu dem freundlichen München,
- Reihte sogleich die Schar zweitausend gerüsteter Bayern
- Sich an den schwellenden Zug. Gedenkend der trefflichen Heimath,
- Schwur ein jeder ihr herrlichen Ruhm zu erkämpfen vor Tunis.
- Radburg führte sie an, des Herzogs tapferer Sprößling.
- Auch wo im Sande die Spree der brandenburgischen Hauptstadt
- Blässere Fluthen entgegenrollt, und die Oder des Landes
- Blühende Fluren durchströmt, ertönte der mächtige Heerruf.
- Schnell erhob sich die Schar von tausend erlesenen Kriegern,
- Löwenbeherzt, und folgete Siegfrieds winkendem Banner.
- Und wie folgte nicht, Stollberg, dir, im Muthe der Helden,
- Sachsens edeles Volk, das mächtig umher an der Elbe,
- So an der Pleiß' und der Ilm, ruhmwürdige Städte bewohnet;
- Wo den Musen ihr Kranz erblüht', und die forschende Weisheit
- Glänzende Höhen errang. Sie sendeten freudig nach Mailand,
- Ueber Tyrols Berghöh'n, achthundert gewaltige Krieger.
- Treues Tyrol, auch deinen Gebirgen und Thälern entströmte,
- Jauchzenden Muthes, die Schar gepriesener Schützen! Sie nahten,
- Tausend an Zahl, und, vereint fünfhundert muthigen Bündtnern,
- Führte sie Salis zum Kampf, Oestreichs hochherziger Feldherr.
- Ha, nicht weilten daheim die Helden des glücklichen Reiches,
- Das in dem Bruderbund' unzählige Völker vereinet,
- Und den Vereinten durch Weisheit, Mild', und Gerechtigkeit obherrscht:
- Denn es entsandte zum Heer fünfhundert geharnischte Reiter:
- Böhmens tapferes Volk, das, eisern, im eisernen Schlachtfeld
- Ausharrt, und im entscheidenden Kampf den Feind in den Staub wirft;
- Sandte der Ungern muthige Schar, die auf feurigen Rossen,
- In der gewaltigen Faust den blinkenden Säbel erhebend,
- Schnell, wie der Blitz, im Flug, die feindlichen Reihen zerschmettern.
- Jenen geboth Waldstein, und diesen Hunyadi's[25] Enkel,
- Der, Europa's Hort, die Macht der Osmanen gebrochen.
- Ihnen gesellt, annahte das siegsruhmdürstende Fußvolk,
- Das sich aus deinem Wall' und Fluren erhob, Vindobona,
- Austria's herrliche Kaiserstadt! Wer rühmte dich würdig?
- Ha, wie lieblich bespühlt die breitherrollende Donau
- Deinen erhabenen Sitz! Wie stolz dir winken die Berghöh'n,
- Säuseln die Hain' umher, und die lustaushauchenden Gärten!
- Herrlich umglänzt dich der Aehren Gold, des fröhlichen Weinbergs
- Labende Frucht; dir blüh'n rings Edens wonnige Fluren!
- Nun entbothst du die Schar fünfhundert erlesener Krieger.
- Aber noch dreimal die Zahl entsandten die trefflichen Länder,
- Welche die March, die Muhr, und die Drau durchströmet, und jenes,
- Das in dem freundlichen Schooß der Zirknitz[26] zaub'rischen See birgt:
- Wo in den Tagen des rollenden Jahrs bald emsige Fischer
- Jubeln der Beut' in dem Netz', und bald die Schnitter und Jäger
- Strecken die Halm' und das Wild auf dem fluthentblößeten Raum hin.
- Lichtstein führte dieß Volk. Hoch flattert' im Winde sein Fähnlein,
- Wo das purpurne Feld, vom güldenen Felde gesondert,
- Auf dem Schilde sich wies, und des Helms hochragender Fittig.
- Hinter den zahllosen kam, von schnaubenden Rossen gezogen,
- Näher die Wucht von hundert donnernden Schlünden und Mörsern.
- Rückwärts gähnet' ihr dräuender Mund, und jeglichem folgte,
- Rasch, mit der Lunt' an der Brust, der Wurfschütz -- folgten Gehülfen,
- Sonder Scheu, an dem Wagen, voll tödlicher Feuergeschosse.
- Rogendorf, der Feldzeugmeister im Heere des Kaisers,
- Führte des Feldzeugs Macht. Er hemmte zuweilen mit Vorsicht
- Sein gluthschnaubendes Roß, daß all' ihm folgten in Ordnung.
- Trauer erfüllte sein Herz. Ihm sank der Gefährte der Jugend,
- Salm, auf Wiens hochragendem Wall, wo beide, den Leu'n gleich,
- Kämpften gegen Suleymans Wuth.[27] Dort schwand ihm des Glückes
- Freundlicher Strahl: vom Grau'n des nächtlichen Kummers umgeben,
- Sah er schweigend hinaus nach des Lebens verödeten Räumen.
-
- Also lenkte zum Meeresstrand die tapferen Völker
- Ebersteins Heerruf. Laut wirbelte, drönte die Trommel;
- Schmetternd erklang die Dromet', und das Wiehern der stampfenden Rosse
- Scholl aus dem Waffengeblitz herüber vom stäubenden Fahrweg.
- Doch nun rollt' er die Reih'n am tosenden Strande des Meers auf:
- Guasto's Feldherrnauge zur Schau. Sie jagten hinunter,
- Jagten herauf das muthige Roß, die herrlichen Scharen
- Musternd, und staunenden Blicks ersah der oberste Feldherr
- Deutschlands Heldenvolk, das, trefflichgerüstet, daherzog:
- Diese bewehrt mit dem Helm' und dem Panzerhemde von Eisen,
- Haltend die hochaufragende Lanze gelehnt an die Schulter;
- Jene, das Feuerrohr im Arm, dem krachend des Todes
- Kugel entfleugt, und fern' aus den Reihen die Männer in Staub wirft.
- Allen umhüllte die Brust der todabwehrende Koller,
- Von dem Felle des Elennthiers, und die eisernen Hauben
- Schirmten vor tödlichem Hieb ihr Haupt im Gemenge der Waffen.
- Aber die Reiterschar, gleich Flügeln umgebend das Fußvolk,
- Hob den blinkenden Stahl in der nervigen Rechte zur Schulter.
- Alle blickten nach Eberstein: Die rechts, und die Ander'n
- Links, wie er nun, zur Mitte gekehrt, vor den Scharen das Wort nahm:
- »Seht uns am Strande des Meers! Verkünden die thränenden Wimpern,
- Kündet die Stille mir, wie jetzt des herrlichen Anschau
- Euern Busen ergriff in spracherstickender Wonne?
- Endlos wogt es dahin, in des Himmels umwölbenden Busen
- Schwindend: ein Bild der allumfassenden Liebe. Gesegnet
- Sey uns die Fluthenbahn: nach dem fernentlegenen Welttheil
- Führe sie schnell die Helden zum Kampf für Rettung und Freiheit!
- Brüder, wir kämpfen ihn dort, als Deutsche, der heiligen Pflicht treu,
- Glühend von edelem Muth', und denkend des heimischen Ruhmes!
- Gott und der Kaiser mit uns, die stets den Tapferen hold sind!«
- Tausende schrie'n, aufjauchzte das Heer: »Gebiethe die Abfahrt:
- Gott und der Kaiser mit uns, die stets den Tapferen hold sind!«
- Hastig drängten sich alle zum Strand', und sah'n auf die Meer'sfluth,
- Schweigend, hinaus. Erschüttert bückte sich Dieser, und tauchte
- Freudig die Hand in die Fluth des schauererregenden Abgrunds;
- Jener staunte der Pracht der Kriegesschiff' und Galeeren --
- Auch der Menge der Tau' und der Höhe des thürmenden Mastbaums.
- Rastlos fuhren die Boot' umher. Da schifften am Ufer
- Haufen sich ein; dort stiegen auf hänfenen Leitern die andern,
- Eiliger, auf zu dem Raum des hochgewölbeten Schiffbords.
- Aber die Reiter und Ross', Feldzeug und Geräthe des Krieges
- Faßte der breitere Raum der offenen, niedern Galeeren,
- Wo das muthige Roß, das erst, voll schnaubenden Ingrimms,
- Tobte, bezähmt, und zitternd stand, und den mähnigen Nacken
- Furchtsam erhob: zu schau'n die ringserhellten Gewässer.
- Jetzt erscholl der Abfahrt lauterdonnerndes Zeichen.
- Freundlich weht' aus Osten der Wind, und führte die Schiffe
- Auf die unendliche Fläche hinaus. Die Menge des Volkes
- Sah den herrlichen Zug von hundert Segeln, und jauchzt' ihm,
- Lange vom schwindenden Strand, die Wünsche der günstigen Meerfahrt
- Und des ersehnten Wiederseh'ns mit gewaltigem Laut nach.
- Abend nahte heran. In den weitvorstrebenden Segeln
- Säuselte sanfter der Wind; die goldenstrahlende Sonne
- Sank g'en Westen hinab: sie taucht' ihr breiteres Antlitz
- Leis' in die Spiegelfluth, und blickt' auf der flammenden Bahn dort,
- Scheidend, heran, die, im Wellengeblitz erzitternd, ihr nachflog,
- Und an des Himmels Rand' entschwand. Im rosigen Aether
- Flatterten Wölkchen empor, die an ihrem verglühenden Saum noch
- Lange den huldausstrahlenden Wink der Lieblichen zeigten.
- Aber die Krieger ergriff die süße Wonne der Wehmuth:
- Lautlos starrten sie hin, und dachten des lieblichen Schlafs nicht,
- Mahnte nicht Guasto's ernster Wink und die Stimme der Führer.
-
- Siehe, der finstere Schleier der Nacht umhüllte des Heeres
- Fluthenbahn! Eintönig rauschten die schwankenden Wogen
- Jetzt an dem Kiele des Schiffs umher; scharf hauchte der Fahrwind,
- Und in Eil' entschwand die Heersmacht Genua's Küsten.
- Aber nicht achtlos sah der Christen ergrimmtester Gegner,
- Muhamed, her aus dem Wolkenreich: wie drüben die Völker,
- Lautaufjubelnden Rufs, entfalteten Segel auf Segel,
- Und vom hohen Verdeck die funkelnden Blicke des Kriegers
- Grause Vernichtung drohten dem Volk, das gläubig ihn ehret.
- Gierig forscht' er umher, ob nicht ein wüthender Sturmwind
- Fern' an des Himmels Rand' aufgährete? Doch in den Lüften
- Herrschte liebliche Ruh', und hell erglänzte die Sternflur;
- Forschte zugleich: ob Al-Mansors vereintes Geschwader
- Nahete, den erst jüngst aus Algier Hairaddin sandte,
- Daß er des Kaisers Macht hintilg' in brausender Seeschlacht?
- Aber der Schreckliche trieb noch fern' auf den Fluthen des Meers um,
- Das, Sardiniens Strand von Siciliens lieblichen Ufern
- Trennend, die Bahn ihm wies, wo bald (so wähnt' er vermessen)
- Ihm erliege, besiegt, der erhabene Herrscher der Christen;
- Dennoch entsandt' er erst heut zwei leichthinsegelnde Schiffe,
- Die, von Abdul beherrscht, vor Wälschlands schönen Gestaden
- Kreutzten, und spähten umher: wohin sich wende Del-Guasto?
- Abdul gewahrte des Heer's Abfahrt: denn zahllose Ruder
- Peitschten die See, und die Luft durchfächelten Segel auf Segel.
- Alsbald eilt' er nach Elba[28] hinaus, dem felsigen Eiland,
- Wo von dem Schacht, gehaltreich, schillerndes Eisen der Bergmann
- Fördert zu Tag', und steuerte, bald aus der dunkelen Felsbucht,
- Bald aus dem Eisenport, des Feindes Fahrt zu erkunden.
- Muhamed sah ihn ergrimmt, und naht' ihm, scheltenden Ruf's, so:
- »Bebend schaust du das Christenvolk die Meere beherrschen?
- Sinne vielmehr ihm Leid, ein schwacher dem stärkeren Gegner.
- Denke der List: denn sieh', wie dort ein zögerndes Fahrzeug
- Einsam die Wogen durchschifft! Ihm wirf dich muthig entgegen;
- Halte die Enterhaken bereit; mit der Sprache der Heimath
- Täuschend, raubst du dem Feinde noch heut den tapfersten Feldherrn.«
- Abdul blickte verwundert um sich: wer Worte des Muthes
- Ihm in die Seele gehaucht? und lenkte sein kühnes Geschwader
- Gegen das einsame Schiff, am Mast' erhöhend die Flagge
- Genua's, und entflammend zum Trug den listigen Korsen,
- Der, geboren ein Christ, dem falschen Propheten sich hingab.
-
- Sarno, den tapferen Hort und Gebiether lombardischen Volkes,
- Trug das einsame Schiff: ein schlechterer Segler. Vor Ingrimm
- Ballt' er die Faust, daß nur er, der jüngste der Führer, zurückblieb.
- Wie vor dem rauheren Herbst der Störch' unendliche Scharen,
- Fliehend dahin durchsausen die Luft; doch einer aus allen
- Folgt aus der Ferne dem Zug (den Zögernden lähmte der Weidmann
- Jüngst auf dem Stoppelfeld) und schreit, da jene verschwinden:
- Also schwand ihm das Heer im Schleier der dunkelen Nacht hin.
- Jetzo vernahm er Geräusch' annahender Schiffe: die Wogen
- Klatschten, geschleudert vom Kiel', und laut ersausten die Segel.
- Ahnend Gefahr, aufboth der tapfergesinnete Feldherr
- Schnell sein muthiges Volk. Der Wurfschütz harrte des Winks nur,
- Gegen die Feind', im Donnerhall, Verderben zu senden.
- D'rauf rief er: »Wer naht?« So schrie'n die Krieger zugleich auf.
- Aber vom nahenden Bord begann der Korse voll Arglist:
- »Kennt ihr Genua's Flagge nicht mehr? Uns sandte der Feldherr,
- Daß in dem zögernden Lauf kein Gegner die eure gefährde.«
- Also stürmten die Feinde zugleich, auf beiden den Schiffen,
- Dieß, und auch jenseits an, und enterten, jauchzenden Rufes,
- Sarno's Schiff, an mächtigen Tau'n fünfklauige Haken
- Schleudernd: sie hafteten fest im Gebälk', und mit schrecklichen
- Blicken,
- Hoch in der nervigen Faust den blitzenden Säbel erhebend,
- Schwangen sie sich dann auf zum Bord. Doch Sarno, der Feldherr,
- Nahte, das Schwert in der Hand, nicht feige zu sterben, entschlossen.
- Erst dem Korsen durchstieß er das Herz, das falsche; zerschmettert
- Schnell an der Stirn', ihm sank Atha'r, und Ismail stürzte
- D'rauf, in der Lunge durchbohrt, die tapfersten Aga der Scharen:
- Orta genannt dem Muselman, die hundert und fünfzig
- Krieger vereint. Doch jetzt, unedel im Rücken bestürmte
- Jenen die Meng', und riß mit wildem Getös' ihn zu Boden.
- Wie der Waldurochs, den wüthende Rüden umdrängen,
- Rings mit lautem Gebell, ergrimmter die Stirne vor ihnen
- Senkt, und den einen durchstößt mit tödlichen Hörnern, den andern,
- Rasch mit den ehernen Klau'n zermalmt, und immer empörter
- Rache schnaubt; doch jetzt, an den blutenden Ohren verbissen,
- So an dem zottigen Halse zugleich und den kräftigen Schenkeln,
- Zerrt die tobende Schar, bis überwältigt er hinsinkt
- Vielen, allein: so stürzte der Held, und, schmählich gefesselt
- Ward er mit seinem Volk', aus Haufen erschlagener Gegner,
- Nach dem feindlichen Schiffe geschleppt. Sein eigenes trieb nun,
- Menschenberaubt, umher, als Beute den stürmischen Wogen.
- Dort im finsteren Schiffsraum lag der edelste Feldherr;
- Preßte die Stirn' an die Wand, und heißentquellende Thränen
- Perlten, fort und fort, an seinen Wangen herunter:
- Thränen, dem feindlichen Schicksal geweint, das jetzt, ihn der Freiheit
- Schnödeberaubend, der Bahn entriß, auf welcher die Brüder,
- Dürstend nach Sieg und Ruhm, forteilten nach Afrika's Küsten.
- Aber mit Freud' im Blick' und Stolz in dem Busen entschiffte
- Abdul zu Al-Mansor, der fern durchpflügte die Meerfluth.
-
- Sarno's Jammergeschick nicht ahnend, flog in dem Nachtwind
- Guasto dahin, und siehe, von Ostia, wo sich der Tiber
- Vielgepriesene Fluth ergießt in des Meeres Gewässer,
- Und aus der Vorwelt, nun erhabenen, männlichen Sinnes
- Herzerhebendes Bild, nun namenloser Entartung
- Schaudergestalten uns weckt, daß wir, sie schauend, erbeben:
- Dorther führte der Held Ursini, altrömischen Stammes
- Edeler Zweig, ergraut im Kampf und Schlachtengetümmel,
- Sieben der Schiffe heran, mit tausend erlesenen Kriegern,
- Welche zu Guasto's Heer entsandte der Heilige Vater.
- Nahe dem westlichen Rand des meereinmündenden Stromes
- Thürmt sich, Warten gleich, ein Fels hoch über die Fluth auf,
- Und beschirmt g'en Wind und Wogen die herrliche Seestadt.
- Dort auf dem ragenden Fels, umgeben von wimmelnden Scharen,
- Stand im Feiergewand, mit den dienenden Priestern und Laien,
- Auch der erhabene Hirt in schauererregender Hoheit:
- Denn er harrte der Kommenden schon. Als endlich sie nahten,
- Theilend die Meeresfluth mit dem gleitenden Kiele, da hallten
- Donnernde Schlünd' umher; harmonischer Glocken Getön' klang;
- Liebliche Düft' aufhaucht' in die Luft das silberne Rauchfaß,
- Und weit brannte das Meer in zahlloslodernder Fackeln
- Mächtigem Wiederschein: denn Finsterniß deckte die Welt noch.
- Jetzt, ergreifend schnell mit der Linken den hirtlichen Krummstab,
- Den ihm der _Gute Hirt_ vertraut', zu des Heiles Gefilden
- Hinzuleiten die Heerd', in Treu' und liebender Sorgfalt,
- Hob er zugleich die Recht' empor, und segnete dreimal,
- Rufend zum Vater, und Sohn', und Heiligen Geist, die Erwählten
- Drüben, im Herrn. Hochfeierlich scholl der segnende Zuruf
- Auf die Gewässer hinaus, und jen', auf die Kniee gesunken,
- Senkten die Flagg' und Gewehr', und sandten ein stilles Gebeth auf.
- Aber die schimmernden Segel, geschwellt vom günstigen Fahrwind,
- Führten das jauchzende Heer im Eilflug fort nach Neapel.
-
- Lichter wurd' es in Osten. Des Morgens schauriger Odem
- Flog auf den Fluthen heran. Am dämmernden Saume des Himmels
- Schwamm ein zartes Gewölk, das, erst nur dunkelgeröthet,
- Dann allglühend sich hob: der Sonne geflügelter Herold.
- Wonne, sie kam: die rosenumflossene Stirn' aus der Meerfluth
- Tauchend mit ernstem Hoheitsblick -- dann schnell, in Verklärung,
- Heller und strahlender stets, aufschwebend am bläulichen Himmel,
- Schön, wie ein Sieger geschmückt, zu durchlaufen die herrliche Laufbahn!
- Ringsum jauchzte die Welt. Die gleitenden Wellen erhoben,
- Hüpfend vor Freud', ihr Haupt, und, unabsehlich und endlos
- Flammten sie all' im hehren Glanz' ätherischen Lichtes.
- Aber mit pochender Brust, in stürmischer Seelenentzückung,
- Sah'n die Krieger hinaus auf die schimmernden Fluthen -- vor allen
- Jene, welch' erst jüngst dem Meer' als Fremdlinge nahten;
- Doch bald hob ein jeder den Blick zu dem Vater im Himmel,
- Der das Meer und die Sonne, so schön und so herrlich erschaffen.
- Fröhlich wähnten sie schon sich entrückt dem schrecklichen Unhold,
- Dem auch der tapferste Mann, seekrank, in schwindelnder Ohnmacht,
- Feig', auf dem niedrigen Lager erliegt; doch, als das Gesäusel
- Schiffentführender Wind' in heißerer Stunde des Mittags
- Leise verscholl, und schlaff an dem Maste das Segel herabhing;
- Als das geschaukelte Schiff auf unstättreibenden Wogen,
- Kreisend umher, nicht vorwärts kam: da fielen besiegt ihm
- Alle zugleich, die jüngst dem schwankenden Rücken der Salzfluth
- Sich vertrauten zur Fahrt. Sie dachten, zu sterben. Die Schiffer
- Sah'n, mit Lächeln, des Kriegers Furcht: denn wieder erhob sich
- Nun der günstige Wind, und trieb sie im sausenden Flug fort.
-
- Aber vom Jauchzen des Volks und dem Jubel des eh'rnen Geschützes
- Freudig begrüßt, kam jetzt vor Neapolis schimmerndem Hafen
- Glücklich die Heersmacht an, und lud, mit gewaltiger Stimme,
- Jene zur Heldenfahrt, die dort der Kommenden harrten!
- Wie in dem Föhrengehölz, durchwühlt vom grausamen Wand'rer,
- Wimmelt ein Ameisennest von geschäftigem Volke: sie laufen
- Auf und nieder, voll Hast, zu schirmen die glänzenden Eyer;
- Oder sie bauen ihr thürmendes Haus von Neuem mit Sorgfalt:
- So lief hastig das Volk in dem Hafen umher: das Geschwader
- Rüstend, das an dem Bord dreitausend erlesene Krieger
- Zählte. Den Kriegern geboth Toledo,[29] Don Pedro's Erzeugter,
- Der, des Kaisers Vasall, statthaltend herrscht' in dem Land dort.
- Ach, unsäglicher Jammer zerriß des edeln Toledo's
- Heldenbrust, und stieß ihn schnell aus dem rosigen Morgen
- Täuschenden Erdenglücks in die Nacht endloser Verzweiflung!
- Jüngst erst reicht' ihm die Hand, am Altar, des salernischen Herzogs
- Einziges Kind, Mathilde, die trefflichste, schönste der Frauen,
- Und sie entfloh'n der Stadt, in Calabria's Zaubergefilden
- Suchend die meerbeherrschende Burg, in lieblicher, stiller,
- Seliger Einsamkeit die süßesten Stunden zu leben.
- Dort in dem Schatten umher des meerangrenzenden Fruchthains,
- Den im grünlichen Abendgold die säuselnden Lüftchen
- Wiegten, und rings durchtönte der Nachtigall wonniges Flöten,
- Dort lustwandelten, Arm in Arm, in Liebe verschlungen,
- Beide die glücklichen jetzt. Nur Hugo, ihr redlicher Diener,
- Folgt' entfernter, und band die Bäumchen, voll üppigen Wuchses,
- Die er im Herbste gepflanzt, an die stützenden Pfähle mit Bast an.
- Aber sie ließ, ermüdet, im schwellenden Grase sich nieder,
- Kehrend den Rücken dem Meer', und sah mit thauenden Wimpern,
- Wie der Gatt' im Orangengehölz die Zweige durchspähend,
- Fern hinschwand: denn immer die schöneren sucht' er mit Vorsicht
- Ihr aus der Fülle der goldenen Frucht, erlesend, zu pflücken.
- Wehe, da lag in der Felsenhöhle des hallenden Ufers,
- Von dem blühenden Genst und der Thränenweide verhüllet,
- Dragut, der freche Korsar, und harrte des nächtlichen Dunkels,
- Lauernd, im schwärzlichen Schiff'! Als fern', in dem schattenden
- Fruchthain,
- Forschend, Toledo entschwand: da brachen des Räubers Gefährten
- Plötzlich heran, und schleppten die schöne, die hohe Gestalt fort;
- Doch sie verstummte vor Angst, und verging vor Todesentsetzen.
- Wie die Schar ergrimmter Schakal', aus finsteren Höhlen
- Kommend, und dürstend nach Blut, die erschrockene, sanfte Gazelle
- Fahet im Lauf -- da fällt mit dem Unschuldsblick sie im Sandstaub
- Lautlos nieder: so sank die arm' am Borde des Schiffs hin.
- Hugo gewahrte den Jammer. Er schrie; flog hin zu dem Ufer,
- Stürzt' in die Fluthen, und schwang, ein rüstiger Schwimmer, zum
- Schiffsbord,
- Eines der Thau' umklammernd, sich auf. Da zückte der Wüthrich
- Dreimal den blitzenden Stahl, das grauende Haupt ihm zu spalten:
- Dreimal entsank ihm der Stahl: ihm brach des redlichen Dieners
- Treue das Herz. D'rauf hieß er ihn selbst, mit sanfterer Stimme,
- Wecken die holde Frau aus seelenumschattender Ohnmacht.
-
- Schaudernd vor Angst und Entsetzen, vernahm ihr Gatte des Greises
- Kläglichen Ruf, er schrie, noch die Räuber im Aug', auf die Fluthen
- Lautaufjammernd, hinaus, und both unendliche Lösung.
- Ha, schon wähnt' er, entzückt, die kehrenden Segel zu schauen --
- Freundliche Laute zu hören vom Bord: da brauste der Sturmwind
- Plötzlich aus Westen heran: die triegenden Laute verhallten,
- Und an des Himmels Rand, wie ein leis' entfliehendes Wölkchen,
- Schwand ihm das Schiff! Der Mond erneute sein wechselndes Licht schon
- Siebenmal, seit er an dem Küstenlande der Räuber,
- Forschen, und biethen hieß des Goldes die Fülle zur Lösung.
- Doch nun sandte von ihrem Geschick die entsetzliche Bothschaft
- Hugo: zu Tunis, in Draguts Gewalt, des wilden Korsaren,
- Lebe Mathild', und wieg', als unglückselige Mutter,
- Bald den Säugling im Schooß: denn nimmer zur Wonne des Vaters,
- Ach, und voll Liebe nach ihm, erduld' unendlichen Jammer!
- Alsbald ahnet' er diesen im Geist', und kaltes Entsetzen
- Fuhr ihm durch Mark und Gebein. Doch jetzt dem rühmlichen Heerbann
- Bebte vor Freude sein Herz. Er nahte mit leuchtenden Augen --
- Trieb, und drängte die Krieger zugleich, und die hurtigen Schiffer
- Eilig an Bord: nicht hörend des Volks umschallenden Jubel,
- Nicht des Vaters segnenden Ruf, dem nimmer die Hand er,
- Fromm, und kindlich gesinnt, mehr küßt, nicht die silberne Scheitel,
- Oder das freundliche Aug': da er bald hinsinket vor Tunis.
- So, mit Guasto vereint, entschiffte Neapels Geschwader,
- Gegen Sardinia's Höh'n, des ringsumflutheten Eilands,
- Steuernd, dort in dämmernder Frühe die herrliche Seestadt
- Cagliari zu schau'n, und zu harren des mächtigen Kaisers:
- Denn ihr wurde der Ruhm, aus dem schimmernden Port Europa's
- Furchtbare Macht, vereint, zu entlassen nach Afrika's Küsten.
-
-
-
-
- Vierter Gesang.
-
-
- Horch, Barcellona's Thürmen entschallt mit jubelndem Wohllaut
- Glockengetön'; erschütternd rollt des eh'rnen Geschützes
- Freudendonner vom Wall', und im Port, wo unzählig die Masten,
- Gleich dem entblätterten Wald, aufragen zum Himmel, erglänzen
- Flaggen und Wimpel umher, die bald im bläulichen Luftraum,
- Von umgaukelnden Winden gerafft, wie silberne Wölkchen
- Flattern, und bald, am thürmenden Mast heruntergesunken,
- Schlängelnd, über den Bord hinsäuseln zum schäumenden Abgrund.
- Unabsehlich, die Straßen entlang, erglänzt von den Erkern
- Festlich der Teppiche Pracht. Dort winken aus jeglichem Fenster
- Blumen in Meng', und hauchen elysische Düft' an den Häusern
- Lieblich umher. Doch welch' ein Lärm auftobenden Jubels
- Füllet die Fenster zugleich, und die Erker; die schwindligen Höhen
- Ragender Zinnen und Thürm', mit unzähligen Menschen? Es starren,
- Wang' an Wange gepreßt, ein Haupt aufragend vom Haupt noch,
- Alle, mit leuchtendem Aug', in die wimmelnde Straße herunter,
- Während die wogende Menge hinaus auf den stäubenden Heerweg
- Braust, wo Ludwig, der Held, und Doria, mächtigen Anseh'ns,
- Ordnen die Krieger in Reih'n, dem nahenden Herrscher zu Ehren.
- Jetzo noch lauter erschallt, wie unendliches Rauschen der Sturmfluth,
- Schön und furchtbar zugleich, ein Ruf: »Hoch lebe der Kaiser!«
- Sieh', er kam! Von Mendoza geführt, dem tapferen Feldherrn,
- Schritten vor ihm achttausend Krieger -- im Heere die Alten,
- Die, in der Reihe der Jahre versucht, und gestählt in Gefahren,
- Siegbeherrschenden Muths und entscheidender Stärke sich rühmten.
- Jetzo nach Wirbel und Schlag der heerebewegenden Trommel,
- Nahten sie all' im gemessenen Schritt, die Gewehr' an die Schulter
- Pressend im Arm, und zum Schall der Feldschalmeien und Flöten,
- Ehernen Klange des Horns und des Brummrohrs tiefen Gewaltton
- Mengend, im schönen Verein, ihr fernhinhallendes Schlachtlied.
- Schauder ergriffen das Volk. Den Altgedienten am Fuß nach
- Folgte die herrliche Schar viertausend erlesener Reiter,
- Welch' erst jüngst in Hispania's Gau'n die Stimme der Cortes
- Aufboth, Jünglinge noch, doch lechzend nach Kampf und Gefahren.
- Hufesgerassel erscholl in's Geklirr des Waffengeschmeides
- Und in den ehernen Ruf der schmetternden Kriegesdrometen.
- Doch was schleudert noch helleren Glanz in den sonnigen Straßen,
- Blendend, umher? Wer nennte die Rossebändiger würdig,
- Die von silbernen Rüstungen blank, die ragenden Lanzen
- Nervigen Rechten vertrau'n? Zweihundert der edelen Ritter
- Sind es: die »Blüthe« genannt des hohen, hispanischen Adels.
- Aber vor allen hervor, ein Viergestirn in der Heersmacht
- Strahlen: Alba[30] der stattliche Held, der kühne Alarcon,
- Welchem zur Huth Frankreichs gefangener König vertraut ward,
- Vor Pavia im Sieg;[31] Sarmento, und Garzia Lasso,[32]
- Der, ein Sänger und Held, das blitzende Schwert und der Lyra
- Gold'ne Saiten mit einem Kranz zu umschlingen, sich sehnte.
- Jetzt entflammte sich jegliches Aug'. Der mächtige Kaiser
- Folgte der edelen Schar, und grüßte das jubelnde Volk dort
- Links und rechts, mit freundlichem Blick. Sein feuriges Prunkroß
- Wölbete stolzer den mähnigen Hals, und tanzte die Straßen
- Munter hinab: nun hin, nun her sich wendend, im Halbkreis.
- Dort, wo in festlichgeordneten Reih'n sein harrte das Fußvolk,
- Hemmt' er den Rappen, und sah: wie fertig das blanke Gewehr sie
- Schwenkten mit einetem Schlag'. Er winkte den schaltenden Führern
- Dank, die rasch zur Stirne den Degen erhoben, und senkten,
- Huldigend; dann aufschrie'n laut: »Marsch!« durch die hallende Stadt
- hin.
- Und in dem Jubelgedräng fortwogten die trefflichen Scharen:
- Eilend hinab in den Hafen, am Bord der harrenden Schiffe,
- Nun zu beginnen die Fahrt nach Afrika's fernen Gestaden.
-
- Staunend ersah die Meng' im Gefolge des mächtigen Kaisers
- Muley-Hassan. Er hob die trauerumflossenen Augen
- Nicht von der Erd' empor, und schwieg; doch inniges Mitleid
- Weckte der Jammer des heimathlosumirrenden Königs.
- Jetzo dem Herrscher genaht, rief Doria laut vor den Scharen:
- »Sehnest du dich schon heut nach dem Raum' _Karthago_, des Heerschiffs,
- Das vor jeglichem groß und kunstbeflissen gezimmert,
- Prangt in dem Port, und vom Schilde den Kranz unsterblichen Ruhmes
- Weist, der dir erblüht auf Karthago's rühmlicher Stätte?
- Oder gefällt dir's mehr, zu ruhen im schönen Palast hier,
- Den dir schmückte die Stadt, Barcellona, mit liebender Sorgfalt?«
- »Nichts von Ruhe noch Rast mir gesprochen,« so sagt' ihm der Kaiser,
- Eifernd, »jetzt, wo mir's nur lauter im glühenden Busen
- Pocht, und stürmt; kein Schlaf die ermüdeten Augen erquicket,
- Die nur Tunis im Grau'n der einsamen Nächte, nur Tunis
- Schau'n in der Helle des Tags, und Schlacht, und Sieg, und Errettung!
- Spannet die Segel! Uns winkt, gebiethend, Afrika's Meerstrand.«
- Doria führt' ihn an Bord. Ihm folgte der munteren Schiffer
- Hurrahgeschrei und unzähligen Volk's nachjubelnder Segen,
- Bis er vom hohen Verdeck die Treppe hinunter im Schiffsraum
- Leis' entschwand. Und siehe, dem Staunenden öffnete dort sich,
- Prunkend, ein hoher Saal, auf deß' aufwölbenden Himmel
- Titian selbst ein Meisterwerk mit zaubrischem Pinsel
- Schuf, nach Doria's Wink! Ein Schlachtfeld hatt' er gebildet.
- Fern, wie in Nebel gehüllt, erspähet der schärfere Blick nur
- Fliehende Feind' am Gebirg: so winzig ist Alles und Jedes
- Dort mit dem zarten Duft der dämmernden Ferne, verschmolzen.
- Näher heran, am Rain des saatdurchschlängelnden Baches,
- Wirft sich die Reiterschar auf Reiter, zum letzten Gemetzel
- Spornend das Roß, und es fleugt, und schnaubet, mit wallenden Mähnen,
- Flammendem Aug' -- fort über zerschmetterter Leichen und Waffen
- Blutigen Wust, an des Gegners Roß. Die schrecklichen Kämpfer
- Schleudern den blinkenden Speer, und schrein, und brüllen den
- Schlachtruf --
- Und uns däucht: als töne Geschrei von dem klaffenden Mund her.
- Aber schon kommen vom Waffengefild, dem dräuenden Sieger
- Folgend, mit Schmach im Blick', und die Händ' am Rücken gebunden,
- Scharen Gefangner herauf, wo Constantin,[33] Kaiser des Weltreichs,
- Von dem Rosse sich wirft, die Kniee zum Staube zu beugen:
- Denn, noch schaut er, in Wonne verzückt, das Kreuz an dem Himmel
- Flammen im Sternenkranz; noch sieht er der hohen Verheißung
- Himmlische Wort' in dem strahlenden Kranz: »Du siegest mit ihm nur.«
-
- Dort zu dem herrlichen Bild', erschüttert tief in dem Herzen,
- Sah der Kaiser empor, und trocknete schweigend die Thränen.
- Abendröthlicher Glanz ergoß durch leuchtende Fenster
- Strömend, sein heiliges Licht in dem Saal', und liebliche Stille
- Herrschete. Jetzt geboth sein flammendes Auge der Abfahrt
- Donnernden Ruf: er scholl vom Borde der hohen Karthago
- Freudig dem horchenden Krieger an's Ohr; durchbrüllte der Seestadt
- Thürmende Straßen, der Felsenhöh'n verborgenste Schluchten
- Rings im Gefild', und verhallte mit oft auftobendem Grimm noch,
- Fern' am drönenden Rand des bläulichen Himmelsgewölbes.
- Plötzlich erwachte Getös' und geschäftige Hast in dem Hafen.
- Zahllos flattern die Segel vom Mast'; an den ächzenden Winden
- Knistert das Seil umher, und bald enttauchet der Anker
- Zackige Wucht den Wogen, und ruht in die Quer' auf dem Balken,
- Vorn' an des Schiff's Brustwand. Die leitende Nadel betrachtend,
- Sitzet der Steuermann bedächtig am Ruder, und rauschend
- Folgt ein jegliches Schiff dem Ruderboot', an dem Schlepptau,
- Fort auf des Meeres Höhen hinaus, wo ein günstiger Fahrwind,
- Sausend von Mitternacht, vorwölbet die schimmernden Segel.
- Aber es drängte das Volk sich am Strand', und bethete, weinte,
- Jauchzte den Schwindenden nach. Wohl Mancher lief an dem Ufer,
- Keuchend, noch hin, und schwenkte das wehende Tuch in den Lüften --
- Schwenkte den Hut, »zum Lebewohl,« den theuern Bekannten!
- Zwar nicht jauchzte die liebende Braut, nicht die zärtliche Mutter
- Mehr an dem Strand; doch muthig bezwangen sie dennoch die Thränen:
- Denn auf rühmlicher Bahn enteilten die Lieben der Heimath.
-
- Freudig schiffte des Kaisers Macht im sausenden Wind hin;
- Eilte den Balearen, im Flug, g'en Osten vorüber,
- Und umkreisete bald im Süden Sardinia's Vorland:
- Nahend der herrlichen Stadt Cagliari, mit Guasto's Geschwader
- Sich zu der Heeresfahrt nach Afrika's Küsten zu einen.
- Doch nun schwebte die Nacht mit weitverbreiteten Flügeln,
- Leiseren Fluges, herab, und umhüllte des Meeres Gewässer.
- Guasto's Macht trieb noch, auf der wogenden Wüste verschlagen,
- Fern Cagliari's ersehnetem Port, in der dunkelen Nacht um:
- Denn jetzt führt', unhemmbaren Flugs, ein brausender Nordwind
- Ihn nach dem meereinengenden Thal hinunter, wo vormals
- Stets, der Charybdis zugleich und der furchtbarn Scylla der Schiffer
- Zitterte. Dort erscholl ihm jetzt urplötzlicher Aufruhr
- Von dem Schooße des Aetna heran. Mit Entsetzlichem schwanger
- Lag er, kreißend, in Weh'n. Er wüthete: stürzende Felsen
- Schleudernd mit lautem Gekrach', Orkanengetümmel, und Gluthsturm,
- Weit in den Tiefen umher, daß rings das Meer und der Erdkreis
- Schwankte vor Angst, bis er jetzt aus- des Grauens Geburt warf.
- Erst aus dem finsteren Schlund', in meilenmessendem Umfang,
- Quoll Rauch auf: weithin am Himmel die Sterne verschlingend,
- Und in dem wirbelnden Flug durchzuckt von bläulichen Blitzen;
- Dann aufbrauste wie Staub, vom Winde gerafft an dem Kreuzweg,
- Odemberaubender Schwefelqualm und Aschengestöbers
- Dichtes Gewölk, und jetzt, in wüthender Eile geschleudert,
- Rasselten glühende Stein' ihm nach; jetzt hob sich die Flamme
- Himmelempor, und leuchtete fern' in die finstere Nacht hin.
- Rings erglühte das Meer. So hoch die Flamm' an die Wolken
- Loderte, sank ihr Bild so tief in's dunkle Gewässer
- Nieder, und warf in die Unterwelt hellleuchtende Funken.
- Aber den kreißenden Berg durchwühlten noch stärkere Wehen.
- Unterirdischer Donner rollt', aufrauschten die Wogen --
- Schlugen das schäumende Haupt im Kampfe zusammen; des Aetna
- Scheitel erbebte: denn, o des grausenerweckenden Anblicks,
- Jetzt ausspie sein Schlund die glühende Lava: sie wälzte
- Breiter und flammender stets, die feurigen Wogen herunter;
- Laut aufheulten die Lüft', und die Schöpfung schauderte ringsum!
- Doch Del-Guasto's Heer flog dann im sausenden Sturmhauch
- Eiliger fort auf dem Meer, Sardiniens Küsten entgegen.
-
- Aber nicht war in des Berg's Abgründen allein der Empörung
- Wildes Getümmel erwacht: auch hoch in den Lüften begann jetzt
- Furchtbardräuender Kampf und seelenerschütternder Aufruhr:
- Denn von des Aetna Fluren umher, unendlich verbreitet,
- Hob der Flamme Gewalt auf rastlos fächelnden Schwingen
- Schnell die Dünste der Erd' empor zu des Aethers Gefilden.
- Wie, der stützenden Balken beraubt, ein Schacht in dem Erzberg
- Plötzlich zusammenstürzt: da rollen zertrümmerte Felsen,
- Rollet die Erde, der Wald in die Tief', und weit aus dem Abgrund
- Fleugt Staub auf, und Getös' einsinkender Berge: so stürzte
- In den verdünneten Raum, vom glühenden Süden herüber,
- Dann sich die Meeresluft, und weckt' im Fluge des Sturmwinds
- Kaum besänftigte Wuth an Afrika's Felsengestaden.
- Dort auf des Atlas[34] Höh'n, des himmelanthürmenden Berges,
- Lag Gewittergewölk', und sandt' in die finsteren Thäler
- Röthliche Blitze herab. Nur leis' ummurrte der Donner
- Noch in dem Schooß des Gährenden; doch von dem brausenden Sturmwind
- Näher gejagt, aufflog's am funkelnden Himmel, und hüllte
- Plötzlich des Kaisers Wogenpfad in schreckliches Dunkel.
- Früh' erkannten die Schiffer, vom Bord die perlenden Fluthen
- Schauend: es nahe der Sturm. Sie zogen die dichtesten Segel
- Auf an den Mittelmast, und ordneten sorglich die Thau' all'.
- Doch nun brauste der Wind fern her: dem thürmenden Wall gleich,
- Hob sich vor ihm die Fluth, und rauscht' auf die gleitenden Schiffe
- Nieder, und dann aufwogten sie rings unendlich und furchtbar.
- Jetzo in Wolkenhöh'n auf dem Saum der heulenden Wogen
- Schwebten die Schiff', und jetzt, in des Meer's Abgründe geschleudert,
- Deckte sie dunkler Fluthen Nacht, wie verloren auf immer.
- Ueber das hohe Verdeck hinüber, herüber ergoß sich,
- Schäumend, der Wogen Meng', und netzte die flatternden Wimpel.
- Muhameds Aug' erglänzte vor Lust, nach den gährenden Blitzen
- Schauend im Donnergewölk, das über den Schiffen der Christen
- Grau'nvoll hing. Er winkte, voll Hast, den grimmigen Geistern
- Attila's -- winkte den Seinen zugleich: sie brausten im Eilflug
- Näher, und, wie die Schar der schwarzbefiederten Raben,
- Aufgeschreckt vom Knall todtschmetternder Büchse, vom Anger
- Laut, mit Geschrei, sich erhebt, und immer in engeren Kreisen
- Ueber des Schützen Haupt durchrauscht den sausenden Luftraum:
- So durchstürmten auch hier die unzähligen Geister der Wolken
- Gährenden Schooß, bis solcher in feindlicher Reibung entbrannt war.
- Siehe, da zuckte der Blitz, und zerriß den finsteren Himmel
- Schnell von Westen bis Osten hinauf! Dem rollenden Donner
- Drönte die Welt umher, und Ströme des sausenden Regens
- Peitschten, mit eh'rnem Geprassel, die Fluth. Fort krachte der Donner --
- Krachte durch Sturmgeheul und Gebrüll der empörten Gewässer,
- Endlos fort. Wie links und rechts die Schiffe sich beugten,
- Hoben zum finstern Gewölk ringsher, entsetzlich zu schauen,
- Flammende Wogengebirg' ihr Haupt: denn strahlender Blitzglanz,
- Schwärze der Nacht, traf wechselnd das Aug' des erblindeten Volks hier!
- Sieh', und allen umher auf dem Bord' erblaßten die Wangen
- Jetzo vor Angst: sie harrten, verstummt, des nahen Verderbens;
- Doch der edele Kaiser sah nach dem Grauen des Meersturms
- In erhabener Ruhe hinaus: der hohen Verheißung
- Tröstender Strahl erfüllte sein Herz, das niemals gebebt hat.
- Bald entschwand im eilenden Flug das grause Gewitter.
- Regen sauste nicht mehr; die Winde verstummten; der Donner
- Wüthete nicht; nur fern' am Rande des wölbenden Himmels
- Murrt' er dumpfer noch fort, wo flatternde Blitze zuweilen,
- Kehrend, und fliehend zugleich, die dunkeln Gewässer erhellten.
- Aber noch lange tobte das Meer, bis leise zu Hügeln
- Schwanden die Wogengebirg', und die Hügel zu fluthenden Eb'nen.
-
- Als die Sonn' ihr Strahlenhaupt aus den duftenden Wogen
- Aufhob; ringsum das Meer, und über dem Meere der Himmel
- Golden erschien: da rief vom Korbe des schwindligen Mastbaums
- Laut der Späher herab: »Uns nahen des Feindes Geschwader.«
- Sieh', und des Himmels Rand' entschwebten die feindlichen Segel,
- Gleich dem Gewittergewölk' in glühender Stunde des Mittags!
- Jetzt auf jeglichem Schiffsverdeck war Lärm und Gewimmel
- Spähenden Volks. Es bebten vor heißem Verlangen die Krieger,
- Bald in des Feindes Auge zu schau'n, und im Kampf der Entscheidung
- Ihm zu vergelten die Schmach der verheereten Küsten der Heimath.
- Aber vor allen sah Held Doria gierig vom Bord hin:
- Prüfend des Fernrohrs Wundermacht, das selber der Künstler,
- Janssen von Middelburg[35] zum Ehrengeschenke dem Kaiser
- Both: er lohnt' ihm's reichlich mit Gold und ehrendem Beifall,
- Schätzer alles Verdiensts, und Würdiger solcher Erfindung.
- Attila brauste heran, und sah nach den wogenden Schiffen
- Finster hinab; doch jetzt dem spähenden Doria nahend,
- Drängt' ihn die Neugier mächtiger hin, voll Hast zu erforschen:
- Was sich im schimmernden Rohr dem Helden für Wunder gestalten?
- Als er gebückt, ihm gleich, das Auge dem Glase genähert,
- Fuhr er betroffen zurück. Er bückte sich wieder, und forschte
- Jetzo mit freiem und jetzt bewaffnetem Aug' auf dem Meer' um,
- Schauend nach Al-Mansors Schiffsmacht, die weit in dem Anlauf
- Deckte das Meer. Er lächelte sinnend, und wiegte das Haupt oft;
- Doch nun hob er ergrimmter sich auf in den schimmernden Luftraum,
- Wo der Scythen erlesene Schar sein harrte. Dem Geist war
- Schnell das Geheimniß enthüllt: wie hier auf dem wölbenden Glasfeld
- Sich des Entfernten Bild abspiegelte, dann in des Auges
- Krystallfluth der Strahl, gebrochen, vom Glas' zu dem Glas' fort
- Strömt': im helleren Wiederschein, der Seele zur Anschau.
- Zorn entflammte sein Aug'. Er rief den Geistern ergrimmt so:
- »Sey es der Nachwelt Ruhm: nur Trug zu ersinnen, und Arglist!
- Was die Ferne verhüllt, bannt dieß erfindende Volk sich,
- Herrschend in seine Gegenwart mit dem schimmernden Fernrohr.
- Daß sein Donnergeschoß hinstreckt in der Ferne die Reihen
- Tapferer, däucht ihm Gewinn. Es rühmt sich: die Höllenerfindung
- Kürze den Krieg, und spricht von Schonung im blutigen Schlachtfeld.
- Ha, nicht also kämpften wir einst: denn nah' in die Augen
- Sah'n wir gerne dem Feind! Wohlan, nun laßt uns die Scharen
- Al-Mansors empören zur Wuth und mordender Blutgier!«
- Jene entfloh'n. Doch Doria sah die bläulichen Wogen
- Schäumen am stürmenden Kiel wohl hundert feindlicher Schiffe,
- Die von dem Bord Schlachtruf herdonnerten, trotzend auf Kühnheit
- Kampferfahrenen Volks und auf Sieg', errungen im Raubzug.
- Jetzt auf den Höhen des Meer's, unferne der Stadt Cagliari,
- Hemmte der Kaiser die Schiff' im Lauf, die anstürmenden Gegner
- Dort zu erwarten bereit. Ihm einte sich Guasto's Geschwader,
- Jauchzend, und weit umher bedeckten die Schiffe die Meersfluth.
- Auf den Zinnen der Stadt, auf den Warten der Berg' und der Hügel,
- Harrt' unzähliges Volk; so harrten im schimmernden Luftraum,
- Hingegossen auf zartes Gewölk (doch feindlich geschieden)
- All' die Geister, voll Gier, der grauenerregenden Seeschlacht.
- Aber nur Muhamed sah mit herzzernagendem Kummer
- Al-Mansors verderblichen Trotz. Von Thränen umflossen
- Glänzte sein Aug', und er rief den Seinen, ein heuchelnder Seher:
- »Eben vernahm mein Ohr den Flug des nächtlichen Schicksals,
- Dem, ach, ewig bestimmt, vorschwebt des sterblichen Menschen
- Wohl und Weh' -- dem Al-Mansor mit seinem Geschwader
- Nimmer entflieht! Nach Afrika fort, wo Hairaddin freudig
- Unserer Stimme gehorcht: ihm wollen wir Rettung ersinnen!«
- Brausend schwebt' er, mit seinem Gefolg', in der heulenden Luft hin;
- Doch in den schimmernden Höh'n, des nahen Kampfes gewärtig,
- Harrten die übrigen all', und sah'n auf die Fluthen hinunter.
-
- Doria lenkte sein Schiff dem Borde der hohen Karthago
- Näher, und rief dem erhabenen Herrscher mit leuchtendem Antlitz:
- »Gönn' es, erlauchtester Herr, daß hundert feindlichen Segeln
- Fünfzig der unsern entgegen sich reih'n; daß hier auf der Meerfluth
- Doria kämpf', und siege, wie du auf dem eisernen Schlachtfeld!«
- Aber da schwang aus der bläulichen Luft sich Hermann herunter.
- Hell wie Sterne der Sommernacht ihm flammten die Augen,
- Als er dem stattlichen Kaiser genaht, ermuthigend, ausrief:
- »Wie, du wolltest, ein Held, nicht selber verlangen des Sieges
- Lorbern? Lenke die Schlacht: so wird unsterblicher Ruhm dir!«
- Also bestürmt' er das Herz des leis'aufhorchenden Kaisers,
- Der, erschüttert im Geiste begann: »Wie hebt sich der Mißgunst
- Schmachgebährender Streit in meinem bewegten Gemüth' auf?«
- Schnell erkämpft' er den heiligen Sieg, der edlere Seelen
- Krönt in dem Kampf g'en Trug und Bethörungen niedriger Selbstsucht,
- Und sein schützender Engel sank in hoher Verklärung
- Ihm an die Brust. Doch Hermann sah in dem Herzen des Edlen,
- Staunend, den hehren Sieg: er sah die himmlische Klarheit
- Leuchten um ihn, und floh betroffen zurück' in den Luftraum:
- Denn nicht durft' er schau'n den Himmlischen. So nach des Sommers
- Heiß entschwundenem Tag', seh'n wir den zuckenden Blitzstrahl
- Flammen im Sternenzelt, und sprechen: der glühende Himmel
- Kühle sich ab -- nicht hörend den fernverhallenden Donner:
- Also entwich, von dem hehren Glanze geblendet, der Geist hier.
- Aber der Kaiser sprach zu Doria lächelnden Blickes:
- »Zwar ersehnte mein Herz, die Schrecken der stürmenden Seeschlacht
- Hier zu besteh'n, und die Kraft zu versuchen in neuen Gefahren;
- Aber nicht Sorg' um des Herrschers Haupt erschlaffe die Schwingen
- Deines erhabenen Muths, und das siegerringende Schiffsheer
- Reiche nicht ihm den Kranz, der dir umwinde die Scheitel.«
- Sieh', und mit Thränen im Blick', entschiffte der treffliche Seeheld
- Jetzt an dem Borde des doppelten Aars, deß Fittig' er liebend
- Wählte, sich aufzuschwingen zum Glanz' unsterblichen Ruhmes.
- D'rauf erlas er, behend', aus den schimmernden Reihen der Schiffe
- Fünfzig, bemannt mit tapferem Volk, das oft auf dem Meer schon
- Lorbern errang: die Schiffe der furchtbar'n Räuber besiegend.
- Wie der mächtige Aar, ausbreitend die rauschenden Flügel,
- Schnell hinfleugt in dem Wind, so flog die erlesene Schiffsmacht
- Fort auf der schimmernden See: denn rechts entfaltete Ruyter
- Fünfzehn flandrische Flaggen, und links, der kühne Moncada,
- Mit Hispania's acht, Lusitania's sieben vereinend,
- Fünfzehn. Doch zu Wälschlands Ruhm, dem feindlichen Andrang
- Muthig entgegen zu steh'n in der Mitte des Heldengeschwaders,
- Pflanzte Genua's Flagg', und zugleich, die Rom und Neapel
- Einte der Heeresmacht, an zwanzig trefflichen Schiffen,
- Doria auf. Jetzt allen umher verständliche Zeichen
- Donnernd, erscholl vom Bord sein rüstunggebiethender Aufruf.
- Wie Gewitterstoff von der kreisenden Scheibe des Glases,
- Prasselnd, durch saugendes Messingrohr einströmt in der Flaschen
- Dunkelen Schooß, und ein Mann, die leitende Kett' in der Linken,
- Reichet dem Nachbar die Recht', und dieser dem Nachbar, und so trifft
- Hunderte dann erschütternder Schlag urplötzlich, auf einmal,
- Wenn der glimmende Funk' aufflammt am entladenden Kolben:
- Also bewegte die Führer zugleich des Schlachtengebiethers
- Donnerruf, und, nahe dem Maste die rühmliche Stelle
- Wählend, geboth ihr Schrei dem Volke die Rüstung. Am Mastbaum
- Kletterten Schiffer empor, und ordneten eilig die Segel,
- Während die Krieger in Reih'n ihr Feuergewehr auf dem Schiffsbord
- Luden. Sie gossen zuerst entflammendes Krot in des Zündlochs
- Pfanne; schmetterten Krot und Lot, mit dem glänzenden Ladstock,
- Fest in das Rohr, bis auf er hüpfte vom klemmenden Läppchen,
- Und umspannten mit fröhlichem Schlag' es am kräftigen Kolben.
- Auch in die furchtbar'n Donnerschlünd' eindrängte der Wurfschütz,
- Dann mit dem Krote, die Wucht der eisernen Kugel; er bohrte
- Kundig das Brandrohr ein, und facht' an der Lunte die Gluth an.
- Aber mit tieferem Ernst' und erhöhtem Vertrau'n in den Augen,
- Sah der Kaiser vom Bord dem schlachtanbiethenden Volk nach.
-
- Jetzt aufrauschte das Meer: es nahten die Feinde. Wie Nebel,
- Vom Herbstwinde gejagt, weithin verhüllen der Sonne
- Liebliche Bahn: so flogen der Feind' unzählige Segel
- Her auf der See. Doch Al-Mansor ergrimmte des Gegners
- Minderzahl, und Wuth, und Hohn verzerrte sein Antlitz.
- Doria's Stimme geboth vom Bord' in donnernden Lauten:
- »Jegliches Schiff erwähle sich zwei der feindlichen -- trenne,
- Muthig, des Gegners Macht,« und stürmte, der erste, zum Angriff.
- Jetzt, wie zwei Sandhosen, gerafft vom Hauche des Aethers,
- Schweben im Luftraum hin, durchblinkt von der trauernden Sonne,
- Bis, von dem stürmenden Ost und West sie plötzlich vermenget,
- Stürzen zur Erde zugleich, und dort mit Orkanengetümmel
- Wüsten die Fluren umher, und die wimmelnden Städt' und die Dörfer
- So, daß bald nur Entsetzen und Grau'n die Gefilde verhüllet;
- Wie der feurige Blitz, im nächtlichen Donnergewitter,
- Weitgesonderte Häuser der Stadt entzündet auf einmal:
- Furchtbar hebt sich der Rauch; hoch lodert die prasselnde Flamme:
- Denn unbändig herauf, unbändig hinunter, im Eilflug,
- Wüthet das Feuer die Straß' entlang; stets näher und näher
- Wälzt sich der Gluthenstrom entgegen dem kommenden Gluthstrom;
- Bald -- schon sind sie vereint, und schlagen entsetzlich zusammen:
- Also trafen sich hier die feindlichen Schiffe. Gehorchend
- Doria's Ruf', erkor ein jeglicher Führer der Christen
- Zwei der Gegner zum Kampf'. Und jetzt aus dem donnernden Schiffsraum
- Flog durch Rauch und Flammen der Tod in die feindlichen Reihen --
- Flog vom hohen Verdeck hinüber der schmetternden Büchsen
- Tödliche Saat. Weit deckte der Rauch die Fluthen, und weithin
- Hallte Geschrei der Gedrängten und Dränger im Donnergetümmel.
- Leichen schwammen umher, von den Wogen geschaukelt, und trieben
- Näher an's Land; zerrissene Segel flogen im Wind hin;
- Berstende Mast' entstürzten dem Bord'; aufrauschte die Meersfluth,
- Als sie die Maste verschlang, und schäumend wieder heraufstieß.
-
- Sieh', Abdallah gelang's, der drüben, dem Feinde zur Linken,
- Lenkte die Schlacht, das Schiff des kühnvordringenden Ruyters
- Schnell zu umzingeln! Doch er harrt' auf dem Borde, der Gegner,
- Glühenden Muth's, wie ein Leu, der fern' ein paar Elephanten,
- Durch aufqualmenden Staub, mit furchtbar dräuenden Rüsseln
- Kommen sieht, zu rächen die jüngst gemordeten Jungen;
- Nicht erbebt ihm das Herz: genaht wuthfunkelnden Blickes,
- Sträubt er die Mähnen, und haut um sich mit den schrecklichen Klauen:
- Also bestand er die Menge. Da fiel, an der Stirne zerschmettert,
- Neben ihm Otto, sein Freund und Waffengefährt'. In der Kindheit
- Gold'nen Tagen vereinte sie schon des liebenden Herzens
- Mächtiger Zug. Nun sah er ihn kaum. Ein schmerzlicher Ruf drang
- Ihm aus der Brust; er drängte die Thräne zurücke; nur Eines
- Galt dem Tapferen jetzt; des heiligen Kampfes Entscheidung.
- Schnell, mit siegender Kraft, durchbrach er der feindlichen Schiffe
- Ringsumzingelnden Kreis, und bohrte noch zween in den Abgrund,
- Rechts und links abfeuernd das Donnergeschütz aus dem Schiffsraum.
- Doch g'en Doria hielt, ausdauernden, schrecklichen Muths noch
- Al-Mansor: denn Attilas herzblutdürstende Geister
- Drängten sein Volk mit stets empörterem Grimm' in das Feuer
- Mordender Schlünd' und Gewehre. Nicht rauschten die Wogen der See mehr,
- Leichen- und trümmerbedeckt, und vom gährenden Blute gesättigt.
- Und schon wankte der Sieg wie das Zünglein schwankt mit der Wagschal',
- Gleichem Gewichte zum Spiel. Dreimal erhob sich der Kaiser,
- Schauend die wankende Schlacht, den Seinen errettend zu nahen;
- So oft bezwang er sich wieder, und sah, dem Helden vertrauend --
- Ehrend sein tapferes Volk, in die grau'numnachtete Schlacht hin.
-
- Doria's Wurfschütz traf, wohlzielend, den Sarg mit dem Zündstaub,
- Der von der Wucht unzähliger Bomben und Kugeln umhäuft war.
- Jetzt aufflammte die Welt. Ein Brand, entsetzlich und furchtbar,
- Hob sich von Al-Mansors entzündetem Schiff' in den Luftraum.
- Gleich dem feurigen Luftgebild, dem Völker erbeben,
- Blutigen Krieg weissagend, und Pest, und schrecklichen Hunger,
- Flog das berstende Schiff, und schwand in den höheren Räumen
- Fern mit lautem Gezisch. Nur spät, nur langsam, und einzeln,
- Sank zertrümmert' Gebälk, und sanken zerschmetterte Leichen,
- Jetzo entfernt, jetzt nah' in die dumpfaufplätschernden Fluthen.
- Stille herrschte umher: da schien des kreisenden Weltalls
- Odem gehemmt, des Windes Fittig erschlafft, und des Meeres
- Wogende Fluth erstarrt: da sah'n die Krieger am Schiffsbord
- Starrend sich an, und lalleten unverständlichen Laut nur.
- Doch nun hob sich die Wuth im Busen der feindlichen Führer;
- Einer dem andern rief's mit schrecklicher Stimme: »Wir entern!«
- Und, alsbald mit dem sausenden Seil fünfklauige Haken
- Schleudernd, stürmten sie an, die Gegner in wilder Verzweiflung
- Niederzuschmettern, und laut erhob sich des Kampfes Getümmel.
-
- Schaudernd sah'n die Geister zuvor der wüthenden Seeschlacht
- Grauen empört. Nun sprach zu Hannibal Regulus also:
- »Dort in des Erdballs Nacht, wo wir Jahrhunderte schwinden
- Sah'n, erfüllet von Gram, und von Banden gefesselt des Unmuth's,
- Sagten umwandernde Geister uns oft von dem schrecklichen Zündstaub
- Wunder, der, dem Blitz und dem furchtbarn Donner nicht ungleich,
- Tod und Vernichtung sä'et, und traun, sie redeten Wahrheit;
- Doch, wie schmählich ereilt den Helden der Tod in dem Kampf jetzt,
- Wo er die Brust ihm wehrlos beut, und von ferne besiegt fällt!«
- Siehe, da ließ sich Regulus schnell vor Doria nieder,
- Ihn zu erregen gesinnt, und lispelt' ihm leis' in die Ohren:
- »Trenne des Feindes Reih'n: so stritt der kühne Spartaner
- Xanthippos in dem Kampf mit Regulus, nahe vor Tunis.
- Ach, er fiel ihm besiegt: du erringst unsterblichen Ruhm dir!«
- Doria griff an das Herz, das laut dem kühnen Entschlusse
- Pocht', und heller flammte sein Aug', da er jetzo den Degen
- Hoch in die Luft aufschwang, und die Führer durch wehende Flaggen
- Schnell zum Sturmgang rief: denn all' aufmerkten den Zeichen
- Mitten in grau'numhülleter Schlacht. Die siegenden Flügel
- Wichen zurück', und plötzlich, zum spitzigen Keile gestaltet,
- Brach nun Doria's Schiffsheersmacht des Feindes Geschwader,
- Stürmend, entzwei, daß Mast' an Mast', und Segel an Segel
- Schlugen im wilden Gekrach, und dumpf ertönte der Schiffsraum.
- Aber, von Rach' entflammt, vordrang der kühne Moncada,
- Jetzo zuerst: ihm tödteten jüngst algierische Räuber
- Nächtlich am einsamen Ufer den Freund. Er traf im Gemeng dort
- Wüthend auf Abdul selbst, der Sarno, den Helden, gefesselt
- Barg im Raume des Schiffs, und rasch bestürmten sich alsbald
- Beide vom Bord zum Bord', im Kampf der wilden Verzweiflung,
- Daß ringsher der Lanzen Geklirr' erscholl, und die Leichen
- Schwammen im Blut. Doch, glühend vor Zorn, erfaßte Moncada
- Eines der Tau', und schwang sich behend' zum feindlichen Bord' auf,
- Dort zu erringen den Sieg. Ihm folgten der kühneren Krieger
- Sieben, jauchzenden Ruf's, zum schreckenvollen Gewürg nach.
- Aber, geschmiegt an den Mastbaum, stand, und wehrte sich Abdul
- Gegen die Sieben zugleich, und rannte den Speer in Moncada's
- Heldenbrust, da er, kühn vordringend am schirmenden Mast', ihm
- Blößte die Seit': er sank, und röchelte sterbend. Nicht länger
- Freute sich jener der blutigen Rach': ihn erlegte der Tapfer'n
- Heilige Schar, mit dem Volk, das kämpfend das Leben verschmähte.
-
- Doch aus dem Raume des Schiff's drang nun die flehende Stimme
- Sarno's den Kriegern an's Ohr: sie lösten die Bande dem Helden,
- Zitternd in freudiger Hast. Er drückte den kühnen Gefährten
- Schweigend die Hand, und erhob die thränenden Blicke zum Himmel.
- Als er zum hohen Verdeck aufstieg, und in seliger Freiheit
- Himmel, und Erd', und Meer, lautjauchzend, begrüßte: da blinkt' ihm
- Aus dem blutigen Wust sein treffliches Schwert in die Augen,
- Das ihm der Räuber entriß. Nicht der pflanzenkundige Wand'rer
- Freut sich so sehr, da er oben in Wolkenhöhen der Alpen
- Blühende Matten durchspäht, und dort die seltenste findet,
- Als der Held sich erfreute, sein Schwert auf dem Boden gewahrend.
- Eilig rafft' er es auf, und schwang es empor in den Luftraum,
- Gegen den Feind urschnell die tödliche Waffe zu kehren.
- Doch schon war errungen der Sieg, und des Feindes Geschwader
- Strich die Segel vor Doria's Macht. Wie dort auf dem Thronstuhl
- Sitzend im herrlichen Prunk, der neugekrönte Beherrscher
- Ringsher schaut das versammelte Volk, und jetzo mit Ehrfurcht,
- Mann für Mann, die Erwähleten nah'n, die Hand ihm zu küssen,
- Huldigend: so in des Sieges Glanz' ihm huldigt' in Demuth,
- Ueberwunden der Feind. Da jauchzten unzählige Menschen
- Rings von den Zinnen der Stadt, von den Warten der Berg' und der Hügel
- --
- Jauchzten umher vom Gewölk die feindlichgetrenneten Geister.
- Doch, der einst Karthago's Ruhm zu den Sternen erhöhte,
- Hannibal, sah voll Zorn, wie Regulus erst dem Gebiether
- Doria Hülfe erwies: da erwachten der düsteren Vorzeit
- Trauergebilde in seinem Gemüth', und zürnend begann er:
- »Wie, der Römer, und ich, vereint in dem Kampfe der Helden?
- Nimmer gescheh's! Eh' soll das zitternde Lamm an der Wölfinn
- Saugen -- der brausende Bach zurück zur Quelle sich heben,
- Ehe der Pune dem Römer sich eint. Er nah' ihm als Feind nur!
- Jetzt in Eile hinaus nach Karthago's Jammergefilden,
- Daß mich erneut empöre der Rach' unendliches Drängen,
- Die ich ihm schwur: ein Feind dem Freund', den er sich erkoren.«
- Also rief er den Seinen, ergrimmt, und flog in den Lüften
- Schnell g'en Süden hinab. Ihm folgten die stürmischen Geister.
- »Lenkt,« rief Doria jetzt, »die Schiff' in den freundlichen Hafen,
- Daß die Verwundeten all, und auch die gefangenen Gegner,
- Sorglich gepflegt, der menschenehrenden Milde sich freuen.«
- Rauschend wogten die Schiffe zum Strand. So manche des Siegers
- Mißten den Mast und die Segel; so manche, durchbohrt von Geschossen,
- Tauchte der Fluth einströmende Last. Viel tapfere Christen
- Both, aufschäumend, das Meer als Beute den gierigen Fischen.
-
- Jetzt, annahend im Boot', erklomm mit Gefolge der Kaiser
- Doria's glänzenden Bord, und schloß ihn mit heißer Umarmung
- Lang' an das Herz: hochehrend vor allem Volke den Helden.
- Siehe, da flog auch Sarno heran! Mit leuchtenden Augen
- Sah er den Sieger belohnt, und sprach zu dem Herrscher sich wendend:
- »Heil und Segen mit dir, Erlauchtester, daß du den Helden
- Hoch vor allen erhebst, der mich aus schmählichen Banden
- Rettete; doch nun sollen für mich die tapfern Gefährten
- Zeugen: nicht hab' ich durch eigene Schuld die Bande getragen!«
- Aber ihm zürnete, seit dem Sieg' auf dem Felde Bicoccas,[36]
- Guasto, der tapfere Greis: dort hemmt' er des feurigen Jünglings
- Stürmische Hast, und sogleich stieß dieser verwundende Wort' aus.
- Jetzo mit finsterem Blick' erhob er die tadelnde Stimme:
- »Wahrlich, der Feind erhascht' ein träghinsegelndes Fahrzeug,
- Weil es ein Feiger lenkt', und ihn nicht tapfer bekämpft hat!«
- Todesbläss' umzog, und flammende Röthe bedeckte
- Sarno's Wangen im wechselnden Flug'. Er faßte des Degens
- Griff in zitternder Hast, trat vor ... da hemmt' ihn des Kaisers
- Ernster Blick, der, Guasto's ergrauete Haare betrachtend,
- Ruhe geboth. Ihm sank die ermattete Rechte vom Griffblatt.
- Schweigend stand er im Kreis', und an seiner Wange herunter
- Glänzte die Thrän'. Alsbald bezwang Del-Guasto des Busens
- Leichtaufwallenden Zorn, er seufzte vor innigem Herzleid,
- Trat vor Sarno, und reicht' ihm, versöhnend, die Hand, und der Edle
- Nahm sie versöhnt. Doch bald umwölkt der nächtlichste Kummer
- Sein verwundetes Herz, und schwindet im rühmlichen Tod nur.
- Jetzt aufboth der Kaiser sogleich die versammelten Feldherrn:
- »Gott, deß mächtiger Arm, die Feinde zerschmetternd, uns Ruhm gab,
- Leit' uns beglückt zum Ziel'! Entfaltet dem Winde die Segel,
- Daß in des Sieges aufstrahlendem Glanz wir, landend vor Tunis,
- Ernten noch schöneren Ruhm: die Wonne der Christenerrettung.«
- Also geschah's. In Eil' auf die schimmernden Fluthen des Meeres
- Wogten die Schiffe hinaus; das Geschütz erdonnerte rastlos,
- Und in dem sausenden Wind' entschwand g'en Tunis die Heersmacht.
-
-
-
-
- Fünfter Gesang.
-
-
- Schon entschwebten dem Meer des heißersehneten Welttheils
- Küsten im Abendduft; schon thürmten im rosigen Westen
- Berge sich auf, ringsher umlagernd den Gürtel des Atlas,
- Dessen schneeiges Haupt anstaunt die glühende Sandwüst',
- Als in die Reih'n des meerdurcheilenden Heers ein Geschwader
- Vier schnellsegelnder Schiffe noch kam, von dem felsigen Eiland
- Malta gesandt. Aurel, die erlesenste Zierde des Ordens,
- Führte der Christenheit verherrlichte Kämpen am Schiffsbord:
- Hundert Rittern gesellt, zweitausend tapfere Krieger.
- Ihnen zu Eigen gab der erhabene Kaiser das Eiland,
- Als sie von Rhodus Suleymann vertrieb, der, rings von den Leichen
- Seines Volks umhügelt, den Greis, und Heldengebiether,
- Villiers Lisle Adam,[37] dort ehrte mit würdigem Lobspruch.
- Grüßend mit Donnergetön' und wehender Flagge den Herrscher,
- Schifften sie freudiger fort im Verein des mächtigen Heeres.
- Jetzo, der Küste genaht, hinstarrten die Krieger, vor Sehnsucht
- Glühend: den Palmenhain in den fremden Gefilden zu schauen,
- Oder das seltene Thier im Gefild', und die Hütte des Menschen.
- Doch bald hüllte das Land sich rings in des sinkenden Nachtgrau'ns
- Düsteren Schleier, und barg dem staunenden Fremdling sein Antlitz.
-
- Attila war im Gefolg des Geisterheeres im Eilflug
- Afrika's Fluren genaht. Wie an trüberen Tagen des Winters
- Endlos, Schwärme der Kräh'n und der schwarzbefiederten Raben,
- Laut vereinten Geschrei's, vor dem Schneegestöber heranzieh'n:
- Also nahten im Grau'n der Nacht die empöreten Geister.
- Attila stand, und forscht' in den Herzen der Landesgebornen,
- Welchen die Küste umher zur Huth von dem Herrscher vertraut war;
- Aber sie ruheten all' an dem Strand, vom Schlummer gefesselt.
- Zürnend sprach er darum den leis' aufhorchenden Geistern:
- »Weckt entsetzliche Träume sogleich, aus dem Schlafe zu rütteln
- Dieß entnervte Geschlecht, und donnert: »Es nahet der Feind uns!«
- Ihm in die Ohren, daß rings auf den luftigen Höhen und Warten
- Lodre die Flamm' empor, und schrecke die feindliche Schiffsmacht.
- Selber erreget die brausende Loh', und zeigt euch des Königs
- Würdig, dem, als der Geißel Gottes, erbebte der Erdkreis.«
- Also rief er: da fuhr sein Volk, wie der brausende Sturmwind,
- Ueber die Schlafenden hin. Sie sah'n im Traume die Meerfluth
- Wildempört; sie hörten aus ihr Scheusale des Abgrunds
- Heulen: »Es nahet der Feind!« und taumelten auf von dem Boden.
- Erst, mit seitwärtsgewendetem Ohr' im finsteren Nachtgrau'n
- Horchend, standen sie all', und hörten Geräusche (die Wellen
- Klatschten am schwärzlichen Kiel) dann, laufend umher an dem Meerstrand,
- Sah ihr, geschärft vor Gier umspähendes Aug' in den Lüften
- Näher und näher heran den Wald hochthürmender Masten
- Schweben, und jetzt mit den flatternden Wimpeln unzählige Segel,
- Von dem Winde gebläht, anstürmen im freudigen Eilflug.
- Aber mit lautem Geheul erklomm die bebende Volksschar
- Jäh' am Gestade, die Felsenhöh'n: der Drohung gedenkend,
- Die jüngst Hairaddins Grimm aussprach, des schrecklichen Herrschers,
- Und erweckte die Gluth im knisternden Reis, auf des Felsens
- Hochaufragenden Warten umher. Den Feigen im Rücken,
- Brauste die Geisterschar, und, als der schlummernde Nachtwind
- Noch den geschüreten Brand nicht in Flammensäulen empörte,
- Fachten die Geister, vereint, mit starrvorquellenden Augen
- Und gebläheten Backen, erhellt vom Feuer, die Gluth an.
- Siehe, und bald erhob sich die wirbelnde Loh' auf den Höhen,
- Hellte die Nacht, und warf, urschnellfortrollenden Schimmer
- Ueber die schwankenden Fluthen des Meers. Weit brannte der Abgrund
- Unter dem Wogenpfad der völkertragenden Schiffe.
- Endlos schien der Brand auf den Höh'n: denn, leuchtendem Blitz gleich,
- Hüpften vor jedem umher die Flammengestalten der Geister.
- Solches vermögen sie noch, und necken den Wand'rer die Nacht durch,
- Mit Irrlichtern vereint am Moor', und feurigen Männern.
- Leise geweckt entfuhr der Hängematte der Kaiser,
- Stieg auf das hohe Verdeck, und sah nach dem leuchtenden Meerstrand,
- Lächelnden Blick's, hinüber. Er hieß den sorglichen Guasto,
- Der ihn gewarnt, annahend im Schiff, zur Ruhe sich legen:
- Denn er kannte die List des täuschungsinnenden Feindes.
- Aber nicht senkte der liebliche Schlaf mit fächelnden Schwingen
- Auf sein Auge sich mehr: er sah nur Kampf und Errettung.
-
- Als im rosigen Duft der heilige Morgen heraufstieg,
- Himmel und Erd', und Meer der freundlicherwachenden Sonne,
- Schauernd vor Lust, entgegen streckten die Arme: da flogen
- Eilig die Krieger im Frühwind hin, umkreisten den Vorberg
- Gomert:[38] Apollo's vordem genannt, und blickten nach Bona's
- Halbeiland, das einst dem schirmenden Hermes geweiht war,
- Und in die spiegelnde See sein Klippengestade hinausdehnt.
- Nun Buschatter genaht, wo mächtig in Tagen der Vorwelt
- Utika stand, aufseufzete laut der edelste Kaiser;
- Sah, mit Trauer im Blick, nach dem kühnaufstrebenden Helden
- Ludwig, und sagte zu ihm, noch tiefbeklommen im Busen:
- »Weh'n nicht der Vorzeit heilige Schauer dich an aus den Mauern
- Dort, wo Kato, der Knechtschaft zu groß, in das eigene Schwert sank?
- Achtung gebeut sein hohes Gemüth, und die Liebe zur Freiheit,
- Der er gelebt, unwandelbar stets. Doch, dünket sein Tod dir
- Beifallswürdiger als ein Sieg, dem feindlichen Leben
- Abgerungen durch Kraft ausdauernden, muthigen Strebens?
- Frommt' es dem Vaterland, dem langentarteten, etwa,
- Daß er, der Vorzeit Sitte getreu, verfolgte den Einen,
- Der mit mächtiger Hand das, mitten im Brausen der Sturmfluth
- Leckumtreibende Schiff vom Bruche zu retten vermochte --
- Daß er den schrecklichen Dolch in die Hand des Sohnes gegeben?
- Schwer, ach, büßte die Welt den Mord des Edeln: er bahnte
- Furchtbarn Wüthrichen nur den Weg zu frecher Verachtung
- Jeglichen Rechts. Und wurde nicht strenge Vergeltung den Mördern?
- Brutus kannte die Ruhe nicht mehr; nicht erquickte der Schlummer
- Mehr sein Aug'; auch wachend sah er Gespenster, und immer
- Hört' er die Wort': »»Auch du, mein Sohn?«« in zermalmenden Tönen.«
-
- Jetzt an dem Halbeiland, Karthago's verödeter Stätte,
- Wogten die Schiffe vorbei: beklemmende Schauer erfüllten
- Jegliche Brust, und Stille herrscht' am Bord und im Schiffsraum;
- Eileten erst an dem Salzthurm hin: von der reichlichen Salzfluth
- Also genannt, die im Schooß der thürmenden Mauer emporwallt,
- Dann an dem Wasserthurm, deß' silbernfluthende Kühlung
- Auch aus dem fernen Gefild' anlockt den dürstenden Wandrer.[39]
- Aber unzähliges Volk rann fort am Gestad', in der Rechten
- Schwingend den Speer im Geschrei der wildauftobenden Kampflust,
- Und schon sausten mit Donnergetös gewaltige Kugeln
- Her von dem Strand; doch, so wie, im garbenbeladenen Wagen
- Sitzend, die Schnitter fern' im Gebirg den strömenden Regen
- Schauen, mit lächelndem Blick, da im heiteren Glanze der Sonne
- Sie von dem Aehrenfeld heimführen den Segen des Sommers:
- So, nur lächelnd, ersah'n die Schiffenden, wie die Geschosse
- Harmlos sanken umher, von den schäumenden Wogen verschlungen.
- Doch, im Schooße der Bucht, die aus felsumstarreter Mündung
- Eint vor Tunis den See mit des Meeres Gewässern, erhob jetzt,
- Schimmernd im Morgenroth, ihr Haupt die Veste Goletta,[40]
- Und einhelliges Jauchzen erscholl von den Schiffen: die Krieger
- Sehnten sich lange nach ihr, dem Ziel' unsterblicher Thaten.
- Hoch in die bläuliche Luft aufragte die herrliche Festung,
- Und in die Fluth, die, sanftergossen, im Schimmer des Morgens
- Ruhete, sank ihr Bild, doch häuptlings hinunter zum Abgrund.
- Jetzo schwankt' es umher, da, erregt von den nahenden Schiffen,
- Kräuselnd, der Wellenzug nach dem Felsengestade sich wälzte,
- Und es ertönte zugleich der Feinde Geschrei aus den Mauern;
- Aber der Kaiser rief nach Doria selber hinüber:
- »Tapferer, send' alsbald auf zwei leichtsegelnden Schiffen,
- Wohlerfahrnen Führern gesellt, versuchtere Krieger,
- Dort zu erspäh'n die Lag' und die Stärke der Veste -- zu finden
- Günstigen Landungsplatz für den Reiter zugleich und das Fußvolk;
- D'rauf erschalle der Donnerruf zur stürmischen Landung!«
- Also geschah's. Weit vorwärts bog sich der Mast, und die Wellen
- Schäumten nach jeglichem Ruderschlag', in kräuselnden Ringen,
- Hinter dem eilenden Kiel. Wie zwei langhalsige Schwän' oft,
- Männchen und Weibchen, den silbernen Teich umrudern im Spätlicht:
- Jetzt, annahend dem Strand, wohlduftende Kräuter zu pflücken,
- Jetzo, kehrend zur Mitte des Teich's, die schimmernden Furchen
- Ziehen die Fluth entlang, und mit stolzergewölbeten Hälsen
- Ihr Gefieder, wie Schnee, den Lüftchen des Abends entfalten:
- Also erforschten die zween, bald nah', bald ferne dem Meerstrand,
- Jegliches so, wie zuvor der waltende Herrscher gebothen.
-
- Hairaddin ging auf dem Söller der Burg, hoch über der Hauptstadt
- Tunis, sinnend umher. Nicht die würzigen Düfte der Blumen
- Ringsum schufen ihm Lust, nicht des Springborns holdes Gesäusel
- Reizte sein Ohr: er starrte, die Hände zum Rücken gefaltet,
- Stets mit trüberem Blick' auf den glänzenden Estrich vor sich hin.
- Wuth erfüllt' ihm die Brust: denn Omrah, der Räuber Areny's
- War ihm genaht an dem Abend. Ihm Siegesverheißung zu bringen,
- Sendet' ihn Al-Mansor; doch sah er noch fern' auf des Meers Höh'n,
- Wie er dem Feinde, besiegt, hinsank mit all dem Geschwader.
- Schnell erwürgt' er im Zorn den jammerverkündenden Bothen.
- Doch nun kam ein Sclav', und rief, zur Erde sich beugend:
- »Herr, die Christen sind da! Nicht nährt des ragenden Oehlwalds
- Grund der Bäume so viel', als feindliche Maste die See trägt.«
- Hairaddin schnob vor Wuth: »Hinweg du feiger Geselle,
- Eh' dich mein Fuß zermalmt! Die Furcht erschuf dir die Gegner.
- Hat ihr Schiff die Schwingen des Aars und die Sehnen des Straußes,
- Der auf dem Sand hinfleugt, und den Preis auch dem hurtigsten Rosse
- Raubet im Lauf? Nicht sollst du hinfort mir lügen: hinweg -- stirb!«
- Jener entfloh, und stürzte sich angstbetäubt in die Fluthen.
- Hairaddin ging nun hastiger hin auf dem Söller; er kehrte
- Nun ergrimmter zurück', und sah lautknirschend zum Himmel.
- Aber ein Zweiter begann: »Die Macht unzähliger Gegner
- Wogt an dem Vorgebirg Buschatters in Eile vorüber.«
- Und kaum war er entflohn, da kam ein Dritter, und sagte:
- »Sinam kündet dir, Herr: fünfhundert feindliche Segel
- Hab' er gezählt von den Zinnen der Vest', und nicht alle gezählt noch.
- Nah' an Goletta dem Feind die günstige Landung zu wehren,
- Stehe versammelt das tapferste Volk; doch mächtige Scharen
- Harren nur deines Geboths; du winkst: sie gehorchen in Demuth.
- Sende daher ihm noch die erlesensten Krieger, daß jenes,
- Minder an Zahl, nicht im Kampf' erliege der feindlichen Mehrzahl.«
- Hairaddin schrie: »Erliegen meinte der Feige? So meint er?
- Eile, bescheide mir Giaffar her, den tapferen Aga.«
- Jener gehorchte; doch Hairaddin sann, und rief in den Hofraum:
- »Hört! Die Feldherrn all' entbiethet ihr schnell nach Goletta;
- Aber daß keiner verzieh': denn traun, er würd' es bereuen!«
- »Wie,« so murmelt' er jetzt, ergrimmt, die Worte für sich hin,
- »Wie, sie kommen heran, mir zu rauben das edelste Kleinod,
- Tunis, dieß jüngst' und theuerste Kind? Nicht Telmessan, nicht Algier
- Acht' ich so hoch ... Den Frevel büßen sie einst in Europa
- Furchtbar, wo nicht der Greis, nicht das Kind in der Mutter verschont
- sey!«
- Dann aufschrie er: »Mein Roß!« Die Mauern des hohen Pallastes
- Drönten hinab zu dem untersten Grund', und die bebenden Sclaven
- Taumelten durcheinander vor Angst. Der stattliche Läufer
- Stand alsbald gesattelt im Raum des hallenden Thorwegs:
- Glänzend schwarz, von Arabia's edelstem Schlage; der Schneeschaum
- Flog von dem blanken Gebiß, wie er nagt' an dem Eisen, und rastlos
- Scharrt' in dem Sand; wie er schnob, und bald auf den hinteren Füßen
- Stand, erhebend die vordern, und bald aufwiehert', und ausschlug.
- Aber den Feurigen hielt der Sclav' am goldenen Zaum fest;
- Streichelt' ihm leise den Hals, und klopft' an die Decke von Purpur,
- Die den Sattel umhüllte, mit Gold und Perlen verzieret.
- Hairaddin hob sich im kreisenden Schwung' auf das Roß, und der Reiter
- Hundert jagten ihm vor, so viele ihm nach, in dem Eilflug.
- Fernhin tönte Geklirr' und Getrab', und es bebte der Boden
- Unter dem stampfenden Huf' -- aufflog der flimmernde Sandstaub.
- Jetzt durchbraust' er voll Hast die eröffneten Thore Goletta's,
- Und erstieg den gewaltigen Thurm, der nahe dem Meerstrand,
- Auch die Mündung des See's von Tunis, erhöhet im Viereck,
- Schirmt: denn landeinwärts, wohl vier gemessene Meilen
- Dehnt sich der See, am Rand des Olivengehölzes zur Stadt hin.
- Hairaddin rettete dort, besorgt, viel hundert der Schiffe
- Noch; er hieß die Mündung des See's mit lastenden Ketten
- Sperren, und pflanzte Geschütz, Abwehr ersinnend, am Strand' auf.
- Jetzt erklomm er die Zinne des Thurms, und sah nach der Gegend,
- Glühenden Blickes, hinab, wo unzählige Schiffe des Gegners
- Deckten die schimmernde Fluth, und zwei vordringende Segler
- Spähten: er sah's, und finsterer Groll zernagte die Brust ihm.
-
- Aber schon lang' umflog, dem christlichen Heere Verderben
- Sinnend, Muhamed ihn, und hoffte der Wünsche Gewährung,
- Als er das Herz erwog des thatengewaltigen Mannes.
- So wie im düsteren Flug, den Ohren nicht hörbar, die Nachtschwalb'
- Ueber uns flatternd schwebt: so flog um Hairaddin jener,
- Forschend, und sah ergrimmt, wie jetzt ihm der feindlichen Heersmacht
- Furchtbare Schau das Herz erfüllte mit nagendem Kummer.
- Leise dem Ohre genaht des Sinnenden, sprach er ihm Muth ein:
- »Solltest du beben, Hairaddin, du, ruhmwürdiger Krieger,
- Deß' zermalmender Kraft die Völker erzittern? Nicht denkst du:
- Wer das Eine nur will, fest will, der wird es erringen?
- Heiß den Wurfschütz dort vernichten den feindlichen Späher,
- Der tollkühn vordrang, und erreg' in der hohen Versammlung
- Deine Feldherrn. Horch, dieß kündet der große Prophet dir!«
- Alsbald stieg, der muthempörenden Worte gedenkend,
- Jener die Stufen herab, und eilte hinaus nach dem Walle,
- Wo der Wurfschütz saß, und gehäuft die Donnergeschosse
- Lagen, unferne dem ehernen Schlund. Mit Zorn in den Blicken
- Und in dem Laut, rief er den bombenwerfenden Söldnern:
- »Memmen ihr! Auf trüglicher Fluth, die Freunden und Feinden
- Willig den Rücken beut, erblickt ihr die feindlichen Späher:
- Wie sie erkunden die Furt, die Macht und die Schwäche der Mauern,
- Euch, ihr Feigen, zur Schmach. Zertrümmert mir eines der Schiffe --
- Jenes gleich, das dort vordringt, mit euren Geschossen.«
- Alle zugleich, gehorchend dem zürnenden Herrscher, erhoben
- Brennende Lunten, und senkten sie schnell an des furchtbaren Mörsers
- Zündrohr. Rauch quoll auf, und, durch Rauch und Flammen sich hebend,
- Flogen mit Donnergetös' empor die entsetzlichen Bomben,
- Fünfzig Mörsern entsandt, und Geheul des reißenden Luftraums
- Scholl weit hin: die sinkenden wühlten vom Grunde das Meer auf,
- Das, aufbrausend, schäumt', und wirbelnde Wogen umherwarf.
- Eine gewaltige Todeslast zerschmetterte Benno's
- Fahrzeug. Wie in der Jahr' umkreisendem Lauf sich ein Felsblock
- Still losreißt von dem Gipfel des Berg's -- alsbald in den Abgrund,
- Laut, mit Gekrach, herrollt, und unten die dürftige Hütte,
- Schmetternd, begräbt, daß weder die Spur der armen Bewohner,
- Noch der Hütte sich weist': denn Alles versinkt in dem Steinwust:
- Also vernichtete hier die entsetzliche Bombe den Helden
- Benno mit allem Volk'. Ach, vier unmündige Kinder
- Ließ er in Genua's Mauern daheim mit der weinenden Mutter!
- Dort, in dem Heldenverein die schwankenden Bretter besteigend,
- Drückt' er noch einmal die Hand der zärtlichbekümmerten Gattinn,
- Abgewandten Gesichts, daß selbe die Thränen nicht sähe;
- Aber den Kindern, die ihm umfaßten die Kniee, verhieß er
- Baldiges Wiederseh'n, und köstliche Gaben des Ostlands;
- Doch nicht sollt' er den Tag erblicken der fröhlichen Heimkehr,
- Nicht die Kinderchen mehr, nicht die liebenswürdige Gattinn:
- Denn ihn deckte die Fluth mit dreißig tapfern Gefährten.
- Aber im Nebenschiff', umhagelt von Todesgeschossen,
- Floh Ulloa zurück, der Spanier, ähnlich dem Schwan dort,
- Der, als, schmetternd, ein Ball ihm das Weibchen entriß auf dem
- Schilfteich,
- Einsam flieht: sich fern' im dunkeln Geröhre zu bergen.
- Hairaddin jubelte; warf handvoll des schimmernden Goldes
- Unter die Schützen, und ging, in der räumigen Halle die Feldherrn
- Anzufeuern zum Todeskampf. Sie spornten die Rosse
- Blutig im sausenden Ritt: wohl kennend den schrecklichen Herrscher,
- Und betraten die Hall' in drängender Hast und Verwirrung.
-
- Erst kam Sinam, der Jud'. Entschlummert am Strande des Meeres,
- Lag er in Smyrna, als Jüngling noch: da raubt' ihn, gelandet,
- Sahir, der wilde Korsar, und zwang ihn, ein Räuber zu werden.
- D'rauf vertauscht' er, als Mann, des Moses für Muhameds Lehren,
- Nur für baaren Gewinn. Stets blieb er ein Jud' in dem Herzen,
- Schlauen Verkehrs. Doch füllt' ein seltener Muth ihm den Busen
- So, daß er bald durch Kunde des Kriegs, auf der blutigen Laufbahn
- Schätze errang, und ihn Hairaddins Blick erkor zum Gebiether
- Seiner erlesensten Schar. In staunenerregender Hoheit
- Trat er heran; ihm floß der Bart, gleich silbernen Wellen,
- Tief in den Busen herab, und Ernst umhüllt' ihm die Augen.
- Dragut kam, der Kilikier, der, ein Schrecken der Gegner,
- Nur der »Satanbändiger« hieß im Munde des Volkes.
- Stets in dem schwarzen Gesicht, dem häßlichen, dreht' er die Augen,
- Spähend, umher, und nagt' an seinen gedunsenen Lippen,
- Heimlichen Grimms, der auch an der zuckenden Wange sich kund that.
- Doch nun füllt' ihm die Brust noch heißere Wuth: für Mathilden
- Kam er entbrannt daher, Toledo's herrlicher Gattinn,
- Die dem edeln Gemahl, mit der himmlischreinen Gesinnung,
- Treu bis zum Tod, des Wüthrichs Gier gewahrte mit Abscheu.
- Ihm nachschritt der Bascha von Laodikea, Tobukes,
- Der das Fußvolk lenkt' in dem Heer'. Er haßte den Herrscher,
- Hairaddin, da er ihn minder geehrt als Sinam, und er war's,
- Der ihm ersiegte den Thron von Algier in blutiger Feldschlacht.
- Rache kochte sein Herz; doch treu dem falschen Propheten,
- Nahet' er jetzt, entschlossen die christlichen Völker zu tilgen.
- Salek brauste herein, der Ionier, der in der Heer'smacht
- Hairaddins reisigem Volk' obherrscht'. In Syriens Wüsten
- Lenket' er einst, als Scheik, raubsüchtige Horden, und häufte
- Fülle des Golds, Karavanen plündernd unseliger Pilger.
- Wohl, in dem heimlichen Ueberfall die Feinde zu morden,
- So wie im Grauen der Nacht Verwirrung zu schaffen, und Jammer,
- Hatt' er gelernt, und Hairaddin rief den Kühnen zum Kampf' auf.
- Aber auch Giaffar kam, der Aga der Janitscharen,
- Stattlichen Gangs. Die flammenden Augen erhellten sein Antlitz,
- Das ihm die Herzen gewann, voll blühender, männlicher Schönheit.
- Spielend, ein Ries' an Kraft, vermocht' er des brüllenden Stieres
- Haupt, mit dem sausenden Stahl', auf einmal vom Rumpfe zu hauen;
- Oder er faßt' ihn am Horn, erhob ihn, und warf ihn zu Boden:
- Tobt' er auch noch so ergrimmt. Er griff in die Speichen des Rades,
- Rollte der Wagen dahin, von feurigen Rossen gezogen --
- Stand, und hemmte das rollende Rad, und hemmte die Rosse:
- Dennoch war er so mild, als tapfer- und edelgesinnet.
- Jetzo mit Abu-Sa-id, dem Scheik arabischer Reiter,
- Trat in den Saal der landesgebornen Numiden und Mauren
- Feldherr, Muhamed Temtes: voll List die freundlichen Mienen
- Heuchelnd: denn glühenden Haß, dem Türkenvolke geschworen,
- Nährten die beiden mit ihrem Volk' im verschlossenen Busen.
-
- Rechts, in der Ecke des Saals, dem Ehrensitz für die Moslems,
- Setzte sich Hairaddin nun, mit untergeschlagenen Beinen,
- Auf den schwellenden Pfühl, und um ihn, auf gebreitetem Teppich,
- Saßen die Feldherrn all', ihm dort aufhorchend in Demuth.
- Eh' er begann, durchfuhr sein Flammenauge den Halbkreis,
- Forschend in jeglichem Blick', und der Kühnst' erbebte dem Furchtbar'n.
- Jetzt durchwühlt' er den röthlichen Bart, tiefsinnend, und jetzo
- Faßt' er des Tulbands Bund, des Kaftans glänzenden Zobel;
- Doch nun ruhte die Link' an des Säbels goldenem Griffblatt --
- Ruhte die Recht', auf den Schenkel gestützt, und also begann er:
- »Ehre dem einigen Gott, Ruhm sey dem großen Propheten!
- Gott, der Gläubige schirmt, Ungläubige schnell in den Staub wirft,
- Wie, herbrausend im Donnersturm, der prasselnde Hagel
- D'raußen im Saatenfeld die wogenden Halme zerschmettert,
- Hat nun eurem entsetzlichen Schwert den mächtigsten Fürsten
- Unserer Gegner, am Bord viel hundert gerüsteter Schiffe
- Nahe gebracht, und ihn der Rache zum Opfer erlesen:
- Denn so will der Prophet sein Volk, nach seiner Verheißung,
- Jetzt verherrlichen, so schlug er den Gegner mit Blindheit:
- Daß er den Angriff wag' in diesen gefürchteten Monden,
- Wo in des Himmels Gluth auch die Landesgebornen verschmachten?
- Und ihm erläge der Fremdling nicht in der lastenden Rüstung?
- Sprech't, wie soll dieß feige Geschlecht, im Sande versinkend,
- Halten im blutigen Kampf die hochgepriesenen Reihen?
- Wie begegnen zugleich den Säbeln der Janitscharen
- Und dem mordenden Stahl der Araber, Mauren, Numiden,
- Welch' im Grauen der Nacht, in der Helle des Tages ihn drängen?
- Wir ersiegen uns bald ein unvergängliches Denkmaal
- Heldenruhms, wenn Carl, der größte der Christenbeherrscher,
- Büßend die Kühnheit, mit seinem Heer' in Stücke gehau'n wird,
- Oder, als ein Gefangener, uns erliegt auf dem Schlachtfeld.
- Hebe dich, Abu-Sa-id! Dir folg' auch Muhamed Temtes:
- Eil't, und verkündet den Euren, ein jeglicher freudigen Aufrufs,
- Daß sie, der Beute bedacht, zum entscheidenden Kampfe sich rüsten!«
- Aber die beiden erhoben sich schnell, und Muhamed Temtes
- Sprach, sich beugend zuvor, mit demuthheuchelnden Blicken:
- »Er, der Himmel und Erd' erschuf, verläng're dein Leben
- Fern' in die kommende Zeit. So wie die Sterne des Himmels,
- Wie der Sand an dem Meer, sey deiner Erzeugten Erzeugung,
- Und es erfülle dein Ruhm die fernsten Räume des Weltalls!«
- Jen' enteilten, und Hairaddin sprach: »Wohl kenn' ich die Falschen.
- Trugvoll ist ihr Gemüth, und keines ausharrenden Muthes,
- Fähig ihr Volk, das unzählige, das, uns feindlich gesinnet,
- Nur durch Verheißungen großen Gewinns zum Heere gelockt ward.
- Aber uns ziemt: die Krieger Suleymans, des Prächtigen, Großen,
- Welchem die Erde sich beugt, uns ziemt die Heldengesinnung,
- Kämpfend mit eisernem Muth', ihm hier zu erhalten die Herrschaft,
- Und zu erhöhen den Ruhm der Söhne des großen Propheten.«
- All' aufschrie'n, das Schwert von der Hüfte sich reißend, und riefen:
- »Gott ist Gott, und Muhamed sein erhab'ner Gesandter:
- Hairaddin sey die Treu' und dem Feinde die Rache geschworen!«
- Froh des dräuenden Schwurs, begann jetzt Hairaddin wieder:
- »Sinam, dir werde Goletta vertraut, dieß herrlichste Kleinod
- Unseres Reichs, und ruhig schlummr' ich, weil dir es vertraut ward;
- Dragut, Unwiderstehlicher, dir gehorche des Heeres
- Vorderzug, und dir, Tobukes, dem Schrecken der Gegner,
- Freudig, des Fußvolks Macht; doch du, Reih'nbändiger, Salek,
- Lenke die Reisigen kühn zum Sieg'! Ich führe den Nachzug.
- Sammelt die Scharen, vom Strand zu entfernen des Feindes Geschwader,
- Oder sogleich die Gelandeten dort zu erwürgen: denn wißt es:
- Wer sich zuerst die Stirn' umflicht mit dem Lorber des Sieges,
- Raubet oft dem Besiegten den Muth in dem Felde für immer!«
- Aufsprang Dragut, und rief mit lautumschallender Stimme:
- »Ha, nicht wehre dem Feind die kühnbeschlossene Landung:
- Leicht entflöh' er uns heut, geschreckt, auf dem rettenden Schiff noch!«
- »Eitele Furcht,« sprach Hairaddin, »o, dem christlichen Herrscher
- Schlägt ein tapferes Herz in dem Busen, und eiserner Starrsinn
- Drängt ihn fort auf erkorener Bahn: ihm wird er erliegen!«
- Jetzt erhob er sich rasch, und ging, sich in Eile zu rüsten;
- Aber die Feldherrn all', enteilten in's lärmende Lager.
-
- Regulus schwebte herbei: er sann den Sclaven der Hochburg,
- Rettend, zu nah'n, und ließ in der wimmelnden Straße von Tunis
- Sich im Fluge herab. Da saß vor Draguts Behausung
- Hugo, und weinte vor Schmerz. Ihm war die Kunde gekommen,
- Freudig und furchtbar zugleich: daß heute der Kaiser mit Heer'smacht
- Vor Goletta erschien, und wie nun befreien Mathilden,
- Listig umstellt von Draguts stets auflauernden Spähern?
- Regulus haucht' ihm, genaht, alsbald den tröstenden Rath ein:
- »Treugesinnter, du weinst, und weißt nicht, die Gattinn zu retten
- Ihrem Gemahl? Wohl kam er heran, dem heiligen Aufruf
- Folgend des Vaterlands, und folgend dem Rufe des Herzens:
- Hier in dem Kampf, voll Muths, zu ersiegen die liebende Gattinn.
- Such' im Olivengehölz den einsamlebenden Fischer,
- Der, ein Christ, der Heimath entfloh, wo ihm Jammer zu Theil ward.
- Viele der Höhlen sind dort, einst Gräber berühmter Geschlechter,
- Als Karthago's Ruhm noch erfüllte den staunenden Erdkreis.
- Dort um die Mitternacht, in eine derselben geborgen,
- Möge Toledo sie wiederseh'n in beglückender Freiheit.«
- Schnell erhob sich der Greis, und flehte, mit thränenden Augen
- Schauend empor, um des Himmels Huld: in der That zu vollbringen,
- Was ihm so wunderbar vorschwebte -- die Rettung Mathildens:
- Denn er kannte schon lang den menschenfeindlichen Fischer,
- Der am Strande des See's, umschattet vom säuselnden Oehlwald,
- Wohnt' in der Grabes-Höhl', und die Beute der Netz' und der Angeln
- Ihm feilboth vor den Thoren der Stadt am dämmernden Abend.
- Jetzt gewann er die Höhl' auf seltenbetretenen Pfaden,
- Keuchend vor Hast, und sah in des Eingangs Felsenumwölbung
- Liegen auf dürrem Moos' den unglückseligen Fremdling.
- Drüben im Frankenland, von edeln Geschlechtern entsprossen,
- Sah in des Lebens aufdämmerndem Strahl der treffliche Jüngling
- Blühen holdselig die Braut, die liebende; preßte den Freund auch,
- Treu und warm an die Brust, und jauchzte dem zweifachen Segen.
- Siehe, da rief ihn das Vaterland in den Kampf, und er folgte
- Freudig dem Ruf! Doch, als er nach Jahren, mit ehrenden Narben --
- Lohnenden Kränzen geschmückt, heimzog im Kreise der Tapfern,
- Trat im festlichen Zug die Braut an der Seite des Freundes
- Froh zum Altar'. Er eilt' aus dem brausenden Jubelgedräng weg,
- Fern in der neuern Welt ein Grab und den Frieden zu suchen.
- Doch auf Siciliens Meereshöh'n von Korsaren gefangen,
- Ward er nach Tunis geschleppt, und ein Räuber schenkt' ihm die Freiheit,
- Ehrend sein Jammergeschick, zum Hohne des schändlichen Undanks.
- Tief in der Brust den finsteren Menschenhaß und der Heimath
- Abscheu nährend, erkor er ein Grab zu seiner Behausung.
- Jetzt ihm genaht, sprach Hugo mit herzerschütternder Stimme:
- »Kurd dein Nahm', Unglücklicher? Ha, nicht gabst du des Korans
- Täuschung dich hin, ein Christ! D'rum wird, wie schmachtende Fluren,
- Säuselnd, der Regen erquickt, Mitleid mit himmlischer Wonne
- Laben dein blutendes Herz, und Gott, der über uns waltet,
- Allerbarmend, Lohn und Frieden dir geben. Vernimm jetzt
- Größeres Wehe denn dein's. Geraubt dem tapfersten Helden,
- Schmachtet sein edles Weib in Draguts grauser Gewahrsam.
- Kennst du nur eigenes Leid? Rechtfertige, Mensch, mit Ergebung
- Duldend, vor deinem Geschlecht die dunkelen Wege der Vorsicht,
- Neig' auch fremdem Jammer dein Ohr, und den eig'nen versüße
- Mitleid dir! Denn, horch, auf dem Meer mit unzähligen Schiffen
- Kamen die Christen heran, zu strafen den Räuber, und siegend
- Ihm zu entreißen den Herrscherthron, der Hassan geraubt ward.
- Bald erschallt Sieg'sruf -- erschallt geretteter Menschen
- Jubelnder Dank. Zieh' hin in das Lager der Brüder, zu treffen
- Dort Toledo, und sprich: »Wenn uns an dem Himmel der Vollmond
- Strahlt, da rettet in Grabesnacht ihm Hugo die Gattinn,
- Und du lenke den Liebenden her zur Höhle des Waldes.«
- Jener regte sich nicht, und starrte hinab in die Fluthen,
- Aehnlich dem Felsenriff, das starr aufragt an dem Meerstrand.
- »Kurd,« so sagte der Greis, »entfernt zehn Jahre der Trauer
- Bist du vom Vaterland; vergeudet wurde dein Erbtheil:
- Dürftig kommst du zurück', ein Bettelnder unter den Deinen;
- Sieh', er spendet, willfahrest du ihm, dir Goldes die Fülle,
- Dankbargesinnt, und freudig erblickst du die heimischen Fluren!«
- Aber noch finsterer starrete Kurd: da umschlang ihm der Greis dort,
- Weinend, die Knie', und rief mit leis'erbebender Stimme:
- »Hast du geliebt? Wie solltest du nicht, verstummender Dulder!
- Jammert die Gattinn nach dir? Welkt', ach, die Geliebte dir früh hin?«
- Jetzt aufriß sich vom Boden der Mann, der schrecklich geschwiegen,
- Taumelte wild umher, als sollt' er den Flehenden morden.
- Dennoch konnt' er nicht, tieferregt, von den Thränen des Greises
- Mehr verwenden den Blick, und die ewige Huld, die, erbarmend,
- Lenket des Menschen Sinn gleich fluthenden Bächen, zerschmolz ihm
- Nun durch Thränen das Herz, das, qualenbelastet, erstarrt war,
- Und ein glänzender Strom quoll ihm aus den Augen; er faßte
- Hugo's Recht', und sprach: »Du siegtest; ich stehe bereit dir.«
- Aber der Greis entfloh, von der Wonne der Rettung beflügelt.
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- Sechster Gesang.
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- Siehe, schon war die Stunde der heißersehneten Landung
- Jetzt an dem Abend genaht; schon rief, vom Borde Karthago's,
- Schimmernd, die Kaiserflagge zum Kampf! Von dem Zug' an den Küsten
- Kehrte Ulloa zurück', ein Trauernder, ob des Gefährten,
- Der, mit dem Schiff' in den Grund gebohrt, dem Heere geraubt ward.
- Selber bewegt, rief doch den am Bord versammelten Feldherrn,
- Wo er des Angriffs Weise berieth, der Kaiser, erheitert:
- »Jetzo, das Höchst' im Blick, laßt uns die Trauer beherrschen,
- Die uns die Brust erfüllt -- jetzt muthig und rasch an die Landung!
- Gegen Zafrano hinaus, an der Meer'sbucht östlichem Saum hin
- Schiffen, den Feind zu täuschen, wir erst; dann, kehrend im Eilflug,
- Bleib' uns zur Linken der Wasserthurm, zur Rechten der Salzthurm:
- Wir erringen das Ziel, wo Ulloa erspähte die Anländ.
- Segen mit euch im schrecklichen Sturm und Drang der Entscheidung!«
- Jen' enteilten. Ihm trat, voll demuthheuchelnden Mißtrau'ns,
- Muley Hassan entgegen im Raume des Schiffs, und begann so:
- »Herr, dich dränget dein Herz in den Kampf! Der Weltenerschaffer
- Gebe dir Ruhm; doch soll ich, indeß du im Felde dich abmühst,
- Müßig weilen am Bord? Gewähre mir eines der Schiffe,
- Das mich schnell nach der Meeresbucht von Kabesch, dem Städtchen
- Führe, wo mir, zum Trost, die tapfern Bewohner noch treu sind,
- Auch das kühne Gebirgsvolk dort schon harret des Aufrufs:
- Abzuschütteln das Joch von Hairaddins grausamer Herrschaft.
- Dorther schaff' ich dir bald Hülfsvölker, und schaffe dir reichlich
- Mundvorrath für das Heer, das solchen entbehrt in Karthago's
- Wüstem Gefild, wenn fern des Krieges ersehnetes Ziel winkt.«
- Sagt' es mit scheuverwendetem Blick'. Ihm entgegnete jener:
- »Hassan, du bebst, und starr'st umher im zweifelnden Mißtrau'n?
- Fasse nur Muth! Gleich soll das schnellhinsegelnde Schiff dich
- Führen nach Kabesch hinauf; dann kehr' im Glücke mir wieder.«
- Also der Kaiser, und sah dem raschenteilenden Fürsten,
- Sinnend, nach: er hatt' ihn errathen. Doch jetzt ihn zu rüsten
- Trug ihm mit heiterer Stirn' Ernest, der grauende Reiter,
- Den der herrliche Max, sein ruhmvollthronender Vorfahr,
- Liebte mit Vaterhuld, das treffliche Schwert und die Spornen,
- Auch den Harnisch und Helm aus dem hüllenden Schranke herüber.
- Silbern strahlte die Wehr', umrändert mit goldenem Laubwerk,
- Ihm von der Brust; hell blitzte der goldene Kamm von dem Helm her,
- Deß' stahlblinkendes Dach kein damaszenischer Säbel
- Je durchhieb', und das Schwert umfaßte des Wehrgehängs Purpur,
- Funkelnd von Perlenreih'n, und blitzend in Edelgeschmeides
- Wechselndem Farbenglanz. So stieg er, gerüstet, zum Bord' auf.
-
- Dort entblößt' er den Stahl: ein Ruf erscholl aus dem Schiffsraum,
- Donnernd rings in dem Busen des Meers. Wie am glühenden Mittag
- Wetterschweres Gewölk' auffleugt: da regt sich kein Lüftchen;
- Brüllend kehren die Heerden heim; die kreischenden Vögel
- Flieh'n zum Gehölz', und es fährt die häusliche Schwalb' in dem Hofraum,
- Wechselnden Fluges, umher, dem Boden nah', und die Lachen
- Streifend mit fächelndem Fittig -- der Mensch, im Busen beklommen,
- Stehet verstummt; doch jetzt aufblitzet es, kracht es herunter:
- Flammen entprasseln dem Dach', und fernher sauset der Hagel:
- Also die Stille zuvor, eh', landunggebiethend, der Aufruf,
- Donnernd, erscholl, und d'rauf, wie ein Strom entstürzet der Schleußen
- Weiteröffnetem Thor', und Wogen auf Wogen sich drängen:
- Also strömten vom hohen Verdeck' in die flachen Galeeren
- Drängende Scharen herab, und ordneten schnell sich in Reihen,
- Während der Reiter das Roß festhielt an dem Zaum: denn gewahrend
- Drüben das Land, umtobt' es im Raum des engenden Fahrzeugs.
- Gegen Zafrano hinaus, dem spähenden Feinde zur Täuschung,
- Strebten sie erst, und eilig dahin entsandt' er die Horden
- Seines Volks: da flog an dem fernen Gestade der Staub auf
- (Aehnlich dem Nebel, der, nach dauerndem Regen des Herbstes,
- Dicht am Gebirg fortwallt) durchblitzt von den Waffen der Krieger,
- Und verwirrtes Getös', und Geschrei, und das Wiehern der Rosse
- Brausete laut von der staubverhülleten Küste herüber.
- Wieder ertönt' ein donnernder Ruf vom Borde des Kaisers:
- Siehe, und dieser galt, zum Sturm' aufbiethend die Krieger!
- All' aufschrie'n zugleich vor jubelndem Muth', und, die Seiten
- Wendend, flogen vereint die Galeeren zum herrlichen Ziel hin.
- Von den Rudern gepeitscht, aufschäumte das Meer, und der Fahrwind
- Saust' in dem Segelgewölk der dichtnachfolgenden Schiffe.
- Solches gewahrend, sandte der Feind unzählige Kugeln
- Von dem fernen Gestad' und den Wällen der Veste Goletta.
- Schrecklicher Donner erscholl. Doch als die Gegner, dem Salzthurm
- Nah', vorstürmten im eilenden Lauf: da wendete blitzschnell
- Wechselnd, der Steuermann die räumigen Seiten des Schiffes
- Nach dem bevölkerten Land. Sie spie'n aus flammenden Schlünden,
- Wie der Hagel prasselt, und saust, die Saat des Verderbens,
- Brüllend, hinaus: von nah' und fern aufbrannten die Hütten,
- Und des Feindes Geschütz lag rings, vernichtet, im Staub dort;
- Seine Horden entfloh'n, und Goletta's Donner verstummte.
-
- Dreimal die Länge des Manns, schied noch ein Raum die Vereinten
- Von dem Gestad', als Deutschlands Volk,[41] den ragenden Speerschaft
- Senkend hinab in den Grund, im sausenden Schwunge der Glieder,
- Allen zuvor, den feindlichen Boden errang, und es wähnten
- Dort die Krieger noch lang': es schwanke der Boden, und weiche
- Unter den Füßen zurück. Rasch hüpften die muthigen Rosse
- Nach dem Strande hinaus; der sandigen Bahn sich erfreuend,
- Hüpften, und sprangen, und schlugen sie aus, und wieherten laut auf.
- Scharen auf Scharen entstiegen dem Bord', und bedeckten das Ufer
- Weitumher, wie im Morgenwind' aus tieferen Thälern,
- Kräuselnd, der Nebel sich hebt, und des Bergs Abhänge verhüllet.
- Doch nun trat im schimmernden Waffenschmucke der Kaiser
- Freudig an's Land, und hob sich im kreisenden Schwung' auf das
- Streitroß,
- Das, von erles'nem Blut und Geschlecht', und herrlich gestaltet,
- Auf Andalusiens blühender Flur, freiweidend, heranwuchs.
- Als er, die Reihen entlang, hinflog auf dem schnaubenden Rosse,
- Tönte Gejauchz' ihm nach; er rief den Geordneten also:
- »Krieger, wir stehen auf Feindes Land, wo herrlich des Ruhmes
- Laufbahn glänzt, und Gott uns ruft zur Christenerrettung!
- Schweben die Sieg' euch vor entschwundener Jahre? Gedenk't ihr
- Eures errungenen Ruhms, nicht harrend entflammenden Aufrufs
- Tapfer zu seyn? Ihr denkt's: denn Muth in den glühenden Augen
- Seh' ich, der nur vorwärts strebt, und voll Todesverachtung
- Lächelt im brausenden Sturm der Donnergeschosse. Nur haltet
- Eisern auf Mannszucht stets, und auf Ordnung. Wer solche verschmähet,
- Schafft Unheil sich selber, und schafft dem Heere Verderben.
- Ha, schon nahet der Feind! Jetzt vor: in geschlossenen Reihen
- Greift die Unzähligen an, und erringt euch herrlichen Siegsruhm!«
- Sagt' es, und hieß nun links und rechts die Flügel des Heeres
- Rasch vorgeh'n, und eilen, gesondert, des Vorder- und Nachzugs
- Ordnungen, er in der Mitte zugleich mit dem tapferen Guasto,
- Ueber Hispania's Volk, und Oestreichs Scharen gebiethend.
-
- Siehe, den Vorderzug, der tausend tyrolische Schützen
- Zählete -- sie, vor allen geübt, das Schwarz' in den Scheiben
- Und in dem Busen das Herz aus dem schmetternden Rohre zu treffen,
- Führete Lichtstein vor, und es folgten ihm, leuchtenden Blickes,
- Tausend Reiter, Bohemia's Söhn', in Eisen gehüllet;
- Aber das Fußvolk, das in dem Heere das Leichte benennet,
- Und aus den Reih'n der allvereinten Völker erwählt war,
- Rief Toledo in's Feld: fünftausend erlesene Krieger.
- Links an dem Flügel des Heers, Lusitania's Krieger und Flanderns,
- Einend, schaltete Ludwig, der Held, und zehenmal tausend
- Krieger zu Fuß gehorchten ihm. Rechts, an der Zahl und an Kampfmuth
- Gleich, gehorchten Alarkons Ruf Italia's Völker.
- Diesem zur Seit', entboth dreitausend geharnischte Reiter
- Alba zum Kampf', und, jenem gesellt, beherrschte der Sprößling
- Hunyadis, gleich an der Zahl, roßtummelnde, kühne Magyaren.
- Aber im Nachhalt stand, mit dem tapfern Mendoza, der Ritter
- Edele Schar, und zugleich den Blick auf den Heldengebiether,
- Eberstein, gerichtet, der Hauf' gewaltiger Deutschen.
-
- Jetzo mit Allah-Geschrei und wildauftobender Mordgier
- Nahte der Feind, und Staub quoll auf. Wie im Laufe des Lenzes
- Hoch im Gebirg' ein Brand durchwüthet die Waldung: da glimmt nur
- Dunkel die Gluth aus dem saftigen Holz, nur qualmender Rauch steigt
- Auf in die bläuliche Luft: so umhüllte der Staub die Umgegend.
- Dragut jagte die Scharen heran. Voll glühender Mordlust
- Sah er nur Feindes Blut, und dachte, die landenden Haufen
- Schnell zu erwürgen im Kampf; doch jetzt, die Geordneten schauend,
- Saß er erstarrt, und stumm in dem Sattel: ihm stockte der Odem.
- Dann aufstöhnet' er laut, und rief zu den folgenden Scharen:
- »Mußte sie heute so bald entflieh'n die neidische Sonne,
- Uns nicht gönnend den Ruhm, des Feindes verächtliche Haufen
- Schnell mit würgender Hand vom Antlitz der Erde zu tilgen?
- Aber sie schaue noch hier mit den letzten, verlöschenden Blicken
- Unseren Sieg, und die Erde, von feindlichem Blute geröthet.«
- Und er entriß alsbald dem Numidier, fluchend, den Bogen,
- Zielte, und schoß: da schwirrte der Pfeil in der sausenden Luft hin,
- Und durchbohrte die Brust Waldsteins, des tapferen Feldherrn,
- Der aus den Mauern Prags, Bohemia's glänzender Hauptstadt,
- Kühn in den Kampf auszog, und daheim die Mutter und Gattinn,
- Jammernd, verließ. Sie harren, und schau'n durch quellende Zähren
- Oft nach der Straße hinaus, die er ging, und harren vergeblich
- Freudigen Wiederseh'ns: ihn decket die Erde von Tunis.
- Seitwärts sprang sein Roß, und er sank, festhaltend den Zaum noch,
- Häuptlings hinab, und färbte mit glühendem Blute den Boden.
- Draguts Hohngelächter erscholl; zu den Seinen sich wendend,
- Rief er grimmig: »Seht, der Himmel verkündigt den Sieg uns,
- Der die mordende Spitze gelenkt! Ein feindlicher Führer
- Schläft dort, blutend, im Staub', und wird wohl nimmer erwachen.
- Ha, nichts sehnlicher wünschte mein Herz, als alle mit einmal
- Also vernichtet zu schau'n, daß keiner entrönne dem Tod hier!«
- All' aufbrüllten zugleich: Numidier, Mauren, und Türken;
- Schwangen den ragenden Speer, und tummelten feurige Ross' um.
- Dicht, wie Flocken des Schnees herstürmt der heulende Nordwind,
- Flog ihr Geschoß: hellschwirrende Pfeil' und schmetternde Kugeln,
- Sausenden Lanzen vermengt. Da fiel in den Reihen des Vortrabs
- Mancher der Männer -- es wälzten sich blutende Ross' in dem Staub dort.
- Doch schon brauste mit reisigem Volk' und verhängetem Zügel
- Lichtstein hin, um mächtiger, vorgebeugt aus dem Sattel,
- Einzuhau'n, links, rechts, in die wimmelnden Haufen, und Haufen
- Sanken in Ströme von Blut. Tyrols kampfrüstige Schützen,
- Mit Toledo's erlesener Schar den Reisigen folgend,
- Eilten im Sturmschritt vor, und feuerten rasch in die Reihen
- Tödliches Blei: nun einzeln, dann vereint, im Gekrach, hin.
- Hunderte stürzten, und jetzt, ergriffen von Angst und Entsetzen,
- Wandte den Rücken der Feind: er floh in dem stäubenden Feld fort.
- Bald schied unabsehlicher Raum die Streitenden. Guasto,
- Nahend dem Herrscher voll Hast, erhob die warnende Stimme:
- »Schnell entfloh der Feind; doch wie, so er, sinnend auf Unheil,
- Uns zu erlauern im Hinterhalt, den Rücken uns wendet?
- Hemme des Vortrabs Lauf, und gebiethe des Lagers Umwallung,
- Da noch Rogendorf an dem Strand des Meeres sich abmüht,
- Auszuschiffen die Wucht des ehernen Donnergeschützes,
- Auch die dunkele Nacht, gefahrendräuend, herabsinkt.«
- Also der Greis, und Gewährung ersah er im Auge des Kaisers.
- Einer der Herolde, die, rittfertig, und stets an der Seit' ihm
- Harrten des Winks, hinüber, herüber zu jagen im Schlachtfeld,
- Eilt' im Fluge hinaus, und rief sein »Halt!« an die Scharen,
- Die, an die Stelle gebannt, zugleich dem Worte gehorchten.
-
- Drüben auf schmählicher Flucht riß Dragut den schnaubenden Läufer
- Plötzlich am Zaum, daß er, lautaufstöhnend, sich bäumt', und zurück
- sank.
- Attila war ihm genaht: es reizte der schreckliche Krieger
- Ihn, den Schrecklichen einst, und noch erbebt' er vor Ingrimm,
- Daß er, des sterblichen Leibes beraubt, nicht lenkte die Feldschlacht
- Mehr, nicht Gemetzel geboth, und gräßliche Länderverheerung.
- Leise haucht' er ihm jetzt an die Seele den schmähenden Vorwurf:
- »Dragut, du fliehst, nicht erwägend den Ruhm des entschwundenen Lebens,
- Nicht die Worte voll Muths und glänzender Siegesverheißung?
- Kehr' in Eile zurück: so folgen die fliehenden Scharen
- Schamerfüllt, dir alle; wo nicht, so suche dir selber
- Ruhm in dem einzelnen Kampf. Vielleicht gelingt es dir heut noch,
- Glücklich bewahrt, hier deinen ergrimmtesten Gegner zu tödten.«
- Als er des Geisterruf's erregende Laute vernommen,
- Wüthete Dragut noch mehr: er spornte den fliehenden Haufen
- Oft sein Streitroß vor, und trieb noch diesen und jenen,
- Scheltend, zurück'. Ihm horchte der Maur' und muthige Türk nur:
- Denn der Numidier floh g'en Tunis in Eile hinüber.
- Sieh', oft naht in dem Feld der Furcht erstarrendes Schreckbild
- Nur dem Feigen: er wankt; dann fleugt es vom Gliede zum Glied hin,
- Und der Tapfere wankt mit dem Feigen: sie wenden den Rücken
- All', und entfliehn. Wie fern auf dem Meere der brausende Sturmwind
- Wogen auf Wogen wirft, und Schiff' an Schiffen zerschmettert:
- Also stürzen sie fort, verderbend, und weder des Führers
- Scheltender Ruf, noch Strafe dereinst hemmt jetzo die Flucht mehr:
- Denn unbändige Furcht ergriff die ausreißenden Scharen.
- Aber so weit wie ein Ball, vom schmetternden Rohre geschleudert,
- Fleugt, schied drüben ein Raum nur mehr Toledo's und Lichtsteins
- Krieger vom Feind', als Dragut, von starrendem Staunen gefesselt,
- Hemmte das feurige Roß. In fest geschlossenen Reihen
- Harrten die Christen sein, und der zahllosen Scharen, und standen
- Ruhigen Blicks. Da rief er die schmähenden Worte herüber:
- »Seh' ich vor Todesfurcht in Stein verwandelt die Helden?
- Kommt, wenn Einer es wagt, ja zehen, und dreißig, und fünfzig,
- Gegen mich anzukämpfen im Feld, wie dort auf Granada's
- Flur mein Volk, der Rittersitte wohl kundig, mit euch focht,
- Eh' uns Verrath und Uebermacht Hispania's Herrschaft --
- Fluch dem Frevel, entriß! Nun kommt, mir werde der Ruhm dann:
- Keiner obsiegte der Macht des Satanbändigers Dragut!«
- Schon aufbrauste zuvor des Prahlers Worten Toledo's
- Heldenbrust; doch, als ein Nahme von drüben heran scholl,
- Welcher der schrecklichst' ihm war, und verhaßteste aller auf Erden,
- Da hielt er sich nicht mehr; er spornte sein schnaubendes Reitroß
- Auf die Fläche hinaus, und schrie dem Wüthrich entgegen:
- »Ha, nur dich, den Räuber des edelsten Weibes, des meinen,
- Suchte mein glühendes Aug': nicht wirst du künftig mehr prahlen!«
- Also mit lautem Gejauchz' aufschwang er den blitzenden Degen
- Ueber des Gegners Haupt, und es wäre, zerschmettert, gesunken,
- Wenn nicht Attila schnell, wie ein Blitz, der oben im Nachtgrau'n,
- Leuchtend die Wolken durchzischt, heruntergeflogen, sein Streitroß
- Drängte zum Seitensprung: denn fühlbarer nahen dem Thier noch,
- Und in den Nächten zumal, des Geisterreiches Bewohner,
- Bald vom Zorn gereitzt, und bald nur neckenden Launen
- Folgend: da schmiegt sich die winselnde Dogg' an die Füße des Menschen,
- Der mit Verwunderung horcht, und hinaus in das schweigende Nachtgrau'n,
- Schaudernd, starrt; im Gehöft' aufflattern die kreischenden Hühner;
- Laut mit Geschrei entstürzen die Vögel dem Wald', und die Hirschkuh
- Fährt aus dem rauschenden Laub' in die Höh', und horchet mit Beben:
- Denn hell blitzte der Geist an dem Auge des schlummernden Thier's hin:
- So, von dem Geiste geschreckt, aufsprang der schnaubende Rappe
- Draguts. Ihm zerhieb Toledo's sausender Mordstahl
- Nur die bärtige Wang', und sie blutete. Siehe, nicht säumte
- Dragut, und vorgebeugt, durchrannt' er die Linke Toledo's
- Jetzt mit dem mächtigen Speer, daß schnell der leitende Zügel
- Ihr entsank! Ein schrecklicher Kampf, und im Kampfe der Tod nur,
- Hätte die beiden getrennt: da flog, gesendet von Lichtstein,
- Hanno, der Stabs-Herold, an die Seite Toledo's; er faßte
- Dort sein Roß an dem Zaum', und führt' es zurück' in die Reihen.
- Jammernd folgt' ihm der Held: er dachte den Gegner zu tödten.
- Dragut knirschte vor Wuth, und entwich: das Strömen des Blutes
- Raubt' ihm die Kraft. Nun rief er dem maurischen Scharengebiether:
- »Muhamed Temtes, ein Hort sey du des tapfersten Volkes,
- Und ein Zeuge vor Hairaddin mir: nicht erbebend in Feigheit
- Wär' ich gewichen dem Feind. Die blutende Wunde zu stillen,
- Eil' ich zur Stadt, wo mir der kräuterkundige Diener,
- Hugo, umhüllen sie soll mit dem weheinschläfernden Balsam,
- Und bald kehr' ich zurück', allwärts ein Schrecken der Gegner.«
- Also jagt' er davon: doch jener den kommenden Scharen
- Kühn entgegen zu kämpfen, bereit, sah forschend zum Rückhalt:
- Denn er hörete dort unfreundlichen Donner; vernahm auch
- Würgender Feinde Geschrei, und ihm pochte das Herz in dem Busen.
-
- Doch, wer ordnete dort die entscheidende Rückenbestürmung?
- Traun, ein Held, Aurel, der erst mit den herrlichen Schiffen
- Malta's nahend dem Strand, die feinddurchwimmelte Gegend
- Mächtig bestreichen ließ aus ehernen Schlünden und Mörsern!
- Donnergebrüll' erscholl ringsum; aufwirbelte Sandstaub
- Nah' und fern', und die Feind' entstürzten vor Schrecken den Reihen.
- D'rauf verließ er den Bord mit fünfzig der tapfersten Ritter,
- Tausend Kriegern gesellt, drang vor, und wüthete, mordend,
- Jetzt in dem Rücken des Heer's. So wüthet die nächtliche Windsbraut
- Durch das Föhrengehölz: der Eigner jammert am Morgen,
- Schauend die Stämm' auf Stämme gehäuft, in grauser Verwüstung.
- So im Gesicht von Lichtstein, so in dem Rücken von Malta's
- Kühnem Helden bekämpft, ausriß in wilder Verwirrung
- All' das unzählige Volk, und wandte nach Tunis den Lauf hin.
-
- Hairaddin trabte den stäubenden Weg mit den _Schrecklichen_ näher:
- Also hieß er die Schar viertausend erlesener Türken,
- Die er sich selber erlas aus den kühnsten und tapfersten Kriegern.
- Wohl erwies sich ihr Muth; wohl waren die Muthigen furchtbar:
- Denn wo es galt, und, gehemmt, die Wage des Schlachtengeschickes
- Schwankte, da mußten sie vor, zu erringen des eisernen Feldes
- Herrlichen Preis, und zu steh'n, muthfest, im Kampf der Entscheidung.
- Als er den wirbelnden Staub, und im Staube die fliehenden Haufen
- Gegen sich kommen sah: da erwog er im Herzen, noch zweifelnd:
- Ob er den Schrecklichen erst die Losung gebe zum Morden,
- Um in dem Blute der Feigen den Grimm zu sänftigen; oder,
- Scheuend den Wankelmuth der Tunisier, heute noch schone?
- Gleichwie im Aethergefild der schiffaufstürmende Luftball,
- Jählings vom Flammenhauche gerafft, des mächtigen Windes
- Wechselndem Strom' zu Beut' umfleugt, und nimmer des Schiffers
- Leitung gehorcht, nun hier- nun dorthin schwebend im Luftraum
- So, daß Grauen ihn faßt, und sinnverwirrender Schwindel:
- Also wankt' er umher. Ihm nahete Muhamed Temtes
- Jetzt mit dem flüchtenden Volk'. Er riß sich, ergrimmter, den Säbel
- Von der Hüft', und schlug mit der Breite der Klinge den Feldherrn
- Ueber die Stirne, daß ihm aus den Augen sprühten die Funken.
- Aber der Sclave lächelte nur, und folgte von weitem:
- Denn auch Hairaddin floh, und das Volk nachbrausete zahllos.
-
- Schon sank tiefer die Nacht; schon gaukelten kühlere Lüftchen
- Ueber die See, und ringsumher aus unzähligen Augen
- Sah der funkelnde Himmel, als die Reisigen Lichtsteins,
- Kehrend, mit Staunen ersah'n, wie sie, nur im Blute zu ernten,
- Hier die Garben gehäuft in des Todes entsetzlichem Saatfeld.
- Auch die Helden des Felseilands mit dem kühnen Gebiether,
- Kehreten heim in die meerumwogte Behausung (am Bord nur
- Schlummert der Seemann süß) und dort aufzählend die Scharen,
- Mißten sie dreißig, im Streit gefallene Krieger mit Wehmuth.
- Also rang in dem Vorkampf jetzt der erhabene Kaiser
- Gegen Hairaddins Macht, und der treffliche Lagergebiether,
- Guasto, begann, im vereinten Müh'n unzähliger Krieger,
- Dort die schirmenden Wälle zu bau'n, wo er forschenden Blickes,
- Erst die Stell' erkor, auf welcher Karthago gestanden:
- Auf daß ihr herrliches Bild, aus Schutt und Trümmern sich hebend,
- Waffne des Kriegers Herz mit eisernem Muth' in der Feldschlacht.
- Gegen den Salzthurm hin, im sternnachbildenden Vorsprung
- Hob erlesenes Volk mit schimmernder Haue das Erdreich,
- Dämmend, zum Wall. Vor ihm aufgähnte der dunkele Graben,
- Und das ehrne Geschütz, von schnaubenden Rossen gezogen,
- Rasselte näher, und stand alsbald, in gemessenen Fernen,
- Aufgefahren umher, zu wehren dem feindlichen Andrang.
- Schnell erfüllten des Lagers Raum die jauchzenden Krieger,
- Dort zu erhöh'n in Hast die luftigen Zelte. Sie bohrten
- Pfähl' in den Grund; dann spanneten sie die schimmernde Leinwand
- Vom Querbalken des Daches hinab, an haftenden Pflöcken,
- Gegen der Stürme Gewalt sie festigend, dieß- und auch jenseits.
- Tausende standen erhöht, und flatterten, tönend, im Nachtwind.
- Aber vor allen ragte das Zelt des edelen Kaisers,
- Hochgewölbet, empor. Des höckergestalteten Lastthiers
- Wolle schirmte von außen das Zelt g'en Wetter und Regen;
- Innen deckte die Wände Damast, und ein eisernes Feldbett
- Stand in dem Hintergrund', umhüllt vom seidenen Vorhang.
- Aber mit Lächeln im Blick, der, rühmend, des Werkes Vollendung
- Würdigte, sprach der Kaiser, erfreut, zu Guasto, dem Feldherrn:
- »Herrlicher, so geling' es dir auch am kommenden Morgen,
- Schnell die Schanzen umher an Goletta zu bauen! Für jetzo
- Heiß' das Volk ausruh'n in des schirmenden Lagers Umwallung;
- Nach gehaltener Rast empöre der fröhliche Krieger
- Zahllos Flammen im Feld, bereite sein Mahl, und gedenke
- Heiterer Lust: nur möge der Wall nicht ermangeln der Wachen;
- Auch den Graben entlang mit hellumschauenden Blicken
- Forschend, die Vorhuth steh'n. Ermüdet will ich hier schlummern,
- Wenn nicht feindlich Geschrei mich weckt im nächtlichen Anfall.«
- Sagt' es, und ließ sich, gehüllt in den wolligen Mantel, im Sandstaub
- Nieder. Weder den schwellenden Pfühl, noch köstliche Speisen
- Kannt' er im Feld': erduldend jegliche Noth und Entbehrung
- Froh mit den Kriegern. Er lag in dem Kreis' umlärmenden Volkes
- Dort auf dem Sand', und bald umfing ihn der liebliche Schlummer.
-
- Gleich dem brausenden Sturm flog jetzt der Römerbesieger,
- Hermann, mit seinem Gefolg', aus Amerika's Fluren herüber:
- Denn ihn lockte des Kampfes Getös' mit freundlichem Wohllaut.
- Wie der muthige Falk', auf Beut' erpicht, in des Himmels
- Blauem Gezelt nun auf sich schwingt, nun eilender abwärts
- Fleugt, im wogenden Gras' und im schaurigen Dunkel des Fruchthains
- Sie zu erspäh'n: so erforscht' auch Hermann das Lager. Sein Haupthaar
- Quoll aus dem duftigen Helm ihm golden herab auf den Nacken,
- Und des Ur's aufstarrende Mähn' umfing ihm die Schultern.
- Muthig schwang er die Keul', und aus trotzigbläulichen Augen
- Sah er herab, die jetzt, gleich flammenden Sternen, erglänzten:
- Schauend Germania's Volk und den schlummernden Kaiser, des Volkes
- Edelsten Hort. Er haucht' ihm, genaht, die erregenden Wort' ein:
- »Ruhig schlummerst du hier im Kreise der Helden, Erzeugter
- Meines gewaltigen Stamms! Von den fernen Meeren herüber
- Kommen die Bothen des Siegs dir spät. Ich künde den Sieg dir
- Nun zur Freud', und zugleich den Jammer der Wilden, zur Trauer.
- Dein ist die Herrschaft der Welt: nie wendet die leuchtende Sonne
- Mehr die Blicke von deines Reichs endlosen Gefilden.
- Schon dient Mexiko dir; nun bändigt Peru, das Goldland,
- Deß' unschuldiges Volk der Sonne Kinder sich dünket,
- Dein Pizarro.[42] Er nahm Atahualba gefangen, den Inca,
- Und erwürgt ihn vielleicht: nicht hunderttausende scheuend,
- Nicht Millionen Volk's, von wenigen Tapfer'n umgeben,
- Wild, und grausamgesinnt. O, hemme die wüthende Blutgier
- Jener Verblendeten, die in dem Wahn, Halbmenschen zu würgen,
- Also freveln! Ich sehe dein Herz erbeben dem Jammer,
- Den die Ferne dir birgt. Ein gottbegeisterter Priester
- Deines Volks,[43] der Kränz' erlesensten würdig, bewaffnet
- Sich mit erhabenem Muth, die armen, ein rettender Anwald,
- Kühn zu beschirmen: ihn höre: so wird unsterblicher Ruhm dir.
- Schlummere ruhig und süß, in dem Kampf dir nah' ich ein Helfer!«
- Dann aufschwang er sich rasch in die Lüfte: das tosende Lager
- Hier zu erforschen, und dort des Feindes gewaltige Heersmacht.
- Aber der Kaiser stöhnt' in dem Schlaf'; erhob von dem Boden,
- Staunend, das Haupt, und sprach halbleise die Worte des Kummers:
- »Künden, düsterer Ahnung vereint, auch Träume so schrecklich,
- Meiner Krieger unmenschliche Wuth? Führ't, günstige Wind', ach,
- Schnell das ernste Geboth der Schonung und christlichen Sanftmuth,
- Das ich gesandt in dem eilenden Schiff, zu dem fernen Gestad hin!«
- Lispelte so, und versank von neuem in lieblichen Schlummer.
-
- Jetzt nach gehaltener Rast erhoben sich wieder die Krieger:
- Dürres Reis, und die Trümmer längstgestrandeter Schiffe,
- Tragend herbei, unzählige Flammen im Feld zu empören.
- Wie die Sternenheer' erglüh'n am nächtlichen Himmel,
- Glänzten die Lagerfeuer umher. Da knüpfte der Reiter
- Sorglich das Pferd an den Pflock, und both ihm den Hafer im Vollmaß;
- Oder er brachte vom rieselnden Born, in räumigen Kübeln,
- Ihm die erfrischende Fluth. Nicht enthob er ihm jetzo den Sattel,
- Wie daheim, als ihm versiegte der Schweiß nach dem Ritte:
- Denn in dem Felde gebeut des Augenblickes Entscheidung,
- Fertig zu stehen zur Wehr' und zum raschvorstürmenden Angriff.
- Andre besorgten den Brüdern das Mahl. Des eisernen Kessels
- Rußigen Bauch umschlang die Loh', und die emsigen Krieger
- Hatten das Reismus gar gekocht, die Hämmel gebraten,
- Und vertheilet den Wein mit dem wohlernährenden Kornbrot
- Jeglichem treu und gerecht. Bestrahlt von der freundlichen Flamme,
- Schmaus'ten sie dort, und wechselten stichelnden Scherz und auch Possen,
- Lautem Gelächter vermengt, und kriegerischtönenden Liedern.
- Also war auftobender Lärm und Getös' in dem Lager.
- Aber, gesondert im Kreis', kaum achtend des Mahles und Trunkes,
- Oder des herzerfreuenden Worts, ergaben die Einen,
- Heißerpicht auf Gewinn, sich dem trüglichen Locken der Würfel:
- Schüttelten erst in der hohlen Hand die klingenden lang' fort,
- Warfen sie dann querhin auf den weitgebreiteten Mantel,
- Sah'n, und zähleten laut die gewinnaufweisenden Augen.
- Andre langten die Karten hervor, vieljährigen Ansehns
- (Hätt' ein Fremder doch kaum den Buben vom König, die Grünen
- Kaum von den Rothen erkannt) vertheilten die klebenden Blätter,
- Netzend oft mit der Zunge den Daum, von der Linken zur Rechten,
- Allen umher, und spieleten Brand, und Bettel, und Mordbrand,
- Mit aufschlagender Faust und fröhlichem, lautem Gelächter.
-
- Sieh', in dem einsamen Zelt, entfernt von fröhlichen Menschen,
- Lag Toledo, verwundet am Arm; doch blutet' ihm heißer
- Noch die Wund' in der Brust, versetzt vom grausamen Schicksal,
- Das ihn so furchtbar jüngst der edelsten Gattinn beraubte.
- Jen' empört' um ihn her die schwarzen Gebilde des Unmuths.
- Grimmig umdrängten sie ihn, und weckten in seinem Gemüth nur
- Angst und Verzweiflung: er lag, erblindet bei offenen Augen,
- Dort auf dem Lager, und starrt' in die Nacht, und stöhnte vor Jammer.
- Jetzt anlandete Kurd mit dem Kahn, und flog nach dem Lager,
- Eilenden Laufes, herab. Ein »Wer da?« scholl ihm entgegen:
- »Gut Freund« gab er zurück, und frug nach Toledo, dem Feldherrn.
- Aber gewahrend des Mauren Tracht, und feindlicher Arglist
- Denkend, führeten ihn zwei tapfere Krieger mit Vorsicht
- Nach Toledo's Gezelt. Nun, dort den Leidenden schauend,
- Wollten von seiner beklommenen Brust sich die Worte des Trostes
- Lange nicht lösen. Er stand, erschüttert, und leise begann er:
- »Hugo's Worte vernimm: »»Wenn hoch an dem Himmel der Vollmond
- Strahlt, da berg' ich in Grabesnacht, errettet, Mathilden!««
- Und ich lenke dich dann zur Felsenhöhle des Oehlwalds.«
- Forschend irrte Toledo's Aug' an dem seltsamen Fremdling
- Auf und nieder: er sann, in düstere Träume verloren;
- Aber ein leuchtender Blitz auf des Jammers nächtlichem Irrpfad
- War ihm die Vollmondsnacht, der Fels, und die Höhle des Waldes.
- Stöhnend hob er sich auf, und hing am Halse des Fremdlings,
- Lautaufweinend. Ein Strom von glühenden Thränen benetzte
- Diesem die Brust; er floh zum Strand', im gleitenden Fahrzeug
- Heimzuschiffen, und dort der rettenden Stunde zu harren.
-
- Sinam sah schon lang vom ragenden Thurme Goletta's
- Nach dem feindlichen Lager hinaus, und erbebte den Feuern,
- Welch' unzählig umher aufloderten. Wie auf des Meeres
- Sturmempöreter Fluth die, aus Wolken brechende Sonne,
- Plötzlich die Wogen entflammt, daß sie endlos, hüpfend, erblitzen:
- Also erschienen ihm dort die Lagerfeuer, unzählbar,
- Und er dachte für heut' auf keine entscheidende That mehr.
- Unmuthsvoll erforschte sein Herz der Hunnen Beherrscher
- Attila; flog um ihn her, und reitzt' ihn mit stachelnden Worten:
- »Sinam, unkriegerisch, träg, und feig', erbebst du den Feinden?
- Wie, ist dem furchtbar'n Ueberfall nicht günstig die Nachtzeit,
- Der, verderbender oft als blutige Schlachten, dem Gegner
- Jammer gebiert? Wie schwach erscheinst du dem Volke; wie haßt dich
- Hairaddins Seele hinfort, der dir vertraute mit Unrecht!«
- So vernahm, im Geist, die dräuenden Worte des Geistes
- Sinam, und blickte, verwundert, umher: wer also gesprochen?
- Doch er fand sich allein; besann sich der Angst, und es färbte
- Schnell sein blasses Gesicht der Scham hellröthendes Feuer.
- Jetzo murmelt' er leis': »Ich, Thor, vergrüble die Zeit hier
- Müßig. Wohlan, der kühne Gedank' -- er werde zur That jetzt!«
- Sagt' es, und kam, und sprach zu Giaffar glühenden Blickes:
- »Giaffar, stets entflammt dir die Brust die Heldengesinnung,
- Daß du nicht Tausende scheu'st, wenn rings umdrängender Gegner
- Schlachtruf schallt, und, empört, der Waffen Getümmel ertönet!
- Siehe, schon schwinden umher die Lagerfeuer des Feindes,
- Und schlaftrunken, vom Weine betäubt, hinsinken die Feigen!
- Auf, wir stürmen in Hast mit den Janitscharen das Lager,
- Und erwürgen das wehrlose Volk in dumpfer Betäubung!«
- Jener begann: »Ha, nicht unwichtige Thaten ersinnst du,
- Schlachtenerfahrener Greis! Bald tilgt, entsetzlich, im Nachtgrau'n
- Unser Eisen die Schlummernden. Zwar in der Helle des Tages
- Mir ersehnt' ich den Kampf, nicht auf nachtumhülleten Pfaden;
- Dennoch will ich dir folgen: gebieth', und ich ordne die Scharen.«
- Sinam geboth: aufflogen die mächtigen Thore Goletta's,
- Und die gerüstete Schar zehntausend muthiger Krieger
- Drang, von Sinam geführt, und Giaffar, eilenden Laufes,
- Jetzt an die Wälle heran. So weit, als ehrner Drometen
- Klang dem Horchenden tönet im Feld, noch waren die Krieger
- Von dem Lager entfernt: da duckten sich alle zum Boden
- (Sinam geboth's) und schlichen, gebückt, gleich listigen Füchsen
- Welch', einkrümmend die Ruthe, mit weitvorgreifenden Pfoten
- So, daß am Gras' ihr Bauch hinstreift, den stillen Gehöften
- Nahen bei Nacht, um dort die befiederten Schläfer zu fahen.
- Jetzo, der Vorhuth nah', aufsprangen die Scharen, und furchtbar
- Tönete Allah-Geschrei, entsetzlich der Stürmenden Schlachtruf,
- Und, dem Säbelgeklirr vermengt, das Schmettern der Büchsen.
- Aber nicht schliefen die Schützen Tyrols: sie wachten, der Pflicht treu,
- Als die erlesene Huth an dem Graben, und weckten im Lärmschuß
- Eilig, den Wall entlang, die kühnen Gefährten zum Kampf auf.
-
- Giaffar stürmte der erst', und hieb dem kühnen Ramiro,
- Führer des Schützenvolks, die Stirn' entzwei mit des Säbels
- Sausendem Schlag: er sank, und verhauchte das Leben. In Trident
- Sah er im Handlungshaus, an der Seite des grauenden Vaters,
- Reichthum die Fülle gehäuft, der köstliche Waaren des Ostlands
- Vom venediger Freunde bezog, und versandte nach Deutschland;
- Aber ihn lockte zum Kampf gar mächtig der Kriegesdrometen
- Schmetternder Klang, auf Afrika's fernen Gefilden, und freudig
- Hofft' er, mit Siegeslorbern geschmückt, die heimischen Fluren
- Wieder zu schauen, und dort die Tage der schöneren Zukunft;
- Doch ihn ereilte des Todes Geschick, und lachenden Erben
- Wurden die Güter zu Theil des, in Gram hinschwindenden Vaters.
- Giaffars schreckliche Kraft, verstärkt von kühnen Gefährten,
- Würgt' auf dem Wall noch drei tyrolische Schützen vom Innthal --
- Brüder, und stets in dem Heere genannt »das rühmliche Kleeblatt«:
- Denn, als Jörg, der jüngste, zu Freundsbergs[44] Fahne geschworen,
- Eilten auch Günther und Jost ihm nach, zu schwören den Kriegseid
- Vor dem Vater des Volks, Freundsberg, dem Jeglicher hold war.
- Immer hielten sie treu und fest zusammen im Leben,
- Und wo im eisernen Felde Gefahr den einen bedrohte,
- Bothen die andern die Brust zum Schilde dem Bruder, und dachten,
- Liebend, des Bruders allein. Am herrlichen Tag vor Pavia
- Knüpft' an die Heldenbrust der Tapfern ein ehrendes Zeichen
- Freundsbergs Hand; doch jetzt im nächtlichen Grau'n, an des Grabens
- Weitaufgähnendem Schlund verhauchten sie, kämpfend, das Leben.
- Also hätt' in dem Ueberfall noch viele der Christen
- Tod und Verderben ereilt, und der Feind erstiegen die Wälle;
- Aber da brach Hardwin, der tapfere Führer der Schützen,
- Hohes beschließend im Geist, durch Reihen der Gegner. Er hatte
- Sinam erseh'n, der vor- die Würgenden trieb. Ihn zu tödten --
- So von den Brüdern zu fernen die Noth, vorbraust' er, und zückte
- Rasch auf Sinam das Schwert. Doch Giaffar, schauend des Feldherrn
- Grause Gefahr, entboth die Seinen sogleich, und sie flogen
- Jenem zu Hülf'. Zwar fiel der Schützen gewaltiger Feldherr,
- Salis, mit eiliggeordneter Macht dem Feind in den Rücken --
- Drängt' ihn zurück von dem Wall, und häufte Leichen auf Leichen;
- Aber es wühlten in Hardwins Brust unzählige Säbel
- Schon: der Tapfere sank, und lächelte heiter im Tod noch.
-
- Rogendorf, der stattliche Feldzeugmeister des Heeres,
- Hörte des Kampfes Getös'. Er saß in dem einsamen Kriegszelt,
- Trauernd noch stets um den Freund, den ihm entriß das Verhängniß;
- Doch, wenn Schlachtruf scholl, und ihn hieß, unzähligen Feinden
- Kühn entgegenzusteh'n: da blitzt' aus den finsteren Wimpern
- Ihm der Muth, da brachte sein Wink dem Feinde Verderben.
- Eilig erstieg er den Wall, und geboth dort jeglichem Wurfschütz,
- Fertig zu harren des Winks zu feuern, mit mächtiger Stimme:
- »Männer, vor allem gebeut uns die Nacht, dem Donnergeschütz erst
- Ein untrügliches Ziel zu ermessen im finsteren Blachfeld.
- Werf't aus dem Haubitzrohr Leuchtkugeln, sausenden Fluges,
- Ueber die Feinde hinaus, zu erhellen die Gegend, und furchtbar
- Wüthe sogleich das Donnerrohr in die wimmelnden Scharen.«
- Sinnig erfand erst jüngst die erleuchtenden Kugeln der Feldherr:
- Mengte den Salzen Harz, und Schwefel und Kohle dem Spießglas;
- Dann umhüllt' er mit Werg das Gemeng', und rundete solches.
- Jetzo des Brandrohrs Saum mit der brennenden Lunte berührend,
- Warf der Schütz aus dem Haubitzrohre die leuchtenden Kugeln
- Weit in die dunkeln Gefilde hinaus: sie erhellten, dem Mondlicht
- Aehnlich, die Nacht. Wie entzündete Luft, urplötzlichen Fluges,
- Schimmernden Sternen gleich, durchzieht den nächtlichen Himmel;
- Oder vom lärmenden Kreis' der Jünglinge, tönend dem Faustschlag,
- Ein gewaltiger Ball, den Rindesblase geschwellt hat,
- Stolz in die Luft sich erhebt, dann senket: so flogen die Kugeln
- Ueber dem Feinde dahin. Er staunte dem Wunder, und jetzo
- Faßt' ihn erschütternde Furcht, als rings erhellet die Nacht war,
- Die verrätherisch ihn preisgab nie geahntem Verderben.
- Doch schon winkete Rogendorf: da brüllten auf einmal
- Dreißig Schlünde vom Wall. In die wimmelnden Haufen geschleudert,
- Warf der Achtzehnpfünder entsetzliche Wucht aus den Gegnern
- Hundert zu Boden: die andern entfloh'n nach der Veste Goletta,
- Schreiend, in keuchender Hast, nicht hörend die Stimme der Führer --
- Sinams Stimme nicht mehr, nicht Giaffars, die in dem Nachzug,
- Einend das kühnere Volk, dem raschverfolgenden Gegner
- Bothen die Stirn': denn Salis, der kühnen tyrolischen Schützen
- Tapferer Hort, nachbrauste den fliehenden Feinden, dem Sturm gleich,
- Der auf der Heid' im Herbst die bärtigen Disteln dahinjagt,
- Und er kehrte nur spät von der blutigen Feindesverfolgung.
-
- Jetzt, vom Schlummer geweckt durch Kampfgetümmel und Schlachtruf,
- Sprang der edelste Kaiser voll Hast vom nächtlichen Lager,
- Nahte dem Wall, und sah, wie Rogendorf nach dem Feind hin
- Sandte des Todes Geschoss'. Er winkt' ihm lohnenden Beifall,
- Und begann vor Salis, und seinen Gefährten voll Huld so:
- »Eure Stirn' umkränze des Ruhms niewelkender Lorber!
- Muthig hab't ihr gekämpft: vor euren zerschmetternden Büchsen
- Floh'n in Eile die Feinde davon. Zum Lohne des Sieges
- Sollt' ihr auf jenen, so stolz sich erhebenden felsigen Höhen,
- Wo in Karthago's rühmlicher Zeit die mächtige Hochburg,
- Byrsa[45] stand, aufpflanzen die Fahn', und den Lagergenossen
- Stehen zur Huth auf der weitumschauenden Warte des Landes.«
- Und er kehrt' in das Lager zurück. Doch jauchzenden Rufes
- Klommen, von Salis geführt, die tapferen Bergebewohner
- Jetzo die Felsen hinan. Gern weilt der sinnige Bergfreund
- Auf den luftigen Höh'n, wo er all' dem niedrigen Treiben,
- Drängen, und Sorgen der Erd' entrückt, des Himmels Gefilden
- Näher, so frei und selig sich fühlt; wo das sehnende Herz ihm
- Höher im Busen schwillt: da er bald des wölbenden Aethers
- Dunklerer Bläue staunt, bald tief in den schwindligen Abgrund
- Starrt, und, mit Thränen im Blick des Waldstroms silberne Fluthen
- Eilen sieht, und des schnellentfliehenden Lebens gedenket.
- Ach, der Gebirgssohn hängt mit kindlicher Lieb' an der Heimath!
- Wie, den Alpen geraubt, hinwelket die Blume: so welkt er,
- Ihr entrissen, dahin. Stets sieht er die trauliche Hütte,
- Die ihn gebar, im hellen Grün umduftender Matten:
- Sieht das dunkele Föhrengehölz, die ragende Felswand
- Ueber ihm, und noch Berg' auf Berg' in erschütternder Hoheit
- Aufgethürmt, und glühend im Rosenschimmer des Abends.
- Immer schwebt es ihm vor -- verdunkelt ist alles um ihn her!
- Aengstlich horcht' er. Ihm däucht: er höre vom nahen Gehölz her
- Wieder das Muhen der Küh', und hoch von den Alpen herunter
- Glöcklein klingen. Ihn däucht: er höre das Rufen der Hirten,
- Oder ein Lied der Sennerinn, die, mit umschlagender Stimme,
- Freudig zum Wiederhall aufjauchzt Melodieen des Alplands.
- Immer tönt es ihm nach. Ihn fesselt der lachenden Ebnen
- Anmuth nicht; er fliehet der Städt' einengende Mauern,
- Einsam, und schaut, aufweinend, vom Hügel die heimischen Berghöh'n:
- Ach, es zieht ihn dahin mit unwiderstehlicher Sehnsucht!
-
- Aber im Osten schwebte der Mond mit strahlendem Antlitz
- Ueber die Berg' empor. Auf des Meeres fernen Gewässern
- Schwamm sein zitterndes Licht; er hellte des säuselnden Waldes
- Dunkelen Saum, und goß den silbernen Schleier, aus Aethers-
- Dufte gewoben, umher auf den sanftentschlummerten Erdkreis.
-
-
-
-
- Siebenter Gesang.
-
-
- Drüben am östlichen Himmelsthor erglühte der Morgen.
- Schaurig wehte der Wind, und fuhr mit eisigem Odem
- Ueber das Heer. Von dem lockigen Haupt und dem Mantel des Kriegers
- Träufelte fort und fort der Thau gleich schimmernden Perlen,
- Und verwandelt' in Grau die dunkele Farbe der Rosse,
- Die, von Dampf umhüllt, mit schlotternden Seiten sich drängten:
- Denn so glühend die Luft sich bei Tag auf Afrika's Fluren
- Senkt, so ergreifend haucht sie den Frost aus der schwindenden Nacht
- her.
-
- Dort nach dem Felsenhorst, den erst zum Lohne des Kampfmuths
- Sich errangen die Schützen Tyrols, erhob sich der Kaiser
- Jetzo mit Ludwig allein. Er schwieg. Die umdüsterte Vorzeit
- Schwebte ihm vor: denn, ach, er trat Karthago's Ruinen!
- Aermliche Dörfchen gewahrt' er nur: El-Mersa, und Melcha
- Näher dem Meer' -- entfernter: Sidji-Mosaid, und Darilschut,
- Ruhend, Oasen gleich, auf Karthago's wüsten Gefilden.
- Stille herrschte umher in den Hütten des flüchtenden Volkes:
- Denn o, furchtbar droht, und furchtbarer jede der Stunden
- Vor dem nahenden Feindesheer' in entsetzlicher Kriegszeit,
- Wenn, entrissen dem Schirm der väterlichwaltenden Obmacht;
- Hingegeben empörter Gewalt, unbändiger Willkühr,
- Und unleidlicher Schmach, der Mensch nach Rettung umherschaut:
- Jetzo der Gegenwart, dann wieder der nächtlichen Zukunft
- Schrecken ihn faßt, und vernichtende Angst ihm raubt die Besinnung!
- Als sie erklommen des Felsens Höh'n: da schwebte die Sonne
- Aus dem glühenden Meer mit rosenumhülletem Antlitz
- Freundlich herauf. Ihr hauchten die Fluthen, ihr dampften die Berghöh'n
- Lieblichen Opferduft empor; sie grüßten die Fluren,
- Funkelnden Blicks, und, freudigen Lautes, die Hain' und die Wälder.
-
- Nicht, wie sonst, erfüllte des holderwachenden Morgens
- Schimmer des Kaisers Brust mit Wonne der seligen Geister:
- Denn beklemmt war heute sein Herz, und düstere Schwermuth
- Hüllt' ihm die Stirn' in Nacht: er dachte die Tage der Vorwelt.
- Sinnend irrte sein Blick von der steilabstürzenden Felswand
- Nach den schimmernden Fluthen hinaus; der säuselnde Frühwind
- Wiegt' am Nacken sein lockiges Haar, und wiegte des Mantels
- Wogenden Saum. Nun setzt' er, entfernt von des Lagers Getümmel,
- Sich auf den moosigen Stein, und sprach zu dem horchenden Jüngling:
- »Siehe, so ferne dein gieriges Aug' erforschet die Fluren,
- Rings den Felsen umher, wo Byrsa, die eherne Burg stand,
- Lag Karthago, hehr, weitherrschend und mächtig verbreitet!
- Aber nicht kündet der kärgliche Schutt, umwuchert von Mooswuchs,
- Wo die Herrliche stand, und mit Staunen erfüllte den Erdkreis.
- Wehe, sie sank, des blühenden Reichs gewaltige Hauptstadt,
- Sie, der eisernen Roma zum Trotz, noch die Zierde der Welt, sank!
- Blut durchströmte die Straßen umher; die prasselnde Flamme
- Wüthete rastlos fort: im Schutt versiegte die Wuth nur.
- Aber es lebt die Erhabene noch in der Kunde der Nachwelt.
- Hehre Begeisterung schwellt den Busen des Sängers; nicht fremd mehr
- Ist ihm des Helden Sinn, nicht die That, aus jenem geboren:
- Ihr ertönt sein Gesang in vielfachwechselnden Weisen,
- Die jetzt, brausenden Stürmen gleich, erschüttern des Hörers
- Pochende Brust, und jetzt, wie liebliche Lüftchen des Abends
- Säuselnd im Veilchenbeet, ihr sanfte Wonne gewähren.
- Ha, Karthago lebt, und ewig ertönet ihr Nachruhm:
- Meererforscherinn, Städt'- und Völkergründerinn heißend;
- Lebt durch Hannibals Ruhm, des mächtigen, eidesgeweihten,
- Furchtbar'n Rächer des Vaterlands, und blühet für immer
- Ob dem erschütternden Muth: verschmähend die schimpfliche Knechtschaft,
- Unterzugeh'n, auch im Falle noch groß, in würdiger Freiheit!
- D'rum erhebe dein Herz, dem Guten und Wahren dich weihend:
- Denn sie allein entführt der Zeit fortrollende Fluth nicht,
- Und, umschwebend die Welt in ewigdauerndem Kreislauf,
- Reichen sie dir zum Lohne den Kranz nie welkender Blüthen.«
- Jetzt erhob er sich schnell, nach dem Lager zu kehren. Auch Ludwig
- Säumte nicht; doch ihm quoll die Thrän' aus den blitzenden Augen:
- »Wohl ist es schön,« so sprach er, »im Lauf enteilender Zeiten
- Ueber der niedrigen Fluth, emporgehoben, zu stehen,
- Und zu erringen den Kranz gefeierter Helden der Vorwelt;
- Doch, ach, mich entreißt die sorgliche Liebe des Herrschers
- Jeder Gefahr, und ruhmlos schwindet mir Leben und Thatkraft!«
- Freudig erklang des Jünglings muthige Rede dem Kaiser,
- Und er entgegnet' ihm so: »Schon nahet die Stunde, wo, kämpfend,
- Du in dem eisernen Feld die Schrecken der Schlachten bestehen,
- Und als Sieger, umjauchzt von tapferen Kriegesgefährten,
- Kehren, oder im Kampf erliegen sollst für die Rettung
- Tausender: ein's wie das and're erhebt; doch leitet die Vorsicht
- Dich nach der Heimath zurück, dort blühet ein schöneres Feld dir
- Ewigen Ruhms: durch Herrscherweisheit im Segen zu walten
- Ueber ein glückliches Volk, und, also der Mit- und der Nachwelt
- Frommend, im Segen zu seyn den spätesten Menschengeschlechtern.«
-
- Hannibal horchte mit Lust, wie ihn ehrte der mächtigste Herrscher.
- Seit er dem irdischen Leben entrückt, unmuthigen Herzens,
- Weilt' im dunkelen Raum des nachtumwölbenden Erdballs,
- Sah er zum erstenmal die trauten Gefilde der Heimath
- Wieder. G'en Zama[46] hinaus erhob er die glühenden Augen,
- Starrt', und ballte die Faust des Jammers Gebilden entgegen:
- Denn noch sah er die Miethlinge fliehn; durchbrochen die Reihen
- Seines Volks, und, empört, die schreckliche Schar Elephanten
- Wüthen im eigenen Heer -- entrissen auf immer den Sieg ihm:
- Sah's, und wandte sich schnell nach Karthago's Stätte hinüber.
- Aber wohin entschwand die Herrliche? Neidischverschlungen
- Hatte der Strom der Zeit auch die letzten Maale des Ruhmes.
- »War auch sie mit dem Römer im Bund'?« So seufzt' er, und hob sich
- Eilig den Felsen hinan. Dort hört' er unsterblicher Thaten
- Seelenentzückendes Lob aus dem Munde des edelsten Kaisers:
- Ihm von der Stirn' entfloh'n des Unmuths düstere Wolken;
- Heiterer blickte sein Aug', und der Groll, vom Römer empöret,
- Schmolz aus seiner besänftigten Brust, wie schimmernder Frühreif
- Schmilzt im sonnigen Strahl. Schon dacht' er, den Christen ein Helfer
- Künftig im Kampfe zu steh'n: da naht' ihm jener im Eilflug.
- Regulus sah auf den Felsenhöh'n um seinen Erwählten
- Hannibals dräuende Näh', und wähnte: verderbende Täuschung
- Sinn' er, ihm dort in die argloshorchende Seele zu hauchen.
- Wie aus dem sonnigen Thal der rauberspähende Kondur --
- Er, der Riese des Geiergeschlechts, in sausender Schnelle
- Hoch empor sich schwingt zu dem Wolkennest, zu erforschen:
- Ob nicht Gefahr dort drohe den kreischenden Jungen? so naht' er,
- Jetzo dem Kaiser im Flug, und wachte mit liebender Sorgfalt,
- Wie er die Listen vereitle durch List, und vernichte die Täuschung.
- Hannibal schnob, erneut vor Zorn: mit dräuenden Blicken
- Schwebt' er davon, und sann dem Christenheere Verderben.
- Doch in die Zeltenstadt heimkehrte mit Ludwig der Kaiser.
-
- Aber welch' Getümmel erschallt an dem Strande des Meers jetzt?
- Gegen Zafrano hinaus, auf Bona's lieblichem Vorland,
- Thürmt ein Cedernwald die dunkelen Wipfel g'en Himmel.
- Noch in dem kühleren Hauch des sanftaufdämmernden Morgens
- Schifften auf Ruderbooten dahin, von Guasto gesendet,
- Tausend, des Zimmerwerks wohlkundige Krieger: zum Schanzbau
- Stämme zu fällen. Da scholl in der hehren Stille des Morgens
- Drüben des Beils dumpfschmetternder Schlag vom tönenden Stammholz:
- Sausend entstürzte der Wald. Jahrhunderte sah er der Umwelt
- Wandelbare Gestalt; er stand, und hob sich noch immer
- Höher empor: nun streckt' ihn die grausame Schärfe des Eisens
- Nieder: in Trauer gehüllt aufragte das kahle Gebirgsland.
- Aber sogleich ersah'n die feindlichgesinneten Geister,
- Schwebend vor Muhamed her, und Attila, welche Gefahren
- Ihren Erwählten der Christ bereitete: Schauder ergriff sie.
- Siehe, da flog Ellack, des Hunnenkönigs Erzeugter,
- Näher, und rief dem Vater zugleich, und dem heuchelnden Seher:
- »Schauet die Riesenschlange dort im Schatten der Felskluft
- Liegen: Unsterbliche selbst erbeben dem schrecklichen Anblick.
- Weck't sie vom Schlaf, und, empört, hintilgt sie die kühnen Gesellen!«
- Muhamed sann umher; dann rief er den Zagenden also:
- »Hebe dich, Muhameds Volk! Erhebt euch, Attila's Scharen;
- Fahr't in des Unthiers Bauch, und erreg't dem Feinde Verderben!«
- Jetzo im sausenden Flug hinstürzten die stürmischen Geister,
- Schrie'n, und fuhren zugleich in des Scheusals umringenden Bauch ein.
- Tief in der Felsenkluft, zum furchtbarn Knäuel verschlungen,
- Lag die gräßliche Schlange (dem Rad, das, weichend des Bergstroms
- Riesengewalt, den Mühlstein dreht, im Kreise nicht ungleich)
- Schlummernd, und barg ihr Haupt in des Knäuels Mitte mit Vorsicht.
- Nur im Dunkel der Nacht, nur selten im Lichte des Tages,
- Kroch sie lauernd hervor, um ein sorglosweidendes Hausthier,
- Rasches Gewild, und auch Menschen zu fah'n; da hieß es: ein Berggeist,
- Hausend im Felslabyrinth des schauerumhülleten Waldes,
- Habe verschlungen den Raub, und der Iman heulte Gebet' auf.
-
- Als die stürmende Schar, des Herrschers Winken gehorchend,
- Im unleidlichen Drang die furchtbarn Ringe des Scheusals
- Füllte: da hob es in zitternder Wuth das gräßliche Haupt auf,
- Warf es im Bogenwurf in der Höhl' umher, und ihm zischte,
- Flammengeröthet, die Zung' aus dem weiteröffneten Rachen.
- Schrecklich erglühte sein Aug' aus den giftgeschwollenen Kreisen,
- Und, gebläht, erfüllet' es ganz die räumige Felskluft.
- Doch, als jetzo die Schar erboßtumtummelnder Geister
- Selbes noch wüthender drängt', und stachelte, froh der Empörung:
- Da durchfuhr's die entsetzliche Höhl' im sausenden Eilflug --
- Attila bebte zurück mit Muhamed: denn an dem Felsen
- Stand es, emporgethürmt, hoch über dem Haupte der Cedern.
- Heulend entstürzte die Schar holzhauender Krieger dem Dickicht,
- Eilte zum Strand', in dem Ruderboot zu entfliehen dem Tod noch;
- Aber nicht allen gelang's. Den Flüchtenden jagten die Geister
- Jetzo das Ungethüm nach, und es warf sich ergrimmter zum Boden.
- Weithin bebte der Grund; rings schwankten die luftigen Cedern,
- Welche die schnellhingleitende Schlange berührt', und das Berggras
- Welkte vor ihrem Flammenhauch, da Felsengeröll' ihr,
- Stäubend, nachrauschte vom Berg; doch dort, vom Strande des Meeres,
- Fest mit dem Schweif umschlingend die weitnachbeugende Ceder,
- Schwang sie sich über die Fluthen hinaus. Ihr bläulicher Rücken
- Blitzt' in dem Sonnenlicht, als, längs dem spiegelnden Meer hin,
- Schlängelnd, ihr Schatten flog, und sieh', da erhaschte sie pfeilschnell
- Eines der Boot', und warf's, mit schüttelndem Grimm, in den Abgrund!
- Nichtigem Spielwerk gleich, das zürnend der Knabe zertrümmert,
- Flog des Schiffes Gebälk mit lautem Gekrach aus den Fugen.
- Trümmer und Leichen bedeckten des Meer's aufwirbelnde Fluthen;
- Aber sie sank, ermattet, zurück, und rollt' an dem Stamme,
- Ringelnd, sich auf: wie ein Seil umringelt den kreisenden Wellbaum,
- Wenn von des Meeres Grund die gewichtigen Anker sich heben.
- Und die Ceder erbebte der Last des lauernden Unthiers.
-
- Staunend vernahm der Kaiser den Lärm an Zafrano's Gestaden,
- Blickte nach Ludwig hin, und dieser enteilte gewaffnet,
- Rasch dem Gezelt; dann schifft' er auf Dorias herrlichem Fahrzeug
- Eilig hinüber zur Bucht, wo, lauernd, das Scheusal der Ceder
- Säul' umschlang. Er hielt, und sann, wie er solches bezwinge.
- Sieh', und, brausenden Flug's, naht' ihm der edelste Römer,
- Regulus: denn, begrüßend den ruhmverkläreten Schauplatz
- Seines, der Weltstadt Rom heilbringenden Todes, gewahrt' er
- Attila's Hohn, und Muhameds -- auch des gestachelten Unthiers
- Wüthenden Grimm, und des Jünglings Angst! Da rief ihm der Geist zu:
- »Denke des Regulus doch, der einst durch Schleudergeschosse
- Hier die Schlange besiegt, und dem Volk Errettung gebracht hat!«[47]
- Und es erhob sich sogleich das Bild des edelsten Römers,
- Schimmernd, vor seinem Blick: denn laut entboth er die Krieger:
- »Windet die Wucht des ehernen Donnerrohres an Tauen
- Auf an den Bord; scharf ziele der fernhintreffende Wurfschütz,
- Und zerschmett're das Haupt des unheilbrütenden Scheusals.«
- Also geschah's. Wohl zielte der fernhintreffende Wurfschütz,
- Wendend den ehernen Schlund mit dem leichtbeweglichen Richtkeil,
- Senkte die Lunt', und wandte sich. Laut, mit Donnergetümmel,
- Sauste die Kugel hinan, und riß den Wipfel der Ceder
- Krachend vom Stamm: er bebt', und still verharrte das Unthier,
- Daß es die Schiffenden näher gelockt, erhaschte; doch Ludwig
- Sann hochrühmlichen Kampf. Ihm funkelten heller die Augen:
- Denn er geboth dem Steuermann urplötzliche Landung,
- Schwang sich hinaus, um dort, auf die Kniee gesunken, zum Himmel
- Flehenden Blickes zu schau'n, und sieh', ein Glanz, wie im Nachtgraun
- Flammt der Blitz, erhellete jetzo den schimmernden Luftraum;
- Goß ihm freudigen Muth in das Herz, und hieß ihn nicht achten
- Seines Volkes Geschrei; und als er den schrecklichen Degen
- Hoch aufschwang: da glühte die Spitze des Eisens, wie nächtlich
- Glühet die Wetterstang' im Gewölk, wenn rings in den Lüften
- Gährender Donner wogt! Er drang auf das Scheusal beherzt ein.
- Schauder erfüllte die Welt. In dem ödverstummenden Blachfeld
- Scholl nur leises Gezisch des Lauernden. Jetzo dem Gegner
- Flog's in schlängelndem Blitzesflug' entgegen, und strebte
- Ihn zu erhaschen. Er wich ihm behend' nach jeglicher Seit' aus,
- Stets abwehrend mit blinkendem Stahl des offenen Rachens
- Dräuende Wuth; doch jetzt in die Luft aufschwang er den Degen,
- Hieb, und trennte das Haupt von dem Rumpfe des scheußlichen Unthiers,
- Der, entsinkend dem Stamm, mit Blut umhüllte den Boden.
- Heulend vor Schrecken und Angst, entfloh'n die Geister, und eilten
- Muhamed nach, und Attila: fern in ätherischen Höhen
- Größeres Unheil noch zu ersinnen dem Heere der Christen.
- Ludwig kehrte gepriesen, zurück: da liefen die Männer,
- Jubelnd, zum Strand', und sah'n das kühnzerschmetterte Scheusal
- Liegen im schwärzlichen Blut, und zucken, und schauern im Tod noch,
- Schaudernd sie selbst: denn gräßlich war es noch immer zu schauen.
- Dann mit des Waldes Raub belastend das räumige Fahrzeug,
- Eileten sie, zu erbau'n die vest'umzingelnden Schanzen.
-
- Wohl von den Reihen beschirmt gewaffneter Brüder -- nicht achtend
- Dicht im Donnersturm' hersausender Feindesgeschosse,
- Grub an den Schanzen das Volk, und, wo in dem sandigen Boden,
- Hügelnd, kein Damm sich hob, und den kreischenden Spaten des Aufwurfs
- Sinkende Last stets wieder ereilte: da fügten die Krieger
- Stämm' auf Stämme, dem Wall zur dauernden Stütze. Den Weiden
- Raubeten andre ihr schlankes Gezweig, und flochten die Schanzkörb',
- Welch', erfüllet mit Sand, und erhöht auf dem Damme, den Wurfschütz
- Und die Donnerschlünde zugleich beschirmten im Feuer.
- Also erbauten sie drei, verderbendräuende Schanzen
- An Goletta umher, in Gestalt des wachsenden Mondes,
- Wenn er, silbergehörnt, hinschwebt am sternigen Himmel.
- Rechts an den Oehlbaumwald, und links an den felsigen Meerstrand,
- Stieß ihr Horn, und umkreiste nur halb die trotzende Festung:
- Denn auf dem Meer' umfing sie, dem silbergehörneten Mond gleich,
- Wieder die Schiffheersmacht: aus ihres verehrten Gestirnes
- Bild, ihr kam der Jammer gesandt, und die grause Vernichtung.
- Aber das ehrne Geschütz, von schnaubenden Rossen gezogen,
- Rückte zögernd heran; die Räder, im Sande versinkend,
- Knarreten unter der Wucht, und Schaum bedeckte die Rosse.
-
- Guasto, im Ehrengefolg zu Thaten gerüsteter Feldherrn
- Nahend, rühmte des Werk's ersehnte Vollendung, und sagte:
- »Dreißig eherne Schlünd' und zehn bomb'schleudernde Mörser
- Schirmt Alarkon, der Held, in der mittleren Schanze voll Thatkraft,
- Und ihm gehorche die Schar viertausend hispanischer Krieger;
- Aber, nicht minder an Zahl, erfüllen die Schanz' an dem Meerstrand',
- Niederländern gesellt, Lusitania's Krieger: ihr Hort sey
- Ludwig, der tapfere Fürst; doch jen' an dem säuselnden Oehlwald
- Sey fünftausend Wälschen vertraut, und mein ist des Volkes
- Schirmende Huth. Das ehrne Geschütz, in jeder an Zahl gleich,
- Und an verderbender Macht, entsende zur Veste Vernichtung.«
- Aber nicht dacht' er im Ernst die Schanze der Wälschen zu schirmen:
- Denn er versuchete nur den tiefverwundeten Helden
- Sarno, den er der Feigheit zieh im unseligen Walten
- Raschauflodernden Zorns, und nimmer lächelte seither
- Sarno's trauerumflossenes Aug'. Empört in dem Busen
- Trat er nun aus dem glänzenden Kreis', und sagte zu Guasto:
- »Wolltest du mir, erlauchter Gebiether, die Stelle vertrauen
- Dort am Olivengehölz, zunächst dem feindlichen Andrang:
- Daß sich erweis' in der That, ob ich feig' erbebte dem Gegner?«
- Guasto's Aug' umwölkte die Thrän'; er sagt ihm dagegen:
- »Edler, die Schanz' am Olivengehölz, dem feindlichen Andrang
- Näher, sey dir vertraut zum Gewinn unsterblichen Ruhmes.
- Ha, nicht des Wortes mehr, des unseligen, das in dem Zorn mir
- Jüngst entfuhr, gedenk': den Tapferen ziere die Großmuth!«
- D'rauf both er ihm noch freundlich die Hand, und eilte von dannen:
- Denn schon füllten den Raum der vest'umzingelnden Schanzen
- Treffliche Völker im Freudengejauchz', und rings von den Wällen
- Gähnte der ehernen Schlünd' entsetzendräuende Mündung.
- Aber vor allen ereilten, im hurtigen Laufe die Krieger
- Sarno's ihr Ziel: sie erhob des wiedererheiterten Feldherrn
- Siegverkündender Blick, den lange die Trauer umhüllte.
- Dort auf des Wall's vorspringendem Horn erhöht' er voll Hast nun
- Seines Volkes Panier, das blutroth auf in den Lüften
- Flatterte; sah vom gehügelten Wall, mit steigender Sehnsucht,
- Nach der Pläne hinaus, zu erspäh'n die feindlichen Scharen.
- Tausende sollten ihm nah'n: er hatte beschlossen zu sterben.
-
- Jetzo wäre der Donnerrohr' und der ehernen Mörser
- Schreckliche Wuth um Goletta erwacht; doch, sausenden Rittes,
- Sprengte der Kaiser heran; ihm folgte der tapfere Alba,
- Diesem die Heldenschar zweihundert Reiter, und schimmernd
- Wehte das Friedens-Panier vor den Eilenden: denn in dem Busen
- Schlug ihm das Herz voll Huld und menschenfreundlicher Schonung.
- Nahend den Feuerwerkern im Flug', erhob er die Stimme:
- »Haltet ein! Nicht ertöne des Krieg's entsetzlicher Mordruf,
- Der in dem blindumwüthenden Grimm so vielfach des Jammers
- Opfer häuft, und so viel schuldlose Herzen zermalmet,
- Eh' denn Alba gekehrt aus dem feindlichen Lager. Wir biethen
- Auf errungenem Feld, zu furchtbarer Rache gerüstet,
- Ihm versöhnend die Hand. So er, taub, und rasend im Unsinn,
- Von sich stieße die Hand, und verschmähte des Friedens Bedingniß:
- Dann auflodere ringsumher die Flamme des Krieges.«
- Sieh', und den stachelnden Sporn in die Seiten des Rosses versenkend,
- Flog nun Alba davon mit seinem erlesenen Häuflein --
- Flog, wie ein Sturm die Heide durchtobt! Doch jetzt, von Goletta
- Kommend, scholl ihm Getös' und Waffengerassel im Rücken.
- Sinam war's, der schnell mit tausend maurischen Reitern
- Nahete: denn er sah in dem Wind das schneeige Fähnlein
- Flattern: des Friedens Bild, den er ersehnt' in dem Busen
- Ob der Schätze daheim besorgt im grauenden Alter.
- »Hemmet die Roß', ihr Christen,« so rief er, »den sühnenden Herold,
- Wenn mich das Auge nicht triegt, gewahrt' ich in eurem Gefolg dort!
- Kündigt er uns, wohlweise berathen, die Worte des Friedens?«
- »Ja,« sprach Alba beherzt, »wir bringen euch heute den Frieden;
- Nehmt ihn getrost: denn besseren Rath ersinnet ihr nimmer!«
- Jener lächelte Hohn; doch hing in dem brausenden Ritt oft,
- Seitwärtsblickend, sein staunendes Aug' an dem christlichen Feldherrn,
- Der im schimmernden Waffenschmuck, ein trefflicher Reiter,
- Eisern im Sattel saß, und stolzverstummend dahinflog.
- Jetzo die Straßen entlang von Tunis, im Donnergalopp fort
- Jagte die Schar, und das wimmelnde Volk lief ihr mit Geschrei nach:
- Denn wie im sonnigen Lenz, wenn voll von duftenden Blumen
- Pranget der Hain, und pranget das Feld und der zierliche Garten,
- Zahllos summen in würziger Luft die geschäftigen Bienen:
- Diese, mit goldner Last an jeglicher Seite beladen
- Kehren, im Korb zu erbau'n die künstlichen Zellen; die andern,
- Ihm entschwirrend in Hast, fortzieh'n, auf den blühenden Matten
- Lieblichen Honigseim mit zart eindringendem Stachel
- Aus dem duftenden Kelch zu saugen, und kehren, und ziehen
- Sonder Rast: so war des unzähligen Volkes Gewimmel.
-
- Ueber der lärmenden Stadt, in Barda's[48] Zaubergefilden,
- Wo die herrliche Sommerburg die goldenen Zinnen
- Aus dem dunkelen Grün umsäuselnder Hain' in die Wolken
- Thürmt, verweilte Hairaddin jetzt, und ordnete kundig
- Heeraufstellung und Kampf, im Kreise der horchenden Feldherrn.
- Dort im luftigen Saal, auf schwellende Pfühle gesunken,
- Sprach er mit Salek, und sprach mit Dragut und Muhamed Temtes,
- Eifernd, als Pferdegetrab in die Ohren ihm scholl, und die Nachricht
- Kam: ein Friedensboth' erscheine der christliche Herold.
- Sieh', ein Wink fuhr ihm, wie ein Blitz, aus den finsteren Wimpern,
- Und im Waffengeklirr aufkrachten die Thüren; des Vorhangs
- Purpur flog zur Seite gerollt: denn plötzlich umringten
- Hundert Janitscharn, geführt von Hassan, dem Aga,
- Schirmend des Herrschers Thron, und sah'n, verschlingenden Blickes,
- Hin nach dem Fremdlinge, der an Sinams Seite herankam,
- Und dem Throne genaht, erhob die muthige Stimme:
- »Dir, großmächtiger Herr, entbiethet der Kaiser der Deutschen,
- Und Hispania's König, durch mich, den Herzog von Alba,
- Freundlichen Gruß, und sendet, noch ehe der würgende Schlachtruf
- Tunis Gefilde durchtobt, dir sanfte Worte des Friedens,
- Daß unzähliger Völker Glück dem deinen vereint sey!
- Nicht gedenket er, dir zu entreißen die Krone von Algier;
- Aber er heischt, zum Ersatz, für Hassan jene von Tunis,
- Die er, erst jüngst, mit heiligem Eid, ihm wieder zu schaffen
- Schwur, aufbiethend unendliche Macht. Auch sollst du in Freiheit
- Ziehen mit deinem Volk; entführen die Schätz' und die Waffen,
- Wenn du zuvor den Christensclaven die Bande gelöset,
- Und gelobet ihm hast, zu entsagen der schrecklichen Willkühr,
- Die nur auf Menschenraub und Plünderung gründet die Herrschaft.
- Frei ist das Meer: ein Bild der ewigen Vorsicht, umher, rings,
- Hält es die Erd' umfaßt! Auf seinen unendlichen Bahnen
- Fliege des emsigen Kaufmanns Schiff, mit schimmerndem Fittig,
- Schnell von Port zum Port, im völkerverbindenden Handel
- Freudig den Segen der einen Welt der andern zu spenden;
- Willig trag' es, wenn Noth es erheischt, ein muthiges Kriegsvolk,
- Das sich erhob, des Wüthrichs Macht zu begegnen -- zu wehren
- Unterdrückung und Schmach, im blitzebewaffneten Bollwerk
- Hin zum sicheren Sieg; doch mög' es, empört, in den Abgrund
- Schleudern das Schiff und den Räuber zugleich, der schnöden Gewinns
- froh,
- Seine Fluthen entweiht, der Knechtschaft Opfer zu häufen!
- Unsere Losung sey: des Meers allsegnende Freiheit!«
- Dunkelröthliche Gluth flammt' auf in den Augen des Wüthrichs,
- Als er die Worte vernahm; er schwang auf dem purpurnen Pfühl sich
- Rasch herum, und ballte die Faust, und knirscht', und begann so:
- »Ha, verwegener Christ, so trotzest du mir in das Antlitz?
- Fluch sey dir, und auch ihm, der dich gesendet! Hinweg -- stirb!«
- Jetzo ereilt' ihn der Tod auf hundert blitzenden Säbeln,
- Rief nicht Sinam dem Volk: »Vergreife dich nicht am Gesandten!«
- Alsbald bebt' es zurück. Da stand voll ruhiger Hoheit
- Alba, und starrte mit festem Blick dem Wüthrich in's Antlitz,
- Der, erblassend dem Blick, verstört zum Boden hinabsah.
- Stille herrscht' in dem Saal, und lange noch starres Entsetzen.
- Aber der Milde bedacht, sprach Sinam: »Erwählter des Himmels,
- Seiner Gläubigen Hort, und Liebling des großen Propheten,
- Schone des Herolds: denn wie die Laute mit tönenden Saiten
- Lautlos schweigt, bis ihr, nun frohe, nun traurige Weisen,
- Wechselnd, des Künstlers Hand entlockt: so hat er auch jetzo
- Nur getreu verkündet das Wort, das Herrschergewalt ihn
- Sprechen hieß. Nur den verfolg', ein furchtbarer Rächer,
- Der ihn gesendet zu dir, so er stolz verschmähte den Frieden,
- Welchen du noch aus dem Born reichströmender Huld ihm gewährest.«
- Hairaddin rief: »Wohlan, vernehmet es, was ich beschlossen!
- Erst schafft ihr in Banden herbei den schwarzen Verräther,
- Muley Hassan, der, Ungläubigen selber zum Spott nur,
- Feig der Rach' entrann. Auch hundert der größeren Schiffe
- Möget ihr ohne Verzug uns geben als rettende Sühnung,
- Daß ihr noch frei heimkehrt, und entflieht der grausen Vertilgung.
- Säumtet ihr, dann Weh' euch: denn Hunderttausende harren,
- Voll blutlechzender Gier, der schrecklichen Losung des Mordens
- Nur, und ihr werdet vor ihnen wie Spreu vor dem Sturme zerstieben!«
- Und er entließ ihn jetzt mit schnödem Winke der Rechten;
- Blickte nach Dragut dann, und wieder nach Muhamed Temtes,
- Lächelnd. Er that, als acht' er ihn kaum, und ihm bebte das Herz noch
- Wegen des todverachtenden, mutherhelleten Blickes,
- Der ihm die Tiefen der Brust, gleich flammenden Blitzen, durchbohrte.
- Aber noch weilte der Held, und sprach zu dem Herrscher noch einmal:
- »Gönnet mir gnädig Gehör! Die Gattinn des edelsten Feldherrn
- Schmachtet, seiner beraubt, in Draguts harter Gewahrsam;
- Doch er gebe sie frei; die Lösung heischend nach Willkühr,
- Daß sie des Wiederseh'ns unnennbare Wonne vereine.«
- Schnaubend vor Zorn erhob sich Dragut, und rief ihm entgegen:
- »Ha, du biethest mir Gold für sie, die schön ist wie Houris[49] --
- Gold, das mir zur Beut' Europa gespendet? Ich wähnte,
- Kommen wird der Gemahl, das Weib zu ersiegen im Zweikampf.
- Liegt ihm Tunis zu fern? Erzähl' uns, ist er so furchtsam?«
- Alba, des Spötters nicht achtend, ging. Der edlere Sinam
- Folgt' ihm schweigend, und gab, an dem Thor, die maurischen Reiter
- Ihm zum Geleit, fern über Goletta hinaus zu dem Wall hin.
- Hairaddin hob sich ergrimmt von dem Pfühl, und sagte den Feldherrn:
- »Eilt an das blutige Werk, und sucht im stürmischen Angriff,
- Heimlich und offenbar, in der Kühle der Nacht und des Tages
- Menschen- und thier'ermattender Gluth, dem Feinde zu schaden,
- Bis die vereinte Macht unzähliger Bundesgenossen
- Uns auf das Schlachtfeld ruft, zum schrecklichen Kampf der
- Entscheidung!«
- Jeglicher eilte zum Heer; doch Dragut, empört in dem Busen
- Flog zu Mathilden heim, zu Toledo's unglücklicher Gattinn.
-
- Ach, sie duldete dort jetzt unaussprechlichen Jammer!
- Wie die Rose, dem wonnigen Lenz entfaltend die Knospen,
- Rings Entzücken weckt, und freudiges Staunen: so war sie;
- Aber, der Lilie gleich, da auf ihre, noch sprossenden Blüthen
- Sengender Mehlthau fiel, hinschwand die zarte Gestalt nun,
- Nahe dem Leidensziel', in des Lebens herber Vollendung:
- Denn nicht ahnte sie noch in der Stund' entsetzlicher Trennung
- Von Toledo, die größere Qual: dem Kranken nicht ungleich,
- Der in des Fiebers Gluth, von Schreckgebilden umgeben,
- Noch die Schmerzen nicht ahnt, die bald, nach der Wiederbesinnung,
- Seinen, vom Fieber entfesselten Leib empfindlicher stacheln.
- Erst in Draguts Gewalt, des Wüthrichs, gewahrte sie, bebend,
- Fülle der Schmach, wo seine, nach ihr verlangenden Augen
- Sprachen, sein Mund ihr rief: sie werde, des Kindes genesend,
- Lagersgenossinn ihm seyn. Da schwand ihr plötzlich der Hoffnung
- Letzter, leitender Stern vom graunumnachteten Himmel;
- Furchtbar gähnte vor ihr der Abgrund; schauderergriffen,
- Bebte sie matt und matter zurück, und Ströme von Thränen
- Kühlten das brennende Weh' in ihrer zerrissenen Brust nicht.
-
- Hugo, der Treue, gewahrt', und hörte den Jammer Mathildens.
- Völlig war ihm gebrochen das Herz vor lastender Wehmuth;
- Dennoch log sein Greisengesicht stets heiteren Trost noch:
- Daß nicht dem wankenden Stamm die einzige Stütze geraubt sey;
- Doch als nun der Kaiser mit Heeresmacht vor Goletta
- Stand, den Regulus ihm als Retter verheißen: da schien ihm
- Blauer die Luft, die Sonne viel glänzender, grüner das Erdrund;
- Da durchzuckt' ihm das Herz der Freude verjüngendes Feuer,
- Und er stürzte herein, und rief der Dulderinn also:
- »Segen mit dir! Erheitere schnell dein trauerndes Antlitz:
- Draußen am Strand erschien der Christen unendliche Heersmacht,
- Hairaddins Frevelgewalt zu vernichten im Kampf der Entscheidung,
- Und wo Siegsruhm winkt, auf dem Felde der Ehre, da sollten
- Wälschlands Helden nicht seyn? Nicht mit ihnen der edle Toledo?
- Hört' ich es -- hört' ich es nicht: er sey zugegen? Er ist es.
- Himmlische Wort', o möchten sie Muth und freudige Hoffnung
- Wecken in deiner Brust! Dem Jammer mußte sein Ziel steh'n;
- Kränze des Sieg's reicht euch, erbarmend, die ewige Vorsicht
- Nun am Ziel, in der Wonne der seligen Wiedervereinung.«
- Staunend erst, dann zürnend vernahm Mathilde des Greises
- Jubelnde Worte. Sie wähnte betrübt: unwürdigen Scherz nur
- Sinne der Greis; doch jetzt entzückenstrahlende Wahrheit
- Schauend in seinem Gesicht, ergriff sie vernichtender Schrecken.
- Bleich entfuhr sie dem Stuhl, ihr bebten geöffnet die Lippen,
- Wankte näher, und stand, und hielt den pochenden Busen,
- Aechzend; wankte zurück, und starrte durch quellende Zähren.
- »Wie, und du weinst?« sprach Hugo erstaunt, »das gönnt' ich dir endlich:
- Denn oft stillet die Thrän' unendliches Weh' in dem Herzen;
- Aber nicht Thränen der Freud' ersieht mein Aug' in den deinen,
- Die es zu sehen gehofft, und ach, vergeblich gehofft hat!«
- Und sie begann: »Nicht Thränen der Freud' erblickst du für jetzt noch,
- Redlicher; doch versiegen wird nun jene des Kummers!
- Nein, ich weine nicht mehr: denn soll ich den Ewiggeliebten
- Wiederseh'n, o, dann, dann werden die heißesten Wünsch' all'
- Mir in dem einen gewährt: daß ich sterb' an dem Herzen Toledo's!«
- »Ach,« so schluchzte der Greis, »den Tod ersehntest du jetzo?
- Heimwärts schiffet ihr bald, und spät im grauenden Alter
- Schlummert ihr beide beglückt zum schöneren Leben hinüber!«
- Aber sie schüttelt' ihr Haupt, und begann in sinnender Schwermuth:
- »Wie die unschuldige Taube, verscheucht, und im Fluge gemordet
- Von dem schmetternden Blei, ihr Nestchen verödet zurückließ:
- So aus der öden Brust entfloh mir die Hoffnung für immer;
- Nie kehrt sie mehr zurück. Des Ewigen Wille geschehe!«
- Und noch hellere Fluth entstürzte den Augen Mathildens.
-
- Jetzt ertönte Geräusch, und Dragut, der Schreckliche, stürmte
- Hastig herein: sie erbebte vor ihm, und wandte sich seitwärts.
- Häßlicher noch von der Wund' im Gesicht', die gestern Toledo
- Ihm versetzte, begann er vor ihr mit grimmigem Lächeln:
- »Thränen umhüllen dein Aug', nun dir der zärtliche Gatte
- Nah' ist? Die Schulter durchrannt' ich ihm, kämpfend, erst; von dem
- Nacken
- Hätt' ich gehauen sein Haupt, und dir vor die Füße geworfen;
- Wär' er nicht feig entfloh'n vor dieser gefürchteten Rechten.«
- Flammende Röth' umzog die Lilienwangen der Edlen,
- Und sie erhob die, sonst zur Erde gehefteten Augen
- Ob des schmähenden Wort's nun stolz, und voll kühner Verachtung
- Gegen den Wüthrich, und schwieg. Da sprach er von neuem ergrimmter:
- »Wähn't ihr thöricht im Geist: wir sollen erliegen im Schlachtfeld
- Euerem Volk? Welch eiteler Wahn! Und sollt' es geschehen,
- Dann, ich schwör' es zu Gott und dem großen Propheten, erwürg' ich
- Dich mit eigener Hand, eh' dich dein Gatte mir raube!«
- Also droht' er, und ging. Mathilde erforschte den Treuen,
- Aengstlichen Blicks; sie rang die Händ', und sagte vergehend:
- »Seine Schulter durchrannt von Draguts tödlichem Eisen?
- Weh', er starb: nicht an seiner Brust verhauch' ich das Leben!«
- Hugo spähet' umher, und sagte mit leiserer Stimme:
- »Traue dem Lügner doch nicht. Toledo's blitzendem Degen
- Wär' er genaht, und lebete noch? Bald leuchtet der Vollmond
- Dir auf dem nächtlichen Pfad zur Felsenhöhle des Waldes.
- Staune nicht so: das Schiffchen harrt, und trägt dich, errettend,
- Ueber den See, Toledo's geöffneten Armen entgegen.«
- »Hugo, und du,« sprach jene bewegt, »willst du mich verlassen?«
- Unstät irrte sein Blick umher, dann sprach er im Abgeh'n:
- »Lauern des Wüthrichs Späher nicht auf? Nur diese zu täuschen,
- Harr' ich des Morgens noch, und werde dir, Gütige, folgen.«
- Sagt' es, und ging voll Hast, als drängten ihn wichtige Sorgen;
- Aber sie stand, und bebte: sie hatte den Treuen errathen.
-
- Drüben im Lager vernahm der Kaiser von Alba mit Staunen
- Hairaddins Trotz: wie er ihm auf Tod und Leben den Kampf both.
- Ernst umwölkte sein Aug', und jetzt, erhebend den Degen,
- Hieß er beginnen den Sturm, von den Wällen umher, auf Goletta.
- Sieh', als wären der Hölle zugleich entronnen die Schrecken
- All', so wüthete Lärm und Getös' um die Veste! Der Wurfschütz'
- Rührte des Brändchens Rohr mit der Lunt': im bläulichen Rauch flog
- Flamm' empor; zurück, dann eilender wieder zur Stelle
- Rollte der eherne Schlund, und warf durch Feuer und Flammen,
- Donnernd, im Bogenwurf die Kugel zur Veste hinüber.
- So von den Schanzen, und so von dem Meer hinsausten die Kugeln;
- Aber nicht minder zurück von dem Wall der trotzenden Festung
- Sausten sie hin und daher, voll Grau'ns: denn hoch in des Himmels
- Bläulichem Zelt durchkreuzten sich oft die feindlichen; bebend
- Drönte die Erd' umher, und laut aufheulte der Luftraum.
-
- Herrschend mit Allmacht saß die goldenstrahlende Sonne
- Nun auf ihrem mittäglichen Thron, und schleuderte rastlos
- Glühende Pfeil' auf Afrika's Sandgefilde herunter.
- Nicht die befiederten Sänger der Luft, nicht das zahmere Hausthier,
- Noch das Gewild, belebten die Welt; sie suchten des Hofraums
- Schatten, die Nacht der Höhl', und des säuselnden Waldes Umlaubung.
- Auch der Städter zugleich, und der niedrigen Hütte Bewohner
- Schlummerte sorglos jetzt in der Kühle der dunkelen Kammer.
- Aber nicht weht' in des Lagers Raum erfreuende Kühlung,
- Wo das luftige Zelt nicht schirmte den lechzenden Krieger
- Gegen den glühenden Hauch des Tag's, und nirgend ein Bäumchen,
- Nirgend ein Strauch ihm both die Zweige zum schattenden Obdach.
- Schweraufathmend und träg', umwandelten dort auf dem Walle,
- Und den Graben entlang, die Wachen; des blanken Gewehrs Last,
- Sonst dem Krieger ein Spiel, lähmt' ihm den Arm und die Schulter.
- Düster blickte sein Aug' aus den halbgeschlossenen Liedern
- Hinter dem glühenden Helm hervor; in gewichtigen Tropfen
- Rann ihm der Schweiß von der schmerzgefalteten Stirne herunter,
- Und die schmachtende Zung' erstarrt' an dem trockenen Gaumen.
- Deutschlands Söhne, vor allen zuerst, entnervte der Sonne
- Sengender Strahl: sie wähnten sich all' in der Fremde verloren.
- D'rum rief Siegmar jetzt, der Hesse, zu Walther dem Bayer:
- »Welch ein Geschick ereilt uns hier in dem Lande des Fluches:
- Wären wir nie ihm genaht! O Deutschland, edele Heimath,
- Schön vor jeglichem Land, das rings im kreisenden Umschwung
- Irgend die Sonne bescheint! Den Deutschen, der dich nicht ehrte --
- Liebte vor jeglichem, ha, den treffe nur Schmach und Verachtung!
- Siehe, wie lästig dahier der ewigheitere Himmel
- Lächelt, und o wie entzückt mich dort des stürmischen Winters
- Ernste Stirn', umhüllt von schneebelasteten Wolken:
- Denn sie entschütteln die Last, und ringsum schimmert die Gegend
- Hell bei Tag und bei Nacht, im Sterngefunkel und Mondglanz.
- Eisern faßt mich am Morgen sein Hauch, und unter den Sohlen
- Knarrt der Schnee; mein Odem wallt, gleich Nebeln, um mich her.
- Bald ergreift mich die Lust, mit höherer Gluth auf den Wangen,
- Hinzugleiten auf spiegelndem Eis, das unter den Schlittschuh'n
- Ehern tönt; bald spann' ich mit Freuden das schellenbekränzte,
- Dampfende Roß an den Schlitten, und flieg' in dem windenden Thal hin
- So, daß das frohe Geklingel umher von den Bergen zurückhallt;
- Doch heimkehrend, erseh' ich, bewegt, wie im rosigen Abend
- Glühen die Berg', und fern' im Gefild vom lastenden Schneedach
- Wirbelt die Säule des Rauchs, der dort mich zu Freuden des Lebens
- Ladet im Kreise der Lieben, beim herzerheiternden Festmahl.
- Deutschland, edeles Land, stets sollst du vor jedem mir werth seyn!«
- Unmuthvoll ihm sagte darauf der mürrische Walther:
- »Froh gedenkst du des Schnee's, und der Freuden des eisigen Winters
- Nun; doch kühlest du mir die Gluth der schmachtenden Brust nicht.«
- So besprachen sich dort die tapferen Kriegesgefährten.
- Auch die muthigen Ross' erschlafften des heißeren Mittags
- Glühendem Hauch: sie beugten, und hoben ihr Haupt in die Luft auf,
- Rastlos; suchten, gedrängt im Kreis', des eigenen Schattens
- Kühl', und stampften, und scheuchten, gequält, die lästigen Fliegen
- Sich mit dem tönenden Schweif, von der Seit' und dem zuckenden Bauch
- fort;
- Aber nur gieriger summten sie auf, und kehrten erboßter.
-
- Muhamed sah vom Gewölk, wie Salek, der listige Feldherr,
- Ordnend den Hinterhalt, von Goletta herüber im Hohlweg
- Mächtige Scharen barg, und mit tausend numidischen Reitern,
- Spähend den Wald entlang, herzog dem Feinde zum Unheil.
- Jetzt auf dem Wall erblickend die Wache besorgenden Christen,
- Hemmt' er, vor Angst erbebend, den Zug, und wäre geflohen.
- Doch, wie die lauernde Spinne hervor aus dem Winkel am Fenster
- Dorthin fleugt, wo im schwebenden Netze die Fliege, gefangen,
- Nun vergeblich sich müht zu entkommen den klebrigen Fäden:
- Denn sie ergeußt der Bande noch mehr, sie ganz zu umspinnen:
- Muhamed stürzete so zu Salek herunter, und nimmer
- Konnt' er entflieh'n, bethört von des Geistes verderbenden Worten.
- »Salek,« so rief er ihm zu, »die Söhne der Fremde besiegte
- Frühe schon Hitz' und Durst; erkämpfe den leichteren Sieg dir
- Heut' in dem furchtbar'n Hinterhalt! Du lockest des Feindes
- Tapferen Hort, der dort umwandelt in sinnender Schwermuth,
- Durch verstellete Flucht in des Hohlwegs tödliche Falle.«
- Also der Geist. Da flog, gehorchend, der Zögernde vorwärts.
- Sarno war's, der hoch auf dem Wall', in sinnender Schwermuth
- Wandelte. Jetzt, aufqualmenden Staub in der Ferne gewahrend --
- Hörend der Pferde Getrab, entriß er der Scheide den Degen
- Halb, und stand, und harrte der Kommenden; aber voll Unmuths
- Drängt' er den Stahl in die Scheide zurück: denn viel zu gering' ihm
- Dünkte des Feindes Macht, und rief zu Belindo, dem Hauptmann:
- »Eile den Frechen dort mit hundert erlesenen Kriegern
- Muthig entgegen; sie flieh'n vor eurem zermalmenden Blick schon.«
- Jetzt, wie im dunkeln Forst der leis'auftretende Weidmann,
- Schauend die weidende Schar der Hirsch' auf den blumigen Matten,
- Die, an der Schnur gekoppelten Hund', entledigend, vortreibt:
- Diese entfahren mit lautem Gebell dem felsigen Abhang,
- Jene erheben ihr ästiges Haupt, und fliehen geschreckt fort:
- So, von Belindo geführt, entfuhren die tapferen Krieger,
- Brausend, dem Wall', und streckten mit mordenden Feuergewehren
- Aus der fliehenden Schar wohl dreißig, getödtet, zu Boden.
- Bald entschwanden sie all', und jauchzend kehrten die Sieger.
- Aber nicht lange, da kam, von mächtigen Scharen umgeben,
- Salek zurück, und rief die höhnenden Worte herüber:
- »Traun, nicht unhold ist's, dort hinter den schirmenden Wällen
- Ruhig im Mittagsschlaf die faulen Glieder zu dehnen;
- Hinter gethürmetem Bollwerk sucht der feigere Krieger
- Gerne sein Heil -- der tapfere Mann in dem eigenen Muth nur!
- Kommt, wir sandten die Reiter zurück, vor welchen ihr bebtet;
- Laßt uns in gleicher Zahl versuchen des Kampfes Entscheidung!«
- Sarno schrie ergrimmt: »Fünfhunderte mögen mir folgen!«
- Sagt' es, und stürzte vom Wall' -- ihm folgten die tapferen Krieger.
- Kaum entbrannte der Kampf; nur sparsam benetzte den Sand erst
- Maurisches Blut: da floh'n, ablenkend, die listigen Scharen
- Vom Olivengehölz zu dem trugverbergenden Hohlweg.
- Rastlos wüthete Sarno's Schwert dem Feind in dem Rücken,
- Und er häuft' ergrimmt die Leichen: dem Schnitter nicht ungleich,
- Der mit dem blinkenden Stahl die Garben häuft auf dem Saatfeld;
- Doch, da stürmte vom Walde heran, von Goletta herüber,
- Und aus den Tiefen herauf des schlauverborgenen Feindes
- Wimmelnde Meng' auf Sarno: er stand, und es bebt' ihm das Herz nicht,
- Das nur Schlachten ersehnt, und Gefahren des Todes gewollt hat.
-
- Salek kam, wie ein Hagelgewölk im brausenden Sturmflug,
- Näher mit seinem Volk. Nie hatt' ihn das feurige Streitroß
- Also getragen: so schnell, so wild empört, und vor Ingrimm
- Schnaubend. Muhamed war's, der jetzt mit seinen Erwählten
- Jeglichen Reiters Pferd durch schreckende Gaukelgestalten
- Vorwärts trieb: denn solches vermögen die luftigen Geister.
- Salek ersah das Weiß' im dräuenden Auge des Gegners
- Schon, und riß sein wüthendes Roß zurück mit dem Zügel:
- Aechzend bäumt' es sich auf, und bog, umlenkend im Sandstaub,
- Gegen Sarno die Brust, der, eh' es den vorderen Huf noch
- Senkte, den blinkenden Stahl ihm tief in die Weiche des Bauches
- Stieß, daß es laut hinkracht' im Fall, und den Reiter herabwarf.
- Salek raffte sich auf, und schwang den blitzenden Säbel
- Ueber des Gegners Haupt; doch, ehe der tödliche Streich fiel,
- Bohrt' er auch ihm den rauchenden Stahl mit der nervigen Rechten
- Fest in die Brust. Sein Auge brach; die geöffneten Lippen
- Bebten ihm; bleich im Tod hinsank er, und regte sich nimmer.
-
- Muhamed floh, und ihm heulte, bestürzt, sein luftiges Volk nach.
- Auch erstarrten die Mauren vor Angst: den sterbenden Feldherrn
- Schauend in seinem Blut; doch bald erwachte des Mordens
- Wüthende Gier in allen zugleich; sie schrie'n zu dem Himmel
- Fluch und Verwünschungen auf, und umbrausten den Sieger. Nicht anders,
- Wenn der Jäger im Hain, todsinnend dem kleinen Gevögel,
- Einen stattlichen Uhu mit List an den ragenden Lockbaum
- Aufstellt, wüthen die Vögel um ihn, und kreischen, und schreien,
- Rach'erfüllt: denn oft raubt' er im nächtlichen Dunkel,
- Von dem belaubten Zweig die Entschlummerten, oft aus der Felskluft;
- Aber er schaut, aus großen, der Sonn' erblindeten Augen,
- Ruhig umher, und scheuchet die furchtsamen hin und herüber:
- Also umdrängten auch hier den edeln Sarno die Gegner,
- Rache schnaubend, und links, und rechts sank Reiter und Fußvolk,
- Das ihm genaht. Auch kämpften um ihn die treuen Gefährten,
- Heldenmüthigen Sinns, und tilgten die feindlichen Haufen.
- Jetzt an des Todes grimmigem Fest, umhügelt von Leichen,
- Triefend von Schweiß und Blut, erwachte die Liebe des Lebens
- Mächtig in seiner Brust. Er wollte sich fechtend zurückzieh'n,
- Da er im rühmlichen Kampf, hier weichend der schrecklichen Mehrzahl
- Nur, so dacht' er, bewies: ihn schmäht' einst Guasto mit Unrecht.
- Sieh', und als er das Volk in dem Rückzug ordnend, sich wandte,
- Und verrätherisch sich vom Helm' der glänzende Harnisch
- Sonderte, da durchfuhr mit schmetterndem Schlage die Kugel
- Ihm das Genick; er sank, und röchelte sterbend am Boden!
- Feindliches Jauchzen erscholl, und es droht' ihm entsetzlicher Frevel;
- Aber Belindo sprang vor ihn hin, und rief den Gefährten:
- »Ewige Schande für euch, laßt ihr die Leiche des Helden,
- Feiggesinnet, dem Feind' zum Gespött' und frevelnden Unfug.«
- Schon umstürmt' ihn der Feind; doch so wie die säugende Bärinn
- Sich vor der Höhl' aufstellt, wenn rings die grimmigen Rüden
- Von dem Jäger gehetzt, ihr nah'n, und immer zurückschaut,
- Immer den nächsten erhascht, und mit furchtbarrüstigen Klauen
- Ihn umklammernd zerreißt, daß heulend die andern entfliehen:
- Also hielt er die tobende Schar von der Leiche des Feldherrn,
- Fechtend, zurück, bis zween, an Kraft gepriesene Krieger,
- Ihn, zur Erde gebückt, auf die Schultern erhoben, und heimwärts
- Trugen voll Eil' und Hast, nach den trefflich geschirmeten Wällen.
- Ihnen folgten am Fuß die schnellverwaisten Gefährten --
- Auch von Belindo verwaist: denn ach, unzählige Lanzen
- Wühlten in seiner gewaltigen Brust, und, vom Rumpfe gehauen,
- Sollte sein edeles Haupt zur Schau dem gaffenden Volk seyn!
- Aber die Christen floh'n nicht feig' und in wilder Verwirrung:
- Denn sie wendeten oft die trotzige Stirne dem Gegner,
- Feuernd aus schmetterndem Rohr, entgegen. Da brausten die Scharen
- Wieder zurücke mit lautem Geschrei: wie die Hunde des Schäfers,
- Die den muthigen Stier mit Gebell verfolgen im Blachfeld,
- Heulend entflieh'n, so oft er, gesenkt, die furchtbaren Hörner
- Gegen sie wendet, und brüllt, und Sand aufschleudert zum Himmel.
-
- Jetzt ersah'n vom Wall die wachebesorgenden Krieger
- Unheilkündenden Staub; dann näher die flüchtigen Scharen
- Ihres Volks, von dem Feinde gedrängt; sie hörten vernehmbar
- Kampfesgetös' -- o Jammer, sie sah'n und erkannten den Todten!
- All' entfuhren zugleich dem Wall, den theuren Gefährten
- Rettend zu nah'n, und es bebte der Feind den Dräuenden. Alsbald
- Wandt' er den Rücken, und floh nach Goletta's Mauern hinüber.
- Schweigend nahten die Krieger dem Wall. Zur Erde geheftet
- Starrete jegliches Aug': es blickte zuweilen mit Angst nur
- Nach dem Entseeleten hin, und goß dann hellere Tropfen
- Ueber die bebende Wang', auf die bärtige Lippe herunter.
-
- Doch vor seinem Gezelt, auf zwölf, untadligen Schilden
- Lag er jetzt mit der Fahne des Ruhms, die er einst vor Pavia's
- Mauern errang, wo Frankreichs Stolz dem siegenden Kaiser
- Huldigte. Dort sollt' ihm ein Ehrenmaal sich erheben:
- Denn sie erhöhten den Schaft hochragender Speere: zum Haupt hin
- Zween, und zween zu den Füßen, gebohrt in den Rasen, im Viereck;
- Hingen zum Wappenschild gewehrdurchkreuzende Degen,
- Schimmernde Panzer und Helm', in der Mitte des ragenden Speers auf;
- Kehreten dann g'en Mitternacht, und kehrten zum Mittag,
- Auch zum Auf- und zum Niedergang des ehrnen Geschützes
- Dräuende Mündung hinaus. Er lag, das Antlitz zum Himmel
- Wendend; die Linke bedeckte die Brust, und den tapferen Degen
- Hielt die Rechte umfaßt, noch wie zu dem Kampfe gerüstet.
- Rings umstand ihn das Volk. Ein Tapferer rühmte mit Thränen
- Allen umher den Heldenmuth des edelsten Führers,
- Als Amino gesprungen kam, der treffliche Spürer
- Hochgewilds: sein Liebling, ihm treu, und ergeben, und wachsam.
- Winselnd roch er das bleiche Gesicht und die schneeige Hand ihm;
- Sah zu den staunenden Kriegern empor, und heulte dann laut auf,
- Und von neuem begann Wehklag' um den edelsten Feldherrn.
-
-
-
-
- Achter Gesang.
-
-
- Stets erschütternder scholl ob Sarno's Tod in dem Lager
- Lärm aufjammernden Volks: denn erst nur ein leises Geflister,
- Dann der Rache Geschrei flog schnell vom Zelt zum Gezelt hin
- Brausend. Wie der nahende Sturm das Laub in dem Hochwald
- Erst nur leise bewegt; dann bald, empörteren Grimmes,
- Schüttelt, und wüthender, Zweig' auf Zweig', und Wipfel auf Wipfel
- Schleudert, daß zwei, zur Reise gesellt, hineilende Wand'rer,
- In dem Gebraus', auch schreiend, nicht hören das eigene Wort mehr:
- Also erscholl Wehklag' und Lärm umher in dem Lager,
- Bis er erreichte des Herrschers Ohr, der, stehend am Eingang
- Seines Gezelts, dem nahenden Guasto voll Ungeduld zurief:
- »Haben die Feinde gesiegt? Uns irgend Verderben bereitet?«
- »Unser die Schuld!« sprach jener. »Vom Feind, in die Falle gelockt,
- starb
- Sarno den selbsterkorenen Tod; der tapfersten Krieger
- Fünfzig fielen mit ihm; Verwundete zählen wir hundert.«
- Und er kehrte zurück mit trauerndem Herzen. Des Helden
- Jammergeschick, den er im eifernden Zorne der Feigheit
- Zieh, schmolz nun sein starrendes Herz, und ihm thauten die Wimpern.
- Aber der Kaiser schwang sich rasch in den Sattel, und jagte
- Brausend zur Schanze hinaus, wo Sarno erhöht auf dem Schildbett
- Lag. Nicht erkühnte sich jetzt sein Volk, das, trauererfüllet,
- Ihn umgab, zum Herrscher den düsteren Blick zu erheben:
- Denn es erbebte der Schmach, den Lorber verwelket zu schauen,
- Der ihm die Fahn' umwand zum Lohn errungenen Sieges.
- Innig bewegt ersah der edelste Kaiser des Volkes
- Trauer; er lächelte mild, und rief mit ermunternden Blicken:
- »Wandelbar ist der Schlachten Geschick. Wer schildert den Unhold,
- Der es beherrscht, und oft von dem früheren Günstling das Antlitz,
- Schön und furchtbar zugleich, zu dem Letzterkorenen wendet?
- Aber ihn halte der muthige nur mit eisernen Sehnen
- Fest: er kehrt, und jauchzt mit donnerndem Schlund ihm den Sieg zu.
- Soll euch schmäh'n der Tapf're, daß ihr, gedrängt von der Mehrzahl,
- Und des Gebiethers beraubt, mit zögerndem Schritte gewichen?
- Ferne sey's! Doch jetzt versenket die Leiche des Feldherrn
- Schnell in das Grab; verhüllt es mit grünenden Zweigen und häuft dann
- Erde darauf, bis wir ihm erhöh'n ein dauerndes Denkmaal.«
- Eiliger ritt er zurück: da priesen die Krieger des Kaisers
- Unbegrenzete Huld, der statt verwundenden Tadels
- Worte des Trostes sprach, und den Tapferen Ehre gewährte.
- Und sie bestellten die Leich' alsbald, dem Herrscher gehorchend.
-
- Aber es wüthete fort und fort des schweren Geschützes
- Donnernde Macht um Goletta: denn bald von den kreisenden Schanzen,
- Bald von dem wogenden Meer hinsausten die Bomben und Kugeln,
- Und nicht minder zurück von den Wällen der trotzenden Festung
- Sausten im Donnersturm die schrecklichen her nach den beiden.
- Stets verderbender warf die Macht der entsetzlichen Mörser
- Mauern und Schanzen in Schutt, und häufte zermalmend die Leichen.
- Dort in dem grausen Getös' umhagelnder Donnergeschosse
- Sprengte der Kaiser den Wall entlang, und erweckte die Völker,
- Ruh'ausstrahlenden Blick's, zu freudigem Muth in Gefahren.
- D'rauf, zu Guasto gekehrt, aufboth er ihn, scheidend, noch also:
- »Sieh', bald dämmert die Nacht: dann strebe, noch ehe der Vollmond
- Ueber die schlummernde Welt sein Strahlenantlitz heraufhebt,
- Durch Laufgräben[50] und Schanzenbau Goletta zu nahen,
- Daß sie uns neige das Haupt, erstürmt am kommenden Morgen!«
- Sieh', und als er jetzt zu dem Grab, das eben die Krieger
- Sarno erhöheten, kam, da däucht' ihn: ein Stöhnen und Aechzen
- Komm' aus dem schattenden Laub! Er sprang aus den stählernen Bügeln,
- Innigbewegt: denn einen verwundeten Krieger zu schauen,
- Wähnt' er, und, ach, ihm kroch, aufheulend, der treue Amino
- Sarno's entgegen, und leckt' ihm die Hand! Er streichelt' ihm freundlich
- Rücken und Haupt, und lockt' ihn fort, enteilend, und kehrend;
- Doch er schleppte sich langsam zurück, und senkt' auf die Pfoten
- Hin sein müdes Haupt; dann winselt' er sterbend am Grab noch
- Seines getödteten Herrn. Heiß rann an den Wangen des Kaisers
- Jetzo die Thräne herab; er kehrte beklommen in's Lager.
-
- Abendlich zitterten schon die riesigen Schatten der Krieger
- Auf dem glühenden Sand; schon hauchte die schimmernde Meersfluth
- Kühlere Luft, und es blickte die scheidende Sonne noch einmal
- Ueber der Flammenbahn endloser Fluthen herüber --
- Nickt', und sank in ihr Wogenbett im rosigen Westen.
- Aber sie hauchte noch lang, mit sanftverglühendem Antlitz,
- Purpurröthlichen Duft nach Osten: des kommenden Morgens
- Heitre verkündend, und, sieh', in langen Zügen der Hochlust,
- Sog ein jeglicher Mann im Heere die liebliche Kühlung
- Ein, und jubelte laut: denn schnell versiegte der Schweiß ihm
- Jetzt an seinen, vom Abendwind umsäuselten Gliedern!
- Diese besorgten das Mahl, unzählige Flammen empörend;
- Jene gruben die blitznachahmenden Weg' in dem Zickzack,
- Sonst Laufgräben genannt, die Erde zur schirmenden Brustwehr
- Gegen die Vest' aufdämmend, und dort, dem Ziele genahet,
- Gruben sie auch die Schanzen umher, und führten Geschütz ein.
- Furchtbarer drönte die Erd'; aufheulte der flammende Luftkreis:
- Denn von neuem begann der vestenzertrümmernde Donner.
-
- Jetzt umhüllte die Nacht mit dunkelem Schleier die Gegend:
- Jene, so langersehnete Nacht, des lieblichen Vollmonds
- Stille Verkündigerinn, die jüngst, mit der Freiheit, Mathilden
- Himmelswonne verhieß, und, ach, voll Jammers dahinschwand!
- Sieh', in dem schattenden Laubengang des zierlichen Gartens,
- Der an des See's Gestad', von thürmenden Mauern umfangen,
- Lag, lustwandelte sie in des Abends heiliger Stille
- Täglich umher! Sie erzählete dort lautweinend den Bäumen
- All ihr Wehe: sie säuselten Trost, und den Blumen ihr Unglück:
- Ihr erglänzte die Zähr' aus dem duftenden Kelch, und ihr Wehruf
- Scholl, dem klagenden Laut der Nachtigall ähnlich im Lenzmond.
- Keiner der Männer betrat, die Straf' urplötzlichen Todes
- Scheuend, den Laubengang am dämmernden Abend; nur Hugo
- Durfte der Einsamen nah'n, dem Dragut vertraute vor allen.
- Aber es hatt' erst jüngst ein Fischer die dürftige Hütte
- Nahe der furchtbar'n Mauer erbaut aus duftendem Schilfrohr;
- Zog im Grauen der Nacht das weitumschwimmende Fangnetz
- Nach dem gleitenden Kahn, und both den kärglichen Vorrath
- Morgens, am Strande des See's dann feil, laut rufend, und rühmend.
- Nicht verdächtig erschien dort Kurd, der trauernde Fremdling.
- Emsig trocknet' er heute sein Netz am heimlichen Pförtchen,
- Das im dunkeln Gebüsch, in der Mauer der spähende Hugo
- Fand, und harrte mit Angst der Stunde der Flucht und Errettung;
- Doch von dem Minaret verkündete jetzt die ersehnte,
- Heiseren Ruf's, der finstere, stundausrufende Iman.
- Heftig bebte Mathild', als Hugo's eilender Fußtritt
- Näher erscholl. »Was pocht dieß trauernde Herz so gewaltig?«
- Sprach sie, und hielt sich die Brust, und schritt nun hin- und herüber
- Eilend, als sollte sie flieh'n. Dann rief ihr flehender Blick noch:
- »Lass' an des Gatten Brust es brechen, o ewige Vorsicht!«
- Hugo ergriff Mathilden am Arm, und führte sie schweigend
- Durch verschlung'nes Gesträuch zu dem leis'eröffneten Pförtchen,
- Sank auf die Knie', und drückte mit langem, mit innigem Kusse,
- Seinen Mund auf den Saum von ihrem wehenden Kleid noch.
- Aber sie stand todbleich, und faßte mit zitternden Händen
- Hugo's grauendes Haupt, und weint', und konnte nicht sprechen.
- Nun geboth er die Flucht, und eilte zurück in den Hofraum:
- Keiner gewahrte die Thrän' an seinen zuckenden Wangen.
-
- Siehe, der Vollmond hob sein silbernstrahlendes Antlitz
- Eben in Osten herauf, als Dragut zur eiligen Heimkehr
- Spornte sein schnaubendes Roß; im Klirren des Waffengeschmeides
- Sprang er vom Sattel, und schrie, daß rings erbebten die Hallen:
- »Hugo, weilt die Gebietherinn noch lustwandelnd im Schatten?
- Wehe dir, thörichter Arzt, wenn, kühlumschwärmend, des Lüftchens
- Hauch ihr Leiden erregt, und nagender Gram mir zu Theil wird!«
- Schweigend winkt' ihm der Greis, und lang' umirrend, mit Absicht,
- Durch des laubigen Hains verschlungene Pfade, nur spät erst,
- Kam er zum Pförtchen im Busch, und sprach: »Die erbarmende Vorsicht
- Zeigte den Ausweg mir zur Rettung der edelsten Gattinn
- Meines Gebiethers: sie floh im gleitenden Kahn, und Toledo
- Trägt auf den Armen sie heim, wo im seligen Bunde der Herzen
- Sie vergesse des Raubs, und der schrecklichen Nähe des Räubers.
- Wüthe nach Willkühr jetzt: hier liegt dein williges Opfer.«
- Sagt' es, und both, auf beide Kniee gesunken, das Haupt ihm
- Lächelnd zum Tode dar. Im himmlischen Siege der Großmuth
- Schwelgte sein edeles Herz auf jener geheiligten Stelle,
- Wo er des scheidenden Engels Kleid an die Lippen gepreßt hielt.
- Leblos stand, und starrt', an jeglicher Miene verzerret,
- Dragut nach Hugo hinab; nur langsam löste der Wuthkrampf
- Seiner Glieder sich auf: sie bebten, vernehmlich den Ohren,
- Und das Knirschen der Zähn' erscholl in dem Laubengewölb' dort.
- Endlich begann er -- nicht mit des Zorns zermalmenden Lauten,
- Dennoch schrecklicher: kalt, und grimmig, so vor dem Alten:
- »Elender, wie, durch Draguts Hände zu sterben, verlangst du?
- Keiner ersann noch den Tod, der dir, Verruchter, zu Theil wird!«
- Schnaubend floh er von ihm; bald klirrten die lastenden Ketten
- Näher. Mit lächelndem Blick darboth er den Knechten des Wüthrichs,
- Die ihm nur schüchtern genaht, die Händ' und die Füße zur Fess'lung,
- Und sie schleppten ihn fort in die Todeshöhlen der Hochburg.
-
- Aber die sanfte Dulderinn lag im eilenden Fahrzeug
- Dicht mit Netzen verhüllt, und starrte hinauf in des Vollmonds
- Liebliche Helle: der Gegenwart zermalmende Leiden
- Schwanden vor ihrem Blick. Wie, fern verschlagen, der Schiffer
- Freudig den Hafen schaut durch schwindende Nebel des Morgens,
- Sah sie entzückt des Friedens Gefild', und hörte mit Wonne
- Sanft verhallen im Sternenzelt Harmonieen des Himmels.
- Jetzt, entronnen des Wüthrichs Macht, am felsigen Ufer
- Landend, hob sie sich auf aus der Tiefe des schwankenden Kahnes.
- Kurd erschrack: denn ein' Unsterbliche wähnt' er zu schauen:
- Also erhaben an Huld ihn dünkte die Gattinn Toledo's.
- Doch an der schroffen Bahn aufwärts zur Höhle der Felswand
- Klimmend, ruhte sie oft, gestützt auf den redlichen Führer,
- Der mit heiliger Scheu an der Seite der Hehren emporstieg.
- »Hier,« so sprach er, »im stillen Schooß der räumigen Felskluft,
- Mögest du ruh'n; bald kommt, auf Flügeln der Liebe getragen,
- Dein erlauchter Gemahl; du folgst ihm zur Wonne der Zukunft.«
- Aber die Augen, von Thränen schwer, erhob sie noch einmal,
- Dankend, zum Himmel, und stieg in die schaurige Höhle hinunter.
- Jener häufte den Schutt und die Felsentrümmer mit Vorsicht
- Auf an dem gähnenden Schlund, und bog das Laub mit den Zweigen
- Ueber ihn hin, daß kein umspähendes Aug' ihn gewahre.
- D'rauf durchflog er im eilenden Lauf des schauernden Oehlwalds
- Schattenpfad, und kam Toledo die Rettung zu künden.
-
- Nicht erfreute die Nacht mit holdem Schlummer die Augen
- Hairaddins jetzt, und schon lange nicht mehr: des nahenden Kampfes
- Grau'n umschwebte sein Haupt, wie donnerschwangere Wolken
- Schwimmen des Alpbergs Höh'n umher. Auf schwellenden Pfühlen
- Saß er, und starrt' in die leuchtende Flamme, welch' in dem Prunksaal,
- Duftend von Rosenöhl aus der goldenen Lampe sich aufhob.
- Muhamed war ihm genaht, und sucht' ihm Muth und Vertrauen
- Einzuhauchen -- umsonst! Er dachte des falschen Numiden
- Schlangenlist, den Haß des Mauren, des Arabers Feigheit,
- Und die erlesene Schar, so klein im Gedränge der Feldschlacht,
- Wenn nicht Hülfe erschien, die er jüngst entbothen aus Algier.
- Aber der stürmische Geist entschwebte dem Saal, in der Burg dort
- Memi, des Harems Hort, und Hairaddins Lieblingsverschnittnen
- Suchend. Er saß in der Hall', und ballte mit sinnenden Blicken
- Grimmig die Faust: er wußte nicht, wie zu verscheuchen des Unmuths
- Dauernde Wolkennacht von Hairaddins finsterem Antlitz!
- Als ihn der Geist umflog, da hob sein wehendes Kleid sich
- Ihm an der Brust: er sah im nächtlichen Dunkel der Halle
- Lange, verstört, umher; doch Muhamed schalt ihn ergrimmt so:
- »Wie, nicht Hülfe, nicht Rath ersinnest du, heilloser Schwächling,
- Daß entschwinde der Gram aus der Seele des Völkergebiethers?
- Wurde das _Thor der Wonne_[51] nicht jüngst, vor allen Erwählten,
- Dir zur Sorge vertraut, und schlummern nicht rosige Mägdlein,
- Die der Handelsmann aus Cirkassia's[52] Thälern gesendet,
- Hier in dem Harem, so hold und schön, wie liebliche Houris,
- Die sich Muhamed einst in himmlischen Fluren erträumte,
- Ach, und erwachend, nicht fand? Wem red' ich die Worte vergeblich?
- Gehe, verstümmelter Sclav', und heiße die zartesten Jungfrau'n
- Eilig durch Tänz' und Spiele der bergumschlossenen Heimath,
- Holdem Getöne vereint, erfreuen die Seele des Herrschers!«
- Dem gleich, welcher um Mitternacht vom leuchtenden Blitzstrahl
- Aus dem Schlummer geweckt, in Hast auffährt von dem Lager,
- Fuhr auch Memi vom Stuhl, und, eilig die Pforte des Harems
- Oeffnend, schritt er, die Hallen entlang, zur entlegensten Kammer,
- Wo die erlesenen Drei, auf schwellende Pfühle gesunken,
- Schlummerten; sah, wie dort des Mondes lieblicher Schimmer
- Zart die Holden umfing, die Welle des schneeigen Busens
- Rastlos stieg, und sank; er hörte, hinübergebogen,
- Ihres Odems melodisches Weh'n, und erdrückte, vor Ingrimm
- Aechzend, die Thrän', die empor aus seinem zerrissenen Herzen
- Drang, und im eilenden Lauf' dem trüberen Auge genaht war.
- Jetzo weckt' er sie, sanft an der Schulter berührend, mit leisem,
- Lispelndem Ruf. So folgten sie, die Gefährtinnen scheuend,
- Die, an der Zahl zweihundert, und mehr noch, in räumigen Kammern
- Ruheten: all' erwählt des Herrschers Lüsten zu fröhnen.
- Sclavinnen nur, nicht Frau'n. Nicht im Worte des Heiles geschlossen
- Ward ihr Bund, wo die Einzige treu verharret dem Einen
- Bis in den Tod, und treu die Bürde des Lebens ihm tragen
- Hilft, als Mutter der holdaufblühenden Kinder, als Gattinn,
- Und als Freundinn zugleich, in seliger Einung der Herzen.
- Eilen hieß er sie erst zur badumwölbenden Halle
- Unten im Schooße der Burg. Sie tauchten die reizenden Glieder
- Dort in die liebliche Fluth, und salbten mit duftendem Oel sie.
- Dann aufschloß er mit lächelndem Blick den Schrank in der Mauer,
- Weisend die Pracht der Edelstein' und der festlichen Kleider.
- Freudige Röth' umzog die Wangen der Mädchen, als Memi
- Jetzo das Tuch darboth, gewebt von dem emsigen Hindou
- Aus der Wolle des Baums. So zart und duftig wie Nebel,
- Die in dem Morgenroth umfließen die blühenden Rosen,
- Hüllet' ihr Unterkleid das zarte Geweb', und er both dann,
- Lächelnd, den Gürtel dar, der unter dem schwebenden Busen,
- Schimmernd von Gold, den Leib umfing; den wallenden Kaftan
- Von blaßrother Seide, verbrämt mit bräunlichem Zobel,
- Auch die Saffianschuh', des Hauptes Zierde, den Kalpack,
- Dem des Reihers Gefieder entstieg, und die köstlichen Perlen
- Für den Lilienhals -- für die Ohren Gehänge von Demant.
- Also geschmückt nachfolgten sie jetzt dem winkenden Aga.
-
- Leise die Pfort' eröffnend, und erst mit spähenden Augen,
- Ueber die Schwelle gebeugt, vorschauend, sah er des Herrschers
- Leblosstarrenden Blick. Er drängte die schüchternen Kinder
- Eilender vor: sie nahten mit Angst dem Sinnenden. Memi
- Weckte zugleich auf dem Schrank die flötenbeseelende Kunstuhr,
- Die an dem Strand Amalfi's jüngst erbeutete Dragut,
- Plündernd die fürstliche Burg, und Hairaddin dann zum Geschenk gab.
- Auch stand, Wunder zu schau'n, auf dem Schrank ein goldener Käfich,
- D'rinnen ein Vögelchen saß, ein Hänfling, wie lebend gestaltet.
- Als nun Orgelgetön im Schooße des zierlichen Schrankes
- Weckte die Uhr: da sang das Vögelchen zart, wie im Lenzmond
- Flötet der Hänfling im Busch; die tönende Kehle bewegend,
- Wandt' es den Kopf nun links, nun rechts, und breitete fächelnd
- Oft die Flügelchen aus, und wühlt' in der Brust mit dem Schnabel.
- Weder des Hänflings Sang, noch Getöne der künstlichen Orgel
- Traf nun Hairaddins Ohr: er starrte noch immer vor sich hin;
- Doch, als jetzt, verschlungen im Kreis', die Mädchen ihm nahten,
- Ihm zu erheitern das Herz mit Tänzen der Heimath, und Memi
- Schon aufhüpfte vor Lust: da fuhr er vom Lager, und schrie laut:
- »Fort, ich zertret' euch!« Und sie entfloh'n, wie schüchterne Tauben
- Flieh'n vom Feld, wenn Geiers Geschrei aus den Lüften herabtönt.
-
- Schnaubend ging er umher: ihm scholl von dem fernen Goletta
- Donnergemurmel an's horchende Ohr, und er sandte dann endlich
- Nach Tobukes, nach Abu-Sa-id, und Muhamed Temtes.
- Doch sie nahten im Flug, und bebten der Rede des Herrschers:
- »Führer der Völker, die zu Fuß, und auf feurigen Rossen
- Mächtige Heere zerstreu'n, vernehmt es, was ich gebiethe:
- Ehe des Morgens Dämmerlicht den östlichen Himmel
- Röthet, stürmst du, Tobukes, gewohnt im heimlichen Anfall
- Sieger zu seyn, mit zwanzigtausend Erwählten des Feindes
- Mittlere Schanz', und ich, von den schrecklichen Kriegern umgeben,
- Dringe durch das Olivengehölz, wenn, schimmernd, des Meeres
- Fluthen die Sonn' entsteigt, und dort auch Muhamed Temtes
- Von Goletta heran, zu erstürmen des Lagers Umwallung,
- Während uns Abu-Sa-id, Arabia's treffliche Reiter
- Führend, gleich dem Orkan, dem sinkende Wälder erkrachen,
- Rasch nachdringt, und den fliehenden Feind vernichtet auf einmal.
- Also gewahrt ihr im Sieg den Segen des großen Propheten!«
- Jene, entflammt in der Brust von den Worten des furchtbaren Herrschers,
- Eilten zum Kampf. Entlang Medscherda's Ufern (Bagrada[53]
- Hieß der mächtige Strom in Karthago's verschollenen Tagen)
- Wogten des Arabers bräunliche Zelt' im Hauche des Windes
- Weit umher. Er bauet sein Zelt, dem höckrigen Lastthier
- Gleich an Gestalt, das fort, ein lebendes Schiff, in des Sandmeers
- Wüsten wandelt: ihr Sohn, so fromm und so duldend. Es ruhte
- Noch entschlummert das Volk, und die losgebundenen Rosse
- Weideten frei im Gefild. Doch als nun die ehernen Becken
- Abu-Sa-ids erschollen; als laut ertönte der Schlachtruf:
- Da fuhr jeglicher Mann gerüstet vom Lager, und rief dann
- Vor dem Gezelt sein edeles Roß bei'm Namen. Sie flogen
- Wiehernd herbei, und bothen dem wolligen Sattel den Rücken --
- Bothen die Zunge dem Zaum, und bäumten sich hoch mit dem Reiter.
- Aber Afrika's bräunliche Söhn' erweckte Drometen-
- Schall, und Barda's Höh'n entströmten die lärmenden Scharen,
- Wie im thauenden Lenz von der schimmernden Kuppe der Alpen
- Schneefluth kommt, und laut herrauscht in die Thäler. Sie führte
- Muhamed Temtes zum Kampf, des Fußvolks kühner Gebiether.
- Scheidend senkte der Mond im Westen sein blässeres Antlitz
- Jetzt in Nebelgewölk, und dämmernd erhob sich der Morgen.
- Hairaddin hielt am Olivengehölz mit den Schrecklichen. Allen
- Kam er zuvor, und hieß, des Kampfs wohlkundig, die Schanzen
- Eilig erbau'n auf den Höhn des ragenden Felsengebirges,
- Das Mathilden im Schooß der schaurigen Höhle, seit gestern
- Barg. Dort lag die unglückliche Frau (der nahen Entbindung
- Wehen durchzuckten ihr Mark und Gebein) unsägliche Qualen
- Duldend, und harrend mit Angst des heißersehneten Gatten.
-
- Eilenden Laufs war Kurd dem Lager der Christen genahet,
- Trat in Toledo's Gezelt, und sprach, tiefathmend, und bebend:
- »Hugo's Worte verkündet mein Mund: ihn mögest du hören.
- Siehe, der Morgen grau't, der langgetrennete Herzen
- Wieder vereint! Schon harrt in traulicher Felsenumhüllung
- Dein die Gattinn mit Angst: o trage sie jetzt auf den Armen,
- Freudigerrettend, heim zu nimmer versiegender Wonne --
- Heim in das Vaterland! Ein liebender Vater den Waisen
- Hugo's mögest du seyn, der dich in der hülflosen Kindheit
- Oft auf den Armen trug, dich fröhliche Spiele gelehret,
- Und die Treue dir stets in dem redlichen Herzen bewahrt hat.«
- »Kurd,« so jauchzte Toledo ihm zu, »Kurd, waffne dich eilig,
- Du mein Freund fortan, mein Bruder und Waffengefährt' jetzt;
- Säume nicht, schnell geleite mich hin zur Höhle des Waldes!«
- Hastig reicht' er die Waffen ihm dar. Die finsteren Augen
- Kurd's entflammten sich hell, und des Kummers tiefere Furchen
- Schwanden von seiner Stirn' und Wange: nur Jauchzen des Sieges
- Scholl um ihn her aus den Tagen des Ruhms erretteter Heimath,
- Und, im versöhnten Gemüth gedacht' er nicht seines Geschicks mehr.
- Jetzo, im Waffenschmuck auf feurige Rosse sich schwingend,
- Jagten die Helden hinaus, entgegen der Höhle des Waldes.
-
- Lauter säuselte schon aus Osten der schaurige Frühwind;
- Purpurröthlicher Glanz entfloß des goldenen Morgens
- Weiteröffnetem Thor; aus den dämmernden Wolkengefilden
- Sah die wirbelnde Lerche zuerst erwachen die Sonne,
- Und, jungfräulichverschämt, mit höherer Gluth auf den Wangen,
- Dort dem rosigen Lager entflieh'n: als schauernde Wälder,
- Noch in Dunkel gehüllt, mit leisem Zwitschern und Flistern
- Ihr anstimmten den Morgengruß, und die Wellen des Meeres,
- Hocherhebend das Haupt, sich sehnten, die Holde zu schauen;
- Aber nur Blut, nur Mord, nur sterbender Menschen Geröchel
- Wallt' ihr zum Morgengruß aus Goletta's Fluren entgegen.
- Eilender stürmte Tobukes heran. Wie ein reißender Bergstrom
- In der Gewitternacht anschwillt, und des Landes Bewohner
- Schnell vom lieblichen Schlaf erwecket zur Angst und Verzweiflung:
- Denn sie vernahmen es nicht, daß fern im finsteren Waldthal
- Sausend die Wolke zerbarst, und Fluth entstürzte dem Abhang:
- So, von Tobukes geführt, herströmten die Scharen, und stürzten
- Auf Hispania's Macht. Da gaben die spähenden Wachen,
- Staub gewahrend, und Volk in dem Staub, durch Büchsengeschmetter
- Zeichen der Noth und Gefahr: aufrafften sich eilig die Krieger,
- Und sie folgten beherzt dem trefflichen Führer Alarkon.
- »Brüder,« so rief er laut, »nun vorwärts! Eiserngeschlossen
- Haltet die Reih'n, und dränget den Feind vom Rande des Grabens
- Muthig zurück; besiegt entflieh' er vor unseren Augen.
- Denket der Wälschen, die erst vorschnell, nur flammender Kühnheit,
- Nicht vorschauendem Muth gehorchend, im Felde der Waffen
- Bluteten. Auf, Hispania's Volk: du stehe, dem Felsen
- Gleich im Sturme der Schlacht, des sicheren Sieges gewärtig!«
- Und er führte die Reih'n zum schanzumkreisenden Wall hin.
- Aber wie dort an dem Mohrenstrand, hoch über der Meersfluth,
- Schwebt die schreckliche Wassertrompet', ein winzig Gewölk erst;
- Dann urplötzlich mit Donnerschall auf die Fluthen herabfährt,
- Wirbelnd sie faßt, in die Luft aufhebt, und brausend im Jähsturz,
- Hier die Schiffe zerschellt auf dem Meer, und dort an dem Ufer
- Wüthend, unseliges Volk, und Hütten, und Saaten vernichtet:
- Also erstiegen die Feinde den Wall im schrecklichen Anlauf.
- Allah-Geschrei und Gekrach der stürzenden Pfähl' an dem Graben
- Brauste vor ihnen daher; geschwungener Säbel Gezisch scholl;
- Staub flog auf. Schon wandten sich eilig die Christen: die Vorschar
- Stürzt' auf die folgende, wie, vom wüthenden Sturme gehoben,
- Wog' auf Woge sich stürzt, und trennte die Ordnungen weithin.
- Jetzt vom Schrecken betäubt, nicht hörend die Stimme des Führers,
- Wichen sie all'. Er stand, und bohrte den Flüchtenden links, rechts,
- Zürnend, das Schwert in die Brust, und ging, und wär' er allein nur,
- Rühmlichen Kampf und Tod im Sinn, den Feinden entgegen.
- Aber, glühend vor Scham, gewahrten die Krieger sich alle
- Fortgerissen zu schmählicher Flucht. Sie kehrten im Sturmschritt
- Wieder zurück; dann schnell die Gewehr' an die Wange sich pressend,
- Zielten, und drückten sie los, und Stein und Stahl an dem Schlosse
- Schleuderte Blitz'; aufflammt' an der Pfanne das Pulver: hinausfuhr
- Krachend die Kugel -- sie flog in die stürmenden Haufen, und Volk sank.
- Dann mit glühendem Muth, stets unaufhaltsamer, jauchzend,
- Drangen die Tapferen vor, und warfen die stürmenden Haufen
- Wieder zurück auf den Wall. Dort stand Alarkon vor allen.
- Sieh', ihm nahte, beherzt, der einzige Sohn Abdul Hamids,
- Des zu Tripoli herrschenden Dey's! Ihn sandte der Vater,
- Daß er in Hairaddins Heer', erringend die Kränze des Sieges,
- Kehre zur Freud' ihm heim, und zum Trost im grauenden Alter.
- Aber er freue sich nicht, den Tag der fröhlichen Heimkehr
- Seines Erzeugten zu seh'n: ihn hüllet die Erde vor Tunis.
- Weitvorhaltend den Speer, eindrang er mit Wuth auf Alarkon,
- Daß ihm der Schaft in der Faust erzitterte; dennoch, dem Kampf schon
- Lange geübt, vermied im Sprung', Alarkon des Speeres
- Tödlichen Stoß. Er hieb, mit kräftiger Rechte den Degen
- Schwingend, den Schaft entzwei, und rannte den blitzenden Stahl ihm
- Jetzt so tief in die Brust, daß er, scharfgeschliffen, ihm alsbald
- Auch die Schulter durchfuhr: er sank, und stöhnt' in dem Tod noch.
- D'rauf, entreißend den Stahl, zerschlug er dem Bascha von Tarsus,
- Ahmet, die ragende Stirn': er taumelt' am Rande des Walles
- Nieder, und fiel, die Händ' ausbreitend, hinab in den Graben.
- Wie der flüchtige Hirsch, den heiß verfolget der Schweißhund,
- Nah' an des schwindligen Abgrunds Rand, erlegt von dem Weidmann,
- Jählings entstürzt: dumpf kracht sein Geweih an dem Felsen hinunter:
- Ahmet entstürzte so schnell: ihm krachten im Falle die Glieder.
- Aber da schlich Tobukes, ergrimmt, an den Rücken Alarkons;
- Jauchzt', und bohrt' ihm, weitausholend, den Dolch in den Nacken.
- Sterbend lag er am Wall, doch winkt' er dem kühnen Sarmento,
- Führer zu seyn des Volk's in entsetzlicher Stunde des Wuthkampfs.
- Zärtliche Freundschaft wand die Blüthen der fröhlichen Jugend
- Immer noch frisch und duftend um beider Herzen: sie wallten,
- Innigvereint, des Ruhmes Pfad im Leben und Tod noch.
- Ob des Freundes Geschick aufstöhnend, brauste Sarmento
- Vor, und schrie, und erweckte den Muth der zagenden Krieger,
- Und von neuem begann auf dem Walle das grause Gemetzel.
- Warf Sarmento den Feind, vordringend, zurück in den Graben,
- Stürmte Tobukes ergrimmter herauf, nicht achtend der Haufen
- Seines getödteten Volks: denn viele der Christen erlegt' er.
- Gleich dem Nebelgewölk, das hoch in den bläulichen Luftraum
- Aufschwebt; dann von zween sich bekämpfenden Winden ergriffen,
- Hier- und dorthin treibt: so schwankte des Kampfes Entscheidung.
-
- Einst Germania's Hort, und im Kampf: Legionenzertrümm'rer,
- Hermann, sah die Gefahr, und fuhr im sausenden Eilflug
- Nach des Kaisers Gezelt, der dort, tiefsinnenden Blickes,
- Einsam saß, und erregt' ihn so mit den muthigen Worten:
- »Säume nicht: heiß bestürmet der Feind Hispania's Krieger;
- Eile hinaus: dein Blick gebiethe den Sieg in dem Schlachtfeld.«
- Hastig entfuhr er dem Stuhl', und blickte, verwundert, um sich her.
- »Ahnt mir Gefahr?« so dacht' er, dem Zelt enteilend. Er schwang sich
- Draußen auf's feurige Roß, und flog nach der Schanze hinüber.
- Ihm nachjagte Gefolg', und unter den stampfenden Hufen
- Drönte der Boden umher; aufquoll der flimmernde Sandstaub.
- Jetzo der Schanze genaht, begann der zürnende Kaiser:
- »Wie, Hispania's Volk, dich nannte die staunende Mitwelt,
- Rühmend, das Erst' im Feld, und du weichest dem feindlichen Andrang?
- Auf, und rette den heimischen Ruhm! Ein glänzender Leitstern
- Sey er dem Krieger im Kampf: nur mit ihm verlösche sein Leben!«
- Lodernden Flammen gleich, ergriff die Herzen des Kaisers
- Zornausruf: da brannt' auch der schwächere Mann in den Reihen,
- Gegen die Feinde des Kriegs vernichtende Schrecken zu tragen,
- Und sie kehrten sogleich. Wie ein bergabtaumelnder Felsblock,
- Dem die Wälder erkrachen, Geröll' und Erde zerstäubt weicht;
- Oder vom dauernden Regen geschwellt hinbrauset ein Bergstrom
- Durch die Fluren, und Hain' und blühende Saaten zerstöret:
- So in des Feindes Reih'n umwütheten jetzo die Krieger,
- Rächend des Rückzugs Schmach. Doch wehe, da stürzte Sarmento,
- Von Tobukes durchbohrt, und haucht' an dem Busen des Freundes,
- Der auf dem Walle getödtet lag, den muthigen Geist aus!
- Glückliches Los, das so die liebenden Freunde vereinte!
- Ueber ihn hin (betrübt zwar, doch des eisernen Krieges
- Stimme geboth's) und über die Hügel erschlagenen Volkes,
- Eilten die Reihen auf Reih'n jetzt vor, und warfen die Gegner
- Von dem Wall' in den Graben -- aus ihm hinüber in's Blachfeld,
- Raschverfolgend. Nicht half das Schrei'n des Führers, Tobukes,
- Nicht die knirschende Wuth des Volks: denn, Hagelgewittern
- Aehnlich, folgte der Sieger ihm nach, und grause Vertilgung.
- Unter den Letzteren floh Tobukes, und stöhnte vor Ingrimm.
- Furchtbar war sein Arm in dem Kampf, und, glühend vor Sehnsucht,
- Gohr ihm die Brust, daß Hairaddin bald vom Olivengehölz her
- Nahend, ihm eine die Macht, zu vernichten die feindlichen Scharen.
- Aber er harrt' umsonst, und jetzo, von Wunden ermattet,
- Sann, und erwog er im finstern Gemüth': ob Hairaddins Rach' ihn,
- Da er ihn haßte, vielleicht dem sicheren Tode hier preisgab?
- Unerträglich erschien dem Zweifler des nächtlichen Irrwahns
- Täuschendes Licht; er riß ergrimmt von der Seite den Mordstahl,
- Stieß ihn tief in die Brust, und fiel, und röchelte sterbend.
- Aber, vor Schrecken erstarrt, gewahrten die Krieger des Feldherrn
- Blutige That, und floh'n jetzt eilender fort nach Goletta.
-
- Hairaddin hörte des Kampf's grau'nvolles Getös' in dem Waldthal;
- Doch ihm scholl's erfreuender, als in dem silbernen Mondlicht
- Liebenden tönt Harmonikaklang und Harfengelispel.
- Vorwärts drängt' ihn der Muth und die Blutgier; aber er hielt noch,
- Bis er die Schanz', erbaut auf den Felsenhöhen, gewahrte,
- Und das eh'rne Geschütz, das weit in die Ferne hinüber
- Schleudert den Ball (Feldschlange genannt), in jene geschafft war.
- D'rauf begann er so, vor dem Meister des schweren Geschützes:
- »Bujukdur, Sohn Hafis, horch! wenn außer dem Oehlwald
- Schimmert die Fahne des Vorderzugs: dann feu're, verderbend,
- Nach dem Lager hinaus. Abdallah, der muthige Feldherr,
- Sey dir schirmend gesellt mit tausend erlesenen Kriegern.«
- Und nun führt' er das Heer, ihm tiefere Stille gebiethend,
- Durch den Olivenwald, dem Lager der Christen entgegen.
- Siehe, da jagte mit Kurd, auf schnaubendem Rosse, Toledo
- Näher. Es hing sein thränendes Aug' an den Höhen der Felswand,
- Welche die Gattinn ihm barg, und im rosigen Morgen die Scheitel
- Glühend erhob. Wie dort dem leidenerfahrenen Jüngling,
- Den ein feindlich' Geschick aus den Armen der liebenden Aeltern
- Riß, das Herz erpocht, so nach Jahren der schmerzlichen Trennung,
- Er, heimkehrend im Schiff von Amerika's wüsten Gestaden,
- Jetzo die Thürme der Vaterstadt in der Ferne gewahret,
- Jetzt sein väterlich Haus, und jetzo den Hügel und Anger
- Wieder erkennet, wo ihm die seligen Jahre der Kindheit
- Schimmernd entfloh'n: nur vorwärts strebt er, und weiter entfernet
- Däucht ihn das Ziel, als einst von des Meer's endlosen Gewässern:
- Also pocht' ihm die Brust, und eilender jagt' er das Roß hin:
- Schauend den Fels, der hell vom Morgenschimmer ihm winkte.
- Plötzlich hemmt' er das Roß, und starrte mit tiefem Entsetzen
- Vor sich hin, da er nun die raschvordringenden Scharen
- Nahe der Höhl' ersah. Kurd rief mit leisem Gelispel:
- »Kehr' in Eile zurück: dort nah'n unzählige Feind' uns!«
- »Kurd,« entgegnet er sanft, »ich sehe die Feind' an dem Felsen:
- Hin ist die Hoffnung -- Mathild' ist todt! Nun will ich im Kampf hier
- Sterben, dem Schicksal zum Hohn, den Tod des tapferen Kriegers.«
- Schnell entblößt' er den blinkenden Stahl, und flog auf das Blachfeld
- Muthig hinaus: da erfaßte noch Kurd das Roß an dem Zügel,
- Riß es gewaltig zurück, und rief dem Tobenden also:
- »Soll die unglückliche Frau vergehen in schrecklichem Jammer,
- Deiner beraubt? Sie ruht in der dunkeln Höhle geborgen.
- Lass' uns, des Ueberfalls Verkündiger, eilen in's Lager;
- Wecken die Brüder zum Kampf', und erretten im Sieg' auch Mathilden!«
- Hastig trieb er sein Roß, und mit diesem den Renner Toledo's
- Wieder zurück, der, tiefverstummend, die Augen zuweilen
- Gegen den Himmel erhob, und laut aufseufzte vor Herzleid.
- Aber in stürmischer Hast hinflogen die schnaubenden Rosse;
- Staub quoll auf in die Lüfte, der Wald, die Berg' und die Hügel
- Wichen im Fluge zurück, und die Helden durchbrausten das Lager.
-
- Dort des Ueberfalls, des nächtlichen, denkend mit Unmuth,
- Hatte der Kaiser das Volk ringsher gerufen zur Heerschau.
- Rastlos schmetterten fort die eh'rnen Drometen; die Trommeln
- Wirbelten dumpf, und riefen verständliche Laute den Kriegern.
- Wie das unzählige Volk der Schwalben im sonnigen Spätherbst
- Rings mit lautem Geschrei, vorahnend die Stürme des Winters,
- Sich anschickt, entgegen zu zieh'n besonnten Gefilden:
- Meng' an Menge gedrängt, versammeln sich eilig die Scharen:
- Also vereinten sich hier die tapferen Krieger zur Heerschau.
- Ernsten, musternden Blicks, hinritt an den Reihen der Kaiser.
- Jegliche Fahne sank; die Feldherrn all', und die Führer,
- Hielten den Degen gesenkt zum ehrenden Gruße; das Fußvolk
- Schwenkte die Lanz' und das blanke Gewehr, und der Reiter den Säbel.
- Aber die Trommel scholl, und Drometengeschmetter ertönte.
- Jetzo hätt' er dem Heer gewichtige Worte gesprochen,
- Ruhm den Tapfern gezollt, und gerügt Verblendung und Saumsal;
- Aber da flog mit Kurd, im eilenden Laufe, Toledo
- Näher, und hielt, kampfdürstenden Blicks, an der Spitze der Seinen.
- Jener, dem Herrscher genaht, erhob tiefathmend die Stimme:
- »Herr, wie die Fluthen des Meer's im Hauch des stürmischen Nordwinds,
- Zahllos, Wog' an Woge gereiht, zum Strande sich wälzen,
- So vom Olivengehölz dir nahen die feindlichen Scharen!«
- Noch entfloh den Lippen nicht ganz die unfreudige Nachricht,
- Als von den Felsenhöh'n mit Donnergetös' und Gebrülle,
- Lastende Kugeln heran, in des Lagers Mitte geschleudert,
- Flogen: da sank in Reih'n und Gliedern, Jammer dem Anblick,
- Häufig der tapferste Mann! Schnell riß die zischende Kugel
- Diesem die Füße vom Leib, und warf sie, zerschmettert, zum Boden,
- Jenem den Arm, und dem Dritten das Haupt, entsetzlich und furchtbar
- Von dem taumelnden Rumpf', und es wälzten sich treffliche Rosse
- Dort mit dem Reiter, verwundet, im Blut. Unsichtbaren Fluges,
- Treffen des Todes Geschoss' aus den lautumdonnernden Schlünden:
- Weder Kraft, noch Muth errettet von grauser Vertilgung,
- Die aus der Fern' urplötzlich Bewehrt' und Wehrlose hinstreckt.
- Jetzo gebothen sogleich des Krieg's wohlkundige Führer
- Wechselnde Stellung, und vor- und rückwärts, schief, und gerad' hin,
- Wogte das Heer: das Ziel zu entrücken der feindlichen Obmacht.
- Aber der Kaiser sann. Er winkt'. Ihm nahte der Feldherr
- Lichtstein: denn er gewahrte den Blitz in dem Auge des Fürsten.
- »Lichtstein,« also sprach er, »du ziehst den engeren Thalweg
- Hinter dem Salzthurm fort, zu erstürmen die Schanze der Felshöh'n:
- Weder Medscherda's reißende Fluth, noch die schroffe Gebirgswand
- Hemme des Siegers Lauf! Vier tausend muthige Schützen,
- Tausend Reitern gesellt, genügen dir. Ist es gelungen:
- Dann bedrohe den Feind, nicht achtlos Unser, im Rücken.«
- Jener entschwand: ihm hob die Heldenseele des Herrschers
- Ehrender Ruf, und erkor in Eile die tapfern Gefährten:
- Oestreichs Reiter und Ungerns, die den tyrolischen Schützen
- Folgten im munteren Schritt, und des Spessarts Kriegern, und Hessens.
- Auch entboth er den Troß der fährschiffführenden Wägen,
- Rossebespannt zu folgen der Schar werkkundiger Brückner.
- Wieder begann der Herrscher, und rief mit leuchtendem Antlitz:
- »Fort in den Kampf! Voraus die Reisigen, welche Mendoza
- Heut' in dem Vortrab lenkt, zum Ruhme der hohen Cortezza.
- Ihnen folg' in gemessenem Schritt, im Trommelgewirbel,
- Und die Fahn' im Blick, Neapels muthiges Kriegsvolk,
- Jenem gesellt, das uns die erlauchte Roma gesendet.
- Ueber sie heischt Toledo's Blick die Leitung -- sie werd' ihm:
- Denn ihm winket des Sieges Preis in der Stille der Felsnacht.
- Aber die Ritter-Schar führt Garzia Lasso, und Alba,
- Flammenden Muth's, der Spanier schwergeharnischte Reiter
- Gegen den Feind; nur Eberstein verharr' in dem Lager,
- Ihm ein schirmender Hort, mit den treuverlässigen Deutschen.«
- Also geordnet, eilte das Heer in die stürmende Feldschlacht.
-
-
-
-
- Neunter Gesang.
-
-
- Wie der Heuschrecken Heere, gejagt aus Syriens Wüsten
- Von zerstörender Gier, anstürmen im Sommer, daß weithin
- Sauset die Luft, und die Sonne verlischt in der Helle des Mittags:
- Also schwebten auch jetzt in zwei gesonderten Haufen,
- Brausend, die Geister heran, und jeglichem eilten die Herrscher,
- Muhamed erst, dann Attila vor: zwei finsteren Wolken
- Gleich, die donnerschwer, in dräuender Stille heraufzieh'n.
- Unmuth gohr in dem wilden Blicke des hunnischen Königs;
- Auch die glühende Stirn' und Wange des Koran-Verkünders
- Zuckte vor Wuth: nicht die Christen all' im Kampf der Entscheidung
- Schauend. Lechzende Gier nach Blut erfüllte die Furchtbar'n.
- Muhamed rief: »Erblick' ich dort Arabia's Krieger?
- Wehe, denn weder an Muth, noch an Thaten sind sie mir ähnlich
- Mehr, die Feig'umschwärmenden! Jetzt, und hinfort mir ein Liebling
- Seye der Türk'. Aus Turkestans[54] sandiger Flur sich erhebend,
- Kam er, ein brausender Sturm, und säte des heiligen Korans
- Samen aus in die Welt, und lenkt' an die Keime den Blutstrom,
- Daß er erwuchs, und die Ernt' in üppiger Fülle sich fortmehrt.
- Hebe dich, luftige Schar: dem Christen errege die Gegner,
- Daß er besiegt hinschwind', und nie rückkehre zur Heimath!«
- »Tapfere Scythen, ihr!« rief laut der Hunnen-Beherrscher,
- »Die, nach Attila's Wink, den allverheerenden Flammen
- Aehnlich, im Garbenfeld der schmachgereifeten Menschheit,
- Wüthetet, als uns Rom auf den sieben Hügeln erbebte --
- Byzanz neigte das Haupt: erhebet die luftigen Waffen,
- Weil, der sterblichen Hüll' entrückt, der Thaten Vollendung
- Nimmer den Busen uns labt, nicht der Sieg im Jauchzen der Mordlust;
- Auf, und dränget der Janitschar'n blutdürstende Rotten
- Rastlos vor zum Gewürg' in volkzermalmender Feldschlacht!«
- Jauchzend vernahmen des Herrschers Ruf die luftigen Scharen;
- Aber so laut und so mächtig sie schrie'n -- es zischte nur leises,
- Schwaches Geflister herab. Wohl starrt' in der eilenden Heersmacht
- Mancher der Krieger empor; doch leer ihn dünkte der Luftraum.
-
- Leise, mit weitvorstrebendem Fuß, die klirrenden Waffen
- Pressend im Arm, und das Roß, daß es schweig', an den wallenden Mähnen
- Streichelnd, nahte der Feind in täuschender Stille vom Wald her.
- Doch als jetzt von den Felsenhöh'n das wichtige Zeichen
- Donnernd erscholl, und fern in des Lagers Mitte Verderben
- Säte der eherne Schlund: da jagten die listigen Scharen
- All', im geflügelten Lauf, im Getös' empöreter Mordwuth,
- Allah! Allah! brüllend, heran an des Lagers Umwallung:
- Denn urschnell und in wilder Verzweiflung sollte der Christen
- Schlummerndes Volk, so wähnete Hairaddin, Jammer ereilen.
- Siehe, und als dem Wald, wie am wetterverheißenden Morgen
- Zürnende Bienen dem Korb', entströmte sein lärmendes Kriegsvolk,
- Führt' ihm Mendoza, der Held, im Blitze des Waffengeschmeides
- Schon entgegen die reisige Schar: er selber den Kampfpreis
- Heischend vor ihm, und kühneren Blick's vorstürmend zum Angriff!
- Wie, wenn lechzend nach Blut, der schreckliche Tieger im Dickicht
- Leises Geräusche vernimmt, und dort, nur scheue Gazellen
- Suchend, den Leu'n, den langvermied'nen, gewahret, da wankt' er
- Vor dem entsetzlichen Feinde zurück, und denket der Flucht schon;
- Doch bald kehrt ihm die Wuth: er senkt die Brauen ergrimmter
- Nieder, und fletschet die Zähn', ihm den letzten der Kämpfe zu biethen:
- So mit staunendem Blick sah Hairaddin jetzo die Gegner
- Kommen im Feld, die er, würgend, vom Schlaf zu erwecken gedachte.
- Aber er säumte nicht, trieb, und jagte die Zögernden vorwärts,
- Und der Geister aufjauchzendes Heer flog brausend hernieder,
- Nahte den Kriegern, und schrie in das Ohr dort Jeglichem: »Vorwärts!«
- Wie der Bremsen erboßter Schwarm in der Stunde des Mittags
- Rasch auf die Heerde des trägeren Hornvieh's, dann auf der Rosse
- Munt'res Gestütt' sich wirft, und all' in rasendem Taumel,
- Brüllen, wiehern, und flieh'n: denn, ob ein schwindliger Abgrund,
- Oder die tobende Fluth tief unten dräuet -- sie stürzen
- Unaufhaltsam hinab; so drängten die luftigen Geister
- Hairaddins Volk an die Feind', und furchtbar tönte der Schlachtruf.
-
- Siehe, die Reiterschar der Araber tauchte vor allen,
- Spornend das feurige Roß, und vorgebeugt aus dem Sattel
- Bis zu den Mähnen, die Spitze des hochaufragenden Speeres
- Dort in Mendoza's Reih'n. Da fiel Segorbia's Kampfheld,
- Aguillar, und mit ihm Morillo, den Murzia sandte,
- Fahnenjunker im Heer, mit dreißig erlesenen Kriegern,
- Und in dem Waffengemeng' erbebte Hispania's Jugend,
- Die zum ersten Male des Kriegs betäubendem Schrecken,
- Hier in dem Feld, entgegen sich warf, und dachte der Flucht schon.
- Doch jetzt nahte mit Sturmes Flug vor seinen Gefährten
- Hermann heran: ihn lockte des Kampfs erwachender Donner
- Fernher. Aehnlich dem Aar, der tief im schattigen Thalgrund
- Beut' ersehend, sogleich in sausender Schnelle herabfährt:
- Also fuhr er herab, und rief dem edlen Mendoza:
- »Sollten die Jünglinge flieh'n, ihr Ruhm ist gefährdet für immer.
- Schau in die Vorwelt auf, wie dort der Heldengebiether
- Hermann, den flüchtenden Kriegern zur Schmach und Wiederbesinnung,
- Muthig den Schild ergriff, vordrang, und so, mit den Scharen
- Wiedervereint, sich herrlichen Siegsruhm über des Varus[55]
- Drei Legionen errang in dem eisernen Felde der Waffen:
- Also mögest du jetzt den jüngst geworbenen Kriegern,
- Kämpfend, ein Leitstern seyn auf dem grau'numnachteten Schlachtfeld!«
- Glühende Röth' umzog Mendoza's Wangen; er dachte
- Seines errungenen Ruhms Verdunkelung; schrie, und begann so:
- »Spanier, kühn mir nach: nicht täuschet der edeln Cortezza
- Hohes Vertrau'n, die euch sandte zum Heer; nicht gewahre der Herrscher
- Euch unkriegerisch, feig; mir nach! Eh' treffe der Tod mich
- Selber durch Feindeshand, eh' hier die Schande mich treffe.«
- Jauchzend flog er dahin, und voll kühner Todesverachtung
- Sprengten die Reiter ihm nach. Entscheidend für kommende Zeiten
- Lenkt ein Held im Gefecht den neugeworbenen Krieger:
- Denn nicht weicht er, und fällt, besiegt, im rühmlichen Tod nur:
- Stets erfüllt ihm die Brust die erhabene Heldengesinnung.
- Jetzo die stürmende Lanz', und jetzt des sausenden Säbels
- Blitz und Schlag ereilte der Araber dichte Geschwader
- Mordend; es sank das Volk, und es sanken die Rosse getödtet.
-
- Assad riß sich hervor, der Emir. Einst Beduine,[56]
- Zog er in Syriens Wüsten umher, und häufte sich Reichthum,
- Dort der Karavan' auflauernd im einsamen Hohlweg.
- Deß' sich zu freu'n, wohnt' er zu Tunis im stolzen Pallast nun:
- Seinem Volke verhaßt, dem stets das Leben in Zelten,
- Draußen im Steppengefild des Menschen würdiger dünket.
- Jetzo im sausenden Ritt Mendoza genaht, und vertrauend
- Eiserner Kraft, dacht' er, mit dem blinkenden Speer ihn zu tödten;
- Doch Mendoza riß an dem Zaum: sein mächtiges Streitroß
- Setzt', im kreisenden Sprung', ihn schnell an die Seite des Emirs,
- Und er jagt' ihm das Schwert mit festnachstürmender Rechten
- Tief in die Brust: er sank vom Sattel, und stöhnt' in dem Tod noch.
- Aber ihm naht' Abulkassem, sein Sohn, ein furchtbarer Rächer.
- Stöhnend vor Wuth durchrannt' er Mendoza's Arm mit dem Säbel,
- Als er, gewendet, die Reih'n aufboth zum stürmenden Angriff.
- Wieder erhob er den Stahl, und hätt' ihn getödtet, da sprengte,
- Rettend, Alonzo Cueva heran, der tapfere Hauptmann,
- Schrie, und scheucht' ihn zurück. Er barg sich schnell im Gewimmel
- Seines Volk's, das jetzt, des Feldherrn Wunde gewahrend,
- Muthiger vorwärts drang, und laut aufbrüllte vor Mordlust.
- Aber dem Schlachtengemeng' entrissen die Krieger den Helden;
- Eilten in's Lager zurück, daß dort heilkundig der Arzt ihm
- Stille das Blut, und träufle den weh'einschläfernden Balsam.
- Und er ermahnete scheidend noch mit blässerem Antlitz,
- Alle, zu folgen dem Wink des Helden Alonzo Cueva.
-
- Heißer entbrannte die Schlacht. Wie im Süd- und Norden empöret
- Donnerstürme sich nah'n, und, vermengt, zur Erde Verderben
- Speien im Flammengezisch und im schrecklichen Hagelgeprassel:
- Also prallten die Araber an, und zugleich die Hispaner:
- Diese von Rach' entflammt ob ihres verwundeten Führers,
- Jene, voll Muths vorstürmend, und lautaufjubelnd im Vortheil.
- Als sich gemengt im Feld die Wüthenden trafen, da tönte
- Schrecklich der Mordausruf und das Schmettern der Waffen, dem Donner
- Eherner Schlünde vereint, und Blut beströmte den Boden.
- Schon warf zweimal der Christ des Mahoms Verehrer, im Sturmritt,
- Drängend, zurück; schon jauchzt' er des Sieg's aufstrahlender Hoffnung;
- Aber da warf, ergrimmt, auf Alonzo Cueva, den Dränger,
- Abu-Sa-id den Dolch, und durchbohrt' ihm den Hals und den Nacken,
- Solchem Kampfe geübt; er sank, und verhauchte das Leben.
- Siehe, den endlos Trauernden faßt' am dämmernden Morgen,
- Vor des Kampfes Beginn, heut' ahnungentsprossene Schwermuth
- So, daß ihm Jeglicher staunt'. Ach, seines erblindeten Vaters
- Greisengesicht, und das wankende Haupt, wie schneeiger Tauben
- Dunen, so weiß, schien ihm noch immer zu dräu'n ob dem Frevel
- Stürmischer Jugendzeit: da er leis'annahend, des Vaters
- Händen den Stab entwand, und der zürnende Greis, an der Schwelle
- Stolpernd, kopflangs stürzt', und blutete -- Jammer zu schauen!
- Immer trübte die That ihm jegliche Freude des Lebens
- Seither. Aber der Vater horcht, vor dem Haus' auf der Bank sich
- Sonnend, dereinst begieriger auf, wenn kehrender Sieger
- Jauchzen, der Waffen Geklirr, und das Wiehern der Rosse herantönt;
- Ringsum Hast und Getös' die Heimgebliebenen aufregt,
- Und die Straßen entlang: »Willkommen uns in der Heimath!«
- Jubelnden Rufs erschallt in mancherlei Stimmen des Alters.
- Vor vom Sitze gebeugt, horcht er: ob endlich des Sohnes
- Gruß er vernehm', und harrt, hinzitternd, der frohen Umarmung:
- Ach, umsonst: ihm sank der Theuere kämpfend vor Tunis!
- Schrecken befiel die wiederverwaiseten Krieger: dem Unglück
- Bebt' ihr muthiges Herz, nicht den wildaufrasenden Gegnern.
- Also, verschüchtert, wichen sie nun, und ihnen im Rücken
- Brauste der Feind, und häuft' im Felde die blutigen Leichen.
-
- Sieh', welch tapferes Häuflein kommt, die schnaubenden Rosse
- Spornend, heran? Hell sprüht der zierliche Helm und der Harnisch
- Hüpfende Funken umher; vom hochaufragenden Speerschaft
- Blitzet der tödliche Stahl, und es blitzen die Augen der Männer.
- Fünfzig sind's der Edlen. Sie führt auf der rühmlichen Laufbahn
- Garzia Lasso, der Held, und Hispania's lieblichster Sänger.
- Jetzo, dem Feinde genaht, und vorgebeugt aus dem Sattel,
- Senkten die Kühnen den Speer, und warfen im sausenden Eilflug
- Fünfzig der Feind' in den Staub: da floh'n die entlasteten Rosse
- Wiehernd zurück: weit gähnte die Kluft im dichten Geschwader.
- Wie, wenn brückendes Eis auf dem breiten Rücken der Donau,
- Oder des Rheins, das heut' am Morgen noch eiserngefroren,
- Unter der Wucht des schweren Gespanns und der lastenden Wägen
- Drönete, nun ergriffen vom schmelzenden Hauche des Westwinds,
- Krachend zerbirst, und zertrümmert im Schwall der finsteren Fluthen
- Schwindet, daß links am Gestad', und rechts das schimmernde Landeis
- Aufragt: also standen die Reih'n, im entsetzlichen Durchbruch
- Weitgeschieden im Feld': sie blickten erstarrt in den leeren,
- Scheidenden Raum: ihr Mordruf starb auf den bebenden Lippen.
- Aber nicht rasteten dort die Scharenzertrümm'rer: sie würgten,
- Was entgegen sich warf, in siegbeflügelter Hast noch.
- Auch der Jünglinge Schar flog nun, um nimmer zu weichen,
- Wieder im Felde heran, und vereint den siegenden Rittern,
- Uebt' ihr blitzendes Schwert vergeltende Rach' an dem Gegner,
- Der, von Schrecken betäubt, mit verhängtem Zügel den Läufer
- Rückwärts trieb zu Hairaddins dichtannahender Heersmacht.
-
- Unabsehbar herab vom Olivengehölz auf das Blachfeld
- Lenkt' er die Janitschar'n und fünfzig numidischer Horden
- Wimmelndes Volk zum Kampf, als hier die Zersprengten dem Vortrab
- Nahten. Er biß sich die Lippen vor Wuth; dann, eilig sich wendend,
- Hieß er die Janitschar'n mit ausgebreiteten Armen,
- Trennen die mittleren Reih'n, und erretten die flüchtenden Scharen,
- Jene gehorchten dem Wink: mit rückwärtsstrebenden Fersen
- Schwenkten die Reihen sich links und rechts: geräumigen Durchgang
- Oeffnend dem flüchtigen Volk. So, wie, gehemmt in den Schleußen
- Ruhet der brausende Strom, ein See, bis früh an dem Morgen
- Oeffnen sie heißt der Schwemm' erfahrener Meister: da stürzen
- Wog' auf Wog' und Schwall auf Schwall, im Gebrause des Donners,
- Zur verschlingenden Kluft die langegehemmten Gewässer:
- Also stürzten, gedrängt, und drängend, mit wildem Getümmel
- Durch den geöffneten Raum zugleich die erretteten Scharen:
- Denn nachjagte der Feind, und rastete nicht; in dem Rücken
- Sauste des Säbels Schlag und der Lanz' einstürmender Mordstoß.
- Aber die Janitscharen, die erst, sie schirmend, im Rückschritt
- Wichen, kehrten zurück, und heischten, geordnet, den Angriff.
- Hairaddin flog die Reihen entlang, und schrie im Getös' hin:
- »Söhne des großen Propheten, des Muths und der flammenden Kühnheit,
- Denket, welch' ihm die Erde, besiegt, gleich niedrigem Schämel,
- Unter die Ferse gestellt: sie lag, und schmiegte sich duldend
- Ihrem Druck. O dessen gedenkt! Ihr sehet die Gegner
- Seines Nahmens vor euch; vernichtet sie, würgt sie gesammt hin.«
- Muhamed, der ihn stets umschwebte mit liebender Sorgfalt,
- Hörte mit Lächeln es an, wie er ihm vor gläubigen Moslems
- Ruhm und Ehre gezollt; er selber, die Pfade des Lichtreichs
- Fliehend, warnete nicht die Verblendeten, lächelte stolz noch!
- Doch nun sah er erstaunt, daß Attila selbst, vor Entsetzen
- Bebend, ihm nahte mit Sturmes Flug', und rief ihm entgegen:
- »Haben die furchtbar'n Mächte gesiegt? Soll Schreckliches kommen,
- Fallen vom Himmel der Mond mit den glänzenden Sternen; die Sonne
- Ausgebrannt hinschwinden in ewige Nacht und Zerstörung,
- Spurlos? Attila bebt, der nie zu erschütternde Krieger?
- Jener wiegte das struppige Haupt, und als er noch einmal
- Nach den felsigen Höh'n aufsah, entgegnet' er grimmig:
- »Sieh', dort fleugt ein Mann g'en Hairaddin! Angst und Verzweiflung
- Trägt er im Busen: er kommt, Unheil zu verkünden dem Herrscher.
- Willst du vernehmen die That, die entsetzliche, der ich erbebte?«
-
- Doch was kündet der Bote voll Angst? ... Daß der tapfere Feldherr,
- Lichtstein, glühenden Muths, die Schanz' auf dem Felsen erstürmte.
- Schon durchzog er zuvor die schaurigen Pfade des Waldthals,
- Leis' nur, wie es der Kaiser geboth: nicht Trommelgewirbel
- Kündigte ferne den Zug, nicht schmetterten Lust die Drometen
- Heut' in dem eilenden Ritt dem Reiter und Roß in die Ohren;
- Doch, als jetzt Medscherda, mit lautaufrauschenden Wogen,
- Ihnen am Felsengestad' entgegen sich dämmte, da hoben
- Eilig die Brückner die Fähren herab von den knarrenden Achsen;
- Warfen sie all' in die Fluth, versenkten die zackigen Anker,
- Gegen den Strom mit Tau'n sie festigend, und in des Bogens
- Krümmung einete Fähr' auf Fähr' die gesonderten Ufer.
- D'rauf hinreihend das lange Gebälk', und quer auf die Balken
- Breitend die Bohle, besiegten sie schnell die hemmenden Fluthen.
- Unter des Rosses Huf und den Füßen der eilenden Krieger
- Drönete fort und fort die schwankende Brück' auf dem Strom hin.
- Aber drüben vom schroffen Gestad' erhob sich die Felsbahn
- Schroffer noch himmelwärts. Der Reisige stieg aus dem Sattel,
- Führte das Roß am Zaum', und keucht', und strauchelte häufig,
- Ganz unkundig des Kletterns, und fremd in der hehren Gebirgswelt.
- Aber es klomm, wie die Gemse, der Schütze Tyrols an der Felswand,
- Tapferen Hessen vereint, und Spessartern, auf zu den Höhen.
- Also errungen waren sie jetzt, und die Scharen geordnet.
- Lichtsteins Ruf erscholl: »Hinan, tyrolische Männer!
- Spessarter, vor mit den Hessen! Euch folge das Reiter-Geschwader
- Dann, in gemessener Fern', entscheidend zum blutigen Angriff.«
- Jauchzend, im Sturmlauf ging's an den Wall. Kaum trauend den Augen,
- Sah der staunende Feind den Scharen des Feindes entgegen.
- D'rauf erhob er Geschrei, und hieß des eh'rnen Geschützes
- Donnergebrüll' mit dem Schmettern der Büchsen erschallen, und säte
- Saat der Vernichtung. Da fiel Arnulf, der kühne Passeyer,
- Der sich am Ortheles einst, dem felsaufklimmenden Steinbock
- Folgend, verstieg, wo ihm bald der Strahl der Lebenserrettung
- Völlig erlosch. Erhob er die Blicke: da wölbte die Steinwand
- Ueber ihm thürmend sich auf, und senkt' er sie nieder, mit Vorsicht
- Fassend den zackigen Fels: da bebt' er, vom Schwindel ergriffen,
- Zitternd wieder zurück: denn weit hinaus auf den Abgrund
- Bog sich die Wand, und eingekrümmt entschwand ihm die Mauer.
- Kaum erspähte sein Aug' des Waldstroms Schimmer; verhallt war
- Ihm sein Gebraus', und verstummt das Leben im einsamen Luftraum.
- Dort sich mit reuigem Sinn, zum Hungertode bereitend,
- Sah er schon zweimal des Tages Licht aufdämmern im Osten,
- Zweimal erblassen im Abendroth; doch sieh', ihn vermißte
- Jetzo der redliche Freund! Er wagte den Gang auf dem Felsgrath
- Muthig, und schrie, und Geschrei vernehmend, senkt' er das Bastseil
- Nieder vom jähen Geklipp', und rettete so den Gefährten.
- Wie der Fischer empor zum Gestad', der Ruth', und des Fadens
- Leises Zucken gewahrend, schnellt das zappelnde Fischchen:
- Also entriß er den Freund, lautjubelnd, dem schrecklichen Tod dort,
- Den er dahier nicht mied, durchbohrt von der schmetternden Kugel.
- Neben ihm sank auch Eberhard, der erste der Schützen:
- Nie verfehlt' er das Schwarz' in der kreisenden Scheib', und er both
- sich
- Selber dahier zum Ziel', in des Herzens Mitte getroffen.
- Feuriger: denn der Getödteten furchtbare Rächer, bestürmten
- Ihre Gefährten den Wall, und rastlos krachten die Büchsen,
- Rastlos tönte Geschrei, zu wecken den Muth der Entscheidung.
- Weder die Spessarter, noch die gleichgewaltigen Hessen
- Weileten fern', einmüthig rang dem Helden der Held nach.
- Wo die sternnachbildende Schanz' im engeren Vorsprung
- Ragt', aufdrangen zuerst die muthigen Führer der Deutschen,
- Werner und Wittekind, vom Graben. Erbebend der Kühnheit,
- Wichen die Feinde zurück: da both Abdallah, des Bollwerks
- Hort, im drometenden Ruf Stillstand, und rief im Getös' her:
- »Stillstand bieth ich euch an: wir räumen den Wall und die Schanzen
- Eurer Gewalt, so ihr Abzug gönnt in würdiger Freiheit;
- Oder, wollen wir erst den Wink der Herrscher erkunden?«
- »Hör't,« schrie Lichtstein auf, »euch täusche die feindliche List nicht!
- Muthig hinan: ihr kämpfet hinfort um den leichteren Sieg nur!«
- Rascher eilten die Reih'n auf Reih'n jetzt vor, und erstiegen
- Kämpfend den Wall: denn schrecklich erwies sich der Feind in der
- Nothwehr.
- Werners Arm erlag Abdallah, der Schirmer des Bollwerks;
- Aber ihm bohrte zugleich ein Derwisch, Fluch und Verwünschung
- Brüllend gegen das stürmende Volk, den Dolch in den Nacken
- So, daß dem Sinkenden schnell das Blut und das Leben entströmte.
- Schwer vermißt ihn daheim die liebende Mutter, in Kummer
- Lebend, seit ihr der Gatte versank in den Fluthen des Mainstroms,
- Wo er vom berstenden Eis lautjammernde Menschen gerettet.
- Nur ihr Einziger war ihr Trost in der schrecklichen Trennung
- Von dem Gemahl, und Ernährer: denn stets heimbrachte der Sohn ihr,
- Frommgesinnet, den Sold, und küßt' ihr die Hände mit Ehrfurcht:
- Dankbar sorgend für jene, die ihn mit Schmerzen geboren,
- Oft den Schlummer entbehrt', und viel herznagenden Kummer
- Duldet' um ihn mit Lieb', in hülfebedürftiger Kindheit.
- Ach, nun harrt sie umsonst des Guten! Ihn tödtet' ein Derwisch
- Hier auf dem Wall. Doch Wittekind ereilte den Meuchler
- Schnell; erhob den Degen, und traf ihn mit kräftiger Rechten
- Tief in's Genick, daß er röchelnd sank, und im Blute sich wälzte.
- Ihn umhäufeten bald, ringsher, die tapfersten Krieger.
- Rasch umlenkend das Roß, aufschwang der Scharen Gebiether,
- Lichtstein, jetzo das Schwert: verständlich blitzt' es dem Volk' auf.
- Alsbald rief die Dromet' in hellerklingenden Tönen
- Roß und Reiter zum Sturm, und zugleich, dem Sporn in den Seiten
- Stöhnend, flogen die Läufer gestreckt an den Graben. Sie setzten
- Ueber ihn hin, und klommen, daß fest an dem Hals' und den Mähnen
- Pochte des Reiters Brust, an dem sandgehügelten Wall auf.
- Dort war jetzt ringsum Gewürg', und Gemetzel, und Wuthschrei:
- Denn nicht der Hagel prasselt so laut aus berstenden Wolken
- Nieder auf's Breterdach (der Wandrer bebt vor Entsetzen,
- Der sich unter ihm barg, zu entflieh'n dem grausen Gewitter)
- Als der sausende Stahl, entlang den Wällen, auf Stirnbund,
- Tulban, Harnisch, und Helm herrasselte, mordend die Scharen.
-
- Mechmet entrann. Nun beugt' er die Stirne vor Hairaddin dreimal
- Tief in den Staub; dann stand er, und wollte beginnen, vermocht's nicht.
- Hairaddin faßt' ergrimmt, des Zögernden Stirne zu spalten,
- Schon den Säbel; da rief der bleichaufathmende Krieger:
- »Herr, stets glänze dein Ruhm, wie, strahlend, die Sonne vom Aufgang
- Glänzet zum Niedergang, und mögen die Feinde, vernichtet,
- Schwinden vor ihm! Doch weh'! Entsetzliches muß ich dir künden --
- Zittern vor deinem Zorn. Vernimm's! Die Schanz ist erstürmet.
- Keiner der Unsern lebt; ich allein entrann dem Gemetzel,
- Dir zum Wohl: denn siehe, dein Sclav' entriß sich dem Kampf nur,
- Daß du es hörest von ihm: dir nahen die Feind' in dem Rücken!«
- Und er stieß sich den Dolch in die Brust. Da floß an den Wangen
- Hairaddins wohl die Thräne herab, als dort in dem Sandstaub
- Jener verhauchte den Geist? Ach, niemals hoben sich Thränen
- Ihm aus der Brust empor zu den grimmgerötheten Augen;
- Ihnen entstrahlte kein Mitgefühl, kein himmlisches Mitleid!
- Schweigend starrt' er umher; dann, so, wie ein Blitz in der Sturmnacht
- Durch das finst're Gewölk hinfleugt, umröthete plötzlich
- Tiefaufgährender Zorn ihm die blässergewordenen Wangen,
- Und er rief, daß Muhameds Aug' erglänzte vor Wonne,
- Grimmig den Janitschar'n entgegen, und schrie im Getös' hin:
- »Mögen sie immer im Rücken uns nah'n. Nicht eher verlassen
- Wir die dürstende Heide, bis satt mit feindlichem Blut wir
- Sie getränkt, und genügend ihr tischten das schreckliche Schlachtmahl.«
- D'rauf, wie dort in des Waldthals Schlucht, aus berstenden Wolken
- Niedergestürzt, ein Strom entgegen sich dränget dem ander'n,
- Laut mit wildem Geräusch', und im schrecklichen Wogengewirbel,
- Tief aus dem Grunde gewühlt, die Vesten der Berge versinken
- Links und rechts: da rollen die Felsen, da stürzen die Wälder
- Gegen einander hinab in den brausenden Schaum der Gewässer:
- Also stießen auch hier die feindlichen Heere zusammen.
-
- Eilend vor Alba's Reiterschar, flog Garzia Lasso
- Jetzt mit den Rittern heran. Des Fußvolks treffliche Reihen
- Folgten dem Kaiser selbst, dem stattlichen: kühn den Gefahren
- Stehend im Kampf', und stolz im Gefühle des sicheren Sieges.
- Furchtbar donnerten schon die mächtigen Schlünde; zugleich flog
- Lastendes Eisen, im Bogenwurf sich kreuzend im Luftraum,
- Hin, und daher gesandt, entsetzlichen Jammer zu schaffen.
- Fort und fort, im Gekrach der rastlosfeuernden Büchsen,
- Prasselte Kugelsaat auf den Feind; laut kreischte der Säbel,
- Zischte der Pfeil, ersausten die Speer' und die Lanzen, und ringsum
- Strömte das Blut: stets grimmiger wüthete Mord und Empörung.
- Rechts, wo Hairaddins Heer, entfaltend die Flügel, der Mauren
- Reisiges Volk aufwies, zog Alba, und Garzia Lasso
- Links an die Araber, die voll Grimms gluthschnaubende Rosse
- Tummelten, ihm entgegen zu steh'n im Gemenge der Waffen:
- Denn im sausenden Flug' umschwebte sie Muhamed selber,
- Mit dem ergrimmten Gefolg ringsher anstürmender Geister,
- Rastete nicht, und haucht' empörende Gluth in die Herzen.
- Listengeübt ersann er jetzt dem Garzia Lasso
- Schnelles Verderben. Er sah, wie er, senkend den Speer, an die Gegner
- Spornte das Roß; er eilet' ihm vor, und empörte die Natter,[57]
- Die, in dem Munde des Volks die Königsschlange gepriesen,
- Gleich dem regen Gewürm die rührigen Hörner bewegend,
- Sich in dem Sande vergräbt, dort schlau zu berücken die Vögel,
- Daß sie ihr selbst, harmlos annahend, zur Beute sich böthen.
- Zischend fuhr das grimmige, sandaufschnellende Giftthier
- Vor dem Roß in die Höh', und es schnob im taumelnden Aufsprung.
- Dann, nicht achtend des Schmeichelworts, nicht des hemmenden Zügels,
- Flog es hinüber, und trug den edelen Herrn an den Feind hin.
- Dort, von den Seinen getrennt, und dem sicheren Tode geopfert,
- Seufzt' er im Geist: »Nun stirb -- doch nicht unrühmlich, ein Feiger!«
- Und den blinkenden Speer fortschleudernd, riß er das Eisen
- Sich von der Hüft', und hieb den ersten vor allen, Kilikdar,
- Emir des Steppenvolks, vom Sattel: er regte sich nicht mehr.
- Also blitzte sein Schwert nach jeglicher Seite, verderbend;
- Doch, nun jagten wohl Hunderte her, den Ruhm zu erringen:
- Daß sie die tapferste Brust mit dem tödlichen Stahle durchbohrten.
- Hermann sah's, in der Luft herschwebend, welche Gefahr ihm
- Droht'; er schwang sich herab, und rief dem Kaiser mit Hast zu:
- »Schaue von Feinden umringt den tapferen Garzia Lasso:
- Rett' ihn beherzt! Was schön und groß sich erweiset auf Erden,
- Führet des Liedes Macht auf goldenen Schwingen zur Nachwelt.
- Nur ein Schwall im Strome der Zeiten, entschwindet das Leben;
- Aber der Sänger hascht im Fluge die zartesten Strahlen,
- Die vom eilenden Schwall sich heben, ätherischer Schönheit,
- Eint, und hägt sie in treuer Brust, und rettet mit Sorgfalt
- Sie noch dem fernsten Geschlecht' in ewiglebenden Tönen.«
- Also sprach er in Hast, und winkte den Lüftegenossen,
- Mutheinhauchend, den Christen zu nah'n: sie jauchzten ihm Beifall,
- Schwingend den Speer und den Schild, aus schimmerndem Aether gebildet.
- Aber des Kaisers Brust erpocht' im hohen Gefühl jetzt,
- Retter zu seyn des schwert- und liedergewaltigen Mannes.
- Links, rechts, gab er dem Pferde die Sporn': ihm wichen die Reihen;
- Ihm nachjagte Gefolg', nicht forschend, nicht lange besinnend;
- Nur Del Guasto erblaßt'. Er hob die Hände vor allen
- Ueber das grauende Haupt empor, und jammerte laut auf:
- »Stirb, unglücklicher Greis, eh' brechend dein Auge des Jammers
- Fülle gewahrt! Wagt also ein Herrscher das edelste Leben?
- Nichts gilt Weisheit mehr, nichts warnenden Alters Erfahrung.
- Auf, ihr Tapferen, auf, und rettet den Kaiser! Auch Alba
- Lenke die Reiter heran, zu erringen den herrlichsten Kampfpreis.«
- Also geboth er dem Volk. Im Sturmlauf brachen die Scharen
- Gegen den Feind. Hinflog auf dem schnaubenden Rosse der Herold,
- Gomez, des Feldherrn Wort zu künden dem Heldengebiether,
- Alba, und sieh', nun schwebte der Angst umnachtendes Dunkel
- Ueber dem Christen-Heer', in des furchtbar'n Kampfes Entscheidung!
-
- Ha, schon fiel der Rappe Garzia Lasso's, getödtet.
- Mühend entwand er das Bein dem lastenden Thier, und ihm selber
- Warf jetzt Abu-Sa-id den blinkenden Speer in die Schulter,
- Daß der erhobenen Faust, bluttriefend der Degen entschlüpfte,
- Ihm einbrachen die Knie', und die Augen umhüllete Nachtgrau'n.
- Wieder erhob Scheik Roßlan das Schwert, ihm die Stirne zu spalten;
- Aber da flog aus der Rechte des nahenden Kaisers der Wurfspieß:
- Roßlan röchelt' im Sand', und schnell, noch ehe der Ritter
- Kommende Schar das Weiß' im Auge des Feindes gewahrte,
- Fiel noch Jusuff, und Ismail Beg, und Haroun, der Emir,
- Seines mordenden Stahls Blutgier und der Rechte Gewalthieb.
- Nahend im Flug, und lautaufjauchzend den Thaten des Herrschers,
- Rächten die Ritter zugleich den schwerverwundeten Führer.
- Doch, wie ein mächtiger Schlag des lauterkrachenden Donners,
- Der von des Himmels Rand' auftobte zum finsteren Nordpol,
- Wieder von Osten zurück mit tiefempöretem Ingrimm
- Kehrt, und aus Wolkennacht herrollet im dumpferen Nachhall:
- Also erscholl aus der Ferne heran der mächtigen Rosse
- Donnernder Huf: denn Alba kam mit den Reitern geflogen.
- Und, wie die stürzende Last der Gewitterfluth auf dem Saatfeld
- Plötzlich die goldenen Halme zerschlägt: nicht im Windesgesäusel
- Wogen sie mehr; sie liegen zerknickt, und zerschmettert im Staub dort:
- Eben so ritt hier Mann und Roß das eisengehüllte,
- Kräftige Reitervolk, andalusische Hengst' an die schlanken,
- Zartgestalteten Rosse der Araber, spornend, zu Boden.
- Lautes Geheul erscholl jetzt unter den stampfenden Hufen;
- Ringsum Waffengeklirr und tödlicher Büchsen Geschmetter.
-
- Drüben rang in dem heißeren Kampf Del Guasto, des Fußvolks
- Eiserngeschlossene Reih'n entgegendrängend dem Anfall
- Wüthender Janitschar'n. Jetzt hin, dann wieder herüber,
- Wie in der felsigen Bucht sich drehet die wirbelnde Brandung,
- Wogten die Kämpfenden. Sieh', und er wäre gewichen! Da brachen,
- Fliehend vor Alba's blitzendem Schwert, Arabias Völker
- Durch die Reihen der Janitschar'n; sie schufen Verwirrung
- Rings, und erfüllten Hairaddins Brust mit Wuth und Verzweiflung.
- Furchtbar glühte sein Aug'; er ballte die Faust an der Stirn' hin,
- Hing aus dem Sattel vor, und sann entsetzliche Thaten;
- Doch, von geworfenen Haufen umdrängt, und der Rettung gedenkend,
- Führt' er die Scharen zurück: ihm brauste sein flüchtendes Volk nach.
- Nicht der Sorge vergaß für Garzia Lasso der Kaiser.
- Blutend lag er im Staub, und lehnte das Haupt an den Rücken
- Seines getödteten Thiers. Als nun der Retter vor ihm stand,
- Strebt' er noch den zerschmetterten Leib von dem Boden zu heben,
- Sah durch Thränen ihn an, und lächelte. Jetzo begann er:
- »Herrlich hast du gesiegt, und errettet den Sänger. Von nun an
- Töne mein Saitenspiel nur dir, ruhmwürdiger Herrscher,
- Daß im entzückenden Klang vernehme die staunende Nachwelt:
- Wie du, erhabengesinnt, nach der Bürgerkrone dich sehntest,
- Die, in dem Schlachtengefild', einst Rom dem Retter des Kriegers
- Aus umdrängender Noth um die Heldenstirne geschlungen!«[58]
- Sprach's. Da wandte sich jener behend, die Thräne zu bergen;
- Winkte zugleich, und sanft erhoben die Krieger den Helden,
- Ihn zu entreißen dem Sturm der Geschoß', und eilten in's Lager,
- Daß er, mit Liebe gepflegt, sich freue der holden Genesung.
- Aber auch allen umher den Verwundeten, sagte der Kaiser
- Tröstende Wort', und geboth, was Aller Rettung erheischte:
- Ehrend den Menschen im hohen Gemüth, der vielfachen Jammer
- Duldet, des Vaterlands erhabenem Rufe gehorchend.
- Jetzt ersah er mit Lust, wie schnell die Krieger Toledo's
- Ihm nachbrausten im Feld, des Sieges Preis zu erringen;
- Blößte das Schwert, und rief dann laut dem tapferen Feldherrn:
- »Dort des See's Gestad' entlang beschirme des Heeres
- Rücken mit Muth, und halte dich fest an dem Felsen, dem Fels gleich,
- Den die zürnende Fluth umbraust mit eitelm Getümmel.
- Herrlich strahlt aus dem Sieg das leidenlohnende Ziel dir.«
- Mächtig erschüttert hob die flammenden Augen Toledo
- Nach dem gütigen Herrscher empor, der, ahnend des Herzens
- Schreckliche Qual, mit erhabenem Sinn ihm lindernden Balsam
- Träufelte; ging, und führte sein Volk am Strande des See's hin.
- Wie auf dem Meer der kehrende Schiffer, den in der Sturmnacht,
- Nahe dem schirmenden Port', ein Donnergewitter ereilet,
- Mitten im lauten Gebrüll der hochaufschäumenden Wogen,
- Und in des Todes Grau'n, das rings sich lagert, der Hoffnung
- Sehnsuchtsblick stets fest auf die strahlende Flamme geheftet
- Hält, die hoch auf dem Leuchtthurm nährt die sorgliche Seestadt:
- Also haftete jetzt sein Aug' an den ragenden Felshöh'n,
- Als an dem sicheren Port, in welchem sein Alles gerettet,
- Und geborgen ihm schien, nach dauernden Stürmen des Lebens.
-
- Ach, und hatte die Dulderinn noch des bitteren Kelches
- Letzte Hefen geleert; noch sterbend vernommen den Donner
- Von dem Hügel herab; der Höhle vorüber den Hufschlag
- Feindlicher Ross', und Eil' und Hast unmenschlicher Räuber;
- D'rauf die wilde Losung des Mords, Wuthschrei der Besiegten,
- Jauchzen der Sieger, Geheul Verwundeter, Sterbender Röcheln?
- Doch nur am tauben Gestein, am dunkeln Gewölbe des Grabes,
- Hallte der Jammer hin -- dem Ohre der Todten nicht hörbar.
- Dort, geborgen durch Treu' und Liebe des redlichen Greises,
- Lag sie auf schwellendem Moos', in der hehren Stille der Mondnacht.
- Schneidend' Weh und dumpfes Bangen drängte sich wieder
- Ihr durch Mark und Gebein: denn oft verging sie in Ohnmacht,
- Wachte wieder, und litt. Ach! keine mitleidigen Seelen
- Nähern sich hülfreich ihr in der Stunde der Angst und des Jammers?
- Siehe, und Roma's Stolz, Cornelia,[59] Mutter der Gracchen,
- Schwebte heran! So wie durch leuchtende Scheiben des Fensters
- Dringet der Sonnenstrahl; so dringt ätherisch der Geist auch
- Durch das dichte Gestein. Sie hörte die Jammernde, bebte,
- Forscht' in Hast ringsher: ob hülfekundig ein Wesen
- Athme, ihr Rettung zu bringen? Umsonst! Des Tages Geräusch' war
- Lange verhallt, entfernt die Stadt, und still das Gehölz her.
- Knieend hielt sie das Haupt der Leidenden, und, so verlassen,
- Suchte sie, leidengeübt, ihr Muth in dem Herzen zu wecken.
- Jetzo entwand sich in Weh'n dem Schooße Mathildens ein Knäblein.
- Aber sie legt' ihn matt an die todbleichschwebende Brust hin;
- Griff nach der rieselnden Fluth, und taufte mit zitternder Rechten,
- Ihn in dem heiligen Nahmen des Ein-Dreieinigen Gottes.
- Dann noch fühlte sie tief, im eisigen Schauer des Todes --
- Fühlt' es, mit liebendem Blick nach Oben: ein Himmlischer löse
- Sanft und mild das Band des irdischen Lebens. Ihr Herz schlug
- Immer leiser und leiser. Es stand, und regte sich nicht mehr.
- Schwebend über dem Fels, im hehren Flug zu des Himmels
- Strahlenbahn, noch einmal senkte zur irdischen Heimath
- Sie den verkläreten Blick, und sah am verblichenen Leichnam
- Liegen ihr wimmerndes Kind, und suchen vergeblich um Nahrung
- Dort an der bleicheren Brust umher. Da entstürzten die Thränen
- Ihrem Aug'; doch Thränen der Wonn': im himmlischen Eden
- Harre der zarten Knospe Gedeih'n und Fülle der Nahrung,
- Daß sie entfaltet blüh' in nievergänglicher Schönheit,
- Frische, und Kraft: denn jetzt verlosch auf dem ruhenden Herzen,
- Aehnlich dem Abendstrahl, das mattaufflimmernde Leben.
- Doch, wie ein glühender Docht, der Flamme genahet, sich wieder
- Eilig entflammt: es hüpft die fächelnde Lohe nach ihr hin:
- Wie die getrennte Fluth der bergentsprossenen Quelle
- Schnell den blumigen Hügel umfließt, den sinnig der Gärtner
- Jüngst in dem Lusthain schuf: die beiden Arme, gesondert,
- Streben sich wieder zu einen, und flieh'n im schöneren Lauf fort:
- Wonne, so flog an die Brust der überseligen Mutter
- Nun ein Engel, ihr Kind; umschlang den glänzenden Hals ihr,
- Holdauflächelnd, und lallt' ihr entzückt Willkommen und Gruß nach!
- Aber sie hob ihn empor; sie jauchzte hinauf in den Himmel,
- Eilt', und flog, wie ein Stern hinschwindend im glänzenden Aether,
- Nach dem Gezelt, wo ihr Gatte, versunken in tödlicher Schwermuth,
- Saß, und nach ihr sich sehnt' in unaussprechlicher Rührung.
- Nah' ihm schwebte sie leis': ihr pochte das Herz in dem Busen
- Ob der Erinnerung ihres einstigen Glücks und der Leiden,
- Die sie erduldeten beid', in der Zeit entsetzlicher Trennung;
- Legte den einen Arm um den Nacken ihm, legte das Söhnlein
- Ihm an die Brust. Er stöhnt', und blickt' in schaudernder Ahnung
- Um sich her: ihn ergriff die Näh' unsterblicher Seelen.
- Sieh', ihn herzte das Kind, mit sanftumschlingenden Händchen
- Hängend an seinem Hals, und pressend die Wang' an die Wangen!
- Doch sie sprach ihm leis' an die Seele die Worte des Trostes:
- »Gottes Friede mit dir! Der seligen Wiedervereinung
- Stunde ist nah': denn bald, verhauchend das tapfere Leben,
- Eilst du mir freudig nach in die Segensgefilde des Himmels,
- Wo kein Scheiden mehr ist, kein feindliches Schicksal, kein Tod mehr
- Glückliche Herzen trennt; wo jegliche Thräne versieget,
- Jede Klage verstummt, und Mathild' dein harret mit Sehnsucht.«
- Lispelte so. Sie küßte die thränenumflossenen Augen,
- Leis'erbebend, ihm noch im innigen Kusse der Seelen,
- Und entschwand, mit dem Engel im Arm, noch häufig herunter
- Schauend, verklärt, und strahlender stets, wie ein Blitz in den Lüften.
-
- Dort von des Felsens Höh'n ihr folgten Cornelia's Augen.
- Weinend hob sie die Händ' ihr nach, und sagte beklommen:
- »Vieles duldet' ich einst: mit ehernem Muthe getragen
- Hab' ich den Tod der Söhn', wie es heischte die Würd' und der Ahnen
- Beispiel. Im Busen erglühte mir heiß die Liebe des Nachruhms:
- Mutter der Gracchen zu seyn, und zu heißen der römischen Frauen
- Erst' in der Gegenwart und spät in der kommenden Zeit noch,
- Und mich ehrte mein Volk; doch, sah, bewundernd, ein Aug' hier,
- Welche Qualen sie litt, und wie, in der einsamen Felsnacht?
- Nur das hohe Gesetz des göttlichen Lehrers ihr Leitstern;
- Seine Lieb' ihr Trost; ihr Ziel das bessere Leben.
- O daß ich fern ihm wandelte -- fern, auf dem düsteren Irrpfad!«
- Süßer als Harfengetön im Zauber der nächtlichen Stille
- Scholl aus dem Luftraum ihr der sanfteinladende Zuruf:
- »Schweb' empor, Cornelia! Einst tönt dir aus den Himmeln,
- Wonnig-ersäuselnd, der Born unendlicher Huld und Erbarmung!«
- Wie des Morgens Strahl auffleugt am rosigen Himmel,
- Flog sie empor, auf einem der flammenden Sterne zu weilen,
- Welche, dem Lichtreich nah', im schöneren Laufe dahinzieh'n.
-
- Doch nun drang Toledo, der Held, dem Sturme vergleichbar,
- Der die Heide durchtobt in trüberen Tagen des Herbstes,
- Immer des See's Gestad' entlang zum Felsen hinüber.
- Freudig brausten die Scharen ihm nach. An dem edelen Feldherrn
- Hing mit Liebe das Volk, der, immer so kühn, in Gefahren
- Ruhm sich errang, und Ruhm und Ehre gewährte dem Krieger.
- Schon erblickt' er das Ziel; doch, ach, von Schauder ergriffen,
- Sah er zugleich unendliche Macht der feindlichen Reiter,
- Spähend, umstellen den Fels, geführt von dem schrecklichen Dragut!
- Lautaufseufzte der Held: er wähnte verrathen des Felsens
- Dunkele Höhl', und ihm entrissen das edelste Kleinod.
- Dragut gewahret' ihn auch, und sann: ob er dem Verhaßten
- Nahe, ob nicht? Doch schnell gedacht' er der List, und urplötzlich
- Jagt' er davon, zum Hinterhalte die Feinde zu locken.
- »Tapferer Greis,« so rief Toledo dem römischen Feldherrn,
- »Sey des Volkes leitender Hort! Verfolge die Gegner
- Rasch hin, bis ich die Gattinn erlöst' aus dem bergenden Fels hier,
- Und mit Kurd, dem edelen Freund, entsandt' in das Lager:
- Denn mich heißet die Pflicht noch fürder im Kampfe zu stehen.«
- Freudig gehorchte der tapfere Greis, Ursini. Des Jünglings
- Feuer beseelt' ihm die Brust: er eilte dem fliehenden Feind nach.
- Wie die Löwinn, die erst auf dem Lager die Jungen zurückließ,
- Hörend des Panthers Gebrüll fernher, schnell wieder zurückkehrt,
- Vor die Höhle sich stellt, und harret des kommenden Gegners:
- Denn sie vertrauet dem Muth und der siegenden Stärke: so muthig
- Blickte Toledo umher (nicht Tausenden wär' er gewichen)
- Sprang aus dem Sattel mit Kurd, und legte mit zitternden Händen,
- Nahe dem Felseingang, die blinkenden Waffen dann nieder;
- D'rauf, nicht ahnend im Geist die entsetzliche Nähe des Jammers,
- Half er dem treuen Gefährten, und hob, und wälzte vom Eingang,
- Stöhnend, den mächtigen Block, und räumete Schutt und Gesträuch weg.
- Weit aufgähnte die Höhl'. Er stieg: »Mathilde! Mathilde!«
- Rufend, hinab. O Jammer, da sträubten, wie Stacheln des Igels,
- Ihm von der Scheitel die Haare sich auf. Ein Schrei des Entsetzens
- Schmettert' aus seiner Brust; weit vorgebogen, und krampfhaft
- Faltend die Händ' an der Stirn', hinstarrt' er mit leblosen Augen --
- Starrt', und sah die Gattinn entseelt auf dem Boden, und ihr gleich,
- Schlummernd an holder Mutterbrust den lieblichen Säugling.
- Leis' nur athmet' er noch, und sank erblassend zusammen.
-
- D'rüben lag Ursini dem Feind, verfolgend, im Rücken.
- Unablässig erkrachte das Rohr, und säte Vernichtung
- Unter die fliehende Schar; doch plötzlich brach vom Gehölz her,
- Lauernd im Hinterhalte, der Feind auf den Sieger, und sandte
- Zahllosschwirrende Pfeile heran. Da wandte sich Dragut
- Eilig zu seinem Volk, und rief mit grimmigen Blicken:
- »Jetzt umzingelt sie schnell. Sie sollen den Frevel mir büßen,
- Den ihr Führer verübt'. Und, ha, nicht erseh' ich ihn drüben
- Unter der Schar! Hat etwa der Unsern Geschoß ihn ereilet,
- Oder, wich er feige zurück, weil Dragut ihm nahte?«
- Flugs umbrausten mit wildem Geschrei die maurischen Reiter,
- Dragut folgend, und flugs numidische Horden, die Christen.
- Aber der tapfere Greis, dem jetzt die feindliche Kugel
- Stürmend die Rechte durchfuhr, erhob mit der Linken den Degen,
- Ordnete schnell die Reihen, und rief den Geordneten: »Feuer!«
- Denn sie hatten gezielt: da feuerten alle mit einmal
- Ihre Gewehr' ab: sie krachten, durch Rauch und Flammen versendend
- Furchtbare Kugelsaat zur blutigen Ernte des Todes.
- Schnaubend prallten die Rosse zurück; der wilde Numider
- Wankte; von Schrecken betäubt, verweilte der maurische Reiter.
- Nun gedacht' Ursini der Flucht, der rettenden. Fliehend
- Drängt' in das Feuerrohr der Krieger des Todes Geschosse;
- Stellte sich wieder, ereilt, und trieb die stürmenden Haufen
- Mordend zurück. Doch wie der Staar' unzählige Scharen,
- Lüstern nach Traubenblut, die Rebenhügel umflattern:
- Weder der Hüther Geschrei, noch die rastlos tönende Klapper
- Scheucht sie völlig hinweg -- stets kehren die Lästigen wieder:
- Also umschwärmte der Feind die Fliehenden: Manchem das Leben
- Raubend mit tödlichem Stahl, und fernhin scholl das Getümmel.
- Dragut sah, erstaunt, die Waffen Toledo's am Boden
- Liegen. Er sprang voll Hast aus dem Sattel, und stieg in den Felsschlund
- Rachebeflügelt hinab. Sein spähendes Auge gewahrte
- Bald den Ersehnten im Grabesgewölb', und er jauchzte vor Wuth auf;
- Aber sein Flammenblick, den starrenden Blicken Toledo's
- Folgend, sah die entseelete Frau. Da faßte des Todes
- Schauer ihn an: der Laut erstarb auf den Lippen ihm; wankend
- Sucht' er des Tages Licht, und stöhnte noch laut vor Entsetzen.
- Schon braust' ihm sein Volk entgegen im schmählichen Rückzug,
- Von dem Feinde gejagt: denn Alba's siegende Reiter
- Brachten Ursini's umstürmter Schar ersehnete Rettung.
- Dragut schwang sich behend auf's Pferd, zu entkommen den Augen
- Hairaddins, daß er nicht feig ihn heiße, die blässeren Wangen
- Schauend im Waffenfeld: nicht ahnend, was ihn betroffen.
-
- Muhamed, der die Wälschen umdrängt, in grauser Verfolgung
- Weichen sah, erregte den Muth des flüchtenden Herrschers,
- Hairaddin, kühn zu besteh'n des Kaisers anstürmende Heersmacht.
- »Wie,« so rief ihm der Geist, »du, Hairaddin, schrecklicher Krieger,
- Wendest den Rücken dem Feind'? Erschlafften des tapfersten Herzens
- Schwingen so ganz, daß es scheu vor Schlachtengetümmel zurückbebt?
- Auf, und versuch' erneueten Kampf: denn Siegesgejauchz' tönt
- Dort von des See's Gestad', wo Dragut, der Schreckliche, kämpfte!«
- Hairaddin horcht', und vernahm fernher Getümmel und Schlachtruf.
- Donnernd schrie er den Flüchtenden: »Halt!« und stellte die Haufen
- Gegen des Feindes Macht mit kampfanbiethender Stirn auf.
- Auch das Siegel von Gold, das hell an der tapferen Brust ihm
- Schimmerte, sandt' er an Dragut hin: ein furchtbares Zeichen
- Großer Gefahr, und des Ungehorsams dräuender Strafen,
- Daß er ihm eine die Macht. Wie auf Windes Flügeln enteilte --
- Spornte das Roß Ben-Dar, der Araber, der ihm ein Liebling
- War vor allen im Heer' mit dem kühnvordringenden Kampfmuth.
- Aber vergebens spornt' er das Blut aus den Seiten des Renners;
- Hairaddin forschte nach Dragut umsonst: denn, fern von dem Schlachtfeld,
- Nahet' er schon im Flug den Thoren von Tunis, getrieben
- Von entsetzlicher Angst. Ihm keuchte sein bebendes Volk nach.
- Wie, verirrt auf Sibiriens schneeiger Heide, der Weidmann
- Aengstlich forschend sich müht, den ihm entschwundenen Heimweg
- Wieder zu finden, und jetzt am Rande des Himmels ein Wölkchen
- Leis' aufschwebt: da wähnt' er, getäuscht, die trauliche Hütte
- Sey es, und freut sich der Gattinn schon und der harrenden Kindlein;
- Aber das Wölkchen schwand, und trostlos kehrt ihm der Abend:
- Also getäuscht sah Hairaddin unmuthsvoll zu dem Seestrand
- Forschend hinaus: denn fern' ihm floh die ersehnete Kriegsschar.
- Sieh', und jetzt durchtobte zugleich das entsetzliche Schlachtfeld
- Lärmenden Sieges Getös', und Flucht und grause Verwirrung!
- Dort brach Lichtsteins Volk, des herrlichen Schanzenerstürmers,
- Jauchzend heran, und hier ihm brauste, dem wilden Orkan gleich,
- Alba's siegende Macht entgegen. Er blickte verzweifelnd
- Um sich her, und geboth den bebenden Scharen den Heimzug.
- Mordend folgten die Sieger ihm nach. Vom Blute geröthet
- Wies sich den Kehrenden weit die siegverherrlichte Laufbahn.
-
- Nahe dem Felsenschlund saß Kurd. Er senkte die Augen
- Tief zur Brust, und schimmernde Thränen benetzten sein Antlitz,
- Als der Kaiser an ihm vorüberzog in dem Siegslauf.
- Dieser sprengte das Roß jetzt näher, und forschte mit Sorgfalt:
- Was ihn betrübt'? Doch Kurd erhob sich, und führte den Herrscher
- Ein in des Grabes Nacht, in die Wohnung unsäglicher Trauer.
- Dort erbebte sein fühlendes Herz des Menschengeschickes
- Nächtlichstem Bild. Er schwieg; doch dringender Hülfe gedenkend,
- Faßt' er Toledo am Arm, und stieg in die Helle des Tages
- Rasch mit dem Wankenden auf; dann rief er dem treuen Gefährten:
- »Kurd, erhebe dich schnell, und häufe die Trümmer mit Vorsicht
- Auf an dem Schlund: denn bald erhöh'n wir, als Sieger, Mathildens
- Denkstein, der ihr Trauergeschick verkünde der Nachwelt,
- Und an den Wechsel des Erdenglücks den Sterblichen mahne!«
- Also geschah's. Doch heim zu dem Zelte des gütigen Kaisers
- Schritt mit Toledo das trauernde Roß; er lenkte das eig'ne
- Sorglich ihm an der Seit', und sann voll Huld auf dem Heimweg,
- Wie er das leidenerstarrete Herz zum Leben erwärme?
- Und der ersehnete Abend sank. Die kehrenden Scharen
- Eilten mit Siegesgesang, vom Gewirbel der drönenden Trommel
- Und Drometengeschmetter umtönt, zurück nach dem Lager.
- Weithin dehnte sich schon der riesige Schatten der Krieger
- Und der Ross', auf dem Sand. Die Sonne blickte noch einmal
- Ueber des Meer's hellschimmernde Fluthen herüber, und sandte
- Scheidend, aus Rosengluth, auf den Fittigen säuselnder Lüftchen,
- Endlich die Labung dem Heer' in der mildumschmeichelnden Kühlung.
-
-
-
-
- Zehnter Gesang.
-
-
- Noch umhüllete Nacht mit finsterem Schleier Goletta's
- Schweigende Flur; nicht sanftaufdämmerndes Roth an des Ostens
- Duftigem Himmelsthor, nicht Geflister der lieblichen Sänger
- Kündigte noch das Erwachen des Tag's aus schauernden Zweigen,
- Als im erleuchteten Zelt der Kaiser mit seinen Erwählten,
- Doria, Guasto, und Eberstein, im wichtigen Kriegsrath
- Saß, und Jegliches ordnete, nun zu erstürmen die Festung.
- Näher gerückt war ihr das schanzende Volk, und gewahrte
- Jetzo gerechtes Ziel, die furchtbare Bombe zu schleudern.
- Mächtige Schlünde, den Kriegern genannt die »Mauerzertrümmrer«,
- Sah'n aus dem Schanzkorb schon zur Veste hinüber, und ringsum
- Lagen am Wall Sturmleitern gehäuft. Entlassend die Helden
- Aus dem Gezelt, sprach noch der erhabene Kaiser mit Nachdruck:
- »Segen des Himmels mit euch! Bald soll in heißeren Stunden
- Sturmdrometender Ruf vor Goletta's Mauern uns einen.«
- Doria eilte zum Meeresstrand, zur spähenden Vorhuth
- Guasto; nur Eberstein stand noch, und sagte bekümmert:
- »Nagender Gram erfüllet die Brust der Deutschen; sie klagen:
- Nur Hispaniens Söhn' und Wälschlands theilten Gefahren,
- Ruhm und Ehre mit dir; sie stünden vergessen im Lager,
- Minder geachtet im Heer und deines Vertrauens nicht würdig.«
- Lächelnden Blick's, doch sanft verweisend, entgegnete jener:
- »Häget des muthigen Volkes Hort den nagenden Unmuth
- Auch in der tapferen Brust? Nicht vorlaut tadle der Krieger,
- Was ich im ernsten Gemüth, auf Jegliches achtend, beschlossen.
- Spanier, Wälsch', und Deutsche, sie all' sind theuere Kinder
- Mir, und jen' errangen sich schon erfreuenden Siegsruhm;
- Aber noch höheren Muth erheischt, im Felde der Waffen,
- Winkend zu Thaten, das höhere Ziel. Bald sollt ihr ersehen,
- Ob ich dem Deutschen vertraut', ein Deutscher, und dankend mich ehren.«
- Freudigen Blick's enteilte der Held, den harrenden Brüdern
- Tröstend zu nah'n, und zu ordnen die Scharen zum Sturme Goletta's:
- Denn schon wüthete ringsumher des eh'rnen Geschützes
- Furchtbar donnernde Macht. Bald hier von den kreisenden Schanzen;
- Bald von dem Meerstrand dort, hinsausten die schrecklichen Kugeln.
- Aber nicht minder zurück vom Walle der trotzenden Festung
- Sausten im Donnerlaut die schmetternden hin und herüber:
- Bebend drönte die Erd', aufheulte der flammende Luftkreis.
-
- Hannibal sah vom Gewölk die Christen im mächtigen Vortheil;
- Sah nach Goletta hin die Donnerschlünde gewendet,
- Ringsum Gedräng' und Hast, das herrliche Ziel zu erringen,
- Und erbebte vor Zorn. Der Kampferfahrne gedachte
- Jetzo der List, und flog nach der Veste hinüber, wo Sinam
- Erst auf dem Rasen des Walls entschlummerte, sorgenermüdet:
- Denn in dem nächtlichen Grau'n vernahm er Getös' in den Schanzen,
- Und entsandte die Späher sogleich. Nun sah er im Traumbild
- Rings versinken den Wall umher, und die Mauern Goletta's
- Stürzen, zertrümmert, in Staub, daß furchtbar gähnte der Abgrund.
- Krampfhaft faßt' er den Rasen, und stöhnt', als Hannibal jetzt ihn,
- Leise genaht, aufboth mit den mutherregenden Worten:
- »Sinam, du ruhest dahier, ein Träumender? Schande dem Trägen!
- Sieh' schon wühlte der Feind, wie im nächtlichen Boden der Maulwurf,
- Viel verzweigte Gänge sich bahnt, Laufgräben von Neuem,
- Gegen die Veste sich auf; er häufte die Schanzen, und führte
- Riesenschlünde heran, zermalmenden Donner zu wecken!
- Schwand dir völlig die Kraft, Abwehr zu ersinnen und Kriegslist?
- Wie, wenn Tapfere, nur das Geschütz zu verderben, entschlossen,
- Hastig am Zündrohr dort einkeilten den eisernen Nagel
- So, daß im weicheren Erz die scharf gehämmerten Kanten
- Hafteten, und der Entschluß Errettung schaffte den Eu'ren?
- Auf, und erwäge die That: dem Kühnen gesellt sich das Glück nur!«
- Sinam entfuhr dem Rasen voll Hast, und dachte verwundert:
- Ob er geträumt -- ob Gottes Prophete den kühnen Gedanken
- Ihm in die Seele gelegt? Doch als er die Späher vernommen,
- Flog er zu Giaffar hin, und sagte mit leuchtendem Antlitz:
- »Tapferer Aga, vernimm mit Staunen, was Gottes Prophet' erst
- Mir an die Seele gehaucht, im sinnebetäubenden Schlummer!
- Wieder gelang's, so melden die Späher, dem Feinde, Goletta's
- Mauern durch Schanzen zu nah'n: uns droht gewisses Verderben
- Heute noch, wo uns nicht rettet der Muth und entschlossene Kühnheit.
- Auf zu dem herrlichsten Sieg! In der glühenden Stunde des Mittags,
- Wenn, ermattet, die Fremdlinge ruh'n, bestürme die Schanzen
- Du mit erlesenem Volk. Das schwere Geschütz zu verderben,
- Hastig am Zündrohr dort einkeil' es den eisernen Nagel
- So, daß im weicheren Erz die scharfgehämmerten Kanten
- Haften, und uns hinfort die Vestezertrümmrer nicht schaden.
- Groß ist des Sieges Gewinn, und dein: unsterblicher Nachruhm!«
- Giaffar blickte mit Ernst dem stattlichen Schirmer Goletta's
- Lang' in die flammenden Augen, und sprach, als jener verstummte:
- »Nicht Unwichtiges sann, du Tapferer, jetzo dein Geist aus;
- Oder dir nahte der große Prophet, wie du sagtest, in Wahrheit,
- Sturm gebiethend, und dort das Vernageln des Donnergeschützes,
- Wo in den Schanzen umher unzählig die tapferen Völker
- Wachen! Aber, wohlan: nie bebte des Kampfes Gefahren
- Giaffar noch, und sollt' er im Sturm auch fallen, er bebt nicht!«
- Also enteilt' er sogleich, und rief die kühnen Gefährten,
- Jauchzend, zum Sturmgang auf; doch Sinam sah ihm erstaunt nach.
-
- Schon entfloh'n die Schatten der Nacht; der freundliche Morgen
- Streuete Rosen umher an des hellaufstrahlenden Ostens
- Goldenem Thor, und mit glühender Stirn' erhob sich die Sonne,
- Froh zu durchlaufen die Bahn in des Weltalls endlosen Räumen;
- Aber nicht lange, so fleugt vor ihrem Blicke Verderben,
- Jammer, und Tod aus den furchtbar'n Gluthgefilden der Wüsten
- Ueber die Christen heran: denn schon empöret der Windstoß,
- Wirbelnd, den flimmernden Sand; weit gährt, und zischet die Meersfluth.
- Wer entflammte den Unhold dort, dem Heere der Christen
- Tödlich zu nah'n? Wer stand ein Rettender über dem Kriegsheer?
- Muhamed saß, ergrimmteren Blick's, auf dem goldenen Halbmond,
- Der von den Zinnen des Minarets, des wolkengethürmten,
- Ueber die mächtige Stadt hinschimmerte, Moslems zur Wonne.
- Wie Gewittergewölk auf das Hochgebirge sich lagert:
- Gährende Blitz' umröthen den Saum des finster'n, und furchtbar
- Droht in die Thäler herab sein bald erkrachender Donner:
- Also saß er erhöht auf dem Thurm. Die Schanzen gewahrend,
- Dacht' er Goletta's Sturz, und der Feind' unendlichen Sieg'sruhm --
- Dacht' es, und knirschte vor Wuth, und wühlte mit zuckender Rechten
- Dann in dem Busen; die Linke zerkrümmte die Hörner des Halbmonds.
- Jetzt auffuhr er in Hast. Wie aus tiefen Träumen erwachend,
- Starrt' er umher, und winkte den ringsumschwebenden Geistern:
- Attila selbst, mit dem wilden Gefolg, dann seinen Erwählten;
- Jetzt auch Hannibals Schar: denn er umschwebte Goletta's
- Mauern, und harrte des Kampfs im schlündeverderbenden Anfall.
- »Mir nach,« rief er der Geisterschar, »Aethiopiens Scheusal
- Beut uns schreckliche Macht zur Rach', in des Feindes Vernichtung!«
- Und sie entflogen all' im Schrei des empöreten Ingrimms.
-
- Ueber Zender und Gingir[60] hinaus, wo rings um den Erdball
- Sich der Gleicher[61] schlingt, gleich fern von dem Süd- und dem Nordpol
- (Denn so ersann der stern'erforschende Weise das Zeichen:
- Ahnend der Erd' Umschwung um die eigene Achse, mit jenem
- Schräg' an der Sonn' umher, in des Jahrs umrollenden Tagen)
- Dort in Afrika's Schooß, wo im öden Gefilde nicht, schattend,
- Säuselt der Baum, nicht liebliches Grün entzücket die Augen,
- Und von dem Flammenthron, senkrecht, versengende Strahlen
- Schleudert die Sonn' auf den kochenden Sand, der ewig der Wüsten
- Unermeßlichen Raum in des Todes Trauergewand hüllt:
- Dort umstarrt, gen Himmel gethürmt, ein Felsengebirg rings
- Ein entsetzliches Thal, wohl hundert Meilen im Umkreis.
- Nicht die Gems' mit dem eisernen Muth und den ehernen Klauen,
- Fänd', aufklimmend, Bahn an der steilaufragenden Felswand,
- Und aus der Tiefe herauf, die gräulich, vom Donner gespalten,
- Gähnet, erhebt sich ein Flammenmeer, und wirbelt, und brauset
- Auf zu des Kessels Rand, vom kochenden Schwefel und Erdharz
- Unversiegend genährt. Doch weh', wenn, übergefüllet,
- Ihm entstürzet die Fluth! Da erbraust urplötzlich der Luftraum;
- Weit erbebet die Erd'; aufhebt sich des Windes Vermögen:
- Säul' an Säule gedrückt, fortstürzt er im Flug um den Erdball.
- Wenn er vom Mittelmeer nach Hesperiens Zaubergefilden
- Fleugt: da glühet sein Odem noch, und erschlaffet die Menschen,
- Trübumwölkten Gemüth's. Umkreist er aus Süden des Nordpols
- Eisige Stirn: da deckt der glänzende Reif ihm die Schwingen,
- Und er schüttelt uns Schnee und den blütheverderbenden Frost her;
- Aber, im schnelleren Flug durchbrausend des rosigen Aufgangs
- Fluren, und d'rauf, heimkehrend im Sturm, von des Abends Gefilden,
- Haucht er den Regen heran, den dauernden, der aus dem Weltmeer
- Dunstgeboren sich hebt, und die schimmernden Lüfte verdüstert --
- So wie im Gegenlauf, an des Altais[62] Höh'n, und des Urals[63]
- Oestlichem Rücken erfrischt, er die Regengewölke verscheuchet
- So, daß lieblich und kühl die Bläue des Himmels herabglänzt.
- Also kehret er stets nach den grau'numhüllenden Felshöh'n
- Wieder, an welchen er ruht, und die Lüft' umschwimmen im Gleichmaß.
-
- Dorthin, glühend vor Hast, kam Muhamed jetzt mit den Scharen
- Zahlloser Geister, und hieß sie, mit drohendem Winke der Brauen,
- Schnell umringen den Saum des furchtbarn Felsengebirges;
- Aber er stand. Ihm leckten die dunkelgerötheten Flammen,
- Prasselnd, die Füß', und floh'n, und kehrten in wirbelnden Wogen.
- Finster blickte sein Aug', und glüht' im Glanze des Feuers
- Schrecklicher noch, da er laut erhob die gewaltige Stimme:
- »Seht, Erwählte des Ruhms, vor allen Scythia's Helden,
- Welchen des Südens Wundergebieth erst heute sich aufhellt,
- Hier im flammenden See den Samyel[64] -- Völker erbeben
- Schon dem Nahmen allein des todaushauchenden Unholds --
- Lauern! Er mordet, geweckt, das Leben; im sausenden Eilflug
- Hebt er die Wüst', und stäubt sie empor in die Lüfte: sie wandelt
- Hoch in dem Wolkenreich, nun schnell, nun zögernder vorwärts
- Schreitend die Bahn, und deckt, entstürzend, mit thürmenden Bergen
- Weit die Gefilde. O seh't, o seh't, nach Sahara hinüber!
- Dort in dem Sandmeer wallt, verschmachtenden Herzens, seit Monden
- Schon Karawanengefolg' den heimischen Fluren entgegen;
- Weh', und Araber sind's, mein Volk! O, nimmer erblicken
- Sie das Heimathland! Von sinkenden Hügeln begraben,
- Schwinden sie all': ein Schauspiel noch entfernten Geschlechtern,
- Wenn verweht die Hügel entflieh'n, und die Starren enthüllt sind.
- D'rum jetzt Rache verübt, die schrecklichste, die noch verübt ward,
- Dort an der christlichen Heeresmacht, der zahllose Moslems
- Schon erlagen im Kampf für den welterleuchtenden Koran,
- Für errungenen Ruhm, und die völkerverschlingende Herrschaft.
- Stürzet vereint in den Flammensee, und empört der Vernichtung
- Gährende Fluth noch mehr, daß selbe nach Tunis hinüber
- Sende den Samyel, der, verschonend die tapferen Moslems,
- Tilge sogleich die Ungläubigen dort mit erstickendem Gluthhauch.«
- Siehe, da stürzten sich all', empört von dem schrecklichen Herrscher,
- Jauchzenden Ruf's in den Flammensee. Sie tauchten hinunter
- Bis in des Abgrunds Nacht, und fuhren herauf, und erregten
- Also die Fluth, daß Wog' auf Woge geschleudert dahinsank.
- So, wie der Schilfteich braust, wenn plötzlich auf ihn des Orkans Wuth
- Niederstürzt vom Gewölk, und rings die umufernden Dämme
- Ueberfluthend, ergeußt sein dunkles Gewässer: so stürzte
- Von dem Felsen die feurige Fluth. Entsetzlich zu schauen!
- Himmel und Erd', im furchtbar'n Wuthkampf ringend; die Sandwüst'
- Wandelnd in Wolkenhöh'n, und der todaushauchende Gluthwind
- Prasselnd im Sturmesflug nach dem Lager der Christen hinüber,
- Drohten der zitternden Welt die Schrecken des letzten der Tag' an.
-
- Doch, auf Goletta's Wall stand Giaffar, herrlichgerüstet,
- Schon vor den Reihen der Janitschar'n. Sie staunten dem Hauptschmuck,
- Der von des Tulbans Bund herschimmerte, zierend des Reihers
- Schneegefieder, und gleich dem Fittig des Aars, sich entfaltend;
- Staunten des Säbels Gehäng', voll blitzenden Edelgeschmeides,
- Den Suleyman ihm both, der Prächtige, als er vor Rhodus
- Ruhm sich erwarb, im Sturm durchbrechend das eiserne Seethor.
- Nie gewahrt' ihn das Volk so reichgeschmückt in dem Feld noch.
- Jetzo mit leuchtendem Blick' erhob er die mächtige Stimme:
- »Hört mich, Söhne des Siegs! Schon oft erlagen im Schlachtfeld
- Eurem schrecklichen Arm die Ungläubigen; aber er wüthe
- Heute noch mehr, als dort im Süden der wilde Hamaddan,[64]
- Der im Feuergewölk auffleugt, und mit glühendem Odem
- Bald das Lebende tilgt. Auch tödte sie Gram und Verzweiflung,
- Jetzt in dem Ueberfall ihr Geschütz vernichtet zu schauen.
- Auf, und erringet des Sieges Preis, nicht der sinkenden Brüder
- Achtend! Falle wer muß: nur mögen die Seinen ihn rächen!«
- Also entflammt' er das Volk. Da scholl, wie brandender Wogen
- Rauschen im Meeressturm, und das Brausen im dunkelen Eichwald,
- Den der heulende Nord durchtobt, des stürmischen Volkes
- Wuthausruf, von Goletta's geöffnetem Thore; da rannten
- Alle voll Hast nach der Schanze hinaus, die Ludwig, als Feldherr,
- Strahlend in Jugendglanz, mit den niederländischen Helden
- Und Lusitania's tapferem Volk, krieg'skundig beschirmte.
- Dort war lautes Getös', war Rufen. Zur muthigen Abwehr
- Eilte das Volk; doch unaufhaltsam, die Schanzen entlang hin --
- Nicht des hagelnden Donnerrohr's, nicht der sinkenden Brüder
- Achtend, drangen die Wüthenden auf, und ihr gieriger Aarblick
- Hing an den ehernen Schlünden allein. Ach, sieben umringten
- Sie, vorstürmend in Hast! Bald töneten schmetternde Hämmer
- An dem geflachten Kopf der eisernen Nägel: sie drangen
- Fest in das weichere Erz, des Zündrohrs Höhle verkeilend,
- Und zerstörend des Feldzeugs Macht mit den schneidenden Kanten.
-
- Jetzo wäre noch mehr des schrecklichen Frevels geschehen;
- Aber schon kam, und schrie Lusitania's Zierde den Scharen:
- »Brüder, hört! So ihr feig nicht rächet den schändlichen Frevel,
- Welchen der Feind verübt', entsag' ich dem Stabe des Feldherrn
- Jetzt, und hinfort, den mir der edelste Herrscher vertraute,
- Euch zu lenken im Waffenfeld zu Thaten des Ruhmes.
- Ha, willkommen der Tod, wo Schande, nicht Ruhm, mir zu Theil wird!«
- Alsbald stürmt' er vor, und hieb mit dem sausenden Mordstahl
- Ein in die Scharen, daß links und rechts die Getödteten sanken.
- Wie in dem dunkelen Forst, im Gebell verfolgender Rüden,
- Schnaubend daher ein Eber fleugt: er suchet des Dickichts
- Rings umschattende Nacht, und mäht mit den schrecklichen Hauern
- Nieder die schlanken Stämme -- dem Wüthenden sinket der Wald hin:
- Also stürzete Mann auf Mann des Heldengebiethers
- Würgendem Schwert. Sein Volk, vernehmend den schrecklichen Vorwurf --
- Schauend den Helden im Kampf, schnob Rache. Nicht Büchsengeschmetter,
- Sausen des Säbels und Speers war jetzt zu vernehmen: die Krieger
- Faßten den Lauf des Feuerrohr's, und schlugen, und drängten,
- Mordend, die Feinde vom Wall. Sie floh'n, und Sterbender Röcheln
- Scholl aus dem Graben herauf. Doch bebte das Herz in dem Busen
- Giaffars nicht; er einte die Fliehenden schnell, und gedachte
- Jetzt verderbender noch in den Schanzen des spanischen Volkes,
- Wüthend im Ueberfall, den ehernen Schlünden zu nahen.
- Siehe, da schwebt' aus Wolkenhöh'n im brausenden Flug' ihm
- Attila näher, und schalt im Geistergelispel ihn also:
- »Trotzest du nicht auf Kraft und Stärk' in dem Heere vor allen?
- Aber nur eitelen Trotz, nicht Thaten gewahrte das Heer noch.
- Kehre zurück, und ford're die tapfersten Gegner zum Zweikampf:
- Ob nicht der Feldherr selbst, im glühenden Muthe der Jugend,
- Dir sich stellt, und erliegt, und zur Sonne dein Nahme sich
- aufschwingt?«
- Giaffar stand, und sann: »Heut hol' ich,« so rief er, »den Tod mir,
- Oder den herrlichsten Ruhm. Drometer, gebiethe den Stillstand!«
- Fröhlich ertönte das Erz, und Ludewig, kundig der Ritter-
- Sitte, horchte dem ehernen Ruf', und hemmte die Seinen.
- »Wer sich von euch,« schrie Giaffar laut, »im Heere vor allen
- Tapfer erwies, der trete hervor, und stehe zum Kampf mir,
- Einzeln dem einzelnen Mann, so wie einst in der schöneren Vorzeit,
- Schild auf Schild, nah' an, die muthigen Helden sich trafen,
- Eh' noch Pulver und Blei, o Schmach, aus der Ferne den Tapfer'n
- Tückisch zu Boden schlug, und dem Feigeren schonend vorbeiflog!
- Keiner besorge mir Trug und Hinterlist. Ehre gewinnen
- Will ich nach Ritterbrauch: deß ruf' ich Allah zum Zeugen.«
-
- Grimmig schritt Alfred, der niederländische Hauptmann,
- Gegen ihn vor, deß' Riesenkraft in dem Heere gerühmt war --
- Stand, und führte den Streich: doch Giaffar schlug ihm das Eisen
- Aus der erstarrenden Faust, daß es blitzend am Sande dahinfuhr.
- Raubet' er jetzo vielleicht dem wehrlosen Christen das Leben?
- Nein: denn edeler Stolz erfüllt' ihm die Seele mit Großmuth.
- Schnell barg er das blitzende Schwert in die Scheid', und es faßten
- Beide Kämpfer zugleich mit festumklammernden Armen
- Eisern sich an, und beugten einander gleich ringenden Bären,
- Pressend die Brust an die Brust, zur Rechten, zur Linken, daß beiden
- Knirschte der Rücken, und Schweiß von den Gliedern in Strömen herabrann.
- Jener gedachte der List, und schlug von hinten dem Türken
- Rasch mit der Ferse die Beuge des Knie's: ihn niederzustürzen;
- Aber Giaffar stand wie die Eiche so fest auf dem Boden.
- Jetzo, der Uebermacht sich bewußt, und zürnend der Arglist,
- Hob er den Gegner empor, und drückte mit eisernen Sehnen
- Ihn stets fester zur ehernen Brust, daß er, odemberaubet,
- Dort verhauchte den Geist: aus seinen eröffneten Armen
- Fiel er, langgestreckt, auf den Sand. Wie im Schimmer des Abends,
- Lauernd, die Riesenschlang' vom Wipfel des Baums, auf den Tieger,
- Der ihm vorüberzieht, urplötzlichen Flugs sich hinüber
- Schwingt, ihn schnell umringelt, und dann zum schütternden Stamm zieht;
- Wie er auch brüllt, und sich mühet, der klemmenden Reife nur einen
- Fest mit den Zähnen und Klau'n zu fassen -- umsonst: sie erwürget
- Ihn an dem Stamm', daß ihm laut zerkrachen die Knochen: so würgte
- Giaffars mächtiger Arm den Gegner, und streckt' ihn entseelt hin.
- Ganz unduldbarer Schmerz ergriff des tapferen Ludwigs
- Brust: er schrie laut auf, und stürzte dem Türken entgegen.
- Sieh', da nahte, gelockt von des Kampfes Getöse, der Kaiser,
- Und erstaunte, wie dort Lusitania's herrlicher Sprößling
- Kühn in die Schranken trat mit dem stärkeren Gegner! Ihm schwebte,
- Angstgeweckt, auf die Zung' ein Laut, der muthige Krieger
- Hätte gerufen zum Kampf und zur Rettung des trefflichen Jünglings;
- Aber er hemmt' auf der Zunge den Laut, daß unrühmliches Mißtrau'n
- Nicht mit giftigem Zahn, wie der Borkenkäfer im Hochwald
- Sprossende Bäume zernagt am Mark, daß sie, trauernd, verdorren,
- Ihn verwundete. Doch wie erblick' er den Stahl in den Busen
- Seines Lieblings versenkt, und dampfend vom Blute des Theuern?
- Dennoch beherrscht' er die Angst, und sah vom gehügelten Erdwall
- Nach dem Waffengefild', ein Sinnender, schweigend hinüber.
-
- Giaffar, stolz des sicheren Sieg's, gewahrte den Jüngling,
- Lächelnd: er pries nun Gott, und dankte dem großen Propheten,
- Der den blühenden Fürstensohn ihm entgegengeführt hat;
- Doch, da er jetzt, wie ein junger Leu dem stärkeren Panther
- Kühn entgegen sich wirft, im schimmernden Felde der Waffen,
- Ueber den blanken Helm den Degen erhebend, daherkam,
- Und sein Blick, mit des Todes Schrecken bewaffnet, ihn faßte,
- Ha, da pocht' ihm das Herz, ergriffen von heimlichem Schauder!
- Nun das glühend' Aug' auf das Auge des Gegners geheftet --
- Vorwärts stemmend den rechten Fuß im knisternden Sandstaub,
- Strebten die beiden, ergrimmt, die tödlichen Streiche zu führen,
- Und es erbebte die Luft dem rastlos sausenden Mordstahl.
- Da von dem Helm, und dort von dem Stirnbund, Panzer, und Leibrock
- Wußte der Kämpe, gewandt, die Waffe des Kämpen zu fernen:
- Jetzt auffangend den Hieb, und jetzo vereitelnd den Herzstoß.
- Und so hätte die sinkende Nacht allein, in dem Dunkel,
- Heute die Helden getrennt, nicht des Sieg's entscheidender Vortheil;
- Doch als Giaffars Arm zum schrecklichsten Schlage den Säbel
- Hoch aufschwang: da kreischete Ludwigs blitzender Degen
- Laut, an des Säbels Kling' abgleitend; da bohrte den Mordstahl
- Sein nachstürmender Arm ihm tief in die pochende Brust ein.
- Rücklings stürzte der stattliche Held; hoch spritzte der Sand auf,
- Als er sank, von der Hand des tapferen Jünglings getödtet.
- Aehnlich der Fichte lag er, die erst die nächtliche Windsbraut
- Krachend dem Boden entriß; der Weidmann schauet am Morgen
- Forschend nach ihr, die rings ihm diente zum leitenden Merkmaal:
- Denn sie ragete hoch, vor allen Bäumen des Waldes,
- Schon Jahrhunderte lang; nun liegt sie zertrümmert am Boden:
- Also lag er im Staub, und erschütternde Stille war ringsum.
- Attila schüttelte grimmig das Haupt: denn seinem Geflister
- Horchte der Kühne zuvor. Er floh, umschart, in der Luft fort.
- Als ein lohnender Ruf den Lippen des Kaisers entfloh'n war,
- Und den Sieger umjauchzte sein Volk: da brachen die Gegner
- Furchtbar heran, und Gebrüll, und Fluch, und Verwünschung ertönte
- Schrecklicher noch als der Säbel Geklirr und Geschmetter der Büchsen.
-
- Hoch von Goletta's Wall gewahrte der tapfere Sinam,
- Wie sein muthiges Volk, erstürmend die Schanze des Feindes,
- Dort zerstörte das eh'rne Geschütz, und er hüpfte vor Lust auf;
- Doch als Giaffar wich; zum Zweikampf rief der Drometer --
- Rief zu Giaffars Fall: da hob er die Hände vor allen,
- Himmelempor, und schrie den versammelten Kriegesgefährten:
- »Weh, unseliger Muth, der, treulosen Feinden entgegen,
- Giaffars Seele gereizt! Hinaus, durch jegliches Thor fort,
- Drüben aus grauser Noth den tapfersten Mann zu erretten!«
- Also geschah's. Da brausten die Wüthenden näher: so brausen
- Stürme vom Nord, und schleudern die schäumende Fluth zu dem Meerstrand.
- Zwar nicht rettet' ihr Muth den Tapferen: denn auf dem Boden
- Lag er gestreckt im Blut, von Ludwigs Rechter getödtet;
- Aber sie stürzten, zur Wuth entflammt, und entsetzlicher Rachgier,
- Eilig daher an den Wall, und gräßlich ertönte der Mordruf.
-
- Jetzo ersah das streitende Volk vom fernen Kairwan[65]
- Und Constantina[66] herauf, des wildempörten Hamaddans
- Dräuenden Flug, und bebte. In tausend gewirbelten Säulen
- Eilte die Wüst' ihm vor: im Knistern des Feuergewölkes
- Deckend des Himmels Bläue mit Grau'n und Entsetzen. Die Sonne
- Blinkete trauernd aus ihr, und goß nur düstere Dämm'rung
- Ueber die Welt. Ein flammendes Meer aus den schwärzlichen Lüften,
- Und dem Boden nah', anstürmend, der prasselnde Gluthstrom,
- Drohte den Lebenden rings urplötzliche, schnelle Vernichtung.
- Doch zu den Kriegern gewandt, rief laut der erhabene Kaiser:
- »Sollt' uns der Samyel nah'n, der flammende Menschenerwürger,
- Da gedenket des warnenden Winks: zur Erde geworfen,
- Hüll't in Gewande das Haupt, und harr't an dem Boden, nicht athmend,
- Einige Zeit. Bald tobt der Unhold vorüber -- ihr lebet.«
- Dann noch rief er, den flehenden Blick zum Himmel erhebend:
- »Allmacht fleugt vor deinem Hauche daher, du Erbarmer;
- Nah' uns mit Huld, und errett' uns jetzt vor des Samyels Wuth dort!«
- Und aus dem Aethergefild flog nun, dem strahlenden Blitz gleich,
- Seraph Eloa herab, den Christen zur Rettung gesendet.
- Sonst sein Auge so mild wie des Himmels Bläu', und die Stimme
- Sanft wie Harfengetön, war jetzt entsetzlich zu hören,
- Furchtbar zu schau'n. Er rief dem Samyel: »Halt, und entweiche!«
- Und der Schreckliche floh. Auch kehrten die wirbelnden Säulen,
- Seinem Winke gehorchend, zurück in die einsamen Wüsten.
- Dann auf Muhamed, der zuvor in dem furchtbaren Gluthwind
- Nahte, voll heißer Gier, die Christen vernichtet zu schauen,
- Warf er einen der Blicke herab, der thürmende Felsen
- Hüb' aus den Vesten der Erd', und aus Nachtabgründen die Meersfluth.
- Jener entwich. Wie dürres Laub, verweht von dem Sturmwind,
- Schwindet: so schwand er mit seinem Volk. Auch Attila folgte,
- Schreckenbetäubt, ihm nach; aufheulten die flüchtenden Scharen.
-
- Sinam drängete zweimal schon die Christen vom Blachfeld
- Bis an des Grabens Rand, und so oft, nur schrecklicher warf ihn
- Ludwig wieder dahin, wo, umhügelt von starrenden Leichen,
- Giaffar lag, und im Blutbad schwamm: denn heißer entflammte
- Dort des Getödteten Schau in dem Busen der Seinen des Mordens
- Schreckliche Gier, daß sie standen im Kampf der Entscheidung, und
- furchtbar
- Wüthete jetzo der Tod auf der siegverherrlichten Stelle.
- Als der Samyel erst, des Seraphs Stimme gehorchend,
- Heim in die Wüste floh, da weckte sein brausender Odem
- Hoch in der Luft und im Schooße der Erd' Aufruhr und Empörung.
- Plötzlich thürmte Gewittergewölk am bläulichen Himmel
- Furchtbar sich auf, und goß ein mitternächtliches Dunkel
- Ueber das Waffenfeld, daß der Gegner dem Gegner entrückt schien.
- Nur das Blitzen des Feuerrohr's erhellte zuweilen
- Noch das umnachtete Volk, entflammte des starrenden Kriegers
- Aug', und Harnisch, und Helm, und wies auf dem Feld des Entsetzens
- Leichen auf Leichen gehäuft. Nun schwankte, den Wellen des Meer's
- gleich,
- Unter den Füßen des Kriegers der Grund; des Kampfes Getümmel
- Schwieg, und »Erdbeben!« scholl's die zitternden Reihen hinunter.
- Grau'nvoll rauschte das Meer; das Schmettern der Schiff' an die Schiffe
- Tönete schrecklich, vereint dem Geheul aus der Veste, dem Brüllen
- Aus dem Gehölz, und rings dem Kreischen des kleinen Gevögels,
- Das dem erschütterten Wald entstürzte mit kläglichem Angstruf.
- Jetzt aufflammte der Blitz, und zerriß, von Osten bis Westen
- Strahlend, die finstere Wolkennacht: der furchtbare Donner
- Rollt' auf ehernen Rädern ihm nach, und krachte zum Abgrund
- Dumpf, und dumpfer hinab, an des Himmels drönendem Rand hin.
- Brausend erhob der Sturm die sandige Fläche; die Fahnen
- Haucht' er zum Himmel empor, und riß auch die Zelt' in dem Lager
- Von dem ragenden Pfahl, und wälzte sie fort auf dem Flugsand.
- Schreckenbetäubt entfloh der Feind; doch Ludewig folgte,
- Unerschütterten Muth's, dem flüchtenden nach bis Goletta.
-
- Guasto aufathmete tief; er hielt, von dem Sturme gewendet,
- Jetzo des Mantels flatternden Saum, und sagte dem Kaiser:
- »Wie, du weilest noch hier, unbändigen Sinnes, und achtlos
- All der Gefahr, die uns heut' aus den hellaufflammenden Lüften,
- Und aus dem Schooße des Abgrunds dräut? Auch stürzet des Regens
- Prasselnde Fluth nun bald aus dem berstenden Wettergewölk her;
- Eile nach deinem Gezelt: es trotzte dem schrecklichen Sturm noch,
- Festeren Bau's; schon fliehen die Feinde vor deinen Erwählten.«
- Weder der donnererweckende Blitz, noch der schwankende Boden
- Zog des Kaisers sinnenden Blick vom Kampfe der Helden
- Ab. Er lächelte sanft auch jetzt, und sprach zu Del-Guasto:
- »Laß mir den Frieden, o Greis! Ein Gleiches erduldet ihr Tapfer'n
- Alle mit mir. Wer schirmt vor Gefahr, die hoch aus den Lüften,
- Tief aus des Abgrunds Nacht uns dräut', als Er, der Erbarmer?
- Sein ist die Macht! Mir wohnt der Fried' im vertrauenden Herzen.«
- Doch nun flammte sein Blick, nun bebt' ihm die Rechte; den Harnisch
- Hob ihm die pochende Brust, und furchtbar scholl's, da er sagte:
- »Donner und Blitz sind mir die Stimme des Herrn, daß ich eile.
- Hebe dich nun, mein tapferer Held, an's Werk der Entscheidung:
- Lenke die Völker heran. Laut brülle sogleich von den Schanzen --
- Brülle vom Meer das Donnergeschütz zum endlichen Wallbruch,
- Daß wir jetzt in dem Sturm erringen die Veste Goletta!«
- Schaudernd blickte der Greis in die flammenden Augen des Herrschers,
- Horcht' ihm, schweigend, und ging, nun Jedes in Eile zu ordnen.
-
- Schon entströmte der Wolkennacht unendlicher Regen,
- Prasselnd durch Windesgeheul und Gebrülle des rollenden Donners,
- Und umfloß, ein See, die Füße der triefenden Krieger.
- Aber er löschte den Staub, und fesselte mächtig den Flugsand.
- Wie in des Frostes Hauch der fluthende Weiher gefesselt
- Starrt, daß auf ihm, lärmfroh, die muntere Jugend der Eisbahn
- Räume durchfleugt: so erstarrte der Sand, und brachte den Christen
- Frohen Gewinn: denn geübt, im ermattenden Sande zu laufen,
- Nahte der fliehende Feind den Thoren der Veste Goletta.
- Ihm nachbrauste der Sieger im Flug', und Sinam gewahrte,
- Bebend vor Schrecken und Angst, im nah'umzingelnden Vorsprung,
- Hier den Gedrängten vermengt die Dränger zugleich, und er rief nun,
- Rettung gebiethend, dem Volk'. Aufkrachten des mächtigen Thores
- Flügel, und d'rauf, wie ein Bergstrom braust, wenn hoch von dem
- Gletscher
- Niedergerollt, ein Block erfüllet die engere Thalschlucht,
- Bis er des Bergs Abhang, mit steigendem Grimme, durchwühlend,
- Bahn sich bricht, und die langgehemmten Fluthen zum Abgrund
- Wälzet in schäumender Hast: so stürzten die flüchtenden Scharen
- Sinams durch das geöffnete Thor, mit Lärm und Getümmel.
- Doch nun sandte der Feind, dem also die Rettung gelungen,
- Hagelnde Donnergeschoss' und befiederte Pfeile vom Wall her,
- Jubelnd, und warf aus der Schar der raschnachstürmenden Christen
- Manchen Tapferen todt in den Staub. Da dachte des Heimzugs
- Ludwig, der Held, und hieß im drometenden Rufe die Krieger
- Kehren. Nicht folgte des Feldherrn Ruf Diego Davila,
- Fahnenjunker im Heer, entsprossen aus Lissabons Mauern,
- Trotzend auf Jugendkraft, und kühnerer Thaten sich freuend.
- Als er das Jubeln der Feinde vernahm: da ergrimmt' er im Herzen,
- Eilte zurück, und klomm, ein kundiger Kletterer, jauchzend
- Auf an dem Wall', und erhöhte die Fahn' auf den Zinnen der Festung.
- Jene wehrten es nicht, von erstarrendem Staunen gefesselt;
- Doch bald wühlten in seiner Brust unzählige Lanzen.
- Sinkend faßt er die Fahn', und warf sie herab von der Mauer,
- Sie zu entreißen dem Feind'. Er rief dem getreuen Gefährten:
- »Albin, rette die Fahne! Sie stand erhöht auf dem Wall hier:
- Herrlichen Siegesruhm winkt' euch ihr wehender Schimmer;
- Rette sie kühn, und jenseits noch dir dankt es Davila!«
- Sieh', er lächelte sanft, und freute sich sterbend der That noch!
- Aber der Muthige kam, ergriff, von sausenden Kugeln
- Rings umstürmt, die Fahn', und brachte sie freudig in's Lager.
- Diesem entströmten jetzt die Tapferen, herrlich geordnet.
- Rechts hin führete Guasto die Macht hispanischen Fußvolks,
- Wälschen vereint, und Eberstein, in der Mitte, die Heerschar,
- Die er in Deutschland warb, nun endlich zu Thaten gerufen.
- Aber die Macht lusitanischen Volks und brabantischer Scharen,
- Führete drüben der Held, der Giaffarn siegend erlegte.
-
- Laut erkrachten die Schlünd' und Mörser zum endlichen Wallbruch.
- Furchtbar wüthete zwar der Sturm und das grause Gewitter
- Noch, und der röthliche Blitz, im Gefolg des schrecklichen Donners,
- Zischt' umher im Gewölk, erhellend die sinkenden Fluthen;
- Aber entsetzlicher noch, mit den Schrecken der Lüfte vermenget,
- Scholl das Krachen der Schlünd' umher an der Veste. Der Wurfschütz
- Rührte des Brändchens Rohr mit der Lunt': im bläulichen Rauch flog
- Flamm' empor; zurück, dann eilender wieder zur Stelle
- Rollte der eherne Schlund, und warf durch Feuer und Flammen,
- Donnernd, im Bogenwurf, die Kugel zur Veste hinüber.
- So von den Schanzen, und so von dem Meer hinsausten die Kugeln;
- Aber nicht minder zurück von dem Wall der trotzenden Festung,
- Sausten im Donnerlaut die schrecklichen her, und hinüber.
- Rings erbebte der Grund, als sollten die Vesten des Erdballs,
- Von den Orkanen der ewigen Nacht erschüttert, versinken,
- Und die Gefild' umher nachstürzen in wüster Zertrümmrung.
- Drüben umfing sie am Meer, dem silbergehörneten Mond gleich,
- Doria's wogende Macht. Aus ihres verehrten Gestirnes
- Bild ihr kam der Jammer gesandt, und die grause Vertilgung.
- Immer entfuhr die _Volle Lage_[67] dem Raume des Schiffes,
- Das sich der furchtbar'n, eiserne Last, aus Rauch und aus Flammen
- Schleudernden Donnergewalt nachbog, und mit sinkendem Rand noch
- Streifte die Fluth. Die sanftergossene Fläche des Meeres
- Rauscht' aufbrandend empor. Bald schäumten die bläulichen Wogen,
- Bald erglühten sie tief im Glanze des röthenden Feuers,
- Welches im Flug durchzuckte die Luft. Die Mauern erkrachten --
- Sanken in Schutt, und dumpf ertönte der Steine Gerassel.
- Sieh', die Malta gesandt, die nächsten dem felsigen Ufer,
- Schleuderten sonder Rast nach dem Thurm, der hoch aus dem Vorgrund
- Ragte, Verderben! Er neigte das Haupt, sturzdrohend, ein paar Mal;
- Zitterte jetzt, und sank mit grausem Gepolter zusammen:
- Staub flog auf, und Geschrei, wehklagend, und jubelnd ertönte.
- Aber der Kaiser rief: »Verdoppelt das Feuer!« So riefen
- Guasto, und Rogendorf, und jeglicher Schanze Gebiether,
- Und noch schrecklicher tobte die Wuth des ehernen Feldzeugs.
- Doria brach von dem Meer' her donnernd, das eiserne Seethor
- So, daß des Feindes Geschütz dort schon auf dem Walle vernichtet
- Lag, und verstummt'. Dann öffnete dicht am Thor von Buschatter
- Ludwig aus seiner Schanz', urplötzlich nach jenem, den Wallbruch,
- Weit, daß ein Wagen durchfuhr, der heim die Garben vom Feld führt;
- Aber die breitere Kluft, daß zwanzig der Krieger, gereihet
- Aneinander, sie leicht durcheileten, sah nach dem Oehlwald,
- Gähnend hinaus: eröffnet mit Macht aus der Schanze der Wälschen,
- Die von Toledo verwaist, nun Guasto's Winken gehorchten.
- Vorwärts stürzte der Wall und die Mauer, und ebnete weithin
- Dort die ersehnete Bahn den Stürmenden, füllend den Graben.
-
- Nun verstummte zugleich am Himmel das grause Gewitter,
- Nur an des Erdballs drönendem Rand noch murrte der Donner
- Dumpfer hinab, wenn dort der Blitz die feurigen Schwingen,
- Fächelnd, erhob. Aus zerriss'nem Gewölk sah bläulich der Himmel
- Her auf das regenerfrischte Gefild, und die scheidende Sonne
- Goß aus dem rosigen Duft des Abends Schimmer herüber,
- Und erhellte gar wunderbar die belagerte Festung.
- Lauter pochte die Brust des edelsten Kaisers; ihm rief nun
- Ahnend das Herz: schon sey die entscheidende Stunde gekommen.
- Jetzt erhob er das Schwert, den Feldherrn Thaten gebiethend,
- Und sie gehorchten dem Wink'. Auf dem Land und im wogenden Schiffsraum
- Schwieg, verhallend umher, der ehernen Schlünde Getümmel.
- So an dem felsumstarreten See verhallet des Waldhorns
- Klang, den fern im Ruderschiff erweckte der Künstler,
- Horchenden Freunden zur Lust: nun da, nun dort am Gebirg hin,
- Tönt er im Wiederhall, bis er dann, stets leiser, dahinstirbt.
- Aengstliche Stille herrschte rings, und beklemmendes Schweigen.
- All' aufmerkten dem Wink: da zogen in brausendem Eilflug
- Scharen auf Scharen dahin, und jauchzten der rühmlichen Arbeit.
- Dort an den Mauerbruch, der weit aufgähnte zum Oehlwald,
- Eileten Wälsch' und Hispaner, zum Thor von Buschatter die Deutschen;
- Doch Lusitania's Volk, den Niederländern und Malta's
- Muthigen Kriegern vereint, erreichte das eiserne Seethor.
- Tausend ergriffen bei jeglicher Schar die ragenden Leitern:
- Kühneres Volk, zu erklimmen den Wall im stürmenden Anlauf.
-
- Welches der Völker kam dem andern zuvor in dem Wettlauf?
- Erst das hispanische; d'rauf nachdrangen den Wälschen die Krieger
- Portugalls und Brabants. Wie, stürmten die tapferen Deutschen
- Nicht vor allen zuerst? Sie hemmte der kühne Cherusker,
- Hermann: denn, sein edeles Volk vor Tücke zu wahren,
- Schwang er in Hast nach Eberstein sich herunter, und rief ihm:
- »Hemme den rascheren Lauf, vorschauend, und Tücke vermeidend:
- Weit durchhöhlte der Feind, vor deinem Ziele, des Erdreichs
- Dunkelen Schooß; ihm nahet die Lunt', und donnernd erhebt sich
- Bald entsetzlicher Rauch, und Feuer, und wilde Zertrümm'rung.«
- Jener hemmte sein Volk. Zwar ächzte der Krieger, und Thränen
- Netzten sein glühendes Aug', im Vorsprung schauend die Fremden;
- An dem Gewehr' ihm bebte die Faust, und die strebenden Fersen
- Bohrten tiefere Spur unwilliger Rast in den Sand ein.
- Doch nun schwankte der Grund: aufflog, die Lüfte verfinsternd,
- Qualmender Rauch, und Loh', und Wust des berstenden Erdreichs
- Ueber den Flatterhöhlen umher, die rings an dem Wall sich
- Kreuzten, erfüllt mit der Last des entflammenden, schrecklichen
- Zündstaubs.
- Bebend stürzten die Reihen zurück; aus den Augen der Krieger
- Glänzte dem Feldherrn Dank, der so sie entriß dem Verderben.
- Aber er wandte sich nun, und rief mit gewaltiger Stimme:
- »Dort das herrliche Ziel, wo Siegespalmen dir winken,
- Schaue, mein edeles Volk -- nicht des Todes gähnenden Abgrund!
- Schwer ist die That; die Stelle gefahrvoll; aber uns ehrte
- Deutschlands edelster Hort, da er Deutschen das Höchste vertraut hat.
- Tapferer Radburg, vor mit den muthigen Bayern, und Stollberg
- Vor mit den Sachsen zum Sieg! Du, Römhild, entflamme die Helden
- Schwabens, und jene aus Brandenburg ermuthige, Siegfried,
- Jetzo dein Ruf. Vereint erringet den Preis der Entscheidung.«
- Hermanns luftige Schar aufjauchzte des Heldengebiethers
- Worten, und kam, und mehrte den Muth ruhmdürstender Männer,
- Dort zu erstürmen den Wall, wo am blutigsten winkte des Sieg's Preis.
-
- Sinams Riesenkraft rang dort den Stürmern entgegen.
- Ihm war Hannibal brausend genaht: denn mächtig erschreckt' ihn
- Drüben das Stürzen der Wäll' und das Jauchzen der kommenden Sieger,
- Ringsum. Listengeübt haucht' er ihm jetzo den Rath ein:
- »Ha, nun gilt's mit festausharrendem Muthe des Feindes
- Wuthandrange zu steh'n, und nicht entehrender Feigheit
- Heute zu opfern den Ruhm entschwundener Jahre! Wohlan, horch!
- Schafft der gewichtige Ball, vom Donnerrohr in die Haufen
- Wimmelnder Feinde geschleudert, schon entsetzliches Unheil:
- Welch' entsetzlicher's noch ersähst du mit staunenden Blicken,
- Wenn, umhüllt von geplättetem Eisen, die Büchsengeschosse
- Mit zertrümmertem Blei in die nah'anstürmenden Gegner
- Wütheten? Auf, und gebiethe den Mord und die grause Vernichtung!«
- So rief Hannibal; doch nun sah, voll Zorn in dem Busen,
- Hermann zugleich, wie schnell, dem listigen Gegner gehorchend,
- Sinam die Donnerrohr' in der Breite des gähnenden Wallbruchs
- Pflanzen hieß, daß im kreuzenden Feuer der gräßliche Hagel
- Tilge des Feindes Reih'n. Er jammerte laut und begann so:
- »Schmacherfindende Zeit! Daß nichts mehr gelte des Tapfer'n
- Eigene Kraft; daß nimmer das Aug' in das Auge des Gegners
- Schleudre des Todes Blitz', und, heimgekehret, der Krieger
- Nimmer weise mit Stolz dem grauenden Vater, der Mutter,
- Oder der Gattinn die ehrende Narb' an der Brust und der Scheitel,
- Und erzähle zugleich, wie solche der Feind ihm geschlagen
- Dicht im Gemeng', wo jener ihm sank, in dem Kampfe getödtet --
- Nein, daß er dort: ob feig', ob tapfer, ein elender Krüppel
- Arm- und beineberaubt, umhinke, den Seinen zur Trauer,
- Hast du das Scheusal erzeugt, die Würgerinn heißend Kartätsche!«
-
- Sieh', Ursini der Greis, flog hin, wie ein feuriger Renner
- Fort auf der Rennbahn fleugt, zu erringen dem Reiter den Wettpreis:
- Hoch von dem Nacken ihm flattert die Mähn', und vom blanken Gebisse
- Ueberschneiet der Schaum ihm die Brust; er schnaubet, und sprühet
- Gluth aus der starrenden Nas', und ihm blitzen die spähenden Augen
- Feuriger stets, da er jetzt mit lauterem Hufesgerassel,
- Sprung auf Sprung, im Galopp vorbraust zum winkenden Ziel hin;
- Fern ihm folgen, gespornt von den Reitern, die schwächeren Rosse:
- Also strebte der Greis im edelen Muthe des Herzens
- Gegen den Wall, wo Darjuh, an Giaffars Stelle der Aga,
- Nach den Gefahren des Kampf's und glänzenden Thaten sich sehnte.
- Als er den Greis ersah, da entriß er das mächtige Schießrohr,
- Doppelhaken genannt, den Händen des Kriegers, und jagte,
- Schmetternd, verdoppeltes Blei in die Stirne des tapferen Feldherrn.
- Lautlos sank er zur Erd': ihm färbte das silberne Haupthaar
- Quellendes Blut. Ach, nimmer bewirthet der freundliche Greis mehr
- Fremd' in seinem Palast, die aus nahen und fernen Gefilden
- Heilige Sehnsucht trieb, der ewigen Roma zu nahen,
- Und im Schutt noch die Wunder zu schau'n gewaltiger Vorzeit:
- Denn er stürzte verwundet zur Erd', und verhauchte das Leben.
- Aber Ludewigs Schar rang dort am zertrümmerten Seethor,
- Schnell zu erklimmen den Wall, wo, empört durch Attila's Ingrimm,
- Und durch Hannibals Muth, das Volk in grausamer Nothwehr
- Wüthete. Pech, noch siedend, und Oehl, noch wallend der Flamme
- Goß, erbittert, der Feind auf die Stürmenden -- wälzte der Mauer
- Lastende Blöcke herab, und solch' unrühmlichem Tod, ach,
- Sanken die Tapfersten schon! Auch tödtete Manchen der Speerstahl,
- Manchen das krachende Rohr, wenn, kühnerhöhend, die Leitern,
- Sie aufrangen zum Wall aus der Tiefe des dunkelen Grabens.
- Doch weit schrecklicher noch, und entsetzlicher, scholl vor Buschatters
- Thor Mordruf und Gewürg', wo Deutschlands herrlichvereinte,
- Siegsruhmdürstende Schar, im Auge den Heldengebiether --
- Muth und Gluth in der Brust, und des kreuzenden Feuers nicht achtend,
- Vorwärts drang. Schon dreimal flog, mit dem kühnen Geschwader
- Brandenburgs, dort Siegfried hinan, den Wall zu erklimmen,
- Und er kehrete stets erbitterter, ähnlich dem Rüden,
- Der, vom Jäger gedrängt, dem verwundeten Bären genaht ist --
- Doch bald flieht, bald kehrt: denn immer scheuchen die Klauen
- Und das Gebrülle des Thiers ihn fern: so wüthete jener.
- Jetzt, im erneueten Lauf, durchbohrte das muthige Herz ihm
- Schmetterndes Blei, und er sank. Auch blutete neben ihm Hinkmar,
- Strebend mit matter Hand, den Pfeil aus der Lunge zu reißen.
- Eberstein sah dort hinsinken die tapferen Helden
- Brandenburgs; alsbald entriß er die Fahne dem Junker,
- Schwang sie empor in die Luft, und rief hellleuchtenden Blickes:
- »Jetzo mir nach, wem deutsches Blut in der Ader und Kampfgier
- Glüht in der männlichen Brust! Wir löschen das feindliche Feuer,
- Das entsetzlich die Unser'n tilgt aus der grausen Kartätsche,
- Nur mit des Feindes Blut; mir nach! Nie sterben die Tapfern!«
- Sagt' es, und drang, wie ein Pfeil, in sausender Eile zum Wall hin.
- Aber Stollberg zog mit kräftiger Rechten den Helden
- Wieder zurück, und rief: »Nicht dir -- uns werde die Stelle!«
- Also jubelten laut wohl tausend Stimmen auf einmal.
- D'rauf, erklimmend den Wall, und durcheilend die Tiefe des Grabens,
- Drangen mit Lärm und Getös' Germania's tapfere Völker
- Ein in den Mauerbruch, wo erlesene, muthige Gegner
- Standen zur Gegenwehr, der sinkenden Brüder nicht achtend,
- Und zu sterben bereit, ein Jeglicher -- alle für Einen.
- Wenn dem Donnergewölk' entstürzen die Fluthen, und plötzlich
- Ueberschwemmen die Stadt, daß laut in den engenden Gassen
- Brauset der Strom, aufschäumt die Wog' an die Fenster: da flüchtet
- Volk auf die Berge hinaus, und Volk auf die luftigen Zinnen:
- Also erklommen auch hier die muthigen Deutschen die Höhen --
- Stollberg allen zuvor; dann Scharen auf Scharen, und würgten,
- Racheschnaubenden Grimm's, die Kämpfenden rings auf der Mauer.
- Sinam entfloh. Nicht mied er zuvor des wüthenden Kampfes
- Schrecknisse, fest, wie ein Fels, die Stirn' darbiethend den Feinden;
- Doch, als jetzt im Sturm eindrangen die Deutschen: da wankte,
- Bebte der tapfere Greis, und floh, das heimliche Pförtchen
- Oeffnend am Damme des See's, mit tausend Gefährten nach Tunis.
- Dorther naht' ihm unzähliges Volk, von dem Herrscher gesendet;
- Aber mit Thränen im Blick, erhebend die Rechte, geboth er
- Allen errettende Flucht aus den Händen des schrecklichen Feindes.
-
- Schon war Siegesgejauchz' am Seethor, schon an dem Wallbruch
- Dort, wo Wälsch' und Hispaner im Sturm erstiegen die Mauern,
- Wo ringsher Mordruf ertönete -- rings in den Straßen
- Strömte das Blut, bis jetzt, zu den Füßen des Siegers gesunken,
- Bleich, mit verstörtem Gesicht, der Feind erflehte die Schonung.
- Nun verklang das Getös'; nur Jubel des Kriegers ertönte,
- Der von den Wällen herab in den Graben den finsteren Roßschweif
- Warf, und dort aufpflanzte mit Stolz die Fahne der Heimath.
- Lieblich flog sie umher in dem Abendwind, und erregte,
- Ruhmausstrahlend, in jeglicher Brust noch höhere Wonne.
- Durch das hallende Thor, umjauchzt von unzähligen Stimmen,
- Kam in die Veste der Kaiser herauf. Stets enger, und enger
- Schloß sich der Lärmenden Kreis um ihn her, und, als sie verstummten,
- Hob er die Händ' empor zu dem Himmel, und stimmte das Loblied:
- »Herr, dich loben wir!« an. Ein heiliges Feuer entflammte
- Jegliches Herz. Erschütternd zu schau'n: wie aus Tausender Augen
- Stürzen die Thränen zugleich; wie Tausender Hände zum Himmel
- Fleh'n, und zu hören erschütternder noch: wie Tausender Stimmen
- Wirbeln empor in die Luft, und sie all' Dank rufen im Einklang.
-
- Hassan, der König, erschien. Er war an dem dämmernden Abend
- Gestern gelandet, und barg sich scheu in der einsamen Herberg,
- Die Zafrano ihm both, von schattenden Cedern umfangen.
- Weder gerüstetes Volk, noch Mundvorrath, in des Krieges
- Zehrenden Tagen ersehnt, bracht' er dem Bundesgenossen:
- Denn er lauerte nur, ob Hairaddin, oder der Christen
- Mächtiger Herrscher erringe den Sieg? in den Mauern von Kabesch.
- Tief sich beugend zuvor, begann er jetzt vor dem Herrscher:
- »Gott ist mit dir, und Segen die Fülle: des herrlichsten Sieges
- Ruf verkündet es bald den fernsten Völkern zum Staunen.
- Ach, nicht bieth' ich dir Mundvorrath und tapferes Hülfsvolk,
- Wie ich's verhieß! Nicht horchte der Muselman mehr dem König,
- Der sich dem Christenvolke verband: hier steh' ich als Bettler!«
- Und er sank auf die Knie'; da sah der edelste Kaiser,
- Wie der Mond, umflort vom Regengewölk auf den Hügel
- Heftet den Schwermuthsblick, nach dem Flehenden trauernd hinunter,
- Hob ihn empor, und rief ihm mit trostverheißendem Lächeln:
- »Sieh' eröffnet des Reiches Thor, das Hairaddins Herrschgier
- Dir entriß;[68] dein sey's mit jeglichem Segen des Himmels!«
- Hassan stammelte Dank; laut zollt' ihn der Kaiser den Helden
- Allen umher, die im Sturm errangen die trotzende Festung.
- Aber zu Stollberg sprach er dann mit lohnendem Blick so:
- »Werde Goletta's Hort und Vertheidiger; ordne der Mauer
- Feind'abwehrenden Bau; doch jetzt gebiethe mit Sorgfalt,
- Daß die Verwundeten all' errettender Hülfe sich freuen!
- Morgen am Tage des Herrn, das Denkmaal unseres Heiles
- Feiernd, gedenken wir auch, zu bestatten die Todten, und dankbar
- Ihnen die Maale des Ruhm's zu erhöh'n für die kommende Zeit noch.«
- Jetzo führt' er die Scharen zurück in des Lagers Umwallung,
- Sie zu erquicken durch Rast; doch Stollberg ging, daß er übe
- Alles und Jedes sogleich nach dem Willen des gütigen Herrschers.
- Und die Schatten der Nacht umhüllten den schlummernden Erdkreis.
-
-
-
-
- Eilfter Gesang.
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-
- Hairaddin stand auf dem Söller der Burg, aufhorchend im Zwielicht
- Sinkender Nacht. Von Goletta heran vernahm er des Feldzeugs
- Rastlosdonnernden Sturm, dem die Erd' erbebte, die Fenster
- Klirrten, und drönte die Wand zu dem untersten Grunde der Mauern,
- Und, wie im Abendwind die Welle des fluthenden Weihers
- Nun sich hebt, nun sinket: so wechselte Furcht und Verzweiflung
- Oft mit der Hoffnung des Sieg's in seinem zerrissenen Herzen;
- Aber er horcht' umsonst noch gieriger jetzt, nach Goletta
- Wendend das Ohr, nicht athmend, die starrenden Blicke zum Boden
- Heftend. Nicht donnerten mehr die entsetzlichen Schlünde; verhallt war
- Drüben der Mörser Gebrüll und das Schmettern des Feuergewehres.
- »Sie ist verloren!« so rief er, stampfte den Estrich, und eilte
- Schnaubend herab. Dann schritt er im hellerleuchteten Saal hin,
- Kehrete wieder, und stand, und horchte, die Bothen erwartend.
- Immer vernehmlicher wähnt' er Getrab anstürmender Rosse --
- Wähnte verwirrtes Geschrei heimflüchtender Krieger zu hören:
- Aehnlich dem sturmentmasteten Schiff, das fern auf dem Weltmeer
- Wechselnde Strömung entrafft, und endlos dreht auf dem Irrpfad,
- Schwankt' er umher, im Gemüth nicht Dieß', nicht Jenes beschließend.
- Bald erhob sich Suleymans Grimm wie ein nächtlicher Unhold,
- Dräuend, vor seinem Blick; bald lächelte Muley Hassan
- Hohn ihm entgegen im Glanz der wiedergewonnenen Herrschaft.
- Ihn umnachtete rings nur wilde Verzweiflung: den Schimmer
- Seines errungenen Ruhms auf immer erloschen zu schauen.
- »Ha,« so rief er ergrimmt, »eh' solche Schande mich treffe ...
- Schande?« Er faßte den Dolch; nach dauerndem Schweigen begann er:
- »Fiel Goletta, erstürmt, so werden sie kommen, mir Algiers
- Und Telmessans Thron, und den Zepter von Tunis zu rauben;
- Werden mich stürzen hinab in den Staub, daß sich krümme des Glückes
- Liebling, ein Sclave, voll Angst, an des Siegers zermalmenden Fersen.
- Ha, nicht des Tages Licht gedenk' ich fürder zu schauen:
- Denn es enthüllte nur Schmach! D'rum fort -- hinab in das Dunkel
- Ewiger Nacht, zu entgeh'n der Qual, die jetzo mir droht! ... Doch
- Soll ich verschleudern das Ein', und Einzige, das ich erkenne?
- Schwand mir völlig die Hoffnung dahin? Ist Alles verloren?
- Drängt nicht Hunderttausende noch mein Wink in die Feldschlacht,
- Heute -- sogleich? Zurück in die Scheide, geschliffener Mordstahl:
- Nur dem Gegner, nicht mir, zerfleische das Herz in dem Busen!«
- Sagt' es, und barg in den Gürtel den Dolch. Mit schüchternen Blicken:
- Denn er scheut' Eloa's Zorn, war Muhamed jetzt ihm
- Wieder genaht. Er hörte die zagenden Worte des Herrschers,
- Ballte die Faust vor Wuth, und kam, der schrecklichsten Thaten
- Allerschrecklichste noch, in die gährende Brust ihm zu hauchen.
- Wie auf des Südens Meereiland der scheußliche Vampyr[69]
- Ueber dem Schlummernden schwebt, und, mit weitgebreiteten Flügeln
- Fächelnd, den Schlaf ihm mehrt, das Blut zu entsaugen der Ader:
- Also schwebt' auch Muhamed leis' auf Hairaddin nieder,
- Schaudernd und bleich, der Fluchthat selber erbebend: er hauchte
- Höllenfrevel ihm ein, und floh durch die finstere Nacht fort.
- Hairaddin stand, und sann: ihm rollten die feurigen Augen,
- Aehnlich dem Blitz im Gewittergewölk, in den finsteren Wimpern.
-
- Jetzo die Straßen herauf ertönte des eisernen Hufes
- Schmetternder Schlag; in dem Hofraum scholl absitzender Krieger
- Rufen. Nicht lang, so trat der tapfere Sinam mit Dragut,
- Muhamed Temtes, und Abu-Sa-id, tieftrauernden Blickes,
- In den erleuchteten Saal, den zürnenden Herrscher zu söhnen.
- Rasch ging dieser umher vor den Bebenden, und nur zuweilen
- Traf sein verachtender Blick vor Sinams Füßen den Boden;
- Doch nun stand er, und rief, durch die festgeklammerten Lippen,
- Stöhnend, das Wort: »Ihr Feigen!« und lächelte grimmig für sich hin.
- Stolzer erhob nun Sinam das Haupt, und sagte verweisend:
- »Welch ein Wort, Gewaltiger! floh dir, scheu, von den Lippen,
- So die tapferen Männer zu schmäh'n? Wir feig in der Feldschlacht?
- Zahllos jammern daheim die Verwaiseten -- jammern die Bräute,
- Wie auch die Gattinnen, bald, und auf immer die Lieben vermissend,
- Die, zu Hügeln gehäuft, wir tödteten rings um den Wall her.
- Galt es, mit Sterblichen nur in die Schranken zu treten: wir hätten
- Herrlich gesiegt. Doch heimlich vereint mit den Geistern der Hölle,
- War der bebende Grund mit jeglichem Schrecken des Luftraums
- Aufgestürmt um Goletta: wir wichen den furchtbaren Mächten,
- Aber nicht feig', da wir zu dem blutigsten Kampfe bereit steh'n.«
- Also der tapfere Greis; da höhnete Dragut den Helden:
- »Armer, du schwärmst vor Angst! Auch uns erklangen die Ohren,
- Als der brüllende Donner erscholl; mit dem bebenden Boden
- Wankten auch wir; uns schlug nicht minder der prasselnde Regen.
- O, daß ich fern' war! Nein, nie hätte den Geistern der Hölle
- Dragut gebebt, von dem das Volk sich erzählet: er würde
- Selber den Satan besteh'n in nie zu erschütternder Kühnheit.«
- Sinam schwieg; doch Hairaddin trat den Hadernden näher,
- Faßte den Dolch, und sprach mit zornausblitzenden Augen:
- »Denket der Trauer nicht mehr, weil uns die Veste geraubt ward,
- Die mit wuchernden Blutes Gewinn ein herrlicher Sieg uns
- Wieder erringt. Zum Kampf denn! Am Morgen ertöne der Schlachtruf --
- Töne so schrecklich, so laut, daß umher die Gefilde des Todes
- Schauern vor Angst. Doch hört, was dringend erheischet die Vorsicht,
- Und die Rache gebeut ob Giaffars Fall, und Goletta's.
- Unter den Kerkern der Burg, wo in Banden die christlichen Sclaven
- Liegen, und all', im thörichten Wahn: der tapfere Moslem
- Falle dem Christen so leicht, nun harren des kommenden Retters,
- Häuften im ringsdurchhöhleten Grund die Söldner des Zündstaubs
- Furchtbare Last. Entflammt aufschleudre sie jetzo die Hochburg --
- Schleudre zerschmettert die Sclaven all' empor in den Luftraum
- So, daß nicht einer entrinne dem Tod und dem grausen Verderben.
- Also gescheh's, noch ehe der Morgen im Osten heraufglänzt!«
- Sinam erblaßt'; auch Abu-Sa-id und Muhamed Temtes
- Zitterten; doch noch frecher begann der schreckliche Dragut:
- »Wahrlich,« so rief er, »nur Gott, und sein erhabner Prophet nur
- Gab den Gedanken dir ein: ich beuge mich tief vor Erstaunen!
- Alle zugleich! So möge mit Jenen der heuchelnde Graukopf,
- Der mir Mathilden entriß, zerschmettert, verhauchen das Leben:
- Denn ich sann ihm entsetzlichen Tod: er fahre zur Hölle!«
- Grimmig lächelt' er nun. Da wandt' ihm, von Schauder ergriffen,
- Sinam den Rücken, und sprach zu Hairaddin schmeichelnden Lautes:
- »Mächtiger, wie, du solltest den Ruhm errungener Lorbern
- Heute durch solch' entsetzliche That auf immer beflecken,
- Die von der Feigheit gezeugt, und Verzweiflung geboren, zum Abscheu
- Allen, Suleymans Huld dir entzöge für jetzt und auf immer?
- Wie der Morgenstern vor jeglichem strahlt an dem Himmel,
- Also zieret sein Herz der Tugenden schönste, die Großmuth.
- Was vermöcht' in der Felsenburg der wehrlosen Sclaven
- Fesselbelastete Schar? Sie mög' in festlichen Reihen,
- Nach vollendetem Krieg, den Siegeswagen dir schmücken!«
- Aber der Wüthrich schwieg. Noch kämpfte die Furcht mit der Mordlust,
- Ob Suleymans Zorn, in seinem beklommenen Busen;
- Endlich obsiegte die Furcht. Er sprach, tiefsinnenden Blickes:
- »Ha, wenn Reue mir würde dereinst, der klügelnden Weisheit
- Sinams gewichen zu seyn! Ich bebe der dunkelen Ahnung,
- Die mich ergreift. Wohlan, ich weiche dir! Eilt in das Lager,
- Dort zu erregen das Heer; ich entwaffne die Freunde des Hassan
- Hier in der Stadt, die mich verriethen im Kampf der Entscheidung.«
- Jene, gehorchend dem Wort, enteileten; aber der Wüthrich
- Zog in den Straßen umher mit Gefolg, das Volk zu entwaffnen.
- Wie in der Schreckenszeit volktödtender Seuche, der Hauptstadt
- Einsame Straßen entlang, nur leichensammelnder Träger
- Fußtritt schallt, und mit Angst erfüllet die Herzen der Menschen,
- Die sich, verborgen daheim in der Kammer, ergeben der Hoffnung,
- Dort zu entgehen der scheußlichen Pest: so flüchteten, bebend,
- Jetzt die Tunisier heim in der Nacht, als rings mit Getümmel
- Hairaddins Würgerschar durchtobte die hallenden Straßen.
-
- Trauernden Blickes saß auf der Zinne der luftigen Hochburg
- Regulus: denn er sah, wie jüngst der grausame Wüthrich
- Unter den Kerkern umher, die Last des schrecklichen Zündstaubs
- Häufen ließ, die Sclaven gesammt urplötzlich zu tödten.
- Muhamed brauste heran, der grau'nerregenden Unthat
- Zeuge zu seyn, die er Hairaddin erst einhauchte voll Arglist.
- Auf der Zinne der Burg den Einsamen schauend, begann er:
- »Stets entfernt von der Heldenbahn, der rühmlichen Vorzeit
- Nicht gedenkend, nur Hülf' und Errettung sinnend dem Volk hier,
- Das nicht deines Geschlechts, nicht deines Glaubens sich rühmet,
- Irrst du umher, Verblendeter! Bald vernimmst du mit Schauder --
- Schauest mit Schrecken es an, wie die Lunt' ein kühner Geselle
- Hin zu dem Zündstaub senkt, die Flamm' auffleugt zu dem Himmel,
- Donner erkracht, und der Berg, aus seinen berstenden Vesten
- Taumelnd vor Angst, empor in den sturmbewegeten Luftraum
- Schleudert unendlichen Wust, und im Wuste die christlichen Sclaven,
- Die dein Herz erkor, zerschmettert entschwinden dem Erdkreis.
- Jammere dann! Nichts half dir all dein wüstes Beginnen.«
- Rief's, und entschwand. Doch Regulus sah nach Medelin: er horchte
- Von dem Erker der Burg in die Nacht. Vor dem kommenden Sieger
- Schwieg das Gefild umher, und der Lärm verhallte zu Tunis.
- Bald des Siegers gedacht' er mit Angst: denn schändlich verrathen
- Hatt' er sein Volk, und für Trug verschmähet die heilige Wahrheit;
- Bald umgaukelten ihn die Bilder der lieblichen Heimath,
- Dort die fröhliche Jugendzeit, verlebt in dem Umgang
- Holder Gespielen, und dort die liebende Mutter in Jammer
- Ob des Sohnes Verlust -- in Trauer die Freund' und Verwandten.
- Gleich dem starrenden Eis, das schnell des laueren Westwinds
- Odem schmilzt, begann ihm die Wuth in dem Busen zu schmelzen,
- Und sein Aug', das lange nicht mehr des reuigen Herzens
- Sanftere Thräne gekannt, erhellten schimmernde Perlen.
- Regulus schwebte herab, umschlang den Nacken Medelins,
- Daß er in seiner Brust entflammte des himmlischen Mitleids
- Glimmende Funken, und regt' ihn auf in dem Seelengelispel:
- »Hast du dem Vaterland, den Lieben daheim und dem Glauben
- Deiner Väter entsagt, und geopfert für schändlichen Reichthum
- Ruh' und Glück? Doch sieh', nicht bringt dir solcher hienieden
- Jemals Gewinn: denn bald, in entsetzlicher Stunde der Nothwehr
- Wenn nicht Sinam es hemmt, der mildergesinnete Feldherr,
- Schleudert des Wüthrichs Grimm die Sclaven, und schleudert dich selber,
- Flammenumbraust, in die Luft. O, rette die armen: dem Mitleid
- Oeffne dein Herz, und der Reue, zu sühnen den schändlichen Undank!«
- Schaudernd vernahm im Geist die schrecklichen Worte Medelin;
- Stieg die Stufen herab, und Regulus blickte, vor Wonne
- Bebend, ihm nach: er ging, die Brüder zu retten, entschlossen.
- Jetzt urplötzlich umstrahlt von seelenentzückender Klarheit,
- Und vernehmend den Ruf unendlicher Lieb' und Erbarmung,
- Fuhr der Geist verklärt empor, in lichteren Räumen
- Seliger stets, der Himmelshuld entgegen zu harren.
- Doch schon stand Medelin umringt von den Christen im Kerker;
- Riß sich das Kleid entzwei; zerschlug sich die Brust und die Hüften,
- Lautaufjammernd, und rief mit thränenumhülletem Blick so:
- »Wehe mir schändlichem Mann: den heiligen Glauben verläugnet
- Hab' ich für schnöden Gewinn, verkauft dem falschen Propheten
- Ruh' und Glück; doch über das Haupt des schändlichen Räubers,
- Hairaddin, komme der Fluch! Ihr all', o Frevel der Hölle,
- Solltet jetzt, in die Luft geschleudert, zerstieben im Zündstaub,
- Den er gehäuft im Fels tief unter den Kerkern! Nur Sinam
- Hemmte den Wüthenden noch, und siegt'. Mir schwand die Verblendung
- Schnell vor den Augen: ich schwur, dem Gräuel erbebend, euch Rettung,
- Und, wenn Reue noch frommt, so wird erbarmende Huld mir.
- Hör't, nur tödt' euch die Freude nicht, hör't! Euch Freiheit zu
- schaffen,
- Rückten die Christen mit Heer'smacht an; im Sturme bezwungen,
- Liegt Goletta im Staub; die goldenen Zinnen von Tunis
- Beben dem Sieger; der Wüthrich flieht, und der schimmernde Halbmond
- Sinkt vor dem heil'gen Panier, das unser'n Erlöser getragen.«
- Rief's, und, als er die Bande gelöst von den Händen und Füßen
- Hugo's, da sprach er zu ihm, mit thränenerhelleten Augen:
- »Eile zu unserm Gebiether und Herrn, dem Kaiser, und künd' ihm,
- Was hier eben gescheh'n. Die eisernen Thore der Hochburg
- Will ich verschließen vor Hairaddins Wuth, die entfesselten Sclaven
- Waffnen, und harren des Wink's zum Verein mit ihm und der Heersmacht;
- Aber er eile heran: denn furchtbar wäre das Säumen.«
- Als er geendet, da scholl um ihn her entsetzliches Rufen,
- Weinen, und Jauchzen des Volk's, daß er selber in bebenden Schauern,
- Wonn'entseelt, hinsank, und stöhnete. Freudig enteilte
- Hugo des Kerkers Nacht, dem Kaiser die Kunde zu bringen.
-
- Liebliche Still' umfing das Lager der Christen. Entschlummert
- Ruhte der Krieger im luftigen Zelt; nur rings um den Wall her
- Stand die Wache, nicht scheuend für heut' den feindlichen Anfall
- Mehr, und summte, gelehnt an's Gewehr, ein munteres Liedchen
- Leis' in die Stille hinaus, sich die nächtlichen Stunden zu kürzen.
- Ueber die Cedern herauf, an Zafrano's entfernteren Höhen,
- Schwebte der Mond, und erhellete rings den schweigenden Erdkreis.
- Draußen im duftigen Meer, auf den fern entgleitenden Wellen,
- Glomm sein düsteres Licht; er zog in dem finstern Gewässer
- Hin die strahlende Bahn. Vom Schilf her säuselte Kühlung;
- Summend wiegten die Mücken der Nacht sich in würzigen Lüften,
- Und in das leise Getös' der fern' aufbrandenden Wogen
- Mengte vom dunkelen Hain die kreischende Stimme der Laubfrosch:
- Rings verstummte die Welt, und entschlummert ruhten die Krieger.
- Aber kein Schlummer umfing die glühenden Augen des Kaisers.
- Sinnend saß er vor seinem Gezelt, und blickte zuweilen
- Schwermuthsvoll in die liebliche Helle des Mondes, zuweilen
- Nach dem trüblichen Schimmer hinaus auf den gleitenden Wellen,
- Hörte der Wogen Geräusch am fernen Gestade; der Mücken
- Summenden Flug, und das Kreischen der grünlichen Zweigebewohner,
- Und er seufzte dann laut des Herzens nagendem Kummer.
-
- Sieh', nicht schlummert' auch Eberstein! Ihm brannten die Wunden
- Noch an dem Arm, den erst, im Sturm der Veste Goletta,
- Ein befiederter Pfeil durchfuhr. Er lag in dem Mondlicht,
- Vor dem Gezelt, die Labung kühlumsäuselnder Lüftchen
- Athmend. Nun horcht' er bewegt, und blickte verwundert um sich her,
- Als er die Seufzer vernahm vor dem Zelteingange des Herrschers.
- »Wer durchstöhnet die Nacht?« so rief er, dem einsamen Denker
- Nahend mit zögerndem Schritt. »Er selber?« Da wich er betroffen,
- Kehrete wieder, und sann: ob er dort den Einsamen störe?
- Doch sein trauerndes Aug' entlockte dem Zweifler das Wort jetzt:
- »Hat mich das Lüftchen getäuscht, das leis' in den Zweigen des Oehlbaums
- Säuselt, Seufzenden gleich? Geußt Blässe des Todes der Mond nur
- Dir auf die Wangen? Wie, du wachest, in Trauer versunken,
- Nach dem Tage des herrlichsten Sieg's, dem Falle Goletta's?
- Sprich, Erlauchter, warum denn ewig dir finstere Schwermuth
- Falte die Stirn'? Enthülle dem Treuen des Herzens Geheimniß:
- Haben die Sorgen des Thron's, hat unverschuldetes Herzleid
- Sie schon frühe gezeugt, und großgezogen zum Jammer?«
- Ernster wandte nach ihm die sinnenden Blicke der Kaiser;
- Legte die Hand auf die Brust, und begann mit erschütternder Stimme:
- »Lasest im Antlitz du die Züge des nagenden Kummers?
- O, so schaue sie kenntlicher noch mir im Herzen, und schweige!
- Früher Gram, vermengt mit den zartesten Freuden der Kindheit
- Wurzelt' in dieser Brust, die dort des herrlichen Vaters
- Tod, und um ihn, der Mutter im Wahnsinn endende Trauer,
- Grausam zerriß. Doch winkte mir ewig der Völkerbeherrschung
- Ernstes Ziel; ihm weiht' ich die fröhlichen Jahre der Jugend,
- Schweigend, der Blödigkeit Bild, bis Valladolids Turnierbahn,[70]
- Und des Schild's hochsinniger Spruch mir glänzenden Ruhm gab.
- Als ich Hispania's Zepter ergriff, durchtobten des Aufruhrs
- Schrecken das herrliche Land. Von Bürgerblute besudelt,
- Weckt' es Entsetzen mir an den Schranken der furchtbaren Laufbahn;[71]
- Aber zugleich erstand auf der dornenvollen ein Feind mir,
- Unversöhnlich, den Thron des heiligen, römischen Reiches
- Neidend, und glühend vor Haß, in Frankreichs stolzem Beherrscher.[72]
- Hat er nicht endlos Krieg, und ach, unnennbares Elend
- Rings auf unsere Völker gewälzt: zu Bundesgenossen,
- Er, deß' Thron in dem Nachruhm prangt des _Christlichsten Königs_,[73]
- Mahoms Söhne gewählt,[74] des Kreutzes schrecklichen Erbfeind,
- Den ich im seligen Jugendtraum, dereinst Europa's
- Rettender Hort, zurück nach Asia's Steppen zu drängen
- Hoffte? Sieh', auch jetzt, als uns viel tausender Christen
- Schreckliche Noth nach Afrika's ferne Gestade gerufen,
- Weckt er daheim mir Haß, und nährt verderbenden Aufruhr!
- Deutschland -- Mann, du erbebst dem Jammergeschicke der Heimath,
- Fröhnt ihm sogar, verkennend mein treues und redliches Streben:
- Durch den freien Verein so vielfachgesonderter Gauen
- Endlich die heimische Macht und Würde für immer zu gründen!
- Doch nun trennt sie ein Streit, das Heiligste, Höchste der Menschheit:
- Gottes Wort, sich erkiesend zum strenggebiethenden Vorwand:
- Jeden Verein zum Wohl noch kommender Zeiten zu fernen.[75]
- Wahr, daß Schatten das Licht umhülleten; heilig wie Gottes
- Satzung, der Unfug dünkte dem Volk', und die Wiedergestaltung
- So an dem Haupt wie den Gliedern ersehnt' auch die bessere Mehrzahl,
- Die dem Heiland getreu verharrt für immer und ewig!
- Doch nur von Schlacken das Gold, von der Spreu zu sondern das
- Fruchtkorn,
- Heischte die Lieb', und es hob sich schon der Tempel der Eintracht
- Herrlich empor: er ward zertrümmert in schrecklicher Willkühr.
- Nur zerstörend wollte man bau'n. Die reitzende Neu'rung
- Und der empörende Ruf unwahrgedeuteter Freiheit
- Lockte das Volk -- das Eigen der Kirche die Fürsten. So rang ich,
- Denkend des schrecklichen Bauernkriegs,[76] und der Gräueln der Zukunft,
- Lang' entgegen dem Strom, dem Jammer zu wehren, vergebens!
- Ha, ein Gesicht, erst jüngst in des Heiligthums Dunkel enthüllet,
- Sträubte das Haar an der Scheitel mir auf! Ich zitterte, bebte:
- Deutschland sah ich erwürgt nach dreißigjährigem Wuthkampf,[77]
- Rauchend im Schutt die Burgen, Paläst', und Hütten, und Tempeln;
- Heiliges frech entweiht, die Määler der Künste vernichtet,
- Und verödet die Gau'n. Wo früher die goldenen Aehren
- Wogten im schimmernden Abendroth; wo blöckende Heerden
- Hüpften im lachenden Grün; der Mensch in seliger Unschuld
- Gleichbeseligte Menschen ersah, und sich freute des Daseyns,
- Herrschte nur Grabesstill', und im dornumwucherten Saatfeld
- Bleichte das nackte Gebein weithin erschlagener Völker.
- Spät erst wagte, mit schüchternem Blick, der Verscheucht' aus dem
- Schutte
- Sich zu erheben, und sah er nun dort den Schüchternen kommen,
- Dacht' er, »Weß Glaubens er sey?« und brütete Haß und Verfolgung.
- Sieh', Jahrhunderte floh'n! Da lag auf den Fluren der Heimath
- Finstres Gewölk; die röthlichen Blitz' erhellten zuweilen
- Hinter der Wolkennacht, die Jammergefilde der Zukunft.
- Ueber dem Rhein scholl Mordausruf: bald wirbelten endlos
- Auch in die deutschen Gau'n, vernichtend, herüber des Aufruhrs
- Flammen, und laut umher ertönte Gebrülle von Freiheit!
- Gleichheit! Doch von dem Wagen des lautumjauchzeten Siegers
- Klirrten die Fesseln schon entehrender, schimpflicher Knechtschaft.
- Fiele der Deutsche so tief? Er beugte den kräftigen Nacken
- Selber der Schmach? O dahin, ich wußt' es, unselige Trennung,
- Führst du mein edeles Volk: dir rang ich vergeblich entgegen!«[78]
-
- Jetzo verstummt' er, und neigte zum pochenden Busen das Antlitz,
- Thränenumflossen, herab; doch sieh', er hob es, erschüttert,
- Wieder empor: im Blitz erhab'ner Gesichte der Zukunft
- Schwand ihm die Gegenwart! Er sah in beglückteren Tagen,
- Freiheit bringend und Ruhm, an den lieblichen Ufern der Pleisse[79]
- Siegender Heere Verein: erstanden in ihrem Vermögen
- Deutschlands Völker, geschlossen den Bund hochsinniger Fürsten,
- Schlacht und Feindesflucht, im helleren Glanze des Rheinstroms
- Freihinwallende Fluth, und Sieg auf Siege gehäuft fort --
- Sah vorstrahlend im Fürstenbund den glücklichen Enkel:
- Glücklich im hohen Gefühl des ruhmgekröneten Lebens,
- Und in der Liebe des Volk's, das treu und redlich ihm anhing,
- Auch in dem nächtlichsten Sturme der Zeit.[80] Da schwand ihm des
- Anblicks
- Zauber; er starrt' umher, und rief: »Ein täuschender Traum war's!«
- Und mit dem Blick voll inniger Trauer begann er von neuem:
- »Solcher Kummer belastet mein Herz: ich denke der Zukunft.
- Alles, was ihr dieß Herz mit Liebe zu weihen sich sehnte,
- Hemmte der Sectenwuth blindlingsvernichtender Unsinn,
- Der, mein Leben begeifernd mit Gift, mir Haß in der Nachwelt
- Fernsten Tagen erregt, und Schmähung bereitet die Fülle.
- D'rum lechzt meine verwundete Brust nach freieren Lüften,
- Ferne vom Thron, wo nie die Freude mir lächelte, rastlos
- Feindlicher Haß mich traf, und herzzermalmender Undank.
- Aber ich sehe das Morgenroth, das mir an dem Abend
- Noch die Sonne verheißt nach dauernden Stürmen des Tages.
- Jüngst, nach ermüdendem Weidwerk, both in Estremadura's
- Lieblichem Thal, Sankt-Just,[81] der Hieronymitaner
- Einsames Kloster uns Ruh'. In der hehren Stille des Abends
- Faßt' uns gar wunderbar vom erhelleten Dome der Psalmen
- Herrliche Festmelodie, der Orgel mitwallender Jubel,
- Und das wehmuthsvolle Getön der Glocke vom Thurm her,
- Die zum Abendgebeth uns lud, und zu stiller Betrachtung.
- Schweigend durchirreten wir des vielfachgesonderten Gartens
- Dunkle Pfade, wo frei, nach Lust unschuldiger Willkühr,
- Jeder im Bruderverein mit Sorgfalt baute sein Gärtchen.
- Einer mit silbernem Haupt und himmlischheiterem Antlitz,
- Wandelte dort: er band, dem festlichen Morgen zur Feier,
- Kränze, mit zartem Sinn vermengend mancherlei Farben;
- Knüpfte, hinwandelnd im Duft, gesunkene Blumen an Stäbchen
- Fest, und labte die schmachtende Flur, aus der Fülle des Springquells
- Schöpfend die Silberfluth mit hellerglänzender Kanne.
- Freundlich nickt' er den Gruß erst mir, dann meinen Gefährten
- Freundlicher noch; er ging, und waltete, meiner nicht achtend,
- Wieder so ruhig fort in überseligem Frieden.
- O, so dacht' ich, nicht fühlt er die herzzernagenden Sorgen,
- Die mein Antheil sind auf des Lebens verworrenen Pfaden!
- Ihm ist sein Blumenbeete die Welt, von sanften Bewohnern
- Blühend und duftend belebt; sie lohnen mit seligen Freuden
- Stets ihm jegliche Müh': er herrscht und waltet im Segen.
- Schnell wie ein Blitz aufflammt' in meinem Busen ein Vorsatz,
- Welchen das Herz ergriff, festhielt, und erwählte für immer.
- Staune nicht so, mein Held! Einst siehst du mich glücklicher. Reift nur
- Mein Erzeugter zum Manne heran, auf dem Pfade des Herrschers
- Würdig zu wandeln: dann, o sehnlich erwarteter Festtag,
- Eil' ich mit Adlers Flug in des Friedens himmlische Thäler:
- Denn, wie, kämpfend mit Sturm und Noth, der zagende Schiffer
- Fern auf dem Meer umtreibt, als berstend die Maste vom Bord ihm
- Stürzen, die schäumende Fluth fortwälzt die Tau' und die Segel,
- Und sein Fahrzeug, leck, schon tiefer sinket, er plötzlich
- »Land! Land!« hört, da füllt ihm die Brust unnennbare Sehnsucht,
- Und sein thränender Blick hängt starr an den fernen Gestaden:
- Also zieht mich das Herz hinüber nach Estremadura's
- Winkendem Friedensport, und Sankt-Justs heiligen Mauern.
- Dort, den Sorgen der Erd' entrückt, vom Menschengewühl fern,
- Und dem Himmel geweiht, entschwind' in seliger Stille
- Jede Erinnerung mir der leidenerfülleten Vorzeit!
- Sieh', schon glänzet der Abendstern, verwandelt, des Morgens
- Herold: die Nacht entweicht! Schon wecken die rasselnden Trommeln --
- Wecken Drometen das schlummernde Volk. Nun will ich des Sonntags
- Heilige Feier begeh'n im Kreise der tapferen Krieger,
- Dann, will's Gott, erringen das Ziel in dem Kampfe vor Tunis!«
-
- Waffengeräusch erscholl im dunkeln Gezelte des Kaisers,
- Wo seither dem düsteren Schmerz ergeben, Toledo
- Trauerte. Ihn zu erheitern sann der gütige Herrscher;
- Aber umsonst: denn kalt und schweigend verschloß er die Brust ihm.
- Jetzt, aufhorchend im Zelt dem Klagenden, fühlet' er plötzlich
- Wieder erglühen den Muth im schmerzerstarreten Busen;
- Sprang vom Lager behend', umfaßte die glänzenden Waffen,
- Gürtete sich, und kam, und sprach zu dem Staunenden also:
- »Wie, so wohnet denn Gram auch im edelsten Herzen? So lohnt ihm
- Völkerbeglückende Müh' und Sorge nur schändlicher Undank?
- Schwinde, mein Leid! Verstumm't, ihr Klagen! Ich wähnet' euch endlos;
- Doch nun tret ich, beschämt, vor diesen erhabenen Dulder,
- Der dem größeren Schmerz obsiegt, und handelt, der Pflicht treu.
- Hör' ich drometenden Ruf -- der weckenden Trommel Gewirbel?
- Fleugt das Schlachtroß wiehernd im Feld, und blitzen die Waffen
- Tod in den Feind? Ich komme! Mit Schrecken gewahrt er Toledo's
- Waffen, und netzt sie mit Blut, und, wenn auch Thränen sie netzten --
- Meine Thränen: ich trockne sie schnell, des Dulders gedenkend.«
- Rasch enteilt' er dem Zelt. Dem Nahenden jauchzten die Krieger
- Freudigen Gruß: denn liebend hing das Volk an dem Helden.
- Aber ihm folgte bewegt, mit den tapfersten Führern der Kaiser
- Jetzt in das Lager hinaus, Aufbruch zu gebiethen der Heersmacht.
-
- Schon versank am fernen Gebirg der blässere Vollmond;
- Leise verhüllten die Stern' ihr Strahlenhaupt, und im Frühroth
- Glomm die erwachende Welt, als jetzt das geordnete Kriegsheer
- Sich nach Goletta erhob. In tieferschütternder Stille
- Schritt es einher. Nun wurde die finstere Stirne des Kriegers
- Mild, nun sanft sein drohender Blick: denn heiliger Andacht
- Sollt' er am Tage des Herrn sich weih'n; des göttlichen Mahles
- Andenken würdig feiern, und dann die erschlagenen Krieger
- Senken in's dunkele Grab, und den Tapfern erhöhen den Denkstein,
- Daß er entflamme des Kriegers Brust in der kommenden Zeit noch.
- Sieh', am Strande des See's, auf dem weitumschauenden Hügel
- Hob sich über dem Zelt aus Zweigen des säuselnden Oehlwalds
- Eine Laube, dem Opferaltar zum wölbenden Dom auf.
- Krieger pflanzten die Laub' in Hast, und zur Linken und Rechten
- Neben dem Bild des Gekreuzigten, nährt' auf silbernen Leuchtern
- Emsiger Bienchen Fleiß die fächelnde Flamme der Kerzen.
- Als die erlesene Heeresmacht, dem schimmernden Halbmond
- Aehnlich, die Laub' umgab: da folgte der stattliche Priester
- Eilig, im Feiergewand, dem dienenden Jüngling zum Altar.
- Dort vor dem Allerheiligsten sprach er die offene Schuld erst;
- Dann lobsang er dem Herrn, und bethet' um Himmelserleuchtung,
- Daß das sehnende Herz erkenne die Wege der Wahrheit;
- Kündigte dann aus dem Brief des großen Jüngers die Tröstung
- An die fromme Gemein': »Einst soll, was dunkel im Leben,
- Wie in umflortem Spiegel erschien, auf immer enträthselt,
- Schimmerndhell uns werden im Anschaun ewiger Wahrheit.«
- Dann die Worte des Evangeliums, mild und erhebend:
- »Liebet auch euren Feind, als Kinder des Einen und Höchsten,
- Der mit Vaterhuld für den Frommen und Bösen die Sonne
- Aufgehn heißt mit erwärmendem Strahl, und gedeihlichen Regen
- Sendet der Saat des einen, und andern!« Auch sprach er des Glaubens
- Frohes Bekenntniß, und opferte Brot und Wein zur Versöhnung
- Unserer Schuld; doch bald nach dem Dreimal-Heilig erhob er
- Nun das Heiligste selbst, und, als er im frommen Gebeth auch
- Jener gedacht, die, schon entrückt, im Lande des Friedens
- Schlummerten, sprach er das hohe Gebeth des Herrn, und, in Demuth
- Schlagend die Brust vor dem Lamm, das, uns Erlösung zu bringen
- Sich in den Tod hingab, genoß er die Speise der Seelen.
- Jetzt noch fleht' er um frohe Geduld in den Tagen der Trübsal,
- Und entließ mit segnender Rechte die Christenversammlung.
- Aber das Haupt entblößt, und die Augen zur Erde geheftet,
- Stand umkreisend das Heer, und ehrte die heilige Sühnung
- Durch erhabnen Gesang: die melodischen Laute des Herzens
- Flogen zum Himmel empor, und weckten die sanfteren Thränen,
- Die nur die Andacht weint in wonn'erhöhter Empfindung.
- Glänzender wölbte sich rings des Himmels blaues Gezelt auf,
- Und ein Sonnenmeer umwogte das hehre Geheimniß
- Unseres Heils. Der schimmernde See, von milderen Lüftchen
- Leise geküßt, erhob in schauernder Wonne die Wellen
- Nach dem Strand, wo in lispelndem Grün der Opferaltar stand.
- Freudig neigten sich ihm die Wipfel der Cedern Zafrano's;
- Auch das Olivengehölz ersäuselte sanft, und des Luftraums
- Liebliche Sänger horchten still in den flisternden Zweigen;
- Feierlich schwieg umher die tiefanbethende Schöpfung.
-
- Als gefeiert das Fest, und vollendet das göttliche Mahl war:
- Da geboth der Kaiser dem Volk die Begrabung der Todten.
- »Eilt,« so rief er, »an's heilige Werk: der Erde zu geben
- Leichtverwesliche Saat zur Ernte des ewigen Lebens,
- Wenn der Posaune Klang uns all' aus den Gräbern hervorruft!
- Denket des tapferen Sarno zugleich, den ehrenden Denkstein
- Ihm erhöhend. Auch Giaffar sey an den Mauern Goletta's
- Ehrend die Säule geweiht: denn schön ist es, kommenden Zeiten
- Noch den Heldenmuth erschlagener Feinde zu künden.«
- Eilig gruben die Krieger das Grab; weit gähnte das Erdreich,
- Biethend die Ruh' im dunkeln Schooß den entschlummerten Todten.
- Thränenden Blick's hintrug so mancher den treuen Gefährten,
- Der auf des Lebens Dornenpfad' ihm redlich die Bürden
- Tragen half, und treu sich bewähret' in Noth und Gefahren.
- D'rauf, als alle das Grab umfing, und der ehrende Hügel
- Deckte: da hob, aufblickend, der Priester den Trauergesang an;
- Sprengte geweihetes Wasser umher, und schwenkte des Fäßchens
- Weihrauchduftende Gluth der Ruhestätte zum Segen.
- Dann versenkten sie auch im gesonderten Grabe, die Leichen
- Ihrer Gegner, vereint; erhöhten mit Liebe den Denkstein
- Sarno's Ruhme geweiht -- auch Giaffars. Freudig gewahrte
- Ludwig das Ehrenmaal des Tapferen, den er erlegte.
-
- Hell, in des Mittags Gluth erglänzten die Zinnen der Festung,
- Als die christliche Heeresmacht, dem Herrscher gehorchend,
- Sich g'en Tunis erhob. Der Wetterwolke nicht ungleich,
- Die an dem fernen Gebirg aufschwebt, dann eilenden Fluges,
- Rings die Lüft' umhüllt, und des Himmels Bläue verschlinget,
- Deckten die Kriegsheerscharen das Land. Sonst tapfere Krieger,
- Lechzend vor Durst im qualmenden Staub, der unter des Rosses
- Huf und des Mann's vorstrebendem Fuß zu den Wolken emporstieg,
- Murreten jetzt in den Reih'n: da schwang der Kaiser voll Hast sich
- Aus dem Sattel; er zog in mutheinflößender Hoheit,
- Selbst mit den Scharen einher, und führte sie vor auf dem Heerweg.
- Plötzlich verstummte die Klag', und, wie durch kühlendes Wasser,
- War die lechzende Zunge gelabt, der finstere Sandstaub
- Ohne Beschwerd', und die Gluth der schrecklichen Sonne verloschen.
- Doch als jetzt in des Meeres Fluth g'en Westen ihr Antlitz,
- Goldumflammt, sich spiegelte; dort- und vom nahen Gehölz her
- Liebliche Kühlung kam: da ersah'n die staunenden Krieger
- Tunis, mit thürmenden Minarets und prangenden Häusern
- Glühen im rosigen Licht der ersehneten Stunde des Abends.
- Lautaufjauchzten sie all', und schlugen mit nervigen Rechten
- Dann an die blanken Gewehr': entscheidender Thaten sich freuend.
- Aber der Kaiser geboth, urschnell erforschend die Gegend,
- Seinen Tapferen »Halt!« denn links am Gestade des See's hin,
- Rechts am Olivengehölz, wo droben die Schanze der Felshöh'n
- Salis bewähretem Muthe vertraut, der lagernden Heersmacht
- Sichere Stellung verhieß, und die silbernrieselnde Quelle
- Labung ihm both, gedacht' er des Heers kampfrüstige Flügel
- Auszubreiten, und dort der Morgenröthe zu harren.
- Und, wie im wölbenden Dom die unzähligen Laute der Orgel,
- Von dem Künstler geweckt, sich all' in brausender Strömung
- Herzerschütternder Harmonie'n vereinen zum Wohlklang;
- Oder so wie die Räder all' im vollendeten Uhrwerk
- Willig sich dreh'n nach des Penduls Schlag, und die Zeiger der Stunden
- Kreisenden Lauf und die Bahn der Stern', und der Sonn' und des Mondes
- Weisen zugleich auf dem Zifferblatt: so folgten die Krieger
- Jetzo des Herrschers Wink. Und schnell, wie im künstlichen Webstuhl,
- Kreisenden Spuhlen entfloh'n, im Zug sich entwirren die Fäden,
- Und verschlingen zum schönen Gebild: so entwirrten sich alsbald
- Hier die verschlungenen Reih'n, und lagerten dann in dem Blachfeld
- Trefflich geordnet umher. Die Reiter, auf jedem der Flügel
- Deckten schirmend des Fußvolks Macht und des eh'rnen Geschützes
- Ordnungen, die von dem Vorderzug das mittlere Treffen
- Sonderten. So gestellt, nachtlagerten jetzo die Krieger.
-
- Sieh', da nahten die Feind' unzählig herüber von Tunis,
- Hairaddins drohendem Blick und schrecklichem Rufe gehorchend!
- Wie auf dem Stillen-Meer des Sturms erbrausender Odem
- Weit die Fluthen empört, und endlosstarrende Wogen
- Fort zum entferneten Welttheil wälzt -- sie stürzen gedrängt hin:
- Zahllos so, herübergejagt von dem furchtbaren Herrscher,
- Nahten die Moslemim: denn im Gemüth nicht Tausender Leben
- Achtend, däucht' es ihn leicht, die schmählichverlorene Festung,
- Jetzt im nächtlichen Ueberfall dem Feind' zu entreißen.
- Grimmig verlacht' er darum die Worte der Späher: ihm stehe
- Dräuend entgegen der Feind, und ordne die Scharen zum Kampf schon;
- Dennoch drängt' er den Sporn in die Seite des ächzenden Rosses,
- Das ihn im Staubgewölk und im sausenden Donnergalopp hin
- Bis an die Vorhuth trug. Dort hielt er, und sah, vor Erstaunen
- Starr, die Gerüsteten: Wuth und Verzweiflung engte die Brust ihm.
- Wie die Wetterfahn' im Hauch des wechselnden Windstroms,
- Bald nach Osten, und bald nach Westen gewendet, umherfleugt:
- Also schwankte sein Geist, im Sturm und Drange des Herzens,
- Unentschlossen, umher: denn schnell, mit dem Blicke des Adlers,
- Heeraufstellender Kunst und Angriffs kundig, gewahrte
- Sein umspähendes Auge das Heer des mächtigen Gegners
- Trefflich beschirmt, und ihm entfloh'n die Stunde des Angriffs.
- Schweigend kehrt' er zurück, und rief den Scharengebiethern,
- Frohsinn heuchelnd, und Muth, weil Angst ihm füllte den Busen:
- »Preist den Herrn der Welt und seinen erhabnen Propheten,
- Der uns herrlichen Sieg verheißt, und dem Feinde Verderben
- Sendet! Die Nacht entsinkt dem Sternengefilde; nicht kämpfen
- Heut' wir mehr: denn hör't! Nur tobenden Muthes Getümmel,
- Sang und Klang ertöne vom Lager; unzählige Feuer
- Mögen die dunkle Nacht umwandeln zur Helle des Tages,
- Und enthüllen das Heer, das schon an dem kommenden Morgen,
- Gleich dem Sturm vorbrausend im Feld, hintilge die Christen.
- Abu-Sa-id, dich ruft vor jeglichem Führer dein König
- Heute zur That! Zeuch hin mit zwanzigtausend Erwählten,
- Sonder Geräusch, entlang die felsigen Ufer Medscherda's,
- Nach Buschatter, um dort zu umgehen das feindliche Lager;
- D'rauf, den flammenden Blitz des Donnerrohrs und der Büchsen,
- Schauend in dämmernder Früh', und des Kampf's erwachtes Getümmel
- Hörend, erklimme die Höh'n, und stürze dich, ähnlich dem Gießbach,
- Der im zerstörenden Lauf fortbraust nach unendlichem Regen,
- Rasch in das Lager hinab, daß uns die flüchtigen Scharen,
- Seiner Wälle beraubt, dann all' erliegen im Schlachtfeld.
- Denke des herrlichen Zugs, und der Beut' unsäglichen Werthes!«
- Sagt' es, und Abu-Sa-id ging stolzumschauenden Blickes,
- Seinem harrenden Volk und dem nahen Verderben entgegen.
- Doch, auf Hairaddins Wink, des furchtbar'n Mannes, erwachte
- Jetzt Aufruhr, und Lärm, und Getös' in dem wimmelnden Lager:
- Denn des Kessels schmetternden Klang hier mengten die Einen --
- Dort des Horns Gebrüll die Andern (mit schwellenden Backen
- Und vorquellendem Aug' erzwingend des Erzes Gewaltton)
- Furchtbarer stets, in das laute Geschrei der rasenden Krieger
- So, daß die schlummernde Welt vor Angst aufschauderte ringsum!
- Und in den hellsten Tag verwandelte, prasselnd, des Reisigs
- Mächtige Lohe die Nacht. An den Zelten der Völker hinunter
- Trugen ragende Pfähl' unzählbarflammende Kessel,
- Leuchtend, empor: ihr fächelnder Schein durchblitzte die Gegend
- Endlos, immer geweckt von des Harzes aufwallenden Fluthen.
- Raschelnd wogte vor Hairaddins Zelt die _Heilige_ Schlachtfahn' --
- Also dem Volke genannt, in die Lüfte. Die türkische Tonkunst
- Feierte dort ihr Fest: die Trommel polterte; Teller
- Zischten mit ehernem Laut; hell klingelten Schellen und Glocken;
- Pfeifchen gellten mit Zink- und Hörnerklängen vereinet.
- Doch vor des Bascha Zelt, vor jeglichem rings in dem Lager,
- Stand das düstre Panier, von des Rosses buschigem Schweifhaar
- Zwei- auch dreifach erhöht: die Würde des Orta-Gebiethers
- Kündend. Also durchwachten die Nacht die empöreten Völker.
-
- Abu-Sa-id entschlich, dem wildaufspürenden Weidmann
- Aehnlich, dem Heer', und eilte Medscherda's Fluthen hinunter,
- Mit erlesenem Volk, ihm Stille gebiethend, zum Ziel hin.
- Lange noch hört' er des Lagers Getös', und freute der List sich.
- Aber da lag auf des Felsens Höh'n, im Kreise der Schützen,
- Salis, der tapfere Hort, und sah nach den Sternengefilden
- Schweigend empor. Er bebte, daß dort, millionen von Meilen
- Ueber dem glänzenden Sirius noch, das Aug', mit des Fernrohrs
- Zaubermacht bewehrt, aufdrang, und dennoch kein Ziel fand;
- Zahllos über ihm noch die Sonnen wandeln, und zahllos
- Erden und Monde sich dreh'n im Raum des unendlichen Weltalls:
- Das erfüllt' ihm die Brust mit Schauern der nahen Vernichtung!
- Weinend senkt' er den Blick zum niedrigen Staube hinunter --
- Dachte sich selber nur Staub im wehenden Hauche der Allmacht.
- Sieh', da flog, auf des Lüftchens Fittigen säuselnd im Nachtgrau'n,
- Eilender Schritte Getös' und klirrender Waffen Getümmel
- Ihm an das horchend' Ohr. Mit dem spähenden Auge des Falken,
- Der aus Wolkenhöh'n im dunkelen Grase den Raub sieht,
- Forscht' er rings in den Thälern umher, und sah an Medscherda's
- Ufer annahendes Volk. Schnell ahnt' er, besorgt in dem Herzen,
- Feindlichen Ueberfall, und, gedenkend entscheidender Abwehr,
- Flog alsbald, gesendet von ihm, Ruinard in das Lager,
- Von dem Kaiser verstärkende Macht zu erfleh'n: und sie ward ihm.
- Bald erklommen die Höh'n noch tausend erlesene Schützen,
- Löwenbeherzt, und froh der feindabwehrenden Arbeit.
-
- Aber am Strande des See's, wo im Lager die Scharen der Christen
- Ruheten, war nicht Getös' auftobenden Volkes zu hören.
- Nicht erleuchtete Flammenschein (so wollt' es der Herrscher)
- Dort die dunkele Nacht, daß in ihrem Schleier geborgen,
- Fest vertrauend dem Muth in der Brust und der leitenden Weisheit,
- Lächle der Tapfre getrost des schreckenvollen Getümmels,
- Das die Verzweiflung gebar, nur feigeren Seelen zur Täuschung.
- D'rauf erquickte nur Brot die Lagernden, heute zum Spätmahl
- Kärglich gespendet; sie löschten den Durst nur am Born, und gedachten,
- Scherzend, des reichlichen Mahls zu Tunis, am kommenden Abend.
- Aber der Kaiser ging im Kreise der schmausenden Krieger,
- Zögernden Schrittes umher, und sagte mit Lächeln dem Einen,
- Und dem Ander'n ein freundliches Wort, beim Nahmen ihn nennend:
- Da in dem zahllosen Heer' kein Tapferer fremd ihm geblieben.
- Doch nun rief ihm der Reisige, Horst, der früher des Kaisers
- Dienender Mundschenk war, da er ging, im heiteren Scherz nach:
- »Carolus, unser gebiethender Herr,« so spöttelt' er, winkend
- Noch mit den Augen, ihm nach, »vermisset mit trauerndem Herzen,
- Heute wohl auch die erlesene Menge der Speisen im Prunksaal,
- Wo er dem Tisch sonst naht in traulicher, lieber Gesellschaft:
- Denn nicht dampfen aus China's buntem Geschirr ihm die Brühen
- Würzig entgegen, und nicht das Fleisch gemästeten Rindes,
- Mancherlei Brühen gesellt, nicht das zarte Gemüse, des Rehes
- Saftiger Rücken, des Wildschweins Kopf, mit grünenden Sträußchen
- Zierlich umhüllt, nicht der Braten von zahm- und wildem Geflügel.
- Auch das feine Gebäck, so vielfachgestaltet aus Rohrmehl,
- Das uns die Neue Welt hersendet in schimmernden Kegeln,
- Reitzt nicht heut' ihm den Gaum, nicht das Obst, erzwungen im Treibhaus,
- Oder weit schöner gereift von Gottes gewaltiger Sonne.
- Weder des Rheinweins Gold, noch Malaga's dunkler Gewürzsaft,
- Und des Tokayers Gluth weckt ihm aus silbernen Bechern
- Heute mehr Lust. Erwünscht nun wäre mir selber der Speisen
- Abhub, der uns Dienenden ward nach vollendetem Gastmahl;
- Aber getrost: uns winkt aus Tunis der freundliche Wirth schon!«
- Also sprach er im Scherz, und laut auflachten die Krieger.
- Abgewandten Gesichts horcht' ihm der edelste Kaiser;
- Doch nun wandt' er sich schnell, und lächelt' ihm, als er den Finger
- Gegen ihn drohend erhob. Dem Scheidenden folgte der Krieger
- Jubelgeschrei, noch weit zu seinem erhellten Gezelt hin.
-
- Sieh', jetzt kam ein christlicher Sclav' im nächtlichen Dunkel
- Eilenden Lauf's zur Vorhuth; stand, und streckte zum Himmel,
- Dankend, die Händ' empor; dann rief er: »Erkennet ihr Hugo?
- Ich bin's! O, wer führt mich schnell zu dem waltenden Herrscher?«
- »Hugo?« so rief Toledo im Schlaf, und riß sich vom Boden,
- Lautaufstöhnend. Er lag, der äußersten Scharen Gebiether,
- Dort entschlummert im Feld. Nun küßte die bebende Hand ihm,
- Auf die Kniee gesunken, der Greis, und schluchzete sprachlos;
- Aber Toledo hing mit schrecklicherblassendem Antlitz
- Ueber dem weinenden Greis', und tief aus den Tiefen des Herzens
- Seufzend, sah er ein strahlendes Bild hinschwinden im Nachtgrau'n:
- Dann noch dunkler das Leben umher; er stürzte zum Meer fort.
- Hugo, bebend vor Angst, vernahm von den Kriegern Mathildens
- Trauergeschick und Toledo's herzzermalmenden Jammer,
- Und im wechselnden Kampf erblutete jetzo die Brust ihm:
- Denn bald sah er die Flucht des unglückseligen Gatten,
- Bald vernahm er im Ohr Wehklag' und Geschrei nach Errettung
- Tausender, die ihn gesandt aus den scheußlichen Höhlen des Todes;
- Doch, was höher ihm schien, und galt im redlichen Herzen,
- War ihm Gesetz. In Hast eintretend zum Herrscher, begann er:
- »Herr, kein Fremdling vor dir, erscheine ich heut' ein Gesandter
- Zwanzigtausend in Noth und Jammer verschmachtender Christen!
- O, ich habe den Jammer geseh'n, und wäre gestorben,
- Hätte nicht himmlische Huld mich bewahrt bei dem gräßlichen Anblick!
- Allerbarmend ist Gott, er lenkte die Seele Medelins
- Wieder zurück auf die Wege des Heil's, die er treulosen Sinnes
- Abschwur, und erboßt, den Christensclaven ein Henker,
- Wüthete. Sieh', er kam, und löste den armen die Fesseln --
- Löste sie mir, dem Draguts Rache den schrecklichsten Tod sann,
- Daß ich dir künde zuvor: verschließen wird er der Hochburg
- Eiserne Thore des Wüthrichs Macht, die entfesselten Sclaven
- Waffnen, und harren des Wink's zum Verein mit dir, und den Deinen!
- Als ich der Höhl' entfloh, da tönte herauf aus dem Abgrund
- Freudengeschrei und Gerassel der sinkenden Ketten, daß alsbald
- Mir erstarrte das Blut in den Adern vor Angst und Entzücken.
- Wahrlich, mich leitete jetzt der Himmlischen einer in's Lager
- Her, in der dunkeln Nacht, Medelins Worte zu künden:
- Herr, der Rettung gedenk': denn furchtbar wäre das Säumen!«
- Hastig enteilt' er jetzt, die Spur zu erforschen Toledo's.
- Aber mit pochender Brust, mit thränenumflossenen Wimpern
- Blickte der Kaiser ihm nach, und rief den tapferen Radburg,
- Dann auch Römhild auf, die Führer der Bayern und Schwaben:
- »Eil't, ihr beide, vereint, mit tausend erlesenen Kriegern
- Jeglicher, nach der Felsenburg; im nächtlichen Dunkel
- Führt euch Hugo, der Greis, und dort eröffnet Medelin
- Euch die Thor', aus welchen noch heut', o Wonne, der Christen
- Eiserngefesselte Schar auszieht in seliger Freiheit!
- Haltet die Veste besetzt, bis wir im schallenden Sieg'sruf
- Nah'n, und die armen all', entfloh'n dem Kerker, uns danken.«
- Also geschah's: denn schnell entbothen die muthigen Führer
- Ihr erlesenes Volk, die Burg zu erreichen im Nachtgrau'n.
-
- Draußen am Meeresgestad', am schwindligen Rande des Felsens,
- Stand Toledo gebeugt, und sah mit erblassendem Antlitz
- Starr in die schimmernde Fluth. Ihm schwand dort die Erd' und der
- Himmel:
- Denn jetzt horcht' er, verwirrt, dem fluthenden Geistergelispel --
- Stöhnete dann, und horchte wieder: die wechselnden Wellen
- Sanken, stiegen, und schienen allein in dem frostigen Meergrund
- Für sein brennend Weh' ihm labende Kühlung zu biethen.
- Also fand ihn der Greis! er hob die Händ' und die Augen
- Weinend zum Himmel empor, und bethete leise für sich hin:
- »Der du, ein guter Hirt in der Wüste das irrende Schäflein
- Suchtest, und so das Gefundene, liebendumfaßt, auf den Schultern
- Heimtrugst: laß auch ihn nicht verloren seyn, du Erbarmer!«
- Dann umfaßt' er ihn schnell; bedeckte mit brennenden Küssen
- Ihm den Nacken, und rief mit leisem Gewimmer: »Mathilde!«
- Lautaufstöhnt' er dem Wort', und wandte sich, starrend in Hugo's
- Thränendes Aug'; doch jetzt ergriff er die Hand des Getreuen,
- Preßte sie heftig, und floh nach dem Lager zurücke. Der Wogen
- Dumpfes Rauschen erfüllte noch fern ihm die Seele mit Schauder.
-
-
-
-
- Zwölfter Gesang.
-
-
- Hairaddins Völker umfing noch bleierner Schlaf und Betäubung.
- Wie aus dem dämmernden Saal, nach lautem Gelage der Fastnacht,
- Schleicht ermüdetes Volk; das schimmernde Licht von den Leuchtern
- Schwindet; Tanz und Getöne verstummt, und Getümmel verhallet;
- Also verhallte der Lärm in dem weitumkreisenden Lager
- Hairaddins; doch, vom Schlummer erquickt, und zum Kampfe gerüstet,
- Harrten die Christen schon des donnernden Zeichens zum Angriff.
-
- Siehe, der Morgen erhob die Stirn' an dem östlichen Himmel,
- Rosenumkränzt, und sah mit schüchternerröthenden Wangen
- Nach der Erde herab, die, sich des nächtlichen Grauens
- Arm entwindend, aus Wolkenhöh'n mit dem Jubel der Lerchen,
- Und in den Fluren rings mit schimmernden Thränen ihn grüßte!
- Jetzt, in des Morgens Hauch, zum Kampf entbiethend die Scharen,
- Schwang der Kaiser das Schwert in die Luft. Des Winkes gewärtig,
- Eilte der Wurfschütz vor, und senkte die Lunte mit Vorsicht
- Hin an des Zündrohrs dunkelen Rand: aufflammte das Pulver.
- Erst nur ein weniges vor -- dann eilender wieder zur Stelle
- Rollte der eherne Schlund, und warf im Donnergetümmel
- Durch die Lüfte den Ball nach dem feindlichen Lager hinüber.
- Einst, wie zum Weltgericht die Posaun' erschallt in dem Luftraum,
- Schnell die Gebein' aus Staub und Moder zum Leben sich regen,
- Und in schaudernder Hast, dem Rufe folgend, die Todten
- Alle ersteh'n: so scholl, in der heiligen Frühe, des Schlachtrufs
- Donnergetümmel dem Feind'. Alsbald ergreifend die Waffen,
- Stürzeten alle zugleich mit Lärm und Getös' in die Reihen.
- Rings in die Umwelt flog auf den Fittigen säuselnder Lüftchen,
- Donnergetön, und traf in dem fernentlegenen Waldthal
- Abu-Sa-ids aufhorchendes Ohr. Er wähnte: begonnen
- Wüthe die Schlacht -- besiegt von Hairaddin, fliehe der Fremdling
- Schon, dem er den schirmenden Wall zu entreißen herankam.
- Schnell entboth er sein Volk, und klomm an der ragenden Bergwand
- Aufwärts, keuchend vor Hast, und triefend von Schweiß an den Gliedern:
- Denn ihn drängte nach Beute die Gier, die Hairaddin gestern,
- Träumend von Siegen, ihm both. Er hieß die folgenden Scharen
- Leis' erklimmen den Berg, und winkte mit Augen und Händen;
- Zischt', und pressete fest an die Lippen den dräuenden Finger,
- Daß sie den wehrlosen Feind erwürgten im plötzlichen Anfall.
- Aber nicht achtlos saß auf dem buschigen Saume der Felshöh'n
- Salis, der Held. Im Kreise der ringsumspähenden Schützen,
- Sah er hinschwinden die Nacht, und jetzt vernahm er vom Wald her
- Nahender Laute Gezisch: denn unter den eilenden Füßen
- Rauschte das Laub, und verrieth die Kommenden. Muthigen Herzens
- Fuhr er vom Boden, und rief dem Volk: »Gebt Acht!« und die Schützen,
- Beugend das rechte Knie', an die Wange pressend des Rohres
- Zierlichen Schaft, mit gespanntem Hahn, scharf zielenden Augen
- Harrten des »Feuer!« gebiethenden Ruf's. Da faßte der Feldherr
- Selber den kunstgezogenen Lauf, den er auf dem Herweg
- Kaufte für blinkendes Gold von dem tridentinischen Meister,
- Stand, und zielete. Jetzt, in des dunkel'n Waldes Umlaubung,
- Schauend Abu-Sa-id, der stolz vor den Seinen daherkam,
- Ließ er erkrachen das tödliche Rohr. Die schmetternde Kugel
- Röthete schnell ihm die Stirn', und sterbend sank er zu Boden.
- Also birgt sich im Schooß des hundertjährigen Ahorns,
- Lauernd, der Luchs, da im Lauf hereilt der muntere Rehbock;
- Aber er fahet ihn nicht: denn drüben erkrachet des Hirsches
- Sechzehnendiger Krone bereits der hemmende Hochwald,
- Und er stürzt sich jetzt auf den harmlos Nahenden, Blutgier
- Athmend, herab, und zernagt den Hals und den Rücken des armen,
- Im verzweifelten Lauf, bis ganz ermattet er hinsinkt:
- Salis erlauerte so vor allen den Führer des Volkes,
- Abu-Sa-id, und warf ihn entseelt hinunter am Abhang.
- Schreckenbetäubt, nicht ahnend woher die entsetzliche Kugel
- Brausete, stand sein Volk, und starrt' umher in dem Dunkel;
- Doch als endlos fort vom Gebüsch der Büchsen Geschmetter
- Tobte; nach jeglichem Schuß Gejauchze des Schützen ertönte,
- Der, scharfzielend, durchbohrte die Brust des einmal Erkornen;
- Als die schreckliche Wucht entrollender Steine, des Berges
- Saum entlang, wo in dunkeler Nacht sie häuften die Schützen,
- Donnernd die Reihen begrub, und Reihen verwundet umherwarf:
- Da scholl Jammergestöhn' verwundeten -- Lärm und Getümmel
- Flüchtenden Volk's, das schnell hinunter den stäubenden Abhang
- Stürmt' und von Schrecken gejagt, im Thal forteilte g'en Tunis.
- Stille herrschete rings, und so, wie berstende Wolken
- Brausen vom Hochgebirg in das Thal, die entwurzelte Waldung
- Schwindet, und kahl aufstarrt das Gefild: so brausten die Mauren,
- Flüchtend, im Waldthal fort, und rings verstummte die Gegend.
-
- Freudig erscholl fernher das Schmettern der Büchsen des Kaisers
- Horchendem Ohr; doch freudiger noch ihr schnelles Verstummen:
- Denn er ahnte den Sieg auf den Höh'n, und führte die Scharen
- Eilender vor. Da flog, vom schnaubenden Rosse getragen,
- Guasto, der Greis, ihm entgegen, und rief, ein Flehender, also:
- »Herrlich dämmert dein Siegestag, erlauchter Gebiether;
- Laß dieß grauende Haupt mit dem schönsten der Kränze geschmücket,
- Kehren vom Kampf, so ich heut', beherrschend den muthigen Vortrab,
- Dir bereite die Bahn zu dem Sieg voll ewigen Nachruhms!«
- Als ihm des Herrschers lächelnder Blick die Bitte gewährte,
- Spornte das Roß Del-Guasto, und flog, wie Wettergewölk fleugt,
- Von dem Sturme gejagt, an die Spitze des muthigen Vor-Zugs,
- Wo des Fußvolks Reih'n, fünftausend erlesener Wälschen,
- Oestreichs tapferen Reitern gesellt, mit Jubel ihn grüßten.
- Jene lenkte Toledo zum Kampf, und die Reisigen Lichtstein:
- Beide Söhne des Ruhms, erzogen im Felde der Waffen.
- Wie in dem Sternenzelt, verherrlicht vor allen, des Morgens
- Glänzender Stern aufschwebt: so kam an dem Flügel zur Linken
- Ludwig, der siegverherrlichte Held, neuntausend der Krieger,
- Die aus Brabant, und mit ihm her aus Lusitanien zogen,
- Vorzuführen im Feld. So folgten zur Rechten die Deutschen
- Ebersteins Panier, der kühn, wie ein Eber des Waldes
- Sich auf den Gegner warf im Gefecht; wie ein Fels in dem Meergrund
- Stand im wilden Tumult umdräuender Todesgefahren,
- Und in dem Busen (den Edelstein) das edelste Herz trug.
- Hunyady eint' ihm die Macht roßtummelnder, kühner Magyaren
- Hier, voll Muths vorstürmend im Feld; dort nahte mit Ludwig
- Alba heran, der stets ein Schrecken der Feinde, der Heimath
- Schwergeharnischte, reisige Schar, entflammte zu Thaten.
- Doch, wie Sterne der Mond, den Mond, aufstrahlend, die Sonne
- Schnell verdunkelt an Pracht: so ragte der edelste Kaiser
- Vor in der Mitte des Heers. Ihm folgten aus jedem der Völker
- Tausend Erwählte zum Kampf, daß jegliches, gleich in Gefahren,
- Gleich in des Ruhms hochlohnendem Glanz, sich freue des Vorzugs.
- Aber im Nachhalt stand Aurel mit den Tapfern von Malta,
- Und, den Rittern gesellt, den furchtbarn, standen die Reiter,
- Die Hispania's Cortes entsandt' im rühmlichen Wettstreit:
- Doria's Heldenkraft vertraute der Kaiser die Scharen.
-
- Jetzo herauf und hinunter im Feld, die Reihen zu mustern,
- Jagt' er das feurige Roß, und es streute vom blanken Gebisse
- Schneeigen Schaum, und wieherte stolz in dem sausenden Ritt hin.
- Doch nun hemmt' er, zur Mitte gekehrt, den schnaubenden Läufer,
- Hob vom Haupte den Helm, und wandte sich gegen die Krieger.
- Siehe, da fuhr an des Himmels Rand' im Osten die Sonne,
- Rosigschimmernd, herauf, und weckte den lieblichsten Morgen,
- Der sich je zur Erd' auf goldenen Fittigen senkte!
- Ringsum jauchzt' ihr entgegen die Welt: denn wonnige Kühlung
- Hauchte das Meer und der See von Tunis herüber, des Kriegers
- Busen erfüllend mit dauernder Kraft, und am blaueren Himmel,
- Dem erhabnen Altar des Herrn des kreisenden Weltalls,
- Schwamm ein zartes Gewölk umher, gleich duftendem Weihrauch,
- Der zum Dank aufwallt in der heiligen Stunde der Andacht.
- Als er entblößte das Haupt, da hellte die strahlende Sonne
- Ihm die erhabene Stirn'; er bethete laut vor den Scharen:
- »Herr, nun stärke dein Volk! Nicht trieb uns im dunkelen Schiffsraum
- Gier nach Beute heran; nur deinen Bekennern die Freiheit --
- Frieden dem raubgefährdeten Meer zu erkämpfen im Schlachtfeld,
- Ziehen wir freudig das Schwert. Von dir kommt Sieg und Errettung.«
- Dann aufschwang er den Stahl mit der Rechten; er barg mit der Linken
- Schnell das Haupt in den Helm, und rief, erschütternd, den Kriegern:
- »Golgotha's Hügel herab entströmte des sterbenden Mittlers
- Kreuze die knechtschafttilgende Huld: sie bracht' uns Erlösung.
- Christen, des Kreuzes gedenkt, und errettet die schmachtenden Brüder!«
- All' aufjauchzten dem Wort mit thränendem Blick, und im Sturmflug
- Ihres empöreten Muths erscholl ihr brausender Zuruf:
- »Fort, in die blutige Schlacht! Nicht allein auf dem Felde vor Tunis
- Streite dein Volk; auch fern an Jerusalems heiligen Mauern
- Stirbt es den Heldentod für dich, zu erringen der Kronen
- Erste dem edelsten Haupt. Jetzt hin, wo im Donnergetümmel
- Blitzt das würgende Schwert; wir schmettern die Feinde zu Boden!«
- Also erscholl's in dem Heer. Da flammte plötzlich der Luftraum
- Auf; die Wolken floh'n; laut rauschten des Meeres Gewässer,
- Und es erbebte die Erd', als sollte zerstieben das Weltall:
- Denn aus den glänzenden Höh'n der endlosen Räume des Himmels
- Kam Eloa herab: von den streitenden Heeren der Geister
- Wilden-Muth-empörende Schar zu entfernen. Sie bebten,
- Als er das flammende Schwert aufschwang, und mit dräuendem Blick rief:
- »Hör't, daß Keiner aus euch den Völkern: nicht diesem, nicht jenem,
- Nahe mit thatenerweckendem Hauch: denn selber bewähren
- Soll sich der Muth, der hier den Sclaven erringet die Freiheit!«
- Nun, da er fern' im bläulichen Aethergefilde dahinschwand,
- Sah'n sie trauernd ihm nach. Ihr Herz erfüllte die Sehnsucht
- Nach dem seligen Land: des Friedens ewiger Heimath.
- Dann, gesondert im Kreis', auf schimmernden Wolken sich lagernd,
- Ruheten all' umher, und blickten herunter auf's Schlachtfeld.
- Muhamed floh mit den Seinen davon: ihn schreckte des Seraphs
- Dräuender Blick, und Gram entflohener Hoffnung ergriff ihn.
-
- Sieh', auch Hairaddin trieb des brausenden Heeres Geschwader
- Zahllos gegen die Christen heran: so brauset des Meeres
- Sturmgeschaukelte Fluth in tausender Wogen Empörung!
- Erst die reisige Schar der Araber, feurige Rosse
- Bändigend, und ermüdend im Kampf durch wechselnden Anfall,
- Flog den Numidiern vor, die rasch von der Sehne des Bogens
- Schnellen den schwirrenden Pfeil, und fern durchbohren den Gegner.
- D'rauf, wie die Schwärme der Kräh'n anstürmen im Herbst, und erfüllen
- Weit mit lautem Gekrächze die Luft: so folgte der Mauren
- Lanzengewaltiges Volk den Numidiern, und in dem Rücken
- Dieser Unzähligen kam, von schnaubenden Rossen gezogen,
- Rasselnd, im sanddurchpflügenden Zug, des schweren Geschützes
- Dräuende Macht. Nach jeglichem Donnerrohr', in der Rechten
- Schwingend die dampfende Lunte zur Luft, und den Helfern gebiethend,
- Schritt der Wurfschütz her, und siebenzig waren der Schützen:
- Dragut führte dieß Volk, dem Vorderzuge gebiethend.
- Aber die Janitschar'n, gewaltiger Thaten sich freuend:
- Jetzo des Feindes Reih'n mit des Säbels sausendem Mordschlag
- Niederzuwerfen, und jetzt, aus schmetternden Feuergewehren,
- Mitten in Feindesbrust zu entsenden die tödliche Kugel,
- Eilten im Nachzug vor. Da waren die Brauen der Krieger
- Tiefer gesenkt, das Auge geröthet vor Wuth, und die Lippen,
- Gleich dem gespannten Bogen gekrümmt, voll schrecklichen Ingrimms.
- Hairaddin spornte das Roß herauf und hinunter: von Unmuth
- Gohr ihm die Brust, daß er jüngst von Sinam bethöret, nicht würgte
- Dort die Sclaven gesammt, aufschleudernd die Burg in den Luftraum.
- Grimmig hing sein Blick an der Burg, und er wandte das Schlachtroß
- Nach den felsigen Höh'n, den armen verderbend zu nahen;
- Doch schon brausten die Christen heran, und heischten drometend,
- Trommeln wirbelnd, Kampf, und Gemenge der mordenden Waffen.
-
- Jetzt, wie im thauenden Lenz von zween aufstarrenden Bergen
- Plötzlich der Schnee sich lös't, und gegen einander gewirbelt,
- Link's, und rechts herdonnern in's Thal die grausen Lawinen:
- Weit erbebet die Luft; zerschmetterte Wälder erkrachen,
- Und die Hütten umher mit den Lebenden deckt die Zertrümm'rung;
- Aber zugleich wie zween aufbrausende Ströme der Lava,
- Der aus Süden gejagt, und jener aus Norden, sich plötzlich,
- Tief in des Abgrunds Nacht begegnen im feindlichen Ansturz:
- Siehe, da zittert die Welt; im Beben der Erde versinken
- Mächtige Städt', und der berstende Berg speit Flammen zum Himmel:
- Also trafen dahier die feindlichen Heere zusammen:
- Da war Mordesgetös' und Geschrei, war Sausen der Lanzen,
- Zischen der Pfeil', und Klirren der Säbel umher in dem Blachfeld.
- Dragut stürmte zuerst mit einem erlesenen Haufen
- Kühner Araber vor, und hieb in den Reihen der Vorhuth
- Ein, wo Wälschlands blühendes Volk entgegen ihm kämpfte.
- Blut durchströmte den Sand: denn hundert blühende Krieger
- Lagen erwürgt, eh' noch mit verhängtem Zügel die Reiter
- Oestreichs nahten, und schnell für jeden erschlag'nen Gefährten
- Zween erlegten dem Feind' im Gemenge der blitzenden Säbel.
- Aber so tapfer die reisige Schar, vereint mit dem Fußvolk,
- Drängte des Drängers Macht, so vieler Getödteten Blut floß,
- Dennoch siegten sie nicht: denn zahllos stürmten die Mauren,
- Mit den empörten Numidiern vor, und stärkten des Vor-Zugs
- Wankende Reih'n. So stemmen umsonst des berstenden Eises
- Tausendfältiger Macht die Pfähl' in dem Strom sich entgegen:
- Krachend thürmen die Schollen sich auf, und über den Damm hin
- Braust ihr verheerender Zug: wie hier den wimmelnden Scharen
- Guasto's tapfere Krieger umsonst entgegen sich stemmten.
- Doch schon nahte der Greis. Er führte die Scharen vom Nachzug
- Eilig im Sturmlauf vor, und die ehernen Kriegesdrometen
- Schmetterten heller, und lauter erscholl im Sturme der Trommeln
- Wirbelnder Ruf; empöreter stets aufjauchzten die Krieger,
- Stöhnten die Rosse hinan zum entsetzlichen Kampf der Entscheidung.
-
- Wer durchsprengt im sausenden Flug die Reihen, vor allen
- Heischend den Todeskampf? Wer wagt es, entgegen zu stehen
- Dragut, dem Schrecklichen? Wer, als Toledo, der edelste Feldherr?
- Fröhlich umgab er sich heut' am dämmernden Morgen die Rüstung,
- Die ihm der Kaiser gab zum Geschenk, und trat aus dem Zeltthor
- Heiteren Blickes zu Kurd, dem treubefundenen Freund hin.
- Schüttelnd ihm traulich die Hand, begann er mit sanfterer Stimme:
- »Kurd, in der Blüthe der Jahr', im Rosenschimmer des Morgens,
- Goß ein Gewittersturm urplötzlich ein nächtliches Dunkel
- Um mich her; zerknickte voll Wuth die Blüthen mir alle:
- Hinschwand jegliches Licht, und ich taumelte fort an des Abgrunds
- Schwindligem Rand; doch jetzt erseh' ich des schöneren Morgens
- Hellaufdämmernden Strahl, und die hehren Gefilde des Friedens,
- Wo des Dulders lohnendes Ziel, Mathilde, mir winket,
- Ewig beglückt! Leb' wohl, und fall' ich, so denke mit Sorgfalt
- Hugo's, des treuen, und werd' ein Tröster dem trauernden Vater!«
- Ach, der arme, nicht ahnt' er's nun, daß der trauernde Vater,
- Ob des Sohnes Geschick, erst jüngst verhauchte das Leben,
- Und ihn deckte das Grab mit tiefumnachtenden Schauern!
- Also sprach er dem Freund, in den Sattel sich schwingend, und horchte
- Gierig des schlachtgebiethenden Ruf's. Die Kriegesdrometen
- Schmetterten kaum, so flog er hinaus, und stürmte die Reihen
- Seiner Erlesenen durch. Er hatte Dragut ersehen.
- Aber auch Dragut sah ihn schon fern', und dachte, Verderben
- Ahnend, der Flucht; doch, ach, wie ertrüg' er Hairaddins Ingrimm,
- Wie den höhnenden Blick des feindlichgesinneten Sinam!
- Zweifelnd wankt' ihm die Hand an dem leitenden Zaum; vor den Augen
- Dunkelte rings ihm die Welt, und aus seinen erblassenden Lippen
- Stöhnte die Wuth; doch sieh', nun rafft' er in seinem Vermögen
- Nur ergrimmter sich auf, und warf mit umschwingender Rechten,
- Zielend, den blinkenden Dolch dem furchtbar'n Rächer Mathildens
- Weit entgegen! Er traf, im sausenden Fluge, Toledo
- Meidend, den tapferen Kurd, der rasch dem Freunde gefolgt war:
- Lautlos sank er vom Sattel herab, in die Stirne getroffen,
- Und verhauchte den Geist. Toledo, vor allen den Einen
- Nur im Aug': denn rach'entflammt, gewahrte des Freundes
- Schrecklichen Unfall nicht. Er spornte den schäumenden Läufer
- Dicht an das Schlachtroß Draguts hin, daß die wallenden Mähnen
- Beider sich streiften im Gegensprung, und, jetzt ihn ereilend,
- Brach durch Stirnbund, Haut und Bein sein schmetternder Degen
- Sich die blutige Bahn: er neigte die Stirn', wie ein Mohnhaupt,
- Das in der Reife, vom Sturm zerknickt, sich neigt, und des Samens
- Schwärzlichen Strom zur Erd' ergeußt; dann folgend dem Blutstrom,
- Sank er vom Sattel hinab, und röchelte sterbend im Sand dort.
- Doch nun wandte das schnaubende Roß der Rächer Mathildens
- Von dem Todten, und rief zu vereintem Gewürge den Freund auf.
- Wehe, er lag entseelt auf dem Sand'! Er blickte verstummend
- Auf ihn nieder: nur zwei, im Sturz, hellschimmernde Thränen
- Weihet' er, hingebeugt, dem Theuern; drückte die Spornen
- Dann in des Rosses Bauch, und schwang, vor entsetzlicher Rachgier
- Stöhnend, das Schwert: um ihn her, zur Sühne, die Leichen zu häufen.
- Wie der schreckliche Wolf, vom wüthenden Hunger getrieben,
- Weder der nahenden Hunde Gebell, noch drüben der Hirten
- Lautes Geschrei, die gern von der Heerde der Lämmer ihn scheuchten,
- Achtet: denn er würgt voll Hast die in Haufen Gedrängten
- Links und rechts, und nach jeglichem Mord noch wächst ihm die Blutgier:
- Also rächt' er den Freund in des Feindes Blut. Abdorrahman
- Sank ihm zuerst, der laut mit Geschrei vordrängte die Mauren;
- Dann Ben-Esrid, der Scheik arabischer Horden (im Schlachtgrau'n
- War er den Reisigen stets ein Leitstern) ihn aus dem Sattel
- Riß er behend', und hieb, mit kräftigem Schwunge des Degens,
- Ihm die Scheitel entzwei, daß lautaufstöhnend er hinsank.
- Wie auf der Heid', im Herbst, das Feuer die bärtigen Disteln
- Tilgt, vom Sturme gejagt; so tilgte sein Eisen die Gegner.
-
- Nahend dem Vorderzug gewahrte der Kaiser Toledo's
- Waffenthaten, und schrie mit jubelndem Laut im Getös' hin:
- »Tapferer, so besiegst du Tausende! Muthig, nur vorwärts!
- Ha, der sank, und dort auch jener, und nimmerermüdend
- Würgt dein schrecklicher Stahl? Nie welkenden Lorber erringt dir
- Heute dein Muth: er reißt im Sturm die Helden zum Sieg fort!«
- Aber wie Glockengeläut' im Sturm bald näher und näher,
- Heller und lauter erschallt, bald wieder vom wechselnden Windschwall
- Ferne verweht, in der sausenden Luft verhallet den Ohren:
- So verschlang das Getös' des Kaisers lohnenden Zuruf.
- Jetzo nach Rogendorf, dem tapferen Meister des Feldzeugs,
- Sah er zurück, und erhob, zum verständlichen Wink ihm, den Degen.
- Jener entschwand auf dem feurigen Roß, und, als er vom Nachhalt,
- Gegen den Vorderzug die Donnerrohre zu führen
- Nahete, rief er noch laut den Feuerwerkern, im Vorgeh'n:
- »Schaffet mir Ruhm! Euch winkt im Feuer mein blitzender Degen
- Heute zum letzten Mal. Mit trauerndem Herzen des Freundes,
- Salm, gedenkend, will ich hinfort in der einsamen Kammer
- Weilen daheim, und harren des Tag's ersehnter Vollendung.«
- Also entflammt' er das Volk, und, schnell zur Stelle gefahren,
- Schleuderten jetzt die Donnerrohr' in den Reihen des Feindes
- Tod und Verderben umher: obsiegend dem donnernden Feldzeug
- Hairaddins. Denn wie ein Sturm, der, plötzlich die Lüfte verfinsternd,
- Saust, entschüttelt das Eis, und die wogenden Saaten zerschmettert,
- Warf des Kaisers Geschütz im dichten Gedränge der Gegner
- Hunderte nieder, da hier in den Reih'n der tapferen Christen,
- Jenes nur wenige traf, durch Schuld unkundiger Schützen.
- Hairaddin bebte vor Wuth, und fluchte laut vor den Scharen
- Auf das schwere Geschütz, das dort im Donnergetümmel
- Weder verstummen hieß das feindliche, noch in dem Blutfeld,
- Jenem gleich, vertilgte das Volk: ihm schrecklich zu schauen!
-
- Doch nun spornte Del-Guasto das Roß in die Nähe des Kaisers,
- Neigte vor ihm das Haupt, und rief mit leuchtenden Augen:
- »Jetzt, wo hochentflammt die Seele des Kriegers nach Thaten
- Lechzet, das Aug' ihm glüht, in das Auge zu schauen des Gegners,
- Und die Faust ihm zuckt, und die strebenden Füße nicht rasten:
- Jetzo gebieth' im Sturmanlauf des Kampfes Entscheidung!
- Doch du weiche zurück: o säume nicht, weiche zum Nachhalt,
- Daß du, gefahrenumdroht, nicht Angst erweckest den Deinen!«
- Kaum daß der warnende Ruf den Lippen des Greises entflohn war,
- Warf zerschmetternd ein Eisenball den tapferen Ottmar,
- Oberleitmann im Heer', an der Seite des Kaisers zu Boden:
- Blutend lag er im Staub. Entsprossen der freundlichen Hauptstadt,
- Die in dem weitumkreisenden Thal mit silbernen Wellen
- Rasch durchfluthet die Muhr,[82] ein Sohn ruhmwürdiger Aeltern,
- Wählt' er des Kriegers Bahn, als dort der stattliche Kaiser,
- Nahend in siegender Heere Verein Vindobona, der hohen,
- Mächtigen Kaiserstadt, Suleyman, den schrecklichen Großherrn,
- Fliehen hieß mit unzähliger Macht.[83] Stets folget' er seither
- Seinem Panier; doch jetzt hinsank er im Kampfe vor Tunis.
- Laut aufschrie'n die Krieger vor Angst; es erblaßte Del-Guasto,
- Ob des Herrschers besorgt; da rief er mit lächelndem Antlitz:
- »Fernet die Angst: kein Kaiser erlag dem Donnergeschütz noch!«[84]
- Und er geboth alsbald des Angriffs Weisen den Feldherrn.
- Wie, durch Flammen geweckt, die Dämpfe des siedenden Wassers
- Aus dem eisernen Bauch des ringsumschlossenen Kessels
- Drängen im unaufhaltsamen Flug; doch weiß sie der Meister
- Sinnig zu hemmen, und heißt sie Gewaltiges wirken, und schaffen
- So, daß Unkundige Furcht und Schauder ergreifet bei'm Anblick
- Jener verborgenen Macht: so wundersam lenkte zum Angriff
- Hier die unendlichen Reih'n ein Wink des waltenden Herrschers,
- Und von neuem begann des schrecklichen Kampfes Getümmel.
- Ludwig warf vor allen zuerst vom schimmernden See her
- Sich auf die feindlichen Reih'n. Das Feuerrohr an die Wangen
- Pressend, feuerten, bald im Verein, bald einzeln, die Krieger
- Jauchzend, es los: dumpf, schmetternd, scharf, erkrachten die Büchsen,
- Und in des Mittags Glanz umhüllte des flammenden Pulvers
- Dichtaufwallender Rauch die Völker mit nächtlichem Dunkel.
- D'rauf hinstürmt' im Flug, von dem tapfersten Helden geführet,
- Alba's reisige Schar. Sie schmetterte da Janitscharen,
- Dort Numider, und hier arabische Reiter zu Boden,
- Pferd' und Mannen zugleich: weit deckten die Todten den Staub dort.
- Rechts vom Olivengehölz drang Eberstein mit den Deutschen,
- Ehernen Muth's in der Brust, unzähligen Mauren entgegen,
- Die, von Muhamed Temtes empört, gleich wüthenden Thieren,
- An die gesenkten Speer' und die flammenden Rohre sich stürzten.
- Aber da rief Held Eberstein den Tapferen laut zu:
- »Jetzt noch fester geschlossen die Reih'n! Des edleren Muthes
- Flammendrang in der Brust, nicht blind umtobender Ingrimm,
- Heißt den Krieger zum winkenden Ziel vorstürmen im Schlachtfeld!«
- Also ermahnt, besiegte die Macht des empöreten Feindes
- Deutschlands tapferes Volk: es stemmte sich, gleich der Gebirgswand,
- Die vom blühenden Thal des Sturm's verderbenden Ingrimm
- Abwehrt, ihm entgegen, und drängt' unbändigen Muth's ihn,
- Wieder zurück. Auch warf die tapferen Reisigen Ungerns
- Hunyady jetzt, in gedehneten Zügen ihm rasch in die Seiten.
- Hochaufqualmte der Staub, und den stampfenden Hufen erbebte,
- Drönend, der Grund, als vor- zu dem mähnigen Halse sich beugend,
- Und zu des Kalpacks Zier erhebend den blitzenden Säbel,
- Flogen die Reiter im Feld. Den Kommenden streckten die Mauren
- Speere, so dicht, wie im Forst aufragen die Fichten, entgegen;
- Doch der muthige Reiter zerhieb, im gewaltigen Aufschwung
- Führend den schneidenden Stahl von der Linken zur Rechten, von unten
- Aufwärts, jeglichen Speerschaft so, daß umher in den Lüften
- Sausten die Trümmer im Flug', und die Geister da oben erbebten:
- Denn entsetzlich erscholl des würgenden Kampfes Getümmel.
- Aber im Vortrab, wo Toledo geboth, und der Ritter
- Glänzende Schar, entflammt zum blutigen Kampf der Entscheidung,
- Eilete, scholl entsetzlicher noch Getümmel und Schlachtruf.
- Wie der schreckliche Brand, der fern an den äußersten Straßen
- Einer ummauerten Stadt sich erhob, bald weiter und weiter
- Wüthet im brausenden Sturm, bis rings die unzähligen Häuser,
- Dom', und Thürme zugleich, auflodern, und Jammer erschallet:
- Also entbrannte die Riesenschlacht, und schrecklich ertönte
- Sterbenden Volk's Wehklag', vermengt dem Jauchzen des Siegers,
- Und der Verwundeten Schrei dem Wiehern der tobenden Rosse.
- Blut durchströmte das Feld, und wandte den schäumenden Lauf oft,
- Von den Haufen der Todten gehemmt, an Menschen und Thieren.
-
- Hairaddin sah der Seinen so viel' im Kampfe getödtet,
- Und erblaßte vor Wuth. Doch, als auch Dungur Toledo's
- Blitzendem Schwert erlag, der Algiers Thron ihm zu schaffen,
- Selber mit frevelnder Hand Euthemi, den König, erwürgte,
- Da verflucht' er sich selbst, und rief, daß die Völker erbebten:
- »Wer verschlinget, voll schrecklicher Gier, die Theuren mir alle?
- Ha, nicht schaut er hinfort die leuchtende Sonn' an dem Himmel!«
- Sieh', und er spornte sogleich, den Speer erhebend, das Streitroß
- Vor, und drang auf Toledo mit todausblitzendem Aug' ein!
- Diesem erpochte vor Wonne die Brust: den mächtigsten Gegner
- Dort zu besteh'n, ihn siegend zu bändigen, oder des Lebens
- Dornenbesäete Bahn zu vollenden im rühmlichen Wettlauf.
- Flugs hinspornte das Roß auch er, und hieb, in den Bügeln
- Sich erhebend, auf Hairaddin ein; doch dieser entwich ihm,
- Und sein Schwert durchschnitt nur die Riemen des leitenden Zügels,
- Auch das muthige Roß am wölbenden Halse verwundend,
- Daß es, gebäumt, aufschnob, und ächzte, von Schmerzen gefoltert.
- Jetzt war's um ihn gescheh'n; doch Hairaddin lenket' im Eilflug
- Sein gelehriges Thier, mit eisernem Drucke der Schenkel
- Wieder herum, und stieß den tödlichen Speer ihm so mächtig
- Durch die tapfere Brust, daß er flugs dem Sattel entstürzend,
- Auch den Schaft aus Hairaddins festumklammernder Faust riß.
- Wie der ragende Mast, der erst die wehenden Wimpel
- Noch in die bläuliche Luft erhob, vom Donner getroffen,
- Sausend dem Bord' entstürzt: auffleugt im Falle des Leines
- Schimmergewebe: so fiel er, den Speer im pochenden Herzen
- Tragend, vom Roß. Sein Auge verglomm, wie drüben des Abends
- Schimmer, und sein verblutendes Herz bewegte den Speer noch
- Leis'; dann stand's, entrückt des Lebens Geschossen für immer:
- Denn die Krone des Siegers im Schooß der himmlischen Freundinn
- Schauend, entschwebte der Geist den trüben Gefilden des Erdballs.
- Hairaddin kehrte zurück: mit noch empörterer Blutgier
- Führt' er die Janitschar'n und die Reihen der Schrecklichen vorwärts,
- Und von neuem begann des wüthenden Kampfes Getümmel.
-
- Dort, wo vor Toledo zuvor, das maurische Kriegsvolk
- Wich, da brausete jetzt mit Orkanengewalt und des Blitzes
- Flug', erhebend sein Allah-Geschrei, der schreckliche Türk her.
- Rechts war Eberstein, und links Lusitania's Ludwig
- Vorgedrungen, und so das mittlere Treffen gesondert,
- Feind'umschart, und verloren im Feld. Es erblaßte Del-Guasto;
- Aber nicht wich ihm der Muth. Er rief den tapferen Führern:
- »Trennet die Reihen des Volk's, und heißt sie nach Osten und Westen,
- Heißt sie nach Süden und Norden, die Stirn' im dräuenden Viereck
- Wenden sogleich, und bestehen den Kampf, wie es Helden geziemet!«
- Also der Greis: da tönte der Ruf, da erblitzte der Degen
- Tapferer Führer; es stand das Volk geschlossen im Viereck,
- Und in dem mittleren Raum, mit den Herolden, schaltend, Del-Guasto.
- Mochte der Feind nun da, nun dort anprallen: dem Felsen
- Gleich, den draußen im Sturm umbrausen die wüthenden Wogen,
- Standen die Tapfer'n im Feld; sie hielten die stürmenden Scharen
- Kämpfend zurück, und häuften umher unzählige Leichen.
- Solches gewahrend, entboth der edelste Kaiser die Völker,
- Die zum entscheidenden Schlag er heut' erkor in dem Heer', so:
- »Jetzo hinaus an den Feind! Dem winket der schönste der Lorbern,
- Der hier seiner Gewalt entreißt die tapfer'n Gefährten.
- Vorwärts! Hier in dem Feld und dort in der felsigen Hochburg
- Winket des Sieges Preis erhabener Christenerrettung.«
- Sieh', und er führte sogleich die erlesenen Scharen vom Nachhalt
- Gegen des Feindes Macht! Die jauchzenden Krieger bewegten,
- Eilend dahin im Waffenfeld, die hurtigen Schenkel,
- Wie das muthige Roß, dem Ziele genaht, in dem Wettlauf,
- Immer schnelleren Flugs durchbraust die stäubende Rennbahn.
- Hairaddin sah die Kommenden. Ihm erbebte der Busen
- Jetzo vor Angst: denn ach, sein mächtiger Gegner, der Kaiser,
- Flog an der Spitze der Kühnen daher! Er wandte das Reitroß
- Schnell, und entfloh. Da erhellte des Sieg's aufstrahlende Hoffnung
- Sein umwölktes Gemüth: er fluchte der niedrigen Feigheit,
- Die so fremd ihm war, wie draußen dem schrecklichen Löwen,
- Der die Wüste durchbrüllt, den Gegner zu wecken; dann faßt' er
- Gierig den ragenden Speer, und schwang sich zurecht in dem Sattel.
- Doch schon war ihm dahier der siegverherrlichte Kaiser,
- Brausend genaht, und warf ihm die Lanze mit kräftiger Rechten,
- Weitausholend zuvor, so rasch entgegen, und traf ihn
- Jetzt in die Rechte so fest, daß ihr entschlüpfte der Speerschaft,
- Und der Verwundete floh, von Wuth und Schmerzen gefoltert,
- Schnaubend zurück: ihm schlug der Feind' umhallender Sieg'sruf
- Jetzo der Wunden noch mehr; dann hieß er die Schrecklichen vorgeh'n,
- Kämpfen, und metzeln, von Rach' erfüllt, und schrecklicher Mordgier.
-
- Ha, zu dem letzten Gewürg' ereilten sich jetzo die Gegner!
- Nicht der sturmentwurzelte Wald, nicht der schreckliche Donner,
- Der in des Mittags Gluth den schwarzumnachteten Himmel
- Durchras't, krachet so laut, als hier erkrachten die Waffen,
- Und wie im engeren Thal des Strom's ergossenen Fluthen
- Stürzt das Föhrengehölz, daß, übereinandergeworfen,
- Liegen die Stämm' auf dem Grund', und mengen die Aest' und die Wipfel:
- Also lagen im Feld die Erschlagenen, welche vor allen
- Sich in dem Vorderzug hinwürgten in Hast und Erbitt'rung.
- Aber nicht lang': da floh'n die völliggeworfenen Scharen
- Hairaddins fort mit Geschrei und in wilder Verwirrung nach Tunis,
- Und er folgte den Flüchtigen stumm, und verachtenden Blick's, nach.
- Sinam, des Nachzugs Hort, erwägend des fliehenden Heeres
- Noth, und scheuend des Herrschers Grimm, da er gestern die Sclaven
- Rettete, hielt nun da, nun dort die ausreißende Schar auf;
- Aber vergeblich. Wie dort die flüchtigen Gemsen der Weidmann
- Ein in das felsenumstarrete Thal, wo gierig die Schützen
- Harren, im Lärm und Getös' nachstürmenden Volkes zu treiben
- Nimmer vermag: denn fern erwitterten jene die Schützen
- Schon, und brechen dahier und dort durch lärmende Treiber:
- Also entfloh sein Volk. Doch er, wohlkundig des Krieges,
- Rastete nicht, und deckte mit tausend erlesenen Türken:
- Jetzo entfliehend mit List, und jetzt mit unbändiger Kühnheit
- Wagend erneueten Kampf, den Rücken des flüchtigen Heeres,
- Bis urschnell, wie ein Hagelgewölk, hervor aus dem Nachhalt
- Doria kam, und den Feind sein reisiges Volk mit dem Faustrohr,
- Das an dem Sattel ihm, links und rechts in der Halfter geborgen,
- Ruhte, vertrieb: den Zaum mit den Zähnen fassend im Anlauf,
- Und aus jeglicher Hand abfeuernd das knallende Faustrohr.
- Jen' entfloh'n wie Spreu im Hauch des stürmenden Windes.
-
- Jetzt, am errungenen Ziel, der nächtlichen Weihe gedenkend,
- Welch' ihm Solches verhieß, erhob der stattliche Kaiser
- Seine, von Thränen des Danks umhülleten Blicke zum Himmel.
- Zahllos schwebten die Geister herab: sie umjauchzten des Siegers
- Ruhmgekrönetes Haupt und des Heer's unendliche Reihen.
- Aber, so laut und so mächtig sie schrie'n: des horchenden Kriegers
- Ohren vorüber erscholl nur ein leises Geflister; er blickte
- Staunend umher. Da hob zu dem übersinnlichen Luftraum
- Attila finster sich auf. Sein Aug', erhellet von Muth sonst
- War erloschen -- erschüttert sein Herz. Er zürnte dem Seher
- Muhamed, der ihn mit ruhm- und siegverheissenden Worten
- Wieder herab aus den Höhen gelockt. Nun sah er von dorther
- Mit umdüstertem Blick entgegen der dunkelen Zukunft.
- Aber die andern entfloh'n, und zogen umher in den Lüften,
- Wie das Herz sie drängt' auf dem Pfade der Läuterung, jenseits.
-
- Hugo nahte voll Angst. Nicht erspähte sein Auge Toledo's
- Schimmernden Helm in dem Vorderzug, nicht das blitzende Schwert mehr,
- Dem die Feinde gebebt; doch jetzt gewahrt' es ihn blutend --
- Todt in dem Staub, und neben ihm Kurd, den treuesten Freund auch.
- Gleich zween säugenden Leu'n, die ein grimmiger Panther erwürgte,
- Als entfernt nach Beut' umirrte die sorgliche Mutter,
- Lagen sie dort; und, wie die Kehrende heulet, und wehklagt
- Um die Lieben, daß rings, mittrauernd, die Wälder erschallen:
- So wehklagte der Greis, und rief zu Toledo gebeugt hin:
- »Mußtest du sterben dahier im fern entlegenen Welttheil,
- Ferne der Heimath: den Lieben fern, du Herzensgeliebter!
- Hugo kehret allein! Nicht schaust du vom kehrenden Schiff mehr
- Dort den hohen Palast, wo in unbehülflicher Kindheit
- Er dein erstes Lallen vernahm, auf den Armen dich wiegend;
- Nicht umfängt, aufweinend vor Wonne, der fürstliche Vater
- Dich Gelandeten dort, nicht die zärtliche Gattinn -- was sagt' ich?
- Sie ist nicht mehr! Schon floh der Engel zur besseren Heimath
- Wieder zurück: du folgtest ihm schnell in liebender Sehnsucht.
- Ruhet denn beide vereint, im nämlichen Grab, und es ruhe
- Neben euch dort im Frieden die Hülle des theuersten Freundes!
- Dann erhoben, auf seinen Wink, die tapferen Krieger,
- Die er so oft zum Kampf' und zum Siege geführet, den Helden
- Dort mit dem treuesten Freund' auf die Schultern, und folgten ihm,
- schweigend
- All', und mit Thränen im Blick, zum moosumwucherten Fels hin.
- Als er den finsteren Schlund der Höhl', entfernend den Steinwust,
- Selber enthüllt'; als jetzt an der Seite Mathildens Toledo
- Lag, zu dem Engel gewandt, der ruhend am Herzen der Mutter
- Lächelte, sah er sie lange noch an, und sagte mit Andacht:
- »Schlummert im Frieden dahier der Auferstehung entgegen,
- Bis der Posaunenruf euch dann zu dauernder Wonne
- Wiedererweckt. So sey's! Sie wandelten weinend, und sä'ten
- Saat der Verwesung; allein, bald kehren sie jauchzend, und tragen
- Freudig die Garben heim in die Scheuern des ewigen Lebens.«[85]
- Sieh', und als er auch Kurd, den redlichen Freund, an des Freundes
- Seite gelegt, und das Schwert ihm dort in die Rechte gegeben,
- Das er zur Rettung des Freundes gezückt: da stieg er beklommen,
- Und mit thränendem Blick noch oft zu den Todten sich wendend,
- Wieder zur Tageshelle herauf. Er winkte den Kriegern,
- Und sie wälzten sogleich den lastenden Stein an der Höhl' auf:
- Vor unheiligem Blick die Hülle der Edeln zu wahren.
- Aber er ging, und harrt' am Strand der ersehneten Heimfahrt.
-
- Hairaddins Völker floh'n, durchbrausend die Straßen von Tunis,
- Und er folgte den Feigen voll Grimms; doch jetzo die Hochburg
- Schauend im Abendglanz, erwog er noch zweifelnden Sinnes:
- Ob er erklimme die Höh'n, und dort, die entfesselten Sclaven
- Waffnend, stehe zur Wehr', und fall' im rühmlichen Tod nur?
- Hastig spornt' er das Roß bergan, zu erklimmen die Höhen;
- Doch nun hielt er erstaunt. Ihm brausete Fluch und Verwünschung
- Schrecklich an's Ohr; hellschwirrende Pfeil' und schmetternde Kugeln
- Wühlten um ihn, entsinkend der Luft, im Staub, und die Mörser
- Spie'n mit Donnergetös' ihm zermalmende Kugeln entgegen.
- Und, o schreckliche Schau: es wehte die Fahne des Kaisers
- Hell von den Zinnen der Burg, die dort aufpflanzten die Deutschen!
- Jetzt ergriff er die Flucht. Entfaltend die nächtlichen Flügel,
- Rauscht' ihm Verzweiflung, Angst, und Todes-Grau'n in dem Rücken;
- Doch gewahrend im flüchtenden Heer' auch Sinam, des Nach-Zugs
- Tapferen Hort, ergrimmt' er sogleich, und schmähte den Greis so:
- »Ha, wer siegte mir ob mit tönender Zunge voll Arglist,
- Daß ich die Sclaven gesammt nicht erwürgen ließ in der Burg dort?
- Sey verflucht dein Rath -- verflucht du selber auf immer!«
- So vom Zorn entflammt, entriß er dem Krieger den Bogen,
- Zog die Sehn' an die Brust, und schoß nach den Zinnen der Hochburg,
- In ohnmächtiger Wuth, den breitbefiederten Pfeil hin;
- Dann entfloh er nach Bona hinaus, wo seiner die Schiffsmacht
- Harrt', und Sinam folgt' entfernt mit dem schweigenden Heer nach.
-
- Als nun rings im Gefild' des Krieges Getümmel verhallt war,
- Herrschte, die Straßen entlang, in der meilenumkreisenden Hauptstadt,
- Grabesstille. Verstummt, und zitternd bei jeglichem Laut schon
- Saßen die Menschen daheim, und harrten des nahenden Feindes.
- Aber mit wankendem Schritt und thränenumflossenen Wimpern
- Traten, je zwei und zwei, die Greis' aus dem Thore von Tunis:
- Aelteste nennt sie das Volk, die am Markt und im wölbenden Stadtthor
- Sitzend, sprechen des Rechts Urtheil als kundige Richter.
- Fünfzig kamen der Greis'. Ihr Haupt von silbernen Haaren
- Spärlich umhüllt, erweckete Mitleid; Achtung geboth ihr
- Schneeiger Bart, der tief zu dem goldenen Gürtel herabfloß.
- Jeglicher trug in der Rechte herbei den grünenden Oehlzweig, --
- Trug in der Linken Geschenk', und horcht', erbebend vor Angst, auf:
- Denn schon tönete laut, und lauter des eisernen Hufes
- Schmetternder Schlag: schon klang das Rasseln der blitzenden Waffen
- Näher; des Vor-Zugs reisige Schar herbrauste, dem Sturmwind
- Aehnlich, und drang in die Stadt, der bebenden Greise nicht achtend.
- Dort, noch glühend vom Kampf, und entrüstet in blutiger Arbeit,
- Würgt' ihr Schwert unseliges Volk, das thörichten Herzens
- Hairaddins Worten vertraut', und, dem Schrecklichen treu sich bewährend,
- Muthige Abwehr sann, und furchtbarer Rache gedachte.[86]
- Aber umsonst: bald floh die unzählige Menge zerstäubt fort.
-
- Jetzt an der Spitze des jauchzenden Heer's, in eherner Trommeln
- Wirbelndem Ruf, im Drometengetön, und der flatternden Fahnen
- Sanftem Gesäusel, erschien der stattliche Kaiser. Die Feldherrn,
- Eberstein und Doria rechts -- links Guasto mit Ludwig
- Folgten ihm. Doria, groß und mächtig im Sturme der Seeschlacht,
- Sah ihn erringen den Sieg, und heftete seitdem die Augen
- Schweigend auf ihn; ihm pochte die Brust vor erschütternder Ehrfurcht.
- Als der Herrscher die Greise, gebeugt im Staube, gewahrte,
- Sprang er vom Sattel, und hieß sie mit sanftgebiethender Stimme
- Stehen, und sprechen vor ihm mit Muth und würdiger Freiheit.
- Siehe, da sprach El-Had, der hundertjährige Greis so:
- »Segen mit dir, gewaltiger Heer'- und Völkerbesieger,
- Der du mit Huld uns hörst! Nun herrsch' in Fülle des Glückes
- Ueber ein Volk, das jüngst im strafenden Zorne die Vorsicht
- Hairaddins Wuth preis gab, des grausamgesinneten Mannes!
- Ach, und wir haben doch einst viel bessere Tage gesehen,
- Als auf dem Thron von Tunis ein Fürst voll göttlicher Weisheit,
- Maula Mehemed, saß, deß' Staub der Segen des Himmels,
- Wie die Sommerflur der thauende Morgen, erquicke;
- Als des Siegers Schwert' erbebten die Gegner, im Frieden
- Blühte dieß Land, und rings auf dem weltverbindenden Meer noch
- Wogte sein Handelsschiff, des Segens Fülle verbreitend --
- Sammelnd im frohen Verkehr! Doch zürne dem eifernden Greis' nicht,
- Herr: denn stets umschwebt ihn das Bild entflohener Zeiten,
- Und errette das Volk in den Mauern der zitternden Hauptstadt,
- Wo nach dem schrecklichen Kampf der rach'erfüllete Sieger
- Wüthet. Vielleicht, daß auch dir ein grauender Vater daheimblieb,
- Welcher im Gram des Tages gedenkt, an welchem du hingingst;
- Oder am Strande des Meer's die Mutter des blühenden Säuglings
- Deiner, des Gatten, beraubt, aufweint in trauernder Sehnsucht.
- Solches erwäg', und errette -- gebiethe dem stürmischen Krieger,
- Daß er den lüsternen Blick, voll heiliger Scheu, von des Harems
- Thüre verwende, und Leib und Gut dir opfert dein Volk dann!«
- Also der Greis, und mild, wie ein liebender Vater den Kindern
- Streichelt die Wange zum Trost, zur Ermunterung, nahte der Kaiser
- Jetzo dem flehenden Greis', und sprach mit erheiterten Blicken:
- »Ein, und derselb' erbarmende Gott ist über uns allen,
- Der den Sieg uns gab, und den frevelnden Räuber in Staub warf.
- Aber nicht mir und den Meinen, nur Muley Hassan, dem König,
- Huldige fürder dieß Land: ihm werde das Erbe der Väter,
- Ihm der entrissene Thron, die Lieb' und die Treue des Volkes.
- Möge die Zukunft ihm und euch im Segen erblühen!«
- Sagt' es, und nahm die Geschenk' an köstlichen Früchten und Blumen,
- Die, nach der Sitte des Land's, ihm die zitternden Greise verehrten,
- Nahend je zwei und zwei, und die Herolde hieß er, den Kriegern
- Einhalt thun mit gebiethendem Wort', in den Straßen von Tunis.
- Jene gehorchten, und bald verstummte der Waffen Getümmel.
-
- Doch welch' dunkeler Strom ergeußt sich vom Felsengebirg her?
- Zahlloswimmelndes Volk entströmt den Thoren der Hochburg.
- Ha, die Geretteten sind's -- sie sind's, erschütternd zu schauen!
- Wie, zum Schwarme gereift, die unzählige Menge der Bienen,
- Summend, dem duftenden Korb entfährt am sonnigen Lenztag:
- Also entströmten auch hier wohl zwanzigtausend der Christen --
- Jetzo nicht Sclaven mehr, den Kerkern der Stadt und der Hochburg:
- Bleich, ermattet durch Qual, durch Hunger und grause Behandlung!
- Glückliche, die nun zuerst umschlangen die Kniee des Kaisers,
- Knieend im Staub; auf die Hand ihm preßten die zitternden Lippen --
- Netzten mit glühenden Thränen sein Kleid! Nur Stöhnen und Schluchzen
- Tönte noch ringsumher aus der angsterregenden Stille.
- Jetzt ein Weinen und Heulen erscholl, und jetzo mit einmal,
- Furchtbar, hallte Geschrei: »O Vater, Retter, Befreier!«
- Wie die Meeresfluth, vom nahenden Sturme gehoben,
- Erst nur leis' aufrauscht; doch bald im schrecklichen Aufruhr
- Heulet in Wolkenhöh'n, und braust in des gähnenden Abgrunds
- Tiefen, daß, schaudernd vor Angst, ihr die Erd' und der Himmel erdrönet:
- Also ertönte der Schrei der Glücklichen rings um den Kaiser.
- Tausender Händ' empor zu dem Vater im Himmel gehoben,
- Zeigten die Bahn, auf welcher des tieferschütterten Herzens
- Dank aufflog, und des Segens Füll' erflehte dem Retter.
-
- Lauter ward das Getös', und bewegter die wimmelnde Schar dort.
- Einer dem andern sank an die Brust, und fragte noch zweifelnd:
- »Ist es gewiß: wir frei -- entronnen auf immer den Banden?«
- Einzeln, dann wieder vereint, dann immer gewaltiger scholl's nun:
- »Werd' ich dich wiederseh'n, o Vaterland -- in der Heimath
- Seh'n dich, väterlich Haus, wo mir der fröhlichen Kindheit
- Jahre entschwanden im Glück? Werd' ich den zärtlichen Vater --
- Ich die liebende Mutter umfah'n -- die holde Geliebt' ich,
- Liebend und treu, und ich, den Freund, die Kinder, und Gattinn?«
- Also erscholl's aus dem brausenden Strom endlosen Entzückens;
- Aber der Retter stand im Kreise der staunenden Feldherrn,
- Von den seligen Scharen umjauchzt. Er blickte, verstummend,
- Ueber die Menge hinaus, in des hochaufwölbenden Aethers
- Schimmernden Raum empor (an seinen Wangen herunter
- Stürzte die Thrän') und als er nun senkte das Haupt, und voll Dankes
- Preßte die Recht' an das pochende Herz: da wandt' er sich lächelnd,
- Weinend, nach Eberstein, und sagte mit leiserer Stimme:
- »Stürb' ich doch jetzt: denn ach, mir wurde die Wonne des Himmels!«
- D'rauf mit erheitertem Blick begann er, und sagte zu Guasto:
- »Edeler Greis, vertraut sey dir die Pflege der Freien,
- Daß du mit Vaterhuld, und weis'umschauender Sorgfalt
- Stillest die Noth der Hungrigen, und bekleidest die Nackten!
- Heimwärts schiffen wir bald. In des Meer's freiwogenden Fluthen
- Rauschet der Kiel, und vom Mast erglänzen die Kränze der Sieger:
- Dort den Lieben zur wonnigen Schau. Doch nimmer entschwindet
- Uns das errungene Ziel hinfort; nicht welket der Kranz mehr,
- Der uns geworden: denn seht: er keimte hienieden, und blühet
- Unvergänglich fort in den hehren Gefilden des Himmels!«
- Jener führte die jauchzende Schar zu des Meeres Gestad hin,
- Sorgend für Aller Wohl nach dem Willen des edelsten Herrschers;
- Aber er trat voll Wehmuth ein in die Thore von Tunis!
-
-
-
-
- Anmerkungen zur Tunisias.
-
-
- Erster Gesang.
-
- [1] Vers 27.
-
-Nach der Schlacht von Zama, soll P. Corn. Scipio den Hannibal gefragt
-haben: wen er für den größten Feldherrn halte? Dieser nannte zuerst
-Alexander den Großen, dann Pyrrhus den Epiroten, und den dritten sich
-selber. Scipio, darüber empfindlich, sprach weiter: »und was würdest du
-erst gesagt haben, wenn du auch mich überwunden hättest?« -- »Dann«
-entgegnet' ihm jener -- »würde ich mich weit über jene Beiden gesetzt
-haben.«
-
- [2] Vers 29.
-
-Ludwig IX. (der Heilige), König von Frankreich, Sohn Ludwigs VIII. und
-Blanca's von Castilien (geb. den 25. April 1215), der durch seine
-Frömmigkeit, Weisheit in Regierungsgeschäften, und durch persönliche
-Tapferkeit sich allgemeine Hochachtung erworben hatte, unternahm zuerst
-einen Kreutzzug nach dem gelobten Lande; eroberte im Jahre 1249 Damiata,
-und schlug den Sultan von Aegypten zu wiederholten Malen. Allein durch
-Hungersnoth und ansteckende Krankheiten zum Rückzug gezwungen, verlor er
-die errungenen Vortheile mit der Freiheit, die er nur durch die
-Zurückgabe von Damiata, und durch ein großes Lösegeld für sein
-mitgefangenes Heer, wieder erhielt. Im Jahr 1270 unternahm er einen
-zweiten Kreutzzug, schiffte nach Afrika über, und eroberte die Veste von
-Tunis; doch auch hier, wie in Syrien, raffte eine ansteckende Krankheit
-einen Theil seines Heeres weg, deren Opfer er selbst, am 25. August
-desselben Jahres, geworden ist. (Siehe _dessen Lebensbeschreibung_ durch
-_Delachaise_ und des Abtes _de Choisi_.)
-
- [3] Vers 40.
-
-_Hairaddin_ (Chereddin) und Horuc-Barbarossa, von Mitylene, auf der
-Insel Lesbos, gebürtig, und, als Korsaren, der Schrecken des
-mittelländischen Meeres, bemächtigten sich des Thrones von Algier, wohin
-sie Selim-Euthemi, der König, gegen die Spanier zu Hülfe gerufen hatte.
-Chereddin übertraf seinen Bruder noch an Kühnheit, und begründete
-eigentlich das so lange, zur Schande Europa's, bestehende System der
-Seeräuberei an der Nordküste Afrika's. Nachdem er Constantina und noch
-andere Städte daselbst wegnahm, ernannte ihn Solyman II., oder
-_Prächtige_, zum Oberbefehlshaber seiner Flotten. Im Jahr 1535
-bemächtigte er sich durch Verrath der Stadt Tunis; sammelte dort eine
-bedeutende Seemacht, und anstatt, wie im vergangenen Jahre, nur die
-Küsten Italiens zu plündern, ging er mit nichts Geringerem um, als
-Sicilien mit einer Menge Türken und Mauren zu erobern, wodurch er sich
-die Wege zu dem Throne Neapels zu bahnen gedachte. In demselben Jahre
-wurden seine unabsehbaren Plane durch Carls V. herrlichen Zug nach Tunis
-vereitelt. Doch Carls unversöhnlicher Feind, Franz I., König von
-Frankreich, ward Chereddins Verbündeter, mit dessen Macht vereint, er im
-Jahr 1543 Nizza wegnahm. Er starb im Jahr 1546 zu Constantinopel, -- im
-88. seines Lebens. An dem Strande des Meeres zu Beschiktasch, am
-europäischen Ufer des Bosphorus, ist sein Grabmahl (wie Hofrath v.
-Hammer in seiner Verfassung des osmanischen Reichs Theil II., Seite 317,
-sagt), und erregt ernste Gefühle bei dem Geräusche der Wogen, die an ihm
-emporklimmen. (__Paul. Jov. in Elog._ I. 6. -- _Hist._ I. 33. 41. 44. --
-_Thuan. Hist._ L. III._)
-
- [4] Vers 55.
-
-_Andreas Doria_ (geb. 1468) aus einem altadelichen Geschlechte Genua's,
-war früher französischer Admiral, wählte aber freiwillig Kaiser Carls V.
-Flagge, und blieb zur See in dessen Diensten bis zu seinem Tode im J.
-1560. Er war der größte Seeheld seiner Zeit; gab Genua eine bessere
-Verfassung, und ward der _Vater und Befreier des Vaterlandes_ genannt,
-das er im J. 1528 vom Joche der Franzosen befreiet hatte.
-
- [5] Vers 61.
-
-_Muley Hassan_ (Maula-Hascen), Maula Mehemeds Sohn, König von Tunis. Er
-war der jüngste Sohn von zwei und zwanzig Geschwistern, unter welchen er
-seine Brüder, auf den Rath seiner unnatürlichen Mutter, theils blenden,
-theils tödten ließ, um also zum Throne zu gelangen. Sein älterer
-Zwillingsbruder, Al-Raschid, entfloh nach Constantinopel, bei Solyman
-Hülfe zu suchen. Er ward heimlich erwürgt, und der eben von dort
-absegelnde Chereddin eilte nach Tunis, und bekam bald, im Nahmen des
-todten Al-Raschid gebiethend, dem das Volk anhing, Goletta die Veste,
-und dann auch Tunis in seine Gewalt. Muley Hassan ward zwar durch den
-siegreichen Kaiser in sein ihm entrissenes Land wieder eingesetzt, wurde
-aber nach wenigen Jahren von seinem Sohn, Hamida, des Thrones beraubt,
-und geblendet. So kam er zu dem Kaiser nach Augsburg, nochmals um Hülfe
-zu flehen, und starb auf der Rückreise in Rom. (Siehe: __M. Cardonne
-Histoire de l'Afrique et de l'Espagne_ etc. T. III. _Paris_ chez
-Saillant_ 1765, und __Jov. Hist._ 33. c._)
-
- [6] Vers 99.
-
-_Solyman II._ (Suleyman, der _Prächtige_ benannt) folgte Selim I.,
-seinem Vater, im Jahre 1520 in dem türkischen Kaiserreiche nach. Nie ist
-dieses Reich auf einer glänzenderen Stufe der Macht und des Ruhmes
-gestanden, als unter diesem, durch Herrscherweisheit und Thatkraft
-ausgezeichneten Fürsten. Im Jahre 1521 eroberte er Belgrad, und im
-folgenden Jahre die Insel Rhodus, von wo er die Johanniter-Ritter
-vertrieb. Im Jahre 1526 gewann er in der Schlacht von Mohatsch den Sieg
-über den König der Ungern, Ludwig II., der sammt seinem Pferde in einem
-Moraste zu Grunde ging, und, nachdem er einen großen Theil von Ungern in
-seine Gewalt bekommen hatte, rückte er im J. 1529 vor Wien, von wo er
-nach einer vergeblichen Belagerung, da der Kaiser, Carl V., mit einem
-Heere näher gerückt war, sich schnell nach Ungern hinabzog. Er starb
-daselbst am 4. September 1566, bei der Belagerung der Veste Sigeth, die
-Niklas Zriny, ein zweiter Leonidas, so heldenmüthig gegen ihn
-vertheidigt hatte, im 72. Jahre seines Alters, und im 46. seiner
-Regierung. (__Paul Jov. in Solim.__)
-
- [7] Vers 105.
-
-_Istambul_, Stambul, nennen die Türken die Stadt Constantinopel.
-
- [8] Vers 406.
-
-Die heiligen Urkunden sprechen von einem Orte der ewigen Seligkeit,
-wohin die _Guten_ kommen, und von welchem die _Bösen_ auf immer
-ausgeschlossen bleiben. Aus ihnen schöpfte die Allgemeine Kirche die
-Lehre von einem Mittelzustande, von jenem der _Läuterung_, durch welche
-der Uebergang zu jenem möglich wird. Ueber alle drei ist in dieser
-Kirche, seit der ersten Zeit ihrer Verbreitung bis zu dem heutigen Tage,
-ein, und derselbe Glaube geblieben, welchen sie bestimmt, und deutlich
-gelehret hat. In Bezug auf dieses dreifache _Geisterreich_, von welchem
-die Kirche Beschreibungen zu geben, weder konnte, noch wollte, ließ sie
-auch einige Stellen in den Briefen des Apostel Paulus unberührt, die mit
-jenem in Verbindung gebracht werden konnten. Dieß sind die Stellen, in
-welchen er von den, im Luftraum wohnenden Geistern spricht, und auf
-welche der Sänger der Tunisias, und des Rudolph von Habsburg, sein
-_Wunderbares_ im Epos, (nicht als Exeget, sondern als Dichter) gegründet
-hat. Im Brief an die Epheser VI. vom 11-13. Vers (»Ziehet an die volle
-Rüstung Gottes, damit ihr stehen könnet gegen die Nachstellungen des
-Versuchers: denn unser Kampf ist nicht wider Fleisch und Blut, sondern
-wider Fürstenthümer, Gewalten und Weltherrscher der finsteren Gegenwart:
-wider die bösen Geister im Uebersinnlichen«) ist von Geistern die Rede,
-die böser Natur sind, und gegen deren Einflisterungen der Christ zu
-kämpfen hat. Vorher, III. Cap. 10. V. (»Damit den Mächten und Gewalten,
-im Uebersinnlichen, durch die Kirche« -- die Bekenner der christlichen
-Lehre, »die mannigfaltige Weisheit Gottes bekannt werde«) spricht er
-aber von solchen, welchen auf dem Pfade der Läuterung ein Aufschreiten
-vergönnt zu seyn scheint. Besonders die erstere Stelle fände ihre
-Erläuterung in jener im I. Brief an die Chorinther XV. Cap. 24. V. &c.,
-wo Paulus von dem _Weltende_ spricht: (»... Dann ist das Ende, wenn Gott
-die Fürsten, Mächte und Gewalten« -- im Uebersinnlichen -- »außer
-Wirksamkeit gesetzt haben wird. Das Letzte aber, was sein Ende erreichen
-soll, ist der Tod.«)
-
-Daß diese Stellen in den Briefen des Apostel Paulus schon in den ersten
-Jahrhunderten der christlichen Zeitrechnung auf eine ähnliche Art
-ausgelegt wurden, beweisen die merkwürdigen Worte des größten
-Schriftauslegers aller Zeiten, des h. Hieronymus, der zu obiger Stelle
-im VI. Cap. des Briefes an die Epheser, sagt: _»Haec autem omnium
-Doctorum opinio est: quod aer iste, qui coelum et terram medius
-dividens, inane appellatur, plenus sit contrariis Fortitudinibus.« _S.
-Hieronym. Comment. in Epist. ad Ephes. Q. 3. c. 5.__
-
- [9] Vers 465.
-
-Die grundlose Beschuldigung, die der Sectenhaß so vielen, selbst
-ausgezeichneten Geschichtschreibern eingab, daß nämlich Carl V. nach der
-Alleinherrschaft in Europa gestrebt habe, ist dem Unpartheiischen wohl
-aus seinem ganzen Herrscherleben klar genug; doch findet er sie völlig
-widerlegt durch seine Lage nach dem berühmten Siege, den er bei Mühlberg
-(24. April 1547) über den Smalkaldischen Bund errungen hatte. Seine
-ergrimmtesten Gegner sanken dort überwunden zu seinen Füßen; seine
-spanischen Veteranen, mit vielen italienischen Scharen, standen ihm zu
-Geboth, und er -- begnügte sich dem frechen Uebermuth, der ihn nur als
-_Carl von Gent_ mehr gelten ließ, ein Ziel gesetzt zu haben, entließ
-seine sieghaften Scharen, baute auf Treu und Glauben: denn das hatte er
-wohl nie gedacht, daß sein Liebling, Moritz von Sachsen, den er an
-seinem Herzen groß gezogen hatte, so undankbar an ihm handeln würde, und
-gerieth, von diesem mit einem Ueberfall bedroht, schon fünf Jahre (J.
-1552) nach jenem Siege, in solche Gefahr, daß er sich, von
-Gichtschmerzen gefoltert, in einem Tragsessel noch in der Nacht von
-Innsbruck fort über die Gebirge nach Kärnthen, als ein Flüchtender,
-mußte tragen lassen.
-
-
- Zweiter Gesang.
-
- [10] Vers 23.
-
-_Ortilo_, dessen wichtige _Fragmente von den Babenbergern_, als
-Herrschern Oestreichs, Chrysostomus Hanthaler aufgefunden und bekannt
-gemacht hatte, sagt zu dem Jahr 1191 von _Leopold_ dem _Tugendhaften_,
-unter anderm: »Da der Herzog bei der Belagerung (von Ptolemais) so
-tapfer focht, daß sein ganzer Körper, mit Ausnahme jenes Theils, den der
-Leibgurt umgab, mit Feindes Blut bespritzt war, so hat in der Folge der
-Kaiser, Heinrich VI., den Schild Oestreichs, in dem bisher fünf Lerchen
-zu sehen waren, geändert, und zeichnete solchen durch ein _rothes Feld_
-aus, das durch einen _weißen Querbalken_ mitten durchschnitten ist.«
-Ortilo war ein Zeitgenosse Leopold des Tugendhaften, und vier Jahre
-darauf, bei seiner Begräbniß in heil. Kreuz, gegenwärtig. Spätere
-Schriftsteller, wie Cuspinian, Lazius &c. &c. sind anderer Meinung über
-die Bedeutung dieses Wapens. (Siehe __Fast Campil._ T. I. pag._ 434, und
-__Recens. Dipl. Geneal. Arch. Campil._ pag. 196._)
-
- [11] Vers 58.
-
-In dem Werkchen: __Eutropii Diarium Expeditionis Tunetanae_ a. 1535_,
-die in der Sammlung »_Scriptores Rer. Germ. per S. Schardium_,« Gießen,
-1673, enthalten ist, wird ausdrücklich gesagt, daß der Kaiser während
-seiner Abwesenheit die Regierung Spaniens seiner Gemahlinn, Isabella,
-übergeben, und sogar sein Testament hinterlassen habe: _»priusquam
-Madritio discederet, omnibus adhibitis solemnitatibus testamentum suum
-condidit,« pag. 321_.
-
- [12] Vers 91.
-
-_Hermann_, der Sohn des Cherusker-Fürsten, Siegmar (geb. 18 J. vor
-Chr.), ward in Rom erzogen, und im römischen Heere angestellt. Doch, er
-beschloß der Retter seines Vaterlands zu werden; vernichtete in seinem
-26. Jahre die Legionen des Quintilius Varus in dem Teutoburger Walde,
-und nachdem er zwölf Jahre hindurch die Angelegenheiten Deutschlands
-geleitet hatte, besiegte er Marbod, den König der Marcomannen, zwei
-Jahre vor seinem Tode. Er soll, weil er nach Alleinherrschaft strebte,
-von seinen Anverwandten ermordet worden seyn. (__Tacit._ L. I. et II.
-_Annal.__)
-
- [13] Vers 97.
-
-_Hannibal_, der Sohn des Hamilkar Barkas (geb. im J. 247 vor Chr. zu
-Karthago), nach seinem berühmten Zuge über die Alpen der Besieger der
-Römer an der Trebbia, am Trasimenus, vor Cannä &c., wurde bei Zama von
-dem ältern Scipio besiegt, und starb als Flüchtling in Bithynien (183 J.
-vor Chr.) in seinem 65. Jahre, nachdem er in seinem 26. den großen Kampf
-gegen die Römer begonnen hatte. (_Polyb. L. III. c. 17 et 64. _Livius_.
-L. 21._)
-
- [14] Vers 97.
-
-_Regulus_ (Marcus Attilius), um das Jahr 254 vor Chr. Consul von Rom,
-ward (_siehe die folgende Anmerkung_) in der Schlacht von Tunis
-gefangen, und von den Karthagern, wegen der Auslösung ihrer Gefangenen,
-mit noch andern Abgeordneten, nach Rom gesandt, wo er dem Senat, mit
-wahrer Römergröße, rieth: die Gefangenen nicht zu lösen. Er kehrte,
-seinem Eidschwur treu, als Gefangener nach Karthago wieder zurück, und
-soll dort, nach Einigen, grausam hingerichtet, nach Andern, eines
-natürlichen Todes gestorben seyn. (__Polyb. Lib. I._ -- _Liv_. 17 et 18.
--- _Palmerius, in Appian._ pag. 151._)
-
- [15] Vers 143.
-
-_Xanthippos_ hieß der edle Spartaner, der Karthago einen glänzenden Sieg
-über Rom verschaffte. Nach der Niederlage von Eknomos, die jene im J.
-254 v. Chr. zur See gegen die Consuln Cajus Sulpitius, und Attilius
-Regulus erlitt, ward sie von dem Letzteren, der in Afrika landete, und
-Tunis zu seinem Waffenplatze erkor, an den Rand des Verderbens gebracht.
-Da landete mit einem Schiffe griechischer Miethlinge auch Xanthippos,
-der von Gestalt unansehnliche, aber geist- und kraftbegabte Spartaner,
-von dem _C. Sil. Pun. L. 6_ singt:
-
- Nulla viro species, decorisque et frontis egenum
- Corpus; in exiguis vigor, admirabile, membris
- Vividus, et nisu magnos qui vinceret artus.
-
-Er machte den Senat auf die Fehler seiner Heerführer aufmerksam; übte
-das ihm anvertraute Heer nach griechischer Kriegskunde zuvor ein;
-besiegte die Römer in der Schlacht von Tunis, und nahm den Consul A.
-Regulus mit dem Ueberreste seines Heeres gefangen. -- Ihm war das stolze
-Bewußtseyn genug: eine ganze Nation dem Untergange entrissen zu haben:
-denn er kehrte gleich darauf wieder nach seinem Sparta zurück. (_Siehe
-Fr. Mich. Vierthalers_ vortreffliche _Philosophische Geschichte der
-Menschen und Völker_ V. B. S. 306.)
-
- [16] Vers 212.
-
-_Attila_, König der Hunnen, die aus Scythien kommend, sich in Pannonien
-niedergelassen hatten, gelangte im J. 434 zur Herrschaft. Nachdem er
-sich gerühmt: das Schwert Tyr's, des Kriegsgottes, aufgefunden zu haben,
-ermordete er seinen Bruder Bleda, und entboth ein ungeheuer zahlreiches
-Heer, um als _die Geißel Gottes_, wie er sich nannte, die Erde
-verheerend zu durchziehen. Er fiel um das J. 441 zuerst in Thrazien ein,
-drang bis nach Armenien vor, und verwüstete dann das morgenländische
-Kaiserthum, zwingend den Kaiser Theodosius, den er überwunden hatte, ihm
-einen Tribut zu zahlen. Auf seinem zweiten großen Verheerungszuge nach
-Frankreich wurde er bei _Chalons sur Marne_, durch die vereinte Macht
-der Römer unter Aetius, und der Westgothen unter Theodorich, auf das
-Haupt geschlagen; zog sich über den Rhein zurück, und wandte sich zu dem
-dritten, gegen Rom selbst, da er Honoria, die Schwester Valentinian
-III., zur Ehe verlangte, und diese ihm abgeschlagen worden war. Er
-verwüstete ganz Ober-Italien, bei welcher Gelegenheit die Flüchtlinge
-auf den Inseln der Lagune dem berühmten Venedig den Ursprung gaben. Von
-der Zerstörung Roms hielt ihn der Papst, Leo der Große, ab. Er kehrte
-nach Pannonien zurück, wo er im J. 453, in der Nacht nach seiner
-Vermählung mit der baktrianischen Prinzessin, Ildiko, in seinem Blute
-erstickt gefunden ward. (_Siehe Jornandes_; und __Bonfinii Hist. Decad._
-I. L. 7._)
-
- [17] Vers 245.
-
-_Tyr_ nach der nordischen Götterlehre, der Sohn Odins, und der tapferste
-unter den Göttern, wie es bei den Griechen _Ares_ war, den die Römer
-Mars benannten.
-
- [18] Vers 321.
-
-_Kabesch_. Kabes, eine Stadt im Königreiche Tunis von 25,000 Einwohnern.
-Sie liegt in dem Golf gleiches Nahmens, sonst auch die Kleine-Syrte
-genannt.
-
-
- Dritter Gesang.
-
- [19] Vers 26.
-
-_Ludwig_, Infant, Bruder des Königs Emanuel von Portugal, und der
-Isabella, Gemahlinn des Kaisers Carl V.
-
- [20] Vers 35.
-
-_Ruyter_. Hier ist keineswegs der berühmte holländische Seeheld, Michael
-Hadrian Ruyter (geb. zu Vließingen im J. 1607, gest. 1676) gemeint, der
-sich vom gemeinen Matrosen bis zum Range eines Admirals aufschwang; die
-englische Seemacht zu verschiedenen Malen schlug; von seinem Vaterlande
-nach Verdienst geehret ward, und endlich bei der Unterstützung der
-Spanier in Sicilien, dem Aetna gegenüber, in einem Treffen durch eine
-Kanonenkugel den Fuß verlor, an welcher Wunde er bald darauf in der Bay
-von Syrakus starb, sondern _Franz Ruyter_, den Paul Jovius in seiner
-Geschichte des tunetanischen Feldzugs unter den Feldherrn aufführt.
-(_Siehe:_ __Paul Jov. Hist. Lib._ 34. pag. 284 _Basileae_ an. 1578._)
-
- [21] Vers 47.
-
-_Porto Venere_ an der südwestlichen Spitze des Genueser Gebiethes.
-
- [22] Vers 49.
-
-Alphons Avalos, Marchese del Vasto (auch _Guasto_), einer der
-berühmtesten Feldherrn Carls V. aus dem Hause der Pescara im Königreich
-Neisen, im J. 1502 geboren, wohnte der Schlacht von Bicocca (im J. 1522)
-bei; wurde nach Anton Leyva's Tode Gouverneur von Mailand, und hatte den
-Oberbefehl des Heeres bei dem Kriegszug nach Tunis. Im J. 1543 entsetzte
-er Nizza, das von den Franzosen, und ihrem Verbündeten, Chereddin
-Barbarossa, belagert war. Er starb im J. 1546 zu Vigevano,
-wahrscheinlich aus Kummer, den ihm die gegen die Franzosen verlorne
-Schlacht von Cerisoles in Piemont (14. April 1544) zugezogen hatte.
-(__P. Jov. Hist._ et _Roscio Capit. illustr._ p. 288._)
-
- [23] Vers 57.
-
-Das Geschlecht der _Ebersteine_ soll schon zu Carl d. Gr. Zeiten in
-großem Ansehen gestanden seyn. Was die Geschichte Gewisseres von ihnen
-gibt, ist: daß Eberhard, der Stammvater der Ebersteine, Hedwig, die
-Tochter Kaisers Heinrich I. geehlicht, und seinen Hof in Hohentviel
-gehabt habe. Als Abgesandter des Kaisers an den Papst, erhielt er von
-diesem am Pfingstfeste zu Rom die goldne Rose zum Geschenk, die er, nach
-dem Gebrauche der römischen Kirche, getragen hatte, und die bei seiner
-Heimkunft der Kaiser in den Wapenschild der Ebersteine setzen hieß. Sein
-Sohn Ludwig wohnte der Schlacht Heinrichs I. gegen die Ungern vor
-Merseburg bei. -- Die zweite Stammlinie der Ebersteine richtete Graf
-Otto I. in Pommern zu Neugarten auf. Otto III. der um das Jahr 1370
-gelebt, soll der Stifter der würtembergischen Hauptlinie seyn. -- Otto
-II. ein anderer Stammvater der Ebersteine, verbesserte die Herrschaft an
-der Weser, und erbaute das Schloß Ottenstein. Man sieht noch die Ruinen
-des Schlosses Eberstein unweit Holzminden an der Weser. (__Meibom. Rerum
-Germ._ T. II. p. 515. Luca:_ _Grafen-Saal_, _pag. 943._)
-
- [24] Vers 74.
-
-_Donau_, _Danubius_ (Ister hieß er den Alten von Wien hinab) einer der
-größten Flüsse Europas, da er nach Büsching eine Strecke von 700 Meilen
-durchläuft, und mehr als 160 größere und kleinere Flüsse in sich
-aufnimmt, entspringt, nach der gewöhnlichen Meinung, am Schwarzwalde bei
-Donaueschingen, obschon Andere diese Ehre zwei anderen Quellen, der
-_Brega_ und _Brigach_, mit welcher sich jene vereinigt, ertheilen. Die
-Donau endet an der Küste Bessarabiens ihren Lauf, und stürzt sich durch
-sechs Arme mit solcher Gewalt in das schwarze Meer, daß ihr Wasser
-mehrere Meilen weit im Meer noch süß und erkennbar seyn soll.
-
- [25] Vers 119.
-
-_Hunyady_ (Johann Corvinus Hunniades), den, nach einigen, ein
-walachischer Bojar mit der Elisabeth Paläologa, aus dem Geschlechte der
-letzten griechischen Kaiser; nach Andern, König Sigismund, außerehlich
--- mit der Tochter eines edeln Walachen erzeugt haben soll, wurde zu
-Ende des vierzehnten Jahrhunderts geboren. Er war, während der
-Minderjährigkeit des Königs Ladislaus Posth., Statthalter von Ungern,
-während seines ganzen Lebens ein Schrecken der Türken, die er in
-verschiedenen Schlachten besiegte, und zuletzt (am 6. August 1456) von
-Belgrad vertrieb, und starb am 16. Sept. desselben Jahrs. Von seinen
-zwei Söhnen wurde der ältere, Ladislaus, im folgenden Jahre zu Ofen
-enthauptet. Der jüngere, Mathias (Corvinus), gelangte zur ungarischen
-Krone. (__Bonfin. Hist. Hung.__)
-
- [26] Vers 132.
-
-_Zirknitz_ (Czirknitzer See) im Lande Krain, sechs Stunden von Laibach,
-gibt dem anstoßenden See den Nahmen, der eine Meile lang, und eine halbe
-breit ist. Das Wasser dieses wunderbaren Sees versinket gewöhnlich des
-Jahres einmal durch Oeffnungen, die sich in seinem Bette befinden.
-Sobald es sich zum Ablauf neiget, eilt Jung und Alt, die Fische in
-großer Menge herauszuziehen. Nach beiläufig zwanzig Tagen wächst dort,
-wo erst das Wasser stand, vortreffliches Gras, und nachdem dieses
-eingeerntet ist, wird noch Hirse darin gebaut, wo auch die Jagdfreunde
-an Hasen und wildem Geflügel reichliche Beute finden.
-
- [27] Vers 149.
-
-Niclas _Salm_ und Wilhelm _Roggendorf_, dessen Tochter die Gemahlinn des
-ersteren war, vereinte auch das Band der zärtlichsten Freundschaft.
-Beiden als Feldherrn, war die Vertheidigung Wiens gegen Solymans
-zahlloses Belagerungsheer anvertraut. Eine Kanonenkugel fuhr in den
-Wall, und schleuderte einen zertrümmerten Stein gegen Salms Schenkel,
-bei dem letzten Sturm, den Solyman am 14. October 1529 gegen die Wälle
-Wiens unternahm. An der erhaltenen Wunde starb dann Salm am 4. Mai 1530
-zu Marcheck, wohin er sich hatte bringen lassen. (_Siehe Taschenbuch für
-die vaterländische Geschichte durch Freih. von Hormayr &c. vierter
-Jahrgang._ S. 102.)
-
- [28] Vers 238.
-
-_Elba_, eine kleine Insel des mittelländischen Meeres, von beiläufig
-zwölf Meilen, Livorno gegenüber. Ihr Hauptreichthum sind die Eisenminen
-von Rio, deren Erze mehr als die Hälfte reines Metall geben, und von
-ihrer schillernden Farbe (_Eisenglanz_) bekannt sind. Porto Ferrajo
-(_Eisenport_), mit einer guten Rhede und 3000 Einwohnern, ist die
-Hauptstadt der Insel.
-
- [29] Vers 372.
-
-_Toledo_, Pedro Alvarez de Toledo, Vice-König von Neapel, ein Sohn des
-zweiten Herzogs von Alba, bekam mit seiner Gemahlinn Maria Osorio
-Pimentel den Staat von Villafranca, und war der Schwieger des ersten
-Herzogs von Florenz, Cosmus von Medicis.
-
-
- Vierter Gesang.
-
- [30] Vers 43.
-
-_Alba_ (Ferdinand Alvarez von Toledo, Herzog von) war im J. 1508
-geboren. Erst unter Carl V., dann unter Philipp II., seinem Sohn, war er
-stets ein siegreicher Feldherr ihrer Heere. In dem Kriege gegen die
-Niederländer hatte er nach seiner und seines Herrn Ueberzeugung,
-Rebellen bekämpft, und in solchen Kriegen hat man wohl sonst auch von
-ähnlichen, und noch größeren Grausamkeiten gehört; doch da dieser Krieg
-den Protestanten für einen Religionskrieg galt, und noch heut zu Tag
-dafür gegeben wird, so mußte er, besonders seit Schillers
-poetisch-entworfenem Bilde von ihm, als einer der grausamsten Wüthriche
-geschildert, erscheinen. Andere rühmen an ihm, nebst seinen großen
-Feldherrntalenten, seine unerschütterliche Treue, und dabei sein freies,
-offenes Benehmen gegen seinen Regenten, seinen Edelmuth und Weisheit.
-Indeß ist er von Härte und Grausamkeit nicht frei geblieben. Er starb im
-J. 1582 im 74sten Jahre seines Lebens.
-
- [31] Vers 43.
-
-_Alarcon_ (Ferdinand d'Alarzon), einer der tapfersten spanischen
-Feldherrn Carls V. Nach dem Siege von Pavia (24. April 1525), wurde ihm
-die Bewachung des gefangenen Königs von Frankreich, Franz I.,
-anvertraut, so wie zwei Jahre später, jene über den Papst, Clemens VII.,
-der sich den Kaiserlichen ergeben hatte. (__Jov. Hist._ 34. cap. --
-_Imhof. Geneal. 20. Fam. Hisp._ p. 203._)
-
- [32] Vers 45.
-
-_Garzia Lasso_ (Garzilaso de la Vega), im J. 1503 zu Toledo geboren, ein
-berühmter spanischer Dichter in der Gattung der Ekloge, Epistel, Oden,
-Lieder und Sonette. Er wohnte unter Carl V. den Feldzügen im Jahr 1529
-gegen Solyman, und im J. 1535 gegen Tunis bei; in dem letzteren wurde er
-an dem Arm verwundet. Im folgenden Jahre zog er mit dem Kaiser gegen
-Marseille, als Befehlshaber eines Heertheils, und erhielt bei der
-Bestürmung eines Thurms die gefährliche Kopfwunde, an welcher er nach
-drei Wochen im 33. Jahre seines Alters starb. Sein Leichnam wurde in der
-Folge nach Toledo gebracht. (__Jov. Elog.__)
-
- [33] Vers 97.
-
-_Constantin der Große_ (geb. im J. 274), erster christlicher Kaiser,
-soll vor der Entscheidungsschlacht an dem Ponte Milvio (h. z. T. Ponte
-Molle) bei Rom, gegen den Maxentius, am hellen Mittage, unterhalb der
-Sonne, ein flammendes Kreuz mit der Inschrift: »__In hoc vinces__,«
-erblickt haben. (__Eusebius in Vita Constantini_ M. et _Hist.__)
-
- [34] Vers 179.
-
-_Atlas_. Der Berg, besteht eigentlich aus zwei Ketten, die sich über den
-größten Theil von Nordafrika verbreiten. Die eine heißt der _Große_
-Atlas (mehr als 11,000 Fuß über der Meeresfläche erhöht), welcher sich
-vom Reiche Marrokko bis zur Wüste Sahara hinabzieht, und die andre der
-_Kleine_ Atlas, der sich von Osten nach Westen bis zum Mittelländischen
-Meere erstreckt. -- Nach der Mythologie der Griechen war er einer der
-Titanen, dem Zeus die Strafe auferlegte, das Himmelsgewölbe zu tragen.
-
- [35] Vers 239.
-
-_Janssen von Middelburg._ Zacharias Janssen, ein Brillenmacher zu
-Middelburg in Seeland, war der Erfinder des Fernrohrs im Jahre 1590,
-indem er zwei Linsen, eine convex, die andere concav, in verschiedener
-Richtung von dem Auge hielt. Er brachte sie dann in eine Röhre, und bot
-die gelungensten zwei, von 16 Zoll Länge, dem Prinzen Moritz von Nassau,
-und Erzherzog Albert an. Der berühmte Galiläi hörte davon in Venedig,
-und machte sogleich darauf einen Versuch. (Siehe: __Hier. Sirturus de
-Telescop__; und __Petr. Borell de vero Telescopii Inventore.
-Hagae-Comitum.__ 1655.)
-
- [36] Vers 526.
-
-Die Franzosen, unter Lautrec, und die mit ihnen vereinten Schweitzer,
-wurden bei Bicocca, unweit Mailand, im Mai 1522 durch die Truppen Carls
-des V. mit großem Verluste geschlagen.
-
-
- Fünfter Gesang.
-
- [37] Vers 13.
-
-_Villiers-L'isle-Adam_ (Philipp v.), zu Ende des fünfzehnten
-Jahrhunderts in Frankreich geboren, und zum Großmeister des
-Johanniter-Ordens von Jerusalem im J. 1521 erwählt. Im folgenden Jahre
-überzog Solyman die Insel mit einer großen Belagerungsmacht, die jener
-so tapfer gegen ihn vertheidigte, daß über 100,000 Türken dabei das
-Leben einbüßten. Amarat, des Ordens Kanzler, ward an ihm zum Verräther,
-und nur so gelang es endlich Solyman, die Insel gegen Capitulation, und
-unter der Bedingniß eines freien Abzugs der Ritter und der christlichen
-Einwohner, zu erringen. Vergeblich suchte er L'isle-Adam in seine
-Dienste zu ziehen, dessen Heldenmuth er vor seinem Heere, und
-mitten unter den Leichen der Gefallenen lautes Lob ertheilte.
-Villiers-L'isle-Adam starb im J. 1534 als Großmeister des Ordens zu
-Maltha, welche Insel Carl V. ihm zum neuen Ordenssitze geschenkt hatte.
-(Siehe: __Bouhors Siège de Rhodes__.)
-
- [38] Vers 75.
-
-_Gomert_ oder _Zafrano_ rechts, und _Bona_ links, heißen h. z. T. die
-zwei Vorgebirge, von welchen jenes einst dem Apoll, und dieses dem
-Hermes geweiht war, welchen vorüber die Einfahrt in den tiefer liegenden
-karthaginensischen Meerbusen geschah. Von dort dehnt er sich im halben
-Zirkel, bis an die Mündung des hinterhalb liegenden Landsees von Goletta
-hin, wobei die Landschaft der vormals wegen ihrer heilsamen Bäder
-berühmten Stadt Rada zur Linken bleibt, und jener gegenüber zeigt sich
-dann die Lage des zerstörten Karthago, des Oehlwalds, und der steilen
-Hügel, über welche man zu dem Flusse _Makar_ gelangte. (__Jov. Hist.
-Lib._ 34._)
-
- [39] Vers 105.
-
-Der _Wasserthurm_ steht nördlich von dem steilen Felsen -- einst die
-hohe Byrsa, auf welcher der berühmte Tempel des Aeskulap stand, und nahe
-der schmalen Erdzunge, die das feste Land mit der Halbinsel verband, auf
-welcher Karthago erbaut war. Auf dieser befanden sich wahrscheinlich die
-Ställe der Elephanten. Obige Cisternen sind fast die einzigen noch
-erhaltenen Ueberreste der zerstörten Karthago.
-
- [40] Vers 117.
-
-_Goletta_, die Veste, hatte zur Zeit Carls V. eine beinahe viereckige
-Form, und zwei Abtheilungen, von welchen die Wälle der oberen 40, und
-der unteren 50 Schritte breit waren. Sie enthielt eine vortreffliche
-Cisterne, in welcher sich das Regenwasser sammelte, und viele
-bombenfeste Gewölbe zur Aufbewahrung des Kriegsbedarfs. Mit ihr in
-Verbindung stand vorne an der Mündung des Sees von Tunis, ein mit Wällen
-versehener Thurm, der vom Meere her jedem Schiffe den Eingang verwehrte.
-Der See, beiläufig 12,000 Schritte breit und eben so lang, erhält aus
-dem karthaginensischen Meerbusen sein Gewässer, und ist auf beiden
-Seiten so seicht, daß man nur in der Mitte desselben auf kleinen
-Fahrzeugen nach Tunis gelangen kann. (__Eutropii Diar. Exp. Tunet. apud
-Schard._ pag. 331._ und __Jov. Hist. Lib. 34.__)
-
-
- Sechster Gesang.
-
- [41] Vers 83.
-
-_Eutropius_ in seinem __Diar. Exped. Tunet._ p. 325. (_Rerum Germ.
-Scrip. apud Schard_)_, sagt ausdrücklich: daß vor Allen die Deutschen
-bei der Landung, über jeden Aufschub ungeduldig, sich auf ihren, in das
-Wasser gesenkten Speeren auf das Land hinaus geschwungen, und den Kampf
-mit dem Feinde sogleich begonnen haben.
-
- [42] Vers 79.
-
-_Pizarro_ (Francisco), ein Spanier, von unbekannter Herkunft, ging mit
-noch andern Abenteurern nach der neuen Welt, verband sich im J. 1524 mit
-Diego d'Almagro, und eroberte Peru, nachdem er den Inca Atahualba auf
-eine grausame Art hatte hinrichten lassen. Er war schon früher zum
-Statthalter der neu zu entdeckenden Länder ernannt worden, und er traf
-wirklich sehr viele Vorkehrungen zum Besten jener Länder, die um so mehr
-in Erstaunen setzen, da er nicht einmal des Lesens und des Schreibens
-kundig war. Er wurde im Jahr 1541 durch einen Anverwandten Almagro's
-getödtet, nachdem früher dieser von Pizarro zum Tode verurtheilt worden
-war. Die Stadt Lima verdankt ihm ihre Gründung. Sonst ist sein Nahme mit
-der Beigabe eines grausamen Eroberers auf die Nachwelt gekommen. (Siehe
-__W. Robertson History of America in II Volumes London_ 1777_.)
-
- [43] Vers 386.
-
-_Casas_ (Bartholomeo de las), Bischof von Chiapa in Mexico, im J. 1471
-in Sevilla geboren. Schon in seinem 19. Jahre reiste er mit dem
-Weltentdecker Columbus nach St. Domingo, kehrte aber von dort wieder
-nach Spanien zurück, um sich im Orden der Dominikaner zum Missionär
-vorzubereiten. Voll glühendem Enthusiasmus für ein wichtiges Anliegen
-der Menschheit, stand er beinahe durch 50 Jahre als ein Anwald der
-mißhandelten Einwohner der neuen Welt da, und schrieb, und unternahm
-häufige Reisen nach Europa, sie vor dem Throne zu vertreten; doch war
-das Interesse so vieler Großen dabei gefährdet, und er starb im Jahr
-1556 zu Madrid, ohne daß er bedeutende Vortheile für jene erwirkt hätte.
-Unter seinen Schriften (gedruckt Sevilla im J. 1552) ist auch eine
-Geschichte von Westindien. (Siehe _Perez del Castillo Mex. Hist._)
-
- [44] Vers 521.
-
-_Freundsberg_ (Georg von _Frundsberg_, _Frondsberg_ &c. Herr von
-Mindelheim, geb. 1475 und gest. 1528 daselbst), kaiserlicher Feldherr,
-wegen seiner persönlichen Tapferkeit und Leibesstärke berühmt, da er ein
-wildanlaufendes Pferd sogleich fest halten, und den stärksten Mann mit
-einem Finger von der Stelle drängen konnte. Er bildete sich unter Max I.
-und Carl V. in der Kriegskunst aus, half dem Letztern die Schlacht von
-Pavia (im J. 1525) gewinnen, und führte auch das folgende Jahr 12,000,
-auf eigene Kosten geworbene Krieger, dem kais. Feldherrn Carl von
-Bourbon, gegen Clemens VII. nach Italien zur Verstärkung zu, wo ihn bei
-Ferrara, bei einem Aufstand der Krieger wegen rückständiger Löhnung, der
-Schlag traf, und dann zwei Jahre darauf sein Tod erfolgte. (_Siehe Herrn
-Georgen und Kasparn von Frundsberg ritterliche Kriegsthaten. -- _Jov. in
-Elog. Hist.__)
-
- [45] Vers 592.
-
-_Byrsa_ hieß die Burg von Karthago, auf dem Gipfel eines steilen
-Felsens, um welchen ringsher die einst mächtige Stadt Karthago erbaut
-war. Dort befand sich der herrliche Tempel des Aeskulap, zu welchem man
-auf 50 Stufen hinanstieg, und in dessen Flammen die Gattinn Hasdrubals,
-der zu dem Zerstörer Karthago's, Scipio, überging, sich stürzte, nachdem
-sie vorher im Angesichte der Römer und ihres feigen Gemahls, ihre beiden
-Kinder ermordet hatte. J. 146 vor Chr. G. (_Siehe Vierthalers phil.
-Gesch. der Menschen und Völker. V. Band._)
-
-
- Siebenter Gesang.
-
- [46] Vers 85.
-
-_Zama_, der Ort, vor welchem der große Held Karthagos, Hannibal, durch
-den römischen Feldherrn Scipio im J. 201 vor Chr. überwunden ward, lag
-zwischen Adrumetum und dem, fünf Tagreisen davon entfernten, Karthago.
-
- [47] Vers 190.
-
-An dem Ufer des _Bagrada_ (h. z. T. Medscherdah), der nicht fern von
-Utika vorüberfloß, soll der Consul M. Atil. Regulus eine ungeheure
-Schlange, deren Länge auf 120 Fuß angegeben wird, mit Katapulten
-beschossen, und getödtet haben. (__A. Gell._ L. VI. c. 3. -- _Valer.
-Max._ L. I. c. 8._) Wahrscheinlich war sie eine Riesenschlange (_Boa
-Constrictor_).
-
- [48] Vers 329.
-
-_Barda_ heißt die Sommerresidenz des Dey von Tunis, mit einem
-weitläufigen Schlosse, und den schon zu Carls V. Zeiten berühmten
-bardäischen Gärten an der Küste von Maritia. Sie liegt an der Westseite
-von Tunis, und hängt durch die Gärten mit der Stadt zusammen.
-
- [49] Vers 410.
-
-_Houris_ sind, nach Muhameds Lehre, die blendend schönen Jungfrauen,
-welche von zarter, ätherischer Gestalt, die Seligkeit der Männer in
-seinem Paradiese ausmachen. Die Schilderungen von ihnen sind ganz in dem
-orientalisch-üppigen Geschmack entworfen.
-
-
- Achter Gesang.
-
- [50] Vers 54.
-
-_Laufgräben_ (_tranchée's_) sind drei bis sechs Fuß tiefe, zehn und
-zwölf Fuß breite, in verschiedener Richtung gegrabene Wege, welche mit
-der zum Wall, gegen eine belagerte Festung aufgeworfenen Erde, die
-Belagerer in den Stand setzt, sich ihr mit Sicherheit nähern zu können.
-
- [51] Vers 199.
-
-_Thor der Glückseligkeit_, heißt der Eingang zu dem Harem des Großherrn,
-der dem Aga der Verschnittenen anvertraut ist. (_Siehe Hrn. Joseph von
-Hammers Verfassung des osmanischen Reichs, Band II. Seite 9._)
-
- [52] Vers 201.
-
-_Circassien_, eine große Landschaft in Asien, welche sich von dem
-schwarzen bis zum caspischen Meere erstreckt, und nördlich von dem
-Caucasus begränzt wird. Ihre Bewohner, sowohl männlichen als weiblichen
-Geschlechts, sind sehr wohlgestaltet, und die Letzteren werden
-vorzüglich für die türkischen Harems gesucht. Ihre Männer sind
-treffliche Reiter, ungemein tapfer im Felde, und daheim Verehrer des
-Gastrechts. Der größte Theil ihres Landes ist dermalen unter russischer
-Bothmäßigkeit.
-
- [53] Vers 284.
-
-_Bagrada_, h. z. T. Medscherdah, ein Fluß, der in der Nähe von
-Buschatter (Utika) sich in das Mittelmeer ergießt.
-
-
- Neunter Gesang.
-
- [54] Vers 15.
-
-_Turkestan_, das eigentliche Stammland der heutigen Türken, ist eine
-Landschaft in Mittel-Asien, die von dem Königreiche des großen Moguls,
-von der großen Tartarey, von Catay und Zagatey begränzt wird. Das Land
-ist sehr fruchtbar, dessen Einwohner Tartaren sind, und sich zur
-muhamedanischen Lehre bekennen.
-
- [55] Vers 58.
-
-_Varus_ (Quintilius), unter Augusts Regierung erst Proconsul in Syrien,
-dann in denen, seit Julius Cäsar eroberten deutschen Provinzen, wurde
-durch das Haupt der Cherusker, Hermann, aus seinem verschanzten Lager
-bis in den Teutoburger-Wald, h. z. T. Grafschaft Lippe, gelockt und dort
-sammt seinen drei Legionen zu Grunde gerichtet. Varus entleibte sich
-selbst. August soll sich bei der erhaltenen Nachricht die Haare gerauft,
-und ausgerufen haben: »_Varus, schaffe mir meine Legionen wieder!_«
-(__Tacit. Sveton. Velej. Pater._ L. I. 2._)
-
- [56] Vers 103.
-
-_Beduinen_, oder nomadische Araber, sind unabhängige, freie Stämme
-muhamedanischer Religion, die unter ihren Fürsten (Emir) oder
-Familienhäuptern (Scheich) die Wüste, größten Theils unter Zelten
-lebend, bewohnen. Sie sind Krieger und Hirten zugleich, und verachten
-stolz alle übrigen Beschäftigungen. Seit Jahrtausenden sind ihre Sitten
-dieselben geblieben, wie sie in den allerältesten Urkunden, nämlich in
-der h. Schrift, durch Moses, geschildert werden. (_Niebuhr, Beschreibung
-von Arabien_, S. 379 und f. -- _D'Arvieux_ III. 125.)
-
- [57] Vers 382.
-
-_Natter_. (_Cerastes_) _Hornschlange_ -- nach dem Volksglauben auch die
-_Königsschlange_ genannt, weil sie, laut jenem, eine Krone auf dem
-Haupte haben soll. Die arabischen Gaukler pflegen der Hornschlange zarte
-Vogelklauen einzusetzen, um damit das Volk zu täuschen.
-
- [58] Vers 477.
-
-_Bürgerkrone_, war bei den Römern eine große Auszeichnung für Jenen, der
-in der Schlacht einem Bürger das Leben gerettet hatte. Sie war von
-Eichenlaub gemacht, und führte die Aufschrift: »_Ob civem servatum._«
-Bei Schauspielen, oder im Senate, wo sie getragen wurden, stand die
-ganze Versammlung vor ihm auf.
-
- [59] Vers 520.
-
-_Cornelia_, die Mutter der Gracchen, war die Tochter des älteren Scipio,
-des Siegers bei Zama, und hatte zwei Söhne, Tiberius Sempronius, und
-Cajus, mit ihrem verstorbenen Gatten, Tib. Semp. Gracchus, erzeugt, der
-zweimal Consul war, und die Insel Sardinien eroberte. Jene beiden, von
-ihrer trefflichen Mutter gebildeten, und mit den schätzbarsten
-Eigenschaften ausgerüsteten Söhne, fanden in den, von ihnen erregten
-bürgerlichen Gährungen (der ältere im J. 133, und der jüngere im J. 121
-vor Chr.) den Tod, indem sie als Tribunen zu sehr nach der Volksgunst
-gestrebt, und das agrarische Gesetz gegen den Senat durchzusetzen
-gesucht hatten. (__Liv._ I. 41. c. 12. -- _Valer. M. Plutarch_ etc._)
-
-
- Zehnter Gesang.
-
- [60] Vers 116.
-
-_Zender_ und _Gingir_, zwei große, gen Süden unterhalb des Aequators
-liegende Länder in Afrika, unter dem 50-55. Grad der Länge, und dem 5-8.
-Grad der Breite.
-
- [61] Vers 117.
-
-_Gleicher_, Aequator der Erde, oder Aequinoctial-Linie, und von den
-Seefahrern die _Linie_ genannt, ist derjenige größte Kreis unserer
-Erdkugel, der von den Polen der Erde in allen Punkten um neunzig Grade
-absteht. Alle Orte, die er durchschneidet, haben gleich lange Tage und
-Nächte: daher der Nahme _Aequator_.
-
- [62] Vers 146.
-
-_Altai_, auch _Belgian_ genannt, ein großes Gebirg Asiens in der
-Nord-Tartarey, und im Königreiche Montgal.
-
- [63] Vers 146.
-
-_Ural_, in der tartarischen Sprache ein _Gürtel_, ist die beinahe 300
-Meilen lange Gebirgskette, die von dem caspischen Meere beginnend,
-Europa von Asien scheidet, und Sibirien von dem übrigen Theile Rußlands
-trennt.
-
- [64] Vers 160.
-
-_Samum_ von den Arabern; von den Hebräern [Hebräisch: zil'afa]; von den
-Türken _Samyel_, und in Afrika Hamaddan genannt, ein heißer Wind, der in
-den Monathen Juni und Juli in Arabien, Persien, Babylonien, und in den
-Wüsten von Aegypten; aber am heftigsten, zuweilen schon im März und noch
-im November, in Nubien weht. Er dauert höchstens nur 7 bis 8 Minuten,
-aber er tödtet augenblicklich Alle, die aufrecht stehen; daher ist es
-nöthig, sich auf das Antlitz niederzuwerfen, die Sohlen dem Winde
-zuzukehren, und so wenig als möglich Athem holend, den Mund auf den
-Boden zu pressen. So streicht er dann unschädlich vorüber, da er zwei
-Schuh hoch über der Erde dahin zieht, aber dennoch ein heftiges Zittern
-und starken Schweiß verursacht. Die Thiere tödtet er zwar nicht, doch
-senken auch sie den Kopf zur Erde, und zittern am ganzen Leibe. Die
-Vorbothen des Samums sind, nach Brüce, röthliche Sandsäulen, die sich in
-die Luft erheben und stets näher schweben. Die Getödteten werden
-sogleich schwarz und zu Mumien gedörrt. (_Brüce's Reisen &c. im Auszug
-Rinteln_ I. S. 496 und S. 129 folg. &c. -- __Thevenot Voy.__ 295. --
-Ives II. 83. &c.)
-
- [65] Vers 358.
-
-_Kairvan_ (Cairoan, Carvan), eine Stadt im Gebiethe von Tunis nicht
-ferne von dem Meerbusen von Kabesch. Sie war die erste, welche die
-Muhamedaner in Afrika, unter dem dritten Kalifen in Syrien, Ottmann,
-gegründet hatten, und wegen ihrer hohen Schule berühmt. Doch wurde sie,
-bald nach der Heimkehr Carls V. von Tunis, mit diesem Königreiche
-vereinigt. (_Marmol. Africae L. 6._)
-
- [66] Vers 359.
-
-_Constantina_ (Cuguntina), die Stadt, nach Einigen das alte Cirtha, in
-Nord-Afrika, liegt auf einem hartzugänglichen Felsengebirge, weßwegen
-sie überaus fest ist, und gehört nun zu Algier. Zu Anfange des vierten
-und fünften Jahrhunderts sind da zwei Concilien gehalten worden, von
-welchen in den Werken des h. Augustinus die _Acta_ aufbewahrt sind.
-
- [67] Vers 510.
-
-_Die volle Lage geben_, heißt das schnelle Abfeuern aller Kanonen auf
-der Seite eines Kriegsschiffes.
-
- [68] Vers 732.
-
-_»The Emperor marched into the Goletta through the breach; and turning
-to Muley-Hassan, who attended him, »Here« -- Says he -- »is a gate open
-to you, by which you shall return to take possession of your dominions.«
-(_Robertson Histor. of Charles V. III. T. Book V._)_
-
-
- Eilfter Gesang.
-
- [69] Vers 44.
-
-_Vampyren_, die größte Gattung der Fledermäuse; und unter diesen wird
-hier der so genannte _Blutsauger_ (_V. Spectrum_) gemeint, dessen
-Heimath die neue Welt, Surinam, Guiana, Brasilien u. s. w. ist. Durch
-das Wehen seiner Flügel erquickt er den Schlummernden, leckt ihm mit
-seiner rauhen Zunge die Haut auf, und wenn das Blut, an welchem er sich
-satt gesogen hatte, aus einer Hauptader strömt, so kann sich der
-Fortschlummernde leicht verbluten. (_S. Tob. Wilhelm Unterh. aus der
-Naturgeschichte der Säugethiere_, 1. Thl.)
-
- [70] Vers 255.
-
-_Valladolids Turnierbahn_. Carl V. ließ in seinem bereits vorgerückten
-Jünglingsalter noch wenig von dem hohen Verstande, und der Thatkraft
-ahnen, die ihn in der Folge als Herrscher so sehr auszeichneten, so, daß
-Viele, die nicht tief genug sahen, versucht waren, ihn für blödsinnig zu
-halten, bis er auf dem Turniere zu Valladolid (im J. 1517), durch seine
-Gewandtheit in allen ritterlichen Uebungen, und den Wahlspruch seines
-Schildes: »__Nondum!__« All' in Erstaunen setzte. (Siehe _Freih. von
-Hormayrs Oestr. Plut. 6. Heft_ S. 423.)
-
- [71] Vers 259.
-
-Während Carl V. nach seiner Wahl zum röm. Kaiser, und wegen entstandener
-Feindseligkeiten mit Frankreich, in Deutschland, in den Niederlanden und
-in England, von Spanien abwesend war, brach Empörung und Bürgerkrieg in
-allen Theilen dieses Königreichs aus. Er begann im Mai 1520 zu Toledo,
-wo das Haupt der Empörer, Don Juan de Padilla, Sohn des Commandanten von
-Castilien, war, und in den spätern Gefechten, im April des Jahrs 1521
-von dem Generale der königlichen Truppen gefangen und enthauptet ward.
-(__Robertson History of the Reign of the Emp. Charles V. II. Volume. B.
-3.__)
-
- [72] Vers 262.
-
-_Franz I._, König von Frankreich, bewarb sich sehr heiß um die deutsche
-Kaiserkrone; da aber diese seinem Nebenbuhler, Carl V., zu Theil ward,
-so trieb ihn, von jener Zeit an, die Rachgier unaufhörlich, diesen zu
-demüthigen, und ihm in seinen Unternehmungen Hindernisse in den Weg zu
-legen. Vereint -- und Beide hatten so viele Ursache, sich gegenseitig zu
-achten! -- hätten sie unsäglichem Jammer, der erst Deutschland, dann
-mehrere Länder Europa's traf, wehren können. (_Siehe obiges Werk_, II.
-B.)
-
- [73] Vers 265.
-
-Den Titel _christlichste Majestät_, führten die Könige von Frankreich
-bis auf die neuesten Zeiten, und zwar seit Chlodwig dem G. J. 496, wo er
-ihm selber von dem Pabst beigelegt ward.
-
- [74] Vers 266.
-
-Franz I. war der erste christliche Fürst, der mit dem Erbfeind der
-Christenheit offenbar in ein Bündniß trat. La Forest, sein
-Geschäftsträger in Constantinopel, schloß (im J. 1336) solches mit
-Solyman II. ab, vermöge welchem dieser Neapel und Ungarn feindlich
-überziehen sollte. Es wurde ihm auf eine furchtbare Art Genüge
-geleistet! (_Siehe obiges Werk_, III. B.)
-
- [75] Vers 278.
-
-Man sehe _Vogts Staats-Relationen_. VI. Bandes 2. Heft.
-
- [76] Vers 289.
-
-Der _Bauernkrieg_ in Franken und Schwaben wurde durch _Johann Böhme_,
-einen Bänkelsänger im Würzburgischen, veranlaßt, wo er Freiheit und
-Gleichheit aller Stände predigte. Der Krieg kam dort im J. 1525 zum
-Ausbruch, und kostete über 50,000 Bauern das Leben. Mehr als 180
-Schlösser und Burgen lagen im Schutt, und 26 Klöster waren vernichtet.
--- Er verpflanzte sich auch nach Sachsen und Thüringen, wo _Thomas
-Münzer_, erst Schullehrer in Aschersleben, dann Prediger in Zwickau,
-sich mit dem Haupte der Wiedertäufer, _Klaus Storch_, verband, und
-später zu Altstedt in Thüringen die Gemeinschaft der Güter predigte. Er
-kehrte nach Sachsen zurück, verband sich mit einem andern Schwärmer,
-_Pfeiffer_, und sammelte einen großen Haufen Aufrührer um sich, bis er
-gegen die ausgesandten sächsischen, hessischen und braunschweigischen
-Heerhaufen (15. Mai 1525) die Schlacht verlor, sammt seinem Anhänger,
-Pfeiffer, gefangen, und in Mühlhausen hingerichtet ward. (__Sleidan. de
-statu rel._ L. 5. -- _Fabritius de orig. Sax.__)
-
- [77] Vers 293.
-
-_Der dreißigjährige Krieg_ (von 1618-1649) -- eine Folge der Reformation
--- biethet ein Schauspiel unerhörter Grausamkeiten dar. Während diesen
-ward Deutschland von einem Ende zum andern durch Mord und Brand verödet,
-und um viele Millionen Menschen ärmer gemacht. Der westphälische Friede
-setzte ihm zwar ein Ziel; aber was durch ihn zerstört worden, wird wohl
-keine Zeit mehr ersetzen. (_Siehe Schillers und Westenrieders Geschichte
-des dreißigjährigen Krieges._)
-
- [78] Vers 315.
-
-Die Geschichte von beinahe zwei Jahrzehenden vor der Völkerschlacht von
-Leipzig liefert die unwiderlegbaren Belege zu dieser Stelle!
-
- [79] Vers 320.
-
-18. Oktober 1813!!
-
- [80] Vers 328.
-
-_Leser!_ möchte dir der Zuruf nicht fremd seyn, welchen der gütigste
-Landesvater am 1. Hornung 1806 an seine Völker richtete, und der mit den
-Worten beginnt: »Ich habe meinen guten und treuen Völkern den Frieden
-gegeben!« -- und mit den Worten endet: »Durch das wechselseitige Band
-des festesten Vertrauens und der innigsten Liebe mit meinen Unterthanen
-verbunden, werde ich nur dann erst glauben, meinem Herzen als Fürst und
-Vater genug gethan zu haben: wenn Oestreichs Flor fest gegründet, wenn
-vergessen ist, was seine Bürger litten, und nur das Andenken an meine
-Opfer, an ihre Treue, und an ihre hohe unerschütterliche Vaterlandsliebe
-noch lebt!«
-
- [81] Vers 342.
-
-_St. Just_. Nicht ferne von der Stadt Placenzia, in Estremadura, lag das
-einsame Kloster der Hieronymitaner, St. Just, das Carl V. viele Jahre
-vor seiner Abdankung zu seinem einstigen Asyl erkoren hatte. Es lag in
-einem lieblichen Thale mit einem hellen Bach, mit Hügeln und Wäldern
-umher, und war wegen seiner gesunden Luft berühmt. Einige Monate vor
-seiner Ankunft erschienen dort Werkleute, die seine aus fünf bis sechs
-Klosterzellen bestehende Wohnung, mit einem Ausgang in den Garten, den
-er selbst pflegen, und dem andern in die Capelle, wo er seine Andacht
-halten wollte, bereiteten. Er zog daselbst am 24. Februar des J. 1557
-ein, und starb am 12. September 1558 in seinem 59. Lebensjahre.
-
-
- Zwölfter Gesang.
-
- [82] Vers 336.
-
-_Grätz_, die Hauptstadt der Steyermark, und der Sitz des Guberniums von
-Inner-Oestreich, mit beiläufig 40,000 Einwohnern.
-
- [83] Vers 340.
-
-Im Jahre 1532 stand Solymann II. mit einer ungeheuren Macht vor Wien,
-und zog sich bei der Annäherung Carls V., der an der Spitze eines Heeres
-von mehr denn 90,000 Mann zum Entsatz herbeieilte, durch Ungarn bis nach
-Constantinopel zurück. (__Jov. Hist._ L. 30. p. 100._)
-
- [84] Vers 344.
-
-Bei der Beschreibung des letzten Kampfes vor Tunis, führt Jovius
-(__Hist._ L. 34. p. 361 _apud Schard.__) die Worte Carl V. an, der
-mitten im Kugelregen Del Guasto diese Antwort gab. (_»Subridens Caesar,
-et ne id timeret, subdens, quando Augustorum Caesarum nemo unquam
-tormenti violentia concidisset.«_)
-
- [85] Vers 555.
-
-Psalm 125.
-
- [86] Vers 608.
-
-Robertson sagt von der Plünderung der Stadt Tunis durch die Christen
-(__History of the Reign of the Emperor Charles_ V. Vol III. p. 115_):
-»_Above thirty thousand of the innocent inhabitants perished on that
-unhappy day, and ten thousand were carried away as slaves._« --
-Eutropius im Werke (__Diarium Expeditionis Tunetanae_ p. 334. _apud
-Schard.__) sagt: »_Post introitum Imperatoris in urbem, ecce tibi Miles
-Hispanus aliquotque alii stationarii, passim in aedes magno impetu
-irruunt, .... _Mauros resistentes_ occidunt, spoliant, compilant,
-evertunt omnia cum pulvere._« -- __P. Jovius Hist. Lib._ 34. pag. 363
-_apud Schard__ sagt: »_Primus inhiantium praedae impetus, uti
-invadentium et effringentium fores varii casus tulerunt, promiscua caede
-cruentus fuit._« -- Beide setzen hinzu: »__Caesar sevitiae modum
-imposuit, pronunciarique jussit, capitale fore, si quis Tunetanum
-violaret civem, aut in servitutem abduceret.__« -- Sepulveda, dem Carl
-V. sein ganzes Leben erzählte, und mit jenen Beiden ihm gleichzeitig
-war, sagt: »_In hac direptione ex oppidanis _pauci_ gladio conciderunt,
-et hi suo magna ex parte stulto consilio, qui muros rebus desperatis, ne
-conati quidem tueri, suas domos, uxoresque et liberos defendere quidam
-tentaverunt. Qua temeritate milites irritati _in nonnullos_ sine
-discrimine parumper saevierunt, praesertim Germani etc._« (Siehe:
-__Opera P. Sepulvedae_ Vol. I. p. 405. Matriti ex Typ. Reg. 1780._) --
-Dieß zur Würdigung obiger Geschichte!
-
-
-
-
- Anmerkungen zur Transkription
-
-
-Die Schreibweise der Buchvorlage wurde weitgehend beibehalten.
-
-Satzzeichen wurden in eindeutigen Fällen stillschweigend korrigiert.
-Einige wenige weitere Fehler wurden korrigiert wie hier aufgeführt,
-teilweise unter Verwendung weiterer Ausgaben (vorher/nachher):
-
- [S. 50]:
- ... Horcht nach den Fluthen hinaus, erhebt sich, und lauft auf
- dem Sandpfad ...
- ... Horcht nach den Fluthen hinaus, erhebt sich, und läuft auf
- dem Sandpfad ...
-
- [S. 405]:
- ... Samum von den Arabern; von den Hebräern [Hebräisch:
- vil'afah]; von den ...
- ... Samum von den Arabern; von den Hebräern [Hebräisch: zil'afa];
- von den ...
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-End of the Project Gutenberg EBook of Tunisias, by Johann Ladislav Pyrker
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-*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK TUNISIAS ***
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-Volunteers and financial support to provide volunteers with the
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-Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
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-The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
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-Professor Michael S. Hart was the originator of the Project
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