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If you are not located in the United States, you'll have -to check the laws of the country where you are located before using this ebook. - -Title: Tunisias - Johann Ladislav Pyrker's sämmtliche Werke (1/3) - -Author: Johann Ladislav Pyrker - -Release Date: November 30, 2017 [EBook #56086] - -Language: German - -Character set encoding: ISO-8859-1 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK TUNISIAS *** - - - - -Produced by richyfourtytwo, Heiko Evermann, Jens Sadowski, -and the Online Distributed Proofreading Team at -http://www.pgdp.net. - - - - - - - [Illustration: Pyrker] - - - - - Johann Ladislav Pyker's - - sämmtliche Werke. - - - Neue durchaus verbesserte Ausgabe. - - Erster Band. - - - Stuttgart und Tübingen. - J.B. Cotta'scher Verlag. - 1855. - - [Illustration: Tunisias] - - - - - Tunisias. - - - Ein Heldengedicht in zwölf Gesängen. - - - - - Inhalt der zwölf Gesänge. - - - Erster Gesang. - -Eingang. Ein Eilbothe meldet dem Kaiser, die Schiffsmacht der Feinde sey -gegen Barcellona im Anzug. Zugleich kommt Muley Hassan, der vertriebene -König von Tunis, von ihm Schutz zu erflehen. Des Kaisers Abendgebeth im -Dom zu Madrid. Die Stunde der Weihe. Muhamed in der Felsenhöhle des -Aetna. Er erhebt sich mit seiner Geisterschar dem Hairaddin helfend zu -nahen. - - - Zweiter Gesang. - -Der Kaiser beruft noch in der Nacht die Versammlung der Cortes, und eilt -mit Muley Hassan nach Barcellona. Aus dem Schooße des Erdballs ziehen -Hannibal, Hermann, und Regulus dem Kaiser zu Hülfe. Regulus eilt nach -Tunis voraus, und haucht den gefangenen Christen Trost ein. Muhamed ruft -aus dem übersinnlichen Raum noch den Attila zu Hülfe. Er erregt -Mißtrauen in Muley Hassans Brust. Nächtliche Landung, und Raub der -Corsaren. - - - Dritter Gesang. - -Ein Theil der Seemacht versammelt sich vor Barcellona. Erst kommt Doria, -dann Ludwig von Portugal, dann Ruyter mit den Niederländern. Der andere -Theil an der wälschen Küste zu Porto Venere. Einschiffung der Wälschen -und Deutschen. Aufzählung der deutschen Scharen. Ihre Abfahrt. Nacht. -Muhamed erregt den Corsaren, Abdul, das nachsegelnde Schiff Sarno's zu -entern. Sarno gefangen. Die römische Macht vereint sich mit jenen. -Ankunft vor Neapel. Toledo, des Vicekönigs Sohn, dessen von den Corsaren -geraubte Gattinn, Mathilde, sich zu Tunis befindet, schließt sich mit -Neapels Macht an. Abfahrt nach Cagliari. - - - Vierter Gesang. - -Ankunft des Kaisers zu Barcellona. Einschiffung und Abfahrt nach -Cagliari. Ausbruch des Aetna. Seesturm. Morgen. Die feindliche -Schiffsmacht jener des Kaisers entgegen. Die Geister nahen. Muhamed eilt -nach Afrika voraus. Die übrigen bleiben. Doria fordert vom Kaiser die -Schlacht, und die Leitung derselben. Hermann will den Kaiser selbst zum -Oberbefehle vermögen: dieser widersteht. Seeschlacht. Die feindliche -Flotte anfangs im Vortheil. Regulus dringt in den Doria sie zu trennen. -Die feindliche Schiffsmacht vernichtet. Sarno befreiet. Hannibal tritt -bei dem Anblick des waltenden Römers auf die Seite Hairaddins, und eilt -in sein altes Vaterland. Abfahrt nach Tunis. - - - Fünfter Gesang. - -Auf dem Wege schließt sich das Geschwader Maltha's an. Drohende -Wachfeuer an der afrikanischen Küste. Ankunft vor Buschatter (Utika), -dann am Vorgebirge Karthago's, und Goletta. Der Kaiser sendet zwei -Späherschiffe die Landungsplätze zu erkunden. Hairaddin wird die Ankunft -der Christen gemeldet. Er eilt nach Goletta. Muhamed erregt ihn, eines -der Späherschiffe vernichten zu lassen. Drauf beruft er seine Feldherrn -zum Kriegsrath, und kehrt nach Tunis zurück. Regulus zeigt Hugo, dem -treuen Diener Mathildens, die Weise sie zu retten. Kurd. - - - Sechster Gesang. - -Der Kaiser entläßt aus dem Kriegsrath die versammelten Feldherrn. -Waffnet sich. Landung. Seine Rede an das gelandete Heer. Ordnung -desselben. Dragut, in dessen Macht sich Mathilde befindet, nahet mit dem -Vortrab. Vorkampf. Lichtstein verjagt die Feinde. Attila reitzt den -Dragut zurückzukehren; er fordert den feindlichen Führer zum Zweikampf. -Toledo ihm entgegen. Sie verwunden sich beide, und werden getrennt. Die -Maltheser beschießen vom Meere heran die feindliche Stellung, landen, -und verjagen mit Lichtsteins Reitern den Vortrab. Hairaddin, der ihm zu -Hülfe eilt, wird mit fortgerissen. Das christliche Lager noch in der -Nacht auf Karthago's Stätte erbaut. Der Kaiser im Kreise der Krieger -entschlummert. Ihm nahet Hermann, und kündet ihm seine Siege jenseits -der Meere. Die Krieger entflammen die Lagerfeuer, kochen ab, und -genießen das Nachtmahl. Kurd kündet Toledo die Rettung Mathildens. -Attila erregt den Sinam das Lager der Christen zu überfallen. Viele -Christen getödtet. Hardwins Opfertod. Rogendorf, der Feldzeugmeister, -feuert mit Donnerröhren in die Feinde. Salis verfolgt mit den -tyrolischen Schützen die Fliehenden, und wird von dem Kaiser -ausgezeichnet. - - - Siebenter Gesang. - -Morgen. Der Kaiser auf den Ruinen Karthago's. Muhamed und Attila mit -ihren Scharen erregen im Cedernwald von Zafrano eine Riesenschlange, die -Christen an der Errichtung der Schanzen zu hindern. Viele durch sie -getödtet. Ludwig eilt ihnen zu Hülfe. Regulus. Die Riesenschlange durch -Ludwig erlegt. Die Schanzen gegen Goletta erbauet. Sarno mit den -Wälschen besetzt die äußersten Schanzen. Alba als Friedensgesandter zu -Tunis. Der Friede von Hairaddin verworfen. Mathilde. Hugo macht ihr die -Anstalten zu ihrer Rettung bekannt. Die Beschießung Goletta's beginnt. -Große Hitze. Saleck greift die Schanzen der Wälschen an. Sarno, aus den -Schanzen gelockt, tödtet den Saleck, aber auch er wird durch eine Kugel -getödtet. Seine Krieger kehren mit seiner Leiche fechtend zurück. - - - Achter Gesang. - -Der Kaiser tröstet die Krieger Sarno's, und gebiethet der Veste durch -Schanzen und durch bedeckte Wege näher zu rücken. Hugo hilft Mathilden -entfliehen, und wird gefesselt in die Kerker der Hochburg geschleppt. -Mathilde in der Höhle des Olivenwaldes empfindet die Wehen der nahen -Entbindung. Cornelia. Hairaddins Unruhe. Muhamed erregt den -Verschnittenen Memi, ihn durch Tanz und Spiele circassischer Jungfrauen -zu erheitern, aber vergebens. Hairaddin heißt den Tobukes die Schanze -der Spanier stürmen. Die Spanier überwältigt, fliehen. Der Kaiser, von -Hermann gewarnt, eilt heran, und die Feinde werden zurückgetrieben. -Tobukes ermordet sich selbst. Hairaddin rückt durch das Olivengehölz -vor. Toledo mit Kurd auf dem Wege zur Höhle, kehrt bei Erblickung der -Feinde zurück in das Lager, wo der Kaiser eben Heerschau hält. Dieser -sendet den Lichtstein mit erlesenem Volk die Bergschanze zu erstürmen, -und rückt mit einem Theile des Heeres dem Feinde entgegen. - - - Neunter Gesang. - -Muhamed und Attila treiben die Feinde eilender vor. Angriff Hairaddins -in dem Olivengehölz. Die Spanier weichen. Mendoza führt sie wieder vor. -Er wird verwundet. Garzia Lasso führt ihm die Reiterschar zu Hülfe. -Erstürmung der Bergschanze. Hairaddin gebiethet erneuerte Schlacht. -Muhamed bringt Garzia Lasso in große Gefahr, aus welcher ihn der Kaiser -errettet. Mathildens Tod. Toledo dringt zur Höhle vor, und findet dort -seine entseelte Gattinn. Heftiger Kampf an dem linken Flügel des Heeres. -Ursini, der römische Feldherr, weicht; doch Alba bringt ihm mit den -schwergeharnischten Reitern Hülfe, und zwingt auch Hairaddin zum -Rückzug. Der Kaiser kommt zur Höhle, und führt Toledo nach dem Lager. - - - Zehnter Gesang. - -Hannibal fordert den Sinam auf, das schwere Geschütz der Christen zu -vernageln. Muhamed aber eilt mit Attila, und ihren Scharen nach dem -Innern Aethiopiens, und erregt den Samum, daß er mit seinem Flammenhauch -das christliche Heer vernichte. Giaffar stürmt die Schanze der -Niederländer und Portugiesen, und vernagelt einiges Geschütz. Zweikampf. -Don Ludwig tödtet den Giaffar. Sinam kommt den Seinen zu Hülfe. Heftiger -Kampf. Der Samum nahet, wird aber von einem Unsterblichen -zurückgetrieben. Erdbeben, Donner und Stürme wüthen. Der Kaiser befiehlt -in denselben Goletta's Erstürmung. Rückzug des Feindes. Die letzte -Beschießung der Veste beginnt. Die geordneten Scharen der Christen -dringen vor. Goletta erstürmt. - - - Eilfter Gesang. - -Nacht. Hairaddin sinnt auf Selbstmord. Muhamed dringt in ihn, die -Christensclaven zu tödten. Sinam bringt ihn von seinem Entschlusse ab. -Die Einwohner von Tunis werden entwaffnet. Regulus bewegt den Renegaten, -Medelin, daß er den Christensclaven die Bande löse. Des Kaisers Trauer. -Gespräch mit Eberstein, dem er seinen Entschluß entdeckt, einst in der -Einsamkeit sein Leben zu enden. Toledo ermannt sich. Morgen, Feier des -Abendmahls. Begrabung der Todten. Aufbruch des Heeres nach Tunis. -Hairaddin nahet von dort mit dem Heere. Der Angriff wird auf den -folgenden Tag verschoben. Er sendet den Abu-Sa-id, das Lager der -Christen, im Rücken, zu stürmen. Hugo entkommt dem Kerker, und bringt -dem Kaiser von den Christensclaven Kunde. - - - Zwölfter Gesang. - -Morgen. Der Kaiser gibt das Zeichen des Angriffs. Salis vereitelt -Abu-Sa-ids List, und tödtet ihn. Schlachtordnung der Christen. Der -Kaiser hält eine Rede an sie, und führt sie dem Feinde entgegen. Die -Geister der Schlacht entrückt. Vorgefecht. Heftiges Schießen aus dem -großen Geschütz. Angriff. Dragut von Toledo getödtet. Allgemeine -Schlacht. Toledo von Hairaddin erlegt. Die Feinde dringen vor, und -umzingeln del Guasto, der sich in der Stellung des Vierecks wehrt. Der -Kaiser kommt ihm zu Hülfe, und verwundet den Hairaddin. Letzter -mörderischer Kampf. Flucht der Türken. Hugo findet seinen getödteten -Herrn, und begräbt ihn in der Höhle des Olivenwaldes, an der Seite -seiner Gattinn. Der Vortrab dringt in die Stadt. Der Kaiser langt an den -Thoren an, wo ihm die Aeltesten entgegen kommen. Befreiung der -Christensclaven. Einzug zu Tunis! - - - - - Erster Gesang. - - - Tön' o Heldengesang, die Waffenthaten des Kaisers - Carol, die er vollbracht' auf dem wogenden Meer' und dem Festland, - Als er vom schmählichen Joch tunisischer Räuber die Christen - Lös'te mit Siegers Hand, Europa's zagenden Völkern - Frieden errang, und dem Meer' erkämpfte die heilige Freiheit. - - Haben Unsterbliche jetzt, in der Stunde der Weihe, vor allen - Mir das Auge berührt? Ich seh' urplötzlich der Geister - Schauderumnachtetes Reich erhellt, und im freudigen Eilflug - Zahllos schreiten einher die Heldensöhne der Vorwelt, - Die in dem Schlachtengefild', entzweiet, die Völker empören; - Sehe den Kaiser zuerst, im Sturm des Donnergeschützes, - Werfen des Feindes Schiffheersmacht in den brausenden Abgrund; - Dann ihn, laut umjauchzt von Tausenden, landen vor Tunis, - Schimmern die Fahne des Siegs von Goletta, vom blutigen Schlachtfeld - Fliehen den Feind, und dort in dem Staub die entfesselten Sclaven - Knieen, und netzen des Retters Hand mit glühenden Thränen, - Der, o Wonne, sie heim in das Vaterland, und entgegen - Segnenden Lieben führt aus Schmach, und Qual, und Verzweiflung! - O wie bebt mir die Brust: herauf aus den Tiefen des Herzens - Strömt der Gesang, und kündet der Thaten erhab'ne Vollendung! - - Hoch auf dem Erker der Burg, im Duft der Acacienblüthen, - Sanftumschimmert vom Abendgold, saß jetzo der Kaiser, - Sinnend allein. Er dachte des eilegebiethenden Heerzugs; - D'rüben vor Tunis der Schlacht, und des wechselnden Schlachtengeschickes - Ernstumhülleten Blick's. Gestalten der mächtigen Vorzeit - Schwebten ihm, dräuend, vorbei; er sah die verödeten Felder - Einstigen Ruhms, wo Hannibals Stolz dem gewaltigen Römer[1] - Huldigte, und für den Sieg des weltversöhnenden Kreuzes - Frankreichs Ludwig starb: fürwahr ein heiliger König![2] - Und ihm pochte die Brust laut auf in der Stille des Abends. - Siehe, da scholl entlang die Wölbung des drönenden Thorwegs - Hufesgerassel, und Leben erwacht' in den untersten Hallen! - Näher die Stufen herauf, im Klirren des Waffengeschmeides, - Kam ein Ritter: Alonzo-Cid, des spanischen Fußvolks - Führer, das an dem Meer', unferne dem Strand Barcellona's, - Harrte des heiligen Kampfs für Recht, für Glauben und Freiheit. - - Jetzo dem Herrscher genaht, sprach er, empört in dem Busen: - »Herr, von Mendoza gesandt, dem tapferen Heldengebiether, - Komm' ich, ein eilender Bothe heran: uns nahen die Gegner! - Hairaddins[3] Seemacht kreuzt vor Hispania's schönen Gestaden, - Jetzo gerüstet zur Schlacht, dann wieder unendlichen Jammer - Dräuend dem Küstenvolk und den heereversammelnden Schiffen.« - »Wie,« so rief ihm der Kaiser, erstaunt: »noch wagte der Räuber - Uns in Europa zu nah'n, da wir nach Afrika's Küsten - Wenden den Kiel, und lösen die schimmernden Segel zur Abfahrt? - Wehe dem Wüthrich, denn dort, wo empor aus blutigem Raubwust - Sein entsetzlicher Thron sich hob, und unzählige Christen - Decket in Kerkersnacht: dort treff' ihn die Rach' und Verderben -- - Treffe Fluch ihn, und Schmach zur Vergeltung unendlichen Jammers! - Eile zurück', und entbiethe von mir dem tapferen Feldherrn, - Daß er versammle sein Volk an dem Meer', und wehre den Räubern - Dort den Ueberfall und die Landung: denn nur im Dunkeln, - Wie der hungernde Wolf, der Nachts die Hürde bestürmet, - Dräu'n sie Schrecken dem Feind, nicht im Lichte der brausenden - Seeschlacht, - Die mein Doria[4] kämpft, ein Adler im Fluge zum Himmel. - Gehe mit Gott! Ich folge dir schnell zu dem Strande des Meers hin.« - Und er winkte mit Huld dem gepriesenen Führer zum Abschied. - Aber er zögerte noch, und begann: »Dem Räuber entfliehend, - Wie vor dem grimmigen Luchs ein Reh durch Schnelle sich rettet, - Stieg, erst heute vom Bord des raschhersegelnden Schiffes - Muley-Hassan[5] an's Land, dem Hairaddin, schnaubend vor Herrschsucht, - Jüngst die Krone von Tunis geraubt. Er folgte mir schweigend - Nach Madrid, zum Palast, ein Flehender, daß du ihn hörest.« - Jetzt erhob sich, bewegt, der hochgesinnete Kaiser; - Eilte die Wendeltreppe herab, und sah nach dem Fremdling - Forschend umher. Er saß an der Marmorsäule der Halle, - Selber ein Marmorbild, auf die kreuzenden Beine gesunken, - Die das räumige Kleid umfing, und der wallende Kaftan - Deckte, mit Zobel umbrämt. Sein finsteres Auge, beschattet - Tief von des Tulbans Bund, hing starr am glänzenden Estrich, - Und er regte sich nicht, voll Grams hinbrütend, ein Schaubild - Wechselnden Erdenglücks und leichtentschwindender Hoheit. - Jetzo vernahm er den Tritt des nahenden Herrschers. Er bebte, - Sank auf die Knie', und rief, mit tiefergreifender Stimme: - »König des Abendlands, dir wirft sich ein König zu Füßen, - Gleich den Sclaven, die einst vor ihm zum Staube sich bückten! - Ach, ein König nicht mehr: ein Flüchtling zu Land' und zu Wasser, - Freundlos, reich nur an Gram und an Haß unzähliger Gegner, - Fleht er um Hülfe zu dir -- ein Würdiger, so du verzeihest, - Christenbeherrscher, daß er im Gesetz des Propheten geboren ...« - Also der König: da hob, im Innern erschüttert, der Kaiser - Schnell von dem Boden ihn auf. Er drückte, freundlichen Blickes, - Ihm die zitternde Recht', und entgegnet' ihm rasch und entschlossen: - »Sey willkommen im Abendland! Den Glauben, o Fremdling, - Wägt ein Höh'rer, denn wir; doch Menschen ist heilig das Unglück: - D'rum verkünde das deinige jetzt mit Muth und Vertrauen!« - Hassan staunte mit Thränen ihn an, und als er, zum Zeichen - Innigen Dankes, den wogenden Bart mit der Linken berührte -- - Segnend die Recht' erhob, begann er mit Muth und Vertrauen: - »Gott, der Alles erschuf, und die Erde mit allen Gestirnen - Lenkt, allmächtigen Winks, gewähre dir Fülle des Segens, - Weil du, o Herr, den Flehenden ehrst, den mitten im Frieden - Hairaddins Meuchelschwert, noch rauchend vom Blute der Fürsten, - Jüngst aus dem Erbe der Väter vertrieb. Er raubte Telmessans, - Algiers Thron: hier Selim Euthemi, den König, erdrosselnd, - Dort erwürgend zugleich Abu-Hamu, den Herrscher, und Masud, - Dem er die Krone verhieß, mit sieben aufblühenden Söhnen. - Soll, Hohn biethend dem Recht, noch Huldigung lohnen dem Frevel? - Wehe, Suleyman,[6] der große genannt von niedrigen Seelen, - Ehrte des Räubers That, und gab mein herrliches Erbland - Ihm zum Lohn', als schändlicher Treubruch auch in des Bruders - Herzen die giftigen Keime geweckt! Al-Raschid, der Frevler, - Zwillinggeboren mit mir, denn liebend säugt' uns die Mutter - Selbst an der zärtlichen Brust, dem grauenden Vater zur Wonne, - Eilte nach Istambul,[7] ein Flüchtender, frecher Empörung - Strafe scheuend. Sie ward ihm dort: denn meuchlingsgemordet, - Fröhnt' er nur Hairaddins List, der schnell Goletta, die Festung, - Dann auch Tunis gewann, im Nahmen des Todten gebiethend, - Welchem das Volk anhing, das immer der Neuerung hold ist. - Schwer entrann ich des Wüthrichs Hand, und beuge mich jetzo - Tief im Staube vor dir, Hispania's mächtiger König, - Daß mir werde der Väter Thron im Kampfe der Rettung - Tausender, den du beginnst! Dein sey von Tunis die Herrschaft -- - Muley Hassan, Mehemeds Sohn, dein treuer Vasall nur.« - Doch mit der Recht' an der Brust begann dann jener, betheuernd: - »Frei zu kämpfen mein Volk -- zu rächen die Schmach und die Freveln, - Die von dem frechen Korsaren es litt an den heimischen Küsten - Und auf dem Meer, das segenspendend die Welten vereine, - Sey mir das heilige Ziel im Waffengefilde vor Tunis. - Dein ist der Ahnen-Thron, und soll dir werden in Freiheit: - Deß' sey Gott, der allwissend', ein Zeug', und ein Rächer des Meineids!« - Also rief er, bewegt, und Hassans finsteres Antlitz - Leuchtete gleich dem Mond, der Wetterwolken entschwebte. - Gastlich sah er sich dann im hohen Palaste beherbergt. - - Aber zum heiligen Dom' hinwandelte jetzt in des Abends - Stille der Kaiser allein, um dort, auf die Kniee gesunken, - Seine Seele mit Muth und Stärke zu rüsten. Er flehte: - »Ewiger, dein allmächtiger Arm hat Israels Scharen - Durch die Tiefen geführt des seitwärtsweichenden Meeres, - Daß sie die Fluthenwand entlang, wie auf grünenden Matten - Wandelten! Schnell, wie ein Sturm herbraust, so stürzte dein Odem - Ueber Pharao's Macht die Wässer zusammen, daß alle, - Mann, und Wagen, und Roß, wie Blei versanken im Abgrund. - Deinem allmächtigen Hauch' erbebten Jericho's Mauern, - Und versanken in Schutt, als Josua's Volk sie im Sieg'sruf - Seiner Drometen umfing. Ich ziehe zu Felde: gewähre - Mir ein Zeichen der Huld und der beifallwinkenden Allmacht!« - Also bethet' er leis'. Aus den farbigen Scheiben des Fensters - Flog ein leuchtender Strahl der Abendsonn' ihm vorüber; - Aber zugleich ein Glanz, dem tausende Sonnen verlöschen, - Flammte mit Donnergetön' in dem Allerheiligsten nieder, - Und des unendlichen Doms aufthürmende Säulen erbebten. - Leise wogte der Grund. Aus der silbernstrahlenden Orgel - Töneten hehr' Accorde heran, und Gesänge des Himmels, - Wie kein Sterblicher sie noch vernahm, verhallten im Luftraum. - Aber der Bethende schloß die lichtgeblendeten Augen: - Denn nur ein leises Weh'n, die erblassenden Wangen vorüber, - Fühlt' er noch, und Schauder der nahen Vernichtung ergriff ihn. - »Ha, welch' Wunder,« er rief's, »da sinkt die sterbliche Hülle, - Die mich im Staub' umgab, entseelt in lieblichen Schlummer, - Und ich entschweb' ihr verzückt? Wie, wär's ein täuschender Traum nur, - Oder ein Nachtgesicht, aus Himmelsdufte gewoben?« - Wie der schwebende Flaum, gerafft vom Hauche des Windes, - Schnell zum Gewölk auffleugt: so hob sein geistiger Leib sich - Leicht von der Erd' empor, und schwebt' im sausenden Eilflug - Ueber dem Luftraum schon, den keiner der Erdebewohner, - Lebend, durchschifft': er mißt', urplötzlich, Besinnung und Odem. - - Jetzt an dem holden Gestirn, das sonst die Nächte des Erdballs, - Wechselnd, mit silbernem Schimmer erhellt, erbrauste sein Aufflug. - Dunkeles Land mit glänzenden Meeren, und Strömen, und Flüssen, - Däucht' ihn, umgeb' auch hier den rastloskreisenden Mondball, - Und ihn däucht': er hörte das Rauschen der brandenden Wogen, - Mächtigbevölkerter Städte Getös', und, dem Brüllen der Heerden - Rings vermengt, Geschrei der befiederten Lüftebewohner. - Doch er verweilt', und staunte, daß alle die Länder des Erdballs - Und das umgürtende Meer ihm jetzt ein schimmernder Punkt nur - Schien in des Weltalls Raum, dem Ozean flammender Sonnen, - Sonder Gestad' -- endlos nach oben, nach unten, und ringsum: - Denn, wie in heiterer Nacht, wo jegliches Lüftchen verstummet, - Und im sanftergossenen Licht der silberne See ruht, - Innig bewegt, ein Wanderer bald den schimmernden Aether - Ueber sich schaut, und bald in des See's hinfluthendem Spiegel, - Tiefhinuntergewölbt, ihn erblickt mit den goldenen Sternen: - Also ersah der Bebende dort die unzähligen Welten, - Schimmernd, und dacht', ohnmächtig im Aethergefild zu vergehen! - Aber ihm nahete jetzt, voll Hast, der Himmlischen Einer. - Lieblich strahlte sein Aug' und sandte dem Erdebewohner - Zärtliches Mitleid zu. Holdseliges Lächeln umschwebte - Seinen rosigen Mund; es wehten die goldenen Locken - Ihm um die denkende Stirn' und die Flammensäule des Nackens, - Und vom glänzenden Leib, in Fülle der ewigen Jugend, - Wallte das Strahlengewand wie morgenröthlicher Schimmer. - Als er den Fremdling sanft erhob, begann er, voll Anmuth: - »Fürchte dich nicht! Unzählbar blüh'n in den Auen des Himmels - Dir die Blumen der ewigen Huld: du pflückst sie mit Andacht, - Und sie duften dir noch, erquickend, im irdischen Leben, - Daß du erringest das Ziel auf gottgefälliger Laufbahn.« - Sagt' es, und faßt' ihn, und schwang sich mit ihm, urplötzlichen Fluges, - Eilender stets, im Glanz' ätherischer Räume herunter. - Nicht das lastende Blei, von der Zinne des Thurmes geschleudert, - Sinket zur Erde so schnell; nicht der Sturm umbrauset des Erdballs - Unermeßliche Reiche so rasch, und des Menschen Gedanken - Dringen nicht also geschwind vom eisigen Nord- zu dem Südpol: - Als der Hocherhobene jetzt, an der Seite des Freundes - Aus ätherischen Höh'n zur heimischen Erde herabsank. - Und, als hätt' er Jahrhunderte schon in des schnellen Herabflugs - Augenblicken durchlebt, so wähnt' er: ein irrender Fremdling - Diesseits noch, und gebannt in des Fleisches umschränkende Hülle. - - Da, wo in engerer Bahn, an Siciliens Felsengestaden - Und Calabriens Klippen vorbei, sich die salzige Meerfluth - Strömend ergießt: traf jetzt mit sanften, melodischen Tönen, - Brausender Wogen Gebrüll' und wirbelnder Fluthen Getümmel - Sein aufhorchendes Ohr, und seine erheiterten Augen - Hafteten sehnsuchtsvoll an der dampfenden Kuppe des Aetna: - Denn, nur eben entrückt dem mildbefreundeten Leben, - War ihm die Erde noch stets die liebe, die trauliche Heimath. - Doch auf den schwindligen Höh'n, wo Stille herrscht, und des Wand'rers - Ohren kein Laut erschallt, wenn dort nicht der einsame Gemsaar, - Von dem mittleren Raum, mit kreischender Kehle, sich aufschwingt; - Wo in des Frühwinds frostigem Hauch nur gelbliches Steingras - Rauschet, und gleißt, und am Felsenkamm kein Rasen ergrünet: - Dort erblüheten jetzt rings her die erlesensten Blumen -- - Nickten, und trugen die beiden vereint auf den schimmernden Kelchen - Sanft von der Erd' empor, und verbreiteten Düfte des Himmels. - Doch der Unsterbliche sank auf die Knie', und sah zu dem Lichtreich - Flehenden Blickes empor, die Stimme des Herrn zu vernehmen. - Und sie erscholl leis' erst, wie ein Frühlingslüftchen die Blüthen, - Lispelnd bewegt; dann ähnlich dem Sturm, der hoch zu den Wolken - Stäubet die Felder, entwurzelt den Forst, und empöret den Waldstrom, - Daß er mit schwellendem Grimm' ausbricht in die Fluren und wüstet - Thäler und Hügel umher, zu trauererregendem Anblick; - Wie der furchtbare Donner, der des umnachteten Himmels - Eh'rnes Gewölb, weithin, durchbrüllt, und mit krachenden Schlägen - Dumpf fortrollt, und murrt, daß die Vesten erzittern des Erdballs: - Also, Vernichtung drohend, erscholl's dem sinkenden Fremdling, - Als der Ewige sprach; doch jener vernahm's mit Entzücken. - Wie der leis' Erwachende horcht, wenn nächtliche Lüftchen, - Flisternden Hauchs, die Saiten der Aeolsharfe durchsäuseln, - Und der entzückende Klang in den stillen Räumen dahinstirbt: - Also horchte der Himmlische. Doch nun hob er den Fremdling - Liebend an seine Brust, und drückte die rosigen Lippen - Dann mit erweckender Gluth an seine geschlossenen Wimpern. - Staunend blickt' er umher: er sah durch Thränen der Wonne, - Fest an den Busen des Holden geschmiegt, die Gefilde des Himmels - Plötzlich enthüllt, und stand verloren in seliger Anschau. - Wie in des eisigen Winters Zeit, wenn düstere Nebel - Lange die Thäler umher, dicht lagernd, verhüllten, der Ostwind - Sausenden Flugs anstürmt, und die lästigen ferne verscheuchet: - Da glänzt herrlicher noch der hochaufwölbende Luftraum, - Und der bereifte Wald erhebt von den starren Gebirgshöh'n, - Schimmernd, das Haupt -- hell glühet der Strom im sonnigen Thal fort: - Also zerfloß auch hier, vor den Augen des staunenden Fremdlings - Leise die Wolkennacht, und er sah ... wer wagt' es zu sagen, - Was er geseh'n, gehört, und gefühlt in den Tiefen des Herzens? - Nur in dem Augenblick, wie er uns auf Erden entschwindet, - Wurden die hohen Gesicht' ihm enthüllt: im duftigen Goldglanz - Schwanden sogleich vor seinen Blicken die Räume des Himmels. - Aber er stand, und starrte noch immer, erschüttert, vor sich hin, - Wie der Wand'rer im strahlenden Blitz die nächtliche Gegend - Plötzlich erhellet schaut, dann blind hinstarrt in die Sturmnacht. - Und der Unsterbliche rief ihm jetzt ermunternden Blickes: - »Sohn des Staubes, o nie vergiß der Huld des Erbarmers, - Die zu Gefilden dich hob, wohin kein sterbliches Aug' noch - Drang. Lobsinge dem Herrn, dem einigen Lenker des Weltalls! - Hier auf den dampfenden Höh'n verkünd' ich dir seine Beschlüsse, - Wie erst zuvor mein Ohr sie vernahm in unsäglicher Wonne. - Er durchschaute dein Herz, das heiß für unzähliger Völker - Wohlfahrt schlägt, und jetzt den Sclaven Errettung bereitet. - Schön ist der Kampf für Recht und des Menschen heilige Freiheit; - Gottgesegnet der Muth, die schmähliche Kette zu brechen, - Die der freche Tyrann, im Wahnsinn höhnenden Stolzes, - Jenen ersann, die Brüder ihm sind, und Erkor'ne des Himmels. - Herrlichen Sieg gewähret dir Gott; erkenne dieß Zeichen - Seiner unendlichen Huld und der beifallwinkenden Allmacht.« - Jener beugte die Stirne zum Staub'; erhob sich, und sah dann - Freudig empor: sein Aug' erglänzte von Thränen des Dankes. - Jetzt ergriff er die Hand des Himmlischen, starrte verwundert - Noch in die Lüfte hinaus, und sprach mit leiserer Stimme: - »Ringsum sah ich die Luft von Scharen unsterblicher Geister - Wimmeln, und dort die Wege der Sterblichen gierig erforschen. - O, verhehl' es mir nicht: was sollen die hohen Gestalten, - Die, verdunkelt, nicht dir, nicht mir, dem Fremdlinge, gleichen?« - Und der Unsterbliche rief mit ernstumwölketen Augen: - »Erdebewohner, du wolltest erschau'n des unendlichen Weltalls - Tiefen und Höh'n; dich kühn auf der Stufenleiter der Wesen - Schwingen hinauf und hinab, und erkennen, wie Glied sich auf Glied dort - Reih' an der Kette, mit dem die allmächtige Rechte des Ew'gen, - Alles, was athmet, und lebt, und was nicht lebet, noch athmet, - Liebend umschlungen hält? Du sänkest zurück' in den Urstaub - Vor dem Geheimniß des All's, dem selbst der Cherub erbebte. - Sieh', in des Himmels Höh'n ist Seligkeit; tief in des Abgrunds - Höllengefilden ist Qual: auf immer dort dem Gerechten - Unaussprechlicher Lohn, hier Strafe verhärteten Frevlern! - Aber inmitten der scheidenden Bahn des Heil's und Verderbens - Dämmert der Pfad der Läuterung noch: ihn wandeln die Seelen, - Schuldig des leichteren Fehl's aus Irrthum, oder Verblendung, - Dem auch jene Unglücklichen dort einst fröhnten auf Erden, - Daß sie, gereint, der hohen Erbarmungen würdig erscheinen, - Wenn in des Richters erhobener Hand, an dem letzten Gerichtstag, - Furchtbar die Wag' ertönt. Sie wandeln den läuternden Weg noch.« - Sagt' es, und jener begann voll Hast: »Wo weilen die armen? - Ueber der Erd' umher, nicht ferne der Menschen Gemeinschaft, - Oder fern' im Verborgenen?« Doch, die lichte Gestalt rief: - »Als das »_Werde!_« erscholl: da brausten die endlichen Wesen - All', erschaffen aus Nichts, von des Herrn allmächtigem Odem - In den unendlichen Raum geschleudert, mit Donnergetös' hin! - Aber im kreisenden Flug vereinte sich Sprödes und Weiches, - Erd' und Gestein, und strebte hinaus, zur äußersten Rundung - Sich zu dehnen. So ward im finstern Schooße des Erdballs - Weitverbreitete Leer' umwölbt, die nimmer der Sonne - Strahlender Blick erfreut, nie Sterngefunkel und Mondglanz. - Dort verweilt nicht selten die Schar der trauernden Geister, - Deren so manchen du erst in den schimmernden Lüften erblickt hast; - Doch sie nah'n, zuweilen den nächtlichen Räumen entschwebend, - Gerne dem Menschen als Freund', und suchen ihm Hülf' und Errettung, - Kraft, und Muth, und, was sie noch sonst an edler Gesinnung - Einst in dem Leben erhob, in die horchende Seele zu hauchen: - Denn sie erkennen schnell der Seelen geheimste Gedanken, - Sterblicher Hüll' entrückt; sie schauen des irdischen Lebens - Reinern Gehalt, und ihr Herz erglüht in heiliger Sehnsucht - Nach dem erquickenden Segensborn des Guten und Wahren. - Bald in dem Schlachtengemeng', umschweben sie dich und die Deinen - Hülfreich; aber du kennest das Wort des ewigen Lebens: - Solchem vertraue allein mit nie zu erschütterndem Herzen.« - Sprach's, und die Stimme des Holden erklang, wie Harfengelispel - Tönt in des Mondes Zauberlicht, wenn alles entzückt horcht; - Doch sie erscholl, wohl hundert vereinten Donnern nicht ungleich, - Welchen die Erd' erbebt, als, über dem flammenden Abgrund - Schwebend, er jetzt die tieferschütternden Worte hinabrief: - »Geister, herauf! Euch winkt die ersehnete Stunde vor Tunis.« - Und ein lautes Getös' erscholl in den Tiefen des Erdballs. - Wie, vom stürmenden Wind' empört, sich Wogen auf Wogen - Stürzen; Geheul und Gebrüll der schrecklichen schallt, und die Küsten - Ringsumher dem wilden Tumult stets lauter erdrönen: - Also erhob, und mehrte sich tief in der Wölbung des Erdballs - Dumpfes Gemurmel zuerst, und sofort unendliches Jauchzen. - Schauernd wogte der Grund; aufrauschten des Meeres Gewässer; - Finsterer quoll der Rauch aus dem Schlunde des Berges; die Flammen - Prasselten hoch in die Luft, und die glühenden Fluthen der Lava - Braus'ten herauf und hinunter, im Flug durchwüthend den Abgrund. - - Eilend erhob sich nun der Herrliche, der ihm der Geister - Reich enthüllt', in die schimmernde Luft, und, leiseverhallend, - Tönten vom Aethergefild noch die lieblichen Worte herunter: - »Senke dich durch den Schlund, durch Qualm und flackernde Flammen - Muthig hinab zur Höhl' im Schooße des dampfenden Aetna, - Und erringe das Ziel nach der hehren Geistesverzückung.« - Weinend hob nun jener den Blick zu dem seligen Freund' auf, - Der, umstrahlt vom Glanz unsterblicher Seelengemeinschaft, - Fern' in den Lüften schwand, und fuhr jetzt, brausenden Fluges, - Nieder im finstern Schlund, durch Qualm und flackernde Flammen, - Bis in dem Zwielicht weit vor seinen Augen der Eingang - Klafft', und die Höhle sich wies in angsterweckender Anschau! - Furchtbar wölbte die Felsenwand aus schwindligen Höhen - Höher sich auf. Es jagte zuweilen der wirbelnde Zugwind - Tief in den Riesendom die Flammensäule; sie hob sich, - Züngelnd, die Wände hinan, und leuchtete hoch in die Nacht auf; - Doch erflog ihr fernster Schimmer des nächtlichen Dunkels - Hälfte noch kaum, das endlos herrscht' in des Felsens Umwölbung. - Hier nicht weilet die Ruh', und athmet nicht liebliche Stille; - Rastlos tobt -- aufbraus't im Sturm, der kochenden Lava - Urstoff: Erz im Gestein, und Schwefel, mit dunkelem Erdharz - Gährend, zur Wolkenhöh', an des Berges geöffneten Rachen. - Donnernde Ström' entstürzen rings den Schluchten; sie rauschen - Tief in des Abgrunds Nacht, und wälzen, dem berstenden Kerker - Unten entfloh'n, zum Meeresgestade die finstere Fluth fort. - Ihrem Sturz' erdrönet die Höhl', und vom eisigen Abgrund - Fleugt Entsetzen, Frost, und Schauder in Windesgeheul auf. - - Dorthin, kommend herab aus dem übersinnlichen Luftraum, - War ihm Muhamed erst, umringt von Scharen der Geister, - Die er entboth, voraus in die schaurige Höhle geflogen. - Ueber der allbelebenden Luft, die rings an dem Erdball, - So an dem Mond', und den endlos hin entflammten Gestirnen, - Schwimmt umher, erhebt sich der übersinnliche Luftraum - Dräuend in seiner Leer', und unwohnbar sterblichen Menschen: - Denn, wie, umhüllt vom glockengestalten Glase, der Sperling - Schnell das Leben verhaucht, wenn wißbegierige Forscher - Schonungslos ihm rauben die Luft mit den künstlichen Pumpen - Also würd' in des Menschen Brust urplötzlich das Leben - Stocken, der in das Uebersinnliche kühn sich erhöbe; - Aber des sterblichen Leibes beraubt, bewohnen die _Fürsten_, - _Mächt'_, und _Gewalten_ des ewigen Feind's, auf Arges gesinnet, - Solches mit Lust: Verworf'ne vom Herrn, die am letzten Gerichtstag - Dann mit dem _Tode_ zugleich, dem _letzten_ der Uebel, vergehen.[8] - Dorther schwang mit Gefolg sich Muhamed, glühenden Blickes, - Jetzo herab. Er saß in der Höhl', auf dem ragenden Felsblock, - Ueber die Scharen erhöht. Der dunkelröthliche Schimmer, - Welchen der Flammenstrom entsandt' aus der Ferne des Eingangs, - Schwebt' in flatterndem Flug' an seinem blässeren Antlitz. - Feuer sprühte sein Aug'; in silbernkräuselnden Wellen - Floß ihm der Bart in den Busen herab, und die luftigen Glieder - Hüllet' in Schatten das Unterkleid und der wallende Kaftan. - Jetzt erhob er die Recht' an des Stirnbunds Zier; mit der Linken - Wühlt' er die Blätter des Korans auf: sie rauschten, den Stürmen - Aehnlich im Herbst, da ihr Hauch die trauernden Wälder entblättert. - »Hör' es, mein Volk,« so rief er, »was dir im nächtlichen Dunkel, - Ferne vom spähenden Blick' uns feindlichgesinneter Geister, - Meine Zung' enthüllt, und zeige dich würdig des Herrschers! - Unheil droht von Hesperiens Küsten dem Lande g'en Aufgang -- - Dieser erwählten Blum' im Kranz der Schöpfungen Gottes, - Dieser Perle der Welt, und der Wiege des Menschengeschlechtes. - Jüngst erhascht' es mein Ohr auf Deutschlands gährenden Gauen, - Die der Neuerung Flamme durchtobt: es sinne der Kaiser - Jenem ein schmähliches Joch, und sich weltherrschende Hoheit. - Seh't, was mich, den heimlichen Forscher, nur Täuschung bedünkte, - Fügt sich in Wahrheit schon! Er ruft, und rüstet die Völker - Rings zum Kampf, von den schimmernden Höh'n zu Tunis den Halbmond - Niederzuschmettern, und ha, fällt Afrika jetzo, gebändigt, - Seiner Gewalt: dann lechzt er wohl gar nach Asia's Herrschaft, - Daß er die heiligen Städt', und dort der gläubigen Pilger - Freudiges Ziel, mein Grab, mit stolzer Ferse zerstampfe? - Aber nicht also gescheh's! Wir zieh'n, des edelsten Welttheils - Söhn', ihm entgegen, nicht scheuend den Trotz der Gegner im Luftraum, - Welche zuvor des Erdballs Schooß' entschwebten, und uns stets - Feindlichgesinnt, ihm bald mit thatenerweckendem Eifer - Beisteh'n: denn auch Hairaddins Brust, des treuen Bekenners - Meiner Lehre, will ich mit Kraft erfüllen und Kühnheit. - Jetzo nach Tunis geeilt, und nie vergesset des Wortes: - »Wer das Eine nur will, fest will, der wird es erringen!« - Sagt' es, und hob sich empor. Ihm folgten unzählige Geister, - Jauchzend; aber es zischt' ihr Schrei nur schwach im Gewölb hin. - So, wie in dunkler Gewitternacht der einsame Wand'rer, - Keuchend, die Leucht' in der Hand mit halbverlöschendem Flämmchen, - Endlich die Höhle betritt im verborgenen Raume der Felswand: - Ihm umschwirren sogleich die Fledermäuse, geblendet, - Rings das Haupt, und er wankt erschrocken zurück nach dem Eingang: - Also bebte vor Angst der leis'aufhorchende Fremdling - Vor den flüchtenden Geistern zurück', und eilt', in des Tages - Lichte Gefilde zu schau'n nach schrecklicher Nacht der Verbannung. - Tief zerfleischte sein Herz, voll himmlischer Milde, des Sehers - Haßverkündendes Wort. Er saß, und drückte die Augen - Fest in die Hand, und sieh', es schwebten aus kommenden Tagen - Dunkler Ahnung Gebild' ihm vor: das wilde Gebären - Thatenschwangerer Zeit, und zerstörendes End' im Beginne! - Schatten floh'n, und kamen, und eilten vom wechselnden Schauplatz; - Aber, weit durchströmt von den schimmernden Fluthen der Elbe, - Hüllte sich Mühlbergs Heid' ihm auf. Er horchte dem Siegsruf; - Sah die ihn höhnten, besiegt, ihm die Knie' umfassen, und wähnte - Schon die Deutschen vereint nach des Glaubens schrecklichem Zwiespalt: - Wie, und er flieht dann bald im Grau'n der finsteren Sturmnacht, - Wehrlos, alt, und krank, dem nimmergeahneten Undank - Weichend, fort aus Tyrols, der Treue geheiligten Thälern? - Und so bald versah er das Ziel weltherrschender Hoheit?[9] - Aechzend erhob er den Blick: die trüben Gesichte der Zukunft - Schwanden in Nacht; er floh, und kehrt' in die sterbliche Hülle. - - Sieh', und es regte sich nun der schlummernde Kaiser! Ihm pochte - Hörbar die Brust; sein Athem flog, und häufiger Schweiß rann - Ihm von der glühenden Stirn'. Er blickte lange verwundert - Rings in den Hallen umher, und sann, ein wachender Träumer. - Jetzt ein dämmernder Strahl, und jetzt -- kaum wagt' er's zu denken, - Was so erhaben und groß vor seinem Geiste dahinschwand, - Und ihn entzückte zuvor: ihm drohte vernichtende Wonne, - Und, was unerhörbar war den Ohren sterblicher Menschen, - Barg für immer sein treues Gemüth. Nie lächelt' er wieder - Und sein sehnender Blick hing stets an dem Bilde des Grabes. - Doch nun kehrt' er heim in die Burg, und Stille war ringsum. - - - - - Zweiter Gesang. - - - Siehe, der Kaiser entboth im mitternächtlichen Dunkel - Noch in die Königsburg Hispania's hohe Cortezza: - Denn kein Schlummer umfing sein glühendes Auge; des Kampfes - Nahender Augenblick und die drängende Sorge der Rüstung - Scheuchten ihn fern': er sah, und hörte nur Sieg und Errettung! - Jene harrten im prächtigen Saal des edelsten Herrschers. - Nun, da er kam, entfuhren sie alle den schwellenden Pfühlen; - Blößten vor ihm, verneigend, das Haupt, und deckten es wieder, - Würdigen Ernstes voll, nach altherkömmlichem Vorrecht. - Aber er schritt im Gefolg der Großen und Edeln zum Thron' auf, - Deß' erlesene Pracht mit Staunen erfüllte den Fremdling. - Schwarz aufragte vom Dach der Doppel-Aar, mit dem Zepter - Und mit der Krone geschmückt, voll hellaufblitzenden Demant's, - Den der Hindou dem Schacht' entriß, und der bataver Künstler - Glättete, ringsumher verzierend mit schimmernden Kanten; - Doch an dem Purpurtuch, vom Dach zu dem Sitze herunter - Glänzten die Wapen, vereint, von Gott gesegneter Länder, - Die er beherrscht': ein Meisterwerk kunstfertiger Nadel. - Dreizehn Königreich', umschlingend Castiliens Kronen, - Wies, vorstrahlend, das Tuch zum Ruhme der spanischen Herrschaft; - Unter ihm Austria's Schild: den schneeigen Gürtel im Blutfeld, - Der in dem Kampf rein hielt von feindlichem Blute den Panzer - Leupold, des Tugendhaften, vor Ptolemais: sein Denkmahl![10] - Rechts, im schönen Verein von sechs verbrüderten Reichen, - Ungerns doppelten Schild; vier Ströme durchfluthen den einen -- - Aber das Haupt der Karpathen hebt, dreizackig, im andern - Ueber dem fruchtbar'n Land, das tapfere Völker bewohnen, - Schimmernd, die Kron' und das Doppelkreutz, von Silber, zur Luft auf. - Links, in dem rothen Feld Bohemia's silbernen Löwen: - Eines löwenmüthigen Volks hochrühmliches Zeichen. - Tiefer, im grünen Feld den flammensprühenden Panther: - Stiria's eisenerzausschmelzenden Essen zu Ehren; - Dann Carinthia's Leu'n und Pfeile, des trefflichen Landes, - Wo das Blei ausbeutet der Bergmann: schrecklich ersetzte - Tödlichschmetterndes Blei die Pfeil' im Felde der Waffen; - Dann, aufstrebend zur Sonnenbahn, Carniolia's Adler -- - Morawa's Aar, und Tyrols, der Treue geheiligter Länder. - Aber der Löwe Brabants, im Schooß umgränzender Gauen, - Zeigt uns im hehren Ruhm des edelsten Kaisers Geburtsland. - Ihm zur Seite verschlingt Lombardia's Schlange den Mohren; - Ihn umgibt Neapoli's Lilienglanz, und ihm huldigt, - Jugendlich schön aus des Meeres Fluth aufschwebend, des Morgens - Freundlicher Strahl, und erhellt Amerika's winkenden Meerstrand. - - Dort die Stufen hinan, die ein niederländischer Teppich - Hüllete, schön im Geweb' darstellend die Freude des Weidwerks, - Schritt der Kaiser. Er stand, gewendet, im Glanze des Thrones; - Blickte nach Allen umher, und, als er auf blähenden Purpur - Nieder sich ließ, begann er mit sanfterglühenden Augen: - »Edle des Reichs, und Räthe! Der Tag der Christenerrettung - Ruft zu dem heiligen Kampf Europa's vereinte Geschwader, - Und, entfaltend am Maste die Flagg' und die wehenden Wimpel, - Harren die Völker, vereint, der Abfahrt donnerndem Wink nur, - Daß sie im Felde des Ruhms, vor Tunis, am frevelnden Räuber - Rächen die Schmach, und dem schrecklichen Joch' entreißen die Brüder. - Laut ruft uns Barcellona's Gestad, wo dort auf des Meer's Höh'n, - Nun gerüstet zur Schlacht, nun wehrlosen Küstenbewohnern - Jammer dräuend und Noth, sein Raubgeschwader sich zeiget. - Gottes Segen mit uns und dem Lande! Mein endlicher Wille[11] - Liegt gefertigt im Schrank: so im heiligen Kampf' ich erläge, - Und nicht wiederkehrte zu euch, zur liebenden Gattinn, - Und zu dem Sohn, der einst, so Gott will, würdig den Zepter - Führe nach mir, vor allen Hispania's Ländern zum Frommen. - Eurer Sorgfalt, Treu', und Liebe vertrau' ich die beiden - Jetzt, und scheide getrost: sie sind da trefflich geborgen.« - Also der Fürst. Da quoll's von Thränen im Auge der Edeln; - All' entfuhren der Bank, und streckten die Händ' ihm entgegen. - Wie der Gießbach rauscht, der hoch vom dauernden Regen - Angeschwollen, dem Felsenbett' entstürzet, und rastlos - Rasselnde Kiesel wälzt, und Felsengerölle mit fortreißt: - Also erscholl in dem Saal' ihr lauterbrausender Zuruf; - Doch bald hier, bald dort ertönt' er vernehmlicher, lauter: - »Kehre beglückt uns heim, und herrsch' in dem Segen der Völker, - Allgeliebter, noch lange! Mit strahlenden Lorbern des Sieges - Kommt Europa dir bald, dem Retter, entgegen, und jauchzt dir - Lauten Triumph in der Glocken Getön' und des ehrnen Geschützes - Freudigen Donnerhall: dein Ruhm erfüllet den Erdkreis.« - Aber er stand, erschüttert, am Thron', und sandte nach Allen - Heißen Dank aus der Himmelsbläue der glänzenden Augen, - Eilte die Stufen herab, und ging. Aufflogen der Thüren - Mächtige Flügel vor ihm; er schwand mit seinem Gefolg dann - Fern' im Gang. Da kehrten zugleich die Großen des Reiches - Nach der heimischen Flur, um dort in der einsamen Felsburg, - Oder in menschenversammelnder Stadt noch heute zu fördern, - Was zu dem Rettungskampf des Herrschers Wille gebothen. - - Eh' in des Erdballs Schooß, in die düstere Wohnung der Trauer, - Noch der Ruf des Unsterblichen drang, erlesenen Geistern - Dort zu verkünden den bald umwüthenden Kampf in Karthago's - Rühmlichem Feld, schwang Hermann,[12] einst der kühnen Cherusker - Tapferer Hort, sich herunter. Ihm flogen die goldenen Locken - Weit von dem Nacken, sein blitzendes Aug' und die glühenden Wangen - Kündigten freudigen Muth und trostverheißende Bothschaft. - Gierig forscht' er umher, die Freunde sogleich in den Scharen - Gleichgesinneter Geister zu schau'n, und er fand sie vereint dort. - Hannibal,[13] der dem Regulus[14] nah', auf schwellendem Mooswuchs - Ruhte, erhob das Haupt, und rief ihm finster entgegen: - »Freude verkündet dein Flammenblick, unbändiger Krieger! - Wie, nur Kampf, Gewürg', und Schlachtengetümmel ergetzt dich - Noch, das rastlos fort im Geschlechte der Sterblichen wüthet? - Aber ich athme nicht Erdenluft, und meide, voll Unmuths, - Seit Jahrhunderten schon, der Sonn' erfreuenden Anblick. - Siehe, wir führen erneueten Streit: ob würdiger Roma, - Oder Karthago gedacht, und gehandelt, als Herrscherinn? Roma - Trat mit ehernem Fuß' allwärts die Blüthe der Menschheit - Nieder, als Siegerinn, da Karthago der milderen Herrschaft, - Segen pflanzend rings an den Küsten des Meer's, sich erfreute. - O, ich hätte mein Vaterland und die Welt, die ergrimmend, - Sie in dem Sclavenjoch ausmordete, schrecklich gerächt noch: - Hätte nicht Haß und niedriger Neid die Scharen verweigert, - Die ich entboth, euch, Wolfesbrut, ganz niederzuschmettern!« - Regulus schwieg; doch Hermann rief den zürnenden Helden: - »Schon seit lange versöhnt, und verbunden in traulicher Freundschaft, - Wollet ihr euch denn heut' entzwei'n durch Worte des Haders? - Laßt die Vergangenheit; nur, wie im zaubergewaltigen Spiegel, - Gaukelnd, kommen, und flieh'n die buntvermengten Gestalten, - Stehe vor eurem Gemüth' ihr grau'numhülletes Bild noch. - Hört, was, tröstend für uns, der Erde Bewohner beginnen! - Schon ist dem Heldenvolk zum fernentlegenen Tunis - Offen die glänzende Bahn; schon waffnet der edelste Kaiser - Scharen der Krieger am Meeresstrand, wo unzählige Schiffe - Decken die schimmernde Fluth, und entfalten die Segel zur Abfahrt. - Ein Welttheil entboth die Tapferen gegen den andern; - Ringsum regt sich die Erd', und ihr denkt hier müßig zu weilen? - Auf, wir wollen vereint hinzieh'n, und entflammen die Krieger - Oben im Kampf! Gedenket des Ruhms entflohener Zeiten!« - Hannibal schwang sich empor, und rief mit gewaltiger Stimme: - »Fort, auf die Oberwelt! Ich will in dem Felde der Waffen - Schauen die Helden der neueren Zeit. So herrliche Krieger, - Als am Trasimen und vor Cannä die Erde gewahrte: - Staunend den Söhnen des Sieg's, die werd' ich wohl nimmer ersehen.« - Regulus stand, verdüsterten Blicks, und sagte den Beiden: - »Möget ihr immerhin dem furchtbar'n Schlachtengetümmel - Horchen mit Lust, und drängen, und treiben mit stachelnden Worten - Eure Erwählten: nur wenig frommt's, nur wenig genügt's euch! - Aber mich reizet ihr nicht, zu entfliehen den nächtlichen Räumen.« - »Wie,« rief Hermann, »du bliebest zurück', und rings in Karthago's - Hehrem Gefild tönt bald Siegsruf im Getümmel der Waffen? - Sehntest dich nimmer zu schau'n die Heldenmaale der Vorwelt? - Zwar es fing dich im Kampf der hochgesinnte Spartaner, - Xanthippos,[15] dem Volk Karthago's gebiethend als Feldherr: - Doch du sühntest die Schmach, gabst hin die unschätzbare Freiheit - Für dein Vaterland, und auf immer preist dich die Nachwelt. - Komm', und folge mir, dort zu entflammen den Muth in den - Schlachtreih'n!« - Also der Held: da erscholl des Unsterblichen donnernde Stimme, - Die von des Aetna Schlund durch wirbelnder Flammen Geprassel - Brausend, die Scharen der Geister hinauf zum erwachenden Kampf lud. - Neunmal umkreis'te der Donnerruf den unendlichen Raum dort; - Neunmal erwiedert' ihn auch der Geister empörterer Jubel, - Und die beiden entschwebten, vereint, und von Kriegern umgeben, - Welchen sie einst gebothen im Kampf, dem Schooße des Erdballs. - Aber Regulus stand, verlassen von seinen Gefährten, - Sinnend, allein, und blickte starr in die Tiefe hinunter. - Jetzo wollt' er entflieh'n, um fern' in des eisigen Nordpols - Wölbung den glühenden Durst, der mächtig ihn drängte, zu stillen; - Doch er entbrannte noch mehr: das Schmettern der Kriegesdrometen, - Dann das Wiehern der stampfenden Ross', und der Würgenden Schlachtruf - Töneten, wechselnd, um ihn, und von tausend Gebilden ergriffen, - Stand er, triefend von Schweiß, und zitternd vor steigender Kampflust. - Sieh', nun ballt' er die Faust, und rief mit gewaltiger Stimme: - »Deutschlands Hort, so sagte zuvor der kühne Cherusker, - Kommend herab von der oberen Welt, entboth Europa's - Völker zur Heldenfahrt: viel tausend gefangene Menschen - Aus des Räubers Gewalt, aus Schmach und Fesseln zu retten? ... - Weh', auch ich trug einst die schmähliche Kette! Sie both mir - Ruhm und Lohn; doch fühlt' ich es oft in vernichtender Schwermuth, - Wie in dem dumpfen Gewölb sie lastete, wo mich die Stunden - Länger als Tag', und diese zu trägen Jahren gedehnet, - Dünkten. Auch mir erscholl die höhnende Stimme des Wüthrichs -- - Drohte sein finsterer Blick stets größere Qualen; ich fühlte - So die entsetzlichste: fern von der hochgesinneten Gattinn - Und den Erzeugten, das Leben in Kerkersnacht zu verhauchen. - Jetzo hinauf, hinauf nach Tunis, dem einstigen Schauplatz - Dort unsterblichen Ruhms und herzzerreißenden Jammers, - Daß ich vielleicht noch selbst Unglücklichen Hülfe gewähre!« - D'rauf schwang er sich empor zu den sonnigen Fluren des Erdballs, - Dort vor allen zuerst die düstern Gefilde von Tunis - Wiederzuseh'n. Nicht wandt' er den Blick nach dem Felde der Waffen, - Wo der Griech' ihn bezwang, Xanthippos, der in die Schlachtreih'n - Sein' Elephanten gestellt -- das Heer im Rücken bestürmend, - Schnell die Reih'n durchbrach, ihn fing, und Karthago den Sieg gab. - - Nahe der Stadt, auf Felsen, erhob sich die thürmende Hochburg, - Die in dem finsteren Schooß viel tausend gefangene Christen - Eisern barg: die Wohnung der Qual und des Jammers Behausung! - Dorthin eilt' er, und senkte sich leis' auf die Zinne der Burg hin. - Ach, aus der Tief' erscholl der unglückseligen Sclaven - Jammergestöhn! Wie ein Falk, der schnell aus den Lüften herabfährt, - Weil er die girrenden Küchlein sah im Schatten des Hofraums, - Fuhr der Lüftebewohner hinab, und schauderte, bebte: - Denn in des Kerkers Nacht, in der Felsentiefe der Hochburg, - Sah er, beim düsteren Schein der mattaufflimmernden Lampen, - Bleiche, durch Moderluft und Hunger entfleischte Gestalten; - Sah dort Qual und Verzweiflung zugleich auf den zuckenden Wangen - Und im erloschenen Blick, der endlich zum grimmigen Hohn ward; - Hörete Ketten-Geklirr, und dumpfes Aechzen und Stöhnen - In dem Gewölb. Sie rückte heran, die Stunde des Jammers, - Wo Medelin, der Renegat aus Genua's Landen, - Forschend die Höhlen des Graun's durchschritt, und mit eherner Geißel - Peitschte die Murrenden dort, nach Hairaddins schrecklichem Machtwort. - Zorn erglüht' im Blick des edelgesinneten Geistes. - Doch nun brauset' er über sie hin, und rief im Gelispel - Dunkelen Geisterrufs: »Euch nahet ein Retter, erhebt euch!« - Alle fuhren empor, und schreckliches Kettengerassel - Scholl im Gewölb: nicht wußten die armen die Tröstung zu deuten. - Doch er kehrte zurück, Hispania's Erd', und den Retter - Dort zu erschau'n, der jetzt nah' war Barcellona's Gestaden. - - Muhamed sah ihn. Er schwebt' im Gefolg' unzähliger Geister - Auf von des Aetna Schlund, und hieß die Empöreten harren, - Bis er vom übersinnlichen Raum mit dem Bundesgenossen - Kehrete: denn er ging, dort Attila's[16] Brust zu entflammen -- - Ihn zu erregen zum Kampf' und zu wichtiger Thaten Vollendung. - Bald erspähte sein forschender Blick den König der Hunnen. - Ueber dem caspischen Meer, wohl tausend Meilen erhoben, - Saß er im Wolkenzelt, so wie einst, von den Helden umgeben, - Nach vollendetem Mahl. Der Söhne geliebtester, Ellack, - Neigte sein Haupt ihm sanft auf die Schulter; der wilde Tuhutum - Saß ihm zunächst; Zombor, der schreckliche Krieger, mit Tursol, - Und mit Retel und Bojt, unbändigen Würgern im Schlachtfeld, - Saßen im Kreis' um ihn her, dem liedergewaltigen Sänger - Horchend, der, im Sturm des pochenden Busens, der Zither - Saiten empörender schlug, und jetzt der herrlichen Vorzeit - Helden pries in dem Lied', unsterblicher Thaten gedenkend, - Daß sich des Ahnenruhms, gleich tapfer, erfreue der Enkel. - All' aufhorchten ihm still'. Auf die bärtigen Lippen der Krieger - Stürzte die schimmernde Thräne herab; sie wiegten das Haupt oft - Bei des Gesangs Allmacht ergriffen von stürmischer Wehmuth. - Muhamed braus'te herein; der Sänger verstummte; die Krieger - Fuhren vom Sitz, da er so zum Kampf' aufboth den Beherrscher: - »Attila, auf, zur Rache, zum Sieg! Die mächtigsten Geister - Hieß des Unsterblichen Ruf entfahren dem Schooße des Erdballs, - Daß sie dem Christenvolk, nur uns zu verhöhnen entschlossen, - Stehen als Retter im Kampf. Wir sollten es dulden? Der Blutschuld - Denkest du noch, die Roms entartete Söhne nicht büßten, - Wie dein eisernes Herz es gewollt? Und fuhr nicht der Römer, - Trotzigen Blicks, erst hin, den Christen als Helfer zu nahen? - Nun sey List dem Muthe vereint, stets wachsam die Rachgier, - Schmach auf die Feinde gehäuft, und errungen der herrlichste Sieg uns.« - Attila winket' ihm Beifall zu. Des schrecklichen Rohrwolfs - Zähne, deß' zottiger Pelz ihm Rücken und Fersen umhüllte, - Starrten von seiner Stirn', und tief, wie aus nächtlichem Schacht her - Strahlet des Bergmanns Grubenlicht, ihm glommen die Augen - Aus dem finstern Gesicht'. Er faßte den blutigen Säbel - Tyrs,[17] den einst (so kündet die Sage) der furchtbare Kriegsgott - Selbst auf der Heide vergrub, daß seiner Gewalt nicht die Völker - All' erlägen: umsonst! Der Schreckliche, der sich die Geißel - Gottes im furchtbar'n Trotze genannt, entriß ihn des Feldes - Tiefverhüllendem Schooß'. Auch jetzt aufschwang er das Eisen, - Jauchzend, und eilte Muhamed nach. Unzählige Scharen - Folgten ihm, dürstend nach Blut und brausendem Kampfesgetümmel. - So durchstürmten die Luft ringsher die empöreten Geister. - - Aber der Kaiser drückte voll Hast, Isabella, die Gattinn, - Noch an die pochende Brust, und mengte die Thräne mit Thränen; - Segnete, tiefbewegt, sein störrischblickendes Söhnlein, - Schwang sich auf's wiehernde Roß, und flog aus dem drönenden Thorweg, - Mitten im Ehrengefolg fünfhundert erlesener Reiter, - Schnell g'en Barcellona hinaus, der prächtigen Seestadt. - Nah' ihm spornte das Roß der einst gewaltige König, - Muley Hassan, und sann, verstummend, und düster, den Pfad hin. - Muhamed naht' ihm ergrimmt. Er sah, wie finsteres Mißtrau'n - Ihm zerwühlte die Brust vor Furcht und banger Erwartung: - Ob der Christ ihm dereinst, wenn Hairaddins Macht er bezwungen, - Treu dem heiligen Eidschwur, noch den Zepter von Tunis - Frei gibt -- oder ihn selber behält, mit räub'rischen Händen? - Sah's, und schwang sich herab. Gleich einem gewaltigen Uhu, - Der vom Hunger gequält, mit erblindeten, feurigen Augen - Harrt in der Felsenkluft der Dämmerung; dann, sich erhebend, - Leis' in dem Thal' umher, mit weitgebreiteten Flügeln - Flattert, nach Beute zu späh'n: so naht' auch Muhamed jetzo - Hassans geistigem Leib, der leicht wie die Strahlen der Sonne, - Jegliche Nerve durchdringt, und schnell, wie in dumpfer Betäubung, - Und wie entkörpert, vernahm er den Geist im Seelengelispel: - »Träumender, ha, du sankst erst jüngst dem ungläubigen Fürsten - Feig zu den Füßen, und hoffst, auf die Rechte des Siegers dich stützend, - Den, nach schrecklichem Mord' ererbeten Thron zu besteigen? - Thor, der also sich täuscht: der Christ, und ein Christenbeherrscher - Zöge für dich in den Kampf, und opferte dir zu Gefallen - Menschen und Gold, daß du dich dann erfreuest der Herrschaft? - Wiss' es: er sinnt dir Schmach und Verrath, und gibt dich der Rachgier - Hairaddins hin -- vielleicht als Preis für die Veste Goletta. - Solltest du nicht, bald heimgekehrt, auf täuschendem Pfad' ihm - Jammer bereiten, und ihn verderben, dir selber zur Rettung?« - Hassan horchte verwundert, und sann, wer ihm in dem Herzen - Solch' Empörung erregt, das sonst schon zweifelerfüllt war? - Doch nun hemmt' er das Roß mit dem Zaum': im zögernden Schritte - Sich zu entzieh'n der Schar, die rasch zum rühmlichen Ziel fort - Eilete; sah dann zurück, nach Mosul, dem Sclaven, und sagte: - »Mosul, vernimm, wie dir des Busens geheimste Gedanken - Dein Gebiether enthüllt: denn ach, so beugete Hassans - Haupt das Geschick, daß er selbst dem niedrigen Sclaven sie kund thut! - Siehe, wie dort hineilt der mächtige Christenbeherrscher, - Bald an der Spitze des Heeres zu steh'n, zu entfalten die Segel, - Und zu entschiffen, im Flug nach Tunis, dem herrlichen Erbland. - Hoffst du, er werde des Schwurs, des heiligen: mir das Entriss'ne - Wieder zu schaffen mit Waffengewalt, auch drüben gedenken? - Ach, mir sinnet er Schmach und sich unendlichen Vortheil, - So er dem schrecklichen Feind mich verräth, dem solches ersehnt ist!« - Sagt' es, bewegt. »Nicht zürn', o Herr,« so entgegnete jener, - »Daß ein niedriger Knecht vor deinem erhabenen Antlitz - Sich zu reden erkühnt. Hast du nicht am dämmernden Abend - Gestern geseh'n, wie mildgesinnt der Christenbeherrscher - Dich aufnahm im Palast, wie gütig sein thränender Blick war? - Nicht vernommen den Eidschwur dort, beim einigen Gotte - Dir geschworen, daß er den entrissenen Zepter der Väter, - So er den Räuber besiegt, dir wieder zu geben bereit sey? - Ach, nicht brächt' ihm die Täuschung Gewinn: ein irrender Fremdling - Stehst du vor ihm ... vertrau' im edelen Herzen dem Edeln!« - »Schweig,« so rief der Zürnende jetzt, »im lächelnden Antlitz - Lauert der Trug -- dein lacht im freundlichen Auge die Falschheit! - Hat das unselige Volk nicht Hairaddins List mit Al-Raschids - Leiche getäuscht? Droht mir, dem Muselman, nicht von dem Christen - Größeres Unheil noch? Merk' auf! Im engenden Schiffsraum, - Nicht wie im stolzen Palast durch weite Hallen gesondert - Von dem Beherrscher selbst und den Seinen, erhaschest du leicht wohl, - Achtlosscheinend, ein Wort, das uns die schändliche Täuschung - Aufhüllt: nicht mißtraut sein Gefolg dem niedrigen Sclaven. - Angelangt an dem heimischen Strand', erseh' ich den Vortheil - Mir dann schnell, und entflieh' in der Dämmerung; oder ich heische, - So er von Tunis den Thron mir wieder zu geben gesinnt ist, - Selber von ihm das Schiff, Hülfsvolk aus den Bergen von Kabesch[18] - Ihm zu schaffen, wo mir die tapfern Bewohner noch treu sind.« - Und er spornte das schnaubende Roß, der Seite des Kaisers - Wieder zu nah'n, der eilender g'en Barcellona hinausritt. - - Doch, ach, welch Geschrei erschallt unferne der Seestadt, - Drüben am Strand' Areny's, des hainumsäuselten Dörfchens? - Wer betrübte so tief des Dörfchens stille Bewohner, - Daß sie mit Thränen im Blick', entfärbete Todesgestalten, - Stumm, und bebend vor Angst, aufschau'n zu dem nächtlichen Himmel, - Ob er sie schirm', ob Flammen speie sein rächender Donner? - Heiter entschwand die Sonn' im rosigen Duft', und der Himmel - Lächelte mild. Wie ein Säugling am Busen der liebenden Mutter - Schlummert, so lag, entzückend, am Saume der luftigen Berghöh'n - Abendröthliche Gluth. Im Gesang heimkehrten die Schnitter; - Laut ertönte des Hirten Schalmei, und die blöckenden Heerden - Eilten durch Wolken Staub's, der hoch in den röthlichen Himmel - Aufquoll, hüpfend zum duftenden Stall, nach Ruhe sich sehnend. - Als sich die Müden getrocknet den Schweiß, und die dämmernde Kammer - Alle versammelt' umher, da tischte die sorgliche Hausfrau - Jenes zur Abendkost, was ihr der Garten gespendet, - Was die Heerd' ihr both aus strotzenden Eitern. Sie stillten - Fröhlich den Hunger, und bald verstummte des Tages Getümmel - Ringsum; nur vom Thurme herab noch mahnte das Glöcklein, - Fromm zu erheben das Herz. Sie betheten, eilten zu ruhen, - Und der erquickende Schlaf umfing sie mit süßer Betäubung. - Glückliche, wacht: denn nah' ist der Sturm, der plötzlich den Himmel - Eures Friedens bewölkt mit schwarzumnachtender Trauer! - - Lauernd durchpflügte die See, mit hundert gerüsteten Schiffen, - Hairaddins Liebling, Al-Mansor, dem, scheidend, am Bord' er - Noch in die Seele gelegt: so draußen auf offener Meersfluth - Kühn dem Feind' entgegen zu steh'n, so rings an den Küsten - Furchtbar'n Ueberfall in nächtlicher Stunde zu wagen, - Und zu entwinden das Schwert des Feindes Hand in Europa, - Das er nach Afrika, dräuend, gezückt, ihm selber zum Unheil. - Wühlend im röthlichen Bart, der ihm zu dem Gürtel herabfloß, - Sprach nun Al-Mansor zu Omrah, dem tapferen Aga: - »Omrah, Mustapha's Sohn, vernimm mich jetzt, den Gebiether! - Bald entsinket die Nacht dem erdumwölbenden Himmel; - Spanne die Segel dem Wind'. Unferne der Stadt Barcellona - Landend, raub' entschlummertes Volk der niedrigen Hütte, - Oder dem stolzen Palast, daß wir erkunden in Wahrheit: - Ob in die thürmende Stadt der Christenbeherrscher gekommen, - Kampfgerüstet, ob nicht? denn eilig geböth' er die Fahrt dann. - Tapferer, was du beginnest mit Muth, vollende mit Kühnheit!« - Omrah gehorchte dem Wort'. Er löste dem Winde die Segel, - Und aus dem dunkeln Schooß Verderben dräuend und Jammer, - Flog sein Schiff dem Strand' entgegen am dämmernden Abend. - Dort in der Felsenbucht, nicht ferne den Marken Areny's, - Harret' er, lauernd, der Nacht. Sie kam: rings schwanden die Lichter; - Jeglicher Laut erstarb; nur die Wellen rauschten am Schiffskiel - Leis' empor, nur die Brandung scholl an den fernen Gestaden. - Eilig umschifft' er den bergenden Fels; dann flog er zum Strand hin, - Landete, trieb sein Volk zum Raub', ihm Eile gebiethend. - Und, wie in dunkler Mitternacht aus säuselndem Schilfrohr, - Plötzlich, die wilde Schar langhungernder Wölfe sich aufmacht, - D'rauf, der Hürde genaht, einstürmt, und die zitternden Lämmer - Raubet in Hast; wie jährige Stier' im blutigen Rachen - Tragend, die Jaguar, Westindiens schreckliche Tieger, - Fliehen den Berg aufwärts: so drangen die furchtbaren Räuber, - Gräßlichen Mord im Blick, durch berstende Thüren und Fenster - Ein in die Hütten; so raubten sie dort den blühenden Jüngling, - Grauender Aeltern einzigen Trost, und des liebenden Weibes - Theuern Gatten, und floh'n zum Bord des harrenden Schiffs hin. - - Wehklag' scholl. Als jetzt sie erweckte des Dörfchens Bewohner, - Die, noch solchem Geschick' entronnen, der Spur der Geraubten - Folgten, ächzend vor Schmerz und drängender Sorge der Rettung, - Tönte schon fern' ihr Schrei von den rauschenden Wogen herüber. - Schrecklich zu schau'n! Da steht mit fliegendem Haar, mit Verzweiflung - In dem Gesicht, mit Gluth in der Brust, die Gattinn, und breitet - Zitternd die Arme dem Gatten nach: mit bebenden Lippen - Will sie noch einmal zurück, mit Gewalt, ihn rufen, und stöhnt nur. - Dort auf den Sand hinstürzet der Greis, und rauft sich die Haar' aus - Ob des Töchterchens, ob des Sohn's. Da knie't an dem Ufer, - Schaudernd im Fieber, die Braut, und blickt mit wilden Geberden - Jetzo dem Vater, und jetzt der weinenden Mutter in's Antlitz; - Horcht nach den Fluthen hinaus, erhebt sich, und läuft auf dem Sandpfad - Plötzlich dahin. Ein gellender Schrei aus dem fliegenden Busen - Füllet die Luft und die Herzen des Volk's, mit starrem Entsetzen. - Ach, sie stürzt' in die Fluth; doch hängen die zarten Geschwister, - Wimmernd, an ihrem wehenden Kleid', und rufen ihr liebvoll - Trost in das Herz, vereint dem Fleh'n des weinenden Volkes, - Das an den Vater im Himmel sie mahnt, den Rächer der Unschuld! - Aber schon nahte der Rächer, im Flug, Barcellona's Gefilden, - Glühend im Herzen dem Ruf' erhabener Christenerrettung. - - - - - Dritter Gesang. - - - Siehe, wie stolz erhebt Barcellona, die herrliche Seestadt, - Heute die Stirn' in die Luft; wie schimmert so hell in des Meeres - Fluthendem Spiegel ihr Bild; im freudigen Lärm und Getümmel - Jauchzt in den Gassen das Volk, und jauchzt in dem hallenden Hafen: - »Heil uns, Doria kommt, der langersehnete Seeheld!« - Dreißig der Schiff' erkennet das Aug' an den flatternden Segeln - Fern' auf dem Meer. Sie führen fünftausend erlesene Krieger, - Genua's tapferes Volk, zum heiligen Kampfe der Rettung. - Dreißigmal grüßt das Donnerrohr von dem Walle den Helden: - Also schallt von dem Meere sein Dank im Donner herüber; - Doch, wie die Echo, geweckt in der felsumstarreten Bergschlucht, - Einen gewaltigen Ruf erst laut und mächtig erwiedert, - Dann nur leis' aushaucht, und wieder verstummt in der Stille: - So von des Meeres Höh'n herflog, mit ermattenden Schwingen, - Dreißig Grüßen zum Dank, der dumpfummurrende Nachhall. - Jetzt aufrauschte die Fluth: sie sprang an dem schwärzlichen - Schiffskiel, - Schäumend, umher, und wogte sie all' in den schirmenden Hafen. - Jetzt entsank dem Busen des Schiff's der gewichtige Anker, - Rasselnden Schwungs, und ihm, geschleudert vom kreisenden Wellbaum, - Folgte das mächtige Seil, bis er haftete fest in dem Boden. - Lange wiegte die Fluth das eiserngeheftete Schiff noch. - Doch nun schwang sich der Held, mit den obersten Schiffesgebiethern, - Schnell in das zierliche Boot, und eilte dem Ufer entgegen: - Ihn umbraus'te des Volks ringsher auftobender Jubel. - Aber es scholl erneut in dem wimmelnden Hafen der Zuruf: - »Heil dem nahenden Freund!« denn Ludwig,[19] der Bruder der Kais'rinn, - Und Lusitaniens Stolz, kam jetzt mit zwanzig der Segel - Näher dem Port'. Er warb viertausend tapfere Streiter - Drüben am Tajo, und kam, Siegsruhm zu erringen entschlossen. - Als er, gelandet, am Strand hinging: da staunte mit Ehrfurcht - Jegliches Aug' ihm nach, da er schon im Lenze des Lebens, - Heiter die muthige Brust darboth des Krieges Gefahren. - Wieder erscholl's: »Heil dort den nahenden Schiffen!« und sechzig - Zählte des Strandes Wart von dem hochaufthürmenden Leuchtthurm. - Ruyter[20] kam, der jüngst die flandrischen durch Gibilterra's - Enge geführt, und auf Malaga's Höh'n mit jenen vereinte, - Die Hispania's Städte gesandt, im rühmlichen Wettstreit. - Hundert Krieger am Bord trug jedes der räumigen Schiffe -- - Trug in dem dunkeln Schooß Geräthe des dauernden Krieges, - Mundvorrath und Geschoß, mit den ehernen Schlünden und Mörsern. - Rastlos brüllten die Donnerschlünd', als jetzt in des Morgens - Stunden sich eint', im Port, zu dem Heldenzuge die Heersmacht. - - Aber auch drüben an Wälschlands weitumkreisenden Ufern - Wogten des Krieges Banner, erhöht, in dem Wind', und die Völker - Harrten der Siegesfahrt. In Genua's äußerstem Hafen, - Den im holden Gefild schon längst entschwund'ne Geschlechter - Weihten der Liebesgöttinn zum Sitz,[21] einschiffte die Scharen - Genua's -- auch Hetruriens und Lombardia's Krieger, - Guasto, der tapfere Greis, des Fußvolks oberster Feldherr.[22] - Finster blickte sein Aug'. Ergraut in den eisernen Waffen, - Nährt' er im stetsumwölkten Gemüth' unziemliches Mißtrau'n - Gegen die Welt: ihn scheuten -- nicht liebten die Waffengefährten. - Jetzt von der einsamen Burg von Ischia rief ihn der Kaiser - Wieder zum Kampf, nach erkorener Ruh' im grauenden Alter: - Denn er kannte die Kraft des schlachtanordnenden Greises. - Als er vom Meeresstrand' einschiffte die Völker: da nahte - Eberstein,[23] zehntausend erlesene Krieger aus Deutschland - Führend im freudigen Muth zu dem rühmlichen Kampfe der Rettung. - Eine Ros' in dem Schild', enthüllete, schimmernd, sein Fähnlein -- - Sie, des trefflichen Ahns Stammzier, den ehrend der Kaiser - Heinrich, der Finkler genannt, zu der hohen Roma gesendet, - Daß er der Völker Wohl mit dem Hirten der Kirche berathe. - Dort an dem festlichen Tag, wo, Flammen gleich, von dem Himmel - Sich auf die Jünger herab, der Geist, der _Heilige_, senkte, - Ward ihm die Rose gereicht von dem Heiligen Vater, und Heinrich - Pflanzte die Ros' in den Wappenschild des tapferen Ritters, - Welcher die Freiheitsschlacht auf Mörsburgs sandigen Fluren - Kämpfte mit ihm, das Volk zu erretten vom Joche der Ungern. - Solchen Ahnen entsproß der Führer germanischer Völker. - Aber er einte vor Mailand jüngst die kühnen Gefährten, - Die er in Deutschland warb -- in dem Vaterlande der Helden: - Denn in Schwabens freundlichen Gau'n, wo silbernergossen - Schimmert der Bodensee, und die rühmliche Quelle der Donau, - Unversiegbar, nährt des Schwarzwalds heiliges Dunkel,[24] - Daß sie, ein Ries', auf siebenhundert Meilen entlang hin - Netze den Bord unzähliger Städt', und Dörfer, und Vesten, - Fröhlicher Traubengebirg', und erblühender Gärten und Wälder, - Und in dem Schwarzen-Meer, des Schwarzwalds Höhen entsprossen, - Stets nach Osten gewandt, vollende die herrliche Laufbahn: - Dort begrüßten zuerst zwölfhundert erlesene Krieger, - Lanzenbewaffnetes Volk, mit Römhild, dem tapferen Führer, - Ebersteins Panier mit lautaufschallendem Jubel. - Doch wo des Spessarts Grau'n, so wie auch des lieblichen Mainstroms - Schimmer das Herz erhebt, im schönen Lande der Franken, - Flatterte hoch in die Luft des Führers erhobenes Fähnlein, - Werners: ihm folgte die Schar achthundert trefflicher Schützen. - Also das muthige Volk der bergbewohnenden Hessen - Folgete Wittekind nach, dem Helden: er zählte der Krieger - Tausend um sich, und kam, ruhmdürstend, heran in dem Kriegszug. - Und an den Ufern der Isar hinab zu dem freundlichen München, - Reihte sogleich die Schar zweitausend gerüsteter Bayern - Sich an den schwellenden Zug. Gedenkend der trefflichen Heimath, - Schwur ein jeder ihr herrlichen Ruhm zu erkämpfen vor Tunis. - Radburg führte sie an, des Herzogs tapferer Sprößling. - Auch wo im Sande die Spree der brandenburgischen Hauptstadt - Blässere Fluthen entgegenrollt, und die Oder des Landes - Blühende Fluren durchströmt, ertönte der mächtige Heerruf. - Schnell erhob sich die Schar von tausend erlesenen Kriegern, - Löwenbeherzt, und folgete Siegfrieds winkendem Banner. - Und wie folgte nicht, Stollberg, dir, im Muthe der Helden, - Sachsens edeles Volk, das mächtig umher an der Elbe, - So an der Pleiß' und der Ilm, ruhmwürdige Städte bewohnet; - Wo den Musen ihr Kranz erblüht', und die forschende Weisheit - Glänzende Höhen errang. Sie sendeten freudig nach Mailand, - Ueber Tyrols Berghöh'n, achthundert gewaltige Krieger. - Treues Tyrol, auch deinen Gebirgen und Thälern entströmte, - Jauchzenden Muthes, die Schar gepriesener Schützen! Sie nahten, - Tausend an Zahl, und, vereint fünfhundert muthigen Bündtnern, - Führte sie Salis zum Kampf, Oestreichs hochherziger Feldherr. - Ha, nicht weilten daheim die Helden des glücklichen Reiches, - Das in dem Bruderbund' unzählige Völker vereinet, - Und den Vereinten durch Weisheit, Mild', und Gerechtigkeit obherrscht: - Denn es entsandte zum Heer fünfhundert geharnischte Reiter: - Böhmens tapferes Volk, das, eisern, im eisernen Schlachtfeld - Ausharrt, und im entscheidenden Kampf den Feind in den Staub wirft; - Sandte der Ungern muthige Schar, die auf feurigen Rossen, - In der gewaltigen Faust den blinkenden Säbel erhebend, - Schnell, wie der Blitz, im Flug, die feindlichen Reihen zerschmettern. - Jenen geboth Waldstein, und diesen Hunyadi's[25] Enkel, - Der, Europa's Hort, die Macht der Osmanen gebrochen. - Ihnen gesellt, annahte das siegsruhmdürstende Fußvolk, - Das sich aus deinem Wall' und Fluren erhob, Vindobona, - Austria's herrliche Kaiserstadt! Wer rühmte dich würdig? - Ha, wie lieblich bespühlt die breitherrollende Donau - Deinen erhabenen Sitz! Wie stolz dir winken die Berghöh'n, - Säuseln die Hain' umher, und die lustaushauchenden Gärten! - Herrlich umglänzt dich der Aehren Gold, des fröhlichen Weinbergs - Labende Frucht; dir blüh'n rings Edens wonnige Fluren! - Nun entbothst du die Schar fünfhundert erlesener Krieger. - Aber noch dreimal die Zahl entsandten die trefflichen Länder, - Welche die March, die Muhr, und die Drau durchströmet, und jenes, - Das in dem freundlichen Schooß der Zirknitz[26] zaub'rischen See birgt: - Wo in den Tagen des rollenden Jahrs bald emsige Fischer - Jubeln der Beut' in dem Netz', und bald die Schnitter und Jäger - Strecken die Halm' und das Wild auf dem fluthentblößeten Raum hin. - Lichtstein führte dieß Volk. Hoch flattert' im Winde sein Fähnlein, - Wo das purpurne Feld, vom güldenen Felde gesondert, - Auf dem Schilde sich wies, und des Helms hochragender Fittig. - Hinter den zahllosen kam, von schnaubenden Rossen gezogen, - Näher die Wucht von hundert donnernden Schlünden und Mörsern. - Rückwärts gähnet' ihr dräuender Mund, und jeglichem folgte, - Rasch, mit der Lunt' an der Brust, der Wurfschütz -- folgten Gehülfen, - Sonder Scheu, an dem Wagen, voll tödlicher Feuergeschosse. - Rogendorf, der Feldzeugmeister im Heere des Kaisers, - Führte des Feldzeugs Macht. Er hemmte zuweilen mit Vorsicht - Sein gluthschnaubendes Roß, daß all' ihm folgten in Ordnung. - Trauer erfüllte sein Herz. Ihm sank der Gefährte der Jugend, - Salm, auf Wiens hochragendem Wall, wo beide, den Leu'n gleich, - Kämpften gegen Suleymans Wuth.[27] Dort schwand ihm des Glückes - Freundlicher Strahl: vom Grau'n des nächtlichen Kummers umgeben, - Sah er schweigend hinaus nach des Lebens verödeten Räumen. - - Also lenkte zum Meeresstrand die tapferen Völker - Ebersteins Heerruf. Laut wirbelte, drönte die Trommel; - Schmetternd erklang die Dromet', und das Wiehern der stampfenden Rosse - Scholl aus dem Waffengeblitz herüber vom stäubenden Fahrweg. - Doch nun rollt' er die Reih'n am tosenden Strande des Meers auf: - Guasto's Feldherrnauge zur Schau. Sie jagten hinunter, - Jagten herauf das muthige Roß, die herrlichen Scharen - Musternd, und staunenden Blicks ersah der oberste Feldherr - Deutschlands Heldenvolk, das, trefflichgerüstet, daherzog: - Diese bewehrt mit dem Helm' und dem Panzerhemde von Eisen, - Haltend die hochaufragende Lanze gelehnt an die Schulter; - Jene, das Feuerrohr im Arm, dem krachend des Todes - Kugel entfleugt, und fern' aus den Reihen die Männer in Staub wirft. - Allen umhüllte die Brust der todabwehrende Koller, - Von dem Felle des Elennthiers, und die eisernen Hauben - Schirmten vor tödlichem Hieb ihr Haupt im Gemenge der Waffen. - Aber die Reiterschar, gleich Flügeln umgebend das Fußvolk, - Hob den blinkenden Stahl in der nervigen Rechte zur Schulter. - Alle blickten nach Eberstein: Die rechts, und die Ander'n - Links, wie er nun, zur Mitte gekehrt, vor den Scharen das Wort nahm: - »Seht uns am Strande des Meers! Verkünden die thränenden Wimpern, - Kündet die Stille mir, wie jetzt des herrlichen Anschau - Euern Busen ergriff in spracherstickender Wonne? - Endlos wogt es dahin, in des Himmels umwölbenden Busen - Schwindend: ein Bild der allumfassenden Liebe. Gesegnet - Sey uns die Fluthenbahn: nach dem fernentlegenen Welttheil - Führe sie schnell die Helden zum Kampf für Rettung und Freiheit! - Brüder, wir kämpfen ihn dort, als Deutsche, der heiligen Pflicht treu, - Glühend von edelem Muth', und denkend des heimischen Ruhmes! - Gott und der Kaiser mit uns, die stets den Tapferen hold sind!« - Tausende schrie'n, aufjauchzte das Heer: »Gebiethe die Abfahrt: - Gott und der Kaiser mit uns, die stets den Tapferen hold sind!« - Hastig drängten sich alle zum Strand', und sah'n auf die Meer'sfluth, - Schweigend, hinaus. Erschüttert bückte sich Dieser, und tauchte - Freudig die Hand in die Fluth des schauererregenden Abgrunds; - Jener staunte der Pracht der Kriegesschiff' und Galeeren -- - Auch der Menge der Tau' und der Höhe des thürmenden Mastbaums. - Rastlos fuhren die Boot' umher. Da schifften am Ufer - Haufen sich ein; dort stiegen auf hänfenen Leitern die andern, - Eiliger, auf zu dem Raum des hochgewölbeten Schiffbords. - Aber die Reiter und Ross', Feldzeug und Geräthe des Krieges - Faßte der breitere Raum der offenen, niedern Galeeren, - Wo das muthige Roß, das erst, voll schnaubenden Ingrimms, - Tobte, bezähmt, und zitternd stand, und den mähnigen Nacken - Furchtsam erhob: zu schau'n die ringserhellten Gewässer. - Jetzt erscholl der Abfahrt lauterdonnerndes Zeichen. - Freundlich weht' aus Osten der Wind, und führte die Schiffe - Auf die unendliche Fläche hinaus. Die Menge des Volkes - Sah den herrlichen Zug von hundert Segeln, und jauchzt' ihm, - Lange vom schwindenden Strand, die Wünsche der günstigen Meerfahrt - Und des ersehnten Wiederseh'ns mit gewaltigem Laut nach. - Abend nahte heran. In den weitvorstrebenden Segeln - Säuselte sanfter der Wind; die goldenstrahlende Sonne - Sank g'en Westen hinab: sie taucht' ihr breiteres Antlitz - Leis' in die Spiegelfluth, und blickt' auf der flammenden Bahn dort, - Scheidend, heran, die, im Wellengeblitz erzitternd, ihr nachflog, - Und an des Himmels Rand' entschwand. Im rosigen Aether - Flatterten Wölkchen empor, die an ihrem verglühenden Saum noch - Lange den huldausstrahlenden Wink der Lieblichen zeigten. - Aber die Krieger ergriff die süße Wonne der Wehmuth: - Lautlos starrten sie hin, und dachten des lieblichen Schlafs nicht, - Mahnte nicht Guasto's ernster Wink und die Stimme der Führer. - - Siehe, der finstere Schleier der Nacht umhüllte des Heeres - Fluthenbahn! Eintönig rauschten die schwankenden Wogen - Jetzt an dem Kiele des Schiffs umher; scharf hauchte der Fahrwind, - Und in Eil' entschwand die Heersmacht Genua's Küsten. - Aber nicht achtlos sah der Christen ergrimmtester Gegner, - Muhamed, her aus dem Wolkenreich: wie drüben die Völker, - Lautaufjubelnden Rufs, entfalteten Segel auf Segel, - Und vom hohen Verdeck die funkelnden Blicke des Kriegers - Grause Vernichtung drohten dem Volk, das gläubig ihn ehret. - Gierig forscht' er umher, ob nicht ein wüthender Sturmwind - Fern' an des Himmels Rand' aufgährete? Doch in den Lüften - Herrschte liebliche Ruh', und hell erglänzte die Sternflur; - Forschte zugleich: ob Al-Mansors vereintes Geschwader - Nahete, den erst jüngst aus Algier Hairaddin sandte, - Daß er des Kaisers Macht hintilg' in brausender Seeschlacht? - Aber der Schreckliche trieb noch fern' auf den Fluthen des Meers um, - Das, Sardiniens Strand von Siciliens lieblichen Ufern - Trennend, die Bahn ihm wies, wo bald (so wähnt' er vermessen) - Ihm erliege, besiegt, der erhabene Herrscher der Christen; - Dennoch entsandt' er erst heut zwei leichthinsegelnde Schiffe, - Die, von Abdul beherrscht, vor Wälschlands schönen Gestaden - Kreutzten, und spähten umher: wohin sich wende Del-Guasto? - Abdul gewahrte des Heer's Abfahrt: denn zahllose Ruder - Peitschten die See, und die Luft durchfächelten Segel auf Segel. - Alsbald eilt' er nach Elba[28] hinaus, dem felsigen Eiland, - Wo von dem Schacht, gehaltreich, schillerndes Eisen der Bergmann - Fördert zu Tag', und steuerte, bald aus der dunkelen Felsbucht, - Bald aus dem Eisenport, des Feindes Fahrt zu erkunden. - Muhamed sah ihn ergrimmt, und naht' ihm, scheltenden Ruf's, so: - »Bebend schaust du das Christenvolk die Meere beherrschen? - Sinne vielmehr ihm Leid, ein schwacher dem stärkeren Gegner. - Denke der List: denn sieh', wie dort ein zögerndes Fahrzeug - Einsam die Wogen durchschifft! Ihm wirf dich muthig entgegen; - Halte die Enterhaken bereit; mit der Sprache der Heimath - Täuschend, raubst du dem Feinde noch heut den tapfersten Feldherrn.« - Abdul blickte verwundert um sich: wer Worte des Muthes - Ihm in die Seele gehaucht? und lenkte sein kühnes Geschwader - Gegen das einsame Schiff, am Mast' erhöhend die Flagge - Genua's, und entflammend zum Trug den listigen Korsen, - Der, geboren ein Christ, dem falschen Propheten sich hingab. - - Sarno, den tapferen Hort und Gebiether lombardischen Volkes, - Trug das einsame Schiff: ein schlechterer Segler. Vor Ingrimm - Ballt' er die Faust, daß nur er, der jüngste der Führer, zurückblieb. - Wie vor dem rauheren Herbst der Störch' unendliche Scharen, - Fliehend dahin durchsausen die Luft; doch einer aus allen - Folgt aus der Ferne dem Zug (den Zögernden lähmte der Weidmann - Jüngst auf dem Stoppelfeld) und schreit, da jene verschwinden: - Also schwand ihm das Heer im Schleier der dunkelen Nacht hin. - Jetzo vernahm er Geräusch' annahender Schiffe: die Wogen - Klatschten, geschleudert vom Kiel', und laut ersausten die Segel. - Ahnend Gefahr, aufboth der tapfergesinnete Feldherr - Schnell sein muthiges Volk. Der Wurfschütz harrte des Winks nur, - Gegen die Feind', im Donnerhall, Verderben zu senden. - D'rauf rief er: »Wer naht?« So schrie'n die Krieger zugleich auf. - Aber vom nahenden Bord begann der Korse voll Arglist: - »Kennt ihr Genua's Flagge nicht mehr? Uns sandte der Feldherr, - Daß in dem zögernden Lauf kein Gegner die eure gefährde.« - Also stürmten die Feinde zugleich, auf beiden den Schiffen, - Dieß, und auch jenseits an, und enterten, jauchzenden Rufes, - Sarno's Schiff, an mächtigen Tau'n fünfklauige Haken - Schleudernd: sie hafteten fest im Gebälk', und mit schrecklichen - Blicken, - Hoch in der nervigen Faust den blitzenden Säbel erhebend, - Schwangen sie sich dann auf zum Bord. Doch Sarno, der Feldherr, - Nahte, das Schwert in der Hand, nicht feige zu sterben, entschlossen. - Erst dem Korsen durchstieß er das Herz, das falsche; zerschmettert - Schnell an der Stirn', ihm sank Atha'r, und Ismail stürzte - D'rauf, in der Lunge durchbohrt, die tapfersten Aga der Scharen: - Orta genannt dem Muselman, die hundert und fünfzig - Krieger vereint. Doch jetzt, unedel im Rücken bestürmte - Jenen die Meng', und riß mit wildem Getös' ihn zu Boden. - Wie der Waldurochs, den wüthende Rüden umdrängen, - Rings mit lautem Gebell, ergrimmter die Stirne vor ihnen - Senkt, und den einen durchstößt mit tödlichen Hörnern, den andern, - Rasch mit den ehernen Klau'n zermalmt, und immer empörter - Rache schnaubt; doch jetzt, an den blutenden Ohren verbissen, - So an dem zottigen Halse zugleich und den kräftigen Schenkeln, - Zerrt die tobende Schar, bis überwältigt er hinsinkt - Vielen, allein: so stürzte der Held, und, schmählich gefesselt - Ward er mit seinem Volk', aus Haufen erschlagener Gegner, - Nach dem feindlichen Schiffe geschleppt. Sein eigenes trieb nun, - Menschenberaubt, umher, als Beute den stürmischen Wogen. - Dort im finsteren Schiffsraum lag der edelste Feldherr; - Preßte die Stirn' an die Wand, und heißentquellende Thränen - Perlten, fort und fort, an seinen Wangen herunter: - Thränen, dem feindlichen Schicksal geweint, das jetzt, ihn der Freiheit - Schnödeberaubend, der Bahn entriß, auf welcher die Brüder, - Dürstend nach Sieg und Ruhm, forteilten nach Afrika's Küsten. - Aber mit Freud' im Blick' und Stolz in dem Busen entschiffte - Abdul zu Al-Mansor, der fern durchpflügte die Meerfluth. - - Sarno's Jammergeschick nicht ahnend, flog in dem Nachtwind - Guasto dahin, und siehe, von Ostia, wo sich der Tiber - Vielgepriesene Fluth ergießt in des Meeres Gewässer, - Und aus der Vorwelt, nun erhabenen, männlichen Sinnes - Herzerhebendes Bild, nun namenloser Entartung - Schaudergestalten uns weckt, daß wir, sie schauend, erbeben: - Dorther führte der Held Ursini, altrömischen Stammes - Edeler Zweig, ergraut im Kampf und Schlachtengetümmel, - Sieben der Schiffe heran, mit tausend erlesenen Kriegern, - Welche zu Guasto's Heer entsandte der Heilige Vater. - Nahe dem westlichen Rand des meereinmündenden Stromes - Thürmt sich, Warten gleich, ein Fels hoch über die Fluth auf, - Und beschirmt g'en Wind und Wogen die herrliche Seestadt. - Dort auf dem ragenden Fels, umgeben von wimmelnden Scharen, - Stand im Feiergewand, mit den dienenden Priestern und Laien, - Auch der erhabene Hirt in schauererregender Hoheit: - Denn er harrte der Kommenden schon. Als endlich sie nahten, - Theilend die Meeresfluth mit dem gleitenden Kiele, da hallten - Donnernde Schlünd' umher; harmonischer Glocken Getön' klang; - Liebliche Düft' aufhaucht' in die Luft das silberne Rauchfaß, - Und weit brannte das Meer in zahlloslodernder Fackeln - Mächtigem Wiederschein: denn Finsterniß deckte die Welt noch. - Jetzt, ergreifend schnell mit der Linken den hirtlichen Krummstab, - Den ihm der _Gute Hirt_ vertraut', zu des Heiles Gefilden - Hinzuleiten die Heerd', in Treu' und liebender Sorgfalt, - Hob er zugleich die Recht' empor, und segnete dreimal, - Rufend zum Vater, und Sohn', und Heiligen Geist, die Erwählten - Drüben, im Herrn. Hochfeierlich scholl der segnende Zuruf - Auf die Gewässer hinaus, und jen', auf die Kniee gesunken, - Senkten die Flagg' und Gewehr', und sandten ein stilles Gebeth auf. - Aber die schimmernden Segel, geschwellt vom günstigen Fahrwind, - Führten das jauchzende Heer im Eilflug fort nach Neapel. - - Lichter wurd' es in Osten. Des Morgens schauriger Odem - Flog auf den Fluthen heran. Am dämmernden Saume des Himmels - Schwamm ein zartes Gewölk, das, erst nur dunkelgeröthet, - Dann allglühend sich hob: der Sonne geflügelter Herold. - Wonne, sie kam: die rosenumflossene Stirn' aus der Meerfluth - Tauchend mit ernstem Hoheitsblick -- dann schnell, in Verklärung, - Heller und strahlender stets, aufschwebend am bläulichen Himmel, - Schön, wie ein Sieger geschmückt, zu durchlaufen die herrliche Laufbahn! - Ringsum jauchzte die Welt. Die gleitenden Wellen erhoben, - Hüpfend vor Freud', ihr Haupt, und, unabsehlich und endlos - Flammten sie all' im hehren Glanz' ätherischen Lichtes. - Aber mit pochender Brust, in stürmischer Seelenentzückung, - Sah'n die Krieger hinaus auf die schimmernden Fluthen -- vor allen - Jene, welch' erst jüngst dem Meer' als Fremdlinge nahten; - Doch bald hob ein jeder den Blick zu dem Vater im Himmel, - Der das Meer und die Sonne, so schön und so herrlich erschaffen. - Fröhlich wähnten sie schon sich entrückt dem schrecklichen Unhold, - Dem auch der tapferste Mann, seekrank, in schwindelnder Ohnmacht, - Feig', auf dem niedrigen Lager erliegt; doch, als das Gesäusel - Schiffentführender Wind' in heißerer Stunde des Mittags - Leise verscholl, und schlaff an dem Maste das Segel herabhing; - Als das geschaukelte Schiff auf unstättreibenden Wogen, - Kreisend umher, nicht vorwärts kam: da fielen besiegt ihm - Alle zugleich, die jüngst dem schwankenden Rücken der Salzfluth - Sich vertrauten zur Fahrt. Sie dachten, zu sterben. Die Schiffer - Sah'n, mit Lächeln, des Kriegers Furcht: denn wieder erhob sich - Nun der günstige Wind, und trieb sie im sausenden Flug fort. - - Aber vom Jauchzen des Volks und dem Jubel des eh'rnen Geschützes - Freudig begrüßt, kam jetzt vor Neapolis schimmerndem Hafen - Glücklich die Heersmacht an, und lud, mit gewaltiger Stimme, - Jene zur Heldenfahrt, die dort der Kommenden harrten! - Wie in dem Föhrengehölz, durchwühlt vom grausamen Wand'rer, - Wimmelt ein Ameisennest von geschäftigem Volke: sie laufen - Auf und nieder, voll Hast, zu schirmen die glänzenden Eyer; - Oder sie bauen ihr thürmendes Haus von Neuem mit Sorgfalt: - So lief hastig das Volk in dem Hafen umher: das Geschwader - Rüstend, das an dem Bord dreitausend erlesene Krieger - Zählte. Den Kriegern geboth Toledo,[29] Don Pedro's Erzeugter, - Der, des Kaisers Vasall, statthaltend herrscht' in dem Land dort. - Ach, unsäglicher Jammer zerriß des edeln Toledo's - Heldenbrust, und stieß ihn schnell aus dem rosigen Morgen - Täuschenden Erdenglücks in die Nacht endloser Verzweiflung! - Jüngst erst reicht' ihm die Hand, am Altar, des salernischen Herzogs - Einziges Kind, Mathilde, die trefflichste, schönste der Frauen, - Und sie entfloh'n der Stadt, in Calabria's Zaubergefilden - Suchend die meerbeherrschende Burg, in lieblicher, stiller, - Seliger Einsamkeit die süßesten Stunden zu leben. - Dort in dem Schatten umher des meerangrenzenden Fruchthains, - Den im grünlichen Abendgold die säuselnden Lüftchen - Wiegten, und rings durchtönte der Nachtigall wonniges Flöten, - Dort lustwandelten, Arm in Arm, in Liebe verschlungen, - Beide die glücklichen jetzt. Nur Hugo, ihr redlicher Diener, - Folgt' entfernter, und band die Bäumchen, voll üppigen Wuchses, - Die er im Herbste gepflanzt, an die stützenden Pfähle mit Bast an. - Aber sie ließ, ermüdet, im schwellenden Grase sich nieder, - Kehrend den Rücken dem Meer', und sah mit thauenden Wimpern, - Wie der Gatt' im Orangengehölz die Zweige durchspähend, - Fern hinschwand: denn immer die schöneren sucht' er mit Vorsicht - Ihr aus der Fülle der goldenen Frucht, erlesend, zu pflücken. - Wehe, da lag in der Felsenhöhle des hallenden Ufers, - Von dem blühenden Genst und der Thränenweide verhüllet, - Dragut, der freche Korsar, und harrte des nächtlichen Dunkels, - Lauernd, im schwärzlichen Schiff'! Als fern', in dem schattenden - Fruchthain, - Forschend, Toledo entschwand: da brachen des Räubers Gefährten - Plötzlich heran, und schleppten die schöne, die hohe Gestalt fort; - Doch sie verstummte vor Angst, und verging vor Todesentsetzen. - Wie die Schar ergrimmter Schakal', aus finsteren Höhlen - Kommend, und dürstend nach Blut, die erschrockene, sanfte Gazelle - Fahet im Lauf -- da fällt mit dem Unschuldsblick sie im Sandstaub - Lautlos nieder: so sank die arm' am Borde des Schiffs hin. - Hugo gewahrte den Jammer. Er schrie; flog hin zu dem Ufer, - Stürzt' in die Fluthen, und schwang, ein rüstiger Schwimmer, zum - Schiffsbord, - Eines der Thau' umklammernd, sich auf. Da zückte der Wüthrich - Dreimal den blitzenden Stahl, das grauende Haupt ihm zu spalten: - Dreimal entsank ihm der Stahl: ihm brach des redlichen Dieners - Treue das Herz. D'rauf hieß er ihn selbst, mit sanfterer Stimme, - Wecken die holde Frau aus seelenumschattender Ohnmacht. - - Schaudernd vor Angst und Entsetzen, vernahm ihr Gatte des Greises - Kläglichen Ruf, er schrie, noch die Räuber im Aug', auf die Fluthen - Lautaufjammernd, hinaus, und both unendliche Lösung. - Ha, schon wähnt' er, entzückt, die kehrenden Segel zu schauen -- - Freundliche Laute zu hören vom Bord: da brauste der Sturmwind - Plötzlich aus Westen heran: die triegenden Laute verhallten, - Und an des Himmels Rand, wie ein leis' entfliehendes Wölkchen, - Schwand ihm das Schiff! Der Mond erneute sein wechselndes Licht schon - Siebenmal, seit er an dem Küstenlande der Räuber, - Forschen, und biethen hieß des Goldes die Fülle zur Lösung. - Doch nun sandte von ihrem Geschick die entsetzliche Bothschaft - Hugo: zu Tunis, in Draguts Gewalt, des wilden Korsaren, - Lebe Mathild', und wieg', als unglückselige Mutter, - Bald den Säugling im Schooß: denn nimmer zur Wonne des Vaters, - Ach, und voll Liebe nach ihm, erduld' unendlichen Jammer! - Alsbald ahnet' er diesen im Geist', und kaltes Entsetzen - Fuhr ihm durch Mark und Gebein. Doch jetzt dem rühmlichen Heerbann - Bebte vor Freude sein Herz. Er nahte mit leuchtenden Augen -- - Trieb, und drängte die Krieger zugleich, und die hurtigen Schiffer - Eilig an Bord: nicht hörend des Volks umschallenden Jubel, - Nicht des Vaters segnenden Ruf, dem nimmer die Hand er, - Fromm, und kindlich gesinnt, mehr küßt, nicht die silberne Scheitel, - Oder das freundliche Aug': da er bald hinsinket vor Tunis. - So, mit Guasto vereint, entschiffte Neapels Geschwader, - Gegen Sardinia's Höh'n, des ringsumflutheten Eilands, - Steuernd, dort in dämmernder Frühe die herrliche Seestadt - Cagliari zu schau'n, und zu harren des mächtigen Kaisers: - Denn ihr wurde der Ruhm, aus dem schimmernden Port Europa's - Furchtbare Macht, vereint, zu entlassen nach Afrika's Küsten. - - - - - Vierter Gesang. - - - Horch, Barcellona's Thürmen entschallt mit jubelndem Wohllaut - Glockengetön'; erschütternd rollt des eh'rnen Geschützes - Freudendonner vom Wall', und im Port, wo unzählig die Masten, - Gleich dem entblätterten Wald, aufragen zum Himmel, erglänzen - Flaggen und Wimpel umher, die bald im bläulichen Luftraum, - Von umgaukelnden Winden gerafft, wie silberne Wölkchen - Flattern, und bald, am thürmenden Mast heruntergesunken, - Schlängelnd, über den Bord hinsäuseln zum schäumenden Abgrund. - Unabsehlich, die Straßen entlang, erglänzt von den Erkern - Festlich der Teppiche Pracht. Dort winken aus jeglichem Fenster - Blumen in Meng', und hauchen elysische Düft' an den Häusern - Lieblich umher. Doch welch' ein Lärm auftobenden Jubels - Füllet die Fenster zugleich, und die Erker; die schwindligen Höhen - Ragender Zinnen und Thürm', mit unzähligen Menschen? Es starren, - Wang' an Wange gepreßt, ein Haupt aufragend vom Haupt noch, - Alle, mit leuchtendem Aug', in die wimmelnde Straße herunter, - Während die wogende Menge hinaus auf den stäubenden Heerweg - Braust, wo Ludwig, der Held, und Doria, mächtigen Anseh'ns, - Ordnen die Krieger in Reih'n, dem nahenden Herrscher zu Ehren. - Jetzo noch lauter erschallt, wie unendliches Rauschen der Sturmfluth, - Schön und furchtbar zugleich, ein Ruf: »Hoch lebe der Kaiser!« - Sieh', er kam! Von Mendoza geführt, dem tapferen Feldherrn, - Schritten vor ihm achttausend Krieger -- im Heere die Alten, - Die, in der Reihe der Jahre versucht, und gestählt in Gefahren, - Siegbeherrschenden Muths und entscheidender Stärke sich rühmten. - Jetzo nach Wirbel und Schlag der heerebewegenden Trommel, - Nahten sie all' im gemessenen Schritt, die Gewehr' an die Schulter - Pressend im Arm, und zum Schall der Feldschalmeien und Flöten, - Ehernen Klange des Horns und des Brummrohrs tiefen Gewaltton - Mengend, im schönen Verein, ihr fernhinhallendes Schlachtlied. - Schauder ergriffen das Volk. Den Altgedienten am Fuß nach - Folgte die herrliche Schar viertausend erlesener Reiter, - Welch' erst jüngst in Hispania's Gau'n die Stimme der Cortes - Aufboth, Jünglinge noch, doch lechzend nach Kampf und Gefahren. - Hufesgerassel erscholl in's Geklirr des Waffengeschmeides - Und in den ehernen Ruf der schmetternden Kriegesdrometen. - Doch was schleudert noch helleren Glanz in den sonnigen Straßen, - Blendend, umher? Wer nennte die Rossebändiger würdig, - Die von silbernen Rüstungen blank, die ragenden Lanzen - Nervigen Rechten vertrau'n? Zweihundert der edelen Ritter - Sind es: die »Blüthe« genannt des hohen, hispanischen Adels. - Aber vor allen hervor, ein Viergestirn in der Heersmacht - Strahlen: Alba[30] der stattliche Held, der kühne Alarcon, - Welchem zur Huth Frankreichs gefangener König vertraut ward, - Vor Pavia im Sieg;[31] Sarmento, und Garzia Lasso,[32] - Der, ein Sänger und Held, das blitzende Schwert und der Lyra - Gold'ne Saiten mit einem Kranz zu umschlingen, sich sehnte. - Jetzt entflammte sich jegliches Aug'. Der mächtige Kaiser - Folgte der edelen Schar, und grüßte das jubelnde Volk dort - Links und rechts, mit freundlichem Blick. Sein feuriges Prunkroß - Wölbete stolzer den mähnigen Hals, und tanzte die Straßen - Munter hinab: nun hin, nun her sich wendend, im Halbkreis. - Dort, wo in festlichgeordneten Reih'n sein harrte das Fußvolk, - Hemmt' er den Rappen, und sah: wie fertig das blanke Gewehr sie - Schwenkten mit einetem Schlag'. Er winkte den schaltenden Führern - Dank, die rasch zur Stirne den Degen erhoben, und senkten, - Huldigend; dann aufschrie'n laut: »Marsch!« durch die hallende Stadt - hin. - Und in dem Jubelgedräng fortwogten die trefflichen Scharen: - Eilend hinab in den Hafen, am Bord der harrenden Schiffe, - Nun zu beginnen die Fahrt nach Afrika's fernen Gestaden. - - Staunend ersah die Meng' im Gefolge des mächtigen Kaisers - Muley-Hassan. Er hob die trauerumflossenen Augen - Nicht von der Erd' empor, und schwieg; doch inniges Mitleid - Weckte der Jammer des heimathlosumirrenden Königs. - Jetzo dem Herrscher genaht, rief Doria laut vor den Scharen: - »Sehnest du dich schon heut nach dem Raum' _Karthago_, des Heerschiffs, - Das vor jeglichem groß und kunstbeflissen gezimmert, - Prangt in dem Port, und vom Schilde den Kranz unsterblichen Ruhmes - Weist, der dir erblüht auf Karthago's rühmlicher Stätte? - Oder gefällt dir's mehr, zu ruhen im schönen Palast hier, - Den dir schmückte die Stadt, Barcellona, mit liebender Sorgfalt?« - »Nichts von Ruhe noch Rast mir gesprochen,« so sagt' ihm der Kaiser, - Eifernd, »jetzt, wo mir's nur lauter im glühenden Busen - Pocht, und stürmt; kein Schlaf die ermüdeten Augen erquicket, - Die nur Tunis im Grau'n der einsamen Nächte, nur Tunis - Schau'n in der Helle des Tags, und Schlacht, und Sieg, und Errettung! - Spannet die Segel! Uns winkt, gebiethend, Afrika's Meerstrand.« - Doria führt' ihn an Bord. Ihm folgte der munteren Schiffer - Hurrahgeschrei und unzähligen Volk's nachjubelnder Segen, - Bis er vom hohen Verdeck die Treppe hinunter im Schiffsraum - Leis' entschwand. Und siehe, dem Staunenden öffnete dort sich, - Prunkend, ein hoher Saal, auf deß' aufwölbenden Himmel - Titian selbst ein Meisterwerk mit zaubrischem Pinsel - Schuf, nach Doria's Wink! Ein Schlachtfeld hatt' er gebildet. - Fern, wie in Nebel gehüllt, erspähet der schärfere Blick nur - Fliehende Feind' am Gebirg: so winzig ist Alles und Jedes - Dort mit dem zarten Duft der dämmernden Ferne, verschmolzen. - Näher heran, am Rain des saatdurchschlängelnden Baches, - Wirft sich die Reiterschar auf Reiter, zum letzten Gemetzel - Spornend das Roß, und es fleugt, und schnaubet, mit wallenden Mähnen, - Flammendem Aug' -- fort über zerschmetterter Leichen und Waffen - Blutigen Wust, an des Gegners Roß. Die schrecklichen Kämpfer - Schleudern den blinkenden Speer, und schrein, und brüllen den - Schlachtruf -- - Und uns däucht: als töne Geschrei von dem klaffenden Mund her. - Aber schon kommen vom Waffengefild, dem dräuenden Sieger - Folgend, mit Schmach im Blick', und die Händ' am Rücken gebunden, - Scharen Gefangner herauf, wo Constantin,[33] Kaiser des Weltreichs, - Von dem Rosse sich wirft, die Kniee zum Staube zu beugen: - Denn, noch schaut er, in Wonne verzückt, das Kreuz an dem Himmel - Flammen im Sternenkranz; noch sieht er der hohen Verheißung - Himmlische Wort' in dem strahlenden Kranz: »Du siegest mit ihm nur.« - - Dort zu dem herrlichen Bild', erschüttert tief in dem Herzen, - Sah der Kaiser empor, und trocknete schweigend die Thränen. - Abendröthlicher Glanz ergoß durch leuchtende Fenster - Strömend, sein heiliges Licht in dem Saal', und liebliche Stille - Herrschete. Jetzt geboth sein flammendes Auge der Abfahrt - Donnernden Ruf: er scholl vom Borde der hohen Karthago - Freudig dem horchenden Krieger an's Ohr; durchbrüllte der Seestadt - Thürmende Straßen, der Felsenhöh'n verborgenste Schluchten - Rings im Gefild', und verhallte mit oft auftobendem Grimm noch, - Fern' am drönenden Rand des bläulichen Himmelsgewölbes. - Plötzlich erwachte Getös' und geschäftige Hast in dem Hafen. - Zahllos flattern die Segel vom Mast'; an den ächzenden Winden - Knistert das Seil umher, und bald enttauchet der Anker - Zackige Wucht den Wogen, und ruht in die Quer' auf dem Balken, - Vorn' an des Schiff's Brustwand. Die leitende Nadel betrachtend, - Sitzet der Steuermann bedächtig am Ruder, und rauschend - Folgt ein jegliches Schiff dem Ruderboot', an dem Schlepptau, - Fort auf des Meeres Höhen hinaus, wo ein günstiger Fahrwind, - Sausend von Mitternacht, vorwölbet die schimmernden Segel. - Aber es drängte das Volk sich am Strand', und bethete, weinte, - Jauchzte den Schwindenden nach. Wohl Mancher lief an dem Ufer, - Keuchend, noch hin, und schwenkte das wehende Tuch in den Lüften -- - Schwenkte den Hut, »zum Lebewohl,« den theuern Bekannten! - Zwar nicht jauchzte die liebende Braut, nicht die zärtliche Mutter - Mehr an dem Strand; doch muthig bezwangen sie dennoch die Thränen: - Denn auf rühmlicher Bahn enteilten die Lieben der Heimath. - - Freudig schiffte des Kaisers Macht im sausenden Wind hin; - Eilte den Balearen, im Flug, g'en Osten vorüber, - Und umkreisete bald im Süden Sardinia's Vorland: - Nahend der herrlichen Stadt Cagliari, mit Guasto's Geschwader - Sich zu der Heeresfahrt nach Afrika's Küsten zu einen. - Doch nun schwebte die Nacht mit weitverbreiteten Flügeln, - Leiseren Fluges, herab, und umhüllte des Meeres Gewässer. - Guasto's Macht trieb noch, auf der wogenden Wüste verschlagen, - Fern Cagliari's ersehnetem Port, in der dunkelen Nacht um: - Denn jetzt führt', unhemmbaren Flugs, ein brausender Nordwind - Ihn nach dem meereinengenden Thal hinunter, wo vormals - Stets, der Charybdis zugleich und der furchtbarn Scylla der Schiffer - Zitterte. Dort erscholl ihm jetzt urplötzlicher Aufruhr - Von dem Schooße des Aetna heran. Mit Entsetzlichem schwanger - Lag er, kreißend, in Weh'n. Er wüthete: stürzende Felsen - Schleudernd mit lautem Gekrach', Orkanengetümmel, und Gluthsturm, - Weit in den Tiefen umher, daß rings das Meer und der Erdkreis - Schwankte vor Angst, bis er jetzt aus- des Grauens Geburt warf. - Erst aus dem finsteren Schlund', in meilenmessendem Umfang, - Quoll Rauch auf: weithin am Himmel die Sterne verschlingend, - Und in dem wirbelnden Flug durchzuckt von bläulichen Blitzen; - Dann aufbrauste wie Staub, vom Winde gerafft an dem Kreuzweg, - Odemberaubender Schwefelqualm und Aschengestöbers - Dichtes Gewölk, und jetzt, in wüthender Eile geschleudert, - Rasselten glühende Stein' ihm nach; jetzt hob sich die Flamme - Himmelempor, und leuchtete fern' in die finstere Nacht hin. - Rings erglühte das Meer. So hoch die Flamm' an die Wolken - Loderte, sank ihr Bild so tief in's dunkle Gewässer - Nieder, und warf in die Unterwelt hellleuchtende Funken. - Aber den kreißenden Berg durchwühlten noch stärkere Wehen. - Unterirdischer Donner rollt', aufrauschten die Wogen -- - Schlugen das schäumende Haupt im Kampfe zusammen; des Aetna - Scheitel erbebte: denn, o des grausenerweckenden Anblicks, - Jetzt ausspie sein Schlund die glühende Lava: sie wälzte - Breiter und flammender stets, die feurigen Wogen herunter; - Laut aufheulten die Lüft', und die Schöpfung schauderte ringsum! - Doch Del-Guasto's Heer flog dann im sausenden Sturmhauch - Eiliger fort auf dem Meer, Sardiniens Küsten entgegen. - - Aber nicht war in des Berg's Abgründen allein der Empörung - Wildes Getümmel erwacht: auch hoch in den Lüften begann jetzt - Furchtbardräuender Kampf und seelenerschütternder Aufruhr: - Denn von des Aetna Fluren umher, unendlich verbreitet, - Hob der Flamme Gewalt auf rastlos fächelnden Schwingen - Schnell die Dünste der Erd' empor zu des Aethers Gefilden. - Wie, der stützenden Balken beraubt, ein Schacht in dem Erzberg - Plötzlich zusammenstürzt: da rollen zertrümmerte Felsen, - Rollet die Erde, der Wald in die Tief', und weit aus dem Abgrund - Fleugt Staub auf, und Getös' einsinkender Berge: so stürzte - In den verdünneten Raum, vom glühenden Süden herüber, - Dann sich die Meeresluft, und weckt' im Fluge des Sturmwinds - Kaum besänftigte Wuth an Afrika's Felsengestaden. - Dort auf des Atlas[34] Höh'n, des himmelanthürmenden Berges, - Lag Gewittergewölk', und sandt' in die finsteren Thäler - Röthliche Blitze herab. Nur leis' ummurrte der Donner - Noch in dem Schooß des Gährenden; doch von dem brausenden Sturmwind - Näher gejagt, aufflog's am funkelnden Himmel, und hüllte - Plötzlich des Kaisers Wogenpfad in schreckliches Dunkel. - Früh' erkannten die Schiffer, vom Bord die perlenden Fluthen - Schauend: es nahe der Sturm. Sie zogen die dichtesten Segel - Auf an den Mittelmast, und ordneten sorglich die Thau' all'. - Doch nun brauste der Wind fern her: dem thürmenden Wall gleich, - Hob sich vor ihm die Fluth, und rauscht' auf die gleitenden Schiffe - Nieder, und dann aufwogten sie rings unendlich und furchtbar. - Jetzo in Wolkenhöh'n auf dem Saum der heulenden Wogen - Schwebten die Schiff', und jetzt, in des Meer's Abgründe geschleudert, - Deckte sie dunkler Fluthen Nacht, wie verloren auf immer. - Ueber das hohe Verdeck hinüber, herüber ergoß sich, - Schäumend, der Wogen Meng', und netzte die flatternden Wimpel. - Muhameds Aug' erglänzte vor Lust, nach den gährenden Blitzen - Schauend im Donnergewölk, das über den Schiffen der Christen - Grau'nvoll hing. Er winkte, voll Hast, den grimmigen Geistern - Attila's -- winkte den Seinen zugleich: sie brausten im Eilflug - Näher, und, wie die Schar der schwarzbefiederten Raben, - Aufgeschreckt vom Knall todtschmetternder Büchse, vom Anger - Laut, mit Geschrei, sich erhebt, und immer in engeren Kreisen - Ueber des Schützen Haupt durchrauscht den sausenden Luftraum: - So durchstürmten auch hier die unzähligen Geister der Wolken - Gährenden Schooß, bis solcher in feindlicher Reibung entbrannt war. - Siehe, da zuckte der Blitz, und zerriß den finsteren Himmel - Schnell von Westen bis Osten hinauf! Dem rollenden Donner - Drönte die Welt umher, und Ströme des sausenden Regens - Peitschten, mit eh'rnem Geprassel, die Fluth. Fort krachte der Donner -- - Krachte durch Sturmgeheul und Gebrüll der empörten Gewässer, - Endlos fort. Wie links und rechts die Schiffe sich beugten, - Hoben zum finstern Gewölk ringsher, entsetzlich zu schauen, - Flammende Wogengebirg' ihr Haupt: denn strahlender Blitzglanz, - Schwärze der Nacht, traf wechselnd das Aug' des erblindeten Volks hier! - Sieh', und allen umher auf dem Bord' erblaßten die Wangen - Jetzo vor Angst: sie harrten, verstummt, des nahen Verderbens; - Doch der edele Kaiser sah nach dem Grauen des Meersturms - In erhabener Ruhe hinaus: der hohen Verheißung - Tröstender Strahl erfüllte sein Herz, das niemals gebebt hat. - Bald entschwand im eilenden Flug das grause Gewitter. - Regen sauste nicht mehr; die Winde verstummten; der Donner - Wüthete nicht; nur fern' am Rande des wölbenden Himmels - Murrt' er dumpfer noch fort, wo flatternde Blitze zuweilen, - Kehrend, und fliehend zugleich, die dunkeln Gewässer erhellten. - Aber noch lange tobte das Meer, bis leise zu Hügeln - Schwanden die Wogengebirg', und die Hügel zu fluthenden Eb'nen. - - Als die Sonn' ihr Strahlenhaupt aus den duftenden Wogen - Aufhob; ringsum das Meer, und über dem Meere der Himmel - Golden erschien: da rief vom Korbe des schwindligen Mastbaums - Laut der Späher herab: »Uns nahen des Feindes Geschwader.« - Sieh', und des Himmels Rand' entschwebten die feindlichen Segel, - Gleich dem Gewittergewölk' in glühender Stunde des Mittags! - Jetzt auf jeglichem Schiffsverdeck war Lärm und Gewimmel - Spähenden Volks. Es bebten vor heißem Verlangen die Krieger, - Bald in des Feindes Auge zu schau'n, und im Kampf der Entscheidung - Ihm zu vergelten die Schmach der verheereten Küsten der Heimath. - Aber vor allen sah Held Doria gierig vom Bord hin: - Prüfend des Fernrohrs Wundermacht, das selber der Künstler, - Janssen von Middelburg[35] zum Ehrengeschenke dem Kaiser - Both: er lohnt' ihm's reichlich mit Gold und ehrendem Beifall, - Schätzer alles Verdiensts, und Würdiger solcher Erfindung. - Attila brauste heran, und sah nach den wogenden Schiffen - Finster hinab; doch jetzt dem spähenden Doria nahend, - Drängt' ihn die Neugier mächtiger hin, voll Hast zu erforschen: - Was sich im schimmernden Rohr dem Helden für Wunder gestalten? - Als er gebückt, ihm gleich, das Auge dem Glase genähert, - Fuhr er betroffen zurück. Er bückte sich wieder, und forschte - Jetzo mit freiem und jetzt bewaffnetem Aug' auf dem Meer' um, - Schauend nach Al-Mansors Schiffsmacht, die weit in dem Anlauf - Deckte das Meer. Er lächelte sinnend, und wiegte das Haupt oft; - Doch nun hob er ergrimmter sich auf in den schimmernden Luftraum, - Wo der Scythen erlesene Schar sein harrte. Dem Geist war - Schnell das Geheimniß enthüllt: wie hier auf dem wölbenden Glasfeld - Sich des Entfernten Bild abspiegelte, dann in des Auges - Krystallfluth der Strahl, gebrochen, vom Glas' zu dem Glas' fort - Strömt': im helleren Wiederschein, der Seele zur Anschau. - Zorn entflammte sein Aug'. Er rief den Geistern ergrimmt so: - »Sey es der Nachwelt Ruhm: nur Trug zu ersinnen, und Arglist! - Was die Ferne verhüllt, bannt dieß erfindende Volk sich, - Herrschend in seine Gegenwart mit dem schimmernden Fernrohr. - Daß sein Donnergeschoß hinstreckt in der Ferne die Reihen - Tapferer, däucht ihm Gewinn. Es rühmt sich: die Höllenerfindung - Kürze den Krieg, und spricht von Schonung im blutigen Schlachtfeld. - Ha, nicht also kämpften wir einst: denn nah' in die Augen - Sah'n wir gerne dem Feind! Wohlan, nun laßt uns die Scharen - Al-Mansors empören zur Wuth und mordender Blutgier!« - Jene entfloh'n. Doch Doria sah die bläulichen Wogen - Schäumen am stürmenden Kiel wohl hundert feindlicher Schiffe, - Die von dem Bord Schlachtruf herdonnerten, trotzend auf Kühnheit - Kampferfahrenen Volks und auf Sieg', errungen im Raubzug. - Jetzt auf den Höhen des Meer's, unferne der Stadt Cagliari, - Hemmte der Kaiser die Schiff' im Lauf, die anstürmenden Gegner - Dort zu erwarten bereit. Ihm einte sich Guasto's Geschwader, - Jauchzend, und weit umher bedeckten die Schiffe die Meersfluth. - Auf den Zinnen der Stadt, auf den Warten der Berg' und der Hügel, - Harrt' unzähliges Volk; so harrten im schimmernden Luftraum, - Hingegossen auf zartes Gewölk (doch feindlich geschieden) - All' die Geister, voll Gier, der grauenerregenden Seeschlacht. - Aber nur Muhamed sah mit herzzernagendem Kummer - Al-Mansors verderblichen Trotz. Von Thränen umflossen - Glänzte sein Aug', und er rief den Seinen, ein heuchelnder Seher: - »Eben vernahm mein Ohr den Flug des nächtlichen Schicksals, - Dem, ach, ewig bestimmt, vorschwebt des sterblichen Menschen - Wohl und Weh' -- dem Al-Mansor mit seinem Geschwader - Nimmer entflieht! Nach Afrika fort, wo Hairaddin freudig - Unserer Stimme gehorcht: ihm wollen wir Rettung ersinnen!« - Brausend schwebt' er, mit seinem Gefolg', in der heulenden Luft hin; - Doch in den schimmernden Höh'n, des nahen Kampfes gewärtig, - Harrten die übrigen all', und sah'n auf die Fluthen hinunter. - - Doria lenkte sein Schiff dem Borde der hohen Karthago - Näher, und rief dem erhabenen Herrscher mit leuchtendem Antlitz: - »Gönn' es, erlauchtester Herr, daß hundert feindlichen Segeln - Fünfzig der unsern entgegen sich reih'n; daß hier auf der Meerfluth - Doria kämpf', und siege, wie du auf dem eisernen Schlachtfeld!« - Aber da schwang aus der bläulichen Luft sich Hermann herunter. - Hell wie Sterne der Sommernacht ihm flammten die Augen, - Als er dem stattlichen Kaiser genaht, ermuthigend, ausrief: - »Wie, du wolltest, ein Held, nicht selber verlangen des Sieges - Lorbern? Lenke die Schlacht: so wird unsterblicher Ruhm dir!« - Also bestürmt' er das Herz des leis'aufhorchenden Kaisers, - Der, erschüttert im Geiste begann: »Wie hebt sich der Mißgunst - Schmachgebährender Streit in meinem bewegten Gemüth' auf?« - Schnell erkämpft' er den heiligen Sieg, der edlere Seelen - Krönt in dem Kampf g'en Trug und Bethörungen niedriger Selbstsucht, - Und sein schützender Engel sank in hoher Verklärung - Ihm an die Brust. Doch Hermann sah in dem Herzen des Edlen, - Staunend, den hehren Sieg: er sah die himmlische Klarheit - Leuchten um ihn, und floh betroffen zurück' in den Luftraum: - Denn nicht durft' er schau'n den Himmlischen. So nach des Sommers - Heiß entschwundenem Tag', seh'n wir den zuckenden Blitzstrahl - Flammen im Sternenzelt, und sprechen: der glühende Himmel - Kühle sich ab -- nicht hörend den fernverhallenden Donner: - Also entwich, von dem hehren Glanze geblendet, der Geist hier. - Aber der Kaiser sprach zu Doria lächelnden Blickes: - »Zwar ersehnte mein Herz, die Schrecken der stürmenden Seeschlacht - Hier zu besteh'n, und die Kraft zu versuchen in neuen Gefahren; - Aber nicht Sorg' um des Herrschers Haupt erschlaffe die Schwingen - Deines erhabenen Muths, und das siegerringende Schiffsheer - Reiche nicht ihm den Kranz, der dir umwinde die Scheitel.« - Sieh', und mit Thränen im Blick', entschiffte der treffliche Seeheld - Jetzt an dem Borde des doppelten Aars, deß Fittig' er liebend - Wählte, sich aufzuschwingen zum Glanz' unsterblichen Ruhmes. - D'rauf erlas er, behend', aus den schimmernden Reihen der Schiffe - Fünfzig, bemannt mit tapferem Volk, das oft auf dem Meer schon - Lorbern errang: die Schiffe der furchtbar'n Räuber besiegend. - Wie der mächtige Aar, ausbreitend die rauschenden Flügel, - Schnell hinfleugt in dem Wind, so flog die erlesene Schiffsmacht - Fort auf der schimmernden See: denn rechts entfaltete Ruyter - Fünfzehn flandrische Flaggen, und links, der kühne Moncada, - Mit Hispania's acht, Lusitania's sieben vereinend, - Fünfzehn. Doch zu Wälschlands Ruhm, dem feindlichen Andrang - Muthig entgegen zu steh'n in der Mitte des Heldengeschwaders, - Pflanzte Genua's Flagg', und zugleich, die Rom und Neapel - Einte der Heeresmacht, an zwanzig trefflichen Schiffen, - Doria auf. Jetzt allen umher verständliche Zeichen - Donnernd, erscholl vom Bord sein rüstunggebiethender Aufruf. - Wie Gewitterstoff von der kreisenden Scheibe des Glases, - Prasselnd, durch saugendes Messingrohr einströmt in der Flaschen - Dunkelen Schooß, und ein Mann, die leitende Kett' in der Linken, - Reichet dem Nachbar die Recht', und dieser dem Nachbar, und so trifft - Hunderte dann erschütternder Schlag urplötzlich, auf einmal, - Wenn der glimmende Funk' aufflammt am entladenden Kolben: - Also bewegte die Führer zugleich des Schlachtengebiethers - Donnerruf, und, nahe dem Maste die rühmliche Stelle - Wählend, geboth ihr Schrei dem Volke die Rüstung. Am Mastbaum - Kletterten Schiffer empor, und ordneten eilig die Segel, - Während die Krieger in Reih'n ihr Feuergewehr auf dem Schiffsbord - Luden. Sie gossen zuerst entflammendes Krot in des Zündlochs - Pfanne; schmetterten Krot und Lot, mit dem glänzenden Ladstock, - Fest in das Rohr, bis auf er hüpfte vom klemmenden Läppchen, - Und umspannten mit fröhlichem Schlag' es am kräftigen Kolben. - Auch in die furchtbar'n Donnerschlünd' eindrängte der Wurfschütz, - Dann mit dem Krote, die Wucht der eisernen Kugel; er bohrte - Kundig das Brandrohr ein, und facht' an der Lunte die Gluth an. - Aber mit tieferem Ernst' und erhöhtem Vertrau'n in den Augen, - Sah der Kaiser vom Bord dem schlachtanbiethenden Volk nach. - - Jetzt aufrauschte das Meer: es nahten die Feinde. Wie Nebel, - Vom Herbstwinde gejagt, weithin verhüllen der Sonne - Liebliche Bahn: so flogen der Feind' unzählige Segel - Her auf der See. Doch Al-Mansor ergrimmte des Gegners - Minderzahl, und Wuth, und Hohn verzerrte sein Antlitz. - Doria's Stimme geboth vom Bord' in donnernden Lauten: - »Jegliches Schiff erwähle sich zwei der feindlichen -- trenne, - Muthig, des Gegners Macht,« und stürmte, der erste, zum Angriff. - Jetzt, wie zwei Sandhosen, gerafft vom Hauche des Aethers, - Schweben im Luftraum hin, durchblinkt von der trauernden Sonne, - Bis, von dem stürmenden Ost und West sie plötzlich vermenget, - Stürzen zur Erde zugleich, und dort mit Orkanengetümmel - Wüsten die Fluren umher, und die wimmelnden Städt' und die Dörfer - So, daß bald nur Entsetzen und Grau'n die Gefilde verhüllet; - Wie der feurige Blitz, im nächtlichen Donnergewitter, - Weitgesonderte Häuser der Stadt entzündet auf einmal: - Furchtbar hebt sich der Rauch; hoch lodert die prasselnde Flamme: - Denn unbändig herauf, unbändig hinunter, im Eilflug, - Wüthet das Feuer die Straß' entlang; stets näher und näher - Wälzt sich der Gluthenstrom entgegen dem kommenden Gluthstrom; - Bald -- schon sind sie vereint, und schlagen entsetzlich zusammen: - Also trafen sich hier die feindlichen Schiffe. Gehorchend - Doria's Ruf', erkor ein jeglicher Führer der Christen - Zwei der Gegner zum Kampf'. Und jetzt aus dem donnernden Schiffsraum - Flog durch Rauch und Flammen der Tod in die feindlichen Reihen -- - Flog vom hohen Verdeck hinüber der schmetternden Büchsen - Tödliche Saat. Weit deckte der Rauch die Fluthen, und weithin - Hallte Geschrei der Gedrängten und Dränger im Donnergetümmel. - Leichen schwammen umher, von den Wogen geschaukelt, und trieben - Näher an's Land; zerrissene Segel flogen im Wind hin; - Berstende Mast' entstürzten dem Bord'; aufrauschte die Meersfluth, - Als sie die Maste verschlang, und schäumend wieder heraufstieß. - - Sieh', Abdallah gelang's, der drüben, dem Feinde zur Linken, - Lenkte die Schlacht, das Schiff des kühnvordringenden Ruyters - Schnell zu umzingeln! Doch er harrt' auf dem Borde, der Gegner, - Glühenden Muth's, wie ein Leu, der fern' ein paar Elephanten, - Durch aufqualmenden Staub, mit furchtbar dräuenden Rüsseln - Kommen sieht, zu rächen die jüngst gemordeten Jungen; - Nicht erbebt ihm das Herz: genaht wuthfunkelnden Blickes, - Sträubt er die Mähnen, und haut um sich mit den schrecklichen Klauen: - Also bestand er die Menge. Da fiel, an der Stirne zerschmettert, - Neben ihm Otto, sein Freund und Waffengefährt'. In der Kindheit - Gold'nen Tagen vereinte sie schon des liebenden Herzens - Mächtiger Zug. Nun sah er ihn kaum. Ein schmerzlicher Ruf drang - Ihm aus der Brust; er drängte die Thräne zurücke; nur Eines - Galt dem Tapferen jetzt; des heiligen Kampfes Entscheidung. - Schnell, mit siegender Kraft, durchbrach er der feindlichen Schiffe - Ringsumzingelnden Kreis, und bohrte noch zween in den Abgrund, - Rechts und links abfeuernd das Donnergeschütz aus dem Schiffsraum. - Doch g'en Doria hielt, ausdauernden, schrecklichen Muths noch - Al-Mansor: denn Attilas herzblutdürstende Geister - Drängten sein Volk mit stets empörterem Grimm' in das Feuer - Mordender Schlünd' und Gewehre. Nicht rauschten die Wogen der See mehr, - Leichen- und trümmerbedeckt, und vom gährenden Blute gesättigt. - Und schon wankte der Sieg wie das Zünglein schwankt mit der Wagschal', - Gleichem Gewichte zum Spiel. Dreimal erhob sich der Kaiser, - Schauend die wankende Schlacht, den Seinen errettend zu nahen; - So oft bezwang er sich wieder, und sah, dem Helden vertrauend -- - Ehrend sein tapferes Volk, in die grau'numnachtete Schlacht hin. - - Doria's Wurfschütz traf, wohlzielend, den Sarg mit dem Zündstaub, - Der von der Wucht unzähliger Bomben und Kugeln umhäuft war. - Jetzt aufflammte die Welt. Ein Brand, entsetzlich und furchtbar, - Hob sich von Al-Mansors entzündetem Schiff' in den Luftraum. - Gleich dem feurigen Luftgebild, dem Völker erbeben, - Blutigen Krieg weissagend, und Pest, und schrecklichen Hunger, - Flog das berstende Schiff, und schwand in den höheren Räumen - Fern mit lautem Gezisch. Nur spät, nur langsam, und einzeln, - Sank zertrümmert' Gebälk, und sanken zerschmetterte Leichen, - Jetzo entfernt, jetzt nah' in die dumpfaufplätschernden Fluthen. - Stille herrschte umher: da schien des kreisenden Weltalls - Odem gehemmt, des Windes Fittig erschlafft, und des Meeres - Wogende Fluth erstarrt: da sah'n die Krieger am Schiffsbord - Starrend sich an, und lalleten unverständlichen Laut nur. - Doch nun hob sich die Wuth im Busen der feindlichen Führer; - Einer dem andern rief's mit schrecklicher Stimme: »Wir entern!« - Und, alsbald mit dem sausenden Seil fünfklauige Haken - Schleudernd, stürmten sie an, die Gegner in wilder Verzweiflung - Niederzuschmettern, und laut erhob sich des Kampfes Getümmel. - - Schaudernd sah'n die Geister zuvor der wüthenden Seeschlacht - Grauen empört. Nun sprach zu Hannibal Regulus also: - »Dort in des Erdballs Nacht, wo wir Jahrhunderte schwinden - Sah'n, erfüllet von Gram, und von Banden gefesselt des Unmuth's, - Sagten umwandernde Geister uns oft von dem schrecklichen Zündstaub - Wunder, der, dem Blitz und dem furchtbarn Donner nicht ungleich, - Tod und Vernichtung sä'et, und traun, sie redeten Wahrheit; - Doch, wie schmählich ereilt den Helden der Tod in dem Kampf jetzt, - Wo er die Brust ihm wehrlos beut, und von ferne besiegt fällt!« - Siehe, da ließ sich Regulus schnell vor Doria nieder, - Ihn zu erregen gesinnt, und lispelt' ihm leis' in die Ohren: - »Trenne des Feindes Reih'n: so stritt der kühne Spartaner - Xanthippos in dem Kampf mit Regulus, nahe vor Tunis. - Ach, er fiel ihm besiegt: du erringst unsterblichen Ruhm dir!« - Doria griff an das Herz, das laut dem kühnen Entschlusse - Pocht', und heller flammte sein Aug', da er jetzo den Degen - Hoch in die Luft aufschwang, und die Führer durch wehende Flaggen - Schnell zum Sturmgang rief: denn all' aufmerkten den Zeichen - Mitten in grau'numhülleter Schlacht. Die siegenden Flügel - Wichen zurück', und plötzlich, zum spitzigen Keile gestaltet, - Brach nun Doria's Schiffsheersmacht des Feindes Geschwader, - Stürmend, entzwei, daß Mast' an Mast', und Segel an Segel - Schlugen im wilden Gekrach, und dumpf ertönte der Schiffsraum. - Aber, von Rach' entflammt, vordrang der kühne Moncada, - Jetzo zuerst: ihm tödteten jüngst algierische Räuber - Nächtlich am einsamen Ufer den Freund. Er traf im Gemeng dort - Wüthend auf Abdul selbst, der Sarno, den Helden, gefesselt - Barg im Raume des Schiffs, und rasch bestürmten sich alsbald - Beide vom Bord zum Bord', im Kampf der wilden Verzweiflung, - Daß ringsher der Lanzen Geklirr' erscholl, und die Leichen - Schwammen im Blut. Doch, glühend vor Zorn, erfaßte Moncada - Eines der Tau', und schwang sich behend' zum feindlichen Bord' auf, - Dort zu erringen den Sieg. Ihm folgten der kühneren Krieger - Sieben, jauchzenden Ruf's, zum schreckenvollen Gewürg nach. - Aber, geschmiegt an den Mastbaum, stand, und wehrte sich Abdul - Gegen die Sieben zugleich, und rannte den Speer in Moncada's - Heldenbrust, da er, kühn vordringend am schirmenden Mast', ihm - Blößte die Seit': er sank, und röchelte sterbend. Nicht länger - Freute sich jener der blutigen Rach': ihn erlegte der Tapfer'n - Heilige Schar, mit dem Volk, das kämpfend das Leben verschmähte. - - Doch aus dem Raume des Schiff's drang nun die flehende Stimme - Sarno's den Kriegern an's Ohr: sie lösten die Bande dem Helden, - Zitternd in freudiger Hast. Er drückte den kühnen Gefährten - Schweigend die Hand, und erhob die thränenden Blicke zum Himmel. - Als er zum hohen Verdeck aufstieg, und in seliger Freiheit - Himmel, und Erd', und Meer, lautjauchzend, begrüßte: da blinkt' ihm - Aus dem blutigen Wust sein treffliches Schwert in die Augen, - Das ihm der Räuber entriß. Nicht der pflanzenkundige Wand'rer - Freut sich so sehr, da er oben in Wolkenhöhen der Alpen - Blühende Matten durchspäht, und dort die seltenste findet, - Als der Held sich erfreute, sein Schwert auf dem Boden gewahrend. - Eilig rafft' er es auf, und schwang es empor in den Luftraum, - Gegen den Feind urschnell die tödliche Waffe zu kehren. - Doch schon war errungen der Sieg, und des Feindes Geschwader - Strich die Segel vor Doria's Macht. Wie dort auf dem Thronstuhl - Sitzend im herrlichen Prunk, der neugekrönte Beherrscher - Ringsher schaut das versammelte Volk, und jetzo mit Ehrfurcht, - Mann für Mann, die Erwähleten nah'n, die Hand ihm zu küssen, - Huldigend: so in des Sieges Glanz' ihm huldigt' in Demuth, - Ueberwunden der Feind. Da jauchzten unzählige Menschen - Rings von den Zinnen der Stadt, von den Warten der Berg' und der Hügel - -- - Jauchzten umher vom Gewölk die feindlichgetrenneten Geister. - Doch, der einst Karthago's Ruhm zu den Sternen erhöhte, - Hannibal, sah voll Zorn, wie Regulus erst dem Gebiether - Doria Hülfe erwies: da erwachten der düsteren Vorzeit - Trauergebilde in seinem Gemüth', und zürnend begann er: - »Wie, der Römer, und ich, vereint in dem Kampfe der Helden? - Nimmer gescheh's! Eh' soll das zitternde Lamm an der Wölfinn - Saugen -- der brausende Bach zurück zur Quelle sich heben, - Ehe der Pune dem Römer sich eint. Er nah' ihm als Feind nur! - Jetzt in Eile hinaus nach Karthago's Jammergefilden, - Daß mich erneut empöre der Rach' unendliches Drängen, - Die ich ihm schwur: ein Feind dem Freund', den er sich erkoren.« - Also rief er den Seinen, ergrimmt, und flog in den Lüften - Schnell g'en Süden hinab. Ihm folgten die stürmischen Geister. - »Lenkt,« rief Doria jetzt, »die Schiff' in den freundlichen Hafen, - Daß die Verwundeten all, und auch die gefangenen Gegner, - Sorglich gepflegt, der menschenehrenden Milde sich freuen.« - Rauschend wogten die Schiffe zum Strand. So manche des Siegers - Mißten den Mast und die Segel; so manche, durchbohrt von Geschossen, - Tauchte der Fluth einströmende Last. Viel tapfere Christen - Both, aufschäumend, das Meer als Beute den gierigen Fischen. - - Jetzt, annahend im Boot', erklomm mit Gefolge der Kaiser - Doria's glänzenden Bord, und schloß ihn mit heißer Umarmung - Lang' an das Herz: hochehrend vor allem Volke den Helden. - Siehe, da flog auch Sarno heran! Mit leuchtenden Augen - Sah er den Sieger belohnt, und sprach zu dem Herrscher sich wendend: - »Heil und Segen mit dir, Erlauchtester, daß du den Helden - Hoch vor allen erhebst, der mich aus schmählichen Banden - Rettete; doch nun sollen für mich die tapfern Gefährten - Zeugen: nicht hab' ich durch eigene Schuld die Bande getragen!« - Aber ihm zürnete, seit dem Sieg' auf dem Felde Bicoccas,[36] - Guasto, der tapfere Greis: dort hemmt' er des feurigen Jünglings - Stürmische Hast, und sogleich stieß dieser verwundende Wort' aus. - Jetzo mit finsterem Blick' erhob er die tadelnde Stimme: - »Wahrlich, der Feind erhascht' ein träghinsegelndes Fahrzeug, - Weil es ein Feiger lenkt', und ihn nicht tapfer bekämpft hat!« - Todesbläss' umzog, und flammende Röthe bedeckte - Sarno's Wangen im wechselnden Flug'. Er faßte des Degens - Griff in zitternder Hast, trat vor ... da hemmt' ihn des Kaisers - Ernster Blick, der, Guasto's ergrauete Haare betrachtend, - Ruhe geboth. Ihm sank die ermattete Rechte vom Griffblatt. - Schweigend stand er im Kreis', und an seiner Wange herunter - Glänzte die Thrän'. Alsbald bezwang Del-Guasto des Busens - Leichtaufwallenden Zorn, er seufzte vor innigem Herzleid, - Trat vor Sarno, und reicht' ihm, versöhnend, die Hand, und der Edle - Nahm sie versöhnt. Doch bald umwölkt der nächtlichste Kummer - Sein verwundetes Herz, und schwindet im rühmlichen Tod nur. - Jetzt aufboth der Kaiser sogleich die versammelten Feldherrn: - »Gott, deß mächtiger Arm, die Feinde zerschmetternd, uns Ruhm gab, - Leit' uns beglückt zum Ziel'! Entfaltet dem Winde die Segel, - Daß in des Sieges aufstrahlendem Glanz wir, landend vor Tunis, - Ernten noch schöneren Ruhm: die Wonne der Christenerrettung.« - Also geschah's. In Eil' auf die schimmernden Fluthen des Meeres - Wogten die Schiffe hinaus; das Geschütz erdonnerte rastlos, - Und in dem sausenden Wind' entschwand g'en Tunis die Heersmacht. - - - - - Fünfter Gesang. - - - Schon entschwebten dem Meer des heißersehneten Welttheils - Küsten im Abendduft; schon thürmten im rosigen Westen - Berge sich auf, ringsher umlagernd den Gürtel des Atlas, - Dessen schneeiges Haupt anstaunt die glühende Sandwüst', - Als in die Reih'n des meerdurcheilenden Heers ein Geschwader - Vier schnellsegelnder Schiffe noch kam, von dem felsigen Eiland - Malta gesandt. Aurel, die erlesenste Zierde des Ordens, - Führte der Christenheit verherrlichte Kämpen am Schiffsbord: - Hundert Rittern gesellt, zweitausend tapfere Krieger. - Ihnen zu Eigen gab der erhabene Kaiser das Eiland, - Als sie von Rhodus Suleymann vertrieb, der, rings von den Leichen - Seines Volks umhügelt, den Greis, und Heldengebiether, - Villiers Lisle Adam,[37] dort ehrte mit würdigem Lobspruch. - Grüßend mit Donnergetön' und wehender Flagge den Herrscher, - Schifften sie freudiger fort im Verein des mächtigen Heeres. - Jetzo, der Küste genaht, hinstarrten die Krieger, vor Sehnsucht - Glühend: den Palmenhain in den fremden Gefilden zu schauen, - Oder das seltene Thier im Gefild', und die Hütte des Menschen. - Doch bald hüllte das Land sich rings in des sinkenden Nachtgrau'ns - Düsteren Schleier, und barg dem staunenden Fremdling sein Antlitz. - - Attila war im Gefolg des Geisterheeres im Eilflug - Afrika's Fluren genaht. Wie an trüberen Tagen des Winters - Endlos, Schwärme der Kräh'n und der schwarzbefiederten Raben, - Laut vereinten Geschrei's, vor dem Schneegestöber heranzieh'n: - Also nahten im Grau'n der Nacht die empöreten Geister. - Attila stand, und forscht' in den Herzen der Landesgebornen, - Welchen die Küste umher zur Huth von dem Herrscher vertraut war; - Aber sie ruheten all' an dem Strand, vom Schlummer gefesselt. - Zürnend sprach er darum den leis' aufhorchenden Geistern: - »Weckt entsetzliche Träume sogleich, aus dem Schlafe zu rütteln - Dieß entnervte Geschlecht, und donnert: »Es nahet der Feind uns!« - Ihm in die Ohren, daß rings auf den luftigen Höhen und Warten - Lodre die Flamm' empor, und schrecke die feindliche Schiffsmacht. - Selber erreget die brausende Loh', und zeigt euch des Königs - Würdig, dem, als der Geißel Gottes, erbebte der Erdkreis.« - Also rief er: da fuhr sein Volk, wie der brausende Sturmwind, - Ueber die Schlafenden hin. Sie sah'n im Traume die Meerfluth - Wildempört; sie hörten aus ihr Scheusale des Abgrunds - Heulen: »Es nahet der Feind!« und taumelten auf von dem Boden. - Erst, mit seitwärtsgewendetem Ohr' im finsteren Nachtgrau'n - Horchend, standen sie all', und hörten Geräusche (die Wellen - Klatschten am schwärzlichen Kiel) dann, laufend umher an dem Meerstrand, - Sah ihr, geschärft vor Gier umspähendes Aug' in den Lüften - Näher und näher heran den Wald hochthürmender Masten - Schweben, und jetzt mit den flatternden Wimpeln unzählige Segel, - Von dem Winde gebläht, anstürmen im freudigen Eilflug. - Aber mit lautem Geheul erklomm die bebende Volksschar - Jäh' am Gestade, die Felsenhöh'n: der Drohung gedenkend, - Die jüngst Hairaddins Grimm aussprach, des schrecklichen Herrschers, - Und erweckte die Gluth im knisternden Reis, auf des Felsens - Hochaufragenden Warten umher. Den Feigen im Rücken, - Brauste die Geisterschar, und, als der schlummernde Nachtwind - Noch den geschüreten Brand nicht in Flammensäulen empörte, - Fachten die Geister, vereint, mit starrvorquellenden Augen - Und gebläheten Backen, erhellt vom Feuer, die Gluth an. - Siehe, und bald erhob sich die wirbelnde Loh' auf den Höhen, - Hellte die Nacht, und warf, urschnellfortrollenden Schimmer - Ueber die schwankenden Fluthen des Meers. Weit brannte der Abgrund - Unter dem Wogenpfad der völkertragenden Schiffe. - Endlos schien der Brand auf den Höh'n: denn, leuchtendem Blitz gleich, - Hüpften vor jedem umher die Flammengestalten der Geister. - Solches vermögen sie noch, und necken den Wand'rer die Nacht durch, - Mit Irrlichtern vereint am Moor', und feurigen Männern. - Leise geweckt entfuhr der Hängematte der Kaiser, - Stieg auf das hohe Verdeck, und sah nach dem leuchtenden Meerstrand, - Lächelnden Blick's, hinüber. Er hieß den sorglichen Guasto, - Der ihn gewarnt, annahend im Schiff, zur Ruhe sich legen: - Denn er kannte die List des täuschungsinnenden Feindes. - Aber nicht senkte der liebliche Schlaf mit fächelnden Schwingen - Auf sein Auge sich mehr: er sah nur Kampf und Errettung. - - Als im rosigen Duft der heilige Morgen heraufstieg, - Himmel und Erd', und Meer der freundlicherwachenden Sonne, - Schauernd vor Lust, entgegen streckten die Arme: da flogen - Eilig die Krieger im Frühwind hin, umkreisten den Vorberg - Gomert:[38] Apollo's vordem genannt, und blickten nach Bona's - Halbeiland, das einst dem schirmenden Hermes geweiht war, - Und in die spiegelnde See sein Klippengestade hinausdehnt. - Nun Buschatter genaht, wo mächtig in Tagen der Vorwelt - Utika stand, aufseufzete laut der edelste Kaiser; - Sah, mit Trauer im Blick, nach dem kühnaufstrebenden Helden - Ludwig, und sagte zu ihm, noch tiefbeklommen im Busen: - »Weh'n nicht der Vorzeit heilige Schauer dich an aus den Mauern - Dort, wo Kato, der Knechtschaft zu groß, in das eigene Schwert sank? - Achtung gebeut sein hohes Gemüth, und die Liebe zur Freiheit, - Der er gelebt, unwandelbar stets. Doch, dünket sein Tod dir - Beifallswürdiger als ein Sieg, dem feindlichen Leben - Abgerungen durch Kraft ausdauernden, muthigen Strebens? - Frommt' es dem Vaterland, dem langentarteten, etwa, - Daß er, der Vorzeit Sitte getreu, verfolgte den Einen, - Der mit mächtiger Hand das, mitten im Brausen der Sturmfluth - Leckumtreibende Schiff vom Bruche zu retten vermochte -- - Daß er den schrecklichen Dolch in die Hand des Sohnes gegeben? - Schwer, ach, büßte die Welt den Mord des Edeln: er bahnte - Furchtbarn Wüthrichen nur den Weg zu frecher Verachtung - Jeglichen Rechts. Und wurde nicht strenge Vergeltung den Mördern? - Brutus kannte die Ruhe nicht mehr; nicht erquickte der Schlummer - Mehr sein Aug'; auch wachend sah er Gespenster, und immer - Hört' er die Wort': »»Auch du, mein Sohn?«« in zermalmenden Tönen.« - - Jetzt an dem Halbeiland, Karthago's verödeter Stätte, - Wogten die Schiffe vorbei: beklemmende Schauer erfüllten - Jegliche Brust, und Stille herrscht' am Bord und im Schiffsraum; - Eileten erst an dem Salzthurm hin: von der reichlichen Salzfluth - Also genannt, die im Schooß der thürmenden Mauer emporwallt, - Dann an dem Wasserthurm, deß' silbernfluthende Kühlung - Auch aus dem fernen Gefild' anlockt den dürstenden Wandrer.[39] - Aber unzähliges Volk rann fort am Gestad', in der Rechten - Schwingend den Speer im Geschrei der wildauftobenden Kampflust, - Und schon sausten mit Donnergetös gewaltige Kugeln - Her von dem Strand; doch, so wie, im garbenbeladenen Wagen - Sitzend, die Schnitter fern' im Gebirg den strömenden Regen - Schauen, mit lächelndem Blick, da im heiteren Glanze der Sonne - Sie von dem Aehrenfeld heimführen den Segen des Sommers: - So, nur lächelnd, ersah'n die Schiffenden, wie die Geschosse - Harmlos sanken umher, von den schäumenden Wogen verschlungen. - Doch, im Schooße der Bucht, die aus felsumstarreter Mündung - Eint vor Tunis den See mit des Meeres Gewässern, erhob jetzt, - Schimmernd im Morgenroth, ihr Haupt die Veste Goletta,[40] - Und einhelliges Jauchzen erscholl von den Schiffen: die Krieger - Sehnten sich lange nach ihr, dem Ziel' unsterblicher Thaten. - Hoch in die bläuliche Luft aufragte die herrliche Festung, - Und in die Fluth, die, sanftergossen, im Schimmer des Morgens - Ruhete, sank ihr Bild, doch häuptlings hinunter zum Abgrund. - Jetzo schwankt' es umher, da, erregt von den nahenden Schiffen, - Kräuselnd, der Wellenzug nach dem Felsengestade sich wälzte, - Und es ertönte zugleich der Feinde Geschrei aus den Mauern; - Aber der Kaiser rief nach Doria selber hinüber: - »Tapferer, send' alsbald auf zwei leichtsegelnden Schiffen, - Wohlerfahrnen Führern gesellt, versuchtere Krieger, - Dort zu erspäh'n die Lag' und die Stärke der Veste -- zu finden - Günstigen Landungsplatz für den Reiter zugleich und das Fußvolk; - D'rauf erschalle der Donnerruf zur stürmischen Landung!« - Also geschah's. Weit vorwärts bog sich der Mast, und die Wellen - Schäumten nach jeglichem Ruderschlag', in kräuselnden Ringen, - Hinter dem eilenden Kiel. Wie zwei langhalsige Schwän' oft, - Männchen und Weibchen, den silbernen Teich umrudern im Spätlicht: - Jetzt, annahend dem Strand, wohlduftende Kräuter zu pflücken, - Jetzo, kehrend zur Mitte des Teich's, die schimmernden Furchen - Ziehen die Fluth entlang, und mit stolzergewölbeten Hälsen - Ihr Gefieder, wie Schnee, den Lüftchen des Abends entfalten: - Also erforschten die zween, bald nah', bald ferne dem Meerstrand, - Jegliches so, wie zuvor der waltende Herrscher gebothen. - - Hairaddin ging auf dem Söller der Burg, hoch über der Hauptstadt - Tunis, sinnend umher. Nicht die würzigen Düfte der Blumen - Ringsum schufen ihm Lust, nicht des Springborns holdes Gesäusel - Reizte sein Ohr: er starrte, die Hände zum Rücken gefaltet, - Stets mit trüberem Blick' auf den glänzenden Estrich vor sich hin. - Wuth erfüllt' ihm die Brust: denn Omrah, der Räuber Areny's - War ihm genaht an dem Abend. Ihm Siegesverheißung zu bringen, - Sendet' ihn Al-Mansor; doch sah er noch fern' auf des Meers Höh'n, - Wie er dem Feinde, besiegt, hinsank mit all dem Geschwader. - Schnell erwürgt' er im Zorn den jammerverkündenden Bothen. - Doch nun kam ein Sclav', und rief, zur Erde sich beugend: - »Herr, die Christen sind da! Nicht nährt des ragenden Oehlwalds - Grund der Bäume so viel', als feindliche Maste die See trägt.« - Hairaddin schnob vor Wuth: »Hinweg du feiger Geselle, - Eh' dich mein Fuß zermalmt! Die Furcht erschuf dir die Gegner. - Hat ihr Schiff die Schwingen des Aars und die Sehnen des Straußes, - Der auf dem Sand hinfleugt, und den Preis auch dem hurtigsten Rosse - Raubet im Lauf? Nicht sollst du hinfort mir lügen: hinweg -- stirb!« - Jener entfloh, und stürzte sich angstbetäubt in die Fluthen. - Hairaddin ging nun hastiger hin auf dem Söller; er kehrte - Nun ergrimmter zurück', und sah lautknirschend zum Himmel. - Aber ein Zweiter begann: »Die Macht unzähliger Gegner - Wogt an dem Vorgebirg Buschatters in Eile vorüber.« - Und kaum war er entflohn, da kam ein Dritter, und sagte: - »Sinam kündet dir, Herr: fünfhundert feindliche Segel - Hab' er gezählt von den Zinnen der Vest', und nicht alle gezählt noch. - Nah' an Goletta dem Feind die günstige Landung zu wehren, - Stehe versammelt das tapferste Volk; doch mächtige Scharen - Harren nur deines Geboths; du winkst: sie gehorchen in Demuth. - Sende daher ihm noch die erlesensten Krieger, daß jenes, - Minder an Zahl, nicht im Kampf' erliege der feindlichen Mehrzahl.« - Hairaddin schrie: »Erliegen meinte der Feige? So meint er? - Eile, bescheide mir Giaffar her, den tapferen Aga.« - Jener gehorchte; doch Hairaddin sann, und rief in den Hofraum: - »Hört! Die Feldherrn all' entbiethet ihr schnell nach Goletta; - Aber daß keiner verzieh': denn traun, er würd' es bereuen!« - »Wie,« so murmelt' er jetzt, ergrimmt, die Worte für sich hin, - »Wie, sie kommen heran, mir zu rauben das edelste Kleinod, - Tunis, dieß jüngst' und theuerste Kind? Nicht Telmessan, nicht Algier - Acht' ich so hoch ... Den Frevel büßen sie einst in Europa - Furchtbar, wo nicht der Greis, nicht das Kind in der Mutter verschont - sey!« - Dann aufschrie er: »Mein Roß!« Die Mauern des hohen Pallastes - Drönten hinab zu dem untersten Grund', und die bebenden Sclaven - Taumelten durcheinander vor Angst. Der stattliche Läufer - Stand alsbald gesattelt im Raum des hallenden Thorwegs: - Glänzend schwarz, von Arabia's edelstem Schlage; der Schneeschaum - Flog von dem blanken Gebiß, wie er nagt' an dem Eisen, und rastlos - Scharrt' in dem Sand; wie er schnob, und bald auf den hinteren Füßen - Stand, erhebend die vordern, und bald aufwiehert', und ausschlug. - Aber den Feurigen hielt der Sclav' am goldenen Zaum fest; - Streichelt' ihm leise den Hals, und klopft' an die Decke von Purpur, - Die den Sattel umhüllte, mit Gold und Perlen verzieret. - Hairaddin hob sich im kreisenden Schwung' auf das Roß, und der Reiter - Hundert jagten ihm vor, so viele ihm nach, in dem Eilflug. - Fernhin tönte Geklirr' und Getrab', und es bebte der Boden - Unter dem stampfenden Huf' -- aufflog der flimmernde Sandstaub. - Jetzt durchbraust' er voll Hast die eröffneten Thore Goletta's, - Und erstieg den gewaltigen Thurm, der nahe dem Meerstrand, - Auch die Mündung des See's von Tunis, erhöhet im Viereck, - Schirmt: denn landeinwärts, wohl vier gemessene Meilen - Dehnt sich der See, am Rand des Olivengehölzes zur Stadt hin. - Hairaddin rettete dort, besorgt, viel hundert der Schiffe - Noch; er hieß die Mündung des See's mit lastenden Ketten - Sperren, und pflanzte Geschütz, Abwehr ersinnend, am Strand' auf. - Jetzt erklomm er die Zinne des Thurms, und sah nach der Gegend, - Glühenden Blickes, hinab, wo unzählige Schiffe des Gegners - Deckten die schimmernde Fluth, und zwei vordringende Segler - Spähten: er sah's, und finsterer Groll zernagte die Brust ihm. - - Aber schon lang' umflog, dem christlichen Heere Verderben - Sinnend, Muhamed ihn, und hoffte der Wünsche Gewährung, - Als er das Herz erwog des thatengewaltigen Mannes. - So wie im düsteren Flug, den Ohren nicht hörbar, die Nachtschwalb' - Ueber uns flatternd schwebt: so flog um Hairaddin jener, - Forschend, und sah ergrimmt, wie jetzt ihm der feindlichen Heersmacht - Furchtbare Schau das Herz erfüllte mit nagendem Kummer. - Leise dem Ohre genaht des Sinnenden, sprach er ihm Muth ein: - »Solltest du beben, Hairaddin, du, ruhmwürdiger Krieger, - Deß' zermalmender Kraft die Völker erzittern? Nicht denkst du: - Wer das Eine nur will, fest will, der wird es erringen? - Heiß den Wurfschütz dort vernichten den feindlichen Späher, - Der tollkühn vordrang, und erreg' in der hohen Versammlung - Deine Feldherrn. Horch, dieß kündet der große Prophet dir!« - Alsbald stieg, der muthempörenden Worte gedenkend, - Jener die Stufen herab, und eilte hinaus nach dem Walle, - Wo der Wurfschütz saß, und gehäuft die Donnergeschosse - Lagen, unferne dem ehernen Schlund. Mit Zorn in den Blicken - Und in dem Laut, rief er den bombenwerfenden Söldnern: - »Memmen ihr! Auf trüglicher Fluth, die Freunden und Feinden - Willig den Rücken beut, erblickt ihr die feindlichen Späher: - Wie sie erkunden die Furt, die Macht und die Schwäche der Mauern, - Euch, ihr Feigen, zur Schmach. Zertrümmert mir eines der Schiffe -- - Jenes gleich, das dort vordringt, mit euren Geschossen.« - Alle zugleich, gehorchend dem zürnenden Herrscher, erhoben - Brennende Lunten, und senkten sie schnell an des furchtbaren Mörsers - Zündrohr. Rauch quoll auf, und, durch Rauch und Flammen sich hebend, - Flogen mit Donnergetös' empor die entsetzlichen Bomben, - Fünfzig Mörsern entsandt, und Geheul des reißenden Luftraums - Scholl weit hin: die sinkenden wühlten vom Grunde das Meer auf, - Das, aufbrausend, schäumt', und wirbelnde Wogen umherwarf. - Eine gewaltige Todeslast zerschmetterte Benno's - Fahrzeug. Wie in der Jahr' umkreisendem Lauf sich ein Felsblock - Still losreißt von dem Gipfel des Berg's -- alsbald in den Abgrund, - Laut, mit Gekrach, herrollt, und unten die dürftige Hütte, - Schmetternd, begräbt, daß weder die Spur der armen Bewohner, - Noch der Hütte sich weist': denn Alles versinkt in dem Steinwust: - Also vernichtete hier die entsetzliche Bombe den Helden - Benno mit allem Volk'. Ach, vier unmündige Kinder - Ließ er in Genua's Mauern daheim mit der weinenden Mutter! - Dort, in dem Heldenverein die schwankenden Bretter besteigend, - Drückt' er noch einmal die Hand der zärtlichbekümmerten Gattinn, - Abgewandten Gesichts, daß selbe die Thränen nicht sähe; - Aber den Kindern, die ihm umfaßten die Kniee, verhieß er - Baldiges Wiederseh'n, und köstliche Gaben des Ostlands; - Doch nicht sollt' er den Tag erblicken der fröhlichen Heimkehr, - Nicht die Kinderchen mehr, nicht die liebenswürdige Gattinn: - Denn ihn deckte die Fluth mit dreißig tapfern Gefährten. - Aber im Nebenschiff', umhagelt von Todesgeschossen, - Floh Ulloa zurück, der Spanier, ähnlich dem Schwan dort, - Der, als, schmetternd, ein Ball ihm das Weibchen entriß auf dem - Schilfteich, - Einsam flieht: sich fern' im dunkeln Geröhre zu bergen. - Hairaddin jubelte; warf handvoll des schimmernden Goldes - Unter die Schützen, und ging, in der räumigen Halle die Feldherrn - Anzufeuern zum Todeskampf. Sie spornten die Rosse - Blutig im sausenden Ritt: wohl kennend den schrecklichen Herrscher, - Und betraten die Hall' in drängender Hast und Verwirrung. - - Erst kam Sinam, der Jud'. Entschlummert am Strande des Meeres, - Lag er in Smyrna, als Jüngling noch: da raubt' ihn, gelandet, - Sahir, der wilde Korsar, und zwang ihn, ein Räuber zu werden. - D'rauf vertauscht' er, als Mann, des Moses für Muhameds Lehren, - Nur für baaren Gewinn. Stets blieb er ein Jud' in dem Herzen, - Schlauen Verkehrs. Doch füllt' ein seltener Muth ihm den Busen - So, daß er bald durch Kunde des Kriegs, auf der blutigen Laufbahn - Schätze errang, und ihn Hairaddins Blick erkor zum Gebiether - Seiner erlesensten Schar. In staunenerregender Hoheit - Trat er heran; ihm floß der Bart, gleich silbernen Wellen, - Tief in den Busen herab, und Ernst umhüllt' ihm die Augen. - Dragut kam, der Kilikier, der, ein Schrecken der Gegner, - Nur der »Satanbändiger« hieß im Munde des Volkes. - Stets in dem schwarzen Gesicht, dem häßlichen, dreht' er die Augen, - Spähend, umher, und nagt' an seinen gedunsenen Lippen, - Heimlichen Grimms, der auch an der zuckenden Wange sich kund that. - Doch nun füllt' ihm die Brust noch heißere Wuth: für Mathilden - Kam er entbrannt daher, Toledo's herrlicher Gattinn, - Die dem edeln Gemahl, mit der himmlischreinen Gesinnung, - Treu bis zum Tod, des Wüthrichs Gier gewahrte mit Abscheu. - Ihm nachschritt der Bascha von Laodikea, Tobukes, - Der das Fußvolk lenkt' in dem Heer'. Er haßte den Herrscher, - Hairaddin, da er ihn minder geehrt als Sinam, und er war's, - Der ihm ersiegte den Thron von Algier in blutiger Feldschlacht. - Rache kochte sein Herz; doch treu dem falschen Propheten, - Nahet' er jetzt, entschlossen die christlichen Völker zu tilgen. - Salek brauste herein, der Ionier, der in der Heer'smacht - Hairaddins reisigem Volk' obherrscht'. In Syriens Wüsten - Lenket' er einst, als Scheik, raubsüchtige Horden, und häufte - Fülle des Golds, Karavanen plündernd unseliger Pilger. - Wohl, in dem heimlichen Ueberfall die Feinde zu morden, - So wie im Grauen der Nacht Verwirrung zu schaffen, und Jammer, - Hatt' er gelernt, und Hairaddin rief den Kühnen zum Kampf' auf. - Aber auch Giaffar kam, der Aga der Janitscharen, - Stattlichen Gangs. Die flammenden Augen erhellten sein Antlitz, - Das ihm die Herzen gewann, voll blühender, männlicher Schönheit. - Spielend, ein Ries' an Kraft, vermocht' er des brüllenden Stieres - Haupt, mit dem sausenden Stahl', auf einmal vom Rumpfe zu hauen; - Oder er faßt' ihn am Horn, erhob ihn, und warf ihn zu Boden: - Tobt' er auch noch so ergrimmt. Er griff in die Speichen des Rades, - Rollte der Wagen dahin, von feurigen Rossen gezogen -- - Stand, und hemmte das rollende Rad, und hemmte die Rosse: - Dennoch war er so mild, als tapfer- und edelgesinnet. - Jetzo mit Abu-Sa-id, dem Scheik arabischer Reiter, - Trat in den Saal der landesgebornen Numiden und Mauren - Feldherr, Muhamed Temtes: voll List die freundlichen Mienen - Heuchelnd: denn glühenden Haß, dem Türkenvolke geschworen, - Nährten die beiden mit ihrem Volk' im verschlossenen Busen. - - Rechts, in der Ecke des Saals, dem Ehrensitz für die Moslems, - Setzte sich Hairaddin nun, mit untergeschlagenen Beinen, - Auf den schwellenden Pfühl, und um ihn, auf gebreitetem Teppich, - Saßen die Feldherrn all', ihm dort aufhorchend in Demuth. - Eh' er begann, durchfuhr sein Flammenauge den Halbkreis, - Forschend in jeglichem Blick', und der Kühnst' erbebte dem Furchtbar'n. - Jetzt durchwühlt' er den röthlichen Bart, tiefsinnend, und jetzo - Faßt' er des Tulbands Bund, des Kaftans glänzenden Zobel; - Doch nun ruhte die Link' an des Säbels goldenem Griffblatt -- - Ruhte die Recht', auf den Schenkel gestützt, und also begann er: - »Ehre dem einigen Gott, Ruhm sey dem großen Propheten! - Gott, der Gläubige schirmt, Ungläubige schnell in den Staub wirft, - Wie, herbrausend im Donnersturm, der prasselnde Hagel - D'raußen im Saatenfeld die wogenden Halme zerschmettert, - Hat nun eurem entsetzlichen Schwert den mächtigsten Fürsten - Unserer Gegner, am Bord viel hundert gerüsteter Schiffe - Nahe gebracht, und ihn der Rache zum Opfer erlesen: - Denn so will der Prophet sein Volk, nach seiner Verheißung, - Jetzt verherrlichen, so schlug er den Gegner mit Blindheit: - Daß er den Angriff wag' in diesen gefürchteten Monden, - Wo in des Himmels Gluth auch die Landesgebornen verschmachten? - Und ihm erläge der Fremdling nicht in der lastenden Rüstung? - Sprech't, wie soll dieß feige Geschlecht, im Sande versinkend, - Halten im blutigen Kampf die hochgepriesenen Reihen? - Wie begegnen zugleich den Säbeln der Janitscharen - Und dem mordenden Stahl der Araber, Mauren, Numiden, - Welch' im Grauen der Nacht, in der Helle des Tages ihn drängen? - Wir ersiegen uns bald ein unvergängliches Denkmaal - Heldenruhms, wenn Carl, der größte der Christenbeherrscher, - Büßend die Kühnheit, mit seinem Heer' in Stücke gehau'n wird, - Oder, als ein Gefangener, uns erliegt auf dem Schlachtfeld. - Hebe dich, Abu-Sa-id! Dir folg' auch Muhamed Temtes: - Eil't, und verkündet den Euren, ein jeglicher freudigen Aufrufs, - Daß sie, der Beute bedacht, zum entscheidenden Kampfe sich rüsten!« - Aber die beiden erhoben sich schnell, und Muhamed Temtes - Sprach, sich beugend zuvor, mit demuthheuchelnden Blicken: - »Er, der Himmel und Erd' erschuf, verläng're dein Leben - Fern' in die kommende Zeit. So wie die Sterne des Himmels, - Wie der Sand an dem Meer, sey deiner Erzeugten Erzeugung, - Und es erfülle dein Ruhm die fernsten Räume des Weltalls!« - Jen' enteilten, und Hairaddin sprach: »Wohl kenn' ich die Falschen. - Trugvoll ist ihr Gemüth, und keines ausharrenden Muthes, - Fähig ihr Volk, das unzählige, das, uns feindlich gesinnet, - Nur durch Verheißungen großen Gewinns zum Heere gelockt ward. - Aber uns ziemt: die Krieger Suleymans, des Prächtigen, Großen, - Welchem die Erde sich beugt, uns ziemt die Heldengesinnung, - Kämpfend mit eisernem Muth', ihm hier zu erhalten die Herrschaft, - Und zu erhöhen den Ruhm der Söhne des großen Propheten.« - All' aufschrie'n, das Schwert von der Hüfte sich reißend, und riefen: - »Gott ist Gott, und Muhamed sein erhab'ner Gesandter: - Hairaddin sey die Treu' und dem Feinde die Rache geschworen!« - Froh des dräuenden Schwurs, begann jetzt Hairaddin wieder: - »Sinam, dir werde Goletta vertraut, dieß herrlichste Kleinod - Unseres Reichs, und ruhig schlummr' ich, weil dir es vertraut ward; - Dragut, Unwiderstehlicher, dir gehorche des Heeres - Vorderzug, und dir, Tobukes, dem Schrecken der Gegner, - Freudig, des Fußvolks Macht; doch du, Reih'nbändiger, Salek, - Lenke die Reisigen kühn zum Sieg'! Ich führe den Nachzug. - Sammelt die Scharen, vom Strand zu entfernen des Feindes Geschwader, - Oder sogleich die Gelandeten dort zu erwürgen: denn wißt es: - Wer sich zuerst die Stirn' umflicht mit dem Lorber des Sieges, - Raubet oft dem Besiegten den Muth in dem Felde für immer!« - Aufsprang Dragut, und rief mit lautumschallender Stimme: - »Ha, nicht wehre dem Feind die kühnbeschlossene Landung: - Leicht entflöh' er uns heut, geschreckt, auf dem rettenden Schiff noch!« - »Eitele Furcht,« sprach Hairaddin, »o, dem christlichen Herrscher - Schlägt ein tapferes Herz in dem Busen, und eiserner Starrsinn - Drängt ihn fort auf erkorener Bahn: ihm wird er erliegen!« - Jetzt erhob er sich rasch, und ging, sich in Eile zu rüsten; - Aber die Feldherrn all', enteilten in's lärmende Lager. - - Regulus schwebte herbei: er sann den Sclaven der Hochburg, - Rettend, zu nah'n, und ließ in der wimmelnden Straße von Tunis - Sich im Fluge herab. Da saß vor Draguts Behausung - Hugo, und weinte vor Schmerz. Ihm war die Kunde gekommen, - Freudig und furchtbar zugleich: daß heute der Kaiser mit Heer'smacht - Vor Goletta erschien, und wie nun befreien Mathilden, - Listig umstellt von Draguts stets auflauernden Spähern? - Regulus haucht' ihm, genaht, alsbald den tröstenden Rath ein: - »Treugesinnter, du weinst, und weißt nicht, die Gattinn zu retten - Ihrem Gemahl? Wohl kam er heran, dem heiligen Aufruf - Folgend des Vaterlands, und folgend dem Rufe des Herzens: - Hier in dem Kampf, voll Muths, zu ersiegen die liebende Gattinn. - Such' im Olivengehölz den einsamlebenden Fischer, - Der, ein Christ, der Heimath entfloh, wo ihm Jammer zu Theil ward. - Viele der Höhlen sind dort, einst Gräber berühmter Geschlechter, - Als Karthago's Ruhm noch erfüllte den staunenden Erdkreis. - Dort um die Mitternacht, in eine derselben geborgen, - Möge Toledo sie wiederseh'n in beglückender Freiheit.« - Schnell erhob sich der Greis, und flehte, mit thränenden Augen - Schauend empor, um des Himmels Huld: in der That zu vollbringen, - Was ihm so wunderbar vorschwebte -- die Rettung Mathildens: - Denn er kannte schon lang den menschenfeindlichen Fischer, - Der am Strande des See's, umschattet vom säuselnden Oehlwald, - Wohnt' in der Grabes-Höhl', und die Beute der Netz' und der Angeln - Ihm feilboth vor den Thoren der Stadt am dämmernden Abend. - Jetzt gewann er die Höhl' auf seltenbetretenen Pfaden, - Keuchend vor Hast, und sah in des Eingangs Felsenumwölbung - Liegen auf dürrem Moos' den unglückseligen Fremdling. - Drüben im Frankenland, von edeln Geschlechtern entsprossen, - Sah in des Lebens aufdämmerndem Strahl der treffliche Jüngling - Blühen holdselig die Braut, die liebende; preßte den Freund auch, - Treu und warm an die Brust, und jauchzte dem zweifachen Segen. - Siehe, da rief ihn das Vaterland in den Kampf, und er folgte - Freudig dem Ruf! Doch, als er nach Jahren, mit ehrenden Narben -- - Lohnenden Kränzen geschmückt, heimzog im Kreise der Tapfern, - Trat im festlichen Zug die Braut an der Seite des Freundes - Froh zum Altar'. Er eilt' aus dem brausenden Jubelgedräng weg, - Fern in der neuern Welt ein Grab und den Frieden zu suchen. - Doch auf Siciliens Meereshöh'n von Korsaren gefangen, - Ward er nach Tunis geschleppt, und ein Räuber schenkt' ihm die Freiheit, - Ehrend sein Jammergeschick, zum Hohne des schändlichen Undanks. - Tief in der Brust den finsteren Menschenhaß und der Heimath - Abscheu nährend, erkor er ein Grab zu seiner Behausung. - Jetzt ihm genaht, sprach Hugo mit herzerschütternder Stimme: - »Kurd dein Nahm', Unglücklicher? Ha, nicht gabst du des Korans - Täuschung dich hin, ein Christ! D'rum wird, wie schmachtende Fluren, - Säuselnd, der Regen erquickt, Mitleid mit himmlischer Wonne - Laben dein blutendes Herz, und Gott, der über uns waltet, - Allerbarmend, Lohn und Frieden dir geben. Vernimm jetzt - Größeres Wehe denn dein's. Geraubt dem tapfersten Helden, - Schmachtet sein edles Weib in Draguts grauser Gewahrsam. - Kennst du nur eigenes Leid? Rechtfertige, Mensch, mit Ergebung - Duldend, vor deinem Geschlecht die dunkelen Wege der Vorsicht, - Neig' auch fremdem Jammer dein Ohr, und den eig'nen versüße - Mitleid dir! Denn, horch, auf dem Meer mit unzähligen Schiffen - Kamen die Christen heran, zu strafen den Räuber, und siegend - Ihm zu entreißen den Herrscherthron, der Hassan geraubt ward. - Bald erschallt Sieg'sruf -- erschallt geretteter Menschen - Jubelnder Dank. Zieh' hin in das Lager der Brüder, zu treffen - Dort Toledo, und sprich: »Wenn uns an dem Himmel der Vollmond - Strahlt, da rettet in Grabesnacht ihm Hugo die Gattinn, - Und du lenke den Liebenden her zur Höhle des Waldes.« - Jener regte sich nicht, und starrte hinab in die Fluthen, - Aehnlich dem Felsenriff, das starr aufragt an dem Meerstrand. - »Kurd,« so sagte der Greis, »entfernt zehn Jahre der Trauer - Bist du vom Vaterland; vergeudet wurde dein Erbtheil: - Dürftig kommst du zurück', ein Bettelnder unter den Deinen; - Sieh', er spendet, willfahrest du ihm, dir Goldes die Fülle, - Dankbargesinnt, und freudig erblickst du die heimischen Fluren!« - Aber noch finsterer starrete Kurd: da umschlang ihm der Greis dort, - Weinend, die Knie', und rief mit leis'erbebender Stimme: - »Hast du geliebt? Wie solltest du nicht, verstummender Dulder! - Jammert die Gattinn nach dir? Welkt', ach, die Geliebte dir früh hin?« - Jetzt aufriß sich vom Boden der Mann, der schrecklich geschwiegen, - Taumelte wild umher, als sollt' er den Flehenden morden. - Dennoch konnt' er nicht, tieferregt, von den Thränen des Greises - Mehr verwenden den Blick, und die ewige Huld, die, erbarmend, - Lenket des Menschen Sinn gleich fluthenden Bächen, zerschmolz ihm - Nun durch Thränen das Herz, das, qualenbelastet, erstarrt war, - Und ein glänzender Strom quoll ihm aus den Augen; er faßte - Hugo's Recht', und sprach: »Du siegtest; ich stehe bereit dir.« - Aber der Greis entfloh, von der Wonne der Rettung beflügelt. - - - - - Sechster Gesang. - - - Siehe, schon war die Stunde der heißersehneten Landung - Jetzt an dem Abend genaht; schon rief, vom Borde Karthago's, - Schimmernd, die Kaiserflagge zum Kampf! Von dem Zug' an den Küsten - Kehrte Ulloa zurück', ein Trauernder, ob des Gefährten, - Der, mit dem Schiff' in den Grund gebohrt, dem Heere geraubt ward. - Selber bewegt, rief doch den am Bord versammelten Feldherrn, - Wo er des Angriffs Weise berieth, der Kaiser, erheitert: - »Jetzo, das Höchst' im Blick, laßt uns die Trauer beherrschen, - Die uns die Brust erfüllt -- jetzt muthig und rasch an die Landung! - Gegen Zafrano hinaus, an der Meer'sbucht östlichem Saum hin - Schiffen, den Feind zu täuschen, wir erst; dann, kehrend im Eilflug, - Bleib' uns zur Linken der Wasserthurm, zur Rechten der Salzthurm: - Wir erringen das Ziel, wo Ulloa erspähte die Anländ. - Segen mit euch im schrecklichen Sturm und Drang der Entscheidung!« - Jen' enteilten. Ihm trat, voll demuthheuchelnden Mißtrau'ns, - Muley Hassan entgegen im Raume des Schiffs, und begann so: - »Herr, dich dränget dein Herz in den Kampf! Der Weltenerschaffer - Gebe dir Ruhm; doch soll ich, indeß du im Felde dich abmühst, - Müßig weilen am Bord? Gewähre mir eines der Schiffe, - Das mich schnell nach der Meeresbucht von Kabesch, dem Städtchen - Führe, wo mir, zum Trost, die tapfern Bewohner noch treu sind, - Auch das kühne Gebirgsvolk dort schon harret des Aufrufs: - Abzuschütteln das Joch von Hairaddins grausamer Herrschaft. - Dorther schaff' ich dir bald Hülfsvölker, und schaffe dir reichlich - Mundvorrath für das Heer, das solchen entbehrt in Karthago's - Wüstem Gefild, wenn fern des Krieges ersehnetes Ziel winkt.« - Sagt' es mit scheuverwendetem Blick'. Ihm entgegnete jener: - »Hassan, du bebst, und starr'st umher im zweifelnden Mißtrau'n? - Fasse nur Muth! Gleich soll das schnellhinsegelnde Schiff dich - Führen nach Kabesch hinauf; dann kehr' im Glücke mir wieder.« - Also der Kaiser, und sah dem raschenteilenden Fürsten, - Sinnend, nach: er hatt' ihn errathen. Doch jetzt ihn zu rüsten - Trug ihm mit heiterer Stirn' Ernest, der grauende Reiter, - Den der herrliche Max, sein ruhmvollthronender Vorfahr, - Liebte mit Vaterhuld, das treffliche Schwert und die Spornen, - Auch den Harnisch und Helm aus dem hüllenden Schranke herüber. - Silbern strahlte die Wehr', umrändert mit goldenem Laubwerk, - Ihm von der Brust; hell blitzte der goldene Kamm von dem Helm her, - Deß' stahlblinkendes Dach kein damaszenischer Säbel - Je durchhieb', und das Schwert umfaßte des Wehrgehängs Purpur, - Funkelnd von Perlenreih'n, und blitzend in Edelgeschmeides - Wechselndem Farbenglanz. So stieg er, gerüstet, zum Bord' auf. - - Dort entblößt' er den Stahl: ein Ruf erscholl aus dem Schiffsraum, - Donnernd rings in dem Busen des Meers. Wie am glühenden Mittag - Wetterschweres Gewölk' auffleugt: da regt sich kein Lüftchen; - Brüllend kehren die Heerden heim; die kreischenden Vögel - Flieh'n zum Gehölz', und es fährt die häusliche Schwalb' in dem Hofraum, - Wechselnden Fluges, umher, dem Boden nah', und die Lachen - Streifend mit fächelndem Fittig -- der Mensch, im Busen beklommen, - Stehet verstummt; doch jetzt aufblitzet es, kracht es herunter: - Flammen entprasseln dem Dach', und fernher sauset der Hagel: - Also die Stille zuvor, eh', landunggebiethend, der Aufruf, - Donnernd, erscholl, und d'rauf, wie ein Strom entstürzet der Schleußen - Weiteröffnetem Thor', und Wogen auf Wogen sich drängen: - Also strömten vom hohen Verdeck' in die flachen Galeeren - Drängende Scharen herab, und ordneten schnell sich in Reihen, - Während der Reiter das Roß festhielt an dem Zaum: denn gewahrend - Drüben das Land, umtobt' es im Raum des engenden Fahrzeugs. - Gegen Zafrano hinaus, dem spähenden Feinde zur Täuschung, - Strebten sie erst, und eilig dahin entsandt' er die Horden - Seines Volks: da flog an dem fernen Gestade der Staub auf - (Aehnlich dem Nebel, der, nach dauerndem Regen des Herbstes, - Dicht am Gebirg fortwallt) durchblitzt von den Waffen der Krieger, - Und verwirrtes Getös', und Geschrei, und das Wiehern der Rosse - Brausete laut von der staubverhülleten Küste herüber. - Wieder ertönt' ein donnernder Ruf vom Borde des Kaisers: - Siehe, und dieser galt, zum Sturm' aufbiethend die Krieger! - All' aufschrie'n zugleich vor jubelndem Muth', und, die Seiten - Wendend, flogen vereint die Galeeren zum herrlichen Ziel hin. - Von den Rudern gepeitscht, aufschäumte das Meer, und der Fahrwind - Saust' in dem Segelgewölk der dichtnachfolgenden Schiffe. - Solches gewahrend, sandte der Feind unzählige Kugeln - Von dem fernen Gestad' und den Wällen der Veste Goletta. - Schrecklicher Donner erscholl. Doch als die Gegner, dem Salzthurm - Nah', vorstürmten im eilenden Lauf: da wendete blitzschnell - Wechselnd, der Steuermann die räumigen Seiten des Schiffes - Nach dem bevölkerten Land. Sie spie'n aus flammenden Schlünden, - Wie der Hagel prasselt, und saust, die Saat des Verderbens, - Brüllend, hinaus: von nah' und fern aufbrannten die Hütten, - Und des Feindes Geschütz lag rings, vernichtet, im Staub dort; - Seine Horden entfloh'n, und Goletta's Donner verstummte. - - Dreimal die Länge des Manns, schied noch ein Raum die Vereinten - Von dem Gestad', als Deutschlands Volk,[41] den ragenden Speerschaft - Senkend hinab in den Grund, im sausenden Schwunge der Glieder, - Allen zuvor, den feindlichen Boden errang, und es wähnten - Dort die Krieger noch lang': es schwanke der Boden, und weiche - Unter den Füßen zurück. Rasch hüpften die muthigen Rosse - Nach dem Strande hinaus; der sandigen Bahn sich erfreuend, - Hüpften, und sprangen, und schlugen sie aus, und wieherten laut auf. - Scharen auf Scharen entstiegen dem Bord', und bedeckten das Ufer - Weitumher, wie im Morgenwind' aus tieferen Thälern, - Kräuselnd, der Nebel sich hebt, und des Bergs Abhänge verhüllet. - Doch nun trat im schimmernden Waffenschmucke der Kaiser - Freudig an's Land, und hob sich im kreisenden Schwung' auf das - Streitroß, - Das, von erles'nem Blut und Geschlecht', und herrlich gestaltet, - Auf Andalusiens blühender Flur, freiweidend, heranwuchs. - Als er, die Reihen entlang, hinflog auf dem schnaubenden Rosse, - Tönte Gejauchz' ihm nach; er rief den Geordneten also: - »Krieger, wir stehen auf Feindes Land, wo herrlich des Ruhmes - Laufbahn glänzt, und Gott uns ruft zur Christenerrettung! - Schweben die Sieg' euch vor entschwundener Jahre? Gedenk't ihr - Eures errungenen Ruhms, nicht harrend entflammenden Aufrufs - Tapfer zu seyn? Ihr denkt's: denn Muth in den glühenden Augen - Seh' ich, der nur vorwärts strebt, und voll Todesverachtung - Lächelt im brausenden Sturm der Donnergeschosse. Nur haltet - Eisern auf Mannszucht stets, und auf Ordnung. Wer solche verschmähet, - Schafft Unheil sich selber, und schafft dem Heere Verderben. - Ha, schon nahet der Feind! Jetzt vor: in geschlossenen Reihen - Greift die Unzähligen an, und erringt euch herrlichen Siegsruhm!« - Sagt' es, und hieß nun links und rechts die Flügel des Heeres - Rasch vorgeh'n, und eilen, gesondert, des Vorder- und Nachzugs - Ordnungen, er in der Mitte zugleich mit dem tapferen Guasto, - Ueber Hispania's Volk, und Oestreichs Scharen gebiethend. - - Siehe, den Vorderzug, der tausend tyrolische Schützen - Zählete -- sie, vor allen geübt, das Schwarz' in den Scheiben - Und in dem Busen das Herz aus dem schmetternden Rohre zu treffen, - Führete Lichtstein vor, und es folgten ihm, leuchtenden Blickes, - Tausend Reiter, Bohemia's Söhn', in Eisen gehüllet; - Aber das Fußvolk, das in dem Heere das Leichte benennet, - Und aus den Reih'n der allvereinten Völker erwählt war, - Rief Toledo in's Feld: fünftausend erlesene Krieger. - Links an dem Flügel des Heers, Lusitania's Krieger und Flanderns, - Einend, schaltete Ludwig, der Held, und zehenmal tausend - Krieger zu Fuß gehorchten ihm. Rechts, an der Zahl und an Kampfmuth - Gleich, gehorchten Alarkons Ruf Italia's Völker. - Diesem zur Seit', entboth dreitausend geharnischte Reiter - Alba zum Kampf', und, jenem gesellt, beherrschte der Sprößling - Hunyadis, gleich an der Zahl, roßtummelnde, kühne Magyaren. - Aber im Nachhalt stand, mit dem tapfern Mendoza, der Ritter - Edele Schar, und zugleich den Blick auf den Heldengebiether, - Eberstein, gerichtet, der Hauf' gewaltiger Deutschen. - - Jetzo mit Allah-Geschrei und wildauftobender Mordgier - Nahte der Feind, und Staub quoll auf. Wie im Laufe des Lenzes - Hoch im Gebirg' ein Brand durchwüthet die Waldung: da glimmt nur - Dunkel die Gluth aus dem saftigen Holz, nur qualmender Rauch steigt - Auf in die bläuliche Luft: so umhüllte der Staub die Umgegend. - Dragut jagte die Scharen heran. Voll glühender Mordlust - Sah er nur Feindes Blut, und dachte, die landenden Haufen - Schnell zu erwürgen im Kampf; doch jetzt, die Geordneten schauend, - Saß er erstarrt, und stumm in dem Sattel: ihm stockte der Odem. - Dann aufstöhnet' er laut, und rief zu den folgenden Scharen: - »Mußte sie heute so bald entflieh'n die neidische Sonne, - Uns nicht gönnend den Ruhm, des Feindes verächtliche Haufen - Schnell mit würgender Hand vom Antlitz der Erde zu tilgen? - Aber sie schaue noch hier mit den letzten, verlöschenden Blicken - Unseren Sieg, und die Erde, von feindlichem Blute geröthet.« - Und er entriß alsbald dem Numidier, fluchend, den Bogen, - Zielte, und schoß: da schwirrte der Pfeil in der sausenden Luft hin, - Und durchbohrte die Brust Waldsteins, des tapferen Feldherrn, - Der aus den Mauern Prags, Bohemia's glänzender Hauptstadt, - Kühn in den Kampf auszog, und daheim die Mutter und Gattinn, - Jammernd, verließ. Sie harren, und schau'n durch quellende Zähren - Oft nach der Straße hinaus, die er ging, und harren vergeblich - Freudigen Wiederseh'ns: ihn decket die Erde von Tunis. - Seitwärts sprang sein Roß, und er sank, festhaltend den Zaum noch, - Häuptlings hinab, und färbte mit glühendem Blute den Boden. - Draguts Hohngelächter erscholl; zu den Seinen sich wendend, - Rief er grimmig: »Seht, der Himmel verkündigt den Sieg uns, - Der die mordende Spitze gelenkt! Ein feindlicher Führer - Schläft dort, blutend, im Staub', und wird wohl nimmer erwachen. - Ha, nichts sehnlicher wünschte mein Herz, als alle mit einmal - Also vernichtet zu schau'n, daß keiner entrönne dem Tod hier!« - All' aufbrüllten zugleich: Numidier, Mauren, und Türken; - Schwangen den ragenden Speer, und tummelten feurige Ross' um. - Dicht, wie Flocken des Schnees herstürmt der heulende Nordwind, - Flog ihr Geschoß: hellschwirrende Pfeil' und schmetternde Kugeln, - Sausenden Lanzen vermengt. Da fiel in den Reihen des Vortrabs - Mancher der Männer -- es wälzten sich blutende Ross' in dem Staub dort. - Doch schon brauste mit reisigem Volk' und verhängetem Zügel - Lichtstein hin, um mächtiger, vorgebeugt aus dem Sattel, - Einzuhau'n, links, rechts, in die wimmelnden Haufen, und Haufen - Sanken in Ströme von Blut. Tyrols kampfrüstige Schützen, - Mit Toledo's erlesener Schar den Reisigen folgend, - Eilten im Sturmschritt vor, und feuerten rasch in die Reihen - Tödliches Blei: nun einzeln, dann vereint, im Gekrach, hin. - Hunderte stürzten, und jetzt, ergriffen von Angst und Entsetzen, - Wandte den Rücken der Feind: er floh in dem stäubenden Feld fort. - Bald schied unabsehlicher Raum die Streitenden. Guasto, - Nahend dem Herrscher voll Hast, erhob die warnende Stimme: - »Schnell entfloh der Feind; doch wie, so er, sinnend auf Unheil, - Uns zu erlauern im Hinterhalt, den Rücken uns wendet? - Hemme des Vortrabs Lauf, und gebiethe des Lagers Umwallung, - Da noch Rogendorf an dem Strand des Meeres sich abmüht, - Auszuschiffen die Wucht des ehernen Donnergeschützes, - Auch die dunkele Nacht, gefahrendräuend, herabsinkt.« - Also der Greis, und Gewährung ersah er im Auge des Kaisers. - Einer der Herolde, die, rittfertig, und stets an der Seit' ihm - Harrten des Winks, hinüber, herüber zu jagen im Schlachtfeld, - Eilt' im Fluge hinaus, und rief sein »Halt!« an die Scharen, - Die, an die Stelle gebannt, zugleich dem Worte gehorchten. - - Drüben auf schmählicher Flucht riß Dragut den schnaubenden Läufer - Plötzlich am Zaum, daß er, lautaufstöhnend, sich bäumt', und zurück - sank. - Attila war ihm genaht: es reizte der schreckliche Krieger - Ihn, den Schrecklichen einst, und noch erbebt' er vor Ingrimm, - Daß er, des sterblichen Leibes beraubt, nicht lenkte die Feldschlacht - Mehr, nicht Gemetzel geboth, und gräßliche Länderverheerung. - Leise haucht' er ihm jetzt an die Seele den schmähenden Vorwurf: - »Dragut, du fliehst, nicht erwägend den Ruhm des entschwundenen Lebens, - Nicht die Worte voll Muths und glänzender Siegesverheißung? - Kehr' in Eile zurück: so folgen die fliehenden Scharen - Schamerfüllt, dir alle; wo nicht, so suche dir selber - Ruhm in dem einzelnen Kampf. Vielleicht gelingt es dir heut noch, - Glücklich bewahrt, hier deinen ergrimmtesten Gegner zu tödten.« - Als er des Geisterruf's erregende Laute vernommen, - Wüthete Dragut noch mehr: er spornte den fliehenden Haufen - Oft sein Streitroß vor, und trieb noch diesen und jenen, - Scheltend, zurück'. Ihm horchte der Maur' und muthige Türk nur: - Denn der Numidier floh g'en Tunis in Eile hinüber. - Sieh', oft naht in dem Feld der Furcht erstarrendes Schreckbild - Nur dem Feigen: er wankt; dann fleugt es vom Gliede zum Glied hin, - Und der Tapfere wankt mit dem Feigen: sie wenden den Rücken - All', und entfliehn. Wie fern auf dem Meere der brausende Sturmwind - Wogen auf Wogen wirft, und Schiff' an Schiffen zerschmettert: - Also stürzen sie fort, verderbend, und weder des Führers - Scheltender Ruf, noch Strafe dereinst hemmt jetzo die Flucht mehr: - Denn unbändige Furcht ergriff die ausreißenden Scharen. - Aber so weit wie ein Ball, vom schmetternden Rohre geschleudert, - Fleugt, schied drüben ein Raum nur mehr Toledo's und Lichtsteins - Krieger vom Feind', als Dragut, von starrendem Staunen gefesselt, - Hemmte das feurige Roß. In fest geschlossenen Reihen - Harrten die Christen sein, und der zahllosen Scharen, und standen - Ruhigen Blicks. Da rief er die schmähenden Worte herüber: - »Seh' ich vor Todesfurcht in Stein verwandelt die Helden? - Kommt, wenn Einer es wagt, ja zehen, und dreißig, und fünfzig, - Gegen mich anzukämpfen im Feld, wie dort auf Granada's - Flur mein Volk, der Rittersitte wohl kundig, mit euch focht, - Eh' uns Verrath und Uebermacht Hispania's Herrschaft -- - Fluch dem Frevel, entriß! Nun kommt, mir werde der Ruhm dann: - Keiner obsiegte der Macht des Satanbändigers Dragut!« - Schon aufbrauste zuvor des Prahlers Worten Toledo's - Heldenbrust; doch, als ein Nahme von drüben heran scholl, - Welcher der schrecklichst' ihm war, und verhaßteste aller auf Erden, - Da hielt er sich nicht mehr; er spornte sein schnaubendes Reitroß - Auf die Fläche hinaus, und schrie dem Wüthrich entgegen: - »Ha, nur dich, den Räuber des edelsten Weibes, des meinen, - Suchte mein glühendes Aug': nicht wirst du künftig mehr prahlen!« - Also mit lautem Gejauchz' aufschwang er den blitzenden Degen - Ueber des Gegners Haupt, und es wäre, zerschmettert, gesunken, - Wenn nicht Attila schnell, wie ein Blitz, der oben im Nachtgrau'n, - Leuchtend die Wolken durchzischt, heruntergeflogen, sein Streitroß - Drängte zum Seitensprung: denn fühlbarer nahen dem Thier noch, - Und in den Nächten zumal, des Geisterreiches Bewohner, - Bald vom Zorn gereitzt, und bald nur neckenden Launen - Folgend: da schmiegt sich die winselnde Dogg' an die Füße des Menschen, - Der mit Verwunderung horcht, und hinaus in das schweigende Nachtgrau'n, - Schaudernd, starrt; im Gehöft' aufflattern die kreischenden Hühner; - Laut mit Geschrei entstürzen die Vögel dem Wald', und die Hirschkuh - Fährt aus dem rauschenden Laub' in die Höh', und horchet mit Beben: - Denn hell blitzte der Geist an dem Auge des schlummernden Thier's hin: - So, von dem Geiste geschreckt, aufsprang der schnaubende Rappe - Draguts. Ihm zerhieb Toledo's sausender Mordstahl - Nur die bärtige Wang', und sie blutete. Siehe, nicht säumte - Dragut, und vorgebeugt, durchrannt' er die Linke Toledo's - Jetzt mit dem mächtigen Speer, daß schnell der leitende Zügel - Ihr entsank! Ein schrecklicher Kampf, und im Kampfe der Tod nur, - Hätte die beiden getrennt: da flog, gesendet von Lichtstein, - Hanno, der Stabs-Herold, an die Seite Toledo's; er faßte - Dort sein Roß an dem Zaum', und führt' es zurück' in die Reihen. - Jammernd folgt' ihm der Held: er dachte den Gegner zu tödten. - Dragut knirschte vor Wuth, und entwich: das Strömen des Blutes - Raubt' ihm die Kraft. Nun rief er dem maurischen Scharengebiether: - »Muhamed Temtes, ein Hort sey du des tapfersten Volkes, - Und ein Zeuge vor Hairaddin mir: nicht erbebend in Feigheit - Wär' ich gewichen dem Feind. Die blutende Wunde zu stillen, - Eil' ich zur Stadt, wo mir der kräuterkundige Diener, - Hugo, umhüllen sie soll mit dem weheinschläfernden Balsam, - Und bald kehr' ich zurück', allwärts ein Schrecken der Gegner.« - Also jagt' er davon: doch jener den kommenden Scharen - Kühn entgegen zu kämpfen, bereit, sah forschend zum Rückhalt: - Denn er hörete dort unfreundlichen Donner; vernahm auch - Würgender Feinde Geschrei, und ihm pochte das Herz in dem Busen. - - Doch, wer ordnete dort die entscheidende Rückenbestürmung? - Traun, ein Held, Aurel, der erst mit den herrlichen Schiffen - Malta's nahend dem Strand, die feinddurchwimmelte Gegend - Mächtig bestreichen ließ aus ehernen Schlünden und Mörsern! - Donnergebrüll' erscholl ringsum; aufwirbelte Sandstaub - Nah' und fern', und die Feind' entstürzten vor Schrecken den Reihen. - D'rauf verließ er den Bord mit fünfzig der tapfersten Ritter, - Tausend Kriegern gesellt, drang vor, und wüthete, mordend, - Jetzt in dem Rücken des Heer's. So wüthet die nächtliche Windsbraut - Durch das Föhrengehölz: der Eigner jammert am Morgen, - Schauend die Stämm' auf Stämme gehäuft, in grauser Verwüstung. - So im Gesicht von Lichtstein, so in dem Rücken von Malta's - Kühnem Helden bekämpft, ausriß in wilder Verwirrung - All' das unzählige Volk, und wandte nach Tunis den Lauf hin. - - Hairaddin trabte den stäubenden Weg mit den _Schrecklichen_ näher: - Also hieß er die Schar viertausend erlesener Türken, - Die er sich selber erlas aus den kühnsten und tapfersten Kriegern. - Wohl erwies sich ihr Muth; wohl waren die Muthigen furchtbar: - Denn wo es galt, und, gehemmt, die Wage des Schlachtengeschickes - Schwankte, da mußten sie vor, zu erringen des eisernen Feldes - Herrlichen Preis, und zu steh'n, muthfest, im Kampf der Entscheidung. - Als er den wirbelnden Staub, und im Staube die fliehenden Haufen - Gegen sich kommen sah: da erwog er im Herzen, noch zweifelnd: - Ob er den Schrecklichen erst die Losung gebe zum Morden, - Um in dem Blute der Feigen den Grimm zu sänftigen; oder, - Scheuend den Wankelmuth der Tunisier, heute noch schone? - Gleichwie im Aethergefild der schiffaufstürmende Luftball, - Jählings vom Flammenhauche gerafft, des mächtigen Windes - Wechselndem Strom' zu Beut' umfleugt, und nimmer des Schiffers - Leitung gehorcht, nun hier- nun dorthin schwebend im Luftraum - So, daß Grauen ihn faßt, und sinnverwirrender Schwindel: - Also wankt' er umher. Ihm nahete Muhamed Temtes - Jetzt mit dem flüchtenden Volk'. Er riß sich, ergrimmter, den Säbel - Von der Hüft', und schlug mit der Breite der Klinge den Feldherrn - Ueber die Stirne, daß ihm aus den Augen sprühten die Funken. - Aber der Sclave lächelte nur, und folgte von weitem: - Denn auch Hairaddin floh, und das Volk nachbrausete zahllos. - - Schon sank tiefer die Nacht; schon gaukelten kühlere Lüftchen - Ueber die See, und ringsumher aus unzähligen Augen - Sah der funkelnde Himmel, als die Reisigen Lichtsteins, - Kehrend, mit Staunen ersah'n, wie sie, nur im Blute zu ernten, - Hier die Garben gehäuft in des Todes entsetzlichem Saatfeld. - Auch die Helden des Felseilands mit dem kühnen Gebiether, - Kehreten heim in die meerumwogte Behausung (am Bord nur - Schlummert der Seemann süß) und dort aufzählend die Scharen, - Mißten sie dreißig, im Streit gefallene Krieger mit Wehmuth. - Also rang in dem Vorkampf jetzt der erhabene Kaiser - Gegen Hairaddins Macht, und der treffliche Lagergebiether, - Guasto, begann, im vereinten Müh'n unzähliger Krieger, - Dort die schirmenden Wälle zu bau'n, wo er forschenden Blickes, - Erst die Stell' erkor, auf welcher Karthago gestanden: - Auf daß ihr herrliches Bild, aus Schutt und Trümmern sich hebend, - Waffne des Kriegers Herz mit eisernem Muth' in der Feldschlacht. - Gegen den Salzthurm hin, im sternnachbildenden Vorsprung - Hob erlesenes Volk mit schimmernder Haue das Erdreich, - Dämmend, zum Wall. Vor ihm aufgähnte der dunkele Graben, - Und das ehrne Geschütz, von schnaubenden Rossen gezogen, - Rasselte näher, und stand alsbald, in gemessenen Fernen, - Aufgefahren umher, zu wehren dem feindlichen Andrang. - Schnell erfüllten des Lagers Raum die jauchzenden Krieger, - Dort zu erhöh'n in Hast die luftigen Zelte. Sie bohrten - Pfähl' in den Grund; dann spanneten sie die schimmernde Leinwand - Vom Querbalken des Daches hinab, an haftenden Pflöcken, - Gegen der Stürme Gewalt sie festigend, dieß- und auch jenseits. - Tausende standen erhöht, und flatterten, tönend, im Nachtwind. - Aber vor allen ragte das Zelt des edelen Kaisers, - Hochgewölbet, empor. Des höckergestalteten Lastthiers - Wolle schirmte von außen das Zelt g'en Wetter und Regen; - Innen deckte die Wände Damast, und ein eisernes Feldbett - Stand in dem Hintergrund', umhüllt vom seidenen Vorhang. - Aber mit Lächeln im Blick, der, rühmend, des Werkes Vollendung - Würdigte, sprach der Kaiser, erfreut, zu Guasto, dem Feldherrn: - »Herrlicher, so geling' es dir auch am kommenden Morgen, - Schnell die Schanzen umher an Goletta zu bauen! Für jetzo - Heiß' das Volk ausruh'n in des schirmenden Lagers Umwallung; - Nach gehaltener Rast empöre der fröhliche Krieger - Zahllos Flammen im Feld, bereite sein Mahl, und gedenke - Heiterer Lust: nur möge der Wall nicht ermangeln der Wachen; - Auch den Graben entlang mit hellumschauenden Blicken - Forschend, die Vorhuth steh'n. Ermüdet will ich hier schlummern, - Wenn nicht feindlich Geschrei mich weckt im nächtlichen Anfall.« - Sagt' es, und ließ sich, gehüllt in den wolligen Mantel, im Sandstaub - Nieder. Weder den schwellenden Pfühl, noch köstliche Speisen - Kannt' er im Feld': erduldend jegliche Noth und Entbehrung - Froh mit den Kriegern. Er lag in dem Kreis' umlärmenden Volkes - Dort auf dem Sand', und bald umfing ihn der liebliche Schlummer. - - Gleich dem brausenden Sturm flog jetzt der Römerbesieger, - Hermann, mit seinem Gefolg', aus Amerika's Fluren herüber: - Denn ihn lockte des Kampfes Getös' mit freundlichem Wohllaut. - Wie der muthige Falk', auf Beut' erpicht, in des Himmels - Blauem Gezelt nun auf sich schwingt, nun eilender abwärts - Fleugt, im wogenden Gras' und im schaurigen Dunkel des Fruchthains - Sie zu erspäh'n: so erforscht' auch Hermann das Lager. Sein Haupthaar - Quoll aus dem duftigen Helm ihm golden herab auf den Nacken, - Und des Ur's aufstarrende Mähn' umfing ihm die Schultern. - Muthig schwang er die Keul', und aus trotzigbläulichen Augen - Sah er herab, die jetzt, gleich flammenden Sternen, erglänzten: - Schauend Germania's Volk und den schlummernden Kaiser, des Volkes - Edelsten Hort. Er haucht' ihm, genaht, die erregenden Wort' ein: - »Ruhig schlummerst du hier im Kreise der Helden, Erzeugter - Meines gewaltigen Stamms! Von den fernen Meeren herüber - Kommen die Bothen des Siegs dir spät. Ich künde den Sieg dir - Nun zur Freud', und zugleich den Jammer der Wilden, zur Trauer. - Dein ist die Herrschaft der Welt: nie wendet die leuchtende Sonne - Mehr die Blicke von deines Reichs endlosen Gefilden. - Schon dient Mexiko dir; nun bändigt Peru, das Goldland, - Deß' unschuldiges Volk der Sonne Kinder sich dünket, - Dein Pizarro.[42] Er nahm Atahualba gefangen, den Inca, - Und erwürgt ihn vielleicht: nicht hunderttausende scheuend, - Nicht Millionen Volk's, von wenigen Tapfer'n umgeben, - Wild, und grausamgesinnt. O, hemme die wüthende Blutgier - Jener Verblendeten, die in dem Wahn, Halbmenschen zu würgen, - Also freveln! Ich sehe dein Herz erbeben dem Jammer, - Den die Ferne dir birgt. Ein gottbegeisterter Priester - Deines Volks,[43] der Kränz' erlesensten würdig, bewaffnet - Sich mit erhabenem Muth, die armen, ein rettender Anwald, - Kühn zu beschirmen: ihn höre: so wird unsterblicher Ruhm dir. - Schlummere ruhig und süß, in dem Kampf dir nah' ich ein Helfer!« - Dann aufschwang er sich rasch in die Lüfte: das tosende Lager - Hier zu erforschen, und dort des Feindes gewaltige Heersmacht. - Aber der Kaiser stöhnt' in dem Schlaf'; erhob von dem Boden, - Staunend, das Haupt, und sprach halbleise die Worte des Kummers: - »Künden, düsterer Ahnung vereint, auch Träume so schrecklich, - Meiner Krieger unmenschliche Wuth? Führ't, günstige Wind', ach, - Schnell das ernste Geboth der Schonung und christlichen Sanftmuth, - Das ich gesandt in dem eilenden Schiff, zu dem fernen Gestad hin!« - Lispelte so, und versank von neuem in lieblichen Schlummer. - - Jetzt nach gehaltener Rast erhoben sich wieder die Krieger: - Dürres Reis, und die Trümmer längstgestrandeter Schiffe, - Tragend herbei, unzählige Flammen im Feld zu empören. - Wie die Sternenheer' erglüh'n am nächtlichen Himmel, - Glänzten die Lagerfeuer umher. Da knüpfte der Reiter - Sorglich das Pferd an den Pflock, und both ihm den Hafer im Vollmaß; - Oder er brachte vom rieselnden Born, in räumigen Kübeln, - Ihm die erfrischende Fluth. Nicht enthob er ihm jetzo den Sattel, - Wie daheim, als ihm versiegte der Schweiß nach dem Ritte: - Denn in dem Felde gebeut des Augenblickes Entscheidung, - Fertig zu stehen zur Wehr' und zum raschvorstürmenden Angriff. - Andre besorgten den Brüdern das Mahl. Des eisernen Kessels - Rußigen Bauch umschlang die Loh', und die emsigen Krieger - Hatten das Reismus gar gekocht, die Hämmel gebraten, - Und vertheilet den Wein mit dem wohlernährenden Kornbrot - Jeglichem treu und gerecht. Bestrahlt von der freundlichen Flamme, - Schmaus'ten sie dort, und wechselten stichelnden Scherz und auch Possen, - Lautem Gelächter vermengt, und kriegerischtönenden Liedern. - Also war auftobender Lärm und Getös' in dem Lager. - Aber, gesondert im Kreis', kaum achtend des Mahles und Trunkes, - Oder des herzerfreuenden Worts, ergaben die Einen, - Heißerpicht auf Gewinn, sich dem trüglichen Locken der Würfel: - Schüttelten erst in der hohlen Hand die klingenden lang' fort, - Warfen sie dann querhin auf den weitgebreiteten Mantel, - Sah'n, und zähleten laut die gewinnaufweisenden Augen. - Andre langten die Karten hervor, vieljährigen Ansehns - (Hätt' ein Fremder doch kaum den Buben vom König, die Grünen - Kaum von den Rothen erkannt) vertheilten die klebenden Blätter, - Netzend oft mit der Zunge den Daum, von der Linken zur Rechten, - Allen umher, und spieleten Brand, und Bettel, und Mordbrand, - Mit aufschlagender Faust und fröhlichem, lautem Gelächter. - - Sieh', in dem einsamen Zelt, entfernt von fröhlichen Menschen, - Lag Toledo, verwundet am Arm; doch blutet' ihm heißer - Noch die Wund' in der Brust, versetzt vom grausamen Schicksal, - Das ihn so furchtbar jüngst der edelsten Gattinn beraubte. - Jen' empört' um ihn her die schwarzen Gebilde des Unmuths. - Grimmig umdrängten sie ihn, und weckten in seinem Gemüth nur - Angst und Verzweiflung: er lag, erblindet bei offenen Augen, - Dort auf dem Lager, und starrt' in die Nacht, und stöhnte vor Jammer. - Jetzt anlandete Kurd mit dem Kahn, und flog nach dem Lager, - Eilenden Laufes, herab. Ein »Wer da?« scholl ihm entgegen: - »Gut Freund« gab er zurück, und frug nach Toledo, dem Feldherrn. - Aber gewahrend des Mauren Tracht, und feindlicher Arglist - Denkend, führeten ihn zwei tapfere Krieger mit Vorsicht - Nach Toledo's Gezelt. Nun, dort den Leidenden schauend, - Wollten von seiner beklommenen Brust sich die Worte des Trostes - Lange nicht lösen. Er stand, erschüttert, und leise begann er: - »Hugo's Worte vernimm: »»Wenn hoch an dem Himmel der Vollmond - Strahlt, da berg' ich in Grabesnacht, errettet, Mathilden!«« - Und ich lenke dich dann zur Felsenhöhle des Oehlwalds.« - Forschend irrte Toledo's Aug' an dem seltsamen Fremdling - Auf und nieder: er sann, in düstere Träume verloren; - Aber ein leuchtender Blitz auf des Jammers nächtlichem Irrpfad - War ihm die Vollmondsnacht, der Fels, und die Höhle des Waldes. - Stöhnend hob er sich auf, und hing am Halse des Fremdlings, - Lautaufweinend. Ein Strom von glühenden Thränen benetzte - Diesem die Brust; er floh zum Strand', im gleitenden Fahrzeug - Heimzuschiffen, und dort der rettenden Stunde zu harren. - - Sinam sah schon lang vom ragenden Thurme Goletta's - Nach dem feindlichen Lager hinaus, und erbebte den Feuern, - Welch' unzählig umher aufloderten. Wie auf des Meeres - Sturmempöreter Fluth die, aus Wolken brechende Sonne, - Plötzlich die Wogen entflammt, daß sie endlos, hüpfend, erblitzen: - Also erschienen ihm dort die Lagerfeuer, unzählbar, - Und er dachte für heut' auf keine entscheidende That mehr. - Unmuthsvoll erforschte sein Herz der Hunnen Beherrscher - Attila; flog um ihn her, und reitzt' ihn mit stachelnden Worten: - »Sinam, unkriegerisch, träg, und feig', erbebst du den Feinden? - Wie, ist dem furchtbar'n Ueberfall nicht günstig die Nachtzeit, - Der, verderbender oft als blutige Schlachten, dem Gegner - Jammer gebiert? Wie schwach erscheinst du dem Volke; wie haßt dich - Hairaddins Seele hinfort, der dir vertraute mit Unrecht!« - So vernahm, im Geist, die dräuenden Worte des Geistes - Sinam, und blickte, verwundert, umher: wer also gesprochen? - Doch er fand sich allein; besann sich der Angst, und es färbte - Schnell sein blasses Gesicht der Scham hellröthendes Feuer. - Jetzo murmelt' er leis': »Ich, Thor, vergrüble die Zeit hier - Müßig. Wohlan, der kühne Gedank' -- er werde zur That jetzt!« - Sagt' es, und kam, und sprach zu Giaffar glühenden Blickes: - »Giaffar, stets entflammt dir die Brust die Heldengesinnung, - Daß du nicht Tausende scheu'st, wenn rings umdrängender Gegner - Schlachtruf schallt, und, empört, der Waffen Getümmel ertönet! - Siehe, schon schwinden umher die Lagerfeuer des Feindes, - Und schlaftrunken, vom Weine betäubt, hinsinken die Feigen! - Auf, wir stürmen in Hast mit den Janitscharen das Lager, - Und erwürgen das wehrlose Volk in dumpfer Betäubung!« - Jener begann: »Ha, nicht unwichtige Thaten ersinnst du, - Schlachtenerfahrener Greis! Bald tilgt, entsetzlich, im Nachtgrau'n - Unser Eisen die Schlummernden. Zwar in der Helle des Tages - Mir ersehnt' ich den Kampf, nicht auf nachtumhülleten Pfaden; - Dennoch will ich dir folgen: gebieth', und ich ordne die Scharen.« - Sinam geboth: aufflogen die mächtigen Thore Goletta's, - Und die gerüstete Schar zehntausend muthiger Krieger - Drang, von Sinam geführt, und Giaffar, eilenden Laufes, - Jetzt an die Wälle heran. So weit, als ehrner Drometen - Klang dem Horchenden tönet im Feld, noch waren die Krieger - Von dem Lager entfernt: da duckten sich alle zum Boden - (Sinam geboth's) und schlichen, gebückt, gleich listigen Füchsen - Welch', einkrümmend die Ruthe, mit weitvorgreifenden Pfoten - So, daß am Gras' ihr Bauch hinstreift, den stillen Gehöften - Nahen bei Nacht, um dort die befiederten Schläfer zu fahen. - Jetzo, der Vorhuth nah', aufsprangen die Scharen, und furchtbar - Tönete Allah-Geschrei, entsetzlich der Stürmenden Schlachtruf, - Und, dem Säbelgeklirr vermengt, das Schmettern der Büchsen. - Aber nicht schliefen die Schützen Tyrols: sie wachten, der Pflicht treu, - Als die erlesene Huth an dem Graben, und weckten im Lärmschuß - Eilig, den Wall entlang, die kühnen Gefährten zum Kampf auf. - - Giaffar stürmte der erst', und hieb dem kühnen Ramiro, - Führer des Schützenvolks, die Stirn' entzwei mit des Säbels - Sausendem Schlag: er sank, und verhauchte das Leben. In Trident - Sah er im Handlungshaus, an der Seite des grauenden Vaters, - Reichthum die Fülle gehäuft, der köstliche Waaren des Ostlands - Vom venediger Freunde bezog, und versandte nach Deutschland; - Aber ihn lockte zum Kampf gar mächtig der Kriegesdrometen - Schmetternder Klang, auf Afrika's fernen Gefilden, und freudig - Hofft' er, mit Siegeslorbern geschmückt, die heimischen Fluren - Wieder zu schauen, und dort die Tage der schöneren Zukunft; - Doch ihn ereilte des Todes Geschick, und lachenden Erben - Wurden die Güter zu Theil des, in Gram hinschwindenden Vaters. - Giaffars schreckliche Kraft, verstärkt von kühnen Gefährten, - Würgt' auf dem Wall noch drei tyrolische Schützen vom Innthal -- - Brüder, und stets in dem Heere genannt »das rühmliche Kleeblatt«: - Denn, als Jörg, der jüngste, zu Freundsbergs[44] Fahne geschworen, - Eilten auch Günther und Jost ihm nach, zu schwören den Kriegseid - Vor dem Vater des Volks, Freundsberg, dem Jeglicher hold war. - Immer hielten sie treu und fest zusammen im Leben, - Und wo im eisernen Felde Gefahr den einen bedrohte, - Bothen die andern die Brust zum Schilde dem Bruder, und dachten, - Liebend, des Bruders allein. Am herrlichen Tag vor Pavia - Knüpft' an die Heldenbrust der Tapfern ein ehrendes Zeichen - Freundsbergs Hand; doch jetzt im nächtlichen Grau'n, an des Grabens - Weitaufgähnendem Schlund verhauchten sie, kämpfend, das Leben. - Also hätt' in dem Ueberfall noch viele der Christen - Tod und Verderben ereilt, und der Feind erstiegen die Wälle; - Aber da brach Hardwin, der tapfere Führer der Schützen, - Hohes beschließend im Geist, durch Reihen der Gegner. Er hatte - Sinam erseh'n, der vor- die Würgenden trieb. Ihn zu tödten -- - So von den Brüdern zu fernen die Noth, vorbraust' er, und zückte - Rasch auf Sinam das Schwert. Doch Giaffar, schauend des Feldherrn - Grause Gefahr, entboth die Seinen sogleich, und sie flogen - Jenem zu Hülf'. Zwar fiel der Schützen gewaltiger Feldherr, - Salis, mit eiliggeordneter Macht dem Feind in den Rücken -- - Drängt' ihn zurück von dem Wall, und häufte Leichen auf Leichen; - Aber es wühlten in Hardwins Brust unzählige Säbel - Schon: der Tapfere sank, und lächelte heiter im Tod noch. - - Rogendorf, der stattliche Feldzeugmeister des Heeres, - Hörte des Kampfes Getös'. Er saß in dem einsamen Kriegszelt, - Trauernd noch stets um den Freund, den ihm entriß das Verhängniß; - Doch, wenn Schlachtruf scholl, und ihn hieß, unzähligen Feinden - Kühn entgegenzusteh'n: da blitzt' aus den finsteren Wimpern - Ihm der Muth, da brachte sein Wink dem Feinde Verderben. - Eilig erstieg er den Wall, und geboth dort jeglichem Wurfschütz, - Fertig zu harren des Winks zu feuern, mit mächtiger Stimme: - »Männer, vor allem gebeut uns die Nacht, dem Donnergeschütz erst - Ein untrügliches Ziel zu ermessen im finsteren Blachfeld. - Werf't aus dem Haubitzrohr Leuchtkugeln, sausenden Fluges, - Ueber die Feinde hinaus, zu erhellen die Gegend, und furchtbar - Wüthe sogleich das Donnerrohr in die wimmelnden Scharen.« - Sinnig erfand erst jüngst die erleuchtenden Kugeln der Feldherr: - Mengte den Salzen Harz, und Schwefel und Kohle dem Spießglas; - Dann umhüllt' er mit Werg das Gemeng', und rundete solches. - Jetzo des Brandrohrs Saum mit der brennenden Lunte berührend, - Warf der Schütz aus dem Haubitzrohre die leuchtenden Kugeln - Weit in die dunkeln Gefilde hinaus: sie erhellten, dem Mondlicht - Aehnlich, die Nacht. Wie entzündete Luft, urplötzlichen Fluges, - Schimmernden Sternen gleich, durchzieht den nächtlichen Himmel; - Oder vom lärmenden Kreis' der Jünglinge, tönend dem Faustschlag, - Ein gewaltiger Ball, den Rindesblase geschwellt hat, - Stolz in die Luft sich erhebt, dann senket: so flogen die Kugeln - Ueber dem Feinde dahin. Er staunte dem Wunder, und jetzo - Faßt' ihn erschütternde Furcht, als rings erhellet die Nacht war, - Die verrätherisch ihn preisgab nie geahntem Verderben. - Doch schon winkete Rogendorf: da brüllten auf einmal - Dreißig Schlünde vom Wall. In die wimmelnden Haufen geschleudert, - Warf der Achtzehnpfünder entsetzliche Wucht aus den Gegnern - Hundert zu Boden: die andern entfloh'n nach der Veste Goletta, - Schreiend, in keuchender Hast, nicht hörend die Stimme der Führer -- - Sinams Stimme nicht mehr, nicht Giaffars, die in dem Nachzug, - Einend das kühnere Volk, dem raschverfolgenden Gegner - Bothen die Stirn': denn Salis, der kühnen tyrolischen Schützen - Tapferer Hort, nachbrauste den fliehenden Feinden, dem Sturm gleich, - Der auf der Heid' im Herbst die bärtigen Disteln dahinjagt, - Und er kehrte nur spät von der blutigen Feindesverfolgung. - - Jetzt, vom Schlummer geweckt durch Kampfgetümmel und Schlachtruf, - Sprang der edelste Kaiser voll Hast vom nächtlichen Lager, - Nahte dem Wall, und sah, wie Rogendorf nach dem Feind hin - Sandte des Todes Geschoss'. Er winkt' ihm lohnenden Beifall, - Und begann vor Salis, und seinen Gefährten voll Huld so: - »Eure Stirn' umkränze des Ruhms niewelkender Lorber! - Muthig hab't ihr gekämpft: vor euren zerschmetternden Büchsen - Floh'n in Eile die Feinde davon. Zum Lohne des Sieges - Sollt' ihr auf jenen, so stolz sich erhebenden felsigen Höhen, - Wo in Karthago's rühmlicher Zeit die mächtige Hochburg, - Byrsa[45] stand, aufpflanzen die Fahn', und den Lagergenossen - Stehen zur Huth auf der weitumschauenden Warte des Landes.« - Und er kehrt' in das Lager zurück. Doch jauchzenden Rufes - Klommen, von Salis geführt, die tapferen Bergebewohner - Jetzo die Felsen hinan. Gern weilt der sinnige Bergfreund - Auf den luftigen Höh'n, wo er all' dem niedrigen Treiben, - Drängen, und Sorgen der Erd' entrückt, des Himmels Gefilden - Näher, so frei und selig sich fühlt; wo das sehnende Herz ihm - Höher im Busen schwillt: da er bald des wölbenden Aethers - Dunklerer Bläue staunt, bald tief in den schwindligen Abgrund - Starrt, und, mit Thränen im Blick des Waldstroms silberne Fluthen - Eilen sieht, und des schnellentfliehenden Lebens gedenket. - Ach, der Gebirgssohn hängt mit kindlicher Lieb' an der Heimath! - Wie, den Alpen geraubt, hinwelket die Blume: so welkt er, - Ihr entrissen, dahin. Stets sieht er die trauliche Hütte, - Die ihn gebar, im hellen Grün umduftender Matten: - Sieht das dunkele Föhrengehölz, die ragende Felswand - Ueber ihm, und noch Berg' auf Berg' in erschütternder Hoheit - Aufgethürmt, und glühend im Rosenschimmer des Abends. - Immer schwebt es ihm vor -- verdunkelt ist alles um ihn her! - Aengstlich horcht' er. Ihm däucht: er höre vom nahen Gehölz her - Wieder das Muhen der Küh', und hoch von den Alpen herunter - Glöcklein klingen. Ihn däucht: er höre das Rufen der Hirten, - Oder ein Lied der Sennerinn, die, mit umschlagender Stimme, - Freudig zum Wiederhall aufjauchzt Melodieen des Alplands. - Immer tönt es ihm nach. Ihn fesselt der lachenden Ebnen - Anmuth nicht; er fliehet der Städt' einengende Mauern, - Einsam, und schaut, aufweinend, vom Hügel die heimischen Berghöh'n: - Ach, es zieht ihn dahin mit unwiderstehlicher Sehnsucht! - - Aber im Osten schwebte der Mond mit strahlendem Antlitz - Ueber die Berg' empor. Auf des Meeres fernen Gewässern - Schwamm sein zitterndes Licht; er hellte des säuselnden Waldes - Dunkelen Saum, und goß den silbernen Schleier, aus Aethers- - Dufte gewoben, umher auf den sanftentschlummerten Erdkreis. - - - - - Siebenter Gesang. - - - Drüben am östlichen Himmelsthor erglühte der Morgen. - Schaurig wehte der Wind, und fuhr mit eisigem Odem - Ueber das Heer. Von dem lockigen Haupt und dem Mantel des Kriegers - Träufelte fort und fort der Thau gleich schimmernden Perlen, - Und verwandelt' in Grau die dunkele Farbe der Rosse, - Die, von Dampf umhüllt, mit schlotternden Seiten sich drängten: - Denn so glühend die Luft sich bei Tag auf Afrika's Fluren - Senkt, so ergreifend haucht sie den Frost aus der schwindenden Nacht - her. - - Dort nach dem Felsenhorst, den erst zum Lohne des Kampfmuths - Sich errangen die Schützen Tyrols, erhob sich der Kaiser - Jetzo mit Ludwig allein. Er schwieg. Die umdüsterte Vorzeit - Schwebte ihm vor: denn, ach, er trat Karthago's Ruinen! - Aermliche Dörfchen gewahrt' er nur: El-Mersa, und Melcha - Näher dem Meer' -- entfernter: Sidji-Mosaid, und Darilschut, - Ruhend, Oasen gleich, auf Karthago's wüsten Gefilden. - Stille herrschte umher in den Hütten des flüchtenden Volkes: - Denn o, furchtbar droht, und furchtbarer jede der Stunden - Vor dem nahenden Feindesheer' in entsetzlicher Kriegszeit, - Wenn, entrissen dem Schirm der väterlichwaltenden Obmacht; - Hingegeben empörter Gewalt, unbändiger Willkühr, - Und unleidlicher Schmach, der Mensch nach Rettung umherschaut: - Jetzo der Gegenwart, dann wieder der nächtlichen Zukunft - Schrecken ihn faßt, und vernichtende Angst ihm raubt die Besinnung! - Als sie erklommen des Felsens Höh'n: da schwebte die Sonne - Aus dem glühenden Meer mit rosenumhülletem Antlitz - Freundlich herauf. Ihr hauchten die Fluthen, ihr dampften die Berghöh'n - Lieblichen Opferduft empor; sie grüßten die Fluren, - Funkelnden Blicks, und, freudigen Lautes, die Hain' und die Wälder. - - Nicht, wie sonst, erfüllte des holderwachenden Morgens - Schimmer des Kaisers Brust mit Wonne der seligen Geister: - Denn beklemmt war heute sein Herz, und düstere Schwermuth - Hüllt' ihm die Stirn' in Nacht: er dachte die Tage der Vorwelt. - Sinnend irrte sein Blick von der steilabstürzenden Felswand - Nach den schimmernden Fluthen hinaus; der säuselnde Frühwind - Wiegt' am Nacken sein lockiges Haar, und wiegte des Mantels - Wogenden Saum. Nun setzt' er, entfernt von des Lagers Getümmel, - Sich auf den moosigen Stein, und sprach zu dem horchenden Jüngling: - »Siehe, so ferne dein gieriges Aug' erforschet die Fluren, - Rings den Felsen umher, wo Byrsa, die eherne Burg stand, - Lag Karthago, hehr, weitherrschend und mächtig verbreitet! - Aber nicht kündet der kärgliche Schutt, umwuchert von Mooswuchs, - Wo die Herrliche stand, und mit Staunen erfüllte den Erdkreis. - Wehe, sie sank, des blühenden Reichs gewaltige Hauptstadt, - Sie, der eisernen Roma zum Trotz, noch die Zierde der Welt, sank! - Blut durchströmte die Straßen umher; die prasselnde Flamme - Wüthete rastlos fort: im Schutt versiegte die Wuth nur. - Aber es lebt die Erhabene noch in der Kunde der Nachwelt. - Hehre Begeisterung schwellt den Busen des Sängers; nicht fremd mehr - Ist ihm des Helden Sinn, nicht die That, aus jenem geboren: - Ihr ertönt sein Gesang in vielfachwechselnden Weisen, - Die jetzt, brausenden Stürmen gleich, erschüttern des Hörers - Pochende Brust, und jetzt, wie liebliche Lüftchen des Abends - Säuselnd im Veilchenbeet, ihr sanfte Wonne gewähren. - Ha, Karthago lebt, und ewig ertönet ihr Nachruhm: - Meererforscherinn, Städt'- und Völkergründerinn heißend; - Lebt durch Hannibals Ruhm, des mächtigen, eidesgeweihten, - Furchtbar'n Rächer des Vaterlands, und blühet für immer - Ob dem erschütternden Muth: verschmähend die schimpfliche Knechtschaft, - Unterzugeh'n, auch im Falle noch groß, in würdiger Freiheit! - D'rum erhebe dein Herz, dem Guten und Wahren dich weihend: - Denn sie allein entführt der Zeit fortrollende Fluth nicht, - Und, umschwebend die Welt in ewigdauerndem Kreislauf, - Reichen sie dir zum Lohne den Kranz nie welkender Blüthen.« - Jetzt erhob er sich schnell, nach dem Lager zu kehren. Auch Ludwig - Säumte nicht; doch ihm quoll die Thrän' aus den blitzenden Augen: - »Wohl ist es schön,« so sprach er, »im Lauf enteilender Zeiten - Ueber der niedrigen Fluth, emporgehoben, zu stehen, - Und zu erringen den Kranz gefeierter Helden der Vorwelt; - Doch, ach, mich entreißt die sorgliche Liebe des Herrschers - Jeder Gefahr, und ruhmlos schwindet mir Leben und Thatkraft!« - Freudig erklang des Jünglings muthige Rede dem Kaiser, - Und er entgegnet' ihm so: »Schon nahet die Stunde, wo, kämpfend, - Du in dem eisernen Feld die Schrecken der Schlachten bestehen, - Und als Sieger, umjauchzt von tapferen Kriegesgefährten, - Kehren, oder im Kampf erliegen sollst für die Rettung - Tausender: ein's wie das and're erhebt; doch leitet die Vorsicht - Dich nach der Heimath zurück, dort blühet ein schöneres Feld dir - Ewigen Ruhms: durch Herrscherweisheit im Segen zu walten - Ueber ein glückliches Volk, und, also der Mit- und der Nachwelt - Frommend, im Segen zu seyn den spätesten Menschengeschlechtern.« - - Hannibal horchte mit Lust, wie ihn ehrte der mächtigste Herrscher. - Seit er dem irdischen Leben entrückt, unmuthigen Herzens, - Weilt' im dunkelen Raum des nachtumwölbenden Erdballs, - Sah er zum erstenmal die trauten Gefilde der Heimath - Wieder. G'en Zama[46] hinaus erhob er die glühenden Augen, - Starrt', und ballte die Faust des Jammers Gebilden entgegen: - Denn noch sah er die Miethlinge fliehn; durchbrochen die Reihen - Seines Volks, und, empört, die schreckliche Schar Elephanten - Wüthen im eigenen Heer -- entrissen auf immer den Sieg ihm: - Sah's, und wandte sich schnell nach Karthago's Stätte hinüber. - Aber wohin entschwand die Herrliche? Neidischverschlungen - Hatte der Strom der Zeit auch die letzten Maale des Ruhmes. - »War auch sie mit dem Römer im Bund'?« So seufzt' er, und hob sich - Eilig den Felsen hinan. Dort hört' er unsterblicher Thaten - Seelenentzückendes Lob aus dem Munde des edelsten Kaisers: - Ihm von der Stirn' entfloh'n des Unmuths düstere Wolken; - Heiterer blickte sein Aug', und der Groll, vom Römer empöret, - Schmolz aus seiner besänftigten Brust, wie schimmernder Frühreif - Schmilzt im sonnigen Strahl. Schon dacht' er, den Christen ein Helfer - Künftig im Kampfe zu steh'n: da naht' ihm jener im Eilflug. - Regulus sah auf den Felsenhöh'n um seinen Erwählten - Hannibals dräuende Näh', und wähnte: verderbende Täuschung - Sinn' er, ihm dort in die argloshorchende Seele zu hauchen. - Wie aus dem sonnigen Thal der rauberspähende Kondur -- - Er, der Riese des Geiergeschlechts, in sausender Schnelle - Hoch empor sich schwingt zu dem Wolkennest, zu erforschen: - Ob nicht Gefahr dort drohe den kreischenden Jungen? so naht' er, - Jetzo dem Kaiser im Flug, und wachte mit liebender Sorgfalt, - Wie er die Listen vereitle durch List, und vernichte die Täuschung. - Hannibal schnob, erneut vor Zorn: mit dräuenden Blicken - Schwebt' er davon, und sann dem Christenheere Verderben. - Doch in die Zeltenstadt heimkehrte mit Ludwig der Kaiser. - - Aber welch' Getümmel erschallt an dem Strande des Meers jetzt? - Gegen Zafrano hinaus, auf Bona's lieblichem Vorland, - Thürmt ein Cedernwald die dunkelen Wipfel g'en Himmel. - Noch in dem kühleren Hauch des sanftaufdämmernden Morgens - Schifften auf Ruderbooten dahin, von Guasto gesendet, - Tausend, des Zimmerwerks wohlkundige Krieger: zum Schanzbau - Stämme zu fällen. Da scholl in der hehren Stille des Morgens - Drüben des Beils dumpfschmetternder Schlag vom tönenden Stammholz: - Sausend entstürzte der Wald. Jahrhunderte sah er der Umwelt - Wandelbare Gestalt; er stand, und hob sich noch immer - Höher empor: nun streckt' ihn die grausame Schärfe des Eisens - Nieder: in Trauer gehüllt aufragte das kahle Gebirgsland. - Aber sogleich ersah'n die feindlichgesinneten Geister, - Schwebend vor Muhamed her, und Attila, welche Gefahren - Ihren Erwählten der Christ bereitete: Schauder ergriff sie. - Siehe, da flog Ellack, des Hunnenkönigs Erzeugter, - Näher, und rief dem Vater zugleich, und dem heuchelnden Seher: - »Schauet die Riesenschlange dort im Schatten der Felskluft - Liegen: Unsterbliche selbst erbeben dem schrecklichen Anblick. - Weck't sie vom Schlaf, und, empört, hintilgt sie die kühnen Gesellen!« - Muhamed sann umher; dann rief er den Zagenden also: - »Hebe dich, Muhameds Volk! Erhebt euch, Attila's Scharen; - Fahr't in des Unthiers Bauch, und erreg't dem Feinde Verderben!« - Jetzo im sausenden Flug hinstürzten die stürmischen Geister, - Schrie'n, und fuhren zugleich in des Scheusals umringenden Bauch ein. - Tief in der Felsenkluft, zum furchtbarn Knäuel verschlungen, - Lag die gräßliche Schlange (dem Rad, das, weichend des Bergstroms - Riesengewalt, den Mühlstein dreht, im Kreise nicht ungleich) - Schlummernd, und barg ihr Haupt in des Knäuels Mitte mit Vorsicht. - Nur im Dunkel der Nacht, nur selten im Lichte des Tages, - Kroch sie lauernd hervor, um ein sorglosweidendes Hausthier, - Rasches Gewild, und auch Menschen zu fah'n; da hieß es: ein Berggeist, - Hausend im Felslabyrinth des schauerumhülleten Waldes, - Habe verschlungen den Raub, und der Iman heulte Gebet' auf. - - Als die stürmende Schar, des Herrschers Winken gehorchend, - Im unleidlichen Drang die furchtbarn Ringe des Scheusals - Füllte: da hob es in zitternder Wuth das gräßliche Haupt auf, - Warf es im Bogenwurf in der Höhl' umher, und ihm zischte, - Flammengeröthet, die Zung' aus dem weiteröffneten Rachen. - Schrecklich erglühte sein Aug' aus den giftgeschwollenen Kreisen, - Und, gebläht, erfüllet' es ganz die räumige Felskluft. - Doch, als jetzo die Schar erboßtumtummelnder Geister - Selbes noch wüthender drängt', und stachelte, froh der Empörung: - Da durchfuhr's die entsetzliche Höhl' im sausenden Eilflug -- - Attila bebte zurück mit Muhamed: denn an dem Felsen - Stand es, emporgethürmt, hoch über dem Haupte der Cedern. - Heulend entstürzte die Schar holzhauender Krieger dem Dickicht, - Eilte zum Strand', in dem Ruderboot zu entfliehen dem Tod noch; - Aber nicht allen gelang's. Den Flüchtenden jagten die Geister - Jetzo das Ungethüm nach, und es warf sich ergrimmter zum Boden. - Weithin bebte der Grund; rings schwankten die luftigen Cedern, - Welche die schnellhingleitende Schlange berührt', und das Berggras - Welkte vor ihrem Flammenhauch, da Felsengeröll' ihr, - Stäubend, nachrauschte vom Berg; doch dort, vom Strande des Meeres, - Fest mit dem Schweif umschlingend die weitnachbeugende Ceder, - Schwang sie sich über die Fluthen hinaus. Ihr bläulicher Rücken - Blitzt' in dem Sonnenlicht, als, längs dem spiegelnden Meer hin, - Schlängelnd, ihr Schatten flog, und sieh', da erhaschte sie pfeilschnell - Eines der Boot', und warf's, mit schüttelndem Grimm, in den Abgrund! - Nichtigem Spielwerk gleich, das zürnend der Knabe zertrümmert, - Flog des Schiffes Gebälk mit lautem Gekrach aus den Fugen. - Trümmer und Leichen bedeckten des Meer's aufwirbelnde Fluthen; - Aber sie sank, ermattet, zurück, und rollt' an dem Stamme, - Ringelnd, sich auf: wie ein Seil umringelt den kreisenden Wellbaum, - Wenn von des Meeres Grund die gewichtigen Anker sich heben. - Und die Ceder erbebte der Last des lauernden Unthiers. - - Staunend vernahm der Kaiser den Lärm an Zafrano's Gestaden, - Blickte nach Ludwig hin, und dieser enteilte gewaffnet, - Rasch dem Gezelt; dann schifft' er auf Dorias herrlichem Fahrzeug - Eilig hinüber zur Bucht, wo, lauernd, das Scheusal der Ceder - Säul' umschlang. Er hielt, und sann, wie er solches bezwinge. - Sieh', und, brausenden Flug's, naht' ihm der edelste Römer, - Regulus: denn, begrüßend den ruhmverkläreten Schauplatz - Seines, der Weltstadt Rom heilbringenden Todes, gewahrt' er - Attila's Hohn, und Muhameds -- auch des gestachelten Unthiers - Wüthenden Grimm, und des Jünglings Angst! Da rief ihm der Geist zu: - »Denke des Regulus doch, der einst durch Schleudergeschosse - Hier die Schlange besiegt, und dem Volk Errettung gebracht hat!«[47] - Und es erhob sich sogleich das Bild des edelsten Römers, - Schimmernd, vor seinem Blick: denn laut entboth er die Krieger: - »Windet die Wucht des ehernen Donnerrohres an Tauen - Auf an den Bord; scharf ziele der fernhintreffende Wurfschütz, - Und zerschmett're das Haupt des unheilbrütenden Scheusals.« - Also geschah's. Wohl zielte der fernhintreffende Wurfschütz, - Wendend den ehernen Schlund mit dem leichtbeweglichen Richtkeil, - Senkte die Lunt', und wandte sich. Laut, mit Donnergetümmel, - Sauste die Kugel hinan, und riß den Wipfel der Ceder - Krachend vom Stamm: er bebt', und still verharrte das Unthier, - Daß es die Schiffenden näher gelockt, erhaschte; doch Ludwig - Sann hochrühmlichen Kampf. Ihm funkelten heller die Augen: - Denn er geboth dem Steuermann urplötzliche Landung, - Schwang sich hinaus, um dort, auf die Kniee gesunken, zum Himmel - Flehenden Blickes zu schau'n, und sieh', ein Glanz, wie im Nachtgraun - Flammt der Blitz, erhellete jetzo den schimmernden Luftraum; - Goß ihm freudigen Muth in das Herz, und hieß ihn nicht achten - Seines Volkes Geschrei; und als er den schrecklichen Degen - Hoch aufschwang: da glühte die Spitze des Eisens, wie nächtlich - Glühet die Wetterstang' im Gewölk, wenn rings in den Lüften - Gährender Donner wogt! Er drang auf das Scheusal beherzt ein. - Schauder erfüllte die Welt. In dem ödverstummenden Blachfeld - Scholl nur leises Gezisch des Lauernden. Jetzo dem Gegner - Flog's in schlängelndem Blitzesflug' entgegen, und strebte - Ihn zu erhaschen. Er wich ihm behend' nach jeglicher Seit' aus, - Stets abwehrend mit blinkendem Stahl des offenen Rachens - Dräuende Wuth; doch jetzt in die Luft aufschwang er den Degen, - Hieb, und trennte das Haupt von dem Rumpfe des scheußlichen Unthiers, - Der, entsinkend dem Stamm, mit Blut umhüllte den Boden. - Heulend vor Schrecken und Angst, entfloh'n die Geister, und eilten - Muhamed nach, und Attila: fern in ätherischen Höhen - Größeres Unheil noch zu ersinnen dem Heere der Christen. - Ludwig kehrte gepriesen, zurück: da liefen die Männer, - Jubelnd, zum Strand', und sah'n das kühnzerschmetterte Scheusal - Liegen im schwärzlichen Blut, und zucken, und schauern im Tod noch, - Schaudernd sie selbst: denn gräßlich war es noch immer zu schauen. - Dann mit des Waldes Raub belastend das räumige Fahrzeug, - Eileten sie, zu erbau'n die vest'umzingelnden Schanzen. - - Wohl von den Reihen beschirmt gewaffneter Brüder -- nicht achtend - Dicht im Donnersturm' hersausender Feindesgeschosse, - Grub an den Schanzen das Volk, und, wo in dem sandigen Boden, - Hügelnd, kein Damm sich hob, und den kreischenden Spaten des Aufwurfs - Sinkende Last stets wieder ereilte: da fügten die Krieger - Stämm' auf Stämme, dem Wall zur dauernden Stütze. Den Weiden - Raubeten andre ihr schlankes Gezweig, und flochten die Schanzkörb', - Welch', erfüllet mit Sand, und erhöht auf dem Damme, den Wurfschütz - Und die Donnerschlünde zugleich beschirmten im Feuer. - Also erbauten sie drei, verderbendräuende Schanzen - An Goletta umher, in Gestalt des wachsenden Mondes, - Wenn er, silbergehörnt, hinschwebt am sternigen Himmel. - Rechts an den Oehlbaumwald, und links an den felsigen Meerstrand, - Stieß ihr Horn, und umkreiste nur halb die trotzende Festung: - Denn auf dem Meer' umfing sie, dem silbergehörneten Mond gleich, - Wieder die Schiffheersmacht: aus ihres verehrten Gestirnes - Bild, ihr kam der Jammer gesandt, und die grause Vernichtung. - Aber das ehrne Geschütz, von schnaubenden Rossen gezogen, - Rückte zögernd heran; die Räder, im Sande versinkend, - Knarreten unter der Wucht, und Schaum bedeckte die Rosse. - - Guasto, im Ehrengefolg zu Thaten gerüsteter Feldherrn - Nahend, rühmte des Werk's ersehnte Vollendung, und sagte: - »Dreißig eherne Schlünd' und zehn bomb'schleudernde Mörser - Schirmt Alarkon, der Held, in der mittleren Schanze voll Thatkraft, - Und ihm gehorche die Schar viertausend hispanischer Krieger; - Aber, nicht minder an Zahl, erfüllen die Schanz' an dem Meerstrand', - Niederländern gesellt, Lusitania's Krieger: ihr Hort sey - Ludwig, der tapfere Fürst; doch jen' an dem säuselnden Oehlwald - Sey fünftausend Wälschen vertraut, und mein ist des Volkes - Schirmende Huth. Das ehrne Geschütz, in jeder an Zahl gleich, - Und an verderbender Macht, entsende zur Veste Vernichtung.« - Aber nicht dacht' er im Ernst die Schanze der Wälschen zu schirmen: - Denn er versuchete nur den tiefverwundeten Helden - Sarno, den er der Feigheit zieh im unseligen Walten - Raschauflodernden Zorns, und nimmer lächelte seither - Sarno's trauerumflossenes Aug'. Empört in dem Busen - Trat er nun aus dem glänzenden Kreis', und sagte zu Guasto: - »Wolltest du mir, erlauchter Gebiether, die Stelle vertrauen - Dort am Olivengehölz, zunächst dem feindlichen Andrang: - Daß sich erweis' in der That, ob ich feig' erbebte dem Gegner?« - Guasto's Aug' umwölkte die Thrän'; er sagt ihm dagegen: - »Edler, die Schanz' am Olivengehölz, dem feindlichen Andrang - Näher, sey dir vertraut zum Gewinn unsterblichen Ruhmes. - Ha, nicht des Wortes mehr, des unseligen, das in dem Zorn mir - Jüngst entfuhr, gedenk': den Tapferen ziere die Großmuth!« - D'rauf both er ihm noch freundlich die Hand, und eilte von dannen: - Denn schon füllten den Raum der vest'umzingelnden Schanzen - Treffliche Völker im Freudengejauchz', und rings von den Wällen - Gähnte der ehernen Schlünd' entsetzendräuende Mündung. - Aber vor allen ereilten, im hurtigen Laufe die Krieger - Sarno's ihr Ziel: sie erhob des wiedererheiterten Feldherrn - Siegverkündender Blick, den lange die Trauer umhüllte. - Dort auf des Wall's vorspringendem Horn erhöht' er voll Hast nun - Seines Volkes Panier, das blutroth auf in den Lüften - Flatterte; sah vom gehügelten Wall, mit steigender Sehnsucht, - Nach der Pläne hinaus, zu erspäh'n die feindlichen Scharen. - Tausende sollten ihm nah'n: er hatte beschlossen zu sterben. - - Jetzo wäre der Donnerrohr' und der ehernen Mörser - Schreckliche Wuth um Goletta erwacht; doch, sausenden Rittes, - Sprengte der Kaiser heran; ihm folgte der tapfere Alba, - Diesem die Heldenschar zweihundert Reiter, und schimmernd - Wehte das Friedens-Panier vor den Eilenden: denn in dem Busen - Schlug ihm das Herz voll Huld und menschenfreundlicher Schonung. - Nahend den Feuerwerkern im Flug', erhob er die Stimme: - »Haltet ein! Nicht ertöne des Krieg's entsetzlicher Mordruf, - Der in dem blindumwüthenden Grimm so vielfach des Jammers - Opfer häuft, und so viel schuldlose Herzen zermalmet, - Eh' denn Alba gekehrt aus dem feindlichen Lager. Wir biethen - Auf errungenem Feld, zu furchtbarer Rache gerüstet, - Ihm versöhnend die Hand. So er, taub, und rasend im Unsinn, - Von sich stieße die Hand, und verschmähte des Friedens Bedingniß: - Dann auflodere ringsumher die Flamme des Krieges.« - Sieh', und den stachelnden Sporn in die Seiten des Rosses versenkend, - Flog nun Alba davon mit seinem erlesenen Häuflein -- - Flog, wie ein Sturm die Heide durchtobt! Doch jetzt, von Goletta - Kommend, scholl ihm Getös' und Waffengerassel im Rücken. - Sinam war's, der schnell mit tausend maurischen Reitern - Nahete: denn er sah in dem Wind das schneeige Fähnlein - Flattern: des Friedens Bild, den er ersehnt' in dem Busen - Ob der Schätze daheim besorgt im grauenden Alter. - »Hemmet die Roß', ihr Christen,« so rief er, »den sühnenden Herold, - Wenn mich das Auge nicht triegt, gewahrt' ich in eurem Gefolg dort! - Kündigt er uns, wohlweise berathen, die Worte des Friedens?« - »Ja,« sprach Alba beherzt, »wir bringen euch heute den Frieden; - Nehmt ihn getrost: denn besseren Rath ersinnet ihr nimmer!« - Jener lächelte Hohn; doch hing in dem brausenden Ritt oft, - Seitwärtsblickend, sein staunendes Aug' an dem christlichen Feldherrn, - Der im schimmernden Waffenschmuck, ein trefflicher Reiter, - Eisern im Sattel saß, und stolzverstummend dahinflog. - Jetzo die Straßen entlang von Tunis, im Donnergalopp fort - Jagte die Schar, und das wimmelnde Volk lief ihr mit Geschrei nach: - Denn wie im sonnigen Lenz, wenn voll von duftenden Blumen - Pranget der Hain, und pranget das Feld und der zierliche Garten, - Zahllos summen in würziger Luft die geschäftigen Bienen: - Diese, mit goldner Last an jeglicher Seite beladen - Kehren, im Korb zu erbau'n die künstlichen Zellen; die andern, - Ihm entschwirrend in Hast, fortzieh'n, auf den blühenden Matten - Lieblichen Honigseim mit zart eindringendem Stachel - Aus dem duftenden Kelch zu saugen, und kehren, und ziehen - Sonder Rast: so war des unzähligen Volkes Gewimmel. - - Ueber der lärmenden Stadt, in Barda's[48] Zaubergefilden, - Wo die herrliche Sommerburg die goldenen Zinnen - Aus dem dunkelen Grün umsäuselnder Hain' in die Wolken - Thürmt, verweilte Hairaddin jetzt, und ordnete kundig - Heeraufstellung und Kampf, im Kreise der horchenden Feldherrn. - Dort im luftigen Saal, auf schwellende Pfühle gesunken, - Sprach er mit Salek, und sprach mit Dragut und Muhamed Temtes, - Eifernd, als Pferdegetrab in die Ohren ihm scholl, und die Nachricht - Kam: ein Friedensboth' erscheine der christliche Herold. - Sieh', ein Wink fuhr ihm, wie ein Blitz, aus den finsteren Wimpern, - Und im Waffengeklirr aufkrachten die Thüren; des Vorhangs - Purpur flog zur Seite gerollt: denn plötzlich umringten - Hundert Janitscharn, geführt von Hassan, dem Aga, - Schirmend des Herrschers Thron, und sah'n, verschlingenden Blickes, - Hin nach dem Fremdlinge, der an Sinams Seite herankam, - Und dem Throne genaht, erhob die muthige Stimme: - »Dir, großmächtiger Herr, entbiethet der Kaiser der Deutschen, - Und Hispania's König, durch mich, den Herzog von Alba, - Freundlichen Gruß, und sendet, noch ehe der würgende Schlachtruf - Tunis Gefilde durchtobt, dir sanfte Worte des Friedens, - Daß unzähliger Völker Glück dem deinen vereint sey! - Nicht gedenket er, dir zu entreißen die Krone von Algier; - Aber er heischt, zum Ersatz, für Hassan jene von Tunis, - Die er, erst jüngst, mit heiligem Eid, ihm wieder zu schaffen - Schwur, aufbiethend unendliche Macht. Auch sollst du in Freiheit - Ziehen mit deinem Volk; entführen die Schätz' und die Waffen, - Wenn du zuvor den Christensclaven die Bande gelöset, - Und gelobet ihm hast, zu entsagen der schrecklichen Willkühr, - Die nur auf Menschenraub und Plünderung gründet die Herrschaft. - Frei ist das Meer: ein Bild der ewigen Vorsicht, umher, rings, - Hält es die Erd' umfaßt! Auf seinen unendlichen Bahnen - Fliege des emsigen Kaufmanns Schiff, mit schimmerndem Fittig, - Schnell von Port zum Port, im völkerverbindenden Handel - Freudig den Segen der einen Welt der andern zu spenden; - Willig trag' es, wenn Noth es erheischt, ein muthiges Kriegsvolk, - Das sich erhob, des Wüthrichs Macht zu begegnen -- zu wehren - Unterdrückung und Schmach, im blitzebewaffneten Bollwerk - Hin zum sicheren Sieg; doch mög' es, empört, in den Abgrund - Schleudern das Schiff und den Räuber zugleich, der schnöden Gewinns - froh, - Seine Fluthen entweiht, der Knechtschaft Opfer zu häufen! - Unsere Losung sey: des Meers allsegnende Freiheit!« - Dunkelröthliche Gluth flammt' auf in den Augen des Wüthrichs, - Als er die Worte vernahm; er schwang auf dem purpurnen Pfühl sich - Rasch herum, und ballte die Faust, und knirscht', und begann so: - »Ha, verwegener Christ, so trotzest du mir in das Antlitz? - Fluch sey dir, und auch ihm, der dich gesendet! Hinweg -- stirb!« - Jetzo ereilt' ihn der Tod auf hundert blitzenden Säbeln, - Rief nicht Sinam dem Volk: »Vergreife dich nicht am Gesandten!« - Alsbald bebt' es zurück. Da stand voll ruhiger Hoheit - Alba, und starrte mit festem Blick dem Wüthrich in's Antlitz, - Der, erblassend dem Blick, verstört zum Boden hinabsah. - Stille herrscht' in dem Saal, und lange noch starres Entsetzen. - Aber der Milde bedacht, sprach Sinam: »Erwählter des Himmels, - Seiner Gläubigen Hort, und Liebling des großen Propheten, - Schone des Herolds: denn wie die Laute mit tönenden Saiten - Lautlos schweigt, bis ihr, nun frohe, nun traurige Weisen, - Wechselnd, des Künstlers Hand entlockt: so hat er auch jetzo - Nur getreu verkündet das Wort, das Herrschergewalt ihn - Sprechen hieß. Nur den verfolg', ein furchtbarer Rächer, - Der ihn gesendet zu dir, so er stolz verschmähte den Frieden, - Welchen du noch aus dem Born reichströmender Huld ihm gewährest.« - Hairaddin rief: »Wohlan, vernehmet es, was ich beschlossen! - Erst schafft ihr in Banden herbei den schwarzen Verräther, - Muley Hassan, der, Ungläubigen selber zum Spott nur, - Feig der Rach' entrann. Auch hundert der größeren Schiffe - Möget ihr ohne Verzug uns geben als rettende Sühnung, - Daß ihr noch frei heimkehrt, und entflieht der grausen Vertilgung. - Säumtet ihr, dann Weh' euch: denn Hunderttausende harren, - Voll blutlechzender Gier, der schrecklichen Losung des Mordens - Nur, und ihr werdet vor ihnen wie Spreu vor dem Sturme zerstieben!« - Und er entließ ihn jetzt mit schnödem Winke der Rechten; - Blickte nach Dragut dann, und wieder nach Muhamed Temtes, - Lächelnd. Er that, als acht' er ihn kaum, und ihm bebte das Herz noch - Wegen des todverachtenden, mutherhelleten Blickes, - Der ihm die Tiefen der Brust, gleich flammenden Blitzen, durchbohrte. - Aber noch weilte der Held, und sprach zu dem Herrscher noch einmal: - »Gönnet mir gnädig Gehör! Die Gattinn des edelsten Feldherrn - Schmachtet, seiner beraubt, in Draguts harter Gewahrsam; - Doch er gebe sie frei; die Lösung heischend nach Willkühr, - Daß sie des Wiederseh'ns unnennbare Wonne vereine.« - Schnaubend vor Zorn erhob sich Dragut, und rief ihm entgegen: - »Ha, du biethest mir Gold für sie, die schön ist wie Houris[49] -- - Gold, das mir zur Beut' Europa gespendet? Ich wähnte, - Kommen wird der Gemahl, das Weib zu ersiegen im Zweikampf. - Liegt ihm Tunis zu fern? Erzähl' uns, ist er so furchtsam?« - Alba, des Spötters nicht achtend, ging. Der edlere Sinam - Folgt' ihm schweigend, und gab, an dem Thor, die maurischen Reiter - Ihm zum Geleit, fern über Goletta hinaus zu dem Wall hin. - Hairaddin hob sich ergrimmt von dem Pfühl, und sagte den Feldherrn: - »Eilt an das blutige Werk, und sucht im stürmischen Angriff, - Heimlich und offenbar, in der Kühle der Nacht und des Tages - Menschen- und thier'ermattender Gluth, dem Feinde zu schaden, - Bis die vereinte Macht unzähliger Bundesgenossen - Uns auf das Schlachtfeld ruft, zum schrecklichen Kampf der - Entscheidung!« - Jeglicher eilte zum Heer; doch Dragut, empört in dem Busen - Flog zu Mathilden heim, zu Toledo's unglücklicher Gattinn. - - Ach, sie duldete dort jetzt unaussprechlichen Jammer! - Wie die Rose, dem wonnigen Lenz entfaltend die Knospen, - Rings Entzücken weckt, und freudiges Staunen: so war sie; - Aber, der Lilie gleich, da auf ihre, noch sprossenden Blüthen - Sengender Mehlthau fiel, hinschwand die zarte Gestalt nun, - Nahe dem Leidensziel', in des Lebens herber Vollendung: - Denn nicht ahnte sie noch in der Stund' entsetzlicher Trennung - Von Toledo, die größere Qual: dem Kranken nicht ungleich, - Der in des Fiebers Gluth, von Schreckgebilden umgeben, - Noch die Schmerzen nicht ahnt, die bald, nach der Wiederbesinnung, - Seinen, vom Fieber entfesselten Leib empfindlicher stacheln. - Erst in Draguts Gewalt, des Wüthrichs, gewahrte sie, bebend, - Fülle der Schmach, wo seine, nach ihr verlangenden Augen - Sprachen, sein Mund ihr rief: sie werde, des Kindes genesend, - Lagersgenossinn ihm seyn. Da schwand ihr plötzlich der Hoffnung - Letzter, leitender Stern vom graunumnachteten Himmel; - Furchtbar gähnte vor ihr der Abgrund; schauderergriffen, - Bebte sie matt und matter zurück, und Ströme von Thränen - Kühlten das brennende Weh' in ihrer zerrissenen Brust nicht. - - Hugo, der Treue, gewahrt', und hörte den Jammer Mathildens. - Völlig war ihm gebrochen das Herz vor lastender Wehmuth; - Dennoch log sein Greisengesicht stets heiteren Trost noch: - Daß nicht dem wankenden Stamm die einzige Stütze geraubt sey; - Doch als nun der Kaiser mit Heeresmacht vor Goletta - Stand, den Regulus ihm als Retter verheißen: da schien ihm - Blauer die Luft, die Sonne viel glänzender, grüner das Erdrund; - Da durchzuckt' ihm das Herz der Freude verjüngendes Feuer, - Und er stürzte herein, und rief der Dulderinn also: - »Segen mit dir! Erheitere schnell dein trauerndes Antlitz: - Draußen am Strand erschien der Christen unendliche Heersmacht, - Hairaddins Frevelgewalt zu vernichten im Kampf der Entscheidung, - Und wo Siegsruhm winkt, auf dem Felde der Ehre, da sollten - Wälschlands Helden nicht seyn? Nicht mit ihnen der edle Toledo? - Hört' ich es -- hört' ich es nicht: er sey zugegen? Er ist es. - Himmlische Wort', o möchten sie Muth und freudige Hoffnung - Wecken in deiner Brust! Dem Jammer mußte sein Ziel steh'n; - Kränze des Sieg's reicht euch, erbarmend, die ewige Vorsicht - Nun am Ziel, in der Wonne der seligen Wiedervereinung.« - Staunend erst, dann zürnend vernahm Mathilde des Greises - Jubelnde Worte. Sie wähnte betrübt: unwürdigen Scherz nur - Sinne der Greis; doch jetzt entzückenstrahlende Wahrheit - Schauend in seinem Gesicht, ergriff sie vernichtender Schrecken. - Bleich entfuhr sie dem Stuhl, ihr bebten geöffnet die Lippen, - Wankte näher, und stand, und hielt den pochenden Busen, - Aechzend; wankte zurück, und starrte durch quellende Zähren. - »Wie, und du weinst?« sprach Hugo erstaunt, »das gönnt' ich dir endlich: - Denn oft stillet die Thrän' unendliches Weh' in dem Herzen; - Aber nicht Thränen der Freud' ersieht mein Aug' in den deinen, - Die es zu sehen gehofft, und ach, vergeblich gehofft hat!« - Und sie begann: »Nicht Thränen der Freud' erblickst du für jetzt noch, - Redlicher; doch versiegen wird nun jene des Kummers! - Nein, ich weine nicht mehr: denn soll ich den Ewiggeliebten - Wiederseh'n, o, dann, dann werden die heißesten Wünsch' all' - Mir in dem einen gewährt: daß ich sterb' an dem Herzen Toledo's!« - »Ach,« so schluchzte der Greis, »den Tod ersehntest du jetzo? - Heimwärts schiffet ihr bald, und spät im grauenden Alter - Schlummert ihr beide beglückt zum schöneren Leben hinüber!« - Aber sie schüttelt' ihr Haupt, und begann in sinnender Schwermuth: - »Wie die unschuldige Taube, verscheucht, und im Fluge gemordet - Von dem schmetternden Blei, ihr Nestchen verödet zurückließ: - So aus der öden Brust entfloh mir die Hoffnung für immer; - Nie kehrt sie mehr zurück. Des Ewigen Wille geschehe!« - Und noch hellere Fluth entstürzte den Augen Mathildens. - - Jetzt ertönte Geräusch, und Dragut, der Schreckliche, stürmte - Hastig herein: sie erbebte vor ihm, und wandte sich seitwärts. - Häßlicher noch von der Wund' im Gesicht', die gestern Toledo - Ihm versetzte, begann er vor ihr mit grimmigem Lächeln: - »Thränen umhüllen dein Aug', nun dir der zärtliche Gatte - Nah' ist? Die Schulter durchrannt' ich ihm, kämpfend, erst; von dem - Nacken - Hätt' ich gehauen sein Haupt, und dir vor die Füße geworfen; - Wär' er nicht feig entfloh'n vor dieser gefürchteten Rechten.« - Flammende Röth' umzog die Lilienwangen der Edlen, - Und sie erhob die, sonst zur Erde gehefteten Augen - Ob des schmähenden Wort's nun stolz, und voll kühner Verachtung - Gegen den Wüthrich, und schwieg. Da sprach er von neuem ergrimmter: - »Wähn't ihr thöricht im Geist: wir sollen erliegen im Schlachtfeld - Euerem Volk? Welch eiteler Wahn! Und sollt' es geschehen, - Dann, ich schwör' es zu Gott und dem großen Propheten, erwürg' ich - Dich mit eigener Hand, eh' dich dein Gatte mir raube!« - Also droht' er, und ging. Mathilde erforschte den Treuen, - Aengstlichen Blicks; sie rang die Händ', und sagte vergehend: - »Seine Schulter durchrannt von Draguts tödlichem Eisen? - Weh', er starb: nicht an seiner Brust verhauch' ich das Leben!« - Hugo spähet' umher, und sagte mit leiserer Stimme: - »Traue dem Lügner doch nicht. Toledo's blitzendem Degen - Wär' er genaht, und lebete noch? Bald leuchtet der Vollmond - Dir auf dem nächtlichen Pfad zur Felsenhöhle des Waldes. - Staune nicht so: das Schiffchen harrt, und trägt dich, errettend, - Ueber den See, Toledo's geöffneten Armen entgegen.« - »Hugo, und du,« sprach jene bewegt, »willst du mich verlassen?« - Unstät irrte sein Blick umher, dann sprach er im Abgeh'n: - »Lauern des Wüthrichs Späher nicht auf? Nur diese zu täuschen, - Harr' ich des Morgens noch, und werde dir, Gütige, folgen.« - Sagt' es, und ging voll Hast, als drängten ihn wichtige Sorgen; - Aber sie stand, und bebte: sie hatte den Treuen errathen. - - Drüben im Lager vernahm der Kaiser von Alba mit Staunen - Hairaddins Trotz: wie er ihm auf Tod und Leben den Kampf both. - Ernst umwölkte sein Aug', und jetzt, erhebend den Degen, - Hieß er beginnen den Sturm, von den Wällen umher, auf Goletta. - Sieh', als wären der Hölle zugleich entronnen die Schrecken - All', so wüthete Lärm und Getös' um die Veste! Der Wurfschütz' - Rührte des Brändchens Rohr mit der Lunt': im bläulichen Rauch flog - Flamm' empor; zurück, dann eilender wieder zur Stelle - Rollte der eherne Schlund, und warf durch Feuer und Flammen, - Donnernd, im Bogenwurf die Kugel zur Veste hinüber. - So von den Schanzen, und so von dem Meer hinsausten die Kugeln; - Aber nicht minder zurück von dem Wall der trotzenden Festung - Sausten sie hin und daher, voll Grau'ns: denn hoch in des Himmels - Bläulichem Zelt durchkreuzten sich oft die feindlichen; bebend - Drönte die Erd' umher, und laut aufheulte der Luftraum. - - Herrschend mit Allmacht saß die goldenstrahlende Sonne - Nun auf ihrem mittäglichen Thron, und schleuderte rastlos - Glühende Pfeil' auf Afrika's Sandgefilde herunter. - Nicht die befiederten Sänger der Luft, nicht das zahmere Hausthier, - Noch das Gewild, belebten die Welt; sie suchten des Hofraums - Schatten, die Nacht der Höhl', und des säuselnden Waldes Umlaubung. - Auch der Städter zugleich, und der niedrigen Hütte Bewohner - Schlummerte sorglos jetzt in der Kühle der dunkelen Kammer. - Aber nicht weht' in des Lagers Raum erfreuende Kühlung, - Wo das luftige Zelt nicht schirmte den lechzenden Krieger - Gegen den glühenden Hauch des Tag's, und nirgend ein Bäumchen, - Nirgend ein Strauch ihm both die Zweige zum schattenden Obdach. - Schweraufathmend und träg', umwandelten dort auf dem Walle, - Und den Graben entlang, die Wachen; des blanken Gewehrs Last, - Sonst dem Krieger ein Spiel, lähmt' ihm den Arm und die Schulter. - Düster blickte sein Aug' aus den halbgeschlossenen Liedern - Hinter dem glühenden Helm hervor; in gewichtigen Tropfen - Rann ihm der Schweiß von der schmerzgefalteten Stirne herunter, - Und die schmachtende Zung' erstarrt' an dem trockenen Gaumen. - Deutschlands Söhne, vor allen zuerst, entnervte der Sonne - Sengender Strahl: sie wähnten sich all' in der Fremde verloren. - D'rum rief Siegmar jetzt, der Hesse, zu Walther dem Bayer: - »Welch ein Geschick ereilt uns hier in dem Lande des Fluches: - Wären wir nie ihm genaht! O Deutschland, edele Heimath, - Schön vor jeglichem Land, das rings im kreisenden Umschwung - Irgend die Sonne bescheint! Den Deutschen, der dich nicht ehrte -- - Liebte vor jeglichem, ha, den treffe nur Schmach und Verachtung! - Siehe, wie lästig dahier der ewigheitere Himmel - Lächelt, und o wie entzückt mich dort des stürmischen Winters - Ernste Stirn', umhüllt von schneebelasteten Wolken: - Denn sie entschütteln die Last, und ringsum schimmert die Gegend - Hell bei Tag und bei Nacht, im Sterngefunkel und Mondglanz. - Eisern faßt mich am Morgen sein Hauch, und unter den Sohlen - Knarrt der Schnee; mein Odem wallt, gleich Nebeln, um mich her. - Bald ergreift mich die Lust, mit höherer Gluth auf den Wangen, - Hinzugleiten auf spiegelndem Eis, das unter den Schlittschuh'n - Ehern tönt; bald spann' ich mit Freuden das schellenbekränzte, - Dampfende Roß an den Schlitten, und flieg' in dem windenden Thal hin - So, daß das frohe Geklingel umher von den Bergen zurückhallt; - Doch heimkehrend, erseh' ich, bewegt, wie im rosigen Abend - Glühen die Berg', und fern' im Gefild vom lastenden Schneedach - Wirbelt die Säule des Rauchs, der dort mich zu Freuden des Lebens - Ladet im Kreise der Lieben, beim herzerheiternden Festmahl. - Deutschland, edeles Land, stets sollst du vor jedem mir werth seyn!« - Unmuthvoll ihm sagte darauf der mürrische Walther: - »Froh gedenkst du des Schnee's, und der Freuden des eisigen Winters - Nun; doch kühlest du mir die Gluth der schmachtenden Brust nicht.« - So besprachen sich dort die tapferen Kriegesgefährten. - Auch die muthigen Ross' erschlafften des heißeren Mittags - Glühendem Hauch: sie beugten, und hoben ihr Haupt in die Luft auf, - Rastlos; suchten, gedrängt im Kreis', des eigenen Schattens - Kühl', und stampften, und scheuchten, gequält, die lästigen Fliegen - Sich mit dem tönenden Schweif, von der Seit' und dem zuckenden Bauch - fort; - Aber nur gieriger summten sie auf, und kehrten erboßter. - - Muhamed sah vom Gewölk, wie Salek, der listige Feldherr, - Ordnend den Hinterhalt, von Goletta herüber im Hohlweg - Mächtige Scharen barg, und mit tausend numidischen Reitern, - Spähend den Wald entlang, herzog dem Feinde zum Unheil. - Jetzt auf dem Wall erblickend die Wache besorgenden Christen, - Hemmt' er, vor Angst erbebend, den Zug, und wäre geflohen. - Doch, wie die lauernde Spinne hervor aus dem Winkel am Fenster - Dorthin fleugt, wo im schwebenden Netze die Fliege, gefangen, - Nun vergeblich sich müht zu entkommen den klebrigen Fäden: - Denn sie ergeußt der Bande noch mehr, sie ganz zu umspinnen: - Muhamed stürzete so zu Salek herunter, und nimmer - Konnt' er entflieh'n, bethört von des Geistes verderbenden Worten. - »Salek,« so rief er ihm zu, »die Söhne der Fremde besiegte - Frühe schon Hitz' und Durst; erkämpfe den leichteren Sieg dir - Heut' in dem furchtbar'n Hinterhalt! Du lockest des Feindes - Tapferen Hort, der dort umwandelt in sinnender Schwermuth, - Durch verstellete Flucht in des Hohlwegs tödliche Falle.« - Also der Geist. Da flog, gehorchend, der Zögernde vorwärts. - Sarno war's, der hoch auf dem Wall', in sinnender Schwermuth - Wandelte. Jetzt, aufqualmenden Staub in der Ferne gewahrend -- - Hörend der Pferde Getrab, entriß er der Scheide den Degen - Halb, und stand, und harrte der Kommenden; aber voll Unmuths - Drängt' er den Stahl in die Scheide zurück: denn viel zu gering' ihm - Dünkte des Feindes Macht, und rief zu Belindo, dem Hauptmann: - »Eile den Frechen dort mit hundert erlesenen Kriegern - Muthig entgegen; sie flieh'n vor eurem zermalmenden Blick schon.« - Jetzt, wie im dunkeln Forst der leis'auftretende Weidmann, - Schauend die weidende Schar der Hirsch' auf den blumigen Matten, - Die, an der Schnur gekoppelten Hund', entledigend, vortreibt: - Diese entfahren mit lautem Gebell dem felsigen Abhang, - Jene erheben ihr ästiges Haupt, und fliehen geschreckt fort: - So, von Belindo geführt, entfuhren die tapferen Krieger, - Brausend, dem Wall', und streckten mit mordenden Feuergewehren - Aus der fliehenden Schar wohl dreißig, getödtet, zu Boden. - Bald entschwanden sie all', und jauchzend kehrten die Sieger. - Aber nicht lange, da kam, von mächtigen Scharen umgeben, - Salek zurück, und rief die höhnenden Worte herüber: - »Traun, nicht unhold ist's, dort hinter den schirmenden Wällen - Ruhig im Mittagsschlaf die faulen Glieder zu dehnen; - Hinter gethürmetem Bollwerk sucht der feigere Krieger - Gerne sein Heil -- der tapfere Mann in dem eigenen Muth nur! - Kommt, wir sandten die Reiter zurück, vor welchen ihr bebtet; - Laßt uns in gleicher Zahl versuchen des Kampfes Entscheidung!« - Sarno schrie ergrimmt: »Fünfhunderte mögen mir folgen!« - Sagt' es, und stürzte vom Wall' -- ihm folgten die tapferen Krieger. - Kaum entbrannte der Kampf; nur sparsam benetzte den Sand erst - Maurisches Blut: da floh'n, ablenkend, die listigen Scharen - Vom Olivengehölz zu dem trugverbergenden Hohlweg. - Rastlos wüthete Sarno's Schwert dem Feind in dem Rücken, - Und er häuft' ergrimmt die Leichen: dem Schnitter nicht ungleich, - Der mit dem blinkenden Stahl die Garben häuft auf dem Saatfeld; - Doch, da stürmte vom Walde heran, von Goletta herüber, - Und aus den Tiefen herauf des schlauverborgenen Feindes - Wimmelnde Meng' auf Sarno: er stand, und es bebt' ihm das Herz nicht, - Das nur Schlachten ersehnt, und Gefahren des Todes gewollt hat. - - Salek kam, wie ein Hagelgewölk im brausenden Sturmflug, - Näher mit seinem Volk. Nie hatt' ihn das feurige Streitroß - Also getragen: so schnell, so wild empört, und vor Ingrimm - Schnaubend. Muhamed war's, der jetzt mit seinen Erwählten - Jeglichen Reiters Pferd durch schreckende Gaukelgestalten - Vorwärts trieb: denn solches vermögen die luftigen Geister. - Salek ersah das Weiß' im dräuenden Auge des Gegners - Schon, und riß sein wüthendes Roß zurück mit dem Zügel: - Aechzend bäumt' es sich auf, und bog, umlenkend im Sandstaub, - Gegen Sarno die Brust, der, eh' es den vorderen Huf noch - Senkte, den blinkenden Stahl ihm tief in die Weiche des Bauches - Stieß, daß es laut hinkracht' im Fall, und den Reiter herabwarf. - Salek raffte sich auf, und schwang den blitzenden Säbel - Ueber des Gegners Haupt; doch, ehe der tödliche Streich fiel, - Bohrt' er auch ihm den rauchenden Stahl mit der nervigen Rechten - Fest in die Brust. Sein Auge brach; die geöffneten Lippen - Bebten ihm; bleich im Tod hinsank er, und regte sich nimmer. - - Muhamed floh, und ihm heulte, bestürzt, sein luftiges Volk nach. - Auch erstarrten die Mauren vor Angst: den sterbenden Feldherrn - Schauend in seinem Blut; doch bald erwachte des Mordens - Wüthende Gier in allen zugleich; sie schrie'n zu dem Himmel - Fluch und Verwünschungen auf, und umbrausten den Sieger. Nicht anders, - Wenn der Jäger im Hain, todsinnend dem kleinen Gevögel, - Einen stattlichen Uhu mit List an den ragenden Lockbaum - Aufstellt, wüthen die Vögel um ihn, und kreischen, und schreien, - Rach'erfüllt: denn oft raubt' er im nächtlichen Dunkel, - Von dem belaubten Zweig die Entschlummerten, oft aus der Felskluft; - Aber er schaut, aus großen, der Sonn' erblindeten Augen, - Ruhig umher, und scheuchet die furchtsamen hin und herüber: - Also umdrängten auch hier den edeln Sarno die Gegner, - Rache schnaubend, und links, und rechts sank Reiter und Fußvolk, - Das ihm genaht. Auch kämpften um ihn die treuen Gefährten, - Heldenmüthigen Sinns, und tilgten die feindlichen Haufen. - Jetzt an des Todes grimmigem Fest, umhügelt von Leichen, - Triefend von Schweiß und Blut, erwachte die Liebe des Lebens - Mächtig in seiner Brust. Er wollte sich fechtend zurückzieh'n, - Da er im rühmlichen Kampf, hier weichend der schrecklichen Mehrzahl - Nur, so dacht' er, bewies: ihn schmäht' einst Guasto mit Unrecht. - Sieh', und als er das Volk in dem Rückzug ordnend, sich wandte, - Und verrätherisch sich vom Helm' der glänzende Harnisch - Sonderte, da durchfuhr mit schmetterndem Schlage die Kugel - Ihm das Genick; er sank, und röchelte sterbend am Boden! - Feindliches Jauchzen erscholl, und es droht' ihm entsetzlicher Frevel; - Aber Belindo sprang vor ihn hin, und rief den Gefährten: - »Ewige Schande für euch, laßt ihr die Leiche des Helden, - Feiggesinnet, dem Feind' zum Gespött' und frevelnden Unfug.« - Schon umstürmt' ihn der Feind; doch so wie die säugende Bärinn - Sich vor der Höhl' aufstellt, wenn rings die grimmigen Rüden - Von dem Jäger gehetzt, ihr nah'n, und immer zurückschaut, - Immer den nächsten erhascht, und mit furchtbarrüstigen Klauen - Ihn umklammernd zerreißt, daß heulend die andern entfliehen: - Also hielt er die tobende Schar von der Leiche des Feldherrn, - Fechtend, zurück, bis zween, an Kraft gepriesene Krieger, - Ihn, zur Erde gebückt, auf die Schultern erhoben, und heimwärts - Trugen voll Eil' und Hast, nach den trefflich geschirmeten Wällen. - Ihnen folgten am Fuß die schnellverwaisten Gefährten -- - Auch von Belindo verwaist: denn ach, unzählige Lanzen - Wühlten in seiner gewaltigen Brust, und, vom Rumpfe gehauen, - Sollte sein edeles Haupt zur Schau dem gaffenden Volk seyn! - Aber die Christen floh'n nicht feig' und in wilder Verwirrung: - Denn sie wendeten oft die trotzige Stirne dem Gegner, - Feuernd aus schmetterndem Rohr, entgegen. Da brausten die Scharen - Wieder zurücke mit lautem Geschrei: wie die Hunde des Schäfers, - Die den muthigen Stier mit Gebell verfolgen im Blachfeld, - Heulend entflieh'n, so oft er, gesenkt, die furchtbaren Hörner - Gegen sie wendet, und brüllt, und Sand aufschleudert zum Himmel. - - Jetzt ersah'n vom Wall die wachebesorgenden Krieger - Unheilkündenden Staub; dann näher die flüchtigen Scharen - Ihres Volks, von dem Feinde gedrängt; sie hörten vernehmbar - Kampfesgetös' -- o Jammer, sie sah'n und erkannten den Todten! - All' entfuhren zugleich dem Wall, den theuren Gefährten - Rettend zu nah'n, und es bebte der Feind den Dräuenden. Alsbald - Wandt' er den Rücken, und floh nach Goletta's Mauern hinüber. - Schweigend nahten die Krieger dem Wall. Zur Erde geheftet - Starrete jegliches Aug': es blickte zuweilen mit Angst nur - Nach dem Entseeleten hin, und goß dann hellere Tropfen - Ueber die bebende Wang', auf die bärtige Lippe herunter. - - Doch vor seinem Gezelt, auf zwölf, untadligen Schilden - Lag er jetzt mit der Fahne des Ruhms, die er einst vor Pavia's - Mauern errang, wo Frankreichs Stolz dem siegenden Kaiser - Huldigte. Dort sollt' ihm ein Ehrenmaal sich erheben: - Denn sie erhöhten den Schaft hochragender Speere: zum Haupt hin - Zween, und zween zu den Füßen, gebohrt in den Rasen, im Viereck; - Hingen zum Wappenschild gewehrdurchkreuzende Degen, - Schimmernde Panzer und Helm', in der Mitte des ragenden Speers auf; - Kehreten dann g'en Mitternacht, und kehrten zum Mittag, - Auch zum Auf- und zum Niedergang des ehrnen Geschützes - Dräuende Mündung hinaus. Er lag, das Antlitz zum Himmel - Wendend; die Linke bedeckte die Brust, und den tapferen Degen - Hielt die Rechte umfaßt, noch wie zu dem Kampfe gerüstet. - Rings umstand ihn das Volk. Ein Tapferer rühmte mit Thränen - Allen umher den Heldenmuth des edelsten Führers, - Als Amino gesprungen kam, der treffliche Spürer - Hochgewilds: sein Liebling, ihm treu, und ergeben, und wachsam. - Winselnd roch er das bleiche Gesicht und die schneeige Hand ihm; - Sah zu den staunenden Kriegern empor, und heulte dann laut auf, - Und von neuem begann Wehklag' um den edelsten Feldherrn. - - - - - Achter Gesang. - - - Stets erschütternder scholl ob Sarno's Tod in dem Lager - Lärm aufjammernden Volks: denn erst nur ein leises Geflister, - Dann der Rache Geschrei flog schnell vom Zelt zum Gezelt hin - Brausend. Wie der nahende Sturm das Laub in dem Hochwald - Erst nur leise bewegt; dann bald, empörteren Grimmes, - Schüttelt, und wüthender, Zweig' auf Zweig', und Wipfel auf Wipfel - Schleudert, daß zwei, zur Reise gesellt, hineilende Wand'rer, - In dem Gebraus', auch schreiend, nicht hören das eigene Wort mehr: - Also erscholl Wehklag' und Lärm umher in dem Lager, - Bis er erreichte des Herrschers Ohr, der, stehend am Eingang - Seines Gezelts, dem nahenden Guasto voll Ungeduld zurief: - »Haben die Feinde gesiegt? Uns irgend Verderben bereitet?« - »Unser die Schuld!« sprach jener. »Vom Feind, in die Falle gelockt, - starb - Sarno den selbsterkorenen Tod; der tapfersten Krieger - Fünfzig fielen mit ihm; Verwundete zählen wir hundert.« - Und er kehrte zurück mit trauerndem Herzen. Des Helden - Jammergeschick, den er im eifernden Zorne der Feigheit - Zieh, schmolz nun sein starrendes Herz, und ihm thauten die Wimpern. - Aber der Kaiser schwang sich rasch in den Sattel, und jagte - Brausend zur Schanze hinaus, wo Sarno erhöht auf dem Schildbett - Lag. Nicht erkühnte sich jetzt sein Volk, das, trauererfüllet, - Ihn umgab, zum Herrscher den düsteren Blick zu erheben: - Denn es erbebte der Schmach, den Lorber verwelket zu schauen, - Der ihm die Fahn' umwand zum Lohn errungenen Sieges. - Innig bewegt ersah der edelste Kaiser des Volkes - Trauer; er lächelte mild, und rief mit ermunternden Blicken: - »Wandelbar ist der Schlachten Geschick. Wer schildert den Unhold, - Der es beherrscht, und oft von dem früheren Günstling das Antlitz, - Schön und furchtbar zugleich, zu dem Letzterkorenen wendet? - Aber ihn halte der muthige nur mit eisernen Sehnen - Fest: er kehrt, und jauchzt mit donnerndem Schlund ihm den Sieg zu. - Soll euch schmäh'n der Tapf're, daß ihr, gedrängt von der Mehrzahl, - Und des Gebiethers beraubt, mit zögerndem Schritte gewichen? - Ferne sey's! Doch jetzt versenket die Leiche des Feldherrn - Schnell in das Grab; verhüllt es mit grünenden Zweigen und häuft dann - Erde darauf, bis wir ihm erhöh'n ein dauerndes Denkmaal.« - Eiliger ritt er zurück: da priesen die Krieger des Kaisers - Unbegrenzete Huld, der statt verwundenden Tadels - Worte des Trostes sprach, und den Tapferen Ehre gewährte. - Und sie bestellten die Leich' alsbald, dem Herrscher gehorchend. - - Aber es wüthete fort und fort des schweren Geschützes - Donnernde Macht um Goletta: denn bald von den kreisenden Schanzen, - Bald von dem wogenden Meer hinsausten die Bomben und Kugeln, - Und nicht minder zurück von den Wällen der trotzenden Festung - Sausten im Donnersturm die schrecklichen her nach den beiden. - Stets verderbender warf die Macht der entsetzlichen Mörser - Mauern und Schanzen in Schutt, und häufte zermalmend die Leichen. - Dort in dem grausen Getös' umhagelnder Donnergeschosse - Sprengte der Kaiser den Wall entlang, und erweckte die Völker, - Ruh'ausstrahlenden Blick's, zu freudigem Muth in Gefahren. - D'rauf, zu Guasto gekehrt, aufboth er ihn, scheidend, noch also: - »Sieh', bald dämmert die Nacht: dann strebe, noch ehe der Vollmond - Ueber die schlummernde Welt sein Strahlenantlitz heraufhebt, - Durch Laufgräben[50] und Schanzenbau Goletta zu nahen, - Daß sie uns neige das Haupt, erstürmt am kommenden Morgen!« - Sieh', und als er jetzt zu dem Grab, das eben die Krieger - Sarno erhöheten, kam, da däucht' ihn: ein Stöhnen und Aechzen - Komm' aus dem schattenden Laub! Er sprang aus den stählernen Bügeln, - Innigbewegt: denn einen verwundeten Krieger zu schauen, - Wähnt' er, und, ach, ihm kroch, aufheulend, der treue Amino - Sarno's entgegen, und leckt' ihm die Hand! Er streichelt' ihm freundlich - Rücken und Haupt, und lockt' ihn fort, enteilend, und kehrend; - Doch er schleppte sich langsam zurück, und senkt' auf die Pfoten - Hin sein müdes Haupt; dann winselt' er sterbend am Grab noch - Seines getödteten Herrn. Heiß rann an den Wangen des Kaisers - Jetzo die Thräne herab; er kehrte beklommen in's Lager. - - Abendlich zitterten schon die riesigen Schatten der Krieger - Auf dem glühenden Sand; schon hauchte die schimmernde Meersfluth - Kühlere Luft, und es blickte die scheidende Sonne noch einmal - Ueber der Flammenbahn endloser Fluthen herüber -- - Nickt', und sank in ihr Wogenbett im rosigen Westen. - Aber sie hauchte noch lang, mit sanftverglühendem Antlitz, - Purpurröthlichen Duft nach Osten: des kommenden Morgens - Heitre verkündend, und, sieh', in langen Zügen der Hochlust, - Sog ein jeglicher Mann im Heere die liebliche Kühlung - Ein, und jubelte laut: denn schnell versiegte der Schweiß ihm - Jetzt an seinen, vom Abendwind umsäuselten Gliedern! - Diese besorgten das Mahl, unzählige Flammen empörend; - Jene gruben die blitznachahmenden Weg' in dem Zickzack, - Sonst Laufgräben genannt, die Erde zur schirmenden Brustwehr - Gegen die Vest' aufdämmend, und dort, dem Ziele genahet, - Gruben sie auch die Schanzen umher, und führten Geschütz ein. - Furchtbarer drönte die Erd'; aufheulte der flammende Luftkreis: - Denn von neuem begann der vestenzertrümmernde Donner. - - Jetzt umhüllte die Nacht mit dunkelem Schleier die Gegend: - Jene, so langersehnete Nacht, des lieblichen Vollmonds - Stille Verkündigerinn, die jüngst, mit der Freiheit, Mathilden - Himmelswonne verhieß, und, ach, voll Jammers dahinschwand! - Sieh', in dem schattenden Laubengang des zierlichen Gartens, - Der an des See's Gestad', von thürmenden Mauern umfangen, - Lag, lustwandelte sie in des Abends heiliger Stille - Täglich umher! Sie erzählete dort lautweinend den Bäumen - All ihr Wehe: sie säuselten Trost, und den Blumen ihr Unglück: - Ihr erglänzte die Zähr' aus dem duftenden Kelch, und ihr Wehruf - Scholl, dem klagenden Laut der Nachtigall ähnlich im Lenzmond. - Keiner der Männer betrat, die Straf' urplötzlichen Todes - Scheuend, den Laubengang am dämmernden Abend; nur Hugo - Durfte der Einsamen nah'n, dem Dragut vertraute vor allen. - Aber es hatt' erst jüngst ein Fischer die dürftige Hütte - Nahe der furchtbar'n Mauer erbaut aus duftendem Schilfrohr; - Zog im Grauen der Nacht das weitumschwimmende Fangnetz - Nach dem gleitenden Kahn, und both den kärglichen Vorrath - Morgens, am Strande des See's dann feil, laut rufend, und rühmend. - Nicht verdächtig erschien dort Kurd, der trauernde Fremdling. - Emsig trocknet' er heute sein Netz am heimlichen Pförtchen, - Das im dunkeln Gebüsch, in der Mauer der spähende Hugo - Fand, und harrte mit Angst der Stunde der Flucht und Errettung; - Doch von dem Minaret verkündete jetzt die ersehnte, - Heiseren Ruf's, der finstere, stundausrufende Iman. - Heftig bebte Mathild', als Hugo's eilender Fußtritt - Näher erscholl. »Was pocht dieß trauernde Herz so gewaltig?« - Sprach sie, und hielt sich die Brust, und schritt nun hin- und herüber - Eilend, als sollte sie flieh'n. Dann rief ihr flehender Blick noch: - »Lass' an des Gatten Brust es brechen, o ewige Vorsicht!« - Hugo ergriff Mathilden am Arm, und führte sie schweigend - Durch verschlung'nes Gesträuch zu dem leis'eröffneten Pförtchen, - Sank auf die Knie', und drückte mit langem, mit innigem Kusse, - Seinen Mund auf den Saum von ihrem wehenden Kleid noch. - Aber sie stand todbleich, und faßte mit zitternden Händen - Hugo's grauendes Haupt, und weint', und konnte nicht sprechen. - Nun geboth er die Flucht, und eilte zurück in den Hofraum: - Keiner gewahrte die Thrän' an seinen zuckenden Wangen. - - Siehe, der Vollmond hob sein silbernstrahlendes Antlitz - Eben in Osten herauf, als Dragut zur eiligen Heimkehr - Spornte sein schnaubendes Roß; im Klirren des Waffengeschmeides - Sprang er vom Sattel, und schrie, daß rings erbebten die Hallen: - »Hugo, weilt die Gebietherinn noch lustwandelnd im Schatten? - Wehe dir, thörichter Arzt, wenn, kühlumschwärmend, des Lüftchens - Hauch ihr Leiden erregt, und nagender Gram mir zu Theil wird!« - Schweigend winkt' ihm der Greis, und lang' umirrend, mit Absicht, - Durch des laubigen Hains verschlungene Pfade, nur spät erst, - Kam er zum Pförtchen im Busch, und sprach: »Die erbarmende Vorsicht - Zeigte den Ausweg mir zur Rettung der edelsten Gattinn - Meines Gebiethers: sie floh im gleitenden Kahn, und Toledo - Trägt auf den Armen sie heim, wo im seligen Bunde der Herzen - Sie vergesse des Raubs, und der schrecklichen Nähe des Räubers. - Wüthe nach Willkühr jetzt: hier liegt dein williges Opfer.« - Sagt' es, und both, auf beide Kniee gesunken, das Haupt ihm - Lächelnd zum Tode dar. Im himmlischen Siege der Großmuth - Schwelgte sein edeles Herz auf jener geheiligten Stelle, - Wo er des scheidenden Engels Kleid an die Lippen gepreßt hielt. - Leblos stand, und starrt', an jeglicher Miene verzerret, - Dragut nach Hugo hinab; nur langsam löste der Wuthkrampf - Seiner Glieder sich auf: sie bebten, vernehmlich den Ohren, - Und das Knirschen der Zähn' erscholl in dem Laubengewölb' dort. - Endlich begann er -- nicht mit des Zorns zermalmenden Lauten, - Dennoch schrecklicher: kalt, und grimmig, so vor dem Alten: - »Elender, wie, durch Draguts Hände zu sterben, verlangst du? - Keiner ersann noch den Tod, der dir, Verruchter, zu Theil wird!« - Schnaubend floh er von ihm; bald klirrten die lastenden Ketten - Näher. Mit lächelndem Blick darboth er den Knechten des Wüthrichs, - Die ihm nur schüchtern genaht, die Händ' und die Füße zur Fess'lung, - Und sie schleppten ihn fort in die Todeshöhlen der Hochburg. - - Aber die sanfte Dulderinn lag im eilenden Fahrzeug - Dicht mit Netzen verhüllt, und starrte hinauf in des Vollmonds - Liebliche Helle: der Gegenwart zermalmende Leiden - Schwanden vor ihrem Blick. Wie, fern verschlagen, der Schiffer - Freudig den Hafen schaut durch schwindende Nebel des Morgens, - Sah sie entzückt des Friedens Gefild', und hörte mit Wonne - Sanft verhallen im Sternenzelt Harmonieen des Himmels. - Jetzt, entronnen des Wüthrichs Macht, am felsigen Ufer - Landend, hob sie sich auf aus der Tiefe des schwankenden Kahnes. - Kurd erschrack: denn ein' Unsterbliche wähnt' er zu schauen: - Also erhaben an Huld ihn dünkte die Gattinn Toledo's. - Doch an der schroffen Bahn aufwärts zur Höhle der Felswand - Klimmend, ruhte sie oft, gestützt auf den redlichen Führer, - Der mit heiliger Scheu an der Seite der Hehren emporstieg. - »Hier,« so sprach er, »im stillen Schooß der räumigen Felskluft, - Mögest du ruh'n; bald kommt, auf Flügeln der Liebe getragen, - Dein erlauchter Gemahl; du folgst ihm zur Wonne der Zukunft.« - Aber die Augen, von Thränen schwer, erhob sie noch einmal, - Dankend, zum Himmel, und stieg in die schaurige Höhle hinunter. - Jener häufte den Schutt und die Felsentrümmer mit Vorsicht - Auf an dem gähnenden Schlund, und bog das Laub mit den Zweigen - Ueber ihn hin, daß kein umspähendes Aug' ihn gewahre. - D'rauf durchflog er im eilenden Lauf des schauernden Oehlwalds - Schattenpfad, und kam Toledo die Rettung zu künden. - - Nicht erfreute die Nacht mit holdem Schlummer die Augen - Hairaddins jetzt, und schon lange nicht mehr: des nahenden Kampfes - Grau'n umschwebte sein Haupt, wie donnerschwangere Wolken - Schwimmen des Alpbergs Höh'n umher. Auf schwellenden Pfühlen - Saß er, und starrt' in die leuchtende Flamme, welch' in dem Prunksaal, - Duftend von Rosenöhl aus der goldenen Lampe sich aufhob. - Muhamed war ihm genaht, und sucht' ihm Muth und Vertrauen - Einzuhauchen -- umsonst! Er dachte des falschen Numiden - Schlangenlist, den Haß des Mauren, des Arabers Feigheit, - Und die erlesene Schar, so klein im Gedränge der Feldschlacht, - Wenn nicht Hülfe erschien, die er jüngst entbothen aus Algier. - Aber der stürmische Geist entschwebte dem Saal, in der Burg dort - Memi, des Harems Hort, und Hairaddins Lieblingsverschnittnen - Suchend. Er saß in der Hall', und ballte mit sinnenden Blicken - Grimmig die Faust: er wußte nicht, wie zu verscheuchen des Unmuths - Dauernde Wolkennacht von Hairaddins finsterem Antlitz! - Als ihn der Geist umflog, da hob sein wehendes Kleid sich - Ihm an der Brust: er sah im nächtlichen Dunkel der Halle - Lange, verstört, umher; doch Muhamed schalt ihn ergrimmt so: - »Wie, nicht Hülfe, nicht Rath ersinnest du, heilloser Schwächling, - Daß entschwinde der Gram aus der Seele des Völkergebiethers? - Wurde das _Thor der Wonne_[51] nicht jüngst, vor allen Erwählten, - Dir zur Sorge vertraut, und schlummern nicht rosige Mägdlein, - Die der Handelsmann aus Cirkassia's[52] Thälern gesendet, - Hier in dem Harem, so hold und schön, wie liebliche Houris, - Die sich Muhamed einst in himmlischen Fluren erträumte, - Ach, und erwachend, nicht fand? Wem red' ich die Worte vergeblich? - Gehe, verstümmelter Sclav', und heiße die zartesten Jungfrau'n - Eilig durch Tänz' und Spiele der bergumschlossenen Heimath, - Holdem Getöne vereint, erfreuen die Seele des Herrschers!« - Dem gleich, welcher um Mitternacht vom leuchtenden Blitzstrahl - Aus dem Schlummer geweckt, in Hast auffährt von dem Lager, - Fuhr auch Memi vom Stuhl, und, eilig die Pforte des Harems - Oeffnend, schritt er, die Hallen entlang, zur entlegensten Kammer, - Wo die erlesenen Drei, auf schwellende Pfühle gesunken, - Schlummerten; sah, wie dort des Mondes lieblicher Schimmer - Zart die Holden umfing, die Welle des schneeigen Busens - Rastlos stieg, und sank; er hörte, hinübergebogen, - Ihres Odems melodisches Weh'n, und erdrückte, vor Ingrimm - Aechzend, die Thrän', die empor aus seinem zerrissenen Herzen - Drang, und im eilenden Lauf' dem trüberen Auge genaht war. - Jetzo weckt' er sie, sanft an der Schulter berührend, mit leisem, - Lispelndem Ruf. So folgten sie, die Gefährtinnen scheuend, - Die, an der Zahl zweihundert, und mehr noch, in räumigen Kammern - Ruheten: all' erwählt des Herrschers Lüsten zu fröhnen. - Sclavinnen nur, nicht Frau'n. Nicht im Worte des Heiles geschlossen - Ward ihr Bund, wo die Einzige treu verharret dem Einen - Bis in den Tod, und treu die Bürde des Lebens ihm tragen - Hilft, als Mutter der holdaufblühenden Kinder, als Gattinn, - Und als Freundinn zugleich, in seliger Einung der Herzen. - Eilen hieß er sie erst zur badumwölbenden Halle - Unten im Schooße der Burg. Sie tauchten die reizenden Glieder - Dort in die liebliche Fluth, und salbten mit duftendem Oel sie. - Dann aufschloß er mit lächelndem Blick den Schrank in der Mauer, - Weisend die Pracht der Edelstein' und der festlichen Kleider. - Freudige Röth' umzog die Wangen der Mädchen, als Memi - Jetzo das Tuch darboth, gewebt von dem emsigen Hindou - Aus der Wolle des Baums. So zart und duftig wie Nebel, - Die in dem Morgenroth umfließen die blühenden Rosen, - Hüllet' ihr Unterkleid das zarte Geweb', und er both dann, - Lächelnd, den Gürtel dar, der unter dem schwebenden Busen, - Schimmernd von Gold, den Leib umfing; den wallenden Kaftan - Von blaßrother Seide, verbrämt mit bräunlichem Zobel, - Auch die Saffianschuh', des Hauptes Zierde, den Kalpack, - Dem des Reihers Gefieder entstieg, und die köstlichen Perlen - Für den Lilienhals -- für die Ohren Gehänge von Demant. - Also geschmückt nachfolgten sie jetzt dem winkenden Aga. - - Leise die Pfort' eröffnend, und erst mit spähenden Augen, - Ueber die Schwelle gebeugt, vorschauend, sah er des Herrschers - Leblosstarrenden Blick. Er drängte die schüchternen Kinder - Eilender vor: sie nahten mit Angst dem Sinnenden. Memi - Weckte zugleich auf dem Schrank die flötenbeseelende Kunstuhr, - Die an dem Strand Amalfi's jüngst erbeutete Dragut, - Plündernd die fürstliche Burg, und Hairaddin dann zum Geschenk gab. - Auch stand, Wunder zu schau'n, auf dem Schrank ein goldener Käfich, - D'rinnen ein Vögelchen saß, ein Hänfling, wie lebend gestaltet. - Als nun Orgelgetön im Schooße des zierlichen Schrankes - Weckte die Uhr: da sang das Vögelchen zart, wie im Lenzmond - Flötet der Hänfling im Busch; die tönende Kehle bewegend, - Wandt' es den Kopf nun links, nun rechts, und breitete fächelnd - Oft die Flügelchen aus, und wühlt' in der Brust mit dem Schnabel. - Weder des Hänflings Sang, noch Getöne der künstlichen Orgel - Traf nun Hairaddins Ohr: er starrte noch immer vor sich hin; - Doch, als jetzt, verschlungen im Kreis', die Mädchen ihm nahten, - Ihm zu erheitern das Herz mit Tänzen der Heimath, und Memi - Schon aufhüpfte vor Lust: da fuhr er vom Lager, und schrie laut: - »Fort, ich zertret' euch!« Und sie entfloh'n, wie schüchterne Tauben - Flieh'n vom Feld, wenn Geiers Geschrei aus den Lüften herabtönt. - - Schnaubend ging er umher: ihm scholl von dem fernen Goletta - Donnergemurmel an's horchende Ohr, und er sandte dann endlich - Nach Tobukes, nach Abu-Sa-id, und Muhamed Temtes. - Doch sie nahten im Flug, und bebten der Rede des Herrschers: - »Führer der Völker, die zu Fuß, und auf feurigen Rossen - Mächtige Heere zerstreu'n, vernehmt es, was ich gebiethe: - Ehe des Morgens Dämmerlicht den östlichen Himmel - Röthet, stürmst du, Tobukes, gewohnt im heimlichen Anfall - Sieger zu seyn, mit zwanzigtausend Erwählten des Feindes - Mittlere Schanz', und ich, von den schrecklichen Kriegern umgeben, - Dringe durch das Olivengehölz, wenn, schimmernd, des Meeres - Fluthen die Sonn' entsteigt, und dort auch Muhamed Temtes - Von Goletta heran, zu erstürmen des Lagers Umwallung, - Während uns Abu-Sa-id, Arabia's treffliche Reiter - Führend, gleich dem Orkan, dem sinkende Wälder erkrachen, - Rasch nachdringt, und den fliehenden Feind vernichtet auf einmal. - Also gewahrt ihr im Sieg den Segen des großen Propheten!« - Jene, entflammt in der Brust von den Worten des furchtbaren Herrschers, - Eilten zum Kampf. Entlang Medscherda's Ufern (Bagrada[53] - Hieß der mächtige Strom in Karthago's verschollenen Tagen) - Wogten des Arabers bräunliche Zelt' im Hauche des Windes - Weit umher. Er bauet sein Zelt, dem höckrigen Lastthier - Gleich an Gestalt, das fort, ein lebendes Schiff, in des Sandmeers - Wüsten wandelt: ihr Sohn, so fromm und so duldend. Es ruhte - Noch entschlummert das Volk, und die losgebundenen Rosse - Weideten frei im Gefild. Doch als nun die ehernen Becken - Abu-Sa-ids erschollen; als laut ertönte der Schlachtruf: - Da fuhr jeglicher Mann gerüstet vom Lager, und rief dann - Vor dem Gezelt sein edeles Roß bei'm Namen. Sie flogen - Wiehernd herbei, und bothen dem wolligen Sattel den Rücken -- - Bothen die Zunge dem Zaum, und bäumten sich hoch mit dem Reiter. - Aber Afrika's bräunliche Söhn' erweckte Drometen- - Schall, und Barda's Höh'n entströmten die lärmenden Scharen, - Wie im thauenden Lenz von der schimmernden Kuppe der Alpen - Schneefluth kommt, und laut herrauscht in die Thäler. Sie führte - Muhamed Temtes zum Kampf, des Fußvolks kühner Gebiether. - Scheidend senkte der Mond im Westen sein blässeres Antlitz - Jetzt in Nebelgewölk, und dämmernd erhob sich der Morgen. - Hairaddin hielt am Olivengehölz mit den Schrecklichen. Allen - Kam er zuvor, und hieß, des Kampfs wohlkundig, die Schanzen - Eilig erbau'n auf den Höhn des ragenden Felsengebirges, - Das Mathilden im Schooß der schaurigen Höhle, seit gestern - Barg. Dort lag die unglückliche Frau (der nahen Entbindung - Wehen durchzuckten ihr Mark und Gebein) unsägliche Qualen - Duldend, und harrend mit Angst des heißersehneten Gatten. - - Eilenden Laufs war Kurd dem Lager der Christen genahet, - Trat in Toledo's Gezelt, und sprach, tiefathmend, und bebend: - »Hugo's Worte verkündet mein Mund: ihn mögest du hören. - Siehe, der Morgen grau't, der langgetrennete Herzen - Wieder vereint! Schon harrt in traulicher Felsenumhüllung - Dein die Gattinn mit Angst: o trage sie jetzt auf den Armen, - Freudigerrettend, heim zu nimmer versiegender Wonne -- - Heim in das Vaterland! Ein liebender Vater den Waisen - Hugo's mögest du seyn, der dich in der hülflosen Kindheit - Oft auf den Armen trug, dich fröhliche Spiele gelehret, - Und die Treue dir stets in dem redlichen Herzen bewahrt hat.« - »Kurd,« so jauchzte Toledo ihm zu, »Kurd, waffne dich eilig, - Du mein Freund fortan, mein Bruder und Waffengefährt' jetzt; - Säume nicht, schnell geleite mich hin zur Höhle des Waldes!« - Hastig reicht' er die Waffen ihm dar. Die finsteren Augen - Kurd's entflammten sich hell, und des Kummers tiefere Furchen - Schwanden von seiner Stirn' und Wange: nur Jauchzen des Sieges - Scholl um ihn her aus den Tagen des Ruhms erretteter Heimath, - Und, im versöhnten Gemüth gedacht' er nicht seines Geschicks mehr. - Jetzo, im Waffenschmuck auf feurige Rosse sich schwingend, - Jagten die Helden hinaus, entgegen der Höhle des Waldes. - - Lauter säuselte schon aus Osten der schaurige Frühwind; - Purpurröthlicher Glanz entfloß des goldenen Morgens - Weiteröffnetem Thor; aus den dämmernden Wolkengefilden - Sah die wirbelnde Lerche zuerst erwachen die Sonne, - Und, jungfräulichverschämt, mit höherer Gluth auf den Wangen, - Dort dem rosigen Lager entflieh'n: als schauernde Wälder, - Noch in Dunkel gehüllt, mit leisem Zwitschern und Flistern - Ihr anstimmten den Morgengruß, und die Wellen des Meeres, - Hocherhebend das Haupt, sich sehnten, die Holde zu schauen; - Aber nur Blut, nur Mord, nur sterbender Menschen Geröchel - Wallt' ihr zum Morgengruß aus Goletta's Fluren entgegen. - Eilender stürmte Tobukes heran. Wie ein reißender Bergstrom - In der Gewitternacht anschwillt, und des Landes Bewohner - Schnell vom lieblichen Schlaf erwecket zur Angst und Verzweiflung: - Denn sie vernahmen es nicht, daß fern im finsteren Waldthal - Sausend die Wolke zerbarst, und Fluth entstürzte dem Abhang: - So, von Tobukes geführt, herströmten die Scharen, und stürzten - Auf Hispania's Macht. Da gaben die spähenden Wachen, - Staub gewahrend, und Volk in dem Staub, durch Büchsengeschmetter - Zeichen der Noth und Gefahr: aufrafften sich eilig die Krieger, - Und sie folgten beherzt dem trefflichen Führer Alarkon. - »Brüder,« so rief er laut, »nun vorwärts! Eiserngeschlossen - Haltet die Reih'n, und dränget den Feind vom Rande des Grabens - Muthig zurück; besiegt entflieh' er vor unseren Augen. - Denket der Wälschen, die erst vorschnell, nur flammender Kühnheit, - Nicht vorschauendem Muth gehorchend, im Felde der Waffen - Bluteten. Auf, Hispania's Volk: du stehe, dem Felsen - Gleich im Sturme der Schlacht, des sicheren Sieges gewärtig!« - Und er führte die Reih'n zum schanzumkreisenden Wall hin. - Aber wie dort an dem Mohrenstrand, hoch über der Meersfluth, - Schwebt die schreckliche Wassertrompet', ein winzig Gewölk erst; - Dann urplötzlich mit Donnerschall auf die Fluthen herabfährt, - Wirbelnd sie faßt, in die Luft aufhebt, und brausend im Jähsturz, - Hier die Schiffe zerschellt auf dem Meer, und dort an dem Ufer - Wüthend, unseliges Volk, und Hütten, und Saaten vernichtet: - Also erstiegen die Feinde den Wall im schrecklichen Anlauf. - Allah-Geschrei und Gekrach der stürzenden Pfähl' an dem Graben - Brauste vor ihnen daher; geschwungener Säbel Gezisch scholl; - Staub flog auf. Schon wandten sich eilig die Christen: die Vorschar - Stürzt' auf die folgende, wie, vom wüthenden Sturme gehoben, - Wog' auf Woge sich stürzt, und trennte die Ordnungen weithin. - Jetzt vom Schrecken betäubt, nicht hörend die Stimme des Führers, - Wichen sie all'. Er stand, und bohrte den Flüchtenden links, rechts, - Zürnend, das Schwert in die Brust, und ging, und wär' er allein nur, - Rühmlichen Kampf und Tod im Sinn, den Feinden entgegen. - Aber, glühend vor Scham, gewahrten die Krieger sich alle - Fortgerissen zu schmählicher Flucht. Sie kehrten im Sturmschritt - Wieder zurück; dann schnell die Gewehr' an die Wange sich pressend, - Zielten, und drückten sie los, und Stein und Stahl an dem Schlosse - Schleuderte Blitz'; aufflammt' an der Pfanne das Pulver: hinausfuhr - Krachend die Kugel -- sie flog in die stürmenden Haufen, und Volk sank. - Dann mit glühendem Muth, stets unaufhaltsamer, jauchzend, - Drangen die Tapferen vor, und warfen die stürmenden Haufen - Wieder zurück auf den Wall. Dort stand Alarkon vor allen. - Sieh', ihm nahte, beherzt, der einzige Sohn Abdul Hamids, - Des zu Tripoli herrschenden Dey's! Ihn sandte der Vater, - Daß er in Hairaddins Heer', erringend die Kränze des Sieges, - Kehre zur Freud' ihm heim, und zum Trost im grauenden Alter. - Aber er freue sich nicht, den Tag der fröhlichen Heimkehr - Seines Erzeugten zu seh'n: ihn hüllet die Erde vor Tunis. - Weitvorhaltend den Speer, eindrang er mit Wuth auf Alarkon, - Daß ihm der Schaft in der Faust erzitterte; dennoch, dem Kampf schon - Lange geübt, vermied im Sprung', Alarkon des Speeres - Tödlichen Stoß. Er hieb, mit kräftiger Rechte den Degen - Schwingend, den Schaft entzwei, und rannte den blitzenden Stahl ihm - Jetzt so tief in die Brust, daß er, scharfgeschliffen, ihm alsbald - Auch die Schulter durchfuhr: er sank, und stöhnt' in dem Tod noch. - D'rauf, entreißend den Stahl, zerschlug er dem Bascha von Tarsus, - Ahmet, die ragende Stirn': er taumelt' am Rande des Walles - Nieder, und fiel, die Händ' ausbreitend, hinab in den Graben. - Wie der flüchtige Hirsch, den heiß verfolget der Schweißhund, - Nah' an des schwindligen Abgrunds Rand, erlegt von dem Weidmann, - Jählings entstürzt: dumpf kracht sein Geweih an dem Felsen hinunter: - Ahmet entstürzte so schnell: ihm krachten im Falle die Glieder. - Aber da schlich Tobukes, ergrimmt, an den Rücken Alarkons; - Jauchzt', und bohrt' ihm, weitausholend, den Dolch in den Nacken. - Sterbend lag er am Wall, doch winkt' er dem kühnen Sarmento, - Führer zu seyn des Volk's in entsetzlicher Stunde des Wuthkampfs. - Zärtliche Freundschaft wand die Blüthen der fröhlichen Jugend - Immer noch frisch und duftend um beider Herzen: sie wallten, - Innigvereint, des Ruhmes Pfad im Leben und Tod noch. - Ob des Freundes Geschick aufstöhnend, brauste Sarmento - Vor, und schrie, und erweckte den Muth der zagenden Krieger, - Und von neuem begann auf dem Walle das grause Gemetzel. - Warf Sarmento den Feind, vordringend, zurück in den Graben, - Stürmte Tobukes ergrimmter herauf, nicht achtend der Haufen - Seines getödteten Volks: denn viele der Christen erlegt' er. - Gleich dem Nebelgewölk, das hoch in den bläulichen Luftraum - Aufschwebt; dann von zween sich bekämpfenden Winden ergriffen, - Hier- und dorthin treibt: so schwankte des Kampfes Entscheidung. - - Einst Germania's Hort, und im Kampf: Legionenzertrümm'rer, - Hermann, sah die Gefahr, und fuhr im sausenden Eilflug - Nach des Kaisers Gezelt, der dort, tiefsinnenden Blickes, - Einsam saß, und erregt' ihn so mit den muthigen Worten: - »Säume nicht: heiß bestürmet der Feind Hispania's Krieger; - Eile hinaus: dein Blick gebiethe den Sieg in dem Schlachtfeld.« - Hastig entfuhr er dem Stuhl', und blickte, verwundert, um sich her. - »Ahnt mir Gefahr?« so dacht' er, dem Zelt enteilend. Er schwang sich - Draußen auf's feurige Roß, und flog nach der Schanze hinüber. - Ihm nachjagte Gefolg', und unter den stampfenden Hufen - Drönte der Boden umher; aufquoll der flimmernde Sandstaub. - Jetzo der Schanze genaht, begann der zürnende Kaiser: - »Wie, Hispania's Volk, dich nannte die staunende Mitwelt, - Rühmend, das Erst' im Feld, und du weichest dem feindlichen Andrang? - Auf, und rette den heimischen Ruhm! Ein glänzender Leitstern - Sey er dem Krieger im Kampf: nur mit ihm verlösche sein Leben!« - Lodernden Flammen gleich, ergriff die Herzen des Kaisers - Zornausruf: da brannt' auch der schwächere Mann in den Reihen, - Gegen die Feinde des Kriegs vernichtende Schrecken zu tragen, - Und sie kehrten sogleich. Wie ein bergabtaumelnder Felsblock, - Dem die Wälder erkrachen, Geröll' und Erde zerstäubt weicht; - Oder vom dauernden Regen geschwellt hinbrauset ein Bergstrom - Durch die Fluren, und Hain' und blühende Saaten zerstöret: - So in des Feindes Reih'n umwütheten jetzo die Krieger, - Rächend des Rückzugs Schmach. Doch wehe, da stürzte Sarmento, - Von Tobukes durchbohrt, und haucht' an dem Busen des Freundes, - Der auf dem Walle getödtet lag, den muthigen Geist aus! - Glückliches Los, das so die liebenden Freunde vereinte! - Ueber ihn hin (betrübt zwar, doch des eisernen Krieges - Stimme geboth's) und über die Hügel erschlagenen Volkes, - Eilten die Reihen auf Reih'n jetzt vor, und warfen die Gegner - Von dem Wall' in den Graben -- aus ihm hinüber in's Blachfeld, - Raschverfolgend. Nicht half das Schrei'n des Führers, Tobukes, - Nicht die knirschende Wuth des Volks: denn, Hagelgewittern - Aehnlich, folgte der Sieger ihm nach, und grause Vertilgung. - Unter den Letzteren floh Tobukes, und stöhnte vor Ingrimm. - Furchtbar war sein Arm in dem Kampf, und, glühend vor Sehnsucht, - Gohr ihm die Brust, daß Hairaddin bald vom Olivengehölz her - Nahend, ihm eine die Macht, zu vernichten die feindlichen Scharen. - Aber er harrt' umsonst, und jetzo, von Wunden ermattet, - Sann, und erwog er im finstern Gemüth': ob Hairaddins Rach' ihn, - Da er ihn haßte, vielleicht dem sicheren Tode hier preisgab? - Unerträglich erschien dem Zweifler des nächtlichen Irrwahns - Täuschendes Licht; er riß ergrimmt von der Seite den Mordstahl, - Stieß ihn tief in die Brust, und fiel, und röchelte sterbend. - Aber, vor Schrecken erstarrt, gewahrten die Krieger des Feldherrn - Blutige That, und floh'n jetzt eilender fort nach Goletta. - - Hairaddin hörte des Kampf's grau'nvolles Getös' in dem Waldthal; - Doch ihm scholl's erfreuender, als in dem silbernen Mondlicht - Liebenden tönt Harmonikaklang und Harfengelispel. - Vorwärts drängt' ihn der Muth und die Blutgier; aber er hielt noch, - Bis er die Schanz', erbaut auf den Felsenhöhen, gewahrte, - Und das eh'rne Geschütz, das weit in die Ferne hinüber - Schleudert den Ball (Feldschlange genannt), in jene geschafft war. - D'rauf begann er so, vor dem Meister des schweren Geschützes: - »Bujukdur, Sohn Hafis, horch! wenn außer dem Oehlwald - Schimmert die Fahne des Vorderzugs: dann feu're, verderbend, - Nach dem Lager hinaus. Abdallah, der muthige Feldherr, - Sey dir schirmend gesellt mit tausend erlesenen Kriegern.« - Und nun führt' er das Heer, ihm tiefere Stille gebiethend, - Durch den Olivenwald, dem Lager der Christen entgegen. - Siehe, da jagte mit Kurd, auf schnaubendem Rosse, Toledo - Näher. Es hing sein thränendes Aug' an den Höhen der Felswand, - Welche die Gattinn ihm barg, und im rosigen Morgen die Scheitel - Glühend erhob. Wie dort dem leidenerfahrenen Jüngling, - Den ein feindlich' Geschick aus den Armen der liebenden Aeltern - Riß, das Herz erpocht, so nach Jahren der schmerzlichen Trennung, - Er, heimkehrend im Schiff von Amerika's wüsten Gestaden, - Jetzo die Thürme der Vaterstadt in der Ferne gewahret, - Jetzt sein väterlich Haus, und jetzo den Hügel und Anger - Wieder erkennet, wo ihm die seligen Jahre der Kindheit - Schimmernd entfloh'n: nur vorwärts strebt er, und weiter entfernet - Däucht ihn das Ziel, als einst von des Meer's endlosen Gewässern: - Also pocht' ihm die Brust, und eilender jagt' er das Roß hin: - Schauend den Fels, der hell vom Morgenschimmer ihm winkte. - Plötzlich hemmt' er das Roß, und starrte mit tiefem Entsetzen - Vor sich hin, da er nun die raschvordringenden Scharen - Nahe der Höhl' ersah. Kurd rief mit leisem Gelispel: - »Kehr' in Eile zurück: dort nah'n unzählige Feind' uns!« - »Kurd,« entgegnet er sanft, »ich sehe die Feind' an dem Felsen: - Hin ist die Hoffnung -- Mathild' ist todt! Nun will ich im Kampf hier - Sterben, dem Schicksal zum Hohn, den Tod des tapferen Kriegers.« - Schnell entblößt' er den blinkenden Stahl, und flog auf das Blachfeld - Muthig hinaus: da erfaßte noch Kurd das Roß an dem Zügel, - Riß es gewaltig zurück, und rief dem Tobenden also: - »Soll die unglückliche Frau vergehen in schrecklichem Jammer, - Deiner beraubt? Sie ruht in der dunkeln Höhle geborgen. - Lass' uns, des Ueberfalls Verkündiger, eilen in's Lager; - Wecken die Brüder zum Kampf', und erretten im Sieg' auch Mathilden!« - Hastig trieb er sein Roß, und mit diesem den Renner Toledo's - Wieder zurück, der, tiefverstummend, die Augen zuweilen - Gegen den Himmel erhob, und laut aufseufzte vor Herzleid. - Aber in stürmischer Hast hinflogen die schnaubenden Rosse; - Staub quoll auf in die Lüfte, der Wald, die Berg' und die Hügel - Wichen im Fluge zurück, und die Helden durchbrausten das Lager. - - Dort des Ueberfalls, des nächtlichen, denkend mit Unmuth, - Hatte der Kaiser das Volk ringsher gerufen zur Heerschau. - Rastlos schmetterten fort die eh'rnen Drometen; die Trommeln - Wirbelten dumpf, und riefen verständliche Laute den Kriegern. - Wie das unzählige Volk der Schwalben im sonnigen Spätherbst - Rings mit lautem Geschrei, vorahnend die Stürme des Winters, - Sich anschickt, entgegen zu zieh'n besonnten Gefilden: - Meng' an Menge gedrängt, versammeln sich eilig die Scharen: - Also vereinten sich hier die tapferen Krieger zur Heerschau. - Ernsten, musternden Blicks, hinritt an den Reihen der Kaiser. - Jegliche Fahne sank; die Feldherrn all', und die Führer, - Hielten den Degen gesenkt zum ehrenden Gruße; das Fußvolk - Schwenkte die Lanz' und das blanke Gewehr, und der Reiter den Säbel. - Aber die Trommel scholl, und Drometengeschmetter ertönte. - Jetzo hätt' er dem Heer gewichtige Worte gesprochen, - Ruhm den Tapfern gezollt, und gerügt Verblendung und Saumsal; - Aber da flog mit Kurd, im eilenden Laufe, Toledo - Näher, und hielt, kampfdürstenden Blicks, an der Spitze der Seinen. - Jener, dem Herrscher genaht, erhob tiefathmend die Stimme: - »Herr, wie die Fluthen des Meer's im Hauch des stürmischen Nordwinds, - Zahllos, Wog' an Woge gereiht, zum Strande sich wälzen, - So vom Olivengehölz dir nahen die feindlichen Scharen!« - Noch entfloh den Lippen nicht ganz die unfreudige Nachricht, - Als von den Felsenhöh'n mit Donnergetös' und Gebrülle, - Lastende Kugeln heran, in des Lagers Mitte geschleudert, - Flogen: da sank in Reih'n und Gliedern, Jammer dem Anblick, - Häufig der tapferste Mann! Schnell riß die zischende Kugel - Diesem die Füße vom Leib, und warf sie, zerschmettert, zum Boden, - Jenem den Arm, und dem Dritten das Haupt, entsetzlich und furchtbar - Von dem taumelnden Rumpf', und es wälzten sich treffliche Rosse - Dort mit dem Reiter, verwundet, im Blut. Unsichtbaren Fluges, - Treffen des Todes Geschoss' aus den lautumdonnernden Schlünden: - Weder Kraft, noch Muth errettet von grauser Vertilgung, - Die aus der Fern' urplötzlich Bewehrt' und Wehrlose hinstreckt. - Jetzo gebothen sogleich des Krieg's wohlkundige Führer - Wechselnde Stellung, und vor- und rückwärts, schief, und gerad' hin, - Wogte das Heer: das Ziel zu entrücken der feindlichen Obmacht. - Aber der Kaiser sann. Er winkt'. Ihm nahte der Feldherr - Lichtstein: denn er gewahrte den Blitz in dem Auge des Fürsten. - »Lichtstein,« also sprach er, »du ziehst den engeren Thalweg - Hinter dem Salzthurm fort, zu erstürmen die Schanze der Felshöh'n: - Weder Medscherda's reißende Fluth, noch die schroffe Gebirgswand - Hemme des Siegers Lauf! Vier tausend muthige Schützen, - Tausend Reitern gesellt, genügen dir. Ist es gelungen: - Dann bedrohe den Feind, nicht achtlos Unser, im Rücken.« - Jener entschwand: ihm hob die Heldenseele des Herrschers - Ehrender Ruf, und erkor in Eile die tapfern Gefährten: - Oestreichs Reiter und Ungerns, die den tyrolischen Schützen - Folgten im munteren Schritt, und des Spessarts Kriegern, und Hessens. - Auch entboth er den Troß der fährschiffführenden Wägen, - Rossebespannt zu folgen der Schar werkkundiger Brückner. - Wieder begann der Herrscher, und rief mit leuchtendem Antlitz: - »Fort in den Kampf! Voraus die Reisigen, welche Mendoza - Heut' in dem Vortrab lenkt, zum Ruhme der hohen Cortezza. - Ihnen folg' in gemessenem Schritt, im Trommelgewirbel, - Und die Fahn' im Blick, Neapels muthiges Kriegsvolk, - Jenem gesellt, das uns die erlauchte Roma gesendet. - Ueber sie heischt Toledo's Blick die Leitung -- sie werd' ihm: - Denn ihm winket des Sieges Preis in der Stille der Felsnacht. - Aber die Ritter-Schar führt Garzia Lasso, und Alba, - Flammenden Muth's, der Spanier schwergeharnischte Reiter - Gegen den Feind; nur Eberstein verharr' in dem Lager, - Ihm ein schirmender Hort, mit den treuverlässigen Deutschen.« - Also geordnet, eilte das Heer in die stürmende Feldschlacht. - - - - - Neunter Gesang. - - - Wie der Heuschrecken Heere, gejagt aus Syriens Wüsten - Von zerstörender Gier, anstürmen im Sommer, daß weithin - Sauset die Luft, und die Sonne verlischt in der Helle des Mittags: - Also schwebten auch jetzt in zwei gesonderten Haufen, - Brausend, die Geister heran, und jeglichem eilten die Herrscher, - Muhamed erst, dann Attila vor: zwei finsteren Wolken - Gleich, die donnerschwer, in dräuender Stille heraufzieh'n. - Unmuth gohr in dem wilden Blicke des hunnischen Königs; - Auch die glühende Stirn' und Wange des Koran-Verkünders - Zuckte vor Wuth: nicht die Christen all' im Kampf der Entscheidung - Schauend. Lechzende Gier nach Blut erfüllte die Furchtbar'n. - Muhamed rief: »Erblick' ich dort Arabia's Krieger? - Wehe, denn weder an Muth, noch an Thaten sind sie mir ähnlich - Mehr, die Feig'umschwärmenden! Jetzt, und hinfort mir ein Liebling - Seye der Türk'. Aus Turkestans[54] sandiger Flur sich erhebend, - Kam er, ein brausender Sturm, und säte des heiligen Korans - Samen aus in die Welt, und lenkt' an die Keime den Blutstrom, - Daß er erwuchs, und die Ernt' in üppiger Fülle sich fortmehrt. - Hebe dich, luftige Schar: dem Christen errege die Gegner, - Daß er besiegt hinschwind', und nie rückkehre zur Heimath!« - »Tapfere Scythen, ihr!« rief laut der Hunnen-Beherrscher, - »Die, nach Attila's Wink, den allverheerenden Flammen - Aehnlich, im Garbenfeld der schmachgereifeten Menschheit, - Wüthetet, als uns Rom auf den sieben Hügeln erbebte -- - Byzanz neigte das Haupt: erhebet die luftigen Waffen, - Weil, der sterblichen Hüll' entrückt, der Thaten Vollendung - Nimmer den Busen uns labt, nicht der Sieg im Jauchzen der Mordlust; - Auf, und dränget der Janitschar'n blutdürstende Rotten - Rastlos vor zum Gewürg' in volkzermalmender Feldschlacht!« - Jauchzend vernahmen des Herrschers Ruf die luftigen Scharen; - Aber so laut und so mächtig sie schrie'n -- es zischte nur leises, - Schwaches Geflister herab. Wohl starrt' in der eilenden Heersmacht - Mancher der Krieger empor; doch leer ihn dünkte der Luftraum. - - Leise, mit weitvorstrebendem Fuß, die klirrenden Waffen - Pressend im Arm, und das Roß, daß es schweig', an den wallenden Mähnen - Streichelnd, nahte der Feind in täuschender Stille vom Wald her. - Doch als jetzt von den Felsenhöh'n das wichtige Zeichen - Donnernd erscholl, und fern in des Lagers Mitte Verderben - Säte der eherne Schlund: da jagten die listigen Scharen - All', im geflügelten Lauf, im Getös' empöreter Mordwuth, - Allah! Allah! brüllend, heran an des Lagers Umwallung: - Denn urschnell und in wilder Verzweiflung sollte der Christen - Schlummerndes Volk, so wähnete Hairaddin, Jammer ereilen. - Siehe, und als dem Wald, wie am wetterverheißenden Morgen - Zürnende Bienen dem Korb', entströmte sein lärmendes Kriegsvolk, - Führt' ihm Mendoza, der Held, im Blitze des Waffengeschmeides - Schon entgegen die reisige Schar: er selber den Kampfpreis - Heischend vor ihm, und kühneren Blick's vorstürmend zum Angriff! - Wie, wenn lechzend nach Blut, der schreckliche Tieger im Dickicht - Leises Geräusche vernimmt, und dort, nur scheue Gazellen - Suchend, den Leu'n, den langvermied'nen, gewahret, da wankt' er - Vor dem entsetzlichen Feinde zurück, und denket der Flucht schon; - Doch bald kehrt ihm die Wuth: er senkt die Brauen ergrimmter - Nieder, und fletschet die Zähn', ihm den letzten der Kämpfe zu biethen: - So mit staunendem Blick sah Hairaddin jetzo die Gegner - Kommen im Feld, die er, würgend, vom Schlaf zu erwecken gedachte. - Aber er säumte nicht, trieb, und jagte die Zögernden vorwärts, - Und der Geister aufjauchzendes Heer flog brausend hernieder, - Nahte den Kriegern, und schrie in das Ohr dort Jeglichem: »Vorwärts!« - Wie der Bremsen erboßter Schwarm in der Stunde des Mittags - Rasch auf die Heerde des trägeren Hornvieh's, dann auf der Rosse - Munt'res Gestütt' sich wirft, und all' in rasendem Taumel, - Brüllen, wiehern, und flieh'n: denn, ob ein schwindliger Abgrund, - Oder die tobende Fluth tief unten dräuet -- sie stürzen - Unaufhaltsam hinab; so drängten die luftigen Geister - Hairaddins Volk an die Feind', und furchtbar tönte der Schlachtruf. - - Siehe, die Reiterschar der Araber tauchte vor allen, - Spornend das feurige Roß, und vorgebeugt aus dem Sattel - Bis zu den Mähnen, die Spitze des hochaufragenden Speeres - Dort in Mendoza's Reih'n. Da fiel Segorbia's Kampfheld, - Aguillar, und mit ihm Morillo, den Murzia sandte, - Fahnenjunker im Heer, mit dreißig erlesenen Kriegern, - Und in dem Waffengemeng' erbebte Hispania's Jugend, - Die zum ersten Male des Kriegs betäubendem Schrecken, - Hier in dem Feld, entgegen sich warf, und dachte der Flucht schon. - Doch jetzt nahte mit Sturmes Flug vor seinen Gefährten - Hermann heran: ihn lockte des Kampfs erwachender Donner - Fernher. Aehnlich dem Aar, der tief im schattigen Thalgrund - Beut' ersehend, sogleich in sausender Schnelle herabfährt: - Also fuhr er herab, und rief dem edlen Mendoza: - »Sollten die Jünglinge flieh'n, ihr Ruhm ist gefährdet für immer. - Schau in die Vorwelt auf, wie dort der Heldengebiether - Hermann, den flüchtenden Kriegern zur Schmach und Wiederbesinnung, - Muthig den Schild ergriff, vordrang, und so, mit den Scharen - Wiedervereint, sich herrlichen Siegsruhm über des Varus[55] - Drei Legionen errang in dem eisernen Felde der Waffen: - Also mögest du jetzt den jüngst geworbenen Kriegern, - Kämpfend, ein Leitstern seyn auf dem grau'numnachteten Schlachtfeld!« - Glühende Röth' umzog Mendoza's Wangen; er dachte - Seines errungenen Ruhms Verdunkelung; schrie, und begann so: - »Spanier, kühn mir nach: nicht täuschet der edeln Cortezza - Hohes Vertrau'n, die euch sandte zum Heer; nicht gewahre der Herrscher - Euch unkriegerisch, feig; mir nach! Eh' treffe der Tod mich - Selber durch Feindeshand, eh' hier die Schande mich treffe.« - Jauchzend flog er dahin, und voll kühner Todesverachtung - Sprengten die Reiter ihm nach. Entscheidend für kommende Zeiten - Lenkt ein Held im Gefecht den neugeworbenen Krieger: - Denn nicht weicht er, und fällt, besiegt, im rühmlichen Tod nur: - Stets erfüllt ihm die Brust die erhabene Heldengesinnung. - Jetzo die stürmende Lanz', und jetzt des sausenden Säbels - Blitz und Schlag ereilte der Araber dichte Geschwader - Mordend; es sank das Volk, und es sanken die Rosse getödtet. - - Assad riß sich hervor, der Emir. Einst Beduine,[56] - Zog er in Syriens Wüsten umher, und häufte sich Reichthum, - Dort der Karavan' auflauernd im einsamen Hohlweg. - Deß' sich zu freu'n, wohnt' er zu Tunis im stolzen Pallast nun: - Seinem Volke verhaßt, dem stets das Leben in Zelten, - Draußen im Steppengefild des Menschen würdiger dünket. - Jetzo im sausenden Ritt Mendoza genaht, und vertrauend - Eiserner Kraft, dacht' er, mit dem blinkenden Speer ihn zu tödten; - Doch Mendoza riß an dem Zaum: sein mächtiges Streitroß - Setzt', im kreisenden Sprung', ihn schnell an die Seite des Emirs, - Und er jagt' ihm das Schwert mit festnachstürmender Rechten - Tief in die Brust: er sank vom Sattel, und stöhnt' in dem Tod noch. - Aber ihm naht' Abulkassem, sein Sohn, ein furchtbarer Rächer. - Stöhnend vor Wuth durchrannt' er Mendoza's Arm mit dem Säbel, - Als er, gewendet, die Reih'n aufboth zum stürmenden Angriff. - Wieder erhob er den Stahl, und hätt' ihn getödtet, da sprengte, - Rettend, Alonzo Cueva heran, der tapfere Hauptmann, - Schrie, und scheucht' ihn zurück. Er barg sich schnell im Gewimmel - Seines Volk's, das jetzt, des Feldherrn Wunde gewahrend, - Muthiger vorwärts drang, und laut aufbrüllte vor Mordlust. - Aber dem Schlachtengemeng' entrissen die Krieger den Helden; - Eilten in's Lager zurück, daß dort heilkundig der Arzt ihm - Stille das Blut, und träufle den weh'einschläfernden Balsam. - Und er ermahnete scheidend noch mit blässerem Antlitz, - Alle, zu folgen dem Wink des Helden Alonzo Cueva. - - Heißer entbrannte die Schlacht. Wie im Süd- und Norden empöret - Donnerstürme sich nah'n, und, vermengt, zur Erde Verderben - Speien im Flammengezisch und im schrecklichen Hagelgeprassel: - Also prallten die Araber an, und zugleich die Hispaner: - Diese von Rach' entflammt ob ihres verwundeten Führers, - Jene, voll Muths vorstürmend, und lautaufjubelnd im Vortheil. - Als sich gemengt im Feld die Wüthenden trafen, da tönte - Schrecklich der Mordausruf und das Schmettern der Waffen, dem Donner - Eherner Schlünde vereint, und Blut beströmte den Boden. - Schon warf zweimal der Christ des Mahoms Verehrer, im Sturmritt, - Drängend, zurück; schon jauchzt' er des Sieg's aufstrahlender Hoffnung; - Aber da warf, ergrimmt, auf Alonzo Cueva, den Dränger, - Abu-Sa-id den Dolch, und durchbohrt' ihm den Hals und den Nacken, - Solchem Kampfe geübt; er sank, und verhauchte das Leben. - Siehe, den endlos Trauernden faßt' am dämmernden Morgen, - Vor des Kampfes Beginn, heut' ahnungentsprossene Schwermuth - So, daß ihm Jeglicher staunt'. Ach, seines erblindeten Vaters - Greisengesicht, und das wankende Haupt, wie schneeiger Tauben - Dunen, so weiß, schien ihm noch immer zu dräu'n ob dem Frevel - Stürmischer Jugendzeit: da er leis'annahend, des Vaters - Händen den Stab entwand, und der zürnende Greis, an der Schwelle - Stolpernd, kopflangs stürzt', und blutete -- Jammer zu schauen! - Immer trübte die That ihm jegliche Freude des Lebens - Seither. Aber der Vater horcht, vor dem Haus' auf der Bank sich - Sonnend, dereinst begieriger auf, wenn kehrender Sieger - Jauchzen, der Waffen Geklirr, und das Wiehern der Rosse herantönt; - Ringsum Hast und Getös' die Heimgebliebenen aufregt, - Und die Straßen entlang: »Willkommen uns in der Heimath!« - Jubelnden Rufs erschallt in mancherlei Stimmen des Alters. - Vor vom Sitze gebeugt, horcht er: ob endlich des Sohnes - Gruß er vernehm', und harrt, hinzitternd, der frohen Umarmung: - Ach, umsonst: ihm sank der Theuere kämpfend vor Tunis! - Schrecken befiel die wiederverwaiseten Krieger: dem Unglück - Bebt' ihr muthiges Herz, nicht den wildaufrasenden Gegnern. - Also, verschüchtert, wichen sie nun, und ihnen im Rücken - Brauste der Feind, und häuft' im Felde die blutigen Leichen. - - Sieh', welch tapferes Häuflein kommt, die schnaubenden Rosse - Spornend, heran? Hell sprüht der zierliche Helm und der Harnisch - Hüpfende Funken umher; vom hochaufragenden Speerschaft - Blitzet der tödliche Stahl, und es blitzen die Augen der Männer. - Fünfzig sind's der Edlen. Sie führt auf der rühmlichen Laufbahn - Garzia Lasso, der Held, und Hispania's lieblichster Sänger. - Jetzo, dem Feinde genaht, und vorgebeugt aus dem Sattel, - Senkten die Kühnen den Speer, und warfen im sausenden Eilflug - Fünfzig der Feind' in den Staub: da floh'n die entlasteten Rosse - Wiehernd zurück: weit gähnte die Kluft im dichten Geschwader. - Wie, wenn brückendes Eis auf dem breiten Rücken der Donau, - Oder des Rheins, das heut' am Morgen noch eiserngefroren, - Unter der Wucht des schweren Gespanns und der lastenden Wägen - Drönete, nun ergriffen vom schmelzenden Hauche des Westwinds, - Krachend zerbirst, und zertrümmert im Schwall der finsteren Fluthen - Schwindet, daß links am Gestad', und rechts das schimmernde Landeis - Aufragt: also standen die Reih'n, im entsetzlichen Durchbruch - Weitgeschieden im Feld': sie blickten erstarrt in den leeren, - Scheidenden Raum: ihr Mordruf starb auf den bebenden Lippen. - Aber nicht rasteten dort die Scharenzertrümm'rer: sie würgten, - Was entgegen sich warf, in siegbeflügelter Hast noch. - Auch der Jünglinge Schar flog nun, um nimmer zu weichen, - Wieder im Felde heran, und vereint den siegenden Rittern, - Uebt' ihr blitzendes Schwert vergeltende Rach' an dem Gegner, - Der, von Schrecken betäubt, mit verhängtem Zügel den Läufer - Rückwärts trieb zu Hairaddins dichtannahender Heersmacht. - - Unabsehbar herab vom Olivengehölz auf das Blachfeld - Lenkt' er die Janitschar'n und fünfzig numidischer Horden - Wimmelndes Volk zum Kampf, als hier die Zersprengten dem Vortrab - Nahten. Er biß sich die Lippen vor Wuth; dann, eilig sich wendend, - Hieß er die Janitschar'n mit ausgebreiteten Armen, - Trennen die mittleren Reih'n, und erretten die flüchtenden Scharen, - Jene gehorchten dem Wink: mit rückwärtsstrebenden Fersen - Schwenkten die Reihen sich links und rechts: geräumigen Durchgang - Oeffnend dem flüchtigen Volk. So, wie, gehemmt in den Schleußen - Ruhet der brausende Strom, ein See, bis früh an dem Morgen - Oeffnen sie heißt der Schwemm' erfahrener Meister: da stürzen - Wog' auf Wog' und Schwall auf Schwall, im Gebrause des Donners, - Zur verschlingenden Kluft die langegehemmten Gewässer: - Also stürzten, gedrängt, und drängend, mit wildem Getümmel - Durch den geöffneten Raum zugleich die erretteten Scharen: - Denn nachjagte der Feind, und rastete nicht; in dem Rücken - Sauste des Säbels Schlag und der Lanz' einstürmender Mordstoß. - Aber die Janitscharen, die erst, sie schirmend, im Rückschritt - Wichen, kehrten zurück, und heischten, geordnet, den Angriff. - Hairaddin flog die Reihen entlang, und schrie im Getös' hin: - »Söhne des großen Propheten, des Muths und der flammenden Kühnheit, - Denket, welch' ihm die Erde, besiegt, gleich niedrigem Schämel, - Unter die Ferse gestellt: sie lag, und schmiegte sich duldend - Ihrem Druck. O dessen gedenkt! Ihr sehet die Gegner - Seines Nahmens vor euch; vernichtet sie, würgt sie gesammt hin.« - Muhamed, der ihn stets umschwebte mit liebender Sorgfalt, - Hörte mit Lächeln es an, wie er ihm vor gläubigen Moslems - Ruhm und Ehre gezollt; er selber, die Pfade des Lichtreichs - Fliehend, warnete nicht die Verblendeten, lächelte stolz noch! - Doch nun sah er erstaunt, daß Attila selbst, vor Entsetzen - Bebend, ihm nahte mit Sturmes Flug', und rief ihm entgegen: - »Haben die furchtbar'n Mächte gesiegt? Soll Schreckliches kommen, - Fallen vom Himmel der Mond mit den glänzenden Sternen; die Sonne - Ausgebrannt hinschwinden in ewige Nacht und Zerstörung, - Spurlos? Attila bebt, der nie zu erschütternde Krieger? - Jener wiegte das struppige Haupt, und als er noch einmal - Nach den felsigen Höh'n aufsah, entgegnet' er grimmig: - »Sieh', dort fleugt ein Mann g'en Hairaddin! Angst und Verzweiflung - Trägt er im Busen: er kommt, Unheil zu verkünden dem Herrscher. - Willst du vernehmen die That, die entsetzliche, der ich erbebte?« - - Doch was kündet der Bote voll Angst? ... Daß der tapfere Feldherr, - Lichtstein, glühenden Muths, die Schanz' auf dem Felsen erstürmte. - Schon durchzog er zuvor die schaurigen Pfade des Waldthals, - Leis' nur, wie es der Kaiser geboth: nicht Trommelgewirbel - Kündigte ferne den Zug, nicht schmetterten Lust die Drometen - Heut' in dem eilenden Ritt dem Reiter und Roß in die Ohren; - Doch, als jetzt Medscherda, mit lautaufrauschenden Wogen, - Ihnen am Felsengestad' entgegen sich dämmte, da hoben - Eilig die Brückner die Fähren herab von den knarrenden Achsen; - Warfen sie all' in die Fluth, versenkten die zackigen Anker, - Gegen den Strom mit Tau'n sie festigend, und in des Bogens - Krümmung einete Fähr' auf Fähr' die gesonderten Ufer. - D'rauf hinreihend das lange Gebälk', und quer auf die Balken - Breitend die Bohle, besiegten sie schnell die hemmenden Fluthen. - Unter des Rosses Huf und den Füßen der eilenden Krieger - Drönete fort und fort die schwankende Brück' auf dem Strom hin. - Aber drüben vom schroffen Gestad' erhob sich die Felsbahn - Schroffer noch himmelwärts. Der Reisige stieg aus dem Sattel, - Führte das Roß am Zaum', und keucht', und strauchelte häufig, - Ganz unkundig des Kletterns, und fremd in der hehren Gebirgswelt. - Aber es klomm, wie die Gemse, der Schütze Tyrols an der Felswand, - Tapferen Hessen vereint, und Spessartern, auf zu den Höhen. - Also errungen waren sie jetzt, und die Scharen geordnet. - Lichtsteins Ruf erscholl: »Hinan, tyrolische Männer! - Spessarter, vor mit den Hessen! Euch folge das Reiter-Geschwader - Dann, in gemessener Fern', entscheidend zum blutigen Angriff.« - Jauchzend, im Sturmlauf ging's an den Wall. Kaum trauend den Augen, - Sah der staunende Feind den Scharen des Feindes entgegen. - D'rauf erhob er Geschrei, und hieß des eh'rnen Geschützes - Donnergebrüll' mit dem Schmettern der Büchsen erschallen, und säte - Saat der Vernichtung. Da fiel Arnulf, der kühne Passeyer, - Der sich am Ortheles einst, dem felsaufklimmenden Steinbock - Folgend, verstieg, wo ihm bald der Strahl der Lebenserrettung - Völlig erlosch. Erhob er die Blicke: da wölbte die Steinwand - Ueber ihm thürmend sich auf, und senkt' er sie nieder, mit Vorsicht - Fassend den zackigen Fels: da bebt' er, vom Schwindel ergriffen, - Zitternd wieder zurück: denn weit hinaus auf den Abgrund - Bog sich die Wand, und eingekrümmt entschwand ihm die Mauer. - Kaum erspähte sein Aug' des Waldstroms Schimmer; verhallt war - Ihm sein Gebraus', und verstummt das Leben im einsamen Luftraum. - Dort sich mit reuigem Sinn, zum Hungertode bereitend, - Sah er schon zweimal des Tages Licht aufdämmern im Osten, - Zweimal erblassen im Abendroth; doch sieh', ihn vermißte - Jetzo der redliche Freund! Er wagte den Gang auf dem Felsgrath - Muthig, und schrie, und Geschrei vernehmend, senkt' er das Bastseil - Nieder vom jähen Geklipp', und rettete so den Gefährten. - Wie der Fischer empor zum Gestad', der Ruth', und des Fadens - Leises Zucken gewahrend, schnellt das zappelnde Fischchen: - Also entriß er den Freund, lautjubelnd, dem schrecklichen Tod dort, - Den er dahier nicht mied, durchbohrt von der schmetternden Kugel. - Neben ihm sank auch Eberhard, der erste der Schützen: - Nie verfehlt' er das Schwarz' in der kreisenden Scheib', und er both - sich - Selber dahier zum Ziel', in des Herzens Mitte getroffen. - Feuriger: denn der Getödteten furchtbare Rächer, bestürmten - Ihre Gefährten den Wall, und rastlos krachten die Büchsen, - Rastlos tönte Geschrei, zu wecken den Muth der Entscheidung. - Weder die Spessarter, noch die gleichgewaltigen Hessen - Weileten fern', einmüthig rang dem Helden der Held nach. - Wo die sternnachbildende Schanz' im engeren Vorsprung - Ragt', aufdrangen zuerst die muthigen Führer der Deutschen, - Werner und Wittekind, vom Graben. Erbebend der Kühnheit, - Wichen die Feinde zurück: da both Abdallah, des Bollwerks - Hort, im drometenden Ruf Stillstand, und rief im Getös' her: - »Stillstand bieth ich euch an: wir räumen den Wall und die Schanzen - Eurer Gewalt, so ihr Abzug gönnt in würdiger Freiheit; - Oder, wollen wir erst den Wink der Herrscher erkunden?« - »Hör't,« schrie Lichtstein auf, »euch täusche die feindliche List nicht! - Muthig hinan: ihr kämpfet hinfort um den leichteren Sieg nur!« - Rascher eilten die Reih'n auf Reih'n jetzt vor, und erstiegen - Kämpfend den Wall: denn schrecklich erwies sich der Feind in der - Nothwehr. - Werners Arm erlag Abdallah, der Schirmer des Bollwerks; - Aber ihm bohrte zugleich ein Derwisch, Fluch und Verwünschung - Brüllend gegen das stürmende Volk, den Dolch in den Nacken - So, daß dem Sinkenden schnell das Blut und das Leben entströmte. - Schwer vermißt ihn daheim die liebende Mutter, in Kummer - Lebend, seit ihr der Gatte versank in den Fluthen des Mainstroms, - Wo er vom berstenden Eis lautjammernde Menschen gerettet. - Nur ihr Einziger war ihr Trost in der schrecklichen Trennung - Von dem Gemahl, und Ernährer: denn stets heimbrachte der Sohn ihr, - Frommgesinnet, den Sold, und küßt' ihr die Hände mit Ehrfurcht: - Dankbar sorgend für jene, die ihn mit Schmerzen geboren, - Oft den Schlummer entbehrt', und viel herznagenden Kummer - Duldet' um ihn mit Lieb', in hülfebedürftiger Kindheit. - Ach, nun harrt sie umsonst des Guten! Ihn tödtet' ein Derwisch - Hier auf dem Wall. Doch Wittekind ereilte den Meuchler - Schnell; erhob den Degen, und traf ihn mit kräftiger Rechten - Tief in's Genick, daß er röchelnd sank, und im Blute sich wälzte. - Ihn umhäufeten bald, ringsher, die tapfersten Krieger. - Rasch umlenkend das Roß, aufschwang der Scharen Gebiether, - Lichtstein, jetzo das Schwert: verständlich blitzt' es dem Volk' auf. - Alsbald rief die Dromet' in hellerklingenden Tönen - Roß und Reiter zum Sturm, und zugleich, dem Sporn in den Seiten - Stöhnend, flogen die Läufer gestreckt an den Graben. Sie setzten - Ueber ihn hin, und klommen, daß fest an dem Hals' und den Mähnen - Pochte des Reiters Brust, an dem sandgehügelten Wall auf. - Dort war jetzt ringsum Gewürg', und Gemetzel, und Wuthschrei: - Denn nicht der Hagel prasselt so laut aus berstenden Wolken - Nieder auf's Breterdach (der Wandrer bebt vor Entsetzen, - Der sich unter ihm barg, zu entflieh'n dem grausen Gewitter) - Als der sausende Stahl, entlang den Wällen, auf Stirnbund, - Tulban, Harnisch, und Helm herrasselte, mordend die Scharen. - - Mechmet entrann. Nun beugt' er die Stirne vor Hairaddin dreimal - Tief in den Staub; dann stand er, und wollte beginnen, vermocht's nicht. - Hairaddin faßt' ergrimmt, des Zögernden Stirne zu spalten, - Schon den Säbel; da rief der bleichaufathmende Krieger: - »Herr, stets glänze dein Ruhm, wie, strahlend, die Sonne vom Aufgang - Glänzet zum Niedergang, und mögen die Feinde, vernichtet, - Schwinden vor ihm! Doch weh'! Entsetzliches muß ich dir künden -- - Zittern vor deinem Zorn. Vernimm's! Die Schanz ist erstürmet. - Keiner der Unsern lebt; ich allein entrann dem Gemetzel, - Dir zum Wohl: denn siehe, dein Sclav' entriß sich dem Kampf nur, - Daß du es hörest von ihm: dir nahen die Feind' in dem Rücken!« - Und er stieß sich den Dolch in die Brust. Da floß an den Wangen - Hairaddins wohl die Thräne herab, als dort in dem Sandstaub - Jener verhauchte den Geist? Ach, niemals hoben sich Thränen - Ihm aus der Brust empor zu den grimmgerötheten Augen; - Ihnen entstrahlte kein Mitgefühl, kein himmlisches Mitleid! - Schweigend starrt' er umher; dann, so, wie ein Blitz in der Sturmnacht - Durch das finst're Gewölk hinfleugt, umröthete plötzlich - Tiefaufgährender Zorn ihm die blässergewordenen Wangen, - Und er rief, daß Muhameds Aug' erglänzte vor Wonne, - Grimmig den Janitschar'n entgegen, und schrie im Getös' hin: - »Mögen sie immer im Rücken uns nah'n. Nicht eher verlassen - Wir die dürstende Heide, bis satt mit feindlichem Blut wir - Sie getränkt, und genügend ihr tischten das schreckliche Schlachtmahl.« - D'rauf, wie dort in des Waldthals Schlucht, aus berstenden Wolken - Niedergestürzt, ein Strom entgegen sich dränget dem ander'n, - Laut mit wildem Geräusch', und im schrecklichen Wogengewirbel, - Tief aus dem Grunde gewühlt, die Vesten der Berge versinken - Links und rechts: da rollen die Felsen, da stürzen die Wälder - Gegen einander hinab in den brausenden Schaum der Gewässer: - Also stießen auch hier die feindlichen Heere zusammen. - - Eilend vor Alba's Reiterschar, flog Garzia Lasso - Jetzt mit den Rittern heran. Des Fußvolks treffliche Reihen - Folgten dem Kaiser selbst, dem stattlichen: kühn den Gefahren - Stehend im Kampf', und stolz im Gefühle des sicheren Sieges. - Furchtbar donnerten schon die mächtigen Schlünde; zugleich flog - Lastendes Eisen, im Bogenwurf sich kreuzend im Luftraum, - Hin, und daher gesandt, entsetzlichen Jammer zu schaffen. - Fort und fort, im Gekrach der rastlosfeuernden Büchsen, - Prasselte Kugelsaat auf den Feind; laut kreischte der Säbel, - Zischte der Pfeil, ersausten die Speer' und die Lanzen, und ringsum - Strömte das Blut: stets grimmiger wüthete Mord und Empörung. - Rechts, wo Hairaddins Heer, entfaltend die Flügel, der Mauren - Reisiges Volk aufwies, zog Alba, und Garzia Lasso - Links an die Araber, die voll Grimms gluthschnaubende Rosse - Tummelten, ihm entgegen zu steh'n im Gemenge der Waffen: - Denn im sausenden Flug' umschwebte sie Muhamed selber, - Mit dem ergrimmten Gefolg ringsher anstürmender Geister, - Rastete nicht, und haucht' empörende Gluth in die Herzen. - Listengeübt ersann er jetzt dem Garzia Lasso - Schnelles Verderben. Er sah, wie er, senkend den Speer, an die Gegner - Spornte das Roß; er eilet' ihm vor, und empörte die Natter,[57] - Die, in dem Munde des Volks die Königsschlange gepriesen, - Gleich dem regen Gewürm die rührigen Hörner bewegend, - Sich in dem Sande vergräbt, dort schlau zu berücken die Vögel, - Daß sie ihr selbst, harmlos annahend, zur Beute sich böthen. - Zischend fuhr das grimmige, sandaufschnellende Giftthier - Vor dem Roß in die Höh', und es schnob im taumelnden Aufsprung. - Dann, nicht achtend des Schmeichelworts, nicht des hemmenden Zügels, - Flog es hinüber, und trug den edelen Herrn an den Feind hin. - Dort, von den Seinen getrennt, und dem sicheren Tode geopfert, - Seufzt' er im Geist: »Nun stirb -- doch nicht unrühmlich, ein Feiger!« - Und den blinkenden Speer fortschleudernd, riß er das Eisen - Sich von der Hüft', und hieb den ersten vor allen, Kilikdar, - Emir des Steppenvolks, vom Sattel: er regte sich nicht mehr. - Also blitzte sein Schwert nach jeglicher Seite, verderbend; - Doch, nun jagten wohl Hunderte her, den Ruhm zu erringen: - Daß sie die tapferste Brust mit dem tödlichen Stahle durchbohrten. - Hermann sah's, in der Luft herschwebend, welche Gefahr ihm - Droht'; er schwang sich herab, und rief dem Kaiser mit Hast zu: - »Schaue von Feinden umringt den tapferen Garzia Lasso: - Rett' ihn beherzt! Was schön und groß sich erweiset auf Erden, - Führet des Liedes Macht auf goldenen Schwingen zur Nachwelt. - Nur ein Schwall im Strome der Zeiten, entschwindet das Leben; - Aber der Sänger hascht im Fluge die zartesten Strahlen, - Die vom eilenden Schwall sich heben, ätherischer Schönheit, - Eint, und hägt sie in treuer Brust, und rettet mit Sorgfalt - Sie noch dem fernsten Geschlecht' in ewiglebenden Tönen.« - Also sprach er in Hast, und winkte den Lüftegenossen, - Mutheinhauchend, den Christen zu nah'n: sie jauchzten ihm Beifall, - Schwingend den Speer und den Schild, aus schimmerndem Aether gebildet. - Aber des Kaisers Brust erpocht' im hohen Gefühl jetzt, - Retter zu seyn des schwert- und liedergewaltigen Mannes. - Links, rechts, gab er dem Pferde die Sporn': ihm wichen die Reihen; - Ihm nachjagte Gefolg', nicht forschend, nicht lange besinnend; - Nur Del Guasto erblaßt'. Er hob die Hände vor allen - Ueber das grauende Haupt empor, und jammerte laut auf: - »Stirb, unglücklicher Greis, eh' brechend dein Auge des Jammers - Fülle gewahrt! Wagt also ein Herrscher das edelste Leben? - Nichts gilt Weisheit mehr, nichts warnenden Alters Erfahrung. - Auf, ihr Tapferen, auf, und rettet den Kaiser! Auch Alba - Lenke die Reiter heran, zu erringen den herrlichsten Kampfpreis.« - Also geboth er dem Volk. Im Sturmlauf brachen die Scharen - Gegen den Feind. Hinflog auf dem schnaubenden Rosse der Herold, - Gomez, des Feldherrn Wort zu künden dem Heldengebiether, - Alba, und sieh', nun schwebte der Angst umnachtendes Dunkel - Ueber dem Christen-Heer', in des furchtbar'n Kampfes Entscheidung! - - Ha, schon fiel der Rappe Garzia Lasso's, getödtet. - Mühend entwand er das Bein dem lastenden Thier, und ihm selber - Warf jetzt Abu-Sa-id den blinkenden Speer in die Schulter, - Daß der erhobenen Faust, bluttriefend der Degen entschlüpfte, - Ihm einbrachen die Knie', und die Augen umhüllete Nachtgrau'n. - Wieder erhob Scheik Roßlan das Schwert, ihm die Stirne zu spalten; - Aber da flog aus der Rechte des nahenden Kaisers der Wurfspieß: - Roßlan röchelt' im Sand', und schnell, noch ehe der Ritter - Kommende Schar das Weiß' im Auge des Feindes gewahrte, - Fiel noch Jusuff, und Ismail Beg, und Haroun, der Emir, - Seines mordenden Stahls Blutgier und der Rechte Gewalthieb. - Nahend im Flug, und lautaufjauchzend den Thaten des Herrschers, - Rächten die Ritter zugleich den schwerverwundeten Führer. - Doch, wie ein mächtiger Schlag des lauterkrachenden Donners, - Der von des Himmels Rand' auftobte zum finsteren Nordpol, - Wieder von Osten zurück mit tiefempöretem Ingrimm - Kehrt, und aus Wolkennacht herrollet im dumpferen Nachhall: - Also erscholl aus der Ferne heran der mächtigen Rosse - Donnernder Huf: denn Alba kam mit den Reitern geflogen. - Und, wie die stürzende Last der Gewitterfluth auf dem Saatfeld - Plötzlich die goldenen Halme zerschlägt: nicht im Windesgesäusel - Wogen sie mehr; sie liegen zerknickt, und zerschmettert im Staub dort: - Eben so ritt hier Mann und Roß das eisengehüllte, - Kräftige Reitervolk, andalusische Hengst' an die schlanken, - Zartgestalteten Rosse der Araber, spornend, zu Boden. - Lautes Geheul erscholl jetzt unter den stampfenden Hufen; - Ringsum Waffengeklirr und tödlicher Büchsen Geschmetter. - - Drüben rang in dem heißeren Kampf Del Guasto, des Fußvolks - Eiserngeschlossene Reih'n entgegendrängend dem Anfall - Wüthender Janitschar'n. Jetzt hin, dann wieder herüber, - Wie in der felsigen Bucht sich drehet die wirbelnde Brandung, - Wogten die Kämpfenden. Sieh', und er wäre gewichen! Da brachen, - Fliehend vor Alba's blitzendem Schwert, Arabias Völker - Durch die Reihen der Janitschar'n; sie schufen Verwirrung - Rings, und erfüllten Hairaddins Brust mit Wuth und Verzweiflung. - Furchtbar glühte sein Aug'; er ballte die Faust an der Stirn' hin, - Hing aus dem Sattel vor, und sann entsetzliche Thaten; - Doch, von geworfenen Haufen umdrängt, und der Rettung gedenkend, - Führt' er die Scharen zurück: ihm brauste sein flüchtendes Volk nach. - Nicht der Sorge vergaß für Garzia Lasso der Kaiser. - Blutend lag er im Staub, und lehnte das Haupt an den Rücken - Seines getödteten Thiers. Als nun der Retter vor ihm stand, - Strebt' er noch den zerschmetterten Leib von dem Boden zu heben, - Sah durch Thränen ihn an, und lächelte. Jetzo begann er: - »Herrlich hast du gesiegt, und errettet den Sänger. Von nun an - Töne mein Saitenspiel nur dir, ruhmwürdiger Herrscher, - Daß im entzückenden Klang vernehme die staunende Nachwelt: - Wie du, erhabengesinnt, nach der Bürgerkrone dich sehntest, - Die, in dem Schlachtengefild', einst Rom dem Retter des Kriegers - Aus umdrängender Noth um die Heldenstirne geschlungen!«[58] - Sprach's. Da wandte sich jener behend, die Thräne zu bergen; - Winkte zugleich, und sanft erhoben die Krieger den Helden, - Ihn zu entreißen dem Sturm der Geschoß', und eilten in's Lager, - Daß er, mit Liebe gepflegt, sich freue der holden Genesung. - Aber auch allen umher den Verwundeten, sagte der Kaiser - Tröstende Wort', und geboth, was Aller Rettung erheischte: - Ehrend den Menschen im hohen Gemüth, der vielfachen Jammer - Duldet, des Vaterlands erhabenem Rufe gehorchend. - Jetzt ersah er mit Lust, wie schnell die Krieger Toledo's - Ihm nachbrausten im Feld, des Sieges Preis zu erringen; - Blößte das Schwert, und rief dann laut dem tapferen Feldherrn: - »Dort des See's Gestad' entlang beschirme des Heeres - Rücken mit Muth, und halte dich fest an dem Felsen, dem Fels gleich, - Den die zürnende Fluth umbraust mit eitelm Getümmel. - Herrlich strahlt aus dem Sieg das leidenlohnende Ziel dir.« - Mächtig erschüttert hob die flammenden Augen Toledo - Nach dem gütigen Herrscher empor, der, ahnend des Herzens - Schreckliche Qual, mit erhabenem Sinn ihm lindernden Balsam - Träufelte; ging, und führte sein Volk am Strande des See's hin. - Wie auf dem Meer der kehrende Schiffer, den in der Sturmnacht, - Nahe dem schirmenden Port', ein Donnergewitter ereilet, - Mitten im lauten Gebrüll der hochaufschäumenden Wogen, - Und in des Todes Grau'n, das rings sich lagert, der Hoffnung - Sehnsuchtsblick stets fest auf die strahlende Flamme geheftet - Hält, die hoch auf dem Leuchtthurm nährt die sorgliche Seestadt: - Also haftete jetzt sein Aug' an den ragenden Felshöh'n, - Als an dem sicheren Port, in welchem sein Alles gerettet, - Und geborgen ihm schien, nach dauernden Stürmen des Lebens. - - Ach, und hatte die Dulderinn noch des bitteren Kelches - Letzte Hefen geleert; noch sterbend vernommen den Donner - Von dem Hügel herab; der Höhle vorüber den Hufschlag - Feindlicher Ross', und Eil' und Hast unmenschlicher Räuber; - D'rauf die wilde Losung des Mords, Wuthschrei der Besiegten, - Jauchzen der Sieger, Geheul Verwundeter, Sterbender Röcheln? - Doch nur am tauben Gestein, am dunkeln Gewölbe des Grabes, - Hallte der Jammer hin -- dem Ohre der Todten nicht hörbar. - Dort, geborgen durch Treu' und Liebe des redlichen Greises, - Lag sie auf schwellendem Moos', in der hehren Stille der Mondnacht. - Schneidend' Weh und dumpfes Bangen drängte sich wieder - Ihr durch Mark und Gebein: denn oft verging sie in Ohnmacht, - Wachte wieder, und litt. Ach! keine mitleidigen Seelen - Nähern sich hülfreich ihr in der Stunde der Angst und des Jammers? - Siehe, und Roma's Stolz, Cornelia,[59] Mutter der Gracchen, - Schwebte heran! So wie durch leuchtende Scheiben des Fensters - Dringet der Sonnenstrahl; so dringt ätherisch der Geist auch - Durch das dichte Gestein. Sie hörte die Jammernde, bebte, - Forscht' in Hast ringsher: ob hülfekundig ein Wesen - Athme, ihr Rettung zu bringen? Umsonst! Des Tages Geräusch' war - Lange verhallt, entfernt die Stadt, und still das Gehölz her. - Knieend hielt sie das Haupt der Leidenden, und, so verlassen, - Suchte sie, leidengeübt, ihr Muth in dem Herzen zu wecken. - Jetzo entwand sich in Weh'n dem Schooße Mathildens ein Knäblein. - Aber sie legt' ihn matt an die todbleichschwebende Brust hin; - Griff nach der rieselnden Fluth, und taufte mit zitternder Rechten, - Ihn in dem heiligen Nahmen des Ein-Dreieinigen Gottes. - Dann noch fühlte sie tief, im eisigen Schauer des Todes -- - Fühlt' es, mit liebendem Blick nach Oben: ein Himmlischer löse - Sanft und mild das Band des irdischen Lebens. Ihr Herz schlug - Immer leiser und leiser. Es stand, und regte sich nicht mehr. - Schwebend über dem Fels, im hehren Flug zu des Himmels - Strahlenbahn, noch einmal senkte zur irdischen Heimath - Sie den verkläreten Blick, und sah am verblichenen Leichnam - Liegen ihr wimmerndes Kind, und suchen vergeblich um Nahrung - Dort an der bleicheren Brust umher. Da entstürzten die Thränen - Ihrem Aug'; doch Thränen der Wonn': im himmlischen Eden - Harre der zarten Knospe Gedeih'n und Fülle der Nahrung, - Daß sie entfaltet blüh' in nievergänglicher Schönheit, - Frische, und Kraft: denn jetzt verlosch auf dem ruhenden Herzen, - Aehnlich dem Abendstrahl, das mattaufflimmernde Leben. - Doch, wie ein glühender Docht, der Flamme genahet, sich wieder - Eilig entflammt: es hüpft die fächelnde Lohe nach ihr hin: - Wie die getrennte Fluth der bergentsprossenen Quelle - Schnell den blumigen Hügel umfließt, den sinnig der Gärtner - Jüngst in dem Lusthain schuf: die beiden Arme, gesondert, - Streben sich wieder zu einen, und flieh'n im schöneren Lauf fort: - Wonne, so flog an die Brust der überseligen Mutter - Nun ein Engel, ihr Kind; umschlang den glänzenden Hals ihr, - Holdauflächelnd, und lallt' ihr entzückt Willkommen und Gruß nach! - Aber sie hob ihn empor; sie jauchzte hinauf in den Himmel, - Eilt', und flog, wie ein Stern hinschwindend im glänzenden Aether, - Nach dem Gezelt, wo ihr Gatte, versunken in tödlicher Schwermuth, - Saß, und nach ihr sich sehnt' in unaussprechlicher Rührung. - Nah' ihm schwebte sie leis': ihr pochte das Herz in dem Busen - Ob der Erinnerung ihres einstigen Glücks und der Leiden, - Die sie erduldeten beid', in der Zeit entsetzlicher Trennung; - Legte den einen Arm um den Nacken ihm, legte das Söhnlein - Ihm an die Brust. Er stöhnt', und blickt' in schaudernder Ahnung - Um sich her: ihn ergriff die Näh' unsterblicher Seelen. - Sieh', ihn herzte das Kind, mit sanftumschlingenden Händchen - Hängend an seinem Hals, und pressend die Wang' an die Wangen! - Doch sie sprach ihm leis' an die Seele die Worte des Trostes: - »Gottes Friede mit dir! Der seligen Wiedervereinung - Stunde ist nah': denn bald, verhauchend das tapfere Leben, - Eilst du mir freudig nach in die Segensgefilde des Himmels, - Wo kein Scheiden mehr ist, kein feindliches Schicksal, kein Tod mehr - Glückliche Herzen trennt; wo jegliche Thräne versieget, - Jede Klage verstummt, und Mathild' dein harret mit Sehnsucht.« - Lispelte so. Sie küßte die thränenumflossenen Augen, - Leis'erbebend, ihm noch im innigen Kusse der Seelen, - Und entschwand, mit dem Engel im Arm, noch häufig herunter - Schauend, verklärt, und strahlender stets, wie ein Blitz in den Lüften. - - Dort von des Felsens Höh'n ihr folgten Cornelia's Augen. - Weinend hob sie die Händ' ihr nach, und sagte beklommen: - »Vieles duldet' ich einst: mit ehernem Muthe getragen - Hab' ich den Tod der Söhn', wie es heischte die Würd' und der Ahnen - Beispiel. Im Busen erglühte mir heiß die Liebe des Nachruhms: - Mutter der Gracchen zu seyn, und zu heißen der römischen Frauen - Erst' in der Gegenwart und spät in der kommenden Zeit noch, - Und mich ehrte mein Volk; doch, sah, bewundernd, ein Aug' hier, - Welche Qualen sie litt, und wie, in der einsamen Felsnacht? - Nur das hohe Gesetz des göttlichen Lehrers ihr Leitstern; - Seine Lieb' ihr Trost; ihr Ziel das bessere Leben. - O daß ich fern ihm wandelte -- fern, auf dem düsteren Irrpfad!« - Süßer als Harfengetön im Zauber der nächtlichen Stille - Scholl aus dem Luftraum ihr der sanfteinladende Zuruf: - »Schweb' empor, Cornelia! Einst tönt dir aus den Himmeln, - Wonnig-ersäuselnd, der Born unendlicher Huld und Erbarmung!« - Wie des Morgens Strahl auffleugt am rosigen Himmel, - Flog sie empor, auf einem der flammenden Sterne zu weilen, - Welche, dem Lichtreich nah', im schöneren Laufe dahinzieh'n. - - Doch nun drang Toledo, der Held, dem Sturme vergleichbar, - Der die Heide durchtobt in trüberen Tagen des Herbstes, - Immer des See's Gestad' entlang zum Felsen hinüber. - Freudig brausten die Scharen ihm nach. An dem edelen Feldherrn - Hing mit Liebe das Volk, der, immer so kühn, in Gefahren - Ruhm sich errang, und Ruhm und Ehre gewährte dem Krieger. - Schon erblickt' er das Ziel; doch, ach, von Schauder ergriffen, - Sah er zugleich unendliche Macht der feindlichen Reiter, - Spähend, umstellen den Fels, geführt von dem schrecklichen Dragut! - Lautaufseufzte der Held: er wähnte verrathen des Felsens - Dunkele Höhl', und ihm entrissen das edelste Kleinod. - Dragut gewahret' ihn auch, und sann: ob er dem Verhaßten - Nahe, ob nicht? Doch schnell gedacht' er der List, und urplötzlich - Jagt' er davon, zum Hinterhalte die Feinde zu locken. - »Tapferer Greis,« so rief Toledo dem römischen Feldherrn, - »Sey des Volkes leitender Hort! Verfolge die Gegner - Rasch hin, bis ich die Gattinn erlöst' aus dem bergenden Fels hier, - Und mit Kurd, dem edelen Freund, entsandt' in das Lager: - Denn mich heißet die Pflicht noch fürder im Kampfe zu stehen.« - Freudig gehorchte der tapfere Greis, Ursini. Des Jünglings - Feuer beseelt' ihm die Brust: er eilte dem fliehenden Feind nach. - Wie die Löwinn, die erst auf dem Lager die Jungen zurückließ, - Hörend des Panthers Gebrüll fernher, schnell wieder zurückkehrt, - Vor die Höhle sich stellt, und harret des kommenden Gegners: - Denn sie vertrauet dem Muth und der siegenden Stärke: so muthig - Blickte Toledo umher (nicht Tausenden wär' er gewichen) - Sprang aus dem Sattel mit Kurd, und legte mit zitternden Händen, - Nahe dem Felseingang, die blinkenden Waffen dann nieder; - D'rauf, nicht ahnend im Geist die entsetzliche Nähe des Jammers, - Half er dem treuen Gefährten, und hob, und wälzte vom Eingang, - Stöhnend, den mächtigen Block, und räumete Schutt und Gesträuch weg. - Weit aufgähnte die Höhl'. Er stieg: »Mathilde! Mathilde!« - Rufend, hinab. O Jammer, da sträubten, wie Stacheln des Igels, - Ihm von der Scheitel die Haare sich auf. Ein Schrei des Entsetzens - Schmettert' aus seiner Brust; weit vorgebogen, und krampfhaft - Faltend die Händ' an der Stirn', hinstarrt' er mit leblosen Augen -- - Starrt', und sah die Gattinn entseelt auf dem Boden, und ihr gleich, - Schlummernd an holder Mutterbrust den lieblichen Säugling. - Leis' nur athmet' er noch, und sank erblassend zusammen. - - D'rüben lag Ursini dem Feind, verfolgend, im Rücken. - Unablässig erkrachte das Rohr, und säte Vernichtung - Unter die fliehende Schar; doch plötzlich brach vom Gehölz her, - Lauernd im Hinterhalte, der Feind auf den Sieger, und sandte - Zahllosschwirrende Pfeile heran. Da wandte sich Dragut - Eilig zu seinem Volk, und rief mit grimmigen Blicken: - »Jetzt umzingelt sie schnell. Sie sollen den Frevel mir büßen, - Den ihr Führer verübt'. Und, ha, nicht erseh' ich ihn drüben - Unter der Schar! Hat etwa der Unsern Geschoß ihn ereilet, - Oder, wich er feige zurück, weil Dragut ihm nahte?« - Flugs umbrausten mit wildem Geschrei die maurischen Reiter, - Dragut folgend, und flugs numidische Horden, die Christen. - Aber der tapfere Greis, dem jetzt die feindliche Kugel - Stürmend die Rechte durchfuhr, erhob mit der Linken den Degen, - Ordnete schnell die Reihen, und rief den Geordneten: »Feuer!« - Denn sie hatten gezielt: da feuerten alle mit einmal - Ihre Gewehr' ab: sie krachten, durch Rauch und Flammen versendend - Furchtbare Kugelsaat zur blutigen Ernte des Todes. - Schnaubend prallten die Rosse zurück; der wilde Numider - Wankte; von Schrecken betäubt, verweilte der maurische Reiter. - Nun gedacht' Ursini der Flucht, der rettenden. Fliehend - Drängt' in das Feuerrohr der Krieger des Todes Geschosse; - Stellte sich wieder, ereilt, und trieb die stürmenden Haufen - Mordend zurück. Doch wie der Staar' unzählige Scharen, - Lüstern nach Traubenblut, die Rebenhügel umflattern: - Weder der Hüther Geschrei, noch die rastlos tönende Klapper - Scheucht sie völlig hinweg -- stets kehren die Lästigen wieder: - Also umschwärmte der Feind die Fliehenden: Manchem das Leben - Raubend mit tödlichem Stahl, und fernhin scholl das Getümmel. - Dragut sah, erstaunt, die Waffen Toledo's am Boden - Liegen. Er sprang voll Hast aus dem Sattel, und stieg in den Felsschlund - Rachebeflügelt hinab. Sein spähendes Auge gewahrte - Bald den Ersehnten im Grabesgewölb', und er jauchzte vor Wuth auf; - Aber sein Flammenblick, den starrenden Blicken Toledo's - Folgend, sah die entseelete Frau. Da faßte des Todes - Schauer ihn an: der Laut erstarb auf den Lippen ihm; wankend - Sucht' er des Tages Licht, und stöhnte noch laut vor Entsetzen. - Schon braust' ihm sein Volk entgegen im schmählichen Rückzug, - Von dem Feinde gejagt: denn Alba's siegende Reiter - Brachten Ursini's umstürmter Schar ersehnete Rettung. - Dragut schwang sich behend auf's Pferd, zu entkommen den Augen - Hairaddins, daß er nicht feig ihn heiße, die blässeren Wangen - Schauend im Waffenfeld: nicht ahnend, was ihn betroffen. - - Muhamed, der die Wälschen umdrängt, in grauser Verfolgung - Weichen sah, erregte den Muth des flüchtenden Herrschers, - Hairaddin, kühn zu besteh'n des Kaisers anstürmende Heersmacht. - »Wie,« so rief ihm der Geist, »du, Hairaddin, schrecklicher Krieger, - Wendest den Rücken dem Feind'? Erschlafften des tapfersten Herzens - Schwingen so ganz, daß es scheu vor Schlachtengetümmel zurückbebt? - Auf, und versuch' erneueten Kampf: denn Siegesgejauchz' tönt - Dort von des See's Gestad', wo Dragut, der Schreckliche, kämpfte!« - Hairaddin horcht', und vernahm fernher Getümmel und Schlachtruf. - Donnernd schrie er den Flüchtenden: »Halt!« und stellte die Haufen - Gegen des Feindes Macht mit kampfanbiethender Stirn auf. - Auch das Siegel von Gold, das hell an der tapferen Brust ihm - Schimmerte, sandt' er an Dragut hin: ein furchtbares Zeichen - Großer Gefahr, und des Ungehorsams dräuender Strafen, - Daß er ihm eine die Macht. Wie auf Windes Flügeln enteilte -- - Spornte das Roß Ben-Dar, der Araber, der ihm ein Liebling - War vor allen im Heer' mit dem kühnvordringenden Kampfmuth. - Aber vergebens spornt' er das Blut aus den Seiten des Renners; - Hairaddin forschte nach Dragut umsonst: denn, fern von dem Schlachtfeld, - Nahet' er schon im Flug den Thoren von Tunis, getrieben - Von entsetzlicher Angst. Ihm keuchte sein bebendes Volk nach. - Wie, verirrt auf Sibiriens schneeiger Heide, der Weidmann - Aengstlich forschend sich müht, den ihm entschwundenen Heimweg - Wieder zu finden, und jetzt am Rande des Himmels ein Wölkchen - Leis' aufschwebt: da wähnt' er, getäuscht, die trauliche Hütte - Sey es, und freut sich der Gattinn schon und der harrenden Kindlein; - Aber das Wölkchen schwand, und trostlos kehrt ihm der Abend: - Also getäuscht sah Hairaddin unmuthsvoll zu dem Seestrand - Forschend hinaus: denn fern' ihm floh die ersehnete Kriegsschar. - Sieh', und jetzt durchtobte zugleich das entsetzliche Schlachtfeld - Lärmenden Sieges Getös', und Flucht und grause Verwirrung! - Dort brach Lichtsteins Volk, des herrlichen Schanzenerstürmers, - Jauchzend heran, und hier ihm brauste, dem wilden Orkan gleich, - Alba's siegende Macht entgegen. Er blickte verzweifelnd - Um sich her, und geboth den bebenden Scharen den Heimzug. - Mordend folgten die Sieger ihm nach. Vom Blute geröthet - Wies sich den Kehrenden weit die siegverherrlichte Laufbahn. - - Nahe dem Felsenschlund saß Kurd. Er senkte die Augen - Tief zur Brust, und schimmernde Thränen benetzten sein Antlitz, - Als der Kaiser an ihm vorüberzog in dem Siegslauf. - Dieser sprengte das Roß jetzt näher, und forschte mit Sorgfalt: - Was ihn betrübt'? Doch Kurd erhob sich, und führte den Herrscher - Ein in des Grabes Nacht, in die Wohnung unsäglicher Trauer. - Dort erbebte sein fühlendes Herz des Menschengeschickes - Nächtlichstem Bild. Er schwieg; doch dringender Hülfe gedenkend, - Faßt' er Toledo am Arm, und stieg in die Helle des Tages - Rasch mit dem Wankenden auf; dann rief er dem treuen Gefährten: - »Kurd, erhebe dich schnell, und häufe die Trümmer mit Vorsicht - Auf an dem Schlund: denn bald erhöh'n wir, als Sieger, Mathildens - Denkstein, der ihr Trauergeschick verkünde der Nachwelt, - Und an den Wechsel des Erdenglücks den Sterblichen mahne!« - Also geschah's. Doch heim zu dem Zelte des gütigen Kaisers - Schritt mit Toledo das trauernde Roß; er lenkte das eig'ne - Sorglich ihm an der Seit', und sann voll Huld auf dem Heimweg, - Wie er das leidenerstarrete Herz zum Leben erwärme? - Und der ersehnete Abend sank. Die kehrenden Scharen - Eilten mit Siegesgesang, vom Gewirbel der drönenden Trommel - Und Drometengeschmetter umtönt, zurück nach dem Lager. - Weithin dehnte sich schon der riesige Schatten der Krieger - Und der Ross', auf dem Sand. Die Sonne blickte noch einmal - Ueber des Meer's hellschimmernde Fluthen herüber, und sandte - Scheidend, aus Rosengluth, auf den Fittigen säuselnder Lüftchen, - Endlich die Labung dem Heer' in der mildumschmeichelnden Kühlung. - - - - - Zehnter Gesang. - - - Noch umhüllete Nacht mit finsterem Schleier Goletta's - Schweigende Flur; nicht sanftaufdämmerndes Roth an des Ostens - Duftigem Himmelsthor, nicht Geflister der lieblichen Sänger - Kündigte noch das Erwachen des Tag's aus schauernden Zweigen, - Als im erleuchteten Zelt der Kaiser mit seinen Erwählten, - Doria, Guasto, und Eberstein, im wichtigen Kriegsrath - Saß, und Jegliches ordnete, nun zu erstürmen die Festung. - Näher gerückt war ihr das schanzende Volk, und gewahrte - Jetzo gerechtes Ziel, die furchtbare Bombe zu schleudern. - Mächtige Schlünde, den Kriegern genannt die »Mauerzertrümmrer«, - Sah'n aus dem Schanzkorb schon zur Veste hinüber, und ringsum - Lagen am Wall Sturmleitern gehäuft. Entlassend die Helden - Aus dem Gezelt, sprach noch der erhabene Kaiser mit Nachdruck: - »Segen des Himmels mit euch! Bald soll in heißeren Stunden - Sturmdrometender Ruf vor Goletta's Mauern uns einen.« - Doria eilte zum Meeresstrand, zur spähenden Vorhuth - Guasto; nur Eberstein stand noch, und sagte bekümmert: - »Nagender Gram erfüllet die Brust der Deutschen; sie klagen: - Nur Hispaniens Söhn' und Wälschlands theilten Gefahren, - Ruhm und Ehre mit dir; sie stünden vergessen im Lager, - Minder geachtet im Heer und deines Vertrauens nicht würdig.« - Lächelnden Blick's, doch sanft verweisend, entgegnete jener: - »Häget des muthigen Volkes Hort den nagenden Unmuth - Auch in der tapferen Brust? Nicht vorlaut tadle der Krieger, - Was ich im ernsten Gemüth, auf Jegliches achtend, beschlossen. - Spanier, Wälsch', und Deutsche, sie all' sind theuere Kinder - Mir, und jen' errangen sich schon erfreuenden Siegsruhm; - Aber noch höheren Muth erheischt, im Felde der Waffen, - Winkend zu Thaten, das höhere Ziel. Bald sollt ihr ersehen, - Ob ich dem Deutschen vertraut', ein Deutscher, und dankend mich ehren.« - Freudigen Blick's enteilte der Held, den harrenden Brüdern - Tröstend zu nah'n, und zu ordnen die Scharen zum Sturme Goletta's: - Denn schon wüthete ringsumher des eh'rnen Geschützes - Furchtbar donnernde Macht. Bald hier von den kreisenden Schanzen; - Bald von dem Meerstrand dort, hinsausten die schrecklichen Kugeln. - Aber nicht minder zurück vom Walle der trotzenden Festung - Sausten im Donnerlaut die schmetternden hin und herüber: - Bebend drönte die Erd', aufheulte der flammende Luftkreis. - - Hannibal sah vom Gewölk die Christen im mächtigen Vortheil; - Sah nach Goletta hin die Donnerschlünde gewendet, - Ringsum Gedräng' und Hast, das herrliche Ziel zu erringen, - Und erbebte vor Zorn. Der Kampferfahrne gedachte - Jetzo der List, und flog nach der Veste hinüber, wo Sinam - Erst auf dem Rasen des Walls entschlummerte, sorgenermüdet: - Denn in dem nächtlichen Grau'n vernahm er Getös' in den Schanzen, - Und entsandte die Späher sogleich. Nun sah er im Traumbild - Rings versinken den Wall umher, und die Mauern Goletta's - Stürzen, zertrümmert, in Staub, daß furchtbar gähnte der Abgrund. - Krampfhaft faßt' er den Rasen, und stöhnt', als Hannibal jetzt ihn, - Leise genaht, aufboth mit den mutherregenden Worten: - »Sinam, du ruhest dahier, ein Träumender? Schande dem Trägen! - Sieh' schon wühlte der Feind, wie im nächtlichen Boden der Maulwurf, - Viel verzweigte Gänge sich bahnt, Laufgräben von Neuem, - Gegen die Veste sich auf; er häufte die Schanzen, und führte - Riesenschlünde heran, zermalmenden Donner zu wecken! - Schwand dir völlig die Kraft, Abwehr zu ersinnen und Kriegslist? - Wie, wenn Tapfere, nur das Geschütz zu verderben, entschlossen, - Hastig am Zündrohr dort einkeilten den eisernen Nagel - So, daß im weicheren Erz die scharf gehämmerten Kanten - Hafteten, und der Entschluß Errettung schaffte den Eu'ren? - Auf, und erwäge die That: dem Kühnen gesellt sich das Glück nur!« - Sinam entfuhr dem Rasen voll Hast, und dachte verwundert: - Ob er geträumt -- ob Gottes Prophete den kühnen Gedanken - Ihm in die Seele gelegt? Doch als er die Späher vernommen, - Flog er zu Giaffar hin, und sagte mit leuchtendem Antlitz: - »Tapferer Aga, vernimm mit Staunen, was Gottes Prophet' erst - Mir an die Seele gehaucht, im sinnebetäubenden Schlummer! - Wieder gelang's, so melden die Späher, dem Feinde, Goletta's - Mauern durch Schanzen zu nah'n: uns droht gewisses Verderben - Heute noch, wo uns nicht rettet der Muth und entschlossene Kühnheit. - Auf zu dem herrlichsten Sieg! In der glühenden Stunde des Mittags, - Wenn, ermattet, die Fremdlinge ruh'n, bestürme die Schanzen - Du mit erlesenem Volk. Das schwere Geschütz zu verderben, - Hastig am Zündrohr dort einkeil' es den eisernen Nagel - So, daß im weicheren Erz die scharfgehämmerten Kanten - Haften, und uns hinfort die Vestezertrümmrer nicht schaden. - Groß ist des Sieges Gewinn, und dein: unsterblicher Nachruhm!« - Giaffar blickte mit Ernst dem stattlichen Schirmer Goletta's - Lang' in die flammenden Augen, und sprach, als jener verstummte: - »Nicht Unwichtiges sann, du Tapferer, jetzo dein Geist aus; - Oder dir nahte der große Prophet, wie du sagtest, in Wahrheit, - Sturm gebiethend, und dort das Vernageln des Donnergeschützes, - Wo in den Schanzen umher unzählig die tapferen Völker - Wachen! Aber, wohlan: nie bebte des Kampfes Gefahren - Giaffar noch, und sollt' er im Sturm auch fallen, er bebt nicht!« - Also enteilt' er sogleich, und rief die kühnen Gefährten, - Jauchzend, zum Sturmgang auf; doch Sinam sah ihm erstaunt nach. - - Schon entfloh'n die Schatten der Nacht; der freundliche Morgen - Streuete Rosen umher an des hellaufstrahlenden Ostens - Goldenem Thor, und mit glühender Stirn' erhob sich die Sonne, - Froh zu durchlaufen die Bahn in des Weltalls endlosen Räumen; - Aber nicht lange, so fleugt vor ihrem Blicke Verderben, - Jammer, und Tod aus den furchtbar'n Gluthgefilden der Wüsten - Ueber die Christen heran: denn schon empöret der Windstoß, - Wirbelnd, den flimmernden Sand; weit gährt, und zischet die Meersfluth. - Wer entflammte den Unhold dort, dem Heere der Christen - Tödlich zu nah'n? Wer stand ein Rettender über dem Kriegsheer? - Muhamed saß, ergrimmteren Blick's, auf dem goldenen Halbmond, - Der von den Zinnen des Minarets, des wolkengethürmten, - Ueber die mächtige Stadt hinschimmerte, Moslems zur Wonne. - Wie Gewittergewölk auf das Hochgebirge sich lagert: - Gährende Blitz' umröthen den Saum des finster'n, und furchtbar - Droht in die Thäler herab sein bald erkrachender Donner: - Also saß er erhöht auf dem Thurm. Die Schanzen gewahrend, - Dacht' er Goletta's Sturz, und der Feind' unendlichen Sieg'sruhm -- - Dacht' es, und knirschte vor Wuth, und wühlte mit zuckender Rechten - Dann in dem Busen; die Linke zerkrümmte die Hörner des Halbmonds. - Jetzt auffuhr er in Hast. Wie aus tiefen Träumen erwachend, - Starrt' er umher, und winkte den ringsumschwebenden Geistern: - Attila selbst, mit dem wilden Gefolg, dann seinen Erwählten; - Jetzt auch Hannibals Schar: denn er umschwebte Goletta's - Mauern, und harrte des Kampfs im schlündeverderbenden Anfall. - »Mir nach,« rief er der Geisterschar, »Aethiopiens Scheusal - Beut uns schreckliche Macht zur Rach', in des Feindes Vernichtung!« - Und sie entflogen all' im Schrei des empöreten Ingrimms. - - Ueber Zender und Gingir[60] hinaus, wo rings um den Erdball - Sich der Gleicher[61] schlingt, gleich fern von dem Süd- und dem Nordpol - (Denn so ersann der stern'erforschende Weise das Zeichen: - Ahnend der Erd' Umschwung um die eigene Achse, mit jenem - Schräg' an der Sonn' umher, in des Jahrs umrollenden Tagen) - Dort in Afrika's Schooß, wo im öden Gefilde nicht, schattend, - Säuselt der Baum, nicht liebliches Grün entzücket die Augen, - Und von dem Flammenthron, senkrecht, versengende Strahlen - Schleudert die Sonn' auf den kochenden Sand, der ewig der Wüsten - Unermeßlichen Raum in des Todes Trauergewand hüllt: - Dort umstarrt, gen Himmel gethürmt, ein Felsengebirg rings - Ein entsetzliches Thal, wohl hundert Meilen im Umkreis. - Nicht die Gems' mit dem eisernen Muth und den ehernen Klauen, - Fänd', aufklimmend, Bahn an der steilaufragenden Felswand, - Und aus der Tiefe herauf, die gräulich, vom Donner gespalten, - Gähnet, erhebt sich ein Flammenmeer, und wirbelt, und brauset - Auf zu des Kessels Rand, vom kochenden Schwefel und Erdharz - Unversiegend genährt. Doch weh', wenn, übergefüllet, - Ihm entstürzet die Fluth! Da erbraust urplötzlich der Luftraum; - Weit erbebet die Erd'; aufhebt sich des Windes Vermögen: - Säul' an Säule gedrückt, fortstürzt er im Flug um den Erdball. - Wenn er vom Mittelmeer nach Hesperiens Zaubergefilden - Fleugt: da glühet sein Odem noch, und erschlaffet die Menschen, - Trübumwölkten Gemüth's. Umkreist er aus Süden des Nordpols - Eisige Stirn: da deckt der glänzende Reif ihm die Schwingen, - Und er schüttelt uns Schnee und den blütheverderbenden Frost her; - Aber, im schnelleren Flug durchbrausend des rosigen Aufgangs - Fluren, und d'rauf, heimkehrend im Sturm, von des Abends Gefilden, - Haucht er den Regen heran, den dauernden, der aus dem Weltmeer - Dunstgeboren sich hebt, und die schimmernden Lüfte verdüstert -- - So wie im Gegenlauf, an des Altais[62] Höh'n, und des Urals[63] - Oestlichem Rücken erfrischt, er die Regengewölke verscheuchet - So, daß lieblich und kühl die Bläue des Himmels herabglänzt. - Also kehret er stets nach den grau'numhüllenden Felshöh'n - Wieder, an welchen er ruht, und die Lüft' umschwimmen im Gleichmaß. - - Dorthin, glühend vor Hast, kam Muhamed jetzt mit den Scharen - Zahlloser Geister, und hieß sie, mit drohendem Winke der Brauen, - Schnell umringen den Saum des furchtbarn Felsengebirges; - Aber er stand. Ihm leckten die dunkelgerötheten Flammen, - Prasselnd, die Füß', und floh'n, und kehrten in wirbelnden Wogen. - Finster blickte sein Aug', und glüht' im Glanze des Feuers - Schrecklicher noch, da er laut erhob die gewaltige Stimme: - »Seht, Erwählte des Ruhms, vor allen Scythia's Helden, - Welchen des Südens Wundergebieth erst heute sich aufhellt, - Hier im flammenden See den Samyel[64] -- Völker erbeben - Schon dem Nahmen allein des todaushauchenden Unholds -- - Lauern! Er mordet, geweckt, das Leben; im sausenden Eilflug - Hebt er die Wüst', und stäubt sie empor in die Lüfte: sie wandelt - Hoch in dem Wolkenreich, nun schnell, nun zögernder vorwärts - Schreitend die Bahn, und deckt, entstürzend, mit thürmenden Bergen - Weit die Gefilde. O seh't, o seh't, nach Sahara hinüber! - Dort in dem Sandmeer wallt, verschmachtenden Herzens, seit Monden - Schon Karawanengefolg' den heimischen Fluren entgegen; - Weh', und Araber sind's, mein Volk! O, nimmer erblicken - Sie das Heimathland! Von sinkenden Hügeln begraben, - Schwinden sie all': ein Schauspiel noch entfernten Geschlechtern, - Wenn verweht die Hügel entflieh'n, und die Starren enthüllt sind. - D'rum jetzt Rache verübt, die schrecklichste, die noch verübt ward, - Dort an der christlichen Heeresmacht, der zahllose Moslems - Schon erlagen im Kampf für den welterleuchtenden Koran, - Für errungenen Ruhm, und die völkerverschlingende Herrschaft. - Stürzet vereint in den Flammensee, und empört der Vernichtung - Gährende Fluth noch mehr, daß selbe nach Tunis hinüber - Sende den Samyel, der, verschonend die tapferen Moslems, - Tilge sogleich die Ungläubigen dort mit erstickendem Gluthhauch.« - Siehe, da stürzten sich all', empört von dem schrecklichen Herrscher, - Jauchzenden Ruf's in den Flammensee. Sie tauchten hinunter - Bis in des Abgrunds Nacht, und fuhren herauf, und erregten - Also die Fluth, daß Wog' auf Woge geschleudert dahinsank. - So, wie der Schilfteich braust, wenn plötzlich auf ihn des Orkans Wuth - Niederstürzt vom Gewölk, und rings die umufernden Dämme - Ueberfluthend, ergeußt sein dunkles Gewässer: so stürzte - Von dem Felsen die feurige Fluth. Entsetzlich zu schauen! - Himmel und Erd', im furchtbar'n Wuthkampf ringend; die Sandwüst' - Wandelnd in Wolkenhöh'n, und der todaushauchende Gluthwind - Prasselnd im Sturmesflug nach dem Lager der Christen hinüber, - Drohten der zitternden Welt die Schrecken des letzten der Tag' an. - - Doch, auf Goletta's Wall stand Giaffar, herrlichgerüstet, - Schon vor den Reihen der Janitschar'n. Sie staunten dem Hauptschmuck, - Der von des Tulbans Bund herschimmerte, zierend des Reihers - Schneegefieder, und gleich dem Fittig des Aars, sich entfaltend; - Staunten des Säbels Gehäng', voll blitzenden Edelgeschmeides, - Den Suleyman ihm both, der Prächtige, als er vor Rhodus - Ruhm sich erwarb, im Sturm durchbrechend das eiserne Seethor. - Nie gewahrt' ihn das Volk so reichgeschmückt in dem Feld noch. - Jetzo mit leuchtendem Blick' erhob er die mächtige Stimme: - »Hört mich, Söhne des Siegs! Schon oft erlagen im Schlachtfeld - Eurem schrecklichen Arm die Ungläubigen; aber er wüthe - Heute noch mehr, als dort im Süden der wilde Hamaddan,[64] - Der im Feuergewölk auffleugt, und mit glühendem Odem - Bald das Lebende tilgt. Auch tödte sie Gram und Verzweiflung, - Jetzt in dem Ueberfall ihr Geschütz vernichtet zu schauen. - Auf, und erringet des Sieges Preis, nicht der sinkenden Brüder - Achtend! Falle wer muß: nur mögen die Seinen ihn rächen!« - Also entflammt' er das Volk. Da scholl, wie brandender Wogen - Rauschen im Meeressturm, und das Brausen im dunkelen Eichwald, - Den der heulende Nord durchtobt, des stürmischen Volkes - Wuthausruf, von Goletta's geöffnetem Thore; da rannten - Alle voll Hast nach der Schanze hinaus, die Ludwig, als Feldherr, - Strahlend in Jugendglanz, mit den niederländischen Helden - Und Lusitania's tapferem Volk, krieg'skundig beschirmte. - Dort war lautes Getös', war Rufen. Zur muthigen Abwehr - Eilte das Volk; doch unaufhaltsam, die Schanzen entlang hin -- - Nicht des hagelnden Donnerrohr's, nicht der sinkenden Brüder - Achtend, drangen die Wüthenden auf, und ihr gieriger Aarblick - Hing an den ehernen Schlünden allein. Ach, sieben umringten - Sie, vorstürmend in Hast! Bald töneten schmetternde Hämmer - An dem geflachten Kopf der eisernen Nägel: sie drangen - Fest in das weichere Erz, des Zündrohrs Höhle verkeilend, - Und zerstörend des Feldzeugs Macht mit den schneidenden Kanten. - - Jetzo wäre noch mehr des schrecklichen Frevels geschehen; - Aber schon kam, und schrie Lusitania's Zierde den Scharen: - »Brüder, hört! So ihr feig nicht rächet den schändlichen Frevel, - Welchen der Feind verübt', entsag' ich dem Stabe des Feldherrn - Jetzt, und hinfort, den mir der edelste Herrscher vertraute, - Euch zu lenken im Waffenfeld zu Thaten des Ruhmes. - Ha, willkommen der Tod, wo Schande, nicht Ruhm, mir zu Theil wird!« - Alsbald stürmt' er vor, und hieb mit dem sausenden Mordstahl - Ein in die Scharen, daß links und rechts die Getödteten sanken. - Wie in dem dunkelen Forst, im Gebell verfolgender Rüden, - Schnaubend daher ein Eber fleugt: er suchet des Dickichts - Rings umschattende Nacht, und mäht mit den schrecklichen Hauern - Nieder die schlanken Stämme -- dem Wüthenden sinket der Wald hin: - Also stürzete Mann auf Mann des Heldengebiethers - Würgendem Schwert. Sein Volk, vernehmend den schrecklichen Vorwurf -- - Schauend den Helden im Kampf, schnob Rache. Nicht Büchsengeschmetter, - Sausen des Säbels und Speers war jetzt zu vernehmen: die Krieger - Faßten den Lauf des Feuerrohr's, und schlugen, und drängten, - Mordend, die Feinde vom Wall. Sie floh'n, und Sterbender Röcheln - Scholl aus dem Graben herauf. Doch bebte das Herz in dem Busen - Giaffars nicht; er einte die Fliehenden schnell, und gedachte - Jetzt verderbender noch in den Schanzen des spanischen Volkes, - Wüthend im Ueberfall, den ehernen Schlünden zu nahen. - Siehe, da schwebt' aus Wolkenhöh'n im brausenden Flug' ihm - Attila näher, und schalt im Geistergelispel ihn also: - »Trotzest du nicht auf Kraft und Stärk' in dem Heere vor allen? - Aber nur eitelen Trotz, nicht Thaten gewahrte das Heer noch. - Kehre zurück, und ford're die tapfersten Gegner zum Zweikampf: - Ob nicht der Feldherr selbst, im glühenden Muthe der Jugend, - Dir sich stellt, und erliegt, und zur Sonne dein Nahme sich - aufschwingt?« - Giaffar stand, und sann: »Heut hol' ich,« so rief er, »den Tod mir, - Oder den herrlichsten Ruhm. Drometer, gebiethe den Stillstand!« - Fröhlich ertönte das Erz, und Ludewig, kundig der Ritter- - Sitte, horchte dem ehernen Ruf', und hemmte die Seinen. - »Wer sich von euch,« schrie Giaffar laut, »im Heere vor allen - Tapfer erwies, der trete hervor, und stehe zum Kampf mir, - Einzeln dem einzelnen Mann, so wie einst in der schöneren Vorzeit, - Schild auf Schild, nah' an, die muthigen Helden sich trafen, - Eh' noch Pulver und Blei, o Schmach, aus der Ferne den Tapfer'n - Tückisch zu Boden schlug, und dem Feigeren schonend vorbeiflog! - Keiner besorge mir Trug und Hinterlist. Ehre gewinnen - Will ich nach Ritterbrauch: deß ruf' ich Allah zum Zeugen.« - - Grimmig schritt Alfred, der niederländische Hauptmann, - Gegen ihn vor, deß' Riesenkraft in dem Heere gerühmt war -- - Stand, und führte den Streich: doch Giaffar schlug ihm das Eisen - Aus der erstarrenden Faust, daß es blitzend am Sande dahinfuhr. - Raubet' er jetzo vielleicht dem wehrlosen Christen das Leben? - Nein: denn edeler Stolz erfüllt' ihm die Seele mit Großmuth. - Schnell barg er das blitzende Schwert in die Scheid', und es faßten - Beide Kämpfer zugleich mit festumklammernden Armen - Eisern sich an, und beugten einander gleich ringenden Bären, - Pressend die Brust an die Brust, zur Rechten, zur Linken, daß beiden - Knirschte der Rücken, und Schweiß von den Gliedern in Strömen herabrann. - Jener gedachte der List, und schlug von hinten dem Türken - Rasch mit der Ferse die Beuge des Knie's: ihn niederzustürzen; - Aber Giaffar stand wie die Eiche so fest auf dem Boden. - Jetzo, der Uebermacht sich bewußt, und zürnend der Arglist, - Hob er den Gegner empor, und drückte mit eisernen Sehnen - Ihn stets fester zur ehernen Brust, daß er, odemberaubet, - Dort verhauchte den Geist: aus seinen eröffneten Armen - Fiel er, langgestreckt, auf den Sand. Wie im Schimmer des Abends, - Lauernd, die Riesenschlang' vom Wipfel des Baums, auf den Tieger, - Der ihm vorüberzieht, urplötzlichen Flugs sich hinüber - Schwingt, ihn schnell umringelt, und dann zum schütternden Stamm zieht; - Wie er auch brüllt, und sich mühet, der klemmenden Reife nur einen - Fest mit den Zähnen und Klau'n zu fassen -- umsonst: sie erwürget - Ihn an dem Stamm', daß ihm laut zerkrachen die Knochen: so würgte - Giaffars mächtiger Arm den Gegner, und streckt' ihn entseelt hin. - Ganz unduldbarer Schmerz ergriff des tapferen Ludwigs - Brust: er schrie laut auf, und stürzte dem Türken entgegen. - Sieh', da nahte, gelockt von des Kampfes Getöse, der Kaiser, - Und erstaunte, wie dort Lusitania's herrlicher Sprößling - Kühn in die Schranken trat mit dem stärkeren Gegner! Ihm schwebte, - Angstgeweckt, auf die Zung' ein Laut, der muthige Krieger - Hätte gerufen zum Kampf und zur Rettung des trefflichen Jünglings; - Aber er hemmt' auf der Zunge den Laut, daß unrühmliches Mißtrau'n - Nicht mit giftigem Zahn, wie der Borkenkäfer im Hochwald - Sprossende Bäume zernagt am Mark, daß sie, trauernd, verdorren, - Ihn verwundete. Doch wie erblick' er den Stahl in den Busen - Seines Lieblings versenkt, und dampfend vom Blute des Theuern? - Dennoch beherrscht' er die Angst, und sah vom gehügelten Erdwall - Nach dem Waffengefild', ein Sinnender, schweigend hinüber. - - Giaffar, stolz des sicheren Sieg's, gewahrte den Jüngling, - Lächelnd: er pries nun Gott, und dankte dem großen Propheten, - Der den blühenden Fürstensohn ihm entgegengeführt hat; - Doch, da er jetzt, wie ein junger Leu dem stärkeren Panther - Kühn entgegen sich wirft, im schimmernden Felde der Waffen, - Ueber den blanken Helm den Degen erhebend, daherkam, - Und sein Blick, mit des Todes Schrecken bewaffnet, ihn faßte, - Ha, da pocht' ihm das Herz, ergriffen von heimlichem Schauder! - Nun das glühend' Aug' auf das Auge des Gegners geheftet -- - Vorwärts stemmend den rechten Fuß im knisternden Sandstaub, - Strebten die beiden, ergrimmt, die tödlichen Streiche zu führen, - Und es erbebte die Luft dem rastlos sausenden Mordstahl. - Da von dem Helm, und dort von dem Stirnbund, Panzer, und Leibrock - Wußte der Kämpe, gewandt, die Waffe des Kämpen zu fernen: - Jetzt auffangend den Hieb, und jetzo vereitelnd den Herzstoß. - Und so hätte die sinkende Nacht allein, in dem Dunkel, - Heute die Helden getrennt, nicht des Sieg's entscheidender Vortheil; - Doch als Giaffars Arm zum schrecklichsten Schlage den Säbel - Hoch aufschwang: da kreischete Ludwigs blitzender Degen - Laut, an des Säbels Kling' abgleitend; da bohrte den Mordstahl - Sein nachstürmender Arm ihm tief in die pochende Brust ein. - Rücklings stürzte der stattliche Held; hoch spritzte der Sand auf, - Als er sank, von der Hand des tapferen Jünglings getödtet. - Aehnlich der Fichte lag er, die erst die nächtliche Windsbraut - Krachend dem Boden entriß; der Weidmann schauet am Morgen - Forschend nach ihr, die rings ihm diente zum leitenden Merkmaal: - Denn sie ragete hoch, vor allen Bäumen des Waldes, - Schon Jahrhunderte lang; nun liegt sie zertrümmert am Boden: - Also lag er im Staub, und erschütternde Stille war ringsum. - Attila schüttelte grimmig das Haupt: denn seinem Geflister - Horchte der Kühne zuvor. Er floh, umschart, in der Luft fort. - Als ein lohnender Ruf den Lippen des Kaisers entfloh'n war, - Und den Sieger umjauchzte sein Volk: da brachen die Gegner - Furchtbar heran, und Gebrüll, und Fluch, und Verwünschung ertönte - Schrecklicher noch als der Säbel Geklirr und Geschmetter der Büchsen. - - Hoch von Goletta's Wall gewahrte der tapfere Sinam, - Wie sein muthiges Volk, erstürmend die Schanze des Feindes, - Dort zerstörte das eh'rne Geschütz, und er hüpfte vor Lust auf; - Doch als Giaffar wich; zum Zweikampf rief der Drometer -- - Rief zu Giaffars Fall: da hob er die Hände vor allen, - Himmelempor, und schrie den versammelten Kriegesgefährten: - »Weh, unseliger Muth, der, treulosen Feinden entgegen, - Giaffars Seele gereizt! Hinaus, durch jegliches Thor fort, - Drüben aus grauser Noth den tapfersten Mann zu erretten!« - Also geschah's. Da brausten die Wüthenden näher: so brausen - Stürme vom Nord, und schleudern die schäumende Fluth zu dem Meerstrand. - Zwar nicht rettet' ihr Muth den Tapferen: denn auf dem Boden - Lag er gestreckt im Blut, von Ludwigs Rechter getödtet; - Aber sie stürzten, zur Wuth entflammt, und entsetzlicher Rachgier, - Eilig daher an den Wall, und gräßlich ertönte der Mordruf. - - Jetzo ersah das streitende Volk vom fernen Kairwan[65] - Und Constantina[66] herauf, des wildempörten Hamaddans - Dräuenden Flug, und bebte. In tausend gewirbelten Säulen - Eilte die Wüst' ihm vor: im Knistern des Feuergewölkes - Deckend des Himmels Bläue mit Grau'n und Entsetzen. Die Sonne - Blinkete trauernd aus ihr, und goß nur düstere Dämm'rung - Ueber die Welt. Ein flammendes Meer aus den schwärzlichen Lüften, - Und dem Boden nah', anstürmend, der prasselnde Gluthstrom, - Drohte den Lebenden rings urplötzliche, schnelle Vernichtung. - Doch zu den Kriegern gewandt, rief laut der erhabene Kaiser: - »Sollt' uns der Samyel nah'n, der flammende Menschenerwürger, - Da gedenket des warnenden Winks: zur Erde geworfen, - Hüll't in Gewande das Haupt, und harr't an dem Boden, nicht athmend, - Einige Zeit. Bald tobt der Unhold vorüber -- ihr lebet.« - Dann noch rief er, den flehenden Blick zum Himmel erhebend: - »Allmacht fleugt vor deinem Hauche daher, du Erbarmer; - Nah' uns mit Huld, und errett' uns jetzt vor des Samyels Wuth dort!« - Und aus dem Aethergefild flog nun, dem strahlenden Blitz gleich, - Seraph Eloa herab, den Christen zur Rettung gesendet. - Sonst sein Auge so mild wie des Himmels Bläu', und die Stimme - Sanft wie Harfengetön, war jetzt entsetzlich zu hören, - Furchtbar zu schau'n. Er rief dem Samyel: »Halt, und entweiche!« - Und der Schreckliche floh. Auch kehrten die wirbelnden Säulen, - Seinem Winke gehorchend, zurück in die einsamen Wüsten. - Dann auf Muhamed, der zuvor in dem furchtbaren Gluthwind - Nahte, voll heißer Gier, die Christen vernichtet zu schauen, - Warf er einen der Blicke herab, der thürmende Felsen - Hüb' aus den Vesten der Erd', und aus Nachtabgründen die Meersfluth. - Jener entwich. Wie dürres Laub, verweht von dem Sturmwind, - Schwindet: so schwand er mit seinem Volk. Auch Attila folgte, - Schreckenbetäubt, ihm nach; aufheulten die flüchtenden Scharen. - - Sinam drängete zweimal schon die Christen vom Blachfeld - Bis an des Grabens Rand, und so oft, nur schrecklicher warf ihn - Ludwig wieder dahin, wo, umhügelt von starrenden Leichen, - Giaffar lag, und im Blutbad schwamm: denn heißer entflammte - Dort des Getödteten Schau in dem Busen der Seinen des Mordens - Schreckliche Gier, daß sie standen im Kampf der Entscheidung, und - furchtbar - Wüthete jetzo der Tod auf der siegverherrlichten Stelle. - Als der Samyel erst, des Seraphs Stimme gehorchend, - Heim in die Wüste floh, da weckte sein brausender Odem - Hoch in der Luft und im Schooße der Erd' Aufruhr und Empörung. - Plötzlich thürmte Gewittergewölk am bläulichen Himmel - Furchtbar sich auf, und goß ein mitternächtliches Dunkel - Ueber das Waffenfeld, daß der Gegner dem Gegner entrückt schien. - Nur das Blitzen des Feuerrohr's erhellte zuweilen - Noch das umnachtete Volk, entflammte des starrenden Kriegers - Aug', und Harnisch, und Helm, und wies auf dem Feld des Entsetzens - Leichen auf Leichen gehäuft. Nun schwankte, den Wellen des Meer's - gleich, - Unter den Füßen des Kriegers der Grund; des Kampfes Getümmel - Schwieg, und »Erdbeben!« scholl's die zitternden Reihen hinunter. - Grau'nvoll rauschte das Meer; das Schmettern der Schiff' an die Schiffe - Tönete schrecklich, vereint dem Geheul aus der Veste, dem Brüllen - Aus dem Gehölz, und rings dem Kreischen des kleinen Gevögels, - Das dem erschütterten Wald entstürzte mit kläglichem Angstruf. - Jetzt aufflammte der Blitz, und zerriß, von Osten bis Westen - Strahlend, die finstere Wolkennacht: der furchtbare Donner - Rollt' auf ehernen Rädern ihm nach, und krachte zum Abgrund - Dumpf, und dumpfer hinab, an des Himmels drönendem Rand hin. - Brausend erhob der Sturm die sandige Fläche; die Fahnen - Haucht' er zum Himmel empor, und riß auch die Zelt' in dem Lager - Von dem ragenden Pfahl, und wälzte sie fort auf dem Flugsand. - Schreckenbetäubt entfloh der Feind; doch Ludewig folgte, - Unerschütterten Muth's, dem flüchtenden nach bis Goletta. - - Guasto aufathmete tief; er hielt, von dem Sturme gewendet, - Jetzo des Mantels flatternden Saum, und sagte dem Kaiser: - »Wie, du weilest noch hier, unbändigen Sinnes, und achtlos - All der Gefahr, die uns heut' aus den hellaufflammenden Lüften, - Und aus dem Schooße des Abgrunds dräut? Auch stürzet des Regens - Prasselnde Fluth nun bald aus dem berstenden Wettergewölk her; - Eile nach deinem Gezelt: es trotzte dem schrecklichen Sturm noch, - Festeren Bau's; schon fliehen die Feinde vor deinen Erwählten.« - Weder der donnererweckende Blitz, noch der schwankende Boden - Zog des Kaisers sinnenden Blick vom Kampfe der Helden - Ab. Er lächelte sanft auch jetzt, und sprach zu Del-Guasto: - »Laß mir den Frieden, o Greis! Ein Gleiches erduldet ihr Tapfer'n - Alle mit mir. Wer schirmt vor Gefahr, die hoch aus den Lüften, - Tief aus des Abgrunds Nacht uns dräut', als Er, der Erbarmer? - Sein ist die Macht! Mir wohnt der Fried' im vertrauenden Herzen.« - Doch nun flammte sein Blick, nun bebt' ihm die Rechte; den Harnisch - Hob ihm die pochende Brust, und furchtbar scholl's, da er sagte: - »Donner und Blitz sind mir die Stimme des Herrn, daß ich eile. - Hebe dich nun, mein tapferer Held, an's Werk der Entscheidung: - Lenke die Völker heran. Laut brülle sogleich von den Schanzen -- - Brülle vom Meer das Donnergeschütz zum endlichen Wallbruch, - Daß wir jetzt in dem Sturm erringen die Veste Goletta!« - Schaudernd blickte der Greis in die flammenden Augen des Herrschers, - Horcht' ihm, schweigend, und ging, nun Jedes in Eile zu ordnen. - - Schon entströmte der Wolkennacht unendlicher Regen, - Prasselnd durch Windesgeheul und Gebrülle des rollenden Donners, - Und umfloß, ein See, die Füße der triefenden Krieger. - Aber er löschte den Staub, und fesselte mächtig den Flugsand. - Wie in des Frostes Hauch der fluthende Weiher gefesselt - Starrt, daß auf ihm, lärmfroh, die muntere Jugend der Eisbahn - Räume durchfleugt: so erstarrte der Sand, und brachte den Christen - Frohen Gewinn: denn geübt, im ermattenden Sande zu laufen, - Nahte der fliehende Feind den Thoren der Veste Goletta. - Ihm nachbrauste der Sieger im Flug', und Sinam gewahrte, - Bebend vor Schrecken und Angst, im nah'umzingelnden Vorsprung, - Hier den Gedrängten vermengt die Dränger zugleich, und er rief nun, - Rettung gebiethend, dem Volk'. Aufkrachten des mächtigen Thores - Flügel, und d'rauf, wie ein Bergstrom braust, wenn hoch von dem - Gletscher - Niedergerollt, ein Block erfüllet die engere Thalschlucht, - Bis er des Bergs Abhang, mit steigendem Grimme, durchwühlend, - Bahn sich bricht, und die langgehemmten Fluthen zum Abgrund - Wälzet in schäumender Hast: so stürzten die flüchtenden Scharen - Sinams durch das geöffnete Thor, mit Lärm und Getümmel. - Doch nun sandte der Feind, dem also die Rettung gelungen, - Hagelnde Donnergeschoss' und befiederte Pfeile vom Wall her, - Jubelnd, und warf aus der Schar der raschnachstürmenden Christen - Manchen Tapferen todt in den Staub. Da dachte des Heimzugs - Ludwig, der Held, und hieß im drometenden Rufe die Krieger - Kehren. Nicht folgte des Feldherrn Ruf Diego Davila, - Fahnenjunker im Heer, entsprossen aus Lissabons Mauern, - Trotzend auf Jugendkraft, und kühnerer Thaten sich freuend. - Als er das Jubeln der Feinde vernahm: da ergrimmt' er im Herzen, - Eilte zurück, und klomm, ein kundiger Kletterer, jauchzend - Auf an dem Wall', und erhöhte die Fahn' auf den Zinnen der Festung. - Jene wehrten es nicht, von erstarrendem Staunen gefesselt; - Doch bald wühlten in seiner Brust unzählige Lanzen. - Sinkend faßt er die Fahn', und warf sie herab von der Mauer, - Sie zu entreißen dem Feind'. Er rief dem getreuen Gefährten: - »Albin, rette die Fahne! Sie stand erhöht auf dem Wall hier: - Herrlichen Siegesruhm winkt' euch ihr wehender Schimmer; - Rette sie kühn, und jenseits noch dir dankt es Davila!« - Sieh', er lächelte sanft, und freute sich sterbend der That noch! - Aber der Muthige kam, ergriff, von sausenden Kugeln - Rings umstürmt, die Fahn', und brachte sie freudig in's Lager. - Diesem entströmten jetzt die Tapferen, herrlich geordnet. - Rechts hin führete Guasto die Macht hispanischen Fußvolks, - Wälschen vereint, und Eberstein, in der Mitte, die Heerschar, - Die er in Deutschland warb, nun endlich zu Thaten gerufen. - Aber die Macht lusitanischen Volks und brabantischer Scharen, - Führete drüben der Held, der Giaffarn siegend erlegte. - - Laut erkrachten die Schlünd' und Mörser zum endlichen Wallbruch. - Furchtbar wüthete zwar der Sturm und das grause Gewitter - Noch, und der röthliche Blitz, im Gefolg des schrecklichen Donners, - Zischt' umher im Gewölk, erhellend die sinkenden Fluthen; - Aber entsetzlicher noch, mit den Schrecken der Lüfte vermenget, - Scholl das Krachen der Schlünd' umher an der Veste. Der Wurfschütz - Rührte des Brändchens Rohr mit der Lunt': im bläulichen Rauch flog - Flamm' empor; zurück, dann eilender wieder zur Stelle - Rollte der eherne Schlund, und warf durch Feuer und Flammen, - Donnernd, im Bogenwurf, die Kugel zur Veste hinüber. - So von den Schanzen, und so von dem Meer hinsausten die Kugeln; - Aber nicht minder zurück von dem Wall der trotzenden Festung, - Sausten im Donnerlaut die schrecklichen her, und hinüber. - Rings erbebte der Grund, als sollten die Vesten des Erdballs, - Von den Orkanen der ewigen Nacht erschüttert, versinken, - Und die Gefild' umher nachstürzen in wüster Zertrümmrung. - Drüben umfing sie am Meer, dem silbergehörneten Mond gleich, - Doria's wogende Macht. Aus ihres verehrten Gestirnes - Bild ihr kam der Jammer gesandt, und die grause Vertilgung. - Immer entfuhr die _Volle Lage_[67] dem Raume des Schiffes, - Das sich der furchtbar'n, eiserne Last, aus Rauch und aus Flammen - Schleudernden Donnergewalt nachbog, und mit sinkendem Rand noch - Streifte die Fluth. Die sanftergossene Fläche des Meeres - Rauscht' aufbrandend empor. Bald schäumten die bläulichen Wogen, - Bald erglühten sie tief im Glanze des röthenden Feuers, - Welches im Flug durchzuckte die Luft. Die Mauern erkrachten -- - Sanken in Schutt, und dumpf ertönte der Steine Gerassel. - Sieh', die Malta gesandt, die nächsten dem felsigen Ufer, - Schleuderten sonder Rast nach dem Thurm, der hoch aus dem Vorgrund - Ragte, Verderben! Er neigte das Haupt, sturzdrohend, ein paar Mal; - Zitterte jetzt, und sank mit grausem Gepolter zusammen: - Staub flog auf, und Geschrei, wehklagend, und jubelnd ertönte. - Aber der Kaiser rief: »Verdoppelt das Feuer!« So riefen - Guasto, und Rogendorf, und jeglicher Schanze Gebiether, - Und noch schrecklicher tobte die Wuth des ehernen Feldzeugs. - Doria brach von dem Meer' her donnernd, das eiserne Seethor - So, daß des Feindes Geschütz dort schon auf dem Walle vernichtet - Lag, und verstummt'. Dann öffnete dicht am Thor von Buschatter - Ludwig aus seiner Schanz', urplötzlich nach jenem, den Wallbruch, - Weit, daß ein Wagen durchfuhr, der heim die Garben vom Feld führt; - Aber die breitere Kluft, daß zwanzig der Krieger, gereihet - Aneinander, sie leicht durcheileten, sah nach dem Oehlwald, - Gähnend hinaus: eröffnet mit Macht aus der Schanze der Wälschen, - Die von Toledo verwaist, nun Guasto's Winken gehorchten. - Vorwärts stürzte der Wall und die Mauer, und ebnete weithin - Dort die ersehnete Bahn den Stürmenden, füllend den Graben. - - Nun verstummte zugleich am Himmel das grause Gewitter, - Nur an des Erdballs drönendem Rand noch murrte der Donner - Dumpfer hinab, wenn dort der Blitz die feurigen Schwingen, - Fächelnd, erhob. Aus zerriss'nem Gewölk sah bläulich der Himmel - Her auf das regenerfrischte Gefild, und die scheidende Sonne - Goß aus dem rosigen Duft des Abends Schimmer herüber, - Und erhellte gar wunderbar die belagerte Festung. - Lauter pochte die Brust des edelsten Kaisers; ihm rief nun - Ahnend das Herz: schon sey die entscheidende Stunde gekommen. - Jetzt erhob er das Schwert, den Feldherrn Thaten gebiethend, - Und sie gehorchten dem Wink'. Auf dem Land und im wogenden Schiffsraum - Schwieg, verhallend umher, der ehernen Schlünde Getümmel. - So an dem felsumstarreten See verhallet des Waldhorns - Klang, den fern im Ruderschiff erweckte der Künstler, - Horchenden Freunden zur Lust: nun da, nun dort am Gebirg hin, - Tönt er im Wiederhall, bis er dann, stets leiser, dahinstirbt. - Aengstliche Stille herrschte rings, und beklemmendes Schweigen. - All' aufmerkten dem Wink: da zogen in brausendem Eilflug - Scharen auf Scharen dahin, und jauchzten der rühmlichen Arbeit. - Dort an den Mauerbruch, der weit aufgähnte zum Oehlwald, - Eileten Wälsch' und Hispaner, zum Thor von Buschatter die Deutschen; - Doch Lusitania's Volk, den Niederländern und Malta's - Muthigen Kriegern vereint, erreichte das eiserne Seethor. - Tausend ergriffen bei jeglicher Schar die ragenden Leitern: - Kühneres Volk, zu erklimmen den Wall im stürmenden Anlauf. - - Welches der Völker kam dem andern zuvor in dem Wettlauf? - Erst das hispanische; d'rauf nachdrangen den Wälschen die Krieger - Portugalls und Brabants. Wie, stürmten die tapferen Deutschen - Nicht vor allen zuerst? Sie hemmte der kühne Cherusker, - Hermann: denn, sein edeles Volk vor Tücke zu wahren, - Schwang er in Hast nach Eberstein sich herunter, und rief ihm: - »Hemme den rascheren Lauf, vorschauend, und Tücke vermeidend: - Weit durchhöhlte der Feind, vor deinem Ziele, des Erdreichs - Dunkelen Schooß; ihm nahet die Lunt', und donnernd erhebt sich - Bald entsetzlicher Rauch, und Feuer, und wilde Zertrümm'rung.« - Jener hemmte sein Volk. Zwar ächzte der Krieger, und Thränen - Netzten sein glühendes Aug', im Vorsprung schauend die Fremden; - An dem Gewehr' ihm bebte die Faust, und die strebenden Fersen - Bohrten tiefere Spur unwilliger Rast in den Sand ein. - Doch nun schwankte der Grund: aufflog, die Lüfte verfinsternd, - Qualmender Rauch, und Loh', und Wust des berstenden Erdreichs - Ueber den Flatterhöhlen umher, die rings an dem Wall sich - Kreuzten, erfüllt mit der Last des entflammenden, schrecklichen - Zündstaubs. - Bebend stürzten die Reihen zurück; aus den Augen der Krieger - Glänzte dem Feldherrn Dank, der so sie entriß dem Verderben. - Aber er wandte sich nun, und rief mit gewaltiger Stimme: - »Dort das herrliche Ziel, wo Siegespalmen dir winken, - Schaue, mein edeles Volk -- nicht des Todes gähnenden Abgrund! - Schwer ist die That; die Stelle gefahrvoll; aber uns ehrte - Deutschlands edelster Hort, da er Deutschen das Höchste vertraut hat. - Tapferer Radburg, vor mit den muthigen Bayern, und Stollberg - Vor mit den Sachsen zum Sieg! Du, Römhild, entflamme die Helden - Schwabens, und jene aus Brandenburg ermuthige, Siegfried, - Jetzo dein Ruf. Vereint erringet den Preis der Entscheidung.« - Hermanns luftige Schar aufjauchzte des Heldengebiethers - Worten, und kam, und mehrte den Muth ruhmdürstender Männer, - Dort zu erstürmen den Wall, wo am blutigsten winkte des Sieg's Preis. - - Sinams Riesenkraft rang dort den Stürmern entgegen. - Ihm war Hannibal brausend genaht: denn mächtig erschreckt' ihn - Drüben das Stürzen der Wäll' und das Jauchzen der kommenden Sieger, - Ringsum. Listengeübt haucht' er ihm jetzo den Rath ein: - »Ha, nun gilt's mit festausharrendem Muthe des Feindes - Wuthandrange zu steh'n, und nicht entehrender Feigheit - Heute zu opfern den Ruhm entschwundener Jahre! Wohlan, horch! - Schafft der gewichtige Ball, vom Donnerrohr in die Haufen - Wimmelnder Feinde geschleudert, schon entsetzliches Unheil: - Welch' entsetzlicher's noch ersähst du mit staunenden Blicken, - Wenn, umhüllt von geplättetem Eisen, die Büchsengeschosse - Mit zertrümmertem Blei in die nah'anstürmenden Gegner - Wütheten? Auf, und gebiethe den Mord und die grause Vernichtung!« - So rief Hannibal; doch nun sah, voll Zorn in dem Busen, - Hermann zugleich, wie schnell, dem listigen Gegner gehorchend, - Sinam die Donnerrohr' in der Breite des gähnenden Wallbruchs - Pflanzen hieß, daß im kreuzenden Feuer der gräßliche Hagel - Tilge des Feindes Reih'n. Er jammerte laut und begann so: - »Schmacherfindende Zeit! Daß nichts mehr gelte des Tapfer'n - Eigene Kraft; daß nimmer das Aug' in das Auge des Gegners - Schleudre des Todes Blitz', und, heimgekehret, der Krieger - Nimmer weise mit Stolz dem grauenden Vater, der Mutter, - Oder der Gattinn die ehrende Narb' an der Brust und der Scheitel, - Und erzähle zugleich, wie solche der Feind ihm geschlagen - Dicht im Gemeng', wo jener ihm sank, in dem Kampfe getödtet -- - Nein, daß er dort: ob feig', ob tapfer, ein elender Krüppel - Arm- und beineberaubt, umhinke, den Seinen zur Trauer, - Hast du das Scheusal erzeugt, die Würgerinn heißend Kartätsche!« - - Sieh', Ursini der Greis, flog hin, wie ein feuriger Renner - Fort auf der Rennbahn fleugt, zu erringen dem Reiter den Wettpreis: - Hoch von dem Nacken ihm flattert die Mähn', und vom blanken Gebisse - Ueberschneiet der Schaum ihm die Brust; er schnaubet, und sprühet - Gluth aus der starrenden Nas', und ihm blitzen die spähenden Augen - Feuriger stets, da er jetzt mit lauterem Hufesgerassel, - Sprung auf Sprung, im Galopp vorbraust zum winkenden Ziel hin; - Fern ihm folgen, gespornt von den Reitern, die schwächeren Rosse: - Also strebte der Greis im edelen Muthe des Herzens - Gegen den Wall, wo Darjuh, an Giaffars Stelle der Aga, - Nach den Gefahren des Kampf's und glänzenden Thaten sich sehnte. - Als er den Greis ersah, da entriß er das mächtige Schießrohr, - Doppelhaken genannt, den Händen des Kriegers, und jagte, - Schmetternd, verdoppeltes Blei in die Stirne des tapferen Feldherrn. - Lautlos sank er zur Erd': ihm färbte das silberne Haupthaar - Quellendes Blut. Ach, nimmer bewirthet der freundliche Greis mehr - Fremd' in seinem Palast, die aus nahen und fernen Gefilden - Heilige Sehnsucht trieb, der ewigen Roma zu nahen, - Und im Schutt noch die Wunder zu schau'n gewaltiger Vorzeit: - Denn er stürzte verwundet zur Erd', und verhauchte das Leben. - Aber Ludewigs Schar rang dort am zertrümmerten Seethor, - Schnell zu erklimmen den Wall, wo, empört durch Attila's Ingrimm, - Und durch Hannibals Muth, das Volk in grausamer Nothwehr - Wüthete. Pech, noch siedend, und Oehl, noch wallend der Flamme - Goß, erbittert, der Feind auf die Stürmenden -- wälzte der Mauer - Lastende Blöcke herab, und solch' unrühmlichem Tod, ach, - Sanken die Tapfersten schon! Auch tödtete Manchen der Speerstahl, - Manchen das krachende Rohr, wenn, kühnerhöhend, die Leitern, - Sie aufrangen zum Wall aus der Tiefe des dunkelen Grabens. - Doch weit schrecklicher noch, und entsetzlicher, scholl vor Buschatters - Thor Mordruf und Gewürg', wo Deutschlands herrlichvereinte, - Siegsruhmdürstende Schar, im Auge den Heldengebiether -- - Muth und Gluth in der Brust, und des kreuzenden Feuers nicht achtend, - Vorwärts drang. Schon dreimal flog, mit dem kühnen Geschwader - Brandenburgs, dort Siegfried hinan, den Wall zu erklimmen, - Und er kehrete stets erbitterter, ähnlich dem Rüden, - Der, vom Jäger gedrängt, dem verwundeten Bären genaht ist -- - Doch bald flieht, bald kehrt: denn immer scheuchen die Klauen - Und das Gebrülle des Thiers ihn fern: so wüthete jener. - Jetzt, im erneueten Lauf, durchbohrte das muthige Herz ihm - Schmetterndes Blei, und er sank. Auch blutete neben ihm Hinkmar, - Strebend mit matter Hand, den Pfeil aus der Lunge zu reißen. - Eberstein sah dort hinsinken die tapferen Helden - Brandenburgs; alsbald entriß er die Fahne dem Junker, - Schwang sie empor in die Luft, und rief hellleuchtenden Blickes: - »Jetzo mir nach, wem deutsches Blut in der Ader und Kampfgier - Glüht in der männlichen Brust! Wir löschen das feindliche Feuer, - Das entsetzlich die Unser'n tilgt aus der grausen Kartätsche, - Nur mit des Feindes Blut; mir nach! Nie sterben die Tapfern!« - Sagt' es, und drang, wie ein Pfeil, in sausender Eile zum Wall hin. - Aber Stollberg zog mit kräftiger Rechten den Helden - Wieder zurück, und rief: »Nicht dir -- uns werde die Stelle!« - Also jubelten laut wohl tausend Stimmen auf einmal. - D'rauf, erklimmend den Wall, und durcheilend die Tiefe des Grabens, - Drangen mit Lärm und Getös' Germania's tapfere Völker - Ein in den Mauerbruch, wo erlesene, muthige Gegner - Standen zur Gegenwehr, der sinkenden Brüder nicht achtend, - Und zu sterben bereit, ein Jeglicher -- alle für Einen. - Wenn dem Donnergewölk' entstürzen die Fluthen, und plötzlich - Ueberschwemmen die Stadt, daß laut in den engenden Gassen - Brauset der Strom, aufschäumt die Wog' an die Fenster: da flüchtet - Volk auf die Berge hinaus, und Volk auf die luftigen Zinnen: - Also erklommen auch hier die muthigen Deutschen die Höhen -- - Stollberg allen zuvor; dann Scharen auf Scharen, und würgten, - Racheschnaubenden Grimm's, die Kämpfenden rings auf der Mauer. - Sinam entfloh. Nicht mied er zuvor des wüthenden Kampfes - Schrecknisse, fest, wie ein Fels, die Stirn' darbiethend den Feinden; - Doch, als jetzt im Sturm eindrangen die Deutschen: da wankte, - Bebte der tapfere Greis, und floh, das heimliche Pförtchen - Oeffnend am Damme des See's, mit tausend Gefährten nach Tunis. - Dorther naht' ihm unzähliges Volk, von dem Herrscher gesendet; - Aber mit Thränen im Blick, erhebend die Rechte, geboth er - Allen errettende Flucht aus den Händen des schrecklichen Feindes. - - Schon war Siegesgejauchz' am Seethor, schon an dem Wallbruch - Dort, wo Wälsch' und Hispaner im Sturm erstiegen die Mauern, - Wo ringsher Mordruf ertönete -- rings in den Straßen - Strömte das Blut, bis jetzt, zu den Füßen des Siegers gesunken, - Bleich, mit verstörtem Gesicht, der Feind erflehte die Schonung. - Nun verklang das Getös'; nur Jubel des Kriegers ertönte, - Der von den Wällen herab in den Graben den finsteren Roßschweif - Warf, und dort aufpflanzte mit Stolz die Fahne der Heimath. - Lieblich flog sie umher in dem Abendwind, und erregte, - Ruhmausstrahlend, in jeglicher Brust noch höhere Wonne. - Durch das hallende Thor, umjauchzt von unzähligen Stimmen, - Kam in die Veste der Kaiser herauf. Stets enger, und enger - Schloß sich der Lärmenden Kreis um ihn her, und, als sie verstummten, - Hob er die Händ' empor zu dem Himmel, und stimmte das Loblied: - »Herr, dich loben wir!« an. Ein heiliges Feuer entflammte - Jegliches Herz. Erschütternd zu schau'n: wie aus Tausender Augen - Stürzen die Thränen zugleich; wie Tausender Hände zum Himmel - Fleh'n, und zu hören erschütternder noch: wie Tausender Stimmen - Wirbeln empor in die Luft, und sie all' Dank rufen im Einklang. - - Hassan, der König, erschien. Er war an dem dämmernden Abend - Gestern gelandet, und barg sich scheu in der einsamen Herberg, - Die Zafrano ihm both, von schattenden Cedern umfangen. - Weder gerüstetes Volk, noch Mundvorrath, in des Krieges - Zehrenden Tagen ersehnt, bracht' er dem Bundesgenossen: - Denn er lauerte nur, ob Hairaddin, oder der Christen - Mächtiger Herrscher erringe den Sieg? in den Mauern von Kabesch. - Tief sich beugend zuvor, begann er jetzt vor dem Herrscher: - »Gott ist mit dir, und Segen die Fülle: des herrlichsten Sieges - Ruf verkündet es bald den fernsten Völkern zum Staunen. - Ach, nicht bieth' ich dir Mundvorrath und tapferes Hülfsvolk, - Wie ich's verhieß! Nicht horchte der Muselman mehr dem König, - Der sich dem Christenvolke verband: hier steh' ich als Bettler!« - Und er sank auf die Knie'; da sah der edelste Kaiser, - Wie der Mond, umflort vom Regengewölk auf den Hügel - Heftet den Schwermuthsblick, nach dem Flehenden trauernd hinunter, - Hob ihn empor, und rief ihm mit trostverheißendem Lächeln: - »Sieh' eröffnet des Reiches Thor, das Hairaddins Herrschgier - Dir entriß;[68] dein sey's mit jeglichem Segen des Himmels!« - Hassan stammelte Dank; laut zollt' ihn der Kaiser den Helden - Allen umher, die im Sturm errangen die trotzende Festung. - Aber zu Stollberg sprach er dann mit lohnendem Blick so: - »Werde Goletta's Hort und Vertheidiger; ordne der Mauer - Feind'abwehrenden Bau; doch jetzt gebiethe mit Sorgfalt, - Daß die Verwundeten all' errettender Hülfe sich freuen! - Morgen am Tage des Herrn, das Denkmaal unseres Heiles - Feiernd, gedenken wir auch, zu bestatten die Todten, und dankbar - Ihnen die Maale des Ruhm's zu erhöh'n für die kommende Zeit noch.« - Jetzo führt' er die Scharen zurück in des Lagers Umwallung, - Sie zu erquicken durch Rast; doch Stollberg ging, daß er übe - Alles und Jedes sogleich nach dem Willen des gütigen Herrschers. - Und die Schatten der Nacht umhüllten den schlummernden Erdkreis. - - - - - Eilfter Gesang. - - - Hairaddin stand auf dem Söller der Burg, aufhorchend im Zwielicht - Sinkender Nacht. Von Goletta heran vernahm er des Feldzeugs - Rastlosdonnernden Sturm, dem die Erd' erbebte, die Fenster - Klirrten, und drönte die Wand zu dem untersten Grunde der Mauern, - Und, wie im Abendwind die Welle des fluthenden Weihers - Nun sich hebt, nun sinket: so wechselte Furcht und Verzweiflung - Oft mit der Hoffnung des Sieg's in seinem zerrissenen Herzen; - Aber er horcht' umsonst noch gieriger jetzt, nach Goletta - Wendend das Ohr, nicht athmend, die starrenden Blicke zum Boden - Heftend. Nicht donnerten mehr die entsetzlichen Schlünde; verhallt war - Drüben der Mörser Gebrüll und das Schmettern des Feuergewehres. - »Sie ist verloren!« so rief er, stampfte den Estrich, und eilte - Schnaubend herab. Dann schritt er im hellerleuchteten Saal hin, - Kehrete wieder, und stand, und horchte, die Bothen erwartend. - Immer vernehmlicher wähnt' er Getrab anstürmender Rosse -- - Wähnte verwirrtes Geschrei heimflüchtender Krieger zu hören: - Aehnlich dem sturmentmasteten Schiff, das fern auf dem Weltmeer - Wechselnde Strömung entrafft, und endlos dreht auf dem Irrpfad, - Schwankt' er umher, im Gemüth nicht Dieß', nicht Jenes beschließend. - Bald erhob sich Suleymans Grimm wie ein nächtlicher Unhold, - Dräuend, vor seinem Blick; bald lächelte Muley Hassan - Hohn ihm entgegen im Glanz der wiedergewonnenen Herrschaft. - Ihn umnachtete rings nur wilde Verzweiflung: den Schimmer - Seines errungenen Ruhms auf immer erloschen zu schauen. - »Ha,« so rief er ergrimmt, »eh' solche Schande mich treffe ... - Schande?« Er faßte den Dolch; nach dauerndem Schweigen begann er: - »Fiel Goletta, erstürmt, so werden sie kommen, mir Algiers - Und Telmessans Thron, und den Zepter von Tunis zu rauben; - Werden mich stürzen hinab in den Staub, daß sich krümme des Glückes - Liebling, ein Sclave, voll Angst, an des Siegers zermalmenden Fersen. - Ha, nicht des Tages Licht gedenk' ich fürder zu schauen: - Denn es enthüllte nur Schmach! D'rum fort -- hinab in das Dunkel - Ewiger Nacht, zu entgeh'n der Qual, die jetzo mir droht! ... Doch - Soll ich verschleudern das Ein', und Einzige, das ich erkenne? - Schwand mir völlig die Hoffnung dahin? Ist Alles verloren? - Drängt nicht Hunderttausende noch mein Wink in die Feldschlacht, - Heute -- sogleich? Zurück in die Scheide, geschliffener Mordstahl: - Nur dem Gegner, nicht mir, zerfleische das Herz in dem Busen!« - Sagt' es, und barg in den Gürtel den Dolch. Mit schüchternen Blicken: - Denn er scheut' Eloa's Zorn, war Muhamed jetzt ihm - Wieder genaht. Er hörte die zagenden Worte des Herrschers, - Ballte die Faust vor Wuth, und kam, der schrecklichsten Thaten - Allerschrecklichste noch, in die gährende Brust ihm zu hauchen. - Wie auf des Südens Meereiland der scheußliche Vampyr[69] - Ueber dem Schlummernden schwebt, und, mit weitgebreiteten Flügeln - Fächelnd, den Schlaf ihm mehrt, das Blut zu entsaugen der Ader: - Also schwebt' auch Muhamed leis' auf Hairaddin nieder, - Schaudernd und bleich, der Fluchthat selber erbebend: er hauchte - Höllenfrevel ihm ein, und floh durch die finstere Nacht fort. - Hairaddin stand, und sann: ihm rollten die feurigen Augen, - Aehnlich dem Blitz im Gewittergewölk, in den finsteren Wimpern. - - Jetzo die Straßen herauf ertönte des eisernen Hufes - Schmetternder Schlag; in dem Hofraum scholl absitzender Krieger - Rufen. Nicht lang, so trat der tapfere Sinam mit Dragut, - Muhamed Temtes, und Abu-Sa-id, tieftrauernden Blickes, - In den erleuchteten Saal, den zürnenden Herrscher zu söhnen. - Rasch ging dieser umher vor den Bebenden, und nur zuweilen - Traf sein verachtender Blick vor Sinams Füßen den Boden; - Doch nun stand er, und rief, durch die festgeklammerten Lippen, - Stöhnend, das Wort: »Ihr Feigen!« und lächelte grimmig für sich hin. - Stolzer erhob nun Sinam das Haupt, und sagte verweisend: - »Welch ein Wort, Gewaltiger! floh dir, scheu, von den Lippen, - So die tapferen Männer zu schmäh'n? Wir feig in der Feldschlacht? - Zahllos jammern daheim die Verwaiseten -- jammern die Bräute, - Wie auch die Gattinnen, bald, und auf immer die Lieben vermissend, - Die, zu Hügeln gehäuft, wir tödteten rings um den Wall her. - Galt es, mit Sterblichen nur in die Schranken zu treten: wir hätten - Herrlich gesiegt. Doch heimlich vereint mit den Geistern der Hölle, - War der bebende Grund mit jeglichem Schrecken des Luftraums - Aufgestürmt um Goletta: wir wichen den furchtbaren Mächten, - Aber nicht feig', da wir zu dem blutigsten Kampfe bereit steh'n.« - Also der tapfere Greis; da höhnete Dragut den Helden: - »Armer, du schwärmst vor Angst! Auch uns erklangen die Ohren, - Als der brüllende Donner erscholl; mit dem bebenden Boden - Wankten auch wir; uns schlug nicht minder der prasselnde Regen. - O, daß ich fern' war! Nein, nie hätte den Geistern der Hölle - Dragut gebebt, von dem das Volk sich erzählet: er würde - Selber den Satan besteh'n in nie zu erschütternder Kühnheit.« - Sinam schwieg; doch Hairaddin trat den Hadernden näher, - Faßte den Dolch, und sprach mit zornausblitzenden Augen: - »Denket der Trauer nicht mehr, weil uns die Veste geraubt ward, - Die mit wuchernden Blutes Gewinn ein herrlicher Sieg uns - Wieder erringt. Zum Kampf denn! Am Morgen ertöne der Schlachtruf -- - Töne so schrecklich, so laut, daß umher die Gefilde des Todes - Schauern vor Angst. Doch hört, was dringend erheischet die Vorsicht, - Und die Rache gebeut ob Giaffars Fall, und Goletta's. - Unter den Kerkern der Burg, wo in Banden die christlichen Sclaven - Liegen, und all', im thörichten Wahn: der tapfere Moslem - Falle dem Christen so leicht, nun harren des kommenden Retters, - Häuften im ringsdurchhöhleten Grund die Söldner des Zündstaubs - Furchtbare Last. Entflammt aufschleudre sie jetzo die Hochburg -- - Schleudre zerschmettert die Sclaven all' empor in den Luftraum - So, daß nicht einer entrinne dem Tod und dem grausen Verderben. - Also gescheh's, noch ehe der Morgen im Osten heraufglänzt!« - Sinam erblaßt'; auch Abu-Sa-id und Muhamed Temtes - Zitterten; doch noch frecher begann der schreckliche Dragut: - »Wahrlich,« so rief er, »nur Gott, und sein erhabner Prophet nur - Gab den Gedanken dir ein: ich beuge mich tief vor Erstaunen! - Alle zugleich! So möge mit Jenen der heuchelnde Graukopf, - Der mir Mathilden entriß, zerschmettert, verhauchen das Leben: - Denn ich sann ihm entsetzlichen Tod: er fahre zur Hölle!« - Grimmig lächelt' er nun. Da wandt' ihm, von Schauder ergriffen, - Sinam den Rücken, und sprach zu Hairaddin schmeichelnden Lautes: - »Mächtiger, wie, du solltest den Ruhm errungener Lorbern - Heute durch solch' entsetzliche That auf immer beflecken, - Die von der Feigheit gezeugt, und Verzweiflung geboren, zum Abscheu - Allen, Suleymans Huld dir entzöge für jetzt und auf immer? - Wie der Morgenstern vor jeglichem strahlt an dem Himmel, - Also zieret sein Herz der Tugenden schönste, die Großmuth. - Was vermöcht' in der Felsenburg der wehrlosen Sclaven - Fesselbelastete Schar? Sie mög' in festlichen Reihen, - Nach vollendetem Krieg, den Siegeswagen dir schmücken!« - Aber der Wüthrich schwieg. Noch kämpfte die Furcht mit der Mordlust, - Ob Suleymans Zorn, in seinem beklommenen Busen; - Endlich obsiegte die Furcht. Er sprach, tiefsinnenden Blickes: - »Ha, wenn Reue mir würde dereinst, der klügelnden Weisheit - Sinams gewichen zu seyn! Ich bebe der dunkelen Ahnung, - Die mich ergreift. Wohlan, ich weiche dir! Eilt in das Lager, - Dort zu erregen das Heer; ich entwaffne die Freunde des Hassan - Hier in der Stadt, die mich verriethen im Kampf der Entscheidung.« - Jene, gehorchend dem Wort, enteileten; aber der Wüthrich - Zog in den Straßen umher mit Gefolg, das Volk zu entwaffnen. - Wie in der Schreckenszeit volktödtender Seuche, der Hauptstadt - Einsame Straßen entlang, nur leichensammelnder Träger - Fußtritt schallt, und mit Angst erfüllet die Herzen der Menschen, - Die sich, verborgen daheim in der Kammer, ergeben der Hoffnung, - Dort zu entgehen der scheußlichen Pest: so flüchteten, bebend, - Jetzt die Tunisier heim in der Nacht, als rings mit Getümmel - Hairaddins Würgerschar durchtobte die hallenden Straßen. - - Trauernden Blickes saß auf der Zinne der luftigen Hochburg - Regulus: denn er sah, wie jüngst der grausame Wüthrich - Unter den Kerkern umher, die Last des schrecklichen Zündstaubs - Häufen ließ, die Sclaven gesammt urplötzlich zu tödten. - Muhamed brauste heran, der grau'nerregenden Unthat - Zeuge zu seyn, die er Hairaddin erst einhauchte voll Arglist. - Auf der Zinne der Burg den Einsamen schauend, begann er: - »Stets entfernt von der Heldenbahn, der rühmlichen Vorzeit - Nicht gedenkend, nur Hülf' und Errettung sinnend dem Volk hier, - Das nicht deines Geschlechts, nicht deines Glaubens sich rühmet, - Irrst du umher, Verblendeter! Bald vernimmst du mit Schauder -- - Schauest mit Schrecken es an, wie die Lunt' ein kühner Geselle - Hin zu dem Zündstaub senkt, die Flamm' auffleugt zu dem Himmel, - Donner erkracht, und der Berg, aus seinen berstenden Vesten - Taumelnd vor Angst, empor in den sturmbewegeten Luftraum - Schleudert unendlichen Wust, und im Wuste die christlichen Sclaven, - Die dein Herz erkor, zerschmettert entschwinden dem Erdkreis. - Jammere dann! Nichts half dir all dein wüstes Beginnen.« - Rief's, und entschwand. Doch Regulus sah nach Medelin: er horchte - Von dem Erker der Burg in die Nacht. Vor dem kommenden Sieger - Schwieg das Gefild umher, und der Lärm verhallte zu Tunis. - Bald des Siegers gedacht' er mit Angst: denn schändlich verrathen - Hatt' er sein Volk, und für Trug verschmähet die heilige Wahrheit; - Bald umgaukelten ihn die Bilder der lieblichen Heimath, - Dort die fröhliche Jugendzeit, verlebt in dem Umgang - Holder Gespielen, und dort die liebende Mutter in Jammer - Ob des Sohnes Verlust -- in Trauer die Freund' und Verwandten. - Gleich dem starrenden Eis, das schnell des laueren Westwinds - Odem schmilzt, begann ihm die Wuth in dem Busen zu schmelzen, - Und sein Aug', das lange nicht mehr des reuigen Herzens - Sanftere Thräne gekannt, erhellten schimmernde Perlen. - Regulus schwebte herab, umschlang den Nacken Medelins, - Daß er in seiner Brust entflammte des himmlischen Mitleids - Glimmende Funken, und regt' ihn auf in dem Seelengelispel: - »Hast du dem Vaterland, den Lieben daheim und dem Glauben - Deiner Väter entsagt, und geopfert für schändlichen Reichthum - Ruh' und Glück? Doch sieh', nicht bringt dir solcher hienieden - Jemals Gewinn: denn bald, in entsetzlicher Stunde der Nothwehr - Wenn nicht Sinam es hemmt, der mildergesinnete Feldherr, - Schleudert des Wüthrichs Grimm die Sclaven, und schleudert dich selber, - Flammenumbraust, in die Luft. O, rette die armen: dem Mitleid - Oeffne dein Herz, und der Reue, zu sühnen den schändlichen Undank!« - Schaudernd vernahm im Geist die schrecklichen Worte Medelin; - Stieg die Stufen herab, und Regulus blickte, vor Wonne - Bebend, ihm nach: er ging, die Brüder zu retten, entschlossen. - Jetzt urplötzlich umstrahlt von seelenentzückender Klarheit, - Und vernehmend den Ruf unendlicher Lieb' und Erbarmung, - Fuhr der Geist verklärt empor, in lichteren Räumen - Seliger stets, der Himmelshuld entgegen zu harren. - Doch schon stand Medelin umringt von den Christen im Kerker; - Riß sich das Kleid entzwei; zerschlug sich die Brust und die Hüften, - Lautaufjammernd, und rief mit thränenumhülletem Blick so: - »Wehe mir schändlichem Mann: den heiligen Glauben verläugnet - Hab' ich für schnöden Gewinn, verkauft dem falschen Propheten - Ruh' und Glück; doch über das Haupt des schändlichen Räubers, - Hairaddin, komme der Fluch! Ihr all', o Frevel der Hölle, - Solltet jetzt, in die Luft geschleudert, zerstieben im Zündstaub, - Den er gehäuft im Fels tief unter den Kerkern! Nur Sinam - Hemmte den Wüthenden noch, und siegt'. Mir schwand die Verblendung - Schnell vor den Augen: ich schwur, dem Gräuel erbebend, euch Rettung, - Und, wenn Reue noch frommt, so wird erbarmende Huld mir. - Hör't, nur tödt' euch die Freude nicht, hör't! Euch Freiheit zu - schaffen, - Rückten die Christen mit Heer'smacht an; im Sturme bezwungen, - Liegt Goletta im Staub; die goldenen Zinnen von Tunis - Beben dem Sieger; der Wüthrich flieht, und der schimmernde Halbmond - Sinkt vor dem heil'gen Panier, das unser'n Erlöser getragen.« - Rief's, und, als er die Bande gelöst von den Händen und Füßen - Hugo's, da sprach er zu ihm, mit thränenerhelleten Augen: - »Eile zu unserm Gebiether und Herrn, dem Kaiser, und künd' ihm, - Was hier eben gescheh'n. Die eisernen Thore der Hochburg - Will ich verschließen vor Hairaddins Wuth, die entfesselten Sclaven - Waffnen, und harren des Wink's zum Verein mit ihm und der Heersmacht; - Aber er eile heran: denn furchtbar wäre das Säumen.« - Als er geendet, da scholl um ihn her entsetzliches Rufen, - Weinen, und Jauchzen des Volk's, daß er selber in bebenden Schauern, - Wonn'entseelt, hinsank, und stöhnete. Freudig enteilte - Hugo des Kerkers Nacht, dem Kaiser die Kunde zu bringen. - - Liebliche Still' umfing das Lager der Christen. Entschlummert - Ruhte der Krieger im luftigen Zelt; nur rings um den Wall her - Stand die Wache, nicht scheuend für heut' den feindlichen Anfall - Mehr, und summte, gelehnt an's Gewehr, ein munteres Liedchen - Leis' in die Stille hinaus, sich die nächtlichen Stunden zu kürzen. - Ueber die Cedern herauf, an Zafrano's entfernteren Höhen, - Schwebte der Mond, und erhellete rings den schweigenden Erdkreis. - Draußen im duftigen Meer, auf den fern entgleitenden Wellen, - Glomm sein düsteres Licht; er zog in dem finstern Gewässer - Hin die strahlende Bahn. Vom Schilf her säuselte Kühlung; - Summend wiegten die Mücken der Nacht sich in würzigen Lüften, - Und in das leise Getös' der fern' aufbrandenden Wogen - Mengte vom dunkelen Hain die kreischende Stimme der Laubfrosch: - Rings verstummte die Welt, und entschlummert ruhten die Krieger. - Aber kein Schlummer umfing die glühenden Augen des Kaisers. - Sinnend saß er vor seinem Gezelt, und blickte zuweilen - Schwermuthsvoll in die liebliche Helle des Mondes, zuweilen - Nach dem trüblichen Schimmer hinaus auf den gleitenden Wellen, - Hörte der Wogen Geräusch am fernen Gestade; der Mücken - Summenden Flug, und das Kreischen der grünlichen Zweigebewohner, - Und er seufzte dann laut des Herzens nagendem Kummer. - - Sieh', nicht schlummert' auch Eberstein! Ihm brannten die Wunden - Noch an dem Arm, den erst, im Sturm der Veste Goletta, - Ein befiederter Pfeil durchfuhr. Er lag in dem Mondlicht, - Vor dem Gezelt, die Labung kühlumsäuselnder Lüftchen - Athmend. Nun horcht' er bewegt, und blickte verwundert um sich her, - Als er die Seufzer vernahm vor dem Zelteingange des Herrschers. - »Wer durchstöhnet die Nacht?« so rief er, dem einsamen Denker - Nahend mit zögerndem Schritt. »Er selber?« Da wich er betroffen, - Kehrete wieder, und sann: ob er dort den Einsamen störe? - Doch sein trauerndes Aug' entlockte dem Zweifler das Wort jetzt: - »Hat mich das Lüftchen getäuscht, das leis' in den Zweigen des Oehlbaums - Säuselt, Seufzenden gleich? Geußt Blässe des Todes der Mond nur - Dir auf die Wangen? Wie, du wachest, in Trauer versunken, - Nach dem Tage des herrlichsten Sieg's, dem Falle Goletta's? - Sprich, Erlauchter, warum denn ewig dir finstere Schwermuth - Falte die Stirn'? Enthülle dem Treuen des Herzens Geheimniß: - Haben die Sorgen des Thron's, hat unverschuldetes Herzleid - Sie schon frühe gezeugt, und großgezogen zum Jammer?« - Ernster wandte nach ihm die sinnenden Blicke der Kaiser; - Legte die Hand auf die Brust, und begann mit erschütternder Stimme: - »Lasest im Antlitz du die Züge des nagenden Kummers? - O, so schaue sie kenntlicher noch mir im Herzen, und schweige! - Früher Gram, vermengt mit den zartesten Freuden der Kindheit - Wurzelt' in dieser Brust, die dort des herrlichen Vaters - Tod, und um ihn, der Mutter im Wahnsinn endende Trauer, - Grausam zerriß. Doch winkte mir ewig der Völkerbeherrschung - Ernstes Ziel; ihm weiht' ich die fröhlichen Jahre der Jugend, - Schweigend, der Blödigkeit Bild, bis Valladolids Turnierbahn,[70] - Und des Schild's hochsinniger Spruch mir glänzenden Ruhm gab. - Als ich Hispania's Zepter ergriff, durchtobten des Aufruhrs - Schrecken das herrliche Land. Von Bürgerblute besudelt, - Weckt' es Entsetzen mir an den Schranken der furchtbaren Laufbahn;[71] - Aber zugleich erstand auf der dornenvollen ein Feind mir, - Unversöhnlich, den Thron des heiligen, römischen Reiches - Neidend, und glühend vor Haß, in Frankreichs stolzem Beherrscher.[72] - Hat er nicht endlos Krieg, und ach, unnennbares Elend - Rings auf unsere Völker gewälzt: zu Bundesgenossen, - Er, deß' Thron in dem Nachruhm prangt des _Christlichsten Königs_,[73] - Mahoms Söhne gewählt,[74] des Kreutzes schrecklichen Erbfeind, - Den ich im seligen Jugendtraum, dereinst Europa's - Rettender Hort, zurück nach Asia's Steppen zu drängen - Hoffte? Sieh', auch jetzt, als uns viel tausender Christen - Schreckliche Noth nach Afrika's ferne Gestade gerufen, - Weckt er daheim mir Haß, und nährt verderbenden Aufruhr! - Deutschland -- Mann, du erbebst dem Jammergeschicke der Heimath, - Fröhnt ihm sogar, verkennend mein treues und redliches Streben: - Durch den freien Verein so vielfachgesonderter Gauen - Endlich die heimische Macht und Würde für immer zu gründen! - Doch nun trennt sie ein Streit, das Heiligste, Höchste der Menschheit: - Gottes Wort, sich erkiesend zum strenggebiethenden Vorwand: - Jeden Verein zum Wohl noch kommender Zeiten zu fernen.[75] - Wahr, daß Schatten das Licht umhülleten; heilig wie Gottes - Satzung, der Unfug dünkte dem Volk', und die Wiedergestaltung - So an dem Haupt wie den Gliedern ersehnt' auch die bessere Mehrzahl, - Die dem Heiland getreu verharrt für immer und ewig! - Doch nur von Schlacken das Gold, von der Spreu zu sondern das - Fruchtkorn, - Heischte die Lieb', und es hob sich schon der Tempel der Eintracht - Herrlich empor: er ward zertrümmert in schrecklicher Willkühr. - Nur zerstörend wollte man bau'n. Die reitzende Neu'rung - Und der empörende Ruf unwahrgedeuteter Freiheit - Lockte das Volk -- das Eigen der Kirche die Fürsten. So rang ich, - Denkend des schrecklichen Bauernkriegs,[76] und der Gräueln der Zukunft, - Lang' entgegen dem Strom, dem Jammer zu wehren, vergebens! - Ha, ein Gesicht, erst jüngst in des Heiligthums Dunkel enthüllet, - Sträubte das Haar an der Scheitel mir auf! Ich zitterte, bebte: - Deutschland sah ich erwürgt nach dreißigjährigem Wuthkampf,[77] - Rauchend im Schutt die Burgen, Paläst', und Hütten, und Tempeln; - Heiliges frech entweiht, die Määler der Künste vernichtet, - Und verödet die Gau'n. Wo früher die goldenen Aehren - Wogten im schimmernden Abendroth; wo blöckende Heerden - Hüpften im lachenden Grün; der Mensch in seliger Unschuld - Gleichbeseligte Menschen ersah, und sich freute des Daseyns, - Herrschte nur Grabesstill', und im dornumwucherten Saatfeld - Bleichte das nackte Gebein weithin erschlagener Völker. - Spät erst wagte, mit schüchternem Blick, der Verscheucht' aus dem - Schutte - Sich zu erheben, und sah er nun dort den Schüchternen kommen, - Dacht' er, »Weß Glaubens er sey?« und brütete Haß und Verfolgung. - Sieh', Jahrhunderte floh'n! Da lag auf den Fluren der Heimath - Finstres Gewölk; die röthlichen Blitz' erhellten zuweilen - Hinter der Wolkennacht, die Jammergefilde der Zukunft. - Ueber dem Rhein scholl Mordausruf: bald wirbelten endlos - Auch in die deutschen Gau'n, vernichtend, herüber des Aufruhrs - Flammen, und laut umher ertönte Gebrülle von Freiheit! - Gleichheit! Doch von dem Wagen des lautumjauchzeten Siegers - Klirrten die Fesseln schon entehrender, schimpflicher Knechtschaft. - Fiele der Deutsche so tief? Er beugte den kräftigen Nacken - Selber der Schmach? O dahin, ich wußt' es, unselige Trennung, - Führst du mein edeles Volk: dir rang ich vergeblich entgegen!«[78] - - Jetzo verstummt' er, und neigte zum pochenden Busen das Antlitz, - Thränenumflossen, herab; doch sieh', er hob es, erschüttert, - Wieder empor: im Blitz erhab'ner Gesichte der Zukunft - Schwand ihm die Gegenwart! Er sah in beglückteren Tagen, - Freiheit bringend und Ruhm, an den lieblichen Ufern der Pleisse[79] - Siegender Heere Verein: erstanden in ihrem Vermögen - Deutschlands Völker, geschlossen den Bund hochsinniger Fürsten, - Schlacht und Feindesflucht, im helleren Glanze des Rheinstroms - Freihinwallende Fluth, und Sieg auf Siege gehäuft fort -- - Sah vorstrahlend im Fürstenbund den glücklichen Enkel: - Glücklich im hohen Gefühl des ruhmgekröneten Lebens, - Und in der Liebe des Volk's, das treu und redlich ihm anhing, - Auch in dem nächtlichsten Sturme der Zeit.[80] Da schwand ihm des - Anblicks - Zauber; er starrt' umher, und rief: »Ein täuschender Traum war's!« - Und mit dem Blick voll inniger Trauer begann er von neuem: - »Solcher Kummer belastet mein Herz: ich denke der Zukunft. - Alles, was ihr dieß Herz mit Liebe zu weihen sich sehnte, - Hemmte der Sectenwuth blindlingsvernichtender Unsinn, - Der, mein Leben begeifernd mit Gift, mir Haß in der Nachwelt - Fernsten Tagen erregt, und Schmähung bereitet die Fülle. - D'rum lechzt meine verwundete Brust nach freieren Lüften, - Ferne vom Thron, wo nie die Freude mir lächelte, rastlos - Feindlicher Haß mich traf, und herzzermalmender Undank. - Aber ich sehe das Morgenroth, das mir an dem Abend - Noch die Sonne verheißt nach dauernden Stürmen des Tages. - Jüngst, nach ermüdendem Weidwerk, both in Estremadura's - Lieblichem Thal, Sankt-Just,[81] der Hieronymitaner - Einsames Kloster uns Ruh'. In der hehren Stille des Abends - Faßt' uns gar wunderbar vom erhelleten Dome der Psalmen - Herrliche Festmelodie, der Orgel mitwallender Jubel, - Und das wehmuthsvolle Getön der Glocke vom Thurm her, - Die zum Abendgebeth uns lud, und zu stiller Betrachtung. - Schweigend durchirreten wir des vielfachgesonderten Gartens - Dunkle Pfade, wo frei, nach Lust unschuldiger Willkühr, - Jeder im Bruderverein mit Sorgfalt baute sein Gärtchen. - Einer mit silbernem Haupt und himmlischheiterem Antlitz, - Wandelte dort: er band, dem festlichen Morgen zur Feier, - Kränze, mit zartem Sinn vermengend mancherlei Farben; - Knüpfte, hinwandelnd im Duft, gesunkene Blumen an Stäbchen - Fest, und labte die schmachtende Flur, aus der Fülle des Springquells - Schöpfend die Silberfluth mit hellerglänzender Kanne. - Freundlich nickt' er den Gruß erst mir, dann meinen Gefährten - Freundlicher noch; er ging, und waltete, meiner nicht achtend, - Wieder so ruhig fort in überseligem Frieden. - O, so dacht' ich, nicht fühlt er die herzzernagenden Sorgen, - Die mein Antheil sind auf des Lebens verworrenen Pfaden! - Ihm ist sein Blumenbeete die Welt, von sanften Bewohnern - Blühend und duftend belebt; sie lohnen mit seligen Freuden - Stets ihm jegliche Müh': er herrscht und waltet im Segen. - Schnell wie ein Blitz aufflammt' in meinem Busen ein Vorsatz, - Welchen das Herz ergriff, festhielt, und erwählte für immer. - Staune nicht so, mein Held! Einst siehst du mich glücklicher. Reift nur - Mein Erzeugter zum Manne heran, auf dem Pfade des Herrschers - Würdig zu wandeln: dann, o sehnlich erwarteter Festtag, - Eil' ich mit Adlers Flug in des Friedens himmlische Thäler: - Denn, wie, kämpfend mit Sturm und Noth, der zagende Schiffer - Fern auf dem Meer umtreibt, als berstend die Maste vom Bord ihm - Stürzen, die schäumende Fluth fortwälzt die Tau' und die Segel, - Und sein Fahrzeug, leck, schon tiefer sinket, er plötzlich - »Land! Land!« hört, da füllt ihm die Brust unnennbare Sehnsucht, - Und sein thränender Blick hängt starr an den fernen Gestaden: - Also zieht mich das Herz hinüber nach Estremadura's - Winkendem Friedensport, und Sankt-Justs heiligen Mauern. - Dort, den Sorgen der Erd' entrückt, vom Menschengewühl fern, - Und dem Himmel geweiht, entschwind' in seliger Stille - Jede Erinnerung mir der leidenerfülleten Vorzeit! - Sieh', schon glänzet der Abendstern, verwandelt, des Morgens - Herold: die Nacht entweicht! Schon wecken die rasselnden Trommeln -- - Wecken Drometen das schlummernde Volk. Nun will ich des Sonntags - Heilige Feier begeh'n im Kreise der tapferen Krieger, - Dann, will's Gott, erringen das Ziel in dem Kampfe vor Tunis!« - - Waffengeräusch erscholl im dunkeln Gezelte des Kaisers, - Wo seither dem düsteren Schmerz ergeben, Toledo - Trauerte. Ihn zu erheitern sann der gütige Herrscher; - Aber umsonst: denn kalt und schweigend verschloß er die Brust ihm. - Jetzt, aufhorchend im Zelt dem Klagenden, fühlet' er plötzlich - Wieder erglühen den Muth im schmerzerstarreten Busen; - Sprang vom Lager behend', umfaßte die glänzenden Waffen, - Gürtete sich, und kam, und sprach zu dem Staunenden also: - »Wie, so wohnet denn Gram auch im edelsten Herzen? So lohnt ihm - Völkerbeglückende Müh' und Sorge nur schändlicher Undank? - Schwinde, mein Leid! Verstumm't, ihr Klagen! Ich wähnet' euch endlos; - Doch nun tret ich, beschämt, vor diesen erhabenen Dulder, - Der dem größeren Schmerz obsiegt, und handelt, der Pflicht treu. - Hör' ich drometenden Ruf -- der weckenden Trommel Gewirbel? - Fleugt das Schlachtroß wiehernd im Feld, und blitzen die Waffen - Tod in den Feind? Ich komme! Mit Schrecken gewahrt er Toledo's - Waffen, und netzt sie mit Blut, und, wenn auch Thränen sie netzten -- - Meine Thränen: ich trockne sie schnell, des Dulders gedenkend.« - Rasch enteilt' er dem Zelt. Dem Nahenden jauchzten die Krieger - Freudigen Gruß: denn liebend hing das Volk an dem Helden. - Aber ihm folgte bewegt, mit den tapfersten Führern der Kaiser - Jetzt in das Lager hinaus, Aufbruch zu gebiethen der Heersmacht. - - Schon versank am fernen Gebirg der blässere Vollmond; - Leise verhüllten die Stern' ihr Strahlenhaupt, und im Frühroth - Glomm die erwachende Welt, als jetzt das geordnete Kriegsheer - Sich nach Goletta erhob. In tieferschütternder Stille - Schritt es einher. Nun wurde die finstere Stirne des Kriegers - Mild, nun sanft sein drohender Blick: denn heiliger Andacht - Sollt' er am Tage des Herrn sich weih'n; des göttlichen Mahles - Andenken würdig feiern, und dann die erschlagenen Krieger - Senken in's dunkele Grab, und den Tapfern erhöhen den Denkstein, - Daß er entflamme des Kriegers Brust in der kommenden Zeit noch. - Sieh', am Strande des See's, auf dem weitumschauenden Hügel - Hob sich über dem Zelt aus Zweigen des säuselnden Oehlwalds - Eine Laube, dem Opferaltar zum wölbenden Dom auf. - Krieger pflanzten die Laub' in Hast, und zur Linken und Rechten - Neben dem Bild des Gekreuzigten, nährt' auf silbernen Leuchtern - Emsiger Bienchen Fleiß die fächelnde Flamme der Kerzen. - Als die erlesene Heeresmacht, dem schimmernden Halbmond - Aehnlich, die Laub' umgab: da folgte der stattliche Priester - Eilig, im Feiergewand, dem dienenden Jüngling zum Altar. - Dort vor dem Allerheiligsten sprach er die offene Schuld erst; - Dann lobsang er dem Herrn, und bethet' um Himmelserleuchtung, - Daß das sehnende Herz erkenne die Wege der Wahrheit; - Kündigte dann aus dem Brief des großen Jüngers die Tröstung - An die fromme Gemein': »Einst soll, was dunkel im Leben, - Wie in umflortem Spiegel erschien, auf immer enträthselt, - Schimmerndhell uns werden im Anschaun ewiger Wahrheit.« - Dann die Worte des Evangeliums, mild und erhebend: - »Liebet auch euren Feind, als Kinder des Einen und Höchsten, - Der mit Vaterhuld für den Frommen und Bösen die Sonne - Aufgehn heißt mit erwärmendem Strahl, und gedeihlichen Regen - Sendet der Saat des einen, und andern!« Auch sprach er des Glaubens - Frohes Bekenntniß, und opferte Brot und Wein zur Versöhnung - Unserer Schuld; doch bald nach dem Dreimal-Heilig erhob er - Nun das Heiligste selbst, und, als er im frommen Gebeth auch - Jener gedacht, die, schon entrückt, im Lande des Friedens - Schlummerten, sprach er das hohe Gebeth des Herrn, und, in Demuth - Schlagend die Brust vor dem Lamm, das, uns Erlösung zu bringen - Sich in den Tod hingab, genoß er die Speise der Seelen. - Jetzt noch fleht' er um frohe Geduld in den Tagen der Trübsal, - Und entließ mit segnender Rechte die Christenversammlung. - Aber das Haupt entblößt, und die Augen zur Erde geheftet, - Stand umkreisend das Heer, und ehrte die heilige Sühnung - Durch erhabnen Gesang: die melodischen Laute des Herzens - Flogen zum Himmel empor, und weckten die sanfteren Thränen, - Die nur die Andacht weint in wonn'erhöhter Empfindung. - Glänzender wölbte sich rings des Himmels blaues Gezelt auf, - Und ein Sonnenmeer umwogte das hehre Geheimniß - Unseres Heils. Der schimmernde See, von milderen Lüftchen - Leise geküßt, erhob in schauernder Wonne die Wellen - Nach dem Strand, wo in lispelndem Grün der Opferaltar stand. - Freudig neigten sich ihm die Wipfel der Cedern Zafrano's; - Auch das Olivengehölz ersäuselte sanft, und des Luftraums - Liebliche Sänger horchten still in den flisternden Zweigen; - Feierlich schwieg umher die tiefanbethende Schöpfung. - - Als gefeiert das Fest, und vollendet das göttliche Mahl war: - Da geboth der Kaiser dem Volk die Begrabung der Todten. - »Eilt,« so rief er, »an's heilige Werk: der Erde zu geben - Leichtverwesliche Saat zur Ernte des ewigen Lebens, - Wenn der Posaune Klang uns all' aus den Gräbern hervorruft! - Denket des tapferen Sarno zugleich, den ehrenden Denkstein - Ihm erhöhend. Auch Giaffar sey an den Mauern Goletta's - Ehrend die Säule geweiht: denn schön ist es, kommenden Zeiten - Noch den Heldenmuth erschlagener Feinde zu künden.« - Eilig gruben die Krieger das Grab; weit gähnte das Erdreich, - Biethend die Ruh' im dunkeln Schooß den entschlummerten Todten. - Thränenden Blick's hintrug so mancher den treuen Gefährten, - Der auf des Lebens Dornenpfad' ihm redlich die Bürden - Tragen half, und treu sich bewähret' in Noth und Gefahren. - D'rauf, als alle das Grab umfing, und der ehrende Hügel - Deckte: da hob, aufblickend, der Priester den Trauergesang an; - Sprengte geweihetes Wasser umher, und schwenkte des Fäßchens - Weihrauchduftende Gluth der Ruhestätte zum Segen. - Dann versenkten sie auch im gesonderten Grabe, die Leichen - Ihrer Gegner, vereint; erhöhten mit Liebe den Denkstein - Sarno's Ruhme geweiht -- auch Giaffars. Freudig gewahrte - Ludwig das Ehrenmaal des Tapferen, den er erlegte. - - Hell, in des Mittags Gluth erglänzten die Zinnen der Festung, - Als die christliche Heeresmacht, dem Herrscher gehorchend, - Sich g'en Tunis erhob. Der Wetterwolke nicht ungleich, - Die an dem fernen Gebirg aufschwebt, dann eilenden Fluges, - Rings die Lüft' umhüllt, und des Himmels Bläue verschlinget, - Deckten die Kriegsheerscharen das Land. Sonst tapfere Krieger, - Lechzend vor Durst im qualmenden Staub, der unter des Rosses - Huf und des Mann's vorstrebendem Fuß zu den Wolken emporstieg, - Murreten jetzt in den Reih'n: da schwang der Kaiser voll Hast sich - Aus dem Sattel; er zog in mutheinflößender Hoheit, - Selbst mit den Scharen einher, und führte sie vor auf dem Heerweg. - Plötzlich verstummte die Klag', und, wie durch kühlendes Wasser, - War die lechzende Zunge gelabt, der finstere Sandstaub - Ohne Beschwerd', und die Gluth der schrecklichen Sonne verloschen. - Doch als jetzt in des Meeres Fluth g'en Westen ihr Antlitz, - Goldumflammt, sich spiegelte; dort- und vom nahen Gehölz her - Liebliche Kühlung kam: da ersah'n die staunenden Krieger - Tunis, mit thürmenden Minarets und prangenden Häusern - Glühen im rosigen Licht der ersehneten Stunde des Abends. - Lautaufjauchzten sie all', und schlugen mit nervigen Rechten - Dann an die blanken Gewehr': entscheidender Thaten sich freuend. - Aber der Kaiser geboth, urschnell erforschend die Gegend, - Seinen Tapferen »Halt!« denn links am Gestade des See's hin, - Rechts am Olivengehölz, wo droben die Schanze der Felshöh'n - Salis bewähretem Muthe vertraut, der lagernden Heersmacht - Sichere Stellung verhieß, und die silbernrieselnde Quelle - Labung ihm both, gedacht' er des Heers kampfrüstige Flügel - Auszubreiten, und dort der Morgenröthe zu harren. - Und, wie im wölbenden Dom die unzähligen Laute der Orgel, - Von dem Künstler geweckt, sich all' in brausender Strömung - Herzerschütternder Harmonie'n vereinen zum Wohlklang; - Oder so wie die Räder all' im vollendeten Uhrwerk - Willig sich dreh'n nach des Penduls Schlag, und die Zeiger der Stunden - Kreisenden Lauf und die Bahn der Stern', und der Sonn' und des Mondes - Weisen zugleich auf dem Zifferblatt: so folgten die Krieger - Jetzo des Herrschers Wink. Und schnell, wie im künstlichen Webstuhl, - Kreisenden Spuhlen entfloh'n, im Zug sich entwirren die Fäden, - Und verschlingen zum schönen Gebild: so entwirrten sich alsbald - Hier die verschlungenen Reih'n, und lagerten dann in dem Blachfeld - Trefflich geordnet umher. Die Reiter, auf jedem der Flügel - Deckten schirmend des Fußvolks Macht und des eh'rnen Geschützes - Ordnungen, die von dem Vorderzug das mittlere Treffen - Sonderten. So gestellt, nachtlagerten jetzo die Krieger. - - Sieh', da nahten die Feind' unzählig herüber von Tunis, - Hairaddins drohendem Blick und schrecklichem Rufe gehorchend! - Wie auf dem Stillen-Meer des Sturms erbrausender Odem - Weit die Fluthen empört, und endlosstarrende Wogen - Fort zum entferneten Welttheil wälzt -- sie stürzen gedrängt hin: - Zahllos so, herübergejagt von dem furchtbaren Herrscher, - Nahten die Moslemim: denn im Gemüth nicht Tausender Leben - Achtend, däucht' es ihn leicht, die schmählichverlorene Festung, - Jetzt im nächtlichen Ueberfall dem Feind' zu entreißen. - Grimmig verlacht' er darum die Worte der Späher: ihm stehe - Dräuend entgegen der Feind, und ordne die Scharen zum Kampf schon; - Dennoch drängt' er den Sporn in die Seite des ächzenden Rosses, - Das ihn im Staubgewölk und im sausenden Donnergalopp hin - Bis an die Vorhuth trug. Dort hielt er, und sah, vor Erstaunen - Starr, die Gerüsteten: Wuth und Verzweiflung engte die Brust ihm. - Wie die Wetterfahn' im Hauch des wechselnden Windstroms, - Bald nach Osten, und bald nach Westen gewendet, umherfleugt: - Also schwankte sein Geist, im Sturm und Drange des Herzens, - Unentschlossen, umher: denn schnell, mit dem Blicke des Adlers, - Heeraufstellender Kunst und Angriffs kundig, gewahrte - Sein umspähendes Auge das Heer des mächtigen Gegners - Trefflich beschirmt, und ihm entfloh'n die Stunde des Angriffs. - Schweigend kehrt' er zurück, und rief den Scharengebiethern, - Frohsinn heuchelnd, und Muth, weil Angst ihm füllte den Busen: - »Preist den Herrn der Welt und seinen erhabnen Propheten, - Der uns herrlichen Sieg verheißt, und dem Feinde Verderben - Sendet! Die Nacht entsinkt dem Sternengefilde; nicht kämpfen - Heut' wir mehr: denn hör't! Nur tobenden Muthes Getümmel, - Sang und Klang ertöne vom Lager; unzählige Feuer - Mögen die dunkle Nacht umwandeln zur Helle des Tages, - Und enthüllen das Heer, das schon an dem kommenden Morgen, - Gleich dem Sturm vorbrausend im Feld, hintilge die Christen. - Abu-Sa-id, dich ruft vor jeglichem Führer dein König - Heute zur That! Zeuch hin mit zwanzigtausend Erwählten, - Sonder Geräusch, entlang die felsigen Ufer Medscherda's, - Nach Buschatter, um dort zu umgehen das feindliche Lager; - D'rauf, den flammenden Blitz des Donnerrohrs und der Büchsen, - Schauend in dämmernder Früh', und des Kampf's erwachtes Getümmel - Hörend, erklimme die Höh'n, und stürze dich, ähnlich dem Gießbach, - Der im zerstörenden Lauf fortbraust nach unendlichem Regen, - Rasch in das Lager hinab, daß uns die flüchtigen Scharen, - Seiner Wälle beraubt, dann all' erliegen im Schlachtfeld. - Denke des herrlichen Zugs, und der Beut' unsäglichen Werthes!« - Sagt' es, und Abu-Sa-id ging stolzumschauenden Blickes, - Seinem harrenden Volk und dem nahen Verderben entgegen. - Doch, auf Hairaddins Wink, des furchtbar'n Mannes, erwachte - Jetzt Aufruhr, und Lärm, und Getös' in dem wimmelnden Lager: - Denn des Kessels schmetternden Klang hier mengten die Einen -- - Dort des Horns Gebrüll die Andern (mit schwellenden Backen - Und vorquellendem Aug' erzwingend des Erzes Gewaltton) - Furchtbarer stets, in das laute Geschrei der rasenden Krieger - So, daß die schlummernde Welt vor Angst aufschauderte ringsum! - Und in den hellsten Tag verwandelte, prasselnd, des Reisigs - Mächtige Lohe die Nacht. An den Zelten der Völker hinunter - Trugen ragende Pfähl' unzählbarflammende Kessel, - Leuchtend, empor: ihr fächelnder Schein durchblitzte die Gegend - Endlos, immer geweckt von des Harzes aufwallenden Fluthen. - Raschelnd wogte vor Hairaddins Zelt die _Heilige_ Schlachtfahn' -- - Also dem Volke genannt, in die Lüfte. Die türkische Tonkunst - Feierte dort ihr Fest: die Trommel polterte; Teller - Zischten mit ehernem Laut; hell klingelten Schellen und Glocken; - Pfeifchen gellten mit Zink- und Hörnerklängen vereinet. - Doch vor des Bascha Zelt, vor jeglichem rings in dem Lager, - Stand das düstre Panier, von des Rosses buschigem Schweifhaar - Zwei- auch dreifach erhöht: die Würde des Orta-Gebiethers - Kündend. Also durchwachten die Nacht die empöreten Völker. - - Abu-Sa-id entschlich, dem wildaufspürenden Weidmann - Aehnlich, dem Heer', und eilte Medscherda's Fluthen hinunter, - Mit erlesenem Volk, ihm Stille gebiethend, zum Ziel hin. - Lange noch hört' er des Lagers Getös', und freute der List sich. - Aber da lag auf des Felsens Höh'n, im Kreise der Schützen, - Salis, der tapfere Hort, und sah nach den Sternengefilden - Schweigend empor. Er bebte, daß dort, millionen von Meilen - Ueber dem glänzenden Sirius noch, das Aug', mit des Fernrohrs - Zaubermacht bewehrt, aufdrang, und dennoch kein Ziel fand; - Zahllos über ihm noch die Sonnen wandeln, und zahllos - Erden und Monde sich dreh'n im Raum des unendlichen Weltalls: - Das erfüllt' ihm die Brust mit Schauern der nahen Vernichtung! - Weinend senkt' er den Blick zum niedrigen Staube hinunter -- - Dachte sich selber nur Staub im wehenden Hauche der Allmacht. - Sieh', da flog, auf des Lüftchens Fittigen säuselnd im Nachtgrau'n, - Eilender Schritte Getös' und klirrender Waffen Getümmel - Ihm an das horchend' Ohr. Mit dem spähenden Auge des Falken, - Der aus Wolkenhöh'n im dunkelen Grase den Raub sieht, - Forscht' er rings in den Thälern umher, und sah an Medscherda's - Ufer annahendes Volk. Schnell ahnt' er, besorgt in dem Herzen, - Feindlichen Ueberfall, und, gedenkend entscheidender Abwehr, - Flog alsbald, gesendet von ihm, Ruinard in das Lager, - Von dem Kaiser verstärkende Macht zu erfleh'n: und sie ward ihm. - Bald erklommen die Höh'n noch tausend erlesene Schützen, - Löwenbeherzt, und froh der feindabwehrenden Arbeit. - - Aber am Strande des See's, wo im Lager die Scharen der Christen - Ruheten, war nicht Getös' auftobenden Volkes zu hören. - Nicht erleuchtete Flammenschein (so wollt' es der Herrscher) - Dort die dunkele Nacht, daß in ihrem Schleier geborgen, - Fest vertrauend dem Muth in der Brust und der leitenden Weisheit, - Lächle der Tapfre getrost des schreckenvollen Getümmels, - Das die Verzweiflung gebar, nur feigeren Seelen zur Täuschung. - D'rauf erquickte nur Brot die Lagernden, heute zum Spätmahl - Kärglich gespendet; sie löschten den Durst nur am Born, und gedachten, - Scherzend, des reichlichen Mahls zu Tunis, am kommenden Abend. - Aber der Kaiser ging im Kreise der schmausenden Krieger, - Zögernden Schrittes umher, und sagte mit Lächeln dem Einen, - Und dem Ander'n ein freundliches Wort, beim Nahmen ihn nennend: - Da in dem zahllosen Heer' kein Tapferer fremd ihm geblieben. - Doch nun rief ihm der Reisige, Horst, der früher des Kaisers - Dienender Mundschenk war, da er ging, im heiteren Scherz nach: - »Carolus, unser gebiethender Herr,« so spöttelt' er, winkend - Noch mit den Augen, ihm nach, »vermisset mit trauerndem Herzen, - Heute wohl auch die erlesene Menge der Speisen im Prunksaal, - Wo er dem Tisch sonst naht in traulicher, lieber Gesellschaft: - Denn nicht dampfen aus China's buntem Geschirr ihm die Brühen - Würzig entgegen, und nicht das Fleisch gemästeten Rindes, - Mancherlei Brühen gesellt, nicht das zarte Gemüse, des Rehes - Saftiger Rücken, des Wildschweins Kopf, mit grünenden Sträußchen - Zierlich umhüllt, nicht der Braten von zahm- und wildem Geflügel. - Auch das feine Gebäck, so vielfachgestaltet aus Rohrmehl, - Das uns die Neue Welt hersendet in schimmernden Kegeln, - Reitzt nicht heut' ihm den Gaum, nicht das Obst, erzwungen im Treibhaus, - Oder weit schöner gereift von Gottes gewaltiger Sonne. - Weder des Rheinweins Gold, noch Malaga's dunkler Gewürzsaft, - Und des Tokayers Gluth weckt ihm aus silbernen Bechern - Heute mehr Lust. Erwünscht nun wäre mir selber der Speisen - Abhub, der uns Dienenden ward nach vollendetem Gastmahl; - Aber getrost: uns winkt aus Tunis der freundliche Wirth schon!« - Also sprach er im Scherz, und laut auflachten die Krieger. - Abgewandten Gesichts horcht' ihm der edelste Kaiser; - Doch nun wandt' er sich schnell, und lächelt' ihm, als er den Finger - Gegen ihn drohend erhob. Dem Scheidenden folgte der Krieger - Jubelgeschrei, noch weit zu seinem erhellten Gezelt hin. - - Sieh', jetzt kam ein christlicher Sclav' im nächtlichen Dunkel - Eilenden Lauf's zur Vorhuth; stand, und streckte zum Himmel, - Dankend, die Händ' empor; dann rief er: »Erkennet ihr Hugo? - Ich bin's! O, wer führt mich schnell zu dem waltenden Herrscher?« - »Hugo?« so rief Toledo im Schlaf, und riß sich vom Boden, - Lautaufstöhnend. Er lag, der äußersten Scharen Gebiether, - Dort entschlummert im Feld. Nun küßte die bebende Hand ihm, - Auf die Kniee gesunken, der Greis, und schluchzete sprachlos; - Aber Toledo hing mit schrecklicherblassendem Antlitz - Ueber dem weinenden Greis', und tief aus den Tiefen des Herzens - Seufzend, sah er ein strahlendes Bild hinschwinden im Nachtgrau'n: - Dann noch dunkler das Leben umher; er stürzte zum Meer fort. - Hugo, bebend vor Angst, vernahm von den Kriegern Mathildens - Trauergeschick und Toledo's herzzermalmenden Jammer, - Und im wechselnden Kampf erblutete jetzo die Brust ihm: - Denn bald sah er die Flucht des unglückseligen Gatten, - Bald vernahm er im Ohr Wehklag' und Geschrei nach Errettung - Tausender, die ihn gesandt aus den scheußlichen Höhlen des Todes; - Doch, was höher ihm schien, und galt im redlichen Herzen, - War ihm Gesetz. In Hast eintretend zum Herrscher, begann er: - »Herr, kein Fremdling vor dir, erscheine ich heut' ein Gesandter - Zwanzigtausend in Noth und Jammer verschmachtender Christen! - O, ich habe den Jammer geseh'n, und wäre gestorben, - Hätte nicht himmlische Huld mich bewahrt bei dem gräßlichen Anblick! - Allerbarmend ist Gott, er lenkte die Seele Medelins - Wieder zurück auf die Wege des Heil's, die er treulosen Sinnes - Abschwur, und erboßt, den Christensclaven ein Henker, - Wüthete. Sieh', er kam, und löste den armen die Fesseln -- - Löste sie mir, dem Draguts Rache den schrecklichsten Tod sann, - Daß ich dir künde zuvor: verschließen wird er der Hochburg - Eiserne Thore des Wüthrichs Macht, die entfesselten Sclaven - Waffnen, und harren des Wink's zum Verein mit dir, und den Deinen! - Als ich der Höhl' entfloh, da tönte herauf aus dem Abgrund - Freudengeschrei und Gerassel der sinkenden Ketten, daß alsbald - Mir erstarrte das Blut in den Adern vor Angst und Entzücken. - Wahrlich, mich leitete jetzt der Himmlischen einer in's Lager - Her, in der dunkeln Nacht, Medelins Worte zu künden: - Herr, der Rettung gedenk': denn furchtbar wäre das Säumen!« - Hastig enteilt' er jetzt, die Spur zu erforschen Toledo's. - Aber mit pochender Brust, mit thränenumflossenen Wimpern - Blickte der Kaiser ihm nach, und rief den tapferen Radburg, - Dann auch Römhild auf, die Führer der Bayern und Schwaben: - »Eil't, ihr beide, vereint, mit tausend erlesenen Kriegern - Jeglicher, nach der Felsenburg; im nächtlichen Dunkel - Führt euch Hugo, der Greis, und dort eröffnet Medelin - Euch die Thor', aus welchen noch heut', o Wonne, der Christen - Eiserngefesselte Schar auszieht in seliger Freiheit! - Haltet die Veste besetzt, bis wir im schallenden Sieg'sruf - Nah'n, und die armen all', entfloh'n dem Kerker, uns danken.« - Also geschah's: denn schnell entbothen die muthigen Führer - Ihr erlesenes Volk, die Burg zu erreichen im Nachtgrau'n. - - Draußen am Meeresgestad', am schwindligen Rande des Felsens, - Stand Toledo gebeugt, und sah mit erblassendem Antlitz - Starr in die schimmernde Fluth. Ihm schwand dort die Erd' und der - Himmel: - Denn jetzt horcht' er, verwirrt, dem fluthenden Geistergelispel -- - Stöhnete dann, und horchte wieder: die wechselnden Wellen - Sanken, stiegen, und schienen allein in dem frostigen Meergrund - Für sein brennend Weh' ihm labende Kühlung zu biethen. - Also fand ihn der Greis! er hob die Händ' und die Augen - Weinend zum Himmel empor, und bethete leise für sich hin: - »Der du, ein guter Hirt in der Wüste das irrende Schäflein - Suchtest, und so das Gefundene, liebendumfaßt, auf den Schultern - Heimtrugst: laß auch ihn nicht verloren seyn, du Erbarmer!« - Dann umfaßt' er ihn schnell; bedeckte mit brennenden Küssen - Ihm den Nacken, und rief mit leisem Gewimmer: »Mathilde!« - Lautaufstöhnt' er dem Wort', und wandte sich, starrend in Hugo's - Thränendes Aug'; doch jetzt ergriff er die Hand des Getreuen, - Preßte sie heftig, und floh nach dem Lager zurücke. Der Wogen - Dumpfes Rauschen erfüllte noch fern ihm die Seele mit Schauder. - - - - - Zwölfter Gesang. - - - Hairaddins Völker umfing noch bleierner Schlaf und Betäubung. - Wie aus dem dämmernden Saal, nach lautem Gelage der Fastnacht, - Schleicht ermüdetes Volk; das schimmernde Licht von den Leuchtern - Schwindet; Tanz und Getöne verstummt, und Getümmel verhallet; - Also verhallte der Lärm in dem weitumkreisenden Lager - Hairaddins; doch, vom Schlummer erquickt, und zum Kampfe gerüstet, - Harrten die Christen schon des donnernden Zeichens zum Angriff. - - Siehe, der Morgen erhob die Stirn' an dem östlichen Himmel, - Rosenumkränzt, und sah mit schüchternerröthenden Wangen - Nach der Erde herab, die, sich des nächtlichen Grauens - Arm entwindend, aus Wolkenhöh'n mit dem Jubel der Lerchen, - Und in den Fluren rings mit schimmernden Thränen ihn grüßte! - Jetzt, in des Morgens Hauch, zum Kampf entbiethend die Scharen, - Schwang der Kaiser das Schwert in die Luft. Des Winkes gewärtig, - Eilte der Wurfschütz vor, und senkte die Lunte mit Vorsicht - Hin an des Zündrohrs dunkelen Rand: aufflammte das Pulver. - Erst nur ein weniges vor -- dann eilender wieder zur Stelle - Rollte der eherne Schlund, und warf im Donnergetümmel - Durch die Lüfte den Ball nach dem feindlichen Lager hinüber. - Einst, wie zum Weltgericht die Posaun' erschallt in dem Luftraum, - Schnell die Gebein' aus Staub und Moder zum Leben sich regen, - Und in schaudernder Hast, dem Rufe folgend, die Todten - Alle ersteh'n: so scholl, in der heiligen Frühe, des Schlachtrufs - Donnergetümmel dem Feind'. Alsbald ergreifend die Waffen, - Stürzeten alle zugleich mit Lärm und Getös' in die Reihen. - Rings in die Umwelt flog auf den Fittigen säuselnder Lüftchen, - Donnergetön, und traf in dem fernentlegenen Waldthal - Abu-Sa-ids aufhorchendes Ohr. Er wähnte: begonnen - Wüthe die Schlacht -- besiegt von Hairaddin, fliehe der Fremdling - Schon, dem er den schirmenden Wall zu entreißen herankam. - Schnell entboth er sein Volk, und klomm an der ragenden Bergwand - Aufwärts, keuchend vor Hast, und triefend von Schweiß an den Gliedern: - Denn ihn drängte nach Beute die Gier, die Hairaddin gestern, - Träumend von Siegen, ihm both. Er hieß die folgenden Scharen - Leis' erklimmen den Berg, und winkte mit Augen und Händen; - Zischt', und pressete fest an die Lippen den dräuenden Finger, - Daß sie den wehrlosen Feind erwürgten im plötzlichen Anfall. - Aber nicht achtlos saß auf dem buschigen Saume der Felshöh'n - Salis, der Held. Im Kreise der ringsumspähenden Schützen, - Sah er hinschwinden die Nacht, und jetzt vernahm er vom Wald her - Nahender Laute Gezisch: denn unter den eilenden Füßen - Rauschte das Laub, und verrieth die Kommenden. Muthigen Herzens - Fuhr er vom Boden, und rief dem Volk: »Gebt Acht!« und die Schützen, - Beugend das rechte Knie', an die Wange pressend des Rohres - Zierlichen Schaft, mit gespanntem Hahn, scharf zielenden Augen - Harrten des »Feuer!« gebiethenden Ruf's. Da faßte der Feldherr - Selber den kunstgezogenen Lauf, den er auf dem Herweg - Kaufte für blinkendes Gold von dem tridentinischen Meister, - Stand, und zielete. Jetzt, in des dunkel'n Waldes Umlaubung, - Schauend Abu-Sa-id, der stolz vor den Seinen daherkam, - Ließ er erkrachen das tödliche Rohr. Die schmetternde Kugel - Röthete schnell ihm die Stirn', und sterbend sank er zu Boden. - Also birgt sich im Schooß des hundertjährigen Ahorns, - Lauernd, der Luchs, da im Lauf hereilt der muntere Rehbock; - Aber er fahet ihn nicht: denn drüben erkrachet des Hirsches - Sechzehnendiger Krone bereits der hemmende Hochwald, - Und er stürzt sich jetzt auf den harmlos Nahenden, Blutgier - Athmend, herab, und zernagt den Hals und den Rücken des armen, - Im verzweifelten Lauf, bis ganz ermattet er hinsinkt: - Salis erlauerte so vor allen den Führer des Volkes, - Abu-Sa-id, und warf ihn entseelt hinunter am Abhang. - Schreckenbetäubt, nicht ahnend woher die entsetzliche Kugel - Brausete, stand sein Volk, und starrt' umher in dem Dunkel; - Doch als endlos fort vom Gebüsch der Büchsen Geschmetter - Tobte; nach jeglichem Schuß Gejauchze des Schützen ertönte, - Der, scharfzielend, durchbohrte die Brust des einmal Erkornen; - Als die schreckliche Wucht entrollender Steine, des Berges - Saum entlang, wo in dunkeler Nacht sie häuften die Schützen, - Donnernd die Reihen begrub, und Reihen verwundet umherwarf: - Da scholl Jammergestöhn' verwundeten -- Lärm und Getümmel - Flüchtenden Volk's, das schnell hinunter den stäubenden Abhang - Stürmt' und von Schrecken gejagt, im Thal forteilte g'en Tunis. - Stille herrschete rings, und so, wie berstende Wolken - Brausen vom Hochgebirg in das Thal, die entwurzelte Waldung - Schwindet, und kahl aufstarrt das Gefild: so brausten die Mauren, - Flüchtend, im Waldthal fort, und rings verstummte die Gegend. - - Freudig erscholl fernher das Schmettern der Büchsen des Kaisers - Horchendem Ohr; doch freudiger noch ihr schnelles Verstummen: - Denn er ahnte den Sieg auf den Höh'n, und führte die Scharen - Eilender vor. Da flog, vom schnaubenden Rosse getragen, - Guasto, der Greis, ihm entgegen, und rief, ein Flehender, also: - »Herrlich dämmert dein Siegestag, erlauchter Gebiether; - Laß dieß grauende Haupt mit dem schönsten der Kränze geschmücket, - Kehren vom Kampf, so ich heut', beherrschend den muthigen Vortrab, - Dir bereite die Bahn zu dem Sieg voll ewigen Nachruhms!« - Als ihm des Herrschers lächelnder Blick die Bitte gewährte, - Spornte das Roß Del-Guasto, und flog, wie Wettergewölk fleugt, - Von dem Sturme gejagt, an die Spitze des muthigen Vor-Zugs, - Wo des Fußvolks Reih'n, fünftausend erlesener Wälschen, - Oestreichs tapferen Reitern gesellt, mit Jubel ihn grüßten. - Jene lenkte Toledo zum Kampf, und die Reisigen Lichtstein: - Beide Söhne des Ruhms, erzogen im Felde der Waffen. - Wie in dem Sternenzelt, verherrlicht vor allen, des Morgens - Glänzender Stern aufschwebt: so kam an dem Flügel zur Linken - Ludwig, der siegverherrlichte Held, neuntausend der Krieger, - Die aus Brabant, und mit ihm her aus Lusitanien zogen, - Vorzuführen im Feld. So folgten zur Rechten die Deutschen - Ebersteins Panier, der kühn, wie ein Eber des Waldes - Sich auf den Gegner warf im Gefecht; wie ein Fels in dem Meergrund - Stand im wilden Tumult umdräuender Todesgefahren, - Und in dem Busen (den Edelstein) das edelste Herz trug. - Hunyady eint' ihm die Macht roßtummelnder, kühner Magyaren - Hier, voll Muths vorstürmend im Feld; dort nahte mit Ludwig - Alba heran, der stets ein Schrecken der Feinde, der Heimath - Schwergeharnischte, reisige Schar, entflammte zu Thaten. - Doch, wie Sterne der Mond, den Mond, aufstrahlend, die Sonne - Schnell verdunkelt an Pracht: so ragte der edelste Kaiser - Vor in der Mitte des Heers. Ihm folgten aus jedem der Völker - Tausend Erwählte zum Kampf, daß jegliches, gleich in Gefahren, - Gleich in des Ruhms hochlohnendem Glanz, sich freue des Vorzugs. - Aber im Nachhalt stand Aurel mit den Tapfern von Malta, - Und, den Rittern gesellt, den furchtbarn, standen die Reiter, - Die Hispania's Cortes entsandt' im rühmlichen Wettstreit: - Doria's Heldenkraft vertraute der Kaiser die Scharen. - - Jetzo herauf und hinunter im Feld, die Reihen zu mustern, - Jagt' er das feurige Roß, und es streute vom blanken Gebisse - Schneeigen Schaum, und wieherte stolz in dem sausenden Ritt hin. - Doch nun hemmt' er, zur Mitte gekehrt, den schnaubenden Läufer, - Hob vom Haupte den Helm, und wandte sich gegen die Krieger. - Siehe, da fuhr an des Himmels Rand' im Osten die Sonne, - Rosigschimmernd, herauf, und weckte den lieblichsten Morgen, - Der sich je zur Erd' auf goldenen Fittigen senkte! - Ringsum jauchzt' ihr entgegen die Welt: denn wonnige Kühlung - Hauchte das Meer und der See von Tunis herüber, des Kriegers - Busen erfüllend mit dauernder Kraft, und am blaueren Himmel, - Dem erhabnen Altar des Herrn des kreisenden Weltalls, - Schwamm ein zartes Gewölk umher, gleich duftendem Weihrauch, - Der zum Dank aufwallt in der heiligen Stunde der Andacht. - Als er entblößte das Haupt, da hellte die strahlende Sonne - Ihm die erhabene Stirn'; er bethete laut vor den Scharen: - »Herr, nun stärke dein Volk! Nicht trieb uns im dunkelen Schiffsraum - Gier nach Beute heran; nur deinen Bekennern die Freiheit -- - Frieden dem raubgefährdeten Meer zu erkämpfen im Schlachtfeld, - Ziehen wir freudig das Schwert. Von dir kommt Sieg und Errettung.« - Dann aufschwang er den Stahl mit der Rechten; er barg mit der Linken - Schnell das Haupt in den Helm, und rief, erschütternd, den Kriegern: - »Golgotha's Hügel herab entströmte des sterbenden Mittlers - Kreuze die knechtschafttilgende Huld: sie bracht' uns Erlösung. - Christen, des Kreuzes gedenkt, und errettet die schmachtenden Brüder!« - All' aufjauchzten dem Wort mit thränendem Blick, und im Sturmflug - Ihres empöreten Muths erscholl ihr brausender Zuruf: - »Fort, in die blutige Schlacht! Nicht allein auf dem Felde vor Tunis - Streite dein Volk; auch fern an Jerusalems heiligen Mauern - Stirbt es den Heldentod für dich, zu erringen der Kronen - Erste dem edelsten Haupt. Jetzt hin, wo im Donnergetümmel - Blitzt das würgende Schwert; wir schmettern die Feinde zu Boden!« - Also erscholl's in dem Heer. Da flammte plötzlich der Luftraum - Auf; die Wolken floh'n; laut rauschten des Meeres Gewässer, - Und es erbebte die Erd', als sollte zerstieben das Weltall: - Denn aus den glänzenden Höh'n der endlosen Räume des Himmels - Kam Eloa herab: von den streitenden Heeren der Geister - Wilden-Muth-empörende Schar zu entfernen. Sie bebten, - Als er das flammende Schwert aufschwang, und mit dräuendem Blick rief: - »Hör't, daß Keiner aus euch den Völkern: nicht diesem, nicht jenem, - Nahe mit thatenerweckendem Hauch: denn selber bewähren - Soll sich der Muth, der hier den Sclaven erringet die Freiheit!« - Nun, da er fern' im bläulichen Aethergefilde dahinschwand, - Sah'n sie trauernd ihm nach. Ihr Herz erfüllte die Sehnsucht - Nach dem seligen Land: des Friedens ewiger Heimath. - Dann, gesondert im Kreis', auf schimmernden Wolken sich lagernd, - Ruheten all' umher, und blickten herunter auf's Schlachtfeld. - Muhamed floh mit den Seinen davon: ihn schreckte des Seraphs - Dräuender Blick, und Gram entflohener Hoffnung ergriff ihn. - - Sieh', auch Hairaddin trieb des brausenden Heeres Geschwader - Zahllos gegen die Christen heran: so brauset des Meeres - Sturmgeschaukelte Fluth in tausender Wogen Empörung! - Erst die reisige Schar der Araber, feurige Rosse - Bändigend, und ermüdend im Kampf durch wechselnden Anfall, - Flog den Numidiern vor, die rasch von der Sehne des Bogens - Schnellen den schwirrenden Pfeil, und fern durchbohren den Gegner. - D'rauf, wie die Schwärme der Kräh'n anstürmen im Herbst, und erfüllen - Weit mit lautem Gekrächze die Luft: so folgte der Mauren - Lanzengewaltiges Volk den Numidiern, und in dem Rücken - Dieser Unzähligen kam, von schnaubenden Rossen gezogen, - Rasselnd, im sanddurchpflügenden Zug, des schweren Geschützes - Dräuende Macht. Nach jeglichem Donnerrohr', in der Rechten - Schwingend die dampfende Lunte zur Luft, und den Helfern gebiethend, - Schritt der Wurfschütz her, und siebenzig waren der Schützen: - Dragut führte dieß Volk, dem Vorderzuge gebiethend. - Aber die Janitschar'n, gewaltiger Thaten sich freuend: - Jetzo des Feindes Reih'n mit des Säbels sausendem Mordschlag - Niederzuwerfen, und jetzt, aus schmetternden Feuergewehren, - Mitten in Feindesbrust zu entsenden die tödliche Kugel, - Eilten im Nachzug vor. Da waren die Brauen der Krieger - Tiefer gesenkt, das Auge geröthet vor Wuth, und die Lippen, - Gleich dem gespannten Bogen gekrümmt, voll schrecklichen Ingrimms. - Hairaddin spornte das Roß herauf und hinunter: von Unmuth - Gohr ihm die Brust, daß er jüngst von Sinam bethöret, nicht würgte - Dort die Sclaven gesammt, aufschleudernd die Burg in den Luftraum. - Grimmig hing sein Blick an der Burg, und er wandte das Schlachtroß - Nach den felsigen Höh'n, den armen verderbend zu nahen; - Doch schon brausten die Christen heran, und heischten drometend, - Trommeln wirbelnd, Kampf, und Gemenge der mordenden Waffen. - - Jetzt, wie im thauenden Lenz von zween aufstarrenden Bergen - Plötzlich der Schnee sich lös't, und gegen einander gewirbelt, - Link's, und rechts herdonnern in's Thal die grausen Lawinen: - Weit erbebet die Luft; zerschmetterte Wälder erkrachen, - Und die Hütten umher mit den Lebenden deckt die Zertrümm'rung; - Aber zugleich wie zween aufbrausende Ströme der Lava, - Der aus Süden gejagt, und jener aus Norden, sich plötzlich, - Tief in des Abgrunds Nacht begegnen im feindlichen Ansturz: - Siehe, da zittert die Welt; im Beben der Erde versinken - Mächtige Städt', und der berstende Berg speit Flammen zum Himmel: - Also trafen dahier die feindlichen Heere zusammen: - Da war Mordesgetös' und Geschrei, war Sausen der Lanzen, - Zischen der Pfeil', und Klirren der Säbel umher in dem Blachfeld. - Dragut stürmte zuerst mit einem erlesenen Haufen - Kühner Araber vor, und hieb in den Reihen der Vorhuth - Ein, wo Wälschlands blühendes Volk entgegen ihm kämpfte. - Blut durchströmte den Sand: denn hundert blühende Krieger - Lagen erwürgt, eh' noch mit verhängtem Zügel die Reiter - Oestreichs nahten, und schnell für jeden erschlag'nen Gefährten - Zween erlegten dem Feind' im Gemenge der blitzenden Säbel. - Aber so tapfer die reisige Schar, vereint mit dem Fußvolk, - Drängte des Drängers Macht, so vieler Getödteten Blut floß, - Dennoch siegten sie nicht: denn zahllos stürmten die Mauren, - Mit den empörten Numidiern vor, und stärkten des Vor-Zugs - Wankende Reih'n. So stemmen umsonst des berstenden Eises - Tausendfältiger Macht die Pfähl' in dem Strom sich entgegen: - Krachend thürmen die Schollen sich auf, und über den Damm hin - Braust ihr verheerender Zug: wie hier den wimmelnden Scharen - Guasto's tapfere Krieger umsonst entgegen sich stemmten. - Doch schon nahte der Greis. Er führte die Scharen vom Nachzug - Eilig im Sturmlauf vor, und die ehernen Kriegesdrometen - Schmetterten heller, und lauter erscholl im Sturme der Trommeln - Wirbelnder Ruf; empöreter stets aufjauchzten die Krieger, - Stöhnten die Rosse hinan zum entsetzlichen Kampf der Entscheidung. - - Wer durchsprengt im sausenden Flug die Reihen, vor allen - Heischend den Todeskampf? Wer wagt es, entgegen zu stehen - Dragut, dem Schrecklichen? Wer, als Toledo, der edelste Feldherr? - Fröhlich umgab er sich heut' am dämmernden Morgen die Rüstung, - Die ihm der Kaiser gab zum Geschenk, und trat aus dem Zeltthor - Heiteren Blickes zu Kurd, dem treubefundenen Freund hin. - Schüttelnd ihm traulich die Hand, begann er mit sanfterer Stimme: - »Kurd, in der Blüthe der Jahr', im Rosenschimmer des Morgens, - Goß ein Gewittersturm urplötzlich ein nächtliches Dunkel - Um mich her; zerknickte voll Wuth die Blüthen mir alle: - Hinschwand jegliches Licht, und ich taumelte fort an des Abgrunds - Schwindligem Rand; doch jetzt erseh' ich des schöneren Morgens - Hellaufdämmernden Strahl, und die hehren Gefilde des Friedens, - Wo des Dulders lohnendes Ziel, Mathilde, mir winket, - Ewig beglückt! Leb' wohl, und fall' ich, so denke mit Sorgfalt - Hugo's, des treuen, und werd' ein Tröster dem trauernden Vater!« - Ach, der arme, nicht ahnt' er's nun, daß der trauernde Vater, - Ob des Sohnes Geschick, erst jüngst verhauchte das Leben, - Und ihn deckte das Grab mit tiefumnachtenden Schauern! - Also sprach er dem Freund, in den Sattel sich schwingend, und horchte - Gierig des schlachtgebiethenden Ruf's. Die Kriegesdrometen - Schmetterten kaum, so flog er hinaus, und stürmte die Reihen - Seiner Erlesenen durch. Er hatte Dragut ersehen. - Aber auch Dragut sah ihn schon fern', und dachte, Verderben - Ahnend, der Flucht; doch, ach, wie ertrüg' er Hairaddins Ingrimm, - Wie den höhnenden Blick des feindlichgesinneten Sinam! - Zweifelnd wankt' ihm die Hand an dem leitenden Zaum; vor den Augen - Dunkelte rings ihm die Welt, und aus seinen erblassenden Lippen - Stöhnte die Wuth; doch sieh', nun rafft' er in seinem Vermögen - Nur ergrimmter sich auf, und warf mit umschwingender Rechten, - Zielend, den blinkenden Dolch dem furchtbar'n Rächer Mathildens - Weit entgegen! Er traf, im sausenden Fluge, Toledo - Meidend, den tapferen Kurd, der rasch dem Freunde gefolgt war: - Lautlos sank er vom Sattel herab, in die Stirne getroffen, - Und verhauchte den Geist. Toledo, vor allen den Einen - Nur im Aug': denn rach'entflammt, gewahrte des Freundes - Schrecklichen Unfall nicht. Er spornte den schäumenden Läufer - Dicht an das Schlachtroß Draguts hin, daß die wallenden Mähnen - Beider sich streiften im Gegensprung, und, jetzt ihn ereilend, - Brach durch Stirnbund, Haut und Bein sein schmetternder Degen - Sich die blutige Bahn: er neigte die Stirn', wie ein Mohnhaupt, - Das in der Reife, vom Sturm zerknickt, sich neigt, und des Samens - Schwärzlichen Strom zur Erd' ergeußt; dann folgend dem Blutstrom, - Sank er vom Sattel hinab, und röchelte sterbend im Sand dort. - Doch nun wandte das schnaubende Roß der Rächer Mathildens - Von dem Todten, und rief zu vereintem Gewürge den Freund auf. - Wehe, er lag entseelt auf dem Sand'! Er blickte verstummend - Auf ihn nieder: nur zwei, im Sturz, hellschimmernde Thränen - Weihet' er, hingebeugt, dem Theuern; drückte die Spornen - Dann in des Rosses Bauch, und schwang, vor entsetzlicher Rachgier - Stöhnend, das Schwert: um ihn her, zur Sühne, die Leichen zu häufen. - Wie der schreckliche Wolf, vom wüthenden Hunger getrieben, - Weder der nahenden Hunde Gebell, noch drüben der Hirten - Lautes Geschrei, die gern von der Heerde der Lämmer ihn scheuchten, - Achtet: denn er würgt voll Hast die in Haufen Gedrängten - Links und rechts, und nach jeglichem Mord noch wächst ihm die Blutgier: - Also rächt' er den Freund in des Feindes Blut. Abdorrahman - Sank ihm zuerst, der laut mit Geschrei vordrängte die Mauren; - Dann Ben-Esrid, der Scheik arabischer Horden (im Schlachtgrau'n - War er den Reisigen stets ein Leitstern) ihn aus dem Sattel - Riß er behend', und hieb, mit kräftigem Schwunge des Degens, - Ihm die Scheitel entzwei, daß lautaufstöhnend er hinsank. - Wie auf der Heid', im Herbst, das Feuer die bärtigen Disteln - Tilgt, vom Sturme gejagt; so tilgte sein Eisen die Gegner. - - Nahend dem Vorderzug gewahrte der Kaiser Toledo's - Waffenthaten, und schrie mit jubelndem Laut im Getös' hin: - »Tapferer, so besiegst du Tausende! Muthig, nur vorwärts! - Ha, der sank, und dort auch jener, und nimmerermüdend - Würgt dein schrecklicher Stahl? Nie welkenden Lorber erringt dir - Heute dein Muth: er reißt im Sturm die Helden zum Sieg fort!« - Aber wie Glockengeläut' im Sturm bald näher und näher, - Heller und lauter erschallt, bald wieder vom wechselnden Windschwall - Ferne verweht, in der sausenden Luft verhallet den Ohren: - So verschlang das Getös' des Kaisers lohnenden Zuruf. - Jetzo nach Rogendorf, dem tapferen Meister des Feldzeugs, - Sah er zurück, und erhob, zum verständlichen Wink ihm, den Degen. - Jener entschwand auf dem feurigen Roß, und, als er vom Nachhalt, - Gegen den Vorderzug die Donnerrohre zu führen - Nahete, rief er noch laut den Feuerwerkern, im Vorgeh'n: - »Schaffet mir Ruhm! Euch winkt im Feuer mein blitzender Degen - Heute zum letzten Mal. Mit trauerndem Herzen des Freundes, - Salm, gedenkend, will ich hinfort in der einsamen Kammer - Weilen daheim, und harren des Tag's ersehnter Vollendung.« - Also entflammt' er das Volk, und, schnell zur Stelle gefahren, - Schleuderten jetzt die Donnerrohr' in den Reihen des Feindes - Tod und Verderben umher: obsiegend dem donnernden Feldzeug - Hairaddins. Denn wie ein Sturm, der, plötzlich die Lüfte verfinsternd, - Saust, entschüttelt das Eis, und die wogenden Saaten zerschmettert, - Warf des Kaisers Geschütz im dichten Gedränge der Gegner - Hunderte nieder, da hier in den Reih'n der tapferen Christen, - Jenes nur wenige traf, durch Schuld unkundiger Schützen. - Hairaddin bebte vor Wuth, und fluchte laut vor den Scharen - Auf das schwere Geschütz, das dort im Donnergetümmel - Weder verstummen hieß das feindliche, noch in dem Blutfeld, - Jenem gleich, vertilgte das Volk: ihm schrecklich zu schauen! - - Doch nun spornte Del-Guasto das Roß in die Nähe des Kaisers, - Neigte vor ihm das Haupt, und rief mit leuchtenden Augen: - »Jetzt, wo hochentflammt die Seele des Kriegers nach Thaten - Lechzet, das Aug' ihm glüht, in das Auge zu schauen des Gegners, - Und die Faust ihm zuckt, und die strebenden Füße nicht rasten: - Jetzo gebieth' im Sturmanlauf des Kampfes Entscheidung! - Doch du weiche zurück: o säume nicht, weiche zum Nachhalt, - Daß du, gefahrenumdroht, nicht Angst erweckest den Deinen!« - Kaum daß der warnende Ruf den Lippen des Greises entflohn war, - Warf zerschmetternd ein Eisenball den tapferen Ottmar, - Oberleitmann im Heer', an der Seite des Kaisers zu Boden: - Blutend lag er im Staub. Entsprossen der freundlichen Hauptstadt, - Die in dem weitumkreisenden Thal mit silbernen Wellen - Rasch durchfluthet die Muhr,[82] ein Sohn ruhmwürdiger Aeltern, - Wählt' er des Kriegers Bahn, als dort der stattliche Kaiser, - Nahend in siegender Heere Verein Vindobona, der hohen, - Mächtigen Kaiserstadt, Suleyman, den schrecklichen Großherrn, - Fliehen hieß mit unzähliger Macht.[83] Stets folget' er seither - Seinem Panier; doch jetzt hinsank er im Kampfe vor Tunis. - Laut aufschrie'n die Krieger vor Angst; es erblaßte Del-Guasto, - Ob des Herrschers besorgt; da rief er mit lächelndem Antlitz: - »Fernet die Angst: kein Kaiser erlag dem Donnergeschütz noch!«[84] - Und er geboth alsbald des Angriffs Weisen den Feldherrn. - Wie, durch Flammen geweckt, die Dämpfe des siedenden Wassers - Aus dem eisernen Bauch des ringsumschlossenen Kessels - Drängen im unaufhaltsamen Flug; doch weiß sie der Meister - Sinnig zu hemmen, und heißt sie Gewaltiges wirken, und schaffen - So, daß Unkundige Furcht und Schauder ergreifet bei'm Anblick - Jener verborgenen Macht: so wundersam lenkte zum Angriff - Hier die unendlichen Reih'n ein Wink des waltenden Herrschers, - Und von neuem begann des schrecklichen Kampfes Getümmel. - Ludwig warf vor allen zuerst vom schimmernden See her - Sich auf die feindlichen Reih'n. Das Feuerrohr an die Wangen - Pressend, feuerten, bald im Verein, bald einzeln, die Krieger - Jauchzend, es los: dumpf, schmetternd, scharf, erkrachten die Büchsen, - Und in des Mittags Glanz umhüllte des flammenden Pulvers - Dichtaufwallender Rauch die Völker mit nächtlichem Dunkel. - D'rauf hinstürmt' im Flug, von dem tapfersten Helden geführet, - Alba's reisige Schar. Sie schmetterte da Janitscharen, - Dort Numider, und hier arabische Reiter zu Boden, - Pferd' und Mannen zugleich: weit deckten die Todten den Staub dort. - Rechts vom Olivengehölz drang Eberstein mit den Deutschen, - Ehernen Muth's in der Brust, unzähligen Mauren entgegen, - Die, von Muhamed Temtes empört, gleich wüthenden Thieren, - An die gesenkten Speer' und die flammenden Rohre sich stürzten. - Aber da rief Held Eberstein den Tapferen laut zu: - »Jetzt noch fester geschlossen die Reih'n! Des edleren Muthes - Flammendrang in der Brust, nicht blind umtobender Ingrimm, - Heißt den Krieger zum winkenden Ziel vorstürmen im Schlachtfeld!« - Also ermahnt, besiegte die Macht des empöreten Feindes - Deutschlands tapferes Volk: es stemmte sich, gleich der Gebirgswand, - Die vom blühenden Thal des Sturm's verderbenden Ingrimm - Abwehrt, ihm entgegen, und drängt' unbändigen Muth's ihn, - Wieder zurück. Auch warf die tapferen Reisigen Ungerns - Hunyady jetzt, in gedehneten Zügen ihm rasch in die Seiten. - Hochaufqualmte der Staub, und den stampfenden Hufen erbebte, - Drönend, der Grund, als vor- zu dem mähnigen Halse sich beugend, - Und zu des Kalpacks Zier erhebend den blitzenden Säbel, - Flogen die Reiter im Feld. Den Kommenden streckten die Mauren - Speere, so dicht, wie im Forst aufragen die Fichten, entgegen; - Doch der muthige Reiter zerhieb, im gewaltigen Aufschwung - Führend den schneidenden Stahl von der Linken zur Rechten, von unten - Aufwärts, jeglichen Speerschaft so, daß umher in den Lüften - Sausten die Trümmer im Flug', und die Geister da oben erbebten: - Denn entsetzlich erscholl des würgenden Kampfes Getümmel. - Aber im Vortrab, wo Toledo geboth, und der Ritter - Glänzende Schar, entflammt zum blutigen Kampf der Entscheidung, - Eilete, scholl entsetzlicher noch Getümmel und Schlachtruf. - Wie der schreckliche Brand, der fern an den äußersten Straßen - Einer ummauerten Stadt sich erhob, bald weiter und weiter - Wüthet im brausenden Sturm, bis rings die unzähligen Häuser, - Dom', und Thürme zugleich, auflodern, und Jammer erschallet: - Also entbrannte die Riesenschlacht, und schrecklich ertönte - Sterbenden Volk's Wehklag', vermengt dem Jauchzen des Siegers, - Und der Verwundeten Schrei dem Wiehern der tobenden Rosse. - Blut durchströmte das Feld, und wandte den schäumenden Lauf oft, - Von den Haufen der Todten gehemmt, an Menschen und Thieren. - - Hairaddin sah der Seinen so viel' im Kampfe getödtet, - Und erblaßte vor Wuth. Doch, als auch Dungur Toledo's - Blitzendem Schwert erlag, der Algiers Thron ihm zu schaffen, - Selber mit frevelnder Hand Euthemi, den König, erwürgte, - Da verflucht' er sich selbst, und rief, daß die Völker erbebten: - »Wer verschlinget, voll schrecklicher Gier, die Theuren mir alle? - Ha, nicht schaut er hinfort die leuchtende Sonn' an dem Himmel!« - Sieh', und er spornte sogleich, den Speer erhebend, das Streitroß - Vor, und drang auf Toledo mit todausblitzendem Aug' ein! - Diesem erpochte vor Wonne die Brust: den mächtigsten Gegner - Dort zu besteh'n, ihn siegend zu bändigen, oder des Lebens - Dornenbesäete Bahn zu vollenden im rühmlichen Wettlauf. - Flugs hinspornte das Roß auch er, und hieb, in den Bügeln - Sich erhebend, auf Hairaddin ein; doch dieser entwich ihm, - Und sein Schwert durchschnitt nur die Riemen des leitenden Zügels, - Auch das muthige Roß am wölbenden Halse verwundend, - Daß es, gebäumt, aufschnob, und ächzte, von Schmerzen gefoltert. - Jetzt war's um ihn gescheh'n; doch Hairaddin lenket' im Eilflug - Sein gelehriges Thier, mit eisernem Drucke der Schenkel - Wieder herum, und stieß den tödlichen Speer ihm so mächtig - Durch die tapfere Brust, daß er flugs dem Sattel entstürzend, - Auch den Schaft aus Hairaddins festumklammernder Faust riß. - Wie der ragende Mast, der erst die wehenden Wimpel - Noch in die bläuliche Luft erhob, vom Donner getroffen, - Sausend dem Bord' entstürzt: auffleugt im Falle des Leines - Schimmergewebe: so fiel er, den Speer im pochenden Herzen - Tragend, vom Roß. Sein Auge verglomm, wie drüben des Abends - Schimmer, und sein verblutendes Herz bewegte den Speer noch - Leis'; dann stand's, entrückt des Lebens Geschossen für immer: - Denn die Krone des Siegers im Schooß der himmlischen Freundinn - Schauend, entschwebte der Geist den trüben Gefilden des Erdballs. - Hairaddin kehrte zurück: mit noch empörterer Blutgier - Führt' er die Janitschar'n und die Reihen der Schrecklichen vorwärts, - Und von neuem begann des wüthenden Kampfes Getümmel. - - Dort, wo vor Toledo zuvor, das maurische Kriegsvolk - Wich, da brausete jetzt mit Orkanengewalt und des Blitzes - Flug', erhebend sein Allah-Geschrei, der schreckliche Türk her. - Rechts war Eberstein, und links Lusitania's Ludwig - Vorgedrungen, und so das mittlere Treffen gesondert, - Feind'umschart, und verloren im Feld. Es erblaßte Del-Guasto; - Aber nicht wich ihm der Muth. Er rief den tapferen Führern: - »Trennet die Reihen des Volk's, und heißt sie nach Osten und Westen, - Heißt sie nach Süden und Norden, die Stirn' im dräuenden Viereck - Wenden sogleich, und bestehen den Kampf, wie es Helden geziemet!« - Also der Greis: da tönte der Ruf, da erblitzte der Degen - Tapferer Führer; es stand das Volk geschlossen im Viereck, - Und in dem mittleren Raum, mit den Herolden, schaltend, Del-Guasto. - Mochte der Feind nun da, nun dort anprallen: dem Felsen - Gleich, den draußen im Sturm umbrausen die wüthenden Wogen, - Standen die Tapfer'n im Feld; sie hielten die stürmenden Scharen - Kämpfend zurück, und häuften umher unzählige Leichen. - Solches gewahrend, entboth der edelste Kaiser die Völker, - Die zum entscheidenden Schlag er heut' erkor in dem Heer', so: - »Jetzo hinaus an den Feind! Dem winket der schönste der Lorbern, - Der hier seiner Gewalt entreißt die tapfer'n Gefährten. - Vorwärts! Hier in dem Feld und dort in der felsigen Hochburg - Winket des Sieges Preis erhabener Christenerrettung.« - Sieh', und er führte sogleich die erlesenen Scharen vom Nachhalt - Gegen des Feindes Macht! Die jauchzenden Krieger bewegten, - Eilend dahin im Waffenfeld, die hurtigen Schenkel, - Wie das muthige Roß, dem Ziele genaht, in dem Wettlauf, - Immer schnelleren Flugs durchbraust die stäubende Rennbahn. - Hairaddin sah die Kommenden. Ihm erbebte der Busen - Jetzo vor Angst: denn ach, sein mächtiger Gegner, der Kaiser, - Flog an der Spitze der Kühnen daher! Er wandte das Reitroß - Schnell, und entfloh. Da erhellte des Sieg's aufstrahlende Hoffnung - Sein umwölktes Gemüth: er fluchte der niedrigen Feigheit, - Die so fremd ihm war, wie draußen dem schrecklichen Löwen, - Der die Wüste durchbrüllt, den Gegner zu wecken; dann faßt' er - Gierig den ragenden Speer, und schwang sich zurecht in dem Sattel. - Doch schon war ihm dahier der siegverherrlichte Kaiser, - Brausend genaht, und warf ihm die Lanze mit kräftiger Rechten, - Weitausholend zuvor, so rasch entgegen, und traf ihn - Jetzt in die Rechte so fest, daß ihr entschlüpfte der Speerschaft, - Und der Verwundete floh, von Wuth und Schmerzen gefoltert, - Schnaubend zurück: ihm schlug der Feind' umhallender Sieg'sruf - Jetzo der Wunden noch mehr; dann hieß er die Schrecklichen vorgeh'n, - Kämpfen, und metzeln, von Rach' erfüllt, und schrecklicher Mordgier. - - Ha, zu dem letzten Gewürg' ereilten sich jetzo die Gegner! - Nicht der sturmentwurzelte Wald, nicht der schreckliche Donner, - Der in des Mittags Gluth den schwarzumnachteten Himmel - Durchras't, krachet so laut, als hier erkrachten die Waffen, - Und wie im engeren Thal des Strom's ergossenen Fluthen - Stürzt das Föhrengehölz, daß, übereinandergeworfen, - Liegen die Stämm' auf dem Grund', und mengen die Aest' und die Wipfel: - Also lagen im Feld die Erschlagenen, welche vor allen - Sich in dem Vorderzug hinwürgten in Hast und Erbitt'rung. - Aber nicht lang': da floh'n die völliggeworfenen Scharen - Hairaddins fort mit Geschrei und in wilder Verwirrung nach Tunis, - Und er folgte den Flüchtigen stumm, und verachtenden Blick's, nach. - Sinam, des Nachzugs Hort, erwägend des fliehenden Heeres - Noth, und scheuend des Herrschers Grimm, da er gestern die Sclaven - Rettete, hielt nun da, nun dort die ausreißende Schar auf; - Aber vergeblich. Wie dort die flüchtigen Gemsen der Weidmann - Ein in das felsenumstarrete Thal, wo gierig die Schützen - Harren, im Lärm und Getös' nachstürmenden Volkes zu treiben - Nimmer vermag: denn fern erwitterten jene die Schützen - Schon, und brechen dahier und dort durch lärmende Treiber: - Also entfloh sein Volk. Doch er, wohlkundig des Krieges, - Rastete nicht, und deckte mit tausend erlesenen Türken: - Jetzo entfliehend mit List, und jetzt mit unbändiger Kühnheit - Wagend erneueten Kampf, den Rücken des flüchtigen Heeres, - Bis urschnell, wie ein Hagelgewölk, hervor aus dem Nachhalt - Doria kam, und den Feind sein reisiges Volk mit dem Faustrohr, - Das an dem Sattel ihm, links und rechts in der Halfter geborgen, - Ruhte, vertrieb: den Zaum mit den Zähnen fassend im Anlauf, - Und aus jeglicher Hand abfeuernd das knallende Faustrohr. - Jen' entfloh'n wie Spreu im Hauch des stürmenden Windes. - - Jetzt, am errungenen Ziel, der nächtlichen Weihe gedenkend, - Welch' ihm Solches verhieß, erhob der stattliche Kaiser - Seine, von Thränen des Danks umhülleten Blicke zum Himmel. - Zahllos schwebten die Geister herab: sie umjauchzten des Siegers - Ruhmgekrönetes Haupt und des Heer's unendliche Reihen. - Aber, so laut und so mächtig sie schrie'n: des horchenden Kriegers - Ohren vorüber erscholl nur ein leises Geflister; er blickte - Staunend umher. Da hob zu dem übersinnlichen Luftraum - Attila finster sich auf. Sein Aug', erhellet von Muth sonst - War erloschen -- erschüttert sein Herz. Er zürnte dem Seher - Muhamed, der ihn mit ruhm- und siegverheissenden Worten - Wieder herab aus den Höhen gelockt. Nun sah er von dorther - Mit umdüstertem Blick entgegen der dunkelen Zukunft. - Aber die andern entfloh'n, und zogen umher in den Lüften, - Wie das Herz sie drängt' auf dem Pfade der Läuterung, jenseits. - - Hugo nahte voll Angst. Nicht erspähte sein Auge Toledo's - Schimmernden Helm in dem Vorderzug, nicht das blitzende Schwert mehr, - Dem die Feinde gebebt; doch jetzt gewahrt' es ihn blutend -- - Todt in dem Staub, und neben ihm Kurd, den treuesten Freund auch. - Gleich zween säugenden Leu'n, die ein grimmiger Panther erwürgte, - Als entfernt nach Beut' umirrte die sorgliche Mutter, - Lagen sie dort; und, wie die Kehrende heulet, und wehklagt - Um die Lieben, daß rings, mittrauernd, die Wälder erschallen: - So wehklagte der Greis, und rief zu Toledo gebeugt hin: - »Mußtest du sterben dahier im fern entlegenen Welttheil, - Ferne der Heimath: den Lieben fern, du Herzensgeliebter! - Hugo kehret allein! Nicht schaust du vom kehrenden Schiff mehr - Dort den hohen Palast, wo in unbehülflicher Kindheit - Er dein erstes Lallen vernahm, auf den Armen dich wiegend; - Nicht umfängt, aufweinend vor Wonne, der fürstliche Vater - Dich Gelandeten dort, nicht die zärtliche Gattinn -- was sagt' ich? - Sie ist nicht mehr! Schon floh der Engel zur besseren Heimath - Wieder zurück: du folgtest ihm schnell in liebender Sehnsucht. - Ruhet denn beide vereint, im nämlichen Grab, und es ruhe - Neben euch dort im Frieden die Hülle des theuersten Freundes! - Dann erhoben, auf seinen Wink, die tapferen Krieger, - Die er so oft zum Kampf' und zum Siege geführet, den Helden - Dort mit dem treuesten Freund' auf die Schultern, und folgten ihm, - schweigend - All', und mit Thränen im Blick, zum moosumwucherten Fels hin. - Als er den finsteren Schlund der Höhl', entfernend den Steinwust, - Selber enthüllt'; als jetzt an der Seite Mathildens Toledo - Lag, zu dem Engel gewandt, der ruhend am Herzen der Mutter - Lächelte, sah er sie lange noch an, und sagte mit Andacht: - »Schlummert im Frieden dahier der Auferstehung entgegen, - Bis der Posaunenruf euch dann zu dauernder Wonne - Wiedererweckt. So sey's! Sie wandelten weinend, und sä'ten - Saat der Verwesung; allein, bald kehren sie jauchzend, und tragen - Freudig die Garben heim in die Scheuern des ewigen Lebens.«[85] - Sieh', und als er auch Kurd, den redlichen Freund, an des Freundes - Seite gelegt, und das Schwert ihm dort in die Rechte gegeben, - Das er zur Rettung des Freundes gezückt: da stieg er beklommen, - Und mit thränendem Blick noch oft zu den Todten sich wendend, - Wieder zur Tageshelle herauf. Er winkte den Kriegern, - Und sie wälzten sogleich den lastenden Stein an der Höhl' auf: - Vor unheiligem Blick die Hülle der Edeln zu wahren. - Aber er ging, und harrt' am Strand der ersehneten Heimfahrt. - - Hairaddins Völker floh'n, durchbrausend die Straßen von Tunis, - Und er folgte den Feigen voll Grimms; doch jetzo die Hochburg - Schauend im Abendglanz, erwog er noch zweifelnden Sinnes: - Ob er erklimme die Höh'n, und dort, die entfesselten Sclaven - Waffnend, stehe zur Wehr', und fall' im rühmlichen Tod nur? - Hastig spornt' er das Roß bergan, zu erklimmen die Höhen; - Doch nun hielt er erstaunt. Ihm brausete Fluch und Verwünschung - Schrecklich an's Ohr; hellschwirrende Pfeil' und schmetternde Kugeln - Wühlten um ihn, entsinkend der Luft, im Staub, und die Mörser - Spie'n mit Donnergetös' ihm zermalmende Kugeln entgegen. - Und, o schreckliche Schau: es wehte die Fahne des Kaisers - Hell von den Zinnen der Burg, die dort aufpflanzten die Deutschen! - Jetzt ergriff er die Flucht. Entfaltend die nächtlichen Flügel, - Rauscht' ihm Verzweiflung, Angst, und Todes-Grau'n in dem Rücken; - Doch gewahrend im flüchtenden Heer' auch Sinam, des Nach-Zugs - Tapferen Hort, ergrimmt' er sogleich, und schmähte den Greis so: - »Ha, wer siegte mir ob mit tönender Zunge voll Arglist, - Daß ich die Sclaven gesammt nicht erwürgen ließ in der Burg dort? - Sey verflucht dein Rath -- verflucht du selber auf immer!« - So vom Zorn entflammt, entriß er dem Krieger den Bogen, - Zog die Sehn' an die Brust, und schoß nach den Zinnen der Hochburg, - In ohnmächtiger Wuth, den breitbefiederten Pfeil hin; - Dann entfloh er nach Bona hinaus, wo seiner die Schiffsmacht - Harrt', und Sinam folgt' entfernt mit dem schweigenden Heer nach. - - Als nun rings im Gefild' des Krieges Getümmel verhallt war, - Herrschte, die Straßen entlang, in der meilenumkreisenden Hauptstadt, - Grabesstille. Verstummt, und zitternd bei jeglichem Laut schon - Saßen die Menschen daheim, und harrten des nahenden Feindes. - Aber mit wankendem Schritt und thränenumflossenen Wimpern - Traten, je zwei und zwei, die Greis' aus dem Thore von Tunis: - Aelteste nennt sie das Volk, die am Markt und im wölbenden Stadtthor - Sitzend, sprechen des Rechts Urtheil als kundige Richter. - Fünfzig kamen der Greis'. Ihr Haupt von silbernen Haaren - Spärlich umhüllt, erweckete Mitleid; Achtung geboth ihr - Schneeiger Bart, der tief zu dem goldenen Gürtel herabfloß. - Jeglicher trug in der Rechte herbei den grünenden Oehlzweig, -- - Trug in der Linken Geschenk', und horcht', erbebend vor Angst, auf: - Denn schon tönete laut, und lauter des eisernen Hufes - Schmetternder Schlag: schon klang das Rasseln der blitzenden Waffen - Näher; des Vor-Zugs reisige Schar herbrauste, dem Sturmwind - Aehnlich, und drang in die Stadt, der bebenden Greise nicht achtend. - Dort, noch glühend vom Kampf, und entrüstet in blutiger Arbeit, - Würgt' ihr Schwert unseliges Volk, das thörichten Herzens - Hairaddins Worten vertraut', und, dem Schrecklichen treu sich bewährend, - Muthige Abwehr sann, und furchtbarer Rache gedachte.[86] - Aber umsonst: bald floh die unzählige Menge zerstäubt fort. - - Jetzt an der Spitze des jauchzenden Heer's, in eherner Trommeln - Wirbelndem Ruf, im Drometengetön, und der flatternden Fahnen - Sanftem Gesäusel, erschien der stattliche Kaiser. Die Feldherrn, - Eberstein und Doria rechts -- links Guasto mit Ludwig - Folgten ihm. Doria, groß und mächtig im Sturme der Seeschlacht, - Sah ihn erringen den Sieg, und heftete seitdem die Augen - Schweigend auf ihn; ihm pochte die Brust vor erschütternder Ehrfurcht. - Als der Herrscher die Greise, gebeugt im Staube, gewahrte, - Sprang er vom Sattel, und hieß sie mit sanftgebiethender Stimme - Stehen, und sprechen vor ihm mit Muth und würdiger Freiheit. - Siehe, da sprach El-Had, der hundertjährige Greis so: - »Segen mit dir, gewaltiger Heer'- und Völkerbesieger, - Der du mit Huld uns hörst! Nun herrsch' in Fülle des Glückes - Ueber ein Volk, das jüngst im strafenden Zorne die Vorsicht - Hairaddins Wuth preis gab, des grausamgesinneten Mannes! - Ach, und wir haben doch einst viel bessere Tage gesehen, - Als auf dem Thron von Tunis ein Fürst voll göttlicher Weisheit, - Maula Mehemed, saß, deß' Staub der Segen des Himmels, - Wie die Sommerflur der thauende Morgen, erquicke; - Als des Siegers Schwert' erbebten die Gegner, im Frieden - Blühte dieß Land, und rings auf dem weltverbindenden Meer noch - Wogte sein Handelsschiff, des Segens Fülle verbreitend -- - Sammelnd im frohen Verkehr! Doch zürne dem eifernden Greis' nicht, - Herr: denn stets umschwebt ihn das Bild entflohener Zeiten, - Und errette das Volk in den Mauern der zitternden Hauptstadt, - Wo nach dem schrecklichen Kampf der rach'erfüllete Sieger - Wüthet. Vielleicht, daß auch dir ein grauender Vater daheimblieb, - Welcher im Gram des Tages gedenkt, an welchem du hingingst; - Oder am Strande des Meer's die Mutter des blühenden Säuglings - Deiner, des Gatten, beraubt, aufweint in trauernder Sehnsucht. - Solches erwäg', und errette -- gebiethe dem stürmischen Krieger, - Daß er den lüsternen Blick, voll heiliger Scheu, von des Harems - Thüre verwende, und Leib und Gut dir opfert dein Volk dann!« - Also der Greis, und mild, wie ein liebender Vater den Kindern - Streichelt die Wange zum Trost, zur Ermunterung, nahte der Kaiser - Jetzo dem flehenden Greis', und sprach mit erheiterten Blicken: - »Ein, und derselb' erbarmende Gott ist über uns allen, - Der den Sieg uns gab, und den frevelnden Räuber in Staub warf. - Aber nicht mir und den Meinen, nur Muley Hassan, dem König, - Huldige fürder dieß Land: ihm werde das Erbe der Väter, - Ihm der entrissene Thron, die Lieb' und die Treue des Volkes. - Möge die Zukunft ihm und euch im Segen erblühen!« - Sagt' es, und nahm die Geschenk' an köstlichen Früchten und Blumen, - Die, nach der Sitte des Land's, ihm die zitternden Greise verehrten, - Nahend je zwei und zwei, und die Herolde hieß er, den Kriegern - Einhalt thun mit gebiethendem Wort', in den Straßen von Tunis. - Jene gehorchten, und bald verstummte der Waffen Getümmel. - - Doch welch' dunkeler Strom ergeußt sich vom Felsengebirg her? - Zahlloswimmelndes Volk entströmt den Thoren der Hochburg. - Ha, die Geretteten sind's -- sie sind's, erschütternd zu schauen! - Wie, zum Schwarme gereift, die unzählige Menge der Bienen, - Summend, dem duftenden Korb entfährt am sonnigen Lenztag: - Also entströmten auch hier wohl zwanzigtausend der Christen -- - Jetzo nicht Sclaven mehr, den Kerkern der Stadt und der Hochburg: - Bleich, ermattet durch Qual, durch Hunger und grause Behandlung! - Glückliche, die nun zuerst umschlangen die Kniee des Kaisers, - Knieend im Staub; auf die Hand ihm preßten die zitternden Lippen -- - Netzten mit glühenden Thränen sein Kleid! Nur Stöhnen und Schluchzen - Tönte noch ringsumher aus der angsterregenden Stille. - Jetzt ein Weinen und Heulen erscholl, und jetzo mit einmal, - Furchtbar, hallte Geschrei: »O Vater, Retter, Befreier!« - Wie die Meeresfluth, vom nahenden Sturme gehoben, - Erst nur leis' aufrauscht; doch bald im schrecklichen Aufruhr - Heulet in Wolkenhöh'n, und braust in des gähnenden Abgrunds - Tiefen, daß, schaudernd vor Angst, ihr die Erd' und der Himmel erdrönet: - Also ertönte der Schrei der Glücklichen rings um den Kaiser. - Tausender Händ' empor zu dem Vater im Himmel gehoben, - Zeigten die Bahn, auf welcher des tieferschütterten Herzens - Dank aufflog, und des Segens Füll' erflehte dem Retter. - - Lauter ward das Getös', und bewegter die wimmelnde Schar dort. - Einer dem andern sank an die Brust, und fragte noch zweifelnd: - »Ist es gewiß: wir frei -- entronnen auf immer den Banden?« - Einzeln, dann wieder vereint, dann immer gewaltiger scholl's nun: - »Werd' ich dich wiederseh'n, o Vaterland -- in der Heimath - Seh'n dich, väterlich Haus, wo mir der fröhlichen Kindheit - Jahre entschwanden im Glück? Werd' ich den zärtlichen Vater -- - Ich die liebende Mutter umfah'n -- die holde Geliebt' ich, - Liebend und treu, und ich, den Freund, die Kinder, und Gattinn?« - Also erscholl's aus dem brausenden Strom endlosen Entzückens; - Aber der Retter stand im Kreise der staunenden Feldherrn, - Von den seligen Scharen umjauchzt. Er blickte, verstummend, - Ueber die Menge hinaus, in des hochaufwölbenden Aethers - Schimmernden Raum empor (an seinen Wangen herunter - Stürzte die Thrän') und als er nun senkte das Haupt, und voll Dankes - Preßte die Recht' an das pochende Herz: da wandt' er sich lächelnd, - Weinend, nach Eberstein, und sagte mit leiserer Stimme: - »Stürb' ich doch jetzt: denn ach, mir wurde die Wonne des Himmels!« - D'rauf mit erheitertem Blick begann er, und sagte zu Guasto: - »Edeler Greis, vertraut sey dir die Pflege der Freien, - Daß du mit Vaterhuld, und weis'umschauender Sorgfalt - Stillest die Noth der Hungrigen, und bekleidest die Nackten! - Heimwärts schiffen wir bald. In des Meer's freiwogenden Fluthen - Rauschet der Kiel, und vom Mast erglänzen die Kränze der Sieger: - Dort den Lieben zur wonnigen Schau. Doch nimmer entschwindet - Uns das errungene Ziel hinfort; nicht welket der Kranz mehr, - Der uns geworden: denn seht: er keimte hienieden, und blühet - Unvergänglich fort in den hehren Gefilden des Himmels!« - Jener führte die jauchzende Schar zu des Meeres Gestad hin, - Sorgend für Aller Wohl nach dem Willen des edelsten Herrschers; - Aber er trat voll Wehmuth ein in die Thore von Tunis! - - - - - Anmerkungen zur Tunisias. - - - Erster Gesang. - - [1] Vers 27. - -Nach der Schlacht von Zama, soll P. Corn. Scipio den Hannibal gefragt -haben: wen er für den größten Feldherrn halte? Dieser nannte zuerst -Alexander den Großen, dann Pyrrhus den Epiroten, und den dritten sich -selber. Scipio, darüber empfindlich, sprach weiter: »und was würdest du -erst gesagt haben, wenn du auch mich überwunden hättest?« -- »Dann« -entgegnet' ihm jener -- »würde ich mich weit über jene Beiden gesetzt -haben.« - - [2] Vers 29. - -Ludwig IX. (der Heilige), König von Frankreich, Sohn Ludwigs VIII. und -Blanca's von Castilien (geb. den 25. April 1215), der durch seine -Frömmigkeit, Weisheit in Regierungsgeschäften, und durch persönliche -Tapferkeit sich allgemeine Hochachtung erworben hatte, unternahm zuerst -einen Kreutzzug nach dem gelobten Lande; eroberte im Jahre 1249 Damiata, -und schlug den Sultan von Aegypten zu wiederholten Malen. Allein durch -Hungersnoth und ansteckende Krankheiten zum Rückzug gezwungen, verlor er -die errungenen Vortheile mit der Freiheit, die er nur durch die -Zurückgabe von Damiata, und durch ein großes Lösegeld für sein -mitgefangenes Heer, wieder erhielt. Im Jahr 1270 unternahm er einen -zweiten Kreutzzug, schiffte nach Afrika über, und eroberte die Veste von -Tunis; doch auch hier, wie in Syrien, raffte eine ansteckende Krankheit -einen Theil seines Heeres weg, deren Opfer er selbst, am 25. August -desselben Jahres, geworden ist. (Siehe _dessen Lebensbeschreibung_ durch -_Delachaise_ und des Abtes _de Choisi_.) - - [3] Vers 40. - -_Hairaddin_ (Chereddin) und Horuc-Barbarossa, von Mitylene, auf der -Insel Lesbos, gebürtig, und, als Korsaren, der Schrecken des -mittelländischen Meeres, bemächtigten sich des Thrones von Algier, wohin -sie Selim-Euthemi, der König, gegen die Spanier zu Hülfe gerufen hatte. -Chereddin übertraf seinen Bruder noch an Kühnheit, und begründete -eigentlich das so lange, zur Schande Europa's, bestehende System der -Seeräuberei an der Nordküste Afrika's. Nachdem er Constantina und noch -andere Städte daselbst wegnahm, ernannte ihn Solyman II., oder -_Prächtige_, zum Oberbefehlshaber seiner Flotten. Im Jahr 1535 -bemächtigte er sich durch Verrath der Stadt Tunis; sammelte dort eine -bedeutende Seemacht, und anstatt, wie im vergangenen Jahre, nur die -Küsten Italiens zu plündern, ging er mit nichts Geringerem um, als -Sicilien mit einer Menge Türken und Mauren zu erobern, wodurch er sich -die Wege zu dem Throne Neapels zu bahnen gedachte. In demselben Jahre -wurden seine unabsehbaren Plane durch Carls V. herrlichen Zug nach Tunis -vereitelt. Doch Carls unversöhnlicher Feind, Franz I., König von -Frankreich, ward Chereddins Verbündeter, mit dessen Macht vereint, er im -Jahr 1543 Nizza wegnahm. Er starb im Jahr 1546 zu Constantinopel, -- im -88. seines Lebens. An dem Strande des Meeres zu Beschiktasch, am -europäischen Ufer des Bosphorus, ist sein Grabmahl (wie Hofrath v. -Hammer in seiner Verfassung des osmanischen Reichs Theil II., Seite 317, -sagt), und erregt ernste Gefühle bei dem Geräusche der Wogen, die an ihm -emporklimmen. (__Paul. Jov. in Elog._ I. 6. -- _Hist._ I. 33. 41. 44. -- -_Thuan. Hist._ L. III._) - - [4] Vers 55. - -_Andreas Doria_ (geb. 1468) aus einem altadelichen Geschlechte Genua's, -war früher französischer Admiral, wählte aber freiwillig Kaiser Carls V. -Flagge, und blieb zur See in dessen Diensten bis zu seinem Tode im J. -1560. Er war der größte Seeheld seiner Zeit; gab Genua eine bessere -Verfassung, und ward der _Vater und Befreier des Vaterlandes_ genannt, -das er im J. 1528 vom Joche der Franzosen befreiet hatte. - - [5] Vers 61. - -_Muley Hassan_ (Maula-Hascen), Maula Mehemeds Sohn, König von Tunis. Er -war der jüngste Sohn von zwei und zwanzig Geschwistern, unter welchen er -seine Brüder, auf den Rath seiner unnatürlichen Mutter, theils blenden, -theils tödten ließ, um also zum Throne zu gelangen. Sein älterer -Zwillingsbruder, Al-Raschid, entfloh nach Constantinopel, bei Solyman -Hülfe zu suchen. Er ward heimlich erwürgt, und der eben von dort -absegelnde Chereddin eilte nach Tunis, und bekam bald, im Nahmen des -todten Al-Raschid gebiethend, dem das Volk anhing, Goletta die Veste, -und dann auch Tunis in seine Gewalt. Muley Hassan ward zwar durch den -siegreichen Kaiser in sein ihm entrissenes Land wieder eingesetzt, wurde -aber nach wenigen Jahren von seinem Sohn, Hamida, des Thrones beraubt, -und geblendet. So kam er zu dem Kaiser nach Augsburg, nochmals um Hülfe -zu flehen, und starb auf der Rückreise in Rom. (Siehe: __M. Cardonne -Histoire de l'Afrique et de l'Espagne_ etc. T. III. _Paris_ chez -Saillant_ 1765, und __Jov. Hist._ 33. c._) - - [6] Vers 99. - -_Solyman II._ (Suleyman, der _Prächtige_ benannt) folgte Selim I., -seinem Vater, im Jahre 1520 in dem türkischen Kaiserreiche nach. Nie ist -dieses Reich auf einer glänzenderen Stufe der Macht und des Ruhmes -gestanden, als unter diesem, durch Herrscherweisheit und Thatkraft -ausgezeichneten Fürsten. Im Jahre 1521 eroberte er Belgrad, und im -folgenden Jahre die Insel Rhodus, von wo er die Johanniter-Ritter -vertrieb. Im Jahre 1526 gewann er in der Schlacht von Mohatsch den Sieg -über den König der Ungern, Ludwig II., der sammt seinem Pferde in einem -Moraste zu Grunde ging, und, nachdem er einen großen Theil von Ungern in -seine Gewalt bekommen hatte, rückte er im J. 1529 vor Wien, von wo er -nach einer vergeblichen Belagerung, da der Kaiser, Carl V., mit einem -Heere näher gerückt war, sich schnell nach Ungern hinabzog. Er starb -daselbst am 4. September 1566, bei der Belagerung der Veste Sigeth, die -Niklas Zriny, ein zweiter Leonidas, so heldenmüthig gegen ihn -vertheidigt hatte, im 72. Jahre seines Alters, und im 46. seiner -Regierung. (__Paul Jov. in Solim.__) - - [7] Vers 105. - -_Istambul_, Stambul, nennen die Türken die Stadt Constantinopel. - - [8] Vers 406. - -Die heiligen Urkunden sprechen von einem Orte der ewigen Seligkeit, -wohin die _Guten_ kommen, und von welchem die _Bösen_ auf immer -ausgeschlossen bleiben. Aus ihnen schöpfte die Allgemeine Kirche die -Lehre von einem Mittelzustande, von jenem der _Läuterung_, durch welche -der Uebergang zu jenem möglich wird. Ueber alle drei ist in dieser -Kirche, seit der ersten Zeit ihrer Verbreitung bis zu dem heutigen Tage, -ein, und derselbe Glaube geblieben, welchen sie bestimmt, und deutlich -gelehret hat. In Bezug auf dieses dreifache _Geisterreich_, von welchem -die Kirche Beschreibungen zu geben, weder konnte, noch wollte, ließ sie -auch einige Stellen in den Briefen des Apostel Paulus unberührt, die mit -jenem in Verbindung gebracht werden konnten. Dieß sind die Stellen, in -welchen er von den, im Luftraum wohnenden Geistern spricht, und auf -welche der Sänger der Tunisias, und des Rudolph von Habsburg, sein -_Wunderbares_ im Epos, (nicht als Exeget, sondern als Dichter) gegründet -hat. Im Brief an die Epheser VI. vom 11-13. Vers (»Ziehet an die volle -Rüstung Gottes, damit ihr stehen könnet gegen die Nachstellungen des -Versuchers: denn unser Kampf ist nicht wider Fleisch und Blut, sondern -wider Fürstenthümer, Gewalten und Weltherrscher der finsteren Gegenwart: -wider die bösen Geister im Uebersinnlichen«) ist von Geistern die Rede, -die böser Natur sind, und gegen deren Einflisterungen der Christ zu -kämpfen hat. Vorher, III. Cap. 10. V. (»Damit den Mächten und Gewalten, -im Uebersinnlichen, durch die Kirche« -- die Bekenner der christlichen -Lehre, »die mannigfaltige Weisheit Gottes bekannt werde«) spricht er -aber von solchen, welchen auf dem Pfade der Läuterung ein Aufschreiten -vergönnt zu seyn scheint. Besonders die erstere Stelle fände ihre -Erläuterung in jener im I. Brief an die Chorinther XV. Cap. 24. V. &c., -wo Paulus von dem _Weltende_ spricht: (»... Dann ist das Ende, wenn Gott -die Fürsten, Mächte und Gewalten« -- im Uebersinnlichen -- »außer -Wirksamkeit gesetzt haben wird. Das Letzte aber, was sein Ende erreichen -soll, ist der Tod.«) - -Daß diese Stellen in den Briefen des Apostel Paulus schon in den ersten -Jahrhunderten der christlichen Zeitrechnung auf eine ähnliche Art -ausgelegt wurden, beweisen die merkwürdigen Worte des größten -Schriftauslegers aller Zeiten, des h. Hieronymus, der zu obiger Stelle -im VI. Cap. des Briefes an die Epheser, sagt: _»Haec autem omnium -Doctorum opinio est: quod aer iste, qui coelum et terram medius -dividens, inane appellatur, plenus sit contrariis Fortitudinibus.« _S. -Hieronym. Comment. in Epist. ad Ephes. Q. 3. c. 5.__ - - [9] Vers 465. - -Die grundlose Beschuldigung, die der Sectenhaß so vielen, selbst -ausgezeichneten Geschichtschreibern eingab, daß nämlich Carl V. nach der -Alleinherrschaft in Europa gestrebt habe, ist dem Unpartheiischen wohl -aus seinem ganzen Herrscherleben klar genug; doch findet er sie völlig -widerlegt durch seine Lage nach dem berühmten Siege, den er bei Mühlberg -(24. April 1547) über den Smalkaldischen Bund errungen hatte. Seine -ergrimmtesten Gegner sanken dort überwunden zu seinen Füßen; seine -spanischen Veteranen, mit vielen italienischen Scharen, standen ihm zu -Geboth, und er -- begnügte sich dem frechen Uebermuth, der ihn nur als -_Carl von Gent_ mehr gelten ließ, ein Ziel gesetzt zu haben, entließ -seine sieghaften Scharen, baute auf Treu und Glauben: denn das hatte er -wohl nie gedacht, daß sein Liebling, Moritz von Sachsen, den er an -seinem Herzen groß gezogen hatte, so undankbar an ihm handeln würde, und -gerieth, von diesem mit einem Ueberfall bedroht, schon fünf Jahre (J. -1552) nach jenem Siege, in solche Gefahr, daß er sich, von -Gichtschmerzen gefoltert, in einem Tragsessel noch in der Nacht von -Innsbruck fort über die Gebirge nach Kärnthen, als ein Flüchtender, -mußte tragen lassen. - - - Zweiter Gesang. - - [10] Vers 23. - -_Ortilo_, dessen wichtige _Fragmente von den Babenbergern_, als -Herrschern Oestreichs, Chrysostomus Hanthaler aufgefunden und bekannt -gemacht hatte, sagt zu dem Jahr 1191 von _Leopold_ dem _Tugendhaften_, -unter anderm: »Da der Herzog bei der Belagerung (von Ptolemais) so -tapfer focht, daß sein ganzer Körper, mit Ausnahme jenes Theils, den der -Leibgurt umgab, mit Feindes Blut bespritzt war, so hat in der Folge der -Kaiser, Heinrich VI., den Schild Oestreichs, in dem bisher fünf Lerchen -zu sehen waren, geändert, und zeichnete solchen durch ein _rothes Feld_ -aus, das durch einen _weißen Querbalken_ mitten durchschnitten ist.« -Ortilo war ein Zeitgenosse Leopold des Tugendhaften, und vier Jahre -darauf, bei seiner Begräbniß in heil. Kreuz, gegenwärtig. Spätere -Schriftsteller, wie Cuspinian, Lazius &c. &c. sind anderer Meinung über -die Bedeutung dieses Wapens. (Siehe __Fast Campil._ T. I. pag._ 434, und -__Recens. Dipl. Geneal. Arch. Campil._ pag. 196._) - - [11] Vers 58. - -In dem Werkchen: __Eutropii Diarium Expeditionis Tunetanae_ a. 1535_, -die in der Sammlung »_Scriptores Rer. Germ. per S. Schardium_,« Gießen, -1673, enthalten ist, wird ausdrücklich gesagt, daß der Kaiser während -seiner Abwesenheit die Regierung Spaniens seiner Gemahlinn, Isabella, -übergeben, und sogar sein Testament hinterlassen habe: _»priusquam -Madritio discederet, omnibus adhibitis solemnitatibus testamentum suum -condidit,« pag. 321_. - - [12] Vers 91. - -_Hermann_, der Sohn des Cherusker-Fürsten, Siegmar (geb. 18 J. vor -Chr.), ward in Rom erzogen, und im römischen Heere angestellt. Doch, er -beschloß der Retter seines Vaterlands zu werden; vernichtete in seinem -26. Jahre die Legionen des Quintilius Varus in dem Teutoburger Walde, -und nachdem er zwölf Jahre hindurch die Angelegenheiten Deutschlands -geleitet hatte, besiegte er Marbod, den König der Marcomannen, zwei -Jahre vor seinem Tode. Er soll, weil er nach Alleinherrschaft strebte, -von seinen Anverwandten ermordet worden seyn. (__Tacit._ L. I. et II. -_Annal.__) - - [13] Vers 97. - -_Hannibal_, der Sohn des Hamilkar Barkas (geb. im J. 247 vor Chr. zu -Karthago), nach seinem berühmten Zuge über die Alpen der Besieger der -Römer an der Trebbia, am Trasimenus, vor Cannä &c., wurde bei Zama von -dem ältern Scipio besiegt, und starb als Flüchtling in Bithynien (183 J. -vor Chr.) in seinem 65. Jahre, nachdem er in seinem 26. den großen Kampf -gegen die Römer begonnen hatte. (_Polyb. L. III. c. 17 et 64. _Livius_. -L. 21._) - - [14] Vers 97. - -_Regulus_ (Marcus Attilius), um das Jahr 254 vor Chr. Consul von Rom, -ward (_siehe die folgende Anmerkung_) in der Schlacht von Tunis -gefangen, und von den Karthagern, wegen der Auslösung ihrer Gefangenen, -mit noch andern Abgeordneten, nach Rom gesandt, wo er dem Senat, mit -wahrer Römergröße, rieth: die Gefangenen nicht zu lösen. Er kehrte, -seinem Eidschwur treu, als Gefangener nach Karthago wieder zurück, und -soll dort, nach Einigen, grausam hingerichtet, nach Andern, eines -natürlichen Todes gestorben seyn. (__Polyb. Lib. I._ -- _Liv_. 17 et 18. --- _Palmerius, in Appian._ pag. 151._) - - [15] Vers 143. - -_Xanthippos_ hieß der edle Spartaner, der Karthago einen glänzenden Sieg -über Rom verschaffte. Nach der Niederlage von Eknomos, die jene im J. -254 v. Chr. zur See gegen die Consuln Cajus Sulpitius, und Attilius -Regulus erlitt, ward sie von dem Letzteren, der in Afrika landete, und -Tunis zu seinem Waffenplatze erkor, an den Rand des Verderbens gebracht. -Da landete mit einem Schiffe griechischer Miethlinge auch Xanthippos, -der von Gestalt unansehnliche, aber geist- und kraftbegabte Spartaner, -von dem _C. Sil. Pun. L. 6_ singt: - - Nulla viro species, decorisque et frontis egenum - Corpus; in exiguis vigor, admirabile, membris - Vividus, et nisu magnos qui vinceret artus. - -Er machte den Senat auf die Fehler seiner Heerführer aufmerksam; übte -das ihm anvertraute Heer nach griechischer Kriegskunde zuvor ein; -besiegte die Römer in der Schlacht von Tunis, und nahm den Consul A. -Regulus mit dem Ueberreste seines Heeres gefangen. -- Ihm war das stolze -Bewußtseyn genug: eine ganze Nation dem Untergange entrissen zu haben: -denn er kehrte gleich darauf wieder nach seinem Sparta zurück. (_Siehe -Fr. Mich. Vierthalers_ vortreffliche _Philosophische Geschichte der -Menschen und Völker_ V. B. S. 306.) - - [16] Vers 212. - -_Attila_, König der Hunnen, die aus Scythien kommend, sich in Pannonien -niedergelassen hatten, gelangte im J. 434 zur Herrschaft. Nachdem er -sich gerühmt: das Schwert Tyr's, des Kriegsgottes, aufgefunden zu haben, -ermordete er seinen Bruder Bleda, und entboth ein ungeheuer zahlreiches -Heer, um als _die Geißel Gottes_, wie er sich nannte, die Erde -verheerend zu durchziehen. Er fiel um das J. 441 zuerst in Thrazien ein, -drang bis nach Armenien vor, und verwüstete dann das morgenländische -Kaiserthum, zwingend den Kaiser Theodosius, den er überwunden hatte, ihm -einen Tribut zu zahlen. Auf seinem zweiten großen Verheerungszuge nach -Frankreich wurde er bei _Chalons sur Marne_, durch die vereinte Macht -der Römer unter Aetius, und der Westgothen unter Theodorich, auf das -Haupt geschlagen; zog sich über den Rhein zurück, und wandte sich zu dem -dritten, gegen Rom selbst, da er Honoria, die Schwester Valentinian -III., zur Ehe verlangte, und diese ihm abgeschlagen worden war. Er -verwüstete ganz Ober-Italien, bei welcher Gelegenheit die Flüchtlinge -auf den Inseln der Lagune dem berühmten Venedig den Ursprung gaben. Von -der Zerstörung Roms hielt ihn der Papst, Leo der Große, ab. Er kehrte -nach Pannonien zurück, wo er im J. 453, in der Nacht nach seiner -Vermählung mit der baktrianischen Prinzessin, Ildiko, in seinem Blute -erstickt gefunden ward. (_Siehe Jornandes_; und __Bonfinii Hist. Decad._ -I. L. 7._) - - [17] Vers 245. - -_Tyr_ nach der nordischen Götterlehre, der Sohn Odins, und der tapferste -unter den Göttern, wie es bei den Griechen _Ares_ war, den die Römer -Mars benannten. - - [18] Vers 321. - -_Kabesch_. Kabes, eine Stadt im Königreiche Tunis von 25,000 Einwohnern. -Sie liegt in dem Golf gleiches Nahmens, sonst auch die Kleine-Syrte -genannt. - - - Dritter Gesang. - - [19] Vers 26. - -_Ludwig_, Infant, Bruder des Königs Emanuel von Portugal, und der -Isabella, Gemahlinn des Kaisers Carl V. - - [20] Vers 35. - -_Ruyter_. Hier ist keineswegs der berühmte holländische Seeheld, Michael -Hadrian Ruyter (geb. zu Vließingen im J. 1607, gest. 1676) gemeint, der -sich vom gemeinen Matrosen bis zum Range eines Admirals aufschwang; die -englische Seemacht zu verschiedenen Malen schlug; von seinem Vaterlande -nach Verdienst geehret ward, und endlich bei der Unterstützung der -Spanier in Sicilien, dem Aetna gegenüber, in einem Treffen durch eine -Kanonenkugel den Fuß verlor, an welcher Wunde er bald darauf in der Bay -von Syrakus starb, sondern _Franz Ruyter_, den Paul Jovius in seiner -Geschichte des tunetanischen Feldzugs unter den Feldherrn aufführt. -(_Siehe:_ __Paul Jov. Hist. Lib._ 34. pag. 284 _Basileae_ an. 1578._) - - [21] Vers 47. - -_Porto Venere_ an der südwestlichen Spitze des Genueser Gebiethes. - - [22] Vers 49. - -Alphons Avalos, Marchese del Vasto (auch _Guasto_), einer der -berühmtesten Feldherrn Carls V. aus dem Hause der Pescara im Königreich -Neisen, im J. 1502 geboren, wohnte der Schlacht von Bicocca (im J. 1522) -bei; wurde nach Anton Leyva's Tode Gouverneur von Mailand, und hatte den -Oberbefehl des Heeres bei dem Kriegszug nach Tunis. Im J. 1543 entsetzte -er Nizza, das von den Franzosen, und ihrem Verbündeten, Chereddin -Barbarossa, belagert war. Er starb im J. 1546 zu Vigevano, -wahrscheinlich aus Kummer, den ihm die gegen die Franzosen verlorne -Schlacht von Cerisoles in Piemont (14. April 1544) zugezogen hatte. -(__P. Jov. Hist._ et _Roscio Capit. illustr._ p. 288._) - - [23] Vers 57. - -Das Geschlecht der _Ebersteine_ soll schon zu Carl d. Gr. Zeiten in -großem Ansehen gestanden seyn. Was die Geschichte Gewisseres von ihnen -gibt, ist: daß Eberhard, der Stammvater der Ebersteine, Hedwig, die -Tochter Kaisers Heinrich I. geehlicht, und seinen Hof in Hohentviel -gehabt habe. Als Abgesandter des Kaisers an den Papst, erhielt er von -diesem am Pfingstfeste zu Rom die goldne Rose zum Geschenk, die er, nach -dem Gebrauche der römischen Kirche, getragen hatte, und die bei seiner -Heimkunft der Kaiser in den Wapenschild der Ebersteine setzen hieß. Sein -Sohn Ludwig wohnte der Schlacht Heinrichs I. gegen die Ungern vor -Merseburg bei. -- Die zweite Stammlinie der Ebersteine richtete Graf -Otto I. in Pommern zu Neugarten auf. Otto III. der um das Jahr 1370 -gelebt, soll der Stifter der würtembergischen Hauptlinie seyn. -- Otto -II. ein anderer Stammvater der Ebersteine, verbesserte die Herrschaft an -der Weser, und erbaute das Schloß Ottenstein. Man sieht noch die Ruinen -des Schlosses Eberstein unweit Holzminden an der Weser. (__Meibom. Rerum -Germ._ T. II. p. 515. Luca:_ _Grafen-Saal_, _pag. 943._) - - [24] Vers 74. - -_Donau_, _Danubius_ (Ister hieß er den Alten von Wien hinab) einer der -größten Flüsse Europas, da er nach Büsching eine Strecke von 700 Meilen -durchläuft, und mehr als 160 größere und kleinere Flüsse in sich -aufnimmt, entspringt, nach der gewöhnlichen Meinung, am Schwarzwalde bei -Donaueschingen, obschon Andere diese Ehre zwei anderen Quellen, der -_Brega_ und _Brigach_, mit welcher sich jene vereinigt, ertheilen. Die -Donau endet an der Küste Bessarabiens ihren Lauf, und stürzt sich durch -sechs Arme mit solcher Gewalt in das schwarze Meer, daß ihr Wasser -mehrere Meilen weit im Meer noch süß und erkennbar seyn soll. - - [25] Vers 119. - -_Hunyady_ (Johann Corvinus Hunniades), den, nach einigen, ein -walachischer Bojar mit der Elisabeth Paläologa, aus dem Geschlechte der -letzten griechischen Kaiser; nach Andern, König Sigismund, außerehlich --- mit der Tochter eines edeln Walachen erzeugt haben soll, wurde zu -Ende des vierzehnten Jahrhunderts geboren. Er war, während der -Minderjährigkeit des Königs Ladislaus Posth., Statthalter von Ungern, -während seines ganzen Lebens ein Schrecken der Türken, die er in -verschiedenen Schlachten besiegte, und zuletzt (am 6. August 1456) von -Belgrad vertrieb, und starb am 16. Sept. desselben Jahrs. Von seinen -zwei Söhnen wurde der ältere, Ladislaus, im folgenden Jahre zu Ofen -enthauptet. Der jüngere, Mathias (Corvinus), gelangte zur ungarischen -Krone. (__Bonfin. Hist. Hung.__) - - [26] Vers 132. - -_Zirknitz_ (Czirknitzer See) im Lande Krain, sechs Stunden von Laibach, -gibt dem anstoßenden See den Nahmen, der eine Meile lang, und eine halbe -breit ist. Das Wasser dieses wunderbaren Sees versinket gewöhnlich des -Jahres einmal durch Oeffnungen, die sich in seinem Bette befinden. -Sobald es sich zum Ablauf neiget, eilt Jung und Alt, die Fische in -großer Menge herauszuziehen. Nach beiläufig zwanzig Tagen wächst dort, -wo erst das Wasser stand, vortreffliches Gras, und nachdem dieses -eingeerntet ist, wird noch Hirse darin gebaut, wo auch die Jagdfreunde -an Hasen und wildem Geflügel reichliche Beute finden. - - [27] Vers 149. - -Niclas _Salm_ und Wilhelm _Roggendorf_, dessen Tochter die Gemahlinn des -ersteren war, vereinte auch das Band der zärtlichsten Freundschaft. -Beiden als Feldherrn, war die Vertheidigung Wiens gegen Solymans -zahlloses Belagerungsheer anvertraut. Eine Kanonenkugel fuhr in den -Wall, und schleuderte einen zertrümmerten Stein gegen Salms Schenkel, -bei dem letzten Sturm, den Solyman am 14. October 1529 gegen die Wälle -Wiens unternahm. An der erhaltenen Wunde starb dann Salm am 4. Mai 1530 -zu Marcheck, wohin er sich hatte bringen lassen. (_Siehe Taschenbuch für -die vaterländische Geschichte durch Freih. von Hormayr &c. vierter -Jahrgang._ S. 102.) - - [28] Vers 238. - -_Elba_, eine kleine Insel des mittelländischen Meeres, von beiläufig -zwölf Meilen, Livorno gegenüber. Ihr Hauptreichthum sind die Eisenminen -von Rio, deren Erze mehr als die Hälfte reines Metall geben, und von -ihrer schillernden Farbe (_Eisenglanz_) bekannt sind. Porto Ferrajo -(_Eisenport_), mit einer guten Rhede und 3000 Einwohnern, ist die -Hauptstadt der Insel. - - [29] Vers 372. - -_Toledo_, Pedro Alvarez de Toledo, Vice-König von Neapel, ein Sohn des -zweiten Herzogs von Alba, bekam mit seiner Gemahlinn Maria Osorio -Pimentel den Staat von Villafranca, und war der Schwieger des ersten -Herzogs von Florenz, Cosmus von Medicis. - - - Vierter Gesang. - - [30] Vers 43. - -_Alba_ (Ferdinand Alvarez von Toledo, Herzog von) war im J. 1508 -geboren. Erst unter Carl V., dann unter Philipp II., seinem Sohn, war er -stets ein siegreicher Feldherr ihrer Heere. In dem Kriege gegen die -Niederländer hatte er nach seiner und seines Herrn Ueberzeugung, -Rebellen bekämpft, und in solchen Kriegen hat man wohl sonst auch von -ähnlichen, und noch größeren Grausamkeiten gehört; doch da dieser Krieg -den Protestanten für einen Religionskrieg galt, und noch heut zu Tag -dafür gegeben wird, so mußte er, besonders seit Schillers -poetisch-entworfenem Bilde von ihm, als einer der grausamsten Wüthriche -geschildert, erscheinen. Andere rühmen an ihm, nebst seinen großen -Feldherrntalenten, seine unerschütterliche Treue, und dabei sein freies, -offenes Benehmen gegen seinen Regenten, seinen Edelmuth und Weisheit. -Indeß ist er von Härte und Grausamkeit nicht frei geblieben. Er starb im -J. 1582 im 74sten Jahre seines Lebens. - - [31] Vers 43. - -_Alarcon_ (Ferdinand d'Alarzon), einer der tapfersten spanischen -Feldherrn Carls V. Nach dem Siege von Pavia (24. April 1525), wurde ihm -die Bewachung des gefangenen Königs von Frankreich, Franz I., -anvertraut, so wie zwei Jahre später, jene über den Papst, Clemens VII., -der sich den Kaiserlichen ergeben hatte. (__Jov. Hist._ 34. cap. -- -_Imhof. Geneal. 20. Fam. Hisp._ p. 203._) - - [32] Vers 45. - -_Garzia Lasso_ (Garzilaso de la Vega), im J. 1503 zu Toledo geboren, ein -berühmter spanischer Dichter in der Gattung der Ekloge, Epistel, Oden, -Lieder und Sonette. Er wohnte unter Carl V. den Feldzügen im Jahr 1529 -gegen Solyman, und im J. 1535 gegen Tunis bei; in dem letzteren wurde er -an dem Arm verwundet. Im folgenden Jahre zog er mit dem Kaiser gegen -Marseille, als Befehlshaber eines Heertheils, und erhielt bei der -Bestürmung eines Thurms die gefährliche Kopfwunde, an welcher er nach -drei Wochen im 33. Jahre seines Alters starb. Sein Leichnam wurde in der -Folge nach Toledo gebracht. (__Jov. Elog.__) - - [33] Vers 97. - -_Constantin der Große_ (geb. im J. 274), erster christlicher Kaiser, -soll vor der Entscheidungsschlacht an dem Ponte Milvio (h. z. T. Ponte -Molle) bei Rom, gegen den Maxentius, am hellen Mittage, unterhalb der -Sonne, ein flammendes Kreuz mit der Inschrift: »__In hoc vinces__,« -erblickt haben. (__Eusebius in Vita Constantini_ M. et _Hist.__) - - [34] Vers 179. - -_Atlas_. Der Berg, besteht eigentlich aus zwei Ketten, die sich über den -größten Theil von Nordafrika verbreiten. Die eine heißt der _Große_ -Atlas (mehr als 11,000 Fuß über der Meeresfläche erhöht), welcher sich -vom Reiche Marrokko bis zur Wüste Sahara hinabzieht, und die andre der -_Kleine_ Atlas, der sich von Osten nach Westen bis zum Mittelländischen -Meere erstreckt. -- Nach der Mythologie der Griechen war er einer der -Titanen, dem Zeus die Strafe auferlegte, das Himmelsgewölbe zu tragen. - - [35] Vers 239. - -_Janssen von Middelburg._ Zacharias Janssen, ein Brillenmacher zu -Middelburg in Seeland, war der Erfinder des Fernrohrs im Jahre 1590, -indem er zwei Linsen, eine convex, die andere concav, in verschiedener -Richtung von dem Auge hielt. Er brachte sie dann in eine Röhre, und bot -die gelungensten zwei, von 16 Zoll Länge, dem Prinzen Moritz von Nassau, -und Erzherzog Albert an. Der berühmte Galiläi hörte davon in Venedig, -und machte sogleich darauf einen Versuch. (Siehe: __Hier. Sirturus de -Telescop__; und __Petr. Borell de vero Telescopii Inventore. -Hagae-Comitum.__ 1655.) - - [36] Vers 526. - -Die Franzosen, unter Lautrec, und die mit ihnen vereinten Schweitzer, -wurden bei Bicocca, unweit Mailand, im Mai 1522 durch die Truppen Carls -des V. mit großem Verluste geschlagen. - - - Fünfter Gesang. - - [37] Vers 13. - -_Villiers-L'isle-Adam_ (Philipp v.), zu Ende des fünfzehnten -Jahrhunderts in Frankreich geboren, und zum Großmeister des -Johanniter-Ordens von Jerusalem im J. 1521 erwählt. Im folgenden Jahre -überzog Solyman die Insel mit einer großen Belagerungsmacht, die jener -so tapfer gegen ihn vertheidigte, daß über 100,000 Türken dabei das -Leben einbüßten. Amarat, des Ordens Kanzler, ward an ihm zum Verräther, -und nur so gelang es endlich Solyman, die Insel gegen Capitulation, und -unter der Bedingniß eines freien Abzugs der Ritter und der christlichen -Einwohner, zu erringen. Vergeblich suchte er L'isle-Adam in seine -Dienste zu ziehen, dessen Heldenmuth er vor seinem Heere, und -mitten unter den Leichen der Gefallenen lautes Lob ertheilte. -Villiers-L'isle-Adam starb im J. 1534 als Großmeister des Ordens zu -Maltha, welche Insel Carl V. ihm zum neuen Ordenssitze geschenkt hatte. -(Siehe: __Bouhors Siège de Rhodes__.) - - [38] Vers 75. - -_Gomert_ oder _Zafrano_ rechts, und _Bona_ links, heißen h. z. T. die -zwei Vorgebirge, von welchen jenes einst dem Apoll, und dieses dem -Hermes geweiht war, welchen vorüber die Einfahrt in den tiefer liegenden -karthaginensischen Meerbusen geschah. Von dort dehnt er sich im halben -Zirkel, bis an die Mündung des hinterhalb liegenden Landsees von Goletta -hin, wobei die Landschaft der vormals wegen ihrer heilsamen Bäder -berühmten Stadt Rada zur Linken bleibt, und jener gegenüber zeigt sich -dann die Lage des zerstörten Karthago, des Oehlwalds, und der steilen -Hügel, über welche man zu dem Flusse _Makar_ gelangte. (__Jov. Hist. -Lib._ 34._) - - [39] Vers 105. - -Der _Wasserthurm_ steht nördlich von dem steilen Felsen -- einst die -hohe Byrsa, auf welcher der berühmte Tempel des Aeskulap stand, und nahe -der schmalen Erdzunge, die das feste Land mit der Halbinsel verband, auf -welcher Karthago erbaut war. Auf dieser befanden sich wahrscheinlich die -Ställe der Elephanten. Obige Cisternen sind fast die einzigen noch -erhaltenen Ueberreste der zerstörten Karthago. - - [40] Vers 117. - -_Goletta_, die Veste, hatte zur Zeit Carls V. eine beinahe viereckige -Form, und zwei Abtheilungen, von welchen die Wälle der oberen 40, und -der unteren 50 Schritte breit waren. Sie enthielt eine vortreffliche -Cisterne, in welcher sich das Regenwasser sammelte, und viele -bombenfeste Gewölbe zur Aufbewahrung des Kriegsbedarfs. Mit ihr in -Verbindung stand vorne an der Mündung des Sees von Tunis, ein mit Wällen -versehener Thurm, der vom Meere her jedem Schiffe den Eingang verwehrte. -Der See, beiläufig 12,000 Schritte breit und eben so lang, erhält aus -dem karthaginensischen Meerbusen sein Gewässer, und ist auf beiden -Seiten so seicht, daß man nur in der Mitte desselben auf kleinen -Fahrzeugen nach Tunis gelangen kann. (__Eutropii Diar. Exp. Tunet. apud -Schard._ pag. 331._ und __Jov. Hist. Lib. 34.__) - - - Sechster Gesang. - - [41] Vers 83. - -_Eutropius_ in seinem __Diar. Exped. Tunet._ p. 325. (_Rerum Germ. -Scrip. apud Schard_)_, sagt ausdrücklich: daß vor Allen die Deutschen -bei der Landung, über jeden Aufschub ungeduldig, sich auf ihren, in das -Wasser gesenkten Speeren auf das Land hinaus geschwungen, und den Kampf -mit dem Feinde sogleich begonnen haben. - - [42] Vers 79. - -_Pizarro_ (Francisco), ein Spanier, von unbekannter Herkunft, ging mit -noch andern Abenteurern nach der neuen Welt, verband sich im J. 1524 mit -Diego d'Almagro, und eroberte Peru, nachdem er den Inca Atahualba auf -eine grausame Art hatte hinrichten lassen. Er war schon früher zum -Statthalter der neu zu entdeckenden Länder ernannt worden, und er traf -wirklich sehr viele Vorkehrungen zum Besten jener Länder, die um so mehr -in Erstaunen setzen, da er nicht einmal des Lesens und des Schreibens -kundig war. Er wurde im Jahr 1541 durch einen Anverwandten Almagro's -getödtet, nachdem früher dieser von Pizarro zum Tode verurtheilt worden -war. Die Stadt Lima verdankt ihm ihre Gründung. Sonst ist sein Nahme mit -der Beigabe eines grausamen Eroberers auf die Nachwelt gekommen. (Siehe -__W. Robertson History of America in II Volumes London_ 1777_.) - - [43] Vers 386. - -_Casas_ (Bartholomeo de las), Bischof von Chiapa in Mexico, im J. 1471 -in Sevilla geboren. Schon in seinem 19. Jahre reiste er mit dem -Weltentdecker Columbus nach St. Domingo, kehrte aber von dort wieder -nach Spanien zurück, um sich im Orden der Dominikaner zum Missionär -vorzubereiten. Voll glühendem Enthusiasmus für ein wichtiges Anliegen -der Menschheit, stand er beinahe durch 50 Jahre als ein Anwald der -mißhandelten Einwohner der neuen Welt da, und schrieb, und unternahm -häufige Reisen nach Europa, sie vor dem Throne zu vertreten; doch war -das Interesse so vieler Großen dabei gefährdet, und er starb im Jahr -1556 zu Madrid, ohne daß er bedeutende Vortheile für jene erwirkt hätte. -Unter seinen Schriften (gedruckt Sevilla im J. 1552) ist auch eine -Geschichte von Westindien. (Siehe _Perez del Castillo Mex. Hist._) - - [44] Vers 521. - -_Freundsberg_ (Georg von _Frundsberg_, _Frondsberg_ &c. Herr von -Mindelheim, geb. 1475 und gest. 1528 daselbst), kaiserlicher Feldherr, -wegen seiner persönlichen Tapferkeit und Leibesstärke berühmt, da er ein -wildanlaufendes Pferd sogleich fest halten, und den stärksten Mann mit -einem Finger von der Stelle drängen konnte. Er bildete sich unter Max I. -und Carl V. in der Kriegskunst aus, half dem Letztern die Schlacht von -Pavia (im J. 1525) gewinnen, und führte auch das folgende Jahr 12,000, -auf eigene Kosten geworbene Krieger, dem kais. Feldherrn Carl von -Bourbon, gegen Clemens VII. nach Italien zur Verstärkung zu, wo ihn bei -Ferrara, bei einem Aufstand der Krieger wegen rückständiger Löhnung, der -Schlag traf, und dann zwei Jahre darauf sein Tod erfolgte. (_Siehe Herrn -Georgen und Kasparn von Frundsberg ritterliche Kriegsthaten. -- _Jov. in -Elog. Hist.__) - - [45] Vers 592. - -_Byrsa_ hieß die Burg von Karthago, auf dem Gipfel eines steilen -Felsens, um welchen ringsher die einst mächtige Stadt Karthago erbaut -war. Dort befand sich der herrliche Tempel des Aeskulap, zu welchem man -auf 50 Stufen hinanstieg, und in dessen Flammen die Gattinn Hasdrubals, -der zu dem Zerstörer Karthago's, Scipio, überging, sich stürzte, nachdem -sie vorher im Angesichte der Römer und ihres feigen Gemahls, ihre beiden -Kinder ermordet hatte. J. 146 vor Chr. G. (_Siehe Vierthalers phil. -Gesch. der Menschen und Völker. V. Band._) - - - Siebenter Gesang. - - [46] Vers 85. - -_Zama_, der Ort, vor welchem der große Held Karthagos, Hannibal, durch -den römischen Feldherrn Scipio im J. 201 vor Chr. überwunden ward, lag -zwischen Adrumetum und dem, fünf Tagreisen davon entfernten, Karthago. - - [47] Vers 190. - -An dem Ufer des _Bagrada_ (h. z. T. Medscherdah), der nicht fern von -Utika vorüberfloß, soll der Consul M. Atil. Regulus eine ungeheure -Schlange, deren Länge auf 120 Fuß angegeben wird, mit Katapulten -beschossen, und getödtet haben. (__A. Gell._ L. VI. c. 3. -- _Valer. -Max._ L. I. c. 8._) Wahrscheinlich war sie eine Riesenschlange (_Boa -Constrictor_). - - [48] Vers 329. - -_Barda_ heißt die Sommerresidenz des Dey von Tunis, mit einem -weitläufigen Schlosse, und den schon zu Carls V. Zeiten berühmten -bardäischen Gärten an der Küste von Maritia. Sie liegt an der Westseite -von Tunis, und hängt durch die Gärten mit der Stadt zusammen. - - [49] Vers 410. - -_Houris_ sind, nach Muhameds Lehre, die blendend schönen Jungfrauen, -welche von zarter, ätherischer Gestalt, die Seligkeit der Männer in -seinem Paradiese ausmachen. Die Schilderungen von ihnen sind ganz in dem -orientalisch-üppigen Geschmack entworfen. - - - Achter Gesang. - - [50] Vers 54. - -_Laufgräben_ (_tranchée's_) sind drei bis sechs Fuß tiefe, zehn und -zwölf Fuß breite, in verschiedener Richtung gegrabene Wege, welche mit -der zum Wall, gegen eine belagerte Festung aufgeworfenen Erde, die -Belagerer in den Stand setzt, sich ihr mit Sicherheit nähern zu können. - - [51] Vers 199. - -_Thor der Glückseligkeit_, heißt der Eingang zu dem Harem des Großherrn, -der dem Aga der Verschnittenen anvertraut ist. (_Siehe Hrn. Joseph von -Hammers Verfassung des osmanischen Reichs, Band II. Seite 9._) - - [52] Vers 201. - -_Circassien_, eine große Landschaft in Asien, welche sich von dem -schwarzen bis zum caspischen Meere erstreckt, und nördlich von dem -Caucasus begränzt wird. Ihre Bewohner, sowohl männlichen als weiblichen -Geschlechts, sind sehr wohlgestaltet, und die Letzteren werden -vorzüglich für die türkischen Harems gesucht. Ihre Männer sind -treffliche Reiter, ungemein tapfer im Felde, und daheim Verehrer des -Gastrechts. Der größte Theil ihres Landes ist dermalen unter russischer -Bothmäßigkeit. - - [53] Vers 284. - -_Bagrada_, h. z. T. Medscherdah, ein Fluß, der in der Nähe von -Buschatter (Utika) sich in das Mittelmeer ergießt. - - - Neunter Gesang. - - [54] Vers 15. - -_Turkestan_, das eigentliche Stammland der heutigen Türken, ist eine -Landschaft in Mittel-Asien, die von dem Königreiche des großen Moguls, -von der großen Tartarey, von Catay und Zagatey begränzt wird. Das Land -ist sehr fruchtbar, dessen Einwohner Tartaren sind, und sich zur -muhamedanischen Lehre bekennen. - - [55] Vers 58. - -_Varus_ (Quintilius), unter Augusts Regierung erst Proconsul in Syrien, -dann in denen, seit Julius Cäsar eroberten deutschen Provinzen, wurde -durch das Haupt der Cherusker, Hermann, aus seinem verschanzten Lager -bis in den Teutoburger-Wald, h. z. T. Grafschaft Lippe, gelockt und dort -sammt seinen drei Legionen zu Grunde gerichtet. Varus entleibte sich -selbst. August soll sich bei der erhaltenen Nachricht die Haare gerauft, -und ausgerufen haben: »_Varus, schaffe mir meine Legionen wieder!_« -(__Tacit. Sveton. Velej. Pater._ L. I. 2._) - - [56] Vers 103. - -_Beduinen_, oder nomadische Araber, sind unabhängige, freie Stämme -muhamedanischer Religion, die unter ihren Fürsten (Emir) oder -Familienhäuptern (Scheich) die Wüste, größten Theils unter Zelten -lebend, bewohnen. Sie sind Krieger und Hirten zugleich, und verachten -stolz alle übrigen Beschäftigungen. Seit Jahrtausenden sind ihre Sitten -dieselben geblieben, wie sie in den allerältesten Urkunden, nämlich in -der h. Schrift, durch Moses, geschildert werden. (_Niebuhr, Beschreibung -von Arabien_, S. 379 und f. -- _D'Arvieux_ III. 125.) - - [57] Vers 382. - -_Natter_. (_Cerastes_) _Hornschlange_ -- nach dem Volksglauben auch die -_Königsschlange_ genannt, weil sie, laut jenem, eine Krone auf dem -Haupte haben soll. Die arabischen Gaukler pflegen der Hornschlange zarte -Vogelklauen einzusetzen, um damit das Volk zu täuschen. - - [58] Vers 477. - -_Bürgerkrone_, war bei den Römern eine große Auszeichnung für Jenen, der -in der Schlacht einem Bürger das Leben gerettet hatte. Sie war von -Eichenlaub gemacht, und führte die Aufschrift: »_Ob civem servatum._« -Bei Schauspielen, oder im Senate, wo sie getragen wurden, stand die -ganze Versammlung vor ihm auf. - - [59] Vers 520. - -_Cornelia_, die Mutter der Gracchen, war die Tochter des älteren Scipio, -des Siegers bei Zama, und hatte zwei Söhne, Tiberius Sempronius, und -Cajus, mit ihrem verstorbenen Gatten, Tib. Semp. Gracchus, erzeugt, der -zweimal Consul war, und die Insel Sardinien eroberte. Jene beiden, von -ihrer trefflichen Mutter gebildeten, und mit den schätzbarsten -Eigenschaften ausgerüsteten Söhne, fanden in den, von ihnen erregten -bürgerlichen Gährungen (der ältere im J. 133, und der jüngere im J. 121 -vor Chr.) den Tod, indem sie als Tribunen zu sehr nach der Volksgunst -gestrebt, und das agrarische Gesetz gegen den Senat durchzusetzen -gesucht hatten. (__Liv._ I. 41. c. 12. -- _Valer. M. Plutarch_ etc._) - - - Zehnter Gesang. - - [60] Vers 116. - -_Zender_ und _Gingir_, zwei große, gen Süden unterhalb des Aequators -liegende Länder in Afrika, unter dem 50-55. Grad der Länge, und dem 5-8. -Grad der Breite. - - [61] Vers 117. - -_Gleicher_, Aequator der Erde, oder Aequinoctial-Linie, und von den -Seefahrern die _Linie_ genannt, ist derjenige größte Kreis unserer -Erdkugel, der von den Polen der Erde in allen Punkten um neunzig Grade -absteht. Alle Orte, die er durchschneidet, haben gleich lange Tage und -Nächte: daher der Nahme _Aequator_. - - [62] Vers 146. - -_Altai_, auch _Belgian_ genannt, ein großes Gebirg Asiens in der -Nord-Tartarey, und im Königreiche Montgal. - - [63] Vers 146. - -_Ural_, in der tartarischen Sprache ein _Gürtel_, ist die beinahe 300 -Meilen lange Gebirgskette, die von dem caspischen Meere beginnend, -Europa von Asien scheidet, und Sibirien von dem übrigen Theile Rußlands -trennt. - - [64] Vers 160. - -_Samum_ von den Arabern; von den Hebräern [Hebräisch: zil'afa]; von den -Türken _Samyel_, und in Afrika Hamaddan genannt, ein heißer Wind, der in -den Monathen Juni und Juli in Arabien, Persien, Babylonien, und in den -Wüsten von Aegypten; aber am heftigsten, zuweilen schon im März und noch -im November, in Nubien weht. Er dauert höchstens nur 7 bis 8 Minuten, -aber er tödtet augenblicklich Alle, die aufrecht stehen; daher ist es -nöthig, sich auf das Antlitz niederzuwerfen, die Sohlen dem Winde -zuzukehren, und so wenig als möglich Athem holend, den Mund auf den -Boden zu pressen. So streicht er dann unschädlich vorüber, da er zwei -Schuh hoch über der Erde dahin zieht, aber dennoch ein heftiges Zittern -und starken Schweiß verursacht. Die Thiere tödtet er zwar nicht, doch -senken auch sie den Kopf zur Erde, und zittern am ganzen Leibe. Die -Vorbothen des Samums sind, nach Brüce, röthliche Sandsäulen, die sich in -die Luft erheben und stets näher schweben. Die Getödteten werden -sogleich schwarz und zu Mumien gedörrt. (_Brüce's Reisen &c. im Auszug -Rinteln_ I. S. 496 und S. 129 folg. &c. -- __Thevenot Voy.__ 295. -- -Ives II. 83. &c.) - - [65] Vers 358. - -_Kairvan_ (Cairoan, Carvan), eine Stadt im Gebiethe von Tunis nicht -ferne von dem Meerbusen von Kabesch. Sie war die erste, welche die -Muhamedaner in Afrika, unter dem dritten Kalifen in Syrien, Ottmann, -gegründet hatten, und wegen ihrer hohen Schule berühmt. Doch wurde sie, -bald nach der Heimkehr Carls V. von Tunis, mit diesem Königreiche -vereinigt. (_Marmol. Africae L. 6._) - - [66] Vers 359. - -_Constantina_ (Cuguntina), die Stadt, nach Einigen das alte Cirtha, in -Nord-Afrika, liegt auf einem hartzugänglichen Felsengebirge, weßwegen -sie überaus fest ist, und gehört nun zu Algier. Zu Anfange des vierten -und fünften Jahrhunderts sind da zwei Concilien gehalten worden, von -welchen in den Werken des h. Augustinus die _Acta_ aufbewahrt sind. - - [67] Vers 510. - -_Die volle Lage geben_, heißt das schnelle Abfeuern aller Kanonen auf -der Seite eines Kriegsschiffes. - - [68] Vers 732. - -_»The Emperor marched into the Goletta through the breach; and turning -to Muley-Hassan, who attended him, »Here« -- Says he -- »is a gate open -to you, by which you shall return to take possession of your dominions.« -(_Robertson Histor. of Charles V. III. T. Book V._)_ - - - Eilfter Gesang. - - [69] Vers 44. - -_Vampyren_, die größte Gattung der Fledermäuse; und unter diesen wird -hier der so genannte _Blutsauger_ (_V. Spectrum_) gemeint, dessen -Heimath die neue Welt, Surinam, Guiana, Brasilien u. s. w. ist. Durch -das Wehen seiner Flügel erquickt er den Schlummernden, leckt ihm mit -seiner rauhen Zunge die Haut auf, und wenn das Blut, an welchem er sich -satt gesogen hatte, aus einer Hauptader strömt, so kann sich der -Fortschlummernde leicht verbluten. (_S. Tob. Wilhelm Unterh. aus der -Naturgeschichte der Säugethiere_, 1. Thl.) - - [70] Vers 255. - -_Valladolids Turnierbahn_. Carl V. ließ in seinem bereits vorgerückten -Jünglingsalter noch wenig von dem hohen Verstande, und der Thatkraft -ahnen, die ihn in der Folge als Herrscher so sehr auszeichneten, so, daß -Viele, die nicht tief genug sahen, versucht waren, ihn für blödsinnig zu -halten, bis er auf dem Turniere zu Valladolid (im J. 1517), durch seine -Gewandtheit in allen ritterlichen Uebungen, und den Wahlspruch seines -Schildes: »__Nondum!__« All' in Erstaunen setzte. (Siehe _Freih. von -Hormayrs Oestr. Plut. 6. Heft_ S. 423.) - - [71] Vers 259. - -Während Carl V. nach seiner Wahl zum röm. Kaiser, und wegen entstandener -Feindseligkeiten mit Frankreich, in Deutschland, in den Niederlanden und -in England, von Spanien abwesend war, brach Empörung und Bürgerkrieg in -allen Theilen dieses Königreichs aus. Er begann im Mai 1520 zu Toledo, -wo das Haupt der Empörer, Don Juan de Padilla, Sohn des Commandanten von -Castilien, war, und in den spätern Gefechten, im April des Jahrs 1521 -von dem Generale der königlichen Truppen gefangen und enthauptet ward. -(__Robertson History of the Reign of the Emp. Charles V. II. Volume. B. -3.__) - - [72] Vers 262. - -_Franz I._, König von Frankreich, bewarb sich sehr heiß um die deutsche -Kaiserkrone; da aber diese seinem Nebenbuhler, Carl V., zu Theil ward, -so trieb ihn, von jener Zeit an, die Rachgier unaufhörlich, diesen zu -demüthigen, und ihm in seinen Unternehmungen Hindernisse in den Weg zu -legen. Vereint -- und Beide hatten so viele Ursache, sich gegenseitig zu -achten! -- hätten sie unsäglichem Jammer, der erst Deutschland, dann -mehrere Länder Europa's traf, wehren können. (_Siehe obiges Werk_, II. -B.) - - [73] Vers 265. - -Den Titel _christlichste Majestät_, führten die Könige von Frankreich -bis auf die neuesten Zeiten, und zwar seit Chlodwig dem G. J. 496, wo er -ihm selber von dem Pabst beigelegt ward. - - [74] Vers 266. - -Franz I. war der erste christliche Fürst, der mit dem Erbfeind der -Christenheit offenbar in ein Bündniß trat. La Forest, sein -Geschäftsträger in Constantinopel, schloß (im J. 1336) solches mit -Solyman II. ab, vermöge welchem dieser Neapel und Ungarn feindlich -überziehen sollte. Es wurde ihm auf eine furchtbare Art Genüge -geleistet! (_Siehe obiges Werk_, III. B.) - - [75] Vers 278. - -Man sehe _Vogts Staats-Relationen_. VI. Bandes 2. Heft. - - [76] Vers 289. - -Der _Bauernkrieg_ in Franken und Schwaben wurde durch _Johann Böhme_, -einen Bänkelsänger im Würzburgischen, veranlaßt, wo er Freiheit und -Gleichheit aller Stände predigte. Der Krieg kam dort im J. 1525 zum -Ausbruch, und kostete über 50,000 Bauern das Leben. Mehr als 180 -Schlösser und Burgen lagen im Schutt, und 26 Klöster waren vernichtet. --- Er verpflanzte sich auch nach Sachsen und Thüringen, wo _Thomas -Münzer_, erst Schullehrer in Aschersleben, dann Prediger in Zwickau, -sich mit dem Haupte der Wiedertäufer, _Klaus Storch_, verband, und -später zu Altstedt in Thüringen die Gemeinschaft der Güter predigte. Er -kehrte nach Sachsen zurück, verband sich mit einem andern Schwärmer, -_Pfeiffer_, und sammelte einen großen Haufen Aufrührer um sich, bis er -gegen die ausgesandten sächsischen, hessischen und braunschweigischen -Heerhaufen (15. Mai 1525) die Schlacht verlor, sammt seinem Anhänger, -Pfeiffer, gefangen, und in Mühlhausen hingerichtet ward. (__Sleidan. de -statu rel._ L. 5. -- _Fabritius de orig. Sax.__) - - [77] Vers 293. - -_Der dreißigjährige Krieg_ (von 1618-1649) -- eine Folge der Reformation --- biethet ein Schauspiel unerhörter Grausamkeiten dar. Während diesen -ward Deutschland von einem Ende zum andern durch Mord und Brand verödet, -und um viele Millionen Menschen ärmer gemacht. Der westphälische Friede -setzte ihm zwar ein Ziel; aber was durch ihn zerstört worden, wird wohl -keine Zeit mehr ersetzen. (_Siehe Schillers und Westenrieders Geschichte -des dreißigjährigen Krieges._) - - [78] Vers 315. - -Die Geschichte von beinahe zwei Jahrzehenden vor der Völkerschlacht von -Leipzig liefert die unwiderlegbaren Belege zu dieser Stelle! - - [79] Vers 320. - -18. Oktober 1813!! - - [80] Vers 328. - -_Leser!_ möchte dir der Zuruf nicht fremd seyn, welchen der gütigste -Landesvater am 1. Hornung 1806 an seine Völker richtete, und der mit den -Worten beginnt: »Ich habe meinen guten und treuen Völkern den Frieden -gegeben!« -- und mit den Worten endet: »Durch das wechselseitige Band -des festesten Vertrauens und der innigsten Liebe mit meinen Unterthanen -verbunden, werde ich nur dann erst glauben, meinem Herzen als Fürst und -Vater genug gethan zu haben: wenn Oestreichs Flor fest gegründet, wenn -vergessen ist, was seine Bürger litten, und nur das Andenken an meine -Opfer, an ihre Treue, und an ihre hohe unerschütterliche Vaterlandsliebe -noch lebt!« - - [81] Vers 342. - -_St. Just_. Nicht ferne von der Stadt Placenzia, in Estremadura, lag das -einsame Kloster der Hieronymitaner, St. Just, das Carl V. viele Jahre -vor seiner Abdankung zu seinem einstigen Asyl erkoren hatte. Es lag in -einem lieblichen Thale mit einem hellen Bach, mit Hügeln und Wäldern -umher, und war wegen seiner gesunden Luft berühmt. Einige Monate vor -seiner Ankunft erschienen dort Werkleute, die seine aus fünf bis sechs -Klosterzellen bestehende Wohnung, mit einem Ausgang in den Garten, den -er selbst pflegen, und dem andern in die Capelle, wo er seine Andacht -halten wollte, bereiteten. Er zog daselbst am 24. Februar des J. 1557 -ein, und starb am 12. September 1558 in seinem 59. Lebensjahre. - - - Zwölfter Gesang. - - [82] Vers 336. - -_Grätz_, die Hauptstadt der Steyermark, und der Sitz des Guberniums von -Inner-Oestreich, mit beiläufig 40,000 Einwohnern. - - [83] Vers 340. - -Im Jahre 1532 stand Solymann II. mit einer ungeheuren Macht vor Wien, -und zog sich bei der Annäherung Carls V., der an der Spitze eines Heeres -von mehr denn 90,000 Mann zum Entsatz herbeieilte, durch Ungarn bis nach -Constantinopel zurück. (__Jov. Hist._ L. 30. p. 100._) - - [84] Vers 344. - -Bei der Beschreibung des letzten Kampfes vor Tunis, führt Jovius -(__Hist._ L. 34. p. 361 _apud Schard.__) die Worte Carl V. an, der -mitten im Kugelregen Del Guasto diese Antwort gab. (_»Subridens Caesar, -et ne id timeret, subdens, quando Augustorum Caesarum nemo unquam -tormenti violentia concidisset.«_) - - [85] Vers 555. - -Psalm 125. - - [86] Vers 608. - -Robertson sagt von der Plünderung der Stadt Tunis durch die Christen -(__History of the Reign of the Emperor Charles_ V. Vol III. p. 115_): -»_Above thirty thousand of the innocent inhabitants perished on that -unhappy day, and ten thousand were carried away as slaves._« -- -Eutropius im Werke (__Diarium Expeditionis Tunetanae_ p. 334. _apud -Schard.__) sagt: »_Post introitum Imperatoris in urbem, ecce tibi Miles -Hispanus aliquotque alii stationarii, passim in aedes magno impetu -irruunt, .... _Mauros resistentes_ occidunt, spoliant, compilant, -evertunt omnia cum pulvere._« -- __P. Jovius Hist. Lib._ 34. pag. 363 -_apud Schard__ sagt: »_Primus inhiantium praedae impetus, uti -invadentium et effringentium fores varii casus tulerunt, promiscua caede -cruentus fuit._« -- Beide setzen hinzu: »__Caesar sevitiae modum -imposuit, pronunciarique jussit, capitale fore, si quis Tunetanum -violaret civem, aut in servitutem abduceret.__« -- Sepulveda, dem Carl -V. sein ganzes Leben erzählte, und mit jenen Beiden ihm gleichzeitig -war, sagt: »_In hac direptione ex oppidanis _pauci_ gladio conciderunt, -et hi suo magna ex parte stulto consilio, qui muros rebus desperatis, ne -conati quidem tueri, suas domos, uxoresque et liberos defendere quidam -tentaverunt. Qua temeritate milites irritati _in nonnullos_ sine -discrimine parumper saevierunt, praesertim Germani etc._« (Siehe: -__Opera P. Sepulvedae_ Vol. I. p. 405. Matriti ex Typ. Reg. 1780._) -- -Dieß zur Würdigung obiger Geschichte! - - - - - Anmerkungen zur Transkription - - -Die Schreibweise der Buchvorlage wurde weitgehend beibehalten. - -Satzzeichen wurden in eindeutigen Fällen stillschweigend korrigiert. -Einige wenige weitere Fehler wurden korrigiert wie hier aufgeführt, -teilweise unter Verwendung weiterer Ausgaben (vorher/nachher): - - [S. 50]: - ... Horcht nach den Fluthen hinaus, erhebt sich, und lauft auf - dem Sandpfad ... - ... Horcht nach den Fluthen hinaus, erhebt sich, und läuft auf - dem Sandpfad ... - - [S. 405]: - ... Samum von den Arabern; von den Hebräern [Hebräisch: - vil'afah]; von den ... - ... Samum von den Arabern; von den Hebräern [Hebräisch: zil'afa]; - von den ... - - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Tunisias, by Johann Ladislav Pyrker - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK TUNISIAS *** - -***** This file should be named 56086-8.txt or 56086-8.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/5/6/0/8/56086/ - -Produced by richyfourtytwo, Heiko Evermann, Jens Sadowski, -and the Online Distributed Proofreading Team at -http://www.pgdp.net. - -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed. - -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United -States without permission and without paying copyright -royalties. 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