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| author | nfenwick <nfenwick@pglaf.org> | 2025-02-07 19:45:26 -0800 |
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If you are not located in the United States, you'll have -to check the laws of the country where you are located before using this ebook. - -Title: Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff 66: Das Weltenfahrzeug zwischen den Riesen-Kometen - -Author: Anonymous - -Release Date: November 28, 2017 [EBook #56069] - -Language: German - -Character set encoding: ISO-8859-1 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER LUFTPIRAT UND SEIN *** - - - - -Produced by Jens Sadowski, Norbert H. Langkau, and the -Online Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net - - - - - - - 66. Band. Jeder Band ist vollständig abgeschlossen. - Preis 10 Pf. (15 Heller.) - - - - - Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff. - - - - - Das Weltenfahrzeug zwischen den Riesen-Kometen. - - - [Illustration: »Der Zusammenstoß erfolgt,« schrieen die Inder. - »Der Komet wird unser Fahrzeug in Atome zermalmen.«] - - - Druck- und Verlags-Gesellschaft - Berlin - - - - - Das Weltenfahrzeug zwischen den Riesen-Kometen. - - - - - 1. Kapitel. - Der große Feuerstern. - - -In der sonst so stillen Residenzstadt X. schien offener Aufruhr Platz -gegriffen zu haben. - -Wüstes Geschrei tobte, hier und da sah man Feuer aus stattlichen -Gebäuden emporlodern. - -Eine rasende Menge wälzte sich durch die Straßen und versuchte immer -wieder nach dem Residenzschloß zu gelangen. - -Noch gehorchten die Soldaten den Befehlen der Offiziere, noch drängten -sie die Menge zurück, von Zeit zu Zeit hörte man das eigentümliche -scharfe Rasseln des Magazingewehrfeuers. - -Dann wich die tolle Volksmenge unter Verwünschungen zurück, rannte nach -den Vorstädten, überall plündernd, Fenster und Türen zertrümmernd. - -Was war denn nur geschehen, daß das Volk meuterte, daß offene Rebellion -und Aufruhr herrschte? - -Es war ein Naturereignis, welches drohend am Himmel stand, ein Gestirn, -das stündlich an Größe zuzunehmen schien. - -Ein Komet war es, wie man auf der Erde noch keinen zweiten gesehen. Ein -Schweifstern, der einer ungeheuren dahinschwebenden Feuermasse ähnelte. - -Als der Komet vor Wochen im Weltenraum auftauchte, war er von den -Himmelskundigen bald gesehen, beobachtet, aber durchaus nicht -gefürchtet. - -Wie ein Lauffeuer verbreitete sich nun die schreckliche Kunde, daß der -Komet sich der Erde nahe und mit ihr zusammentreffen werde. Die feurige -Gasmasse würde die Luft, welche den Erdball umgibt, verzehren und -dadurch alles Leben vernichten. Zu gleicher Zeit würde auch ein -schrecklicher Zusammenstoß des Kometen mit der Erde erfolgen. - -Als die Nachricht zuerst gehört wurde, lachte man darüber, aber das -Lachen sollte bald verstummen. - -Der anfangs so unansehnliche Komet wuchs mit unbeschreiblicher -Schnelligkeit, je näher er der Erde kam. - -Natürlich gab sich die Regierung die größte Mühe, den Schrecken zu -bannen, aber vergeblich. - -Da half kein Verbot, kein strenger Befehl, daß die Zeitungen keine -Berichte über das Fortschreiten des Kometen bringen durften. Umsonst -konfiszierte man hier und dort die Blätter; es war unmöglich, die -Katastrophe aufzuhalten. - -Das war der Grund des Aufruhrs, der in den Straßen tobte, man hörte es -von den Leuten, die sich wie toll gebärdeten. - -»In zwei Monaten ist alles vorbei,« schrieen die Leute. »Acht Wochen -soll es ja noch dauern, dann ist es mit der Erde aus, dann müssen alle -sterben. Aber so lange wollen wir noch das Leben genießen. Jetzt hat es -ja keinen Zweck mehr, daß man Reichtümer aufstapelt. Alle Schatzkammern -müssen geöffnet werden. Es gibt keine Gesetze mehr. Wir wollen leben und -genießen, so lange das irdische Dasein noch dauert. Jedes Gesetz muß -aufgehoben werden, jeder soll machen, was er will und keiner darf mehr -sein wie der andere.« - -Wieder drängten die Massen gegen das mächtige Residenzschloß vor, -welches, von dem großartigen Park umgeben, einer Insel in tobender -Meeresbrandung glich. - -Und so wie hier war es meist auf der ganzen Erde. Allenthalben kamen -Berichte von Volkstumulten, von Aufständen, von Anzeichen des drohenden -Anarchismus, ein Drüber und Drunter, welches schrecklicher als die -bevorstehende Vernichtung der Erde durch den Feuerstern zu werden -drohte. - -Oben in den prunkvollen Zimmern des Residenzschlosses stand der -Herrscher. Um ihn standen eine Anzahl Männer, die Minister, die -Mitglieder der Regierung. Die meisten zeigten ratlose, geängstigte -Gesichter. - -Nur der Herrscher, eine hohe, gebietende Gestalt, bewahrte die Fassung. - -Er brauchte nicht zu fragen, er brauchte nicht die Berichte der -Militärgewalt zu vernehmen. Das dumpfe Brausen und Toben, welches durch -die verhangenen Fenster drang, sagte genug und lüftete man die schweren -Vorhänge, so sah man den Feuerschein brennender Häuser. - -Soeben war ein Ministerrat abgehalten worden. - -Hundert Vorschläge wurden gemacht, aber alle als unausführbar befunden. -Sie scheiterten an der Wut der Volksmassen, die alles zu vernichten -drohten. - -Die Minister und die sonstigen Spitzen der Regierung hatten schon seit -Tagen und Nächten keine Ruhe gefunden. Eine Beratung war der anderen -gefolgt, jetzt waren die Herren mit ihrer Weisheit zu Ende. - -Es schien, als ob ein bitteres Lächeln um die Lippen des Herrschers -spielte, als er seine Räte und Vertrauten mit einer Handbewegung und -einigen kurzen Worten verabschiedete. - -In wenigen Augenblicken war der Herrscher allein. - -Er blieb am Tische stehen und blätterte mechanisch in den Dokumenten. -Dann trat er ans Fenster. - -Draußen knatterte wieder das Gewehrfeuer. - -Nur ungern hatte der Herrscher den Befehl erteilt, gegen das rasende -Volk Gewalt zu gebrauchen. Es ging nicht anders, draußen begann man ja -schon zu morden, zu rauben und zu plündern. - -»Die Sturmflut naht,« murmelte der Herrscher. »Bald wird sie alles -überfluten. Schrecklich, entsetzlich, die Menge wartet nicht, bis die -Katastrophe erfolgt, sie macht schon vorher die Erde zur Hölle. Und das -alles, alles nur, weil sich der eine an mir rächen wollte. Dieser Mann, -der einen solchen Ruf besitzt, der ihn bis zur gehässigsten Vergeltung -anwendet. Und dieser Mann, der soviel Unglück angerichtet hat, der hütet -sich, vor meine Augen zu kommen. Niemand weiß, wo er sich befindet, er -schleudert seine giftigen Pfeile aus der Verborgenheit in die rasende -Menge.« - -Der Herrscher hatte die letzten Worte unwillkürlich laut gesprochen. - -Plötzlich wendete er den Kopf, als ein Geräusch im Saal ertönte. Dort an -der schweren Portiere, die zu den fürstlichen Gemächern führte, stand -ein stattlicher junger Mann mit geistreichem und zu gleicher Zeit auch -energischem Antlitz. - -Es war einer der Prinzen des Herrscherhauses, ein Mann, der sich in -seinen Mußestunden aus Begeisterung mit der astronomischen Wissenschaft -beschäftigte. - -Der Herrscher trat in sichtlicher Erregung auf den Prinzen zu. - -»Wie steht es?« fragte er hastig. »Ist der Aufenthalt des Gelehrten -entdeckt worden?« - -Der Prinz schüttelte den Kopf. - -»Es ist unmöglich,« erwiderte er. »Der Rachsüchtige hält sich verborgen. -Zudem werden die Nachforschungen durch den Aufstand so erschwert, daß -ich das Unternehmen schon von Anfang an als hoffnungslos betrachtete.« - -Der Herrscher stampfte mit dem Fuße auf den Boden, daß es dröhnte. - -»Wie kann dieser Mann das Unheil verantworten?« rief er in höchster -Empörung. »Wie kann er nur solche entsetzliche Rache nehmen! Ich habe -bereits Nachrichten erhalten, daß die Soldaten in ihrer Treue wankend -werden. Nicht alle, aber doch ein großer Teil. Und wenn das geschieht, -wenn auch diese letzte Stütze der Ordnung zusammenbricht, dann kommt es -zu einer Katastrophe, so furchtbar, so entsetzlich, wie man es noch nie -auf Erden erlebt. Dann sind die fürchterlichsten Revolutionen der -Vergangenheit ein Kinderspiel gegen diese Schrecken.« - -Der Prinz neigte zustimmend das Haupt. - -»Und das schlimmste ist,« erwiderte der, »daß dieser rachsüchtige -Gelehrte recht hat. Ich war gestern und heute in der Universität, auf -den beiden Sternwarten. Ich habe alle Gelehrten auf Ehre und Gewissen -befragt, gebeten, mir die volle Wahrheit zu sagen und die Berechnung -nochmals durchzugehen. Ich hatte ja immer noch die Hoffnung, daß die -Rache jenes Mannes der Grundlage entbehrte, daß er nur Schrecken und -Aufruhr verbreiten wollte. Bis vor wenigen Stunden hegte ich noch -Hoffnung.« - -»Und dann?« fragte der Herrscher. - -»Meine Hoffnung ist geschwunden,« erwiderte der Prinz. »Meine eigenen -Beobachtungen geben mir die Gewißheit, daß das Schreckliche bevorsteht -und das gleiche sagten auch die Gelehrten. Der Riesenkomet trifft mit -der Erde zusammen und vernichtet alles Leben. Anfangs hoffte ich noch -darauf, daß das nahende Ungeheuer durch andere Planeten in seinem -verderblichen Lauf gestört werden könnte, aber auch diese Hoffnung ist -dahin. Unsere Instrumente haben es bewiesen, die Planeten können den -Vernichter nicht mehr aufhalten. Er saust mit großer Geschwindigkeit auf -die Erde zu, er wird mit der Erde zusammentreffen.« - -Draußen tobte der Lärm, das Gebrüll der rasenden Volksmenge schallte -herüber. Wieder knatterten Schüsse. - -Der Herrscher ging mit großen Schritten im Saale auf und ab. - -»Warum mußte ich das erleben?« sprach er, sein ergrautes Haar flüchtig -im Spiegel betrachtend. »Warum konnte ich nicht in der Gruft meiner -Vorfahren ruhen? Jetzt muß ich den doppelten Untergang der Erde mit -ansehen. Es ist fürchterlich, es ist entsetzlich. Die Empörung droht -nicht allein in unserem Lande, sondern auch in allen Kulturstaaten der -Welt.« - -Plötzlich blieb der Herrscher stehen. - -»Du willst mir noch etwas sagen,« sprach er zu dem Prinzen. »Ich sehe es -Dir an, Du hast noch etwas auf dem Herzen. Sprich, ist es etwas -Wichtiges?« - -»Es ist allerdings etwas Wichtiges,« lautete die Antwort. »Aber ich bin -überzeugt, daß der Vorschlag, den ich machen könnte, mit Entrüstung -zurückgewiesen wird.« - -»Wie -- was?« rief der Herrscher erregt. »Zurückgewiesen? Ist es ein -Vorschlag, der die Katastrophe verhindern könnte?« - -»Das kann ich nicht sagen,« erwiderte der Prinz. »Aber es würde der -letzte Zweifel beseitigt werden. Ich habe ja immer noch eine ganz -schwache Hoffnung, daß das Fürchterliche vermieden wird. Aber die Menge -denkt nur an den drohenden Untergang der Erde, die Massen sind in -Verzweiflung, sie wollen noch einmal ihr Dasein genießen.« - -»Rede, rede,« rief der Herrscher, dessen Stimme leise zitterte. »Noch -könnte ich mit der Militärmacht den Aufruhr einige Zeit niederhalten, -und das wird auch in anderen Kulturstaaten gelingen. Sprich, sprich, was -bedeuten Deine geheimnisvollen Worte?« - -»Darf ich reden, ohne daß ich in Ungnade falle?« fragte der Prinz mit -gedämpfter Stimme. »Darf ich?« - -»Alles, alles,« rief der Herrscher, »was Du willst! Ich erlaube es Dir, -ich gebiete es Dir sogar. Es ist sicherlich etwas Seltsames.« - -»Allerdings,« tönte es zurück. »Es gibt noch einen Menschen auf der -Welt, der uns über das letzte Geheimnis Aufschluß bringt, er vermag es. -Und dieser Mann, der die Gewißheit bringt, der uns sagt, hier ist -entweder Vernichtung oder Rettung, das ist der Luftpirat, Kapitän Mors, -der Mann mit der Maske.« - -Es herrschte tiefes Schweigen im Saal. Man hörte nur die Atemzüge der -beiden Männer. - -Der Herrscher hatte anfangs eine abwehrende Gebärde gemacht, aber gleich -darauf ging er in tiefem Nachdenken umher. Seine Stirn war gefaltet, die -Hände verkrampft, ein Kampf schien in der Seele des mächtigen Mannes zu -toben. - -Plötzlich blieb er vor dem Prinzen stehen. - -»Du hast mir noch nicht alles gesagt,« sprach er. »Du bist bereits mit -dem Luftpiraten in Verbindung getreten. Du hast ihn aufgefordert, -Klarheit zu schaffen, nur um das Entsetzliche zu verhindern. Sage es -mir, ich zürne Dir gewiß nicht. O nein, vielleicht muß ich Dir sogar -recht geben.« - -»Gut denn,« erwiderte der Prinz, während draußen das Wutgeschrei der -Menge wie Donnerbrausen ertönte. »Ja, ich habe es gewagt. Allerdings war -es nur ein Zufall, vielleicht ein glücklicher Zufall. In dem -geheimnisvollen Schlupfwinkel des Luftpiraten befindet sich nämlich ein -Astronom, ein treuer Begleiter des Maskierten, der ihn schon auf seinen -wunderbaren Weltreisen begleitet hat. Dieser Gelehrte steht mit einem -andern Gelehrten unserer Sternwarten in Verbindung. Es ist noch eine -alte Freundschaft und die beiden verkehren miteinander. Allerdings -selten und geheimnisvoll. Der Zufall hat mir dies Geheimnis enthüllt, -ich habe den Gelehrten gebeten, dem Luftpiraten unsere furchtbare Lage -zu schildern.« - -»Und die Antwort ist schon da?« rief der Herrscher. »Nicht wahr?« - -Das geistvolle Gesicht des Prinzen war totenbleich. - -»Ja, die Antwort ist hier,« entgegnete er. »Ich habe sie empfangen, ich -habe es gewagt, auf die Gefahr der Ungnade, als letztes, verzweifeltes -Mittel. Kapitän Mors der Luftpirat wird sich in dieser Nacht um zwölf -Uhr an einer genau bezeichneten Stelle des großen Schloßparkes -einfinden.« - - - - - 2. Kapitel. - Aus Rache. - - -Der Herrscher stand wie ein Steinbild, aber das dauerte nur wenige -Augenblicke. - -Er trat zu dem Prinzen und dieser fühlte, wie die Rechte seines -mächtigen Verwandten eiskalt war. - -»Zu jeder anderen Zeit hätte ich eine Unterredung mit dem Luftpiraten -zurückgewiesen,« klang die Stimme des Herrschers. »Aber jetzt will ich -mit ihm sprechen. Ich zürne Dir nicht, nein, im Gegenteil, ich danke -Dir. In der verzweifelten Lage, in der wir uns und alle anderen -Kulturstaaten befinden, ist Kapitän Mors vielleicht die letzte Hoffnung. -Gehe um zwölf Uhr nach dem Schloßpark hinunter, ich gehe mit. Niemand -soll sonst dabei sein. Du verbietest den Dienern, daß sie uns folgen. -Jetzt ist es zehn Uhr, hole mich ab, wenn die Zeit gekommen ist. Ich -will dem Mann mit der Maske gegenübertreten.« - - * * * * * - -Es war Mitternacht, aber es herrschte keine Ruhe. - -Das rasende Volk, welches die Branntweinschenken gestürmt, hatte einen -nochmaligen Vorstoß gegen das Residenzschloß unternommen. Das Militär -stand aber fest wie Mauern und die rasende und tobende Masse mußte, Tote -und Verwundete mit sich schleppend, wieder zurückweichen. - -Jetzt grollte der Lärm in der Ferne, wie ein dumpfes Tosen, wie ein -fernes Gewitter. - -Die Nacht war ziemlich klar und der große Komet stand drohend am Himmel. - -Durch den großen Schloßpark eilten zwei Männer in Mäntel gehüllt, der -Herrscher und der Prinz, die sich zu dem verabredeten Stelldichein -begaben. - -Nur einmal wurde gesprochen. - -»Wie kann nur der Luftpirat in den Park gelangen?« fragte der Herrscher. -»Dieser ist ja von einer hohen, glatten Mauer und außerdem von einem -tiefen Wassergraben umgeben.« - -»Für diesen Mann gibt es kein Hindernis,« erwiderte der Prinz. »Er kommt -und er wird zur Stelle sein.« - -Die Kirchturmuhren der Residenz verkündeten die zwölfte Stunde, als sich -die beiden Männer einem kleinen tempelartigen Pavillon näherten. - -Ringsumher standen Bildsäulen, Marmorgruppen, Götter und Göttinnen, vom -Mond gespenstisch beleuchtet. - -Hier war es fast unheimlich, der Nachtwind rauschte in den Bäumen und -Büschen, ein Käuzchen ließ seine klägliche Stimme vernehmen. - -»Der Totenvogel,« murmelte der Herrscher, der sonst gewiß nicht -abergläubisch veranlagt war. - -Sonst war nichts zu sehen, die beiden Männer schienen sich allein am -Pavillon zu befinden. - -Aber im Augenblick, wo der letzte Schlag der zwölften Stunde vom Turm -der Hauptkirche herüberdrang, trat eine Männergestalt hinter dem -Pavillon hervor. - -»Da bin ich,« sprach eine sonore Stimme. - -Der Mond beleuchtete einen Mann, der einen einfachen braunen Mantel von -militärischem Schnitt über den Schultern trug. - -Vorn war der Mantel geöffnet, so daß man eine dunkelblaue Uniform -erblickte. - -Eine Mütze mit Goldtresse bedeckte den Kopf, während eine schwarze -Halblarve das energische Gesicht fast verhüllte. - -Es war Mors, der Luftpirat, der Erbauer des lenkbaren Luftschiffes und -des Weltenfahrzeuges. - -Der Herrscher schien noch einmal mit sich zu kämpfen. Dann aber trat er -kurz entschlossen auf den geheimnisvollen Mann zu. - -»Die Unterhaltung braucht nicht lange zu dauern,« tönte es von den -Lippen des Maskierten. »Die Vorgänge in der Welt sind mir nicht -unbekannt, und ich weiß, was man von mir will. Ich soll endgültig -Gewißheit bringen, ob der große Feuerstern da oben die Erde vernichten -wird.« - -»Wenn Sie das zustande bringen, Kapitän Mors,« erwiderte der Herrscher, -»so können Sie möglicherweise unabsehbares Unheil verhindern. Sie können -die letzten Zweifel lösen, tritt die Katastrophe ein oder nicht? In -letzterem Falle haben Sie sich die ganze Welt zu Dank verpflichtet.« - -»Dank begehre ich gar nicht,« erwiderte der Luftpirat, »ich tue das, was -man von mir verlangt, und zwar der Menschheit zu Liebe. Auch ich hege -noch Zweifel, ob der Riesenkomet die Erde treffen wird. Ich habe da eine -Beobachtung gemacht oder richtiger gesagt, einer meiner Gefährten hat es -getan, eine Beobachtung --« - -»Wie, was?« rief der Herrscher. »Läßt sich das Verderben vermeiden?« - -»Das kann ich nicht sagen,« erwiderte Mors. »Hier gibt es nur eine -einzige Möglichkeit, Gewißheit zu schaffen. Ich werde mit meinem -Weltenfahrzeug unter Anwendung der größten Schnelligkeit dem Kometen -entgegenfahren. An Ort und Stelle will ich mir die Gewißheit -verschaffen.« - -»Aber das Schreckliche soll ja unabwendbar sein,« meinte der Herrscher. -»Darin sind alle Gelehrten einig. Es ist nur ein Unglück, daß einer -jener Gelehrten die Kunde zur Kenntnis der Massen gebracht hat. Das -Geheimnis hätte verschwiegen bleiben sollen.« - -»Deshalb bin ich ja hierher gekommen,« erwiderte Mors. »Sonst wäre ja -die Zusammenkunft gar nicht nötig gewesen. Soviel ich gehört habe, -stammt dieser Astronom aus einer sehr vornehmen Familie dieses Landes. -Er führt einen stolzen Namen. Weshalb hat dieser Aristokrat die Massen -aufgehetzt? Warum?« - -»Ja, es ist ein Baron,« erwiderte der Herrscher. »In der alten -Edelmannsfamilie, der er entstammt, herrscht die Sitte, daß der älteste -Sohn die großartige Herrschaft übernimmt. Das ist nun nichts -Ungewöhnliches, aber doch scheint dieser Mann dadurch verbittert zu -sein. Er besaß Vermögen und besitzt es auch noch. Er war ehrgeizig und -obwohl ein ausgezeichneter Gelehrter, strebte er doch nach den höchsten -Zielen. Sein Ehrgeiz kannte keine Grenzen, und so suchte er eine -Prinzessin des Herrscherhauses als Gattin zu gewinnen. Er, ein schöner -Mann, der eine Art dämonischen Einfluß besitzt, wäre fast an sein Ziel -gelangt. Schon war er nahe daran, das Herz einer blutjungen Prinzessin -zu gewinnen, als ich, noch rechtzeitig gewarnt, dazwischen trat und dem -Ehrgeizigen den Besuch des Hofes untersagte. Da kannte sein Zorn keine -Grenzen, denn dieser Baron ist rachsüchtig. Vorerst blieb ihm nichts -anderes übrig, als sich in sein Schicksal zu ergeben, aber als der große -Feuerstern erschien, als er durch seine Beobachtungen erfuhr, daß der -Komet mit der Erde zusammentreffen würde, da ließ er seiner Rache freien -Lauf. Anstatt das Geheimnis zu wahren, brachte er es zur Kenntnis der -Massen und zog sich zu gleicher Zeit in ein unauffindbares Versteck -zurück. Seine Rache ist gelungen. Der Aufruhr tobt in den Straßen. Opfer -sind schon gefallen, und wenn es so weiter geht, wird der Komet, wenn er -mit der Erde zusammentrifft, nur noch einen Teil der Menschheit zu -vernichten haben. Die Rache dieses Mannes verwandelt die Erde in die -Hölle. Die furchtbarste Revolution steht vor der Tür.« - -»Das wollte ich wissen,« erwiderte Mors, »das genügt mir. In kürzester -Zeit befinde ich mich auf der Fahrt im Weltenraum, auf der Fahrt zum -nahenden Kometen. Unterdessen muß alles getan werden, damit sich das -Volk beruhigt. Kein Mittel darf gescheut werden, um die Massen glauben -zu machen, daß das Verderben noch einmal an der Erde vorübergehen wird. -Mit äußerster Strenge muß man die Empörung niederhalten, bis ich -zurückkehre. Ist das Verderben unvermeidlich, nun gut, dann wird es sich -ja zeigen, ob in den letzten Tagen der Erde die sinnlose Zerstörung -Triumphe feiert. Bringe ich aber die Botschaft, daß die Katastrophe -vermieden wird, so wird wieder Ruhe eintreten, und dann mag jener Mann, -der soviel Unglück angerichtet hat, seine Strafe empfangen. Jetzt ist -diese Unterredung zu Ende.« - -»Nein, noch nicht,« rief der Herrscher, auf den die Erscheinung des -maskierten Mannes gewaltigen Eindruck gemacht hatte. »Noch nicht. -Kapitän Mors, wenn es Ihnen gelingen sollte, Klarheit über das -Bevorstehende zu schaffen, wenn Sie durch Ihr heldenmütiges Wagnis, ja -so muß ich es nennen, die Kunde bringen, daß der Tod an uns vorübergeht, -so können Sie alles fordern, was Sie wollen, jede Belohnung und sei es -auch die riesigste Summe.« - -»Nicht einen Heller,« erwiderte der Luftpirat. »Auch nicht ein -Dankeswort begehre ich. Was ich tue, geschieht im Interesse der -Menschheit. Wohl habe ich mich gewissermaßen von der Menschheit -zurückgezogen, aber ich hasse sie nicht. Ich will das arme Volk -beschützen und sein Los zu erleichtern suchen. Bringe ich die Kunde, daß -die Erde gerettet wird, nun wohl, so mögen die Regierungen der -Kulturstaaten eine ungeheure Summe unter die Armen verteilen. Das wäre -für mich die größte Belohnung.« - -Der Herrscher war von diesem Edelsinn hingerissen. Er reichte Kapitän -Mors die Rechte. - -»Ich bin ja der Luftpirat,« erwiderte der Maskierte bitter. - -»Nein, Sie sind ein edler Mann,« rief der Herrscher, indem er die Rechte -des Maskierten faßte. »Früher habe ich Uebles von Ihnen geglaubt, aber -diese kurze Unterredung hat mich überzeugt, daß Sie ein Mann sind, den -man verleumdete. Kapitän Mors, wer Sie auch sein mögen, vergessen Sie -nicht, daß Sie in diesem Lande, wenn das Unglück an der Erde -vorübergeht, einen Mann finden, der Sie immer aufnehmen wird, komme, was -da wolle.« - -Ein Händedruck folgte, der Luftpirat trat rasch zurück, er winkte dem -Herrscher und dem Prinzen zu. - -»Ich bringe die Botschaft,« rief er, »ich fahre zum Kometen.« - -Im nächsten Augenblick verschwand die stolze Gestalt des Mannes im -Gebüsch, während der Herrscher und der Prinz den Rückweg antraten. - -Einsam war es beim Pavillon, das Käuzchen schrie wieder, aber es flog -plötzlich erschreckt von dannen. - -Im Gebüsch raschelte es und da wurde etwas Schwarzes, Schattenhaftes -sichtbar. Der Kopf eines Mannes, der vorsichtig aus dem Dickicht -herausspähte. - -Es war ein schöner Kopf, aber die Augen besaßen etwas Fürchterliches. -Darinnen schien ein höllisches Feuer zu brennen. - -Bald darauf ballte der Versteckte die Faust und schüttelte sie nach der -Richtung hin, wo der Prinz und der Herrscher gegangen waren. - -»Geht, geht,« klang es leise von den Lippen des Versteckten. »Ihr habt -wieder Hoffnung. Aber sie soll enttäuscht werden. Mag der Mann mit der -Maske seine Fahrt antreten, er wird nicht mehr zurückkommen, denn dafür -habe ich gesorgt. Der Mann mit der Maske, er ahnt es nicht, was ihm -droht. Der weiß nicht, daß ich schon früher an ihn dachte. Ich kenne den -Luftpiraten, ich wußte, was er tun würde. Deshalb will ich seine -Rückkehr unmöglich machen. Der Volksaufruhr muß toben und alle Bande der -Ordnung zerreißen. Und wenn dann die Soldaten ihrer Pflicht abtrünnig -werden, wenn alles drunter und drüber geht, wenn man die Häuser der -Vornehmen und Vermögenden plündert, das Residenzschloß stürmt, dann -werde ich zur Stelle sein. Dann erreiche ich doch mein Ziel. Dann hole -ich mir die Prinzessin, ich führe sie mit mir fort nach meinem -Schlupfwinkel, dem Herrscher zum Trotze. Ich will mich rächen für die -Stunde, in der man mich aus dem Schloß wies, mir den Zutritt untersagte. -Rache will ich nehmen, Rache! In ohnmächtigem Zorn soll sich der -Herrscher verzehren, wissen, daß sich die Prinzessin in meiner Gewalt -befindet. Die Wissenschaft, der ich mich einst gewidmet, die wird das -Werkzeug meiner Rache sein.« - -Und wieder schüttelte der Mann die geballte Faust bald nach dem Schlosse -hin, bald nach der Mauer. Ein unheimliches Lachen klang von seinen -Lippen. - -Dann schlossen sich die Gebüsche, aber nach einiger Zeit hörte man einen -sonderbaren dumpfen Schall. Es klang so, als ob sich in dem Park im -dichtesten Gestrüpp eine schwere Falltür geschlossen hätte. - - * * * * * - -Auf welche Weise Mors in den Schloßpark gelangt war, wußte niemand. -Möglicherweise hatte er eine kleine Flugmaschine benutzt, die er an Bord -des Luftschiffes mitzunehmen pflegte. - -Jedenfalls befand sich der geheimnisvolle Mann noch vor Anbruch des -Tages auf dem riesigen lenkbaren Luftschiff, das sich auf der Stelle in -ungeheure Höhen erhob. Dann fuhr der Koloß mit äußerster Maschinenkraft -nach Osten. - -Kapitän Mors hatte an seinem lenkbaren Luftschiffe noch einige -Verbesserungen angebracht. - -Er war ja nie müßig, sondern stets beschäftigt, seine Wunderwerke zu -vervollkommnen. - -Somit konnte er dem lenkbaren Luftschiff eine erhöhte Geschwindigkeit -verleihen und die Maschinen wurden diesmal bis zum äußersten in Anspruch -genommen. - -Für längere Zeit wäre diese Schnelligkeit verderblich gewesen, aber für -einige Tage machte es dem Luftschiff nichts aus, obwohl das mächtige -Fahrzeug allenthalben zitterte und bebte. - -Mors mußte jede Stunde benutzen, und so schoß denn der Lenkbare mit -einer Schnelligkeit dahin, als ob er mit einem Adler wetteifern wollte. - -Endlich erreichte er seine Insel, wo seine unerwartete schnelle Rückkehr -freilich wenig Befremden erregte. - -Die Zurückgebliebenen wußten, weshalb Kapitän Mors die Reise angetreten, -sie hatten unterdessen alles zur Auffahrt des Weltenfahrzeuges -vorbereitet. - -Mors verlor keine Zeit. - -Professor van Halen sollte ihn begleiten, ferner der Ingenieur Terror -und eine ausgesuchte indische Mannschaft. - -Terror und Star, die beiden Ingenieure des Luftpiraten, waren diesmal -auf der Insel zurückgeblieben und erstatteten Bericht. - -Sie gaben Kapitän Mors die Versicherung, daß sie das Weltenfahrzeug auf -das genaueste untersucht hätten und daß der Koloß sofort die gefahrvolle -Reise antreten könnte. - -»Und sonst ist nichts Besonderes vorgefallen?« fragte Mors. »Sonst hat -sich nichts ereignet?« - -»Nichts, gar nichts,« erwiderten die Ingenieure. »Wir haben übrigens, -wie Ihr befohlen habt, Kapitän, die Leute auf der Insel aufs -sorgfältigste beobachtet. Wir vergaßen es nicht, daß Ihr sagtet, wir -müßten die neu angeworbenen Inder, die unsere Verluste ersetzen sollen, -erst kennen lernen. Es sind verschlossene Menschen dabei, die aber -künftig recht brauchbar werden können. Sie sind fleißig, geschickt und -willig und haben tüchtig bei der Arbeit am Weltenfahrzeug geholfen. -Wollt Ihr einige von der neuen Mannschaft mitnehmen?« - -Mors schüttelte den Kopf. - -»Nur die alte Mannschaft,« entgegnete er. »Ich will nicht, daß unser -Unternehmen durch irgend eine Störung gehemmt wird. Ich habe manchmal -mit neuer Mannschaft böse Erfahrungen gemacht, daher verlasse ich mich -auf meine alten Getreuen. Macht alles bereit, in zwölf Stunden beginnt -der Aufstieg.« - -Die Inder drängten sich um Kapitän Mors, denn es wurde als Ehre -betrachtet, den Luftpiraten bei den geheimnisvollen Fahrten in den -Weltenraum begleiten zu dürfen. - -Mors empfing sie alle, die alten Getreuen und auch die Neuangeworbenen. - -Diese sollten die Verluste, welche der Tod in die Reihen der alten -Mannschaft gerissen, ersetzen. - -Es waren alles stattliche, sehnige Männer aus den indischen -Gebirgsgegenden und vor allen Dingen durch die ältere Mannschaft des -Luftpiraten empfohlen. - -Allerdings konnte man niemand ins Herz sehen, denn die Inder waren -verschlossene Menschen. Mors wollte deshalb auch die neu angeworbene -Mannschaft erst prüfen lassen. - -Wie ein Fürst saß er im Kreise der Männer, die sich mit gekreuzten -Beinen nach morgenländischer Art um ihn niedergelassen hatten und -aufmerksam den Worten des Geheimnisvollen lauschten. - -Sie erkundigten sich nach dem seltsamen Feuerstern, aber Mors hütete -sich, davon zu sprechen, daß der Komet mit der Erde zusammentreffen -würde. - -Dennoch schien es, als ob die Inder so etwas befürchteten, aber nicht -davon sprechen wollten. - -»Und wie lange wird die Fahrt nach dem Feuerstern dauern, Herr?« fragte -einer der Neuangeworbenen, ein großer, etwas finster dreinblickender -indischer Gebirgsbewohner. - -»Am vierzehnten Tage der Fahrt werde ich dort eintreffen,« erwiderte der -Luftpirat. - -»Wie ist das möglich, Herr?« erwiderte der Mann. »Wie kann man das so -genau berechnen?« - -»Dazu haben wir unsere Instrumente und unsere Geschwindigkeitsmesser,« -erwiderte Mors, indem er auf Professor van Halen deutete. »Seht den Mann -dort, der irrt sich niemals.« - -Der hochgewachsene Inder schwieg und sprach auch während der weiteren -Beratung kein Wort mehr. - -Als er aber aufstand und mit seinen Begleitern das Haus des Kapitäns -verließ, da schien es, als loderte unter den langen Wimpern des Inders -ein rätselhaftes Feuer, als ob diese dunklen Augen ganz eigenartig, -seltsam und unheimlich dreinblickten. - - - - - 3. Kapitel. - Die Fahrt nach dem Kometen. - - -Als Kapitän Mors auf seiner Insel ankam, war es fünf Uhr nachmittags und -um sechs Uhr am nächsten Morgen sollte der Aufstieg des Weltenfahrzeugs -erfolgen. - -Der Inder, der die Frage gestellt, begab sich nach den kleinen indischen -Hütten, die in einem Palmenwäldchen erbaut waren. - -Jeder der Männer besaß sein eigenes Häuschen. - -Kaum war der hochgewachsene Mann dort angelangt, da begann er auch schon -eine seltsame Tätigkeit zu entfalten. - -Er ging in das kleine Schlafgemach und versperrte zunächst die Tür. Dann -holte er aus seiner einfachen Lagerstätte ein Kästchen, welches er mit -größter Sorgfalt öffnete. - -In diesem metallenen Kästchen lag ein Instrument, welches einer -ungewöhnlich großen Taschenuhr ähnelte. - -»Das hat mir der fremde Sahib gegeben,« murmelte der Inder. »Er hat mir -alles gesagt, alles gezeigt. Und er hat mir die größte Belohnung -versprochen. Mächtig und reich soll ich sein, eine schöne, üppige -Fürstentochter als Gattin heimführen können. Ich habe dem fremden Sahib -Treue geschworen und sogar meine Freiheit hingegeben. Hier auf diesem -Eiland bin ich ja gewissermaßen Gefangener. Aber ich weiß, daß mich -dieser mächtige Fremde, wenn ich alle seine Befehle erfülle, später -holen wird und mich zum glücklichen, reichen Manne macht. Das hat er mir -bei der mächtigen Göttin Kali geschworen.« - -Nachdem der Mann das Kästchen auf den Tisch gestellt, begann er eine -neue Arbeit. - -Vorsichtig hob er einige Bambusrohre empor, welche Boden und Wände der -Hütte bildeten. - -Dann zog er wieder ein Päckchen hervor, welches aber etwas größer als -das erste war und ebenfalls aufs sorgfältigste verhüllt zu sein schien. - -Es mußte sich etwas Seltsames darin befinden, denn der Inder zeigte die -größte Vorsicht. Er ging damit um, als ob es sich um das zerbrechlichste -Ding von der ganzen Welt handelte. - -Nun wartete er, bis es dunkel geworden war, und bis die getreuen -Anhänger des Kapitän Mors die Runde machten. - -Diese Männer sahen ja jeden Abend nach, ob sich die Inder in ihren -Hütten befanden, und als sie das Häuschen des Neuangeworbenen betraten, -lag dieser auf seiner einfachen Lagerstätte. - -Er schien fest zu schlafen, aber es war nur Schein. Er wachte und -stellte sich nur schlummernd. - -Um Mitternacht aber verließ er die Hütte. - -Vorsichtig lauschte er erst und überzeugte sich, daß alles ruhig war. -Hierauf schlich er geschmeidig wie eine Katze durch die Gebüsche. - -Die beiden Pakete hatte der Inder mitgenommen und trug sie in ein Stück -Zeug gewickelt auf dem Rücken. - -Immer schneller glitt der Mann dahin, bis er den Ort erreichte, wo das -Weltenfahrzeug in seiner Halle stand, der stolze »Meteor«, der in den -ersten Morgenstunden die Fahrt in den Weltenraum unternehmen sollte. - -Wächter waren aufgestellt, aber der Inder verstand es, die beiden Wachen -zu täuschen. Er kletterte wie eine Katze durch die Dunkelheit begünstigt -an der Halle empor und schlüpfte durch ein Luftloch in das Innere der -Halle. - -Da hing der Metallriese in seinem Gerüst, aus dem er jeden Augenblick, -wenn das Dach geöffnet wurde, emporsteigen konnte. - -Der Inder aber glitt in die Halle hinab und kauerte sich am Vorderteil -des Weltenfahrzeuges nieder. (Man vergleiche hier den Plan des -Weltenfahrzeuges auf der Rückseite dieses Bandes.) - -Der unheimliche Mensch beschäftigte sich an der Vorrichtung, welche das -Genie des Kapitän Mors erfunden, nämlich an der vorderen Einrichtung für -die Luftzufuhr am Unterteil des Weltenfahrzeuges. - -Dort befand sich zwischen den Metallteilen und den Behältern für -flüssige Luft eine Oeffnung, eine Lücke, die gerade groß genug für das -zweite Päckchen war, welches der Inder auf dem Rücken trug. - -Mit äußerster Vorsicht schob er es hinein, er hielt sogar den Atem an, -es schien, als würde bei einer Unvorsichtigkeit eine Katastrophe -erfolgen. - -Als das geschehen war, öffnete der Inder das zweite Päckchen. Da hörte -man deutlich, wie er die große Uhr aufzog, die alsbald leise, kaum -vernehmbar zu ticken begann. - -»Vierzehn Tage hat er gesagt,« sprach der Mann für sich. »Gut, ich werde -den Zeiger auf den fünfzehnten Tag stellen. Dann wird er noch dort sein. -Dann geschieht das, was der fremde Sahib von mir begehrte. Niemand wird -es merken, niemand wird Verdacht schöpfen. Jetzt noch die Drähte.« - -Der Inder setzte seine Manipulationen fort. - -Wäre es hell gewesen, so hätte man gesehen, wie dieser unheimliche -Mensch einige dünne Kupferdrähte hervorzog und diese auf sinnreiche -Weise mit der leise tickenden Uhr und dem geheimnisvollen Paket verband. - -Auch hierbei ging er mit äußerster Vorsicht zu Werke und prüfte dann -nochmals aufs sorgfältigste den sonderbaren Apparat, welchen er in die -Lücke zwischen den Metallteilen hineingeschoben. - -»Es ist geglückt,« murmelte der Mann befriedigt. »Der fremde Sahib wird -zufrieden sein. Niemand hat Argwohn geschöpft, und ich werde von dem -fremden Herrn, der bei Kali geschworen, meine Belohnung empfangen.« - -Ein paar Minuten später kletterte der Mann wieder aus der Halle heraus. - -Die indischen Wächter besaßen scharfe Ohren, aber sie merkten nichts -Verdächtiges. Lautlos, wie er gekommen, schlüpfte der neuangeworbene -Inder von dannen. - - * * * * * - -Kurz vor sechs Uhr war alles zur Abfahrt bereit. Mors kam mit Terror, -van Halen und seiner getreuen alten Mannschaft, um das Fahrzeug zu -besteigen. - -Der Luftpirat warf noch einen prüfenden Blick auf den »Meteor« und seine -Feueraugen musterten das gewaltige Fahrzeug. - -Auch die neuangeworbenen Inder waren mitgekommen, und der Unheimliche, -der in der Nacht die seltsame Arbeit verrichtet, schien leise zu -zittern. - -Wenn nun die scharfen Augen des Luftpiraten etwas Verdächtiges -bemerkten? - -Der Mann atmete tief auf, als Mors sich von dem Fahrzeug abwendete. Er -hatte nichts entdeckt, er gab das Zeichen, daß die Abfahrt erfolgen -sollte. - -Mors hatte mit den zurückbleibenden Getreuen gesprochen und den beiden -Ingenieuren Star und Herbert genaue Weisung gegeben. Die beiden waren es -auch, welche in alles eingeweiht wurden. - -Jetzt schwang sich Mors als letzter durch die eiserne Tür, die alsbald -luftdicht verschlossen wurde. - -Dann wurde das Zeichen gegeben, das bewegliche Dach der Halle drehte -sich, und majestätisch erhob sich der »Meteor« in die Lüfte. - -Der Riesenmagnet drehte sich langsam der Erde zu, immer schneller wurde -die Bewegung des Giganten. Im Nu verschwand er in den Wolken, das -Weltenfahrzeug befand sich auf der Fahrt nach dem Feuerstern. - - * * * * * - -Mors hatte gleich von Anfang an die größte Geschwindigkeit -eingeschaltet. - -Der Magnet war genau der Erde zugekehrt, so daß der »Meteor« blitzartig -durch den Weltenraum jagte. - -Die Luftzone der Erde war im Nu durchflogen. Der Himmel nahm eine -dunkelblaue Färbung an, bis er zuletzt schwarz wurde. - -Man sah die Sonne, aber auch die Sterne, man sah den riesigen Kometen, -der seinen verhängnisvollen Pfad zur Erde verfolgte. - -Mors begab sich nach dem Beobachtungsraum. - -Dort saß der Professor am großen Fernrohr und betrachtete aufmerksam den -merkwürdigen Himmelswanderer. - -»Nun, wie steht es, Professor?« fragte Mors. »Sie haben seit der letzten -Beobachtung, die wir im Weltenraum veranstalteten, Zeit genug gehabt. -Wie ist es mit Ihren Berechnungen? Ferner möchte ich wissen, ob Sie -etwas Neues an dem Feuerstern entdeckten?« - -Van Halen war aufgesprungen. - -»Ich habe mich in meinen Beobachtungen nicht getäuscht,« erwiderte er -mit fester Stimme. »Schon damals erschien mir der Komet als ein höchst -merkwürdiges Gebilde. Jetzt, wo er der Erde näher gerückt ist, sehe ich -deutlich, was ich damals nur vermutete.« - -»Und von dieser Vermutung haben Sie nicht gesprochen, bester van Halen,« -meinte der Luftpirat. »Sie sagten damals, Sie seien Ihrer Sache nicht -sicher genug, und ich wollte nicht in Sie dringen. Aber jetzt wiederhole -ich meine Frage.« - -Der Astronom deutete mit der Rechten nach dem flammenden Kometen. - -»Es ist ein merkwürdiges Gebilde,« erwiderte er, jedes Wort betonend. -»Ein Himmelskörper, wie ihn die Beobachter vielleicht noch nie gesehen -haben. Und wenn dies jemals in der Geschichte der Welt geschah, so haben -die Astronomen die Natur jenes Himmelskörpers nicht erkannt. Aber wie -kann ich nur immer von einem Körper sprechen. In Wirklichkeit sind es -deren zwei, und sie nähern sich der Erde, das ist nicht zu leugnen.« - -»Was, zwei?« rief Mors erstaunt. - -»Ja, zwei Kometen,« erwiderte der Professor mit Nachdruck. »Es ist in -der Tat eine seltsame Erscheinung. Von der Erde aus kann man dies nicht -erkennen, weil sich die beiden Kometen in einer Linie nähern, so daß der -eine immer den andern deckt. Auch mag der feurige Glanz die Beobachtung -erschweren. Genug, die Sache ist folgendermaßen: Einer dieser Kometen -besteht aus einem dunklen, massigen Körper, der gar kein Licht -verbreitet. In einiger Entfernung von ihm folgt dann die eigentliche -feurige Gasmasse.« - -Mors zweifelte keinen Augenblick daran, daß van Halen richtig beobachtet -hatte. - -»Und was geschieht, wenn die beiden Körper mit der Erde -zusammentreffen?« fragte er. - -»Das Schlimmste,« erwiderte van Halen mit eisiger Ruhe. »Der feste, -massige dunkle Körper wird mit entsetzlicher Gewalt die Erde treffen und -natürlich eine grauenvolle Katastrophe hervorrufen. Dann folgt der -zweite Komet, die feurige Gasmasse, welche die Luft der Erde, vor allen -Dingen den zum Leben unbedingt notwendigen Sauerstoff aufsaugt. Sollte -dann von der ersten Katastrophe noch Leben übrig sein, wird dasselbe -nach der zweiten Katastrophe sicher verlöschen.« - -Mors blieb ganz ruhig. - -»Und wird der Zusammenstoß unabwendbar sein?« fragte der Luftpirat. - -»Das kann ich erst sehen, wenn wir oben anlangen,« erwiderte der -Professor. »Ich muß erst wissen, wie die Wechselwirkungen sind, in der -diese Körper zueinander stehen. Und da sage ich, daß noch eine leise -Hoffnung übrig ist, eine geringe Hoffnung, daß das Unheil noch einmal an -der Erde vorübergeht. Aber das wird sich da unten auf der Erde -entscheiden.« - -»Es ist ganz so, wie ich mir gedacht,« erwiderte Mors. »Damit habe ich -von Anfang an gerechnet. Also wollen wir so schnell wie möglich den -Kometen zu erreichen suchen. Und das wird am vierzehnten Tage unserer -Fahrt geschehen. Vorwärts!« - -Das war das einzige Gespräch, welches die beiden Männer über die Zukunft -führten. Von diesem Zeitpunkte an redeten sie nicht mehr über das -bevorstehende Geschick, sondern widmeten sich einzig und allein ihren -Arbeiten. - -Mors befand sich meist im Lenkraum, während der Professor bei seinen -geliebten Instrumenten verweilte. - -Die Fahrt selbst ging schnell und ohne Hindernis vor sich. Man kam dem -rätselhaften Weltenkörper von Tag zu Tag näher. - -Immer furchtbarer, immer drohender war der Anblick dieses Doppelkometen. -Er schien allmählich einen großen Teil des Firmamentes zu bedecken. - -Ein jeder andere hätte sich besonnen, die Fahrt fortzusetzen, denn man -wußte ja gar nicht, welche Gefahren in der Nähe der Kometen drohten. - -Aber Mors war nicht der Mann, der sein Unternehmen aufgab. Er setzte -seine Reise fort. Mit unverminderter Geschwindigkeit sauste der »Meteor« -durch den Weltenraum dahin und näherte sich immer mehr und mehr den -Riesen-Kometen, diesen schwebenden Vernichtern, die von der -entgegengesetzten Seite kommend, gleichfalls mit großer Geschwindigkeit -der Erdenbahn zustrebten. - - - - - 4. Kapitel. - Die Katastrophe. - - -Tag um Tag verging, Nacht um Nacht, wenn man hier im Weltenraum -überhaupt von Tag und Nacht sprechen konnte. - -Der Professor hatte übrigens recht, denn eine dunkle Masse flog dem -eigentlichen Feuerkometen voran, ein Weltenkörper, den sogar nach den -Berechnungen und Beobachtungen des Astronomen eine Lufthülle umgab. - -Es war dies ein neues Geheimnis der unerschöpflichen Natur, und der -Professor erging sich in allerhand Vermutungen. - -Er sprach davon, daß die Kometen möglicherweise die Welten der Zukunft -sein müßten, und daß sich nach der Vernichtung der Planetenwelten ein -neues Leben auf diesen Himmelswanderern entwickeln könnte. - -Das waren allerdings nur Hypothesen, aber sie hatten viel -Wahrscheinlichkeit für sich, war doch Professor van Halen einer der -geistvollsten aller Gelehrten. - -Die Zeit verging, es kam der zwölfte Tag, der dreizehnte, der -vierzehnte. - -Die Beobachtungen waren genau, der »Meteor« näherte sich dem dunklen -Weltenkörper. - -»Wir können unbesorgt landen,« sprach der Professor am Mittag des -vierzehnten Tages. »Nach meinen Beobachtungen ist die Luft, die diesen -dunklen Körper umgibt, zu atmen. Es scheint sich sogar Wasser auf ihm zu -befinden, da ich Spuren von Wasserdampf entdeckte. Vor dem zweiten, dem -eigentlichen Kometen sind wir vorerst sicher, denn dieser ist von dem -dunklen Weltkörper wenigstens tausend Meilen entfernt. Das hat man von -der Erde aus nicht bemerkt, weil die beiden Himmelskörper hintereinander -standen.« - -Mors stimmte dem Professor zu. - -Eine Landung war nötig, denn van Halen behauptete, daß man nur bei einer -Landung Gewißheit über das Schicksal der Erde erlangen könnte. - -Er gab jetzt den Befehl, die Geschwindigkeit des »Meteor« zu mäßigen, -und nach wenigen Stunden schwebte das riesige Fahrzeug bereits in der -Luftschicht des neuen Weltkörpers. - -Der Anblick desselben war allerdings trostlos. - -Er mochte halb so groß sein wie der Mond und schien ganz aus einer -ungeheuren Steinmasse zu bestehen. - -Hier und da gewahrte man freilich Spuren von Wasser, auch sah man einige -Sandwüsten, aber der größte Teil dieser neuen Welt war Stein, rauhe -wilde Felsen, denen jede Vegetation zu mangeln schien. Allerdings -mochten Moose und Flechten hier und da diese starren Felsen bedecken, -aber das ganze war doch ein Bild des Todes. - -Das war also auch ein Komet, und der Professor meinte, daß dieser -Weltkörper der sogenannte Kern eines ehemaligen gigantischen Kometen -gewesen sei, und daß also gewissermaßen eine Trennung zwischen der -Feuergashülle und dem Kern stattgefunden hätte. Solche Teilung von -Kometen war schon in früheren Jahrzehnten beobachtet worden. - -Mors schöpfte aus diesen Mitteilungen neue Hoffnung für das Schicksal -der Erde. Vielleicht fand durch diese Teilung eine Umwälzung statt, so -daß die Vernichter die Erdenbahn früher oder später durchkreuzten. Van -Halen zuckte freilich die Achseln und meinte, es sei noch immer wenig -Hoffnung vorhanden, die Entscheidung konnte also erst nach der Landung -fallen. - -Wenige Stunden später berührte der »Meteor« einen von Mors mittels des -Fernglases ausgesuchten Landeplatz. Es war noch die am meisten -ansprechende Gegend dieser neuen Welt, nämlich eine kleine Sandwüste. -Zur Linken und zur Rechten sah man die Klippen emporsteigen, die -weiterhin ein wahres Felsenlabyrinth bildeten. - -Alles ging nach Wunsch. Der »Meteor« berührte sanft den Boden der neuen -Welt, und die Luft erwies sich, wenn auch dünn und etwas absonderlich -wirkend, doch immerhin als zum Atmen geeignet. Natürlich war diese Luft -sehr klar, weil das Wasser beinahe ganz fehlte, jedoch war das Aussehen -dieses Luftmeeres höchst unheimlich. Hier war nichts von jenem schönen -Blau zu sehen, welches der irdischen Luft an schönen Tagen ein so -unbeschreiblich reizvolles Aussehen verleiht. Dafür sorgte schon die -Feuermasse des zweiten Kometen. Der gab eine schreckliche Beleuchtung, -und es schien, als ob die Luft hier glühte. Sie war bald dunkelrot, bald -violett, bald schwefelgelb gefärbt, so daß man meinte, sich in der Hölle -zu befinden. - -Kapitän Mors' Gefährten aber betrachteten diese Naturwunder ohne -Schrecken. Sie waren schon durch ihre vielen Fahrten mit dem Luftpiraten -an die seltsamsten Dinge gewöhnt, nichts in der Welt konnte ihr -Vertrauen für ihren geliebten Gebieter erschüttern. - -Der Professor überzeugte sich zunächst, daß die Luft geatmet werden -konnte, und ließ dann eiligst seine Beobachtungsinstrumente auf ein paar -nahe Felsen schaffen. - -Es war dies nötig, weil der Metallkörper des Fahrzeugs oftmals störte, -namentlich bei magnetischen Messungen. - -»Nun muß es sich ja bald entscheiden,« sprach der Professor, ehe er sich -nach seinem neu eingerichteten Observatorium begab. »In vierundzwanzig -Stunden kann ich sagen, ob die Erde erhalten bleibt oder nicht, dann -wird die Entscheidung fallen.« - -Van Halen nahm ein paar Inder mit, die er in der Handhabung der -Instrumente unterwiesen hatte. Die übrigen blieben beim Weltenfahrzeug. - -Wieder vergingen die Stunden. Mors ahnte nicht, daß da vorn an dem -Apparat zur Luftzufuhr ein seltsames Uhrwerk tickte, daß diese Uhr -unablässig ihren Lauf fortsetzte. Stunde auf Stunde verging, und jetzt -war der fünfzehnte Tag zu Ende. - -Mors befand sich gerade mit Terror im Lenkraum, als er plötzlich zu -Boden stürzte. - -Auch Terror lag im selben Moment auf dem Boden, während das -Weltenfahrzeug von einer ungeheuren Gewalt emporgehoben wurde. Es schien -gerade, als hätte ein Riese das Fahrzeug gepackt und mit einem Ruck in -die Höhe geschleudert. Dann schwankte es zweimal hin und her und zu -gleicher Zeit hörte man ein dumpfes, unheilverkündendes Prasseln. Im Nu -erhob sich der Luftpirat vom Boden. Er hörte die Inder vorn schreien, er -vernahm, wie sie nach ihm riefen, wie sie seinen Namen nannten. - -»Rasch, rasch, Terror,« schrie er seinem halbbetäubten Gefährten zu. -»Hinaus, da ist ein Unglück geschehen.« - -Die beiden Männer stürzten durch die Räume nach der Ausgangstür, ihnen -folgten die Inder, welche durch den furchtbaren Stoß in alle Ecken -geschleudert worden waren. - -Mors war der erste, der das Freie erreichte und an dem Metallkörper des -gigantischen Fahrzeuges entlanglief. Er eilte nach dem Vorderteil des -»Meteor«, denn von dort war der Stoß gekommen. Mors stieß einen leisen -Schrei aus, als er die Spitze des Fahrzeugs sehen konnte. Ja, ein -Unglück war geschehen. Dort klaffte eine furchtbare Bresche. - -»Eine Explosion,« schrieen die Inder. »Die flüssige Luft hat ihre -Behälter zertrümmert!« - -»Nein,« erwiderte Mors mit Stentorstimme. »Da ist etwas anderes -geschehen. Diese Bresche kann nur ein moderner Sprengstoff geschlagen -haben. Das ist kein Unfall, der aus der Konstruktion des Fahrzeuges -herrührt. Nein, nein, hier ist Verrat im Spiele. Das Fahrzeug ist -absichtlich beschädigt worden.« - -Der »Meteor« sah aus, als ob ihn ein Torpedo getroffen hätte. Die -metallenen Platten, aus denen der Außenrumpf bestand, waren im -Vorderteil zersprengt und ein gewaltiges Loch in den Rumpf des -Weltenfahrzeuges geschlagen worden. - -Mors heftete jetzt seine Augen auf die Inder. - -»Das ist eine Höllenmaschine,« klang seine Stimme. »Ich wiederhole es, -der durchdringende Dunst, den wir alle spüren, rührt von einem -Sprengstoff her. Es ist schmählicher Verrat. Diese Katastrophe ist mit -Absicht herbeigeführt worden.« - -Vor ihm standen die Inder. Die treuen Männer kreuzten die Arme über der -Brust und erwiderten fest und sicher den furchtbaren Blick ihres -Gebieters. Die Prüfung dauerte mehrere Minuten, dann hob Mors seine -Rechte. - -»Ihr habt ein reines Gewissen,« sprach der Luftpirat. »Ihr habt jenen -Frevel nicht begangen. Ich weiß nicht, wer es getan hat. Aber ich -wiederhole nochmals, es war Absicht, es war auf die Zerstörung des -»Meteor« abgesehen. Befanden wir uns noch im Weltraum, als die Explosion -stattfand, so waren wir verloren. Jetzt gilt es, die Beschädigungen so -rasch als möglich auszubessern. Nach der Rückkehr auf unsere Insel werde -ich den Täter ermitteln. Vorwärts, Leute, wir haben alle Materialien zur -Ausbesserung des Schadens an Bord. Die Zerstörung ist geschehen, aber -wir werden das Leck wieder schließen. An die Arbeit, ich werde Euch -helfen!« - -Der Professor war mit seinen beiden Gehilfen von den Felsen -herabgekommen und betrachtete das Geschehene. - -Seine beiden Leute kamen bei dem heimtückischen Anschlag nicht in -Betracht, denn sie gehörten zu Mors' getreuesten und ältesten Veteranen. - -Es war auch gar keine Zeit, müßigen Vermutungen nachzuhängen, eine -Bemerkung des Professors zeigte Mors, daß jetzt Gefahr auch noch von -anderer Seite drohte. - -»Kapitän,« sprach der Professor mit gedämpfter Stimme, als die Inder -durch die klaffende Oeffnung in das Innere des Fahrzeugs hineinstiegen. -»Kapitän, ich habe eine seltsame Beobachtung gemacht. Diesmal droht uns -Gefahr, und es ist sehr bedauerlich, ja höchst bedenklich, daß die -Katastrophe stattfand. Ich kann es nicht verhehlen, daß wir uns in der -furchtbarsten Lage befinden.« - -Mors sah ihn fragend an. - -»Der erste Komet, auf dem wir uns befinden, hat seinen Lauf -verlangsamt,« fuhr der Professor fort. »Der Feuerkomet aber kommt rasch -heran. Die beiden Kometen haben sich geteilt, scheinen sich aber wieder -miteinander verbinden zu wollen. Geschieht dies, während der Zeit, wo -wir noch hier liegen und den Schaden verbessern, dann sind wir -verloren.« - -»Ich dachte es mir,« antwortete der Luftpirat. »Jetzt wollen wir sehen, -wer das Spiel gewinnt. Der Schaden wird ausgebessert. Sie, Herr -Professor, können Ihre Beobachtungen fortsetzen. Unterdessen werden wir -hier unten mit Ablösung fortwährend arbeiten, damit wir diesen Kometen -vor dem drohenden Zusammenstoß verlassen können.« - -Der Professor warf einen prüfenden Blick auf die klaffende Oeffnung. -Offenbar zweifelte er daran, daß dieser fürchterliche Schaden so schnell -beseitigt werden könnte und fürchtete das Schlimmste. Er sagte aber kein -Wort, sondern begab sich wieder zu den Instrumenten. - -Die Inder und Terror brachten allerhand Werkzeuge und Gerätschaften aus -dem »Meteor«, Reserveplatten und Panzerrippen, da man von all diesen -Dingen für unvorhergesehene Fälle Vorrat mitführte. Mors war der erste, -der mit Hand anlegte. Es war ganz zweifellos, daß man sich, um das große -Leck zu verstopfen und so schnell als möglich fertig zu werden, größter -Eile befleißigen mußte. Die Reparatur war nur ein Notbehelf, aber -immerhin konnte er genügen, den »Meteor« zur Erde zurückzuführen. - -Man mußte, um an das durch den Sprengstoff geschlagene Leck -heranzukommen, die Apparate, welche zur Lufterneuerung dienten, -abnehmen. Und hierbei war es Mors, der die Spuren des Verbrechens -entdeckte. Er bückte sich plötzlich und hob etwas von der Erde empor. -Dieses Ding war freilich durch die Explosion halb zerschmettert, aber -man sah noch deutlich die Ueberreste einer großen Metallkapsel, eine Art -Zifferblatt und darauf ein paar zerstörte Zeiger. - -»Der letzte Zweifel ist geschwunden,« sprach Mors zu seinen Leuten. -»Hier seht Ihr es, es war eine Höllenmaschine. Diese Uhr war jedenfalls -reguliert, um den Sprengstoff zu einer ganz bestimmten Zeit zur -Explosion zu bringen. Ha,« rief er plötzlich. »Jetzt weiß ich es. Jetzt -kenne ich den Täter!« - -Terror und die Inder sahen den Luftpiraten fragend an. - -»Ja, ich kenne ihn,« sprach Mors finster. »Jetzt entsinne ich mich, daß -einer der neuangeworbenen Inder kurz vor der Abreise fragte, wie lange -es dauern würde, bis wir den Kometen erreichen. Ich gab dem Mann auch -ahnungslos Antwort, denn ich hielt diese Frage für bloße Neugierde. -Jetzt weiß ich es besser. Der Mann wollte wissen, wann die -Höllenmaschine tätig sein sollte. Er hat das Uhrwerk auf den fünfzehnten -Tag gestellt. Da seht, dieser zerstörte Zeiger deutet noch auf die Zahl -fünfzehn. Dieser neuangeworbene Inder ist ein Verräter und ein -Verbrecher! Der ist von meinen Feinden gewonnen worden!« - -Die anderen Inder stießen drohende Rufe aus und gelobten fürchterliche -Vergeltung. - -Von neuem wurde gearbeitet. Mors war der erste an der Spitze. Er legte -selbst die schweren Panzerplatten auf das Leck, während die Inder die -Bolzen durch die Verbindungsstücke hindurchtrieben und Terror alle -Lücken auf das sorgfältigste verlötete. Ueber den Arbeitenden aber stand -drohend der Feuerkomet, der sich mit unbegreiflicher Geschwindigkeit dem -dunklen Kometen zu nähern schien. - -Unablässig nahm er an Größe zu, die Luft schien zu glühen, die dunkle -Röte, welche das Firmament erfüllte, gab die Beleuchtung zu der Arbeit, -die mit ungeschwächten Kräften zu der Wiederherstellung des -schwerverletzten »Meteor« fortgesetzt wurde. - - - - - 5. Kapitel. - Der Zusammenstoß. - - -Wieder waren sechsunddreißig Stunden verflossen. - -Wer den Schaden, den die Höllenmaschine hervorgerufen, betrachtete, -hätte gedacht, daß die Besatzung des Weltenfahrzeugs die Hände in den -Schoß gelegt haben müsse. Noch immer klaffte das furchtbare Leck, aber -das war nur Schein. Mors hatte bereits alle Panzerplatten, die zur -Schließung der Oeffnung dienten, zugerichtet. Die Rippen waren schon -befestigt, und so brauchten die Inder die Panzerplatten nur aufzulegen. -Dann wurde der »Meteor« in den Stand gesetzt, wieder in das Weltall -emporzusteigen und dem drohenden Zusammenstoß der beiden Kometen zu -entrinnen. Von dem Observatorium kam zuweilen eine Botschaft des -Professors. Dieser beobachtete den nahenden Kometen, und die Botschaften -mahnten zur höchsten Eile. Sie wurden Mors insgeheim überbracht, damit -sich die Inder nicht etwa durch die drohende Gefahr entmutigen ließen. -Die Leute ahnten aber wohl, was ihnen bevorstand, auch sahen sie mit -ihren eigenen Augen den feurigen Riesen herannahen. Sie gönnten sich -kaum die nötigste Ruhe, sie verzehrten ihre Mahlzeit, während sie -arbeiteten, sie taten das äußerste, was sie nur vermochten. - -Die Luft sah geradezu unheimlich aus. Es schien, als ob man sich in -einem Glutmeer befände. Immer dunkler wurde dieser rote Schein, so daß -man zuletzt das Gefühl hatte, in einem feurigen Ofen zu stehen. - -Mors sprach seinen Leuten unablässig Mut zu, aber er sah, daß die Männer -oftmals nach dem Feuerkometen emporblickten. Dort schien eine -unheimliche Kraft tätig zu sein, es sah manchmal so aus, als ob sich der -Komet drehte und wendete, oftmals glich er einem feurigen Drachen. - -Als die Inder gerade beschäftigt waren, die Panzerplatten auf dem Leck -zu befestigen, hörte man hoch droben ein furchtbares Brausen und -Zischen. Der Metallkörper des Weltenfahrzeuges verdeckte die Aussicht -auf den Kometen, Mors sprang rasch zu einem naheliegenden Felsen. Der -Anblick, der sich ihm bot, war geradezu unheimlich. Der große Feuerkomet -schien sich gedreht zu haben, er glich einer riesigen Flamme, die sich -langsam auf den weiten dunklen Kometen herabsenkte. - -Einige Inder, die gerade ihre Ruhepause hatten, kamen entsetzt auf die -obere Brüstung gestürmt, auch der treue Terror zeigte sich auf der -Galerie und betrachtete mit einem Fernglase den ungeheuren Kometen. Zwei -der arbeitenden Inder stürzten zu Mors, der wie eine Bildsäule auf dem -Felsen stand. - -»Der Zusammenstoß erfolgt,« schrieen sie entsetzt, »der Komet wird unser -Fahrzeug in Atome zermalmen!« - -»An die Arbeit,« tönte die Stimme des Luftpiraten. »Ich komme gleich -hinunter.« - -Und wieder gehorchten die Inder dem Manne, der solchen Einfluß ausübte. -Sie kehrten an ihre Arbeit zurück. Man hörte das Hämmern und Klopfen. - -Mors sah übrigens, daß die Inder recht hatten, so daß sich sein »Meteor« -in einer geradezu verzweifelten Lage befand. Bei dem Zusammenstoß der -beiden Kometen würde er sicherlich vernichtet werden. - -Der Maskierte eilte zum Leck und griff mit Riesenkräften nach einer -Panzerplatte. - -Sie war schon genau hergerichtet und schloß die größte Lücke. Die Bolzen -wurden befestigt, das glühende Lötblei gegossen. - -»Keiner darf mehr nach oben sehen,« befahl Mors. »Kümmert Euch nicht -darum, was dort geschieht. Denkt nur an unsere Rettung. Wir müssen von -diesem Weltenkörper hinweg, koste es, was es wolle.« - -Die Inder gehorchten. - -Da konnte man erst sehen, was es für Leute waren, Männer, denen der -Gehorsam gewissermaßen in Fleisch und Blut übergegangen war. - -Tausend andere hätten jetzt in der Arbeit innegehalten und wären -zitternd und bebend in das Innere des »Meteor« geflüchtet, um dort rat- -und tatlos das Ende zu erwarten. - -Schrecklich war der Lärm, der sich jetzt erhob. Es heulte, brüllte und -zischte in den Lüften, als ob Tausende von Dämonen herabkämen. - -Das Nahen der feurigen Gasmasse machte sich bemerkbar. Mit -ungeheuerlicher Geschwindigkeit sauste dieselbe auf den zweiten Kometen -zu. Der Anprall mußte entsetzlich werden. - -Mors hatte schon vorher eine Botschaft an den Professor geschickt. - -Dieser gab seine Leute, die ihm bis dahin geholfen hatten, dem -Luftpiraten, während er selbst die schweren, astronomischen Instrumente -nach dem »Meteor« schleppte. - -Die Inder sahen das, meinten aber, es wäre vergebliche Arbeit, sie -glaubten nicht, daß nur ein einziger von ihnen mit dem Leben davonkommen -könnte. - -Dennoch arbeiteten sie mit Feuereifer, mit wildem Ungestüm, sie verloren -keinen Augenblick Zeit, sondern dachten nur an ihre Arbeit. - -Mitten durch den gräßlichen Tumult, der in den Lüften tobte, hörte man -die Stimme des Luftpiraten, befehlend, ermahnend, während er selbst -überall Hand mit anlegte. - -Unablässig wurden die Panzerplatten über das klaffende Leck geschoben, -wobei es sich zeigte, daß die Vorarbeiten nicht umsonst getroffen worden -waren. - -Die Panzerplatten griffen ineinander und hielten fest, Bolzen wurden zur -Befestigung eingeschlagen und dann breite metallene Bänder aufgelötet. - -Jetzt dachte niemand mehr an Essen und Trinken, die Inder verlangten -nicht einmal einen Schluck Wasser. - -Sie bissen die Zähne zusammen und ertrugen alles, sie hielten aus, -obwohl die Luft allmählich heiß, ja glühend zu werden schien. - -Man arbeitete wie in der Hölle, die Leute benutzten die kurzen Pausen -während ihrer Tätigkeit dazu, um sich die Gewänder abzureißen. Sie -arbeiteten fast nackt. Auch der Professor half, soviel er nur vermochte. - -Eben trat van Halen wieder an die Seite des Luftpiraten. - -»Es eilt, Kapitän, es eilt,« sprach er kurz, aber dringlich. »Der Komet -kommt herab, die beiden Teile des Weltenkörpers suchen sich wieder zu -vereinen. Die gasförmige glühende Hülle wird von neuem den Kern -umschließen. Und bei dieser Gelegenheit müssen wir zu Atomen zermalmt -werden.« - -»Das mag sein,« erwiderte Mors. »Sie, Professor, fürchten ja den Tod so -wenig wie ich. Vorläufig denke ich noch nicht daran, mich in das -Unvermeidliche zu ergeben. Ich kämpfe bis zum letzten Augenblick und mit -mir die Inder. Vorwärts, Leute, vorwärts, Terror! Es handelt sich um -Leben und Sterben!« - -Mors brauchte die Weisung nicht zu wiederholen. Die Leute arbeiteten mit -größter Eile, schweißtriefend griffen sie zu, unterstützten sich und -dichteten das gewaltige Leck, ohne auf die Umgebung zu achten. - -Von oben senkte sich das furchtbare Ungetüm herab. - -Der Komet glich einem feurigen Riesenmantel, der alles, was er erfaßte, -mit Vernichtung bedrohte. Schrecklich, grauenvoll sah es aus, wie das -Ungetüm näher und näher kam. Kein Zweifel, nun mußte die Katastrophe -erfolgen. - -»Haltet aus, Leute,« schallte die Stimme des Kapitäns durch den -Höllenlärm der Naturgewalten. »Ich will zur Erde zurück, ich will einem -Schurken die Larve vom Gesicht reißen. Zeigt, was Ihr könnt. Ihr seid -meine Leute, die weder Tod noch Teufel fürchten. Rasch, rasch, es gilt -die letzte Lücke zu schließen.« - -Das Metall dröhnte unter den Schlägen der Hämmer. Das glühende Blei -zischte auf den Fugen und verschloß jede Ritze. Mors war allenthalben -der erste, ihm entging nichts, er sah die kleinste Oeffnung, und sofort -wurde diese verschlossen, mit Blei überschmolzen. - -Das Getöse in den Lüften war jetzt geradezu fürchterlich, aber die -Stimme des Luftpiraten war selbst durch diesen grausigen Tumult -vernehmbar. - -»In den »Meteor«, Leute,« klang es, »rasch hinein. Das Leck im -Metallrumpf ist verstopft. Hinein! Terror und ich, wir werden den -Luftzufuhrapparat in Ordnung bringen.« - -Die Inder gehorchten. Es war auch die höchste Zeit. Die Hitze war -bereits erstickend geworden. Alles in der Runde schien zu glühen. - -Mühsam erhielten sich die Braven auf den Füßen und schleppten den -Professor mit sich, der zusammenzubrechen drohte. - -Mors und Terror blieben noch zurück und schoben mit ganzer Kraft den -Luftregelungsapparat in die dazu bestimmten Höhlungen und Rinnen. - -Noch einmal tönten Hammerschläge, während Terror die Schrauben zuzog. -Der brave Ingenieur war dem Ersticken nahe. - -Jetzt war die letzte Arbeit getan. Mors faßte seinen treuen Gefährten -und zog ihn mit Riesenkraft nach dem Weltenfahrzeug. In wenigen -Augenblicken hatte sich die Doppeltür hinter den zwei Männern -geschlossen. - -Hier drinnen war es gewiß nicht kühl, aber den Männern kam es vor, als -ob sie plötzlich in einen Eiskeller geraten wären. - -Diese Luft belebte sie wie durch einen Zauber. Die Erschöpften, -Halberstickten fühlten neue Kraft. Mors und Terror eilten nach dem -Lenkraum. - -Es war die höchste Zeit, kaum eine halbe Stunde später, und der »Meteor« -wäre vernichtet worden. - -Auch jetzt entging das Weltenfahrzeug nur mit knapper Not dem Verderben, -indem es gerade noch im letzten Moment durch den Zwischenraum, der sich -noch zwischen den beiden Kometen befand, hindurchsauste. - -Grauenvoll war der Anblick, alles schien in Feuer getaucht zu sein. Die -furchtbare Schnelligkeit des Weltenfahrzeuges aber rettete den Koloß, -der jetzt in den luftleeren Raum hinauseilte. - -»Gerettet!« sprach Mors, als die furchtbare Glut allmählich nachließ. -»Im letzten Augenblick gerettet!« - -»Und auch noch etwas anderes ist gerettet,« sprach der Professor, der -jetzt eben in den Lenkraum trat. »Der Zusammenstoß oder richtiger gesagt -die Wiedervereinigung der beiden Kometen hat es bewirkt. Zurück zur -Erde, dort sollen die Menschen eine wichtige Botschaft hören.« - - - - - 6. Kapitel. - Vergeltung. - - -Ein und ein halber Monat waren seit jenem Tage verflossen, wo der -Herrscher mit dem Luftpiraten in stiller Mitternachtsstunde -zusammentraf. - -Nach den Berechnungen der Gelehrten sollten nur noch fünfzehn Tage -vergehen, bis der gefürchtete Zusammenstoß zwischen der Erde und dem -Doppelkometen erfolgte. - -Auf der Erde hatte man die Wiedervereinigung und den Zusammenstoß des -Kometenpaares nicht beobachtet. - -Merkwürdigerweise umhüllten gewaltige Wolkenmassen den ganzen Erdball -und zwar waren diese Wolkenmassen in allen Zonen aufgetreten. - -Nur hier und da entstand eine flüchtige Lücke, die man zur Beobachtung -benutzen konnte. - -Da kamen denn Botschaften und Depeschen, Nachrichten über das Nahen des -Kometen. - -Die Zeit zu Beobachtungen war nur kurz, so daß man nichts Sicheres -ermitteln konnte. - -Dennoch hatte ein berühmter Professor aus der Neuen Welt ein Telegramm -geschickt, welches allenthalben verbreitet wurde. - -Der berühmte Gelehrte depeschierte, daß mit dem Kometen irgend eine -Veränderung vorgegangen sein müßte, im übrigen aber stünde er der Erde -recht nahe. - -Vielleicht war das eine kleine Hoffnung auf eine Wendung des drohenden -Schicksals. Indessen glaubten doch die meisten an den Untergang der -Erde. - -Der Empörung aber war man jetzt mit dem Aufgebot aller Energie -einigermaßen Herr geworden. - -Der Janhagel, das Gesindel, welches durch die Aussicht auf Beute aus -seinen Verstecken hervorgelockt wurde, erhielt einen furchtbaren -Denkzettel, die wankenden Soldaten kehrten zu ihrer Pflicht zurück und -schützten so gut als möglich die bürgerlichen Kreise. - -Freilich mußte man ganze Horden von Verbrechern und raubsüchtigen -Unholden niederschießen, aber das war kein Verlust für die Menschheit. - -Dennoch flatterte die Fahne des Aufruhrs immer wieder empor, bald hier, -bald dort, hauptsächlich auf dem Lande. - -Da kamen Nachrichten von verwüsteten Schlössern, von verbrannten -Gehöften, überall trieben sich arbeitsscheue Elemente umher, welche den -allgemeinen Schrecken zur Befriedigung teuflischer Lust zu benutzen -suchten. - -In der Residenz herrschte scheinbar Ruhe. - -Man konnte in der Tat diese Ruhe nur eine scheinbare nennen, vielleicht -weil die Wolkenmassen den Anblick des nahenden Vernichters verdeckten. - -Mit geheimem Schrecken dachten die Machthaber an den Augenblick, wo sich -die Wolkenmassen zerstreuten und das nahende Ungetüm sichtbar werden -würde. - -Vielleicht kam es dann von neuem zum Aufruhr, zur entfesselten Wut der -Volksmassen, die sich kurz vor ihrem Tode noch einmal aller Lebenslust -überlassen wollten. - -Aber im großen Residenzschlosse war es noch etwas anderes, was die -Gemüter beunruhigte. - -Die junge Prinzessin, welche einst der dämonische Baron begehrt, dieser -Gelehrte, der seine Wissenschaft so übel benutzte, sie war es, welche -von Zeit zu Zeit beunruhigende Beobachtungen machte. - -Es schien, als ob eine unsichtbare, geheimnisvolle Gewalt es auf sie -abgesehen, und auch die Dienerschaft im Schlosse hatte Sonderbares -bemerkt. Ein paar Lakaien wollten sogar eine schattenhafte Gestalt in -dem ältesten Teile des Schlosses gesehen haben. - -Natürlich wurde nachgesucht, aber nichts gefunden. Man hielt es für eine -Täuschung, manche meinten auch, es sei Gespensterspuk gewesen. - -Von dem verschollenen Baron hatte man noch immer keine Nachricht, aber -der Herrscher ahnte, daß dieser Mann nicht weit entfernt sei. Er kannte -seine Rachsucht, seine Eitelkeit, er mußte von diesem Manne das -Schlimmste erwarten. - -Möglicherweise hetzte er die Volksmassen noch immer auf, zumal ihm große -Mittel zur Verfügung standen. Oefter hörte man des Nachts Tumulte und -dann mußten die Soldaten Zusammenrottungen auseinander sprengen. - -»Ich wünschte, es wäre erst alles zu Ende,« sprach der Herrscher zu dem -Prinzen, der ihm seinerzeit den Luftpiraten zugeführt. »Wenn der -Untergang der Welt unvermeidlich ist, so wünschte ich, er wäre schon da, -damit meine Augen nicht vorher alle Greuel entfesselter Leidenschaften -sehen müßten.« - -Aber der Prinz hatte auf alle diese Reden nur immer die eine Antwort: - -»Er wird kommen,« sprach er. »Ich weiß es. Kapitän Mors hat gesagt, daß -er Botschaft bringen will. Und er hält sein Wort. Ich kenne diesen Mann -besser als viele andere. Er kommt, es kann jeden Tag von ihm Botschaft -eintreffen.« - -»Vielleicht hat er längst den Untergang gefunden,« meinte der Herrscher, -auf den die Erscheinung des Luftpiraten gewaltigen Eindruck gemacht -hatte. »Vielleicht hat er sich, den Untergang der Erde voraussehend, auf -einen anderen Planeten hinübergerettet.« - -Der Prinz schüttelte den Kopf und schwieg. Er gab die Hoffnung nicht -auf. Er ahnte, daß er Kapitän Mors wiedersehen würde. Die Antwort konnte -nicht direkt kommen, sondern sie wurde höchstwahrscheinlich durch -Professor van Halen an jenen Gelehrten geschickt, mit dem er von Zeit zu -Zeit Nachrichten wechselte. - -Dieser Gelehrte weilte in der großen Sternwarte der Residenz, einem -ausgedehnten, mit allen modernen Errungenschaften ausgestatteten -Gebäude. - -Dort befand sich auch eine Station für Funkentelegraphie, die aber in -der letzten Zeit gar nicht benutzt worden war. - -Ein recht unruhiger Tag war vorübergegangen. Gegen Abend trafen neue -Nachrichten ein, die einen furchtbaren Aufstand ziemlich gewiß machten. -Es war kein Zweifel, unruhige Elemente wurden aufgehetzt, die -Unzufriedenheit geschürt. Das kaum unterdrückte Feuer drohte wieder -emporzuflammen. - -Sorgenvoll hatte der Herrscher die Berichte angehört. - -»Es ist nichts mehr zu retten,« sprach er. »Es kommt zur grauenvollsten -Katastrophe.« - -Da meldete der diensthabende Kammerherr einen neuen Besucher und mit -Erstaunen, aber auch Erregung hörte der Herrscher den Namen des -gelehrten Mannes, der mit Professor van Halen in Verbindung stehen -sollte. - -»Ich habe eine Botschaft von meinem Freunde,« begann der Gelehrte, als -er die fragenden Blicke des Herrschers gewahrte. »Ich habe sie mit der -Funkentelegraphie empfangen. Die Nachricht lautet aber recht sonderbar. -Ich kann eigentlich gar nicht daraus klug werden. Jedenfalls erhielt ich -die Weisung, sie augenblicklich nach dem Residenzschloß zu bringen.« - -»Und wie lautet die Botschaft?« rief der mächtige Mann in gespanntester -Erwartung. - -Der Gelehrte zog ein Stück Papier hervor. - -»Sie lautet folgendermaßen,« begann er. »Melden Sie auf der Stelle im -Residenzschlosse, daß sich in dieser Nacht in der Mitternachtsstunde -einige treue, zuverlässige und bewaffnete Männer in der Nähe des -Pavillons aufhalten sollen. Es gilt jemand festzuhalten, der auf -rätselhafte Weise den Schloßpark betreten kann. Es handelt sich auch um -die Sicherheit einer hochstehenden Person, der Gefahr zu drohen -scheint.« - -»Das ist alles,« setzte der Gelehrte hinzu. - -Da trat der Prinz hinzu. - -»Ich weiß zwar auch nicht, was es bedeutet,« hob er an. »Aber ich bin -überzeugt, daß der rätselhafte Maskierte zurückgekehrt ist und daß diese -Nachricht etwas Wichtiges bedeutet. Ich werde gleich die nötigen -Vorkehrungen treffen.« - -»Ja, tue es,« sprach der Herrscher zum Prinzen. »Ich werde auch um -Mitternacht im Parke sein. Ich muß wissen, was da vorgeht. Ich will -alles erfahren.« - -Der Prinz säumte keinen Augenblick, das geheimnisvolle Gebot, welches -offenbar vom Luftpiraten ausging, zu erfüllen. - -Es gab noch zuverlässige Leute genug, auf die man sich unbedingt -verlassen konnte, vor allen Dingen auf die Schloßwache, eine aus -altgedienten Soldaten bestehende Leibgarde. - -Es waren erprobte Männer, tapfer, entschlossen, jeden Augenblick bereit, -ihren letzten Blutstropfen für das Herrscherhaus und dessen Angehörige -herzugeben. - -Der Prinz beorderte diese Leibwache bei eintretender Nacht in den -Schloßpark und wies den Bewaffneten selbst die Verstecke, in denen sie -die Entwicklung der Dinge abwarten sollten. - -In kürzester Frist hatte sich jeder der Männer ein Versteck ausgesucht, -und nun schien der Schloßpark so einsam und verlassen zu sein wie sonst -in der Nacht. Nirgends sah man einen Menschen. - -Auch der Prinz und der Herrscher hüllten sich in ihre Mäntel und suchten -sich einen Platz aus, wo sie vielleicht fünfzig Schritte vom Pavillon -stehend, die Umgebung beobachten konnten. - -Zu sehen war freilich nicht viel. Die Umgebung des Pavillons war kaum in -ihren Umrissen zu unterscheiden. Die dichten Wolkenmassen, welche den -Himmel schon seit Wochen verhüllten, brachten große Dunkelheit zu Wege. - -Allerdings war ein Teil der Bewaffneten mit elektrischen Laternen -versehen, aber diese sollten erst in Funktion gesetzt werden, wenn es -nötig wurde. - -Noch war alles still, aber mit einem Male faßte der Prinz den Arm des -Herrschers. Man vernahm verworrene Geräusche unter der Erde. Man hörte -Schreie, dann etwas wie einen dumpfen Knall, der sich mehrmals -wiederholte. Jetzt wurde das Geräusch deutlicher, und mit einem Male -klang es vom Pavillon her. Dort wurde es lebendig. Man hörte ein Knicken -und Knacken in den Gebüschen und es schien dem Herrscher, als ob dunkle -Gestalten zum Vorschein kämen. Unmittelbar darauf wurde es hell. - -Die Lichtstrahlen glichen der grellen Beleuchtung eines Scheinwerfers -und irrten nach allen Richtungen in die Runde. Dieser Lichtschein -beleuchtete bewaffnete Männer, die in großer Hast durch die Büsche -rannten. - -»Haltet sie fest,« schallte plötzlich eine mächtige Stimme, die dem -Herrscher sofort bekannt schien. »Laßt keinen entrinnen. Sie haben Böses -im Sinne. Haltet sie fest und wenn sie Widerstand leisten, so macht sie -nieder.« - -In diesem Augenblick wurde es überall hell. Die Leibgarden des -Herrschers setzten ihre elektrischen Leuchten in Funktion und stürzten -den bewaffneten Männern entgegen. Bei der Leibwache befand sich aber -auch der Polizeichef, den der Prinz im Schlosse zurückbehalten. - -»Das sind ja langgesuchte Verbrecher,« rief er den Soldaten zu. -»Gefährliche Schurken, die plötzlich spurlos verschwanden und schon seit -längerer Zeit gesucht werden.« - -Die Leibgarden stürzten sich auf die bewaffneten Verbrecher, die sich -jetzt, als sie sich umringt sahen, verzweifelt zur Wehr setzten. Sie -hatten offenbar nichts zu verlieren und kannten das Los, das ihrer -wartete. Es war umsonst, denn die Soldaten machten kurzen Prozeß und -wendeten ihre Waffen ohne Rücksicht an. Man hörte die Hiebe der blanken -Waffen, das Knattern von Schüssen. Das Gefecht setzte sich durch die -Gänge des Schloßparkes fort, aber von den Männern, die da so plötzlich -aus den Gebüschen hervorstürzten, entkam keiner, sie wurden alle -erreicht und nach wütendem Widerstand zusammengehauen oder -zusammengeschossen. - -Der Prinz und der Polizeichef stellten sich schützend vor den Herrscher, -damit ihn nicht etwa eine verirrte Kugel erreichte, während der mächtige -Mann, der großen, persönlichen Mut besaß, durchaus an dem Abenteuer -teilnehmen wollte. - -Da schallte die sonore Stimme, die man vorhin vernommen, von neuem. »So, -ich denke, den Schurken ist das Handwerk gelegt. Aber den Anstifter des -Frevels, den habe ich gepackt. Hier ist er. Die Leute sollen nicht auf -ihn schießen. Ich bin's, den man erwartet hat, und ich denke, gute -Botschaft zu bringen.« - -»Der Mann mit der Maske,« stieß der Herrscher hervor. »Wahrhaftig, er -ist es.« - -Der Herrscher, der Prinz und der Polizeichef sahen jetzt seltsame Dinge. -Wieder teilten sich die Gebüsche in der Nähe des Pavillons, aber diesmal -erschienen bewaffnete Inder, welche die helleuchtenden Laternen trugen, -deren gewaltiges Licht schon vorhin das Staunen der Lauscher erregt -hatte. Die Männer stellten sich auf dem freien Platz auf, so daß die -Laternen denselben hell beleuchteten. Wieder teilten sich die Gebüsche, -abermals kamen Bewaffnete zum Vorschein, die zwei gefesselte Männer mit -sich schleppten. Der eine von ihnen war ein riesengroßer Inder, den man -wie ein Bündel zusammengeschnürt hatte. Der zweite schien erst vor -wenigen Augenblicken gebunden zu sein. - -Der Herrscher stieß einen Ruf höchster Ueberraschung aus. »Das ist ja -der Baron von ...-..« rief er. - -In diesem Augenblick trat wieder eine Gestalt in den Lichtkreis der -elektrischen Laternen. Diesmal war es Kapitän Mors. - -»Ja, das ist der Mann, der so viel Unheil angerichtet hat,« sprach er. -»Es ist der gelehrte Edelmann, der sich mit Astronomie beschäftigt, -derselbe, welcher die Prinzessin begehrte. Er war es, der die -Entdeckung, daß ein Zusammenstoß der Erde mit dem Kometen droht, unter -das Volk brachte. Er war es, der das Volk aufhetzte und sich durch eine -Empörung zu rächen gedachte. Und als er nun bemerkte, daß die Empörung -Dank der treubleibenden Truppen gedämpft wurde, da griff er zum letzten -Mittel, um Rache zu nehmen. Seine reichen Mittel erlaubten es, eine -Schar von Banditen und Mördern anzuwerben, die er den Händen der -Gerechtigkeit entzog. Sie sollten in dieser Nacht in das Schloß -einbrechen, sie sollten den Herrscher des Landes töten. Damit hätte -dieser Unhold seine Rache genommen.« - -»Woher wissen Sie denn das, Kapitän Mors?« rief der Fürst in höchstem -Staunen. »Sind Sie denn allwissend?« - -»Allwissend ist nur der, der die Welten erschaffen,« lautete die Antwort -des Luftpiraten. »Ich verdanke die Kunde von diesem Anschlag meist -glücklichen Zufällen. Dieser Mann hier« -- er deutete auf den -gefesselten Inder -- »war ebenfalls von dem Baron gewonnen. Als dieser -seine Entdeckung des nahenden Kometen machte, ahnte er schon, daß ich -alles aufbieten würde, um eine Panik zu verhindern. Der Baron, welcher -öfters Reisen nach Indien unternahm, gewann diesen Menschen durch große -Versprechungen, und es schien anfangs, als ob sein Anschlag, der zuerst -gegen mich gerichtet war, glücken würde. Dieser Inder wurde von mir mit -anderen Gebirgsbewohnern angeworben und er schwur Treue. In Wirklichkeit -brachte er schon die Höllenmaschine mit, die mein Weltenfahrzeug -vernichten sollte. Und als dieser Mensch, der alles aufs schärfste -beobachtete, erfuhr, daß ich die Reise nach dem nahenden Kometen -antreten wollte, vollführte er den Auftrag, den er von dem Baron -erhalten. Es sind zwei Kometen da oben im Weltenall. Und als ich auf dem -einen landete, wurde mein Fahrzeug fast vernichtet. Erst im letzten -Moment gelang es mir, dasselbe auszubessern und zu flüchten, gerade, als -die beiden Kometen wieder zusammenstießen.« - -»Wie,« rief der Herrscher in höchstem Staunen. »Sie, Kapitän Mors, haben -diese unheimliche Welt betreten?« - -»Ja, und ich bringe gute Botschaft. Der Zusammenstoß der Erde mit den -beiden Kometen hätte unwiderruflich stattgefunden. Aber glücklicherweise -hat der Zusammenstoß dieser beiden Weltenkörper die Gefahr von der Erde -abgewendet. Der Zusammenstoß ist furchtbar gewesen und er genügte, um -den Kometen, der jetzt wieder aus einer Masse besteht, aus seiner Bahn -zu schleudern. Wenn die Wolkenmassen schwinden, wird man auf Erden -sehen, daß der Erdball noch einmal gerettet ist. Der Komet eilt bereits -mit rasender Schnelligkeit zur Sonne.« - -Mors hatte bei den letzten Worten nach oben gedeutet. Da geschah -Seltsames. Plötzlich erhob sich ein Sturm, die Wolkenmassen, die bis -dahin unbeweglich über der Erde gelastet, begannen sich zu bewegen. Sie -schienen sich zu zerteilen, schon sah man hier und dort Sterne -hindurchschimmern. - -»Der Komet!« rief der Herrscher plötzlich. - -»Ja, er ist es,« erwiderte Mors. »Aber jedermann wird sehen, daß sich -das Gestirn von der Erde abwendet. Jetzt eilt es nach der Sonne hinüber -und von dort wird es wieder in das Unendliche hineinsausen. Alle mögen -es hören, die Erde ist vom Verderben gerettet.« - -Die Leibgarden hatten diese Worte vernommen und brachen in Jubelrufe -aus. Der Polizeichef aber trat auf Mors zu, den er mit sichtlicher -Bewunderung betrachtete. - -»Und wie gelangten diese Banditen in den Park?« fragte er. - -»Durch einen alten unterirdischen Gang,« erwiderte Mors. »Hier, der -Inder, verriet mir manches, was seinen Auftraggeber, den Baron, -anbetraf. Es gelang mir, diesen Unhold bei seinem Zusammentreffen mit -den angeworbenen Banditen zu belauschen. Er hat diesen Gang schon öfters -benutzt. In dieser Nacht sollte der Anschlag auf den Herrscher -ausgeführt werden.« - -»Das war die schattenhafte Gestalt, die man im alten Schloß bemerkt -hat,« rief der Prinz überrascht. - -Der Rachsüchtige sah alles verloren. - -»Kapitän Mors,« rief der Herrscher, »wie soll ich Ihnen danken? Sie -haben alles, alles gerettet. Ich verdanke Ihnen mein Leben!« - -»Ich selbst begehre nichts,« erwiderte der Luftpirat. »Aber wenn die -Mächtigen der Erde den Armen eine große Summe geben wollen, wenn sie die -durch das Unheil entstandene Not lindern wollen, so bin ich's -zufrieden.« - -»Das soll geschehen,« rief der Herrscher. - -»Das genügt mir,« erwiderte Mors. »Ich habe die Genugtuung, daß ich die -Welt von dem Alpdruck, der auf ihr lastete, befreite.« - -»Und der Baron?« fragte der Prinz unwillkürlich. - -»Den nehme ich mit mir,« erwiderte Mors finster. »Der hat mir nach dem -Leben getrachtet. Ganz so, wie sein verräterischer Gefährte, der Inder.« - -Der gelehrte Edelmann erbleichte. »Gnade!« rief er dem Herrscher zu. -»Ich will nicht in der Gewalt des Maskierten bleiben. Man soll mich hier -ins Gefängnis setzen!« - -Mors sah mit seinen feurigen Augen auf den Herrscher und den Prinzen. - -Sie reichten ihm die Hände. Er drückte sie. Dann winkte er seinen -Indern. Im Nu faßten diese die beiden Gefangenen und schleppten sie nach -dem geheimen Gang, der sich irgendwo in den Gebüschen befinden mußte. - -»Den Gang versperre ich für immer,« tönte die Stimme des Luftpiraten. - -Seine hohe, stolze Gestalt verschwand im Gebüsch, dann hörte man ein -dumpfes Dröhnen wie von einer schweren Falltür. Und als der Prinz in das -Gebüsch eilte, sah er nichts von dem seltsamen Mann, der auf dem Kometen -gewesen. Kapitän Mors war mit seinen beiden Gefangenen spurlos -verschwunden. - - - - -Anmerkungen zur Transkription - - -Dieser Text wurde nach einem Nachdruck-Auswahlband transkribiert: Heinz -J. Galle (Hrsg.): Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff. Dieter -von Reeken, Lüneburg, 2005, S. 233-267. Moderne Zusätze und Anmerkungen -wurden nicht übernommen. Die Originalausgaben hatten auch farbige -Rücktitel. Diese sind in dieser Ausgabe nicht enthalten, obwohl sich -im Text ein entsprechender Hinweis findet. Der entsprechende Rücktitel -mit dem Plan des Weltenfahrzeuges findet sich in Band 42. - -Die Schreibweise der Buchvorlage wurde weitgehend beibehalten. Auch -Variationen in der Schreibweise von Namen wurden nicht verändert. -Lediglich offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Der Luftpirat und sein lenkbares -Luftschiff 66: Das Weltenfahrzeug zwischen den Riesen-Kometen, by Anonymous - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER LUFTPIRAT UND SEIN *** - -***** This file should be named 56069-8.txt or 56069-8.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/5/6/0/6/56069/ - -Produced by Jens Sadowski, Norbert H. 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You may copy it, give it away or re-use it under the terms of -the Project Gutenberg License included with this eBook or online at -www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you'll have -to check the laws of the country where you are located before using this ebook. - -Title: Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff 66: Das Weltenfahrzeug zwischen den Riesen-Kometen - -Author: Anonymous - -Release Date: November 28, 2017 [EBook #56069] - -Language: German - -Character set encoding: ISO-8859-1 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER LUFTPIRAT UND SEIN *** - - - - -Produced by Jens Sadowski, Norbert H. Langkau, and the -Online Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net - - - - - - -</pre> - - -<div class="frontmatter"> -<p class="vol"> -<span class="bolder">66. Band.</span> Jeder Band ist vollständig abgeschlossen. <span class="bolder">Preis 10 Pf.</span> (15 Heller.) -</p> - -<p class="ser"> -<span class="line1"><span class="centerpic"><img src="images/banner.jpg" alt="dER lUFTpirat und sein lenkbares Luftschiff." /></span></span> -<span class="line2">Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff.</span> -</p> - -<h1 class="title"> -Das Weltenfahrzeug zwischen den Riesen-Kometen. -</h1> - -<div class="centerpic"> -<img src="images/pic066.jpg" alt="" /> -<p class="cap"> -„Der Zusammenstoß erfolgt,“ schrieen die Inder. -„Der Komet wird unser Fahrzeug in Atome zermalmen.“ -</p> - -</div> - -</div> - -<div class="frontmatter"> -<p class="pub"> -Druck- und Verlags-Gesellschaft<br /> -Berlin -</p> - -</div> - -<p class="tit"> -Das Weltenfahrzeug zwischen den -Riesen-Kometen. -</p> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-1"> -<span class="firstline">1. Kapitel.</span><br /> -Der große Feuerstern. -</h2> - -<p class="first"> -In der sonst so stillen Residenzstadt X. schien offener Aufruhr Platz -gegriffen zu haben. -</p> - -<p> -Wüstes Geschrei tobte, hier und da sah man Feuer aus stattlichen -Gebäuden emporlodern. -</p> - -<p> -Eine rasende Menge wälzte sich durch die Straßen und versuchte -immer wieder nach dem Residenzschloß zu gelangen. -</p> - -<p> -Noch gehorchten die Soldaten den Befehlen der Offiziere, noch -drängten sie die Menge zurück, von Zeit zu Zeit hörte man das eigentümliche -scharfe Rasseln des Magazingewehrfeuers. -</p> - -<p> -Dann wich die tolle Volksmenge unter Verwünschungen zurück, -rannte nach den Vorstädten, überall plündernd, Fenster und Türen zertrümmernd. -</p> - -<p> -Was war denn nur geschehen, daß das Volk meuterte, daß offene -Rebellion und Aufruhr herrschte? -</p> - -<p> -Es war ein Naturereignis, welches drohend am Himmel stand, ein -Gestirn, das stündlich an Größe zuzunehmen schien. -</p> - -<p> -Ein Komet war es, wie man auf der Erde noch keinen zweiten -gesehen. Ein Schweifstern, der einer ungeheuren dahinschwebenden -Feuermasse ähnelte. -</p> - -<p> -Als der Komet vor Wochen im Weltenraum auftauchte, war er von -den Himmelskundigen bald gesehen, beobachtet, aber durchaus nicht -gefürchtet. -</p> - -<p> -Wie ein Lauffeuer verbreitete sich nun die schreckliche Kunde, daß -der Komet sich der Erde nahe und mit ihr zusammentreffen werde. Die -feurige Gasmasse würde die Luft, welche den Erdball umgibt, verzehren -und dadurch alles Leben vernichten. Zu gleicher Zeit würde auch ein -schrecklicher Zusammenstoß des Kometen mit der Erde erfolgen. -</p> - -<p> -Als die Nachricht zuerst gehört wurde, lachte man darüber, aber -das Lachen sollte bald verstummen. -</p> - -<p> -Der anfangs so unansehnliche Komet wuchs mit unbeschreiblicher -Schnelligkeit, je näher er der Erde kam. -</p> - -<p> -Natürlich gab sich die Regierung die größte Mühe, den Schrecken -zu bannen, aber vergeblich. -</p> - -<p> -Da half kein Verbot, kein strenger Befehl, daß die Zeitungen keine -Berichte über das Fortschreiten des Kometen bringen durften. Umsonst -konfiszierte man hier und dort die Blätter; es war unmöglich, die Katastrophe -aufzuhalten. -</p> - -<p> -Das war der Grund des Aufruhrs, der in den Straßen tobte, man -hörte es von den Leuten, die sich wie toll gebärdeten. -</p> - -<p> -„In zwei Monaten ist alles vorbei,“ schrieen die Leute. „Acht Wochen -soll es ja noch dauern, dann ist es mit der Erde aus, dann müssen -alle sterben. Aber so lange wollen wir noch das Leben genießen. Jetzt -hat es ja keinen Zweck mehr, daß man Reichtümer aufstapelt. Alle -Schatzkammern müssen geöffnet werden. Es gibt keine Gesetze mehr. -Wir wollen leben und genießen, so lange das irdische Dasein noch dauert. -Jedes Gesetz muß aufgehoben werden, jeder soll machen, was er will -und keiner darf mehr sein wie der andere.“ -</p> - -<p> -Wieder drängten die Massen gegen das mächtige Residenzschloß -vor, welches, von dem großartigen Park umgeben, einer Insel in tobender -Meeresbrandung glich. -</p> - -<p> -Und so wie hier war es meist auf der ganzen Erde. Allenthalben -kamen Berichte von Volkstumulten, von Aufständen, von Anzeichen -des drohenden Anarchismus, ein Drüber und Drunter, welches schrecklicher -als die bevorstehende Vernichtung der Erde durch den Feuerstern -zu werden drohte. -</p> - -<p> -Oben in den prunkvollen Zimmern des Residenzschlosses stand -der Herrscher. Um ihn standen eine Anzahl Männer, die Minister, die -Mitglieder der Regierung. Die meisten zeigten ratlose, geängstigte Gesichter. -</p> - -<p> -Nur der Herrscher, eine hohe, gebietende Gestalt, bewahrte die -Fassung. -</p> - -<p> -Er brauchte nicht zu fragen, er brauchte nicht die Berichte der -Militärgewalt zu vernehmen. Das dumpfe Brausen und Toben, welches -durch die verhangenen Fenster drang, sagte genug und lüftete man die -schweren Vorhänge, so sah man den Feuerschein brennender Häuser. -</p> - -<p> -Soeben war ein Ministerrat abgehalten worden. -</p> - -<p> -Hundert Vorschläge wurden gemacht, aber alle als unausführbar -befunden. Sie scheiterten an der Wut der Volksmassen, die alles zu vernichten -drohten. -</p> - -<p> -Die Minister und die sonstigen Spitzen der Regierung hatten -schon seit Tagen und Nächten keine Ruhe gefunden. Eine Beratung war -der anderen gefolgt, jetzt waren die Herren mit ihrer Weisheit zu Ende. -</p> - -<p> -Es schien, als ob ein bitteres Lächeln um die Lippen des Herrschers -spielte, als er seine Räte und Vertrauten mit einer Handbewegung -und einigen kurzen Worten verabschiedete. -</p> - -<p> -In wenigen Augenblicken war der Herrscher allein. -</p> - -<p> -Er blieb am Tische stehen und blätterte mechanisch in den Dokumenten. -Dann trat er ans Fenster. -</p> - -<p> -Draußen knatterte wieder das Gewehrfeuer. -</p> - -<p> -Nur ungern hatte der Herrscher den Befehl erteilt, gegen das rasende -Volk Gewalt zu gebrauchen. Es ging nicht anders, draußen begann -man ja schon zu morden, zu rauben und zu plündern. -</p> - -<p> -„Die Sturmflut naht,“ murmelte der Herrscher. „Bald wird sie alles -überfluten. Schrecklich, entsetzlich, die Menge wartet nicht, bis die -Katastrophe erfolgt, sie macht schon vorher die Erde zur Hölle. Und -das alles, alles nur, weil sich der eine an mir rächen wollte. Dieser -Mann, der einen solchen Ruf besitzt, der ihn bis zur gehässigsten Vergeltung -anwendet. Und dieser Mann, der soviel Unglück angerichtet -hat, der hütet sich, vor meine Augen zu kommen. Niemand weiß, wo er -sich befindet, er schleudert seine giftigen Pfeile aus der Verborgenheit in -die rasende Menge.“ -</p> - -<p> -Der Herrscher hatte die letzten Worte unwillkürlich laut gesprochen. -</p> - -<p> -Plötzlich wendete er den Kopf, als ein Geräusch im Saal ertönte. -Dort an der schweren Portiere, die zu den fürstlichen Gemächern führte, -stand ein stattlicher junger Mann mit geistreichem und zu gleicher -Zeit auch energischem Antlitz. -</p> - -<p> -Es war einer der Prinzen des Herrscherhauses, ein Mann, der sich -in seinen Mußestunden aus Begeisterung mit der astronomischen Wissenschaft -beschäftigte. -</p> - -<p> -Der Herrscher trat in sichtlicher Erregung auf den Prinzen zu. -</p> - -<p> -„Wie steht es?“ fragte er hastig. „Ist der Aufenthalt des Gelehrten -entdeckt worden?“ -</p> - -<p> -Der Prinz schüttelte den Kopf. -</p> - -<p> -„Es ist unmöglich,“ erwiderte er. „Der Rachsüchtige hält sich verborgen. -Zudem werden die Nachforschungen durch den Aufstand so -erschwert, daß ich das Unternehmen schon von Anfang an als hoffnungslos -betrachtete.“ -</p> - -<p> -Der Herrscher stampfte mit dem Fuße auf den Boden, daß es -dröhnte. -</p> - -<p> -„Wie kann dieser Mann das Unheil verantworten?“ rief er in -höchster Empörung. „Wie kann er nur solche entsetzliche Rache nehmen! -Ich habe bereits Nachrichten erhalten, daß die Soldaten in ihrer -Treue wankend werden. Nicht alle, aber doch ein großer Teil. Und -wenn das geschieht, wenn auch diese letzte Stütze der Ordnung zusammenbricht, -dann kommt es zu einer Katastrophe, so furchtbar, so entsetzlich, -wie man es noch nie auf Erden erlebt. Dann sind die fürchterlichsten -Revolutionen der Vergangenheit ein Kinderspiel gegen diese -Schrecken.“ -</p> - -<p> -Der Prinz neigte zustimmend das Haupt. -</p> - -<p> -„Und das schlimmste ist,“ erwiderte der, „daß dieser rachsüchtige -Gelehrte recht hat. Ich war gestern und heute in der Universität, auf -den beiden Sternwarten. Ich habe alle Gelehrten auf Ehre und Gewissen -befragt, gebeten, mir die volle Wahrheit zu sagen und die Berechnung -nochmals durchzugehen. Ich hatte ja immer noch die Hoffnung, daß -die Rache jenes Mannes der Grundlage entbehrte, daß er nur Schrecken -und Aufruhr verbreiten wollte. Bis vor wenigen Stunden hegte ich noch -Hoffnung.“ -</p> - -<p> -„Und dann?“ fragte der Herrscher. -</p> - -<p> -„Meine Hoffnung ist geschwunden,“ erwiderte der Prinz. „Meine -eigenen Beobachtungen geben mir die Gewißheit, daß das Schreckliche -bevorsteht und das gleiche sagten auch die Gelehrten. Der Riesenkomet -trifft mit der Erde zusammen und vernichtet alles Leben. Anfangs hoffte -ich noch darauf, daß das nahende Ungeheuer durch andere Planeten in -seinem verderblichen Lauf gestört werden könnte, aber auch diese Hoffnung -ist dahin. Unsere Instrumente haben es bewiesen, die Planeten -können den Vernichter nicht mehr aufhalten. Er saust mit großer Geschwindigkeit -auf die Erde zu, er wird mit der Erde zusammentreffen.“ -</p> - -<p> -Draußen tobte der Lärm, das Gebrüll der rasenden Volksmenge -schallte herüber. Wieder knatterten Schüsse. -</p> - -<p> -Der Herrscher ging mit großen Schritten im Saale auf und ab. -</p> - -<p> -„Warum mußte ich das erleben?“ sprach er, sein ergrautes Haar -flüchtig im Spiegel betrachtend. „Warum konnte ich nicht in der Gruft -meiner Vorfahren ruhen? Jetzt muß ich den doppelten Untergang der -Erde mit ansehen. Es ist fürchterlich, es ist entsetzlich. Die Empörung -droht nicht allein in unserem Lande, sondern auch in allen Kulturstaaten -der Welt.“ -</p> - -<p> -Plötzlich blieb der Herrscher stehen. -</p> - -<p> -„Du willst mir noch etwas sagen,“ sprach er zu dem Prinzen. „Ich -sehe es Dir an, Du hast noch etwas auf dem Herzen. Sprich, ist es etwas -Wichtiges?“ -</p> - -<p> -„Es ist allerdings etwas Wichtiges,“ lautete die Antwort. „Aber ich -bin überzeugt, daß der Vorschlag, den ich machen könnte, mit Entrüstung -zurückgewiesen wird.“ -</p> - -<p> -„Wie — was?“ rief der Herrscher erregt. „Zurückgewiesen? Ist es ein -Vorschlag, der die Katastrophe verhindern könnte?“ -</p> - -<p> -„Das kann ich nicht sagen,“ erwiderte der Prinz. „Aber es würde -der letzte Zweifel beseitigt werden. Ich habe ja immer noch eine ganz -schwache Hoffnung, daß das Fürchterliche vermieden wird. Aber die -Menge denkt nur an den drohenden Untergang der Erde, die Massen -sind in Verzweiflung, sie wollen noch einmal ihr Dasein genießen.“ -</p> - -<p> -„Rede, rede,“ rief der Herrscher, dessen Stimme leise zitterte. -„Noch könnte ich mit der Militärmacht den Aufruhr einige Zeit niederhalten, -und das wird auch in anderen Kulturstaaten gelingen. Sprich, -sprich, was bedeuten Deine geheimnisvollen Worte?“ -</p> - -<p> -„Darf ich reden, ohne daß ich in Ungnade falle?“ fragte der Prinz -mit gedämpfter Stimme. „Darf ich?“ -</p> - -<p> -„Alles, alles,“ rief der Herrscher, „was Du willst! Ich erlaube es Dir, -ich gebiete es Dir sogar. Es ist sicherlich etwas Seltsames.“ -</p> - -<p> -„Allerdings,“ tönte es zurück. „Es gibt noch einen Menschen auf -der Welt, der uns über das letzte Geheimnis Aufschluß bringt, er vermag -es. Und dieser Mann, der die Gewißheit bringt, der uns sagt, hier -ist entweder Vernichtung oder Rettung, das ist der Luftpirat, Kapitän -Mors, der Mann mit der Maske.“ -</p> - -<p> -Es herrschte tiefes Schweigen im Saal. Man hörte nur die Atemzüge -der beiden Männer. -</p> - -<p> -Der Herrscher hatte anfangs eine abwehrende Gebärde gemacht, -aber gleich darauf ging er in tiefem Nachdenken umher. Seine Stirn war -gefaltet, die Hände verkrampft, ein Kampf schien in der Seele des mächtigen -Mannes zu toben. -</p> - -<p> -Plötzlich blieb er vor dem Prinzen stehen. -</p> - -<p> -„Du hast mir noch nicht alles gesagt,“ sprach er. „Du bist bereits -mit dem Luftpiraten in Verbindung getreten. Du hast ihn aufgefordert, -Klarheit zu schaffen, nur um das Entsetzliche zu verhindern. Sage es -mir, ich zürne Dir gewiß nicht. O nein, vielleicht muß ich Dir sogar -recht geben.“ -</p> - -<p> -„Gut denn,“ erwiderte der Prinz, während draußen das Wutgeschrei -der Menge wie Donnerbrausen ertönte. „Ja, ich habe es gewagt. -Allerdings war es nur ein Zufall, vielleicht ein glücklicher Zufall. In dem -geheimnisvollen Schlupfwinkel des Luftpiraten befindet sich nämlich -ein Astronom, ein treuer Begleiter des Maskierten, der ihn schon auf -seinen wunderbaren Weltreisen begleitet hat. Dieser Gelehrte steht mit -einem andern Gelehrten unserer Sternwarten in Verbindung. Es ist noch -eine alte Freundschaft und die beiden verkehren miteinander. Allerdings -selten und geheimnisvoll. Der Zufall hat mir dies Geheimnis enthüllt, -ich habe den Gelehrten gebeten, dem Luftpiraten unsere furchtbare -Lage zu schildern.“ -</p> - -<p> -„Und die Antwort ist schon da?“ rief der Herrscher. „Nicht wahr?“ -</p> - -<p> -Das geistvolle Gesicht des Prinzen war totenbleich. -</p> - -<p> -„Ja, die Antwort ist hier,“ entgegnete er. „Ich habe sie empfangen, -ich habe es gewagt, auf die Gefahr der Ungnade, als letztes, verzweifeltes -Mittel. Kapitän Mors der Luftpirat wird sich in dieser Nacht um zwölf -Uhr an einer genau bezeichneten Stelle des großen Schloßparkes einfinden.“ -</p> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-2"> -<span class="firstline">2. Kapitel.</span><br /> -Aus Rache. -</h2> - -<p class="first"> -Der Herrscher stand wie ein Steinbild, aber das dauerte nur wenige Augenblicke. -</p> - -<p> -Er trat zu dem Prinzen und dieser fühlte, wie die Rechte seines -mächtigen Verwandten eiskalt war. -</p> - -<p> -„Zu jeder anderen Zeit hätte ich eine Unterredung mit dem Luftpiraten -zurückgewiesen,“ klang die Stimme des Herrschers. „Aber jetzt -will ich mit ihm sprechen. Ich zürne Dir nicht, nein, im Gegenteil, ich -danke Dir. In der verzweifelten Lage, in der wir uns und alle anderen -Kulturstaaten befinden, ist Kapitän Mors vielleicht die letzte Hoffnung. -Gehe um zwölf Uhr nach dem Schloßpark hinunter, ich gehe mit. Niemand -soll sonst dabei sein. Du verbietest den Dienern, daß sie uns folgen. -Jetzt ist es zehn Uhr, hole mich ab, wenn die Zeit gekommen ist. -Ich will dem Mann mit der Maske gegenübertreten.“ -</p> - -<p class="tb"> - -</p> - -<p class="noindent"> -Es war Mitternacht, aber es herrschte keine Ruhe. -</p> - -<p> -Das rasende Volk, welches die Branntweinschenken gestürmt, hatte -einen nochmaligen Vorstoß gegen das Residenzschloß unternommen. -Das Militär stand aber fest wie Mauern und die rasende und tobende -Masse mußte, Tote und Verwundete mit sich schleppend, wieder zurückweichen. -</p> - -<p> -Jetzt grollte der Lärm in der Ferne, wie ein dumpfes Tosen, wie ein -fernes Gewitter. -</p> - -<p> -Die Nacht war ziemlich klar und der große Komet stand drohend -am Himmel. -</p> - -<p> -Durch den großen Schloßpark eilten zwei Männer in Mäntel gehüllt, -der Herrscher und der Prinz, die sich zu dem verabredeten Stelldichein -begaben. -</p> - -<p> -Nur einmal wurde gesprochen. -</p> - -<p> -„Wie kann nur der Luftpirat in den Park gelangen?“ fragte der -Herrscher. „Dieser ist ja von einer hohen, glatten Mauer und außerdem -von einem tiefen Wassergraben umgeben.“ -</p> - -<p> -„Für diesen Mann gibt es kein Hindernis,“ erwiderte der Prinz. „Er -kommt und er wird zur Stelle sein.“ -</p> - -<p> -Die Kirchturmuhren der Residenz verkündeten die zwölfte Stunde, -als sich die beiden Männer einem kleinen tempelartigen Pavillon näherten. -</p> - -<p> -Ringsumher standen Bildsäulen, Marmorgruppen, Götter und -Göttinnen, vom Mond gespenstisch beleuchtet. -</p> - -<p> -Hier war es fast unheimlich, der Nachtwind rauschte in den Bäumen -und Büschen, ein Käuzchen ließ seine klägliche Stimme vernehmen. -</p> - -<p> -„Der Totenvogel,“ murmelte der Herrscher, der sonst gewiß nicht -abergläubisch veranlagt war. -</p> - -<p> -Sonst war nichts zu sehen, die beiden Männer schienen sich allein -am Pavillon zu befinden. -</p> - -<p> -Aber im Augenblick, wo der letzte Schlag der zwölften Stunde -vom Turm der Hauptkirche herüberdrang, trat eine Männergestalt hinter -dem Pavillon hervor. -</p> - -<p> -„Da bin ich,“ sprach eine sonore Stimme. -</p> - -<p> -Der Mond beleuchtete einen Mann, der einen einfachen braunen -Mantel von militärischem Schnitt über den Schultern trug. -</p> - -<p> -Vorn war der Mantel geöffnet, so daß man eine dunkelblaue Uniform -erblickte. -</p> - -<p> -Eine Mütze mit Goldtresse bedeckte den Kopf, während eine -schwarze Halblarve das energische Gesicht fast verhüllte. -</p> - -<p> -Es war Mors, der Luftpirat, der Erbauer des lenkbaren Luftschiffes -und des Weltenfahrzeuges. -</p> - -<p> -Der Herrscher schien noch einmal mit sich zu kämpfen. Dann -aber trat er kurz entschlossen auf den geheimnisvollen Mann zu. -</p> - -<p> -„Die Unterhaltung braucht nicht lange zu dauern,“ tönte es von -den Lippen des Maskierten. „Die Vorgänge in der Welt sind mir nicht -unbekannt, und ich weiß, was man von mir will. Ich soll endgültig Gewißheit -bringen, ob der große Feuerstern da oben die Erde vernichten -wird.“ -</p> - -<p> -„Wenn Sie das zustande bringen, Kapitän Mors,“ erwiderte der -Herrscher, „so können Sie möglicherweise unabsehbares Unheil verhindern. -Sie können die letzten Zweifel lösen, tritt die Katastrophe ein oder -nicht? In letzterem Falle haben Sie sich die ganze Welt zu Dank verpflichtet.“ -</p> - -<p> -„Dank begehre ich gar nicht,“ erwiderte der Luftpirat, „ich tue das, -was man von mir verlangt, und zwar der Menschheit zu Liebe. Auch ich -hege noch Zweifel, ob der Riesenkomet die Erde treffen wird. Ich habe -da eine Beobachtung gemacht oder richtiger gesagt, einer meiner Gefährten -hat es getan, eine Beobachtung —“ -</p> - -<p> -„Wie, was?“ rief der Herrscher. „Läßt sich das Verderben vermeiden?“ -</p> - -<p> -„Das kann ich nicht sagen,“ erwiderte Mors. „Hier gibt es nur eine -einzige Möglichkeit, Gewißheit zu schaffen. Ich werde mit meinem Weltenfahrzeug -unter Anwendung der größten Schnelligkeit dem Kometen -entgegenfahren. An Ort und Stelle will ich mir die Gewißheit verschaffen.“ -</p> - -<p> -„Aber das Schreckliche soll ja unabwendbar sein,“ meinte der -Herrscher. „Darin sind alle Gelehrten einig. Es ist nur ein Unglück, daß -einer jener Gelehrten die Kunde zur Kenntnis der Massen gebracht hat. -Das Geheimnis hätte verschwiegen bleiben sollen.“ -</p> - -<p> -„Deshalb bin ich ja hierher gekommen,“ erwiderte Mors. „Sonst -wäre ja die Zusammenkunft gar nicht nötig gewesen. Soviel ich gehört -habe, stammt dieser Astronom aus einer sehr vornehmen Familie dieses -Landes. Er führt einen stolzen Namen. Weshalb hat dieser Aristokrat -die Massen aufgehetzt? Warum?“ -</p> - -<p> -„Ja, es ist ein Baron,“ erwiderte der Herrscher. „In der alten Edelmannsfamilie, -der er entstammt, herrscht die Sitte, daß der älteste Sohn -die großartige Herrschaft übernimmt. Das ist nun nichts Ungewöhnliches, -aber doch scheint dieser Mann dadurch verbittert zu sein. Er besaß -Vermögen und besitzt es auch noch. Er war ehrgeizig und obwohl -ein ausgezeichneter Gelehrter, strebte er doch nach den höchsten Zielen. -Sein Ehrgeiz kannte keine Grenzen, und so suchte er eine Prinzessin -des Herrscherhauses als Gattin zu gewinnen. Er, ein schöner Mann, -der eine Art dämonischen Einfluß besitzt, wäre fast an sein Ziel gelangt. -Schon war er nahe daran, das Herz einer blutjungen Prinzessin zu gewinnen, -als ich, noch rechtzeitig gewarnt, dazwischen trat und dem -Ehrgeizigen den Besuch des Hofes untersagte. Da kannte sein Zorn -keine Grenzen, denn dieser Baron ist rachsüchtig. Vorerst blieb ihm -nichts anderes übrig, als sich in sein Schicksal zu ergeben, aber als der -große Feuerstern erschien, als er durch seine Beobachtungen erfuhr, daß -der Komet mit der Erde zusammentreffen würde, da ließ er seiner Rache -freien Lauf. Anstatt das Geheimnis zu wahren, brachte er es zur Kenntnis -der Massen und zog sich zu gleicher Zeit in ein unauffindbares Versteck -zurück. Seine Rache ist gelungen. Der Aufruhr tobt in den Straßen. -Opfer sind schon gefallen, und wenn es so weiter geht, wird der -Komet, wenn er mit der Erde zusammentrifft, nur noch einen Teil der -Menschheit zu vernichten haben. Die Rache dieses Mannes verwandelt -die Erde in die Hölle. Die furchtbarste Revolution steht vor der Tür.“ -</p> - -<p> -„Das wollte ich wissen,“ erwiderte Mors, „das genügt mir. In kürzester -Zeit befinde ich mich auf der Fahrt im Weltenraum, auf der Fahrt -zum nahenden Kometen. Unterdessen muß alles getan werden, damit -sich das Volk beruhigt. Kein Mittel darf gescheut werden, um die Massen -glauben zu machen, daß das Verderben noch einmal an der Erde -vorübergehen wird. Mit äußerster Strenge muß man die Empörung -niederhalten, bis ich zurückkehre. Ist das Verderben unvermeidlich, nun -gut, dann wird es sich ja zeigen, ob in den letzten Tagen der Erde die -sinnlose Zerstörung Triumphe feiert. Bringe ich aber die Botschaft, daß -die Katastrophe vermieden wird, so wird wieder Ruhe eintreten, und -dann mag jener Mann, der soviel Unglück angerichtet hat, seine Strafe -empfangen. Jetzt ist diese Unterredung zu Ende.“ -</p> - -<p> -„Nein, noch nicht,“ rief der Herrscher, auf den die Erscheinung -des maskierten Mannes gewaltigen Eindruck gemacht hatte. „Noch -nicht. Kapitän Mors, wenn es Ihnen gelingen sollte, Klarheit über das -Bevorstehende zu schaffen, wenn Sie durch Ihr heldenmütiges Wagnis, -ja so muß ich es nennen, die Kunde bringen, daß der Tod an uns vorübergeht, -so können Sie alles fordern, was Sie wollen, jede Belohnung -und sei es auch die riesigste Summe.“ -</p> - -<p> -„Nicht einen Heller,“ erwiderte der Luftpirat. „Auch nicht ein -Dankeswort begehre ich. Was ich tue, geschieht im Interesse der -Menschheit. Wohl habe ich mich gewissermaßen von der Menschheit -zurückgezogen, aber ich hasse sie nicht. Ich will das arme Volk beschützen -und sein Los zu erleichtern suchen. Bringe ich die Kunde, daß die -Erde gerettet wird, nun wohl, so mögen die Regierungen der Kulturstaaten -eine ungeheure Summe unter die Armen verteilen. Das wäre für -mich die größte Belohnung.“ -</p> - -<p> -Der Herrscher war von diesem Edelsinn hingerissen. Er reichte -Kapitän Mors die Rechte. -</p> - -<p> -„Ich bin ja der Luftpirat,“ erwiderte der Maskierte bitter. -</p> - -<p> -„Nein, Sie sind ein edler Mann,“ rief der Herrscher, indem er die -Rechte des Maskierten faßte. „Früher habe ich Uebles von Ihnen geglaubt, -aber diese kurze Unterredung hat mich überzeugt, daß Sie ein -Mann sind, den man verleumdete. Kapitän Mors, wer Sie auch sein -mögen, vergessen Sie nicht, daß Sie in diesem Lande, wenn das Unglück -an der Erde vorübergeht, einen Mann finden, der Sie immer aufnehmen -wird, komme, was da wolle.“ -</p> - -<p> -Ein Händedruck folgte, der Luftpirat trat rasch zurück, er winkte -dem Herrscher und dem Prinzen zu. -</p> - -<p> -„Ich bringe die Botschaft,“ rief er, „ich fahre zum Kometen.“ -</p> - -<p> -Im nächsten Augenblick verschwand die stolze Gestalt des Mannes -im Gebüsch, während der Herrscher und der Prinz den Rückweg antraten. -</p> - -<p> -Einsam war es beim Pavillon, das Käuzchen schrie wieder, aber es -flog plötzlich erschreckt von dannen. -</p> - -<p> -Im Gebüsch raschelte es und da wurde etwas Schwarzes, Schattenhaftes -sichtbar. Der Kopf eines Mannes, der vorsichtig aus dem -Dickicht herausspähte. -</p> - -<p> -Es war ein schöner Kopf, aber die Augen besaßen etwas Fürchterliches. -Darinnen schien ein höllisches Feuer zu brennen. -</p> - -<p> -Bald darauf ballte der Versteckte die Faust und schüttelte sie nach -der Richtung hin, wo der Prinz und der Herrscher gegangen waren. -</p> - -<p> -„Geht, geht,“ klang es leise von den Lippen des Versteckten. „Ihr -habt wieder Hoffnung. Aber sie soll enttäuscht werden. Mag der Mann -mit der Maske seine Fahrt antreten, er wird nicht mehr zurückkommen, -denn dafür habe ich gesorgt. Der Mann mit der Maske, er ahnt es -nicht, was ihm droht. Der weiß nicht, daß ich schon früher an ihn -dachte. Ich kenne den Luftpiraten, ich wußte, was er tun würde. Deshalb -will ich seine Rückkehr unmöglich machen. Der Volksaufruhr muß -toben und alle Bande der Ordnung zerreißen. Und wenn dann die Soldaten -ihrer Pflicht abtrünnig werden, wenn alles drunter und drüber -geht, wenn man die Häuser der Vornehmen und Vermögenden plündert, -das Residenzschloß stürmt, dann werde ich zur Stelle sein. Dann -erreiche ich doch mein Ziel. Dann hole ich mir die Prinzessin, ich führe -sie mit mir fort nach meinem Schlupfwinkel, dem Herrscher zum Trotze. -Ich will mich rächen für die Stunde, in der man mich aus dem -Schloß wies, mir den Zutritt untersagte. Rache will ich nehmen, Rache! -In ohnmächtigem Zorn soll sich der Herrscher verzehren, wissen, daß -sich die Prinzessin in meiner Gewalt befindet. Die Wissenschaft, der ich -mich einst gewidmet, die wird das Werkzeug meiner Rache sein.“ -</p> - -<p> -Und wieder schüttelte der Mann die geballte Faust bald nach dem -Schlosse hin, bald nach der Mauer. Ein unheimliches Lachen klang von -seinen Lippen. -</p> - -<p> -Dann schlossen sich die Gebüsche, aber nach einiger Zeit hörte -man einen sonderbaren dumpfen Schall. Es klang so, als ob sich in dem -Park im dichtesten Gestrüpp eine schwere Falltür geschlossen hätte. -</p> - -<p class="tb"> - -</p> - -<p class="noindent"> -Auf welche Weise Mors in den Schloßpark gelangt war, wußte -niemand. Möglicherweise hatte er eine kleine Flugmaschine benutzt, die -er an Bord des Luftschiffes mitzunehmen pflegte. -</p> - -<p> -Jedenfalls befand sich der geheimnisvolle Mann noch vor Anbruch -des Tages auf dem riesigen lenkbaren Luftschiff, das sich auf der Stelle -in ungeheure Höhen erhob. Dann fuhr der Koloß mit äußerster Maschinenkraft -nach Osten. -</p> - -<p> -Kapitän Mors hatte an seinem lenkbaren Luftschiffe noch einige -Verbesserungen angebracht. -</p> - -<p> -Er war ja nie müßig, sondern stets beschäftigt, seine Wunderwerke -zu vervollkommnen. -</p> - -<p> -Somit konnte er dem lenkbaren Luftschiff eine erhöhte Geschwindigkeit -verleihen und die Maschinen wurden diesmal bis zum äußersten -in Anspruch genommen. -</p> - -<p> -Für längere Zeit wäre diese Schnelligkeit verderblich gewesen, aber -für einige Tage machte es dem Luftschiff nichts aus, obwohl das mächtige -Fahrzeug allenthalben zitterte und bebte. -</p> - -<p> -Mors mußte jede Stunde benutzen, und so schoß denn der Lenkbare -mit einer Schnelligkeit dahin, als ob er mit einem Adler wetteifern -wollte. -</p> - -<p> -Endlich erreichte er seine Insel, wo seine unerwartete schnelle -Rückkehr freilich wenig Befremden erregte. -</p> - -<p> -Die Zurückgebliebenen wußten, weshalb Kapitän Mors die Reise -angetreten, sie hatten unterdessen alles zur Auffahrt des Weltenfahrzeuges -vorbereitet. -</p> - -<p> -Mors verlor keine Zeit. -</p> - -<p> -Professor van Halen sollte ihn begleiten, ferner der Ingenieur Terror -und eine ausgesuchte indische Mannschaft. -</p> - -<p> -Terror und Star, die beiden Ingenieure des Luftpiraten, waren diesmal -auf der Insel zurückgeblieben und erstatteten Bericht. -</p> - -<p> -Sie gaben Kapitän Mors die Versicherung, daß sie das Weltenfahrzeug -auf das genaueste untersucht hätten und daß der Koloß sofort die -gefahrvolle Reise antreten könnte. -</p> - -<p> -„Und sonst ist nichts Besonderes vorgefallen?“ fragte Mors. „Sonst -hat sich nichts ereignet?“ -</p> - -<p> -„Nichts, gar nichts,“ erwiderten die Ingenieure. „Wir haben übrigens, -wie Ihr befohlen habt, Kapitän, die Leute auf der Insel aufs sorgfältigste -beobachtet. Wir vergaßen es nicht, daß Ihr sagtet, wir müßten -die neu angeworbenen Inder, die unsere Verluste ersetzen sollen, erst -kennen lernen. Es sind verschlossene Menschen dabei, die aber künftig -recht brauchbar werden können. Sie sind fleißig, geschickt und willig -und haben tüchtig bei der Arbeit am Weltenfahrzeug geholfen. Wollt -Ihr einige von der neuen Mannschaft mitnehmen?“ -</p> - -<p> -Mors schüttelte den Kopf. -</p> - -<p> -„Nur die alte Mannschaft,“ entgegnete er. „Ich will nicht, daß -unser Unternehmen durch irgend eine Störung gehemmt wird. Ich habe -manchmal mit neuer Mannschaft böse Erfahrungen gemacht, daher -verlasse ich mich auf meine alten Getreuen. Macht alles bereit, in zwölf -Stunden beginnt der Aufstieg.“ -</p> - -<p> -Die Inder drängten sich um Kapitän Mors, denn es wurde als Ehre -betrachtet, den Luftpiraten bei den geheimnisvollen Fahrten in den -Weltenraum begleiten zu dürfen. -</p> - -<p> -Mors empfing sie alle, die alten Getreuen und auch die Neuangeworbenen. -</p> - -<p> -Diese sollten die Verluste, welche der Tod in die Reihen der alten -Mannschaft gerissen, ersetzen. -</p> - -<p> -Es waren alles stattliche, sehnige Männer aus den indischen Gebirgsgegenden -und vor allen Dingen durch die ältere Mannschaft des -Luftpiraten empfohlen. -</p> - -<p> -Allerdings konnte man niemand ins Herz sehen, denn die Inder -waren verschlossene Menschen. Mors wollte deshalb auch die neu angeworbene -Mannschaft erst prüfen lassen. -</p> - -<p> -Wie ein Fürst saß er im Kreise der Männer, die sich mit gekreuzten -Beinen nach morgenländischer Art um ihn niedergelassen hatten -und aufmerksam den Worten des Geheimnisvollen lauschten. -</p> - -<p> -Sie erkundigten sich nach dem seltsamen Feuerstern, aber Mors -hütete sich, davon zu sprechen, daß der Komet mit der Erde zusammentreffen -würde. -</p> - -<p> -Dennoch schien es, als ob die Inder so etwas befürchteten, aber -nicht davon sprechen wollten. -</p> - -<p> -„Und wie lange wird die Fahrt nach dem Feuerstern dauern, -Herr?“ fragte einer der Neuangeworbenen, ein großer, etwas finster -dreinblickender indischer Gebirgsbewohner. -</p> - -<p> -„Am vierzehnten Tage der Fahrt werde ich dort eintreffen,“ erwiderte -der Luftpirat. -</p> - -<p> -„Wie ist das möglich, Herr?“ erwiderte der Mann. „Wie kann man -das so genau berechnen?“ -</p> - -<p> -„Dazu haben wir unsere Instrumente und unsere Geschwindigkeitsmesser,“ -erwiderte Mors, indem er auf Professor van Halen deutete. -„Seht den Mann dort, der irrt sich niemals.“ -</p> - -<p> -Der hochgewachsene Inder schwieg und sprach auch während der -weiteren Beratung kein Wort mehr. -</p> - -<p> -Als er aber aufstand und mit seinen Begleitern das Haus des Kapitäns -verließ, da schien es, als loderte unter den langen Wimpern des -Inders ein rätselhaftes Feuer, als ob diese dunklen Augen ganz eigenartig, -seltsam und unheimlich dreinblickten. -</p> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-3"> -<span class="firstline">3. Kapitel.</span><br /> -Die Fahrt nach dem Kometen. -</h2> - -<p class="first"> -Als Kapitän Mors auf seiner Insel ankam, war es fünf Uhr nachmittags -und um sechs Uhr am nächsten Morgen sollte der Aufstieg des Weltenfahrzeugs -erfolgen. -</p> - -<p> -Der Inder, der die Frage gestellt, begab sich nach den kleinen indischen -Hütten, die in einem Palmenwäldchen erbaut waren. -</p> - -<p> -Jeder der Männer besaß sein eigenes Häuschen. -</p> - -<p> -Kaum war der hochgewachsene Mann dort angelangt, da begann -er auch schon eine seltsame Tätigkeit zu entfalten. -</p> - -<p> -Er ging in das kleine Schlafgemach und versperrte zunächst die -Tür. Dann holte er aus seiner einfachen Lagerstätte ein Kästchen, welches -er mit größter Sorgfalt öffnete. -</p> - -<p> -In diesem metallenen Kästchen lag ein Instrument, welches einer -ungewöhnlich großen Taschenuhr ähnelte. -</p> - -<p> -„Das hat mir der fremde Sahib gegeben,“ murmelte der Inder. „Er -hat mir alles gesagt, alles gezeigt. Und er hat mir die größte Belohnung -versprochen. Mächtig und reich soll ich sein, eine schöne, üppige Fürstentochter -als Gattin heimführen können. Ich habe dem fremden Sahib -Treue geschworen und sogar meine Freiheit hingegeben. Hier auf diesem -Eiland bin ich ja gewissermaßen Gefangener. Aber ich weiß, daß -mich dieser mächtige Fremde, wenn ich alle seine Befehle erfülle, später -holen wird und mich zum glücklichen, reichen Manne macht. Das hat -er mir bei der mächtigen Göttin Kali geschworen.“ -</p> - -<p> -Nachdem der Mann das Kästchen auf den Tisch gestellt, begann -er eine neue Arbeit. -</p> - -<p> -Vorsichtig hob er einige Bambusrohre empor, welche Boden und -Wände der Hütte bildeten. -</p> - -<p> -Dann zog er wieder ein Päckchen hervor, welches aber etwas größer -als das erste war und ebenfalls aufs sorgfältigste verhüllt zu sein -schien. -</p> - -<p> -Es mußte sich etwas Seltsames darin befinden, denn der Inder -zeigte die größte Vorsicht. Er ging damit um, als ob es sich um das -zerbrechlichste Ding von der ganzen Welt handelte. -</p> - -<p> -Nun wartete er, bis es dunkel geworden war, und bis die getreuen -Anhänger des Kapitän Mors die Runde machten. -</p> - -<p> -Diese Männer sahen ja jeden Abend nach, ob sich die Inder in -ihren Hütten befanden, und als sie das Häuschen des Neuangeworbenen -betraten, lag dieser auf seiner einfachen Lagerstätte. -</p> - -<p> -Er schien fest zu schlafen, aber es war nur Schein. Er wachte und -stellte sich nur schlummernd. -</p> - -<p> -Um Mitternacht aber verließ er die Hütte. -</p> - -<p> -Vorsichtig lauschte er erst und überzeugte sich, daß alles ruhig -war. Hierauf schlich er geschmeidig wie eine Katze durch die Gebüsche. -</p> - -<p> -Die beiden Pakete hatte der Inder mitgenommen und trug sie in -ein Stück Zeug gewickelt auf dem Rücken. -</p> - -<p> -Immer schneller glitt der Mann dahin, bis er den Ort erreichte, wo -das Weltenfahrzeug in seiner Halle stand, der stolze „Meteor“, der in -den ersten Morgenstunden die Fahrt in den Weltenraum unternehmen -sollte. -</p> - -<p> -Wächter waren aufgestellt, aber der Inder verstand es, die beiden -Wachen zu täuschen. Er kletterte wie eine Katze durch die Dunkelheit -begünstigt an der Halle empor und schlüpfte durch ein Luftloch in das -Innere der Halle. -</p> - -<p> -Da hing der Metallriese in seinem Gerüst, aus dem er jeden Augenblick, -wenn das Dach geöffnet wurde, emporsteigen konnte. -</p> - -<p> -Der Inder aber glitt in die Halle hinab und kauerte sich am Vorderteil -des Weltenfahrzeuges nieder. (Man vergleiche hier den Plan des -Weltenfahrzeuges auf der Rückseite dieses Bandes.) -</p> - -<p> -Der unheimliche Mensch beschäftigte sich an der Vorrichtung, -welche das Genie des Kapitän Mors erfunden, nämlich an der vorderen -Einrichtung für die Luftzufuhr am Unterteil des Weltenfahrzeuges. -</p> - -<p> -Dort befand sich zwischen den Metallteilen und den Behältern für -flüssige Luft eine Oeffnung, eine Lücke, die gerade groß genug für das -zweite Päckchen war, welches der Inder auf dem Rücken trug. -</p> - -<p> -Mit äußerster Vorsicht schob er es hinein, er hielt sogar den Atem -an, es schien, als würde bei einer Unvorsichtigkeit eine Katastrophe -erfolgen. -</p> - -<p> -Als das geschehen war, öffnete der Inder das zweite Päckchen. Da -hörte man deutlich, wie er die große Uhr aufzog, die alsbald leise, kaum -vernehmbar zu ticken begann. -</p> - -<p> -„Vierzehn Tage hat er gesagt,“ sprach der Mann für sich. „Gut, ich -werde den Zeiger auf den fünfzehnten Tag stellen. Dann wird er noch -dort sein. Dann geschieht das, was der fremde Sahib von mir begehrte. -Niemand wird es merken, niemand wird Verdacht schöpfen. Jetzt noch -die Drähte.“ -</p> - -<p> -Der Inder setzte seine Manipulationen fort. -</p> - -<p> -Wäre es hell gewesen, so hätte man gesehen, wie dieser unheimliche -Mensch einige dünne Kupferdrähte hervorzog und diese auf sinnreiche -Weise mit der leise tickenden Uhr und dem geheimnisvollen Paket -verband. -</p> - -<p> -Auch hierbei ging er mit äußerster Vorsicht zu Werke und prüfte -dann nochmals aufs sorgfältigste den sonderbaren Apparat, welchen er -in die Lücke zwischen den Metallteilen hineingeschoben. -</p> - -<p> -„Es ist geglückt,“ murmelte der Mann befriedigt. „Der fremde -Sahib wird zufrieden sein. Niemand hat Argwohn geschöpft, und ich -werde von dem fremden Herrn, der bei Kali geschworen, meine Belohnung -empfangen.“ -</p> - -<p> -Ein paar Minuten später kletterte der Mann wieder aus der Halle -heraus. -</p> - -<p> -Die indischen Wächter besaßen scharfe Ohren, aber sie merkten -nichts Verdächtiges. Lautlos, wie er gekommen, schlüpfte der neuangeworbene -Inder von dannen. -</p> - -<p class="tb"> - -</p> - -<p class="noindent"> -Kurz vor sechs Uhr war alles zur Abfahrt bereit. Mors kam mit -Terror, van Halen und seiner getreuen alten Mannschaft, um das Fahrzeug -zu besteigen. -</p> - -<p> -Der Luftpirat warf noch einen prüfenden Blick auf den „Meteor“ -und seine Feueraugen musterten das gewaltige Fahrzeug. -</p> - -<p> -Auch die neuangeworbenen Inder waren mitgekommen, und der -Unheimliche, der in der Nacht die seltsame Arbeit verrichtet, schien -leise zu zittern. -</p> - -<p> -Wenn nun die scharfen Augen des Luftpiraten etwas Verdächtiges -bemerkten? -</p> - -<p> -Der Mann atmete tief auf, als Mors sich von dem Fahrzeug abwendete. -Er hatte nichts entdeckt, er gab das Zeichen, daß die Abfahrt -erfolgen sollte. -</p> - -<p> -Mors hatte mit den zurückbleibenden Getreuen gesprochen und -den beiden Ingenieuren Star und Herbert genaue Weisung gegeben. Die -beiden waren es auch, welche in alles eingeweiht wurden. -</p> - -<p> -Jetzt schwang sich Mors als letzter durch die eiserne Tür, die alsbald -luftdicht verschlossen wurde. -</p> - -<p> -Dann wurde das Zeichen gegeben, das bewegliche Dach der Halle -drehte sich, und majestätisch erhob sich der „Meteor“ in die Lüfte. -</p> - -<p> -Der Riesenmagnet drehte sich langsam der Erde zu, immer schneller -wurde die Bewegung des Giganten. Im Nu verschwand er in den -Wolken, das Weltenfahrzeug befand sich auf der Fahrt nach dem Feuerstern. -</p> - -<p class="tb"> - -</p> - -<p class="noindent"> -Mors hatte gleich von Anfang an die größte Geschwindigkeit eingeschaltet. -</p> - -<p> -Der Magnet war genau der Erde zugekehrt, so daß der „Meteor“ -blitzartig durch den Weltenraum jagte. -</p> - -<p> -Die Luftzone der Erde war im Nu durchflogen. Der Himmel -nahm eine dunkelblaue Färbung an, bis er zuletzt schwarz wurde. -</p> - -<p> -Man sah die Sonne, aber auch die Sterne, man sah den riesigen -Kometen, der seinen verhängnisvollen Pfad zur Erde verfolgte. -</p> - -<p> -Mors begab sich nach dem Beobachtungsraum. -</p> - -<p> -Dort saß der Professor am großen Fernrohr und betrachtete aufmerksam -den merkwürdigen Himmelswanderer. -</p> - -<p> -„Nun, wie steht es, Professor?“ fragte Mors. „Sie haben seit der -letzten Beobachtung, die wir im Weltenraum veranstalteten, Zeit genug -gehabt. Wie ist es mit Ihren Berechnungen? Ferner möchte ich wissen, -ob Sie etwas Neues an dem Feuerstern entdeckten?“ -</p> - -<p> -Van Halen war aufgesprungen. -</p> - -<p> -„Ich habe mich in meinen Beobachtungen nicht getäuscht,“ erwiderte -er mit fester Stimme. „Schon damals erschien mir der Komet als -ein höchst merkwürdiges Gebilde. Jetzt, wo er der Erde näher gerückt -ist, sehe ich deutlich, was ich damals nur vermutete.“ -</p> - -<p> -„Und von dieser Vermutung haben Sie nicht gesprochen, bester -van Halen,“ meinte der Luftpirat. „Sie sagten damals, Sie seien Ihrer -Sache nicht sicher genug, und ich wollte nicht in Sie dringen. Aber jetzt -wiederhole ich meine Frage.“ -</p> - -<p> -Der Astronom deutete mit der Rechten nach dem flammenden -Kometen. -</p> - -<p> -„Es ist ein merkwürdiges Gebilde,“ erwiderte er, jedes Wort betonend. -„Ein Himmelskörper, wie ihn die Beobachter vielleicht noch nie -gesehen haben. Und wenn dies jemals in der Geschichte der Welt geschah, -so haben die Astronomen die Natur jenes Himmelskörpers nicht -erkannt. Aber wie kann ich nur immer von einem Körper sprechen. In -Wirklichkeit sind es deren zwei, und sie nähern sich der Erde, das ist -nicht zu leugnen.“ -</p> - -<p> -„Was, zwei?“ rief Mors erstaunt. -</p> - -<p> -„Ja, zwei Kometen,“ erwiderte der Professor mit Nachdruck. „Es -ist in der Tat eine seltsame Erscheinung. Von der Erde aus kann man -dies nicht erkennen, weil sich die beiden Kometen in einer Linie nähern, -so daß der eine immer den andern deckt. Auch mag der feurige -Glanz die Beobachtung erschweren. Genug, die Sache ist folgendermaßen: -Einer dieser Kometen besteht aus einem dunklen, massigen Körper, -der gar kein Licht verbreitet. In einiger Entfernung von ihm folgt dann -die eigentliche feurige Gasmasse.“ -</p> - -<p> -Mors zweifelte keinen Augenblick daran, daß van Halen richtig -beobachtet hatte. -</p> - -<p> -„Und was geschieht, wenn die beiden Körper mit der Erde zusammentreffen?“ -fragte er. -</p> - -<p> -„Das Schlimmste,“ erwiderte van Halen mit eisiger Ruhe. „Der -feste, massige dunkle Körper wird mit entsetzlicher Gewalt die Erde -treffen und natürlich eine grauenvolle Katastrophe hervorrufen. Dann -folgt der zweite Komet, die feurige Gasmasse, welche die Luft der Erde, -vor allen Dingen den zum Leben unbedingt notwendigen Sauerstoff -aufsaugt. Sollte dann von der ersten Katastrophe noch Leben übrig sein, -wird dasselbe nach der zweiten Katastrophe sicher verlöschen.“ -</p> - -<p> -Mors blieb ganz ruhig. -</p> - -<p> -„Und wird der Zusammenstoß unabwendbar sein?“ fragte der -Luftpirat. -</p> - -<p> -„Das kann ich erst sehen, wenn wir oben anlangen,“ erwiderte der -Professor. „Ich muß erst wissen, wie die Wechselwirkungen sind, in der -diese Körper zueinander stehen. Und da sage ich, daß noch eine leise -Hoffnung übrig ist, eine geringe Hoffnung, daß das Unheil noch einmal -an der Erde vorübergeht. Aber das wird sich da unten auf der Erde entscheiden.“ -</p> - -<p> -„Es ist ganz so, wie ich mir gedacht,“ erwiderte Mors. „Damit -habe ich von Anfang an gerechnet. Also wollen wir so schnell wie möglich -den Kometen zu erreichen suchen. Und das wird am vierzehnten -Tage unserer Fahrt geschehen. Vorwärts!“ -</p> - -<p> -Das war das einzige Gespräch, welches die beiden Männer über die -Zukunft führten. Von diesem Zeitpunkte an redeten sie nicht mehr über -das bevorstehende Geschick, sondern widmeten sich einzig und allein -ihren Arbeiten. -</p> - -<p> -Mors befand sich meist im Lenkraum, während der Professor bei -seinen geliebten Instrumenten verweilte. -</p> - -<p> -Die Fahrt selbst ging schnell und ohne Hindernis vor sich. Man -kam dem rätselhaften Weltenkörper von Tag zu Tag näher. -</p> - -<p> -Immer furchtbarer, immer drohender war der Anblick dieses Doppelkometen. -Er schien allmählich einen großen Teil des Firmamentes zu -bedecken. -</p> - -<p> -Ein jeder andere hätte sich besonnen, die Fahrt fortzusetzen, denn -man wußte ja gar nicht, welche Gefahren in der Nähe der Kometen -drohten. -</p> - -<p> -Aber Mors war nicht der Mann, der sein Unternehmen aufgab. Er -setzte seine Reise fort. Mit unverminderter Geschwindigkeit sauste der -„Meteor“ durch den Weltenraum dahin und näherte sich immer mehr -und mehr den Riesen-Kometen, diesen schwebenden Vernichtern, die -von der entgegengesetzten Seite kommend, gleichfalls mit großer Geschwindigkeit -der Erdenbahn zustrebten. -</p> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-4"> -<span class="firstline">4. Kapitel.</span><br /> -Die Katastrophe. -</h2> - -<p class="first"> -Tag um Tag verging, Nacht um Nacht, wenn man hier im Weltenraum -überhaupt von Tag und Nacht sprechen konnte. -</p> - -<p> -Der Professor hatte übrigens recht, denn eine dunkle Masse flog -dem eigentlichen Feuerkometen voran, ein Weltenkörper, den sogar -nach den Berechnungen und Beobachtungen des Astronomen eine Lufthülle -umgab. -</p> - -<p> -Es war dies ein neues Geheimnis der unerschöpflichen Natur, und -der Professor erging sich in allerhand Vermutungen. -</p> - -<p> -Er sprach davon, daß die Kometen möglicherweise die Welten der -Zukunft sein müßten, und daß sich nach der Vernichtung der Planetenwelten -ein neues Leben auf diesen Himmelswanderern entwickeln könnte. -</p> - -<p> -Das waren allerdings nur Hypothesen, aber sie hatten viel Wahrscheinlichkeit -für sich, war doch Professor van Halen einer der geistvollsten -aller Gelehrten. -</p> - -<p> -Die Zeit verging, es kam der zwölfte Tag, der dreizehnte, der vierzehnte. -</p> - -<p> -Die Beobachtungen waren genau, der „Meteor“ näherte sich dem -dunklen Weltenkörper. -</p> - -<p> -„Wir können unbesorgt landen,“ sprach der Professor am Mittag -des vierzehnten Tages. „Nach meinen Beobachtungen ist die Luft, die -diesen dunklen Körper umgibt, zu atmen. Es scheint sich sogar Wasser -auf ihm zu befinden, da ich Spuren von Wasserdampf entdeckte. Vor -dem zweiten, dem eigentlichen Kometen sind wir vorerst sicher, denn -dieser ist von dem dunklen Weltkörper wenigstens tausend Meilen entfernt. -Das hat man von der Erde aus nicht bemerkt, weil die beiden -Himmelskörper hintereinander standen.“ -</p> - -<p> -Mors stimmte dem Professor zu. -</p> - -<p> -Eine Landung war nötig, denn van Halen behauptete, daß man -nur bei einer Landung Gewißheit über das Schicksal der Erde erlangen -könnte. -</p> - -<p> -Er gab jetzt den Befehl, die Geschwindigkeit des „Meteor“ zu mäßigen, -und nach wenigen Stunden schwebte das riesige Fahrzeug bereits -in der Luftschicht des neuen Weltkörpers. -</p> - -<p> -Der Anblick desselben war allerdings trostlos. -</p> - -<p> -Er mochte halb so groß sein wie der Mond und schien ganz aus -einer ungeheuren Steinmasse zu bestehen. -</p> - -<p> -Hier und da gewahrte man freilich Spuren von Wasser, auch sah -man einige Sandwüsten, aber der größte Teil dieser neuen Welt -war Stein, rauhe wilde Felsen, denen -jede Vegetation zu mangeln schien. Allerdings mochten Moose und -Flechten hier und da diese starren Felsen bedecken, aber das ganze war -doch ein Bild des Todes. -</p> - -<p> -Das war also auch ein Komet, und der Professor meinte, daß dieser -Weltkörper der sogenannte Kern eines ehemaligen gigantischen Kometen -gewesen sei, und daß also gewissermaßen eine Trennung zwischen -der Feuergashülle und dem Kern stattgefunden hätte. Solche Teilung -von Kometen war schon in früheren Jahrzehnten beobachtet worden. -</p> - -<p> -Mors schöpfte aus diesen Mitteilungen neue Hoffnung für das -Schicksal der Erde. Vielleicht fand durch diese Teilung eine Umwälzung -statt, so daß die Vernichter die Erdenbahn früher oder später durchkreuzten. -Van Halen zuckte freilich die Achseln und meinte, es sei noch -immer wenig Hoffnung vorhanden, die Entscheidung konnte also erst -nach der Landung fallen. -</p> - -<p> -Wenige Stunden später berührte der „Meteor“ einen von Mors -mittels des Fernglases ausgesuchten Landeplatz. Es war noch die am -meisten ansprechende Gegend dieser neuen Welt, nämlich eine kleine -Sandwüste. Zur Linken und zur Rechten sah man die Klippen emporsteigen, -die weiterhin ein wahres Felsenlabyrinth bildeten. -</p> - -<p> -Alles ging nach Wunsch. Der „Meteor“ berührte sanft den Boden -der neuen Welt, und die Luft erwies sich, wenn auch dünn und etwas -absonderlich wirkend, doch immerhin als zum Atmen geeignet. Natürlich -war diese Luft sehr klar, weil das Wasser beinahe ganz fehlte, jedoch -war das Aussehen dieses Luftmeeres höchst unheimlich. Hier war nichts -von jenem schönen Blau zu sehen, welches der irdischen Luft an schönen -Tagen ein so unbeschreiblich reizvolles Aussehen verleiht. Dafür -sorgte schon die Feuermasse des zweiten Kometen. Der gab eine -schreckliche Beleuchtung, und es schien, als ob die Luft hier glühte. Sie -war bald dunkelrot, bald violett, bald schwefelgelb gefärbt, so daß man -meinte, sich in der Hölle zu befinden. -</p> - -<p> -Kapitän Mors’ Gefährten aber betrachteten diese Naturwunder -ohne Schrecken. Sie waren schon durch ihre vielen Fahrten mit dem -Luftpiraten an die seltsamsten Dinge gewöhnt, nichts in der Welt konnte -ihr Vertrauen für ihren geliebten Gebieter erschüttern. -</p> - -<p> -Der Professor überzeugte sich zunächst, daß die Luft geatmet werden -konnte, und ließ dann eiligst seine Beobachtungsinstrumente auf -ein paar nahe Felsen schaffen. -</p> - -<p> -Es war dies nötig, weil der Metallkörper des Fahrzeugs oftmals -störte, namentlich bei magnetischen Messungen. -</p> - -<p> -„Nun muß es sich ja bald entscheiden,“ sprach der Professor, ehe -er sich nach seinem neu eingerichteten Observatorium begab. „In vierundzwanzig -Stunden kann ich sagen, ob die Erde erhalten bleibt oder -nicht, dann wird die Entscheidung fallen.“ -</p> - -<p> -Van Halen nahm ein paar Inder mit, die er in der Handhabung der -Instrumente unterwiesen hatte. Die übrigen blieben beim Weltenfahrzeug. -</p> - -<p> -Wieder vergingen die Stunden. Mors ahnte nicht, daß da vorn an -dem Apparat zur Luftzufuhr ein seltsames Uhrwerk tickte, daß diese -Uhr unablässig ihren Lauf fortsetzte. Stunde auf Stunde verging, und -jetzt war der fünfzehnte Tag zu Ende. -</p> - -<p> -Mors befand sich gerade mit Terror im Lenkraum, als er plötzlich -zu Boden stürzte. -</p> - -<p> -Auch Terror lag im selben Moment auf dem Boden, während das -Weltenfahrzeug von einer ungeheuren Gewalt emporgehoben wurde. Es -schien gerade, als hätte ein Riese das Fahrzeug gepackt und mit einem -Ruck in die Höhe geschleudert. Dann schwankte es zweimal hin und -her und zu gleicher Zeit hörte man ein dumpfes, unheilverkündendes -Prasseln. Im Nu erhob sich der Luftpirat vom Boden. Er hörte die Inder -vorn schreien, er vernahm, wie sie nach ihm riefen, wie sie seinen Namen -nannten. -</p> - -<p> -„Rasch, rasch, Terror,“ schrie er seinem halbbetäubten Gefährten -zu. „Hinaus, da ist ein Unglück geschehen.“ -</p> - -<p> -Die beiden Männer stürzten durch die Räume nach der Ausgangstür, -ihnen folgten die Inder, welche durch den furchtbaren Stoß in alle -Ecken geschleudert worden waren. -</p> - -<p> -Mors war der erste, der das Freie erreichte und an dem Metallkörper -des gigantischen Fahrzeuges entlanglief. Er eilte nach dem Vorderteil -des „Meteor“, denn von dort war der Stoß gekommen. Mors stieß einen -leisen Schrei aus, als er die Spitze des Fahrzeugs sehen konnte. Ja, ein -Unglück war geschehen. Dort klaffte eine furchtbare Bresche. -</p> - -<p> -„Eine Explosion,“ schrieen die Inder. „Die flüssige Luft hat ihre -Behälter zertrümmert!“ -</p> - -<p> -„Nein,“ erwiderte Mors mit Stentorstimme. „Da ist etwas anderes -geschehen. Diese Bresche kann nur ein moderner Sprengstoff geschlagen -haben. Das ist kein Unfall, der aus der Konstruktion des Fahrzeuges -herrührt. Nein, nein, hier ist Verrat im Spiele. Das Fahrzeug ist absichtlich -beschädigt worden.“ -</p> - -<p> -Der „Meteor“ sah aus, als ob ihn ein Torpedo getroffen hätte. Die -metallenen Platten, aus denen der Außenrumpf bestand, waren im Vorderteil -zersprengt und ein gewaltiges Loch in den Rumpf des Weltenfahrzeuges -geschlagen worden. -</p> - -<p> -Mors heftete jetzt seine Augen auf die Inder. -</p> - -<p> -„Das ist eine Höllenmaschine,“ klang seine Stimme. „Ich wiederhole -es, der durchdringende Dunst, den wir alle spüren, rührt von einem -Sprengstoff her. Es ist schmählicher Verrat. Diese Katastrophe ist -mit Absicht herbeigeführt worden.“ -</p> - -<p> -Vor ihm standen die Inder. Die treuen Männer kreuzten die Arme -über der Brust und erwiderten fest und sicher den furchtbaren Blick -ihres Gebieters. Die Prüfung dauerte mehrere Minuten, dann hob Mors -seine Rechte. -</p> - -<p> -„Ihr habt ein reines Gewissen,“ sprach der Luftpirat. „Ihr habt -jenen Frevel nicht begangen. Ich weiß nicht, wer es getan hat. Aber ich -wiederhole nochmals, es war Absicht, es war auf die Zerstörung des -„Meteor“ abgesehen. Befanden wir uns noch im Weltraum, als die Explosion -stattfand, so waren wir verloren. Jetzt gilt es, die Beschädigungen -so rasch als möglich auszubessern. Nach der Rückkehr auf unsere Insel -werde ich den Täter ermitteln. Vorwärts, Leute, wir haben alle Materialien -zur Ausbesserung des Schadens an Bord. Die Zerstörung ist geschehen, -aber wir werden das Leck wieder schließen. An die Arbeit, ich werde -Euch helfen!“ -</p> - -<p> -Der Professor war mit seinen beiden Gehilfen von den Felsen herabgekommen -und betrachtete das Geschehene. -</p> - -<p> -Seine beiden Leute kamen bei dem heimtückischen Anschlag nicht -in Betracht, denn sie gehörten zu Mors’ getreuesten und ältesten Veteranen. -</p> - -<p> -Es war auch gar keine Zeit, müßigen Vermutungen nachzuhängen, -eine Bemerkung des Professors zeigte Mors, daß jetzt Gefahr auch noch -von anderer Seite drohte. -</p> - -<p> -„Kapitän,“ sprach der Professor mit gedämpfter Stimme, als die -Inder durch die klaffende Oeffnung in das Innere des Fahrzeugs hineinstiegen. -„Kapitän, ich habe eine seltsame Beobachtung gemacht. Diesmal -droht uns Gefahr, und es ist sehr bedauerlich, ja höchst bedenklich, -daß die Katastrophe stattfand. Ich kann es nicht verhehlen, daß wir uns -in der furchtbarsten Lage befinden.“ -</p> - -<p> -Mors sah ihn fragend an. -</p> - -<p> -„Der erste Komet, auf dem wir uns befinden, hat seinen Lauf verlangsamt,“ -fuhr der Professor fort. „Der Feuerkomet aber kommt rasch -heran. Die beiden Kometen haben sich geteilt, scheinen sich aber wieder -miteinander verbinden zu wollen. Geschieht dies, während der Zeit, -wo wir noch hier liegen und den Schaden verbessern, dann sind wir -verloren.“ -</p> - -<p> -„Ich dachte es mir,“ antwortete der Luftpirat. „Jetzt wollen wir -sehen, wer das Spiel gewinnt. Der Schaden wird ausgebessert. Sie, Herr -Professor, können Ihre Beobachtungen fortsetzen. Unterdessen werden -wir hier unten mit Ablösung fortwährend arbeiten, damit wir diesen -Kometen vor dem drohenden Zusammenstoß verlassen können.“ -</p> - -<p> -Der Professor warf einen prüfenden Blick auf die klaffende Oeffnung. -Offenbar zweifelte er daran, daß dieser fürchterliche Schaden so -schnell beseitigt werden könnte und fürchtete das Schlimmste. Er sagte -aber kein Wort, sondern begab sich wieder zu den Instrumenten. -</p> - -<p> -Die Inder und Terror brachten allerhand Werkzeuge und Gerätschaften -aus dem „Meteor“, Reserveplatten und Panzerrippen, da man -von all diesen Dingen für unvorhergesehene Fälle Vorrat mitführte. -Mors war der erste, der mit Hand anlegte. Es war ganz zweifellos, daß -man sich, um das große Leck zu verstopfen und so schnell als möglich -fertig zu werden, größter Eile befleißigen mußte. Die Reparatur war nur -ein Notbehelf, aber immerhin konnte er genügen, den „Meteor“ zur -Erde zurückzuführen. -</p> - -<p> -Man mußte, um an das durch den Sprengstoff geschlagene Leck -heranzukommen, die Apparate, welche zur Lufterneuerung dienten, -abnehmen. Und hierbei war es Mors, der die Spuren des Verbrechens -entdeckte. Er bückte sich plötzlich und hob etwas von der Erde empor. -Dieses Ding war freilich durch die Explosion halb zerschmettert, aber -man sah noch deutlich die Ueberreste einer großen Metallkapsel, eine -Art Zifferblatt und darauf ein paar zerstörte Zeiger. -</p> - -<p> -„Der letzte Zweifel ist geschwunden,“ sprach Mors zu seinen Leuten. -„Hier seht Ihr es, es war eine Höllenmaschine. Diese Uhr war jedenfalls -reguliert, um den Sprengstoff zu einer ganz bestimmten Zeit -zur Explosion zu bringen. Ha,“ rief er plötzlich. „Jetzt weiß ich es. Jetzt -kenne ich den Täter!“ -</p> - -<p> -Terror und die Inder sahen den Luftpiraten fragend an. -</p> - -<p> -„Ja, ich kenne ihn,“ sprach Mors finster. „Jetzt entsinne ich mich, -daß einer der neuangeworbenen Inder kurz vor der Abreise fragte, wie -lange es dauern würde, bis wir den Kometen erreichen. Ich gab dem -Mann auch ahnungslos Antwort, denn ich hielt diese Frage für bloße -Neugierde. Jetzt weiß ich es besser. Der Mann wollte wissen, wann die -Höllenmaschine tätig sein sollte. Er hat das Uhrwerk auf den fünfzehnten -Tag gestellt. Da seht, dieser zerstörte Zeiger deutet noch auf die Zahl -fünfzehn. Dieser neuangeworbene Inder ist ein Verräter und ein Verbrecher! -Der ist von meinen Feinden gewonnen worden!“ -</p> - -<p> -Die anderen Inder stießen drohende Rufe aus und gelobten fürchterliche -Vergeltung. -</p> - -<p> -Von neuem wurde gearbeitet. Mors war der erste an der Spitze. Er -legte selbst die schweren Panzerplatten auf das Leck, während die Inder -die Bolzen durch die Verbindungsstücke hindurchtrieben und Terror -alle Lücken auf das sorgfältigste verlötete. Ueber den Arbeitenden aber -stand drohend der Feuerkomet, der sich mit unbegreiflicher Geschwindigkeit -dem dunklen Kometen zu nähern schien. -</p> - -<p> -Unablässig nahm er an Größe zu, die Luft schien zu glühen, die -dunkle Röte, welche das Firmament erfüllte, gab die Beleuchtung zu der -Arbeit, die mit ungeschwächten Kräften zu der Wiederherstellung des -schwerverletzten „Meteor“ fortgesetzt wurde. -</p> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-5"> -<span class="firstline">5. Kapitel.</span><br /> -Der Zusammenstoß. -</h2> - -<p class="first"> -Wieder waren sechsunddreißig Stunden verflossen. -</p> - -<p> -Wer den Schaden, den die Höllenmaschine hervorgerufen, betrachtete, -hätte gedacht, daß die Besatzung des Weltenfahrzeugs die Hände -in den Schoß gelegt haben müsse. Noch immer klaffte das furchtbare -Leck, aber das war nur Schein. Mors hatte bereits alle Panzerplatten, die -zur Schließung der Oeffnung dienten, zugerichtet. Die Rippen waren -schon befestigt, und so brauchten die Inder die Panzerplatten nur aufzulegen. -Dann wurde der „Meteor“ in den Stand gesetzt, wieder in das -Weltall emporzusteigen und dem drohenden Zusammenstoß der beiden -Kometen zu entrinnen. Von dem Observatorium kam zuweilen eine -Botschaft des Professors. Dieser beobachtete den nahenden Kometen, -und die Botschaften mahnten zur höchsten Eile. Sie wurden Mors insgeheim -überbracht, damit sich die Inder nicht etwa durch die drohende -Gefahr entmutigen ließen. Die Leute ahnten aber wohl, was ihnen bevorstand, -auch sahen sie mit ihren eigenen Augen den feurigen Riesen -herannahen. Sie gönnten sich kaum die nötigste Ruhe, sie verzehrten -ihre Mahlzeit, während sie arbeiteten, sie taten das äußerste, was sie nur -vermochten. -</p> - -<p> -Die Luft sah geradezu unheimlich aus. Es schien, als ob man sich -in einem Glutmeer befände. Immer dunkler wurde dieser rote Schein, so -daß man zuletzt das Gefühl hatte, in einem feurigen Ofen zu stehen. -</p> - -<p> -Mors sprach seinen Leuten unablässig Mut zu, aber er sah, daß die -Männer oftmals nach dem Feuerkometen emporblickten. Dort schien -eine unheimliche Kraft tätig zu sein, es sah manchmal so aus, als ob -sich der Komet drehte und wendete, oftmals glich er einem feurigen -Drachen. -</p> - -<p> -Als die Inder gerade beschäftigt waren, die Panzerplatten auf dem -Leck zu befestigen, hörte man hoch droben ein furchtbares Brausen -und Zischen. Der Metallkörper des Weltenfahrzeuges verdeckte die Aussicht -auf den Kometen, Mors sprang rasch zu einem naheliegenden -Felsen. Der Anblick, der sich ihm bot, war geradezu unheimlich. Der -große Feuerkomet schien sich gedreht zu haben, er glich einer riesigen -Flamme, die sich langsam auf den weiten dunklen Kometen herabsenkte. -</p> - -<p> -Einige Inder, die gerade ihre Ruhepause hatten, kamen entsetzt auf -die obere Brüstung gestürmt, auch der treue Terror zeigte sich auf der -Galerie und betrachtete mit einem Fernglase den ungeheuren Kometen. -Zwei der arbeitenden Inder stürzten zu Mors, der wie eine Bildsäule auf -dem Felsen stand. -</p> - -<p> -„Der Zusammenstoß erfolgt,“ schrieen sie entsetzt, „der Komet -wird unser Fahrzeug in Atome zermalmen!“ -</p> - -<p> -„An die Arbeit,“ tönte die Stimme des Luftpiraten. „Ich komme -gleich hinunter.“ -</p> - -<p> -Und wieder gehorchten die Inder dem Manne, der solchen -Einfluß ausübte. Sie kehrten an ihre Arbeit zurück. Man hörte das -Hämmern und Klopfen. -</p> - -<p> -Mors sah übrigens, daß die Inder recht hatten, so daß sich sein -„Meteor“ in einer geradezu verzweifelten Lage befand. Bei dem Zusammenstoß -der beiden Kometen würde er sicherlich vernichtet werden. -</p> - -<p> -Der Maskierte eilte zum Leck und griff mit Riesenkräften nach -einer Panzerplatte. -</p> - -<p> -Sie war schon genau hergerichtet und schloß die größte Lücke. -Die Bolzen wurden befestigt, das glühende Lötblei gegossen. -</p> - -<p> -„Keiner darf mehr nach oben sehen,“ befahl Mors. „Kümmert -Euch nicht darum, was dort geschieht. Denkt nur an unsere Rettung. -Wir müssen von diesem Weltenkörper hinweg, koste es, was es wolle.“ -</p> - -<p> -Die Inder gehorchten. -</p> - -<p> -Da konnte man erst sehen, was es für Leute waren, Männer, denen -der Gehorsam gewissermaßen in Fleisch und Blut übergegangen war. -</p> - -<p> -Tausend andere hätten jetzt in der Arbeit innegehalten und wären -zitternd und bebend in das Innere des „Meteor“ geflüchtet, um dort rat- -und tatlos das Ende zu erwarten. -</p> - -<p> -Schrecklich war der Lärm, der sich jetzt erhob. Es heulte, brüllte -und zischte in den Lüften, als ob Tausende von Dämonen herabkämen. -</p> - -<p> -Das Nahen der feurigen Gasmasse machte sich bemerkbar. Mit -ungeheuerlicher Geschwindigkeit sauste dieselbe auf den zweiten Kometen -zu. Der Anprall mußte entsetzlich werden. -</p> - -<p> -Mors hatte schon vorher eine Botschaft an den Professor geschickt. -</p> - -<p> -Dieser gab seine Leute, die ihm bis dahin geholfen hatten, dem -Luftpiraten, während er selbst die schweren, astronomischen Instrumente -nach dem „Meteor“ schleppte. -</p> - -<p> -Die Inder sahen das, meinten aber, es wäre vergebliche Arbeit, sie -glaubten nicht, daß nur ein einziger von ihnen mit dem Leben davonkommen -könnte. -</p> - -<p> -Dennoch arbeiteten sie mit Feuereifer, mit wildem Ungestüm, sie -verloren keinen Augenblick Zeit, sondern dachten nur an ihre Arbeit. -</p> - -<p> -Mitten durch den gräßlichen Tumult, der in den Lüften tobte, -hörte man die Stimme des Luftpiraten, befehlend, ermahnend, während -er selbst überall Hand mit anlegte. -</p> - -<p> -Unablässig wurden die Panzerplatten über das klaffende Leck geschoben, -wobei es sich zeigte, daß die Vorarbeiten nicht umsonst getroffen -worden waren. -</p> - -<p> -Die Panzerplatten griffen ineinander und hielten fest, Bolzen wurden -zur Befestigung eingeschlagen und dann breite metallene Bänder -aufgelötet. -</p> - -<p> -Jetzt dachte niemand mehr an Essen und Trinken, die Inder verlangten -nicht einmal einen Schluck Wasser. -</p> - -<p> -Sie bissen die Zähne zusammen und ertrugen alles, sie hielten aus, -obwohl die Luft allmählich heiß, ja glühend zu werden schien. -</p> - -<p> -Man arbeitete wie in der Hölle, die Leute benutzten die kurzen -Pausen während ihrer Tätigkeit dazu, um sich die Gewänder abzureißen. -Sie arbeiteten fast nackt. Auch der Professor half, soviel er nur vermochte. -</p> - -<p> -Eben trat van Halen wieder an die Seite des Luftpiraten. -</p> - -<p> -„Es eilt, Kapitän, es eilt,“ sprach er kurz, aber dringlich. „Der Komet -kommt herab, die beiden Teile des Weltenkörpers suchen sich wieder -zu vereinen. Die gasförmige glühende Hülle wird von neuem den -Kern umschließen. Und bei dieser Gelegenheit müssen wir zu Atomen -zermalmt werden.“ -</p> - -<p> -„Das mag sein,“ erwiderte Mors. „Sie, Professor, fürchten ja den -Tod so wenig wie ich. Vorläufig denke ich noch nicht daran, mich in -das Unvermeidliche zu ergeben. Ich kämpfe bis zum letzten Augenblick -und mit mir die Inder. Vorwärts, Leute, vorwärts, Terror! Es handelt -sich um Leben und Sterben!“ -</p> - -<p> -Mors brauchte die Weisung nicht zu wiederholen. Die Leute arbeiteten -mit größter Eile, schweißtriefend griffen sie zu, unterstützten sich -und dichteten das gewaltige Leck, ohne auf die Umgebung zu achten. -</p> - -<p> -Von oben senkte sich das furchtbare Ungetüm herab. -</p> - -<p> -Der Komet glich einem feurigen Riesenmantel, der alles, was er -erfaßte, mit Vernichtung bedrohte. Schrecklich, grauenvoll sah es aus, -wie das Ungetüm näher und näher kam. Kein Zweifel, nun mußte die -Katastrophe erfolgen. -</p> - -<p> -„Haltet aus, Leute,“ schallte die Stimme des Kapitäns durch den -Höllenlärm der Naturgewalten. „Ich will zur Erde zurück, ich will einem -Schurken die Larve vom Gesicht reißen. Zeigt, was Ihr könnt. Ihr seid -meine Leute, die weder Tod noch Teufel fürchten. Rasch, rasch, es gilt -die letzte Lücke zu schließen.“ -</p> - -<p> -Das Metall dröhnte unter den Schlägen der Hämmer. Das glühende -Blei zischte auf den Fugen und verschloß jede Ritze. Mors war allenthalben -der erste, ihm entging nichts, er sah die kleinste Oeffnung, und -sofort wurde diese verschlossen, mit Blei überschmolzen. -</p> - -<p> -Das Getöse in den Lüften war jetzt geradezu fürchterlich, aber die -Stimme des Luftpiraten war selbst durch diesen grausigen Tumult vernehmbar. -</p> - -<p> -„In den „Meteor“, Leute,“ klang es, „rasch hinein. Das Leck im -Metallrumpf ist verstopft. Hinein! Terror und ich, wir werden den Luftzufuhrapparat -in Ordnung bringen.“ -</p> - -<p> -Die Inder gehorchten. Es war auch die höchste Zeit. Die Hitze war -bereits erstickend geworden. Alles in der Runde schien zu glühen. -</p> - -<p> -Mühsam erhielten sich die Braven auf den Füßen und schleppten -den Professor mit sich, der zusammenzubrechen drohte. -</p> - -<p> -Mors und Terror blieben noch zurück und schoben mit ganzer -Kraft den Luftregelungsapparat in die dazu bestimmten Höhlungen und -Rinnen. -</p> - -<p> -Noch einmal tönten Hammerschläge, während Terror die Schrauben -zuzog. Der brave Ingenieur war dem Ersticken nahe. -</p> - -<p> -Jetzt war die letzte Arbeit getan. Mors faßte seinen treuen Gefährten -und zog ihn mit Riesenkraft nach dem Weltenfahrzeug. In wenigen -Augenblicken hatte sich die Doppeltür hinter den zwei Männern geschlossen. -</p> - -<p> -Hier drinnen war es gewiß nicht kühl, aber den Männern kam es -vor, als ob sie plötzlich in einen Eiskeller geraten wären. -</p> - -<p> -Diese Luft belebte sie wie durch einen Zauber. Die Erschöpften, -Halberstickten fühlten neue Kraft. Mors und Terror eilten nach dem -Lenkraum. -</p> - -<p> -Es war die höchste Zeit, kaum eine halbe Stunde später, und der -„Meteor“ wäre vernichtet worden. -</p> - -<p> -Auch jetzt entging das Weltenfahrzeug nur mit knapper Not dem -Verderben, indem es gerade noch im letzten Moment durch den Zwischenraum, -der sich noch zwischen den beiden Kometen befand, hindurchsauste. -</p> - -<p> -Grauenvoll war der Anblick, alles schien in Feuer getaucht zu sein. -Die furchtbare Schnelligkeit des Weltenfahrzeuges aber rettete den Koloß, -der jetzt in den luftleeren Raum hinauseilte. -</p> - -<p> -„Gerettet!“ sprach Mors, als die furchtbare Glut allmählich nachließ. -„Im letzten Augenblick gerettet!“ -</p> - -<p> -„Und auch noch etwas anderes ist gerettet,“ sprach der Professor, -der jetzt eben in den Lenkraum trat. „Der Zusammenstoß oder richtiger -gesagt die Wiedervereinigung der beiden Kometen hat es bewirkt. Zurück -zur Erde, dort sollen die Menschen eine wichtige Botschaft hören.“ -</p> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-6"> -<span class="firstline">6. Kapitel.</span><br /> -Vergeltung. -</h2> - -<p class="first"> -Ein und ein halber Monat waren seit jenem Tage verflossen, wo der -Herrscher mit dem Luftpiraten in stiller Mitternachtsstunde zusammentraf. -</p> - -<p> -Nach den Berechnungen der Gelehrten sollten nur noch fünfzehn -Tage vergehen, bis der gefürchtete Zusammenstoß zwischen der Erde -und dem Doppelkometen erfolgte. -</p> - -<p> -Auf der Erde hatte man die Wiedervereinigung und den Zusammenstoß -des Kometenpaares nicht beobachtet. -</p> - -<p> -Merkwürdigerweise umhüllten gewaltige Wolkenmassen den ganzen -Erdball und zwar waren diese Wolkenmassen in allen Zonen aufgetreten. -</p> - -<p> -Nur hier und da entstand eine flüchtige Lücke, die man zur Beobachtung -benutzen konnte. -</p> - -<p> -Da kamen denn Botschaften und Depeschen, Nachrichten über -das Nahen des Kometen. -</p> - -<p> -Die Zeit zu Beobachtungen war nur kurz, so daß man nichts Sicheres -ermitteln konnte. -</p> - -<p> -Dennoch hatte ein berühmter Professor aus der Neuen Welt ein -Telegramm geschickt, welches allenthalben verbreitet wurde. -</p> - -<p> -Der berühmte Gelehrte depeschierte, daß mit dem Kometen irgend -eine Veränderung vorgegangen sein müßte, im übrigen aber stünde -er der Erde recht nahe. -</p> - -<p> -Vielleicht war das eine kleine Hoffnung auf eine Wendung des -drohenden Schicksals. Indessen glaubten doch die meisten an den Untergang -der Erde. -</p> - -<p> -Der Empörung aber war man jetzt mit dem Aufgebot aller Energie -einigermaßen Herr geworden. -</p> - -<p> -Der Janhagel, -das Gesindel, welches durch die Aussicht auf Beute aus seinen Verstecken -hervorgelockt wurde, erhielt einen furchtbaren Denkzettel, die -wankenden Soldaten kehrten zu ihrer Pflicht zurück und schützten so -gut als möglich die bürgerlichen Kreise. -</p> - -<p> -Freilich mußte man ganze Horden von Verbrechern und raubsüchtigen -Unholden niederschießen, aber das war kein Verlust für die -Menschheit. -</p> - -<p> -Dennoch flatterte die Fahne des Aufruhrs immer wieder empor, -bald hier, bald dort, hauptsächlich auf dem Lande. -</p> - -<p> -Da kamen Nachrichten von verwüsteten Schlössern, von verbrannten -Gehöften, überall trieben sich arbeitsscheue Elemente umher, welche -den allgemeinen Schrecken zur Befriedigung teuflischer Lust zu -benutzen suchten. -</p> - -<p> -In der Residenz herrschte scheinbar Ruhe. -</p> - -<p> -Man konnte in der Tat diese Ruhe nur eine scheinbare nennen, -vielleicht weil die Wolkenmassen den Anblick des nahenden Vernichters -verdeckten. -</p> - -<p> -Mit geheimem Schrecken dachten die Machthaber an den Augenblick, -wo sich die Wolkenmassen zerstreuten und das nahende Ungetüm -sichtbar werden würde. -</p> - -<p> -Vielleicht kam es dann von neuem zum Aufruhr, zur entfesselten -Wut der Volksmassen, die sich kurz vor ihrem Tode noch einmal aller -Lebenslust überlassen wollten. -</p> - -<p> -Aber im großen Residenzschlosse war es noch etwas anderes, was -die Gemüter beunruhigte. -</p> - -<p> -Die junge Prinzessin, welche einst der dämonische Baron begehrt, -dieser Gelehrte, der seine Wissenschaft so übel benutzte, sie war es, welche -von Zeit zu Zeit beunruhigende Beobachtungen machte. -</p> - -<p> -Es schien, als ob eine unsichtbare, geheimnisvolle Gewalt es auf sie -abgesehen, und auch die Dienerschaft im Schlosse hatte Sonderbares -bemerkt. Ein paar Lakaien wollten sogar eine schattenhafte Gestalt in -dem ältesten Teile des Schlosses gesehen haben. -</p> - -<p> -Natürlich wurde nachgesucht, aber nichts gefunden. Man hielt es -für eine Täuschung, manche meinten auch, es sei Gespensterspuk gewesen. -</p> - -<p> -Von dem verschollenen Baron hatte man noch immer keine Nachricht, -aber der Herrscher ahnte, daß dieser Mann nicht weit entfernt sei. -Er kannte seine Rachsucht, seine Eitelkeit, er mußte von diesem Manne -das Schlimmste erwarten. -</p> - -<p> -Möglicherweise hetzte er die Volksmassen noch immer auf, zumal -ihm große Mittel zur Verfügung standen. Oefter hörte man des Nachts -Tumulte und dann mußten die Soldaten Zusammenrottungen auseinander -sprengen. -</p> - -<p> -„Ich wünschte, es wäre erst alles zu Ende,“ sprach der Herrscher -zu dem Prinzen, der ihm seinerzeit den Luftpiraten zugeführt. „Wenn -der Untergang der Welt unvermeidlich ist, so wünschte ich, er wäre -schon da, damit meine Augen nicht vorher alle Greuel entfesselter Leidenschaften -sehen müßten.“ -</p> - -<p> -Aber der Prinz hatte auf alle diese Reden nur immer die eine Antwort: -</p> - -<p> -„Er wird kommen,“ sprach er. „Ich weiß es. Kapitän Mors hat -gesagt, daß er Botschaft bringen will. Und er hält sein Wort. Ich kenne -diesen Mann besser als viele andere. Er kommt, es kann jeden Tag von -ihm Botschaft eintreffen.“ -</p> - -<p> -„Vielleicht hat er längst den Untergang gefunden,“ meinte der -Herrscher, auf den die Erscheinung des Luftpiraten gewaltigen Eindruck -gemacht hatte. „Vielleicht hat er sich, den Untergang der Erde voraussehend, -auf einen anderen Planeten hinübergerettet.“ -</p> - -<p> -Der Prinz schüttelte den Kopf und schwieg. Er gab die Hoffnung -nicht auf. Er ahnte, daß er Kapitän Mors wiedersehen würde. Die Antwort -konnte nicht direkt kommen, sondern sie wurde höchstwahrscheinlich -durch Professor van Halen an jenen Gelehrten geschickt, mit -dem er von Zeit zu Zeit Nachrichten wechselte. -</p> - -<p> -Dieser Gelehrte weilte in der großen Sternwarte der Residenz, einem -ausgedehnten, mit allen modernen Errungenschaften ausgestatteten -Gebäude. -</p> - -<p> -Dort befand sich auch eine Station für Funkentelegraphie, die aber -in der letzten Zeit gar nicht benutzt worden war. -</p> - -<p> -Ein recht unruhiger Tag war vorübergegangen. Gegen Abend trafen -neue Nachrichten ein, die einen furchtbaren Aufstand ziemlich gewiß -machten. Es war kein Zweifel, unruhige Elemente wurden aufgehetzt, -die Unzufriedenheit geschürt. Das kaum unterdrückte Feuer drohte -wieder emporzuflammen. -</p> - -<p> -Sorgenvoll hatte der Herrscher die Berichte angehört. -</p> - -<p> -„Es ist nichts mehr zu retten,“ sprach er. „Es kommt zur grauenvollsten -Katastrophe.“ -</p> - -<p> -Da meldete der diensthabende Kammerherr einen neuen Besucher -und mit Erstaunen, aber auch Erregung hörte der Herrscher den Namen -des gelehrten Mannes, der mit Professor van Halen in Verbindung stehen -sollte. -</p> - -<p> -„Ich habe eine Botschaft von meinem Freunde,“ begann der Gelehrte, -als er die fragenden Blicke des Herrschers gewahrte. „Ich habe sie -mit der Funkentelegraphie empfangen. Die Nachricht lautet aber recht -sonderbar. Ich kann eigentlich gar nicht daraus klug werden. Jedenfalls -erhielt ich die Weisung, sie augenblicklich nach dem Residenzschloß zu -bringen.“ -</p> - -<p> -„Und wie lautet die Botschaft?“ rief der mächtige Mann in gespanntester -Erwartung. -</p> - -<p> -Der Gelehrte zog ein Stück Papier hervor. -</p> - -<p> -„Sie lautet folgendermaßen,“ begann er. „Melden Sie auf der Stelle -im Residenzschlosse, daß sich in dieser Nacht in der Mitternachtsstunde -einige treue, zuverlässige und bewaffnete Männer in der Nähe des Pavillons -aufhalten sollen. Es gilt jemand festzuhalten, der auf rätselhafte -Weise den Schloßpark betreten kann. Es handelt sich auch um die Sicherheit -einer hochstehenden Person, der Gefahr zu drohen scheint.“ -</p> - -<p> -„Das ist alles,“ setzte der Gelehrte hinzu. -</p> - -<p> -Da trat der Prinz hinzu. -</p> - -<p> -„Ich weiß zwar auch nicht, was es bedeutet,“ hob er an. „Aber ich -bin überzeugt, daß der rätselhafte Maskierte zurückgekehrt ist und daß -diese Nachricht etwas Wichtiges bedeutet. Ich werde gleich die nötigen -Vorkehrungen treffen.“ -</p> - -<p> -„Ja, tue es,“ sprach der Herrscher zum Prinzen. „Ich werde auch -um Mitternacht im Parke sein. Ich muß wissen, was da vorgeht. Ich will -alles erfahren.“ -</p> - -<p> -Der Prinz säumte keinen Augenblick, das geheimnisvolle Gebot, -welches offenbar vom Luftpiraten ausging, zu erfüllen. -</p> - -<p> -Es gab noch zuverlässige Leute genug, auf die man sich unbedingt -verlassen konnte, vor allen Dingen auf die Schloßwache, eine aus altgedienten -Soldaten bestehende Leibgarde. -</p> - -<p> -Es waren erprobte Männer, tapfer, entschlossen, jeden Augenblick -bereit, ihren letzten Blutstropfen für das Herrscherhaus und dessen Angehörige -herzugeben. -</p> - -<p> -Der Prinz beorderte diese Leibwache bei eintretender Nacht in den -Schloßpark und wies den Bewaffneten selbst die Verstecke, in denen sie -die Entwicklung der Dinge abwarten sollten. -</p> - -<p> -In kürzester Frist hatte sich jeder der Männer ein Versteck ausgesucht, -und nun schien der Schloßpark so einsam und verlassen zu sein -wie sonst in der Nacht. Nirgends sah man einen Menschen. -</p> - -<p> -Auch der Prinz und der Herrscher hüllten sich in ihre Mäntel und -suchten sich einen Platz aus, wo sie vielleicht fünfzig Schritte vom Pavillon -stehend, die Umgebung beobachten konnten. -</p> - -<p> -Zu sehen war freilich nicht viel. Die Umgebung des Pavillons war -kaum in ihren Umrissen zu unterscheiden. Die dichten Wolkenmassen, -welche den Himmel schon seit Wochen verhüllten, brachten große -Dunkelheit zu Wege. -</p> - -<p> -Allerdings war ein Teil der Bewaffneten mit elektrischen Laternen -versehen, aber diese sollten erst in Funktion gesetzt werden, wenn es -nötig wurde. -</p> - -<p> -Noch war alles still, aber mit einem Male faßte der Prinz den Arm -des Herrschers. Man vernahm verworrene Geräusche unter der Erde. -Man hörte Schreie, dann etwas wie einen dumpfen Knall, der sich mehrmals -wiederholte. Jetzt wurde das Geräusch deutlicher, und mit einem -Male klang es vom Pavillon her. Dort wurde es lebendig. Man hörte ein -Knicken und Knacken in den Gebüschen und es schien dem Herrscher, -als ob dunkle Gestalten zum Vorschein kämen. Unmittelbar darauf -wurde es hell. -</p> - -<p> -Die Lichtstrahlen glichen der grellen Beleuchtung eines Scheinwerfers -und irrten nach allen Richtungen in die Runde. Dieser Lichtschein -beleuchtete bewaffnete Männer, die in großer Hast durch die Büsche -rannten. -</p> - -<p> -„Haltet sie fest,“ schallte plötzlich eine mächtige Stimme, die dem -Herrscher sofort bekannt schien. „Laßt keinen entrinnen. Sie haben -Böses im Sinne. Haltet sie fest und wenn sie Widerstand leisten, so -macht sie nieder.“ -</p> - -<p> -In diesem Augenblick wurde es überall hell. Die Leibgarden des -Herrschers setzten ihre elektrischen Leuchten in Funktion und stürzten -den bewaffneten Männern entgegen. Bei der Leibwache befand sich aber -auch der Polizeichef, den der Prinz im Schlosse zurückbehalten. -</p> - -<p> -„Das sind ja langgesuchte Verbrecher,“ rief er den Soldaten zu. -„Gefährliche Schurken, die plötzlich spurlos verschwanden und schon -seit längerer Zeit gesucht werden.“ -</p> - -<p> -Die Leibgarden stürzten sich auf die bewaffneten Verbrecher, die -sich jetzt, als sie sich umringt sahen, verzweifelt zur Wehr setzten. Sie -hatten offenbar nichts zu verlieren und kannten das Los, das ihrer wartete. -Es war umsonst, denn die Soldaten machten kurzen Prozeß und -wendeten ihre Waffen ohne Rücksicht an. Man hörte die Hiebe der -blanken Waffen, das Knattern von Schüssen. Das Gefecht setzte sich -durch die Gänge des Schloßparkes fort, aber von den Männern, die da -so plötzlich aus den Gebüschen hervorstürzten, entkam keiner, sie wurden -alle erreicht und nach wütendem Widerstand zusammengehauen -oder zusammengeschossen. -</p> - -<p> -Der Prinz und der Polizeichef stellten sich schützend vor den -Herrscher, damit ihn nicht etwa eine verirrte Kugel erreichte, während -der mächtige Mann, der großen, persönlichen Mut besaß, durchaus an -dem Abenteuer teilnehmen wollte. -</p> - -<p> -Da schallte die sonore Stimme, die man vorhin vernommen, von -neuem. „So, ich denke, den Schurken ist das Handwerk gelegt. Aber -den Anstifter des Frevels, den habe ich gepackt. Hier ist er. Die Leute -sollen nicht auf ihn schießen. Ich bin’s, den man erwartet hat, und ich -denke, gute Botschaft zu bringen.“ -</p> - -<p> -„Der Mann mit der Maske,“ stieß der Herrscher hervor. „Wahrhaftig, -er ist es.“ -</p> - -<p> -Der Herrscher, der Prinz und der Polizeichef sahen jetzt seltsame -Dinge. Wieder teilten sich die Gebüsche in der Nähe des Pavillons, aber -diesmal erschienen bewaffnete Inder, welche die helleuchtenden Laternen -trugen, deren gewaltiges Licht schon vorhin das Staunen der Lauscher -erregt hatte. Die Männer stellten sich auf dem freien Platz auf, so -daß die Laternen denselben hell beleuchteten. Wieder teilten sich die -Gebüsche, abermals kamen Bewaffnete zum Vorschein, die zwei gefesselte -Männer mit sich schleppten. Der eine von ihnen war ein riesengroßer -Inder, den man wie ein Bündel zusammengeschnürt hatte. Der zweite -schien erst vor wenigen Augenblicken gebunden zu sein. -</p> - -<p> -Der Herrscher stieß einen Ruf höchster Ueberraschung aus. „Das -ist ja der Baron von ...-..“ rief er. -</p> - -<p> -In diesem Augenblick trat wieder eine Gestalt in den Lichtkreis der -elektrischen Laternen. Diesmal war es Kapitän Mors. -</p> - -<p> -„Ja, das ist der Mann, der so viel Unheil angerichtet hat,“ sprach -er. „Es ist der gelehrte Edelmann, der sich mit Astronomie beschäftigt, -derselbe, welcher die Prinzessin begehrte. Er war es, der die Entdeckung, -daß ein Zusammenstoß der Erde mit dem Kometen droht, unter das -Volk brachte. Er war es, der das Volk aufhetzte und sich durch eine -Empörung zu rächen gedachte. Und als er nun bemerkte, daß die Empörung -Dank der treubleibenden Truppen gedämpft wurde, da griff er -zum letzten Mittel, um Rache zu nehmen. Seine reichen Mittel erlaubten -es, eine Schar von Banditen und Mördern anzuwerben, die er den -Händen der Gerechtigkeit entzog. Sie sollten in dieser Nacht in das -Schloß einbrechen, sie sollten den Herrscher des Landes töten. Damit -hätte dieser Unhold seine Rache genommen.“ -</p> - -<p> -„Woher wissen Sie denn das, Kapitän Mors?“ rief der Fürst in -höchstem Staunen. „Sind Sie denn allwissend?“ -</p> - -<p> -„Allwissend ist nur der, der die Welten erschaffen,“ lautete die -Antwort des Luftpiraten. „Ich verdanke die Kunde von diesem Anschlag -meist glücklichen Zufällen. Dieser Mann hier“ — er deutete auf den -gefesselten Inder — „war ebenfalls von dem Baron gewonnen. Als dieser -seine Entdeckung des nahenden Kometen machte, ahnte er schon, daß -ich alles aufbieten würde, um eine Panik zu verhindern. Der Baron, -welcher öfters Reisen nach Indien unternahm, gewann diesen Menschen -durch große Versprechungen, und es schien anfangs, als ob sein Anschlag, -der zuerst gegen mich gerichtet war, glücken würde. Dieser Inder -wurde von mir mit anderen Gebirgsbewohnern angeworben und er -schwur Treue. In Wirklichkeit brachte er schon die Höllenmaschine -mit, die mein Weltenfahrzeug vernichten sollte. Und als dieser Mensch, -der alles aufs schärfste beobachtete, erfuhr, daß ich die Reise nach dem -nahenden Kometen antreten wollte, vollführte er den Auftrag, den er -von dem Baron erhalten. Es sind zwei Kometen da oben im Weltenall. -Und als ich auf dem einen landete, wurde mein Fahrzeug fast vernichtet. -Erst im letzten Moment gelang es mir, dasselbe auszubessern und -zu flüchten, gerade, als die beiden Kometen wieder zusammenstießen.“ -</p> - -<p> -„Wie,“ rief der Herrscher in höchstem Staunen. „Sie, Kapitän -Mors, haben diese unheimliche Welt betreten?“ -</p> - -<p> -„Ja, und ich bringe gute Botschaft. Der Zusammenstoß der Erde -mit den beiden Kometen hätte unwiderruflich stattgefunden. Aber -glücklicherweise hat der Zusammenstoß dieser beiden Weltenkörper die -Gefahr von der Erde abgewendet. Der Zusammenstoß ist furchtbar gewesen -und er genügte, um den Kometen, der jetzt wieder aus einer Masse -besteht, aus seiner Bahn zu schleudern. Wenn die Wolkenmassen -schwinden, wird man auf Erden sehen, daß der Erdball noch einmal -gerettet ist. Der Komet eilt bereits mit rasender Schnelligkeit zur Sonne.“ -</p> - -<p> -Mors hatte bei den letzten Worten nach oben gedeutet. Da geschah -Seltsames. Plötzlich erhob sich ein Sturm, die Wolkenmassen, die -bis dahin unbeweglich über der Erde gelastet, begannen sich zu bewegen. -Sie schienen sich zu zerteilen, schon sah man hier und dort Sterne -hindurchschimmern. -</p> - -<p> -„Der Komet!“ rief der Herrscher plötzlich. -</p> - -<p> -„Ja, er ist es,“ erwiderte Mors. „Aber jedermann wird sehen, daß -sich das Gestirn von der Erde abwendet. Jetzt eilt es nach der Sonne -hinüber und von dort wird es wieder in das Unendliche hineinsausen. -Alle mögen es hören, die Erde ist vom Verderben gerettet.“ -</p> - -<p> -Die Leibgarden hatten diese Worte vernommen und brachen in -Jubelrufe aus. Der Polizeichef aber trat auf Mors zu, den er mit sichtlicher -Bewunderung betrachtete. -</p> - -<p> -„Und wie gelangten diese Banditen in den Park?“ fragte er. -</p> - -<p> -„Durch einen alten unterirdischen Gang,“ erwiderte Mors. „Hier, -der Inder, verriet mir manches, was seinen Auftraggeber, den Baron, -anbetraf. Es gelang mir, diesen Unhold bei seinem Zusammentreffen -mit den angeworbenen Banditen zu belauschen. Er hat diesen Gang -schon öfters benutzt. In dieser Nacht sollte der Anschlag auf den Herrscher -ausgeführt werden.“ -</p> - -<p> -„Das war die schattenhafte Gestalt, die man im alten Schloß bemerkt -hat,“ rief der Prinz überrascht. -</p> - -<p> -Der Rachsüchtige sah alles verloren. -</p> - -<p> -„Kapitän Mors,“ rief der Herrscher, „wie soll ich Ihnen danken? -Sie haben alles, alles gerettet. Ich verdanke Ihnen mein Leben!“ -</p> - -<p> -„Ich selbst begehre nichts,“ erwiderte der Luftpirat. „Aber wenn -die Mächtigen der Erde den Armen eine große Summe geben wollen, -wenn sie die durch das Unheil entstandene Not lindern wollen, so bin -ich’s zufrieden.“ -</p> - -<p> -„Das soll geschehen,“ rief der Herrscher. -</p> - -<p> -„Das genügt mir,“ erwiderte Mors. „Ich habe die Genugtuung, daß -ich die Welt von dem Alpdruck, der auf ihr lastete, befreite.“ -</p> - -<p> -„Und der Baron?“ fragte der Prinz unwillkürlich. -</p> - -<p> -„Den nehme ich mit mir,“ erwiderte Mors finster. „Der hat mir -nach dem Leben getrachtet. Ganz so, wie sein verräterischer Gefährte, -der Inder.“ -</p> - -<p> -Der gelehrte Edelmann erbleichte. „Gnade!“ rief er dem Herrscher -zu. „Ich will nicht in der Gewalt des Maskierten bleiben. Man soll mich -hier ins Gefängnis setzen!“ -</p> - -<p> -Mors sah mit seinen feurigen Augen auf den Herrscher und den -Prinzen. -</p> - -<p> -Sie reichten ihm die Hände. Er drückte sie. Dann winkte er seinen -Indern. Im Nu faßten diese die beiden Gefangenen und schleppten sie -nach dem geheimen Gang, der sich irgendwo in den Gebüschen befinden -mußte. -</p> - -<p> -„Den Gang versperre ich für immer,“ tönte die Stimme des Luftpiraten. -</p> - -<p> -Seine hohe, stolze Gestalt verschwand im Gebüsch, dann hörte -man ein dumpfes Dröhnen wie von einer schweren Falltür. Und als der -Prinz in das Gebüsch eilte, sah er nichts von dem seltsamen Mann, der -auf dem Kometen gewesen. Kapitän Mors war mit seinen beiden Gefangenen -spurlos verschwunden. -</p> - - -<div class="trnote"> -<p id="trnote" class="transnote"><b>Anmerkungen zur Transkription</b></p> - -<p> -Dieser Text wurde nach einem Nachdruck-Auswahlband transkribiert: Heinz -J. Galle (Hrsg.): Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff. Dieter -von Reeken, Lüneburg, 2005, S. 233-267. Moderne Zusätze und Anmerkungen -wurden nicht übernommen. Die Originalausgaben hatten auch farbige -Rücktitel. Diese sind in dieser Ausgabe nicht enthalten, obwohl sich -im Text ein entsprechender Hinweis findet. Der entsprechende Rücktitel -mit dem Plan des Weltenfahrzeuges findet sich in Band 42. -</p> - -<p> -Die Schreibweise der Buchvorlage wurde weitgehend beibehalten. Auch -Variationen in der Schreibweise von Namen wurden nicht verändert. -Lediglich offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. -</p> -</div> - - - - - - - - - -<pre> - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Der Luftpirat und sein lenkbares -Luftschiff 66: Das Weltenfahrzeug zwischen den Riesen-Kometen, by Anonymous - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER LUFTPIRAT UND SEIN *** - -***** This file should be named 56069-h.htm or 56069-h.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/5/6/0/6/56069/ - -Produced by Jens Sadowski, Norbert H. 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