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If you are not located in the United States, you'll have -to check the laws of the country where you are located before using this ebook. - -Title: Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff 42: Im Todeskrater des neuen Planeten - -Author: Anonymous - -Release Date: November 28, 2017 [EBook #56066] - -Language: German - -Character set encoding: ISO-8859-1 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER LUFTPIRAT UND SEIN *** - - - - -Produced by Jens Sadowski, Norbert H. Langkau, and the -Online Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net - - - - - - - 42. Band. Jeder Band ist vollständig abgeschlossen. - Preis 10 Pf. (15 Heller.) - - - - - Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff. - - - - - Im Todeskrater des neuen Planeten. - - - [Illustration: Kapitän Mors und sein treuer Gefährte kämpften - verzweifelt gegen die Ungeheuer der Vorzeit.] - - - Druck- und Verlags-Gesellschaft - Berlin - - - - - Im Todeskrater des neuen Planeten. - - - - - 1. Kapitel. - Die Fahrt ins Unbekannte. - - -Es war Nacht, unten rauschte das Südmeer, oben in den Lüften heulte der -Sturm, der die Wolkenmassen vor sich herjagte. - -Was war das Seltsame, Ungeheure, was da mit fabelhafter Geschwindigkeit -emporschoß? Was sich unbekümmert um die Gewalt des Sturmes von der Erde -entfernte? - -Menschenwerk war es, das Werk eines genialen Mannes, der seiner Zeit um -hunderte von Jahren vorausgeeilt war. Ein metallnes Fahrzeug war es, das -Weltenschiff des Kapitän Mors. Dies wunderbare Werk hatte wieder einmal -die geheimnisvolle Insel im Südmeer verlassen. - -»Meteor« war der Name des seltsamen Fahrzeuges, welches den Elementen -trotzte. Der Riesenmagnet, der die Anziehungskraft des Erdballs aufhob, -war der Erde zugewendet und mit furchtbarer Schnelligkeit schoß das -mächtige Fahrzeug hinauf, den Luftozean durchkreuzend, dem Weltraume -zustrebend. - -Kapitän Mors befand sich im sogenannten Lenkraum des Weltenfahrzeuges. - -Ihn begleitete einer seiner Ingenieure, der treue Star, auch der -Professor, der obgleich Gefangener des Kapitän Mors, diese -Gefangenschaft doch als das größte Glück seines Lebens empfand. Sie ließ -ihn ja die Wunder der Sternenwelt schauen. - -Kapitän Mors besaß noch andere europäische Gefährten, die ehemals zur -Besatzung eines Unterseebootes gehörten. - -Sie hatten ihm Treue geschworen und wenn auch einige von ihnen, wie es -in einem früheren Bande dieser Schilderungen erzählt wurde, Meuterei -verübten, so waren doch die anderen unbedingt zuverlässig. - -Dennoch hatte der Kapitän diesmal nur einen Teil der Europäer mit sich -genommen und dafür einigen seiner Inder auf deren dringendes Bitten die -Teilnahme an der Weltenfahrt gestattet. - -Kapitän Mors tat das allerdings nicht gern, denn er hielt auf die Inder -große Stücke und da hatte er bemerkt, daß diese an ein tropisches Klima -gewöhnten Männer nach solchen abenteuerlichen Fahrten kränkelten. - -Deshalb wählte er nur diejenigen, die aus den indischen Bergländern -stammten und an Kälte und Strapazen gewöhnt waren. Unter diesen Männern -befand sich auch der treue Lindo. - -»Nun, Kapitän,« fragte Star, der neben dem berühmten Luftpiraten stehend -die Instrumente beobachtete. »Nicht wahr, diesmal geht es zum Monde?« - -»Ich habe mir den Trabanten der Erde als Zielpunkt der Fahrt -ausersehen,« erwiderte Mors mit der gewohnten eisigen Ruhe. »Aber ich -klammere mich nie an etwas Bestimmtes. Ich rechne stets auf -Schwierigkeiten, auf Hindernisse und wenn auch der Mond das Endziel -unserer diesmaligen Fahrt sein soll, so will ich doch auf dem Wege dahin -ein anderes Rätsel zu lösen suchen. Darüber kann ja Professor van Halen -sprechen.« - -Bei den letzten Worten wendete sich Kapitän Mors an den Astronomen, -dessen Gesicht eine gewisse Ungeduld verriet. - -Die Ungeduld, neue, unbekannte Wunder zu schauen. - -»Ja, so ist es,« bemerkte van Halen, als sich der Kapitän an ihn -wendete, »ich habe schon bei den letzten Fahrten eine eigenartige -Störung beobachtet und diese kleine Störung kann nur durch einen kleinen -Planeten bewirkt werden, der sich in einer höchst merkwürdigen Bahn -bewegt, dieser Planet muß sich von Zeit zu Zeit zwischen dem Monde und -der Erde befinden.« - -»So,« meinte Star. »Da wundert es mich nur, daß man ihn nicht schon -längst entdeckt hat. Bei solcher Nähe müßten ihn doch unsere Astronomen -längst gefunden haben.« - -Der Professor zuckte die Achseln. - -»Das kann man nicht so ohne weiteres behaupten,« erwiderte er. »Man -sieht die Meteoriten auch nicht, als bis sie bei Nacht in den Luftkreis -der Erde zur Erhitzung gebracht als Feuerstreifen und Sternschnuppen -aufflammen. Jedenfalls ist dieser Weltkörper ein Liliputplanet, ein -winziges Ding, welches vielleicht das Sonnenlicht wenig reflektiert und -mit ungeheurer Geschwindigkeit durch den Weltenraum saust. Dieser kleine -Planet hat sicherlich eine ganz eigenartige Bahn, immerhin hat er -Störungen hervorgerufen, die ungemein feinwirkende Instrumente anzeigen. -Auf der Erde selbst konnte man diese Störungen nicht beobachten und -nicht feststellen. Das war erst möglich, wenn man sich im Weltenraum -befand. Da hat mir einer der Registrierapparate die Existenz eines -solchen noch unbekannten Planeten verraten, es ist vielleicht ein -verirrter Weltkörper, wer kann das alles wissen? Genug, ich habe Kapitän -Mors gebeten, diesmal nach diesem rätselhaften Wanderer im Weltenraum -Ausschau zu halten und der Kapitän will meinem Wunsch entsprechen.« - -»Na gut,« erwiderte Star, »ich bin auch neugierig, da gibt es wieder ein -Abenteuer, denn das ist gewiß, bei unseren Weltfahrten ist allemal etwas -passiert und mehrmals sind wir zur schnellen Rückkehr gezwungen worden. -Hoffentlich ist es diesmal nicht schlimmer, als wie andere Male. Was -mich betrifft, Kapitän, so wißt Ihr es ja, ich gehe mit Euch, wenn -nötig, in die Hölle!« - -Kapitän Mors drückte die Rechte seines treuen Gefährten und begab sich -dann mit dem Professor in den Beobachtungsraum des Weltenfahrzeuges. - -Die beiden Schwestern, Anita und Lucy Long, nahmen diesmal nicht an der -wunderbaren Fahrt teil. - -Anita hatte bei den letzten Abenteuern eine leichte Verletzung erlitten -und da sollte sie sich erst völlig erholen. Selbstverständlich war Lucy -bei ihrer Schwester zurückgeblieben. - -Während Star den Riesenmagneten bediente, setzte sich der Professor an -seine Instrumente, wahren Wunderwerken menschlicher Technik, während -Kapitän Mors einige Berechnungen machte. - -Das Weltenfahrzeug befand sich noch in der Luftzone, bei deren Passieren -stets die größte Vorsicht beobachtet werden mußte. - -Da kam ja jedesmal die sogenannte elektrische Zone, aber Kapitän Mors -kannte jetzt schon die Gefahren, welche dort warteten, und es war ihm -ein Leichtes, diese Hindernisse zu überwinden. - -Stunden vergingen, ohne daß ein Wort zwischen den beiden Männern -gewechselt wurde. Dann erhob sich Kapitän Mors und betrachtete die an -der Wand hängenden Instrumente. - -»Wir haben diesmal recht schnelle und glatte Fahrt,« sprach er zu dem -Gelehrten, der sich Notizen machte. »Die Luftzone der Erde ist -überwunden. Wir befinden uns bereits im Weltenraum.« - -Das Gesicht des Professors strahlte. Hastig arbeitete er an den Hebeln, -welche die großen Schieber vor den dicken Glasscheiben bewegten. - -Der eine Schieber schob sich langsam seitwärts und da konnte der Blick -durch das dicke Glas in den Weltenraum hinausschweifen. - -Schwarz war der Himmel, nachtschwarz, die Sterne funkelten nicht, sie -standen da wie weiße, schimmernde Punkte, seitwärts sah man die gelbe, -strahlenlose Scheibe der Sonne. - -Es war ein wunderbares Bild und obwohl Professor van Halen es schon oft -gesehen, verriet er dennoch neues Entzücken. - -Auch der Mann mit der Maske sah gedankenvoll in die Tiefen des -Weltenraumes. - -»So, Kapitän,« sprach van Halen nach einer Weile, »jetzt möchte ich -darum bitten, daß das Weltenfahrzeug in dieser Zone kreuzt, treffen -meine Berechnungen zu, so müssen wir in dieser Gegend den neuen kleinen -Planeten entdecken.« - -Mors griff sofort zum Telephon, welches den Beobachtungsraum mit dem -Lenkraum verband. Er läutete und gab Star, der sich dort befand, seine -Weisungen. - -Das große Fahrzeug schien plötzlich zu zittern, aber dies geschah -dadurch, daß Star den pfeilschnellen Lauf des Weltenfahrzeuges -verlangsamte. - -Nach kurzer Zeit fuhr es nur mit der Schnelligkeit eines mit vollster -Geschwindigkeit dahinsausenden Schnellzuges. - -Hierauf wendete es wieder und fuhr in anderer Richtung zurück, um bald -danach eine neue Richtung einzuschlagen. Es kreuzte also im Weltenraum -wie ein Schiff auf offenem Meere. - -Dieses eigenartige Manöver gelang durch die Art und Weise, wie der -Riesenmagnet bewegt wurde. Der wurde nach verschiedenen Richtungen -gedreht und gewendet und damit konnte man die Bewegungen des Fahrzeuges -regulieren. - -»So ist es richtig,« sprach Mors, als er die Instrumente eine Weile -betrachtet hatte. »Ihr Wunsch ist erfüllt, Herr Professor, wir kreuzen -jetzt in der von Ihnen als verdächtig bezeichneten Zone. Ich will nur -wünschen, daß Ihre Beobachtungen zutreffen. Dann müssen wir ja den -eigentümlichen Wanderer treffen, hoffentlich ist er zur Stelle oder wird -doch bald erscheinen.« - -»In der Tat,« erwiderte van Halen zuversichtlich. »Sonst müßte ich mich -in meinen Beobachtungen gewaltig irren. Bis jetzt habe ich mit meinen -Berechnungen selten Täuschungen erlebt. Sind aber meine Berechnungen -richtig, so müssen wir den unbekannten, geheimnisvollen Planeten binnen -kurzer Zeit in nächster Nähe erblicken.« - -Daraufhin wurde die Aufmerksamkeit verdoppelt. - -Kapitän Mors wußte ganz genau, mit welcher Schnelligkeit Weltenkörper -durch die unendlichen Räume dahinsausten. - -Allerdings war das Weltenfahrzeug ausnehmend fest gebaut, aber es konnte -schließlich zertrümmert werden, wenn es mit vollster Schnelligkeit gegen -einen Weltenkörper sauste. Dann wäre dies Wunderwerk sicherlich in Atome -zersplittert worden. - -Wenn man aber auf der Erde den hier vermuteten Planeten noch nicht -entdeckt hatte, mußte man ihn doch hier im Weltenraum sehen. Die Sonne -mußte diesen geheimnisvollen kleinen Planeten bestrahlen und da hatte -man auf dem Weltenfahrzeug Zeit genug, einem drohenden Zusammenstoß -auszuweichen. - -Und wieder vergingen die Stunden. - -Abwechselnd wurde Wache gehalten, Kapitän Mors begab sich manchmal nach -dem Lenkraum, um dort seinen getreuen Star abzulösen. - -Es waren wohl acht Stunden vergangen, als Kapitän Mors, der gerade den -Lenkraum verließ, einen Ausruf des Professors vernahm. - -Im Nu befand sich der Luftpirat bei dem Gelehrten. - -»Er ist da, er ist da,« rief der Professor in förmlicher Ekstase, -während er mit beiden Händen nach der dicken Glasscheibe deutete. »Seht, -Kapitän, dort kommt der neue Planet in rasender Eile herangezogen. Noch -erscheint er erst wie ein mattes, flimmerndes Pünktchen. Aber er ist es, -er wird bereits von der Sonne beleuchtet. Er scheint tatsächlich wenig -Licht zu reflektieren.« - -»Befinden wir uns in der Bahn des Weltkörpers?« fragte Kapitän Mors mit -großer Ruhe. - -»Nein,« erwiderte Halen. »Er wird gewissermaßen unter uns vorüberlaufen, -wenn man das Wort unter uns überhaupt hier im Weltenraum gebrauchen -darf. Aber ich habe eine Bitte, können wir nicht eine Weile in der Nähe -des geheimnisvollen Weltenkörpers verweilen? Wird unsere eigene -Schnelligkeit das erlauben?« - -»Das bezweifle ich,« erwiderte Mors. »Aber, es ist gar nicht nötig, daß -wir unsere Schnelligkeit aufbieten. Wir schalten einfach die Kraft -unseres Riesenmagneten aus und überlassen uns der Anziehungskraft dieses -so rätselhaften Weltenkörpers. Dann werden wir mit ihm zusammen durch -den Weltenraum dahinfliegen und dann können Sie ungestört Ihre -Beobachtungen ausführen.« - -Der Professor war entzückt und wußte sich vor Freude gar nicht zu -lassen. Der Gedanke, eine noch unbekannte Welt schauen zu können, -brachte ihn in große Erregung. - -Kapitän Mors aber gab wieder Befehle nach dem Lenkraum und nach wenigen -Augenblicken vernahm man ein eigentümliches Summen und Surren. Der -Riesenmagnet stellte seine Tätigkeit ein, fast im gleichen Augenblick, -wo der unbekannte Weltenkörper mit furchtbarer Schnelligkeit -vorübersauste. - -Aber das Weltenfahrzeug riß er mit, das begleitete ihn jetzt durch seine -Anziehungskraft gehalten. Es schwebte scheinbar unbeweglich über diesem -rätselhaften Planeten. - -»Können wir uns diesem Monde oder was es sonst sein mag, noch mehr -nähern?« fragte der Gelehrte, in dessen Augen das Fieber des -begeisterten Forschers glänzte. - -»Warum nicht,« erwiderte der Kapitän. »Ich denke, wir werden uns -zunächst tausend Meter über der Oberfläche des Planeten schwebend -erhalten. Von da aus können wir ja auf die neue Wunderwelt -hinabschauen.« - -Wieder arbeitete das Telephon, wieder vernahm man das seltsame Summen -und Surren. Die Instrumente verrieten, daß das Weltenfahrzeug sank, bis -es plötzlich wieder mit einem Ruck innehielt. Es schwebte jetzt tausend -Meter über der Oberfläche des neuentdeckten Weltkörpers. - -Eigentlich schwebte es höher, den Kapitän Mors hatte die Entfernung von -den Berggipfeln des kleinen Planeten berechnet, die ziemlich hoch -emporragten. Der Professor schätzte die Berge teilweise auf fünf- bis -sechstausend Meter Höhe. - -Dabei war der neuentdeckte Planet sehr klein, seine Oberfläche mochte -vielleicht die Größe von Irland besitzen, dennoch zeigte der kleine -Planet eine ungemein große Mannigfaltigkeit von Oberflächenformation. - -Da gewahrte man Ringgebirge, ähnlich wie auf dem Monde, man sah Täler -und glänzende Wasserbecken, viele dunkle Flecken schienen auf eine -ungemein reiche Vegetation hinzudeuten. - -Der Blick auf den Planeten war nicht klar. Es schien, als ob da alles -verschwommen sei, ein Beweis, daß der neuentdeckte Weltkörper eine -ungemein dichte Atmosphäre besitzen mußte. - -Diese Atmosphäre schien ganz mit Wasserdampf gesättigt zu sein, man sah -große Wolkenmassen, die sich in heftiger Bewegung befanden. Auf diesem -kleinen Planeten, den man mit gutem Recht eine Miniaturwelt nennen -konnte, schienen ungemein starke Stürme zu herrschen. - -Der Kapitän und der Professor standen hinter den dicken Glasscheiben und -betrachteten diese Wunderwelt, die sich ihren Blicken darbot. - -»Sehen Sie, Kapitän, was ist das dort?« rief der Professor plötzlich, -indem er mit der Rechten auf eine Stelle des Weltenkörpers deutete. -»Täusche ich mich oder sehen Sie es auch? Die rötliche Stelle, die sich -immer mehr verbreitert und die schwarze Masse, welche die Wolkenhülle -unterbricht?« - -»Ich sehe es auch,« erwiderte der Kapitän, »es ist zweifellos ein -ungeheurer Vulkan, der sich in voller Tätigkeit befindet. Wir bewegen -uns langsam darauf zu und werden binnen kurzer Zeit über dem -feuerspeienden Berge schweben.« - - - - - 2. Kapitel. - Eine unerwartete Katastrophe. - - -Das Weltenfahrzeug bewegte sich jetzt auffallend langsam, es war kein -Wunder, es wurde ja doch in der Atmosphäre des neuentdeckten Planeten -schwebend von diesem auf seiner Bahn fortgerissen. - -Kapitän Mors setzte jetzt das Telephon an den Mund. - -»Nicht so nahe an den Vulkan heran,« rief er nach dem Lenkraum hindurch. -»Wir müssen uns in einiger Entfernung von dem feuerspeienden Berge -halten.« - -Star gab keine Antwort, wohl aber ertönte jetzt das Schrillen einer -Glocke. Es war das Alarmsignal, welches aus dem Lenkraum ertönte. - -Dieses Alarmsignal ließ sich nur dann vernehmen, wenn irgend eine -unvorhergesehene Schwierigkeit entstand. Kapitän Mors eilte sofort nach -dem Lenkraum und der Professor folgte ihm auf dem Fuße. - -Star befand sich in voller Tätigkeit, riß hier und da an den Hebeln, er -drehte die Schwungräder, aber der Erfolg schien nicht den gehegten -Erwartungen zu entsprechen. - -»Nun, was gibt es?« fragte Kapitän Mors, als er eintrat und den Eifer -seines treuen Gefährten gewahrte. - -»Die vertrackten Maschinen gehorchen nicht, Kapitän,« erwiderte Star -grimmig. »Es ist gerade als wenn der Teufel dazwischen sitzt. Wir werden -immer mehr in den Bereich des Vulkans getrieben.« - -Mors neigte den Kopf und sah den Professor von der Seite an. - -»Das sind eben Naturkräfte,« sprach er, »und vielleicht unbekannte -Naturkräfte, die ihre Wirkung äußern. Da scheint eine besondere -Anziehungskraft stattzufinden, aber wir werden etwas höher steigen.« - -Das gelang auch, aber die Anziehungskraft des unheimlichen Vulkans -dauerte fort und nach kurzer Zeit schwebte der »Meteor« über dem -donnernden Krater. - -Dieser war nicht zu sehen, da ihn dichte Dampfwolken bedeckten, aber man -konnte hören, wie er sich in furchtbarer Tätigkeit befand. - -Man hörte durch die dicken Wände des Weltenfahrzeuges das schreckliche -Prasseln und Krachen, man vernahm das Wüten der Naturgewalten, die da -drinnen in den Eingeweiden dieser kleinen Welt tobten. - -»Was sagen Sie dazu, Professor?« fragte Kapitän Mors. - -»Nun, ich sage, daß diese Welt hier noch um viele, viele tausend Jahre -in der Entwicklung zurück ist. Das beweist schon die dicke Luft, die man -hier bemerkt, und die gewiß stark mit Kohlensäure gesättigt ist. Dieser -kleine Planet befindet sich noch in den Entwicklungsstadien, ähnlich wie -in der Vorzeit der Erde. Daher sind wohl auch noch die Naturkräfte mit -solch furchtbarer Macht tätig.« - -Plötzlich verdoppelte sich das Krachen, welches man dort unten vernahm -und unmittelbar darauf sah man glühende Massen durch die Dampfwolken -emporschießen. - -Der Riesenkrater befand sich in voller Tätigkeit, es war ein furchtbarer -Ausbruch, der Vulkan schleuderte glühende Lavablöcke empor und zwar bis -in ungeheure Höhen, es schien, als ob da ein riesiges Geschütz kolossale -glühende Bomben in das Unendliche emporschleuderte. - -»Hoffentlich werden wir von keinem dieser glühenden Blöcke getroffen,« -meinte der Professor. »Können wir nicht noch höher steigen, Kapitän?« - -Mors wollte eben antworten, als das Krachen und Brüllen mit dreifacher -Stärke durch die Wände des Weltenfahrzeuges tönte. - -Wieder schossen die glühenden Massen aus den Dampfwolken empor und -stiegen bis in ungeheure Höhen, jetzt sah man sie links und rechts am -Weltenfahrzeug vorbeisausen. - -Da schien es, als würde das Fahrzeug von einem heftigen Schlag -getroffen, als zitterte es und unmittelbar danach schallten im -Verbindungsgang die hastigen Schritte eines herbeirennenden Mannes. - -Es war Star. - -»Kapitän,« rief er. »Der Riesenmagnet ist getroffen. Die -Verbindungsstange scheint demoliert zu sein. Das Fahrzeug beginnt rapide -zu sinken.« - -Kapitän Mors rannte nach dem Lenkraum. Aber er fand dort die Angaben des -treuen Gefährten bestätigt. Die Hebel und Schwungräder versagten, tiefer -sank das Weltenfahrzeug, immer tiefer, es mußte auf dem neuen Planeten -landen. - -Glücklicherweise war die Schnelligkeit keine allzu große und Kapitän -Mors bot all seinen Scharfsinn auf, um den Absturz zu mildern. Er setzte -eine jener furchtbaren Maschinen in Tätigkeit, die bei der letzten Fahrt -die Meuterer zu Asche verwandelt hatten. - -Dies rettete das Weltenfahrzeug und die Kraft, welche die Maschine -entwickelte, bewirkte es auch, daß der Koloß eine große Strecke vom -Vulkan entfernt niederkam. - -Rings umher sah man ein Gewirr von Steinblöcken, von Klüften, -Schluchten, Felsen, dann folgte ein harter Ruck, ein Stoß, das -Weltenfahrzeug hatte den Boden des neuen Planeten erreicht und blieb -dort in ziemlich schwieriger Lage hängen. - -Das Hinterteil des Weltenfahrzeuges lag in einem ausgebrannten Krater, -das Vorderteil ragte schräg empor und lag auf zackigem Gestein, so ruhte -das Weltenfahrzeug des Kapitän Mors wie ein Schiff, welches auf dem Meer -zwischen Klippen gestrandet ist. Es schien in der Tat zum hilflosen -Wrack geworden zu sein. - -Star zeigte jetzt jene Ruhe, die er im Verkehr mit dem Kapitän gelernt, -ebenso benahm sich der Professor. - -Die Inder und die anderen europäischen Mannschaften des Weltenfahrzeuges -kamen jetzt herbeigerannt und schauten fragend auf Kapitän Mors. Sie -wollten in seinen Mienen lesen. - -Aber die Ruhe des seltsamen Mannes teilte sich auch ihnen mit, und als -die Leute sahen, daß Kapitän Mors keine Miene verzog, und daß seine -Augen feurig wie immer blitzten, warteten sie ruhig ab, was der berühmte -Führer nunmehr beginnen würde. - -»Untersucht zunächst die Innenräume des Weltenfahrzeuges,« klang die -Stimme des Luftpiraten. »Seht zu, ob Ihr irgend einen Schaden entdecken -könnt. Ich erwarte dann sofort Bericht. Vor allen Dingen aber darf -niemand das Fahrzeug ohne meine Erlaubnis verlassen.« - -Dazu verspürten die Männer auch keine Lust, obwohl sie sahen, daß man -sich auf einem mit Luft versehenen Weltkörper befand. Die Atmosphäre war -sicherlich dichter als die auf der Erde. - -Kapitän Mors besichtigte zunächst den Schaden im Lenkraum und -betrachtete durch ein Glasfenster die zerstörten Verbindungsteile. - -»Das läßt sich alles wieder gut machen,« erklärte er nach kurzer -Betrachtung. »Reserveteile haben wir im Ueberfluß, aber, es wird -freilich einige Zeit vergehen, es ist gar nicht ausgeschlossen, daß wir -mehrere Tage, ja Wochen auf diesem unbekannten Planeten verweilen -müssen.« - -Bald erschienen auch die übrigen Mannschaften, aber sie hatten nichts -Bedenkliches zu melden. In den unteren Räumen des Fahrzeuges war alles -in Ordnung, da hatte man keine Beule, kein Leck gesehen. Selbst die -Röhren, welche die flüssige Luft verteilten, waren unbeschädigt. - -Somit blieb nur der Lenkapparat zu reparieren und das war gerade die -Hauptsache und mußte mit größter Sorgfalt geschehen. Kapitän Mors wollte -mit Star und Lindo diese Arbeit verrichten. - -»Ich erforsche unterdessen den neuen Planeten,« rief der Professor -begeistert, als ihm Kapitän Mors seine Absicht mitteilte. - -Der Luftpirat schien mit der Antwort zu zögern. - -»O, ich laufe Ihnen gewiß nicht davon, Kapitän,« fuhr der Professor mit -einiger Bitterkeit fort, da er das Zögern des Kapitäns falsch deutete. -»Ich kehre schon wieder, mein Wort darauf! Ich will ja noch mehr Fahrten -in diesem wunderbaren Fahrzeug unternehmen.« - -»Sie mißverstehen mich, Professor,« erwiderte Kapitän Mors. »Ich wollte -damit kein Mißtrauen äußern. Sie wissen ja, daß Sie der Umstände halber -immer bei mir bleiben müssen, aber andererseits denke ich nicht im -Traume daran, Ihnen diese Gefangenschaft zu zeigen oder Sie gar zu -quälen. Mein Zögern entspringt einzig und allein der Sorge um Sie, denn -Sie stehen mir nahe, und ich habe Sie sehr gern. Es gibt wenig Menschen -wie Sie auf der Erde, gäbe es viele solche, wäre ich vielleicht nicht -der Luftpirat geworden. Mein Zögern rührt einzig und allein davon her, -daß ich für Sie Sorge trage, denn hier können sich tausende von Gefahren -verbergen. Deshalb bitte ich Sie, einstweilen noch im Weltenfahrzeug zu -bleiben.« - -»Verzeihen Sie, Kapitän,« erwiderte der Professor, indem er die Rechte -des Maskierten faßte. »Ich will nichts gesagt haben. Aber ich denke, mit -unseren Hilfsmitteln können wir jeden Gefahren Trotz bieten.« - -»Nicht immer,« lautete die Antwort, »solche Gefahren kommen oft -blitzschnell und unerwartet, so daß selbst die Hilfsmittel der modernen -Technik versagen. Jedenfalls müssen wir unsere Umgebung beobachten. Dann -wird es sich zeigen, ob wir das Fahrzeug verlassen dürfen. Ist dies der -Fall, so können Sie Ihren Forschungen nachgehen. Sie haben ja auch das -Recht darauf. Sie sind ja gewissermaßen der Entdecker des neuen -Planeten.« - -Der Professor drückte nochmals die Rechte des seltsamen Mannes. Dann -ging es an die Arbeit. - -Mors war nicht der Mann, der die Hände in den Schoß legte, er wollte vor -allen Dingen sein Weltenfahrzeug instand setzen. - -Nun galt es, erst die Luft zu prüfen und sich zu vergewissern, ob man -diese ertragen konnte. War dies nicht der Fall, so mußte man eben die -Lufthelme benutzen. - -Kapitän Mors unternahm wie gewöhnlich das Wagnis selbst. - -Er begab sich nach den Doppeltüren, die den Einlaß in das Fahrzeug -vermittelten, öffnete die innere Tür und versuchte dann vorsichtig die -außen befindliche Luft zu proben. - -Sie war dick, schwer, reichlich mit Kohlensäure gesättigt, aber sie ließ -sich immerhin atmen. - -Man hatte nur, wenn man längere Zeit diese Luft atmete, das Gefühl eines -leichten Rausches, einer Beklemmung, aber diese wurde wieder durch -andere Vorteile aufgehoben. - -Der Planet war ja klein, viel kleiner als der Mond, er war eine -Miniaturwelt und da mußten sich natürlich ganz andere Lebensbedingungen -ergeben. - -Hier mußte man ungeheuer hoch springen können, hier wog ein schwerer -Mann nur so viel, wie ein kleines Kind auf der Erde. Das mußte dann die -Arbeitskraft verdoppeln und verdreifachen. - -Von außen mußte man arbeiten, um den Riesenmagneten wieder in Funktion -treten zu lassen. - -Kapitän Mors rief jetzt seine Leute herbei, die er nacheinander die Luft -atmen ließ. - -Da zeigte sich denn, daß die ehemalige Mannschaft des Unterseebootes die -Luft absolut nicht vertragen konnte. - -Die Leute taumelten umher, drehten sich im Kreise und benahmen sich wie -sinnlos Betrunkene. - -Aehnliche Symptome zeigten auch die meisten Inder und selbst Star, dem -eisernen Mann, war die Luft höchst unangenehm, es überkam ihn ein -Schwindel. - -Dagegen vertrug Lindo die Luft vortrefflich und da Kapitän Mors zur -Reparatur höchstens ein oder zwei Gehilfen gebrauchte, beschloß er, mit -Lindo die Arbeit zu vollenden und mit dieser auf der Stelle zu beginnen. - -Der Schaden wurde zunächst besichtigt und die Reparaturteile aus dem -Innern des Fahrzeuges hervorgeholt. - -Es war freilich ein recht unangenehmes Arbeiten, da man in die Kluft -hinuntersteigen mußte. Der Krater zog sich seitwärts noch ziemlich tief -in das Innere der Erde fort, dort, wo rabenschwarze Finsternis -herrschte. - -»So,« sprach Kapitän Mors, als er sich mit Lindo zur Arbeit fertig -machte. »Wir beginnen. Auf der Galerie des Weltenfahrzeuges aber müssen -immer ein paar Wächter stehen, die die Umgebung im Auge behalten, damit -wir vor unliebsamen Ueberraschungen gesichert sind.« - -»Was meint Ihr denn, was es hier gibt, Kapitän?« fragte Star, der diese -Worte vernommen. »Ich habe auch schon überall umhergesehen, aber -nirgends etwas Lebendes bemerkt. Der Weltenkörper ist ja so klein, hier -gibt es wohl gar kein tierisches Leben.« - -»Hast Du nicht die reiche Vegetation auf verschiedenen Stellen des -Planeten gewahrt?« fragte Mors. »Eine üppige Vegetation ist es, -tropisch, wie in der Vorzeit der Erde. Wo sich solche Vegetation -befindet, gibt es auch Tierwelt. Es fragt sich nur, in welchem Stadium -sich dieser Planet befindet, aber das kann uns wohl der Professor sagen, -der wird schon seine Beobachtungen anstellen.« - -»In der Umgebung scheint alles tot und starr zu sein,« meinte Star. »Da -gibt es keine Vegetation, da sieht man nur zackige Felsenspitzen, -ausgebrannte Krater, Klippen und Felsblöcke.« - -Wenige Minuten später verließ Mors mit Lindo und einigen anderen Indern -die Galerie des Weltenfahrzeuges. - -Man benutzte eine Leiter, um die nächsten Klippen zu erreichen. Hierauf -begann man die Umgebung des Absturzes zu erforschen. - -Man sah nichts als Klüfte, ausgebrannte Krater, Steinmassen von den -wunderlichsten Formen. - -In einiger Entfernung donnerte der Vulkan und schleuderte seine -glühenden Lavablöcke in die Höhe. Aber diese stürzten nicht in der Nähe -der Landungsstelle herunter, von dort brauchte man nichts zu befürchten. - -Plötzlich deutete Lindo mit der Rechten in eine der Klüfte. - -»Kapitän,« rief er. »Was liegt dort? Seht doch mal, das Weiße! Das Ding -sieht ja unheimlich aus. Wahrhaftig, Kapitän, das Ding müssen wir mal -genauer untersuchen!« - -Der Kapitän schritt mit seinen Indern hinüber. - -Da lag neben einem Steinblock das Ding, welches Lindo mit seinen -scharfen Augen erspäht. Ein weißgebleichter Schädel von wahrhaft -ungeheuren Formen. - -Aller Wahrscheinlichkeit nach war es ein Tierschädel, aber niemand -konnte sagen, zu welcher Gattung dies Geschöpf gehört hatte. Neben -diesem Ueberrest sah man einige ungeheure Knochen. - -Diese waren zerbrochen und Lindo beugte sich jetzt zu diesen -Ueberbleibseln nieder. - -»Kapitän,« rief er. »Seht diesen zerschmetterten Knochen hier an. Das -ist aber kein Bruch, nein, seht die Eindrücke, wie zackig und spitz -dieselben sind. Kapitän, dieser Knochen ist zweifellos von den Zähnen -eines unbekannten riesigen Ungeheuers zerbissen worden.« - - - - - 3. Kapitel. - Eine abenteuerliche Expedition. - - -Kapitän Mors konnte nur die Beobachtung seines getreuen Lindo -bestätigen. - -Die Knochen, die hier lagen, rührten von einem Ungeheuer her, und sie -waren anscheinend von einem anderen Ungetüm zerbissen worden. - -Man hoffte Auskunft von dem Professor, der jetzt eilend herbeikam, und -der ja nicht allein Kenntnisse in der Sternenkunde besaß, sondern auch, -wie es viele Astronomen zu tun pflegen, langjährigen geologischen -Studien obgelegen hatte. - -Er betrachtete mit Erstaunen und Interesse diese Ueberreste. - -»Der Schädel liegt noch nicht lange hier, Kapitän,« rief er endlich. »Er -ist rein abgenagt und solche Schädel habe ich oft genug in den Museen -der Erde gesehen. Es sind die Schädel von ungeheuren Tieren der Vorzeit, -aber dieses Tier hier ist mir völlig unbekannt. Doch möchte ich -annehmen, daß es zu den Sauriern gehört, zu jenen furchtbaren -Rieseneidechsen, die einst auch die Erde bewohnten.« - -»Schöne Bescherung,« meinte Star, indem er forschend umherblickte. »Da -könnte plötzlich solch Beest auftauchen. Herrgott, hat das Ding einen -Rachen! Da wäre unsereiner nur ein Bissen als Frühstück, da müssen wir -uns höllisch in acht nehmen.« - -Der Professor hörte diese Worte. - -»Ich glaube aber nicht, daß wir jetzt etwas zu fürchten haben, es sieht -so aus, als hätte sich hier vor kurzer Zeit Wasser befunden, welches -durch irgend eine Ursache in die Tiefen der Erde abgeflossen ist. Diese -Rieseneidechsen aber hielten sich immer in der Nähe des Wassers auf. -Unmöglich ist es freilich nicht, daß sich da unten in den Felsenklüften -noch Wasseransammlungen befinden.« - -»Gut,« sprach Kapitän Mors. »Da müssen wir eben wachsam sein und immer -die Augen offen halten. Es scheint mir aber, als wenn wir in dieser -trostlosen Gegend nichts zu fürchten hätten. Etwaige tierische Bewohner -des Planeten können sich drüben in den tropischen Wäldern aufhalten.« - -Man sah es dem Professor an, daß er förmlich danach lechzte, diese -Seltsamkeiten kennen zu lernen. Er war befriedigt, daß es ihm vergönnt -war, einen Blick in die Vorzeit zu tun, daß er sich auf einem kleinen -Planeten befand, der noch um viele hunderttausend Jahre in der -Entwicklungsgeschichte zurück sein mußte. - -Kapitän Mors aber sorgte für Vorsichtsmaßregeln. - -Er begann mit Lindo sofort die Reparaturarbeiten vorzunehmen, während -einige Wächter auf der Galerie die Umgebung im Auge behielten. - -Lange arbeiten konnte man freilich nicht, da die eigenartige Luft zu -öfterem Ausruhen mahnte. Selbst Kapitän Mors fühlte schon nach wenigen -Stunden eine Erschlaffung, die er kaum mit seiner eisernen Energie -besiegen konnte. - -Unter diesen Umständen konnte der erzwungene Aufenthalt auf dem kleinen -Planeten längere Zeit in Anspruch nehmen. - -Verdächtiges zeigte sich aber nicht, nichts Lebendes war zu erblicken, -die Wächter sahen keine befremdlichen Erscheinungen. Man hörte nur das -Donnern des Vulkans, der sich aber immer mehr zu beruhigen schien. - -Als am dritten Tage der Professor seine Bitte wiederholte, gab Kapitän -Mors nach. - -»Ich gehe selbst mit,« sprach er. »Lindo kann während meiner Abwesenheit -die Arbeit allein fortsetzen. Selbstverständlich nehmen wir unsere -elektrischen Waffen mit, auch wollen wir uns nicht allzu weit entfernen. -Unser Marsch geht nach dem Walde hinüber.« - -Der Professor strahlte vor Entzücken, der sonst so ernste Mann wußte gar -nicht, wie er seine Freude beherrschen sollte. Er brannte vor Ungeduld, -einen Blick in diese Wunderwelt zu tun, während Kapitän Mors seine -gewohnte Ruhe und Geistesgegenwart zeigte. - -Star sollte auch zurückbleiben. Kapitän Mors bestimmte drei Inder, die -ihn und den Professor begleiten sollten. - -Hierauf versah man sich mit Lebensmitteln, mit Instrumenten, die ein -Verirren verhindern sollten, ferner mit den furchtbaren elektrischen -Waffen. - -Der Planet besaß eine ungemein schnelle Umdrehung, und da er sehr klein -war, so dauerte der Tag wenig mehr als eine Stunde, ebenso war es mit -der Nacht, jedoch erleuchtete während der Finsternis zuweilen der Mond -die seltsame Umgebung. - -Damit mußte man also von Anfang an rechnen, und Kapitän Mors beschloß, -während der Dunkelheit verdächtige Distrikte zu meiden. Er setzte sich -mit seinen vier Begleitern in Marsch und nun ging es über das unebene -Terrain nach der Vegetationszone hinüber. - -Die eigenartige Luft täuschte und der Wald war ferner, als man geglaubt -hatte. - -Durch die mitgenommenen Ferngläser konnte man schon unterscheiden, daß -sich dieser Wald von allem, was man auf der Erde gesehen, bei weitem -unterschied. - -Anfangs konnte man die Waldbäume für Palmen halten, aber bei näherer -Betrachtung glichen sie eher riesigen Farren, alles hatte einen -unheimlichen, schier gespenstigen Anblick. - -Man sah keinen Vogel, keinen Schmetterling, freilich waren hier noch -immer die kahlen, nackten Felsen. Drüben im Walde konnte es anders sein, -da konnte sich ein merkwürdiges Tierleben zeigen. - -Aber jetzt veränderte sich die Formation des Bodens, das Felsgestein -verschwand allmählich, der Boden war weich und sumpfig. - -»Acht geben,« klang Kapitän Mors' Stimme, die ganz eigentümlich in der -dicken Luft ertönte. »Acht geben, wir müssen im Gänsemarsch gehen. Einer -hinter dem anderen. Sonst versinken wir hier ins Bodenlose. Das ist ein -Sumpf der Urzeit. Ein Morast, in dem wir spurlos verschwinden können. -Aber hier geht eine Felsenrippe hindurch, die müssen wir benutzen.« - -Es war in der Tat die größte Vorsicht geboten, um so mehr, als der -ausnehmend kurze Tag ja schon wieder zu Ende ging und die eben so kurze -Nacht herannahte. - -Kapitän Mors und seine Begleiter aber hatten elektrische Laternen -mitgenommen und so konnten sie den steinernen Weg durch den Sumpf -verfolgen. Diese Felsenrippe war der einzige Pfad, welcher zu dem Wald -hinüberführte. - -Es wurde schnell dunkel, aber das elektrische Licht zeigte den Weg. An -einer Stelle, wo sich der Felsenpfad verbreiterte, wurde kurze Rast -gemacht. Nach anderthalb Stunden wurde es schon wieder Tag, da sich der -Planet mit riesiger Geschwindigkeit um sich selbst drehte. Links und -rechts war der Morast, aber dort war alles still. Kein Laut unterbrach -das unheimliche Schweigen. - -Endlich war man am Walde angelangt, aber Kapitän Mors machte vorläufig -keine Anstalten, hineinzugehen. Der kurze Tag war schon wieder zu Ende. - -»Sollen wir nicht ein Feuer anzünden, Kapitän?« fragte Lindo. - -»Es würde schwerlich brennen,« erwiderte Kapitän Mors, »denn Du siehst -ja, hier ist alles mit Feuchtigkeit förmlich gesättigt und dann glaube -nur nicht, daß sich die Wesen, die hier leben, durch das Feuer -abschrecken lassen. Im Gegenteil, sie möchten neugierig hinzukommen.« - -Bald wurde es wieder dunkel, aber nun hörten die fünf Männer, die am -Rande des Waldes harrten, seltsame Töne, die aus dem scheinbar -undurchdringlichen Dickicht herüberschallten. - -Furchtbare Töne waren es. Man hörte ein Schnaufen, ein Aechzen, als wenn -der Sturmwind wehte. Dann krachte es und brach es zwischen den -farrenartigen Bäumen, als ob sich massige Körper hindurchwälzten. - -Auch in den Lüften ließen sich sonderbare, schreckliche Laute vernehmen, -ein Klatschen und Flattern, ab und zu hörte man ein durchdringendes -schrilles Pfeifen, einige Male war es den Männern auch, als ob ein -großer schwarzer Schatten durch die Luft und Finsternis segelte. - -Als es aber nach anderthalb Stunden hell wurde, war alles ruhig, da war -nichts zu hören und nichts zu sehen. - -»Also gibt es auch hier ein Nachtleben,« sprach der Professor zu Mors. -»Eine nächtliche Tierwelt. Die lebt da drinnen in dem Dickicht und -sicherlich war es ein Urvogel oder eine riesengroße Fledermaus, die -während der Dunkelheit über unseren Häuptern dahinflatterte.« - -Jetzt versuchte man in das unheimliche Dickicht einzudringen, aber das -erwies sich als unmöglich. Der Boden war weich, durchlässig, wie ein -Schwamm, beim ersten Schritt in das Dickicht mußte man bis an den Leib -einsinken. - -Als Lindo es dennoch versuchte, krachte und prasselte es neben ihm in -dem undurchdringlichen Gebüsch, der Inder prallte zurück, aber er -glaubte noch etwas unheimlich Großes gesehen zu haben, welches sich -durch das Dickicht fortwälzte, dunkel, schleimig, ein Untier, welches -offenbar sein Heil in der Flucht suchte. - -»Sicherlich ist das eine der Rieseneidechsen gewesen,« sprach der -Professor. »Die hausen hier in dem undurchdringlichen Farrenwalde. -Merkwürdig, daß uns der Koloß nicht angegriffen hat. Das ist ein Beweis, -daß selbst diese Giganten vor dem Anblick der Menschen erschrecken. Wir -mögen dem Riesentier allerdings sonderbar genug vorgekommen sein.« - -Einer der übrigen Inder war inzwischen auf einer anderen Stelle in den -Wald gedrungen, aber auch nur wenige Schritte vorwärts gekommen. - -Er kehrte rasch zurück und erzählte, daß er ein schlangenartiges Ungetüm -gesehen hätte, welches von einem der Farrenbäume herabglitt und dann -spurlos in dem undurchdringlichen Unterholz verschwand. - -»Nun, Professor?« fragte der Kapitän. »Was sagen Sie dazu? Wollen wir -wirklich in den Wald eindringen? Wir müßten allerdings schon wie die -Affen von Baum zu Baum klettern. Aber wenn Sie Lust haben, ich bin dazu -bereit.« - -Der Professor bewunderte den kühnen Mann, der so kaltblütig in das -furchtbare Dickicht hineinblickte. Er wußte, daß Kapitän Mors nicht -scherzte, daß dieser mit ihm ging, wenn er den Wunsch aussprach, den -schrecklichen Wald näher untersuchen zu wollen. - -»Nein, ich denke, wir lassen es lieber,« erwiderte der Professor. »Das -hieße direkt mit dem Tode spielen. Ja, wenn der Tag länger dauerte, aber -bei dieser kurzen Zeit würde uns ja wieder die freilich kurze Nacht -überraschen. In der Nacht möchten wir den Ungetümen, die den Wald -bewohnen, fast wehrlos gegenüberstehen. Auch weiß ich bereits genug. -Dieser Planet befindet sich in einem Zustand, wie ihn die Erde auch -durchgemacht hat, nämlich zur Zeit der großen Saurier und schließlich -wird auch für diese Miniaturwelt die Zeit kommen, wo sich das allgemeine -Lebensprinzip erfüllt, wo intelligente Wesen anstelle der Ungeheuer hier -treten. Wer weiß, vielleicht ist der Keim zu menschenähnlichen Wesen in -dieser kleinen Welt schon verborgen, vielleicht lebt schon ein Wesen in -diesem Dickicht, aus dem sich dereinst ein vernunftbegabter Bewohner -dieses kleinen Planeten entwickelt. Es gibt hier noch andere Dinge, die -man erforschen kann, daher ist es besser, wenn wir umkehren.« - -Kapitän Mors gab seine Einwilligung zu erkennen, es hatte ja auch nicht -den geringsten Zweck, daß man vordrang. Die Farrenbäume wuchsen in einem -Morast, dort liefen die kühnen Eindringlinge Gefahr, spurlos im Sumpf zu -verschwinden. - -Nun ging es wieder über die Felsenklippe zurück, wo die Dunkelheit die -Wanderer überraschte. Da hörte man vom Walde her wieder die -schrecklichen Töne, das Aechzen, das Rauschen und Prasseln, den -durchdringenden Schrei und das Flattern des Riesenvogels oder der -ungeheuren Fledermaus, welche durch die Lüfte flog. - -Dann kehrte man, als es hell wurde, wieder in die Steinwildnis zurück, -wo der »Meteor« in dem erloschenen Vulkan lag. - -Man sah Lindo und Star, die von einigen Indern unterstützt, an dem -Riesenmagneten hantierten. - -Die Männer winkten eifrigst, als sie Kapitän Mors und dessen Begleiter -erblickten. Die Rückkehrenden glaubten schon, daß ihre Gefährten in -Besorgnis gewesen seien. - -Lindo kam dem Kapitän mit großen Sprüngen entgegen. - -Es sah sonderbar aus, wie er mit der Leichtigkeit eines Federballs über -ziemlich hohe Felsblöcke hinwegsprang, aber das war ja kein Wunder, auf -diesem kleinen Weltkörper konnte der um so vieles leichtere -Menschenkörper auch höhere Sprünge unternehmen, ohne sich im mindesten -zu verletzen. - -»Was gibt's?« fragte Mors. »Ist etwas Besonderes vorgefallen?« - - - - - 4. Kapitel. - Die Geheimnisse des Feuerberges. - - -»Da unten in dem ausgebrannten Vulkan ist es nicht ganz richtig,« meinte -Lindo. »Der ist wohl bloß scheinbar erloschen. Wir haben schon mehrmals -sonderbare Töne vernommen, ein Zischen und Fauchen und zwar als es -dunkel war. Das ist ja hier eine merkwürdige Geschichte. Tag und Nacht -ist so rasch, daß man kaum zur Besinnung kommt. Da unten in dem Krater -sind vielleicht die unterirdischen Gewalten tätig. Genug, da könnte es -leicht sein, daß uns plötzlich ein Lavastrom überraschte. Das wäre doch -eine bedenkliche Sache.« - -Kapitän Mors ging sofort nach der Stelle, wo der »Meteor« halb aus dem -Krater hervorragte. - -Er bog sich hinab und lauschte nach der Oeffnung hin, die seitwärts in -das Innere des Planeten hineinführte, denn dort waren wohl ehemals die -Lavaströme hervorgekommen. - -Es blieb aber alles ruhig, es ließ sich nichts Besonderes vernehmen. - -»Es war sicherlich siedende Lava,« sprach Lindo, »es brauste und -zischte, wie in einem Höllenkessel. Da links aber, wo sich die große -Höhlung befindet, da war es auch nicht richtig. Da hinter den -Felsblöcken haben wir auch ein sonderbares Geräusch vernommen, was -freilich ganz anders klang. Ich sage Euch, Kapitän, die unterirdischen -Gewalten ruhen nicht, die können bei der ersten Gelegenheit -hervorbrechen. Da wäre es mit unserem »Meteor« vorbei, da könnten wir -unser Leben auf dem unheimlichen Planeten beschließen.« - -Diese Erklärung Lindos brachte Kapitän Mors auf den Gedanken, vorerst -weitere Wanderungen auf dem merkwürdigen Weltkörper zu unterlassen und -seine ganze Energie der Wiederherstellung des Weltenfahrzeuges -zuzuwenden. - -Der Professor freilich schwärmte noch immer von diesen Wundern einer -Welt, die für den Erdenkörper seit hunderttausenden von Jahren -verschollen waren. Er glühte vor Forschereifer, er wollte auch die -Geheimnisse des großen Feuerberges erforschen. - -Da gab es allerdings Geheimnisse genug, denn dieser Ausbruch war ganz -anders, als eine Katastrophe auf dem Erdball. - -Man konnte diese Vulkanausbrüche mit den regelmäßigen Atemzügen eines -schlummernden Riesen vergleichen. - -Zeitweise war alles still, diese Ruhe dauerte manchmal eine viertel oder -gar eine halbe Stunde. Da lag der ungeheure Vulkan so ruhig, als wäre -das unterirdische Feuer vollständig erloschen. - -Dann aber hörte man ein dumpfes, langanhaltendes Grollen, dem ein -merkwürdiges Aechzen und Schnauben folgte. Es war, als ob das riesige -Ungeheuer, welches in der Tiefe zu ruhen schien, Atem holte und so zu -einer gewaltigen Kraftanstrengung Luft schöpfte. - -Dann tönte das Grollen von neuem, unmittelbar darauf folgte eine Art -schreckliches Gebrüll, aus dem hochragenden Gipfel stieg eine -fürchterliche Dampfwolke empor, gleichzeitig sah man durch diese -ungeheuer große Lavastücke in die Lüfte fliegen. - -Sie wurden mit einer solchen Gewalt emporgeschleudert, als ob sie aus -der Mündung eines kolossalen Geschützes ausgestoßen würden. - -Das war ein großartiger Anblick, noch großartiger aber war es, wenn -dieser Ausbruch in der Dunkelheit erfolgte, wenn diese riesigen -glühenden Lavablöcke auf den Abhängen des Vulkans niederschmetterten, -zerplatzten und einen Feuerregen umherschleuderten. - -Es war ein natürliches Feuerwerk, welches aller menschlichen Begriffe -spottete. - -Die Leute im Weltenfahrzeug wurden nicht müde, diese entfesselten -Naturgewalten anzustaunen, aber Kapitän Mors winkte jetzt seinem treuen -Lindo, daß er sich beeilen sollte, denn es galt nun, die schwierigste -Arbeit zu verrichten. Die metallnen Gelenke mußten wieder auf den -Diamanten montiert werden und da war die größte Vorsicht geboten. - -Die beiden Männer mußten mit Gummihandschuhen arbeiten, damit nicht etwa -ein plötzlich auftretender elektrischer Strom sie zu Boden schleuderte -oder gar tödlich verletzte. Solche Entladungen aber waren in der mit -Elektrizität gesättigten Atmosphäre des kleinen Planeten keine -Seltenheit. - -Unablässig bildeten sich Wolken, aus denen der Donner grollte und -furchtbare breite Blitze herniederzuckten. Dann brachte auch wohl eine -vorüberschwebende schwarze Wolke einen fürchterlichen Regenguß, sodaß -der Kapitän und Lindo ins Weltenfahrzeug flüchten mußten. - -Da niemand den beiden Männern helfen konnte und nur Mors und Lindo diese -Reparatur herzustellen vermochten, entschloß sich der Professor, mit -Star und einigen Indern nach dem Vulkan zu gehen, um dort die Ausbrüche -zu betrachten. - -Kapitän Mors ermahnte sie zur größten Vorsicht und empfahl ihnen, sich -nicht in die Nähe der herabstürzenden Lavablöcke zu wagen, sonst war -nichts dort zu befürchten. In der Nähe des Vulkans gab es kein -Tierleben. Dort hätte selbst eins der Ungeheuer des Waldes dem Wüten der -Naturgewalten erliegen müssen. - -Der Professor war sehr froh, daß er den Vulkan untersuchen konnte und -nahm einige Instrumente mit, die ihm zu verschiedenen Beobachtungen -dienen sollten. Gleichzeitig wollte er die Anziehungskraft und -verschiedene andere Eigentümlichkeiten dieses Miniaturplaneten messen. - -Die ehemaligen Mannschaften des Unterseebootes aber verließen das -Weltenfahrzeug nicht, da sie sich absolut nicht an die dicke Luft -gewöhnen konnten. Sie blieben also lieber in den Mannschaftsräumen, wo -man mit Leichtigkeit eine Luft herstellte, die der der Erde gleichkam. - -Mors und Lindo arbeiteten aber unentwegt an dem Riesenmagneten weiter. - -Der Professor und Star aber brachen mit den übrigen Indern auf und -turnten binnen kurzem mit unglaublicher Gewandtheit über das spitze -Felsengestein nach dem Vulkan hinüber. - -Hier waren ja die Körper so leicht, hier konnte man scheinbar -unüberwindliche Strapazen mit unglaublicher Schnelligkeit überwinden. Es -sah ordentlich drollig aus, wie die Männer, die noch dazu die -Instrumente trugen, wie die Gemsen von Stein zu Stein hüpften und breite -Spalten ohne Anstrengung übersprangen. - -Es schadete nicht einmal etwas, wenn man stürzte, wenn man nur nicht zu -tief fiel, denn bei der Leichtigkeit des Körpers war der Aufschlag ein -so geringer, daß man sich bei solchen Fällen nicht weh tat. - -Das einzig Unangenehme war nur der kurze Tag, denn man mußte nach -Verlauf von ein bis einundeinhalb Stunden anhalten, da man trotz der -elektrischen Laternen in der kurzen, aber dunklen Nacht leicht in eine -unbekannte Tiefe stürzen konnte. - -Je näher man dem Vulkan kam, desto mehr zeigten sich die unterirdischen -Gewalten. Da hörte man ein Brodeln, ein Zischen und Kochen. Es waren die -Lavabecken, die da unten brodelten, siedeten und kochten. - -Mitunter leuchtete auch der Feuerschein herauf und zwar ganz seltsam, es -waren blaue, grüne, gelbe und rote Flammen, im buntesten Gemisch. Diese -sonderbaren Flammen verrieten, daß es ganz eigentümliche Elemente sein -mußten, die sich hier im glühenden Zustande in der flüssigen Materie -befanden. - -Weiter drangen die Männer vor, bis sie endlich den kolossalen Vulkan -erreichten. Dort hatte eins der emporgeschleuderten Lavastücke den -Riesenmagneten des Weltenfahrzeuges getroffen und dies wunderbare Werk -des Kapitän Mors zum Absturz gebracht. - -Beim Aufstieg mußte man den Vulkan sorgfältig vermeiden. - -Das war nicht leicht, denn es schien, als ob eine besondere -Anziehungskraft in diesem Vulkan wohnte, als ob diese das Metall aus -welchem der Rumpf des Weltenfahrzeuges bestand, beherrschte. Man mußte -also die äußerste Vorsicht walten lassen. - -Daran hatte auch der Professor gedacht und er freute sich jetzt, daß er -dem Kapitän einen Dienst leisten konnte. Er wollte die Anziehungskraft -des Feuerberges untersuchen, dann würde man schon Mittel und Wege -finden, um das Weltenfahrzeug aus der gefährlichen Nähe des Kraters -bringen zu können. - -Dann konnte man auch diese Miniaturwelt wieder verlassen. - -Die Inder zeigten sich hier recht tollkühn, aber das war kein Wunder, -Feuerberge waren ihnen nicht fremd und in ihrer Heimat befanden sich die -Riesen der indischen Bergwelt, die weit über die Wolken hinausragten. - -Star und der Professor mußten die Ungeduld der Inder sogar zügeln, denn -die waren jetzt sehr unternehmungslustig. Sie stießen sogar noch -glühende Lavablöcke an den Abhängen des Vulkans hinunter, damit sie der -Professor besser untersuchen konnte. - -Der Professor hatte alle Hände voll zu tun, er schüttelte wiederholt -verwundert mit dem Kopf. Das Gestein, aus welchem der Feuerberg bestand, -war ganz eigenartig. Es enthielt ein Metall, welches auf der Erde -unbekannt war, aber sicherlich hohen Wert besitzen mußte. - -Die Instrumente wurden aufgestellt und an verschiedenen Stellen des -Feuerberges angebracht. Professor van Halen war unermüdlich und da -machte er die absonderlichsten Beobachtungen. - -Hier auf dieser kleinen Welt gab es eine Menge Wasser, aber das war wohl -meist in dampfförmigem Zustande, die feuchte Hitze, welche hier -herrschte, bewirkte eine unvergleichlich schnelle Verdunstung. - -Der Professor glaubte auch die Wahrnehmung zu machen, daß nach den -fürchterlichen Regengüssen, die von Zeit zu Zeit eintrafen, die -Ausbrüche des Vulkans häufiger wurden. - -Es war sicherlich noch der alte Kreislauf der Dinge, wie ehedem in der -Urzeit, hier folgten die Naturgewalten unmittelbar und erschienen -deshalb um so schrecklicher. In der Nähe des Feuerberges war die -Atmosphäre so dunstig und trübe, daß man nur selten einen Ausblick -erhielt, das Weltenfahrzeug konnte man nie sehen, obwohl es gar nicht -weit entfernt war. - -Der Professor überließ sich ganz seinen Beobachtungen, aber Star empfand -eine innere Unruhe, es war ihm immer, als ob sich in der Nähe des -Weltenfahrzeuges etwas Absonderliches zugetragen haben müsse. - -Er lachte zwar über diese Gedanken und verbarg sie vor dem Professor, -aber er konnte doch nicht hindern, daß er immer und immer wieder an die -Zurückgebliebenen mit Besorgnis zurückdachte. - -Aber auch der Professor hatte Bedenken, die freilich etwas anderes -betrafen. Seine Beobachtungen brachten ein Resultat, welches ihn mit -großen Befürchtungen erfüllte. - -Die Instrumente verrieten nämlich plötzlich eine ungemeine Spannung, die -immer mehr und mehr zunahm und zwar in einer Weise, daß man irgend eine -Naturkatastrophe erwarten konnte. - -Ob sie bald eintreten würde, stand freilich noch dahin, aber dem -Professor war es, als müßte demnächst auf dem kleinen Planeten ein -Aufruhr der Elemente stattfinden, der alles bisher Gesehene bei weitem -übertreffen müßte. - -Da stand wohl ein furchtbarer, vulkanischer Ausbruch bevor und da konnte -der Feuerberg in die fürchterlichste Tätigkeit treten. - -Aber der Professor dachte noch an etwas anderes, an die Möglichkeit, daß -die Lavamassen aus dem scheinbar erloschenen Krater, wo das -Weltenfahrzeug lag, hervorbrechen würden, dann konnte dort ebenfalls -eine fürchterliche Katastrophe erfolgen. - -Jedenfalls näherte sich der kleine Planet der Sonne und dieser Umstand -war es wohl, der eine gigantische Anstrengung der noch immer -entfesselten Naturkräfte drohen ließ. Van Halen hielt es daher für das -beste, wenn er jetzt zurückkehrte und den Luftpiraten warnte. - -Sowie es hell wurde, brach man auf, aber der Professor ließ einige -seiner Instrumente zurück, in der Ueberzeugung, daß er noch einmal -zurückkehren würde. - -Am Weltenfahrzeug fand man alles unverändert, die europäischen -Mannschaften verbrachten ihre Zeit meist mit Nichtstun oder Reinigen der -Maschinen. Lindo und Mors waren unablässig mit der Reparatur des -Riesenmagneten beschäftigt. - -Der Luftpirat kam dem Gelehrten entgegen. - -»Haben Sie das Brausen und Zischen wieder vernommen, Kapitän?« fragte -Halen, als er einen Händedruck mit dem Maskierten getauscht. - -»In der Tat,« lautete die Antwort. »Es scheint immer drohender und -unheimlicher zu werden. Auch will Lindo andere unheimliche Töne gehört -haben, aber davon habe ich nichts vernommen.« - -Der Professor dachte nur an das Brausen und Zischen, das waren -zweifellos die glühenden Lavamassen. Er begab sich nach der dunklen -Kluft und richtig, dort machte sich eine außerordentliche Wärme -bemerkbar. - -Dann teilte er Kapitän Mors seine Beobachtungen am Feuerberg mit. - -»Das ist in der Tat bedenklich,« meinte Kapitän Mors. »Da müssen wir uns -beeilen und noch eifriger arbeiten. Uebrigens eine Frage, bester -Professor, können Ihre Instrumente den bevorstehenden Ausbruch genauer -anzeigen?« - -»Sicherlich,« rief der Gelehrte. »Wenigstens dreißig Stunden vorher. Für -die Zeit von vierundzwanzig Stunden könnte ich mich geradezu verbürgen.« - -»Das ist gut,« erwiderte Kapitän Mors. »Da möchte ich Ihnen einen -Vorschlag machen. Sie sagen ja selbst, daß Sie in den Klüften des -Feuerberges ein ganz bequemes Unterkommen fanden. Kehren Sie also mit -Star und den Indern zu Ihren Instrumenten zurück und signalisieren Sie -mir, wenn Gefahr droht. Sie brauchen ja nur einen Eisenstab mitnehmen -und daran eine blutrote Fahne aufziehen, die könnte ich von hier aus -gewahren. Im äußersten Falle der Not würde ich meine Reservemaschinen in -Tätigkeit setzen. Es ist zwar gefährlich, aber in der Not könnte ich -mein Weltenfahrzeug von dieser gefährlichen Stelle hinwegbringen. Aber, -wie gesagt, es ist nur für den Notfall.« - -Dagegen ließ sich nichts einwenden, denn dieser Ausweg war der beste. - -Man versah sich also mit neuen Vorräten, die in reicher Menge vorhanden -waren. Auf dem Weltenfahrzeug befanden sich Lebensmittel, die für einige -Jahre reichen konnten. - -Das Wasser auf dem kleinen Planeten war, wenn auch an manchen Stellen -stark metallhaltig, doch an verschiedenen Stellen trinkbar. So brauchte -man für den Bedarf an dem wertvollsten Lebenselement nicht in Sorge zu -sein. - -Star, van Halen und die Inder kehrten also nach dem Feuerberg zurück, um -dort die Beobachtungen fortzusetzen. - -Der Kapitän sollte im entscheidenden Moment gewarnt werden. - -Dann war ja immer Zeit genug, das Weltenfahrzeug durch Anwendung der -Reservemaschinen nach einer anderen Stätte zu versetzen, freilich war -ein solches Gewaltmittel immer gefährlich. - -War es aber dunkel, so sollte eine blutrote Laterne die Stelle der roten -Fahne ersetzen. - -Kapitän Mors und sein getreuer Lindo arbeiteten also unablässig weiter. -Sie strengten alle Kräfte an, sie arbeiteten sogar beim Schein der -elektrischen Laternen, wobei ihnen noch der Mond behilflich war, der -jetzt des Nachts sein strahlendes Licht verbreitete. - -Die Atmosphäre war klarer geworden, in der Nacht sah man häufig die -Sterne funkeln. Die Wolken hatten sich teilweise nach den Wäldern -zurückgezogen. - -Aber es war noch etwas, was Lindo beunruhigte. Die sonderbaren Töne, die -er zuweilen aus der Kluft vernahm. - -Der Kapitän hielt es für Täuschung, aber Lindo hegte Bedenken, er meinte -immer, daß in dieser dunklen Kluft sich irgend etwas verbergen könnte, -etwas Gefährliches, was es aber war, wußte er nicht und konnte es auch -nicht wissen. - -Kapitän Mors kümmerte sich nicht darum und meinte, es wäre nur eine -Täuschung. Lindo aber warf während der Arbeit oft einen Blick nach der -Gegend, wo die Felsblöcke lagen. Er glaubte, dort sei etwas -Rätselhaftes, etwas Unheimliches verborgen. Dort aus der Kluft könnte -plötzlich das Verderben hervorbrechen. - - - - - 5. Kapitel. - Die Ungeheuer der Tiefe. - - -So vergingen die Tage und die ebenso langen Nächte rasch dahin, Mors und -Lindo gönnten sich nur die notwendigste Ruhe. - -Die in dem Weltenfahrzeug befindlichen Leute mußten fortwährend nach dem -Feuerberg Ausguck halten und nachsehen, ob sich nicht etwa die rote -Laterne oder die rote Flagge zeigte. - -Bis jetzt war aber nichts zu sehen gewesen. Die Gefahr lag also noch -fern. Noch hatte der Professor das Warnungssignal nicht gegeben. - -Inzwischen näherten sich die Reparaturarbeiten ihrem Ende. Die -Verbindungen waren schon wieder hergestellt, aber nun kam die -schwierigste Arbeit. Man mußte die neuen Gelenkstangen auf die in dem -Weltenfahrzeug angebrachten riesigen Diamanten montieren. - -Das geschah auch außerhalb des Fahrzeuges, dort waren sogar die -wichtigsten Arbeiten zu verrichten, und die beiden Männer versahen ihre -Aufgabe mit wahrem Feuereifer. - -So lange die Sonne schien, brauchten sie kein künstliches Licht, aber -sobald die Dunkelheit kam, arbeiteten sie mit ihren elektrischen -Laternen. - -Die Warnungssignale am Berge aber waren immer noch nicht erschienen. - -Kapitän Mors glaubte schon, daß gar keine Gefahr drohe und daß das -Ungewitter wieder vorübergezogen sei, vielleicht hatten die Spannungen, -die der Professor an den Instrumenten beobachtet, schon wieder -nachgelassen. - -So war wieder einmal die kurze Nacht gekommen. - -Der Himmel war klar, die Sterne funkelten, der Mond schien so hell, daß -die beiden Männer kaum der elektrischen Laternen bedurften. - -Da vernahm man das Zischen und Brausen, welches zeitweise in den -Eingeweiden dieser Miniaturwelt hörbar wurde. - -»Es sind die Lavamassen,« meinte Lindo. »Heute ist es stärker, als -sonst, aber der Professor scheint noch keine Gefahr zu befürchten, sonst -würde er das Signal zeigen.« - -Das Brausen und Zischen dauerte fort, da man es aber so oft gehört, -kümmerte man sich nicht weiter darum. Jedenfalls kamen die Lavamassen -noch nicht hervor, die tobten noch tief unter der Erde. - -Mit einemmal hielt Lindo in der Arbeit inne. - -»Hört, Kapitän, hört,« rief er stutzend, »hört Ihr nicht die seltsamen -Laute? Das ist etwas ganz anderes, das ist das, was Ihr immer nicht -glauben wolltet. Es kommt von jener verdächtigen Kluft her, es ist ein -richtiges Schnarchen und Röcheln!« - -In der Tat hörte Kapitän Mors jetzt selbst die Töne, von denen Lindo -mehrmals erzählt und die er für Täuschung gehalten. - -Der Eingang der Kluft war von dem Ort, wo die beiden Männer hantierten, -durch einige emporragende Felsen verdeckt. - -Bald schien auch das Röcheln und Schnarchen zu verstummen. - -Kapitän Mors wendete sich wieder seiner Arbeit zu, als Lindo von neuem -aufschrie: - -»Kapitän, da seht -- da, eine Schlange! Eine ganz seltsame Schlange!« - -Der Luftpirat fuhr herum. - -Richtig, dort über der Klippe, hinter der die Kluft lag, ragte etwas -hervor, was wie der Hals einer riesigen Schlange aussah. - -An diesem Hals aber hing ein sonderbarer Kopf, von ganz merkwürdiger -Form, der war nicht schlangenartig, sondern fast eckig, aus diesem Kopf -ragte eine lange, gelbe Zunge heraus, der Rachen war geöffnet und in -diesem sah man geradezu grauenvolle Zähne. - -Aber am fürchterlichsten waren die Augen an diesem Kopf, denn die -standen wie auf Sockeln, sie waren so groß wie Fäuste und flimmerten wie -Karfunkel. - -Dieser Kopf betrachtete die beiden Männer, dann kam das seltsame Röcheln -und Schnarchen aus dem geöffneten dampfenden Rachen hervor. - -Der erste Gedanke Kapitän Mors' war, die elektrischen Waffen zu holen, -aber die befanden sich im Innern des Fahrzeuges. Das Ungetüm aber, -welches da hinter dem Felsen emporragte, befand sich der Tür, welche in -das Innere des Weltenfahrzeuges führte, viel näher, als die beiden -Männer und konnte sie daher bei einem Rückzug mit Leichtigkeit abfangen. - -»Kapitän, da ist noch solch Ding!« schrie Lindo, indem er nach dem -Felsen deutete. »Das sieht ebenso fürchterlich aus. Nehmt Euch in Acht -Kapitän, die Beester schnappen!« - -In diesem Augenblick fuhren die langen Schlangenhälse auf die Männer zu. -Kapitän Mors und Lindo aber wichen gewandt aus und sprangen seitwärts, -indem sie unwillkürlich hinter einem anderen Felsblock Schutz suchten. - -Jetzt konnten sie seitwärts auf die Ungetüme schauen, aber da gewahrten -sie etwas ganz Merkwürdiges. - -Das waren keine Schlangen, sondern die langen Hälse saßen an einem -plumpen, fürchterlichen Körper, der so dick wie der eines Elefanten war, -dieser Riesenkörper war graubraun und schleimig, das Tier mit dem langen -Schlangenhals und den funkelnden Augen war ein Vierfüßler und an den -plumpen Füßen schienen sich mächtige Krallen zu befinden. - -Zwei dieser Bestien waren da, und sie rutschten jetzt mit ziemlicher -Geschwindigkeit heran. Sie suchten die beiden Männer anzugreifen. - -Kapitän Mors war jetzt alles klar. - -Diese bisher unbekannten Untiere, welche sicherlich zu den -Riesensauriern gehörten, hausten dort in der Kluft und kamen nur von -Zeit zu Zeit an die Oberwelt, um Beutezüge anzutreten. - -Sie waren es sicherlich, welche die großen Knochen, die da auf dem Stein -lagen, durchgebissen hatten. Das konnte man diesen fürchterlichen Zähnen -schon zutrauen. - -Nun galt es, sich zu verteidigen, denn die Ungetüme schienen sich -merkwürdig schnell zu bewegen, so plump sie auch aussahen, waren die -Bewegungen doch rasch und verhältnismäßig gewandt. Es war etwas -Eidechsenartiges, Bewegliches in der Art und Weise, wie sich diese -plumpen Massen vorwärtsschoben. - -Die beiden Männer waren mit ungenügenden Waffen ausgestattet. Kapitän -Mors besaß ein wohl fußlanges, haarscharfes Dolchmesser und Lindo hatte -eine schwere gleichfalls haarscharf geschliffene Axt aufgegriffen. - -»Kapitän, sie werden uns einholen,« rief der treue Inder ganz -verzweifelt. »Die Bestien bewegen sich so gewandt wie die Aale.« - -»Ja, ich sehe es, Lindo,« sprach Mors, der mit seinem treuen Begleiter -von Stein zu Stein sprang. »Es wird uns nichts übrig bleiben, wir müssen -kämpfen, wir müssen uns so gut es geht gegen die Ungeheuer der Tiefe -verteidigen.« - -Lindo biß die Zähne zusammen, aber er verlor die Geistesgegenwart nicht. -Treu wie er war, wollte er sogar Mors die Axt als die bessere Waffe -einhändigen und dafür das Messer nehmen. - -Der Luftpirat wies dies edelmütige Anerbieten zurück. - -»Nimm nur die Axt, treue Seele,« sprach er. »Das Messer genügt mir. Nun -will ich Dir einen Rat geben. Du siehst, daß diese Ungetüme sehr lange -und dünne Hälse haben, die scheinbar gar nicht zu den massiven Körpern -passen. Haue mit Deiner Axt nach der Stelle, wo sich dieser lange -Schlangenhals mit dem Körper vereinigt und suche dort die Halswirbel zu -durchhauen. Nun paß auf. Da kommen sie angeglitten.« - -Die beiden Ungeheuer schnarchten entsetzlich, man hörte, wie ihr -furchtbares Gebiß zusammenklappte. Jedenfalls waren es Fleischfresser -und die Bestien lechzten nach Beute. - -Freilich mochten ihnen diese seltsamen Geschöpfe, die Menschen, höchst -absonderlich vorkommen. Aber es waren Lebewesen, und die Kolosse -vertrauten auf ihre ungeheure Stärke. Sie waren auch wohl hungrig und -nun kamen sie herangeglitten, mit aalartigen Bewegungen, unheimlich -schnell, man konnte diesen Ungetümen nicht entrinnen. - -Der Rückweg zu dem Weltenfahrzeug war den beiden Männern abgeschnitten. -Es half nichts, sie mußten das Abenteuer bestehen. - -Kapitän Mors wandte sich gegen das größte Ungetüm, während Lindo beherzt -den Angriff des zweiten, kleineren Ungeheuers erwartete. - -Im Moment, als Kapitän Mors sich gegen das schnarchende Ungetüm wendete, -warf er einen flüchtigen Blick auf die Kluft, aus der die Ungetüme -hervorgestiegen sein mußten. - -Da gewahrte er noch etwas Bewegliches, da kam ein dritter Schlangenhals -zum Vorschein, ein drittes Ungetüm kam röchelnd und schnarchend aus der -Kluft hervorgekrochen. - -Aber Kapitän Mors hatte keine Zeit, sich mit weiteren Beobachtungen -abzugeben, er mußte handeln, die Gefahr drohte, sie war sogar aufs -äußerste gestiegen. - -Das riesige Ungetüm vor ihm richtete sich halb auf, der Schlangenhals -schwebte hoch über Kapitän Mors' Kopf, die Augen glühten und -schillerten, das Tier selbst war vom Mond grell beleuchtet. - -Jetzt hockte das Tier in einer sitzenden Stellung und suchte Kapitän -Mors mit den viel kürzeren Vordertatzen zu fassen. - -Aber Kapitän Mors war auf seiner Hut und es kam ihm zu statten, daß er -sich auf dem kleinen Planeten mit größter Leichtigkeit bewegen konnte. - -Blitzschnell wich er den Hieben der drohenden Tatze aus und sprang zur -Seite. Dann blitzte das lange Messer, Kapitän Mors stieß es in den -langen Schlangenhals des Tieres und zog den Griff der Waffe mit -kräftigem Schnitt nach der Mitte der Brust hinunter. - -Dunkelrotes Blut spritzte hervor, es war eine furchtbare Wunde, aber das -Tier schien sich wenig darum zu kümmern. - -Es schnarchte greulich, der lange Kopf auf dem Schlangenhals fuhr herab -und wieder sah Kapitän Mors das fürchterliche Gebiß mit den drohenden -Zähnen. - -Das Ungeheuer schien jedoch seine Beute weniger mit dem Gebiß packen, -als mit den Krallen erhaschen zu wollen, dabei hüpfte es auf den -Hinterbeinen sitzend, auf Mors zu, sodaß seine Bewegungen an die eines -riesigen Kängurus erinnerten. - -Jedenfalls war das Tier mit den sogenannten Lälaps verwandt, ein Tier -der Vorwelt auf Erden, welches einem riesigen Känguru ähnelte, nur, daß -dieses Tier den langen Schlangenhals besaß, der ihm das schlangenartige -Aussehen sicherte. - -Kapitän Mors konnte sich jetzt nicht um Lindo bekümmern und gewahrte nur -bei einem gedankenschnellen Blick, daß sein treuer Gefährte mit dem -zweiten Ungeheuer kämpfte. - -Jetzt kam der Riese wieder herangehüpft, schnarchte laut und suchte mit -seinen beiden gewaltigen Tatzen Kapitän Mors zu packen. - -Diesmal bückte sich der Luftpirat nur und führte einen furchtbaren Stoß -nach der Stelle, wo er das Herz des riesigen Ungeheuers vermutete. - -Ein gewaltiger Blutstrahl sprudelte hervor, fast wie aus einem -Springbrunnen. Kapitän Mors duckte sich schnell und entwischte gerade -noch aus den Krallen des Ungeheuers, die ihn zu packen drohten. - -Wieder tönte das Schnarchen, gräßliche Wut malte sich in den weiß -leuchtenden Augen des Ungetüms, aber seine Bewegungen waren nicht mehr -so schnell wie vorhin, es schien die Wirkung der blanken Waffe zu -spüren. - -Das Blut schoß wie eine Fontäne aus der Wunde in der Brust und es war -möglich, daß der Stich das Herz verletzt hatte. Die Bestie warf -schreckliche Blicke auf den Menschen, der jetzt mit Befriedigung die -entschwindenden Kräfte des Angreifers bemerkte. - -Inzwischen war Lindo auch nicht müßig gewesen und hatte mit der Axt auf -die von Mors bezeichnete Stelle losgehauen. - -Der Brave hieb zu, als wollte er einen Baumstamm fällen, aber das war -sein Glück. Es gelang ihm, mit der haarscharf geschliffenen Axt den -Halswirbel des Ungeheuers zu durchschneiden und das Rückgrat an der -Stelle zu trennen, wo der Schlangenhals mit dem massigen Leibe verbunden -war. - -Auch dieses Ungeheuer stieß ein fürchterliches Schnarchen aus, welches -aber fast einem Gebrüll ähnelte, dann drehte es sich ein paar Mal rund -herum, fiel auf den Rücken und begann im Todeskampf schrecklich zu -zappeln. - -Da sah Kapitän Mors, der eben noch seine Aufmerksamkeit seinem Gegner -zugewendet, das dritte Ungeheuer lautlos herangleiten. Kein Zweifel, es -wollte Lindo von hinten packen. - -»Drehe Dich um Lindo,« schrie der Luftpirat mit furchtbarer Stimme. »Es -ist noch eins hinter Dir! Rasch, rasch, es will Dich fassen!« - -Der Inder sprang blitzschnell bei Seite und das war sein Glück, da im -selben Moment das Ungetüm an der Stelle, wo er gestanden, anlangte. - -Es röchelte und schnarchte und drehte den langen Schlangenhals bald nach -rechts, bald nach links, indem es die beiden Männer mit den fürchterlich -leuchtenden Augen anstarrte. - -Aber jetzt wurde es von den beiden Männern angegriffen. Bald von links, -bald von rechts, sodaß die Bestie gar nicht wußte, wohin sie sich zuerst -wenden sollte. - -Lindo hieb mit der Axt auf die Halswirbel der Bestie los, Kapitän Mors -aber bohrte ihm das fußlange Dolchmesser in die Seite. - -Jedesmal schnarchte das Tier laut und fuhr herum, um seinen Gegner zu -packen, der aber sprang alsdann gewandt zurück, während sein Gefährte -den Angriff erneuerte. - -Immer lauter wurde das Schnarchen, das Röcheln; aber jetzt spritzte auch -das schwarzrote Blut von allen Seiten hervor, das Ungeheuer taumelte. -Kapitän Mors hatte sicherlich das Herz getroffen. Lindo aber hatte ihm -mit einem furchtbaren Axthieb den Halswirbel fast ganz durchgeschlagen. - -Inzwischen waren auch die beiden anderen Ungetüme verendet, und nun -sahen die zwei Männer auf die Kampfstätte, auf die drei Riesen der -Tierwelt, auf die Lachen geronnenen, schwarzroten Blutes. - -Aber da kam auch schon wieder der Tag heran, die kurze Nacht ging zu -Ende, die Sterne verblichen, die Sonne erschien und beleuchtete die -massigen Gestalten der erlegten Ungetüme. - -Vom Weltenfahrzeug herüber hörte man die Schreie der Männer, welche die -Besatzung bildeten. Aber die waren über den Anblick dieser unheimlichen -Riesentiere so entsetzt gewesen, daß sie gar nicht wußten, was sie tun -sollten. - -Jetzt aber erschienen sie auf der Galerie und wollten ihren Augen nicht -trauen, als sie die beiden Helden noch lebend sahen. - -»Na, Ihr habt uns schön im Stich gelassen,« rief Lindo ärgerlich. »Da -seht mal, was der Kapitän wieder mal geleistet hat.« - -»Laß es nur gut sein,« erwiderte Mors. »Du hast Dein redliches Teil dazu -beigetragen. Ich bin stolz auf Dich. Du hast gekämpft, wie ich es -erwartete. Wir sind Sieger geblieben.« - -»Hoffentlich kommen nicht mehr heraus,« meinte Lindo, indem er nach der -Kluft hinblickte. »Am Ende befindet sich eine ganze Herde darinnen.« - -»Das glaube ich nicht,« erwiderte Kapitän Mors. »Das halte ich für -ausgeschlossen. Diese Tiere leben sicherlich nicht in größerer Menge, -und ich glaube wohl, daß wir ein Pärchen dieser Kolosse mit einem -ausgewachsenen Jungen bekämpfen mußten. Genug, das Abenteuer ist vorüber -und wir sind die Sieger geblieben.« - -Da deutete Lindo nach dem Vulkan hinüber, der von der Sonne beleuchtet -wurde. - -»Kapitän,« schrie er. »Das Zeichen, das Signal! Kapitän, da weht die -rote Fahne! Jetzt droht uns Gefahr von den Elementen der Tiefe! Da -zischt es, da braust es schon wieder! Da will die Lava aus den -Eingeweiden der Erde hervorquellen!« - - - - - 6. Kapitel. - Im Todeskrater. - - -In der Tat hatte der Professor mit seinen Gefährten das Warnungssignal -erteilt. - -»Geschwind, Lindo,« rief Mors, für den das furchtbare Abenteuer schon -vergessen zu sein schien. »Jetzt ist jeder Augenblick Zeit kostbar. Wir -müssen die Arbeit am Riesenmagnet beenden. Ich denke, Star wird bald zur -Unterstützung herbeikommen.« - -Darin sollten sich die beiden Männer nicht täuschen. - -Bald kam die kurze Nacht, aber die Ungeheuer der Tiefe ließen sich nicht -mehr blicken, als es aber wieder hell wurde, kamen die Inder, Star und -der Professor vom Vulkan herüber. - -Die staunten nicht wenig, als man ihnen das Abenteuer erzählte und als -sie die Körper der getöteten Ungetüme gewahrten. Der Professor vergaß -sogar die Nachricht, die er brachte und mußte erst von Kapitän Mors -daran erinnert werden. - -Dann erstattete er seinen Bericht und deutete auf die Instrumente, die -man wieder mit zurückgebracht. - -»Die Katastrophe droht,« sprach der Professor. »In spätestens -vierundzwanzig Stunden werden die Lavamassen aus dem Innern der Erde -hervorbrechen, und wenn wir bis dahin nicht das Weltenfahrzeug aus dem -Krater befreit haben, ist alles verloren. Die Lavamassen würden das -Fahrzeug mit einem hunderttausende von Zentnern schweren feurigen Mantel -bedecken.« - -»Ich weiß,« erwiderte Mors. »Star, hierher, Du bist der einzige, der uns -jetzt helfen kann. Wir arbeiten jetzt, so lange wir können. Wenn die -Gefahr nahe rückt, muß ich zum letzten Mittel greifen, wenn es auch noch -so gefährlich ist, es geht eben auf Tod und Leben.« - -Da wurde kein Augenblick verloren. - -Auch der Professor bot seine Hilfe an, aber Mors konnte nur Star und -Lindo zu der Arbeit verwenden. Diese beiden waren die einzigen, die bei -der Herstellung des Riesenmagneten und der Fertigstellung der -Gelenkverbindungen Hand anlegen konnten. - -Diese Männer mußten sich jetzt die Lufthelme mit den dazu gehörigen -Apparaten aus dem Weltenfahrzeug holen, denn die Luft wurde dermaßen -dick und schwer, daß sie kaum noch zum Atmen geeignet schien. Sie war -jetzt nicht nur von Kohlensäure, sondern auch von Gasen gesättigt. Der -blaue Himmel verschwand und an seine Stelle traten ungeheure dicke -Wolken die ein schreckliches Aussehen hatten. - -Zuweilen krachte der Donner und dann zuckten Blitze von einer solchen -Helligkeit und solch enormer Ausdehnung, wie es die so viel gereisten -Männer noch nie gesehen hatten. Es war ein Aufruhr der Elemente, der -geradezu fürchterlich erschien und alles rührte, wie der Professor -behauptete, nur von den unterirdischen Gewalten her, die sich zu einem -geradezu fürchterlichen Ausbruch vorbereiteten. - -Von dem mächtigen Vulkan war nichts mehr zu sehen, diesen bedeckten die -ungeheuren Wolken, aber es krachte und prasselte unablässig in diesen -dichten Massen. Man hörte ein greuliches Rollen und Poltern, ein Beweis, -daß der riesige Vulkan sich bereits in voller Tätigkeit befand, daß sein -Krater glühende Lavamassen emporschleuderte. - -Aber nun begann es sich auch in der Nähe des Weltenfahrzeuges zu regen. - -Lindo blickte zuweilen nach der Kluft hin, aus der die Saurier -hervorgekommen waren, befanden sich dort noch mehr, so mußte sie der -Aufruhr der Elemente aus ihren Schlupfwinkeln hervortreiben. - -Aber das geschah nicht, die drei Tiere, welche dort gelebt, waren von -Lindo und dem Kapitän getötet worden. Von den Bestien dieser neuen Welt -war jetzt nichts mehr zu fürchten, wohl aber von den Elementargewalten. - -Die unheimlichen Töne kamen aus dem alten Krater, in welchen das -Weltenfahrzeug gestürzt war. Dort rauschte und zischte und brodelte es, -das war ein richtiger Höllenkessel geworden. - -Dort kam die Lava langsam empor, die feurige Masse, welche so lange in -der Tiefe geschlummert hatte. - -Man vernahm die unheimlichen Töne, welche diese siedenden Massen -hervorbrachten. Die Hitze nahm zu, zuweilen glaubte Lindo schon, die -glühenden Massen leuchten zu sehen. - -So arbeiteten die drei Männer mit fieberhafter Hast an der Herstellung -des Weltenfahrzeuges. - -Es war aber vorauszusehen, daß die Elemente schneller arbeiteten, als -die Menschenhand. Die Lava mußte hervorbrechen und das Weltenfahrzeug -erreichen. Geschah dies, so wurde das geniale Wunderwerk in die -glühenden Massen eingebettet und dann war es für alle Zeiten verloren. - -Kapitän Mors holte jetzt den Professor, nicht um ihn arbeiten zu lassen, -sondern damit van Halen die langsam empordringende Lava beobachtete. - -Der Astronom konnte die Arbeitenden noch rechtzeitig warnen, damit sie -sich mit ihm in das Weltenfahrzeug flüchteten. - -War aber dann die Arbeit noch nicht getan, so mußte eben Kapitän Mors -zum äußersten Mittel greifen, zu dem letzten Ausweg, der noch eine -Rettung versprach, obwohl diese Hilfe das Fahrzeug und seine Insassen in -die höchste Gefahr brachte. - -Der Professor versah sich ebenfalls mit dem Lufthelm, und begab sich zu -der schrecklichen Kluft. - -Dort war bereits alles rötlich erleuchtet, der Widerschein der glühenden -Lava, die langsam, aber unaufhörlich höher und immer höher drang, die -zuletzt den unheimlichen Todeskrater überfluten mußte. - -Dazu donnerte der Vulkan, man hörte sein Brüllen, man sah, wie die -Lavablöcke durch die Dunstmassen heruntersausten. Man hörte das -Aufprasseln der gewaltigen Massen, die auf dem steinigen Boden in -tausend Stücke zersprangen. - -Aber niemand hatte Zeit, einen Blick auf dies ebenso grausige, wie -wunderbare Bild zu werfen. Die Sorge für das Weltenfahrzeug nahm alle -Sinne in Anspruch. - -Plötzlich kam der Professor zurückgerannt. - -Seine Stimme klang dumpf und hohl in dem aus Metall und Glas bestehenden -Helm. Er deutete mit der Rechten nach der Kraterkluft hinüber. - -Es war gar nicht nötig, daß er sprach und die drei arbeitenden Männer -auf die Gefahr aufmerksam machte. Diese sahen bereits, wo die Gefahr -nahte. - -Dort bei dem Kraterkessel war ja alles in wilder Bewegung, da stieg eine -leuchtende, rote Masse hervor, rotglühender Brei floß zwischen den -schwarzen Steinen hindurch, es war die glühende Lava, die einen Weg nach -außen suchte. - -Noch lag das Weltenfahrzeug höher, als die feurige Masse, aber es durfte -keinen Augenblick Zeit verloren werden. - -Diesmal klang Kapitän Mors' Stimme dumpf und hohl, aber jedem -verständlich. - -Er forderte seine Begleiter auf, daß sie sich auf der Stelle nach dem -Weltenfahrzeug begeben sollten. - -Der Professor eilte hinüber, Lindo und Star folgten, nachdem sie die -Werkzeuge zusammengerafft hatten. - -Sie warfen dabei bedauernde Blicke auf den Lenkapparat, der noch immer -nicht ganz in Ordnung war. Der Riesenmagnet konnte noch nicht in -Tätigkeit treten. - -Der Kapitän folgte als letzter und schloß hastig die beiden metallnen -Türen. - -Dann kam er nach dem Maschinenraum, wo Star, Lindo und der Professor auf -ihn warteten. - -»Wir hätten uns ohnehin zum letzten Mittel entschließen müssen,« sprach -der Luftpirat, als er den Lufthelm abgenommen. »Die Instrumente sind ja -alle in wildester Verwirrung, wie es bei solchem Ausbruch elementarer -Naturgewalten nicht anders sein kann. Da wäre es sehr fraglich gewesen, -ob der Riesenmagnet gearbeitet hätte. Selbst wenn er sich in gutem -Zustande befand, hätte also doch die Maschine, die hier für den Notfall -aufgestellt ist, in Tätigkeit treten müssen. So, jetzt ist es Zeit, -Professor, gehen Sie nach dem Mittelraum, damit Sie keinen Schaden -nehmen. Wir wissen schon, wie wir uns hier schützen können. Lindo, Star, -Ihr beide tretet hinter die Panzerwand, jetzt kommt die Entscheidung.« - -Wenige Minuten später befand sich Kapitän Mors mit Star und Lindo allein -im Maschinenraum. - -Der Ingenieur und der Inder waren hinter die Panzerwand getreten, welche -die Männer gegen die Wirkungen der Maschinengewalt schützte. Kapitän -Mors aber hantierte an jenem eigenartigen Apparat, welcher bei einer -früheren Fahrt die beiden Meuterer zu Asche verwandelt hatte. - -Er zog an Hebeln, er drehte Schwungräder und bald erschallte ein Lärm, -der die Sinne betäuben konnte. - -Die seltsame Maschine war in voller Bewegung, die Schwungräder wirbelten -mit fürchterlicher Schnelligkeit herum, man sah leuchtende Strahlen und -zuckende Blitze, die zuweilen im Innern der Maschine entstanden, die -sich gleich elementaren Blitzen kreuzten. - -Die Maschine war eine Erfindung des Kapitän Mors, er hatte über ihre -Konstruktion stets den Schleier des Geheimnisses gebreitet. Die -Beschreibung dieser Maschine und ihre Wirkung war in der Bibliothek -verwahrt und lag dort in einem stählernen Kasten, dessen Schlüssel -Kapitän Mors niemals von sich ließ. - -Er war auch der einzige, der diese gefährliche Maschine in Tätigkeit -setzen konnte und imstande war, bis zum letzten Augenblick in der Nähe -der herumwirbelnden Schwungräder auszuhalten. - -Plötzlich sprang der Luftpirat mit mächtigem Satz hinter die Panzerwand, -welche Lindo und Star schützte. - -»Nun kommt die Entscheidung,« sprach Mors, während seine feurigen Augen -nach der Maschine hinüberblickten. »Entweder kommen wir jetzt aus dem -Krater heraus, oder wir werden samt dem Weltenfahrzeug in Atome -zerschmettert. Menschliche Kraft und menschliches Wissen sind -aufgeboten, aber jetzt stehe ich an der Grenze des Erreichbaren.« - -Im Maschinenraum tobte jetzt ein wahrer Höllenlärm, das rätselhafte Werk -des Kapitän Mors arbeitete, als würde es von bösen Geistern bedient und -getrieben. Es war ein Sausen und Brausen, ein Knattern und Krachen, ein -Zischen und Summen, daß Lindo und Star sich die Ohren zuhielten. - -Plötzlich ging ein Ruck durch das Weltenfahrzeug, dem bald darauf ein -zweiter und dritter folgte. - -Nun geschah etwas anderes, schier Unheimliches, Star und Lindo hatten -die Empfindung, als ob das Weltenfahrzeug emporgehoben würde. - -»Die Lava ist unter unserem Fahrzeug,« rief Star, als sich der Stoß -wiederholte. - -»Nein, sonst wäre alles vorüber,« erwiderte der Kapitän. »Die Maschine -hat jetzt ihre volle Kraft entwickelt und diese Kraft ist es, die uns -emporhebt und uns ein Stück von der gefährlichen Stelle hinwegtragen -soll. Gelingt dies nicht, so kann auch ich nicht mehr helfen.« - -Eine unheimliche Ruhe lag in diesen Worten des Kapitän Mors, ein Beweis, -daß diesem Manne der Tod gleichgiltig war. Der Ruck aber wiederholte -sich und wieder hatten Star und Lindo die Empfindung, als wenn eine -unheimliche Gewalt das Fahrzeug emporhebe und es gewaltsam hin- und -herschüttelte. - -»Wir schweben,« erwiderte Kapitän Mors. »Ich habe den Kurs des -Fahrzeuges nach Osten gerichtet, denn dort war eine ebene, wenn auch -steinige Fläche. Aber dort droht kein vulkanischer Ausbruch.« - -Das Weltenfahrzeug schwankte hin und her, aber es schwebte offenbar. - -Sicherlich flog es nicht hoch und Star fürchtete, daß es jeden Moment -gegen eine der nahen Klippen rennen möchte, zumal sich diese oft mehrere -hundert Meter hoch erhoben. - -Aber Kapitän Mors hatte den Kurs des Fahrzeuges aufs Genaueste berechnet -und die Richtung des Fahrzeuges so bestimmt, daß es zwischen den -drohenden Felsen hindurchfuhr. - -Wieder schwankte der Koloß hin und her, dann erhielt es plötzlich einen -Stoß, noch einen und das Weltenfahrzeug stand unbeweglich. - -»Ich glaube, wir sind gerettet,« rief der Luftpirat. - -Star wollte hinter der Panzerwand hervorkommen, aber Kapitän Mors hielt -ihn krampfhaft fest. - -»Stürze Dich nicht ins Verderben,« sprach er ernst. »Du siehst doch, daß -die Maschine noch immer in Tätigkeit ist. Es dauert noch eine Weile, ehe -sich die gigantische Kraft beruhigt.« - -Diese Warnung war notwendig, denn im Maschinenraum leuchtete es zuweilen -unheimlich auf. Es waren bläuliche und grünliche Blitze, welche die -Maschine schleuderte, und jeden Menschen, der sich in ihren Bereich -wagte, mit Verderben bedrohten. - -Diese Entladungen ließen allmählich nach, auch die Schwungräder -arbeiteten nicht mehr so wild wie erst. Sie drehten sich langsamer, -immer langsamer, bis sie endlich unbeweglich stehen blieben. - -Der Kapitän aber betrachtete mit stolzen Blicken dieses Werk, das sein -Genie geschaffen. - -»Ich habe viel von dieser Maschine erwartet,« sprach er halb für sich, -halb zu seinen Leuten. »Aber, sie hat meine Erwartungen übertroffen. -Jetzt, Star, kannst Du einen der Schieber vor dem Glasfenster öffnen.« - -Der Ingenieur tat, wie ihm geheißen, der schwere Schieber bewegte sich -seitwärts, ein roter Schimmer drang in das Innere des Maschinenraumes. - -Star stieß einen Ausruf des höchsten Staunens aus, als er ein nie -geschautes Bild erblickte. Lindo und Kapitän Mors waren sofort an seiner -Seite. - -Das Weltenfahrzeug lag auf einer steinernen Hochfläche, wenigstens -tausend Meter vom Todeskrater entfernt, aus dem es das Geschick und das -Genie seines Erbauers emporgehoben hatte. - -Dort aber war jetzt der Tod und das Verderben entfesselt, deutlich sah -man von diesem hochgelegenen Standpunkt aus die Lavaströme aus dem -scheinbar erloschenen Krater hervorbrechen und allgemach die Umgebung -überschwemmen. - -Man sah, wie die glühenden Lavamassen die Körper der drei getöteten -Rieseneidechsen umspülten und wie die Kolosse unter der Lava zu Asche -verbrannten. Dann bildeten die glühenden Massen einen kleinen See, aus -dem nur die höheren Felsen aus der Nähe des Todeskraters hervorragten. - -Dazu kam noch das Gebrüll des Vulkans, den man aber noch immer nicht zu -sehen vermochte. In der Nähe des Feuerberges wirbelten jetzt -dicke Mengen von Dampf und Qualm, die nur zuweilen durch die -herniederprasselnden, glühenden Steine erleuchtet wurden. - -Star betrachtete dieses großartige Bild, er sah, daß auch weiterhin -Ausbrüche stattfanden. Die Oberfläche des kleinen Planeten schien jetzt -ein Bild des Grauens und der Verwüstung zu bieten. - -»Es scheint, als ob der ganze Weltkörper auseinander gehen wollte,« -sprach der Ingenieur endlich zum Kapitän, der mit eiserner Ruhe das -großartige Bild betrachtete. - -»O nein,« lautete die Antwort, »das mag hier öfters vorkommen, und so -ist es auch früher auf der Erde gewesen. Das sind eben noch die -entfesselten Naturgewalten, die in der Erde nur noch in der Tiefe -schlummern. Hier ist die Kruste, welche diese Erde bedeckt, noch nicht -stark genug, um die tobenden Elemente zu bändigen, aber mit der Zeit -wird auch hier die Erstarrung eintreten.« - -Damit sah Kapitän Mors nach rechts und links, um die Umgebung des -Weltenfahrzeuges in Augenschein zu nehmen. - -Er war offenbar befriedigt. - -All seine Berechnungen waren in Erfüllung gegangen, der »Meteor« lag an -einer Stelle, wo ihm keine Gefahr drohte. Hier konnte man, wenn die Luft -wieder reiner geworden war, die Reparatur des Lenkapparates beenden und -den unheimlichen, kleinen Planeten verlassen. - -Nicht weit von der Fläche sah man Wald, der ebenfalls von Sumpf umgeben -war. Der Wald schien sich überhaupt nur an Stellen zu befinden, wo der -Sumpf die tieferen Stellen des Planeten bedeckte. - -In diesem Walde war alles in Bewegung, die tierischen Bewohner schienen -sich zu flüchten. Man sah zuweilen große graue Massen, die am Rande des -Gehölzes sichtbar wurden, aber sofort wieder in dem undurchdringlichen -Unterholz verschwanden. - -Am wunderbarsten aber sahen jene fledermausartigen Geschöpfe aus, die -jetzt durch das Toben der Elemente aufgestört, zuweilen über den Kronen -der Palmen oder der Riesenfarren auftauchten und mit sonderbaren -gaukelnden Bewegungen hin- und herflatterten. - -Es war jetzt gerade der kurze Tag und da konnte man diese Tiere durch -Ferngläser genauer betrachten. Sie waren halb Vögel, halb Eidechsen und -besaßen Flughäute wie die Fledermäuse, sowie große mit spitzen Zähnen -besetzte Rachen. - -Man konnte sogar im Weltenfahrzeug die schrillen Laute hören, welche die -flatternden Ungetüme ausstießen. Sie wußten offenbar nicht, wohin sie -sich wenden sollten und waren auch wohl durch das Licht der Sonne -geblendet. - -Dann aber verschwand wieder alles und es war, als ob sich ein dichter -Schleier auf diese Landschaft legte. Aschenwolken verhüllten die -Landschaft, sie senkten sich vom Vulkan herab und die Asche bedeckte die -ganze Umgegend mit einer silbergrauen Schicht, die sich zuletzt zollhoch -anhäufte. - -Aber das war ein gutes Zeichen. - -Kapitän Mors wußte, daß große Vulkanausbrüche gewöhnlich mit einem -Aschenregen zu enden pflegen. So war es auf der Erde, so war es auch -höchstwahrscheinlich auf dem neuen Planeten. - -Er täuschte sich nicht, denn das fürchterliche Donnern ließ allmählich -nach, das Krachen und Prasseln verstummte, der Boden zitterte nicht mehr -so wie bisher, der Vulkan ging zur Ruhe. - -Noch mußte man stundenlang ausharren und es wurde abwechselnd Nacht und -Tag, aber dann konnte man das Weltenfahrzeug verlassen und sogar die -Lufthelme zur Seite legen. - -Freilich war die Luft noch immer dick und schwer, aber viel reiner als -vor dem Vulkanausbruch, die ungeheuren Naturgewalten schienen die -Wirkung eines Gewitters gehabt zu haben. Sie hatten die Luft gereinigt. - -Dort aber am Todeskrater, wo das Fahrzeug gelegen, brodelte und kochte -ein Feuersee, dort war die Lava hoch emporgestiegen, der Krater war -vollständig ausgefüllt, später mußte dann diese brodelnde Masse -erstarren. - -Mit Bewunderung betrachteten die Mannschaften des Weltenfahrzeuges den -genialen Führer, der sie alle vom Tode rettete und der jetzt, als wäre -nichts geschehen, mit Star und Lindo die Arbeit am Lenkapparat -fortsetzte. - -Freilich hatte das Fahrzeug andere Beschädigungen erlitten. - -Als es durch die unheimliche Maschine emporgehoben den Todeskrater -verließ, war es ziemlich schwer, ja unsanft auf die Steine gestoßen. Die -Röhren, welche die flüssige Luft im Fahrzeug verteilten, waren zum Teil -verbogen, gequetscht, auch die Einrichtung für die Luftversorgung hatte -gelitten. - -Freilich reichte der Vorrat der verwendbaren Luft noch einige Zeit, aber -eine Fortsetzung der großen Fahrt konnte vorerst nicht unternommen -werden. Man mußte die vorhandenen Vorräte benutzen, um zunächst nach der -Erde zurückzukehren. Die Fahrt nach dem Monde mußte von neuem -unternommen werden. - -Aber Kapitän Mors gehörte ja zu jenen Männern, die nie die Geduld -verlieren, er wußte, daß dies, was er unternommen, von niemand anders -auf der Erde geleistet werden konnte. Er hatte auch keine Veranlassung, -alles, einem verzweifelten Spieler gleich, auf eine Karte zu setzen. - -»Sowie der Lenkapparat in Tätigkeit gesetzt ist, nehmen wir Kurs nach -der Erde,« sprach der Kapitän, indem er auf die kleine, seltsam -leuchtende Scheibe zeigte, die jetzt wieder am Himmel sichtbar wurde. -Das war die Erde, dorthin ging der Lauf, nach dem irdischen Planeten -zurück, dessen Beobachter nichts von dem Vorhandensein des kleinen -Planeten ahnten. - -Nach harter Arbeit war das Werk vollendet, der Riesenmagnet konnte -wieder in Tätigkeit treten, der Lenkapparat gehorchte der Hand des -Meisters und als wieder eine der kurzen Nächte vorüber war, erhob sich -der »Meteor« stolz von der Oberfläche des kleinen Planeten. - -Durch die dicken Glasfenster aber sahen die Männer herunter auf den -kleinen Planeten, auf dem sie so viele Abenteuer erlebt hatten. Sie -sahen den Todeskrater oder vielmehr die Stelle, wo sich derselbe -befunden. Sie sahen den glühenden Lavasee und den Vulkan, aus dessen -Krater noch immer dicke schwarze Dampfwolken stoßweise emporfuhren. - -Sie sahen die Wassermengen in den tiefen Tälern, die Sümpfe, die -unheimlichen Wälder, welche eine noch unheimlichere Tierwelt bargen, -aber das alles entschwand in wenigen Minuten. - -Kleiner, immer kleiner wurde der seltsame Planet, jetzt zeigte er schon -die Kugelgestalt, dann schrumpfte er allmählich zum Stern zusammen, ein -winziges Teilchen des Weltalls wurde der kleine Planet, während das -Weltenfahrzeug mit furchtbarer Schnelligkeit zurück nach der Mutter Erde -sauste. - - - - Das Weltenfahrzeug schwebt im Weltenraum. Links unten sieht man - die Oberfläche des Mondes mit seinen Ringgebirgen; rechts den - Planeten Saturn mit seinen eigenartigen Ringen, die den Planeten - umkreisen. - - 1. Der Metallrumpf des Weltenfahrzeuges. - 2. Fenster aus stärkstem Glas, durch Gitter geschützt und durch - Metallschieber verschließbar. - 3. Die Tür zur Außengalerie, luftdicht verschließbar. - 4. Treppe zur oberen Galerie. - 5. Der Ausguck. - 6. Obere Galerie. - 7. Der Scheinwerfer. - 8. Der Riesenmagnet. - 9. Die Leitungen für den Riesenmagneten, mit ungeheuren Diamanten. - 10. Lenkapparat. - 11. Die Kraftzentrale. - 12. Einrichtung für die Luftversorgung. - 13. Elektrizitätsbehälter. - 14. Metallbehälter. - 15. Röhren für flüssige Luft. - 16. Apparat für Gegenwirkung des Riesenmagneten, auf Diamanten - montiert. - 17. Beweglicher Metallring. - 18. Klappen, zu luftleeren Räumen führend. - 19. Das »Gelenk« des Riesenmagneten. - 20. Der elektrische Lichtkegel. - - - - -Anmerkungen zur Transkription - - -Dieser Text wurde nach einem Nachdruck-Auswahlband transkribiert: Heinz -J. Galle (Hrsg.): Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff. Dieter -von Reeken, Lüneburg, 2005, S. 123-160. Moderne Zusätze und Anmerkungen -wurden nicht übernommen. - -Eine Ungereimtheit findet sich in Kapitel 3: Lindo, der eigentlich -die Arbeiten am Weltenfahrzeug fortsetzten sollte, ist plötzlich -doch unter den Teilnehmern der Expedition anzutreffen. - -Die Schreibweise der Buchvorlage wurde weitgehend beibehalten. Auch -Variationen in der Schreibweise von Namen wurden nicht verändert. -Lediglich offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Der Luftpirat und sein lenkbares -Luftschiff 42: Im Todeskrater des neuen Planeten, by Anonymous - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER LUFTPIRAT UND SEIN *** - -***** This file should be named 56066-8.txt or 56066-8.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/5/6/0/6/56066/ - -Produced by Jens Sadowski, Norbert H. Langkau, and the -Online Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net - -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed. - -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United -States without permission and without paying copyright -royalties. Special rules, set forth in the General Terms of Use part -of this license, apply to copying and distributing Project -Gutenberg-tm electronic works to protect the PROJECT GUTENBERG-tm -concept and trademark. Project Gutenberg is a registered trademark, -and may not be used if you charge for the eBooks, unless you receive -specific permission. If you do not charge anything for copies of this -eBook, complying with the rules is very easy. 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You may copy it, give it away or re-use it under the terms of -the Project Gutenberg License included with this eBook or online at -www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you'll have -to check the laws of the country where you are located before using this ebook. - -Title: Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff 42: Im Todeskrater des neuen Planeten - -Author: Anonymous - -Release Date: November 28, 2017 [EBook #56066] - -Language: German - -Character set encoding: ISO-8859-1 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER LUFTPIRAT UND SEIN *** - - - - -Produced by Jens Sadowski, Norbert H. Langkau, and the -Online Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net - - - - - - -</pre> - - -<div class="frontmatter"> -<p class="vol"> -<span class="bolder">42. Band.</span> Jeder Band ist vollständig abgeschlossen. <span class="bolder">Preis 10 Pf.</span> (15 Heller.) -</p> - -<p class="ser"> -<span class="line1"><span class="centerpic"><img src="images/banner.jpg" alt="Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff." /></span></span> -<span class="line2">Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff.</span> -</p> - -<h1 class="title"> -Im Todeskrater des neuen Planeten. -</h1> - -<div class="centerpic"> -<img src="images/pic042.jpg" alt="" /> -<p class="cap"> -Kapitän Mors und sein treuer Gefährte kämpften verzweifelt -gegen die Ungeheuer der Vorzeit. -</p> - -</div> - -</div> - -<div class="frontmatter"> -<p class="pub"> -Druck- und Verlags-Gesellschaft<br /> -Berlin -</p> - -</div> - -<p class="tit"> -Im Todeskrater des -neuen Planeten. -</p> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-1"> -<span class="firstline">1. Kapitel.</span><br /> -Die Fahrt ins Unbekannte. -</h2> - -<p class="first"> -Es war Nacht, unten rauschte das Südmeer, oben in den Lüften heulte -der Sturm, der die Wolkenmassen vor sich herjagte. -</p> - -<p> -Was war das Seltsame, Ungeheure, was da mit fabelhafter Geschwindigkeit -emporschoß? Was sich unbekümmert um die Gewalt des -Sturmes von der Erde entfernte? -</p> - -<p> -Menschenwerk war es, das Werk eines genialen Mannes, der seiner -Zeit um hunderte von Jahren vorausgeeilt war. Ein metallnes Fahrzeug -war es, das Weltenschiff des Kapitän Mors. Dies wunderbare Werk hatte -wieder einmal die geheimnisvolle Insel im Südmeer verlassen. -</p> - -<p> -„Meteor“ war der Name des seltsamen Fahrzeuges, welches den -Elementen trotzte. Der Riesenmagnet, der die Anziehungskraft des Erdballs -aufhob, war der Erde zugewendet und mit furchtbarer Schnelligkeit -schoß das mächtige Fahrzeug hinauf, den Luftozean durchkreuzend, -dem Weltraume zustrebend. -</p> - -<p> -Kapitän Mors befand sich im sogenannten Lenkraum des Weltenfahrzeuges. -</p> - -<p> -Ihn begleitete einer seiner Ingenieure, der treue Star, auch der Professor, -der obgleich Gefangener des Kapitän Mors, diese Gefangenschaft -doch als das größte Glück seines Lebens empfand. Sie ließ ihn ja die -Wunder der Sternenwelt schauen. -</p> - -<p> -Kapitän Mors besaß noch andere europäische Gefährten, die ehemals -zur Besatzung eines Unterseebootes gehörten. -</p> - -<p> -Sie hatten ihm Treue geschworen und wenn auch einige von ihnen, -wie es in einem früheren Bande dieser Schilderungen erzählt wurde, -Meuterei verübten, so waren doch die anderen unbedingt zuverlässig. -</p> - -<p> -Dennoch hatte der Kapitän diesmal nur einen Teil der Europäer -mit sich genommen und dafür einigen seiner Inder auf deren dringendes -Bitten die Teilnahme an der Weltenfahrt gestattet. -</p> - -<p> -Kapitän Mors tat das allerdings nicht gern, denn er hielt auf die -Inder große Stücke und da hatte er bemerkt, daß diese an ein tropisches -Klima gewöhnten Männer nach solchen abenteuerlichen Fahrten kränkelten. -</p> - -<p> -Deshalb wählte er nur diejenigen, die aus den indischen Bergländern -stammten und an Kälte und Strapazen gewöhnt waren. Unter diesen -Männern befand sich auch der treue Lindo. -</p> - -<p> -„Nun, Kapitän,“ fragte Star, der neben dem berühmten Luftpiraten -stehend die Instrumente beobachtete. „Nicht wahr, diesmal geht es zum -Monde?“ -</p> - -<p> -„Ich habe mir den Trabanten der Erde als Zielpunkt der Fahrt -ausersehen,“ erwiderte Mors mit der gewohnten eisigen Ruhe. „Aber ich -klammere mich nie an etwas Bestimmtes. Ich rechne stets auf Schwierigkeiten, -auf Hindernisse und wenn auch der Mond das Endziel unserer -diesmaligen Fahrt sein soll, so will ich doch auf dem Wege dahin ein -anderes Rätsel zu lösen suchen. Darüber kann ja Professor van Halen -sprechen.“ -</p> - -<p> -Bei den letzten Worten wendete sich Kapitän Mors an den Astronomen, -dessen Gesicht eine gewisse Ungeduld verriet. -</p> - -<p> -Die Ungeduld, neue, unbekannte Wunder zu schauen. -</p> - -<p> -„Ja, so ist es,“ bemerkte van Halen, als sich der Kapitän an ihn -wendete, „ich habe schon bei den letzten Fahrten eine eigenartige Störung -beobachtet und diese kleine Störung kann nur durch einen kleinen -Planeten bewirkt werden, der sich in einer höchst merkwürdigen Bahn -bewegt, dieser Planet muß sich von Zeit zu Zeit zwischen dem Monde -und der Erde befinden.“ -</p> - -<p> -„So,“ meinte Star. „Da wundert es mich nur, daß man ihn nicht -schon längst entdeckt hat. Bei solcher Nähe müßten ihn doch unsere -Astronomen längst gefunden haben.“ -</p> - -<p> -Der Professor zuckte die Achseln. -</p> - -<p> -„Das kann man nicht so ohne weiteres behaupten,“ erwiderte er. -„Man sieht die Meteoriten auch nicht, als bis sie bei Nacht in den Luftkreis -der Erde zur Erhitzung gebracht als Feuerstreifen und Sternschnuppen -aufflammen. Jedenfalls ist dieser Weltkörper ein Liliputplanet, -ein winziges Ding, welches vielleicht das Sonnenlicht wenig reflektiert -und mit ungeheurer Geschwindigkeit durch den Weltenraum saust. -Dieser kleine Planet hat sicherlich eine ganz eigenartige Bahn, immerhin -hat er Störungen hervorgerufen, die ungemein feinwirkende Instrumente -anzeigen. Auf der Erde selbst konnte man diese Störungen nicht beobachten -und nicht feststellen. Das war erst möglich, wenn man sich im -Weltenraum befand. Da hat mir einer der Registrierapparate die Existenz -eines solchen noch unbekannten Planeten verraten, es ist vielleicht -ein verirrter Weltkörper, wer kann das alles wissen? Genug, ich habe -Kapitän Mors gebeten, diesmal nach diesem rätselhaften Wanderer im -Weltenraum Ausschau zu halten und der Kapitän will meinem Wunsch -entsprechen.“ -</p> - -<p> -„Na gut,“ erwiderte Star, „ich bin auch neugierig, da gibt es wieder -ein Abenteuer, denn das ist gewiß, bei unseren Weltfahrten ist allemal -etwas passiert und mehrmals sind wir zur schnellen Rückkehr gezwungen -worden. Hoffentlich ist es diesmal nicht schlimmer, als wie andere -Male. Was mich betrifft, Kapitän, so wißt Ihr es ja, ich gehe mit Euch, -wenn nötig, in die Hölle!“ -</p> - -<p> -Kapitän Mors drückte die Rechte seines treuen Gefährten und -begab sich dann mit dem Professor in den Beobachtungsraum des Weltenfahrzeuges. -</p> - -<p> -Die beiden Schwestern, Anita und Lucy Long, nahmen diesmal -nicht an der wunderbaren Fahrt teil. -</p> - -<p> -Anita hatte bei den letzten Abenteuern eine leichte Verletzung -erlitten und da sollte sie sich erst völlig erholen. Selbstverständlich war -Lucy bei ihrer Schwester zurückgeblieben. -</p> - -<p> -Während Star den Riesenmagneten bediente, setzte sich der Professor -an seine Instrumente, wahren Wunderwerken menschlicher Technik, -während Kapitän Mors einige Berechnungen machte. -</p> - -<p> -Das Weltenfahrzeug befand sich noch in der Luftzone, bei deren -Passieren stets die größte Vorsicht beobachtet werden mußte. -</p> - -<p> -Da kam ja jedesmal die sogenannte elektrische Zone, aber Kapitän -Mors kannte jetzt schon die Gefahren, welche dort warteten, und es war -ihm ein Leichtes, diese Hindernisse zu überwinden. -</p> - -<p> -Stunden vergingen, ohne daß ein Wort zwischen den beiden Männern -gewechselt wurde. Dann erhob sich Kapitän Mors und betrachtete -die an der Wand hängenden Instrumente. -</p> - -<p> -„Wir haben diesmal recht schnelle und glatte Fahrt,“ sprach er zu -dem Gelehrten, der sich Notizen machte. „Die Luftzone der Erde ist -überwunden. Wir befinden uns bereits im Weltenraum.“ -</p> - -<p> -Das Gesicht des Professors strahlte. Hastig arbeitete er an den -Hebeln, welche die großen Schieber vor den dicken Glasscheiben bewegten. -</p> - -<p> -Der eine Schieber schob sich langsam seitwärts und da konnte der -Blick durch das dicke Glas in den Weltenraum hinausschweifen. -</p> - -<p> -Schwarz war der Himmel, nachtschwarz, die Sterne funkelten -nicht, sie standen da wie weiße, schimmernde Punkte, seitwärts sah man -die gelbe, strahlenlose Scheibe der Sonne. -</p> - -<p> -Es war ein wunderbares Bild und obwohl Professor van Halen es -schon oft gesehen, verriet er dennoch neues Entzücken. -</p> - -<p> -Auch der Mann mit der Maske sah gedankenvoll in die Tiefen des -Weltenraumes. -</p> - -<p> -„So, Kapitän,“ sprach van Halen nach einer Weile, „jetzt möchte -ich darum bitten, daß das Weltenfahrzeug in dieser Zone kreuzt, treffen -meine Berechnungen zu, so müssen wir in dieser Gegend den neuen -kleinen Planeten entdecken.“ -</p> - -<p> -Mors griff sofort zum Telephon, welches den Beobachtungsraum -mit dem Lenkraum verband. Er läutete und gab Star, der sich dort befand, -seine Weisungen. -</p> - -<p> -Das große Fahrzeug schien plötzlich zu zittern, aber dies geschah -dadurch, daß Star den pfeilschnellen Lauf des Weltenfahrzeuges verlangsamte. -</p> - -<p> -Nach kurzer Zeit fuhr es nur mit der Schnelligkeit eines mit vollster -Geschwindigkeit dahinsausenden Schnellzuges. -</p> - -<p> -Hierauf wendete es wieder und fuhr in anderer Richtung zurück, -um bald danach eine neue Richtung einzuschlagen. Es kreuzte also im -Weltenraum wie ein Schiff auf offenem Meere. -</p> - -<p> -Dieses eigenartige Manöver gelang durch die Art und Weise, wie -der Riesenmagnet bewegt wurde. Der wurde nach verschiedenen Richtungen -gedreht und gewendet und damit konnte man die Bewegungen -des Fahrzeuges regulieren. -</p> - -<p> -„So ist es richtig,“ sprach Mors, als er die Instrumente eine Weile -betrachtet hatte. „Ihr Wunsch ist erfüllt, Herr Professor, wir kreuzen -jetzt in der von Ihnen als verdächtig bezeichneten Zone. Ich will nur -wünschen, daß Ihre Beobachtungen zutreffen. Dann müssen wir ja den -eigentümlichen Wanderer treffen, hoffentlich ist er zur Stelle oder wird -doch bald erscheinen.“ -</p> - -<p> -„In der Tat,“ erwiderte van Halen zuversichtlich. „Sonst müßte ich -mich in meinen Beobachtungen gewaltig irren. Bis jetzt habe ich mit -meinen Berechnungen selten Täuschungen erlebt. Sind aber meine Berechnungen -richtig, so müssen wir den unbekannten, geheimnisvollen -Planeten binnen kurzer Zeit in nächster Nähe erblicken.“ -</p> - -<p> -Daraufhin wurde die Aufmerksamkeit verdoppelt. -</p> - -<p> -Kapitän Mors wußte ganz genau, mit welcher Schnelligkeit Weltenkörper -durch die unendlichen Räume dahinsausten. -</p> - -<p> -Allerdings war das Weltenfahrzeug ausnehmend fest gebaut, aber -es konnte schließlich zertrümmert werden, wenn es mit vollster Schnelligkeit -gegen einen Weltenkörper sauste. Dann wäre dies Wunderwerk -sicherlich in Atome zersplittert worden. -</p> - -<p> -Wenn man aber auf der Erde den hier vermuteten Planeten noch -nicht entdeckt hatte, mußte man ihn doch hier im Weltenraum sehen. -Die Sonne mußte diesen geheimnisvollen kleinen Planeten bestrahlen -und da hatte man auf dem Weltenfahrzeug Zeit genug, einem drohenden -Zusammenstoß auszuweichen. -</p> - -<p> -Und wieder vergingen die Stunden. -</p> - -<p> -Abwechselnd wurde Wache gehalten, Kapitän Mors begab sich -manchmal nach dem Lenkraum, um dort seinen getreuen Star abzulösen. -</p> - -<p> -Es waren wohl acht Stunden vergangen, als Kapitän Mors, der -gerade den Lenkraum verließ, einen Ausruf des Professors vernahm. -</p> - -<p> -Im Nu befand sich der Luftpirat bei dem Gelehrten. -</p> - -<p> -„Er ist da, er ist da,“ rief der Professor in förmlicher Ekstase, während -er mit beiden Händen nach der dicken Glasscheibe deutete. „Seht, -Kapitän, dort kommt der neue Planet in rasender Eile herangezogen. -Noch erscheint er erst wie ein mattes, flimmerndes Pünktchen. Aber er -ist es, er wird bereits von der Sonne beleuchtet. Er scheint tatsächlich -wenig Licht zu reflektieren.“ -</p> - -<p> -„Befinden wir uns in der Bahn des Weltkörpers?“ fragte Kapitän -Mors mit großer Ruhe. -</p> - -<p> -„Nein,“ erwiderte Halen. „Er wird gewissermaßen unter uns vorüberlaufen, -wenn man das Wort unter uns überhaupt hier im Weltenraum -gebrauchen darf. Aber ich habe eine Bitte, können wir nicht eine -Weile in der Nähe des geheimnisvollen Weltenkörpers verweilen? Wird -unsere eigene Schnelligkeit das erlauben?“ -</p> - -<p> -„Das bezweifle ich,“ erwiderte Mors. „Aber, es ist gar nicht nötig, -daß wir unsere Schnelligkeit aufbieten. Wir schalten einfach die Kraft -unseres Riesenmagneten aus und überlassen uns der Anziehungskraft -dieses so rätselhaften Weltenkörpers. Dann werden wir mit ihm zusammen -durch den Weltenraum dahinfliegen und dann können Sie ungestört -Ihre Beobachtungen ausführen.“ -</p> - -<p> -Der Professor war entzückt und wußte sich vor Freude gar nicht -zu lassen. Der Gedanke, eine noch unbekannte Welt schauen zu können, -brachte ihn in große Erregung. -</p> - -<p> -Kapitän Mors aber gab wieder Befehle nach dem Lenkraum und -nach wenigen Augenblicken vernahm man ein eigentümliches Summen -und Surren. Der Riesenmagnet stellte seine Tätigkeit ein, fast im gleichen -Augenblick, wo der unbekannte Weltenkörper mit furchtbarer -Schnelligkeit vorübersauste. -</p> - -<p> -Aber das Weltenfahrzeug riß er mit, das begleitete ihn jetzt durch -seine Anziehungskraft gehalten. Es schwebte scheinbar unbeweglich -über diesem rätselhaften Planeten. -</p> - -<p> -„Können wir uns diesem Monde oder was es sonst sein mag, noch -mehr nähern?“ fragte der Gelehrte, in dessen Augen das Fieber des begeisterten -Forschers glänzte. -</p> - -<p> -„Warum nicht,“ erwiderte der Kapitän. „Ich denke, wir werden uns -zunächst tausend Meter über der Oberfläche des Planeten schwebend -erhalten. Von da aus können wir ja auf die neue Wunderwelt hinabschauen.“ -</p> - -<p> -Wieder arbeitete das Telephon, wieder vernahm man das seltsame -Summen und Surren. Die Instrumente verrieten, daß das Weltenfahrzeug -sank, bis es plötzlich wieder mit einem Ruck innehielt. Es schwebte -jetzt tausend Meter über der Oberfläche des neuentdeckten Weltkörpers. -</p> - -<p> -Eigentlich schwebte es höher, den Kapitän Mors hatte die Entfernung -von den Berggipfeln des kleinen Planeten berechnet, die ziemlich -hoch emporragten. Der Professor schätzte die Berge teilweise auf fünf- -bis sechstausend Meter Höhe. -</p> - -<p> -Dabei war der neuentdeckte Planet sehr klein, seine Oberfläche -mochte vielleicht die Größe von Irland besitzen, dennoch zeigte der -kleine Planet eine ungemein große Mannigfaltigkeit von Oberflächenformation. -</p> - -<p> -Da gewahrte man Ringgebirge, ähnlich wie auf dem Monde, man -sah Täler und glänzende Wasserbecken, viele dunkle Flecken schienen -auf eine ungemein reiche Vegetation hinzudeuten. -</p> - -<p> -Der Blick auf den Planeten war nicht klar. Es schien, als ob da -alles verschwommen sei, ein Beweis, daß der neuentdeckte Weltkörper -eine ungemein dichte Atmosphäre besitzen mußte. -</p> - -<p> -Diese Atmosphäre schien ganz mit Wasserdampf gesättigt zu sein, -man sah große Wolkenmassen, die sich in heftiger Bewegung befanden. -Auf diesem kleinen Planeten, den man mit gutem Recht eine Miniaturwelt -nennen konnte, schienen ungemein starke Stürme zu herrschen. -</p> - -<p> -Der Kapitän und der Professor standen hinter den dicken Glasscheiben -und betrachteten diese Wunderwelt, die sich ihren Blicken -darbot. -</p> - -<p> -„Sehen Sie, Kapitän, was ist das dort?“ rief der Professor plötzlich, -indem er mit der Rechten auf eine Stelle des Weltenkörpers deutete. -„Täusche ich mich oder sehen Sie es auch? Die rötliche Stelle, die sich -immer mehr verbreitert und die schwarze Masse, welche die Wolkenhülle -unterbricht?“ -</p> - -<p> -„Ich sehe es auch,“ erwiderte der Kapitän, „es ist zweifellos ein -ungeheurer Vulkan, der sich in voller Tätigkeit befindet. Wir bewegen -uns langsam darauf zu und werden binnen kurzer Zeit über dem feuerspeienden -Berge schweben.“ -</p> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-2"> -<span class="firstline">2. Kapitel.</span><br /> -Eine unerwartete Katastrophe. -</h2> - -<p class="first"> -Das Weltenfahrzeug bewegte sich jetzt auffallend langsam, es war kein -Wunder, es wurde ja doch in der Atmosphäre des neuentdeckten Planeten -schwebend von diesem auf seiner Bahn fortgerissen. -</p> - -<p> -Kapitän Mors setzte jetzt das Telephon an den Mund. -</p> - -<p> -„Nicht so nahe an den Vulkan heran,“ rief er nach dem Lenkraum -hindurch. „Wir müssen uns in einiger Entfernung von dem feuerspeienden -Berge halten.“ -</p> - -<p> -Star gab keine Antwort, wohl aber ertönte jetzt das Schrillen einer -Glocke. Es war das Alarmsignal, welches aus dem Lenkraum ertönte. -</p> - -<p> -Dieses Alarmsignal ließ sich nur dann vernehmen, wenn irgend -eine unvorhergesehene Schwierigkeit entstand. Kapitän Mors eilte sofort -nach dem Lenkraum und der Professor folgte ihm auf dem Fuße. -</p> - -<p> -Star befand sich in voller Tätigkeit, riß hier und da an den Hebeln, -er drehte die Schwungräder, aber der Erfolg schien nicht den gehegten -Erwartungen zu entsprechen. -</p> - -<p> -„Nun, was gibt es?“ fragte Kapitän Mors, als er eintrat und den -Eifer seines treuen Gefährten gewahrte. -</p> - -<p> -„Die vertrackten Maschinen gehorchen nicht, Kapitän,“ erwiderte -Star grimmig. „Es ist gerade als wenn der Teufel dazwischen sitzt. Wir -werden immer mehr in den Bereich des Vulkans getrieben.“ -</p> - -<p> -Mors neigte den Kopf und sah den Professor von der Seite an. -</p> - -<p> -„Das sind eben Naturkräfte,“ sprach er, „und vielleicht unbekannte -Naturkräfte, die ihre Wirkung äußern. Da scheint eine besondere -Anziehungskraft stattzufinden, aber wir werden etwas höher steigen.“ -</p> - -<p> -Das gelang auch, aber die Anziehungskraft des unheimlichen Vulkans -dauerte fort und nach kurzer Zeit schwebte der „Meteor“ über -dem donnernden Krater. -</p> - -<p> -Dieser war nicht zu sehen, da ihn dichte Dampfwolken bedeckten, -aber man konnte hören, wie er sich in furchtbarer Tätigkeit befand. -</p> - -<p> -Man hörte durch die dicken Wände des Weltenfahrzeuges das -schreckliche Prasseln und Krachen, man vernahm das Wüten der Naturgewalten, -die da drinnen in den Eingeweiden dieser kleinen Welt tobten. -</p> - -<p> -„Was sagen Sie dazu, Professor?“ fragte Kapitän Mors. -</p> - -<p> -„Nun, ich sage, daß diese Welt hier noch um viele, viele tausend -Jahre in der Entwicklung zurück ist. Das beweist schon die dicke Luft, -die man hier bemerkt, und die gewiß stark mit Kohlensäure gesättigt ist. -Dieser kleine Planet befindet sich noch in den Entwicklungsstadien, -ähnlich wie in der Vorzeit der Erde. Daher sind wohl auch noch die -Naturkräfte mit solch furchtbarer Macht tätig.“ -</p> - -<p> -Plötzlich verdoppelte sich das Krachen, welches man dort unten -vernahm und unmittelbar darauf sah man glühende Massen durch die -Dampfwolken emporschießen. -</p> - -<p> -Der Riesenkrater befand sich in voller Tätigkeit, es war ein furchtbarer -Ausbruch, der Vulkan schleuderte glühende Lavablöcke empor -und zwar bis in ungeheure Höhen, es schien, als ob da ein riesiges Geschütz -kolossale glühende Bomben in das Unendliche emporschleuderte. -</p> - -<p> -„Hoffentlich werden wir von keinem dieser glühenden Blöcke -getroffen,“ meinte der Professor. „Können wir nicht noch höher steigen, -Kapitän?“ -</p> - -<p> -Mors wollte eben antworten, als das Krachen und Brüllen mit -dreifacher Stärke durch die Wände des Weltenfahrzeuges tönte. -</p> - -<p> -Wieder schossen die glühenden Massen aus den Dampfwolken -empor und stiegen bis in ungeheure Höhen, jetzt sah man sie links und -rechts am Weltenfahrzeug vorbeisausen. -</p> - -<p> -Da schien es, als würde das Fahrzeug von einem heftigen Schlag -getroffen, als zitterte es und unmittelbar danach schallten im Verbindungsgang -die hastigen Schritte eines herbeirennenden Mannes. -</p> - -<p> -Es war Star. -</p> - -<p> -„Kapitän,“ rief er. „Der Riesenmagnet ist getroffen. Die Verbindungsstange -scheint demoliert zu sein. Das Fahrzeug beginnt rapide zu -sinken.“ -</p> - -<p> -Kapitän Mors rannte nach dem Lenkraum. Aber er fand dort die -Angaben des treuen Gefährten bestätigt. Die Hebel und Schwungräder -versagten, tiefer sank das Weltenfahrzeug, immer tiefer, es mußte auf -dem neuen Planeten landen. -</p> - -<p> -Glücklicherweise war die Schnelligkeit keine allzu große und Kapitän -Mors bot all seinen Scharfsinn auf, um den Absturz zu mildern. Er -setzte eine jener furchtbaren Maschinen in Tätigkeit, die bei der letzten -Fahrt die Meuterer zu Asche verwandelt hatten. -</p> - -<p> -Dies rettete das Weltenfahrzeug und die Kraft, welche die Maschine -entwickelte, bewirkte es auch, daß der Koloß eine große Strecke vom -Vulkan entfernt niederkam. -</p> - -<p> -Rings umher sah man ein Gewirr von Steinblöcken, von Klüften, -Schluchten, Felsen, dann folgte ein harter Ruck, ein Stoß, das Weltenfahrzeug -hatte den Boden des neuen Planeten erreicht und blieb dort in -ziemlich schwieriger Lage hängen. -</p> - -<p> -Das Hinterteil des Weltenfahrzeuges lag in einem ausgebrannten -Krater, das Vorderteil ragte schräg empor und lag auf zackigem Gestein, -so ruhte das Weltenfahrzeug des Kapitän Mors wie ein Schiff, welches -auf dem Meer zwischen Klippen gestrandet ist. Es schien in der Tat -zum hilflosen Wrack geworden zu sein. -</p> - -<p> -Star zeigte jetzt jene Ruhe, die er im Verkehr mit dem Kapitän -gelernt, ebenso benahm sich der Professor. -</p> - -<p> -Die Inder und die anderen europäischen Mannschaften des Weltenfahrzeuges -kamen jetzt herbeigerannt und schauten fragend auf Kapitän -Mors. Sie wollten in seinen Mienen lesen. -</p> - -<p> -Aber die Ruhe des seltsamen Mannes teilte sich auch ihnen mit, -und als die Leute sahen, daß Kapitän Mors keine Miene verzog, und -daß seine Augen feurig wie immer blitzten, warteten sie ruhig ab, was -der berühmte Führer nunmehr beginnen würde. -</p> - -<p> -„Untersucht zunächst die Innenräume des Weltenfahrzeuges,“ -klang die Stimme des Luftpiraten. „Seht zu, ob Ihr irgend einen Schaden -entdecken könnt. Ich erwarte dann sofort Bericht. Vor allen Dingen -aber darf niemand das Fahrzeug ohne meine Erlaubnis verlassen.“ -</p> - -<p> -Dazu verspürten die Männer auch keine Lust, obwohl sie sahen, -daß man sich auf einem mit Luft versehenen Weltkörper befand. Die -Atmosphäre war sicherlich dichter als die auf der Erde. -</p> - -<p> -Kapitän Mors besichtigte zunächst den Schaden im Lenkraum und -betrachtete durch ein Glasfenster die zerstörten Verbindungsteile. -</p> - -<p> -„Das läßt sich alles wieder gut machen,“ erklärte er nach kurzer -Betrachtung. „Reserveteile haben wir im Ueberfluß, aber, es wird freilich -einige Zeit vergehen, es ist gar nicht ausgeschlossen, daß wir mehrere -Tage, ja Wochen auf diesem unbekannten Planeten verweilen müssen.“ -</p> - -<p> -Bald erschienen auch die übrigen Mannschaften, aber sie hatten -nichts Bedenkliches zu melden. In den unteren Räumen des Fahrzeuges -war alles in Ordnung, da hatte man keine Beule, kein Leck gesehen. -Selbst die Röhren, welche die flüssige Luft verteilten, waren unbeschädigt. -</p> - -<p> -Somit blieb nur der Lenkapparat zu reparieren und das war gerade -die Hauptsache und mußte mit größter Sorgfalt geschehen. Kapitän -Mors wollte mit Star und Lindo diese Arbeit verrichten. -</p> - -<p> -„Ich erforsche unterdessen den neuen Planeten,“ rief der Professor -begeistert, als ihm Kapitän Mors seine Absicht mitteilte. -</p> - -<p> -Der Luftpirat schien mit der Antwort zu zögern. -</p> - -<p> -„O, ich laufe Ihnen gewiß nicht davon, Kapitän,“ fuhr der Professor -mit einiger Bitterkeit fort, da er das Zögern des Kapitäns falsch deutete. -„Ich kehre schon wieder, mein Wort darauf! Ich will ja noch mehr -Fahrten in diesem wunderbaren Fahrzeug unternehmen.“ -</p> - -<p> -„Sie mißverstehen mich, Professor,“ erwiderte Kapitän Mors. „Ich -wollte damit kein Mißtrauen äußern. Sie wissen ja, daß Sie der Umstände -halber immer bei mir bleiben müssen, aber andererseits denke ich -nicht im Traume daran, Ihnen diese Gefangenschaft zu zeigen oder Sie -gar zu quälen. Mein Zögern entspringt einzig und allein der Sorge um -Sie, denn Sie stehen mir nahe, und ich habe Sie sehr gern. Es gibt wenig -Menschen wie Sie auf der Erde, gäbe es viele solche, wäre ich vielleicht -nicht der Luftpirat geworden. Mein Zögern rührt einzig und allein davon -her, daß ich für Sie Sorge trage, denn hier können sich tausende -von Gefahren verbergen. Deshalb bitte ich Sie, einstweilen noch im -Weltenfahrzeug zu bleiben.“ -</p> - -<p> -„Verzeihen Sie, Kapitän,“ erwiderte der Professor, indem er die -Rechte des Maskierten faßte. „Ich will nichts gesagt haben. Aber ich -denke, mit unseren Hilfsmitteln können wir jeden Gefahren Trotz bieten.“ -</p> - -<p> -„Nicht immer,“ lautete die Antwort, „solche Gefahren kommen -oft blitzschnell und unerwartet, so daß selbst die Hilfsmittel der modernen -Technik versagen. Jedenfalls müssen wir unsere Umgebung beobachten. -Dann wird es sich zeigen, ob wir das Fahrzeug verlassen dürfen. -Ist dies der Fall, so können Sie Ihren Forschungen nachgehen. Sie -haben ja auch das Recht darauf. Sie sind ja gewissermaßen der Entdecker -des neuen Planeten.“ -</p> - -<p> -Der Professor drückte nochmals die Rechte des seltsamen Mannes. -Dann ging es an die Arbeit. -</p> - -<p> -Mors war nicht der Mann, der die Hände in den Schoß legte, er -wollte vor allen Dingen sein Weltenfahrzeug instand setzen. -</p> - -<p> -Nun galt es, erst die Luft zu prüfen und sich zu vergewissern, ob -man diese ertragen konnte. War dies nicht der Fall, so mußte man eben -die Lufthelme benutzen. -</p> - -<p> -Kapitän Mors unternahm wie gewöhnlich das Wagnis selbst. -</p> - -<p> -Er begab sich nach den Doppeltüren, die den Einlaß in das Fahrzeug -vermittelten, öffnete die innere Tür und versuchte dann vorsichtig -die außen befindliche Luft zu proben. -</p> - -<p> -Sie war dick, schwer, reichlich mit Kohlensäure gesättigt, aber sie -ließ sich immerhin atmen. -</p> - -<p> -Man hatte nur, wenn man längere Zeit diese Luft atmete, das Gefühl -eines leichten Rausches, einer Beklemmung, aber diese wurde wieder -durch andere Vorteile aufgehoben. -</p> - -<p> -Der Planet war ja klein, viel kleiner als der Mond, er war eine Miniaturwelt -und da mußten sich natürlich ganz andere Lebensbedingungen -ergeben. -</p> - -<p> -Hier mußte man ungeheuer hoch springen können, hier wog ein -schwerer Mann nur so viel, wie ein kleines Kind auf der Erde. Das mußte -dann die Arbeitskraft verdoppeln und verdreifachen. -</p> - -<p> -Von außen mußte man arbeiten, um den Riesenmagneten wieder -in Funktion treten zu lassen. -</p> - -<p> -Kapitän Mors rief jetzt seine Leute herbei, die er nacheinander die -Luft atmen ließ. -</p> - -<p> -Da zeigte sich denn, daß die ehemalige Mannschaft des Unterseebootes -die Luft absolut nicht vertragen konnte. -</p> - -<p> -Die Leute taumelten umher, drehten sich im Kreise und benahmen -sich wie sinnlos Betrunkene. -</p> - -<p> -Aehnliche Symptome zeigten auch die meisten Inder und selbst -Star, dem eisernen Mann, war die Luft höchst unangenehm, es überkam -ihn ein Schwindel. -</p> - -<p> -Dagegen vertrug Lindo die Luft vortrefflich und da Kapitän Mors -zur Reparatur höchstens ein oder zwei Gehilfen gebrauchte, beschloß er, -mit Lindo die Arbeit zu vollenden und mit dieser auf der Stelle zu beginnen. -</p> - -<p> -Der Schaden wurde zunächst besichtigt und die Reparaturteile aus -dem Innern des Fahrzeuges hervorgeholt. -</p> - -<p> -Es war freilich ein recht unangenehmes Arbeiten, da man in die -Kluft hinuntersteigen mußte. Der Krater zog sich seitwärts noch ziemlich -tief in das Innere der Erde fort, dort, wo rabenschwarze Finsternis -herrschte. -</p> - -<p> -„So,“ sprach Kapitän Mors, als er sich mit Lindo zur Arbeit fertig -machte. „Wir beginnen. Auf der Galerie des Weltenfahrzeuges aber müssen -immer ein paar Wächter stehen, die die Umgebung im Auge behalten, -damit wir vor unliebsamen Ueberraschungen gesichert sind.“ -</p> - -<p> -„Was meint Ihr denn, was es hier gibt, Kapitän?“ fragte Star, der -diese Worte vernommen. „Ich habe auch schon überall umhergesehen, -aber nirgends etwas Lebendes bemerkt. Der Weltenkörper ist ja so klein, -hier gibt es wohl gar kein tierisches Leben.“ -</p> - -<p> -„Hast Du nicht die reiche Vegetation auf verschiedenen Stellen des -Planeten gewahrt?“ fragte Mors. „Eine üppige Vegetation ist es, tropisch, -wie in der Vorzeit der Erde. Wo sich solche Vegetation befindet, gibt es -auch Tierwelt. Es fragt sich nur, in welchem Stadium sich dieser Planet -befindet, aber das kann uns wohl der Professor sagen, der wird schon -seine Beobachtungen anstellen.“ -</p> - -<p> -„In der Umgebung scheint alles tot und starr zu sein,“ meinte -Star. „Da gibt es keine Vegetation, da sieht man nur zackige Felsenspitzen, -ausgebrannte Krater, Klippen und Felsblöcke.“ -</p> - -<p> -Wenige Minuten später verließ Mors mit Lindo und einigen anderen -Indern die Galerie des Weltenfahrzeuges. -</p> - -<p> -Man benutzte eine Leiter, um die nächsten Klippen zu erreichen. -Hierauf begann man die Umgebung des Absturzes zu erforschen. -</p> - -<p> -Man sah nichts als Klüfte, ausgebrannte Krater, Steinmassen von -den wunderlichsten Formen. -</p> - -<p> -In einiger Entfernung donnerte der Vulkan und schleuderte seine -glühenden Lavablöcke in die Höhe. Aber diese stürzten nicht in der -Nähe der Landungsstelle herunter, von dort brauchte man nichts zu -befürchten. -</p> - -<p> -Plötzlich deutete Lindo mit der Rechten in eine der Klüfte. -</p> - -<p> -„Kapitän,“ rief er. „Was liegt dort? Seht doch mal, das Weiße! Das -Ding sieht ja unheimlich aus. Wahrhaftig, Kapitän, das Ding müssen wir -mal genauer untersuchen!“ -</p> - -<p> -Der Kapitän schritt mit seinen Indern hinüber. -</p> - -<p> -Da lag neben einem Steinblock das Ding, welches Lindo mit seinen -scharfen Augen erspäht. Ein weißgebleichter Schädel von wahrhaft -ungeheuren Formen. -</p> - -<p> -Aller Wahrscheinlichkeit nach war es ein Tierschädel, aber niemand -konnte sagen, zu welcher Gattung dies Geschöpf gehört hatte. -Neben diesem Ueberrest sah man einige ungeheure Knochen. -</p> - -<p> -Diese waren zerbrochen und Lindo beugte sich jetzt zu diesen -Ueberbleibseln nieder. -</p> - -<p> -„Kapitän,“ rief er. „Seht diesen zerschmetterten Knochen hier an. -Das ist aber kein Bruch, nein, seht die Eindrücke, wie zackig und spitz -dieselben sind. Kapitän, dieser Knochen ist zweifellos von den Zähnen -eines unbekannten riesigen Ungeheuers zerbissen worden.“ -</p> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-3"> -<span class="firstline">3. Kapitel.</span><br /> -Eine abenteuerliche Expedition. -</h2> - -<p class="first"> -Kapitän Mors konnte nur die Beobachtung seines getreuen Lindo bestätigen. -</p> - -<p> -Die Knochen, die hier lagen, rührten von einem Ungeheuer her, -und sie waren anscheinend von einem anderen Ungetüm zerbissen worden. -</p> - -<p> -Man hoffte Auskunft von dem Professor, der jetzt eilend herbeikam, -und der ja nicht allein Kenntnisse in der Sternenkunde besaß, -sondern auch, wie es viele Astronomen zu tun pflegen, langjährigen -geologischen Studien obgelegen hatte. -</p> - -<p> -Er betrachtete mit Erstaunen und Interesse diese Ueberreste. -</p> - -<p> -„Der Schädel liegt noch nicht lange hier, Kapitän,“ rief er endlich. -„Er ist rein abgenagt und solche Schädel habe ich oft genug in den -Museen der Erde gesehen. Es sind die Schädel von ungeheuren Tieren -der Vorzeit, aber dieses Tier hier ist mir völlig unbekannt. Doch möchte -ich annehmen, daß es zu den Sauriern gehört, zu jenen furchtbaren -Rieseneidechsen, die einst auch die Erde bewohnten.“ -</p> - -<p> -„Schöne Bescherung,“ meinte Star, indem er forschend umherblickte. -„Da könnte plötzlich solch Beest -auftauchen. Herrgott, hat das Ding -einen Rachen! Da wäre unsereiner nur ein Bissen als Frühstück, da müssen -wir uns höllisch in acht nehmen.“ -</p> - -<p> -Der Professor hörte diese Worte. -</p> - -<p> -„Ich glaube aber nicht, daß wir jetzt etwas zu fürchten haben, es -sieht so aus, als hätte sich hier vor kurzer Zeit Wasser befunden, welches -durch irgend eine Ursache in die Tiefen der Erde abgeflossen ist. -Diese Rieseneidechsen aber hielten sich immer in der Nähe des Wassers -auf. Unmöglich ist es freilich nicht, daß sich da unten in den Felsenklüften -noch Wasseransammlungen befinden.“ -</p> - -<p> -„Gut,“ sprach Kapitän Mors. „Da müssen wir eben wachsam sein -und immer die Augen offen halten. Es scheint mir aber, als wenn wir in -dieser trostlosen Gegend nichts zu fürchten hätten. Etwaige tierische -Bewohner des Planeten können sich drüben in den tropischen Wäldern -aufhalten.“ -</p> - -<p> -Man sah es dem Professor an, daß er förmlich danach lechzte, -diese Seltsamkeiten kennen zu lernen. Er war befriedigt, daß es ihm -vergönnt war, einen Blick in die Vorzeit zu tun, daß er sich auf einem -kleinen Planeten befand, der noch um viele hunderttausend Jahre in der -Entwicklungsgeschichte zurück sein mußte. -</p> - -<p> -Kapitän Mors aber sorgte für Vorsichtsmaßregeln. -</p> - -<p> -Er begann mit Lindo sofort die Reparaturarbeiten vorzunehmen, -während einige Wächter auf der Galerie die Umgebung im Auge behielten. -</p> - -<p> -Lange arbeiten konnte man freilich nicht, da die eigenartige Luft -zu öfterem Ausruhen mahnte. Selbst Kapitän Mors fühlte schon nach -wenigen Stunden eine Erschlaffung, die er kaum mit seiner eisernen -Energie besiegen konnte. -</p> - -<p> -Unter diesen Umständen konnte der erzwungene Aufenthalt auf -dem kleinen Planeten längere Zeit in Anspruch nehmen. -</p> - -<p> -Verdächtiges zeigte sich aber nicht, nichts Lebendes war zu erblicken, -die Wächter sahen keine befremdlichen Erscheinungen. Man -hörte nur das Donnern des Vulkans, der sich aber immer mehr zu beruhigen -schien. -</p> - -<p> -Als am dritten Tage der Professor seine Bitte wiederholte, gab Kapitän -Mors nach. -</p> - -<p> -„Ich gehe selbst mit,“ sprach er. „Lindo kann während meiner -Abwesenheit die Arbeit allein fortsetzen. Selbstverständlich nehmen wir -unsere elektrischen Waffen mit, auch wollen wir uns nicht allzu weit -entfernen. Unser Marsch geht nach dem Walde hinüber.“ -</p> - -<p> -Der Professor strahlte vor Entzücken, der sonst so ernste Mann -wußte gar nicht, wie er seine Freude beherrschen sollte. Er brannte vor -Ungeduld, einen Blick in diese Wunderwelt zu tun, während Kapitän -Mors seine gewohnte Ruhe und Geistesgegenwart zeigte. -</p> - -<p> -Star sollte auch zurückbleiben. Kapitän Mors bestimmte drei Inder, -die ihn und den Professor begleiten sollten. -</p> - -<p> -Hierauf versah man sich mit Lebensmitteln, mit Instrumenten, die -ein Verirren verhindern sollten, ferner mit den furchtbaren elektrischen -Waffen. -</p> - -<p> -Der Planet besaß eine ungemein schnelle Umdrehung, und da er -sehr klein war, so dauerte der Tag wenig mehr als eine Stunde, ebenso -war es mit der Nacht, jedoch erleuchtete während der Finsternis zuweilen -der Mond die seltsame Umgebung. -</p> - -<p> -Damit mußte man also von Anfang an rechnen, und Kapitän -Mors beschloß, während der Dunkelheit verdächtige Distrikte zu meiden. -Er setzte sich mit seinen vier Begleitern in Marsch und nun ging es -über das unebene Terrain nach der Vegetationszone hinüber. -</p> - -<p> -Die eigenartige Luft täuschte und der Wald war ferner, als man -geglaubt hatte. -</p> - -<p> -Durch die mitgenommenen Ferngläser konnte man schon unterscheiden, -daß sich dieser Wald von allem, was man auf der Erde gesehen, -bei weitem unterschied. -</p> - -<p> -Anfangs konnte man die Waldbäume für Palmen halten, aber bei -näherer Betrachtung glichen sie eher riesigen Farren, -alles hatte einen unheimlichen, schier gespenstigen Anblick. -</p> - -<p> -Man sah keinen Vogel, keinen Schmetterling, freilich waren hier -noch immer die kahlen, nackten Felsen. Drüben im Walde konnte es -anders sein, da konnte sich ein merkwürdiges Tierleben zeigen. -</p> - -<p> -Aber jetzt veränderte sich die Formation des Bodens, das Felsgestein -verschwand allmählich, der Boden war weich und sumpfig. -</p> - -<p> -„Acht geben,“ klang Kapitän Mors’ Stimme, die ganz eigentümlich -in der dicken Luft ertönte. „Acht geben, wir müssen im Gänsemarsch -gehen. Einer hinter dem anderen. Sonst versinken wir hier ins Bodenlose. -Das ist ein Sumpf der Urzeit. Ein Morast, in dem wir spurlos verschwinden -können. Aber hier geht eine Felsenrippe hindurch, die müssen -wir benutzen.“ -</p> - -<p> -Es war in der Tat die größte Vorsicht geboten, um so mehr, als der -ausnehmend kurze Tag ja schon wieder zu Ende ging und die eben so -kurze Nacht herannahte. -</p> - -<p> -Kapitän Mors und seine Begleiter aber hatten elektrische Laternen -mitgenommen und so konnten sie den steinernen Weg durch den -Sumpf verfolgen. Diese Felsenrippe war der einzige Pfad, welcher zu -dem Wald hinüberführte. -</p> - -<p> -Es wurde schnell dunkel, aber das elektrische Licht zeigte den -Weg. An einer Stelle, wo sich der Felsenpfad verbreiterte, wurde kurze -Rast gemacht. Nach anderthalb Stunden wurde es schon wieder Tag, da -sich der Planet mit riesiger Geschwindigkeit um sich selbst drehte. Links -und rechts war der Morast, aber dort war alles still. Kein Laut unterbrach -das unheimliche Schweigen. -</p> - -<p> -Endlich war man am Walde angelangt, aber Kapitän Mors machte -vorläufig keine Anstalten, hineinzugehen. Der kurze Tag war schon -wieder zu Ende. -</p> - -<p> -„Sollen wir nicht ein Feuer anzünden, Kapitän?“ fragte Lindo. -</p> - -<p> -„Es würde schwerlich brennen,“ erwiderte Kapitän Mors, „denn -Du siehst ja, hier ist alles mit Feuchtigkeit förmlich gesättigt und dann -glaube nur nicht, daß sich die Wesen, die hier leben, durch das Feuer -abschrecken lassen. Im Gegenteil, sie möchten neugierig hinzukommen.“ -</p> - -<p> -Bald wurde es wieder dunkel, aber nun hörten die fünf Männer, -die am Rande des Waldes harrten, seltsame Töne, die aus dem scheinbar -undurchdringlichen Dickicht herüberschallten. -</p> - -<p> -Furchtbare Töne waren es. Man hörte ein Schnaufen, ein Aechzen, -als wenn der Sturmwind wehte. Dann krachte es und brach es zwischen -den farrenartigen Bäumen, als ob sich massige Körper hindurchwälzten. -</p> - -<p> -Auch in den Lüften ließen sich sonderbare, schreckliche Laute -vernehmen, ein Klatschen und Flattern, ab und zu hörte man ein durchdringendes -schrilles Pfeifen, einige Male war es den Männern auch, als -ob ein großer schwarzer Schatten durch die Luft und Finsternis segelte. -</p> - -<p> -Als es aber nach anderthalb Stunden hell wurde, war alles ruhig, -da war nichts zu hören und nichts zu sehen. -</p> - -<p> -„Also gibt es auch hier ein Nachtleben,“ sprach der Professor zu -Mors. „Eine nächtliche Tierwelt. Die lebt da drinnen in dem Dickicht -und sicherlich war es ein Urvogel oder eine riesengroße Fledermaus, die -während der Dunkelheit über unseren Häuptern dahinflatterte.“ -</p> - -<p> -Jetzt versuchte man in das unheimliche Dickicht einzudringen, -aber das erwies sich als unmöglich. Der Boden war weich, durchlässig, -wie ein Schwamm, beim ersten Schritt in das Dickicht mußte man bis -an den Leib einsinken. -</p> - -<p> -Als Lindo es dennoch versuchte, krachte -und prasselte es neben ihm in dem undurchdringlichen Gebüsch, der -Inder prallte zurück, aber er glaubte noch etwas unheimlich Großes -gesehen zu haben, welches sich durch das Dickicht fortwälzte, dunkel, -schleimig, ein Untier, welches offenbar sein Heil in der Flucht suchte. -</p> - -<p> -„Sicherlich ist das eine der Rieseneidechsen gewesen,“ sprach der -Professor. „Die hausen hier in dem undurchdringlichen Farrenwalde. -Merkwürdig, daß uns der Koloß nicht angegriffen hat. Das ist ein Beweis, -daß selbst diese Giganten vor dem Anblick der Menschen erschrecken. -Wir mögen dem Riesentier allerdings sonderbar genug vorgekommen -sein.“ -</p> - -<p> -Einer der übrigen Inder war inzwischen auf einer anderen Stelle in -den Wald gedrungen, aber auch nur wenige Schritte vorwärts gekommen. -</p> - -<p> -Er kehrte rasch zurück und erzählte, daß er ein schlangenartiges -Ungetüm gesehen hätte, welches von einem der Farrenbäume herabglitt -und dann spurlos in dem undurchdringlichen Unterholz verschwand. -</p> - -<p> -„Nun, Professor?“ fragte der Kapitän. „Was sagen Sie dazu? Wollen -wir wirklich in den Wald eindringen? Wir müßten allerdings schon wie -die Affen von Baum zu Baum klettern. Aber wenn Sie Lust haben, ich -bin dazu bereit.“ -</p> - -<p> -Der Professor bewunderte den kühnen Mann, der so kaltblütig in -das furchtbare Dickicht hineinblickte. Er wußte, daß Kapitän Mors -nicht scherzte, daß dieser mit ihm ging, wenn er den Wunsch aussprach, -den schrecklichen Wald näher untersuchen zu wollen. -</p> - -<p> -„Nein, ich denke, wir lassen es lieber,“ erwiderte der Professor. -„Das hieße direkt mit dem Tode spielen. Ja, wenn der Tag länger dauerte, -aber bei dieser kurzen Zeit würde uns ja wieder die freilich kurze -Nacht überraschen. In der Nacht möchten wir den Ungetümen, die den -Wald bewohnen, fast wehrlos gegenüberstehen. Auch weiß ich bereits -genug. Dieser Planet befindet sich in einem Zustand, wie ihn die Erde -auch durchgemacht hat, nämlich zur Zeit der großen Saurier und -schließlich wird auch für diese Miniaturwelt die Zeit kommen, wo sich -das allgemeine Lebensprinzip erfüllt, wo intelligente Wesen anstelle der -Ungeheuer hier treten. Wer weiß, vielleicht ist der Keim zu menschenähnlichen -Wesen in dieser kleinen Welt schon verborgen, vielleicht lebt -schon ein Wesen in diesem Dickicht, aus dem sich dereinst ein vernunftbegabter -Bewohner dieses kleinen Planeten entwickelt. Es gibt hier -noch andere Dinge, die man erforschen kann, daher ist es besser, wenn -wir umkehren.“ -</p> - -<p> -Kapitän Mors gab seine Einwilligung zu erkennen, es hatte ja auch -nicht den geringsten Zweck, daß man vordrang. Die Farrenbäume wuchsen -in einem Morast, dort liefen die kühnen Eindringlinge Gefahr, spurlos -im Sumpf zu verschwinden. -</p> - -<p> -Nun ging es wieder über die Felsenklippe zurück, wo die Dunkelheit -die Wanderer überraschte. Da hörte man vom Walde her wieder die -schrecklichen Töne, das Aechzen, das Rauschen und Prasseln, den -durchdringenden Schrei und das Flattern des Riesenvogels oder der -ungeheuren Fledermaus, welche durch die Lüfte flog. -</p> - -<p> -Dann kehrte man, als es hell wurde, wieder in die Steinwildnis -zurück, wo der „Meteor“ in dem erloschenen Vulkan lag. -</p> - -<p> -Man sah Lindo und Star, die von einigen Indern unterstützt, an -dem Riesenmagneten hantierten. -</p> - -<p> -Die Männer winkten eifrigst, als sie Kapitän Mors und dessen -Begleiter erblickten. Die Rückkehrenden glaubten schon, daß ihre Gefährten -in Besorgnis gewesen seien. -</p> - -<p> -Lindo kam dem Kapitän mit großen Sprüngen entgegen. -</p> - -<p> -Es sah sonderbar aus, wie er mit der Leichtigkeit eines Federballs -über ziemlich hohe Felsblöcke hinwegsprang, aber das war ja kein Wunder, -auf diesem kleinen Weltkörper konnte der um so vieles leichtere -Menschenkörper auch höhere Sprünge unternehmen, ohne sich im -mindesten zu verletzen. -</p> - -<p> -„Was gibt’s?“ fragte Mors. „Ist etwas Besonderes vorgefallen?“ -</p> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-4"> -<span class="firstline">4. Kapitel.</span><br /> -Die Geheimnisse des Feuerberges. -</h2> - -<p class="first"> -„Da unten in dem ausgebrannten Vulkan ist es nicht ganz richtig,“ -meinte Lindo. „Der ist wohl bloß scheinbar erloschen. Wir haben -schon mehrmals sonderbare Töne vernommen, ein Zischen und Fauchen -und zwar als es dunkel war. Das ist ja hier eine merkwürdige Geschichte. -Tag und Nacht ist so rasch, daß man kaum zur Besinnung -kommt. Da unten in dem Krater sind vielleicht die unterirdischen Gewalten -tätig. Genug, da könnte es leicht sein, daß uns plötzlich ein Lavastrom -überraschte. Das wäre doch eine bedenkliche Sache.“ -</p> - -<p> -Kapitän Mors ging sofort nach der Stelle, wo der „Meteor“ halb -aus dem Krater hervorragte. -</p> - -<p> -Er bog sich hinab und lauschte nach der Oeffnung hin, die seitwärts -in das Innere des Planeten hineinführte, denn dort waren wohl -ehemals die Lavaströme hervorgekommen. -</p> - -<p> -Es blieb aber alles ruhig, es ließ sich nichts Besonderes vernehmen. -</p> - -<p> -„Es war sicherlich siedende Lava,“ sprach Lindo, „es brauste und -zischte, wie in einem Höllenkessel. Da links aber, wo sich die große -Höhlung befindet, da war es auch nicht richtig. Da hinter den Felsblöcken -haben wir auch ein sonderbares Geräusch vernommen, was freilich -ganz anders klang. Ich sage Euch, Kapitän, die unterirdischen Gewalten -ruhen nicht, die können bei der ersten Gelegenheit hervorbrechen. Da -wäre es mit unserem „Meteor“ vorbei, da könnten wir unser Leben auf -dem unheimlichen Planeten beschließen.“ -</p> - -<p> -Diese Erklärung Lindos brachte Kapitän Mors auf den Gedanken, -vorerst weitere Wanderungen auf dem merkwürdigen Weltkörper zu -unterlassen und seine ganze Energie der Wiederherstellung des Weltenfahrzeuges -zuzuwenden. -</p> - -<p> -Der Professor freilich schwärmte noch immer von diesen Wundern -einer Welt, die für den Erdenkörper seit hunderttausenden von Jahren -verschollen waren. Er glühte vor Forschereifer, er wollte auch die Geheimnisse -des großen Feuerberges erforschen. -</p> - -<p> -Da gab es allerdings Geheimnisse genug, denn dieser Ausbruch -war ganz anders, als eine Katastrophe auf dem Erdball. -</p> - -<p> -Man konnte diese Vulkanausbrüche mit den regelmäßigen Atemzügen -eines schlummernden Riesen vergleichen. -</p> - -<p> -Zeitweise war alles still, diese Ruhe dauerte manchmal eine viertel -oder gar eine halbe Stunde. Da lag der ungeheure Vulkan so ruhig, als -wäre das unterirdische Feuer vollständig erloschen. -</p> - -<p> -Dann aber hörte man ein dumpfes, langanhaltendes Grollen, dem -ein merkwürdiges Aechzen und Schnauben folgte. Es war, als ob das -riesige Ungeheuer, welches in der Tiefe zu ruhen schien, Atem holte -und so zu einer gewaltigen Kraftanstrengung Luft schöpfte. -</p> - -<p> -Dann tönte das Grollen von neuem, unmittelbar darauf folgte eine -Art schreckliches Gebrüll, aus dem hochragenden Gipfel stieg eine -fürchterliche Dampfwolke empor, gleichzeitig sah man durch diese ungeheuer -große Lavastücke in die Lüfte fliegen. -</p> - -<p> -Sie wurden mit einer solchen Gewalt emporgeschleudert, als ob sie -aus der Mündung eines kolossalen Geschützes ausgestoßen würden. -</p> - -<p> -Das war ein großartiger Anblick, noch großartiger aber war es, -wenn dieser Ausbruch in der Dunkelheit erfolgte, wenn diese riesigen -glühenden Lavablöcke auf den Abhängen des Vulkans niederschmetterten, -zerplatzten und einen Feuerregen umherschleuderten. -</p> - -<p> -Es war ein natürliches Feuerwerk, welches aller menschlichen Begriffe -spottete. -</p> - -<p> -Die Leute im Weltenfahrzeug wurden nicht müde, diese entfesselten -Naturgewalten anzustaunen, aber Kapitän Mors winkte jetzt seinem -treuen Lindo, daß er sich beeilen sollte, denn es galt nun, die schwierigste -Arbeit zu verrichten. Die metallnen Gelenke mußten wieder auf -den Diamanten montiert werden und da war die größte Vorsicht geboten. -</p> - -<p> -Die beiden Männer mußten mit Gummihandschuhen arbeiten, -damit nicht etwa ein plötzlich auftretender elektrischer Strom sie zu -Boden schleuderte oder gar tödlich verletzte. Solche Entladungen aber -waren in der mit Elektrizität gesättigten Atmosphäre des kleinen Planeten -keine Seltenheit. -</p> - -<p> -Unablässig bildeten sich Wolken, aus denen der Donner grollte -und furchtbare breite Blitze herniederzuckten. Dann brachte auch wohl -eine vorüberschwebende schwarze Wolke einen fürchterlichen Regenguß, -sodaß der Kapitän und Lindo ins Weltenfahrzeug flüchten mußten. -</p> - -<p> -Da niemand den beiden Männern helfen konnte und nur Mors -und Lindo diese Reparatur herzustellen vermochten, entschloß sich der -Professor, mit Star und einigen Indern nach dem Vulkan zu gehen, um -dort die Ausbrüche zu betrachten. -</p> - -<p> -Kapitän Mors ermahnte sie zur größten Vorsicht und empfahl -ihnen, sich nicht in die Nähe der herabstürzenden Lavablöcke zu wagen, -sonst war nichts dort zu befürchten. In der Nähe des Vulkans gab -es kein Tierleben. Dort hätte selbst eins der Ungeheuer des Waldes dem -Wüten der Naturgewalten erliegen müssen. -</p> - -<p> -Der Professor war sehr froh, daß er den Vulkan untersuchen konnte -und nahm einige Instrumente mit, die ihm zu verschiedenen Beobachtungen -dienen sollten. Gleichzeitig wollte er die Anziehungskraft -und verschiedene andere Eigentümlichkeiten dieses Miniaturplaneten -messen. -</p> - -<p> -Die ehemaligen Mannschaften des Unterseebootes aber verließen -das Weltenfahrzeug nicht, da sie sich absolut nicht an die dicke Luft -gewöhnen konnten. Sie blieben also lieber in den Mannschaftsräumen, -wo man mit Leichtigkeit eine Luft herstellte, die der der Erde gleichkam. -</p> - -<p> -Mors und Lindo arbeiteten aber unentwegt an dem Riesenmagneten -weiter. -</p> - -<p> -Der Professor und Star aber brachen mit den übrigen Indern auf -und turnten binnen kurzem mit unglaublicher Gewandtheit über das -spitze Felsengestein nach dem Vulkan hinüber. -</p> - -<p> -Hier waren ja die Körper so leicht, hier konnte man scheinbar -unüberwindliche Strapazen mit unglaublicher Schnelligkeit überwinden. -Es sah ordentlich drollig aus, wie die Männer, die noch dazu die Instrumente -trugen, wie die Gemsen von Stein zu Stein hüpften und breite -Spalten ohne Anstrengung übersprangen. -</p> - -<p> -Es schadete nicht einmal etwas, wenn man stürzte, wenn man nur -nicht zu tief fiel, denn bei der Leichtigkeit des Körpers war der Aufschlag -ein so geringer, daß man sich bei solchen Fällen nicht weh tat. -</p> - -<p> -Das einzig Unangenehme war nur der kurze Tag, denn man mußte -nach Verlauf von ein bis einundeinhalb Stunden anhalten, da man trotz -der elektrischen Laternen in der kurzen, aber dunklen Nacht leicht in -eine unbekannte Tiefe stürzen konnte. -</p> - -<p> -Je näher man dem Vulkan kam, desto mehr zeigten sich die unterirdischen -Gewalten. Da hörte man ein Brodeln, ein Zischen und Kochen. -Es waren die Lavabecken, die da unten brodelten, siedeten und -kochten. -</p> - -<p> -Mitunter leuchtete auch der Feuerschein herauf und zwar ganz -seltsam, es waren blaue, grüne, gelbe und rote Flammen, im buntesten -Gemisch. Diese sonderbaren Flammen verrieten, daß es ganz eigentümliche -Elemente sein mußten, die sich hier im glühenden Zustande in der -flüssigen Materie befanden. -</p> - -<p> -Weiter drangen die Männer vor, bis sie endlich den kolossalen -Vulkan erreichten. Dort hatte eins der emporgeschleuderten Lavastücke -den Riesenmagneten des Weltenfahrzeuges getroffen und dies wunderbare -Werk des Kapitän Mors zum Absturz gebracht. -</p> - -<p> -Beim Aufstieg mußte man den Vulkan sorgfältig vermeiden. -</p> - -<p> -Das war nicht leicht, denn es schien, als ob eine besondere Anziehungskraft -in diesem Vulkan wohnte, als ob diese das Metall aus welchem -der Rumpf des Weltenfahrzeuges bestand, beherrschte. Man mußte -also die äußerste Vorsicht walten lassen. -</p> - -<p> -Daran hatte auch der Professor gedacht und er freute sich jetzt, -daß er dem Kapitän einen Dienst leisten konnte. Er wollte die Anziehungskraft -des Feuerberges untersuchen, dann würde man schon Mittel -und Wege finden, um das Weltenfahrzeug aus der gefährlichen Nähe -des Kraters bringen zu können. -</p> - -<p> -Dann konnte man auch diese Miniaturwelt wieder verlassen. -</p> - -<p> -Die Inder zeigten sich hier recht tollkühn, aber das war kein Wunder, -Feuerberge waren ihnen nicht fremd und in ihrer Heimat befanden -sich die Riesen der indischen Bergwelt, die weit über die Wolken hinausragten. -</p> - -<p> -Star und der Professor mußten die Ungeduld der Inder sogar zügeln, -denn die waren jetzt sehr unternehmungslustig. Sie stießen sogar -noch glühende Lavablöcke an den Abhängen des Vulkans hinunter, -damit sie der Professor besser untersuchen konnte. -</p> - -<p> -Der Professor hatte alle Hände voll zu tun, er schüttelte wiederholt -verwundert mit dem Kopf. Das Gestein, aus welchem der Feuerberg -bestand, war ganz eigenartig. Es enthielt ein Metall, welches auf der -Erde unbekannt war, aber sicherlich hohen Wert besitzen mußte. -</p> - -<p> -Die Instrumente wurden aufgestellt und an verschiedenen Stellen -des Feuerberges angebracht. Professor van Halen war unermüdlich und -da machte er die absonderlichsten Beobachtungen. -</p> - -<p> -Hier auf dieser kleinen Welt gab es eine Menge Wasser, aber das -war wohl meist in dampfförmigem Zustande, die feuchte Hitze, welche -hier herrschte, bewirkte eine unvergleichlich schnelle Verdunstung. -</p> - -<p> -Der Professor glaubte auch die Wahrnehmung zu machen, daß -nach den fürchterlichen Regengüssen, die von Zeit zu Zeit eintrafen, die -Ausbrüche des Vulkans häufiger wurden. -</p> - -<p> -Es war sicherlich noch der alte Kreislauf der Dinge, wie ehedem in -der Urzeit, hier folgten die Naturgewalten unmittelbar und erschienen -deshalb um so schrecklicher. In der Nähe des Feuerberges war die Atmosphäre -so dunstig und trübe, daß man nur selten einen Ausblick erhielt, -das Weltenfahrzeug konnte man nie sehen, obwohl es gar nicht weit -entfernt war. -</p> - -<p> -Der Professor überließ sich ganz seinen Beobachtungen, aber Star -empfand eine innere Unruhe, es war ihm immer, als ob sich in der Nähe -des Weltenfahrzeuges etwas Absonderliches zugetragen haben müsse. -</p> - -<p> -Er lachte zwar über diese Gedanken und verbarg sie vor dem Professor, -aber er konnte doch nicht hindern, daß er immer und immer -wieder an die Zurückgebliebenen mit Besorgnis zurückdachte. -</p> - -<p> -Aber auch der Professor hatte Bedenken, die freilich etwas anderes -betrafen. Seine Beobachtungen brachten ein Resultat, welches ihn mit -großen Befürchtungen erfüllte. -</p> - -<p> -Die Instrumente verrieten nämlich plötzlich eine ungemeine Spannung, -die immer mehr und mehr zunahm und zwar in einer Weise, daß -man irgend eine Naturkatastrophe erwarten konnte. -</p> - -<p> -Ob sie bald eintreten würde, stand freilich noch dahin, aber dem -Professor war es, als müßte demnächst auf dem kleinen Planeten ein -Aufruhr der Elemente stattfinden, der alles bisher Gesehene bei weitem -übertreffen müßte. -</p> - -<p> -Da stand wohl ein furchtbarer, vulkanischer Ausbruch bevor und -da konnte der Feuerberg in die fürchterlichste Tätigkeit treten. -</p> - -<p> -Aber der Professor dachte noch an etwas anderes, an die Möglichkeit, -daß die Lavamassen aus dem scheinbar erloschenen Krater, wo das -Weltenfahrzeug lag, hervorbrechen würden, dann konnte dort ebenfalls -eine fürchterliche Katastrophe erfolgen. -</p> - -<p> -Jedenfalls näherte sich der kleine Planet der Sonne und dieser Umstand -war es wohl, der eine gigantische Anstrengung der noch immer -entfesselten Naturkräfte drohen ließ. Van Halen hielt es daher für das -beste, wenn er jetzt zurückkehrte und den Luftpiraten warnte. -</p> - -<p> -Sowie es hell wurde, brach man auf, aber der Professor ließ einige -seiner Instrumente zurück, in der Ueberzeugung, daß er noch einmal -zurückkehren würde. -</p> - -<p> -Am Weltenfahrzeug fand man alles unverändert, die europäischen -Mannschaften verbrachten ihre Zeit meist mit Nichtstun oder Reinigen -der Maschinen. Lindo und Mors waren unablässig mit der Reparatur -des Riesenmagneten beschäftigt. -</p> - -<p> -Der Luftpirat kam dem Gelehrten entgegen. -</p> - -<p> -„Haben Sie das Brausen und Zischen wieder vernommen, Kapitän?“ -fragte Halen, als er einen Händedruck mit dem Maskierten getauscht. -</p> - -<p> -„In der Tat,“ lautete die Antwort. „Es scheint immer drohender -und unheimlicher zu werden. Auch will Lindo andere unheimliche Töne -gehört haben, aber davon habe ich nichts vernommen.“ -</p> - -<p> -Der Professor dachte nur an das Brausen und Zischen, das waren -zweifellos die glühenden Lavamassen. Er begab sich nach der dunklen -Kluft und richtig, dort machte sich eine außerordentliche Wärme bemerkbar. -</p> - -<p> -Dann teilte er Kapitän Mors seine Beobachtungen am Feuerberg -mit. -</p> - -<p> -„Das ist in der Tat bedenklich,“ meinte Kapitän Mors. „Da müssen -wir uns beeilen und noch eifriger arbeiten. Uebrigens eine Frage, -bester Professor, können Ihre Instrumente den bevorstehenden Ausbruch -genauer anzeigen?“ -</p> - -<p> -„Sicherlich,“ rief der Gelehrte. „Wenigstens dreißig Stunden vorher. -Für die Zeit von vierundzwanzig Stunden könnte ich mich geradezu -verbürgen.“ -</p> - -<p> -„Das ist gut,“ erwiderte Kapitän Mors. „Da möchte ich Ihnen -einen Vorschlag machen. Sie sagen ja selbst, daß Sie in den Klüften des -Feuerberges ein ganz bequemes Unterkommen fanden. Kehren Sie also -mit Star und den Indern zu Ihren Instrumenten zurück und signalisieren -Sie mir, wenn Gefahr droht. Sie brauchen ja nur einen Eisenstab -mitnehmen und daran eine blutrote Fahne aufziehen, die könnte ich -von hier aus gewahren. Im äußersten Falle der Not würde ich meine -Reservemaschinen in Tätigkeit setzen. Es ist zwar gefährlich, aber in der -Not könnte ich mein Weltenfahrzeug von dieser gefährlichen Stelle -hinwegbringen. Aber, wie gesagt, es ist nur für den Notfall.“ -</p> - -<p> -Dagegen ließ sich nichts einwenden, denn dieser Ausweg war der -beste. -</p> - -<p> -Man versah sich also mit neuen Vorräten, die in reicher Menge -vorhanden waren. Auf dem Weltenfahrzeug befanden sich Lebensmittel, -die für einige Jahre reichen konnten. -</p> - -<p> -Das Wasser auf dem kleinen Planeten war, wenn auch an manchen -Stellen stark metallhaltig, doch an verschiedenen Stellen trinkbar. So -brauchte man für den Bedarf an dem wertvollsten Lebenselement nicht -in Sorge zu sein. -</p> - -<p> -Star, van Halen und die Inder kehrten also nach dem Feuerberg -zurück, um dort die Beobachtungen fortzusetzen. -</p> - -<p> -Der Kapitän sollte im entscheidenden Moment gewarnt werden. -</p> - -<p> -Dann war ja immer Zeit genug, das Weltenfahrzeug durch Anwendung -der Reservemaschinen nach einer anderen Stätte zu versetzen, -freilich war ein solches Gewaltmittel immer gefährlich. -</p> - -<p> -War es aber dunkel, so sollte eine blutrote Laterne die Stelle der -roten Fahne ersetzen. -</p> - -<p> -Kapitän Mors und sein getreuer Lindo arbeiteten also unablässig -weiter. Sie strengten alle Kräfte an, sie arbeiteten sogar beim Schein der -elektrischen Laternen, wobei ihnen noch der Mond behilflich war, der -jetzt des Nachts sein strahlendes Licht verbreitete. -</p> - -<p> -Die Atmosphäre war klarer geworden, in der Nacht sah man häufig -die Sterne funkeln. Die Wolken hatten sich teilweise nach den Wäldern -zurückgezogen. -</p> - -<p> -Aber es war noch etwas, was Lindo beunruhigte. Die sonderbaren -Töne, die er zuweilen aus der Kluft vernahm. -</p> - -<p> -Der Kapitän hielt es für Täuschung, aber Lindo hegte Bedenken, -er meinte immer, daß in dieser dunklen Kluft sich irgend etwas verbergen -könnte, etwas Gefährliches, was es aber war, wußte er nicht und -konnte es auch nicht wissen. -</p> - -<p> -Kapitän Mors kümmerte sich nicht darum und meinte, es wäre -nur eine Täuschung. Lindo aber warf während der Arbeit oft einen Blick -nach der Gegend, wo die Felsblöcke lagen. Er glaubte, dort sei etwas -Rätselhaftes, etwas Unheimliches verborgen. Dort aus der Kluft könnte -plötzlich das Verderben hervorbrechen. -</p> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-5"> -<span class="firstline">5. Kapitel.</span><br /> -Die Ungeheuer der Tiefe. -</h2> - -<p class="first"> -So vergingen die Tage und die ebenso langen Nächte rasch dahin, Mors -und Lindo gönnten sich nur die notwendigste Ruhe. -</p> - -<p> -Die in dem Weltenfahrzeug befindlichen Leute mußten fortwährend -nach dem Feuerberg Ausguck halten und nachsehen, ob sich nicht -etwa die rote Laterne oder die rote Flagge zeigte. -</p> - -<p> -Bis jetzt war aber nichts zu sehen gewesen. Die Gefahr lag also -noch fern. Noch hatte der Professor das Warnungssignal nicht gegeben. -</p> - -<p> -Inzwischen näherten sich die Reparaturarbeiten ihrem Ende. Die -Verbindungen waren schon wieder hergestellt, aber nun kam die schwierigste -Arbeit. Man mußte die neuen Gelenkstangen auf die in dem Weltenfahrzeug -angebrachten riesigen Diamanten montieren. -</p> - -<p> -Das geschah auch außerhalb des Fahrzeuges, dort waren sogar die -wichtigsten Arbeiten zu verrichten, und die beiden Männer versahen -ihre Aufgabe mit wahrem Feuereifer. -</p> - -<p> -So lange die Sonne schien, brauchten sie kein künstliches Licht, -aber sobald die Dunkelheit kam, arbeiteten sie mit ihren elektrischen -Laternen. -</p> - -<p> -Die Warnungssignale am Berge aber waren immer noch nicht erschienen. -</p> - -<p> -Kapitän Mors glaubte schon, daß gar keine Gefahr drohe und daß -das Ungewitter wieder vorübergezogen sei, vielleicht hatten die Spannungen, -die der Professor an den Instrumenten beobachtet, schon wieder -nachgelassen. -</p> - -<p> -So war wieder einmal die kurze Nacht gekommen. -</p> - -<p> -Der Himmel war klar, die Sterne funkelten, der Mond schien so -hell, daß die beiden Männer kaum der elektrischen Laternen bedurften. -</p> - -<p> -Da vernahm man das Zischen und Brausen, welches zeitweise in -den Eingeweiden dieser Miniaturwelt hörbar wurde. -</p> - -<p> -„Es sind die Lavamassen,“ meinte Lindo. „Heute ist es stärker, als -sonst, aber der Professor scheint noch keine Gefahr zu befürchten, -sonst würde er das Signal zeigen.“ -</p> - -<p> -Das Brausen und Zischen dauerte fort, da man es aber so oft gehört, -kümmerte man sich nicht weiter darum. Jedenfalls kamen die -Lavamassen noch nicht hervor, die tobten noch tief unter der Erde. -</p> - -<p> -Mit einemmal hielt Lindo in der Arbeit inne. -</p> - -<p> -„Hört, Kapitän, hört,“ rief er stutzend, „hört Ihr nicht die seltsamen -Laute? Das ist etwas ganz anderes, das ist das, was Ihr immer nicht -glauben wolltet. Es kommt von jener verdächtigen Kluft her, es ist ein -richtiges Schnarchen und Röcheln!“ -</p> - -<p> -In der Tat hörte Kapitän Mors jetzt selbst die Töne, von denen -Lindo mehrmals erzählt und die er für Täuschung gehalten. -</p> - -<p> -Der Eingang der Kluft war von dem Ort, wo die beiden Männer -hantierten, durch einige emporragende Felsen verdeckt. -</p> - -<p> -Bald schien auch das Röcheln und Schnarchen zu verstummen. -</p> - -<p> -Kapitän Mors wendete sich wieder seiner Arbeit zu, als Lindo von -neuem aufschrie: -</p> - -<p> -„Kapitän, da seht — da, eine Schlange! Eine ganz seltsame -Schlange!“ -</p> - -<p> -Der Luftpirat fuhr herum. -</p> - -<p> -Richtig, dort über der Klippe, hinter der die Kluft lag, ragte etwas -hervor, was wie der Hals einer riesigen Schlange aussah. -</p> - -<p> -An diesem Hals aber hing ein sonderbarer Kopf, von ganz merkwürdiger -Form, der war nicht schlangenartig, sondern fast eckig, aus -diesem Kopf ragte eine lange, gelbe Zunge heraus, der Rachen war geöffnet -und in diesem sah man geradezu grauenvolle Zähne. -</p> - -<p> -Aber am fürchterlichsten waren die Augen an diesem Kopf, denn -die standen wie auf Sockeln, sie waren so groß wie Fäuste und flimmerten -wie Karfunkel. -</p> - -<p> -Dieser Kopf betrachtete die beiden Männer, dann kam das seltsame -Röcheln und Schnarchen aus dem geöffneten dampfenden Rachen -hervor. -</p> - -<p> -Der erste Gedanke Kapitän Mors’ war, die elektrischen Waffen zu -holen, aber die befanden sich im Innern des Fahrzeuges. Das Ungetüm -aber, welches da hinter dem Felsen emporragte, befand sich der Tür, -welche in das Innere des Weltenfahrzeuges führte, viel näher, als die -beiden Männer und konnte sie daher bei einem Rückzug mit Leichtigkeit -abfangen. -</p> - -<p> -„Kapitän, da ist noch solch Ding!“ schrie Lindo, indem er nach -dem Felsen deutete. „Das sieht ebenso fürchterlich aus. Nehmt Euch in -Acht Kapitän, die Beester schnappen!“ -</p> - -<p> -In diesem Augenblick fuhren die langen Schlangenhälse auf die -Männer zu. Kapitän Mors und Lindo aber wichen gewandt aus und -sprangen seitwärts, indem sie unwillkürlich hinter einem anderen Felsblock -Schutz suchten. -</p> - -<p> -Jetzt konnten sie seitwärts auf die Ungetüme schauen, aber da -gewahrten sie etwas ganz Merkwürdiges. -</p> - -<p> -Das waren keine Schlangen, sondern die langen Hälse saßen an -einem plumpen, fürchterlichen Körper, der so dick wie der eines Elefanten -war, dieser Riesenkörper war graubraun und schleimig, das Tier mit -dem langen Schlangenhals und den funkelnden Augen war ein Vierfüßler -und an den plumpen Füßen schienen sich mächtige Krallen zu befinden. -</p> - -<p> -Zwei dieser Bestien waren da, und sie rutschten jetzt mit ziemlicher -Geschwindigkeit heran. Sie suchten die beiden Männer anzugreifen. -</p> - -<p> -Kapitän Mors war jetzt alles klar. -</p> - -<p> -Diese bisher unbekannten Untiere, welche sicherlich zu den Riesensauriern -gehörten, hausten dort in der Kluft und kamen nur von Zeit -zu Zeit an die Oberwelt, um Beutezüge anzutreten. -</p> - -<p> -Sie waren es sicherlich, welche die großen Knochen, die da auf -dem Stein lagen, durchgebissen hatten. Das konnte man diesen fürchterlichen -Zähnen schon zutrauen. -</p> - -<p> -Nun galt es, sich zu verteidigen, denn die Ungetüme schienen sich -merkwürdig schnell zu bewegen, so plump sie auch aussahen, waren die -Bewegungen doch rasch und verhältnismäßig gewandt. Es war etwas -Eidechsenartiges, Bewegliches in der Art und Weise, wie sich diese -plumpen Massen vorwärtsschoben. -</p> - -<p> -Die beiden Männer waren mit ungenügenden Waffen ausgestattet. -Kapitän Mors besaß ein wohl fußlanges, haarscharfes Dolchmesser und -Lindo hatte eine schwere gleichfalls haarscharf geschliffene Axt aufgegriffen. -</p> - -<p> -„Kapitän, sie werden uns einholen,“ rief der treue Inder ganz verzweifelt. -„Die Bestien bewegen sich so gewandt wie die Aale.“ -</p> - -<p> -„Ja, ich sehe es, Lindo,“ sprach Mors, der mit seinem treuen Begleiter -von Stein zu Stein sprang. „Es wird uns nichts übrig bleiben, wir -müssen kämpfen, wir müssen uns so gut es geht gegen die Ungeheuer -der Tiefe verteidigen.“ -</p> - -<p> -Lindo biß die Zähne zusammen, aber er verlor die Geistesgegenwart -nicht. Treu wie er war, wollte er sogar Mors die Axt als die bessere -Waffe einhändigen und dafür das Messer nehmen. -</p> - -<p> -Der Luftpirat wies dies edelmütige Anerbieten zurück. -</p> - -<p> -„Nimm nur die Axt, treue Seele,“ sprach er. „Das Messer genügt -mir. Nun will ich Dir einen Rat geben. Du siehst, daß diese Ungetüme -sehr lange und dünne Hälse haben, die scheinbar gar nicht zu den massiven -Körpern passen. Haue mit Deiner Axt nach der Stelle, wo sich -dieser lange Schlangenhals mit dem Körper vereinigt und suche dort die -Halswirbel zu durchhauen. Nun paß auf. Da kommen sie angeglitten.“ -</p> - -<p> -Die beiden Ungeheuer schnarchten entsetzlich, man hörte, wie ihr -furchtbares Gebiß zusammenklappte. Jedenfalls waren es Fleischfresser -und die Bestien lechzten nach Beute. -</p> - -<p> -Freilich mochten ihnen diese seltsamen Geschöpfe, die Menschen, -höchst absonderlich vorkommen. Aber es waren Lebewesen, und die -Kolosse vertrauten auf ihre ungeheure Stärke. Sie waren auch wohl -hungrig und nun kamen sie herangeglitten, mit aalartigen Bewegungen, -unheimlich schnell, man konnte diesen Ungetümen nicht entrinnen. -</p> - -<p> -Der Rückweg zu dem Weltenfahrzeug war den beiden Männern -abgeschnitten. Es half nichts, sie mußten das Abenteuer bestehen. -</p> - -<p> -Kapitän Mors wandte sich gegen das größte Ungetüm, während -Lindo beherzt den Angriff des zweiten, kleineren Ungeheuers erwartete. -</p> - -<p> -Im Moment, als Kapitän Mors sich gegen das schnarchende Ungetüm -wendete, warf er einen flüchtigen Blick auf die Kluft, aus der die -Ungetüme hervorgestiegen sein mußten. -</p> - -<p> -Da gewahrte er noch etwas Bewegliches, da kam ein dritter Schlangenhals -zum Vorschein, ein drittes Ungetüm kam röchelnd und schnarchend -aus der Kluft hervorgekrochen. -</p> - -<p> -Aber Kapitän Mors hatte keine Zeit, sich mit weiteren Beobachtungen -abzugeben, er mußte handeln, die Gefahr drohte, sie war sogar -aufs äußerste gestiegen. -</p> - -<p> -Das riesige Ungetüm vor ihm richtete sich halb auf, der Schlangenhals -schwebte hoch über Kapitän Mors’ Kopf, die Augen glühten -und schillerten, das Tier selbst war vom Mond grell beleuchtet. -</p> - -<p> -Jetzt hockte das Tier in einer sitzenden Stellung und suchte Kapitän -Mors mit den viel kürzeren Vordertatzen zu fassen. -</p> - -<p> -Aber Kapitän Mors war auf seiner Hut und es kam ihm zu statten, -daß er sich auf dem kleinen Planeten mit größter Leichtigkeit bewegen -konnte. -</p> - -<p> -Blitzschnell wich er den Hieben der drohenden Tatze aus und -sprang zur Seite. Dann blitzte das lange Messer, Kapitän Mors stieß es -in den langen Schlangenhals des Tieres und zog den Griff der Waffe mit -kräftigem Schnitt nach der Mitte der Brust hinunter. -</p> - -<p> -Dunkelrotes Blut spritzte hervor, es war eine furchtbare Wunde, -aber das Tier schien sich wenig darum zu kümmern. -</p> - -<p> -Es schnarchte greulich, der lange Kopf auf dem Schlangenhals fuhr -herab und wieder sah Kapitän Mors das fürchterliche Gebiß mit den -drohenden Zähnen. -</p> - -<p> -Das Ungeheuer schien jedoch seine Beute weniger mit dem Gebiß -packen, als mit den Krallen erhaschen zu wollen, dabei hüpfte es auf -den Hinterbeinen sitzend, auf Mors zu, sodaß seine Bewegungen an die -eines riesigen Kängurus erinnerten. -</p> - -<p> -Jedenfalls war das Tier mit den sogenannten Lälaps verwandt, ein -Tier der Vorwelt auf Erden, welches einem riesigen Känguru ähnelte, -nur, daß dieses Tier den langen Schlangenhals besaß, der ihm das -schlangenartige Aussehen sicherte. -</p> - -<p> -Kapitän Mors konnte sich jetzt nicht um Lindo bekümmern und -gewahrte nur bei einem gedankenschnellen Blick, daß sein treuer Gefährte -mit dem zweiten Ungeheuer kämpfte. -</p> - -<p> -Jetzt kam der Riese wieder herangehüpft, schnarchte laut und -suchte mit seinen beiden gewaltigen Tatzen Kapitän Mors zu packen. -</p> - -<p> -Diesmal bückte sich der Luftpirat nur und führte einen furchtbaren -Stoß nach der Stelle, wo er das Herz des riesigen Ungeheuers vermutete. -</p> - -<p> -Ein gewaltiger Blutstrahl sprudelte hervor, fast wie aus einem -Springbrunnen. Kapitän Mors duckte sich schnell und entwischte gerade -noch aus den Krallen des Ungeheuers, die ihn zu packen drohten. -</p> - -<p> -Wieder tönte das Schnarchen, gräßliche Wut malte sich in den -weiß leuchtenden Augen des Ungetüms, aber seine Bewegungen waren -nicht mehr so schnell wie vorhin, es schien die Wirkung der blanken -Waffe zu spüren. -</p> - -<p> -Das Blut schoß wie eine Fontäne aus der Wunde in der Brust und -es war möglich, daß der Stich das Herz verletzt hatte. Die Bestie warf -schreckliche Blicke auf den Menschen, der jetzt mit Befriedigung die -entschwindenden Kräfte des Angreifers bemerkte. -</p> - -<p> -Inzwischen war Lindo auch nicht müßig gewesen und hatte mit -der Axt auf die von Mors bezeichnete Stelle losgehauen. -</p> - -<p> -Der Brave hieb zu, als wollte er einen Baumstamm fällen, aber das -war sein Glück. Es gelang ihm, mit der haarscharf geschliffenen Axt den -Halswirbel des Ungeheuers zu durchschneiden und das Rückgrat an der -Stelle zu trennen, wo der Schlangenhals mit dem massigen Leibe verbunden -war. -</p> - -<p> -Auch dieses Ungeheuer stieß ein fürchterliches Schnarchen aus, -welches aber fast einem Gebrüll ähnelte, dann drehte es sich ein paar -Mal rund herum, fiel auf den Rücken und begann im Todeskampf -schrecklich zu zappeln. -</p> - -<p> -Da sah Kapitän Mors, der eben noch seine Aufmerksamkeit seinem -Gegner zugewendet, das dritte Ungeheuer lautlos herangleiten. -Kein Zweifel, es wollte Lindo von hinten packen. -</p> - -<p> -„Drehe Dich um Lindo,“ schrie der Luftpirat mit furchtbarer Stimme. -„Es ist noch eins hinter Dir! Rasch, rasch, es will Dich fassen!“ -</p> - -<p> -Der Inder sprang blitzschnell bei Seite und das war sein Glück, da -im selben Moment das Ungetüm an der Stelle, wo er gestanden, anlangte. -</p> - -<p> -Es röchelte und schnarchte und drehte den langen Schlangenhals -bald nach rechts, bald nach links, indem es die beiden Männer mit den -fürchterlich leuchtenden Augen anstarrte. -</p> - -<p> -Aber jetzt wurde es von den beiden Männern angegriffen. Bald -von links, bald von rechts, sodaß die Bestie gar nicht wußte, wohin sie -sich zuerst wenden sollte. -</p> - -<p> -Lindo hieb mit der Axt auf die Halswirbel der Bestie los, Kapitän -Mors aber bohrte ihm das fußlange Dolchmesser in die Seite. -</p> - -<p> -Jedesmal schnarchte das Tier laut und fuhr herum, um seinen -Gegner zu packen, der aber sprang alsdann gewandt zurück, während -sein Gefährte den Angriff erneuerte. -</p> - -<p> -Immer lauter wurde das Schnarchen, das Röcheln; aber jetzt spritzte -auch das schwarzrote Blut von allen Seiten hervor, das Ungeheuer -taumelte. Kapitän Mors hatte sicherlich das Herz getroffen. Lindo aber -hatte ihm mit einem furchtbaren Axthieb den Halswirbel fast ganz -durchgeschlagen. -</p> - -<p> -Inzwischen waren auch die beiden anderen Ungetüme verendet, -und nun sahen die zwei Männer auf die Kampfstätte, auf die drei Riesen -der Tierwelt, auf die Lachen geronnenen, schwarzroten Blutes. -</p> - -<p> -Aber da kam auch schon wieder der Tag heran, die kurze Nacht -ging zu Ende, die Sterne verblichen, die Sonne erschien und beleuchtete -die massigen Gestalten der erlegten Ungetüme. -</p> - -<p> -Vom Weltenfahrzeug herüber hörte man die Schreie der Männer, -welche die Besatzung bildeten. Aber die waren über den Anblick dieser -unheimlichen Riesentiere so entsetzt gewesen, daß sie gar nicht wußten, -was sie tun sollten. -</p> - -<p> -Jetzt aber erschienen sie auf der Galerie und wollten ihren Augen -nicht trauen, als sie die beiden Helden noch lebend sahen. -</p> - -<p> -„Na, Ihr habt uns schön im Stich gelassen,“ rief Lindo ärgerlich. -„Da seht mal, was der Kapitän wieder mal geleistet hat.“ -</p> - -<p> -„Laß es nur gut sein,“ erwiderte Mors. „Du hast Dein redliches -Teil dazu beigetragen. Ich bin stolz auf Dich. Du hast gekämpft, wie ich -es erwartete. Wir sind Sieger geblieben.“ -</p> - -<p> -„Hoffentlich kommen nicht mehr heraus,“ meinte Lindo, indem -er nach der Kluft hinblickte. „Am Ende befindet sich eine ganze Herde -darinnen.“ -</p> - -<p> -„Das glaube ich nicht,“ erwiderte Kapitän Mors. „Das halte ich für -ausgeschlossen. Diese Tiere leben sicherlich nicht in größerer Menge, -und ich glaube wohl, daß wir ein Pärchen dieser Kolosse mit einem -ausgewachsenen Jungen bekämpfen mußten. Genug, das Abenteuer ist -vorüber und wir sind die Sieger geblieben.“ -</p> - -<p> -Da deutete Lindo nach dem Vulkan hinüber, der von der Sonne -beleuchtet wurde. -</p> - -<p> -„Kapitän,“ schrie er. „Das Zeichen, das Signal! Kapitän, da weht -die rote Fahne! Jetzt droht uns Gefahr von den Elementen der Tiefe! Da -zischt es, da braust es schon wieder! Da will die Lava aus den Eingeweiden -der Erde hervorquellen!“ -</p> - -<h2 class="chapter" id="chapter-0-6"> -<span class="firstline">6. Kapitel.</span><br /> -Im Todeskrater. -</h2> - -<p class="first"> -In der Tat hatte der Professor mit seinen Gefährten das Warnungssignal -erteilt. -</p> - -<p> -„Geschwind, Lindo,“ rief Mors, für den das furchtbare Abenteuer -schon vergessen zu sein schien. „Jetzt ist jeder Augenblick Zeit kostbar. -Wir müssen die Arbeit am Riesenmagnet beenden. Ich denke, Star wird -bald zur Unterstützung herbeikommen.“ -</p> - -<p> -Darin sollten sich die beiden Männer nicht täuschen. -</p> - -<p> -Bald kam die kurze Nacht, aber die Ungeheuer der Tiefe ließen -sich nicht mehr blicken, als es aber wieder hell wurde, kamen die Inder, -Star und der Professor vom Vulkan herüber. -</p> - -<p> -Die staunten nicht wenig, als man ihnen das Abenteuer erzählte -und als sie die Körper der getöteten Ungetüme gewahrten. Der Professor -vergaß sogar die Nachricht, die er brachte und mußte erst von Kapitän -Mors daran erinnert werden. -</p> - -<p> -Dann erstattete er seinen Bericht und deutete auf die Instrumente, -die man wieder mit zurückgebracht. -</p> - -<p> -„Die Katastrophe droht,“ sprach der Professor. „In spätestens vierundzwanzig -Stunden werden die Lavamassen aus dem Innern der Erde -hervorbrechen, und wenn wir bis dahin nicht das Weltenfahrzeug aus -dem Krater befreit haben, ist alles verloren. Die Lavamassen würden das -Fahrzeug mit einem hunderttausende von Zentnern schweren feurigen -Mantel bedecken.“ -</p> - -<p> -„Ich weiß,“ erwiderte Mors. „Star, hierher, Du bist der einzige, der -uns jetzt helfen kann. Wir arbeiten jetzt, so lange wir können. Wenn die -Gefahr nahe rückt, muß ich zum letzten Mittel greifen, wenn es auch -noch so gefährlich ist, es geht eben auf Tod und Leben.“ -</p> - -<p> -Da wurde kein Augenblick verloren. -</p> - -<p> -Auch der Professor bot seine Hilfe an, aber Mors konnte nur Star -und Lindo zu der Arbeit verwenden. Diese beiden waren die einzigen, -die bei der Herstellung des Riesenmagneten und der Fertigstellung der -Gelenkverbindungen Hand anlegen konnten. -</p> - -<p> -Diese Männer mußten sich jetzt die Lufthelme mit den dazu gehörigen -Apparaten aus dem Weltenfahrzeug holen, denn die Luft wurde -dermaßen dick und schwer, daß sie kaum noch zum Atmen geeignet -schien. Sie war jetzt nicht nur von Kohlensäure, sondern auch von Gasen -gesättigt. Der blaue Himmel verschwand und an seine Stelle traten -ungeheure dicke Wolken die ein schreckliches Aussehen hatten. -</p> - -<p> -Zuweilen krachte der Donner und dann zuckten Blitze von einer -solchen Helligkeit und solch enormer Ausdehnung, wie es die so viel -gereisten Männer noch nie gesehen hatten. Es war ein Aufruhr der Elemente, -der geradezu fürchterlich erschien und alles rührte, wie der Professor -behauptete, nur von den unterirdischen Gewalten her, die sich zu -einem geradezu fürchterlichen Ausbruch vorbereiteten. -</p> - -<p> -Von dem mächtigen Vulkan war nichts mehr zu sehen, diesen -bedeckten die ungeheuren Wolken, aber es krachte und prasselte unablässig -in diesen dichten Massen. Man hörte ein greuliches Rollen und -Poltern, ein Beweis, daß der riesige Vulkan sich bereits in voller Tätigkeit -befand, daß sein Krater glühende Lavamassen emporschleuderte. -</p> - -<p> -Aber nun begann es sich auch in der Nähe des Weltenfahrzeuges -zu regen. -</p> - -<p> -Lindo blickte zuweilen nach der Kluft hin, aus der die Saurier -hervorgekommen waren, befanden sich dort noch mehr, so mußte sie -der Aufruhr der Elemente aus ihren Schlupfwinkeln hervortreiben. -</p> - -<p> -Aber das geschah nicht, die drei Tiere, welche dort gelebt, waren -von Lindo und dem Kapitän getötet worden. Von den Bestien dieser -neuen Welt war jetzt nichts mehr zu fürchten, wohl aber von den Elementargewalten. -</p> - -<p> -Die unheimlichen Töne kamen aus dem alten Krater, in welchen -das Weltenfahrzeug gestürzt war. Dort rauschte und zischte und brodelte -es, das war ein richtiger Höllenkessel geworden. -</p> - -<p> -Dort kam die Lava langsam empor, die feurige Masse, welche so -lange in der Tiefe geschlummert hatte. -</p> - -<p> -Man vernahm die unheimlichen Töne, welche diese siedenden -Massen hervorbrachten. Die Hitze nahm zu, zuweilen glaubte Lindo -schon, die glühenden Massen leuchten zu sehen. -</p> - -<p> -So arbeiteten die drei Männer mit fieberhafter Hast an der Herstellung -des Weltenfahrzeuges. -</p> - -<p> -Es war aber vorauszusehen, daß die Elemente schneller arbeiteten, -als die Menschenhand. Die Lava mußte hervorbrechen und das Weltenfahrzeug -erreichen. Geschah dies, so wurde das geniale Wunderwerk in -die glühenden Massen eingebettet und dann war es für alle Zeiten verloren. -</p> - -<p> -Kapitän Mors holte jetzt den Professor, nicht um ihn arbeiten zu -lassen, sondern damit van Halen die langsam empordringende Lava -beobachtete. -</p> - -<p> -Der Astronom konnte die Arbeitenden noch rechtzeitig warnen, -damit sie sich mit ihm in das Weltenfahrzeug flüchteten. -</p> - -<p> -War aber dann die Arbeit noch nicht getan, so mußte eben Kapitän -Mors zum äußersten Mittel greifen, zu dem letzten Ausweg, der -noch eine Rettung versprach, obwohl diese Hilfe das Fahrzeug und -seine Insassen in die höchste Gefahr brachte. -</p> - -<p> -Der Professor versah sich ebenfalls mit dem Lufthelm, und begab -sich zu der schrecklichen Kluft. -</p> - -<p> -Dort war bereits alles rötlich erleuchtet, der Widerschein der glühenden -Lava, die langsam, aber unaufhörlich höher und immer höher -drang, die zuletzt den unheimlichen Todeskrater überfluten mußte. -</p> - -<p> -Dazu donnerte der Vulkan, man hörte sein Brüllen, man sah, wie -die Lavablöcke durch die Dunstmassen heruntersausten. Man hörte das -Aufprasseln der gewaltigen Massen, die auf dem steinigen Boden in -tausend Stücke zersprangen. -</p> - -<p> -Aber niemand hatte Zeit, einen Blick auf dies ebenso grausige, wie -wunderbare Bild zu werfen. Die Sorge für das Weltenfahrzeug nahm alle -Sinne in Anspruch. -</p> - -<p> -Plötzlich kam der Professor zurückgerannt. -</p> - -<p> -Seine Stimme klang dumpf und hohl in dem aus Metall und Glas -bestehenden Helm. Er deutete mit der Rechten nach der Kraterkluft -hinüber. -</p> - -<p> -Es war gar nicht nötig, daß er sprach und die drei arbeitenden -Männer auf die Gefahr aufmerksam machte. Diese sahen bereits, wo die -Gefahr nahte. -</p> - -<p> -Dort bei dem Kraterkessel war ja alles in wilder Bewegung, da stieg -eine leuchtende, rote Masse hervor, rotglühender Brei floß zwischen -den schwarzen Steinen hindurch, es war die glühende Lava, die einen -Weg nach außen suchte. -</p> - -<p> -Noch lag das Weltenfahrzeug höher, als die feurige Masse, aber es -durfte keinen Augenblick Zeit verloren werden. -</p> - -<p> -Diesmal klang Kapitän Mors’ Stimme dumpf und hohl, aber jedem -verständlich. -</p> - -<p> -Er forderte seine Begleiter auf, daß sie sich auf der Stelle nach dem -Weltenfahrzeug begeben sollten. -</p> - -<p> -Der Professor eilte hinüber, Lindo und Star folgten, nachdem sie -die Werkzeuge zusammengerafft hatten. -</p> - -<p> -Sie warfen dabei bedauernde Blicke auf den Lenkapparat, der noch -immer nicht ganz in Ordnung war. Der Riesenmagnet konnte noch -nicht in Tätigkeit treten. -</p> - -<p> -Der Kapitän folgte als letzter und schloß hastig die beiden metallnen -Türen. -</p> - -<p> -Dann kam er nach dem Maschinenraum, wo Star, Lindo und der -Professor auf ihn warteten. -</p> - -<p> -„Wir hätten uns ohnehin zum letzten Mittel entschließen müssen,“ -sprach der Luftpirat, als er den Lufthelm abgenommen. „Die Instrumente -sind ja alle in wildester Verwirrung, wie es bei solchem Ausbruch -elementarer Naturgewalten nicht anders sein kann. Da wäre es -sehr fraglich gewesen, ob der Riesenmagnet gearbeitet hätte. Selbst wenn -er sich in gutem Zustande befand, hätte also doch die Maschine, die -hier für den Notfall aufgestellt ist, in Tätigkeit treten müssen. So, jetzt -ist es Zeit, Professor, gehen Sie nach dem Mittelraum, damit Sie keinen -Schaden nehmen. Wir wissen schon, wie wir uns hier schützen können. -Lindo, Star, Ihr beide tretet hinter die Panzerwand, jetzt kommt die -Entscheidung.“ -</p> - -<p> -Wenige Minuten später befand sich Kapitän Mors mit Star und -Lindo allein im Maschinenraum. -</p> - -<p> -Der Ingenieur und der Inder waren hinter die Panzerwand getreten, -welche die Männer gegen die Wirkungen der Maschinengewalt -schützte. Kapitän Mors aber hantierte an jenem eigenartigen Apparat, -welcher bei einer früheren Fahrt die beiden Meuterer zu Asche verwandelt -hatte. -</p> - -<p> -Er zog an Hebeln, er drehte Schwungräder und bald erschallte ein -Lärm, der die Sinne betäuben konnte. -</p> - -<p> -Die seltsame Maschine war in voller Bewegung, die Schwungräder -wirbelten mit fürchterlicher Schnelligkeit herum, man sah leuchtende -Strahlen und zuckende Blitze, die zuweilen im Innern der Maschine -entstanden, die sich gleich elementaren Blitzen kreuzten. -</p> - -<p> -Die Maschine war eine Erfindung des Kapitän Mors, er hatte über -ihre Konstruktion stets den Schleier des Geheimnisses gebreitet. Die -Beschreibung dieser Maschine und ihre Wirkung war in der Bibliothek -verwahrt und lag dort in einem stählernen Kasten, dessen Schlüssel Kapitän -Mors niemals von sich ließ. -</p> - -<p> -Er war auch der einzige, der diese gefährliche Maschine in Tätigkeit -setzen konnte und imstande war, bis zum letzten Augenblick in der -Nähe der herumwirbelnden Schwungräder auszuhalten. -</p> - -<p> -Plötzlich sprang der Luftpirat mit mächtigem Satz hinter die Panzerwand, -welche Lindo und Star schützte. -</p> - -<p> -„Nun kommt die Entscheidung,“ sprach Mors, während seine -feurigen Augen nach der Maschine hinüberblickten. „Entweder kommen -wir jetzt aus dem Krater heraus, oder wir werden samt dem Weltenfahrzeug -in Atome zerschmettert. Menschliche Kraft und menschliches -Wissen sind aufgeboten, aber jetzt stehe ich an der Grenze des Erreichbaren.“ -</p> - -<p> -Im Maschinenraum tobte jetzt ein wahrer Höllenlärm, das rätselhafte -Werk des Kapitän Mors arbeitete, als würde es von bösen Geistern -bedient und getrieben. Es war ein Sausen und Brausen, ein Knattern -und Krachen, ein Zischen und Summen, daß Lindo und Star sich die -Ohren zuhielten. -</p> - -<p> -Plötzlich ging ein Ruck durch das Weltenfahrzeug, dem bald darauf -ein zweiter und dritter folgte. -</p> - -<p> -Nun geschah etwas anderes, schier Unheimliches, Star und Lindo -hatten die Empfindung, als ob das Weltenfahrzeug emporgehoben würde. -</p> - -<p> -„Die Lava ist unter unserem Fahrzeug,“ rief Star, als sich der Stoß -wiederholte. -</p> - -<p> -„Nein, sonst wäre alles vorüber,“ erwiderte der Kapitän. „Die Maschine -hat jetzt ihre volle Kraft entwickelt und diese Kraft ist es, die uns -emporhebt und uns ein Stück von der gefährlichen Stelle hinwegtragen -soll. Gelingt dies nicht, so kann auch ich nicht mehr helfen.“ -</p> - -<p> -Eine unheimliche Ruhe lag in diesen Worten des Kapitän Mors, -ein Beweis, daß diesem Manne der Tod gleichgiltig war. Der Ruck aber -wiederholte sich und wieder hatten Star und Lindo die Empfindung, als -wenn eine unheimliche Gewalt das Fahrzeug emporhebe und es gewaltsam -hin- und herschüttelte. -</p> - -<p> -„Wir schweben,“ erwiderte Kapitän Mors. „Ich habe den Kurs des -Fahrzeuges nach Osten gerichtet, denn dort war eine ebene, wenn auch -steinige Fläche. Aber dort droht kein vulkanischer Ausbruch.“ -</p> - -<p> -Das Weltenfahrzeug schwankte hin und her, aber es schwebte offenbar. -</p> - -<p> -Sicherlich flog es nicht hoch und Star fürchtete, daß es jeden Moment -gegen eine der nahen Klippen rennen möchte, zumal sich diese -oft mehrere hundert Meter hoch erhoben. -</p> - -<p> -Aber Kapitän Mors hatte den Kurs des Fahrzeuges aufs Genaueste -berechnet und die Richtung des Fahrzeuges so bestimmt, daß es zwischen -den drohenden Felsen hindurchfuhr. -</p> - -<p> -Wieder schwankte der Koloß hin und her, dann erhielt es plötzlich -einen Stoß, noch einen und das Weltenfahrzeug stand unbeweglich. -</p> - -<p> -„Ich glaube, wir sind gerettet,“ rief der Luftpirat. -</p> - -<p> -Star wollte hinter der Panzerwand hervorkommen, aber Kapitän -Mors hielt ihn krampfhaft fest. -</p> - -<p> -„Stürze Dich nicht ins Verderben,“ sprach er ernst. „Du siehst -doch, daß die Maschine noch immer in Tätigkeit ist. Es dauert noch -eine Weile, ehe sich die gigantische Kraft beruhigt.“ -</p> - -<p> -Diese Warnung war notwendig, denn im Maschinenraum leuchtete -es zuweilen unheimlich auf. Es waren bläuliche und grünliche Blitze, -welche die Maschine schleuderte, und jeden Menschen, der sich in ihren -Bereich wagte, mit Verderben bedrohten. -</p> - -<p> -Diese Entladungen ließen allmählich nach, auch die Schwungräder -arbeiteten nicht mehr so wild wie erst. Sie drehten sich langsamer, immer -langsamer, bis sie endlich unbeweglich stehen blieben. -</p> - -<p> -Der Kapitän aber betrachtete mit stolzen Blicken dieses Werk, das -sein Genie geschaffen. -</p> - -<p> -„Ich habe viel von dieser Maschine erwartet,“ sprach er halb für -sich, halb zu seinen Leuten. „Aber, sie hat meine Erwartungen übertroffen. -Jetzt, Star, kannst Du einen der Schieber vor dem Glasfenster öffnen.“ -</p> - -<p> -Der Ingenieur tat, wie ihm geheißen, der schwere Schieber bewegte -sich seitwärts, ein roter Schimmer drang in das Innere des Maschinenraumes. -</p> - -<p> -Star stieß einen Ausruf des höchsten Staunens aus, als er ein nie -geschautes Bild erblickte. Lindo und Kapitän Mors waren sofort an -seiner Seite. -</p> - -<p> -Das Weltenfahrzeug lag auf einer steinernen Hochfläche, wenigstens -tausend Meter vom Todeskrater entfernt, aus dem es das Geschick -und das Genie seines Erbauers emporgehoben hatte. -</p> - -<p> -Dort aber war jetzt der Tod und das Verderben entfesselt, deutlich -sah man von diesem hochgelegenen Standpunkt aus die Lavaströme aus -dem scheinbar erloschenen Krater hervorbrechen und allgemach die -Umgebung überschwemmen. -</p> - -<p> -Man sah, wie die glühenden Lavamassen die Körper der drei getöteten -Rieseneidechsen umspülten und wie die Kolosse unter der Lava zu -Asche verbrannten. Dann bildeten die glühenden Massen einen kleinen -See, aus dem nur die höheren Felsen aus der Nähe des Todeskraters -hervorragten. -</p> - -<p> -Dazu kam noch das Gebrüll des Vulkans, den man aber noch -immer nicht zu sehen vermochte. In der Nähe des Feuerberges wirbelten -jetzt dicke Mengen von Dampf und Qualm, die nur zuweilen durch -die herniederprasselnden, glühenden Steine erleuchtet wurden. -</p> - -<p> -Star betrachtete dieses großartige Bild, er sah, daß auch weiterhin -Ausbrüche stattfanden. Die Oberfläche des kleinen Planeten schien jetzt -ein Bild des Grauens und der Verwüstung zu bieten. -</p> - -<p> -„Es scheint, als ob der ganze Weltkörper auseinander gehen wollte,“ -sprach der Ingenieur endlich zum Kapitän, der mit eiserner Ruhe -das großartige Bild betrachtete. -</p> - -<p> -„O nein,“ lautete die Antwort, „das mag hier öfters vorkommen, -und so ist es auch früher auf der Erde gewesen. Das sind eben noch die -entfesselten Naturgewalten, die in der Erde nur noch in der Tiefe -schlummern. Hier ist die Kruste, welche diese Erde bedeckt, noch nicht -stark genug, um die tobenden Elemente zu bändigen, aber mit der Zeit -wird auch hier die Erstarrung eintreten.“ -</p> - -<p> -Damit sah Kapitän Mors nach rechts und links, um die Umgebung -des Weltenfahrzeuges in Augenschein zu nehmen. -</p> - -<p> -Er war offenbar befriedigt. -</p> - -<p> -All seine Berechnungen waren in Erfüllung gegangen, der „Meteor“ -lag an einer Stelle, wo ihm keine Gefahr drohte. Hier konnte man, -wenn die Luft wieder reiner geworden war, die Reparatur des Lenkapparates -beenden und den unheimlichen, kleinen Planeten verlassen. -</p> - -<p> -Nicht weit von der Fläche sah man Wald, der ebenfalls von Sumpf -umgeben war. Der Wald schien sich überhaupt nur an Stellen zu befinden, -wo der Sumpf die tieferen Stellen des Planeten bedeckte. -</p> - -<p> -In diesem Walde war alles in Bewegung, die tierischen Bewohner -schienen sich zu flüchten. Man sah zuweilen große graue Massen, die -am Rande des Gehölzes sichtbar wurden, aber sofort wieder in dem -undurchdringlichen Unterholz verschwanden. -</p> - -<p> -Am wunderbarsten aber sahen jene fledermausartigen Geschöpfe -aus, die jetzt durch das Toben der Elemente aufgestört, zuweilen über -den Kronen der Palmen oder der Riesenfarren auftauchten und mit -sonderbaren gaukelnden Bewegungen hin- und herflatterten. -</p> - -<p> -Es war jetzt gerade der kurze Tag und da konnte man diese Tiere -durch Ferngläser genauer betrachten. Sie waren halb Vögel, halb Eidechsen -und besaßen Flughäute wie die Fledermäuse, sowie große mit spitzen -Zähnen besetzte Rachen. -</p> - -<p> -Man konnte sogar im Weltenfahrzeug die schrillen Laute hören, -welche die flatternden Ungetüme ausstießen. Sie wußten offenbar nicht, -wohin sie sich wenden sollten und waren auch wohl durch das Licht -der Sonne geblendet. -</p> - -<p> -Dann aber verschwand wieder alles und es war, als ob sich ein -dichter Schleier auf diese Landschaft legte. Aschenwolken verhüllten die -Landschaft, sie senkten sich vom Vulkan herab und die Asche bedeckte -die ganze Umgegend mit einer silbergrauen Schicht, die sich zuletzt -zollhoch anhäufte. -</p> - -<p> -Aber das war ein gutes Zeichen. -</p> - -<p> -Kapitän Mors wußte, daß große Vulkanausbrüche gewöhnlich mit -einem Aschenregen zu enden pflegen. So war es auf der Erde, so war es -auch höchstwahrscheinlich auf dem neuen Planeten. -</p> - -<p> -Er täuschte sich nicht, denn das fürchterliche Donnern ließ allmählich -nach, das Krachen und Prasseln verstummte, der Boden zitterte -nicht mehr so wie bisher, der Vulkan ging zur Ruhe. -</p> - -<p> -Noch mußte man stundenlang ausharren und es wurde abwechselnd -Nacht und Tag, aber dann konnte man das Weltenfahrzeug verlassen -und sogar die Lufthelme zur Seite legen. -</p> - -<p> -Freilich war die Luft noch immer dick und schwer, aber viel reiner -als vor dem Vulkanausbruch, die ungeheuren Naturgewalten schienen -die Wirkung eines Gewitters gehabt zu haben. Sie hatten die Luft gereinigt. -</p> - -<p> -Dort aber am Todeskrater, wo das Fahrzeug gelegen, brodelte und -kochte ein Feuersee, dort war die Lava hoch emporgestiegen, der Krater -war vollständig ausgefüllt, später mußte dann diese brodelnde Masse -erstarren. -</p> - -<p> -Mit Bewunderung betrachteten die Mannschaften des Weltenfahrzeuges -den genialen Führer, der sie alle vom Tode rettete und der jetzt, -als wäre nichts geschehen, mit Star und Lindo die Arbeit am Lenkapparat -fortsetzte. -</p> - -<p> -Freilich hatte das Fahrzeug andere Beschädigungen erlitten. -</p> - -<p> -Als es durch die unheimliche Maschine emporgehoben den Todeskrater -verließ, war es ziemlich schwer, ja unsanft auf die Steine gestoßen. -Die Röhren, welche die flüssige Luft im Fahrzeug verteilten, waren zum -Teil verbogen, gequetscht, auch die Einrichtung für die Luftversorgung -hatte gelitten. -</p> - -<p> -Freilich reichte der Vorrat der verwendbaren Luft noch einige -Zeit, aber eine Fortsetzung der großen Fahrt konnte vorerst nicht unternommen -werden. Man mußte die vorhandenen Vorräte benutzen, um -zunächst nach der Erde zurückzukehren. Die Fahrt nach dem Monde -mußte von neuem unternommen werden. -</p> - -<p> -Aber Kapitän Mors gehörte ja zu jenen Männern, die nie die Geduld -verlieren, er wußte, daß dies, was er unternommen, von niemand -anders auf der Erde geleistet werden konnte. Er hatte auch keine Veranlassung, -alles, einem verzweifelten Spieler gleich, auf eine Karte zu setzen. -</p> - -<p> -„Sowie der Lenkapparat in Tätigkeit gesetzt ist, nehmen wir Kurs -nach der Erde,“ sprach der Kapitän, indem er auf die kleine, seltsam -leuchtende Scheibe zeigte, die jetzt wieder am Himmel sichtbar wurde. -Das war die Erde, dorthin ging der Lauf, nach dem irdischen Planeten -zurück, dessen Beobachter nichts von dem Vorhandensein des kleinen -Planeten ahnten. -</p> - -<p> -Nach harter Arbeit war das Werk vollendet, der Riesenmagnet -konnte wieder in Tätigkeit treten, der Lenkapparat gehorchte der Hand -des Meisters und als wieder eine der kurzen Nächte vorüber war, erhob -sich der „Meteor“ stolz von der Oberfläche des kleinen Planeten. -</p> - -<p> -Durch die dicken Glasfenster aber sahen die Männer herunter auf -den kleinen Planeten, auf dem sie so viele Abenteuer erlebt hatten. Sie -sahen den Todeskrater oder vielmehr die Stelle, wo sich derselbe befunden. -Sie sahen den glühenden Lavasee und den Vulkan, aus dessen Krater -noch immer dicke schwarze Dampfwolken stoßweise emporfuhren. -</p> - -<p> -Sie sahen die Wassermengen in den tiefen Tälern, die Sümpfe, die -unheimlichen Wälder, welche eine noch unheimlichere Tierwelt bargen, -aber das alles entschwand in wenigen Minuten. -</p> - -<p> -Kleiner, immer kleiner wurde der seltsame Planet, jetzt zeigte er -schon die Kugelgestalt, dann schrumpfte er allmählich zum Stern zusammen, -ein winziges Teilchen des Weltalls wurde der kleine Planet, -während das Weltenfahrzeug mit furchtbarer Schnelligkeit zurück nach -der Mutter Erde sauste. -</p> - -<p class="vspace6"> - -</p> - -<div class="frontmatter"> -<p class="cap"> -Das Weltenfahrzeug schwebt im Weltenraum. -Links unten sieht man die Oberfläche des Mondes mit seinen Ringgebirgen; -rechts den Planeten Saturn mit seinen eigenartigen Ringen, die den Planeten -umkreisen. -</p> - - <div class="table"> -<table class="cap" summary="Table-1"> -<tbody> - <tr> - <td class="col1">1.</td> - <td class="col2">Der Metallrumpf des Weltenfahrzeuges.</td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">2.</td> - <td class="col2">Fenster aus stärkstem Glas, durch Gitter geschützt und durch Metallschieber verschließbar.</td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">3.</td> - <td class="col2">Die Tür zur Außengalerie, luftdicht verschließbar.</td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">4.</td> - <td class="col2">Treppe zur oberen Galerie.</td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">5.</td> - <td class="col2">Der Ausguck.</td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">6.</td> - <td class="col2">Obere Galerie.</td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">7.</td> - <td class="col2">Der Scheinwerfer.</td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">8.</td> - <td class="col2">Der Riesenmagnet.</td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">9.</td> - <td class="col2">Die Leitungen für den Riesenmagneten, mit ungeheuren Diamanten.</td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">10.</td> - <td class="col2">Lenkapparat.</td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">11.</td> - <td class="col2">Die Kraftzentrale.</td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">12.</td> - <td class="col2">Einrichtung für die Luftversorgung.</td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">13.</td> - <td class="col2">Elektrizitätsbehälter.</td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">14.</td> - <td class="col2">Metallbehälter.</td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">15.</td> - <td class="col2">Röhren für flüssige Luft.</td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">16.</td> - <td class="col2">Apparat für Gegenwirkung des Riesenmagneten, auf Diamanten montiert.</td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">17.</td> - <td class="col2">Beweglicher Metallring.</td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">18.</td> - <td class="col2">Klappen, zu luftleeren Räumen führend.</td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">19.</td> - <td class="col2">Das „Gelenk“ des Riesenmagneten.</td> - </tr> - <tr> - <td class="col1">20.</td> - <td class="col2">Der elektrische Lichtkegel.</td> - </tr> -</tbody> -</table> - </div> -</div> - -<div class="centerpic"> -<img src="images/backcover.jpg" alt="" /></div> - - -<div class="trnote"> -<p id="trnote" class="transnote"><b>Anmerkungen zur Transkription</b></p> - -<p> -Dieser Text wurde nach einem Nachdruck-Auswahlband transkribiert: Heinz -J. Galle (Hrsg.): Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff. Dieter -von Reeken, Lüneburg, 2005, S. 123-160. Moderne Zusätze und Anmerkungen -wurden nicht übernommen. -</p> - -<p> -Eine Ungereimtheit findet sich in <a href="#chapter-0-3">Kapitel 3</a>: Lindo, der eigentlich -die Arbeiten am Weltenfahrzeug fortsetzten sollte, ist plötzlich -doch unter den Teilnehmern der Expedition anzutreffen. -</p> - -<p> -Die Schreibweise der Buchvorlage wurde weitgehend beibehalten. Auch -Variationen in der Schreibweise von Namen wurden nicht verändert. -Lediglich offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. -</p> -</div> - - - - - - - - - -<pre> - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Der Luftpirat und sein lenkbares -Luftschiff 42: Im Todeskrater des neuen Planeten, by Anonymous - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER LUFTPIRAT UND SEIN *** - -***** This file should be named 56066-h.htm or 56066-h.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/5/6/0/6/56066/ - -Produced by Jens Sadowski, Norbert H. Langkau, and the -Online Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net - -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed. - -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United -States without permission and without paying copyright -royalties. Special rules, set forth in the General Terms of Use part -of this license, apply to copying and distributing Project -Gutenberg-tm electronic works to protect the PROJECT GUTENBERG-tm -concept and trademark. Project Gutenberg is a registered trademark, -and may not be used if you charge for the eBooks, unless you receive -specific permission. If you do not charge anything for copies of this -eBook, complying with the rules is very easy. 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INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the -trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone -providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in -accordance with this agreement, and any volunteers associated with the -production, promotion and distribution of Project Gutenberg-tm -electronic works, harmless from all liability, costs and expenses, -including legal fees, that arise directly or indirectly from any of -the following which you do or cause to occur: (a) distribution of this -or any Project Gutenberg-tm work, (b) alteration, modification, or -additions or deletions to any Project Gutenberg-tm work, and (c) any -Defect you cause. - -Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm - -Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of -electronic works in formats readable by the widest variety of -computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It -exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations -from people in all walks of life. - -Volunteers and financial support to provide volunteers with the -assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's -goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will -remain freely available for generations to come. In 2001, the Project -Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure -and permanent future for Project Gutenberg-tm and future -generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see -Sections 3 and 4 and the Foundation information page at -www.gutenberg.org - - - -Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation - -The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit -501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the -state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal -Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification -number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by -U.S. federal laws and your state's laws. - -The Foundation's principal office is in Fairbanks, Alaska, with the -mailing address: PO Box 750175, Fairbanks, AK 99775, but its -volunteers and employees are scattered throughout numerous -locations. Its business office is located at 809 North 1500 West, Salt -Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up to -date contact information can be found at the Foundation's web site and -official page at www.gutenberg.org/contact - -For additional contact information: - - Dr. Gregory B. Newby - Chief Executive and Director - gbnewby@pglaf.org - -Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg -Literary Archive Foundation - -Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide -spread public support and donations to carry out its mission of -increasing the number of public domain and licensed works that can be -freely distributed in machine readable form accessible by the widest -array of equipment including outdated equipment. Many small donations -($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt -status with the IRS. - -The Foundation is committed to complying with the laws regulating -charities and charitable donations in all 50 states of the United -States. Compliance requirements are not uniform and it takes a -considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up -with these requirements. We do not solicit donations in locations -where we have not received written confirmation of compliance. To SEND -DONATIONS or determine the status of compliance for any particular -state visit www.gutenberg.org/donate - -While we cannot and do not solicit contributions from states where we -have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition -against accepting unsolicited donations from donors in such states who -approach us with offers to donate. - -International donations are gratefully accepted, but we cannot make -any statements concerning tax treatment of donations received from -outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff. - -Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation -methods and addresses. Donations are accepted in a number of other -ways including checks, online payments and credit card donations. To -donate, please visit: www.gutenberg.org/donate - -Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic works. - -Professor Michael S. Hart was the originator of the Project -Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be -freely shared with anyone. For forty years, he produced and -distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of -volunteer support. - -Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed -editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in -the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not -necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper -edition. - -Most people start at our Web site which has the main PG search -facility: www.gutenberg.org - -This Web site includes information about Project Gutenberg-tm, -including how to make donations to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to -subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks. - - - -</pre> - -</body> -</html> diff --git a/old/56066-h/images/backcover.jpg b/old/56066-h/images/backcover.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index a194220..0000000 --- a/old/56066-h/images/backcover.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/56066-h/images/banner.jpg b/old/56066-h/images/banner.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index b2f16c6..0000000 --- a/old/56066-h/images/banner.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/56066-h/images/cover-page.jpg b/old/56066-h/images/cover-page.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 41632a9..0000000 --- a/old/56066-h/images/cover-page.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/56066-h/images/pic042.jpg b/old/56066-h/images/pic042.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index e3b62bf..0000000 --- a/old/56066-h/images/pic042.jpg +++ /dev/null |
