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-The Project Gutenberg EBook of Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff
-42: Im Todeskrater des neuen Planeten, by Anonymous
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and most
-other parts of the world at no cost and with almost no restrictions
-whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of
-the Project Gutenberg License included with this eBook or online at
-www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you'll have
-to check the laws of the country where you are located before using this ebook.
-
-Title: Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff 42: Im Todeskrater des neuen Planeten
-
-Author: Anonymous
-
-Release Date: November 28, 2017 [EBook #56066]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: ISO-8859-1
-
-*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER LUFTPIRAT UND SEIN ***
-
-
-
-
-Produced by Jens Sadowski, Norbert H. Langkau, and the
-Online Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net
-
-
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-
-
- 42. Band. Jeder Band ist vollständig abgeschlossen.
- Preis 10 Pf. (15 Heller.)
-
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-
- Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff.
-
-
-
-
- Im Todeskrater des neuen Planeten.
-
-
- [Illustration: Kapitän Mors und sein treuer Gefährte kämpften
- verzweifelt gegen die Ungeheuer der Vorzeit.]
-
-
- Druck- und Verlags-Gesellschaft
- Berlin
-
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- Im Todeskrater des neuen Planeten.
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-
- 1. Kapitel.
- Die Fahrt ins Unbekannte.
-
-
-Es war Nacht, unten rauschte das Südmeer, oben in den Lüften heulte der
-Sturm, der die Wolkenmassen vor sich herjagte.
-
-Was war das Seltsame, Ungeheure, was da mit fabelhafter Geschwindigkeit
-emporschoß? Was sich unbekümmert um die Gewalt des Sturmes von der Erde
-entfernte?
-
-Menschenwerk war es, das Werk eines genialen Mannes, der seiner Zeit um
-hunderte von Jahren vorausgeeilt war. Ein metallnes Fahrzeug war es, das
-Weltenschiff des Kapitän Mors. Dies wunderbare Werk hatte wieder einmal
-die geheimnisvolle Insel im Südmeer verlassen.
-
-»Meteor« war der Name des seltsamen Fahrzeuges, welches den Elementen
-trotzte. Der Riesenmagnet, der die Anziehungskraft des Erdballs aufhob,
-war der Erde zugewendet und mit furchtbarer Schnelligkeit schoß das
-mächtige Fahrzeug hinauf, den Luftozean durchkreuzend, dem Weltraume
-zustrebend.
-
-Kapitän Mors befand sich im sogenannten Lenkraum des Weltenfahrzeuges.
-
-Ihn begleitete einer seiner Ingenieure, der treue Star, auch der
-Professor, der obgleich Gefangener des Kapitän Mors, diese
-Gefangenschaft doch als das größte Glück seines Lebens empfand. Sie ließ
-ihn ja die Wunder der Sternenwelt schauen.
-
-Kapitän Mors besaß noch andere europäische Gefährten, die ehemals zur
-Besatzung eines Unterseebootes gehörten.
-
-Sie hatten ihm Treue geschworen und wenn auch einige von ihnen, wie es
-in einem früheren Bande dieser Schilderungen erzählt wurde, Meuterei
-verübten, so waren doch die anderen unbedingt zuverlässig.
-
-Dennoch hatte der Kapitän diesmal nur einen Teil der Europäer mit sich
-genommen und dafür einigen seiner Inder auf deren dringendes Bitten die
-Teilnahme an der Weltenfahrt gestattet.
-
-Kapitän Mors tat das allerdings nicht gern, denn er hielt auf die Inder
-große Stücke und da hatte er bemerkt, daß diese an ein tropisches Klima
-gewöhnten Männer nach solchen abenteuerlichen Fahrten kränkelten.
-
-Deshalb wählte er nur diejenigen, die aus den indischen Bergländern
-stammten und an Kälte und Strapazen gewöhnt waren. Unter diesen Männern
-befand sich auch der treue Lindo.
-
-»Nun, Kapitän,« fragte Star, der neben dem berühmten Luftpiraten stehend
-die Instrumente beobachtete. »Nicht wahr, diesmal geht es zum Monde?«
-
-»Ich habe mir den Trabanten der Erde als Zielpunkt der Fahrt
-ausersehen,« erwiderte Mors mit der gewohnten eisigen Ruhe. »Aber ich
-klammere mich nie an etwas Bestimmtes. Ich rechne stets auf
-Schwierigkeiten, auf Hindernisse und wenn auch der Mond das Endziel
-unserer diesmaligen Fahrt sein soll, so will ich doch auf dem Wege dahin
-ein anderes Rätsel zu lösen suchen. Darüber kann ja Professor van Halen
-sprechen.«
-
-Bei den letzten Worten wendete sich Kapitän Mors an den Astronomen,
-dessen Gesicht eine gewisse Ungeduld verriet.
-
-Die Ungeduld, neue, unbekannte Wunder zu schauen.
-
-»Ja, so ist es,« bemerkte van Halen, als sich der Kapitän an ihn
-wendete, »ich habe schon bei den letzten Fahrten eine eigenartige
-Störung beobachtet und diese kleine Störung kann nur durch einen kleinen
-Planeten bewirkt werden, der sich in einer höchst merkwürdigen Bahn
-bewegt, dieser Planet muß sich von Zeit zu Zeit zwischen dem Monde und
-der Erde befinden.«
-
-»So,« meinte Star. »Da wundert es mich nur, daß man ihn nicht schon
-längst entdeckt hat. Bei solcher Nähe müßten ihn doch unsere Astronomen
-längst gefunden haben.«
-
-Der Professor zuckte die Achseln.
-
-»Das kann man nicht so ohne weiteres behaupten,« erwiderte er. »Man
-sieht die Meteoriten auch nicht, als bis sie bei Nacht in den Luftkreis
-der Erde zur Erhitzung gebracht als Feuerstreifen und Sternschnuppen
-aufflammen. Jedenfalls ist dieser Weltkörper ein Liliputplanet, ein
-winziges Ding, welches vielleicht das Sonnenlicht wenig reflektiert und
-mit ungeheurer Geschwindigkeit durch den Weltenraum saust. Dieser kleine
-Planet hat sicherlich eine ganz eigenartige Bahn, immerhin hat er
-Störungen hervorgerufen, die ungemein feinwirkende Instrumente anzeigen.
-Auf der Erde selbst konnte man diese Störungen nicht beobachten und
-nicht feststellen. Das war erst möglich, wenn man sich im Weltenraum
-befand. Da hat mir einer der Registrierapparate die Existenz eines
-solchen noch unbekannten Planeten verraten, es ist vielleicht ein
-verirrter Weltkörper, wer kann das alles wissen? Genug, ich habe Kapitän
-Mors gebeten, diesmal nach diesem rätselhaften Wanderer im Weltenraum
-Ausschau zu halten und der Kapitän will meinem Wunsch entsprechen.«
-
-»Na gut,« erwiderte Star, »ich bin auch neugierig, da gibt es wieder ein
-Abenteuer, denn das ist gewiß, bei unseren Weltfahrten ist allemal etwas
-passiert und mehrmals sind wir zur schnellen Rückkehr gezwungen worden.
-Hoffentlich ist es diesmal nicht schlimmer, als wie andere Male. Was
-mich betrifft, Kapitän, so wißt Ihr es ja, ich gehe mit Euch, wenn
-nötig, in die Hölle!«
-
-Kapitän Mors drückte die Rechte seines treuen Gefährten und begab sich
-dann mit dem Professor in den Beobachtungsraum des Weltenfahrzeuges.
-
-Die beiden Schwestern, Anita und Lucy Long, nahmen diesmal nicht an der
-wunderbaren Fahrt teil.
-
-Anita hatte bei den letzten Abenteuern eine leichte Verletzung erlitten
-und da sollte sie sich erst völlig erholen. Selbstverständlich war Lucy
-bei ihrer Schwester zurückgeblieben.
-
-Während Star den Riesenmagneten bediente, setzte sich der Professor an
-seine Instrumente, wahren Wunderwerken menschlicher Technik, während
-Kapitän Mors einige Berechnungen machte.
-
-Das Weltenfahrzeug befand sich noch in der Luftzone, bei deren Passieren
-stets die größte Vorsicht beobachtet werden mußte.
-
-Da kam ja jedesmal die sogenannte elektrische Zone, aber Kapitän Mors
-kannte jetzt schon die Gefahren, welche dort warteten, und es war ihm
-ein Leichtes, diese Hindernisse zu überwinden.
-
-Stunden vergingen, ohne daß ein Wort zwischen den beiden Männern
-gewechselt wurde. Dann erhob sich Kapitän Mors und betrachtete die an
-der Wand hängenden Instrumente.
-
-»Wir haben diesmal recht schnelle und glatte Fahrt,« sprach er zu dem
-Gelehrten, der sich Notizen machte. »Die Luftzone der Erde ist
-überwunden. Wir befinden uns bereits im Weltenraum.«
-
-Das Gesicht des Professors strahlte. Hastig arbeitete er an den Hebeln,
-welche die großen Schieber vor den dicken Glasscheiben bewegten.
-
-Der eine Schieber schob sich langsam seitwärts und da konnte der Blick
-durch das dicke Glas in den Weltenraum hinausschweifen.
-
-Schwarz war der Himmel, nachtschwarz, die Sterne funkelten nicht, sie
-standen da wie weiße, schimmernde Punkte, seitwärts sah man die gelbe,
-strahlenlose Scheibe der Sonne.
-
-Es war ein wunderbares Bild und obwohl Professor van Halen es schon oft
-gesehen, verriet er dennoch neues Entzücken.
-
-Auch der Mann mit der Maske sah gedankenvoll in die Tiefen des
-Weltenraumes.
-
-»So, Kapitän,« sprach van Halen nach einer Weile, »jetzt möchte ich
-darum bitten, daß das Weltenfahrzeug in dieser Zone kreuzt, treffen
-meine Berechnungen zu, so müssen wir in dieser Gegend den neuen kleinen
-Planeten entdecken.«
-
-Mors griff sofort zum Telephon, welches den Beobachtungsraum mit dem
-Lenkraum verband. Er läutete und gab Star, der sich dort befand, seine
-Weisungen.
-
-Das große Fahrzeug schien plötzlich zu zittern, aber dies geschah
-dadurch, daß Star den pfeilschnellen Lauf des Weltenfahrzeuges
-verlangsamte.
-
-Nach kurzer Zeit fuhr es nur mit der Schnelligkeit eines mit vollster
-Geschwindigkeit dahinsausenden Schnellzuges.
-
-Hierauf wendete es wieder und fuhr in anderer Richtung zurück, um bald
-danach eine neue Richtung einzuschlagen. Es kreuzte also im Weltenraum
-wie ein Schiff auf offenem Meere.
-
-Dieses eigenartige Manöver gelang durch die Art und Weise, wie der
-Riesenmagnet bewegt wurde. Der wurde nach verschiedenen Richtungen
-gedreht und gewendet und damit konnte man die Bewegungen des Fahrzeuges
-regulieren.
-
-»So ist es richtig,« sprach Mors, als er die Instrumente eine Weile
-betrachtet hatte. »Ihr Wunsch ist erfüllt, Herr Professor, wir kreuzen
-jetzt in der von Ihnen als verdächtig bezeichneten Zone. Ich will nur
-wünschen, daß Ihre Beobachtungen zutreffen. Dann müssen wir ja den
-eigentümlichen Wanderer treffen, hoffentlich ist er zur Stelle oder wird
-doch bald erscheinen.«
-
-»In der Tat,« erwiderte van Halen zuversichtlich. »Sonst müßte ich mich
-in meinen Beobachtungen gewaltig irren. Bis jetzt habe ich mit meinen
-Berechnungen selten Täuschungen erlebt. Sind aber meine Berechnungen
-richtig, so müssen wir den unbekannten, geheimnisvollen Planeten binnen
-kurzer Zeit in nächster Nähe erblicken.«
-
-Daraufhin wurde die Aufmerksamkeit verdoppelt.
-
-Kapitän Mors wußte ganz genau, mit welcher Schnelligkeit Weltenkörper
-durch die unendlichen Räume dahinsausten.
-
-Allerdings war das Weltenfahrzeug ausnehmend fest gebaut, aber es konnte
-schließlich zertrümmert werden, wenn es mit vollster Schnelligkeit gegen
-einen Weltenkörper sauste. Dann wäre dies Wunderwerk sicherlich in Atome
-zersplittert worden.
-
-Wenn man aber auf der Erde den hier vermuteten Planeten noch nicht
-entdeckt hatte, mußte man ihn doch hier im Weltenraum sehen. Die Sonne
-mußte diesen geheimnisvollen kleinen Planeten bestrahlen und da hatte
-man auf dem Weltenfahrzeug Zeit genug, einem drohenden Zusammenstoß
-auszuweichen.
-
-Und wieder vergingen die Stunden.
-
-Abwechselnd wurde Wache gehalten, Kapitän Mors begab sich manchmal nach
-dem Lenkraum, um dort seinen getreuen Star abzulösen.
-
-Es waren wohl acht Stunden vergangen, als Kapitän Mors, der gerade den
-Lenkraum verließ, einen Ausruf des Professors vernahm.
-
-Im Nu befand sich der Luftpirat bei dem Gelehrten.
-
-»Er ist da, er ist da,« rief der Professor in förmlicher Ekstase,
-während er mit beiden Händen nach der dicken Glasscheibe deutete. »Seht,
-Kapitän, dort kommt der neue Planet in rasender Eile herangezogen. Noch
-erscheint er erst wie ein mattes, flimmerndes Pünktchen. Aber er ist es,
-er wird bereits von der Sonne beleuchtet. Er scheint tatsächlich wenig
-Licht zu reflektieren.«
-
-»Befinden wir uns in der Bahn des Weltkörpers?« fragte Kapitän Mors mit
-großer Ruhe.
-
-»Nein,« erwiderte Halen. »Er wird gewissermaßen unter uns vorüberlaufen,
-wenn man das Wort unter uns überhaupt hier im Weltenraum gebrauchen
-darf. Aber ich habe eine Bitte, können wir nicht eine Weile in der Nähe
-des geheimnisvollen Weltenkörpers verweilen? Wird unsere eigene
-Schnelligkeit das erlauben?«
-
-»Das bezweifle ich,« erwiderte Mors. »Aber, es ist gar nicht nötig, daß
-wir unsere Schnelligkeit aufbieten. Wir schalten einfach die Kraft
-unseres Riesenmagneten aus und überlassen uns der Anziehungskraft dieses
-so rätselhaften Weltenkörpers. Dann werden wir mit ihm zusammen durch
-den Weltenraum dahinfliegen und dann können Sie ungestört Ihre
-Beobachtungen ausführen.«
-
-Der Professor war entzückt und wußte sich vor Freude gar nicht zu
-lassen. Der Gedanke, eine noch unbekannte Welt schauen zu können,
-brachte ihn in große Erregung.
-
-Kapitän Mors aber gab wieder Befehle nach dem Lenkraum und nach wenigen
-Augenblicken vernahm man ein eigentümliches Summen und Surren. Der
-Riesenmagnet stellte seine Tätigkeit ein, fast im gleichen Augenblick,
-wo der unbekannte Weltenkörper mit furchtbarer Schnelligkeit
-vorübersauste.
-
-Aber das Weltenfahrzeug riß er mit, das begleitete ihn jetzt durch seine
-Anziehungskraft gehalten. Es schwebte scheinbar unbeweglich über diesem
-rätselhaften Planeten.
-
-»Können wir uns diesem Monde oder was es sonst sein mag, noch mehr
-nähern?« fragte der Gelehrte, in dessen Augen das Fieber des
-begeisterten Forschers glänzte.
-
-»Warum nicht,« erwiderte der Kapitän. »Ich denke, wir werden uns
-zunächst tausend Meter über der Oberfläche des Planeten schwebend
-erhalten. Von da aus können wir ja auf die neue Wunderwelt
-hinabschauen.«
-
-Wieder arbeitete das Telephon, wieder vernahm man das seltsame Summen
-und Surren. Die Instrumente verrieten, daß das Weltenfahrzeug sank, bis
-es plötzlich wieder mit einem Ruck innehielt. Es schwebte jetzt tausend
-Meter über der Oberfläche des neuentdeckten Weltkörpers.
-
-Eigentlich schwebte es höher, den Kapitän Mors hatte die Entfernung von
-den Berggipfeln des kleinen Planeten berechnet, die ziemlich hoch
-emporragten. Der Professor schätzte die Berge teilweise auf fünf- bis
-sechstausend Meter Höhe.
-
-Dabei war der neuentdeckte Planet sehr klein, seine Oberfläche mochte
-vielleicht die Größe von Irland besitzen, dennoch zeigte der kleine
-Planet eine ungemein große Mannigfaltigkeit von Oberflächenformation.
-
-Da gewahrte man Ringgebirge, ähnlich wie auf dem Monde, man sah Täler
-und glänzende Wasserbecken, viele dunkle Flecken schienen auf eine
-ungemein reiche Vegetation hinzudeuten.
-
-Der Blick auf den Planeten war nicht klar. Es schien, als ob da alles
-verschwommen sei, ein Beweis, daß der neuentdeckte Weltkörper eine
-ungemein dichte Atmosphäre besitzen mußte.
-
-Diese Atmosphäre schien ganz mit Wasserdampf gesättigt zu sein, man sah
-große Wolkenmassen, die sich in heftiger Bewegung befanden. Auf diesem
-kleinen Planeten, den man mit gutem Recht eine Miniaturwelt nennen
-konnte, schienen ungemein starke Stürme zu herrschen.
-
-Der Kapitän und der Professor standen hinter den dicken Glasscheiben und
-betrachteten diese Wunderwelt, die sich ihren Blicken darbot.
-
-»Sehen Sie, Kapitän, was ist das dort?« rief der Professor plötzlich,
-indem er mit der Rechten auf eine Stelle des Weltenkörpers deutete.
-»Täusche ich mich oder sehen Sie es auch? Die rötliche Stelle, die sich
-immer mehr verbreitert und die schwarze Masse, welche die Wolkenhülle
-unterbricht?«
-
-»Ich sehe es auch,« erwiderte der Kapitän, »es ist zweifellos ein
-ungeheurer Vulkan, der sich in voller Tätigkeit befindet. Wir bewegen
-uns langsam darauf zu und werden binnen kurzer Zeit über dem
-feuerspeienden Berge schweben.«
-
-
-
-
- 2. Kapitel.
- Eine unerwartete Katastrophe.
-
-
-Das Weltenfahrzeug bewegte sich jetzt auffallend langsam, es war kein
-Wunder, es wurde ja doch in der Atmosphäre des neuentdeckten Planeten
-schwebend von diesem auf seiner Bahn fortgerissen.
-
-Kapitän Mors setzte jetzt das Telephon an den Mund.
-
-»Nicht so nahe an den Vulkan heran,« rief er nach dem Lenkraum hindurch.
-»Wir müssen uns in einiger Entfernung von dem feuerspeienden Berge
-halten.«
-
-Star gab keine Antwort, wohl aber ertönte jetzt das Schrillen einer
-Glocke. Es war das Alarmsignal, welches aus dem Lenkraum ertönte.
-
-Dieses Alarmsignal ließ sich nur dann vernehmen, wenn irgend eine
-unvorhergesehene Schwierigkeit entstand. Kapitän Mors eilte sofort nach
-dem Lenkraum und der Professor folgte ihm auf dem Fuße.
-
-Star befand sich in voller Tätigkeit, riß hier und da an den Hebeln, er
-drehte die Schwungräder, aber der Erfolg schien nicht den gehegten
-Erwartungen zu entsprechen.
-
-»Nun, was gibt es?« fragte Kapitän Mors, als er eintrat und den Eifer
-seines treuen Gefährten gewahrte.
-
-»Die vertrackten Maschinen gehorchen nicht, Kapitän,« erwiderte Star
-grimmig. »Es ist gerade als wenn der Teufel dazwischen sitzt. Wir werden
-immer mehr in den Bereich des Vulkans getrieben.«
-
-Mors neigte den Kopf und sah den Professor von der Seite an.
-
-»Das sind eben Naturkräfte,« sprach er, »und vielleicht unbekannte
-Naturkräfte, die ihre Wirkung äußern. Da scheint eine besondere
-Anziehungskraft stattzufinden, aber wir werden etwas höher steigen.«
-
-Das gelang auch, aber die Anziehungskraft des unheimlichen Vulkans
-dauerte fort und nach kurzer Zeit schwebte der »Meteor« über dem
-donnernden Krater.
-
-Dieser war nicht zu sehen, da ihn dichte Dampfwolken bedeckten, aber man
-konnte hören, wie er sich in furchtbarer Tätigkeit befand.
-
-Man hörte durch die dicken Wände des Weltenfahrzeuges das schreckliche
-Prasseln und Krachen, man vernahm das Wüten der Naturgewalten, die da
-drinnen in den Eingeweiden dieser kleinen Welt tobten.
-
-»Was sagen Sie dazu, Professor?« fragte Kapitän Mors.
-
-»Nun, ich sage, daß diese Welt hier noch um viele, viele tausend Jahre
-in der Entwicklung zurück ist. Das beweist schon die dicke Luft, die man
-hier bemerkt, und die gewiß stark mit Kohlensäure gesättigt ist. Dieser
-kleine Planet befindet sich noch in den Entwicklungsstadien, ähnlich wie
-in der Vorzeit der Erde. Daher sind wohl auch noch die Naturkräfte mit
-solch furchtbarer Macht tätig.«
-
-Plötzlich verdoppelte sich das Krachen, welches man dort unten vernahm
-und unmittelbar darauf sah man glühende Massen durch die Dampfwolken
-emporschießen.
-
-Der Riesenkrater befand sich in voller Tätigkeit, es war ein furchtbarer
-Ausbruch, der Vulkan schleuderte glühende Lavablöcke empor und zwar bis
-in ungeheure Höhen, es schien, als ob da ein riesiges Geschütz kolossale
-glühende Bomben in das Unendliche emporschleuderte.
-
-»Hoffentlich werden wir von keinem dieser glühenden Blöcke getroffen,«
-meinte der Professor. »Können wir nicht noch höher steigen, Kapitän?«
-
-Mors wollte eben antworten, als das Krachen und Brüllen mit dreifacher
-Stärke durch die Wände des Weltenfahrzeuges tönte.
-
-Wieder schossen die glühenden Massen aus den Dampfwolken empor und
-stiegen bis in ungeheure Höhen, jetzt sah man sie links und rechts am
-Weltenfahrzeug vorbeisausen.
-
-Da schien es, als würde das Fahrzeug von einem heftigen Schlag
-getroffen, als zitterte es und unmittelbar danach schallten im
-Verbindungsgang die hastigen Schritte eines herbeirennenden Mannes.
-
-Es war Star.
-
-»Kapitän,« rief er. »Der Riesenmagnet ist getroffen. Die
-Verbindungsstange scheint demoliert zu sein. Das Fahrzeug beginnt rapide
-zu sinken.«
-
-Kapitän Mors rannte nach dem Lenkraum. Aber er fand dort die Angaben des
-treuen Gefährten bestätigt. Die Hebel und Schwungräder versagten, tiefer
-sank das Weltenfahrzeug, immer tiefer, es mußte auf dem neuen Planeten
-landen.
-
-Glücklicherweise war die Schnelligkeit keine allzu große und Kapitän
-Mors bot all seinen Scharfsinn auf, um den Absturz zu mildern. Er setzte
-eine jener furchtbaren Maschinen in Tätigkeit, die bei der letzten Fahrt
-die Meuterer zu Asche verwandelt hatten.
-
-Dies rettete das Weltenfahrzeug und die Kraft, welche die Maschine
-entwickelte, bewirkte es auch, daß der Koloß eine große Strecke vom
-Vulkan entfernt niederkam.
-
-Rings umher sah man ein Gewirr von Steinblöcken, von Klüften,
-Schluchten, Felsen, dann folgte ein harter Ruck, ein Stoß, das
-Weltenfahrzeug hatte den Boden des neuen Planeten erreicht und blieb
-dort in ziemlich schwieriger Lage hängen.
-
-Das Hinterteil des Weltenfahrzeuges lag in einem ausgebrannten Krater,
-das Vorderteil ragte schräg empor und lag auf zackigem Gestein, so ruhte
-das Weltenfahrzeug des Kapitän Mors wie ein Schiff, welches auf dem Meer
-zwischen Klippen gestrandet ist. Es schien in der Tat zum hilflosen
-Wrack geworden zu sein.
-
-Star zeigte jetzt jene Ruhe, die er im Verkehr mit dem Kapitän gelernt,
-ebenso benahm sich der Professor.
-
-Die Inder und die anderen europäischen Mannschaften des Weltenfahrzeuges
-kamen jetzt herbeigerannt und schauten fragend auf Kapitän Mors. Sie
-wollten in seinen Mienen lesen.
-
-Aber die Ruhe des seltsamen Mannes teilte sich auch ihnen mit, und als
-die Leute sahen, daß Kapitän Mors keine Miene verzog, und daß seine
-Augen feurig wie immer blitzten, warteten sie ruhig ab, was der berühmte
-Führer nunmehr beginnen würde.
-
-»Untersucht zunächst die Innenräume des Weltenfahrzeuges,« klang die
-Stimme des Luftpiraten. »Seht zu, ob Ihr irgend einen Schaden entdecken
-könnt. Ich erwarte dann sofort Bericht. Vor allen Dingen aber darf
-niemand das Fahrzeug ohne meine Erlaubnis verlassen.«
-
-Dazu verspürten die Männer auch keine Lust, obwohl sie sahen, daß man
-sich auf einem mit Luft versehenen Weltkörper befand. Die Atmosphäre war
-sicherlich dichter als die auf der Erde.
-
-Kapitän Mors besichtigte zunächst den Schaden im Lenkraum und
-betrachtete durch ein Glasfenster die zerstörten Verbindungsteile.
-
-»Das läßt sich alles wieder gut machen,« erklärte er nach kurzer
-Betrachtung. »Reserveteile haben wir im Ueberfluß, aber, es wird
-freilich einige Zeit vergehen, es ist gar nicht ausgeschlossen, daß wir
-mehrere Tage, ja Wochen auf diesem unbekannten Planeten verweilen
-müssen.«
-
-Bald erschienen auch die übrigen Mannschaften, aber sie hatten nichts
-Bedenkliches zu melden. In den unteren Räumen des Fahrzeuges war alles
-in Ordnung, da hatte man keine Beule, kein Leck gesehen. Selbst die
-Röhren, welche die flüssige Luft verteilten, waren unbeschädigt.
-
-Somit blieb nur der Lenkapparat zu reparieren und das war gerade die
-Hauptsache und mußte mit größter Sorgfalt geschehen. Kapitän Mors wollte
-mit Star und Lindo diese Arbeit verrichten.
-
-»Ich erforsche unterdessen den neuen Planeten,« rief der Professor
-begeistert, als ihm Kapitän Mors seine Absicht mitteilte.
-
-Der Luftpirat schien mit der Antwort zu zögern.
-
-»O, ich laufe Ihnen gewiß nicht davon, Kapitän,« fuhr der Professor mit
-einiger Bitterkeit fort, da er das Zögern des Kapitäns falsch deutete.
-»Ich kehre schon wieder, mein Wort darauf! Ich will ja noch mehr Fahrten
-in diesem wunderbaren Fahrzeug unternehmen.«
-
-»Sie mißverstehen mich, Professor,« erwiderte Kapitän Mors. »Ich wollte
-damit kein Mißtrauen äußern. Sie wissen ja, daß Sie der Umstände halber
-immer bei mir bleiben müssen, aber andererseits denke ich nicht im
-Traume daran, Ihnen diese Gefangenschaft zu zeigen oder Sie gar zu
-quälen. Mein Zögern entspringt einzig und allein der Sorge um Sie, denn
-Sie stehen mir nahe, und ich habe Sie sehr gern. Es gibt wenig Menschen
-wie Sie auf der Erde, gäbe es viele solche, wäre ich vielleicht nicht
-der Luftpirat geworden. Mein Zögern rührt einzig und allein davon her,
-daß ich für Sie Sorge trage, denn hier können sich tausende von Gefahren
-verbergen. Deshalb bitte ich Sie, einstweilen noch im Weltenfahrzeug zu
-bleiben.«
-
-»Verzeihen Sie, Kapitän,« erwiderte der Professor, indem er die Rechte
-des Maskierten faßte. »Ich will nichts gesagt haben. Aber ich denke, mit
-unseren Hilfsmitteln können wir jeden Gefahren Trotz bieten.«
-
-»Nicht immer,« lautete die Antwort, »solche Gefahren kommen oft
-blitzschnell und unerwartet, so daß selbst die Hilfsmittel der modernen
-Technik versagen. Jedenfalls müssen wir unsere Umgebung beobachten. Dann
-wird es sich zeigen, ob wir das Fahrzeug verlassen dürfen. Ist dies der
-Fall, so können Sie Ihren Forschungen nachgehen. Sie haben ja auch das
-Recht darauf. Sie sind ja gewissermaßen der Entdecker des neuen
-Planeten.«
-
-Der Professor drückte nochmals die Rechte des seltsamen Mannes. Dann
-ging es an die Arbeit.
-
-Mors war nicht der Mann, der die Hände in den Schoß legte, er wollte vor
-allen Dingen sein Weltenfahrzeug instand setzen.
-
-Nun galt es, erst die Luft zu prüfen und sich zu vergewissern, ob man
-diese ertragen konnte. War dies nicht der Fall, so mußte man eben die
-Lufthelme benutzen.
-
-Kapitän Mors unternahm wie gewöhnlich das Wagnis selbst.
-
-Er begab sich nach den Doppeltüren, die den Einlaß in das Fahrzeug
-vermittelten, öffnete die innere Tür und versuchte dann vorsichtig die
-außen befindliche Luft zu proben.
-
-Sie war dick, schwer, reichlich mit Kohlensäure gesättigt, aber sie ließ
-sich immerhin atmen.
-
-Man hatte nur, wenn man längere Zeit diese Luft atmete, das Gefühl eines
-leichten Rausches, einer Beklemmung, aber diese wurde wieder durch
-andere Vorteile aufgehoben.
-
-Der Planet war ja klein, viel kleiner als der Mond, er war eine
-Miniaturwelt und da mußten sich natürlich ganz andere Lebensbedingungen
-ergeben.
-
-Hier mußte man ungeheuer hoch springen können, hier wog ein schwerer
-Mann nur so viel, wie ein kleines Kind auf der Erde. Das mußte dann die
-Arbeitskraft verdoppeln und verdreifachen.
-
-Von außen mußte man arbeiten, um den Riesenmagneten wieder in Funktion
-treten zu lassen.
-
-Kapitän Mors rief jetzt seine Leute herbei, die er nacheinander die Luft
-atmen ließ.
-
-Da zeigte sich denn, daß die ehemalige Mannschaft des Unterseebootes die
-Luft absolut nicht vertragen konnte.
-
-Die Leute taumelten umher, drehten sich im Kreise und benahmen sich wie
-sinnlos Betrunkene.
-
-Aehnliche Symptome zeigten auch die meisten Inder und selbst Star, dem
-eisernen Mann, war die Luft höchst unangenehm, es überkam ihn ein
-Schwindel.
-
-Dagegen vertrug Lindo die Luft vortrefflich und da Kapitän Mors zur
-Reparatur höchstens ein oder zwei Gehilfen gebrauchte, beschloß er, mit
-Lindo die Arbeit zu vollenden und mit dieser auf der Stelle zu beginnen.
-
-Der Schaden wurde zunächst besichtigt und die Reparaturteile aus dem
-Innern des Fahrzeuges hervorgeholt.
-
-Es war freilich ein recht unangenehmes Arbeiten, da man in die Kluft
-hinuntersteigen mußte. Der Krater zog sich seitwärts noch ziemlich tief
-in das Innere der Erde fort, dort, wo rabenschwarze Finsternis
-herrschte.
-
-»So,« sprach Kapitän Mors, als er sich mit Lindo zur Arbeit fertig
-machte. »Wir beginnen. Auf der Galerie des Weltenfahrzeuges aber müssen
-immer ein paar Wächter stehen, die die Umgebung im Auge behalten, damit
-wir vor unliebsamen Ueberraschungen gesichert sind.«
-
-»Was meint Ihr denn, was es hier gibt, Kapitän?« fragte Star, der diese
-Worte vernommen. »Ich habe auch schon überall umhergesehen, aber
-nirgends etwas Lebendes bemerkt. Der Weltenkörper ist ja so klein, hier
-gibt es wohl gar kein tierisches Leben.«
-
-»Hast Du nicht die reiche Vegetation auf verschiedenen Stellen des
-Planeten gewahrt?« fragte Mors. »Eine üppige Vegetation ist es,
-tropisch, wie in der Vorzeit der Erde. Wo sich solche Vegetation
-befindet, gibt es auch Tierwelt. Es fragt sich nur, in welchem Stadium
-sich dieser Planet befindet, aber das kann uns wohl der Professor sagen,
-der wird schon seine Beobachtungen anstellen.«
-
-»In der Umgebung scheint alles tot und starr zu sein,« meinte Star. »Da
-gibt es keine Vegetation, da sieht man nur zackige Felsenspitzen,
-ausgebrannte Krater, Klippen und Felsblöcke.«
-
-Wenige Minuten später verließ Mors mit Lindo und einigen anderen Indern
-die Galerie des Weltenfahrzeuges.
-
-Man benutzte eine Leiter, um die nächsten Klippen zu erreichen. Hierauf
-begann man die Umgebung des Absturzes zu erforschen.
-
-Man sah nichts als Klüfte, ausgebrannte Krater, Steinmassen von den
-wunderlichsten Formen.
-
-In einiger Entfernung donnerte der Vulkan und schleuderte seine
-glühenden Lavablöcke in die Höhe. Aber diese stürzten nicht in der Nähe
-der Landungsstelle herunter, von dort brauchte man nichts zu befürchten.
-
-Plötzlich deutete Lindo mit der Rechten in eine der Klüfte.
-
-»Kapitän,« rief er. »Was liegt dort? Seht doch mal, das Weiße! Das Ding
-sieht ja unheimlich aus. Wahrhaftig, Kapitän, das Ding müssen wir mal
-genauer untersuchen!«
-
-Der Kapitän schritt mit seinen Indern hinüber.
-
-Da lag neben einem Steinblock das Ding, welches Lindo mit seinen
-scharfen Augen erspäht. Ein weißgebleichter Schädel von wahrhaft
-ungeheuren Formen.
-
-Aller Wahrscheinlichkeit nach war es ein Tierschädel, aber niemand
-konnte sagen, zu welcher Gattung dies Geschöpf gehört hatte. Neben
-diesem Ueberrest sah man einige ungeheure Knochen.
-
-Diese waren zerbrochen und Lindo beugte sich jetzt zu diesen
-Ueberbleibseln nieder.
-
-»Kapitän,« rief er. »Seht diesen zerschmetterten Knochen hier an. Das
-ist aber kein Bruch, nein, seht die Eindrücke, wie zackig und spitz
-dieselben sind. Kapitän, dieser Knochen ist zweifellos von den Zähnen
-eines unbekannten riesigen Ungeheuers zerbissen worden.«
-
-
-
-
- 3. Kapitel.
- Eine abenteuerliche Expedition.
-
-
-Kapitän Mors konnte nur die Beobachtung seines getreuen Lindo
-bestätigen.
-
-Die Knochen, die hier lagen, rührten von einem Ungeheuer her, und sie
-waren anscheinend von einem anderen Ungetüm zerbissen worden.
-
-Man hoffte Auskunft von dem Professor, der jetzt eilend herbeikam, und
-der ja nicht allein Kenntnisse in der Sternenkunde besaß, sondern auch,
-wie es viele Astronomen zu tun pflegen, langjährigen geologischen
-Studien obgelegen hatte.
-
-Er betrachtete mit Erstaunen und Interesse diese Ueberreste.
-
-»Der Schädel liegt noch nicht lange hier, Kapitän,« rief er endlich. »Er
-ist rein abgenagt und solche Schädel habe ich oft genug in den Museen
-der Erde gesehen. Es sind die Schädel von ungeheuren Tieren der Vorzeit,
-aber dieses Tier hier ist mir völlig unbekannt. Doch möchte ich
-annehmen, daß es zu den Sauriern gehört, zu jenen furchtbaren
-Rieseneidechsen, die einst auch die Erde bewohnten.«
-
-»Schöne Bescherung,« meinte Star, indem er forschend umherblickte. »Da
-könnte plötzlich solch Beest auftauchen. Herrgott, hat das Ding einen
-Rachen! Da wäre unsereiner nur ein Bissen als Frühstück, da müssen wir
-uns höllisch in acht nehmen.«
-
-Der Professor hörte diese Worte.
-
-»Ich glaube aber nicht, daß wir jetzt etwas zu fürchten haben, es sieht
-so aus, als hätte sich hier vor kurzer Zeit Wasser befunden, welches
-durch irgend eine Ursache in die Tiefen der Erde abgeflossen ist. Diese
-Rieseneidechsen aber hielten sich immer in der Nähe des Wassers auf.
-Unmöglich ist es freilich nicht, daß sich da unten in den Felsenklüften
-noch Wasseransammlungen befinden.«
-
-»Gut,« sprach Kapitän Mors. »Da müssen wir eben wachsam sein und immer
-die Augen offen halten. Es scheint mir aber, als wenn wir in dieser
-trostlosen Gegend nichts zu fürchten hätten. Etwaige tierische Bewohner
-des Planeten können sich drüben in den tropischen Wäldern aufhalten.«
-
-Man sah es dem Professor an, daß er förmlich danach lechzte, diese
-Seltsamkeiten kennen zu lernen. Er war befriedigt, daß es ihm vergönnt
-war, einen Blick in die Vorzeit zu tun, daß er sich auf einem kleinen
-Planeten befand, der noch um viele hunderttausend Jahre in der
-Entwicklungsgeschichte zurück sein mußte.
-
-Kapitän Mors aber sorgte für Vorsichtsmaßregeln.
-
-Er begann mit Lindo sofort die Reparaturarbeiten vorzunehmen, während
-einige Wächter auf der Galerie die Umgebung im Auge behielten.
-
-Lange arbeiten konnte man freilich nicht, da die eigenartige Luft zu
-öfterem Ausruhen mahnte. Selbst Kapitän Mors fühlte schon nach wenigen
-Stunden eine Erschlaffung, die er kaum mit seiner eisernen Energie
-besiegen konnte.
-
-Unter diesen Umständen konnte der erzwungene Aufenthalt auf dem kleinen
-Planeten längere Zeit in Anspruch nehmen.
-
-Verdächtiges zeigte sich aber nicht, nichts Lebendes war zu erblicken,
-die Wächter sahen keine befremdlichen Erscheinungen. Man hörte nur das
-Donnern des Vulkans, der sich aber immer mehr zu beruhigen schien.
-
-Als am dritten Tage der Professor seine Bitte wiederholte, gab Kapitän
-Mors nach.
-
-»Ich gehe selbst mit,« sprach er. »Lindo kann während meiner Abwesenheit
-die Arbeit allein fortsetzen. Selbstverständlich nehmen wir unsere
-elektrischen Waffen mit, auch wollen wir uns nicht allzu weit entfernen.
-Unser Marsch geht nach dem Walde hinüber.«
-
-Der Professor strahlte vor Entzücken, der sonst so ernste Mann wußte gar
-nicht, wie er seine Freude beherrschen sollte. Er brannte vor Ungeduld,
-einen Blick in diese Wunderwelt zu tun, während Kapitän Mors seine
-gewohnte Ruhe und Geistesgegenwart zeigte.
-
-Star sollte auch zurückbleiben. Kapitän Mors bestimmte drei Inder, die
-ihn und den Professor begleiten sollten.
-
-Hierauf versah man sich mit Lebensmitteln, mit Instrumenten, die ein
-Verirren verhindern sollten, ferner mit den furchtbaren elektrischen
-Waffen.
-
-Der Planet besaß eine ungemein schnelle Umdrehung, und da er sehr klein
-war, so dauerte der Tag wenig mehr als eine Stunde, ebenso war es mit
-der Nacht, jedoch erleuchtete während der Finsternis zuweilen der Mond
-die seltsame Umgebung.
-
-Damit mußte man also von Anfang an rechnen, und Kapitän Mors beschloß,
-während der Dunkelheit verdächtige Distrikte zu meiden. Er setzte sich
-mit seinen vier Begleitern in Marsch und nun ging es über das unebene
-Terrain nach der Vegetationszone hinüber.
-
-Die eigenartige Luft täuschte und der Wald war ferner, als man geglaubt
-hatte.
-
-Durch die mitgenommenen Ferngläser konnte man schon unterscheiden, daß
-sich dieser Wald von allem, was man auf der Erde gesehen, bei weitem
-unterschied.
-
-Anfangs konnte man die Waldbäume für Palmen halten, aber bei näherer
-Betrachtung glichen sie eher riesigen Farren, alles hatte einen
-unheimlichen, schier gespenstigen Anblick.
-
-Man sah keinen Vogel, keinen Schmetterling, freilich waren hier noch
-immer die kahlen, nackten Felsen. Drüben im Walde konnte es anders sein,
-da konnte sich ein merkwürdiges Tierleben zeigen.
-
-Aber jetzt veränderte sich die Formation des Bodens, das Felsgestein
-verschwand allmählich, der Boden war weich und sumpfig.
-
-»Acht geben,« klang Kapitän Mors' Stimme, die ganz eigentümlich in der
-dicken Luft ertönte. »Acht geben, wir müssen im Gänsemarsch gehen. Einer
-hinter dem anderen. Sonst versinken wir hier ins Bodenlose. Das ist ein
-Sumpf der Urzeit. Ein Morast, in dem wir spurlos verschwinden können.
-Aber hier geht eine Felsenrippe hindurch, die müssen wir benutzen.«
-
-Es war in der Tat die größte Vorsicht geboten, um so mehr, als der
-ausnehmend kurze Tag ja schon wieder zu Ende ging und die eben so kurze
-Nacht herannahte.
-
-Kapitän Mors und seine Begleiter aber hatten elektrische Laternen
-mitgenommen und so konnten sie den steinernen Weg durch den Sumpf
-verfolgen. Diese Felsenrippe war der einzige Pfad, welcher zu dem Wald
-hinüberführte.
-
-Es wurde schnell dunkel, aber das elektrische Licht zeigte den Weg. An
-einer Stelle, wo sich der Felsenpfad verbreiterte, wurde kurze Rast
-gemacht. Nach anderthalb Stunden wurde es schon wieder Tag, da sich der
-Planet mit riesiger Geschwindigkeit um sich selbst drehte. Links und
-rechts war der Morast, aber dort war alles still. Kein Laut unterbrach
-das unheimliche Schweigen.
-
-Endlich war man am Walde angelangt, aber Kapitän Mors machte vorläufig
-keine Anstalten, hineinzugehen. Der kurze Tag war schon wieder zu Ende.
-
-»Sollen wir nicht ein Feuer anzünden, Kapitän?« fragte Lindo.
-
-»Es würde schwerlich brennen,« erwiderte Kapitän Mors, »denn Du siehst
-ja, hier ist alles mit Feuchtigkeit förmlich gesättigt und dann glaube
-nur nicht, daß sich die Wesen, die hier leben, durch das Feuer
-abschrecken lassen. Im Gegenteil, sie möchten neugierig hinzukommen.«
-
-Bald wurde es wieder dunkel, aber nun hörten die fünf Männer, die am
-Rande des Waldes harrten, seltsame Töne, die aus dem scheinbar
-undurchdringlichen Dickicht herüberschallten.
-
-Furchtbare Töne waren es. Man hörte ein Schnaufen, ein Aechzen, als wenn
-der Sturmwind wehte. Dann krachte es und brach es zwischen den
-farrenartigen Bäumen, als ob sich massige Körper hindurchwälzten.
-
-Auch in den Lüften ließen sich sonderbare, schreckliche Laute vernehmen,
-ein Klatschen und Flattern, ab und zu hörte man ein durchdringendes
-schrilles Pfeifen, einige Male war es den Männern auch, als ob ein
-großer schwarzer Schatten durch die Luft und Finsternis segelte.
-
-Als es aber nach anderthalb Stunden hell wurde, war alles ruhig, da war
-nichts zu hören und nichts zu sehen.
-
-»Also gibt es auch hier ein Nachtleben,« sprach der Professor zu Mors.
-»Eine nächtliche Tierwelt. Die lebt da drinnen in dem Dickicht und
-sicherlich war es ein Urvogel oder eine riesengroße Fledermaus, die
-während der Dunkelheit über unseren Häuptern dahinflatterte.«
-
-Jetzt versuchte man in das unheimliche Dickicht einzudringen, aber das
-erwies sich als unmöglich. Der Boden war weich, durchlässig, wie ein
-Schwamm, beim ersten Schritt in das Dickicht mußte man bis an den Leib
-einsinken.
-
-Als Lindo es dennoch versuchte, krachte und prasselte es neben ihm in
-dem undurchdringlichen Gebüsch, der Inder prallte zurück, aber er
-glaubte noch etwas unheimlich Großes gesehen zu haben, welches sich
-durch das Dickicht fortwälzte, dunkel, schleimig, ein Untier, welches
-offenbar sein Heil in der Flucht suchte.
-
-»Sicherlich ist das eine der Rieseneidechsen gewesen,« sprach der
-Professor. »Die hausen hier in dem undurchdringlichen Farrenwalde.
-Merkwürdig, daß uns der Koloß nicht angegriffen hat. Das ist ein Beweis,
-daß selbst diese Giganten vor dem Anblick der Menschen erschrecken. Wir
-mögen dem Riesentier allerdings sonderbar genug vorgekommen sein.«
-
-Einer der übrigen Inder war inzwischen auf einer anderen Stelle in den
-Wald gedrungen, aber auch nur wenige Schritte vorwärts gekommen.
-
-Er kehrte rasch zurück und erzählte, daß er ein schlangenartiges Ungetüm
-gesehen hätte, welches von einem der Farrenbäume herabglitt und dann
-spurlos in dem undurchdringlichen Unterholz verschwand.
-
-»Nun, Professor?« fragte der Kapitän. »Was sagen Sie dazu? Wollen wir
-wirklich in den Wald eindringen? Wir müßten allerdings schon wie die
-Affen von Baum zu Baum klettern. Aber wenn Sie Lust haben, ich bin dazu
-bereit.«
-
-Der Professor bewunderte den kühnen Mann, der so kaltblütig in das
-furchtbare Dickicht hineinblickte. Er wußte, daß Kapitän Mors nicht
-scherzte, daß dieser mit ihm ging, wenn er den Wunsch aussprach, den
-schrecklichen Wald näher untersuchen zu wollen.
-
-»Nein, ich denke, wir lassen es lieber,« erwiderte der Professor. »Das
-hieße direkt mit dem Tode spielen. Ja, wenn der Tag länger dauerte, aber
-bei dieser kurzen Zeit würde uns ja wieder die freilich kurze Nacht
-überraschen. In der Nacht möchten wir den Ungetümen, die den Wald
-bewohnen, fast wehrlos gegenüberstehen. Auch weiß ich bereits genug.
-Dieser Planet befindet sich in einem Zustand, wie ihn die Erde auch
-durchgemacht hat, nämlich zur Zeit der großen Saurier und schließlich
-wird auch für diese Miniaturwelt die Zeit kommen, wo sich das allgemeine
-Lebensprinzip erfüllt, wo intelligente Wesen anstelle der Ungeheuer hier
-treten. Wer weiß, vielleicht ist der Keim zu menschenähnlichen Wesen in
-dieser kleinen Welt schon verborgen, vielleicht lebt schon ein Wesen in
-diesem Dickicht, aus dem sich dereinst ein vernunftbegabter Bewohner
-dieses kleinen Planeten entwickelt. Es gibt hier noch andere Dinge, die
-man erforschen kann, daher ist es besser, wenn wir umkehren.«
-
-Kapitän Mors gab seine Einwilligung zu erkennen, es hatte ja auch nicht
-den geringsten Zweck, daß man vordrang. Die Farrenbäume wuchsen in einem
-Morast, dort liefen die kühnen Eindringlinge Gefahr, spurlos im Sumpf zu
-verschwinden.
-
-Nun ging es wieder über die Felsenklippe zurück, wo die Dunkelheit die
-Wanderer überraschte. Da hörte man vom Walde her wieder die
-schrecklichen Töne, das Aechzen, das Rauschen und Prasseln, den
-durchdringenden Schrei und das Flattern des Riesenvogels oder der
-ungeheuren Fledermaus, welche durch die Lüfte flog.
-
-Dann kehrte man, als es hell wurde, wieder in die Steinwildnis zurück,
-wo der »Meteor« in dem erloschenen Vulkan lag.
-
-Man sah Lindo und Star, die von einigen Indern unterstützt, an dem
-Riesenmagneten hantierten.
-
-Die Männer winkten eifrigst, als sie Kapitän Mors und dessen Begleiter
-erblickten. Die Rückkehrenden glaubten schon, daß ihre Gefährten in
-Besorgnis gewesen seien.
-
-Lindo kam dem Kapitän mit großen Sprüngen entgegen.
-
-Es sah sonderbar aus, wie er mit der Leichtigkeit eines Federballs über
-ziemlich hohe Felsblöcke hinwegsprang, aber das war ja kein Wunder, auf
-diesem kleinen Weltkörper konnte der um so vieles leichtere
-Menschenkörper auch höhere Sprünge unternehmen, ohne sich im mindesten
-zu verletzen.
-
-»Was gibt's?« fragte Mors. »Ist etwas Besonderes vorgefallen?«
-
-
-
-
- 4. Kapitel.
- Die Geheimnisse des Feuerberges.
-
-
-»Da unten in dem ausgebrannten Vulkan ist es nicht ganz richtig,« meinte
-Lindo. »Der ist wohl bloß scheinbar erloschen. Wir haben schon mehrmals
-sonderbare Töne vernommen, ein Zischen und Fauchen und zwar als es
-dunkel war. Das ist ja hier eine merkwürdige Geschichte. Tag und Nacht
-ist so rasch, daß man kaum zur Besinnung kommt. Da unten in dem Krater
-sind vielleicht die unterirdischen Gewalten tätig. Genug, da könnte es
-leicht sein, daß uns plötzlich ein Lavastrom überraschte. Das wäre doch
-eine bedenkliche Sache.«
-
-Kapitän Mors ging sofort nach der Stelle, wo der »Meteor« halb aus dem
-Krater hervorragte.
-
-Er bog sich hinab und lauschte nach der Oeffnung hin, die seitwärts in
-das Innere des Planeten hineinführte, denn dort waren wohl ehemals die
-Lavaströme hervorgekommen.
-
-Es blieb aber alles ruhig, es ließ sich nichts Besonderes vernehmen.
-
-»Es war sicherlich siedende Lava,« sprach Lindo, »es brauste und
-zischte, wie in einem Höllenkessel. Da links aber, wo sich die große
-Höhlung befindet, da war es auch nicht richtig. Da hinter den
-Felsblöcken haben wir auch ein sonderbares Geräusch vernommen, was
-freilich ganz anders klang. Ich sage Euch, Kapitän, die unterirdischen
-Gewalten ruhen nicht, die können bei der ersten Gelegenheit
-hervorbrechen. Da wäre es mit unserem »Meteor« vorbei, da könnten wir
-unser Leben auf dem unheimlichen Planeten beschließen.«
-
-Diese Erklärung Lindos brachte Kapitän Mors auf den Gedanken, vorerst
-weitere Wanderungen auf dem merkwürdigen Weltkörper zu unterlassen und
-seine ganze Energie der Wiederherstellung des Weltenfahrzeuges
-zuzuwenden.
-
-Der Professor freilich schwärmte noch immer von diesen Wundern einer
-Welt, die für den Erdenkörper seit hunderttausenden von Jahren
-verschollen waren. Er glühte vor Forschereifer, er wollte auch die
-Geheimnisse des großen Feuerberges erforschen.
-
-Da gab es allerdings Geheimnisse genug, denn dieser Ausbruch war ganz
-anders, als eine Katastrophe auf dem Erdball.
-
-Man konnte diese Vulkanausbrüche mit den regelmäßigen Atemzügen eines
-schlummernden Riesen vergleichen.
-
-Zeitweise war alles still, diese Ruhe dauerte manchmal eine viertel oder
-gar eine halbe Stunde. Da lag der ungeheure Vulkan so ruhig, als wäre
-das unterirdische Feuer vollständig erloschen.
-
-Dann aber hörte man ein dumpfes, langanhaltendes Grollen, dem ein
-merkwürdiges Aechzen und Schnauben folgte. Es war, als ob das riesige
-Ungeheuer, welches in der Tiefe zu ruhen schien, Atem holte und so zu
-einer gewaltigen Kraftanstrengung Luft schöpfte.
-
-Dann tönte das Grollen von neuem, unmittelbar darauf folgte eine Art
-schreckliches Gebrüll, aus dem hochragenden Gipfel stieg eine
-fürchterliche Dampfwolke empor, gleichzeitig sah man durch diese
-ungeheuer große Lavastücke in die Lüfte fliegen.
-
-Sie wurden mit einer solchen Gewalt emporgeschleudert, als ob sie aus
-der Mündung eines kolossalen Geschützes ausgestoßen würden.
-
-Das war ein großartiger Anblick, noch großartiger aber war es, wenn
-dieser Ausbruch in der Dunkelheit erfolgte, wenn diese riesigen
-glühenden Lavablöcke auf den Abhängen des Vulkans niederschmetterten,
-zerplatzten und einen Feuerregen umherschleuderten.
-
-Es war ein natürliches Feuerwerk, welches aller menschlichen Begriffe
-spottete.
-
-Die Leute im Weltenfahrzeug wurden nicht müde, diese entfesselten
-Naturgewalten anzustaunen, aber Kapitän Mors winkte jetzt seinem treuen
-Lindo, daß er sich beeilen sollte, denn es galt nun, die schwierigste
-Arbeit zu verrichten. Die metallnen Gelenke mußten wieder auf den
-Diamanten montiert werden und da war die größte Vorsicht geboten.
-
-Die beiden Männer mußten mit Gummihandschuhen arbeiten, damit nicht etwa
-ein plötzlich auftretender elektrischer Strom sie zu Boden schleuderte
-oder gar tödlich verletzte. Solche Entladungen aber waren in der mit
-Elektrizität gesättigten Atmosphäre des kleinen Planeten keine
-Seltenheit.
-
-Unablässig bildeten sich Wolken, aus denen der Donner grollte und
-furchtbare breite Blitze herniederzuckten. Dann brachte auch wohl eine
-vorüberschwebende schwarze Wolke einen fürchterlichen Regenguß, sodaß
-der Kapitän und Lindo ins Weltenfahrzeug flüchten mußten.
-
-Da niemand den beiden Männern helfen konnte und nur Mors und Lindo diese
-Reparatur herzustellen vermochten, entschloß sich der Professor, mit
-Star und einigen Indern nach dem Vulkan zu gehen, um dort die Ausbrüche
-zu betrachten.
-
-Kapitän Mors ermahnte sie zur größten Vorsicht und empfahl ihnen, sich
-nicht in die Nähe der herabstürzenden Lavablöcke zu wagen, sonst war
-nichts dort zu befürchten. In der Nähe des Vulkans gab es kein
-Tierleben. Dort hätte selbst eins der Ungeheuer des Waldes dem Wüten der
-Naturgewalten erliegen müssen.
-
-Der Professor war sehr froh, daß er den Vulkan untersuchen konnte und
-nahm einige Instrumente mit, die ihm zu verschiedenen Beobachtungen
-dienen sollten. Gleichzeitig wollte er die Anziehungskraft und
-verschiedene andere Eigentümlichkeiten dieses Miniaturplaneten messen.
-
-Die ehemaligen Mannschaften des Unterseebootes aber verließen das
-Weltenfahrzeug nicht, da sie sich absolut nicht an die dicke Luft
-gewöhnen konnten. Sie blieben also lieber in den Mannschaftsräumen, wo
-man mit Leichtigkeit eine Luft herstellte, die der der Erde gleichkam.
-
-Mors und Lindo arbeiteten aber unentwegt an dem Riesenmagneten weiter.
-
-Der Professor und Star aber brachen mit den übrigen Indern auf und
-turnten binnen kurzem mit unglaublicher Gewandtheit über das spitze
-Felsengestein nach dem Vulkan hinüber.
-
-Hier waren ja die Körper so leicht, hier konnte man scheinbar
-unüberwindliche Strapazen mit unglaublicher Schnelligkeit überwinden. Es
-sah ordentlich drollig aus, wie die Männer, die noch dazu die
-Instrumente trugen, wie die Gemsen von Stein zu Stein hüpften und breite
-Spalten ohne Anstrengung übersprangen.
-
-Es schadete nicht einmal etwas, wenn man stürzte, wenn man nur nicht zu
-tief fiel, denn bei der Leichtigkeit des Körpers war der Aufschlag ein
-so geringer, daß man sich bei solchen Fällen nicht weh tat.
-
-Das einzig Unangenehme war nur der kurze Tag, denn man mußte nach
-Verlauf von ein bis einundeinhalb Stunden anhalten, da man trotz der
-elektrischen Laternen in der kurzen, aber dunklen Nacht leicht in eine
-unbekannte Tiefe stürzen konnte.
-
-Je näher man dem Vulkan kam, desto mehr zeigten sich die unterirdischen
-Gewalten. Da hörte man ein Brodeln, ein Zischen und Kochen. Es waren die
-Lavabecken, die da unten brodelten, siedeten und kochten.
-
-Mitunter leuchtete auch der Feuerschein herauf und zwar ganz seltsam, es
-waren blaue, grüne, gelbe und rote Flammen, im buntesten Gemisch. Diese
-sonderbaren Flammen verrieten, daß es ganz eigentümliche Elemente sein
-mußten, die sich hier im glühenden Zustande in der flüssigen Materie
-befanden.
-
-Weiter drangen die Männer vor, bis sie endlich den kolossalen Vulkan
-erreichten. Dort hatte eins der emporgeschleuderten Lavastücke den
-Riesenmagneten des Weltenfahrzeuges getroffen und dies wunderbare Werk
-des Kapitän Mors zum Absturz gebracht.
-
-Beim Aufstieg mußte man den Vulkan sorgfältig vermeiden.
-
-Das war nicht leicht, denn es schien, als ob eine besondere
-Anziehungskraft in diesem Vulkan wohnte, als ob diese das Metall aus
-welchem der Rumpf des Weltenfahrzeuges bestand, beherrschte. Man mußte
-also die äußerste Vorsicht walten lassen.
-
-Daran hatte auch der Professor gedacht und er freute sich jetzt, daß er
-dem Kapitän einen Dienst leisten konnte. Er wollte die Anziehungskraft
-des Feuerberges untersuchen, dann würde man schon Mittel und Wege
-finden, um das Weltenfahrzeug aus der gefährlichen Nähe des Kraters
-bringen zu können.
-
-Dann konnte man auch diese Miniaturwelt wieder verlassen.
-
-Die Inder zeigten sich hier recht tollkühn, aber das war kein Wunder,
-Feuerberge waren ihnen nicht fremd und in ihrer Heimat befanden sich die
-Riesen der indischen Bergwelt, die weit über die Wolken hinausragten.
-
-Star und der Professor mußten die Ungeduld der Inder sogar zügeln, denn
-die waren jetzt sehr unternehmungslustig. Sie stießen sogar noch
-glühende Lavablöcke an den Abhängen des Vulkans hinunter, damit sie der
-Professor besser untersuchen konnte.
-
-Der Professor hatte alle Hände voll zu tun, er schüttelte wiederholt
-verwundert mit dem Kopf. Das Gestein, aus welchem der Feuerberg bestand,
-war ganz eigenartig. Es enthielt ein Metall, welches auf der Erde
-unbekannt war, aber sicherlich hohen Wert besitzen mußte.
-
-Die Instrumente wurden aufgestellt und an verschiedenen Stellen des
-Feuerberges angebracht. Professor van Halen war unermüdlich und da
-machte er die absonderlichsten Beobachtungen.
-
-Hier auf dieser kleinen Welt gab es eine Menge Wasser, aber das war wohl
-meist in dampfförmigem Zustande, die feuchte Hitze, welche hier
-herrschte, bewirkte eine unvergleichlich schnelle Verdunstung.
-
-Der Professor glaubte auch die Wahrnehmung zu machen, daß nach den
-fürchterlichen Regengüssen, die von Zeit zu Zeit eintrafen, die
-Ausbrüche des Vulkans häufiger wurden.
-
-Es war sicherlich noch der alte Kreislauf der Dinge, wie ehedem in der
-Urzeit, hier folgten die Naturgewalten unmittelbar und erschienen
-deshalb um so schrecklicher. In der Nähe des Feuerberges war die
-Atmosphäre so dunstig und trübe, daß man nur selten einen Ausblick
-erhielt, das Weltenfahrzeug konnte man nie sehen, obwohl es gar nicht
-weit entfernt war.
-
-Der Professor überließ sich ganz seinen Beobachtungen, aber Star empfand
-eine innere Unruhe, es war ihm immer, als ob sich in der Nähe des
-Weltenfahrzeuges etwas Absonderliches zugetragen haben müsse.
-
-Er lachte zwar über diese Gedanken und verbarg sie vor dem Professor,
-aber er konnte doch nicht hindern, daß er immer und immer wieder an die
-Zurückgebliebenen mit Besorgnis zurückdachte.
-
-Aber auch der Professor hatte Bedenken, die freilich etwas anderes
-betrafen. Seine Beobachtungen brachten ein Resultat, welches ihn mit
-großen Befürchtungen erfüllte.
-
-Die Instrumente verrieten nämlich plötzlich eine ungemeine Spannung, die
-immer mehr und mehr zunahm und zwar in einer Weise, daß man irgend eine
-Naturkatastrophe erwarten konnte.
-
-Ob sie bald eintreten würde, stand freilich noch dahin, aber dem
-Professor war es, als müßte demnächst auf dem kleinen Planeten ein
-Aufruhr der Elemente stattfinden, der alles bisher Gesehene bei weitem
-übertreffen müßte.
-
-Da stand wohl ein furchtbarer, vulkanischer Ausbruch bevor und da konnte
-der Feuerberg in die fürchterlichste Tätigkeit treten.
-
-Aber der Professor dachte noch an etwas anderes, an die Möglichkeit, daß
-die Lavamassen aus dem scheinbar erloschenen Krater, wo das
-Weltenfahrzeug lag, hervorbrechen würden, dann konnte dort ebenfalls
-eine fürchterliche Katastrophe erfolgen.
-
-Jedenfalls näherte sich der kleine Planet der Sonne und dieser Umstand
-war es wohl, der eine gigantische Anstrengung der noch immer
-entfesselten Naturkräfte drohen ließ. Van Halen hielt es daher für das
-beste, wenn er jetzt zurückkehrte und den Luftpiraten warnte.
-
-Sowie es hell wurde, brach man auf, aber der Professor ließ einige
-seiner Instrumente zurück, in der Ueberzeugung, daß er noch einmal
-zurückkehren würde.
-
-Am Weltenfahrzeug fand man alles unverändert, die europäischen
-Mannschaften verbrachten ihre Zeit meist mit Nichtstun oder Reinigen der
-Maschinen. Lindo und Mors waren unablässig mit der Reparatur des
-Riesenmagneten beschäftigt.
-
-Der Luftpirat kam dem Gelehrten entgegen.
-
-»Haben Sie das Brausen und Zischen wieder vernommen, Kapitän?« fragte
-Halen, als er einen Händedruck mit dem Maskierten getauscht.
-
-»In der Tat,« lautete die Antwort. »Es scheint immer drohender und
-unheimlicher zu werden. Auch will Lindo andere unheimliche Töne gehört
-haben, aber davon habe ich nichts vernommen.«
-
-Der Professor dachte nur an das Brausen und Zischen, das waren
-zweifellos die glühenden Lavamassen. Er begab sich nach der dunklen
-Kluft und richtig, dort machte sich eine außerordentliche Wärme
-bemerkbar.
-
-Dann teilte er Kapitän Mors seine Beobachtungen am Feuerberg mit.
-
-»Das ist in der Tat bedenklich,« meinte Kapitän Mors. »Da müssen wir uns
-beeilen und noch eifriger arbeiten. Uebrigens eine Frage, bester
-Professor, können Ihre Instrumente den bevorstehenden Ausbruch genauer
-anzeigen?«
-
-»Sicherlich,« rief der Gelehrte. »Wenigstens dreißig Stunden vorher. Für
-die Zeit von vierundzwanzig Stunden könnte ich mich geradezu verbürgen.«
-
-»Das ist gut,« erwiderte Kapitän Mors. »Da möchte ich Ihnen einen
-Vorschlag machen. Sie sagen ja selbst, daß Sie in den Klüften des
-Feuerberges ein ganz bequemes Unterkommen fanden. Kehren Sie also mit
-Star und den Indern zu Ihren Instrumenten zurück und signalisieren Sie
-mir, wenn Gefahr droht. Sie brauchen ja nur einen Eisenstab mitnehmen
-und daran eine blutrote Fahne aufziehen, die könnte ich von hier aus
-gewahren. Im äußersten Falle der Not würde ich meine Reservemaschinen in
-Tätigkeit setzen. Es ist zwar gefährlich, aber in der Not könnte ich
-mein Weltenfahrzeug von dieser gefährlichen Stelle hinwegbringen. Aber,
-wie gesagt, es ist nur für den Notfall.«
-
-Dagegen ließ sich nichts einwenden, denn dieser Ausweg war der beste.
-
-Man versah sich also mit neuen Vorräten, die in reicher Menge vorhanden
-waren. Auf dem Weltenfahrzeug befanden sich Lebensmittel, die für einige
-Jahre reichen konnten.
-
-Das Wasser auf dem kleinen Planeten war, wenn auch an manchen Stellen
-stark metallhaltig, doch an verschiedenen Stellen trinkbar. So brauchte
-man für den Bedarf an dem wertvollsten Lebenselement nicht in Sorge zu
-sein.
-
-Star, van Halen und die Inder kehrten also nach dem Feuerberg zurück, um
-dort die Beobachtungen fortzusetzen.
-
-Der Kapitän sollte im entscheidenden Moment gewarnt werden.
-
-Dann war ja immer Zeit genug, das Weltenfahrzeug durch Anwendung der
-Reservemaschinen nach einer anderen Stätte zu versetzen, freilich war
-ein solches Gewaltmittel immer gefährlich.
-
-War es aber dunkel, so sollte eine blutrote Laterne die Stelle der roten
-Fahne ersetzen.
-
-Kapitän Mors und sein getreuer Lindo arbeiteten also unablässig weiter.
-Sie strengten alle Kräfte an, sie arbeiteten sogar beim Schein der
-elektrischen Laternen, wobei ihnen noch der Mond behilflich war, der
-jetzt des Nachts sein strahlendes Licht verbreitete.
-
-Die Atmosphäre war klarer geworden, in der Nacht sah man häufig die
-Sterne funkeln. Die Wolken hatten sich teilweise nach den Wäldern
-zurückgezogen.
-
-Aber es war noch etwas, was Lindo beunruhigte. Die sonderbaren Töne, die
-er zuweilen aus der Kluft vernahm.
-
-Der Kapitän hielt es für Täuschung, aber Lindo hegte Bedenken, er meinte
-immer, daß in dieser dunklen Kluft sich irgend etwas verbergen könnte,
-etwas Gefährliches, was es aber war, wußte er nicht und konnte es auch
-nicht wissen.
-
-Kapitän Mors kümmerte sich nicht darum und meinte, es wäre nur eine
-Täuschung. Lindo aber warf während der Arbeit oft einen Blick nach der
-Gegend, wo die Felsblöcke lagen. Er glaubte, dort sei etwas
-Rätselhaftes, etwas Unheimliches verborgen. Dort aus der Kluft könnte
-plötzlich das Verderben hervorbrechen.
-
-
-
-
- 5. Kapitel.
- Die Ungeheuer der Tiefe.
-
-
-So vergingen die Tage und die ebenso langen Nächte rasch dahin, Mors und
-Lindo gönnten sich nur die notwendigste Ruhe.
-
-Die in dem Weltenfahrzeug befindlichen Leute mußten fortwährend nach dem
-Feuerberg Ausguck halten und nachsehen, ob sich nicht etwa die rote
-Laterne oder die rote Flagge zeigte.
-
-Bis jetzt war aber nichts zu sehen gewesen. Die Gefahr lag also noch
-fern. Noch hatte der Professor das Warnungssignal nicht gegeben.
-
-Inzwischen näherten sich die Reparaturarbeiten ihrem Ende. Die
-Verbindungen waren schon wieder hergestellt, aber nun kam die
-schwierigste Arbeit. Man mußte die neuen Gelenkstangen auf die in dem
-Weltenfahrzeug angebrachten riesigen Diamanten montieren.
-
-Das geschah auch außerhalb des Fahrzeuges, dort waren sogar die
-wichtigsten Arbeiten zu verrichten, und die beiden Männer versahen ihre
-Aufgabe mit wahrem Feuereifer.
-
-So lange die Sonne schien, brauchten sie kein künstliches Licht, aber
-sobald die Dunkelheit kam, arbeiteten sie mit ihren elektrischen
-Laternen.
-
-Die Warnungssignale am Berge aber waren immer noch nicht erschienen.
-
-Kapitän Mors glaubte schon, daß gar keine Gefahr drohe und daß das
-Ungewitter wieder vorübergezogen sei, vielleicht hatten die Spannungen,
-die der Professor an den Instrumenten beobachtet, schon wieder
-nachgelassen.
-
-So war wieder einmal die kurze Nacht gekommen.
-
-Der Himmel war klar, die Sterne funkelten, der Mond schien so hell, daß
-die beiden Männer kaum der elektrischen Laternen bedurften.
-
-Da vernahm man das Zischen und Brausen, welches zeitweise in den
-Eingeweiden dieser Miniaturwelt hörbar wurde.
-
-»Es sind die Lavamassen,« meinte Lindo. »Heute ist es stärker, als
-sonst, aber der Professor scheint noch keine Gefahr zu befürchten, sonst
-würde er das Signal zeigen.«
-
-Das Brausen und Zischen dauerte fort, da man es aber so oft gehört,
-kümmerte man sich nicht weiter darum. Jedenfalls kamen die Lavamassen
-noch nicht hervor, die tobten noch tief unter der Erde.
-
-Mit einemmal hielt Lindo in der Arbeit inne.
-
-»Hört, Kapitän, hört,« rief er stutzend, »hört Ihr nicht die seltsamen
-Laute? Das ist etwas ganz anderes, das ist das, was Ihr immer nicht
-glauben wolltet. Es kommt von jener verdächtigen Kluft her, es ist ein
-richtiges Schnarchen und Röcheln!«
-
-In der Tat hörte Kapitän Mors jetzt selbst die Töne, von denen Lindo
-mehrmals erzählt und die er für Täuschung gehalten.
-
-Der Eingang der Kluft war von dem Ort, wo die beiden Männer hantierten,
-durch einige emporragende Felsen verdeckt.
-
-Bald schien auch das Röcheln und Schnarchen zu verstummen.
-
-Kapitän Mors wendete sich wieder seiner Arbeit zu, als Lindo von neuem
-aufschrie:
-
-»Kapitän, da seht -- da, eine Schlange! Eine ganz seltsame Schlange!«
-
-Der Luftpirat fuhr herum.
-
-Richtig, dort über der Klippe, hinter der die Kluft lag, ragte etwas
-hervor, was wie der Hals einer riesigen Schlange aussah.
-
-An diesem Hals aber hing ein sonderbarer Kopf, von ganz merkwürdiger
-Form, der war nicht schlangenartig, sondern fast eckig, aus diesem Kopf
-ragte eine lange, gelbe Zunge heraus, der Rachen war geöffnet und in
-diesem sah man geradezu grauenvolle Zähne.
-
-Aber am fürchterlichsten waren die Augen an diesem Kopf, denn die
-standen wie auf Sockeln, sie waren so groß wie Fäuste und flimmerten wie
-Karfunkel.
-
-Dieser Kopf betrachtete die beiden Männer, dann kam das seltsame Röcheln
-und Schnarchen aus dem geöffneten dampfenden Rachen hervor.
-
-Der erste Gedanke Kapitän Mors' war, die elektrischen Waffen zu holen,
-aber die befanden sich im Innern des Fahrzeuges. Das Ungetüm aber,
-welches da hinter dem Felsen emporragte, befand sich der Tür, welche in
-das Innere des Weltenfahrzeuges führte, viel näher, als die beiden
-Männer und konnte sie daher bei einem Rückzug mit Leichtigkeit abfangen.
-
-»Kapitän, da ist noch solch Ding!« schrie Lindo, indem er nach dem
-Felsen deutete. »Das sieht ebenso fürchterlich aus. Nehmt Euch in Acht
-Kapitän, die Beester schnappen!«
-
-In diesem Augenblick fuhren die langen Schlangenhälse auf die Männer zu.
-Kapitän Mors und Lindo aber wichen gewandt aus und sprangen seitwärts,
-indem sie unwillkürlich hinter einem anderen Felsblock Schutz suchten.
-
-Jetzt konnten sie seitwärts auf die Ungetüme schauen, aber da gewahrten
-sie etwas ganz Merkwürdiges.
-
-Das waren keine Schlangen, sondern die langen Hälse saßen an einem
-plumpen, fürchterlichen Körper, der so dick wie der eines Elefanten war,
-dieser Riesenkörper war graubraun und schleimig, das Tier mit dem langen
-Schlangenhals und den funkelnden Augen war ein Vierfüßler und an den
-plumpen Füßen schienen sich mächtige Krallen zu befinden.
-
-Zwei dieser Bestien waren da, und sie rutschten jetzt mit ziemlicher
-Geschwindigkeit heran. Sie suchten die beiden Männer anzugreifen.
-
-Kapitän Mors war jetzt alles klar.
-
-Diese bisher unbekannten Untiere, welche sicherlich zu den
-Riesensauriern gehörten, hausten dort in der Kluft und kamen nur von
-Zeit zu Zeit an die Oberwelt, um Beutezüge anzutreten.
-
-Sie waren es sicherlich, welche die großen Knochen, die da auf dem Stein
-lagen, durchgebissen hatten. Das konnte man diesen fürchterlichen Zähnen
-schon zutrauen.
-
-Nun galt es, sich zu verteidigen, denn die Ungetüme schienen sich
-merkwürdig schnell zu bewegen, so plump sie auch aussahen, waren die
-Bewegungen doch rasch und verhältnismäßig gewandt. Es war etwas
-Eidechsenartiges, Bewegliches in der Art und Weise, wie sich diese
-plumpen Massen vorwärtsschoben.
-
-Die beiden Männer waren mit ungenügenden Waffen ausgestattet. Kapitän
-Mors besaß ein wohl fußlanges, haarscharfes Dolchmesser und Lindo hatte
-eine schwere gleichfalls haarscharf geschliffene Axt aufgegriffen.
-
-»Kapitän, sie werden uns einholen,« rief der treue Inder ganz
-verzweifelt. »Die Bestien bewegen sich so gewandt wie die Aale.«
-
-»Ja, ich sehe es, Lindo,« sprach Mors, der mit seinem treuen Begleiter
-von Stein zu Stein sprang. »Es wird uns nichts übrig bleiben, wir müssen
-kämpfen, wir müssen uns so gut es geht gegen die Ungeheuer der Tiefe
-verteidigen.«
-
-Lindo biß die Zähne zusammen, aber er verlor die Geistesgegenwart nicht.
-Treu wie er war, wollte er sogar Mors die Axt als die bessere Waffe
-einhändigen und dafür das Messer nehmen.
-
-Der Luftpirat wies dies edelmütige Anerbieten zurück.
-
-»Nimm nur die Axt, treue Seele,« sprach er. »Das Messer genügt mir. Nun
-will ich Dir einen Rat geben. Du siehst, daß diese Ungetüme sehr lange
-und dünne Hälse haben, die scheinbar gar nicht zu den massiven Körpern
-passen. Haue mit Deiner Axt nach der Stelle, wo sich dieser lange
-Schlangenhals mit dem Körper vereinigt und suche dort die Halswirbel zu
-durchhauen. Nun paß auf. Da kommen sie angeglitten.«
-
-Die beiden Ungeheuer schnarchten entsetzlich, man hörte, wie ihr
-furchtbares Gebiß zusammenklappte. Jedenfalls waren es Fleischfresser
-und die Bestien lechzten nach Beute.
-
-Freilich mochten ihnen diese seltsamen Geschöpfe, die Menschen, höchst
-absonderlich vorkommen. Aber es waren Lebewesen, und die Kolosse
-vertrauten auf ihre ungeheure Stärke. Sie waren auch wohl hungrig und
-nun kamen sie herangeglitten, mit aalartigen Bewegungen, unheimlich
-schnell, man konnte diesen Ungetümen nicht entrinnen.
-
-Der Rückweg zu dem Weltenfahrzeug war den beiden Männern abgeschnitten.
-Es half nichts, sie mußten das Abenteuer bestehen.
-
-Kapitän Mors wandte sich gegen das größte Ungetüm, während Lindo beherzt
-den Angriff des zweiten, kleineren Ungeheuers erwartete.
-
-Im Moment, als Kapitän Mors sich gegen das schnarchende Ungetüm wendete,
-warf er einen flüchtigen Blick auf die Kluft, aus der die Ungetüme
-hervorgestiegen sein mußten.
-
-Da gewahrte er noch etwas Bewegliches, da kam ein dritter Schlangenhals
-zum Vorschein, ein drittes Ungetüm kam röchelnd und schnarchend aus der
-Kluft hervorgekrochen.
-
-Aber Kapitän Mors hatte keine Zeit, sich mit weiteren Beobachtungen
-abzugeben, er mußte handeln, die Gefahr drohte, sie war sogar aufs
-äußerste gestiegen.
-
-Das riesige Ungetüm vor ihm richtete sich halb auf, der Schlangenhals
-schwebte hoch über Kapitän Mors' Kopf, die Augen glühten und
-schillerten, das Tier selbst war vom Mond grell beleuchtet.
-
-Jetzt hockte das Tier in einer sitzenden Stellung und suchte Kapitän
-Mors mit den viel kürzeren Vordertatzen zu fassen.
-
-Aber Kapitän Mors war auf seiner Hut und es kam ihm zu statten, daß er
-sich auf dem kleinen Planeten mit größter Leichtigkeit bewegen konnte.
-
-Blitzschnell wich er den Hieben der drohenden Tatze aus und sprang zur
-Seite. Dann blitzte das lange Messer, Kapitän Mors stieß es in den
-langen Schlangenhals des Tieres und zog den Griff der Waffe mit
-kräftigem Schnitt nach der Mitte der Brust hinunter.
-
-Dunkelrotes Blut spritzte hervor, es war eine furchtbare Wunde, aber das
-Tier schien sich wenig darum zu kümmern.
-
-Es schnarchte greulich, der lange Kopf auf dem Schlangenhals fuhr herab
-und wieder sah Kapitän Mors das fürchterliche Gebiß mit den drohenden
-Zähnen.
-
-Das Ungeheuer schien jedoch seine Beute weniger mit dem Gebiß packen,
-als mit den Krallen erhaschen zu wollen, dabei hüpfte es auf den
-Hinterbeinen sitzend, auf Mors zu, sodaß seine Bewegungen an die eines
-riesigen Kängurus erinnerten.
-
-Jedenfalls war das Tier mit den sogenannten Lälaps verwandt, ein Tier
-der Vorwelt auf Erden, welches einem riesigen Känguru ähnelte, nur, daß
-dieses Tier den langen Schlangenhals besaß, der ihm das schlangenartige
-Aussehen sicherte.
-
-Kapitän Mors konnte sich jetzt nicht um Lindo bekümmern und gewahrte nur
-bei einem gedankenschnellen Blick, daß sein treuer Gefährte mit dem
-zweiten Ungeheuer kämpfte.
-
-Jetzt kam der Riese wieder herangehüpft, schnarchte laut und suchte mit
-seinen beiden gewaltigen Tatzen Kapitän Mors zu packen.
-
-Diesmal bückte sich der Luftpirat nur und führte einen furchtbaren Stoß
-nach der Stelle, wo er das Herz des riesigen Ungeheuers vermutete.
-
-Ein gewaltiger Blutstrahl sprudelte hervor, fast wie aus einem
-Springbrunnen. Kapitän Mors duckte sich schnell und entwischte gerade
-noch aus den Krallen des Ungeheuers, die ihn zu packen drohten.
-
-Wieder tönte das Schnarchen, gräßliche Wut malte sich in den weiß
-leuchtenden Augen des Ungetüms, aber seine Bewegungen waren nicht mehr
-so schnell wie vorhin, es schien die Wirkung der blanken Waffe zu
-spüren.
-
-Das Blut schoß wie eine Fontäne aus der Wunde in der Brust und es war
-möglich, daß der Stich das Herz verletzt hatte. Die Bestie warf
-schreckliche Blicke auf den Menschen, der jetzt mit Befriedigung die
-entschwindenden Kräfte des Angreifers bemerkte.
-
-Inzwischen war Lindo auch nicht müßig gewesen und hatte mit der Axt auf
-die von Mors bezeichnete Stelle losgehauen.
-
-Der Brave hieb zu, als wollte er einen Baumstamm fällen, aber das war
-sein Glück. Es gelang ihm, mit der haarscharf geschliffenen Axt den
-Halswirbel des Ungeheuers zu durchschneiden und das Rückgrat an der
-Stelle zu trennen, wo der Schlangenhals mit dem massigen Leibe verbunden
-war.
-
-Auch dieses Ungeheuer stieß ein fürchterliches Schnarchen aus, welches
-aber fast einem Gebrüll ähnelte, dann drehte es sich ein paar Mal rund
-herum, fiel auf den Rücken und begann im Todeskampf schrecklich zu
-zappeln.
-
-Da sah Kapitän Mors, der eben noch seine Aufmerksamkeit seinem Gegner
-zugewendet, das dritte Ungeheuer lautlos herangleiten. Kein Zweifel, es
-wollte Lindo von hinten packen.
-
-»Drehe Dich um Lindo,« schrie der Luftpirat mit furchtbarer Stimme. »Es
-ist noch eins hinter Dir! Rasch, rasch, es will Dich fassen!«
-
-Der Inder sprang blitzschnell bei Seite und das war sein Glück, da im
-selben Moment das Ungetüm an der Stelle, wo er gestanden, anlangte.
-
-Es röchelte und schnarchte und drehte den langen Schlangenhals bald nach
-rechts, bald nach links, indem es die beiden Männer mit den fürchterlich
-leuchtenden Augen anstarrte.
-
-Aber jetzt wurde es von den beiden Männern angegriffen. Bald von links,
-bald von rechts, sodaß die Bestie gar nicht wußte, wohin sie sich zuerst
-wenden sollte.
-
-Lindo hieb mit der Axt auf die Halswirbel der Bestie los, Kapitän Mors
-aber bohrte ihm das fußlange Dolchmesser in die Seite.
-
-Jedesmal schnarchte das Tier laut und fuhr herum, um seinen Gegner zu
-packen, der aber sprang alsdann gewandt zurück, während sein Gefährte
-den Angriff erneuerte.
-
-Immer lauter wurde das Schnarchen, das Röcheln; aber jetzt spritzte auch
-das schwarzrote Blut von allen Seiten hervor, das Ungeheuer taumelte.
-Kapitän Mors hatte sicherlich das Herz getroffen. Lindo aber hatte ihm
-mit einem furchtbaren Axthieb den Halswirbel fast ganz durchgeschlagen.
-
-Inzwischen waren auch die beiden anderen Ungetüme verendet, und nun
-sahen die zwei Männer auf die Kampfstätte, auf die drei Riesen der
-Tierwelt, auf die Lachen geronnenen, schwarzroten Blutes.
-
-Aber da kam auch schon wieder der Tag heran, die kurze Nacht ging zu
-Ende, die Sterne verblichen, die Sonne erschien und beleuchtete die
-massigen Gestalten der erlegten Ungetüme.
-
-Vom Weltenfahrzeug herüber hörte man die Schreie der Männer, welche die
-Besatzung bildeten. Aber die waren über den Anblick dieser unheimlichen
-Riesentiere so entsetzt gewesen, daß sie gar nicht wußten, was sie tun
-sollten.
-
-Jetzt aber erschienen sie auf der Galerie und wollten ihren Augen nicht
-trauen, als sie die beiden Helden noch lebend sahen.
-
-»Na, Ihr habt uns schön im Stich gelassen,« rief Lindo ärgerlich. »Da
-seht mal, was der Kapitän wieder mal geleistet hat.«
-
-»Laß es nur gut sein,« erwiderte Mors. »Du hast Dein redliches Teil dazu
-beigetragen. Ich bin stolz auf Dich. Du hast gekämpft, wie ich es
-erwartete. Wir sind Sieger geblieben.«
-
-»Hoffentlich kommen nicht mehr heraus,« meinte Lindo, indem er nach der
-Kluft hinblickte. »Am Ende befindet sich eine ganze Herde darinnen.«
-
-»Das glaube ich nicht,« erwiderte Kapitän Mors. »Das halte ich für
-ausgeschlossen. Diese Tiere leben sicherlich nicht in größerer Menge,
-und ich glaube wohl, daß wir ein Pärchen dieser Kolosse mit einem
-ausgewachsenen Jungen bekämpfen mußten. Genug, das Abenteuer ist vorüber
-und wir sind die Sieger geblieben.«
-
-Da deutete Lindo nach dem Vulkan hinüber, der von der Sonne beleuchtet
-wurde.
-
-»Kapitän,« schrie er. »Das Zeichen, das Signal! Kapitän, da weht die
-rote Fahne! Jetzt droht uns Gefahr von den Elementen der Tiefe! Da
-zischt es, da braust es schon wieder! Da will die Lava aus den
-Eingeweiden der Erde hervorquellen!«
-
-
-
-
- 6. Kapitel.
- Im Todeskrater.
-
-
-In der Tat hatte der Professor mit seinen Gefährten das Warnungssignal
-erteilt.
-
-»Geschwind, Lindo,« rief Mors, für den das furchtbare Abenteuer schon
-vergessen zu sein schien. »Jetzt ist jeder Augenblick Zeit kostbar. Wir
-müssen die Arbeit am Riesenmagnet beenden. Ich denke, Star wird bald zur
-Unterstützung herbeikommen.«
-
-Darin sollten sich die beiden Männer nicht täuschen.
-
-Bald kam die kurze Nacht, aber die Ungeheuer der Tiefe ließen sich nicht
-mehr blicken, als es aber wieder hell wurde, kamen die Inder, Star und
-der Professor vom Vulkan herüber.
-
-Die staunten nicht wenig, als man ihnen das Abenteuer erzählte und als
-sie die Körper der getöteten Ungetüme gewahrten. Der Professor vergaß
-sogar die Nachricht, die er brachte und mußte erst von Kapitän Mors
-daran erinnert werden.
-
-Dann erstattete er seinen Bericht und deutete auf die Instrumente, die
-man wieder mit zurückgebracht.
-
-»Die Katastrophe droht,« sprach der Professor. »In spätestens
-vierundzwanzig Stunden werden die Lavamassen aus dem Innern der Erde
-hervorbrechen, und wenn wir bis dahin nicht das Weltenfahrzeug aus dem
-Krater befreit haben, ist alles verloren. Die Lavamassen würden das
-Fahrzeug mit einem hunderttausende von Zentnern schweren feurigen Mantel
-bedecken.«
-
-»Ich weiß,« erwiderte Mors. »Star, hierher, Du bist der einzige, der uns
-jetzt helfen kann. Wir arbeiten jetzt, so lange wir können. Wenn die
-Gefahr nahe rückt, muß ich zum letzten Mittel greifen, wenn es auch noch
-so gefährlich ist, es geht eben auf Tod und Leben.«
-
-Da wurde kein Augenblick verloren.
-
-Auch der Professor bot seine Hilfe an, aber Mors konnte nur Star und
-Lindo zu der Arbeit verwenden. Diese beiden waren die einzigen, die bei
-der Herstellung des Riesenmagneten und der Fertigstellung der
-Gelenkverbindungen Hand anlegen konnten.
-
-Diese Männer mußten sich jetzt die Lufthelme mit den dazu gehörigen
-Apparaten aus dem Weltenfahrzeug holen, denn die Luft wurde dermaßen
-dick und schwer, daß sie kaum noch zum Atmen geeignet schien. Sie war
-jetzt nicht nur von Kohlensäure, sondern auch von Gasen gesättigt. Der
-blaue Himmel verschwand und an seine Stelle traten ungeheure dicke
-Wolken die ein schreckliches Aussehen hatten.
-
-Zuweilen krachte der Donner und dann zuckten Blitze von einer solchen
-Helligkeit und solch enormer Ausdehnung, wie es die so viel gereisten
-Männer noch nie gesehen hatten. Es war ein Aufruhr der Elemente, der
-geradezu fürchterlich erschien und alles rührte, wie der Professor
-behauptete, nur von den unterirdischen Gewalten her, die sich zu einem
-geradezu fürchterlichen Ausbruch vorbereiteten.
-
-Von dem mächtigen Vulkan war nichts mehr zu sehen, diesen bedeckten die
-ungeheuren Wolken, aber es krachte und prasselte unablässig in diesen
-dichten Massen. Man hörte ein greuliches Rollen und Poltern, ein Beweis,
-daß der riesige Vulkan sich bereits in voller Tätigkeit befand, daß sein
-Krater glühende Lavamassen emporschleuderte.
-
-Aber nun begann es sich auch in der Nähe des Weltenfahrzeuges zu regen.
-
-Lindo blickte zuweilen nach der Kluft hin, aus der die Saurier
-hervorgekommen waren, befanden sich dort noch mehr, so mußte sie der
-Aufruhr der Elemente aus ihren Schlupfwinkeln hervortreiben.
-
-Aber das geschah nicht, die drei Tiere, welche dort gelebt, waren von
-Lindo und dem Kapitän getötet worden. Von den Bestien dieser neuen Welt
-war jetzt nichts mehr zu fürchten, wohl aber von den Elementargewalten.
-
-Die unheimlichen Töne kamen aus dem alten Krater, in welchen das
-Weltenfahrzeug gestürzt war. Dort rauschte und zischte und brodelte es,
-das war ein richtiger Höllenkessel geworden.
-
-Dort kam die Lava langsam empor, die feurige Masse, welche so lange in
-der Tiefe geschlummert hatte.
-
-Man vernahm die unheimlichen Töne, welche diese siedenden Massen
-hervorbrachten. Die Hitze nahm zu, zuweilen glaubte Lindo schon, die
-glühenden Massen leuchten zu sehen.
-
-So arbeiteten die drei Männer mit fieberhafter Hast an der Herstellung
-des Weltenfahrzeuges.
-
-Es war aber vorauszusehen, daß die Elemente schneller arbeiteten, als
-die Menschenhand. Die Lava mußte hervorbrechen und das Weltenfahrzeug
-erreichen. Geschah dies, so wurde das geniale Wunderwerk in die
-glühenden Massen eingebettet und dann war es für alle Zeiten verloren.
-
-Kapitän Mors holte jetzt den Professor, nicht um ihn arbeiten zu lassen,
-sondern damit van Halen die langsam empordringende Lava beobachtete.
-
-Der Astronom konnte die Arbeitenden noch rechtzeitig warnen, damit sie
-sich mit ihm in das Weltenfahrzeug flüchteten.
-
-War aber dann die Arbeit noch nicht getan, so mußte eben Kapitän Mors
-zum äußersten Mittel greifen, zu dem letzten Ausweg, der noch eine
-Rettung versprach, obwohl diese Hilfe das Fahrzeug und seine Insassen in
-die höchste Gefahr brachte.
-
-Der Professor versah sich ebenfalls mit dem Lufthelm, und begab sich zu
-der schrecklichen Kluft.
-
-Dort war bereits alles rötlich erleuchtet, der Widerschein der glühenden
-Lava, die langsam, aber unaufhörlich höher und immer höher drang, die
-zuletzt den unheimlichen Todeskrater überfluten mußte.
-
-Dazu donnerte der Vulkan, man hörte sein Brüllen, man sah, wie die
-Lavablöcke durch die Dunstmassen heruntersausten. Man hörte das
-Aufprasseln der gewaltigen Massen, die auf dem steinigen Boden in
-tausend Stücke zersprangen.
-
-Aber niemand hatte Zeit, einen Blick auf dies ebenso grausige, wie
-wunderbare Bild zu werfen. Die Sorge für das Weltenfahrzeug nahm alle
-Sinne in Anspruch.
-
-Plötzlich kam der Professor zurückgerannt.
-
-Seine Stimme klang dumpf und hohl in dem aus Metall und Glas bestehenden
-Helm. Er deutete mit der Rechten nach der Kraterkluft hinüber.
-
-Es war gar nicht nötig, daß er sprach und die drei arbeitenden Männer
-auf die Gefahr aufmerksam machte. Diese sahen bereits, wo die Gefahr
-nahte.
-
-Dort bei dem Kraterkessel war ja alles in wilder Bewegung, da stieg eine
-leuchtende, rote Masse hervor, rotglühender Brei floß zwischen den
-schwarzen Steinen hindurch, es war die glühende Lava, die einen Weg nach
-außen suchte.
-
-Noch lag das Weltenfahrzeug höher, als die feurige Masse, aber es durfte
-keinen Augenblick Zeit verloren werden.
-
-Diesmal klang Kapitän Mors' Stimme dumpf und hohl, aber jedem
-verständlich.
-
-Er forderte seine Begleiter auf, daß sie sich auf der Stelle nach dem
-Weltenfahrzeug begeben sollten.
-
-Der Professor eilte hinüber, Lindo und Star folgten, nachdem sie die
-Werkzeuge zusammengerafft hatten.
-
-Sie warfen dabei bedauernde Blicke auf den Lenkapparat, der noch immer
-nicht ganz in Ordnung war. Der Riesenmagnet konnte noch nicht in
-Tätigkeit treten.
-
-Der Kapitän folgte als letzter und schloß hastig die beiden metallnen
-Türen.
-
-Dann kam er nach dem Maschinenraum, wo Star, Lindo und der Professor auf
-ihn warteten.
-
-»Wir hätten uns ohnehin zum letzten Mittel entschließen müssen,« sprach
-der Luftpirat, als er den Lufthelm abgenommen. »Die Instrumente sind ja
-alle in wildester Verwirrung, wie es bei solchem Ausbruch elementarer
-Naturgewalten nicht anders sein kann. Da wäre es sehr fraglich gewesen,
-ob der Riesenmagnet gearbeitet hätte. Selbst wenn er sich in gutem
-Zustande befand, hätte also doch die Maschine, die hier für den Notfall
-aufgestellt ist, in Tätigkeit treten müssen. So, jetzt ist es Zeit,
-Professor, gehen Sie nach dem Mittelraum, damit Sie keinen Schaden
-nehmen. Wir wissen schon, wie wir uns hier schützen können. Lindo, Star,
-Ihr beide tretet hinter die Panzerwand, jetzt kommt die Entscheidung.«
-
-Wenige Minuten später befand sich Kapitän Mors mit Star und Lindo allein
-im Maschinenraum.
-
-Der Ingenieur und der Inder waren hinter die Panzerwand getreten, welche
-die Männer gegen die Wirkungen der Maschinengewalt schützte. Kapitän
-Mors aber hantierte an jenem eigenartigen Apparat, welcher bei einer
-früheren Fahrt die beiden Meuterer zu Asche verwandelt hatte.
-
-Er zog an Hebeln, er drehte Schwungräder und bald erschallte ein Lärm,
-der die Sinne betäuben konnte.
-
-Die seltsame Maschine war in voller Bewegung, die Schwungräder wirbelten
-mit fürchterlicher Schnelligkeit herum, man sah leuchtende Strahlen und
-zuckende Blitze, die zuweilen im Innern der Maschine entstanden, die
-sich gleich elementaren Blitzen kreuzten.
-
-Die Maschine war eine Erfindung des Kapitän Mors, er hatte über ihre
-Konstruktion stets den Schleier des Geheimnisses gebreitet. Die
-Beschreibung dieser Maschine und ihre Wirkung war in der Bibliothek
-verwahrt und lag dort in einem stählernen Kasten, dessen Schlüssel
-Kapitän Mors niemals von sich ließ.
-
-Er war auch der einzige, der diese gefährliche Maschine in Tätigkeit
-setzen konnte und imstande war, bis zum letzten Augenblick in der Nähe
-der herumwirbelnden Schwungräder auszuhalten.
-
-Plötzlich sprang der Luftpirat mit mächtigem Satz hinter die Panzerwand,
-welche Lindo und Star schützte.
-
-»Nun kommt die Entscheidung,« sprach Mors, während seine feurigen Augen
-nach der Maschine hinüberblickten. »Entweder kommen wir jetzt aus dem
-Krater heraus, oder wir werden samt dem Weltenfahrzeug in Atome
-zerschmettert. Menschliche Kraft und menschliches Wissen sind
-aufgeboten, aber jetzt stehe ich an der Grenze des Erreichbaren.«
-
-Im Maschinenraum tobte jetzt ein wahrer Höllenlärm, das rätselhafte Werk
-des Kapitän Mors arbeitete, als würde es von bösen Geistern bedient und
-getrieben. Es war ein Sausen und Brausen, ein Knattern und Krachen, ein
-Zischen und Summen, daß Lindo und Star sich die Ohren zuhielten.
-
-Plötzlich ging ein Ruck durch das Weltenfahrzeug, dem bald darauf ein
-zweiter und dritter folgte.
-
-Nun geschah etwas anderes, schier Unheimliches, Star und Lindo hatten
-die Empfindung, als ob das Weltenfahrzeug emporgehoben würde.
-
-»Die Lava ist unter unserem Fahrzeug,« rief Star, als sich der Stoß
-wiederholte.
-
-»Nein, sonst wäre alles vorüber,« erwiderte der Kapitän. »Die Maschine
-hat jetzt ihre volle Kraft entwickelt und diese Kraft ist es, die uns
-emporhebt und uns ein Stück von der gefährlichen Stelle hinwegtragen
-soll. Gelingt dies nicht, so kann auch ich nicht mehr helfen.«
-
-Eine unheimliche Ruhe lag in diesen Worten des Kapitän Mors, ein Beweis,
-daß diesem Manne der Tod gleichgiltig war. Der Ruck aber wiederholte
-sich und wieder hatten Star und Lindo die Empfindung, als wenn eine
-unheimliche Gewalt das Fahrzeug emporhebe und es gewaltsam hin- und
-herschüttelte.
-
-»Wir schweben,« erwiderte Kapitän Mors. »Ich habe den Kurs des
-Fahrzeuges nach Osten gerichtet, denn dort war eine ebene, wenn auch
-steinige Fläche. Aber dort droht kein vulkanischer Ausbruch.«
-
-Das Weltenfahrzeug schwankte hin und her, aber es schwebte offenbar.
-
-Sicherlich flog es nicht hoch und Star fürchtete, daß es jeden Moment
-gegen eine der nahen Klippen rennen möchte, zumal sich diese oft mehrere
-hundert Meter hoch erhoben.
-
-Aber Kapitän Mors hatte den Kurs des Fahrzeuges aufs Genaueste berechnet
-und die Richtung des Fahrzeuges so bestimmt, daß es zwischen den
-drohenden Felsen hindurchfuhr.
-
-Wieder schwankte der Koloß hin und her, dann erhielt es plötzlich einen
-Stoß, noch einen und das Weltenfahrzeug stand unbeweglich.
-
-»Ich glaube, wir sind gerettet,« rief der Luftpirat.
-
-Star wollte hinter der Panzerwand hervorkommen, aber Kapitän Mors hielt
-ihn krampfhaft fest.
-
-»Stürze Dich nicht ins Verderben,« sprach er ernst. »Du siehst doch, daß
-die Maschine noch immer in Tätigkeit ist. Es dauert noch eine Weile, ehe
-sich die gigantische Kraft beruhigt.«
-
-Diese Warnung war notwendig, denn im Maschinenraum leuchtete es zuweilen
-unheimlich auf. Es waren bläuliche und grünliche Blitze, welche die
-Maschine schleuderte, und jeden Menschen, der sich in ihren Bereich
-wagte, mit Verderben bedrohten.
-
-Diese Entladungen ließen allmählich nach, auch die Schwungräder
-arbeiteten nicht mehr so wild wie erst. Sie drehten sich langsamer,
-immer langsamer, bis sie endlich unbeweglich stehen blieben.
-
-Der Kapitän aber betrachtete mit stolzen Blicken dieses Werk, das sein
-Genie geschaffen.
-
-»Ich habe viel von dieser Maschine erwartet,« sprach er halb für sich,
-halb zu seinen Leuten. »Aber, sie hat meine Erwartungen übertroffen.
-Jetzt, Star, kannst Du einen der Schieber vor dem Glasfenster öffnen.«
-
-Der Ingenieur tat, wie ihm geheißen, der schwere Schieber bewegte sich
-seitwärts, ein roter Schimmer drang in das Innere des Maschinenraumes.
-
-Star stieß einen Ausruf des höchsten Staunens aus, als er ein nie
-geschautes Bild erblickte. Lindo und Kapitän Mors waren sofort an seiner
-Seite.
-
-Das Weltenfahrzeug lag auf einer steinernen Hochfläche, wenigstens
-tausend Meter vom Todeskrater entfernt, aus dem es das Geschick und das
-Genie seines Erbauers emporgehoben hatte.
-
-Dort aber war jetzt der Tod und das Verderben entfesselt, deutlich sah
-man von diesem hochgelegenen Standpunkt aus die Lavaströme aus dem
-scheinbar erloschenen Krater hervorbrechen und allgemach die Umgebung
-überschwemmen.
-
-Man sah, wie die glühenden Lavamassen die Körper der drei getöteten
-Rieseneidechsen umspülten und wie die Kolosse unter der Lava zu Asche
-verbrannten. Dann bildeten die glühenden Massen einen kleinen See, aus
-dem nur die höheren Felsen aus der Nähe des Todeskraters hervorragten.
-
-Dazu kam noch das Gebrüll des Vulkans, den man aber noch immer nicht zu
-sehen vermochte. In der Nähe des Feuerberges wirbelten jetzt
-dicke Mengen von Dampf und Qualm, die nur zuweilen durch die
-herniederprasselnden, glühenden Steine erleuchtet wurden.
-
-Star betrachtete dieses großartige Bild, er sah, daß auch weiterhin
-Ausbrüche stattfanden. Die Oberfläche des kleinen Planeten schien jetzt
-ein Bild des Grauens und der Verwüstung zu bieten.
-
-»Es scheint, als ob der ganze Weltkörper auseinander gehen wollte,«
-sprach der Ingenieur endlich zum Kapitän, der mit eiserner Ruhe das
-großartige Bild betrachtete.
-
-»O nein,« lautete die Antwort, »das mag hier öfters vorkommen, und so
-ist es auch früher auf der Erde gewesen. Das sind eben noch die
-entfesselten Naturgewalten, die in der Erde nur noch in der Tiefe
-schlummern. Hier ist die Kruste, welche diese Erde bedeckt, noch nicht
-stark genug, um die tobenden Elemente zu bändigen, aber mit der Zeit
-wird auch hier die Erstarrung eintreten.«
-
-Damit sah Kapitän Mors nach rechts und links, um die Umgebung des
-Weltenfahrzeuges in Augenschein zu nehmen.
-
-Er war offenbar befriedigt.
-
-All seine Berechnungen waren in Erfüllung gegangen, der »Meteor« lag an
-einer Stelle, wo ihm keine Gefahr drohte. Hier konnte man, wenn die Luft
-wieder reiner geworden war, die Reparatur des Lenkapparates beenden und
-den unheimlichen, kleinen Planeten verlassen.
-
-Nicht weit von der Fläche sah man Wald, der ebenfalls von Sumpf umgeben
-war. Der Wald schien sich überhaupt nur an Stellen zu befinden, wo der
-Sumpf die tieferen Stellen des Planeten bedeckte.
-
-In diesem Walde war alles in Bewegung, die tierischen Bewohner schienen
-sich zu flüchten. Man sah zuweilen große graue Massen, die am Rande des
-Gehölzes sichtbar wurden, aber sofort wieder in dem undurchdringlichen
-Unterholz verschwanden.
-
-Am wunderbarsten aber sahen jene fledermausartigen Geschöpfe aus, die
-jetzt durch das Toben der Elemente aufgestört, zuweilen über den Kronen
-der Palmen oder der Riesenfarren auftauchten und mit sonderbaren
-gaukelnden Bewegungen hin- und herflatterten.
-
-Es war jetzt gerade der kurze Tag und da konnte man diese Tiere durch
-Ferngläser genauer betrachten. Sie waren halb Vögel, halb Eidechsen und
-besaßen Flughäute wie die Fledermäuse, sowie große mit spitzen Zähnen
-besetzte Rachen.
-
-Man konnte sogar im Weltenfahrzeug die schrillen Laute hören, welche die
-flatternden Ungetüme ausstießen. Sie wußten offenbar nicht, wohin sie
-sich wenden sollten und waren auch wohl durch das Licht der Sonne
-geblendet.
-
-Dann aber verschwand wieder alles und es war, als ob sich ein dichter
-Schleier auf diese Landschaft legte. Aschenwolken verhüllten die
-Landschaft, sie senkten sich vom Vulkan herab und die Asche bedeckte die
-ganze Umgegend mit einer silbergrauen Schicht, die sich zuletzt zollhoch
-anhäufte.
-
-Aber das war ein gutes Zeichen.
-
-Kapitän Mors wußte, daß große Vulkanausbrüche gewöhnlich mit einem
-Aschenregen zu enden pflegen. So war es auf der Erde, so war es auch
-höchstwahrscheinlich auf dem neuen Planeten.
-
-Er täuschte sich nicht, denn das fürchterliche Donnern ließ allmählich
-nach, das Krachen und Prasseln verstummte, der Boden zitterte nicht mehr
-so wie bisher, der Vulkan ging zur Ruhe.
-
-Noch mußte man stundenlang ausharren und es wurde abwechselnd Nacht und
-Tag, aber dann konnte man das Weltenfahrzeug verlassen und sogar die
-Lufthelme zur Seite legen.
-
-Freilich war die Luft noch immer dick und schwer, aber viel reiner als
-vor dem Vulkanausbruch, die ungeheuren Naturgewalten schienen die
-Wirkung eines Gewitters gehabt zu haben. Sie hatten die Luft gereinigt.
-
-Dort aber am Todeskrater, wo das Fahrzeug gelegen, brodelte und kochte
-ein Feuersee, dort war die Lava hoch emporgestiegen, der Krater war
-vollständig ausgefüllt, später mußte dann diese brodelnde Masse
-erstarren.
-
-Mit Bewunderung betrachteten die Mannschaften des Weltenfahrzeuges den
-genialen Führer, der sie alle vom Tode rettete und der jetzt, als wäre
-nichts geschehen, mit Star und Lindo die Arbeit am Lenkapparat
-fortsetzte.
-
-Freilich hatte das Fahrzeug andere Beschädigungen erlitten.
-
-Als es durch die unheimliche Maschine emporgehoben den Todeskrater
-verließ, war es ziemlich schwer, ja unsanft auf die Steine gestoßen. Die
-Röhren, welche die flüssige Luft im Fahrzeug verteilten, waren zum Teil
-verbogen, gequetscht, auch die Einrichtung für die Luftversorgung hatte
-gelitten.
-
-Freilich reichte der Vorrat der verwendbaren Luft noch einige Zeit, aber
-eine Fortsetzung der großen Fahrt konnte vorerst nicht unternommen
-werden. Man mußte die vorhandenen Vorräte benutzen, um zunächst nach der
-Erde zurückzukehren. Die Fahrt nach dem Monde mußte von neuem
-unternommen werden.
-
-Aber Kapitän Mors gehörte ja zu jenen Männern, die nie die Geduld
-verlieren, er wußte, daß dies, was er unternommen, von niemand anders
-auf der Erde geleistet werden konnte. Er hatte auch keine Veranlassung,
-alles, einem verzweifelten Spieler gleich, auf eine Karte zu setzen.
-
-»Sowie der Lenkapparat in Tätigkeit gesetzt ist, nehmen wir Kurs nach
-der Erde,« sprach der Kapitän, indem er auf die kleine, seltsam
-leuchtende Scheibe zeigte, die jetzt wieder am Himmel sichtbar wurde.
-Das war die Erde, dorthin ging der Lauf, nach dem irdischen Planeten
-zurück, dessen Beobachter nichts von dem Vorhandensein des kleinen
-Planeten ahnten.
-
-Nach harter Arbeit war das Werk vollendet, der Riesenmagnet konnte
-wieder in Tätigkeit treten, der Lenkapparat gehorchte der Hand des
-Meisters und als wieder eine der kurzen Nächte vorüber war, erhob sich
-der »Meteor« stolz von der Oberfläche des kleinen Planeten.
-
-Durch die dicken Glasfenster aber sahen die Männer herunter auf den
-kleinen Planeten, auf dem sie so viele Abenteuer erlebt hatten. Sie
-sahen den Todeskrater oder vielmehr die Stelle, wo sich derselbe
-befunden. Sie sahen den glühenden Lavasee und den Vulkan, aus dessen
-Krater noch immer dicke schwarze Dampfwolken stoßweise emporfuhren.
-
-Sie sahen die Wassermengen in den tiefen Tälern, die Sümpfe, die
-unheimlichen Wälder, welche eine noch unheimlichere Tierwelt bargen,
-aber das alles entschwand in wenigen Minuten.
-
-Kleiner, immer kleiner wurde der seltsame Planet, jetzt zeigte er schon
-die Kugelgestalt, dann schrumpfte er allmählich zum Stern zusammen, ein
-winziges Teilchen des Weltalls wurde der kleine Planet, während das
-Weltenfahrzeug mit furchtbarer Schnelligkeit zurück nach der Mutter Erde
-sauste.
-
-
-
- Das Weltenfahrzeug schwebt im Weltenraum. Links unten sieht man
- die Oberfläche des Mondes mit seinen Ringgebirgen; rechts den
- Planeten Saturn mit seinen eigenartigen Ringen, die den Planeten
- umkreisen.
-
- 1. Der Metallrumpf des Weltenfahrzeuges.
- 2. Fenster aus stärkstem Glas, durch Gitter geschützt und durch
- Metallschieber verschließbar.
- 3. Die Tür zur Außengalerie, luftdicht verschließbar.
- 4. Treppe zur oberen Galerie.
- 5. Der Ausguck.
- 6. Obere Galerie.
- 7. Der Scheinwerfer.
- 8. Der Riesenmagnet.
- 9. Die Leitungen für den Riesenmagneten, mit ungeheuren Diamanten.
- 10. Lenkapparat.
- 11. Die Kraftzentrale.
- 12. Einrichtung für die Luftversorgung.
- 13. Elektrizitätsbehälter.
- 14. Metallbehälter.
- 15. Röhren für flüssige Luft.
- 16. Apparat für Gegenwirkung des Riesenmagneten, auf Diamanten
- montiert.
- 17. Beweglicher Metallring.
- 18. Klappen, zu luftleeren Räumen führend.
- 19. Das »Gelenk« des Riesenmagneten.
- 20. Der elektrische Lichtkegel.
-
-
-
-
-Anmerkungen zur Transkription
-
-
-Dieser Text wurde nach einem Nachdruck-Auswahlband transkribiert: Heinz
-J. Galle (Hrsg.): Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff. Dieter
-von Reeken, Lüneburg, 2005, S. 123-160. Moderne Zusätze und Anmerkungen
-wurden nicht übernommen.
-
-Eine Ungereimtheit findet sich in Kapitel 3: Lindo, der eigentlich
-die Arbeiten am Weltenfahrzeug fortsetzten sollte, ist plötzlich
-doch unter den Teilnehmern der Expedition anzutreffen.
-
-Die Schreibweise der Buchvorlage wurde weitgehend beibehalten. Auch
-Variationen in der Schreibweise von Namen wurden nicht verändert.
-Lediglich offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert.
-
-
-
-
-
-End of the Project Gutenberg EBook of Der Luftpirat und sein lenkbares
-Luftschiff 42: Im Todeskrater des neuen Planeten, by Anonymous
-
-*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER LUFTPIRAT UND SEIN ***
-
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-Produced by Jens Sadowski, Norbert H. Langkau, and the
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-<title>The Project Gutenberg eBook of Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff 42: Im Todeskrater des neuen Planeten</title>
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- <!-- TITLE="Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff 42: Im Todeskrater des neuen Planeten" -->
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-<pre>
-
-The Project Gutenberg EBook of Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff
-42: Im Todeskrater des neuen Planeten, by Anonymous
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and most
-other parts of the world at no cost and with almost no restrictions
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-
-Title: Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff 42: Im Todeskrater des neuen Planeten
-
-Author: Anonymous
-
-Release Date: November 28, 2017 [EBook #56066]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: ISO-8859-1
-
-*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER LUFTPIRAT UND SEIN ***
-
-
-
-
-Produced by Jens Sadowski, Norbert H. Langkau, and the
-Online Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net
-
-
-
-
-
-
-</pre>
-
-
-<div class="frontmatter">
-<p class="vol">
-<span class="bolder">42. Band.</span> Jeder Band ist vollständig abgeschlossen. <span class="bolder">Preis 10 Pf.</span> (15 Heller.)
-</p>
-
-<p class="ser">
-<span class="line1"><span class="centerpic"><img src="images/banner.jpg" alt="Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff." /></span></span>
-<span class="line2">Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff.</span>
-</p>
-
-<h1 class="title">
-Im Todeskrater des neuen Planeten.
-</h1>
-
-<div class="centerpic">
-<img src="images/pic042.jpg" alt="" />
-<p class="cap">
-Kapitän Mors und sein treuer Gefährte kämpften verzweifelt
-gegen die Ungeheuer der Vorzeit.
-</p>
-
-</div>
-
-</div>
-
-<div class="frontmatter">
-<p class="pub">
-Druck- und Verlags-Gesellschaft<br />
-Berlin
-</p>
-
-</div>
-
-<p class="tit">
-Im Todeskrater des
-neuen Planeten.
-</p>
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-1">
-<span class="firstline">1. Kapitel.</span><br />
-Die Fahrt ins Unbekannte.
-</h2>
-
-<p class="first">
-Es war Nacht, unten rauschte das Südmeer, oben in den Lüften heulte
-der Sturm, der die Wolkenmassen vor sich herjagte.
-</p>
-
-<p>
-Was war das Seltsame, Ungeheure, was da mit fabelhafter Geschwindigkeit
-emporschoß? Was sich unbekümmert um die Gewalt des
-Sturmes von der Erde entfernte?
-</p>
-
-<p>
-Menschenwerk war es, das Werk eines genialen Mannes, der seiner
-Zeit um hunderte von Jahren vorausgeeilt war. Ein metallnes Fahrzeug
-war es, das Weltenschiff des Kapitän Mors. Dies wunderbare Werk hatte
-wieder einmal die geheimnisvolle Insel im Südmeer verlassen.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Meteor&ldquo; war der Name des seltsamen Fahrzeuges, welches den
-Elementen trotzte. Der Riesenmagnet, der die Anziehungskraft des Erdballs
-aufhob, war der Erde zugewendet und mit furchtbarer Schnelligkeit
-schoß das mächtige Fahrzeug hinauf, den Luftozean durchkreuzend,
-dem Weltraume zustrebend.
-</p>
-
-<p>
-Kapitän Mors befand sich im sogenannten Lenkraum des Weltenfahrzeuges.
-</p>
-
-<p>
-Ihn begleitete einer seiner Ingenieure, der treue Star, auch der Professor,
-der obgleich Gefangener des Kapitän Mors, diese Gefangenschaft
-doch als das größte Glück seines Lebens empfand. Sie ließ ihn ja die
-Wunder der Sternenwelt schauen.
-</p>
-
-<p>
-Kapitän Mors besaß noch andere europäische Gefährten, die ehemals
-zur Besatzung eines Unterseebootes gehörten.
-</p>
-
-<p>
-Sie hatten ihm Treue geschworen und wenn auch einige von ihnen,
-wie es in einem früheren Bande dieser Schilderungen erzählt wurde,
-Meuterei verübten, so waren doch die anderen unbedingt zuverlässig.
-</p>
-
-<p>
-Dennoch hatte der Kapitän diesmal nur einen Teil der Europäer
-mit sich genommen und dafür einigen seiner Inder auf deren dringendes
-Bitten die Teilnahme an der Weltenfahrt gestattet.
-</p>
-
-<p>
-Kapitän Mors tat das allerdings nicht gern, denn er hielt auf die
-Inder große Stücke und da hatte er bemerkt, daß diese an ein tropisches
-Klima gewöhnten Männer nach solchen abenteuerlichen Fahrten kränkelten.
-</p>
-
-<p>
-Deshalb wählte er nur diejenigen, die aus den indischen Bergländern
-stammten und an Kälte und Strapazen gewöhnt waren. Unter diesen
-Männern befand sich auch der treue Lindo.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Nun, Kapitän,&ldquo; fragte Star, der neben dem berühmten Luftpiraten
-stehend die Instrumente beobachtete. &bdquo;Nicht wahr, diesmal geht es zum
-Monde?&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Ich habe mir den Trabanten der Erde als Zielpunkt der Fahrt
-ausersehen,&ldquo; erwiderte Mors mit der gewohnten eisigen Ruhe. &bdquo;Aber ich
-klammere mich nie an etwas Bestimmtes. Ich rechne stets auf Schwierigkeiten,
-auf Hindernisse und wenn auch der Mond das Endziel unserer
-diesmaligen Fahrt sein soll, so will ich doch auf dem Wege dahin ein
-anderes Rätsel zu lösen suchen. Darüber kann ja Professor van Halen
-sprechen.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Bei den letzten Worten wendete sich Kapitän Mors an den Astronomen,
-dessen Gesicht eine gewisse Ungeduld verriet.
-</p>
-
-<p>
-Die Ungeduld, neue, unbekannte Wunder zu schauen.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Ja, so ist es,&ldquo; bemerkte van Halen, als sich der Kapitän an ihn
-wendete, &bdquo;ich habe schon bei den letzten Fahrten eine eigenartige Störung
-beobachtet und diese kleine Störung kann nur durch einen kleinen
-Planeten bewirkt werden, der sich in einer höchst merkwürdigen Bahn
-bewegt, dieser Planet muß sich von Zeit zu Zeit zwischen dem Monde
-und der Erde befinden.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;So,&ldquo; meinte Star. &bdquo;Da wundert es mich nur, daß man ihn nicht
-schon längst entdeckt hat. Bei solcher Nähe müßten ihn doch unsere
-Astronomen längst gefunden haben.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Der Professor zuckte die Achseln.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Das kann man nicht so ohne weiteres behaupten,&ldquo; erwiderte er.
-&bdquo;Man sieht die Meteoriten auch nicht, als bis sie bei Nacht in den Luftkreis
-der Erde zur Erhitzung gebracht als Feuerstreifen und Sternschnuppen
-aufflammen. Jedenfalls ist dieser Weltkörper ein Liliputplanet,
-ein winziges Ding, welches vielleicht das Sonnenlicht wenig reflektiert
-und mit ungeheurer Geschwindigkeit durch den Weltenraum saust.
-Dieser kleine Planet hat sicherlich eine ganz eigenartige Bahn, immerhin
-hat er Störungen hervorgerufen, die ungemein feinwirkende Instrumente
-anzeigen. Auf der Erde selbst konnte man diese Störungen nicht beobachten
-und nicht feststellen. Das war erst möglich, wenn man sich im
-Weltenraum befand. Da hat mir einer der Registrierapparate die Existenz
-eines solchen noch unbekannten Planeten verraten, es ist vielleicht
-ein verirrter Weltkörper, wer kann das alles wissen? Genug, ich habe
-Kapitän Mors gebeten, diesmal nach diesem rätselhaften Wanderer im
-Weltenraum Ausschau zu halten und der Kapitän will meinem Wunsch
-entsprechen.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Na gut,&ldquo; erwiderte Star, &bdquo;ich bin auch neugierig, da gibt es wieder
-ein Abenteuer, denn das ist gewiß, bei unseren Weltfahrten ist allemal
-etwas passiert und mehrmals sind wir zur schnellen Rückkehr gezwungen
-worden. Hoffentlich ist es diesmal nicht schlimmer, als wie andere
-Male. Was mich betrifft, Kapitän, so wißt Ihr es ja, ich gehe mit Euch,
-wenn nötig, in die Hölle!&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Kapitän Mors drückte die Rechte seines treuen Gefährten und
-begab sich dann mit dem Professor in den Beobachtungsraum des Weltenfahrzeuges.
-</p>
-
-<p>
-Die beiden Schwestern, Anita und Lucy Long, nahmen diesmal
-nicht an der wunderbaren Fahrt teil.
-</p>
-
-<p>
-Anita hatte bei den letzten Abenteuern eine leichte Verletzung
-erlitten und da sollte sie sich erst völlig erholen. Selbstverständlich war
-Lucy bei ihrer Schwester zurückgeblieben.
-</p>
-
-<p>
-Während Star den Riesenmagneten bediente, setzte sich der Professor
-an seine Instrumente, wahren Wunderwerken menschlicher Technik,
-während Kapitän Mors einige Berechnungen machte.
-</p>
-
-<p>
-Das Weltenfahrzeug befand sich noch in der Luftzone, bei deren
-Passieren stets die größte Vorsicht beobachtet werden mußte.
-</p>
-
-<p>
-Da kam ja jedesmal die sogenannte elektrische Zone, aber Kapitän
-Mors kannte jetzt schon die Gefahren, welche dort warteten, und es war
-ihm ein Leichtes, diese Hindernisse zu überwinden.
-</p>
-
-<p>
-Stunden vergingen, ohne daß ein Wort zwischen den beiden Männern
-gewechselt wurde. Dann erhob sich Kapitän Mors und betrachtete
-die an der Wand hängenden Instrumente.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Wir haben diesmal recht schnelle und glatte Fahrt,&ldquo; sprach er zu
-dem Gelehrten, der sich Notizen machte. &bdquo;Die Luftzone der Erde ist
-überwunden. Wir befinden uns bereits im Weltenraum.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Das Gesicht des Professors strahlte. Hastig arbeitete er an den
-Hebeln, welche die großen Schieber vor den dicken Glasscheiben bewegten.
-</p>
-
-<p>
-Der eine Schieber schob sich langsam seitwärts und da konnte der
-Blick durch das dicke Glas in den Weltenraum hinausschweifen.
-</p>
-
-<p>
-Schwarz war der Himmel, nachtschwarz, die Sterne funkelten
-nicht, sie standen da wie weiße, schimmernde Punkte, seitwärts sah man
-die gelbe, strahlenlose Scheibe der Sonne.
-</p>
-
-<p>
-Es war ein wunderbares Bild und obwohl Professor van Halen es
-schon oft gesehen, verriet er dennoch neues Entzücken.
-</p>
-
-<p>
-Auch der Mann mit der Maske sah gedankenvoll in die Tiefen des
-Weltenraumes.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;So, Kapitän,&ldquo; sprach van Halen nach einer Weile, &bdquo;jetzt möchte
-ich darum bitten, daß das Weltenfahrzeug in dieser Zone kreuzt, treffen
-meine Berechnungen zu, so müssen wir in dieser Gegend den neuen
-kleinen Planeten entdecken.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Mors griff sofort zum Telephon, welches den Beobachtungsraum
-mit dem Lenkraum verband. Er läutete und gab Star, der sich dort befand,
-seine Weisungen.
-</p>
-
-<p>
-Das große Fahrzeug schien plötzlich zu zittern, aber dies geschah
-dadurch, daß Star den pfeilschnellen Lauf des Weltenfahrzeuges verlangsamte.
-</p>
-
-<p>
-Nach kurzer Zeit fuhr es nur mit der Schnelligkeit eines mit vollster
-Geschwindigkeit dahinsausenden Schnellzuges.
-</p>
-
-<p>
-Hierauf wendete es wieder und fuhr in anderer Richtung zurück,
-um bald danach eine neue Richtung einzuschlagen. Es kreuzte also im
-Weltenraum wie ein Schiff auf offenem Meere.
-</p>
-
-<p>
-Dieses eigenartige Manöver gelang durch die Art und Weise, wie
-der Riesenmagnet bewegt wurde. Der wurde nach verschiedenen Richtungen
-gedreht und gewendet und damit konnte man die Bewegungen
-des Fahrzeuges regulieren.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;So ist es richtig,&ldquo; sprach Mors, als er die Instrumente eine Weile
-betrachtet hatte. &bdquo;Ihr Wunsch ist erfüllt, Herr Professor, wir kreuzen
-jetzt in der von Ihnen als verdächtig bezeichneten Zone. Ich will nur
-wünschen, daß Ihre Beobachtungen zutreffen. Dann müssen wir ja den
-eigentümlichen Wanderer treffen, hoffentlich ist er zur Stelle oder wird
-doch bald erscheinen.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;In der Tat,&ldquo; erwiderte van Halen zuversichtlich. &bdquo;Sonst müßte ich
-mich in meinen Beobachtungen gewaltig irren. Bis jetzt habe ich mit
-meinen Berechnungen selten Täuschungen erlebt. Sind aber meine Berechnungen
-richtig, so müssen wir den unbekannten, geheimnisvollen
-Planeten binnen kurzer Zeit in nächster Nähe erblicken.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Daraufhin wurde die Aufmerksamkeit verdoppelt.
-</p>
-
-<p>
-Kapitän Mors wußte ganz genau, mit welcher Schnelligkeit Weltenkörper
-durch die unendlichen Räume dahinsausten.
-</p>
-
-<p>
-Allerdings war das Weltenfahrzeug ausnehmend fest gebaut, aber
-es konnte schließlich zertrümmert werden, wenn es mit vollster Schnelligkeit
-gegen einen Weltenkörper sauste. Dann wäre dies Wunderwerk
-sicherlich in Atome zersplittert worden.
-</p>
-
-<p>
-Wenn man aber auf der Erde den hier vermuteten Planeten noch
-nicht entdeckt hatte, mußte man ihn doch hier im Weltenraum sehen.
-Die Sonne mußte diesen geheimnisvollen kleinen Planeten bestrahlen
-und da hatte man auf dem Weltenfahrzeug Zeit genug, einem drohenden
-Zusammenstoß auszuweichen.
-</p>
-
-<p>
-Und wieder vergingen die Stunden.
-</p>
-
-<p>
-Abwechselnd wurde Wache gehalten, Kapitän Mors begab sich
-manchmal nach dem Lenkraum, um dort seinen getreuen Star abzulösen.
-</p>
-
-<p>
-Es waren wohl acht Stunden vergangen, als Kapitän Mors, der
-gerade den Lenkraum verließ, einen Ausruf des Professors vernahm.
-</p>
-
-<p>
-Im Nu befand sich der Luftpirat bei dem Gelehrten.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Er ist da, er ist da,&ldquo; rief der Professor in förmlicher Ekstase, während
-er mit beiden Händen nach der dicken Glasscheibe deutete. &bdquo;Seht,
-Kapitän, dort kommt der neue Planet in rasender Eile herangezogen.
-Noch erscheint er erst wie ein mattes, flimmerndes Pünktchen. Aber er
-ist es, er wird bereits von der Sonne beleuchtet. Er scheint tatsächlich
-wenig Licht zu reflektieren.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Befinden wir uns in der Bahn des Weltkörpers?&ldquo; fragte Kapitän
-Mors mit großer Ruhe.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Nein,&ldquo; erwiderte Halen. &bdquo;Er wird gewissermaßen unter uns vorüberlaufen,
-wenn man das Wort unter uns überhaupt hier im Weltenraum
-gebrauchen darf. Aber ich habe eine Bitte, können wir nicht eine
-Weile in der Nähe des geheimnisvollen Weltenkörpers verweilen? Wird
-unsere eigene Schnelligkeit das erlauben?&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Das bezweifle ich,&ldquo; erwiderte Mors. &bdquo;Aber, es ist gar nicht nötig,
-daß wir unsere Schnelligkeit aufbieten. Wir schalten einfach die Kraft
-unseres Riesenmagneten aus und überlassen uns der Anziehungskraft
-dieses so rätselhaften Weltenkörpers. Dann werden wir mit ihm zusammen
-durch den Weltenraum dahinfliegen und dann können Sie ungestört
-Ihre Beobachtungen ausführen.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Der Professor war entzückt und wußte sich vor Freude gar nicht
-zu lassen. Der Gedanke, eine noch unbekannte Welt schauen zu können,
-brachte ihn in große Erregung.
-</p>
-
-<p>
-Kapitän Mors aber gab wieder Befehle nach dem Lenkraum und
-nach wenigen Augenblicken vernahm man ein eigentümliches Summen
-und Surren. Der Riesenmagnet stellte seine Tätigkeit ein, fast im gleichen
-Augenblick, wo der unbekannte Weltenkörper mit furchtbarer
-Schnelligkeit vorübersauste.
-</p>
-
-<p>
-Aber das Weltenfahrzeug riß er mit, das begleitete ihn jetzt durch
-seine Anziehungskraft gehalten. Es schwebte scheinbar unbeweglich
-über diesem rätselhaften Planeten.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Können wir uns diesem Monde oder was es sonst sein mag, noch
-mehr nähern?&ldquo; fragte der Gelehrte, in dessen Augen das Fieber des begeisterten
-Forschers glänzte.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Warum nicht,&ldquo; erwiderte der Kapitän. &bdquo;Ich denke, wir werden uns
-zunächst tausend Meter über der Oberfläche des Planeten schwebend
-erhalten. Von da aus können wir ja auf die neue Wunderwelt hinabschauen.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Wieder arbeitete das Telephon, wieder vernahm man das seltsame
-Summen und Surren. Die Instrumente verrieten, daß das Weltenfahrzeug
-sank, bis es plötzlich wieder mit einem Ruck innehielt. Es schwebte
-jetzt tausend Meter über der Oberfläche des neuentdeckten Weltkörpers.
-</p>
-
-<p>
-Eigentlich schwebte es höher, den Kapitän Mors hatte die Entfernung
-von den Berggipfeln des kleinen Planeten berechnet, die ziemlich
-hoch emporragten. Der Professor schätzte die Berge teilweise auf fünf-
-bis sechstausend Meter Höhe.
-</p>
-
-<p>
-Dabei war der neuentdeckte Planet sehr klein, seine Oberfläche
-mochte vielleicht die Größe von Irland besitzen, dennoch zeigte der
-kleine Planet eine ungemein große Mannigfaltigkeit von Oberflächenformation.
-</p>
-
-<p>
-Da gewahrte man Ringgebirge, ähnlich wie auf dem Monde, man
-sah Täler und glänzende Wasserbecken, viele dunkle Flecken schienen
-auf eine ungemein reiche Vegetation hinzudeuten.
-</p>
-
-<p>
-Der Blick auf den Planeten war nicht klar. Es schien, als ob da
-alles verschwommen sei, ein Beweis, daß der neuentdeckte Weltkörper
-eine ungemein dichte Atmosphäre besitzen mußte.
-</p>
-
-<p>
-Diese Atmosphäre schien ganz mit Wasserdampf gesättigt zu sein,
-man sah große Wolkenmassen, die sich in heftiger Bewegung befanden.
-Auf diesem kleinen Planeten, den man mit gutem Recht eine Miniaturwelt
-nennen konnte, schienen ungemein starke Stürme zu herrschen.
-</p>
-
-<p>
-Der Kapitän und der Professor standen hinter den dicken Glasscheiben
-und betrachteten diese Wunderwelt, die sich ihren Blicken
-darbot.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Sehen Sie, Kapitän, was ist das dort?&ldquo; rief der Professor plötzlich,
-indem er mit der Rechten auf eine Stelle des Weltenkörpers deutete.
-&bdquo;Täusche ich mich oder sehen Sie es auch? Die rötliche Stelle, die sich
-immer mehr verbreitert und die schwarze Masse, welche die Wolkenhülle
-unterbricht?&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Ich sehe es auch,&ldquo; erwiderte der Kapitän, &bdquo;es ist zweifellos ein
-ungeheurer Vulkan, der sich in voller Tätigkeit befindet. Wir bewegen
-uns langsam darauf zu und werden binnen kurzer Zeit über dem feuerspeienden
-Berge schweben.&ldquo;
-</p>
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-2">
-<span class="firstline">2. Kapitel.</span><br />
-Eine unerwartete Katastrophe.
-</h2>
-
-<p class="first">
-Das Weltenfahrzeug bewegte sich jetzt auffallend langsam, es war kein
-Wunder, es wurde ja doch in der Atmosphäre des neuentdeckten Planeten
-schwebend von diesem auf seiner Bahn fortgerissen.
-</p>
-
-<p>
-Kapitän Mors setzte jetzt das Telephon an den Mund.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Nicht so nahe an den Vulkan heran,&ldquo; rief er nach dem Lenkraum
-hindurch. &bdquo;Wir müssen uns in einiger Entfernung von dem feuerspeienden
-Berge halten.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Star gab keine Antwort, wohl aber ertönte jetzt das Schrillen einer
-Glocke. Es war das Alarmsignal, welches aus dem Lenkraum ertönte.
-</p>
-
-<p>
-Dieses Alarmsignal ließ sich nur dann vernehmen, wenn irgend
-eine unvorhergesehene Schwierigkeit entstand. Kapitän Mors eilte sofort
-nach dem Lenkraum und der Professor folgte ihm auf dem Fuße.
-</p>
-
-<p>
-Star befand sich in voller Tätigkeit, riß hier und da an den Hebeln,
-er drehte die Schwungräder, aber der Erfolg schien nicht den gehegten
-Erwartungen zu entsprechen.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Nun, was gibt es?&ldquo; fragte Kapitän Mors, als er eintrat und den
-Eifer seines treuen Gefährten gewahrte.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Die vertrackten Maschinen gehorchen nicht, Kapitän,&ldquo; erwiderte
-Star grimmig. &bdquo;Es ist gerade als wenn der Teufel dazwischen sitzt. Wir
-werden immer mehr in den Bereich des Vulkans getrieben.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Mors neigte den Kopf und sah den Professor von der Seite an.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Das sind eben Naturkräfte,&ldquo; sprach er, &bdquo;und vielleicht unbekannte
-Naturkräfte, die ihre Wirkung äußern. Da scheint eine besondere
-Anziehungskraft stattzufinden, aber wir werden etwas höher steigen.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Das gelang auch, aber die Anziehungskraft des unheimlichen Vulkans
-dauerte fort und nach kurzer Zeit schwebte der &bdquo;Meteor&ldquo; über
-dem donnernden Krater.
-</p>
-
-<p>
-Dieser war nicht zu sehen, da ihn dichte Dampfwolken bedeckten,
-aber man konnte hören, wie er sich in furchtbarer Tätigkeit befand.
-</p>
-
-<p>
-Man hörte durch die dicken Wände des Weltenfahrzeuges das
-schreckliche Prasseln und Krachen, man vernahm das Wüten der Naturgewalten,
-die da drinnen in den Eingeweiden dieser kleinen Welt tobten.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Was sagen Sie dazu, Professor?&ldquo; fragte Kapitän Mors.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Nun, ich sage, daß diese Welt hier noch um viele, viele tausend
-Jahre in der Entwicklung zurück ist. Das beweist schon die dicke Luft,
-die man hier bemerkt, und die gewiß stark mit Kohlensäure gesättigt ist.
-Dieser kleine Planet befindet sich noch in den Entwicklungsstadien,
-ähnlich wie in der Vorzeit der Erde. Daher sind wohl auch noch die
-Naturkräfte mit solch furchtbarer Macht tätig.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Plötzlich verdoppelte sich das Krachen, welches man dort unten
-vernahm und unmittelbar darauf sah man glühende Massen durch die
-Dampfwolken emporschießen.
-</p>
-
-<p>
-Der Riesenkrater befand sich in voller Tätigkeit, es war ein furchtbarer
-Ausbruch, der Vulkan schleuderte glühende Lavablöcke empor
-und zwar bis in ungeheure Höhen, es schien, als ob da ein riesiges Geschütz
-kolossale glühende Bomben in das Unendliche emporschleuderte.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Hoffentlich werden wir von keinem dieser glühenden Blöcke
-getroffen,&ldquo; meinte der Professor. &bdquo;Können wir nicht noch höher steigen,
-Kapitän?&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Mors wollte eben antworten, als das Krachen und Brüllen mit
-dreifacher Stärke durch die Wände des Weltenfahrzeuges tönte.
-</p>
-
-<p>
-Wieder schossen die glühenden Massen aus den Dampfwolken
-empor und stiegen bis in ungeheure Höhen, jetzt sah man sie links und
-rechts am Weltenfahrzeug vorbeisausen.
-</p>
-
-<p>
-Da schien es, als würde das Fahrzeug von einem heftigen Schlag
-getroffen, als zitterte es und unmittelbar danach schallten im Verbindungsgang
-die hastigen Schritte eines herbeirennenden Mannes.
-</p>
-
-<p>
-Es war Star.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Kapitän,&ldquo; rief er. &bdquo;Der Riesenmagnet ist getroffen. Die Verbindungsstange
-scheint demoliert zu sein. Das Fahrzeug beginnt rapide zu
-sinken.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Kapitän Mors rannte nach dem Lenkraum. Aber er fand dort die
-Angaben des treuen Gefährten bestätigt. Die Hebel und Schwungräder
-versagten, tiefer sank das Weltenfahrzeug, immer tiefer, es mußte auf
-dem neuen Planeten landen.
-</p>
-
-<p>
-Glücklicherweise war die Schnelligkeit keine allzu große und Kapitän
-Mors bot all seinen Scharfsinn auf, um den Absturz zu mildern. Er
-setzte eine jener furchtbaren Maschinen in Tätigkeit, die bei der letzten
-Fahrt die Meuterer zu Asche verwandelt hatten.
-</p>
-
-<p>
-Dies rettete das Weltenfahrzeug und die Kraft, welche die Maschine
-entwickelte, bewirkte es auch, daß der Koloß eine große Strecke vom
-Vulkan entfernt niederkam.
-</p>
-
-<p>
-Rings umher sah man ein Gewirr von Steinblöcken, von Klüften,
-Schluchten, Felsen, dann folgte ein harter Ruck, ein Stoß, das Weltenfahrzeug
-hatte den Boden des neuen Planeten erreicht und blieb dort in
-ziemlich schwieriger Lage hängen.
-</p>
-
-<p>
-Das Hinterteil des Weltenfahrzeuges lag in einem ausgebrannten
-Krater, das Vorderteil ragte schräg empor und lag auf zackigem Gestein,
-so ruhte das Weltenfahrzeug des Kapitän Mors wie ein Schiff, welches
-auf dem Meer zwischen Klippen gestrandet ist. Es schien in der Tat
-zum hilflosen Wrack geworden zu sein.
-</p>
-
-<p>
-Star zeigte jetzt jene Ruhe, die er im Verkehr mit dem Kapitän
-gelernt, ebenso benahm sich der Professor.
-</p>
-
-<p>
-Die Inder und die anderen europäischen Mannschaften des Weltenfahrzeuges
-kamen jetzt herbeigerannt und schauten fragend auf Kapitän
-Mors. Sie wollten in seinen Mienen lesen.
-</p>
-
-<p>
-Aber die Ruhe des seltsamen Mannes teilte sich auch ihnen mit,
-und als die Leute sahen, daß Kapitän Mors keine Miene verzog, und
-daß seine Augen feurig wie immer blitzten, warteten sie ruhig ab, was
-der berühmte Führer nunmehr beginnen würde.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Untersucht zunächst die Innenräume des Weltenfahrzeuges,&ldquo;
-klang die Stimme des Luftpiraten. &bdquo;Seht zu, ob Ihr irgend einen Schaden
-entdecken könnt. Ich erwarte dann sofort Bericht. Vor allen Dingen
-aber darf niemand das Fahrzeug ohne meine Erlaubnis verlassen.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Dazu verspürten die Männer auch keine Lust, obwohl sie sahen,
-daß man sich auf einem mit Luft versehenen Weltkörper befand. Die
-Atmosphäre war sicherlich dichter als die auf der Erde.
-</p>
-
-<p>
-Kapitän Mors besichtigte zunächst den Schaden im Lenkraum und
-betrachtete durch ein Glasfenster die zerstörten Verbindungsteile.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Das läßt sich alles wieder gut machen,&ldquo; erklärte er nach kurzer
-Betrachtung. &bdquo;Reserveteile haben wir im Ueberfluß, aber, es wird freilich
-einige Zeit vergehen, es ist gar nicht ausgeschlossen, daß wir mehrere
-Tage, ja Wochen auf diesem unbekannten Planeten verweilen müssen.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Bald erschienen auch die übrigen Mannschaften, aber sie hatten
-nichts Bedenkliches zu melden. In den unteren Räumen des Fahrzeuges
-war alles in Ordnung, da hatte man keine Beule, kein Leck gesehen.
-Selbst die Röhren, welche die flüssige Luft verteilten, waren unbeschädigt.
-</p>
-
-<p>
-Somit blieb nur der Lenkapparat zu reparieren und das war gerade
-die Hauptsache und mußte mit größter Sorgfalt geschehen. Kapitän
-Mors wollte mit Star und Lindo diese Arbeit verrichten.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Ich erforsche unterdessen den neuen Planeten,&ldquo; rief der Professor
-begeistert, als ihm Kapitän Mors seine Absicht mitteilte.
-</p>
-
-<p>
-Der Luftpirat schien mit der Antwort zu zögern.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;O, ich laufe Ihnen gewiß nicht davon, Kapitän,&ldquo; fuhr der Professor
-mit einiger Bitterkeit fort, da er das Zögern des Kapitäns falsch deutete.
-&bdquo;Ich kehre schon wieder, mein Wort darauf! Ich will ja noch mehr
-Fahrten in diesem wunderbaren Fahrzeug unternehmen.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Sie mißverstehen mich, Professor,&ldquo; erwiderte Kapitän Mors. &bdquo;Ich
-wollte damit kein Mißtrauen äußern. Sie wissen ja, daß Sie der Umstände
-halber immer bei mir bleiben müssen, aber andererseits denke ich
-nicht im Traume daran, Ihnen diese Gefangenschaft zu zeigen oder Sie
-gar zu quälen. Mein Zögern entspringt einzig und allein der Sorge um
-Sie, denn Sie stehen mir nahe, und ich habe Sie sehr gern. Es gibt wenig
-Menschen wie Sie auf der Erde, gäbe es viele solche, wäre ich vielleicht
-nicht der Luftpirat geworden. Mein Zögern rührt einzig und allein davon
-her, daß ich für Sie Sorge trage, denn hier können sich tausende
-von Gefahren verbergen. Deshalb bitte ich Sie, einstweilen noch im
-Weltenfahrzeug zu bleiben.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Verzeihen Sie, Kapitän,&ldquo; erwiderte der Professor, indem er die
-Rechte des Maskierten faßte. &bdquo;Ich will nichts gesagt haben. Aber ich
-denke, mit unseren Hilfsmitteln können wir jeden Gefahren Trotz bieten.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Nicht immer,&ldquo; lautete die Antwort, &bdquo;solche Gefahren kommen
-oft blitzschnell und unerwartet, so daß selbst die Hilfsmittel der modernen
-Technik versagen. Jedenfalls müssen wir unsere Umgebung beobachten.
-Dann wird es sich zeigen, ob wir das Fahrzeug verlassen dürfen.
-Ist dies der Fall, so können Sie Ihren Forschungen nachgehen. Sie
-haben ja auch das Recht darauf. Sie sind ja gewissermaßen der Entdecker
-des neuen Planeten.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Der Professor drückte nochmals die Rechte des seltsamen Mannes.
-Dann ging es an die Arbeit.
-</p>
-
-<p>
-Mors war nicht der Mann, der die Hände in den Schoß legte, er
-wollte vor allen Dingen sein Weltenfahrzeug instand setzen.
-</p>
-
-<p>
-Nun galt es, erst die Luft zu prüfen und sich zu vergewissern, ob
-man diese ertragen konnte. War dies nicht der Fall, so mußte man eben
-die Lufthelme benutzen.
-</p>
-
-<p>
-Kapitän Mors unternahm wie gewöhnlich das Wagnis selbst.
-</p>
-
-<p>
-Er begab sich nach den Doppeltüren, die den Einlaß in das Fahrzeug
-vermittelten, öffnete die innere Tür und versuchte dann vorsichtig
-die außen befindliche Luft zu proben.
-</p>
-
-<p>
-Sie war dick, schwer, reichlich mit Kohlensäure gesättigt, aber sie
-ließ sich immerhin atmen.
-</p>
-
-<p>
-Man hatte nur, wenn man längere Zeit diese Luft atmete, das Gefühl
-eines leichten Rausches, einer Beklemmung, aber diese wurde wieder
-durch andere Vorteile aufgehoben.
-</p>
-
-<p>
-Der Planet war ja klein, viel kleiner als der Mond, er war eine Miniaturwelt
-und da mußten sich natürlich ganz andere Lebensbedingungen
-ergeben.
-</p>
-
-<p>
-Hier mußte man ungeheuer hoch springen können, hier wog ein
-schwerer Mann nur so viel, wie ein kleines Kind auf der Erde. Das mußte
-dann die Arbeitskraft verdoppeln und verdreifachen.
-</p>
-
-<p>
-Von außen mußte man arbeiten, um den Riesenmagneten wieder
-in Funktion treten zu lassen.
-</p>
-
-<p>
-Kapitän Mors rief jetzt seine Leute herbei, die er nacheinander die
-Luft atmen ließ.
-</p>
-
-<p>
-Da zeigte sich denn, daß die ehemalige Mannschaft des Unterseebootes
-die Luft absolut nicht vertragen konnte.
-</p>
-
-<p>
-Die Leute taumelten umher, drehten sich im Kreise und benahmen
-sich wie sinnlos Betrunkene.
-</p>
-
-<p>
-Aehnliche Symptome zeigten auch die meisten Inder und selbst
-Star, dem eisernen Mann, war die Luft höchst unangenehm, es überkam
-ihn ein Schwindel.
-</p>
-
-<p>
-Dagegen vertrug Lindo die Luft vortrefflich und da Kapitän Mors
-zur Reparatur höchstens ein oder zwei Gehilfen gebrauchte, beschloß er,
-mit Lindo die Arbeit zu vollenden und mit dieser auf der Stelle zu beginnen.
-</p>
-
-<p>
-Der Schaden wurde zunächst besichtigt und die Reparaturteile aus
-dem Innern des Fahrzeuges hervorgeholt.
-</p>
-
-<p>
-Es war freilich ein recht unangenehmes Arbeiten, da man in die
-Kluft hinuntersteigen mußte. Der Krater zog sich seitwärts noch ziemlich
-tief in das Innere der Erde fort, dort, wo rabenschwarze Finsternis
-herrschte.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;So,&ldquo; sprach Kapitän Mors, als er sich mit Lindo zur Arbeit fertig
-machte. &bdquo;Wir beginnen. Auf der Galerie des Weltenfahrzeuges aber müssen
-immer ein paar Wächter stehen, die die Umgebung im Auge behalten,
-damit wir vor unliebsamen Ueberraschungen gesichert sind.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Was meint Ihr denn, was es hier gibt, Kapitän?&ldquo; fragte Star, der
-diese Worte vernommen. &bdquo;Ich habe auch schon überall umhergesehen,
-aber nirgends etwas Lebendes bemerkt. Der Weltenkörper ist ja so klein,
-hier gibt es wohl gar kein tierisches Leben.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Hast Du nicht die reiche Vegetation auf verschiedenen Stellen des
-Planeten gewahrt?&ldquo; fragte Mors. &bdquo;Eine üppige Vegetation ist es, tropisch,
-wie in der Vorzeit der Erde. Wo sich solche Vegetation befindet, gibt es
-auch Tierwelt. Es fragt sich nur, in welchem Stadium sich dieser Planet
-befindet, aber das kann uns wohl der Professor sagen, der wird schon
-seine Beobachtungen anstellen.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;In der Umgebung scheint alles tot und starr zu sein,&ldquo; meinte
-Star. &bdquo;Da gibt es keine Vegetation, da sieht man nur zackige Felsenspitzen,
-ausgebrannte Krater, Klippen und Felsblöcke.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Wenige Minuten später verließ Mors mit Lindo und einigen anderen
-Indern die Galerie des Weltenfahrzeuges.
-</p>
-
-<p>
-Man benutzte eine Leiter, um die nächsten Klippen zu erreichen.
-Hierauf begann man die Umgebung des Absturzes zu erforschen.
-</p>
-
-<p>
-Man sah nichts als Klüfte, ausgebrannte Krater, Steinmassen von
-den wunderlichsten Formen.
-</p>
-
-<p>
-In einiger Entfernung donnerte der Vulkan und schleuderte seine
-glühenden Lavablöcke in die Höhe. Aber diese stürzten nicht in der
-Nähe der Landungsstelle herunter, von dort brauchte man nichts zu
-befürchten.
-</p>
-
-<p>
-Plötzlich deutete Lindo mit der Rechten in eine der Klüfte.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Kapitän,&ldquo; rief er. &bdquo;Was liegt dort? Seht doch mal, das Weiße! Das
-Ding sieht ja unheimlich aus. Wahrhaftig, Kapitän, das Ding müssen wir
-mal genauer untersuchen!&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Der Kapitän schritt mit seinen Indern hinüber.
-</p>
-
-<p>
-Da lag neben einem Steinblock das Ding, welches Lindo mit seinen
-scharfen Augen erspäht. Ein weißgebleichter Schädel von wahrhaft
-ungeheuren Formen.
-</p>
-
-<p>
-Aller Wahrscheinlichkeit nach war es ein Tierschädel, aber niemand
-konnte sagen, zu welcher Gattung dies Geschöpf gehört hatte.
-Neben diesem Ueberrest sah man einige ungeheure Knochen.
-</p>
-
-<p>
-Diese waren zerbrochen und Lindo beugte sich jetzt zu diesen
-Ueberbleibseln nieder.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Kapitän,&ldquo; rief er. &bdquo;Seht diesen zerschmetterten Knochen hier an.
-Das ist aber kein Bruch, nein, seht die Eindrücke, wie zackig und spitz
-dieselben sind. Kapitän, dieser Knochen ist zweifellos von den Zähnen
-eines unbekannten riesigen Ungeheuers zerbissen worden.&ldquo;
-</p>
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-3">
-<span class="firstline">3. Kapitel.</span><br />
-Eine abenteuerliche Expedition.
-</h2>
-
-<p class="first">
-Kapitän Mors konnte nur die Beobachtung seines getreuen Lindo bestätigen.
-</p>
-
-<p>
-Die Knochen, die hier lagen, rührten von einem Ungeheuer her,
-und sie waren anscheinend von einem anderen Ungetüm zerbissen worden.
-</p>
-
-<p>
-Man hoffte Auskunft von dem Professor, der jetzt eilend herbeikam,
-und der ja nicht allein Kenntnisse in der Sternenkunde besaß,
-sondern auch, wie es viele Astronomen zu tun pflegen, langjährigen
-geologischen Studien obgelegen hatte.
-</p>
-
-<p>
-Er betrachtete mit Erstaunen und Interesse diese Ueberreste.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Der Schädel liegt noch nicht lange hier, Kapitän,&ldquo; rief er endlich.
-&bdquo;Er ist rein abgenagt und solche Schädel habe ich oft genug in den
-Museen der Erde gesehen. Es sind die Schädel von ungeheuren Tieren
-der Vorzeit, aber dieses Tier hier ist mir völlig unbekannt. Doch möchte
-ich annehmen, daß es zu den Sauriern gehört, zu jenen furchtbaren
-Rieseneidechsen, die einst auch die Erde bewohnten.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Schöne Bescherung,&ldquo; meinte Star, indem er forschend umherblickte.
-&bdquo;Da könnte plötzlich solch Beest
-auftauchen. Herrgott, hat das Ding
-einen Rachen! Da wäre unsereiner nur ein Bissen als Frühstück, da müssen
-wir uns höllisch in acht nehmen.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Der Professor hörte diese Worte.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Ich glaube aber nicht, daß wir jetzt etwas zu fürchten haben, es
-sieht so aus, als hätte sich hier vor kurzer Zeit Wasser befunden, welches
-durch irgend eine Ursache in die Tiefen der Erde abgeflossen ist.
-Diese Rieseneidechsen aber hielten sich immer in der Nähe des Wassers
-auf. Unmöglich ist es freilich nicht, daß sich da unten in den Felsenklüften
-noch Wasseransammlungen befinden.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Gut,&ldquo; sprach Kapitän Mors. &bdquo;Da müssen wir eben wachsam sein
-und immer die Augen offen halten. Es scheint mir aber, als wenn wir in
-dieser trostlosen Gegend nichts zu fürchten hätten. Etwaige tierische
-Bewohner des Planeten können sich drüben in den tropischen Wäldern
-aufhalten.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Man sah es dem Professor an, daß er förmlich danach lechzte,
-diese Seltsamkeiten kennen zu lernen. Er war befriedigt, daß es ihm
-vergönnt war, einen Blick in die Vorzeit zu tun, daß er sich auf einem
-kleinen Planeten befand, der noch um viele hunderttausend Jahre in der
-Entwicklungsgeschichte zurück sein mußte.
-</p>
-
-<p>
-Kapitän Mors aber sorgte für Vorsichtsmaßregeln.
-</p>
-
-<p>
-Er begann mit Lindo sofort die Reparaturarbeiten vorzunehmen,
-während einige Wächter auf der Galerie die Umgebung im Auge behielten.
-</p>
-
-<p>
-Lange arbeiten konnte man freilich nicht, da die eigenartige Luft
-zu öfterem Ausruhen mahnte. Selbst Kapitän Mors fühlte schon nach
-wenigen Stunden eine Erschlaffung, die er kaum mit seiner eisernen
-Energie besiegen konnte.
-</p>
-
-<p>
-Unter diesen Umständen konnte der erzwungene Aufenthalt auf
-dem kleinen Planeten längere Zeit in Anspruch nehmen.
-</p>
-
-<p>
-Verdächtiges zeigte sich aber nicht, nichts Lebendes war zu erblicken,
-die Wächter sahen keine befremdlichen Erscheinungen. Man
-hörte nur das Donnern des Vulkans, der sich aber immer mehr zu beruhigen
-schien.
-</p>
-
-<p>
-Als am dritten Tage der Professor seine Bitte wiederholte, gab Kapitän
-Mors nach.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Ich gehe selbst mit,&ldquo; sprach er. &bdquo;Lindo kann während meiner
-Abwesenheit die Arbeit allein fortsetzen. Selbstverständlich nehmen wir
-unsere elektrischen Waffen mit, auch wollen wir uns nicht allzu weit
-entfernen. Unser Marsch geht nach dem Walde hinüber.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Der Professor strahlte vor Entzücken, der sonst so ernste Mann
-wußte gar nicht, wie er seine Freude beherrschen sollte. Er brannte vor
-Ungeduld, einen Blick in diese Wunderwelt zu tun, während Kapitän
-Mors seine gewohnte Ruhe und Geistesgegenwart zeigte.
-</p>
-
-<p>
-Star sollte auch zurückbleiben. Kapitän Mors bestimmte drei Inder,
-die ihn und den Professor begleiten sollten.
-</p>
-
-<p>
-Hierauf versah man sich mit Lebensmitteln, mit Instrumenten, die
-ein Verirren verhindern sollten, ferner mit den furchtbaren elektrischen
-Waffen.
-</p>
-
-<p>
-Der Planet besaß eine ungemein schnelle Umdrehung, und da er
-sehr klein war, so dauerte der Tag wenig mehr als eine Stunde, ebenso
-war es mit der Nacht, jedoch erleuchtete während der Finsternis zuweilen
-der Mond die seltsame Umgebung.
-</p>
-
-<p>
-Damit mußte man also von Anfang an rechnen, und Kapitän
-Mors beschloß, während der Dunkelheit verdächtige Distrikte zu meiden.
-Er setzte sich mit seinen vier Begleitern in Marsch und nun ging es
-über das unebene Terrain nach der Vegetationszone hinüber.
-</p>
-
-<p>
-Die eigenartige Luft täuschte und der Wald war ferner, als man
-geglaubt hatte.
-</p>
-
-<p>
-Durch die mitgenommenen Ferngläser konnte man schon unterscheiden,
-daß sich dieser Wald von allem, was man auf der Erde gesehen,
-bei weitem unterschied.
-</p>
-
-<p>
-Anfangs konnte man die Waldbäume für Palmen halten, aber bei
-näherer Betrachtung glichen sie eher riesigen Farren,
-alles hatte einen unheimlichen, schier gespenstigen Anblick.
-</p>
-
-<p>
-Man sah keinen Vogel, keinen Schmetterling, freilich waren hier
-noch immer die kahlen, nackten Felsen. Drüben im Walde konnte es
-anders sein, da konnte sich ein merkwürdiges Tierleben zeigen.
-</p>
-
-<p>
-Aber jetzt veränderte sich die Formation des Bodens, das Felsgestein
-verschwand allmählich, der Boden war weich und sumpfig.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Acht geben,&ldquo; klang Kapitän Mors&rsquo; Stimme, die ganz eigentümlich
-in der dicken Luft ertönte. &bdquo;Acht geben, wir müssen im Gänsemarsch
-gehen. Einer hinter dem anderen. Sonst versinken wir hier ins Bodenlose.
-Das ist ein Sumpf der Urzeit. Ein Morast, in dem wir spurlos verschwinden
-können. Aber hier geht eine Felsenrippe hindurch, die müssen
-wir benutzen.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Es war in der Tat die größte Vorsicht geboten, um so mehr, als der
-ausnehmend kurze Tag ja schon wieder zu Ende ging und die eben so
-kurze Nacht herannahte.
-</p>
-
-<p>
-Kapitän Mors und seine Begleiter aber hatten elektrische Laternen
-mitgenommen und so konnten sie den steinernen Weg durch den
-Sumpf verfolgen. Diese Felsenrippe war der einzige Pfad, welcher zu
-dem Wald hinüberführte.
-</p>
-
-<p>
-Es wurde schnell dunkel, aber das elektrische Licht zeigte den
-Weg. An einer Stelle, wo sich der Felsenpfad verbreiterte, wurde kurze
-Rast gemacht. Nach anderthalb Stunden wurde es schon wieder Tag, da
-sich der Planet mit riesiger Geschwindigkeit um sich selbst drehte. Links
-und rechts war der Morast, aber dort war alles still. Kein Laut unterbrach
-das unheimliche Schweigen.
-</p>
-
-<p>
-Endlich war man am Walde angelangt, aber Kapitän Mors machte
-vorläufig keine Anstalten, hineinzugehen. Der kurze Tag war schon
-wieder zu Ende.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Sollen wir nicht ein Feuer anzünden, Kapitän?&ldquo; fragte Lindo.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Es würde schwerlich brennen,&ldquo; erwiderte Kapitän Mors, &bdquo;denn
-Du siehst ja, hier ist alles mit Feuchtigkeit förmlich gesättigt und dann
-glaube nur nicht, daß sich die Wesen, die hier leben, durch das Feuer
-abschrecken lassen. Im Gegenteil, sie möchten neugierig hinzukommen.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Bald wurde es wieder dunkel, aber nun hörten die fünf Männer,
-die am Rande des Waldes harrten, seltsame Töne, die aus dem scheinbar
-undurchdringlichen Dickicht herüberschallten.
-</p>
-
-<p>
-Furchtbare Töne waren es. Man hörte ein Schnaufen, ein Aechzen,
-als wenn der Sturmwind wehte. Dann krachte es und brach es zwischen
-den farrenartigen Bäumen, als ob sich massige Körper hindurchwälzten.
-</p>
-
-<p>
-Auch in den Lüften ließen sich sonderbare, schreckliche Laute
-vernehmen, ein Klatschen und Flattern, ab und zu hörte man ein durchdringendes
-schrilles Pfeifen, einige Male war es den Männern auch, als
-ob ein großer schwarzer Schatten durch die Luft und Finsternis segelte.
-</p>
-
-<p>
-Als es aber nach anderthalb Stunden hell wurde, war alles ruhig,
-da war nichts zu hören und nichts zu sehen.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Also gibt es auch hier ein Nachtleben,&ldquo; sprach der Professor zu
-Mors. &bdquo;Eine nächtliche Tierwelt. Die lebt da drinnen in dem Dickicht
-und sicherlich war es ein Urvogel oder eine riesengroße Fledermaus, die
-während der Dunkelheit über unseren Häuptern dahinflatterte.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Jetzt versuchte man in das unheimliche Dickicht einzudringen,
-aber das erwies sich als unmöglich. Der Boden war weich, durchlässig,
-wie ein Schwamm, beim ersten Schritt in das Dickicht mußte man bis
-an den Leib einsinken.
-</p>
-
-<p>
-Als Lindo es dennoch versuchte, krachte
-und prasselte es neben ihm in dem undurchdringlichen Gebüsch, der
-Inder prallte zurück, aber er glaubte noch etwas unheimlich Großes
-gesehen zu haben, welches sich durch das Dickicht fortwälzte, dunkel,
-schleimig, ein Untier, welches offenbar sein Heil in der Flucht suchte.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Sicherlich ist das eine der Rieseneidechsen gewesen,&ldquo; sprach der
-Professor. &bdquo;Die hausen hier in dem undurchdringlichen Farrenwalde.
-Merkwürdig, daß uns der Koloß nicht angegriffen hat. Das ist ein Beweis,
-daß selbst diese Giganten vor dem Anblick der Menschen erschrecken.
-Wir mögen dem Riesentier allerdings sonderbar genug vorgekommen
-sein.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Einer der übrigen Inder war inzwischen auf einer anderen Stelle in
-den Wald gedrungen, aber auch nur wenige Schritte vorwärts gekommen.
-</p>
-
-<p>
-Er kehrte rasch zurück und erzählte, daß er ein schlangenartiges
-Ungetüm gesehen hätte, welches von einem der Farrenbäume herabglitt
-und dann spurlos in dem undurchdringlichen Unterholz verschwand.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Nun, Professor?&ldquo; fragte der Kapitän. &bdquo;Was sagen Sie dazu? Wollen
-wir wirklich in den Wald eindringen? Wir müßten allerdings schon wie
-die Affen von Baum zu Baum klettern. Aber wenn Sie Lust haben, ich
-bin dazu bereit.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Der Professor bewunderte den kühnen Mann, der so kaltblütig in
-das furchtbare Dickicht hineinblickte. Er wußte, daß Kapitän Mors
-nicht scherzte, daß dieser mit ihm ging, wenn er den Wunsch aussprach,
-den schrecklichen Wald näher untersuchen zu wollen.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Nein, ich denke, wir lassen es lieber,&ldquo; erwiderte der Professor.
-&bdquo;Das hieße direkt mit dem Tode spielen. Ja, wenn der Tag länger dauerte,
-aber bei dieser kurzen Zeit würde uns ja wieder die freilich kurze
-Nacht überraschen. In der Nacht möchten wir den Ungetümen, die den
-Wald bewohnen, fast wehrlos gegenüberstehen. Auch weiß ich bereits
-genug. Dieser Planet befindet sich in einem Zustand, wie ihn die Erde
-auch durchgemacht hat, nämlich zur Zeit der großen Saurier und
-schließlich wird auch für diese Miniaturwelt die Zeit kommen, wo sich
-das allgemeine Lebensprinzip erfüllt, wo intelligente Wesen anstelle der
-Ungeheuer hier treten. Wer weiß, vielleicht ist der Keim zu menschenähnlichen
-Wesen in dieser kleinen Welt schon verborgen, vielleicht lebt
-schon ein Wesen in diesem Dickicht, aus dem sich dereinst ein vernunftbegabter
-Bewohner dieses kleinen Planeten entwickelt. Es gibt hier
-noch andere Dinge, die man erforschen kann, daher ist es besser, wenn
-wir umkehren.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Kapitän Mors gab seine Einwilligung zu erkennen, es hatte ja auch
-nicht den geringsten Zweck, daß man vordrang. Die Farrenbäume wuchsen
-in einem Morast, dort liefen die kühnen Eindringlinge Gefahr, spurlos
-im Sumpf zu verschwinden.
-</p>
-
-<p>
-Nun ging es wieder über die Felsenklippe zurück, wo die Dunkelheit
-die Wanderer überraschte. Da hörte man vom Walde her wieder die
-schrecklichen Töne, das Aechzen, das Rauschen und Prasseln, den
-durchdringenden Schrei und das Flattern des Riesenvogels oder der
-ungeheuren Fledermaus, welche durch die Lüfte flog.
-</p>
-
-<p>
-Dann kehrte man, als es hell wurde, wieder in die Steinwildnis
-zurück, wo der &bdquo;Meteor&ldquo; in dem erloschenen Vulkan lag.
-</p>
-
-<p>
-Man sah Lindo und Star, die von einigen Indern unterstützt, an
-dem Riesenmagneten hantierten.
-</p>
-
-<p>
-Die Männer winkten eifrigst, als sie Kapitän Mors und dessen
-Begleiter erblickten. Die Rückkehrenden glaubten schon, daß ihre Gefährten
-in Besorgnis gewesen seien.
-</p>
-
-<p>
-Lindo kam dem Kapitän mit großen Sprüngen entgegen.
-</p>
-
-<p>
-Es sah sonderbar aus, wie er mit der Leichtigkeit eines Federballs
-über ziemlich hohe Felsblöcke hinwegsprang, aber das war ja kein Wunder,
-auf diesem kleinen Weltkörper konnte der um so vieles leichtere
-Menschenkörper auch höhere Sprünge unternehmen, ohne sich im
-mindesten zu verletzen.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Was gibt&rsquo;s?&ldquo; fragte Mors. &bdquo;Ist etwas Besonderes vorgefallen?&ldquo;
-</p>
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-4">
-<span class="firstline">4. Kapitel.</span><br />
-Die Geheimnisse des Feuerberges.
-</h2>
-
-<p class="first">
-&bdquo;Da unten in dem ausgebrannten Vulkan ist es nicht ganz richtig,&ldquo;
-meinte Lindo. &bdquo;Der ist wohl bloß scheinbar erloschen. Wir haben
-schon mehrmals sonderbare Töne vernommen, ein Zischen und Fauchen
-und zwar als es dunkel war. Das ist ja hier eine merkwürdige Geschichte.
-Tag und Nacht ist so rasch, daß man kaum zur Besinnung
-kommt. Da unten in dem Krater sind vielleicht die unterirdischen Gewalten
-tätig. Genug, da könnte es leicht sein, daß uns plötzlich ein Lavastrom
-überraschte. Das wäre doch eine bedenkliche Sache.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Kapitän Mors ging sofort nach der Stelle, wo der &bdquo;Meteor&ldquo; halb
-aus dem Krater hervorragte.
-</p>
-
-<p>
-Er bog sich hinab und lauschte nach der Oeffnung hin, die seitwärts
-in das Innere des Planeten hineinführte, denn dort waren wohl
-ehemals die Lavaströme hervorgekommen.
-</p>
-
-<p>
-Es blieb aber alles ruhig, es ließ sich nichts Besonderes vernehmen.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Es war sicherlich siedende Lava,&ldquo; sprach Lindo, &bdquo;es brauste und
-zischte, wie in einem Höllenkessel. Da links aber, wo sich die große
-Höhlung befindet, da war es auch nicht richtig. Da hinter den Felsblöcken
-haben wir auch ein sonderbares Geräusch vernommen, was freilich
-ganz anders klang. Ich sage Euch, Kapitän, die unterirdischen Gewalten
-ruhen nicht, die können bei der ersten Gelegenheit hervorbrechen. Da
-wäre es mit unserem &bdquo;Meteor&ldquo; vorbei, da könnten wir unser Leben auf
-dem unheimlichen Planeten beschließen.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Diese Erklärung Lindos brachte Kapitän Mors auf den Gedanken,
-vorerst weitere Wanderungen auf dem merkwürdigen Weltkörper zu
-unterlassen und seine ganze Energie der Wiederherstellung des Weltenfahrzeuges
-zuzuwenden.
-</p>
-
-<p>
-Der Professor freilich schwärmte noch immer von diesen Wundern
-einer Welt, die für den Erdenkörper seit hunderttausenden von Jahren
-verschollen waren. Er glühte vor Forschereifer, er wollte auch die Geheimnisse
-des großen Feuerberges erforschen.
-</p>
-
-<p>
-Da gab es allerdings Geheimnisse genug, denn dieser Ausbruch
-war ganz anders, als eine Katastrophe auf dem Erdball.
-</p>
-
-<p>
-Man konnte diese Vulkanausbrüche mit den regelmäßigen Atemzügen
-eines schlummernden Riesen vergleichen.
-</p>
-
-<p>
-Zeitweise war alles still, diese Ruhe dauerte manchmal eine viertel
-oder gar eine halbe Stunde. Da lag der ungeheure Vulkan so ruhig, als
-wäre das unterirdische Feuer vollständig erloschen.
-</p>
-
-<p>
-Dann aber hörte man ein dumpfes, langanhaltendes Grollen, dem
-ein merkwürdiges Aechzen und Schnauben folgte. Es war, als ob das
-riesige Ungeheuer, welches in der Tiefe zu ruhen schien, Atem holte
-und so zu einer gewaltigen Kraftanstrengung Luft schöpfte.
-</p>
-
-<p>
-Dann tönte das Grollen von neuem, unmittelbar darauf folgte eine
-Art schreckliches Gebrüll, aus dem hochragenden Gipfel stieg eine
-fürchterliche Dampfwolke empor, gleichzeitig sah man durch diese ungeheuer
-große Lavastücke in die Lüfte fliegen.
-</p>
-
-<p>
-Sie wurden mit einer solchen Gewalt emporgeschleudert, als ob sie
-aus der Mündung eines kolossalen Geschützes ausgestoßen würden.
-</p>
-
-<p>
-Das war ein großartiger Anblick, noch großartiger aber war es,
-wenn dieser Ausbruch in der Dunkelheit erfolgte, wenn diese riesigen
-glühenden Lavablöcke auf den Abhängen des Vulkans niederschmetterten,
-zerplatzten und einen Feuerregen umherschleuderten.
-</p>
-
-<p>
-Es war ein natürliches Feuerwerk, welches aller menschlichen Begriffe
-spottete.
-</p>
-
-<p>
-Die Leute im Weltenfahrzeug wurden nicht müde, diese entfesselten
-Naturgewalten anzustaunen, aber Kapitän Mors winkte jetzt seinem
-treuen Lindo, daß er sich beeilen sollte, denn es galt nun, die schwierigste
-Arbeit zu verrichten. Die metallnen Gelenke mußten wieder auf
-den Diamanten montiert werden und da war die größte Vorsicht geboten.
-</p>
-
-<p>
-Die beiden Männer mußten mit Gummihandschuhen arbeiten,
-damit nicht etwa ein plötzlich auftretender elektrischer Strom sie zu
-Boden schleuderte oder gar tödlich verletzte. Solche Entladungen aber
-waren in der mit Elektrizität gesättigten Atmosphäre des kleinen Planeten
-keine Seltenheit.
-</p>
-
-<p>
-Unablässig bildeten sich Wolken, aus denen der Donner grollte
-und furchtbare breite Blitze herniederzuckten. Dann brachte auch wohl
-eine vorüberschwebende schwarze Wolke einen fürchterlichen Regenguß,
-sodaß der Kapitän und Lindo ins Weltenfahrzeug flüchten mußten.
-</p>
-
-<p>
-Da niemand den beiden Männern helfen konnte und nur Mors
-und Lindo diese Reparatur herzustellen vermochten, entschloß sich der
-Professor, mit Star und einigen Indern nach dem Vulkan zu gehen, um
-dort die Ausbrüche zu betrachten.
-</p>
-
-<p>
-Kapitän Mors ermahnte sie zur größten Vorsicht und empfahl
-ihnen, sich nicht in die Nähe der herabstürzenden Lavablöcke zu wagen,
-sonst war nichts dort zu befürchten. In der Nähe des Vulkans gab
-es kein Tierleben. Dort hätte selbst eins der Ungeheuer des Waldes dem
-Wüten der Naturgewalten erliegen müssen.
-</p>
-
-<p>
-Der Professor war sehr froh, daß er den Vulkan untersuchen konnte
-und nahm einige Instrumente mit, die ihm zu verschiedenen Beobachtungen
-dienen sollten. Gleichzeitig wollte er die Anziehungskraft
-und verschiedene andere Eigentümlichkeiten dieses Miniaturplaneten
-messen.
-</p>
-
-<p>
-Die ehemaligen Mannschaften des Unterseebootes aber verließen
-das Weltenfahrzeug nicht, da sie sich absolut nicht an die dicke Luft
-gewöhnen konnten. Sie blieben also lieber in den Mannschaftsräumen,
-wo man mit Leichtigkeit eine Luft herstellte, die der der Erde gleichkam.
-</p>
-
-<p>
-Mors und Lindo arbeiteten aber unentwegt an dem Riesenmagneten
-weiter.
-</p>
-
-<p>
-Der Professor und Star aber brachen mit den übrigen Indern auf
-und turnten binnen kurzem mit unglaublicher Gewandtheit über das
-spitze Felsengestein nach dem Vulkan hinüber.
-</p>
-
-<p>
-Hier waren ja die Körper so leicht, hier konnte man scheinbar
-unüberwindliche Strapazen mit unglaublicher Schnelligkeit überwinden.
-Es sah ordentlich drollig aus, wie die Männer, die noch dazu die Instrumente
-trugen, wie die Gemsen von Stein zu Stein hüpften und breite
-Spalten ohne Anstrengung übersprangen.
-</p>
-
-<p>
-Es schadete nicht einmal etwas, wenn man stürzte, wenn man nur
-nicht zu tief fiel, denn bei der Leichtigkeit des Körpers war der Aufschlag
-ein so geringer, daß man sich bei solchen Fällen nicht weh tat.
-</p>
-
-<p>
-Das einzig Unangenehme war nur der kurze Tag, denn man mußte
-nach Verlauf von ein bis einundeinhalb Stunden anhalten, da man trotz
-der elektrischen Laternen in der kurzen, aber dunklen Nacht leicht in
-eine unbekannte Tiefe stürzen konnte.
-</p>
-
-<p>
-Je näher man dem Vulkan kam, desto mehr zeigten sich die unterirdischen
-Gewalten. Da hörte man ein Brodeln, ein Zischen und Kochen.
-Es waren die Lavabecken, die da unten brodelten, siedeten und
-kochten.
-</p>
-
-<p>
-Mitunter leuchtete auch der Feuerschein herauf und zwar ganz
-seltsam, es waren blaue, grüne, gelbe und rote Flammen, im buntesten
-Gemisch. Diese sonderbaren Flammen verrieten, daß es ganz eigentümliche
-Elemente sein mußten, die sich hier im glühenden Zustande in der
-flüssigen Materie befanden.
-</p>
-
-<p>
-Weiter drangen die Männer vor, bis sie endlich den kolossalen
-Vulkan erreichten. Dort hatte eins der emporgeschleuderten Lavastücke
-den Riesenmagneten des Weltenfahrzeuges getroffen und dies wunderbare
-Werk des Kapitän Mors zum Absturz gebracht.
-</p>
-
-<p>
-Beim Aufstieg mußte man den Vulkan sorgfältig vermeiden.
-</p>
-
-<p>
-Das war nicht leicht, denn es schien, als ob eine besondere Anziehungskraft
-in diesem Vulkan wohnte, als ob diese das Metall aus welchem
-der Rumpf des Weltenfahrzeuges bestand, beherrschte. Man mußte
-also die äußerste Vorsicht walten lassen.
-</p>
-
-<p>
-Daran hatte auch der Professor gedacht und er freute sich jetzt,
-daß er dem Kapitän einen Dienst leisten konnte. Er wollte die Anziehungskraft
-des Feuerberges untersuchen, dann würde man schon Mittel
-und Wege finden, um das Weltenfahrzeug aus der gefährlichen Nähe
-des Kraters bringen zu können.
-</p>
-
-<p>
-Dann konnte man auch diese Miniaturwelt wieder verlassen.
-</p>
-
-<p>
-Die Inder zeigten sich hier recht tollkühn, aber das war kein Wunder,
-Feuerberge waren ihnen nicht fremd und in ihrer Heimat befanden
-sich die Riesen der indischen Bergwelt, die weit über die Wolken hinausragten.
-</p>
-
-<p>
-Star und der Professor mußten die Ungeduld der Inder sogar zügeln,
-denn die waren jetzt sehr unternehmungslustig. Sie stießen sogar
-noch glühende Lavablöcke an den Abhängen des Vulkans hinunter,
-damit sie der Professor besser untersuchen konnte.
-</p>
-
-<p>
-Der Professor hatte alle Hände voll zu tun, er schüttelte wiederholt
-verwundert mit dem Kopf. Das Gestein, aus welchem der Feuerberg
-bestand, war ganz eigenartig. Es enthielt ein Metall, welches auf der
-Erde unbekannt war, aber sicherlich hohen Wert besitzen mußte.
-</p>
-
-<p>
-Die Instrumente wurden aufgestellt und an verschiedenen Stellen
-des Feuerberges angebracht. Professor van Halen war unermüdlich und
-da machte er die absonderlichsten Beobachtungen.
-</p>
-
-<p>
-Hier auf dieser kleinen Welt gab es eine Menge Wasser, aber das
-war wohl meist in dampfförmigem Zustande, die feuchte Hitze, welche
-hier herrschte, bewirkte eine unvergleichlich schnelle Verdunstung.
-</p>
-
-<p>
-Der Professor glaubte auch die Wahrnehmung zu machen, daß
-nach den fürchterlichen Regengüssen, die von Zeit zu Zeit eintrafen, die
-Ausbrüche des Vulkans häufiger wurden.
-</p>
-
-<p>
-Es war sicherlich noch der alte Kreislauf der Dinge, wie ehedem in
-der Urzeit, hier folgten die Naturgewalten unmittelbar und erschienen
-deshalb um so schrecklicher. In der Nähe des Feuerberges war die Atmosphäre
-so dunstig und trübe, daß man nur selten einen Ausblick erhielt,
-das Weltenfahrzeug konnte man nie sehen, obwohl es gar nicht weit
-entfernt war.
-</p>
-
-<p>
-Der Professor überließ sich ganz seinen Beobachtungen, aber Star
-empfand eine innere Unruhe, es war ihm immer, als ob sich in der Nähe
-des Weltenfahrzeuges etwas Absonderliches zugetragen haben müsse.
-</p>
-
-<p>
-Er lachte zwar über diese Gedanken und verbarg sie vor dem Professor,
-aber er konnte doch nicht hindern, daß er immer und immer
-wieder an die Zurückgebliebenen mit Besorgnis zurückdachte.
-</p>
-
-<p>
-Aber auch der Professor hatte Bedenken, die freilich etwas anderes
-betrafen. Seine Beobachtungen brachten ein Resultat, welches ihn mit
-großen Befürchtungen erfüllte.
-</p>
-
-<p>
-Die Instrumente verrieten nämlich plötzlich eine ungemeine Spannung,
-die immer mehr und mehr zunahm und zwar in einer Weise, daß
-man irgend eine Naturkatastrophe erwarten konnte.
-</p>
-
-<p>
-Ob sie bald eintreten würde, stand freilich noch dahin, aber dem
-Professor war es, als müßte demnächst auf dem kleinen Planeten ein
-Aufruhr der Elemente stattfinden, der alles bisher Gesehene bei weitem
-übertreffen müßte.
-</p>
-
-<p>
-Da stand wohl ein furchtbarer, vulkanischer Ausbruch bevor und
-da konnte der Feuerberg in die fürchterlichste Tätigkeit treten.
-</p>
-
-<p>
-Aber der Professor dachte noch an etwas anderes, an die Möglichkeit,
-daß die Lavamassen aus dem scheinbar erloschenen Krater, wo das
-Weltenfahrzeug lag, hervorbrechen würden, dann konnte dort ebenfalls
-eine fürchterliche Katastrophe erfolgen.
-</p>
-
-<p>
-Jedenfalls näherte sich der kleine Planet der Sonne und dieser Umstand
-war es wohl, der eine gigantische Anstrengung der noch immer
-entfesselten Naturkräfte drohen ließ. Van Halen hielt es daher für das
-beste, wenn er jetzt zurückkehrte und den Luftpiraten warnte.
-</p>
-
-<p>
-Sowie es hell wurde, brach man auf, aber der Professor ließ einige
-seiner Instrumente zurück, in der Ueberzeugung, daß er noch einmal
-zurückkehren würde.
-</p>
-
-<p>
-Am Weltenfahrzeug fand man alles unverändert, die europäischen
-Mannschaften verbrachten ihre Zeit meist mit Nichtstun oder Reinigen
-der Maschinen. Lindo und Mors waren unablässig mit der Reparatur
-des Riesenmagneten beschäftigt.
-</p>
-
-<p>
-Der Luftpirat kam dem Gelehrten entgegen.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Haben Sie das Brausen und Zischen wieder vernommen, Kapitän?&ldquo;
-fragte Halen, als er einen Händedruck mit dem Maskierten getauscht.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;In der Tat,&ldquo; lautete die Antwort. &bdquo;Es scheint immer drohender
-und unheimlicher zu werden. Auch will Lindo andere unheimliche Töne
-gehört haben, aber davon habe ich nichts vernommen.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Der Professor dachte nur an das Brausen und Zischen, das waren
-zweifellos die glühenden Lavamassen. Er begab sich nach der dunklen
-Kluft und richtig, dort machte sich eine außerordentliche Wärme bemerkbar.
-</p>
-
-<p>
-Dann teilte er Kapitän Mors seine Beobachtungen am Feuerberg
-mit.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Das ist in der Tat bedenklich,&ldquo; meinte Kapitän Mors. &bdquo;Da müssen
-wir uns beeilen und noch eifriger arbeiten. Uebrigens eine Frage,
-bester Professor, können Ihre Instrumente den bevorstehenden Ausbruch
-genauer anzeigen?&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Sicherlich,&ldquo; rief der Gelehrte. &bdquo;Wenigstens dreißig Stunden vorher.
-Für die Zeit von vierundzwanzig Stunden könnte ich mich geradezu
-verbürgen.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Das ist gut,&ldquo; erwiderte Kapitän Mors. &bdquo;Da möchte ich Ihnen
-einen Vorschlag machen. Sie sagen ja selbst, daß Sie in den Klüften des
-Feuerberges ein ganz bequemes Unterkommen fanden. Kehren Sie also
-mit Star und den Indern zu Ihren Instrumenten zurück und signalisieren
-Sie mir, wenn Gefahr droht. Sie brauchen ja nur einen Eisenstab
-mitnehmen und daran eine blutrote Fahne aufziehen, die könnte ich
-von hier aus gewahren. Im äußersten Falle der Not würde ich meine
-Reservemaschinen in Tätigkeit setzen. Es ist zwar gefährlich, aber in der
-Not könnte ich mein Weltenfahrzeug von dieser gefährlichen Stelle
-hinwegbringen. Aber, wie gesagt, es ist nur für den Notfall.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Dagegen ließ sich nichts einwenden, denn dieser Ausweg war der
-beste.
-</p>
-
-<p>
-Man versah sich also mit neuen Vorräten, die in reicher Menge
-vorhanden waren. Auf dem Weltenfahrzeug befanden sich Lebensmittel,
-die für einige Jahre reichen konnten.
-</p>
-
-<p>
-Das Wasser auf dem kleinen Planeten war, wenn auch an manchen
-Stellen stark metallhaltig, doch an verschiedenen Stellen trinkbar. So
-brauchte man für den Bedarf an dem wertvollsten Lebenselement nicht
-in Sorge zu sein.
-</p>
-
-<p>
-Star, van Halen und die Inder kehrten also nach dem Feuerberg
-zurück, um dort die Beobachtungen fortzusetzen.
-</p>
-
-<p>
-Der Kapitän sollte im entscheidenden Moment gewarnt werden.
-</p>
-
-<p>
-Dann war ja immer Zeit genug, das Weltenfahrzeug durch Anwendung
-der Reservemaschinen nach einer anderen Stätte zu versetzen,
-freilich war ein solches Gewaltmittel immer gefährlich.
-</p>
-
-<p>
-War es aber dunkel, so sollte eine blutrote Laterne die Stelle der
-roten Fahne ersetzen.
-</p>
-
-<p>
-Kapitän Mors und sein getreuer Lindo arbeiteten also unablässig
-weiter. Sie strengten alle Kräfte an, sie arbeiteten sogar beim Schein der
-elektrischen Laternen, wobei ihnen noch der Mond behilflich war, der
-jetzt des Nachts sein strahlendes Licht verbreitete.
-</p>
-
-<p>
-Die Atmosphäre war klarer geworden, in der Nacht sah man häufig
-die Sterne funkeln. Die Wolken hatten sich teilweise nach den Wäldern
-zurückgezogen.
-</p>
-
-<p>
-Aber es war noch etwas, was Lindo beunruhigte. Die sonderbaren
-Töne, die er zuweilen aus der Kluft vernahm.
-</p>
-
-<p>
-Der Kapitän hielt es für Täuschung, aber Lindo hegte Bedenken,
-er meinte immer, daß in dieser dunklen Kluft sich irgend etwas verbergen
-könnte, etwas Gefährliches, was es aber war, wußte er nicht und
-konnte es auch nicht wissen.
-</p>
-
-<p>
-Kapitän Mors kümmerte sich nicht darum und meinte, es wäre
-nur eine Täuschung. Lindo aber warf während der Arbeit oft einen Blick
-nach der Gegend, wo die Felsblöcke lagen. Er glaubte, dort sei etwas
-Rätselhaftes, etwas Unheimliches verborgen. Dort aus der Kluft könnte
-plötzlich das Verderben hervorbrechen.
-</p>
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-5">
-<span class="firstline">5. Kapitel.</span><br />
-Die Ungeheuer der Tiefe.
-</h2>
-
-<p class="first">
-So vergingen die Tage und die ebenso langen Nächte rasch dahin, Mors
-und Lindo gönnten sich nur die notwendigste Ruhe.
-</p>
-
-<p>
-Die in dem Weltenfahrzeug befindlichen Leute mußten fortwährend
-nach dem Feuerberg Ausguck halten und nachsehen, ob sich nicht
-etwa die rote Laterne oder die rote Flagge zeigte.
-</p>
-
-<p>
-Bis jetzt war aber nichts zu sehen gewesen. Die Gefahr lag also
-noch fern. Noch hatte der Professor das Warnungssignal nicht gegeben.
-</p>
-
-<p>
-Inzwischen näherten sich die Reparaturarbeiten ihrem Ende. Die
-Verbindungen waren schon wieder hergestellt, aber nun kam die schwierigste
-Arbeit. Man mußte die neuen Gelenkstangen auf die in dem Weltenfahrzeug
-angebrachten riesigen Diamanten montieren.
-</p>
-
-<p>
-Das geschah auch außerhalb des Fahrzeuges, dort waren sogar die
-wichtigsten Arbeiten zu verrichten, und die beiden Männer versahen
-ihre Aufgabe mit wahrem Feuereifer.
-</p>
-
-<p>
-So lange die Sonne schien, brauchten sie kein künstliches Licht,
-aber sobald die Dunkelheit kam, arbeiteten sie mit ihren elektrischen
-Laternen.
-</p>
-
-<p>
-Die Warnungssignale am Berge aber waren immer noch nicht erschienen.
-</p>
-
-<p>
-Kapitän Mors glaubte schon, daß gar keine Gefahr drohe und daß
-das Ungewitter wieder vorübergezogen sei, vielleicht hatten die Spannungen,
-die der Professor an den Instrumenten beobachtet, schon wieder
-nachgelassen.
-</p>
-
-<p>
-So war wieder einmal die kurze Nacht gekommen.
-</p>
-
-<p>
-Der Himmel war klar, die Sterne funkelten, der Mond schien so
-hell, daß die beiden Männer kaum der elektrischen Laternen bedurften.
-</p>
-
-<p>
-Da vernahm man das Zischen und Brausen, welches zeitweise in
-den Eingeweiden dieser Miniaturwelt hörbar wurde.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Es sind die Lavamassen,&ldquo; meinte Lindo. &bdquo;Heute ist es stärker, als
-sonst, aber der Professor scheint noch keine Gefahr zu befürchten,
-sonst würde er das Signal zeigen.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Das Brausen und Zischen dauerte fort, da man es aber so oft gehört,
-kümmerte man sich nicht weiter darum. Jedenfalls kamen die
-Lavamassen noch nicht hervor, die tobten noch tief unter der Erde.
-</p>
-
-<p>
-Mit einemmal hielt Lindo in der Arbeit inne.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Hört, Kapitän, hört,&ldquo; rief er stutzend, &bdquo;hört Ihr nicht die seltsamen
-Laute? Das ist etwas ganz anderes, das ist das, was Ihr immer nicht
-glauben wolltet. Es kommt von jener verdächtigen Kluft her, es ist ein
-richtiges Schnarchen und Röcheln!&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-In der Tat hörte Kapitän Mors jetzt selbst die Töne, von denen
-Lindo mehrmals erzählt und die er für Täuschung gehalten.
-</p>
-
-<p>
-Der Eingang der Kluft war von dem Ort, wo die beiden Männer
-hantierten, durch einige emporragende Felsen verdeckt.
-</p>
-
-<p>
-Bald schien auch das Röcheln und Schnarchen zu verstummen.
-</p>
-
-<p>
-Kapitän Mors wendete sich wieder seiner Arbeit zu, als Lindo von
-neuem aufschrie:
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Kapitän, da seht &mdash; da, eine Schlange! Eine ganz seltsame
-Schlange!&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Der Luftpirat fuhr herum.
-</p>
-
-<p>
-Richtig, dort über der Klippe, hinter der die Kluft lag, ragte etwas
-hervor, was wie der Hals einer riesigen Schlange aussah.
-</p>
-
-<p>
-An diesem Hals aber hing ein sonderbarer Kopf, von ganz merkwürdiger
-Form, der war nicht schlangenartig, sondern fast eckig, aus
-diesem Kopf ragte eine lange, gelbe Zunge heraus, der Rachen war geöffnet
-und in diesem sah man geradezu grauenvolle Zähne.
-</p>
-
-<p>
-Aber am fürchterlichsten waren die Augen an diesem Kopf, denn
-die standen wie auf Sockeln, sie waren so groß wie Fäuste und flimmerten
-wie Karfunkel.
-</p>
-
-<p>
-Dieser Kopf betrachtete die beiden Männer, dann kam das seltsame
-Röcheln und Schnarchen aus dem geöffneten dampfenden Rachen
-hervor.
-</p>
-
-<p>
-Der erste Gedanke Kapitän Mors&rsquo; war, die elektrischen Waffen zu
-holen, aber die befanden sich im Innern des Fahrzeuges. Das Ungetüm
-aber, welches da hinter dem Felsen emporragte, befand sich der Tür,
-welche in das Innere des Weltenfahrzeuges führte, viel näher, als die
-beiden Männer und konnte sie daher bei einem Rückzug mit Leichtigkeit
-abfangen.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Kapitän, da ist noch solch Ding!&ldquo; schrie Lindo, indem er nach
-dem Felsen deutete. &bdquo;Das sieht ebenso fürchterlich aus. Nehmt Euch in
-Acht Kapitän, die Beester schnappen!&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-In diesem Augenblick fuhren die langen Schlangenhälse auf die
-Männer zu. Kapitän Mors und Lindo aber wichen gewandt aus und
-sprangen seitwärts, indem sie unwillkürlich hinter einem anderen Felsblock
-Schutz suchten.
-</p>
-
-<p>
-Jetzt konnten sie seitwärts auf die Ungetüme schauen, aber da
-gewahrten sie etwas ganz Merkwürdiges.
-</p>
-
-<p>
-Das waren keine Schlangen, sondern die langen Hälse saßen an
-einem plumpen, fürchterlichen Körper, der so dick wie der eines Elefanten
-war, dieser Riesenkörper war graubraun und schleimig, das Tier mit
-dem langen Schlangenhals und den funkelnden Augen war ein Vierfüßler
-und an den plumpen Füßen schienen sich mächtige Krallen zu befinden.
-</p>
-
-<p>
-Zwei dieser Bestien waren da, und sie rutschten jetzt mit ziemlicher
-Geschwindigkeit heran. Sie suchten die beiden Männer anzugreifen.
-</p>
-
-<p>
-Kapitän Mors war jetzt alles klar.
-</p>
-
-<p>
-Diese bisher unbekannten Untiere, welche sicherlich zu den Riesensauriern
-gehörten, hausten dort in der Kluft und kamen nur von Zeit
-zu Zeit an die Oberwelt, um Beutezüge anzutreten.
-</p>
-
-<p>
-Sie waren es sicherlich, welche die großen Knochen, die da auf
-dem Stein lagen, durchgebissen hatten. Das konnte man diesen fürchterlichen
-Zähnen schon zutrauen.
-</p>
-
-<p>
-Nun galt es, sich zu verteidigen, denn die Ungetüme schienen sich
-merkwürdig schnell zu bewegen, so plump sie auch aussahen, waren die
-Bewegungen doch rasch und verhältnismäßig gewandt. Es war etwas
-Eidechsenartiges, Bewegliches in der Art und Weise, wie sich diese
-plumpen Massen vorwärtsschoben.
-</p>
-
-<p>
-Die beiden Männer waren mit ungenügenden Waffen ausgestattet.
-Kapitän Mors besaß ein wohl fußlanges, haarscharfes Dolchmesser und
-Lindo hatte eine schwere gleichfalls haarscharf geschliffene Axt aufgegriffen.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Kapitän, sie werden uns einholen,&ldquo; rief der treue Inder ganz verzweifelt.
-&bdquo;Die Bestien bewegen sich so gewandt wie die Aale.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Ja, ich sehe es, Lindo,&ldquo; sprach Mors, der mit seinem treuen Begleiter
-von Stein zu Stein sprang. &bdquo;Es wird uns nichts übrig bleiben, wir
-müssen kämpfen, wir müssen uns so gut es geht gegen die Ungeheuer
-der Tiefe verteidigen.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Lindo biß die Zähne zusammen, aber er verlor die Geistesgegenwart
-nicht. Treu wie er war, wollte er sogar Mors die Axt als die bessere
-Waffe einhändigen und dafür das Messer nehmen.
-</p>
-
-<p>
-Der Luftpirat wies dies edelmütige Anerbieten zurück.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Nimm nur die Axt, treue Seele,&ldquo; sprach er. &bdquo;Das Messer genügt
-mir. Nun will ich Dir einen Rat geben. Du siehst, daß diese Ungetüme
-sehr lange und dünne Hälse haben, die scheinbar gar nicht zu den massiven
-Körpern passen. Haue mit Deiner Axt nach der Stelle, wo sich
-dieser lange Schlangenhals mit dem Körper vereinigt und suche dort die
-Halswirbel zu durchhauen. Nun paß auf. Da kommen sie angeglitten.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Die beiden Ungeheuer schnarchten entsetzlich, man hörte, wie ihr
-furchtbares Gebiß zusammenklappte. Jedenfalls waren es Fleischfresser
-und die Bestien lechzten nach Beute.
-</p>
-
-<p>
-Freilich mochten ihnen diese seltsamen Geschöpfe, die Menschen,
-höchst absonderlich vorkommen. Aber es waren Lebewesen, und die
-Kolosse vertrauten auf ihre ungeheure Stärke. Sie waren auch wohl
-hungrig und nun kamen sie herangeglitten, mit aalartigen Bewegungen,
-unheimlich schnell, man konnte diesen Ungetümen nicht entrinnen.
-</p>
-
-<p>
-Der Rückweg zu dem Weltenfahrzeug war den beiden Männern
-abgeschnitten. Es half nichts, sie mußten das Abenteuer bestehen.
-</p>
-
-<p>
-Kapitän Mors wandte sich gegen das größte Ungetüm, während
-Lindo beherzt den Angriff des zweiten, kleineren Ungeheuers erwartete.
-</p>
-
-<p>
-Im Moment, als Kapitän Mors sich gegen das schnarchende Ungetüm
-wendete, warf er einen flüchtigen Blick auf die Kluft, aus der die
-Ungetüme hervorgestiegen sein mußten.
-</p>
-
-<p>
-Da gewahrte er noch etwas Bewegliches, da kam ein dritter Schlangenhals
-zum Vorschein, ein drittes Ungetüm kam röchelnd und schnarchend
-aus der Kluft hervorgekrochen.
-</p>
-
-<p>
-Aber Kapitän Mors hatte keine Zeit, sich mit weiteren Beobachtungen
-abzugeben, er mußte handeln, die Gefahr drohte, sie war sogar
-aufs äußerste gestiegen.
-</p>
-
-<p>
-Das riesige Ungetüm vor ihm richtete sich halb auf, der Schlangenhals
-schwebte hoch über Kapitän Mors&rsquo; Kopf, die Augen glühten
-und schillerten, das Tier selbst war vom Mond grell beleuchtet.
-</p>
-
-<p>
-Jetzt hockte das Tier in einer sitzenden Stellung und suchte Kapitän
-Mors mit den viel kürzeren Vordertatzen zu fassen.
-</p>
-
-<p>
-Aber Kapitän Mors war auf seiner Hut und es kam ihm zu statten,
-daß er sich auf dem kleinen Planeten mit größter Leichtigkeit bewegen
-konnte.
-</p>
-
-<p>
-Blitzschnell wich er den Hieben der drohenden Tatze aus und
-sprang zur Seite. Dann blitzte das lange Messer, Kapitän Mors stieß es
-in den langen Schlangenhals des Tieres und zog den Griff der Waffe mit
-kräftigem Schnitt nach der Mitte der Brust hinunter.
-</p>
-
-<p>
-Dunkelrotes Blut spritzte hervor, es war eine furchtbare Wunde,
-aber das Tier schien sich wenig darum zu kümmern.
-</p>
-
-<p>
-Es schnarchte greulich, der lange Kopf auf dem Schlangenhals fuhr
-herab und wieder sah Kapitän Mors das fürchterliche Gebiß mit den
-drohenden Zähnen.
-</p>
-
-<p>
-Das Ungeheuer schien jedoch seine Beute weniger mit dem Gebiß
-packen, als mit den Krallen erhaschen zu wollen, dabei hüpfte es auf
-den Hinterbeinen sitzend, auf Mors zu, sodaß seine Bewegungen an die
-eines riesigen Kängurus erinnerten.
-</p>
-
-<p>
-Jedenfalls war das Tier mit den sogenannten Lälaps verwandt, ein
-Tier der Vorwelt auf Erden, welches einem riesigen Känguru ähnelte,
-nur, daß dieses Tier den langen Schlangenhals besaß, der ihm das
-schlangenartige Aussehen sicherte.
-</p>
-
-<p>
-Kapitän Mors konnte sich jetzt nicht um Lindo bekümmern und
-gewahrte nur bei einem gedankenschnellen Blick, daß sein treuer Gefährte
-mit dem zweiten Ungeheuer kämpfte.
-</p>
-
-<p>
-Jetzt kam der Riese wieder herangehüpft, schnarchte laut und
-suchte mit seinen beiden gewaltigen Tatzen Kapitän Mors zu packen.
-</p>
-
-<p>
-Diesmal bückte sich der Luftpirat nur und führte einen furchtbaren
-Stoß nach der Stelle, wo er das Herz des riesigen Ungeheuers vermutete.
-</p>
-
-<p>
-Ein gewaltiger Blutstrahl sprudelte hervor, fast wie aus einem
-Springbrunnen. Kapitän Mors duckte sich schnell und entwischte gerade
-noch aus den Krallen des Ungeheuers, die ihn zu packen drohten.
-</p>
-
-<p>
-Wieder tönte das Schnarchen, gräßliche Wut malte sich in den
-weiß leuchtenden Augen des Ungetüms, aber seine Bewegungen waren
-nicht mehr so schnell wie vorhin, es schien die Wirkung der blanken
-Waffe zu spüren.
-</p>
-
-<p>
-Das Blut schoß wie eine Fontäne aus der Wunde in der Brust und
-es war möglich, daß der Stich das Herz verletzt hatte. Die Bestie warf
-schreckliche Blicke auf den Menschen, der jetzt mit Befriedigung die
-entschwindenden Kräfte des Angreifers bemerkte.
-</p>
-
-<p>
-Inzwischen war Lindo auch nicht müßig gewesen und hatte mit
-der Axt auf die von Mors bezeichnete Stelle losgehauen.
-</p>
-
-<p>
-Der Brave hieb zu, als wollte er einen Baumstamm fällen, aber das
-war sein Glück. Es gelang ihm, mit der haarscharf geschliffenen Axt den
-Halswirbel des Ungeheuers zu durchschneiden und das Rückgrat an der
-Stelle zu trennen, wo der Schlangenhals mit dem massigen Leibe verbunden
-war.
-</p>
-
-<p>
-Auch dieses Ungeheuer stieß ein fürchterliches Schnarchen aus,
-welches aber fast einem Gebrüll ähnelte, dann drehte es sich ein paar
-Mal rund herum, fiel auf den Rücken und begann im Todeskampf
-schrecklich zu zappeln.
-</p>
-
-<p>
-Da sah Kapitän Mors, der eben noch seine Aufmerksamkeit seinem
-Gegner zugewendet, das dritte Ungeheuer lautlos herangleiten.
-Kein Zweifel, es wollte Lindo von hinten packen.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Drehe Dich um Lindo,&ldquo; schrie der Luftpirat mit furchtbarer Stimme.
-&bdquo;Es ist noch eins hinter Dir! Rasch, rasch, es will Dich fassen!&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Der Inder sprang blitzschnell bei Seite und das war sein Glück, da
-im selben Moment das Ungetüm an der Stelle, wo er gestanden, anlangte.
-</p>
-
-<p>
-Es röchelte und schnarchte und drehte den langen Schlangenhals
-bald nach rechts, bald nach links, indem es die beiden Männer mit den
-fürchterlich leuchtenden Augen anstarrte.
-</p>
-
-<p>
-Aber jetzt wurde es von den beiden Männern angegriffen. Bald
-von links, bald von rechts, sodaß die Bestie gar nicht wußte, wohin sie
-sich zuerst wenden sollte.
-</p>
-
-<p>
-Lindo hieb mit der Axt auf die Halswirbel der Bestie los, Kapitän
-Mors aber bohrte ihm das fußlange Dolchmesser in die Seite.
-</p>
-
-<p>
-Jedesmal schnarchte das Tier laut und fuhr herum, um seinen
-Gegner zu packen, der aber sprang alsdann gewandt zurück, während
-sein Gefährte den Angriff erneuerte.
-</p>
-
-<p>
-Immer lauter wurde das Schnarchen, das Röcheln; aber jetzt spritzte
-auch das schwarzrote Blut von allen Seiten hervor, das Ungeheuer
-taumelte. Kapitän Mors hatte sicherlich das Herz getroffen. Lindo aber
-hatte ihm mit einem furchtbaren Axthieb den Halswirbel fast ganz
-durchgeschlagen.
-</p>
-
-<p>
-Inzwischen waren auch die beiden anderen Ungetüme verendet,
-und nun sahen die zwei Männer auf die Kampfstätte, auf die drei Riesen
-der Tierwelt, auf die Lachen geronnenen, schwarzroten Blutes.
-</p>
-
-<p>
-Aber da kam auch schon wieder der Tag heran, die kurze Nacht
-ging zu Ende, die Sterne verblichen, die Sonne erschien und beleuchtete
-die massigen Gestalten der erlegten Ungetüme.
-</p>
-
-<p>
-Vom Weltenfahrzeug herüber hörte man die Schreie der Männer,
-welche die Besatzung bildeten. Aber die waren über den Anblick dieser
-unheimlichen Riesentiere so entsetzt gewesen, daß sie gar nicht wußten,
-was sie tun sollten.
-</p>
-
-<p>
-Jetzt aber erschienen sie auf der Galerie und wollten ihren Augen
-nicht trauen, als sie die beiden Helden noch lebend sahen.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Na, Ihr habt uns schön im Stich gelassen,&ldquo; rief Lindo ärgerlich.
-&bdquo;Da seht mal, was der Kapitän wieder mal geleistet hat.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Laß es nur gut sein,&ldquo; erwiderte Mors. &bdquo;Du hast Dein redliches
-Teil dazu beigetragen. Ich bin stolz auf Dich. Du hast gekämpft, wie ich
-es erwartete. Wir sind Sieger geblieben.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Hoffentlich kommen nicht mehr heraus,&ldquo; meinte Lindo, indem
-er nach der Kluft hinblickte. &bdquo;Am Ende befindet sich eine ganze Herde
-darinnen.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Das glaube ich nicht,&ldquo; erwiderte Kapitän Mors. &bdquo;Das halte ich für
-ausgeschlossen. Diese Tiere leben sicherlich nicht in größerer Menge,
-und ich glaube wohl, daß wir ein Pärchen dieser Kolosse mit einem
-ausgewachsenen Jungen bekämpfen mußten. Genug, das Abenteuer ist
-vorüber und wir sind die Sieger geblieben.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Da deutete Lindo nach dem Vulkan hinüber, der von der Sonne
-beleuchtet wurde.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Kapitän,&ldquo; schrie er. &bdquo;Das Zeichen, das Signal! Kapitän, da weht
-die rote Fahne! Jetzt droht uns Gefahr von den Elementen der Tiefe! Da
-zischt es, da braust es schon wieder! Da will die Lava aus den Eingeweiden
-der Erde hervorquellen!&ldquo;
-</p>
-
-<h2 class="chapter" id="chapter-0-6">
-<span class="firstline">6. Kapitel.</span><br />
-Im Todeskrater.
-</h2>
-
-<p class="first">
-In der Tat hatte der Professor mit seinen Gefährten das Warnungssignal
-erteilt.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Geschwind, Lindo,&ldquo; rief Mors, für den das furchtbare Abenteuer
-schon vergessen zu sein schien. &bdquo;Jetzt ist jeder Augenblick Zeit kostbar.
-Wir müssen die Arbeit am Riesenmagnet beenden. Ich denke, Star wird
-bald zur Unterstützung herbeikommen.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Darin sollten sich die beiden Männer nicht täuschen.
-</p>
-
-<p>
-Bald kam die kurze Nacht, aber die Ungeheuer der Tiefe ließen
-sich nicht mehr blicken, als es aber wieder hell wurde, kamen die Inder,
-Star und der Professor vom Vulkan herüber.
-</p>
-
-<p>
-Die staunten nicht wenig, als man ihnen das Abenteuer erzählte
-und als sie die Körper der getöteten Ungetüme gewahrten. Der Professor
-vergaß sogar die Nachricht, die er brachte und mußte erst von Kapitän
-Mors daran erinnert werden.
-</p>
-
-<p>
-Dann erstattete er seinen Bericht und deutete auf die Instrumente,
-die man wieder mit zurückgebracht.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Die Katastrophe droht,&ldquo; sprach der Professor. &bdquo;In spätestens vierundzwanzig
-Stunden werden die Lavamassen aus dem Innern der Erde
-hervorbrechen, und wenn wir bis dahin nicht das Weltenfahrzeug aus
-dem Krater befreit haben, ist alles verloren. Die Lavamassen würden das
-Fahrzeug mit einem hunderttausende von Zentnern schweren feurigen
-Mantel bedecken.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Ich weiß,&ldquo; erwiderte Mors. &bdquo;Star, hierher, Du bist der einzige, der
-uns jetzt helfen kann. Wir arbeiten jetzt, so lange wir können. Wenn die
-Gefahr nahe rückt, muß ich zum letzten Mittel greifen, wenn es auch
-noch so gefährlich ist, es geht eben auf Tod und Leben.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Da wurde kein Augenblick verloren.
-</p>
-
-<p>
-Auch der Professor bot seine Hilfe an, aber Mors konnte nur Star
-und Lindo zu der Arbeit verwenden. Diese beiden waren die einzigen,
-die bei der Herstellung des Riesenmagneten und der Fertigstellung der
-Gelenkverbindungen Hand anlegen konnten.
-</p>
-
-<p>
-Diese Männer mußten sich jetzt die Lufthelme mit den dazu gehörigen
-Apparaten aus dem Weltenfahrzeug holen, denn die Luft wurde
-dermaßen dick und schwer, daß sie kaum noch zum Atmen geeignet
-schien. Sie war jetzt nicht nur von Kohlensäure, sondern auch von Gasen
-gesättigt. Der blaue Himmel verschwand und an seine Stelle traten
-ungeheure dicke Wolken die ein schreckliches Aussehen hatten.
-</p>
-
-<p>
-Zuweilen krachte der Donner und dann zuckten Blitze von einer
-solchen Helligkeit und solch enormer Ausdehnung, wie es die so viel
-gereisten Männer noch nie gesehen hatten. Es war ein Aufruhr der Elemente,
-der geradezu fürchterlich erschien und alles rührte, wie der Professor
-behauptete, nur von den unterirdischen Gewalten her, die sich zu
-einem geradezu fürchterlichen Ausbruch vorbereiteten.
-</p>
-
-<p>
-Von dem mächtigen Vulkan war nichts mehr zu sehen, diesen
-bedeckten die ungeheuren Wolken, aber es krachte und prasselte unablässig
-in diesen dichten Massen. Man hörte ein greuliches Rollen und
-Poltern, ein Beweis, daß der riesige Vulkan sich bereits in voller Tätigkeit
-befand, daß sein Krater glühende Lavamassen emporschleuderte.
-</p>
-
-<p>
-Aber nun begann es sich auch in der Nähe des Weltenfahrzeuges
-zu regen.
-</p>
-
-<p>
-Lindo blickte zuweilen nach der Kluft hin, aus der die Saurier
-hervorgekommen waren, befanden sich dort noch mehr, so mußte sie
-der Aufruhr der Elemente aus ihren Schlupfwinkeln hervortreiben.
-</p>
-
-<p>
-Aber das geschah nicht, die drei Tiere, welche dort gelebt, waren
-von Lindo und dem Kapitän getötet worden. Von den Bestien dieser
-neuen Welt war jetzt nichts mehr zu fürchten, wohl aber von den Elementargewalten.
-</p>
-
-<p>
-Die unheimlichen Töne kamen aus dem alten Krater, in welchen
-das Weltenfahrzeug gestürzt war. Dort rauschte und zischte und brodelte
-es, das war ein richtiger Höllenkessel geworden.
-</p>
-
-<p>
-Dort kam die Lava langsam empor, die feurige Masse, welche so
-lange in der Tiefe geschlummert hatte.
-</p>
-
-<p>
-Man vernahm die unheimlichen Töne, welche diese siedenden
-Massen hervorbrachten. Die Hitze nahm zu, zuweilen glaubte Lindo
-schon, die glühenden Massen leuchten zu sehen.
-</p>
-
-<p>
-So arbeiteten die drei Männer mit fieberhafter Hast an der Herstellung
-des Weltenfahrzeuges.
-</p>
-
-<p>
-Es war aber vorauszusehen, daß die Elemente schneller arbeiteten,
-als die Menschenhand. Die Lava mußte hervorbrechen und das Weltenfahrzeug
-erreichen. Geschah dies, so wurde das geniale Wunderwerk in
-die glühenden Massen eingebettet und dann war es für alle Zeiten verloren.
-</p>
-
-<p>
-Kapitän Mors holte jetzt den Professor, nicht um ihn arbeiten zu
-lassen, sondern damit van Halen die langsam empordringende Lava
-beobachtete.
-</p>
-
-<p>
-Der Astronom konnte die Arbeitenden noch rechtzeitig warnen,
-damit sie sich mit ihm in das Weltenfahrzeug flüchteten.
-</p>
-
-<p>
-War aber dann die Arbeit noch nicht getan, so mußte eben Kapitän
-Mors zum äußersten Mittel greifen, zu dem letzten Ausweg, der
-noch eine Rettung versprach, obwohl diese Hilfe das Fahrzeug und
-seine Insassen in die höchste Gefahr brachte.
-</p>
-
-<p>
-Der Professor versah sich ebenfalls mit dem Lufthelm, und begab
-sich zu der schrecklichen Kluft.
-</p>
-
-<p>
-Dort war bereits alles rötlich erleuchtet, der Widerschein der glühenden
-Lava, die langsam, aber unaufhörlich höher und immer höher
-drang, die zuletzt den unheimlichen Todeskrater überfluten mußte.
-</p>
-
-<p>
-Dazu donnerte der Vulkan, man hörte sein Brüllen, man sah, wie
-die Lavablöcke durch die Dunstmassen heruntersausten. Man hörte das
-Aufprasseln der gewaltigen Massen, die auf dem steinigen Boden in
-tausend Stücke zersprangen.
-</p>
-
-<p>
-Aber niemand hatte Zeit, einen Blick auf dies ebenso grausige, wie
-wunderbare Bild zu werfen. Die Sorge für das Weltenfahrzeug nahm alle
-Sinne in Anspruch.
-</p>
-
-<p>
-Plötzlich kam der Professor zurückgerannt.
-</p>
-
-<p>
-Seine Stimme klang dumpf und hohl in dem aus Metall und Glas
-bestehenden Helm. Er deutete mit der Rechten nach der Kraterkluft
-hinüber.
-</p>
-
-<p>
-Es war gar nicht nötig, daß er sprach und die drei arbeitenden
-Männer auf die Gefahr aufmerksam machte. Diese sahen bereits, wo die
-Gefahr nahte.
-</p>
-
-<p>
-Dort bei dem Kraterkessel war ja alles in wilder Bewegung, da stieg
-eine leuchtende, rote Masse hervor, rotglühender Brei floß zwischen
-den schwarzen Steinen hindurch, es war die glühende Lava, die einen
-Weg nach außen suchte.
-</p>
-
-<p>
-Noch lag das Weltenfahrzeug höher, als die feurige Masse, aber es
-durfte keinen Augenblick Zeit verloren werden.
-</p>
-
-<p>
-Diesmal klang Kapitän Mors&rsquo; Stimme dumpf und hohl, aber jedem
-verständlich.
-</p>
-
-<p>
-Er forderte seine Begleiter auf, daß sie sich auf der Stelle nach dem
-Weltenfahrzeug begeben sollten.
-</p>
-
-<p>
-Der Professor eilte hinüber, Lindo und Star folgten, nachdem sie
-die Werkzeuge zusammengerafft hatten.
-</p>
-
-<p>
-Sie warfen dabei bedauernde Blicke auf den Lenkapparat, der noch
-immer nicht ganz in Ordnung war. Der Riesenmagnet konnte noch
-nicht in Tätigkeit treten.
-</p>
-
-<p>
-Der Kapitän folgte als letzter und schloß hastig die beiden metallnen
-Türen.
-</p>
-
-<p>
-Dann kam er nach dem Maschinenraum, wo Star, Lindo und der
-Professor auf ihn warteten.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Wir hätten uns ohnehin zum letzten Mittel entschließen müssen,&ldquo;
-sprach der Luftpirat, als er den Lufthelm abgenommen. &bdquo;Die Instrumente
-sind ja alle in wildester Verwirrung, wie es bei solchem Ausbruch
-elementarer Naturgewalten nicht anders sein kann. Da wäre es
-sehr fraglich gewesen, ob der Riesenmagnet gearbeitet hätte. Selbst wenn
-er sich in gutem Zustande befand, hätte also doch die Maschine, die
-hier für den Notfall aufgestellt ist, in Tätigkeit treten müssen. So, jetzt
-ist es Zeit, Professor, gehen Sie nach dem Mittelraum, damit Sie keinen
-Schaden nehmen. Wir wissen schon, wie wir uns hier schützen können.
-Lindo, Star, Ihr beide tretet hinter die Panzerwand, jetzt kommt die
-Entscheidung.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Wenige Minuten später befand sich Kapitän Mors mit Star und
-Lindo allein im Maschinenraum.
-</p>
-
-<p>
-Der Ingenieur und der Inder waren hinter die Panzerwand getreten,
-welche die Männer gegen die Wirkungen der Maschinengewalt
-schützte. Kapitän Mors aber hantierte an jenem eigenartigen Apparat,
-welcher bei einer früheren Fahrt die beiden Meuterer zu Asche verwandelt
-hatte.
-</p>
-
-<p>
-Er zog an Hebeln, er drehte Schwungräder und bald erschallte ein
-Lärm, der die Sinne betäuben konnte.
-</p>
-
-<p>
-Die seltsame Maschine war in voller Bewegung, die Schwungräder
-wirbelten mit fürchterlicher Schnelligkeit herum, man sah leuchtende
-Strahlen und zuckende Blitze, die zuweilen im Innern der Maschine
-entstanden, die sich gleich elementaren Blitzen kreuzten.
-</p>
-
-<p>
-Die Maschine war eine Erfindung des Kapitän Mors, er hatte über
-ihre Konstruktion stets den Schleier des Geheimnisses gebreitet. Die
-Beschreibung dieser Maschine und ihre Wirkung war in der Bibliothek
-verwahrt und lag dort in einem stählernen Kasten, dessen Schlüssel Kapitän
-Mors niemals von sich ließ.
-</p>
-
-<p>
-Er war auch der einzige, der diese gefährliche Maschine in Tätigkeit
-setzen konnte und imstande war, bis zum letzten Augenblick in der
-Nähe der herumwirbelnden Schwungräder auszuhalten.
-</p>
-
-<p>
-Plötzlich sprang der Luftpirat mit mächtigem Satz hinter die Panzerwand,
-welche Lindo und Star schützte.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Nun kommt die Entscheidung,&ldquo; sprach Mors, während seine
-feurigen Augen nach der Maschine hinüberblickten. &bdquo;Entweder kommen
-wir jetzt aus dem Krater heraus, oder wir werden samt dem Weltenfahrzeug
-in Atome zerschmettert. Menschliche Kraft und menschliches
-Wissen sind aufgeboten, aber jetzt stehe ich an der Grenze des Erreichbaren.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Im Maschinenraum tobte jetzt ein wahrer Höllenlärm, das rätselhafte
-Werk des Kapitän Mors arbeitete, als würde es von bösen Geistern
-bedient und getrieben. Es war ein Sausen und Brausen, ein Knattern
-und Krachen, ein Zischen und Summen, daß Lindo und Star sich die
-Ohren zuhielten.
-</p>
-
-<p>
-Plötzlich ging ein Ruck durch das Weltenfahrzeug, dem bald darauf
-ein zweiter und dritter folgte.
-</p>
-
-<p>
-Nun geschah etwas anderes, schier Unheimliches, Star und Lindo
-hatten die Empfindung, als ob das Weltenfahrzeug emporgehoben würde.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Die Lava ist unter unserem Fahrzeug,&ldquo; rief Star, als sich der Stoß
-wiederholte.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Nein, sonst wäre alles vorüber,&ldquo; erwiderte der Kapitän. &bdquo;Die Maschine
-hat jetzt ihre volle Kraft entwickelt und diese Kraft ist es, die uns
-emporhebt und uns ein Stück von der gefährlichen Stelle hinwegtragen
-soll. Gelingt dies nicht, so kann auch ich nicht mehr helfen.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Eine unheimliche Ruhe lag in diesen Worten des Kapitän Mors,
-ein Beweis, daß diesem Manne der Tod gleichgiltig war. Der Ruck aber
-wiederholte sich und wieder hatten Star und Lindo die Empfindung, als
-wenn eine unheimliche Gewalt das Fahrzeug emporhebe und es gewaltsam
-hin- und herschüttelte.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Wir schweben,&ldquo; erwiderte Kapitän Mors. &bdquo;Ich habe den Kurs des
-Fahrzeuges nach Osten gerichtet, denn dort war eine ebene, wenn auch
-steinige Fläche. Aber dort droht kein vulkanischer Ausbruch.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Das Weltenfahrzeug schwankte hin und her, aber es schwebte offenbar.
-</p>
-
-<p>
-Sicherlich flog es nicht hoch und Star fürchtete, daß es jeden Moment
-gegen eine der nahen Klippen rennen möchte, zumal sich diese
-oft mehrere hundert Meter hoch erhoben.
-</p>
-
-<p>
-Aber Kapitän Mors hatte den Kurs des Fahrzeuges aufs Genaueste
-berechnet und die Richtung des Fahrzeuges so bestimmt, daß es zwischen
-den drohenden Felsen hindurchfuhr.
-</p>
-
-<p>
-Wieder schwankte der Koloß hin und her, dann erhielt es plötzlich
-einen Stoß, noch einen und das Weltenfahrzeug stand unbeweglich.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Ich glaube, wir sind gerettet,&ldquo; rief der Luftpirat.
-</p>
-
-<p>
-Star wollte hinter der Panzerwand hervorkommen, aber Kapitän
-Mors hielt ihn krampfhaft fest.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Stürze Dich nicht ins Verderben,&ldquo; sprach er ernst. &bdquo;Du siehst
-doch, daß die Maschine noch immer in Tätigkeit ist. Es dauert noch
-eine Weile, ehe sich die gigantische Kraft beruhigt.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Diese Warnung war notwendig, denn im Maschinenraum leuchtete
-es zuweilen unheimlich auf. Es waren bläuliche und grünliche Blitze,
-welche die Maschine schleuderte, und jeden Menschen, der sich in ihren
-Bereich wagte, mit Verderben bedrohten.
-</p>
-
-<p>
-Diese Entladungen ließen allmählich nach, auch die Schwungräder
-arbeiteten nicht mehr so wild wie erst. Sie drehten sich langsamer, immer
-langsamer, bis sie endlich unbeweglich stehen blieben.
-</p>
-
-<p>
-Der Kapitän aber betrachtete mit stolzen Blicken dieses Werk, das
-sein Genie geschaffen.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Ich habe viel von dieser Maschine erwartet,&ldquo; sprach er halb für
-sich, halb zu seinen Leuten. &bdquo;Aber, sie hat meine Erwartungen übertroffen.
-Jetzt, Star, kannst Du einen der Schieber vor dem Glasfenster öffnen.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Der Ingenieur tat, wie ihm geheißen, der schwere Schieber bewegte
-sich seitwärts, ein roter Schimmer drang in das Innere des Maschinenraumes.
-</p>
-
-<p>
-Star stieß einen Ausruf des höchsten Staunens aus, als er ein nie
-geschautes Bild erblickte. Lindo und Kapitän Mors waren sofort an
-seiner Seite.
-</p>
-
-<p>
-Das Weltenfahrzeug lag auf einer steinernen Hochfläche, wenigstens
-tausend Meter vom Todeskrater entfernt, aus dem es das Geschick
-und das Genie seines Erbauers emporgehoben hatte.
-</p>
-
-<p>
-Dort aber war jetzt der Tod und das Verderben entfesselt, deutlich
-sah man von diesem hochgelegenen Standpunkt aus die Lavaströme aus
-dem scheinbar erloschenen Krater hervorbrechen und allgemach die
-Umgebung überschwemmen.
-</p>
-
-<p>
-Man sah, wie die glühenden Lavamassen die Körper der drei getöteten
-Rieseneidechsen umspülten und wie die Kolosse unter der Lava zu
-Asche verbrannten. Dann bildeten die glühenden Massen einen kleinen
-See, aus dem nur die höheren Felsen aus der Nähe des Todeskraters
-hervorragten.
-</p>
-
-<p>
-Dazu kam noch das Gebrüll des Vulkans, den man aber noch
-immer nicht zu sehen vermochte. In der Nähe des Feuerberges wirbelten
-jetzt dicke Mengen von Dampf und Qualm, die nur zuweilen durch
-die herniederprasselnden, glühenden Steine erleuchtet wurden.
-</p>
-
-<p>
-Star betrachtete dieses großartige Bild, er sah, daß auch weiterhin
-Ausbrüche stattfanden. Die Oberfläche des kleinen Planeten schien jetzt
-ein Bild des Grauens und der Verwüstung zu bieten.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Es scheint, als ob der ganze Weltkörper auseinander gehen wollte,&ldquo;
-sprach der Ingenieur endlich zum Kapitän, der mit eiserner Ruhe
-das großartige Bild betrachtete.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;O nein,&ldquo; lautete die Antwort, &bdquo;das mag hier öfters vorkommen,
-und so ist es auch früher auf der Erde gewesen. Das sind eben noch die
-entfesselten Naturgewalten, die in der Erde nur noch in der Tiefe
-schlummern. Hier ist die Kruste, welche diese Erde bedeckt, noch nicht
-stark genug, um die tobenden Elemente zu bändigen, aber mit der Zeit
-wird auch hier die Erstarrung eintreten.&ldquo;
-</p>
-
-<p>
-Damit sah Kapitän Mors nach rechts und links, um die Umgebung
-des Weltenfahrzeuges in Augenschein zu nehmen.
-</p>
-
-<p>
-Er war offenbar befriedigt.
-</p>
-
-<p>
-All seine Berechnungen waren in Erfüllung gegangen, der &bdquo;Meteor&ldquo;
-lag an einer Stelle, wo ihm keine Gefahr drohte. Hier konnte man,
-wenn die Luft wieder reiner geworden war, die Reparatur des Lenkapparates
-beenden und den unheimlichen, kleinen Planeten verlassen.
-</p>
-
-<p>
-Nicht weit von der Fläche sah man Wald, der ebenfalls von Sumpf
-umgeben war. Der Wald schien sich überhaupt nur an Stellen zu befinden,
-wo der Sumpf die tieferen Stellen des Planeten bedeckte.
-</p>
-
-<p>
-In diesem Walde war alles in Bewegung, die tierischen Bewohner
-schienen sich zu flüchten. Man sah zuweilen große graue Massen, die
-am Rande des Gehölzes sichtbar wurden, aber sofort wieder in dem
-undurchdringlichen Unterholz verschwanden.
-</p>
-
-<p>
-Am wunderbarsten aber sahen jene fledermausartigen Geschöpfe
-aus, die jetzt durch das Toben der Elemente aufgestört, zuweilen über
-den Kronen der Palmen oder der Riesenfarren auftauchten und mit
-sonderbaren gaukelnden Bewegungen hin- und herflatterten.
-</p>
-
-<p>
-Es war jetzt gerade der kurze Tag und da konnte man diese Tiere
-durch Ferngläser genauer betrachten. Sie waren halb Vögel, halb Eidechsen
-und besaßen Flughäute wie die Fledermäuse, sowie große mit spitzen
-Zähnen besetzte Rachen.
-</p>
-
-<p>
-Man konnte sogar im Weltenfahrzeug die schrillen Laute hören,
-welche die flatternden Ungetüme ausstießen. Sie wußten offenbar nicht,
-wohin sie sich wenden sollten und waren auch wohl durch das Licht
-der Sonne geblendet.
-</p>
-
-<p>
-Dann aber verschwand wieder alles und es war, als ob sich ein
-dichter Schleier auf diese Landschaft legte. Aschenwolken verhüllten die
-Landschaft, sie senkten sich vom Vulkan herab und die Asche bedeckte
-die ganze Umgegend mit einer silbergrauen Schicht, die sich zuletzt
-zollhoch anhäufte.
-</p>
-
-<p>
-Aber das war ein gutes Zeichen.
-</p>
-
-<p>
-Kapitän Mors wußte, daß große Vulkanausbrüche gewöhnlich mit
-einem Aschenregen zu enden pflegen. So war es auf der Erde, so war es
-auch höchstwahrscheinlich auf dem neuen Planeten.
-</p>
-
-<p>
-Er täuschte sich nicht, denn das fürchterliche Donnern ließ allmählich
-nach, das Krachen und Prasseln verstummte, der Boden zitterte
-nicht mehr so wie bisher, der Vulkan ging zur Ruhe.
-</p>
-
-<p>
-Noch mußte man stundenlang ausharren und es wurde abwechselnd
-Nacht und Tag, aber dann konnte man das Weltenfahrzeug verlassen
-und sogar die Lufthelme zur Seite legen.
-</p>
-
-<p>
-Freilich war die Luft noch immer dick und schwer, aber viel reiner
-als vor dem Vulkanausbruch, die ungeheuren Naturgewalten schienen
-die Wirkung eines Gewitters gehabt zu haben. Sie hatten die Luft gereinigt.
-</p>
-
-<p>
-Dort aber am Todeskrater, wo das Fahrzeug gelegen, brodelte und
-kochte ein Feuersee, dort war die Lava hoch emporgestiegen, der Krater
-war vollständig ausgefüllt, später mußte dann diese brodelnde Masse
-erstarren.
-</p>
-
-<p>
-Mit Bewunderung betrachteten die Mannschaften des Weltenfahrzeuges
-den genialen Führer, der sie alle vom Tode rettete und der jetzt,
-als wäre nichts geschehen, mit Star und Lindo die Arbeit am Lenkapparat
-fortsetzte.
-</p>
-
-<p>
-Freilich hatte das Fahrzeug andere Beschädigungen erlitten.
-</p>
-
-<p>
-Als es durch die unheimliche Maschine emporgehoben den Todeskrater
-verließ, war es ziemlich schwer, ja unsanft auf die Steine gestoßen.
-Die Röhren, welche die flüssige Luft im Fahrzeug verteilten, waren zum
-Teil verbogen, gequetscht, auch die Einrichtung für die Luftversorgung
-hatte gelitten.
-</p>
-
-<p>
-Freilich reichte der Vorrat der verwendbaren Luft noch einige
-Zeit, aber eine Fortsetzung der großen Fahrt konnte vorerst nicht unternommen
-werden. Man mußte die vorhandenen Vorräte benutzen, um
-zunächst nach der Erde zurückzukehren. Die Fahrt nach dem Monde
-mußte von neuem unternommen werden.
-</p>
-
-<p>
-Aber Kapitän Mors gehörte ja zu jenen Männern, die nie die Geduld
-verlieren, er wußte, daß dies, was er unternommen, von niemand
-anders auf der Erde geleistet werden konnte. Er hatte auch keine Veranlassung,
-alles, einem verzweifelten Spieler gleich, auf eine Karte zu setzen.
-</p>
-
-<p>
-&bdquo;Sowie der Lenkapparat in Tätigkeit gesetzt ist, nehmen wir Kurs
-nach der Erde,&ldquo; sprach der Kapitän, indem er auf die kleine, seltsam
-leuchtende Scheibe zeigte, die jetzt wieder am Himmel sichtbar wurde.
-Das war die Erde, dorthin ging der Lauf, nach dem irdischen Planeten
-zurück, dessen Beobachter nichts von dem Vorhandensein des kleinen
-Planeten ahnten.
-</p>
-
-<p>
-Nach harter Arbeit war das Werk vollendet, der Riesenmagnet
-konnte wieder in Tätigkeit treten, der Lenkapparat gehorchte der Hand
-des Meisters und als wieder eine der kurzen Nächte vorüber war, erhob
-sich der &bdquo;Meteor&ldquo; stolz von der Oberfläche des kleinen Planeten.
-</p>
-
-<p>
-Durch die dicken Glasfenster aber sahen die Männer herunter auf
-den kleinen Planeten, auf dem sie so viele Abenteuer erlebt hatten. Sie
-sahen den Todeskrater oder vielmehr die Stelle, wo sich derselbe befunden.
-Sie sahen den glühenden Lavasee und den Vulkan, aus dessen Krater
-noch immer dicke schwarze Dampfwolken stoßweise emporfuhren.
-</p>
-
-<p>
-Sie sahen die Wassermengen in den tiefen Tälern, die Sümpfe, die
-unheimlichen Wälder, welche eine noch unheimlichere Tierwelt bargen,
-aber das alles entschwand in wenigen Minuten.
-</p>
-
-<p>
-Kleiner, immer kleiner wurde der seltsame Planet, jetzt zeigte er
-schon die Kugelgestalt, dann schrumpfte er allmählich zum Stern zusammen,
-ein winziges Teilchen des Weltalls wurde der kleine Planet,
-während das Weltenfahrzeug mit furchtbarer Schnelligkeit zurück nach
-der Mutter Erde sauste.
-</p>
-
-<p class="vspace6">
-&nbsp;
-</p>
-
-<div class="frontmatter">
-<p class="cap">
-Das Weltenfahrzeug schwebt im Weltenraum.
-Links unten sieht man die Oberfläche des Mondes mit seinen Ringgebirgen;
-rechts den Planeten Saturn mit seinen eigenartigen Ringen, die den Planeten
-umkreisen.
-</p>
-
- <div class="table">
-<table class="cap" summary="Table-1">
-<tbody>
- <tr>
- <td class="col1">1.</td>
- <td class="col2">Der Metallrumpf des Weltenfahrzeuges.</td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">2.</td>
- <td class="col2">Fenster aus stärkstem Glas, durch Gitter geschützt und durch Metallschieber verschließbar.</td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">3.</td>
- <td class="col2">Die Tür zur Außengalerie, luftdicht verschließbar.</td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">4.</td>
- <td class="col2">Treppe zur oberen Galerie.</td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">5.</td>
- <td class="col2">Der Ausguck.</td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">6.</td>
- <td class="col2">Obere Galerie.</td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">7.</td>
- <td class="col2">Der Scheinwerfer.</td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">8.</td>
- <td class="col2">Der Riesenmagnet.</td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">9.</td>
- <td class="col2">Die Leitungen für den Riesenmagneten, mit ungeheuren Diamanten.</td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">10.</td>
- <td class="col2">Lenkapparat.</td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">11.</td>
- <td class="col2">Die Kraftzentrale.</td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">12.</td>
- <td class="col2">Einrichtung für die Luftversorgung.</td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">13.</td>
- <td class="col2">Elektrizitätsbehälter.</td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">14.</td>
- <td class="col2">Metallbehälter.</td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">15.</td>
- <td class="col2">Röhren für flüssige Luft.</td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">16.</td>
- <td class="col2">Apparat für Gegenwirkung des Riesenmagneten, auf Diamanten montiert.</td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">17.</td>
- <td class="col2">Beweglicher Metallring.</td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">18.</td>
- <td class="col2">Klappen, zu luftleeren Räumen führend.</td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">19.</td>
- <td class="col2">Das &bdquo;Gelenk&ldquo; des Riesenmagneten.</td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="col1">20.</td>
- <td class="col2">Der elektrische Lichtkegel.</td>
- </tr>
-</tbody>
-</table>
- </div>
-</div>
-
-<div class="centerpic">
-<img src="images/backcover.jpg" alt="" /></div>
-
-
-<div class="trnote">
-<p id="trnote" class="transnote"><b>Anmerkungen zur Transkription</b></p>
-
-<p>
-Dieser Text wurde nach einem Nachdruck-Auswahlband transkribiert: Heinz
-J. Galle (Hrsg.): Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff. Dieter
-von Reeken, Lüneburg, 2005, S. 123-160. Moderne Zusätze und Anmerkungen
-wurden nicht übernommen.
-</p>
-
-<p>
-Eine Ungereimtheit findet sich in <a href="#chapter-0-3">Kapitel 3</a>: Lindo, der eigentlich
-die Arbeiten am Weltenfahrzeug fortsetzten sollte, ist plötzlich
-doch unter den Teilnehmern der Expedition anzutreffen.
-</p>
-
-<p>
-Die Schreibweise der Buchvorlage wurde weitgehend beibehalten. Auch
-Variationen in der Schreibweise von Namen wurden nicht verändert.
-Lediglich offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert.
-</p>
-</div>
-
-
-
-
-
-
-
-
-
-<pre>
-
-
-
-
-
-End of the Project Gutenberg EBook of Der Luftpirat und sein lenkbares
-Luftschiff 42: Im Todeskrater des neuen Planeten, by Anonymous
-
-*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER LUFTPIRAT UND SEIN ***
-
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-
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-and permanent future for Project Gutenberg-tm and future
-generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see
-Sections 3 and 4 and the Foundation information page at
-www.gutenberg.org
-
-
-
-Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
-
-The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
-501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
-state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
-Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
-number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by
-U.S. federal laws and your state's laws.
-
-The Foundation's principal office is in Fairbanks, Alaska, with the
-mailing address: PO Box 750175, Fairbanks, AK 99775, but its
-volunteers and employees are scattered throughout numerous
-locations. Its business office is located at 809 North 1500 West, Salt
-Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up to
-date contact information can be found at the Foundation's web site and
-official page at www.gutenberg.org/contact
-
-For additional contact information:
-
- Dr. Gregory B. Newby
- Chief Executive and Director
- gbnewby@pglaf.org
-
-Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
-Literary Archive Foundation
-
-Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
-spread public support and donations to carry out its mission of
-increasing the number of public domain and licensed works that can be
-freely distributed in machine readable form accessible by the widest
-array of equipment including outdated equipment. Many small donations
-($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
-status with the IRS.
-
-The Foundation is committed to complying with the laws regulating
-charities and charitable donations in all 50 states of the United
-States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
-considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
-with these requirements. We do not solicit donations in locations
-where we have not received written confirmation of compliance. To SEND
-DONATIONS or determine the status of compliance for any particular
-state visit www.gutenberg.org/donate
-
-While we cannot and do not solicit contributions from states where we
-have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
-against accepting unsolicited donations from donors in such states who
-approach us with offers to donate.
-
-International donations are gratefully accepted, but we cannot make
-any statements concerning tax treatment of donations received from
-outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
-
-Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
-methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
-ways including checks, online payments and credit card donations. To
-donate, please visit: www.gutenberg.org/donate
-
-Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic works.
-
-Professor Michael S. Hart was the originator of the Project
-Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be
-freely shared with anyone. For forty years, he produced and
-distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of
-volunteer support.
-
-Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
-editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in
-the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not
-necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper
-edition.
-
-Most people start at our Web site which has the main PG search
-facility: www.gutenberg.org
-
-This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
-including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
-subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.
-
-
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