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-The Project Gutenberg EBook of Grundzüge der Perspektive nebst Anwendungen, by
-Karl Doehlemann
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and most
-other parts of the world at no cost and with almost no restrictions
-whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of
-the Project Gutenberg License included with this eBook or online at
-www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you'll have
-to check the laws of the country where you are located before using this ebook.
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-
-Title: Grundzüge der Perspektive nebst Anwendungen
-
-Author: Karl Doehlemann
-
-Release Date: October 22, 2017 [EBook #55791]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: UTF-8
-
-*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK GRUNDZÜGE DER PERSPEKTIVE ***
-
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-
-Produced by The Online Distributed Proofreading Team at
-http://www.pgdp.net
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- Anmerkungen zur Transkription.
-
- Das Original ist in Fraktur gesetzt.
-
- Im Orginal gesperrter Text ist +so ausgezeichnet+. Im Original in
- Antiqua gesetzter Text ist ~so markiert~. Im Original kursiver
- Text ist _so gekennzeichnet_. Im Original fetter Text ist =so
- dargestellt=.
-
- Hochgestellte Sterne sind so dargestellt: _A^*_.
-
- Tiefgestellte Indizes sind so dargestellt: _F_{b}_.
-
- Weitere Anmerkungen zur Transkription finden sich am Ende des
- Buches.
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-
-Die Sammlung
-
-»Aus Natur und Geisteswelt«
-
-
-nunmehr schon über 500 Bändchen umfassend, will die Errungenschaften
-von Wissenschaft, Kunst und Technik weiteren Kreisen zugänglich machen
-und einem jeden die Möglichkeit bieten, auch auf ihm ferner liegenden
-Gebieten deren Fortschritte zu verfolgen.
-
-Sie bietet wirkliche »+Einführungen+« in die Hauptwissensgebiete für
-den Unterricht oder Selbstunterricht, wie sie den heutigen methodischen
-Anforderungen entsprechen -- ein Bedürfnis erfüllend, dem Skizzen mit
-dem Charakter von »+Auszügen+« aus großen Lehrbüchern nie entsprechen
-können, da solche vielmehr eine Vertrautheit mit dem Stoffe schon
-voraussetzen.
-
-Damit sie stets auf die Höhe der Forschung gebracht werden können, sind
-die Bändchen nicht, wie die anderer Sammlungen, stereotypiert, sondern
-werden -- was freilich die Aufwendungen sehr wesentlich erhöht -- bei
-jeder Auflage durchaus neu bearbeitet und völlig neu gesetzt. So konnte
-der Sammlung auch der Erfolg nicht fehlen. Über 200 Bändchen liegen
-bereits in 2. bis 6. Auflage vor, insgesamt hat sie bis jetzt eine
-Verbreitung von über 3 Millionen Exemplaren gefunden.
-
-In den Dienst dieser Aufgabe haben sich darum auch in dankenswerter
-Weise von Anfang an die besten Namen gestellt, gern die Gelegenheit
-benutzend, sich an weiteste Kreise zu wenden, der Gefahr der
-»Spezialisierung« unserer Kultur entgegenzuarbeiten an ihrem Teil
-bestrebt.
-
-So vermag die Sammlung dem Leser ein Verständnis dafür zu vermitteln,
-wie die moderne Wissenschaft es erreicht hat, über wichtige Fragen von
-allgemeinem Interesse Licht zu verbreiten, und ihn dadurch zu einem
-+selbständigen+ Urteil zu befähigen.
-
-Alles in allem sind die schmücken, gehaltvollen Bände, denen von
-Professor +Tiemann+ ein neues künstlerisches Gewand gegeben, durchaus
-geeignet, die Freude am Buche zu wecken und daran zu gewöhnen, einen
-kleinen Betrag, den man für Erfüllung körperlicher Bedürfnisse nicht
-anzusehen pflegt, auch für die Befriedigung geistiger anzuwenden. Durch
-den billigen Preis ermöglichen sie es tatsächlich jedem, auch dem
-wenig Begüterten, sich eine Bibliothek zu schaffen, die das für ihn
-Wertvollste »Aus Natur und Geisteswelt« vereinigt.
-
- Jedes der meist reich illustrierten Bändchen
- ist in sich abgeschlossen und einzeln käuflich
-
-Jedes Bändchen geheftet Mark 1.--, in Leinwand gebunden Mark 1.25
-Werke, die mehrere Bändchen umfassen, auch in +einem+ Band gebunden
-
- Leipzig, 1. Januar 1915
- B. G. Teubner
-
-
-
-
-Jedes Bändchen geheftet M. 1.--, in Leinwand gebunden M. 1.25
-
-*) auf Wunsch auch in Halbpergamentbänden zu M. 2.--
-
-
-Zur bildenden Kunst, Musik und Schauspielkunst
-
-sind bisher erschienen:
-
-
-[Allgemeine Kunstwissenschaft, Kunstpflege]
-
-=Bau und Leben der bildenden Kunst.= Von Direktor Professor ~Dr.~ +Th.
-Volbehr+. 2. Auflage. Mit 44 Abbildungen. (Bd. 68.*)
-
-=Ästhetik.= Von Professor ~Dr.~ R. +Hamann+. (Bd. 345.*)
-
-=Kunstpflege in Haus und Heimat.= Von Superintendent +R. Bürkner+. 2.
-Auflage. Mit 29 Abbildungen. (Bd. 77.)
-
-
-[Kunstgewerbe]
-
-=Deutsche Kunst im täglichen Leben bis zum Schlusse des 18.
-Jahrhunderts.= Von Professor ~Dr.~ +B. Haendcke+. Mit 63 Abbildungen.
-(Bd. 198.)
-
-=Geschichte der Gartenkunst.= Von Regierungs-Baumeister +Chr. Ranck+.
-Mit 41 Abbildungen. (Bd. 274.)
-
-
-[Kunstgeschichte]
-
-=Die Entwicklungsgeschichte der Stile in der bildenden Kunst.= Von
-~Dr.~ +E. Cohn-Wiener+. 2 Bände. Mit zahlreichen Abbildungen. (Auch in
-1 Band gebunden.)
-
-Bd. I: Vom Altertum bis zur Gotik. Mit 57 Abbild. (Bd. 317.*)
-
-Bd. II: Von der Renaissance bis zur Gegenwart. Mit 31 Abbildungen. (Bd.
-318.*)
-
-
-[Alte Kunst]
-
-=Die Blütezeit der griechischen Kunst im Spiegel der Reliefsarkophage.=
-Eine Einführung in die griechische Plastik. Von ~Dr.~ +H. Wachtler+.
-Mit 8 Tafeln und 82 Abbild. (Bd. 272.*)
-
-=Die dekorative Kunst des Altertums.= Von ~Dr.~ +Fr. Poulsen+. Mit 112
-Abbildungen. (Bd. 454.*)
-
-=Pompeji, eine hellenistische Stadt in Italien.= Von Professor ~Dr.~
-+Fr. v. Duhn+. 2. Auflage. Mit 62 Abbildungen. (Bd. 114.)
-
-=Michelangelo.= Eine Einführung in das Verständnis seiner Werke. Von
-Professor ~Dr.~ +E. Hildebrandt+. Mit 44 Abbildungen. (Bd. 392.*)
-
-=Die Renaissancearchitektur in Italien I.= Von ~Dr.~ +P. Frankl+. Mit
-12 Tafeln und 27 Textabbildungen. (Bd. 381.*)
-
-
-[Neuere Kunst]
-
-=Die altdeutschen Maler in Süddeutschland.= Von +H. Nemitz+. Mit einem
-Bilderanhang (Bd. 464.*)
-
-=Albrecht Dürer.= Von ~Dr.~ +R. Wustmann+. Mit 33 Abbildungen. (Bd.
-97.*)
-
-=Rembrandt.= Von Professor ~Dr.~ +P. Schubring+. Mit 50 Abbildungen.
-(Bd. 158.*)
-
-=Niederländische Malerei im 17. Jahrhundert.= Von ~Dr.~ +H. Jantzen+.
-Mit zahlreichen Abbildungen. (Bd. 373.*)
-
-=Deutsche Baukunst im Mittelalter.= Von Professor ~Dr.~ +A. Matthaei+.
-3. Auflage. Mit 29 Abbildungen. (Bd. 8.*)
-
-
-[Neuere Kunst]
-
-=Deutsche Baukunst seit dem Mittelalter bis zum Ausgang des 18.
-Jahrhunderts.= Von Professor ~Dr.~ +A. Matthaei+. Mit 62 Abbildungen
-und 3 Tafeln. (Bd. 326.*)
-
-=Deutsche Baukunst im 19. Jahrhundert.= Von Professor ~Dr.~ +A.
-Matthaei+. Mit 35 Abbildungen. (Bd. 453.*)
-
-
-[19. Jahrh.]
-
-=Die deutsche Malerei im 19. Jahrhundert.= Von Professor ~Dr.~ +R.
-Hamann+. 2 Bände Text, 2 Bände mit 57 ganzseitigen und 200 halbseitigen
-Abbildungen. (Bd. 448--451, in 2 Doppelbänden, auch in 1 Halbpergament
-zu M. 6.--)
-
-=Die Maler des Impressionismus.= Von Professor ~Dr.~ +B. Lázàr+. Mit 32
-Abbildungen und 1 farbigen Tafel. (Bd. 395.*)
-
-
-[Orient.]
-
-=Ostasiatische Kunst und ihr Einfluß auf Europa.= Von Direktor
-Professor ~Dr.~ +R. Graul+. Mit 49 Abbildungen. (Bd. 87.)
-
-
-[Neuere Musikgeschichte]
-
-=Haydn, Mozart, Beethoven.= Von Professor ~Dr.~ +C. Krebs+. 2. Auflage.
-Mit 4 Bildnissen. (Bd. 92.)
-
-=Die Blütezeit der musikalischen Romantik in Deutschland.= Von ~Dr.~
-+E. Istel+. Mit 1 Silhouette. (Bd. 239.)
-
-=Das Kunstwerk Richard Wagners.= Von ~Dr.~ +E. Istel+. Mit 1 Bildnis
-Richard Wagners. (Bd. 330.)
-
-=Die moderne Oper.= Von ~Dr.~ +E. Istel+ (Bd. 495.)
-
-
-[Musiktheorie]
-
-=Die Grundlagen der Tonkunst.= Versuch einer genetischen Darstellung
-der allgemeinen Musiklehre. Von Professor ~Dr.~ +H. Rietsch+. (Bd. 178.)
-
-=Musikalische Kompositionsformen.= Von +S. G. Kallenberg+. 2 Bände.
-(Bd. 412, 413, auch in 1 Band gebunden.)
-
-Bd. I: Die elementaren Tonverbindungen als Grundlage der Harmonielehre.
-(Bd. 412.)
-
-Bd. II: Kontrapunktik und Formenlehre. (Bd. 413.)
-
-=Die Instrumente des Orchesters.= Von Professor ~Dr.~ +Fr. Volbach+.
-Mit 60 Abbildungen. (Bd. 384.)
-
-=Das moderne Orchester in seiner Entwicklung.= Von Prof. ~Dr.~ +Fr.
-Volbach+. Mit Partiturbeispielen u. 3 Tafeln. (Bd. 308.)
-
-=Klavier, Orgel, Harmonium.= Das Wesen der Tasteninstrumente. Von
-Professor ~Dr.~ +O. Bie+. (Bd. 325.)
-
-
-[Schauspielkunst]
-
-=Das Theater.= Schauspielhaus und Schauspielkunst vom griechischen
-Altertum bis auf die Gegenwart. Von ~Dr.~ +Chr. Gaehde+. 2. Auflage.
-Mit 18 Abbildungen. (Bd. 230.)
-
-
-+Weitere Bände befinden sich in Vorbereitung.+
-
-
-
-
- Aus Natur und Geisteswelt
-
- Sammlung wissenschaftlich-gemeinverständlicher Darstellungen
-
- 510. Bändchen
-
- Grundzüge der Perspektive
- nebst Anwendungen
-
- Von
-
- ~Dr.~ Karl Doehlemann
-
- O. ö. Professor an der Kgl. Technischen Hochschule in
- München
-
- Mit 91 Figuren und 11 Abbildungen
-
- [Illustration]
-
- Druck und Verlag von B. G. Teubner in Leipzig und Berlin 1916
-
-
-
-
-Alle Rechte, einschließlich des Übersetzungsrechts, vorbehalten.
-
-
-
-
-Vorwort.
-
-
-Die Darstellung der Grundzüge der Perspektive und ihrer Anwendungen,
-wie sie im folgenden gegeben wird, ist hervorgegangen aus öffentlichen
-Vorträgen, die ich seit einer langen Reihe von Jahren in München im
-Volkshochschulverein halte und die von einem Publikum besucht sind, das
-sich aus allen Ständen und Berufsklassen zusammensetzt.
-
-Um eine schriftliche Bearbeitung dieses Gegenstandes weiteren Kreisen
-zugänglich zu machen, schien es mir vor allem notwendig, das Buch
-mit möglichst zahlreichen Figuren auszustatten. Fast jeder größeren
-Aufgabe ist noch eine eigene Figur beigegeben, welche die Lage des
-darzustellenden Gegenstandes gegen die Bildtafel wiedergibt und eine
-genaue Vorstellung der räumlichen Anordnung und der vorzunehmenden
-geometrischen Überlegungen ermöglichen soll. Bei der Wahl der
-abzubildenden Gegenstände war die Klarheit und Übersichtlichkeit des
-Bildes maßgebend. Es mußten deswegen einfache Formen gewählt werden und
-diese konnten nicht immer auch in ästhetischer Hinsicht befriedigen.
-
-Was die Abgrenzung des Stoffes betrifft, so wurde in einem einleitenden
-Abschnitt die Darstellung eines Gegenstandes in Grund- und Aufriß
-erörtert. Ich wüßte nicht, wie man das umgehen könnte. Denn es ist für
-den Anfänger doch unerläßlich, daß er sich einen Körper, den er in
-Perspektive setzt, vorher seiner Größe und Lage nach genau bestimmt.
-
-In bezug auf Strenge der Entwicklung bin ich so weit gegangen, als
-es bei einer für weitere Kreise bestimmten Darstellung angängig ist:
-Das ist nötig, um eine sichere Grundlage zu gewinnen. Mit allgemeinen
-und verschwommenen Redensarten ist demjenigen nicht gedient, der +zu
-klaren+ Begriffen und Vorstellungen in dem hier behandelten Gebiete
-gelangen will.
-
-Was viele von der Beschäftigung mit der Perspektive abhält, ist
-der Umstand, daß diese Disziplin sich ohne Geometrie, also ohne
-mathematische Betrachtungen, nicht behandeln läßt. In der Tat werden
-wir im Laufe unserer Betrachtungen einige einfache Sätze aus der
-Planimetrie und der Stereometrie voraussetzen müssen. Aber darin
-liegen nicht die eigentlichen Schwierigkeiten. Diese Sätze werden die
-Leser verhältnismäßig leicht verstehen oder als anschauliche Tatsachen
-hinnehmen. Die Hauptschwierigkeit wird vielmehr die sein, daß mit all
-den Figuren, die im folgenden zu zeichnen sind, gewisse räumliche
-Vorstellungen und Überlegungen zu verbinden sind. Es wird nur durch
-Nachdenken möglich sein, sich in diese Dinge hineinzuleben. Nur auf
-diesem Wege wird man den Begriff des gesetzmäßigen, mathematischen
-Bildes gewinnen. Das aber ist für viele Berufsarten nötig, namentlich
-in der Gegenwart, in der neben dem geschriebenen und gedruckten Wort
-das +Bild+ die Welt beherrscht.
-
-
-
-
-Inhaltsübersicht.
-
-
- Seite
-
- Vorwort III
-
- Einleitung: Zwei verschiedene Arten von geometrischen
- Bildern 1
-
- § 1. Das perspektivische Bild 1
-
- § 2. Der gerade Riß 6
-
- Der perspektivische Entwurf 13
-
- § 3. Die Schnittmethode 13
-
- § 4. Der Satz vom Fluchtpunkt 20
-
- § 5. Andere Bestimmung eines perspektivischen Bildes 24
-
- § 6. Darstellung eines möglichst einfach gelegenen
- Quadrates der Grundebene. Anwendungen dieser
- Konstruktion. Tiefenmaßstab 27
-
- § 7. Darstellung beliebiger, geradliniger Figuren der
- Grundebene 33
-
- § 8. Darstellung einfacher Körper, die sich auf der
- Grundebene erheben 41
-
- § 9. Schiefe Linien im Raume 59
-
- § 10. Der photographische Apparat 64
-
- § 11. Die Wahl der Distanz 67
-
- § 12. Unzugängliche Distanz und Fluchtpunkte 75
-
- § 13. Gleichzeitige Anwendung der verschiedenen Methoden 86
-
- § 14. Die Darstellung des Kreises 90
-
- § 15. Einfache Schattenkonstruktionen 96
-
- § 16. Künstlerische Freiheiten 99
-
- Literaturverzeichnis 102
-
- Sachregister 103
-
-
-
-
-Einleitung.
-
-Zwei verschiedene Arten von geometrischen Bildern.
-
-
-§ 1. Das perspektivische Bild.
-
-=1. Zweck einer Abbildung.= Nehmen wir an, wir betrachten irgendein
-Raumobjekt, mag es nun eine Maschine oder ein Apparat sein, ein Werk
-der Plastik oder der Architektur oder auch eine Landschaft. Wenn wir
-dann über die gegenseitige Lage der einzelnen Teile des Objektes,
-über die relativen Größenverhältnisse und schließlich auch über die
-wirklichen Maße des Gegenstandes zu einem gewissen Urteil gelangt
-sind, so daß der Gegenstand uns klar zum Bewußtsein gekommen ist, so
-sagen wir, daß wir eine Vorstellung von dem Objekte haben. Der bloße
-Anblick von einer Stelle aus wird meistens gar nicht dazu ausreichen.
-Denn jedes Objekt verdeckt sich, wenn es nicht durchsichtig ist, zum
-Teil selbst: wir werden vielmehr im allgemeinen mehrere Ansichten
-brauchen. Bei kleineren Gegenständen genügen zu diesem Zwecke etwa
-schon Bewegungen des Kopfes oder Oberkörpers. Ausgedehnteren Objekten
-gegenüber, wie zum Beispiel bei einem Gebirgsstock, sind unter
-Umständen ganze Wanderungen nötig, um eine wirkliche Anschauung
-derselben zu gewinnen.
-
-+Bildliche Darstellungen irgendwelcher Art dienen nun in erster Linie
-dem Zwecke, dem Beschauer die Möglichkeit zu bieten, sich von den
-betreffenden Objekten eine Vorstellung zu bilden, ohne daß er sie
-wirklich vor Augen hat. Die Bilder ersetzen also bis zu einem gewissen
-Grade die Objekte.+
-
-Sicher muß unser Vorstellungsvermögen schon ziemlich ausgebildet sein,
-wenn wir uns auf Grund einer Zeichnung ein Objekt vorstellen können.
-Aber wir eignen uns diese Fähigkeit durch fortgesetzte Übung an, fast
-ohne es zu merken. Schon dem Kinde geben wir ein Bilderbuch in die
-Hand; es vergleicht die Gegenstände in der Natur mit denen im Bilde
-und lernt dadurch allmählich +Sehen+. So kommt es, daß heutzutage bei
-uns auch der Ungebildete und Ärmste imstande ist, sich ein Gebäude
-oder eine Landschaft einigermaßen vorzustellen, wenn er davon eine
-Abbildung, etwa eine Photographie, zu sehen bekommt.
-
-[Illustration: Abb. 1.]
-
-Aus alledem folgt nun, daß eine bildliche Darstellung die Gegenstände
-so wiedergeben muß, wie wir sie sehen, und wir werden deswegen aus
-dem Vorgang des Sehens eine Definition für den Begriff des »Bildes«
-abzuleiten haben.
-
-=2. Mechanische Vorrichtung zur Herstellung eines Bildes.= Zunächst
-wollen wir jetzt eine Vorrichtung kennen lernen, welche es uns
-ermöglicht, das, was wir ein »Bild« eines Gegenstandes nennen,
-mechanisch herzustellen. Eine durchsichtige Glasplatte sei in einem
-Holzrahmen vertikal vor uns aufgestellt. Hinter der Glasplatte, von
-unserem Standpunkte aus gerechnet, befindet sich der abzubildende
-Gegenstand. Wir sehen denselben durch die Glasplatte hindurch. Um die
-Betrachtung zu vereinfachen, wollen wir das eine Auge schließen, also
-den Gegenstand nur mit einem Auge betrachten. Aber auch dann würden wir
-noch bei jeder Bewegung des Körpers oder Kopfes das Objekt in einer
-anderen Ansicht erblicken; deswegen ist es weiter nötig, unser Auge
-im Raume zu fixieren: man erreicht dies, indem man noch ein Stativ
-mit einer undurchsichtigen Platte anbringt, in welche eine kleine
-Öffnung, ein Guckloch, geschnitten ist. Wir wollen nun den Gegenstand
-betrachten, indem wir das Auge ganz nahe an dieses Guckloch bringen;
-dadurch ist dem Auge eine feste Stelle im Raume angewiesen. Man
-vergleiche dazu auch die Abbildung 1, welche dem Buche von Albrecht
-Dürer: »Unterweisung der Messung mit dem Zirkel und Richtscheit«,
-Nürnberg 1525, entnommen ist. Rechts erkennt man den von uns
-beschriebenen Apparat, als Objekt dient der links im Lehnstuhl sitzende
-Mann.
-
-Wir nehmen ferner an, daß die Glasplatte auf der dem Auge zugewandten
-Seite so präpariert sei, daß wir auf ihr zeichnen können, was etwa
-durch Bestreichen mit Damarlack zu erreichen wäre. Nun endlich gehen
-wir dazu über, die Linien des Körpers, wie wir sie von dem Guckloch
-aus sehen, +auf der Glasplatte nachzuzeichnen+. Es decken sich also
-für mein Auge die gezeichneten Linien und die wirklichen Konturen des
-Gegenstandes.
-
-Nachdem die Zeichnung fertiggestellt ist, denken wir uns das Objekt
-entfernt. Die Glasplatte bestreichen wir auf der Rückseite mit weißer
-Deckfarbe, so daß sie undurchsichtig wird; im übrigen bleibt sie an der
-gleichen Stelle. Die auf der anderen Seite befindliche Zeichnung wird
-dann auf das an dem Sehloch befindliche Auge annähernd den gleichen
-Eindruck machen wie der Gegenstand selbst; ich werde ihn immer noch
-vor mir zu sehen glauben. Weil also diese Zeichnung eine Vorstellung
-des Gegenstandes in uns wachzurufen imstande ist, nennen wir sie ein
-»Bild« des Gegenstandes. Freilich enthält unser Bild nur +Linien+; von
-den Unterschieden der Helligkeit, von Licht und Schatten, von der Farbe
-des Objektes haben wir ganz abgesehen. Aber man kann nicht alles auf
-einmal erreichen; es wäre eine zweite Aufgabe, auch diese Eigenschaften
-im Bilde wiederzugeben. Die erste und wichtigste Aufgabe ist jedenfalls
-die Herstellung einer +Linienzeichnung+, welche die Umrisse und
-überhaupt die wichtigsten Linien des Gegenstandes wiedergibt. Ja, sie
-genügt in vielen Fällen schon ganz allein. Denn gerade die Linie wirkt
-mit einer ganz wunderbaren Kraft und Stärke auf unsere Vorstellung.
-
-=3. Definition des perspektivischen Bildes.= Wir müssen jetzt aber
-dazu übergehen, für den Begriff des Bildes eine mathematisch strenge
-Herleitung zu geben, indem wir aus dem Vorgange des Nachzeichnens auf
-der Glastafel das rein Geometrische herausschälen.
-
-[Illustration: Fig. 1.]
-
-Statt der Glastafel denken wir uns eine ebene Fläche, also eine
-mathematische Ebene Π, gewählt; sie ist gegeben durch das Blatt Papier,
-das Reißbrett oder die Schultafel, auf der die Zeichnung hergestellt
-wird. Wir nennen diese Ebene kurz die »Bildebene« oder auch die
-»Tafel«. Der abzuzeichnende Körper sei ebenfalls ein mathematischer,
-nämlich ein Würfel _abcdefgh_. In Fig. 1 geben wir zunächst eine
-Darstellung des ganzen Vorganges. Statt der kleinen Öffnung, durch
-welche wir hindurchsehen, denken wir uns einen Punkt _O_ im Raume
-gegeben, den wir in Erinnerung an unseren Apparat immer noch das
-»Auge« nennen. Wenn wir ferner an dem Gegenstand einzelne Linien ins
-Auge faßten und sie auf der Glastafel nachzeichneten, so lösen wir
-jetzt diese Linien in einzelne Punkte auf und betrachten zunächst
-einen Punkt des Körpers, z. B. die Ecke _a_. Was heißt es nun, daß
-wir auf der Glasplatte die verschiedenen Punkte des Gegenstandes
-nachzeichneten? Offenbar befinden sich dann der betreffende Punkt
-_a_, die Bleistiftspitze _a'_, welche ihn auf der Glastafel markiert,
-und das Guckloch in einer +geraden+ Linie. Denn wenn sich zwei Punkte
-im Raume für mein Auge decken, so liegen sie auf einer Geraden durch
-das Auge. Darauf beruht ja alles Visieren. Mathematisch ausgedrückt
-heißt das aber folgendes: wir ziehen durch den Punkt _O_ eine Gerade
-nach dem Punkte _a_ und bringen diese zum Schnitt mit der Bildtafel.
-Der Schnittpunkt ist eben _a'_. Wir nennen _a'_ das »Bild« oder den
-»Riß« des Punktes _a_. Die durch _O_ gehenden Geraden oder Strahlen
-bezeichnen wir als »Projektionsstrahlen« oder »Projizierende Strahlen«
-oder »Sehstrahlen«, den ganzen Vorgang als »Zentralprojektion«.
-
-[Illustration: Fig. 2.]
-
-Denken wir uns nach allen Punkten der Linien des Gegenstandes diese
-Strahlen gezogen und mit der Bildebene zum Schnitt gebracht, so bilden
-alle diese Schnittpunkte das, was wir »ein perspektivisches Bild« des
-Objektes oder auch eine »Perspektive« des Würfels heißen.
-
-In Fig. 2 ist ein solches Bild _a'b'c'd'e'f'g'h'_ in seiner wahren
-Gestalt wiedergegeben. Die Bildebene Π ist hier die Ebene des
-Zeichenblattes. Oft wird auch nicht nur der ganze geometrische Prozeß,
-sondern das Bild selbst als eine Zentralprojektion bezeichnet. Wie sich
-für unser Auge die Ansicht eines Körpers ändert und immer wieder anders
-erscheint, wenn wir unseren Standpunkt dem Körper gegenüber verändern,
-so ist dieses perspektivische Bild auf der Bildtafel von zwei Faktoren
-abhängig: nämlich erstens davon, wie der Punkt _O_ gegenüber der
-Bildtafel angenommen wird, und zweitens davon, welche Lage der Körper
-zur Bildtafel einnimmt. Sind aber der Punkt _O_ und der Körper fest
-angenommen, so ist auch das Bild vollständig bestimmt. Man kann also
-sagen:
-
- =Satz 1.= +Sind die Bildebene Π, das Auge _O_ und der Körper
- im Raume gegeben, so erhält man das perspektivische Bild des
- Körpers als den+ =Schnitt= +der nach den Punkten des Körpers
- gehenden Projektionsstrahlen mit der Bildebene+.
-
-Unter »Perspektive« versteht man weiter auch die Lehre, wie man solche
-Bilder unmittelbar auf der Zeichenfläche mit Bleistift, Lineal und
-Zirkel konstruiert, ohne den mühsamen Prozeß des Nachzeichnens auf
-einer Glastafel durchführen zu müssen. Da es sich für uns bloß um die
-Wiedergabe der Linien des Körpers handelt, so spricht man auch von
-»Linearperspektive« oder »Linienperspektive«.
-
-Solche perspektivische Bilder hat jeder schon oft gesehen; denn
-jede Photographie ist eines. Wir werden später zeigen, daß der
-photographische Apparat rein mechanisch derartige Bilder herstellt.
-
-Den Begriff der Zentralprojektion gewannen wir als eine Vereinfachung
-des Vorganges des Nachzeichnens: er ist eine mathematische Abstraktion
-aus dem Sehprozeß. Wir werden nicht erwarten dürfen, daß sich diese
-mathematische Operation mit dem Begriff des Sehens deckt. Denn der
-physiologische Vorgang des Sehens ist ja tatsächlich auch ein äußerst
-verwickelter. Wir sehen nicht mit +einem+ Auge, sondern mit beiden
-Augen, und wir halten die Augen nicht ruhig, sondern bewegen sie nach
-allen Seiten hin und her; wir tasten den Körper mit den Augen förmlich
-ab. Trotzdem leistet uns der Vorgang der Zentralprojektion schon in
-seiner rohen Annäherung wertvolle Dienste. Denn die perspektivischen
-Bilder sind unter allen gesetzmäßig definierten Abbildungen weitaus die
-anschaulichsten und naturgetreuesten. Bevor wir aber dazu übergehen,
-die Gesetze und Herstellungsweisen dieser Bilder zu erörtern, müssen
-wir davon handeln, wie man noch auf +andere+ Weise Bilder oder
-Abbildungen von räumlichen Gegenständen erhalten kann.
-
-
-§ 2. Der gerade (rechtwinklige) Riß.
-
-=4. Die Senkrechte von einem Punkte auf eine Ebene.= Hängen wir einen
-schweren Körper, z. B. eine kleine Metallkugel oder ein Gewicht,
-vermittels eines Fadens etwa an der Decke eines Zimmers auf, so
-nimmt der Faden, nachdem der Körper zur Ruhe gelangt ist, unter dem
-Einfluß der Anziehung der Erde eine ganz bestimmte Lage an, welche
-nach dem Erdmittelpunkt hin gerichtet ist. Wir nennen diese Richtung
-»lotrecht« oder »vertikal«. Denken wir uns weiter unter dem Faden ein
-Gefäß mit einer Flüssigkeit, z. B. Wasser oder Quecksilber, so bildet
-deren Oberfläche eine Ebene, die wir als »wagrecht« oder »horizontal«
-bezeichnen. Wir sagen dann weiter, daß die Richtung des Fadens auf
-der Oberfläche der Flüssigkeit senkrecht stehe oder lotrecht zu ihr
-sei. Das an einem Faden befestigte Gewicht liefert ja auch den sog.
-»Senkel«, und mittels dieses allbekannten Instrumentes werden beim Bau
-eines Hauses die Steine in horizontalen Lagen angeordnet und die Mauern
-lotrecht aufgeführt.
-
-[Illustration: Fig. 3.]
-
-Diese physikalische Tatsache erleichtert dann aber das Verständnis für
-den folgenden mathematischen
-
- =Satz 2.= »+Ist eine Ebene Π_{1} gegeben und ein Punkt _p_ außerhalb
- derselben (Fig. 3), so kann man von dem Punkte auf diese Ebene
- immer eine Senkrechte oder ein Lot fällen. Diese Senkrechte
- schneidet die Ebene in einem Punkte, den wir _p_{1}_ nennen
- wollen. Er mag der Fußpunkt der Senkrechten heißen. Der Abstand
- des gegebenen Punktes von der gegebenen Ebene ist gleich der
- Entfernung, welche der gegebene Punkt _p_ und der Fußpunkt _p_{1}_
- bestimmen, also = der Strecke _pp_{1}_.+«
-
-Die Ebene Π_{1} kann ganz beliebig im Raume liegen. Ist sie im besondern
-eine wagrechte Ebene, so fällt die senkrechte zu ihr mit der
-»Vertikalen« zusammen.
-
-[Illustration: Fig. 4.]
-
-=5. Der gerade (rechtwinklige) Riß.= Den Fußpunkt _p_{1}_ der von einem
-Punkte _p_ auf eine Ebene Π_{1} gefällten Senkrechten nennt man den
-+geraden+ oder +rechtwinkligen+ oder +orthogonalen+ Riß des Punktes
-_p_ auf die Ebene Π_{1}. Die Ebene Π_{1} heißt wieder die Bildtafel,
-Bildebene oder kurz Tafel. Statt Riß wird auch das Wort Projektion
-gebraucht, das allerdings gleichzeitig den ganzen Vorgang bezeichnet.
-Man sagt auch: der Punkt _p_ ist orthogonal auf die Ebene Π_{1}
-projiziert worden.
-
-Was wir für einen einzelnen Punkt durchgeführt haben, können wir jetzt
-auch auf einen Körper und die an ihm auftretenden Linien anwenden.
-Es sei z. B. ein Würfel _abcdefgh_ gegeben und die Ebene Π_{1}; wir
-erläutern den ganzen Vorgang, wie er sich im Raume abspielt, durch
-die Fig. 4. _a_ sei eine Ecke des Würfels. Wir denken uns durch _a_
-das Lot zur Ebene Π_{1} gezeichnet, welches in _a_{1}_ die Tafel
-Π_{1} durchsetzt. _a_{1}_ ist der gerade Riß des Punktes _a_. Eine
-zweite Ecke _b_ des Würfels liefert ebenso den Riß _b_{1}_. Dann wird
-man leicht einsehen, daß alle Punkte auf der Verbindungsstrecke _ab_
-Risse haben, welche auf der Verbindungsstrecke _a_{1}b_{1}_ liegen, d.
-h. _a_{1}b_{1}_ ist der Riß von _ab_. Führen wir die Projektion für
-alle Ecken und Kanten des Würfels durch, so erhalten wir die Figur
-_a_{1}b_{1}c_{1}d_{1}e_{1}f_{1}g_{1}h_{1}_, die den orthogonalen Riß
-des Würfels in der Ebene Π_{1} gibt. In Fig. 5 ist weiter ein solcher
-Riß in seiner wahren Gestalt wiedergegeben. Dabei wurde also die Ebene
-des Papiers als Tafel Π_{1} gewählt. Der Würfel selbst schwebt im Raume
-über der Buchseite.
-
-Die Figur kann auch dazu dienen, folgenden übrigens leicht zu
-beweisenden Satz zu veranschaulichen:
-
- =Satz 3.= +Die geraden Risse paralleler Geraden sind selbst
- wieder parallel.+
-
-Beispielsweise sind _ab_ und _cd_ zwei im Raume parallele Gerade, und
-ihre Risse _a_{1}b_{1}_ und _c_{1}d_{1}_ sind ebenfalls parallel.
-
-Wir wollen nun noch eine ganz selbstverständliche Eigenschaft einer
-solchen Darstellung kennen lernen.
-
-[Illustration: Fig. 5.]
-
-_A_ sei eine Gerade, welche senkrecht auf der Tafel Π_{1} steht (Fig.
-6). Wählen wir auf ihr beliebig einen Punkt _a_, so fällt das Lot, das
-man von ihm aus auf die Tafel fällen kann, natürlich mit der Geraden
-_A_ zusammen, und der rechtwinklige Riß des Punktes _a_ wird der Punkt
-_a_{1}_, in dem die Gerade _A_ die Bildebene durchbohrt. Aber auch
-jeder andere Punkt _b_, _c_ ... von _A_ hat einen Riß _b_{1}_, _c_{1}_
-..., der stets mit _a_{1}_ sich deckt. Mit anderen Worten: Die Gerade
-_A_, welche auf der Bildtafel senkrecht steht, hat als Riß einen Punkt,
-ihren Schnittpunkt mit der Tafel.
-
-Stellen wir uns ferner eine Ebene _efki_ vor (Fig. 6), welche auf der
-Bildebene senkrecht steht, also z. B. eine lotrechte, vertikale Mauer,
-wenn Π_{1} horizontal gedacht wird, und ist _ef_ die Schnittlinie dieser
-Ebene mit der Tafel, so fallen die geraden Risse aller Punkte dieser
-Ebene auf die Linie _ef_. Eine solche Ebene hat demnach als Riß eine
-Gerade, nämlich die Schnittlinie der Ebene mit der Tafel.
-
-[Illustration: Fig. 6.]
-
-Gerade und Ebenen, welche auf der Bildebene senkrecht stehen,
-verschwinden folglich gewissermaßen im geraden Riß; aus dem Riß kann
-man die Ausdehnung solcher Geraden und Ebenen nicht beurteilen. Ist z.
-B. in Fig. 6 _defghikl_ ein Würfel, der mit seiner einen Fläche _defg_
-in der Tafel liegt, so ist der gerade Riß des Würfels eben dieses
-Quadrat _defg_. Die vier Kanten _dh_, _ei_, _fk_, _gl_ erscheinen als
-Punkte, und die vier Ebenen _deih_, _efki_, _fglk_ und _gdhl_, welche
-auf der Tafel senkrecht stehen, gehen durch die Projektion in die
-Geraden _de_, _ef_, _fg_, _gd_ über. Setzen wir aber auf diesen ersten
-Würfel einen zweiten Würfel _hiklmnop_, so hat dieser zweite Würfel den
-gleichen Riß _defg_, und auch das aus den beiden Würfeln bestehende
-Prisma +defgmnop+ hat den Riß +defg+. Fig. 7 gibt wieder die wahre
-Gestalt der Risse.
-
-[Illustration: Fig. 7.]
-
-Auch solche rechtwinklige Risse hat ein jeder schon gesehen. Denn jeder
-+Plan+ einer Stadt ist ein derartiger Riß; die Bildtafel ist dabei
-eine horizontale Ebene. Wir wollen dieses Beispiel aber auch noch dazu
-benutzen, um uns darüber klar zu werden, mit welchem Rechte man auch
-diese rechtwinkligen Risse als +Bilder+ der betreffenden Gegenstände
-bezeichnet. Wir fragen uns mithin: von wo aus betrachtet sieht eine
-Stadt so aus wie ihr Plan? Besteigen wir einen der Türme der Stadt
-und blicken von ihm aus, also aus einer Höhe von vielleicht 100 ~m~,
-auf dieselbe herunter, so wird nur die nächste Umgebung des Turmes so
-erscheinen wie auf dem Plane. Von den weiter entfernt gelegenen Häusern
-dagegen sehen wir noch Fenster, Türen usf. Steigen wir aber in einem
-Ballon bis zu einer Höhe von etwa 1000 ~m~ über der Stadt auf, so wird
-schon ein größerer, unmittelbar unter dem Ballon gelegener Teil der
-Stadt uns so erscheinen, wie er auf dem Plane wiedergegeben ist. Je
-höher wir uns über die Stadt erheben, um so mehr sehen wir die Stadt
-unter uns so wie auf dem Plane. Aber erst wenn wir das Auge auf einer
-Senkrechten zur Bildebene über alle Maßen weit entfernt denken (Fig.
-6), dann würde es die Gegenstände so sehen, wie sie im rechtwinkligen
-Riß dargestellt sind. Alle Sehstrahlen sind jetzt parallel, da sie alle
-senkrecht auf der Bildebene stehen. Wir erkennen demnach:
-
- =Satz 4.= +Der rechtwinklige Riß eines Gegenstandes ist das
- Bild, wie es einem Beobachter erscheint, der sich unendlich
- weit von der Bildebene entfernt befindet und senkrecht auf sie
- herunterschaut.+
-
-Weil alle zur Bildebene senkrechten Abmessungen im rechtwinkligen Riß
-verschwinden, so können wir aus einem Plan keinen Aufschluß gewinnen
-über die Höhe der einzelnen Häuser, der Mauern, Türme.
-
-=6. Bestimmung eines Gegenstandes durch zwei rechtwinklige Risse.=
-Ist es nun aber nicht möglich, einen Gegenstand +vollständig+ durch
-Risse zu bestimmen, so daß alle Abmessungen desselben, Länge, Breite,
-Höhe usf., aus den Darstellungen entnommen werden können? Da +ein+
-Riß in einer Ebene nach dem Obigen nicht genügt, so geben wir uns
-noch einen +zweiten+ Riß in einer zweiten Tafel. Wir wählen also
-noch eine zweite Bildtafel Π_{2}, die der Einfachheit wegen auf
-der ersten Bildtafel Π_{1} senkrecht stehe. Die in Fig. 8 gegebene
-Ansicht möge wieder dazu dienen, sich die räumlichen Überlegungen
-klar zu machen. Es ist nun natürlich nötig, beide Tafeln und die in
-ihnen liegenden Risse zu unterscheiden. Die Ecke _a_ des Würfels
-liefert in der ersten Tafel Π_{1} den Riß _a_{1}_. Außerdem hat der
-Punkt _a_ aber auch einen Riß in der zweiten Tafel. Wir erhalten
-denselben nach unserer Definition, indem wir uns von _a_ eine
-Senkrechte zu Π_{2} konstruiert denken. Durchsetzt diese Senkrechte
-in _a_{2}_ die zweite Tafel, so ist dieser Punkt der Riß von _a_ in
-der Π_{2}. Wir nennen _a_{1}_ den ersten, _a_{2}_ den zweiten Riß
-des Punktes _a_. Wie ferner der Würfel _abcdefgh_ in der Π_{1} den
-Riß _a_{1}b_{1}c_{1}d_{1}e_{1}f_{1}g_{1}h_{1}_ liefert, so läßt sich
-nun auch der zweite Riß _a_{2}b_{2}c_{2}d_{2}e_{2}f_{2}g_{2}h_{2}_
-des Würfels in der Π_{2} konstruieren. Die beiden Risse werden also
-durch die rechts unten angebrachten Zahlen unterschieden. Die erste
-Tafel Π_{1} können wir uns als eine horizontale Ebene denken, und
-wir nennen den in ihr gelegenen ersten Riß auch den »Grundriß« oder
-die »Horizontalprojektion«. Die zweite Tafel Π_{2} ist dann eine
-Vertikalebene, und der in ihr gelegene zweite Riß heißt auch »Aufriß«
-oder die »Vertikalprojektion«. Was für den ersten Riß erörtert wurde,
-gilt natürlich ganz ebenso auch für den zweiten. In Sonderheit
-erscheinen wieder +Gerade+, welche zur Aufrißebene Π_{2} senkrecht
-stehen, in ihr als +Punkte+ und +Ebenen+, welche auf Π_{2} senkrecht
-stehen, bilden sich als +Gerade+ in der Π_{2} ab.
-
-[Illustration: Fig. 8.]
-
-Denken wir uns jetzt die beiden Tafeln Π_{1} und Π_{2} etwa in Holz
-gefertigt und miteinander fest verbunden. Weiter sei ein Würfel im
-Raume gegeben und in seiner Lage gegen die beiden Tafeln fixiert (Fig.
-8). Wir wollen von dem Würfel den Grundriß und den Aufriß zeichnen.
-Nachdem dieses geschehen ist, entfernen wir den Würfel. Dann ist durch
-die beiden auf den Tafeln gezeichneten Risse der Würfel immer noch
-bestimmt. Denn wir können von jeder seiner Ecken die Lage im Raume
-bestimmen. In der Tat sind z. B. _a_{1}_ und _a_{2}_ die beiden Risse
-einer Ecke, so errichten wir im Punkt _a_{1}_ der Grundrißebene eine
-Senkrechte zur Π_{1}, und ebenso konstruieren wir im Punkte _a_{2}_
-der Aufrißebene eine Senkrechte zu ihr. Dann werden sich diese beiden
-Lote schneiden, und ihr Schnittpunkt gibt die Ecke _a_. In der gleichen
-Weise können wir für alle anderen Ecken des Würfels ihre Lage im Raume
-bestimmen. Also ist auch der ganze Würfel dadurch festgelegt: es wäre
-möglich, z. B. durch Stäbchen und Glasperlen die Ecken des Würfels
-wirklich im Raume anzugeben. Überhaupt kann man sagen:
-
- =Satz 5.= +Sind die beiden Tafeln im Raume gegeben und in ihnen
- die Risse eines Gegenstandes, in der richtigen Zuordnung,
- so daß also von jedem Punkte die beiden Risse unterschieden
- werden, so ist dadurch der Gegenstand und seine Lage im Raume
- bestimmt.+
-
-[Illustration: Fig. 9.]
-
-=7. Das Zusammenlegen der Tafeln.= Es wäre recht unbequem, wollte man
-sich stets der beiden senkrecht zueinander befestigten Tafeln bedienen,
-wenn man sich auf Grund irgendwelcher Risse einen Körper vorstellen
-soll. Was wir wollen, ist eine auf +einem+ Blatte befindliche
-Zeichnung, die dann bequem überall zu benutzen ist. Zu einer solchen
-gelangen wir, wenn wir die zweite Tafel sich mit der ersten vereinigen
-lassen. Es sei _K_ die Schnittlinie der beiden Tafeln (Fig. 9), die
-wir kurz die +Kante+ nennen. Wir drehen nun die Π_{2} um _K_ wie um ein
-Scharnier so lange, bis Π_{2} mit Π_{1} zusammenfällt.
-
-Die Figur 9 veranschaulicht wieder zunächst den räumlichen Vorgang.
-Der beliebige Punkt _a_ hat als ersten Riß den Punkt _a_{1}_, als
-zweiten Riß den Punkt _a_{2}'_ Es fragt sich, wohin _a_{2}'_ gelangt,
-wenn die Aufrißebene Π_{2} durch die Drehung mit der Grundrißebene zur
-Deckung gebracht wird. Die beiden Senkrechten _aa_{1}_ und _aa_{2}'_
-bestimmen doch eine Ebene, welche auf der Kante _K_ senkrecht steht.
-Der Schnittpunkt dieser in Fig. 9 schraffierten Ebene mit der Kante
-_K_ sei a. Es ist also jetzt sowohl _a_{1}_a ⊥ _K_[1] als auch
-_a_{2}'_a ⊥ _K_. Bei der Drehung der Aufrißebene beschreibt _a_{2}'_
-einen Kreis mit dem Mittelpunkt a und dem Radius _a_{2}'_a, der in
-der schraffierten Ebene _a_{1}aa_{2}'_a liegt. Ist also _a_{2}_ die
-Lage, welche _a_{2}'_ nach Ausführung der Drehung annimmt, so muß auch
-_a_{2}_a ⊥ _K_ sein; demnach fällt _a_{2}_ auf die Verlängerung der
-Linie _a_{1}_a, und es ist _a_{2}_a = _a_{2}'_a.
-
- [1] ⊥ ist das Zeichen für senkrecht auf.
-
-[Illustration: Fig. 10.]
-
-In Fig. 10 bilden wir nun das Zeichenblatt selbst ab; es ist
-gewissermaßen doppelt zu nehmen, da es sowohl die Grund- als die
-Aufrißebene vorstellt. Die Kante _K_ ist als eine horizontale Linie
-darauf gezeichnet. Dann müssen die beiden Risse _a_{1}_ und _a_{2}_
-offenbar auf einem Lote zur Kante _K_ gelegen sein; der Schnittpunkt
-des Lotes _a_{1}a_{2}_ mit _K_ ist der Punkt a. Es folgt also:
-
- =Satz 6.= +Nach der Umlegung der Aufrißebene in die Grundrißebene
- liegen die beiden Risse eines Punktes stets auf einer
- Senkrechten zur Kante oder kurz auf einem Kantenlote.+
-
-Geben wir uns irgend zwei Punkte, jedoch so, daß sie auf einer
-Senkrechten zu _K_ liegen, und ist der eine durch die Bezeichnung
-_a_{1}_ als erster Riß, der andere durch die Bezeichnung _a_{2}_ als
-zweiter Riß gekennzeichnet, so bestimmen diese beiden Risse einen
-ganz bestimmten Punkt _a_ im Raume. Um uns denselben vorzustellen,
-denken wir uns die eine Hälfte des Zeichenblattes, in der _a_{2}_
-liegt, um _K_ in die Höhe gedreht, bis sie auf der anderen Hälfte des
-Blattes senkrecht steht. Dann sind die beiden Tafeln in ihre wahre
-Lage gebracht, und wir finden den Punkt _a_ auf die Weise wie es in 6.
-auseinandergesetzt wurde.
-
-[Illustration: Fig. 11.]
-
-Einfacher ist es übrigens zu beachten, daß in Fig. 9
-
- _aa_{1}_ = _a_{2}'_a = _a_{2}_a.
-
-Es gibt also in Fig. 10 die Strecke _a_{2}_a den Abstand des Punktes von
-der Zeichenebene. Wir haben uns demnach in _a_{1}_ eine Senkrechte zur
-Fläche des Papiers errichtet zu denken. Auf dieser Senkrechten liegt
-der Punkt in einem Abstande von der Zeichenfläche, der durch _a_{2}a_
-gegeben ist.
-
-Es ist sehr nützlich sich zu überlegen, wie die beiden Risse eines
-Punktes gelegen sind, wenn der betreffende Punkt verschiedene Lagen im
-Raume annimmt. In den Figuren 9 und 10 ist noch ein zweiter Punkt _b_
-eingetragen.
-
-In Fig. 11 sind ferner die beiden Risse eines Würfels wirklich
-gezeichnet, von dem die Fig. 8 die Lage im Raume angab. Diese
-hier nur ihrem Wesen nach kurz skizzierte Methode des Grund- und
-Aufrisses wird in der darstellenden Geometrie weiter ausgeführt.
-Außer den perspektivischen Bildern und den geraden Rissen gibt es
-noch eine dritte Art von Bildern, die sog. »+Schräg+bilder« oder
-»+Parallelprojektionen+«. Bei ihnen ist die Projektionsrichtung nicht
-senkrecht zur Bildebene, sondern beliebig gegen sie geneigt. Die in
-diesem Buche zur Erläuterung beigegebenen Figuren, z. B. 1, 4, 6,
-8, sind solche Schrägbilder. Man vergleiche darüber das Bändchen
-»Projektionslehre« in dieser Sammlung.
-
-Nach diesen einleitenden Betrachtungen wollen wir uns nun eingehender
-mit den perspektivischen Bildern beschäftigen.
-
-
-
-
-Der perspektivische Entwurf.
-
-
-§ 3. Die Schnittmethode.
-
-=8. Konstruktion eines perspektivischen Bildes aus Grund- und Aufriß.=
-Soll von einem Gegenstande ein perspektivisches Bild gezeichnet werden,
-so muß der Gegenstand selbst bekannt sein und außerdem die Lage des
-Projektionszentrums (Auges) gegen die Bildebene. Es ist zunächst am
-einfachsten, sich alle diese Stücke je durch Grund- und Aufriß zu
-geben, so daß wir also folgende Elemente erhalten: ~a~) die Bildtafel
-(Zeichenebene); ~b~) das Auge _O_; ~c~) den Gegenstand. Wir behandeln
-wieder ein einfaches Beispiel.
-
- =Aufgabe 1.= Ein Würfel ist gegeben in Grund- und Aufriß, ebenso
- das Auge _O_; man zeichne ein perspektivisches Bild des
- Würfels, wenn die Bildebene auf der Kante des Tafelsystems
- senkrecht steht.
-
-Die Bildebene Π gehe durch den Punkt _Z_ der Kante (Fig. 12) und
-enthalte die beiden Linien _ZX_ und _ZY_, welche in der Π_{1} und
-in der Π_{2} je senkrecht zur Kante _K_ gezogen werden können.
-Gleichzeitig ist _ZX_ der erste und _ZY_ der zweite Riß der Bildebene
-Π. Das Auge _O_ habe die Risse _O_{1}_ und _O_{2}_. Der abzubildende
-Würfel _abcdefgh_ liegt mit der Fläche _abcd_ auf der Grundrißebene.
-Wir haben nun den in 2. beschriebenen Vorgang +wirklich+ durchzuführen,
-also die einzelnen Ecken des Würfels in die Ebene Π zu projizieren.
-Führen wir dies etwa für die Ecke _e_ durch.[2] Wir verbinden _O_ mit
-_e_, dann ist _O_{1}e_{1}_ der erste Riß, _O_{2}e_{2}_ der zweite Riß
-dieser Verbindungslinie. Der Schnittpunkt von _Oe_ mit Π sei _e'_; der
-erste Riß von _e'_ kann nichts anderes sein als der Schnittpunkt von
-_O_{1}e_{1}_ mit _ZX_. Diesen Punkt bezeichnen wir also mit _e_{1}'_.
-Ebenso ist der zweite Riß des Punktes _e'_ der Schnittpunkt _e_{2}'_
-von _O_{2}e_{2}_ mit der Linie _ZY_. Natürlich fallen alle ersten Risse
-unseres Bildes auf die Gerade _ZX_, alle zweiten auf _ZY_.
-
- [2] Wir raten dem Leser, alle Figuren stets nach den Angaben des
- Textes +selbst+ herzustellen. Es erleichtert das Verständnis
- ungemein, wenn man die Figur +allmählich+ entstehen sieht.
-
-[Illustration: Fig. 12.]
-
-Nun wollen wir aber doch das +Bild+ selbst in seiner wahrer Gestalt auf
-unserem Zeichenblatte vor uns sehen. Um dieses zu erreichen, müssen
-wir die Ebene Π herausheben und in die Zeichenebene legen. Das kann
-man etwa in folgender Weise durchführen. Wir verschieben die Ebene Π
-parallel zu sich selbst, bis sie durch den beliebigen Punkt (_Z_) der
-Kante geht. Sie schneidet dann die Tafeln in den Loten (_Z_)(_X_) und
-(_Z_)(_Y_). Nachdem dies geschehen, drehen wir die Ebene um die in der
-Π_{2} gelegene Senkrechte _(Z)(Y)_ so lange, bis sie mit der Π_{2} sich
-deckt.
-
-Verfolgen wir den Punkt _e'_ bei diesen verschiedenen Schritten. Bei
-der Verschiebung der Ebene Π in die Lage (_Y_)(_Z_)(_X_) wird _e_{1}'_
-eine Parallele zur Kante beschreiben. Ziehen wir also durch _e_{1}'_
-eine Parallele zur Kante _K_, so schneidet diese die Linie (_Z_)(_X_)
-in (_e_{1}'_). Bei der Drehung der Ebene beschreibt (_e_{1}'_) einen
-Viertelskreis um (_Z_) und gelangt nach _e_{1}^*_. Dann liegt aber
-der Punkt _e'_ auf der Senkrechten, welche in _e_{1}^*_ zur Kante
-gezeichnet werden kann. Die Höhe, in welcher _e'_ über der Π_{1} liegt,
-ist jedoch bei allen diesen Vorgängen die gleiche geblieben, und sie
-ist durch _Ze_{2}'_ gegeben. Tragen wir also auf der in _e_{1}^*_
-errichteten Senkrechten diese Höhe an oder, was das gleiche ist, ziehen
-wir durch _e_{2}'_ eine Parallele zur Kante, so schneidet diese auf der
-Senkrechten in _e_{1}^*_ den Punkt _e'_ aus.
-
-Bequemer ist es, einfach (_Z_)_e_{1}^*_ = _Ze_{1}'_ mit dem Zirkel
-auf der Kante anzutragen und auf der Senkrechten in _e_{1}^*_ dann
-weiter _e_{1}^*e'_ = _Ze_{2}'_ abzuschneiden. Man kann dazu auch noch
-Fig. 1 vergleichen. Dort ist die erste Tafel Π_{1} angegeben als eine
-horizontale Ebene, die zweite Tafel ginge durch _K_ und _AY_. Vom
-Punkte _e'_ sind die Risse _e_{1}_ und _e_{2}_ eingetragen.
-
-Ganz in entsprechender Weise konstruiert man die Bilder der übrigen
-Ecken und erhält so das Bild _a'b'c'd'e'f'g'h'_ des Würfels. Um
-die Bildwirkung zu erhöhen, denkt man sich den Würfel aus einem
-undurchsichtigen Material (Holz, Gips) und zeichnet die Kanten, welche
-man nicht sehen würde, bloß punktiert. In unserer Figur liegen dem
-Auge zunächst die Kanten _bc_, _cg_, _gf_, _fb_ ferner _gh_, _he_,
-_ef_. Diese müssen also ausgezogen werden. Die übrigen Kanten _cd_,
-_da_, _ab_, _dh_, _he_, _ea_ werden dem in _O_ befindlichen Auge
-durch den Würfel verdeckt; man hätte sie also streng genommen ganz
-wegzulassen. Es ist aber nützlich, diese Kanten wenigstens punktiert
-anzudeuten, um die mathematische Form besser zu übersehen. Man nennt
-die Berücksichtigung dieser Verhältnisse die »Sichtbarkeit bzw.
-Unsichtbarkeit«.
-
-Nun ist ein perspektivisches Bild für ein gewisses Projektionszentrum
-konstruiert und muß von diesem aus betrachtet werden. Wir werden
-deswegen verlangen, den Punkt im Raume anzugeben, von dem aus unser
-Bild _b'c'g'h'e'f'_ zu betrachten ist. Zu diesem Zwecke fällen wir von
-dem Zentrum _O_ aus auf die Bildebene Π die Senkrechte. Ihr erster
-Riß ist eine Parallele durch _O_{1}_ zur Kante, ihr zweiter Riß eine
-Parallele durch _O_{2}_ zur Kante. Der Fußpunkt dieser Senkrechten,
-die auch in Fig. 1 eingetragen ist, heiße ~A~. Die Risse ~A_{1}~ und
-~A_{2}~ desselben sind die Schnittpunkte der eben genannten Parallelen
-mit _ZX_ bzw. _ZY_. Daraus finden wir die Lage von ~A~ wiederum, indem
-wir zunächst die Parallele durch ~A_{1}~ und (_Z_)(_X_) zum Schnitt
-bringen in (~A_{1}~), dann durch einen Viertelskreis (_Z_)~A_{1}^*~ =
-(_Z_)(~A_{1}~) machen. Auf der in ~A_{1}^*~ errichteten Senkrechten
-schneidet die Parallele durch ~A_{2}~ wieder den Punkt ~A~ aus. Jetzt
-wissen wir also, daß unser Projektionszentrum auf der Senkrechten
-liegt, die in ~A~ zur Zeichenebene gedacht werden kann.
-
-[Illustration: Fig. 13.]
-
-Weiter gibt nun aber die Strecke _O_{1}_~A_{1}~ oder auch
-_O_{2}_~A_{2}~ die Entfernung, in der wir auf der genannten Senkrechten
-in ~A~ zur Ebene des Blattes uns das Auge _O_ denken müssen. Bringen
-wir unser Auge an die dadurch bestimmte Stelle im Raume, so wird das
-Bild des Würfels den besten Eindruck machen. Allerdings hat man die
-Figur viel größer, vielleicht drei- oder viermal so groß zu zeichnen,
-da wir bei normalen Augen das Zeichenblatt wenigstens 25 ~cm~ von
-unserem Auge entfernt halten müssen.
-
-Man nennt den Punkt ~A~ den »Haupt«- oder »Augpunkt«, und er ist wohl
-zu unterscheiden von dem Projektionszentrum oder dem »Auge« _O_; die
-Entfernung _O_~A~ des Projektionszentrums _O_ von der Bildebene, also
-die Strecke _O_{1}_~A_{1}~ oder _O_{2}_~A_{2}~ heißt die »Distanz«.
-
-[Illustration: Abb. 2.
-
-Methode der mech. Konstruktion einer Perspektive mittels des Reileschen
-Apparates.]
-
-=9. Apparat zur Konstruktion einer Perspektive.= Geht man vom Grundriß
-des gegebenen Gegenstandes aus, so beruht das soeben durchgeführte
-Verfahren wesentlich darauf, daß man die +Höhe+ ermittelt, in
-der das Bild eines Punktes über der Grundrißebene lag. Statt der
-Grundrißebene kann man auch die Ebene benutzen, welche man durch
-das Auge _O_ parallel zur Grundrißebene legt. Diese Ebene heiße die
-»+Horizontebene+« und sie schneidet die Bildebene Π in einer Geraden
-_hh_, welche durch den Hauptpunkt ~A~ geht und der »+Horizont+« genannt
-wird (Fig. 13). Es sei nun ein Punkt _a_ gegeben, der von _O_ aus
-gerechnet +vor+ der Bildebene Π liegt, welch letztere die Grundrißebene
-Π_{1} in der Geraden _gg_ schneidet. Dann können wir das Bild _a'_
-wieder in folgender Weise bestimmen. Die von _a_ auf Π_{1} gefällte
-Senkrechte trifft Π_{1} im Risse _a_{1}_, die Horizontebene dagegen
-im Punkte (_a_{1}_). Verbinden wir _O_{1}_ mit _a_{1}_, so ist dies
-der Riß des Sehstrahles _Oa_. _O_{1}a_{1}_ trifft die Gerade (_gg_) in
-_a_{1}'_, und auf der in _a_{1}'_ gelegenen Senkrechten liegt das Bild
-_a'_. Schneidet diese Senkrechte den Horizont in (_a'_), so ist die
-Linie _O_(_a'_) parallel zu _O_{1}a_{1}'_, und zur Berechnung der Höhe
-_a'_(_a'_) kann die Proportion dienen:
-
- _a'_(_a'_)/_a_(_a_{1}_) = _O_(_a'_)/_O_(_a_{1}_).
-
-Das Verhältnis auf der rechten Seite darf zunächst durch _O_{1}a_{1}'_
-: _O_{1}a_{1}_ ersetzt werden. Zieht man ferner durch _a_{1}_ eine
-Parallele zu _gg_, welche _O_{1}_~A_{1}~ in _X_ trifft, so wird dies
-Verhältnis auch durch _O_{1}_~A_{1}~ : _O_{1}X_ gegeben, so daß man
-schließlich erhält
-
- (1) _a'_(_a'_)/_a_(_a_{1}_) = _O_{1}_~A_{1}~/_O_{1}X_.
-
-Die Strecke _a_(_a_{1}_) kann aus dem Aufriß entnommen werden und ist
-gleich der Höhe des Aufrisses über dem Horizont.
-
-Ist nun (Abbildung 2) der Grundriß in Fig. I, der Aufriß in Fig. II
-gegeben und ist die Bildebene um _gg_ in die Grundrißebene umgeklappt,
-so läßt sich aus der Proportion (1) in folgender Weise die Höhe
-_a'_(_a'_) ermitteln. Man zieht durch den Riß _a_{1}_ eine Parallele
-zu _hh_, welche auf _O_{1}_~A_{1}~ den Punkt _X_ liefert. Auf dieser
-Parallelen trägt man ferner die Höhe ab, in der der Aufriß von _a_ über
-dem +Horizont+ liegt, macht also _XY_ = _a_{2}a_{h}_, wo _a_{2}a_{h}_
-aus Fig. II zu entnehmen. Verbindet man diesen Punkt _Y_ mit _O_{1}_,
-so schneidet diese Linie aus _gg_ den Punkt _B_{1}_ aus, und es gilt
-nun die Proportion:
-
- (2) _B_{1}_~A_{1}~/_XY_ = _O_{1}_~A_{1}~/_O_{1}X_.
-
-Vergleicht man (1) und (2), so müssen also auch die linken Seiten
-einander gleich sein, und da _XY_ = _a_{2}a_{h}_ = _a_(_a_{1}_), so ist
-_B_{1}_~A_{1}~ = _a'_(_a'_).
-
-In _B_{1}_~A_{1}~ ist mithin die Höhe des Bildes von _a_ über dem
-Horizont ermittelt. Verbindet man demnach noch _a_{1}_ mit _O_{1}_, so
-liefert diese Linie auf _gg_ den Punkt _a_{1}'_. Auf dem in _a_{1}'_
-errichteten Lote liegt _a'_ und wird erhalten, wenn man vom Horizont
-aus _B_{1}_~A_{1}~ anträgt, also (_a'_)_a'_ = _B_{1}_~A_{1}~ macht.
-
-Herr Kunstmaler Adolf +Reile+ in Stuttgart hat in der Zeitschrift
-für gewerblichen Unterricht, Jahrg. XXX, 1915 Nr. 43 einen einfachen
-Apparat angegeben, der diese von ihm abgeleitete Beziehung mechanisch
-zu konstruieren gestattet. Zwei Reißschienen _L_ und _R_ sind durch ein
-Gelenk miteinander verkuppelt. Der Gelenkmittelpunkt wird stets auf der
-Geraden _gg_ geführt, indem die Reißschiene _R_ an der oberen Kante
-_AD_ des Reißbrettes _ABCD_ hingleitet. Die Reißschiene _L_ geht immer
-durch _O_{1}_ hindurch, was dadurch erreicht wird, daß eine Hülse durch
-eine Stecknadel in _O_{1}_ festgehalten ist, während die Schiene _L_
-durch die Hülse hindurchgleitet.
-
-Um die obige Konstruktion auszuführen, legt man zunächst eine
-gewöhnliche Reißschiene _R'_ durch _a_{1}_, bestimmt durch Abgreifen
-mit dem Zirkel _Y_ und verschiebt sodann _L_ so lange, bis es durch _Y_
-geht. Die Kuppelung befindet sich nun in _B_{1}_, und die Schiene _R_
-bestimmt auf dem Horizont die gesuchte Strecke ~A~_B_ = ~A_{1}~_B_{1}_.
-Legt man endlich _L_ durch _a_{1}_, so gibt die Schiene _R_ das Lot in
-_a_{1}'_, und längs derselben kann ~A~_B_ angetragen werden. Da das
-Objekt bei der in Abb. 2 gemachten Annahme +vor+ der Bildebene liegt,
-so wird es durch die Perspektive vergrößert.
-
-Es gibt Vorrichtungen (sog. Perspektographen), welche überhaupt
-Perspektiven mechanisch herstellen; so haben +G. Hauck+ und +E. Brauer+
-einen allerdings komplizierten und teueren Apparat konstruiert, bei dem
-ein freier Stift die Perspektive beschreibt, wenn man mit zwei anderen
-Stiften den Grund- und Aufriß nachfährt. Man vgl. Zeitschrift des
-Vereins deutscher Ingenieure, Bd. 35, 1891 Nr. 28, S. 782.
-
-Wesentlich ist, daß das in 8. erörterte Verfahren, das man auch als
-die »+Schnittmethode+« bezeichnet, uns zwar die Möglichkeit gibt, das
-perspektivische Bild Punkt für Punkt zu zeichnen, daß es uns aber
-keinen Einblick in die Natur dieser Bilder gewährt und uns keine
-Eigenschaften solcher Bilder liefert. So gehen beispielsweise in
-Fig. 12 die vier Linien _b'a'_, _c'd'_, _g'h'_, _f'e'_ hinreichend
-verlängert durch +einen+ Punkt, nämlich durch ~A~, und es leuchtet ohne
-weiteres ein, daß dies für die Zeichnung mit Vorteil verwendet werden
-kann. Deswegen gehen wir jetzt dazu über, denjenigen Satz zu beweisen,
-der die wichtigste Eigenschaft aller perspektivischen Bilder liefert.
-
-
-§ 4. Der Satz vom Fluchtpunkt.
-
-=10. Der Fluchtpunkt einer Geraden.= Wir erinnern zunächst an
-folgenden, auch der Anschauung leicht zugänglichen Satz: »Irgend zwei
-parallele Gerade im Raume bestimmen eine Ebene, und jede Gerade, welche
-diese beiden parallelen Geraden schneidet, liegt ebenfalls ganz in
-dieser Ebene.«
-
-Dieser grundlegenden Behauptung der Geometrie kann man auch folgende
-andere Fassung geben:
-
-»Ist eine Gerade _G_ gegeben und ein Punkt _O_ (Fig. 14) und verbindet
-man den Punkt _O_ mit beliebigen Punkten _a_, _b_, ... von _G_, so
-liegen alle diese Verbindungslinien in +einer+ Ebene, und dieser Ebene
-gehört auch die Gerade _J_ an, welche durch _O_ parallel zu _G_ gezogen
-werden kann.«
-
-Es sei nun weiter die Bildtafel Π gegeben sowie das Auge _O_; es soll
-das perspektivische Bild der Geraden _G_ gezeichnet werden. Dieses
-Bild _G'_ erhält man, wenn man die Bilder der einzelnen Punkte _a_,
-_b_, _c_, ... von _G_ aufsucht. Man hat also die Projektionsstrahlen
-_Oa_, _Ob_, _Oc_, ... mit Π zum Schnitt zu bringen. Alle diese Punkte
-_a'_, _b'_, _c'_ ... liegen dann aber auf der Geraden _G'_, in welcher
-die Ebene der Projektionsstrahlen _Oa_, _Ob_, _Oc_, ... die Tafel Π
-durchsetzt. In der Ebene dieser Projektionsstrahlen liegt nun nach dem
-obigen Satze auch der Strahl _J_, der durch _O_ parallel zu _G_ gezogen
-werden kann. Trifft er in _f_ die Tafel, so muß also _G'_ auch durch
-_f_ gehen.
-
-Die Gerade _G_ schneidet ferner die Tafel Π in einem Punkte _s_; er
-heißt die »Spur« der Geraden, und er muß selbstverständlich auch auf
-_G'_ gelegen sein.
-
-[Illustration: Fig. 14.]
-
-Der Punkt _f_ dagegen heißt der »+Fluchtpunkt+« oder die »+Flucht+«
-oder auch der »+Verschwindungspunkt der Geraden _G_+«. Diese sehr
-treffende Bezeichnung erklärt sich in folgender Weise. Lassen wir
-einen Punkt sich auf der Geraden _G_ von der Spur _s_ aus nach links
-immer weiter und weiter fortbewegen, so daß er die Lagen _a_, _b_,
-_c_, ... annimmt, so werden sich die Bilder _a'_, _b'_, _c'_ ... dem
-Fluchtpunkt _f_ mehr und mehr nähern. Ist der Punkt auf der Geraden _G_
-schon sehr weit hinausgerückt, so wird das Bild des Punktes ziemlich
-nahe an _f_ liegen. Aber allerdings gibt es keinen erreichbaren
-Punkt auf _G_, dessen Bild wirklich nach _f_ fiele. Denkt man sich
-die Gerade _G_ als eine materiell hergestellte, sehr lange, dünne
-Stange aus Draht oder Holz und Π wieder als Glastafel und visiert ein
-in _O_ angebrachtes Auge die Stange ein, so wird ihr Ende nahezu in
-_f_ erscheinen, die Gerade »verschwindet« in _f_. Das Bild G' läuft
-verlängert durch den Fluchtpunkt, oder es »flieht« nach _f_.
-
-Wir geben nochmals an, wie der Fluchtpunkt einer Geraden zu
-konstruieren ist:
-
- =Satz 7.= +Der Fluchtpunkt einer Geraden wird erhalten, wenn
- man durch das Auge eine Parallele zu der Geraden zieht. Der
- Schnittpunkt dieser Parallelen mit der Tafel (die Spur dieses
- Parallelstrahles) ist der Fluchtpunkt der Geraden.+
-
-Das Bild _G'_ wird man zeichnen können, wenn man 2 Punkte desselben
-bestimmt hat. Als solche bieten sich ganz von selbst die Spur _s_ und
-die Flucht _f_ dar. Man kann also sagen:
-
- =Satz 8.= +Das Bild einer Geraden ist die Verbindungslinie ihrer
- Spur und ihres Fluchtpunktes.+
-
-Um ein Beispiel zu haben, betrachten wir Fig. 12. Wählen wir die Kante
-_ab_ des Würfels. Der Fluchtpunkt dieser Geraden ergibt sich, wenn wir
-durch _O_ die Parallele zeichnen. Da die Kante auf der Tafel _ZXY_
-senkrecht steht, so ist diese Parallele die Linie _O_~A~ und ~A~ ist
-der Fluchtpunkt. Es geht also in dem perspektivischen Bilde rechts oben
-_a'b'_ verlängert durch ~A~.
-
-=11. Der Satz vom Fluchtpunkt.= Denken wir uns nun (Fig. 14) eine
-zweite Gerade _H_ gegeben, welche zu _G_ parallel sein soll. Die Spur
-von _H_ sei der Punkt _s'_. Dann weiß man, daß die Linie _J_ oder _Of_
-auch parallel zu _H_, und dies besagt doch nichts anderes, als daß _f_
-auch der Fluchtpunkt der Geraden _H_ sein muß. Das perspektivische
-Bild _H'_ der Geraden _H_ läuft folglich durch _f_ und durch _s'_.
-Ebenso wäre für jede andere Gerade, welche zu _G_ parallel ist, _f_
-der Fluchtpunkt. Die Bilder _G'_ und _H'_ der parallelen Geraden _G_
-und _H_ laufen also im gemeinsamen Fluchtpunkt _f_ zusammen. Damit
-erhalten wir den die ganze Lehre von der perspektivischen Zeichnung
-beherrschenden
-
- =Satz 9.= +Sind eine Anzahl paralleler Geraden im Raume gegeben,
- so sind die perspektivischen Bilder dieser Geraden nicht
- parallel, sondern sie laufen+, =hinreichend verlängert=,
- +durch einen Punkt, den gemeinsamen Fluchtpunkt der parallelen
- Geraden+.
-
-[Illustration: Fig. 15.]
-
-Man beachte, daß im Gegensatze dazu bei der orthogonalen Projektion
-nach Satz 3 (S. 7) parallele Gerade im Raume auch stets Bilder haben,
-die wieder +parallel+ sind. Die Figur 12 liefert uns auch sofort ein
-Beispiel für die Anwendung dieses Fluchtpunktsatzes. Betrachten wir
-an dem dort dargestellten Würfel die 4 Kanten _ba_, _cd_, _gh_, _fe_,
-so erkennt man leicht, daß dieses 4 parallele Gerade sind. ~A~ ist
-offenbar der gemeinsame Fluchtpunkt derselben, und die Bilder _b'a'_,
-_c'd'_, _g'h'_, _f'e'_ laufen demnach verlängert durch ~A~.
-
-Eine aufmerksame Betrachtung der Fig. 12 kann uns übrigens darüber
-belehren, daß es doch parallele Gerade gibt, deren Bilder auch wieder
-parallel sind. So sind die vier Geraden _bc_, _ad_, _eh_, _fg_ offenbar
-im Raume parallel, und ihre Bilder _b'c'_, _a'd'_, _e'h'_, _f'g'_ sind
-ebenfalls parallel. Die gleiche Eigenschaft zeigen die vier Kanten
-_ae_, _bf_, _cg_, _dh_. Betrachten wir nun, um dies klar zu übersehen,
-eine Gerade _G_, welche zur Bildebene Π parallel ist (Fig. 15). Das
-Bild _G'_ derselben ergibt sich wieder, wenn wir nach allen möglichen
-Punkten von _G_ die Projektionsstrahlen legen und diese mit der Tafel
-zum Schnitt bringen. Alle diese Strahlen bilden aber eine Ebene, und
-diese projizierende Ebene schneidet aus Π das Bild _G'_ aus. Wenn wir
-nun angenommen haben, daß die Gerade _G_ zur Bildtafel Π parallel ist,
-so heißt das, daß sie die Bildtafel nicht schneidet. Die Gerade _G_
-kann also auch _G'_ nicht schneiden oder mit anderen Worten: es ist _G_
-parallel _G'_.
-
-Ist nun _H_ eine zweite zu _G_ parallele Gerade, so folgt ganz in
-der gleichen Weise, daß auch _H_ parallel zu _H'_ ist, und daraus
-folgert man sofort, daß auch _G'_ parallel _H'_ ist. Diese beiden
-parallelen Geraden _G_ und _H_ haben also parallele Bilder _G'_ und
-_H'_. Allgemein kann man diesen besonderen Fall des Fluchtpunktsatzes
-aussprechen als
-
- =Satz 10.= »+Parallele Geraden, welche überdies zur Bildebene
- parallel laufen, haben auch parallele, perspektivische
- Bilder; die Bilder solcher Geraden sind zu den Geraden selbst
- parallel.+«
-
-[Illustration: Fig. 16.]
-
-=12. Das Fluchtpunktgesetz in der Erscheinungswelt.= Der Begriff der
-Zentralprojektion war abgeleitet aus dem Vorgang des Sehens, den wir
-jetzt etwas genauer untersuchen müssen. Das menschliche Auge entwirft
-von beleuchteten Gegenständen, die sich vor ihm befinden, auf der im
-Hintergrunde des Auges befindlichen Netzhaut kleine Bildchen, die
-dadurch entstehen, daß man die Punkte des Gegenstandes aus einem
-bestimmten, im Auge gelegenen Punkte _o_ auf die Netzhaut projiziert.
-In Fig. 16 ist das allerdings in ganz unrichtigen Größenverhältnissen
-wiedergegeben. Als Objekte sind die beiden parallelen Pfeile _ab_ und
-_cd_ gewählt. _o_ ist das Zentrum, und die von _o_ nach den Punkten
-_a_, _b_, _c_, _d_ gehenden Strahlen schneiden die Netzhaut in den
-Punkten _a'_, _b'_, _c'_, _d'_. So entstehen die Bildchen _a'b'_ und
-_c'd'_. In zweierlei Hinsicht unterscheidet sich freilich die hier
-zur Verwertung kommende Perspektive von der von uns betrachteten.
-Erstens tritt an Stelle der ebenen Bildtafel die kugelförmig gewölbte
-Netzhaut, und zweitens befinden sich Gegenstand und auffangende Fläche
-auf verschiedenen Seiten des Zentrums _o_. Das letztere äußert sich
-dadurch, daß die Bildchen auf der Netzhaut verkehrt sich ausbilden.
-So sind z. B. die Pfeilspitzen _a'_, _c'_ unten gelegen. Mit dem
-Augenspiegel kann man das direkt beobachten. Denkt man sich weiter
-durch _o_ die Parallele zu _ab_ gezogen, so schneidet diese die
-Netzhaut in einem Punkte _f_, den wir als den Fluchtpunkt aller zu
-_ab_ parallelen Linien bezeichnen müssen. Je länger der Pfeil _ab_
-ist, desto mehr strebt das Bildchen _a'b'_ dem Punkte _f_ zu. Die
-beiden Bilder _a'b'_ und _c'd'_ laufen verlängert durch _f_, und diese
-Tatsache drückt sich auch in unserem Wahrnehmungsbild aus, indem
-sich die beiden Pfeile zu nähern scheinen. In der Tat kann man das
-auf Schritt und Tritt beobachten. Wenn eine Straße auf eine lange
-Strecke geradlinig verläuft, so scheinen die Häuser am Ende derselben
-zusammenzurücken, ebenso die Trambahnschienen und die Gesimslinien
-ihrer Gebäude. Eine geradlinige Allee schließt sich scheinbar in der
-Ferne, in gleicher Weise ein sehr langer Korridor. Am großartigsten
-zeigt sich die Erscheinung, wenn die Sonnenstrahlen durch eine
-Wolkenlücke brechen. Sie werden dann in ihrem geradlinigen Verlauf
-sichtbar, indem sie die Wolken oder andere Teile der Landschaft
-beleuchten. Die Strahlen, die durch die Lücke hindurchgehen, sind nun
-parallel, da wir Strahlen, die von +einem+ Punkte der Sonne ausgehen,
-als parallel betrachten müssen. Für unser Auge aber scheinen diese
-Strahlen von einem Punkte auszugehen, eben dem Fluchtpunkte derselben.
-So bringt uns unser Auge den Satz vom Fluchtpunkte fast in jedem Moment
-zum Bewußtsein und wir können nicht über die Straße gehen, ohne ihn zu
-erleben. Das ganze Weltbild, das wir beständig vor Augen haben, wird
-durch dieses Gesetz wesentlich beeinflußt.
-
-
-§ 5. Andere Bestimmung eines perspektivischen Bildes.
-
-[Illustration: Fig. 17.]
-
-=13. Die festen Elemente.= Wir wollen nun einen anderen Weg
-einschlagen, um perspektivische Bilder von Körpern zu zeichnen, indem
-wir den Satz vom Fluchtpunkt jetzt so viel als möglich heranziehen. Es
-ist dann zunächst nötig, eine Anzahl fester Elemente einzuführen, auf
-die wir die Darstellung beziehen. Die Bildebene oder Tafel denken wir
-uns wieder als eine lotrechte Ebene. Die darzustellenden Gegenstände
-werden sich nun in den meisten Fällen auf einer horizontalen
-Bodenfläche befinden; wir führen dementsprechend eine zur Tafel
-senkrechte, wagrechte Ebene ein, die wir kurz die »Grundebene« nennen.
-Die Figuren 17 und 18 geben wieder eine Ansicht aller zu benutzenden
-Gebilde. Die Grundebene Π_{1} wird die Tafel Π in einer Geraden _gg_
-schneiden, welche »Grundlinie« heißen soll. Von dem im Raume gegebenen
-Auge _O_ fällen wir eine Senkrechte auf die Tafel, deren Fußpunkt der
-schon erwähnte »Haupt«- oder »Aug«-Punkt ~A~ ist. Da die Linie _O_~A~
-demnach parallel zur Grundebene verläuft, so kann man durch _O_~A~ eine
-Ebene legen, welche parallel zur Grundebene ist. Diese Parallelebene
-schneidet aus der Tafel eine Linie _hh_ aus, welche parallel zur
-Grundlinie _gg_ sein muß und bereits als der »Horizont« bezeichnet
-wurde. Die Parallelebene selbst hieß die »Horizontebene«. Der Abstand
-des Horizonts von der Grundlinie oder, was das gleiche ist, der Abstand
-der Horizontebene von der Grundebene wird die »Augenhöhe« genannt.
-Endlich tragen wir noch die Distanz _O_~A~ vom Augpunkt aus nach beiden
-Seiten auf dem Horizont ab, wodurch wir die Punkte ~D_{1}~ und ~D_{2}~
-erhalten. Diese heißen die »Distanzpunkte«. Da also ~AD_{1}~ = ~A~_O_
-= ~AD_{2}~, so sind die Dreiecke ~D_{1}~_O_~A~ und ~D_{2}~_O_~A~ beide
-gleichschenklig rechtwinklig, und es ist ∢ ~AD_{1}~_O_ = ∢ ~AD_{2}~_O_
-= 45°.
-
-In der Zeichenebene geben wir uns also (Fig. 19) zwei parallele Linien
-_hh_ und _gg_ und auf der oberen den Punkt ~A~ sowie im gleichen
-Abstande rechts und links die Punkte ~D_{1}~ und ~D_{2}~. Die Lage des
-Auges im Raume ist damit festgelegt: es liegt auf der Senkrechten, die
-wir uns im Punkte ~A~ zur Zeichenebene errichtet denken, und zwar in
-einem Abstande von ~A~, der gleich ~AD_{1}~ oder ~AD_{2}~ ist.
-
-Durch die Annahme dieser Elemente ist nun bereits eine ganze Anzahl
-von Richtungen bestimmt. Eine auf der Zeichenebene senkrechte Gerade
-_T_ liefert uns die Ausdehnung des Gegenstandes nach der »Tiefe« zu,
-wie wir ja auch von der Tiefe eines Kastens oder einer Bühne sprechen
-und darunter die Abmessung verstehen, die lotrecht zur Vorderfläche
-erfolgt. Wir nennen aus diesem Grunde jede auf der Bildebene senkrechte
-Gerade _T_ eine »+Tiefenlinie+« (Fig. 18 oben). Die durch das Auge _O_
-zu einer solchen Tiefenlinie gelegte Parallele wird dann aber immer der
-Strahl _O_~A~, und folglich ist nach Satz 7 ~A~ ihr Fluchtpunkt. Damit
-haben wir aber bewiesen:
-
- =Satz 11.= »+Der Augpunkt A ist der Fluchtpunkt für alle
- Tiefenlinien, d. h. die Bilder aller Tiefenlinien gehen
- verlängert durch den Augpunkt+.«
-
-Der Augpunkt beherrscht deswegen die ganze Darstellung und legt die im
-Bilde fehlende dritte Dimension fest.
-
-Um die Bedeutung des Horizontes zu erkennen, erinnern wir zunächst an
-folgenden Satz aus der Stereometrie: »Ist eine Ebene Π_{1} gegeben und
-außerhalb derselben ein Punkt _O_, so gibt es durch _O_ nur +eine+
-Ebene, welche zu Π_{1} parallel ist.«
-
-Diese Behauptung kann man auch durch folgende andere ersetzen:
-»Zieht man in der Ebene Π_{1} +irgend+welche Gerade und zeichnet durch
-_O_ die Parallelen zu derselben, so liegen alle diese Parallelen in
-einer Ebene, eben in der Parallelebene durch _O_ zu Π_{1}.« Ist also
-_G_ irgendeine Gerade der Grundebene (Fig. 17) und ziehen wir zu ihr
-durch _O_ die Parallele, so liegt diese in der Horizontebene, der
-Schnittpunkt _f_ der Parallelen mit der Tafel muß demnach auf _hh_
-gelegen sein; er ist aber der Fluchtpunkt der Geraden _G_; mit anderen
-Worten:
-
- =Satz 12.= +Alle in der Grundebene gelegenen Geraden haben ihre
- Fluchtpunkte auf dem Horizonte.+
-
-~A~ ist im besonderen der Fluchtpunkt aller zur Grundlinie _gg_
-senkrechten Geraden der Grundebene, was wir ja schon wissen. Zeichnen
-wir ferner in der Grundebene ein Quadrat _abcd_ (Fig. 18), das mit
-einer Seite _ab_ in der Grundlinie liegt. Dann schließen die Linien
-_ac_ und _bd_, die sog. Diagonalen des Quadrates, mit der Grundlinie
-Winkel von 45° ein. Man vgl. auch Fig. 19, in welcher unten das Quadrat
-(_a_)(_b_)(_c_)(_d_) in seiner wahren Gestalt zu sehen ist. Es ist aber
-klar, daß die Linie _OD_{1}_ parallel zu _bd_ und _OD_{2}_ parallel
-zu _ac_; _D_{1}_ und _D_{2}_ sind die Fluchtpunkte der Diagonalen des
-Quadrates und aller zu diesen beiden Geraden parallelen Geraden der
-Grundebene d. h.
-
- =Satz 13.= »+Alle Linien der Grundebene, welche mit der
- Grundlinie den Winkel von 45° nach der einen oder anderen Seite
- einschließen, haben die Distanzpunkte bzw. zu Fluchtpunkten.+«
-
-[Illustration: Fig. 18.]
-
-Endlich wollen wir noch eine andere Eigenschaft des Horizontes kennen
-lernen. Ist _d_ ein Punkt in der Grundebene, _d'_ sein Bild, also der
-Schnittpunkt des Sehstrahles _Od_ mit Π (Fig. 18), so wollen wir uns
-vorstellen, daß der Punkt _d_ weiter und weiter nach links in der
-Grundebene hinausrückt. Dann wird das Bild _d'_ offenbar immer höher
-in der Bildtafel hinaufrücken, da sich der Strahl _Od_ mehr und mehr
-aufrichtet. Ist _d_ sehr weit entfernt in der Grundebene angenommen,
-so wird das Bild _d'_ dem Horizont _hh_ schon sehr nahe liegen. Wir
-gewinnen daraus folgende Deutung für den Horizont:
-
- =Satz 14.= »+Punkte, die sehr weit entfernt in der Grundebene
- liegen, haben Bilder, die nahezu in den Horizont fallen.+«
-
-Ein schönes Beispiel dafür liefert die Darstellung des offenen Meeres.
-Denn seine Oberfläche müssen wir uns als eine weit ausgedehnte Ebene
-denken. Ist also in einem Gemälde das freie Meer überhaupt oder eine
-weit ausgedehnte Wasserfläche dargestellt, so gibt die Grenzlinie
-gegen den Himmel praktisch hinreichend genau den Horizont des Bildes
-(vgl. Fig. 50). Unsere Überlegung gibt auch die Erklärung dafür, warum
-sich die Meeresfläche scheinbar so hoch erhebt, daß sie wie eine Mauer
-sich aufzutürmen scheint. In der Tat muß das Bild jeder sehr weit
-ausgedehnten horizontalen Ebene bis fast in Augenhöhe reichen.
-
-
-§ 6. Darstellung eines möglichst einfach gelegenen Quadrates der
-Grundebene. Anwendungen dieser Konstruktion. Tiefenmaßstab.
-
-=14. Die Umlegung und Verschiebung der Grundebene.= Unter Benutzung der
-so definierten festen Elemente wollen wir jetzt Körper darstellen. Wir
-beginnen aber mit dem Einfachsten, indem wir zunächst von Figuren, die
-in der Grundebene gelegen sind, die Bilder zeichnen. Es ist dann aber
-notwendig, daß wir uns diese Figuren auch selbst geben, sowohl ihrer
-wahren Gestalt nach als in ihrer Lage in der Grundebene. Zu diesem
-Zwecke müssen wir die Grundebene in unsere Zeichenebene irgendwie
-hereinbringen. +Eine+ Möglichkeit, dies zu erreichen, ist folgende:
-wir drehen die Grundebene um die Grundlinie nach aufwärts im Sinne der
-beiden Pfeile (Fig. 17, 18) so lange, bis sie mit der Tafel sich deckt.
-Dann liegt die Grundebene allerdings in unserem Zeichenblatt, aber wir
-haben die Unannehmlichkeit, daß die Figuren der Grundebene sich dort
-befinden, wo das Bild entworfen werden soll. Deswegen schieben wir die
-(gedrehte) Grundebene in der Tafel parallel zu sich selbst noch um ein
-beliebiges Stück herunter, bis die Grundlinie die neue Lage (_g_)(_g_)
-annimmt (Fig. 19); irgendein Punkt _a_ der Grundlinie beschreibt
-dabei die lotrechte Linie _a_(_a_), wenn wir mit (_a_) die Lage des
-Punktes _a_ nach Ausführung der Verschiebung bezeichnen. Die Entfernung
-_a_(_a_) zwischen _gg_ und (_g_)(_g_) ist ganz willkürlich und richtet
-sich nach der Größe der in der Grundebene gegebenen Figur.
-
-[Illustration: Fig. 19.]
-
-Nach diesen Vorbereitungen behandeln wir folgende
-
- =Aufgabe 2.= In der Grundebene ist ein Quadrat gegeben, von dem
- eine Seite _ab_ in der Grundlinie liegt. Das Bild des Quadrates
- zu zeichnen.
-
-Die Lage des gegebenen Quadrates _abcd_ veranschaulicht Fig. 18. In der
-wirklichen Ausführung (Fig. 19) geben wir uns den Horizont _hh_ mit
-dem Augenpunkt ~A~ und den beiden Distanzpunkten, ~D_{1}~ und ~D_{2}~,
-dazu parallel die Grundlinie _gg_ mit den beiden Ecken _a_ und _b_ des
-Quadrates.
-
-Um auf Grund dieser Stücke das Bild des Quadrates zu zeichnen,
-ziehen wir in beliebigem Abstand die Parallele (_g_)(_g_) und
-bestimmen vermittels der Vertikalen durch _a_ und _b_ die Lage
-(_a_)(_b_)(_c_)(_d_) des Quadrates nach der Verschiebung. Nun sind
-die Quadratseiten _ad_ und _bd_ Tiefenlinien, ihre Bilder müssen also
-nach Satz 11 durch ~A~ gehen; die Punkte _a_ und _b_ sind aber die
-Spuren dieser Geraden. Folglich erhalten wir in _a_~A~ und _b_~A~
-die Bilder der beiden Geraden, auf denen die Quadratseiten _ad_ und
-_bc_ liegen, und die Bilder _d'_ und _c'_ müssen bzw. auf _a_~A~ und
-_b_~A~ gelegen sein. Denken wir uns aber noch die Diagonale _db_
-konstruiert, welche in unserer Verschiebung als (_d_)(_b_) zu zeichnen
-ist, so ist das eine Linie, welche einen Winkel von 45° mit der
-Grundlinie bildet. Nach Satz 13 ist also ~D_{1}~ der Fluchtpunkt dieser
-Geraden, _b_ aber ist ihre Spur; mithin wird das Bild der Geraden _db_
-die Verbindungslinie _b_~D_{1}~. Das Bild _d'_ muß demnach sowohl auf
-_a_~A~ als auch auf _b_~D_{1}~ liegen, kann also nur der Schnittpunkt
-_d'_ dieser beiden Linien sein. Ebenso finden wir das Bild _c'_ der
-Ecke _c_ als Schnittpunkt von _a_~D_{2}~ und _b_~A~. Das folgt sofort
-aus der Betrachtung der anderen Diagonale _ac_. Eine Kontrolle für
-die Zeichnung ergibt sich daraus, daß _c'd'_ von selbst parallel
-_gg_ sein muß. Denn die Quadratseite _cd_ ist ja parallel zur Tafel,
-also nach Satz 10 _cd_ ∥ _c'd'_.[3] Da aber _cd_ ∥ _ab_, so ist
-auch _c'd'_ ∥ _ab_. Man erkennt ferner, daß es für die Konstruktion
-des Bildes _abc'd'_ gar nicht nötig gewesen wäre, die Verschiebung
-(_a_)(_b_)(_c_)(_d_) zu zeichnen. Im übrigen sei nochmals an die
-Bemerkung auf S. 14 unten erinnert.
-
- [3] ∥ ist das Zeichen für parallel.
-
- =Aufgabe 3.= Einen in der Grundebene gelegenen quadratisch
- getäfelten Fußboden zu zeichnen.
-
-Die Quadrate, welche den Fußboden liefern, sind in Fig. 19 in der
-Verschiebung gezeichnet. An das Quadrat (_a_)(_b_)(_c_)(_d_) schließt
-sich die erste Reihe, welche an die Grundlinie angrenzt, daran schließt
-sich eine zweite Reihe von Quadraten usf. Die Konstruktion Fig. 19
-ergibt sich fast von selbst. Die Tiefenlinien, wie z. B. (_e_)(_f_),
-fliehen im Bilde alle nach ~A~. Ferner erkennt man leicht, daß in dem
-System der Quadrate alle Diagonalen der einen und anderen Richtung sich
-zu zwei Scharen paralleler Geraden zusammensetzen. Das gilt also auch
-für das Bild, nur mit dem Unterschied, daß die Bilder aller dieser
-parallelen Geraden bzw. nach ~D_{1}~ und ~D_{2}~ laufen. In der Fig.
-19 sind der Tiefe nach 5 Reihen von Quadraten gezeichnet, während in
-der Verschiebung nur 3 Reihen angegeben wurden. Da alle Diagonalen der
-Quadratbilder nach ~D_{1}~ oder ~D_{2}~ gehen, und außerdem je zwei
-Seiten eines Quadrats parallel zur Grundlinie laufen, so bietet die
-Figur zahllose Kontrollen.
-
-=15. Anwendungen dieser Aufgabe.= Man würde aber irren, wollte man
-diese Figur bloß für eine mathematische Spielerei halten: wir können
-vielmehr von derselben eine ganze Anzahl praktischer Anwendungen
-machen. Zunächst ist es möglich, daß bei der bildlichen Wiedergabe
-eines Interieurs, z. B. eines Zimmers, an und für sich ein solcher
-Parkettboden zu zeichnen ist. Derselbe bietet dann aber auch weiter
-die Möglichkeit, Figuren, Einrichtungsgegenstände usf. einigermaßen
-richtig im Raume zu verteilen, indem man diesen Objekten eine durch die
-Schätzung der Quadrate zu beurteilende Bodenfläche zuweist. Jedenfalls
-kann man sich vor ganz groben Irrtümern dadurch schützen. Als Beispiel
-geben wir in Abbildung 3 das Abendmahl des Altniederländers +Dirk
-Bouts+ (1410(?)--1472) wieder, das sich in der Peterskirche in Löwen
-befand und von den Deutschen im Kriege von 1914 gerettet wurde. Auf
-gewisse Unrichtigkeiten der Konstruktion gehen wir hier nicht ein. Der
-primitiven Kunst lag eine solche Rücksicht auf richtige Verteilung
-der Objekte im Raume überhaupt gänzlich fern. Sie zeichnet die Köpfe
-einer Anzahl von Menschen einfach neben- und übereinander, ohne
-sich zu fragen, ob die zugehörigen Körper auch wirklich den ihnen
-entsprechenden Platz im Raume haben.
-
-[Illustration: Abb. 3.]
-
-Unter Umständen kann es auch bequem sein, ein solches Quadratnetz
-in die Figur einzuzeichnen, wenn z. B. ein ziemlich unregelmäßig
-gestalteter Grundriß, ein ganzer Stadtplan oder eine Gartenanlage,
-in Perspektive gesetzt werden soll (Fig. 20). Wir legen über die
-Figur ein derartiges Netz und zeichnen dessen Bild. Nachdem dies
-geschehen, übertragen wir nach dem Augenmaß Quadrat für Quadrat die
-Linien in das Bild. Es wird die Genauigkeit erhöhen, wenn wir einzelne
-charakteristische Punkte genau zeichnen, wobei die folgende Aufgabe zu
-benutzen ist.
-
-[Illustration: Fig. 20.]
-
- =Aufgabe 4.= Ein Punkt _p_ in der Grundebene ist gegeben; sein
- Bild zu zeichnen.
-
-Diese rein mathematische Aufgabe führen wir auf die Aufgabe 1 zurück,
-indem wir uns ein Quadrat gezeichnet denken, von dem eine Ecke in _p_
-liegt, während eine Seite auf die Grundlinie fällt. Man kann sich in
-Fig. 18 und 19 etwa die Ecke _d_ als den gegebenen Punkt denken. Wir
-wollen jetzt die Zeichnung durchführen, ohne das ganze Quadrat zu
-zeichnen.
-
-Der Punkt _p_ ist in Fig. 21 ~a~ in der Verschiebung (_p_) gegeben, Wir
-zeichnen durch (_p_) die lotrechte Tiefenlinie (_T_), welche die durch
-_p_ gehende Tiefenlinie gibt; ihre Spur ist _t_, ihr Fluchtpunkt ~A~,
-so daß also ihr Bild _T'_ diese beiden Punkte verbindet; auf _T'_ muß
-jedenfalls das gesuchte Bild _p'_ gelegen sein.
-
-[Illustration: Fig. 21 ~a~.]
-
-Um einen zweiten Ort für _p'_ zu erhalten, ziehen wir durch (_p_)
-eine Linie (_D_) nach rechts, welche unter 45° gegen die Grundlinie
-(_g_)(_g_) geneigt ist (Quadratdiagonale). Diese Linie (_D_) schneidet
-(_g_)(_g_) in (_s_), und senkrecht über diesem Punkt erhalten wir in
-_s_ die Spur der Hilfslinie _D_. Da ferner _D_{1}_ ihr Fluchtpunkt ist,
-so wird _D'_ den Punkt _s_ mit _D_{1}_ verbinden. Das gesuchte Bild
-_p'_ muß also auch auf _D'_ liegen, kann folglich nur der Schnittpunkt
-von _T'_ und _D'_ sein.
-
-[Illustration: Fig. 21 ~b~.]
-
-Wir hätten durch (_p_) noch eine zweite Linie nach links ziehen
-können, welche auch einen Winkel von 45° mit (_g_)(_g_) einschließt.
-Dann hätten wir einfach den auf der rechten Seite von ~A~ gelegenen
-Distanzpunkt ~D_{2}~ als Fluchtpunkt für diese Linie benutzen müssen
-und wären zu dem gleichen Punkte _p'_ gelangt. Die Konstruktion ist
-ebenfalls in Figur 21 ~a~ eingetragen.
-
-Wir können aber noch eine Vereinfachung in dieser Zeichnung anbringen.
-Da
-
- (_p_)(_t_) = (_s_)(_t_) = _st_,
-
-so ergibt sich folgende einfache Konstruktion (Fig. 21 ~b~): Man trägt
-von der Spur _t_ aus den Abstand des Punktes der Grundlinie etwa nach
-+rechts+ als _ts_ auf der Grundlinie an und verbindet den Punkt _s_ mit
-dem +linken+ Distanzpunkt. Dann schneidet diese Verbindungslinie auf
-der Hauptlinie _T'_ den gesuchten Punkt _p'_ aus.
-
-Trägt man den Abstand nach links auf der Grundlinie auf, so ist der
-rechte Distanzpunkt zu benutzen. Die vorliegende Aufgabe läßt sich dann
-auch in folgender Weise formulieren:
-
-Es soll auf einer im Bilde gegebenen Tiefenlinie ein Punkt bestimmt
-werden, der von der Grundlinie einen durch eine Strecke oder durch eine
-Zahl gegebenen Abstand hat.
-
- =Aufgabe 5.= Auf einer gegebenen Tiefenlinie einen Maßstab zu
- zeichnen, dessen Einheit gegeben ist.
-
-Denken wir uns in der Grundebene eine Tiefenlinie gegeben und auf
-derselben die gleiche Strecke beliebig oft angetragen, wobei wir in der
-Spur der Geraden beginnen. Diese gleich großen Strecken werden sich
-selbstverständlich verschieden groß abbilden, eben um so kleiner, je
-weiter sie sich vom Auge entfernen. Die in Fig. 21 ~b~ durchgeführte
-Konstruktion gibt sofort die Lösung. Wir tragen (Fig. 22) die geg.
-Teilung von der Spur _t_ der geg. Tiefenlinie _T_ aus nach +rechts+
-auf der Grundlinie ab, so daß also 0.1 = 1.2 = 2.3 = 3.4 je = der
-geg. Maßeinheit. Verbinden wir diese Punkte dann mit dem linken
-Distanzpunkt ~D_{1}~, so schneiden diese Linien auf _T'_ die gesuchten
-Bilder 1', 2', 3' usf. aus. Wir haben damit die Konstruktion eines sog.
-+Tiefenmaßstabes+ gewonnen.
-
-[Illustration: Fig. 22.]
-
-Das Verfahren bleibt ganz das nämliche, wenn nicht lauter gleiche
-Strecken auf der Tiefenlinie angetragen werden sollen, sondern
-verschiedene Strecken. Man trägt die Strecken in ihrer Reihenfolge
-auf der Grundlinie an; dann liefern sie, aus ~D_{1}~ projiziert, die
-richtigen Bilder.
-
-
-§ 7. Darstellung beliebiger, geradliniger Figuren der Grundebene.
-
-=16. Bild einer beliebigen Geraden.= Um nun eine irgendwie aus Geraden
-zusammengesetzte Figur der Grundebene abbilden zu können, müssen wir
-uns zuerst damit beschäftigen, wie man das Bild einer beliebigen
-Geraden zeichnen kann. Das führt uns unmittelbar zur
-
- =Aufgabe 6.= Eine beliebige Gerade A der Grundebene ist gegeben;
- ihr Bild zu zeichnen.
-
-[Illustration: Fig. 23.]
-
-Die Flucht der Geraden ergibt sich nach Satz 7, indem wir durch das
-Auge einen Parallelstrahl zur Geraden zeichnen und diesen mit der Tafel
-zum Schnitt bringen. Ist _f_{a}_ dieser Schnittpunkt, so ist (Fig.
-23) _Of_{a}_ ∥ _A_ und _f_{a}_ liegt natürlich auf dem Horizont _hh_.
-Wir ziehen noch durch das Auge _O_ eine Parallele _ii_ zum Horizont.
-Die Gerade _A_ wird mit der Grundlinie _gg_ einen gewissen Winkel α
-einschließen. Leicht erkennt man dann, daß der Parallelstrahl _Of_{a}_
-mit der Linie _ii_ den gleichen Winkel α bildet. Um diese Eigenschaft
-für wirkliche Konstruktion auszunutzen, klappen wir die Horizontebene
-durch _O_ nach +unten+ in die Bildebene Π. Wir drehen also diese Ebene
-um die Horizontlinie so lange nach abwärts, bis sie mit der Bildtafel
-zusammenfällt. Der Pfeil in der Figur 23 deutet diese Drehung an. Die
-Linie _O_~A~ bleibt bei dieser Drehung immer senkrecht zum Horizont;
-sie hat also auch am Schlusse der Drehung noch diese Eigenschaft.
-Zeichnen wir demnach in der Bildebene Π eine lotrechte Linie durch
-~A~, so gibt diese die Lage, welche der Strahl _O_~A~ nach Ausführung
-der Drehung annimmt. Der Punkt _O_ endlich geht nach Beendigung der
-Drehung in einen Punkt ~D_{3}~ über, der auf dieser lotrechten Linie
-durch ~A~ so liegt, daß die Strecke ~AD_{3}~ = _O_~A~ = der Distanz.
-Die Parallele _ii_ geht über in die Linie _ll_, welche durch ~D_{3}~
-parallel zum Horizont gezogen werden kann. Die Linie ~D_{3}~_f_{a}_
-bildet mit der Linie _ll_ wieder den Winkel α. Das Weitere verfolgen
-wir an Fig. 24, welche die wirkliche Ausführung gibt. Die Gerade _A_
-ist in der Verschiebung durch (_A_) gegeben. Im Augpunkte ~A~ errichten
-wir die Senkrechte zum Horizont und schneiden auf ihr die Distanz ab,
-wodurch wir ~D_{3}~ erhalten. Es ist also
-
- ~AD_{1}~ = ~AD_{2}~ = ~AD_{3}~.
-
-Durch ~D_{3}~ ziehen wir die Parallele _ll_ zum Horizont. Tragen wir an
-diese Parallele den Winkel α an, so schneidet dessen 2. Schenkel den
-Fluchtpunkt _f_{a}_ auf dem Horizont aus. Einfacher ist es aber, die
-Eigenschaft der Figur zu benutzen, daß offenbar
-
- ~D_{3}~_f_{a}_ ∥ (_A_)
-
-ist. Denn dann haben wir nur nötig, durch ~D_{3}~ eine Parallele zu
-(_A_) zu zeichnen, diese schneidet auf dem Horizont den Fluchtpunkt
-_f_{a}_ von _A_ aus. Die Verbindungslinie der Spur _a_ mit _f_{a}_ gibt
-das Bild _A'_ der Geraden _A_.
-
-[Illustration: Fig. 24.]
-
-Nennen wir ~D_{3}~ die Umlegung des Auges nach unten oder das nach unten
-»umgelegte« Auge, so ergibt sich folgende einfache Regel:
-
-Ist eine Gerade in der Verschiebung gegeben, so bestimmt die durch das
-umgelegte Auge ~D_{3}~ zu ihr gezogene Parallele auf den Horizont den
-Fluchtpunkt der Geraden.
-
-[Illustration: Fig. 25.]
-
-Die Figur 24 liefert uns brauchbare Eigenschaften aber auch für den
-Fall, daß die Gerade nicht in der Verschiebung, sondern auf andere
-Weise bestimmt ist. Es handle sich etwa um folgende
-
- =Aufgabe 7.= Ein Punkt _p_ der Grundebene ist durch sein Bild
- _p'_ gegeben; durch _p_ soll in der Grundebene eine Gerade
- gezogen werden, welche unter einem Winkel von 60° gegen die
- Grundlinie geneigt ist. Das Bild dieser Geraden zu zeichnen.
-
-Tragen wir (Fig. 25) an die Horizontale durch ~D_{3}~ einen Winkel von
-60° an, so schneidet dessen zweiter Schenkel auf dem Horizont den
-Fluchtpunkt _f_ der gesuchten Geraden aus. Verbinden wir den gegebenen
-Punkt _p'_ mit _f_, so ist diese Linie das verlangte Bild.
-
-Selbstverständlich gibt es zwei solche Gerade, da man den Winkel
-auch von der linken Seite der Parallelen _ll_ aus antragen kann. Zu
-jedem Punkte des Horizontes gehört demgemäß eine gewisse Richtung von
-Geraden; speziell entsprechen den Distanzpunkten, wie wir ja schon
-wissen, die Geraden, welche unter 45° gegen die Grundlinie geneigt
-wird. In der Figur sind auf der linken Seite noch bei einigen weiteren
-Punkten des Horizontes die Winkel hinzugeschrieben, zu denen sie
-gehören.
-
-=17. Winkel zweier Geraden.= Sind zwei Gerade _A_ und _B_ der
-Grundebene gegeben, so zeichnen wir ihre Fluchtpunkte _f_{a}_ und
-_f_{b}_, so daß also (Fig. 26)
-
- _Of_{a}_ ∥ _A_ und _Of_{b}_ ∥ _B_.
-
-Bezeichnen wir den Winkel, den _A_ und _B_ einschließen, mit γ, so
-erkennt man sofort, daß auch ∢ _f_{a}Of_{b}_ = γ ist.
-
-Klappen wir wiederum die durch das Auge _O_ gehende Horizontebene nach
-unten in die Bildebene Π herunter, wobei der Punkt _O_ nach ~D_{3}~
-kommt, so tritt der Winkel γ auch hier auf, indem
-
- ∢ _f_{a}_~D_{3}~_f_{b}_ = γ
-
-oder in Worten ausgedrückt:
-
- =Satz 15.= +Irgend zwei Gerade der Grundebene schließen den
- gleichen Winkel ein wie die Sehstrahlen, die vom Auge nach
- ihren Fluchtpunkten gehen, und auch wie die Strahlen, welche
- von der »Umlegung« des Auges nach ihren Fluchtpunkten laufen.+
-
-[Illustration: Fig. 26.]
-
-Dieser Satz gehört zu den allerwichtigsten in der Perspektive wegen der
-vielen Anwendungen, die von ihm gemacht werden. Wir veranschaulichen
-ihn noch durch die Fig. 27, welche die wirkliche Konstruktion gibt.
-Hier sind die beiden Geraden _A_ und _B_ in der Verschiebung (_A_) und
-(_B_) gegeben. Im Hauptpunkte ~A~ ist eine Senkrechte zum Horizont
-angetragen und auf ihr die Umlegung ~D_{3}~ des Auges ermittelt, in dem
-
- ~AD_{3}~ = ~AD_{1}~ = ~A{D_{2}}~
-
-gemacht werde. Dann folgt aus der unmittelbar vorhergehenden
-Betrachtung, daß
-
- ~D_{3}~_f_{a}_ ∥ (_A_)
-
-und
-
- ~D_{3}~_f_{b}_ ∥ (_B_).
-
-Daraus ergibt sich wiederum, daß ∢ _f_{a}_~D_{3}~_f_{b}_ = γ.
-
-Die Praktiker drücken dies so aus:
-
-»Am Punkte ~D_{3}~ kann jeder Winkel in seiner wahren Größe angetragen
-werden.«
-
-In der Figur wurden noch die Spuren _a_ und _b_ der beiden Geraden
-konstruiert, so daß dann _A'_ und _B'_ sich je als die Verbindungslinie
-von Flucht und Spur ergeben. Der Schnittpunkt von _A'_ und _B'_ ist das
-Bild des Scheitels _p_. Man beachte, daß der schraffierte Teil zwischen
-(_A_) und (_B_) sich in den schraffierten Teil zwischen _A'_ und _B'_
-abbildet. Eine zweite Anwendung gibt
-
- =Aufgabe 8.= Ein in der Grundebene liegendes Rechteck ist in
- der Verschiebung (_p_)(_q_)(_r_)(_s_) gegeben; dessen Bild zu
- zeichnen.
-
-Das Rechteck enthält zwei Paare paralleler Seiten (_A_) und (_A_{1}_),
-sowie (_B_) und (_B_{1}_) (Fig. 28). Wir zeichnen zunächst die
-Fluchtpunkte dieser beiden Richtungen Zu diesem Zwecke ziehen wir
-durch die Umlegung ~D_{3}~ des Auges die Parallelen zu (_A_) und (_B_);
-diese schneiden die Fluchtpunkte _f_{a}_ und _f_{b}_ auf dem Horizonte
-aus. Es ist also
-
- ~D_{3}~_f_{a}_ ∥ (_A_) ∥ (_A_{1}_)
-
-und
-
- ~D_{3}~_f_{b}_ ∥ (_B_) ∥ (_B_{1}_).
-
-Jetzt zeichnen wir die Bilder _q'_ und _s'_ der beiden Ecken _q_ und
-_s_ nach Aufgabe 4, indem wir je eine Tiefenlinie und eine unter 45°
-geneigte Linie benutzen. _q'_ liefert mit _f_{a}_ und _f_{b}_ verbunden
-die Bilder _A'_ und _B'_, _s'_ mit _f_{a}_ und _f_{b}_ verbunden
-_A_{1}'_ und _B_{1}'_. Die letzten Ecken _r'_ und _p'_ ergeben sich als
-die Schnittpunkte von _A_{1}'_ mit _B'_ und _A'_ mit _B_{1}'_.
-
-[Illustration: Fig. 27.]
-
-Das Bild _p'q'r's'_ hat die charakteristische Eigenschaft, daß sich
-die gegenüberliegenden Seiten _A'_ und _A_{1}'_ sowie _B'_ und _B_{1}'_
-verlängert je in _f_{a}_ und _f_{b}_ auf dem Horizont schneiden.
-Kontrollen bieten sich zahlreiche, wenn man die Tiefenlinien durch _r_
-und _p_ zieht oder die Spuren der Rechtecksseiten benutzt, wie das in
-der Figur für die Seite _rq_ angegeben ist.
-
-[Illustration: Fig. 28.]
-
-=18. Umlegung der Horizontebene nach oben=. Unter Umständen kann es
-bequem sein, die Horizontebene statt nach unten nach oben in die
-Bildtafel Π hereinzuklappen (Fig. 26). Dann fällt der Punkt _O_ auf die
-Verlängerung der Linie ~AD_{3}~ über ~A~ hinaus nach einem Punkte ~D₄~,
-wenn wieder ~AD₄~ = der Distanz gemacht wird. In Fig. 27 ist auch diese
-Umlegung oben gezeichnet. Natürlich gibt der Winkel _f_{a}D₄f_{b}_ auch
-jetzt wieder den Winkel der beiden gegebenen Geraden _A_ und _B_, so daß
-
- ∢ _f_{a}_~D₄~_f_{b}_ = γ,
-
-und auch an dem Punkte ~D₄~ dürfen alle Winkel in wahrer Größe
-angetragen werden.
-
-[Illustration: Fig. 29.]
-
-Ein Unterschied ist aber insofern vorhanden, als jetzt +nicht+ mehr
-(_A_) ∥ ~D₄~_f_{a}_ und +nicht+ mehr (_B_) ∥ ~D₄~_f_{b}_. +Diese+
-Eigenschaft der parallelen Lage ist nur erfüllt bei der Drehung nach
-unten. Das hängt damit zusammen, daß wir auch die Grundebene im
-gleichen Sinne gedreht haben.
-
-Wenn aber z. B. die Verschiebung überhaupt nicht gezeichnet ist, so
-kann man sehr wohl die Horizontebene auch nach oben drehen, zumal wenn
-man oben in der Zeichnung mehr Raum zur Verfügung hat. Die folgende
-Aufgabe gibt davon eine Anwendung.
-
- =Aufgabe 9.= Gegeben sind eine Gerade _A_ der Grundebene und ein
- Punkt _p_ auf ihr durch ihre Bilder _A'_ und _p'_. Man zeichne
- das Bild einer Geraden _B_ der Grundebene, welche in _p_ auf
- _A_ senkrecht steht.
-
-Bringen wir das gegebene Bild _A'_ mit dem Horizont zum Schnitt (Fig.
-29), so ist der Schnittpunkt _f_{a}_ der Fluchtpunkt der Geraden _A_.
-Im Augpunkt ~A~ errichten wir eine Senkrechte zum Horizont _hh_ und
-machen diese = der Distanz, so daß also
-
- ~AD₄~ = ~AD_{1}~ = ~AD_{2}~.
-
-~D₄~ ist die Umlegung des Auges nach oben. Verbinden wir ~D₄~ mit
-_f_{a}_ und errichten in ~D₄~ zu _f_{a}_~D₄~ ein Lot, so schneidet
-dieses aus dem Horizont einen Punkt _f_{b}_ aus, der der Fluchtpunkt
-aller auf der Geraden _A_ senkrechten Geraden ist. Die gesuchte
-Senkrechte soll aber durch _p_ gehen, ihr Bild _B'_ ist demnach die
-Verbindungslinie von _p'_ mit _f_{b}_. _f_{a}p'f_{b}_ ist also das Bild
-eines horizontalen rechten Winkels.
-
-=19. Getrennte Lage des Grundrisses.= Wir haben bisher immer
-angenommen, daß die Grundebene mitsamt den abzubildenden Figuren in der
-Verschiebung gegeben sei. Natürlich kann sie auch, getrennt von der
-Bildtafel, gegeben und die Lage der Bildebene durch ihre Spur, d. h.
-durch die Grundlinie, bestimmt sein. Beispielsweise sei in Fig. 30 ~a~
-ein Rechteck 1 2 3 4 gezeichnet, außerdem sind die Risse ~A_{1}~ und
-_O_{1}_ von ~A~ und _O_ bekannt. In der zweiten Figur 30 ~b~ ist der
-Horizont _hh_ mit ~A~ sowie die Grundlinie _gg_ gegeben. Verlangt wird
-das Bild des Rechteckes zu zeichnen.
-
-Die für die Lösung in Betracht kommende geometrische Eigenschaft
-liefert ein Blick auf Fig. 26. Der durch das Auge _O_ zur Geraden _A_
-der Grundebene gezogene Parallelstrahl, welcher den Fluchtpunkt _f_{a}_
-auf dem Horizont ausschneidet, hat in der Grundebene einen Riß, der
-durch _O_{1}_ gehen muß, sowie durch die Projektion _f_{a_{1}}_ des
-Fluchtpunktes _f_{a}_, und weiter muß dieser Riß parallel zu _A_ sein,
-also _O_{1}f_{a_{1}}_ ∥ _A_.
-
-[Illustration: Fig. 30 ~a~.]
-
-Zieht man demnach umgekehrt durch _O_{1}_ Parallele zu den Seiten
-des Rechteckes, so schneiden diese auf der Grundlinie _gg_ die
-Projektionen _f_{a_{1}}_ und _f_{b_{1}}_ der Fluchtpunkte _f_{a}_ und
-_f_{b}_ aus. Da nun die Grundlinie mit ihren Punkten in den beiden
-Figuren vorkommt, so haben wir nur die Strecken ~A_{1}~_f_{a_{1}}_ und
-~A_{1}~_f_{b_{1}}_ auch in Fig. 30 ~b~ anzutragen. Dann liefern die in
-_f_{a_{1}}_ und _f_{b_{1}}_ errichteten Lote zu _gg_ auf dem Horizont
-die Fluchtpunkte _f_{a}_ und _f_{b}_. Überträgt man noch weiter die
-Spuren der Rechtecksseiten in die Fig. 30 ~b~, so ist das Bild 1'2'3'4'
-des Rechtecks leicht fertig zu stellen.
-
-[Illustration: Fig. 30 ~b~.]
-
-=20. Horizontale Gerade.= Die bisherigen Ausführungen genügen
-vollständig, um jede in der Grundebene gegebene Figur in Perspektive
-zu setzen. Bevor wir aber dazu übergehen, Körper abzubilden, wollen
-wir vorher noch eine sehr wesentliche Verallgemeinerung der oben
-durchgeführten Betrachtungen besprechen.
-
-Ziehen wir zu irgendeiner Geraden der Grundebene im Raume eine
-Parallele, so nennen wir diese neue Gerade eine +horizontale+ Gerade.
-In genauer Fassung werden wir sagen:
-
-»Jede Gerade, welche zur Grundebene parallel läuft, soll eine
-horizontale Gerade heißen.« Wollen wir nun den Fluchtpunkt einer
-horizontalen Geraden bestimmen, so haben wir durch das Auge eine
-Parallele zu der Geraden zu zeichnen. Diese Parallele ist dann aber
-auch parallel zur Grundebene, liegt mithin in der Horizontebene, und
-der Fluchtpunkt muß dem Horizont _hh_ angehören.
-
-[Illustration: Fig. 31.]
-
-Was die Lage einer horizontalen Geraden im Raume betrifft, so kann sie
-entweder +oberhalb+ oder +unterhalb+ der Horizontebene liegen oder in
-der Horizontebene. Der letztere Fall ist sofort erledigt. Denn jede
-Gerade der Horizontebene bildet sich in den Horizont ab.
-
-Liegt eine horizontale Gerade oberhalb der Horizontebene, wie z. B. die
-Gerade _A_ in Fig. 31, so muß ihre Spur _a_ oberhalb des Horizonts _hh_
-gelegen sein; eine horizontale Gerade _B_ dagegen, welche unter der
-Horizontebene sich befindet, liefert eine Spur _b_ unter dem Horizont.
-
-Die Bilder zweier solchen Geraden verhalten sich nun verschieden. In
-Fig. 31 ist noch speziell angenommen, daß die beiden Geraden _A_ und
-_B_ in der gleichen Vertikalebene liegen, so daß der Riß _A_{1}_ von _A_
-mit dem Riß _B_{1}_ von _B_ sich deckt und die Spuren _a_ und _b_ auf
-einer lotrechten Linie sich befinden. Durchläuft ein Punkt die Gerade
-_A_, indem er von der Spur _a_ ausgeht, im Sinne des Pfeiles, also in
-der Richtung von der Bildtafel weg, so bewegt sich sein Bild auf _A'_
-gegen den Fluchtpunkt _f_{a}_ hin. Die Linie _A'_ geht demnach, in der
-Richtung von _a_ nach _f_{a}_ durchlaufen, abwärts, oder sie »fällt«.
-Ebenso »steigt« die Linie _B'_, wenn sie in der Richtung gegen den
-Fluchtpunkt hin durchlaufen wird. Damit haben wir eine sehr brauchbare
-Malerregel abgeleitet, die sich wie folgt ausdrücken läßt:
-
- =Satz 16.= »+Horizontale Gerade haben ihre Fluchtpunkte auf dem
- Horizont. Liegen die Geraden selbst oberhalb der Horizontebene,
- so ›fallen‹ ihre Bilder, wenn sie in der Richtung nach dem
- Fluchtpunkt hin durchlaufen werden; liegen sie unterhalb dieser
- Ebene, so ›steigen‹ ihre Bilder, wenn man sie in der Richtung
- nach dem Fluchtpunkt zu durchläuft.+«
-
-Die gleiche Eigenschaft zeigen natürlich auch die Bilder der
-Tiefenlinien, da die letzteren ja auch nur horizontale Gerade von
-besonderer Art sind.
-
-Die in 16 und 17 für Gerade der Grundebene durchgeführten Betrachtungen
-gelten, wir wir jetzt einsehen, für jede +horizontale+ Gerade; speziell
-gilt Satz 15 für zwei Gerade, die in irgendeiner zur Grundebene
-parallelen Ebene liegen.
-
-
-§ 8. Darstellung einfacher Körper, die sich auf der Grundebene erheben.
-
-=21. Darstellung einer Pfeilerreihe, die nach der Tiefe geht.= Wenn wir
-jetzt dazu übergehen, Körper darzustellen, die sich auf der Grundebene
-befinden, so tritt als neue Dimension die auf der Grundebene lotrechte
-Richtung auf, also die Vertikale. Jede Ebene durch eine Vertikale heißt
-eine Vertikalebene. Setzen wir die Begrenzungsflächen des Körpers in
-Beziehung zur Bildtafel, so werden vor allem die Ebenen zu betrachten
-sein, welche auf der Bildtafel senkrecht stehen. Wir nennen sie
-»Tiefenebenen« und sehen, daß jede Ebene durch eine Tiefenlinie eine
-Tiefenebene ist. Enthält eine Tiefenebene eine Vertikale, so nennen wir
-sie eine vertikale oder auch eine lotrechte Tiefenebene. Es sei nun zu
-behandeln
-
- =Aufgabe 10=. Eine Pfeilerreihe darzustellen, die sich in einer
- lotrechten Tiefenebene befindet.
-
-Wir versinnlichen jeden Pfeiler durch eine schlichte Gerade und
-nehmen an, daß der erste Pfeiler _ab_ +in der+ Bildebene gelegen
-ist (Fig. 32). Ferner sollen die Pfeiler in +gleichen+ Abständen
-aufeinanderfolgen, also _ac_ = _ce_ = _ei_ = _il_ = _ln_ = _np_ sein.
-Die Punkte _a_, _c_ ... _p_ liegen auf einer Tiefenlinie _A_ und ebenso
-die oberen Enden der Pfeiler _b_, _d_, _f_, _k_, _m_, _r_, _q_, auf
-einer zweiten Tiefenlinie _B_. Die Ebene durch _A_ und _B_ ist die
-lotrechte Tiefenebene, in der die Pfeilerreihe gelegen ist.
-
-[Illustration: Fig. 32.]
-
-In unserer zu zeichnenden Figur (Fig. 33) sind also gegeben der erste
-in der Bildebene liegende Pfeiler _ab_ sowie der Abstand _y_ zweier
-aufeinanderfolgender Pfeiler. Die Darstellung läßt sich nun leicht
-bewerkstelligen. Der Punkt _a_ mit dem Augpunkt ~A~ verbunden liefert
-das Bild _A'_ der Tiefenlinie _A_. Auf _A'_ ist nun ein Tiefenmaßstab
-zu zeichnen mit der Einheit _y_. Nach Aufgabe 5 führen wir dies aus,
-indem wir die gegebene Einheit _y_ von der Spur _a_ aus nach rechts auf
-der Grundlinie als 0.1, 1.2, 2.3 ... antragen und diese Punkte mit dem
-linken Distanzpunkt ~D_{1}~ verbinden. Die Schnittpunkte mit _A'_ geben
-die Bilder _c'_, _e'_, _i'_ ... der Pfeilerenden.
-
-[Illustration: Fig. 33.]
-
-Verbinden wir weiter _b_ mit ~A~, so ist diese Linie das Bild _B'_
-der Tiefenlinie _B_, und auf _B'_ müssen die oberen Endpunkte der
-Pfeiler angeordnet sein. Die Geraden _ab_, _cd_ ... sind aber parallel
-zur Bildebene; nach Satz 10 sind also ihre Bilder auch parallel, und
-überdies muß beispielsweise _c'd'_ ∥ _cd_ sein usf.; die Bilder der
-Pfeiler sind also lotrechte Linien. Demnach haben wir lediglich durch
-die Punkte _c'_, _e'_, _i'_ usf. die Vertikalen zu zeichnen und diese
-durch die Schnittpunkte mit der Linie _B'_ zu begrenzen. So ergeben
-sich die Bilder _c'd'_, _e'f'_ ... Wir können in unserer Figur auch die
-Darstellung eines Staketenzaunes sehen oder einer Bretterwand, die aus
-gleichbreiten Brettern zusammengesetzt ist.
-
-Wir machen von der eben durchgeführten Konstruktion eine Anwendung zur
-Lösung folgender wichtiger
-
- =Aufgabe 11.= Ein Punkt _p_ der Grundebene ist durch sein
- Bild _p'_ gegeben; man zeichne das Bild einer Linie _pq_
- von gegebener Länge, welche in _p_ senkrecht zur Grundebene
- angetragen wird.
-
-Es soll also mit anderen Worten in einem Punkte der Grundebene eine
-Senkrechte von gegebener Länge errichtet werden. Um zur Lösung zu
-gelangen, denken wir uns (Fig. 32) durch die Senkrechte _pq_ eine
-Tiefenebene gelegt und stellen uns eine Reihe von Pfeilern vor,
-welche die Höhe _pq_ haben und sich in dieser Ebene befinden. Anders
-ausgedrückt heißt das: wir ziehen durch _p_ und _q_ die Tiefenlinien
-_A_ und _B_, welche in _a_ und _b_ die Bildebene treffen. _ab_ ist
-der in der Tafel liegende Pfeiler. Daraus ergibt sich folgende durch
-ihre Einfachheit überraschende Konstruktion: Den gegebenen Punkt _p'_
-verbinden wir mit ~A~ (Fig. 34) und erhalten dadurch das Bild _A'_,
-welches die Grundlinie _gg_ in _a_ trifft. In _a_ tragen wir die
-gegebene Höhe als _ab_ vertikal an. Der Endpunkt _b_ liefert mit ~A~
-verbunden das Bild _B'_ der Tiefenlinie _B_. Ziehen wir endlich durch
-_p'_ die Vertikale, so schneidet sie auf _B'_ den Punkt _q'_ aus.
-_p'q'_ ist das Bild der gesuchten Senkrechten.
-
-[Illustration: Fig. 34.]
-
-Da man jeden beliebigen Punkt des Raumes sich bestimmen kann durch
-seinen rechtwinkligen Riß auf die Grundebene und durch den Abstand
-von der Grundebene, so können wir damit das Bild eines beliebigen
-Raumpunktes zeichnen und sind weiter imstande, jeden Körper, wenn
-auch umständlich, abzubilden, indem wir die Bilder seiner einzelnen
-Punkte ermitteln. Wir werden später Beispiele für die Anwendung dieser
-Konstruktion geben, wollen aber zunächst noch einige Folgerungen aus
-der Fig. 34 ziehen.
-
-Wir können dieselbe unmittelbar zur Lösung folgender neuen Aufgabe
-benutzen: Gegeben ist das Bild _p'q'_ einer Strecke _pq_, die im Punkte
-_p_ der Grundebene auf dieser senkrecht sich erhebt; man bestimme die
-wahre Länge _pq_ dieser Strecke.
-
-Wir verbinden _p'_ mit ~A~ und bringen diese Linie in _a_ mit der
-Grundlinie zum Schnitt; in _a_ errichten wir eine Vertikale und
-schneiden diese in _b_ mit der Verbindungslinie von ~A~ nach _q'_. Dann
-gibt _ab_ die wahre Länge der Strecke _pq_.
-
-Als eine weitere Anwendung behandeln wir
-
- =Aufgabe 12.= Auf einer lotrechten (vertikalen) Geraden einen
- Maßstab zu zeichnen. Höhenmaßstab.
-
-[Illustration: Fig. 35.]
-
-Denken wir uns auf der Lotrechten _pq_ von Fig. 32 die Einheit des
-Maßstabes wiederholt angetragen und ziehen wir durch die Teilpunkte
-die Tiefenlinien, so übertragen diese den Maßstab auf die Gerade _ab_,
-was in der Figur angedeutet ist. Die Bilder der Tiefenlinien sind aber
-sofort zu zeichnen. Wir erhalten also folgende Ausführung (Fig. 35).
-
-Gegeben ist das Bild _p'q'_ der Vertikalen, auf der mit der gegebenen
-Strecke _y_ als Einheit ein Maßstab gezeichnet werden soll, der in der
-Spur der Vertikalen beginnt. Wir verbinden den Punkt _p'_ mit dem
-Augpunkt ~A~ und erhalten dadurch den Punkt _a_ auf der Grundlinie. In
-_a_ errichten wir zur Grundlinie _gg_ die Senkrechte; auf dieser tragen
-wir von _a_ beginnend die Strecke _y_ ab, so daß also die Strecken 0.1,
-1.2, 2.3 ... je = _y_. Verbinden wir die Punkte 1, 2, 3 ... mit ~A~, so
-schneiden diese Tiefenlinien auf _p'q'_ die gesuchten Punkte 1', 2', 3'
-... aus. Aus bekannten Sätzen der Planimetrie folgt sofort, daß auch
-
- 0.1' = 1'.2' = 2'.3' = 3'.4'.
-
-[Illustration: Fig. 36.]
-
-Daraus ergibt sich folgender
-
- =Satz 17.= »+Der Höhenmaßstab auf einer Vertikalen (und überhaupt
- auf einer Parallelen zur Bildebene) zeigt keine Verkürzung,
- sondern eine sich gleichbleibende Verjüngung.+«
-
-Gleichhohe Fenster einer Fassade, die auf einer lotrechten Linie
-liegen, sind also beispielsweise gleich hoch zu zeichnen.
-
-Teilungen einer vertikalen Strecke übertragen sich demnach unmittelbar
-auf das Bild. Wenn etwa die Strecke _pq_ (Fig. 32) in eine gewisse
-Anzahl gleicher Teile geteilt werden soll, so können wir die Teilung
-unmittelbar im Bilde _p'q'_ (Fig. 35) vornehmen.
-
-[Illustration: Fig. 37.]
-
-=22. Darstellung einer zur Bildebene parallelen Pfeilerreihe.=
-Noch einfacher gestaltet sich die zeichnerische Wiedergabe einer
-Pfeilerreihe oder überhaupt einer Reihe gleichgroßer, paralleler
-Gegenstände, wenn dieselben parallel zur Bildebene angeordnet sind.
-Dies sei der Gegenstand der
-
- =Aufgabe 13.= Eine Pfeilerreihe darzustellen, die sich in einer
- zur Tafel parallelen Ebene befindet.
-
-Ist _pq_ der erste darzustellende Pfeiler (Fig. 36), so zeichnen wir
-nach der Aufgabe 11 sein Bild _p'q'_. Unserer Voraussetzung nach liegen
-die Endpunkte der Pfeiler auf zwei parallelen Linien _P_ und _Q_, die
-überdies zur Tafel parallel sind. Es ist also wieder nach Satz 10 auch
-_P'_ ∥ _P_ und _Q'_ ∥ _Q_ und da _P_ ∥ _Q_ ∥ zur Grundlinie _gg_, so
-sind auch die Bilder _P'_ und _Q'_ parallel zur Grundlinie. Auf diesen
-beiden Horizontalen liegen folglich die Bilder der Endpunkte, und sie
-ergeben sich leicht, wenn man wiederum die Tiefenlinien durch die
-Punkte selbst zu Hilfe nimmt.
-
-[Illustration: Fig. 38.]
-
-Die Ausführung der Konstruktion zeigt Fig. 37. Gegeben ist das Bild
-_p'_ des Punktes _p_, die Höhe der Pfeiler und ihr Abstand _y_. Wir
-verbinden _p'_ mit dem Hauptpunkt ~A~; diese Tiefenlinie _A'_ liefert
-auf der Grundlinie _gg_ den Punkt _a_. In _a_ errichten wir eine
-Vertikale _ab_ gleich der gegebenen Höhe der Pfeiler und erhalten durch
-die Linie _b_~A~ den Punkt _q'_ auf der Lotrechten durch _p'_ und
-damit das Bild des ersten Pfeilers _pq_. Auf den Horizontalen _P'_ und
-_Q'_ durch _p'_ und _q'_ liegen die übrigen Endpunkte. Tragen wir den
-gegebenen wahren Abstand _y_ zweier Pfeiler auf der Grundlinie als die
-Strecke 0.1 ab, so gibt die Linie von 1 nach ~A~ das Bild _n'_ und die
-Vertikale durch _n'_ auf _Q'_ das Bild _r'_. Analog verfährt man für
-die weiteren Punkte 2, 3 ... Man erkennt, daß _p'n'_ = _n'l'_ usf., daß
-also auch die Bilder der Pfeiler gleich weit voneinander abstehen.
-
-Obwohl die Pfeiler selbst ganz verschiedene Entfernungen vom Auge _O_
-haben, sind ihre Bilder doch gleich groß zu zeichnen.
-
-Hat man überhaupt in einer zur Bildtafel parallelen Ebene irgendeine
-Figur, so ist ihr Bild eine dazu ähnliche Figur d. h. das Bild
-ist eine Verkleinerung der gegebenen Figur; es ändern sich nur
-die Größenverhältnisse der Figur, alle Winkel aber, und auch die
-gegenseitigen Verhältnisse der Seiten bleiben ungeändert.
-
-Wir können also sagen:
-
- =Satz 18.= »+Befinden sich Gegenstände von der gleichen Größe
- irgendwo in einer Parallelebene zur Tafel oder kürzer in der
- gleichen Tiefe, so sind ihre Bilder stets gleich groß zu
- zeichnen.+«
-
-[Illustration: Fig. 39.]
-
-[Illustration: Fig. 40.]
-
-Als Beispiel denken wir uns, am Fuße eines Turmes befinde sich eine
-menschliche Figur (Fig. 38) und oben auf dem Turme, aber in der
-gleichen Tiefe, stehe oder liege eine zweite ebenso große. Dann sind
-die beiden Figuren gleich groß zu geben. Man kann häufig bemerken, daß
-die Figur auf dem Turme kleiner gezeichnet ist, und als Grund dafür
-wird angeführt, daß die Figur +auf+ dem Turme doch weiter vom Auge
-entfernt sei als die Figur am Fuße des Turmes, also auch kleiner sein
-müsse. Dabei verwechselt man die +Erscheinung+ eines Gegenstandes und
-seine bildliche Wiedergabe. Die Größenverhältnisse der uns umgebenden
-Körper beurteilen wir im allgemeinen nach den »Gesichtswinkeln«, unter
-denen sie uns erscheinen. Wir +betrachten+ nun aber doch das Bild mit
-den beiden Figuren, und dann ist in der Tat, wie Fig. 39 noch klarer
-zeigt, der Gesichtswinkel δ, unter dem die obere Figur erscheint,
-kleiner als der Gesichtswinkel α, der zu der unteren Figur gehört.
-Hier mag noch eine andere Beobachtung erwähnt werden, die sich auf die
-Darstellung hoher, sich in Wirklichkeit nicht verjüngender Objekte
-bezieht. Denken wir uns z. B. einen Turm mit vertikalen Kanten.
-Betrachten wir denselben mit geradgehaltenem Kopfe, so erscheinen
-die Kanten des Turmes parallel. Legen wir uns aber auf den Rücken
-und blicken an dem Turm in die Höhe, so zeigen seine Kanten einen
-Fluchtpunkt. Zwischen diesen beiden äußersten Fällen gibt es viele
-Übergänge. Wenn wir nicht weit genug von dem Turme zurücktreten können,
-so neigen wir ebenfalls den Kopf zurück, um den Turm in seiner ganzen
-Höhe zu überschauen. Dann tritt wieder die Fluchtpunkterscheinung auf.
-Aus diesen Überlegungen heraus kann man die Abbildung 4 bis zu einem
-gewissen Grade für berechtigt erklären. Wir befinden uns dabei in dem
-Gebiet ästhetisch-psychologischer Vorgänge, und die Perspektive als
-starre mathematische Schablone kann zugunsten einer besseren Wirkung
-modifiziert werden.
-
-[Illustration: Abb. 4.]
-
-[Illustration: Fig. 41.]
-
-=23. Darstellung eines rechtwinklig begrenzten Raumes.= Wir wollen
-jetzt die Fig. 32 erweitern, indem wir uns auch auf der anderen Seite
-des Auges eine gleichgroße Pfeilerreihe ebenfalls in einer lotrechten
-Tiefenebene angebracht denken. Verbinden wir dann (Fig. 40) den letzten
-Pfeiler _pq_ der einen Reihe mit dem letzten Pfeiler _st_ der anderen
-Reihe durch eine Ebene und legen weiter durch _qb_ und _tc_ ebenfalls
-eine Ebene, so erhalten wir ein rechteckig begrenztes Raumstück, den
-Quader _abcdpqts_. Die Pfeilerreihe auf der rechten Seite ist ebenso
-zu zeichnen wie in Fig. 33, und es ergibt so das Bild _abcdp'q't's'_
-(Fig. 41). Stellen wir uns weiter vor, daß wir dadurch je zwei gleich
-weit von der Tafel entfernte Pfeiler weitere Ebenen legen, so sind
-diese alle parallel und schneiden die Grundebene in Parallelen zur
-Grundlinie. Den dargestellten Raum teilen wir dadurch in eine Anzahl
-gleicher Schichten, die ebenfalls in Fig. 41 wiedergegeben sind.
-Endlich sind noch der Fußboden und die Wände mit einem Quadratnetz
-überzogen, und zwar ist die Figur so eingerichtet, daß in der Breite,
-also von _a_ nach _d_, 8 Quadrate, in der Tiefe von _a_ nach _p_ 5
-Quadrate und in der Höhe von _a_ nach _b_ ebenfalls 5 Quadrate liegen.
-Der Horizont verläuft in einer Höhe, die zwei Quadratseiten entspricht.
-Es ist leicht, diese Quadrate einzuzeichnen (man vgl. Fig. 19) und so
-die Fig. 41 herzustellen. Man kann an ein mit quadratischen Kacheln
-ausgelegtes Zimmer denken. Legt man aber weiter durch die sämtlichen
-Tiefenlinien die horizontalen und vertikalen Ebenen, so wird der ganze
-Raum in Würfel geteilt, und zwar in 5 ⋅ 5 ⋅ 8 = 200. Einer dieser
-Würfel ist herausgezeichnet. Der Leser wird diese Figur nicht für
-eine mathematische Spielerei halten, sondern sofort erkennen, daß wir
-damit ein Mittel gewonnen haben, jeden Körper im Raume einigermaßen
-richtig unterzubringen, indem wir ihn in eine Anzahl von Würfeln
-einschließen. Fig. 41 leistet für den Raum das gleiche wie Fig. 19 für
-die Bodenfläche.
-
-[Illustration: Abb. 5.]
-
-Nennen wir, wie es dem allgemeinen Gebrauch entspricht, die Abmessung
-in der Richtung der Grundlinie, also von _a_ nach _d_, die Breite, so
-gibt uns die Fig. 41 sowohl einen +Tiefen-+ und +Höhen-+ als auch einen
-+Breitenmaßstab+. Denn wir können angeben, wie sich die angenommene
-Quadratseite an jeder Stelle des Raumes der Tiefe, Höhe und Breite
-nach verkürzt. An der Stelle _i'_ z. B. sind diese Verkürzungen durch
-_i'm'_, _i'n'_ und _i'l'_ gegeben. Gleichzeitig ergibt sich noch, was
-übrigens schon aus Satz 18 folgt:
-
- =Satz 19.= »+Der Breitenmaßstab ist in jeder Tiefe gleich dem
- Höhenmaßstab.+«
-
-Endlich gibt Fig. 41 die einfachste Darstellung eines Innenraumes oder
-eines Interieurs. Um einen geschlossenen Raum darzustellen, mag man
-sich eine Begrenzungsfläche desselben entfernt denken. Diese Fläche
-ist hier dann als Bildebene benutzt. Wir geben als Beispiel in Abb.
-5 ein Fresko von +Ghirlandajo+ (1449--1494), das die Geburt Johannis
-des Täufers vorstellt und sich im Chor der Kirche S. Maria Novella
-in Florenz befindet. Durch einige punktierte Tiefenlinien sind der
-Augpunkt und der Horizont ermittelt. Der Augpunkt ist aus der Mitte des
-Bildes etwas nach rechts herausgerückt, wie in Fig. 41 ~A~ näher an
-_cd_ als an _ab_ liegt. Wählt man den Augpunkt genau in der Mittellinie
-des Bildes, so gestaltet sich die Architektur auf beiden Seiten ganz
-gleichmäßig: sie ist symmetrisch zur Mittellinie. Die Symmetrie bedingt
-eine größere Ruhe und eine gewisse Feierlichkeit im Bilde, wie Abb. 8
-zeigen mag.
-
-=24. Aufsicht, Untersicht, Seitenansicht.= Die gleiche Figur 41 gibt
-uns auch Aufschluß, wie wir infolge der Festlegung unseres Standpunktes
-durch das Auge _O_ horizontale Ebenen, die unter der Horizontebene
-liegen, von oben sehen: wir haben auf sie »Aufsicht«, so z. B. auf die
-Bodenfläche. Von horizontalen Ebenen, die oberhalb der Horizontebene
-liegen, sehen wir dagegen die +untere+ Seite; sie befinden sich in
-»+Unter+sicht«, wie z. B. die Decke in Figur 41. Die Horizontebene
-selbst bildet den Übergang zwischen beiden Arten von Ebenen: sie
-erscheint als Linie, nämlich als der Horizont. In der gleichen Weise
-sehen wir vertikale Tiefenebenen entweder von rechts oder von links,
-je nachdem sie links oder rechts von der durch das Auge _O_ gehenden
-vertikalen Tiefenebene liegen. Diese letztere erscheint als die
-durch den Augpunkt gehende Vertikale. Die Figuren 42 und 43 mögen
-das noch weiter veranschaulichen. Sie stellen ein Notenpult oder ein
-Büchergestell dar, das im ersten Fall lotrecht steht, im zweiten Falle
-auf dem Boden liegt.
-
-[Illustration: Fig. 42.]
-
-Aus der Tatsache, daß die ganze Horizontebene sich in den Horizont
-abbildet, läßt sich noch eine bemerkenswerte Folgerung ziehen. Ist _u'_
-das Bild eines Punktes _u_ der Grundebene (Fig. 41) und errichten wir
-in _u'_ die Senkrechte, welche den Horizont im Punkte _v'_ schneiden
-möge, so können wir _v'_ als Bild desjenigen Punktes _v_ ansehen, der
-lotrecht über _v_ in der Horizontebene liegt. Die Strecke _uv_ ist
-also gleich der Augenhöhe. Zu dem gleichen Resultat führt uns auch die
-Betrachtung der Figur 34, indem sich zu dem Bilde _p'v'_ als zugehörige
-Strecke _av_{0}_ ergibt, was wieder die Augenhöhe ist. Daraus folgt
-demnach folgender vielfach verwendbare
-
- =Satz 20.= +Ist das Bild eines Punktes der Grundebene gegeben, so
- stellt der Abstand dieses Bildes vom Horizont immer das Bild
- der Augenhöhe vor.+
-
-[Illustration: Fig. 43.]
-
-=25. Personen in verschiedenen Tiefen eines Bildes.= Die Darstellung
-einer menschlichen Figur in einem Bilde gibt uns Veranlassung, über den
-Maßstab eines Bildes zu sprechen und dieser hängt wieder davon ab, wie
-wir uns das Zeichnen nach der Natur, also z. B. die Wiedergabe einer
-Landschaft vorstellen. Bisher haben wir immer angenommen, daß das Bild
-+direkt+ die Zentralprojektion des Gegenstandes ist, wie wir das bei
-der Glastafelperspektive (in 2) erörterten. Man kann sich das aber
-auch etwas anders denken. Nehmen wir z. B. an, ein Landschaftsmaler
-habe das Motiv und einen günstigen Standpunkt gefunden. Dann mag er
-sich, etwa in der Entfernung von einigen Metern von seinem Standpunkte,
-die Bildtafel Π vertikal aufgestellt +denken+. Auf diese Ebene Π wird
-von seinem Auge aus die Landschaft projiziert. Dieses Bild wird aber
-nicht wirklich gezeichnet. In sein Skizzenbuch oder auf den vor ihm
-stehenden Rahmen zeichnet der Maler vielmehr eine Verkleinerung oder
-eine Verjüngung des auf Π gedachten Bildes. In diesem Falle ist also
-die Zeichenfläche nicht die gleiche wie die Bildebene. Allerdings
-könnte man eine neue, dem Standpunkt nähere, zu Π parallele Ebene
-finden, welche aus dem Strahlenkegel des Auges _O_ gerade das Bild
-ausschneiden würde, das auf dem Zeichenblatt gezeichnet wurde.
-
-Wie kann man nun bestimmen, in welchem Verhältnis das Bild in dem
-Skizzenbuch gegenüber dem gedachten Bilde auf Π verkleinert ist? Zu dem
-Zwecke denken wir uns einen Menschen, der ganz nahe hinter der Tafel Π
-steht. Er wird dann auf der Tafel Π in wirklicher Größe erscheinen. Die
-Skizze aber wird den gleichen Menschen in kleinerem Maßstabe zeigen,
-z. B. nur in 1/10 der Lebensgröße. Dann sagen wir, die Verjüngung oder
-Reduktion sei = 1/10. Wollen wir, was z. B. bei Architekturen nötig
-ist, genaue Maße haben, so stellen wir uns vor, daß eine Meßlatte mit
-Metermaßeinteilung in der Bildebene Π liege. Auf dem Skizzenblatt aber
-wird z. B. +ein+ Meter durch einen Dezimeter wiedergegeben, wenn die
-Verjüngung 1/10 beträgt. Wir behandeln nun folgende
-
- =Aufgabe 14.= Personen in verschiedenen Tiefen eines Bildes
- darzustellen.
-
-In den 3 Fällen sei die Verjüngung stets 1/100, so daß also ein Meter
-durch einen Zentimeter dargestellt wird. Ferner nehmen wir an, daß
-alle im Bilde wiedergegebenen Personen 1,5 Meter groß seien, also eine
-mittlere Größe haben.
-
- =1. Fall.= Die Augenhöhe sei 75 ~cm~ oder ¾ ~m~; es soll eine
- Person gezeichnet werden, die sich in _c'_ auf der Grundebene
- befindet.
-
-Auf der linken Seite gibt uns in Figur 44 die Strecke 0.1 die
-Darstellung eines Meters; nehmen wir drei Viertel dieser Größe, so ist
-damit der Horizont _hh_ gefunden, der bei dieser Annahme sehr niedrig
-liegt. Eine direkt an der Bildtafel stehende Figur ist 1½ ~m~ hoch zu
-zeichnen, sie ist in _ab_ angedeutet, und sie wird durch den Horizont
-halbiert. Wir ziehen durch ~A~ nach _a_ und _b_ die Tiefenlinien.
-Um die in _c'_ befindliche Person zu zeichnen, verschieben wir sie
-parallel der Bildebene, also in der gleichen Tiefe; dabei bleibt nach
-Satz 18 ihre Größe ungeändert. Demgemäß ziehen wir durch _c'_ die
-Parallele zur Grundlinie, welche die Linie ~A~_a_ in _p'_ schneidet.
-Die in _p'_ bis zum Schnitt mit der anderen Tiefenlinie ~A~_b_
-errichtete Senkrechte _p'q'_ gibt die Größe der Figur; ziehen wir durch
-_q'_ eine Parallele zur Grundlinie, so schneidet sie die Vertikale
-durch _c'_ in _d'_ und _c'd'_ ist die gesuchte Höhe der Figur in _c'_.
-
-[Illustration: Fig. 44.]
-
-Ist im Punkte _i'_ der Grundebene eine weitere Figur zu zeichnen, so
-ziehen wir _c'i'_ und bringen diese Linie in _f_ zum Schnitt mit dem
-Horizont; verbinden wir _f_ mit _d'_, so ergibt die in _i'_ errichtete
-Senkrechte den Punkt _k'_, bis zu dem die Figur reicht. Denn die Linien
-_ci_ und _dk_ sind parallele, horizontale Gerade, müssen also ihren
-Fluchtpunkt auf dem Horizont haben.
-
-Man sieht leicht ein, daß alle Figuren durch den Horizont halbiert
-werden, und daß man allgemein sagen kann:
-
- =Satz 21.= +Alle auf der Grundebene stehenden Figuren werden
- durch den Horizont im gleichen Verhältnis geteilt.+
-
- =2. Fall.= Die Augenhöhe sei 2½ ~m~; es ist eine Figur zu
- zeichnen, welche sich in _c'_ auf einer Mauer befindet.
-
-[Illustration: Fig. 45.]
-
-Wir haben es unter dieser Voraussetzung mit einem hohen Horizont zu
-tun, der in der Mitte zwischen den Ziffern 2 und 3 verläuft (Fig. 45).
-Eine Person direkt im Vordergrund hat wieder eine Höhe _ab_, welche =
-1½ ~m~ ist. Um die Größe der in _c'_ befindlichen Figur zu bestimmen,
-verschaffen wir uns die durch _c_ gehende Parallelebene zur Tafel, da
-in dieser ganzen Ebene die Figur gleichgroß ist. Wir ziehen also durch
-_c'_ die Parallele zur Grundlinie, gehen dann an der Mauer senkrecht
-herunter und wieder parallel zur Grundlinie weiter, bis wir nach _p'_
-gelangen. Die Vertikale in _p'_ schneidet aus der Linie _C_~A~ den
-Punkt _q'_ aus. _p'q'_ ist wieder die Größe einer menschlichen Figur in
-der Tiefe _p'_. Die Figur in _c'_ ist aber ebensogroß zu zeichnen, also
-muß _c'd'_ = _p'q'_ sein.
-
-[Illustration: Fig. 46.]
-
-Bringen wir die Linien _ab_ und _p'q'_ in _t'_ und _r'_ mit dem
-Horizont zum Schnitt, so ist
-
- _ab_ : _at'_ = _p'q'_ : _p'r'_ = 3 : 5.
-
-Es beträgt also die Höhe jeder +auf der Grundebene+ stehenden Figur ⅗
-der Höhe bis zum Horizont. Dies ist wiederum der vorige Satz 21.
-
-Weiß man umgekehrt nicht, wie hoch der Horizont ist, so kann man
-die Augenhöhe ungefähr bestimmen, wenn eine menschliche Figur _ab_
-unmittelbar im Vordergrund gegeben ist. So könnte man in unserer Figur
-45 durch Schätzung oder Abmessung finden, daß die Augenhöhe fünfmal so
-groß ist als der dritte Teil von _ab_. Da für _ab_ mittlere Manneshöhe
-1,50 ~m~ angenommen werden darf, so ist der dritte Teil davon 50 ~cm~,
-und für die Augenhöhe _at'_ ergibt sich als Zahlenwert 5 × 50 ~cm~ =
-2,50 ~m~.
-
- =3. Fall.= Die Augenhöhe sei 1,50 ~m~; man bestimme die Größe
- einer menschlichen Figur, die sich in _c'_ auf einer Mauer
- befindet.
-
-Eine unmittelbar im Vordergrund befindliche Person _ab_ reicht jetzt
-gerade bis an den Horizont. (Fig. 46.) (Wollten wir uns noch genauer
-ausdrücken, so könnten wir sagen, daß der Horizont die Augen aller auf
-der Grundebene stehenden Personen enthalten müsse.) In der Figur sind
-einige Meßlatten gezeichnet, die senkrecht auf der Grundebene stehen.
-Dann schneidet der Horizont auf +jeder+ Latte 1,50 ~m~ ab. Sind die
-Latten in halbe Meter geteilt, so geht er also immer durch das Ende
-des dritten Abschnittes. Um die Figur in _c'_ zu zeichnen, legen wir
-wieder durch _c_ die Parallelebene zur Tafel, also durch _c'_ die
-Parallele zur Grundlinie, gehen an der Mauer senkrecht herunter und
-parallel zu _gg_ weiter, so daß wir nach _p'_ gelangen. Die in _p'_
-errichtete Senkrechte schneidet den Horizont in _q'_. Die in _c'_
-befindliche Figur ist also = _p'q'_ zu machen, so daß ihre Größe _c'd'_
-= _p'q'_. Sie wird an den Füßen von der Mauerkante überschnitten.
-
-Wenn wir zu einer Architektur eine Figur als Staffage beifügen, so
-ist damit die Größe der Architektur festgelegt. Zeichnen wir die
-Staffagefigur klein, so nimmt die Architektur dadurch große Formen an
-und umgekehrt wird sie durch eine große Figur verkleinert.
-
-=26.= Endlich wollen wir noch einen etwas komplizierteren einzelnen
-Gegenstand darstellen in
-
- =Aufgabe 15.= Einen in Grund- und Aufriß gegebenen Pfeiler
- darzustellen, wenn die Vorderfläche des Sockels in der
- Bildebene liegt.
-
-Der Grundriß _P_{1}_ ist in der Verschiebung gegeben (Fig. 47), der
-Aufriß _P_{2}_ befindet sich nicht senkrecht über dem Grundriß, sondern
-er wurde nach links hinausgeschoben, um den Platz für die Zeichnung
-frei zu lassen.
-
-Von dem Sockel liegt die Fläche 1 2 6 5 in der Bildtafel. Wir
-übertragen zunächst den ganzen Grundriß in das Bild und bauen darüber
-den Körper auf.
-
-Das Bild 1 2 3' 4' des Quadrates (1)(2)(3)(4) ist sofort zu zeichnen,
-da 4' sowohl auf der Tiefenlinie 1.A als auch auf der Linie von 2 nach
-dem Distanzpunkt ~D_{1}~ liegt. Wir zeichnen weiter die beiden inneren
-Quadrate. Die Bilder 9' und 13' ergeben sich, wenn man durch (9)
-und (13) die Tiefenlinien zieht. Außerdem liegen 9' und 13' auf der
-Diagonale 1.3'.
-
-Der Sockel kann jetzt dargestellt werden; die Tiefenlinien durch 5 und
-6 schneiden auf den Vertikalen durch 4' und 3' die Punkte 8' und 7' aus.
-
-Um den Schaft des Pfeilers zu zeichnen, haben wir im Punkte 9' eine
-Senkrechte von gegebener Länge zu errichten: alle diese Höhen messen
-wir von der Grundebene aus. Nach Aufgabe 11 verbinden wir also 9' mit
-~A~ und erhalten auf der Grundlinie den Hilfspunkt 10; durch diesen
-ziehen wir eine Vertikale und schneiden auf derselben durch die
-Parallele im Aufriß die anzutragende Höhe 10.11 ab. Dann schneidet die
-Linie von 11 nach ~A~ auf der Vertikalen durch 9' das Bild 12' der
-oberen Ecke aus. Die drei übrigen Ecken des Quadrates ergeben sich
-durch Parallele und Tiefenlinien, und ebenso leicht ist das auf der
-oberen Fläche des Sockels befindliche Quadrat einzutragen; seine Ecken
-liegen auf den Diagonalen 5.7' und 6.8'.
-
-[Illustration: Fig. 47.]
-
-Nun ist weiter im Punkte 13' die Senkrechte zu errichten. Die
-Tiefenlinie liefert den Hilfspunkt 14 und 14.15 ist die auf der
-Vertikalen anzutragende Strecke. So ergibt sich das Bild 16' des
-vorletzten Quadrates. Der Punkt 17 endlich liefert in 18' eine Ecke der
-Deckfläche. Beide Quadrate sind leicht zu vervollständigen. Der Punkt
-12' gibt mit 16' verbunden das Bild des Gehrungsprofiles. Verschafft
-man sich das Bild 19' des Punktes 19, so kann man die Kontrolle
-benutzen, daß die vier Linien 16'.12' usf. durch 19' gehen.
-
- +Anmerkung.+ Statt die Bildebene durch die vordere Fläche des
- Sockels zu legen, könnte man sie auch +parallel+ zu derselben
- durch die Achse des Körpers legen. Die Schnittfigur der
- Bildebene mit dem Pfeiler stimmt dann mit dem Aufriß _P_{2}_
- überein. Es läßt sich aus diesem Schnitt ebenfalls das Bild
- des Pfeilers leicht herstellen, ohne daß man nötig hat, eine
- Verschiebung zu benutzen. Wir empfehlen die Ausführung dem
- Leser.
-
- =Aufgabe 16.= Einen in Grund- und Aufriß gegebenen Pfeiler
- darzustellen, der beliebig auf der Grundebene steht, wenn eine
- Kante des Sockels in der Bildtafel liegt.
-
-Der Grundriß _P_{1}_ sei wieder in der Verschiebung gegeben, Fig. 48,
-der Aufriß _P_{2}_ ist links hinausgeschoben. Wie in Aufgabe 9, Fig.
-28, zeichnen wir zunächst vermittels der Umlegung ~D_{3}~ des Auges die
-Fluchtpunkte _f_{a}_ und _f_{b}_ der beiden Richtungen (_A_) und (_B_).
-Ferner wollen wir noch den Fluchtpunkt der Diagonale 1.3 konstruieren,
-d. h. wir ziehen durch ~D_{3}~ eine Parallele zur Verbindungslinie 1.3,
-welche den Horizont in ~D~_{_g_} trifft. Dieser Fluchtpunkt ~D~_{_g_}
-heißt auch der +Diagonalpunkt+ und es ist vielfach, z. B. bei
-Gehrungen, nützlich, ihn einzuführen.
-
-Zunächst übertragen wir wieder den ganzen Grundriß in die Perspektive.
-Die durch 1 gehende Kante des Sockels liegt in der Bildebene. Das
-Bild des Vierecks 1 2 3 4 kann gezeichnet werden, sobald von einer
-weiteren Ecke das Bild ermittelt ist. Wir benutzen etwa die Spur 5 der
-Verbindungslinie 2.3. Verbinden wir 5 mit _f_{a}_, so schneidet diese
-Linie auf der Linie 1._f_{b}_ das Bild 2' aus. Die Ecke 3' aber wird
-erhalten als Schnittpunkt von 1.~D~_{_g_} mit der Linie 5._f_{a}_.
-Endlich gibt die Linie _f_{b}_.3' in ihrem Schnitt mit _f_{a}_.1 den
-Punkt 4'. In ähnlicher Weise kann man die Bilder der beiden inneren
-Quadrate ermitteln.
-
-Um jetzt den Körper der Höhe nach aufzubauen, bestimmen wir auf der
-Vertikalen durch 1 ohne weiteres die Ecke 6, da die Länge 1.6 im
-Aufriß ja gegeben. Die drei anderen Ecken der Deckfläche des Sockels
-sind auf den Vertikalen durch 2', 3' und 4' ohne Schwierigkeit zu
-finden. Die übrigen Höhenabmessungen können wir unter Benutzung der
-Vertikalen 1.6 und des Diagonalpunktes ~D~_{_g_} gewinnen, da doch
-alle durch ~D~_{_g_} gehenden Linien die Bilder horizontaler Geraden
-sind, welche zur Diagonale 1.3 parallel laufen. Infolgedessen liefern
-die Hilfspunkte 7, 9, 11 aus ~D~_{_g_} projiziert auf den betreffenden
-Vertikalen die Punkte 8', 10', 12'. Die fehlenden Ecken ergeben sich
-durch Benutzung der Fluchtpunkte _f_{a}_ und _f_{b}_. Die vier schiefen
-Linien der Gehrung gehen durch den Punkt 14', auf der Achse des
-Körpers; zu diesem Punkt 14' gelangt man vom Hilfspunkt 13 aus.
-
-[Illustration: Fig. 48.]
-
-Auch in diesem Falle wäre es eine gute Übung, den Körper darzustellen
-unter der Annahme, daß die Bildebene parallel zu der eben benutzten
-durch die Achse des Pfeilers gelegt wird.
-
-Die Figuren 47 und 48 geben zwei charakteristische Formen
-perspektivischer Bilder. In Fig. 47 steht der Körper so zur Bildtafel,
-daß ein Teil seiner Kanten und Flächen zur Bildebene parallel, der
-andere Teil der Kanten und Flächen zur Bildebene senkrecht verläuft.
-Im Bilde selbst treten als wichtigste Linien die Horizontalen und die
-Tiefenlinien auf. Man sagt, der Körper befinde sich in »Frontstellung«
-oder »frontal« und nennt die Darstellung eine »Frontansicht« oder
-(weniger gut) eine »gerade Ansicht«. Im zweiten Falle, der Fig. 48,
-sind die Kanten und Flächen des Körpers gegen die Bildebene schräg
-gestellt; der Körper befindet sich in »Übereckstellung«, und man nennt
-das Bild eine »schräge Ansicht«. Die Bilder der ersten Art (Fig. 47)
-zeigen wegen der auftretenden Parallelen eine gewisse Einförmigkeit,
-während bei den Bildern der zweiten Art (Fig. 48) die zwei Fluchtpunkte
-eine reichere Bewegung der Linien bewirken.
-
-
-§ 9. Schiefe Linien im Raume.
-
-=27. Steigende und fallende Gerade im Raume.= Bisher haben wir nur
-Gerade betrachtet, welche entweder parallel oder senkrecht zur
-Grundebene waren, also horizontale oder vertikale Linien. Gelegentlich
-kommen aber doch auch Gerade vor, die ganz beliebig im Raume verlaufen,
-z. B. die Giebellinien eines Daches oder einer Fensterbedachung, die
-Steigungslinien einer Treppe oder einer ansteigenden Straße. Solche
-Linien wollen wir als +schiefe+ Gerade bezeichnen.
-
-Ist eine ganz beliebige Gerade _A_ gegeben, Fig. 49, so denken wir
-uns durch _A_ die zur Grundebene lotrechte Ebene gelegt, welche aus
-der Grundebene den rechtwinkligen Riß _A_{1}_ ausschneidet. Sie ist in
-der Figur vertikal schraffiert. _s_ sei die Spur der Geraden _A_.
-Durch _s_ ziehen wir in dieser schraffierten Ebene eine Parallele _X_
-zu _A_{1}_. Die Gerade _A_ bildet dann mit _X_ einen Winkel α, der sich
-von _X_ nach aufwärts erstreckt. Von der Geraden _A_ sagen wir nun,
-sie »steige« im Raume. Dabei betrachten wir denjenigen Abschnitt der
-Geraden _A_, der vom Auge _O_ ausgerechnet +hinter+ der Bildtafel liegt
-und durchlaufen ihn, indem wir in der Spur _s_ beginnen.
-
-[Illustration: Fig. 49.]
-
-Den Fluchtpunkt _f_{a}_ der Geraden _A_ finden wir dadurch, daß wir
-durch das Auge _O_ eine Parallele zu _A_ ziehen und diese mit der
-Tafel zum Schnitt bringen; es ist also _Of_{a}_ ∥ _A_. Wir legen auch
-durch die Gerade _Of_{a}_ eine lotrechte Ebene, welche in der Figur
-ebenfalls vertikal schraffiert ist. Aus einfachen Sätzen folgt, daß
-diese beiden schraffierten Ebenen parallel sind. Die durch die Gerade
-_Of_{a}_ gelegte Vertikalebene möge den Horizont in _f_, die Grundlinie
-in _f_{1}_ schneiden, so daß die Punkte _f_{a}_, _f_, _f_{1}_ auf der
-vertikalen Schnittlinie dieser Ebene mit der Tafel gelegen sind. Dann
-tritt der Winkel α nochmals auf, in dem auch ∢ _fOf_{a}_ = α und man
-erkennt, daß der Fluchtpunkt _f_{a}_ +oberhalb+ des Horizontes gelegen
-ist.
-
-[Illustration: Fig. 50.]
-
-Nehmen wir jetzt eine zweite Gerade _B_ dazu, die aber in der
-gleichen Vertikalebene liegen und außerdem auch durch _s_ gehen soll.
-Dagegen möge diese zweite Gerade einen Winkel β mit _X_ bilden, der
-nach abwärts geht. Diese Gerade _B_ »fällt« dann. Konstruieren wir
-ihren Fluchtpunkt, so müssen wir durch _O_ eine Parallele zu _B_
-konstruieren. Diese Parallele liegt aber in der zweiten, schraffierten
-Vertikalebene, d. h. _f_{b}_ muß auf der Linie _ff_{1}_ gelegen sein. Es
-ist wieder
-
- ∢ _fOf_{b}_ = β
-
-und der Fluchtpunkt _f_{b}_ befindet sich unterhalb des Horizontes
-_hh_. Diese einfachen Überlegungen geben uns den praktisch wertvollen
-
- =Satz 22.= »+Gerade, welche im Raume+ =steigen=, +haben einen
- Fluchtpunkt+ =oberhalb= +des Horizontes+; =fällt= +eine Gerade
- im Raume, so liegt ihr Fluchtpunkt+ =unter= +dem Horizont+.«
-
-[Illustration: Fig. 50 ~a~.]
-
-Man beachte, wie die horizontalen Geraden den Übergang von den
-steigenden zu den fallenden Geraden bilden und deswegen ihre
-Fluchtpunkte +auf+ dem Horizonte haben.
-
-Um das gleich an einem Beispiel zu veranschaulichen, ist in Fig. 50
-eine Brücke skizziert. Der mittlere Teil derselben läuft horizontal
-entsprechend dem Fluchtpunkt _f_, der vordere Teil der Brücke steigt
-gegen den Fluchtpunkt _f_{a}_ an, der rückwärtige fällt nach dem
-Fluchtpunkt _f_{b}_.
-
-Aus der Figur 47 entnehmen wir noch weiter folgendes: die beiden
-parallelen, schraffierten Ebenen werden von der Grundebene geschnitten,
-also ist
-
- _O_{1}f_{1}_ ∥ _A_{1}_.
-
-Andererseits ist aber auch
-
- _O_{1}f_{1}_ ∥ _Of_.
-
-Daraus folgt, daß _Of_ ∥ _A_{1}_ oder mit anderen Worten: _f_ ist der
-Fluchtpunkt für den Riß _A_{1}_ der Geraden _A_. Damit hat sich ergeben:
-
- =Satz 23.= »+Projiziert man den Fluchtpunkt einer schiefen
- Geraden auf den Horizont, so ist dieser Punkt der Fluchtpunkt
- für die Projektion der Geraden in die Grundebene.+«
-
-Das wurde in der Figur 50 auch berücksichtigt, indem die 3 Punkte
-_f_{a}_, _f_{b}_, _f_ einer Vertikalen liegen.
-
-Im besonderen kann eine Gerade _C_ in einer Vertikalen Tiefenebene
-liegen (Fig. 51). Dann wird die Lotebene, welche den Riß _C_{1}_
-liefert, eine Tiefenebene und der Riß _C_{1}_ eine Tiefenlinie. Unsere
-Betrachtung zeigt ohne weiteres, daß der Fluchtpunkt _f_{c}_ einer
-solchen schiefen Geraden _C_ auf der Vertikalen durch den Augpunkt
-liegen muß. Die beiden parallelen Ebenen sind in der Fig. 51 wieder
-schraffiert; man mag sich darunter Türen denken, die im vorliegenden
-Falle unter 90° gegen die Wandfläche geneigt sind, während sie sich in
-Fig. 49 weniger weit öffnen. Es folgt also
-
- =Satz 24.= »+Liegt eine schiefe Gerade in einer vertikalen
- Tiefenebene, so muß ihr Fluchtpunkt auf einer Vertikalen durch
- den Augpunkt gelegen sein.+«
-
-Fig. 50 gibt in dem Gebäude links ein Beispiel. Die Wand des Hauses, in
-welcher sich die Türe befindet, ist eine Tiefenebene. Die Giebellinien
-laufen deswegen nach den Fluchtpunkten _F_{a}_ und _F_{b}_, die auf
-der Senkrechten im Augpunkt ~A~ liegen. Auch die Linien des Türgiebels
-haben diese Eigenschaft.
-
-[Illustration: Fig. 51.]
-
-Aus der Fig. 49 ziehen wir endlich noch eine Folgerung. Wenn die
-beiden Geraden _A_ und _B_ gleich geneigt sind gegen die Gerade _X_
-oder, was das gleiche ist, gegen die Grundebene, wenn also α = β, so
-ergibt sich aus den Dreiecken _Off_{a}_ und _Off_{b}_ sofort, daß dann
-auch
-
- _ff_{a}_ = _ff_{b}_
-
-oder
-
- =Satz 25.= »+Sind schiefe Gerade im Raume gleich geneigt gegen
- die Grundebene, so liegen ihre Fluchtpunkte gleich weit vom
- Horizont entfernt.+«
-
-[Illustration: Fig. 52.]
-
-In Fig. 50 ist also
-
- ~A~_F_{a}_ = ~A~_F_{b}_,
-
-weil die beiden Seiten des Daches doch gleiche Winkel mit der
-Grundebene einschließen, und da auch rechts
-
- _ff_{a}_ = _ff_{b}_,
-
-so hat die Brücke zu beiden Seiten der horizontalen Strecke die gleiche
-Steigung.
-
-=Zusatz.= Wir fügen hier eine vielbenutzte Konstruktion an. Denken
-wir uns die wahre Gestalt 1 2 3 4 5 der Seitenwand 1'2'3'4'5' in Fig.
-50 ~a~ herausgezeichnet und konstruieren wir den Schnittpunkt 6 der
-Diagonalen 2.4 und 1.3, so hat die Figur die Eigenschaften, daß die
-Verbindungslinie 5.6 parallel zu 1.4 und 2.3 ist und daß sie die Seiten
-1.2 und 3.4 in 7 und 8 halbiert. In der perspektivischen Zeichnung läßt
-sich 6' sofort angeben; 5' liegt also auf der Vertikalen durch 6', was
-eine Kontrolle gibt und diese Vertikale schneidet weiter die Bilder
-8' und 7' der Mitten von 1.2 und 3.4 aus. Ist also z. B. die gegebene
-Strecke 1'.2' zu halbieren, so hat man nur nötig, irgendein solches
-vertikales Rechteck zu zeichnen.
-
- =Aufgabe 17.= Eine Freitreppe darzustellen, wenn die Wangen in
- Tiefenebenen gelegen sind.
-
-Das Verhältnis der Höhe der Stufe zur Breite sei ½. Das Profil der
-Treppe ist in Fig. 52 unten angegeben. Die Stärke der Treppenwange und
-die Breite der Treppe werden beliebig angenommen. Die Begrenzungslinie
-_A_ der Wange und die Linien _B_ und _C_, welche die Stufen bestimmen,
-bilden drei parallele Linien. Ist _f_{c}_ der Fluchtpunkt für diese
-Linien, so liegt nach Satz 24 _f_{c}_ auf einer Senkrechten durch ~A~
-und es muß auch (Fig. 51)
-
- ~A~_f_{c}_ = ½ _O_~A~
-
-sein. Demgemäß machen wir in Fig. 52 die in ~A~ errichtete Senkrechte
-~A~_f_{c}_ = der halben Distanz = ~AD_{1}~/2. Im Punkte 0 der Grundlinie
-tragen wir die Vorderfläche der Wange an und ziehen durch die beiden
-oberen Ecken die Linien nach _f_{c}_. Auf der Tiefenlinie von 0
-nach ~A~ hat man jetzt den Tiefenmaßstab anzutragen, der in dem
-Treppenprofil gegeben ist. Wir tragen nach Aufg. 5 den Maßstab auf der
-Grundlinie an und projizieren ihn aus ~D_{1}~ auf die Tiefenlinie. So
-erhält man die Bilder 1', 2', 3', 4' usf. In diesen Punkten sind jetzt
-nach Aufg. 11 Höhen zu errichten, die bzw. eine, zwei, drei Stufenhöhen
-betragen. Wir tragen deswegen auf der durch 0 gehenden Vertikalen einen
-Maßstab mit einer Einheit gleich einer Stufenhöhe ab; dann liefert die
-Tiefenlinie 1.A auf der durch 1' gehenden Senkrechten den Punkt I', die
-durch 2 gehende Tiefenlinie 2.~A~ schneidet auf der durch 2' gezogenen
-Vertikalen den Punkt II' aus usf. Eine Kontrolle besteht darin, daß
-alle Punkte I', II', III' ... auf einer Geraden _B'_ liegen müssen,
-die durch _f_{c}_ geht. Gleichzeitig erhält man die auf _C'_ gelegenen
-Eckpunkte der unteren Treppenkanten. Nun kann man ohne weiteres durch
-diese Punkte die Horizontalen zeichnen bis zur rechten Treppenwange.
-Man beachte, daß man auf diejenigen Treppenstufen, die +unter+ dem
-Horizont liegen, Aufsicht hat, auf die +über+ dem Horizont befindlichen
-Stufen dagegen Untersicht. In unserer Figur ist, um Raum zu sparen, die
-Distanz etwas klein angenommen; man wähle sie größer, wodurch das Bild
-gewinnen wird.
-
-[Illustration: Fig. 53.]
-
-Es ist auch nicht uninteressant zu bemerken, daß Linien, welche im
-Raume steigen oder fallen, im Bilde durchaus nicht zu steigen oder zu
-fallen brauchen. Das kann man an Fig. 53 beobachten. Die Fluchtpunkte
-des Giebels sind _f_{a}_ und _f_{b}_, aber die Linie _x'y'_ +fällt+ im
-Bilde, in der Richtung gegen den Fluchtpunkt durchlaufen, während die
-Gerade _xy_ selbst im Raume offenbar steigt.
-
-
-§ 10. Der photographische Apparat.
-
-=28. Die Entstehung des photographischen Bildes.= Wie allgemein
-verbreitet die perspektivischen Bilder sind und welche Bedeutung ihnen
-für die Versinnlichung der uns umgebenden Welt zukommt, kann durch
-nichts stärker zum Bewußtsein gebracht werden als durch die Tatsache,
-daß jede Photographie ein perspektivisches Bild ist.
-
-Indem wir hinsichtlich der Einrichtung eines photographischen Apparates
-und der Wirkung des Objektives auf andere Darstellungen verweisen[4],
-bemerken wir nur, daß wir uns die Entstehung des Bildes auf der
-Mattscheibe für unsere Zwecke hinreichend genau in folgender Weise
-denken können.
-
- [4] Otto Prelinger, Die Photographie (ANuG Bd. 414). 1914. Moritz
- von Rohr, Die optischen Instrumente (ANuG Bd. 88). 1906.
-
-[Illustration: Fig. 54.]
-
-Die Begrenzungsflächen der Linsen des Objektives sind Ausschnitte aus
-Kugelflächen und die Mittelpunkte aller dieser Kugeln liegen auf einer
-Geraden, der optischen Achse des Linsensystems. Das photographische
-Bild entsteht nun durch eine Zentralprojektion, die aus einem Punkte
-_O_ erfolgt (Fig. 54), der auf der Achse des Linsensystems liegt, und
-zwar angenähert in der Mitte zwischen den Punkten, in denen die Achse
-die vorderste und hinterste Linsenfläche schneidet. Dieser Punkt heißt
-wohl auch der »Mittelpunkt« des Objektives.
-
-[Illustration: Fig. 54 ~a~.]
-
-Wie verhält es sich aber weiter mit der Bildebene? Die Haupteigenschaft
-des Linsensystems ist die, daß jede auf der optischen Achse senkrechte
-Ebene wieder in eine auf der Achse senkrechte Ebene abgebildet wird.
-Photographiert man also z. B. ein Gemälde oder eine Karte, so ist die
-Mattscheibe an die Stelle der entsprechenden Ebene zu bringen. Alle
-Punkte des Gemäldes sind dann scharf eingestellt. Weiter kann unser
-Auge die Unschärfe erst von einem gewissen Grade an erkennen. Das hat
-zur Folge, daß nicht nur Punkte der betreffenden Ebene, sondern eine
-ganze Schicht vor und hinter ihr gelegener Punkte ebenfalls scharf
-erscheinen. Es wird folglich ein ganzes Stück des Raumes brauchbar
-abgebildet. Am wichtigsten wird diese Eigenschaft, wenn wir auf einen
-weit entfernten Gegenstand, z. B. einen Kirchturm, einstellen. Dann hat
-die Mattscheibe des Objektives eine gewisse Entfernung vom Mittelpunkt
-des Objektives, die man die »Brennweite« nennt. Es erscheint nun aber
-nicht nur der Kirchturm scharf auf der Mattscheibe, sondern ein großer
-Teil des Raumes bis zu einer bestimmten Entfernung vom Objektiv liefert
-ein scharfes Bild. Nimmt man also eine Landschaft oder eine Architektur
-auf, so genügt diese Einstellung für das ganze Objekt. Man sagt, es
-sei »auf Unendlich« eingestellt und bei manchen Apparaten ist die
-Mattscheibe überhaupt in dieser Stellung fixiert. Sind beispielsweise
-_ab_ und _cd_ zwei parallele, ziemlich entfernte vertikale Gerade (Fig.
-54) und ist auf Unendlich eingestellt, so ergeben sich die Bilder von
-_ab_ und _cd_, indem man durch den Mittelpunkt _O_ des Objektives die
-Strahlen konstruiert und diese mit der Mattscheibe zum Schnitt bringt.
-Es entstehen die Bilder _a'b'_ und _c'd'_. (Ein Unterschied gegenüber
-unserer perspektivischen Abbildung besteht nur darin, daß wie beim
-Vorgang des Sehens das Projektions-Zentrum zwischen Gegenstand und
-Bildtafel gelegen ist. Deswegen erscheint das Bild auf der Mattscheibe
-verkehrt: es ist oben und unten, rechts und links vertauscht. Man kann
-sich übrigens eine Ebene denken, welche zwischen dem Mittelpunkt und
-dem Gegenstand parallel zur Mattscheibe verläuft und ebenso weit vom
-Mittelpunkt entfernt ist als die Mattscheibe. Diese Ebene würde aus dem
-Bündel der projizierenden Strahlen das aufrechte Bild des Gegenstandes
-ausschneiden.
-
-Demnach müssen Photographien alle Eigenschaften perspektivischer Bilder
-zeigen und man mag an der Abb. 7 (S. 70) die Verkürzungen, den Verlauf
-horizontaler Geraden und den Fluchtpunktsatz verfolgen. Speziell aus
-dem letzteren wollen wir noch eine Folgerung ableiten.
-
-[Illustration: Abb. 6.]
-
-=29. Stürzende Linien.= Nehmen wir an, daß _ab_ und _cd_ zwei vertikale
-Gerade (Fig. 54) und ist die Mattscheibe ebenfalls genau vertikal
-gestellt, so sind _ab_ und _cd_ parallel zur Bildebene, also müssen
-nach Satz 10 ihre Bilder _a'b'_ und _c'd'_ auch parallel sein (Fig.
-54 rechts). In der Tat erscheinen in der Abb. 7 alle vertikalen
-Geraden vertikal. Denken wir uns aber, daß _ab_ und _cd_ etwa zwei
-in ziemlicher Höhe z. B. an einem Giebel befindliche Linien seien
-und der Photograph würde, um sie auf die Mattscheibe zu bekommen,
-den Apparat in die Höhe drehen, wie es Fig. 54 ~a~ andeutet. Jetzt
-sind die parallelen Geraden _ab_ und _cd_ nicht mehr parallel zur
-Bildebene. Ihre Bilder werden also auch nicht mehr parallel, sondern
-sie konvergieren nach einem Fluchtpunkt _f_, der unterhalb in der
-erweiterten Ebene der Mattscheibe liegt. Das Bild der Geraden zeigt
-Fig. 54 ~a~ rechts. Das Siegestor in München wurde in dieser Weise
-mit gestürztem Apparat photographiert (Abb. 6). Natürlich liegt der
-Fluchtpunkt jetzt oben, da wir das Bild doch umkehren Aber auch aus
-Versehen oder aus Unachtsamkeit können sich namentlich beim Gebrauch
-einer Handkamera solche stürzende Linien einstellen. Würde man, um von
-einem hohen Standpunkt in die Tiefe zu photographieren, den Apparat
-nach unten neigen, so läge der Fluchtpunkt der Vertikalen im Bilde
-unten und die Gebäude fielen auf den Beschauer zu.
-
-Man kann übrigens auch bei gestürztem Apparat vertikale Linien wieder
-parallel und vertikal erhalten, wenn man die Mattscheibe um _m_ so
-lange dreht (Fig. 54 ~a~), bis sie in der Stellung _mp_ wieder vertikal
-steht. Dann muß man allerdings neu einstellen. Aus diesem Grunde
-ist bei manchen, besseren Apparaten die Möglichkeit gegeben, die
-Mattscheibe zu drehen.
-
-Endlich wird man noch die Frage stellen können: Aus welchem Punkte
-muß denn eine Photographie, die doch ein perspektivisches Bild ist,
-betrachtet werden? Wir wollen uns auf den Fall beschränken, daß ein
-ziemlich entferntes Objekt, eine Landschaft oder eine Architektur,
-mit der Einstellung auf Unendlich aufgenommen worden sei. Dann ist
-eine solche Photographie offenbar aus einer Entfernung zu betrachten,
-die gleich der +Brennweite+ ist. Es tritt also in diesem Falle als
-+Distanz+ die Brennweite ein.
-
-
-§ 11. Die Wahl der Distanz.
-
-=30. Größe der Distanz.= Ein Gegenstand sei in seiner Lage gegen die
-Bildebene gegeben, ferner möge die Tafel durch den Bildausschnitt, etwa
-durch ein Rechteck _abcd_ Fig. 55, begrenzt sein. Dann kann man noch
-sehr verschiedene Bilder dieses Gegenstandes erhalten, indem man die
-Distanz und die Augenhöhe verschieden wählt. Der Augpunkt soll dabei
-immer in der Mittellinie des Bildes angenommen werden. Als Gegenstand
-bilden wir einen rechtwinklig begrenzten Raum ab mit einem quadratisch
-getäfelten Fußboden und einem Würfel, der sich über einem Quadrate des
-Fußbodens erhebt. Wir wählen zunächst die Distanz ~AD_{1}~ klein,
-nämlich noch kleiner als die kleinere Seite des Bildrechtecks, und
-zeichnen die Darstellung in Fig. 55 für eine mittlere, in Fig. 56 für
-eine große Augenhöhe. Man erkennt, daß in beiden Fällen, namentlich
-aber bei dem hohen Horizont, die Bodenfläche so stark steigt, daß
-darauf befindliche Figuren förmlich herunterzurutschen scheinen, und
-daß sich unschöne Verkürzungen ergeben. Die Abb. 3 (S. 30) zeigt uns
-ein solches Interieur mit sehr hohem Horizont, der etwa in 8/11
-der Bildhöhe verläuft. Dagegen kann für die Darstellung einer Stadt
-oder eines ganzen Landes recht gut eine Perspektive mit sehr hohem
-Horizont verwendet werden. Ein solches Bild nennt man dann eine
-»Vogelperspektive«.
-
-[Illustration: Fig. 55.]
-
-[Illustration: Fig. 56.]
-
-[Illustration: Fig. 57.]
-
-In den Figuren 57 und 58 wurde die Distanz größer angenommen, nämlich
-1½mal so groß als die größere Seite des Bildausschnittes. Endlich gibt
-Fig. 59 eine Darstellung, in der die Distanz 3mal so groß gewählt ist
-als die größere Seite _ab_ des Bildes. Man bemerkt, wie in diesem
-Falle die Bodenfläche und die Wände schon sehr zusammenschrumpfen. Je
-größer man die Distanz wählen würde, um so mehr würde sich das Bild
-einer Orthogonalprojektion nähern. Es verwischen sich aber dann die
-eigentlichen, perspektivischen Eigenschaften des Bildes mehr und mehr.
-Vergleicht man die fünf Figuren, so ergibt sich, daß man Fig. 56 und
-Fig. 58 wohl als die schönsten und ästhetisch brauchbarsten Bilder
-bezeichnen muß.
-
-[Illustration: Fig. 58.]
-
-Wir bringen dies weiter in Zusammenhang mit folgender Tatsache: wenn
-wir irgendein größeres Objekt, sei es nun ein räumlicher Gegenstand
-oder ein Bild, als +Ganzes+ betrachten wollen, so treten wir so weit
-von dem Objekt zurück, daß wir dasselbe ohne Bewegungen des Kopfes
-übersehen können. Dann erst haben wir einen +Gesamteindruck+. Je
-größer der Gegenstand ist, um so weiter entfernt wählen wir unseren
-Standpunkt. Offenbar beherrscht unser Auge nur einen Kegel von ganz
-bestimmter Öffnung und wir richten unsere Stellung dem Objekt gegenüber
-so ein, daß das Objekt ganz in diesen Kegel hineinfällt.
-
-[Illustration: Fig. 59.]
-
-Auf diese Weise erkennt man, daß die Distanz nicht völlig willkürlich
-gewählt werden darf. Ist sie zu groß, so verliert das Bild die
-charakteristischen, perspektivischen Wirkungen; ist sie zu klein, so
-ergeben sich übertriebene Verkürzungen. Aus der Praxis heraus hat sich
-folgende Regel ausgebildet:
-
-Man wähle die Distanz 1½mal bis 2mal so groß als die größere Seite des
-Bildrechteckes.
-
-In betreff der mit kleiner Distanz gezeichneten Bilder ist auch noch
-daran zu erinnern, daß das normale, nicht kurzsichtige Auge auf
-Gegenstände, die näher als etwa 25 ~cm~ am Auge liegen, nicht mehr
-akkommodieren kann, das heißt es kann solche Objekte nicht mehr scharf
-sehen. Auch aus diesem Grunde sind demnach allzu kleine Distanzen zu
-vermeiden.
-
-[Illustration: Fig. 60.]
-
-[Illustration: Abb. 7.]
-
-=31. Wirkung einer zu kleinen Distanz, das Interieur.= Es liegt weiter
-nahe, daß man eine für eine kleine Distanz angefertigte Zeichnung aus
-einer Entfernung betrachtet, die größer ist als die Distanz. Dann
-treten übertriebene Tiefenwirkungen auf. In der Tat denken wir uns
-einen Würfel, der mit der Fläche in der Bildtafel liegt. Das Auge
-befinde sich in der Erweiterung der unteren Würfelfläche. Fig. 60
-(links) stellt den Schnitt mit einer Ebene dar, die durch das Auge
-senkrecht zur Bildebene geht. Das Bild des Würfels wird dann durch
-_a_, _b_, _c'_ angedeutet. Ist nun umgekehrt das Bild _a_, _b_, _c'_
-gegeben, so ist vorauszuschicken, daß natürlich durch +ein+ Bild der
-Körper nicht bestimmt sein kann. Wenn wir aber z. B. noch wissen oder
-stillschweigend annehmen, daß es sich um einen rechtwinklig begrenzten
-Körper handelt, so können wir aus dem einen Bild den Körper
-rekonstruieren.
-
-[Illustration: Abb. 8.]
-
-Es möge nun das Bild _a_, _b_, _c'_ aus einem Punkte _O_{1}_ betrachtet
-werden (Fig. 60 rechts), der weiter von der Bildebene entfernt
-liegt als _O_. Der zum Punkte _c'_ gehörige Raumpunkt _c_ liegt
-dann einerseits auf der Linie _O_{1}c'_, andererseits aber wegen der
-rechtwinkligen Natur des Körpers auf der Senkrechten in _b_ zur
-Bildebene. Statt des Würfels erhalten wir einen viel längeren,
-rechteckigen Quader _abcd_. Es scheint also der Körper viel tiefer zu
-sein, als er wirklich ist.
-
-[Illustration: Abb. 9.]
-
-Diese unnatürliche Vertiefung (Tunnelperspektive) kann man z. B. an
-photographischen Bildern beobachten, die mit Objektiven von kleiner
-Brennweite hergestellt werden, weil solche Darstellungen eben meistens
-aus einer zu großen Entfernung betrachtet werden. So erscheint in Abb.
-7 (S. 70) das Gebäude viel länger als in Wirklichkeit. Ein einfaches
-Mittel, von solchen Photographien ein richtiges Bild zu bekommen,
-besteht darin, daß man sie durch ein Vergrößerungsglas betrachtet. Dann
-wird mit dem Bilde auch die Distanz vergrößert, und man gewinnt eher
-die richtige Entfernung für das Auge.
-
-Eine ganz entsprechende +Verkürzung+ des Objektes der Tiefe nach tritt
-ein, wenn man unter der gleichen Annahme wie oben ein perspektivisches
-Bild aus einer zu kleinen Distanz betrachtet.
-
-Eine kleine Distanz bevorzugt man bei der Darstellung eines
-Innenraumes, also beim Interieur, weil dadurch die Vorstellung erweckt
-wird, daß der Beschauer sich noch im Innern des betreffenden Raumes
-befindet.
-
-Prüft man beispielsweise in dem Fresko von +Raffael+ (1485--1520), die
-»Schule von Athen« (Abb. 8, S. 71), das die eine Wand der ~camera
-della segnatura~ im Vatikan in Rom einnimmt, auf Grund einer großen
-Photographie die perspektivische Konstruktion, so stimmt diese
-allerdings nicht vollständig genau. Als mittlerer Wert ergibt sich
-aber für die Distanz, daß sie etwas größer ist als die Breite des
-Bildes (ungefähr = 1⅐ der Bildbreite). Man beachte aber, welche
-unvergleichlich großartige Raumwirkung der Künstler durch den
-Kuppelraum mit den beiden Schiffen und die Vordergrundsszene erzielt.
-Kleiner als die größere Seite des Bildausschnittes wird man aber die
-Distanz nicht wählen.
-
-[Illustration: Fig. 61.]
-
-Auch bei manchen Holländern des 17. Jahrhunderts, z. B. bei +van
-der Meer van Delft+ (1632--1675), finden wir Interieurs mit kleiner
-Distanz.[5] So ist bei dem in Abb. 9 wiedergegebenen Bilde, das sich im
-kgl. Schloß in Windsor befindet und eine Musikstunde darstellt, die
-Distanz wenig größer als die Höhe des Bildes (etwa 1-1/17 derselben).
-Man kann aber hier schon die unangenehme Folgeerscheinung beobachten,
-daß bei solchen Bildern mit kurzer Distanz der Boden im Vordergrund
-sich nach abwärts zu neigen, sich herunterzuklappen scheint.
-
- [5] Man vgl. dazu Hans Jantzen, Niederländische Malerei im 17.
- Jahrhundert. S. 52. (ANuG Bd. 373.) 1912.
-
-[Illustration: Abb. 10.]
-
-=32. Das photographische Bild.= Was die Bilder des photographischen
-Apparates betrifft, so liefern Objektive mit großer Brennweite
-Darstellungen, die einer großen Distanz entsprechen, Objektive mit
-kleiner Brennweite, sogenannte Weitwinkel, geben Bilder mit kleiner
-Distanz. Die übertriebene Perspektive solcher Weitwinkel erklärt sich
-abgesehen von der eben erwähnten Wahl eines falschen Standpunkts
-direkt durch die Wirkung der kleinen Distanz. In der Tat sind _ab_
-und _cd_ etwa zwei gleichgroße Objekte, _O_ und _O'_ die Zentren der
-Perspektive (Fig. 61) und _a'b'_, _c'd'_ ihre Bilder in der durch eine
-Gerade dargestellten Tafel, so bemerkt man den Unterschied, je nachdem
-die Distanz klein ist wie in der oberen Figur oder groß wie in der
-unteren. In der oberen Figur ist _c'd'_ mehr als doppelt so groß wie
-_a'b'_, in der unteren nicht ganz doppelt so groß. Dadurch daß das
-fernere Objekt beim Weitwinkel so stark verkleinert wird, erscheint
-das nähere gleichzeitig unverhältnismäßig groß. Die Abb. 10 gibt
-uns die Aufnahme einer sitzenden Person, wobei sich der Apparat sehr
-nahe an der Person befand. Die an und für sich richtige Perspektive
-führt zu komischen Wirkungen. Doch lassen sich, wie Abb. 11 zeigt,
-mit dem gleichen Objektiv etwas bessere Bilder erzielen, wenn man nur
-einen größeren Abstand von dem Objekt wählt. Für Landschaftsaufnahmen
-sind diese Überlegungen von großer Bedeutung. Ein Weitwinkel läßt
-ferne, hohe Berge zu unbedeutenden Hügeln zusammenschrumpfen, er
-treibt den Hintergrund zurück, wie die Photographen sagen, und betont
-den Vordergrund. Ein Objektiv mit großer Brennweite dagegen gibt
-ferne Berge groß, es »zieht den Hintergrund nach vorn« und läßt den
-Vordergrund weniger in die Erscheinung treten.
-
-[Illustration: Abb. 11.]
-
-
-§ 12. Unzugängliche Distanz- und Fluchtpunkte.
-
-=33. Unzugänglicher Distanzpunkt.= Den Augpunkt einer Darstellung
-werden wir naturgemäß in der Mittellinie des Bildausschnittes annehmen,
-da man bei Betrachtung eines Bildes doch ganz von selbst vor die Mitte
-tritt. Dann folgt aber aus unseren Erörterungen und aus den Figuren
-55 bis 59 ohne weiteres, daß die Distanzpunkte nicht mehr in dem
-Bildausschnitt liegen, sondern weit darüber hinaus fallen. Verwendet
-man also nicht eine viel größere Zeichenfläche, z. B. ein sehr großes
-Reißbrett, so sind die Distanzpunkte nicht mehr zu erreichen. Das
-gleiche gilt für Fluchtpunkte horizontaler Geraden, die, wie z.
-B. schon die Fig. 48 erkennen läßt, häufig weit auf dem Horizont
-hinausfallen, wenn die Figur nicht absichtlich darnach eingerichtet
-wird. Es fragt sich nun, wie man +die Konstruktionen, die sich auf
-solche über die Zeichenfläche hinausfallende Punkte beziehen, trotzdem
-erledigen kann+. Das ist die wichtigste Aufgabe der praktischen
-Perspektive.
-
-[Illustration: Fig. 62.]
-
-Wir wollen zunächst sehen, wie man die Aufgabe 5, also die Konstruktion
-eines Tiefenmaßstabes, durchführen kann, wenn die Distanzpunkte nicht
-mehr erreichbar sind. War auf einer gegebenen Tiefenlinie _T_ von ihrer
-Spur _t_ aus eine Strecke anzutragen, so machten wir auf der Grundlinie
-_ts_ = dieser Strecke (Fig. 62) und verbanden den Punkt _s_ mit einem
-Distanzpunkt ~D_{1}~; die Verbindungslinie schnitt aus _T'_ den
-gesuchten Punkt _p'_ aus (vgl. die frühere Fig. 21 ~b~). Halbieren wir
-nun aber die Strecke ~AD_{1}~ und bezeichnen die Mitte mit ~D_{1}~/2.
-Verbinden wir weiter diesen Punkt ~D_{1}~/2 mit _p'_, so möge diese
-Linie die Grundlinie im Punkte _q_ treffen. Dann gilt die Proportion:
-
- _tq_ : _qs_ = ~A~ ~D_{1}~/2 : ~D~ ~D_{1}~/2 = 1 : 1.
-
-Es ist mithin auch _q_ die Mitte von _ts_ und
-
- _tq_ = _qs_ = _ts_/2.
-
-[Illustration: Fig. 63.]
-
-Wir können zum Punkte _p'_ also auch gelangen, wenn wir die +halbe+
-Strecke _tq_ auf der Grundlinie antragen, den Endpunkt _q_ mit dem
-Punkte ~D_{1}~/2 verbinden und diese Linie mit _T'_ zum Schnitt
-bringen. Soll demnach z. B. auf der Tiefenlinie _T'_ ein Maßstab
-gezeichnet werden, dessen Einheit gegeben ist, und kann man ~D_{1}~/2
-noch erreichen (Fig. 63), so tragen wir die halbe Einheit auf der
-Grundlinie wiederholt ab und projizieren diese Punkte aus ~D_{1}~/2 auf
-_T'_. Dann erhält man den verlangten Tiefenmaßstab.
-
-[Illustration: Fig. 64 ~a~.]
-
-[Illustration: Fig. 64 ~b~.]
-
-Rückt die Teilung auf der Grundlinie zu weit hinaus, so kann man z. B.
-durch 2' eine Parallele _l_ zur Grundlinie ziehen und die auf dieser
-Parallelen ausgeschnittene kleinere Strecke 2'3'' auf _l_ wiederholt
-antragen und aus ~D_{1}~/2 projizieren.
-
-Der Punkt ~D_{1}~/2 heißt ein »Teil-Distanzpunkt«. Selbstverständlich
-könnte man die ganze Strecke ~AD_{1}~ auch in drei gleiche Teile
-teilen und den ersten Teilpunkt von ~A~ aus mit ~D_{1}~/3 bezeichnen.
-Dann hätte man statt der ganzen Strecke bloß den dritten Teil auf der
-Grundlinie anzutragen. Mit ~D_{1}~/3 verbunden liefern diese Punkte
-auch wieder den Tiefenmaßstab usf.
-
-=34. Unzugängliche Fluchtpunkte.= +Erstes Verfahren.+ Die Ermittlung
-des Fluchtpunktes einer beliebigen, horizontalen Geraden beruhte
-wesentlich auf den Überlegungen von (16), die zu der in der Fig. 24
-gegebenen Konstruktion führten. Ist nun in dieser Figur der Fluchtpunkt
-_f_{a}_ nicht zugänglich, so kann man diese Schwierigkeit in folgender
-Weise umgehen: wir verkleinern die ganze Figur, indem wir sie sich
-gegen den Punkt ~A~ zusammenziehen lassen.
-
-Der aus der Geometrie hierbei anzuwendende Satz ist in den Fig. 64 ~a~
-und 64 ~b~ noch eigens veranschaulicht. Es ist hier zu dem Vieleck
-_abcde_ in folgender Weise ein neues konstruiert worden. Ein Punkt _o_
-wird beliebig gewählt und mit allen Ecken _a_, _b_, _c_ ... verbunden.
-Auf diesen Verbindungslinien werden die Punkte _a'_, _b'_, _c'_ ...
-dadurch bestimmt, daß man alle Strecken _oa_, _ob_, _oc_ ... im
-gleichen Verhältnis teilt, also beispielsweise immer
-
- _a'o_ = ⅔ _ao_,
- _b'o_ = ⅔ _bo_,
- _c'o_ = ⅔ _co_ ...
-
-macht. Das neue Vieleck _a'_, _b'_, _c'_ ... hat dann folgende
-Eigenschaften:
-
-~a~) Entsprechende Seiten der beiden Vielecke sind stets parallel, d.h.
-es ist
-
- _ab_ ∥ _a'b'_, _bc_ ∥ _b'c'_, _cd_ ∥ _c'd'_ usf.
-
-~b~) Alle Verhältnisse der Seiten sind die gleichen, d. h. es ist
-
- _ab_ : _bc_ = _a'b'_ : _b'c'_ usf.
-
-[Illustration: Fig. 65.]
-
-Wenn also z. B. die Seite _ab_ doppelt so groß ist wie _bc_, so ist
-auch _a'b'_ doppelt so groß wie _b'c'_. Die Figuren _abcde_ und
-_a'b'c'd'e'_ nennt man +ähnlich+ und +ähnlich liegend+ und _o_ den
-+Ähnlichkeitspunkt+.
-
-Im vorliegenden Falle benutzen wir ~A~ als Ähnlichkeitspunkt. Zunächst
-ist in Fig. 65 die frühere Konstruktion wiederholt. Auf der Linie von
-~A~ nach ~D_{3}~ wählen wir nun einen Punkt ~D_{3}~/3 so, daß
-
- ~A~ ~D_{3}~/3 = ⅓ ~AD_{3}~
-
-und verkleinern die ganze Figur auf ein Drittel.
-
-[Illustration: Fig. 66.]
-
-Wir verbinden also _a_ mit ~A~, teilen diese Linie in drei gleiche
-Teile und bezeichnen den ersten Teilpunkt von ~A~ aus mit _a_/3, so daß
-
- ~A~ _a_/3 = ⅓ ~A~_a_.
-
-Ziehen wir dann durch den Punkt ~D_{3}~/3 eine Parallele zu
-_f_{a}_~D_{3}~, so schneidet diese auf dem Horizont einen Punkt
-_f_{a}_/3 aus, der die Eigenschaft hat, daß auch
-
- ~A~ _f_{a}_/3 = ⅓ ⋅ ~A~_f_{a}_
-
-und es ist weiter dann auch
-
- _af_{a}_ ∥ _a_/3 _f_{a}_/3.
-
-Hat man die verkleinerte, punktierte Figur gezeichnet, so kann man _A'_
-finden, wenn ein Punkt, etwa die Spur _a_, bekannt ist, indem man durch
-_a_ eine Parallele zu _a_/3 _f_{a}_/3 zieht.
-
-Dies ist in der Figur 66 ausgeführt. Vermittels des Punktes ~D_{3}~/3
-wurde zunächst _f_{a}_/3 ermittelt, in dem man zur Verschiebung (_A_)
-der Geraden eine Parallele zog; verschafft man sich weiter die Spur
-_a_ der Geraden und dazu den Hilfspunkt _a_/3 auf der Verbindungslinie
-_aA_, so ist das Bild _A'_ parallel zur Linie _a_/3 _f_{a}_/3, kann
-also als eine Parallele durch _a_ zu dieser Linie gezeichnet werden.
-
-Wie stark wir die Figur verjüngen wollen, steht natürlich in unserem
-Belieben; statt auf ⅓ zu verkleinern, können wir auch die Verjüngung
-auf ¼ wählen oder bloß auf ½. Nur darf die neue Figur nicht zu klein
-werden. Wir geben eine praktische Anwendung in der folgenden
-
- =Aufgabe 18.= Eine Zimmerecke samt dem quadratisch getäfelten
- Fußboden darzustellen, wenn der Teil-Distanzpunkt ~D_{1}~/4 noch
- zugänglich ist.
-
-Auf der Senkrechten, die im Augpunkt ~A~ zum Horizont gezogen werden
-kann, nehmen wir den Punkt ~D_{3}~/4 an (Fig. 67); außerdem soll gegeben
-sein die Eckkante _p'q'_, also die Höhe des Zimmers und die eine
-Bodenkante _A'_ durch _p'_.
-
-Zunächst haben wir eine Linie _B_ der Grundebene zu zeichnen, welche
-im Punkte _p_ auf _A_ senkrecht steht, vgl. Aufgabe 9. Da ~D_{3}~/4
-gegeben und noch zugänglich, verjüngen wir die ganze Figur auf ¼.
-Dementsprechend verbinden wir den Punkt _p'_ mit ~A~, teilen diese
-Strecke in 4 gleiche Teile und bezeichnen den ersten an ~A~ gelegenen
-Teilpunkt mit _p'_/4. Durch diesen Punkt _p'_/4 ziehen wir eine
-Parallele zur gegebenen Geraden _A'_, welche in _f_{a}_/4 den Horizont
-treffen möge. Es ist also
-
- _p'_/4 _f_{a}_/4 ∥ _A'_.
-
-Nun können wir den Punkt _f_{a}_/4 mit ~D_{3}~/4 verbinden und im Punkte
-~D_{3}~/4 eine Senkrechte zu dieser Linie zeichnen, welche aus dem
-Horizont den Punkt _f_{b}_/4 ausschneidet. Verbinden wir _p'_/4 mit
-diesem Teilfluchtpunkt _f_{b}_/4, so gibt diese Linie die Richtung von
-=B'=; es ist also:
-
- _B'_ ∥ _p'_/4 _f_{b}_/4,
-
-womit die zweite Bodenkante konstruiert ist. Die an der Decke laufenden
-Kanten finden wir, wenn wir zum Punkte _q'_ den Hilfspunkt _q'_/4
-zeichnen. Eine Vertikale durch _p'_/4 liefert ihn sofort auf der
-Verbindungslinie ~A~_q'_. Dadurch sind die Verbindungslinien _q'_/4
-_f_{a}_/4 und _q'_/4 _f_{b}_/4 bestimmt und zu ihnen laufen die
-Deckenkanten durch _q'_ beziehungsweise parallel.
-
-[Illustration: Fig. 67.]
-
-Man beachte auch, wie sich ein solcher gegen den Beschauer
-vorspringender rechter Winkel im Bilde darstellt: seine beiden Schenkel
-laufen von den betreffenden Fluchtpunkten weg. Dagegen kommen bei
-der Darstellung einer Gebäudeecke, wie in Fig. 53 oder 72, wo der
-rechte Winkel von außen betrachtet wird, die Teile der Schenkel zur
-Verwendung, welche die Fluchtpunkte tragen.
-
-[Illustration: Fig. 67 ~a~.]
-
-Nun sei weiter die Seite _p'_1' eines Quadrates des Fußbodens gegeben.
-Um diese Teilung auf der Geraden _A'_ fortzusetzen, verfahren wir
-wie folgt: wir denken uns durch die Punkte 1, 2, 3 ... der Kante _A_
-in irgendeiner Richtung parallele Gerade gelegt und bringen diese in
-I, II, III ... zum Schnitt mit einer parallelen zur Grundlinie, wie
-die Nebenfigur 67 ~a~ dies andeutet. Dann sind auch die Abschnitte
-_p_I, I II, II III usf. gleich groß und umgekehrt werden gleich große
-Abschnitte _p_ 1, 1 2, 2 3 ... auf _A_ erzeugt, wenn man durch gleich
-große Strecken _p_I, I II, II III ... die Parallelen legt. Im Bilde
-gehen diese Parallelen dann in Linien über, welche durch einen Punkt
-des Horizonts laufen.
-
-Dementsprechend ziehen wir durch _p'_ eine Parallele zur Grundlinie und
-wählen als Punkt des Horizontes etwa ~A~. Die Verbindungslinie von 1'
-nach ~A~ schneidet auf der Parallelen den Punkt I aus und wir machen
-_p'_I = I II = II III ... Dann liefern die Punkte II, III aus ~A~
-projiziert die Bilder 2', 3' ... 6'.
-
-Um die durch diese Punkte gehenden Fußbodenlinien zu finden,
-verschaffen wir uns die zugehörigen Hilfspunkte. Verbinden wir z.
-B. 6' mit ~A~, so erhalten wir auf der Linie _p'_/4 _f_{a}_/4 den
-entsprechenden Hilfspunkt 6'/4. Die durch 6' gehende Linie des
-Fußbodenmusters ist dann aber parallel zur Verbindungslinie des Punktes
-6'/4 mit dem Punkte _f_{b}_/4.
-
-Die zweite Schar von Parallelen des Fußbodens wollen wir unter
-Benutzung des Diagonalpunktes (vgl. S. 57) zeichnen. Halbieren wir
-den Winkel bei ~D_{3}~/4, so schneidet diese Linie auf dem Horizont den
-Teil-Diagonalpunkt ~D~_{_g_}/4 aus. Daraus erhalten wir demnach den
-Diagonalpunkt ~D~_{_g_} selbst, wenn wir
-
- ~AD~_{_g_} = 4 ⋅ ~A~ ~D~_{_g_}/4
-
-machen, also die Strecke ~A~ ~D~_{_g_}/4 noch dreimal von ~D~_{_g_}/4
-aus nach links antragen. Durch _D_{g}_ laufen dann aber alle Diagonalen
-der einen Art in den Quadraten des Fußbodens, so daß dieser leicht
-gezeichnet werden kann. Gleichzeitig ergeben sich viele Kontrollen.
-
-=35. Unzugängliche Fluchtpunkte.= Zweites Verfahren. Wir wollen für
-die Aufgabe 9 noch eine Lösung geben, die auch wieder auf dem Gedanken
-beruht, an Stelle der ursprünglichen Figur eine verkleinerte, ähnliche
-zu benutzen.
-
-[Illustration: Fig. 68.]
-
-Ist _F_{a}_ der Fluchtpunkt der gegebenen Geraden _A'_, auf welcher im
-Punkt _p'_ eine Senkrechte _B'_ errichtet werden soll, so konstruieren
-wir z. B. den Punkt ~D_{4}~ (Fig. 68) und tragen im Punkte ~D₄~ einen
-rechten Winkel von _F_{a}_~D_{4}~ aus an; dann schnitt der zweite
-Schenkel dieses rechten Winkels den Fluchtpunkt _F_{b}_ aus, so daß die
-gesuchte Gerade _B'_ den Punkt _p'_ mit _F_{b}_ verband.
-
-Fällt nun aber _F_{a}_ nicht mehr auf das Zeichenblatt, so führen wir
-einen neuen Horizont hh ein, der parallel zu _hh_ so gewählt sei, daß
-sich mit _A'_ ein erreichbarer Schnittpunkt _f_{a}_ ergibt. Die ganze
-Figur lassen wir sich jetzt um +den Punkt+ _p'_ zusammenziehen, so
-daß _hh_ in hh übergeht. Wir konstruieren also eine kleinere ähnliche
-Figur mit _p'_ als Ähnlichkeitspunkt. Die Punkte dieser neuen Figur
-bezeichnen wir mit den entsprechenden kleinen Buchstaben. Zunächst
-liefern _D_{1}_, ~A~ und _F_{b}_ aus _p'_ auf hh projiziert die Punkte
-_d_{1}_, _a_ und _f_{b}_.
-
-Ferner sind in ähnlichen und ähnlich liegenden Figuren entsprechende
-Gerade stets parallel (S. 78). Ziehen wir also durch _a_ eine Parallele
-zur Linie ~AD_{4}~, so schneidet diese auf der Verbindungsgeraden
-_p'_~D_{4}~ den entsprechenden Punkt _d_{4}_ aus und es ist dann
-
- _f_{a}d_{4}_ ∥ _F_{a}_~D_{4}~
-
-und
-
- _f_{b}d_{4}_ ∥ _F_{b}_~D_{4}~.
-
-Nun ist in der großen Figur ~AD_{1}~ = ~AD_{4}~, also ist auch in der
-verkleinerten Figur _ad_{1}_ = _ad_{4}_. Wir wollen jetzt annehmen, daß
-auch der Punkt ~D_{1}~ nicht mehr auf das Zeichenblatt fällt, wohl
-aber der Teil-Distanzpunkt ~D_{1}~/2. Konstruieren wir auch zu ihm den
-entsprechenden Punkt _d_{1}_/2, so ist
-
- _d_{1}_ _d_{1}_/2 = _a_ _d_{1}_/2
-
-und weiter
-
- _ad_{4}_ = 2 ⋅ _a_ _d_{1}_/2.
-
-Daraus ergibt sich folgende Konstruktion (Fig. 69).
-
-[Illustration: Fig. 69.]
-
-Wir zeichnen den neuen Horizont hh, welcher die gegebene Gerade _A'_ in
-_f_{a}_ und die Verbindungslinie von _p'_ nach ~A~ in _a_ trifft. Dann
-errichten wir zu _a_ eine Senkrechte in hh und machen diese doppelt so
-groß als die Strecke _a_ _d_{1}_/2. Ist _d_{4}_ der zweite Endpunkt
-dieser Senkrechten, so ist also
-
- _ad_{4}_ = 2 _a_ _d_{1}_/2.
-
-An die Verbindungslinie _f_{a}d_{4}_ tragen wir einen rechten Winkel an,
-dessen zweiter Schenkel den Horizont hh in _f_{b}_ schneidet. Das Bild
-_B'_ der gesuchten Senkrechten verbindet nun den Punkt _p'_ mit _f_{b}_.
-
-Man kann diese Figur auch benutzen, um z. B. den Diagonalpunkt zu
-ermitteln, wenn man sich den rechten Winkel zu einem Quadrat ergänzt
-denkt. Wir dürfen ja nur den Winkel _f_{a}d_{4}f_{b}_ halbieren, so
-liefert uns die Halbierungslinie auf hh den Hilfspunkt _d_{g}_ und
-wenn wir diesen mit _p'_ verbinden, so schneidet diese Linie auf dem
-Horizont den Diagonalpunkt ~D~_{_g_} selbst aus. Der Beweis ergibt sich
-leicht aus der Figur 68, denn es ist
-
- _d_{4}d_{g}_ ∥ ~D_{4}D~_{_g_}
-
-und da ~D_{4}D~_{_g_} den Winkel _F_{a_}~D_{4}~_F_{b}_ halbiert, so muß
-die Parallele den Winkel _f_{a}d_{4}f_{b}_ halbieren.
-
-=36. Unzugängliche Fluchtpunkte.= Drittes Verfahren. Das Wesentliche
-an den eben durchgeführten Betrachtungen bestand darin, daß wir gelernt
-haben, das Bild eines rechten Winkels zu zeichnen auch dann, wenn die
-beiden Fluchtpunkte seiner Schenkel unzugänglich waren. Ist nun das
-Bild eines solchen Winkels gegeben, so kommt es häufig vor, daß man
-weitere Linien nach den unzugänglichen Fluchtpunkten zu ziehen hat. Wir
-behandeln dementsprechend die
-
- =Aufgabe 19.= Ein Punkt ist gegeben als der nicht zugängliche
- Schnittpunkt zweier Geraden _G'_ und _hh_ (Fig. 71); man
- zeichne die Linie, welche diesen unzugänglichen Punkt mit einem
- weiter gegebenen Punkte _p'_ verbindet.
-
-[Illustration: Fig. 70.]
-
-Die Lösung gelingt leicht, wenn wir uns an einen bekannten Satz der
-Geometrie erinnern. Schneidet man drei durch einen Punkt _s_ gehende
-Gerade _A_, _B_, _C_ mit irgend zwei parallelen Geraden, so werden die
-beiden Parallelen in gleichem Verhältnis geteilt, d. h. es ist Fig. 70
-
- _ab_ : _bc_ = _de_ : _ef_.
-
-Teilt man umgekehrt die zwei Parallelen im gleichen Verhältnis, so daß
-also diese Gleichung erfüllt ist, so geht die Verbindungslinie _be_
-durch den Schnittpunkt _s_ der beiden Geraden hindurch.
-
-[Illustration: Fig. 71.]
-
-Man kann diese beiden Sätze auch in folgender Weise ausdrücken:
-
-Teilt man die Strecke _de_ beispielsweise in vier gleiche Teile und
-verbindet die Teilpunkte 2, 3, 4 mit _s_, so wird auch die Strecke
-_ab_ in vier gleiche Teile geteilt. Setzt man beide Teilungen auf den
-Parallelen fort, so gehen die Verbindungslinien gleich numerierter
-Punkte immer durch _s_. Daraus ergibt sich für die obige Aufgabe
-folgende Lösung (Fig. 71). Wir ziehen durch den gegebenen Punkt _p'_
-irgendeine Linie _df_ und zu ihr in nicht zu geringer Entfernung eine
-Parallele, welche in _a_ und _c_ die zwei Geraden trifft. Durch _p'_
-werde eine Parallele zu _hh_ gelegt, welche die Verbindungslinie
-_cd_ in _g_ schneidet. Durch diesen Punkt _g_ ziehen wir eine
-Parallele zu _G'_ und erhalten auf _ac_ den Punkt _b_. Dann geht die
-Verbindungslinie _p'b_ durch den unzugänglichen Schnitt von _G'_ und
-_hh_ hindurch, ist also die verlangte.
-
-Denn wir entnehmen unmittelbar aus der Figur:
-
- _ab_ : _bc_ = _dg_ : _gc_
-
-und
-
- _dg_ : _gc_ = _dp'_ : _p'f_
-
-folglich auch
-
- _ab_ : _bc_= _dp'_ : _p'f_.
-
-[Illustration: Fig. 72.]
-
-Ist eine größere Zahl von Linien nach einem unzugänglichen Punkte zu
-zeichnen, so wäre das eben beschriebene Verfahren zu umständlich. Man
-wird dann den zweiten oben angeführten Satz benutzen, um solche Linien
-zu erhalten. Das folgende Beispiel mag dies erläutern.
-
- =Aufgabe 20.= Gegeben ist das Bild eines rechten Winkels bei _p'_
- (vordere Ecke eines Gebäudes); man zeichne Parallelen zu den
- Schenkeln dieses Winkels.
-
-Wir verlängern die durch _p'_ gehende Vertikale, die Vorderkante des
-Gebäudes, bis sie in _p_{0}_ den Horizont trifft (Fig. 72), ferner
-wählen wir rechts und links am Rande die Punkte _q'_ und _r'_ auf den
-Schenkeln des rechten Winkels und ziehen durch sie die Senkrechten
-_r'r_{0}_ und _q'q_{0}_ bis zum Horizont. Teilen wir die drei Strecken
-_p'p_{0}_, _q'q_{0}_, _r'r_{0}_ in eine gleiche Anzahl von Teilen,
-z. B. jede in vier Teile, so gehen die Verbindungslinien gleich
-numerierter Punkte bzw. durch die Fluchtpunkte des rechten Winkels.
-Setzt man die Teilungen auf den Geraden _p'p_{0}_, _q'q_{0}_, _r'r_{0}_
-über den Horizont hinaus fort, so gehen auch die Verbindungslinien 6.6,
-7.7 usf. wieder durch die unzugänglichen Fluchtpunkte. Die Linien 7.7
-mögen das Gebäude unten abschließen.
-
-Man erhält aber weiter auch Linien durch die Fluchtpunkte, wenn man
-entsprechende Abschnitte wiederum in gleichviel Teile teilt, also
-beispielsweise von den Strecken 1.2 je das an den Punkten 2 gelegene
-Drittel nimmt. (Siehe Figur.) Hat man dann durch einen vorgegebenen
-Punkt eine Linie nach einem der zugänglichen Fluchtpunkte zu zeichnen,
-so kann man das nach dem +Augenmaß ausführen+, indem man das Lineal
-so anlegt, daß es gleichnumerierte Strecken im gleichen Verhältnis
-teilt. Die genaue Lösung dieser Aufgabe haben wir ja in der Aufgabe 19
-gegeben.
-
-Auf der linken Seite der Figur sind noch zwei Fensterreihen
-eingezeichnet. Das erste an der Vorderkante _p'p_{0}_ gelegene Fenster
-wurde willkürlich angenommen; die anderen Fenster sollen ebensogroß
-sein und voneinander ebensoweit abstehen als das erste Fenster von
-der Kante _p'p_{0}_ entfernt ist. Wir bringen die vertikalen Kanten der
-Fenster mit der Linie 7.7 zum Schnitt und verfahren nun ebenso wie
-in 34. (Fig. 67 ~a~.) Als beliebiger Punkt auf dem Horizont wurde 5
-gewählt. Dadurch erhalten wir auf der durch 7 gezogenen Parallele zum
-Horizont zwei Strecken, die abwechselnd angetragen die Fenster liefern.
-Auf der rechten Seite des Gebäudes ist ebenso eine Tür und ein Fenster
-konstruiert.
-
-Endlich mag noch erwähnt werden, daß es auch eigene Apparate,
-sogenannte »Fluchtpunkt-Lineale«, gibt, um Gerade nach unzugänglichen
-Punkte damit zu zeichnen.
-
-
-§ 13. Gleichzeitige Anwendung der verschiedenen Methoden.
-
-=37. Verbindung der Schnittmethode mit den Fluchtpunktmethoden.= Wir
-können aber auch die früher behandelte Schnittmethode (vgl. 8) mit den
-Konstruktionen, die sich aus der Benutzung der Fluchtpunkte ergeben
-(17, 18 u. f.), verbinden und erhalten dadurch das für Darstellung
-architektonischer Objekte brauchbarste Verfahren. Wir werden dasselbe
-am besten an einem Beispiele kennen lernen:
-
- =Aufgabe 21.= Ein Postament ist durch Grund- und Aufriß gegeben
- (Fig. 73); die neue Bildebene, in der eine Perspektive dieses
- Objektes entworfen werden soll, steht auf der Grundrißebene
- senkrecht, geht durch die Achse des Postaments und mag durch
- die Linie _h_{1}h_{1}_ bestimmt sein. Außerdem sind der Augpunkt ~A~
- und der Horizont _hh_ je durch ihre Risse gegeben. Man zeichne
- das Bild des Körpers, wenn die Distanz 12 ~cm~ beträgt.
-
-Wir wählen in der neuen Darstellung die Grundlinie _gg_ und darüber in
-der durch den Aufriß gegebenen Höhe den Horizont _hh_ (Fig. 74) und auf
-ihm den Augpunkt ~A~. Dann zeichnen wir den +Schnitt+ der Bildebene mit
-dem Körper, was unter Benutzung der Schnittpunkte 1, 7, 13, 14, 8, 2
-von _h_{1}h_{1}_ mit dem Grundriß und unter Heranziehung des Aufrisses
-leicht geschehen kann. Denn die durch ~A~ gelegte Vertikale ist die
-Achse des Körpers. Schneidet sie die Grundlinie in _n_, so machen wir
-_nx_ = ~A_{1}~1.
-
-In _x_ zeichnen wir wieder die Senkrechte und machen _xy_ gleich der
-aus dem Aufriß zu entnehmenden Höhe des Sockels usf. Auf diese Art
-erhält man die Schnittfigur der Bildebene mit dem Körper, die in Fig.
-74 durch Schraffierung am Rande hervorgehoben ist.
-
-[Illustration: Fig. 73.]
-
-Um jetzt den Grundriß des Körpers in das Bild zu übertragen, verfahren
-wir in folgender Weise: Wir führen eine Parallelebene zur Grundrißebene
-ein, welche aus der Bildebene die Parallele _ll_ zum Horizont
-ausschneiden möge. In diese neue Ebene projizieren wir den Grundriß.
-Das kommt darauf hinaus, daß der Grundriß um das Stück _hl_ in die Höhe
-geschoben wird. Wir zeichnen nun zunächst das Bild dieses verschobenen
-Grundrisses.
-
-Der Grundriß besteht aus zwei Systemen paralleler Geraden und wir
-werden die beiden Fluchtpunkte zu ermitteln haben, die zu diesen
-Parallelen gehören. Wir errichten in Fig. 73 im Punkte ~A_{1}~ eine
-Senkrechte zu _h_{1}h_{1}_ und tragen auf ihr etwa ein Viertel der
-Distanz an, machen also
-
- ~A_{1}~ _O_{1}_/4 = 3 ~cm~.
-
-Ziehen wir sodann durch _O_{1}_/4 eine Parallele zu 5.6, so schneidet
-diese auf dem Horizont den Riß des Teilfluchtpunktes _F_{a}_/4 aus.
-Demnach erhalten wir in Fig. 74 den Fluchtpunkt _F_{a}_, indem wir
-~A~_F_{a}_ = 4 ~A_{1}~ _F_{a}_/4 auf dem Horizont antragen.
-
-Der Fluchtpunkt _F_{b}_ der anderen Richtung 6.3, der weit über die
-Zeichenebene hinausfällt, möge nach der in 35 erörterten Methode
-bestimmt werden. Wir ziehen durch _F_{a}_ irgendeine Linie, wählen
-auf ihr den Punkt _p'_ beliebig und zeichnen einen neuen Horizont,
-der in _f_{a}_ die Linie von _F_{a}_ nach _p'_ trifft. Nun ermitteln
-wir eine horizontale Linie, welche im Punkte _p_ auf der Linie
-_F_{a}p_ senkrecht steht. (Aufgabe 9.) Zunächst zeichnen wir den
-Teildistanzpunkt ~D_{1}~/4, indem wir aus Fig. 73 die Strecke ~A_{1}~
-_O_{1}_/4 entnehmen und ~A~ ~D_{1}~/4 = ~A_{1}~ _O_{1}_/4 antragen.
-Dann mögen die Verbindungslinien von _p'_ nach ~A~ und ~D_{1}~/4 den
-neuen Horizont in _a_ und _d_{1}_/4 treffen. Wir errichten gemäß der
-früheren Ableitung in _a_ eine Senkrechte zum neuen Horizont und machen
-dieselbe viermal so lang als die Strecke _a d_{1}_/4, so daß also
-
- _ad_{4}_ = 4 ⋅ _a d_{1}_/4.
-
-Verbinden wir _d_{4}_ mit _f_{a}_, so schneidet eine Senkrechte
-zu dieser Linie im Punkte _d_{4}_ den Punkt _f_{b}_ aus und die
-Verbindungslinie von _f_{b}_ mit _p'_ geht nach dem Fluchtpunkte
-_F_{b}_.
-
-Weitere Linien nach _F_{b}_ können wir nach dem dritten in 36
-angegebenen Verfahren ermitteln. Zu diesem Zwecke sind in der Figur
-rechts und links zwei Vertikale gezeichnet. Die Verbindungslinie
-_p'f_{b}_ schneidet auf diesen die Punkte 0 aus; die Abschnitte bis
-zum Horizont sind rechts und links je in zwölf gleiche Teile geteilt;
-alle Linien nach _F_{b}_ teilen entsprechende Abschnitte der beiden
-Vertikalen im gleichen Verhältnis. Es braucht wohl kaum bemerkt zu
-werden, daß die Nummern auf den beiden Vertikalen bloß dem Zwecke
-dienen, Linien nach dem Fluchtpunkt _F_{b}_ zu liefern, und daß diese
-Nummern ganz unabhängig sind von den übrigen Ziffern der Figur.
-
-Die Konstruktion des Bildes des verschobenen Grundrisses kann nun
-wie folgt erfolgen. Die Punkte 1, 7, 13, 14, 8, 2 auf der Linie _ll_
-ergeben sich sofort, indem man die entsprechenden Strecken von
-_h_{1}h_{1}_ überträgt. Ist also _m_ der Schnittpunkt der Achse des
-Körpers mit _ll_, so ist
-
- _m_1 = ~A_{1}~1, _m_7 = ~A_{1}~7 usf.
-
-[Illustration: Fig. 74.]
-
-Verbinden wir dann die Punkte 1 und 2 mit _F_{a}_, so sind dies zwei
-Seiten des äußeren Viereckes. Die auf der Linie von 2 nach _F_{a}_
-gelegenen Ecken 3 und 4 bestimmen wir nun etwa durch Tiefenlinien.
-Wir zeichnen zunächst im Grundriß (Fig. 73) die Senkrechte durch 3 zu
-_h_{1}h_{1}_, welche in _s_{1}_ die Bildtafel trifft. Machen wir in
-Fig. 74 _ms_ = ~A_{1}~_s_{1}_, so ist _s_ die Spur in der Parallelebene
-und ~A~_s_ das Bild der Tiefenlinie. Diese Linie _As_ schneidet dann
-auf der Linie 2._F_{a}_ den Punkt 3' aus. Ebenso mag man die übrigen
-Ecken 4', 5', 6' ermitteln und es nun als Kontrolle benutzen, daß 4'.5'
-und 3'.6' durch _F_{b}_ gehen müssen.
-
-Man kann auch die Spuren der Geraden, soweit sie bequem erreichbar
-sind, hinzunehmen. Um das Bild des zweiten Vierecks 9, 10, 11, 12 zu
-zeichnen, ist im Grundriß die Spur _t_{1}_ der Linie 9. 12 gezeichnet.
-Machen wir in Fig. 74 _mt_ = ~A_{1}~_t_{1}_, so ist _t_ die Spur der
-Linie 9. 12 und 9'. 12' geht verlängert durch _t_.
-
-Endlich können wir auch noch die Eigenschaft verwenden, daß die
-Verbindungslinien 5'.3', 6'.4', 9'.11', 10'.12' usf. alle durch _m_
-gehen müssen.
-
-Ist auf diese Art das Bild des verschobenen Grundrisses oben
-konstruiert, so liefern die Vertikalen durch die Ecken 3', 4', 5', 6'
-usf. je einen ersten Ort, auf dem die Bilder des Grundrisses selbst
-gelegen sein müssen. Unter Benutzung der Schnittfigur mit der Bildebene
-ist das Bild des Körpers dann aber leicht fertigzustellen. So liefert
-z. B. der Punkt _x_ mit _F_{a}_ verbunden die untere, linke Kante des
-Sockels und die Senkrechten durch 5' und 6' schneiden auf ihr die
-betreffenden Ecken aus.
-
-Wie wir bei dieser Aufgabe die Grundebene nach +oben+ verschoben
-(Deckenriß), so kann man unter Umständen auch unterhalb der Grundebene
-eine Parallelebene wählen, in diese den Grundriß projizieren (sog.
-Kellergrundriß) und dessen Bild zur Konstruktion benutzen.
-
-
-§ 14. Die Darstellung des Kreises.
-
-=38. Der Kreis in einer zur Tafel parallelen Ebene.= Bis jetzt haben
-wir uns immer mit der Abbildung gerader Linien beschäftigt, wobei uns
-die Eigenschaft zustatten kam, daß das Bild einer geraden Linie wieder
-eine Gerade ist. Wir wollen nun auch das Bild einer krummen Linie
-zeichnen, nämlich das des Kreises. Es ist dann allerdings nötig, daß
-wir uns von einer Anzahl von Punkten, die auf dem Kreise angenommen
-werden, die Bilder zeichnen und diese durch einen Linienzug verbinden.
-Wir wollen mit dem einfachsten Falle beginnen, der sich ergibt, wenn
-das Bild des gegebenen Kreises wieder ein Kreis ist.
-
-[Illustration: Fig. 75.]
-
-Der abzubildende Kreis liege in einer zur Tafel parallelen Ebene (Fig.
-75). Die vom Auge nach den Punkten des Kreises gehenden Sehstrahlen
-bilden einen Kegel, der die Tafel nach einer Figur schneiden muß, die
-zu dem gegebenen Kreise ähnlich ist (S. 45); diese Schnittfigur ist
-also selbst wieder ein Kreis. Der Mittelpunkt des gegebenen Kreises
-bildet sich wieder in den Mittelpunkt des neuen Kreises ab, der Radius
-des neuen Kreises wird je nach der Entfernung des gegebenen Kreises
-verschieden verkürzt werden. Wir führen die Konstruktion durch an
-folgender
-
- =Aufgabe 22=. Ein Punkt _m_ ist gegeben durch sein Bild _m'_ und
- durch die Spur _a_ der durch ihn gehenden Tiefenlinie _A_ (Fig.
- 76). Man zeichne das Bild des Kreises, der um _m_ mit gegebenem
- Radius _r_ beschrieben wird und in einer zur Tafel parallelen
- Ebene liegt.
-
-[Illustration: Fig. 76.]
-
-Auf dem Bilde _A'_ der Tiefenlinie _A_ ist die Spur _a_ von _A_ und
-das Bild _m'_ des Mittelpunktes gegeben. Wir denken uns (Fig. 75) den
-Durchmesser _np_ des Kreises gezogen, der zum Horizont parallel läuft,
-und ziehen durch seine beiden Endpunkte _n_ und _p_ die Tiefenlinien
-_B_ und _C_. Die Spuren _b_ und _c_ dieser beiden Tiefenlinien erhalten
-wir in Fig. 76 ohne weiteres, wenn wir durch _a_ eine Parallele zum
-Horizont ziehen und auf dieser Parallelen _ab_ und _ac_ je gleich dem
-gegebenen Radius _r_ des Kreises antragen. Verbinden wir _b_ und _c_
-mit ~A~, so sind dies die Bilder _B'_ und _C'_ der Tiefenlinien _B_ und
-_C_ und sie schneiden auf der Parallelen durch _m'_ zum Horizont die
-Punkte _n'_ und _p'_ aus. _n'p'_ ist der Durchmesser des Bildes des
-Kreises, das also daraus gezeichnet werden kann.
-
-Als Anwendung dieser Konstruktion geben wir in Fig. 77 das Bild einer
-ringförmigen Platte, die mit ihrer vorderen Fläche in der Bildtafel
-liegt, _m_ ist der Mittelpunkt für die beiden vorderen Kreise. Ziehen
-wir durch _m_ die Parallele zum Horizont und tragen auf ihr eine
-Strecke _mx_ ab, welche gleich der gegebenen Dicke der Platte ist, so
-liefert _x_ mit D_{1} verbunden auf der Linie _m_A den Punkt _t'_,
-welcher der Mittelpunkt für die beiden rückwärtigen Kreise ist; deren
-Radien ergeben sich wie in Fig. 76.
-
-[Illustration: Fig. 77.]
-
-=39. Der Kreis in einer Horizontalebene.= Wir gehen nun zu dem Falle
-über, daß der abzubildende Kreis in einer horizontalen Ebene gelegen
-ist, z. B. in der Grundebene. Es sei zu behandeln folgende
-
- =Aufgabe 23.= Ein Kreis von gegebenem Radius liegt in der
- Grundebene so, daß er die Grundlinie berührt. Das Bild des
- Kreises zu zeichnen.
-
-[Illustration: Fig. 78.]
-
-Die Fig. 78 zeigt die Anordnung im Raume; in Fig. 79 ist der Kreis
-in der Verschiebung gezeichnet. Es ist nun vorteilhaft, sich nicht
-nur Punkte des Bildes zu verschaffen, sondern auch Linien, welche das
-Bild berühren, sogenannte Berührungslinien oder »Tangenten«. Zu diesem
-Zwecke umschreiben wir dem Kreise das Quadrat (1)(2)(3)(4), dessen
-Seiten den Kreis in den Punkten (5), (6), (7) und (8) berühren. Das
-Bild dieses Quadrates ist leicht zu zeichnen, (1)(4) und (2)(3) sind
-Tiefenlinien; ihre Bilder laufen also nach A; die Linie (2)(4) aber
-geht im Bilde nach dem linksseitigen Distanzpunkte D_{1} (vgl. 14).
-Ferner ist auch (6)(8) eine Tiefenlinie und ihr Bild schneidet auf der
-Linie 2.4' das Bild _m'_ des Punktes _m_ aus. Die Linie (5)(7) geht
-in eine Parallele durch _m'_ über, welche auf den Linien 1.4' und 2.3'
-die Punkte 5' und 7' liefert. Das Bild des Kreises wird in diesem Falle
-eine Ellipse, welche dem Vierecke 1 2 3' 4' einbeschrieben ist und
-dessen Seiten in den Punkten 6, 7', 8', 5' berührt.
-
-[Illustration: Fig. 79.]
-
-Ohne Beweis sei erwähnt, daß _m'_ nicht der »Mittelpunkt« der Ellipse
-ist, daß dieser vielmehr in die Mitte der Strecke 6.8' fällt.
-
-Bringt man die Diagonalen (2)(4) und (1)(3) des Quadrates mit dem
-Kreise zum Schnitt, so erhält man die Punkte 9, 10, 11, 12 und auch
-deren Bilder 9', 10', 11', 12' lassen sich leicht ermitteln, da (9) und
-(10) sowie (11) und (12) je auf einer Tiefenlinie liegen. Sich noch
-weitere Punkte der Ellipse aus den Punkten des Kreises zu verschaffen
-ist gar nicht nötig.
-
-Es wird nützlich sein, wenn der Leser sich auch das Bild eines Kreises
-zeichnet, der auf der rechten Seite des Hauptpunktes gelegen ist.
-
-Die Figur ist dann weiter benutzt, um das Bild eines
-Umdrehungs-Zylinders, also einer Walze, zu zeichnen. Ist die Höhe
-des Zylinders durch die Strecke 6.6^* gegeben, so schneidet die
-Deckfläche des Zylinders die Bildebene in der Linie _ll_, welche
-durch 6^* parallel zur Grundlinie geht. Die Konstruktion des Bildes
-des Deckkreises des Zylinders erfolgt genau in der gleichen Weise;
-entsprechende Punkte z. B. 3' und 3'^* liegen übrigens immer auf
-Vertikalen, was viele Kontrollen liefert. Endlich wird das Bild des
-Zylinders vollendet, indem man auf beiden Seiten die berührenden
-Vertikalen an beide Ellipsen zeichnet.
-
-=40. Der Kreis in einer vertikalen Tiefenebene.= In ganz ähnlicher
-Weise wie ein horizontaler Kreis kann auch ein Kreis abgebildet
-werden, der in einer lotrechten Tiefenebene liegt. Wir behandeln diesen
-Fall in der folgenden
-
- =Aufgabe 24.= In einer lotrechten Tiefenebene, die durch ihre
- Spur S gegeben ist, liegt ein Kreis von gegebenem Radius, der
- die Grundebene und die Bildtafel berührt. Das Bild dieses
- Kreises zu zeichnen.
-
-[Illustration: Fig. 80.]
-
-Die Figur 78 zeigt rückwärts den Kreis in seiner Lage gegen Grundebene
-und Bildtafel. Wir umschreiben demselben wieder das Quadrat 1 2 3 4,
-von dem die Seite 1.2 in der Spur _S_ der Ebene, 1.4 in der Grundebene
-liegt. Um den Kreis auch in seiner wahren Gestalt vor uns haben, denken
-wir uns seine Ebene wie eine Türe nach außen um die Spur _S_ in die
-Bildebene hineingedreht, wie dies der Pfeil in Figur 78 andeutet. In
-dieser Lage ist der Kreis, sowie das umschriebene Quadrat 1 2 (3) (4)
-in Fig. 80 gezeichnet. Das Bild des Kreises ergibt sich dann wie folgt.
-Die Tiefenlinien 1.4 und 2.3 haben als Bilder die Linien von 1 nach
-A und von 2 nach A. Die letzte Quadratseite 3.4 kann ferner durch
-folgende Überlegung gefunden werden. Ziehen wir die Diagonale 1.3,
-welche durch den Mittelpunkt _m_ geht, so ist diese Linie unter 45°
-gegen die Grundebene geneigt. Die Parallele durch _O_ zu dieser Linie
-schneidet den Fluchtpunkt derselben aus und derselbe muß nach Satz
-24 auf der Senkrechten durch ~A~ liegen und von ~A~ um die Distanz
-abstehen. Der Fluchtpunkt ist also der schon früher gezeichnete Punkt
-~D_{4}~. Ganz ebenso ergibt sich als Fluchtpunkt der anderen Diagonale
-2.4 der Punkt ~D_{3}~, der in Fig. 80 eingezeichnet ist. Wenn wir also
-in Fig. 80 die Linien 1.~D_{4}~ 2.~D_{3}~ ziehen, so schneiden diese auf
-den Bildern 2.~A~ und 1.~A~ die Bilder 3' und 4' aus. Zur Probe dient,
-daß 3'.4' lotrecht sein muß. Ferner ist der Schnittpunkt von 1.~D_{4}~
-und 2.~D_{3}~ das Bild _m'_. Die Vertikale durch _m'_ liefert auf den
-Linien 2.~A~ und 1.~A~ die Berührungspunkte 5' und 7'; die Linie 6.~A~
-muß von selbst durch _m'_ gehen und gibt den Berührungspunkt 8'.
-
-[Illustration: Fig. 81.]
-
-In dem hier vorliegenden Falle ist das Bild des Kreises wieder eine
-Ellipse; _m'_ ist nicht ihr Mittelpunkt; derselbe liegt vielmehr auf
-der Linie 6.8' in der Mitte zwischen 6 und 8'.
-
-Die Bilder der Punkte 9, 10 usw. lassen sich wie im vorigen Falle
-bestimmen. Auch die Tangente im Punkte 9' an die Ellipse ist leicht zu
-zeichnen. Da nämlich die Tangente im Punkte 9 an den Kreis parallel
-zur Linie 1.(3) verläuft, so muß das Bild dieser Tangente nach D_{4}
-fliehen, also ist die Linie 9'.D_{4} diese Tangente.
-
-Als Anwendung dieser Aufgabe geben wir in Fig. 81 das Bild eines
-Rundbogens, der in einer lotrechten Tiefenebene gelegen ist; _S_ sei
-die Spur dieser Tiefenebene. Von dem Rundbogen ist links oben die
-Hälfte in der Umlegung in die Tafel gegeben. Zur Konstruktion soll
-der Teildistanzpunkt D_{1}/2 verwendet werden. Tragen wir die Hälfte
-der Strecke 1(_m_) auf der Horizontalen durch 1 nach rechts ab und
-verbinden den Endpunkt mit D_{1}/2, so erhalten wir (Aufg. 4) auf der
-Tiefenlinie 1.A das Bild _m'_; in entsprechender Weise ergeben sich
-für die weiteren Punkte (3) ... die Bilder. Die Parallele durch (2)
-schneidet _S_ in einem Punkte, der mit A verbunden die Berührungslinie
-im Scheitel 2' des Bogens liefert, wobei 2' auf der Vertikalen durch
-_m'_ gelegen ist. Der ganze Rundbogen ist dann in 7 gleiche Teile
-geteilt und es sind die Bilder der Fugen eingetragen. Diese Fugen
-laufen alle durch _m'_.
-
-Schließlich sei noch erwähnt, daß das Bild eines Kreises nicht immer
-eine Ellipse zu sein braucht, sondern auch eine sogenannte »+Hyperbel+«
-oder eine »+Parabel+« sein kann, worauf wir aber nicht weiter eingehen
-können.
-
-
-§ 15. Einfache Schattenkonstruktionen.
-
-=41. Schatten bei parallelem Lichte.= Die undurchsichtigen Körper
-haben die Eigenschaft, daß sie das auf sie fallende Licht irgendeiner
-Lichtquelle nicht durchgehen lassen, sondern es aufhalten oder
-verschlucken (absorbieren), so daß sich hinter dem Körper ein
-lichtleerer Raum, der +Schatten+, ausbildet. Indem wir den Unterschied
-von Licht und Schatten auch im Bilde etwa durch Schraffierung der
-beschatteten Teile einigermaßen wiedergeben, erreichen wir eine größere
-Naturtreue.
-
-[Illustration: Fig. 82.]
-
-Was die Lichtquelle betrifft, so wollen wir uns vorstellen, die Sonne
-ziehe sich zu einem Punkte zusammen, etwa auf ihren Mittelpunkt, und
-stehe außerdem fest am Himmel. Die dann entstehende Beleuchtung können
-wir durch folgende Bestimmung ersetzen. Wir geben uns eine Gerade _s_
-beliebig im Raume (Fig. 82) und nehmen an, daß alle Lichtstrahlen zu
-dieser Geraden s parallel sind. Der ganze Raum ist erfüllt von diesen
-parallelen Lichtstrahlen. Wir nennen dies eine »Beleuchtung durch
-parallele Lichtstrahlen«.
-
-Es sei jetzt eine Stange _pq_ gegeben, die auf der Grundebene senkrecht
-steht (Fig. 82). Wie können wir den Schatten ermitteln, den sie in die
-Grundebene wirft? Alle auf die Gerade _pq_ treffenden Lichtstrahlen
-werden aufgehalten und bilden fortgesetzt eben den Schatten der
-Geraden _pq_. Wir haben demnach durch die Punkte der Geraden _pq_ die
-parallelen zur Geraden _s_ zu zeichnen. Alle diese Parallelen liegen
-aber, wie man leicht erkennt, in einer Ebene und diese Ebene schneidet
-aus der Grundebene den Schatten der Geraden _pq_ aus, der also eine
-Gerade ist. Offenbar geht dieser Schatten durch den Fußpunkt _q_ der
-Stange. Das Ende des Schattens aber erhalten wir, wenn wir durch den
-Endpunkt _p_ den Lichtstrahl legen. Trifft dieser in _p_{*}_ die
-Grundebene, so ist _p_{*}_ der Schatten des Punktes _p_ und _qp_{*}_
-wird der Schatten der Geraden _pq_. Im Gegensatz zu dem Schatten, den
-die Gerade _pq_ unter Umständen auf andere Körper wirft, nennen wir
-den Schatten _qp_{*}_ auf der Grundebene den »+Grundschatten+«. Eine
-zweite, ebenfalls auf der Grundebene senkrechte Gerade _rt_ liefert
-ganz in der gleichen Weise den Grundschatten _tr_{*}_ und man sieht
-ohne Mühe ein, daß _tr_{*}_ ∥ _qp_{*}_. Allgemein kann man sagen:
-
- =Satz 26.= »+Parallele Gerade liefern parallele Grundschatten auf
- der Grundebene.+«
-
-[Illustration: Fig. 83.]
-
-Weiter handelt es sich nun darum, die Bilder dieser Schatten zu
-zeichnen. Wir beachten zu diesem Zwecke, daß die Lichtstrahlen
-parallele, schiefe Gerade sind, wie wir sie im § 9 betrachtet haben.
-Diese parallelen Geraden haben also einen Fluchtpunkt, den wir
-erhalten, wenn wir durch das Auge _O_ eine Parallele zur Geraden
-_s_ ziehen und den Schnittpunkt ~S~ dieser Parallelen mit der Tafel
-ermitteln. Hat der in _O_ befindliche Beschauer die (punktförmige)
-Lichtquelle im Rücken, so befindet sich der Fluchtpunkt ~S~ +unterhalb+
-des Horizonts. Fällen wir von ~S~ aus in der Bildebene eine Senkrechte
-zum Horizont und nennen ~S~_{_h_} ihren Fußpunkt, so können wir die
-Betrachtung von 27 ohne weiteres auch hier anwenden und sehen, daß
-_OS_{h}_ ∥ _qp_{*}_ ∥ _tr_{*}_.
-
-[Illustration: Fig. 84.]
-
-Mit anderen Worten:
-
- =Satz 27.= »+Der Punkt ~S~_{_h_}, die Projektion des
- Fluchtpunktes ~S~ der parallelen Lichtstrahlen auf den
- Horizont, ist der Fluchtpunkt der Grundschatten.+«
-
-Die Bilder der Grundschatten fliehen also alle nach ~S_{h}~ (Satz 23).
-Damit erledigt sich nun leicht folgende
-
- =Aufgabe 25.= Eine auf der Grundebene senkrechte Gerade _pq_ ist
- im Bilde gegeben; man zeichne ihren Grundschatten, wenn das
- parallele Licht durch den Punkt ~S~ gegeben ist.
-
-Durch die Annahme des Punktes ~S~ (Fig. 83) ist die Beleuchtung
-vollständig gegeben, da damit die Richtung der Lichtstrahlen bestimmt
-wird. Fällen wir von ~S~ ein Lot zum Horizont, so liefert dies den
-Fluchtpunkt ~S_{h}~ der Grundschatten. Ist _p'q'_ das gegebene Bild
-(wir nehmen an, es wäre bereits gefunden), so gibt die Verbindungslinie
-von _q'_ nach ~S_{h}~ den Grundschatten. Der durch _p_ gehende
-Lichtstrahl muß aber einerseits durch _p'_, andererseits durch den
-Fluchtpunkt ~S~ gehen; demnach schneidet die Verbindungslinie von ~S~
-nach _p'_ auf der Linie von _q'_ nach ~S_{h}~ den Endpunkt _q_{*}'_ des
-Grundschattens aus. Es ist _q'p_{*}'_ das Bild des Grundschattens. Die
-einfache Regel lautet also: _p_{*}'_ ist der Schnittpunkt der Linien
-_q'_~S_{h}~ und _p'_~S~.
-
-Damit ist aber auch die Aufgabe gelöst: den Schatten eines beliebigen
-Punktes in der Grundebene zu zeichnen. Denn wir brauchen ja nur von
-dem Punkte das Lot auf die Grundebene zu fällen und dessen Fußpunkt zu
-ermitteln. Dann können wir nach der obigen Aufgabe den Schatten dieser
-Senkrechten ermitteln. Wir wenden das an in folgender
-
- =Aufgabe 26.= Den Schatten zu zeichnen, den ein Obelisk in die
- Grundebene wirft.
-
-Das Bild des Obelisken, der auf der Grundebene steht, ist nach dem
-Früheren gezeichnet (Fig. 84). Um den Schatten in der Grundebene zu
-ermitteln, geben wir uns den Punkt ~S~ und seine Projektion ~S_{h}~.
-Zunächst zeichnen wir von der in der Tafel liegenden Kante 1.2 des
-Sockels nach der oben abgeleiteten Regel den Schatten 1.2_{*}'; ebenso
-finden wir den Schatten 4.3_{*}' der Kante 3.4. Die Verbindungslinie
-2_{*}'.3_{*}' ist dann der Schatten der Kante 2.3 und sie flieht, wie
-man leicht erkennt, nach ~A~. Nun sind die Schatten der 4 Kanten des
-Obelisken zu zeichnen. Die durch 5 gehende Kante verlängern wir bis zu
-ihrem Schnittpunkt 6 mit der Grundebene und erhalten in 6.5_{*}' ihren
-Schatten. Ebenso wird 8.7_{*}' der Schatten der Kante 7.8. Die Schatten
-der beiden anderen Kanten fallen, wie die Konstruktion zeigt, zwischen
-diese beiden Schatten hinein, so daß also 6.5_{*}' und 8.7_{*}' den
-Schatten in der Grundebene begrenzen. Zeichnen wir noch den Schatten
-9_{*}' der Spitze 9, indem wir die Senkrechte 9.10 benutzen, so ist der
-»Schlagschatten« des Obelisken in der Grundebene fertiggestellt, wenn
-man 9_{*}' mit 5_{*}' und 7_{*}' verbindet.
-
-Es bildet sich aber auch auf dem Körper ein Gegensatz von Licht und
-Schatten aus, in dem gewisse Teile des Körpers in Schatten gesetzt
-werden (Eigenschatten). Schneidet die Linie 6.5_{*}' die Kante 1.4
-in 11, so geht die Begrenzung des Schattens auf dem Sockel senkrecht
-in die Höhe nach 12. Auf der oberen Fläche des Sockels gibt dann die
-Linie von 13 nach 12 die Grenze des Schattens und es kann zur Kontrolle
-dienen, daß sie als ein Grundschatten nach ~S_{h}~ laufen muß. Ferner
-befinden sich die durch die Kante 13.5 gehende Fläche des Obelisken und
-die daran sich schließende durch 5.9 gehende Deckfläche im Schatten,
-was durch Schraffierung angedeutet ist.
-
-Endlich mag noch bemerkt werden, daß man den Punkt ~S~ auch oberhalb
-des Horizonts annehmen kann. Dann hat der Beschauer die Lichtquelle vor
-sich und die Schatten bilden sich im Bilde nach vorne aus.
-
-
-§ 16. Künstlerische Freiheiten.
-
-=42. Freiere Gestaltung des Bildes.= Am Schlusse unserer Betrachtungen
-angelangt, wollen wir uns noch darüber klar werden, was die Lehre von
-der Perspektive uns bietet, so daß wir uns von einer Überschätzung
-dieser Wissenschaft in gleicher Weise fernhalten wie von einer
-Unterschätzung. Die Aufgabe der Perspektive haben wir darin erkannt,
-daß sie uns ein gesetzmäßig definiertes Bild eines Gegenstandes liefern
-soll, das uns soweit als möglich den Gesichtseindruck ersetzt, den
-wir von dem Gegenstand erhalten. Tatsächlich besteht nun aber das
-Betrachten irgendeines Körpers darin, daß wir seine einzelnen Teile
-der Reihe nach ins Auge fassen und unseren Blick von einer Stelle
-zur anderen gleiten lassen. Was wir dabei zunächst beurteilen und
-abschätzen, sind die Gesichtswinkel, welche die Blicklinien nach den
-einzelnen Punkten des Körpers miteinander einschließen. Aus allen
-diesen Beobachtungen und Eindrücken setzen wir dann das Bild des
-Körpers im Auge zusammen.
-
-Da nun aber Winkel durch Kreisbögen gemessen werden, so gelangen wir
-naturgemäß dazu, um das Auge _{O}_ eine Kugel mit einem beliebigen
-Radius zu beschreiben und die nach den einzelnen Punkten des Objektes
-gehenden Blicklinien mit dieser Kugel zum Schnitt zu bringen. Das heißt
-dann aber nichts anderes, als daß wir das Objekt aus dem Mittelpunkt
-auf die Kugelfläche projizieren. Ein solches auf der Innenseite
-einer Kugelfläche gelegenes Bild, das aus dem Mittelpunkt der Kugel
-betrachtet wird, genügt allen Ansprüchen. Es kann für beliebig große
-Teile des Raumes hergestellt werden: ein Panorama könnte z. B. in
-dieser Weise eingerichtet sein. Die geraden Linien des Raumes gehen
-in größte Kreise auf der Kugel über. In den allermeisten Fällen aber
-verlangen wir aus Bequemlichkeitsgründen, daß die Abbildung des
-Gegenstandes auf einer +ebenen+ Fläche erfolgt; wir wollen das Bild in
-einem Buche, in einer Mappe oder an der Wand haben und deswegen ist
-das auf einer Kugel gelegene Bild für gewöhnlich nicht zu gebrauchen.
-Dann liegt es aber nahe, die Kugelfläche durch eine Ebene zu ersetzen
-in der Weise, daß wir eine Ebene einführen, welche im Punkte _a_ der
-Kugel auf dem Radius _oa_ senkrecht steht (Fig. 85). Man nennt diese
-Ebene eine Berührungsebene oder Tangentialebene der Kugel. Statt auf
-die Kugel projizieren wir nun die Gegenstände auf diese Ebene und sind
-damit zu der Abbildung gelangt, wie sie die Perspektive liefert. In
-der Nachbarschaft des Punktes _a_ schmiegt sich die Berührungsebene
-der Kugel an und beide Abbildungen, die auf der Kugel und die auf der
-Ebene, stimmen so ziemlich überein. Je größer aber der Ausschnitt
-des Raumes wird, den wir abbilden, um so stärker weichen die beiden
-Abbildungen voneinander ab.
-
-[Illustration: Fig. 85.]
-
-Es ist aber wohl zu beachten, daß die Blickrichtung bei Betrachtung
-des ebenen Bildes immer mit _Oa_ zusammenfallen muß. Drehen wir
-den Kopf seitwärts, so daß wir z. B. in der Richtung _Ob_ sehen,
-so müssen wir uns die in _b_ berührende Ebene als Tafel eingeführt
-denken. Man könnte nun auf den Gedanken kommen, die Bilder, wie sie
-den Blickrichtungen _oa_, _ob_, _oc_ ... und den in diesen Punkten
-konstruierten Berührungsebenen entsprechen, einfach zu einem Gesamtbild
-zu vereinigen. Aber auch dieser Versuch würde auf große Schwierigkeiten
-stoßen. Nehmen wir etwa an, es wäre eine Reihe gleichgroßer vertikaler
-Pfeiler (I, II, III ...) wie in Fig. 36, 37 darzustellen. Dann wäre das
-Bild des mittleren Pfeilers III am größten und nach beiden Seiten zu
-würden die Bilder kleiner werden. Die Verbindungslinien der oberen und
-der unteren Endpunkte wären keine Geraden mehr, sondern krumme Linien,
-die obere würde sich nach unten, die untere nach oben krümmen. Wir
-müßten also dann den Grundsatz opfern, daß gerade Linien sich wieder in
-gerade Linien abbilden und damit würde die Herstellung solcher Bilder
-ungemein erschwert.
-
-Das schließt nun aber nicht aus, daß gewisse Einzelheiten in einem
-perspektivischen Bilde, namentlich gegen den Rand zu, nicht so
-gezeichnet werden dürfen, wie es mehr der direkten Blickrichtung
-entspricht. Namentlich für menschliche Figuren ergeben sich unangenehm
-wirkende Verzerrungen, indem die Köpfe und Körper zu breit werden und
-zu allen Zeiten haben sich die Künstler dann einer freieren Darstellung
-bedient. Eine Reihe gleichgroßer Säulen, die parallel zur Bildebene
-angeordnet sind, werden im Bilde gleichgroß wiedergegeben, während die
-äußeren breiter sein müßten, eine Kugel, die seitwärts im Bilde zu
-sehen ist, wird durch einen Kreis wiedergegeben und nicht durch eine
-Ellipse. In Raffaels Schule von Athen (Abb. 8, Seite 71) sind, um ein
-Beispiel zu geben, rechts bei der Gruppe der Astronomen zwei Kugeln
-dargestellt: die obere wird durch eine Ellipse, die untere wohl durch
-einen Kreis wiedergegeben.
-
-Diese und ähnliche Milderungen der perspektivischen Schablone kann
-man ruhig dem Geschmack des Künstlers überlassen. Wenn er sich nur
-über die Hauptgesetze der Linienführung im klaren ist, wird er auch
-die eine oder andere Abweichung als zweckdienlich erkennen. Denn die
-perspektivische Zeichnung ist nicht Selbstzweck, sondern nur ein Mittel
-zum Zweck. Es wird aber auch hier das Wort gelten:
-
- Und das Gesetz nur kann uns Freiheit geben.
-
-
-
-
-Literaturverzeichnis.
-
-
- +Schlotke, J.+, Lehrbuch der darstellenden Geometrie. III. Teil.
- Perspektive. 2. Aufl. Dresden 1902. Mathematisch durchgeführter
- Lehrgang, in elementarer Weise gut und anschaulich begründet.
-
- +Kleiber, M.+, Angewandte Perspektive. 5. Aufl. Webers
- illustrierte Katechismen. Nr. 137. Leipzig 1912. Gute,
- praktische und durch viele Beispiele erläuterte Darstellung.
-
- +Hauck, G.+, Malerische Perspektive und Schattenkonstruktionen.
- Berlin 1910.
-
- +Niemann, G.+, Handbuch der Linear-Perspektive für bildende
- Künstler. 2. Aufl. Stuttgart 1902.
-
- +Meisel, F.+, Lehrbuch der Perspektive. Leipzig 1908.
-
- +Dalwigk, v. F.+, Vorlesungen über darstellende Geometrie. 2. Bd.
- Perspektive. Leipzig u. Berlin 1914.
-
- +Rohn+ u. +Papperitz+, Lehrbuch der darstellenden Geometrie. 3
- Bände. Die Perspektive enthält der 2. Bd. Leipzig 1906.
-
-
-
-
-Sachregister.
-
-(Die beigefügten Zahlen geben die betreffende Seite des Buches an.)
-
-
- Achse, optische eines Objektives 64
-
- Ähnliche Figuren 45, 78
-
- Ähnlichkeitspunkt 78
-
- Apparat, photographischer 64
-
- Aufriß 10
-
- Aufsicht 50
-
- Auge 4, 16
-
- Augpunkt 16
-
- Augenhöhe 25
-
-
- Beleuchtung durch paralleles Licht 96
-
- Bildebene 4
-
- Bild, perspektivisches 3 ff.
-
- --, photographisches 64, 74
-
- -- eines Punktes 4
-
- Breitenmaßstab 50
-
- Brennweite eines Objektives 65
-
-
- Deckenriß 90
-
- Diagonale eines Quadrates 26
-
- Diagonalpunkt 57
-
- Distanz 16
-
- Distanzpunkt 25
-
-
- Eigenschatten 99
-
- Einstellung auf Unendlich 65
-
- Ellipse als Bild eines Kreises 93, 95
-
-
- Fallende Linien im Bilde 40
-
- -- -- im Raum 59, 60
-
- Flucht, Fluchtpunkt einer Geraden 20
-
- Fluchtpunkt-Lineal 86
-
- Freiheiten, künstlerische 99
-
-
- Gerade Ansicht 58
-
- Gerader Riß 7
-
- Gesichtswinkel 46
-
- Gesamteindruck 69
-
- Grundebene 24
-
- Grundlinie 24
-
- Grundriß 10
-
- Grundschatten 97
-
-
- Hauptpunkt 16
-
- Höhenmaßstab 43, 44, 50
-
- Horizont 18
-
- Horizontale Gerade 39
-
- Horizontebene 16, 18
-
- Horizontalprojektion 10
-
- Hyperbel als Bild eines Kreises 95
-
-
- Innenraum 50, 73
-
- Interieur 50, 73
-
-
- Kante 11
-
- Kellergrundriß 90
-
- Kreis in der Grundebene 92
-
- -- in einer Horizontalebene 92
-
- -- -- -- zur Tafel parallelen Ebene 90
-
- -- -- -- Tiefenebene 93
-
-
- Linearperspektive 5
-
- Linienperspektive 5
-
-
- Mittelpunkt eines Objektives 64
-
- -- einer Ellipse 93, 95
-
-
- Orthogonaler Riß 7
-
- Optische Achse eines Objektives 64
-
-
- Parabel als Bild eines Kreises 95
-
- Parallelprojektion 13
-
- Perspektive 5
-
- Perspektograph 19
-
- Perspektivisches Bild 3 ff.
-
- Projektion 7
-
- Projektionsstrahlen 4
-
- Projektionszentrum 16
-
- Projizierende Strahlen 4
-
-
- Reduktion 52
-
- Riß, gerader, rechtwinkliger 7
-
- --, zentraler 4
-
-
- Satz vom Fluchtpunkt 22
-
- Schiefe Gerade im Raum 59
-
- Schlagschatten 99
-
- Schnittmethode 13
-
- Schrägbilder 13
-
- Schräge Ansicht 58
-
- Sehstrahlen 4
-
- Seitenansicht 51
-
- Spur einer Geraden 20
-
- Steigende Linien im Bilde 40
-
- -- -- -- Raum 59, 60
-
- Stürzende Linien 66
-
-
- Tafel 4
-
- Tiefenebene 41
-
- Tiefenlinie 25
-
- Tiefenmaßstab 33, 50
-
-
- Übereckstellung 58
-
- Umgelegtes Auge 34, 37
-
- Umlegung des Auges 34
-
- -- der Grundebene 37
-
- -- -- Horizontebene 35, 37
-
- Untersicht 51
-
- Unzugänglicher Distanzpunkt 75
-
- -- Fluchtpunkt 77 ff.
-
-
- Verjüngung 52
-
- Verschiebung der Grundebene 27
-
- Verschwindungspunkt einer Geraden 20
-
- Vertikalprojektion 10
-
- Vogelperspektive 68
-
-
- Weitwinkel 74
-
-
- Zentralprojektion 4
-
- Zusammenlegen der Tafeln 11
-
-
-
-
-Geschichte der bildenden Künste
-
-Eine Einführung von ~Dr.~ +Ernst Cohn-Wiener+. Geb. ca. M. 4.--
-
-Das Buch will kein historisch geordnetes Nachschlagebuch sein,
-sondern möglichst viel vom Wesen der Kunst und des Kunstwerkes
-geben. Es sucht neben dem bloßen Wissen die Freude am Kunstwerk zu
-vermitteln, erkennen zu lassen, daß hinter dem Werk der Künstler als
-schöpferische Persönlichkeit steht. Seine Aufgabe, der Selbstbelehrung
-und als Lehrbuch zu dienen, sucht es nicht zu lösen, indem es durch
-oberflächliche Behandlung eines verwirrenden Vielerei »mitzureden«
-befähigt, sondern durch eingehende, Bildhaftigkeit und Anschaulichkeit
-anstrebende Besprechung der behandelten Kunstwerke sucht es dem Leser
-den inneren Gehalt der Kunstepochen so vor Augen zu stellen, daß
-er auch die Werke, die das Büchlein selbst nicht erwähnen kann, zu
-verstehen vermag. Eine reiche Zahl von Abbildungen -- darunter auch
-farbige -- dient der Anschaulichkeit. Die neueste Zeit ist besonders
-eingehend behandelt worden, weil hier das Bedürfnis am unmittelbarsten
-ist.
-
-
-Elementargesetze der bildenden Kunst
-
-Grundlagen einer praktischen Ästhetik von Prof. ~Dr.~ +Hans Cornelius+.
-2. Auflage. Mit 245 Abb. und 13 Tafeln. Geh. M. 7.--, geb. M. 8.--
-
-»Es gibt kein Buch, in dem die elementarsten Gesetze künstlerischer
-Raumgestaltung so klar und anschaulich dargelegt, so überzeugend
-abgeleitet wären. Wir haben hier zum ersten Male eine zusammenfassende,
-an zahlreichen einfachen Beispielen erläuterte Darstellung der
-wesentlichsten Bedingungen, von denen namentlich die plastische
-Gestaltung in Architektur, Plastik und Kunstgewerbe abhängt.«
-
- (+Zeitschrift für Ästhetik+.)
-
-
-Die bildenden Künste
-
-Ihre Eigenart und ihr Zusammenhang. Vorlesung von Professor ~Dr.~ +Karl
-Doehlemann+. Geheftet M. --.80
-
-»Eine tiefgründige Besprechung der bildenden Künste -- Malerei, Plastik
-und Architektur umfassend -- in durchweg anregender Form. Die Fachwelt
-wie die gebildeten Stände werden die Schrift mit hoher Befriedigung
-aufnehmen.«
-
- (+Wiener Bauindustrie-Ztg.+)
-
-
-Unser Verhältnis zu den bildenden Künsten
-
-Von Prof. ~Dr.~ +August Schmarsow+. Geh. M. 2.--, geb. M. 2.60
-
-»Diese Vorträge bilden den wertvollsten Beitrag zur Literatur über die
-Kunsterziehungsfrage. Schmarsow entwickelt seine Anschauung über das
-Verhältnis der Künste zueinander, um zu zeigen, wie jede einzelne einer
-besonderen Seite der menschlichen Organisation entspreche, wie darum
-auch alle Künste eng miteinander verknüpft sind, da alle von einem
-Organismus ausstrahlen.«
-
- (+Deutsche Literaturzeitung+.)
-
-
-Psychologie der Kunst
-
-Darstellung ihrer Grundzüge. Von ~Dr.~ +R. Müller-Freienfels+. 2 Bde.
-I: Die Psychologie d. Kunstgenießens u. d. Kunstschaffens. II: Die
-Formen d. Kunstwerks u. d. Psychol. d. Bewertung. Je M. 4.40, in 1 Bd.
-M. 10.--
-
-»Was diesem Werke Beachtung und Anerkennung erworben hat, ist zum
-Teil der Umstand, daß es zu den sehr seltenen wissenschaftlichen
-deutschen Büchern gehört, die auch einen ästhetischen Wert besitzen,
-aus denen eine Persönlichkeit spricht, die über eine gute Beherrschung
-des gesamten psychologischen und ästhetischen Stoffes und über eine
-ungewöhnliche Gabe der Synthese verfügt.«
-
- (+Zeitschrift für Ästhetik+.)
-
-
-Die Natur in der Kunst
-
-Stud. eines Naturforschers z. Geschichte d. Malerei. Von Prof. ~Dr.~
-+F. Rosen+. M. 120 Abb. nach Zeichn. von +E. Süß+ u. Photographien d.
-Verf. Geb. M. 12.--
-
-»... Botanik und Kunstgeschichte -- zwei Disziplinen, die einander
-fremd gegenüberzustehen scheinen! Und doch, wieviel neuen Stoff ergibt
-dieses doppelte Studium. Mit wachsendem Interesse folgen wir dem Führer
-und wandeln mit ihm von Stufe zu Stufe empor. Zum Genuß des anregenden
-Buches tragen auch die vielen Abbildungen bei.«
-
- (+Kunstchronik+.)
-
-
-Verlag von B. G. Teubner in Leipzig und Berlin
-
-
- +Mathematik und Malerei.+ Von Oberlehrer ~Dr.~ G. Wolff. Mit 25
- Abb. und 19 Fig. im Text. Kart. ca. M. 1.60
-
-Die nahen historischen Beziehungen zwischen Malerei und mathematischer
-Perspektive werden dazu benutzt, um aus formaler Darstellung eines
-Bildes dessen künstlerischen Wert zu beurteilen. Der 1. Teil entwickelt
-im engsten Anschluß an die Malerei die Grundlagen der malerischen
-Perspektive. Der 2. Teil analysiert mit den so gewonnenen Mitteln
-einzelne perspektivisch besonders lehrreiche Bilder.
-
-
- +Die altdeutschen Maler in Süddeutschland.+ Von Helene Nemitz.
- Mit Bilderanhang Geh. M. 1.--, geb. M. 1.25
-
-Das Bändchen sucht das Verständnis für die Eigenart und Größe der
-altdeutschen Malerei des 15. Jahrhunderts und so den Sinn für die in
-ihren Werken sich offenbarende echt deutsche Schönheit zu wecken. Es
-zeigt, wie das kraftvolle, tiefinnerliche Gefühlsleben jener Zeit kaum
-irgendwo eine künstlerisch reinere Ausprägung und Verklärung gefunden
-hat als in den Bildern der Meister Süddeutschlands.
-
-
- +Albrecht Dürer.+ V. ~Dr.~ R. Wustmann. M. Titelbild u. 32 Abb.
- Geh. M. 1.--, geb. M. 1.25
-
-Eine schlichte und knappe Erzählung des gewaltigen menschlichen und
-künstlerischen Entwicklungsganges Dürers und eine Darstellung seiner
-Kunst, in der nacheinander Selbst- und Angehörigenbildnisse, die
-Zeichnungen zur Apokalypse, die Darstellungen von Mann und Weib, das
-Marienleben, die Stiftungsgemälde, die Radierungen v. Rittertum, Trauer
-und Heiligkeit sowie die wichtigsten Werke aus der Zeit der Reife
-behandelt werden.
-
-
- +Niederländische Malerei im 17. Jahrhundert.+ Von ~Dr.~ H.
- Jantzen. Mit 37 Abb. Geh. M. 1.--, in Lw. geb. M. 1.25
-
-Gibt eine Einführung in das Verständnis dieser Blütezeit der Malerei,
-indem es die zahlreichen, dort in immer neuen Stoffgebieten:
-Historienmalerei, Porträt, Gruppenbild, Sittenbild, Interieur,
-Landschaft, Seestück, Kirchenstück, Stilleben auftauchenden malerischen
-Probleme sowie ihre gesetzmäßigen Zusammenhänge darlegt und die
-einzelnen hervortretenden Künstlerpersönlichkeiten und -gruppen kurz
-und treffend charakterisiert.
-
-
- +Rembrandt.+ V. Prof. ~Dr.~ P. Schubring. Mit 1 Titelb. u. 219
- Abb. Geh. M. 1.--, geb. M. 1.25
-
-Eine lebensvolle Schilderung des menschlichen u. künstl.
-Entwicklungsganges R's. Zur Darstellung gelangen seine persönl.
-Schicksale bis 1642, die Frühzeit, die Zeit bis zu Saskias Tode, die
-Nachtwache, sein Verhältnis zur Bibel, die Radierungen, Urkundliches
-über die Zeit nach 1642, die Periode des farbigen Helldunkels, die
-Gemälde nach der Nachtwache und die Spätzeit. Beigefügt sind die beiden
-ältesten Biographien Rembrandts.
-
-
- +Die deutsche Malerei im 19. Jahrhundert.+ Von Prof. ~Dr.~ R.
- Hamann. 1 Bd. Text, 1 Bd. Abb. Geh. je M. 2.--, in Lw. geb. je
- M. 2.50, in Halbperg. geb. M. 6.--
-
-»H. hat eine ausgezeichnete Darstellung des Entwicklungsganges der
-Malerei im letzten Jahrhundert gegeben. Meines Wissens gibt es in
-der ganzen modernen Kunstgeschichtschreibung keine annähernd so
-vortreffliche Darstellung des Wesens der Malerei seit 1860 bis zum
-Einbruch des Naturalismus, als sie H. im 6. Kap. seines Werkes gibt. Es
-ist ein Genuß, sich der meisterhaften Behandlung dieser Epoche ruhig
-hinzugeben.«
-
- (+Preuß. Jahrb.+)
-
-
- +Der Impressionismus.+ V. Prof. B. Lazar. Mit 1 farb. Tafel u. 32
- Abb. auf Tafeln. Geh. M. 1.--, geb. M. 1.25
-
-Betrachtet Werden und Wesen des Impressionismus bis in die jüngste
-Zeit, mit besonderer Betonung der geschichtlichen Entwicklung u. mit
-Charakterisierung aller großen impressionistischen Maler der Neuzeit.
-
-
- +Die künstlerische Photographie.+ Entwicklung, Probleme,
- Bedeutung. V. ~Dr.~ W. Warstat. M. Bilderanh. Geh. M. 1.--,
- geb. M. 1.25
-
-
- +Deutsche Kunsterziehung.+ Im Auftrage des Deutschen
- Landesausschusses für den III. Internat. Kongreß zur
- Förderung des Zeichen- und Kunstunterrichts veröffentl. Mit
- Schülerzeichn. aus Preußen, Bayern, Sachsen u. Hamburg auf 16
- Taf. Ausstattung des Buches v. Prof. P. Behrens. Geh. M. 2.--
-
-+Inhalt+: +L. Pallat+: Zeichenunterricht. +G. Kerschensteiner+: Die
-Entwicklg. d. zeichner. Begabung. +P. Jessen+: Handarbeit u. Kunst.
-+G. Pauli+: Das deutsche Bilderbuch. +P. Hermann+: Das Wandbild in der
-Schule. +C. Götze+: Junge Kräfte. +A. Lichtwark+: Die Entwicklung der
-deutschen Kunstmuseen.
-
-
- +Die Erziehung d. Anschauung.+ Von Prof. H. E. Timerding. Mit 164
- Fig. Geh. M. 4.80, in Leinw. geb. M. 5.60
-
-
- +Wandtafel und Kreide+ im Elementarunterricht. Gedächtniszeichn.
- m. erläut. Text von Lehrer Othmer. 25 bunte Taf. mit
- Erläuterungsheft. In Mappe M. 6.50
-
-
- +Die Technik des Tafelzeichnens.+ Von ~Dr.~ Ernst Weber. 3.
- Aufl. 40 teils farb. in Kreidetechnik gezeichn. Taf. nebst 1
- Erläuterungsheft m. 6 Illustr. In Mappe M. 6.--
-
-
- +Das darstellende u. schmückende Zeichnen in der Volksschule+ auf
- der Grundlage der Arbeitsidee. Eine Lehrplanskizze von Lehrer
- P. Wendler. Mit 9 Taf. (1 farb.) und 4 Abbildungen. Geh. M. 2.--
-
-
- +Technisches Zeichnen.+ Von Prof. Horstmann, Regierungs- u.
- Gewerbeschulrat Geh. M. 1.--, geb. M. 1.25
-
-
- +Lebendiges Papier.+ Erfindgn. u. Entdeckung. ein. Knaben. Der
- eig. Jugenderinner. nacherz. v. ~Dr.~ E. Weber. Mit 24 Taf. M.
- 2.50
-
-
- +Bau und Leben der bildenden Kunst.+ Von ~Dr.~ Theodor Volbehr.
- Mit 44 Abb. Geh. M. 1.--, in Leinw. geb. M. 1.25
-
-»Im Gegensatz zu den Kompendien und Leitfaden alten Stils, die,
-die ›Stile‹ nach ihren äußeren Merkmalen klassifizieren, sucht der
-Verfasser von einem neuen Standpunkte aus in das Verständnis des Wesens
-der bildenden Kunst hineinzuführen. In durchaus allgemeinverständlicher
-Darstellung führt uns das Buch in das Verständnis der
-Künstlerpersönlichkeit als des für die Kunst entscheidenden Faktors
-ein. Die Entwicklung eigener Ansichten verleiht dem feinsinnigen Buche
-hohen Reiz, so daß es auch der Künstler u. der Kunstgelehrte nicht ohne
-Anteilnahme lesen wird.«
-
- (+Zeitschrift f. d. gewerbl. Unterricht.+)
-
-
- +Die Entwicklungsgeschichte der Stile in der bildenden Kunst.+
- Von ~Dr.~ Ernst Cohn-Wiener Bd. I: Vom Altertum bis zur Gotik.
- Mit 57 Abb. Bd. II: Von der Renaissance bis zur Gegenwart. Mit
- 31 Abb. Geh. je M. 1.--, in Lw. geb. je M. 1.25
-
-»... Ein feinsinniges, in hohem Grade anregendes Werk von ersichtlich
-starker Selbständigkeit seines geistigen Gehaltes. Wir empfehlen Cohns
-Darlegungen mit ihrem klaren, angenehmen Fluß d. Darstellung der
-nachdenklichen Kenntnisnahme.«
-
- (+St. Galler Bl.+)
-
-
- +Zur Architektur u. Plastik des früheren Mittelalters.+
- Untersuchungen v. ~Dr.~ G. Weise. M. Abb. [U. d. Pr.]
-
-Die hier vereinigten Einzeluntersuchungen wollen als Vorarbeiten zu
-einer umfassenden Geschichte der Architektur und Plastik des früheren
-Mittelalters neue Ergebnisse für die wichtigste Voraussetzung zur
-Erkenntnis ihres Entwicklungsganges durch eine möglichst genaue
-Datierung der erhaltenen Werke gewinnen und so für die karolingische
-und merowingische Zeit eine Vermehrung dieses Materials liefern. In
-drei Aufsätzen sind die Ergebnisse der von dem Verfasser in jüngster
-Zeit an verschiedenen karolingischen Denkmälern durchgeführten
-Grabungen niedergelegt. Eine Reihe kleinerer Aufsätze bringen den
-Versuch, das heute der Forschung zugängliche Material an karolingischen
-Denkmälern durch Rekonstruktion einzelner verschwundener Bauten auf
-Grund der Quellennachrichten zu bereichern.
-
-
- +Michelangelo.+ Eine Einführung in das Verständnis seiner Werke.
- Von Prof. Ed. Hildebrand. Mit 1 Titelbild u. 43 Abb. i. Text.
- Geh. M. 1.--, geb. M. 1.25
-
-»Dies Buch dürfte zu den besten populären Werken über M. gehören.
-In überzeugenden, klaren Worten behandelt der Verfasser das
-übermenschliche Werk dieses großen Meisters, sein Leben und sein
-Wirken. Bücher wie diese sind dazu geschaffen, tieferes Interesse
-an der Kunst zu erzeugen, zur Veredelung d. Masse im besten Sinne
-beizutragen.«
-
- (+Der Architekt.+)
-
-
- +Deutsche Baukunst+. Von Geh. Reg.-Rat Prof. ~Dr.~ Ad. Matthaei.
- 3 Bände. Bd I: Deutsche Baukunst im Mittelalter. 3. Aufl. Mit
- 29 Abb. Bd. II: Deutsche Baukunst seit dem Mittelalter bis zum
- Ausgang des 18. Jahrhunderts. Mit 62 Abb. und 3 Tafeln. Bd.
- III: Deutsche Baukunst im 19. Jahrhundert und in der Gegenwart.
- Mit 35 Abb. Geh. je M. 1.--, geb. je M. 1.25, in 1 Bd. geb. M.
- 3.75
-
-»... In bündiger, überaus verständlicher Sprache entrollt der Verfasser
-die Entwicklungsgeschichte der deutschen Baukunst. Das Buch ist so
-recht geeignet, das zu erfüllen, was der Verfasser am Schlusse des
-Buches als Zweck desselben ausspricht: ›Den Laien Klarheit schaffen
-über die Fragen der Baukunst und die Künstler auf jene Zeit hinweisen,
-in der die Baukunst der Ausdruck deutschen Wesens war, und in denen
-noch manche entwicklungsfähigen Keime ruhen dürften‹.«
-
- (+Kunst und Handwerk.+)
-
-
- +Die Entwicklungsphasen der neueren Baukunst.+ Von ~Dr.~ Paul
- Frankl. Mit 50 Abb. im Text u. 24 Abb. auf Tafeln. Geh. M.
- 6.--, geb. M. 7.50
-
-+Inhalt+: Problem u. Methode. Die Entwicklungsphasen der Raumform
--- der Körperform -- der Bildform -- der Zweckgesinnung. Das
-Unterscheidende und das Gemeinsame der vier Phasen.
-
-Das Problem, die Architekturstile seit der Renaissance streng zu
-definieren, wird hier von neuem aufgenommen. Die Methode ist die, daß
-die vier Elemente der Architektur, Raumform, Körperform, Bildform und
-Zweckgesinnung, für sich untersucht werden und die Stilmerkmale, die
-für jede der Stilphasen, Renaissance, Barock, Rokoko und Klassizismus,
-als die entscheidenden gelten sollen, auf die allgemeinste Formulierung
-gebracht werden. Der gemeinsame Grundzug der ganzen Periode ist
-die Beziehung zur Antike zunächst und daraus folgend zu einem die
-Kunst verwissenschaftlichenden Begriff von Richtigkeit, der zuletzt
-sich ausweitet zu einem Nebeneinander und Nacheinander anerkannter
-Stilrichtigkeiten im 19. Jahrhundert.
-
-
- +Die Begründung der modernen Ästhetik und Kunstwissenschaft durch
- Leon Battista Alberti.+ Eine kritische Darstellung als Beitrag
- zur Grundlegung der Kunstwissenschaft. Von ~Dr.~ W. Flemming.
- [Unter der Presse.]
-
-Muß Galilei der Begründer der modernen Naturwissenschaft genannt
-werden, so darf sein etwas älterer Zeitgenosse L. B. Alberti der
-Vater der modernen Kunstwissenschaft heißen. Bedeutungsvoller noch
-als seine Einzelergebnisse ist seine Methode. Diese herauszuarbeiten,
-ihre Fruchtbarkeit zu erweisen und also den Weg des Florentiners
-weiterzuschreiten, ist das Ziel dieser Darstellung.
-
-
- +Planimetrie zum Selbstunterricht.+ Von Prof. P. Crantz. Mit 99
- Fig. Geh. M. 1.--, geb. M. 1.25
-
-Macht, ohne auf wissenschaftliche Strenge zu verzichten, in einfacher
-und allgemein verständlicher Darstellung, die durch historische
-Bemerkungen belebt wird, mit den Grundlehren der ebenen Geometrie
-vertraut, wobei besonders der Zusammenhang der einzelnen Sätze und ihr
-Nutzen durch Angabe praktischer Anwendungen hervorgehoben wird und
-reichliche Übungsaufgaben nebst Lösungen beigegeben sind.
-
-
- +Arithmetik und Algebra zum Selbstunterricht.+ V. Prof. P.
- Crantz. 2 Bde. I. Teil: Die Rechnungsarten. Gleichungen
- ersten Grades mit einer u. mehreren Unbekannten. Gleichungen
- zweiten Grades. Mit 9 Fig. 3. Aufl. II. Teil: Gleichungen.
- Arithmetische u. geometrische Reihen. Zinseszins- u.
- Rentenrechnung. Komplexe Zahlen. Binomischer Lehrsatz. Mit 21
- Fig. 2. Aufl. Jeder Bd. geh. M. 1.--, geb. M. 1.25
-
-... Will in leicht faßlicher u. für das Selbststudium geeigneter
-Darstellg. über d. Anfangsgründe der Arithmetik u. Algebra unterrichten.
-
-
- +Ebene Trigonometrie z. Selbstunterricht.+ Von Prof. P. Crantz.
- Mit 50 Fig. Geh. M. 1.--, geb. M. 1.25
-
-Will wie die andern in der Sammlung »Aus Natur und Geisteswelt«
-erschienenen Bändchen über Arithmetik und Algebra und die Planimetrie
-in leicht verständlicher Weise mit den Grundlehren der Trigonometrie
-bekannt machen. +Vollständig gelöste Aufgaben und praktische
-Anwendungen+ sind zur Erläuterung eingefügt.
-
-
- +Analytische Geometrie zum Selbstunterricht.+ V. Prof. P. Crantz.
- Mit 55 Fig. Geh. M. 1.--, geb. M. 1.25
-
-Die für den Selbstunterricht bestimmte leicht verständliche Darstellung
-führt namentlich durch Beigabe zahlreicher ausführlich gelöster
-Aufgaben rasch zu völliger Beherrschung des Stoffes.
-
-
- +Einführung in die projektive Geometrie.+ Von Prof. ~Dr.~ M.
- Zacharias. Mit 18 Fig. Kart. M. --.80
-
-»Der Leser bekommt ein klares Bild von der Entstehung der projektiven
-Geometrie, er kann verfolgen, wie sie sich allmählich zur ›Geometrie
-der Lage‹ entwickelt hat. Mühelos lernt er eine Reihe der wichtigsten
-Lehrsätze in diesem Gebiete kennen und sieht, welche Aufgaben mit
-Hilfe dieser Sätze gelöst werden können. Gute, in den Text eingereihte
-Figuren unterstützen im hohen Maße das Verständnis der theoretischen
-Ausführungen. Wir können die Schrift bestens empfehlen.«
-
- (+Wochenschr. f. d. öffentl. Baudienst.+)
-
-
- +Konstruktionen in begrenzter Ebene.+ Von Direktor P. Zühlke. Mit
- 65 Fig. Kart. M. --.80
-
-»Selbst erfahrene Fachmänner auf diesem Gebiete werden gewiß Neues
-finden, so die Hinweise auf die ältesten, bei den Aufgaben in Frage
-kommenden Fachschriften und einige Konstruktionen, die überhaupt
-noch nicht veröffentlicht worden sind ... Druck und Ausstattung sind
-tadellos. Es kann Interessenten wärmstens empfohlen werden.«
-
- (+Österr. Zeitschr. f. Vermessungswes.+)
-
-
- +Schattenkonstruktionen+ für den Gebrauch an Baugewerkschulen,
- Gewerbeschulen u. ähnl. Lehranstalten sowie zum Selbstunter.
- von Baugewerkschullehrer J. Hempel. Mit 51 Fig. u. 20 Tafeln
- praktischer Beispiele in Lichtdruck. In Leinw. geb. M. 5.--
-
-Von d. Voraussetzung ausgehend, daß allein ein klares Erfassen des
-Raumvorgangs den prakt. Zeichner zum sicheren Konstruieren befähigen
-kann, gibt der Verfasser nach einem einleitenden Text mit zahlr.
-Übungsbeispielen kurze Erläuterungen d. angewandten Lösungsverfahren.
--- Den parallelprojektiven Schattenkonstruktionen ist noch eine
-kleinere Gruppe perspektivischer Schattenkonstruktionen angefügt.
-
-
- +Das Licht u. die Farben.+ 6 Vorles., geh. im
- Volkshochschulverein München. Von Prof. ~Dr.~ L. Graetz. 3.
- Aufl. Mit 117 Abb. Geh. M. 1.--, in Leinwand geb. M. 1.25
-
-Führt, von den einfachsten optischen Erscheinungen ausgehend, zur
-tieferen Einsicht in die Natur des Lichtes u. der Farben, behandelt,
-ausgehend v. der scheinbar geradlinigen Ausbreitung, Zurückwerfung und
-Brechung des Lichtes, das Wesen der Farben, die Beugungserscheinungen
-und die Photographie.
-
-
- +Die optischen Instrumente.+ Von ~Dr.~ M. von Rohr. 2., verm. u.
- verb. Aufl. Mit 88 Abb. Geh. M. 1.--, geb. M. 1.25
-
-»Wer die Schwierigkeiten u. den Umfang der Abbeschen Theorie der
-optischen Instrumente kennt, wird der vortrefflichen allgemein
-verständlichen Darstellung seine Anerkennung nicht versagen können.
-Jedem, der sich über den jetzigen Stand oder irgendeine Frage der
-Optotechnik rasch belehren will, kann das Buch wärmstens empfohlen
-werden.«
-
- (+Streffleurs militär. Zeitschrift.+)
-
-
- +Das Stereoskop und seine Anwendungen.+ Von Prof. Th. Hartwig.
- Mit 40 Abb. im Text u. 19 stereoskop. Taf. Geh. M. 1.--, geb.
- M. 1.25
-
-Behandelt die verschiedenen Erscheinungen u. praktischen
-Anwendungen der Stereoskopie, insbesondere die stereoskopischen
-Himmelsphotographien, die stereoskopische Darstellung mikroskopischer
-Objekte, das Stereoskop als Meßinstrument und Bedeutung und Anwendung
-des Stereokomparators, insbesondere in bezug auf photogrammetrische
-Messungen.
-
-
-Verlag von B. G. Teubner in Leipzig und Berlin
-
-
-
-
- Weitere Anmerkungen zur Transkription
-
-
- Der Katalog »Aus Natur und Geisteswelt« wurde entfernt, er
- steht auf Project Gutenberg als Projekt 53614 zur Verfügung.
-
- Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert.
-
- Korrekturen:
-
- S. 36: D_{1} → D_{2}
- ~AD_{3}~ = ~AD_{1}~ = ~A{D_{2}}~
-
- S. 99: o → O
- um das Auge _{O}_ eine Kugel
-
-
-
-
-
-End of the Project Gutenberg EBook of Grundzüge der Perspektive nebs
- Anwendungen, by Karl Doehlemann
-
-*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK GRUNDZÜGE DER PERSPEKTIVE ***
-
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