diff options
| author | nfenwick <nfenwick@pglaf.org> | 2025-02-07 15:57:41 -0800 |
|---|---|---|
| committer | nfenwick <nfenwick@pglaf.org> | 2025-02-07 15:57:41 -0800 |
| commit | a6c6800ccb1dc91d9ca1b8806454658400e37b1a (patch) | |
| tree | daa9ade8122d006c82492623e86c86093cb9e1ac /old/55580-h | |
| parent | 1a61ce02ad4a25e07b63e17ed9af8a6ff9fdc342 (diff) | |
Diffstat (limited to 'old/55580-h')
| -rw-r--r-- | old/55580-h/55580-h.htm | 7271 | ||||
| -rw-r--r-- | old/55580-h/images/cover.jpg | bin | 55729 -> 0 bytes |
2 files changed, 0 insertions, 7271 deletions
diff --git a/old/55580-h/55580-h.htm b/old/55580-h/55580-h.htm deleted file mode 100644 index dc42d7b..0000000 --- a/old/55580-h/55580-h.htm +++ /dev/null @@ -1,7271 +0,0 @@ -<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD XHTML 1.0 Strict//EN" - "http://www.w3.org/TR/xhtml1/DTD/xhtml1-strict.dtd"> -<html xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"> -<head> -<meta http-equiv="Content-Type" content="text/html; charset=ISO-8859-1" /> -<title>The Project Gutenberg eBook of Das wandernde Licht, by Ernst von Wildenbruch</title> -<link rel="coverpage" href="images/cover.jpg" /> -<style type="text/css"> - -body {margin-left: 10%; margin-right: 10%;} -h1, h2 {text-align: center; line-height: 1.5;} -h1 {font-size: 200%; font-weight: normal; margin-top: 2em;} -h2 {font-size: 125%; font-weight: normal; margin-top: 6em;} - -p {text-indent: 1em; text-align: justify; margin-top: 0.75em; margin-bottom: 0.75em;} - -hr {width: 15%; margin-top: 1.5em; margin-bottom: 1.5em; page-break-before: avoid;} - -.ad {text-align: left; text-indent: -1em; padding-left: 1em;} -.ce {text-align: center; text-indent: 0;} -.ci {margin-left: 5%; margin-right: 5%; text-indent: 0;} -.ge {font-style: normal; letter-spacing: .12em; padding-left: .12em;} -.in0 {text-indent: 0;} -.nd {text-decoration: none;} -.lh2 {line-height: 1.5;} -.si {margin-right: 5%; text-align: right; text-indent: 0; page-break-before: avoid;} -.sb {font-size: 110%; letter-spacing: .06em; padding-left: .06em;} -.ss {font-size: 95%; font-family: sans-serif;} -.mw20 {max-width: 20em; text-align: center; text-indent: 0; margin-left: auto; margin-right: auto;} -.mw48 {max-width: 48em; text-align: center; text-indent: 0; margin-left: auto; margin-right: auto;} -.pb {page-break-before: always;} -.nopb {page-break-after: avoid;} - -.fsxl {font-size: 125%;} -.fsl {font-size: 110%;} -.fss {font-size: 85%;} -.fsxs {font-size: 70%;} - -.mb1 {margin-bottom: 1.5em;} - -.mt0 {margin-top: 0;} -.mt1 {margin-top: 1.5em;} -.mt2 {margin-top: 2em;} -.mt4 {margin-top: 4em;} - -a[title].pagenum {position: absolute; right:3%;} - -a[title].pagenum:after { - content: attr(title); - border: 1px solid silver; - display: inline; - font-size: x-small; - text-align: right; - color: #808080; - background-color: inherit; - font-style: normal; - padding: 1px 4px 1px 4px; - font-variant: normal; - font-weight: normal; - text-decoration: none; - text-indent: 0; - letter-spacing: 0; -} - - h1.pg { line-height: 1; - font-size: 190%; - font-weight: bold; - margin-top: 0em; - clear: both; } - h2.pg { line-height: 1; - font-size: 135%; - font-weight: bold; - margin-top: 1.5em; - clear: both; } - h3 { text-align: center; - clear: both; } - hr.full { width: 100%; - margin-top: 3em; - margin-bottom: 0em; - margin-left: auto; - margin-right: auto; - height: 4px; - border-width: 4px 0 0 0; /* remove all borders except the top one */ - border-style: solid; - border-color: #000000; - clear: both; } -</style> -</head> -<body> -<h1 class="pg">The Project Gutenberg eBook, Das wandernde Licht, by Ernst von Wildenbruch</h1> -<p>This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States -and most other parts of the world at no cost and with almost no -restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it -under the terms of the Project Gutenberg License included with this -eBook or online at <a -href="http://www.gutenberg.org">www.gutenberg.org</a>. If you are not -located in the United States, you'll have to check the laws of the -country where you are located before using this ebook.</p> -<p>Title: Das wandernde Licht</p> -<p>Author: Ernst von Wildenbruch</p> -<p>Release Date: September 19, 2017 [eBook #55580]</p> -<p>Language: German</p> -<p>Character set encoding: ISO-8859-1</p> -<p>***START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DAS WANDERNDE LICHT***</p> -<p> </p> -<h3>E-text prepared by the Online Distributed Proofreading Team<br /> - (http://www.pgdp.net)</h3> -<p> </p> -<hr class="full" /> -<p> </p> -<p> </p> -<p> </p> - -<p class="ce lh2"><span class="fsl">Engelhorns Allgemeine Romanbibliothek.</span><br /> -Eine Auswahl der besten modernen Romane aller Völker.<br /> -Zehnter Jahrgang. Band 3.</p> - -<h1>Das wandernde Licht.</h1> - -<p class="ce lh2"><span class="fsl">Novelle</span><br /> -von<br /> -<span class="fsxl">Ernst von Wildenbruch.</span></p> - - -<p class="ce mt4"><b>Stuttgart.</b><br /> -<span class="ge">Verlag von J. Engelhorn.</span><br /> -1893.</p> - - -<p class="ce fss mt4">Alle Rechte, namentlich das Übersetzungsrecht, vorbehalten.</p> - -<p class="ce fsxs mt2">Druck der Union Deutsche Verlagsgesellschaft in Stuttgart.</p> - - - - -<p class="pb mt4"><a class="pagenum" id="page_003" title="3"> </a> -An der kleinen Station, die nicht weit hinter Breslau -an dem großen Schienenstrange liegt, der, Schlesien durchquerend, -Berlin mit Wien verbindet, war zu später Abendstunde -der Eisenbahnzug angekommen.</p> - -<p>Es war keiner von den Kurierzügen; wenige Fahrgäste -nur saßen in den Wagen verteilt; auf der Station -stiegen nicht mehr als zwei Reisende aus. Dies waren -zwei Männer, von denen der eine, der bejahrter und dicker -als der andre war, sogleich von dem Gepäckträger des Bahnhofs -in Empfang genommen und begrüßt wurde. Er schien -am Orte bekannt zu sein, und das war natürlich genug, -denn es war der Arzt, der in der kleinen, etwa zwei Meilen -hinter der Station landeinwärts gelegenen Stadt seinen -Wohnsitz hatte.</p> - -<p>»Ist der Wagen da?« fragte er den Gepäckträger, -dem er seine Reisetasche anvertraute; er war offenbar nur -zu einem kurzen Ausfluge von Hause fort gewesen.</p> - -<p>»Is da, Herr Dukter,« erwiderte jener; »die Frau -Dukter hat och den Mantel für'n Herrn mit eingelegt, wird -aber nicht nötig sein, is scheenes Wetter heut abend zur -Nacht.«</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_004" title="4"> </a> -Jetzt wandte sich der Arzt an den Mitreisenden.</p> - -<p>»Wollen Sie nicht auch nach – fahren?« Und er -nannte den Namen des Städtchens.</p> - -<p>Der Angeredete bejahte. Er wollte am nächsten Tage -noch weiter ins Land hinein; darum hatte er die Absicht gehabt, -in der Stadt zu übernachten.</p> - -<p>Mit einem raschen Blick stellte der Doktor fest, daß -außer einem Koffer nichts weiter an ihm hing.</p> - -<p>»Wenn's Ihnen also recht ist,« meinte er, »steigen Sie -mit ein, und wir fahren zusammen.«</p> - -<p>Das wurde angenommen, und bald darauf rasselte der -Wagen mit seinen Insassen durch das Gitterthor des Bahnhofgebäudes -auf die Chaussee hinaus, die sich im Mondlicht -wie ein weißes flimmerndes Band in das Land hinein -verlor.</p> - -<p>Es war, wie der Gepäckträger gesagt hatte, schönes -Wetter heut abend zur Nacht.</p> - -<p>Man befand sich im Juli; zu beiden Seiten der -Chaussee stand das reifende Korn auf den Feldern; über -dem weiten, flachen Lande lag die tiefe, süße Stille der -Sommernacht, nicht unterbrochen, sondern nur eindringlicher -gemacht durch das Gequak der Frösche, in das sich von Zeit -zu Zeit der dumpfe Ruf der Rohrdommel mischte.</p> - -<p>Um die Fahrt zu verkürzen, bog jetzt der Kutscher von -der Chaussee in einen Weg ab, der quer durchs Land einen -Bogen der großen Fahrstraße abschnitt. Obschon man hier -stellenweise durch sandigen Untergrund hindurch mußte, -blieben die kräftigen Braunen, die vor den Wagen gespannt -waren, in munterem Trabe, so daß man gut vom Flecke kam.</p> - -<p>Nach einer halben Stunde etwa tauchten vor den Reisenden -<a class="pagenum" id="page_005" title="5"> </a> -die dunklen Umrisse eines baumreichen Parks auf, und -indem man näher kam, sah man über den Bäumen ein -Haus emporsteigen. Vielleicht war es das Dunkel der Nacht, -welches die Linien des Gebäudes undeutlich machte – jedenfalls -erschien es, von hier unten gesehen, außerordentlich -groß, beinahe kolossal.</p> - -<p>»Ist das das Schloß, das zu dem Park gehört?« unterbrach -der zweite Reisende, der im Lande fremd zu sein -schien, die Stille, die bisher im Wagen geherrscht hatte.</p> - -<p>»Jawohl, das ist das Schloß,« erwiderte der Arzt. -»Ein gehöriger Kasten! Nicht wahr?«</p> - -<p>Die Bezeichnung traf zu. Einem ungeheuren finstern -Kasten sah das Bauwerk ähnlich, wie es in seiner schweren -Masse, lautlos, scheinbar leblos, auf der Terrasse über dem -Parke lag, und mit den schwarzen, lichtlosen Fenstern in die -dunkle Nacht hinausstierte.</p> - -<p>Indem die Blicke des Reisenden noch an dem merkwürdigen -Bilde hafteten, griff der Kutscher mit einem plötzlichen -Ruck in die Zügel, so daß die Pferde zum Stehen kamen.</p> - -<p>»Herr Dukter,« wandte er sich vom Bocke zum Wagen -um, »itze sucht er wieder – da!«</p> - -<p>Mit dem Peitschenstiele deutete er auf das Schloß hin; -die Augen des Arztes und seines Begleiters folgten der -angegebenen Richtung.</p> - -<p>In dem toten Hause war es lebendig geworden.</p> - -<p>Hinter einem der dunklen Fenster, und zwar demjenigen, -welches sich an der äußersten Ecke des Hauses befand, -dämmerte ein Lichtschein auf, der sich allmählich verstärkte, -so daß es aussah, als käme eine Leuchte aus dem hinteren -Teile eines weitläufigen Gelasses langsam nach vorn.</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_006" title="6"> </a> -Dann blieb das Licht stehen, flackerte eine Zeitlang -hin und her, als würde die Leuchte von der Hand, die sie -trug, im Kreise umhergeführt; alsdann verdunkelte sich das -erste Fenster, das danebenliegende wurde hell – das Licht -wanderte. Man konnte wahrnehmen, wie es aus dem ersten -Zimmer in das anstoßende Gemach ging. Dort blieb es -abermals stehen, und der Vorgang von vorhin wiederholte -sich. Aus dem zweiten wanderte es in das dritte, und so -die ganze lange Flucht von Zimmern entlang, und jedesmal -das flackernde Umherfahren, jedesmal aber hastiger, als -würde die Hand, die die Leuchte trug, immer erregter, als -suchte das Licht etwas in den Ecken der Gemächer, und -fände nicht, wonach es suchte. Wie das Ringen einer -stummen, verzweifelten Seele, beinahe gespensterhaft sah -das alles aus.</p> - -<p>Zwölf Fenster befanden sich in der langen Front des -Schlosses; an allen zwölf wanderte das Licht entlang, bis -daß es endlich in das letzte, von dem ersten Zimmer entfernteste -Gemach gekommen zu sein schien.</p> - -<p>Hier wurden die Bewegungen noch ungestümer als zuvor, -das Licht fuhr herauf und herab, daß es aussah, als -suchte es am Fußboden umher.</p> - -<p>»Itze is er in ihrem Schlafzimmer,« sagte der Kutscher, -der kein Auge von dem Vorgange verwandt hatte.</p> - -<p>»Ja, jetzt ist er in ihrem Schlafzimmer,« bestätigte der -Arzt. In dem Augenblick aber trat eine neue Erscheinung ein: -das Licht, das ganz tief am Boden umhergeglitten war, als -suchte es unter Möbeln und Betten, wurde plötzlich hoch -gehoben und stand ruhig und still, ohne weiter umherzuirren -und zu flackern. Es sah aus, als wäre eine andre, festere -<a class="pagenum" id="page_007" title="7"> </a> -Hand hinzugekommen, die es der ersten abgenommen hatte -und emporhielt. Dies dauerte einige Zeit, dann verdämmerte -der Lichtschein nach dem Hintergrunde des Zimmers, verschwand -sodann völlig, und gleich darauf lag das Schloß -wieder finster und leblos da, wie es zuvor gelegen hatte.</p> - -<p>»Itze is der Johann gekommen und hat ihn geheißen -vernünftig sein,« sagte der Kutscher, indem er leise in sich -hineinlachte, wie jemand, der sich gegrauelt hat und froh -ist, daß der Spuk zu Ende ist.</p> - -<p>»Es scheint,« erwiderte der Arzt, »jetzt ist der Johann -gekommen. Also – fahr auch zu.«</p> - -<p>Er lehnte sich zurück; der Kutscher schnalzte mit der -Zunge, und die Pferde zogen wieder an. Wenige Minuten -später lag das Schloß den Fahrenden im Rücken.</p> - -<p>Der zweite Reisende, der das abenteuerliche Schauspiel -schweigend beobachtet hatte, wandte sich jetzt an seinen Begleiter. -Aus dem Gespräche des Arztes und des Kutschers -hatte er entnommen, daß der rätselhafte Vorgang ihnen -verständlich erschien.</p> - -<p>»Können Sie mir denn sagen,« fragte er, »was das -alles für eine Bewandtnis hat?«</p> - -<p>Es erfolgte zunächst keine Antwort. Der Arzt saß in -seiner Wagenecke und brummte vor sich hin; er schien nicht -recht aufgelegt, Auskunft zu erteilen.</p> - -<p>»Sie sind wohl nicht aus der Gegend?« fragte er -dann zurück.</p> - -<p>»Nein – warum?«</p> - -<p>»Hm – nu ja –« meinte der Arzt, »weil sonst – -haben Sie nie von den Fahrenwalds gehört?«</p> - -<p>»Fahrenwalds?«</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_008" title="8"> </a> -»Nu ja – die Freiherren von Fahrenwald.«</p> - -<p>»Niemals gehört,« versicherte der Gefragte.</p> - -<p>Der Arzt brummte wieder vor sich hin; es klang beinahe -wie Mißbilligung. Als echter Schlesier konnte er kaum -begreifen, daß jemand von einem Geschlechte, wie das der -Fahrenwalds, nichts wissen sollte.</p> - -<p>»Gehört denen das Schloß?« fuhr der Reisende nach -einer Pause fort.</p> - -<p>»Nu, das versteht sich,« entgegnete der Arzt, »der -Baron, der jetzt da oben sitzt, ist der letzte von ihnen.«</p> - -<p>Er drückte sich tiefer in seinen Sitz.</p> - -<p>»Aber wenn Sie fremd sind – es sind Sachen – -man thut schon besser, man spricht nicht viel davon.«</p> - -<p>Der andre wurde immer neugieriger.</p> - -<p>»Ist etwas los mit dem jetzigen Baron?«</p> - -<p>»Nu – was soll mit ihm los sein?« sagte der Arzt, -dessen Antworten immer zögernder wurden, »man könnte -halt eben von ihm sagen: es blakt bei ihm ein wenig.«</p> - -<p>»Es – blakt?« fragte der Gefährte. »Was meinen -Sie damit?«</p> - -<p>Der Arzt lachte in sein feistes Doppelkinn.</p> - -<p>»Nu, sehen Sie, das Gehirn der Menschen, damit ist's -so ungefähr wie mit den Lampen. Bei den einen brennt das -ruhig und manierlich, bei den andern flickert's und flackert's, -und endlich gibt's welche, bei denen die Lampe blakt.«</p> - -<p>»Also – irrsinnig?«</p> - -<p>Der Arzt schlug mit der Hand durch die Luft und -wandte den Kopf nach der andern Seite.</p> - -<p>Eine längere Pause entstand.</p> - -<p>Dann fing der andre wieder an.</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_009" title="9"> </a> -»Und – er hat also eine Frau?«</p> - -<p>Der Arzt warf den Kopf herum.</p> - -<p>»Wieso?« fragte er.</p> - -<p>»Nun – weil Sie doch vorhin sagten, daß er jetzt in -ihrem Schlafzimmer wäre.«</p> - -<p>Der Arzt stieß einen schnaubenden Seufzer aus. Es -war ihm offenbar nicht lieb, daß er so ausgeholt wurde, -und er ärgerte sich, daß er schon zuviel gesagt hatte.</p> - -<p>»Eine Frau,« sagte er dann, »kann ja sein, daß er -eine hat, oder wenigstens gehabt hat. Aber das ist eine -Sache, wo es schon am besten ist, wenn man halt gar nicht -davon spricht.«</p> - -<p>Er seufzte noch einmal; seine Stimme sank herab, daß -es wie ein Selbstgespräch klang: »Die Frauensleute – das -ist ja manchmal nicht viel anders als die Schafe, die ins -Feuer laufen, weil es glänzt. Nachher, wenn sie drinnen -sind, merken sie, daß es auch brennt, aber dann ist's zu -spät.«</p> - -<p>Er schüttelte die Achseln und reckte sich auf.</p> - -<p>»Aber, wie gesagt – da wird alles Mögliche geredet – -denn wovon reden die Leute nicht – und wenn man nachher -zusieht, wer etwas weiß, ist niemand, der etwas Sicheres -weiß. Darum mein' ich schon, es ist halt das beste, man -spricht nicht davon. Und ich für mein Teil, ich meine, es -ist gut, wenn einer keine Verpflichtung hat, sich um gewisse -Dinge zu bekümmern. Dann soll er sich auch nicht darum -bekümmern. Und ich habe keine Verpflichtung, mich geht's -nichts an – also bekümmere ich mich nicht drum.«</p> - -<p>Damit lehnte er sich tief in die Wagenecke zurück, wie -jemand, der genug gesagt hat und nichts weiter sagen will. -<a class="pagenum" id="page_010" title="10"> </a> -Der andre schien es zu fühlen und schwieg. Die Andeutungen -des Arztes hatten ihm die Sache beinahe noch dunkler gemacht, -als sie gewesen war. Irgend ein Vorgang mußte -sich da oben abgespielt haben, vielleicht sogar ein schrecklicher, -aber was?</p> - -<p>Immerfort sah er das stumme Licht hinter den Fenstern -des toten Hauses dahinwandern, von Zimmer zu Zimmer, -wie ein schlummerloses böses Gewissen, immerfort das -zuckende Umherfahren der Leuchte, das Suchen in den Ecken -der Gemächer, am Fußboden entlang, unter Möbeln und -Betten, das wilde verzweifelte Suchen. Wer war der nächtliche -Wanderer? Wen suchte das Licht? Ein Schauder bedrückte -ihm das Herz – was mochte das finstere Haus gesehen -haben?</p> - -<hr /> - -<p>In den Breslauer Gesellschaftskreisen war vor einiger -Zeit eine Persönlichkeit aufgetreten, deren Erscheinen in den -Familien, denen sie Besuch machte, jedesmal eine gewisse -Aufregung, eine Mischung von geschmeicheltem Stolz und -von beklommener Sorge hervorrief. Das war der Baron -Eberhard von Fahrenwald.</p> - -<p>Alle Welt kannte den Namen und den Reichtum des -Geschlechts, alle Welt aber munkelte auch, daß es mit den -Fahrenwalds nicht recht richtig sei.</p> - -<p>Jahrelang nach dem Tode des Vaters war der Baron -Eberhard unsichtbar, wie verschwunden gewesen. Wo hatte -er gesteckt? Einige behaupteten, er hätte Reisen um die -Welt gemacht, andre, er wäre gar nicht von seinem Schlosse -fortgekommen, sondern hätte vergraben und verborgen unter -<a class="pagenum" id="page_011" title="11"> </a> -seinen Büchern gelebt, eine dritte Art von Berichterstattern -endlich wußte zu erzählen, daß er ganz einfach in einer Anstalt -untergebracht gewesen sei. Anverwandte, von denen -man Gewisses und Genaues hätte erfahren können, waren -nicht vorhanden; die Fahrenwalds waren wie ein alter, verdorrender -Baum, der keine Aeste mehr treibt, von dem nur -noch der Stamm übrig geblieben ist.</p> - -<p>Und nun tauchte diese geheimnisvolle Persönlichkeit -plötzlich auf, machte Besuche und that alles das, wodurch -Menschen anzudeuten pflegen, daß sie mit Menschen verkehren -wollen. Und doppelt auffällig – seine Besuche galten -vornehmlich den Familien, wo Töchter im Hause waren. -Was hatte das zu bedeuten? Etwa, daß er daran dachte –? -Man konnte es den Eltern im Grunde nicht verdenken, wenn -sie sich aufgeregt fühlten.</p> - -<p>Einen Freiherrn von Fahrenwald zum Schwiegersohn -zu besitzen, die eigene Tochter als Gebieterin eines großen -Vermögens, als Besitzerin eines von aller Welt gepriesenen -Herrensitzes zu wissen – unter normalen Umständen wäre -es ja ein Ziel gewesen, »aufs innigste zu wünschen«. Aber -so – wie nun einmal die Verhältnisse jetzt lagen –</p> - -<p>Erklärlicherweise bemächtigte sich die Aufregung der -Eltern in noch stärkerem Maße der Töchter selbst. Neugier -mischte sich mit Grauen; es war eigentlich ein noch nie -dagewesener Gesellschaftsreiz.</p> - -<p>Sobald es feststand, daß der »verrückte Baron« – -denn unter dieser Bezeichnung ging er kurzweg – zu -einer Gesellschaft eingeladen sei und erscheinen würde, -flogen die jungen Damen auf, von Haus zu Haus, herüber -und hinüber, und es gab ein Gewisper und Geflüster, -<a class="pagenum" id="page_012" title="12"> </a> -ein Kichern und Lachen, und ein wollüstig wonnevolles -Graueln.</p> - -<p>Wie doppelt begehrenswert man sich erschien! Wie -man sich gegenseitig darauf ansah, auf welche von ihnen -wohl der unheimliche Mensch die Augen richten, nach welcher -von ihnen er die Hand ausstrecken würde! Die blühenden -Wangen beugten sich zu einander, die kleinen Hände drückten -sich mit gegenseitigem Verständnis – es war wie ein erregter -Taubenschwarm, über dem der Habicht in Lüften steht.</p> - -<p>Man kann sich hiernach vorstellen, wie eigentümlich -und gepreßt der Empfang war, der dem Baron Eberhard -von Fahrenwald zu teil wurde, so oft er in Gesellschaften -erschien.</p> - -<p>Seine persönliche Erscheinung und die Art seines Auftretens -bestärkte alles das, was über ihn gemunkelt und -geredet wurde.</p> - -<p>Man wußte, daß er stets von seinem Diener begleitet -wurde, der nie von seinen Schritten wich und ihm zu jeder -Gesellschaft folgte.</p> - -<p>Dieser Diener war ein langer, hagerer, eisgrauer Mann, -mit einem von schweren Runzeln durchfurchten Gesicht, aus -dem eine starke, gekrümmte Nase hervorragte. Stets in -schwarzem Frack und weißer Krawatte, wie ein versteinerter -Ueberrest aus der Zeit, da es noch große Herren und große -Kammerdiener gab.</p> - -<p>Nie hatte man ein Wort aus seinem Munde vernommen, -kaum einmal hatte man gesehen, daß er nach rechts -oder links blickte – an einem einzigen Gegenstande haftete -sein Denken und Sinnen, das war sein Herr.</p> - -<p>Jeden Abend, wenn er den Baron zu einer Gesellschaft -<a class="pagenum" id="page_013" title="13"> </a> -begleitete, wiederholte sich ein besonderer Vorgang: er stand -hinter seinem Herrn und nahm ihm mit schweigender Würde -den Mantel ab; währenddem wandte der Baron sich zu ihm -um und sagte: »Geh nach Haus, Johann, und hole mich -nachher ab.« Jedesmal, so oft der Baron dieses sagte, -verneigte sich der alte Johann, feierlich wie ein Senator, -nahm den Mantel seines Herrn an sich und ging nicht nach -Haus. Im Dienerzimmer setzte er sich nieder, ernst, würdevoll -und schweigsam, und wartete, bis die Gesellschaft zu -Ende war. Sobald der Baron dann heraustrat, stand der -Alte schon wieder da, den Mantel in beiden Händen, stumm, -regungslos, wie eine Bildsäule. Natürlich hatten die Diener -und Hausmädchen der Häuser, wo die Gesellschaften stattfanden, -sich bemüht, den komischen alten Kerl zum Sprechen -zu bringen und über seinen Herrn auszuholen, aber sie hatten -ihre Versuche aufgeben müssen; sie hätten ebensogut zu einem -Stein sprechen können; der Alte hatte nicht einmal gethan, -als ob er sie überhaupt vernähme.</p> - -<p>Ein einziges Mal hatte er ein Lebenszeichen gegeben -– der Fall war sorgfältig registriert worden – als einmal -ein schnippisches Stubenmädchen in seiner Gegenwart -gesagt hatte, nun würde der Herr Baron wohl -nächstens heiraten und eine Frau Baronin nach Haus -bringen. Er wäre so zusammengezuckt, erzählte das Mädchen, -als er das gehört, daß es nicht anders ausgesehen -hätte, als wenn er sich schüttelte, und dann hätte er sie -mit einem Blick angesehen – ganz gräßlich, sagte das -Mädchen. Und dann hätte er die Achseln gezuckt, ganz hoch -hinauf, und alsdann wieder stumm dagesessen. Und das -Achselzucken, das hätte ausgesehen, als wollte er sagen: -<a class="pagenum" id="page_014" title="14"> </a> -»Was redst du denn? Weißt du denn nicht, daß er verrückt -ist?«</p> - -<p>Seitdem stand es für die Dienerschaft fest: der Baron -von Fahrenwald war verrückt. Der alte Johann war sein -Wärter, und der Wärter hatte es gesagt.</p> - -<p>Und aus dem Dienerzimmer flüsterte sich das, wie es -ja stets geschieht, in die herrschaftlichen Zimmer hinüber: -der Baron von Fahrenwald war verrückt.</p> - -<p>Und wer, der ihn ansah, hätte zweifeln können, daß -es wirklich also war?</p> - -<p>Wenn die Thür sich aufthat und er hereintrat mit -langsam schleppendem Schritt, ein langer, eckiger Mann, -mit dunklem, fast schwarzem Haar, das bleiche, beinahe -marmorweiße Gesicht von dunklem Barte umrahmt, dann -legte es sich unwillkürlich wie ein Alp auf die Anwesenden, -Wirte und Gäste, Herren und Damen.</p> - -<p>Und dieser Bann ging hauptsächlich von den Augen -des Mannes aus, die ganz tief, wie zwei dunkle tiefe Löcher -in dem bleichen Gesichte lagen, und aus denen ein starrender, -suchender, bohrender Blick hervorgekrochen kam, langsam, -beinahe wie ein Wurm.</p> - -<p>»Er sieht eigentlich kolossal interessant aus,« hatte die -junge Komtesse Karmsdorf, als sie ihn zum erstenmal erblickte, -hinter dem Fächer hervor zu ihren Freundinnen gesagt, -»aber da man weiß, wie es mit ihm steht, ist es des -Interessanten denn doch ein bißchen zu viel.«</p> - -<p>Die Freundinnen hatten kopfnickend und kichernd bestätigt, -daß es so sei, und als der Baron Miene machte, -auf sie zuzutreten, waren sie samt und sonders, wie von -einem panischen Schrecken erfaßt, nach einer andern Ecke des -<a class="pagenum" id="page_015" title="15"> </a> -Saales entwischt, und es hatte nicht viel gefehlt, so hätten -sie laut aufgekreischt.</p> - -<p>So erging es dem Baron Eberhard von Fahrenwald. -Die Wirte, die ihn eingeladen hatten, konnten sich seiner -Begrüßung natürlich nicht entziehen. Aber wenn er alsdann -mit schwerer, eckiger Verbeugung auf sie zutrat, sah -man ihm an, wie wenig er in fröhlich ausgelassene Gesellschaft -paßte. Er versuchte, sein Gesicht zu einem verbindlichen -Ausdruck zurechtzulegen, zu lächeln, aber das Lächeln -wollte sich so gar nicht mit dem bleichen, schwermütigen -Gesicht verstehen, es sah aus, als thäte es ihm weh.</p> - -<p>Beim Tanze blieb er Zuschauer, am Kartenspiel nahm -er nicht teil, so blieb er einsam, und das wiederholte sich in -jeder Gesellschaft, so daß man sich unwillkürlich fragte, wie -lange er die zwecklosen Besuche und Versuche fortsetzen -würde.</p> - -<p>Offenbar fühlte er das selbst, denn der Ausdruck dumpfer -Schwermut in seinem Gesichte verstärkte sich von einem zum -andern Mal, seine Bewegungen wurden immer schleppender, -es sah aus, als ermüdete der Mann unter der Last des -Daseins.</p> - -<p>So näherte sich der Winter seinem Ende. Ein großes -Ballfest wurde gegeben, dem der Baron, einsam und teilnahmlos -wie gewöhnlich, beiwohnte.</p> - -<p>Indem er, an den Thürpfosten des Nebenzimmers gelehnt, -dem wirbelnden Tanze zuschaute, der im Saale auf -und nieder flog, richtete er plötzlich das Haupt zur Seite – -es war ihm gewesen –</p> - -<p>Auf einem Stuhle, dicht an die Wand gerückt, saß ein -junges Mädchen. Sie nahm nicht teil am Tanze, offenbar, -<a class="pagenum" id="page_016" title="16"> </a> -weil sie nicht aufgefordert worden war, ein Mauerblümchen, -wie man zu sagen pflegt.</p> - -<p>Wenn man sie ansah, begriff man das einigermaßen; -sie hatte etwas Unscheinbares; sie war nicht besonders hübsch -und, wie es schien, arm. Ein schmaler Silberreif um den -Hals, das war der ganze Schmuck des jungen Körpers; -ihr dürftiges weißes Tüllkleidchen stach von den Gewandungen -ihrer reicheren, glücklicheren Altersgenossinnen ab.</p> - -<p>Indem der Baron den Kopf nach ihr umwandte, bemerkte -er, daß sie ihn schon längere Zeit von der Seite betrachtet -hatte. Er sah zwei runde, nicht besonders schöne, -aber unendlich gutmütige Augen, die stumm beobachtend, aber -ohne Neugier auf ihm ruhten. Jetzt, da er zu ihr hinblickte, -senkte sie die Augen, und er gewann Zeit, sie von -seiner Seite zu betrachten.</p> - -<p>Sie war in Verlegenheit etwas errötet; um den kleinen -Mund, der sich ein wenig nach vorn zuspitzte, war ein unmerkliches -Zittern; dadurch erhielt das ganze Gesichtchen -etwas Trauriges, beinahe, als wenn es mit verhaltenem Weinen -kämpfte.</p> - -<p>Er war also nicht der einzige Einsame heute abend; -da war noch eine, und er sah es ihr an, sie fühlte sich unglücklich. -Solch ein junges Mädchen, das zum Balle eingeladen, -nicht zum Tanze aufgefordert wird und in der Ecke -sitzen bleibt, leidet ja in Wirklichkeit ganz bitterlich; alle Qualen -der Zurücksetzung lasten auf der armen jungen Seele.</p> - -<p>Jetzt schrak die einsame Kleine leise auf, die Röte auf -ihren Wangen wich einer tiefen Blässe, ihre Hände, die -einen mageren Fächer im Schoße hielten, preßten sich zusammen -– der Baron Eberhard von Fahrenwald hatte sich -<a class="pagenum" id="page_017" title="17"> </a> -neben sie gesetzt. Sie hatte natürlich, wie alle andern, von -dem »verrückten Baron« erzählen gehört, und nun saß er -plötzlich neben ihr, nicht durch Zufall, sondern weil er sie -aufgesucht hatte. Es wurde ihr unheimlich zu Mute.</p> - -<p>Vorhin, als sie den blassen einsamen Mann, dem man -das Unglück am Gesicht ansah, an der Thür hatte lehnen -sehen, war ihr Herz ganz von tiefem Mitleid erfüllt gewesen -– jetzt fühlte sie eine Angst, die ihr die Nähe des -unheimlichen Menschen verursachte.</p> - -<p>Eine Zeit lang saßen beide schweigend, dann erhob der -Baron das Gesicht.</p> - -<p>»Es thut mir so leid,« sagte er, »daß ich nicht tanze, -gnädiges Fräulein, sonst würde ich um die Erlaubnis bitten, -Sie dort hineinführen zu dürfen.«</p> - -<p>Er hatte mit dem Kopfe nach dem Tanzsaale gedeutet; -mit unwillkürlichem Staunen wandte sie sich zu ihm um -und sah ihm ins Gesicht. War das die Stimme eines -»Verrückten«?</p> - -<p>Ein so tiefer, milder Wohlklang lag in den einfachen -Worten; etwas so Sanftes, so Warmes, so Gütiges kam von -ihm zu ihr herüber, daß es ihr war, als hätte eine Hand -ihre Hand erfaßt, mit liebem, tröstendem Drucke.</p> - -<p>Schweigend blickte sie ihn an und war sich kaum bewußt, -daß sie es that. Schweigend hielt er die Blicke in -die ihrigen gerichtet; in seinen tiefen geheimnisvollen Augen -erwachte etwas, wie eine sehnende Frage, wie ein Hoffen, -das sich nicht hervorgetraut, wie ein verstohlenes Leuchten -in lichtloser Nacht.</p> - -<p>So saßen die beiden, von niemand beachtet, nach -niemand fragend, wie zwei Leidensgefährten, die unausgesprochenes -<a class="pagenum" id="page_018" title="18"> </a> -Verständnis zu einander führt, und nach einiger -Zeit schob er, ohne ein Wort zu sagen, die Hand zu ihr -hin, und ohne ein Wort zu erwidern, löste sich ihre kleine -Hand vom Fächer, den sie immer noch krampfhaft umspannt -hielt, und senkte sich zitternd in seine Hand. Und als sie -nun den leidenschaftlichen Griff fühlte, mit dem er ihre -Finger zusammenpreßte, erschrak sie; aber als sie dann fühlte, -wie er sogleich, indem er ihren Schreck empfand, den Druck -mäßigte, faßte sie neues Vertrauen. Welche Aufmerksamkeit -sprach aus seiner Bewegung, welche Zartheit; es war, als -streichelten seine Finger ihre erschreckte Hand, als spräche -seine Hand: »Ich thue dir nichts, fürchte dich nicht.«</p> - -<p>Sie kamen dann ins Gespräch, und im Verlaufe desselben -erfuhr er Genaueres über die Kleine.</p> - -<p>Anna von Glassner hieß sie und war eine Waise. Ihre -Eltern hatten ihr so gut wie nichts hinterlassen, und weil -sie doch irgendwo bleiben mußte, war sie von einem entfernten -Onkel, einem alten pensionierten Major und dessen -Frau aufgenommen worden. Bei denen wohnte sie in -Breslau, und es war nicht schwer, aus ihren Andeutungen -zu entnehmen, daß der Aufenthalt ein ziemlich trübseliger war.</p> - -<p>Die alten, kränklichen, kinderlosen Leute besuchten keine -Gesellschaften, weil sie sie nicht erwidern konnten; bei Gelegenheiten, -wie die heutige eine war, ließen sie das junge -Mädchen allein gehen und durch das Dienstmädchen aus der -Gesellschaft abholen.</p> - -<p>»Wollten Sie mir sagen,« fragte sie nach einiger Zeit den -Baron, »welche Zeit es ist? Ich darf nicht zu spät nach -Haus kommen.« Der Baron sah nach der Uhr. Sie raffte -ihr dünnes Kleidchen zusammen. »Dann muß ich gehen.«</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_019" title="19"> </a> -»So früh schon?«</p> - -<p>»Mein Onkel und meine Tante schlafen so schlecht,« -erwiderte sie, »und haben es nicht gern, wenn ich sie so spät -in der Nacht störe.«</p> - -<p>Sie erhob sich; zugleich mit ihr stand er auf.</p> - -<p>»Ich werde auch gehen,« sagte er.</p> - -<p>Sie senkte das Köpfchen und errötete.</p> - -<p>Auf dem Flure draußen saß die Köchin, die sie erwartete. -Eine Person mit groben, mißmutigen Zügen, der man ansah, -wie wenig Vergnügen es ihr bereitete, daß sie, neben -der gewöhnlichen Tagesarbeit, jetzt auch noch durch die Winternacht -laufen mußte, um das »Fräulein« nach Haus zu bringen.</p> - -<p>Ein Paar Gummischuhe standen neben ihr, die sie dem -jungen Mädchen mit nicht übermäßiger Verbindlichkeit zuschob. -Während Anna ihre kleinen, mit weißen Atlasschuhen -bekleideten Füße in die Ueberschuhe zwängte, stand der Baron -hinter ihr und sah zu. Die Köchin trat heran und gab ihr -den Mantel um, ein dickes, schweres Kleidungsstück von -grobem, dunklem Tuch, unter dem die jugendliche Gestalt -ganz unkenntlich und unförmlich wurde. Jetzt wandte sich -Anna, und da sie den Baron noch immer stehen sah, wollte -sie mit einer flüchtigen Neigung des Kopfes an ihm vorüber.</p> - -<p>Mit einem hastigen Schritte war er an ihrer Seite.</p> - -<p>»Darf ich Sie um eine Gnade bitten?« fragte er.</p> - -<p>Erstaunt, beinahe erschreckt, blickte sie auf.</p> - -<p>»Wollen Sie meinen Wagen benutzen, damit er Sie -nach Haus bringt?«</p> - -<p>Nun erschrak sie wirklich.</p> - -<p>»Ach nein – wie könnte ich das – nein wirklich –«</p> - -<p>Er wich einen halben Schritt zurück; ihre Schüchternheit -<a class="pagenum" id="page_020" title="20"> </a> -erschien ihm als Angst; sie fürchtete sich also auch vor -ihm. Als er so jählings verstummte, erhob sie unwillkürlich -das Haupt. Sie sah, wie der Kummer in seine Züge zurückgekehrt -war.</p> - -<p>»Ich – weiß wirklich gar nicht« – begann sie stockend. -»Sie – sind wirklich – so gut zu mir –«</p> - -<p>Wie neubelebt trat er wieder heran.</p> - -<p>»Ach, wenn Sie es annehmen wollten,« flüsterte er, -»wenn Sie wüßten, was für eine Freude Sie mir damit bereiten -würden.«</p> - -<p>Nun konnte sie nicht mehr »nein« sagen; mit einer -leisen Neigung senkte sie das Haupt.</p> - -<p>Der Baron wandte sich rasch zurück. Hinter ihm stand -der alte Johann, den Pelzmantel seines Herrn in Händen, -regungslos wie eine Bildsäule, mit starren, sonderbaren Augen -auf den Baron und das Fräulein blickend.</p> - -<p>»Ist der Wagen da?« fragte der Baron.</p> - -<p>Der Alte verneigte sich mit schweigender Würde. Hurtig -fuhr der Baron in den Mantel, dann bot er Anna von -Glassner den Arm.</p> - -<p>»Darf ich Sie hinunterführen?«</p> - -<p>Von ihm geleitet stieg das junge Mädchen die Treppe -hinab; die Köchin folgte hinterdrein.</p> - -<p>Vor der Hausthür stand ein verdecktes Coupé mit einem -mächtigen Pferde bespannt; zwei strahlende Wagenlaternen -warfen ihr Licht in die Straße hinaus.</p> - -<p>Anna wich beinahe zurück – in solch' eleganten Wagen -sollte sie sich hineinsetzen?</p> - -<p>Der Baron aber hatte bereits den Schlag geöffnet und -bot ihr die Hand zum Einsteigen. Indem er ihre Hand ergriff, -<a class="pagenum" id="page_021" title="21"> </a> -zog er sie an die Lippen, und sie fühlte, wie er den -Mund darauf preßte, einmal, zweimal, leidenschaftlich.</p> - -<p>»Leben Sie wohl,« sagte er leise, »leben Sie wohl, ich -sehe Sie wieder? Nicht wahr, ich sehe Sie wieder?«</p> - -<p>Anna war keiner Antwort fähig. Wie in Betäubung -stieg sie in den Wagen und sank in eine Ecke, nach ihr kam -die Köchin, die sich gesperrt und geweigert hatte, und erst -auf ein »nur zu« des Barons sich zum Einsteigen entschloß.</p> - -<p>Der Baron ließ sich Straße und Hausnummer angeben, -rief sie dem Kutscher zu, und im nächsten Augenblick rasselte -der Wagen von dannen.</p> - -<p>In ihren Mantel gewickelt saß Anna da und fragte sich, -ob das alles ein Traum sei, was sie erlebte.</p> - -<p>Für gewöhnlich reichten ihre Mittel gerade zu einer -Fahrt auf der Pferdebahn – und jetzt sauste sie durch die -Straßen von Breslau, daß das Pflaster unter den Rädern -knatterte!</p> - -<p>Die Köchin, die ebenfalls ganz sprachlos vor Staunen -gewesen war, hatte angefangen, mit tastenden Händen den -Stoff der Polster zu untersuchen, auf denen sie saß. Jetzt -seufzte sie in Bewunderung auf.</p> - -<p>»Du meine Gütte – gnä' Fräulen,« sagte sie, »die -reine Seide alles, die reine Seide!«</p> - -<p>Die weibliche Neugier siegte über Annas Befangenheit; -sie zog den Handschuh von der einen Hand und tastete ebenfalls -auf den Wagenpolstern herum. Die Köchin hatte recht -gehabt. Alles Seide – die Polster, die Wände des Wagens, -alles Seide. Lautlos sank sie in ihre Ecke zurück. Was -bedeutete das alles und wohin ging das alles?</p> - -<p>Sie, das arme, unscheinbare Mädchen, das sich zu -<a class="pagenum" id="page_022" title="22"> </a> -Gesellschaften ein paar armselige Fähnchen zusammenstückelte, -um nur nicht gar zu erbärmlich gegen den Reichtum der -andern abzustechen, plötzlich, wie durch die Hand eines -Zauberers, mitten hineinversetzt in Fülle, Glanz und Pracht!</p> - -<p>Ihr, an der die Menschen auf der Straße vorübergingen, -wie an einem Nichts, die man auf Bällen in der -Ecke sitzen ließ, weil es sich nicht der Mühe lohnte, mit ihr -zu tanzen oder gar sie zu unterhalten – ihr näherte sich -plötzlich ein Mann, einer der reichsten Männer von ganz -Schlesien, und bat sie schüchtern, ängstlich und demütig, ihm -zu erlauben, daß er seinen Reichtum in ihren Dienst stellen -dürfe. Sie schloß die Augen; war das Wirklichkeit, was -ihr geschah? Dann aber schrak sie innerlich auf: der Mann -war ja ein Wahnsinniger; alle Welt sagte es ja? Und also -war es nur die Phantasie seines kranken Hirns, die ihn zu -alledem getrieben hatte, was er heute abend gethan? Aber, -indem der Schauder sie übermannen wollte, kam ihr die -Erinnerung an den Ton seiner Stimme zurück, die zu ihr -gesprochen hatte, wie noch keines Menschen Stimme je zuvor. -Nein, nein, nein – es war ja doch nicht möglich; es konnte -ja nicht sein!</p> - -<p>Während Anna unter solchen wechselnden Empfindungen -zu ihrer in der fernen Vorstadt gelegenen Wohnung fuhr, -wanderte der Baron Eberhard von Fahrenwald, von seinem -Diener gefolgt, zu Fuß nach Haus.</p> - -<p>Sein Haupt, das für gewöhnlich zur Erde hing, war -aufgerichtet, seine ganze Gestalt hatte etwas Aufatmendes, -Befreites, ein Glücksgefühl wie heut abend hatte er in -seinem ganzen Leben noch nicht empfunden.</p> - -<p>Welche Wonne, daß das Mädchen arm war! Immer -<a class="pagenum" id="page_023" title="23"> </a> -wieder vergegenwärtigte er sich den süßen Augenblick, als sie -in ihrer Bescheidenheit gezögert hatte, den prächtigen Wagen -zu besteigen – und dieser Wagen war der seinige! All die -Behaglichkeit, all die weiche Ueppigkeit, die sie jetzt umgab, -kam ihr von ihm! Er lachte still glückselig vor sich hin. -All sein Denken und Thun war ein beständiges brütendes -Grübeln über sich selbst, über seinen Zustand und über das -Verhängnis, das auf ihm lastete – zum erstenmal konnte -er an etwas andres denken, an einen andern Menschen; und -dieser andre Mensch, dieses liebe Wesen konnte glücklich -werden durch ihn. Glücklich durch ihn, der sich wie ein zum -Unglück Geborener, wie eine Last der Menschheit empfand! -Hatte er nicht den dankbar erstaunten Ausdruck in ihrem -bescheidenen Gesichtchen gesehen und hatten ihre Augen ihm -nicht gesagt, daß er stark genug sei, um Glück auf Menschen -ausgehen zu lassen? Ja, ja, ja, es war so, und unwillkürlich, -indem er so seinen Gedanken nachhing, reckte er die -Arme aus, als wollte er dem Kraftgefühle Ausdruck geben, -das ihn durchströmte.</p> - -<p>Einige Schritte hinter ihm kam der alte Johann. Den -Kopf weit vorgebeugt, kein Auge von seinem Herrn verwendend, -ging oder schlich er vielmehr hinter dem Baron -einher. In seiner ganzen Haltung war etwas Beobachtendes, -Lauerndes. Als er sah, wie der Baron die Arme ausreckte, -war er unhörbar mit einem Sprunge ganz dicht hinter ihn -herangekommen, das hagere Gesicht zu einer Aufmerksamkeit -gespannt, die beinahe feindselig aussah. Seine Hände, die -er in den Taschen des Ueberziehers getragen, hatte er hervorgezogen -und frei gemacht, so daß es den Anschein bekam, -als bereitete er sich darauf vor, sich im nächsten Augenblick -<a class="pagenum" id="page_024" title="24"> </a> -auf seinen Herrn zu stürzen, wie der Wärter eines Wahnsinnigen -sich auf seinen Schutzbefohlenen stürzt, um ihn von -irgend einer schrecklichen That zurückzuhalten. Denn der -Mensch da vor ihm war ja ein Kranker, ein Wahnsinniger, -Verrückter, das wußte er ja wohl genau genug, er, der ihn -als Kind auf den Armen getragen hatte, der ihn hatte heranwachsen -sehen und um ihn gewesen war zu jeder Zeit und -an jedem Orte. Und seit heute abend wußte er ja auch, -daß er seine Aufmerksamkeit verdoppeln und vervierfachen -mußte. Für den unglücklichen Menschen da vor ihm gab es -nur eine Möglichkeit zum Leben, Ruhe, Ruhe und immerdar -Ruhe. Das hatte ihm vor Jahren der Arzt gesagt, und -wenn es der Arzt nicht gesagt hätte, würde sein Instinkt es -ihm verraten haben. Ein Tag mußte sein wie der andre, -gleichmäßig, immer, immer gleichmäßig. Und heute abend -hatte er mit ansehen müssen, wie dieser Mann anfing, sich -zu verlieben!</p> - -<p>Verlieben! Wohl etwa gar heiraten?</p> - -<p>Er war ganz wütend, er knirschte beinahe mit den -Zähnen. So wenig also kannte der unglückselige Mensch -seinen Zustand? Na – es war nur gut, daß er da war, -der alte Johann; er würde schon acht auf ihn geben, ja, -das würde er, ja!</p> - -<p>Und er schob die Hände, indem er sie zu Fäusten ballte, -in die Taschen seines Ueberziehers zurück, weil er sich überzeugt -hatte, daß der Baron vorläufig nichts weiter Gefährliches -unternahm.</p> - -<p>Am nächsten Vormittag, und zwar am ziemlich frühen -Vormittag, klingelte es an der Wohnung von Annas Onkel, -und als die Köchin öffnete, ging ein verständnisvolles Grinsen -<a class="pagenum" id="page_025" title="25"> </a> -über ihre Züge; der Herr von gestern stand vor der Thür, -der Baron Eberhard von Fahrenwald.</p> - -<p>Ein sprachloses Erstaunen bei dem Onkel und der Tante, -ein glühendes Erröten bei Anna – und im nächsten Augenblick, -noch bevor man ihn eigentlich hereingebeten hatte, stand -er schon auf der Schwelle. Auch wenn man ihn abgewiesen -hätte, er würde sich nicht haben abweisen lassen, das sah -man ihm an. Seine Brust ging auf und nieder, und in -dem bleichen Gesicht glühten die Augen wie Kohlen.</p> - -<p>Beinahe wie ein Spieler, der das letzte Geld auf eine -Karte gesetzt hat, so sah er aus.</p> - -<p>Es kostete ihn Mühe, die äußerlichen Regeln der Höflichkeit -innezuhalten; seine Blicke hingen an Anna, unverwandt, -beinahe mit angstvollem Ausdruck, als fürchtete er, -daß sie hinausgehen, daß sie ihm entfliehen könnte.</p> - -<p>Nachdem er den alten Major und dessen Frau begrüßt -hatte, trat er auf das junge Mädchen zu.</p> - -<p>»Darf ich Sie sprechen?« fragte er. »Darf ich Sie -allein sprechen?«</p> - -<p>Seine Stimme war heiser vor innerer Erregung.</p> - -<p>Anna stand gesenkten Hauptes mitten im Zimmer. Herz -und Kehle waren ihr durch die Angst wie zugeschnürt; sie -hatte in diesem Augenblick die sichere Empfindung, daß sie -es mit einem Wahnsinnigen zu thun hatte. Etwas Aehnliches -schienen auch der Onkel und die Tante zu empfinden, -die sich gegenseitig stumm fragend ansahen.</p> - -<p>Der Baron bemerkte das alles. Plötzlich ging er auf -die beiden alten Leute zu, streckte beide Hände aus und -faßte den Onkel an der linken, die Tante an der rechten -Hand.</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_026" title="26"> </a> -»Aengstigen Sie sich nicht,« sagte er, und das Wort -kam feierlich aus der Tiefe seiner Brust; in seinen Augen -war ein flammendes Leuchten.</p> - -<p>Die beiden alten Leute sahen ihn ganz verdutzt an, -machten eine verlegene Verbeugung und zogen sich in das -Nebenzimmer zurück.</p> - -<p>Anna stand noch immer, wo sie gestanden hatte. Als -sie sich jetzt mit ihm allein sah, überkam sie die Angst so -heftig, daß sie sich nicht mehr zu raten und zu helfen wußte. -Sie zog ihr Taschentuch hervor, drückte es an die Augen -und fing an zu weinen. Der Baron stand einige Schritte -von ihr entfernt und sah ihr schweigend zu.</p> - -<p>»Bin ich Ihnen so schrecklich?« fragte er endlich. Der -Ton klang wieder so sanft und herzlich, daß sie einigermaßen -zu sich selbst kam. Sie steckte das Tuch in die Tasche -und schüttelte leise das Haupt.</p> - -<p>»Denken Sie denn gar nicht mehr an gestern?« fuhr -er fort. »Gestern abend waren Sie doch so – so lieb und -gut, denken Sie denn gar nicht mehr daran?«</p> - -<p>Er war zu ihr herangetreten und hatte sie an beiden -Händen erfaßt; Anna fühlte, wie behutsam er sie berührte, -trotzdem vermochte sie noch nicht, das Gesicht zu ihm zu -erheben.</p> - -<p>Er behielt ihre Hände in den seinigen.</p> - -<p>»Gestern abend,« sagte er, »bin ich so glücklich gewesen, -und darum bin ich heut so früh wiedergekommen. Bitte, -seien Sie doch nicht böse darum. Wenn Sie sich auch vor -mir fürchten, dann habe ich ja niemand mehr.«</p> - -<p>Seine Stimme war ganz leise geworden.</p> - -<p>»Denken Sie doch einmal,« sprach er weiter, »Sie -<a class="pagenum" id="page_027" title="27"> </a> -gehen auf der Straße, und indem Sie da gehen, sehen Sie -einen Menschen am Wege liegen, dem irgend ein Unglück -geschehen ist, und der ruft Sie um Hülfe an. Und Sie -könnten ihm helfen, wenn Sie wollten, aber Sie fürchten -sich und laufen davon – glauben Sie nicht, daß Sie sich -einmal Vorwürfe machen würden, wenn Sie dann erfahren, -daß der Mensch zu Grunde gegangen ist?«</p> - -<p>Das alles war so einleuchtend, kein Vernünftiger hätte -es klarer auseinandersetzen können. Sie wurde wieder -schwankend, wieder ganz verwirrt. Vor ihr stand ein Mann, -der über Reichtümer gebot, von denen sie sich kaum eine -Vorstellung machen konnte, und sagte ihr, daß sie ihm helfen -könne, sie, die in der ärmlichen Wohnung, in einem fadenscheinigen -Morgenanzuge, in Morgenschuhen mit abgestoßenen -Spitzen, in aller Kläglichkeit eines ärmlichen, erbärmlichen -Lebens steckte. War es denn möglich, das alles?</p> - -<p>Sie erhob das Gesicht und sah seine Augen mit dem -fragenden, flehenden Ausdruck vom gestrigen Abend auf sich -gerichtet. Ja ja, es war ja derselbe Mensch – leise drückte -sie seine Hände, und indem sie es that, leuchtete sein Gesicht -auf.</p> - -<p>»Darf ich sprechen?« flüsterte er.</p> - -<p>»Aber ich – Ihnen helfen –« stammelte sie – »wenn -ich nur begriffe –«</p> - -<p>Er zog sie an den Händen zu einem Stuhle.</p> - -<p>»Kommen Sie,« sagte er, »kommen Sie, bitte, setzen -Sie sich, ich will Ihnen eine Geschichte erzählen, eine ganz -kurze.«</p> - -<p>Sie setzte sich nieder, er schob einen Sessel neben den -ihrigen und legte den einen Arm über die Rücklehne ihres -<a class="pagenum" id="page_028" title="28"> </a> -Stuhles, so daß sein Oberleib sich zu ihr hinüberbeugte und -sein Mund nahe an ihrem Ohre war.</p> - -<p>»Ich kenne einen Menschen,« begann er, und seine -Stimme war so gedämpft, als wollte er verhüten, daß irgend -jemand, außer Anna, seine Worte vernähme, »ich kenne -einen Menschen, der in einem Boote auf einem Wasser fährt. -Er sitzt ganz allein in dem Kahn, und das Wasser, auf dem -er fährt, ist ein breiter Fluß, und der Fluß hat einen starken -Strom, denn er fließt einem Abhang zu, über den er sich -hinunterstürzen wird. Der Abhang ist gar nicht mehr weit -und er ist sehr hoch, so daß man den Donner des Wassersturzes -bereits hört. Und da treibt nun der Kahn hin, in -dem der Mann sitzt. Und obschon er weiß, daß er zerschmettert -werden wird, wenn er in den Sturz gerät, läßt -er den Kahn dennoch treiben und thut nichts, um ihn aufzuhalten -– ist das nicht sonderbar von dem Mann?«</p> - -<p>Er unterbrach sich und blickte Anna von der Seite an. -Sie saß aufgerichtet, wie erstarrt, ihre Hände hatten sich -ineinandergeschoben, ihre Augen blickten vor sich hin. Es -ahnte ihr, wer der Mann war, von dem er erzählte.</p> - -<p>Er beugte sich noch näher zu ihr.</p> - -<p>»Soll ich Ihnen nun sagen, warum er das thut?«</p> - -<p>Sie blieb regungslos; nur ihre bleichen Lippen bewegten -sich.</p> - -<p>»Warum?« fragte sie tonlos.</p> - -<p>»Sehen Sie,« fuhr er fort, »weil im Wasser neben -dem Kahn etwas einherschwimmt, und weil er nichts thun -und nichts denken kann, als immer und immer und immerfort -auf das, was da neben ihm schwimmt, hinzublicken.«</p> - -<p>Seine Stimme sank zu einem heiseren Flüstern herab.</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_029" title="29"> </a> -»Und das, was da schwimmt, sehen Sie, das ist etwas -Schreckliches, etwas Gräßliches, das ist ein Ungeheuer, so -etwa, verstehen Sie, wie die Seeschlange, von der die Schiffer -erzählen, daß sie ihnen auf der See begegnet sei. So müssen -Sie sich das denken. Mit einem schuppigen Leibe, verstehen -Sie, und ganz lang. Und das Schrecklichste an dem Dinge, -sehen Sie, das ist der Kopf. Der läßt sich eigentlich gar -nicht beschreiben, aber er sieht so ungefähr aus, wie ein -ungeheurer Papageienkopf. Ein Schnabel ist daran, ein -großer krummer Schnabel, und zwei Augen sind in dem -Kopfe –«</p> - -<p>Er verstummte. Anna vernahm, wie sich die Luft -in seiner Kehle zusammenpreßte, als fände sie keinen -Ausweg.</p> - -<p>»Die Augen,« fuhr er fort, »sehen Sie, die sind es, -auf die der Mann in dem Kahne immerfort hinschauen muß. -Die Augen sind fürchterlich, ganz groß und ganz grün, wie -die Augen von einem furchtbaren bösen Menschen. Und die -Augen blicken immerfort zu dem Manne herauf, und wenn -sie ihn ansehen, dann ist's wie ein Lächeln darin, wie ein -grauenvolles, und als wollten sie sagen: ›ich habe dich, du -entkommst mir nicht‹. Und das, sehen Sie, das ist es, was -den Mann gefesselt hält und gefangen hält und gebannt -hält, daß er nichts thun und nichts denken und sich nicht -helfen und nicht retten kann, obschon er hört, wie der Wassersturz -immer näher und näher kommt.«</p> - -<p>Abermals verstummte er, und da auch Anna, von Grauen -versteinert, keinen Laut hervorbrachte, herrschte eine Zeit lang -ein beklommenes Schweigen.</p> - -<p>Dann that er einen tiefen, seufzenden Atemzug und -<a class="pagenum" id="page_030" title="30"> </a> -seine Stimme nahm wieder den ruhigen, sanften Ton vom -gestrigen Abende an.</p> - -<p>»Und nun, sehen Sie, nun kommt ein Augenblick, da -gelingt es dem Manne, einmal für eine Sekunde den Blick -über das Ding da im Wasser hinwegzubringen, und da sieht -er am Ufer ein menschliches Wesen stehen. Und das menschliche -Wesen, sehen Sie, das ist eine Frau, ein junges Mädchen, -und er merkt, daß sie ihm zugesehen hat, eine ganze Zeit -lang, und sich gewundert hat, was er da treibt. Und mit -einemmal kommt ihm der Gedanke: wenn du dahin gelangen -könntest, wo die steht, wenn du ihre Hand fassen -könntest, daß sie dir hülfe, aus dem Kahn und dem Wasser -herauszukommen, dann wärest du mit einemmal das Ding -da los, das gräßliche, und brauchtest nicht in den Wassersturz -hinunter und wärest gerettet! Und da, sehen Sie, -faßt er mit einemmal das Ruder und wendet, und fährt -auf die Stelle zu, wo sie steht – und dann, wie sie ihn -kommen sieht, faßt sie der Schreck, weil sie denkt, er käme, -um ihr ein Leides zu thun, und sie wendet sich, um davonzulaufen -– und er sieht das, und schreit ihr nach – bleib -doch, ich thue dir nichts! Sei doch barmherzig! Ich komme -ja nur, damit du mich rettest! Und da –«</p> - -<p>Mit einem Griffe hatte er ihre Hände erfaßt, sein Gesicht -war dicht an ihrem Gesichte, so daß sie seinen keuchenden -Atem auf ihrer Wange fühlte. Weiter bog er sich vom -Stuhle und immer weiter zu ihr hinüber, bis daß er plötzlich -auf beiden Knieen vor ihr lag.</p> - -<p>»Anna – was thut sie da? Anna – läuft sie dennoch -fort? Läuft sie dennoch fort?«</p> - -<p>Sein totenbleiches Antlitz war zu ihr erhoben, kalter -<a class="pagenum" id="page_031" title="31"> </a> -Schweiß netzte seine Stirn, seine Augen hatten den Blick -eines Menschen, der den Spruch über Leben und Tod erwartet, -und an ihren Knieen, an die seine Brust sich preßte, -fühlte Anna das Herz in seinem Leibe pochen.</p> - -<p>Ein namenloses Mitgefühl überschwoll ihr Herz. Ohne -zu wissen, was sie that, breitete sie beide Arme um sein -Haupt, und indem sie in Thränen ausbrach, drückte sie das -Gesicht auf sein Haupt.</p> - -<p>»O Sie armer, unglücklicher Mann,« sagte sie schluchzend.</p> - -<p>Ein Stöhnen drang aus seiner Brust hervor. »Du -gehst nicht? Du läufst nicht davon? Läufst nicht davon?«</p> - -<p>»Nein, nein, nein, ich will nicht davonlaufen.«</p> - -<p>Jählings fühlte sie sich von zwei gewaltigen Armen -umfaßt. Er war aufgesprungen und hatte sie, wie ein Kind, -an seine breite Brust gerissen.</p> - -<p>»Ach du – mein Leben – meine Seligkeit – mein -heiliges Heiligtum – mein Alles!«</p> - -<p>Und er küßte, küßte und küßte sie.</p> - -<p>Endlich beruhigte er sich einigermaßen, so daß Anna -wieder zu Atem kam. Unter seinen Küssen und Umarmungen -waren ihre Wangen ganz heiß geworden, so daß sie hübscher -aussah als zuvor. Der Baron war einen Schritt von ihr -hinweggetreten und blickte sie mit strahlenden Augen an, -wie sie verwirrt und verschämt vor ihm stand. Sie drehte -den Kopf zu ihm herum.</p> - -<p>»Aber wenn ich nur wüßte, was ich thun soll?«</p> - -<p>Mit einer stürmischen Bewegung hatte er sie an beiden -Händen erfaßt.</p> - -<p>»Gar nichts sollst du thun!«</p> - -<p>Sie schüttelte langsam das Haupt.</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_032" title="32"> </a> -»Gar nichts thun soll ich?«</p> - -<p>Er lachte laut auf vor Vergnügen.</p> - -<p>»Nur da sein sollst du und dir gefallen lassen, was -ich thue.«</p> - -<p>Sie lächelte leise. »Was wird denn das sein, was -Sie vorhaben?«</p> - -<p>Nun legte er beide Arme um ihren Leib, so sanft, so -vorsichtig, als fürchtete er, sie zu erschrecken oder ihr weh -zu thun.</p> - -<p>»Dich glücklich machen,« sagte er.</p> - -<p>Das Wort kam so aus der Tiefe eines von Liebe erfüllten -Herzens hervor, daß das junge Mädchen unwillkürlich -an seine Brust sank.</p> - -<p>»Du guter Mann,« sagte sie. Ihre Augen suchten die -seinen. Er hielt sie in den Armen, seine Hände strichen -leise an ihren Seiten hinunter.</p> - -<p>»Siehst du,« sagte er, »indem ich dich so halte, ist mir, -als wäre der ganze liebe Körper und alles, was darinnen -ist, ein Gefäß, ein zartes, zerbrechliches, und daß es so zerbrechlich -ist, das ist gerade das Gute daran. Nun darf ich -an nichts mehr denken, als daß es in meinen Händen nicht -entzweigeht, und das gerade ist ja so gut. Siehst du, nun -will ich in das Gefäß hineinthun alles, was der Mensch -sich für den Menschen ausdenken kann an Gutem und Glücklichem. -Und wenn wir da draußen auf meinem Gute leben, -das nun auch dein Gut ist, wir beide ganz allein, jedesmal, -wenn dann ein neuer Tag anbricht, will ich nach deinem -lieben Gesichte sehen; und du brauchst mir nie zu sagen, daß -du mich liebst, das verlange ich nicht, nur ob du glücklich -bist, will ich in deinem Gesichte sehen, und wenn ich das -<a class="pagenum" id="page_033" title="33"> </a> -sehe, siehst du, dann werde ich glücklich sein, glücklich, o – -so glücklich.«</p> - -<p>Seine Worte erstarben in einem tiefen leisen Flüstern. -Sie hielt das Haupt gesenkt, als wollte sie lauschen und -immer länger lauschen; als er schwieg, richtete sie sich -auf und wiegte das Haupt und legte beide Arme um -ihn her.</p> - -<p>»Wie, soll ich dir denn nicht sagen, daß ich dich liebe,« -sprach sie, und ihre Stimme war ruhig und fest geworden, -»da ich dich jetzt schon liebe, von ganzer Seele, du teurer, -du geliebter Mann.«</p> - -<p>Sie hielten sich schweigend umschlungen, dann richtete -sie sich auf.</p> - -<p>»Komm,« sagte sie, »nun wollen wir den Onkel und -die Tante rufen.«</p> - -<p>Sie faßte ihn an der Hand und ging mit ihm an die -Thür des Nebenzimmers, die sie öffnete. Die alten Leute -traten heraus und blieben verblüfft stehen, als sie Anna -Hand in Hand mit dem Baron gewahrten.</p> - -<p>Mit einem ruhigen Lächeln sah sie sie an.</p> - -<p>»Lieber Onkel,« sagte sie, »liebe Tante, ich teile euch -mit, daß ich mich mit dem Herrn Baron von Fahrenwald -verlobt habe.«</p> - -<p>Am Nachmittag erst verließ der Baron seine Braut -und deren Angehörige.</p> - -<p>Als er die Treppe hinunterstieg und den letzten Absatz -erreicht hatte, sah er im Hausflur einen Mann, der mit -aufgeregten Schritten hin und her ging; es war sein Diener, -der alte Johann.</p> - -<p>Verwundert blieb er stehen; in dem Augenblick hatte -<a class="pagenum" id="page_034" title="34"> </a> -der Alte den Kopf herumgedreht und seinen Herrn erkannt; -er unterbrach seinen Gang und stand wie angewurzelt.</p> - -<p>»Was soll denn das?« fragte der Baron. »Ich hatte -dir doch gesagt, daß du mich nicht begleiten solltest.«</p> - -<p>Der Alte lüftete den Hut, ohne die Augen von seinem -Herrn zu lassen.</p> - -<p>»Gnädiger Herr blieben so lange –« erwiderte er.</p> - -<p>Der Baron lachte. Er war in so fröhlicher Stimmung, -daß er sich über nichts geärgert hätte, am wenigsten über -die übertriebene Sorgfalt seines alten Dieners.</p> - -<p>»Hast gedacht, mir wäre ein Unglück passiert?« meinte er. -»Na, du kannst dich beruhigen.«</p> - -<p>Er ging die Stufen vollends hinunter und schlug ihn -auf die Schulter.</p> - -<p>»Will dir eine Neuigkeit sagen, Johann, ich habe mich -verlobt.«</p> - -<p>Der Alte riß die Augen weit auf und wich zwei Schritte -zurück; der Mund stand ihm halb offen.</p> - -<p>»Das Fräulein – da oben, im zweiten Stock?« -stotterte er.</p> - -<p>»Jawohl, das Fräulein da oben, im zweiten Stock,« -erwiderte gutlaunig der Baron. »Und nächster Tage ist die -Hochzeit.«</p> - -<p>Er wandte sich nach der Hausthür, und indem er ihm -den Rücken drehte, konnte er nicht sehen, was der Johann -hinter seinem Rücken für ein merkwürdiges Gesicht schnitt. -Er warf einen wütenden, geradezu giftigen Blick nach der -Treppe, die das Haus hinaufführte, dann glättete er mit -dem Aermel seines Ueberrocks den Cylinderhut, den er noch -in der Hand hielt, und während er das that, neigte er das -<a class="pagenum" id="page_035" title="35"> </a> -Haupt, wie jemand, der sich plötzlich in eine schwere Notlage -versetzt sieht und Mittel und Wege überdenkt, die nun -zu ergreifen sind. Dann stülpte er den Hut mit einem -Rucke auf, biß die Zähne aufeinander und folgte seinem -Herrn. Die Hausthür fiel schmetternd zu, weil der Alte sie -wütend ins Schloß geworfen hatte.</p> - -<p>Am nächsten Tage ging bei Anna ein Brief ein.</p> - -<p>Sie erhielt selten Briefe und zögerte ein Weilchen, den -Umschlag zu öffnen. Die Handschrift war ihr nicht bekannt -und sah so sonderbar aus; man hätte kaum sagen können, -ob sie von einem gebildeten oder ungebildeten Menschen -herrührte.</p> - -<p>Endlich entschloß sie sich, und nun las sie folgende -Zeilen:</p> - -<p>»Haben Sie auch bedacht, was Sie thun? Sie wissen -doch, daß der Mensch, mit dem Sie sich verlobt haben, ein -Verrückter ist?«</p> - -<p>Ein Name stand nicht darunter. Der Brief war unterschrieben:</p> - -<p>»Ein Wissender.«</p> - -<p>Anna hielt das widerwärtige Blatt in den Händen. -Was sollte sie thun?</p> - -<p>Das beste bei solchen Gelegenheiten ist ja, demjenigen, -vor dem man gewarnt wird, den anonymen Wisch ruhig zu -zeigen, damit man kein Geheimnis vor ihm behält. Aber -das war doch in diesem Falle nicht möglich. Durfte sie den -unglücklichen Mann lesen lassen, wie das, wovon er sich an -ihrer Seite zu befreien und zu erlösen hoffte, ihm in so -roher und gemeiner Weise auf den Kopf zugesagt wurde?</p> - -<p>Sie faßte sich kurz, riß den Brief samt dem Umschlage -<a class="pagenum" id="page_036" title="36"> </a> -in Fetzen und steckte sie in den Ofen. Die Sache war -abgethan.</p> - -<p>Eine Stunde später kam der Baron, und nun pries sie -ihren Entschluß. Er sah so heiter aus, so klar; man merkte -ihm an, wie in Annas Gegenwart der dunkle Schleier sich -hob und lüftete, der seine Seele umdüsterte. Hätte sie, deren -Nähe ihm die Gesundheit bedeutete, ihn in sein Leiden zurückstoßen -sollen, indem sie ihn daran erinnerte? Nimmermehr!</p> - -<p>Heut brachte der Baron ihr den Verlobungsring mit, -einen goldenen Reif, der einen Brillanten umfaßte. Mit -schüchternem Erröten ließ sie sich den Ring an den Finger -stecken, und während sie die Hand hin und her drehte, um -das Licht in dem geschliffenen Steine aufzufangen, griff der -Baron schon wieder in die Rocktasche. Er holte ein Schmuckschächtelchen -hervor, das er vor ihren Augen aufspringen -ließ. Anna blickte hinein und fuhr zurück. Ein goldenes -Armband mit einem prächtigen Amethyst leuchtete ihr entgegen.</p> - -<p>»Aber nein!« erklärte sie, »nein, nein, das geht ja -nicht, daß du mich so überhäufst! Das kann ich ja nicht -annehmen!«</p> - -<p>Er sah glücklich lächelnd zu ihr hinüber.</p> - -<p>»Aber Anna,« sagte er, »weißt du denn nicht, daß ich -mich beschenke, wenn ich dir ein Geschenk mache?«</p> - -<p>Sie mußte es sich gefallen lassen, daß er ihren Arm -ergriff und ihr das Armband umlegte. Die Haut an der -Hand und dem Handgelenk war rot und aufgesprungen; -man sah es ihr an, wie schonungslos die Hände des jungen -Mädchens in der Hauswirtschaft mitarbeiten mußten. Anna -deutete mit den Augen darauf hin.</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_037" title="37"> </a> -»Sieh doch nur selbst,« sagte sie: »für solche Hände -paßt doch ein so wundervolles Armband gar nicht.«</p> - -<p>Der Baron hob ihre kleine gerötete Hand empor.</p> - -<p>»Das ist Anna von Glassner,« sagte er. Dann schob -er den Aermel ihres Kleides so weit zurück, daß die weiße, -zarte Haut des Armes sichtbar wurde.</p> - -<p>»Und hier kommt die Baronin von Fahrenwald heraus,« -fügte er lächelnd hinzu. »In einigen Tagen sind auch die -Händchen so weiß und zart wieder, wie das.« Er drückte die -Lippen auf ihren entblößten Arm und schob das Armband -so hoch hinauf, daß es auf der weißen Haut lag.</p> - -<p>»Siehst du,« sagte er, »wie gut es sich hier ausnimmt!«</p> - -<p>Sie mußte lächelnd zugestehen, daß er recht hatte, und -dann siegte die weibliche Freude am Schmuck über alle ihre -Bedenken.</p> - -<p>Mit leuchtenden Augen fiel sie ihm um den Hals.</p> - -<p>»Du wirst mich noch so verwöhnen, daß ich ganz hochmütig -und schlecht werde.«</p> - -<p>Er hielt sie an sich gedrückt.</p> - -<p>»Sei was und wie du willst, nur sei glücklich.«</p> - -<p>Es wurde alsdann zwischen ihnen verabredet, daß die -Hochzeit möglichst bald stattfinden sollte.</p> - -<p>»Wie ist es denn?« fragte er, »möchtest du eine Hochzeitreise -machen?«</p> - -<p>Anna lächelte.</p> - -<p>»Nicht wahr,« sagte sie, »das ist doch dein Park, den sie -das Schlesische Paradies nennen?«</p> - -<p>»Wirklich?« erwiderte er, »davon habe ich ja noch gar -nichts gewußt.«</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_038" title="38"> </a> -»Ja, ja,« versicherte sie, »er soll ja auch wunderschön -sein!«</p> - -<p>»Nun, er ist groß genug, das ist wahr; nur vielleicht -ein bißchen verwahrlost.«</p> - -<p>Sie legte die Hände auf seine Schultern.</p> - -<p>»Und da fragst du mich, ob ich eine Hochzeitreise machen -will? Nach dem Schlesischen Paradies reise ich mit dir und -da bleiben wir.«</p> - -<p>»Das wolltest du? Wirklich?« Man sah ihm die Freude -an, die ihre Entscheidung ihm bereitete.</p> - -<p>»Aber daß du nur keinen Schreck bekommst,« fuhr er -fort, »wenn du da hinauskommst; es ist etwas einsam, verstehst -du. Ich habe da ganz allein mit meinem alten Johann -gehaust.«</p> - -<p>»Ach Gott,« versetzte sie, »das denke ich mir ja gerade -so wunderschön! Siehst du, ich bin ja auch mein Leben -lang so allein gewesen, so an die Einsamkeit gewöhnt. Nun -richten wir uns das alte schöne Schloß ein, wie es für uns -beide paßt, dann gehen wir durch den Park, und nicht wahr, -den Park gibst du in meine Obhut? Ich denke mir das -so köstlich, Gärtnerin zu sein!«</p> - -<p>Sie war ganz lebhaft geworden; ihr Gesicht glänzte. -Der Baron sah sie hingerissen an. Vor seinem Geiste erschien -eine Reihe der lieblichsten Bilder: er sah seine junge Frau -durch die düsteren Räume des alten Schlosses wandeln, wie -den Geist des neuen jungen Lebens; er sah sie im Park -umherschalten, anmutig zur Arbeit aufgeschürzt, und Haus -und Garten wurden jung und lebendig und schön unter -ihren Händen und seine Seele ward jung und freudig und -stark in ihrer geliebten Nähe.</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_039" title="39"> </a> -»Alles soll so sein, wie du es sagst,« rief er jauchzend, -indem er sie an sein Herz drückte, »sobald das Wetter einigermaßen -wird, fahren wir hinaus und ich zeige dir alles, und -dann kommen wir zurück und kaufen Tapeten und Möbel -und Blumensamen und alles was der Mensch sich denken -kann. Und nachher, da leben wir da draußen zusammen, -wie auf einer Insel im weiten Meer. Wir beide ganz für -uns, und fragen nach keinem Menschen und nach keiner -Welt!«</p> - -<p>Er war wie trunken von Freude, als er sie endlich -verließ, und auch vor Annas Phantasie begann die Zukunft -wie ein helles freundliches Land emporzusteigen.</p> - -<p>Am nächsten Tage aber erhielt ihre fröhliche Stimmung -einen Stoß. Genau zu der Stunde, an der gestern der -anonyme Brief gekommen war, erschien heute, von derselben -Hand verfaßt, ein zweites Schreiben.</p> - -<p>Gar nicht erst aufmachen, sondern ohne weiteres in den -Ofen stecken, das war Annas erstes Gefühl – aber die -Neugier war stärker als die Wallung der Vernunft, und sie -folgte dem verhängnisvollen Triebe, der in uns ist, Dinge, -von denen wir wissen, daß sie uns gräßlich widerwärtig -sein werden, daß sie unsern Seelenfrieden stören werden, -recht genau und in der Nähe anzusehen.</p> - -<p>Das, was sie heute las, war dies:</p> - -<p>»Haben Sie denn das Verhältnis noch nicht gelöst? -Noch immer nicht? Bedenken Sie sich, es wird Zeit! Es -wird hohe Zeit!!!«</p> - -<p>Diesmal war der Brief unterschrieben »der Warner«. -Nun nachdem sie gelesen, stand sie da und bereuete, daß sie -gelesen hatte. Es war ihr zu Mute, wie einem Kinde, das -<a class="pagenum" id="page_040" title="40"> </a> -man vor giftigen Beeren gewarnt hat und das trotzdem genascht -hat. Mochte sie das Geschreibsel auch zerreißen und -in den Ofen stecken, vergessen konnte sie ja doch nicht, was -darin gestanden hatte. Dazu kam der sonderbare Ton und -die Form des Briefes; beides war so aufgeregt. Die drei -Ausrufungszeichen am Schluß, und die Unterschrift war -mit ganz merkwürdigen Schnörkeln verbrämt und verziert.</p> - -<p>Das Ende ihres Ueberlegens war, daß auch dieser Brief -in Fetzen ging und in den Ofen wanderte.</p> - -<p>Am darauf folgenden Tage aber lauschte sie schon mit -aller Spannung, ob heute auch der Briefträger erscheinen -würde. Und richtig, als die Stunde schlug, klingelte es, -und ein dritter Brief lag in ihren Händen. Heut überlegte -sie schon nicht mehr, ob sie lesen sollte, oder nicht, mit einer -Art von Heißhunger fiel sie darüber her.</p> - -<p>Der unbekannte Verfasser betitelte sich heute »Prüfer -von Herz und Nieren«; das, was er verkündete, lautete -folgendermaßen:</p> - -<div class="mw48 mt1 mb1"> - -<p class="ci"> -»Verblendete!! Das gefällt Ihnen wohl, daß der -unglückselige Mensch Sie mit Schmuck und Flitter überhäuft? -Wollen Sie denn mit Gewalt blind und taub sein? Daran -sollten Sie doch merken, daß er ein Wahnsinniger ist!! Ein -Wahnsinniger!!!«</p> - -</div> - -<p>Ein unheimlicher Schauder überlief Anna, als sie diese -Worte las. Es klang wie eine dumpfe Wut daraus, eine -Wut gegen sie und zugleich gegen ihn. Sie versank in -Gedanken, und so geschah es, daß der Baron sie überraschte, -bevor sie noch Zeit gefunden hatte, den Brief zu vernichten. -Sie hatte ihn gerade noch in die Tasche stecken können, als -<a class="pagenum" id="page_041" title="41"> </a> -er eintrat, und sie mußte sich beinahe Zwang anthun, um -dem Bräutigam unbefangen und heiter entgegenzugehen.</p> - -<p>Als er aber jetzt, vergnüglich schmunzelnd wie ein Kind, -das jemandem eine rechte Ueberraschung zugedacht hat, eine -große Schachtel zum Vorschein brachte, und als sie darin -ein prachtvolles Perlenhalsband erblickte, fuhr sie zurück, und -diesmal war es nicht Schüchternheit noch Bescheidenheit, was -sie zurückfahren ließ, sondern Schreck, wirklicher, wahrhaftiger -Schreck.</p> - -<p>Die Worte des unbekannten Briefschreibers fielen ihr -ein, und die schrecklichen Worte hatten ja recht gehabt; so -rasend verschwenden konnte ja nur ein Wahnsinniger!</p> - -<p>Mit hängenden Armen stand sie da und starrte, wie -geistesabwesend, auf den Schmuck, der ihr vom dunkelblauen -Sammet, auf dem er gebettet lag, entgegengleißte.</p> - -<p>Der Baron hielt den geöffneten Schrein mit beiden -Händen vor sie hin und lachte still in sich hinein. Er ahnte -nicht, was in ihr vorging, und sah in ihrer Starrheit nur -das hülflose Staunen der Armut, die sich plötzlich vom Reichtum -überflutet sieht.</p> - -<p>»Aber Anna,« sagte er endlich, als sie noch immer wie -leblos vor ihm stand, »freust du dich denn gar nicht ein -bißchen?«</p> - -<p>Sie hörte wieder den Ton seiner Stimme, sie blickte -auf und sah sein Gesicht mit einem Ausdrucke unsäglicher -Güte und Liebe auf sich gerichtet, und plötzlich brach sie in -Thränen aus und fiel ihm schluchzend um den Hals.</p> - -<p>Dieser Ueberschwall von Gebensfreudigkeit – das sollte -alles nur eine Ausgeburt des Wahnsinns sein? Dieser -Mensch, der sich auflöste, nur um ein Lächeln auf ihrem -<a class="pagenum" id="page_042" title="42"> </a> -Gesicht hervorzurufen, das sollte ein Verrückter sein? Nein, -nein, nein! Und sie drückte das Gesicht an seinen Hals und -schüttelte, wie in Verzweiflung, das Haupt.</p> - -<p>Der Baron stand ratlos. Diese Thränen sahen doch -gar nicht wie Uebermaß von Freude, sondern wie echter -Schmerz aus. Bevor er aber noch zu Worte kommen konnte, -fing sie an.</p> - -<p>»Eberhard,« sagte sie, indem sie die Arme von seinem -Halse löste, »siehst du, es ist ja so himmlisch gut von dir, und -ich bin dir ja so maßlos dankbar für alles, aber ich bitte, -ich beschwöre dich, laß es genug sein, schenke mir nichts mehr.«</p> - -<p>Die Heiterkeit wich von seinem Gesichte.</p> - -<p>»Ich hatte geglaubt,« sagte er langsam, »es würde -dir Freude machen – und nun willst du es gar nicht -haben?«</p> - -<p>Er schickte sich an, den Schrein zu schließen, und dabei -sah er so kummervoll aus, daß ein reißender Schmerz durch -ihre Seele ging.</p> - -<p>»Nein, nein,« rief sie, »ich will es ja nehmen, gern -nehmen, und ich bin dir ja so, so dankbar dafür, aber ich wollte -ja nur sagen: dann nichts mehr, Eberhard. Laß es damit -genug sein, bitte, versprich es mir, bitte, bitte!«</p> - -<p>Er drückte den Kasten ins Schloß und sah sie an, als -begriffe er nicht, was sie wollte.</p> - -<p>Sie faßte seine Hand mit beiden Händen.</p> - -<p>»Siehst du,« sagte sie, »du mußt doch bedenken, daß -ich an so etwas nicht gewöhnt bin; du weißt ja doch, daß -ich ganz arm bin; ich habe doch früher nie Schmuck getragen, -und an so etwas muß man sich doch allmählich gewöhnen. -Und wenn das dann so mit einemmal, so massenhaft -<a class="pagenum" id="page_043" title="43"> </a> -kommt, siehst du, Eberhard, lieber guter Eberhard, das -mußt du dir doch selbst sagen, daß einen das geradezu -ängstigt. Das erstickt einen ja und erdrückt einen und das -hält man gar nicht aus.«</p> - -<p>Ihre Worte waren hastig erregt von ihren Lippen gekommen, -aber sie beruhigten ihn. Er entnahm daraus, daß -es wirklich nur die Armut in ihr war, die vor dem plötzlichen -Reichtum erschrak.</p> - -<p>»Du liebes, bescheidenes Kind,« sagte er zärtlich, indem -er den Arm um sie legte, »ich glaube wirklich, du hast vollkommen -recht, und es war falsch, daß ich zu rasch gewesen -bin. Aber du weißt ja doch, warum ich es gethan habe und -bist mir nicht böse?«</p> - -<p>»Ich – dir böse sein –« erwiderte sie stockend, und -die Thränen drängten ihr von neuem empor, so daß sich ihr -die Kehle zuschnürte.</p> - -<p>Er stellte den Schmuckkasten auf den Tisch.</p> - -<p>»Also mag er da bleiben,« sagte er, indem er seinen -Ton zur Heiterkeit anstrengte, »und vorläufig genug damit.«</p> - -<p>Sie blieben dann noch eine Zeit lang bei einander, aber -eine unbefangene fröhliche Stimmung wollte nicht mehr -recht aufkommen. Der Vorgang von vorhin wirkte in beiden -nach, und zwischen ihnen, auf dem Tische stand der verhängnisvolle -Schmuckkasten, der an dem allen schuld war.</p> - -<p>Am nächsten Tage blieb Anna verschont; es lief kein -Brief ein. Als der Baron indessen erschien, lag ein Schatten -auf seinem Gesicht und in seinen Augen war ein dumpfes -Glühen.</p> - -<p>Anna erschrak einigermaßen, als sie ihn sah; sein Ausdruck -war so anders als an den vergangenen Tagen.</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_044" title="44"> </a> -Sie forschte nach dem Grunde seines Mißmuts, aber -er wollte nicht mit der Sprache heraus.</p> - -<p>»Bist du mir böse wegen gestern?« fragte sie endlich, -indem sie sich neben ihn setzte.</p> - -<p>Er strich mit freundlicher Hand über ihr Haar.</p> - -<p>»Nein, gar nicht, lieber Engel,« sagte er, »verlaß dich -darauf, gar nicht.«</p> - -<p>Sie fragte nicht weiter, sie wollte nicht in ihn dringen, -aber ihre Augen blieben stumm besorgt an ihm hängen.</p> - -<p>»Ach weißt du,« sagte er endlich, indem er sich aus -seinem Brüten aufraffte, »es ist wirklich gar nicht der -Mühe wert, und es ist unrecht, daß ich dich damit quäle. -Ich habe einen Auftritt mit meinem Diener gehabt, das ist -die ganze Geschichte.«</p> - -<p>Er war aufgestanden und ging im Zimmer hin und -her. Anna folgte ihm von ihrem Sitze aus mit den Blicken.</p> - -<p>»Mit deinem alten –«</p> - -<p>»Mit meinem alten Johann, ja.«</p> - -<p>»Aber ich denke,« wandte sie ein, »er ist dir so treu -und ergeben?«</p> - -<p>»Freilich ist er das,« gab er zur Antwort, »treu beinah -bis zum Uebermaß, und das ist es ja eben –« er brach -mitten im Satze ab und wanderte wieder schweigend auf -und nieder.</p> - -<p>»Siehst du,« fuhr er nach einer Weile fort, »solche -alten Diener, die man vom Vater überkommt, die einen als -Kind auf dem Arm getragen haben, die einen immerfort -begleitet haben, sind ja einerseits ein Schatz, und darum kann -man sie nicht so aus dem Hause schicken, wie man es vielleicht -mit andern machen würde.«</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_045" title="45"> </a> -Ein Zucken ging über sein Gesicht und in seinen Augen -flimmerte es, wie die Erinnerung an einen schweren Grimm, -den er durchgemacht hatte.</p> - -<p>»Du wirst doch nicht an so etwas denken!« sagte Anna, -indem sie aufstand. Eine innere Stimme flüsterte ihr zu, -wie notwendig ihm die stetige Begleitung eines treuen, mit -seiner Natur vertrauten Menschen sein mochte.</p> - -<p>»Ich denke ja nicht daran,« versetzte er, »nur das wollte -ich sagen, siehst du, solche alten Diener werden andrerseits -auch manchmal zu einer Art von Last. Sie wollen den -Haushofmeister, gewissermaßen den Schulmeister spielen, und -das – na, indessen –« er brach wieder ab. »Lassen wir -die dumme Geschichte; sie ist abgethan und, wie gesagt, gar -nicht der Rede wert.«</p> - -<p>Anna war zu ihm herangetreten und sah ihm bittend -in die Augen.</p> - -<p>»Mir zuliebe,« sagte sie, »sei geduldig mit dem alten, -treuen Menschen; er meint es gewiß so redlich und gut -mit dir.«</p> - -<p>Der Baron blickte mit einem eigentümlichen Lächeln -auf sie nieder.</p> - -<p>»Das sagst du,« erwiderte er langsam. Seine Lippen -bewegten sich, als wollte er noch etwas hinzusetzen; aber er -sprach es nicht aus. Allmählich aber, indem seine Augen -auf ihrem Gesichtchen ruhten, kehrte der Ausdruck stiller -Zufriedenheit in seine Züge zurück.</p> - -<p>»Du bist ein Engel,« sagte er, »und so gut, wie du -selbst es gar nicht weißt.«</p> - -<p>Bald darauf verließ er sie.</p> - -<p>Es war, wie der Baron gesagt hatte; zwischen ihm und -<a class="pagenum" id="page_046" title="46"> </a> -dem alten Johann hatte es am Morgen dieses Tages einen -Auftritt gegeben, einen merkwürdigen, schrecklichen Auftritt.</p> - -<p>In sein junges Glück versenkt, hatte der Baron nicht -weiter acht auf den Alten gegeben, sonst hätte es ihm auffallen -müssen, daß dieser seit dem Tag, als er mit ihm das -Haus verlassen hatte, wo Anna von Glassner wohnte, ein -seltsames Wesen angenommen hatte.</p> - -<p>Jeden Vormittag, wenn der Baron ausging, um sich -zu seiner Braut zu begeben, schlich der Alte geräuschlos hinter -ihm drein. Dem Juwelierladen gegenüber, in den er seinen -Herrn eintreten sah, auf der andern Seite der Straße, stellte -er sich auf und wartete, bis der Baron wieder herauskam; -und wenn dieser zu Annas Hausthür gelangt war, ahnte -er nicht, daß wenige Schritte hinter ihm sein Diener stand -und ihn mit Augen verfolgte – mit Augen, die den lauernden -Ausdruck eines wilden Tieres hatten. Wenn er alsdann -in die Behausung zurückgekehrt war, wo er mit dem Baron -wohnte und wo ihm ein geräumiges Zimmer angewiesen -war, setzte der Alte sich an den Tisch, der inmitten des Zimmers -stand, und dort saß er Stunden und Stunden lang. Er aß -nicht, er trank nicht, er rauchte nicht; er war ganz versunken -in dumpfes, stumpfes Brüten. Die einzige Thätigkeit, zu -der er sich aufraffte, war, daß er sich alsdann erhob, eine -große Schreibmappe auf den Tisch legte, Tinte und Feder -herbeiholte und nun mit fanatischem Eifer zu schreiben anfing. -Was er da schrieb – niemand sah es, denn niemand -war dabei; jedesmal, bevor er an seine Schreiberei ging, -riegelte er sorgfältig die Thür seines Zimmers ab. Es -schienen jedoch Briefe zu sein; denn das Papier, worauf -er schrieb, waren Briefbogen, und jedesmal, nachdem er -<a class="pagenum" id="page_047" title="47"> </a> -geendigt und das Geschriebene wohl zehnmal mit gerunzelter -Stirn und stumm glühenden Augen durchgelesen hatte, steckte -er den Bogen in ein Couvert, das er mit einer Adresse und -Postmarke versah. Leise schloß er alsdann seine Thür wieder -auf, steckte horchend den Kopf hinaus, und wenn er sich -überzeugt hatte, daß niemand ihn hörte und sah, schlüpfte -er behutsam aus der Wohnung, aus dem Hause, um den -Brief in den nächsten Briefkasten zu stecken.</p> - -<p>Abends fand der Baron, wenn er nach Haus kam, die -Lampen in seinen Gemächern bereits angezündet, alles zu -seinem Empfange bereit, und den alten Johann, einmal wie -allemal fertig, ihn des Mantels zu entledigen, ihm den -Thee zu bereiten und alles zu thun, woran er von jeher gewöhnt -war. Was der Baron nicht beachtete, das waren die -Blicke, mit denen der Alte ihn lauernd beobachtete, und -was er nicht sah, das war, daß der Alte, nachdem er sich -zurückgezogen hatte, draußen auf dem Flur stehen blieb, -lautlos an die Thür gepreßt, hinter der sein Herr saß, -stundenlang horchend, lauschend, ob er nicht da drinnen plötzlich -ein verdächtiges Geräusch, irgend etwas vernehmen würde, -das ihn nötigte, zuzuspringen und Hand anzulegen. Denn -er wußte ja doch, daß da drinnen ein Wahnsinniger saß und -daß es sein Beruf und seine Pflicht war, den Wahnsinnigen -zu bewachen.</p> - -<p>An dem Vormittag dieses Tages nun, als der Baron -gefrühstückt und darauf dem Diener geklingelt hatte, damit -er ihm beim Anziehen behilflich sei, hatte dieser sich, im Bewußtsein -seiner Pflicht, ein Herz gefaßt und beschlossen, mit -seinem Herrn einmal ein Wort zu reden.</p> - -<p>Es kam ihm nicht leicht an, denn er war ein echter -<a class="pagenum" id="page_048" title="48"> </a> -Schlesier, und daher steckte ihm ein knechtischer Respekt vor -seinem Gebieter in Fleisch und Bein. Aber es mußte sein, -es mußte.</p> - -<p>Den Pelz seines Herrn in den Händen, trat er in das -Zimmer ein; als der Baron aber in den Mantel fahren -wollte, ließ der Diener ihn sinken.</p> - -<p>»Gnädiger Herr wollen mir eine unterthänige Frage -erlauben – gehen gnädiger Herr wieder zu dem Fräulein?«</p> - -<p>Der Baron sah sich überrascht um; ein Lachen zuckte -über sein Gesicht.</p> - -<p>»Interessiert dich das so? Allerdings gehe ich zu ihr.«</p> - -<p>Der Alte senkte das Haupt und stierte auf den Teppich.</p> - -<p>»Nun, was gibt's? Worauf wartest du?« fragte der -Baron, indem er ein Zeichen machte, daß er den Pelz anzulegen -wünschte.</p> - -<p>»Gnädiger Herr, wollen entschuldigen,« erwiderte der -Alte, ohne die Augen zu erheben, »ob gnädiger Herr es sich -nicht noch einmal überlegen möchten?«</p> - -<p>»Was soll ich mir überlegen?«</p> - -<p>»Daß gnädiger Herr das Fräulein wirklich heiraten -wollen.«</p> - -<p>Der Baron machte auf dem Absatze kehrt, so daß er -seinem Diener unmittelbar gegenüberstand. Er war einen -Augenblick ganz sprachlos vor Erstaunen.</p> - -<p>»Was geht das dich an?« stieß er hervor. »Was fällt -dir denn ein?«</p> - -<p>»Gnädiger Herr wissen ja doch,« murrte der Alte mit -hohler Stimme von unten herauf, »daß ich gnädigen Herrn -von Kindesbeinen her kenne – daß ich vom seligen Herrn -Baron –«</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_049" title="49"> </a> -»Weiß ich, weiß ich, weiß ich alles!« rief der Baron, -indem er ungeduldig aufstampfte. »Was gehört das hierher?«</p> - -<p>»Und daß ich weiß, was gnädigem Herrn gut thut und -gnädigem Herrn nicht gut – weil ich weiß, wie es steht.«</p> - -<p>Der Baron trat einen halben Schritt zurück.</p> - -<p>»Wie was steht?«</p> - -<p>Jetzt richtete der Alte das gesenkte Haupt so weit auf, -daß er einen schrägen, lauernden Blick in die Augen seines -Herrn bohren konnte. Seine Stimme wurde dumpf und leise.</p> - -<p>»Wie es – mit gnädigem Herrn steht.«</p> - -<p>Das bleiche Gesicht des Barons wurde noch um eine -Färbung bleicher, so daß es ganz weiß aussah, und in dem -weißen Gesichte glühten die Augen auf. Ein Zittern durchlief -seine Gestalt, seine Hände schlossen sich, er konnte -keinen Laut hervorbringen. So standen sich die beiden -Männer stumm gegenüber. Am Leibe des alten Johann -regte sich keine Fiber, nur seine Augen hafteten stieren -Blicks an dem Baron. Er sah ja, daß der Mann dort unmittelbar -vor einem Ausbruche von Tollwut stand, und -Tobsüchtige darf der Wärter nicht aus den Augen lassen.</p> - -<p>Es dauerte geraume Zeit, bis daß der Baron seine -Fassung einigermaßen zurückgewann. Seine Brust keuchte, -indem er zu sprechen begann; die Worte kamen abgebrochen -heraus.</p> - -<p>»Johann – weil ich weiß – daß du es gut meinst – -will ich dir verzeihen, was du – da eben gesagt hast. Aber, -wenn du es noch einmal thust, dann nimm dich in acht!« -Er hob den rechten Arm mit geballter Faust empor. »Nimm -dich in acht!« wiederholte er, »nimm dich in acht!«</p> - -<p>Seine Stimme war immer lauter angeschwollen, so daß -<a class="pagenum" id="page_050" title="50"> </a> -sie zuletzt beinahe brüllend geworden war. Sein Körper -schüttelte sich wie im Krampf. Dann plötzlich ließ er den -erhobenen Arm sinken, warf sich stöhnend in einen Sessel -und legte beide Arme auf die Lehne, das Gesicht auf die -Arme drückend.</p> - -<p>Regungslos stand der Alte; in seinen Augen war etwas, -wie ein wilder Triumph, indem er auf seinen Herrn niederblickte. -Wer hatte nun recht gehabt? War der Mann da, -der unglückselige, etwa kein Wahnsinniger?</p> - -<p>Zunächst sprach keiner von beiden ein Wort; eine schwüle, -beängstigende Stille trat ein. Dann erhob der alte Johann -wieder die Stimme.</p> - -<p>»Und wenn gnädiger Herr heiraten, thut es gnädigem -Herrn nicht gut.«</p> - -<p>Der Baron erwiderte nichts; er gab überhaupt kein -Zeichen, als hätte er gehört.</p> - -<p>»Und wenn ein Fräulein kommt,« fuhr der Alte fort, -»und will den gnädigen Herrn heiraten, weil das Fräulein -Frau Baronin werden möchte und reich werden möchte, weil -sie selber nichts hat –«</p> - -<p>Jetzt richtete der Baron das Haupt auf; seine Hand -griff in den Stoffüberzug des Sessels, man sah, wie sie sich -hineinkrallte, seine Augen drehten sich zu dem Alten herum, -mit einem gefährlichen Ausdruck. Der Alte aber hörte nicht -auf, wollte nicht aufhören; indem er des Mädchens gedachte, -war es, als überkäme auch ihn eine dumpfe, schwälende -Wut. Seine Augen unterliefen rot. »Dann ist das nicht -recht von dem Fräulein,« polterte er rauh und rücksichtslos -heraus.</p> - -<p>In diesem Augenblick rollte der Stuhl, auf welchem -<a class="pagenum" id="page_051" title="51"> </a> -der Baron gesessen hatte, bis mitten ins Zimmer; mit einem -jähen Satze war der Baron aufgesprungen.</p> - -<p>»Mach, daß du 'rauskommst!« brüllte er den Alten -an. Der Alte stand wie an den Boden gewachsen.</p> - -<p>»Gnädiger Herr dürfen nicht heiraten,« sagte er.</p> - -<p>»Halt 's Maul und mach, daß du 'rauskommst!« donnerte -der Baron noch einmal. Seine Hände flogen, sein Körper -erbebte konvulsivisch. Es war aber, als wenn seine Aufgeregtheit -den andern nur um so eisiger erstarren machte.</p> - -<p>»Ein Arzt hat mir gesagt, der jetzt tot ist, wenn -gnädiger Herr heiraten, werden gnädiger Herr jemand umbringen.«</p> - -<p>Kaum daß er das gesagt hatte, warf er jedoch den -Pelz, den er immer noch in Händen hielt, über den nächsten -Stuhl und zog sich eilends nach der Thür zurück. Der Baron -hatte den schweren gepolsterten Sessel mit beiden Händen an -der Lehne gepackt und mit einer Kraft, wie sie nur der -Paroxismus verleiht, emporgeschwungen. Es sah aus, als -wollte er den Alten im nächsten Moment zu Boden schmettern. -Mit einer hurtigen Bewegung riß dieser die Thür auf und -verschwand.</p> - -<p>Eine halbe Stunde später, während er lautlos horchend -in seinem Zimmer gesessen hatte, vernahm er, wie der Baron -aus seinen Gemächern trat und mit schweren Schritten die -Wohnung verließ. Er eilte an eines der nach der Straße -gehenden Fenster und blickte ihm nach. Richtig – die gewohnte -Richtung, er ging zu seiner Braut. Also doch!</p> - -<p>Der Alte kehrte in sein Zimmer zurück, warf die Mappe -auf den Tisch und gleich darauf saß er wieder vor seinen -Briefbogen. Heute knirschte das Papier unter seiner kratzenden -<a class="pagenum" id="page_052" title="52"> </a> -Feder; seine Augen brannten, und die Muskeln seines -Gesichts spannten sich zu einem Ausdruck grimmiger Verbissenheit, -indem er schrieb.</p> - -<p>Am Abende des Tages erhielt Anna von Glassner -folgenden Brief:</p> - - -<div class="mw48 mt1 mb1"> - -<p class="ci"> -»Zum letztenmal werden Sie gewarnt! Sie ruinieren -ihn und gehen in Ihr Verderben! Heute war der unglückselige -Mensch dicht daran, daß er seinen Wärter und treuesten -Begleiter totgeschlagen hätte.</p> - -<p class="ci">  Wer Augen hat, zu sehen, der sehe!!!</p> - -<p class="si">Der Pflichterfüller.«</p> - -</div> - - -<p>Scheinbar beruhigt war der Baron von Anna hinweggegangen, -in seinem Innern aber saß die Erinnerung an -das, was er mit dem alten Johann erlebt hatte. Und diese -Erinnerung war wie ein gärender Keim in seinem Blute, -sie ließ ihn nicht mehr zur Ruhe kommen.</p> - -<p>Es erging ihm, wie es dem Menschen geht, wenn er -sich mit einem andern gestritten hat. Im Augenblick, da -uns der Gegner seine Behauptung ins Gesicht wirft und -wir sie ihm leidenschaftlich zurückschleudern, sind wir darüber -hinweg – nachher, wenn die Leidenschaft verraucht ist, kommt -das Wort uns wieder, leise, schleichend und in seiner Geräuschlosigkeit -eindringlicher als vorher, und nun kommt das -Grübeln, ob das Wort nicht vielleicht doch recht gehabt -haben könnte.</p> - -<p>»Ich weiß, wie es mit gnädigem Herrn steht« – immer -wieder war es da, das Wort, immerfort und immerfort, wie -der Wassertropfen, der unablässig auf den Kopf des Gefolterten -fällt. Und indem es in seinem Ohre nachklang, -<a class="pagenum" id="page_053" title="53"> </a> -war ihm, als käme das Ungetüm wieder herangeschwommen, -von dem er Anna erzählt hatte, als höbe es die gräßlichen -grünen Augen wieder auf, und das, was aus diesen Augen -sprach, war ja nichts andres als das: »Ich weiß, wie es -mit dir steht.«</p> - -<p>Und, war es denn etwa so ganz unberechtigt? War -nicht in ihm selbst etwas gewesen, das ihn mit Schauder -erfüllte, wenn er daran zurückdachte? Immer wieder hörte -er eine fürchterliche Stimme, die das Zimmer durchtönte, -und das war seine Stimme; der Mensch, der so gebrüllt -hatte, war er selbst gewesen. Immer wieder empfand er -den Krampf, der plötzlich in seinem Rückenmark losgebrochen -war, seine Glieder durchschüttelt, seinen Arm erhoben und -seine Fäuste geballt hatte. Es ließ ihn gar nicht los; immer -und immer wieder mußte er sich bis ins einzelne vergegenwärtigen, -wie das gekommen, wie ihm dabei zu Mute gewesen -war. Wie wenn etwas von außen über ihn herfiele, -so war es gewesen, wie wenn ihn etwas anspränge, sich -seiner bemächtigte, eine fremde, furchtbare Gewalt, beinahe -wie ein wildes Tier, das jählings in ihn eingedrungen war -und aus ihm hervortobte. Dazu diese plötzliche, unbegreifliche -Kraft, die er in den Armen gefühlt hatte. Wenn er -jetzt den schweren gepolsterten Sessel anschaute, begriff er -gar nicht, wie es ihm möglich gewesen war, ihn wie eine -Keule emporzuschwingen. Und in dem Augenblick war es -doch so gewesen, und in dem Augenblick war ihm das -mächtige Ding so federleicht erschienen. Unwillkürlich schloß -er die Augen. Hatte er nicht gehört und gelesen, daß -Menschen in der Tollwut eiserne Stangen zerbrechen? Was -war das gewesen, was ihm die Muskeln so schrecklich -<a class="pagenum" id="page_054" title="54"> </a> -gestählt hatte? Brütend saß er in seinem Zimmer und wagte -sich nicht Antwort auf das zu geben, was in ihm fragte.</p> - -<p>So also stand es mit ihm? Und wie viel hatte gefehlt, -so hätte er seinen alten Johann niedergeschlagen und -totgeschlagen. – Freilich, der Alte hatte ihn gereizt; aber -wußte er denn nicht, wie er an ihm hing, treu wie ein -Hund? Und er hätte ihn beinahe umgebracht!</p> - -<p>Und wie hatte der Alte von Anna gesagt? »Wenn -ein Fräulein kommt und den gnädigen Herrn heiraten will, -weil sie reich werden möchte –«</p> - -<p>Hier aber sprang er auf. Das war falsch und gelogen, -das wußte er, so weit war er noch vernünftig. Das waren -die Gedanken, wie sie in einer Knechtsseele sich zusammenkleistern! -Er wußte ja doch, daß er zu ihr gekommen war, -nicht sie zu ihm. Mit den Armen griff er in die Luft. -Daß sie nur da gewesen wäre in diesem Augenblick, daß er -sie an sich hätte pressen können! Denn mächtiger und bestimmter -als je zuvor empfand er in diesem Augenblick, daß -es nur ein Ziel und eine Rettung für ihn gab, und das -war sie, an die er dachte, nach der er verlangte, Anna, -Anna, Anna!</p> - -<p>Wie eine Todesangst erfaßte ihn der Gedanke, daß sie -ihm doch noch entgehen könnte, und mit krampfhafter Ungeduld -sah er dem Tage entgegen, da sie Hochzeit machen -würden, da sie ihm ganz gehören, immer und allerorts bei -ihm und mit ihm sein würde.</p> - -<p>Das nächste, was er darum zu thun beschloß, war, daß -er seine Braut zu seinem Schlosse hinausführte. Sie sollte -den Ort kennen lernen, wo sie mit ihm zusammen sein -würde, die künftige Heimat.</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_055" title="55"> </a> -Man befand sich zu Anfang April; der Winter war -überstanden, aber noch nicht überwunden, er kämpfte noch -mit dem nahenden Frühling. Trotzdem wollte der Baron -nicht länger warten. Es mußte etwas geschehen, wodurch -Anna körperlich mit dem neuen Dasein verknüpft würde, -und sie selbst hatte Lust dazu. Auch in ihr war ein Bedürfnis, -die Umgebung des künftigen Lebens kennen zu -lernen; daneben regte sich die Neugier, das schlesische Paradies -endlich einmal mit Augen zu sehen.</p> - -<p>So wurde der Besuch denn für einen der nächsten Tage -beschlossen.</p> - -<p>Mit seinem alten Diener hatte der Baron seit jenem -verhängnisvollen Vormittage kein Wort mehr gesprochen; -schweigend waren sie umeinander hergegangen; es war wie -ein Waffenstillstand zwischen ihnen.</p> - -<p>Als er damals seine Wohnung verließ, um zu Anna -zu gehen, hatte Eberhard von Fahrenwald ernsthaft erwogen, -ob er den Alten nicht fortschicken sollte. Es war das erste -Mal, daß ihm der Gedanke kam.</p> - -<p>Er hatte ihn von seinem Vater ererbt und es bisher -wie eine Art von Naturnotwendigkeit empfunden, ihn fortwährend -um sich zu haben. An dem Tage zum erstenmal -erhob sich eine Stimme in ihm, die ihm zurief: »Schick' ihn -fort!« Er würde ihm natürlich eine für seine alten Tage -ausreichende, ja eine glänzende Pension zahlen, aber er wollte -ihn los sein.</p> - -<p>Als er dann aber zu Anna gekommen war, und diese -für den Alten gebeten hatte, war sein Entschluß wieder -schwankend geworden. Er war sich nun wieder bewußt geworden, -daß er gegen den ausdrücklichen letzten Willen seines -<a class="pagenum" id="page_056" title="56"> </a> -Vaters handeln würde, wenn er so thäte, und er sagte sich, -daß er es doch gewesen war, der durch seine Heftigkeit den -widerwärtigen Auftritt verschuldet hatte. Kampf mit sich -selbst, das war ja nun einmal die Aufgabe, die ihm vom -Schicksal auferlegt worden war, und dazu gehörte, daß er -auch den Widerwillen, den unheimlichen, niederkämpfte, der -sich in ihm gegen den Alten zu regen begann.</p> - -<p>Also schwieg er; der alte Johann schwieg auch, und -äußerlich schien es, als wäre alles, wie es früher und immer -gewesen war.</p> - -<p>Jetzt, am Tage, bevor er mit Anna hinauszufahren -beschlossen hatte, befahl der Baron dem Alten, vorauszufahren -und das Schloß einigermaßen zum Empfange vorzubereiten. -Die Zimmer sollten gelüftet, in den Oefen und -Kaminen sollten Feuer angezündet werden. In den Wegen -des Parks, die vom Tauwetter jedenfalls aufgeweicht sein -würden, hieß er ihn Sand aufschütten und an besonders -morastigen Stellen Bretter legen. Endlich sollte für ein -Frühstück gesorgt werden.</p> - -<p>Alle diese Weisungen erteilte der Baron in kurzem, -bestimmtem Tone; der alte Johann nahm sie mit schweigender -Unterwürfigkeit entgegen; er war in diesem Augenblick -nichts weiter, als der demütige, gehorsame Knecht.</p> - -<p>Ein grauer, nasser Himmel lag über der Erde, als der -Baron am nächsten Morgen mit seinem Wagen bei Anna -von Glassner vorfuhr, um sie zum Bahnhofe abzuholen.</p> - -<p>Als er bei ihr eintrat, stand sie schon reisefertig in ihrem -grauen Reisemantel da. Lächelnd wickelte er einen Gegenstand, -den er in Händen trug, aus dem umhüllenden Papier; -es war ein Paar nagelneuer, mit Pelz gefütterter Gummischuhe.</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_057" title="57"> </a> -»Das ist kein Schmuck,« sagte er, »das darfst du annehmen, -und im Park draußen wird es feucht sein.«</p> - -<p>Sie sah ihm dankbar ins Gesicht.</p> - -<p>»Auch an so etwas denkst du?«</p> - -<p>Sie setzte sich, um die Gummischuhe anzulegen, und -dabei konnte sie nicht verhindern, daß er sich auf ein Knie -vor ihr niederließ, um ihr beim Anziehen behilflich zu sein.</p> - -<p>Zärtlich drückte er ihre kleinen Füße.</p> - -<p>»Aber Eberhard!« mahnte sie.</p> - -<p>Er sprang auf, schloß sie in seine Arme und küßte sie -auf den Mund.</p> - -<p>»Komm,« sagte er, »heute fährst du als Anna von Glassner -hinaus; das nächste Mal als Anna von Fahrenwald.«</p> - -<p>Nach einer Eisenbahnfahrt von etwa einer Stunde kamen -sie an der kleinen Station an, von der man zum Gute des -Barons gelangte. Als der Zug einlief, stand bereits ein -grauhaariger Mann mit abgezogenem Hute und gebeugtem -Rücken auf dem Bahnsteige; es war der alte Johann.</p> - -<p>»Sieh, wie pünktlich und aufmerksam er ist,« flüsterte -Anna, mit dem Kopfe nach dem Alten deutend, dem Bräutigam -zu. Dieser erwiderte nichts, und als Johann hinzutrat, -um dem Fräulein beim Aussteigen behilflich zu sein, -verhinderte er, daß er sie berührte.</p> - -<p>»Ist der Wagen da?« fragte er kurz.</p> - -<p>Der Wagen war da.</p> - -<p>Indem sie dahin gingen, drückte sie mit leisem Vorwurfe -den Arm des Bräutigams; er war so freundlich und -gut, nur dem alten Diener gegenüber erschien er ihr so barsch.</p> - -<p>Der Wagen war zugedeckt, weil es vorher geregnet -hatte; jetzt aber hatte der Regen aufgehört.</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_058" title="58"> </a> -»Möchtest du ihn lieber offen haben?« fragte der Baron.</p> - -<p>»O ja,« bat sie. Es war ja eine neue Welt, in die sie -kam, und die will man doch gern ordentlich sehen können. -Also wurde das Verdeck zurückgeschlagen; im Wagen befanden -sich Fußsäcke und Decken; zwei prächtige Rappen -stampften an der Deichsel. Der Ueberfluß kam ihr entgegen -und breitete beide Arme aus.</p> - -<p>Nachdem er sie in eine Wagenecke gepackt und sorgfältig -in die Decken gewickelt hatte, setzte er sich neben sie; die -Pferde zogen an und der Wagen rollte auf die Landstraße -hinaus. Wege und Stege trieften von Nässe, in den Feldern -rechts und links standen breite Wasserlachen, so daß sie wie -Sümpfe aussahen; am Himmel, der kalt und grau wie -Stahl war, taumelten die Wolken, vom Aprilwinde gejagt, -in dicken schwärzlichen Ballen dahin. Alles in allem war -es kein freundlicher Empfang, den die neue Welt dem jungen -Mädchen bereitete.</p> - -<p>Der Baron sah sie von der Seite an und sah, wie ihr -Stumpfnäschen keck und vergnügt aus Hüllen und Decken -in die graue Luft ragte.</p> - -<p>»Ist dir kalt?« fragte er.</p> - -<p>»Nicht im geringsten!« erwiderte sie.</p> - -<p>»Aber schön ist es nicht?«</p> - -<p>»Himmlisch,« gab sie zur Antwort. »Was denkst du -denn? So eine Stadtpflanze, wie ich; das ist ja die reine -Wonne, so über Land zu fahren!«</p> - -<p>Er war ganz glücklich und legte den Arm um sie; durch -die Decken und Tücher, mit denen er sie umwickelt hatte, -war sie aber ganz unförmlich geworden, so daß sein Arm -nicht um sie herumreichte. Sie kicherte vor Vergnügen.</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_059" title="59"> </a> -»Siehst du,« sagte sie, »wenn du mich so weiter verwöhnst, -werde ich noch so dick werden, daß du mich gar -nicht mehr umarmen kannst – es fängt schon an damit.«</p> - -<p>Er hörte ihrem Geplauder zu. Wie ihn das beglückte, -daß sie so zufrieden war! Wie wenig sie brauchte, um zufrieden -zu sein!</p> - -<p>Der Wagen war inzwischen von der Landstraße abgebogen -und quer durchs Land gefahren. Jetzt tauchten in -einiger Entfernung die kahlen Baumkronen eines weit ausgedehnten -Parkes vor ihnen auf.</p> - -<p>Plötzlich kam Annas Hand unter den Decken hervorgekrochen -und erfaßte die Hand des Barons.</p> - -<p>»Eberhard,« fragte sie leise, indem sie sich zu ihm hinüberbog, -»ist es das?«</p> - -<p>Er sah ihr ins Gesicht.</p> - -<p>»Das ist es,« erwiderte er.</p> - -<p>Sie verstummte; ihre Augen wurden groß und ernst.</p> - -<p>»Gefällt es dir?« fragte er nach einiger Zeit.</p> - -<p>»Es scheint ganz wundervoll,« gab sie flüsternd zurück. -Dann zeigte sie mit dem Finger nach vorn.</p> - -<p>»Und das da – das ist das Schloß?«</p> - -<p>Ueber den Wipfeln des Parks stiegen die Mauern eines -großen Gebäudes finster empor.</p> - -<p>»Das ist das Schloß,« versetzte er.</p> - -<p>Dann ergriff er ihre Hand, die langsam niedergesunken -war. »Gefällt dir das auch?«</p> - -<p>Sie nickte gedankenvoll mit dem Haupte. Nachdem sie -dann ein Weilchen geschwiegen, schmiegte sie sich an ihn.</p> - -<p>»Eberhard,« bat sie leise, »könnten wir nicht am Park -aussteigen und durch den Park zum Schlosse geh'n?«</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_060" title="60"> </a> -»Wäre dir das lieber?« fragte er.</p> - -<p>Sie nickte wieder; sie hätte kaum sagen können, warum, -aber es war ihr wirklich lieber. Vielleicht, daß ihr das -große düstere Gebäude unwillkürlich einen Schreck einflößte.</p> - -<p>Der Park öffnete sich in das umgebende Gelände; weder -Mauer noch Zaun schloß ihn ab.</p> - -<p>Als jetzt der Wagen die Stelle erreicht hatte, wo die -Parkwege sich mit der Fahrstraße kreuzten, befahl der Baron, -anzuhalten.</p> - -<p>»Also komm,« sagte er zu Anna, »wir wollen aussteigen -und zu Fuße gehen.«</p> - -<p>Rasch entledigte sie sich ihrer Umhüllungen, und auf -seine Hand gestützt, sprang sie hinab.</p> - -<p>Während der Wagen zum Schlosse weiterfuhr, schritten -die beiden, Arm in Arm, in den Park hinein.</p> - -<p>Ihr Weg führte sie eine Allee entlang, die von hochstämmigen, -uralten Buchen gebildet wurde. In den blätterlosen -Wipfeln brauste der Wind, der immer stärker angeschwollen -und jetzt beinahe zum Sturm geworden war. -Die Bäume neigten und beugten sich, die kahlen Aeste -schlugen klatschend aneinander, ein Chor von tausend seltsamen -Lauten, ein Krachen, Pfeifen und Heulen erfüllte -die Luft.</p> - -<p>Unwillkürlich schloß Anna sich dichter an ihren Begleiter. -Zum erstenmal setzte sie den Fuß auf Fahrenwaldschen -Grund und Boden, und es war, als wenn die Geister und -Dämonen, welche dieses Gebiet bewohnten, sie begrüßten.</p> - -<p>Der Baron fühlte ihre ängstliche Bewegung; er sagte -sich, daß er sie nun da hatte, wo er sie haben wollte, haben -mußte, aber es war wie ein Gefühl des Unrechts in ihm. -<a class="pagenum" id="page_061" title="61"> </a> -Er kam sich vor, wie ein Jäger, der in einem fremden Erdteile -ein Wild gefangen und es in seine Heimat geschleppt -hat. Wird das fremde Geschöpf sich an die Luft der neuen -Umgebung gewöhnen?</p> - -<p>In Gedanken verloren, waren sie schweigend fürbaß -geschritten. Dann fing Anna an.</p> - -<p>»Siehst du,« sagte sie, »nun begreif' ich, warum sie -deinen Park das schlesische Paradies nennen; das find' ich -so schön, daß der Garten so offen ist; da können die armen, -müden Leute, wenn sie von den Feldern draußen kommen, -hereintreten und sich unter den schönen schattigen Bäumen -erholen.«</p> - -<p>»Gefällt es dir?« fragte er zurück, »das freut mich. -Früher, verstehst du, war ein Gitter rings um den Park -herum; ich habe es wegnehmen lassen.«</p> - -<p>»Das hast du gethan?«</p> - -<p>»Ja,« sagte er einfach.</p> - -<p>Sie ruckte an seinem Arm; beide blieben stehen.</p> - -<p>»Eberhard,« sagte sie leise, indem sie ihm in die Augen -sah, »weißt du, was ich glaube? Daß du der beste, gütigste -Mensch bist, den es auf Erden gibt.«</p> - -<p>Er wandte das Haupt zur Seite, als wolle er ihrem -Blicke ausweichen. Es gibt Menschen, die es nicht vertragen, -daß man sich mit ihnen beschäftigt; vielleicht auch, daß er -an den Vormittag zurückdachte, da er nahe daran gewesen -war, den alten Johann zu erschlagen, und daß ihr Lob ihm -darum ungerechtfertigt erschien – er erwiderte nichts und -drückte nur hastig ihre Hände. Dann schlang er ihren Arm -wieder in den seinen und setzte den Weg mit ihr fort.</p> - -<p>Von der Allee bogen sie in einen Seitenweg ab, und -<a class="pagenum" id="page_062" title="62"> </a> -indem sich nun der Park tief wie ein Wald vor ihr aufthat, -sah und empfand Anna erst, wie schön und herrlich er war.</p> - -<p>»O Eberhard,« fuhr sie bewundernd heraus, »wie muß -das alles herrlich sein, wenn es erst Frühling wird und -alles in Laub und Blättern steht!«</p> - -<p>Nun warf er den Arm um sie her; sie fühlte seinen -leidenschaftlichen Druck.</p> - -<p>»Meinst du, daß es schön sein wird? Glaubst du, daß es -dir gefallen wird? daß du glücklich sein wirst? Glaubst du's?«</p> - -<p>»Ja doch, ja gewiß,« erwiderte sie, indem sie sich -bemühte, ihn den Schreck nicht fühlen zu lassen, den seine -plötzliche Leidenschaftlichkeit ihr eingejagt hatte.</p> - -<p>»Dann will ich dir etwas sagen,« fuhr er fort, indem -er sie eng an sich preßte, »sprich nie von mir! Hörst du? -Sag nie, daß ich gut bin! Von mir, siehst du, muß nie die -Rede sein; das ist mir gerade recht, ist mir das allerliebste! -Nur du bist da, und du sollst glücklich und zufrieden sein. -Siehst du, ich will mal ein Bild brauchen, damit du's verstehst: -du bist für mich wie die Sonne, und ich bin wie die -Erde. Und wenn die Sonne scheint, siehst du, dann ist die -Erde glücklich, daß sie sich um die Sonne drehen kann. Und -mehr will ich nicht und brauch' ich nicht. Und darum gibt's -für die Sonne nur eine Verpflichtung: nämlich, daß sie da -ist und leuchtet, weiter gar nichts. Und nun sag' mir, -wirst du daran denken? Und da sein für mich und leuchten? -Wirst du's? Versprichst du's?«</p> - -<p>Was blieb ihr anders übrig, als es zu versprechen? -Aber während sie es that, fühlte sie beklommenen Herzens, -daß es nicht immer leicht sein mochte, nichts weiter als -»Sonne« zu sein und immerdar zu leuchten.</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_063" title="63"> </a> -Indem sie dem Schlosse näher kamen, lichtete sich der -Park, das Baumdickicht blieb hinter ihnen und der Weg -führte an Rasenflächen und Blumenbeeten vorüber.</p> - -<p>Anna riß sich vom Arme des Bräutigams los und -schlug in die Hände.</p> - -<p>»O herrlich!« rief sie, »hier beginnt mein Reich!«</p> - -<p>Sie lief einige Schritte voraus und achtete nicht darauf, -daß ihre Füße in dem aufgeweichten Boden beinahe bis an -die Knöchel einsanken. Zwischen den kahlen Blumenbeeten -ging sie auf und ab.</p> - -<p>»O Eberhard,« rief sie, »Eberhard, wie sieht das hier -aus! Da bekomme ich Arbeit! Da bekomme ich Arbeit!«</p> - -<p>Der Baron war hinter ihr stehen geblieben.</p> - -<p>»Geh nicht zu weit,« warnte er scherzend, »du ertrinkst -mir am Ende noch, bevor du an deine Arbeit kommst.«</p> - -<p>Jauchzend flog sie zu ihm zurück. Blumen gab es also -auch hier in dem verwunschenen Hause, und da wo Blumen -sind, ist ja auch Licht! Im Augenblick aber, da sie ihm in -die Arme fallen wollte, blieb sie jählings stehen. Jetzt erst -bemerkte sie, was sie vorhin nicht gesehen hatte, daß sie unmittelbar -vor dem Schloß standen.</p> - -<p>Auf einem Unterbau von mächtigen Granitquadern, der -nur von wenigen, engen, vergitterten Fenstern durchbrochen -war, erhoben sich zwei Stockwerke, deren jedes zwölf Fenster -zeigte. Himmelhoch sah es von hier unten aus, die Mauern -ganz grau, beinahe schwärzlich, wie angeblakt vom schweren -Atem der Jahrhunderte; wie ein Gebirge lag es da, und -obschon keine Sonne am Himmel stand, war es, als wenn -es einen schweren Schatten über die Menschen würfe, die -schweigend zu ihm aufblickten.</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_064" title="64"> </a> -»Du mußt nicht erschrecken,« sagte der Baron, als er -in Annas Zügen den Eindruck wahrnahm, den die düstere -Behausung in ihr hervorrief, »es ist ein altes Komtureigebäude, -daher ist es so alt und sieht so finster aus.«</p> - -<p>»Aber weißt du,« erwiderte sie, indem sie sich in seinen -dargebotenen Arm hing, »wenn du es mit frischer Farbe -anstreichen ließest, würde es gewiß viel freundlicher aussehen.«</p> - -<p>Er nickte zufrieden.</p> - -<p>»Siehst du,« sagte er, »das ist gleich ein vortrefflicher -Gedanke. Ich merke schon, es kommt mit dir ein neuer -Geist ins alte Haus.«</p> - -<p>Er führte sie darauf durch eine Halle, die vom Garten -nach dem Hofe hindurchging, und als Anna, mit offenem -Munde, stehen bleiben und den großen, seltsam ausgeschmückten -Raum bewundern wollte, zog er sie weiter.</p> - -<p>»Komm,« mahnte er, »es ist kalt hier drin.«</p> - -<p>In dem schwachen Lichte, das durch enge Fenster hereinfiel, -hatte sie nur soviel sehen können, daß die Wände von -oben bis unten mit Jagdtrophäen und Jagdgeräten behangen -waren. Hirschgeweihe, Wildschweinsköpfe und Köpfe von -Elentieren, mit lang herabhängenden Schnauzen, ragten -aus den Mauern hervor; das Jagdgerät und die Waffen -schienen uralt zu sein; ein riesiger Kamin, in dem kein Feuer -brannte, befand sich in der einen Wand.</p> - -<p>Sie traten auf den Hof hinaus, den auf der einen Seite -das Schloß, auf der andern ein Wirtschaftsgebäude umgab, -und hier öffnete sich das Thor, das zu den oberen Räumen -führte.</p> - -<p>Durch einen Vorflur, dessen Boden mit Steinfliesen -belegt war, und wo rechts und links zwei alte große Bilder -<a class="pagenum" id="page_065" title="65"> </a> -an den Wänden hingen, Pferde in Lebensgröße darstellend, -die von Stallknechten in der Kleidung des siebzehnten Jahrhunderts -geführt wurden, gelangte man an die Treppe.</p> - -<p>Es war eine Stiege von altem dunklen Eichenholz, -mit so flachen Stufen, daß man das Steigen kaum gewahr -wurde. Schwere Geländer liefen zu beiden Seiten hinauf.</p> - -<p>Anna wußte kaum, wie ihr zu Mute war, als sie in -diese wuchtige, von Jahrhunderten gesammelte und aufgespeicherte -Pracht hineinschritt; die Erinnerung an den -Abend kam ihr zurück, als sie zum erstenmal in seinem -Wagen nach Hause gefahren war.</p> - -<p>Der Mann an ihrer Seite aber preßte ihren Arm und -ließ ihr keine Zeit zum Besinnen.</p> - -<p>»Hast du gehört,« fragte er, indem er sie die Stufen -hinaufzog, »wie die alte Treppe geknackt hat? Das ist eine -gute Vorbedeutung; sie hat die neue Herrin erkannt und sie -begrüßt.«</p> - -<p>Stumm drückte sie ihm die Hand. Sie hätte so gerne -etwas Fröhliches erwidert, aber das fremdartige Neue, das -sie umgab, lastete auf ihrer Brust.</p> - -<p>Es war ein altertümlich gebautes und verbautes Haus -mit lichtlosen Räumen. Die Treppe mündete in einen Flur, -der keine Fenster hatte, sondern nur durch eine hoch oben -im Dache angebrachte Glasscheibe so viel Helligkeit empfing, -daß man die Gegenstände ringsumher erkennen konnte. Eine -schmalere Treppe leitete vom ersten zum zweiten Stockwerke -hinauf; der Haupttreppe gegenüber öffnete sich ein Gang, -an dessen rechter, nach dem Hofe gelegener Seite sich eine -Reihe kleiner, winklig ineinander geschobener Gemächer befand; -die eigentlichen Wohn- und Staatszimmer lagen vom -<a class="pagenum" id="page_066" title="66"> </a> -Eintretenden links, durch eine Glasthür vom Flure getrennt.</p> - -<p>Als der Baron mit Anna die Treppe bis zum ersten -Stock hinaufgestiegen war, öffnete sich die Glasthür und es -erschien eine Gestalt, die Anna, in dem Dämmer, der sie -umgab, kaum zu erkennen vermochte. Es war der alte Johann, -der lautlos daran ging, seinem Herrn und dessen Begleiterin -die Mäntel abzunehmen.</p> - -<p>Hinter der Glasthür war noch ein Vorraum, und hier -herrschte eine so völlige Dunkelheit, daß Anna nur tappend -weiter zu schreiten vermochte. Plötzlich aber brach Licht herein. -Der Baron hatte eine Thür geöffnet, die Anna nicht gesehen -hatte; an der Hand zog er sie über die Schwelle, und -mit einem unwillkürlichen »Ah« – des Staunens und der -Bewunderung stand sie mitten im Zimmer.</p> - -<p>Der Raum, der sie umgab, war ein großer, viereckiger -Saal, dessen Decke in gotischen Spitzbogen gewölbt war -und dessen Wände von großen, vom Fußboden bis an -die Decke reichenden Bücherschränken eingenommen wurden. -Die Schränke waren durch dicke, rotbraune Holzsäulen voneinander -getrennt, die kunstvoll, in Gestalt von Palmbaumstämmen -ausgeschnitzt waren. In den Schränken drängte -sich eine Masse von Büchern; vom Knaufe der Decke, in -dem die Spitzbogen des Gewölbes zusammenliefen, hing ein -schwerer, altertümlicher Kronleuchter herab und unter dem -Kronleuchter, inmitten des Raumes, stand ein Frühstückstisch -für zwei Menschen zugerichtet.</p> - -<p>Der Baron trat an den Tisch.</p> - -<p>»Du mußt hungrig geworden sein,« sagte er, »wollen -wir gleich frühstücken?«</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_067" title="67"> </a> -Anna aber stand in Staunen befangen und erstarrt.</p> - -<p>»Nachher,« erwiderte sie auf die Einladung des Barons, -»erst muß ich mir das alles ansehen. Das ist ja zu merkwürdig!«</p> - -<p>Sie ging von Schrank zu Schrank, sie befühlte mit den -Händen die geschnitzten Säulen und sah erst jetzt, welche -Fülle erfinderischer Kunst dahineingelegt war. An den Palmen -kletterten, in Holz geschnitzt, Affen, Leoparden und andre -fremdartige Tiere auf; in den Wipfeln, die sich unter der -Deckenwölbung ausbreiteten, sah man Papageien und andre -Vögel sich wiegen.</p> - -<p>»Wie wundervoll,« sprach sie staunend vor sich hin, -»wie wundervoll.«</p> - -<p>Der Baron verfolgte schweigend ihr Umherwandern.</p> - -<p>»Das ist Holzschnitzerei aus dem Anfange des siebzehnten -Jahrhunderts,« erklärte er.</p> - -<p>Aus dem Anfange des siebzehnten Jahrhunderts – -Anna blieb stehen und sah zu ihm hinüber. Das war ja -ein königliches Besitztum – und in dem sollte sie gebieten? -Sie, das dürftige Gewächschen des neunzehnten Jahrhunderts?</p> - -<p>Sie trat vor den Kamin, in dem ein Feuer von mächtigen -Holzscheiten prasselte; dann ging sie an die Fenster und -bemerkte, daß sie auf den Park hinausgingen und daß sie -sich hier am Ende der Schloßfront befand. Zu ihrer -Rechten war die Thür geöffnet, durch die man in die anstoßenden -Gemächer blickte. Die Thüren all dieser Zimmer -standen offen, so daß sich der Blick in einer schier endlosen -Flucht von Räumen verlor, aus denen ein unbestimmtes -Leuchten und Glänzen zu ihr drang. Sie ahnte, daß -<a class="pagenum" id="page_068" title="68"> </a> -in allen diesen Gemächern eine gleiche Pracht wie in diesem -ersten herrschen mochte. Stärker als Hunger und Durst war -die Neugier.</p> - -<p>»O Eberhard,« sagte sie leise, indem sie die Hände zusammenlegte, -»thu mir's zuliebe, zeig mir das alles erst. -Frühstücken können wir ja nachher.«</p> - -<p>Er war bereit, und an seiner Seite ging sie nun über -den spiegelglatten Parkettboden in das nächste Zimmer und -von da weiter.</p> - -<p>Die Räume waren, wie man das in alten Häusern findet, -launenhaft unsymmetrisch gebaut; bald in Form von langen, -schmalen Gängen, bald zu tiefen Gelassen ausgeweitet.</p> - -<p>Allen gemeinsam aber war die reiche Pracht der Ausstattung. -Ein altertümlicher schwerer Prunk herrschte in dem -Mobiliar. Tiefrückige Sofas, mit vergoldeten, in Löwenköpfen -auslaufenden Armlehnen; Lehnstühle von schwarzem -Ebenholz; dazwischen, einer jüngeren Epoche entstammend, -kleine Stühle von zartem, vergoldetem Holz und Rohrgeflecht. -Dunkelroter Sammet in dem einen, dunkelblauer Sammet -in dem nächsten Zimmer, dann wieder Polster von goldgepreßtem -Seidenstoff. An den Wänden große Spiegel in -massiv goldenen oder silbernen Rahmen und eine Fülle von -Bildern. Unter diesen, die sämtlich von älteren Meistern -herrührten, vielfach hervorragende Werke; wie denn überhaupt -die ganze Ausschmückung der Räume den Eindruck -erweckte, daß ein hochentwickelter Kunst- und Schönheitssinn -zur geistigen Erbschaft der Fahrenwalds gehörte.</p> - -<p>Am liebsten wäre Anna vor jedem einzelnen Bilde stehen -geblieben; aber dann hätte sie bis zum Abend stehen können, -und heut abend wollten sie doch wieder in Breslau zurück -<a class="pagenum" id="page_069" title="69"> </a> -sein. Darum ließ sie sich von ihrem Begleiter weiterführen, -und nur in einem der Gemächer machte sie unwillkürlich vor -den Gemälden Halt.</p> - -<p>Es war dies ein gangartiger Raum, ungefähr wie eine -Galerie. Auf der Tapete von dickem purpurrot gefärbten -Leder hing eine Reihe von Porträts, Männer und Frauen -darstellend, offenbar die hauptsächlichen Vertreter des Geschlechts.</p> - -<p>Aus dem sechzehnten Jahrhundert kamen sie hervor und -gingen bis in die Neuzeit, eine gemalte Chronik der wandelnden -Tracht und Kultur.</p> - -<p>Die Augen des jungen Weibes hafteten an den Kleidungen, -daneben aber beschäftigte es sie, den stark hervortretenden -Zug von Familienähnlichkeit wahrzunehmen, der -die Gesichter innerlich verband. Lauter edle, fein ausgearbeitete -Physiognomieen, mit bleichen Zügen und dunklen, -schwermütigen Augen, eine Reihe von Menschen, von denen -der vorhergehende immer dem nachfolgenden die schwere Bürde -des Lebens auf die Schultern zu legen schien, froh, daß er -sie nicht länger zu schleppen brauchte.</p> - -<p>Annas Blicke gingen zu Eberhard hinüber, dem letzten -Fahrenwald, der mit offenbarer Ungeduld an der Thür zum -nächsten Zimmer ihrer wartete, und sie stellte fest, daß -sein Aeußeres ihn als echten Nachkommen seiner Vorfahren -verkündete.</p> - -<p>Als sie seine Ungeduld bemerkte, riß sie sich los, um -ihm zu folgen, an der Thür zum Nebenzimmer aber hing ein -Bild, das ihre Schritte wider ihren Willen bannte.</p> - -<p>Ein alter, weißhaariger Mann, in langem schwarzen -Rock, über den am Halse ein breiter, spanischer Spitzenkragen -<a class="pagenum" id="page_070" title="70"> </a> -fiel, saß an einem Tische, auf dem sich Phiolen, Retorten -und all die Geräte befanden, wie sie vor Zeiten die Alchimisten -gebraucht hatten.</p> - -<p>Das aber, was den Beschauer an das Bild fesselte, -waren die Augen des alten Mannes; diese Augen waren -schrecklich. Stier und starr, mit einer Wut im Ausdruck, -die lebendig geblieben zu sein schien, nachdem der Körper -des Mannes längst im Grabe zerfallen war, bohrten sie aus -der Leinwand hervor.</p> - -<p>Während Anna sprachlos vor dem Gemälde stand, trat -der Baron zu ihr heran und faßte sie, beinah heftig, -am Arm.</p> - -<p>»Komm fort,« sagte er. Der Ton seiner Stimme war -rauh, wie nie zuvor.</p> - -<p>Von dem unheimlichen Anblick gefesselt, stand sie noch -immer. Jetzt wandte er sich nach der Thür, durch welche -sie in die Galerie eingetreten waren.</p> - -<p>»Hatte ich dir nicht befohlen, das Bild fortzunehmen?«</p> - -<p>Sie drehte den Kopf – zu wem sprach er?</p> - -<p>In der Thür stand der alte Johann, der, wie es schien, -lautlos hinter ihnen drein gekommen war.</p> - -<p>Sie sah, wie er langsam den Kopf vorstreckte und die -Augen auf den Baron richtete.</p> - -<p>»Gnädiger Herr,« sagte er, »haben nichts davon befohlen.«</p> - -<p>In dem Augenblick fühlte Anna, deren Arm in dem -des Barons lag, wie ein Zucken durch dessen Körper ging. -Seine Gestalt reckte sich in allen Gelenken, so daß er Anna -um mehr als Kopfeslänge überragte.</p> - -<p>»Wenn ich's also wirklich noch nicht befohlen haben -<a class="pagenum" id="page_071" title="71"> </a> -sollte,« fuhr er fort, indem er über sie hinweg sprach, -»so befehl' ich es jetzt. Das Bild kommt fort von der Wand! -Gleich auf der Stelle! Jetzt!«</p> - -<p>Nun kam der alte Diener, immer den Kopf vorgestreckt, -und immer die Augen auf seinen Herrn gerichtet, zwei -Schritte näher.</p> - -<p>»Das soll fort? Das Bild von dem alten Herrn?«</p> - -<p>»Ja – hast du mich nicht verstanden?« erwiderte der -Baron, und seine Stimme rollte dumpf empor.</p> - -<p>»Wohin – soll ich's denn bringen?«</p> - -<p>Der Baron überlegte einen Augenblick.</p> - -<p>»Oben hinauf,« befahl er dann, »in die grüne Kammer.«</p> - -<p>In den Augen des alten Dieners zuckte ein grelles Licht -auf; es sah aus, als traute er seinen Ohren nicht.</p> - -<p>»Das Bild –« fragte er, beinah drohenden Tons, »von -hier fort? in die grüne Kammer?«</p> - -<p>Und jetzt geschah etwas, das Anna mit eisigem Schreck -überlief; von dem Mann an ihrer Seite, von dessen Mund -sie bisher nur Töne sanftester Güte vernommen hatte, kam -plötzlich ein unbeschreibbarer Laut.</p> - -<p>»Wenn dir das also nicht paßt,« schrie er, »dann also -anders: auf den Boden mit dem Bild!«</p> - -<p>Der alte Johann erwiderte nichts, rührte sich aber auch -nicht vom Fleck, nur sein Mund that sich halb auf, daß -man die langen Zähne darin sah.</p> - -<p>In der Brust des Barons stieg etwas herauf, gurgelnd -und rauschend, wie eine steigende Flut.</p> - -<p>»Auf den Boden damit, hast du mich gehört?«</p> - -<p>Diesmal schrie er nicht, er brüllte. Anna blickte auf; -sein Gesicht war verzerrt.</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_072" title="72"> </a> -Ein furchtbares Entsetzen überkam sie.</p> - -<p>»Eberhard!« kreischte sie auf.</p> - -<p>Als er den Schrei vernahm, senkte er den Blick zu -ihr. Sie stand leichenblaß, mit schlotternden Gliedern, die -Hände wie flehend und zugleich wie abwehrend zu ihm erhoben. -In dem Augenblick war es, als knickte sein aufgestraffter -Körper in sich zusammen, die lodernde Wut in -seinen Augen erlosch, um einem maßlosen Erschrecken zu -weichen, und mit einem dumpfen »o mein Gott« schlang er -beide Arme um sie, riß sie an seine Brust, und so, indem -er sie an sich gepreßt hielt, zog er sie aus der Galerie in -das anstoßende Gemach, wo er sie auf das Sofa niedersinken -ließ.</p> - -<p>Sobald sie Platz genommen, sank er knieend zu ihren -Füßen, das Haupt in ihren Schoß gedrückt, die Hände um sie -gelegt, als fürchtete er, daß sie aufspringen und entfliehen -würde. Daran aber hätte Anna wohl kaum gedacht, sie -fühlte sich von dem eben erlebten Schreck ganz kraftlos und -gebrochen. Sie mußte die Zähne aufeinanderpressen, damit -sie nicht klappernd zusammenschlugen, ihre Glieder -zitterten wie im Frost.</p> - -<p>Als der Baron das Beben ihres Leibes verspürte, hob -er das Gesicht zu ihr auf.</p> - -<p>»Aengstige dich nicht,« flehte er, »ängstige dich nicht.«</p> - -<p>Aber er sah ihre Augen mit stummem Grauen auf sich -gerichtet.</p> - -<p>»Es war ja um deinetwillen, daß ich so heftig wurde,« -fuhr er fort, »weil ich sah, daß das Bild dich erschreckte.«</p> - -<p>Und als sie noch immer nicht im stande war, ein -Wort zu erwidern, drückte er das Haupt wieder in ihren -<a class="pagenum" id="page_073" title="73"> </a> -Schoß und schüttelte es und faßte sie fester mit den -Händen.</p> - -<p>»Geh nicht von mir!« stöhnte er, »verlaß mich nicht!«</p> - -<p>Bei diesem Worte wurde ihr wieder weich und warm. -Schweigend breitete sie die Arme um ihn her, senkte das -Gesicht auf sein Haupt und ein Strom von Thränen, der -lautlos aus ihren Augen brach, verkündete, daß das Eis geschmolzen -war, das sich für einen Moment um ihre Seele -gelegt und sie von ihm getrennt hatte.</p> - -<p>So saßen sie schweigend bei einander, lange Zeit. -Das einzige Geräusch, das man vernahm, war das Knistern -des Holzes im Kamin, das in sich zusammenfiel, um sich in -Kohle zu verwandeln und danach zu Asche zu werden. Sonst -regte sich kein Laut, und es war, als hauchten die alten Möbel, -die Bilder an den Wänden die dumpfe Stille aus, die wie -eine Last im Zimmer lag. Es war, als thäten sich geräuschlos -in Winkeln und Ecken und in der Luft umher Augen -auf, dunkle, schwermütig forschende Augen, als blickten sie -fragend auf die beiden in sich versunkenen Menschen dort, -und als blinzelten sie sich gegenseitig zu, Gedanken tauschend, -wie die Abgeschiedenen sie verstehen, die Lebenden aber nicht.</p> - -<p>Endlich hatte Anna ihre Fassung wieder erlangt.</p> - -<p>»Komm weiter,« sagte sie, indem sie sich vom Sofa erhob.</p> - -<p>Er stand auf.</p> - -<p>»Nun wirst du wohl nichts mehr sehen wollen?« -fragte er.</p> - -<p>Sie fühlte, daß sie ihm Mut machen müsse.</p> - -<p>»O ja, gewiß,« versetzte sie, »du hast es mir versprochen, -und Versprochenes muß man halten.«</p> - -<p>Sie hing sich in seinen Arm, sie bemühte sich, einen -<a class="pagenum" id="page_074" title="74"> </a> -leichten Ton anzuschlagen und ihm zu zeigen, daß alles überwunden -und vergessen sei.</p> - -<p>So führte er sie denn weiter, bis daß sie am andern -Ende der Zimmerflucht in zwei kleinere, freundlichere Gemächer -gelangten.</p> - -<p>»Siehst du,« sagte er, stehen bleibend, »dies, hatte ich -gedacht, sollte dein Wohnzimmer sein, und dort nebenan -solltest du schlafen.«</p> - -<p>Anna blickte umher.</p> - -<p>»O ja,« meinte sie, »hier könnte es mir gefallen.«</p> - -<p>Sie ging ans Fenster.</p> - -<p>»Da hab' ich ja gerade meine Blumen vor mir,« sagte -sie, indem sie in den Garten hinunterblickte. »Das macht -sich alles ganz vortrefflich. Nur, weißt du, was ich möchte? -Daß das Zimmer vielleicht eine andere Tapete bekäme.«</p> - -<p>Sie trat an die Wand und befühlte den dicken, dunkelbraunen -Stoff, mit dem sie bekleidet war.</p> - -<p>»Das ist ja alles ganz prachtvoll,« fuhr sie fort, »und -die eingepreßten Goldmuster geradezu kostbar, aber siehst -du, ich bin nun einmal ein Kind unsrer Zeit und möchte es -gern ein bißchen heller haben und freundlicher.«</p> - -<p>Der Baron machte ein Gesicht wie ein vergnügtes Kind.</p> - -<p>»Aber Anna,« rief er, »das ist ja mein Gedanke gewesen -von Anfang an! Alle Zimmer miteinander möchte ich umtapezieren -lassen, damit mehr Licht in die alte Finsternis -kommt. Und in Breslau habe ich ein Muster gesehen, -weißen Untergrund mit goldenen und blauen Blumen, etwas -reizend Freundliches, den suchen wir uns, gleich morgen, -nicht wahr?«</p> - -<p>Sie nickte ihm zu.</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_075" title="75"> </a> -»Gleich morgen,« sagte sie.</p> - -<p>Er ergriff ihre Hände. Es sah aus, als wolle er sich -bei ihr bedanken.</p> - -<p>»Und andre Möbel darf ich dir auch hineinstellen? -Nicht wahr? Diese alten, schweren Sessel mit den riesigen -Lehnen, diese bauschigen Sofas, das ist doch alles nichts -für dich? Nicht wahr? Etwas recht Zartes, Luftiges und -Duftiges suchen wir uns aus, das erlaubst du mir? Nicht -wahr? Hast du Rosenholz gern?«</p> - -<p>Sie sah ihm in die Augen und neigte das Haupt.</p> - -<p>»Alles, was dir gefällt, wird auch mir gefallen, und -was du mir schenkst, nehme ich gern.«</p> - -<p>Ein Freudenschein zuckte über sein Gesicht. Er machte -eine Bewegung, um sie zu küssen, bevor er aber dazu gelangte, -bog er den Kopf wieder zurück. Der ängstliche Ausdruck, -mit dem er sie ansah, verriet, daß er sich nicht getraute. -Er dachte an den Auftritt von vorhin.</p> - -<p>Anna schob langsam die Hände an seinen Armen hinauf, -bis daß sie auf seinen Schultern ruhten. Da stand er -vor ihr, der Besitzer all dieser Pracht und Herrlichkeit, der -gegenüber sie sich wie eine Bettlerin erschien, da stand er, -der starke Mann, in dessen Armen sie wie Glas zersplittert -wäre, wenn seine Kraft sich gegen sie gewandt hätte – und -bat sie, demütig wie ein Knabe, ihr all seinen Reichtum zu -Füßen legen zu dürfen, und wie ein Schuldbewußter wagte -er nicht, sie zu küssen. Und worin bestand denn seine Schuld? -Ein unaussprechliches Mitleid quoll ihr im Herzen empor, -die Thränen drängten sich ihr in die Augen. Aber sie wollte -ihn keine Thränen sehen lassen, sie zwang sich zum Lächeln, -und so, weil ihr trotz allem Widerstand die Augen dennoch -<a class="pagenum" id="page_076" title="76"> </a> -übergingen, hob sie sich auf den Fußspitzen empor, und unter -Thränen und Lächeln suchte sie mit ihrem Munde seinen -Mund. Aufatmend, wie nach tiefer überstandener Qual, -beugte er sich zu ihr herab, und der Kuß, in dem sie sich -zusammenfanden, war wie ein gegenseitiges Versprechen, daß -sie nun ein neues Leben begründen wollten in dem alten, -ausgestorbenen Hause.</p> - -<p>Raschen Schrittes kehrten sie darauf zu dem Saale zurück, -wo das Frühstück angerichtet stand. Die warmen -Speisen waren inzwischen kalt geworden, aber das störte die -Laune nicht. Auch war neben den warmen Gerichten kalter -Braten in genügender Fülle da, um sich daran satt zu essen. -Während der alte Johann die Teller wechselte, schenkte der -Baron ihr Wein ein, und sie trank ein tüchtiges Glas. Sie -war nun ganz heiter, ganz ihrem Berufe als »Sonne« treu, -und der Baron, ihre »Erde«, leuchtete in ihrem Lichte auf.</p> - -<p>Das einzige, was sie einigermaßen hätte stören können, -war der Anblick des alten Dieners, der schweigend aufwartete -und, während sie aßen und tranken, hinter dem Stuhle seines -Herrn stand.</p> - -<p>Unwillkürlich gingen ihre Blicke von Zeit zu Zeit zu -ihm hin, und immer sah sie ihn dann in einer ganz seltsamen -Haltung, regungslos, den Kopf wie in brütendem -Sinnen zu Boden gesenkt, an seinem Platze stehen.</p> - -<p>Offenbar dachte er immer noch darüber nach, wie furchtbar -und eigentlich grundlos der Baron ihn vorhin angefahren -hatte. Das that ihr so leid um den alten Mann. Sie fühlte -das Bedürfnis, ihm irgend eine kleine Freundlichkeit zu erweisen. -Zwischen Herrn und Diener war offenbar eine -Spannung; es wäre ihr so lieb gewesen, wenn sie das Verhältnis -<a class="pagenum" id="page_077" title="77"> </a> -zu einem guten hätte machen können; Menschen, die -so einsam leben, wie sie drei nun bald leben würden, müssen -sich doch verstehen, dürfen nicht mit feindseligen Gedanken -umeinander hergehen.</p> - -<p>»Aber wissen Sie, Johann,« fing sie möglichst unbefangenen -Tones an, indem sie den Kopf zu ihm erhob, -»ich muß Ihnen wirklich mein Kompliment machen, wie -das Schloß im Stande gehalten ist. Da ist ja kein Stäubchen -und kein Fleckchen, und das Feuer in den Kaminen –« -Sie brach im Satze ab.</p> - -<p>Der Alte, als er seinen Namen von ihrem Munde hörte, -hatte langsam, wie aus einem Traume zurückkommend, den -Kopf erhoben und die Augen auf sie gerichtet, und als sie -seine Augen sah, konnte sie nicht weiter.</p> - -<p>Was für Augen waren das! Stierend, bohrend, als -wollten sie sich durch ihre Augen hindurch bis in das Mark -ihres Lebens hineinwühlen. Dabei that sich, wie sie es -vorhin schon an ihm wahrgenommen hatte, sein Mund halb -auf, so daß die langen Zähne sichtbar wurden, der Kopf -schob sich nach vorn, und das ganze Gesicht nahm einen -Ausdruck an – ja, was war es nur für ein Ausdruck? -Anna begriff ihn zuerst gar nicht, dann kam ihr das Bewußtsein: -das war ja Haß! Wütender Haß! Sie hing -wie gebannt an diesem Gesicht. – Was hatte sie ihm gethan? -War er so erbittert über sie, weil sie ahnungslos -die Ursache gewesen war, daß sein Herr so heftig gegen ihn -wurde?</p> - -<p>Der Baron, der nervös aufgezuckt war, als sie sich an -den Alten wandte, hatte ihr plötzliches Verstummen bemerkt. -Jetzt sah er ihr totenblasses Gesicht und ihre verstörten Augen.</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_078" title="78"> </a> -»Ist dir etwas?« fragte er.</p> - -<p>Er faßte nach ihrer Hand; ihre Hand war eiskalt.</p> - -<p>»Ist dir unwohl?« wiederholte er hastig seine Frage.</p> - -<p>Sie schüttelte den Kopf. Von der Stuhllehne, an die -sie zurückgesunken war, richtete sie sich gewaltsam auf. Sie -drückte seine Hand, als wollte sie ihn beruhigen.</p> - -<p>»Nein, nein, nein,« erwiderte sie. Ihre Stimme war -gepreßt, ihre Augen gingen zu den Büchern hinüber und -von den Büchern in irgend eine Ecke. Es war, als flüchteten -sie sich, als wüßten sie nicht mehr, wo sie hinblicken sollten. -Aufzuschauen wagte sie nicht, denn da stand ja der Alte; -den Baron anzuschauen vermochte sie auch nicht, denn sie -spürte, wie die wilde Unruhe in sein Gesicht zurückkehrte. -Der seltsame Raum, in dem sie sich befand, die fremdartigen -Tiergestalten in den geschnitzten Palmen – es war, als -wenn das alles zu einem lautlosen, unheimlichen, gespenstischen -Leben erwachte, als wenn es wirklich ein verwunschenes und -verzaubertes Haus sei, in das sie sich tollkühn hineingewagt -hatte, und aus dem es nun kein Entrinnen mehr gab. Eine -betäubende Angst legte sich auf sie, es war ihr zu Mute, -als würde ihr eine schwere bleierne Haube über den Kopf -gezogen.</p> - -<p>Jählings stand sie auf.</p> - -<p>»Ach, weißt du,« sagte sie mit taumelnder Stimme, -»ich glaube, wir möchten nach Haus fahren – ich glaube, -es wird Zeit.«</p> - -<p>Mit einem Sprunge war er neben ihr; er hatte gesehen, -wie sie wankte; er schlang den Arm um sie; mit -lastender Wucht lehnte sie an seiner Schulter.</p> - -<p>»Der Wagen soll vorfahren!« herrschte er dem Alten zu.</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_079" title="79"> </a> -Sobald dieser hinaus war, beugte er sich zu ihr.</p> - -<p>»Was ist dir?« forschte er voller Besorgnis, »ist dir -etwas geschehen? Hat dir jemand etwas gethan?«</p> - -<p>Sie suchte mit den Augen umher – der Alte war -fort. Ihre Lippen bewegten sich lallend.</p> - -<p>»Er – ich weiß nicht, was ich ihm gethan habe – -hat mich so schrecklich angesehen.«</p> - -<p>»Der Johann?«</p> - -<p>Sie drückte das Gesicht an seine Brust.</p> - -<p>»Um Gottes willen bleib ruhig,« bat sie. Schon hörte -sie, wie die steigende Flut in seiner Brust wieder zu rauschen -begann; schon fühlte sie, wie der Griff seiner Hand, mit -der er sie umschlungen hielt, wieder eisern wurde.</p> - -<p>»Ich schicke ihn fort!« knirschte er.</p> - -<p>»Nein,« flehte sie, »nicht um meinetwillen!«</p> - -<p>»Ich jage ihn fort!« wiederholte er drohend.</p> - -<p>Sie waren, indem er das sagte, auf den Flur hinausgetreten; -er hatte so laut gesprochen, daß seine Worte durch -den ganzen Treppenraum hallten. Am Fuße der Treppe -stand der alte Johann; er hatte hören müssen, was der -Baron eben gesagt hatte. Und nun begab sich etwas Unerhörtes.</p> - -<p>Indem der Baron mit Anna die Treppe hinabzusteigen -begann, knickte der Alte da unten in die Kniee und fiel zu -Boden, beide Hände nach oben ausgestreckt. Das Haar hing -ihm wirr übers Gesicht, seine Augen waren ganz rot; seine -Brust arbeitete und sein Mund war weit offen. Aber er -brachte nichts hervor, als ein dumpfes Keuchen; mit plattem -Leibe warf er sich auf die Treppe, so daß sein grauer Kopf -auf den Stufen lag.</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_080" title="80"> </a> -»Jesus, Gottes Sohn –« stammelte Anna, indem sie, -von Grausen gepackt, den Arm ihres Begleiters umklammerte -und ihn zum Stillstehen zwang.</p> - -<p>Jetzt fing der Alte mit dumpfer, heulender Stimme -an: »Gnädiger Herr wollen mich fortjagen – und ich habe -gnädigen Herrn auf den Armen getragen – und ich bin -immer mit gnädigem Herrn gewesen – und habe immer -nichts andres gedacht, als was gnädigem Herrn gut wäre -und gesund – und gnädiger Herr wollen mich fortjagen –«</p> - -<p>Annas Hand krallte sich in den Arm ihres Bräutigams, -sie wußte kaum mehr, was sie that; sie fühlte, wie die Ohnmacht -ihre Augen zu verdunkeln begann.</p> - -<p>»Sag ihm, daß du ihn behältst,« raunte sie mit fliegendem -Atem; »wenn du mich lieb hast, sag ihm, daß du ihn behältst!«</p> - -<p>Der Baron strich mit leiser Hand über ihr glatt gescheiteltes -Haar; die Ruhe war ihm zurückgekehrt.</p> - -<p>»Steh auf, Johann,« sagte er, »du sollst bleiben, ich -jage dich nicht fort.«</p> - -<p>Schwerfällig raffte sich der alte Mann auf und trat -an den Fuß der Treppe zurück. Er blickte nicht auf, seine -Arme hingen herab, mit der rechten Hand wischte er den -Treppenstaub von seinem Rock.</p> - -<p>»Und hier, bei dem gnädigen Fräulein bedanke dich,« -fuhr der Baron fort, indem er mit Anna bei ihm vorüberschritt, -»küß ihr die Hand, sie hat für dich gebeten.«</p> - -<p>Knechtisch gebeugten Hauptes trat der Alte auf Anna -zu, um ihr die Hand zu küssen. Solcher Bezeigungen ungewohnt, -wollte Anna es nicht dulden. Der Baron stieß -sie heimlich an.</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_081" title="81"> </a> -»Thu's,« flüsterte er ihr zu, »es muß sein!«</p> - -<p>Nun überließ sie ihm ihre Hand, die der Diener, ohne -die Augen zu erheben, an den Mund führte.</p> - -<p>Indem sie die gebrochene Gestalt vor sich sah, überkam -sie ein wahres Jammergefühl. Unwillkürlich drückte sie seine -Hand.</p> - -<p>»Das alles wird vorübergehen,« sagte sie mit wohlwollendem -Trost, »ich weiß ja, wie treu Sie dem Herrn -Baron immer gewesen sind, und das sollen Sie auch in -Zukunft bleiben, und dann werden wir ganz gewiß gute -Freunde werden, ganz gewiß.«</p> - -<p>Sie vermochte nicht zu erkennen, welche Wirkung ihre -Worte auf den Alten hervorbrachten; ohne aufzublicken, zog -er sich zurück, und gebeugten Hauptes blieb er stehen, bis -Anna mit ihrem Begleiter auf den Hof hinausgetreten war. -Sie stiegen ein; der Wagen rollte ab, und als das Schloß -hinter ihnen lag, fühlte Anna es wie eine Erleichterung. -Aus dem Bereiche der Gespenster und Dämonen kehrte sie -zu den Menschen zurück.</p> - -<p>Von den Aufregungen erschöpft, die sie durchlebt hatte, -lehnte sie blaß und schweigend in der Wagenecke; der Baron -saß gleichfalls mit seinen Gedanken beschäftigt; so kamen sie -auf der Bahnstation an, und als der Abend einbrach, waren -sie wieder in Breslau.</p> - -<p>In seinem Coupé brachte er sie zu ihrer Wohnung; -im Hausflur nahmen sie Abschied voneinander.</p> - -<p>»Du siehst so müde aus,« sagte er, indem er sie in die -Arme nahm. »Wirst du auch gut schlafen?«</p> - -<p>Sie nickte stumm.</p> - -<p>Er stand noch immer und hielt sie umschlungen; sie -<a class="pagenum" id="page_082" title="82"> </a> -fühlte, wie schwer es ihm wurde, von ihr zu gehen. Es -war, als wenn er noch eines guten Wortes, eines Trostes -bedürfte. Sie nahm sich zusammen und sah ihn freundlich -lächelnd an.</p> - -<p>»Ich werde gut schlafen,« versicherte sie, »sei ganz unbesorgt, -und morgen holst du mich ab, damit wir uns die -Tapeten ansehen.«</p> - -<p>Das gab ihm das Leben wieder. Freudig drückte er -ihre Hand.</p> - -<p>»Ja, ja, morgen komm' ich, und dann holen wir uns -das neue Leben in das alte Haus!«</p> - -<p>Als Anna zu dem Onkel und der Tante zurückkam, -saßen die beiden alten Leute und spielten »Rabouge«, ein -Kartenspiel ältester Art, das heutzutage kaum jemand mehr -kennt. Das war ihre Beschäftigung, einen Abend wie alle -Abende. Von dem jungen Mädchen, das mit leisem »guten -Abend« zu ihnen eintrat, nahmen sie so gut wie keine Notiz. -Man konnte zweifeln, ob sie überhaupt wußten, daß sie den -Tag über fortgewesen war.</p> - -<p>Anna war daran gewöhnt. Ohne weiter zu sprechen, -setzte sie sich in einiger Entfernung von den Spielenden -nieder, so daß die Lampe, die auf dem runden Tisch stand, -gerade noch genug Licht für ihre Handarbeit abgab, dann -häkelte sie still vor sich hin und dachte nach.</p> - -<p>Welch ein Kontrast! Heut am Tage das Fahrenwaldsche -Schloß, und jetzt hier diese Behausung! Daß die -Wohnung ärmlich war, hatte sie wohl immer gewußt – -wie erbärmlich sie war, fühlte sie heut abend zum erstenmal -ganz. Als sie nach Haus gekommen war, hatte sie das -Behagen empfunden, daß sie wieder in Sicherheit sei – -<a class="pagenum" id="page_083" title="83"> </a> -jetzt, da sie in Sicherheit saß, fühlte sie, daß diese gleichbedeutend -mit Oede und Langeweile war.</p> - -<p>Hier diese dumpfen, stumpfen alten Menschen, die -vom Leben nichts mehr wissen wollten, die kein Wort, kaum -einen Blick für sie übrig hatten – und dort drüben der -Mann, der nur ein Verlangen hatte, aus Nacht und Grauen -ins helle gesunde Leben zu gelangen, der nach ihrer Persönlichkeit -lechzte, wie der Verschmachtende nach dem Wasser!</p> - -<p>Als sie heute mittag auf Schloß Fahrenwald beim -Frühstück gesessen und das Todesgrauen empfunden hatte, -mit dem all das Unverständliche, Unbegreifliche über sie herfiel, -war der Gedanke in ihr aufgestanden, daß es ihr unmöglich -sein würde, dort in Zukunft zu leben, daß sie das -Verhältnis mit Eberhard von Fahrenwald abbrechen müsse – -jetzt verblaßten die Schrecken und das Schöne blieb.</p> - -<p>Sie dachte an den Park zurück, den herrlichen, walddunkeln, -waldtiefen Park, und vergegenwärtigte sich, wie -schön es sein würde, wenn er im Frühling, Sommer und -Herbst ihr zu Häupten rauschte. An die Räume des Schlosses -dachte sie, die schweigenden, feierlichen Gemächer, an die -Bilder der Männer und Frauen, mit den edlen leidvollen -Gesichtern. War es ihr nicht, indem sie an sie dachte, -als wenn sie die Lippen aufthäten und sprächen: »Fürchte -dich nicht vor uns – wir sind nur unglücklich, nicht böse.« -War es nicht, als zeigten sie mit den stummen dunklen -Augen auf ihn, den Letzten ihres Stammes, und als sprächen -sie: »Hilf ihm – nur du kannst ihm helfen – und auch -er ist nicht böse.«</p> - -<p>Ach – ob sie es wußte, daß er nicht böse war!</p> - -<p>Als sie am späteren Abende ihr Schlafkämmerchen aufgesucht -<a class="pagenum" id="page_084" title="84"> </a> -hatte, lag sie knieend vor ihrem dürftigen Bett, die -gefalteten Hände in die Kissen gestützt, bitterlich weinend.</p> - -<p>Es war ihr, als stände er vor ihr und sähe sie an mit -den schwermütigen, bittenden Augen, als hätte er in ihrem -Herzen die Gedanken gelesen, die ihm die Treue gebrochen -hatten, und als müßte sie ihm abbitten, alles was sie gedacht.</p> - -<p>»Nein, nein, nein, ich will dich nicht verlassen! Furcht -und Feigheit sollen nicht stärker sein in mir, als die Liebe -in deinem gütigen, geliebten Herzen! Was auch das Leben -bringen mag, an deiner Seite will ich ihm entgegengehen -– das will ich – ja.« Und während ihre Lippen noch -das beteuernde »ja« sprachen, sank ihr Köpfchen in die -Kissen zurück, und sanft und ruhig schlief sie ein.</p> - -<p>Am nächsten Vormittage, seinem Versprechen getreu, -erschien der Baron, um Anna abzuholen.</p> - -<p>Bei drei Tapetenhandlungen fuhr man vor, und alle -drei Lager wurden von oben bis unten durchstöbert, bis -man das Muster gefunden hatte, das für die beiden Zimmer -als das passendste erschien; eine weiße Tapete mit blaugoldenen -Frucht- und Blumenstücken für das Wohngemach, -eine himmelblaue für das Schlafzimmer; beide das Lieblichste, -Freundlichste, was man sich denken konnte. Anna war ganz -erschöpft, der Baron zeigte keine Spur von Müdigkeit.</p> - -<p>»Jetzt,« meinte er, »sollten wir gleich noch an die -Möbel denken.«</p> - -<p>Anna verweigerte lachend den Gehorsam.</p> - -<p>»Morgen,« sagte sie, »das hat Zeit bis morgen.«</p> - -<p>»Gut, so wollen wir jetzt aber frühstücken.«</p> - -<p>Es half ihr nichts, daß sie auf das nah bevorstehende -Mittagessen verwies.</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_085" title="85"> </a> -»Ach was, dein Onkel und deine Tante können auch -ohne dich essen.«</p> - -<p>Er war ganz ausgelassen, ganz glücklich, daß er das -geliebte Wesen einmal in seiner Gewalt hatte.</p> - -<p>So mußte sie ihm zu einem Restaurant folgen, und es -war natürlich nicht das schlechteste von Breslau. Dort -tafelten sie.</p> - -<p>Als sie auf die Straße hinaustraten und den Wagen -wieder bestiegen, glühte Annas Gesicht und ihr Köpfchen -sank ganz schwer zurück.</p> - -<p>»Aber Eberhard,« sagte sie, »du hast mich ganz betrunken -gemacht mit dem vielen Champagner.«</p> - -<p>Sie lächelte, ihre Augen hatten einen schwimmenden -Glanz; indem sie sich lässig in die Wagenkissen zurücklehnte, -war eine Auflösung in ihrer ganzen Gestalt, wie er sie noch -nie an ihr gesehen hatte.</p> - -<p>Er schlang den Arm um sie und küßte sie mit einer -Glut, wie nie zuvor.</p> - -<p>»Weißt du,« sagte er, »das ist köstlich. So wollen -wir es jetzt alle Tage machen; so reizend wie heut bist du -mir noch nie erschienen.«</p> - -<p>Ihr Körper lag warm und weich in seinen Armen; -das nachgiebige Widerstreben des jungen Leibes verlieh ihm -eine berauschende Lebendigkeit; es war das erste Mal, daß -das Blut der beiden Menschen zu einander zu sprechen begann.</p> - -<p>Am nächsten Tage ging es in gleicher Weise durch alle -Möbelhandlungen der Stadt, und endlich war ein Mobiliar -für die beiden Zimmer ausfindig gemacht, so zart und duftig, -als wären die Gemächer für eine Elfe bestimmt. Das Frühstück -<a class="pagenum" id="page_086" title="86"> </a> -durfte natürlich auch heut nicht fehlen, und so folgte -nun ein Tag dem andern.</p> - -<p>Der Baron war unerschöpflich in der Erfindung von -Notwendigkeiten.</p> - -<p>An Teppiche war ja noch gar nicht gedacht worden, -und als auch diese besorgt waren, fiel es ihm ein, daß -Portieren über den Thüren, Gardinen und Vorhänge vor -den Fenstern fehlten.</p> - -<p>Anna ergab sich lachend. Der Rausch, der ihn erfüllte, -teilte sich ihr allmählich mit; die täglichen Rundfahrten und -Einkäufe fingen an, ihr gar nicht übel zu gefallen. Es war -ja, als wenn sie das Märchen vom »Tischlein deck' dich« -leibhaftig erlebte; kaum daß sie einen Wunsch gedacht hatte, -war er schon erfüllt. Und wie unter seinen leidenschaftlichen -Küssen ihr Blut in immer heißeren Wellen zu rollen begann, -war es, als reckte und streckte sich ihre ganze Persönlichkeit; -aus der unscheinbaren Hülse des kleinen Mädchens -blühte die Jungfrau auf.</p> - -<p>An einem dieser Tage, als sie durch Blumen- und -Samenhandlungen gestreift waren, um Sämereien für den -Garten zu kaufen, und nun wieder im Wagen saßen, rückte -er, den Arm um sie geschlungen, dicht an sie heran.</p> - -<p>»Weißt du,« flüsterte er ihr ins Ohr, »nun hätte ich -eine große Bitte.«</p> - -<p>Sie lächelte vor sich hin; sie wußte ja, daß, um ihm -etwas zu geben, sie nur still zu halten brauchte und zu -nehmen.</p> - -<p>»Was denn also?« fragte sie.</p> - -<p>»Siehst du, ich habe mir das in meiner Phantasie so -ausgedacht: Wenn ich dich so in den Armen halte und an -<a class="pagenum" id="page_087" title="87"> </a> -mir fühle, komme ich mir vor, wie ein Gärtner, der eine -Blume groß zieht. Den Winter hindurch hat meine Blume -ihr altes, unscheinbares Gewand getragen, aber nun wird es -Frühling, siehst du, und da ist es doch in der Natur geboten, -daß sie sich anders und reicher und schöner kleidet? -Nicht wahr?«</p> - -<p>Anna senkte die Augen und sah stumm an sich hernieder. -Aermlich genug war sie ja freilich angezogen.</p> - -<p>»Und siehst du,« fuhr er fort, »was ich dich nun bitten -wollte: daß wir morgen in Kleiderhandlungen und Modemagazine -gehen und uns Stoffe aussuchen zu Kleidern für -dich, wie sie dir gefallen und am besten stehen?«</p> - -<p>Sie errötete in Scham.</p> - -<p>»Aber Eberhard,« erwiderte sie leise, »für seine Ausstattung -muß doch ein jedes Mädchen selbst sorgen!«</p> - -<p>Indem sie das aber sagte, fragte sie sich im stillen, wer -denn ihre Ausstattung besorgen sollte. Der Onkel und die -Tante etwa? Oder sie selbst, aus ihrem eigenen Vermögen? -Ja, wo war denn ihr eigenes Vermögen?</p> - -<p>»Nein, siehst du,« nahm er wieder eifrig auf, »das ist -mit uns etwas ganz andres. Das hab' ich dir ja gesagt, -daß du das Licht in meinem Leben bist, und ein Licht, siehst -du, das muß man sich selbst anzünden. Und sein Glück -muß man sich selbst erschaffen, wenn's ein echtes Glück sein -soll und einem Kraft und Mut verleihen soll. Und darum, -verstehst du, wenn ich dich so von Kopf bis zu den Füßen -einkleide in Stoffe, die ich dir geschenkt habe, dann wird -mir zu Mute sein, als hätte ich mir die ganze geliebte Gestalt, -die dann vor mir steht, selber erschaffen, und das -wird mir dann eine solche Kraft und Wonne und Seligkeit -<a class="pagenum" id="page_088" title="88"> </a> -verleihen, und das wirst du mir nicht verweigern. Nicht -wahr? Nicht wahr?«</p> - -<p>Sie vermochte nichts zu erwidern. Anfänglich, als sie -nur Mitleid mit dem Mann gefühlt hatte, der um ihre Liebe -flehte, war nur ihre Seele wach gewesen; jetzt, da er stark -und fröhlich war und sie am lebendig klopfenden Herzen -hielt, waren auch ihre Sinne erwacht. Sie hatte angefangen, -sich in ihn zu verlieben, und in dem großen Strome des -süßen, unbestimmten Gefühls trieb sie willenlos dem Manne -zu. Sie drückte ihr erglühendes Gesicht an seinen Hals.</p> - -<p>»Thu, wie du willst,« flüsterte sie.</p> - -<p>Und nun war es, als wären alle diese Besorgungen -nur Vorbereitungen für das Eigentliche und Wahre gewesen.</p> - -<p>Die Seidenwarenlager wurden förmlich geplündert, und -als sie damit fertig waren, wollte er sie in Wäschehandlungen -führen. Dem aber widersetzte sie sich.</p> - -<p>»Ich müßte mich ja zu Tode schämen, wenn mich ein -Mann dabei begleitete.«</p> - -<p>Er fügte sich ihrem Willen. Aber sie mußte versprechen, -daß sie sich das schönste Linnen, die zartesten seidenen -Strümpfe und das zierlichste Schuhwerk kaufen wollte. Die -Rechnungen sollten auf ihren Namen geschrieben werden, er -würde sie bei ihr abholen und alles abmachen.</p> - -<p>Wenn sie nicht gewußt hätte, daß er reich war, so hätte -sie ihn für einen rasenden Verschwender halten müssen.</p> - -<p>Ganze Ballen von Seidenstoffen und Leinen liefen nun -bei Anna ein; vierzehn Tage lang wurde geschneidert und -geschustert, als gälte es, den Brautstaat einer jungen Königin -fertigzustellen; der Onkel und die Tante gingen mit dumpf -<a class="pagenum" id="page_089" title="89"> </a> -verblüfften Gesichtern umher und wußten nicht, was sie -sagen sollten. Anna wußte es selber kaum; die Welt war -nicht mehr die Welt.</p> - -<p>Der Baron ließ sich in diesen Tagen nur von Zeit zu -Zeit sehen, und wenn er kam, war er in fliegender Hast. -Er war jetzt vielfach auf dem Schlosse draußen, wo die -Zimmer für Anna eingerichtet wurden. So oft er bei ihr -in der Stadt erschien, wurde er rasch wieder hinauskomplimentiert -– Frauen, die in solcher Thätigkeit stecken, können -Männer nicht brauchen. Gegen Ende der vierzehn Tage -aber, als sie ihn auf den Flur hinausbegleitete, hielt sie ihn -an der Hand fest.</p> - -<p>»Heute abend,« sagte sie leise, mit lieblichem Erröten, -»wird das crèmefarbige Seidenkleid fertig, das du so besonders -gern magst. Es hat einen sehr hübschen Schnitt -und wird mir vielleicht leidlich stehen.« Sie beugte sich -näher zu ihm.</p> - -<p>»Wenn du willst, kannst du morgen mittag kommen, -und ich will mich dir zeigen.«</p> - -<p>Er schloß sie an die Brust, als wollte er sie erdrücken.</p> - -<p>»Du Engel,« erwiderte er.</p> - -<p>Ein Glutstrom floß aus seinen Augen. Dann riß er -sich los, eilte die Treppe hinab, kehrte vom Absatz noch einmal -zurück, schloß sie noch einmal wie rasend in die Arme -und schoß dann zum Hause hinaus.</p> - -<p>Anna begriff kaum, was ihn so erregt hatte; aber die -Glut, die ihn erfüllte, setzte auch sie in Feuer, und als das -Kleid am Abend angekommen war, beschloß sie, sich am -nächsten Vormittage recht schön für ihn herauszuputzen.</p> - -<p>Es war das erste Mal im Leben, daß sie sich in so -<a class="pagenum" id="page_090" title="90"> </a> -kostbare Stoffe hüllte. Sie schloß sich in ihr Schlafkämmerchen -ein und kleidete sich von Kopf bis zu Füßen um, weil es -sie nun doch gelüstete, die neuangeschafften Sachen wirklich -einmal zu probieren.</p> - -<p>Wie das alles anders war als das, was sie bisher getragen -hatte! Wie grob das Hemd war, das sie auszog, -und wie weich sich das neue zarte Linnen um ihren Leib -schmiegte! Und die seidenen Strümpfe, in die ihre Füßchen, -nachdem sie die alten baumwollenen abgestreift hatte, -beinahe schüchtern hineinschlüpften, als wagten sie gar nicht -zu glauben, daß sie wirklich da hinein gehörten! Sie saß -ganz schamrot auf ihrem Stuhl und kicherte vor sich hin, -wie ein Kind, das etwas Unerlaubtes thut und jeden Augenblick -gewärtig ist, daß es ertappt und ausgescholten werden -wird. In den Spiegel zu sehen, hatte sie noch kaum gewagt, -auch befand sich in ihrem Schlafzimmer nur ein kleiner -Handspiegel, der ihr nicht sagen konnte, ob das Kleid ihr -saß. Dazu mußte sie in das Gesellschaftszimmer gehen, -wo zwischen den Fenstern ein größerer Wandspiegel angebracht -war.</p> - -<p>Als sie nun hier, die Bänder an ihrer Taille zurechtzupfend, -vor dem Spiegel, mit dem Rücken gegen die Thür -stand, wurde diese von außen aufgerissen und auf der Schwelle -erschien der Baron. Sie sah, wie er stehen blieb und ihre -Gestalt mit den Augen verschlang; in seinem Blick war eine -verzehrende Gier. Anna sah wirklich niedlich genug aus. -Das Kleid war tief ausgeschnitten, am oberen Rande und an -den Aermel-Oeffnungen mit einem Spitzenbesatze eingefaßt, -und aus den zarten Spitzen quollen die runden, weichen -Schultern, die nackten Arme in jugendlicher Fülle hervor.</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_091" title="91"> </a> -Sie wollte ihn bedeuten, daß er sich noch einen Augenblick -gedulden müsse, aber bevor sie dazu gekommen war, -stand er schon hinter ihr, und gleichzeitig fühlte sie sich von -seinen Armen umfaßt, vom Boden emporgehoben und mit -einer Gewalt, wie von einem Orkane, an seine Brust gerissen. -Ihre Schultern, ihr Nacken und ihr Hals loderten -unter seinen Küssen.</p> - -<p>»Du zerdrückst mir ja das ganze Kleid,« wandte sie ein. -Der Ueberfall war ihr zu jäh gekommen; sie sträubte sich -in seinen Armen, aber er hörte nicht auf ihre Worte, achtete -nicht auf ihre sträubenden Bewegungen; in der Art, wie er -mit ihr umging, war etwas Gewaltsames. Seine Liebkosungen -hatten etwas Erstickendes, Erdrückendes, Zermalmendes; -seine Küsse fühlten sich an, als wenn er am liebsten -in Annas Fleisch hineingebissen hätte.</p> - -<p>Den einen Arm hatte er unter sie geschoben, so daß -sie halb darauf saß, mit dem andern drückte er ihren Oberleib -an seine Brust, ihr Gesicht an sein Gesicht, und so, -indem er sie in seinen riesenstarken Armen wie ein Kind, -wie eine Puppe, ein Spielzeug drückte, preßte und trug, -ging er mit ihr im Zimmer auf und ab, dumpf abgerissene -Laute von sich gebend, wie trunken, beinah wie -sinnlos.</p> - -<p>Er merkte gar nicht, wie peinvoll dem jungen Mädchen -die Lage wurde, in der sie sich befand, wie keuchend ihre -Brust sich hob und senkte, weil sie, an ihn gepreßt, kaum -noch Luft zum Atmen fand. Endlich warf sie mit äußerster -Anstrengung den Kopf zurück, stemmte beide Hände gegen -seine Brust und »laß mich los!« stieß sie wie in Verzweiflung -hervor.</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_092" title="92"> </a> -Der Ton kam so rauh, so zornig heraus, daß er erschrak. -Er hielt in seinem Auf- und Niedergehen inne, sah -ihr ins Gesicht und sah, daß sie die Augen geschlossen hatte.</p> - -<p>Nun ließ er sie aus den Armen gleiten; sie warf sich -in den Lehnstuhl, der ihr zunächst stand, drehte sich mit -ganzem Leibe von ihm ab, legte beide Arme auf die Lehne -des Sessels, das Gesicht auf die Arme, und brach in schluchzendes -Weinen aus.</p> - -<p>Der Baron stand totenblaß vor ihr. »Anna,« stammelte -er, »was ist dir?«</p> - -<p>Sie gab keine Antwort und weinte immer heftiger.</p> - -<p>Mitten im Zimmer lag einer von ihren kleinen seidenen -Schuhen, der ihr vorhin, als er sie vom Boden emporgehoben -hatte, vom Fuße geflogen war. In seiner Ratlosigkeit hob -der Baron ihn auf, als er sich aber zu Anna niederbeugte, -um ihr den Schuh wieder anzuziehen, riß sie denselben aus -seiner Hand und verbarg ihren Fuß unter dem Kleide.</p> - -<p>»Nein!« rief sie, »faß mich nicht an! Du sollst mich -nicht mehr anfassen! Ich weiß gar nicht, wie du bist!«</p> - -<p>Sie sprach aus, was sie empfand; sie konnte sich in -der That die Art des Mannes nicht erklären. Das war -ja gewesen, als wenn ein wildes Tier sich über sie gestürzt -hätte.</p> - -<p>Bei der zornigen Bewegung, mit der sie ihm den Schuh -entrissen hatte, war er einen Schritt zurückgewichen; jetzt -stand er wie zerschmettert da.</p> - -<p>»Aber Anna,« fing er wieder an, »bist du mir denn -böse, daß ich dich so liebe?«</p> - -<p>Sie warf den Leib herum und heftete die verweinten -Augen auf ihn.</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_093" title="93"> </a> -»Liebe?« sagte sie zornig, »ist das Liebe, wenn man -jemand so anfaßt? so behandelt? Faßt man eine Frau -so an?«</p> - -<p>Sie blickte an sich herab und strich mit bebender Hand -das zerknitterte und zerdrückte Kleid glatt, dann schlüpfte sie -wieder in den Schuh, und als sie den Fuß aufsetzte, stampfte -sie beinah auf.</p> - -<p>»Du hast keine Achtung vor mir,« fuhr sie fort, »du -denkst, weil du mir all die schönen Sachen geschenkt hast, -die ich da trage, ich gehöre dir, und du kannst mit mir -machen, was dir beliebt! Und darum gehst du so mit mir -um – und behandelst mich wie – wie –« sie wollte von -neuem in Thränen ausbrechen, aber sie kam nicht dazu. Indem -sie die letzten Worte dem Baron ins Gesicht schleuderte, -sah sie, wie seine Gestalt zusammenzuckte, als wenn ein -Stich ihm mitten durch den Leib gegangen wäre.</p> - -<p>»Anna –« sagte er schweren Tones, »das kannst du -von mir denken?«</p> - -<p>Er war langsam in die Kniee gesunken, seine Augen -waren den ihrigen nah gegenüber, und indem sie das namenlose -Leid in seinen Augen gewahrte, fühlte sie, daß sie dem -Manne mit häßlichen Gedanken ein häßliches Unrecht angethan -hatte.</p> - -<p>»Nein, Eberhard,« sagte sie, »was ich da eben gesagt -habe, das war nicht recht; ich fühl's, das war häßlich; und -ich bitte dich um Vergebung dafür.«</p> - -<p>Nun legte er auch seinerseits die Arme um sie, aber -so leise, als fürchtete er, sie zu zerbrechen, und ihr Köpfchen -lag wieder an seinem Halse.</p> - -<p>»Aber siehst du,« fuhr sie zagend fort, »wenn du so -<a class="pagenum" id="page_094" title="94"> </a> -bist, wie vorhin, so wild, so – ich weiß gar nicht, wie ich's -nennen soll – dann verstehe ich dich nicht, und dann – -siehst du – muß ich mich ja vor dir fürchten.«</p> - -<p>Sie hatte das letzte ganz leise, wie eine Beichte, ihm -ins Ohr geflüstert, und wie eine solche nahm er es auf. -Aber nicht ihre Schuld war es, die sie ihm beichtete, es war -die seine, seine Schuld, der er nicht geachtet hatte auf die -Scham, auf die Angst des lieben, vertrauenden Geschöpfes, -der er nahe daran gewesen war, das Wesen, das ihm Leben -und Seligkeit bedeutete, in seinen wahnwitzigen Armen zu -zertrümmern, wie ein Knabe, der eine unersetzliche Kostbarkeit -mit thörichten Händen zerstört.</p> - -<p>Von dem allen hatte er nichts gefühlt – das alles -kam ihm jetzt zum Bewußtsein.</p> - -<p>Ein peinvoller Gram lagerte sich auf seinen Zügen, mit -leiser Hand schob er Anna von sich hinweg.</p> - -<p>»Armer Engel,« sagte er dumpf und schwer.</p> - -<p>Dann erhob er sich, trat von ihr hinweg, und mitten -im Zimmer, den Kopf nachdenklich gesenkt, blieb er stehen.</p> - -<p>Eine schweigende Pause trat ein, und als sich Anna -nach ihm umwandte, sah sie ihn noch immer, in düsteres -Sinnen verloren, an seinem Platze. Ein Schatten überwölkte -sein Gesicht; man sah ihm an, wie er mit den -finsteren Gewalten Zwiesprache hielt, die in seinem Innern -emporstiegen.</p> - -<p>»Eberhard,« rief sie ihn an, »warum gehst du von -mir fort?«</p> - -<p>Es war, als wenn er aus seinem Brüten erwachte. -Langsam kam er zu ihr zurück. Er schob einen Sessel neben -den Stuhl, auf dem sie saß, ließ sich nieder und verharrte -<a class="pagenum" id="page_095" title="95"> </a> -dann abermals, den Blick zu Boden gesenkt, in langem -Schweigen. Endlich rückte er sich dichter an ihre Seite, aber -ohne aufzusehen, ohne sie zu berühren.</p> - -<p>»Anna,« sagte er, »ich muß dir etwas anvertrauen.«</p> - -<p>Wieder stockte er – das Bekenntnis wurde ihm schwer. -Er nahm ihre Hand in seine Hand.</p> - -<p>»Anna – ich hatte bis heute noch nie eine Frau berührt -– heute war es das erste Mal – und du bist die -erste gewesen, die ich geküßt habe.«</p> - -<p>Sie drückte leise seine Hand.</p> - -<p>»Aber du hattest mich doch schon vorher geküßt.« –</p> - -<p>»Ja,« versetzte er, und eine dunkle Röte färbte sein Gesicht, -»aber es war mir noch nie so zu Mute gewesen, wie -heute. Damals, siehst du, war es noch weit bis zu unsrer -Hochzeit, und jetzt steht es nahe vor der Thür, daß wir heiraten. -Und darum – siehst du – als ich vorhin zu dir hereintrat, -war mir doch in dem Augenblick, als wäre es schon -so weit und wir wären schon Mann und Frau. Und wie -ich dich nun so stehen sah – siehst du – da überkam mich -etwas –«</p> - -<p>Er verstummte, sein Oberleib bog sich vornüber, als läge -eine Centnerlast auf seinem Rücken, langsam glitt er vom -Stuhle, ihr zu Füßen, und seiner Gewohnheit nach drückte -er das Gesicht in ihren Schoß.</p> - -<p>»Ich kann's dir ja nicht beschreiben,« murmelte er, »was -es war; und ich kann dich ja nur anflehen, daß du mir verzeihst; -und wenn du jetzt den Fuß aufhöbest und mich trätest, -so geschähe mir ja nur recht; aber siehst du, ich konnte nicht -anders, und es war etwas so Wundervolles, so rasend göttlich -Herrliches, Himmlisches –«</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_096" title="96"> </a> -Er hatte beide Arme um ihre Kniee geschlungen und -preßte ihre Kniee aneinander, als wollte er sie zermalmen.</p> - -<p>»Bleib ruhig,« flüsterte Anna.</p> - -<p>Sie fühlte, wie die verzehrende Glut wieder in ihm -aufstieg.</p> - -<p>Ein wundersames Gemisch von Grauen und Lust schwoll -ihr zum Herzen, indem sie schweigend auf ihn hinabsah, -auf den riesenstarken Mann, der sich gebrochen zu ihren -Füßen wand.</p> - -<p>Kein Weib hatte er noch berührt – sie war die erste, -und sie war die Brandfackel, die ihn verzehrte.</p> - -<p>Vernunft und Gewissen sagten ihr, daß sie aufstehen, -ihn wecken mußte aus seiner Phantasie – aber stärker als -Vernunft und Gewissen war in diesem Augenblicke das Weib, -das mit heimlicher, beinahe lüsterner Neugier zu erfahren -begehrte, was für einen Eindruck sie auf den Mann zu -machen vermocht hatte.</p> - -<p>Sollte sie immer nur Arzt sein? Immer nur Wärterin? -War sie nicht auch ein Weib? Mit jungem, blühendem -Fleisch und Blut? Stand nicht auch sie zum erstenmal -vor der dunklen, geheimnisvollen Flut, in die alle Geschöpfe -der Erde hinein müssen, sei es zum Leben, sei es -zum Ertrinken, die man die Liebe nennt? War nicht die -warme Welle des großen Wassers auch zu ihr schon herangerollt -und hatte ihr den Saum des Kleides und die nackten -Füße genetzt, leise winkend und rufend: »Komm herab – -steig herab!«</p> - -<p>Von der Stirn herab, über Wangen und Hals und bis -tief in die Brust, die schwer atmend aus der seidenen Umhüllung -des Kleides hervorstrebte, senkte sich purpurne Glut, -<a class="pagenum" id="page_097" title="97"> </a> -als sie sich über den Mann zu ihren Füßen herbeugte, die -Lippen an sein Ohr andrückend.</p> - -<p>»Sag mir,« hauchte sie, »was du gefühlt hast, als du -mich sahst?«</p> - -<p>Er beugte sich zurück, so daß er ihr ins Gesicht sehen -konnte. Warum fragte sie? Als er jedoch ihr glutübergossenes -Gesicht gewahrte, merkte er, daß der Dämon auch -in ihrem Blute zu wühlen begann. Rasch war er vom -Boden empor, auf seinem Stuhle, und nun saßen sie, wie -zwei Schuldgenossen, die sich gegenseitig ein Geheimnis anvertrauen.</p> - -<p>»Siehst du,« hob er leise an, indem er mit dem Kopfe -nach dem Fenster deutete, »es ist doch heut ein grauer Tag, -und nun denk dir, wie merkwürdig: im Augenblick, als ich -die Thür aufmachte und dich stehen sah – aber du mußt -nicht denken, daß ich übertreibe oder in Bildern rede – war -mir's, als wäre hier im Zimmer heller Sonnenschein. -Richtiger Sonnenschein, siehst du, war es eigentlich nicht, -sondern es war wie eine Feuersbrunst, wie wenn das Licht, -das im Zimmer war, von Flammen herrührte. Und mitten -in den Flammen standest du drin. Aber es war, als wenn -sie dir nicht weh thäten, denn es sah mir in dem Augenblick -so aus, als ob du mich ansähest und die Arme nach -mir ausstrecktest und riefest: Komm herein.«</p> - -<p>»Aber, Eberhard,« unterbrach sie ihn, »ich drehte dir -doch den Rücken zu und habe kein Wort gesagt?«</p> - -<p>»Das weiß ich ja,« erwiderte er hastig, »das weiß ich -ja, ich sage dir ja nur, wie es mir in dem Augenblick erschien. -Und als ich das sah, siehst du, da mußte ich hinzuspringen -und dich in die Arme schließen, und nun war mir's, als -<a class="pagenum" id="page_098" title="98"> </a> -stände auch ich in der Flamme, und das Feuer schlug in -mich hinein, daß ich fühlte, wie es in mir hinaufstieg, in -die Brust, in die Augen, ins Gehirn, daß ich nichts mehr -sah, nichts mehr hörte und nur noch fühlte, daß ich etwas -in den Armen trug, etwas Köstliches, Göttliches, Unbeschreibliches, -wie ich es nie im ganzen Leben noch gefühlt hatte, -etwas Warmes und Weiches, und wie ich das so an meinem -Leibe fühlte, da überkam mich ein Verlangen –«</p> - -<p>Er brach plötzlich ab.</p> - -<p>Anna wartete, daß er fortfahren sollte, aber er schwieg.</p> - -<p>»Also –« forschte sie leise, »da kam dir ein Verlangen –«</p> - -<p>Er wandte das Haupt zur Seite.</p> - -<p>»Nein, nein,« sagte er, wie in Angst, »frage danach -nicht.«</p> - -<p>Sie blickte ihn von der Seite an; sie faßte seine Hand -und drückte sie; dann schob sie ihre heiße Wange an seine -Wange; die Neugier war zu mächtig in ihr geworden, sie -mußte erfahren, was für ein geheimnisvolles Verlangen das -gewesen war.</p> - -<p>»Sag's mir doch,« hauchte sie, »sag's mir, ich bitte dich.«</p> - -<p>Er wandte den Kopf zurück und drückte ihn an ihre -Schulter, als wollte er sich verbergen, zugleich aber fühlte -sie, wie seine Hände sich an ihren Leib preßten.</p> - -<p>»Da überkam mich ein Verlangen,« sagte er dumpf, -»dieses, was ich in den Armen trug, dies Köstliche, dies -Warme, Weiche in meinen Armen zu zerdrücken, zu ersticken, -zu zermalmen –«</p> - -<p>Seine Stimme, anfänglich dumpf und schwer, war -immer lauter geworden; sein Atem flog, und als er jetzt die -<a class="pagenum" id="page_099" title="99"> </a> -flackernden Augen auf Anna richtete, sah es aus, als würde -er sich von neuem über sie herstürzen, wie er vorhin gethan -hatte. Von Annas Gesicht war die Röte jählings gewichen, unwillkürlich -streckte sie, wie abwehrend, die Hände gegen ihn aus.</p> - -<p>»Eberhard –« preßte sie hervor.</p> - -<p>Im Augenblick, als er ihre erschrockene Stimme vernahm, -ließ der Taumel von ihm ab; sein Körper sank kraftlos -in sich zusammen. Er ließ die Arme an ihr niedergleiten, -drehte sich im Sessel herum und legte das Gesicht -auf die Stuhllehne.</p> - -<p>»Warum fragtest du auch?« stöhnte er dumpf.</p> - -<p>Anna stand vor ihm; sie fühlte sich so schuldig. Begütigend -streichelte sie über sein Haar.</p> - -<p>»Eberhard,« sagte sie, »sei doch nicht so außer dir; es -war ja alles nur eine Einbildung.«</p> - -<p>Er gab keine Antwort, aber er schüttelte das Haupt, -daß es aussah, wie ein trostloses »Nein«. Dann sprang er -auf, und beide Hände an die Schläfen gedrückt, ging er im -Zimmer auf und ab.</p> - -<p>Endlich blieb er stehen, plötzlich und wie mit einem -Ruck. Sein Körper richtete sich straff empor, beide Arme -streckte er vor sich hin, wagerecht und mit geballten Fäusten.</p> - -<p>»Nein!« sagte er laut, »nein! nein!«</p> - -<p>Es sah aus, als spräche er mit irgend einem Unsichtbaren. -Anna blickte sprachlos zu ihm hinüber, sie wagte -nicht zu fragen, mit wem er sich unterhielt.</p> - -<p>Er ließ die Arme sinken und wandte sich um. Als er -ihren entsetzten Blick gewahrte, kam er auf sie zu.</p> - -<p>»Aengstige dich nicht,« sagte er, »ich habe es in der -Gewohnheit, manchmal laut zu denken.«</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_100" title="100"> </a> -Er war völlig beruhigt, seine Stimme klang sicher -und fest.</p> - -<p>Sie schöpfte wieder Mut.</p> - -<p>»Was dachtest du denn?« fragte sie, zärtlich an ihn -geschmiegt.</p> - -<p>»Ich habe mir das Versprechen gegeben,« erwiderte er, -»daß mir das nie wieder begegnen soll. Das, was ich dir -vorhin erzählt habe, ist in mir gewesen, ja. Aber es ist -gewesen, verstehst du, und nun ist es nicht mehr da. Nun -kommt es nicht wieder, das verspreche ich mir, das verspreche -ich dir! Niemals!«</p> - -<p>Er hatte den Arm um sie gelegt, er stand neben ihr, -stark und gesund, wie einer, der Herr seiner selbst ist, wie -ein ganzer Mann.</p> - -<p>»Siehst du,« fuhr er fort, »ich habe dir kein Hehl gemacht -über meine Schwäche, darum darfst du mir glauben, -was ich dir jetzt sage: ich liebe dich, Anna. Ich liebe dich -so unsäglich, daß der Gedanke, es könnte dir ein Leid geschehen, -mich umbringt und vernichtet. Glaubst du mir das?«</p> - -<p>Er blickte auf sie nieder; ein Strom von tiefem, warmem -Gefühl floß über sie hin; aus allen Schatten und Wolken, -die unverständlich, unbegreiflich und unberechenbar in dieses -Menschen Seele wogten, tauchte immer wieder das edle, herrliche -Herz wie ein leuchtender Stern empor.</p> - -<p>»Ja, Eberhard,« versetzte sie, »das glaube ich dir so -sicher, daß ich es weiß.«</p> - -<p>Sie legte die Arme um ihn und drückte die Lippen auf -seine Brust.</p> - -<p>»Wo solch ein Herz ist,« sagte sie, »da ist ja alles -andre ganz gleichgültig. Darum glaube auch du mir, was ich -<a class="pagenum" id="page_101" title="101"> </a> -dir sage: ich fürchte mich nicht vor dir, Eberhard, gar nicht. -Ich liebe dich, Eberhard, wie nur eine Frau einen Mann -lieben kann.«</p> - -<p>Er küßte sie auf den Scheitel, und die Berührung seiner -Lippen war wie ein Hauch. Man fühlte, wie er nur -seiner Seele noch Zutritt zur Geliebten gestatten wollte und -seinen Sinnen Einhalt gebot. Und so kam nach der Erregung, -die vorangegangen war, eine Stunde so tiefer Ruhe -für die beiden Menschen, wie sie sie kaum je zuvor genossen -hatten.</p> - -<p>Als er dann aber von ihr ging und die Thür hinter sich -geschlossen hatte, so daß Anna ihn nicht mehr sah, schwellte -ein Seufzer seine Brust – der schwere Seufzer der Entsagung.</p> - -<p>Inzwischen war es Mai geworden, und der Frühling -hielt seinen siegprangenden Einzug.</p> - -<p>Eines Tages, als der Baron vom Schlosse draußen -hereinkam, brachte er Anna die Kunde mit, daß auch im -Fahrenwalder Parke der Lenz eingekehrt sei, daß die Kastanien -blühten und der Flieder.</p> - -<p>»Auch in deinen Zimmern im Schlosse selbst,« sagte er, -»ist es Frühling geworden; sie sehen aus, wie zwei junge -fröhliche Augen in einem alten Gesicht – die Einrichtung -ist fertig – wenn du nun willst, so ist die Zeit gekommen, -daß Frau von Fahrenwald ihr Reich betritt – willst du?«</p> - -<p>Sie wollte.</p> - -<p>Er hatte ihr seine Mitteilungen leise und beinahe feierlich -gemacht, wie jemand, der an eine große Entscheidung -herantritt. In derselben Art hatte Anna sie hingenommen. -Die Vorbereitungen zum neuen Dasein waren vollbracht, -<a class="pagenum" id="page_102" title="102"> </a> -nun kam das neue Dasein selbst; durch dunkle und helle -Stunden war sie hindurchgegangen, nun sollte es sich entscheiden, -ob ihr Leben fortan ein großes Licht oder ein großes -Dunkel sein würde. Ein Schauer ging über ihr Herz – -aber ihr Entschluß war gefaßt, sie wollte. –</p> - -<p>In verborgenster Stille, beinahe verschwiegen, fand die -Hochzeit statt.</p> - -<p>Der standesamtlichen Trauung folgte eine kirchliche Einsegnung -im Hause, wo Anna bei dem Onkel und der Tante -gewohnt hatte. Anna fühlte kein Bedürfnis, sich in einer -Kirche öffentlich zur Schau zu stellen und die klatschsüchtige -Neugier zu Gast dazu zu laden.</p> - -<p>Ihr Gesicht war kaum minder weiß, als das weiße -Brautkleid, in dem sie erschien; als sie, mit dem Myrtenkranze -im Haare, vor dem Geistlichen kniete und ihre Hand -in die Hand des Bräutigams legte, mochte mancher von den -wenigen Trauzeugen für sich denken: »Ein Opfer, das zum -Altar geführt wird.«</p> - -<p>Blaß, schweigsam, mit einem Ausdruck unergründlichen -Ernstes in den Zügen, stand Eberhard von Fahrenwald an -ihrer Seite.</p> - -<p>Ein leises Mittagsmahl, dem nur wenige Gäste anwohnten, -schloß die Feierlichkeit ab. Reden wurden nicht -gehalten; es lag wie ein Gewölk über der Versammlung. -Bei jeder Hochzeit steht man wie vor einem geschlossenen -Vorhang. Hier aber war der Vorhang von dunkler Farbe -und geheimnisvolle Zeichen waren in ihn verwebt.</p> - -<p>Nachdem die Tafel aufgehoben war, kehrte Anna zum -letztenmal dahin zurück, wo sie als Mädchen gewohnt hatte. -In aller Stille wollten sie beide am Nachmittage nach -<a class="pagenum" id="page_103" title="103"> </a> -Fahrenwald hinaus fahren. Koffer und Kisten waren schon -am Tage vorher vorausgegangen.</p> - -<p>Nachdem sie den Brautstaat abgelegt und das Reisekleid -angethan hatte, erschien ihr Gemahl, um sie abzuholen. -Bald darauf saßen sie im Eisenbahnwagen, und wieder -einige Zeit darauf stampften die Rosse vor dem Wagen, -der sie zum Schlosse hinaustragen sollte – heute für immer.</p> - -<p>Wie anders, wie viel schöner sah sich heut alles an, -als damals, da sie zum erstenmal diesen Weg gefahren war. -Der reiche Ackerboden, der so lange unter Schnee und Regen -begraben gelegen hatte, kochte förmlich von Fruchtbarkeit; -die jungen Saaten schossen empor, daß es aussah, als wollte -ein Feld das andre im Wachstum überbieten; die Sonne, -die sich zum Untergange neigte, warf lange, warme, rotgoldene -Lichter über das junge samtartige Grün.</p> - -<p>Heute brauchte man keine Fußsäcke und keine Decken. -Schweigend, Hand in Hand, saßen Anna und der Baron -in ihrem Wagen, mit stillen Augen hinausblickend in das -stille Land, die Wangen von der linden Abendluft umspielt, -den Duft einatmend, der aus der frühlingsfeuchten Erde -emporstieg.</p> - -<p>Die Dorfbewohnerschaft hatte das junge Paar mit schmetternder -Festlichkeit empfangen wollen; der Baron hatte alles -abgelehnt und, damit die Leute nicht um ihre Freude kämen, -sich durch reiche Geldspenden von dem geplanten Empfange -losgekauft. Damit hatte er ganz in Annas Sinn gehandelt. -Auch ihr war nicht nach rauschendem Jubel zu Mute; -Arm in Arm mit ihm, wie sie es am ersten Tage gemacht -hatte, wollte sie auch heute durch den Park zum Schlosse -gehen.</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_104" title="104"> </a> -An der bewußten Stelle, wo die Parkwege sich mit der -Fahrstraße vereinigten, hielt darum auch heute der Wagen -an und beide Fahrenwalds stiegen aus.</p> - -<p>Da lag er wieder vor ihr, der Park, an den sie so oft -in stillen Stunden gedacht, nach dem sie sich gesehnt, den sie -so lieb gewonnen hatte, der ihr wie ein Vermittler zwischen -dem bisherigen und dem zukünftigen Leben erschien; da lag -er, und wenn die Bezeichnung, die er trug, jemals auf ihn -gepaßt hatte, so war es heute der Fall: »das Schlesische -Paradies«.</p> - -<p>An der Kreuzung der Wege blieb Anna stehen, beide -Arme in kindlicher Wonne ausbreitend.</p> - -<p>»O Eberhard!« seufzte sie aus tiefster Brust, »wie -herrlich! wie schön!«</p> - -<p>Am Eingang des Parks, wie ein Grenzpfahl, stand ein -mächtiger Eichbaum. Am knorrigen Stamme, einige Fuß -über dem Erdboden, war ein Kranz aufgehängt, von bunten -Bändern umflattert, in dessen Mitte sich eine Tafel mit -einer Inschrift befand.</p> - -<p>»Was ist denn das?« fragte Anna.</p> - -<p>Sie trat heran und las:</p> - -<p class="ce mt1 mb1 fss lh2">»Tritt gern herein, in Freuden bleib,<br /> - Und sei mein Leben und mein Weib.«</p> - -<p>Sie wandte sich um.</p> - -<p>»Von wem ist denn das?«</p> - -<p>Eberhard von Fahrenwald stand ganz verlegen da.</p> - -<p>Jauchzend flog sie ihm um den Hals.</p> - -<p>»Eberhard, du? Du hast das gedichtet?«</p> - -<p>Er hielt lächelnd ihr Haupt in seinen Händen.</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_105" title="105"> </a> -»Gedichtet?« erwiderte er, »nun – jedenfalls siehst du, -ein großer Dichter bin ich nicht.«</p> - -<p>Sie blickte ihm in die Augen.</p> - -<p>»Ach, siehst du, das ist nun wirklich ein ganz entzückender -Gedanke von dir! Auf so etwas, siehst du, kann wirklich -nur ein so guter Mensch kommen, wie du es bist! Nun aber -mußt du mir den Kranz herunterholen, damit ich ihn bei -mir aufhängen kann.«</p> - -<p>»Aufhängen willst du ihn? Bei dir?«</p> - -<p>»Ja!« erklärte sie. »Den hänge ich in meinem Zimmer, -womöglich in meinem Schlafzimmer auf, und alle Abend, -wenn ich zu Bette gehe, und jeden Morgen, wenn ich aufstehe, -lese ich, was du geschrieben hast.«</p> - -<p>»Gut,« versetzte er, »heute bekomme ich ihn nicht herunter, -dazu braucht es eine Leiter, aber morgen soll er in -deinem Zimmer sein.«</p> - -<p>Den Weg, den sie das erste Mal gegangen waren, die -Buchenallee, wandelten sie nun entlang. Heute war kein -Aufruhr in der Natur wie damals; das magere junge Laub -hing still zu ihren Häupten; heute brauchte sie sich nicht an -ihn zu drängen in ängstlicher Beklommenheit; alles war so -friedlich, so ruhig, auch er, an dessen Arm sie ging. Ja – -er war so ruhig, daß es beinahe wie eine leise Schwermut -aussah.</p> - -<p>In den Seitenweg bogen sie alsdann ein, und nun -war es wirklich ein Meer von wogenden grünen Wipfeln, -das ihr entgegenrauschte. Die weißen Kastanien hatten -schon abgeblüht, aber wie versprengte Rubinen flammten -hie und da die Blüten der roten im Blätterdickicht auf. -Am Himmel lag purpurner Wiederschein der gesunkenen -<a class="pagenum" id="page_106" title="106"> </a> -Sonne, und alles war so groß, so wunderbar und schön, -daß Annas Herz in tiefer, wonnevoller Seligkeit überschwoll.</p> - -<p>»O Eberhard,« flüsterte sie, »freust du dich denn auch -so wie ich?«</p> - -<p>Er blickte zärtlich auf sie nieder und drückte schweigend -ihren Arm. Sie befanden sich gerade an der Stelle, wo -er ihr damals gesagt hatte, daß sie seine Sonne sein sollte -und daß er die Erde wäre, die sich um die Sonne dreht.</p> - -<p>Wie wild hatte er sie damals umfaßt – wie sanft -und ruhig war er heute. Hatte sich etwas in ihm verändert -seitdem? Nun – jedenfalls war es besser so, wie -es heute war. Jetzt kamen sie in die Nähe des Schlosses, -und wieder blieb Anna mit einem Ausrufe der Ueberraschung -stehen; von oben bis unten war das mächtige alte -Gebäude mit frischem hellen Farbenanstrich versehen.</p> - -<p>Eberhard lächelte.</p> - -<p>»Es war eigentlich noch zu früh im Jahre zum Anstreichen,« -sagte er, »aber ich wollte, daß dir das Haus ein -freundlicheres Gesicht zeigen sollte, als das erste Mal.«</p> - -<p>Sie neigte das Haupt in stummen Gedanken. Jeder -ihrer Wünsche war in seinem Gedächtnis niedergelegt, wie -ein Wertstück in den Händen eines treuen Verwalters.</p> - -<p>Durch die Halle mit den Jagdtrophäen schritten sie -hindurch, welche heute abend durch zwei große, in den -Ecken aufgestellte Kandelaber erhellt wurde, und eben solche -Kandelaber standen im Flure am Fuße der großen Treppe. -Große, schwere, altertümliche Leuchter, mit steif gestreckten -Armen von Messing, mit dicken Wachskerzen besteckt.</p> - -<p>Auf jedem Treppenabsatze stand ein solcher Kandelaber -<a class="pagenum" id="page_107" title="107"> </a> -und in gleicher Weise waren Flur und Gänge beleuchtet. -Ein stilles, schweres, goldiges Licht.</p> - -<p>»Heut gehen wir nicht durch die Bibliothek, sondern -gleich in dein Zimmer,« sagte der Baron, als sie die Treppe -erstiegen hatten. Er führte sie den Gang entlang, der auf -den Flur stieß, dann that er eine Thür auf, die sich von -links auf den Gang öffnete, und nun schlug Anna, geradezu -entzückt, beide Hände ineinander. Sie waren in ihren Gemächern -angelangt, die Fenster standen offen, und durch sie -hinaus blickte man in den Park und über den Park hinaus -in die weite grünende Landschaft. Im Kamin, den Fenstern -gegenüber, flackerte ein lustiges Feuer von Fichtenscheiten; -der harzige Duft des brennenden Holzes vermengte sich mit -der einströmenden Frühlingsluft zu einem feinen, köstlichen -Wohlgeruch. An den Wänden, die mit einer hellfarbigen, -mit blaugoldenen Mustern geschmückten Tapete bedeckt waren, -hingen Landschaftsbilder, die aus den nebenanliegenden Gemächern -hierhergeschafft worden waren; ein Schreibtisch in -allerliebstem Schnörkelstile in einer Fensterecke, Stühle mit -silberdamastenen Polstern, und ein Ruhebett von dem gleichen -Stoffe; zwischen den Fenstern ein hoher Wandspiegel, in -schwerem goldbronzenen Rahmen, und das Ganze überflutet -vom sanften Lichte eines zierlichen, von der Decke herabhängenden -Kronleuchters, und mehrerer, in den Ecken verteilter -Lampen, deren Glocken mit roter Seide umhüllt -waren. Ein Aufenthalt, wie für eine Fee, hergerichtet von -einem guten Geiste.</p> - -<p>Der Baron öffnete die Thür zum Nebenzimmer, wo -eine große Glasglocke, blau verschleiert, von der Decke schwebte -und ein trauliches Licht verbreitete. An der gegenüberliegenden -<a class="pagenum" id="page_108" title="108"> </a> -Wand, unter einem Zelte von mattblauer Seide, stand ein -Bett, kostbar und reich im Gestell, schneeweiß leuchtend mit -seinen Kissen und Linnen vom feinsten Gespinst.</p> - -<p>Sprachlos, von Dankbarkeit überwältigt, hing Anna -am Halse ihres Gatten; so viel hatte sie von ihm empfangen, -dies aber war doch das Höchste. So beschenkt nur ein Mensch, -dessen Seele uns nachgeht, ununterbrochen und überall.</p> - -<p>»Ich denke,« sagte der Baron, »wir rufen jetzt deine -Jungfer, damit du die Reisekleidung abthust und es dir bequem -machst!«</p> - -<p>Er ließ den Blick umhergehen; auf Stühlen und Sofas -des Schlafzimmers lagen Annas eben ausgepackte Kleidungsstücke -verstreut; eine Haus- und Morgentoilette von rosarotem -Wollenstoff lag obenan, zum Gebrauche bereit.</p> - -<p>»Ich gehe unterdes zu mir hinauf,« fuhr er fort, »und -wenn ich wiederkomme, abendbroten wir, und wenn es dir -recht ist, lassen wir hier in deinem Zimmer anrichten, hier -ist es gemütlicher, als da drüben.«</p> - -<p>»Zu mir hinauf,« hatte er gesagt – sie sah ihn -fragend an.</p> - -<p>»Wo wohnst denn du eigentlich?«</p> - -<p>»O – ziemlich weit von hier,« gab er zur Antwort, -»da oben im zweiten Stock.«</p> - -<p>Er sah die Ueberraschung auf ihrem Gesicht; aber es -war, als wollte er weitere Fragen abschneiden. Er nahm -ihren Kopf zwischen die Hände, küßte sie auf den Scheitel -und mit einem »auf Wiedersehen« ging er hinaus.</p> - -<p>Von der Thür aus hatte er ihr lächelnd zugenickt. Bildete -sie es sich nur ein, oder war in seinem Lächeln etwas -Gezwungenes gewesen?</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_109" title="109"> </a> -Sie begab sich in ihr Schlafgemach, wo die Jungfer -bereits auf sie wartete. Es war ein Mädchen vom Dorfe, -nicht übermäßig geübt in den Künsten feinerer Bedienung. -Schweigend, und nicht ohne Verlegenheit wartete sie ihres -Amtes. Kaum weniger verlegen aber war die Gebieterin -selbst. Es war das erste Mal, daß Anna sich beim Aus- -und Ankleiden bedienen ließ; mit innerlichem Lächeln gestand -sie sich, daß das Prinzessinsein gelernt sein wollte.</p> - -<p>Als sie in ihr Wohnzimmer zurückkehrte, stand inmitten -desselben der Tisch mit dem Abendbrote bereits angerichtet. -Eberhard war noch nicht wiedergekommen, sie war allein. -Sie trat an eines der beiden Fenster, kniete auf einen Stuhl -und lehnte sich auf das Fensterbrett, in die weiche dunkle -Luft hinausträumend.</p> - -<p>Nachdem sie ein Weilchen so gelegen, fuhr sie auf und -sah sich um – und richtig, da stand er hinter ihr in der -Thür. Sie hatte ein Gefühl, als hätte er sie schon längere -Zeit schweigend betrachtet.</p> - -<p>Er stand so regungslos – in seiner aufgereckten Gestalt -war eine Art von lautloser Spannung, in seinen Gesichtszügen -eine Art von Starrheit, als hätte ein Kampf getobt, -der zur Ruhe gezwungen worden war.</p> - -<p>Indem Anna sich aufrichtete, glitt ihr eines der braunsamtnen -Pantöffelchen, die sie trug, vom Fuße; jählings -neigte er sich herab und küßte sie auf die Fußsohle, die nur -noch vom seidenen Strumpfe bedeckt war.</p> - -<p>Ebenso rasch richtete er sich wieder auf.</p> - -<p>»Verzeih!« sagte er. In Verwirrung trat er zurück.</p> - -<p>Lachend warf sie sich an seine Brust.</p> - -<p>»Aber was soll ich dir denn verzeihen?«</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_110" title="110"> </a> -In seinen Augen flackerte es auf, um gleich darauf -wieder zu erlöschen. Er küßte sie, beinah wie abwehrend, -auf die Stirn.</p> - -<p>»Ja, ja,« sagte er heiser, »nichts, nichts!«</p> - -<p>Dann rückte er ihr den Stuhl zurecht und setzte sich -mit ihr an den Tisch.</p> - -<p>Das Abendessen zu zweien verlief in glücklicher Gemütlichkeit, -man aß, man trank und plauderte. Als sie abgespeist -hatten, sah Anna mit einer gewissen Aengstlichkeit -nach der Thür. Würde nun der alte Johann erscheinen, um -abzuräumen?</p> - -<p>Eberhard schien ihre Gedanken erraten zu haben.</p> - -<p>»Der Johann wartet nicht mehr bei Tische auf,« beruhigte -er sie. »Ich denke, wir lassen alles, wie es ist. -Wozu sollen wir uns stören lassen?«</p> - -<p>Damit war sie einverstanden. Sie ließ sich von ihm -Champagner einschenken.</p> - -<p>»Aber du trinkst ja gar nicht!« unterbrach sie sich.</p> - -<p>»Doch, doch,« erwiderte er, und hastig leerte er sein -Glas.</p> - -<p>Sie hatte aber ganz recht gesehen; er trank nur sehr -wenig. Er saß vom Tische etwas abgerückt, und sah seine -junge Frau an und sah, wie der Wein ihr Blut zu erwärmen -begann, so daß ihr Gesicht sich leise rötete und der -junge Leib aus dem zarten rosafarbenen Morgenkleide hervorzuatmen -und herauszublühen schien.</p> - -<p>Einen starren, beinah stieren Ausdruck nahmen seine -Augen dabei an, bis daß er, wie plötzlich zu sich kommend, -den Blick von ihr hinweg zur Seite wandte.</p> - -<p>Anna merkte nichts davon. Sie erzählte von ihren -<a class="pagenum" id="page_111" title="111"> </a> -Blumen, mit denen sie gleich morgen anfangen wollte; daneben -plante sie einen großen Gemüsegarten, der natürlich -auch unter ihrer Obhut stehen sollte. Sie war ganz vertieft -in ihre Entwürfe und glücklich wie ein Kind.</p> - -<p>Unterdessen saß der bleiche Mann schweigend ihr zur -Seite. Ob er hörte, was sie sprach? Ob er acht darauf gab? -Es sah nicht so aus. Seine Seele schien mit den dunklen -Gewalten beschäftigt, die wieder übermächtig über ihn wurden.</p> - -<p>Es war spät geworden; die Stutzuhr auf dem Kaminsimse -schlug elf Uhr. Zeit zum Zubettegehen.</p> - -<p>Anna wurde still, der Baron blieb stumm wie bisher -– es trat das verlegene Schweigen ein, wenn zwei -Menschen dasselbe denken und keiner von beiden zu sprechen -anfängt.</p> - -<p>Annas Gesicht erglühte immer tiefer, ihre Hände spielten -mit den Quasten der Schnur, mit der ihr Kleid gegürtet -war; sie senkte die Augen in den Schoß und blickte verstohlen -zu ihm auf. Jetzt erst bemerkte sie, wie verschattet -sein Antlitz war.</p> - -<p>Noch eine Weile peinlichen Schweigens, dann erhob er -sich. Seine Bewegung hatte etwas Unsicheres, wie die eines -Menschen, der nicht recht weiß, was er thun soll.</p> - -<p>Langsam war auch Anna aufgestanden; nun stand sie -mitten im Zimmer, Nacken und Haupt schamhaft geneigt.</p> - -<p>Sein unstäter Blick ging rund im Zimmer umher, dann -blieb er an ihr haften, und der Ausdruck flackerte wieder -darin auf, wie an dem Tage in Breslau.</p> - -<p>Wie sie vor ihm stand! Unbewußt in keuscher Hingabe, -wie eine demütige Magd! Wie sie lieblich war, wie sie -reizend, schön und entzückend war!</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_112" title="112"> </a> -Ein dumpfer Laut rang sich aus seiner Brust; wie damals, -als sie vor dem Spiegel stand, umschlang er sie und -riß sie an sich; mit dem Munde drückte er ihr Haupt nach -hintenüber und dann wühlten sich seine Lippen auf ihren -Mund, in ihr Gesicht, in ihren Hals.</p> - -<p>Halb erstickt hing sie in seinen Armen; ihr Gesicht -war ganz blaß geworden, ihre Augen geschlossen, unwillkürlich, -wie damals, stemmte sie die Hände gegen ihn.</p> - -<p>»Eberhard,« ächzte sie.</p> - -<p>Und nun geschah, was an jenem Tage geschehen war: -jählings ließ er von ihr ab, stürzte ihr zu Füßen und umschlang -ihre Kniee.</p> - -<p>»Verzeih mir,« stöhnte er, »verzeih mir und schlaf wohl, -schlaf wohl, schlaf wohl!«</p> - -<p>Mit einem Sprunge war er auf den Füßen, an der -Thür, und ohne sich umzusehen, wie ein Gejagter, Verfolgter, -zur Thür hinaus.</p> - -<p>So rasch war dieses alles geschehen, daß Anna nicht -Zeit gefunden hatte, ihm nachzurufen. Einsam blieb sie -zurück, in völliger dumpfer Ratlosigkeit.</p> - -<p>Sollte sie ihm nachgehen? Durch das fremde, dunkle -Haus? Wo sie nicht einmal seine Gemächer kannte? Es -grauete ihr. Auch hätte sie sich schämen müssen.</p> - -<p>Was also blieb zu thun? Zu Bette gehen.</p> - -<p>Seufzend ging sie in ihr Schlafzimmer. Die Jungfer, -die ihr beim Entkleiden behülflich sein wollte, schickte sie -hinaus; in der Stimmung, in der sie war, brauchte sie keine -fremden Augen, die ihr zusahen. Das Bett mit dem schön -verzierten Untergestell, das seidene Zelt darüber – wie prachtvoll -alles. Aber in all dieser Pracht, welche Einsamkeit! -<a class="pagenum" id="page_113" title="113"> </a> -Die frischen Linnen des Betts berührten sie mit fröstelnder -Kühle; sie huschte tief in die Decken und unter Thränen -schlief sie zum erstenmal auf Schloß Fahrenwald ein.</p> - -<p>Aber während sie schlief, war droben im zweiten Stock -einer, der nicht schlief, das war ihr Mann, der Baron Eberhard -von Fahrenwald, der in sein Zimmer gelangt war, die -Thür verriegelt hatte und nun in seinem Zimmer auf und -nieder ging, ohne Aufhören und ohne Rast, wie ein wildes -Tier hinter den Stäben des Käfigs.</p> - -<p>Die Ruhe, die er sich den ganzen Tag hindurch aufgezwungen -hatte, war dahin, abgesprengt von seiner Seele, -wie die Kruste, die sich auf die Lava im Krater gelegt hat -und die in alle vier Winde fliegt, sobald der Vulkan -da drunten lebendig wird. All die dunklen Gewalten, die -in den Tiefen seiner Seele brodelten, hatten Feuer gefangen, -all die wilden Instinkte, die da drunten, wie Ungeheuer im -Tropenschlamme, vergraben lagen, reckten plötzlich die Häupter; -sie wollten sich nicht mehr bändigen lassen, wollten nicht -mehr dem befehlshaberischen »nein« gehorchen, mit dem er -sie damals für einen Augenblick niedergezwungen hatte, -wollten nicht mehr; jetzt hatten sie ihn, jetzt schüttelten sie -ihn, daß ihm die Glieder am Leibe flogen, und wie mit -feurigen Geißeln peitschten sie seine Phantasie. Immerfort -sah er es vor sich, das Weib da unten, das junge, blühende -Weib, zu dem es ihn hinriß. Jeden ihrer Schritte begleitete -er mit seinen Gedanken. Er sah, wie sie ihr Schlafgemach -betrat, wie sie langsam anfing, sich zu entkleiden. Ganz -deutlich, ganz handgreiflich sah er das. Stück nach Stück -sank die Gewandung herab; jetzt breitete sie die schneeweißen -Arme nach ihm, und jetzt geschah etwas – mitten im Zimmer -<a class="pagenum" id="page_114" title="114"> </a> -blieb er jählings stehen, die Hände an die Schläfen gedrückt, -die Augen weit offen, wie fest gebannt von einer furchtbaren -Vision. War das er, den er da sah, der sich wie ein -reißendes Tier über das hüllenlose Weib herstürzte: Ja, ja, -ja! Wie hatte der Alte damals gesagt? Wenn er heiratete, -würde er jemanden umbringen. So hatte der Alte gesagt, -und das hatte ein Arzt dem Alten gesagt. Also mußte es -so sein, und so war es ja auch, und nun wußte er ja -auch, wer das war, den er umbringen würde! Und also -kam der Wahnsinn doch! Und all das Kämpfen, all das -Ringen, all das Sichzurwehrsetzen war vergeblich gewesen, -alles, alles?</p> - -<p>An einem Sessel brach er in die Kniee; mit beiden -Fäusten griff er sich ins Haar; er schlug die Stirn auf den -Stuhl; ein heiseres Keuchen, beinah wie ein dumpfes Geheul, -brach aus seiner Kehle.</p> - -<p>»Ich will nicht! Ich will nicht! Ich will nicht!«</p> - -<p>Dann ließ der Sturm nach; gebrochen blieb er am -Boden liegen, und nach einer Stunde dumpfen kraftlosen -Vorsichhinstarrens raffte er sich auf und schleppte sich nach -seinem Lager.</p> - -<p>Während sich dies begab, war dort oben im zweiten -Stock noch jemand wach. Das war der alte Johann.</p> - -<p>Er schlief nicht. Nein. Er wußte ja, daß er von jetzt -an überhaupt nie mehr schlafen durfte. Seit heute war die -»Einbrecherin« im Schloß. Das Unheil war eingezogen, -jetzt hieß es, Wache halten! Das war sein Amt, seine -Pflicht. Darum von nun an die Augen aufbehalten! Nicht -mehr schlafen! Nie mehr schlafen!</p> - -<p>Der Baron hatte ihm verboten, sich zu zeigen, wenn -<a class="pagenum" id="page_115" title="115"> </a> -er heute nachmittag mit seiner jungen Frau ankommen -würde.</p> - -<p>Natürlich hatte er gehorcht; alte Haushunde sind -gehorsam, aber wachsam sind sie auch. Und sie haben -Zähne!</p> - -<p>Er hatte auch ganz recht gehabt, der Herr Baron, daß -er ihn fortschickte, daß er »die Person« in Sicherheit vor -ihm brachte, ganz recht, ganz recht, ganz recht.</p> - -<p>In seinem Zimmer eingeschlossen, drei Stunden lang -und mehr war er ununterbrochen hin und her gegangen, die -knochigen Hände reibend, immerfort das eine Wort murmelnd -»ganz recht, ganz recht, ganz recht«.</p> - -<p>»Ganz recht, daß du mich nicht an sie heranläßt – -denn wenn ich ihr zu Leibe könnte –« Bei diesem -»wenn« knirschten seine Zähne, seine Fäuste streckten sich in -die Luft.</p> - -<p>Dann, als es elf Uhr geschlagen, hatte er gehört, wie -jemand mit hastigen Schritten, als wenn er liefe, als wenn -er flüchtete, die Treppe draußen heraufgekommen war. Er -hatte gelauscht, hatte gehört, wie die Thür zum Zimmer -des Barons aufgerissen, schmetternd zugeworfen und dann -von innen verriegelt wurde.</p> - -<p>Aha – also, schon heut am ersten Abend fing es an! -Das war der Baron, den er da hatte kommen hören, der -jetzt da drüben in seinem Zimmer saß, wie die Maus im -Loch, wie die dumme Maus, der man Speck gestreut hat -und die genascht hat und jetzt dahinter kam, daß der Speck vergiftet -gewesen war! Er grinste übers ganze Gesicht, er mußte -an sich halten, daß er nicht laut herauslachte, laut, daß man's -durchs ganze Haus hörte.</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_116" title="116"> </a> -Die dumme, dumme Maus! Es war doch eigentlich -zu komisch! zu lächerlich!</p> - -<p>Dann war er über den Flur geschlichen, an die Thür -seines Herrn, hatte sich mit dem Ohr an das Schlüsselloch -gebeugt und gehorcht, und wie er da drinnen das Hin- und -Hergehen, das Rasen, das Keuchen und Schnaufen hörte, -hatte er grinsend mit dem Kopfe genickt: »Siehst du, siehst -du, siehst du wohl?«</p> - -<p>Die ganze Nacht hätte er so stehen können und horchen, -denn es verursachte ihm ein namenloses Vergnügen, zu hören, -wie sein Herr da drinnen litt. Das hatte er nun davon, -der unglückselige, verrückte Mensch, und das geschah ihm recht! -Ein Glück nur, daß wenigstens ein Vernünftiger noch da -war, einer, der noch zum Rechten sehen und die verfahrene -Geschichte wieder herausreißen konnte. Und das war er, -der alte Johann; und er würde sie wieder herausreißen, ja, -das würde er! Noch wußte er nicht genau wie, aber fertig -bringen würde er es, das wußte er, das sagte er sich, indem -er jetzt über den Flur zu seinem Zimmer zurückging, nicht -mehr schleichend wie vorhin, sondern hocherhobenen Hauptes. -Denn ein Stolz erfüllte seine Brust, daß er sich vorkam, -als wäre er jetzt eigentlich der Herr im Hause, als hätte er -zu befehlen und kein andrer sonst.</p> - -<p>Er konnte sich noch gar nicht entschließen, in seine -Kammer zurückzukehren; es war ein Gefühl in ihm, als -müßte er noch irgend etwas thun, etwas vollbringen; ein -solches Kraftgefühl, daß er am liebsten laut gebrüllt hätte. -Darum stieg er noch einmal die Treppe hinunter und wandelte -durch alle Gänge des Hauses, alles im Dunkeln, ohne Licht, -wozu brauchte er denn Licht? Er fand sich ja auch im -<a class="pagenum" id="page_117" title="117"> </a> -Dunkeln zurecht in seinem Hause. Sein Haus – er drückte -sich mit den Fingern die Lippen zu, damit sein Kichern nicht -zum lauten Gelächter ward. Als er endlich zu seinem Zimmer -zurückkehrte und über die Schwelle trat, bückte er sich. Er -wußte, daß er plötzlich gewachsen war. Ja, ja, es war -merkwürdig, aber wahr, er war gewachsen, mindestens um -einen Kopf, darum mußte er sich in acht nehmen, sonst -wäre er mit dem Kopfe oben an die Thür gestoßen. –</p> - -<hr /> - -<p>Der Frühling that seine Pflicht. Zu allen Ritzen und -Löchern des Schlosses Fahrenwald schickte er am nächsten -Morgen die Sonnenstrahlen hinein, als wollte er dem alten -Kasten bis in die finstersten Eingeweide hineinleuchten und -wärmen.</p> - -<p>Als der Baron an das Fenster seines Zimmers trat -und hinunterblickte, sah er, daß andre schon früher aufgestanden -waren als er. Einen Strohhut auf dem Kopf, -das Kleid hoch aufgeschürzt, wandelte im Blumengarten -unten eine Gestalt zwischen den Beeten auf und ab, bald -rechts sich niederbeugend, bald links, so daß der breitkrämpige -Hut bedächtig auf und nieder schwankte. Es war seine junge -Frau.</p> - -<p>Die Sonne hatte sie früh am Morgen geweckt und ihr -keine Ruhe im Bette gelassen.</p> - -<p>Als er ihrer ansichtig wurde, war ihm, als sänke die -Nacht und alles, was in der Nacht gewesen war, wie ein -Spuk hinter ihm nieder, in eine endlose Tiefe. Ohne sich -zu besinnen, riß er das Fenster auf und »Anna!« rief er -laut hinunter.</p> - -<p>Als sie seine Stimme vernahm, richtete sie den Kopf -<a class="pagenum" id="page_118" title="118"> </a> -zu ihm auf, und als sie ihn erblickte, hob sie die Hände an -den Mund und warf ihm Kußfinger zu. Ihr Antlitz, vom -gelben Hute umrahmt, strotzend von Fülle und Jugend, -sah aus wie eine Sonnenblume.</p> - -<p>»Komm herunter Eberhard,« rief sie zu ihm hinauf, -»hier unten ist's wundervoll.«</p> - -<p>Wie der Morgenruf der Lerche drang ihre Stimme an -sein Ohr. Das Leben war ihm wiedergegeben, und da -unten stand es vor ihm, leibhaftig verkörpert in dem geliebten -Geschöpf.</p> - -<p>Er lehnte sich weit über die Fensterbrüstung hinaus. -»Gleich komm' ich, gleich,« sagte er; aber während er das -sagte, blieb er ruhig im Fenster liegen. Er konnte sich nicht -satt sehen an ihr.</p> - -<p>Sie stand und lächelte ihm zu und nickte; er nickte -zurück. Dann zog sie ihr weißes Taschentuch hervor und -wie mit einem Fähnchen winkte sie hinauf.</p> - -<p>»Komm doch,« rief sie wieder, »komm doch endlich.«</p> - -<p>Nun erhob er sich, um sich anzukleiden, und jetzt erst -spürte er, wie schwer die Nacht ihn angegriffen hatte. Er -taumelte beinah, und erst das kalte Brunnenwasser, mit dem -er sich überströmte, brachte ihn wieder zu sich. Als er aber -in den Garten zu ihr hinunterkam, vergaß er seine Schwäche -und alle Leiden. Blaß war er freilich, aber das war sie -ja an ihm gewöhnt; sie hüpfte ihm entgegen; er fing sie in -seinen Armen auf, und als sie an seinem Herzen lag und -die Liebe fühlte, die wie ein Strom aus diesem Herzen über -sie dahinging, vergaß auch sie, daß sie gestern abend in -Thränen eingeschlafen war.</p> - -<p>Der Tag blieb dem Morgen treu, heiter und schön bis -<a class="pagenum" id="page_119" title="119"> </a> -zum Ende. Aber weil er so schön war, wurde er für Eberhard -von Fahrenwald anstrengend. Anna nahm ihn vollständig -in Beschlag und schleppte ihn vom Morgen bis zum -Abend im Park umher. Kaum daß sie ihm zu den Mahlzeiten -Ruhe vergönnte.</p> - -<p>Der Park hatte es ihr angethan; sie war geradezu darein -verliebt. Bisher hatte sie ihn nur im allgemeinen kennen -gelernt, nun sollte Eberhard ihr alle Winkelchen und Eckchen -zeigen. Sie war in der Stadt groß geworden; die Natur, -in die sie zum erstenmal hineinblickte, war für sie wie ein -Märchenbuch, das man vor den Augen des Kindes aufschlägt. -Jeder kleinste Vorgang darin war ihr ein Gegenstand des -Staunens und Bewunderns. Unter jedem Baume, in dem -eine Nachtigall saß, mußte Eberhard mit ihr stehen bleiben -und dem Gesange lauschen; wenn ein Buchfink über den Weg -vor ihnen herhüpfte, hielt sie ihren Begleiter am Arme -fest, mit ausgestrecktem Finger zeigend: »Sieh doch nur, -sieh! was für ein reizendes Tierchen!« Sie war vollständig -zum Kinde geworden; sie brauchte nichts weiter, verlangte -nichts weiter, sie war glücklich.</p> - -<p>Der gestrige Abend mit seiner schwülen Erregung, seiner -dumpfen Niedergeschlagenheit war in ihr ausgelöscht. Sie -hatte ja ihren Gatten nicht recht begriffen, allerdings, aber -sie hatte ja auch durch Erfahrung gelernt, daß man in solchen -Augenblicken nicht in ihn dringen, ihn nicht fragen durfte; -also fragte sie nicht.</p> - -<p>Eine sinnliche Natur war sie nicht. Es kamen wohl -Stunden und waren sogar dagewesen, wo ihr Blut heißer -wurde – aber für gewöhnlich war ihr das Verlangen der -Sinne fremd, und es bereitete ihr keine Schwierigkeiten, -<a class="pagenum" id="page_120" title="120"> </a> -sich eine Ehe zu denken, in welcher die Eheleute wie zwei -gute Freunde nebeneinander hergingen.</p> - -<p>Und sie begann sich mit der Vorstellung vertraut zu -machen, daß ihr beiderseitiges Verhältnis fortan in dieser -Art weitergehen würde.</p> - -<p>Ob der Mann, der müden Schrittes hinter ihr drein -kam, diese Gedanken in ihrer Seele las? Vielleicht.</p> - -<p>Er war etwas hinter ihr zurückgeblieben, denn weil er -ihr zu langsam ging, hatte sie sich von seinem Arme losgerissen. -Nun sah er sie vor sich dahintrippeln mit hastigen, -fröhlichen Bewegungen, den grün übersponnenen Laubgang -entlang, durch dessen Dach die Sonne ihr Licht in verstreuten -Funken herniederschickte, die junge Gestalt wie mit -Edelsteinen übersäend.</p> - -<p>Wie glücklich sie war! Und wie ihr Glück ihm die -tiefste Seele erwärmte!</p> - -<p>Aber wie harmlos auch, wie sorglos sie war! Wie so -keine Ahnung sich in ihr regte von dem, was gestern abend -in ihm vorgegangen war, von all dem Dunklen, Entsetzlichen!</p> - -<p>War es nicht gut, daß es also war? Freilich war es -gut. Aber warum seufzte er trotzdem innerlich auf?</p> - -<p>Er fühlte, daß er dieses alles vor ihr verstecken mußte. -Den einen Menschen, der in ihm war, den gütigen, liebevollen, -edlen Menschen, den durfte er ihr zeigen, – den -andern mußte die Nacht bedecken und das Dunkel, daß sie -nie in sein Gesicht sah – denn wenn sie es gesehen hätte – -Und also mußte er stark sein und immer stark, und allein -für sich tragen und schweigen.</p> - -<p>Und so, indem er sie vor sich herschlendern sah, im -<a class="pagenum" id="page_121" title="121"> </a> -Sonnenlichte gebadet, sie selbst wie ein verkörperter Sonnenstrahl, -kam er sich vor wie das dunkle Gewölk, das hinter -dem Lichte einherzieht, in dessen Schoß das Ungewitter -brütet, der Untergang des Lichtes und sein Tod. Wer war -vorhanden, um das vertrauensvolle Licht davor zu bewahren, -daß das Ungewitter es verschlang? Nur er selbst. Er selbst -war ihre Gefahr und sollte ihr Beschützer vor ihm selbst sein. -Indem er die furchtbare Anforderung empfand, die von -nun an jede Stunde und Minute, jeder Anblick des ersehnten -Weibes an seine Selbstbeherrschung stellte, überlief es ihn -wie ein Grausen.</p> - -<p>Würde er Kraft behalten? Immer? Es legte sich schwer -auf seine Brust, beinahe wie eine Todesangst.</p> - -<p>Und dieses Angstgefühl verließ ihn nicht mehr; es wurde -zu einer bleibenden, körperlichen Beklemmung, und diese Beklemmung -wuchs, je mehr der Tag sich zum Ende neigte. -Das Dunkel erschreckte ihn; er fürchtete sich vor der Nacht. -Als er daher gegen Abend mit seiner Frau ins Schloß -zurückgekehrt war, ließ er alles, was an Lampen aufzutreiben -war, anzünden, damit Licht würde, damit er sich das Tageslicht -einbilden könnte. Denn bei Tage, so schien es ihm, -hatte der Dämon keine Gewalt über ihn. Nur hatte er -dabei vergessen, daß in dem Lichte, das jetzt, aus allen -Spiegeln widerstrahlend, die Gemächer füllte, auch die Gestalt -des Weibes um so leuchtender hervortreten mußte. -Und gerade vor ihr fürchtete er sich ja am meisten. Heute, -im Laufe des Tages, als sie mit ihm den Park durchtändelt -hatte, war sie ihm wie ein kleines Mädchen, wie ein Kind -erschienen, dem gegenüber die Sinne schweigen – jetzt, -da die Nacht kam, wurde sie wieder zum Weibe. Jede -<a class="pagenum" id="page_122" title="122"> </a> -Bewegung ihrer Glieder wuchs in seiner Phantasie zu einer -verstrickenden Umarmung, jedes Rauschen ihres Kleides zu -einem sinnbethörenden Lockruf.</p> - -<p>»Ich ziehe mir meinen Morgenrock an,« hatte Anna -gesagt, als sie ins Schloß zurückkehrten, und es hatte ihm -auf der Zunge geschwebt, zu sagen, »thu's nicht!«</p> - -<p>Aber er sagte es nicht. Was hätte sie denken müssen? -Wie hätte sie es verstehen können? Sollte er sagen, daß -er wahnsinnig sei? Er selbst? Er lächelte.</p> - -<p>»Freilich, freilich; wir gehen wohl heute früh zu Bett? -Du wirst dich müde gelaufen haben?«</p> - -<p>Als er zu ihr zurückkam, stand sie vor einem Bilde, -mit einer Lampe hinaufleuchtend. Der weite Aermel des -Schlafrocks war zurückgefallen, der volle weiße Arm kam -bis über den Ellbogen hervor. Alles vergessend, wollte er -mit einem Sprunge sich über sie stürzen – da wandte sie -sich lächelnd um. Ein harmloses, ahnungsloses Kinderlächeln. -Alles war für den Augenblick vorbei. Ruhig trat -er zu ihr heran und nahm ihr die Lampe ab.</p> - -<p>Heute, nachdem sie zu Abend gespeist hatten, wartete er -nicht, bis die Uhr auf dem Kamin elf schlug.</p> - -<p>»Du bist müde?« fragte er.</p> - -<p>Sie nickte ihm mit traumverschleierten Augen zu.</p> - -<p>In einem Armstuhl saß sie da, behaglich hintenüber -gelehnt, die Füße weit ausgestreckt und übereinander gelegt.</p> - -<p>»Die Frühlingsluft macht so müde,« sagte sie mit -dämmernder Stimme, »und es ist so schön, einzuschlafen, -während man die Nachtigallen singen hört – horch doch -nur, wie das klingt – entzückend.«</p> - -<p>Er war an das geöffnete Fenster getreten – sie hatte -<a class="pagenum" id="page_123" title="123"> </a> -recht. Wie die Stimme des Frühlings drang der süße Ton -der Nachtigallen aus dem nachtdunklen Parke herauf. Liebe -war es, die ihren Gesang erweckte, und es war, als riefen -sie allen Geschöpfen der Erde zu »liebt euch, jetzt ist die -Zeit der Liebe«. Und da stand er und durfte nicht lieben. -Die Qual, die er empfand, war so groß, daß er lange Zeit -lautlos am offenen Fenster stehen bleiben mußte. Dann -trat er zu ihr.</p> - -<p>»Nun gute Nacht,« sagte er. Er stand über sie gebeugt; -sie blickte lieblich zu ihm auf.</p> - -<p>Plötzlich griff er mit der Hand hinunter und riß ihr -den einen Schuh vom Fuße.</p> - -<p>Sie erschrak beinah.</p> - -<p>»Aber Eberhard.«</p> - -<p>Sie wollte nach ihrem Schuh greifen, aber er hielt -ihn fest.</p> - -<p>»Ein Andenken,« rief er, »ein Andenken,« er lachte -dabei laut, beinahe gellend, und dann, indem er den Schuh, -in dem noch die ganze Wärme ihres Fußes war, an die -Lippen drückte, schoß er auf die Thür zu und war hinaus. -Kopfschüttelnd saß Anna und sah ihm nach; dann erhob sie -sich, und den einen Fuß im Schuh, den andern im Strumpfe, -wanderte sie in ihr Schlafgemach.</p> - -<p>Eine Reihe von Tagen folgte, alle diesem Tage gleich. -Luft und Himmel voll Sonnenschein, das Laubgezelt des -Parks immer dichter anschwellend zum grünen, rauschenden -Wald, von Düften durchflutet, von Vogelstimmen durchtönt, -und durch die grünende Wildnis dahinwandelnd die rosige -blühende Frau und der bleiche hohläugige Mann.</p> - -<p>Immer größer wurde der Abstand, in dem sie gingen; -<a class="pagenum" id="page_124" title="124"> </a> -immer weiter flog sie ihm voran, immer müder blieb er -zurück, und es kam auch schon vor, daß er sich auf eine Bank -niedersetzte und sie allein auf Entdeckungen ausziehen ließ.</p> - -<p>Die schlaflosen Nächte griffen ihn zu furchtbar an. -Seine Nerven waren des Morgens wie aufgeweicht, um sich -dann im Laufe des Tages allmählich aufzustraffen, bis daß -sie am Abende wieder angespannt waren, wie die Saiten -eines Streichinstrumentes, jeden Augenblick zum Springen -bereit.</p> - -<p>Jeden Abend dann wieder das Aufsteigen des wütenden -Verlangens und das Niederkämpfen desselben, so daß sein -Inneres einem Schlachtfelde glich, und jeden Abend die -Wiederkehr einer Erscheinung, die er sich nicht zu erklären -vermochte, und die trotzdem vorhanden war, die er empfand, -mit Grauen empfand:</p> - -<p>Jeden Abend, wenn er in sein Zimmer gekommen war, -hatte er ein Gefühl, als stände etwas hinter ihm, irgend -etwas, er hätte nicht sagen können, was. Etwas Fürchterliches, -das unablässig auf ihn hinblickte, mit grünen Augen, -mit einem wartenden Blick. So deutlich empfand er die -Anwesenheit dieses schrecklichen, unsichtbaren Etwas, daß ihm -manchmal geradezu war, als hörte er ein leises, keuchendes -Atemholen, so daß er die Lampe aufnahm und Winkel und -Ecken seiner Zimmer durchstöberte, bis daß er die Lampe -wieder niedersetzte und sich sagte, daß niemand da war und -nichts, daß alles nur in ihm selbst war, ein Spukgebilde -seiner Seele, der Wahnsinn, der Wahnsinn.</p> - -<p>Eines freilich sah er bei diesen Gelegenheiten nicht: -wenn er mit der Lampe in der Hand durch seine Zimmer -stöberte und der Thür nahe kam, die zum Flur ging, dann -<a class="pagenum" id="page_125" title="125"> </a> -sah er nicht, wie sich draußen an der Thür eine hagere -Gestalt aufrichtete, die bis dahin lauernd zum Schlüsselloch -gebeugt, mit leise keuchendem Atemholen gestanden hatte und -nun, wenn sie seine Schritte nahen hörte, über den Flur -hinweg huschte und sich in den Schatten des großen Schrankes -drückte, der an der Wand des Flurs, neben der Thür stand.</p> - -<p>Anna hatte in den letzten Tagen sein übles Aussehen -bemerkt und ihn zärtlich besorgt gefragt, ob ihm etwas fehle. -Aber er hatte hastig und entschieden verneint, »Gar nichts -fehlte ihm, er war vollkommen wohl!« Und um sie zu beruhigen, -hatte er sogleich einen weiten Spaziergang mit ihr -durch den Park gemacht.</p> - -<p>Mit aller Gewalt hatte er sich zusammengenommen -und zusammengerafft; liebenswürdig und freundlich war er -gewesen, wie nur je zuvor.</p> - -<p>»Daß nur sie nichts merkte! Um Gottes willen, nur -nicht sie!«</p> - -<p>Aber diese letzte gewaltsame Anspannung gab ihm -den Rest.</p> - -<p>Da er sich heute, seiner Versicherung nach, so wohl -fühlte, hatte Anna ihn wieder durch den ganzen Park mit -sich genommen, herauf und herab, die Kreuz und die Quer. -Mehrere Vogelnester hatte sie entdeckt, die noch im Bau -begriffen waren, und das Treiben der Vögel dabei war -doch zu reizend, jedes einzelne mußte sie ihm zeigen. Und -nachdem das erledigt war, hatte er ihr dahin folgen müssen, -wo sie ihren Gemüsegarten anzulegen gedachte; sie hatte ihm -die einzelnen Felder schon gezeigt, wo Salat gebaut werden -sollte, und Bohnen, Rüben und Tomaten, und was es -alles gab.</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_126" title="126"> </a> -Am Abend war sie daher schläfrig geworden wie ein -Kind, das sich tagsüber müde gespielt hat.</p> - -<p>»Heute werde ich aber gehörig schlafen,« sagte sie, als -sie sich erhob, um ihm gute Nacht zu wünschen.</p> - -<p>Er war heut so besonders liebenswürdig gewesen, dafür -war sie ihm Dank schuldig. Zärtlich hing sie sich um seinen -Hals, um ihn zu küssen. Wie es jetzt in seiner Gewohnheit -lag, richtete er den Oberleib steif auf, als wollte er -ihren Lippen ausweichen, aber sie hatte es sich in den Kopf -gesetzt, heute sollte er einmal seinen Kuß bekommen. Lachend -versuchte sie, mit ihrem Munde an den seinen zu gelangen, -und weil ihre Körperlänge dazu nicht ausreichte, stieg sie -mit den Füßen auf seine Füße. Indem sie sich auf den -Spitzen erhob, reichte sie ihm bis an den Mund, und nun -erhielt er einen langen, warmen, liebevollen Kuß.</p> - -<p>Ihre Lippen lagen auf den seinen, ihr junger Leib -drängte sich an ihn, auf seinen Füßen empfand er ihre -warmen weichen Füßchen.</p> - -<p>In dem Augenblick war ihm zu Mute, als risse etwas -in ihm, beinah, als spränge eine Saite, so daß er das -Nachsummen des Schlags in seinen Ohren zu vernehmen -meinte.</p> - -<p>Er schob sie von sich.</p> - -<p>»Gehst du jetzt zu Bett?« fragte er; der Ton seiner -Stimme war lallend.</p> - -<p>»Freilich geh' ich zu Bett.«</p> - -<p>An der Thür des Schlafzimmers blieb sie noch einmal -stehen und warf ihm, traumselig nickend, Kußfinger zu.</p> - -<p>Kaum daß sie dann ihr Lager erreicht hatte, war sie -schon eingeschlafen.</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_127" title="127"> </a> -Einige Zeit später, sie hätte kaum sagen können, ob -Stunden oder nur Minuten, wurde sie durch ein Geräusch -geweckt, und als sie blinzelnd die verschlafenen Augen öffnete, -bemerkte sie, daß ein Lichtschein im Zimmer war. Wie kam -das? Sie hatte doch vor dem Einschlafen alles Licht gelöscht?</p> - -<p>Indem sie sich allmählich ermunterte, sah sie, daß das -Licht von der Thür herkam, und durch den blauseidenen -Bettvorhang hindurch gewahrte sie eine dunkle Gestalt, die -in der Thür stand. Genau zu erkennen vermochte sie nicht, -wer es war.</p> - -<p>»Bist du's, Eberhard?« fragte sie schläfrig.</p> - -<p>Es erfolgte keine Antwort. Die Gestalt rührte sich -nicht. Sie richtete sich auf den Ellenbogen auf.</p> - -<p>»Eberhard, bist du's?« fragte sie noch einmal.</p> - -<p>Jetzt kam die Gestalt mit einem Schritt heran, bis an -das Fußende ihres Bettes, schlug den Vorhang zurück – -ein Licht in Händen, stand ihr Gatte vor ihr, Eberhard von -Fahrenwald.</p> - -<p>Er gab keinen Laut von sich, seine Augen ruhten auf -ihr, mit stierendem, beinahe gläsernem Blick.</p> - -<p>Sie wußte nicht, was sie denken sollte, verwirrt schaute -sie ihn an. Dann streckte sie den Arm nach ihm aus.</p> - -<p>»Aber Eberhard – was machst du denn?«</p> - -<p>In dem Augenblick hatte er das Licht auf den Nachttisch -gesetzt und ihren Arm mit beiden Händen ergriffen. -Als wäre ihr Arm in einen Schraubstock gespannt – so -war es. Es wurde ihr unheimlich.</p> - -<p>»Aber – so sprich doch nur ein Wort,« bat sie leise.</p> - -<p>Er sprach nicht; es war, als hörte er sie überhaupt -nicht. Plötzlich ließ er ihren Arm fahren, griff sie mit -<a class="pagenum" id="page_128" title="128"> </a> -beiden Händen an den Schultern und drückte sie in die Kissen -zurück. Sie lag wie gefesselt unter seinen Händen, unfähig -sich zu bewegen; ihre Augen blickten angstvoll in sein Gesicht -empor, das mit steinernem, rätselhaftem Ausdruck über sie -gebeugt war.</p> - -<p>»Was thust du denn?« stammelte sie; dabei warf sie -die Schultern hin und her und versuchte, sich seinem Griffe -zu entwinden.</p> - -<p>Als er die windenden Bewegungen ihres Körpers fühlte, -bog er plötzlich den Oberleib zurück, richtete sich auf, sein -Anblick wurde wie der eines wilden Tieres, das sich zum -Sprunge auf die Beute anschickt.</p> - -<p>Von Todesangst gepackt, fuhr sie auf und aus dem -Bette. Keuchend stand sie, zu ihm hinüberblickend, der auf der -andern Seite des Bettes stand. In das Zimmer ihrer Jungfer -zu gelangen, vermochte sie nicht, weil er zwischen Bett und -Thür war.</p> - -<p>Als er jetzt aber eine Bewegung machte, als wollte er -auf sie zu, stieß sie einen gellenden Schrei aus, und so wie -sie war, mit nackten Füßen, nur im Hemd, rannte sie durch -die Thür, durch die er gekommen und die hinter ihm offen -geblieben war, in ihr Wohnzimmer. Halb sinnlos vor Angst -drückte sie sich hinter dem Ruhebett nieder, das an der gegenüberliegenden -Wand stand. Ein Augenblick verging – dann -erschien der Verfolger auf der Schwelle, das Licht haltend, -mit dem Lichte nach ihr suchend.</p> - -<p>Jetzt hatte er sie entdeckt – und wieder sprang sie auf -und flüchtete weiter, in das nächste Zimmer. Hinter ihr -kam er her, mit langen Sprüngen. Aus dem zweiten Zimmer -ging es in das dritte, in das vierte und weiter, immer -<a class="pagenum" id="page_129" title="129"> </a> -weiter, durch alle Zimmer hindurch, die Galerie entlang, -bis daß sie endlich im Bibliotheksaale, am Ende der Zimmerflucht -angelangt war und sich bewußt wurde, daß es nun -nicht weiter ging, daß sie gefangen war, verloren war. – -Mitten im Saale, die entsetzten Augen auf ihn gerichtet, -blieb sie stehen, beide Arme reckte sie in die Höhe, – ein -verzweifeltes Geschrei – und jählings, mit schwerem Fall -schlug sie auf den Fußboden nieder, ohnmächtig, wie eine -Leiche anzusehen.</p> - -<p>Als dies geschah, als er den Schrei vernahm und die -weiße Gestalt zusammenbrechen sah, blieb der Mann stehen -und sah sich einen Augenblick wie verwundert um. Es sah -aus, als müßte er seine Erinnerung sammeln. Dann kam -er, das Licht hoch haltend, mit vorsichtigen Schritten da -heran, wo das da am Boden lag, das Weiße. Er senkte -das Licht und leuchtete über die regungslose Gestalt hin, -richtete sich wieder auf und trat einen Schritt zurück. Er -setzte das Licht auf den Tisch, und auf die Tischplatte niederstarrend, -fing er wieder an, sich zu besinnen, nachzudenken, -nachzudenken. Dann erhob er die Augen, richtete sie dumpf -brütend den Fenstern zu, hinter denen die schwarze Nacht -hing, und nun war es, als käme aus weiter Ferne der -Nacht ein Licht heran, ganz fern erst, ganz klein, aber näher -kommend, immer näher, bis daß es sein Gesicht erreicht -hatte, bis daß es in seine Augen gestiegen war. Und nun -begannen die Augen, die bis dahin gläsern gestiert hatten, -wieder zu sehen, die Züge des verwandelten Gesichts wandelten -sich wieder zurück, und nun war es wieder Eberhard -von Fahrenwald, der dort am Tische stand.</p> - -<p>Mit einem Ruck, daß die Gelenke in seinem Leibe -<a class="pagenum" id="page_130" title="130"> </a> -krachten, richtete er sich plötzlich in die Höhe, ergriff noch -einmal das Licht und trat heran – im nämlichen Augenblick -aber flog er rückwärts, als wenn ein Stoß ihn zurückgeworfen -hätte. Auf dem glatten Parkett des Fußbodens -schlug er der Länge lang hin, mit dem Gesicht am Boden, -beide Hände in den Mund stopfend, mit den Zähnen in die -Hände beißend, daß das Blut herabtroff. Ein gurgelndes -Röcheln, ein ersticktes Heulen wühlte sich aus ihm heraus -und in den Fußboden hinein; dann kroch er bis zu dem -nächsten Stuhle, arbeitete sich mühselig an dem Stuhle auf, -bis daß er auf den Füßen stand, und nun, wie ein Mensch, -der nicht mehr gehen kann, dem das Rückgrat gebrochen ist, -schleppte er sich, die Augen immerfort auf die Gestalt am -Boden dort gerichtet, bis an die Thür, die aus dem Bibliotheksaale -auf den Flur führte. An der Thürklinke hielt er sich -mit beiden Händen aufrecht, das Haar klebte ihm im Gesicht, -eine dicke Feuchtigkeit – war es Schweiß, war es -Blut, waren es Thränen – rieselte ihm vom Gesicht; es -war, als wenn er weinen wollte, aber er vermochte es -nicht – als wenn er etwas sagen wollte, aber er vermochte es -nicht – nur ein Aechzen wurde vernehmbar: »Anna – Anna -– Anna« und diesen Namen wiederholend und fortwährend, -sinnlos wiederholend, schob er sich zur Thür hinaus. Sobald -er aber die Thür hinter sich hatte, fühlte er sich von -einem eisernen Arm umschlungen und aufrecht gehalten. Der -Mann war da, der ihn als Kind auf den Armen getragen -hatte, und dem er nun wieder gehörte, der alte Johann.</p> - -<p>»Kommen Sie nur, gnädiger Herr,« sagte er mit starker, -harter Stimme, »kommen Sie nur und lassen Sie mich -machen. Jetzt wird sich alles wieder geben.«</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_131" title="131"> </a> -Er führte den gebrochenen Mann, der hülflos, willenlos -in seinem Arme schwankte, die Treppe hinauf, in sein -Zimmer; er brachte ihn zu Bett, wie ein Kind; er deckte -ihn zu.</p> - -<p>»Nun schlafen Sie,« sagte er laut, beinah befehlend; -dann sah er sich noch einmal in den Zimmern um: kein -Messer da? Keine Schere? Kein Werkzeug irgend welcher -Art? Nichts. Er rieb sich die Hände; so stolz war er! so -vergnügt! An den Fenstern machte er sich noch zu schaffen, und -es dauerte ziemlich lange, bis er damit fertig war; er hatte -einen Schraubenbohrer in der Tasche und Schrauben; sämtliche -Fenster in den Zimmern des Barons schraubte er zu -– für alle Fälle – man konnte ja nicht wissen. – Dann -riegelte er die Räume seines Herrn von außen ab und nun -war er fertig, nun hatte er ihn da drin, nun hatte er ihn -sicher. Als er auf dem Flur draußen stand, reckte er sich -lang auf. »Ah« – sagte er laut vor sich hin und jetzt -brauchte er sich ja keinen Zwang mehr anzuthun, jetzt konnte -er lachen und er lachte, laut, immer lauter, zuletzt brüllend. -Mit den flachen Händen schlug er sich auf die Lenden; »wer -hatte nun recht behalten?«</p> - -<p>Vom Augenblick an, als der Baron in der Nacht sein -Zimmer verlassen hatte und hinuntergegangen war, hatte -er ja alles mit angehört.</p> - -<p>»Jetzt kommt's,« hatte er sich gesagt, indem er im Dunkel -hinter ihm hergeschlichen war. Dann hatte er den Ruf in -Annas Schlafgemach vernommen, das Jagen und Laufen -durch die Zimmer, endlich den letzten Schrei und das Fallen -des Körpers im Bibliotheksaale.</p> - -<p>»Jetzt hat er sie totgeschlagen,« hatte er sich gesagt, -<a class="pagenum" id="page_132" title="132"> </a> -und er hatte an sich halten müssen, um nicht schon da lachend -herauszuplatzen. In dem Augenblick war er ja noch Diener -gewesen, da hätte es sich nicht geschickt.</p> - -<p>Aber jetzt – jetzt blieb nur noch zu thun, daß er sich -danach umsah, wo der Leichnam lag. Zu dem Zwecke ging -er jetzt nach dem Bibliotheksaal.</p> - -<p>Einen dicken Stock trug er in der einen, eine brennende -Laterne in der andern Hand. Warum er den Stock -mitnahm? Er hatte so ein Gefühl, als könnte sich möglicherweise -eine Gelegenheit bieten, – er wünschte sich eine -Gelegenheit – er hatte so ein Bedürfnis, auf irgend etwas -loszuhauen, irgend etwas zu zerschmettern, irgend etwas, am -liebsten aber menschliche Glieder und einen menschlichen -Körper. Er hieb mit dem Stock auf das Treppengeländer, -daß es krachte. Ah – wie ihm das wohl that! Wenn »sie« -so vor ihm gelegen hätte! Wenn er so auf »sie« hätte -loshauen können, daß ihre Glieder unter seinen Streichen -zerflogen wären wie Glas! Aber der Baron hatte ihm ja -schon vorgearbeitet. Jetzt war er nur noch neugierig zu -sehen, wie er es gemacht haben, wie er »sie« zugerichtet -haben würde. Mit der lüsternen Begier der blutdürstigen -Natur, die dem Anblick von irgend etwas Gräßlichem entgegengeht, -trat er in den Bibliotheksaal ein, sah sich um – und -blieb enttäuscht stehen. Der Saal war ja leer?</p> - -<p>Die Jungfer, die Thür an Thür mit ihrer Gebieterin -schlief, war von dem dumpfen Rumoren in Annas Schlafzimmer -aufgewacht. Anfangs nur halb ermuntert, war sie -ganz wach geworden, als sie den gellenden Schrei nebenan -vernahm.</p> - -<p>Rasch war sie aufgestanden, hatte Licht angezündet und -<a class="pagenum" id="page_133" title="133"> </a> -war eingetreten. Nun sah sie Annas zerstörtes Bett, von -dem die Decken heruntergeworfen waren, in dem die Kissen -wüst und wild durcheinander lagen. Sie sah die Thür zum -Nebenzimmer offen, und in dem Augenblick vernahm sie -von drüben, aus der Ferne, Annas verzweifelten Schrei. -Im ersten Augenblick hatte sie in ihr Zimmer zurücklaufen -und den Kopf unter die Bettdecke stecken wollen. Aber -dann hatte sie sich gesagt, daß das nicht recht wäre, daß -der Frau Baronin etwas zugestoßen sein müßte, der armen -jungen Frau Baronin, die so gut zu ihr war, von der sie -nie ein böses Wort zu hören bekam, und daß es ihre Pflicht -sei, zuzusehen, was geschehen war. Darum hatte sie sich -rasch in die notdürftigste Kleidung gesteckt, und zitternd, mit -schlotternden Gliedern, war sie die Zimmerflucht entlang bis -nach dem Bibliotheksaale gegangen.</p> - -<p>Wie sah es hier aus! Ein Leuchter lag am Fußboden; -das Licht war nicht erloschen, die Flamme hatte schon angefangen, -ein glimmendes Loch in das Parkett zu brennen, -und einige Schritte weiter war noch etwas, etwas lang Hingestrecktes, -Weißes, das sich jetzt stöhnend zu regen begann, -die junge Frau Baronin, die nur mit dem Hemde bedeckt, -mit aufgelöstem Haare ohnmächtig am Boden lag.</p> - -<p>Bei dem Anblick brachen dem Mädchen die Thränen -aus den Augen. Sie hob das schwälende Licht auf, kniete -zu ihrer Gebieterin nieder und nahm ihren Kopf in ihren -Schooß.</p> - -<p>»Gnädige Frau Baronin,« sagte sie, »Frau Baronin, -Frau Baronin!«</p> - -<p>Anna schlug die Augen auf, und als sie die Jungfer -erkannte, klammerte sie sich um ihren Hals.</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_134" title="134"> </a> -»Hilf mir!« seufzte sie, »hilf mir!«</p> - -<p>Das Mädchen riß den Mantel ab, den sie um die -Schultern geworfen hatte, und verhüllte damit die schutzlosen -Glieder ihrer Gebieterin, dann umfaßte sie sie unter den -Achseln und half ihr aufstehen. Aengstlich aneinandergeschmiegt -wanderten die beiden Frauen nach Annas Schlafgemach -zurück.</p> - -<p>Hier sank Anna auf einen Stuhl, wie in Betäubung -vor sich niederstarrend. Das Mädchen holte ihre Kleidungsstücke -heran und begann sie anzuziehen; eine Ahnung sagte -ihr, daß man sich auf weiteres gefaßt zu machen hatte und -daß man sich rüsten müsse. Anna ließ sie schweigend gewähren.</p> - -<p>»Wo ist denn mein Mann?« fragte sie nach einiger Zeit.</p> - -<p>»Der Herr Baron? Ich weiß nicht,« versetzte das Mädchen. -»Soll ich einmal nach ihm seh'n?«</p> - -<p>»Ja, ja,« sagte Anna.</p> - -<p>Das Mädchen schlüpfte hinaus, auf den Flur, die -Treppe zum oberen Stockwerk hinauf. Sie kam gerade zurecht, -um zu sehen, wie der alte Johann die Thür des Barons -von außen verriegelte, wie er dann in sein Zimmer ging -und mit der Laterne in der einen, dem Stock in der andern -Hand wieder herauskam; unhörbar glitt sie die Treppe hinab, -dann kam sie zu Anna zurückgelaufen.</p> - -<p>»Gnädige Frau Baronin – eben hab' ich's geseh'n – -der Johann hat den gnädigen Herrn eingesperrt – und ich -glaube jetzt kommt der Johann herunter – und einen dicken -Stock hat er mit sich – und er sieht aus, wie ich's gar -nicht sagen kann – gar so fürchterlich – o Herr Jeses ne, -Herr Jeses ne!«</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_135" title="135"> </a> -Sie war ganz außer sich, ihr Atem flog, zu Annas -Füßen niedergekauert, umschlang sie sie mit den Armen. -Hülflos, ratlos drückten sich die beiden Frauen aneinander.</p> - -<p>Nach einiger Zeit vernahmen sie ein dumpfes Geräusch; -schwere Schritte stampften vom Bibliotheksaale heran. Dazwischen -hörten sie eine Stimme; es sprach jemand ganz laut.</p> - -<p>Das Mädchen beugte lauschend den Kopf vor.</p> - -<p>»Das ist der Johann,« flüsterte sie.</p> - -<p>Anna saß, wie in Eis gebadet.</p> - -<p>»Mit wem spricht er denn nur?«</p> - -<p>Das Mädchen zuckte die Achseln und schüttelte den Kopf.</p> - -<p>Jetzt konnte man schon einzelnes von dem verstehen, -was er sagte: »Aber tot muß sie sein! Muß sie sein! -Lebendig aus'm Haus lass' ich sie nicht! Lass' ich sie nicht!«</p> - -<p>Dann plötzlich blieb er stehen, und im nächsten Augenblick -gab es einen fürchterlichen Krach; mit dem dicken Knotenstock -hatte er in einen der hohen Spiegel hineingehauen, die -vorn in den Zimmern hingen.</p> - -<p>»Siehste du!« kreischte er, und während das klirrende -Glas zu Boden rauschte, stieß er ein Gelächter aus, daß -den beiden Frauen die Haare zu Berge stiegen.</p> - -<p>Weiter gingen die Schritte, Stühle flogen beiseite, -Tische schmetterten zu Boden, wie wenn ein Ungeheuer durch -die Zimmer stapfte und alles hinwegschleuderte, was ihm in -den Weg kam. Im nächsten Zimmer war wieder ein Spiegel -zwischen den Fenstern – klirr – ging der Knüppel hinein -und – klirr – kam das splitternde Glas herunter. Wieder -kam das »siehste du!« wieder das gellende Lachen und das -wahnwitzige Schwatzen: »Tot muß sie sein! tot muß sie sein! -muß sie sein!«</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_136" title="136"> </a> -Jetzt war kein Zweifel mehr, auf das Schlafzimmer -kam er zu.</p> - -<p>»Frau Baronin!« sagte das Mädchen, indem es, kreideweiß -im Gesicht, auf die Füße sprang.</p> - -<p>Anna saß wie leblos.</p> - -<p>»Frau Baronin!« sie schüttelte sie an den Schultern, -»um Jesus und aller Heiligen willen, kommen Sie fort!«</p> - -<p>Mit einem Griff packte sie Anna um den Leib, riß sie -vom Stuhle auf und zog sie aus dem Schlafzimmer in ihre -nebenanstoßende Kammer, deren Thür sie hastig von innen -verriegelte.</p> - -<p>Es war höchste Zeit gewesen.</p> - -<p>Im Augenblick, als sie sich hinter die Thür gebracht -hatten, erdröhnten die Schritte in Annas Wohnzimmer, und -im nächsten Augenblicke erschien auf der Schwelle des Schlafgemachs -eine grauenvolle Gestalt, die Gestalt eines Wahnsinnigen, -Tobsüchtigen, des alten Johann.</p> - -<p>In der Linken hielt er die Laterne hoch, dann hörten -die Frauen, die sich draußen zähneklappernd an die Thür -drängten, seine Stimme, die jetzt pfeifend, in schneidenden -Fisteltönen herauskam: »Siehste du, Kurnallje! Itze -hab' ich dich!«</p> - -<p>Dann ein Sausen durch die Luft und ein schwerer -schmetternder Streich; sein Stock hatte mit aller Gewalt in -Annas Bett hineingeschlagen. Die gepolsterte Rolle die -unter Annas Kopfkissen gelegen hatte, war während des -Kampfes verschoben worden und lag jetzt mitten im Bett. -Die längliche runde Gestalt des Polsters täuschte seinen -wahnsinnumnachteten Sinnen vor, daß die junge Frau -selber vor ihm läge; auf sie hatte er eingehauen.</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_137" title="137"> </a> -Ein wütendes Lachen folgte dem Streiche.</p> - -<p>»Hat's gut gethan? Hat's gut gethan?«</p> - -<p>Dann wurde seine Stimme undeutlich und verworren, -als hätte er einen Brei im Munde, den er nicht mehr zu -Worten zu zerkauen vermochte, wie die Stimme eines bösen -Hundes, den die Wut so übermannt hat, daß er nicht mehr -bellen kann.</p> - -<p>»Noch leben willst de? Noch mucken willst de? Tot -mußt de sein! Tot mußt de sein! mußt de sein!«</p> - -<p>Und »krach«, »krach« und »krach« wie eine schaudervolle -Begleitung zu den schaudervollen Worten schmetterte der -Stock wieder, wieder und wieder in das Bett hinein.</p> - -<p>Nun schien er befriedigt.</p> - -<p>Ein langgezogenes »so – siehste itze war's recht«, -dann noch ein wortloses unverständliches Wühlen und Rumoren, -und dann vernahmen die Frauen, wie er stampfenden -Schrittes, so wie er gekommen war, das Schlafzimmer -wieder verließ.</p> - -<p>Was that er jetzt? Wo ging er hin? Den Finger auf -den Mund gelegt, bedeutete das Mädchen Anna, daß sie -sich ruhig verhalten, daß sie zurückbleiben sollte, dann öffnete -sie leise, leise, die Thür, streifte die Schuhe ab und schlich -barfuß dem Alten im Dunkel nach. Nach längerer Zeit erst -kam sie zurück.</p> - -<p>»Frau Baronin,« sagte sie, »Frau Baronin, kommen Sie -schnell, seh'n Sie, was er jetzt angibt.«</p> - -<p>Sie warf Anna einen Mantel um, dann ergriff sie sie -an der Hand und riß sie durch die dunklen Räume des -Schlosses, über eine Hintertreppe in den Garten hinunter.</p> - -<p>In einiger Entfernung vor ihnen schritt der Alte, die -<a class="pagenum" id="page_138" title="138"> </a> -Laterne in der einen, statt des Stocks jetzt einen Spaten -in der andern Hand. Im linken Arme trug er die weiße -Kopfrolle aus Annas Bett, die infolge seiner Streiche mitten -durchgeknickt war und in zwei bammelnden Enden über -seinen Arm hing.</p> - -<p>»Er glaubt, das sind Frau Baronin, die er da trägt,« -stammelte das Mädchen Anna ins Ohr.</p> - -<p>Anna blickte starr.</p> - -<p>Das Mädchen zog sie am Arme und bedeutete sie, -weiterzugehen; »aber leise,« mahnte sie, »leise!«</p> - -<p>Mit angehaltenem Atem schlichen sie hinter dem Alten -her, so weit entfernt, daß sie seine von der Laterne beleuchtete -Gestalt gerade noch zu erkennen vermochten.</p> - -<p>Jetzt sahen sie, wie er vom Wege in das Gebüsch abbog, -und nachdem er sich einige Schritte weit hineingearbeitet -hatte, blieb er stehen. An der Stelle, wo er sich befand, -war eine kleine Lichtung im Dickicht, einige Fuß im Geviert. -Er hing die Laterne an einen Ast, warf das Polster -zur Erde, spuckte sich in die Hände und mit einem »nu jetzt -aber 'mal« stieß er den Spaten in die Erde und fing an, -eine Grube auszuwerfen.</p> - -<p>Die beiden Frauen hatten sich bis an den äußeren -Rand des Gebüsches herangemacht; sie verfolgten jede seiner -Bewegungen.</p> - -<p>Er arbeitete mit grimmiger Verbissenheit; ein dumpfes -Grunzen begleitete jeden Spatenwurf. Dann richtete er sich -auf, so daß das Licht der Laterne sich in seinen blutunterlaufenen, -gräßlichen Augen spiegelte. Er raffte das Polster -vom Erdboden auf, hob es mit beiden Armen empor und -dann mit aller Gewalt schleuderte er es in das gähnende -<a class="pagenum" id="page_139" title="139"> </a> -schwarze Loch, so daß man den dumpfen Puff vernahm, mit -dem es unten aufschlug.</p> - -<p>Er stierte in die Grube hinunter.</p> - -<p>»Da gehste nein,« sagte er, »da bleibste und kommst -all dein Lebtag nicht wieder heraus!«</p> - -<p>Dann griff er wieder zum Spaten und schaufelte das Loch zu.</p> - -<p>»Frau Baronin, kommen Sie fort,« flüsterte das Mädchen. -Der Alte hatte sein Werk vollbracht, gleich würde -er jetzt zurückkommen, auf die Stelle zu, wo die beiden -standen. Sie wichen einige Schritte in dem dunklen Laubgang -zurück. Durch das Dickicht brach er sich hindurch und -an ihnen vorbei trottete er nach dem Schloß zurück.</p> - -<p>»Jetzt meint er, hat er Frau Baronin begraben,« sagte -das Mädchen.</p> - -<p>Anna konnte nichts erwidern.</p> - -<p>Die gutgemeinte aber plumpe Art, mit der ihre Begleiterin -ihr all das Schreckliche, was sie erlebte und sah, -noch einmal wiederholte, steigerte die Entsetzensqual, die auf -ihr lastete, bis zum Unerträglichen; der Atem versagte ihr, -sie schluckte, schluckte und schluckte noch einmal, dann taumelte -sie und wäre ohnmächtig zur Erde gefallen, wenn sie nicht -mit dem Rücken gegen einen Baumstamm gesunken wäre, -und wenn nicht das Mädchen mit beiden Händen zugegriffen -und sie aufrecht gehalten hätte.</p> - -<p>Erst allmählich hob sich der Druck, der ihr wie ein -eiserner Reif die Brust umspannte. Endlich vermochte sie -tief Atem zu holen, und nun brach sie in einen endlosen -Thränenstrom aus.</p> - -<p>»Was soll ich jetzt machen?« schluchzte sie, »ins Schloß -kann ich doch nicht mehr zurück!«</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_140" title="140"> </a> -Vom Jammer überwältigt, kniete das Mädchen vor ihr -nieder und umfing sie mit den Armen.</p> - -<p>»Frau Baronin,« sagte sie flehend, »liebe, gutte, gnädige -Frau Baronin, weinen Se och nich so! Gott is gutt, Gott -wird Sie nicht verlassen! Ins Schloß dürfen Frau Baronin -nicht zurück, das is ja klar; also will ich Frau Baronin -etwas sagen: Frau Baronin gehen mit mir, zu meinen -Eltern ins Dorf« – in ihrer Erregung hatte sie all ihr -Hochdeutsch vergessen und war wieder ganz das schlesische -Landmädchen geworden –, »meine Eltern haben halt nur -a paar kleene Stiebchen, aber 's sind gutte Leite, gutte Leite! -Frau Baronin können ganz gutt a paar Tage bei ihnen -wohnen. A Bett für Frau Baronin find't sich schon und -a Brinkel zum essen auch, und murne is wieder a Tag, und -da werden wir schon weiter seh'n, schon weiter seh'n.«</p> - -<p>Mit diesen Worten hatte sie Anna unter den Arm gefaßt -und führte sie, die willenlos alles mit sich geschehen -ließ, durch den Park auf das freie Feld hinaus und dann -im weiten Bogen in das Dorf, zum Hause ihrer Eltern, -wo sie in tiefer nächtlicher Stunde an die Fensterläden klopfte -und die alten Leute aus dem Schlaf pochte.</p> - -<p>Eine halbe Stunde später lag Anna im Bette der -alten Tagelöhnersfrau, während diese und ihr Mann sich -mit ihrer Tochter, der Franzel, nebenan in die Küche setzten -und mit offenem Mund und Augen die fürchterlichen -Dinge anhörten, die sich droben auf dem Schlosse begeben -hatten.</p> - -<hr /> - -<p>Am nächsten Morgen saß Eberhard von Fahrenwald -oben in seinem Zimmer, in einen Armstuhl geschmiegt, die -<a class="pagenum" id="page_141" title="141"> </a> -Kniee mit einer wollenen Decke umhüllt, müde, gebrochen, -wie ein plötzlich alt gewordener Mann.</p> - -<p>Die Thür that sich auf, und der alte Johann erschien, -eine Platte in Händen, auf der er ein Frühstück trug. Er -setzte sie auf den Tisch neben seinen Herrn.</p> - -<p>»Frühstücken Herr Baron jetzt!« befahl er.</p> - -<p>Seine ehemalige demütige Haltung war nicht mehr; er -stand neben seinem einstigen Herrn wie ein Aufseher bei -einem Gefangenen.</p> - -<p>Der Baron senkte die Augen, es sah aus, als fürchtete -er sich vor seinem Diener.</p> - -<p>»Frühstücken Sie,« gebot dieser noch einmal, und während -Eberhard von Fahrenwald einige Bissen zum Munde zu -führen versuchte, ging er, die Hände in den Hosentaschen, -in den Zimmern auf und ab, die Fenster und Thüren untersuchend. -Dann kam er zurück, um das Frühstück wieder abzuräumen.</p> - -<p>Eberhard sah mit scheuen Blicken an ihm vorbei. Seine -Hände zupften an der wollenen Decke; man merkte ihm an, -daß eine Frage auf seiner Seele lag, die sich nicht über die -Lippen getraute. Endlich kam sie heraus: »Wo – ist -denn – meine Frau?«</p> - -<p>Der Alte zuckte die Achseln, als verlohnte es sich nicht, -auf solche Frage überhaupt zu antworten, und ging auf die -Thür zu.</p> - -<p>»Wo ist meine Frau?« wiederholte Eberhard mit heiserer -Stimme.</p> - -<p>Jetzt drehte der Alte die Augen zu ihm herum, die -giftigen Augen.</p> - -<p>»Denken Herr Baron denn immer noch daran? Wäre -<a class="pagenum" id="page_142" title="142"> </a> -abgethan, die Geschichte, hätt' ich gemeint. Wär' schon am -besten, Herr Baron fingen an, an andres zu denken.«</p> - -<p>Eberhard ruckte und zuckte in seinem Stuhl; es sah -aus, als ob er aufstehen wollte, aber der gefährliche Blick -des Alten hielt ihn am Platze fest.</p> - -<p>Beide sahen sich eine Zeitlang stumm in die Augen. -Dann traten Schweißtropfen auf die Stirn des Barons; -erst nur vereinzelt, dann immer mehr, immer dicker, so daß -ihm der Schweiß plötzlich über das Gesicht zu laufen begann. -Er wollte sprechen, aber es sah aus, als wären seine -Kinnladen verrenkt.</p> - -<p>»Aber – sie ist nicht –«</p> - -<p>Er kam mit der Frage nicht zu Ende.</p> - -<p>»Ja, versteht sich!« fiel ihm der Alte mit wüster Brutalität -ins Wort. »Was soll sie denn sonst auch sein? Da -können Herr Baron warten, eh' die wiederkommt!«</p> - -<p>Eberhard stierte ihn an.</p> - -<p>»Fortgegangen?« fragte er tonlos.</p> - -<p>Jetzt kam der Alte von der Thür zurück, setzte die -Platte wieder auf den Tisch und sah grinsend auf ihn herab.</p> - -<p>»Tot ist sie! Was haben Sie denn auch gedacht?«</p> - -<p>Eberhards Kniee zogen sich wie im Krampfe empor, -sein Mund ging auf, als wenn er nach Luft schnappte, er -stopfte beide Fäuste in den Mund, dann fiel sein Oberleib -vornüber, so daß seine Brust beinah die Kniee berührte. -Ein konvulsivisches Zucken ging durch seinen Körper.</p> - -<p>Wie ein Teufel stand der Alte neben ihm.</p> - -<p>»Das alles,« sagte er mit eiserner Stimme, »habe ich -Herrn Baron zuvor gesagt, Herr Baron haben nicht hören -wollen.«</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_143" title="143"> </a> -Eberhard gab keine Antwort. Er hatte die Hände unter -den Kopf gestützt, er dachte nach. Merkwürdig – mitten -in der Zerrüttung seiner Seele fühlte er deutlich, daß er -ganz klar dachte. Der ganze gestrige Abend war ihm gegenwärtig, -alle Einzelheiten standen vor seiner Seele. Mit -einem Ruck warf er den Kopf auf.</p> - -<p>»Aber als ich sie zuletzt sah, war sie nicht tot,« -sagte er.</p> - -<p>Es war ihm plötzlich in Erinnerung gekommen, daß -als er aus dem Bibliotheksaale ging, Annas lebloser Körper -sich zu regen begonnen hatte.</p> - -<p>Der Alte that einen Schritt zurück; seine herabhängenden -Hände ballten sich. Wollte der elende, verrückte Mensch -da sich unterstehen, ihm zu sagen, daß sie nicht tot wäre? -Es kam ihm vor, als sollte er um sein gutes Recht bestohlen -werden.</p> - -<p>Eberhard hatte sich erhoben.</p> - -<p>»Wo ist meine Frau?« fragte er keuchend.</p> - -<p>»Tot ist sie!« brüllte ihm der Alte ins Gesicht. »Und -das hab' ich Herrn Baron immer gesagt, und Herr Baron -haben nicht hören wollen, und nun ist es gekommen, wie -ich's gesagt habe! Und wenn Herr Baron mir nicht glauben -wollen, dann ziehen Herr Baron sich an und kommen mit -hinunter; will ich Herrn Baron zeigen, allwo daß sie da -unten liegt!«</p> - -<p>Eberhard drückte beide Hände an den Kopf.</p> - -<p>»Gib mir meine Sachen!« sagte er dann, »gib mir -meine Sachen!«</p> - -<p>In fliegender Hast kleidete er sich an.</p> - -<p>»Also jetzt,« sagte er dann, »vorwärts!«</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_144" title="144"> </a> -Schwankenden Schritts trat er auf den Flur, am Geländer -sich haltend, wie ein Greis, arbeitete er sich, Stufe -nach Stufe, die Treppe hinunter, und so ging es weiter, -bis in den Garten hinab.</p> - -<p>Der Alte faßte ihn unter den Arm, weil er seine hülflose -Schwäche sah. Eberhard machte eine Bewegung, als -wollte er es nicht dulden, aber die Zeit war vorüber, da er -zu gebieten hatte.</p> - -<p>»Kommen Sie,« sagte der Diener barsch. Jetzt hatte -der gnädige Herr zu gehorchen.</p> - -<p>Den Laubgang führte er ihn entlang, bis an das -Gebüsch, dann brach er sich durch die Büsche hindurch, und -einen Augenblick darauf stand Eberhard vor dem frisch zugeworfenen -Loch.</p> - -<p>Als er das sah, fiel er mit einem heulenden Schluchzen -nieder, dann griff er mit den Händen in das Erdreich und -begann, die Erde aufzuwühlen. Mit rauher Gewalt riß der -Alte ihn fort.</p> - -<p>»Ah, was soll denn so etwas!« sagte er.</p> - -<p>Er nahm ihn wieder unter den Arm, noch fester als -vorhin, ungefähr wie ein Polizist, der einen Entsprungenen -geleitet. So führte er ihn aus dem Laubgange auf den -Rasenplatz hinaus, in den Sonnenschein, und dort an eine -Bank.</p> - -<p>»Setzen Herr Baron sich hier,« gebot er.</p> - -<p>Eberhards Widerstandskraft war gebrochen, er ließ sich -nieder und drückte sich in die Ecke der Bank.</p> - -<p>Der Alte ging um den Rasen herum und dann, auf -der andern Seite des Platzes, so daß er Eberhard fortwährend -unter Augen behielt, auf und nieder. Mit dem -<a class="pagenum" id="page_145" title="145"> </a> -Knüppel, den er jetzt immer bei sich trug, schlug er in den -Erdboden, daß der Kies raschelte. Dann setzte er sich auf -eine Bank, Eberhard gerade gegenüber, und von dort aus -stierte er unverwandt auf diesen hin. Er hätte tagelang so -sitzen können, ohne sich zu langweilen.</p> - -<p>Die »Einbrecherin« war beseitigt, er war wieder, was -ihm von Gottes und Rechts wegen zukam, der Wärter seines -»elenden, verrückten« Herrn – er war zufrieden.</p> - -<p>Und inzwischen saß der unglückliche Mann, die Augen -zu Boden gesenkt, weil er unablässig den fürchterlichen -Beobachterblick auf sich gerichtet fühlte, erdrückt unter der -Last seines Bewußtseins, das ihm jede Willens- und Widerstandskraft -raubte, das ihn zum hülflosen Kinde in den -Händen des grauenvollen Alten da drüben machte. Er war -ja ein Verbrecher, ein Mörder! Was für ein Recht hat ein -solcher, sich aufzulehnen? Er hat zu schweigen und dankbar -zu sein, wenn man ihm das Leben läßt. Und warum ließ -man ihm das Leben? Weil man annahm, daß er verrückt -sei. Also – er war verrückt. Sein Kinn senkte sich auf -die Brust, sein Körper kroch förmlich in sich zusammen.</p> - -<p>Und dann kam immer wieder das merkwürdige Bewußtsein, -daß er trotzdem ganz klar dachte. Er sträubte sich beinah -dagegen. Kann ein Verrückter klar denken? Und dennoch -war es so, und immer wieder und wieder tauchte die Erinnerung -auf, daß sie sich zu regen begonnen hatte, als -er aus dem Bibliotheksaale ging. Wäre nur der Alte nicht -gleich bei der Hand gewesen, der ihn fortriß, so daß er nicht -mehr Zeit behielt, noch einmal zurückzugehen und sich nach -ihr umzusehen!</p> - -<p>Und dennoch also war sie tot? So war sie wohl nachher -<a class="pagenum" id="page_146" title="146"> </a> -gestorben, nachdem er den Saal verlassen hatte? Er hatte -ja die Grube mit eigenen Augen gesehen, in der sie lag – -also tot war sie wirklich?</p> - -<p>Und während er sich das alles sagte, kam immer und -immer wieder ein Gefühl, als sei alles nicht so, als wäre -sie nicht tot, nur irgendwo versteckt. Von der Bank, auf -der er saß, konnte er die Buchenallee hinuntersehen, durch -welche er damals mit ihr in den Park eingetreten war, bis -hinunter an den Eichbaum, an den er damals den Kranz -gehängt hatte. Immerfort gingen seine Augen die Allee -entlang, immer war es ihm, als würde er dort unten am -Ende der Allee plötzlich eine Gestalt erscheinen sehen, von -der Sonne umleuchtet, eine ersehnte, geliebte Gestalt, als -würde er auf sie zustürzen und sie ihm entgegenfliegen, als -würde er in ihren Armen aufwachen aus gräßlichem, gräßlichem -Traume, aufwachen als ein glückseliger Mensch zu -neuem glückseligen Leben.</p> - -<p>So stark war seine Einbildung, daß er unwillkürlich -von der Bank aufstand. Im selben Augenblick aber war -schon der Aufpasser an seiner Seite. Er hatte die Blicke -des Barons verfolgt, er sah in die Allee hinein – war da -etwas? Nichts.</p> - -<p>»Kommen Herr Baron,« sagte er, »es wird Zeit, daß -Herr Baron etwas essen.« Er faßte ihn unter den Arm -und schleppte ihn ins Schloß.</p> - -<p>So kam der Abend heran, und als es dunkel wurde, -erfaßte eine qualvolle Unruhe den gepeinigten Mann. War -es denn wirklich wahr, daß sie da draußen in der finsteren -Nacht in dem finsteren tiefen Loche lag? Nein, nein, nein! -Wenn er sich nur hätte überzeugen, nur die Grube aufwühlen -<a class="pagenum" id="page_147" title="147"> </a> -und hineinschauen können, ob sie wirklich da unten -war! Aber der Alte stand hinter ihm; er fühlte, wie er -ihn von hinten ansah; seine Blicke lagen auf ihm wie -Keulen. Wenn er den Versuch gemacht hätte, in den Garten -hinauszukommen, würde jener sich wie ein Bullenbeißer -auf ihn geworfen haben. Es schauderte ihn, schweigend -kroch er wieder in sich zusammen.</p> - -<p>»Gehen Herr Baron jetzt zu Bett,« sagte der Alte, -indem er, mit dem brennenden Lichte in der Hand, an die -Thür des Bibliotheksaales trat.</p> - -<p>Eberhard erhob sich, dann aber, mit einem plötzlichen -Griff, entriß er dem Diener das Licht, und ehe dieser es zu -hindern vermochte, stürzte er damit ins Nebenzimmer.</p> - -<p>»Anna!« rief er laut und klagend, »Anna! Anna!«</p> - -<p>So lief er durch die Galerie und so von Zimmer zu -Zimmer, das Licht emporhebend, im Kreise umherführend, mit -den Augen umhersuchend in allen Ecken, ob er sie nicht irgendwo -entdecken würde, irgendwo. Aber sie war nicht mehr da.</p> - -<p>So kam er in ihr Wohnzimmer, wo ihre Möbel standen -und ihr Schreibtisch und ihre Blumen, wo alles noch erfüllt -schien vom Dufte ihrer Persönlichkeit, und so endlich in ihr -Schlafgemach. Da stand noch das Bett, in dem sie gelegen -hatte, das einst so zierliche, jetzt so verwüstete Bett, und -nun erfaßte es ihn wirklich wie Raserei, und er fing an, -mit dem Lichte unter die Sofas zu leuchten und unter das -Bett, als müßte sie da irgendwo versteckt sein, als müßte, -müßte er sie finden.</p> - -<p>In dem Augenblick aber ertönte hinter ihm die eiserne -Stimme: »Was soll denn so etwas? Herr Baron stecken -ja noch das ganze Schloß in Brand.«</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_148" title="148"> </a> -Die harte Faust des Alten riß das Licht aus seiner -Hand und hielt es hoch, so daß es ruhig stand, dann zog -er ihn vom Boden empor, nahm seinen Arm unter seinen -Arm, und indem er ihn wie in einer Zwinge gefangen -hielt, führte er ihn hinaus, die Treppe hinauf in sein -Zimmer. Er brachte ihn zu Bett, wie ein Kind, untersuchte -noch einmal die Fenster.</p> - -<p>»Nun schlafen Herr Baron,« befahl er; dann riegelte -er von außen die Thür zu.</p> - -<p>So verging Tag nach Tag, und so ein Abend nach -dem andern. Jeden Tag das stundenlange Sitzen am Rasenplatze -auf der Bank, das stumme Suchen mit den Augen -in der Allee, jeden Abend das wandernde Licht von Zimmer -zu Zimmer, das Suchen und Suchen und Nichtfinden, und -bei Tage und am Abend, immerfort der Alte um ihn, hinter -ihm, neben ihm, immer und immerfort.</p> - -<p>Im Dorfe und in der Umgegend verbreitete sich unterdessen -die Nachricht, daß die junge Frau Baronin plötzlich -gestorben sei, und dieser Nachricht folgte ein Gerücht, das -man sich nur unter der Hand zuraunte: Der Herr Baron -hatte seine eigene Frau umgebracht.</p> - -<p>Er war verrückt geworden, der Baron, und der alte -Johann bewachte ihn. Der brave alte Johann!</p> - -<p>Er hatte immer großes Ansehen im Dorfe genossen, -jetzt aber war er geradezu eine imposante Persönlichkeit geworden. -Eigentlich war doch er jetzt der Herr vom Schloß.</p> - -<p>Wenn er mit seinem dicken Stock die Dorfstraße entlang -kam, flogen die Mützen und Hüte von den Köpfen; -er aber war ein stolzer Mann, er erwiderte keinen Gruß; -wie ein Stier mit vorgestrecktem Kopf ging er seines Wegs. -<a class="pagenum" id="page_149" title="149"> </a> -»Er hat jetzt halt so einen zornigen Blick,« flüsterten sich -die Leute zu, wenn er vorüberging.</p> - -<p>Ja, er hatte einen zornigen Blick, und besonders, wenn -er bei dem Taglöhnershause vorbeikam, wo die Eltern des -Mädchens, der Franzel, wohnten.</p> - -<p>Die Frau war tot und hin, das wußte er ja, aber das -Mädchen, das seit dem Abende verschwunden war, wo war -das Mädchen geblieben?</p> - -<p>Jeden Vormittag, bevor er seinen Herrn herausließ, -ging er durch das Dorf und jeden Vormittag trat er bei -den alten Leuten ein.</p> - -<p>»Wißt ihr's immer noch nicht, wo daß euer Mädchen -ist?«</p> - -<p>Die alten Leute zitterten am ganzen Leibe.</p> - -<p>»Nein, gnädiger Herr Johann, nischte wissen wir.«</p> - -<p>Das war die Antwort, die ihnen die Franzel eingelernt -hatte, und währenddem saß diese auf dem Heuboden, unter -dem Heu versteckt, zitternd wie Espenlaub.</p> - -<p>Anna war fort. Im Morgengrauen des Tages, der auf -die schreckliche Nacht folgte, war sie, von der Franzel begleitet, -zu Fuß nach der Eisenbahnstation gegangen. In -der Tasche ihres Kleides hatte sie ihr Portemonnaie und in -diesem ein paar Groschen Geld gefunden. So war sie nach -Breslau zurückgelangt und hatte bei dem Onkel und der -Tante wieder angeklopft. Wo sollte sie sonst bleiben? Und -nun saß sie, eine verheiratete Frau, da, wo sie als Mädchen -gesessen hatte, in wahrhaft jammervollem Zustande. Wie -eine Prinzessin ausgezogen, war sie wie eine Bettlerin -zurückgekommen.</p> - -<p>Dem Onkel und der Tante hatte sie erklären müssen, -<a class="pagenum" id="page_150" title="150"> </a> -warum sie kam; schweren Herzens hatte sie es gethan, denn -indem sie die Ereignisse jener Nacht andeutungsweise enthüllte, -war ihr, als beginge sie einen Verrat an dem unglücklichen, -trotz allem immer noch tief geliebten Manne.</p> - -<p>Der Onkel hatte nun mit einemmal »von vornherein -gewußt und vorhergesagt, daß die ganze Geschichte Blödsinn -sei und schlimm endigen würde«. Er gab sich kaum die -Mühe, Anna zu verheimlichen, wie lästig ihre Anwesenheit -ihm war, die er noch dazu, um nicht ins Gerede der Leute -zu kommen, vor aller Welt verschweigen mußte. Der Zustand -wurde mit der Zeit schier unerträglich. Da eines -Tags kam aus Fahrenwald ein Brief für Anna, mit plumpen -Schriftzügen zusammengefügt, ein Brief von der Franzel.</p> - -<p>Im Dorfe war es ruchbar geworden, wie der Baron -Tag für Tag stundenlang am Rasenplatze saß, in die Allee -blickend, wie er am Abend mit dem Lichte in der Hand -durch die Zimmer lief und nach seiner Frau suchte und nach -ihr rief. Dies alles berichtete ihr die Franzel.</p> - -<p>Als Anna dieses las, als sie erfuhr, wie er nach ihr -verlangte, traf es sie wie ein Vorwurf ins Herz. Sie kam -sich wie eine Pflichtvergessene vor, die von ihrem kranken -Manne davongelaufen war, statt bei ihm auszuharren. Ein -Entschluß stand in ihr auf, von dem sie zu niemand ein -Wort sagte – am nächsten Morgen war sie lautlos aus -dem Hause des Onkels und der Tante verschwunden.</p> - -<hr /> - -<p>Es war um die Mittagsstunde. Die Sonne stand hoch, -und im Sonnenschein saß Eberhard von Fahrenwald, in -Decken gehüllt, auf seiner Bank. Ihm gegenüber, wie immer, -der Alte als Aufpasser. Plötzlich sah dieser, wie der Baron, -<a class="pagenum" id="page_151" title="151"> </a> -die Augen in die Allee gerichtet, aus der einen Ecke der -Bank in die andre rutschte. Er schlug ein paarmal mit -dem Stock in die Erde, als wollte er dem da drüben sagen, -»nimm dich in acht, ich passe auf«.</p> - -<p>Aber der Baron achtete nicht auf ihn.</p> - -<p>Das war doch keine Täuschung, was er da eben gesehen -hatte, daß da hinten eine Gestalt in hellem Kleide -hinter den Büschen des Parks entlang und hinter den Eichbaum -geschlüpft war, hinter dem sie sich jetzt verbarg?</p> - -<p>Und diese Gestalt – war das nicht –?</p> - -<p>Und jetzt bog sich ein Hutrand hinter dem Baumstamme -vor, ein gelber Hutrand, und unter dem Hutrande ein -Gesicht –</p> - -<p>Gerade aufgereckt wie eine Eisenstange stand er von -der Bank auf – in demselben Augenblick trat die Gestalt -hinter dem Baume hervor und breitete beide Arme aus –</p> - -<p>»Anna!!« – Es war Eberhard von Fahrenwald, der -den Schrei ausgestoßen hatte, aber es hatte geklungen, wie -wenn zehn Männer aufschrieen.</p> - -<p>Jetzt aber kam der Alte in Sprüngen über den Rasenplatz -heran. Ein Blick in die Allee – ein momentanes -Erstarren – dann ein Geifern und Knirschen wie von einem -tollen Hunde. Die Allee entlang, gerade auf den Rasenplatz -zu kam eine geschritten – und diese eine war sie – -die Tote! Jählings, bevor Eberhard, der immer noch wie -in Erstarrung dastand, es verhindern konnte, stürmte der -Alte, mit gesenktem Haupte, auf die Allee zu, Anna entgegen. -Den Stock hatte er wie zum Schlage hoch erhoben, -ein Gebrüll ertönte aus seinem Munde. Anna war unwillkürlich -stehen geblieben, jetzt wandte sie sich um und fing -<a class="pagenum" id="page_152" title="152"> </a> -an, die Allee zurückzulaufen. Endlich war Eberhard zu sich -gekommen und zum Bewußtsein dessen, was sich begab. Mit -einem Ruck schleuderte er den dicken Ueberzieher ab, den ihm -der Diener heute früh angezogen hatte. Dann kam er gestreckten -Laufes hinter dem Alten her.</p> - -<p>»Johann!« donnerte er. Seine Stimme hatte wieder -den Klang früherer Tage, es war wieder die Stimme des -Herrn.</p> - -<p>Für einen Augenblick regte sich in dem Alten wieder -der Knecht; sein Gebrüll verstummte und einen Augenblick -schwankte er auf die Seite.</p> - -<p>Dann aber brach die Wut von neuem in ihm los.</p> - -<p>»Das ist nicht wahr, daß sie lebendig sein will! Tot -ist sie! Tot ist sie! Tot ist sie!«</p> - -<p>Und jetzt mit verdoppelter Wut raste er hinter dem -flüchtenden Weibe her.</p> - -<p>Annas Kniee wankten und schwankten – immer näher -kamen die dröhnenden Schritte – immer deutlicher vernahm -sie das heisere Keuchen in ihrem Rücken, das belfernde -Schnappen – ihre Kräfte verließen sie – vor ihren Augen -wurde es dunkel – ein schriller Schrei: »Eberhard –«</p> - -<p>Und in dem Augenblick hörte sie hinter sich ein Geräusch, -wie sie es bis dahin nie gehört – und als sie zusammenbrechend -gegen einen Baum taumelte und sich umsah, -erblickte sie Eberhard von Fahrenwald, der sich in dem -Augenblick über den Alten gestürzt, ihn mit beiden Händen -an der Gurgel gepackt hatte und mit einer Gewalt zu Boden -schleuderte, daß der Körper sich um und um rollte und krachend -in die Büsche flog.</p> - -<p>Mit einem gräßlichen Schrei raffte der Alte sich auf, -<a class="pagenum" id="page_153" title="153"> </a> -mit geschwungenem Stock ging er seinem Herrn zu Leibe, -und nun entspann sich zwischen den beiden Männern ein -Kampf wie zwischen zwei Bären.</p> - -<p>Den Stock hatte ihm der Baron beim ersten Anprall -entrissen, mit fletschenden Zähnen drang der Alte auf ihn -ein, mit beiden Händen hielt Eberhard ihn am Halse gepackt, -um ihn am Beißen zu verhindern. Und nun straffte -der Körper des Barons sich zu einer letzten ungeheuren Anstrengung -auf; mit einer Kraft, als wenn es gälte, einen -Baum aus der Erde zu reißen, schwenkte er den Alten von -rechts nach links und von links nach rechts, so daß er zu -taumeln begann und seine Füße den Halt verloren, dann -gab es einen schmetternden Krach, der Länge lang fiel der -Alte zur Erde und im selben Augenblick kniete Eberhard auf -seinem Rücken, ihm die Hände hinter dem Rücken zusammenpressend.</p> - -<p>Ein Gebrüll, das nichts Menschliches mehr hatte, ein -Geblöck, wie das eines wütigen Stieres, brach aus der Brust -des Alten; mit den Zähnen biß er in die Erde; bläulicher -Schaum stand auf seinen Lippen.</p> - -<p>In diesem Augenblick kamen mehrere Männer, die auf -den Feldern in der Nähe beschäftigt gewesen waren und die -furchtbaren Töne im Innern des Parks vernommen hatten, -eilend die Allee entlang.</p> - -<p>»Hierher, Leute, hierher!« rief Eberhard ihnen entgegen.</p> - -<p>Als sie aber den Baron auf dem Johann knieen sahen, -wurden sie stutzig und blieben stehen. Sie glaubten nicht -anders, als daß der Wahnsinnige seinen Wärter überwältigt -hatte. Was sollten sie thun?</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_154" title="154"> </a> -Jetzt trat Anna auf sie zu.</p> - -<p>»Helft dem Herrn Baron, lieben Leute, helft ihm!«</p> - -<p>Die Männer prallten zurück – die Frau Baronin? -Aber die Frau Baronin war ja tot?</p> - -<p>Anna begriff ihr Zaudern und Stutzen.</p> - -<p>»Es ist nicht wahr, was euch der Johann gesagt hat! -Ich bin nicht tot; der Johann ist wahnsinnig, nicht der -Baron, nicht der Baron!«</p> - -<p>Noch einen Augenblick standen die Männer wie besinnungslos; -ihre schweren Gehirne konnten einen so völligen -Umschwung aller Verhältnisse nicht so rasch fassen.</p> - -<p>Dann aber kamen sie im Sturm heran; im nächsten -Augenblick war der Alte von zehn kräftigen Händen gepackt, -weggerissen und unschädlich gemacht.</p> - -<p>»Bringt ihn ins Schloß,« gebot Eberhard von Fahrenwald, -noch atemlos, aber mit ruhiger Sicherheit in der -Stimme. »In die Stube unten, neben der Küche, mit -den Eisengittern vor dem Fenster. Heute nachmittag fahre -ich selbst mit ihm nach Breslau und bringe ihn ins Irrenhaus.«</p> - -<p>»Is gutt, gnädiger Herr Baron, is gutt,« kam es zur -Antwort. Wer so sprechen und befehlen konnte, war vernünftig, -das war ihnen klar.</p> - -<p>Die Männer zogen mit dem Wahnsinnigen ab; Anna -und der Baron blieben zurück; an der Stätte, die eben von -dem furchtbaren Lärm erfüllt gewesen war, trat eine tiefe -Stille ein. Annas Kraft war zu Ende; sie saß am Rande -des Wegs, hatte ihr Taschentuch hervorgezogen und weinte -still in ihr Tuch hinein.</p> - -<p>Ihr gegenüber, mit dem Rücken an einen Baum gelehnt, -<a class="pagenum" id="page_155" title="155"> </a> -stand Eberhard von Fahrenwald. Seine breite Brust arbeitete -noch von dem überstandenen Kampfe; seine Augen ruhten -stumm auf seiner Frau.</p> - -<p>So verging geraume Zeit. Dann erhob sie langsam -das Haupt und wandte es zu ihm herum. Er that einen -Schritt auf sie zu; es sah aus, als wollte er etwas sagen, -aber bevor er noch dazu gelangt war, sprang sie auf, breitete -die Arme aus und mit einem Schrei der Liebe flog sie an -seine Brust.</p> - -<p>»Umarme mich,« sagte sie, »ich will, daß die Arme -mich umfangen, die mich vom Tode gerettet haben!«</p> - -<p>Als sie das sagte, brachen auch ihm die Thränen aus -den Augen, unaufhaltsam, wie ein Strom. Ja – er hatte -sie zum Leben errettet; und sie wußte es und hatte es ihm -gesagt.</p> - -<p>Er drückte sie an sich, nicht mit der wilden Glut und -nicht mit der ängstlichen Scheu der früheren Tage, sondern -mit der Sicherheit der warmen bewußten Liebe.</p> - -<p>»Anna,« sagte er leise und innig; und er küßte ihr -Gesicht, das hingegeben zu ihm aufblickte.</p> - -<p>Dann legte er die Arme um sie, und sie schlugen den -Weg zum Schlosse ein.</p> - -<p>»Siehst du nun,« sagte er, »wie es mir ergangen ist; -dreißig Jahre bin ich alt geworden, und heute ist der erste -Tag, da ich lebe. Siehst du, es ist wunderbar, wie sich -einem das ganze Leben in einem Augenblick zusammendrängen -kann: solch ein Augenblick ist es für mich gewesen, als ich -den Alten zu Boden gekriegt hatte und auf ihm kniete. In -dem Augenblick – ich kann's mir nicht anders erklären – -ist der Bann gebrochen gewesen, der mich dreißig Jahre -<a class="pagenum" id="page_156" title="156"> </a> -lang gehalten hat. Der Alte, siehst du, war mir gewissermaßen -von meinem Vater vermacht; darum ist er von -meiner Kindheit an fortwährend um mich gewesen und ich -habe wie an etwas Unfehlbares an ihn geglaubt. Und weil -er sich vom ersten Tage an eingebildet hat, daß er zum -Wärter eines Wahnsinnigen bestellt wäre, so ist es ihm allmählich -zur fixen Idee geworden, daß ich wahnsinnig sei -und nichts andres sein dürfte.«</p> - -<p>Von der schrecklichen Vorstellung überwältigt, schwieg er. -Dann preßte er sie leise mit dem Arm.</p> - -<p>»Mir ist das alles in dem einen Augenblick klar geworden. -Kannst du es dir vorstellen?«</p> - -<p>An seine Schulter gelehnt, mit ihm dahinschreitend, -drückte Anna seine Hand.</p> - -<p>»Ja, vollkommen,« erwiderte sie, »das was sich in dir -geregt hat, war die Gesundheit, die sich wider die Krankheit -wehrte, die man ihr aufzwingen wollte. Du warst -vernünftig und bist bewacht worden von einem Wahnsinnigen. -Nun aber wollen wir leben!«</p> - -<p>Es war, als wenn ein frischer Lebensquell in ihr aufgesprungen -wäre; in der Stunde, da sie auf der Schwelle -des Todes gestanden und ihr Gatte sie ins Leben zurückgerissen -hatte, war sie zur Lebensgefährtin ihres Mannes -gereift.</p> - -<p>Sie betraten das Schloß.</p> - -<p>An den Wänden hingen die zerschmetterten Spiegel, -das Glas bedeckte noch jetzt den Fußboden, Annas Schlafgemach -stand noch in der Unordnung, in der es sich befunden -hatte, als sie damals das Schloß verließ – ein Bild -der Verwahrlosung und Verwüstung.</p> - -<p><a class="pagenum" id="page_157" title="157"> </a> -Anna blieb stehen und faßte ihren Gatten an beiden -Händen.</p> - -<p>»Eberhard,« sagte sie, »wir müssen zu einem Entschluß -kommen. Dein Vater hat dir den alten Diener vermacht; -er hat geglaubt, dir einen Segen damit zu bereiten – du -hast erfahren, was es gewesen ist. Siehst du, wie soll -ich's dir sagen, ich meine, man kann nur leben, wenn sein -Leben einem gehört; und dein Leben hat dir bis heute nicht -gehört. Du hast es wie ein Erbteil empfunden, das zur -Hälfte dir, zur andern Hälfte deinen Vorfahren gehörte. -Komm und laß uns überlegen, wie wir's anfangen, daß wir -nun wirklich unser eigenes Leben leben.«</p> - -<p>Er sah sie mit strahlenden Augen an.</p> - -<p>»Den Anfang dazu weiß ich,« versetzte er. »Diese -Ahnengalerie, die hier seit Jahrhunderten gehangen hat und -jetzt als eine Sammlung Abgeschiedener immer noch mitten -in unsren Wohnräumen hängt, lass' ich hinaufschaffen in -den oberen Stock. Da mögen sie hängen, als das, was sie -sind, als historische Reliquien. Denn die Erinnerung, scheint -mir, ist schließlich doch wie ein Leichnam im lebendigen Dasein, -und darum ist mir immer zu Mute gewesen, als lebte -ich fortwährend in der Gesellschaft von Toten.«</p> - -<p>»So ist's recht,« erwiderte sie, »und nun noch eins. -Wir können über die Erinnerung an jenen bewußten bösen -Abend nicht so hinweg, und wenn wir's mit Gewalt versuchen, -werden wir wieder krank. Du hast mich einmal -gefragt, ob wir eine Hochzeitreise machen wollten, ich -hab's damals nicht gewollt – nun schlag' ich dir vor, Eberhard, -wir wollen reisen, und wenn wir wiederkommen, -bringen wir die große weite Welt in unsren Seelen mit -<a class="pagenum" id="page_158" title="158"> </a> -und schließen uns nicht mehr, wie bisher, in unsrem Schlosse -ein, sondern denken und sorgen für die Menschen um uns -her – und wenn man für Menschen zu sorgen hat, behält -man keine Zeit, sich vor Gespenstern zu sorgen.«</p> - -<p>In tiefer Freude schloß er seine junge, kluge, mutige -Frau in die Arme.</p> - -<p>»Heute nachmittag,« sagte er, »fange ich mit meinen -Pflichten an, indem ich den Alten nach Breslau in die Anstalt -bringe, und morgen früh reisen wir in die Welt. -Reisen wir ganz allein?«</p> - -<p>»Nur eine soll uns begleiten,« erwiderte sie lächelnd, -»die gute treue Franzel.«</p> - -<p>Und so geschah es.</p> - -<p>Im August reiste der Freiherr von Fahrenwald mit -seiner Gattin ab, und als im Mai des nächsten Jahres der -Frühling wieder in das schlesische Paradies herabstieg, kamen -sie zum Schlosse Fahrenwald zurück.</p> - -<p>Heute stiegen sie nicht am Parkrande aus, heute fuhren -sie durch das Dorf, heute gingen sie nicht, einsam wie damals, -vor der Welt versteckt, durch den einsamen Park, -heute durchschritten sie, Hände schüttelnd, grüßend und -lächelnd, die Bewohnerschaft des Dorfes, die sich festlich gesammelt -hatte und, den Schulzen an der Spitze, die Herrschaft -bewillkommnete.</p> - -<p>Der Schritt des Barons war elastisch und frisch, der -der jungen Frau Baronin, die an seinem Arme hing, etwas -gehemmt, und auf ihrem freundlichen Gesichte lag eine leise -schamhafte Röte.</p> - -<p>»Nu sag mir, Franzel,« sagte am Abende nach der -Ankunft die alte Taglöhnersfrau, die in der Zwischenzeit -<a class="pagenum" id="page_159" title="159"> </a> -mit ihrem Manne die Obhut über das Schloß geführt hatte -und jetzt auf ihm als wohlbestallte Verwalterin eingesetzt -war, »nu sag mir. Mit unsrer Frau Baronin – hm?«</p> - -<p>Die Franzel nickte und kicherte, und was die beiden sich -mit halben Worten unter dem Siegel der Verschwiegenheit -anvertraut hatten, kam im Juni ans Licht, als in dem -Schlafgemache, zu dessen geöffneten Fenstern die Frühlingsluft -hereinströmte und der Sang der Vögel hereintönte, -unter dem blauseidenen Betthimmel ein reizender, rosiger, -kleiner Fahrenwald neben der blassen, glückseligen jungen -Mutter lag.</p> - -<p>»Daß du doch das Schenken nicht lassen kannst, du -Unverbesserlicher,« sagte sie lächelnd zu dem Manne, der -glücküberströmt neben ihr stand und soeben einen großen -köstlichen, mit einem Brillantenbande zusammengebundenen -Blumenstrauß auf ihr Bett gelegt hatte.</p> - -<p>»Seit einem Jahr das erste Mal wieder,« entgegnete -er, indem er sein Gesicht auf das ihrige niederbeugte und sie -mit tiefer Seligkeit auf Mund und Stirn und Augen küßte.</p> - -<p>Und wieder einige Zeit später, als der Sommer in -voller schwerer Wucht auf der Erde lag, vernahm der Mann, -der dort oben in seinem Bette eben vom Schlaf erwachte, -einen Ruf von unten, wie den Ruf der Lerche, die zum -Leben weckt. Aber es war nicht die Lerche und auch nicht -die Nachtigall, und als er ans Fenster stürzte, sah er im -Garten dort unten, zwischen den Blumenbeeten wandelnd, -seine Frau, seine Anna, die heute zum erstenmal ins Freie -gekommen war.</p> - -<p>Das Kindermädchen ging hinter ihr, den Kleinen im -Kissen tragend; und als am Fenster droben das Gesicht des -<a class="pagenum" id="page_160" title="160"> </a> -Vaters erschien, nahm Anna das Kind in ihre Arme. Nicht -mit dem Taschentuche wehte sie heute, heute winkte sie mit -dem Kinde: »Komm herunter, Eberhard, hier unten ist's -wundervoll.«</p> - -<p>Und er kam, wie ein Sturmwind kam er hinunter zu -Mutter und Kind, und es war, wie sie gesagt hatte – wundervoll -– wundervoll.</p> - - -<p class="ce ge mt2">Ende.</p> - - - - -<h2><span class="ss">ENGELHORNS</span><br /> -<i>Allgemeine</i><br /> -<i><b>Romanbibliothek</b></i>.</h2> - - -<p class="ce fsl">Eine Auswahl -der besten modernen Romane aller Völker.</p> - -<p class="ce">Alle vierzehn Tage erscheint ein Band.</p> - -<p class="ce fsl">Preis pro Band 50 Pf. Elegant in Leinwand geb. 75 Pf.</p> - - -<p class="mt1">Als vor nunmehr zehn Jahren unsre roten Bände ihren -ersten Flug in die Welt wagten, begegneten sie manchen Zweifeln, -ob ihr Prinzip <b>billig und gut</b> ihnen Bahn zu brechen im stande -sein werde.</p> - -<p>Bald aber zeigte es sich, daß der Gedanke, dem deutschen Volke -die besten Erzeugnisse der Romanlitteratur aller Nationen zu -einem beispiellos billigen Preise bei guter und geschmackvoller -Ausstattung und in handlicher Form zu bieten, nicht nur lebensfähig, -sondern geradezu zündend war.</p> - -<p>Seither hat sich unser Unternehmen mehr und mehr eingebürgert, -und auf Schritt und Tritt begegnet man den schmucken -Bänden, die sowohl am häuslichen Herd, als auch auf der Reise -und im Bade zum unentbehrlichen Freund und Begleiter geworden -sind.</p> - -<p>Der bisher erzielte Erfolg ist uns nicht nur ein Sporn geworden, -sondern macht es uns auch möglich, nicht stillzustehen, -vielmehr rüstig auf der betretenen Bahn weiterzuschreiten. Mit -wachsamem Auge verfolgen wir die Romanproduktion, und kein -Opfer soll uns zu groß sein, wenn es gilt, ein hervorragendes -Werk für unsre Sammlung zu erwerben.</p> - -<p>Die bisher erschienenen, in dem nachfolgenden Verzeichnis aufgeführten -Romane können fortwährend durch jede Buchhandlung -zum Preise von <b>50 Pf.</b> für den broschierten und <b>75 Pf.</b> für den -gebundenen Band bezogen werden.</p> - - -<div class="mw48"> - -<p class="fsl ge ce mt2 nopb">Erster Jahrgang.</p> - -<p class="ad"><b>Der Hüttenbesitzer.</b> Von <span class="sb">Georges -Ohnet</span>. Aus dem Französ. 2 Bände.</p> - -<p class="ad"><b>Aus Nacht zum Licht.</b> Von <span class="sb">Hugh -Conway</span>. Aus dem Englischen.</p> - -<p class="ad"><b>Zéro.</b> Eine Geschichte aus Monte Carlo. -Von Mrs. <span class="sb">Praed</span>. Aus dem Englischen.</p> - -<p class="ad"><b>Wassilissa.</b> Von <span class="sb">Henry Gréville</span>. -Aus dem Französischen. 2 Bände.</p> - -<p class="ad"><b>Vornehme Gesellschaft.</b> Von <span class="sb">H. Aïdé</span>. -Aus dem Englischen.</p> - -<p class="ad"><b>Gräfin Sarah.</b> Von <span class="sb">G. Ohnet</span>. Aus -dem Französischen. 2 Bände.</p> - -<p class="ad"><b>Unter der roten Fahne.</b> Von Miß -<span class="sb">M. E. Braddon</span>. Aus d. Englischen.</p> - -<p class="ad"><b>Abbé Constantin.</b> Von <span class="sb">L. Halévy</span>. -Aus dem Französischen.</p> - -<p class="ad"><b>Ihr Gatte.</b> Von <span class="sb">G. Verga</span>. Aus dem -Italienischen.</p> - -<p class="ad"><b>Ein gefährliches Geheimnis.</b> Von -<span class="sb">Charles Reade</span>. Aus d. Engl. 2 Bde.</p> - -<p class="ad"><b>Gérards Heirat.</b> Von <span class="sb">André Theuriet</span>. -Aus dem Französischen.</p> - -<p class="ad"><b>Dosia.</b> Von <span class="sb">Henry Gréville</span>. Aus -dem Französischen.</p> - -<p class="ad"><b>Ein heroisches Weib.</b> Von <span class="sb">J. I. Kraszewski</span>. -Aus dem Polnischen.</p> - -<p class="ad"><b>Eheglück.</b> Von <span class="sb">W. E. Norris</span>. Aus -dem Englischen. 2 Bände.</p> - -<p class="ad"><b>Schiffer Worse.</b> Von <span class="sb">Alex. Kielland</span>. -Aus dem Norwegischen.</p> - -<p class="ad"><b>Ein Ideal.</b> Von <span class="sb">Marchesa Colombi</span>. -Aus dem Italienischen.</p> - -<p class="ad"><b>Dunkle Tage.</b> Von <span class="sb">Hugh Conway</span>. -Aus dem Englischen.</p> - -<p class="ad"><b>Novellen</b> von <span class="sb">Hjalmar Hjorth Boyesen</span>. -<span class="ge">Glitzer-Brita.</span> – <span class="ge">Einer, -der seinen Namen verlor.</span> Deutsch -von <span class="ge">Friedrich Spielhagen</span>. – <span class="ge">Ein -Ritter vom Danebrog.</span> Aus dem -Englischen.</p> - -<p class="ad"><b>Die Heimkehr der Prinzessin.</b> Von -<span class="sb">Jacques Vincent</span>. Aus d. Französ.</p> - -<p class="ad"><b>Ein Mutterherz.</b> Von <span class="sb">A. Delpit</span>. -Aus dem Französischen. 2 Bände.</p> - - -<p class="fsl ge ce mt2 nopb">Zweiter Jahrgang.</p> - -<p class="ad"><b>Der Steinbruch.</b> Von <span class="sb">G. Ohnet</span>. Aus -dem Französischen. 2 Bände.</p> - -<p class="ad"><b>Helene Jung.</b> Von <span class="sb">Paul Lindau</span>.</p> - -<p class="ad"><b>Maruja.</b> Von <span class="sb">Bret Harte</span>. Aus dem -Englischen.</p> - -<p class="ad"><b>Die Sozialisten.</b> Aus dem Englischen.</p> - -<p class="ad"><b>Criquette.</b> Von <span class="sb">L. Halévy</span>. Aus dem -Französischen.</p> - -<p class="ad"><b>Der Wille zum Leben. – Untrennbar.</b> -Von <span class="sb">Adolf Wilbrandt</span>.</p> - -<p class="ad"><b>Die Illusionen des Doktor Faustino.</b> -Von <span class="sb">Valera</span>. Aus d. Span.</p> - -<p class="ad"><b>Zu fein gesponnen.</b> Von <span class="sb">B. L. Farjeon</span>. -Aus dem Englischen. 2 Bände.</p> - -<p class="ad"><b>Gift.</b> Von <span class="sb">Alexander Kielland</span>. Aus -dem Norwegischen.</p> - -<p class="ad"><b>Fortuna.</b> Von <span class="sb">Alexander Kielland</span>. -Aus dem Norwegischen.</p> - -<p class="ad"><b>Lise Fleuron.</b> Von <span class="sb">G. Ohnet</span>. Aus -dem Französischen. 2 Bände.</p> - -<p class="ad"><b>Aus des Meeres Schaum. – Aus -den Saiten einer Baßgeige.</b> Von -<span class="sb">Salvatore Farina</span>. Aus dem Italienischen.</p> - -<p class="ad"><b>Auf der Woge des Glücks.</b> Von -<span class="sb">Bernhard Frey</span>. (<span class="ge">M. Bernhard.</span>)</p> - -<p class="ad"><b>Die hübsche Miß Neville.</b> Von <span class="sb">B. M. Croker</span>. -Aus dem Engl. 2 Bde.</p> - -<p class="ad"><b>Die Verstorbene.</b> Von <span class="sb">Octave -Feuillet</span>. Aus dem Französischen.</p> - -<p class="ad"><b>Mein erstes Abenteuer und andere -Geschichten.</b> Von <span class="sb">Hans Hopfen</span>.</p> - -<p class="ad"><b>Ihr ärgster Feind.</b> Von Mrs. <span class="sb">Alexander</span>. -Aus d. Englischen. 2 Bde.</p> - -<p class="ad"><b>Ein Fürstensohn. – Zerline.</b> Von -<span class="sb">Claire von Glümer</span>.</p> - -<p class="ad"><b>Von der Grenze.</b> Novellen von <span class="sb">Bret -Harte</span>. Aus dem Englischen.</p> - -<p class="ad"><b>Eine Familiengeschichte.</b> Von <span class="sb">Hugh -Conway</span>. Aus d. Englischen. 2 Bde.</p> - - -<p class="fsl ge ce mt2 nopb">Dritter Jahrgang.</p> - -<p class="ad"><b>Die Versaillerin.</b> Von <span class="sb">Ernst Remin</span>. -2 Bände.</p> - -<p class="ad"><b>In Acht und Bann.</b> Von Miß <span class="sb">M. E. Braddon</span>. -Aus dem Englischen.</p> - -<p class="ad"><b>Die Tochter des Meeres.</b> Von -<span class="sb">Johanne Schjörring</span>. Aus dem -Dänischen.</p> - -<p class="ad"><b>Lieutenant Bonnet.</b> Von <span class="sb">Hector -Malot</span>. Aus d. Französ. 2 Bände.</p> - -<p class="ad"><b>Pariser Ehen.</b> Von <span class="sb">E. About</span>. Aus -dem Französischen.</p> - -<p class="ad"><b>Hanna Warners Herz.</b> Von <span class="sb">Florence -Marryat</span>. Aus d. Englischen.</p> - -<p class="ad"><b>Eine Tochter der Philister.</b> Von -<span class="sb">Hjalmar Hjorth Boyesen</span>. Aus -dem Englischen. 2 Bände.</p> - -<p class="ad"><b>Savelis Büßung.</b> Von <span class="sb">Henry Gréville</span>. -Aus dem Französischen.</p> - -<p class="ad"><b>Die Damen von Croix-Mort.</b> Von -<span class="sb">Georges Ohnet</span>. Aus d. Französ. -2 Bände.</p> - -<p class="ad"><b>Die Glocken von Plurs.</b> Von <span class="sb">Ernst -Pasqué</span>.</p> - -<p class="ad"><b>Fromont junior und Risler senior.</b> -Von <span class="sb">Alphonse Daudet</span>. Aus dem -Französischen. 2 Bände.</p> - -<p class="ad"><b>Der Genius und sein Erbe.</b> Von -<span class="sb">Hans Hopfen</span>.</p> - -<p class="ad"><b>Ein einfach Herz.</b> Von <span class="sb">Charles -Reade</span>. Aus dem Englischen.</p> - -<p class="ad"><b>Baccarat.</b> Von <span class="sb">Hector Malot</span>. Aus -dem Französischen. 2 Bände.</p> - -<p class="ad"><b>Mein Freund Jim.</b> Von <span class="sb">W. E. Norris</span>. -Aus dem Englischen.</p> - -<p class="ad"><b>Hanna.</b> Von <span class="sb">Heinr. Sienkiewicz</span>. -Aus dem Polnischen.</p> - -<p class="ad"><b>Das beste Teil.</b> Von <span class="sb">Léon de Tinseau</span>. -Aus dem Französischen.</p> - -<p class="ad"><b>Lebend oder tot.</b> Von <span class="sb">Hugh Conway</span>. -Aus dem Englischen. 2 Bände.</p> - -<p class="ad"><b>Die Familie Monach.</b> Von <span class="sb">Robert -de Bonnières</span>. Aus dem Französ.</p> - - -<p class="fsl ge ce mt2 nopb">Vierter Jahrgang.</p> - -<p class="ad"><b>Eine neue Judith.</b> Von <span class="sb">H. Rider -Haggard</span>. Aus d. Englischen. 2 Bde.</p> - -<p class="ad"><b>Schwarz und Rosig.</b> Von <span class="sb">Georges -Ohnet</span>. Aus dem Französischen.</p> - -<p class="ad"><b>Das Tagebuch einer Frau.</b> Von -<span class="sb">Octave Feuillet</span>. Aus dem Französ.</p> - -<p class="ad"><b>Jahre des Gärens.</b> Von <span class="sb">Ernst Remin</span>. -2 Bände.</p> - -<p class="ad"><b>Gute Kameraden.</b> Von <span class="sb">H. Lafontaine</span>. -Aus dem Französischen.</p> - -<p class="ad"><b>Die Töchter des Commandeurs.</b> -Von <span class="sb">Jonas Lie</span>. Aus dem Norweg.</p> - -<p class="ad"><b>Zita.</b> Von <span class="sb">Hector Malot</span>. Aus dem -Französischen. 2 Bände.</p> - -<p class="ad"><b>Die Erbschaft Xenias.</b> Von <span class="sb">Henry -Gréville</span>. Aus dem Französischen.</p> - -<p class="ad"><b>Kinder des Südens.</b> Von <span class="sb">Rich. Voß</span>.</p> - -<p class="ad"><b>Daniele Cortis.</b> Von <span class="sb">A. Fogazzaro</span>. -Aus dem Italienischen. 2 Bände.</p> - -<p class="ad"><b>Die Herz-Neune.</b> Von <span class="sb">B. L. Farjeon</span>. -Aus dem Englischen.</p> - -<p class="ad"><b>Sie will.</b> Von <span class="sb">Georges Ohnet</span>. Aus -dem Französischen. 2 Bände.</p> - -<p class="ad"><b>Die Kinder der Excellenz.</b> Von <span class="sb">Ernst -v. Wolzogen</span>.</p> - -<p class="ad"><b>Um den Glanz des Ruhmes.</b> Von -<span class="sb">Salvatore Farina</span>. Aus dem Ital.</p> - -<p class="ad"><b>Der Nabob.</b> Von <span class="sb">Alphonse Daudet</span>. -Aus dem Französischen. 3 Bände.</p> - -<p class="ad"><b>Der kleine Lord.</b> Von <span class="sb">F. H. Burnett</span>. -Aus dem Englischen.</p> - -<p class="ad"><b>Der Prozeß Froideville.</b> Von <span class="sb">André -Theuriet</span>. Aus d. Französischen.</p> - -<p class="ad"><b>Stella.</b> Von Miß <span class="sb">M. E. Braddon</span>. -Aus dem Englischen. 2 Bände.</p> - - -<p class="fsl ge ce mt2 nopb">Fünfter Jahrgang.</p> - -<p class="ad"><b>Robert Leichtfuß.</b> Von <span class="sb">Hans Hopfen</span>. -2 Bände.</p> - -<p class="ad"><b>Der Unsterbliche.</b> Von <span class="sb">Alphonse -Daudet</span>. Aus dem Französischen.</p> - -<p class="ad"><b>Lady Dorotheas Gäste.</b> Von <span class="sb">Ouida</span>. -Aus dem Englischen.</p> - -<p class="ad"><b>Marchesa d'Arcello.</b> Von <span class="sb">Memini</span>. -Aus dem Italienischen. 2 Bände.</p> - -<p class="ad"><b>Was der heilige Joseph vermag.</b> -Aus dem Französischen.</p> - -<p class="ad"><b>Alessa. – Keine Illusionen.</b> Von -<span class="sb">Claire von Glümer</span>.</p> - -<p class="ad"><b>Wie in einem Spiegel.</b> Von <span class="sb">F. C. Philips</span>. -Aus d. Englischen. 2 Bände.</p> - -<p class="ad"><b>Schnee.</b> Von <span class="sb">Alexander Kielland</span>. -Aus dem Norwegischen.</p> - -<p class="ad"><b>Jean Mornas.</b> Von <span class="sb">Jules Claretie</span>. -Aus dem Französischen.</p> - -<p class="ad"><b>Auf der Fährte.</b> Von <span class="sb">H. F. Wood</span>. -Aus dem Englischen. 2 Bände.</p> - -<p class="ad"><b>Satisfaction. – Das zersprungene -Glück. – La Speranza.</b> Von <span class="sb">Alexander -Baron von Roberts</span>.</p> - -<p class="ad"><b>Die Scheinheilige.</b> Von <span class="sb">Karoline -Gravière</span>. Aus dem Französischen.</p> - -<p class="ad"><b>Doktor Rameau.</b> Von <span class="sb">Georges -Ohnet</span>. Aus dem Französ. 2 Bände.</p> - -<p class="ad"><b>Frau Regine.</b> Von <span class="sb">Emil Peschkau</span>.</p> - -<p class="ad"><b>Zwei Brüder.</b> Von <span class="sb">Guy de Maupassant</span>. -Aus dem Französischen.</p> - -<p class="ad"><b>Mein Sohn.</b> Von <span class="sb">Salvatore Farina</span>. -Aus dem Italienischen. 2 Bände.</p> - -<p class="ad"><b>Dosias Tochter.</b> Von <span class="sb">Henry Gréville</span>. -Aus dem Französischen.</p> - -<p class="ad"><b>Der Lotse und sein Weib.</b> Von -<span class="sb">Jonas Lie</span>. Aus dem Norwegischen.</p> - -<p class="ad"><b>Numa Roumestan.</b> Von <span class="sb">Alphonse -Daudet</span>. Aus dem Französischen. -2 Bände.</p> - - -<p class="fsl ge ce mt2 nopb">Sechster Jahrgang.</p> - -<p class="ad"><b>Die tolle Komteß.</b> Von <span class="sb">Ernst v. Wolzogen</span>. 2 Bände.</p> - -<p class="ad"><b>Eine Sirene.</b> Von <span class="sb">Léon de Tinseau</span>. -Aus dem Französischen.</p> - -<p class="ad"><b>Jack und seine drei Flammen.</b> Von -<span class="sb">F. C. Philips</span>. Aus dem Englischen.</p> - -<p class="ad"><b>Mr. Barnes von New-York.</b> Von -<span class="sb">A. C. Gunter</span>. Aus d. Engl. 2 Bde.</p> - -<p class="ad"><b>Gertruds Geheimnis.</b> Von <span class="sb">André -Theuriet</span>. Aus dem Französischen.</p> - -<p class="ad"><b>Wunderbare Gaben</b> und andere Geschichten. -Von <span class="sb">Hugh Conway</span>. Aus -dem Englischen.</p> - -<p class="ad"><b>Letzte Liebe.</b> Von <span class="sb">Georges Ohnet</span>. -Aus dem Französischen. 2 Bände.</p> - -<p class="ad"><b>Die Sabinerin. – Felice Leste. – -Die Mutter der Catonen.</b> Von -<span class="sb">Richard Voß</span>.</p> - -<p class="ad"><b>Mia.</b> Von <span class="sb">Memini</span>. Aus dem Italienischen.</p> - -<p class="ad"><b>Diana Barrington.</b> Von <span class="sb">B. M. Croker</span>. -Aus d. Englischen. 2 Bände.</p> - -<p class="ad"><b>Der reine Thor.</b> Von <span class="sb">Karl v. Heigel</span>.</p> - -<p class="ad"><b>Ein Kirchenraub. – Junge Liebe.</b> -Von <span class="sb">H. Pontoppidan</span>. Aus dem -Dänischen.</p> - -<p class="ad"><b>Die Könige im Exil.</b> Von <span class="sb">Alphonse -Daudet</span>. Aus d. Französ. 2 Bände.</p> - -<p class="ad"><b>Die verhängnisvolle Phryne.</b> Von -<span class="sb">F. C. Philips</span> u. <span class="sb">C. J. Wils</span>. Aus -dem Englischen.</p> - -<p class="ad"><b>Sergius Panin.</b> Von <span class="sb">Georges Ohnet</span>. -Aus d. Französischen. 2 Bände.</p> - -<p class="ad"><b>Achtung Schildwache!</b> und andere -Geschichten. Von <span class="sb">Mathilde Serao</span>. -Aus dem Italienischen.</p> - -<p class="ad"><b>Salonidylle.</b> Von <span class="sb">H. Rabusson</span>. Aus -dem Französischen.</p> - -<p class="ad"><b>Mr. Potter aus Texas.</b> Von <span class="sb">A. C. Gunter</span>. -Aus dem Engl. 2 Bände.</p> - -<p class="ad"><b>Ein gefährliches Werkzeug.</b> Von -<span class="sb">D. C.</span> u. <span class="sb">H. Muray</span>. Aus d. Engl.</p> - - -<p class="fsl ge ce mt2 nopb">Siebenter Jahrgang.</p> - -<p class="ad"><b>Preisgekrönt.</b> Von <span class="sb">Alexander Baron -von Roberts</span>. 2 Bände.</p> - -<p class="ad"><b>Die Seele Pierres.</b> Von <span class="sb">Georges -Ohnet</span>. Aus dem Französischen.</p> - -<p class="ad"><b>Zum Kinderparadies.</b> Von <span class="sb">André -Theuriet</span>. Aus dem Französischen.</p> - -<p class="ad"><b>Imogen.</b> Von <span class="sb">Hamilton Aïdé</span>. Aus -dem Englischen. 2 Bände.</p> - -<p class="ad"><b>Port Tarascon.</b> Von <span class="sb">Alphonse -Daudet</span>. Aus dem Fanzösischen.</p> - -<p class="ad"><b>Ein Mann von Bedeutung.</b> Von -<span class="sb">Anthony Hope</span>. Aus d. Englischen.</p> - -<p class="ad"><b>Ohne Liebe.</b> Von <span class="sb">Fürst Galitzin</span>. -Aus dem Russischen. 2 Bände.</p> - -<p class="ad"><b>Die Erbin.</b> Von <span class="sb">W. E. Norris</span>. Aus -dem Englischen.</p> - -<p class="ad"><b>Die kühle Blonde.</b> Von <span class="sb">Ernst v. Wolzogen</span>. -2 Bände.</p> - -<p class="ad"><b>Mein Pfarrer u. mein Onkel.</b> Von -<span class="sb">Jean de la Brète</span>. Aus d. Französ.</p> - -<p class="ad"><b>Der Mönch von Berchtesgaden</b> und -andere Erzählungen. Von <span class="sb">Rich. Voß</span>.</p> - -<p class="ad"><b>Oberst Quaritch.</b> Von <span class="sb">H. Rider -Haggard</span>. Aus dem Engl. 2 Bände.</p> - -<p class="ad"><b>Noras Roman.</b> Von <span class="sb">Emil Peschkau</span>.</p> - -<p class="ad"><b>Auf Vorposten</b> und andere Geschichten. -Von <span class="sb">F. de Renzis</span>. Aus dem Italienischen.</p> - -<p class="ad"><b>Versiegelte Lippen.</b> Von <span class="sb">Léon de -Tinseau</span>. Aus d. Französ. 2 Bände.</p> - -<p class="ad"><b>Aus den Papieren eines Wanderers.</b> -Von <span class="sb">Jeffery C. Jeffery</span>. Aus -dem Englischen.</p> - -<p class="ad"><b>Mein Onkel Scipio.</b> Von <span class="sb">André -Theuriet</span>. Aus dem Französischen.</p> - -<p class="ad"><b>Wie's im Leben geht.</b> Von <span class="sb">A. Delpit</span>. -Aus dem Französischen. 2 Bde.</p> - -<p class="ad"><b>Verhängnis.</b> Von <span class="sb">F. de Renzis</span>. Aus -dem Italienischen.</p> - - -<p class="fsl ge ce mt2 nopb">Achter Jahrgang.</p> - -<p class="ad"><b>Irgend ein Anderer.</b> Von <span class="sb">B. M. Croker</span>. -Aus d. Englischen. 2 Bände.</p> - -<p class="ad"><b>Fräulein Reseda. – Ein Mann der -Erfolge.</b> Von <span class="sb">Julien Gordon</span>. -Aus dem Englischen.</p> - -<p class="ad"><b>Künstlerehre.</b> Von <span class="sb">Octave Feuillet</span>. -Aus dem Französischen.</p> - -<p class="ad"><b>In frischem Wasser.</b> Von <span class="sb">Helene -Böhlau</span>. 2 Bände.</p> - -<p class="ad"><b>Die geprellten Verschwörer.</b> Von -<span class="sb">W. E. Norris</span>. Aus dem Englischen.</p> - -<p class="ad"><b>Daphne.</b> Nach <span class="ss">A Diplomat's Diary</span> -von <span class="sb">Julien Gordon</span>, deutsch bearb. -von <span class="ge">Friedrich Spielhagen</span>.</p> - -<p class="ad"><b>Ein Genie der That.</b> Von <span class="sb">Ernst -Remin</span>. 2 Bände.</p> - -<p class="ad"><b>Mischa.</b> Von <span class="sb">Maguerite Poradowska</span>. -Aus dem Französischen.</p> - -<p class="ad"><b>Der Thronfolger.</b> Von <span class="sb">Ernst von -Wolzogen</span>. 2 Bände.</p> - -<p class="ad"><b>Im Reisfeld. – Ohne Liebe.</b> Von -<span class="sb">Marchesa Colombi</span>. Aus d. Ital.</p> - -<p class="ad"><b>Eine Künstlerin.</b> Von <span class="sb">Jeanne Mairet</span>. -Aus dem Französischen.</p> - -<p class="ad"><b>Miß Niemand.</b> Von <span class="sb">A. C. Gunter</span>. -Aus dem Englischen. 2 Bände.</p> - -<p class="ad"><b>Marienkind.</b> Von <span class="sb">Paul Heyse</span>.</p> - -<p class="ad"><b>Schwarzwaldgeschichten.</b> Von <span class="sb">Hermine -Villinger</span>.</p> - -<p class="ad"><b>Jack.</b> Von <span class="sb">Alphonse Daudet</span>. Aus -dem Französischen. 3 Bände.</p> - -<p class="ad"><b>Der schwarze Koffer.</b> Aus dem Engl.</p> - -<p class="ad"><b>Der Affenmaler.</b> Von <span class="sb">Jeanne Mairet</span>. -Aus dem Französischen.</p> - -<p class="ad"><b>Schwer geprüft.</b> Von <span class="sb">J. Masterman</span>. -Aus dem Englischen. 2 Bände.</p> - - -<p class="fsl ge ce mt2 nopb">Neunter Jahrgang.</p> - -<p class="ad"><b>Im Schuldbuch des Hasses.</b> Von -<span class="sb">Georges Ohnet</span>. Aus d. Französ. -2 Bände.</p> - -<p class="ad"><b>Meine offizielle Frau.</b> Von <span class="sb">Col. Richard -Henry Savage</span>. Aus d. Engl.</p> - -<p class="ad"><b>Sein Genius.</b> Von <span class="sb">Claus Zehren</span>.</p> - -<p class="ad"><b>Ein Zugvogel.</b> Von <span class="sb">B. M. Croker</span>. -Aus dem Englischen. 2 Bände.</p> - -<p class="ad"><b>Violette Merian.</b> Von <span class="sb">Augustin -Filon</span>. Aus dem Französischen.</p> - -<p class="ad"><b>Fräulein Kapitän.</b> Eine Eismeergeschichte -von <span class="sb">Max Lay</span>.</p> - -<p class="ad"><b>Ein puritanischer Heide.</b> Von <span class="sb">Julien -Gordon</span>. 2 Bde. Aus d. Engl.</p> - -<p class="ad"><b>Das Stück Brot und andere Geschichten.</b> -Von <span class="sb">François Coppée</span>. -Aus dem Französischen.</p> - -<p class="ad"><b>In der Prairie verlassen.</b> Von <span class="sb">Bret -Harte</span>. Aus dem Englischen.</p> - -<p class="ad"><b>Zwischen Lipp' und Kelchesrand.</b> -Von <span class="sb">Charles de Berkeley</span>. Aus -dem Französischen. 2 Bände.</p> - -<p class="ad"><b>Mein erster Klient und andere Geschichten.</b> -Von <span class="sb">Hugh Conway</span>. -Aus dem Englischen.</p> - -<p class="ad"><b>Auf steinigen Pfaden.</b> Von <span class="sb">Léon de -Tinseau</span>. Aus dem Französischen.</p> - -<p class="ad"><b>Heimatlos.</b> Von <span class="sb">Hector Malot</span>. -3 Bände. Aus dem Französischen.</p> - -<p class="ad"><b>Baronin Müller.</b> Von <span class="sb">Karl von -Heigel</span>.</p> - -<p class="ad"><b>In guter Hut.</b> Von <span class="sb">Jeanne Mairet</span>. -Aus dem Französischen.</p> - -<p class="ad"><b>Das Kind.</b> Von <span class="sb">Ernst Eckstein</span>.</p> - -<p class="ad"><b>Das Haus am Moor.</b> Von <span class="sb">Florence -Warden</span>. Aus d. Englischen. 2 Bde.</p> - -<p class="ad"><b>Giovannino oder den Tod! – -Dreißig Prozent.</b> Von <span class="sb">Mathilde -Serao</span>. Aus dem Italienischen.</p> - -<p class="ad"><b>Des Seemanns Tagebuch.</b> Von <span class="sb">Gustave -Toudouze</span>. Aus d. Französ.</p> - - -<p class="fsl ge ce mt2 nopb">Zehnter Jahrgang.</p> - -<p class="ad nopb"><b>Das Geheimnis des Hauslehrers.</b> -Von <span class="sb">Victor Cherbuliez</span>. 2 Bände.</p> - -<p class="ad">Ein wirklich herzerfreuendes Buch ist es, -das der beliebte Erzähler hier darbietet; -ein Kunstwerk, bezaubernd in Form und -Inhalt. Zwei reizvolle Vertreterinnen der -heutigen Jugend hat er erwählt, und mit -Geist und Grazie weiß er sie zu schildern.</p> - -<p class="ad mt1 nopb"><b>Das wandernde Licht.</b> Von <span class="sb">Ernst -v. Wildenbruch</span>.</p> - -<p class="ad">Diese Novelle des berühmten Dichters ist -das durchaus ungewöhnliche Werk eines -selbständigen Geistes, voll Leben und dramatischer -Kraft.</p> - -</div> - -<hr /> - -<p class="mt2">Die nachstehenden Romane sind auch in einer <b>zu Geschenken ganz besonders -geeigneten</b></p> - -<p class="ce mt0"><span class="ss fsxl">Salon-Ausgabe</span></p> - -<p class="in0 mt0">auf <b>feines, extra starkes Papier</b> gedruckt und in <b>elegantem Liebhaber-Einband</b> -zum Preise von <b>M. 2.– für den einfachen und M. 3.– für den doppelten -Band</b> erschienen.</p> - - -<div class="mw20"> - -<p class="ci mt1 ce nopb">Einfache Bände:</p> - -<p class="in0"><span class="sb">Burnett</span>, <b>Der kleine Lord</b>.<br /> -<span class="sb">Feuillet</span>, <b>Das Tagebuch einer Frau</b>.<br /> -<span class="sb">Paul Lindau</span>, <b>Helene Jung</b>.<br /> -<span class="sb">Voß</span>, <b>Kinder des Südens</b>.<br /> -<b>Was der heilige Joseph vermag</b>.<br /> -<span class="sb">v. Wolzogen</span>, <b>Die Kinder der Excellenz</b>.</p> - - -<p class="ci mt1 ce nopb">Doppel-Bände:</p> - -<p class="in0"><span class="sb">Conway</span>, <b>Eine Familiengeschichte</b>.<br /> -<span class="sb">Croker</span>, <b>Die hübsche Miß Neville</b>.<br /> -<span class="sb">Hopfen</span>, <b>Robert Leichtfuß</b>.<br /> -<span class="sb">Ohnet</span>, <b>Der Hüttenbesitzer</b>.<br /> -<span class="sb">v. Wolzogen</span>, <b>Der Thronfolger</b>.<br /> -<span class="sb">   "   </span><b>Die tolle Komteß</b>.</p> - -</div> - -<p> </p> -<p> </p> -<hr /> - - -<h2>Hinweise zur Transkription</h2> - - -<p class="in0">Das Originalbuch ist in Frakturschrift gedruckt.</p> - -<p class="in0">Darstellung abweichender Schriftarten:</p> - -<p class="ci"><span class="ge">gesperrt</span> – <i>kursiv</i> – <b>fett</b> – <span class="ss">Antiqua</span> – <span class="sb">Schwabacher</span></p> - -<p class="in0">Die Verlagsreklame wurde am Buchende zusammengefasst.</p> - -<p class="in0">Der Text des Originalbuches wurde grundsätzlich beibehalten, -einschließlich uneinheitlicher Schreibweisen wie beispielsweise -"Schooß" – "Schoß",</p> - -<p class="in0">mit folgenden Ausnahmen,</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_022">22</a>:<br /> -"." eingefügt<br /> -(Erstaunt, beinahe erschreckt, blickte sie auf.)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_042">42</a>:<br /> -"," eingefügt"<br /> -(»Ich hatte geglaubt,« sagte er langsam)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_068">68</a>:<br /> -"," geändert in "."<br /> -(Stumm drückte sie ihm die Hand.)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_072">72</a>:<br /> -"," eingefügt<br /> -(fuhr er fort, »weil ich sah)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_090">90</a>:<br /> -"«" entfernt hinter "Vermögen?"<br /> -(Ja, wo war denn ihr eigenes Vermögen?)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_099">99</a>:<br /> -"," geändert in "."<br /> -(ihre Kniee aneinander, als wollte er sie zermalmen.)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_109">109</a>:<br /> -"," eingefügt hinter "trug"<br /> -(eines der braunsamtnen Pantöffelchen, die sie trug, vom Fuße)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_123">123</a>:<br /> -"Entsetz-ichen" geändert in "Entsetzlichen"<br /> -(von all dem Dunklen, Entsetzlichen!)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_127">127</a>:<br /> -"," eingefügt"<br /> -(»Bist du's, Eberhard?« fragte sie schläfrig.)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_130">130</a>:<br /> -"«" eingefügt<br /> -(»Aber Eberhard – was machst du denn?«)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_134">134</a>:<br /> -"," eingefügt<br /> -(»Hilf mir!« seufzte sie, »hilf mir!«)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_141">141</a>:<br /> -"," geändert in "."<br /> -(und in zwei bammelnden Enden über seinen Arm hing.)</p> - -<p class="ci">Seite <a class="nd" href="#page_155">155</a>:<br /> -"»" entfernt vor "dreißig"<br /> -(ergangen ist; dreißig Jahre bin ich alt geworden)</p> - -<p class="ci">im Reklameteil:<br /> -"Fortsetzung siehe am Schluß dieses Bandes." wurde entfernt</p> - -<p> </p> -<p> </p> -<hr class="full" /> -<p>***END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DAS WANDERNDE LICHT***</p> -<p>******* This file should be named 55580-h.htm or 55580-h.zip *******</p> -<p>This and all associated files of various formats will be found in:<br /> -<a href="http://www.gutenberg.org/dirs/5/5/5/8/55580">http://www.gutenberg.org/5/5/5/8/55580</a></p> -<p> -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed.</p> - -<p>Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United -States without permission and without paying copyright -royalties. Special rules, set forth in the General Terms of Use part -of this license, apply to copying and distributing Project -Gutenberg-tm electronic works to protect the PROJECT GUTENBERG-tm -concept and trademark. Project Gutenberg is a registered trademark, -and may not be used if you charge for the eBooks, unless you receive -specific permission. If you do not charge anything for copies of this -eBook, complying with the rules is very easy. You may use this eBook -for nearly any purpose such as creation of derivative works, reports, -performances and research. They may be modified and printed and given -away--you may do practically ANYTHING in the United States with eBooks -not protected by U.S. copyright law. Redistribution is subject to the -trademark license, especially commercial redistribution. -</p> - -<h2 class="pg">START: FULL LICENSE<br /> -<br /> -THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE<br /> -PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK</h2> - -<p>To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free -distribution of electronic works, by using or distributing this work -(or any other work associated in any way with the phrase "Project -Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full -Project Gutenberg-tm License available with this file or online at -www.gutenberg.org/license.</p> - -<h3>Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project -Gutenberg-tm electronic works</h3> - -<p>1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm -electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to -and accept all the terms of this license and intellectual property -(trademark/copyright) agreement. If you do not agree to abide by all -the terms of this agreement, you must cease using and return or -destroy all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your -possession. If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a -Project Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound -by the terms of this agreement, you may obtain a refund from the -person or entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph -1.E.8.</p> - -<p>1.B. "Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be -used on or associated in any way with an electronic work by people who -agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few -things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works -even without complying with the full terms of this agreement. See -paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project -Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this -agreement and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm -electronic works. See paragraph 1.E below.</p> - -<p>1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the -Foundation" or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection -of Project Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual -works in the collection are in the public domain in the United -States. If an individual work is unprotected by copyright law in the -United States and you are located in the United States, we do not -claim a right to prevent you from copying, distributing, performing, -displaying or creating derivative works based on the work as long as -all references to Project Gutenberg are removed. Of course, we hope -that you will support the Project Gutenberg-tm mission of promoting -free access to electronic works by freely sharing Project Gutenberg-tm -works in compliance with the terms of this agreement for keeping the -Project Gutenberg-tm name associated with the work. You can easily -comply with the terms of this agreement by keeping this work in the -same format with its attached full Project Gutenberg-tm License when -you share it without charge with others.</p> - -<p>1.D. The copyright laws of the place where you are located also govern -what you can do with this work. Copyright laws in most countries are -in a constant state of change. If you are outside the United States, -check the laws of your country in addition to the terms of this -agreement before downloading, copying, displaying, performing, -distributing or creating derivative works based on this work or any -other Project Gutenberg-tm work. The Foundation makes no -representations concerning the copyright status of any work in any -country outside the United States.</p> - -<p>1.E. Unless you have removed all references to Project Gutenberg:</p> - -<p>1.E.1. The following sentence, with active links to, or other -immediate access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear -prominently whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work -on which the phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the -phrase "Project Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, -performed, viewed, copied or distributed:</p> - -<blockquote><p>This eBook is for the use of anyone anywhere in the United - States and most other parts of the world at no cost and with almost - no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or re-use - it under the terms of the Project Gutenberg License included with - this eBook or online - at <a href="http://www.gutenberg.org">www.gutenberg.org</a>. If you - are not located in the United States, you'll have to check the laws - of the country where you are located before using this - ebook.</p></blockquote> - -<p>1.E.2. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is -derived from texts not protected by U.S. copyright law (does not -contain a notice indicating that it is posted with permission of the -copyright holder), the work can be copied and distributed to anyone in -the United States without paying any fees or charges. If you are -redistributing or providing access to a work with the phrase "Project -Gutenberg" associated with or appearing on the work, you must comply -either with the requirements of paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 or -obtain permission for the use of the work and the Project Gutenberg-tm -trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or 1.E.9.</p> - -<p>1.E.3. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted -with the permission of the copyright holder, your use and distribution -must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any -additional terms imposed by the copyright holder. Additional terms -will be linked to the Project Gutenberg-tm License for all works -posted with the permission of the copyright holder found at the -beginning of this work.</p> - -<p>1.E.4. Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm -License terms from this work, or any files containing a part of this -work or any other work associated with Project Gutenberg-tm.</p> - -<p>1.E.5. Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this -electronic work, or any part of this electronic work, without -prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with -active links or immediate access to the full terms of the Project -Gutenberg-tm License.</p> - -<p>1.E.6. You may convert to and distribute this work in any binary, -compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including -any word processing or hypertext form. However, if you provide access -to or distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format -other than "Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official -version posted on the official Project Gutenberg-tm web site -(www.gutenberg.org), you must, at no additional cost, fee or expense -to the user, provide a copy, a means of exporting a copy, or a means -of obtaining a copy upon request, of the work in its original "Plain -Vanilla ASCII" or other form. Any alternate format must include the -full Project Gutenberg-tm License as specified in paragraph 1.E.1.</p> - -<p>1.E.7. Do not charge a fee for access to, viewing, displaying, -performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works -unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9.</p> - -<p>1.E.8. You may charge a reasonable fee for copies of or providing -access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works -provided that</p> - -<ul> -<li>You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from - the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method - you already use to calculate your applicable taxes. The fee is owed - to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he has - agreed to donate royalties under this paragraph to the Project - Gutenberg Literary Archive Foundation. Royalty payments must be paid - within 60 days following each date on which you prepare (or are - legally required to prepare) your periodic tax returns. Royalty - payments should be clearly marked as such and sent to the Project - Gutenberg Literary Archive Foundation at the address specified in - Section 4, "Information about donations to the Project Gutenberg - Literary Archive Foundation."</li> - -<li>You provide a full refund of any money paid by a user who notifies - you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he - does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm - License. You must require such a user to return or destroy all - copies of the works possessed in a physical medium and discontinue - all use of and all access to other copies of Project Gutenberg-tm - works.</li> - -<li>You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of - any money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the - electronic work is discovered and reported to you within 90 days of - receipt of the work.</li> - -<li>You comply with all other terms of this agreement for free - distribution of Project Gutenberg-tm works.</li> -</ul> - -<p>1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project -Gutenberg-tm electronic work or group of works on different terms than -are set forth in this agreement, you must obtain permission in writing -from both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and The -Project Gutenberg Trademark LLC, the owner of the Project Gutenberg-tm -trademark. Contact the Foundation as set forth in Section 3 below.</p> - -<p>1.F.</p> - -<p>1.F.1. Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable -effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread -works not protected by U.S. copyright law in creating the Project -Gutenberg-tm collection. Despite these efforts, Project Gutenberg-tm -electronic works, and the medium on which they may be stored, may -contain "Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate -or corrupt data, transcription errors, a copyright or other -intellectual property infringement, a defective or damaged disk or -other medium, a computer virus, or computer codes that damage or -cannot be read by your equipment.</p> - -<p>1.F.2. LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right -of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project -Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project -Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project -Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all -liability to you for damages, costs and expenses, including legal -fees. YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT -LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE -PROVIDED IN PARAGRAPH 1.F.3. YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE -TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE -LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR -INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH -DAMAGE.</p> - -<p>1.F.3. LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a -defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can -receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a -written explanation to the person you received the work from. If you -received the work on a physical medium, you must return the medium -with your written explanation. The person or entity that provided you -with the defective work may elect to provide a replacement copy in -lieu of a refund. If you received the work electronically, the person -or entity providing it to you may choose to give you a second -opportunity to receive the work electronically in lieu of a refund. If -the second copy is also defective, you may demand a refund in writing -without further opportunities to fix the problem.</p> - -<p>1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth -in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS', WITH NO -OTHER WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT -LIMITED TO WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.</p> - -<p>1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied -warranties or the exclusion or limitation of certain types of -damages. If any disclaimer or limitation set forth in this agreement -violates the law of the state applicable to this agreement, the -agreement shall be interpreted to make the maximum disclaimer or -limitation permitted by the applicable state law. The invalidity or -unenforceability of any provision of this agreement shall not void the -remaining provisions.</p> - -<p>1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the -trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone -providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in -accordance with this agreement, and any volunteers associated with the -production, promotion and distribution of Project Gutenberg-tm -electronic works, harmless from all liability, costs and expenses, -including legal fees, that arise directly or indirectly from any of -the following which you do or cause to occur: (a) distribution of this -or any Project Gutenberg-tm work, (b) alteration, modification, or -additions or deletions to any Project Gutenberg-tm work, and (c) any -Defect you cause. </p> - -<h3>Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm</h3> - -<p>Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of -electronic works in formats readable by the widest variety of -computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It -exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations -from people in all walks of life.</p> - -<p>Volunteers and financial support to provide volunteers with the -assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's -goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will -remain freely available for generations to come. In 2001, the Project -Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure -and permanent future for Project Gutenberg-tm and future -generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see -Sections 3 and 4 and the Foundation information page at -www.gutenberg.org.</p> - -<h3>Section 3. Information about the Project Gutenberg -Literary Archive Foundation</h3> - -<p>The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit -501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the -state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal -Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification -number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by -U.S. federal laws and your state's laws.</p> - -<p>The Foundation's principal office is in Fairbanks, Alaska, with the -mailing address: PO Box 750175, Fairbanks, AK 99775, but its -volunteers and employees are scattered throughout numerous -locations. Its business office is located at 809 North 1500 West, Salt -Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up to -date contact information can be found at the Foundation's web site and -official page at www.gutenberg.org/contact</p> - -<p>For additional contact information:</p> - -<p> Dr. Gregory B. Newby<br /> - Chief Executive and Director<br /> - gbnewby@pglaf.org</p> - -<h3>Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg -Literary Archive Foundation</h3> - -<p>Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide -spread public support and donations to carry out its mission of -increasing the number of public domain and licensed works that can be -freely distributed in machine readable form accessible by the widest -array of equipment including outdated equipment. Many small donations -($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt -status with the IRS.</p> - -<p>The Foundation is committed to complying with the laws regulating -charities and charitable donations in all 50 states of the United -States. Compliance requirements are not uniform and it takes a -considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up -with these requirements. We do not solicit donations in locations -where we have not received written confirmation of compliance. To SEND -DONATIONS or determine the status of compliance for any particular -state visit <a href="http://www.gutenberg.org/donate">www.gutenberg.org/donate</a>.</p> - -<p>While we cannot and do not solicit contributions from states where we -have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition -against accepting unsolicited donations from donors in such states who -approach us with offers to donate.</p> - -<p>International donations are gratefully accepted, but we cannot make -any statements concerning tax treatment of donations received from -outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.</p> - -<p>Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation -methods and addresses. Donations are accepted in a number of other -ways including checks, online payments and credit card donations. To -donate, please visit: www.gutenberg.org/donate</p> - -<h3>Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic works.</h3> - -<p>Professor Michael S. Hart was the originator of the Project -Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be -freely shared with anyone. For forty years, he produced and -distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of -volunteer support.</p> - -<p>Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed -editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in -the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not -necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper -edition.</p> - -<p>Most people start at our Web site which has the main PG search -facility: www.gutenberg.org</p> - -<p>This Web site includes information about Project Gutenberg-tm, -including how to make donations to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to -subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.</p> - -</body> -</html> - diff --git a/old/55580-h/images/cover.jpg b/old/55580-h/images/cover.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index f6f39a4..0000000 --- a/old/55580-h/images/cover.jpg +++ /dev/null |
